Apfel und Apfelwein

 

Geschichte des Apfelweins:

Bibel, Frühgeschichte, Mittelalter, Mitteleuropa, Frankfurt, 20. Jahrhundert

Streuobstwiesen:

Geschichte, Wert, Gefährdung, Pflegemaßnahmen, Naturschutz, Obstarten und -sorten, Was kann der Einzelne tun? Wirtschaftliche Bedeutung, Fördermaßnahmen

Die Maintaler Streuobstwiesen.

Obstsorten:

           Allgemein, Standortansprüche und  Wuchs- und Fruchteigenschaften,         

           Obstarten‑ und Sortenempfehlungen, Birnen, Speierling

Verarbeitung und Herstellung:

Allgemeines, Selbstkeltern, Schaumwein, Obstbrand

Apfelweinkultur:

Bembel, Glas, Deckel, Zutaten. Redensarten. Besuch einer Gaststätte

Name und Schreibweise, Auseinandersetzung mit der Europäischen Unio

Gesundheit

Verbrauch und Vermarktung

Verbrauch, Möglichkeiten der Vermarktun, Konkurrenten, Steigerung des

Verbrauchs, Sortenreiner Apfelwein, Neuerungen, regionale Versorgung mit

Lebensmitteln. Verkauf außerhalb Hessens, Export nach außerhalb.

 Apfelwein in anderen Ländern

Jahrgänge und Preise

Werbung für Apfelwein:

Pomologen-Verein, Verband der Apfelweinkeltereien und Fruchtsaft‑ Keltereien, Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“, Symposium über Europäische Apfelweinkulturen, Symposium über Europäische Apfelweinkulturen., Verein Apfelwein Hessen, Apfelwein Centrum Hessen

Apfelweinstraßen: Hessische Apfelweinstraße, Apfelwein‑ und Obstwiesenroute

Lokales:

Frankfurt und Vororte, Wetterau, Taunus, südliches Rhein-Main-Gebiet, Rhön und Kinzigtal, Hanau, Maintal.

Bücher

Gedichte

Kochbuch

 

 

 

Geschichte des Apfelweins

 

Der Apfel spielt in der Geschichte der Mensch­heit von jeher eine große Rolle: Sei es als Verfüh­rungsobjekt, dessen Unwiderstehlichkeit Adam und Eva zum Verhängnis wurde; sei es in Form des Reichsapfels als Zeichen von Herrschaft und weltlicher Macht oder als Symbol in Sagen, Mythen, Märchen und Liebesorakeln. Ohne die Symbolik des Apfels müßte die Historie umgeschrieben werden ‑ und manches Histörchen auch. Unzählige Gedichte, Geschichten, Verse, Lieder und Bilder beweisen, daß die runde Frucht seit Jahrhunder­ten Geist und Sinne der Menschen beflügelt. Das Nahrungsmittel ist seit Urzeiten ein Sym­bol.

Zu allen Zeiten spielte der Apfel in den Sagen und Mythen der Völker eine ganz besondere Rolle. Zu Recht, denn der Apfel ist wohl die erste Frucht, die der Mensch zu kultivieren lernte. Kein ande­res Obst vereint so viele gute Eigenschaften in sich: Der Apfel ist schmackhaft, gesund und lange haltbar, anspruchslos und vielseitig zu verwen­den.

In alten Kulturen galt der Apfel als Symbol der Fruchtbarkeit, als Liebesfrucht, Minnegabe, in der Brautwerbung sowie in vielen Hochzeitsbräu­chen. Zweige und Bäumchen werden bei ver­schiedensten Anlässen gern mit Äpfeln behangen, so besonders der Weihnachtsbaum.

 

Bibel

Die biblische Schöpfungserzählung hört sich so an als habe Eva, verführt von der Schönheit des Apfels, in einen saftig‑knackigen, rot­wangigen Apfel gebissen und auch Adam davon gegeben ‑ verbotener­weise. Ihm blieb er im Halse stecken ‑ deswegen spricht man seit altersher vom männlichen „Adamsapfel“. Trotz bekannter biblischer Folgen war das kein schlechter An­fang.

Das Bild „Der Sündenfall“ von Hugo van der Goes (um 1435‑1482) zeigt Eva, die  einen zweiten Apfel pflückt, nach dem Adam bereits die Hand aus­streckt. Ebenfalls auffällig: die Schlange in Menschengestalt. Lilien verweisen symbolisch auf Maria, wobei die Farbe Blau anstelle des die Reinheit bezeich­nenden Weiß tritt. Auch auf Adams Geschlecht ist eine Lilie gerichtet ‑ Hinweis für die Schuld beider Geschlechter an der so genannten Erbsünde?

Die Franzosen behaupten, ihr „Cidre“ sei „seit Adam und Eva“ produziert worden:  Eva habe Adam damit verführt, daß sie aus dem Apfel Cidre machen wollte; da habe sich Adam für den Cidre entschieden und das Paradies verlassen. Auch ein Frankfurter Spruch lautet: „Schon der Adam im Paradiese, preßte die Äppelcher zu Siesse!“

Allerdings: Im 1. Buch Mose, ge­nauer im zweiten, älteren Schöp­fungsbericht, steht nichts von einem Apfel. Da sind nur „die Früchte vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen“ angesprochen. Hätte Eva ihren Adam nach Darwin’scher Lesart mit einer Banane aus dem Urwaldparadies locken sollen?

Eine ungleich größere Rolle als der Apfel spielt in der Bibel der Granatapfel. Verwunderlich ist das nicht, denn er symbolisierte im gesamten Orient Fruchtbarkeit: die des Landes und auch die des Menschen. Das mag daran liegen, daß in jeder der gelben oder roten Früchte eine Vielzahl kleiner Samen eingebettet ist, Sinnbild großer Nachkommenschaft.

Als Liebessymbol kommt der Granatapfel gleich mehrfach im erotischsten Text der Bibel, dem Hohelied, vor: „Wie ein Apfelbaum unter den wilden Bäumen, so ist mein Freund unter den Jünglingen. Unter seinem Schatten zu sitzen begehre ich, und seine Frucht ist meinem Gaumen süß....Er erquickt mich mit Traubenkuchen und Äpfeln; denn ich bin krank vor Liebe.“ (2,3ff.).

Doch auch am Eingang zum Tempel fanden sich die kleinen Früchte. Die Säulenkapitelle zierten doppelreihige Granatäpfel (1.Kön 7,15). So war für jedermann sichtbar: Hier wohnt Jahwe, der Gott Israels, der auch den Menschen ihre Fruchtbarkeit schenkt. Ebensogut klingt: „Ein Wort, geredet zu rechter Zeit, ist wie goldene Äpfel auf silber­nen Schalen.“ (Sprüche 25,11).

Nach der christlichen Legende sollen bestimmte Apfelbäume in der Christnacht blühen und zugleich Früchte (Chri­stäpfel) tragen. Auf Bildern des Spätmittelalters hält der Jesusknabe auf dem Schoße der Mutter oft einen Apfel. Aber die christliche Kunst hat den Apfel auch als Symbol des Sündenfalls übernommen; seit dem 11. Jahrhundert erhält ihn Maria als neue Eva zum Attribut.

 

Frühgeschichte

Äpfel kennt man seit der Jungsteinzeit, also seit 5.000 v.Chr., in aller Welt. Aus dieser Zeit hat man Apfelkerne gefunden. Allerdings waren das nur etwa kirschgro­ßen Winzlinge. Ein verstei­nertes Exemplar von 14 Millimeter Durchmesser wurde in Überresten einer Wohnhütte der Jungs­teinzeit (zirka 4.000 vor Christus) am Bodensee gefunden. Einer der frühesten Beweise, daß auch unsere Vorfahren diese sicherlich harten und sauren Früchte schätzten. Die Äpfel waren aber wohl so klein, daß man nur ihren Saft nutzen konnte.

In Tonkrügen aus steinzeitli­chen Pfahlbauten wurden auch ge­schnittene Apfelstückchen ge­funden, die vom Wild‑ oder Holzapfel stammten. Der Holz­apfel ist die ursprünglich im nördlichen Teil Europas heimi­sche Apfelart. Vereinzelt steht dieser Baum mit den dornigen Zweigen und den rund zwei Zentimeter großen, sauren und harten Früchten noch heute in lichten Laubwäldern oder Hec­kenbüschen. Häufig findet man verwilderte Apfelbäume in Wäldern oder aufgegebenen Streuobstwiesen.

Die Heimat des Apfels ist Asien, die Mischwälder des Kaukasus und Turkestans. Um 5000 vor Christus sollen schon syrische Kaufleute die ersten Äpfel vom Schwarzen und Kaspischen Meer nach Mesopotamien und an den Nil gebracht haben. In großen Plantagen kultivierten die Pharaonen süße und wohlschmeckende Früchte.

Die ersten echten Kultursorten erscheinen jedoch erst 400 Jahre später in Griechenland, wohin sie von Westasien über Kleinasien gelangt sein sollen. Die Griechen bauten das neue Obst an und verstanden sich bald auch auf die Veredelung der einzelnen Sorten. Sie hatten schon vor 2400 Jahren Kenntnisse von der Baumobstkelterei. Die älteste Notiz darüber stammt von Herodot, der von 484 bis 424 v. Chr. gelebt hat.

 

Nach der griechischen Sage warf die griechische Göt­tin Eris einen Apfel der Zwie­tracht unter die Hochzeitsgäste von Peleus und Thetis: Er trug die Aufschrift „Der Schönsten“ und löste einen heftigen Zank zwischen den Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite aus. Schließlich mußte Paris in den sauren Apfel beißen und den Schönheitsstreit entscheiden: Er überreichte den Zankapfel der Liebesgöttin Aphrodite.

 

Etwa ab Christi Geburt brachten die Römer Kulturformen der auch heute noch gebräuchlichen Obstarten nach Mitteleuropa. Sie bauten das Obst überwiegend in Gärten in der Nähe ihrer Villen an. Sie kultivierten die Kunst des Kelterns weiter und besaßen bereits achtzig nach Christi eine moderne Baumfrucht­presse. Von den heimi­schen Holzäpfel schrieb der römische Schriftstel­ler Cato allerdings bewundernd, sie enthielten genug Säure, um ein scharf geschliffenes Schwert stumpf zu machen.

In seiner Naturgeschichte erzählt Plinius der Ältere (23 bis 79 n. Chr.), wie die Römer Wein aus Äpfel und Birnen machten. Er bemerkt auch, seine veredelten Äpfel brächten mehr Gewinn ein als das Getreide von den Feldern seines Gutes. Tacitus berichtet vom ländlichen Apfel (agrestia poma) der Germanen im Gegensatz zum feinen Tafelapfel der Römer.

 

Mit der Ausweitung des Römischen Reiches gelangten die damaligen über 20 verschiedenen Ap­felsorten (angeblich 29) auch in den mitteleuropäischen Raum. Von römischen Legionären importiert fand die „Gesund­heits­frucht“ rasche Verbreitung. Auch die Kunst der Veredelung und des Kelterns kam durch die Römer ins Germanen­land. Auch die Germanen waren Freunde des Apfelweines, des „ephiltrancs“.

In der kelti­schen Mythologie ist die Rede von „Avalon“, dem „Apfelland“. In diesem Paradies, einer Insel, lebten die Menschen in der Ob­hut von Feen, wurden uralt und blieben kerngesund. Apfelwein ist bis heute im ehemals keltischen Bereich verbreitet (ob „keltern“ etwas mit den „Kelten“ zu tun hat?).

 

Mittelalter

Als ein besonderer Förderer des Apfel­anbaus gilt Karl der Große. Sein um 800 n. Chr. herausgegebenes Edikt „capitular de villis“ beweist, daß die fachmännische Bereitung von Apfel­wein im Mittelalter hohes Ansehen ge­nossen hatte.

Der Kaiser erließ eine Verord­nung zum Anbau von Apfelbäumen auf Wiesen, Auen und Feldern, die später von seinem Sohn Ludwig dem Frommen mit Hinweisen auf Sorten und Pflanzanleitungen ergänzt wurde. Es werden frühe und späte, säuerliche und süße Apfelsorten erwähnt. Er verfügte auch in einer Anordnung an seine Verwalter, daß sie sich um tüchtige Männer bemühen sollten, die u. a. auch Äpfelwein herstellen könnten („Jeder Richter soll unter seinem Personal auch Männer haben, die Apfelwein herstellen können“). Er bezieht sich in einer seiner Verordnungen auf „Leute, die berauschende Ge­tränke, sei es Bier, Birnenwein, Apfelwein oder sonst eine zum Trinken geeignete Flüs­sigkeit bereiten kön­nen.“

Auch in den späteren Jahrhunderten entstanden Obstgärten in der näheren Umgebung von Siedlungen. Vorbilder hierfür waren die üppigen Gärten der karolingischen Kammergüter, Meierhöfe und Klostergärten.

 

In unseren Breiten entwickel­ten sich Bräuche, um den Ertrag der Bäume zu steigern, denn eine reiche Apfelernte versprach Gesundheit und Wohlstand. In Tirol zogen junge Männer am Karfreitag hinaus und schlugen die Apfelbäume mir Ruten. In Emsland kletterten die Burschen in der Nacht vor Heiligabend auf die Bäume, sangen und be­sprengten die Äste ‑ sicher auch ihre Kehlen ‑ mit Apfelwein. Ebenso ranken sich viele Spuk­geschichten um den Apfel, vielleicht erfunden, um die begehr­ten Früchte vor fremdem Zugriff zu schützen: So sollten Hexen sich des Nachts unter dem Baum zum Tanze treffen. Schneewitt­chen erstickte an einem Apfel, den die böse Schwiegermutter ihr reichte.

 

Trotz der biblischen Erzählung ist auch die Kirche kein Gegner des Apfels: In einem Brief aus dem sechsten Jahrhundert bedankt sich der damalige Bischof von Poitiers in Frankreich bei seinem Amtsbruder von Tours für die Übersendung von Apfel‑ Pfropf‑Reisern. Man lernte also schnell die Kunst des Veredelns. Bei der Züchtung neuer Apfelsorten machten sich die Mönche des Mittelalters einen Namen. Zunächst wurden die alten Klostergärten gepfropft und veredelt. Später nahmen sich die Klosterbrüder auch in den umliegenden Bauernhöfen der Wildstämme an.

Martin Luther woll­te selbst kurz vor einem Weltun­tergang noch ein Apfelbäum­chen pflanzen.

Auch viele evangelische Pastoren haben in ihren Pfarrgärten Äpfel kulti­viert und wesentlich zur Entwicklung immer neuer, anders schmeckender Apfelsorten beigetragen. Sie gehören, wie Johann Ludwig Christ, zu den be­deutendsten Obstzüchtern. Die Verbindung von Geistlichkeit und Obstbau kommt schließlich auch in Sortennamen zum Ausdruck wie „Pastorenbirne“ oder „Superintenden­ten-Apfel“.

 

Bei den Basken, im Norden Spaniens, ist die Herstellung des Apfelweines in großen Mengen schon vor der Jahrtausendwende belegt. Denn die Basken konnten das wesent­liche technische Problem der Apfelweinkelt­erung lösen: Als Pate für die nun konstruier­en Apfelweinpressen dienten die Oliven­pressen der Mauren, die ja über Jahrhunderte das Land besetzt hatten. Die baskischen Fischer nahmen auf den Reisen zu ihren Fischgründen immer Apfelwein mit. Zum Genuß, aber auch gegen Skorbut. Durch diese Reisen haben sie dann auch die Cidreherstel­ler in der Bretagne und der Normandie angeregt. Tatsächlich sind die Apfelbäume Nordwestfrankreichs baskischer Herkunft, die Äpfel, die dort vorher wuchsen, waren zur Apfelweinbereitung nicht geeignet. Ihren Ausgang fand die Apfelweinherstellung in Fankreich im Pays d’Auge und in der Gegend von Lorient und Quimperlé. Erste Hinweise auf Apfelweinherstellung sind in der Bretagne und der Normandie bereits ab dem 13. Jahrhundert zu finden.

 

Durch Wilhelm (später der Eroberer) kam vom Norden Frankreichs die Apfelweinbe­reitung auch nach England: Um die Frage der Thronfolge zu klären setzte er im September 1066 mit 3.000 Schiffen, begleitet von etwa 50.000 Soldaten, nach England über. Mit dabei hatte er viele Säcke mit Apfelkernen und sogar auch Apfelwein. Die Folgen waren von historischer Dimension, nicht nur daß Wilhelm durch den Sieg in der Schlacht von Hastings englischer König wurde, von Hastings aus verbreitete sich die Apfelbaum auf der ganzen Insel. In Südengland wurde weltweit der meiste Apfelwein konsumiert ‑ bis Wohlstand und die Handelsbeziehungen zwischen der Insel und dem Festland soweit gediehen, daß auch Wein eingeführt wurde. Und heute sind die Engländer Europas größten Apfelweinkelterer!                

Gerne wird in unseren Breiten behauptet, die Hessen hätten das Stöffche erfunden und heute dessen weltweit größte Produktion. Das ist falsch: Die Ersten, die das Getränk kelterten, waren vermutlich die Basken. Und der größte Apfelweinhersteller der Welt ist England! Auch Chinesen, Spanier und Türken haben es geschätzt, diese Flüssig­keit als Durstlöscher zu benutzen.

 

Mitteleuropa

Auch in Mitteleuropa wird schon früh über die Herstellung der Apfelweine berichtet. ­Aber erst durch die massiven Zerstörungen der Weinberge während des 30jährigen Krieges sowie der nachfolgenden kalten Sommerjahre wurde die Apfelweinbereitung in größerem Maße notwendig, nachdem zweimal hintereinander die Trauben verfroren waren, haben sich die Bauern eben probeweise auf Apfel umgestellt.

Um 1600 gab es bereits etwa fünfzig Apfels­orten in Deutschland (auf rund 20.000 wird die Sortenzahl heute weltweit geschätzt).  Als der Schweizer Nationalheld Wilhelm Tell seinen legendären Schuß auf den Apfel wagte, kannte man in Europa bereits an die 1000 Apfelsorten.

Erst im 15. und 16. Jahrhundert dehnte sich der Obstbau etwas mehr in die freie Landschaft aus. Im 18. und  19. Jahrhundert entwickelten sich schließ­lich die Strukturen, welche den mitteleuropäischen Streuobstland­schaften bis heute ihren anmutigen Reiz verleihen. Doch erst im 18. und 19. Jahrhundert wurden die mittelalterlichen Wingerte ersetzt  und der Obstanbau erreichte einige Bedeutung ‑ vornehmlich, in den klimatisch begünstigten Tallagen im Rhein‑Main‑Gebiet. Eine besondere Anhäufung erfolgte im Bereich ehemaliger Weinberge, die in Mitteleuropa früher viel weiter verbreitet waren als heute.

In der Regel führte die Umstellung von Weinbau zum Obstbau nicht direkt zu den uns vertrauten Baumwiesen, sondern zunächst zu Baumäckern. Erst später trat an die Stelle der Baumäcker die einfacher zu handhabende Grünlandnutzung, da die ackerbauliche Nutzung durch Hanglage und Bäume doppelt erschwert war.

Streuobstwiesen sind eine jahrhundertealte Kulturlandschaft, stellen aber eine relativ junge Nutzungsform in der Entwicklung der Landwirtschaft dar. Die hochstämmigen Streuobstwiesen mit Doppelnutzung von Obst und Gras waren aber bis in die fünfziger Jahre hinein charakteristisch für den Erwerbsgartenbau.

 

Frankfurt

Seit dem 18. Jahrhundert ist Apfel­wein ein Volksgetränk. Vor allem ist er das in Frankfurt.  Seit über 250 Jahren ist er als das bekömmliche Volksgetränk in Frankfurt und Umgebung bekannt. Früher gab es keine Obstplantagen, der Apfel war kostbar. Er wurde sogar zu Weihnachten verschenkt. Hausie­rer waren mit Äpfeln unterwegs.

Doch mengenmäßig stand immer die Traube im Vorder­grund, weil es wesentlich einfacher war, große Mengen Trauben zu verarbeiten. Von der Rebe in den Bottich, mit den Füßen gequetscht, schon war der Saft da. Die Arbeit mit Äpfeln aber war schon immer ungleich schwieriger: von hohen Bäu­men gepflückt, mühsam zer­kleinert und mit viel Kraft ausgepreßt. Und als Dank für diese harte Arbeit bekam man am Ende aus 100 Kilogramm Äpfel oft nur etwa 50 Liter Saft, bei der Traube aber über 80 Liter!

Andernorts wurden schon seit dem 13. Jahrhundert Steuern erhoben, wahrscheinlich auf Druck der Bierbrauer. Apfelwein war auch den kleinen Leuten möglich herzustellen, während das Bierbrauen doch etwas mehr Aufwand erforderte.

Nach einer Angabe fand der Apfelwein um 1515 erstmals in Frankfurt schriftliche Erwähnung, als das Getränk als „Baumwein“ in einem Frankfurter Rechnungs­buch fand. Damals zahlte ein Dortelweiler fünf Gulden an den Frankfurter Steuererheber. Herr Fritz Koch, der eine Buch über den Frankfurter Apfelwein schreibt, wollte dazu gern die Quelle wissen: Die Angabe machte Helmut Lenz („Bembel-Lenz“) in einem Vortrag in Hochstadt. Koch ergänzt noch, daß

„Baumwein“ eine Abgabe auf die Kelter (Baumkelter) war.

Zunächst waren es Verordnungen, die die Verfälschung des Traubenmostes durch den Apfelwein ausdrücklich verboten: bei Einzug des Getränks und hoher Strafe. In den Jahren 1560 und 1638 gab es Erlasse des Rates dagegen, daß Traubenwein mit Obstwein vermischt wurde. Aber der Frankfurter Wein hat sich wohl nicht sehr vom Apfelwein unterschieden. Es wurde auch kräf­tig gepanscht, Trauben mit Äpfeln gemixt oder umge­kehrt. Herr Fritz Koch hat in den Ratsverordnungen dieses Datum 1560 nicht gefunden, es steht aber in einem Faltblatt, das im Frankfurter Äpfelweinmuseum im Historischen Museum auslag. Das gilt auch für die nächste Angabe über den Fichtenkranz:

Im 17. Jahrhundert wurde erstmalig in Frankfurt ein Fichtenkranz zum Zeichen des Ausschankes herausge­hängt. Mit der Zunahme des öffentlichen Ausschanks entdeckte der Rat der Stadt eine neue Einnahmequelle: Die Stelle, an der gezapft wurde, mußte durch Aushängen eines Fichtenkranzes (oder Tanne oder Zypresse) mit einem Apfel in der Mitte als Erkennungszeichen an einem Kranzeisen vor dem Haus öffentlich kenntlich gemacht werden, denn das Verzapfen von Apfelwein war von nun an steuerpflichtig. Jörg Stier nennt sogar das Jahr 1641 als Aushangsdatum für den Fichtenkranz. Fritz Koch kann das erst für das 18. Jahrhundert belegen.

Das hatte aber auch sein Gutes: Damit wur­den die Keltereien als Gewerbebetriebe anerkannt, und fortan waren alle Kelterer gehalten, nur den reinen Saft ohne Zusätze zu keltern. Sie ha­ben sich über die regionalen Grenzen hinaus zu einem be­deutenden Wirtschaftsfaktor in Hessen entwickelt.

Der Heckenwirt J. Werner aus Sachsenhausen soll 1754 als erster Ebbelwoi gezapft haben. Vorher trank man auch hier Wein, denn Frankfurts nächste Umgebung war, wie Friedrich Stoltze uns überlieferte, „a Paradies von Rewe un Gemies“. Ferner meinte der Mundartdichter, daß es eigentlich Karl der Große war, der den Frankfurtern zu ihrem „Nationalgetränk“ verhalf, als er sich aus Versehen auf den „Reichsapfel“ setzte und von dem auslaufenden Saft kostete!

Deutschlands Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe schrieb mit dem Brustton der Überzeugung: „Über Rosen läßt sich dichten, in die Äpfel muß man beißen“. Und der mußte es ja wissen, ent­stammt er doch ‑ als berühmtester Sohn ‑ dem Apfelparadies Hessen.

Beim hochwohllöblichen Rat der Stadt und den reichen Bürgern wurde Wein, der vor den Toren der Stadt reichlich wuchs, getrunken. In den Gasthöfen und Schenken wurde ebenfalls nur Wein ausgeschenkt. Bier und Branntwein spielten damals keine große Rolle. Der über  Jahrhunderte in friedlicher Koexistenz mit aus den Trauben hergestellte Wein wurde als preiswertes Getränk niemals ganz vom Bier verdrängt.

Erst nachdem durch langjährige kriegerische Unsicherheit die Weinkultur zurückging, Klimaveränderung und Reblaus verheerende Schäden anrichteten, gewann der Apfelwein zunehmende Bedeutung. Jetzt durfte er auch in den Gasthöfen und Schenken gewerblich ausgeschenkt werden. Man sprach damals vom „Arme‑Leute-­Getränk“, denn in den oberen Schichten war seinerzeit das Bier gefragt. Ein Bier ko­stete zwölf Pfennige, der Apfelwein nur sechs Pfennige.

Nur Frankfurter Äpfel sollten in Frankfurter Keltern verarbei­tet werden, ein bis zum Ende der Freien Stadt 1866 währen­der Streit mit den benachbar­ten hessischen und kurmainzi­schen, später nassauischen Gärtnern begann. Noch in ei­ner der letzten Sitzungen des Senats der Freien Stadt Frankfurt sollte der Apfelwein auf der Tagesordnung stehen.

So richtigen Aufschwung erlebte der Apfel­wein mit Ausgang des 19. Jahrhunderts. Immer mehr Menschen kamen in die Stadt Frankfurt ins Nordend und nach Sachsen­hausen und fanden dort Arbeit.  Die Neubürger stammten aus dem ­Taunus, dem Wester­wald, der Rhön, dem Spessart. Von dort brachten sie auch ihr Hausgetränk mit, denn Apfelwein war für sie billig.

Die Menschen wurden an ihre alte Heimat erinnert durch die Kirche und durch Spaziergänge im Stadtwald. Und auf dem Heimweg kehrten sie dann in Sachsen­hausen in den Gaststätten ein.

Sicher war Apfelwein zu­nächst eine Art „Ersatz“ für Wein, aber bald machte er sich frei und gewann öffentliches Ansehen und eine eigene Tradi­tion, die sich in breitesten Be­völkerungs­schichten veranker­te. Während im Westerwald beispielsweise die Apfelweinkultur langsam starb, blühte sie in Frankfurt auf. Hier wurde das Ge­tränk gesellschaftsfähig. und das nötige Am­biente wurde geschaffen mit dem gerippten Glas, dem Apfelweindeckel und dem Bem­bel.

Schnell eroberte er sich die Gunst der Bürger und wurde das typische Frankfurter und hessische Volksgetränk.

Anfangs wurde der Apfelwein in Heckenwirtschaften ausgeschenkt, den Wirtschaften der früheren Weingärtner, ausgeschenkt, breitete er sich auch in den konzessionierten Gaststätten aus. Viele Gärtner eröffneten Äpfelweinlokale. Aus dem jahrhundertealten Haustrunk wurde der öffentliche Ausschank mit behördlicher Genehmigung.

In der „Heckewirtschaft“ wurde das Selbstgekelterte an Ort und Stelle verkauft. Sie war zu erkennen am Fichtenkranz am Haus und roten Vorhänge. Der Apfelwein wurde in der Wohnstube ausgeschenkt. Um den Ofen war ein Tragering, auf dem die Gläser zum Anwärmen standen. Der Bembel wurde aus dem Keller geholt und in den Faulenzer gestellt. Unter dem Tisch war das „Käsdippe“, auf den Ofen standen Kartoffeln zum Selbstbedienen.

Aus den „Hecker‑Wirtschaften“ entwickelten sich die selbstproduzierenden „Ebbel­wei“‑ Lokale  und später die ersten großen Keltereien. So die „Erste Frankfurter Aepfelweinkelterei“, Gebrüder Freyeisen, die 1817 gegründet wurde, und mit anderen Keltereien wie Ur­-Rackles und J.G. Hoffmann nicht nur den Frankfurter Markt beherrschten.

Bald konn­ten diese Keltereien mit ihrem „Versand in alle Lande“ werben, viele europäische Königshäuser wurden mit dem „Stöffche“ versorgt, sogar der Sultan des osmanischen Reiches trank Apfelwein (aus religiösen Gründen wurde auf dem Etikett der Flaschen aber verschwiegen, das in diesem Apfelgetränk auch Alkohol ist, vielleicht die Ursache, das noch heute viele davon über­zeugt sind, das Apfelwein fast alkoholfrei sei!).

Der Äpfelwein gehört zu den liebenswerten Seiten der Stadt Frankfurt. Das Getränk der Handwerker, Fischer, Gärtner und ihrer Mitarbeiter aus Sachsenhausen und der umliegenden Dörfer wurde im vergangenen Jahrhundert zu einem Volksgetränk der Frankfurter Bürger.

Zu dieser Zeit gab es allein im Gebiet der heutigen Stadt Frankfurt 12 Großkeltereien und ungezählte Kleinhersteller und Äpfel­weinwirte. Kaum eine Ortschaft, die nicht wenigstens eine Kelterei oder selbstkelternden Wirt hatte. Doch war nun auch schon die große Zeit des Apfelweines vorbei.

In den besten Zeiten wurden in Frankfurt von den Keltereien und selbstkelternden Wirten rund 30 Millionen Liter hergestellt. Dazu werden etwa 40.000 Tonnen Äpfel benötigt. Das bedeutet: Jeden Herbst rollen etwa 2.000 Waggons oder Lastwagen mit jeweils 400 Zentner Kelteräpfel in die Keltereien, um zum Nationalgetränk verarbeitet zu werden.

 

Aber nicht nur Wein aus Äpfeln, auch Schaumwein aus Äpfeln gehörte zur Apfel­weinkultur. Bereits 1820, also bevor in Deutschland gewerblich Traubenschaum­weine hergestellt wurden, hat im damaligen Hirschberg/ Schlesien Carl Samuel Haeusler die ersten Apfelschaumweine mit Erfolg her­gestellt und verkauft. Die Großkeltereien der Jahrhundertwende stellten ihren „Aepfel­wein‑Champagner“ her, waren mit ihm auf allen Weltausstellungen vertreten, als „German Champagne Cider“ wurde er sogar nach Amerika exportiert.

Vom hochgeschätzten Nobelge­tränk, das in der Form des Apfelschaum­weins an Fürstenhöfen und Weltausstel­lungen gereicht und geschätzt wurde, bis hin in die Niederungen, als Preis in der Schießbude auf dem Rummel, durchlitt die berauschende Form des Saftes aus dem Apfel tatsächlich alle Höhen und Tiefen ‑ wobei vor allem die Tiefen im Laufe der Jahrhunderte interessanterwei­se zumeist politisch bedingt waren: Ein alkoholisches Getränk, das im Grunde je­dermann herstellen konnte, und dessen Ausgangsstoff auf nahezu jeder Wiese zu finden war und noch ist, entzieht sich na­turgemäß der Kontrolle und dem Zugriff des Fiskus ‑ anders als etwa die Produkte eines Weinberges, dessen Ertrag leicht zu schätzen ist.

 

Im vorigen Jahrhundert war Bayern auf dem besten Weg, eine Hochburg der Apfelweinkelterer zu werden. Wären da nicht die Klöster gewesen, die sich ihren Unterhalt mit der Bierbrauerei verdienten! Die Geistlichkeit griff ein und machte den profanen Apfelschoppen planmäßig schlecht, um ihr Bier kon­kurrenzl­os an den Mann zu bringen. Sonst wäre das Oktoberfest mit Apfelwein gefeiert worden, wie die „Rodgau Monotones“ sei­nerzeit sangen.

 

Daß er zum hessischen Traditionsgetränk wurde, scheint Zufall: Eine Kälteperiode und Schädlingsbefall beendeten den Weinanbau im 16. Jahrhundert in der Region um Frankfurt. Schon damals war Apfelwein bekannt, aber vor allem als Weinersatz für die breite Masse. Die erste Schankerlaubnis für das „Stöffche“ wurde in Frankfurt 1754 erteilt. Wer eine besaß, der hängte einen Fichtenkranz mit Apfel in der Mitte vor seine Wirtschaft. Auch heute gilt noch,  „Wo's Kränzche hängt, wird ausgeschenkt“.

 

20. Jahrhundert

Zweimal hatte Hessens Na­tionalgetränk schwere Zeiten durchzustehen. Im Ersten Weltkrieg durften keine Äpfel mehr für den öffentlichen Aus­schank verkeltert werden. Äpfel sollten in erster Linie zu Konserven verarbeitet werden. Es gründeten sich dar­aufhin Herstellervereinigungen (Verein der Äpfelweinkelterer) und Konsumentenzusammen­schlüsse (Apfelweinlogen), die dafür sorgten, daß auch weiter­hin, wenn auch nur in kleinen Mengen, Äpfel zu Wein verar­beitet wurden. Der Apfel­wein wurde an bestimmten Abenden gemeinsam genossen. Nach Kriegsende aber lösten sich die Logen nach und nach wieder auf.

Die zweite Drangperiode für den Apfelwein war wesentlich härter. Sie kam im Dritten Reich. Apfelwein fiel in Ungna­de, Apfelsaft dagegen wurde staatlich gefördert. Die Apfelweinher­stellung paßte nicht in die „nationalsozialisti­sche Lebensordnung“. Grund dafür war, daß die Nationalsozialisten auf wirtschaftliche „Autokratie“ setzten. Man wollte auf mög­lichst vielen Gebieten unabhängig von Einfuhren aus dem Ausland werden ‑ einer­seits um Devisen zu sparen, andererseits um auf den Kriegsfall vorbereitet zu sein. Der heimische Obstbau wurde gefördert.

Der Deutsche Apfel stand damals hoch im Kurs, er sollte schließlich die Einführung von Südfrüchten unnötig machen. Bald wurde die Keltereivereinigung aufgelöst, deren Ver­mögen beschlagnahmt und den Keltereien empfohlen „im Zuge der Zeit“ sich nicht mehr für eine „krampfhafte Aufrechterhal­tung einer überholten Lebensmitteltechnik“ zu engagieren, sondern im Sinne der „natio­nalsozialistischen Entwicklung“ nur noch Apfelsaft herzustellen.

Im Zweiten Weltkrieg durfte überhaupt kein Apfelwein mehr ge­keltert werden.

Nur zögernd wurde nach dem Krieg  wieder mit dem Keltern begonnen Nach dem Kriege fehlten zunächst die Äp­fel. Trotz der wirtschaftlichen Probleme wurde Apfelwein aber wieder zum Bestandteil der Alltagskultur. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich aus dem Nebenerwerb eine eigene und eigenständige Gastronomie mit einer eigenen Äpfelweinkultur.

 

Jahrgänge und Preise

 

 

Im Jahre 1972 gab es eine Apfelmißernte und eine enorme Kostenlawine bei den Hilfs‑ und Be­triebsstoffen. Das ließ die Apfelweinpreise nach oben klettern. Das Kaufinteresse verlagerte sich mehr auf den teureren Qualitätsapfelwein. Der Verbraucher war bereit, für höhere Qualität auch Preisunterschiede von 30 Pfennig und mehr in Kauf zu nehmen.

Wegen der großen Apfelernte in 1973 hätten die Großhandelspreise um etwa 6 Prozent gesenkt werden müssen. 1974 fiel die Apfelernte wieder relativ knapp aus. Das schwache Sommergeschäft (die Mo­nate Juni und Juli brachten ‑ relativ gese­hen ‑ die schlechtesten Umsätze seit Jahren) führte aber zu großen Lagerbeständen, die ein erneutes Ansteigen der Mostpreise verhinderten.

 

Auch 1978 war eine angespannte Rohstoffsituation. Dennoch sollten die Verbraucherpreise im kommenden Sommer stabil bleiben. Bei Höhl wurde der Umsatz im Jahr 1979 um zehn Prozent ge­steigert. Rudolf Höhl erklärte ergänzend, daß die Apfelernte noch nicht end­gültig beurteilt werden könne, fest stehe jedoch, daß der

 

Für das Jahr 1980 muß mit einer geringfügigen Preiskorrektur gerechnet werden, bedingt durch die in der zurückliegenden Zeit in allen energieabhängigen Bran­chen entstandenen Verteuerun­gen. Vom 1. April 1980 an wurde der Apfelwein um fünf bis sechs Prozent teurer, der Kasten wurde um rund 60 Pfennige teurer. Ohne die günstigen Preise für Kelterobst im Herbst vergangenen Jahres hätte der Aufschlag noch wesentlich höher ausfallen müssen.

 

Durch die Nachtfröste im April und Mai 1981 war die Ernte von Mostäpfeln katastrophal zurückgegangen. Die Ernte im Bundesdurchschnitt erreichte nur 50 Prozent in Hessen sogar nur 20 Prozent der Vorjahresergebnisse. Bei einem hei­ßen Sommer 1982 Jahr bestand durchaus die Gefahr, daß alle Apfelweinquellen versiegen. Durch Importe konnte diese Lücke nur bedingt geschlossen werden, denn auch im übrigen Europa erreichten die Apfelernten nur mittlere Ergebnisse. Die Preissteigerung betrug über 100 Prozent. Während 1980 ein Doppelzentner Mostäpfel in Hessen noch durchschnittlich 16 Mark ko­stete, so zahlte man in diesem Jahr durch­schnittlich 35 Mark. So ließ sich eine Erhöhung der Kelterei­-Abgabepreise um rund 25 Prozent nicht ver­meiden.

 

Im Jahr 1983 war man gezwungen, viele tausend Zent­ner Äpfel aus Frankreich und vor allem aber aus Österreich, der Schweiz und den Ostblockländern wie Polen, das in diesem Jahr eine sehr gute Apfelwein­ernte vorweisen kann, einzuführen.

 

Im Jahr 1991 ließen die ausbleibenden Regentropfen und die Frühjahrsfröste 70 Prozent Ernteausfall erwarten, es gab  eine kata­strophale Mißernte. Frau Höhl-Seibel: „Mein Vater und ich können uns an so schlechte Ernteer­geb­nisse jedenfalls nicht erinnern!“ Im Mai vernich­tete Frost die Apfelernte, dann kam der extrem trockene Som­mer, wo die paar Äpfel an den Bäumen nicht die genügende Feuchtigkeit und Mineralstoffe be­kommen haben, um zu wachsen und saftig und knackig zu werden. Was geerntet wurde, war klein und mickrig und weniger saftig als im vergangenen Jahr. Im Oktober gab es kaum Obst, die Ernte war gebietsweise bis zu neunzig Pro­zent ein Ausfall. Die Erzeuger klagten, das Obst verfaule bereits am Baum und falle frühzeitig herunter. Ein Großteil der Äpfel wurde aus Osteuropa geliefert, aus der Tschechoslowakei und Ungarn. Dort hatte die günstigere Witterung für eine hervorragende Ernte gesorgt, während in Deutschland die Apfelernte erst zögernd begonnen hatte. Der Doppelzentner kostete 35 bis 40 Mark. Transportkosten und Zollgebühren trieben den Preis für osteuropäisches Obst in die Höhe. Für 100 Kilogramm Äpfel deutscher Erzeuger zahlte die Kelterei Höhl rund 24 Mark, aber auch zwischen 28 und 30 Mark pro 100 Kilogramm Äpfel. 1990 waren es noch 21 Mark. Trotz höherer Energie- und Lohnkosten waren die Verkaufspreise seit 1986 nicht mehr verändert worden. Aber jetzt mußte man mit einem Aufschlag von 10 bis 15 Pfennigen rechnen. Nach Auskunft der „Vereini­gung der Äpfel­wein­wirte“ kassierten die Wirte statt bisher 1,80 Mark für 0,3 Liter zwei Mark. Für die Erzeugnisse der Kelterei Erwin Stier in Bischofsheim werden die Gastronomen vorerst noch den gleichen Preis wie 1990 zahlen.

 

Das Jahr 1994 brachte eine mehr als durchschnittliche Ernte. Das Jahr 1995 war wieder ein schlechtes Apfeljahr. Während in guten Erntejahren bis zu 15.000 oder 20.000 Tonnen Äpfel in Hochstadt verarbeitet werden, rechnet man in diesem Jahr mit einem Rück­gang um etwa 50 Prozent. Der Preis wurde um etwa zehn Pfennig pro Liter angehoben. Bisher kostete der Liter Apfel­wein etwa zwei Mark.

 

Im Jahr 1995 wurde wieder über eine „miese Ernte“ geklagt. Beim Preis mußte man mit etwa 20 Pfennig mehr pro Liter rechnen. Das Frühjahr war kalte und naß, die Blüte kam erst spät und die Bienen flogen nicht wie sonst, der Sommer war sehr trocken. Statt der durchschnittlichen 140 Millionen Liter Ap­felwein und Apfelsaft produzierten die etwa 74 dem Ver­band der Hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien (Vorsitzender: Walfried Heil) nur 40 bis 50 Millionen Liter (Höhl: Statt 15.000 und 20.000 Tonnen nor­malerweise waren es  1995 nur rund 10.000 Tonnen).

Der Rest wurde in Form von Äpfeln aus Polen und der Tsche­chischen Republik oder als Apfelsaftkonzentrat aus Süddeutschland hinzugekauft. Dort gibt es ähnliche Apfelsorten wie bei uns Hessen, aus denen man einen sehr guten Apfelwein herstellen kann. Der weiteste Anlieferungsweg war rund 1000 Kilometer lang. Aber Obst aus Litauen ist dann auch entsprechend teurer. Rund 40 Mark kostet der Doppelzentner von dort. Während sonst 18 bis 20 Mark pro Doppelzentner zu zahlen waren, lag der Preis für deutsches Obst in diesem Jahr bei 26 Mark.  Der „Alte Hochstädter“ wurde um etwa 20 Pfennig je Liter teurer,  aber Bier­trinker mußten wesentlich tiefer in die Tasche greifen.

Laut Jörg Stier war die Resonanz auf die Aktion „Apfel­wein aus Maintaler Streuobst“ enorm groß und auch die Erträge seien „durch­aus ansehnlich“. Stier zahlte den heimischen Lieferanten auch 30 Mark für den Doppelzentner. Die Spezialität Schlehenapfelwein blieb im Preis unverändert. Anson­sten mußte aber auch Stier die Preise um rund 20 Pfennige je Liter anheben. Die Ausnahmequalität des 94er Stöffche konnte diesmal nicht erreicht werden. Aber der 95er hat wieder sehr guter Qualität. Das wichti­ge Säure‑Zucker‑Verhältnis war wieder außer­ordentlich gut.

 

Die Frankfurter Wirte zogen Ende 1996 eine größere Preiserhöhung durch: Damals war der Preis von 2,30 auf 2,50 Mark heraufgesetzt worden.

 

Im Jahr 1997 war die Apfelernte wegen der Frostschäden alles andere als gut, der Ertrag deckte gerade die Kosten. Dieses Jahr rechnet er mit gera­de mal 65 Prozent der Ernte, „denn Tem­peraturen über 30 Grad mögen die Blüten auch nicht! Auch 1998 fiel die Ernte wegen des ungünstigen Wetters nicht so üppig aus. Es war zu kalt und zu feucht. Doch die Äpfel hatten einen guten Zuc­ker‑ und Säure­gehalt. Es gab einem Umsatzrückgang, zwischen acht bis zehn Pro­zent, doch die Preise blieben konstant. In den hessischen Betrieben wurden 65.000 Tonnen Äpfel verarbeitet, wobei etwa fünf Prozent aus dem Ausland, unter anderem aus Polen und Südtirol, angeliefert wurden.

Die Obstblütenzeit war zeitlich gesehen im April und Mai normal und wurde auch weitgehend von Nachtfrösten verschont. Auch die starken Frostspannerschäden, die wir im vergange­nen Jahr hatten, sind diesmal nur noch ver­einzelt aufgetreten. Die prächtige Obstblüte, die sich im die­sem Frühjahr in Maintal zeigte, lies zunächst auf eine gute Obsternte hoffen. Leider hatten wir zur Hauptblütezeit ei­ne besonders schlechte Wetterlage, so daß die Bienen nicht zur Blüten‑Bestäubung ausfliegen konnten. Auch Wildbienen und Hummeln die schon bei Temperaturen um 7 Grad Celsius ausfliegen, waren in ihrer Entwicklung wegen der kühlen Witterung noch weit zurück.

Außergewöhnliches geschah dieses Jahr allerdings mit der Rapsblüte, die zeit­gleich mit der Obstbaumblüte war. Das hatte zur Folge, daß die Bienen an den wenigen Sonnentagen in Massen zu den Rapsfeldern zur Bestäubung flogen. Denn auch Bienen wissen, daß die Rapsblütenfelder mehr Nektar als die Obstblüte bringt.

Man konnte dieses Jahr feststellen, daß Bienenstöcke die weit von den Rapsfeldern entfernt waren und in der Nähe von Obstbäumen standen, sich ein besserer Obstbehang bildete. In normalen Jahren fängt der Raps erst zum blühen an, wenn die Obstbaumblüte zu Ende ist. Vielleicht können die Maintaler Landwirte ihre Raps‑ Herbstsaat etwas später vornehmen, damit im folgenden Frühjahr der Raps erst am Ende der Obstbaumblüte zum blühen kommt. Wir könnten somit eine bessere Bestäubung (Befruch­tung) erreichen, welche die Obst­ertragslage bestimmt verbes­sern würde.

 

Im Dezember 1998 hatten dann einige Frankfurter Wirte auf 2,60 Mark erhöht. Die „Germania“ in der Sachsenhäuser Textor­straße legte die Marke 1999 auf 2,70 Mark. Der Pächter des Sachsenhäuser Lo­kals begründet den Preisaufschlag mit steigenden Betriebskosten. Aber es gab in Frankfurt ohnehin keine einheitlichen Preise. Es gab auch schon vorher Apfelweinlokale, in denen der Schoppen schon lange mehr als 2,70 Mark kostete. Durch die Einführung von 0,25 Liter-Gläsern wurden die Preise noch zusätzlich verfälscht. Verkauft ein Wirt diese näm­lich für 2,40 Mark, beträgt der Preis umgerechnet aufs Normalbais 2,88 Mark.

Die Kelterei Höhl wollte sogar die Preise noch senken, weil  die Apfelernte in diesem Jahr nicht schlecht war. „Jetzt hof­fen wir nur, daß auch Handel und Gastronomie mitziehen. Denn sonst senken wir zwar die Preise, aber die Wirte setzen ihre trotzdem hoch", sagte Frau Johanna Höhl. Gerade in dieser Saison seien die hessischen Äpfel „Spitze“, denn wäh­rend andere Regionen gegenüber den Vorjahren Ertragseinbußen von bis zu 20 Prozent hinzunehmen hätten, sei die hessische Apfelernte des Jahres 1999 ganz hervorragend. Für den Doppelzentner Äpfel zahlte Höhl 1999 noch 18 Mark, für den Doppelzentner Speierling 180 Mark. Eine andere Art der Auszahlung ist der „Lohnmost“: Für zehn Kilo Äpfel gibt es fünf Liter „Flüssigware“ aus dem Hause Höhl nach Wahl. Gezahlt werden müssen dafür nur 70 Pfennig „Kelterlohn“ je Li­ter. Auch der Bischofsheimer Keltermeister Jörg Stier meinte: Nicht die Masse, sondern die Klasse ist entschei­dend.

 

Die Apfelernte 1999 entspricht zwar vom Ertrag her fast einem „Jahrhundertjahrgang“. Doch der 99er Jahrgang hatte auch seine Tücken. Das lag nach Stiers Angaben auch an den ersten beiden Erntewochen im September, die für die Jahreszeit zu trocken und warm waren. Für Selbstkelterer kann das tückisch sein, weil viele Äpfel dadurch faulig und infektionsanfällig geworden sind.

Doch andere beurteilten die Ernte ganz anders. Sie sagten: Der Super‑Sommer in Hessen sorgte für eine zeitige und pralle Apfelernte auf den Streuobstwiesen Der Super‑Sommer in Hessen sorgte für eine zeitige und pralle Apfelernte auf den Streuobstwiesen. Der Regen Ende September ließ das Obst noch mal wachsen, zuvor sorgte die Sonne für Süße in den Äpfeln.

„Alle Sorten können wir 14 Tage bis drei Wochen früher ernten als sonst“, berichtet ein Obstbauer. Der Regen Ende September ließ das Obst noch mal wachsen, zuvor sorgte die Sonne für Süße in den Äpfeln. „Ein durchschnittlicher Sommer bringt einen Zuckergehalt von 45 Grad Oechsle. In diesem Jahr sind schon über 53 Grad Oechsle gemessen worden“, sagt Sybille Schäfer vom Verband der Hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien. „Das ergibt entsprechend mehr Alkohol“, erklärt Günter Possmann, Chef der gleichnamigen Kelterei. „Der Wein wird besonders gehaltvoll“", verspricht Gerhard Nöll, Chef einer kleinen Kelterei in Frankfurt. Trotz voll behangener Bäume rechnen die Hersteller der Apfelgetränke in Hessen nicht mit allzu üppigen Apfel‑Lieferungen. „Die baden‑württembergischen Keltereien holen uns die Äpfel weg. Bei ihnen ist die Ernte schlecht", erklärt Nöll.

Gotthold Walther von der Kel­terei Walther GmbH in Bruchköbel‑Nieder­issigheim urteilte: Die Qualität der Apfelernte 1999 ist gut, doch die Menge ist kei­neswegs so groß wie zunächst prognostiziert. Die Preise bleiben deshalb stabil. So zumindest stellt sich für die momentane Situation dar. Doch die von vielen prognostizierte Rekordernte blieb aus. Der Grund: Der Spätsommer war einfach zu heiß. Bei Temperaturen um den 15. September von bis zu 30 Grad faulte das Obst zum Teil noch am Baum. Durch die Mischung der Früchte dürfte der Apfelwein wieder Vorjahresniveau erreichen. Säure‑ und Alkoholgehalt lassen einen kräftigen und fruchtigen Schoppen erwarten. Daran seien keine Abstriche zu machen.

 

Das Jahr 2000 wurde sehr unterschiedlich beurteilt. Für die einen gab es wieder eine sehr gute Ernte, sowohl was die Menge, als auch die Qualität betrifft. Für Johanna Höhl waren Erntemenge und Erntequalität ähnlich hoch wie im Vorjahr.­ „Die fantastische Maiblüte, viel Sonne im Sommer und trotzdem reichlich Nieder­schlag, das waren die Rahmenbedingun­gen für den tollen Ertrag“. Die Firma zahlte 18 Mark für 100 Kilo Äpfel und 180 Mark für die gleiche Menge Speierling.

Weniger optimistisch äußerte sich dagegen Wilhelm Bender, Inhaber des „Schützenhofs“ in Bergen und einer der wenigen noch selbst kelternden Wirte. „Leider wird immer weniger Apfelwein getrunken.“ Walfried Heil meinte: Der Sommer trug zum Minus bei. Zum einen waren die Sommermonate insgesamt zu kühl, um bei den Verbrauchern den rechten Durst aufkommen zu lassen, zum anderen hat die Witterung die Qualität gedrückt. Gerade mal knapp 48 Grad Öchsle seien als Spitzenwert beim Most gemessen worden, der in durchschnittlichen Jahren einen Mittelwert von 50 Grad Öchsle und mehr erreicht. Der voreilige Sommeranfang im April/Mai habe jedoch andererseits eine reiche Ernte beschert.

Laut Heil war die Äpfelernte in diesem Jahr ausgesprochen mies. Der Som­mer war nicht mehr als ein grün angestrichener Winter. Zum einen waren die Sommermonate insgesamt zu kühl, um bei den Verbrauchern den rechten Durst aufkommen zu lassen, zum anderen hat die Witterung die Qualität gedrückt. Gerade mal knapp 48 Grad Öchsle seien als Spitzenwert beim Most gemessen worden, der in durchschnittlichen Jahren einen Mittelwert von 50 Grad Öchsle und mehr erreicht. Der voreilige Sommeranfang im April/Mai habe jedoch andererseits eine reiche Ernte beschert. Gegenüber einer nor­malen Durchschnittsernte betrugen die Erträge im Streuobstan­bau nur etwa ein Drittel. Die hessischen Kelterei­en erwarteten, daß sie für Äpfel aus ihrer näheren Umgebung etwa 30 Mark pro Doppelzentner löhnen müssen. Vor zwei Jahren waren es schon mal bis zu 34 Mark gewesen. In norma­len Jahren lieg der Preis um 8 bis 10 Mark einschließlich Fracht. Doch am Ende des Jahres teilte Heil mit, daß die hessischen Keltereien 18 Mark für den Doppelzentner bezahlt haben, „auch wenn dies wehtat“. Der Verband der hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien kündigte 2000 eine Preiserhöhung um fünf bis acht Prozent an.  

Äpfelweingeschworene wissen: Auch beim Apfelwein gibt es große Unterschiede zwischen den Jahrgängen. Und so hat auch der 2000er seine eigene Charakteristika: Das geringe Zucker/Säure-Niveau der Äpfel bei schwacher Aroma-Ausbeute sorgt für einen kleinen aber sehr harmonischen Jahrgang. Die in einigen Sorten fast atypisch anmutenden Säurespitzen aus der 99er Ernte finden sich im neuen Jahrgang nicht. Der nun kommende, zweifellos trinkfreudige Jahrgang lädt ein zum „schlonzen“, eine Freude für die Gartenwirtschaft (wenn’s denn einen Sommer gibt ... ). Allerdings werden die Äpfelweingeschworenen Größe und Tiefe in manchen Schoppen vermissen, auch sei allen Keltermeistern zur Vorsicht geraten ‑ die extrem niedrigen Säurewerte werden dafür sorgen, das auch kleine Kelterfehler dramatische Auswirkungen im Stöffche haben werden!

Die Apfelernte 2001 ist sehr mäßig. Macht aber nix. Weil die vergangenen zwei Apfeljahre gute bis sehr gute Resultate brachten, sind die Edelstahltanks der Großkeltereien immer noch gut mit Apfelwein und Apfelsaft gefüllt. Die meisten Hobbykelterer haben in ihren kühlen Kellern eine Reserve für magere Jahre angelegt, wohl wissend, daß der Ertrag der Streuobstwiesen in der Region stark abhängig ist vom Wetter und den Launen der Natur. „Wir rechnen mit 50 bis 60 Prozent der Vorjahresernte“, schätzt Walfried Heil. Als Ehrenpräsident des Verbandes der hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien muß er es wissen.

Die Kelterer haben längst ihren Frieden mit den Unwägbarkeiten des Kleinklimas zwischen Odenwald, Spessart, Vogelsberg und Taunus geschlossen. Sie müssen es nehmen, wie es kommt, die Qualität und Menge der Apfelernte ebenso wie den zerstörerischen Hunger des unbesiegbaren Apfelwicklers oder den Durst der Schoppenpetzer. Ist der Sommer sehr kühl, stockt der Schoppenabsatz, ist er sehr heiß, verlangen die Kunden „Gespritzten“, was auch nicht den Absatz fördert.

Die 78 hessischen Profikelterer aber jammern nicht öffentlich. Eher suchen sie nach Strategien, um den beständig sinkenden Absatz ihrer naturreinen Produkte aus köstlichen Früchten der Region zu vergrößern. Zum Beispiel auch mit Mixturen, die bei eingefleischten Schoppenpetzern Ekelgefühle provozieren können. Heil gibt zu, daß sein Unternehmen mit einem Gemisch aus Apfelwein und Cola junge Konsumenten erobern will. Ob es gelingt, weiß er noch nicht.

 

Auch 2002 ist ein schlechtes Jahr. Die diesjährige Ernte ist im Vergleich zu den Vorjahren dramatisch gesunken. Normalerweise liegen zu dieser Jahreszeit zwischen 18 und 20 Tonnen Äpfel im Hinterhof bereit zum Pressen. Gestern verwies Jörg Stier auf eine Anhäufung von gerade einmal 1,5 Tonnen der runden Frucht. Zwar sinkt der Ertrag der Streuobstwiesen seit Jahrzehnten, so schlimm wie heute war es jedoch noch nie. Der wechselhafte Sommer hat den Äpfeln sichtbar zugesetzt. Die Hitze und die schweren Regenfälle, vor allem aber der heftige Hagelsturm im letzten Monat, ließen viele Früchte faulen. „Trotz der extremen Umstände, unter denen sie wachsen mußten. sind die Äpfel vom Saft her gut“, erklärt der Bischofsheimer Keltermeister. Noch zwei Wochen lang können Äpfel ‑ auch aus privater Hand ‑ bei ihm abgeliefert werden.

 

Erzeuger rechneten im Jahr 2003 mit schlechten Ernten. Der Preis für Apfelwein soll dennoch stabil bleiben. Frostnächte in den vergangenen Wochen haben die noch ungeöffneten Obstblüten beschädigt. Dies könnte bedeuten, daß die Ernte in diesem Jahr karg ausfällt. Kommen im Sommer noch Hagel oder Ungeziefer dazu, könnten Äpfel teurer werden. „Dieses Jahr wird es bei uns keine Pfirsiche und keine Aprikosen geben“, sagt Andreas Schneider vom Obsthof Schneider in Nieder‑Erlenbach. Die Blüten der frühblühenden Obstbäume sind in den sechs Frostnächten in den vergangenen Wochen erfroren. Auch bei Tafel‑ und Mostbirnen sowie Süßkirschen sieht es ganz schlecht aus.

„Wir reden hier von 80 bis 100 Prozent Ausfall“, klagt Schneider. Zwar seien diese Obstsorten nicht das wirtschaftliche Standbein des Öko‑Hofs im Frankfurter Norden, aber auch einigen der 50 Apfelsorten, die Schneider anbaut, habe die Kälte arg zugesetzt. Wie groß der Verlust ist, könne noch nicht festgemacht werden. „20 Prozent Äpfel würden ausreichen, das wäre eine mittlere Ernte. Jedoch ein Apfel braucht zwischen vier und sechs Monaten bis zur Reife, da könne noch allerhand passieren. Weitere Frostnächte etwa, zu starker Wind, der die Bestäubung der Blüten stört, zu viel Regen, Ungeziefer, Pilze, Fäule und ‑ das wäre das Schlimmste ‑Hagel. Dann kann man gar nichts mehr machen“, fürchtet Schneider

Der Obsthof wäre dann darauf angewiesen, für seine Kelterei, die 30 Apfelweinsorten herstellt, Früchte aus Gebieten zuzukaufen, in denen es keine Frostschäden gab. Zu Bio‑Bauern aus der Region unterhalte Schneider sehr engen Kontakt. Allerdings, so fürchtet der Bauer, könnten bei schlechter Ernte die Preise steigen. Er selbst will seine Apfelweine zum gleichen Preis anbieten und Verluste anders ausgleichen. „Als kleiner Direktvermarkter ist das besser zu steuern als innerhalb von großen Strukturen, an die man gebunden ist“, meint Schneider, der auf betriebliche Investitionen, etwa die Anschaffung einer Kompoststreumaschine verzichten werden muß. Die neuen Weine will er bei Jungweinproben im Mai zur Verkostung anbieten. Weiterhin gilt seine Hoffnung der Erdbeerernte.

Mit einer mittleren Apfelernte in Hessen rechnet auch Berthold Heil, Vorsitzender des Hessischen Landesverbands für Erwerbsobstbau. Zwischen vier und fünf Frostnächte habe es auch in Kriftel gegeben, dem hessischen Hauptanbaugebiet für Tafeläpfel. Man bleibe jedoch verhalten optimistisch. Es sei noch nicht sicher, ob sich die jetzigen Schäden auf das Preisniveau auswirkten.

Auf den Apfelwein, vermutet Günter Possmann, habe der Frost keine Auswirkungen. Die Frankfurter Familienkelterei verwende Apfel von Streuobstwiesen aus Odenwald, Vogelsberg, Rhön, Spessart und Taunus. „Die blühen nicht so früh wie Tafelobst“, sagt er. Gefährlich werde es dann, wenn es eine flächendeckende Mißernte gebe. Aber das, so der Kelterer, komme sehr selten vor. Der Apfelwein, so Possmann, werde nicht teurer. „Das konnten wir uns auch gar nicht erlauben.“ Überdies seien die Fässer voll mit Ebbelwei von 2002. Man warte auf schönes Wetter, damit viel davon getrunken werde.

Aber im August 2003 hieß es: Zehn Prozent höhere Erträge als im Vorjahr erwartet. Die deutsche Apfelernte hat frühzeitig begonnen ‑ und um Ertrag, Aussehen und Qualität steht es gut. Der Verbraucher findet außerdem relativ früh heimische Ware der Hauptsorten im Angebot. Nach Schätzungen der Zentralen Markt‑ und Preisberichtstelle (ZMP) in Bonn wird bundesweit mit etwa 870. 000 Tonnen eine um rund 100 000 Tonnen oder fast zehn Prozent höhere Ernte als im Vorjahr erwartet. Europaweit wird hingegen im Schnitt mit einer kleineren Menge gerechnet. Möglicherweise wird der Verbraucher daher bei knapperem Angebot etwas mehr bezahlen müssen.

Auf Grund der warmen Witterung in diesem Sommer fiel der Startschuß auch bei den Hauptsorten wie zum Beispiel im Rheinland ungewöhnlich früh, wie die Centrale Marketing‑ Gesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft (CMA) am Donnerstag berichtete. Gut mit der Ernte sehe es vor allem im „Alten Land“ sowie in einigen ostdeutschen Regionen aus. Auch die Fruchtqualität verspreche gut zu werden, denn es habe in diesem Jahr nur wenig Hagelschäden gegeben und auch andere Schäden wie Schorf seien wenig verbreitet.

Die nordrhein‑westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (Grüne) verwies darauf, daß die Erntehöhe weit mehr von der Witterung während der Blütezeit als von der Wasserversorgung im Sommer abhänge. Der warme Sommer habe mit der hohen Sonneneinstrahlung auch positive Effekte für den Gesundheitswert der Äpfel, sagte Höhn. Die Äpfel könnten so besonders viele wertvolle Inhaltsstoffe ausbilden. Bundesweit wird aber das Ertragspotenzial wie schon im Vorjahr erneut weit unterschritten. Der Grund liegt sowohl im dies

jährigen Spätfrost als auch in der anhaltenden Trockenheit in vielen Gebieten. Viele Obstbauern sind aber in der Lage, ihre Flächen zu bewässern. Als Maßstab für das Ertragspotential gilt das Jahr 2000, als rund 1,1 Millionen Tonnen geerntet wurden.

Der Apfel ist das liebste Obst der Deutschen. Laut CMA werden jährlich etwa 1,5 Millionen Tonnen Äpfel gekauft. Damit verzehrt ein Bürger im Schnitt rund 18 Kilogramm Äpfel oder 100 Stück im Jahr. Bei den Sorten ist Jonagold die Nummer eins, gefolgt von Elstar.

Im deutschen Obstbau spielt der Apfel ebenfalls die wichtigste Rolle. Auf rund 31.200 Hektar werden Äpfel angebaut. Zu den Schwerpunktregionen zählen im Süden das Gebiet um den Bodensee, im Norden das „Alte Land“ bei Hamburg, das Anbaugebiet um Dresden in Sachsen, Rheinland‑Pfalz mit Rheinhessen, das Rheinland sowie Thüringen.     

Anfang 2004 heißt es wieder: Hessische Keltereien konnten 2003 Absatz steigern! Mit gemischten Gefühlen blicken die hessischen Apfelwein‑Kelterer auf den vergangenen Sommer zurück. Wegen der Hitze fiel die Ernte deutlich spärlicher aus als im Vorjahr. Allerdings hatten die Hessen mehr Durst auf Sauer‑ und Süß‑Gespritzten.

Seit langem verzeichneten die hessischen Keltereien beim Absatz erst mal wieder ein Plus. „Die Monate Juni bis August waren super“, schwärmt Johanna Höhl, Geschäftsführerin der gleichnamigen Hochstädter Kelterei. „Wenn man bei so einem Wetter kein Plus macht, wann dann?“ Um etwa zehn Prozent auf 14 Millionen Liter stieg bei Höhl der Absatz von Apfelwein und Mixgetränken. „Knapp zweistellig“ legte auch die Kelterei Heil aus Laubus-Esch­bach im Taunus zu, die 13 Millionen Liter verkaufte. Die Frankfurter Kelterei Possmann verzeichnete mit rund 16 Millionen Liter nach Angaben von Senior‑Chef Günter Possmann ein leichtes Plus, von ein bis zwei Prozent.

Der Ebbelwei‑Umsatz der 73 im Verband organisierten Betriebe sank auf knapp 32 Millionen Euro (2000: 34 Millionen Euro). Die Keltereien verarbeiteten 2003 rund 45.000 Tonnen Äpfel, etwa fünf Prozent davon wurden aus dem Ausland importiert. Daraus sind knapp 34 Millionen Liter Apfelsaft produziert worden, der in der Mehrzahl zu Apfelwein weiterverarbeitet wurde.

Als Hessens Ministerpräsident Roland Koch den Apfelweinanstich der Ernte 2003 vornahm, gab es angesichts der Branchenlage nicht nur zufriedene Gesichter. Der Apfelertrag des vergangenen Jahres lag mit rund 38.000 Tonnen deutlich unter dem Durchschnitt, zudem waren selbst die herben Kelteräpfel süßer als sonst. Der typisch hessische Apfelweingeschmack jedoch benötigt ein ausgeglichenes Säure-Zuckerverhältnis - eine weitere, allerdings eher handwerkliche Herausforderung für die im Verband der Hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien organisierten Unternehmen, die bereits seit längerem mit erheblichen Umsatzeinbußen kämpfen.

Insofern konnten die Mitglieder des Verbandes der Hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑ Keltereien beim Apfelwein‑Anstich mit Ministerpräsident Roland Koch (CDU) in Freigericht durchaus zufrieden ihren Ebbelwei 2003, das gute „Stöffche“, verkosten.  Wenn­gleich Walfried Heil, der Ehrenvorsitzende des Verbandes, von einer unterdurchschnittlichen Ernte sprach, die mit 26,1 Millionen Liter Saft um etwa 30 Prozent geringer ausgefallen sei als 2002. Die Qualität der Äpfel war zwar gut, aber wegen der lang anhaltender Hitze hatten die Früchte weniger Saft. Und das durchweg in allen Anbaugebieten in Deutschland, so daß im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen die hessischen Kelterer zur Auslastung ihrer Anlagen Äpfel bei den Kollegen am Bodensee, in Italien, der Schweiz und Polen zukaufen mußten, in diesem Jahr von auswärts Anfragen kamen. Johanna Höhl sieht es sportlich: „Es gibt gute und schlechte Jahre. Diese Alternanz ist für die Apfelernte typisch.“

Grundsätzlich muß sich das Nationalgetränk der Hessen auf einem schwierigen Markt behaupten. Im Zuge der Wellness- und Gesundheitswelle der 90er Jahre sind viele Konsumenten auf nicht‑alkoholische Getränke umgestiegen ‑ eine Entwicklung, die auch die Brauereien deutlich zu spüren bekamen. Der Pro‑Kopf‑Verbrauch in Hessen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Trank jeder Hesse vor zehn Jahren noch im Schnitt 14,5 Liter Apfelwein im Jahr, so waren es in 2002 nur noch 10,2 Liter. Vor allem bei jungen Leuten hat es der Ebbelwei schwer, zumal inzwischen so genannte Alkopops, mit Spirituosen gemischte Süßgetränke wie „Smirnoff Ice“ oder „Barcardi Breezer“, Einzug in Diskotheken und Kneipen gehalten haben. Dies auch dank eines „wahnsinnigen Werbebudgets“, wie Junior‑Chef Martin Heil bemerkt, das sich die mittelständischen Kelterei‑Betriebe nicht leisten könnten.

Immerhin, mit der Werbeaktion „Zisch Ap...“ halten hessische Jungkelterer seit einem Jahr dagegen, um nicht völlig zu kapitulieren, so Heil. So gab es Rockkonzerte und Veranstaltungen in Diskotheken, bei denen ausschließlich Apfelwein ausgeschenkt wurde. Mit dem Verlauf der Kampagne sind die Kelterer zufrieden. „Es gab nicht den Hauch einer Beschwerde“, sagt Heil. In diesem Jahr wird es weitere „Zisch Ap..“-Events geben ‑ und, so hoffen die Kelterer, wieder einen so heißen Sommer wie 2003.

 

Die hessischen Keltereien rechneten zu Beginn der Apfelsaison 2004  mit einer besseren Ernte als im vergangenen Jahr. In allen Regionen Hessens biete die heimische Ernte in diesem Jahr ausreichend Äpfel für Apfelsaft und Apfelwein, berichtete der Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien. Es werde nicht notwendig, auf Auslandsobst zurückzugreifen. Die Vorbereitungen für die Apfelernte laufen in den Keltereien auf Hochtouren. Die Apfelernte hat vor kurzem begonnen. Aus 100 Kilogramm Äpfeln werden 70 Liter Apfelsaft. Seit Montag wird der erste „frische Süße“ abgefüllt. Auf den frischen Apfelwein muß allerdings noch gewartet werden: Qualität entsteht beim Apfelwein durch den richtigen Reifegrad der Äpfel bei der Ernte, der erst etwa Ende September erreicht ist. Sobald die Silos voll sind, wird dann mit dem Pressen des naturtrüben Apfelsaftes begonnen. Dieser wird dann zum „Rauscher“.  Bis der neue Apfelwein zum Genießen reif ist, dauert es jedoch etwa bis Anfang Dezember; erklärte Renate Ruf von der Rapp’s Kelterei. Für Apfelwein werden Sorten wie Boskop, Trierer Weinapfel, Bohnapfel und Schafsnase verarbeitet. Sie zeichnen sich durch ihre Würze, einen hohen Säure- und Fruchtzuckergehalt sowie festes Fruchtfleisch aus, berichtete die Kelterei. Der bekannte hessische Apfelwein hat einen Alkoholgehalt von 5,5 Prozent.

 

Die Apfelernte 2005 war klein, aber fein: „In diesem Jahr haben Spätfrost, Frostspanner und Apfelwickler für eine schwache Ernte gesorgt. Die Qualität ist jedoch gut”, betonte Wolfgang Lazar, der drei verschiedene Apfelweine, Apfelsaft, Süßen und Obstbrände wie „Vilbeler Quetschewasser” anbot. Doch den Früchten aus Odenwald, Pfalz oder Baden-Württemberg, die hinzugekauft werden, wird eine sehr gute Qualität attestiert. Die Keltereien arbeiten derzeit auf Hochtouren, um Hessens Nationalgetränk an den Mann bringen zu können.

Ob in der größten Kelterei im Main-Kinzig-Kreis, Höhl, in Hochstadt oder bei Jörg Stier in Bischofsheim, in beiden Betrieben spricht man von Ernteeinbußen in Höhe von 10 bis 30 Prozent in der hiesigen Region. Schuld daran war nicht nur das schlechte Wetter im Früh- und Spätsommer, sondern vor allem der Frostspanner, ein Nachtfalter, dessen Raupen Blüten und Blätter vernichten und der Anfang Mai vor allem in Maintal, Hanau und Umgebung ganze Waldstücke kahl gefressen hat.

Die Preise fürs Stöffche, dessen Absatz in den letzten Jahren zum Leidwesen der Keltereien um mehr als 30 Prozent zurückgegangen ist, sollen dennoch konstant bleiben. „Wir hoffen darauf, daß es nächstes Jahr mit der Ernte wieder besser wird", sagt Johanna Höhl, Chefin des Traditionsbetriebs in Hochstadt.

Um dem hessischen Nationalgetränk wieder den Rang zu verschaffen, der ihm nach Ansicht Höhls gebührt, setzen die Keltereien vermehrt auf Werbung und moderne Vermarktung. „Gemeinsam müssen wir stark sein“, sagt Johanna Höhl, die auch stellvertretende Vorsitzende des Verbands der hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien ist. Dem Verband gehören immerhin 60 Betriebe an.

Zu den Aktionen, die dem Stöffche wieder auf die Beine helfen sollen, gehört auch die offizielle Saisoneröffnung in den Räumen der Kelterei Walther in Bruchköbel, die Kreisdezernent Günter Frenz in diesen Tagen vornahm - eine Premiere im Kreis. Neben dem Spargel etwa und den Spessartforellen sei es natürlich auch der Ebbelwoi, der ganz spontan mit Spessart, Kinzigtal und Vogelsberg in Zusammenhang gebracht werde und sich so nahtlos dem Motto unterordne: „Route 66 - Schlemmen und die Natur genießen”, sagte Frenz.

Unter diesem Motto vermarktet das Referat Marketing und Tourismus Produkte der Region und wirbt damit gleichzeitig für die Erlebnis-, Urlaub- und Ferienregion zwischen Spessart, Kinzigtal und Vogelsberg.

Gleichgültig, in welchem Rahmen erzeugt, sei es immer ein Naturprodukt, eng verbunden mit einem Landstrich und seinen Menschen. Apfelwein stehe für gemütliches Beisammensein, er vereine seit jeher alle sozialen Schichten an den typischen langen Tischen der Ebbelwoikneipen miteinander, so Johanna Höhl bei der Saisoneröffnung. Er sei nachgewiesenermaßen außerordentlich gesund und vom Alkoholgehalt her mit Mineralwasser regelbar. Insofern begrüße sie die Aktion des Kreises uneingeschränkt.

Anfang 2006 hieß es sogar: „Die Talfahrt des Stöffchens ist gestoppt!“ Im Jahre 2005 wurden von den rund 60 hessischen Keltereien wie im Vorjahr etwa 40 Millionen Liter verkauft, sagte die Vize-Vorsitzende des Verbandes der hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien, Johanna Höhl. „Der strukturelle Rückgang scheint ein Ende gefunden zu haben”, sagte Höhl, die auch Chefin der gleichnamigen Kelterei ist.

 

Im Jahr 2006 sorgte die gute Ernte aromatischer Äpfel für einen besonders schmackhaften Apfelwein. Um den Geschmack zu optimieren, werden verschiedene Apfelsorten für den Äppler gemischt. „Das ist eine der Stellschrauben”, sagte die Chefin der größten hessischen Apfelwein-Kelterei, Johanna Höhl. Die Qualität des Obstes sei hervorragend, die Öchsle-Grade und die Mengen seien gut. „Das ist allerdings keine Sensationsernte”, sagte sie. Auf den vergangenen Sommer blickt Höhl mit gemischten Gefühlen zurück. „Der Apfelwein ist stabil”, sagte sie und meint damit die Verkaufsmengen. Der heiße Juli war ein sehr guter Monat, der kalte Mai und der schlechte August verliefen dagegen bescheiden. Auch wenn das hessische Kulturgut Apfelwein nicht an den Absatz von Bier und Traubenwein herankommt - es entwickelt sich nach Höhls Worten immer mehr zum anerkannten Wellness-Getränk.

Mit Lastwagen, Traktoren und Autos bringen Bauern und Privatleute massenhaft Apfel in die hessischen Keltereien: „Die Ernte ist dieses Jahr sensationell, das wird ein äußerst guter Jahrgang”, freut sich Jörg Stier, Besitzer einer Kelterei in Maintal. Im vergangenen Jahr habe es anders ausgesehen: „Das war die blanke Katastrophe.”

„Die Qualität der Äpfel ist sehr gut”, bestätigt Kellermeister Martin Henke von der Frankfurter Kellerei Possmann. Der Fruchtzuckergehalt stimme ebenso wie der Anteil der Fruchtsäure, die dem Saft das Aroma gebe. Doch bevor das goldgelbe oder gelbrote Getränk in die gerippten Gläser fließt, müssen die Äpfel noch kontrolliert, gewogen und sortiert werden. Anschließend werden die Früchte gewaschen und gemahlen. „Als Brei läßt sich der Saft leichter trennen”, erklärt Henke.

Mit dem bisherigen Verlauf der Ernte ist auch der Verband der hessischen Apfel-wein- und Fruchtsaftkelterer zufrieden. Zwar tragen die Bäume nicht in allen Regionen gleich üppig. „Doch dieses Jahr langt es, wir rechnen nicht damit, aus dem Ausland zukaufen zu müssen”, sagt Vorstandsmitglied Martin Heil. Die Lieferanten bekommen von den Keltereien zwischen acht und 8,50 Euro für 100 Kilogramm Äpfel. Beliebter ist der Tausch: Für 100 Kilogramm Obst erhalten die Baumbesitzer etwa 55 Liter Saft zurück und zahlen 55 Cent pro Liter für das Pressen.

 

Im Mai 2008 heißt es wieder: „Nationalgetränk schwächelt!“ Trotz optimalen Verlaufs der Blüte haben die hessischen Apfelkelterer ihre Durststrecke noch nicht überwunden. Deutlichstes Symptom der seit Jahren währenden Krise ist die mehrheitliche Übernahme des langjährigen Apfelwein-Marktführers Höhl aus Maintal-Hochstadt durch den Saftriesen Rapp's aus Karben in der Wetterau.

Die Fusion wurde über Monate verborgen gehalten und auch nach Bekanntwerden sind die Beteiligten darum bemüht, den Ball flach zu halten. „Für die Konsumenten ändert sich nichts und beide Unternehmen werden weitergeführt“, sagt Johanna Höhl. Tatsächlich werden die Höhl-Getränke schon seit zwei Jahren beim früheren Konkurrenten abgefüllt und auf die Straße gebracht, nur die eigentliche Produktion des Apfelweins ist mit zwölf von ursprünglich 65 Arbeitsplätzen in Hochstadt geblieben.

Beim Verband des Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien mit gut 50 Mitgliedern ist man schon froh. seit 2002 das Niveau von 40 Millionen Litern Apfelwein im Jahr halten zu können nach verheerenden Verlusten in den Jahren zuvor. Im Jahre 2007 machte die Minibranche damit einen Umsatz von 28 Millionen Euro. Weitere Fusionen stünden nicht bevor, versichert Vorstandsmitglied Martin Heil, Chef der gleichnamigen Kelterei in Laubus-Eschbach im Taunus. Die großen Drei (Possmann, Rapp's/Höhl und Heil) machten um die 80 Prozent des Umsatzes unter sich aus, während die übrigen Betriebe vor allem regionale und lokale Bedeutung hätten. „Fusionen würden da gar nichts bringen, weil sie nach wie vor die Äpfel vor Ort einsammeln und verarbeiten müßten.“

Längst vergangen sind die bembelseligen Zeiten, als Heinz Schenk im „Blauen Bock“ vor einem Millionenpublikum identitätsstiftende und damals populäre Brauchtumspflege betrieb. Aus den Tonkrügen des Hessischen Rundfunks floß Höhl-Apfelwein der Marke „Blauer Bock“ und die Kelterer konnten sich auf den Durst der Hessen in jedem Sommer verlassen. Außerhalb des Großraums Frankfurt hat der meist saure Wein aus alten Apfelsorten über die Jahre aber nur wenige Freunde gefunden und auch am Main stehen immer häufiger die Weizenbiergläser auf den Tischen der Wirtschaften.

Der leidenschaftliche Kelterer Jörg Stier aus Maintal- Bischofsheim glaubt aber an eine große Zukunft des Apfelweins, der für die hessische Identität stehe wie sonst nichts anderes. Dem Hessen mangele es an Selbstbewußtsein, hat er festgestellt. „Wir haben die wundervollsten Dinge bei uns: Wir müssen nicht französisch kochen und italienische Weine trinken, wenn Gäste kommen.“ Die Verbindung mit anspruchsvoller Regionalküche, mit der schützenswerten Natur der typischen Streuobstwiesen und der Ausbau eigenständiger Apfelwein- Spezialitäten sind einige der Lösungsansätze. Bei jungen Leuten will Stier bereits ein wieder stärkeres Interesse für die eigene Region festgestellt haben, quasi als Gegenpol zur weiter um sich greifenden Globalisierung aller Lebenswelten. Trotzdem hält auch beim Apfelwein der Zeitgeist Einzug: Heuer sind erstmals ein alkoholfreier Apfelwein und ein Gemisch mit Grapefruitsaft in trendigen Langhals-Flaschen auf den Markt gekommen.

 

Im Jahr 2010 erwarten die hessischen Apfelwein-Keltereien wieder ein gutes „Stöffche“. Die Apfelernte fällt zwar deutlich geringer aus. „Die Qualität der Äpfel ist aber in Ordnung“, sagte der Vorsitzende des Verbandes der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien, Martin Heil. Oechslegrad und Säureanteil stimmten. In Hessen werden nach Heils Angaben jährlich fast 40 Millionen Liter Apfelwein hergestellt, die Keltereien produzieren zudem etwa 20 Millionen Liter Apfelsaft. Die Früchte stammen von den Bäumen auf Streuobstwiesen. Heil schätzt, daß etwa vom Bodensee noch zugekauft werden muß, über die Preise könne noch nichts gesagt werden.

Die Saison läuft noch bis in den November hinein. Der Start vom 13. September weg sei zunächst etwas schleppend gewesen, schildert der Geschäftsführer der Kelterei Rapps in Karben (Wetteraukreis), Klaus- Dieter Kneip. „Die Natur ist dieses Jahr zwei bis drei Wochen zurück. Jetzt zieht es aber an.“ Auch er verspricht ein süffiges Getränk im gerippten Glas: „Über die Qualität der Äpfel kann man nicht meckern.“ Die Äpfel kommen zum größten Teil von Streuobstwiesen, meist aus dem Taunus, der Wetterau und dem Odenwald. Bevorzugt werden die traditionellen Sorten, die in diesen Gegenden wachsen. „Tafelobst können wir nicht gebrauchen“, sagt Heil. Schuld an der kleineren Ernte sei das Wetter. „Es gab ein Wechselbad zwischen Sonne und Regen. Da sind viele Äpfel verfault und runtergefallen.“ Dem Verband gehören rund 50 Keltereien an - das sind fast alle in Hessen. Ihr Gesamtumsatz liegt bei et-

was über 50 Millionen Euro jährlich. Eine Million Bäume auf Streuobstwiesen: „Das ist schon viel. Aber die werden relativ schlecht gepflegt und geerntet“, sagt Heil. „Es  tut einem schon ein bißchen in der Seele weh, wenn man durch die Landschaft fährt und sieht, daß ein Baum nicht geerntet ist.“ Sein Bruder Christof Heil - wie Martin Heil an der Spitze der Kelterei Heil in Laubuseschbach (Weilmünster) im Taunus - ergänzt: „Wenn irgend jemand noch etwas an den Bäumen hängen sieht - runterholen.“

Hier habe es in den vergangenen Jahren aber wieder eine erfreuliche Entwicklung gegeben. „Die Leute bauen wieder mehr Äpfel an“, sagt Martin Heil. „Es gibt eine jüngere Generation - Familienväter Anfang 40- der es nicht so sehr um das Finanzielle geht.“ Für Anfänger bietet die Kelterei Heil auch Schnittkurse an, damit die Leute wissen, wo sie ihre Bäume pflanzen und wie sie sie pflegen müssen. „Die bringen dann später stolz die ersten Äpfel.“ Die Keltereien hielten die Preise für angelieferte Ware konstant, egal, ob hinsichtlich der Erntemenge ein gutes oder schlechtes Jahr erwartet wird. Für 100 Kilo Äpfel gibt es zwischen sieben und zehn Euro.

Der Anteil von „Bio“ macht sich für den hessischen Markt kaum bemerkbar. „Bei den Hessen im Kopf ist Apfelwein sowieso Bio“, sagt Heil. Nur für den Verkauf außerhalb Hessens besitze das Bio-Siegel Zugkraft. Gerhard Nöll von der Frankfurter Kelterei Nöll ergänzt: „Das ist ja das Schöne, daß man beim Apfelwein mit Chemie nichts machen muß.“

Durchgesetzt habe sich auch alkoholfreier Apfelwein. „Hier sind wir mit der Entwicklung sehr zufrieden“, sagt Christof Heil. „Das läuft gut, vor allem im Sommer.“

 

Im August 2012 sagte Martin Heil, Vorsitzender des hessischen Apfelweinverbandes, in Frankfurt, ob die Preise stabil bleiben, sei aber noch nicht klar.  Rund 40 Millionen Liter keltert die kleine, auf das Rhein-Main-Gebiet konzentrierte Branche insgesamt pro Jahr, darunter auch die Keltereien in Maintal und Bruchköbel. Der Wert sei seit rund zehn Jahren stabil wie auch der hessische pro-Kopf-Verbrauch von sieben Litern im Jahr. „Da ist noch viel Luft nach oben“, sagte Heil. Zwar sei der Bier-Konsum von 100 Litern pro Bundesbürger und Jahr eine ganz andere Dimension, aber er gehe zurück.

Selbst die drei großen Kelterer - neben Heil noch Possmann und Rapps/Höhl - seien kleine Familienbetriebe. Insgesamt beschäftigen die rund 50 im Verband zusammengeschlossenen Keltereien nach Heils Angaben rund 400 Menschen.

Falls die Äpfel von den hessischen Streuobstwiesen nicht reichen, kaufen die Betriebe zu - aus den Anbaugebieten vom Bodensee oder dem Alten Land bei Hamburg und auch aus Polen. Äpfel aus Südeuropa eignen sich gar nicht. „Zu süß, zu weich, das gibt keinen Saft“, erklärte Heil. Unverzichtbar für den hessischen Apfelwein sei Säure.

Hessens Apfelbauern erwarten in diesem Jahr gut ein Drittel weniger Ertrag als üblich. „Wir rechnen derzeit mit 30 bis 40 Prozent Ausfall bei der Apfelernte“, sagte Berthold Heil vom Landesverband für Erwerbsobstbau der Nachrichtenagentur dpa. Vor allem der Frost im Frühjahr habe gravierende Schäden an den Obstblüten verursacht.

Die regionalen Obstbauern, ob im Altkreis Hanau oder in Gelnhausen, haben 2012 mit den Witterungsverhältnissen der letzten Monate zu kämpfen. Sie sind mit der Entwicklung ihrer Früchte nicht zufrieden. „Wir haben in diesem Jahr mehrere Probleme“, erklärt Andreas Zeiller, Vorsitzender des Kreisverbands Hanau zur Pflege des Obstbaus und der Garten- und Landschaftspflege.

„Zum einen war für uns der Frost mitten im April sehr schlecht. Da sind viele Blüten erfroren.“ Nur wer mit seinen Bäumen später dran war, hatte noch Glück. Das frostige, naßkalte Wetter, hielt nach Angaben Zeillers außerdem die zur Bestäubung notwendigen Honigbienen in Schach - schließlich werden die fleißigen Insekten erst ab 15 bis 20 Grad aktiv. „Deswegen sind nicht nur Apfelbäume, sondern auch Zwetschgen oder Kirschen betroffen.“ Diese Probleme sind auch dem Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins 1874 Gelnhausen, Karl-Heinz Schröder, bekannt.

Jedoch gebe es weitere Schwierigkeiten, der sich dieses Jahr die Bauern - zumindest in Gelnhausen - konfrontiert sehen, meint er. So sei die schlechte Ernte im Bereich des Steinobstes ein ungünstiger Umstand: Das Ausbleiben etwa von Sauerkirschen sorge für eine Nahrungsknappheit bei den Singvögeln. Deswegen stürzten sich die gefiederten Tiere auf die ohnehin wenigen Äpfel der Obstbauern und vernichteten einen Teil der Ernte.

Außerdem bringt die Feuchtigkeit und Nässe seine Tücken mit sich: Nicht nur Apfelbäume werden von Schorf befallen, einer Pilzkrankheit, die sich in der Qualität der Früchte niederschlägt. Sowohl Schröder in Gelnhausen als auch Zeiller in Hanau können davon ein Lied singen. „Der Anteil fauler Früchte ist dadurch viel höher“, erklärt Zeiller. Schröder merkt an: „Dieses Problem gab es vor 40 bis 50 Jahren noch nicht.“ Die Ursachen vermutet er in der Industrialisierung und geänderten Umweltbedingungen. Mittlerweile werden bereits Apfelbaumsorten gezüchtet, die gegen den Schorfbefall resistent zu sein scheinen. Es bleibt abzuwarten, ob es sich um eine dauerhafte Immunität handelt.

Für den regionalen Obstanbau bedeuten all diese Probleme gravierende Mängel in der Ernte. Dies hat auch zur Folge, daß der heimische Bestand kaum noch ausreicht, um das Heimatland des Äpplers mit ausreichend Rohstoffen für das hessische Nationalgetränk zu versorgen. Immer mehr Äpfel aus anderen Regionen oder dem Ausland müssen importiert und der regionale Verkauf gedrosselt werden. Dabei kann das heimische Obst vor allem durch seine Frische und Naturbelassenheit punkten. Außerdem: Da die Bauern heutzutage statt auf Streuobstwiesen mit Hanglage vor allem auf niedrigwachsende Bäume setzen, wird auch die Winterspritzung zur Bekämpfung von Schädlingen unter der Borke hinfällig, wodurch die Früchte frei von Chemikalien bleiben.

Durch den vorherrschenden Konkurrenzkampf mit Schädlingen, Witterungsverhältnissen und Umwelteinflüssen können die Obstbauern in der Region dieses Jahr nur einen Bruchteil des Ertrags des letzten Jahres einfahren. Karl-Heinz Schröder spricht von rund 25 Prozent, Andreas Zeiller will sich nicht festlegen: „Insgesamt ist die Ernte zwar schlecht, aber sie kann regional ziemlich unterschiedlich ausfallen. Während es in Nidderau-Eichen nur sehr wenig Äpfel gibt, ist die Lage in SchöneckKilianstädten ganz gut“. Dort ist der Erste Vorsitzende der 24 Ortsvereine und über 3000 Mitglieder starken Kreisverbands als Obstbauer engagiert.

Daß die Ernte in diesem Jahr ziemlich mager aussehe, ist laut Zeiller nichts allzu Ungewöhnliches: „Viele Apfelbäume unterliegen ohnehin einem normalen Rhythmus. Dabei gibt es regelmäßig schlechte Jahre. Wenn das Wetter einem keinen Strich durch die Rechnung macht, wird dafür das Jahr danach meistens unheimlich gut.“ Durch die schwache Ernte fließt viel Energie der Bäume in neue Triebe. So sind Frucht- und Blütenansatz für das kommende Jahr schon sehr vielversprechend. Die Obstbauern in der Region bereiten die Bäume bereits durch Korrekturschnitte vor, um einem Ungleichgewicht und Schäden der Apfelbäume vorzubeugen.

 

 

 

Werbung für den Apfelwein

 

 

Landschaftspflegeverband Main-Kinzig

Der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis e.V. wurde 1992 gegründet und ist ein freiwilliger Zusammenschluß von Landwirten, Kommunalpolitikern und Naturschützern.  Sein Vorstand ist aus diesen gesellschaftlichen Gruppen drittelparitätisch und gleichberechtigt besetzt. Das Bündnis bietet einen erfolgversprechenden Weg zur praktischen Umsetzung naturschutzfachlicher Planungen und umwelt­verträglicher Landnutzung

 

Aufgaben des LPV:

Naturschutzprojekte werden auf freiwilliger Basis gemeinsam von Landwirtschaft, Kommunalpolitik und Naturschützern durchgeführt.

  • Der LPV berät sowohl Landwirte als auch zuständige Ämter in Sachen Naturschutz und Landschaftspflege
  • Der LPV hilft Ausgleichsmaßnahmen möglichst schnell und effektiv durchzuführen.
  • Der LPV unterstützt Naturschützer bei der Beschaffung von Finanzen und ...der LPV regt Projekte zur Selbsthilfe und Vermarktung an: z.B. für Apfelwein und Lammfleisch.

 

Projekte des LPV:

  • Pflanzung von Hecken und Feldgehölzen (auch als Biotopverbundsysteme)
  • Anlage von Feuchtbiotopen und  „Trittsteinen“' für die Amphibienwelt.
  • Erhalt von wertvollem Grünland durch Abschluß von Pflegeverträgen
  • Pflege und Neuanlage von Streuobstwiesen
  • Erhaltung wertvoller Halbtrockenrasen und Borstgrasrasen
  • Hilfe bei der Direktvermarktung von naturschutzfreundlichen Produkten aus der Region.

 

Für die nachhaltige Sicherung der durchgeführten Naturschutz­maßnahmen müssen neue Wege unabhängig vom staatlichen „Geld‑Tropf“ gesucht werden, die auf eine Eingliederung in einen Wirtschaftskreislauf abzielen. Kontaktadresse ist: Vorsitzender ist Dr. Karl‑Heinz Schreiber, früherer Erster Stadtrat von Maintal. Geschäftsführerin Barbara Fiselius, Barbarossastraße 20, 63571 Gelnhausen, Tel: 06051 - 854263, Fax: 06051- 854399.

 

Der Verband hatte zunächst dreizehn Mitglieder. Vorsitzender Schreiber rechnete damit, daß sich bis Ende 1993 die Hälfte der Main‑Kinzig­-Kommunen an den Landschaftspflegeverband angeschlossen hat. Der Kreisverband der Obst‑ und Gartenbauvereine im Altkreis Hanau trage sich ebenfalls mit dem Gedanken einer Mitgliedschaft. Im geschäftsführenden Vorstand sitzen außer ihm noch Kreislandwirt Friedhelm Schneider und Karl Raab als Vertreter der Naturschutzverbände. Alle sechzehn Monate wechselt der Vorsitz. Zu Anfang befürchtete man, der Vorstand sei durch das Vetorecht aller drei Interessengruppen nicht entscheidungsfähig. Doch die Praxis zeigte, daß es sehr wohl möglich sei, alle Beteiligten unter einen Hut zu bekommen. Nach einem Jahr Laufzeit hatte sich der Verband so weit konsolidiert, daß ab März 1993 eine ABM‑Kraft eingestellt wird, die Vorschläge prüfen, Projekte organisieren und be­gleiten soll.

 

Für Naturliebhaber und ökologisch Interessierte ist dies nicht nur eine beliebige Freizeitbeschäftigung, sondern eine, die aus Überzeugung und mit Liebe verfolgt wird. Um dieser Passion frönen zu können, haben sich Bürger in Arbeitskreisen organisiert. die dem LPV angegliedert sind. Die verschiedenen Themenschwerpunkte und Aktivitäten werden von der Geschäftsstelle des LPV in Gelnhausen kanalisiert und organisiert, namentlich von der Geschäftsführerin Barbara Fiselius, die nach Kräften von ihren Mitarbeiterinnen Manuela Gebhardt und Lenny Wagner sowie der Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit, Sabine Dänner, unterstützt wird.

Dabei geht es dem LPV aber nicht nur um die Interessen von Einzel- oder Privatpersonen. Vielmehr steht er sowohl den Städten und Gemeinden als auch den Neben- und Vollerwerbslandwirten als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung, wenn es um eine Ausgleichsmaßnahme geht oder um den Erwerb von Ökopunkten. Der LPV bietet fachlich geprüfte Vorschläge an sowie die Abwicklung und Betreuung der Maßnahme. Der LPV setzt sich außerdem für die Sicherung der langfristigen Pflege ein, um die Nachhaltigkeit der Maßnahmen zu sichern.

Der Landschaftspflegeverband bietet außerdem eine umfassende Beratung rund um Themen der Biotoppflege, besonders der Streuobstwiesen an. Dazu gehört auch die praktische Organisation von Pflege oder Neuanlage. Gerne unterstützt der  LPV auch Bürger bei der Gründung eines hauptsächlich ehrenamtlich getragenen Streuobst-Arbeitskreises.

Ein Streuobstprojekt aufzubauen bedeute viel Arbeit. Die Mitwirkung bei Projekt ist für private Grundstückseigentümer freiwillig und kostenfrei. Die Sanierungswürdigkeit eines Streuobstbestandes wird fachlich geprüft. Der LPV sucht dann einen Finanzier für die Durchführung der nötigen Maßnahmen. Zuletzt werden geeignete Partner für die Durchführung gefunden, welche vom LPV betreut wird. Die Grundstückseigentümer müssen lediglich die weitere Pflege der Streuobstwiese sicherstellen.

Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, arbeitet der LPV mit Naturschützern, Landwirten und Kommunalpolitikern zusammen. Intention ist, Streuobstwiesen verstärkt in das Interesse der Öffentlichkeit zu rücken. Die Aktivitäten in diesem Bemühen sehr zahlreich. So werden beispielsweise Kurse angeboten zu den Themen Neupflanzung, Schnitt hochstämmiger Obstbäume, Baumgesundheit und Sommerriß, Veredelung, Schnitt von Beerensträucher, Gehölzpflege für Bauhofmitarbeiter sowie  Schnittkurse speziell für Frauen, Arbeit kreise werden betreut und Grundstückseigentümer können Unterstützung bei ihren „Problembäumen“ bekommen. Maßgeschneiderte Fortbildungen runden die Angebotspalette ab.

Mit dem Wandel der Lebensverhältnisse hat sich auch das Verhältnis zu heimischem Obst verändert. Der Verzehr von naturnah Produziertem und damit Hochwertigem und - wenn man es kaufen muß Teurem - steht vielerorts immer noch in dem Verdacht, nur etwas für eine kleine Gruppe von Menschen zu sein.

Dabei sind die Beschäftigung im Freien und an der frischen Luft, Aktivitäten in unserer Kulturlandschaft und rund um den Erhalt von Streuobstbeständen doch auch wieder in das Gesichtsfeld der Verbraucher gerückt. Daß sich diese Entwicklung fortsetzt und immer mehr Menschen an die Wurzeln ihrer natürlichen Versorgung zurückführt, gehört zu den Zielen des Landschaftspflegeverbandes. Die Geschäftsstelle ist in Gelnhausen, Zum Wartturm 11-13, Telefon 06051/8 34 30.

 

Kreislandwirt Schneider beschreibt den Landschaftspflegeverband als „Agentur zur Förderung des freiwilligen Natur­schutzes“. Er organisiert und koordiniert die Ver­wendung von öffentlichen Naturschutzmitteln und Ausgleichsgeldern, die beispielsweise von Bauher­ren zu zahlen sind, wenn Natur zerstört wird und der Verlust nicht ausgeglichen werden kann. Ein Topf von stolzen siebzehn Millionen Mark steht zur Verfügung. Der Landschaftspflegeverband macht Vorschläge für die Verwendung der Gelder. Die Aufgaben des Landschaftspflegeverbandes reichen vom Erstellen einer Pflegekonzeption über das Sammeln von Projekt­vorschlägen bis hin zur Vermittlung der Arbeit ‑ beispielsweise an die Landwirte, die sich durch landschaftspflegerische Maßnahmen ein Zubrot ver­dienen können.

 

Im Jahre 1993 beantragte der Land­schaftspflegeverband beim Land 700.000 Mark, es wurden 183.000 Mark bewilligt. Bischofsheimer Hang und Weidenkaute sollten zuerst geschützt werden, um diese für die Region so typischen Biotope zu erhalten. Eine Reihe von Projekten wurden im ersten Jahr des Bestehens beschlossen, teilweise werden sie bereits realisiert ‑ übrigens nicht nur in den Mitgliedsge­meinden. Ein größeres Projekt ist die Anlage eines Feuchtbiotops in Hasselroth, mit der im Frühjahr begonnen wird.

Im Herbst 1993 sollen 1.322 Bäume auf den Maintaler Streuobstwiesen „grundsaniert“ werden. Dabei werden alte Obstbäume von Verwachsungen befreit, um zu verhindern, daß sie unter der Last ihrer Äste zusammenbrechen. „An sich ist das die Aufgabe des Eigentümers“, erklärte Vorsitzender Schreiber der Presse, denn die Streuobstflä­chen sind größtenteils in privatem Besitz. Die Eigentümer haben bereits vor einiger Zeit ihr Ein­verständnis für den aufwendigen Baumschnitt er­teilt. Den Anfang machen der Bischofsheimer Hang, der nördliche Apfelgrund und die Weiden­kaute. Hier sollen im Herbst auch rund 180 junge hochstäm­mige Obstbäume angepflanzt werden.

 

Die Maintaler Umweltberaterin Angela Theu­rich empfahl jenen, die sich nicht mehr in der Lage sehen, die Bäume alleine zu pflegen, das Gelände an naturinteressierte Bürgerinnen und Bürger zu verpachten. Wer an einem solchen Pachtvertrag interessiert ist, sollte sich bei ihr melden. Sie ist bereit, zwischen Pachtwilligen und Eigentümern zu vermit­teln.

Wer eine Streuobstwiese in seine Obhut nimmt, sollte die Fläche mindestens einmal im Jahr mähen um einen Wildwuchs von Büschen zu vermeiden­. Des Weiteren müssen unerwünschte Triebe zurückgeschnitten werden; so soll ein erneutes Verwachsen des Baumes vermieden werden. „Interessant für die Eigentümer der Streuobstbestände oder auch ihre Pächter ist die Pflege aber nicht nur aus Gründen des Naturschutzes“, betont Angela Theurich. Vielmehr könne Ernte und Verkauf des Obstes durch rentabel werden.

 

Im Jahr 1994 wurden in Maintal 1.048 Bäume geschnitten und 1.079 Bäume auf etwa 110 Hektar gepflanzt. Weitere Projekte waren die Heckenpflege und Neuanpflanzungsprojekte in Steinau‑ Seidenroth und Kirchbracht. Außerdem kümmerte sich der Landschaftspflegeverband um zwei größere Feuchtbiotope. Aber auch in Neuberg und Ahlersbach ging es um wertvolle Biotope.

Vor allem in Maintal sollen die Maßnahmen an den Streuobstwiesen fortgesetzt werden.

Durch die Herstellung eines besonderen Apfelweines könnte das Projekt der Pflegemaß­nahmen der Streuobstwiesen wieder in den Wirt­schaftskreislauf integriert werden und noch mehr an Bedeutung gewinnen.                       

 

Im Herbst 1995 sollen 1.322 Bäume auf den Maintaler Streuobstwiesen „grundsaniert“ werden. Dabei werden alte Obstbäume Verwachsungen befreit, um zu verhindern, daß sie unter der Last ihrer Äste zusammenbrechen. Den Anfang machen der Bischofsheimer Hang, der nördliche Apfelgrund und die Weidenkaute. Hier sollen im Herbst auch rund 180 junge hochstäm­mige Obstbäume angepflanzt werden.

 

Im Winter 1996 konnten in den Städten und Gemeinden Maintal, Nidderau, Neuberg, Gelnhausen und Schlüchtern insgesamt fast 2.000 hochstämmige Obstbäume gepflegt werden. Etwa 70 Bäume wurden nachgepflanzt, weitere 600 Neupflanzungen sind für den kommenden Herbst geplant. Alle Maßnahmen sind für die Grundstückseigentümer kostenfrei. Mindestens vier bis sechs Jahre lang werden die verjüngten Bäume nachgeschnitten. Rechtzeitig vor Beginn der Frühjahrsblüte sind die Bäume auf den Maintaler Streuobstwiesen durch fachgerechte Schnitte verjüngt worden.

 

Für die Pflege und Erhaltung der Maintaler Streuobstwiesen in Bischofsheim und am Distelberg  investiert der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis e.V. im Jahr 1996 330.00 Mark. Auch andere Großprojekte im Kreis werden noch bezuschußt, wie Erhard Reul vom geschäftsführenden Vorstand bei der Jahreshauptversammlung in Nidderau mitteilte. Anläßlich der geplanten Streuobstsanierung am Nidderauer Ohlenberg wurde die diesjährige Mitgliederversammlung des Landschaftspflegeverbandes auch dort abgehalten. Gleichwohl fließt die mit Abstand größte Summe in Maintaler Streuobst‑Projekte. Der Verband will die Maßnahmen „in bedeutenden Streuobstbereichen im Verbund angehen“, erläuterte Vorstandsmitglied Reul weiter.

Um das Thema Streuobst drehten sich auch die übrigen Vorträge bei der Jahreshauptversammlung. So referierte Fritz Dänner über die Ökologie der Streuobstwiesen, die nicht nur Pflanzen‑ und Tierweit beträfen, sondern auch den Menschen direkt in ihrer Ästhetik und  ihrem Erholungswert ansprächen, wie er mit stimmungsvollen Bildern belegen konnte.                    

Eckhard Engert vom Hessischen Landesamt für Regionalentwicklung und Landwirtschaft betonte dabei die Vielfalt der Wege, die zum dauerhaften Erhalt dieses Kultbiotops möglich und gangbar seien. Das Aufpreismodell Jörg Stiers soll leichter gemacht werden durch die Grundsanierung, die der Landschaftspflegeverband machen läßt. Das ehrenamtliche Engagement ist neben der kommerziellen Vermarktung ein wesentlicher Faktor, um die Ziele erreichen zu können.

Heinz Grotemeyer vom Kreisverband zur Förderung des Obstbaus, der Garten‑ und Landschaftspflege, berichtete ausführlich und mit anschaulichen Bei­spielen über alte einheimische hochstämmige Apfel‑ und Birnensorten sowie über die richtige Pflege solcher Bäume.

In der vorgeschalteten Mitgliederversammlung wurde der alte Vorstand im Wesentlichen bestätigt. Für die Kommunalpolitik sind die nächsten vier Jahre im Amt: Bürgermeister Uwe Hofmann aus Neuberg (1. Vorsitzender), Kreisbeigeordneter Erich Pipa, Bürgermeister Falko Fritsch, Schlüch­tern, Bürgermeister Hans‑Joachim Knobeloch, Steinau, Erster Stadtrat Karl‑Heinz Kunkel, Geln­hausen. Für die Landwirtschaft wurden gewählt: Erhard Reul, Gerhard Giebisch, Alfred Hau, Karl König, Volker Schecke, zusätzlich noch als Forst­sachverständige Otto Klüber und Heinrich Heil­mann. Der Naturschutz entsandte in den Vorstand: Karl Raab, Matthias Schlote, Fritz Dänner, Bodo Delhey, Werner Peter.

 

Speziell mit den Maintaler Streuobstbeständen hat sich in einer Dauerbeobachtung eine Wissenschaftlergruppe der Universität unter Leitung von Professorin Dr. Dr.‑ Annette Otte beschäftigt, wurde auf der Jahreshauptversammlung im Mai 1997 mitgeteilt. Das positive Ergebnis dieser Forschungsarbeit: Die mit hohem finanziellen Mittel­einsatz durchgeführten  Pflegemaßnahmen, also Baumschnitte und Nachpflanzungen, haben in den Wiesen bei Maintal entscheidend dazu beigetragen, einen frühzeitigen Zusammenbruch vieler Bestände zu unterbinden und die einseitige, zur Vergreisung tendierende Altersstruktur der Obstbäume zu verbessern.

Man finde heute in den Maintaler Streuobstwiesen wieder großflächig Salbei‑ Glatthaferwiesen, eine Seltenheit in der südlichen Wetterau. Daß es hier wieder 30 Brutpaare des Steinkauzes gebe, sei re­gelrecht spektakulär. Alle bisherigen Erfolge mein­ten die Gießener Wissenschaftler, könnten jedoch nicht darüber hinweg täuschen, daß auch künftig erhebliche Anstrengungen bei den Baumpflanzungen und Pflegearbeiten unternommen werden müßten. Zu sichern sei die für die Streuobstwiesen typische landwirtschaftliche Nutzung des Grünun­terwuchses.

Auf die Nutzung der Streuobstwiesen ging auch Diplom‑Agraringenieurin Franziska Werthmann vom Landschaftspflegeverband ein. Es gehe nicht an, wenn in Apfelweinkeltereien polnisches oder französisches Konzentrat verarbeitet werde, wäh­rend gleichzeitig die Äpfel aus den heimischen Beständen vergammeln. Die Nutzung gehöre ebenso zum gesamtheitlichen Konzept des Landschaftspflegeverbandes wie Neupflanzungen und Baumschnitte.

Zwischen 1951 und 1986 seien im Kreisgebiet durch zunehmende Besiedlung und Rodungsmaßnahmen auf EG‑Initiative rund 80 Prozent der Streuobstbestände vernichtet worden. Dem steuere man nun entgegen unter anderem durch konkrete Projekte des Landschaftspflegeverbandes, wie sie derzeit beispielsweise am Maintaler Distelberg, am Ohlenberg in Nidderau, in Hailer, Neuberg und im Bergwinkel durchgeführt würden.

Alleine im vergangenen Winter hätten 2.000 Bäume einen Verjüngungsschnitt erhalten und seien 200 Bäume nachgepflanzt worden; weitere 600 sollen in diesem Herbst neu eingebracht werden. Hervorgehoben wurde von Franziska Werthmann in diesem Zusammenhang auch die Zusammenarbeit des Landschaftspflegeverbandes mit den Kel­tereien sowie die Gründung eines Streuobst‑Ar­beitskreises in den Schwerpunktgebieten.

Auf die ökonomische Bedeutung der für den Main‑Kinzig‑Kreis typischen Streuobstwiesen ging Hessens Wirtschaftsminister Lothar Klemm ein. Die Streuobstwiesen seien unverzichtbarer Teil des im Entstehen begriffenen Regionalparks Rhein‑Main­. „Die Polyzentralität des Rhein‑Main‑Gebietes ist ein wesentlicher Faktor für den hohen Lebenswert in der Region und eröffnet gleichzeitig wirtschaftli­che Perspektiven“, sagte der Minister. Die Kulturlandschaft sei wichtiger Erholungsraum und deshalb auch ein mitentscheidender Punkt bei der Nutzung neuer Wirtschaftsstandorte. Die Er­haltung der Landschaft, damit der ökologische As­pekt, gehe somit mit dem wirtschaftlichen Interesse Hand in Hand. Klemm forderte dazu auf, über Naturschutzmaßnahmen das Typische der Landschaft, wie beispielsweise bei den Streuobstwiesen zu erhalten: „Wir müssen hier unterscheidbar von den anderen Anbietern sein.“

Einen Appell an die Politiker richtet der stellvertretende Vor­sitzende des Kreisbauernverbandes Main‑Kinzig, Bruno Wörner aus Erlensee. Er warnte vor übertrie­benen Maßnahmen und bezeichnete in Sachen Streuobstwiesen einen „behördlich verordneten Naturschutz.“ über die Köpfe der Landwirte hinweg als schädlich. Es gelte mit Hilfe der Bauern die Kulturlandschaft auf Dauer offen zu halten und damit natürliche Lebensgrundlagen zu bewahren.

 

Im Jahr 1998 befan­den sich mehr als 5.000 Obstbäume in der Obhut des Landschaftspfle­geverband, und viele Lücken in den alten Beständen konnten durch Neuan­pflanzungen mit robusten Obstsorten wie­der geschlossen werden. Neben der Ausweitung bestehender Projekte wie etwa in Maintal‑ Bischofs­heim, Maintal‑Hochstadt, Neuberg, Nid­derau, Gelnhausen oder Schlüchtern wur­den diesen Winter erstmalig auch Streu­obstflächen in Schöneck‑ Kilianstädten, Hanau‑ Mittelbuchen, Erlensee und Sinn­tal in größerem Umfang bearbeitet. In der Summe, so erklärt der Verband nicht oh­ne Stolz, wurden mehr als 1.000 Bäume grundsaniert und über 600 neue Obst­bäume gepflanzt.

 

Im Jahr 1999 unterstützte die Flughafen AG (FAG) Frankfurt bereits zum zweiten Ma­le die Pflege der Main­taler Streuobstwiesen. Früher wurden vor allem Mittel der Ausgleichs­abgabe für Landschaftspflegemaßnahmen genutzt. Seit einer gesetzli­chen Änderung ab Januar 1998 stehen diese Mittel nur noch zu einem geringen Teil zur Verfügung. Deshalb sprang die FAG ein. Anfang Mai 1999 wurde ein Scheck in Höhe von 60.000 Mark überge­ben (10.000 Mark werden für die Errich­tung von Hinweisschildern zum Streu­obstwiesenschutz, 50.000 DM für weitere Maßnah­men).

Im Jahr 1998 wurden durch die FAG insgesamt wur­den rund 100 Bäume gepflanzt, 63 wert­volle Obstriesen erführen einen Sanie­rungsschnitt. Zusätzlich wurde mit den Mitteln die Ausbreitung der Feuerbrand-­Krankheit an Obstgehölzen eingedämmt. Hans‑Georg Michael, Arbeitsdirektor und Mitglied des FAG‑Vorstandes, zeigte sich beeindruckt von den bisherigen Lei­stungen und stellte fest: „Pflege und Er­halt der wertvollen Biotope und des Er­holungsraums in unmittelbarer Nach­barschaft zur Metropole Frankfurt sind die vorrangigen Ziele unseres. Umwelt­fonds. Die Mittel sind hier gut angelegt.“ Er stellte auch die weitere großzügige Unterstützung des Projektes noch für dieses Jahr in Aussicht.

 

Die Gelnhäuser Kaiserpfalzrui­ne bildete im November 1999 die exklusive Kulisse für ein erstes Apfelfest des Landschaftspflegeverbandes. Die Gäste in der Bar­barossa‑Burg konnten nicht nur selbst an einer kleinen Presse versuchsweise frischen Ap­felsaft herstellen, sondern durften auch professionell erzeugte Apfelweinspeziali­täten des Maintaler Kelterers Jörg Stier verkosten. Dazu gab es Apfelkuchen und Apfelmus zu frischen Kartoffelpuffern.

Als Objekt künstlerischer Bemühungen war der Apfel in den Aquarellen des Berli­ner Künstlers Andreas Schiller präsent. Kurzweil boten zusätzlich die historisch gewandeten Kämpen vom Verein „Freie Ritterschaft Gelnhausen“, die ein ums an­dere Mal in Händel gerieten und die Klin­gen kreuzten.

Das Fest war auch der offizielle Auftakt für ein Patenschaftsprojekt, das den Streuobstwiesen das Überleben sichern soll. Das System wird zunächst nur in der Stadt Gelnhausen angeboten, an deren Hängen in den vergangenen Jahren viele alte Obstbäume mangels Pflege verkom­men sind. Der Pflegeverband hat selbst die Pflege von über 10.000 Obstbäumen im Kreis übernommen, stößt damit aber an seine Grenzen. Deshalb entwickelten die Mitarbeiter das Patenmodell. Es sieht vor, daß Baumbesitzer, also Stadt oder auch private Grundstückseigentümer, die selbst ihre Streuobstwiesen nicht bewirt­schaften können oder wollen, mit „Baumpaten“ zusammengebracht werden, die Spaß an der Baumpflege und Ernte ha­ben.

Die Paten verpflichten sich vertraglich, die Bäume nach den Empfehlungen des Verbandes zu pflegen und auch die Wiese unter den Baumkronen regelmäßig zu mähen. Als Gegenleistung gehört ihnen die Ernte. Im Gegensatz zur sonst übli­chen Pacht größerer Streuobstflächen bie­tet dieses Modell die Möglichkeit, auch nur für einzelne Bäume die Patenschaft zu übernehmen. Es soll sogar versucht werden. den Paten die gewünschte Apfel­sorte zu vermitteln. Laut Schlünder müssen Patenschaftsin­teressenten nicht befürchten, daß sie der Aufgabe mangels Fachkenntnis nicht ge­wachsen sein könnten. Eine Broschüre des Verbandes gebe Hinweise zum Schnitt der Obstbäume. Auch ein Kurs sei in Pla­nung. Mitarbeiter des Verbandes stünden jederzeit als Berater zur Verfügung und würden bei schwierigeren Arbeiten auch selbst Hand anlegen. Darüber hinaus gel­te: „Ein weniger guter Schnitt ist mei­stens immer noch besser als gar keiner.“ Wer Baumpate werden will. erfährt Nähe­res unter Telefon 060 51 /85 42 63.

Ein weiteres Extra für Apfelfreunde bietet der Pflegeverband am kommenden Sonntag zum Schelmenmarkt in Gelnhausen. Ein Pomologe hält von 10 bis 16 Uhr Sprechstunde in der „Stattgalerie“ in der Schmidtgasse. Der Apfelkundler bie­tet kostenlos die Bestimmung von Apfelsorten an. Laut Schlünder ist bei vielen Streuobstbäumen nicht bekannt, welche Sorte sie tragen. Um Aufschluß zu erhal­ten, sollen Baumbesitzer möglichst drei gut entwickelte Früchte des fraglichen Baumes mitbringen.

 

Im April 2000 stellte der Landschaftspfle­geverband des Main‑Kinzig‑Kreises der Öffentlichkeit seine neue Broschüre „Apfel­blätter“ vor. Rund um das Thema „Streu­obst“ enthält das Büchlein eine bunte Mischung aus fachlichen Informa­tionen, praktischen Tips und unterhaltsa­men Geschichten und Anekdoten.

 

 

 

Pomologen-Verein

Der Begriff „Pomologe“ stammt ursprünglich von der Pomona, der römischen Göttin des Obstsegens. Ihr Name leitet sich von dem lateinischen Wort „pomum“ (Baumfrucht, Obstfrucht) ab. Das römische Erntedankfest trug den Namen der Göttin Pomona und wurde im Herbst gefeiert. Die Römer führten dieses Fest sogar in Irland und Großbritannien ein, wo es zusammen mit dem keltischen Fest Samhain gefeiert wurde und später von den Christen um 835 zu Halloween gemacht wurde.

Die Pomologie ist demnach die Lehre von den Obstarten und -sorten, deren Bestimmung und systematischen Einteilung. Erste pomologische Schriften wurden im 18. Jahrhundert verfaßt. Im 19. Jahrhundert entstanden mit der Zunahme des Interesses an der Züchtung neuer Sorten viele umfangreiche Bücher, darunter einige reich bebilderte, kunstvolle Werke. Zentren der pomologischen Forschung waren vor allem Deutschland und Frankreich. Die Autoren (die Pomologen) beschrieben die Obstsorten meist nicht nur, sondern züchteten selbst, beschäftigten sich mit der Verbesserung und Auswahl, widmeten einen großen Teil ihrer Zeit der Systematik und Namensgebung.

Der Pomologen‑Verein e.V. wurde 1991 in der Tradition des Deutschen Pomnologenvereins (1860‑1919) im besten europäischen Gedanken gegründet und hat neben den Mitgliedern in Deutschland Förderer und Interessenten in den europäischen Nachbarländern,

 

Aus dem Arbeitsprogramm:

- Sammeln und Bestimmen von alten Obstsorten

- Anlage von Sortengärten zu ihrer Erhaltung

- Durchführen von Obstausstellungen

- Erarbeitung von Sortenempfehlungen nach regionalen Standortanforderungen

- Beratung bei Neuanpflanzung und Sortenwahl

- Erprobung neuer Sorten für den extensiven Hochstamm‑Anbau

- Erstellen eines zentralen Sortenregisters zum Schutz der bedrohten Genreserve

- Unterstützung des Liebhaber‑ und des landschaftsprägenden Streuobstbaus

 

Der Pomologen‑Verein gibt einmal im Jahr sein Jahresheft heraus. Aus dem Inhalt: Regionale Obstsortenkunde, Bezugsquellen für alte Obstsorten. Sortenbeschreibungen. Literatur zum Thema. Pomologie in den Nachbarländern. Pomologie und Naturschutz, u.a. mehr. Austausch und Zusammenarbeit mit Pomologen‑Vereinen in Belgien, Frankreich. England, Niederlande. Österreich und Schweiz und mit anderen Vereinen und Initiativen, die den Erhalt der biologischen Vielfalt zum Ziel haben. Hrsg. Pomologen‑Verein e.V., Geschäftsstelle: c/o Wilfried Müller, Brünlasberg 52, 08280 Aue / Sachsen

 

Ein „Pomologe“ heißt außerhalb des Fremdwörterbuches „Obstsortenkundler“ und ist, im Gegensatz zu seinen Studien­objekten. ziemlich rar. 380 Mitglieder zählt der Pomologen‑Verein deutschland­weit. Der Vorsitzende Norbert Clement lebt in Hohe Leuchte 20, 35037 Marburg.

Die „Schöne von Miltenberg“ liegt Norbert Clement aus Marburg besonders am Herzen. Seit drei Jahren sucht er fieberhaft nach ihr. Einmal begegnete er ihr im vergangenen Oktober. Sie hing an einem Baum in der Rhön. Mit glänzend roten Backen auf gelber Haut ist sie eine beson­ders aromatische, uralte Apfelsorte, die schon vor 200 Jahren in den Garten‑Büchern des „Ap­felpfarrers“ Johann Ludwig Christ aus Kronberg erwähnt wurde.

Der Agraringenieur Clement, Vorsitzender des Pomologen‑Vereins aus dem sächsischen Aue, weiß: Die alten Apfelsorten mit Namen wie „Hochzeitsapfel“, „Korbacher Schmierläpp­chen“, „Odenwälder Krummstiel“ oder Roter Eiserapfel“ sind den Supermarkt‑Früchten wie „Granny Smith“ oder „Golden Delicious“ haus­hoch überlegen. Sie schmeckten nicht nur besser, sie seien auch meist viel resistenter gegen Krankheiten und müßten deshalb nicht etliche Male im Jahr gegen Krankheiten und Schädlin­ge mit der chemischen Keule behandelt wer

Wer kennt sie noch, die alten Sorten? Fast unmerklich verschwinden seit Jahrzehnten die hochstämmigen Obstbäume aus den Gärten. von den Wegrändern und Wiesen unserer heimischen Landschaft. Und mit ihnen verschwinden viele der alten Sorten, die von unseren Vorfahren während vieler Jahrhunderte gesammelt,  sorgsam gehütet und vermehrt worden waren.

Fortschreitende Spezialisierung auf wenige Standardsorten, verbunden mit der Entwicklung vom langlebigen Hochstamm‑Baum zum kurzlebigen Busch‑ oder Spindelbaum, das Verschwinden selbstangebauten Obstes vom Speisezettel als Folge des Angebotes „vereinheitlichter“ Supermarkt‑Früchte und gezielte politische Maßnahmen wie Abholzungsprämien, bewirken eine Generosion nie gekannten Ausmaßes.

Einige der alten Sorten sind uns nur noch aus Beschreibungen und aus Erzählungen unserer Eltern und Großeltern bekannt. Viele haben sich inzwischen still verabschiedet. Mit ihnen sind wertvolle Eigenschaften ( z. B. Krankheitsresistenzen) unwiederbringlich verlorengegangen.

Landauf, landab tönen aus den Gartenämtern Appelle, man möge bei Neuanpflanzungen in Grünanlagen oder im Garten auf „einheimische Sorten“ zu­rückgreifen. Ähnlich klingen Argumente bezüglich des Anbaus von heimischen Obstbäumen. Offenbar entwickelt sich ein Bewußtsein, das sich im eingeschränkten Maße am gleichen Leitbild orientiert wie der Denkmalschutz: Das, was früher war, zu erhalten.

„Mit unserer Arbeit bemühen wir uns um die Bewahrung von Kulturgütern“, umreißt Norbert Clement den Rahmen, in dem der Verein, dem er seit 1995 vorsitzt, seiner Meinung nach tätig ist: Pomologen­verein e.V. Dessen Logo zeigt den Quer­schnitt eines Apfels. Natürlich denkt je­der, der „Pomologe“ hört, an Äpfel. Doch das Gebiet der Pomologie erstreckt sich auf einen ganzen Obstsalat aus Kern‑, Stein‑ und Beerenfrüchten (mit Ausnah­me der Erdbeeren).

Der Verein gründete sich 1991 „in der Tradition des Deutschen Pomologenver­eins“. Den gab es von 1860 bis 1919, dann war die populäre Phase der Pomologie ‑ die zweite Hälfte des vorigen Jahrhun­derts ‑ endgültig vorbei, erzählt Cle­ment. Damals habe man „Vielfalt ge­schätzt und sie gefördert“, Pomologien (in etwa: Obstfibeln) aus jener Zeit zählten bis zu 800 verschiedene Apfelsorten in Deutschland. Bis nach dem Zweiten Welt­krieg seien die auf rund 40 Sorten redu­ziert worden. Clement zufolge war der Tiefpunkt erreicht, als um das Jahr 1922 herum „Ontario“, „Jakob Lebel“ und „Rheinischer Bohnapfel“ zu den drei „Reichshauptsorten“ erkoren wurden.

Clement, der sich seinen Dr. scagr. auf dem Gebiet des Landwirtschaftlichen Pflanzenbaus und seine Pomologie‑Kennt­nisse im Selbststudium erworben hat, schätzt die Zahl der hessischen Lokalsor­ten auf etwa 50. Die schmecken besser. „Nichts gegen einen Golden Delicious ‑  aber daraus läßt sich kein guter Wein ma­chen.“ Aus lokalen Sorten, sagt Clement, entstehe leckerer Apfelwein; die seien von Natur aus tendenziell sauer und müssen daher mit wenigen bis gar keinen Zusatz­stoffen behandelt werden. Mittlerweile seien deswegen auch die großen Ebbelwei­-Abfüller ganz scharf auf original hessi­sche Äpfel.

Mitunter sind das sogenannte „Hofsorten“, die nur auf einzelnen Bauernhöfen wuchsen. So seien etwa nur zwei Bäume bekannt, an denen Exemplare des „Sos­senheimer Roten“ hängen. Hat man eine alte Sorte erst einmal gefunden, kann man sie mit Hilfe von Reisig vermehren. Bis man sie findet, und darum bemüht sich ein Pomologe, muß man seine fünf Sinne einsetzen. „Hören, sehen. riechen. schmecken, fühlen: Mehr muß ein Obst­kundler nicht können, um eine Sorte zu bestimmen“, sagt Clement. Ein „geschultes Gedächtnis“ brauche er noch, um die Er­gebnisse ‑ Farbe, Form, Geschmack, Eigenart des Kerngehäuses ‑ einzuordnen.

Doch auch wenn es keiner Instrumente dazu bedarf. „Die Sortenbestimmung bei Äpfeln ist noch schwieriger als bei Grä­sern.“ Sich die Fähigkeit zur Bestimmung anzueignen, resultiere am ehesten aus einem Meister‑Schüler‑Verhältnis, meint Clement. Um etwas bedrückt anzu­fügen, daß es bundesweit gerade mal fünf Personen gebe, die im Hinblick auf Apfel „wirklich was können“. Bei Kirschen schätzt Clement die Zahl auf eins, bei Bir­nen auf zwei.

 

Verband der Apfelweinkeltereien und Fruchtsaft‑Keltereien

Dem Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft‑Keltereien gehören 64 Betriebe an, die klein‑ und mittelständisch geprägt sind und meist einen Umsatz von weniger als 150.000 Euro im Jahr verbuchen. Zu den sechs größten mit mehr als 2,5 Millionen Euro Umsatz zählen unter anderem die Keltereien Rapp's, Possmann, Höhl, Heil und Müller. Im Jahr 2000 wurden nach Angaben des Verbandes 38.000 Tonnen Äpfel verarbeitet, die hauptsächlich von Streuobstwiesen aus den Regionen Wetterau, Taunus, Odenwald, Vogelsberg, Rhön und Westerwald stammen. Die Mischung unterschiedlicher Mostobstapfel‑Sorten mit einem hohen Säuregehalt gibt dem hessischen Apfelwein den besonderen Charakter. Die Keltereien beziehen jedoch auch Äpfel aus anderen Regionen Deutschlands und dem benachbarten Ausland. Im Gegensatz zum französischen Apfelwein, dem Cidre, wird der hessische komplett vergoren, wie Martin Heil, Junior‑Chef der Kelterei Heil, betont. Deshalb ist er auch nicht so süß. Der Apfelsaft benötigt nach der Apfelernte etwa 90 Tage in den Tanks der Keltereien, um zum Apfelwein zu reifen.

Verband der Hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien e. V., Diezer Straße 7, 5429 Schönborn, Telefon: (0 64 86) 80 18, Telefax: (0 64 86) 2 20. Er schreibt in einer Broschüre:

„Das Geheimnis unserer hessischen Apfelweine ist, wie Sie feststellen werden, eigentlich keine verschwiegene Ange­legenheit. Es sei denn, Sie wollen unbedingt eines der Hausrezepte unserer Keltereien erfahren. Da sind wir stumm wie die Fische. Aus Tradition geben wir dieses klei­ne Geheimnis nur von Generation zu Generation weiter. Ansonsten verraten wir Ihnen gerne, wie unser hessischer Apfelwein hergestellt wird. Sorgfältig ausge­suchte Rohstoffe und der natürliche Herstellungsprozeß ohne Fremdzusätze garantieren eine gleichbleibende Qua­lität unserer Erzeugnisse. Sie mit modernen, naturnahen Apfelweinprodukten zu versorgen, ist uns gerade in der heutigen Zeit sehr wich­tig. Wir hessischen Apfelweinkeltereien möchten, daß Sie auch in Zukunft besten Apfelwein trinken können.“

 

 

Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“

Die gemeinnützige Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“ rührt seit 2000 für den Apfelwein verstärkt die Werbetrommel. Preisausschreiben oder Führungen über Streuobstwiesen sollen die Notwendigkeit des Apfelweinabsatzes beim Kunden aufzeigen, erklärte der Vorsitzende Paul Kuhlmann. Oberstes Ziel ist, den derzeitigen Marktanteil wenigstens zu halten.

Die Gesellschaft stellt als Trägerin der „Regionalmarke Hessen“ die hessenweite Koordinierung regiona­ler Aktivitäten zur Vermarktung sicher. Sie ist für die übergeordnete Kontrolle, die Lizenzvergabe des Zeichens, die hessenweiten Marketingaktivitä­ten sowie die inhaltliche Weiterentwicklung der „Regionalmarke Hessen“ zuständig. Diese garantiert den Verbrauchern besonders festgelegte Herkunfts‑ und Qualitäts­eigenschaften. Die Sicherstellung erfolgt über Lizenz‑ und Zeichennutzungs‑Verträge. Die Marketinggesellschaft überwacht die Einhal­tung der Bestimmungen der Lizenzverträge und schreitet gegen Mißbrauch des Zeichens ein. Ein umfassendes Kontrollsystem garantiert den einheitlichen und konsequenten Umgang mit dem Herkunfts‑ und Qualitäts­zeichen „Regionalmarke Hessen“. Die Kontrolle umfaßt alle Stationen, die ein Lebensmittel von der Produktion bis zum Einkaufskorb durchläuft. Dazu gehören Kontrollen in der pflanzlichen und tierischen Produktion, der Verarbeitung und der fertigen und verpackten Lebensmittel auf Seiten der Vermarkter.

Anschrift: Marketinggesellschaft GUTES AUS HESSEN e.V. Homburger Str. 9, 61169 Friedberg Telefon 06037 ‑ 732350, Fax 06031‑93061

Hessisches Landesamt für Regionalentwicklung und Landwirtschaft ‑Außenstelle Wetzlar Frankfurter Str. 69, 35578 Wetzlar Telefon 0644 1 ‑ 92890 Fox 06441 ‑ 9289323

oder das für Sie zuständige Amt für Regionalentwicklung, Landschaftspflege und Landwirtschaft.

 

Um den Absatz des Apfelweins bemüht sich auch die Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen e. V.“ Sie ermittelte durch eine Besichtigungstour im Jahre 2001 Einblicke in die Herstellung vom regionalen Rohprodukt Apfel bis hin zum typisch hessischen Apfelwein‑ und Saft. Dabei waren aus dem Main‑Kinzig‑Kreis eine Streuobstwiese in der Gemarkung Eichen sowie die Apfelweinkelterei Walther in Bruchköbel-Niederissigheim Besuchs‑ und Vorzeigestationen der hessenweit tätigen Organisation. In Anwesenheit des Ministers und des Bruchköbeler CDU‑Kreistagsabgeordneten Harald Hormel konnten sich die Teilnehmer von den Grundsätzen der als Familien‑GmbH geführten Kelterei Walther überzeugen. Danach werden die Äpfel für die besonders gekennzeichneten Produkte der Regionalmarke Hessen ausschließlich in heimischen Kulturen wie Streuobstwiesen und Hausgärten nach den Richtlinien des kontrolliert‑integrierten Anbaus erzeugt. Aus den so gewonnenen Äpfeln werden Apfelsaft und Apfelwein klar und trüb produziert.

Bei der Kelterei Walther sind die trüben Produkte der Regionalmarke zugeordnet und entsprechend gekennzeichnet. Darüber hinaus wird Nachweis geführt, wer welche Menge zu welchem Zeitpunkt lieferte. Das muß auch nach zwei Jahren noch genau überprüfbar sein. Verbunden sind damit aktive Pflege der Landschaft, standortgerechte Sortenwahl und praktizierter Umweltschutz. Es werden zum Beispiel von der Kelterei Streuobstwiesen gefördert, die dann eine entsprechende Kennzeichnung tragen. Auf diese Weise können Spaziergänger erkennen, wo die Äpfel für ihre Säfte und Weine geerntet werden. Auch die vorab besichtigte Streuobstwiese in Eichen wird in dieser Hinsicht, zum Beispiel durch finanzielle Unterstützung für Schnittmaßnahmen, für Produkte im Sinne der Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“ gefördert.

Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel, der selbst beim Keltern in der Kelterei Walther in Bruchköbel Hand an legte, will das Ziel dieser Maßnahmen, das hessische Nationalgetränk und auch die Apfelsäfte weiterhin in seiner Vielfalt dem hessischen Konsumenten vor Augen zu führen, weiterhin unterstützen. Dies um so mehr, da trotz ständigem Bemühen des Verbandes, der Marketinggesellschaft und der einzelnen Keltereien seit circa vier Jahren der Apfelweinkonsum kontinuierlich gesunken ist, derzeit auf 11,43 Liter pro Kopf der hessischen Bevölkerung.

 

Wilfried Schäfer, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“ und des Verbandes der Hessischen Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien meinte 2003: Der Verbrauch liege in Hessen relativ stabil, jährlich bei 11,4 Liter pro Kopf, so Schäfer. Dennoch sei der Verbrauch in den letzten 20 Jahren schleichend gesunken. „Der Äppler fängt langsam an, in Vergessenheit zu geraten“, fürchtet Christof Heil von der Kelterei Heil, Laubuseschbach. Dagegen müsse man etwas tun, „und das können die einzelnen Keltereien nicht alleine bewältigen“.

Diese Überlegung geht Hand in Hand mit dem Generationswechsel, der in vielen Unternehmen ansteht. Vor rund zwei Jahren hatten sich die Nachfolger, ein loser Verbund von rund 15 Jungkelterern aus kleinen wie großen Betrieben, zusammengesetzt, um darüber zu reden, wohin der Apfelweinmarkt geht, so Heil. Gemeinsam habe man beschlossen, „etwas für das Produkt Apfelwein zu tun“. Nämlich über die Werbekampagne der einzelnen Unternehmen hinaus eine übergreifende PR-Kampagne zu starten. „Zisch Ap...“ heißt die Aktion, die vom Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft Keltereien mit 40.000 Euro unterstützt wird. Das Motto wurde auf eine Million Bierdeckel gedruckt, die an die Gaststätten in Hessen geliefert werden. „Jeder, der in Hessen in eine Kneipe geht, soll diesen Untersetzer sehen“, sagt Heil. Vor allem junge Leute sollen sich davon angesprochen fühlen.

„Zisch Ap...“soll diese nicht verprellen, sondern dazu bewegen, den Deckel umzudrehen. „Zisch Apfelwein“ steht auf der Rückseite, noch wichtiger die Internetadresse www.zisch‑ap.de. Dort können junge Leute das ganze Jahr an Gewinnspielen teilnehmen.

Die Aktion startet am Sonntag, 4. Mai, in der Batschkapp. Dort gibt es ein Konzert mit dem Schauspieler und Musiker Jan Josef Liefers und der Sängerin Mira Kay. Dazu gibt es, natürlich, Apfelwein verschiedener Keltereien. Die 500 Karten hierzu können nur gewonnen, nicht gekauft werden. Die Teilnehmer füllen ein Formular auf der genannten Internetseite aus, der Gewinner wird per E‑Mail benachrichtigt und muß innerhalb von acht Stunden vier Freunde auftreiben, die mitkommen. Sonst verfällt der Gewinn. Unterstützt wird die Aktion, deren Kosten noch nicht feststehen, vom Hessischen Rundfunk. In der morgendlichen Sendung „Pop & Weck“ soll die Aktion beworben werden.

Natürlich wünschen sich die Jungkelterer außerdem, daß das Stöffche auch über die hessischen Grenzen hinaus Zuspruch erfährt. Apfelwein, ein multikulturelles Getränk, so die Jungkelterer. Der werde als Cidre in Frankreich, als Cider in England oder als Sidra in Nordspanien getrunken. Über Kontakte, durch ihre Mitgliedschaft im Europäischen Fruchtweinverband (AICV), hoffen sie, ihr Konzept auch andernorts umzusetzen. „Weizenbier hat es ja auch geschafft, über den Weißwurstäquator zu kommen“, sagt Heil.

 

Symposium über Europäische Apfelweinkulturen

Im Oktober 2003 gab es ein Symposium über „Europäische Apfelweinkulturen“.  Das Land Hessen hat eine europäische Initiative zur Förderung der Apfelweinkultur gestartet. Der Odenwälder Landrat Horst Schnur, Vorsitzender des Hessischen Tourismus Service (HTS), erarbeitete am Wochenende im südhessischen Reichelsheim mit Vertretern aus Spanien und Österreich eine entsprechende Vereinbarung. Sie sieht unter anderem die Planung gemeinsamer touristischer Angebote vor.

Der hessische Agrarminister Wilhelm Dietzel begrüßte die Initiative. Die großen hessischen Apfelweinproduzenten wie Possmann hatten dagegen kurzfristig ihre Mitarbeit bei dem Projekt zurückgezogen. Diese Entscheidung ist für Schnur unverständlich, ging doch die Initiative ursprünglich von den großen Betrieben aus. Sie forderten Unterstützung angesichts des langsamen aber stetigen Verlusts der Kundschaft. So ist der Apfelweinkonsum in Hessen nach Angaben des Landrats in den vergangenen 15 Jahren von 13 Litern auf etwa zehn Liter pro Kopf gesunken, bundesweit liegt er nur noch bei 1,5 Liter.

So organisierte Schnur gemeinsam mit dem Naturschutzzentrum Hessen in Wetzlar ein Symposium über Europäische Apfelweinkulturen. Damit traf er in den Apfelweinregionen Astu­rien in Spanien und dem Mostviertel in Niederösterreich auf Gegenliebe. Weitere Partner, etwa die Normandie und die Bretagne in Frankreich sowie Anbaugebiete in Irland, England, Polen und Slowenien haben bereits Interesse bekundet. „Selbst in Südschweden, Finnland und der Schweiz gibt es Reste von Apfelweinkultur“, erklärt Eckard Engert vom Naturschutzzentrum. Fast überall steht das Getränk im übermächtigen Schatten des Traubenweines und kämpft um sein Überleben.

Eine gemeinsame Aktion mit Unterstützung der Europäischen Union (EU) kann da nur nützlich sein. Um das Modell der Kommission schmackhaft zu machen, wurden der Umweltschutz und der Tourismus mit ins Boot geholt. So soll in dem Projekt die Geschichte des Apfelweins, der ursprünglich aus Spanien kommt, ebenso untersucht werden wie die ungefähr 4.000 europäischen Apfelsorten und die Bedeutung der Streuobstwiesen. Ein gemeinsamer Internetauftritt, Apfelweinfestivals und ‑messen oder auch eine europäische Apfelweinroute sollen das Getränk in die Öffentlichkeit bringen.

Diese Werbung kann den hessischen Produzenten nur recht sein, sagt Kelterer Johannes Happe aus Limburg, der jedes Jahr rund 6.000 Tonnen hessische Äpfel verarbeitet. Er fühlt sich in Sachen Marketing vom Verband der hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien allein gelassen. Daß Verbandsvertreter ihre Teilnahme am europäischen Symposion kurzfristig zurückzogen, paßt für ihn ins Bild: „Da spielen unbegründete Ängste eine große Rolle.“

Die Befürchtungen erschließen sich erst mit dem Blick auf Asturien. Dort liegt der Cidra‑Verbrauch inzwischen bei 55 Litern pro Kopf. Mit einer regionalen Kampagne, die mit EU‑Geldern unterstützt wurde, ist es den Kelterern gelungen, das Getränk wieder hoffähig zu machen. Dazu gehört jedoch auch ein Gütesiegel samt Kontrollinstanz, das für die regionale Herkunft der Äpfel bürgt.

Ein solches Siegel könnte die großen hessischen Produzenten in Schwierigkeiten bringen. Nach Information von Insidern greifen sie für ihre Massenware auf billiges Apfelsaftkonzentrat zurück, das vor allem aus China geliefert wird.

Nach Ansicht von Schnur läßt sich diese Entwicklung nicht aufhalten. Er ist sich sicher, daß die Firmen Possmann, Höhl und Heil nach einer Bedenkzeit beitreten werden. Vertreter der Unternehmen waren am Wochenende nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

 

Verein Apfelwein Hessen
Dieser Verein ließ 2013 den größten Bembel der Welt herstellen und zeigte ihn auf dem Apfelweinfest auf dem Roßmarkt.

 

Apfelwein Centrum Hessen

Der neu gegründete Verein stellte sich im April 2014 in Hanau vor. 100.000 Apfelbäume müßte man jedes Jahr neu pflanzen, um den Bestand an Streuobstwiesen in Hessen zu halten. Und damit die Rohstoffbasis für den „Äppelwoi“. Aber wie die Zahl der Apfelbäume ist auch der Apfelwein seit Jahren auf dem absteigenden Ast. Dem will jetzt das Apfelwein Centrum Hessen (ACH) entgegensteuern. Am Freitag gingen dessen Protagonisten in Hanau an die Öffentlichkeit.

Es war denn auch eine illustre Riege, die sich da in der Remisengalerie des Schlosses Phil­ippsruhe für das hessische Nationalgetränk ins Zeug legte, darunter Landrat Erich Pipa, Bürgermeister Erhard Rohrbach aus der Äppelwoi-Hochburg Maintal, Dr. Johanna Höhl von der gleichnamigen Kelterei in Hochstadt, deren „Pomp“ erst vor wenigen Tagen durch den Innovationspreis 2010 geadelt wurde, und natürlich Jörg Stier, der Apfelwein-Papst aus Bischofsheim und Vorsitzender des ACH.

Ihnen allen ist gemeinsam, daß sie den stetigen Abwärtstrend beim Äppelwoi bremsen wollen, der durch die verschiedensten Faktoren bedingt immer mehr an Beliebtheit bei den Konsumenten verliert. Geänderte Konsumgewohnheiten generell und vor allem bei der jüngeren Generation, die mehr auf „In-Getränke“ schwört, oder die steigende Zahl muslimischer Konsumenten. die gar keine alkoholhaltigen Getränke kaufen, wurden unter anderem als Ursachen genannt.

Vor allem aber hat der Äppelwoi wohl ein Imageproblem. Er gilt als altbacken. So ist der Konsum pro Kopf in Hessen seit 1996 von 13 auf deutlich unter zehn Liter im Jahr gefallen. Allein Frankfurt hält einen einsamen Rekord: Unter fleißiger Mithilfe der Touristen in Sachsenhausen werden dort pro Nase jährlich 50 Liter geschlotzt. Die aber kommen zu einem beträchtlichen Teil inzwischen aus Bayern. Und frische, innovative Produkte wie der „Pomp“ aus Hochstadt machen den Rückgang mengenmäßig nicht wett.

Seit Jahren versuchen einsame Kämpfer wie der Bischofsheimer Jörg Stier dem Apfelwein seine Individualität zurückzugeben, die er einst hatte, bevor er zu einem Industrieprodukt wurde. Der uniforme Geschmack des in industriellem Maßstab mit von weither herangekarrtem Apfelsaftkonzentrat hergestellten Apfelweins dürfte nämlich maßgebliche Mitschuld am Niedergang des Nationalgetränks der Hessen haben. Dessen ursprüngliche Originalität war bedingt durch eben jene Sortenvielfalt auf den Streuobstwiesen, was nahezu jeder Charge Apfelwein einen eigenen Ton gab. Diese Symbiose von Streuobstwiese und Apfelwein war jahrhundertelang ein prägendes Stück hessischer Regionalkultur.

Sein Verein wolle genau dieses Stück hessischer Regionalkultur stärken und fördern, erklärte Keltermeister Stier, der auch dem ACH vorsitzt, das Ziel des gemeinnützigen Vereins. „Unser Stöffche hat so viele unbekannte Seiten, die wollen wir aufbereiten.“ Dazu plane der Verein die Einrichtung eines Apfelwein Centrums als Heimat des „Stöffches“. Es solle die vielseitige Geschichte des Getränks im Wandel der ökonomischen und ökologischen Entwicklungen aufbereiten und greifbar machen. Darüber hinaus wolle man auch die Zukunft des Apfelweins mitgestalten. Deshalb sammle das ACH Ideen und Anregungen für die Weiterentwicklung der Apfelweinkultur.

So werde man, da ist sich Stier sicher, wieder mehr Verständnis für das hessische Nationalgetränk wecken und Anknüpfungspunkte für dessen Geschichten bieten. Man setze darauf, daß über den Apfelwein durchaus Emotionen ausgelöst werden könnten, welche die Hessen wieder stärker mit ihrer Heimat verbänden. Dafür will sich das Apfelwein Centrum Hessen nicht nur an einem festen Standort engagieren, sondern auch werbend durch die hessischen Lande touren. Natürlich wurde in der Remisengalerie nicht nur über das Stöffche gebabbelt, die Erzeugnisse mehrerer hessischer Apfelweinkeltereien erfreuten zahlreiche durstige Kehlen.

Den Auftrag zur Gestaltung eines Logos für das Apfelwein Centrum Hessen hat der junge Verein übrigens den Schülern der zwölften Fachoberschulklasse für Gestaltung an der Hanauer Eugen-Kaiser-Schule vergeben. Die sichtlich vom Besuch in einer Apfelweinkelterei inspirierten Ergebnisse werden das Vereinsziel künftig farbenfroh unterstützen. Werner Kurz

 

Unter anderem nimmt sich der Verein die Einrichtung eines Apfelwein-Centrums als geistige Heimat des „Stöffche“ sowie die Entwicklung einer stationären und einer mobilen „Apfelwein-Erlebniswelt“ vor. Durch Veranstaltungen, Diskussionen, Ausstellungen und Kulturprojekte will das Apfelwein-Centrum Hessen den Apfelwein in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken. Informationen und Hintergrundwissen rund um den Apfelwein in aller Welt aufbereiten und eine Literatur- und Materialsammlung für alle Apfelwein-Fans aufbauen.

Die Stadt Maintal bat der neu gegründete Verein um Unterstützung beispielsweise bei der Raumsuche für eine Geschäftsstelle, die von Ralf Sachtleber auch zugesagt wurde. „Die Stadt hat immer ein offenes Ohr und wird das Apfelwein-Centrum Hessen gerne auch bei der konzeptionellen Arbeit unterstützen, versprach der Maintaler Umweltdezernent. Der Apfelwein als hessisches „Nationalgetränk“ sei für die Maintaler ein hoher Identifikationsträger mit der Region und die Streuobstwiesen nicht nur wertvolles Naturschutzgebiet, sondern auch Heimat für viele alte Apfelsorten, aus denen ganz besondere Apfelweine entstehen.

 

 

Hessische Apfelweinstraße

 

Im Jahre 1958 war zum erstenmal die Rede davon, eine Apfelweinstraße ins Leben zu rufen, um die heimischen Spezialitäten aus dem gastronomischen Be­reich ins rechte Licht zu rücken. Wie es eine Weinstraße schon damals gab, so sollte auch eine Apfelweinstraße nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das kam damals aber nicht zustande, weil die Behörden nicht zustimmten. Noch mehr­mals wurde erneut die Idee aufgegriffen. Als in Maintal ein Verkehrsverein gegründet wurde, lebte die Idee der Apfelweinstraße wieder neu auf.

Im Jahre 1972 gründeten der Verkehrsverein Bergen-Enkheim und die Touristik-Referate der Städte Frankfurt. Hanau und Maintal die Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Apfelweinstraße. Ziel der AG ist es, hessisches Brauchtum, insbesondere was Leib und Seele betrifft, zu fördern. Da steht an erster Stelle der „Äppelwoi“, der als urtypisch hessisches Getränk die Lebenskultur der Region wohlschmeckend verkörpert. Und da der wertvollste Rohstoff, die vielen verschiedenen Apfelsorten, auf den Streuobstwiesen entlang der Apfelweinstraße wachsen, lohnt sich ein Besuch dieser Route zu jeder Jahreszeit.

Am 29. August 1982 wurde  im Rathaus von Maintal der Verein „Hessische Apfelweinstraße“ ins Leben gerufen. Von diesem Tag an ist Karl Halbow aus Bergen-Enkheim Geschäftsführer der „Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfel­weinstraße“. Die „Arbeitsgemeinschaft Hessi­sche Apfelweinstraße“ besteht aus Vertretern der Städte Hanau, Maintal und Frank­furt sowie Kel­tereien, Gastwirten, Vereinsver­tretern und anderen bekannten Persönlichkeiten.

 

Aufgaben

Die Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfel­weinstraße hat sich der Pflege dieser ku­linarischen Spezialitäten aus unserer Heimat angenommen. Mit dem jährli­chen Apfelweinfest selbst sorgt die Ar­beitsgemeinschaft dafür, daß dieses Stück hessische Lebensart erhal­ten bleibt.

„Die Hauptarbeit der Arbeitsgemein­schaft ist das jährliche Apfelweinfest“, erläutert Karl Halbow, Geschäftsfüh­rer der Apfelweinstraße. Alljährlich wird das Fest mit einem großen Umzug eingeleitet, der durch die Zentren der Apfelweinkultur um Frankfurt zieht. Von Steinheim über Kesselstadt reist der Zug nach Wachenbuchen und Hochstadt, bevor er über Bergen und Sachsenhausen zum Festplatz auf dem Römerberg in Frankfurt fährt.

Dort wird auch der Apfelweinpreis an Persönlichkeiten verliehen, die sich be­sonders um das „Stöffche“ verdient ge­macht haben.  „Die Leute sehen immer nur einen Teil unserer Tätigkeit, wenn der Festzug bei ihnen vorbeirauscht“, erzählt Karl Halbow. Um das auszugleichen, veran­staltete die Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfelweinstraße im vergangenen Jahr 1988 einen Fotowettbewerb für Amateure

Mit der Apfelweinstraße und vielen Aktivitäten wurde in den vergangenen Jahren Werbung für die hessische Gastronomie gemacht, und es blieb nicht nur bei den vielen Formen des selbst gekelterten Apfelweins. Die Wirte waren auch stolz auf ihren Speisezettel, der in seiner Vielfalt zahllose Besucher anlockte. Doch nicht nur Speis’ und Trank in den Gasthäusern zwischen Sachsenhausen und Steinheim  schafften Freunde, sondern zu einer gelungenen Werbung gehörte natürlich auch die Prominenz.

Die ließ sich nicht lange bitten, um beim Apfelweinfest am Römer in Frankfurt zu erscheinen und die

Arbeitsgemeinschaft mit mehr als einem halben Hundert Mitglieder hatte alle Hände voll zu tun, „Königinnen“ zu küren, Preise und Urkunden zu vergeben und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auszuzeichnen.

Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es, den Ebbelwei noch bekannter und be­liebter zu machen, die dazu pas­senden typischen Gerichte zu erwähnen (und dafür Sorge zu­ tragen daß sie in den sogenann­ten Ebbelwei‑Kneipen auch wirklich angeboten werden), wie Bratwurst, Rippche und Haspel, und die Lieder und Gedichte vorn Apfelwein zu fördern. Die Hauptaufgabe sehen die Männer und Frauen der Arbeitsgemein­schaft allerdings darin, das hessi­sche Brauchtum zu erhalten. Dazu gehören die jährliche Verlei­hung des Ehrenpreises der Ar­beitsgemeinschaft und die Organisation des Apfelwein-Straßen­festes auf dem Römerberg.

Jährlich werden das Steinheimer Bundes‑Apfelwein‑Königspaar, die Bergen‑Enkheimer Apfelweinkönigin und die Sachsenhäuser Brunnenkönigin gekürt, die bei Volks‑ und Vereinsfesten für das hessische Nationalgetränk werben.

Einmal im Jahr veranstaltet die AG Apfel­weinstraße dieses Fest auf dem Frankfur­ter Römerberg. Dort vor der Bühne können sich die Besucher bei Apfelwein und einem kleinen Imbiß ausruhen und sich von dem Programm unterhalten lassen.

 

Verlauf

Der Verlauf der „Hessischen Äppelwoistra­ße“ war zunächst noch etwas umstrit­ten. Vor allem Frankfurts Vertreter H. Ackermann zeigte zunächst noch Zurückhaltung. Doch schließlich wurde der Vorschlag des Maintaler Verkehrsvereins über die Streckenführung der Äppelwoistraße einstimmig akzeptiert und genehmigt. Hier nun die Streckenführung der „Hessischen Apfelweinstraße“: Beginn in Steinheim am neuen Autobahnzu­bringer über das Steinheimer Obertor zur Ludwigstraße bis zur Main‑Brücke. Dann geht es weiter nach Hanau‑Kessel­stadt über den Beethovenplatz zur Ho­hen Tanne, weiter nach Maintal‑Wa­chenbuchen, Hochstadt in Richtung Bi­schofsheim. Von der Berger Straße über die Vilbeler Landstraße führt die Äppel­woistraße nach Enkheim und weiter nach Frankfurt‑Seckbach. Dort könnte die Straße, so Peter Sau­ter abschließend, über Bornheim nach Sachsenhausen weitergeführt werden.

Die Krönung in jedem Jahr ist der große Umzug von Steinheim über Wachen­buchen, Bischofsheim, Bergen‑Enkheim nach Frankfurt, wo auf dem Römerberg dann ein großes Apfelweinfest mit der Vergabe des Apfelweinpreises stattfindet.

 

Die Hinweisschilder mit  dem Bembel als Symbol, die von einer Maintaler Kelterei gestiftet werden, sollen an den jeweiligen Ortseingängen bzw. Ausgän­gen installiert werden. Außerdem kön­nen die Wirte von Gaststätten, die an der Äppelwoistraße liegen, ihre Häuser mit den Tafeln kennzeichnen, damit Besucher sofort erkennen, diese Gaststätte gehört zur Hessischen Apfelweinstraße. Einziges Kriterium für den Erwerb der „Bembel‑Schilder“ ist, daß in den Gast­häusern das „Hessische Nationalge­tränk Nummer 1“ auch ausgeschenkt wird.

„Jede Gaststätte, die unseren Vorstellungen entspricht, be­kommt ein Schild an die Tür“, so Geschäftsführer Karl Halbow. „Die typischen hessischen Ge­richte müssen schon angeboten werden.“

 

„Die Ebbelweistraß’, wie jedem klar,

die schlängelt sich grad wie de Maa.

In Staa­nem die ihrn Aafang hat,

mecht iwwer die Brück nach Kesselstadt,

von Wilhelmsbad mer sehe kann,

kimmt die in Wachebuche an.

Da werd se dann total geknickt

nach Hochstadt dosch es Dorf geschickt.

Da tankt se Wei un mecht o Wunner

direkt nach Bischem da enunner,

da hört se mit ihrm Schwung net uff

un mecht nach Ber­je‑Enkem nuff.“

 

 

Die Hessische Apfelweinstraße, die so von Adolf Amberger besungen wird, ist genauso wenig natürlich, wie etwa die Märchenstraße, die Straße der Romanik und andere werbeträchtige Verknüpfun­gen von Orten. Bezeichnenderweise ent­hält der zitierte Reim auch in seiner Fort­setzung nicht einen Hinweis auf die drei Städte, deren Vertreter in Gemeinschaft mit Keltereien, Gastwirtschaften, Verei­nen und „beratenden Persönlichkeiten“ die Apfelweinstraße verkörpern: Hanau, Maintal und Frankfurt.

 

Zum 30. „Bundes‑Äppelwoifest“ im Hanauer Stadtteil Steinheim  soll die Äppelwoistraße aus der Taufe gehoben werden. Ein großes Er­öffnungsfest, an dem sich alle Städte beteiligen ist aus organisatorischen Gründen erst für nächstes Jahr geplant.

 

Eröffnung:

Seit Mai 1983 ist Hanau Ausgangsort für zwei „berühmte“ Straßen, nämlich die „Deutsche Märchenstraße“ und nun auch noch die „Hessische Apfelweinstraße“, wenn diese auch mit ihren nur 32 Kilometer Länge der Deutschen Märchenstraße nicht ebenbürtig ist. Selbst zeitweise strömende Regengüsse hinderten die Bürger Steinheims nicht daran, an dem festlichen Auftakt zur Eröffnung der Hessischen Apfelweinstraße auf dem Platz vor der Gedächtniskirche teilzunehmen.

„Jetzt schlägt’s 13“, meinte der langjährige Betreuer des Steinheimer Heimatmuseums, Karl Winter, als Hanaus Oberbürgermeister ­Hans Martin die Hessische Apfelweinstraße offiziell für eröffnet erklärt hatte. Karl Winter, der in mühsamer Arbeit das alte Uhrwerk hoch oben im Kirchturm wieder auf Vordermann gebracht hatte, sah offenbar in der Apfelweinstraße einen Jux, denn er ließ die Kirchenglocken mittags 13 mal läuten. Der burgähnliche Kirchturm, zu dessen Füßen sich trotz des Regens einige Hundert Bürger eingefunden hatten, war übrigens erstmals zu Ehren der Apfelweinstraße beflaggt.

Oberbürgermeister Hans Martin betonte, daß die Hessische Apfelweinstraße, zumindest was den Steinheimer Teil angeht, im vergan­genen Jahr beim Äppelwoifest aus der Taufe gehoben worden sei. Das Kind sei schnell gewachsen und könne nun bereits in die Selb­ständigkeit entlassen werden, betonte er. Steinheim sei ein würdiger Ort für den An­fang der „Route der Gastlichkeit“ zwischen Hanau und Frankfurt. Dies werde durch das Engagement der Beteiligten an der Gesamt­vorbereitung deutlich, die nach dem Start des Festzuges in Steinheim zünftig das Ereignis mit dem goldenen Apfelwein weiter feiern wollten.

Der Oberbürgermeister dankte bei dieser Ge­legenheit dem Maintaler Verkehrsverein für die Federführung der Arbeitsgemeinschaft so­wie allen Städten und Gemeinden, die für die gemeinsame Sache geworben und mitgewirkt hätten, einen attraktiven Festzug auf die Bei­ne zu stellen. Die Steinheimer Karnevalsgesell­schaft mit zwei Motivwagen und ihrem Fanfarenzug stellte dabei den größten Einzelbei­trag.

Während der Rede des Oberbürgermeisters trafen auch eine Delegation aus Steinheims Partnerstadt Doorn ein, die es sich nicht neh­men ließ, dem „historischen Ereignis“ beizu­wohnen. Bevor Martin den Steinheimer Wir­ten ihre Apfelweinstraßen‑Schilder aushändigte, begrüßte er neben dem Steinheimer Apfelweinkönigspaar Sigrid I. und Wolf  I., die 492. Brunnenkönigin von Sachsenhausen, Elke I., und die Bergen‑Enkheimer Apfelweinkönigin Heike‑Charlotte I.

Dann setzte sich der Festzug durch Steinheim in Bewegung. Über die Philippsruher Allee ging dann die Tour zunächst nach Wachenbuchen und Hochstadt, wo der Festzug im historischen Ortskern von vielen begeisterten Bürgern begrüßt wurde. Die Steinheimer Fanfa­renbläser traten hier, wie bei den noch folgenden Etappen der Apfelweinstraße in Aktion. Überall wiederholte sich das Zeremoniell der Schilderausgabe an die Wirte der Apfelwein­lokale, während die Zuschauer Kostproben des hessischen Nationalgetränks gereicht be­kamen. Schwerarbeit zu leisten hatten bei diesem 32 Kilometer langen Umzug nicht nur die Mit­glieder des Steinheimer Fanfarenzuges, sondern auch die Delegation der Deutschen Märchenstraße, die die gesamte Strecke per Fahrrad mitfuhr und so dem bunten Zug das Tüpfelchen aufs i aufsetzten. Eine längere Rast wurde in Maintal‑Bischofsheim eingelegt, wo auf dem Rathausvorplatz das Bischofsheimer Musik‑Korps ein Platzkonzert gab. Während die Zugteilnehmer im Kantinensaal des Rathauses bei „Worscht und Äppelwoi“ ver­schnauften, feierte man auf der Straße und im kleinen Festzelt das Ereignis. Junge Burschen von der Bernemer Kerwegesellschaft in hessi­scher Tracht boten Brezeln an, während von dem Motivwagen mit der original Kelterpresse der Rohstoff für den Äppelwoi, nämlich rotbäckige Äpfel gereicht wurden. Stadtrat Günter Hack waltete zwischendurch seines Amtes und händigte den Bischofsheimer Wir­ten ihre Schilder aus, mit denen sie künftig

darauf hinweisen, daß sie original hessische Speisen, wie „Handkäs mit Musik“ oder­ Rippchen mit Kraut und dazu Apfelwein im Angebot haben.

In Bergen‑Enkheim erreichte der Umzug die           Frankfurter Stadtgrenze. Zuvor jedoch hatte           er über eines der interessantesten Teilstücke der Apfelweinstraße zwischen Bischofsheim und Bergen geführt, wo man bei schönem Wetter einen herrlichen Blick über das Main­tal genießen kann. Ortsvorsteher Gerd Rie­chemeier begrüßte die Zugteilnehmer vor der Kulisse des nun als Museum dienenden alten Rathauses von Bergen‑ Enkheim. Auch hier gab es für die Initiatoren der Idee, eine Straße nach dem Vorbild der Weinstraße zu schaf­fen, viel Lob. Die Bürger am Rande drängten sich nach dem „goldisch Stöffsche“, das von Nichthessen fälschlicherweise als sauer be­zeichnet wird. Die an der Aktion beteiligten Wirte hatten einige hundert Liter Apfelwein gespendet, der offenbar jeden mundete.

Auf dem Frankfurter Römerberg fand der Festzug im dichten Gedränge schließlich sein Ende. Leider regnete es später in Strömen, so daß in den eigens aufgebauten Gartenwirt­schaften niemand lange sitzen konnte, ohne sich einen Schnupfen zu holen. Der Frankfur­ter Stadtrat Brück machte es denn auch bei seiner Rede unter dem Regenschirm recht kurz und überließ Akteuren wie der Volks­schauspielerin Liesel Christ, dem Stimmungs­sänger Benny Maro, der Jux‑Dixielandgruppe „die Schoppeschlepper“, dem Bischofsheimer Musik‑Korps und anderen Akteuren die über­dachte Bühne vor dem Römer.

                                                                                                                                

Die bisherigen Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfelweinstraße seit der Gründung zeigte im März 1989 eine interessante Wanderausstellung, die gestern im Bischofsheimer Rathaus eröff­net wurde und dort drei Wochen zu sehen ist. Bür­germeister Unger meinte zur Er­öffnung: „Das ist hier genau der richti­ge Ort für die Ausstellung, denn schließ­lich ist Maintal die Apfelwein‑Metro­pole schlechthin und im Bischofsheimer Rathaus wurde die Apfelweinstraße auch ins Leben gerufen.“

 

Im Jahre 1991 kündigte die Arbeitsgemeinschaft einen Wanderweg von Bornheim, Lohrberg, Bergen‑Enkheim über Maintal und Hanau bis nach Steinheim an. Dieser Weg soll in Etappen eingeteilt werden und mit öffentlichen Verkehrsmit­teln erreichbar sein. Genauso wird ein Radfahrweg vorbereitet. Am 27. April 1991

wurde das Apfelblütenfest in der Bergen‑Enkheimer Stadthalle veranstaltet. Hier wurden viele optische und musikalische Attraktionen geboten (Adam und die Mickys, die Stellbergs, Steinheimer Altstadtraben, Akrobatik‑ und Tanzgruppen). Karl Oertel moderierte diese Veranstaltung mit einer Verlosung mit tollen Preisen.

In der ersten Maiwoche 1992 wurde der Fahrrad­weg „Apfelweinstraße“ vom Hessen Center Ber­gen‑Enkheim über Maintal nach Hanau (Stein­heim) eingeweiht.

 

Neben jenen Gaststätten sind in diesem Heft auch Rad‑ und Fußwege rund um die Apfel­weinstraße dargestellt. Diese Routen führen von Sachsenhausen bis nach Steinheim, wobei auch Parkplätze eingezeichnet wurden, an denen man sein Fahrzeug abstellen kann um sich zu Fuß oder mit dem Rad auf die Apfelweinroute zu begeben. Die Hessische Apfelweinstraße verläuft von den Frankfurter Stadtteilen Sachsenhausen, Bornheim, Seckbach und Bergen‑ Enkheim über die Maintaler Stadtteile Bischofsheim, Hochstadt und Wachen­buchen und erreicht über Hanau‑Wilhelmsbad, Kesselstadt schließlich Steinheim.

1993 wurde neben der Apfelweinstraße auch ein Radweg markiert. Der führt vom Hessen‑Center durch Wald und Ried über Hochstadt bis zum End­punkt Hanau‑Steinheim. Auch in der Beschreibung dieses Radweges wird Hochstadt als „das Rothen­burg des Hanauer Landes“ bezeichnet und die Ap­felweingaststätte „Goldene Krone“ als angenehmer Aufenthaltsort gepriesen. Natürlich darf bei dieser Route der Gastlichkeit Deutschlands größte und älteste Apfelweinkelterei Höhl in Hochstadt nicht fehlen.

 

Preisträger:

Von 1985 an wird jedes Jahr eine Persönlichkeit, die sich um das hessische Brauchtum verdient gemacht hat, mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. Preisträger waren Frank Lehmann, Liesel Christ, Lia Wöhr, Heinz Schenk, Heinz Marosch (Benny Maro), H.P. Müller, Bembel‑Sammler Helmut Lenz (1991), Karl‑Heinz Stier vom Hessischen Rund­funk der Hanauer Radio‑ und Fernsehunterhalter Rainer Bange („Bange machen gilt nicht“ und „Nur keine Ban­ge“)( 1995), Hans‑ Jürgen Moog (1997), Jutta W. Thomasius (1998), der Regisseur und Leiter des Volkstheaters Wolfgang Kaus (1999).

Der Träger des Ebbelweiprei­ses 2000 hieß Karl Oertl. Beim 17. Ebbelwei­-Fest am Samstag auf dem Römerberg übergab OB Petra Roth (CDU) dem „Hes­sen mit Herz“ seine Urkunde. „Mein roter Freund“ begrüßte die OB den Preisträger, der seine Ehrung ‑ trotz gegensätzlicher politischen Coleur ‑ für sein 20‑jähriges Engagement bei „Hessen lacht zur Fassenacht“ erhält, so Roth. Al­lein 15 Jahre war Oertl dort Sitzungspräsi­dent und habe als solcher die hessische Kultur bis weit über die Landesgrenzen hi­naus­getragen. In seiner Dankesrede be­zeichnete sich Oertl als „kein Mann der großen Worte“ und sorgte damit für großes Gelächter im Publikum.

Im Jahr 1992  über­reichte Oberbürger­meister Andreas von Schoeler eine kleine Kelter an Gaby Reichardt. Sie wohnt in Massenheim, einem kleinen Örtchen bei Hochheim, zehn Kilometer vor Wiesbaden. Lange Zeit war Gaby Reichardt in Frankfurt ansässig - ist auch dort zur Welt gekommen. „Der Weg nach Mainz ins Theater war mir aber dann auf Dauer doch zu weit.“ Jetzt wohnt sie mit ihrem Mann, ihren Haustieren und ihren Rosen im Städtedreieck Mainz­-Wiesbaden‑Frankfurt: ihrem Wirkungskreis in Funk und Theater, verbunden mit den Aktivitäten für das Hessische Brauchtum. Sie wird oft als „e Frankforter Mädche“ beschrieben. Und sie ist mit „ihrer“ Stadt auch noch sehr eng verbunden. Allerdings läßt sie sich nicht gerne in Schubladen stecken; sie, möchte offen sein für alles, für jeden ‑ keine Vorurteile, keine Mätzchen. Sie ist nicht nur Frankfurterin: sie ist Hessin, sie ist einfach Mensch. Das ein­fachste, was es geben sollte, eben Mensch zu sein, entpuppt sich als das schwierigste Unter­fangen des Lebens. Einen lan­gen Lernprozeß hat Gaby Reichardt hinter sich, um da­hinzukommen, wo sie jetzt ist: Sie sitzt im Studio des Hessi­schen Rundfunks; moderiert in HR 4 das Wunschkonzert zwi­schen 14 und 16 Uhr. Sie lacht, scherzt mit ihrem Chef vom Dienst und mit Technikerin Monika, hält die beiden bei Laune, genau wie die Hörer draußen. Gaby Reichardt bringt sich und ihre Stimme voll rüber: über Mikrofon in die Herzen der Hörer. Jedem Postkartenwunsch, den sie in ihren Sendungen erfüllen kann, gibt sie ein Stückchen von sich mit. Die Sendungen kommen gut an. Gaby Reichardt ist ein­fach da ‑ nichts weiter. „Vorur­teile gegenüber Menschen, die ich nicht kenne, abzubauen, habe ich hier bei meiner Arbeit im Radio gelernt. Bei den Studiogesprächen mit Musikern zum Beispiel hat sich oft her­ausgestellt, daß es liebe Men­schen sind, ‑ die ungeheuer kämpfen müssen im Leben. Da habe ich mich geschämt, weil ich aufgrund des Platten‑Co­vers Vorurteile gehabt habe“, gesteht Gaby Reichardt.

Als nächster Titel kommt Udo Jürgens, den mag sie beson­ders. Ansonsten ist viel Volkstümliches bei ihr on Air. „Ich mußte mich schon erst an die Musik gewöhnen. Zu Hause habe ich mir die Platten ange­hört und nach einem Viertel­jahr habe ich dann schließlich Ja gesagt. Denn wenn ich von etwas nicht hundertprozentig überzeugt bin, lasse ich es lie­ber bleiben.“

Seit 1975 mode­riert sie jetzt beim HR und immer noch mit derselben Freude. „Ein Vorteil bei mei­nen Sendungen ist, daß ich ­auch einiges im hessischen Dia­lekt machen kann.“ Und genau das ist mit ein Grund, daß sie die Preisträgerin des Ehren­preises der „Arbeitsgemein­schaft Hessische Apfelweinstraße“ 1992 ist. Gaby Reich­ardt setzt sich für ihre Sprache ein, hilft dem hessischen Brauchtum, nicht unterzuge­hen.

Allerdings wäre eine hessisch babbelnde Hessin noch keine Preisträgerin. In allen Rollen ihrer Laufbahn als Schauspie­lerin ist die Liebe zu ihrer Hei­mat zu spüren und immer, wenn es gilt, eine Rolle zu spielen, die mit ihrer Heimat und den Menschen dort zu tun hatte, war sie mit besonderem Eifer bei der Sache.

Alle ihre Engagements aufzu­zählen, ist kaum möglich. Die bekanntesten sind: Mit Joseph Offenbach das Marieche im „Datterich“, bei den Städti­schen Bühnen im „Schinder­hannes“ das Julchen, in sech­zehn Folgen das Malche bei „Familie Hesselbach“ und im „Biberpelz“ war Hans Joachim Kulenkampf ihr Partner.

Ihr Lebenslauf im Steno­gramm: Nach dem Abitur be­suchte sie von 1956 bis 1958 die Schauspielschule. „Sauer werde ich eigentlich immer nur dann, wenn jemand eine große Lippe riskiert und sein Hand­werk nicht beherrscht. Ich habe meines gelernt. Das weiß ich.“ Im selben Jahr wurde sie von der Landesbühne Rhein- Main verpflichtet. Seit 1966 ist sie am Staatstheater in Mainz enga­giert ‑ unkündbar. Stationen bei Radio und Fernsehen, so­wie bei Lesungen und unzäh­lige Engagements in Theater­rollen folgten. .

Ein nettes Apercu aus ihrem Leben erzählt sie am Rande: „Wenn ich für den Hessischen Rundfunk bei öffent­lichen Ver­anstaltungen moderiert habe, bin ich in meinen Radio‑An­fangszeiten grundsätzlich nur mit Perücke aufgetreten. Die hatte ich vom Theater passend zu mir. Ich habe lange ge­braucht, um ich selbst zu sein. Es galt, nicht wie am Theater, eine Rolle zu spielen, sondern einfach Du zu sein. Das war schwer.“ Jetzt braucht sie keine Perücke mehr.

 

Mundart:

Hessische Spezialitäten und Sprache hoch halten, hat sich auch die Arbeits­gemeinschaft Hessische Apfelwein­straße e. V. auf die Fahnen geschrie­ben und auch schon einiges zur Tradi­tionspflege beigetragen. Getreu ihrer Satzung hat sich die Ar­beitsgemeinschaft nun für die nächs­ten Jahre vorgenommen, hessische Lieder am Apfel­weinfest auf dem Rö­merberg und bei anderen Veranstal­tungen ‑ auch in Maintal ‑ vorzustel­len.

Heinz Schönberger, ehemaliger Big Band‑Chef des Hessischen Rund­funks, und Vorstandsmitglied Adolf Amber­ger, bekannt als „Appelwoi‑Po­et Amby“", haben sich nun zusammen fünf neue Lieder einfallen lassen, um damit die Menschen zu erfreuen. Eine gute Idee, wie auch die Spitzmaus meint.

Los geht es mit „Frankforterisch fer Aafänger“ ‑ ein Lied natürlich nicht nur für Frankfurter. Denn den Text versteht in dieser Regi­on jeder. Ein kleiner Auszug: „En Dia­lekt, speziell für uns, dess iss halt unser Sprach. Mir könne gar nix dadefür un uns gefällt se aach. Mer liebe un­sern Äppelwoi, verdammt un zuge­näht, un sache aach e passend Wort, wenn's gar net anners geht“.

 

Versammlungen:

Anfang Oktober 1992 trafen sich die Freunde rund ums Stöffche im historischen Rathaus von Hochstadt zu ihrer alljährlichen Apfelweinprobe. Startschuß zur ersten Runde, hier mit dem Süßen, gab Bürgermeister Dr. Walter Unger: „Wir sind zwar schon lange eine Republik, aber ich freue mich trotzdem, gekrönte Häupter begrüßen zu dürfen.“ Und huldvoll verneigen sich die bundesrepublika­nischen Apfelwein‑Hoheiten Uschi I. und Manfred I. sowie Sandra Müller (21), Apfelweinkönigin aus Bergen‑Enkheim.

Hans Braun vom Hessischen Ministerium für Wirt­schaft und Verkehr beschloß die Reihe der Redner. Er erwähnte lobend die Landkarte der Apfelwein­straße, die voraussichtlich im kommenden Jahr erscheint. Die sich als „Route der Gastlichkeit“ so hübsch von Steinheim nach Sachsenhausen schlän­gelnde Strecke kann der Apfelweinliebhaber, dann übersichtlich einsehen ‑ mit den günstigsten Park­plätzen, den schönsten Wanderwegen und den urwüchsigsten Einkehr‑Möglichkeiten. Bequemer geht’s kaum. Während das Wasser vor Gemütlichkeit bereits am Fensterglas kondensierte, klang der Abend mit „Rippchen und Kraut“ aus.

 

Auch 1993 traf sich die Arbeitsgemeinschaft „Hessische Apfelweinstraße“ in Hochstadt, diesmal aber in der traditionsreichen Apfelweinkelterei Höhl in Hochstadt. Seniorchef Rudolf Höhl höchstpersönlich führte die Gäste durch den Familienbetrieb und erklärte die Herstellung des Apfelweines von der Anlieferung der verschiedenen Apfelsorten bis zur Auslieferung an den Verbraucher.

Untern den zahlreichen Gästen, die sich in Hoch­stadt eingefunden hatten, waren auch drei Reprä­sentanten des Apfelweines zu finden. So das Bundesapfelwein‑Königspaar Beate I. und Rudolf I. aus Hanau‑Steinheim, Bergen‑Enkheims Apfelweinkönigin Kerstin I. und die Sachsenhäuser Brunnenkönigin Kirsten I.. Die Hoheiten erhielten von Maintals Stadtverordnetenvorsteher Erhard Rohrbach ein kleines Präsent überreicht. Gleichzeitig begrüßte Rohrbach die Gäste in „Maintals schönstem Stadtteil“.

Bei der anschließenden Verkostung des Apfelweins wies der Geschäftsführer der AG Hessische Apfel­wein­straße, Karl Halbow, noch einmal auf die gesundheitsfördernde Wirkung des Getränkes hin und gab einiges aus der Historie zum Besten. Über die Voraussetzungen zur Herstellung des Apfelwei­nes informierte Wilhelm Bender, ein noch selbst kelternder Gastronom aus Bergen‑Enkheim.

Viel Beifall von den Anwesenden gab es für den Vize‑Präsidenten des Hessischen Landtages, Dirk Pfeil, der sich für die Abschaffung der Bagatellsteu­ern aussprach. Immerhin plant die EG eine Apfel­weinsteuer, die unabsehbare Folgen für Gastrono­mie und Fremdenverkehr in Hessen hätte. Doch zunächst ließen sich an diesem Abend die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Hessische Ap­felwein­straße und die anderen Gäste das Essen und natürlich das „Stöffche“ aus dem Hochstädter Ap­felparadies schmecken.

 

Die Weinprobe 1994 fand man im „Wenk’schen Hof“ in Hanau‑Steinheim statt. Doch es wurde nicht nur getrunken, sondern auch viel über den Apfelwein erzählt und ein kleines Programm geboten. Zu dieser Weinprobe im „Wenck’schen Hof“ hatte sich viel Prominenz eingefunden. Unter anderen Hanaus Oberbürger­meisterin Margret Härtel, Bergen‑Enkheims Ortsvorsteher Herbert Loos, Rudolf Höhl von Deutschlands ältester Apfelweinkelterei in Maintal‑Hochstadt, Heinz Schönberger, der Ex‑Chef der Big‑Band des Hessischen Rundfunks mit seiner Frau Heidi und natürlich das Bundes‑Apfel­weinpaar Ulli I. und Karin I. sowie Bergen‑Enk­heims Apfelweinkönigin Daniela I. 

Karl Halbow, Geschäftsführer der AG Hessische Apfelweinstra­ße, begrüßte die zahlreichen Gäste und wünschte allen ein paar schöne Stunden. Dann begann in ei­ner Stammtischrunde unter der Leitung von Erich Lang die Diskussion über den Apfelwein. Als Fach­leute standen Rudolf Höhl, Chef der Hochstädter Kelterei und Wilhelm Bender, selbstkeltender Wirt vom „Schützenhof“ aus Bergen‑Enkheim den Gästen Rede unbeantwort. Dabei ging es in erster Linie um die Qualität des neuen Apfelweines, seinen Ge­schmack, den Preis und die Geheimnisse der Her­stellung. Dazu wurden einige Begebenheiten und Anekdoten rund um den Apfelwein erzählt und der neue „Süsse“, ein „Rauscher“ oder ein alter Apfelwein gekostet.

Nachdem man sich auch den herrlichen Keller des „Wenck’schen Hofes“ angeschaut hatte, wurde es bei „Rippche mit Kraut“ und Apfelwein in allen Variationen urgemütlich. Für die richtige Stim­mung sorgte Erich Lang als Moderator, Chris Rei­ners mit Musik und Gesang, Adolf Amberger mit seinen selbst vorgetragenen Gedichten sowie Gaby Reichert und Monika Maurer. So verging die Zeit wie im Flug und gegen Mitternacht machten sich die letzten Besucher auf den Heimweg.

 

Auftakt des traditionellen Frankfurter Ebbelwei­-Großereignisses im Jahre 1995 wurde wieder der Umzug der Köni­ginnen von Hanau‑Steinheim bis zum Frankfurter Römer sein. Dem Zug startete um 10 Uhr in Steinheim. Zu ihm gehörten neben Daniela I. auch das Bundes­apfelweinkönigspaar Karin I. und Uli I., die Sach­senhäuser Brunnenkönigin Christine I., die Gold­steiner Rosenkönigin Manuela I. und die Oberurse­ler Brunnenkönigin Christine I. an, die mit ihrem Gefolge gegen 13 Uhr auf dem Römerberg eintrafen. Begleitet wurde der Festzug vom Fanfaren­zug der ersten Steinheimer Karnevalsgesellschaft. Gegen 13.30 Uhr wurden die Apfelwein‑Majestä­ten auf dem Römerberg vorgestellt, von 14 bis 18 Uhr spielte die Stadtkapelle Bergen‑Enkheim unter der Leitung von Hans Vogel schmissige Lieder. Der Ebbelweipreis geht diesmal an den Hanauer Radio‑ und Femsehunterhalter Rainer Bange („Bange machen gilt nicht“ und „Nur keine Ban­ge“). Karl Halbow, Geschäftsführer der Arbeitsge­meinschaft Hessische Apfelweinstraße, sprach die Begrüßungsworte. Alexander Loulakis, Preisträger des Vorjahres, hielt die Laudatio. Die Preisübergabe übernahm Stadträtin Hochgrebe.

 

Im Jahre 1995 fand die Weinprobe in der gemütlichen  Gaststätte „Goldene Krone“ in Hochstadt statt. Karl Halbow, langjähriger Geschäftsführer der AG Hessische Apfelweinstraße, konnte dazu in der Hochstädter Apfelweinschänke das Bundesäppel­woi‑Paar Brigitte I. und Willi II. aus Hanau‑Stein­heim und die Bergen‑ Enkheimer Apfelweinköni­gin Monika II. als Repräsentanten des „Stöffchens“ begrüßen. Außerdem hatte man Vertreter des Um­landverbandes, der Stadt Hanau und des Amtlichen Verkehrsbüros eingeladen.

Zu Beginn der zwanglosen Veranstaltung disku­tierten in Gesprächsrunden die Anwesenden mit Apfelweinexperten über das Hessische Nationalge­tränk. Dazu standen mit Rudolf Höhl, Chef von Deutschlands ältester Apfelweinkelterei in Hoch­stadt, und mit Wilhelm Bender, einziger selbstkel­ternder Apfelweinwirt in Bergen‑Enkheim, kom­petente Gesprächspartner zur Verfügung. Diskussi­onsleiter Erich Lang, selbst ein Apfelwein‑Origi­nal, hatte interessante Fragen parat.

So erfuhren die Besucher der Weinprobe etwas über die Qualität der diesjährigen Apfelernte und über den Öchslegehalt, über die Einkaufspreise der Ap­fel und die Auswirkungen auf den Preis des Apfel­weines, oder darüber, ob die Lagerung in Tanks den Geschmack des „Stöffchen“ beeinflußt oder die Frage „Was ist Süßer und was ist Rauscher?“ Da im Jahr 2000 die Landesgartenschau in Hanau sein soll, wurde auch gefragt, ob denn bei der Planung für diese Gartenschau auch die Schaffung von Streuobstwiesen geplant sei. Klaus Schweitzer vom Frankfurter Umlandverband konnte dazu noch nichts Endgültiges sagen, wird aber diesen Vor­schlag in die Planungen mit einbringen. Auch be­müht sich die AG Hessische Apfelweinstraße, vor allem in ihrem Bereich die vorhandenen Wander- und Fußwege sowie Freizeiteinrichtungen bekannter zu machen. Deshalb wäre ihr auch eine Unter­stützung des Landes und der Städte recht hilfreich.

Doch es wurde an diesem Abend nicht nur über den Apfelwein gesprochen, sondern natürlich auch getrunken. Dazu gab es traditionell „Rippche mit Kraut“. Für die richtige Stimmung sorgte Bergen­-Enkheims Apfelweinkönigin Monika II. mit ihrem Mann Helmut, besser bekannt als der „singende Töpfermeister“. Fazit der Weinprobe: Auch dieses Jahr schmeckt der Apfelwein wieder vorzüglich.

 

Am 4. Mai 1996 fand auf dem Hanauer Schloßplatz das Apfelblütenfest statt. Die Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfelweinstraße veranstaltete es gemeinsam mit dem Verkehrsamt und Hanauer Vereinen. Dabei drehte sich bei dieser Veranstaltung fast alles um den Apfel. Man wollte Hanau das zu geben, was Frankfurt schon seit 20 Jahren hat: ein richtiges „Ebbelwei“‑Fest. „Immerhin liege die Stadt an der hessischen Apfel­weinstraße, sei aber bis jetzt immer links liegengelassen worden“, wie der 1. Vorsit­zende der Arbeitsgemeinschaft, Karl Halbow, erklärte.

Das Bergen‑Enkheimer Schelmenduo spielte „Die rote Sonne von Barbados“ und die Gäste schlotterten: Der Wettergott hatte am vergangenen Samstag nur bedingt ein Einsehen mit den Veranstaltern des 1. Hanauer Apfelblütenfests. Zwar regnete es im Schloßgarten nur zartrosa von den Bäumen, aber bei Temperaturen um die zehn Grad lockte wohl doch eher die warme Stubb’' als die Freiluft‑Party.

Gerade mal eine Handvoll Besucher wa­ren rund um den Pavillon im Schloßgar­ten versammelt, als Erich Lang, zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, das Fest pünktlich um 13 Uhr mit einem „Hallo liebe Apfelweinfreunde und Frie­rende“ eröffnete. Er lobte die Anwesenden als „harten Kern“, denn bei schönem Wetter könne schließlich jeder feiern.

Gegen 14 Uhr kam Hanaus Oberbür­germeisterin Margret Härtel in einer festlichen Kutsche vom Alten Rathaus zum Schloßplatz ge­fahren. Dabei gaben ihr das Steinheimer Bundesap­felwein‑Königspaar Brigitte I. und Willi II. aus Steinheim und die Bergen‑Enkheimer Apfelweinkönigin Monika II. das Ehrengeleit. Auch der Spiel­mannszug der 1. Steinheimer Karnevalgesellschaft begleitete die „Majestäten“.

Margret Härtel und Geschäftsführer Karl Halbow von der AG Hessische Apfelweinstraße gegrüßten die Hanauer Bürger und Gäste aus nah und fern. Das anschließende Programm gestalteten die Bergen‑Enkheimer Apfelwein­königin Monika II., die auch schon von Fernsehauftritten bekannt ist, sowie Hanauer Vereine wie die Gesangverein „Die Sumser“, die Jazztanzgruppe des TSV 1860 Hanau, die  „Hanauer Notenspatzen“, die Prinzengarde der Steinheimer Karnevalgesellschaft und die 1. Ha­nauer Karnevalgesellschaft.

Für die Besucher wurden im Schloßgarten Sitzgar­nituren aufgestellt. Außerdem sollen große Sonnenschirme nicht nur vor Sonnenstrahlen, sondern auch vor einem möglichen Regenguß schützen. Sieben Hanauer Vereine sind mit Ständen vertreten, an denen preiswerte Speisen und Getränke angeboten werden.

Vom Kotelett zur Pilzpfanne, von leckeren Kuchen bis zu thüringischen Bratkartoffeln: Die Vereine hatten sich mächtig ins Zeug gelegt, um ihren Besuchern kuli­narisch etwas zu bieten. Und auch die Au­gen und Ohren wurden nicht vergessen, denn jede Gruppe brachte mit Musik oder Tanz eine Unterhaltungseinlage ins Pro­gramm. „Ebbelwei“ heiß und kalt gab es auf dem Fest natürlich satt.

 

Bei der traditionellen Apfelweinprobe der Arbeits­gemeinschaft (AG), Hessische Apfelweinstrasse e.V. im Jahre 1996 in der Groß‑Kelterei Höhl in Maintal‑Hochstadt wurde in einer Diskussion „mit ausgewählten Gästen“ unter der Lei­tung von Erich Lang, Vizechef der AG, laut darüber nachgedacht, wie neue Akzente gesetzt werden könn­ten, etwa in Hanau, wo doch im Jahr 2002 die Landes­gartenschau (LGS) stattfinden soll, egal ob mit oder ohne Segen der SPD .

„Wir haben nichts mit Hanau zu tun, außer daß einmal im Jahr die Oberbür­germeisterin zur Krönung kommt“, laute­te ein harter Spruch, der zwar wie viele andere dröhnendes Gelächter auslöste, in­des ‑ wie aus dem ganzen Kontext zu schließen ‑ durchaus ernst gemeint war.

Wenig später meinte ein knorriger Steinheimer. Wir machen unser Bundes­apfelweinfest, wir unterstützen das Apfel­blütenfest gerne, aber nicht das Hanauer Weinfest.“. Und als zur Frage, was man tun könne, um Hanau besser einzubinden, der Vorschlag kam, die AG könnte doch bei der LGS ‑ die ja ein ganzes Jahr läuft ‑ als Mitveranstalterin bestimmter Feste auftreten, hieß es: „Ein Steinheimer ist Hanauer, aber ein Hanauer noch lange kein Steinheimer.“ Das gelte bekanntlich auch für Frankfurt und Sachsenhausen ‑ wo die Apfelweinstraße schließlich endet. Oder fängt sie da an und endet in Hanau‑Steinheim?

Wie dem auch sei. Man betont das „bo­denständig Gewachsene der Stadtteile“ die durch den Strom des hessi­schen Nationalgetränks verbunden sein sollen: Daß Hersteller und Vertreiber bei aller betonten Gemütlichkeit knallharte Konkurrenten bleiben, ist nicht nur mit dem Rechtsstreit zwischen Höhl ‑ der größten Kelter Deutsch­lands ‑ und dem Frank­furter Rivalen Possmann um die Bezeich­nung „Äppler“ belegt, der übrigens immer noch nicht beendet ist.

Ob nun allein durch die Menge der Pro­duktion Hochstadt die „Hochburg des Ap­felweins“ ist, wie Seniorchef Rudolf Höhl selbstbewußt behauptet, oder Frankfurts prominenter Stadtteil Bergen‑Enkheim, sei ebenfalls dahingestellt. Man höre sich gelegentlich an, was andere Hersteller da­zu meinen, etwa in Maintal‑Bischofsheim oder Bruchköbel, ganz zu schweigen vom Kahlgrund.

Jedenfalls kann der Verkehrsverein Bergen‑Enkheim, dessen Vorsitzender Karl Halbow auch Chef der AG Apfel­weinstraße ist, zurecht behaupten, man halte die Mitte. Hier, Im Sperber 24, Tele­fon 06109/2813, hat die AG ihren Sitz, wo übrigens auch eine launige Informa­tionsschrift über Wanderwege und Rad­wege an der „Route der Gastlichkeit“ zu haben ist.

Bergen‑Enkheims Apfelweinkönigin Beate, die zum Fest die Goldsteiner Ro­senkönigin Bianca mitgebracht hatte, stellte bei einem Plausch am Pressetisch beiläufig klar, „kein einheimisches Urge­wächs“ zu sein, sondern aus dem Norden zu stammen ‑ wie auch Oberbürgermei­sterin Petra Roth, die sie gekrönt hat.

 

Die Stadt Maintal ist der Mittelpunkt der Hessischen Apfelweinstraße und bietet neben landschaftlichen Schönheiten und historischen Bauten auch eine ganze Reihe gemütlicher Apfelwein­gaststätten. So steht es auch in einer neuen Broschüre der Arbeitsgemeinschaft (AG) Hessische Apfel­weinstraße, die in der jüngsten Pressekonferenz des Maintaler Magistrats im Mai 1996 vorgestellt wurde und zum großen Äppelweifest auf dem Frankfurter Römer am 15. Juni erstmals verteilt werden soll.

Die neue Broschüre wird dann auch über die Ver­kehrsämter der Städte Hanau und Frankfurt sowie in der Maintaler Verwaltung verteilt. Außerdem erhalten die Gastwirte, die Apfelwein ausschenken, einige Exemplare, die sie ihren Gästen weitergeben können.

 

Im November 1997 traf sich die Arbeitsgemeinschaft im „Kapellchen“ im Frankfurter Römer. Karl Halbow, der  1. Vorsitzende der AG Hessische Apfelweinstraße, konnte dort Bürgermeister a.D. Hans‑Jürgen Moog, Rudolf Höhl, Chef der ältesten Apfel­weinkelterei aus Hochstadt, Wilhelm Bender, einziger noch selbstkelternder Gastwirt aus Bergen-Enkheim sowie die Bergen‑Enkheimer Apfelweinkönigin Özlem I. und weitere Ex‑Queens aus Hessen begrüßen.

Natürlich wurde als erstes der neue Ap­felwein probiert. Doch auch von dem gu­ten Geschmack des Süßen, des Rau­schers, vom Cidre und Apfelschaumwein konnte man sich überzeugen. Erich Lang von der AG Apfelweinstraße eröffnete dann die Diskussionsrunde, bei der es vor allem über die diesjährige Apfelernte, die Preise und die Produktion des hessischen Nationalgetränks. Das Brauchtum kam bei der „Apfelweinprobe“ natürlich nicht zu kurz. Der Apfelweinpreisträger 1997, Hans‑ Jürgen Moog, gab einige sinnige und passende Gedichte von Friedrich Stoltze zum Besten, Ex‑Apfelweinkönigin Monika Maurer steuerte ebenfalls lustige und gereimte Verse dazu bei und das Odeon‑Orchestri­on unterhielt mit entsprechender Musik.

 

Die Jahresversammlung der Hessischen Apfelweinstraße 1998 fand Ende April in der Gast­stätte „Dorfschänke“ in Maintal-Bi­schofsheim statt. Erst­malig waren die beiden neuen stellvertre­tenden Vorsitzenden des Bergen‑Enk­heimer Verkehrsvereins, Irene Eidel und Helmut Janz, ebenso die neue Schriftfüh­rerin Christa Mosfeld und Karl Michler, der Betreuer der Bergen‑Enkheimer Ap­felweinkönigin anwesend. Ullrich Pa­zitzka, der Leiter des Hanauer Verkehrs­amtes, stellte seinen Nachfolger im Amt vor, Dr. Renftel, da er in Kürze in Pension gehen wird. Nach dem Bericht des Ge­schäftsführers, des Kassierers und der Revisoren wurde dem Vorstand einstim­mig Entlastung erteilt. Wolfgang Stumpf, der ehemalige Kerbepräsident des Sach­senhäuser Brunnenfestes, wurde zum Al­terspräsidenten gewählt.

Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Geschäftsführer Karl Hal­bow; Stellvertreter für den Bereich Frankfurt: Erich Lang; Stellvertreter für Hanau und Maintal: Rudolf Schaffert; Schriftführer und Kassierer Adolf Am­berger, Protokoller: Walter Seiferth; Re­visoren: Heinz Eidel und Günther Beck.

Folgende Themen wurden behandelt:

  • „Hanauer Apfelblütenfest“. Dieses wurde bisher zweimal in Zusammenar­beit mit den Hanauer Vereinen im Ha­nauer Schloßgarten durchgeführt. Wenn es in diesem Jahr ausfällt, soll das nicht heißen, daß die Apfelweinstraße kein In­teresse mehr hat. Es soll in Zukunft den Hanauer Vereinen selbst Gelegenheit ge­geben werden, ein solches Fest aufzuzie­hen, was dann die volle Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft bekommt. Es müß­te vor allen Dingen gewährleistet sein, daß dieses Fest propagandistisch so vor­bereitet wird, daß man es als ein echtes Hanauer Volksfest betrachten kann, das von der Bevölkerung und den Vereinen angenommen wird.
  • Römerfest am 20. Juni: Es wird wie­der ein Festzug mit den Königinnen von der Steinheimer Altstadt bis zum Römer fahren, der von dem Steinheimer Spiel­mannszug begleitet wird.               Erstmalig in diesem Jahr ist ein Aufenthalt in Bi­schofsheim vorgesehen, um auch diesem Maintaler Stadt­teil Rechnung zu tragen. Ab dem Affentorplatz in Sachsenhausen wird dann die Kapelle zu Fuß marschie­ren, um die Wagenkolonne zum Römerberg anzuführen. Die Bergen‑Enkheimer Stadtkapelle wird, wie in den vergange­nen Jahren, auf dem Römerberg spielen. Für etwa 1000 Personen werden Sitzge­legenheiten aufgestellt und es gibt einfa­che hessische Gerichte zu angemessenen Preisen und natürlich Apfelwein. Die diesjährige Preisträgerin des Apfelwein­preises ist die Redakteurin Jutta Thoma­sius. Bürgermeister a.D. Dr. Moog wird bei der Preisverleihung die Laudatio sprechen und Bürgermeister Jochim Van­dreike wird den Preis überreichen.
  • Apfelweinprobe am 13. Oktober. Der 13. Oktober wurde als Termin für die diesjährige Apfelweinprobe festgelegt, wobei. die Einzelheiten von dem Vor­stand noch geklärt werden müssen.
  • Streuobstwiesen: Die in Hessen, an­laufenden Aktivitäten für die Anlage von Streuobstwiesen werden von der Arbeits­gemeinschaft „Hessische Apfelweinstra­ße“ unterstützt. So wird eine Abordnung, der Apfelweinstraße am 26. April das Bundesapfelweinkönigspaar und die Ber­gen‑Enkheimer Apfelweinkönigin nach Bruchköbel begleiten, um an der dortigen Aktion im Rahmen der Streuobstwiesen präsent zu sein.

 

Beim Zug zum Römerbergfest 1998 stat­te­ten die hoheitlichen Repräsentanten des Apfelweins auf dem Weg entlang der „Hes­sischen Apfelweinstraße“ von Hanau‑Steinheim bis zum Frankfurter Römer pünktlich um 11 Uhr der Bischofsheimer „Dorfschänke“ ihren Besuch ab. Wirt Günter Beck, selbst in der Arbeitsgemeinschaft „Hessische Apfelweinstraße“ aktiv, hieß die Blaublütigen willkommen und konnte mit seiner schmucken Gartenwirtschaft auch das entsprechende Umfeld bieten. Das Wetter stimmte, die Stimmung war bestens und das Steinheimer Bundesapfelweinkönigspaar, die Bergen‑ Enkheimer Apfelweinkönigin Özlem I., die Brunnenköniginnen aus Sachsenhausen und Oberursel, die Büdesheimer Laternenkönigin, die Rosenkönigin aus Goldstein und das Königsteiner Burgfräulein zeigten sich allesamt gut gelaunt und volksnah.

Apropos volksnah: Hierin lag das einzige Manko des einstündigen Aufenthalts, denn nur 30 bis 35 Bischofsheimer und andere Maintaler hatten den Weg zur Dorfschänke gefunden, um die Blaublüti­gen würdig zu empfangen. „Nächstes Jahr wird es besser“, gab sich Wirt Gunter Beck in des überzeugt.

Zuvor hatte der von Polizeiwagen flankierte Autocorso bereits Hochstadt „passiert“. Auch hier zeigte sich das „Volk“ eher reserviert, auch wenn der eine oder andere neugierige Blick dem stolzen Troß folgte.

Nach der Pause in Bischofsheim näherte sich der Zug seinem Ziel und erreichte schließlich über Bergen und Seckbach die Frankfurter Innenstadt, um dann in Sachsenhausen die Pkw stehenzulassen und den restlichen Weg bis zum Römer­berg zu Fuß zurückzulegen.

Dort machte die „größte Apfelweinwirtschaft der Welt“ ihrem Namen alle Ehre. Das Wetter lockte Erfrischungssuchende aus Frankfurt und dem ganzen Umland scharenweise ins Zentrum Frankfurter Feierfreudigkeit, die durch reichlich Maintaler „Stöffche“ noch angeheizt wurde.         

 

Im Lokal „Zur schönen Müllerin“ im Bornheimer Baumweg hätte im Oktober 1998 beim fröhlichen Schmausen und Gesprächen rund um den Ebbelwei keine Gabel mehr auf den Boden fallen können, so dicht besetzt waren Stühle und Bänke. Eingeladen hatte die „Arbeitsgemein­schaft Hessische Apfelweinstraße“. Ge­kommen waren Chefkelterer und Schop­pepetzer. Ne­ben der Bergen‑Enkheimer Apfelweinkö­nigin Nadine I., dem Bundesapfelwein­königspaar Michael II.. und Birgitta I. aus Steinheim und der Sachsenhäuser Brunnenkönigin Petra II.. hatte sich auch Karl‑Heinz Stier, HR‑Moderator und dies­jähriger „Ebbelwei‑Preisträger und Maintals Erster Stadtrat Gerd Robanus eingefunden.

Die Apfelweinstraßen-Geschäftsführer Karl Halbow, sein Stellver­treter und Moderator des Abends, Erich Lang sowie Gaby Reichard und Monika Maurer, die gereimt wie musikalisch das Hohe Lied des „Äpplers“ sangen, sahen keines­wegs schwarz. Solang es Frankfurt und Hessen gibt, fließt auch der Ebbelwei, so die frohe Botschaft.

Die Hessen trinken im Durchschnitt pro Jahr etwa 12,1 Liter Apfelwein, verriet Erich Lang. „Das übertreffe ich auf jeden Fall“, outete sich Maintals Erster Stadtrat Gerd Robanus in der Runde als Stöff­chetrinker. Doch auch für die Erhaltung und Pflege der Streuobstwiesen setzt sich der Politiker ein, wie er wissen ließ.

Nach den Worten schritt man zur Tat. Zum frischen Süßen und zum Apfelwein servierte der Wirt eine deftige hessische Schlachtplatte mit Rippchen, Blutwurst und Sauerkraut. Für die richtige Stim­mung sorgten anschließend einige Mit­glieder der AG Hessische Apfelweinstra­ße. Monika Maurer, vor Jahren selbst einmal Bergen‑Enkheimer Apfelweinkö­nigin, spielte auf dem Akkordeon, sang dabei von der berüchtigten „Frau Rauscher“ dazu und gab einige lustige Verse zum Besten. Auch Gaby Reichardt, eine der zahlreichen Apfelweinpreisträger, die jährlich für die Pflege des hessischen Brauchtums die Auszeichnung erhalten, präsentierte zwei Gedichte.

So ging die Apfelweinprobe der AG Hes­sische Apfelweinstraße so gemütlich zu Ende, wie sie begonnen hatte. Nicht nur Karl‑Heinz Stier vom Hessischen Rund­funk oder Jutta W. Thomasius, die dies­jährige Apfelweinpreisträgerin, fühlten sich wohl und versicherten, auch beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder dabei zu sein.

 

Ende Juni  Anfang Juli 1999 gab es eine Hessische Apfelweinwoche im Hessen‑Center in Bergen‑Enkheim      . Diese bot für die daran beteiligten Städte und Stadtteile eine Plattform für repräsentative Informationsstände. „1200 Jahre Dörnigheim“ hieß die Devise in der ersten Etage des Hessen‑Centers. Ein Teil des Dörnigheimer 1200 Jahre­ Festzugwagens ist dort zu sehen, eingebettet in eine liebevoll gestaltete Kulisse der evangelischen Dör­nigheimer Kirche und des alten Rathauses. Über dem Szenario weht erhaben das Maintaler Stadt­wappen.

Auch die Stadt Hanau ließ sich nicht lumpen und steuerte Modell‑Exponate der Philippsruher Schloßparkanlage, des Goldschmiedehauses, des Frankfurter Tores und des Heinrich‑Fischer‑Bades bei.

Von historischem Interesse ist der Beitrag des Heimatmuseums Bergen‑Enkheim: Vier Ausstel­lungsstücke zeigen den Weg des Apfels zum Wein: Apfelwaage, Apfelmühle, Apfelpresse und Apfel­pumpe. Das nötige Trink‑Instrumentarium dazu präsentiert die Firma Maurer: Töpferwaren aller Art, insbesondere natürlich Bembel jeder Größe.

Wo Apfelwein im Mittelpunkt steht, darf ein ge­pflegter Ausschank natürlich nicht fehlen: Der Apfelwein‑Garten der Hochstädter Firma Höhl wird mit Stöffche pur oder gespritzt, Speierling und Hessen‑Cidre auch unbedarfte Zeitgenossen in den Bann des hessischen Nationalgetränks ziehen.

Ein reichliches Festprogramm wird die Apfelwein­woche abrunden: Musikalisch geht es am heutigen

Mittwoch, 30. Juni, ab 14 Uhr zu, wenn die bekannten Stimmungskanonen Norbert und Erich Kern und Rainer Kirchner den Weg der Apfelwein­straße melodisch‑unterhaltsam zum Besten geben. Richtig rund geht es am morgigen Donnerstag, 1. Juli, wenn das Hessen‑Center bis 20.30 Uhr geöffnet ist: Mit humorvollen Vorträgen und ausgelassenen Liedern bezeugen die „Staanemer Bembelsänger“ ab 14.30  Uhr  ihre Liebe zum Apfelwein. nahtlos geben sie um 17 Uhr den Bembel weiter an Klaus Kern, der sich den Stöffche‑Oden anschließen wird. Einen königlichen Einstand geben Bergen‑Enk­heims Apfelweinkönigin Sandra I. und die Sachsen­häuser Brunnenkönigin Carmen I. gegen 17.30 Uhr, bevor die Bergen‑Enkheimer Schelmenspieler Sze­nen aus dem traditionellen Heimatspiel „Der Schelm von Bergen“ präsentieren. Lebendig werden dabei Kaiser Barbarossa, die junge Kaiserin Gisella und der Henker von Bergen, der es wagt, Ihre Königliche Hoheit zum Tänzchen aufzufordern. Schelmenspiel‑Initiatorin Christa Schleeweit legt Wert auf die Feststellung, daß es sich bei den Darstellern ausschließlich um engagierte Laien han­delt. Ende August kommt „Der Schelm von Bergen“, wie traditionsgemäß alle vier Jahre, an vier Tagen, in voller Länge vor der Berger Schelmenburg zur Aufführung.

Die Stadt Maintal präsentiert sich am Freitag, 2. Juli. Dabei wird vor allem mit Handzetteln auf das Festprogramm zur 1200‑Jahr‑Feier Dörnigheims vorn 16. bis 19. Juli aufmerksam gemacht.

Kabarettistisch geht es am Samstag, 3. Juli, zu: Die Stadt Hanau hat mit Rainer Bange einen hochkaräti­gen Satiriker an Land gezogen, der ab 12 Uhr seine Gedanken zur Postleitzahlen‑Reform beitragen wird. Im Anschluß gibt das Bundes‑Apfelweinkö­nigspaar Uschi I. und Manfred I. eine Autogramm­stunde, wonach sich die Darsteller der Hanauer Märchenfestspiele vorstellen sowie Prinzengarde und Fanfarenzug mit ihren prächtigen Kostümen aufwarten.

Zum Rahmenprogramm steuert das Bergen-Enkhei­mer Original Adolf  „Amby“ Amberger selbstge­dichtete Weisen zu seinem Lieblingsgetränk bei, die Gesamtmoderation übernimmt Erich Lang, wie Amberger Vorstandsmitglied der Arbeitsgemein­schaft Hessische Apfelweinstraße.

Mit großem Andrang ist zu rechnen ‑ wer sich ein Plätzchen in Höhls Stöffche‑Garten sichern will, sollte nicht zu spät kommen, empfiehlt auch Center­-Manager Horst Ande. Besonders am Herzen liegt Ande der Kontakt mit den Vereinen und Verbänden im Einzugsgebiet des Hessen‑Centers, also vor allem in Bergen‑Enkheim und Maintal. Mit der Hessi­schen Apfelweinwoche ‑ die Apfelweinstraße führt direkt am Hessen‑Center vorbei ‑ will Ande ein Zeichen des Miteinander setzen, das im nächsten Jahr auf jeden Fall fortgeführt werden soll.

 

Zum zweiten Mal in der Geschichte der Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfelweinstraße legten die Apfelwein-Hoheiten und Repräsentanten Mitte Juni 1999 auf ihrem Weg von Hanau‑Steinheim zum Frankfurter Römerberg eine Pause in der Bischofsheimer Gaststätte „Dorf­schänke“ ein. Zu den Hoheiten zahlten das Steinheimer Bundes‑Apfelweinkönigspaar Brigitte I. und Michael II., die Bergen‑Enkheimer Apfelwein-Königin Nadine I., die Oberurseler Brunnenköni­gin Helena I. und die Büdesheimer Later­nen‑Königin Elke III. Zuvor passierte der Auto‑Corso unter anderem die Hochstäd­ter Hauptstraße. Etwas enttäuscht war Gunter Beck, Wirt der Gaststätte Dorfschänke und Vorstandsmitglied der Arbeitsge­meinschaft Hessische Apfelweinstraße vom mangelnden Publikumsinteresse.

 

Im Oktober 1999 war  die AG Hessische Apfelweinstraße zur Weinprobe in Hochstadt. Da staunte die Bergen-­Enkheimer Apfelweinkönigin Manuela I., als sie vor den „größten Apfelweinfäs­sern der Welt“ stand. In die riesigen Edelstahlbehälter der Kelterei Höhl pas­sen immerhin bis zu 350.000 Liter des hessischen Nationalgetränkes. „Da könnte ich Jahrzehnte davon trinken“, meinte die Repräsentatin des Bergen­-Enkheimer Apfelweines, die den „Ge­spritzten“ bevorzugt.

Gemeinsam mit dem Bundesapfelwein­-Königspaar Oskar I. und Petra I. aus Ha­nau‑Steinheim sowie der Brunnenköni­gin Sylvia I. aus Sachsenhausen war die Bergen‑Enkheimer ‑ Apfelweinkönigin zur diesjährigen Apfelweinprobe der Ar­beitsgemeinschaft Hessische Apfelwein­straße gekommen. Die fand diesmal in der Kelterei Höhl in Hochstadt statt. Mit dabei auch Wolfgang Kaus, der künstle­rische Leiter am Frankfurter Volksthea­ter und amtierender „Ebbelwei‑Preisträ­ger“.

Seit 1982 kümmert sich die AG Hessische Apfelweinstaße um das Volksgetränk Apfelwein und setzt sich für die Förde­rung und Erhaltung des hessischen Brauchtums ein. Einmal jährlich ziehen die Mitglieder von Hanau‑ Steinheim auf der Apfelweinstraße bis zum Frankfur­ter Römer und feiern dort ihr „Römer­bergfest“ mit der größten Apfelweinwirtschaft der Welt. Außerdem wird jedes Jahr eine prominente Persönlichkeit, die sich für die Ziele der Arbeitsgemein­schaft verdient gemacht hat, mit dem Ap­felweinpreis geehrt.

 „Uns geht es bei der jährlichen Apfelweinprobe nicht nur um den Geschmack des neuen Stöffche oder des Süßen, sondern auch um die Apfelernte, um die Verarbeitung und die Preisgestaltung“, betonte bei der Begrüßung Karl Halbow, der Geschäft­sführer der AG Hessische Apfelwein­straße.

Zum Abschluß der Apfelweinprobe gab es traditionell Rippchen mit Sauerkraut. Passende Lie­der und Gedichte um den Apfelwein gab in gekonnter Weise Monika Maurer zum Besten, die selbst vor Jahren Bergen­-Enkheimer Apfelweinkönigin war.

 

Die Apfelweinprobe 2000 war in der Gaststätte „Dorfschänke“ in Bischofsheim, wo auch der jährliche Autocorso von Hanau‑Steinheim zum Frankfurter Römer eine kleine Pause einlegt. Neben Mitgliedern der AG Hessische Apfelweinstraße waren auch zahlreiche Prominente der Einladung gefolgt. So sah man den diesjährigen Appelwoi‑Preisträger Karl Oertl, HR‑Moderator Karl‑Heinz Stier und Dr. Johanna Höhl, Marketing‑Chefin der Kelterei Höhl sowie den Ersten Stadtrat Gerd Robanus. Nicht fehlen durften auch Repräsentanten des Apfelweins. Hier gaben sich Bergen-Enkheims Apfelweinkönigin Natalie I. und das Bundesapfelwein‑Königspaar Sonny I. und Marie II. sowie die Sachsenhäuser Brunnenkönigin Gerlinde die Ehre. Nach der Begrüßung durch Karl Halbow, Geschäftsführer der AG Hessische Apfelweinstraße, ging es gleich zur Sache.

Dr. Johanna Höhl von Deutschlands größter Apfelwein‑Kelterei sprach über die momentane Situation des hessischen Nationalgetränks: „Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine sehr gute Ernte, sowohl was die Menge, als auch die Qualität betrifft“, betonte die Marketing‑Chefin charmant und fügte hinzu: „Der Apfelwein ist ein Naturprodukt, macht schön, schlank und blau und ist nicht nur ein Getränk für alte Männer, sondern auch für junge Mädchen“.

Weniger optimistisch äußerte sich dagegen Wilhelm Bender, Inhaber des „Schützenhofs“ in Frankfurt und einer der wenigen noch selbst kelternden Wirte. „Leider wird immer weniger Apfelwein getrunken“, bedauerte Bender und ging dann noch auf die Pflege der Streuobstwiesen ein. Dort holt sich der Gastwirt in der Hauptsache die notwendigen Äpfel zum Keltern. Doch seine riesigen Holzfässer werden nicht mehr alle gefüllt, denn der Absatz ist in den letzten Jahren gesunken.

Gerd Robanus beklagte den Vandalismus auf den Maintal Streuobstwiesen. „Zum Glück haben wir noch einen Feldschütz, wenn auch nur halbtags“, meinte er schmunzelnd. „Wir wollen aber hier nicht nur über Apfelwein reden, sondern ihn trinken“, forderte Dr. Johanna Höhl und damit ging es zum gemütlichen Teil des Abends über.

Gunter F. Beck, der Wirt der „Dorfschänke“, hatte sich für diesen Abend etwas Besonderes einfallen lassen. So gab es als Vorspeise eine mit Apfelwein verfeinerte Frankfurter Kräutersuppe, danach Apfelwein‑Sauerkraut, geschmacklich angereichert mit Schoppenpetzer, Haspel, Kassler und Salzkartoffeln. Als Dessert ein Apfelweingelee. Bei soviel Gutem vom Apfel konnten die Besucher der Apfelweinprobe auch noch den frischen Süßen, den Rauscher und den Apfelwein genießen. Eine rundum gelungene Veranstaltung, die sich ganz um das beliebte „Stöffche“ drehte.

 

Ausgangspunkt des 17. Apfelweinfests 2000 auf dem Römerberg  war wieder in Steinheim. Dort starteten die Königinnen, unter anderen auch Ber­gen‑Enkheims Apfelweinkönigin Manuela I. sowie das Bundesäppelwoi‑Königspaar Petra I. und Oskar I. in offenen Wagen und fuhren über Wilhelmsbad und Hochstadt nach Bischofsheim. Dort wurde in der „Dorf­schänke“ eine kleine Rast gemacht, bevor es diesmal über die Hanauer Landstraße und den Affentorplatz weiter zum Römer ging.

Das Fest wurde von Gruppen und Künstlern gestaltet, die man aus den Fernsehsendungen „Hessen lacht zur Fas­senacht“ kennt. Unter anderen sind die „Bernemer Handwerksburschen“, „Die Mollys“ aus Gießen, „Die singenden Kellermeister“ aus Mainz, die „Rodensteiner Herzbuben“ und die jungen Damen des 1. Frankfurter Bühnentanzsportclub dabei. Für die richtige Musik sorgt die Stadtka­pelle Bergen-Enkheim.

Weitere Höhepunkte des Programms war die Vorstellung der Königinnen und Majes­täten auf der Bühne am Römer sein, sowie die Verleihung des jährlichen Apfelwein­preises. In diesem Jahr wird Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth den „Ebbel­weipreis“ an den Bergen-Enkheimer Karl Oertl verleihen. Die Laudatio hält traditio­nell der Preisträger des Vorjahres, Wolf­gang Kaus vom Frankfurter Volkstheater.

Erwartet werden in diesem Jahr auch eini­ge Gäste, die weite Wege zurückgelegt ha­ben. Vertreter aus acht Städten mit Namen „Bergen“ aus ganz Deutschland sowie der holländische Generalkonsul und der fran­zösische Konsul werden sich das Spektakel auf dem Römerberg anschauen und sich so auf das Bergen‑Treffen im nächsten Jahr in Bergen‑Enkheim einstimmen.

Allerdings war die Veranstaltung gegen 19 Uhr zu Ende. Grund dafür ist die Klage eines Anwohners, die der Stadt Frankfurt Volksfeste mit lauter Musik auf dem Römer verbietet. Deshalb haben sich die Veranstalter des Ebbelweifestes dies­mal auch professionelle Verstärkeranlagen von der Stadt zur Verfügung stellen lassen, damit die Musik auf jeden Fall in Grenzen gehalten werden kann. Das Beste allerdings: Der Schoppen kostet wie vor 20 Jahren nur eine Mark!

 

Das 17. Apfelweinfest auf dem Römerberg im Jahre 2000 erfuhr wieder guten Zuspruch. Daß der Römerberg so gefüllt war, sei „ein Zeichen für das große Interesse an un­serem Stöffche“, sagte Halbow. Rund 1.000 Sitzplätze habe man bereitgestellt, die zu­mindest nachmittags, als der wolkenver­hangene Himmel der Sonne gewichen war, vollends besetzt waren. So bezifferte Halb­ow die über den Tag verteilte Besucher­schar auf 2.000 Personen. Die wurden mit einem bunten Bühnen­programm unterhalten, das mit über zehn Musik‑ und Tanzbeiträgen von 13 bis 19 Uhr für Stimmung sorgte. Mit dabei wa­ren unter anderem die Stadtkapelle Ber­gen‑Enkheim, die Bembel‑ Sänger aus Nie­der‑Weisel, die Blaulichtsänger der Frank­furter Polizei und die singenden Keller­meister aus Mainz.

Wie angekündigt achtete Halbow da­rauf, mit dem Lärmpegel nicht den Unmut der Anwohner des Römerbergs auf sich zu ziehen. „Die Umweltgeräusche sind viel lauter als unsere Verstärkeranlage“, beteu­erte auch Tontechniker Michael Kahl. Vorrangiges Ziel des Festes ist es, den „Ebbelwei immer populärer zu machen“, sagt Halbow. Und damit das Stöffche bei dem Fest auch wirklich „in aller Munde ist“, wurde es ‑ von der Kelterei Höhl ge­sponsert ‑ für gerade mal eine Mark pro Geripptem angeboten. Rund 15,000 Liter gingen bis zum Abend über die Theken auf dem Römerberg.

 

Einen Generationswechsel bei der AG Hessische Apfelweinstraße gab es im April 2004. Bereits im Vorfeld der Jahreshauptversammlung erarbeitete eine interne Kommission unter Leitung von Reinhard Müller (Verkehrsverein Bergen‑Enkheim) Vorschläge für die anstehenden Vorstandswahlen, die aufgrund dieser Vorbereitungen zügig und in den einzelnen Positionen jeweils einstimmig durchgeführt werden konnten.

Der neugewählte Vorstand setzt sich wie folgt zusammen:

- Erster Vorsitzender: Horst R. Becker, Bergen‑Enkheim;

- Zweiter Vorsitzender: Willi Schmidt, Maintal‑Hochstadt;

- Schriftführer: Gerhard Busch, Sachsenhausen;

- Kassiererin: Beate Schaffert, Hanau-Steinheim;

- Beisitzer: Rudolf Schaffert, Hanau-Steinheim;

- Beisitzer: Hein Balke, Neuberg.

Horst Becker bedankte sich auch im Namen aller Vorstandsmitglieder für das  Vertrauen der Mitglieder und versprach, nach einer kurzen Einarbeitungszeit die bereits eingeleiteten Vorbereitungen zur Erarbeitung einer neuen Satzung zum Abschluß zu bringen. Nach Behandlung des Punktes „Verschiedenes! und Informationen über das geplante Blütenfest des Obst- und Gartenbauvereines Bergen

Nach mehr als 20 Jahren an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft Hessische Apfelweinstraße ist der Bergen‑Enkheimer Karl Halbow von diesem Amt zurückgetreten. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung die kürzlich in der Bergen‑Enkheimer „Schönen Aussicht“ stattfand, wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Auch der Zweite Vorsitzende Adolf Amberger, ebenfalls Bergen‑Enkheim, trat nicht zur Wiederwahl an. Beide erklärten, dem Verein auch weiter­hin die Treue halten und mit Rat und Tat zur Seite stehen zu wollen. Neuer Erster Vorsitzender ist der Bergen‑Enkheimer Horst R. Becker, mit Willi Schmidt steht ihm ein Hochstädter zur Seite.

Der scheidende Vorsitzende Halbow berichtete im Rahmen des Jahrestreffens über die umfangreichen Vorbereitungen zum Apfelweinfest, das der Verein mit Unterstützung des Vereines „Zeil aktiv“ und der Hochstädter Landkelterei Höhl am Samstag, 22. Mai, 2004 auf der Frankfurter Zeil ausrichten wird.

 

 

Verlauf der Apfelweinstraße

Der Äppelwoi, liebevoll auch „Stöffche“ oder „Schoppe“ genannt, gibt die Route vor. Überall dort, wo sich die Welt um den Apfel dreht, ob mit gelb-roten „Bäckchen“ an den Bäumen der Streuobstwiesen baumelnd oder als flüssig-goldenes Nationalgetränk, ausgeschenkt in urigen Kneipen, führt die Hessische Apfelweinstraße vorbei. Von Sachsenhausen, durch Bornheim, Seckbach, Bergen, Bischofsheim und Hochstadt bis nach Steinheim geht der Weg, der zu einem herrlichen Spaziergang einlädt - auf der Spur des Apfels.

 

Sachsenhausen:

In Alt-Sachsenhausen wird Apfelwein seit über 250 Jahren hergestellt und ausgeschenkt - natürlich im typischen blauen Tonkrug, dem Bembel. In der Großen und Kleinen Rittergasse, in der Paradies- und  Klappergasse reihen sich dicht an dicht die  „Äppelwoi-Wertschafte“. Das Zentrum des Apfelweinviertels ist die Klappergasse. Hier wohnt(e) die legendäre „Fraa Rauscher“, der vor 80 Jahren ein Lied gewidmet wurde. Sie lebte im 19. Jahrhundert und wurde eines schönen Sonntagnachmittags mit einer Beule am Kopf auf der Straße liegend vorgefunden, von Jungen verspottet. Ein übereifriger Polizist nahm diesen geringfügigen Vorfall zum Anlaß, hieraus einen Kriminalfall zu konstruieren, der zur Belustigung der Sachsenhausener sogar Eingang in die Zeitung fand.

 In den schmalen Sträßchen und kleinen Plätzen mit Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäusern und Brunnen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Seit 2001 wird an allen Ecken Sachsenhausens saniert, renoviert und verschönert. Fast 30 Häuser haben einen neuen Anstrich erhalten, Kopfsteinpflaster ziert wieder die alten Gassen. Ein alter Wohnturm wurde wiederentdeckt und sogar Reste der historischen Stadtmauer.

 „Äppelwoi, Ripp­scher un aach Worscht, des aane is zum Futtern, des annern fer de Dorscht“. So steht es am blaugrünen Eisentor von Sachsenhausens Traditionswirtschaft „Zum gemalten Haus“ in der Schweizer Straße, einst Teilstück des Handelsweges von Antwerpen nach Venedig.

 

Frankfurt:

Von dort ist es nur ein Katzensprung an das Museumsufer mit seinen renommierten Ausstellungshäusern und dem Blick auf die Frankfurter Skyline. Das Museumsufer ist eine Synthese aus anspruchsvollem Kulturangebot und durchdachter Stadtgestaltung. Längst ist aber auch das Mainufer ein beliebter Freizeit- und Erholungsraum der Frankfurter und ihrer Gäste geworden. Hier findet jedes Jahr am letzten Augustwochenende das Museumsuferfest statt, ein Kulturspektakel der Extraklasse. Internationalen Rang haben die Ausstellungen in den Häusern, allen voran das Städel Museum. Aber auch die anderen Museen sind einen Besuch wert.

 

Bornheim:

Mehr dörflich ist der Stadtteil Bornheim, wo sich zahlreiche Karnevalsvereine tummeln und das Feiern groß geschrieben wird -  ob mit der Verlängerung des Wäld­ches­tags zum „Pfingst-Mittwoch“ oder dem Lerchesherbst-Mittwoch im Herbst. Am Kerwemittwoch mitten im August können Nicht-Bernemer und Bernemer der seltsamen Tradition des „Gickelschlags“ beiwohnen, die „Lisbeth“ wird hier verbrannt, und die Berger Straße ertrinkt in Apfelwein und Bier. In Alt-Bornheim gruppieren sich zahlreiche alte Fachwerkhäuser um die barocke Johanniskirche, im Volksmund wegen ihres charakteristischen Helms auch „Zwiwwelkersch“ genannt, um historische Gasthäuser mit Frankfurter Spezialitäten, und ein altes Rathaus lädt zu Hand käs mit Musik ein.

 

(Man kann natürlich auch Bornheim, Seckbach und Bergen auslassen und mit der U-Bahn vom Schweizer Platz in Sachenhausen, umsteigen an der Konstabler Wache, mit der U7 nach Enkheim fahren und von dort durch den Wald nach Bischofsheim).

 

Seckbach:

Ebenfalls für seine alteingesessenen Apfelweinlokale bekannt ist Seckbach, das zu Füßen des Lohrbergs liegt, der als Frankfurter Hausberg gilt. Der Lohrberg gehört zu den höchsten Erhebungen der Stadt und ist beliebtes Ausflugsziel. Er ist der östlichste Ausläufer des Weinanbaugebiets Rheingau und verfügt über dessen kleinste Weinlage. den Lohrberger Hang. Heute befindet sich dort die letzte Weinanbaufläche Frankfurts auf 1,3 Hektar.

 

Bergen-Enkheim:

Auch in Bergen-Enkheim haben der Apfel und der Apfelwein eine lange Tradition. Am Berger Rücken und Enkheimer Ried gelegen, wird Bergen-Enkheim umrahmt von malerischen Gartenanlagen und Streuobstwiesen. Dort enden auch der „Quellen-Wanderweg im Frankfurter Grün-Gürtel“, der zu einem Spaziergang einlädt. Trotz der Nähe zur Großstadt hat Bergen-Enkheim sein dörfliches Gepräge bewahrt. Der alte Ortskern mit vielen Fachwerkhäusern und den traditionellen Apfelweinwirtschaften macht den Stadtteil unverwechselbar.

Bekannt ist Bergen-Enkheim aber nicht nur durch seine Apfelweinkultur. sondern auch durch seinen hohen Stellenwert in der deutschen Literaturszene. Seit 1974 vergibt die ehemals selb­ständige Stadt, die im Zuge der Gebietsreform Frankfurt zugeschlagen wurde, einen der bedeutendsten Literaturpreise: Stadtschreiber waren bereits Peter Härtling, Günter Kunert, Peter Bichsel, Robert Gernhardt. Herta Müller oder Peter Kurzeck. Wer auf den Spuren dieser namhaften Autoren wandeln möchte, der sollte seine Schritte Richtung der Straße „An der Oberpforte“ lenken, wo das Stadtschreiberhaus steht. Dort darf der amtierende Stadtschreiber - 2014/15 ist es Dea Loher - ein Jahr kostenfrei wohnen. Die Einführung in das Amt erfolgt jährlich am Vorabend des Berger Markts im Festzelt - natürlich bei Äppelwoi und Brezel. Schließlich wird während des traditionsreichen Volksfests auch die Apfelweinkönigin gekrönt.

Das wichtigste „Utensil“, der Apfel, wächst auf den Streuobstwiesen des Berger Hangs. Unterhalb dieses Biotops liegt das Enkheimer Ried, eine ehemalige Moorlandschaft, die heute Naturschutzgebiet ist. Einst ein verlandeter Altlauf des nacheiszeitlichen Mains, wurde das Ried mit seiner offenen Wasserfläche von Menschenhand geschaffen, als hier in den Jahren 1829 bis 1864 Torf gestochen wurde, wodurch Teiche entstanden. Heute bestimmt Schilfröhricht das Bild, und das Ried ist ein ideales Brutgebiet und Heimat für zahlreiche Vogelarten geworden. Berühmteste Bewohnerin ist die Europäische Sumpfschildkröte, deren letzte hessische Exemplare hier beheimatet sind.

 

Bischofsheim:

Auch im zweitgrößten Maintaler Stadtteil haben der Apfel und der Apfelwein - ebenso wie im benachbarten Hochstadt, wo seit Generationen die Apfelweinkelterei Höhl ihren Sitz hat - eine lange Tradition. Und die wird gepflegt. Das Unternehmen besteht heute in der achten Generation seit über 230 Jahren. In der Kelterei Stier wird die Kunst des Kelterns im Familienbetrieb weitergegeben. In der Kelterei Am Kreuzstein gibt es die Möglichkeit zu Kellerführungen - natürlich inklusive Verkostung des einen oder anderen ungewöhnlichen Schoppens. Außerdem zeigt Jörg Stier, daß man Apfelwein nicht nur trinken, sondern auch essen kann - ob als Apfelweingelee, Apfelweinbrot, Apfelkäse, Apfelweinsenf, Apfelchutney, Apfelchips, und, und, und. .

Am besten schmeckt der Apfelwein in seiner ursprünglichen Umgebung: zum Beispiel beim Streuobstwiesenfest des Arbeitskreises Streuobst. der sich der Pflege und dem Erhalt dieser einzigartigen Maintaler Kulturlandschaft auf die Fahnen geschrieben hat. Denn das auf den ersten Blick unscheinbar wirkende Ökosystem ist Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, aber auch Naherholungsgebiet für die Maintaler. Naturfreunde können sich davon bei Wanderungen in den Wiesen zwischen Hochstadt und Bischofsheim, mit dem Fahrrad auf dem Mainuferweg oder der Hohen Straße überzeugen. Sportler finden in den Wäldern unzählige Lauf- und Walkingrouten. Und im Anschluß lassen sich Atem und Kraft in einer der urigen Apfelweinkneipen schöpfen.

 

Hochstadt:

Schilder zum Radweg nach Maintal-­Hochstadt weisen nun den Weg. Verwun­schene Pfädchen entlang der Stadtmauern hat das „Rothenburg des Hanauer Lan­des“, wie sich das kopfsteingepflasterte Hochstadt nennt. Dort machen wir Rast im Wirtsgarten der „Krone“, die für noto­rische Schoppenpetzer Halblitergläser an­bietet. Zum oberen Stadttor hinaus geht es scharf links hinauf und dann nach rechts in den Bücherweg in östlicher Richtung weiter.

 

Wachenbuchen:

Zwischen Streuobstwiesen strampelt man unbehelligt vom Verkehr der nahen Schnellstraßen auf Wachenbuchen zu. Im Frühling läßt die Apfelblüte die Bäume wie blaßrosa Zuckerwattebündel ausse­hen. Unterhalb des Hangs sieht man die Stahltanks der Kelterei Höhl, des ehemals größten Apfelweinproduzenten Deutschlands.

Von Wachenbuchen mit pittoresken Fachwerkhäusern geht es mit leichtem Gefälle auf dem Radweg Hohe Tanne über Felder und Waldwege weiter. Zur Linken finden sich Ruinen einer Burg aus dem 12. Jahrhundert und ein römi­sches Hügelgrab.

 

Wilhelmsbad:

Wilhelmsbad mit seinen historischen Kuranlagen liegt nun voraus. Die längst versiegte eisenhal­tige Heilquelle wurde von einem Kräuter­weiblein entdeckt. Erbprinz Wilhelm ließ im 18. Jahrhundert das glanzvolle Kur­- und Badehaus erbauen, das heute das hessische Puppenmuseum beherbergt. Das Hessische Puppenmuseum in Wilhelmsbad präsentiert die kulturgeschichtliche Entwicklung der europäischen Puppen von der Antike bis zur Gegenwart. Sonderausstellungen zeigen Puppen aus der ganzen Welt. Die historische Kuranlage aus dem 18. Jahrhundert mit Burgruine (Lustschloß) von Erbprinz Wilhelm von Hessen-Kassel. Architekt war Franz Ludwig Cancrin, der auch den Bau des Karussells leitete. Der Park der Wilhelmsbader Kuranlage ist als englischer Landschaftspark gestaltet und mit zahlreichen „Sensationen“ ausgestattet: Ruine, Comoedienhaus, Felsengänge, Eremitage, Teufelsbrücke, Pyramide, Schneckenberg, Spielgeräten und einem Karussell. Es wurde 1780 auf einem künstlichen Hügel errichtet und war 1780 bis 1830 und nach einer Instandsetzung 1868 bis 1920 in Betrieb. Angetrieben wurde es zunächst unterirdisch von Menschen, später von Ochsen und Pferden.  Teil der Anlage ist ebenfalls das ehemalige Scheunentheater „Comoe­dien­haus“, in dem regelmäßig Veranstaltungen stattfinden.

 

Hanau:

Auch die Brüder Grimm-Stadt ist dem Apfelwein eng verbunden, ja, sie dient sogar als Namensgeber. So gibt es den „Hanauer Apfelwein“ und das „Staanemer Gold“. „Schon die berühmten Märchensammler Jacob und Wilhelm Grimm, die in Hanau zur Welt gekommen sind, haben bestimmt gern ein Gläschen Äppler getrunken. In den Hanauer Lokalen - insbesondere im urigen Stadtteil Steinheim - ist das goldgelbe erfrischende Getränk nach wie vor äußerst beliebt“, erzählt Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky stolz.

Schloß Philippsruhe mit seinem weitläufigen Park im Stil eines englischen Landschaftsgartens, ist eines der bedeutendsten Kultur- und Baudenkmäler Hanaus. Das Landschloß mit Park und Orangerie nach Vorbild des französischen Barock wurde ab 1701 von Graf Philipp Reinhard von Hanau-Lichtenberg am Mainufer errichtet und später im Stil des Historismus umgebaut. Es  liegt direkt am Main, kei­ne Straße stört den Ausblick auf den Fluß und die Idylle der bewirtschafteten Ter­rasse. Entlang des begrünten Ufers geht es zur nächsten Brücke, wo wir Seite an Seite mit einem Schnellzug den Main überqueren. Nach wenigen Kilo­metern ostwärts erreichen wir Steinheim. Der Bembel, Logo der Hessischen Apfelwein­straße, findet sich an vielen Wirtshäusern des Fachwerkstädtchens, der örtliche Ita­liener macht da keine Ausnahme.

Das Deutsche Goldschmiedehaus am Altstädter Markt wiederum prägt die Hanauer Altstadt und diente in der Spätrenaissance als Rathaus. Mit der Gründung der Hanauer Neustadt 1597 siedelten sich dort Niederländer und Wallonen an, zu denen zahlreiche Goldschmiede gehörten. Diese schlossen sich 1610 zur Zunft der Gold- und Silberschmiede zusammen. Die Blütezeit der Goldschmiedekunst in Hanau lag in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im Jahre 1942 wurde in dem ehemaligen Rathaus das Deutsche Goldschmiedehaus eingerichtet. Dort sind regelmäßig nationale und internationale Ausstellungen zu sehen.

 

Steinheim:

Der 1974 eingemeindete Stadtteil von Hanau, ist für seine historische Altstadt mit restaurierten Fachwerkhäusern und seine zahlreichen gemütlichen Apfelweinkneipen bekannt. Es ent­wickelte sich aus zwei alten fränkischen Besiedlungskernen - dem einen im Norden bei der St. Nikolaus-Kirche und dem anderen im Süden mit der Burg der Herren von Eppstein - die sich 1938 vereinigten.

Der Main, der Steinheim von der Kernstadt Hanau trennt, war wegen der beiden historischen Übergänge. die bereits zur Römerzeit bestanden, schon immer wichtig für die Bewohner.

Entlang des Flusses liegt die Altstadt, die fast ganz von einem mittelalterlichen Mauerring mit Wehrtürmen umschlossen ist. Inmitten der Altstadt befindet sich Schloß Steinheim mit dem Vor-, Früh- und Stadtgeschichtsmuseum. Die Ausstellung umfaßt die ersten menschlichen Spuren, Zeugnisse der Entdeckung der Bronze, Kunstgegenstände und Alltagsutensilien der Römer bis zu Relikten des frühen Mittelalters. Im Marstall, dem ehemaligen Fruchtspeicher, finden regelmäßig Sonder- und Kunstausstellungen statt. Sehenswert ist auch die alte Gedächtniskirche am Obertor, ein bedeutender Sakralbau.

Doch nicht nur historisch Interessierte, sondern auch Menschen, die ein reizvolles Ambiente, gute Gastronomie und köstlichen Apfelwein zu schätzen wissen, zieht es regelmäßig nach Steinheim, das als Ausflugsziel längst kein Geheimtip mehr ist. Den passenden Rahmen für einen Genuß des hessischen Nationalgetränks bietet das Bundesäppelwoifest, das jährlich am letzten Augustwochenende in Steinheim stattfindet. Dann gibt es ein großes Spektakel, dessen Höhepunkt die feierliche Krönung von Bundesäppelwoikönig und -königin ist. Darüber hinaus hat Hanau dem interessierten Besucher noch einiges mehr zu bieten. Unterhaltsame Geschichte und Geschichten gibt es zum Beispiel in den neun Hanauer Museen zu entdecken. Sehenswert sind besonders das Historische Museum Hanau - Schloß Philippsruhe mit Papiertheatermuseum und das Deutsche Goldschmiedehaus. 

Wer in Steinheim angekommen den Endbeziehungsweise Ausgangspunkt der Hessischen Apfelweinstraße schließlich erreicht hat, dessen Füße aber noch immer nicht müde sind, der kann von dort direkt weitermarschieren - auf der Deutschen Fachwerkstraße, die sich auf 2800 Kilometern Länge von der Elbmündung bis zum Bodensee erstreckt (nach Maintal Tagesanzeiger).

Von Steinheim aus kann man entweder den Ausflugsdampfer der „Primus“‑Linie zurück nach Frankfurt nehmen, oder am südlichen Mainufer auf idyllischen Rad­wegen weitere 23 Kilometer strampeln und in der Gerbermühle einen Schluß-Schoppen petzen, wo auch Goethes Oster­spaziergang endete. Die Skyline baut sich fotogen vor dem Abendrot auf. „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s seyn“, jubelt Faust, und der Dichterfürst höchstselbst hat hier gern Geburtstag gefeiert, dabei den einen oder andren Schoppen gepetzt.

Die Primus‑Linie (Telefon 0 69 / 133 83 70) fährt von Hanau‑Steinheim nach Frank­furt /Eiserner Steg: Sonntag, 14., Mitt­woch, 17., Samstag, 27., und Montag, 29. Mai, jeweils um 17 Uhr ab Anleger Stein­heim; Mittwoch, 10., Samstag, 20., und Mittwoch, 24. Mai, um 18.20 Uhr ab Anle­ger Steinheim. Ticket für Erwachsene 17 Mark, Kinder 8,50 DM, fürs Rad 7 DM.

 

 

 

 

Apfelwein‑ und Obstwiesenroute

 

Etwa 1994 wurde bei der Landesregierung die Idee geboren, durch eine Vernetzung noch bestehender Streuobstgebiete, deren Pflege und teil­weise Wiederaufforstung den ökologi­schen Wert zu unterstreichen. Gleichzei­tig sollte aber auch auf deren durchaus noch existente ökonomische Bedeutung hingewiesen werden, sei es als Apfellie­ferant, Weidefläche für Schafe oder als Standort für Bienenstände. Nicht zu ver­gessen die Anziehungskraft als Naherho­lungsgebiet.

Die Apfel­wein‑ und Obstwiesenroute‑Regionalschleife bein­haltet eine themenspezifische Streckenführung durch den jeweiligen Kreis, die vor allem auf bereits bestehenden Rad‑ und Wanderwegen führen soll. Ziele des Projektes ist der Schutz und Erhalt der Streuobstwiesenbestände sowie die Vernetzung der Angebote in den Bereichen Keltereien, Gastrono­mie, Handwerk, Direktvermarkter, Naturschutz, Freizeit und Kultur.

Natürlich erwarten sich vor allem die kommerziellen Mitglieder eine Steige­rung von Umsätzen, aber das ist auch ge­wollt: „Weshalb muß denn ein Apfel vom Bodensee kommen, wenn er vor der Haustür gedeiht? Oder weshalb geht man in den Supermarkt und kauft hol­ländi­schen Salat, der beim Direktver­markter im nächsten Dorf frisch vom Feld zu haben ist“, fragt sich Klaus Berg. „Regionalisierung“ heißt das Zauberwort, und dafür steht das Zeichen „ARLL“.

Weitere Vorteile für Mitglieder nennt der Experte: Für einen „bescheidenen Betrag“ kann das Recht erkauft wer­den, mit dem Logo der Hessischen Apfelwein- ­und Obstwiesenstraße zu werben. Das gilt gleichzeitig als eine Art Gütesiegel für die naturnahe Produktion oder die Verwendung von Produkten aus der Re­gion. Nach Angaben der Marketingge­sellschaft „Gutes aus Hessen“ habe sich der Umsatz der Mitgliedsbetriebe nach ih­rem Beitritt um rund fünf Prozent im Schnitt erhöht.

 

Die Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesenroute gibt auch das Informationsheft „Apfelbote“ heraus, die auch 2001 in einer Auflage von 18.000 Exemplaren erschien. Redaktionelles Hauptthema sind kulinarische Köstlichkeiten, hergestellt natürlich aus dem Apfel. So finden die Leser Historisches über den Apfel, sowie detaillierte Informationen über die bekanntesten Apfelsorten wie Alkmene, Boskop, Braeburn, Cox Orange, Elstar, Gala, Golden Delicious, Goldparmäne, Idared, Jonagold und Rubinette (www.apfel‑info.de).

Die gesundheits‑fördernde Wirkung dieser Frucht wird zum Beispiel durch die Analyse der Inhaltsstoffe belegt. So enthält ein Apfel 85 Prozent Wasser, aber kaum Eiweiß und Fett. Nur 12 Gramm Kohlehydrate fallen, an wobei der Verhältnis von Frucht‑ zu Traubenzucker günstig für Diabetiker ist. Pektine und Zellulose helfen als Ballaststoffe bei der Verdauung und der Senkung des Cholesterinspiegels. In der Schale steckt Vitamin C, ein Apfel liefert zudem rund fünf Prozent des Tagesbedarfs an Vitamin E und B. Außerdem enthält der Apfel 100 bis 180 Milligramm an Kalium und Mineralstoffen (www.derapfel.de). Anleitungen gibt es wie zum Beispiel für einen Muntermacher bei Müdigkeit und eine Anti‑Stress‑Hautmaske.

Auch typische Apfelrezepte aus den Regionen der einzelnen Regionalschleifen dürfen nicht fehlen, zum Beispiel Ronneburger Apfel‑Kartoffel‑Suppe, Wetterauer Gänsebraten mit Apfelfüllung, Laubacher Apfelauflauf, Apfel‑Bohnentopf mit Kasseler, Frankfurter Apfelsalat und Mühlheimer Apfel‑Sultaninen‑Torte.

Weiterhin wird im „Apfelboten“ das Buch der hr‑Fernsehmoderatoren „Zum Anbeißen. Das hessische Apfelbuch“ vorgestellt und kurz besprochen. Ganz wichtig ist der Terminteil im „Apfelboten“, die sämtliche Events der einzelnen Regionalschleifen in den Landkreisen Gießen, Wetterau, Main-Kinzig, Odenwald, Offenbach sowie zwischen Main und Taunus veröffentlicht.

Für den Main‑Kinzig‑Kreis stehen in dieser Auflistung zum Beispiel: Hoffest beim Landhof Schmidt in Rodenbach (7. Oktober), Vortrag über Giftpflanzen in Eichen (22. Oktober), Apfelschmecken in Ostheim (25. Oktober), Apfelweinabend mit Keltermeister Jörg Stier in Großkrotzenburg (16. November), Apfelduft und Handwerkskunst in Dörnigheim (18. November), verschiedene Schnittkurse von Obst‑ und Gartenbauvereinen von Oktober bis März, Frühlingserwachen mit Ostermarkt in Dörnigheim (10. März), Eröffnung der Landesgartenschau in Hanau (19. April) sowie Blütenfest im Lehrgarten Kilianstädten (28. April). Infos gibt es über die Regionalschleife Main‑Kinzig: Heinz Grotemeyer, Gelnhausen (0 60 51‑6 80 34), Fax 88 69 37 oder unter www.hessische‑apfelweinroute.de Außerdem findet sich auf der Rückseite des „Apfelboten“ eine Liste aller Mitglieder des Verbands Hessischer Apfelwein‑ und Fruchtsaft‑Keltereien.

 

Regionalschleife Wetterau

Der Wetterau­kreis zählt mit seinen etwa 220.000 hochstäm­migen Obstbäumen und 2.500 Hektar Streuobstwiesen zu den streuobst­reichsten Gebieten Hessens. Birnen, Kir­schen, Reneklauden, Pflaumen wachsen dort und vor allem Äpfel, Äpfel für das hes­sische Nationalgetränk, den „Ebbelwoi“. Und nicht nur dieser wird hergestellt, son­dern ebenso Säfte, verschiedene Obstwei­ne, Apfelessig, Dörrobst und Obstbrände.

Die hessische Obstwiesen‑ und Apfelweinroute schlängelt sich 200 Kilometer lang durch den Kreis. Gerhard Lipp, Bürgermei­ster von Alten­stadt, und Klaus Hühn, Bürgermeister von Limeshain, pflanzten den Apfelbaum am Sonntag, dem 13. September 1998, zur Eröffnung der Strecke zwischen ihren Gemein­den. Inzwischen liegt der Führer für die gesamte Wetterauer Route vor. Er um­faßt eine Gesamtübersicht und vier Detailkarten mit Tips zum Thema Apfel. Der Führer ist für 6,80 Mark beim Amt für Kreisentwicklung, Tel.0 60 3 1 /8 38 34 er­hältlich.

Die Ap­felwein‑ und Obstwiesenroute Wetterau wird getragen vom Träger­verein Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesen­route, Amt für Kreisentwicklung, Friedberg, Tel 06031/83834, Fax 06031/83835. Er hat 170 Mitglieder.

Es gibt ein dichtes Netz an Lohn­keltereien in der Region. Einige Keltereien sind entlang der Apfelwein‑ und Obstwiesenroute Wetterau zu besichtigen. Ein Stop lohnt sich auch bei Museen, Handwerksbetrieben oder Hofläden. Einige Gaststätten bieten regionale Speisen an. Lehrpfade, Spiel‑ und Sporteinrichtungen bringen der ganzen Familie Abwechslung. Zu nennen sind das „Süßerfest“ der Kelte­rei Mueller in Butzbach‑Ostheim, die „Apfelsortenwanderung“ der Kelterei Walther in Nidda‑Wallernhausen oder das „Kelterfest“ der Naturfreunde Bad Vilbel sowie das „Apfelfest“ des BUND in Butzbach.

Teilstrecke 1 führt über Butzbach, Münzenberg, Bad Nauheim, Ober‑Mörlen nach Rockenberg, Teilstrecke 2 über Nidda, Ortenberg und Ranstadt, Teilstrecke 3 über Friedberg, Karben, Niddatal, Ros­bach und Bad Vilbel, sowie die Strecke 4 über Altenstadt, Büdingen, Glauberg, Li­meshain und Ortenberg. Eine Teilstrecke um Gedern und Hirzenhain soll demnächst offiziell eröffnet werden. An den Kreisgrenzen sind die Routen mit denen der Nachbarkreise verbunden.                       

Ein „Süßerfest“ feiert die Kelterei Müller in Ossenheim am Sonntag, 20. September. Ab 11 Uhr kann man sich bei Führungen auf dem Betriebsgelände in der Hauptstraße 45‑47 ein Bild vom Weg des Apfels vom Baum in die Flasche machen. Direktvermarkter bieten ihre Waren feil und Kinder können ihren eige­nen Apfelsaft keltern. Um 11 Uhr musiziert der Musik­verein Hoch‑Weisel, ab 14 Uhr spielen die „Rude Kids“.                  

 

Regionalschleife Taunus:

Die erste Regionalschleife der „Hessischen Apfel­wein‑ und Obstwiesenroute“ zwischen Main und Taunus wurde Mitte Mai 1995 mit viel Apfelsekt und einem großen Apfelblütenfest im Main‑Taunus‑Zentrum bei Sulzbach gefeiert. Die Wege sind alt, sie erhielten nur neue Richtungsweiser. Der Apfel ist ziemlich rot­backig und der Pfeil, der sich so dyna­misch um ihn windet, giftgrün: ein un­übersehbares Symbol, das naturinteres­sierten Wanderern und Radfahrern künf­tig den Weg auf der „Hessischen Apfel­wein‑ und Obstwiesenroute“ weisen soll.

Die rund 70 Kilometer lange Strecke zwischen Frankfurt und dem Taunus führt vorbei an Obstwiesen, sehenswerten Baumbeständen, selbstkelternden Betrieben, Straußenwirtschaften und weiteren touristischen Attraktionen, sagte bei der Eröffnungsfeier Barbara Helling vom Trägerverein des Projekts.               

Radeln im Zeichen des Apfels soll eher neue Wege im Bewußtsein weisen: Die traditionsreiche hessische Kulturlandschaft der Streuobst­wiese könnte in ihrer ökologischen Bedeu­tung so nebenbei ins Bewußtsein der Ausflügler dringen. Seltene Vogelarten wie Steinkauz, Grünspecht und Wende­hals finden dort ihren letzten (Über‑)Le­bensraum. Aber auch für das heimische Produkt Apfel­wein soll die Route werben. Sie führt vor­bei an Obstwiesen, Bauernhöfen von Di­rektvermarktern, Keltereien, regional­typischen Gastwirtschaften und auch an mancher Skurrilität: In Hofheim etwa kann man eine private Apfelweingläser­sammlung besichtigen. Bisher 90 Partner haben sich dem Projekt angeschlossen.

Das vom Landesentwicklungsmini­sterium geförderte Projekt wird getragen vom Main‑ Taunus‑Kreis, von Stadt und Umlandverband Frankfurt, dem Hessischen Verband der Apfelwein‑ und Fruchtsaftkeltereien und dem Amt für Regionalentwicklung, Landschaftspflege und Land­­wirtschaft Usingen. Die Route beginnt in Frankfurt und verläuft über Flörsheim, Hof­heim, Bad Soden, Kronberg und Königstein bis nach Oberursel. An der Route gibt es jährlich etwa 30 Apfel­weinfeste, Apfelmärkte und ähnliche Veranstal­tungen.

Die Verbindung von Naturschutz, Nah­erholung und kulinarischen Genüssen soll Menschen aus dem Ballungs­raum Rhein­-Main anlocken. Die Apfelweinroute wird finanziell unterstützt vom Land Hessen, das sich an den 260.000 Mark Gesamtko­sten bis zur Eröffnung der Route zur Hälf­te beteiligt hat. Der Umlandverband trägt 50.000 Mark bei, mit je 30.000 Mark sind die Stadt Frankfurt, der Verband der Apfelwein‑ und Frucht­saftkeltereien und die Gesellschaft zur Rekultivierung der Weilbacher Kiesgruben dabei. Einige be­teiligte Kommunen teilen sich den Rest der Kosten.

Von der Eröffnung an soll sich das Pro­jekt allerdings selbst finanzieren: Ein Trägerverein wurde Anfang April in Weilbach gegründet, dem Gaststätten, Be­triebe und Verbände ange­hören. Organi­sation und Öffentlich­keitsarbeit liegen jetzt in dessen Händen. Rechtzeitig zur Routeneröffnung ist auch die erste Ausga­be der „Apfelpost“ erschienen. Die soll je­weils im Frühjahr und Herbst heraus­kommen und über alle Veranstaltungs­ter­mine entlang der Apfel­route informieren. Die „Apfelpost“ liegt in allen Rathäusern der Kommunen entlang der Strecke aus. Eine detaillierte Rad‑ und Wanderwege­karte nebst Etappenbeschreibung ist an allen Anlaufstellen erhältlich.

Konzipiert hat die Radroute mit dem Apfel‑Logo der Braunfelser Verein „Part­ner der Umwelt“ schon 1993. Bei der Feinplanung wurden dann bevorzugt Strecken berücksichtigt, die verkehrssi­cher sind und einen fahrradfreundlichen Belag aufweisen.

Trägerverein Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesenroute, Am Kreishaus 1‑5, 65719 Hofheim, Tel. 06192/201‑393.

 

Wer sich am Sonntag Anfang Mai 1997 im Hochtaunus- ­und Main‑Taunus‑Kreis auf das Teilstück der Hessischen Apfelwein‑ und Obstwie­senroute zwischen Eschborn und Mam­molshain, Steinbach und Bad Soden, Nie­derhöchstadt und Neuenhain begab, konnte auf rund 20 Kilometern Strecke an acht Stationen Rast einlegen. Nichts also für kilometerfressende und ambitionierte Rennradler, ein Genuß hingegen für Familien und Freizeittrimmer, die bei dieser Gelegenheit auch etwas über Obstanbau und Direktvermarktung von Äppler, Saft und dem Sulz­bacher Kirschwein erfahren konnten. Neben dem Augenschmaus der Obstblüte kam auch der Magen nicht zu kurz, denn alle beteiligten Land‑ und Gastwirte, Vereine und Kelte­reien tisch­ten kräftig auf.

An der Scheune in Niederhöchstadt, wo im Herbst aus den Äpfeln der Gegend gol­dener Süßer gekeltert wird, bot der ADFC nicht nur einen kostenlosen Fahrradservi­ce an, sondern versorgte die von dem son­nigen Wetter angelockten tatendurstigen Radler auch mit kostenlosen Karten für die nächste Radtour.

Vor der Scheune der Kelterei Herberth in Niederhöchstadt konnte man Äpfel kosten. Apfel schmeckt eben doch nicht bloß nach Apfel. Es galt, die Kerne verschiedener heimischer und exo­tischer Obstsorten zu bestimmen und ein Stück Apfelholz mit dem Handbohrer zu be­arbeiten, um daraus eine Behausung für Wespen herzustellen. „Der schmeckt sauer“, stellt ein Knirps mit Fahrradhelm fest. Er kaut auf einem weiteren Stück herum: „Schmeckt nach Apfel“.

Ganz so einfach machten es die Mitglieder des BUND Schwalbach den Teilnehmern beim Apfel­geschmackstest nicht. Doch auch Erwach­sene mußten passen, wenn sie exakt die Sorten „Rubi­nette“, „Arlet“, „Idared“, „Gala“, „Jonagold“ oder „Elstar“ bestim­men sollten. Von kräftig‑süßlich über bir­nig‑mild bis herb‑säuerlich reichen die Geschmacksnuancen. Streusel­kuchen aus dem eigenen Ofen, Apfelwein und ‑saft aus der eigenen Kel­terei und alte Fotografien über die Ge­schichte des Obstbaus in der Region bot der Obstbau‑ und Gartenverein Nieder­höchstadt zur körper­lichen und geistigen Labe von Radlern und Wanderern.

Die Schwarz‑Weiß‑Bilder der histori­schen Gesellschaft Eschborn aus den 30er Jahren zeigten auch, was die Obstwiesen­route außer dem reinen Freizeitspaß am Radeln und Wandern vermitteln soll: Da­mals wurden die berühmten Taunus‑Erd­beeren per Flugzeug sogar nach England exportiert.

„Heute kaufen wir die spani­schen im Supermarkt“, kommentierte Reinhard Birkert. Heimische Produkte direkt zu vermarkten ist ein Anliegen des Trägervereins der Apfelweinroute. Außer­dem soll das Bewußtsein dafür wachsen, daß der Taunus seit Generationen eine lange Obstbautradition hat. Damit die ganzjährig mit einem rotbackigen Apfel plus grünem Pfeil beschilderte Route von Radlern und Spaziergängern noch besser angenommen wird, hat der Trägerverein den Rad‑ und Wandertag organisiert. Einige Schilder mehr auf der Strecke könnten ebenfalls noch mehr Menschen auf die Spur des Apfels lockten, denn nicht alle Zweiradfahrer lieben das Hantieren mit Karten.

 

Quer durch den Taunus führte die Route des 2. Rad‑ und Wander­tags am Sonntag, 17. Mai 1998, zu dem der Verein „Hessische Apfel­wein‑ und Obstwiesenroute“ einlud. Nachdem zur Premiere im vergangenen Jahr rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Start gingen, rechnen die Veranstalter bei der zweiten Auflage mit der dreifachen Zahl. Der Grund ist die Strec­ken­erweite­rung: Der gesamte Hochtaunus ist nun Mitglied der Regionalschleife zwischen Main und Taunus.

Jeder Teilnehmer konnte an einer beliebi­gen Station einsteigen, an der er seine „Apfel‑ Stempelkarte“ bekam. Insge­samt 19 Stempel‑Stationen wurden ent­lang der drei Teilstrecken eingerichtet. Hier können sich Wanderer und Radler ih­re Ankunft bestätigen lassen.

Die erste Route führte von Oberursel über Eschborn, Sulzbach, Bad Soden nach Kronberg und wieder zurück nach Ober­ursel (Skizze). Der zweite Rundweg ver­lief rund um Bad Homburg und Fried­richsdorf, die dritte Strecke durch den nördlichen Taunus über Wehrheim und Usingen bis nach Grävenwiesbach.

Drei Stationen per pedes und fünf mit dem Drahtesel reichten schon aus, um an der Verlosung teilzunehmen. Der 1. Preis war ein Rundflug über den Taunus. Dazu kamen weitere 30 Preise wie Präsent­körbe, Einkaufsgutscheine, Apfelwein und vieles mehr.

Rund 400 Helfer waren an diesem Tag bei der Organisation und der Bewirtschaf­tung im Einsatz, das Programm an den Stationen wurde von 30 Betrieben, Ver­einen und Verbänden gestaltet. Keltereibesichtigungen und Honigproben gehörten dazu, landwirtschaftliche Betriebe informierten über Milch und Milchprodukte und gewährten den Städtern einen „Blick in den Stall“.

Keltereien luden zum Betriebsrundgang ‑ selbstverständlich inklusive Kostproben ‑, Bauernhöfe er­laubten einen „Blick in den Stall“ und einen Happen von der eigenen Schlacht­platte, die Obst‑ und Gartenbauvereine, die Ortsgruppen von BUND und ADFC sowie die Wanderklubs hatten Aktionen vorbereitet. „Das Angebot soll ein Spiegel­bild der Ziele der Apfelwein‑ und Obstwie­senroute sein“, sagte Reinhard Birkert, Vorstand des Trägervereins.

In Bad Soden war an diesem Tag das Medico-Palais geöffnet. „Wir bieten den Leuten an, unseren Hof ken­nenzulernen, um den Menschen zu zei­gen: Das ist genau vor eurer Tür, das wird hier gemacht“, sagte Olaf Gottschalk vom Wachholderhof in Bad Soden-Neuenhain. Sein Be­trieb ist einer von 20 Stationen, die beim zweiten Rad‑ und Wandertag entlang eines Teilstückes der Hessischen Apfel­wein‑ und Obstwiesenroute mitmachen. Hier wurden Obst­weine und Liköre aus eigener Herstellung ausgeschenkt. Ein Schäfer brachte Strei­chelschafe mit.

Bei der Kelterei Herberth in Kronberg-­Kronthal konnten die Besucher am Palet­ten­geschick­lichkeitsrennen teilnehmen und sich über das Kronthaler Wasser informieren, bei der Familie Steden in Oberursel stellte ein Holzdrechsler seine Arbeit vor. „Grundlage der Zusammenarbeit zwi­schen Hoch‑ und Main‑Taunus ist die Idee, gemeinsam für den Erhalt der Streuobstwiesen, den Naturschutz, die Selbstvermarkter und eine attraktive Naherholung zu werben“, erklärt Birkert. Näheres über die Aktion beim Trägerverein „Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesen­route“ in Hofheim (Tel. 06192/201393).           

 

Regionalschleife Nassau     

Anfang 1998 machte man sich Gedanken über eine Apfelwein- und  Obstwiesenroute (A&O-Route) durch das Nassauer Land zwischen Wiesbaden, Idstein, Limburg ­und Weilburg.  „Wir machen gerne mit“, erklärte Wal­ter Geiß vom Wiesbadener Amt für Grün­flächen, Land­wirt­schaft und Forsten. Be­sonders in den ländlich geprägten Vororten der Stadt sind die Voraussetzungen ideal, um auf den Spuren des Apfels in die­ Pedale zu treten: In Breckenheim und in­ Kloppenheim gibt es Apfelkeltereien, in Bierstadt steht die Eröffnung einer Apfelwein‑  Strauß­wirtschaft bevor, die Nauroder feiern alljährlich ihr Apfelblütenfest, und vor allem in den „Ländche‑Gemein­den“ gibt es Bauernhöfe, die ihre Produk­te selbst vermarkten, darunter viele Sor­ten Äpfel - pflückfrisch vom Baum.

Die Wiesbadener sind mit ihren Vorbe­reitungen am weitesten. Anfang des Jahres 2000 wollen sie eine große In­formationstafel im Stadtteil Bierstadt aufstellen ‑ ein markanter Punkt der Route, nicht nur wegen der Apfelwiesen in der Feldgemarkung, sondern auch we­gen ihrer sehenswerten Kirche, der älte­sten in Wiesbaden. Und sie werden schon bald zwei Wegekarten im Maßstab 1:25000 herausgeben, die ersten beiden der insgesamt acht Karten für die gesamte Route im Nassauer Land.

In diesen beiden Karten ist beispiels­weise der Streuobst‑Lehrpfad in Klaren­thal ebenso eingezeichnet wie das Schier­steiner Apfelwein‑Lokal mit dem vielver­sprechenden Namen „Im Himmelreich“, wo selbst gekelterter Ebbelwoi ausge­schenkt wird. Die vielen Streuobstwiesen rund um Kastel und Kostheim, Naurod und Breckenheim sind kreuz und quer miteinander vernetzt.

Die Wiesbadener Wege werden in den Nachbarkreisen weitergeführt: Durch die Streuobstwiesen im „mittleren Taunus“ bei Niedernhausen, weiter durch die Obstgehölze nördlich von Idstein und schließlich durch Wiesen und Felder im Landkreis Limburg/Weilburg bis zum We­sterwald.

Angeregt wurde die Streuobstroute durchs Nassauer Land vom Amt für Re­gionalentwicklung in Limburg. Es knüpft damit an ähnliche Beispiele im Main‑Ta­nus‑Kreis, im Odenwald und in der Wet­terau an. die derselben Idee verpflichtet sind: Dem Schutz der Streuobstwiesen, die mehr und mehr von Obstplantagen mit niedrig­stämmigen Sorten verdrängt werden. Die Initiatoren der Route haben sich zu „Streuobst‑Kreisen“ zusammengeschlos­sen und verabreden viele Aktionen ‑ Pro­motion für eine bedrohte Kulturland­schaft und Marketing - Offen­sive für hei­mische Produkte. Auf den Routen sind Bauernhöfe ge­kennzeichnet, in denen das Obst direkt gekauft werden kann und Keltereien, die Most und Apfelwein feilbieten. Sie bemühen sich überdies um die Hege und Pflege alter Streuobst‑Bestände, ver­mitteln Ernte‑Inter­essen­­ten dort, wo der Eigentümer kein Lust mehr zum Obst­pflücken verspürt, geben Laien in Kursen Information über richtigen Baumschnitt und über das Pflanzen auf Wiesen, die ihnen die Städte und Gemeinden überlassen, neue Obstgehölze. Sogar ein „Sortengarten“ ist geplant, der die Vielfalt der heimischen Apfel, Birnen, Kirschen und Zwetschgen widerspiegelt.

 

Regionalschleife Odenwald

Im Oktober 1996 wurde die „Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesenroute“ in den Odenwald verlängert. Auf dem Fronhof in Reichelsheim gab es einen Tag des Genus­ses: Frisches Obst, ga­rantiert ungespritzt, ausgereift und aro­matisch, wurde am Sonntag kredenzt. Im Ausschank waren „Stöffche“, „Rauscher“, „Süßer“, Apfel­champagner und Brände. Ganz im Element war Hessens Ministerpräsi­dent Hans Eichel (SPD), der bei einem Fest auf dem Hofgut in Reichelsheim im Oden­waldkreis die zweite Regionalschlei­fe der „Hessischen Apfelwein‑ und Obst­wiesen­route“ eröffnete. Veranstaltun­gen wie Baumschnittkurse, Hof‑ und Kel­tereifeste oder auch Touren mit einer Führung sollen die Verbraucher auf den richtigen Ge­schmack bringen.

Die für Wanderer und Radfahrer wie auch für eiligere Auto‑Ausflügler und den Bauern‑ Kunden an sich gedachte Strecke verläuft von Wiebelsbach‑Heubach durch das Gersprenztal über Lindenfels bis nach Weinheim und orientiert sich weitgehend an vorhandenen Rad‑ und Wanderwegen. Eine Menge Abstecher sind auf sieben Teilkarten verzeichnet. Sie enthalten Ver­zeichnisse über Sehenswürdigkeiten, die Lagen von Streuobstwiesen und Obstlehr­pfaden, zudem Adressen von Gastwirt­schaften, Apfelwein‑ und Fruchtsaftkelte­reien, direkt vermarktenden Obstbauern und denen, die noch traditionelles Hand­werk pflegen.

Im hessischen Odenwald haben sich bislang 120 Landwirte, Obstbauern, Kel­tereien, Brenne­reien, Gaststätten, kurz: heimische Erzeuger und Verwerter von Streuobstprodukten mit der „Interessen­gemeinschaft Oden­wald“ (IGO), dem Landratsamt und den Ämtern für Regio­nal­entwicklung zusammengetan, um die Route mit Leben zu erfüllen. Ihre Strate­gie, kontrollierte Qualitätsprodukte auf kurzem Weg an die Verbraucher zu bringen, verspricht reiche Ernte: Sie könnte helfen, Existenzen zu sichern, die Wirt­schaftskraft zu stärken und die typische Kulturlandschaft der Streuobstwiesen zu erhalten. Die Betriebe, die mitmachen, hängen das Apfel‑Logo sichtbar aus. Li­zenzgeber des patentrechtlich geschütz­ten Zeichens ist die Marketinggesell­schaft „Gutes aus Hessen“.

Bis 1997 soll die nun eröffnete südhessi­sche Trasse markiert sein. Eine Mümlingtal‑Strecke soll im Herbst 1997 ausgewiesen werden, weitere Teil­etappen sind geplant. Noch ein hoffungsvoller Blick in die Zukunft: Im Odenwald ist man drauf und dran, den „sortenreinen Apfelwein“ zu erzeugen, wie Thomas Dis­ser von der IGO im Gespräch mit der FR einstreute. Ein „Odenwaldladen“" mit typischen Erzeugnissen, die garantierte Qua­litätsstandards einhalten, soll im Jahr 1997 am Luisenplatz in Darmstadts City entstehen.

Auskünfte: IGO (Tel. 06062/943360, Fax: 943366) und Fremdenverkehrsver­band Odenwald‑Bergstraße‑ Neckartal (Tel. 06062/94330, Fax: 943333.)

Ihre Produkte sind entlang der Hessischen Apfelwein‑ und Obstwiesen­route zu probieren und zu kaufen. Die so genannte Regionalschleife verläuft von Otzberg nach Groß‑Umstadt durch das Gersprenztal. Grein kennt zwar nicht die Kilometerzahl dieser Route, verweist aber darauf, daß sie mit dem Fahrrad oder so­gar zu Fuß zu bewältigen sei.

 

Regionalschleife Main‑Kinzig:

488 Kilometer Radwege und 224 Kilometer Wanderwege, 17 Gemeinden und sieben kulturelle Einrichtungen mit den unterschiedlichsten attraktiven Angeboten von insgesamt 82 Mitgliedern, das ist der derzeitige Stand bei der Hessischen Apfelwein‑ und Obstwiesenroute, Regionalschleife Main‑Kinzig, wie sie der Vorsitzende, Ronneburgs Bürgermeister Friedhelm Kleine, im Jahre 2001 beim Obst‑ und Gartenbauverein Linsengericht präsentierte.

Neun Etappen umfaßt inzwischen die Regionalschleife im Kreis, hier in der Reihenfolge ihrer Eröffnung: Maintal, Bruchköbel, Altenmittlau, Rodenbach, Bad Orb, Oberreichenbach, Hanau, Jossa. Für jedes dieser Gebiete gibt es eigene Karten auf der Grundlage der topographischen Karten im Maßstab 1:25000. Jede Karte trägt als Umschlagbild ein herausragendes Motiv aus der Gegend, allerdings aber fehlt auf den sonst gut gestalteten Karten ein Hinweis, um welches Gebäude es sich handelt. Das gilt auch für die anderen Fotos von landschaftlichen Sehenswürdigkeiten.

Ansonsten geben numerierte Pfeile Hinweise auf besondere Sehenswürdigkeiten, numerierte Äpfel Hinweise auf Stationen zur Einkehr in Gaststätten, Keltereien oder bei Selbstver­mark­tern, die selbstverständlich auch zur Brotzeit einladen. Bienenkörbe zeigen an, daß ein Imker dem Kreisverband angeschlossen ist. Außerdem sind die Streuobstwiesen der Region markiert. Und schließlich fehlen auch nicht die Hinweise auf Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbäder und Grillhütten oder günstige Parkplätze zum Umsteigen auf das Rad oder um dort die Wanderschuhe zu schnüren und die Umgebung zu erkunden.

Grüne Linien zeigen den Verlauf der Wander‑ und Radwege. Bei der Auswahl der Strecken sei besonders darauf geachtet worden, so Kleine, daß es landschaftlich reizvolle und nicht unbedingt nur bequeme Wege sind. Zur Sicherheit der Wanderer und Radfahrer werden vielbefahrene Straßen vermieden. Vermerkt sind auch die Adressen und Telefonnummern der Partner der Apfelwein‑ und Obstwiesenroute wie Kommunen, Landfrauenverein oder Verbände, deren Ziel die Landschaftspflege oder der Naturschutz ist.

Auf der Rückseite der Karte gehen die Verfasser auf die Strecke ein, nennen zunächst die Länge der Distanz, um dann in eine komplette Wegbeschreibung überzugehen. Für Vogelsberg‑ und Spessartwanderer könnten hier bei einer Neuauflage noch Hinweise auf Steigungen einfließen, statt allgemein von ordentlichen Steigungen zu sprechen.

In einem gesonderten Abschnitt wird noch einmal auf den gesamten Kulturraum mit seinen landschaftlichen Besonderheiten sowie denen in Flora und Fauna eingegangen. Und nicht zuletzt werden die Kommunen mit ihrer Geschichte und ihrer Gegenwart in kurzen Abrissen beschrieben.

Als besonders nützlich‑ im Ernstfall können sich die abschließenden Adressenlisten der regionalen Ärzte und Fahrradläden erweisen. Hier jedoch muß wie bei allen Kartenwerken dieser Art, auch damit gerechnet werden, daß der eine oder andere Arzt nicht mehr unter der angegebenen Adresse praktiziert oder ein Fahrradladen Dank der Konkurrenz der Märkte auf der grünen Wiese dicht gemacht hat. Zu beziehen sind die Karten und weitere Informationen über die Geschäftsstelle im Maintaler Rathaus, Hessische Apfel‑ und Obstwiesenroute, Regionalschleife Main-Kinzig, Klosterhofstraße 6, 63477 Maintal, 06181‑400‑266, Fax 400‑430.

 

Im Main-Kinzig-Kreis wurde im Herbst 1996 dar­über nachgedacht, die Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesenroute um eine Regionalschleife durch den Main‑Kinzig‑Kreis zu erweitern.

Mitarbeit am Projekt Regionalschleife Main‑Kinzig war willkom­men. Interessierte konnten zusätzliche Informatio­nen bei folgender Kontaktadresse anfordern: Ar­beitsgruppe „Hessische Apfelwein‑ und Obstwie­senroute“, Amt für Regionalentwicklung, Land­schaftspflege und Landwirtschaft, Alter Graben  6­10, 63571 Gelnhausen.

Die Regionalschleife Main‑Kinzig der Hessischen Apfelwein‑ und Obstwie­senroute gab sich im April 1997 nun die Rechtsform eines Trägervereins: 37 Gründungsmitglieder hoben am Dienstag in der Hüttengesäßer „Krone“ einen Trägerverein aus der Taufe, zu dessen  1. Vorsitzenden Maintals Erster Stadtrat Gerd Robanus gewählt wurde.

Im Vorfeld der Gründungsversammlung hatte es schon die verschiedensten Informationsveranstal­tungen und die Bildung von Arbeitskreisen gege­ben, die vor allem im westlichen Bereich, also im Maintaler Umland, inzwischen erhebliche Aktivi­täten entfalteten. Die Regie bei der Schaffung des Trägervereins lag in den Händen des Landwirtschaftsamtes Gelnhau­sen, dessen Mitarbeiterin Dr. Barbara Freytag‑Ley­er den Satzungsentwurf vorlegte, der dann bis auf geringe Änderungen einstimmig verabschiedet wurde. Hauptziele des Trägervereins sind unter anderem Schaffung und Ausbau einer Apfelwein- ­und Obstwiesenroute durch den Main‑Kinzig-­Kreis und damit die Zusammenarbeit zwischen Na­turschützern, Keltereien, Landwirten, Gastrono­men und sonstigen Interessenten, denen Erhaltung der Kultur­land­schaft und damit auch der land­schaftstypischen Streuobstwiesen am Herzen liegt.

Auch bietet der Träger­verein in seiner Koordinati­onsfunktion für Aktivitäten der Partnerbetriebe werbliche Unterstützung, indem gegen eine Gebühr auf die Logos und Wortbildzeichen der Hessischen Apfelwein‑Obstwiesenroute zurückgegriffen wer­den kann. Diese Lizenzgebühren werden abgestuft nach Umsatz der Betriebe oder bei Kommune nach der Einwohnerzahl erhoben; der allgemeine Bei­trag im Trägerverein kostet jährlich 60 Mark bezie­hungs­weise für Kommunen unter 2.000 Einwoh­nern 100 Mark, darüber dann 200 Mark.

Zehn Kommunen entschlossen sich spontan zum Beitritt im Trägerverein, nämlich Ronneburg (Bür­germeister Kleine hatte auch die Gründungsmit­glieder begrüßt), Bruchköbel, Freigericht, Maintal, Nidderau, Joßgrund, Niederdorfelden, Birstein, Bad Orb und Brachttal. Hinzu kommen Keltereien, Di­rektvermarkter, Land­frauenvereine, Obst‑ und Gartenbauverein, Gastronomen und andere mehr. Im Vorstand sind die Partnergruppen ‑ also bei­spielsweise Kelterer, Landwirte, Naturschützer, Kommunen, kulturelle Einrichtungen ‑ mit jeweils einem Mitglied vertreten. Zum Vorsitzenden des Trägervereins wählten die Gründungsmitglieder dann Maintals Ersten Stadtrat Gerd Robanus.

Eine insgesamt positive Bilanz konnte die Regionalschleife Main‑Kinzig der Ap­felwein‑ und Obstwiesenroute nach ein­jährigem Bestehen bei ihrer Jahres­hauptversammlung in Bad Orb im März 1998 ziehen. Vorsitzender Gerd Robanus verwies mit Stolz darauf, daß sich die Mitgliederzahl von 42 am 1. Juli vergangenen Jahres auf mittlerwei­se 70 erhöht habe. Dazu gehören unter anderem 15 Kommunen, 21 gastronomi­sche Betriebe, fünf Direktvermarkter, acht Keltereien und sechs Vereine. Rund 200 Betriebe hat man, so Roba­nus, in den vergangenen Monaten ange­schrieben, doch da leider wenig Reso­nanz gespürt. Deshalb werde man beson­deren Wert auf das direkte Gespräch le­gen. Noch erhebliche Lücken gibt es im System der Partnerbetriebe im Ostkreis, in Hanau und Rodenbach.

Insgesamt sind es 500 Kilometer Strecke, die dann im Bereich der Regionalschleife Main-Kinzig in das Wegenetz der Apfel­wein‑ und Obstwiesenroute integriert werden. In den vergangenen fünf Mona­ten habe man bei fast allen Kommunen die Genehmigung für das Befahren der entsprechenden Wege innerhalb der Route erhalten ‑ nur Hanau sei bisher nicht in der Lage gewesen, die im Okto­ber erhaltenen Unterlagen an die Regio­nalschleife zurückzuschicken.

Mit zwischen 700 und 800 Schildern sol­len die Wege der Route markiert werden; die Schilder zeigen die Fahrtrichtung an und natürlich das Symbol der Organisa­tion, einen rotbäckigen Apfel. Anschluß­punkte wird es auch an die benachbar­ten Regionalschleifen geben, so an die des Bereichs Main‑Taunus bei Enkheim und an die der Wetterau bei Langen­bergheim.

In der Produktion sind derzeit, so Roba­nus, Wegekarten, die Wanderern und Radfahrern Aufschluß über den Verlauf der Route und die daran beteiligten Part­nerbetriebe geben sollen. Als erstes er­scheinen zum Eröffnungsfest eine Ge­samtübersichtskarte und drei sogenannte Etappenkarten (allerdings ist Maintal-Bischofsheim mit Bischofsheim im Kreis Groß-Gerau verwechselt worden). Insgesamt ist an die Herausgabe von insgesamt neun Karten gedacht, die dann gegen ei­nen geringen Obulus im „Paket“ erwor­ben werden können. Auch einen Veran­staltungs­kalender der Regionalschleife Main-Kinzig, wird es geben, der dann auf die Aktivitäten entlang der Route hin­weise.

Die Route führt über das bestehende Rad‑, Wander‑ und Feldwegenetz von Bergen­-Enkheim kommend bis hinter Schlüch­tern an die Kreisgrenze nach Fulda (Übersichtskarte im Maßstab 1 : 100.000). Von der Hauptroute zweigen sogenannte Etappenrouten ab, die für Radfahrer und Wanderer gleich geeignet sind. Speziell für fußläufige Interessenten sind kürzere Varianten auf den Etappenkarten (Maßstab 1:25.000) markiert. Infos gibt es zu den berührten Orten, zu Sehenswür­digkeiten und natürlich zu Partnern, die an der Strecke liegen. Weiter sind Adressen von Ärzten und Fahrradläden aufge­listet. Bahnhöfe und der Zugang von dort zu den ausgeschilderten Routen sind ebenfalls besonders markiert. Außerdem ist ein Veranstaltungskalen­der in Vorbereitung, der voraussichtlich Ende Juni erscheinen wird. Dort sollen sämtliche Aktivitäten der Partner aufge­listet sein, so daß man einen Überblick bekommt, wann wo was stattfindet.

Am 26. April 1998 wurde die Regionalschleife Main‑Kin­zig offiziell eingeweiht. Inzwischen hatten sich über 50 Partner dem Verein angeschlossen, in dessen Vorstand alle relevanten Gruppen ver­treten waren: Vertreter von Kommunen, Naturschützer, Gastronomen, Direktver­markter, Keltereien, Obst‑ und Gartenbauvereine, Imker. Seit einem Jahr exi­stiert der Verein und hat in einer Ar­beitsgruppe - deren Arbeit manchmal et­was mühsam war ‑, so Klaus Berg, das Konzept auf den Kreis zu übertragen ver­suchte.

Mit einer ganzen Palette von Auf‑ und Vorführungen, Reden, aber auch Infor­mationen und Kostproben wurde auf dem Gelände der Kelterei Walther in Bruch­köbel‑Niederissigheim die Re­gionalschleife Main‑Kinzig eröffnet.

 

Programm

10 Uhr: Treffen im Lehrgarten des OGV Roßdorf. Hessens Wirtschaftsminister Lothar Klemm, Landrat Karl Eyerkaufer und Bruchkö­bels Bürger­meister Klaus‑Dieter Ermold radeln auf einem Teil der Route nach Nie­derissigheim. Unterwegs werden dabei symbolisch auch einige Speierling-­Setzlinge gepflanzt.

Beginn auf dem Festgelände der Kelterei Wal­ther in Niederissigheim mit den Rund­funk­moderatoren Michaele Scheren­berg und Karl‑Heinz Stier.

10.45 Uhr: Jagdbläsergruppe Ostheim 11.00 Uhr: Offizielle Eröffnung.

11.30 Uhr: Tanzgruppe der Landfrauen Niederdorfelden.

11.45 Uhr: Musikgruppe der Feuerwehr Bruchköbel

13.00 Uhr: Theaterstück Landfrauen Windecken.

13.30 Uhr: Tanzgruppe Landfrauen Ost­heim

1400 Uhr:  Singspiel Grundschule Ham­mersbach.

14.30 Uhr: Tanzgruppe Landfrauen Bad Orb.

15.00 Uhr: Sängerlust Niederissigheim.

15.30 Uhr: Tanzgruppe Landfrauen Rüdigheim.

Für den musikalischen Teil sorgen die Musik­gruppe der Feuerwehr Niederissigheim und die „Sängerlust“ aus dem gleichen Bruchköbeler Ortsteil. Es wird Info­-Stände der beteiligten Partner geben, und auch ein Kinderprogramm ist vorgesehen.

Auf dem Walther‑Gelände demon­strierte der Trä­gerverein der Regionalschleife die Apfel­weinherstel­lung einst und jetzt. Auf dem Freigelände stellten sich der Kreisimkerverein, der Kreisver­band der Obst‑ und Gartenbauvereine, die Landfrauenverbände des Kreises, der Naturschutzbund und die Stadt Nid­derau vor. Die Keltereien Walther, Höhl, Preger und Stier waren ebenso vertreten wie der Frankfurter Mike Margic, der Apfel­weindeckel drechselt. Kunst­handwerk gab es auch von Gisela Fliedner und der Töpferei Maurer aus Büdingen. Eben­falls mit Ständen vertreten waren der Landschaftspflegeverband Main‑Kin­zig‑Kreis, Bad Orber Gastronomen, die Gasthäuser „Alte Schmiede“, Brachtal, und „Zur Krone“, Ronneburg, und Direktvermarkter ‑ um die gastronomische Betreuung mit Spezialitäten, bei de­nen immer der Apfel im Mittelpunkt stand.

Für die Kinder wurde ein spezielles Pro­gramm geboten. Da konnte „rund um den Apfel“ gebastelt werden. Apfel‑Geschich­ten wurden erzählt und gelesen, und auch für eine Hüpfburg und Kutschfahr­ten wurde gesorgt.

Bei der Eröff­nungsfeier präsentierte sich auch die Stadt Nidderau. Sie behauptet von sich, am Ohlenberg und am Wingert das zweitgrößte zusammenhän­gende Streuobstgebiet der Region zu be­sitzen. So wollte sie ihr Bemühen um diesen so typischen wie ökologisch wert­vollen Landschaftsbestandteil in den Blick rücken. Nidderaus Obst‑ und Gar­tenbauvereine, die Vogelschutzgruppen sowie das städtische Umweltbüro hatten einen Stand vorbereitet.

Apfelwein können sie trinken, doch beim Apfeltest versagten der hessische Wirtschaftsminister Lo­thar Klemm, Landrat Karl Eyerkaufer und Bruchköbels Bürgermeister Klaus-­Dieter Ermold mehr oder weniger. Im­merhin erriet Letzterer immerhin zwei Sorten, während der Kreischef vollkom­men daneben lag. Eyerkaufer konnte sich aber zugute halten, daß er zur Ein­weihung der Regionalschleife Main‑Kin­zig der Hessischen Apfelwein‑ und Obst­wiesen­route als einziger der „Promis“ mit dem Fahrrad gekommen war.

Es wurde im Laufe des Tages sehr eng auf dem Gelände der Kelterei Walther in Niederissigheim, wo nicht nur in der Produktionshalle jeder verfügbare Qua­dratmeter für Infostände zur Verfügung gestellt worden war, sondern wo es auf dem Freigelände reichlich Stände gab und im eigens aufgestellten Festzelt schon vor der offiziellen Eröffnung kein Platz mehr zu finden war.

Das lag auch daran, daß mit Michaele Scherenberg und Karl‑Heinz Stier zwei professionelle und mit der Materie be­stens vertraute Moderatoren die Gäste, darunter auch das Bundesäppelwoipaar Renate I. und Eugen I. aus Hanau‑Stein­heim, hervorragend unterhielten. Das ta­ten im Laufe des Tages dann auch noch verschiedenste Musik‑ und Tanzgrup­pen.

Als wirtschaftlich erfolgreiches Land, das zudem über den größten Waldbe­stand verfüge, seien die ökologisch wert­vollen Streuobstwiesen lange Zeit ver­nachlässigt worden, so Lothar Klemm. Das sei der entscheidende Grund gewe­sen, um die Idee der Apfelwein‑ und Obstwiesenroute in die Tat umzusetzen. ­Schon vor zwei Jahren habe er die Ver­gabe für Konzessionen für Schoppen­wirtschaften deutlich vereinfacht.

Gerade entlang solcher Regionalschleifen wäre einfache Gartenwirtschaften mit kleiner Speisekarte und einem gutem Äppler im Angebot vonnöten: „Helfen Sie mit, damit wir hiermit in die Gänge kommen“, forderte Klemm die Gäste auf. Dem Trend der Flächenversiegelung in einem schnellwachsenden Kreis etwas gegenüberzustellen hält Landrat Eyer­kaufer für eine gute Idee. Gerade im Main‑Kinzig‑Kreis, mit einem Zuwachs von 55.000 Bewohnern in den letzten zehn Jahren, sei es notwendig, die ver­bliebenen Streuobstbestände zu sichern. Außerdem forderte der Landrat mehr Vorfahrt für Radfahrer, denn bei der An­fahrt zur Veranstaltung habe er mehrere Minuten an einer Ampel warten müssen, während die Autos ungehemmt vorbei­brausten.

Auch Bürgermeister Ermold sprach die Flächenversiegelung an, die an Bruchkö­bel nicht spurlos vorbeigegangen wäre. Inzwischen habe ein Umdenken einge­setzt. Kleiner Beitrag der Kommune in Sachen Streuobstwiese: Als Hochzeits­bäume werden inzwischen hochstämmi­ge Obstbäume gepflanzt. Als großen Erfolg aller Beteiligten be­zeichnete schließlich der Vorsitzende des Fördervereins Regionalschleife, Maintals Erster Stadtrat Gerd Robanus, diesen Einweihungstag, denn viel Über­zeugungs‑ und Vorbereitungsarbeit sei notwendig gewesen, um das Projekt im Main-Kinzig‑Kreis zu realisieren. Nun liege aber ein Kartenwerk vor, seien über 50 Partner gefunden und hätten sich viele Organisationen und Insti­tutionen zur Mitarbeit bereiterklärt und diese schon umgesetzt.

Auf dem Freigelände und in der Halle hatten die Besucher reichlich Gelegen­heit, ihren Hunger und Durst zu stillen, den Wissenshunger zu befriedigen und an Ständen von Kommunen wie Nid­derau oder Bad Orb oder bei Organisa­tionen wie Landfrauen, Imker, Obst‑ und Gartenbauvereinen ebenso wie bei Selbstvermarktern, Gastronomen oder Keltereien sich schlau zu machen oder zukosten.

Im Jahre 1999 wurde die 6. Etappen‑Route „Gelnhausen und Meer­holzer Hügelland“ bereits am 14. März in Altenmittlau eröffnet. Die 5. Etappe wurde auf dem Landhof Schmidt in Niederro­denbach eröffnet. Sie heißt „Vom Kin­zigtal ins Meerholzer Hügelland“ und schließt eine weitere Lücke der großen Regionalschleife Main‑Kinzig‑Kreis. Die Route enthält eine besondere Prüfung: den „Berg des Leidens“ zwi­schen dem Oberrodenbacher Ortsrand und der Dicken Tanne schon im Freige­richter Bereich, denn 600 Meter geht es hier steil bergan.

Auf dem Landhof Schmidt wurde an der Stelle, wo einst ein Kirschbaum stand, ein Apfelbaum gepflanzt. Es gab Verpflegung aus dem Angebot der Selbstvermarkter, Informationen des Kreisverbandes zur Förderung des Obstbaus, der Garten- ­und Landschaftspflege, des Trägerver­eins der Route und folkloristische Unter­haltung.

Robert Ruppel, Bürgermeister von Joßgrund und  2. Vorsitzender des Trägervereins, sagte: „Wir wollen mit unseren Routen nicht nur den Fremdenverkehr beleben, son­dern natürlich auch die Bevölkerung ani­mieren, ihre Heimat zu Fuß oder per Rad kennenzulernen.“ Wozu bekanntlich auch gehöre, hinterher einen schönen Schop­pen zu trinken und gut zu essen. „Weshalb es ja durchaus kein Zufall ist, daß die Routen an diversen Höfen vorbeiführen, die von Direktvermarktern betrieben wer­den, wie unserem Gastgeber Schmidt.“ Dazu stellte der Vize‑Chef des Trägerver­eins einen „Erlebniskalender 1999“ vor mit diversen Veranstaltungen zum Ent­decken und Genießen der Natur.

Nachdem Schwindt und Ruppel zwei Obstbäume gepflanzt hatten, luden sie zum Feiern. Für das leibliche Wohl der Gäste sorgten etliche Vereine, die Kelterei Strutt und die Imkerei Lüders. Ein kleines Kulturprogramm boten die Landfrauen und der Männergesangver­ein.

Auch zwei Obstbäume wurden auf dem Landhof Schmidt in Niederrodenbach gestern beim Fest zur Eröffnung einer weiteren Etappe der Apfelwein‑ und Obstwiesenroute gepflanzt.

 

Am 25. April 1999 wurde in Bad Orb eine weitere Etappe offiziell freigegeben, die Route „Spessart“, die mit mehr als hundert Kilometern eine der längsten ist. Zur Eröffnung der Spessart‑Schleife um 10.30 Uhr an der unteren Konzerthalle war Kartenmaterial erhältlich, das neben einer Übersicht auch sieben Etappenkar­ten enthält und auf die Sehenswürdigkei­ten und Partnerbetriebe verweist. Die Verbindungen durch den Spessart sparen praktisch keinen Ortsteil aus und führen über den Joßgrund, Flörsbachtal und Biebergemünd wieder zurück ins Kinzigtal. Alleine in Bad Orb können Spaziergänger und Radfahrer zwischen mehreren Routen wählen.

Zur Eröffnung der Spessart‑Etappe am Samstagvormittag präsentierten sich Kel­tereien, ­Gas­tronomiebetriebe, landwirt­schaftliche Direktvermarkter, Natur­schutzorganisationen und Vereine mit einem bunten Programm und einem reichhaltigen Getränke‑ und Speiseange­bot den Besuchern. Verschiedene Volks­tanzgruppen und Musikvereine sorgten für Unterhaltung. Für Kinder gab es einen Streichelzoo und eine Hüpfburg. Der Ein­tritt in den Kurpark war an diesem Tag frei.                 

 

Hier eine Beschreibung der Regionalschleife „Main-Kinzig“: Länge: 51 Kilometer. Start: Hanau Westbahnhof. Auf der Philippsruher Allee fährt man stadtauswärts und folgt ab dem Schloß dem Mainuferweg zur Frankfurter Stadtgrenze (10 km). Schilder des Grün-Gürtel-Radwegs weisen an Punkt 1 (10,5 km) nach rechts über die Omega­brücke, kurz danach kommt man zum Haupteingang des Heinrich‑Kraft‑Parks (11,3 km), einem der sieben familienf­reundlichen Waldspielparks am Frankfurter Stadtrand mit kreativen Spielmög­lichkeiten und Grillplätzen. Auf gut aus­gebauten Forstwegen umfährt der Grün-Gürtel-Radweg den Heinrich‑Kraft‑Park, überquert die A 66 und erreicht eine Tafel, auf der man sich über das Enkheimer Ried informieren kann (13,7 km).

An dieser Stelle beginnt die Hauptroute der Apfelwein‑ und Obstwiesenroute (AOR), sie ist in diesem Abschnitt jedoch nicht ausgeschildert. Wenn Sie dennoch ein paar Symbole mit dem roten Apfel entdecken, folgen Sie ihnen nicht, sie markieren eine Frankfurter Nebenetap­pe. Den besten Blick über das Ried, das aus Altmain-Armen entstanden ist, hat man von der Bank, die auf dem Damm in der Nähe der Übersichtstafel steht. Fern­glas nicht vergessen ‑ vielleicht entdec­ken Sie die hier heimische Europäische Sumpfschildkröte.

An Punkt 2 biegt man rechts in den Nachtigallenweg (Schild verdeckt). Er führt am Riedteich entlang. Am Ende des Riedgebietes fährt man 20 Meter linksversetzt weiter geradeaus, an den bewirtschafteten Tennisanlagen (Gaststätte „Am schönen Hang“) vorbei. Kurz danach sieht man die ersten Schil­der für die AOR‑Hauptroute mit dem ro­ten Apfel. An der nächsten Kreuzung stehen sogar zwei Schilder: dem, das nach rechts weist, folgen. Gut ausgeschildert durchquert man Randbereiche von Bi­schofsheim, überquert die Umgehungs­straße (17,6 km) und sieht nach der Brücke wieder zwei Schilder. Wieder wen­det man sich nach rechts und kommt an den Ortsrand von Hochstadt (Punkt 3, 18,8 km).

Rechts oder links? Nicht einfach zu ent­scheiden. Rechts kommt man in den histo­rischen Ortskern mit seiner alten Ring­mauer und den vielen Gaststätten, links­herum geht es, leicht ansteigend, durch Streuobstwiesen zum naturbelassenen Hartigwäldchen. Ein Bienenstock kann besichtigt werden und von den Bänken hat man einen prächtigen Panoramablick über das Maintal. Am Ortsende von Hoch­stadt führt die AOR‑Hauptroute an der Kelterei Höhl vorbei.

Wachenbuchen durchquert man auf der Hauptdurchgangsstraße (Schulstraße, 22,2 km) und folgt am Ortsende den Rad­weghinweisen nach Mittelbuchen. In Mit­telbuchen erreicht man das Hanauer Stadtgebiet, und dort ist Schluß mit der „Apfelausschilderung“. An der Mittelbu­cher Busendhaltestelle (24,7 km) biegt man links auf die Landstraße in Richtung Kilianstädten, nach 150 Metern schwenkt man am Ortsschild nach rechts.

Auf einem schmalen Pfad erreicht man das Mittelbucher Neubaugebiet, das auf den Straßen „Hinterm Hain“ und „Am Simmich­born“ durchfahren wird. Rechts liegt die Gaststätte Alt Mittelbuchen, kurz danach stößt man auf eine T ‑ Kreuzung. Rechts sieht man die Mittelbucher Ortsbefesti­gung, im Torgebäude präsentiert das Hei­matmuseum neben Funden aus der Früh- ­und Vorgeschichte und der Römer‑ und Frankenzeit auch ein Stück „Mittelbucher Apfelweinkultur“.

Unser Weg zweigt links ab und führt am Schützenhaus (26,3 km) vorbei nach Roßdorf. Vom freien Feld hat man einen herrlichen Blick in das Büdinger Hügel­land. Scharfäugige erspähen vielleicht von Punkt 4 die Ronneburg. In Roßdorf empfängt uns der Obst‑ und Gartenbau­verein (27,6 km). Er informiert in seinem „Mustergarten“ über den Obstanbau, die Vereinsgaststätte lädt sonntags von 9 bis 12 Uhr zum Frühschoppen ein.

Am Ortseingang sieht man wieder das rote Apfelsymbol. Auf der Oberdorfstra­ße fährt man in den Ort. Nach dem Back­haus ‑ hier liegt die Gaststätte „Alte Backstubb“, kurz danach kommt man am „Löwen“ vorbei ‑ verlassen wir bis Obe­rissigheim die AOR‑  Hauptroute, biegen nach links und folgen den Radwegschil­dern nach Niederissigheim. Der Wirt­schaftsweg stößt oberhalb von Niederissig­heim an die Kreisstraße nach Butterstadt.

Jetzt zweimal den Radwegschildern nach Butterstadt folgen, das dritte Schild an (Punkt 5, 30,4 km) nach Butterstadt aber nicht beachten, sondern geradeaus weiterfahren. Nach der Fahrt durch die Krebsbach-Aue erreicht man in Oberissig­heim wieder die AOR‑Beschilderung. Sie führt, nachdem man die Landstraße an der Ampel überquert hat, auf der Lang­straße durch den alten Ortskern. Beachtenswert sind die unterschiedlichen Baustile an der alten Oberissigheimer Hauptstraße: Fachwerk, geputzter Back­stein, grobe Feldsteine und hin und wie­der Eternit‑Fassaden. Der Wirtschafts­weg steigt nach dem Dorf leicht an und führt zum Langendiebacher Friedhof (35,4 km).

Kurz nach der Überquerung der Land­straße in Richtung Ravolzhausen (Punkt 6) wird die AOR‑Hauptroute verlassen. Wir biegen nach rechts in Richtung Ortsmitte und folgen einer Nebenroute, die in Erlensee sehr gut ausgeschildert ist. Of­fensichtlich waren aber Andenkensamm­ler am Werk und haben ein paar Schilder abgeräumt. Wenn man deshalb in Lan­gen­diebach nicht weiß, wie es weitergeht, folgt man dem Wanderzeichen für den Li­meswander­weg, dem schwarzen Turm.

Auf der Apfelweinroute kommt man nach Rückingen (38,3 km) und durchquert den Ort auf der Brückenstraße. Der „rote Apfel“ führt auf asphaltierten Wegen durch die Kinzigaue. Hinter dem Gelände des Gartenbauvereins (7, 40 km) beginnt der Wald und die Ausschilder­ung endet. Kein Problem: Bei der Auffahrt zur Auto­bahnbrücke (41 km) trifft man auf die Wandermarkierung roter Balken, der man nach rechts folgt, bis man nach einer wunderbaren Fahrt durch die Bulau auf eine Holzbrücke über die Kinzig trifft (Punkt 8, 45,2 km). Dort verläßt man den „Roten Balken“ und fährt auf einem schmalen, jedoch fahrradgerechten Pfad weiter direkt an der Kinzig entlang.

Die Waldpartie endet an der B 8; der Weg in der Aue weitet sich. Im Stadtge­biet ist die wegen der Landesgartenschau notwendige Umleitungsstrecke für den Hessen‑Radweg 3 markiert, die zurück zum Westbahnhof führt. Die letzte an der Strecke liegende Ein­kehrmöglichkeit mit Gartenbewirtschaf­tung: „La casa“ am Hanauer Stadtpark (48,2 km, an der Kreuzung Nordstraße/ Eberhardstraße, 100 Meter nach rechts).

 

Gaststätten: Am schönen Hang“, Maintal-­Bischofsheim, Telefon: 06109/64256 Öff­nungszeiten: 9 bis 12 und 15 bis 22 Uhr, am Wochenende durchgehend. Bei den Tennisanlagen, nahe dem Enkheimer Ried, befindet sich die auch für Nicht­-Tennisspieler geöffnete Gaststätte mit Terrasse. Der Wirt bietet zusätzlich zu Schnitzel und Co. böhmische Spezialitä­ten an, zum Beispiel den „Böhmerwald­-Teller“ (Lende mit feiner Soße und Serviettenknödeln) oder Palatschinken. Der Nachmittags‑Kuchen wird nach böhmi­schen Rezepten gebacken.

Gaststätte „Alt‑Mittelbuchen“, Hanau-­Mittelbuchen, Telefon: 06181/76129, Öffnungszeiten: täglich ab 17, Sonntag 10 bis 15 Uhr. Bekannt ist die Gaststätte we­gen ihrer Bundeskegelbahn. Radfahrer sitzen im kleinen „Biergarten“ vor dem Haus, die Küche ist regional, der Apfel­wein kommt aus der kleinen Kelterei Wörner in Niederdorfelden.

 

Anfang April 1999 wurde im Rahmen eines Festes auf dem Gelände der Kleingartenanlage „Alte May“ die Etappe „Rund um Hanau“ eröffnet. Auch eine Radtour vom Hanauer Marktplatz aus un­ter Leitung des ADFC gehörte zu den Fest­lichk­eiten. Der Erste Vorsitzende des Trägervereins Friedhelm Kleine vollzog die offizielle Er­öffnung. Die Etappe führe an den schöns­ten Stellen in ganz Hanau vorbei. Man habe etliche Partner entlang der Stre­cken wie Gaststätten, Kleingärtnerverei­ne, Obst‑ und Gartenbauvereine, Brauerei­en und Direktvermarkter, die eine Unter­stützung gewährleisteten.

Auch Margret Härtel, Oberbürgermeiste­rin der Stadt Hanau und Landrat Karl Ey­erkaufer wohnten der Eröff­nung bei und hoben die Wichtigkeit dieser Etappe für Hanau hervor. Das Eröffnungsfest, bei dem man für die zahl­reichen Besucher für das leibliche Wohl ebenso gesorgt habe, umfaßte auch eine Vorführung der Tanzgrup­pe Landfrauen Kilianstädten und ein Thea­terstück der Landfrauen Bischofsheim.

Ebenso konnte eine Baustellenbesichti­gung der Landesgartenschau Hanau 2002 vorgenom­men werden. In Gruppen starte­ten Führungen vom Gelände der Kleingar­tenanlage „Alte May“. Diese Anlage hat man als Örtlichkeit für die Festivitäten ausgewählt, da sie an der Strecke der Etap­pe liegt und zudem eine Verbindung zu der Landesgartenschau aufweist, die in einem Zusammenhang mit der Route steht.

Am 28. Mai 2000 erfolgte die letzte Etappeneröff­nung in Sinntal / Jossa. Die Etappe umfaßt etwa 150 Kilometer Rad‑ und Wanderwege.

 

Das Konzept ist aufgegangen: Mit vielen roten Äpfel, die als Schilder quer durch den Main‑Kinzig‑Kreis die Routen markieren, werden aktiver Naturschutz, Tourismus, Apfelweinliebhaber und Direktvermarkter unter einen Hut gebracht. Im April 2001 zogen die Initiatoren von der Regionalschleife Main‑Kinzig der Hessi­schen Apfelwein‑ und Obstwiesenroute, ei­ne durchweg positive Bilanz der ersten drei Jahre. „Das Angebot wird angenommen, weil es für Radfahrer und Wanderer gleicherma­ßen ein abwechslungsreiches Programm bietet“, sagte der erste Vorsitzende des Trägervereins, Ronneburgs Bürgermeister Friedhelm Kleine, am Mittwoch im Rah­men einer Pressekonferenz auf der Ronne­burg.

Gleichzeitig stellte der Vorstand den neuen „Erlebniskalender“ vor, in dem zahlreiche Feste und Veranstaltungen auf den ver­schiedenen Strecken zusammengefaßt sind. Seit 1998 wurden die verschiedenen Touren im Main‑Kinzig‑Kreis eingezeich­net, das Karten-Set umfaßt nun neun Etap­pen, darunter auch „Rund um Hanau“, „Ronneburger Hügelland“ und „Spessart“. Insgesamt sind es fast 500 Kilometer Rad­wege und 225 Kilometer Wanderwege, die auf den präzisen Karten eingezeichnet sind. In der freien Natur müssen Radler und Wanderer also immer nur dem roten Apfel folgen, um an Streuobstwiesen, Kel­tereien, Direktvermarktern und natürlich den Sehenswürdigkeiten der Region vor­beizukommen. Insgesamt sind es bereits über 1.000 Schilder, die so den Weg weisen. Der Kartensatz mit insgesamt neun detail­lierten Rad‑ und Wanderkarten aus dem gesamten Kreisgebiet ist kostenlos ‑ oder auch gegen eine freiwillige Spende ‑ bei al­len Volks‑ und Raiffeisenbanken in Main­tal und im Main‑Kinzig oder direkt beim Verein unter der Telefonnummer 0 60 51/82 30‑33 erhältlich.

In diesem Jahr wird der Trä­gerverein, dem insgesamt 82 Mitglieder an­gehören, selbst an drei Veranstaltungen teilnehmen: Neben Radtouren mit Blüten­fest und Führungen im Juni in Eidengesäß und einen Infostand bei der Radleraktion „Kinzigtal total“ am 9. September steht da­bei auch das Hoffest im Oktober auf dem Landhof Schmidt in Rodenbach auf dem Programm.

 

Regionalschleife Stadt und Kreis Offenbach:

Auf der Regionalschleife Stadt und Kreis Offenbach der hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute können Wanderer und Radfahrer ab 2001 stempeln gehen. Der Hotel- und Gaststättenverband hat einen Äpfelweinpaß auf den Tisch gelegt, in dem drei Dutzend Traditionsgaststätten, Apfelweinkneipen oder Privatkeltereien aufgehstet sind. Wer den Paß voller Stempel hat, kann eine Fahrt mit einem Heißluftballon in Form eines Bembels gewinnen. Der Weg für die Regionalschleife Stadt und Kreis Offenbach wurde im Jahr 2000 geebnet. Damals beteiligten sich Wirtshäuser in der Stadt Offenbach und im benachbarten Mühlheim an der Werbeaktion für die Region. Jetzt wurde die Apfelweinroute auf die Städte Dreieich und Neu-Isenburg verlängert und auf 36 Wirtshäuser erweitert.

 

Die sechste Regional­schleife der hessischen Apfelwein‑ und Obstwiesenroute hat Landwirtschaftsmi­nister Wilhelm Dietzel zusammen mit Of­fenbachs Oberbürgermeister Gerhard Grandke und Landrat Peter Walter Ende Mai 2000 in Stadt und Kreis Offenbach eröffnet.

Fahrradfahrer und Wanderer kön­nen dort jetzt auf einer 46 Kilometer lan­gen ausgeschilderten Strecke unter ande­rem Apfelweinkneipen, Keltereien und sehenswerte Streuobstwiesen ansteuern.

Alle Beteiligten betonen, daß das Pro­jekt in Rekordzeit zustande gekommen sei. Von den ersten Gesprächen mit der Marketinggesellschaft „Gutes aus Hes­sen“ bis zur endgültigen Beschilderung sei­en nur 18 Monate vergangen, so Landrat Walter. Gekostet hat die neue Freizeitrou­te den regionalen Träger ‑ die Kommuna­le Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Fremdenverkehrs in Stadt und Kreis Of­fenbach ‑ rund 48 000 Mark.

Bislang besteht die sechste regionale Ap­felwein‑ und Obstwiesenroute aus den bei­den Lokalschleifen der Städte Offenbach und Mülheim. Die gut 15 Kilometer lange Strecke rund um Mühlheim verläuft wie folgt: Los geht es an der Alten Wagnerei in Mühlheims City. Die Strecke führt über den Hennig‑ und Talweg raus aus der Stadt zum Seerosenweiher in der Neuen Schneise, der immer wieder davon bedroht sei, zu kippen, weil es weder einen Zu‑ noch Abfluß gibt.

Nächster Stop ist an der Querung der Häuser Weg­schneise. Hier wird die Offenbacher Route in Richtung Käsmühle und Bieber angebunden. Weiter geht es durch Lämmerspiel hin­durch über die Steinheimer Straße auf den Gailenberg, mit 101 Metern die höch­ste Erhebung der Stadt. Hier ist auch der Grund zu sehen, warum gerade Mühl­heim die erste Apfelwein‑ und Obstwie­senroute im Kreis Offenbach bekommt: Auf dem Hügel liegt der größte Streuobst­wiesenbestand.

Anschließend geht es durch die Steinbrüche nach Dietesheim. Hier wird die Tour über die Untermainstraße geführt wird, damit die Fachwerkhäuser und die evangelische Kirche nicht links liegen gelassen werden. Am Mainufer gibt es wieder eine Anschlußmöglichkeit in Richtung Steinheim sowie Offenbach‑Frank­fürt. Geplant ist auch die Vernetzung mit Maintal‑Dörnigheim.

Die Tour geht nun auf dem Rodaudamm, dem Mühlenwan­derweg, entlang über die Bleichstraße und Bahnhofstraße zum Ausgangspunkt „Alte Wagnerei“ zurück.

Am 25. Mai 2000 wird die Route, es ist die sechste in Hessen, offiziell freigegeben. Bis dorthin wird die Kommunale Arbeits­gemeinschaft Fremdenverkehr die Strec­ke ausschildern. An deren Verlauf liegen beispielsweise auch die Licher Pilsstube, die für ihre Handkäspartys berühmt ist, sowie das „Forsthaus“. Mindestens drei typische hessische Gerichte sowie Apfel­wein müssen auf den Speisenkarten zu finden sein. Alle zwei Jahre werden die gastrono­mischen Betriebe auf die Bedin­gungen hin erneut überprüft.

Geplant ist, fast den gesam­ten Kreis zu integrieren. So will die Kreis­beigeordnete Jäger noch im Herbst mög­lichst die Städte Langen und Neu‑Isen­burg anbinden, Ende 2001 soll die Strecke der gesamten Gemarkung stehen.

 

Bislang sind erschienen und ausgeschil­dert:

Etappe 1: Wetterau zwischen Unter­main und Nidder

Etappe 2: Vom Ronne­burger Hügelland in die Wetterau,

Etap­pe 3: Ronneburger Hügelland.

Etappe 4: Rund um Hanau,

Etappe 5: Vom Kinzigtal ins Meerholzer Hügelland,

Etappe 6: Gelnhausen und das Meerholzer Hügelland,

Etappe 7: In den Spessart,

Etappe 8: In den Vogels­berg,

Etappe 9: Das Schlüchterner Bec­ken.

 

Regionalschleife Neu-Isenburg:

Bewölkt war es zwar, doch das Wasser blieb in den Wolken, als die Neu‑Isenburger im April 2002 ihren Teil der Regionalschleife der Hessischen Apfelwein‑ und Obstwiesenroute eröffneten. Es schwangen sich 33 Männer und Frauen mit Bürgermeister Oliver Quilling (CDU) und Kreisbeigeordneter Claudia Jäger (CDU) auf ihre Räder und fuhren die im vergangenen Jahr ausgewiesene Strecke östlich der Stadt ab. Sportlich gesehen eher harmlos sei die Tour, sagte Karl‑Heinz Fahn. Doch auch als Neu‑Isenburger habe er vom historisch interessierten Biologen der Stadt, Peter Schonegge, Neues erfahren. Und Gerhard Ingber vom Verein Radteam wußte bisher weder, wie viele eiförmige Wiesen es im Naturschutzgebiet an der Eirundwiese gibt, noch hatte er von dem hundert Jahre dauernden Gerichtsstreit mit Frankfurt gehört, in dem es darum ging, ob Neu‑Isenburger Schweine im Stadtwald fressen dürfen.

Den Plan zur Neu‑Isenburger Apfelweinroute mit historischen, touristischen und naturkundlichen Informationen gibt es im Bürgeramt der Stadt, Schulgasse 1.

 

Regionalschleife Langen-Egelsbach:

Im Mai 2003 wurde  die Apfelwein‑ und Obstwiesenroute Langen‑Egelsbach eröffnet. Strahlender Sonnenschein und Volksfestcharakter bei der zweiten Eröffnung des Langen‑ Egelsbacher Teilstücks des landesweiten Wegnetzes der Hessischen Apfelwein‑ und Obstwiesenroute.   Mit seinen Völkern war Günter Greff schon immer vorne dran. Deswegen war es eigentlich kein Zufall, daß der Egelsbacher Hobbyimker mit Langener Wurzeln sich als erster in das Netz der Apfelwein‑ und Obstwiesenroute eintragen ließ, noch ehe diese im Jahre 2002 formal festgeschrieben war. Greff unterstützt die Idee „Nicht nur als Freizeitangebot“, sondern auch, weil der Stadtmensch so Gelegenheit habe, einen fachkundig begleiteten Blick auf scheinbar selbstverständliche Dinge zu werfen. Außerdem könne so manches Vorurteil beseitigt werden.

Greff weiß wovon er redet. Sein Informationsstand ist eigentlich ein richtig großer, naturbelassener Schrebergarten in einem typischen Streuobstwiesengebiet südlich der Bundesstraße 486 und einer von 19 Stationen zwischen dem Vierröhrenbrunnen in Langen und dem Vereinshaus der Hundefreunde im Egelsbacher Wäldchen. Die Strecke ist für Wanderer oder Fahrradfahrer mit dem markant roten Apfel mit grünem Pfeil der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute gekennzeichnet und kann so leicht ergangen oder erfahren werden. Am Eröffnungssonntag gab es Extrazulagen ‑ angefangen von der Info über alternative Hühnerhaltung bis hin zur Vogelstimmenwanderung.

Ohne Bienen keine Äpfel und kein Apfelwein. Günter Greff erzählt, daß die heutigen Bienenhäuser sich sehr stark von den im Mittelalter zu diesem Zweck genutzten alten Baumstümpfen, den so genannten „Klotzbeuten“ unterscheiden. Selbst in der Wiesbadener oder Frankfurter Innenstadt hat Greff Hobbyimker‑Kollegen, die die heute sehr friedfertigen Tiere dort auf dem Balkon halten und so selbstgemachten Honig ernten können.

Dieses Jahr, erzählt Greff, wollte er für die Eröffnungsveranstaltung der Route zwölf bis 14 Bienenvölker präsentieren. Daraus wurde nichts. Die unselige Zusammenarbeit von Varoa‑ Milbe und einem noch nicht völlig aufgeklärten Varoa raffte ihm zwei Drittel seiner Population dahin. „Dass die Krankheit Einfluss auf die Qualität des Honigs haben oder gar für den Menschen gefährlich sein könnte, sei eines jener Vorurteile“, mit denen Greff bei solchen Veranstaltungen gerne aufräumen möchte. Und er kontert mit den hohen Qualitätsansprüchen, die der Imkerverband von seinen Mitgliedern fordert. Dort sitzt er im hessischen Landesvorstand und ist dessen Lehrbeauftragter.

An vielen anderen Ständen der Strecke ging es am Sonntag aber eher um die ganz handfeste Nutzung des Apfels und dies überwiegend in seiner flüssigen Form. Da unterschied sich die offizielle Eröffnungsveranstaltung im Egelsbacher Wäldchen mit den amtlichen bestallten Verkostern kaum von den vielen Kneipen und Hofbeizen entlang des Weges. Von der Ebbelwoitankstelle am Vierröhrenbrunnen bis zur Ebbelwoitankstelle an der neu gepflanzten Streuobstwiese der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

 

Regionalschleife Dreieich:

Der rote Apfel mit dem grünen Pfeil drumherum weist die Wege auf der jüngsten Etappe der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute: 35 Kilometer Wander- und Trampelpfade, Radel- und Joggingpisten durch die Feldfluren, Waldungen und Bachtäler der 40.000-Einwohnerstadt Dreieich (Kreis Offenbach) sind dieser Tage mit dem Logo ausgeschildert worden. 13 Ziel-, Rast- und Schaupunkte an der Strecke wurden mit gesonderten Obst-

Pfeil-Blechen etikettiert. Das sind die Partnerbetriebe, die denen, die mit Drahtesel oder auf Schusters Rappen unterwegs sind, Anlaufstellen sein sollen: Bauernhöfe, urige Gaststätten, ein Museum, eine Kelterei.

Bei den Agrargehöften der Familien Köppen, Frank und Lenhardt in Offenthal und Götzenhain können sich hungrige und durstige Routengänger mit Mundvorrat eindecken und die Feldflaschen nachfüllen. Im Angebot der Direktvermarkter stehen regionale Feldfrüchte, Obst und Gemüse aus Dreieicher Landen frisch auf die Theke. Zu kaufen gibt’s bei den Landwirten auch noch Fleisch und Wurst aus eigener Schlachtung und selbstgekelterte Säfte und Weine.

Zünftig-Deftiges aus der Rippche-, Handkäs’- und Stöffche-Küche kredenzen und tischen die Wirte der Freiluftkneipen auf, die ihre Fassaden mit dem Routen-Logo markieren: Feuermerschel, Hofgarten, Königlich- Bayerisches Amtsgericht, SKG-Sporthalle und Herrnbrod-Ständeke. Den jeweiligen Ebbelwoi-Haustrunk lassen die Gastronomen dabei zumeist in der alteingesessenen Sprendlinger Kelterei Schäfer pressen, die auch als Partnerbetrieb firmiert und wo den Fremden gern gezeigt wird, wie das südhessische Nationalgetränk in Fässer und Bembel kommt.

Faltblätter mit detaillierten Wegekarten zur Apfelweinroute Dreieich können geordert werden bei der Stadt Dreieich (Telefon 061031601-1231-124, Fax: 061031601-141, E-Mail stadt@dreieich.de) und beim Kreis Offenbach (Telefon 06918068-389, Fax.06918068-381, E-Mail info@kreis-offenbach.de). Anfahrt mit RMV via S3IS4 bis Dreieich-Buchschlag, von dort aus weiter mit der Dreieichbahn zu den Haltepunkten Sprendlingen, Dreieichenhain, Götzenhain, Offenthal

 

 

Frankfurt

 

 

Apfelweinfeste in Frankfurt

 

Auf dem Römerberg in Frankfurt gab es zwei Veranstaltungen mit dem Thema „Apfelwein“:

  • Die 1919 gegründete „Vereinigung der Apfelweinwirte in Frankfurt und Umgebung“  lud jährlich zum Römerbergfest ein. Das „Apfelweinfest“ auf dem Römerberg ist ein „Stöffchefest“. Die „Vereinigung der Äpfelweinkeltereien mit eigenem Ausschank Frankfurt am Main und Umgebung e.V.“ wurde 1919 gegründet. Ihr Ziel war zunächst die Beseitigung der Beschränkung bei der Herstellung von Äpfelwein und der damit verbundenen strengen Bewirtschaftung. Es wurden Einkaufsmöglichkeiten für Kelteräpfel geschaffen. Nach 1933 wurde von den Behörden versucht, den selbstkelternden Äpfelweinwirten die Konzession für die eigene Herstellung ihres „Stöffchens“ zu entziehen. Doch scheiterte dieser Versuch an dem harten Widerstand der Wirte. Dadurch wurde dieses mittelständische Gewerbe mit seiner alten Tradition vor dem Untergang bewahrt. Nach der Wiedergründung der Vereinigung nach 1945 setzte sie ihre unermüdlichen Bemühungen dafür ein, die bestehende Zwangsbewirtschaftung beim Keltern zu beseitigen und den Wiederaufbau des fast total ausgebombten Gewerbes in die Wege zu leiten. Sie erstellte Gutachten für die Regulierung der Kriegssachschäden, schuf einen Marktbericht und half bei der Beschaffung von Kelteräpfeln bei Mißernten. Im April 1960 gelang es endlich, unser Nationalgetränk von der Getränkesteuer zu befreien. Die Vereinigung achtet auf die Qualität des Äpfelweins und bewahrt die Tradition der Apfelwein- Gastronomie. Gemeinsam mit der Hotel- und Gaststätten-Vereinigung vertritt sie das Gewerbe in allen einschlägigen Fach- und Gewerbefragen. Ihre Mitglieder pflegen mit besonderer Sorgfalt das Frankfurter und hessische Nationalgetränk, damit es auch für die Zukunft das beliebte Volksgetränk der Bürger bleiben möge. Gemeinsam mit den Handelskeltereien wählen sie auch eine „Frankfurter Apfelweinkönigin“. Bis 1987 regierte Ute I. aus dem Hause „Eichkatzerl“ in Sachsenhausen. Danach regierte Birgit I. aus dem „Goldenen Löwen“ in Harheim.
  • Dieses Fest  ist nicht zu verwechseln mit dem Apfelweinfest,  das vorher an gleicher Stelle stattfand unter Federführung der Kelterei Höhl in Hochstadt und der Hessi­schen Apfelweinstraße. Die Vereinigung der Apfelweinwirte hält jenes Fest für „eine reine Werbe­veranstaltung“ für besagte Kelterei aus Hochstadt. Daß die Hessische Apfelweinstraße beteiligt war, ist für den Wirt nicht weiter wichtig. „Die gibt’s doch gar nicht richtig“.

 

Beim  „4. Stöffchefestes“ im Juli 1995 war der Römerberg eine einzige Garten­wirtschaft. Was freilich in dieser Gartenwirtschaft fehlte, waren Bäume, schattenspendende Bäume. Denn die Sonnenschirme waren knapp, als Otto Rumeleit und Willy Berger, die Vorsitzenden der „Vereinigung der Apfel­weinwirte“, am Samstag Schlag 12 bei sengender Sonne die Stöffche‑Fete eröff­neten und Stadtrat Manfred Friedrich (CDU) die Menschen begrüßte.

Neben anderen Ehrengästen wie der „Bembel Lenz“ war auch „Altbürger­meister“ Hans Jürgen Moog erschienen, sportlich salopp und ohne Krawatte, „was mir gut bekommt“, meinte er.

Doch dann beherrschten bald die richti­gen Schoppeschlepper, die Kellner, und die Band gleichen Namens auf der Bühne die Szene. Da wurden, bei über 30 Grad, dennoch munter Bratwurscht vom Meter und Bratkartoffeln, „Zwiewwelkuche mit Apfelweinteich“ oder „Grie Soß“ verzehrt. Nur beim Getränk hieß es vorwiegend: „Aber bitte mit viel Mineralwasser!“, also „tief gespritzt“, wie einer sagte.

Und es kam, was kommen mußte und von den ausschenkenden Ebbelweinwirten auch mit Untergang der Sonne hinter der Römer‑Fassade sehnlichst erwartet wurde: Menschen en masse ‑ dazu durstig. Jetzt war der „Samstagsberg“ knallvoll, man rückte auf den Bänken zusammen und ließ die Gerippten kreisen. Gegen 22 Uhr kam eine leichte Mainbrise auf, da herrschte fast mediterrane Stimmung.

Zumal vier Stunden lang die Big Band des Spielrings Seulberg den Ton angab und voll aufdrehte mit dem, was Menschen zum Swingen bringt: Glenn Miller und „In the mood“, leichten Jazz und auch die „Schützenliesel“. Neben ihnen waren „Route 66“, „Drifters Caravan“ und „Tequila Sunrise“ am Sonntagabend mit von der Partie, die ein vorwiegend jugendliches Publikum musikalisch an­sprachen.

Ihro Lieblichkeit Anja I. als Ebbelwei­königin und Otto Rumeleit, der Schoppesenior, fanden dann auch kluge Leute, die beim Ebelweiquiz manches wissen muß­ten und am Ende dafür 15 Verzehr‑Gut­scheine und zwölf Geschenkpakete der Keltereien bekamen.

 

Beim 6. Frankfurter Stöffchefest am 6. und 7. September 1997 wurde betont, daß man es in manchen Dingen nehmen sehr genau nimmt, denn  nach Überzeugung der örtlichen „Stöff­che“‑Produzenten und Apfelweinwirte verdient die Bezeichnung „Frankfurter Apfelwein“ nur das Ge­tränk, was strengen Qualitätsmaßstäben genügt und obendrein innerhalb der Frankfurter Stadtgrenzen fabriziert wird. Bei den in wachsender Zahl ersonnenen Mixgetränken im Reich des reinen Apfelweins verstehen die Sachverständigen allerdings keinen Spaß. „Außer einem Spritzer Speierling darf nix dran ans echte Naturprodukt“ (Nöll). „Apfelwein‑Papst“ Rumeleit senior sieht das so: „Was net neigeheert, des geheert net nei.“

Beim Ausschank auf dem Römer­berg am ersten September‑Wochenende floß neben dem klassischen Stöffche und frisch gepreßtem Süßen auch Champagner, „Ebbelwei‑Schambes“ versteht sich. Keltereichef Gerhard Nöll fi­ndet mit dem Apfelschaumwein seines Hauses Gnade vor den gestrengen Augen der Vereinskollegen. Die Flaschengärung, im Handel für 13 bis 14 Mark zu haben, schmecke hervorragend, urteilt Gastronom Willy Berger, Vorsitzender des Frankfurter Hotel‑ und Gaststättenverbands. Und Otto Rumeleit erteilt seinen Segen mit dem Hinweis, die Frankfurt „Schambes‑Produktion“  ‑ authentisch bis zum Rüttelpult ‑ knüpfe durchaus an ältere Vorbilder an.

 

Im Jahre 1998 beanspruchte Bundeskanzler Helmut Kohl den Römerberg als Wahl­kampf­kulisse, die Apfelwein­wirte brau­chen die „gut Stubb“ hingegen für den Auf­bau des siebten Stöffche‑Festes, das am Samstag beginnt. Die Apfelweinwirte durften den Römerberg erst am Samstagmorgen in eine Gartenwirtschaft verwandeln. Weil das Stöffche‑Fest so nicht wie üblich um zehn. sondern erst um 14 Uhr be­gann, tröstete die Stadt die Wirte mit einer kleinen Zugabe am Abend: An beiden Ta­gen darf bis 21 Uhr gefeiert werden.

Rund 5.000 Liter Apfelwein und 1.000 Liter frisch gekelterten „Süßen“ wollen die Ver­anstalter, die Vereinigung der Apfelwein­wirte sowie die Keltereien Nöll und Poss­mann, am Wochenende ausschenken. Sie rechnen bei gutem Wetter mit 10.000 Be­sucherinnen und Besuchern. Denen wird nicht nur „Stöffche pur“, sondern Apfelwein in verschiedenen Va­riationen angeboten. Die Kelterei Nöll schenkt ihren Apfelweinschaumwein aus. Der Wirt des Römerbembels, Willy Ber­ger hat nach einem Rezept aus dem Jahr 1842 eine neue Süßspeise kreiert: die Frankfurter Apfelweintorte,

Stadträtin Lilli Pölt. in Vertretung der Oberbürgermeisterin Petra Roth, die Be­sucher beim „Stöffchefest“ der Vereini­gung der Apfelweinwirte willkommen. Gastronom Willy Berger hatte zuvor schon Ihre Majestät Ebbelweikönigin Christiane I. begrüßt, die dem Fest eben­falls einen zumindest äußerlich trockenen Verlauf wünschte. Man möge zugreifen „und soviel Hunger haben wie gestern abend der Helmut Kohl“.

Die Veranstalter hatten Glück. Meinte noch beim Aufbau der Stände um sieben Uhr morgens ein Wirt: „Wenn das weiter so gießt, brauche mer kaan Sprudel mehr fer den Gespritzte“, so füllte sich Frank­furts „Gut Stubb“ dann mit heller werdendem Himmel bis zum Abend doch noch.­ Am Sonntag war es ähnlich.

Insgesamt waren 78 Mitgliedsbetriebe am großen Ausschank beteiligt. Unter den Augen der Besucher wurde von den Poss­männern auch „frischer Sieße“ gepreßt. Hans Waidmann war als Wochenendtou­rist aus Aurich gekommen. „Frankfurt ist schön, der Apfelwein zwar sauer, aber gut.“ Er befolgte denn auch den Rat von Kennern, lieber nicht zuviel vom Süßen zu trinken, „wenn kaa Toilett’ in de Näh’ is!“ Gar nicht sauer, sondern trocken und mild hingegen war der einige Meter wei­ter angebotene Äpfelwein‑Champagner der Kelterei Gerhard Nöll, für den er die silberne Plakette der Deutschen Land­wirtschafts‑Gesellschaft geerntet hat.

Wer mehr über die Geschichte des Ap­felweins wissen möchte, kann sich einer Führung durch das Apfelwein­museum an­schließen und dann mit dem neuen Wissen beim Apfelwein‑Quiz glänzen. Bei einem Quiz waren 25 Essengutscheine à 30 Mark zu gewinnen, die Moderator Torsten Dornberg, Wirt der „Schönen Müllerin“ unters Publikum brachte.                 

Musik und Unterhaltung gibt es auf der Bühne am Römerberg, auf der am Wo­chenende verschiedene Bands spielen: Den Anfang macht am Samstag um 14 Uhr das Blasorchester „Blasphonie aus Oberrad, die „Brass Band“ Biblis und „Merlins Fantasy Farm“.  Am Sonntag luden die Wirte zum Jazz‑Frühschoppen mit der Band Phoenix sowie „Six for Sound ein. “

 

Beim Stöffchefest im Jahr 2001 auf dem Römerberg floß der Apfelwein. Aber nur in Maßen. Die Gäste, die der alljährlichen Leistungsschau der Kelterer beiwohnten, tranken eher gemächlich. Wer den Blick über die Holztische und ‑bänke schweifen ließ, fand das nicht verwunderlich. Der Altersdurchschnitt der Festbesucher war nicht eben niedrig, und so gab nicht ein Glas das andere.

Traditions‑Frankfurter hielten das Traditionsgetränk hoch. Das ist schön, andererseits aber auch ein Problem beziehungsweise Teil eines Problems, das da lautet: Dem Apfelwein gehen die Trinker aus. Die Zahlen deuten auf einen stetigen Rückgang. Im Jahre 1994 setzten die hessischen Keltereien mit dem Äppler noch 85 Millionen Mark um. Im August wurde bekannt, daß der Umsatz im vergangenen Jahr nur noch bei 66,5 Millionen Mark lag. Ein Verlust von mehr als 20 Prozent.

Der Wirt der „Alten Burg“ in Dreieichenhain zeigte beim Stöffchefest der Vereinigung der Äpfelweinwirte, wie der Süße gewonnen wird. Zuerst kommen die Äpfel in die Mühle, dann wird der Brei in Tücher eingeschlagen und mit 250 Bar gepreßt. Derart unter Druck, gibt das Obst den Süßen frei. Daß nur Apfel und sonst nichts in dem erfrischenden Getränk ist, konnten die interessierten Besucher an der Vorführmaschine verfolgen. „Zucker kennen wir nicht“, versicherte ein Experte vom „Rad“ in Seckbach. Für den Süßen kamen Tafeläpfel in die Presse. Für den Wein werden Äpfel von den Streuobstwiesen verarbeitet. Bis der neue Jahrgang des Stöffche auf den Markt kommt, dauert es aber noch einige Monate. Genug zu trinken gab es natürlich trotzdem auf dem Römerberg. Vornehmlich in der klassischen Variante, aber auch als Apfelschaumwein im Stil der großen Champagner, den die Kelterei Nöll anbot. Mit 7,5 Prozent Alkoholgehalt soll der Apfelschampus trendig leicht und sehr bekömmlich sein. Als Beilage konnten die traditionsbewußten Frankfurter auf den bewährten Handkäse zurückgreifen, aber auch Preßkopp mit Musik, Lauchwürstchen und Schlachtplatte ordern. Solche Spezialitäten servierte der Wirt der „Schönen Müllerin“, der mit dem Satz „Hier können Sie speisen wie im Fernsehen“ lockte. Das Lokal war nämlich schon beim HR‑Klassiker „Hessen à la carte“ zu sehen.

 

Im Jahre 2002 wurde das traditionelle „Stöffchefest“ der Apfelweinwirte auf den Goetheplatz (bzw. Roßmarkt) verlegt. Ruhebedürftige Nachbarn des Römerbergs, wo man bisher die feuchtfröhliche Selbstdarstellung inszenierte, und ein allzu enger Belegungsplan für das Altstadtzentrum machten den Umzug nötig. Die Wirte hoffen auf entsprechend viel Laufkundschaft zwischen Zeil und Opernplatz, die von der Apfelwein‑Gartenwirtschaft« inmitten der Stadt zum Stöffche‑Kosten animiert werden.

Die „Vereinigung der Apfelweinwirte Frankfurt am Main und Umgebung“ feiert am Samstag, 7. September 2002  ihr zehntes „Stöffchefest“. Es soll eine kraftvolle Selbstdarstellung werden, Gastro‑Krise hin, veränderte Geschmäcker her. Das Frankfurter Nationalgetränk hat seine Liebhaber, aber ein modernes Image tut auch Not

„Wir sind Bembeltown!“ Die vereinigten Apfelweinwirte Frankfurts und Umgebung haben trotz Gastronomiekrise keinen Minderwertigkeitskomplex. „Schließlich sei man ja einmalig in Deutschland“, ist Vereinsvorsitzender und Schoppewirt Rolf Gasser sich sicher. Was für einen einmaligen kulturellen und wirtschaftlichen Beitrag der goldene Saft für Frankfurt leistet, wollen Gasser und seine Kollegen bei ihrem Stöffchefest auf dem Goetheplatz zeigen. Es ist das zehnte Fest dieser Art und eine Premiere auf dem Goetheplatz.

Der „ehrliche Schoppen“, der noch von hiesigen Wirten und manchen Keltereien aus heimischen Sorten selbst hergestellte Apfelwein, wird ebenfalls ausgeschenkt. Stellvertretend für die mehr als 60 Mitgliedsbetriebe der Vereinigung haben sich die beiden Keltereien Nöll und Possmann sowie sechs Gastwirtschaften für das Fest zusammengetan, darunter „Zum Rad“ des Vorsitzenden Gasser in Seckbach, die Sachsenhäuser „Zur Buchscheer“ des Zweiten Vorsitzenden Robert Theobald und die „Schöne Müllerin“ von Festmoderator Thorsten Dornberger.

Und weil das Fest ja für die reine Lehre und die große Tradition des Streuobstprodukts einsteht, gibt es auch alles, was zum Apfelweingenuß dazu gehört: Die Glasträger Schiffche, eigens gefertigte Jubiläums‑Bembel, ausschließlich die 0,3‑Liter-Gerippte‑Gläser und die „Bembeldeckel“ für das in Gartenwirtschaften unvermeidliche Kastanienbombardement. Die Schoppenkoster müssen aber nicht alles auf leeren Magen hinunterstürzen. Die traditionelle Küche kommt auch nicht zu kurz: Handkäs, Rippchen und sogar Apfelwein-Rollbraten.

Stur traditionell wollen die Frankfurter Wirte aber wiederum auch nicht sein. Die erfolgreiche Aufnahme von Caipirinha und Konsorten in den hiesigen Gastro‑Bereich hat ihre Spuren hinterlassen: Auf dem Stöffchefest gibt es auch Apfel‑Cocktails, wie beispielsweise „Kir Rödelheim“. Hochprozentiger kommt dafür der heimische Apfelweinbrand daher, der so wenig mit Calvados zu tun hat wie Cidre mit Apfelwein, meint Theobald.

Imagepflege haben sich die Wirte auf die Fahne geschrieben, gleichwohl man sich nicht profilieren wolle, meint Gasser. „Aber das Stöffche ist doch vielleicht das einzige, was Frankfurt noch liebenswerter macht.“ Mit diesem Pfund (in jedem Glas steckt der Saft von einem Pfund Apfel) wollen sie wuchern. Denn die alten Frankfurter, die ohne das Stöffche nicht existieren konnten oder wollten, sterben unweigerlich aus. Neu‑Frankfurter aus Gegenden, wo man Äpfel allerhöchstens ißt, muß man erst überzeugen. Und das schnelle Flaschenbier, Mixgetränke und Cocktails haben den Markt nachhaltig eingeengt.

In den vergangenen Jahren litten die Schoppewirte ebenso unter den 143 Straßenfesten Frankfurts wie unter den vielen gastronomischen Neueröffnungen. Diese Krise scheint überwunden. Aber die Wirtschaften liegen selten verkehrsgünstig und würden so darunter leiden, daß Autofahrer zurückhaltender an ihrem Apfelwein kosten, sagt Theobald. „Da wird es dann eher ein Tiefgespritzter.“ Mehr Wasser, weniger Apfelwein.

 

Beim Erntedank im Oktober 2003 im Hessen‑Center Frankfurt gab es am Mittwoch und Donnerstag ein Schaukeltern: Wie aus Äpfeln „Süßer“ entsteht konnten die Besucher live erleben, jeweils ab 14.00 Uhr war Schaukeltern im Untergeschoß durch die  Firma Possmann.

 

Im September 2003 lud die Vereinigung der Apfelweinwirte Frankfurt und Umgebung

zu den ersten „Römer‑Spielen“ ein. Mundartgedichte und Theaterstücke auf Frank­forderisch gab es zu sehen und hören. Damit das Babbeln leichter fällt, lockten neben dem Ebbelwei auch Spezialitäten wie Apfel‑Champagner und Apfel‑Prosecco. Wegen des neuen Süßen hatte sich Eleonore Rohrböck zum Römer aufgemacht. Die 98‑jährige Frankfurterin hatte ihre eigene Flasche im Gepäck, und anfangs hätten ihr die Standbetreiber nichts abfüllen wollen: „Die möchten lieber im Glas verkaufen, da verdienen sie mehr.“ Rohrböck beschreibt sich als Liebhaberin des frisch gepreßten Apfelsaftes, der ist so gesund. Gibt es keinen Süßen, trinkt sie ein Glas Gespritzten. Für die Frankfurterin ist die Frage nach süß oder sauer unzulässig: „Süßgespritzten gab es früher gar nicht“, so Rohrböck. Diese Ansicht teilt die Vereinigung: Limo gebe es keine, sagte Gerhard Nöll, Inhaber der Griesheimer Kelterei Nöll. „Wir schenken nur Naturprodukte aus.“

 

Der Verein „Hessische Apfelweinstraße“ richtete  mit Unterstützung des Vereines „Zeil aktiv“ und der Hochstädter Landkelterei Höhl am Samstag, 22. Mai 2004, auf der Frankfurter Zeil ein Apfelweinfest  aus. Hier wurde auch der Ehrenpreis des Vereines an die Frankfurter Stadträtin Lili Pölt verliehen und unter der bewährten Moderation von Karl Oertl von 11 bis 20 Uhr ein attraktives Unterhaltungsprogramm rund um den Apfelwein geboten. Zahlreiche Vereine eröffneten auf der Zeil ihre Verkaufsstände und boten Apfelwein sowie Hessische Spezialitäten an.

Zum traditionellen Frankfurter Mainfest vom 30. Juli bis 2. August 2004 floß statt Wein erstmals Ebbelwei aus dem Gerechtigkeitsbrunnen. Die Landkelterei Höhl eröffnet für vier Tage die „größte Apfelweinwirtschaft der Welt“ mit 1200 Plätzen. „Im Jubiläumsjahr möchten wir uns mit einem besonderen Ereignis bei allen ,Schoppepetzern' bedanken und sie auf den Römerberg in die größte Ebbelweiwirtschaft der Welt einladen“, so Geschäftsführerin Dr. Johanna Höhl, deren Landkelterei 225-Jahriges feiert. Gemeinsam mit der Stadt Frankfurt engagiert sich Deutschlands größte und älteste Apfelweinkelterei für das älteste Volksfest Frankfurts. Vier Tage lang wird der Römerberg in eine Ebbelweiwirtschaft umgewandelt. Vom puren Stöffche bis zum „Herrschafts-Gespritzten“ gibt es alles was das Stöffcheherz begehrt. Klar; daß dann auch aus dem Gerechtigkeitsbrunnen statt Wein Hochstädter Ebbel­wei fließt. „Wir möchten den Apfelwein hier in der Region wieder zum Erlebnis werden lassen. Aus diesem Grund versuchen wir; unterschiedliche Zielgruppen mit Events rund um den Apfelwein anzusprechen“, erläutert Dr. Johanna Höhl, die in achter Generation das Familienunternehmen Höhl leitet. Mit Aktionen wie die „Appi Hour“ beim Apfelwein und „Buy one, get two“ beim American Bock wollen die Hochstädter auch die jüngere Zielgruppe auf den Römerberg locken.

 

Bei den WM-Spielen in Frankfurt im Jahre 2006 mußten die Fans auf das hessische Nationalgetränk Apfelwein verzichten. Das WM-Organisationskomitee betätigte gestern ein Ausschankverbot für das vor allem im Rhein-Main-Gebiet beliebte „Stöffche” im Stadion. Die Entscheidung war nach Rücksprache mit den Sponsoren des Weltfußballverbandes Fifa gefallen, zu denen die US-Getränkekonzerne Coca-Cola und Anheuser Busch gehören.

Es sei ein einheitliches Catering-Konzept mit einer einheitlichen Getränkeversorgung in allen zwölf Spielorten vorgesehen, sagte OK-Sprecher Jens Grittner. Er bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der „Bild"-Zeitung. Auch andere Ausnahmewünsche seien nicht berücksichtigt worden. „So wird beispielsweise in München auch kein Weißbier ausgeschenkt, sondern eben Anheuser Busch und Bitburger”, sagte Grittner.

Der wegen eines Machtwechsels im Rathaus vor seiner Ablösung stehende Frankfurter Bürgermeister und Sportdezernent Achim Vandreike (SPD) kritisierte Fifa und Sponsoren: „Die haben offenbar kein Gespür für lokale Eigenheiten.” Die Stadt habe für die Ausrichtung der WM sehr viel geleistet, so daß es umso enttäuschender sei, wenn so eine kleine Bitte abgeschlagen werde.

Vandreike und weitere Kommunalpolitiker hatten sich für den Ausschank des für fremde Zungen gewöhnungsbedürftigen „Ebbelweis” eingesetzt. Zur Begründung hatte der Bürgermeister postuliert: „Frankfurt ohne Apfelwein, das ist wie die Schweiz ohne Alpen, Fußball ohne Tore - unvorstellbar.” Johanna Höhl, Chefin der gleichnamigen Apfelkelterei in Maintal-Hochstadt, sah sich in ihren Befürchtungen bestätigt. „Das Verbot ist ungeheuerlich. Der Fifa hätte eine nette, großzügige und loyale Geste gegenüber ihren Gastgebern gut angestanden. Viel Menge hätte das den Sponsoren ohnehin nicht weggenommen.” Sie empfehle allen Frankfurt-Besuchern, vor und nach dem Spiel die typischen Apfelweinkneipen zu besuchen, sagte Höhl. „Dort erlebt man wirkliche 'Gemütlichkeit', einen deutschen Begriff, den man in aller Welt kennt und den man nicht mit ‚Hospitality' übersetzen kann.”

„Zu Gast bei Freunden, aber zu trinken gibt's amerikanisches Bier statt Apfelwein, das ist wirklich traurig”, meinen die jungen Christdemokraten in Maintal. Gerade in „Hessens Apfelweinmetropole Maintal” müsse das Unverständnis, daß in der Commerzbankarena nebenan kein „Ebbelwoi"” ausgegeben wird, besonders groß sein, so die Nachwuchspolitiker weiter. „Wir sind enttäuscht über die gefallene Entscheidung. Speziell in der Frankfurter Commerzbankarena wäre es schön gewesen, den Gästen aus aller Welt und auch den deutschen Fußballfans das hessische Nationalgetränk anbieten zu können”.

 

Im Juni 2007 gab es in Frankfurt den  „1. Deutscher Apfelweinkongreß“. Es war eine besondere Premiere, als Oskar Dietrich den 1. Deutschen Apfelweinkongreß eröffnete. Doch der Vorsitzende der hessischen Ebbelwei-Produzenten konnte in Frankfurt vor allem altbekannte Gesichter aus der Region begrüßen. Schließlich wird im Rhein-Main-Gebiet, der Heimat des „Stöffche”, der Löwenanteil in Deutschland produziert und auch konsumiert.

Für die Keltereien war der erste Kongreß dieser Art ein Schritt nach vorn. Nach Jahren des Stillstands und des internen Hickhacks geht die Branche in die Marketing-Offensive. Seit Montag stellt sie sich auf einer neuen Internet-Seite vor. Darin soll auch die Verknüpfung des Apfelweins mit aktivem Umweltschutz deutlich gemacht werden: Wer dem „gesunden” Ebbelwei zuspreche, der sichere den Bestand der hessischen Streuobstwiesen.

 

Der zweite Deutsche Apfelweinkongreß, zu dem sich die Branche im August 2008 in Frankfurt traf, hatte das Motto „Megatrend Heimat: Unsere Zukunft wird regional“. Dieser Trend stärke regionale Produkte und damit auch das hessische Traditionsgetränk, sagte Hessens Europaminister Volker Hoff (CDU). „Zu wissen, wo man hingehört, ist in der globalisierten Welt besonders wichtig.“ Apfelwein sei für ihn ein Stück Heimat wie Handkäs' oder Frankfurter grüne Soße, bekannte Hoff, der in Frankfurts Apfelweinviertel Sachsenhausen geboren und aufgewachsen und von daher fast schon mit einer naturgegebenen Verbindung zum Apfelwein gesegnet“ ist. Trendforscher haben allerdings Zweifel, ob „Heimat“ das richtige Zukunftsmotto ist.

Trendforscher empfehlen, das verstaubte Image abzulegen und nicht länger der vor Jahrzehnten erfolgreichen TV-Unterhaltung im „Blauen Bock“ nachzutrauern. „Man muß aus der Traditionsecke heraus“, rät Andreas Haderlein vom Zukunftsinstitut Kelkheim. Einen allgemeinen Trend zur Heimat sieht er nicht, vielmehr sei die „Neo-Ökologie“ stark im Kommen: Eine wachsende, sehr kaufkräftige Schicht entscheide sich frei von jeder Ideologie für Produkte, die ökologisch und sozial sauber produziert werden. Die Zukunftsforscher nennen das „Lifestyle of Health and Sustainability“ (etwa: Von Gesundheit und Nachhaltigkeit geprägter Lebensstil). In den USA mache diese Käuferschicht schon etwa ein Drittel der Bevölkerung aus, in deutschen Ballungsgebieten 20 Prozent.

Um bei diesen Verbrauchern Interesse an Apfelwein zu wecken, sei mehr Zusammenarbeit und intelligentes Online-Marketing nötig, meint Haderlein. Das Zeug zu einem internationalen Kassenschlager habe Apfelwein aber nicht, sondern der Schwerpunkt werde die Region bleiben. Der regionale Tourismus und die gehobene Gastronomie müßten mehr zusammenarbeiten. Durchaus geeignete Angebote wie eine Streuobstwiesenroute oder Fahrradwege liefen nebeneinanderher, seien unübersichtlich und wenig koordiniert. „Alle müssen an einen Tisch“, sagte Haderlein.

 

Seit 2011 heißt die Veranstaltung „Apfelweinfestival“. Beim Apfelweinfestival im August 2012 eröffnete Stadtrat Markus Frank das Fest mit einem Faßabstich auf dem Roßmarkt. Dort findet sich die Vielfalt der Apfelweine und Apfelprodukte wiederfinden. Die hessische Apfelweinkultur und das internationale Spektrum des Apfelweinkonsums werden nebeneinander gezeigt. Zwischen gelebter Tradition und experimenteller Moderne wird eine Brücke geschlagen. Mittels der Impression einer Streuobstwiese sowie Keltervorführungen erschließt sich den Besuchern der Produktionsprozeß des Apfelweins. 23 Stände warten mit einer großen Getränkeauswahl auf. Auf die Besucher wartet außerdem ein großes Unterhaltungsprogramm mit Bands, folkloristischen und mundartliche Darbietungen. Höhepunkt ist der Auftritt von Cris Cosmo am Mittwoch. Der Pop- Star soll Hessen Ende September mit seiner Single „Herzschlag" beim Bundesvision Song Contest in Berlin vertreten.

Frankfurts ehemaliger Oberbürgermeisterin Dr. Petra Roth erhielt den Ehrenpreis der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Hessische Apfelweinstraße für ihre Verdienste um das hessische Brauchtum, speziell den „Ebbelwoi“, verliehen. Die Ehrung findet im Rahmen des Abendprogramms „Zum rosa Bock“ mit „Bäppi La Belle“ statt, und ist einer der Höhepunkte des Apfelwein-Festivals, das noch bis 19. August die Freunde des Apfelweins auf dem Roßmarkt zusammenführt. Die Veranstaltung kostet keinen Eintritt.

„Unter der Oberbürgermeisterschaft von Petra Roth wurde der Apfelwein als Frankfurter Nationalgetränk wieder stärker in seiner Bedeutung für die Mainmetropole erkannt und so beliebte Veranstaltungen wie ,Apfelwein im Römer' oder das ,Grüne Soße Festival' ins Leben gerufen. Und ganz besonders das ,Apfelweinfestival', das nun zum zweiten Mal stattfindet, lag Petra Roth als Fest der Frankfurter, die sich selbst und ihr Stöffche zehn Tage lang feiern können, am Herzen“, so die Begründung der Arge für Roths Ehrung.

„Der Genuß des ,Schoppe' bringt alle Menschen zusammen an einen Tisch, Alt und Jung, Arm und Reich. Zudem löst der Ebbelwoi die Zunge und unterstützt das gesellige Beisammensein“, so Petra Roth selbst mit einem Augenzwinkern. Im Rahmen der Globalisierung erwachse der Wunsch nach Regionalität und Tradition, was „unserem Stöffche als kleinstem gemeinsamen Nenner der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main“ eine fast völkerverbindende Bedeutung zukommen lasse.

Daß sich Petra Roth als Bremerin erst an den Apfelwein gewöhnen mußte, sei kein Geheimnis, aber um so mehr aller Ehren wert. Die Arge Hessische Apfelweinstraße widmet sich seit über 25 Jahren der Region und ihren kulturellen Besonderheiten. Die Pflege und Förderung hessischen Brauchtums ist das Hauptanliegen der Arge, deren zentrale Veranstaltung die jährliche Prämierung eines hessischen Prominenten ist, der sich in irgendeiner Form für das hessische Nationalgetränk einsetzt. Neben Liesel Christ und Heinz Schenk als Kultfiguren gehören echte Frankfurter wie Lilli Pölt, Karl Oertl oder Wolfgang Kaus, aber auch Jörg Bombach, Frank Lehmann und „Bäppi La Belle“ zu den bislang 27 Preisträgern.

Die Laudatio auf Petra Roth wird die Vorjahrespreisträgerin Maja Wolff halten, die als Initiatorin und Organisatorin des Frankfurter Grüne-Soße-Festivals ganz herausragend unter Beweis stelle, daß sie Sinn und Gespür für die regionalen Höhepunkte Frankfurts habe. Näheres zur Arge finden Interessierte im Internet. www.hessische-apfelweinstrasse.de

Derlei Entgleisungen zum Trotz feierte die „Vereinigung der Apfelweinwirte Frankfurt am Main und Umgebung“ am Samstag, 7. September 2012, ab 11 Uhr auf dem Goetheplatz ihr Stöffchefest. Und kredenzt ebenfalls Modernes wie den Apfel‑Cocktail „Kir Rödelheim“.

 

Der moderne Ebbelwei hat seine Freunde. Die Frankfurter Apfel-Compagnie verleiht seit 2008 jährlich den Pomme d'Or in den Kategorien Marken-Apfelwein, Manufaktur-Apfelwein und „Alles, was schäumt“, dazu einen Publikumspreis nach einer öffentlichen Verkostung - ordentlich reglementiert, mit Degustationsbögen und vorgeschriebener Abfolge.

 

Am ersten Märzwochenende 2010  luden Michael Stöckl und der Landsteiner Mühle und Andreas Schneider aus Nieder-Erlenbach zu „Apfelwein im Römer“ ins Frankfurter Rathaus ein, einer Art Minimesse zum Stöffche. Da gab's niederrheinischen Demeter-Apfelperlwein, mit Rosenwasser versetzten Apfelschaumwein, Quittenwein aus in Unterfranken rekultivierten alten Sorten, Schaumwein aus dem Saft der Champagner Bratbirne von der Schwäbischen Alb, eichenholzfassgereiften Apfelbrand, Apfel-Dessertwein aus dem Odenwald, Apfel-Secco, edlen Cidre und Calvados aus der Normandie, Apfel-Eisweine aus Quebec…

 

Im Juli 2013 wurde auf dem Roßmarkt der „größte Äppelwoi-Bembel aller Zeiten“ gezeigt, der auch ins Guinness-Buch kam. Im November 2012 stand der  weltgrößte Bembel noch in der Werkstatt von Andreas Hinder in der Keramik-Hochburg Höhr-Grenzhausen im Westerwald. Dort entstehen schon seit vielen Jahren Bembel für die Apfelwein-Schenken im benachbarten Hessen. Im Frühjahr soll das überdimensionale Gefäß nach Frankfurt gebracht werden, auch ein Eintrag ins ,,Guinness Buch der Rekorde“ ist geplant. Der Riesen-Bembel ist 1,70 Meter hoch, erfaßt 690 Liter des beliebten „Stöffche“. „Da kann man ein schönes Fest mit machen“ sagt Donato Romanazzi vom Apfelwein Centrum Hessen (ACH) aus Frankfurt. Der gemeinnützige Verein gab den Bembel in Auftrag, finanziert wurde er mit Hilfe privater Sponsoren. Künftig soll das gute Stück mithelfen, die Apfelwein-Kultur in der Hessen- Metropole zu pflegen

Auch ein entsprechender Faulenzer war unverzichtbar. Mit Blick auf das Morgen beginnende Apfelweinfestival auf dem Roßmarkt, auf dem um 18 Uhr Hessens Wirtschaftsminister Florian Rentsch den „Big Bembel“ offiziell enthüllt, ließen Dr. Johanna Höhl aus Hochstadt und Jörg Stier aus Bischofsheim bei der „Vermählung von Bembel und Faulenzer“ die Muskeln spielen. Das Festival dauert zehn Tage und bietet neben dem „Stöffche“ elf hessischer Keltereien kulinarische Raritäten wie mit Handkäs gefüllte Bratwurst mit Apfelsenf (siehe auch die Datei „Hessische Apfelweinstraße“9

Dem Verein Apfelwein Hessen (ACH) ist ein Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde gelungen. Mit  einem 1,70 Meter hohen und 1,20 Meter breiten Bembel ließen die Mitglieder, allen voran der Bischofsheimer Jörg Stier und Donato Romanazzi, den größten Bembel der Welt bauen. Dieser soll nun beim Apfelweinfestival im August auf dem Frankfurter Roßmarkt der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Idee für den Riesenbembel kam von Donato Romanaz­zi, mit dem der Bischofsheimer Jörg Stier schon häufig zusammen gearbeitet hatte. Beide saßen zusammen, als Romanze Stier die Idee unterbreitete, den größten Bembel der Welt zu erschaffen. Der Keltermeister war begeistert und so ging es ans Werk.

Romanazzi stellte den Kontakt zu Künstler Andreas Hinder her, der sich bereit erklärte, den Bembel anzufertigen. Hierzu trug Hinder in mehrwöchiger Arbeit einzelne Schichten Steinzeug auf, bis das 1,70 Meter hohe und 1,20 Meter breite Gefäß fertig war. Die Frankfurterin Monika Maurer übernahm das Bemalen mit dem traditionellen Dekor - nun mußte der Bembel nur noch gebrannt werden. In der Außenstelle Höhr- Grenzhausen der Fachhochschule Koblenz befindet sich der einzige Ofen, der einen solch großen Bembel hätte brennen können. „Wir hatten Glück, den Bembel nicht weit transportieren zu müssen, es hat sich alles perfekt zusammengefügt“, berichtete der Bischofsheimer. Nun muß der Riesenbembel nur noch nach Frankfurt gebracht werden. „In einer eigens angefertigten, von einer Firma zur Verfügung gestellten Holzkiste fahren wir das Gefäß am 4. August mit einer historischen Dampflok nach Frankfurt“, berichtet Jörg Stier.

In der Zwischenzeit meldete sich auch die Schlosserinnung Frankfurt-Offenbach beim Bischofsheimer. Die Vorstandsmitglieder waren so begeistert von der Idee des „größten Bem­bels der Welt“, daß sie sich bereiterklärten, einen passenden Faulenzer zu bauen. Bembel und Faulenzer werden beim Apfelweinfestival, das vom 9. bis 18. August auf dem Roßmarkt in Frankfurt stattfindet, der Öffentlichkeit vorgestellt. „Danach soll beides einem noch zu gründenden Apfelwein-Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt werden. Übrigens faßt der Riesenbembel 2681 Apfelweingläser.

Im Verein Apfelwein Centrum Hessen sind knapp 40 Mitglieder aktiv. Sie wollen die regionale Kultur fördern und verstehen den Bembel als Symbol für das Zusammenbringen von Menschen. „Mit dem Riesenbembel wollen wir einen Impuls setzen, die Menschen daran erinnern, daß sie stolz sein können auf ihre eigene Region“ erklärt Stier. Der Bischofsheimer Keltermeister betrachtet die Apfelweinkultur als Identifikationsmöglichkeit. „Seit einigen Jahren gibt es eine große geschmackliche Vielfalt, zudem ist die Qualität enorm angestiegen, was mit dem Bewußtsein zusammenhängt, daß ein guter Apfelwein entstehen soll“, sagt Jörg Stier.

 

 

Beim Frankfurter Apfelweinfestival  im August 2014 auf dem Roßmarkt sind alle Zielgruppen angesprochen - auch jene Besucher, die dem Stöffsche bisher nichts abgewinnen konnten, werden fündig, verspricht Thomas Feda, Geschäftsführer der Tourismus+Congress GmbH Frankfurt. An 23 Ständen können von Freitag bis Sonntag über 60 neue Kreationen rund um den Apfelwein gekostet werden, die auch dem verwöhntesten Gaumen gerecht werden. „Mit dem Apfelweinfestival gelingt es, sowohl eine Tradition zu leben als auch den Sprung in die Moderne zu schaffen“, erklärt Feda. Mit trendigen Cocktails und Szenegetränken wie Apfelwein-Secco und -Hugo werden vor allem die jüngeren Besucher angesprochen. Die Puristen greifen eher zu einem „Sortenreine“ Die Hungrigen probieren Apfelwein-Bratwurst, Baguette mit Apfelwein-Käse oder Apfelwein-Sorbet.

Auch weltweit sei der Apfelwein eine stark wachsende Produktgruppe. In den USA und England erlebe der Cider gerade einen regelrechten Boom, erläutert Martin Heil, Vorsitzender des Verbands der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien. Die Frankfurter Innenstadt mit ihrem internationalen Publikum sei daher als Veranstaltungsort für das Apfelweinfestival bestens geeignet, ist Heil überzeugt. Johanna Höhl, Chefin der Kelterei Höhl in Hochstadt, liefert noch einen weiteren Grund, weshalb gerade der Roßmarkt so gut zu dem Festival paßt: „Dort werden Synergien geschaffen zwischen den Hochhäusern, die die Frankfurter Skyline prägen, und einem urtypischen Getränk.“

Die wohl „größte Apfelweinwirtschaft der Welt“, wie die Veranstalter das Fest liebevoll nennen, wird am Freitag, 8. August, vom Frankfurter Wirtschaftsdezernenten, Markus Frank, um 18 Uhr eröffnet. Bei dieser Gelegenheit wird der Öffentlichkeit das größte Apfelweinglas der Welt mit einer Höhe von 75 Zentimetern und einem Fassungsvermögen von 80 Litern „Äppelwoi“ vorgestellt.

Beim zehntägigen Apfelweinfestival wird es jeden Abend andere Attraktionen geben, die von den teilnehmenden Keltereien unterstützt werden. DJs, Musikgruppen und komödiantische Talente geben sich ein Stelldichein. Unter anderem wird Travestie-Star Bäppi La Belle mit von der Partie sein. Auch Auszeichnungen stehen au: dem Programm. Die Ehrung der Frankfurter Apfelweinkönigin am 9. August sowie die Verleihung des „Goldenen Apfels“ für besonderes Engagement zum Schutz und Erhalt hessischer Streuobstwiesen am 12. August gehören zu den Höhepunkten. Das Frankfurter Apfelweinfestival findet zum vierten Mal statt. Rund 100 000 Besucher werden auf dem Roßmarkt erwartet. Nähere Informationen und das komplette Programm gibt es im Internet  www.frankfurt-tourismus.de,/ apfelweinfestival.html

 

Weitere Förderer des Apfelweins:

Um die Förderung des Apfelweins bemüht sich auch der Hessische Rundfunk - und das nicht nur mit seinen Sendungen. Im Bertramshof des Hessischen Rundfunks präsentierte sich schon ein „bunter Markt“ in Zusammenarbeit mit dem „Runden Tisch Streuobst- Artenschutz e.V.“ und dem Hessischen Apfelweinverband“. Zugunsten der Aktion „Rettet die Streuobstwiesen“ wurde ein symbolischer Eintritt in Höhe von einer Mark erhoben.

 

Im März 2000 griff die Stadtverwaltung ein Angebot auf, in dem die Baumschule Enters aus Groß-Zimmern in Kooperation mit der gemeinnützigen Jugendeinrichtung St. Joseph-Haus junge Apfelbäume zum Selbstkostenpreis von 30 Mark abgab. Diese Summe zahlte das Umweltamt als Zuschuß, so daß Pächtern oder Eigentümern von Streuobstwiesen keine Kosten für neue Bäume entstehen. Die Bäume wurden mit einem Pflanzpfahl und einem Verbiß-Schutz geliefert, so daß der späteren Apfelwein-Produktion nichts mehr im Wege stehen sollte.

 

Possmann

Der Stammvater Philipp Possmann, ein Weinküfer aus dem pfälzischen Laubenheim, übernahm 1881 in Rödelheim die Gaststätte „Zum Taunus“. Das Stammhaus der Familie steht in Rödelheim in der Niddagau Straße.  Possmanns Vater war im Familienbetrieb der Kaufmann, der Onkel der technische Leiter. Diese Arbeitsteilung setzte sich auch in der jüngeren Generation fort. Sein Cousin überwachte die Produktion, Günter Possmann übernahm das Geschäftliche.

Heute ist die Firma verlegt an den Ortsrand. Am ausgefallensten in Sachen Apfelwein‑La­gerung ist sicher die Version von Günter Poss­mann: Er hat zwei U‑Boot-Tanks voller Apfelwein im Keller. Sein Va­ter kaufte die sieben Meter breiten Bootsrümpfe 1949, als Tanks aus hochwertigem Stahl knapp waren, die Nachfrage nach U‑Booten gering. Seitdem lagern in den Stahlkolossen je 418.000 Liter Apfelwein (1992)(Nach anderer Angabe von 1998 sind es zwei U‑Boot‑Tanks, die je  rund 200.000 Liter fassen). Im Keller stehen außerdem alte Holzfäs­ser, Stahl‑ und Betontanks, gefüllt mit etwa 25 Millionen Litern Apfelsaft und Apfelwein.

In der Produktionshalle stand  eine mehrere Meter hohe „Ribbelmaschine“, die ebenfalls eine Erfindung von Volkmar Possmann ist, dem Techniker und Tüftler der Unternehmerfamilie. Die Maschine preßt die Maische nicht wie eine herkömmliche Spindelpresse mit ständigem Druck von 200 bar, sondern preßt und „zerribbelt“ den Apfelbrei ab­wechselnd, bis der ganze Most herausge­preßt ist. Durch das wechselweise Pressen und Wiederaufreiben braucht die Presse höchstens 20 bar Überdruck. Der Apfelsaft wird durch dieses Ver­fahren viel schonender zubereitet. Heute ist allerdings die Schnellhub-Packpresse nicht mehr im Einsatz. Es wird nur noch mit 10 Atmosphären Überdruck gepreßt und dafür die Apfelschicht dünner eingefüllt.

Für die Qualität der Säfte und des Stöffchens sind allerdings auch die 90 Mitarbeiter der Kelterei verantwortlich. Allen voran die „Süßmoster“, wie die Kel­lermeister auch genannt werden. Denn sie mischen aus den verschiedenen Apfel­saftsorten den immer gleichbleibenden „Possmann‑Geschmack“.

Rund 600 Tonnen säuerliches Streuobst aus dem Taunus oder Odenwald werden zur Kelterzeit täglich bei Possmann verarbei­tet. Das Geheimnis eines guten, herben Apfelweines besteht in der richtigen Zu­gabe des Speierlings. Jener kleinen, birnenförmigen Apfel­frucht, die viel zu sauer zum Essen ist. Ei­nige der inzwischen selten gewordenen Speierlingsbäume sind im Besitz der Fami­lie Possmann, deren Betrieb schon seit 1881 besteht und nun von der vierten Generation geführt wird.

Im Obergeschoß des Produk­tionsgebäudes rattert die Abfüllmaschine auf einem endlos langen Fließband reiht sich Apfelsaftflasche neben Ap­felsaftflasche. Zuvor werden die Fla­schen von derselben hallenfüllenden Maschine gespült und geprüft. Wird eine defekte Flasche er­kannt, so wird sie von der Maschine  aus der Produktion genommen. Die Maschine füllt die Flaschen außerdem vollautomatisch ab, klebt Eti­ketten auf und verkorkt sie: grün mar­kierte Korken für Säfte, rot markierte für den Alkohol. Die Abfüllmaschine ist die teuerste Maschine im Betrieb, sie ist etwa 1,5 Millionen Mark wert.

 

Die Firma Poss­mann wurde mit dem städtischen Ehren­preis „Wassersparer des Jahres 1996“ ausgezeichnet. Umweltdezernent Tom Koenigs überreichte am Mittwoch abend in der Alten Oper Urkunden, Schecks über je 5.000 Mark und den „Goldenen Wassertropfen“. Neu sind die Wassersparbemühun­gen nicht. Sie wurden schon vor Jahren eingeleitet. Der Ingenieur Volkmar Possmann von der gleichnamigen Kelterei be­kam die Auszeichnung für eine Idee, die er bereits vor vier Jahren realisierte. Was manche Experten für eine Schnapsidee hielten, funktioniert seither tadellos: Possmann setzte Pflanzen auf dem 3.000 Quadratmeter großen Flachdach des Fa­milien­betriebs und schlug dabei zwei Flie­gen mit einer Klappe. Das marode Dach wurde geschützt, und das bei der Verdunstung entstehende Wasser wurde zur Kühlung des Apfelweins im Keller ge­nutzt. Das Pflanzendach machte vier Kühltürme überflüssig und wuchs sich zu einem Kleinbiotop mit Gräsern, Hummeln und Wasserflöhen aus.

 

Noch immer werden die letzten Überlebenden der alten Sorten aufgekauft ‑ Schafsnase, rheinischer Bohnapfel, Weinapfel, Winter‑Rampur und andere.

 

Auch im Oktober 2002 wurde bei Possmann das Faß mit dem halbvergorenen Frühwein, dem „Rauscher“ angestochen.  Nur dann gibt es nämlich die Ebbelwei‑Rarität, das Pendant zum Federweißen, die es in keinem Supermarkt zu kaufen und in keiner Wirtschaft zu bestellen gibt. Nur Günter Possmann, verkauft in seiner Kelterei seit 26 Jahren ein paar Wein- und Korbflaschen. „Der ist meist ganz bald weg“, sagt er. Muß er auch, denn der dreiprozentige Rauscher ist nicht lange haltbar. Beinahe stündlich verändert er seinen Geschmack und seine Wirkung. Das liegt daran, daß der Frühwein munter vor sich hin gärt. Deswegen ist auch ein Loch im Korken, damit die Flasche nicht explodiert. Gärt der Rauscher im Holzfaß weiter, gibt es im Januar den „Neuen Hellen“.

 

Doch sein sehr guter Kellermeister, lobt Possmann, beherrsche die Kunst des Verschnitts. Aus den umfangreichen Lagern werden die Sorten in unterschiedlichen Anteilen gemixt, bis jener Apfelwein herauskommt, den heutige verwöhnte Zungen ertragen. Bei Possmann gibt es keine Schaumweinherstellung.

600 Tonnen säuerliches Streuobst aus dem Taunus oder Odenwald werden zur Kelterzeit täglich bei Possmann verarbei­tet. Das Geheimnis eines guten, herben Apfelweines besteht in der richtigen Zu­gabe des Speierlings, weiß der Fachmann. Jener kleinen, birnenförmigen Apfel­frucht, die viel zu sauer zum Essen ist. Ei­nige der inzwischen selten gewordenen.  Speierling­sbäume sind im Besitz der Fami­lie Possmann.

 

Für ihren Apfelwein hat die Frankfurter Familienkelterei Possmann auf der Lebensmittelmesse Anuga in Köln im November 2003 erneut eine Goldmedaille erhalten ‑ den „Preis der Besten“, den die Deutsche Landwirtschafts‑Gesellschaft (DLG) auslobt für Produzenten, die schon mindestens 15 Goldmedaillen eingeheimst haben. Bei Possmann waren es seit 1968 exakt 71. Die Vitrinen neben dem Eingang zur Verwaltung sind voller Ehren‑Münzen, und in dem gut 16 Meter langen Büroflur hängen die Auszeichnungen dicht an dicht zweistöckig, stellenweise in drei Reihen übereinander. Für das jüngste Prädikat aber wurde ein Ehrenplatz freigeschaufelt. Seit 35 Jahren habe er sein „Stöffche“ der DLG zur Prüfung von Inhaltsstoffen, Geschmack und Farbe überlassen, erzählt Günter Possmann. Seitdem fuhr er Bestnoten ein ‑ auch bei wandelndem Publikumsgeschmack.

 

Der Großmoster Possmann sieht sich in einem Marketing‑Dilemma: Neue Kunden müssen gewonnen, die alten dürfen nicht vergrault werden. Zwischen Bembel‑Idyll mit hessischen Mundartgedichten und urbanem Lebensgefühl rund um die Bankertürme liegen Weiten. Als Possmann für seine neue Apfelweinschorle mit dem Spruch „For Äppler Young“ warb, erhielt seine Firma auch böse Briefe von in ihrem Heimatgefühl verletzten Zechern.

 

Der Forstwissenschaftler Wedig Kausch‑Blek­ken von Schmeling  gründete zusammen mit dem Frankfurter Kelterer Günther Poss­mann er 1994 den „Förderkreis Speierling“, dem sich heute über hundert Menschen verbunden füh­len. Es sind Förster und Dendrologen, Edelschnapsbrenner und Schreiner, Künstler, Waidökologen und Baumgart­ner. Sie verstehen sich als Lobbyisten eines ungewöhnlichen Baumes, der sich mal im Laubwald versteckt, mal als Feld­speierling die Flur dominiert.

 

Die Kelterei Possmann organisiert jedes Jahr eine „Blütenwanderung“. Die 21. Apfelblütenwanderung der Kelterei Possmann führte im Jahr 1994 in die Streuobstbestände am Berger Hang. Zu sehen war bei dem Begutachtungs­lauf über den „Streuobstlehrpfad“, den Possmann nicht nur mit Informationsta­feln, sondern seit Mittwoch auch mit ko­stenlosen Broschüren in wetterfesten Behältnissen bestückt hat, noch nicht viel. Die 27. „Apfelblütenwanderung“ führte rund im Mai 2000 rund um den Büdinger Stadtteil Die­bach am Haag im Wetteraukreis. „Sie kön­nen ruhig mickrig sein und Druckstellen haben. Aber ihr Inhalt muß stimmen. Die Äpfel, die zum hessischen Nationalge­tränk gepreßt werden, sollen viel Säure und Aroma enthalten“. Das erklärte Gün­ther Steinbauer, ein Gartenbauingenieur 50 Gastwirten und Bauern, mit denen er durch Felder, Wälder und Streuobstwie­sen zog.

 

Zwischen Eschborn und Weiskirchen wurde 1999 eine „Weltpremie­re“ gefeiert, wie Possmann‑Verkaufs­leiter Horst Bartel das Ereignis nann­te: Ebbelwei‑Königin Christina I. tauf­te den ersten Ballon im Bembel‑De­sign. Die 33 Meter hohe Hülle, die mit 3600 Kubikmeter heißer Luft aufge­pumpt wurde, soll künftig als Werbeträger für die Kelterei aufsteigen.

 

Im Jahr 2000 zahlt die Rödelheimer Apfelweinkelterei Possmann die fachgerechte Fürsorge an dem Ockstädter Speierling und sieben weiteren markanten Speierlingen, die zwischen Main und Taunus alt geworden sind. Günter Possmann will mit der Schönheit der Naturdenkmale dafür werben, diesen Baum von neuem zu pflanzen, damit ihn künftige Generationen noch kennen werden.

 

Die fünfte Auflage des Possmann Hessen Cups ging  vom 6. bis zum 21. Juli 2002 über die Bühne. Mit einem noch nie da gewesenen Werbeaufwand wollen die Veranstalter das Interesse der Öffentlichkeit nicht nur auf den Sport, sondern besonders auch auf den familiären Charakter ihres Turniers lenken. Drei Regional‑, sechs Ober‑ und vier Landesligisten spielen die Trophäe in diesem Jahr untereinander aus. Der Sieger darf sich neben der Antrittsgage von 1000 Euro, einer 5.000 Euro‑Prämie für das Erreichen des Finalturniers, über einen Siegerscheck in Höhe von 2.250 Euro freuen.

Im Aßlarer Dill‑Stadion treffen zunächst am 6. und 7. Juli der gastgebende VfB, der SC Neukirchen, der FV Bad Vilbel und der SV Wehen aufeinander. Eine Woche später sind es in Baunatal die heimische Eintracht, Ortsrivale KSV, der OSC Vellmar und Regionalliga‑Absteiger Borussia Fulda, die auf der LangenfeldKampfbahn ihren Sieger ermitteln. Zeitgleich kommt es im Griesheimer Viktoria-Stadion zum Vergleich zwischen dem SC Viktoria Griesheim, Viktoria Aschaffenburg, den Amateuren von Eintracht Frankfurt und dem SV Darmstadt 98. Die genauen Spielpaarungen werden jeweils erst in der Vorwoche der Turniere ausgelost. Am 20. und 21 Juli treten dann die Sieger der Vorrunden‑Turniere gemeinsam mit Endrunden‑Gastgeber Rot‑Weiß Frankfurt zum Halbfinale und Finale an. Auch die E‑Jugendteams der Teilnehmer spielen an diesem Wochenende ihren Turniersieger aus.                       

 

Frankfurter Äpfelwein-Museum

Der Gründung eines Apfelweinmuseums ging voraus die Ausstellung „Der Äpfelwein in Frankfurt am Main - seine Geschichte und Bedeutung für die Stadt“ im Historischen Museum. Über 16.000 Besucher dankten mit ihrem Besuch den Initiatoren dieser mit viel Liebe und Freude am Frankfurter Brauchtum zusammengestellten Schau. Der Direktor des Historischen Museums, Herr Dr. Rainer Koch, Frau Helma Brunck, Herr Rechtsanwalt Helmut Lenz sowie die Mitglieder der Vereinigung und der Frankfurter Keltereibetriebe haben mit ihrer Konzeption gezeigt, wie ein zukünftiges Äpfelweinmuseum einmal aussehen könnte. Die Ausstellung fand weit über Frankfurt und die nähere Umgebung hinaus lobende Anerkennung, ja sogar „Reuters Nachrichtenbüro“ berichtete darüber in Amerika, und die Lufthansa nahm einen Videobericht in ihr Wochenschauprogramm auf.

Aber sicher ist auch: Das Image des Apfelweins und seiner Kultur bedarf dringend der Politur, der Äpfelwein muß, wie die Marketing-Strategen sagen, „neu positioniert werden.“ Die Ausstellung im Historischen Museum sollte auch dazu dienen, diesen Gedanken voranzutreiben. Natürlich kann keine Rede davon sein, jetzt über Nacht das Althergebrachte über Bord zu werfen. Nach wie vor lebt der Äpfelwein von seiner Jahrhunderte langen Tradition in der Mainstadt und es wäre unbedingt schädlich, daran kratzen zu wollen. Aber mit Beharrungsvermögen alleine sind heutzutage keine Märkte zu halten und schon gar nicht zu erweitern. Zum Althergebrachten muß Neues, Lebendiges kommen. Äpfelweinkultur im Wandel - auch das ist eine Botschaft der Ausstellung im Historischen Museum.

Viele Künstler, darunter Städel-Schüler, die als Frankfurter Maler Bedeutung gewannen, wurden denn auch durch die Äpfelwein-Gastlichkeit inspiriert: Boehlie, Hasselhorst und Werner, aber auch der Karikaturist Salini seien genannt. Gerade in der regionalen Typik der „Apfelweinkultur“ liegt genau besehen, häufig mehr Grund internationaler Wertschätzung Frankfurts als in kräftezehrenden Anschlüssen an eine nicht selten gesichtslose Welt- Hochkultur. Mit der Ausstellung soll zugleich auf eine empfindliche Lücke in der musealen Aufbereitung der Frankfurter Stadtgeschichte aufmerksam gemacht werden: auf die Verwirklichung eines Apfelwein-Museums im Rahmen einer volkskundlichen Abteilung des Historischen Museums nach französischen, österreichischen und englischen Vorbildern.

Seit 1996 wurde inmitten einer echten „Ebbelweiwertschaft“' aus der Jahrhundertwende in einer Dauerausstellung mit Originalexponaten, in bildlichen Darstellungen auf Schautafeln, die Entwicklung, die jahrhundertealte Geschichte und die besondere Bedeutung des Apfelweins für die Stadt Frankfurt am Main und ihre Umgebung aufgezeigt. Die Besucher sahen die besonders für die Herstellung des Äpfelweins geeigneten Apfelsorten, ihr Vorkommen. ihre Erntezeit. Sie erfahren auch etwas über die Vermarktung der Kelteräpfel, der Erntemengen und die Erhaltung der Streuobstwiesen aus ökologischer Sicht. Alles, was für die Herstellung eines guten Äpfelweins nötig ist, das erforderliche natürliche Zuckergewicht und die so wertvolle Fruchtsäure der verarbeiteten Mostäpfel, auch der Zusatz von Speierling, wird aufgezeigt.

Die Entwicklung der Technik der für die Herstellung benötigten Geräte und Maschinen wurden durch die Jahrhunderte hindurch bis zu den heutigen modernen Mühlen und Pressen dargestellt. Besondere Beachtung verdient die einmalige Sammlung historischer Gläser, Bembel und Äpfelweindeckel.

Viele wissenswerte Kostbarkeiten aus den Archiven der Stadt Ratsedikte zum Äpfelwein, erste Heckenwirtschaften in Frankfurt und seinen Vororten, über den Äpfelwein während des Krieges, über die Äpfelweinlogen und über den Äpfelwein aus medizinischer Sicht sind ausgestellt.

Natürlich darf in dieser Ausstellung nicht fehlen die Darstellung des Apfelweins und sein Milieu und sein kulturelles Umfeld aus der Sicht der Künstler. Sie finden: Einmalige Zeichnungen von Lino Salini und die Bilder über den Apfelwein und seine Genießer von berühmten Frankfurter Künstlern dargestellt. In den gläsernen Vitrinen finden Sie die mit viel Liebe und Sachverstand nach Themengruppen geordneten Exponate, die dem Museum von Frankfurter Bürgern gestiftet oder als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurden. Neben Original Wester­wälder Keramik und alter Glasbläserkunst können Sie hervorragende Kopien berühmter Frankfurter Künstler bewundern, die das Leben Frankfurter Bürger beim Äpfelwein dargestellt haben.

Das Küferhandwerk zeigte seine gängigsten Werkzeuge, und auf Schautafeln wird die Herstellung von Holzfässern dargestellt. Dazu werden Trichter, Weinstützen und sonstige Hilfsmittel gezeigt. Auch wird in einer Vitrine das Schrifttum und das Liedgut um und über den Apfelwein, liebevoll auch „Stöffche“ genannt ausgestellt. Im Hof des Museums waren größere Exponate aufgestellt: Eine alte Korbpresse, eine Steinwalzen-Apfelmühle mit Becherwerk und Apfelwäsche sowie einige eichene Holzfässer und eine Weinpumpe aus früherer Zeit.

 

Unter einer Dekoration mit Plastikapfelbäumen finden sich hier Frankfurter Originale Seite an Seite mit japanischen Touristen zum „Schoppe petze“ ein und unternehmen ganz nebenbei noch eine Bildungsreise in Sachen feucht-fröhlicher Volkskultur. Wie viele Besucher seit Gründung des kleinen Museums vor fünf Jahren die eher ungewöhnliche Ausstellung aufgespürt haben, kann „Historix“-Geschäftsführer Siegfried Hahn nicht sagen. „Sicher schon mehr als 100.000“, schätzt er. Regelmäßig werden Führungen angeboten, bei denen selbst waschechte Frankfurter noch staunen können.

Denn wem ist schon bekannt, daß die Reinhaltung des „Äpfelweins“ im 18. Jahrhundert, eine todernste Angelegenheit war - im wahrsten Sinne des Wortes. „Wer Wein mit Mineralien und Silberglatt verfälscht“, ist in einer Verordnung zu lesen, „soll ohne Gnade mit dem Strang zum Tode gebracht werden“ - düstere Zeiten für Weinpanscher. Etwas milder wurde die Versetzung mit „Vegetablien, Rosinen oder Zuckerrüben“ bestraft: Den Missetäter erwartete Auspeitschen und Zuchthaus. Doch auch Vergnügliches findet sich unter den Exponaten des Äpfelweinmuseums. Karikaturen des Künstlers Lino Salini (1889-1944), der - selbst Sohn eines Gastwirts - gerne bei einem Schoppen Brezelverkäufer, Hausierer und Gastwirte porträtierte.

Ende Juni 1999 hatten sich im erleuchteten Hof des Historischen Museums auf Einladung des „Vereins Frankfurter Apfelweinmuseum“ und der „Freunde Frankfurts“ wieder an die 300 Menschen eingefunden, um für einige Stunden bei deftiger Speis und köstlichem Trank aus dem Gerippte den Poeten, Sängern und Musikern zu lauschen, bis in die Nacht hinein zu schwatzen und Erinnerungen aus der Kindheit im alten Frankfurt auszutauschen: „Wie uns de Schnawwel gewachse is“, lautete das Motto.

Sie mögen ihren Benny Maro, der die Ebbelwei-Strophen ebensogut beherrscht wie die Goethelieder. Und sie verehren fast ihre Gaby Reichardt, Urgewächs und begabte Schauspielerin. Sie zitierte auch die verstorbene Liesel Christ, die mal sagte: „Ich kann zwar e astrein Hochdeutsch redde, ich kann mich aber aach beherrsche!“ Treffsichere Pointen bot wieder Erich Fries: Die Scholl ist desweche so platt, damit bei Ebbe sie im Watt noch Wasser uff de Kieme hat.“ Und das Treffen zwischen einem Landhund und einer Seehündin am Nordseestrand ging übel aus, denn „schon nach fünf Minute trennen die beide sich: Er roch zu stark nach Schappi, und sie zu sehr nach Fisch.“ „Ein Goethegedicht sei von ihm nicht zu erwarten“, meinte Fries dann. „Der hat’s bei mir verschisse, denn er hat kaa anzisch Mal des Wort Ebbelwei erwähnt.“

Die Moderatorin Reichardt war es denn auch, die einem anderen betagten Frankfurter, dem einstigen Banker und Aussteiger Johann Philipp Freiherr von Bethmann, zum 75. Geburtstag gratulierte. Auch er ein Frankfurt- und Goethekenner par Excellence. Den Veranstaltern und Organisatoren, Helmut Lenz, der mit Heiko Fischer Fachliches zum Thema Keltern und Speieierling beitrug, sowie Rudolf Morbitzer und Hans Otto Schembs, gebührt Lob für einen kostenlosen Abend, der mittlerweile zur Tradition geworden ist und nicht nur finanzieller Anstrengungen bedurfte.

 

Der Verein Frankfurter Äpfelweinmuseum hat sich unter anderem zur Aufgabe gesetzt:

  • Dokumente, Bembel, geripptes Glas, Deckel und Gegenstände, die der Herstellung von Äpfelwein dienen, zu sammeln und zu präsentieren
  • die Geschichtskenntnisse über den Äpfelwein in Frankfurt zu erweitern und zu vertiefen
  • Verbindungen zu europäischen Apfelweinzentren und deren Museen zu knüpfen.

Der Plan, in Frankfurt wieder ein Apfelweinmuseum zu eröffnen, ist nicht aufgegeben. Es gibt einen „Förderverein zur Gründung des Deutschen Apfelweinmuseums Frankfurt“ (www.deutsches-apfelweinmuseum.de). Diesem gehören Apfelweinwirte, Kelterer und Apfelweinenthusiasten an. Mitglied ist auch Fritz Koch, der eine „Geschichte des Apfelweins in Frankfurt“ schreiben will.


 

 

Apfelwein in Verkehrsmitteln

Am Anfang stand ein Beschluß der ja Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, der sich im Gegensatz zu vielen anderen Entscheidungen als weise und weitblickend erwies. Als „Attraktion für die Innenstadt“, so hatte es die SPD im Römer angeregt, sollte eine Oldtimer‑Bahn auf einen Rundkurs durch die City gehen. Denn Fahrten mit den alten, 1950 gebauten Zwei‑Achsern des Typs K die seit Mitte der 70er Jahre nach und nach ausgemustert worden waren, erwiesen sich als sehr begehrt. Vor allem Hochzeitspaare und Kegelbrüder fragten bei den Stadtwerken häufig an, ob sie zur Feier des Tages eine der Rumpel‑Trams mieten könnten. Am 11. November 1976 stimmte das Parlament dem Projekt „Ebbelwei‑Express“ zu. Daß das Votum auf den Beginn der Faschingszeit fiel, war rein zufällig ‑ obwohl sich der Ebbel‑Ex später einige Male als echte Zugnummer unter den Frankfurter Fastnachtsumzug mischte.

Keine drei Monate später, am 5. Februar 1977, schickte der damalige Oberbürgermeister Rudi Arndt (SPD) den ersten Ebbel‑Ex auf die Strecke. Start war die Biebergasse, in der damals noch Gleise lagen, und Rudi Arndt zeigte in seiner Begrüßungsrede schon damals trefflichen Weitblick: „Die höchsten Häuser, die meisten Banken, den Weltflughafen und trotzdem an manchen Punkten tiefste Provinz ‑ und darauf sind wir stolz.“

Die Frankfurter stürmten die Bahn, in der Lia Wöhr und Reginald Nonsens „Blaue‑Bock“‑ Stimmung verbreiteten. Für das passende Outfit hatte der Frankfurter Grafiker Charly Estenfelder gesorgt, der dem Wägelchen einen blauen Himmel mit weißen Wölkchen verpaßt und auf roten Grund die Frankfurter Wahrzeichen gepinselt hatte wie Bembel und Römer, Paulskirehe und Goethe im Kalabreser Hut.

Später komponierte Ossi Trogger, Schwanheimer und Sänger im Chor der Frankfurter Oper, ein eigenes Lied für den Oldtimer. Seitdem wird in unserem Ebbelwei‑Express bei jeder Fahrt geschmettert, Auch der inzwischen verstorbene singende Töpfermeister Helmut Maurer steuerte für die Fahrten viele Lieder bei, die von Ebbelwei und Handkäs handeln.

Dabei ist von Anfang an auch die Apfelweinkelterei Possmann, die eigens für die Gaudi‑Touren Apfelwein und Apfelsaft in 0,3‑Liter‑Flaschen abfällt, die exakt in die Vertiefungen der Holztische passen. Die Brezeln, die zum Stöffche oder Saft gereicht werden, liefert die Friedrichsdorfer Bäckerei Pauly.

Der Ebbel‑Ex, der so gemütlich durch die Straßen zuckelt, wurde zum großen Renner. Bereits im April 1978, gut ein Jahr nach dem Start, konnte Stadtwerke-Dezernent Hans‑Joachim Krull mit dem damals 15‑jahrigen Schwanheimer Schüler Stefan Burneleit den 100000. Fahrgast beglückwünschen. Dabei saß der Jugendliche nicht zum ersten Mal im Ebbelwei‑Express. Er sei, so erzählte er dem erstaunten Stadtrat, bereits zum 76. Mal auf Tour. Bis heute zeichnet sich die Kundschaft durch Treue aus.

Doch keine Frankfurterin und kein Frankfurter dürften annähernd in die Nähe des Rekords von Else Scheuing kommen. Als Stefan Burneleit im August 1979 als Jubiläumsgast ausgezeichnet wurde, hatte die 68‑jährige Pensionärin bereits 164 Fahrkarten gesammelt. Vier Jahre später drückte ihr der damalige Stadtwerke‑Chef Willi Ganss einen Blumenstrauß in die Hand und FR-Fotograf Horst Winkler auf den Auslöser seiner Kamera, weil Else Scheuing an diesem Tag ‑ es wurde der 350000. Fahrgast gefeiert ‑ zum 975. Mal auf Achse war. „Hier bin ich nicht so allein, denn man trifft immer alte Bekannte, und es ist so gemütlich“, begründete sie, daß sie vom Ebbel-Ex nicht genug kriegen konnte. Else Scheuing ist weit über 2000‑mal in den Oldtimer eingestiegen sein", wie es in einem Text der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) zu den anstehenden Jubiläumsfeierlichkeiten heißt.

Der Ebbelwei‑Express ist auch Werbung für die Stadt. Für Touristen aus den USA, Kanada oder Japan gehört eine Fahrt mit der bunten Trambahn zum „Frankfurter Pflichtprogramm“. Dabei mußte der Ebbel‑Ex im Laufe der Jahre zwangsläufig immer mal die Strecke ändern, weil ihm die Stadtpolitik die Gleise unter den Rädern wegzog. Die ersten Touren führten noch über die Zeil und die Konstablerwache, mit dem Projekt der „schienenfreien Innenstadt“ entfielen auch der Blick auf Alte Oper und Börse.

Seit März vergangenen Jahres fährt die „Museumsbahn“ wieder auf einem echten Rundkurs. Von Bornheim geht es an der Konstablerwache vorbei durch die Altstadt, das Bahnhofsviertel, Sachsenhausen und am Zoo vorbei wieder zurück nach Bornheim. An 37 Haltestellen können die Ebbel‑Ex‑Fans ein‑ und aussteigen.

Für manche Passagiere ist es dann auch höchste Zeit. Das Stöffchen wirkt. Beim Start 1977 hatte Rudi Arndt die Namensgebung „Ebbelwei‑Express“ so erklärt: „Er heißt so, damit die Fremden, wenn sie ihn getrunken haben, nachher merken, was bei ihnen so pressiert.“

Der „Ebbelwei-Express“ fährt 13.30 Uhr in Bornheim-Mitte ab. Gar nicht so leicht, hier sonntags einen Parkplatz zu finden. Der Mann am Steuer, genauer gesagt an der Drehkurbel, hat Zeit. Jetzt kann es losgehen in Richtung des hessischen Apfelwein-Zentrums Sachsenhausen.

Drinnen im holzgetäfelten Wagen ist Nostalgie angesagt. An der Decke laufen lange Metallstangen mit Lederschlaufen zum Festhalten. Eine in regelmäßigen Abständen durchhängende Schnur gibt den computerverwöhnten Kids Rätsel auf. Bis einer mal dran zieht: Es klingelt, und der freundliche Schaffner schaut ein bißchen böse. Das darf man nämlich nur, wenn man aussteigen will. Und aussteigen ist bei der Stunde Fahrt nicht eingeplant.

Eingeplant haben die Frankfurter Stadtwerke eine kleine Wegzehrung, die im Preis inbegriffen ist. Ein Kontrastprogramm: eine Flasche Apfelwein für die Darmflora und eine Tüte Brezeln, damit’s kein dünnes Ende gibt. Für Kinder und .Nichttrinker steht natürlich Apfelsaft bereit. Die kleinen Tische zwischen den kunststoffbezogenen Sitzbänken haben praktische Vertiefungen für Glas und Flasche. Die Aschenbecher sind festgeschraubt und ein Schild hinter Glas verbietet, was sich heute ohnehin keiner mehr traut: Nicht auf den Boden spucken.

Einzige Reverenz an die Moderne im alten Wagen: Das Gerippte, Traditionsglas der Apfelweintrinker, ein klassisches Glas mit stilisierten Rauten, ersetzt ein Plastikbecher, allerdings mit Rauten-Design. Schlecht schmeckt’s auch daraus nicht.

Draußen zieht Station für Station das moderne und historische Frankfurt vorbei: Zoo, Börne­platz, Römer, Paulskirche, Hauptbahnhof und schließlich auch der Nabel der Ebbelwei-Welt Sachsenhausen. Ein Blick in die fachwerkgespickte „Klappergaß“. Frau Rauscher hat sich nicht gezeigt und Heinz Schenk war gerade auch nicht da.

Der Ebbelwei-Expreß läuft unter der Regie der Stadtwerke Frankfurt am Main. Während der Woche kann unter Tel. 21322425 reserviert werden. Zwei Stunden dauert dann die Rundfahrt und sie kostet 120 Mark. An Wochenenden kann nicht reserviert werden. Da kann in der Heidestraße in Bornheim eingestiegen werden. Die Fahrt dauert dann nur eine Stunde. Erwachsene zahlen für die Sonderfahrt vier, Kinder zwei Mark.

Seit zehn Jahren dreht der „Ebbel-Ex“ nun seine Runden, vorbei an den vielen Sehenswürdigkeiten und durch Sachsenhausen. Was dem Wiener sein Fiaker ist dem Frankfurter seine alte Straßenbahn. Und sie ist keineswegs nur für Touristen eine Attraktion, sondern auch die Einheimischen lassen sich bei einem guten Schoppen gerne mal durch ihre Stadt ziehen. Rund 600.000 Fahrgäste wurden bisher befördert, eine schöne Zehnjahres-Bilanz. Da gab es „Hoch­zeitler“, die nach der Trauung mit der ganzen Festgesellschaft in den Ebbelwei-Expreß stiegen.

Die Frankfurter nennen ihn liebevoll „Ebbel‑Ex“ oder auch „Knochemiehl“ und lassen sich auch nicht davon abschrecken, daß es Plätze nur in der Holzklasse gibt. Er hat in Spielfilmen mitgewirkt, und über ihn haben Zeitungen in den USA und Japan berichtet. Eine amerikanische Reisegruppe brachte ihre eigene Musikband mit und ließ den ganzen Rundkurs auf Video mitlaufen. Karnevalsverein, Jubilare und auch frischgebackene Doktoranden haben den Ebbelwei-Expreß für feuchtfröhliche Rundkurse angemietet. Und der Ebbelwei-Expreß war auch schon mehrmals offizieller Repräsentant der Stadt Frankfurt bei Hessentagen. Ein „Hoch“ auf den „Ebbel-Ex“.

Im Linienbetrieb verkehrt der Ebbelwei‑Express auch weiter an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen zwischen 13.30 Uhr und 17.30 Uhr alle 40 Minuten. Die Fahrt dauert gut eine Stunde und wird von einem Schaffner begleitet, der auch die Fahrkarten verkauft. Im Preis von 5 Euro für Erwachsene und 2,50 Euro für Kinder bis 14 Jahre sind eine Flasche Apfelwein, Apfelsaft oder Mineralwasser sowie eine Tüte Brezeln enthalten.

Die vier ‑ identisch gestalteten ‑ Ebbel-Ex können einschließlich zweier Anhänger auch für Geburtstage, Betriebsfeste oder andere Feierlichkeiten gemietet werden. Die Fahrtroute können die Kunden nach ihren Wünschen zusammenstellen. Selbstverpflegung ist möglich. Die Preise belaufen sich pro Stunde auf 77 Euro für den Triebwagen (für 30 Personen), 128 Euro mit einem und 169 Euro mit zwei Anhängern. Mindestmietzeit zwei Stunden. Informationen unter Telefon 069/213‑22425.                 

 

Rund um dem Apfelwein geht es auch beim neuen Angebot der Primus-Linie seit 2012: Die „Ebbelwei-Fahrt“ feiert am Samstag, 28. Januar Premiere. Moderatorin des Abends ist Dr. Johanna Höhl-Seibel aus Deutschlands ältester Kelterei in Hochstadt, die 1779 gegründet wurde. Im Mittelpunkt der Fahrt steht ein apfelweintypisches Drei-Gänge-Menü. Als Vorspeise steht gebackenes Handkäs-Tartar im Brotteig auf dem Speiseplan, gefolgt von „Coq au Cidre“ auf süß-saurem Zwiebelkompott mit Schmorgemüse und Kartoffeln. Ein süßes Apfeltiramisu beschließt das Menü, zu dem bei jedem Gang ein passendes Glas Apfelwein aus der Kelterei Höhl gereicht wird.

Das Schiff legt um 19.30 Uhr am Eisernen Steg ab und kehrt um 23 Uhr dorthin zurück, Schiffsöffnung ist um 19 Uhr. Der Fahrpreis beträgt 54 Euro pro Person, darin enthalten sind das Drei-Gänge-Menü, ein Glas „Pomp“ und pro Gang ein Glas. Apfelwein. Zweiter Termin der Apfelwein- Fahrt ist am 10. März. Buchungen zu allen Fahrten der Primus-Linie sind im Internet oder telefonisch unter der Rufnummer (069) 13 38 37 30-0 sowie per Fax an

(069) 28 2886 möglich.         

 

MainÄppelHaus

Zur Erhaltung artenreicher Streuobstwiesen im Ballungsraum Frankfurt/Main-Kinzig/Taunus haben sich Naturschützer und Umweltverbände der Region zusammengeschlossen, um eine dauerhafte Einrichtung zu schaffen, die sich für die Pflege und den Erhalt der Wiesen einsetzt. Es wurde der Verein Streuobstzentrum ins Leben gerufen, dem unter anderem der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig angehört. Der Verein gehört wiederum zum Kreisverband Hanau zur Förderung des Obstbaus, der Garten- und Landschaftspflege. Streuobstzentrum e.V visiert die Errichtung eines Umweltinformationszentrums auf dem Lohrberg an, das MainÄppelHaus.

Am Lohrberg (zwischen Bergen-Enkheim und Unfallkrankenhaus) nimmt im  Jahr 2005 das Umweltinformationszentrum „MainÄppelHaus“ immer mehr Gestalt an. Der Flughafenbetreiber Fraport überreichte dem Verein Streuobstwiesenzentrum  einen Scheck über 110.000 Euro. Zu den pädagogischen Betreuerinnen des Vereins gehört unter anderem Anika Hensel aus Maintal. Sie brachte gestern einer Gruppe von Kindern die Pflanzenwelt in den Bergen-Enkheimer Streuobstwiesen spielerisch nahe. Den Mädchen und Jungen im Alter zwischen vier und sechs Jahren trichterte sie nicht die einzelnen Namen der Blumen ein. Ihr geht es mehr um die Formen und Farben. Nach einem ausgiebigen Picknick zu Beginn zeigte Anika Hensel in einer Art Pflanzen-Memory acht Arten für eine kurze Zeit und deckte sie dann mit einem Tuch zu. Nun mußten die Kinder des evangelischen Kindergartens Bergen-Enkheim möglichst viele Pflanzen auf der Wiese wiederfinden. Zum Schluß hatte jeder einen hübschen bunten Strauß zusammengepflückt. Mit reichlich Spaß die Natur entdecken ist eines der Hauptanliegen des Streuobstzentrums. Und so soll das „MainÄppelhaus“ auch keineswegs nur etwas für Gärtnerfreunde sein, die sich für Obstbäume interessieren. Genauso soll der Lohrberg für Kinder mit ihren Eltern anziehend wirken.

Arbeitsdirektor Herbert Mai von der Fraport AG informierte sich gestern vor Ort über Sinn und Zweck solcher Veranstaltungen. Er sprach von einem „großen Anliegen“ des Flughafenbetreibers, den Umweltschutz und die Umweltpädagogik voran zu treiben. Alleine dafür habe Fraport 2,5 Millionen ausgegeben. Dem Projekt Main-Äppel-Haus kamen bislang 440.000 Euro zugute. „Aus unserer Sicht ist es wichtig, daß schon Kinder das Typische und die Besonderheiten hier in der Region Rhein-Main kennen und schätzen lernen“, sagte Mai nach Besuch des „grünen Klassenzimmers“ in den Bergen-Enkheimer Streuobstwiesen.

Neben den ursprünglichen Aufgaben der Beratung der Bürger zu allen Gartenfragen und dem Streuobstanbau soll im Umweltinformationszentrum ein großer Akzent auf Fort- und Weiterbildung gelegt werden. Besonders die Aktionen mit Kindern zu allen Jahreszeiten stehen im Mittelpunkt. Sie finden teilweise in der freien Landschaft statt oder eben auf dem Gelände des ehemaligen Beratungsgartens Lohrbergs, beispielsweise bei den Kelterwochen für Kinder im Oktober. www.main-aeppelhaus .de

An einem sonnigen Oktobertag 2005 fuhren die Wiesenkinder der Dörnigheimer Kindertagesstätte Eichendorffstraße auf den Lohrberg nach Frankfurt. Dort erwartete Frau Hensel vom Maintaler Arbeitskreis Streuobst die Mädchen und Jungen, um gemeinsam Apfelsaft herzustellen. Emsig lasen die Kinder Apfel auf, wuschen sie und warfen sie mit viel Spaß in die „Apfelschneidemaschine“, wie der Dörnigheimer Nachwuchs das Gerät bezeichnete. Danach kamen die Apfelstücke in eine Presse und alle Kinder halfen mit, den Saft heraus zu pressen, um ihn dann probieren zu können. So ging ein aufregender Vormittag zu Ende und die Mädchen und Jungen sowie ihre Erzieherinnen bedanken sich auf diesem Wege bei Frau Hensel für ein lehrreiches Streuobst-Wiesenjahr voller Spaß und Spiel.

Am Sonntag, 20. September 2009, von 10 bis 18 Uhr veranstaltet das Streuobstzentrum wieder sein Äppelfest.  An dem Tag der offenen Tür gibt es für Groß und Klein wieder allerhand zu sehen und zu entdecken: Frisch gekelterten Süßen, eine Fledermaus-Rallye für Kinder, die neue Apfelweinkönigin, eine Vermittlungsbörse für Streuobstgrundstücke und die genaue pomologische Bestimmung ihres Apfelbaums. Wer sich im Unklaren über die Sorte seiner Äpfel ist, bringt einfach je zwei von der Sonnenseite und zwei von der Schattenseite (aus dem Inneren des Baumes) geerntete Äpfel und einige Blätter mit. Der Pomologe Werner Nussbaum kann dann den Namen des Apfelbaums nennen.

In diesem Jahr können im MainÄppelHaus Lohrberg zum ersten Mal hochstämmige Streuobstbäume zu günstigen Preisen bestellt werden. In der Bestelliste gibt es vor allem alte Sorten von Äpfeln. Zwetschgen, Pflaumen, Mirabellen, Kirschen, Speierling und Walnuß.

Natürlich gibt es beim Äppelfest auch viel Speis und Trank. Bastel-Spiel-Zuhör-Aktionen für Kinder sowie Information und Beratung für Streuobst und Garten. Eingeladen sind auch alle, die sich mal das MainÄppelHaus Lohrberg ansehen möchten oder einfach nur wissen wollen, wie die Umgestaltung des MainÄppelHaus und des Naturerlebnisgartens im vergangenen Jahr vorangeschritten ist.

Im August 2014 hielt Jörg Stier ein Kelterseminar „Vom Apfel zum Wein“ im MainÄppel-Haus Lohrberg ab, um Selbstkelterern und Freunden des Schoppens Grundlagen der Apfelweinherstellung zu vermitteln. Am Wochenende 23. und 24. August wird er in seinem Kelterseminar einige Tips und Tricks von der Saftgewinnung zum handgefertigten Apfelwein verraten und spannende Geschichten zur Weinkultur des Apfels erzählen Seine Gäste können außerdem verschiedene Apfelweine probieren. Die zweitägige Veranstaltung findet jeweils von 15 bis 17 Uhr im Main-ÄppelHaus Lohrberg statt und kostet pro Person 25 Euro inklusive Getränkeproben.

 

Apfelwein-Akademie

An der „Apfelwein-Akademie“ kann man sich ausbilden lassen zu „zertifizierten Apfelweinwirten“. Zu den neun Teilnehmern gehören  2013 auch ein Ex-Banker, HobbyKelterer - und die Apfelweinkönigin für Frankfurt und Umgebung.

„Ich möchte so viel wie möglich über Apfelwein wissen“, sagt Nora Batz. Sie arbeitet sowohl in einer Unternehmensberatung als auch im Gasthaus ihrer Eltern in Liederbach am Taunus

 „Apfelwein ist Geschmackssache“, sagt Carsten Therstappen, der im Außendienst einer großen Kelterei arbeitet und das Zertifikat Apfelweinwirt als Fortbildung für den Job wertet.

„Anders als beim Bier machen 40 Keltereien 40 verschiedene Apfelweine, und jeder schmeckt individuell anders“, stimmt Sensorik-Referent Christof Heil zu. „Lieber viele Apfelweine mit Ecken und Kanten als uniformierte, flache und langweilige.“ Der Geschmack könne zwar auch bei einer Kelterei von Jahr zu Jahr ein wenig variieren, Jahrgänge wie beim Wein gebe es aber nicht. „Sensorik“ ist das Thema seines Ausbildungsteils. Heil beginnt mit Geschmackstests von Wasser. „Man muß sich bei jeder Verkostung sehr konzentrieren und sollte sie lieber mit zwei Leuten machen.“

Die Fortbildung, die einmal im Jahr im Plan der Apfelwein-Akademie steht, richtet sich vor allem an Wirte, schließt aber auch andere Liebhaber des „hessischen Nationalgetränks“ nicht aus. „Die Themen sind aber schon sehr gastrolastig“, sagt eine Sprecherin des Landesverbands der Apfelwein-Keltereien. Produktschulung sowie Management und Marketing sind die Schwerpunkte der beiden Seminartage. Das Zertifikat wird gemeinsam vergeben vom Kelterei-Verband, dem DEHOGA Hessen, der Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen und der Vereinigung der Frankfurter Äpfelweinwirte.

Immobilienkauffrau Anna Hermann möchte die Kelterei ihres Großvaters weiterführen. „Das liegt mir unwahrscheinlich am Herzen.“ Derzeit gebe es das Stöffchen aus dem Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim, das jahrelang in der TV-Sendung „Zum blauen Bock“ ausgeschenkt worden sei, nur im Straßenverkauf. Zusammen mit ihrem Freund will sie den 1878 gegründeten „Schützenhof“ an anderem Ort wieder aufleben lassen.

Physik-Ingenieur Jens Conrad von der TU Darmstadt gehört zu den Hobby-Kelterern und will nur sein Wissen verbessern. Zusammen mit Freunden keltert er im RheingauTaunus-Kreis für den Eigenbedarf um die 1000 Liter pro Jahr. „Alle unsere Freunde machen noch Apfelwein zu Hause“, erzählt er. Einen besten Schoppen gebe es aber nicht. „Man freut sich, wenn einem anderen ein guter Apfelwein gelingt.“

Gerhard Wachinger aus Eschborn ist mit 55 Jahren aus dem Bank-Business ausgeschieden und hat sich Aufgaben in der Natur gesucht. Dazu gehört neben Bildungsarbeit mit Kindern und Erwachsenen der Schnitt von Apfelbäumen, die Beratung von Straußenwirtschaften und das Keltern.

Der Wiesbadener Kelterer Lommatsch stellt bis zu 20.000 Liter Apfelwein im Jahr her und hat daneben großen Erfolg mit seinem „Apfelsecco mit Quitte“. Der aus dem Fernsehen bekannte hessische Koch und Referent Mirko Reeh ist überzeugt: „Wir können was, wir Hessen. Wir haben aber immer ein bißchen Angst, das zu zeigen. Anders als die Bayern.“ Streuobst und alte Apfelsorten sind für einen guten Äppler unabdingbar. Davon ist der Wiesbadener Kelterer Ernst Lommatsch überzeugt.

Diese Apfelweinakademie gibt es noch, getragen von der Vereinigung der Apfelwein- und Fruchtsaftkelterer und anderen. Sie zertifiziert vor allem die Apfelweinwirte.

Diese Apfelweinakademie gibt es noch, getragen von der Vereinigung der Apfelwein- und Fruchtsaftkelterer und anderen. Sie zertifiziert vor allem die Apfelweinwirte.

 

Frankfurter Vororte

Sachsenhausen:

„Jeder Sachsehäuser is auch en Frankforter, abber net jeder Frankforter is en Sachsehäuser!“

Das heutige Apfelwein-Viertel Sachsenhausen hat die ältesten Traditionen. Dort saßen die meisten Gärtner und Küfer, die den Apfelwein zunächst nur für sich selbst, später dann zum Ausschank herstellten. Es dauerte auch nicht lange, bis das Verzapfen des Weins besteuert wurde. Ab Anfang des 18. Jahrhunderts durften die sogenannten „Heckenwirte“ mit offizieller Erlaubnis Apfelwein ausschenken und fanden anscheinend soviel Zuspruch, daß allein in Sachsenhausen um die Mitte des Jahrhunderts pro Jahr rund eine Million Liter verzapft wurden. Nach und nach entstanden auch in anderen Stadtteilen die typischen Apfelwein-Gärten, wie sie noch heute zu finden sind.

Nirgendwo liegen die Apfelweinlokale so dicht gedrängt beisammen wie im Frankfurter Stadtteil Alt- Sachsenhausen, das weit und breit als das „Apfelweinviertel“ berühmt ist. In den altgewachsenen Stadtvierteln und Vororten und rings um Frankfurt herum laden die selbstkelternden Wirte mit grünem Kranz und Bembel, ihrem Mitgliedsschild, zur gastlichen Einkehr.

In der Apfelweinwirtschaft „Adolf Wagner“ an der Schweizer Straße wird der Manager nicht besser behandelt als der Metzgermeister.  „Gast ist Gast“, sagt Frau Melli und hat dabei die volle Rückendeckung ihrer Chefin. Für Miteigentümerin Elfriede Wagner, Vorsitzende der Vereinigung der Frankfurter Apfelweinwirte, ist der goldgelbe Hessentrank ein großer Gleichmacher: „Beim Ebbelwei haben sich schon immer alle Schichten vereint.“

Das Viertel prägt das Frankfurt-Bild vieler Besucher. In einer der Straßen des Viertels, der legendären Klappergasse, steht der Frau-Rauscher-Brunnen. Die Figur, die unberechenbar Wasser auf Gasse und Passanten spritzt, ist eine lokale Berühmtheit. Der Kern Alt-Sachsenhausens besteht aus vier gepflasterten Gassen (Kleine und Große Rittergasse, Paradiesgasse und Klappergasse). Er ist Fußgängerzone und beherbergt rund 80 Lokale. Zählt man umliegende Straßen dazu, wie es der Frankfurter Gaststättenverband tut, kommt man gar auf 130 Lokale. Seinen Boom erlebte das Viertel zu Beginn der 70er Jahre. Bis dato war es von der Apfelweinkultur geprägt. Doch dann witterten Geschäftemacher in der vielbesuchten Flughafen- und Durchgangsstadt Frankfurt die schnelle Mark. Sie pachteten Häuser im damals einzigen und angesagten Ausgehviertel und zerstörten die Idylle. Eine Pilsstube. Frittenbude oder Disco neben der anderen wurde eingerichtet. Oft wurden Treppen in den größtenteils aus dem Mittelalter stammenden Gebäuden herausgerissen. um Platz zu schaffen. Die oberen Etagen der Häuser blieben dann leer - die Gebäude verkamen. Ende der 80er Jahre kam die Flaute, als nach dem Fall der Mauer neue Attraktionen im Osten Touristen lockten.

Doch die ehemalige Hochburg der Kultur um Handkäs, Rippchen und Stöffche, Alt-Sachsenhausen, ist auch ein Sorgenkind der Frankfurter Apfelgemeinde. Hier etablierte sich seit Beginn der 70er Jahre eine schrille Szenerie aus Pizza- und Frittenbuden, Pilsstuben und Discos, die Gemütlichkeit mußte der Massenabfertigung weichen. Nicht nur der weitgehende Abzug der amerikanischen Soldaten hat das Vergnügungsviertel in eine tiefe Krise geworfen, die das städtische Planungsamt schon von „Verslumungs-Tendenzen“ berichten ließ. Der Gaststättenverband will das Problem angehen, für die gesamte Stadt gab sich Löhring optimistisch: „In Frankfurt wird der Äppelwoi immer dabei sein.“

Es gibt in Frankfurt Bestrebungen, das Äppelwoi-Sachsenhausen in ein Bier-Viertel umzufunktionieren, im Verbund mit Hamburger- und Kebab-Freaks. Die Bier-Mafia aus dem Süden hat ganze Arbeit geleistet. Es gibt schon alte Frankfurter, die die „Strauß-Wirtschaft“ für einen hessischen Ableger der bayerischen Staatskanzlei halten! So weit sind wir. Dutzende einschlägiger Apfelweinwirtschaften wurden während der vergangenen Jahrzehnte aufgegeben: nicht wegen des Äpfelweins, sondern meist, weil die Brauereien mit Macht das Terrain erobert haben. Das einstige Zentrum Frankfurter Apfelweinseligkeit, Alt-Sachsenhausen, ist durch artfremde Lokalitäten zu einem Vergnügungsviertel minderer Art verkommen. „Kaa zeh Gäul bringe mich dahie“, sagen die Liebhaber von einst. Was sicherlich auch wieder übertrieben ist, denn es gibt nach wie vor reizvolle Ecken. Aber insgesamt ergibt die Bestandsaufnahme der Frankfurter Apfelweinszene die Diagnose: Der Charme von einst ist hin. Er läßt sich, das ist sicher, auch nicht wieder zurückholen, auch nicht durch noch so häufiges Beschwören der alten Zeiten.

Außerdem tobt in Sachsenhausen der „Ebbelwei-Krieg“. Kontrahenten sind auf der einen Seite die Großkelterer Günter Possmann und Rudolf Höhl, auf der anderen Seite der Bad Vilbeler Getränkehändler Oskar Dietrich. Die Parteien gehen aufeinander los, weil Dietrich vor Jahren eine neue Apfelweinmarke einführte, die er sinnigerweise und dabei sehr verkaufsfördernd „Alter Sachsenhäuser“ nannte. Über einen Bad Homburger Verein gegen unlauteren Wettbewerb gingen ihm die Kontrahenten zu Leibe. Dietrich verlor vor Gericht und rächte sich gar fürchterlich. Er klagte nämlich seinerseits gegen Konkurrent Possmann, weil dieser eine neue Marke namens „Alter Frankfurter“ aus der Taufe hob, was nicht minder sträflich sei wie der „Alte Sachsenhäuser“. Anfang August stellte der Vilbeler Apfelweinproduzent seinen „Alten“ auf  „Goldener Sachsenhäuser“ um.

Auch im Nachtleben, wo ja Schampus und Kir Royal versuchen, den Ebbelwei abzulösen, ruht der Konkurrenzkampf nie. Derzeit sammelt sich die vereinte Disco-Scene, um gegen den übermächtigen Nachtclub-König Gerd Schüler verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Schülers „Plastik-Disco“ im alten „Odeon“ an der Seilerstraße fegte unter Hilfe von Sänger-DJ Sven Väth („Electric Salsa“) die Konkurrenz ab Januar sozusagen  vom Boden und das „Uno“ an der Hauptwache jahrelang „In-Treff „der Stadt, mußte sogar geschlossen werden. Jetzt wollen die Beteiligten den Spieß umdrehen. Besitzer Lutz Pfaff wird umbauen und im September neu eröffnen. Ex- Uno-Geschäftsführer Rolf Kaiser sieht man vorübergehend in der Bodega (Jazzgasse): Leutselig verwöhnt er dort die Kundschaft mit Sangria.

Ähnlich populär geht es auch an der Schweizerstraße zu. Nachdem der „Innenstadt-Pate“ Klaus („Apfelwein-Klaus) Ruwedel im vergangenen Jahr die Schickeria über die Brücke in seine „Gans“ zog, kamen jetzt die Wirte vom „Keller“ auf die Idee, um’s Eck ihr Bistro „Plus“ aufzumachen. Die Schickeria, einst nur im Freßgaß-Revier um „Operncafé“ und „Leiter“ zuhause, fühlt sich derzeit im „Schweizer-Eck“ sichtlich wohl. Und seit vergangener Woche hat die Kneipengegend von „Neu-Sachsenhausen“ noch eine weitere Attraktion zu bieten. Fußball-Schwester Angela Kraaz vom „Palais des Bières“ wurde neue „Brunnenkönigin“.

 

Alte Sachsenhäuser beklagen den Niedergang des Kneipenviertels. Doch schon vor den Todesschüssen - vor der American Bar No. 1 wurden im Dezember 2000 drei Bauarbeiter erschossen - im Jahr 2001 war es mit der Ebbelwei-Seligkeit vorbei. Die Bluttat in der „Klappergaß“  hat das Kneipenviertel wieder einmal ins Gerede gebracht. Zu Unrecht, findet Rainer Klein, Wirt der traditionellen Stöffche-Kneipe „Dauth-Schneider“. Was hier geschah, hätte überall geschehen können, sagt Klein. Die Stadtväter sollten sich endlich darüber klar werden, in welche Richtung sich Alt-Sachsenhausen überhaupt entwickeln solle. Pläne gäbe es ja genug: „Rahmenplan, Baulückenschließungsplan - aber außer Plänen passiert ja nix.“ Wenn man das Viertel wirklich beleben wolle, müßte man erst einmal die Ladenschlußzeiten knacken: „Die Läden müßten bis 23 Uhr geöffnet sein - vorher ist hier ja keiner.“

Früher flanierte hier ein vielschichtiges Publikum, „vom einfachen Arbeiter bis zur Prominenz“. Damit ist lange Schluß. Vor allem alte Leute hätten mittlerweile ernsthafte Berührungsängste. Zweimal ist Seelbach bereits nahe der Haustür überfallen worden. Man kann angepöbelt worden, wenn man in feinem Zwirn und mit Blumenstrauß nächtens nach Hause kommt.

Es müßten vor allem zwei Dinge geschehen. „Die müßten die Sperrstunden einhalten“ - und vor allem wieder mehr frankfurt-typische Kneipen eröffnen. Der Rahmenplan für Alt-Sachsenhausen  liegt nun schon seit ein paar Jahren, genauer seit 1996, auf dem Tisch. Läden, Dienstleistungen, freie Berufe, vereinzelte Büros, Künstlerateliers und nicht störendes Gewerbe sollen für Belebung auch tagsüber sorgen. Bislang ist es beim frommen Wunsch geblieben. Auch davon, „die Zahl der Gaststätten der Nachfrage anzupassen“ - sprich zu vermindern - ist nicht viel zu sehen. Vor drei Jahren warnte bereits der Ortsbeirat 5 anläßlich der Diskussion über einen Bebauungsplan, Sachsenhausen drohe „der flächenhafte Abstieg zum perspektivlosen Elendsquartier“. Erst vor wenigen Wochen forderte der SPD- Bürgermeister Achim Vandreike ein 30 Millionen schweres städtisches Investitionsprogramm zur Sanierung der maroden Fachwerkhäuser. CDU-Chef Udo Corts sieht in der Idee des sozialdemokratischen OB-Kandidaten allerdings nicht mehr als eine „Wahlkampflaune“.                

Das Frankfurter Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen war einst ein Aushängeschild der Stadt. Mittlerweile gilt das Viertel eher als Armutszeugnis - die Mainmetropole weiß nicht so recht, was sie mit dem heruntergekommenen Altstadt-Verschnitt anfangen soll. Viele Ideen existieren für das Amüsierviertel in dem Stadtteil südlich des Mains - doch passiert ist bisher nichts.

Alteingesessene Frankfurter beklagen schon lange den Niedergang des Viertels. Wer „in“ sein will, geht in Frankfurt schon lange nicht mehr in Alt-Sachsenhausen aus. Auch lokalpatriotische Apfelwein-Trinker nehmen ihr „Stöffche“ lieber in Apfelweinwirtschaften außerhalb des Viertels ein - entweder in anderen Stadtteilen oder ein paar Straßen weiter. Das Viertel zieht stattdessen nur noch die „Ballermann-Fraktion“ an, wie ein Gastronom sagt. „Bis 23 Uhr haben wir normale Gäste, doch dann schlägt es rabiat um, und es sind nur noch laute Leute da. Viele suchen Streit“, beschreibt Lokal-Inhaber Rolf Tönis die Situation. Bereits Anfang der 90er Jahre gründete er mit Dutzenden anderen Wirten, Hauseigentümern und engagierten Bürgern den „Förderkreis neues Alt-Sachsenhausen“.

Das erste nach Farbleitplan renovierte Haus steht seit 2001 in der Klappergasse. Die bräun­lichrote Farbe pappt an dem Häuschen, als täte sie seit Jahrzehnten nichts anderes. Dabei ist das pudrige „Bordeaux“ jüngeren Datums: Als erster Hauseigentümer in den Fußgängerzonen Alt- Sachsenhausens hat Walter Röhrl, Besitzer des Imbißlokals „Rund um die Worscht“ in der Klappergasse, seine Immobilie nach der „Farbleitplanung“ der Stadt gepinselt - und „dabei keinen Pfennig Forderungsmittel in Anspruch genommen“, lobte gestern Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) beim Ortstermin. Seit September 1999 können die Hauseigentümer im Amüsierviertel die Stadtkasse anzapfen, wenn sie marode Bausubstanz sanieren und dabei der historischen Fassade einen stilechten Anstrich verpassen. Bis zu 20 Prozent der Investition bekommen sie wieder, und mit Caspar Schön steht ihnen ein beratender Architekt zur Seite, der anhand der Farbleitplanung detaillierte Gestaltungsvorschlage macht. Wie Röhrl, der die Beratung, aber nicht das Steuergeld in Anspruch genommen hat. So ließ er die Holzteile grau überstreichen, und über dem Schaufenster hängt ein erneuertes altes Handwerkszeichen. Das hat ein Vermögen gekostet, weiß Klaus Bundschuh, ein engagierter Ur-Sachsenhauser. Jährlich können insgesamt fünf Millionen Mark für die Fassadenarbeiten ausgeschüttet werden. Das Bilderbuch zur Farbleitplanung für Alt-Sachsenhausen, von einem Farbenhersteller gesponsert, ist für 20 Mark im Planungsamt erhältlich.

 

Straßenfest in der  Klappergasse 2003:

Mit einem Straßenfest wollten Wirte in der Klappergasse den Niedergang der einst frequentierten Ausgeh‑Adresse stoppen. Mit Cheerleadern der Opel Skyliners, einer Karate‑ Vorführung, kostenlosen Tattoos, Live‑Musik und verbilligten Getränken feierten die Pächter und Geschäftsleute der Interessengemeinschaft Klappergasse am Samstag ihr erstes Straßenfest zur Wiederbelebung der einst so beliebten Gasse in Alt‑Sachsenhausen.

So ein Tattoo ist eine feine Sache. Erst recht, wenn es mit einer wasserlöslichen Farbe aufgetragen und obendrein noch kostenlos ist. „Das ist mein Beitrag zum Straßenfest“, sagt Heiko Lippmann, der seit einigen Wochen ein Tattoo‑ und Piercing‑Studio in der Klappergasse betreibt. Wie gut das Angebot ankam, war nicht zu übersehen. Schließlich war Lippmann, der sich entschieden hatte, seine Arbeit auf die Gasse zu verlegen, stets von einer kleinen Traube Neugieriger umgeben, die ihm interessiert über die Schulter blickten oder selbst sehnsüchtig darauf warteten, sich von ihm verschönern zu lassen.

Begonnen hatte das Fest bereits zur Mittagszeit mit einer Parade der Cheerleader des Basketball‑Bundesligisten Opel Skyliners. Die Klappergasse mal hoch, mal runter marschiert, demonstrierten die fünf jungen Frauen professionelles Cheerleading. Eigentlich hatte er eine Signierstunde mit Profis der Eintracht geplant, doch kurzfristig eine Absage erhalten, so Olli Thies, Betriebsleiter im Lokal Klapper 33, und Mitglied der Interessengemeinschaft (IG) Klappergasse, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die einstmals so beliebte Gasse wieder mit mehr Leben zu füllen.

Seit zwei Monaten engagiert sich die Interessengemeinschaft, um die Klappergasse wieder „ins Bewußtsein der Menschen zu bringen“, erklärte Fest‑Initiator Bernd‑Uwe Hedler. Das Leben spielt sich nur in der Großen und der Kleinen Rittergasse ab. Die Klappergasse werde hingegen von immer weniger Gästen frequentiert. Als Gründe sieht er unter anderem die wenig flexiblen Vorgaben durch die Stadt, die es fast allen Lokalbetreibern verbiete, Tische und Stühle auf der Gasse aufzustellen, weil sonst der nötige Platz für Rettungsfahrzeuge nicht mehr gewährleistet sei. Aber es fehle auch an Grün und Licht in der Gasse.

Als symptomatisch für die Krise der Klappergasse sehen es die Gastwirte, daß dort derzeit vier Lokale leer stehen, so Olli Thies- „Die Klappergasse war mal Sachsenhausen.“ Da sei jede Kneipe eine Goldgrube gewesen, heute sei davon nicht mehr viel übrig. Die bewegte Vergangenheit und die zum Teil schlechte PR für das Viertel hätten viele Gäste vergrault, weshalb es nun an der Zeit sei, gemeinsam etwas zu unternehmen.

Mit dem Anfang zeigte sich Thies, der das Fest mit dem Pächter des Steinern Haus, Bernd‑ Uwe Hedler, initiiert hatte, „total zufrieden“. Dennoch wisse er, was er beim nächsten Mal anders machen würde. Innerhalb von nur sechs Wochen hatte die IG das Fest geplant und umgesetzt. So eine Veranstaltung brauche aber eindeutig eine längere Planungszeit, resümierte Olli Thies. Zudem sei der Festbeginn mit 12 Uhr, wohl etwas zu früh ausgefallen. Zumal bereits gegen 18 Uhr wieder Schluß war. Außerdem brauchen wir mehr Aktivitäten auf der Straße.

Und in der Tat, den typischen Charakter eines Straßenfestes mit vielen Ständen, den suchte man in der Klappergasse vergebens. Hier und da, musizierten zwei Live‑Bands, vor dem Steinern Haus gab eine Gruppe von Harley Davidson‑Fahrern ein Stelldichein und ließen die Kinder mal auf ihren Maschinen Probesitzen.

Die eigentlichen Angebote der Wirte kamen so nicht wirklich zur Geltung. Zwar wiesen vereinzelte Schilder auf die Aktivitäten der einzelnen Lokale hin, nur daß die zum Teil eben im Innern stattfanden. Beteiligt an dem Straßenfest waren insgesamt acht der derzeit zehn Lokale in der Klappergasse, das Tattoo‑ und Piercingstudio sowie die im April eröffnete Äpplergalerie. Wir wollen das Viertel wieder lebens- und liebenswert machen, begründete Christel Hofmann, Inhaberin der Galerie, ihr Engagement in der IG sowie die Teilnahme am Fest. Wie die anderen Gastwirte auch, so hatte auch Hofmann die meisten Getränkepreise anläßlich des Festes gesenkt. Und so durften sich ihre Gäste über „Äppler für Anfänger“ für einen Euro pro Schoppen freuen. Das Straßenfest soll aber nur der Anfang gewesen sein. Bereits im Herbst ist die nächste Feier unter freiem Himmel geplant. Und mit der Aktion des „Längsten Meter‑Trinkens“ hofft man sogar auf einen Eintrag ins Guinness‑Buch.

 

Frankfurts Apfelweinviertel Alt-Sachsenhausen kämpft 2004 um sein Image: Sein Bild bestimmen allzuoft Betrunkene, Schlägereien oder Zechbetrügereien. Der Charme der Ebbelwoi-Gemütlichkeit rund um die Klappergasse scheint dahin. Bis 2008 soll das Viertel aber nach dem Willen der Stadtoberen wieder von einem Armutszeugnis zu einem Aushängeschild Frankfurts werden. Das Ausgeh-Quartier südlich des Mains - im Kern bestehend aus vier gepflasterten Gassen - war zuletzt großes Thema im Kommunal-Wahlkampf vor drei Jahren.

Seine Instandsetzung schien hohe Priorität zu haben. Zwar geht es seitdem nur langsam voran, doch die Stadt spricht trotzdem schon von ersten Erfolgen. „Vor allem in den Nächten an den Wochenenden gibt es im Vergnügungsviertel Schlägereien oder Fälle von Zechbetrug“, sagt der Leiter des zuständigen Polizeireviers, Herbert Buchholz. Als besonders unsicher will er das Viertel aber nicht dargestellt sehen, zumal die Polizei regelmäßig mit Fußstreifen und auch Zivilbeamten vor Ort sei. Erst kürzlich wurde bei einer nächtlichen Messerstecherei ein 21 Jahre alter US-Amerikaner an Bauch, Schulter und Wirbelsäule verletzt. Ein Radfahrer hatte den Mann angefahren und im anschließenden Streit ein Messer gezückt. Gar tödliche Schüsse auf offener Straße trafen im Dezember 2000 drei Männer.

Lokalpatriotische Ebbelwei-Trinker meiden das Viertel lieber und trinken ihr „Stöffche“ außerhalb. Auch die Szene der jungen Leute bevorzugt längst andere Adressen. „Alt-Sachsenhausen zieht am Wochenende nur noch Ballermänner und Proleten an, vor allem aus dem Umland“, sagt ein Gastronom, der nicht genannt werden will.

Im Frankfurt-Bild vieler Touristen spielt Alt-Sachsenhausen dennoch eine zentrale Rolle. Denn im Gegensatz zum chic herausputzten Main-Ufer oder den „In“-Lokalen in Stadtmitte und Ostend kommt das Viertel in vielen aus- und inländischen Reiseführern als sehenswerte Station auf der Sightseeing-Tour vor. Als solche gilt das Quartier den Tourismus-Autoren seit seiner Boom-Zeit Anfang der 1970er Jahre. Bald darauf witterten Geschäftemacher die schnelle Mark: Sie pachteten Häuser und zerstörten mit Pilsstuben, Frittenbuden, Bars und lauten Discos die Idylle. Oft wurden dabei Treppen in den meist jahrhundertealten Häusern herausgerissen, um Platz zu schaffen, und die oberen Etagen blieben leer. Dem Verfall wurden Tür und Tor geöffnet. Weithin sichtbar wurde dieser erst in den l990ern, als die Zahl der im Rhein-Main-Gebiet stationierten US-Soldaten drastisch zurückging. Viele von ihnen hatten zwar gelegentlich für Randale, aber immer auch für Umsatz gesorgt.

Der gammelige Gesamteindruck des einstigen Vorzeige-Viertels kann schon lange nicht mehr mithalten kann mit den Vergnügungsecken anderer Metropolen, wie dem Hofbräuhaus in München, der Kölner Altstadt oder der Reeperbahn in Hamburg. Die Stadt Frankfurt ist aber zuversichtlich, dies ändern zu können. Mit dem 2001 aufgelegten  „Förderprogramm  Alt-Sachsenhausen“ in Gesamthöhe von etwa 15 Millionen Euro sollen häßliche Baulücken, ungepflegte Fassaden und verwahrloste Höfe beseitigt und somit auch die Besucherstruktur verändert werden.

Der besondere Charme müsse wiederauferstehen, wie Ingenieurin Ursula Brünner von der Abteilung Stadterneuerung im Stadtplanungsamt  sagt. „Von den rund 140 Liegenschafen im Kern des Viertels sind 30 bereits renoviert“. Es gehe auch darum, den Um- und Neubau von Wohnungen sowie die Umwandlung  bisheriger Gaststätten in Läden oder kleine Büros zu fördern. „Ziel ist eine Durchmischung des Viertels und damit eine Belebung auch unter der Woche und tagsüber“.  Die Einseitigkeit soll weg. Der Stadt sind die etwa 80 Lokale im Kern und insgesamt mehr als 130 in nächster Umgebung zu viel. Noch bis 2008 werden jedes Jahr rund zwei Millionen Euro in die Sanierung des Viertels gesteckt. Der Großteil davon ist für Eigentümer gedacht, die Ihr Haus verschönern wollen. Jede Sanierung bekommt maximal 20 Prozent Zuschuß. Wer seine Fassade nach einem von der Stadt herausgegebenen  Farbleitplan  streichen läßt, kann mit zusätzlichem Geld rechnen. Der Rest ist für öffentliche Wege und Plätze vorgesehen. Ein Vorhaben darunter: Demnächst sollen Poller mit bronzefarbenen Äpfeln als Krönung aufgestellt werden.

 

Im Dezember 2005 luden 14 Lokale und Geschäfte zu einem vorweihnachtlichen Ereignis ein.

Unter dem Motto „2. Advent in Alt-Sachsenhausen“ boten sie in ihren Gaststuben weihnachtliche Leckereien wie Gänsebraten, Christstollen und gefüllte Bratäpfel an. Es gab einen Tannenbaumverkauf und die Möglichkeit, Weihnachtsschmuck und handgefertigte Krippen zu erwerben. Die Idee hinter der Aktion ist, zu zeigen, daß sich viel in Alt-Sachsenhausen getan und verändert hat. „Es ist uns wichtig, das Viertel mit Flair und Charme zu füllen“, sagt Thorsten Dorn, Eigentümer des „Lorsbacher Tal“ und Vorsitzender des Gewerbevereins Alt-Sachsenhausen. „Die Besucher sollen wissen, daß man hier gemütlich essen und seinen Schoppen trinken kann.“

Erste Schritte zur Belebung des Viertels wurden bereits gemacht: So gab es im September einen Apfelmarkt auf dem Paradiesplatz. Zwar war die Resonanz auf die aktuelle Adventsaktion zurückhaltend, da nur wenige Besucher wegen dieser Veranstaltung nach Alt-Sachsen­hausen gekommen waren. Christel Hofmann von der Äpplergalerie zieht jedoch ein positives Fazit: „Ich sehe es als einen weiteren Schritt dahin, das Viertel zu präsentieren und auf uns aufmerksam zu machen.” Nur so könne man feststellen, wie solche Aktionen ankommen und was man beim nächsten Mal beachten und anders machen müsse.

Als Mitorganisatorin der Adventsaktion hatte sie auf der Straße vor ihrem Laden einen Tannenbaumverkauf organisiert: Nordmanntannen aus dem Spessart. „Sie sind frisch geschlagen”, erklärt Kurt Schmidbaur, der Verkäufer, der hierfür aus Maintal gekommen war. Ebenso wir Georg Hruschka, der in der Äpplergalerie seine handgefertigten Krippen präsentierte, für die sich auch Ingrid Shah begeistert.

„Die Figuren wirken sehr natürlich und lebendig.” Schnell hat sie sich für eines der Stücke entschieden. Sie lebt seit 1950 in der Klappergasse und begrüßt die Adventsaktion sehr: Ich habe die Entwicklung dieses Viertels in den vergangenen fünf Jahrzehnten miterlebt und würde mir wünschen, daß hier wieder ein bißchen mehr Leben – im positiven Sinn – einzieht."

Solche Aktionen, wie die zum 2. Advent, könnten einen Beitrag dazu leisten. „Für das kommende Jahr überlegen wir, hier im Viertel monatlich einen qualitativ hochwertigen Themenmarkt zu organisieren”, erzählt Thorsten Dom. Dazu gehöre dann auch ein Weihnachtsmarkt im Dezember 2006. Hierfür bedürfe es jedoch noch einiger Gespräche, um organisatorische Fragen zu klären. „Für die Durchführung solcher Aktionen sind wir zur Zeit auch auf der Suche nach einer kreativen Agentur, die sich langfristig um die Organisation solcher Märkte kümmert.”           

 

Im Jahre 2006 mußte sich Alt-Sachsenhausen wappnet sich für die WM wappnen. Heinz Becker klappert in der Großen Rittergasse in Alt-Sachsenhausen ein Lokal nach dem anderen ab. Der Frankfurter Polizeihauptkommissar bereitet die Wirte des Vergnügungsviertels auf einen Ansturm von Fußball-Fans während der WM und den Umgang mit Aggressionen vor. Die Inhaber der rund 250 Gaststätten in und um das Quartier, das seine Hochzeit längst hinter sich hat und um neuen Glanz ringt, sehen dem Großereignis mit gemischten Gefühlen entgegen: Viele fürchten betrunkene Randalierer, hoffen aber auch auf ein kräftiges Umsatzplus.

Einige Kneipiers würden aus Angst vor gewalttätigen Fußball-Fans ihre Läden am liebsten vernageln - zumindest wenn England an diesem Samstag gegen Paraguay spielt und bis zu

40.000 englische Fans erwartet werden. Die Inhaber der großen Apfelweinkneipen „Gemaltes Haus” und „Wagner” beschäftigen während der WM nach eigenen Angaben zur Vorsicht zusätzliche Security-Kräfte. Wilhelm Dauth, der seit 19 Jahren inmitten von Alt-Sachsenhausen Apfelwein ausschenkt, fürchtet keine aggressiven Fußballfans. „Das Gewaltpotential ist höher, wo viel Bier getrunken wird.”

Imbiß-Besitzer Mohamed Koubaa dagegen ist „froh, wenn die WM vorbei ist und friedlich war”. Die Bemühungen von Becker und seinen Leuten vom 8. Revier beruhigen ihn. „Die Polizei ist hier auch sonst immer präsent, ohne die könnten wir zu machen.” Becker informiert die Wirte über eine eigens für das Viertel zur WM geschaltete Hotline. Unter der Telefonnummer können sie die Polizei rund um die Uhr erreichen, „wenn bei den Gästen die Stimmung zu kippen droht oder aggressiv wird, oder Sie Verabredungen von Schlägereien oder Straftaten mithören”. Becker notiert sich auch die Handynummern der Gastronomie, um sie in brenzligen Situationen per SMS zu informieren. Um zu verhindern, daß während der viereinhalb WM-Wochen Streitereien ausarten, sollten die Lokal-Besitzer draußen nur Plastikgeschirr verwenden, notfalls ihren Sommergarten sofort abbauen sowie aggressiven Trunkenbolden keine Alkohol mehr ausschenken.

Becker erinnerte die Gaststätteninhaber auch daran, auf herrenlose Gepäckstücke zu achten und übergibt ihnen eine „Helfer-Card“ mit elf Regeln. Die sollen dazu beitragen, „daß der Täter bei Gewalt sieht, daß sich das Umfeld dafür interessiert, was da passiert und eingreift!“

Der Leiter der Polizeidirektion Frankfurt Süd, Jürgen Moog, stellt fest: „Wir haben noch nie so viel getan!“ So würden deutlich mehr Beamte in Uniform als auch in Zivil eingesetzt als normalerweise. Zahlen will er aber nicht nennen. Die „Präsenzkräfte“, die auf die Brennpunkte im Viertel verteilt werden, Englisch sprechen, aber auch Leute und Lokale kennen, seinen angewiesen, „freundlich, zuvorkommend und unterstützend zu sein“.

Auch die Briten unternähmen viel, um sich gut darzustellen, lobt Moog. So reist eine Delegation von 40 Bobbys und eine nicht genannte Zahl spezialisierter Kriminalpolizisten mit der Mannschaft mit. Außerdem hätten die Engländer „Fanguides“ anrücken lassen, die voll guter Tips und Appelle für eine friedliche WM seien. „Wenn man Service bietet und unterstützt, vermeidet man Aggressionen.”

Mit gemischten Gefühlen sieht Ortsvorsteher Hans-Günter Jonas der WM entgegen. „Die Bürgerschaft ist etwas unruhig über dieses zusätzliche Leben am Main”, berichtet der CDU-Politiker und meint die Riesenleinwand auf dem Fluß. Bis zu 22.000 Menschen können von beiden Ufern aus darauf die WM-Begegnungen verfolgen, viele dürften anschließend nach Alt-Sachsenhausen ziehen. „Die Wirte warten aber auch ganz wesentlich auf so eine Situation, nach dem Besucherschwund in den letzten Jahren.”

Der Umsatzrückgang setzte mit dem Abzug der US-Soldaten aus Frankfurt in den 90er Jahren ein, die Gemütlichkeit des Apfelwein-Ausgehviertels, das in den 70er Jahren seine Blütezeit hatte, war da aber schon dahin. Seit fünf Jahren versucht die Stadt das berühmte Viertel wieder aufzuwerten. Das mit 15 Millionen Euro ausgestalte Förderprogramm läuft 2008 aus. „Die WM ist für uns vorübergehend”, sagt der stellvertretende Leiter des Stadtplanungsamts, Dierk Hausmann.

Auf drei- bis viermal so viel Umsatz wie normalerweise hofft Shimama Solaimankhel von der Gaststätte „Claudia's” in der Großen Rittergasse. „Wir haben lange auf mehr Umsatz gewartet”, berichtet die Inhaberin des Lokals mit deutscher und internationaler Küche. „Wenn das nichts wird, gehen wir eben mit feiern.” Koubaa vom „Imbiss Momo” rechnet ebenfalls mit mehr Kunden und Umsatz, wagt aber keine Prognose. Der Inhaber der Apfelweinwirtschaft „Dauth's Hinnerkopp”, ist nicht so optimistisch: „Es gibt so viele Veranstaltungen in der Stadt, was da für Alt-Sachsenhausen abfällt, müssen wir abwarten.”

 

Kulturelle Schmuckstücke sollen 2012 dem abgewirtschafteten Frankfurter Apfelweinviertel Alt-Sachsenhausen neuen Glanz bringen. Der vor rund einem Jahr als Museum wiedereröffnete Kuhhirtenturm, in dem einst der in Hanau geborene Musiker Paul Hindemith lebte, bekommt noch einen neuen Vorplatz und soll nachts angestrahlt werden. Weitere Straßen-Sanierungen sind geplant. Neben dem Kuhhirtenturm setzt die Stadt dabei auf den Paradieshof - ein festes Theater für Michael Quasts „Fliegende Volksbühne“. Und das Theater am Paradiesplatz soll ab Frühjahr/Sommer 2014 anstelle eines alten Tanzlokals rund 300 Plätze, Gastronomie und einen mehrfach nutzbaren Raum bieten. Von einer „neuen Form der Volksbühne, die es so bislang in Deutschland nicht gibt“, schwärmte Semmelroth. Quast verbinde Volkstheater mit Satire, Kabarett und aktuellen Bezügen.

An der Erneuerung des Ausgeh-Viertels, das in den 70er Jahren seine Blütezeit hatte, arbeitet die Stadt seit rund 20 Jahren. „Es wird für private Investoren zunehmend interessant“, sagte Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) gestern bei der Vorstellung des Privattheaters.

„Ein Innenstadtquartier mit großer Tradition und großer Geschichte, das aber nicht mehr den Reiz ausübt, den es mal hatte und verdiente“, beschrieb Kulturdezernent Felix Semmelroth

(CDU) das Viertel. Der Umsatzrückgang setzte mit dem Abzug der US-Soldaten aus Frankfurt in den 90er Jahren  ein, die Gemütlichkeit war da aber schon Geschichte.

Der Stadt schwebt für Alt-Sachsenhausen neben der Kultur eine Mischung aus Läden, Dienstleistungen, Ateliers, Büros und Gewerbe vor. Mit rund drei Millionen Euro seien in den vergangenen zehn Jahren private Eigentümer bei der Modernisierung ihrer Häuser unterstützt worden, sagte Schwarz. Etwa 70 Gebäude mit mehr als 300 Wohnungen wurden saniert, und sieben Neubauten mit etwa 45 Wohnungen errichtet. Ungefähr 1,8 Millionen Euro flossen in die Umgestaltung von Gehwegen, Plätzen und Straßen, darunter die Highlights der Ebbelwei-Kultur:  Klappergasse, Große und Kleine Rittergasse. Mit rund 300.000 Euro wurden acht der neun Brunnen erneuert, auch sie ein Markenzeichen des Viertels.

 

Sachsenhäuser Brunnenkönigin:

„Seht wie ich sie taufe, ohne mich gäb’s nichts zu saufe“, sprach Brunnenschultheiß Walter Blohm im August 2001, um sogleich den Zunftbrunnen am Affentorplatz mit einem Glas Apfelwein zu Übergießen, den Brunnen zu „weihen“, wie es Blohm nannte. Angeführt vom Ortsdiener und dem Nachtwächter in historischen Gewändern begab sich die Brunnen‑ und Kerbegesellschaft 1953 Sachsenhausen am Samstag auf die traditionelle Brunnenfahrt, Höhepunkt des 511. Sachsenhäuser Brunnenfestes.

Die gekrönten und gewählten Häupter, Brunnenkönigin Annegret I., Bürgermeister Achim Vandreike (SPD) und Brunnenschultheiß Walter Blohm, machten es sich in der Pferdekutsche bequem. Zu Fuß folgten dem Zug durch die in Blau‑Gelb, den Wappenfarben der Sachsenhäuser Ritter, geschmückten Altstadtgassen, die kostümierte Biedermeiergruppe der Brunnen- und Kerbegesellschaft sowie rund 100 Festgäste.

Ob am bereits 1450 erbauten Hirschbrunnen in der Großen Rittergasse, dem Fraa‑Rauscher‑ Brunnen in der Klappergaß oder dem 1958 wieder aufgestellten Affenbrunnen: An jeder Station hieß es nach einem gereimten Loblied auf den jeweiligen Wasserspender: „Und jetzt weihe ich dich mit Apfelwein“. Zum Abschluß der Tour versprach Schultheiß Walter Blohm Kraft seines Amtes „wachsam zu sein, daß unsere Brunnen werden geehrt, daß niemand sie schließt oder verschüttet.“

Aus der bürgerlichen Angelika Degenhardt wird Königin Angelika I. Die 31‑Jährige aus Sachsenhausen wird am kommenden Freitag, 16. August 2002, zur Brunnenkönigin gekürt. Sie löst ihre Vorgängerin Annegret I. ab und wird ein Jahr lang amtieren. Die Krönung bildet den Auftakt des Sachsenhäuser Brunnenfests. Die Brunnen- und Kerbegesellschaft stellte die künftige Regentin am gestrigen Freitag der Öffentlichkeit vor.

Angelika I. wird das erste Mitglied in der knapp 50jährigen Geschichte der Brunnen‑ und Kerbegesellschaft sein, das ihr Haupt mit der Krone schmücken darf. Das verwundert wenig, schließlich dürfen Frauen dem Verein erst seit vier Jahren beitreten. Mit Angelika konnte die Brunnen‑ und Kerbegesellschaft ein waschechtes „Sachsehäuser Mädsche“ verpflichten, die seit Mitte der siebziger Jahre regelmäßig die Brunnenfeste besucht. „In meinen Adern fließen Mainwasser und Ebbelwei“, sagte die künftige Königin. Zur Zeit lebt Angelika gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem vierjährigen Sohn Cedric‑Norman in Gravenbruch.

 

Der „Klaane Sachsehäuser“:

Sieben auf einen Streich waren es zwar nicht. Doch ganze zwei Hasen, mit einer einzigen Ladung Schrot erlegt, sind doch schließlich auch was. Wer diesen kapitalen Schuß getan hätte, wollte der Jagdherr wissen. Die Antwort hieß: „De klaane Sachsehäuser“. Ein großer Name war geboren. Und als dann der „Klaane“ 1866 eine Wirtschaft in Sachsenhausen eröffnete, lag der Name, der an den Blattschuß erinnerte, nahe. Noch heute steht er über einem bilderbuchartigen Anwesen, das angesichts der trostlosen Bumskneipen Alt‑Sachsenhausens noch viel gastlicher wirkt. Und davon kündet, wie schön das alte Viertel eigentlich sein könnte. Durch einen großen Hof geht es hinein ins Reich des Sachsenhäusers. Eine riesige Platane und Markisen halten den hiesigen Sommer ab.

Stiefmütterchen, in Reih und Glied, künden von Frühling. Schließlich ist der amtierende „Klaane Sachsenhäuser“ der dritten Generation gelernter Metzger, aber auch engagierter Hobby‑Gärtner. Das Kollegzimmer ist sehenswert, auch wegen der Originale des Malers Salini, des „Zille von Frankfurt“. Die eigentliche Gaststube ist ein heimelig honigfarbiger Raum, der einen förmlich einlullt. Ein freundlicher Kellner nimmt die Garderobe ab, sichert die Erstversorgung mit Schoppen. Nix stoffelige, ruppige Apfelwein‑Kellner. Im Klaane Sachsehäuser ist halt vieles ein bißchen anders.

Hier läßt jeder den coolen Großstädter vor der Tür und geht auf in der Gästeschar aller Alters‑, Gewichts‑ und sonstigen Kassen. Frühe Gäste sitzen an der Wand und nehmen sich automatisch ein Sitzkissen vom Stapel. Zwischen 19 und 22 Uhr sind dann auch die lehnen­freien Bänke in der Mitte knüllevoll. Jeden Tag.

In den Siebzigern dürfte die letzte Renovierungsrunde übers Lokal gekommen sein. Eine schmiedeeiserne Wanduhr erinnert daran. Ansonsten heißt die Devise: Auffrischen, aber Tradition bewahren. Die robusten Messer mit Plastikgriff bekämen zwar auch das zäheste Fleisch klein. Das ist aber hier kein Thema, denn die Ebbelwei-Cuisine von hausgemachten Würsten bis Tafelspitz, Solber & Co. ‑ ist so tadellos wie der Schoppen im Gerippten mit vorbildlich‑originalen 0,3 Liter Inhalt zu 1,40 Euro. Leeres Glas, bedeutet sofort neuer Schoppen. Auch „tief gespritzten“ serviert der nette Kellner mit dem kecken Ohrring ohne Murren. Bier hingegen gibt es noch nicht mal in Flaschen. Recht so, wo sich der Wirt so viel Mühe gibt, ein rundes, goldfarbenes Stöffche zu keltern.

So kurz der „Klaane“ Namensgeber gewesen sein mag, so lang ist die Speisekarte heute. Denn auch wenn die Küche „eigentlich“ schon kalt bleibt, gibt es noch Rippchen und Handkäs mit und ohne. Angerichtet wird alles, was ein Frankfurter Apfelweinlokal kulinarisch hergibt, in Portionstellern mit drei Fächern, die mancher noch aus vergangenen Kantinentagen her kennen mag: Je ein Fach für Fleisch und Beilagen. Außen kross, innen mürb überzeugt das panierte Schweinskotelette mit Bratkartoffeln und Salat (8,60). Zum gut durchwachsenen Schweinebauch (6,90) gibt's Sauerkraut und buttriges (Tüten‑)Püree. Die Bratkartoffeln sind zwar nur auf einer Seite knusprig gebraten, schmecken aber auch „einseitig“. Nicht zu vergessen, das Jägerschnitzel. Bei dieser Familiengeschichte ein echtes Muß. Klaane Sachsehäuser, Neuer Wall 11, Telefon 61 59 83, geöffnet Montag bis Samstag von 16 bis 24 Uhr.

 

„Zur Buchscheer“.

Im Süden Sachsenhausens liegt die Apfelweinwirtschaft „Zur Buchscheer“. Als Adam Theobald 1876 seine Geschäftsidee verwirklichte und südlich von Frankfurt in der Gemarkung Buchscheer ein Lokal mit eigener Apfelweinkelterei eröffnete, hatte er als Kundschaft keineswegs die Städter im Sinn. Vor 125 Jahren waren es nicht die Ausflügler, die sich auf den Weg machten, um in die Buchscheer einzukehren. Felder, Wälder und Wiesen umrahmten damals die Gastwirtschaft. Feld- und Waldarbeiter gehörten zu den Besuchern. Auch die in der nahe gelegenen Pferdewechselstation rastenden Kutscher tranken dort ihren Ebbelwei. Angeblich soll sogar Napoleon dort die Pferde gewechselt haben. Christian und Robert Theobald bewirten in fünfter Generation das Lokal.

Die Bezeichnung „Buchscheer“ leitet sich ab aus Buche und „Scheer“, auf Mittelhochdeutsch „Mäh- und Weideland“. Gewiß hat sich vieles verändert seit der Gründung der Kelterei und Apfelweinwirtschaft „Zur Buchscheer“. Es wurde um und angebaut. Und nachdem eine Brandbombe 1944 das Gebäude bis auf die Grundmauern zerstöre, eröffnete das Lokal mit der postalischen Adresse Schwarzsteinkautweg 17 erst wieder 1955 die Türen. An die Maxime, ausschließlich Selbstgekelterten zu servieren, halten sich die Nachfahren von Adam Theobald. Etliche Zigtausend Liter Wein lagern im Gewölbekeller und in Kühlräumen hinter dem Lokal in Sachsenhausen.

 

Bornheim:

Die bekanntesten Apfelwein-Viertel sind Sachsenhausen und Bornheim. Ende Juni 1999 starb aber Otto Rumeleit, langjähriger Vorsitzender der Hotel- und Gaststättenvereinigung Frankfurt, Chef der traditionsreichen Bornheimer Eulenburg im Alter von 85 Jahren. Rumeleit, ein streitbarer Mann, zuletzt von schwerer Diabetes gezeichnet, war mit Herz und Seele Gastronom, der sich nicht nur um die Belange der Gastronomen - und hier speziell der Ebbelwei­wirte - kümmerte, sondern auch gegen die seiner Ansicht nach ungerechte Getränkesteuer kämpfte.

Zusammen mit seiner Frau Rosel, die ihm auch in beruflichen Fragen hilfreich zur Seite stand, führte er seine nicht nur bei jungen Leuten beliebte Ebbelweiwirtschaft im „lustigen Dorf“, seit 1852 in Familienbesitz. durch Höhen und Tiefen. In den letzten Jahren allerdings zusammen mit Tochter Margret und Schwiegersohn Dirk sowie dem Enkel Christoph, der in der Küche wirkt. Als Vorsitzender der selbstkelternden Ebbelweiwirte, eine Aufgabe, die er über 25 Jahre mit Verve bewältigte, gründete er auch das „Äpfelweinmuseum“ im Historischen -Museum „Historix“ mit und steuerte zahlreiche Ausstellungsobjekte bei. Er war stets kompetenter Ansprechpartner für Journalisten, der über die Geschichte des „Stöffche“ stundenlang plaudern konnte. Das neudeutsche Wort „Ebbler“ kam ihm nie in den Mund, so wenig wie der „Sieß­gespritz­te“, den Rumeleit verachtete und in seinem Lokal gar nicht erst ausschenkte: „Der gehört aus der Stadt verwiese“, sagte er einmal.

Im Jahre 1967 wurde er zweiter Vorsitzender der Abteilung Schankbetriebe im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Bonn, wobei er über zwei Jahrzehnte lang Mitglied im Steuerausschuß war. Er war auch an der Erstellung der Bausatzung für Alt-Sachsenhausen beteiligt und außerdem maßgebend an der Gestaltung der Vorschriften zur Nutzung von Sommergärten. Rumeleit gründete eine Kasse für in Not geratene Angehörige des Schankgewerbes. In Kreisen der Karnevalisten, und hier speziell der „Laterncher“ war er gern gesehener Gast, wobei er früher auch im Elferrat die Sitzungen der Wirte auf der Bühne mitgestaltete.

 

Apfelweinwirte in Bornheim:

 „Zur Eulenburg“, Eulengasse 46, Mittwoch bis Sonntag ab 16 Uhr, Montag und Dienstag Ruhetag. Im ältesten Teil der Wirtschaft „Eulenburg“ haben die Jahrzehnte an Holztäfelung und Wänden ihre Spuren hinterlassen haben. Echte Bernemer sitzen neben Eigeplackten, dicht an dicht. Alteingesessene sagen, bei der „Sonne“ und beim „Solzer“ wären mehr junge Leute, da müßte man unbedingt noch hin. Draußen kann man den Brezelmann treffen. Sein Korb ist leer, alles verkauft.

„Zur Sonne“, Bergerstraße 312, Sonn- und feiertags 15 bis 23 Uhr, täglich 16 bis 23 Uhr.

Die „Sonne“ liegt direkt neben dem barocken Fachwerk-Rathaus Bornheims aus der Zeit vor der Eingemeindung im Jahr 1877. Über den Hof geht es hinein ins Fachwerkhaus, einst eine der vielen Heckenwirtschaften. Urgemütlich ist es: Im Gastraum neben der Theke ein grüner Kachelofen, die Wände voller Zeichnungen und Gemälden Frankfurter Künstler, auf Regalen unter der niedrigen Decke Bembel über Bembel. Sofort fällt uns auf:  Außer Apfelwein wird Bier gezapft - ein Stilbruch.

Apfelwein Solzer, Bergerstraße 260, Montag bis Samstag ab 16 Uhr, Sonntag Ruhetag.

Echter als bei „Solzer“ geht es nicht: die Wände halbhoch mit Holz getäfelt, darüber eine lange Hakenleiste, alte Fotos, ein paar Gemälde - alles mit ordentlich Patina. Der Kanonenofen steht noch da, allerdings außer Betrieb.

„Zum Blauen Bock“, Saalburgstraße 36, Dienstag bis Freitag ab 16 Uhr, Samstag/Sonntag ab 17 Uhr, Montag Ruhetag.

 

Bergen-Enkheim:

Streuobstwiesen:

Im Mai 2000 wurde auf Initiative des Obst- und Gartenbauvereins ein Streuobstwiesenschild gegenüber der Berger Warte enthüllt werden. Doch es kamen erstaunlicherweise zahlreiche Interessenten nicht nur aus Frankfurts schönstem Stadtteil, sondern auch aus Maintal und der weiteren Umgebung. Die feierliche Zeremonie am Berger Hang leiteten die Bergen-Enkheimer Blechbläser musikalisch ein. Dann ergriff Barbara Fiselius das Wort. In ihrer Rede erinnerte sie daran, daß die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz vor über 15 Jahren in Maintal und wenig später in Bergen-Enkheim aufrief, den Wert und die Bedeutung der Streuobstwiesen deutlich zu machen. Die Notwendigkeit war damals nur bei wenigen bekannt.

Doch das ist heute anders geworden. Mit Hilfe von Sponsoren verstärkte sich in den letzten Jahren das Engagement für die Streuobstwiesen immer mehr. Deshalb bedankte sich Barbara Fiselius vom Landschaftspflegeverband namentlich bei der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und bei der Flughafen AG für die finanzielle Unterstützung. Ohne diese Anschubfinanzierungen der beiden Partner, und ohne das Engagement der Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, so unterstrich anschließend auch Gerhard Weinrich, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Bergen-Enkheim, wären die heutigen Ergebnisse nicht erreichbar gewesen. Der Obst- und Gartenbauverein führte zahlreiche Gespräche mit den Grundstückseigentümern. Viele von ihnen erklärten, daß es ihnen egal sei, was da am Berger Hang geschehe, manche wüßten nicht einmal, wo ihr Grundstück liegt. So wurden inzwischen 3.500 Bäume auf den Streuobstwiesen am Berger Hang geschnitten und Verträge über die Unternutzung abgeschlossen. Auch viele junge Bäume gesetzt, die es jetzt gilt, weiter zu pflegen.

Um die Öffentlichkeit weiter für das Thema Streuobstwiesen zu sensibilisieren, stellte jetzt der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig und der Obst- und Gartenbauverein zwei große Hinweisschilder auf, die die Ökologie der Streuobstwiesen erläutern und auf die notwendigen Aktivitäten hinweisen. Das erste Schild steht in der Gemarkung von Hochstadt, das zweite nun wurde am Samstag hinter dem Parkplatz gegenüber der Berger Warte enthüllt. Welch wertvolle Kulturlandschaft die Streuobstwiesen darstellen, unterstrich bei dieser Veranstaltung auch Dr. Christof Schenck von der Zoologischen Gesellschaft. Gerade das Gebiet um Bergen-Enkheim und Maintal gehört mit 240 Hektar zum größten zusammenhängenden Streuobstwiesengebiet in Hessen. Neben Apfel-, Zwetschgen-, Kirsch- und Birnbäumen stehen hier noch eine ganze Reihe von Speierlings- und Mispelbäumen, zwei sehr selten gewordene Baumarten.

Zuguterletzt erzählte in humorvoller An und Weise Karl Heinz Stier, der bekannte Moderator des Hessischen Rundfunks, wie gesund Äpfel sind und was man alles damit machen kann. Dann lud Gerhard Weinrich die Besucher ein, auf einem Ackerwagen Platz zu nehmen und sich ein Stück über den Berger Hang kutschieren zu lassen. An einem ausgesuchten Rastplatz gab es noch aus heimischen Äpfeln hergestellten Apfelwein, Wurst und Brot. Und dies alles verdanken wir der Natur.

Wer am ersten Mittwoch im Monat abends an der Krähhütt, einer Jagdhütte mitten in den Streuobstwiesen, vorbeikommt, der kann heimlich lauschen, wie die Jagdpächter ihr Halali auf dem Jagdhorn proben. Empfehlenswert ist auch der Lehrpfad Streuobstwiesen am Bergen-Enkheimer Fritz-Schubert-Ring.

 

Museum:

Im Museum in Bergen wurde schon 1979 eine volkskundliche Abteilung des Heimatmuseums im Keller des alten Rathauses eröffnet. Seit zwei Jahrzehnten hatte sich die Arbeitsgemeinschaft Heimatmuseum Bergen-Enkheim e. V. bemüht. Werkzeuge und Geräte aus alter Zeit zu sammeln und zu erhalten. Der geräumige Weinkeller des alten Rathauses aus der Zeit um 1300, der schließlich von 1934 an als Heizungskeller und während des Krieges teilweise auch als Luftschutzraum benutzt wurde, konnte in mehrjähriger Arbeit zu einem volkskundlichen Museum ausgebaut werden. An vielen, kaum noch bekannten Geräten kann man dort die soziale Umschichtung und die Änderungen bei den Erwerbsmöglichkeiten der Einwohner Bergen-Enkheims erkennen.

Vier Abteilungen sind entstanden: „Tausend Jahre Weinbau am Berger Hang“, „Vierhundert Jahre Ebbelwei aus Bergen und Enkheim“, „Als Bergen-Enkheim noch ein Bauerndorf war“ und „Vom Lein zum Leinen“ (Die Flachsverarbeitung).

Wenn man die letzte Stufe der Kellertreppe verlassen hat, sieht man gleich links ein großes Weinfaß mit einem Fassungsvermögen von 1.200 Litern. Aufgesetzt ist eine alte Weinpumpe mit Lederbalg. Darüber hängt ein Spritzgerät zur Schädlingsvernichtung. Eine Vitrine birgt das kostbare „Vollständige Gewand- und Laagerbuch über die Weinberge in Bergen“ aus dem Jahre 1724, in dem 596 Morgen Weinberge verzeichnet sind. Auch die zahlreichen Erbteilungen und Besitzerwechsel sind dort eingetragen. Steuerbescheide an die Winzer und Aufstellungen der 37 am Berger Hang angebauten Weinsorten liegen daneben. Ein altes Weinglas mit schwacher Riffelung steht dort im Vergleich zu den späteren Apfelweingläsern.

Eine weitere Vitrine enthält allerlei Kleingerät aus der Weinbergzeit, darunter zwei Klappern zur Schadvogelbekämpfung; eine trägt deutlich sichtbar die Jahreszahl „1777“. Rebmesser, Haumesser und Rebscheren vervollständigen diese Sammlung. An der Wand hängen drei Butten zum Herabtragen der geernteten Trauben. Daneben sieht man zwei Stöcke mit Querhölzern zum Abstützen der schweren Butten. Man nannte sie „Reul“. Nach den eingeschnittenen Jahreszahlen sind sie älter als 200 Jahre.

An große Handbohrer erinnern die beiden „Geißfüße“. Die Winzer benutzten sie einst, um bewurzelte Rebstücke in Pflanzlöcher zu schieben, die man mit Eisenstäben in den harten Kalkboden geschlagen hatte.

An einem Rebpfahl ist ein grünender Weinstock mit Baststreifen und gespaltenen Weidenzweigen befestigt, Ein moselanischer Winzermeister hat die tragenden Reben in der Originalform zu zwei kunstvollen Bögen angebunden.

Die beiden bäuerlichen Keltern aus Bergen und aus Enkheim stammen aus den Jahren 1860 und 1870. Interessant sind die ganz unterschiedlich eingebauten Spindeln und ein eingepaßtes Sieb aus Eichenholz. Unter den Ausflüssen der Keltern stehen dreiseitige „Trichter“ aus Holz, die man mit einem Stopfen verschließen konnte. Dort sammelte sich der Traubensaft, wenn die vierkantigen Preßbalken die Maische nach unten drückten. Eine gewaltige Kelter mit einem Fassungsvermögen von einem Fuder (1.000 Liter) aus der Zeit zwischen 1900 und 1910, später modernisiert mit einem Glycerin-Druckwerk, schließt die Abteilung „Tausend Jahre Weinbau“ ab.

Im Museumskeller sind drei Apfelmühlen ausgestellt, von denen eine mit Steinwalzen, die beiden anderen aber mit gußeisernen Preßwalzen ausgerüstet sind. Daneben stehen drei Apfelweinkeltern mit funktionsfähigem Druckwerk; eine Kelter hat noch einen ungefügen Holzuntersatz aus der Zeit vor 1900. Darüber hängt ein durchlöchertes Brett oder „Bord“ mit Spunden und Hähnen. Ein geflochtener Korb zur Aufnahme von Kleingerät, eine Kapselmaschine und drei kleine Keltern zur Herstellung von Beerenobstweinen runden diese Sammlung ab.

In einer Vitrine werden die „Oechslewaage“ zur Feststellung des Mostgewichtes, ein „Alkoholmeter“ und eine „Kitzinger Weinwaage“ gezeigt und erklärt. Daneben stehen Gärtrichter, Bembel und Gläser. Ein interessantes Stück ist ein gedrechselter Deckel für ein Apfelweinglas mit einer Porzellaneinlage. In der Mitte sieht man den doppelköpfigen Adler des Deutschen Bundes (1815 - 1866), dessen Herzstück die Farben schwarz-rot-gold trägt. Die Umschrift lautet: „Deutsches Schuetzenfest zu Frankfurt im Juli 1862“.

Auch die Leuchter mit Kerzen aus Bienenwachs wurden nicht vergessen. Sie zeigten dem Kellermeister durch ein Nachlassen der Leuchtkraft an, wenn der Kohlendioxydgehalt der Luft durch die Gärungsgase lebensbedrohend wurde.

An die segensreiche Tätigkeit des Obst- und Gartenbauvereins Enkheim 1899, der an der Entwicklung unseres Ortes zur bedeutendsten Obstbaugemeinde im alten Landkreise Hanau großen Anteil hatte, erinnern Diplome. Bilder und ein „Monos-Brikett-Heizofen“, als man in der „Erzeugungsschlacht“ vor dem Zweiten Weltkriege die Obstbaumblüten vor Nachtfrösten schützen wollte.

An der hinteren Stirnwand des Kellers ist der Prospekt (Vorderteil eines riesigen Apfelweinfasses) befestigt. Es hatte ein Fassungsvermögen von 2.200 Litern und war so groß, daß man es unterlegt nicht aus dem Keller einer hiesigen Kelterei herausbekommen hätte, und auch durch den recht ausladenden Kellerhals im Rathaus konnte man es nicht hindurchbringen. Ein Seihbeutel, eine Apfelweinpumpe und zwei Kopfstücke von Prunkfässern mit Schnitzereien runden diese Ausstellung ab.

An die kleinen Apfelweinwirtschaften erinnern zwei alte Bänke ohne Lehnen und ein dazu passender Tisch. auf dem ein eiserner „Faulenzer“ mit einem Bembel und ein Porzellangefäß mit gerillter Reibfläche für Schwefelhölzer befestigt sind. Dort kann also zu gegebener Zeit ein guter Schoppen in stilvoller Umgebung getrunken werden!

 

Schützenhof:

In Bergen-Enkheim und Umgebung existierten vor dem Krieg zwölf Apfelwein-Wirtschaften. Heute hält Wilhelm Bender Besitzer des „Schützenhofes“ die letzte Bastion, die früher oder später aber auch zu fallen droht. Bender: „Die Arbeit ist schwer und schmutzig. Die wenigsten jungen Leute wollen sich darauf einlassen.“ Da weiß man einmal nicht, wohin mit dem vielen Obst, ein anderes Mal nicht, woher man’s kriegen soll. Freilich - über eine Ernte wie im vergangenen Herbst, die an Kargheit alles in den letzten 25 Jahren Dagewesene untertraf, kann er heute nicht klagen. „Aber Probleme gibt es eben immer.“

Seit 1890 wird in der Gaststätte der Apfelmost selbst vergoren. Riesige Eichenfässer mit einem Fassungsvermögen von 1.200 und 2.400 Liter schmücken die dunklen Gewölbe. Während heute im industriellen Bereich fast ausschließlich Stahltanks genutzt werden, ist Bender auf seine traditionelle Arbeitsweise besonders stolz. Auch wenn die Pflege der Holzfässer ohne chemische Zusätze sehr aufwendig ist. zahle sich diese Form der Gärung geschmacklich aus, so Bender. „Früher konnten wir im Herbst 7.000 bis 8.000 Liter Most am Tag herstellen, heute werden diese Mengen nicht mehr an die Frau und den Mann gebracht“, trauerte der Gastwirt.

„Heute gibt es kaum noch Küfer. Wir keltern den Ebbelwei in über einhundert Jahre alten Eichenholzfässern. Ebbelwei ist empfindlicher als Wein, hat auch nur fünf bis sechs Prozent Alkohol. Die Säure macht ihn haltbar. Wir nehmen Obst aus Bergen-Enkheim und Oberhessen, weil wir in den Jahren schlechter Ernten mit Äpfeln vom Bodensee, aus Dänemark, Holland oder dem Alten Land keine guten Erfahrungen gemacht haben“. Der alte Fuchs Bender kennt die Kniffe: Der Speierling muß unreif, die Apfel müssen aber reif sein. Die Großkeltereien fangen zu früh an, der Vorgang ist nicht mehr natürlich.“  „Und Speierling, Mispel und Quitten nicht vergessen, die bringen erst den guten Geschmack“, meint der Schützenhof-Wirt. Dann wies er noch auf ein Problem hin, was ihm am Herzen liegt. „Man kann nicht nur Bäume am Berger Hang pflanzen, sondern man muß sie auch wässern und pflegen, sonst hat die Sache keinen Sinn!“

           

Apfelweinkönigin:

Der Frankfurter Stadtteil hat eine eigene Apfelweinkönigin. Die 26. Apfelweinkönigin Natalie I. fühlte sich nach ihrem ersten offiziellen Auftritt geschafft: Beim Sommernachtsfest des Kleingärtnervereins Bergen-Enkheim stellte sich die zukünftige Apfelweinkönigin der Öffentlichkeit vor. Am 2. September wird die 19jährige gekrönt. Über siebzig Auftritte stehen der Königin dann bevor, die mit bürgerlichem Namen Natalie Hofmann heißt. „Es war schon immer mein Traum, Apfelweinkönigin zu werden“, schwärmt das „echte Berjener Mädsche“. Sie muß den ehrenamtlichen Posten nun mit ihrer Lehre als Reiseverkehrskauffrau in Einklang bringen. „Mein Motto ist, den Apfelwein und die Produkte des Apfels in Frankfurt, Hessen und bundesweit würdig zu vertreten.“ Dafür macht die 26. Apfelweinkönigin bis zum September fleißig Sprechtraining und übt ihr Auftreten.

Zur 28. Bergen‑Enkheimer Apfelweinkönigin hat der Verkehrsverein im Jahre 2002 Sylvia Weil gekürt. Am 31. August 2002 wird die 38j-Jährige beim Berger Markt inthronisiert. Die Mutter von zwei Kindern (elf und 15 Jahre) darf sich dann Sylvia I. nennen. Sylvia Weil wurde im pfälzischen Freisach geboren und kam im Alter von zehn Jahren nach Frankfurt. Die gelernte Arzthelferin und jetzige Fachverkäuferin im Familienbetrieb ist tief im Bergen‑ Enkheimer Vereinsleben verwurzelt. So bekleidet sie das Amt des stellvertretenden Präsidenten des Elferrates im Karnevalverein 1899 Enkheim. Auf Sylvia I. warten von September an in ihrer einjährigen Regentschaft rund 100 Auftritte bei Festen, auf denen sie Frankfurt, den Stadtteil und das Traditionsgetränk Ebbelwei weit über das Rhein‑Main‑Gebiet hinaus repräsentiert.

 

Seckbach

Ebbelwei-Wirtschaften - die ältesten haben mehr als 200 Jahre auf dem Buckel wie der „Schwan“ in Frankfurt-Seckbach - verströmen einen besonderen urigen Charme. Das Innere eines solchen Lokals ist meist schlicht und robust und der Service schnell, denn die Kellner gehen mit einer mehrere Schoppen fassenden Stiege von Tisch zu Tisch. „Der Ton ist dabei zuweilen ein wenig rauh, zeugt aber von goldigen Herzen“, meint Willy Berger, einer der verbliebenen 76 selbstkelternden Apfelweinwirte“. Er  schwört darauf, daß man hier die Frankfurter Seele am besten kennenlernen kann.

 

Nieder-Erlenbach

Die Eltern von Andreas Schneider gründeten 1965 im Frankfurter Stadtrand-Stadtteil Nieder-Erlenbach einen Obsthof, den er 1994 auf Bio umstellte. Schneider keltert die Apfelweine

und kultiviert fast vergessene Apfelsorten mit Namen wie Verszeilen: Bohnapfel und Gewürzluike, Weiße Winterkalvill, Rote Stern- und Ananas-Renette. Er veredelt seine Erzeugnisse nicht nur mit dem traditionellen Speierling, der gerbstoffreichen Frucht des gleichnamigen Baumes aus der Familie der Rosengewächse, sondern auch mit dessen Verwandter, der Mispel, experimentiert mit Quitte, Birne und Akazienhonig. Er steht mit dem Refraktometer am Edelstahltank und mißt die Öchsle-Grade. Seine jährlich rund 50 Apfelweine benennt und beschreibt Schneider wie ein Winzer: Heuchelheimer Schneeapfel, 5,5 Volumenprozente, halbtrocken, duftig zart und fruchtig leicht. Goldparmäne „Alte Bäume“, 6,5 Prozent, fast trocken, nussig und mild. Der Flaschenpreis kann zweistellig werden.

Gut 200 Liter „Süßen“ hat Andreas Schneider im Jahr 2000 auf seinem ökologischen Obsthof in Nieder- Erlenbach gekeltert. Daß der leckere Saft in diesem Jahr schon zwei Wochen früher ins Glas kommt als sonst, liegt am vielen Regen, sagt der Apfelkenner. So konnten bereits die Sorten James Grieve, Summer Red, Geheimrat von Oldenburg und Alkmene zum Süßen verarbeitet werden. Anders als Saft nämlich wird dieser nicht erhitzt und behält deshalb fast alle gesunden Bestandteile. Noch bis Ende September - dem Ende der Saison - bietet die Familie Schneider den Süßen ihren Gästen an. Und wer es flüssig nicht mag, der kann im hofeigenen Laden natürlich auch in den süßen Apfel beißen               

 

Das Apfelblütenfest auf dem Obsthof Schneider am Steinberg in Nieder-Erlenbach fand 2001 nicht mehr statt. Die örtlichen Gegebenheiten ließen eine Durchführung des Festes bei enorm angestiegenen Besucherzahlen nicht mehr zu, wie Inhaber Andreas Schneider erklärte. Doch auch künftig kann man die Seele inmitten von Apfelbäumen baumeln lassen, auf Taunus und Frankfurter Skyline schauen und einen guten Schoppen trinken. Bis zu 30 verschiedene Apfelweine gibt es, ihren individuellen Geschmack erhalten sie durch Quitte, Mispel, Schlehe, Mostbirne, Champagner Bratbirne, Speierling. Die Zutaten entstammen kontrolliert biologischem Anbau, ebenso wie die Speisen. Auch auf der Getränkekarte: Früchtebowle, Apfelschaumweine, Edelobstbrände und hausgemachter Apfelsaft. Geöffnet ist die Schoppenwirtschaft am Wochenende und feiertags von 15 bis 22 Uhr. Der Hofladen ist werktags von 16 bis 18.30 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet, bis Dezember wochentags, 9 bis 12.30 Uhr und 15 bis 18.30 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr.

 

Hausherr Andreas Schneider fragt im Jahr 2002 neue Kanisterkunden zuerst nach den Vorlieben bei Wein. Prosecco‑Liebhabern etwa dürfte die leicht moussierende Sternrenette munden. Oder Apfel‑Perlwein wie der 1999er Boskoop mit Champagner Bratbirne. Für Freunde herberer Sorten füllt Schneider das pfandwerte Kanisterchen mit Schöppchen, in denen Mispel, Speierling, Eberesche oder auch Kastanienhonig das Aroma bereichern. Der Kanister schüttelt sich. Uns schmeckt es.

Ob sortenreine Edeläppler, im Barrique‑Eichenfässchen ausgebaut, oder der vergleichsweise Ordinäre (und günstigere) Hausschoppen: Ökologisch angebaut sind alle Äpfel auf dem jüngst mit einem Preis der Bundesregierung gekrönten Obsthof

Am Steinberg. Pestizide sind tabu, gedüngt wird mit Pferdemist, Pflanzengrün oder Kompost, zum Beispiel dem Trester aus der eigenen Kelterei. Gegen gefräßige Vögel und Nager haben sich Andreas und Tatjana Schneider Hilfe engagiert: Falken brüten unter dem Dach des Obsthofes, jagen von eigens aufgestellten Sitzstangen aus das lästige Kleinvieh. Das vergriffe sich ohne geflügelte Patrouille auch an den ebenfalls ökologischen Him‑, Stachel‑, Johannis‑ und Erdbeeren, die es während der Saison zum Selbstpflücken gibt. Die Erdbeeren werden in knapp zwei Wochen so weit sein; im Hofladen, der Kanister‑Pilgerstätte, sind sie bereits erhältlich, aber schnell nach Ladenöffnung vergriffen.

Unbegrenzt reicht in der Schoppenwirtschaft der flüssige Vorrat. Der Jungwein der Saison 2001 ist gerade so weit, daß er bei Proben auf den Tisch kommt. Dazu erzählt der Hausherr, was er anbaut, wie er keltert und warum bei Großkeltereien kein Speierling drin ist, wo Speierling draufsteht. Das gute Dutzend dazu gereichter Proben schmeckt denn auch durchweg so viel besser als die Massenware, daß man auf die keinen Bock mehr hat ‑ weder blau noch sonstwie. Apropos blau: Wer nach der Probe noch fahren muß, sollte darauf achten, daß nur der Kanister voll ist, nicht der Kanisterträger.

Obsthof Am Steinberg, Am Steinberg 24, 60437 Frankfurt-Nieder‑Erlenbach. An vielen Wochenenden und Feiertagen sind Kunsthandwerker und Musikgruppen zu Gast, das nächste Mal an Fronleichnam, 30. Mai, zum Kindertag mit Wolle und Klezmermusik. Apfelweinproben lassen sich unter Telefon 06101/41522 organisieren.

 

Sossenheim:

Heinz-Ludwig Beckmann muß es wissen. Vor nunmehr 43 Jahren ist er in den gastronomischen Betrieb des Schwiegervaters eingestiegen. Jahr um Jahr hat er mehr über die Kunst der Apfelwein-Kelterei gelernt. „Des geht net so von heut’ auf morje.“ Schon gar nicht, wenn man den Anspruch hat, ein Naturprodukt zu erzeugen. Er ist einer der wenigen Frankfurter Apfelwein-Wirte in Sossenheim, die noch ihr eigenes „Stöffche“ fabrizieren, sozusagen vom Baum in den Bembel. Weder filtert er den in der eigenen Presse gewonnenen Apfelsaft noch setzt er ihm Hefe zu, um den Gärprozeß zu beschleunigen, noch bedarf es hernach der Beimengung von Schwefel, um das Stöffche haltbarer zu machen.

Beckmanns besonderes Stöffche-Geheimnis findet sich im Keller. Tief drunten unter der Gaststube arbeitet sich der Süßmost in uralten Eichenfässern seiner Trinkbarkeit entgegen. „Ich bin ein Liebhaber dieser Fässer“, bekennt der Wirt inmitten seiner konstant 13 Grad Raumtemperatur aufweisenden „zweiten Wohnstubb“. 17 Jahre lang hat er bei jeder sich bietenden Gelegenheit einem Küfer über die Schulter geschaut. Längst weiß er selbst professionell Hand anzulegen, wenn ein Faß leckt, sich eine Daube löst oder ein neuer Eisenring aufgezogen werden muß. Was droben in der Stube ausgeschenkt wird, ist kein Einheits- Ebbelwei. Denn kein Faßinhalt schmeckt wie der andere. Die verwöhnten Stammkunden des Sossenheimer Apfelweinwirts wissen das längst. Schmecke denen mal ein Schoppen zu streng, berichtet der 65-Jährige amüsiert, ließen sie sich zwei Wochen nicht blicken. „Wenn sie dann wiederkommen, wissen sie, daß ein neues Faß dran ist.“

 

 

 

Wetterau

 

Allgemein

Städtische Obstplantagen sind zwar noch ausreichend vorhanden, die Nachfrage nach den Früchten ist jedoch stetig zurückgegangen, wird in den Rathäusern berichtet. Nur die Liegenschaftsämter in Friedberg, Karben und Limeshain organisieren 2001 noch Versteigerungen. Die Karbener beginnen ihre Versteigerungen am Samstag, 15. September, um 10.30 Uhr an der Naturfreundehütte in Okarben. Um 11.30 Uhr ist der Treffpunkt oberhalb des Reitplatzes in Groß‑Karben und um 12.15 Uhr am Friedhof in Klein-Karben.

In Friedberg startet die Verkaufsaktion am Freitag, 21. September, um 8 Uhr an der oberen Promenade Ecke Neutorgasse (Seewiese). Die über 250 Bäume im Stadtgebiet tragen Äpfel, Zwetschgen, Birnen und Walnüsse. Mindestens müssen fünf Mark geboten werden. In Limeshain geht es am Donnerstag, 20. September, um 17.30 Uhr zur Versteigerung der 40 Bäume. Treffpunkt ist die Gemeindeverwaltung am Zentrum 2.

Wer in Florstadt, Echzell, Rosbach, Bad Nauheim oder Hirzenhain Obst pflücken will, muß sich direkt bei den Verwaltungen melden. In Florstadt dürfen maximal jeweils drei der über 50 Zwetschgen‑ und Apfelbaume von einer Person geerntet werden. Ansprechpartner ist hier Adolf Urban Tel. 06035/969922. In Echzell weiß Brigitte Schröder (Tel. 06008/91200) Bescheid. Sie bestimmt den Preis nach dem Baumertrag.

Ähnlich ist der Ablauf in Bad Nauheim. Die Gebühr für einen der über hundert städtischen Apfel‑ und Zwetschgenbäume schwankt zwischen zwei und acht Mark. Interessenten melden sich bei Christina Klaub Tel. 06032/343355. Die Erlaubnis zum Pflücken der über 25 Bäume auf Rosbacher Stadtgebiet erteilt Sigrid Egerer (Tel. 06003/82215). Bei ihr kostet ein fruchtreicher Baum 20 Mark. An den zehn Bäumen in Hirzenhain hängen nur noch wenige Äpfel und Zwetschgen. Ein Baum kostet etwa fünf Mark. Gemeindediener Willi Dinges (Tel. 06045/7368) kassiert. Nur in Altenstadt wird langfristig geplant. Die mehreren hundert Zwetschgen‑, Kirschen‑ und Äpfelbäume werden für mindestens sieben Jahre verpachtet. Durch eine langfristige Bindung soll eine Baumpflege gesichert werden, begründet Sabine Schubert (Tel. 06047/80000).

 

Zum achten Mal gibt es am kommenden Wochenende, 1. und 2. September 2001, im mittelhessischen Laubach „Blues, Schmus & Apfelmus“. Zu dem Bluesfestival sind 20 Bands in dem romantischen Park rund um das Laubacher Grafenschloß geladen, es gibt Geschichten in hessischer Mundart und Wissenswertes sowie kulinarische Spezialitäten rund um Hessens Nationalgetränk Apfelwein.

„Immer, wenn die Äpfel reifen, kommt der Blues nach Laubach.“ So lautet das Motto des dreitägigen Festivals, und deshalb wird in Laubach traditionell nicht nur Musikalisches, sondern auch Kulinarisches geboten.

Dabei dreht sich alles um den Äpfel ‑ nicht nur in Form des Äppelwois. Aktionen, Ausstellungen und Gespräche zum Thema Apfel und Streuobstwiesen finden im Rahmen des Festivals statt. An mehr als 30 Marktständen gibt es zudem alles vom Apfel, ob Apfelkuchen, frischgepreßten Most, Apfelessig, Apfelschnaps oder andere Spezialitäten.

Unter den jahrhundertealten Bäumen des Parks spielt vor den erwarteten mehr als 10.000 Besuchern die Bluesmusik in allen Varianten. Das Programm beginnt am Freitag, 31. August, um 20 Uhr mit dem Auftritt von Lousiana Red. Der Südstaaten‑Amerikaner, der heute in London lebt, gehört seit Jahren zu den bekanntesten Vertretern der internationalen Blues‑Szene. Insgesamt 20 Bands spielen in Laubach von Freitag bis Sonntag auf drei Bühnen, darunter die Gruppen Memphis 55, Houtin the Blues, Ihsekes Bluesgang, Steppin out Blues oder ganz im Hessischen verwurzelt die Rhöner Sauwänzt.

Im Mundartzelt gibt es parallel dazu hessische Musik, Geschichten und Gedichte. „Wais froiher woar“  erzählen die Mundartexperten Emil Winter und Jürgen Piwowar. Satire und Melancholie versprechen die Frankfurter Rainer Weisbecker und Mario Gesiarz mit ihrem Programm „Stoltze meets the Blues“, in dem Alt‑ Frankfurt und Mainhatten aufeinandertreffen. Höhepunkt im Mundartzelt ist der Auftritt der mittelhessischen Gesangsgruppe „Kork“ am Samstagabend, die Hessisch in Perfektion und Lebensweisheiten vom Lande bieten will.

Die Raupe Schmatz, der Kauz Äpfli und die Maus Flitz sind die Hauptdarsteller im Apfeltheater der Kelterei Heil, das Samstag und Sonntag auf dem Kinderareal von der Bedeutung der Streuobstwiesen erzählt. Die Kleinen können außerdem Ziegen streicheln, beim Schafscheren zuschauen, auf den Ponys reiten oder sich von Clowns und Zauberern unterhalten lassen.

Die passende Andacht zum Bluesfestival steht für Sonntagmorgen auf dem Programm. Um 10 Uhr lädt die evangelische Kirchengemeinde zum Blues‑Gottesdienst in die Stadtkirche ein. Mit dabei sind diesmal der Gospel‑Train der Landeskirche, der zum Festival Station in Laubach macht und die Band Move.

 

Butzbach

Der BUND lädt zum Apfelfest auf den Marktplatz ein. Dort kann man frisch gekelterten Saft probieren, ferner Apfelwein und -essig, Apfelgelee und Apfelpfannkuchen.

 

Nidda

Die ersten von 250 Wildäpfel ­und ‑birnbäumen hat im März 1999 Erster Kreis­beigeordneter und Naturschutzdezernent Rainer Schwarz (CDU) im Bereich des Forstamtes Nidda gepflanzt. Die garan­tiert sortenreinen Bäume stammen von der Hessischen Landesanstalt für Forst­einrichtungen, Waldforschung und Wald­ökologie in Hannoversch‑Münden, die sich seit 1987 um den Erhalt und die Förde­rung von Wildäpfeln und ‑birnen in Hessen bemüht.

In einem Sonderprogramm werden die Altbäume im Land gesucht und anhand äußerer Merkmale überprüft. Bisher wur­den in Hessen 64 Wildapfelbäume und 68 Wildbirnbäume entdeckt. Die Wildobst­bäume überleben nur noch dort, wo der Lebensraum nicht wirtschaftlich genutzt wird und sie konkurrierenden Baumarten überlegen sind. Das sind in der Regel Waldränder und sonnige und trockene Standorte. Die einzelstehenden Altbäume können wegen des Polleneintrages von Kultursorten nicht über Saatgut ver­mehrt werden. Deshalb werden die Bäu­me von der Landesanstalt für Forstein­richtung, Waldforschung und Waldökolo­gie durch Pfropflinge und Stecklinge un­geschlechtlich vermehrt. Die Landesan­stalt hat vier Erhaltungsplantagen in Hessen angelegt, in denen die Bäume wie­der auf natürliche Weise Nachkommen produzieren sollen.

Im Wetteraukreis sollen die nachgezüchteten 250 sortenreinen Wildäpfel­ und ‑birnbäume unter der Obhut der Forstämter Nidda und Butzbach sowie in den Gemarkungen der Städte Karben und Ortenberg und den Gemeinden Alten­stadt, Florstadt, Reichelsheim, Wöllstadt und Wölfersheim Wurzeln schlagen. Die jeweiligen Naturschutzgruppen beteiligen sich an der Pflanzung und Pflege.                   

 

Äpfel so, groß wie ein Fußball! Welcher Gartenbesitzer träumt nicht davon. Angeboten wird dieser Riesenapfel von der Firma Fenzl, Weinbergstraße 22, 93413 Cham. Bis zu zwei Kilogramm schwer können diese Äpfel der Sorte Manga Super werden. Entdeckt durch Zufalls­mutation 1934, wird diese Sorte seit 32 Jahren in Deutschland ange­boten. Der Apfel ist festfleischig, bestens lagerbar und bekommt we­der Schorf noch Mehltau. Den kos­tenlosen 54‑seitigen Farbkatalog AZ mit vielen uralten Sorten gibt es gratis (Tel. 09971/1558, Fax: 09971/9187; im Internet unter: www.obstbaeume.de).

 

Obstbäume zum Abernten kann man ersteigern bei der Auktion am Ober-Widdersheimer Sportplatz. Um 9.30 Uhr treffen sich die Interessenten einer weiteren Versteigerung am Kindergarten Stehfelder Weg. Um 13.30 Uhr ist außerdem eine Versteigerung an der Gärtnerei Ernst in Wallernhausen vorgesehen. In Ulfa sind ebenfalls noch Äpfel von städtischen Bäumen zu haben. Den Kontakt stellt Ortsvorsteher Erwin Ziemer her. Erreichbar ist er unter Tel  06043/6521.

 

Bad Nauheim

Frisch vom Baum schmecken sie am besten: Äpfel sind gesund und vielseitig. Rund um den Apfel und die Obstwiesen geht es denn auch am Samstag und Sonntag, 13. und 14. Oktober 2001, im Steinfurther Rosensaal in einer gemeinsamen Veranstaltung von Stadt und Naturschutzgruppe. Eröffnet wird das Apfel‑Wochenende am Samstag um 14 Uhr mit einer Obstsortenschau (Sonntag bereits ab 11 Uhr). Interessierte haben Gelegenheit, mit einem Pomologen an einer Obstsortenbestimmung teilzunehmen (drei Äpfel mitbringen).

Neben Informationen rund um den Lebensraum Obstwiese (mit Diaschau) werden an beiden Tagen Apfelprodukte wie Marmeladen, Obstbrände und Apfelweine vorgestellt. Otmar Ruß zeigt, wie Dörrobst selbst herzustellen ist. Darüber hinaus gibt es Bücher zum Thema sowie Kunst und Kunsthandwerk. Gezeigt werden unter anderem Naturaquarelle von Reinhard Marquardt, Leiter der Frauenwaldschule. Die Grundschule aus dem Stadtteil Nieder‑Mörlen, das Naturschutzzentrum Wetzlar, der Landschaftspflegeverband „Naturschutzfonds Wetterau“ sowie der Trägerverein Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesenroute im Wetteraukreis und Erzeuger von Apfelprodukten sind an beiden Veranstaltungstagen dabei. 

 

Zankäpfel schmecken bitter. Diese Erfahrung macht Gisela Stamm, Pächterin verschiedener Streuobstwiesen in Rödgen, alljährlich zur Erntezeit. Die Betreiberin des Reiterhofes „Sonnenhof“ am Ortsrand des Bad Nauheimer Stadtteils Rödgen ist seit 1994 bemüht, die von ihr als Weideland für die zwölf eigenen Islandponys und die vier Pflegepferde gepachteten Streuobstwiesen zu hegen und zu pflegen.

Aber immer wenn Früchte reif werden, rechnen die Stamms mit ungebetenen Gästen, die nachts „wer weiß, woher“ kämen und das Obst von den Bäumen schüttelten. Da werde kaum Rücksicht auf die Bäume genommen, geschweige denn auf die Isländer. „Uns wurden schon mehrmals die Zäune niedergerissen, nur um an die Früchte zu kommen“, ärgert sich die 42‑ Jährige, die morgens schon aus diesem Grunde ihre Pferde in der Umgebung zusammensuchen mußte. Besonders schlimm sei der „Apfelklau“ wenn die Marktpreise fürs Kilogramm hoch seien. Dann rücken die Leute mit Waschkörben an und pflücken zum Entsaften und Einkochen. Prinzipiell haben die Stamms nichts dagegen, wenn jemand sich Obst holen möchte. Aber bitte nach Absprache und nicht bei Nacht und Nebel. Schließlich zahlen die Stamms für die Pacht und somit auch für das Obst.

Damit das ökologische Gleichgewicht erhalten bleibt, lassen die Stamms ihre Pferde erst nach dem Aussamen der Gräser und Kräuter auf die Weide. Wir sorgen dafür, daß die Wiesen nicht bis zur Grasnarbe abweidet werden. Eine Mischbeweidung ‑ erst dürfen die Pferde, dann die beiden Highland‑Rinder sich an Gräsern und Kräutern satt fressen ‑ unterstütze das Konzept.

Doch mit einer sinnvollen Beweidung allein ist es nicht getan. Die Bäume müssen regelmäßig geschnitten und von abgestorbenen Ästen befreit werden, damit Mensch und Tier sich nicht durch herabfallendes Geäst verletzt.

In heißen Sommern wie diesem rückt die Familie abends noch mit Gießkannen aus, um Bäume und Gräser vor dem Vertrocknen zu retten. Das macht alles sehr viel Arbeit, die eigentlich kaum jemand wahr nimmt. Wie schnell ihrer Meinung nach Streuobstwiesen ohne entsprechende Pflege verkommen, beweise ein angrenzendes Grundstück der Stadt. Streuobstwiesen machen eben doch mehr Arbeit als man denkt.

 

Der Obst- und Gartenbauverein lädt zum Kelterfest auf dem Friedrich-Ebert-Platz an der Mittelstraße ein. Es gibt Apfelkuchen, alle Getränke vom Apfel und Wetterauer Äpfel. Die städtischen Bäume sind bereits versteigert worden. Auf einem umzäunten, drei Hektar großen Grundstücks oberhalb der Auguste-Victoria-Straße in Bad Nauheim entsteht seit dem Jahre 2000 ein Skulpturenpark. Dort arbeiten professionelle und Gelegenheits-Künstler. Der Skulpturenpark wächst. Schon jetzt stehen einzelne Stein- und Metallobjekte außerhalb des Parks. Das Publikum darf dabei zuschauen. Und wenn auf der großen Obstwiese nebenan die Äpfel reif werden, kann jeder sie kostenlos mitnehmen. Die Ausstellung im Park war ein gemeinsames Projekt von Gerhard Burk und seinen Nachbarn - den Aktivisten der Naturschutzgruppe Bad Nauheim (Nabu). Zum zweiten Mal boten sie ihren Gästen neben der Kunst auch Kaffee und Apfelkuchen an. Auf der großen Streuobstwiese neben dem Skulpturenpark erzählte Nabu-Sprecher Rudi Nein vom großen Andrang der Vögel auf die neuen Nistkästen. Inzwischen siedeln sechs Specht-Arten in den alten Apfelbäumen.

 

 

Friedberg-Ockstadt

In Ockstadt gibt es verschiedene Obstbauern, die bei Bedarf auch zentnerweise Tafeläpfel verkaufen und den Kunden die lagerfähigsten Apfelsorten zeigen. Einige betreiben Verkaufsstände an den Straßen. Die Preise für lagerfähiges Obst liegen je nach Menge bei zwei bis drei Mark pro Kilo. Die Ockstädter Natur- und Vogelschutzgruppe lädt zur Apfellese auf der Sauweide ein. Möglichst viele Leute sollen sich auf dem Parkplatz vor dem Schützenhaus hinter der Behindertenwerkstatt zum Apfelbaum-Schütteln treffen. Ein Maintaler Familienbetrieb verarbeitet das Obst zu Apfelessig, der mit Mineralwasser oder Schorle vermischt als neuer „Fitness-Drink“ vermarktet wird. Alle Tafeläpfel, die der Schüttelei widerstehen, können von den Helfern für den Eigenverbrauch gepflückt werden. Die Natur- und Vogelschutzgruppe bittet um eine Spende.

 

„Ein halbes Maul voll Ebbelwei pur kurz in de Backe lasse un dann runnerschlucke. Wenn’s rischtisch nach Appel schmeckt, dann is des e gud Stöffehe“, empfiehlt Erwin Scharf. Er muß es wissen, ist er doch mit Ehefrau Eva Besitzer der ersten mittelhessischen Straußwirtschaft „Zum Gerippte“ im Friedberger Stadtteil Ockstadt. Angefangen hat alles mit einer harmlosen Anfrage des Obst- und Gartenbauvereines. „Könnt ihr net mal an Kuche backe“, wenn Radfahrer auf der Apfelweinroute durch Ockstadt kommen. Das natürlich ist hierzulande schon mit einer Konzession verbunden, also wurde daraus eine Hofwirtschaft.

„Wo heute die Tische stehen, da war früher der Misthaufen“, sagt Scharf.  Nach umfangreichen Umbauarbeiten gab es vor vier Jahren den ersten Selbstgekelterten, wegen des rautenförmigen Glasmusters heißt der Viertelliter „Gerippte“. Kleine oder große Gruppen bekommen den „Vierer“ und „Achter“ im Bembel. Bekanntlich trinkt es sich auf leeren Magen schlecht, deshalb serviert Eva Scharf dazu Handkäs mit Musik und andere kleine Gerichte. Für die Kinder gibt es Bockwurst oder Apfelwaffeln aus den Zutaten der umliegenden Bauernhöfe.

 

Die Wirtsleute Eva Maria und Erich Scharf haben 2003 den hessischen Ökologiepreis für Obst‑ und Gartenbau in der  Sparte Direktvermarktung gewonnen. In ihrer Straußwirtschaft „Zum Gerippte“ schenken sie selbst gekelterten Ebbelwei und selbst gebrannten Apfelschnaps aus. Wo vor sieben Jahren der Hahn auf dem Misthaufen stolzierte, nimmt das Land Hessen am Freitagnachmittag eine Preisverleihung vor. . Den mit insgesamt 2500 Euro dotierten Preis teilt sich das Ockstädter Ehepaar mit einem Frankfurter Obsthof.

Etwa einen Hektar Streuobstwiesen bewirtschaftet die Familie am Ortsrand. „Wir ernten alle Früchte mit der Hand“, sagt Eva Maria Scharf stolz. „Bei uns hat ein fauler Appel keine Chance.“ Anschließend wird auf dem Hof gekeltert und die Maische angesetzt, bevor das hessische Nationalgetränk im hauseigenen Apfelweinkeller eingelagert wird. Kirschen, Mirabellen und Zwetschgen aus dem eigenen Anbau brennen die Scharfs zu verschiedenen Schnäpsen. Die Ockstädter Spezialitäten reifen in Eichenholzfässern ‑ je nach Sorte ‑ ein bis zwei Jahre. „Apfelwein und Schnäpse vertragen sich gut. Die Leute werden lustig, aber nicht ausfallend“, gibt die Wirtin hochprozentige Einblicke.

Wenn alle 40 Sitzplätze in der Straußwirtschaft am Abend belegt sind, packen auch schon mal die Oma oder Tante mit an. An Feiertagen öffnen die Scharfs bereits am Nachmittag, locken mit frisch gebacken Waffeln und Kaffee. Vor allem für Fahrradwanderer ist der gemütliche Hof in der Borngasse ein beliebtes Ausflugsziel, gehört die Straußwirtschaft doch zur Apfelweinroute.

Durstige Radler. und andere Gäste bekommen neben Äppler und Schnäpsen auch Bier vorgesetzt. Das sehen die Scharfs nicht so eng, auch wenn sie sich einig sind: „Bier ist ein Lebensmittel, der Apfelwein ist ein Liebhabergetränk“. In der Scheune der Straußwirtschaft, die noch bis zum 6. September geöffnet ist, sind während der gesamten Saison Bilder der Frankfurter Fußmalerin Antje Kratz zu sehen. Straußwirtschaft „Zum Gerippte“, Borngasse 30, Friedberg / Ockstadt, geöffnet freitags bis sonntags ab 17 Uhr, an Feiertagen ab 14 Uhr. Telefon 0 60 31 / 30 09. Infos im Internet unter www.Zum‑Gerippte.de.

 

Friedberg-Dorheim (nordöstlich von Friedberg)

Der Obstbaukundler Steffen Kahl ist begeistert von einem Dorheimer Fund im Jahre 2002.

Wie viele Kilo Äpfel er jedes Jahr verdrückt, weiß er nicht genau. Es sind etliche, das ist sicher. Aber nicht eine unspezifische Vorliebe für des Deutschen liebste Frucht treibt Steffen Kahl in den ungestümen Konsum. Es ist eine berufliche Notwendigkeit, die natürlich auf einer Begeisterung für die Vielfalt an heimischen Apfelsorten fußt, wie er sagt. Der 34‑Jährige ist im Naturschutzzentrum Hessen Ansprechpartner für alle Fragen rund um den Apfel.

Vor allem die alten Apfelsorten auf heimischen Wiesen haben es dem gelernten Gärtner aus Werdorf bei Wetzlar angetan. Und davon gibt es trotz Umstrukturierung der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten noch eine ganze Menge, weiß Kahl. Zwischen 35 und 40 Lokal‑ und Regionalsorten finden in Hessen ein eher bescheidenes Dasein oder sind konkret vom Verschwinden bedroht, weiß der Apfelfachmann.

Und mit ihnen gehe unwiederbringlich wertvolles genetisches Potential verloren. „Optimal an den Standort angepaßt und über viele Generationen auf ihre spezielle Nutzung gezüchtet“, so beschreibt Kahl den Nutzen für ihre Besitzer. Auch seien sie häufig weitaus weniger krankheitsanfällig. Spezielle Kelteräpfel und Sorten, die sich besonders zum Backen oder als Tafelobst eignen, drohten, in Sorten‑Monokulturen zu verschwinden. So wie die Wetterauer Regionalsorten „Himbacher Grüner“, der „Altenstädter Roter“ oder der „Friedberger Bohn­apfel“, die Kahl aufgespürt und beschrieben hat.

Jede Sorte hat ihre Geschichte, sagt Kahl ‑ auch für ihn. Eine bis 1995 verschollene Apfelsorte aus Dorheim hat es ihm besonders angetan. Seine Wiederentdeckung war spannend wie ein Krimi, erinnert er sich. Nachdem alle Versuche zuvor fehlgeschlagen waren, hätten nur durch einen Zeitungsaufruf der dortigen Naturschutzgruppe noch einige Exemplare aufgespürt werden können. Aber selbst Apfelkundler hätten die Früchte nicht bestimmen können und angesichts seiner roten Streifen gesagt: Nennen Sie ihn doch einfach „Dorheimer Streifling“. Inzwischen hätten knapp zwei Dutzend Altbäume ausfindig gemacht werden und junge Bäume nachgezogen werden können, freut sich Kahl.

Über die Jahre hat sich der Pomologe (Obstbaukundler) dabei ein großes Fachwissen aneignen können. 300 Sorten kann der Wetzlarer Apfelfachmann mittlerweile unterscheiden. Die Zahl der im deutschsprachigen Raum verbreiteten Sorten sei allerdings immens: Er schätzt sie auf 2500. Ursprung seines Interesses sei die Apfelweinherstellung gewesen. Angetan von den geschmacklichen Variationen des Stöffches, habe er begonnen, die Obstwiesen seiner Heimat zu durchforschen. Es folgten für den Mitarbeiter des Naturschutzzentrums gewissermaßen die Lehrjahre. 1997 wurde er Mitglied im wenige Jahre zuvor wieder gegründeten Pomologenverein, der sich in der Tradition des „Deutschen Pomologenverein“ sieht. Der kümmerte sich von 1860 bis 1919 um Pflege und Qualität des heimischen Obstanbaus. Als einer von drei Ansprechpartnern für Hessen spürt Kahl heute nicht nur alte Sorten auf, sondern berät Gartenfreunde auch bei Neupflanzungen. Außerdem organisiert er Bestimmungsseminare und Baumschneidekurse.

Eine Arbeit, deren Ergebnisse sich mittlerweile zeigten. Das Bewußtsein in der Bevölkerung für die Bedeutung der alten Sorten ist in den vergangenen Jahren rapide gestiegen, freut er sich. Ein Grund dafür sei auch die vom Naturschutzzentrum maßgeblich angestoßene Kampagne zum Erhalt der Streuobstwiesen. Als konsequenten Schritt in diese Richtung sieht er die Ausweisung der Hessischen Lokalsorten des Jahres, die am vergangenen Wochenende auf dem Wetzlarer Apfelmarkt erstmalig vorgenommen wurde. Künftig soll in Zusammenarbeit mit ansässigen Baumschulen deren Erhalt gesichert werden. Hessische Lokalsorte 2002 ist der „Heuchelheimer Schneeapfel“, eine alte Sorte rund um den kleinen Ort bei Gießen, deren Früchte sich unter anderem durch ein weiß bleibendes Fruchtfleisch auszeichnen und daher für Obstsalate geeignet sind.

Aber eines könnte selbst eine noch so große Sortenvielfalt ändern, sagt Kahl. Immer noch sei der Ernteertrag auch vom Wetter abhängig. Und das habe in diesem Jahr dazu geführt, daß ‑ regional unterschiedlich ‑ gut ein Drittel weniger Apfel auf den Bäumen hingen als im vergangenen Jahr, bedauert der Apfelfan.

 

Florstadt-Leidhecken

Beim zweiten Wetterauer Apfelweintag wurden Anfang Juni 2003 in Leidhecken rund 300 Gäste mit leckerem Apfelwein der Region, Handkäse und Schmalzbroten gestärkt. Die Menschen informierten sich am Bürgerhaus über die verschiedenen Apfelweinsorten, Obstbrände und die Erhaltung von Streuobstwiesen. Mundartliches präsentierte die Gruppe Kreuz & Quer aus Gedern.

Prämiert wurde am Nachmittag der beste Apfelwein. Immerhin 42 Proben hatten die Bewerber bei den Veranstaltern vom Trägerverein Hessische Apfelwein‑ und Obstwiesenroute Wetterau (HAORW) eingereicht. „Wir haben höchstens mit 20 Proben gerechnet“, gestand Johannes Fertig, Vorsitzender des HAORW. Die Jury bildeten die Beteiligten selber: Wer eine Probe abgab, durfte selber die anonymisierten Sorten testen und bewerten. Das Urteil lautete manchmal: „Essig. Naja, kann mer verkaafe oder kann mer verschenke“. Die Bestnote: „Den behalte mer.“

Bei den Hobbykelterern belegte Horst Glaub aus Echzell den ersten Platz. Klaus Ronge aus Butzbach und Michael Böcher aus Staden schafften es auf Platz 2 und 3. Bei den Profis errangen die Kelterei Dietrich mit dem „Sachsenhäuser“ (Platz 1) und dem „Landapfelwein“ (2) sowie die Kelterei Rapps mit ihrer „Nr. l“ (3) die Siegerplätze. Sieger bei den Halbprofis wurde der Betrieb Rote Pumpe von Uli Schwabe aus Nieder‑Mörlen, der mit seinen Proben Platz 1 und 2 belegte. Den zweiten Platz teilt er sich mit dem „Astreinen Apfelwein“ von Manfred Förster und Klaus Weidmann aus Ockstadt.

Ziel des Apfelweintages ist die Vermarktung von Apfelwein und die Pflege der heimatlichen Traditionen der Wetterau. „Wenn man die Streuobstwiesen erhalten will, muß man was für die Produkte tun“, erklärt Fertig. Deshalb unterstützt der Wetteraukreis ‑ bei dem Fertig als Amtsleiter tätig ist ‑ auch den HAORW finanziell und administrativ. Fertig versucht, Landwirte, Obstbrenner, Keltereien, Gastronomie, Naturschutzgruppen und Obst- und Gartenbauvereine zu vernetzen. Es gab auch eine Fachdiskussion: Über die Probleme der Kelterung verschiedener Apfelsorten diskutierten die Besucher mit dem Getränke‑Technologen Stefan Schmidt. Sie sei schwierig, denn jede Sorte vergäre anders.

 

Altenstadt

In der Altenstadthalle dreht sich am 11. und 12. Oktober 2003 alles um den Apfel. Die Apfeltage veranstaltet die Gemeinde zusammen mit dem Wetzlarer Naturschutz‑Zentrum Hessen. Das Programm läuft am Samstag von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

Zu dem runden Obst haben sich viele etwas einfallen lassen: Vereine, Schulen, Kindergärten und die Fachabteilungen des Landratsamtes. Das Naturschutzzentrum und der Pomologen‑Verein zeigen eine Obstsortenchau, die an die 200 Apfelsorten umfaßt. Von 14 bis 16 Uhr stehen an beiden Tagen die Pomologen (Obstsortenkenner) bereit, wenn es darum geht, Apfelsorten zu bestimmen. Dafür brauchen die Experten mindestens fünf Exemplare der jeweiligen Sorte.

Am Samstag findet von 16 bis 17.30 Uhr eine Sortenwanderung durch die Obstwiesen in der Nähe der Stadthalle statt. An Kulinarischem gibt es Apfeleis, Apfelwaffeln und Apfelschnaps. Zum Trocknen von Apfelschnitzen hat der Bund für Umwelt‑ und Naturschutz einen Apfeltrockner aufgestellt. Hier können am Samstag die Schnitzel abgegeben werden. Spiel‑ und Bastelangebote und Musik gehören auch dazu. Der Eintritt ist frei.

 

Ortenberg-Bergheim

Seit  zehn Jahren baut Dieter Merz in der Wetterau biologisch Obst an. 90 verschie­dene, teilweise seltene Apfelsorten betreut der 44jährige Gemeindearbeiter auf sei­nen sechs Streuobstwiesen. Auf einer De­monstrationsanlage können zukünftige Biobauern von ihm lernen. Fast liebe­voll hält Dieter Merz den „Schönen aus Nordhausen“ in der Hand. „So soll er sein, rund und knackig“, sagt er und legt den großen Apfel in den Korb. Dieter Merz ist Obstbauer. Seit 10 Jahren pflanzt er in der Wetterau seltene Apfelsorten im Bio­anbau an. Mit seinen Apfelbäumen scheint er tief verbunden. Er pflegt sie, wenn sie Schorf vom Frost haben oder an Krebs erkran­ken. Er verjüngt sie durch richtige Be­schneidung und hält ihnen die Feinde ‑ Holzbohrer und Wühlmäuse ‑ vom holzigen Leibe.

Am Wochenende beginnt die Apfel­ernte. Für Familie Merz heißt das: Rund 550 Bäume auf sechs verschiedenen Streuobstwiesen wollen abgeerntet wer­den. Dann rücken alle ihren großen Kör­ben aus. Sechs bis acht Wochen lang wird geerntet. Solange, bis alle rotbackigen Ap­fel vom Boden aufgelesen sind. Auch vor der Erntezeit ist Dieter Merz fast jeden Tag auf seinen Wiesen. „Irgend­etwas gibt es immer zu tun“ sagt er. Und er muß nachschauen, ob seine zwölf Bie­nenvölker zufrieden sind. Denn ohne zu­friedene Bienen gibt es keine oder nur wenig Äpfel.

In Bergheim aufgewachsen hat sich der 44jährige vor zehn Jahren seinen Kind­heitstraum verwirklicht: Er pachtete fünf alte Streuobstwiesen von der Gemeinde. 250 Altbäume, teilweise über 80 Jahre alt, hat er übernommen, rund 300 neue Bäu­me hat er gepflanzt. In sechs langen Reihen stehen die neuen Bäumchen. Dazwischen prangen auf kleinen Metallschildchen ihre phanta­sievolle Namen wie „geflammter Kardinal“, der „Schöne aus Nordhausen“ oder „Ingrid-Marie“. Über 50 Sorten baut Dieter Merz an, alle garantiert ungespritzt im kontrol­lierten Biolandanbau.

Bei der Bestimmung der schon vorhan­denen Apfelsorten holte Dieter Merz sich Rat bei einem Pomologen. „Wir haben so­gar einen Ditzel‑Rosenapfelbaum ent­deckt, der ist in keinem Buch zu finden“, sagt er. Auch der „Dorheimer Streifling“, eine schon verloren geglaubte Apfelart, fand auf den Streuobstwiesen in Berg­heim eine neue Heimat. Mitte 1997 errichteten Merz und der Naturschutzfond der Wetterau eine Demonstrationsanlage für Streuobst.

 

Karben

Rapps’s:

„Auf Dauer kommt keiner an uns vorbei“, steht auf einem Zettel, den der Geschäftsführer der Kelterei Rapps, Klaus‑Dieter Kneip, über seinen Schreibtisch gehängt hat. Der Erfolg gibt ihm recht: Eine „saftige Entwicklung“ nahm der hessenweite Marktführer für Fruchtsäfte im vergangenen Jahr; mit 25 Millionen Flaschen setzte das Unternehmen 2,5 Prozent mehr um als noch im Jahr 2000. Seit sechs Jahren, seit Hassia & Luisen- Mineralquellen alleiniger Besitzer von Rapp’s ist, hat die Kelterei ihren 30.000 Quadratmeter großen Firmensitz in Groß-Karben. Dabei ist das Unternehmen Bad Vilbeler Ursprungs: 1977 war es aus einem Zusammenschluß der Kelterei Rapp’s und der Venus‑Quelle ‑ beide 1930 in der Brunnenstadt gegründet ‑ hervorgegangen. Geblieben ist aus beiden Unternehmen etwas ‑ von Rapp’s der Name, von der Venus‑Quelle der Geschäftsführer: Klaus‑Dieter Kneip ist Sohn ihres ehemaligen Inhabers, Walter Kneip.

Geändert hat sich auch einiges: 1991 hatten die Junioren Klaus‑Dieter Kneip, Karlheinz und Alfons Rapp das gesamte Unternehmen an eine Rosenheimer Brauerei‑Gruppe verkauft. Als die 1996 Konkurs anmelden mußte, kaufte Hassia alle Anteile. Um die Produktion ausweiten zu können, zog die Kelterei damals in den stillgelegten Selzerbrunnen nach Karben. Schwer gefallen sei ihm das als gebürtiger Bad Vilbeler, im Nachhinein sei die Entscheidung aber goldrichtig, denn die Unterstützung in Karben ist groß, sagt Kneip. Trotz der Besitzverhältnisse spricht er noch immer von einem Familienunternehmen „mit persönlichen Kontakten und flachen Hierarchien“. Seit 25 Jahren arbeitet der 50‑Jährige in dem Unternehmen, seit zwölf Jahren als alleiniger; operativer Geschäftsführer.

Um ihren Leitspruch einhalten zu können, müssen der Diplomkaufmann und seine 65 Mitarbeiter hart arbeiten. Seit Mitte der 90er Jahre wachsen die Umsatzzahlen dafür kontinuierlich ‑ im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf über 16 Millionen Euro. Nicht nur Radiowerbung wurde seither für die Fruchtsäfte, „die es in sich haben“ verstärkt, sondern vor allem das Produktsortiment stetig erweitert. Mit ihrer Standardware, Orangen‑ und Apfelsaft, erzielten sie zwar 80 Prozent des Jahresumsatzes, „profilieren müssen wir uns aber über die verbleibenden 20 Prozent“, sagt Kneip.

Ihre Zielgruppe, Qualitäts‑ und Gesundheitsbewußte zwischen 20 und 50 Jahren, erreichen sie über ein spezielles Innovationssortiment, das den Zeitgeist widerspiegelt. Ein Zeitgeist, den Rapp’s mit „Rosigen Zeiten“, „Lebensfreude pur“ und „Guten Morgen Saft“ (so heißen die innovativen Getränke) beschreibt. Mitte Oktober kommt die 32. Sorte auf den Markt: Eine Mischung aus Blutorange, Cranberry und Kaktusfeige. Eines gelte für alle: Das „Ziel“, immer am oberen Ende des möglichen Fruchtsaftgehaltes und damit Qualitätslevels zu sein“. Der Unternehmensleiter sieht zwar ein, daß man Käufer mit der Produktvielfalt überfordert, aber Blutorange sei bei anderen Artikeln im Trend, da müsse man „mit einem zur Unternehmensphilosophie passenden Produkt reagieren“. Der Markt bestimmt, was bei Rapp’s durch die Abfüllanlagen läuft: Perola-Ananas aus Venezuela, handgeschälte Bananen aus Ecuador und Tomaten aus Italien. Nur ein Produkt bedient sich der heimischen Ernte: Wetterauer Gold, Apfelwein.

 

Veranstaltungen:

Die Tradition, daß in Karben alle Brautpaare einen Baum als Zeichen ihrer Verbundenheit pflanzen, besteht erst seit 1994. Spätestens beim Stellen des Aufgebotes erfahren alle „heiratswilligen Karbener“ von der möglichen Erinnerung. Die Paare treffen sich an der Steingasse, Ecke Höferweg in Petterweil, um am Hochzeitshain Apfelbäume - sechs verschiedene Sorten standen zur Auswahl - einzusetzen. Der Bürgermeister begrüßte die Paare und dann wurden mit den mitgebrachten Spaten die Bäume gepflanzt.  Eine Urkunde wurde überreicht vom Bürgermeister, feierlich bei Glühwein und Gebäck mitten im matschigen Feld. Darauf steht nicht nur, daß die Eheleute „aus Anlaß ihrer Hochzeit einen Apfelbaum gepflanzt haben“, sondern auch, daß sie damit einen „wichtigen Beitrag für die Natur geleistet haben“.

Denn die Vorsitzende des BUND-Ortsverbandes Karben / Niddatal, Ulrike Loos, machte ihre Idee damals nicht nur publik, um die romantische Ader der Karbener anzusprechen, sondern vor allem auch, um „wieder Streuobstwiesen rund um die alten Ortskerne zu pflanzen“. In den ersten Jahren setzten die Frischvermählten auf einem Grundstück am Ludwigsbrunnen 109 verschiedenen Obstsorten an, die Jahre darauf pflanzten die Pärchen Bäume an der Heldenberger Chaussee und dann wurde eine Streuobstwiese in Petterweil bepflanzt. Schilder an den jungen Bäumen verraten, wer sie gepflanzt hat und wer später mal die Ernte mit nach Hause tragen darf.

Seit 1994 hat die Stadt Karben mit Unterstützung durch das Land Hessen 37 Ackergrundstücke mit knapp 30 Hektar Fläche zusammengekauft, die zuvor intensiv bewirtschaftet wurden. Sie sind heute kaum wiederzuerkennen. Kräuter, Gräser und Wiesenpflanzen blühen zwischen den kleinen Bäumchen, denn auch die natürliche Gestaltung- des Untergrunds ist Teil des Konzeptes. Gemeinsam, mit zwei Zivildienstleistenden hat Adam höchstpersönlich die Kräuter und Gräser gesät. Das anfallende, ungedüngte Heu wird zweimal im Jahr von Landwirten gemäht, mit denen die Stadt langjährige Verträge abgeschlossen hat.

Sobald alle Bäume gepflanzt sind, werden an den Grundstücken Schautafeln mit Pflanzplänen aufgestellt und verschiedene Rundwanderwege ausgeschildert. Der Karbener Obstsortengarten soll dann auch Bestandteil der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute sein. Zum Naturschutzgebiet wurde bereits die vier Hektar große „Pfingstweide“ am „Kloppenheimer Wäldchen“ ernannt.

 

Rund um Karben seit 1996 der flächenmäßig größte Obstsortengarten Deutsch­lands mit hochstämmigen Bäumen entstanden. Mehr als 2.000, teils vom Aussterben bedrohte, alte sowie aktuelle Obstsorten, werden hier lebend in Form von noch kleinen Bäumen archiviert. Im erwerbsmäßig betriebenen Obstanbau kommen heute nicht mehr als 25 Sorten zum Einsatz. Ob man in Frankreich, Argentinien oder sonstwo einkauft, überall bekommt man nur dasselbe Einheitsobst.

Thomas Adam, der Leiter des Karbener Umweltamtes, hat mit Unterstützung durch Institute, Züchter und Baumschulen quer durch die Republik mittlerweile exakt 2.095 verschiedene Obstbäume und damit auch Sorten zusammengetragen und gepflanzt. Nach der kommenden Pflanzsaison soll die Aktion mit mehr als 2.500 Sorten und Bäumchen vorerst abgeschlossen sein.

„Unser Obstgarten ist ein lebendes Archiv der seltenen Obstsorten“, erklärt Adam. Aus Geldnot werden laut Adam mehr und mehr Lehr- und Versuchsanstalten der Hochschulen geschlossen, so daß ein Verschwinden vieler Obstsorten zu befürchten sei. Die Karbener wollen diesem Sortensterben entgegenwirken. Bewußt pflanzten sie ausschließlich hochstämmige Obstbäume, die bis zu hundert Jahre alt werden und so lange auf natürliche Art die Gene der alten Obstsorten weitergeben. Ein kleiner Ast - ein Veredelungsreiser - genügt, um die Sorte für kommende Generationen zu erhalten. Mittlerweile betreibt die Stadt Karben eine Baumschule, in der sie durch Veredelungsreiser einfache Basisbäumchen zu seltenen Sorten veredelt und verkauft.

„Im Gegensatz zu den anfälligen heutigen Sorten sind die alten Obstsorten erstaunlich resistent gegen viele Krankheiten und Schädlinge“, beschreibt Adam einen wesentlichen Vorteil der Vielfalt. Auf etliche Tonnen Spritzmittel könnte verzichtet werden, wenn Sorten wie die „Hutzelbirne“, „Der König von Württemberg“ oder die „Himmelfahrtsbirne“ wieder aus der Vergessenheit treten würden. Um Bürger auf den Geschmack zu bringen, dürfen sie bei Spaziergängen ruhig zugreifen, wenn das Obst reif ist.

 

Beim Kelterfest am Karbener Selzerbrunnen präsentierte die Stadt Karben zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im September 1999 auf dem Gelände des Jugend- und Kulturzentrums 200 Apfelsorten. Darunter war nicht nur der „Adams-  sondern auch „Evas Apfel“. Allerdings war selbst das, was dort auf vielen Tellern feinsäuberlich sortiert lag, nur ein Bruchteil der Sorten, die es auf der ganzen Welt zu pflücken gibt. Zwischen 1700 und 1800 dürfte realistisch sein“, schätzte Thomas Adam, der Leiter des Karbener Umweltamtes. Sein Favorit: „Weißer Winterkalvill“. „Der hier muß noch zehn Tage liegen“, verriet er über die rundliche aromatische Frucht. Dann essen Sie ihn in Scheiben geschnitten mit Eis, einem Pfirsich-Sorbet, und über streuen das Ganze mit Puderzucker.

 

Im Jahre 1999 plante die Karbener Arbeitsgemeinschaft Streuobst, eine Tauschbörse für Streuobstwiesen ins Leben rufen. Ungefähr 70 Hektar Streuobstgrundstücke umgeben die sieben Ortsteile von Karben. Mehr als die Hälfte davon sind laut Adam so genannte Altbestände. Es sei allerdings sehr schwierig die Eigentümer der betreffenden Grundstücke auszumachen, berichtet Jürgen Becker, Mitglied des Naturschutzbundes Deutschland. Sie können sich bei ihm genauso melden, wie Interessenten, die eine Streuobstwiese in Pflege nehmen wollen.

Die Pflege alter Streuobstwiesen sowie Nachpflanzungen bezuschußt die Stadt Karben. Genaueres dazu enthalten die „Förderrichtlinien für die Erhaltung und Neuanlage von Streuobstflächen“, die beim Umweltamt erhältlich sind. Wenn es nach dem Arbeitskreis Umwelt Karben (AUK) ginge, pflanzen die neuen Besitzer nicht nur Obstbäume, sondern auch seltene Wildpflanzen an. Dafür warb der AUK an seinem Stand. Buschwindröschen, Lerchensporn und Akelei verkauft der Karbener Förster Hans Fleischhauer. In seinem Garten züchtet er insgesamt 500 verschiedene Arten. Näheres zur Tauschbörse für Streuobstgrundstücke unter Tel. 06039 / 7660.

 

Auf dem siebten Kelterfest, zu dem die Karbener Ortsgruppe des Naturschutzbundes gemeinsam mit der Stadt Karben einlädt, werden am Sonntag, 24. September 2000, ab 14 Uhr viele Tips gegeben. Wie pflege ich meine Streuobstwiese am besten, welche Apfelsorte wächst in meinem Garten? Diese anderen Fragen von Hobby- Gärtnern werden auf dem Gelände des Jugendkulturzentrums am Selzerbrunnen beantwortet. Thomas Helwig nennt die Namen von Äpfeln, die ihm vorgelegt werden, drei Früchte müssen zu diesem Zweck mitgebracht werden.

Wer den Spaß an seinen Bäumen verloren hat oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selber ernten kann, der findet auf einer Tauschbörse Hilfe. Erfahrungsgemäß seien junge Familien mit Kindern gerne bereit, für Streuobstwiesen zu sorgen, teilt der Vorsitzende der Karbener Ortsgruppe, Jürgen Becker, mit. Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer demonstrieren mit alten Maschinen, wie Äpfel ausgepreßt werden, und Irmela Richter zeigt, wie man aus ihnen schmackhafte Naturkost zubereitet. 

 

Es war ein Versuch des Vereins Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute, nicht nur für die harten Obstbrände zu werben, sondern auch einmal für das Hessische Nationalgetränk, den Äppelwoi. Die Wetterauer Regionalschleife des Vereins hatte für Samstag, 12. Mai 2001,  ins Karbener Jugendkulturzentrum Selzerbrunnen (Jukuz) gerufen. Ob Farbe und Geruch, Geschmack oder Bekömmlichkeit: Das interessierte Publikum ist aufgerufen, die Proben zu verkosten. Und alle Apfelweinproduzenten sind aufgefordert, um 17 Uhr in drei deutschen, grünen und nicht etikettierten Ein-Liter-Weinflaschen ihre Proben des hessischen Nationalgetränks abzugeben. Dabei sein und beim Schoppen zu fachsimpeln, sei alles, auf die Wertung komme es gar nicht so sehr an, betont Johannes Fertig, Vorsitzender des Wetterauer Trägervereins.

Es kamen 20 Produzenten von Apfelwein. Bewertet wird in drei Gruppen. Gruppe eins sind die professionellen Keltereien und Lohnkeltereien, Gruppe zwei die Apfelweinproduzenten im Nebenerwerb und Gruppe drei die Hobbykelterer mit ihren Hausschoppen. Etwa 50 Besucherinnen und Besucher lenkten ihre Schritte in die Scheune des Selzerbrunnenhofs, um sich zünftig bei Rippchen und Kraut zu verköstigen, dem Ohrenschmaus gereimten Gebabbels von Mario Gesiarz zuzuhören und - der Zweck des Besuchs - den angebotenen Apfelwein zu verkosten. Die Anbieter, fünf Keltereien, sieben Nebenerwerbsproduzenten und acht Hobby-Kelterer, mußten viereinhalb Stunden warten, bis feststand, ob sich die Mühe des Kelterns gelohnt hatte.

Zum Rahmenprogramm zählen neben zwei Fachvorträgen auch Kulinarisches und Kulturelles. „Vom Baum in den Keller“ lautet das Thema, über das Reiner Erdtmann vom Hessischen Dienstleistungszentrum für Landwirtschaft, Gartenbau und Naturschutz referiert. Der Kronberger Getränketechnologe Stefan Schmidt hält einen Vortrag über „Das Schneewittchen-Syndrom - Warum ein Apfel nicht nur nach dem Aussehen bewertet werden sollte“. „Herr Hampelmann präsentiert ...“ heißt es beim Frankfurter Mundart-Rezitations-Theater „Rezzi-Babbel“. Der Wirt des Jukuz-Lokals „Zeitsprung“ serviert Deftiges aus der hessischen Küche. Ab diesem Zeitpunkt können die Gäste auch die verschiedenen Apfelweine testen.

Das Karbener Publikum in der Zusammensetzung vom Samstag wußte vor allem den süffigen, angenehm, nicht zu säuerlich schmeckenden Apfelwein zu schätzen, die „Soft-Variante“ gewissermaßen. Dem Publikumsgeschmack am ehesten entsprachen die Kelterei Müller aus Ostheim, die Nebenerwerbskelterer Klaus Weidmann und Manfred Förster aus Ockstadt und der Amateur Uli Schwabe aus Bad Nauheim. Weidmann und Förster haben schon vor 20 Jahren angefangen zu keltern. Erst bat nur der Schwiegervater von Klaus Weidmann um ein Fläschchen. Inzwischen verarbeiten die beiden jährlich 100 Zentner Äpfel. Alle stammen aus der Ockstädter Gemarkung und werden selbst geschüttelt. Nur in weniger guten Jahren werden Äpfel dazugekauft, dann aber auch nur aus den Ockstädter Streuobstwiesen. Die Mischung der vorwiegend alten Sorten macht laut Weidmann das Produkt, und ganz wichtig sei der Speierling, der das Stöffche klarer mache. Ein glückliches Händchen sei immer dabei. Weshalb mal ein Faß besonders gut, ein anderes aber eher schlecht sei, das sei nach wie vor ein Rätsel, erklären die prämierten Nebenerwerbskelterer, die Süßen und Wein auch ab Hof verkaufen.

 

Am Sonntag, 16. September 2001 konnte man ab 14 Uhr im Garten des Jugendkulturzentrums in Karben an den vielen Ständen nach Belieben probieren. Wein und Schnaps nämlich, aus Äpfeln, versteht sich. Mit ihren historischen Maischemaschinen und Kelterpressen werden Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer auf dem Apfelfest in Karben am kommenden Wochenende bestimmt wieder die Blicke auf sich ziehen ‑ schließlich werden Kinder mithelfen, aus den Äpfeln die Maische zu machen und diese zu pressen. Hinterher gibt es den fertigen Saft.

Die Karbener Agenda‑21‑Gruppe lädt die Großen zur Rätselstunde: Wo ist der Wein, der den echten Speierling enthält? Der Arbeitskreis „Umwelt Karben“ hat sich für die jungen Gäste Rätselspiele über heimische Pflanzen und naturnahe Gärten ausgedacht. Zudem informieren die Naturschutzverbände über ihre Aktivitäten. Das Umweltamt Karben stellt Obstbaumbesitzern die große Auswahl heimischer Apfelsorten vor. Ferner ist das Fest ein Forum, um Streuobstwiesen zu „tauschen“: Wer sich um seine Flächen nicht mehr kümmern kann, kann sie den Naturschutzverbänden anbieten. Der verkauft oder verpachtet sie dann weiter.

Zur folkloristischen Musik aus dem „Okzident“ der Gruppe „Extra Drai“ blitzte für einige Zeit sogar die Sonne durch den zuvor noch wolkenverhangenen Himmel. Kinder tobten sich an der alten Saftpresse der Schaukelterer Wolfgang Lazar (Karben) und Jürgen Pfeiffer (Bad Vilbel) aus oder versuchten sich wie die Erwachsenen bei der Agenda‑Gruppe „Natur und Landschaft“ beim Erraten von Wildstauden und Schmetterlingen.

„Probieren, testen, raten“ hieß die Devise beim Arbeitskreis Umwelt Karben (AUK): Der Kenner schmeckte natürlich schnell den Unterschied zwischen industriell gefertigtem und selbst gekeltertem Speierlingstöffchen heraus. Dazu gab es gleich noch ein wenig anschauliche Nachhilfe in Botanik: Der Speierling ist überhaupt nicht mit dem Apfel, sondern mit der Vogelbeere verwandt. Und wie viele Kerne stecken in einem Apfel? Vier, acht oder zwölf? Vier sind es eher selten, klärte der AUK auf.

Vom Apfel zum Wein: Wie das geht, darüber informierte der Naturschutzbund. Möglichst reifes, aber nicht fauliges Obst sollte man verwenden, rät der Nabu. Der viele Regen kommt ihm sehr zupaß: Dann sprießen im Wald ordentlich die Pilze. Und die sollen schließlich beim ersten Ganztagesseminar des Nabu am Samstag, 6. Oktober, erkundet werden.

Der Apfel freilich blieb der Star an diesem Sonntag. Auch, wenn sich unter die Stände allerlei Handgearbeitetes wie etwa vom „Eine‑Welt‑Laden“ aus Okarben (Hauptstraße 23, samstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet) mischte. Gleich 215 (!) Apfelsorten präsentierte das Umweltamt. Darunter alte Sorten mit klangvollem Namen, „Kriemhild“ etwa oder „Ronneburger Pfannkuchen“. Auch der Gaumen wurde befriedigt. Mit Apfelbrand, Apfelbrötchen vom „Stammtisch Vollwertkost“ und Apfelkuchen vom Bund für Umwelt und Naturschutz.

Der BUND, der Pächter oder Baumpaten für die Pflege (und auch Ernte) eines großen Streuobstgrundstücks in Groß‑Karben sucht (Tel. 06039/2883), ließ die Zahl eines Korbes und eines Sackes voller Äpfel schätzen. 400 lautete das richtige Ergebnis. Der kleine Rocky Steiner aus Wöllstadt war mit 399 am dichtesten dran. Und konnte zusammen mit seinen Eltern einen großen Sack Bioland‑Kartoffeln mit nach Hause nehmen.   

 

Im September können Leute aus der Karbener Region über eine Versteigerung günstig an Äpfel kommen. Die Stadtverwaltung versteigert Obstbäume zum Abernten. Man trifft sich am Klein-Karbener Friedhof und wandert dann zu den jeweiligen Bäumen. Eine Stunde später beginnt eine zweite Obstbaum-Versteigerung am Okarbener Naturfreundehaus. Die feil gebotenen Äpfel sind mehr zum Keltern als zum Verspeisen geeignet, meldet die Stadtverwaltung. Das 7. Karbener Kelterfest beginnt am Sonntag um 14 Uhr im Jukuz am Selzerbrunnen. Da kann man die Sorte jedes mitgebrachten Apfels bestimmen lassen und sich mit frisch gepreßtem Saft von ungespritzten Früchten versorgen.

 

Der Selzerbrunnen war im Jahre 2002 Ausflugsziel für viele Familien. Naturschutzgruppen und Umweltamt hatten zum Kelterfest eingeladen, bei dem es viel zum Schauen, Probieren und Raten gab. Ob gepreßt, vergoren, gebrannt oder gebacken: Der Apfel, diese tolle Wunderfrucht, war erneut Star des Kelterfestes der Karbener Naturschutzgruppen und des städtischen Umweltamtes am Selzerbrunnen. Die von der spätsommerlieben Sonne in warmes, weiches Licht getauchte Jukuz‑Wiese mit ihren vielen Ständen zum Schauen, Probieren und Raten war am Sonntagnachmittag willkommenes Ausflugsziel vieler Karbener. Ein buntes Familienfest, unterhaltsam und informativ, mit Zeit und Platz zum Schwofen und Kosten, in lauschigem Ambiente, mit Unterhaltung auch für die Jüngsten und musikalisch stilvoll untermalt von Beate Hoffarth‑Rittingers Folklore‑Ensemble.

Früchte erraten und Wildpflanzen bestimmen. Nicht nur an der schon zum festen Inventar zahlenden historischen Kelterpresse der Bad Vilbeler Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer konnten die Besucher aktiv werden. Der Stand des Arbeitskreises Umwelt (AUK) war wieder einmal dicht umlagert. Gar nicht so einfach: Die Große Fetthenne zu erkennen, mag ja noch angehen. Aber, wie bitte, sieht die akeleiblättrige Wiesenraute aus? Wer’s wußte, war preisverdächtig.

Das Umweltamt, vertreten durch den Steinfurther Bioland‑Obstbauer Thomas Hellwig, hatte aus Westfalen wieder ein Apfelmeer aus 220 überwiegend historischen Sorten geschaffen. Apfel‑Fachmann Hellwig, der selbst 60 Sorten, darunter auch 20 historische, ökologisch anbaut, kennt sie alle und war am Sonntag ein viel gefragter Ratgeber, wenn es galt, unbekannte Fruchte aus dem heimischen Garten zu identifizieren oder über den knollenförmigen „Minister von Hammerstein“ oder den winzigen, roten ostfriesischen „Kalvill“ aufzuklären.

Äpfel gab es natürlich auch in Kuchenform, bei Irmela Richters Vollwertstammtisch wie beim Bund für Umwelt und Naturschutz, der seine Gäste nach dem Verzehr von Ökobauer Magers Bratwürstchen gleich noch die Anzahl eines mit 213 Äpfeln gefüllten Sackes raten ließ und dafür als Hauptpreis einen Sack Kartoffeln verhieß. Wer mehr über gesunde Ernährung erfahren möchte, kommt am 19. September um 20 Uhr zum BUND ins evangelische Gemeindehaus Klein‑Karben.

Nicht alles drehte sich bei diesem neunten Karbener Kelterfest um den sofortigen leiblichen Genuß, obgleich Most und Wein in Strömen flossen und auch schon mal der eine oder andere Apfelschnaps gekippt wurde. Der „Eine‑Welt‑Laden“ aus Okarben war wieder mit einer Auswahl seines zu fairen Herstellerpreisen gehandelten Sortiments dabei. Und der örtliche Naturschutzbund nutzte erneut die Gelegenheit, für seinen vor fünf Jahren initiierten Streuobstwiesentausch zu werben. Ein gutes Dutzend Grundstücke, so Vorsitzender Jürgen Becker, vermochte der Nabu schon an neue Pächter zu vermitteln. Insbesondere dann, wenn sich die Besitzer nicht mehr zur erforderlichen Pflege solcher Wiesen imstande sahen. Streuobstwiesen sind vor allem bei jungen Familien gefragt. Die Kinder klettern und spielen gerne auf einem solchen Gelände, und die eigene Obsternte bietet obendrein Vergnügen. Freilich ist auch Arbeit angesagt. Die Wiese muß einmal im Jahr gemäht werden. Die Bäume sind alle zwei bis drei Jahre zu schneiden und ‑ wenn sich ihr Verfall abzeichnet ‑ rechtzeitig nachzupflanzen. Immer noch besser, als daß das Baumstück zum Acker wird. Und Neupflanzungen, weiß Becker, erfordern viel Geduld. Die selten älter als 50 Jahre werdenden Obststämme tragen frühestens nach acht, ergiebig sogar erst nach zehn bis 15 Jahren.

Da zeigen die Blumenzwiebeln, die der Arbeitskreis „Natur und Landschaft“ in der lokalen Agenda gleich tütenweise verteilte, doch schnellere Ergebnisse. Der Arbeitskreis wollte damit die Karbener schon einmal auf den bundesweiten Wettbewerb „Unsere Stadt blüht auf“ aufmerksam machen, an dem sich die Kommune laut Beschluß des Stadtparlaments 2003 beteiligen wird. Ziel dieser in den internationalen Wettbewerb „Entente Florale“ eingebetteten Bürgeraktion ist eine grüne, den Prinzipien der Nachhaltigkeit verpflichteten Stadtentwicklung, bei der die sich beteiligenden Bürger Verantwortung auch für Grün im öffentlichen Raum übernehmen. Wer sich dafür interessiert, ist zum nächsten Treffen des Arbeitskreises am 26. September um 20 Uhr in den Clubraum 3 des Bürgerzentrums eingeladen.

 

Frisch gepreßte Säfte, viele Informationen zum Thema Apfel, schmackhafte Hausmannskost und für die Kinder die Möglichkeit, durchs Mikroskop einen Blick in die Natur zu werfen, all das bot das zehnte Karbener Kelterfest 2003 auf der Wiese am Jugendkulturzentrum.

Geht man nach der öffentlichen Würdigung, erobern sich Apfel seit einigen Jahren offenbar den Stellenwert zurück, den sie früher in den meisten Regionen Hessens einmal hatten. Apfel‑ oder Kelterfeste gibt es mittlerweile auch in der Wetterau wieder häufiger, das Karbener Kelterfest feierte in diesem Jahr sogar sein Zehnjähriges.

Zu verdanken hat die heimische Frucht mit den vielen Verarbeitungsmöglichkeiten ihre steigende Popularität auch den Aktionsprogrammen der Naturschutzverbände, die sich seit einem guten Jahrzehnt Schutz und Erhalt der heimischen Streuobstwiesen auf die Fahnen geschrieben haben. Die Karbener Ortsgruppen von Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Naturschutzbund (Nabu) waren es denn auch, die gemeinsam mit der Stadt Karben das Kelterfest vor zehn Jahren aus der Taufe hoben.

Mittlerweile hat es sich einen festen Platz im Festkalender erobert, mit der Resonanz waren die Organisatoren jedenfalls sehr zufrieden. Geschätzte 500 Besucher kamen bei herrlichem Spätsommerwetter auf die Wiese neben dem Jugendkulturzentrum, wo bis in die Abendstunden alles im Zeichen des Apfels stand. Die breite Palette der Verarbeitungsformen wurde dabei ebenso präsentiert wie Hintergründe zu den laufenden Schutzprogrammen. Am Stand von Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer konnten die Besucher frisch gepreßten Süßen, Rauscher und den letztjährigen Apfelwein probieren und machten davon reichlich Gebrauch. Daß die wohlschmeckende, dunkelbraune Brühe und das Stöffsche nicht die kulinarische Endstation für Apfel sind, demonstrierten sie mit selbst produzierten Bränden, die ebenfalls feil geboten wurden.

Um der bekanntermaßen verdauungsfördernden Wirkung der Apfelprodukte entgegen zu wirken, boten der Stammtisch vegetarische Vollwertkost und die Bund‑Ortsgruppe Produkte aus ökologischem Anbau an. Erstmals vertreten waren die Petterweiler Landfrauen, die schmackhafte Hausmannskost kredenzten.

Aber auch Geistesnahrung kam nicht zu kurz. An der Streuobstwiesenbörse konnten Interessierte mit den Naturschützern Kontakt aufnehmen, wenn sie ein Baumstück nicht mehr bewirtschaften wollen. Die Ortsgruppen vermitteln diese dann an Karbener Familien weiter.

„Es wurde einiges erreicht, aber es gibt immer noch viel zu tun“, faßt Nabu‑Vorsitzender Jürgen Becker die Arbeit der vergangenen Jahre zusammen. So hätten sich rund um Karben wieder bis zu zwölf Steinkauz‑Brutpaare angesiedelt. Und durch die Aufklärungsarbeit hätte sich die Sortenvielfalt auf den Obstwiesen vergrößert. Einen Eindruck davon konnten sich Besucher an der Apfelsorten‑Schau des städtischen Umweltamtes machen, wo 150 Sorten präsentiert wurden. Praktisches Wissen aus erster Hand gab der Steinfurther Apfelfachmann Thomas Helwig weiter. Peter Hofmann vom BUND-Vorstand machte deutlich, daß die Streuobstwiesen wieder wachsen und sprach von 1000 Bäumen, die in den vergangenen Jahren neu gepflanzt worden seien.

Um den naturinteressierten Nachwuchs kümmerte sich die Nabu‑Ortsgruppe, an deren Stand Kinder mikroskopieren und allerlei über heimische Pflanzen und Tiere lernen konnten. „Wenn alle in unsere Kindergruppe kommen, die sich angekündigt haben, hätten wir sogar ein Problem“, freuten sich Birgit Petri, Ulrike Kurz und Frauke Hansen dennoch über die große Resonanz.

Autos quälten sich durch den Schlamm der Feldwege, zahlreiche Paare, mit Spaten und teils auch Gummistiefeln ausgerüstet, schritten voran. Eine regelrechte Prozession von etwa 80 Karbener Frischvermählten suchte im November 2003 eine noch karge Hochfläche östlich von Burg‑Gräfenrode auf Seit zehn Jahren ist es Karbener Brauch, daß die jungen Eheleute nach ihrer Hochzeit einen Obstbaum pflanzen.

Bevor sie die Ärmel hochkrempelten und zur Tat schritten, gab der Bad Nauheimer Obstbauer Thomas Helwig letzte Instruktionen. Fast so feierlich und penibel wie ein Standesbeamter erklärte er die einzelnen Schritte des Obstbaumsetzens: Den Sproß einsetzen, abwechselnd Erde und Humus in die 30 Zentimeter tiefen Gruben schaufeln, mit einer Kordel am Pflanzstock festbinden und zum Schluß aus dem verbleibenden „Bodenmaterial“ einen Gießrand schaufeln. Rasch verteilten sich die Eheleute auf der geräumigen Wiese. Die meisten davon waren zwischen 25 und 35 Jahre alt, etliche hatten schon ihren Nachwuchs mit dabei.

 

Ein Baum für Leonhard: Ein besonderer Auflauf herrschte in einer weiter hinter gelegenen Ecke der Wiese: Dort pflanzten zwei Männer, eine Frau und vier Kinder zusammen einen Baum. Eine ganz neue, noch unbekannte Form der Lebensgemeinschaft? Mitnichten. Rupert Pfeiffer und seine Frau Nicole sind eigentlich schon seit 1996 verheiratet und haben drei Söhne. Die beiden Petterweiler haben zwar nach ihrer Hochzeit keinen Obstbaum gepflanzt, doch auch dieser Apfelbaum ist nicht für sie bestimmt. Das ist „Leonhards-Baum“, sagt Rupert Pfeiffer.

Leonhard ist der jüngste, sechs Monate alte Sohn der Pfeiffers. Und während sich seine Brüder Benedikt und Johannes mit ihren Kinderschippen abrackern, beobachtet er, von den Armen seiner Mutter aus, die Szenerie. Da geht es ihm wie seinem Vater, der sich mit den Worten „Ich mach die Bauleitung“ gleich ausgeklinkt hat und seine Söhne „supervidiert“' Darin ‑ das muß ihm zugestanden werden ‑ ist er aber auch wirklich vom Fach. Rupert Pfeiffer arbeitet als Bauingenieur in Wiesbaden, während seine Frau gelernte Mathematikerin ist. Der zweite Mann, Stephan Erb, hat seinem Patenkind Leonhard den Baum zur Taufe geschenkt ‑ und seinen Sohn Johannes als Verstärkung mitgebracht. Und da es in Karben noch keine „Taufhaine“ gibt, durften sich die Pfeiffers zu den Ehepaaren dazugesellen.

Bürgermeister Detlev Engel nannte vor der Pflanzaktion einige Zahlen: In zehn Jahren seien Flächen von insgesamt vier Hektar von Karbener Ehepaaren mit Obstbäumen versehen worden. Dies seien 400 Bäume aus 200 verschiedenen Sorten. Diesmal, in Burg‑Gräfenrode, wurden hochstämmige Apfelbäume ausgewählt, eher ältere Sorten mit so wohlklingenden Namen wie „Ananas‑Renesse“ oder „Rheinischer Krumm-Stiel“.

 

Rapp's Kelterei am Karbener Selzerbrunnen hat 2004 (?) den historischen Abfüllturm von 1878 als Besucherzentrum und Veranstaltungshaus „Juice Factory“ eröffnet. Nun folgt „ein Sahnehäubchen drauf - restlos begeistert“ zeigte sich Rapp's-Geschäftsführer Klaus-Dieter Kneip gestern vom Erlebnisgartens, der nahe der Kelterei auf städtischem Gelände „zu 95 Prozent“ angelegt ist. Die Eröffnung ist am Sonntag, 18. Juni, von 11 bis 17 Uhr, mit einem „Tag des offenen Gartens“.

Weitere „offene Tage“ im Sommer anzubieten, schlug Günter Hinkel vor. Der geschäftsführende Gesellschafter der in Bad Vilbel ansässigen Hassia-Gruppe - Rapp's Kelterei gehört dazu - war bei der Projektvorstellung dabei. Und natürlich die „Macher”: Rapp's Marketingleiter Michael Schneider, der die Idee hatte und damit zur Stadt Karben ging, wo Umweltamtsleiter Thomas Adam schon seit längerer Zeit über ein „grünes Klassenzimmer“ nachdachte. Bürgermeister Roland Schulz mußte nicht überredet werden, ebensowenig Kneip. Neben dem Jukuz fanden Schulz und Adam das passende Areal: Zwischen alten Streuobstbäumen, flankiert vom Wald, breitet sich nun - nach gut dreijähriger Entwicklung - auf 4000 Quadratmetern der Erlebnisgarten aus.

Auf weichem Wege - gepolstert mit Mulch aus 20 gefällten Karbener Pappeln - wandert der Mensch durch bezaubernde Natur-Vielfalt. Am Eingang steht das „grüne Klassenzimmer” aus Holz. Im Teich daneben blühen gelbe Wasserlilien. Ein Trockenrasen gedeiht auf Heuchel­heimer Schotter. Zum Verweilen laden Bänke am zweiten, größeren See ein, darüber Holzbrücke und breiter Steg. Zur Information sind „Naturfächer“ mit ausklappbaren Tafeln postiert, Schilder erläutern, was auf dem Sandrasen wächst, im Nasch-, im Kräuter- und im Apothekergarten.

Der geologische Pfad trägt abschnittsweise Gesteinsarten der Region: Man läuft auf Tonschiefer aus gehärtetem Schlamm, auf Taunusquarzit aus Sand geschmolzen und auf Marmor respektive verwandeltem Kalkstein.

Auf dem Kinderspielplatz sprudelt ein Wasserspiel. Wieder fallen schöne Kantsteine ins Auge: Sie stammen aus dem Steinbruch bei Heilbronn, und Adam hat sie „bei Ebay ersteigert - wirklich!” Vorbei an der Bienen-Nistwand und durch den begehbaren Reisighaufen führt der Weg in den Wald zur Vogel-Beobachtungsstation, einem schon lange existierenden Holzhäuschen mit Moos auf dem tiefen Dach.

Nistkästen mit Kameras sollen noch aufgehängt werden. Geplant ist ein zweiter Bauabschnitt „Wald” mit einem Weidenlabyrinth. Den Naturerlebnisgarten - angelegt für 70.000 Euro, davon 30.000 zahlte Rapp's - umgibt ein Holzzaun: Zu kostbar ist das „Kleinod“, um es ohne Aufsicht durchweg zu öffnen. Führungen sind bei der Stadt Karben wie auch bei Rapp's Kelterei - als Teil der Betriebsschau - kostenlos zu buchen. Die Stadt verfaßte ein Faltblatt und ein „Entdecker-Rätsel” für Kinder plus Begleitbuch für Eltern, Erzieher, Lehrer. Kneip will mächtig „die Werbetrommel rühren”. Hinkel denkt an »ein paar Millionen Etiketten auf Rapp's-Flaschen.

 

Die vom Steinfurther Poomologen Thomas Helwig betreute Sortenausstellung aus der Baumschule Berg in Pyrmont war in wahres Dorado für Apfelliebhaber. In  Dreierreihen, appetitlich auf Tellern dekoriert, präsentierten sich 153 Apfelsorten, darunter viele Raritäten, von denen höchstens zwei Prozent im Handel erhältlich sind. Tolle alte Sorten seien „Purpurroter Cousinet” oder auch der „Horneburger Pfannkuchenapfel” oder „Roter Traubenapfel”, schwärmte der Apfelfachmann.

Besucher hatten die Möglichkeit, bei ihm Apfelsorten bestimmen und sich über Vorzüge und Schwächen einzelner Apfelbaumarten unterrichten zu lassen. Neben seiner Beratungstätigkeit im Auftrag von Thomas Adam vom städtischen Fachdienst Umwelt und Naturschutz bot er am eigenen Stand Produkte aus dem eigenen ökologischen Obstanbau an.

Zum Augen- und Gaumenschmaus am  Sonntag bei sonnigem Herbstwetter eingeladen hatten die Karbener Umwelt- und Naturschutzgruppen sowie die Stadt Karben. Zu den Hauptattraktionen des beliebten Familienfestes rund um den Apfel gehörten erneut Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer mit ihrer historischen Maische-Maschine und Kellerpresse. Rund 40 Kinder drehten den ganzen Nachmittag lang ohne Unterlaß die Kurbel der Kelterpresse und verfolgten gespannt den Weg der Äpfel über die Maische bis zum frischen Süßen, der sogleich verkostet wurde.

„In diesem Jahr haben Spätfrost, Frostspanner und Apfelwickler für eine schwache Ernte gesorgt. Die Qualität ist jedoch gut”, betonte Wolfgang Lazar, der drei verschiedene Apfelweine, Apfelsaft, Süßen und Obstbrände wie „Vilbeler Quetschewasser” anbot.

, Wie viele Äpfel sind im Sack?", wollte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) beim traditionellen Apfelschätzwettbewerb wissen. Die glücklichen Gewinner erhielten als ersten Preis einen Sack Kartoffeln, als zweiten ein Brot und als dritten sechs Eier. „Alles Bioprodukte wie auch die Zutaten unsere Angebote am Stand. Egal, ob die Besucher Tiroler Apfelkuchen' oder Würstchen mit Brötchen und Senf essen oder unsere Kürbisse mit nach Hause nehmen. Bei uns stammt alles aus dem biologisch-dynamischen Anbau”, warb Karbens BUND-Vorsitzende Ulrike Loos um das Vertrauen der Verbraucher.

Der Klein-Kärber „Stammtisch vegetarische Vollwertkost” hatte diverse Getreidesalate wie Pokora und indische Spezialitäten auf seiner Karte stehen. Jürgen Becker, Vorsitzender der örtlichen Naturschutzbund Deutschland Gruppe (NABU), verteilte an Interessenten Bauanleitungen für Schleiereulenkästen. „Voraussetzung für das Aufstellen eines solchen Kastens ist ein großer hoher Dachboden mit einem Mauerdurchbruch oder Fenster.“

Schnell vergriffen waren die 20 mit Hilfe von begeisterten Kindern gebohrten Insektenhölzer. „Die Löcher sind ideale Winterquartiere für Solitärbienen und Wespen und können im Garten oder am Haus aufgestellt werden.” Auch Meisen- und Hummelnester sowie zahlreiche Infobroschüren fanden großes Interesse bei Haus- und Gartenbesitzern. Der Nachwuchs konnte bei der Kindergruppe des NABU seinen Forscherdrang unterm Mikroskop ausleben. Mikroskopiert wurden Präparate von Insektenflügel, Mundwerkzeuge und Drüsen von Spinnen, Schnitte durch Zellen von Blättern sowie Wassertropfen. Riechdöschen mit verschiedenen Gewürzen, Kaffee oder Pfefferminze sowie eine Fühlkiste mit unbekanntem Inhalt sorgten für Spannung. Eine echte Herausforderung für viele Kinder und Erwachsene war das Zuordnen von Früchten zu Blättern von Bäumen und Büschen.

Der Arbeitskreis Natur- und Landschaft der Agenda 21-Karben warb für die Teilnahme am im Oktober stattfindenden Blumenschmuckwettbewerb „Herbst-Zauber” und den des Frühjahrs „Frühlingserwachen” und informierte über Baumpatenschaften. Für das kulinarische Wohl der Besucher sorgten auch die Petterweiler Landfrauen und der Weltladen, für die Kurzweil der Kinder das städtische Spielmobil und ein Schminkstand.    

 

Beim 25. Blütenfest in Klein-Karben 1999 ließen sich die Pfingstausflügler den selbstgekelterten Apfelwein in der Klein-Karber Gemeinschaftsobstanlage munden. Wie es sich gehört, wurde mit einem gekrönten Oberhaupt gefeiert: Blütenkönigin wurde die 33jährige Ulrike II. (mit bürgerlichem Namen „Henne“).Mit gewinnendem Lächeln und freundlichen Worten auf den Lippen hieß sie die jeweils rund 500 Gäste an den beiden Pfingstfeiertagen in ihrem sonnigen Obstplantagenreich willkommen - die großen mit einem Schnaps, die kleinen mit einer Süßigkeit. Bei üppiger Bewirtung, Blasmusik und ökumenischem Gottesdienst läßt man sich an den langen Tischreihen zwischen den Bäumen und dem Vereinshaus nieder, auf dem ein kleines Windrad die Hälfte des regulären Strombedarfs produziert. Kinder können auf Ponys durch die Anlage und die neu hinzugekommene Streuobstwiese reiten.

Ihre Hoheit selbst läßt in der vier Hektar großen Anlage mit ihren rund 5.000 überwiegend Apfelbäumen eine halbe Parzelle mit 68 Obstgewächsen (Apfel, Kirsche. Birne) bewirtschaften. Blütenkönigin Ulrike freut sich auch über neue Johannis-, Stachel-. Brombeer- und Haselnußsträucher auf dem neuen Pachtgelände. Und Vereinschef Rau hofft, in zwei bis drei Jahren den Begrüßungsschnaps zur Pfingstveranstaltung selbst produzieren zu können. Im Herbst hat der Verein dafür eigens schwachwachsende Steinobstsorten gesetzt.      

Armin Rau, Vorsitzender des im 41. Jahr bestehenden, rund 85köpfigen Vereins mit etwa 35 aktiven Obstbauern, wirbt bereits kräftig neue Mitglieder an (Interessierte melden sich unter Tel. 0 60 39/66 61): Man kann in geselliger Runde eigenes Obst ernten (und auch direkt vermarkten), selbst Süßen und Apfelwein herstellen und in herrlicher Lage hoch über dem Niddatal mit Ausblick in den Taunus auch private Feste in der lauschigen Vereinsanlage feiern.

 

„Am schönsten ist der erste Apfel der Saison“,  sagt Oliver Schmidt versonnen. Der Vorsitzende der Gemeinschaftsobstanlage Klein‑Karben genießt 2003 die erste selbst geerntete Frucht mit allen Sinnen. „Der Geruch von frischem Obst ist einfach herrlich.“ Und dann der Biß: „Schön saftig, der Saft läuft raus ‑ ein tolles Gefühl“, schwärmt der 35‑Jährige. Ab August erntet der Petterweiler auf seiner Parzelle frische Äpfel, bis Ostern hält sich der Vorrat im Keller. Danach heißt es für Schmidt warten ‑ auf den ersten Apfel der Saison. Denn: „Ich kaufe nichts im Laden.“

Warum Schmidt lieber monatelang gar keine Äpfel ißt als gekaufte, erschloß sich allen Besuchern beim Tag der offenen Tür der Gemeinschaftsobstanlage am vergangenen Feiertag. Da stand Pressewart Friedrich Donner hinter Kisten voller knackiger Früchte, dem intensiven Duft schloß sich entsprechender Geschmack an. Und jeder Besucher wurde ausführlich beraten. Die 35 Mitglieder der Obstanlage hatten alle Hände voll zu tun, so viele Besucher kamen. Sie bewirtschaften die rund 10.000 Bäume auf der sechs Hektar großen Anlage nach dem Genossenschaftsprinzip. Pflegearbeiten, die viel Sachverstand voraussetzen, übernimmt die Gemeinschaft, erläutert Schmidt: „Spritzen ist eine sensible Arbeit, das macht der Armin  Rau.“ Auch neue Bäume werden zusammen bestellt. Bei Festen wird überschüssige Ernte gemeinsam verkauft, den Rest der Arbeiten erledigen die Mitglieder selbst. So werden die Bäume Winters wie Sommers oder zur Pflege geschnitten. „Hier fallen wenige Niederschläge, wir haben ein günstige Lage in der Wetterau“, meint Donner. Seine Frau Irmgard hat Kuchen fürs Fest gebacken. „Im Verein sind meistens die Männer“, so Schmidt, „aber mithelfen tut die ganze Familie“.

Der Bürokaufmann ist seit zehn Jahren in der Gemeinschaft, wurde dieses Jahr zum Vorsitzenden gewählt. Bei einem Blütenfest hatte ihn der Geschmack eines selbst geernteten Apfels begeistert: „Das ist eine Qualität, die man im Supermarkt nicht kaufen kann.“ Rund 144 Bäume stehen auf einer Parzelle. Und ein Baum kann im Durchschnitt 20 Kilo Obst einbringen. Auf der Anlage zwischen Friedhof und Waldesrand wachsen über 20 verschiedene Sorten. „Aber wir haben nicht nur Äpfel, darum sind wir eine Obstanlage“, erläutert Schmidt.

Und tatsächlich: Beim Gang durch die schnurgeraden Reihen von niedrigen Bäumen offenbart sich die Vielfalt: Birnen, Kirschen, Mirabellen, Zwetschgen, Sauerkirschen, Himbeeren und sogar Weintrauben werden hier geerntet. Klein sind die Bäume. „Neue Züchtungen“, verrät der Vorsitzende, für die keine Leitern mehr nötig sind. Aber neue Mitglieder brauchen kein Züchter-Fachwissen oder spezielle Vorkenntnisse. „Nur Spaß an der Arbeit in der frischen Luft müssen sie haben“, so Schmidt. Und am Geschmack von Rubinette, Alkmene, James Grieve, Delicious oder Boskop. Interessenten melden sich bei Friedrich Donner, Telefon 06039 / 1496.

 

In Karben-Okarben feiert man Taufe unter dem Apfelbaum: Zu den knackigen, grünen Boskopäpfeln an den Ästen des ausladenden Obstbaumes gesellten sich rote aus Papier. Die flatterten leise im Wind, während Pfarrer Eckart Dautenheimer mit kräftiger Stimme den Gottesdienst zelebrierte. In der evangelischen Gemeinde Okarben hat aufgerufen, den Familiengottesdienst im Grünen zu feiern. Gut und gerne 160 Gemeindeglieder nebst Kind und Kegel waren am Sonntag auf das Baumwiesengrundstück der Familie Mäser gekommen. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes  stand die Taufe von fünf Kindern.  „Gott weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser“ lautete der Taufspruch für die kleine Eva, die anschließend, wie alle anderen Kinder auch eine Taufkerze überreicht bekam. Mit dem Gottesdienst im Grünen führt Eckart Dautenheimer in diesem Jahr fort, was sein Vorgänger vor vier Jahren eingeführt hatte. Bei den Gemeindemitgliedern kommt der Freiluft-Gottesdienst gut an: Nach vorsichtigen Schätzungen waren am Sonntag unter dem Apfelbaum mehr Gläubige anzutreffen als an gewöhnlichen Sonntagen in der Okarber Kirche. Kein Wunder, gab es doch im Anschluß an die morgendliche Veranstaltung unter dem Apfelbaum sogar noch Gulaschsuppe und Getränke. So endete der Morgen in einem fröhlichen Beisammensein.  

 

Bad Vilbel

Der Bad Vilbeler Jürgen Pfeiffer und der Karbener Wolfgang Lazar (jetzt Rendel) haben sich im Laufe der Jahre ein großes Wissen über die Apfelweinherstellung angeeignet. Angefangen hat die Schwäche fürs Keltern damit, daß die beiden Vilbeler vor rund 20 Jahren eine alte Korbpresse gefunden hatten. Darin hatten sie Äpfel gepreßt und versucht, Apfelwein zu machen. Immerhin kamen zwei Ballons à 25 Liter dabei heraus. Der Erfolg beflügelte die beiden Mitarbeiter in der Frankfurter Verwaltung: „Es wurden immer mehr Äpfel verarbeitet; so viel, daß ich einen Tag Urlaub zum Keltern nehmen mußte“, berichtet Jürgen.

Die Äpfel stammen aus eigenen Streuobstwiesen rund um Bad Vilbel. Früher haben die beiden mit ihren Familien noch Äpfel auf städtischen Grundstücken bei Feldschütz Körber er­steigert. Doch dann wollten immer mehr Leute Apfel pflücken, und es blieb zu wenig für die Stöffchenproduktion. Da sie aber Saft und Wein aus ungespritzten Äpfeln trinken wollten, befaßten sie sich auch mit Anbaufragen und Landschaftspflege. So begannen sie, Grundstücke mit Hochstamm-Äpfeln zu kaufen. Pfeiffer nahm an Schnittkursen teil und hatte schließlich so viel Erfahrung, daß er einen Bildungsurlaub zur Streuobst-Ökologie über die Naturfreunde organisierte.

Im Jahre 1986 begannen die beiden, auf Wochenmärkten mit der alten Kelter aufzutreten: „Wir wollten zeigen, woher der Süße und der Apfelwein kommen“. Kinder und Städte konnten sich ein Bild vom Handwerk des Kelterns machen. Zugleich konnten sie schmecken, daß handwerklich gepreßter Saft nach der jeweiligen Apfelsorte schmeckt - und nicht gleich wie der aus allen Flaschen aus dem Kaufhaus-Regal.

Der letzte Höhepunkt ihrer Auftritte war 1997 beim Tag der offenen Tür des Hessischen Rundfunks. Dort haben die beiden Hobby-Kelterer die Streuobstroute des Wetteraukreises vertreten und gekeltert. Mit der Zeit hat sich das Duo auch auf Anregung von Konrad Stang, dem bekannten Wirt aus der „Hanegass“, eine eigene Presse gekauft. Seitdem können Apfelbaumbesitzer mit kleineren Mengen ihren Eigenbedarf im Grünen Weg pressen.

Mittlerweile steilen Jürgen Pfeiffer und Wolfgang Lazar nicht nur Apfelwein her, sondern auch Saft, vor allem für die Kinder.

Dabei hilft die „Baumannsche Entkeimungsglocke“, die in den 30er Jahren in der Verwertungsanlage in Ober-Erlenbach entwickelt wurde. Durch die doppelwandige Glocke wird der frisch gepreßte Saft im Wasserbad auf 83 Grad erhitzt, nicht gekocht. So gärt er nicht, außerdem bleiben viele Vitamine erhalten. Ein Bekannter, ein pensionierter Regelgerätespezialist, hat ihnen noch eine temperaturabhängige Schaltautomatik eingebaut.

Bei ihrem Lernprozeß konnten sich die Vilbeler in ein „Netzwerk“ von Apfelwein-Kennern und Landschaftspflegern einklinken: Vom Obsthof Schneider in Nieder-Erlenbach über Thomas Adam im Umweltamt der Stadt Karben, der einen Obstsorten-Garten anlegte, bis hin zu Apfelwein-Spezialisten in Spessart und Odenwald. So entstand ein regelrechtes Netzwerk rund um die heimischen Apfelsorten und deren Verwertung. Die Anregungen wurden über Kindergruppen der Naturfreunde, der Waldorfschule und andere Schulkassen weitergegeben. Ins Netzwerk gehören auch der Vorsitzende der Vogelschützer in Bad Vilbel, Heinz Gilbert, sowie der Hobbyschäfer, der die Apfelbaumgrundstücke von seinen Schafen mähen läßt und den Trester verwertet.

 

Für ihr Engagement für die Streuobstwiese am Wingert hat der Naturschutzfonds Bad Vilbel im Jahre 2005 drei Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Obstwiesen geehrt. Die Preisträger betonten, wie nützlich die Wiese als Obstlieferant und Naherholungsgebiet ist. „An vielen Orten der Welt ist die Natur bedroht. Wir wollen etwas dagegen tun und fangen vor der eigenen Türe an.“ Hans Tuengerthal, Koordinator des Natur‑Schutzfonds Bad Vilbel, betonte während  der Festveranstaltung anläßlich des 25. Naturschutztags im Bad Vilbeler Kurhaus die Bedeutung von Umwelt- und Naturschutz für die eigene Region. So standen an diesem Abend auch besonders die Bad Vilbeler Streuobstwiesen im Mittelpunkt.

Für ihr Engagement zur Erhaltung des Naturraums am Wingert wurden Jürgen Pfeiffer, Walter Lazar und Achim Denneler mit dem Naturschutzpreis geehrt. „Als Mitglieder des Arbeitskreises Streuobstwiesen haben die drei Männer dazu beigetragen, die Lebensqualität für die Bürger Bad Vilbels zu verbessern”, sagte Tuengerthal. Dem Fonds gehören die Naturschutzgesellschaft Bad Vilbel und Umgebung, die Stadt Bad Vilbel, die Sparkasse Wetterau und die Frankfurter Volksbank an. Mit dem Naturschutzpreis ehrt der Fond jedes Jahr ehrenamtliches Engagement im Umweltbereich. Damit soll das Bewußtsein der Bad Vilbeler Bürger für den Erhalt des Naturraums geschärft werden.

Denneler, Lazar und Pfeiffer helfen im Initiativkreis Ökologie in Bad Vilbel mit, zu dem die Arbeitsgemeinschaft Streuobstwiesen gehört. Mit ihrer Arbeit wollen die drei Männer die Streuobstwiese hinter dem Wingert erhalten, die sich oberhalb der Lohstraße in der Nähe des Friedhofs befindet.  Wolfgang Lazar zum Beispiel hat schon als Kind auf den Streuobstwiesen seines Großvaters mitgearbeitet und fühlt sich deshalb für den Erhalt dieses einhundert Hektar großen Gebietes verantwortlich. „Für mich ist das ein generationen-übergreifendes Projekt”, sagt der 45-jährige Verwaltungsbeamte.

Zusammen mit dem Obstbauverein Bad Vilbel präsentierten die Geehrten außerdem verschiedene Apfelsorten, Säfte und Weine aus heimischen Früchten. „Damit wollen wir zeigen, wie vielseitig der Apfel ist”, so Lazar. Mit dem Wissen um die Nützlichkeit der Frucht steige bei den Menschen auch der Wille, Obstwiesen, wie das Gebiet am Wingert, zu erhalten.

Ihre Begeisterung fürs Keltern begann bei Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer 1979. Damals fanden die beiden eine alte Handpresse für Apfelwein, mit der sie zu experimentieren begannen. Da man für einen guten Wein auch hochwertige Äpfel braucht, eigneten sie sich die nötigen Kenntnisse im Obstbau an. Achim Denneler fand, ähnlich wie seine beiden geehrten Kollegen, durch seinen Großvater zum Apfel. Der Obstwirt arbeitet seit 1986 im Dottenfelderhof und engagiert sich seitdem für den Erhalt der Obstwiese.

Aber nicht nur wegen der Apfelernte ist das Bad Vilbeler Naturgebiet für die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Obstbau schützenswert. „Man kann wunderbar durch die Wiesen wandern oder Fahrrad fahren”, sagt Lazar. Die Streuobstwiese am Wingert sei ein wertvolles Naherholungsgebiet und damit eine Bereicherung für die Stadt. „Jeder, der schon einmal beim Äpfelpflücken einen Sonnenuntergang am Wingert beobachten konnte, weiß daß die Wiese ein einmaliges Geschenk ist“ so Lazar.

 

Gastwirtschaft  „Knoche“ in Massenheim:

Das ist eine traditionelle Apfelwein-Wirtschaft mit typischem Flair. Der bärtige Wirt heißt Manfred Wenzel, Mitbesitzer der netten „Weinpfalz“ in Sachsenhausen und führt seit vier Jahren den „Knoche“, der als Jägersruh schon 1884 bekannt war. Irgendwann wurde der „Utzname“ des damaligen Wirts zum Namen des Lokals, denn angeblich soll dieser auf alles eine Antwort gewußt haben, ein echter „Knoche“ halt. Hier faßt das Gerippte noch 0,3 Liter, bekanntlich das Idealmaß für den wahren, echten Schoppen. „Da ist das Stöffche aus Wetterauer Äpfeln hausgemacht“ und lagert im Keller dem Ausschank entgegen.

Das Ambiente ist ganz „traditionelle Apfelweinwirtschaft“ mit niedriger Decke, Dielenboden, Resopaltischen, Sitzbank und Holzstühlen und mit bunten Sitzkissen. Neue Gäste werden skeptisch gemustert. Vom Wirt wie von den anderen Gästen, die sich alle zu kennen scheinen.

Für 11 Mark (Preise von 1998) darf man das gelbe „Himmelsgesöff“ im Fünf-Liter-Gebinde sogar nach Hause tragen. An Ort und Stelle genossen, kostet dieses Stöffche 2,10 Mark, ein kleines Wasser dazu 2,50, das große Wasser (Städter bitte festhalten) - nur 3 Mark, und zwar ganz ohne Bembelzwang, Bier gibt es aus der Flasche (3,30) und trotz aller Apfelwein-Tradition als pommesfreie Zone für Kids Cola, Fanta oder Apfelsaft.

Natürlich ist alles vertreten, was zur Ebbelwei-Küche gehört, daneben krosse Bratkartoffeln, Feldsalat mit Filetscheiben, Grillteller (16) und für Fleischverweigerer Gemüse-Rösti mit Rahmchampignons (16). Die Krönung hinterher ist der Apfelpfannkuchen mit Kirschen und Vanilleeis (9,50).

Trotzdem würden wir am liebsten eine „Knoche“-Brotdiät absolvieren: Das zwiegebackene Brot ist der Knaller, dessen fast schwarze Kruste vom zweiten Backen stammt. Denn nachdem der Bäcker geliefert hat, backen die Knochen-Köche das Brot noch einmal. Das Ergebnis schmeckt so gut, daß man gern einen Laib heimtragen würde. Doch die Menge ist begrenzt, „verkauft wird nix“. „Zum Knoche“, Rathausstr. 4, 61118 Bad Vilbel-Massenheim, Tel. 06101-425 6.3, geöffnet täglich ab 17 Uhr. Ruhetag: Donnerstag. (Im Ort an der Heimatstube abbiegen).

 

 

Taunus

 

Keltertour 2005

Dem Apfel auf der Spur waren Hunderte Menschen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Auto. Insgesamt neun Betriebe aus Frankfurt und dem Vordertaunus beteiligen sich an der 3. Keltertour. Veranstalter war der Verein Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute. Ziel war es, den zahlreichen Besuchern zu zeigen, wie der Apfel in die Flasche kommt und Süßer oder Apfelwein produziert werden. Gewinnen konnte man auch noch etwas; wer sich an drei Stationen der Tour eine Apfel-Stempelkarte stempeln ließ, durfte an einer Verlosung teilnehmen.

Wie der Apfel in die Flasche kommt haben gestern mehrere hundert Menschen bei der 3. Kelter-Tour zwischen Frankfurt und dem Taunus erfahren. Gastwirtschaften und Keltereien präsentierten ein buntes Programm rund um den Apfel. Den ersten frisch gepreßten Süßen an diesem Tag gab's auf dem Gimbacher Hof für die Kinder. Direkt aus dem Eimer am Ende der Kelter schöpft der bullige Mann mit Plastikbechern den Saft. Strahlend halten die Kleinen die noch tropfenden Becher in der Hand. „Lecker”, sagt der Dreijährige und leckt sich über die Lippen. Zufrieden zeigte sich auch Wirtin Margret Schiela vom „Gimbacher Hof', in dessen Innenhof bei einem Erntefest-Markt Produkte aus der Umgebung angeboten wurden. Da gab es unter anderem Gestecke, Kürbisse, Marmeladen und Honig. Schwiegersohn Bernd Wittekind aus Fischbach, verkaufte frisch gebackenes Brot aus Dinkel oder Roggen.

Wir sind sehr zufrieden. Es macht richtig Spaß - vor allem haben wir Glück mit dem Wetter”, sagte Wirtin Margret Schiela. Massenhaft säumten die Autos die Straßenränder von Kelkheim hinauf bis zum Hof: Die Äpfel zum Keltern stammten von den rund 260 alten Hochstämmen der Familie Schiela.

Selbstredend, daß im „Gimbacher Hof' an diesem Tag auch das Menü mit Apfelhaltigem angereichert war, so gab es beispielsweise eine Apfelsuppe als Vorspeise. Das war in den anderen drei im Main-Taunus-Kreis beteiligten Gaststätten ebenso. In Eberhard's Feldscheuer in Bad Soden gab es zum Kaffee „Großmutters Apfelkuchen sehr fein”. Frisch gekelterten Süßen konnten die Kelter-Tour-Besucher im Gasthaus „Zum Grünen Baum” in Bad Sodener Stadtteil Altenhain genießen.

Im Gasthaus „Zum Taunus” wurde eine Apfelernte-Ausflug ins umliegende Apfel-Land für Kinder angeboten. „Diesmal war die Resonanz allerdings nicht so hoch wie beim letzten Mal”, sagte Eva Schweiger vom Gasthaus. 14 Kinder machten gestern mit, im Jahr zuvor waren es noch mehr als 40. Bei der Ernte-Tour fuhren die Kinder mit einem Traktor raus, um selbst zu ernten und nach der Rückkehr beim Keltern zu helfen. Jeder durfte sich anschließend einen Kanister voll süßen Saft mit nach Hause nehmen. Auch wenn der Ausflug weniger Kinder angelockt hatte als im vergangenen Jahr, das Gasthaus jedenfalls war am Sonntag „voll”.

 

Mainz

Mit einem Geschmackstest, bei dem das hessische Traditionsgetränk Apfelwein erkannt werden muß, präsentiert sich Hessen bei den Feiern zum Tag der Deutschen Einheit am 2. und 3. Oktober 2001  in Mainz. Teilnehmer am hessischen Stand bekommen je einen Becher mit Apfelwein, französischen Cidre und englischen Cider. Wer das richtige Getränk heraus schmeckt, nimmt an einer Verlosung teil. Außerdem gebe es ein Hessen‑Quiz mit einem Luxus‑Wochenende in einem hessischen Hotel als Hauptpreis. Kinder können am Glücksrad einen Apfel und ein Überraschungs-Ei erspielen. Zu den Einheitsfeierlichkeiten werden rund 300.000 Besucher und zahlreiche Prominente erwartet. Im Hessenzelt unterhalb des Rathauses zeigt die Universität Gießen in ihrem Projekt Telemedizin, wie online Patienten aus verschiedenen Kliniken aus der Ferne diagnostiziert werden können. Die Landesehrenamtsagentur, ein Projekt der Friedensschule Herborn‑Merkenbach zusammen mit dem Freiwilligenzentrum Dillenburg und die Seniorenhilfe Dietzenbach stellen ihre Arbeit vor.

 

Nassauer Land

Die Streuobstroute durch das Nassauer Land ist jetzt in zwei Karten eingezeichnet. Sie sollen Radfahrern und Wanderern die Orientierung erleichtern und zusätzlich wertvolle Tips für Sehenswürdigkeiten, Schutzhütten, Grillplätze und Ausflugslokale geben. Auch andere Wege, etwa der Limeswanderweg, sind in den Karten eingetragen. Die beiden Blätter mit den Titeln „Hohenstein und Umgebung“ und „Aarbergen und Umgebung“ kosten jeweils 3,50 Mark. Sie können über das Internet unter der Adresse www.streuobstroute-nassauer-land.de bestellt werden.                     

 

Um Streuobstwiesen und deren Vermarktung kümmert sich Barbara Helling als Geschäftsführerin des Streuobstwiesenvereins Main-Taunus. Etwa 700 Hektar solcher Flächen gebe es heute noch im Kreisgebiet, erzählte sie: „Das sind nur noch 20 Prozent von jener Fläche, die es in den 60er Jahren hier gab.“ Die Wiesen wurden meist in Bauland umgewandelt, denn der Siedlungsdruck wuchs und wuchs. Die Ursache für den Rückgang sah Barbara Helling jedoch woanders: „Das Obstbaumgeschäft hat sich für die Leute nicht mehr rentiert“, resümierte sie beim Erzähl-Café. Doch in jüngster Zeit zeichne sich ein Umdenken ab: „Man kann nicht von einem Trend sprechen, aber es kommen vor allem junge Leute auf mich zu, die Interesse an der Bewirtschaftung einer Streuobstwiese haben.“

 

Wiesbaden

Der Wiesbadener Streuobstkreis  veranstaltete 2001 eine Apfelweinprobe in einer Kelterei Wiesbaden-Freudenberg. Der Wiesbadener Streuobstkreis hat es sich zum Ziel gesetzt, die landschaftstypischen hochstämmigen Apfelbäume vor der Motorsäge zu bewahren. So wichtig ist ihnen der Erhalt der Streuobstbestände, daß sie die Apfelbaumkultur sogar zum Unterrichtsfach erhoben: Die Jungen und Mädchen der Wiesbadener Geschwister-Scholl-Schule betreuen eine 3,5 Hektar große, von der Stadt gepachtete Wiese mit 183 Obstbäumen. Im Herbst 2000 ernteten sie 80 Zentner Äpfel, die in der schuleigenen Kelterei zu 650 Liter Most und 2.000 Liter Apfelwein verarbeitet wurden. Und zu Apfelschaumwein für besondere Gelegenheiten: „Wir schenken zu Geburtstagen oder Jubiläen nicht irgendeinen Sekt aus“, erzählt Lehrer Michael Geier, „sondern unsere Hausmarke“ - hergestellt nach dem renommierten französischen Rezept der „methode champagnoise“: handgerüttelt und flaschenvergoren. Der Lehrer aus Aarbergen, der auch die Apfelweinprobe in Wiesbaden leitete, kennt die Regeln der Apfelweinherstellung aus der heimischen Kelterei. In Rückertshausen, einem Ortsteil Aarbergens, habe es nach dem Krieg 1.200 Apfelbäume und eine Baumschule gegeben, in den sechziger Jahren seien es gerade noch einmal knapp 100 Bäume gewesen. Mittlerweile hat sich der Bestand wieder auf 440 vergrößert.

 

Diedenbergen (bei Hofheim):

Im Main-Taunus-Kreis werden Privatleute, die kleine Streuobstwiesen besitzen seit sechs Jahren angehalten und motiviert, ihr Kelterobst wieder sorgfältig zu pflegen, es zu ernten - und zu vermarkten. Zum siebten Mal nimmt der Verein „Main-Taunus Streuobst“ im Löwenhof in Diedenbergen Äpfel von Klein-Erzeugern an, zahlt sie aus und läßt die Früchte zu Saft verarbeiten. Der Anreiz ist der Preis  zwischen 30 und 35 Mark pro Doppelzentner, Keltereien zahlen nur etwa die Hälfte.

Der Streuobstverein kann mehr zahlen weil er kontrolliert ökologischen Anbau garantiert und den Saft deshalb auch teurer verkaufen kann. Bei den kleinen Mengen an Boskop, Bohn- und Weinapfel und anderen klassischen Keltersorten, die die Erzeuger anbauen, lohnt sich der Einsatz etwa von chemischen Pflanzenschutzmitteln ohnehin nicht. Für die Einzelpersonen, deren Obstwiesen zum Teil nur 500 bis 1000 Quadratmetern groß sind, rentiert sich aber auch der Beitritt zu einem Verband mit Gütesiegel nicht, wegen der Kontrollgebühren von 400 bis 500 Mark im Jahr. So ein Siegel ist aber notwendig, um den „Öko“-Saft auch zu angemessenen Preisen verkaufen zu können.  Der Verein Main-Taunus Streuobst ist stellvertretend für seine Erzeuger Mitglied bei Bioland, einem seit Jahren bestehenden Verband für ökologischen Anbau mit hohem Bekanntheitsgrad. Für den Verein beträgt die Kontrollgebühr 2.000 Mark, dafür wird der Saft aller Vereinsäpfel dann in Flaschen mit dem Bioland-Logo verkauft. Der Landschaftspflegeverband Main-Taunus-Streuobst, so der korrekte Titel, wurde 1992 von Kommunen, Naturschutz- und Bauernverbänden im Main-Taunus-Kreis gegründet, um die Streuobstwiesen im Vordertaunus zu erhalten.

Kontrolleurin für die Produkte des Vereins ist Barbara Helling, Geschäftsführerin des Vereins „Main-Taunus-Streuobst“. Bei Fahrten durch das Anbaugebiet prüft sie, ob die Bioland-Richtlinien, nämlich der Verzicht auf Kunstdünger und Pestizide, eingehalten werden. Außerdem bietet der Verein Kurse an, wie man Obstbäume richtig beschneidet oder wie man mit natürlichen Mitteln Ungeziefer abhalten kann. In den sechs Jahren des Vereinsbestehens ist die Zahl der Mitglieder von 18 auf 58 Erzeuger gestiegen, die insgesamt 25 Hektar Streuobstwiesen besitzen.

Vom Löwenhof, der für den Streuobstverein als Sammelstelle fungiert, kommt der große rote Container, in dem alles angelieferte Obst nach dem Wiegen landet, in eine private Kelterei bei Weilburg. Bislang verarbeitete die Reha-Kelterei Roter Hamin in Frankfurt-Niederrad das Taunus-Obst. Der Ertrag dieses Jahres übersteigt aber das Volumen des kleinen Betriebes. Anfang November kommen die Main-Taunus-Kelteräpfel dann als Saft in Flaschen mit dem bunten Bioland-Etikett zurück in den Kreis. Supermärkte und Hofläden verkaufen das Getränk für 2,70 Mark je Liter. Kontakt über Telefon 06192/201393.

 

Rettershof (bei Kelkheim):

Beim Erntedankfest auf dem Kelkheimer Rettershof im Jahre konnten sich Besucher ansehen, wie Apfelsaft und -wein entsteht. Der Kleintierzuchtverein Fischbachtal hat unter dem Motto „Tiere zum Anfassen“ dazu eingeladen, den Hof zu besichtigen. Der Fischbacher Obst- und Gartenbauverein eröffnete seinen frisch renovierten Kelterraum. Seit Februar wurde jede freie Minute investiert, um den brüchigen Boden und die nassen Wände im Kelterraum zu erneuern. Alle Mitglieder hätten ehrenamtlich gearbeitet. Nur für das Material mußten sie 40.000 Mark aufbringen. Daß sie gute Arbeit geleistet haben, bescheinigte ihnen auch Bürgermeister Thomas Horn. Der Christdemokrat war zur Wiedereröffnung des 60 Quadratmeter großen Kelterraums gekommen und sah sich selbst einmal an, wie die Fischbacher keltern. Das Obst waschen sie in einer bläulichen, zum Viereck geformten Wanne. „Das ist ein ausrangiertes Verkehrsschild“, sagt Walter Ohlenschläger. Auf dem habe früher einmal Kelkheim am Taunus gestanden. Die gesäuberten Äpfel zermahlt eine Maschine zu klebrigem Brei, der nun unter eine 50 Jahre alte Packpresse kommt. Sie drückt den Saft aus dem Brei, der in die Kellertanks abfließt und allmählich anfängt zu gären. Oder man trinkt ihn vorher als Apfelsaft.

 

Eppenhain (Kelkheim):

„Manschmal denk isch, was soll des alles?“, fragt sich 1992 Peter Glöckner aus Eppenhain im Taunus. Der 50jährige betreibt sein Lokal in Wiesbaden. Seit zehn Jahren nimmt er sich im Spätherbst ein paar Tage frei, um den Apfelwein für Gaststätte und privaten Verbrauch selbst zu keltern. In einem Keller hat er Fässer aus Kunststoff stehen, in denen der gepreßte Apfelmost sich in Apfelwein verwandelt.             

1992  „Manschmal denk isch, was soll des alles?“, fragt sich Peter Glöckner aus Eppenhain im Taunus. Der 50jährige betreibt sein Lokal in Wiesbaden. Seit zehn Jahren nimmt er sich im Spätherbst ein paar Tage frei, um den Apfel­wein für Gaststätte und privaten Verbrauch selbst zu keltern. In einem Keller hat er Fässer aus Kunststoff stehen, in denen der gepreßte Apfelmost sich in Apfelwein verwandelt.

 

 

Wildsachsen:

Zwischen Bremthal und Wildsachsen haben der Eppsteiner Ortsverein des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Verein Main-Taunus Streuobst einen Obstlehrpfad eingerichtet. Im September 1997 wurde er mit zwei geführten Rundgängen eröffnet. Auf dem  4,5 Kilometer langen Pfad kann man nicht nur spazierengehen, sondern auch Wissenswertes über Apfelbäume erfahren. Denn die zwölf Stationen des Lehrpfads sind nur mit einem Nummerntäfelchen in Hüfthöhe markiert. „Wir wollten keine großen, unnötigen Schilder in der Landschaft aufstellen“, erklärt Barbara Helling, Geschäftsführerin von Main-Taunus-Streuobst. Stattdessen gibt es Heftchen mit Informationen über Geschichte und Gegenwart des Obstanbaus kostenlos am Parkplatz neben dem Sportplatz Bremthal, dem Beginn der Route, und am Bienenschaukasten der Familie Fischer in Wildsachsen.

Der Schaukasten des Bioland-Imkers ist Station Sieben. Die Bienen sind wichtige Bestäuber der Obstblüten, Elfie und Hubertus Fischer sind fast ebenso fleißig wie sie: Im Nebenerwerb gewinnen sie den Honig, halten Rhön- und Jakobsschafe, drehen Bienenwachskerzen, verflüssigen Mirabellen, Birnen und Zwetschgen zu Obstbränden, trocknen Apfelringe zu Dörrobst und spinnen die Schafwolle. Die Produkte dieser Arbeit können Spaziergänger bei Fischers erwerben. „Die Verbraucher bestimmen, wie unsere Landschaft aussieht“, sagt Helling. Wer die Streuobstwiesen des Vordertaunus erhalten wolle, müsse auch die entsprechende Erzeugnisse nutzen.

Die Wildsachsener stellten aus den Äpfeln in den vergangenen Jahrhunderten auch einen vorzüglichen Obstessig her, den Hausierer in kleinen Fäßchen ringsum verkauften. Hubertus Fischer will diese Tradition demnächst auch wieder aufgreifen. Gekeltert wird in Bremthal heute noch im Gasthaus „Zum Schwanen“ und im „Schützenhof“. Die Führungen werden auf Anfrage für Gruppen angeboten: Tel. 0 6192 / 201-393.

 

Laubuseschbach

Der Zusatz „aus Laubus‑Eschbach“ erübrigt sich längst, einen solchen Bekanntheitsgrad haben die Produkte des Hauses Heil mittlerweile in der Region erreicht. „Wir haben sie uns wieder geholt“, erzählt Juniorchef Martin Heil, „anfangs verkauften wir zum Beispiel in Wiesbaden erheblich mehr Apfelsaft und Apfelwein als hier vor der Haustür.“ So lange ist das Familienunternehmen noch gar nicht am Markt. Erst nach dem Krieg begann Großvater Heil mit dem Geschäft, nachdem er eine Ziege gegen eine Saftpresse eingetauscht hatte. Heute sind die Heil‑Produkte hessenweit in den meisten Getränkemärkten zu haben. Und darüber hinaus in Aschaffenburg, Würzburg, Mainz oder Koblenz.

Je zu einem Drittel stammt der Umsatz aus Apfelwein, Apfelsaft und - zur Abrundung des Sortiments - aus einer Reihe weiterer Frucht‑ und auch Gemüsesäfte, die zwar nicht im Hause gekeltert, aber selbst komponiert werden. Wie der neue, speziell für Kinder produzierte Sieben‑Beeren‑Saft mit 100 Prozent Fruchtgehalt, der ohne Zuckerzusatz auskommt. Als herbes Gegenteil kommt Limetten-Orangensaft daher, mit dem es sich prima mixen läßt. Den größten Zuwachs erzielen die Heils mit ihren Trauben‑Vital‑Säften, die mit dem begehrten Extrakt aus Weinlaub angereichert sind, dem segensreiche Wirkungen auf die Blutgefäße nachgesagt werden.

Ein Grund für den Wohlgeschmack des trüben, der als „Eschbacher Traditions‑Apfelsaft“ in den Handel kommt, liegt sicher darin, daß es sich dabei um einen Direktsaft handelt, der also nicht aus Konzentrat hergestellt wurde. Wichtiger als dies, betont Martin Heil, seien jedoch die ungespritzten Äpfel alter Sorten von den Streuobstwiesen der Taunusregion. Noch eins drauf setzt Heil mit den Öko‑Säften, für die das Obst (oder Gemüse) aus kontrolliert‑ ökologischem Landbau stammt.

 

Dies alles flankiert das Unternehmen mit einer ganzen Fülle sympathischer Aktivitäten. Wie den alljährlichen Apfelbaum‑Pflegeaktionen zum Beispiel, die zur Zeit wieder anlaufen. Morgen und übermorgen kann man sich beim Erntefest im Hessenpark das Keltern mit historischen Maschinen anschauen. Und dabei Äpfel essen nach Herzenslust. Jetzt im Herbst verwendet man sie auch in der Küche besonders gern. Großmutter Else Heil liebt es, sie für ihren gedeckten Apfelkuchen zu verwenden, der so gut schmeckt, wie er duftet.

In der Kelterei Heil wird seit Jahrzehnten Apfelwein produziert. Die alte Kelterei, die früher mal am Ortsrand der Gemeinde lag, war nach zunehmender Bebauung irgendwann mitten in einem Gewerbe- und Wohngebiet. Vier verschiedene Außenlager mußten angemietet werden - mit logistischen Nachteilen. Weil im Schichtbetrieb produziert wird standen auch die Emissionsbelastungen einer Erweiterung am alten Standort entgegen. Also baute man neu. Der neue Betrieb hat eine Grundfläche von 8.000 Quadratmetern. Am  30.April 1999 wurde der Neubau für 13,5 Millionen Mark des Unternehmens feierlich in Betrieb genommen.

Bei der Entwicklung der Kelterei war eine Ziege nicht ganz unbeteiligt. Und das kam so: Die Idee, Apfelwein und Fruchtsäfte in Laubus-Eschbach herzustellen, hatte Adolf Heil in seiner Gaststätte „Germania“, als es nach dem Krieg kein Bier für den Ausschank gab. Also tauschte er eine Ziege aus seinem Stall gegen eine Apfelpresse ein. Daß der Firmensenior damals bereits auf einen wirtschaftlichen Erfolg mit Saft und Wein aus Äpfeln spekuliert hat; darf bezweifelt werden. Gleichwohl wurde mit dem ungewöhnlichen Tauschhandel der Grundstein gelegt für eine der bedeutendsten hessischen Keltereien, in der heute nach Angaben des Chefs Martin Heil 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für einen Jahresumsatz von zwölf Millionen Mark erwirtschaften.

Mit dem neuen Standort des Betriebs gehören nicht nur Platzprobleme beim Lagern und Produzieren der Vergangenheit an. Immerhin werden hier nicht nur Apfelwein und Apfelsaft, sondern auch Bananen-, Maracuja- oder Gemüsesäfte in Flaschen gefüllt.

 Kelterei Heil, An den Obstwiesen sowie Eschbacher Weg 9, 35789 Laubus‑Eschbach (bei Weilmünster/Taunus), Telefon: 064 75/9131‑ 0, Fax: ‑ 40, Internet www.kelterei‑heil.de, Direktverkauf. Freitag von 13 bis 16 und Samstag von 9 bis 12 Uhr. Unser Marktführer bietet ein Rezept für Gedeckten Apfelkuchen an. Es kann unter der Rufnummer 069 / 2199‑ 33 24 geordert oder per Fax unter 2199 ‑ 32 72 bestellt oder abgerufen werden.

Christoph Heil, Keltereibesitzer in Laubuseschbach blickt 2013 wieder optimistisch in die Zukunft. Es sei seiner Firma und der ganzen Branche gelungen, mit Marketing und neuen Produkten das Image des hessischen Nationalgetränks zu erneuern, sagt Heil. Den Anfang machte vor fünf Jahren der alkoholfreie Apfelwein. Jetzt sind auch Mixgetränke der Renner: Gute Umsätze bringen zum Beispiel der mit Kräuteraromen angereicherte „Hessen Sprizz" und der in diesem Jahr eingeführte „Hessen Hugo“ - eine nach Südtiroler Rezept erstellte Mischung aus Apfelwein, Holunderblütensirup, Prosecco, Limette und Minze? Etliche Kunden kauften diese Produkte allein schon wegen der korpulenten Badeanzuggestalten auf dem Etikett, so Heil.

 

Wehrheim

Wehrheim ist auf dem besten Wege, das Apfeldorf im Taunus zu werden: Gemeinde, Naturschützer und Privatleute pflanzten in den vergangenen Jahren mehr als 1.200 hochstämmige Apfelbäume. Damit ihre Früchte in Zukunft direkt verwertet werden können, will der BUND mit einem Apfelwein-Wettbewerb die Kultur des Kelterns im Ort wiederbeleben. Für aufmerksame Beobachter ist der Wandel in der von Land- und Forstwirtschaft geprägten Taunusgemeinde- Wehrheim schon heute zu erkennen: Baumreihen - mal solo, mal als Allee, mal mit, mal ohne Feldgehölz - säumen wieder Wiesen und Felder rund um das Haufendorf am Fuße der Saalburg. Die meisten Bäume sind Apfelbäume.

Den Grundstein dafür legte die Gemeinde Anfang der 80er Jahre. Damals ließ sie am „Kappengraben“, am nördlichen Ortsrand, ihre erste Obstbaumreihe anlegen. Weil Tafelobst an der Nordseite des Taunus nur schlecht gedeiht, entschied man sich für Apfelsorten, deren Früchte sich überwiegend für die Kelterei eignen.

Bürgermeister und Baumfreund Helmut Michel (CDU), damals noch als Erster Beigeordneter für Natur und Umweltschutz zuständig, leitete damit ein Umdenken in der Landschaftspflege ein.

Viele Obstbaumalleen, die jahrhundertelang das Ortsbild mit geprägt hatten, waren der Flurbereinigung zum Opfer gefallen. Auch Einzelbäume in den Feldern waren verschwunden. „Die Landwirte haben sie als Hindernis für ihre Maschinen angesehen“, sagt Seng. Die erste Apfelbaumreihe stieß noch auf Protest: „Die Bäume stehen auf einem Streifen, den die Bauern zuvor als Wendeweg genutzt haben.“

Heute sind die Neuanpflanzungen im Ort unumstritten. Seit den 90er Jahren bewilligt die Gemeindevertretung dafür im Jahr durchschnittlich 6.000 Mark. Die Bäume wachsen nicht nur auf Gemeindewiesen. Landeigentümer stellen ihre Flächen zur Verfügung. Im Gegenzug verpflichtet sich die Gemeinde, die Bäume zehn Jahre lang zu pflegen, anschließend gehen sie in Privatbesitz über.

Viele Bürger greifen auch selbst zum Spaten. Ein junger Bäckermeister trommelte nach Angaben Gwiasdas vor wenigen Jahren seine Freunde zusammen, um auf einem Grundstück der Familie etwa 50 Obstbäume zu pflanzen. „Andere haben drei oder zehn gesetzt“, weiß der Naturschützer. Der BUND selbst pflanzte zuletzt im November die ersten zehn Exemplare einer Speierlingsallee.

Insgesamt wurden in den letzten zehn Jahren nach Angaben des Vereins mehr als 1200 Apfelbäume alleenartig entlang von Straßen und Feldwegen gepflanzt. Sie könnten in weiteren zehn Jahren, zusammen mit rund 300 Altbäumen, etwa 90.000 Liter Apfelsaft und Apfelwein liefern.

Um die künftigen Erntemengen verwerten zu können, hat sich der BUND die Förderung der Kelterkultur vorgenommen. Im vergangenen Jahr rief der Verein den 1. Wehrheimer Apfelwein-Wettbewerb aus. 20 Hobbykelterer stellten sich der Publikumsjury. Der Erlös kam der Speierlingsallee zugute. Die zweite Runde ist für Sonntag, 13. August, (14 Uhr, auf dem Schwimmbad-Gelände) geplant. Weitere Infos unter Tel.  0 60 81 / 5 97 29.

 

Farbe und Klarheit. Säure und Aroma, Geist und Seele von 20 verschiedenen Apfelweinproben galt es im Mai 1999 beim ersten Wehrheimer Apfelweinwettbewerb zu bewerten. Im Hof der Kelterei Wagner wurde gestern Abend der Erste Wehrheimer Apfelweinkönig gekürt. Von einem bis zu fünf Punkten konnte jeder, der an der Verkostung teilnahm, für einen Apfelwein vergeben. Ein schwieriges Geschäft, stellten viele schnell fest. Vor allem, wenn bei der zweiten oder dritten Runde nur noch die Favoriten im Spiel waren. „Beim letzten Mai hat der Apfelwein mir noch viel besser geschmeckt als jetzt“, stellte eine Verkosterin überrascht fest: Vielleicht hatte ich diesen Wein doch zu hoch eingeschätzt.

Mit der Apfelweinprämiierung wollen der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) und die Kelterei Wagner als Veranstalter die Gemeinde Wehrheim als Apfelweinort stärken. In den vergangenen Jahren, berichtete Gwiasda, seien in der Gemarkung 1.200 Apfelbäume gepflanzt worden. Damit sei Wehrheim auf dem Weg, die wichtigste Apfelanbaugemeinde im Taunus zu werden. Erfolgreich aber könne das auf Dauer nur sein, wenn auch die Infrastruktur stimmt, das bedeutet. wenn es möglichst viele kleinere oder größere Keltereien gibt, die die Äpfel später auch verarbeiten. Denn was rund um Wehrheim wächst, ist Kelterobst. „Und wenn es Menschen gibt, die bereit sind, sich nach den Äpfeln auch zu bücken“, sagt Gwiasda. Das Bücken muß sich auch lohnen, meint er: „Denn nur was Wert hat. wird auch gepflegt.“

.Jeder, der an der Verkostung teilnahm, mußte einen Obolus zahlen. Das Geld kommt in vollem Umfang der am Ortsrand von Wehrheim geplanten Speierlingsallee zugute. Mindestens 50 Bäume soll die Allee aufweisen. Für 310 ist das Geld bereits zusammen. 150 bis 180 Mark kostet ein mehrjähriger Jungbaum.

Der „Goldene Wehrheimer Apfel“, der gestern dem Apfelweinkönig verliehen wurde, ist denn auch aus Speierlingsholz gemacht und nur auf einer Seite ein wenig vergoldet.

Beim Apfelweinfest kamen neben der Verkostung auch Spaß, Spiel und Geselligkeit nicht zu kurz. Die Kindergartenkinder präsentierten ihre Arbeiten zum Thema „Rund um den Apfel“. Für alle Kinder gab es Apfelsaft gratis und gute Unterhaltung mit der Artistengruppe „,Catch-up“.

Daß Apfelwein die schöpferischen Kräfte des Geistes belebt, bewiesen die teils poetischen Beurteilungen, die manche auf ihre Bewertungszettel geschrieben hatten. „Wenn ich am Apfelwein schnüffle, dann träume ich vom Sommer im Garten“ hatte einer vermerkt.  „Wenn ich den Ebbelwoi auf der Zunge spüre, dann bin ich im Himmel“, ein anderer.

 

Mit seinem selbst gekelterten Apfelwein hat Olaf Velte im August 2002  den Wehrheimer Apfelwein‑Wettbewerb für sich entschieden. Als Sieger der mittlerweile vierten Auflage des Stöffche‑Entscheids nahm er den von Bürgermeister Gregor Sommer gestifteten neuen Wander‑Bembel entgegen. Den zweiten Platz teilten sich Detlef Böde und Peter Hafmann. Den dritten Platz belegte Stefanie Horn. Ausrichter waren der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Wehrheim und die Kelterei Ludwig Wagner.

Rund 20 Hobby‑Kelterer aus Wehrheim hatten Proben ihres „Stöffche“ für den Wettbewerb eingereicht. Mehr als hundert Tester entschieden beim gestrigen Schwimmbadfest in einer Art Volksentscheid über den Titel des besten Wehrheimer Hobby‑Kelterers. Mit Aktionen wie dem Apfelweinwettbewerb will sich die Landgemeinde Wehrheim als Apfelgemeinde präsentieren. Helfen soll dabei auch ein Logo, für das bislang 143 Entwürfe von Erwachsenen und 38 von Kindern vorliegen.                     

 

Der hessischen Lieblingsfrucht widmet das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach in im  Herbst 2013 ein ganzes Wochenende: Am heutigen Samstag sowie am morgigen Sonntag wird mit allen Besuchern ein Apfelfest gefeiert. Auf dem Programm stehen verschiedene Führungen rund um die Streuobstwiesen im Hessenpark, eine Apfelsortenschau und Praxis-Vor­trä­ge über das Pflanzen und Pflegen von Obstbäumen.

Wer einen Apfelbaum sein Eigen nennt, kann dem Pomologen des Hessenparks Früchte mitbringen und zur Sortenbestimmung vorlegen. Dabei werden pro Baum mindestens fünf Früchte benötigt. Wer sich einen neuen Apfelbaum zulegen möchte, kann sich beim Baumschulexperten über alte und neue Apfelsorten informieren.

Spannend sind auch die Vorführungen in der museumseigenen Kelterei. Die Besucher können zusehen, wie die Äpfel dort gepreßt werden. Der frisch gekelterte Most fließt direkt in den Ausschank. Im Rahmen der historischen Hausfrauenarbeit wird mit Äpfeln gekocht und gebacken. Äpfel aus dem Hessenpark stehen darüber hinaus zur Verkostung und zum Verkauf bereit. Die Kinder dürfen beim Keltern helfen und natürlich den frischen Most probieren.

In der Hofanlage aus Emstal-Sand sorgt ein Bühnenprogramm für gute Stimmung. Den Weg dorthin weist ein Apfelquiz für die ganze Familie. Außerdem auf dem Programm: eine Lesung von Hessenpark-Mitarbeiter Carsten Sobik, der aus seinem Buch „Von Apfelscheusalen und Mangold-Maiden“ vorträgt. Das Freilichtmuseum ist von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Einlaß ist bis 17 Uhr.

 

Hessenpark

Früh dran war der Hessenpark im Jahr 2001 mit seinem erstmals veranstalteten Apfelmarkt. Doch den wenigen Besuchern, die trotz Dauerregens in das Freilicht‑Museum kamen, schmeckte der erste frisch gekelterte Saft der Saison. Obwohl die Ernte gerade erst begonnen hat, gab es im Hessenpark schon alles rund um den Apfel zu sehen und zu kosten. Alkmene, Cox‑Orange und roter Berlepsch standen kistenweise zum Verkauf Kenner konnten versuchen, die Sorten bei einem Apfelsorten‑Geschmackstest zu unterscheiden. Noch verändern die Früchte allerdings ihren Geschmack. „Die werden noch süßer“, verriet Jörg Reif, der in der Kelterei den Besuchern zeigte, wie Apfelsaft hergestellt wird. Die ersten Äpfel sind gerade erst zum Keltern geliefert worden. Dennoch, den Zuschauern schmeckte der erste Süße schon jetzt. „Viel besser als aus dem Supermarkt“, fand einer. Lange haltbar ist er jedoch nicht. „Wenn er nicht erhitzt wird, fängt er sofort an zu gären“, erklärte Reif

Damit die Kinder bei der Apfelsaft‑Herstellung helfen konnten, hatten die Keltereimitarbeiter extra kleine Pressen aufgestellt. Rund 200 Liter Apfelsaft pro Tag produzierten die jungen Keltermeister. Große Apfelsaft‑Liebhaber genossen Most, Apfelschnaps oder auch Ebbelwei. Ein Lied über das Stöffche singen und viele Geschichten um das hessische Getränk erzählen konnte das Mundart‑Rezitationstheater Rezi‑Babbel. Auch im strömenden Regen brachten die beiden Darsteller die Besucher mit ihrem Programm „Mundart, Bembel und Musette“ unter ihren Regenschirmen zum Lachen.

Wasserfest waren nur die aus Wachs geformten Apfelkerzen, die es am Stand von Hans Schrewe zu kaufen gab. Beim „Unschlitt‑Bossierer“ konnten Besucher auch selber Kerzen ziehen. Eine Reise zu gewinnen gab es für diejenigen, die richtig schätzten, wie viele Apfelkerne sich in einem Bonbonglas befanden.

Vom Stand nebenan wehte der Duft von Kartoffelpuffern mit Apfelmus herüber. Wer sich davon verführen ließ, mußte nicht lange anstehen, denn nur einzelne Apfelmarkt‑Besucher tröpfelten im Hof der Anlage Emstal‑Sand ganz am Ende des Hessenpark‑Geländes ein.

Verlassen im Regen stehen blieb auch die Hüpfburg wegen Rutschgefahr. Doch es gab ja noch andere Unterhaltung für sie. Mit einer Apfelkrone auf dem Kopf und einem selbst gestalteten Blumentopf voller Wiesenblumen‑Samen machte der Apfelmarkt auch bei Regen Spaß. Wo doch so viele rotbackige Äpfel lachten ...

 

Landsteiner Mühle

Den Apfelwein in die Vinotheken bringen: Davon träumt Michael Stöckl. Der Wirt des Apfel-Wein-Bistrorants Landsteiner Mühle in Weilrod im Hochtaunus legt Gästen schon seit den Neunzigern zur Wein- auch eine Apfelweinkarte. Im Jahre 2002 mischte er sich unter die Kelterer beim alljährlichen Apfelweintag im Odenwald. Entgeistert hörte der gelernte Sommelier zu, wie die großen Produzenten über sinkende Absätze lamentierten, die kleinen auf die großen schimpften.

Als Stöckl vorschlug, Apfelwein aus schicken Flaschen in edle Gläser zu füllen, auf daß er in feinen Restaurants Platz finde, lachte man ihn aus. Die Presse verpaßte ihm den Namen „erster Apfelwein-Sommelier Deutschlands“. Vielleicht liegt es an den Genen: Die Familie des Vaters entstammt der Weinbauregion Südtirol, die Mutter einer alten Apfelweinwirte-Dyna­stie aus Kronberg im Taunus. Seit 2005 keltert Stöckl auch selbst.

Das wiederum will Sommelier Stöckl nicht unwidersprochen stehen lassen. Der Mann mit den feinen Geschmacksnerven verkostet seit acht Jahren Apfelweine. Geruch, Aromen, Fehltöne, besondere Noten dank der Beigabe von Eberesche, Speierling oder Quitte. Auch in der Landsteiner Mühle werden die sortenreinen Arten im Riesling‑Glas serviert: „Durch den leicht nach außen gewölbten Rand kann die Zungenspitze besser die Restsüße des Weins schmecken.“ Nach Schätzung Stöckls setzen etwa drei Handvoll kleinere Keltereien in Hessen auf sortenreine Apfelweine: „Die Qualität ist allerdings sehr unterschiedlich, weil den Herstellern bislang die Erfahrungen im Keller fehlen.“ Die „Mühle“ bezieht ihre Weine vor allem von Andreas Schneider aus Frankfurt und von Jörg Stier aus Maintal. Auch der „Äpfelwalzer“, der in der Odenwälder Kelterei Dieter Walz nach dem Champagner‑Verfahren hergestellt wird, fehlt nicht.

Bislang wird Stöckls Apfelwein‑Faible von seinen Sommelier‑Kollegen belächelt. Doch Stöckl gibt nicht auf und bringt jedes Mal wieder einige Proben zu Verköstigungen mit. „Inzwischen sind einige Tester immerhin neugierig geworden.“ Um die „Edelmarken“ besser vermarkten zu können, fordern die Keltereien einen hessenweiten Wettbewerb mit der Prämierung eines „Apfelwein des Jahres“. Entsprechende Vorbereitungen laufen laut Gastwirt Treusch bereits beim hessischen Wirtschaftsministerium. Die größten Widerstände kommen dabei jedoch aus den eigenen Reihen. So fürchtet Heil, daß die Riege der Gourmet‑ Vorkämpfer in ihrem Eifer den herkömmlichen Apfelwein „schlecht reden“ könnte.

 

Kronberg

Bei den Gründern der Kelterei Herberth, Maria und Georg (senior) Herberth, und ihren Kindern Georg (31), Stephan (30) und Christiane (27) dreht sich alles um Äpfel. Aus den Äpfeln aus heimischen Streuobstbeständen in Taunus, Spessart und Wetterau keltern sie vier Sorten Apfelwein (mild, Urschoppen, Speierling, „Gespritzter“) und die Apfelsäfte („Kronberger Premium“, naturtrüb und klar). Daß ausschließlich reifes Obst gepreßt wird, ist Ehrensache. „Wirft einer Schrott aufs Band, muß es wieder runter“, schimpft der geradezu fanatische Qualitätsverfechter.

Die heimischen Streuobstbestände sind wegen der vielen Nachtfröste besonders robust und säurebetont und stammen von eher spät blühenden Sorten wie Trierer Weinapfel, Schafsnasen, Oldenburger, Boskop, Anhalter und den harten Bohnäpfeln. Obwohl auch sie je nach Standort und Klima völlig unterschiedlich ausfallen, bringen sie den Säften und Apfelweinen die nötigen Öchsle von über 50 Grad, und den von Kennern gelobten besonders „apfeligen“ Geschmack. Auch bei der Apfelsaft- und Apfelweinherstellung erweist sich die Kunst des Kellermeisters in der Mischung. Den gleichbleibenden Geschmack garantiert ein Verschneideplan, den Georg Herberth senior mit Sohn Stephan - in Geisenheim zum Getränke-Ingenieur ausgebildet - ausklügelt.

Urgroßvater Georg I. wußte schon 1910 ein ähnlich herzhaftes „Stöffche“ für den Eigenbedarf herzustellen wie den klassisch herben „Speierling“ von heute. Die gleichnamige würzig-herzhafte Apfelsorte gilt als Lieblingsschoppen fortgeschrittener Apfelweingenießer. Vor knapp 30 Jahren, als es mit der Landwirtschaft immer schlechter lief, faßte Georg Herberth einen folgenreichen Entschluß und gab die Viehwirtschaft zugunsten der Kelterei auf. Die Erfolgsgeschichte der Spezialkelterei Herberth nahm ihren Lauf.

Mittlerweile ergänzen Apfelbrand und „Apfel-Champagner“, ein in traditioneller Flaschengärung versekteter Apfelwein, das Sortiment. Wegen des Protests der Champagner-Hersteller durfte der zwar nicht „Apfel-Schampes“ heißen und steht nun als „Apfel-Klassiker“ im Verkaufsregal. Sein „Klassiker“ reift gut zwölf Monate lang auf der Hefe, und wie beim berühmten „Bruder“ aus der Champagne entscheidet auch beim versekteten Apfelwein die Dosage, ob das fertige Produkt „herb“ (15 Gramm Restsüße) oder „extra herb“ (3 Gramm Restsüße) ausfällt. Durch die Versektung kommt der „Klassiker“ auf maximal 7,5 Prozent Vol.

Im Jahre 1993 verlegte die Spezialkelterei ihren Firmensitz vom Niederhöchstadter Bauernhof aufs Gelände der stillgelegten Kronthal-Quelle im idyllischen alten Bad Cronthaler Kurpark (links auf der Wiese außerdem die Theodorusquelle).

Auf Drängen der Kronberger Stadtväter nahmen die Herberths auch das Abfüllen des jodhaltigen Quellwassers wieder auf. Seither steht das seit über 400 Jahren bekannte „Kronthaler Mineralwasser“ nicht nur wieder in vielen lokalpatriotischen Kronberger Haushalten auf dem Tisch, sondern ebenso in der lokalen Gastronomie. Allen voran das renommierte Hotel „Sonnenhof“ in Königstein.

Damit viele Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet die Apfelblüte im Mai miterleben können, gehörte Herberth senior zu den Initiatoren der „Apfelwein- und Obstwiesenroute“. Der Rad- und Wanderweg führt quer durch den Main-Taunus-Kreis zu Keltereien, Gastwirtschaften und Landwirten, bei denen sich alles um Äpfel dreht. Beim „Tag der offenen Tür“ - Mitte Mai zur Apfelblüte - und im Oktober zur Kelterzeit herrscht in Kellern und Höfen Volksfesttrubel.

Einziger Wermutstropfen für „auswärtige „ Apfelfans: Die Spezialitäten der Herberths, die sich trotz ihrer außergewöhnlichen Qualität (seit vielen Jahren DLG-prämiert) durch marktübliche Preise auszeichnen, sind ausschließlich in den drei firmeneigenen Getränkemärkten in Kronberg-Kronthal, Niederhöchstadt und Oberhöchstadt erhältlich. „Wir machen ein regionales Produkt für den regionalen Markt“, kommentiert Herberth. „Für uns gehört schon der Hunsrück zum Ausland.“ Mancher Herberth-Fan kann es trotzdem nicht lassen, und „exportiert“ Apfelwein in Privatinitiative. Wie der Weinhändler in Hamburg, der nach Besuchen in seiner hessischen Heimat stets mit einem voll beladenen Auto nach Norden fährt - vollgepackt mit Apfelwein von Herberth. Hier die Adresse: Spezialkelterei Herberth, Im Kronthal 12-16, 61476 Kronberg im Taunus, Tel. 0 6173 / 40 64 oder per Fax: 06173/4433.

Georg Herberth hat in Kronthal einen Apfelweingarten eröffnet. Direkt neben seinem Getränkemarkt, an den Kronthaler-Quellen können dort rund fünfhundert Menschen Platz finden, auf einer Anhöhe unter Bäumen auf altem Parkbestand. Und die vielen Ausflügler, die zum Wassertreten oder Entspannen zu dem lauschigen Quellpark kommen, müssen sich nicht mehr allein am Kronthaler Quellwasser laben. Sie finden es aber, abgefüllt als Mineralwasser; auch im Gespritzten. „Das ist so eine schöne Ecke hier, der Quellpark ist in der Nähe, das Tretbecken. Ich wollt den Bürgern zusätzlich was bieten“, sagt Georg Herberth. Zu Bier und Apfelwein bietet er nun Hausmacher Wurst, Handkäs und andere deftige Speisen an, „die gut zu Wein passen“. Damit, sich kleine Gäste nicht langweilen, hat Herberth einen Sandkasten angelegt. Außerdem können sich in einem Außengehege vier Hasen angucken. Der Apfelweingarten liegt im Kronthal 12-16 in Kronberg; er ist geöffnet freitags und. samstags von 16 bis 23 Uhr, sonntags von 11 bis 21 Uhr.

 

Georg Herberth ist gelernter Landwirt, wie Vater und Großvater schon Landwirte waren. Sie betrieben auch eine Dreschmaschine. Weil’s beim Dreschen ungemein staubt, hatte das Bedienungspersonal, „Dreschmaschiner“ genannt, jederzeit tüchtig Durst. Und da es auch Streuobstwiesen gab und zum Glück bis heute gibt, kelterten Herberths stets Apfelwein.

Die rund 2.000 Liter, die man aus eigenem Obst zu keltern pflegte, hielten beim großen Durst der Dreschmaschiner nicht lange vor. Georg Herberths Vater fand bereits beim Verkosten der Kelteräpfel heraus, wie groß der Anteil der verschiedenen Sorten sein mußte, damit der Schoppen die richtige Säure bekam.

Herberth Senior hatte, wie auch seine Nachfolger, unter alten Sorten die Wahl. Gehören doch rund 500 Apfelbäume zum Betrieb; der älteste, ein Boskop, steht schon seit 180 Jahren. Wie schon seine Vorfahren, pflegt auch Georg Herberth die alten Sorten: Trierer Mostapfel, Schafsnasen, Anhalter, Bohnapfel, und wie sie alle heißen.

1970 entschloß man sich dazu, Apfelwein für den Verkauf zu keltern. Auch der fand raschen Absatz, Kunden kauften wie die Scheunendrescher. All das geschah noch in Niederhöchstadt, am mitten im Ort gelegenen Stammsitz der Familie Herberth; Verdruß mit den Nachbarn blieb da nicht aus.

Als die Stadt Kronberg (nach unguten Erfahrungen mit einer Frankfurter Brauerei) dann einen neuen Betreiber für die Kronthal-Quelle im gleichnamigen idyllischen Tal suchte, griffen die Herberths zu und übernahmen Quelle wie Betriebsgebäude auf dem weitläufigen Anwesen in Erbpacht. Hier konnten sich keine Nachbarn gestört fühlen. „Wir sitzen in der Natur und machen Naturprodukte“, so sieht der Chef die Lage heute. Frau Maria und die beiden Söhne, Kaufmann der eine, in Geisenheim studierter Getränkeingenieur der andere, arbeiten mit in der Firma.

Drei Sorten Apfelwein fließen aus der Kelter: herzhaft mit Speierling der eine, mild-bekömm­lich der andere und ein „Urschoppen“, der auch direkt aus dem Faß zu haben ist. Sodann naturtrüber und klarer Apfelsaft; klarer Apfelbrand, 45 Prozent, fünf Jahre gelagert; und der Apfelklassiker herb, versekteter Apfelwein, handgerüttelt und in ehemaligen Wasser-Vorratsstollen unterirdisch gelagert.

Abgefüllt wird nur in Mehrwegflaschen. Und weil der Senior keinen Sinn darin sieht, Apfelwein „durch die Gegend zu karren“, ist er auch nur im näheren Umkreis zu haben. Im „Apfelweingarten“ zum Beispiel, der von Mai bis Oktober geöffnet ist. „Während die Alten unter den Bäumen sitzen“ und es sich wohl sein lassen beim Schoppen, bei kalten und warmen Speisen, haben es auch die Kinder gut. Sie können sich „in acht Kubikmeter gereinigtem Sand“ oder mit Spielzeug vergnügen und Hasen streicheln. Mit dem Kronthaler Apfelwein läßt sich ein leckerer Kuchen backen. Ob Herberths heiße „Apfelbombe“ dazu schmeckt, muß jeder für sich entscheiden; kalte Füße erwärmt sie jedenfalls auf der Stelle.

Spezialkelterei Georg und Maria, Georg und Stephan Herberth, Im Kronthal 12-16, 61476 Kronberg (Richtung Mammolshain), Telefon 06173-4064, Fax: 4433, Montag bis Freitag 8-18,30, Samstag 8 - 14 Uhr.

Unser Marktführer bietet ein Rezept für Apfelweinkuchen an. Es kann telefonisch unter der Rufnummer 0 69 / 2199 - 33 24 geordert oder per Fax unter 2199 - 32 72 bestellt oder abgerufen werden.          

 

Um den Titel „Kronberjer Äppelweimaaster 1998“ bewarben sich 29 Teams. Proben ihres selbstgekelterten Stöffches warten nun bei Richard Jung auf die Jury. Erst am 10. Oktober beim Apfelmarkt werden die Sieger bekanntgegeben. Abgabe- und Verkostungsstelle ist traditionell bei der Familie Jung in der Grabenstraße 2. „Es wird von Jahr zu Jahr mehr“, sagt Cornelia Jung. Zwölf Teilnehmer machten im ersten Jahr mit, nachdem die Idee auf dem Kronberger Apfelmarkt geboren worden war.

Der Aktionskreis „Lebenswerte Altstadt“ und der Obst- und Gartenbauverein als Ausrichter verzeichneten steigendes Interesse, und um dem Wettbewerb den verdient würdigen Rahmen zu geben, legten sie die Preisverleihung in die Hände des „Thäler Pärchens“. Das sind die „Miss Bembel“ und der Thäler Bürgermeister, die der Thäler Kerbeverein jedes Jahr kürt. Da findet sich mitunter Uriges: „Was is’n des?“ fragte sich das Kampfgericht einmal angesichts einer merkwürdigen Kostprobe. Da hatte doch tatsächlich einer Rhabarbersaft beigemischt. Die Jury spülte mit zwei Gläsern Wasser nach.

Sieger wurden Karlheinz Jäger (1995) und Rolf Weidmann (1996) und die „Schobbebrüder Hessekittel“. Sie geben beispielsweise Quitten dazu. Ihr Klub hat sein Domizil in einem kleinen Häuschen an der Eichenstraße. Das ist ein Volksfest, wenn wir keltern“, sagt Armin Geisel. Ihre Kelter haben sie vom Gasthaus „Grüner Wald“ übernommen. Sieben, acht Zentner Äpfel nimmt das Monstrum für eine Pressung auf. Und verliert dabei schon mal ein bißchen Öl. „Da sei nichts zu machen“, hieß es, als sie die Kelter reparieren lassen wollten: „Das Gerät ist 45 Jahre alt - Sie keltern mit einer Antiquität.“ Vier Wochenenden waren die „Hessekittel“ mit bis zu 20 Leuten an der Arbeit. Resultat sind - und jetzt festhalten - rund 3.000 Liter Apfelwein. „Das geht einem zum Schluß schon auf den Wecker“, gesteht Alex Jäger, besonders wenn du nachts nochmal Äppel sammeln kannst, weil die Ballons noch nicht voll sind. Bisher haben sie den Wein immer in Glasballons gefüllt, letzten Herbst erstmals auch in drei Fässer.

Im Jahr 2000 hat sich der hat sich zudem zum Umwelt-Festival. gemausert. Informationen über die Wälder der Region, Streuobstwiesen, Klimaschutz, Bienen oder den neuen Stadtbus präsentieren Stadt und Vereine genau so schmackhaft wie zehn und mehr unterschiedliche Apfeltorten. Die Apfelfreunde sind zum „Quiz“ aufgerufen. Viele stehen vor dem Präsentationstisch, auf dem zwölf verschiedene Sorten darauf warten, mit richtigen Namensschildern versehen zu werden. Die Ratefreude ist groß - und zwölf Gewinner erhalten jeweils eine Steige „Edelobst aus Kronbergs schönsten Lagen“. Am späten Nachmittag sind die Kuchenbleche geleert, die Besucher sitzen gemütlich beim „Stöffche“ im Freien. Umschwirrt von Wespen, die genau so gern vom Kuchen naschen wie die Menschen. „Äppelwoimaster“ wurde unter 31 Hobby-Kelterern die  Keltergemeinschaft „Äppelschüttler“.

Da paßt es gut ins Programm, den mit 1.000 Mark dotierten Umweltpreis der Stadt an diesem Tag zu vergeben. Georg Briehn, engagierter Vogelfreund und in Umweltorganisationen aktiv, erhält ihn. Er hat im Stadtpark, im Burggelände und auf Friedhöfen Nistkästen installiert und betreut deren Bewohner.

 

Im Jahr 2000 übernahm Heiko Fischer den Vorsitz des Obst‑ und Gartenbauvereins Kronberg ‑ eines traditionsreichen Vereins in der vom Klima verwöhnten Kleinstadt am Südhang des Taunus. Hier wirkte vor zwei Jahrhunderten der berühmte Johann Ludwig Christ (1739 ‑1813) nicht nur als Oberpfarrer, sondern als einer der Begründer der deutschen Pomologie. Das ist die Lehre von den Obstgehölzen.

Heiko Fischer ist gelernter Elektromechaniker mit vielen Jahren Berufspraxis. Auf seiner Visitenkarte aber steht: „Baumwart für Obstgehölze“. Seit seinem vorzeitigen Abschied aus dem Erwerbsleben widmet der heute 59‑Jährige seine ganze Kraft und Zeit dem Obstanbau, speziell der Pflege heimischer Apfelkulturen, und ganz besonders der Rettung des Speierlingsbau­mes.

Heiko Fischer: Der Obstanbau bei uns ist ein Teil unserer ursprünglichen Kultur und Lebensweise. Rhein‑Main war einst das Zentrum des Obstanbaus in Deutschland. Den hohen Wert von selbst erzeugtem oder in der Region gewachsenem Obst möchte ich nachfolgenden Generationen mitgeben. Wer Äpfel aus Kronberg, Kriftel oder Maintal schätzt, achtet auch die Streuobstwiesen, respektiert auch die Natur und bemüht sich, die bedrohte Erde zu schützen.

Erkennen Sie einen Erfolg Ihrer und der Arbeit anderer Obstfreunde? Tatsache ist doch, daß unverändert im engeren Rhein-Main‑Gebiet immer mehr Streuobstwiesen dem Siedlungs‑ und Straßenbau zum Opfer fallen.

Ich setze auf die jungen Leute. Immer mehr von ihnen haben Spaß am Selbstkeltern. In diesem Jahr beteiligen sich allein aus Kronberg 40 Hobbykelterer an einem Apfelwein‑ Wettbewerb. 60 Apfelweinfreunde bewarben sich an einem offenen Schoppen‑Wettbewerb in Königstein‑Mammolshain um den Titel des Apfelweinkönigs. Diese Leute haben ein ureigenes Interesse an der Pflege des alten Baumbestandes und an der Neupflanzung insbesondere der Sorten, aus denen ein ordentlicher Schoppen gemacht werden kann. Der Arbeitskreis Streuobstwiesen in Kronberg vermittelt Baumgrundstücke, deren Eigner zu alt für deren Bewirtschaftung sind, an interessierte junge Leute und organisiert Pflegeverträge und die Qualifizierung der neuen Nutzer.

Immer mehr Hofläden und Marktbeschicker bieten unser heimisches Obst an. Immer mehr bewußte Kunden sind bereit, den höheren Preis dafür zu bezahlen. Die Produkte der industriellen Apfelweinhersteller haben ihre Seele verloren. Sie sind in ihrer Qualität beliebig, fast austauschbar geworden. Der Markt verlangt angeblich von jeder Marke einen stets gleichbleibenden Geschmack mit stets gleicher Säure. Einige Kelterer waren in der Vergangenheit nicht immer ehrlich, wenn es um Prädikate wie „aus heimischen Äpfeln“ ging oder um die Veredlung mit dem bitteren Saft der Frucht des Speierlings. Wo Speierling draufsteht, muß nämlich nicht zwingend Speierling drin sein. Solche Dinge machen unglaubwürdig. Mit neuen Kunstnamen für den guten Apfelwein und fragwürdigen Mischungen sind auch keine neuen Freunde zu gewinnen.

Es ist zwar lobenswert, wenn neue hochstämmige Obstbäume gepflanzt werden, doch ist diese Investition vergeblich, wenn in den folgenden Jahrzehnten nicht sichergestellt ist, daß kundige Leute die jungen Bäume betreuen. Das heißt Pflanzschnitt, Erziehungsschnitt, wässern im Hochsommer, Kontrolle der Stützen... Die Folgekosten sind höher als die reinen Pflanzkosten. Das müssen die Politiker bedenken, wenn sie sich bei Pflanzaktionen feiern lassen.

 

Der Kronberger Apfelmarkt bietet viel mehr als nur Äpfel: Tips zum Energiesparen und über Solaranlagen für den Klimaschutz, Informationen über Lebensmittel aus der Region, über Honig und Bienen, Wespen und Hornissen und eine Apfelnarktrallye. 43 Stöffche‑Proben reichten Hobbykelterer im Jahr 2001 für den "Äppelwoimaaster" ein ‑ mehr als jemals zuvor.

Blauer Himmel und warmer Sonnenschein locken schon Samstagmorgen so viele Besucher zum 15. Apfelmarkt auf den Berliner Platz in Kronberg, daß an den Bänken und Tischen die Sitzplätze knapp werden. Die Apfelverkäufer haben alle Hände voll zu tun, die Geschmacksvarianten ihrer Früchte zu erläutern und sie für ihre Kunden kiloweise abzuwiegen. Die duftenden Sauerteigbrote, vor Ort im Steinbackofen gebacken, gehen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Apfelwein und frisch gekelterter Apfelsaft fließen in Strömen und vor den Ständen mit Bratwurst, Steaks, gebratenen Kartoffeln, Apfelkuchen und Kaiserschmarrn, von einer Österreicherin nach Mutters Rezept zubereitet, bilden sich Schlangen.

In der Stadthalle bietet das städtische Umweltamt hochstämmige Obstbäumchen für zehn Mark an. Kompetent und ausführlich erhalten die Käufer dazu Pflegeanleitungen und einen Gutschein für einen Schnittkurs beim Obst‑ und Gartenbauverein, damit die Bäume später auch ergiebig tragen. Am Stand nebenan können Apfelbaumbesitzer anhand mitgebrachter Früchte vom Apfel‑ und Obstbaumexperten des Hessischen Naturschutzzentrums in Wetzlar bestimmen lassen, welche Apfelsorte es ist, die in ihrem Garten wächst.

Mit besonderer Spannung wird am Nachmittag die Prämierung des „Kronberger Äppelwoimaasters 2001“ erwartet. 43 Proben, so viele wie noch nie zuvor, haben Kronberger Hobbykelterer dieses Jahr für den zum sechsten Mal stattfindenden Wettbewerb abgegeben. Zählt man die Mitglieder der Keltergemeinschaften mit, waren es 70 Teilnehmer.

Fachleute wie Georg Herberth von der Kelterei in Kronthal haben die „Stöffche“ nach den DLG-Richtlinien begutachtet. Bewertet wurden Farbe, Aussehen Volumen und natürlich der Geschmack. Mit lautem Jubel nahmen die Sieger den Wanderpokal, auf dem alle bisherigen Äppelwoimaaster verzeichnet sind, entgegen. Die Keltergemeinschaft „Schoppebrüder Hessekittel“ rund um Armin Geisel haben gewonnen. „Speierlingspapst Heiko Fischer ist Zweiter  Vorsitzender und hatte auf Georg Briehn als Sieger getippt, der aber nicht unter die drei Besten kam.

 

Mammolshain (bei Königstein):

Die Kur-GmbH hatte im Mai 2000 erstmals zur „Apfelweintafel“ geladen und mehr als 50 Leute kamen. Die Kulisse auf der Streuobstwiese des Landwirts Bernd Heckenmüller ist geeignet, alle gängigen Sprüche über die Leichtigkeit des Lebens in Erinnerung zu rufen. Während die Kinder in einem Traktor begeistert über die Wiese tuckern, erfährt ein schmunzelndes Publikum, daß der Apfelwein nur aus dem „Riffelglas“ getrunken wird, das 0,3 Liter faßt. Wenn es nur 0,25 sind, ist es ein „Beschisserglas“. Die Schauspieler Wolfgang Kaus und Hans Zürn vom Volkstheater Frankfurt verstehen, mit Gedichten und Prosa fast sämtliche Geheimnisse um den „Ebbelwei“ zu lüften. Schmackhaft angereichert mit Mammolshainer Apfelwein und Apfelsaft, deftiger Leber- und Blutwurst, Apfelschnaps und -Sekt.  Bernhard Bunte vom Obst- und Gartenbauverein Mammolshain und seine Kollegen sorgen für die Bedienung der Gäste und Kurgeschäftsführer Rainer Kowald für die Begrüßungssprüche.

 

Rosbach

Der Rosbacher Bauernmarkt an der Adolf-Reichwein-Halle ist jeden Freitag von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Er erfreut sich seit 2001 einer wachsenden Stammkundschaft nicht nur aus der Wetterau. Vom Erzeuger aus der Region direkt auf die Verkaufstheke: Mit vielen heimischen Produkten, von Käse, Obst und Wurst bis zu Honig und Holundersaft. Einer der Markt‑Beschicker ist Werner Appel. Anfangs habe er sich immer hinter seiner Frau versteckt und geflüstert: „Regina, mach du das“, heute mache ihm das Bedienen seiner Kunden großen Spaß, sagt der Florstädter Landwirt Werner Appel. „Anfangs“ war 1986: Auf ihrem Ackerland hatten Appels damals erstmals Mais angebaut und die Idee, die Früchte nicht nur vor Ort zu verkaufen, sondern die Kunden selbst ernten zu lassen. Aufgrund des „Chaos“, das dann ausbrach, hatten sie diese Strategie aber nach nur einem Tag wieder geändert und stattdessen in einer Holzhütte auf dem Acker bereits geernteten Mais verkauft.

Seither hat sich aber nicht nur Appels Umgang mit der Kundschaft verändert ‑ was vor 16 Jahren als Notlösung begann, ist zu einem lohnenden Geschäft geworden: Die Florstädter pflanzen fast auf ihrer gesamten, 4,5 Hektar großen Ackerfläche und zwei Gärten à 600 Quadratmeter Mais an.

Früchte zur Saftproduktion sind nach und nach hinzugekommen. Jährlich erzeugen Werner und Regina Appel rund 1500 Liter frisch gepreßten Apfelsaft, so genannten „Süßen“, 800 Liter Holunderblütensirup, 150 Liter Himbeer‑, 60 Liter Erdbeer‑ und 800 Liter Holunderbeerensaft, sowie 1000 Liter Apfelwein.

Die Produktpalette unterscheidet sich wesentlich von der früherer Appel‑Generationen: Wo heute Flaschen und Kanister lagern, war ursprünglich der Schweinestall, wo Beerenpresse und Gasflaschen stehen, wohnten Kühe und Rinder, wo der Traktor seinen Platz hatte, parkt heute der Marktanhänger. Ein Holzbalken an der Hausfassade, 1831 von Conrad Appel geschnitzt, zeugt von der Geschichte der Landwirtsfamilie. Getreide und Viehzucht habe sich immer weniger gerechnet, sagt Appel, der den Hof nach und nach mit seiner Frau, seiner Mutter Hilde und dem bereits verstorbenen Vater Heinz umstrukturiert hat.

Die Resonanz auf Mais und Säfte ist so positiv, daß Werner Appel vor fünf Jahren sogar einen eigenen Kühlraum in der Scheune bauen ließ. Denn ihre Kühltruhe habe bald nicht mehr ausgereicht, eine zweite und dritte, vierte, bald sogar die 13. nicht mehr. Ein paar Jahre brachten Appels daher ihren Mais in ein industrielles Kühlhaus, fänden die eigene Arbeitsweise aber effektiver: Statt 20 Kartons stellen sie nur vier auf eine Palette ins Gefrierfach ‑ so frostet der Mais schneller. Im August und September, den Mais‑Erntemonaten, bringen Appels mit Helfern schon ab sechs Uhr morgens Mais ein, schälen ihn in der Scheune, „und bereits um 14 Uhr ist alles gefroren“, erklärt der Landwirt.

Mittlerweile ist Appel nicht nur Experte für Mais und Fruchtsäfte, sondern auch begeisterter Verkäufer. Von Beginn an sind seine Frau und er auf dem Rosbacher Bauernmarkt, wo eine „erstklassige Atmosphäre“ herrsche, die Kunden meist freundlicher und weniger hektisch als in der Stadt seien. Das sagt Appel und bezieht sich auf seine Erfahrungen mit dem Bauernmarkt in Frankfurt. Nur die Zeit behagt Appel nicht: Er möchte früher als um 15 Uhr mit dem Verkauf beginnen.

 

Eschborn

Zwischen Eschborn und Weiskirchen wurde 1999 eine „Weltpremiere“ gefeiert, wie Poss­mann-Verkaufsleiter Horst Bartel das Ereignis nannte: Ebbelwei-Königin Christina I. taufte den ersten Ballon im Bembel-Design, einen „Himmlischen Bembel“.  Die 33 Meter hohe Hülle, die mit 3600 Kubikmeter heißer Luft aufgepumpt wurde, soll künftig als Werbeträger für die Kelterei aufsteigen. Eintrachtspieler beteiligten sich an der Gaudi und verscheuchten so düstere Gedanken nach der Niederlage gegen die Bayern.

 

Niederhöchstadt (bei Eschborn):

Aus dem fünften Niederhöchstädter Apfelfest im September 1999 gingen am Samstag drei Bürgerliche als Blaublütige hervor. Bernhard Solkas Apfelwein schmeckt am besten. „Er hatte das beste Aroma. Sehr vollmundig. Bei anderen fiel die Blume sehr schnell zusammen“, faßt Birkert die langwierige Auswahl in knappes Expertenlatein, das keinen Widerspruch duldet. Nicht ganz so aromatisch, doch immer noch von herausragender Qualität waren die Apfelweine von Helmut Ruppel und Josef Hanka. Ihre Kelterkünste brachten ihnen immerhin die Titel Prinz und Ritter ein. 400 Liter Apfelwein produziert Prinz Helmut Ruppel pro Jahr. Die Erhebung in den Adelsstand hat bei ihm den Ehrgeiz geweckt, im nächsten Jahr ein noch besseres Stöffchen zu keltern. Deshalb schenkt der Prinz dem neugekrönten König Bernhard Solka auch gleich reinen Wein ein: „Der nächste König, das bin ich“, versichert er.

Beim 6. Niederhöchstädter Apfelfest im Jahre 2000 kürte der Obst- und Gartenbauverein König, Prinz und Ritter des Apfelweins. König wurde Der 16jährige Jan Förster. Er arbeitet oft im Garten seiner Nachbarn, mäht dann den Rasen, rupft Unkraut oder gießt Blumen. Hauptsache, er könne sein Taschengeld ein bißchen aufbessern, sagt er: „Ich möchte mir nämlich bald 30 neue Bäume kaufen.“ Sieben stehen bereits auf der 2.500 Quadratmeter großen Streuobstwiese in Eschborn, die ihm seine Oma für sein Hobby bereit gestellt hat: Der Schüler kümmert sich schon seit fünf Jahren um seine selbst gepflanzten Apfelbäume, beinahe väterlich, „es ist eben mein Hobby“. Der Schüler ist der jüngste Aktive im Obst- und Gartenbauverein Niederhöchstadt.

 

 

Südliches Rhein-Main-Gebiet

 

Aschaffenburg

Streuobst-Initiativen aus Hessen besuchten im Mai 2005 das Schlaraffenburger Streuobst-Projekt des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) und der Stadt Aschaffenburg. Sie informierten sich über die Organisationsstruktur und den Stand des Projektes. Die gewonnenen Erfahrungen aus dem Aschaffenburger Projekt wollen sie jetzt für ihre künftige Naturschutzarbeit nutzen. „Das Schlaraffenburger Streuobstprojekt ist mittlerweile weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und hat Vorbildcharakter“, erklärte Frank Bremer vom Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis. Unter seiner Federführung kamen über 30 Vertreter der Arbeitskreise Streuobst aus Rodenbach, Maintal, Nidderau, Gelnhausen, Langen und aus Friedrichsdorf im Taunus nach Schweinheim in die Gutsschänke, um sich über das Projekt zu informieren.

In den Arbeitskreisen sind Behördenvertreter und ehrenamtliche Naturschützer vertreten. Sie sind in ihren Gemeinden im Streuobstwiesenschutz aktiv und möchten ähnliche Projekte initiieren. „Ziel der Veranstaltung ist auch, die regionalen Initiativen über die politischen Grenzen hinaus zu vernetzen und persönliche Kontakte aufzubauen”, erläuterte der Schlaraffenburger Projektleiter Alexander Vorbeck. So würden beispielsweise die zahlreichen Schnitt- und Sortenbestimmungskurse des LBV auch von den Nachbarn genutzt.

Konkret soll in Aschaffenburg ein gemeinsamer länderübergreifender Veredelungskurs stattfinden. „Das als Streuobstzentrum geplante Main-Appel-Haus' in Frankfurt könnte künftig als Plattform für den Informationsaustausch zum Thema Streuobst in Rhein-Main dienen”, meinte Bremer. „Das Ziel des Projektes ist es, mit der wirtschaftlichen Nutzung der Streuobstwiesen den Lebensraum für den vom Aussterben bedrohten Steinkauz zu erhalten”, erklärte LBV-Landesvorstand Dietrich Böhme.

Mit der Vermarktung von Streuobst-Apfelsaft habe man einen neuen Weg in der Naturschutzarbeit eingeschlagen. Für Marc Busse, zuständiger Abteilungsleiter bei der Stadt Aschaffenburg, hat das Projekt eine Dimension, die mittlerweile weit über den Naturschutzaspekt hin­ausgehe. „Für uns sind auch der Erhalt der Kulturlandschaft und die Stärkung regionaler Wirtschaftkreisläufe von Bedeutung. Der ‚Schlaraffenburger’ trägt als starke regionale Marke zur Identifikation mit der Region bei”, sagte Busse. Als wichtigen Erfolgsfaktor nannte Vorbeck die breite Kooperation aus Naturschutzverband (LBV), Kommune (Stadt Aschaffenburg), den Keltereien Saier, Rothenbächer und Stenger (Goldbach) und den zahlreichen Streuobst-Bewirtschaftern. „Jeder bringt das ein, was er am besten kann.”

Ende vergangenen Jahres bestanden insgesamt 52 Verträge mit Flächeneigentümern mit über 3300 Obstbäumen auf 149 Obstwiesen. Die Erntemenge konnte aufgrund der günstigen Witterung im Vergleich zum Vorjahr auf 150 Tonnen verdreifacht werden. ,,Nun gilt es, 80 000 Liter Saft, Schorle, Apfelwein und Cidre zu vermarkten", erklärte Dr. Ute Windisch, zuständig für die Vermarktung im Streuobstprojekt. Sie sieht die größte Herausforderung im Verkauf der produzierten Saftmenge. „Hier ist der verantwortungsvolle Kunde gefragt, denn mit dem Schlaraffenburger Apfelsaft kauft man nicht nur ein gesundes Lebensmittel, sondern gleichzeitig ein Stück Naturschutz in der Flasche und fördert damit regionale Wirtschaftskreisläufe”, betonte sie.

Auf den Obstwiesen von Walburga Kral und ihrem Bruder Norbert Weigand in Obernau wird die Umsetzung des Projektes in der Praxis erklärt. Gemeinsam bewirtschaften sie über 140 Obstbäume.

In einem Vertrag haben sie sich zur Pflege ihrer Obstbäume nach Naturschutz- und Bioland-Kriterien sowie zur Nachpflanzung von Jungbäumen verpflichtet. Den Obstbaumschnitt haben sich Weigand und Kral in den zahlreichen LBV-Schnittkursen angeeignet. Im Rahmen einer Baumpflanzaktion haben sie vor zwei Jahren noch mal über 30 Bäume nachgepflanzt und Sohn Andre Kral möchte sogar noch weitere Bäume pflanzen. Mehr als 14 Tonnen Apfel haben sie im letzten Herbst in das Schlaraffenburger Projekt geliefert. Mit 13 Euro/100 Kilogramm liegt der Preis deutlich über dem normalen Preis für Kelterobst. Das hält Norbert Weigand für angemessen. Schließlich sei die Arbeit, bei der die ganze Familie und Freunde eingespannt sind, anstrengend.

Nach der Exkursion in die Obstwiesen war bei geselligem Beisammensein in der Gutsschänke Gelegenheit die zahlreichen Produkte zu probieren und sich über Details auszutauschen. Schon beim Kaffee fiel die Schlaraffenburger Apfelweintorte der Bäckerei Hench auf, die mit Bohnäpfeln und Apfelwein aus dem Schlaraffenburger Projekt gebacken wird. Bei den Getränken stieß insbesondere der neue Schlaraffenburger Cidre auf ein positives Echo. „Was ein prickelndes Stöffche, das ist Naturschutz, der schmeckt”.

Den aktuellen Projektbericht kann man beim Schlaraffenburger Projektbüro unter (0 60 29) 99 56 44 anfordern, oder aus dem Internet herunterladen.

 

Klingenberg

 Informationen rund um den Streuobst‑ und Apfelanbau bietet das Städtchen Klingenberg am Sonntag, 14. Oktober 2001,  mit seinem „2. Regionalen Apfelmarkt". Die Initiative Bayerischer Untermain ist Veranstalterin und lockt von 10 bis 18 Uhr mit Apfelchips, Apfel‑ Champagner, Apfelkuchen und vielem mehr auf den Winzerfestplatz beim Pfarrheim. Keltereien und Brennereien zeigen ihr Handwerk, Experten geben Tips zu Sortenwahl, Obstbaumpflege und Naturschutz. Außerdem können Besucher Obstbäume samt Handwerkszeug erstehen. Für passende Klänge, sorgt der Musikverein Röllfeld, es tanzen die Landfrauen.

 

Odenwald

Annelsbach

Peter Merkel aus Höchst-Annelsbach im Odenwald, Annelsbacher Tal 43,  (Anmeldungen unter der Nummer 06163 / 24 84), keltert noch selber sorten- und jahrgangsreine Apfelweine. Er organisierte die Annelsbacher Apfelweintage. Schon beim ersten Mal, im Winter 1996, kamen über 50 Kelterer und Obstbauern aus ganz Hessen im Odenwald zusammen und diskutierten ihre Fragen. Wie kann man die Bauern dazu bringen, ihre Obstbäume natürlich zu pflegen und die alten Sorten wieder anzubauen? Wer zeigt ihnen, welches der beste Zeitpunkt für die Ernte ist? Viel Aufklärung ist auch beim Verbraucher notwendig, er muß die Unterschiede zwischen Fabrik- und Handwerksware kennen und den höheren Preis dafür akzeptieren.  Und schließlich, wie kann man hessische Köche dazu motivieren, regionale Gerichte auf die Speisekarte zu bringen?

 

Im Jahre 1997 trafen sich über 60 hessische Apfelweinproduzenten. Vom Großkelterer aus Frankfurt  mit Millionenumsatz bis hin zum kleinen Kelterwirt aus der Rhön. Bei der Verkostung standen 76 unterschiedliche Apfelweine auf dem langen Tisch im Gasthaus „Dornröschen“. Die Palette reichte vom naturtrüben „Schoppepetzer“ über einen Goldparmänen-Apfelwein aus der Rhön  bis zum „Apfelwalzer extra trocken“, einem Apfelschaumwein aus Fürth im Odenwald, hergestellt aus ungespritzten Äpfeln von Odenwälder Streuobstwiesen.

Mit Apfelwein - darüber waren sich die Kelterer beim 2. Annelsbacher Apfelweintag einig - läßt sich nicht das große Geld verdienen. Der Markt ist zu klein, regional begrenzt, schon in Stuttgart oder Düsseldorf wird man keinen Biertrinker zum Apfelwein bekehren können, auch nicht zum „Apfelklassiker brut“. Aber diese regionale Verwurzelung ist auch eine Chance, hochwertige und ungewöhnliche Produkte durchzusetzen - und alte Apfelschönheiten wieder erblühen zu lassen.

 

Beim Annelsbacher Apfel-Weintag 1998 gab es im Gasthaus „Dornröschen“ einen Kelterer-Workshop, Referate, Diskussionen und eine Ebbelwei-Probe.  „Unser Anliegen ist es, auf die Streuobstwiesen aufmerksam zu machen“, erläutert Gerd Grein vom Verein Apfelwein und Streuobstwiesen, der zu den Initiatoren gehört. Kelterobst aus dem Odenwald hat einfach mehr „Biß“, ist Grein überzeugt. Das wissen auch die Großkeltereien aus dem Rhein-Main-Gebiet und schicken ihre Vertreter zum Einkaufen und zum Apfelweintag nach Annelsbach. Doch die meisten Äpfel, die von Odenwälder Streuobstwiesen gekeltert werden, bleiben in der Region bei kleineren Keltereien.

Rund 100 verschiedene Apfelweinsorten standen für die Besucher zum Probieren bereit. Wer dann immer noch nicht genug hat, nimmt am „Odenwälder Apfel-Abend“ teil. Da wird es niemanden verwundern, daß der Annelsbacher Apfelweintag immer in einem Gasthaus mit angeschlossener Pension zum Übernachten abgehalten wird.

 

Reichelsheim

Zur Lachsforelle einen 98er Goldparmäne oder den 99er Bohnapfel? Wer im Gasthaus „Schwanen“ in Reichelsheim im Jahre 2002  im Odenwald Apfelwein bestellt, bekommt eine eigene Karte gereicht. Besitzer Armin Treusch keltert erlesene Tropfen, mit denen er dem Traubenwein Paroli bieten will. Beim Aufstieg in die Gourmetklasse unterstützt ihn mit Michael Stöckl vom Restaurant „Landsteiner Mühle“ in Weilrod immerhin ein Sommelier. Dagegen beäugt die Mehrzahl seiner Kollegen vom hessischen Kelterei‑Verband sein Streben mit Mißtrauen. Ehrenvorsitzender Walfried Heil traut den selbsternannten Spitzenweinen nur eine kleine Marktnische zu.

Davon geht auch Treusch aus. Der Ebbelwei stand zu lange auf den Speisekarten versteckt unter den Biersorten. „Dieses Image läßt sich nur schwer andern“, sagt er. Doch es muß sein, ist der Gastwirt überzeugt, denn der Apfelweinkonsum sinkt stetig. Wenn die Masse fehlt, muß eben Klasse her ‑ um über den höheren Preis den Umsatz halten zu können. Und sie geht auf. Seit 1999, als Treusch seinen Gästen den ersten selbst gekelterten Apfelwein auftischte, ist die Nachfrage nach dem hessischen Nationalgetränk in der Gaststube um das Dreifache gestiegen.

Zum neuen Image gehört das entsprechende Ambiente. Das gerippte Glas gibt es nur noch für den Hausschoppen, die edleren Tropfen werden aus kleinen Flaschen mit besonderen Etiketten ausgeschenkt und im Weinglas kredenzt. Für Probierlaunige halt Treusch außerdem ein Brett mit fünf Stamperln bereit: Damit kann jeder testen, daß nicht alle Apfelweine gleich sauer schmecken. Wie beim Traubenwein ist der sortenreine Ausbau entscheidend: Boskop oder Bohnapfel. Als Rarität steht die Goldparmäne bereit, die besonders rar ist und beim Pressen nur wenig Saft abgibt. Auch die Lage beeinflußt für Treusch den Geschmack: „In Südhessen sind die Äpfel zum Beispiel kräftiger.“ Diese Spezialisierung hält Kelterer Heil für Unsinn. Für ihn entsteht ein guter Apfelwein erst mit der Mischung verschiedener Sorten. Wo sie gewachsen sind, spiele keine Rolle.

Vertreter von fünf europäischen Apfelwein‑Regionen haben im Jahr 2003 bei einem Symposium in Reichelsheim im Odenwald ihre Apfelwein‑Kulturen und deren Image vorgestellt. Daß die meisten Deutschen wohl wissen dürften, was Ebbelwoi ist, ist vor allem das Verdienst der Showmaster Otto Höpfner und Heinz Schenk und ihrer Sendung „Der Blaue Bock“. Nicht wenige Hessen sind allerdings eher unglücklich über das etwas altbackene, angestaubte Image und die als künstlich empfundene Bembel‑Folklore, die der Blaue Bock bis Mitte der 80er Jahre vermittelte.

 

Eberstadt

Selbst gepreßt und gekeltert schmeckt immer noch am besten. Beim Kelterfest des Streuobstwiesenzentrums in Eberstadt im Jahre 2002 konnten Kinder die reifen Äpfel in der Mühle zerkleinern und mit der Kelter auspressen. Zur Belohnung floß am Sonntagnachmittag der süße Apfelmost direkt ins Glas. Doch nicht nur um die süßsauren Baumfrüchte ging es: Ein Schäfer bot zudem Schafsbratwürste an und Informationen rund um Schaf.

Jedes Jahr veranstaltet der Freundeskreis Eberstädter Streuobstwiesen im Herbst sein traditionelles Kelterfest im Steckbornweg. Neben dem Bienen‑ und dem Schafschurfest fester Bestandteil des Vereinsprogramms. Die Äpfel für die Kelteraktion stammen zum größten Teil von den 55 Hektar großen Streuobstwiesen rund um Eberstadt.

Der Verein mit seinen rund 100 Mitgliedern kümmert sich seit Jahren um die Pflege des Biotops und den Schnitt der Obstbäume. Für Kinder bietet das Streuobstwiesenzentrum einen umweltpädagogischen Unterricht an. Montags, dienstags, donnerstags und freitags können die Vier bis Zwölfjährigen mit zwei Umweltpädagoginnen die Wiesen durchstreifen, Ausflüge und Wanderungen unternehmen. Auch Bastelstunden werden veranstaltet. Wer sich für das Programm und den Verein interessiert, kann sich unter der Rufnummer 06151/53289 direkt an den Freundeskreis wenden.                     

Per Mouse-Click kann der Besucher am PC durch das Jahr und das Vereinsgeschehen des Freundeskreises Eberstädter Streuobstwiesen reisen. Ein digitales Geschenk auf einer CD‑ Rom, das 13 Umschüler zum Multimedia‑Entwickler dem Eberstädter Verein im Januar 2013 übergeben haben. Ein Jahr lang entwickelten die Männer und Frauen während ihrer vom Arbeitsamt geförderten Fortbildung bei Projekt Neue Technologien (PNT) die Konzeption und Programmierung der CD.

Das Thema Naturschutz und den Eberstädter Verein wählte die Gruppe selbst aus. Seit fünf Jahren bietet PNT die Umschulung zum Multimedia‑Entwickler an und jedes Jahr suchen sich die Teilnehmer ein Thema für die Abschlußarbeit. Zumeist fiel die Wahl auf ehrenamtliche Projekte, Institutionen oder Einrichtungen, die sich ansonsten eine solch aufwendige und teure digitale Präsentation und Werbemaßnahme nicht leisten können. Hier erhalten sie sie kostenlos. Auf diese Weise kamen bereits die Stadtbibliothek Darmstadt, die Romanfabrik Frankfurt oder auch die Lokale Agenda 21 der Wissenschaftsstadt zu einem Internetauftritt.

Ein Jahr lang haben die 13 ehemaligen Graphiker, Architekten oder auch Innenarchitekten an der CD über die Streuobstwiesen in Eberstadt gearbeitet. Sie haben die Technik programmiert, Fotos aufgenommen, Texte aufgesprochen und sogar Klaviermusik eingespielt, die von Freunden eigens für die CD komponiert wurde.

Herausgekommen ist eine überaus poetische Sichtweise ‑ festgehalten in einer Diaschau, in Zeitraffer‑Filmen, 360 Grad Panoramablicken und auch einem Sprechchor, der die vielen Apfel‑ und Birnensorten auflistet. Ein 3‑D‑Modell eines Luftbildes zeigt das Streuobstwiesen‑Areal aus der Vogelperspektive und eine witzige Vogelstimmenuhr läßt stündlich die Piepmätze erklingen, die zu dieser Morgen- oder Tagesstunde ein Konzert anstimmen. Ein Memoryspiel aus Geräuschen, wunderbar verpackt in Felder mit Pusteblumen, entfacht den Spieltrieb.

Gedacht ist die Reise durch die Schönheiten der Kulturlandschaft daher nicht nur als Naturerfahrung für Erwachsene, sondern auch für die umweltpädagogische Arbeit mit Kindern. Wir wollten, sagt Eric Giebel, die Betrachter nicht mit Informationen überschütten, sondern wollten Lust machen auf den Verein, seine Arbeit und das Thema Umwelt und Streuobstwiesen. Gelungen ist das auch mit äußerst feinen Sequenzen wie den Traumbildern, die zunächst verschwommen erscheinen, dann aber durch Anklicken deutlich hervortreten und romantische Bachläufe, gefurchte Baumrinden oder auch Blätter und Blüten zeigen. Der Curser fährt dabei über das Bildpuzzle wie ein Glühwürmchen durch die Nacht. „Unsere Stärke ist das Kreative, das Poetische“, betonen die Sprecher der Gruppe, Eric Giebel und Armin Briatta. Zwar sind die technischen Details raffiniert und bedürfen der Erfahrung am PC. Doch eine wissenschaftliche Präsentation war nicht unser Ziel.

Der Freundeskreis Eberstädter Streuobstwiese erhielt am Freitag das Original und wird die CD vervielfältigen. Die neuen Media‑Entwickler haben eine Referenz für die künftige Selbständigkeit. Nur für PNT sind die Aussichten dunkler. Weil das Arbeitsamt die Mittel streicht, war es der letzte Weiterbildungskurs, bedauert PNT‑Teamleiter Henry Zimmer.

 

Eppertshausen

Auf eine 300jährige Tradition kaum die von der Familie Gruber in sechster Generation geführte Ausflugsgaststätte „Thomashütte“ bei Eppertshausen zurückblicken. Bekannt ist die gastliche Stätte für ihren selbstgekelterten Apfelwein, die Hausmacher Wurst und die eigenen Rinder als Steaklieferanten. Im Jahr 1698 von Thomas Enners im damals „Groschlagischen Oberwäldchen“ als Ziegelhütte erbaut, ist es wohl der schon von den Römern erbauten „Hohen Straße“ zuzuschreiben daß sich in der Thomashütte ein Einkehr- und Rastplatz entwickelte, an dem Menschen sich bis auf den heutigen Tag gern stärken und laben.

 

Obertshausen

Im Dezember 2000 griffen Eltern und Kinder endlich zu Schippe und Spaten, um den Hof der Joseph-von-Eichendorff-Schule in Obertshausen umzugestalten. Die Landesregierung hatte das Obertshausener Projekt „Schulhof 2000“ im November zur Ehrenamts-Initiative des Monates gekürt. Sie hatten sich Gedanken um eine kindgerechte und naturnahe Gestaltung des Pausenhofs macht. Studenten der Fachhochschule für Landschaftsarchitektur in Wiesbaden, Kinder, das Kollegium und Eltern haben mit geplant.

Frucht der Arbeit ist ein Konzept, nach dem das triste Asphalt-Areal der Grundschule mit Förderstufe in eine grüne Pausen-Oase mit Hügellandschaft, Streuobstwiese, Ballspielfeld, Rückzugsnischen und ein Freiluftklassenzimmer verwandelt werden soll. Rund eine halbe Million Mark würde das kosten. Aus der naturschutzrechtlichen Ausgleichsabgabe gibt’s rund 20.000 Mark für die erste Pflanzung, erläutert Umweltdezernentin Claudia Jäger. Schließlich wurden rund 175 Quadratmeter des Pausenhofs an der Waldstraße entsiegelt, auf die die Schüler und Eltern an diesem Samstag acht Lindenbäume setzen. Hinter dem Schulgebäude graben Mütter und Väter Löcher für acht Apfel-, Birn-, Kirsch- und Pfirsichbäume. Auch hessenweit hat das Obertshausener Projekt schon Schlagzeilen gemacht und ein bißchen Ruhm ernten können. Die Landesregierung kürte es im November zur „Ehrenamtsinitiative des Monats“.

 

Mühlheim-Dietesheim

Michael Tresser muß gehörig Kraft anwenden, um einer vollen Ladung Äpfel den Saft zu nehmen. Eine Presse von 1910 oder so, sagt er. Sie stammt von meinem Urgroßvater Max Thiel. Der war Lederwarenfabrikant in Offenbach. Daß die alte Quetsche noch einwandfrei funktioniert, beeindruckt auch Pfarrer Hans Rumpeltes von der evangelischen Friedensgemeinde Mühlheim. Wir haben das Ding extra für diesen Nachmittag wieder flott machen lassen, erläutert er beim Apfelsamstag im Oktober 2001, zu dem Hunderte in den Hof der Gustav‑Adolf‑Kirche im Stadtteil Dietesheim gekommen sind.

„Es ist das erste Mal, daß wir so etwas machen“, sagt der Pfarrer. Um Ökologie ‑ eben um die Bewahrung der Schöpfung ‑ dreht es sich beim Apfeltag, zu dem auch Carl‑Friedrich Schaback, der Beauftragte für den Dienst auf dem Lande der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, sowie Mitglieder der lokalen Agenda‑Arbeitsgruppe „Gutes aus Mühlheim“ gekommen sind. Schaback hat sogar Ziegen mitgeb4racht, die daheim auf seinem Freizeit-Ökohof in Queckborn bei Gießen Milch für würzigen Käse geben.

Schaback demonstriert in Mühlheim, wie der Kreislauf von der Streuobstwiese bis zum Käse funktioniert ‑ und das alles Überschaubar. Daß es im Alltag mit dem natürlichen Kreislauf so eine Sache ist, will Tresser, der Meister an der Apfelpresse und von Beruf Designer, nicht verschweigen. Früher hätten Landwirte den Trester, die Apfelrückstände nach dem Keltern ‑ wie bei der Weinherstellung und beim Bierbrauen auch Treber genannt ‑, gern als Viehfutter genommen. Doch es gebe in der Region kaum noch Bauern. Und den Jägern, die diese Masse früher als Leckerbissen fürs Wild im Wald verteilt hätten, seien die Hände gebunden. Laut Forstgesetz sei es verboten. Aber der Hammer sei, klagt Tresser, daß er den Trester auch nicht zur örtlichen Grünkompostanlage bringen dürfen, weil das Zeug angeblich nicht gut für Komposterde ist. Ein Problem sei, daß sich die Mitarbeiter der Kompostanlage sich immer wie Sheriffs aufführten und nicht mit sich reden ließen. Wer selbst keinen Komposthaufen habe, entsorge somit den Trester als Restmüll in der Tonne ‑ und das in der Apfelweinhochburg Mühlheim.

Es sei widersinnig, Äpfel mit viel Aufwand extra aus Neuseeland zu importieren, machte Schaback deutlich, der gedörrte Apfelringe und Vogelsberger Apfelwein kredenzte. Und die Agenda‑Gruppe legte Wert darauf, daß „Gutes aus Mühlheim“, lokale Produkte also, keine leeren Worte sind. Das Kachelofen‑ und Kaminbau‑Unternehmen Grothe ließ einen Holzofen dampfen, so daß die Bäckerei Schwenger Körnerbrot und Apfelkuchen an Ort und Stelle vollenden konnte.

 

Langen

Der Langener Willi Metzger ist einer der wenigen, der heute noch das Küfer-Handwerk beherrscht. Bei einer Veranstaltung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins zeigte er im August 1998, wie er seine Fässer herstellt. Drei Jahre hat Metzger Anfang, der 50er Jahre gebraucht, um in der Schnaps- und Süßmostfabrik Dr. Walter Scherer in Sprendlingen und bei einem Unternehmen im Kreis Groß-Gerau alles zu lernen, was man über das Handwerk wissen muß. „Küfer haben ja früher nicht nur Fässer gebaut“, sagt der 60jährige. „Wir haben auch Eimer, Badezuber und sogar Waschmaschinen hergestellt.“

Die Küferei betreibt er seitdem nur noch in seiner Freizeit. „Das ist sozusagen mein Hobby“. sagt er. Ein oder zwei Fässer baut er noch im Jahr. Für den Eigengebrauch, um beispielsweise den selbstgemachten Ebbelwei darin zu lagern: „Eichenfässer eignen sich dafür hervorragend“, sagt Metzger. „Man sollte danach nur keinen Wein mehr darin lagern.“ Denn der würde dann verderben.

Seine Werkstatt befindet sich in einem kleinen Raum neben dem Hofeingang. Mit einer altertümlichen Säge schneidet er das Holz in lange Stücke, die er dann in Handarbeit sorgsam zurecht schleift: Alles muß genau passen, damit das Faß am Ende dicht bleibt; geleimt wird nichts. Damit die Holzzeile, die sich zu einem Ganzen fügen, auch ein solches bleiben, werden sie von Willi Metzger in eiserne Bande gelegt. Ungefähr zwei Wochen braucht er in der Regel bis dahin.

Doch es ist nicht die schwierige Arbeit, die verhindert, daß Metzger mehr Fässer baut: „Holz ist schwer zu kriegen“, sagt er, „denn Eiche ist selten und teuer“. So ist er froh, wenn er - wie neulich - auf dem Dachboden ein uraltes Stück Eiche findet. Doch zur Not fühlt sich der Ebbelwei auch in Fässern aus Kastanienholz wohl, die aber meist aus Portugal kommen und nicht besonders haltbar sind. „Nach einer Benutzung können sie die wegwerfen“. Aber wenn vorher ein guter Portwein drin war, sagt er, dann lohne es sich, noch mal einen Ebbelwei reinzufüllen: „Das gibt einen wunderbaren Geschmack.“

 

Aus dem seit 1975 gefeierten Heimatfest hat sich ein Spektakel entwickelt, zu dem gut 100.000 Besucher aus dem Rhein-Main-Gebiet anreisen. „Eine Kontaktbörse für gutgelaunte Menschen aus der ganzen Region“, behauptete Bürgermeister Dieter Pitthan in seiner Eröffnungsrede am Samstag. Die wenigsten Besucher kommen dabei jedoch wegen der Fichtenkränzi-Idylle der Heckenwirtschaften oder weil es auf dem Bachgassenmarkt so schön ist, bei dem Kunsthandwerker ihr Schmuck-, Dippe- und Nippes-Sortiment ausbreiten.

Zum Programm zählen kuriose Zeremonien: die Taufe von Ebbelwoirittern und die Kür eines Ebbelwoikönigs. Zur Taufe wird dem künftigen Ritter ein ponchoartiges Cape umgelegt. Dann soll auf der Stelle ein voller Bembel leergetrunken werden. Klar, daß man sich erst einmal weigert. So gibt der Brunnenwirt Hans Hoffart dem Kandidaten Saures und kippt das prickelnde Stöffche über die künftigen Rittern, die sich dafür nach vorn beugen. Sie dürfen sich danach, so versichern alteingesessene Heimatfreunde, wie echte Langener fühlen.

Dem ehrwürdigen Kreis der Apfelweinritter gehören Langener an, die nicht von Geburt an solche sind, sich aber nach dem Umzug in ihre Wahlheimat dort für das Gemeinwohl engagieren. Das sind sogenannte Neubürger, die erst seit ein paar Jahren oder doch schon seit den '60ern in Langen wohnen.

Inzwischen hat Langen über 100 Ebbelwoiritter (innen), die ein Wort mitreden können, wenn der Ebbelwoikönig oder die -königin gekürt wird. Wer diesen Langener Ehrentitel einmal erhalten will, muß rechtzeitig vor dem Fest zwei Flaschen seines selbstgemachten Ebbeiwois beim Brunnenwirt abliefern. Wie Hoffart erwähnt, haben in guten Jahren über 650 Langener ihren Ebbelwoi vorbeigebracht, „diesmal sind es gerade mal nur ein Dutzend“.  Eine Jury sucht die besten Kelterer aus, die dann König oder Königin oder Prinz bzw. Prinzessin werden.

Unter den Bewerbern für das Königshaus war auch Kurt Petri, der vor 40 Jahren aus Langen nach Kanada übersiedelte. Weil er das Stöffche dort vermißte. setzte er den Tip seiner Frau in die Tat um und kelterte den Ebbelwoi fortan selbst. Petri kam nach Langen und überreichte der Jury eine Kostprobe seines Apfelweines aus Übersee. Der schmeckte Hoffart & Co so gut, daß Petri der Titel Ebbelwoi-Botschafter für Kanada verliehen wurde.

 

Beim Ebbelwoifest 2001 hat Brunnenwirt Hans Hoffart fünf neue Ebbelwoiritter (-innen) getauft. Dabei handelt es sich traditionell um Zugezogene, die sich in der Stadt Verdienste erworben haben. Doch 2000 sei ein so gutes Jahr gewesen, daß es diesmal zum Langener Ebbelwoifest ein Super‑Stöffche gebe, schwärmt der Brunnenwirt. Davon haben sich jetzt 44 Ebbelwoiritter (-innen) überzeugt, die 24 Proben von selbstgekeltertem Ebbelwoi kosteten. Das Urteil der Mehrheit: „Der Knüller ist der von Volker Trippel.“ Der Freizeitkelterer regiert nun als Ebbelwoikönig in Langen, nach 1999 übrigens zum zweiten Mal. Prinzen sind Bernd Heyder und Klaus Vögl. Und Claudia Metzger kann sich als Prinzessin fühlen. Ihre Stöffche sind ebenfalls nicht von schlechten Eltern.

 

Die Sonne strahlt am Samstagnachmittag, als die Langener am Vierröhrenbrunneu im Herzen der Altstadt König, Prinzessin und Prinzen loben und preisen, nachdem der Orchesterverein Langen im grünen Polo‑Shirt‑Outfit Blasmusik gemacht hat. Und dann folgt der Höhepunkt: die Daaf (Taufe) der neuen Ritter(innen). Das sind stets fünf Langener, die sich als Zugezogene in der Stadt einen Namen gemacht und Verdienste erworben haben.

Sie bekommen nacheinander ein Kunststoffcape über den Kopf gestülpt, damit beim feuchtfröhlichen Gaudium nicht die Kleidung naß wird. Zuvor müssen alle einen tiefen Schluck aus dem Bembel nehmen. Gerhard Armer ist der Erste. Er stammt aus Frankenberg an der Eder und wohnt seit 1956 in Langen. Er verdient seine Brötchen im Arbeitsamt („das Freundlichste an Langen“). Aus Erzhausen den Weg nach Langen gefunden hatte schon 1950 Margarete Darmstädter, die im TV als Leiterin von Turngruppen eine lokale Große ist. Sie lebe zwar schon lange in Langen, doch „so ganz habe ich mich noch nicht an den Ebbelwoi gewöhnt“, gesteht sie.

In Wolfen bei Bitterfeld geboren ist Ulrich Krippner, der ‑ von Beruf Steuerberater ‑ erwähnt, daß im Langener Finanzamt nicht alle so nett seien wie Ko-Ritter Armer. Als rheinische Frohnatur entpuppt sich Biggi Sallwey, hat sie es doch 1987 von Bendorf nach Langen gezogen. Toll sei in der Stadt der Karneval, versichert die Präsidentin des LKG‑Damenelferrats. Ebbelwoi sei in Ordnung, doch ein Kölsch sei auch nicht schlecht. Ernst Raab aus Dietzenbach nennt seit 1957 Langen sein Zuhause. Der Verwaltungsangestellte, der sich privat im DRK engagiert und als Fußballschiedsrichter in der Oberliga so manches Spiel anpfeift, öffnet beim Ebbelwoifest seit 21 Jahren die Heckenwirtschaft „Weißer Raab“ zugunsten von MS‑Kranken und Behinderten. Außerdem spielt er bei Wohltätigkeitsterminen die Drehorgel. Bürgermeister Dieter Pitthan hat am Wochenende gewürdigt, daß die Altstadtanwohner immer wieder für den Festrummel sehr viel Verständnis aufbrächten. Das Fest ‑ Höhepunkt am Freitag war ein Brillantfeuerwerk ‑ endet heute mit einem Frühschoppen (10 Uhr) und einer Schlagerparade (19 Uhr) mit Buddy Caine.

 

 

Der Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, Walter Metzger, überreichte im Juni 2006  während des Ebbelwoifestes eine Urkunde und einen Bembel mit entsprechender Aufschrift an Robert Dietz, den neuen Ebbelwoi-König von Langen. Die Ebbelwoiritter des Vereins hatten zuvor bei ihrer Stöffche-Probe befunden, daß das Dietzsche Produkt „mit Wohlbehagen über die Zunge floß”.

Dietz, der seit über 30 Jahren aus Spaß an der Freud keltert, kam zu der Auszeichnung wie die Jungfrau zum Kind. Er bekannte auf der Bühne offen, daß ihn seine Frau dazu angetrieben habe mit den Worten: „So kommt endlich das saure Zeug mal raus.” Dietz mußte zudem unter lautem Gelächter einräumen, daß ein Teil der Apfel aus der Gemarkung Egelsbach stammt.

Doch Moderator Peter Kunz, der für den erkrankten Brunnenwirt Hans Hoffart einsprang, half ihm über die Klippe: „Wenn wir so weiter mit Neubausiedlungen expandieren, gehört auch bald Egelsbach zu uns.” Insgesamt 37 verschiedene Sorten „mußten” die Ritter probieren, zu Ebbelwoi-Prinzen wurden Heinz Helfmann und Uwe Fischer gekürt. Margot Francke bekam die Auszeichnung Prinzessin, obwohl sie ihre Rohprodukte aus der Schweiz mitgebracht hatte.

Herstellungsprozeß des Ebbelwois und Vernichtung desselben stehen rein zeitlich gesehen in keinem Verhältnis. Das gilt schon zweimal für die „Ebbelwoi-Daaf `, bei der verdienstvolle und bekannte „Nicht-Langener” zu Lagenern getauft werden. Denn alles, was sie aus dem Zwei-Liter Krug nicht trinken können, wird über sie verschüttet. Erwischt hat' s diesmal Hermann Schoder, Manfred Pusdrowski, Norbert Knapp und Margarete Wahler-Wunder.

Schoder, 1938 in Frankfurt geboren, kam schon sehr früh nach Langen. 1974 übernahm er den Graveurbetrieb seines Vaters und ist heute ein erfolgreicher Unternehmer. Seit 1994 weilt der im Jahr 1957 bei Oldenburg geborene Manfred Pusdrowski in Langen. Er ist unter anderem Chef der Stadtwerke und der kommunalen Betriebe. Norbert Knapp stammt aus Darmstadt, der 53-Jährige ist seit 1971 Polizist in Langen und leitet seit drei Jahren die örtliche Dienststelle. Vereinsvorsitzender Metzger kannte kein Pardon und ergoß das edle Getränk auch über die in Fulda geborene Juristin und Stadtverordnetenvorsteherin Wahler-Wunder.

 

Der Apfelwein „Siebenschläfer“ von den Langener und Egelsbacher Streuobstwiesen wird ab Anfang Juni 2005 in den Mitgliedsgaststätten der hiesigen Apfelweinroute ausgeschenkt. Flaschen mit dem originellen Siebenschläfer-Etikett gibt es dann ebenfalls - von der Bischofsheimer Kelterei Stier. Viele haben dazu beigetragen, daß das Langen-Egelsbacher „Stöffche” in den Handel kommen und der Erlös zum Erhalt der wichtigen Streuobstwiesenbestände beitragen kann. Während die 1200 Liter für den Ausschank in den Gaststätten im Langener Restaurant „Zum Haferkasten” gekeltert wurden, übernimmt die Bischofsheimer Kelterei Stier die Abfüllung in die Flaschen. „Wir haben damit einen renommierten und experimentierfreudigen Kelterer gefunden”, sagte Heike Gollnow, die Leiterin des Langener Umweltreferates. Die Stadt Langen ist genauso wie die Gemeinde Egelsbach maßgeblich an der Vermarktung des Siebenschläfers beteiligt.

Zusammen mit weiteren Mitgliedern der Apfelweinroute hatten Heike Gollnow und ihr Egelsbacher Kollege Wolfgang Höher jetzt die Gelegenheit, aus einer Ballonflasche den Stier-Siebenschläfer zu probieren. „Hier ist wirklich etwas Besonderes herangereift”, waren alle einer Meinung. Gewiß kein üblicher Apfelwein, sondern - zumindest für Kenner - eine Spezialität. Denn Keltermeister Jörg Stier, der auch durch seine Apfelweinseminare weithin bekannt ist, hat den Roh-Siebenschläfer mit Quitten veredelt und dadurch eine ganz eigene Geschmacksrichtung mit einem überraschendes Aroma erzeugt.

Offizieller Anstich des Siebenschläfers ist am 4. Juni um 10 Uhr auf dem Wilhelm- Leuschner-Platz beim Langener Altstadtmarkt. Hier beginnt auch der Flaschenverkauf zum Preis von zwei Euro pro Liter. Seit 2009 wird auch der „Siebenschläfer Cidre“ angeboten.

 

Dreieichenhain

Im Jahre 2000 wurde das sechste Dreieicher Äppelfestes gefeiert. Von den Veranstaltern des Apfelfestes, der Stadt Dreieich und den örtlichen Naturschutzverbänden, war zum Beispiel Steffen Kahl eingeladen. Er ist Pomologe, das heißt Obstsortenkundler, um Hobbygärtnern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Der Experte erkennt fast jede der über 1.000 Apfelsorten auf einen Blick und kann daher auch den Baumbesitzern weiterhelfen, die den Namen ihrer Paradiesfrüchte endlich einmal bestimmen wollen. Information wird groß geschrieben bei dem Fest; es soll nicht nur geschlemmt werden.

Noch hat Dreieich mit 550 Hektar Fläche und etwa 7.700 Bäumen neben Mühlheim und Langen die größten noch erhaltenen Streuobstwiesen im Kreis Offenbach, fast komplett in Privatbesitz. Viele der Grundstücke, auf denen um die 2.000 Tier- und Pflanzenarten existieren, verwildern. Deshalb informieren wir über die verschiedenen Möglichkeiten der Förderung und Unterstützung für Obstwiesenbesitzer und darüber, wie die Bäume beschnitten und gepflegt oder junge gepflanzt werden können.

Auch die Naturschützer wollen die Bedeutung der Wiesen unterstreichen und gleichzeitig die Qualität des einheimischen Apfels anpreisen. „Apfel aus Neuseeland braucht kein Mensch, die aus Dreieich sind mindestens genauso gut und müssen nicht 18.000 Kilometer weit geflogen werden, erklärt Heidi Soboll vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Sie will mit dem Fest rund um den Apfel auch die Direktvermarktung durch die Landwirte und Obstanbauer fördern.

Bei der Künstlerin Brigitte Kleinhandling vergnügen sich die Kinder mit der Frottage-Technik, dem Abpausen von Baumblättern in bunten Farben. Zu Apfel-Streusel und Apfel-Käse, natürlich mit Früchten aus der Heimat, gibt es frisch gepreßten Apfelmost. Die Erwachsenen sitzen bei einem Bembel Rauscher, Süßem oder Apfelwein auf den Holzbänken. Gemütlichkeit kommt auf während Drachen steigen und munter drauflos geschnurpst wird. Für den Nachschub an Speis und Trank sorgt Bauer Frank, der seinen Hof in Götzenhain hat und selbst stolze 70 Apfelbäume sein eigen nennt. Er selbst allerdings ißt lieber Birnen.

 

Neu-Isenburg:

Das Gasthaus „Grüner Baum“ gibt es seit 1862. Der namensgebende grüne Baum ist eine Linde, um die herum das Gasthaus gebaut ist. Von außen sieht das Gebäude völlig unscheinbar aus, das Innere hat’s dafür mehr als in sich. Zum Anwesen gehören mehrere Gasträume, Festsäle und jede Menge Platz. Hübsch gemacht mit frischen Farben und Stoffen, braucht sich auch das Innenleben nicht mehr zu verstecken. Hier kann man trefflich sitzen und bei gut-bürgerlichem Essen die Zeit vergessen. Neben zivilen Preisen dürfen Hungrige der guten Fleischqualität vertrauen.

Über sie wacht der Wirt ebenso wie über die Apfelweinkelterei, in der das eigene Stöffche (2,50) gekeltert wird. Auch Biertrinker kommen nicht zu kurz, Henninger macht’s möglich (Pils 3,70, Weizen 5,50). Bembelsprudel kostet 5 Mark, pure Wassertrinker zahlen für die „Gourmet“- Elisabethen-Quelle 6,80. Für den kleinen Hunger gibt es Vorschläge (Toast Hawai, Shrimpscocktail, Matjes), für Kids (Spaghetti, Würstchen, Schnitzel) und Rustikales wie Preßkopf, Leberwurst und Bauernhandkäs (5,50). Knüller der Karte ist die Grüne Baum-Pfanne mit Medaillons auf Spätzle, Gemüse und Käse gratiniert (24,80). Zum Dessert ist das Apfelwein- Eis (8,80), das die Wirtin im Isenburger Eissalon Cristallino herstellen läßt ein absolutes Muß. Besser kann man Stöffche-Eis nirgends essen. Zu vorgerückter Stunde wird die Linde illuminiert, denn bis 23 Uhr darf man im Grünen Baum draußen sitzen. Grüner Baum, Marktplatz 4, Neu Isenburg, Telefon 06102-38318, geöffnet von 11.30 bis23.30 Uhr. Ruhetag: Montag.

 

Im Oktober 2000 wurde auf dem Neu-Isenburger Marktplatz ein Kelterfest gefeiert.  „Wir keltern jetzt ja sowieso“, dachten sich die Wirte vom „Grünen Baum“, Bernhard Bunge, und von „Apfelwein Föhl“, Uwe Vollmarshausen und initiierten das erste Neu-Isenburger Kelterfest. Bernhard Miesikowski aus Frankfurt-Sachsenhausen zeigte, was aus einem Apfel werden kann, Süßer, Rauscher oder Apfelwein beispielsweise. „Süßen frisch pressen“ steht am heutigen Montag und auch am morgigen Feiertag auf dem Stundenplan von Schulklassen. Wer für den Tag der deutschen Einheit noch einen Vorführ-Termin beim Kelterfest haben möchte, kann unter Tel. 06102 / 38318 oder 39 669 anrufen

Der Isenburger Marktplatz ist in Topform. Optisch und gastronomisch. Eigentlich schade, daß die anliegenden Wirte keine ‑ oder nur ein paar ‑ Tische aufs Kopfsteinpflaster stellen dürfen. Gerne würde man auf dem idyllischen Platz den Alltag bei einem Schoppen vergessen. Seit Grüner Baum und Apfelwein Föhl neue Wirte haben ‑ was auch schon wieder acht Jahre her ist – scheint man sich gegenseitig zu beflügeln. Was der beidseitigen Wertschätzung der „konkurrierenden“ Wirte Bunne und Vollmershausen übrigens keinerlei Abbruch tut. Sie machen sogar gemeinsame Sache beim „Kelterfest“, dessen Unterstützung die Stadt Neu‑ Isen­burg im Jahr 2002 abgesagt hat.

Nun wollen die Wirte die Aktion im September alleine stemmen. Die Kinder, die sich an Uwe Vollmershausens  Schau‑ Kelterei auf dem Marktplatz im Apfelpressen üben, lernen schließlich fürs Leben: Wie aus einem Apfel flüssiges Gold im Glas wird. Zwar ist das kein Pisa‑fähiges Wissen, immerhin eine fürs Leben nicht unwichtige Erkenntnis. Beim Apfelwein Föhl ging die Ära der hundert Posten starken Speisekarte anno 1996 zu Ende, als die neuen Pächter Uwe Vollmershausen und Ulrike „Uli“ Wipfler das Lokal übernahmen. Die Ära Stahl ‑ ihres Vorgängers ‑ hatte immerhin 34 Jahre überdauert.

Kein Wunder, daß Stammgäste anfangs schluckten, vor allem, zumal Vollmershausen „aus dem Frankfurter Nachtleben“ kommt. Der Ruf hing dem früheren Chef der Music Hall einige Zeit an. Partnerin Uli Wipfler kippte zusätzliches Öl ins Feuer, als sie die Friteuse aus der Föhl‑Küche verbannte: „Bei uns gibt’s keine Pommes.“ Und auch der Toast Hawaii hat seither Hausverbot. Dafür werden knusprige Bratkartoffeln und ein „echter“ Kartoffelbrei serviert.

Zwar haben die beiden den Stil des Lokals erhalten, doch alles ist behutsam entstaubt worden. Eine neue Küche wurde installiert, und Jahr für Jahr wird etwas anderes verschönert: zuletzt das Dach, bald kommen neue Holzdielen ins Lokal. Denn seit einem Jahr sind die beiden Pächter stolze Eigentümer des Anwesens, können sich endlich Inhaber nennen, und jeder investierte Euro kommt dem eigenen Haus zugute. Die Aufgabengebiete sind aufgeteilt. Uli ist für die Optik ‑ Ambiente, Blumen, Dekoration ‑ und  die Küche zuständig. Der Uwe kümmert sich um Organisation, steht hinterm Tresen, keltert den Apfelwein und sticht die Fässer im Keller an. Das kann auch Servicemann Andreas Stein, der nach seiner Ausbildung zum Restaurantfachmann im Föhl seinem Lehrbetrieb treu geblieben ist.

Das Wichtigste ist natürlich das Stöffche, bis zu 12.000 Liter fließen pro Saison durch die Kehlen der Gäste. Da er keine Baumstücker besitzt, kauft er Apfelsaft aus Geiselbach im Kahlgrund und keltert sein Stöffche im historischen Gewölbekeller unter dem Innenhof. Vorgänger Stahl hat ihn in die höheren Weihen des Kelterns eingewiesen. Im Keller stehen noch die alten Holzfässer, die aber peu à peu gegen Stahltanks aus getauscht werden. „Macht geschmacklich keinen Unterschied“, weiß Jung‑Kelterer Vollmershausen. „Das Handling ist einfacher, sie sind leichter zu reinigen und man braucht weniger Schwefel.“ Doch auch Bier ‑ Bitburger, Köstritzer und Schneider Weiße, allesamt vom Faß ‑ und (Trauben‑)Wein sind bei Föhl im Angebot.

„Wir sind keine Dogmatiker“, sagt Vollmershausen. „Bei uns gibt's auch Schoppen süß‑ gespritzt, ohne daß jemand das Gesicht verzieht.“ Wenn's sein muß, auch Apfelwein mit Cola. Auf der Speisekarte findet die Variation der deutschen und Frankfurter Küche statt ‑ frisch, gut und abwechslungsreich. Trotz der üppigen Karte kommt lediglich das Sauerkraut aus der Dose. Die Wochenkarte geht auf die Saison ein, da gibt es Pilze, Spargel, Wild und Gänsebraten (im Winter), zu volkstümlichen Preisen. Ganz oben in der Hitliste steht „Gekochtes Rippchen mit Kraut und Püree“, gefolgt vom Tafelspitz oder Eiern mit Grüner Sauce. Die „Grie Soß“ wird frisch mit großen Wiegemessern gehackt, nicht im Mixer. „Den Unterschied schmeckt man“, findet Uwe.

Regionale Lieferanten werden bevorzugt, Rinds‑ und Schweinefleisch kommen vom Bio‑Hof Schauferts in Schönborn, die Wildschweinbratwürstchen aus dem Kahlgrund. Die Obstbrände von Arno Dirker konnte man übrigens bei Föhl schon genießen, als der Mömbriser Brenner noch nicht so berühmt war. Erfreulich sind auch die vielen vegetarischen Gerichte ‑ Wirtin Uli ißt selbst kein Fleisch. Wie organisiert man das in dieser Qualität und Menge? Schließlich gibt es drinnen und draußen jeweils gut hundert Sitzplätze, dazu zwei Kollegzimmer mit weiteren 40 und 60 Stühlen. Das Geheimnis sind gute Mitarbeiter, sagt die patente Uli. In der Föhlschen Küche stehen zwei Köche aus Indien am Herd, die nach Ulis Vorgaben und Anweisungen kochen: Präzise, zuverlässig, konstant. „Sie wollen einen guten Job und ansonsten ihre Ruhe haben“, lobt Uli ihre langjährigen Helfer.

Zusätzlicher Ansporn für die Küchen-Crew mag sein, daß der Service ‑ freiwillig ‑ einen Teil seiner „Tips“ an die weiße Brigade abgibt. Denn: Sind die Gäste zufrieden, fließt das Trinkgeld. Da ist es nur fair, die Köche daran teilhaben zu lassen. Vor allem jetzt, wo es ‑ endlich ‑ steuerfrei ist. Gelernte einheimische Köche hätten Ansprüche, die sie nicht nachvollziehen könne. Und vor allem will Uli nie mehr vom Koch abhängig sein. Das war sie in ihren Anfangsjahren als Wirtin des „Lobster“ in der Sachsenhäuser Wallstreet. Auch deshalb hat sie selbst kochen gelernt. „Uwe und ich essen und trinken selber gern, der Anspruch ist da“, sagt sie.

Frischer Wind auch im ansonsten windgeschützten Innenhof. Auf den rot lackierten Apfelgarnituren liegen kunterbunte Polster, überall gedeihen Blumen und Kletterpflanzen. Das Besteck steckt in irdenen blauen Töpfen aus dem Kannebäcker Land, wohin die beiden Wirte gerne fahren. Auch, um Nachschub an neuen Bembeln zu holen.

Uli, die studierte Grafikdesignerin, geriet vor 20 Jahren eher zufällig in die Gastronomie. Bekanntlich sind Autodidakten ja nicht die schlechtesten Wirte, da sie aus dem Gäste‑ Blickwinkel rangehen. Können sie dann auch noch rechnen, haben sie vielen Fachleuten etwas voraus. Ob von links vorgelegt oder von rechts abgeräumt wird, spielt da weniger eine Rolle, in einem Apfelweinlokal ohnehin überhaupt keine.

Nicht nur auf den blauen Schürzen des Service steht in Gold gestickt: „Föhl dich wohl.“ Deshalb gönnen sich zwar die Wirte gelegentlich einen freien Tag. Doch ihr Lokal bleibt täglich geöffnet. Schließlich kann man von den Gästen nicht verlangen, daß sie ihren Appetit auf Föhlsche Leckereien auf bestimmte Tage beschränken müssen. „Uns gibt’s täglich“, sagen Uli und Uwe deshalb nicht ohne Stolz und aus vollster Überzeugung. Die Wurst hat an dieser Adresse übrigens gute Tradition. Im Luftgäßchen, das am Föhlschen Haus entlang führt, hatte eine der ersten Frankfurter Würstchenfabriken ‑ namens Luft ‑ ihren Stammsitz.

Das Fachwerkhäuschen im Hof, in dem das Büro untergebracht wurde, ist ein kleines, bunt bepflanztes Schmuckstück. Jeden Moment könnte dort ein jugendlicher Held seinen Auftritt haben, eine Arie in den Hof schmettern oder Liebesverse deklamieren. Stattdessen serviert Andreas Stein mit einem flotten Spruch den x‑ten Schoppen.

 

Kelsterbach

Das Bündnis der 50 Bürgerinitiativen gegen die Erweiterung des Rhein-Main-Flughafens demonstriert im August 2000 und  startete eine Baumpflanzaktion bei Kelsterbach. Genau an der Stelle, wo vielleicht eine betonierte Rollbahn hinkommen wird, wurden zwei Bäumchen gepflanzt. Einen Apfelbaum als Signal der Hoffnung und einen Weißdorn als Zeichen des stacheligen Widerstandes gegen die Pläne, den Airport zu erweitern, brachten Helmar Müller von der Bürgerinitiative der Gemeinde Nauheim sowie Martin Kessel, Sprecher der Bündnisses der Bürgerinitiativen, in die harte Erde des Bannwaldes, wo 80 Jahre alte Fichten und 150 Jahre alte Buchen und Eichen stehen. Der Weißdorn sei außerdem „Heilmittel, denn sein Extrakt stärke das Herz, damit wir die Kraft haben, unser Ziel zu erreichen“.

 

 

Rhön und Main-Kinzig-Kreis

 

Seiferts

Angefangen hat eigentlich alles 1990 mit einem Seminar über Regionalentwicklung an der Fachhochschule Fulda. Wilfried Zöll, damals Student im Fachbereich Sozialwesen, begeisterte sich für den „sozialarbeiterischen Ansatz“ der Projekte des hessischen Dorferneuerungsprogramms, in denen „mit den Leuten statt für sie gearbeitet wurde“. Noch während des Studiums machte er sich selbständig, übernahm das Projekt „Ausbacher Rotapfel“ mit Gründung einer Lohnkelterei und machte fortan den Apfel zu seinem Thema. 1994 hab es ein erstes Treffen mit Jürgen Krenzer aus Seiferts, der über eine „Ulstertaler Lage“ für die Produktion von Apfelwein und -saft sinnierte, und Manfred Hempe, heute Geschäftsführer: des Regionalen Zentrums für Wissenschaft, Technik und Kultur (RWZ), der eine Apfelaktion rund um das Thüringer Dörfchen Apfelbach plante.

Über Mundpropaganda bekamen sie knapp 20 Streuobstbegeisterte zusammen. mit denen sie gemeinsam im Februar 1995 den Verein „Rhöner Apfelinitiative“ gründeten. Der Verein „Rhöner Apfelinitiative“ bündelt die Interessen und die Produktionskapazitäten Rhöner Obsterzeuger und wirbt in Veranstaltungen und Präsentationen weit über die Rhön hinaus für regionale Apfelprodukte wie Saft, Wein, Apfelbier, Sherry und Senf.

Gleich in dieser Gründungsversammlung wurde die erste Großveranstaltung vorbereitet: Nur sechs Wochen später fand in Hohenroda die 1. Rhöner Stöffchenmesse statt. Starthilfe bekam der junge Verein ideell und finanziell vom Biosphärenreservat Rhön. Einen richtigen Schub für den „Rhöner Apfel“ erreichte die Initiative bei der Präsentation des Biosphärenreservates in Bonn im Mai 1995. Danach blieben die Hessen nicht länger unter sich: Bayerische und thüringische Obsterzeuger schlossen sich ihnen an. Heute hat der Verein 115 Mitglieder „mit steigender Tendenz“, 50 Prozent aus Hessen, 30 Prozent aus, Bayern sowie  20 Prozent aus Thüringen und außerhalb der Rhön.

Ihr Ziel ist es, die natürliche „Symbiose“ von Apfel, Rhönschaf, Weideochsen und Biene nach außen verständlich zu machen. Der Rhöner Apfel ist neben dem Rhönschaf zum international beachteten Aushängeschild des Mittelgebirges im Dreiländereck Hessen, Bayern, Thüringen. Zöll über ihren ganzheitlichen Ansatz: „Äpfel können nur gedeihen, wenn die Vierbeiner den Boden pflegen und Bienen die Blüten bestäuben.“ Doch es geht auch ums Geschäft: Auf Seminaren in Krenzers 1997 eröffneter Dorfscheune mit Schaukelterei lernen Gastronomen wie Landwirte die Wertigkeit regionaler Produkte, Marketingstrategien und Marktpotentiale kennen.

Dem Verein zur Seite steht das „Rhöner Apfelbüro“, Bahnhofstraße 14, 36151 Burghaun, Tel. 0 66 52 / 72199, Fax 72134, das den Vertrieb und die Vermarktung organisiert und dessen Betreiber Wilfried Zöll ständig „in Sachen Äpfel“ unterwegs ist. Jüngstes Produkt sind die Apfelchips, gedörrte Apfelscheiben, die in den Antoniuswerkstätten Fulda, einer Behinderteneinrichtung, hergestellt werden.

30 Mark statt zuvor weniger als 20 Mark wird den Erzeugern für den Doppelzentner Kulturobst heute gezahlt; 100 Mark bekommen sie für Tafelobst, das früher überhaupt nicht abgesetzt wurde. Dieses Obst ist ausgestattet mit dem EU-Zertifikat „aus ökologisch kontrolliertem Landbau“, überprüft wird es regelmäßig durch die EU-Kontrollstelle für Naturkost/Naturwaren AGRECO in Witzenhausen. Und auch die Abnehmer, die Kelterei Elm in Flieden und die Rother Bräu im bayerischen Roth, besitzen das EU-Zertifikat. „Auf diese Weise entsteht ein rein ökologisch hergestelltes Produkt, von dem jedes einzelne Kilo nachverfolgt werden kann“, versichert Zöll.

Dessen Apfelbüro garantiert den Obsterzeugern gute Preise und organisiert die Wege zur Kelterei, die Saft herstellt und damit auch Mineralbrunnen Rhönsprudel und Rother Bräu für deren Produkte - Rhöner Apfelschorle und Rhöner Apfelbier - beliefert. Ein weiterer Partner ist der Fuldaer Großhändler Frucht-Hartmann als Obst-Zwischenhändler. Ohne diese Partner, die den Mut hatten, mit uns gemeinsam neue Wege zu gehen

hätte es die Initiative nicht geschafft, meint Zöll. Vorteil dieser Logistik: Selbst Kleinst­erzeu­ger mit fünf Bäumen auf der Wiese können ihr Obst über das Büro absetzen, wobei sich die Abnehmer nicht mit jedem einzelnen Erzeuger beschäftigen müssen. Aufgrund der Vereinskonstellation ist eine „Gebietskulisse“ von 100 Kilometern Ausdehnung entstanden, wodurch auch in schlechten Jahren ausreichende Mengen geliefert werden können. Mitglied im Verein kann übrigens jeder werden, der Streuobst vom Hochstamm erntet, nicht chemisch spritzt und keine mineralische Düngung vornimmt.

m Jahre 1998 fand die jährliche Apfelmesse in Ehrenberg-Seiferts statt. Der Apfelmarkt gab der Vermarktung von Streuobstprodukten sowie Informationen und Fachaustausch einen breiten Raum. Er öffnet den Blick für die Vielfalt der Apfelsorten und will schließlich die Verbindung von Nutzung des Obstes und Erhaltung der Streuobstwiesen in ihrer Tradition und ökologischen Vielfalt zeigen. Die Messe verteilt sich im ganzen Dorf, alte Scheunen öffnen ihre Tore für Aussteller, die Straßen verwandeln sich zu Erlebnispfaden gesäumt von kulinarischen und handwerklichen Spezialitäten. Auf der Messe präsentieren sich unter anderem zahlreiche Vermarktungsstände rund ums heimische Obst und Aussteller mit Zubehör für die Streuobstverarbeitung.  Fachbehörden, der Pomologenverein (Obstbaukunde), der Naturschutzbund und die Rhöner Apfelinitiative bieten den Besuchern Beratung.

Neben dem selbstverständlichen Rundgang über die Messe werden für die Gruppe besondere Programmpunkte angeboten.  H. Zöll, Leiter des Rhöner Apfelbüros, führt fachkundig durch den Streuobstwiesen-Lehrpfad. Außerdem besteht anschließend die Gelegenheit zum Besuch verschiedener Fachvorträge. Ein Vortrag beschäftigt sich mit dem „Lebensraum Streuobst“ - und wird von dem NABU-Kreisverband Fulda verantwortet. Ein weiter von der „AGRECO“ Witzenhausen zu haltender Vortrag behandelt die „EU-Bioverordnung“, das „ARLL“ Fulda zeigt „Vorführungen in der Streuobstwiese“.

„Gasthof zur Krone“, Ihr Landhotel im Herzen der Rhön, Familie Krenzer &Team - D-36115 Ehrenberg-Seiferts/Rhön, Fon 0 66 83/9 63 40 - Fax 0 66 83/14 82 - E-Mail Adresse krone@rhoen.net. Öffnungszeiten: Do. + Fr. ab 17.00 Uhr, Sa. + So. ab 11.00 Uhr oder nach Vereinbarung

 

„Rhöner Gastlichkeit im Einklang mit der Natur“ - das ist die Philosophie von Familie Kren­zer und dem „Krone-Team“. Über die Speisekarte gelang die „Wiedergeburt“ des selten gewordenen Rhönschafes, Naturschutz durch Genuß, Artenschutz per Speisekarte. Neue Rhöner Spezialitäten mit Produkten von den umliegenden Rhöner Bauernhöfen werden in der Küche zubereitet, zum Beispiel „Seifertser Hackfleisch-Krautpfanne“, „Rhönlammtiegel“ und „Hirtenpfanne“ vom Rhönschaf oder  „Dätscher“ aus Omas Backofen. Spezialitäten rund um den Apfel und Apfelwein werden liebevoll zubereitet.

Man kann ein „Öko-Wohlfühlzimmer“ buchen: Heimische Handwerker haben mit viel Liebe zum Detail und natürlichen Baumaterial Zimmer eingerichtet, die Freude machen. In den Rhönzimmern zu Themen wie „Bauermarkt“, „Kräuter“, „Apfel“, „Schnaps“ kann man sogar regionale Produkte und Accessoires käuflich erwerben. Auf der historischen Kegelbahn gibt es naturtrübes „Öko-Bier“ der Rother Bräu unter freiem Himmel zu genießen.

Ein neu eingerichteter Kreativ-Raum wurde eigens für effiziente und trotzdem entspannende Veranstaltungen geschaffen. Seminare oder Tagungen werden zum „Erlebnis mit Ergebnis“.  Der Raum bietet Platz für bis zu 40 Personen. Bei bestem Service kann man mit modernster Technik entspannt tagen.

In der neu eingerichteten Apfelweinstube finden „Apfel- Seminare“ statt. An rustikalen Tischen aus Ahornholz kann man bei einem Schluck  „Rhöner Apfelwein“ (es gibt dafür noch einen speziellen Ausdruck, der aber seit 2007 gesetzlich geschützt ist und deshalb nicht im Zusammenhang mit dieser  Firma verwendet werden darf) dem Treiben in der Kelterei zuschauen, eine Glasscheibe sorgt für den nötigen Durchblick. Knapp 40 Personen finden hier einen urgemütlichen Platz, und in der warmen Jahreszeit lockt der Freisitz mit weiteren 80 schattigen Plätzen vor der Kelterei.

In der bisher in Europa einzigartigen Schaukelterei in der Scheune hinterm Haus ist man „live“ dabei, wenn Äpfel gepreßt werden und der frische naturtrübe Saft aus der Kelter läuft. Wer Lust hat, kann beim Mosten mithelfen, zur Belohnung gibt’s auch einen zünftigen Kelterschmaus. Natürlich besteht das ganze Jahr über die Möglichkeit, die moderne und trotzdem traditionelle Packpresse samt Einrichtung im Rahmen eines Apfelweinseminars zu besichtigen. Im Apfelwein-Lagerkeller warten etwa 15.000 Liter Apfelwein-Besonderheiten auf die Verkostung. In modernen Edelstahlbehältern sowie in traditionellen Holzfässern werden die Spezialitäten ausgebaut und erst auf Wunsch abgefüllt.

Der Saftladen bietet eine Vielzahl von Spezialitäten rund um den Apfel. Man erhält nicht nur Apfelwein, sondern Apfelweine mit Honig, Schlehe, Holunder oder sogar sortenreine Apfelweine. Sie können sich aber auch an anderen Spezialitäten erfreuen. Sei es ein stürmischer „Rauscher“, Apfelcidre oder selbstgekelterter Apfelsaft. Weiterhin gibt es Likörspezialitäten, Apfelschaumweine, verschiedene Obstsenfsorten, Apfeltrester-Paniermehl, Marmeladen und Brotaufstriche, Kochbücher rund um den Apfel und Apfelchips, die aus Rhöner Streuobst-Tafeläpfeln hergestellt werden.

 

 

Überörtliche Einrichtungen

Wer glaubt, daß die Arbeit im Umweltzentrum Kinzigaue mit dem Ende des Sommers ein saisonales Ende fand, der ist auf dem Holzweg. Im Gegenteil: An den Herbst angepaßt bieten Gabriele Schaar-von Römer und ihre Mitarbeiter auch an kälteren Tagen ein spannendes Programm an. Vorläufiger Höhepunkt soll eine historisch und ökologisch ausgerichtete Apfelwein- und Saftprobe werden, für die Schaar-von Römer im Jahr 2007 sowohl Umweltpädagogen als auch Jörg Stier, Chef der Maintaler Traditionskelterei Stier, gewinnen konnte.

Natürlich genießt auch Gabriele Schaar- von Römer ab und zu gern ein Glas frischen Apfelwein. Ihr Interesse am Thema „Apfel” gilt allerdings nicht nur der hessischen Spezialität, die gelegentlich sogar zum Kulturgut erhoben wird. „Mir geht es auch um die Obstwiese an sich”, erklärt sie den Anlaß der Veranstaltung im Umweltzentrum, „sie ist ja nicht nur Anbaustätte, sondern auch Lebensraum für viele Tiere”.

In Einklang mit den regelmäßig angebotenen Apfel-Workshops im Umweltzentrum wird es zum Apfelfest für Familien auch ein ganz spezielles Angebot für junge Leute geben - und natürlich darf auch wieder selbst gepreßt werden. Jörg Stier dagegen soll sich um die Erwachsenen kümmern.

Das große Apfelfest für Familien steigt am Samstag, 27. Oktober, ab 16 Uhr im Umweltzentrum Kinzigaue. www.umweltzentrum-hanau.de.  Die Anmeldung erfolgt über die Homepage des Umweltzentrums. Aufgrund der großen Nachfrage können nur angemeldete Teilnehmer zugelassen werden.

 

Die Volkshochschulen (VHS) der Region bieten 2002  wieder Apfelweinseminare an. Die Seminare finden am Donnerstag, 14. März, und Donnerstag, 21. März, jeweils ab 19.15 bis 21.30 Uhr in der VHS in Offenbach, Samstag, 20. April, und Sonntag, 5. Mai, von 14 bis 18.30 Uhr in der VHS in Frankfurt sowie am Donnerstag, 18. April, und Donnerstag, 25. April, in der VHS Main‑Kinzig statt. Zum Programm gehören Kellerführungen. In den Seminaren wird außerdem in unterhaltsamer und informativer Weise die Bedeutung des Kulturgutes Apfelwein erläutert. Ausführlich werden die Grundzüge der Herstellung beschrieben und besprochen. Während des Seminars werden natürlich auch einige beispielhafte Proben ausgeschenkt. Und zum Schluß bekommen die Teilnehmer noch ein kleines Kelterdiplom.

Geboten ist außerdem am Samstag, 2. November, und Sonntag, 3. November, ein Apfelweinwochenende in der Rhön im Apfeldorf Seiferts. Vom Rundgang über die Streuobstwiese bis zum geselligen Rhöner Vier‑Gang‑ Menü, vom Selbstkeltern an der Packpresse bis zur Probe vielfältiger Apfelweinspezialitäten wird ein Kurs angeboten. Dort wird ein Seminarraum und Kelterhalle von Jürgen Krenzer’s Rhöner Schaukelterei zur Verfügung gestellt. Im gegenüberliegenden Rhöngasthof „Zur Krone“ können die Teilnehmer übernachten sowie Apfelfrühstück und Menü genießen. Weitere Leistungen des Kurses sind der Begrüßungs-Snack und das abschließende Eintopfessen.

Am Donnerstag, 7. November, findet nach einer kurzen Einführung und ausgewählten Proben aus dem Keller von Jörg Stier, werden in einer geselligen Runde die mitgebrachten Schoppen probiert und diskutiert. Dieser Kurs wendet sich an alle Hobby‑Keltermeister, die hier Bestätigung, Tips und Hinweise für die eigene Herstellung erfahren möchten.

Im Rahmen einer kleinen Kellerführung wird auf unterhaltsame Weise verschiedene Facetten der Apfelweinkultur näher gebracht. Anschließend geht eine Fahrt zum Gasthaus „Adler“ in Mittelbuchen. Dort kann man ein von Fernsehkoch Claus Viering bereites Apfelweinmenü genießen.

 

Im Jahre 2006 warnte die Kreistagsfraktion der Grünen, in Hessen könnten die Streuobstwiesen in Zukunft ihren gesetzlichen Schutz verlieren und ohne Genehmigung der Naturschutzbehörden abgeholzt werden. Die umweltpolitische Sprecherin der Kreisgrünen, Milena Bös, forderte die hiesigen CDU-Landtagsabgeordneten auf, dafür zu sorgen, daß die Streuobstwiesen weiterhin gesetzlich geschützt werden. Dieser Gesetzentwurf von Minister Dietzel zur Novellierung des Hessischen Naturschutzgesetzes müsse zurückgezogen werden. Teilweise sind für die Erhaltung oder Wiederherstellung der Streuobstwiesen öffentliche Mittel ausgegeben worden. So hat die Untere Naturschutzbehörde an über 6.000 Bäumen Sanierungsschnitte aus Mitteln der Ausgleichsabgabe finanziert.

Dazu kämen über 2.600 Neuanpflanzungen in Maintal, Schöneck, Ronneburg, Steinau und Schlüchtern. Es könne nicht sein, daß dieser wertvolle Bestand nun der Willkür Einzelner überlassen bleibt. „Also: Finger weg von den Streuobstwiesen!”, warnt Bös. Schließlich sei eine Gefährdung des Bestands auch aus ökonomischen Gründen nicht nachvollziehbar. Viele der heimischen mittelständischen Keltereiunternehmen wie die Maintaler Firmen Höhl und Stier nutzten die Äpfel aus Hessen als Produkt- und Imagewerbung. Der Schutz der Streuobstwiesen wurde dennoch aufgegeben, bei Abholzungen müssen keine Ausgleichsmaßnahmen mehr vorgenommen werden.

Gelnhausen

Im Jahr 1997 hatte der Fachbereich Natur- und Umweltbildung der Kreisvolkshochschule Obstbaumschnittkurse, Vorträge, Streuobstexkursion, ja sogar ein Apfelweinseminar und ein Apfelweinwochenende mit Kelterkurs in der Rhön mit insgesamt über 260 interessierten Teilnehmern durchgeführt.

Im Jahr 1998 gab es ein Apfelweinseminar „Vom Boam in de Bembel“ mit Keltermeister Jörg Stier, einen „Apfelweinstammtisch für Selbstkelterer“ im Gasthof Hotel Burgschänke in Gelnhausen, eine Veranstaltung „Sommerschnitt an Obstgehölzen in Schlüchtern und eine Einladung in die Rhöner Schaukelterei Krenzer, wo in Zusammenarbeit mit der Kelterei Stier ein „Apfelweinwochenende mit Kelterkurs“ stattfand.

Für heimische Produkte und Dienstleistungen soll der „Tag der Regionen“  im September 2001 werben. Die Stadt Gelnhausen beteiligt sich mit einem Programm aus Kursen, Vorträgen und Ausstellungen von Freitag, 21. bis Sonntag, 30. September, an der bundesweiten Aktion.

Den Auftakt bildet die Eröffnung der Ausstellung: „Kleines im Spessart ‑ ganz groß“ am 21. September um 19 Uhr im Foyer des Rathauses. Im Mittelpunkt der Ausstellung, die bis 16. Oktober zu sehen ist, stehen Pflanzen der Kulturlandschaft Spessart, die Manfred Hanke aus Bessenbach im Landkreis Aschaffenburg fotografiert hat.

 „Streuobstwiesen, Pilze und Legenden“ heißt das Motto der Waldführungen, die am Dienstag, 25. September, ab 17.30 Uhr, Treffpunkt Blockhauswiese, angeboten werden. Am selben Ort zeigt der Arbeitskreis Streuobstwiesen am Mittwoch, 26. September, ab 14 Uhr den Bau einer Kräuterspirale. „Streuobst, Geschichte und Perspektiven“ heißt ein Vortrag von Johannes Wolf am Donnerstag, 27. September, 19 Uhr, in der Zehntscheune.

Die Bestimmung von Obstsorten bietet der Experte Hans‑Joachim Bannier am Samstag von 11 bis 18 Uhr in der Zehntscheune. Auf der benachbarten Müllerwiese sind ab 11.30 Uhr Ziegen, Schafe, Hund und Hirte in einer Hüteschau zu beobachten. Am Sonntag, 30. August, 11 Uhr, beginnt auf der Müllerwiese eine Skulpturenausstellung, die bis zum 26. Oktober gezeigt wird. Ebenfalls am Sonntag öffnet um 11.30 Uhr ein regionaler Markt an der Zehntscheune.

 

Seit 1998 peppt ein Arbeitskreis in Gelnhausen vergessene Streuobstwiesen wieder auf. Im Herzbachtal ließen sich die Akteure bei ihrer ökologisch wichtigen Arbeit während eines Aktionstages im Jahre 2003  über die Schultern schauen. Ein Hauptwerkzeug dieser Renaissance ist die Motorsäge. Seit 1998 räumt der Arbeitskreis Streuobst in gezielten Einsätzen um Gelnhausen herum Gebüsch, Holz und Hecken beiseite, um ökologisch wertvolle Nischen freizulegen. Streuobst ist ein wichtiges Kulturgut, daß hier leider zu verschwinden droht.

Mit Säge, Baum‑ und Heckenschere sowie Grabgerätschaften sorgen die Akteure für Licht und Luft und fachgerecht geschnittene Apfel‑, Birnen‑ oder Zwetschgenbäume. Es wird nachgepflanzt und gerne auch einmal eine Schafherde auf die Wiese gelotst, denn zur Pflege des Unterwuchses gibt es nichts Besseres als eine termingerechte Beweidung oder eine Mahd.

 

Fünf bis sechs Arbeitseinsätze stehen für die Freiwilligen in den Herbst‑ und Wintermonaten auf dem Programm. Darüber hinaus organisiert der Arbeitskreis Ernteaktionen, Aktionstage, an denen sich alles um den Apfel dreht, und Baum‑Schnittkurse. Koch: „Wir wollen den Leuten und vor allem auch den Kindern dabei die Möglichkeit geben, mitzumachen, mit der Natur in Kontakt zu treten und zu entdecken, wieviel Spaß das machen kann“.

Die Erlaubnis für die Pflege‑ und Hegeaktionen des Arbeitskreises geben die oft in anderen Städten lebenden Grundstückseigentümer gerne. Denn schließlich geht es dabei auch um den guten Geschmack. 60 bis 70 Apfel‑ und Birnensorten haben Schlünder, Koch und Helfer bereits in Gelnhausen nachgepflanzt, darunter auch die lokalen Klassiker Goldparmäne, Schwackes‑Apfel, Rheinische Schafsnase und Mollebusch‑Birne.

Der Arbeitskreis Streuobst, der zu seinen Mitgliedern unter anderen auch die Stadt Gelnhausen, den Landschaftspflegeverband Main‑Kinzig, Obst‑ und Gartenbauvereine sowie Vogel‑ und Naturschutzvereine zählt, will mit diesen Leckerbissen möglichst in aller Munde sein. Denn ein Hauptziel ist auch die Entwicklung von Vermarktungsstrategien für das heimische Obst, „und wir wollen irgendwann einen Apfelsaft aus dieser Region anbieten“, verrät Martin Schlünder (Arbeitskreis Streuobst: Jürgen Koch, Stadt Gelnhausen, Telefon 05051 / 830238).

 

Das Projekt Zukunftswald führte nach Angaben des BUND bisher deutschlandweit an über 70 Standorten zur Pflanzung von mehr als 12.000 Laubgehölzen auf ehemaligen Brachflächen. 3.000 Baumpaten hätten sich bislang beteiligt. Auch in der Barbarossastadt Gelnhausen soll bald ein „Zukunftswald 2000“ sprießen. Der örtliche Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) nimmt im Jahr 2000 an der bundesweiten Pflanzaktion teil und bittet deshalb jetzt um Baumspenden. Um unserer Stadt einen Teil der Streuobstwiesen wiederzugeben, die durch Baumaßnahmen oder mangelnde Pflege zugrunde gingen, haben wir uns entschieden, Obstbäume zu pflanzen“, erklärte der BUND-Vorsitzender Dr. Stephan Consemüller. Standort ist ein Grundstück der Stadt Gelnhausen am Südhang des Herzbachtales. Die Pflanzungen sind für Mitte November geplant. Eine Baumspende kostet 150 Mark. Die Baumpaten erhalten eine persönliche Urkunde und werden namentlich auf einer Tafel an der neuen Streuobstwiese verewigt.

 

Ohne Pflege ist eine Streuobstwiese auf längere Sicht nicht zu halten. Leider gehen deshalb große Bestände zu Grunde. Gegensteuern soll im Jahre 2003 die gebündelte Kraft einschlägig aktiver Organisationen, Behörden und Interessengruppen. Unter dem Dach des Landschaftspflegeverbandes Main‑Kinzig‑Kreis und der Stadtverwaltung hat sich der Arbeitskreis Streuobst in Gelnhausen formiert. Weitere Mitglieder sind der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die beiden Obst‑ und Gartenbauvereine Gelnhausens, Imker, Untere Naturschutzbehörde, Landwirtschaftsamt und einige Experten für Obstbaumschnitt und ‑pflanzung.

Auf der Agenda des Arbeitskreises steht laut Koch als erstes ein Stück Detektivarbeit. Es gelte nicht nur, Streuobstgebiete ausfindig zu machen, in denen einerseits Sanierung dringend notwendig sei und andererseits die Verbuschung noch nicht zu sehr Raum gegriffen habe, so daß sich die Arbeiten noch lohnten. Es sei oft auch keineswegs einfach, die Eigentümer ausfindig zu machen und Kontakt aufzunehmen. In einem Fall hätten die Recherchen kürzlich bis nach Bahrain am Persischen Golf geführt.

Idealerweise könnten Eigentümer mit ein wenig Beratung und Unterstützung motiviert werden, ihre Streuobstwiesen wieder selbst zu nutzen. Alternativ soll versucht werden, in einer Streuobstbörse beispielsweise Pachtverhältnisse zu vermitteln. Da kaum Geld zur Verfügung stehe, so Koch, seien vor allem kreative Einfälle vonnöten, um zu mehr Nutzung, Pflege und Verjüngung der Streuobstbestände zu kommen. Für den kommenden Herbst plant der Arbeitskreis eine Ernteaktion. Damit soll auf die große Menge ungenutzten Obstes um die Stadt aufmerksam gemacht werden.

 

Linsengericht‑Lützelhausen

Als „urgemütlicher Apfelweingarten“ präsentierte sich die Turnhalle „Auf dem Berg“ in Lützelhausen am Samstag, 31. März, und am Sonntag, 1. April 2001. Der Musikverein  Lüt­zel­hausen organisierte zum dritten Mal ein „original hessisches“ Blasmusikfest. Dazu waren die Lützelhäuser Organisatoren zum Keltermeister Jörg Stier nach Maintal-Bischofs­heim gefahren. Auf der diesjährigen Getränkekarte wird es wieder den echten Speierling-Apfelwein sowie den Cidre nach normannischer Art und den roten Apfelweinschaumwein (1999er Sider Exclusiv rot) geben. Neu hinzu kommt der goldene Apfelschaumwein (1999er Sider Exclusiv gold) - feines Apfelaroma und typischen Apfelton im Nachhall - und statt des Hausschoppens den Mispel-Apfelwein im Faß. Natürlich gibt es im urig geschmückten „Großen Linsen­gerich­ter Apfelweingarten“ auch jede Menge alkoholfreie Getränke, Biere und Wein sowie viele hessische Spezialitäten wie zum Beispiel Rippchen mit Kraut, Hausmacher Wurst, Handkäs mit Musik, selbstgemachter Kochkäse und wie immer zu bekannt günstigen Lützelhäuser Preisen auf der leckeren Speisekarte.

Fünfter Hessischer Äppelwoi‑Event mit Handkäs und viel Musik in Auch das fünfte Hessische Blasmusikwochenende am 29. und 30. März 2003 in Linsengericht‑Lützelhausen verspricht wieder beste Unterhaltung mit einer großen Auswahl hessischer Leckereien in bekannter Lützelhäuser Qualität. Seit vier Jahren treffen sich in der größten „Äppelwoiwirtschaft“ der Rhein-Main‑Region die Freunde von „Hessen-à-la‑Carte“ gespickt mit viel live Musik. Mit dabei: der Maintaler Spezialitäten‑Keltermeister Jörg Stier. Am morgigen Samstag, 29. März, sind bei wie immer bei freiem Eintritt in der geschmückten Lützelhäuser Turnhalle „Auf dem Berg“ der Musikverein Bad Orb sowie die Original Kasseler Musikanten ab 18.30 Uhr, moderiert von Uwe Häuser, die musikalischen Gäste. Am Sonntag, 30. März, ist wiederum bei freiem Eintritt ab 10.30 Uhr beim „fröhlichen Lützelhäuser Frühschoppen“ im größten Äppelwoigarten der Rhein‑Main‑Region in bekannter Lützelhäuser Qualität der Musikverein Horbach zu hören. Im Rahmen des bunten Nachmittagsprogramms spielt der Musikverein Brachttal nicht nur zu Kaffee und guten selbstgebackenen Kuchen und Torten. Zum Abschluß spielt am späten Nachmittag der Musikverein Bernbach in der großen Turnhalle „Auf dem Berg“ in Lützelhausen auf.

Darüber hinaus erwartet die Gäste ein lustiges Apfelweinquiz, erstellt vom Maintaler Keltermeister Jörg Stier, mit vielen schönen Preisen „Rund um den Apfel“. Auf der Speisekarte stehen viele hessische Leckereien neben Hand‑ und Kochkäse, Rippchen mit Kraut gibt es Sonntag zur Mittagszeit gegrillte Haspel natürlich mit Kraut. Der Meddeler Bäcker, Jürgen Hellmuth beliefert die Lützelhäuser mit seinem knackigen Apfelweinbrot und frischen Brezeln. Hier kommen anspruchsvolle Gaumen‑ und Musikliebhaber sowie die Freunde von „Hessen‑à‑ la‑Carte“ auf ihre Kosten. Auf recht zahlreichen Besuch auch aus Maintal freut sich der Musikverein Lützelhausen.

 

Gründau

27 Apfelsorten wachsen auf Bernhard Greives niedrigstämmigen „Spindelbäumen“ in Gründau. Doch damit nicht genug. Beim Rundgang über das 13.000 Quadratmeter große Grundstück in Hörweite der Autobahn verweist der Ruheständler im Jahre 2001, der 30 Jahre als Gießerei‑ Fachmann gearbeitet hat, nicht ohne Stolz auf die anderen Bäume, Büsche und Spaliere, auf denen die Zutaten für seine alkoholhaltigen Köstlichkeiten wachsen.

In seinem Refugium im Untergeschoß des Wohnhauses riecht es intensiv nach den flüchtigen Stoffen, die den Gäraufsätzen auf den dickbauchigen Glasflaschen entweichen. In manchen Ballons schwimmt noch der Trester auf der Oberfläche des künftigen Obstweins. Wenn diese festen Bestandteile des ursprünglichen Saftes auf den Boden der Flasche gesunken sind und der Öchslegehalt auf Null gefallen ist, das heißt, Zucker sich in Alkohol verwandelt hat, dann ist der Wein fertig.

So Greives vereinfachte Erklärung eines Prozesses, dessen Begleitung viel Erfahrung und Gefühl verlangt. Die gärenden Weine seien „wie eine junge Frau, die jeden Tag besucht werden will“, meint er schmunzelnd. Bei der großen Ernteschau in Langenselbold Ende September kredenzte er den Besucherinnen und Besuchern Kostproben aus seinem Bestand. Die leckten sich die Lippen. Ein besonders „Durstiger“ hätte sich am liebsten ein Bierglas voll leckerem Obstwein einschenken lassen.

Neben diesen „Klassikern“ gibt es noch die eher ausgefallenen Obstweine aus Brombeeren, Trauben, Johannisbeeren und Pfirsichen. Letztere Frucht mit der samtigen Oberfläche lasse sich eher schlecht zu Wein verarbeiten, entnahm Bernhard Greive vor Jahren der einschlägigen Fachliteratur. Doch als angesichts einer Pfirsich-Schwemme 1998 die Entscheidung anstand, drei Zentner auf den Kompost zu werfen, weil alle Gläser voll waren, wagte er das Experiment und produzierte erfolgreich seinen ersten Pfirsichwein. Nur von Reineclauden hat es bisher die Finger gelassen: Die gehen so schwer vom Stein.

Wenn die fertigen Obstweine aus den Glasballons auf Flaschen gezogen sind, kommt auf den 67‑Jährigen eine ungeliebte Arbeit zu: die Säuberung der dickbauchigen Behälter mit der schmalen Öffnung. Mit langen Bürsten hat er sich jahrelang abgemüht. Bis ihm seine mittlerweile verstorbene Schwiegermutter den entscheidenden Tip gab: Klein gerissenes Zeitungspapier und Wasser entpuppte sich als Zauber‑Reinigungsmittel.

Bernhard Greive gibt solche Ratschläge ebenso gerne weiter wie seine übrigen Kenntnisse zur Herstellung von Obstwein. Zu jeder Sorte hat er entsprechende Informationen für Nachahmer geschrieben. Sein Wissen geht nicht verloren. Seine Söhne und Töchter wollen nicht in Vaters Fußstapfen treten. Sie haben keine Zeit für dieses arbeitsintensive Hobby. Die Eltern nehmen es gelassen.

 

Langenselbold

Der Duft von Äpfeln zog durch die Langenselbolder Klosterberghalle und die Herrenscheune, wo im September 2001 der Obst- und Gartenbautag des Landesverbandes Hessen für Obstbau, Garten‑ und Landschaftspflege sowie das 100jährige Bestehen des Obst‑ und Gartenbauvereins Langenselbold und des Kreisverbandes Hanau zur Förderung des Obstbaues, der Garten‑ und Landschaftspflege gefeiert wurden.

An liebevoll dekorierten Tischen und umgeben von einer farbenprächtigen Auswahl an Obst und Gemüse lauschten die Zuhörer am Samstagmorgen dem hessischen Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel, der über Erwachsenenbildung und ‑beratung im Nichterwerbsgartenbau referierte und Ria Steinhauer aus Bad Nauheim, die über Rosen sprach.

Der Gedankenaustausch stand im Mittelpunkt der drei Veranstaltungen, die vornehmlich von Frauen und Männern der mittleren und älteren Generation besucht wurden. Die Chancen, die jüngere Generation für den Obst‑ und Gartenbau zu gewinnen, stünden im Zeichen von Lebensmittelskandalen gut, glaubt Wilma Kempgen, Leiterin des im Frühjahr gegründeten Frauenteams. „Im eigenen Garten Salat und Tomaten zu ernten, von denen man weiß, daß sie nicht gespritzt sind, ist ein gutes Gefühl“, meint Siegfried Molkenthin, Umweltexperte des Obst- und Gartenbauvereins

Er bemüht sich seit vielen Jahren, die Mitglieder von chemischen Spritzmitteln abzubringen und zur biologischen Behandlung zu führen. 80 bis 90 Prozent seien bereits umgeschwenkt.

Die Grüne Schafsnase, der Pilot, Baumanns Renette, der Grüne Anhalter und der Braune Matapfel, die in der Klosterberghalle und der Herrenscheune gemeinsam mit einer Vielzahl anderer Obst‑ und Gemüsesorten ausgestellt waren, bewiesen augenfällig, welch eine Vielfalt es neben den Standardsorten eines Supermarkt‑Angebotes gibt.

23 Ortsvereine zählt der Kreisverband der Obst‑ und Gartenbauvereine, der im Mai 1901 gegründet wurde, damit der Obstbau im Kreis nicht mehr allein der „Liebhaberei“ diene, sondern auch dem „Erwerbe“. Obstverwertungskurse wurden damals angeboten, Baumwärter ausgebildet, Sammelstellen für Frischobst eingerichtet, Obstbäume gepflanzt und der Absatz neu geregelt.

 

Ronneburg

Ein Apfelweinfest findet am Samstag und Sonntag, 13. und 14. September 1997, jeweils von 11 bis 17 Uhr auf der Ronneburg statt. Der Förderkreis Burg veranstaltet es zusammen mit der „Historischen Wanderkelterei Burg Ronneburg“ von Georg Merz. Das Schaukeltern erfolgt mit historischen Geräten: Beim ersten Apfelweinfest auf der Ronneburg führt Georg Merz vor, wie aus den Früchten das „Stöffche“ wird. „Das wissen die wenigsten“, sagt er. Der Hanauer versetzt die Besucher zurück in die Zeit, als die Wanderkeltereien noch von Bauernhof zu Bauernhof zogen. Quietschend drehen sich die schweren Sandsteinwalzen des Hand­musers, Messer zerteilen die Früchte in kleine Stücke, bevor sie zermahlen vorn Stein auf dem Boden des Holzfasses klatschen. Noch wenig verlockend sieht die breiige Masse aus, der anschließend in der Spindelpresse der saftige Inhalt entzogen wird. Doch was später aus der eisernen Auffangrinne der Presse in die Gläser fließt, ist süßer Most.

Wanderkeltern gegen Lohn und auf Bestellung kam in Hessen im 19. Jahrhundert in Mode. Der Vorteil davon war, daß die Bauern ihre Äpfel im Hof keltern und gleich in Fässer füllen konnten, um den Most zu Apfelwein weiterzuverarbeiten. Eine Wanderkelterei war auf einem Leiterwagen montiert und bestand aus einer Waschbütte, einer Mühle zum Zerkleinern der Äpfel und aus einer Spindelpresse. Mit dem Aufkommen der Dampfmaschine ergab sich die Kombination aus Wanderkelterei, Dampfkartoffel-Kessel und Dreschmaschine, die im Verbund zu den Höfen gefahren wurde.            

Das Angebot ist authentisch, denn in der Burg wurde früher tatsächlich gekeltert. Der Förderkreis plant, daraus eine ständige Einrichtung zu machen. Im Weinkeller soll die historische Wanderkelterei ihren festen Platz finden. „Wir wollen das alte Handwerk darstellen“, so Schwandt. Ein bißchen Apfelwein soll daher zu Demonstrationszwecken immer in den Burgfässern angesetzt werden.

 

Das Umland der Gemeinde Ronneburg ist ökologisch wertvoller als es der erste Blick vermuten läßt. Hier finden sich die größten zusammenhängenden Streuobstgebiete der Region. Umso mehr erfreut zeigt sich Umweltdezernent Erich Pipa, daß die örtlichen Landwirte und Grundstückseigentümer diese Biotopflächen zu schätzen wissen. Allein im Jahr 2000 hat die Untere Naturschutzbehörde des Main‑Kinzig‑Kreises den Flächenbesitzern 115 neue Obstbäume kostenlos zur Verfügung gestellt, die unter der Regie von Ortslandwirt Dietmar Grob gepflanzt wurden. Ein Schritt in diese Richtung ist der Zuschuß von 5000 Mark, den Pipa nun im Beisein von Bürgermeister Friedhelm Kleine an Ortslandwirt Grob überreichte. Das Geld dient dem Kauf eines gemeinschaftlichen Mähgerätes, das beim Bauhof der Gemeinde stationiert werden soll und allen Streuobstwiesenbesitzern zur Verfügung steht.

 

Hammersbach

Über 300 alte Hochstamm-Obstbäume hat der Landschaftspflegeverband (LPV) Main-Kinzig mit der Gemeinde Hammersbach im Streuobst-Gürtel um Langenbergheim und Marköbel saniert. Das teilten Bürgermeisterin Helga Meininger und LPV-Geschäftsführerin Barbara Fiselius auf einer Steh-Pressekonferenz im April 1999 mit. Die 65.000 Mark für den fachgerechten Baumschnitt flossen, weil Hammersbacher Apfelwiesen wie die am Hattenberg ein „Dichtezentrum“ der Steinkauze sind: Auf Hammersbachs Gemarkung nisten und wachsen so viele dieser Nachtschwärmer auf, daß sie sich von dort aus in die ganze Region verbreiten. Die Nachtvögel sind Indikatoren für den guten Zustand eines Wiesenbiotops.

Hammersbach ist erst seit zwei Jahren Mitglied im Landschafts-Pflegeverband. Zufrieden ist Bürgermeisterin Helga Meininger mit der Bereitschaft der privaten Eigner, ebenso wie die Gemeinde ihre Obstwiesen für die kostenlose ökologische Aufwertung zu öffnen. Die Nachfrage ist so groß, daß nicht alle Grundstücke zum Zug kamen. Insgesamt haben die Baumprofis aus zwei bäuerlichen Betrieben des Ostkreises 125 Bäume in Marköbel und 193 in Langenbergheim zurechtgeschnitten.

Viele Kronen waren schon so „vergreist“, daß man sie „stark anregen“ mußte. So nennt man es, wenn ein zunächst radikal erscheinender Schnitt erfolgt, um überhaupt wieder Vitalität in den Stamm zu bekommen. Bisweilen werden auch aus Ertragssicht überalterte Bäume erhalten und „mit einem Entlastungsschnitt“ vor dem Zusammenbrechen bewahrt. Gerade diese Bäume mit ihren ausgehöhlten Ästen bieten besonders wertvollen Brut- und Wohnraum für bedrohte Tierarten. So stehen auf Hammersbacher Wiesen noch einzelne Birnbäume, die über 100 Jahre auf der Borke haben. Streuobst-Hochstämme werden im Allgemeinen um die 80 Jahre alt.

 

Im September (Jahr?) gibt es in Hammersbach eine Versteigerung der Obstbäume. Acht, neun Männer, meist jenseits der 50, stehen an der  Straße. Fünf Mark ist der Richtwert, zu dem Michael Göllner normal zu versteigern beginnt. „Beim nächsten Los“, das weiß der junge Umweltbeauftragte der Gemeinde Hammersbach, „ist der nicht zu erzielen“. Assistiert von Bauhof-Vorarbeiter Helmut Hach, faßt er diesmal ein ganzes „Gewann“ mit vielleicht zehn Straßenbäumen zusammen. Er wartet auf ein Gebot.

Ökologisch wertvoll sind die Bäume, heißt es nun. Erste Höhlenansätze hätten sie bereits. Die Gemeinde hat die Bäume gepflegt, das Gestrüpp außenherum gemulcht und die Bäume beschnitten. Auch aus anderen Bemerkungen des Bauhof-Manns blitzt Leidenschaft auf für das Streuobst in der Gemarkung. Er steigert selbst mit und treibt so zweimal auch den Preis auf dezente Höhen. Ginge es nach ihm, würde er einen blanken Wiesenküppel, wo gerade ein paar neugierige Kühe weiden, nächstes Jahr mit Obst bepflanzen.

In dem zusammenhängenden Wiesenstück „Am vorderen Schildberg“, diesseits der Autobahn, ist der Bewuchs üppiger. Die Bäume stammen aus der jüngsten Nachkriegszeit und werden vom Landschaftspflege-Verband Main-Kinzig umsorgt.

Friedel Schmitt, ehemaliger Chef des Eicher Obst- und Gartenbau-Vereins, gefällt der Obstwiesen-Spaziergang mit beiläufiger Versteigerung sichtlich. Er wollte sich dabei informieren, ob die Jahrzehnte alte Hammersbach Tradition nicht auf Nidderau zu übertragen wäre. Dort hat man in zurückliegenden Jahren viel Geld in die Sanierung alter Streuobst-Hänge gesteckt. Und nun muß man überlegen, wie die Kosten dauerhafter Pflege einzuspielen sind. Ernteversteigerung wäre da gewiß nur ein kleiner Beitrag. Zugleich wären der Bevölkerung so aber die Ausgaben für die Pflege leichter zu vermitteln. Nicht abgeerntet hängenbleibende Früchte sind zudem eine Gefahr für die Gesundheit der Bäume: Im Winter werden sie zu „Mumien“, auf denen sich -Schädlinge und Krankheiten halten -Mehltau, Schorf, Stippe und anderes.

 

Nidderau

Im Winter 1996/97 begann die Biotopsanierung auf dem Ohlenberg. Mehr oder weniger kostenlos war das für die Besitzer der oft winzigen Parzellen. Die Bäume wurden fachkundig so geschnitten, daß wieder Licht und Luft in ihre Kronen gelangt und wuchtige Äste nicht mit ihrer Hebelkraft den Baum spalten. Vorigen Winter war der Espenkopf dran. Das Gelände liegt weit westlich der B 52 1, gehört aber dennoch zu Eichen. Wenn bald am Espenkopf noch 50 junge Bäume gepflanzt sind, kann für die Sanierung von Nidderauer Obstwiesen zufrieden Bilanz gezogen werden. 623 Bäume wurden allein in diesem Eicher Gebiet per Schnitt verjüngt, am Ohlenberg wurden 430 geschnitten, 230 nachgepflanzt.

Im Oktober 1999 besichtigte der Arbeitskreis Streuobst die baumbestandenen Wiesen auf dem 40 Hektar großen Ohlenberg zwischen Heldenbergen und Windecken und dem 70-Hektar-Stück Espenkopf. Alle Jahre treffen sich dazu Grundeigentümer, Umweltamt, Landschaftspflege-Verband (LPV), Regionalentwicklungs-Amt und andere, um offene Fragen an Ort und Stelle zu erörtern.

Die LPV-Geschäftsführerin Barbara Fiselius erklärte, das nun Angefangene werde noch für einen Zeitraum von fünf Jahren fortgeführt, obwohl die Landesgelder dafür mittlerweile erheblich gefährdet seien. Bislang sei die Arbeit zu 90 Prozent aus der Ausgleichsabgabe für innerörtliche Bebauung finanziert worden. Die sei noch unter der rot-grünen Landesregierung abgeschafft worden. Die 10 Prozent seien nun auch noch gefährdet. Für Eichen hat der Arbeitskreis Streuobst daher einen Pflegefonds eingerichtet, in den man - je nach Grundstücksgröße - bestimmte Beträge einzahlen sollte. Überraschend viele täten dies bereits. Das Modell soll künftig auf den Ohlenberg ausgeweitet werden, wo statt des Mulchens eine Schafherde das Aufwachsen von Gestrüpp verhindert.

Im Nachgespräch zum Ortstermin war denn auch Vermarktung ein wichtiges Thema. In Nidderau fehlt es an einem ambitionierten Öko-Kelterer wie Jörg Stier, dessen Nachfrage in Maintal die Streuobstwiesen zu sichern hilft. Und wenn dann noch BUND-Jugend, Schulen, Kinder-Umwelt-AG mitziehen und viele Erwachsene die Ernte als Ausgleichssport mit Frisch­luft schätzen lernen, hätten nicht nur Steinkauz und Grünspecht von der grünen Wiese den Nutzen. Das 1. Nidderauer Apfelernte-Fest ist dann bestimmt auch nicht mehr fern.

 

Präsentieren will sich bei der Eröffnungsfeier der Apfel- und Obstwiesenroute 1998 in Nie­der­issigheim auch die Stadt Nidderau. Sie behauptet von sich, am Ohlenberg und am Wingert das zweitgrößte zusammenhängende Streuobstgebiet der Region zu besitzen. So will sie denn ihr Bemühen um diesen so typischen wie ökologisch wertvollen Landschaftsbestandteil in den Blick rücken. Laut Stadträtin Monika Rölling haben Nidderaus Obst- und Gartenbauvereine, die Vogelschutzgruppen sowie das städtische Umweltbüro einen Stand vorbereitet.

Angela Große-Lohmann vom Umweltbüro, die den Ausbau eines kommunalen Biotopverbunds vorangetrieben hat, verweist darauf, daß die Stadt beim praktischen Naturschutz stark auf Vereine angewiesen ist. Die Obst- und Gartenbauvereine beraten beispielsweise Privateigentümer, wie sie ihre alten Obstgärten sanieren oder neue anlegen können. In den zurückliegenden Jahren seien in Nidderau 600 neue hochstämmige Obstbäume gesetzt worden. Am Nidderauer Stand solle es neben einem Diorama zum Tierleben in einer Streuobstwiese auch ein Preisausschreiben geben.

 

Ungewohnte Klänge gab es im Mai 1998 bei einer Magistratspressekonferenz: „Prost“, schallte es durch den Sitzungssaal, als Stadträtin Monika Rölling anstieß mit Aktiven des Arbeitskreises Streuobst, Landwirten, Presseleuten sowie Vertretern des Landschaftspflegeverbandes (LPV) Main-Kinzig-Kreis, von Obst- und Gartenbauvereinen, Unterer Naturschutzbehörde, Jagdgenossenschaft, Umwelt- und Naturschutzvereinen.

Angela Große-Lohmann, Leiterin des städtischen Nidderauer Umweltbüros, stellte gemeinsam mit Monika Rölling eine andere Neuheit vor: Der Arbeitskreis Streuobst rannte mit seinem Vorschlag offene Türen ein, einen „Pflegefonds Streuobst Nidderau“ einzurichten. Er bemüht sich seit über drei Jahren um die Sanierung und Unterhaltung des zweitgrößten zusammenhängenden Streuobstgebietes in der Region, das Gebiet „Ohlenberg/ Wingert“ zwischen Heldenbergen und Windecken. Mittlerweile liegen 50 Einverständniserklärungen der Grundstückseigentümern vor, von denen einige sich schon seit zwölf Jahren um die Pflege der Streuobstwiesen kümmern.

Nachdem er in Heldenbergen und Windecken die Grundsanierung sowie Nachpflanzung erfolgreich abgeschlossen hat, kann der Arbeitskreis in diesem Jahr seine Aktivität auf den Stadtteil Eichen ausdehnen. Neben dem geschützten Landschaftsbestand „Auf dem Espenkopf“ sollen auch die umliegenden anderen Streuobststücke untersucht und dann gemäß eines noch zu erarbeitenden Sanierungsplans im Herbst saniert werden.

Nidderau ist die erste Kommune im Kreis sei, die einen solchen Fonds eingerichtet hat.  Mit 24 Mark Sockelbetrag im Jahr unterstützt jeder Grundstückseigentümer auf freiwilliger Basis die Arbeit des Streuobst- Arbeitskreises. Mit 0,02 Mark pro Quadratmeter wird bei einer durchschnittlichen Größe der privaten Grundstücke von 1200 Quadratmetern ein Jahresbetrag von etwa 48 Mark fällig. „Viele fanden den Betrag sogar noch zu niedrig“, lobte Rölling.

Neben den Einnahmen aus den Beiträgen der Grundstückseigentümer der Arbeitskreis Streuobst auf die Verbreitung des lagenrein gekelterten Nidderauer Apfelweines auf dem Wochenmarkt durch einen Direktvermarkter. Die Herstellung der ersten 200 Liter des milden Gesöffs hat eine ökologische Kelterei aus Nieder- Erlenbach übernommen. Doch es soll langfristig ein Nidderauer Interessent gefunden werden, um die Apfelsorten Boscoop, Goldparmäne, Kaiser Wilhelm, Baumanns Renette, Bohnapfel und Goldrenette von Blenheim nach ökologischen Richtlinien zu keltern.

Möglich wurde die Herstellung des „Äpplers“ übrigens nur durch die Hilfe von Nidderauer Kindern: Pfadfinder und Mitglieder der Umwelt-AG sammelten die Äpfel auf den Streuobstwiesen ein. Trinken werden sie das gepreßte Resultat allerdings nicht...

Der „Pflegefonds Streuobst Nidderau“ steht allen Nidderauer Bürgern offen, die ein Interesse am Erhalt dieser charakteristischen Landschaftselemente haben. Das Spendenkonto wird beim Landschaftspflegeverband geführt unter dem Stichwort „Pflegefonds Streuobst Nidderau“ (Kontonummer 30568, Bankleitzahl 50750094, Stadtsparkasse Gelnhausen). Die Mittel zu verausgaben, obliegt dem Arbeitskreis Streuobst.

 

Der Drang, in die knackigen Apfel zu beißen, scheint unwiderstehlich beim Spaziergang entlang der Streuobstwiesen. Das ist nur Mundraub, sagen die Unverfrorenen und stopfen sich die Jackentaschen voll. Wer auf dem Pfad der Tugend wandeln und einen der Apfelbäume abernten möchte, sollte sich an die Rathäuser wenden und zunächst nachfragen, ob die Bäume in städtischem oder privatem Besitz sind.

In der Wetterau werden die Erträge der Apfelbäume auf kommunalem Grund in folgenden Orten versteigert: in Bad Vilbel am Samstag, 21. September, 10 Uhr. Treffpunkt ist an der Ecke Berliner Straße/Alter Berkersheimer Weg sowie um 13 Uhr am Parkplatz am Friedhof Bad Vilbel. In Karben kann das Obst morgen um 10 Uhr auf dem Gelände der Naturfreunde in Okarben, 11 Uhr am Friedhof Klein‑Karben, 12 Uhr oberhalb des Reitplatzes in Groß‑ Karben und von 12.30 Uhr an am Funkmast in Kloppenheim geerntet werden. Treffpunkt in Friedberg ist am 27. September, 8 Uhr, An der Seewiese, obere Promenade/Ecke Neutorgasse, um 10 Uhr, am Schießstand Fauerbach. So gut wie vergeben sind die Bäume in Rosbach und Bad Nauheim, wo sich Apfelfans in den jeweiligen Rathäusern melden mußten.

Im Main‑Kinzig‑Kreis stehen am Samstag, 21. September 2002, ab 14 Uhr, beim Nidderauer Streuobsttag in Heldenbergen am Waldrand am Ende der Wingertstraße die Ernten von 20 städtischen Bäumen zur Versteigerung an. Das Mindestgebot liegt bei zwei Euro. Der Arbeitskreis Streuobst Nidderau wird an diesem Tag die verschiedenen Apfelsorten der städtischen Streuobstwiese vorstellen. Reife Sorten können anschließend nach Herzenslust verko­stet werden. Wer dabei auf den Geschmack gekommen ist, kann sogar gleich die Ernte eines ganzen Apfelbaums ersteigern ‑ und das ab einem Startgebot von zwei Euro.

Im  Jahr 2003 mußte das Programm für den Aktionstag ausgedünnt werden. Ein paar Frostnächte mit minus sechs bis neun Grad im Mai, dazu eine Bienenkrankheit ‑ und schon war es um einen großen Teil der Apfelernte geschehen. Fast 90 Prozent seien verlorengegangen, schätzt der aus rund zwei Dutzend Aktiven bestehende Arbeitskreis. Bei den vorherigen beiden Streuobsttagen war die Ernte der rund 50 Bäume auf dem Ohlenberg in Heldenbergen versteigert worden.

Rund um Nidderau hat der Obstbau mehr als 500 Jahre Tradition. Anfang des 17. Jahrhunderts, so heißt es, ließ Landgraf Moritz I. entlang von Straßen, Wiesen und Äckern fleißig Bäume pflanzen und trug dies auch jedem Brautpaar an. Und trotz Rückschlägen durch Kriege und Witterung zählt die Gemarkung Nidderau mit rund 3.000 Bäumen die größten Bestände der Region dem Streifen zwischen Bergen-Enkheim und Hochstadt. Lokale Sorten wie der „Altenstädter Rote“ oder der „Himbacher Grüne“ sind säuerliche Most‑Äpfel, die von den Keltereien verarbeitet werden, sagt Schmitt. An anderen, wie dem „Brettacher“ schätzt Schmitt das „schmelzende, frische Fruchtfleisch. Die kann man gut gekühlt auch im März noch zum Backen verwenden.“

20 verschiedene Sorten lagen beim Streuobsttag zum Testen und Bestimmen aus. Experten wie Werner Nussbaum erkennen sie zumeist schon an den äußerlichen Merkmalen, spätestens aber am Kern: „Der ist wie ein Fingerabdruck!“ Dunkelbraun oder hellbraun. Mit kleiner Nase oder spitz. Mittig, stielnah oder blütennah, so urteilt der Fachmann.

Die mehr als 100 Besucher ließen sich den neuen „Süßen“ zumeist lieber in flüssiger Form schmecken. Auf der Wiese wurde das Glas für 50 Cent gepreßt und serviert. Doch auch dort machte die neue Ernte kleine Probleme. Obgleich Rainer Traut extra 1200 Kilogramm samt Stromaggregat angefahren hatte, mußte er zwischenzeitlich passen, weil der Motor der Presse streikte.

 

Niederissigheim

In Niederissigheim besteht seit 1934 die Kelterei Walther GmbH. Der Familienbetrieb produziert jährlich etwa 1,5 Millionen Liter „Stöffche“. Verarbeitet werden vor allem Äpfel aus der Wetterau und dem Vogelsberg. Im Oktober 2011 besuchte Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) die Bruch­köbeler Kelterei Walther. Dort stellte die Ministerin eine Info-Broschüre vor, die die Bedeutung der Streuobstwiesen für den Landschaftsschutz unterstreicht.

Für die Kelterei Walther in Niederissigheim, in der schon die vierte Generation in Gestalt der beiden Söhne Louis und Tim mit anpackt, war der Besuch aus Wiesbaden die Krönung des 75. Jubiläumsjahrs, das mit einer Reihe von Festlichkeiten begangen worden war. Ralf Walther, der als Geschäftsführer mit Ehefrau Britta und Schwester Andrea das Unternehmen führt, hieß mit seinen beiden Söhnen Lucia Puttrich erst im Ladengeschäft willkommen, wo als Neukreation der Apfel-Secco ausgeschenkt wurde.

Anschließend erklärte der Chef bei einem Rundgang, wie aus einem Apfel schließlich das begehrte Stöffche wird.

Mit von der Partie waren neben der Umweltministerin Dr. Johanna Höhl als Vize-Vorsitzende des Apfelwein-Verbandes, Klaus Dieter Kneip als Geschäftsführer der Kelterei Rapp's und Vorstandsmitglied des Apfelweinverbandes, dem Geschäftsführer der Marketing Gesellschaft Gutes aus Hessen, Wilfried Schäfer, sowie Steffen Ball in seiner Funkt­ion als Geschäftsführer des Verbandes Hessischer Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien.

Ralf Walther, in dessen Unternehmen bis zu 1,5 Millionen Liter Apfelwein pro Jahr gekeltert und zwischen 1500 und 2000 Tonnen Äpfel pro Saison verarbeitet werden können, freute sich, daß der Startschuß für die Verbraucherbroschüre von Apfelweinverband, Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen (MGH) und Ministerium in seinem Betrieb erfolgt.

Die Umweltministerin, der der Spaß am Termin anzumerken war, will mit der Broschüre ins Bewußtsein bringen, was hier wächst. „Der Termin paßt in die Zeit“, fand sie. Nicht nur, weil damit der Blick von der Ernte zur Weiterverarbeitung gelenkt werde. Auch deshalb, weil der Familienbetrieb im Apfel- und Streuobstland zeigt, wie Leistungsfähigkeit von Generation zu Generation weiter gegeben wird.

Das Wissen um die Bedeutung der arbeitsintensiven Streu­obstwiesen für den Landschaftsschutz soll mit der kleinen Broschüre, die in einer Auflage von 60.000 Exemplaren ab Mitte Oktober an den Mann und die Frau gebracht werden. Ein Teil der mit Rezepten und Tips gespickten Heftchen wird an die Flaschen in den Getränkekästen gehängt, der Rest wird über die Keltereien und die Frankfurter Apfelwein-Wirte verteilt.

Der Verbraucher, so Puttrich, könne seinen Apfelwein mit einem guten Gefühl trinken, wenn er wisse, daß Regionalität auch Qualität bedeute. Das unterstrich auch Johanna Höhl. Einer Studie zufolge werde heute vom Verbraucher Regionalität mindestens so hoch bewertet wie das „Bio“-Prädikat. Schließlich wüßten die Stöffche-Liebhaber, daß auf den heimischen Streuobstwiesen nicht gespritzt und nicht gedüngt werde. Jeder Apfelweintrinker ist ein Naturschützer“, spitzte sie ihre Worte zu und erhob den Stöffche-Genuß quasi in den Rang eines kulturpolitischen Auftrags.

 

 

Hanau und Steinheim

 

Keltermeister Jörg Stier  erläuterte 2007, inwiefern die wallonischen und niederländischen Flüchtlinge Einfluß auf die Hanauer Apfelweinproduktion nahmen. „Der kernige, hessische Apfelwein wurde plötzlich mit einer milden Note vermischt”, verrät er. Erst nach dem 30-jährigen Krieg sei es in der Region Hanau überhaupt zum großflächigen Anbau von Äpfeln gekommen, die die Traubenkultur weitgehend verdrängten. „Vorher stand der Apfelbaum vor allem in Privatgärten der Bürger.”

 

Im Januar 2002 verkosteten die französischen, slowakischen und britischen Gäste der Hohen Landesschule Hanau den vom Wahlpflichtkurs Ökologie selbst hergestellten Apfelwein. Nichts gegen den Kurs und schon gar nichts gegen Apfelwein ‑ aber man weiß ja als in Hessen Lebender, wie heikel das mit auswärtigen Gästen sein kann. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, und vielleicht sind die Lehrkräfte, Schüler/innen und Schulleiter/innen aus Nimes, Bratislava und Bexley ganz heiß auf das Nationalgetränk, nachdem sie mit Holanern der Jahrgangsstufe 9 die hiesigen Streuobstwiesen erkundet haben.

Anlaß ihres zweitägigen Treffens in Hanau gibt die nötige Koordination für das seit zwei Jahren gemeinsam betriebene Projekt „Das europäische Haus in seinem Umfeld“. Am Montag und Dienstag werden die Gäste sich zunächst über das deutsche Schulsystem erkundigen.

Teil des Europaprojekts an der Hola ist eben auch die Erforschung des natürlichen Umfelds, genauer: der Streuobstwiesen. Den Spaß mit der Apfelweinverkostung möchte sich übrigens auch Hanaus Schuldezernent Rolf Frodl nicht entgehen lassen.

Hanau hat schon seit Jahrzehnten keine Brauerei mehr, einen gewerblichen Apfelwein‑ Kelterer ebensowenig. Entsprechend nüchtern geht es zumindest in der Kernstadt zu ‑ vom Stadtteil Steinheim einmal abgesehen. Jörg Stier wirkte deshalb im Jahr 2002 als Äppelwoi‑ Entwicklungshelfer für Hanau. Der mit ihm befreundete Künstler Joerg Eyfferth meinte, die Apfelweinkultur müsse endlich in seine Heimatstadt Hanau zurückkehren. So kreierte er Gläser und Bembel für den neuen Hanauer Apfelwein.

Nachdem in den 80er Jahren die letzte gewerbliche Apfelweinkelterei innerhalb des Stadtgebiets Schloß, reifte vor zehn Jahren bei dem Hanauer Künstler Joerg Eyfferth und der damaligen Oberbürgermeisterin Margret Härtel die Idee, das hessische Nationalgetränk wiederzubeleben. Zum einen zählte die Apfelweinherstellung über Jahrhunderte zum festen Bestandteil des Wirtschafts- und Kulturlebens Hanaus. Zum anderen bieten die Äpfel der Obstwiesen des Hanauer Landes bis heute die begehrte Grundlage für besten Apfelwein.

In den Bischofsheimer Apfelweinkellern wurden die Besonderheiten des Hanauer Apfelweins herausgearbeitet. Einen Hinweis fand der Keltermeister in der Historie. „Denn es mögen die stadtprägenden Hugenotten gewesen sein, die einen wenig eleganten Geschmack im vormals rustikalen Bauernschoppen wünschten“, informiert Stier. Bis heute präge somit die Verbindung von traditionellem Kelterhandwerk mit fein-edlem Weinausbau diesen Schoppen. Jörg Stier hat wie gewohnt aus heimischen Streuobst‑Äpfeln gekeltert und dem Getränk eine herb‑frische Note gegeben hat. Das Produkt präsentierte die Stadt Hanau nun offiziell mit einer Art Empfang im Hotel „Zum Riesen“, geladen waren Gastronomen, Kommunalpolitiker und Honoratioren.

Oberbürgermeisterin Margret Hartel unterbrach eigens ihren Kururlaub in Bad Brückenau, um das erste Fäßchen anzustechen. Aber sie petzte nur ein Geripptes voll ‑ der Figur wegen. Sie habe schon das „Gartenschau‑Eröffnungskostüm gekauft“ und wolle am 19. April auch in das selbige hineinpassen, bat sie um Verständnis, daß sie auch keine mit Leberwurst gefüllten Klöße verzehren wolle.

Die hatte Claus Viering, Fernseh‑bekannter Wirt der Mittelbucher Gaststätte „Zum Adler“ zubereitet und auf sein raffiniertes Paprikakraut gebettet. Viering schenkt Apfelwein ausschließlich aus dem Hause Stier aus und führt nun folgerichtig auch den speziellen Hanauer Apfelwein. Das gilt ebenso für das Anglerheim in der Steinheimer Hadrianstraße, das Stadtwirtshaus und den Wenk’schen Hof in Steinheims Altstadt, das Tennis‑ und Hockey‑ Clubhaus in Wilhelmsbad und die Büdesheimer Weinstube. Flaschenweise zu kaufen gibt es das Stöffche im Hanauer Weinladen Ziegler (in der Nordstraße) und bei Getränke Knebel (in der Kleiboemerstraße).

Um die Hanauer auf den Geschmack zu bringen, vertreibt das Hotel „Zum Riesen“ bis zum 25. April 2002 das Apfelwein‑Glas zu 50 Cent montags bis donnerstags von 15 bis 19 Uhr. Passender wäre ein typisches Apfelwein‑Lokal in Hanaus Innenstadt, aber das gibt es (noch) nicht. OB Härtel könnte sich dafür den „Weißen Ochsen“ in der Bangertstraße vorstellen. Sie versprach, Stiers Getränk bei offiziellen Anlässen auszuschenken.

Genau genommen ist der neue Apfelwein aber bislang kein Hanauer. Daß er in Maintal‑Bischofsheim gekeltert wird, ist wohl noch zu verschmerzen. Aber das Stöffche entsteht kaum aus Hanauer Streuobst. Genau das läßt sich aber in den Augen von Kelterer Stier ändern, wenn der Hanauer Apfelwein gut abgesetzt werde. Dann hebe das den Anreiz zu verstärktem Streuobstanbau. Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz in Mittelbuchen und die Interessengemeinschaft der Steinheimer Vereine hatten bereits Bäume gepflanzt.

 

Der Verein „Graf Philipp Ludwig von Hanau“ (Hanauer Märteswein-Vereinigung) hat bei seinem Stiftungsfest im November 2007 im Roten Saal von Schloß Philippsruhe den „Hanauer Krawallschoppen” des Maintaler Kelterers Jörg Stier zum Märteswein 2008 gekürt. Damit ehrt der Verein, der sich die Bewahrung und Sicherung lokalen und regionalen Kulturguts zur Aufgabe gemacht hat, erstmals einen Apfelwein mit diesem Prädikat.

Bislang hatte der Verein stets Weine aus den unterfränkischen Weinlagen Alzenaus zum Märteswein gekürt und damit an die historische, grenzüberschreitende Verbindung zu dem einstmals von Hanau und Mainz gemeinsam regierten Gebiet unterstrichen. Daß das „hessische Nationalgetränk” just zum Zeitpunkt der Stiftungsfeier durch die Regulierungswut Brüsseler EU-Bürokraten beinahe seines Namens verlustig gegangen wäre, bezeichnete Märtes­wein- Präsident Helmut Geyer jedoch als Zufall. Die Auszeichnung des Bischofsheimer Kelterers Jörg Stier, der sich in vielfacher Weise um das „Stöffche”, dessen Tradition und Kultivierung verdient gemacht habe, sei überfällig gewesen. Der Brüsseler Affront gegen den Apfelwein sei aber eine Bestätigung und weitere Motivation für seinen Verein gewesen, sich für den „ Äppelwoi” einzusetzen. Zugleich rief Geyer dazu auf, den Apfelwein „nicht nur im Herzen, sondern vor allem im Glas” zu haben, denn nur so könne dieses Stück heimischer Kultur überleben.

 

Kurz vor seinem Jubiläum droht dem Hanauer Apfelwein Ungemach. Die Lebensmittelaufsicht moniert im Oktober 2012, daß der Schoppen in der Bischofsheimer Kelterei Jörg Stier hergestellt wird und nicht in der Brüder-Grimm-Stadt selbst. Der Keltermeister hat bereits zweimal Widerspruch eingelegt und hofft auf ein Einsehen. Der zehnte Geburtstag des Hanauer Apfelweins wird im Hotel „Zum Riesen“ gefeiert.

Jahrelang konnte Jörg Stier den Hanauer Apfelwein problemlos verkaufen. „Der Schoppen findet. großen Zuspruch in Hanau und wird in mehr als 40 Wirtschaften ausgeschenkt“, berichtet der 52-Jährige. Der Magistrat gab seine Einwilligung, das Hanauer Stadtwappen mit abzudrucken. „Der Wein wird von allen Seiten gewünscht und gewollt“, betont Stier. Er kann Bedenken der Lebensmittelaufsicht nicht nachvollziehen. „Es ist ja nicht so, daß wir die Verbraucher getäuscht hätten. Maintal gehört zum Altkreis Hanau, die Äpfel stammen von Obstwiesen des Hanauer Landes und unser Sitz ist auf dem Etikett ordnungsgemäß vermerkt“, so der Keltermeister. Zudem halte er sich an die typische Rezeptur für den Hanauer Schoppen.

Für den Fall, daß sich die Lebensmittelaufsicht als unnachgiebig erweist, hat Stier zumindest schon vorgesorgt. „Wir haben die Äpfel aus Hanau in diesem Jahr separat gekeltert“, verrät er. Quasi als Notlösung ließe sich daraus ein gehobener Apfelwein herstellen.

Allerdings stehen ihm dafür statt der üblichen 15.000 Liter nur noch maximal 8.000 zur Verfügung. Das würde das Aus für den günstigen Apfelwein vom Faß bedeuten. „Uns ist es aber wichtig, den Hanauer Apfelwein zu einem toleranten Preis zu verkaufen und nicht als Edel-Apfelwein in Flaschen“, betont der Kelter-Experte. Schließlich trage der Schoppen auch zur Identifikation mit Hanau bei. Der Apfelwein sei immer ein stark regionales Getränk gewesen. Zudem gebe es keine Kelterei in Hanau, der er damit Konkurrenz mache. „Ich würde mich nie irgendwo dazwischen drängen“, betont Stier. Eine Entscheidung der Lebensmittelaufsicht steht noch aus. Trotz aller Widrigkeiten  erst einmal gefeiert werden.

Die Wiederbelebung des Hanauer Apfelweins jährt sich schließlich zum zehnten Mal. Beim Empfang im Hotel „Zum Riesen“ werden sowohl Ex-OB Härtel als auch ihr Nachfolger Claus Kaminsky ihr Wohlwollen bekunden, indem sie ein Grußwort sprechen. Darüber hinaus gibt es noch mehr Anlässe zu feiern. Denn in diesem Jahr befindet sich das Traditionshotel „Zum Riesen“ 100 Jahre im Familienbesitz. Zudem fand Napoleons Besuch im „Riesen“ vor genau 200 Jahren statt.

„Was vor zehn Jahren gut begonnen hat, hat sich bewährt und tut es immer noch“, sagte Ober­bürgermeister Claus Kaminsky in seiner Ansprache im Hotel „Zum Riesen“. Die Drohung, den Hanauer Apfelwein in dieser Bezeichnung zu verbieten, sei inzwischen „ein dramatisches Problem“, das per se keines gewesen sei, so der Rathauschef. „Das kann doch eigentlich nicht wahr sein.“ Gemeinsam mit Margret Härtel, werde er den zuständigen Stellen schreiben - am besten direkt an die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner.

Jörg Stier sagte dazu:  Die Streuobstwiesen, von denen die Äpfel stammten, lägen hier, man habe vor zehn Jahren eine Kelterei in unmittelbarer Nähe gesucht und ihn als kleinen Betrieb für das Projekt gefunden,  er nehme keinem Hanauer Betrieb den Umsatz weg und genau genommen gehöre ja auch Bischofsheim zum Hanauer Land oder - historisch betrachtet - zum Altkreis Hanau. Stier: „Ich kann nichts erkennen, was eine Verbrauchertäuschung ist.“

Die einzige Lösung aus seiner Sicht sei, wie jetzt bereits praktiziert, extra für den Hanauer Apfelwein nur Äpfel zu verwenden, die ausschließlich auf Original Hanauer Gebiet gewachsen seien, das Ganze separat zu keltern und abzufüllen. Das Problem dabei: Mit dieser Verfahrensweise kommt er nicht auf die Mengen, die bislang produziert und in der hiesigen Gastronomie ausgeschenkt wurden. „Und damit ist der Hanauer kein Schoppen mehr, sondern muß wie eine unserer Edelkreationen teurer verkauft werden. Das geht dann nicht mehr vom Faß, sondern nur noch in der Flaschenabfüllung und dann für vier Euro aufwärts.“ Tja, abwarten und Äppler trinken.

 

Mittelbuchen

Die Äpfel für den neu kreierten „Hanauer Schoppen“ werden einmal auch in Mittelbuchen wachsen. Darauf macht Jürgen Maisch von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), Arbeitskreis Mittelbuchen, im April 2002 aufmerksam. Daß zu der Herstellung des „Hanauer Schoppen“ aber auch mindestens fünf verschiedene Apfelsorten benötigt werden, ist Experten wie den Naturschützern der HGON bekannt. Woher also sollen die benötigten Äpfel zur Herstellung des Saftes kommen? Sicher nicht aus den europäischen Nachbarländern oder aus Übersee, denn sonst wäre der Name des Schoppen ja verfälscht, meinte Jürgen Maisch. Die Sache sei ganz einfach. Die Mittelbuchener Naturschutzfreunde stehen schon seit mehreren Jahren mit „Äppelwoi‑Papst“ Jörg Stier und der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Hanau, Martin Schroth, in Verbindung und planten schon 1995 die Ausweitung der spärlich vorhandenen Restbestände von Streuobstwiesen und damit verbunden die Erhaltung von alten Apfelsorten.                

So entstanden vier große Areale mit über 250 jungen Bäumen ‑ überwiegen alte Sorten wie Trierer, Schafsnase, Berlepsch oder Schöner von Nordhausen, welche nun im siebten Jahr stehen und schon erste Erträge erahnen lassen. Diese Bäume wurden jetzt „auf Vordermann gebracht“ und unter der Anleitung des erfahrenen Gärtners und Fachwirts für Obst‑ und Gartenbau, Werner Nußbaum, ging es ans Werk. Über zwanzig Helfer trafen sich in Mittelbuchen, und bei herrlichem Wetter und Kesselsuppe wurde „Auf den Seiläckern“ gelehrt, geschnitten und diskutiert und wieder ein Stück Arbeit zur Schaffung der zukünftigen Streuobstwiese ‑ einem wichtigen gebietstypischen Biotop in der Region geleistet.

Somit können nun die Erfinder des Hanauer Schoppen mit ruhigem Gewisse die zukünftige Vermarktung des Schoppe gehen, und wenn dann Hanauer ihren Schoppen den Gästen aus nah und anbieten, so können sie versichert sein: Er kommt aus Hanau, ist unbehandelt und naturrein, und es wird ihn auch noch in fünfzig Jahren geben. Wenn auch Mittelbuchen leider nicht an der so genannter „Äppelwoistraße“ liegt, so „freuen wir uns doch, daß wir auf der anderen Seite von Steinheim ‑ dem Äppelwoidorf südlich von Hanau liegend -  unseren Beitrag Erhalt der Natur und des regionalen Äppelwoi leisten können.

Wenn dann der bereits geplante Streuobstwiesen‑Wanderweg in Mittelbuchen ausgewiesen sein wird, können die Städter die Baumblüte, das Heranwachsen der Früchte und die vielfältige Tierwelt auf ausgewiesenen Wegen bewundern.

 

 

Steinheim

 „Äppelwoi - Zur Geschichte des Apfelweins in Hanau“, so lautete der Titel der Ausstellung, die bis 9. Dezember 1990 im Marstall des Steinheimer Schlosses zu sehen war. Um 16 Uhr wurde die „Schöppchen-Schau“ von Kulturdezernent Klaus Remer eröffnet, stilecht begleitet von den „Staanemer Bembelsänger". Es gab begleitende Führungen und Vorträge und einen Diavortrag unter dem Titel „100 Jahre Wirte und Wirtschaften in Klein- und Groß-Steinheim“ von Rudolf Krammig. Neben einem Erinnerungsbembel gab es den großen Ausstellungskatalog.

Ausgestellt wurde alles, was im Zusammenhang mit Herstellung und Genuß des „Stöffche“ stehen: Fotografien, Zeichnungen, Gemälde, Drucke, Plakate oder Sonstiges mit der Darstellung von Apfelernte und -transport, Bilder aus Keltereien, Gaststätten, Firmen oder von früheren Festen; Geräte zum Keltern, Schankgefäße, Bembel, Krüge, Kannen, Flaschen, Gläserdeckel oder - untersetzer oder auch Geschichten, Gedichte, Lieder oder Musikstücke zum Thema Apfelwein.

 

Bundesäppelwoifest:

Was 1952 als kleine Vereinsgaudi durch eine Schnapsidee in der Gaststätte „Hofbräuhaus” das Licht der Welt erblickte, hat sich zu einem imposanten Volksfest ausgewachsen, das sogar die Qualität besitzt, die Frankfurter zu ärgern: Durch die Gnade der frühen Geburt darf nur in der „Perle am Main” - also in Steinheim - ein Bundesäppelwoikönigspaar residieren, das - wie der Namen schon erahnen läßt - bundesweit über die Jünger des Stöffchens herrscht. Die Frankfurter Appelwoikönigin bleibt indes in den vergleichsweise engen Stadtgrenzen gefangen, ist somit für alle Zeiten eher ein lokales Phänomen.

Veranstalter des Traditionsfestes ist die 1. Steinheimer Karnevalsgesellschaft 1950 (SKG). Im Schloßhof von Schloß Steinheim findet seit 1953 das „Bundes-Äppelwoi-Fest statt. Zum 30. „Bundes-Äppelwoifest“  wurde die „Hessische Apfelweinstraße“ aus der Taufe gehoben werden. Zum Bundesäppelwoifest werden jeweils gut 15.000 Besucher erwartet. In ganz Steinheim gibt es allerdings keine einzige Apfelkelter mehr, Zulieferer für das „Bundesäppelwoi­fest“ ist die Kelterei Höhl in Hochstadt, aber es werden auch Produkte einer Frankfurter Großbrauerei ausgeschenkt.

Im Jahr 1952 wurde mit Käthe I. (Käthe Horn) die erste Äppelwoikönigin gekürt. Es folgten Josi I. (Josi Bormann) und Irmgard I. (Irmgard Krammig). Charlotte I. (Charlotte Zachertz) war die erste Appelwoikönigin, der 1955 mit Theo 1. (Theo Weimar) ein Äppelwoikönig zur Seite gestellt wurde. „Damit die Königin nicht so allein ist”.

 

Bei der offiziellen Eröffnung am Freitagabend wird oft ein Heimatspiel auf dem Platz des Friedens aufgeführt, zum Beispiel das etwa einstündige Heimatspiel mit dem Titel „Heimkehr nach Steinheim“. Dieses Spiel im Jahr 1998 war das 27. Heimatspiel seit 1957 und das 20. in ununterbrochener Folge. Am Samstag um 11.30 Uhr erfolgt die Verleihung des Ehrenbembels „an eine bekannte Persönlichkeit“. Nachmittags steht ein kleiner Umzug vom Obertor zum Festzelt auf dem Programm. Für Kinder gibt es Kasperletheater im Vereinsheim, eine Hüpfburg und erstmals eine Button-Maschine. Im Verlauf des Abends wird „Besuch der befreundeten Königinnen“ im Festzelt erwartet. Höhepunkt des überregional beachteten Festes ist am Samstagabend die Kürung der „Bundesäppelwoikönigin“. Diese nimmt der Oberbürgermeister von Hanau vor. Oberbürgermeisterin Härtel versichert sich für das unvermeidliche „Busserl“ eines männlichen Beistands. Die neue Königin spendiert als Einstand 100 Liter Äppelwoi. Am Montag nach dem Frühschoppen wird der neuen Regentin ein „Gemahl“ zur Seite gestellt.

 

Den Auftakt zum 49. Bundes-Äppelwoifest 2001 bot traditionell am Freitag das große „Heimatspiel“ vor dem Stadtwirtshaus auf dem Platz des Friedens. Natürlich drehte sich auch hier alles um den Äppelwoi und viele Zuschauer genossen das fröhliche Spiel bei herrlichstem Sommerwetter. Aufführung des Heimatspiels „Das Millionen‑Ding“ am 24. August 2001 auf dem Platz des Friedens. Waltraut Noczinski und Helmut Giez gaben in den Hauptrollen das Gastwirte‑Ehepaar Berta und Heini, das eine Million Dollar geerbt hat – und sich doch nicht lange darüber freuen kann. Im Festzelt sorgte danach die „Excelsa“ für Stimmung.

Am Samstag wurde von 16 Uhr an weitergefeiert. Der eigentliche Höhepunkt war um 20.15 Uhr die Kürung der 49. Bundesäppelwoi‑Königin, deren Name selbstverständlich bis dahin „streng geheim“ ist. Die Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft, Sibylle Goldacker, begrüßte im mäßig besetzten Festzelt neben Hoppe auch Bürgermeister Claus Kaminsky und Ortsvorsteher Jürgen Sticher, jeweils „mit Frau“. Draußen auf dem staubigen Schloßplatz ging es schon gut ab. Ungewöhnlich viele Jugendliche beherrschten optisch und akustisch die Szene, einige schon ziemlich betrunken.

Erst gegen 20.30 Uhr drängte das Volk ins Festzelt, als der farbenprächtig gewandete Fanfarenzug der SKG einmarschierten, sich auf der Bühne in Positur stellte und mit martialischem Geschmetter die Stimmung anheizte. Der immer wieder aufbrausende Applaus könnte gleichermaßen den Mädchen der Prinzengarde gegolten haben, die beiderseits auf den Treppen zur Bühne Stellung bezogen, den ohrenbetäubenden Lärm mit rhythmischen Bewegungen begleiteten und ihre atemberaubend kurzen Röckchen wippen ließen.     

Nach beider Abgang forderte die SKG‑Chefin auf, sich zu erheben, was die Mehrheit wirklich tat, um „die Majestäten“ zu begrüßen. Ob damit auch OB Margret Härtel gemeint war, sei dahingestellt. Jedenfalls wurde sie besonders herzlich begrüßt mit dem Hinweis, „eigentlich“ müßte sie ja schon im Schwarzwald zur Haushalts‑ Klausur des Magistrats sein.      

Wie auch immer, Härtel wußte sich wieder in Szene zu setzen. Statt eines prominenten Küsters hatte sie diesmal gleich zwei mitgebracht: die Erfolgssportler Edgar Itt und Eberhard Ginger. Der scheidenden Äppelwoi‑Königin Mary I. wurde mehrfach gedankt. Sie selbst wußte geradezu rührend von zwei Höhepunkten im verflossenen Amtsjahr zu berichten, dem Königinnentag in Witzenhausen und dem Empfang von Ministerpräsident Roland Koch im Schloß Biebrich.        

Endlich rückte Goldacker mit dem großen Geheimnis raus und stellte die neue Königin vor, der die OB die von Gravurmeister Ernst‑Jürgen Pohl gefertigte Krone aufsetzte: Sabine I. Gleich ist zu hören, daß sie aus Norddeutschland kommt. Sabine Busch ist in Hannover geboren. In ihrer ersten Thronrede bittet sie unverblümt um Verständnis, wenn ich auch nach zehn Uhr noch „Moin Moin“ sage. Die neue Königin schenkte traditionell hundert Liter Stöffche kostenlos aus. Sabine Busch arbeitet beim Main‑Kinzig‑Kreis in der Hanauer Kfz‑Zulassung. Ehrenamtlich arbeitet sie als stellvertretende Ortsvorsteherin des Stadtteils. Und bekannt ist die Wahl‑Steinheimerin schließlich als aktive Sozialdemokratin und Frau des Germania‑ Vorsitzenden Roman Busch.

Der Sonntag begann bereits um 10 Uhr mit dem Vereinsfrühschoppen. Der sonntägliche Höhepunkt war die Vergabe des „Ehrenbembels 2001“ um 11.30 Uhr an Petra Jeckel ‑ übrigens erstmals an eine Frau. Sie leitet die SKG‑Theatergruppe, führt Regie beim Heimatspiel und spielt Baß im Fanfarenzug. Um 14 Uhr begann dann der Sternmarsch der Fanfarenzüge mit einem anschließenden Auftritt im Festzelt. Für den Nachwuchs lief ab 17 Uhr ein eigenes Kinderprogramm im Marstall. Ab 19 Uhr spielten dann die „United Souls“ im Festzelt, wo sich ab 20 Uhr Königinnen, Prinzessinnen und Burgfräuleins die Ehre gaben.

Traditionell wurde dann am Montag beim Frühschoppen mit dem Orchesterverein Steinheim (ab 10 Uhr) das Geheimnis gelüftet: Gegen 11.30 Uhr kürte Ortsvorsteher Jürgen Sticher den neuen „Bundesäppelwoikönig“, der natürlich auch hundert Liter spendieren mußte. Ab 14 Uhr wird zur Kuchentafel geladen, ab 19 Uhr spielten dann zum Ausklang des diesjährige Bundes­äppelwoifestes „Second Spring“ im Festzelt.

 

Am 50. Bundesäppelwoifest im August 2002 veranstaltete die 1. Steinheimer Karnevalsgesellschaft das Fest seit einem halben Jahrhundert. Das SKG‑Ensemble unter der Leitung von Petra Jeckel spielte am Freitagabend die volkstümliche Komödie „Die Junggesellenfalle“. Alle Zuschauer erhalten dann freien Eintritt zum Fest. Im Mittelpunkt des Festes stehen am Samstag, 24. August, und Montag, 26. August, die Kürungen des neuen Bundesäppelwoi­königspaars. Bis dahin werden die Namen der neuen „Stöffche‑Herrscher“ das am besten gehütete Geheimnis in Steinheim sein.

Passend zum 50. Bundesäppelwoifest bekommen die Untertanen nun auch eine 50‑jährige Königin: Das neue Königspaar wurden Helga und Henry Hart. Die Neue Helga II. ist ein echtes Steinheimer Mädchen. Sie hat den Äppelwoi „schon mit der Muttermilch aufgesogen und konnte ihn zapfen, bevor sie laufen konnte“, verkündet Oberbürgermeisterin Margret Härtel dazu. Die Oberbürgermeisterin stellt auch gleich den Küsser vor, der die Neue im Amt begrüßen wird. Die Ehre hat in diesem Jahr Rüdiger Nickel, Vizepräsident des Deutschen Leichtathletik‑ Verbandes. Dabei hatte der sich erst noch gesträubt, konnte sich doch nicht vorstellen, wie Alkohol und Leistungssport zusammengehen sollen. Margret Härtel leistete jedoch Überzeugungsarbeit, denn am Samstag befindet der ehemalige Leistungssportler schließlich: „Appelwoi ist kein Alkohol, Appelwoi ist Grundnahrungsmittel.“

Beim Vereinsfrühschoppen am Sonntag von 10 bis 13 Uhr werden alle Getränke zum halben Preis ausgeschenkt, 50 Cents kosten Äppelwoi, Süßer und auch das Bier. Am Sonntag wird der Festzug, der sich in Höhe der St.‑ Nikolaus‑Kirche an der Uferstraße formiert, um 14 Uhr durch die Alicestraße, Ludwigstraße und die Steinheimer Vorstadt bis zum Kardinal‑Volk-Platz und von dort aus zum Schloßhof bewegen. Rund 40 Zugnummern werden sich an dem Stöffche‑Lindwurm beteiligen, darunter auch 30 ehemalige Königspaare. Auch „Josi I.“, inzwischen 90 Jahre alt, die 1953 Königin war, wird bei dem Zug dabei sein. „Wir hoffen, daß auch die Steinheimer Bürger mitmachen und die Häuser entlang der Zugstrecke schmücken, wenigstens mit der Steinheimer Fahne“, so Zitzmann optimistisch. Zugesagt haben bereits Gustl Horst, die heute 90 Jahre alt ist und 1958 Regentin war, sowie Josi Bormann, Königin des zweiten Festes 1953.

Doch die Verantwortlichen der SKG sehen auch zunehmende Probleme, vor allem mit jungen Gästen. „Leider werden vom Fest auch viele Jugendliche angezogen, die mit Alkohol nicht umgehen können“, sagt Goldacker. Diese Exzesse, wie es sie auch zum Auftakt der Stein­heimer Festsaison beim „Tanz in den Mai“ der freiwilligen Feuerwehr gegeben hatte, will der Verein jedoch verhindern und kündigte Rucksackkontrollen am Eingang zum Schloßhof an. Es solle verhindert werden, daß vor allem Jugendliche hochprozentige alkoholische Getränke mitbringen. „Es soll ein fröhliches und vergnügtes Fest sein, wir wollen aber keine Schnapsleichen“, so Goldacker, die vor allem an die Eltern appelliert, sorgsam auf ihre Sprößlinge zu achten.

 

Beim 51. Bundesäppelwoifest 2003 wurde das Heimatspiel „Spuk bei Rufers“ aufgeführt. Anschließend wird im Schloßhof gefeiert. Der Eintritt zum Schloßhof ist für die Besucher des Heimatspiels wieder frei. Alle übrigen Besucher zahlen 1,50 Euro. Beim traditionellen Heimatspiel sind die Steinheimer eher unter sich, während später die Besucher‑Massen von Auswärts herbeiströmen.

Kassierer Wilhelm Werner als Moderator begrüßt besonders die Prominenz und feuert die Massen an, den Fanfarenzug angemessen zu feiern. Stehender Applaus für den schmetternden Einzug der historisch gewandeten Formation, begleitet von den Gardemädchen in blauem Wams und rotem Röckchen, in den Händen Goldflitter. Dann endlich, zwanzig vor neun, ziehen die gerade noch amtierenden Majestäten Helga II. & Henry I. ein, begleitet von zwei Gardemädchen, dahinter Willi Röhl und Claus Kaminsky, zwischen ihnen die „Neue“. Moderator Werner dankt Helga II. überschwenglich dafür, daß sie „ihre Heimat auf das Herzlichste und mit viel Engagement vertreten“ hat, überreicht Blumen und läßt die Scheidende selbst resümieren. Helga Hartl spricht auch für ihren Mann Henry: „Es war ein berauschendes Gefühl, Steinheim zu vertreten.“ Überall seien sie herzlich aufgenommen worden. Der Höhepunkt ‑ von rund 100 Terminen, wie nebenher zu erfahren war ‑ sei der Besuch in Tirol gewesen. Viele persönliche Danksagungen für Unterstützung verband die 50. Bundesäppelwoi­königin mit dem Geschenk eines Bembels. Und ihren Stammgästen ‑ Hartls sind Wirtsleute im „Deutschen Michel“ ‑ dankte Helga I. fürs Verständnis, daß ihre Gaststätte so oft geschlossen war.

Schließlich wünschte sie alles Gute für „Marion“, womit erstmals der Name ihrer Nachfolgerin fiel. Willi Röhr stellte Marion 1. als „e' Pfälzer Määdsche, das awwer scho 25 Jahr in Staanem lebe“ vor. Marion Schlegel ist 43 Jahre alt, wie sie selbst in ihrer denkbar knappen Ansprache verriet. Bürgermeister Kaminsky legte ihr die Schärpe um, setzte ihr die Krone auf, reichte ihr das Zepter als Zeichen der Macht und hielt eine ebenfalls ungewöhnlich knappe Festansprache. bekannt gemacht. Nach der Kürung schenkt die neue Königin 100 Liter „Stöffche“ aus.

Zum Vereinsfrühschoppen am Sonntag ab 10 Uhr spielt der Evangelische Posaunenchor. Um 11.30 Uhr wird der Ehrenbembel verliehen. An wen, bleibt ebenfalls geheim, genau wie der Name des Äppelwoikönigs, der traditionell erst am Montagvormittag um 11.30 Uhr durch Ortsvorsteher Jürgen Sticher gekürt wird. Und abermals fließen 100 Liter Frei‑„Stöffche“. Anschließend gibt es Eintopf ‑ für Senioren umsonst

Besonders erfreut sind die Aktiven der Steinheimer Karnevalsgesellschaft (SKG), daß bei dem Steinheimer Traditionsfest inzwischen mehr Apfelwein als Bier getrunken wird.

Sonntag, 31. August: Um 10 Uhr steigt der Vereinsfrühschoppen, bei dem der Evangelische Posaunenchor musiziert. Um 11.30 Uhr erfolgt die Verleihung des Ehrenbembels. Mittags steht das traditionelle Schnitzelessen auf dem Programm. Für 13.30 Uhr ist der Sternmarsch der Fanfarenzüge geplant. Die Route führt vom Obertor zum Schloßhof. Im Schloßhof werden die Besucher und die Aktiven der Fanfarenzügen von den Königinnen und Königen empfangen. Für die Kinder gibt es um 17 Uhr ein Kasperltheater im Vereinsheim.

Montag, 1. September: Der Frühschoppen mit dem Orchesterverein Steinheim beginnt um 10.30 Uhr Ortsvorsteher Jürgen Sticher kürt um 11.30 Uhr den Bundes­äppelwoikönig. Der neue Regent schenkt 100 Liter „Stöffche“ umsonst aus. Anschließend werden die Senioren mit einem Eintopf bewirtet. Um 14 Uhr wird Kaffee und Kuchen gereicht.

 

Bei der 52. Auflage des „Bundesäppelwoifestes“ 2004 wurde Katja Röhr gekürt. Sie wollte schon immer „Bundesäppelwoi-Königin“ werden. Die neue „Queen of Most“ ist ein echtes „Staanemer Mädche“. „Ich bin leider nicht in Steinheim geboren, weil es hier kein Krankenhaus gibt“, schränkte Katja I. mit einem Schmunzeln ein. „Ich bin mit der 1. SKG und dem Äppelwoi aufgewachsen“, rief sie ihren Untertanen in der vollbesetzten Festhalle zu. Bereits vor zehn Jahren war Katja Röhr bereits als Faschingsprinzessin der 1. Steinheimer Karnevalsgesellschaft (1. SKG), dem Ausrichter des viertägigen Stöffchefestes, aktiv.

Im Rahmen des traditionellen Vereinsfrühschoppens mit dem evangelischen Posaunenchor wurde Sonntagvormittag mit dem 64-jährigen Paul Eppert der mittlerweile 19. Ehrenbembel­träger ausgezeichnet. Mit dem Ehrenbembel werden alljährlich Steinheimer Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich um Steinheim und das Stöffche verdient gemacht haben.

Für den Festtag hatte sich die SKG-Familie viel Neues einfallen lassen. Mit einem Hessenbrunch, bei dem Grillhaxen, Rippchen und Fleischwurst mit Kraut serviert wurden, traf die SKG den Geschmack der Festbesucher. Für Familien gab es kostenlose Karussellfahrten, stündliche Führungen durch das benachbarte Schloß und ein Kasperletheater für die jüngsten Festbesucher. Ein großer Aufmarsch folgte dann Sonntagnachmittag.  Fünf  Spielmanns- und Fanfarenzüge marschierten durch die Altstadt in den Schloßhof und gaben ein mitreißendes Stelldichein auf der Festzeltbühne. Zum „Finale furioso“ fanden sich rund 200 musizierende Akteure aus Gießen, Hainstadt, Altenstadt, Ronneburg und Steinheim zum einem tollen Fanfarenmusikspektakel ein. Zahlreiche hübsche Königinnen aus Sachsenhausen, Oberursel, Goldstein, Bergen-Enkheim und Büdesheim huldigten mitsamt ihrem Hofstaat der neuen Steinheimer Bundesäppelwoikönigin.

 

Das 53. Bundesäppelwoifest 2005 begann mit dem Schwank „Eine Frau muß her”. Geschrieben wurde das Stück von Dieter Adam, besser bekannt als „Adam und die Mickeys”. Ein Höhepunkt war die Inthronisation der neuen Königin. Conny I. wurde nicht von allen bejubelt: Sie ist keine waschechte Steinheimerin. Goldenes Krönchen, Schärpe und Zepter gingen an Conny I., Vorstandsmitglied der Tanzsportabteilung des Karnevalvereins. Die neue Bundesäppelwoikönigin wohnt schon seit 15 Jahren im Ort, geboren ist die 49-Jährige aber ausgerechnet im angrenzenden Klein-Auheim. Und das ist von alters her feindliches Gebiet für den volkstümlichen Steinheimer. So mischten sich unter den Beifall und den Jubel zur Begrüßung der „Neuen“ hier und da auch „Pfui“-Rufe einiger apfelweinseliger Steinheimer.

Das aber beeindruckte Ihre Majestät wenig: Nach einer kurzen Begrüßung schritt die hübsche, brünette Frau zur Tat und schenkte, wie es Sitte ist, 100 Liter Apfelwein an die „Untertanen” aus.

Erster Höhepunkt des Sonntags  ist Verleihung des Ehrenbembels 2005 für besondere Verdienste um Steinheim. Dann steht eine neue Attraktion des Bundesäppelwoifestes an: Steinheimer Kelterer präsentieren ihren Appelwoi aus eigenem Keller. Für diesen Test sucht der Verein aus dem Publikum Kenner des Stöffchens, die gemeinsam mit Prominenten die besten Gaumenkitzler prämieren. Fünf Privatkelterer des Steinheimer Obst- und Gartenbauvereins werden alles dransetzen, drei prominente Zungen mit ihren Stöffchen angenehm zu kitzeln

Mit der Schließung der Kelterei Jung vor mehreren Jahren versiegte das ureigene Steinheimer Stöffche. Seitdem wird auf dem Bundesäppelwoifest Hochstädter Apfelwein ausgeschenkt.

Das Glas (0,2 1) Bier oder Appelwoi kosten 1,10 Euro. „Bewußt nehmen wir für nichtalkoholische Getränke nur einen Euro. Wir wollen mit dieser Preispolitik ein Zeichen setzen”, sagte der Vorsitzende und stellte zugleich klar, daß es auf dem Bundesäppelwoifest keine Alcopops geben werde. Eigens in Rucksäcken mitgebrachte Getränke würden wie bereits im Vorjahr nicht toleriert. An den Eingängen werden entsprechende Kontrollen durchgeführt.

Ohne die Hilfe von befreundeten Vereinen könnte die SKG die Organisation dieses großen Volksfestes nicht schultern. Sage und schreibe 425 Dienste und hierfür wiederum rund 200 Helfer sind erforderlich, um den reibungslosen Verlauf der Veranstaltung und die Bewirtung der Gäste sicher zu stellen.

 

Der neue Bundesäppelwoikönig im  Jahr 2006 ist Ingo I. und kommt aus Obertshausen und steht seiner Ehefrau Jasmin I. zur Seite. Ingo I. heißt bürgerlich mit Nachnamen Kühn ist 32 Jahre alt und im Beruf Karosseriebaumeister. Erste Amtshandlung des neuen Bundesäppel­woi­­königs, der Mike I, nachfolgt, war es, seinen Untertanen Freischoppen auszuschenken. An seiner Seite seine Ehefrau, die 54. Bundesäppelwoikönigin. Jasmin Kühn, geborene Kaiser, ist ein echtes „Staanemer Mädsche”, wie es eigentlich echter nicht sein könnte. In den Gassen der Steinheimer Altstadt ist sie aufgewachsen und war bereits Steinheimer Fastnachtsprinzessin in der Kampagne 2000/01. Handkäs' mit Musik, in diesem Jahr erstmals auf der Speisenkarte, sei sehr gut angenommen worden und werde auch im kommenden Jahr angeboten. Bei den Getränken hat Werner eine Trendwende ausgemacht. Wurde in den vergangenen Jahren zunehmend mehr Bier als Appel­woi getrunken, so habe diesmal das Stöffche wieder die Nase vorn. „Insbesondere junge Leute haben ihre Vorliebe für den Appelwoi neu entdeckt”, so Werners Beobachtung.

 

Das 55. Bundesäppelwoifest 2007 begann mit dem Heimatspiel „Albrecht Dürer in Steinheim” auf dem Platz des Friedens, wo die SKG-Theatergruppe das Stück als Neufassung des Heimatspiels von 1984 aufführte.

 

Eine Neuerung beim 59. Bundesäppelwoi­fest 2011 war die Festeröffnung durch Ortsvorsteher Klaus Romeis. Das noch amtierende Äppelwoikönigspaar waren Kristin I. und Peter I.  Statt der Ritterspiele und des mittelalterlichen Treibens sind Auftritte verschiedener Musikzüge geplant. Die Leute hätten sich mehr musikalische Darbietungen gewünscht. Dabei geben sich Königinnen, Prinzessinnen und Burgfräulein aus ganz Hessen die Ehre. Unter anderem kommen die Büdes­heimer Laternenkönigin, die Apfelweinkönigin aus Bergen-Enkheim, die Brunnenkönigin aus Sachsenhausen und die Rosenkönigin aus Goldstein nach Steinheim.

Das Festzelt bietet 800 Sitzplätze.

Das Heimatspiel war am Sonntag und sechs Darsteller präsentierten das turbulente Stück „Heiraten verboten“ von Josef Brun. Darin geht es um den alten Herr Kummer, eine reiche, schrullige, launische und nicht gerade sympathische Nervensäge. Allerdings haben es ihm die jungen, hübschen Mädchen angetan. Herr Kummer verliebt sich sogar noch einmal und will seine Millionen der Angebeteten vermachen - unter der Bedingung, daß sie niemals heiraten darf.

Um ein Thema kommen die Organisatoren des Bundesäppelwoifests bei aller Feierstimmung nicht herum - die Sicherheit auf dem Festgelände. Zwar „ist es in den letzten Jahren eher ruhiger“ gewesen, doch hat sich die 1. SKG für den Einsatz eines sechs- bis zehnköpfigen SecurityTeams entschieden. „Die Kräfte werden am Eingang stehen und auf dem Fest präsent sein, um mögliche Auseinandersetzungen schon im Keim zu ersticken“, macht die SKG-Vorsitzende Katja Röhr deutlich. Beibehalten werde auch die Armband-Regelung: Wer noch nicht 18 Jahre alt ist, bekommt ein andersfarbiges Band als die Volljährigen, um dem Thekenpersonal die Arbeit zu erleichtern. Nur wer 18 Jahre alt ist, darf nämlich zum „Stöffche“ greifen.

Eine weitere - in diesem Jahr neue - Vorsichtsmaßnahme: Nach Entschluß erhalten Personen ohne Bändchen oder Karte keinen Eintritt auf das Gelände. „Wir wollen so vermeiden, daß Jugendliche nach dem  ‚Vorglühen‘ am Main hierher kommen“, erklärte Röhr. Bewußt sind sich die Organisatoren der Problematik, daß sich durch diese Regelung dort ein neuer Versammlungsort ergeben könnte. „Die Ordnungskräfte wissen Bescheid“, ergänzt Oberbürgermeister Claus Kaminsky. „Seit etwa vier Jahren setzen wir uns im Vorfeld gemeinsam mit Ordnungsamt und Polizei an einen Tisch, um die Sicherheitsthematik zu besprechen.“ Man dürfe das Problem „nicht herunter reden, aber auch nicht dramatisieren“, sagt er.

 

Beim 60. Bundesäppelwoifest 2012 werden zunächst einmal Gabi II. und Otto III. verabschiedet. . Gabi und Otto Borst danken Katja und ihrem Vater, Königsmacher Willi Röhr.

Dann richten sich die Blicke auf die Begleiter von Claus Kaminsky. Mit einer blonden Dame im Arm war der Hanauer Oberbürgermeister auf die Bühne gekommen, mit dabei ein etwas schüchtern wirkender Herr. Röhr klärt auf: Die beiden sind Angelika I. und Kurt I., mit bürgerlichem Namen Angelika Zipper-Hüttges und Kurt Hüttges - das neue Königspaar.  „Die beiden sind aus Düsseldorf“, sagt Röhr. Ein leichtes Raunen geht durchs Publikum. Ja, gibt's das denn? Doch Katja Röhr kann beruhigen: „Sie wohnen schon seit 16 Jahren in Steinheim und sind voll integriert. Außerdem trinken sie gerne Appelwoi, auch wenn es am Anfang eine Umstellung für sie war.“

 

Stadtwirtshaus:

Ideen muß man haben. Immer nur Apfelwein im Gerippten erweitert nicht den Horizont der Gäste. Sagte sich der Wirt des ältesten Steinheimer Wirtshauses, des Stadtwirtshauses. Und lud in Anlehnung zu üblichen Weinproben im April 2002 zur „Apfelwein‑Degustation“. Serviert wurden Variationen des hessischen Nationalgetränkes samt Fünf‑Gänge‑Menu gespickt mit Informationen von Apfelweinkelterer Jörg Stier. Zwei „Bundesäppelwoi‑Königspaare“, die alljährlich auf dem Steinheimer Appelwoifest gewählt werden, hatten sich dazu unters zahlreich erschienene Volk gemischt ‑ ebenfalls neugierig, wie Apfelwein‑Champagner, Apfelwein‑Cocktail und Cidre ihnen munden.

Und nicht nur die Getränkekarte durchzog der Apfel wie ein roter Faden, nein, auch bei den Speisen spielte die kernige Frucht die Hauptrolle: Es gab Entengalantine mit Apfelfüllung, Apfelweinsuppe und einen „Paradiesapfel im Nest“. Mal was anderes als Rippchen mit Kraut, aber trotzdem typisch hessisch, lautet die Devise an diesem Abend.

Die Gäste sind zufrieden. Und die als Anekdoten getarnten Informationen von Apfelweinkelterer Stier machen die Apfelwein-Degustation erst zur Apfelwein-Degustation. Kostprobe: Der berühmter Hesse Johann Wolfgang von Goethe sei bekanntlich kein Freund des Apfelweines gewesen, plaudert Stier, aber jeder Mensch habe ja seine Fehler, witzelt er unter überschwenglichem Applaus.

Der geschäftstüchtige Wirt, der mit seiner regelmäßigen „Apfelwein‑Degustation“ eine Marktlücke entdeckt zu haben glaubt, ist mit Leib und Seele „en Staanemer Bub“, wie er auf Fragen neuer Gäste am liebsten antwortet. Und freut sich stets über die verblüfften Gesichter, wenn er antwortet. Denn: Mohamed Elkamhawy ist Ägypter, er stammt aus einem Dorf in der Nähe von Kairo. Gern und anschaulich plaudert er dann über die Zufälle, die aus einem ägyptischen Kühltechniker einen mittlerweile stadtbekannten Vertreter und Förderer der hessischen Küche und Kultur machten.

Zehn Jahre hatte der 47‑Jährige bereits in Deutschland bei einer Firma für Kühlmaschinen gearbeitet, als er sich von einem Freund überreden ließ, mit diesem gemeinsam ein kleines Lokal bei Stuttgart zu übernehmen, schildert Elkamhawy seinen Einstieg in die Gastronomie. Und seitdem ließ er die Zapfhähne nicht mehr los.

Daß ihn sein Weg als Apfelweinwirt ins hessische Steinheim führen würde, hat er damals natürlich nicht geahnt. Noch heute betrachtet er es als glückliche Führung, daß er vor fünf Jahren die Stelle als Wirt einer Steinheimer Gastwirtschaft erhielt, die vor allem traditionelle hessische Gerichte anbot. Seitdem will er „nie wieder weg“ aus Steinheim, hier fühlt er sich „wohl wie sonst nirgends“, bekräftigt er lächelnd.

Seit Dezember 2000 führt Mohamed Elkamhawy nun zusammen mit seiner Frau Karima das Stadtwirtshaus in Steinheim. Die Speisekarte zeigt prompt eine ungewöhnliche Mischung aus traditionellen hessischen Gerichten sowie Getränken auf der einen Seite und Neuschöpfungen wie etwa den „Apfelweincocktail“, für den das Lokal in Steinheini und Umgebung berühmt ist, auf der anderen. Elkamhawy selbst mag alle hessischen Gerichte auf seiner Speisekarte, bis auf den Handkäs mit Musik, den habe er so noch nie probiert. Um dieses ihn seltsam anmutende Produkt der hessischen Küche für sich genießbar zu machen, hat er den Handkäse kurzerhand gebacken und serviert ihn mit Preiselbeeren. „Hessischen Camembert“, nennt er diese Kreation. Den Gästen scheint's zu schmecken.

Der ägyptische Wahl‑Steinheimer mit dem hessischen Akzent, den man in der Stadt nur unter dem Spitznamen „Ramses“ kennt, blickt zuversichtlich in  die Zukunft. Er sei noch nie in Sachsenhausen gewesen, sagt er etwa, „aber die Sachsenhäuser kommen zu mir!“

 

 

 

 

 

Maintal

 

Die Maintaler Streuobstwiesen:

Die Maintaler Streuobstwiesen sind eines der größten und ökologisch bedeutendsten Biotope dieser Art in Hessen. Allein in Gemarkung Maintal umfassen die Streuobstflächen eine Gesamtfläche von mehr als 160 Hektar. Zusammen mit den Flächen im Osten Frankfurts, mit denen die Maintaler Streuobstwiesen eine ökologische Einheit bilden, sind es sogar über 250 Hektar. Sie bilden das größte und zugleich ökologisch bedeutendste Biotop dieser Art in Hessen mit über 25.000 Apfel‑, Zwetschgen‑, Kirsch‑, Birnen‑, Speierling‑ und Walnußbäumen.

Festgestellt wurde, daß die Maintaler Streuobst­wiesen besonders unter ihrer Überalterung zu lei­den haben. Der Baumbestand ist zwischen 40 und 60 Jahre alt, die natürliche Generationenfolge unter den Obstbäumen fehlt völlig und damit gibt es kei­ne natürliche Verjüngung sondern nur eine „künst­liche“ durch Nachpflanzung junger Obstbäume. Die neuen Bäume haben erst in 25 bis 30 Jahren die Baumhöhe erreicht, wie sie beispielsweise dem Steinkauz als Brutstätte dient. Aus diesem Grund gelten die Bemühungen der Landschaftspfleger der Erhaltung der alten Bäume.

Unter den meist schon sehr alten Bäumen auf den Maintaler Streuobstwiesen sind vor allem Äpfel, Speierling, Walnüsse, Zwetschen, Birnen und Kir­schen. Dort leben  Sperber, Habicht, Steinkauz und Wachtel, Grün‑, Grau‑ und Kleinspecht. Schwarz­milane, Braunkehlchen und viele andere Vögel, die bereits auf der roten Liste der bedrohten Tiere geführt werden. Der bedrohte Gartenrotschwanz hat mit 40 Brutpaaren am Maintaler Hang seine größte Kolonie in Hessen.

In Maintal befindet sich ein Schwerpunkt der hessischen Steinkauzpopulation mit mehr als 40 Brutpaaren (1990 waren es gerade 18). Das ist die größte Stein­kauzpopulation im gesamten Main­-Kinzig‑Kreis und der wiederum zählt ein Viertel aller in Hessen lebenden 500 Stein­kauz-Brutpaare. Die Mitarbeiter der HGON zählen, be­ringen und überwachen den Stein­kauz­-Be­stand. Außerdem schaffen sie durch soge­nannte „Niströhren“ künstliche Brutplät­ze für die Vögel, da alte Bäume mit ausge­prägten Höhlen sehr selten geworden sind. Nur einzelne Individuen reichen das Greisenalter von sieben neun Jahren. In Maintal‑Hochstadt wurde die älteste Vogeldame registriert. Nestjung wurde das Weibchen 1985 beringt und erst kürzlich bei der Niströhrenreinigung wieder angetroffen. Sie hat also das stolze Alter von neun Jahren bereits überschritten.

Feldmäuse, europäische Igel, Haselmäuse, Hermeline sowie Wasserspitzmäuse leben unter den Obstbäumen, sie gelten ebenfalls als gefährdet. Seltene Schmetterlinge wie der Schwalbenschwanz und besonders geschütz­te Pflanzenarten wie die Feuerlilie, der Speierling und die Weinberg‑Hya­zinthe machen die Maintaler Streu­obstwiesen zu einem einzigartigen Lebensraum.

Dr. Klaus Richarz, Deutschlands Fledermaus-­Papst und nebenbei Leiter der Staatlichen Vogel­schutzwarte in Fechenheim, sieht die Fledermaus als ein Anzeichen für eine intakte Natur an: „Fledermäuse sind ein Segen für das Stöffche!“ Die Nachtsegler sorgen für das ökologische Gleichgewicht auf den wertvollen Streu­obstwiesen. Denn zwischen Sonnenunter­gang und Morgendämmerung schnap­pen Fleder­mäuse von den Blättern und Früchten der Apfel­bäume die schädlichen Insekten im Fluge, pro Säugetier sind das ungefähr „eine Tüte voll Mücken“.

Hier oben über Hochstadt gibt es tatsäch­lich diverse Fledermausarten. Etwa die „Pipistrel­lus“, eine liebliche Zwergfledermaus, die fleißig Insekten jagt, die sich während der Apfelblüte und anschließender Fruchtbildung stark vermehren und dem Apfel arg zuset­zen. Hilfe kommt über Nacht, eben durch braune Langohr-Flug­objekte, sogenannte Lausch­jäger, die das Krabbeln von Mücken und Winz-Würmern auf der Apfeloberfläche oder an Blättern hören, hinflie­gen und die Ungeziefer auffressen, so den ökologischen Kreislauf in Gang halten.

Weiterhin gibt es in Maintal das einzige bekannte Brutvorkommen von Hohltaube in Streuobstbeständen, eines der wenigen Restvorkommen vom Wen­dehals in Hessen.

 

Einzelne Aktivitäten

Um den sogenannten „Biotopverbund“ noch zu vergrößern, hatte das Regierungspräsidium in Darmstadt im Oktober 1993 für den Ankauf zweier Flurstücke in einer Größenordnung von 13.731 Quadratmetern bereits 65 Prozent der Kaufsumme als Förder­mittel zugesagt (rund 65.000 Mark). Im Haupt‑ und Finanzausschuß der Stadt Maintal wurde der Grund­stücks­erwerb darum ausführlich erörtert. Doch Freie Maintaler und CDU sahen damals keine Notwendig­keit, besagte Flächen zu erwerben. Somit wurde der Grundstücks­kauf mehrheitlich abgelehnt, die bereit­gestellten Landesmittel flossen in eine Nachbar­kommune.

Der nicht vollzogene Grundstückskauf ist darum bedauerlich, weil das Amt für Stadtentwick­lung und Umwelt bereits eine detaillierte Untersu­chung und Planung für die anzulegenden Streuobstwiesen kartographisch ausgearbeitet hat. Frau Brockmeyer‑Roess listete die Altbestände einzeln liegender Streuobstwiesen auf, die dann miteinan­der zu einem Biotopverbundnetz zusammengefügt werden könnten. Biotopverbundinseln ‑ ange­stamm­tes Refugium für Kleintiere ‑ sollen maximal 200 Meter auseinanderliegen, um den Kleinzieren den Wechsel von einem Biotop zum anderen leichter zu ermöglichen. Für größere Tiere wie Reh, Hase oder Fuchs ist dies kein Problem. Eine solche Vorarbeit war Voraus­setzung, um die Landesmittel beantragen zu kön­nen.

Doch die CDU lehnte ab, weil mit dem Erwerb der Grundstücke höchstens die Anpflanzung von Obstbäumen und deren Pflege bezahlt sei. „Wer solle die Bäume überhaupt pflegen?“ wurde gefragt. Es sollten erst einmal die Besitzer bestehender Streuobstwiesen dazu motiviert werden, diese zu pflegen. Teilweise sehe es dort schlimm aus. Andererseits werde den Besitzern das Obst hemmungslos gestohlen, so daß sie überhaupt keinen Sinn darin sähen, sich um ihre Obstwiesen zu kümmern. Für die Freien Maintaler erklärte Fraktionsvorsitzender Ludwig Stein, daß ein Grundstückspreis von neun Mark pro Quadratmeter einfach zu teuer sei. Man wolle erst einmal günstigere Preise abwarten.

 

Im Jahre 1994 wurde auf Anregung des Landschaftspflegeverbandes mit den Pflegearbeiten auf den Maintaler Streuobstwiesen begonnen, und zwar am Bi­schofsheimer Hang, im Apfelgrund und an der Wei­dekaute. Vor Beginn der Arbeiten hatte der Ver­band das Frankfurter Büro für Naturschutz und Landschaftsplanung mit der Kartierung des Gebie­tes, der Ausschreibung und Überwachung der Pfle­gearbeiten beauftragt. Den Bäumen soll jetzt ein sogenannter „extensiver Erhaltungsschnitt“ zur „Vitalisierung“ verpaßt werden. Das bedeutet, daß der Baum erhalten wird. Totes Holz wird herausgeschnitten, Äste werden gekürzt und die Krone leicht heruntergesetzt.

Zwei Gartenbaufirmen haben die Pflege übernom­men, ohne etwas dafür zu verlangen. Auch für die Besitzer der Streuobstwiesen kosten die Arbeiten nichts außer der Einverständniserklärung. Die Stadt Maintal hat die Eigentümer der Kleinstreuobstparzellen recher­chiert und sie um ihr Einverständnis gebeten (am Bischofsheimer Hang gibt es allein 400 Eigentümer, im Apfelgrund rund 600). Bis gegen Ende März wird auf den Streuobstwiesen gearbeitet, die Pflege geht dann im Herbst weiter. 827 hochstämmige Obstbäume werden bis dahin beschnitten. Im Herbst werden die Schnittarbeiten fortgesetzt und außerdem 150 neue Bäume gepflanzt. Gefällt wird nichts. Im nächsten Jahr soll der Baumbestand im südlichen Apfelgrund kartiert und Geld für die Nach-Pflanzungen am Bischofsheimer Hang beantragt werden. Die fünf Jahre lange Grundsanierung sieht vor, bis zu ihrem Ablauf zwei Drittel des Baumbestandes zu schneiden und bestehende Lücken mit Neuanpflanzungen zu füllen.

Im Jahre 1996 teilte der Landschaftspflegeverband mit, daß in Bischofsheim und am Hochstädter „Distelberg“ in mehrjährigen Projekten die Sanierung von insgesamt 3.500 Bäumen auf rund 100 Hektar Fläche geplant ist. In einem ersten Schritt sollen 560 Bäume dort beschnitten wer­den. 220 Bäume sollen nachgepflanzt wer­den, wobei 500 jedoch notwendig wären, um alle Lücken zu schließen. sowie von etwa 500 hochstämmigen Obstbäumen. Vor allem sollen vernachlässigte alte Hochstämme gesund saniert werden, neue Bäume in den Lücken nachgepflanzt, sich um dauerhafte Pflege der Gehölze und des Unterwuchses gekümmert und Wege zur sinnvollen Verwertung des geernteten Obstes gesucht werden.

 

Seit 1994 ist der Landschaftspflegeverband des Main-Kinzig-Kreises an dem Pilotprojekt Pflege der Streuobstwiesen vom Berger Hang bis Hochstadt beteiligt. Im Herbst und im nächsten Frühjahr ist der Distelberg an der Reihe. „Allein 3.000 Bäume in diesem Gebiet sind grundsanierungsbedürftig“, sagt Silke Fees. In einem ersten Schritt sollen 560 Bäume dort beschnitten werden. 220 Bäume sollen nachgepflanzt werden, wobei 500 jedoch notwendig wären, um alle Lücken zu schließen.

 

Im Oktober 1996 gibt es eine Ernteaktion. Wer nicht selbst die Früchte vom Baum holen will, kann das den Jugendlichen der Feuerwehren und der Dörnigheimer Vogelschutzgruppe überlassen. Sie pflücken die Äpfel und bringen sie zur Kelterei Stier. Der Erlös kommt der Jugendarbeit zugute. Wer sein Obst nicht braucht, kann sich an die Maintaler Umweltberaterin Freia Reuschling wenden. Die Stadt sichert die Ernte unter fachkundiger Aufsicht zu.

 

Seit Mai 1997 existiert das Stadtmuseum in Hochstadt, Hauptstraße 9. Es hat als  Schwerpunkt das Thema „Apfelwein“. Es gibt eine historische Äppelwoikneipe, wie sie Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Frankfurt und Umgebung anzutreffen war, mit langem Holztisch, schlichten Holzbänken, einem roh gezimmerten Schanktisch und Regalen, auf denen allerlei echte alte Bembel und Flaschen sowie Originalgläser aus der Frühzeit der Apfelweinkultur zu bestaunen sind. Ein Glas Apfelwein wird den Museumsbesuchern auch gerne kredenzt. Im Nebenraum sind dann die Gerätschaften untergebracht, die man für die Ernte der Äpfel, die Zubereitung des Mostes und die Herstellung des Weines braucht.

Eilig wurde in den 90er Jahren die Notbremse gezogen. Im Jahre 1997 gründete sich in Maintal eine Initiative, die sich zum Ziel setzte, die heimischen Streuobstwiesen zu pflegen und zu erhalten. Treibende Kraft des Arbeitskreises Streuobst waren Mitarbeiter der Stadt ‑ allen voran der heutige Erste Stadtrat Ralf Sachtleber ‑ in Verbindung mit dem Landschaftspflegeverband Main‑Kinzig ‑ Kreis. Weitere Projektpartner sind die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz sowie die Zoologische Gesellschaft Frankfurt. Nicht nur die existentielle Bedrohung exotischer Tierarten auf fernen Kontinenten wurde erkannt, sondern ebenfalls der Schutz der heimischen Flora und Fauna.

Der junge „Setzling“ trieb bald ansehnliche Früchte. Interessengruppen, denen der Erhalt der Streuobstwiesen am Herzen liegt, schlossen sich dem Arbeitskreis an, darunter Imker, Schäfer, Vogelschützer oder Landwirte ‑ und natürlich Eigentümer von Streuobstwiesen. Ein solider Stamm, zu dem auch der Bischofsheimer Dr. Dieter Fritz gehört. Stolz blicken die Mitglieder auf die ersten Früchte. Denn durch zahlreiche Projekte, Vorträge und Informationsveranstaltungen gelingt es ihnen, die Streuobstwiesen wieder ins öffentliche Bewußtsein zu rücken.

 

Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz hat sich seit 1988 der Pflege des einzigartigen Streuobstgebietes zwischen Bergen und Hochstadt  in einem Pilotprojekt angenommen. In vielerlei Hinsicht ist das am Hang gelegene Obstbaum-Areal der „hessische Ausnahmefall.“ Allein die Ausdehnung ist ungewöhnlich. Mehrere 1.000 Apfel-, Birn-, Pflaumen- oder auch Walnußbäume stehen am Bischofsheimer Hang, am Apfelgrund, Distelberg und der Weidenkaute, wie die einzelnen Bereiche heißen. Die offene Parklandschaft ist mit seinen Pflanzen, Kräutern und Insekten für Vögel und andere Tiere ein ideales Brut- und Nahrungsbiotop.

Dort zieht noch der Habicht seine Kreise am Himmel, der Steinkauz brütet in Baumhöhlen, Fledermäuse jagen in der Nacht und auch der selten gewordene Specht hämmert. Der gelbschwarze Pirol wurde in dem Gebiet gesichtet und auch der bedrohte Gartenrotschwanz hat mit 40 Brutpaaren am Maintaler Hang seine größte Kolonie in Hessen.

Unterstützung fand sie bei der zoologischen Gesellschaft Frankfurt, die jährlich rund 60.000 Mark investiert, und auch beim Land, das Gelder aus dem Topf der Ausgleichsmittel zur Verfügung stellt. Begonnen wurde zunächst mit der Bestandaufnahme des Areals, außerdem mußten die privaten Besitzer der Flächen ermittelt werden. Im Auftrag der HGON wurden 1989 erstmals die Streuobstbäume beschnitten - eine notwendige Pflege, um die mehr als 30 Jahre alten Exemplare zu erhalten und sie vor Windbruch oder Krankheiten zu schützen. Neue Bäume wurden angepflanzt, die Wiesen ein- bis zweimal im Jahr gemäht.

 

Bei der Pflege und Nutzung des Biotopes des Jahres 1998 ‑ der Streuobstwiese, wirkt auch die Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V. ‑ Hilfe für die bedrohte Tierwelt ‑ direkt mit. Darum wurden im März 1998 zur Hervorhebung der Bedeutung auch von Wildobst etliche herkunftsreine Wildbirnen gepflanzt.  „Die Bemühungen für die Erhaltung Lebensräume müssen verstärkt werden für die gefährdeten, ehemals typischen Arten der Streuobstwiesen wie beispiels­weise den Gartenrotschwanz und andere, wenn wir unser heimisches Naturerbe be­wahren wollen, so Dr. Faust bei der Pflanzaktion in Maintal. Freude über diese wichtige Unterstüt­zung herrschte bei der Hessischen Gesell­schaft für Ornithologie (HGON) und dem Landschaftspflegeverband Main‑Kinzig, die sich seit Jahren um die Erhaltung des Gebietes bemühen.

„Im gesamten Gebiet sind im Verlauf der letzten Jahre circa 25 Prozent aller hoch­stämmigen Obstbäume im Auftrag von LPV und HGON gepflegt worden“, sagte Konstanze Weltner von der HGON. „Zu einem angepaßten Biotopmanage­ment gehört auch die Unterwuchspflege, sind doch viele Tierarten auf spezifische Strukturen und Pflanzenformationen an­gewiesen“, führte Barbara Fiselius vom LPV aus. Deshalb sei es  wichtig, Kom­munen und Landwirte in die Aktionen einzubinden.

Alle Teilnehmer der Pflanzaktion waren sich einig, daß vor allem jetzt solche Un­terstützung wie von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt wichtig sind, da mit dem Wegfall der Ausgleichsabgabe im Außenbereich nach dem Hessischen Naturschutzgesetz eine bedeutende Fi­nanzquelle für die Streuobstwiesen ver­siegt.

So können auch dieses Jahr wieder etliche Bäume eine Pflege erhalten und Lücken im Baumbestand ergänzt werden. Einige für die Nahrungssuche wichtige Bereiche sollen entbuscht werden. Seit Beginn der Bemühungen wurden cir­ca ein Drittel (etwa 5.000 Bäume) des gesamten Obstbaumbestandes einem Sa­nierungsschnitt unterzogen, der die Bäume verjüngt und so die Lebensdauer verlän­gert. Dies ist wichtig für die Erhaltung der Habitatstrukturen aller Bewohner, be­sonders für die baumhöhlenbewohnen­den Tiere.

Als Besonderheit lichter, wärmebegün­stigter Standorte wurde die Wildbirne zur Pflanzung ausgewählt, um auf die Ge­fährdung der Urformen unserer Obstar­ten hinzuweisen. Von den mannigfachen Kulturformen der Birne unterscheidet sich die Wildbirne durch ihren kleineren Wuchs (Normalfall fünf bis 15 Meter Wuchshöhe) und ihre kleineren holzigen Früchte. Die Bäume können bis zu 200 Jahre alt werden. Das Holz der Wildbirne ist selten und sehr begehrt, es ist hart, schwer und relativ dauerhaft, und oft von besonderem ästhe­tischen Reiz. Der ökologische Nutzen liegt wie bei allen Wildobstarten vor al­lem in den für die Tierwelt wichtigen Blü­ten und Früchten und in der Erhaltung der genetischen Vielfalt.

 

Um noch mehr Maintaler Äpfel ernten zu können, haben sich Stadt und Pflegeverband nun eine Ernteaktion für den Samstag, 12. Oktober 1996, einfallen lassen. Wer nicht selbst die Früchte vom Baum holen will, kann das den Jugendlichen der Feuerwehren und der Dörnigheimer Vogelschutzgruppe überlassen. Sie pflücken die Äpfel und bringen sie zur Kelterei. Der Erlös kommt der Jugendarbeit zugute. Wer sein Obst nicht braucht, kann sich an die Maintaler Umweltberate­rin Freia Reuschling, 06181 / 400401 wenden. Die Stadt sichert die Ernte unter fachkundiger Aufsicht zu.

 

In der integrativen Kindertagesstätte an der Eichendorffstraße wollte der Verein „Umweltlernen“ 1998 den Kindern die Natur näher bringen. „Es ist wichtig, daß sie mal sehen, wo der Apfelsaft herkommt“, meint Umweltpädagoge Andreas Lennig. Deshalb wurde die mobile Kelter im Innenhof aufgestellt und der Saft tropfte dunkelbraun durch eine Gardine in die rote Plastikwanne.

 

Die Maintalerin Ruth Heinemann entdeckte 1998 ein einem Ufo-Modell ähnelnde Keramik-Gefäß im tiefsten Keller des Hauses Alt Wachenbuchen 4 und bat die Frankfurter Rundschau um Hilfe bei der Identifikation gebeten. Das Gefäß sieht eher modern aus: Unten bauchig rund, seitlich umlaufend ein dicker Wulst, ab da nach oben konisch mit einer Vertiefung als Abschluß, darüber ein griffartiger Steg mit Rille an der Unterseite; das ganze rundum fest verschlossen bis auf ein winziges Loch auf der Schräge, in das gerade mal ein Bleistift paßt. Ein Schwimmer oder hängendes Gegengewicht, nach Bedarf mit Wasser zu füllen und entsprechend zu justieren, jedenfalls ein technisches Gerät. Die Aufhängung am Steg weist darauf hin, daß es auf Zug von Oben gedacht ist, und nicht auf Druck. Man geht in eine Werkhalle und läßt Wasser in ein Becken. Und siehe da, das Gefäß schwimmt geradezu elegant, exakt nur zur Hälfte bis zum Wulst eingetaucht. Ein Pegelbewacher, hängend verbunden mit einem Ventil oder Schieber, etwa im Großtank eines chemischen Betriebes oder in einer Apfelwein-Kelter?

 

Beim vom Arbeitskreises Streuobst ins Leben gerufenen Tag des Obstbaumes im Jahr 2000 gab es  großen Andrang. Im Vereinsheim des Tennisclubs in Bischofsheim gab es eine Fotoausstellung zum Thema Streuobstwiese (Fotos von Dominic Menzler und Klaus Griese) und einen einführenden Vortrags von H. Zeh, Fachwart des Kreis-Obst- und Gartenbauverbandes. Anschließend gaben die Mitglieder des Arbeitskreises über 150 junge Obstbäume an die Besitzer Maintaler Streuobstwiesen für nur 25 Mark pro Baum inklusive Pflanzpfahl, Drahthose und Kokos-Seil ab. Besonders begehrt waren einmal mehr die - von den Bürgern vorab bestellten - alten heimischen Obstsorten wie zum Beispiel Schafsnase, Bohnapfel, Kaiser Wilhelm und Minister von Hammerstein.

Daß dieses Jahr nahezu dreimal mehr Bäume als im vergangenen Jahr abgegeben werden konnten, ist ein eindrucksvoller Beleg für das geänderte Bewußtsein der Streuobstwiesenbesitzer. Die gesamte Pflanzaktion ist neben dem Engagement der Arbeitskreismitglieder ganz wesentlich, aber der finanziellen Unterstützung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt zu verdanken.

 

Die Mittelstands‑ und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT), Stadtverband Maintal, setzte mit einem Besuch im September 2001 die Reihe der Betriebsbesichtigungen fort, die vom CDU‑Ortsverband Dörnigheim initiiert worden war. Sehr fachkundig und engagiert führte der hessenweit bekannte Betriebsinhaber und Keltermeister Jörg Stier durch den Keller mit seinen Edelstahl‑Lagertanks und zur modernen Kelter, die pneumatisch und sehr schonend arbeitet. Alle Keltereiprodukte dieses Bischofheimer Betriebes kommen ohne zusätzliche Konservierung aus. Sie sind deshalb auch nicht unbeschränkt haltbar. Vergleichbar mit dem deutschen Wein kommen im Kellerkonzept dieses kleineren aber feinen Betriebes das Ausgangsprodukt und der Jahrgang zur Geltung.

 

Unter dem Motto „Äpfli braucht Hilfe“ erlebten die Mädchen und Jungen des Kinderzentrums Schillerstraße in Bischofsheim im August 2002 ein interessantes Klappmaultheater. Der Arbeitskreis Streuobst Maintal und der Landschaftspflegeverband bemühen sich seit Jahren um die Streuobstwiesen in Maintal. Besonders im Vordergrund steht hierbei die Arbeit mit Kindern, die schon früh an das Thema heran geführt werden sollen. In diesem Rahmen wurde das Naturschutztheater Hessen eingeladen, sein „Apfeltheater“ aufzuführen.

Gespannt und interessiert verfolgten die Kinder das Schicksal eines alten Baumes, der gefällt werden soll, sowie des Apfels „Äpfli“ und dessen Freunden der Maus, der Raupe und der Eule. Gemeinsam mit den Kindern versuchen „Äpfli“ und seine Freunde, den Baum zu retten. Die Kinder nehmen aktiv am Theater teil, indem „Äpfli“ und seine Freunde mit ihnen sprechen und auch Fragen zur Natur stellen. Die Höhepunkte des Theaters sind das Apfelbaumfest und der geheimnisvolle Kraftzauber der Eule und Kinder. Durch diesen Zauber erblüht der Baum zu neuem Leben und ist nunmehr gerettet. Auf witzige und spannende Weise erfahren die Kinder, warum die Natur ‑ insbesondere die Streuobstwiesen ‑ für Mensch und Tier so wichtig sind.

Seit nun mehr drei Jahren führt der Landschaftspflegeverband derartige Projekt in Kindertagesstätten, Kindergärten und Kinderhorten durch. Der Sinn hierbei ist, Kinder und Jugendliche möglichst früh an das Thema heran zu führen und eine Bindung zur Natur herzustellen, so Barbara Fiselius vom Landschaftspflegeverband Main-Kinzig‑Kreis. Die Nachfrage sei groß, doch wegen des zeitlichen und finanziellen Aufwands kann man nicht jeder Bitte nachkommen, so Fiselius weiter.

Auch der Arbeitskreis Streuobst Maintal engagiert sich für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und sucht neue, moderne Wege, ihnen das Thema schmackhaft zu machen. Seit 1996 arbeiten Behörden und ehrenamtliche Mitarbeiter im Arbeitskreis und befassen sich mit Biotop‑Sanierungen, Vorkommen bestimmter Tierarten (wie zum Beispiel des Steinkauzes) und schließlich den Streuobstwiesen. Für den Herbst sind ein Fest und diverse Kurse wie Pflanzenveredelung und Schnitt am eigenen Baum geplant.

 

Vor allem aber könnte er leicht vergessen, daß doch eine der wichtigsten Eigenschaften von Zucker dessen Vergärbarkeit zu Alkohol darstellt. Das haben einige Schüler der Albert-Ein­stein- Schule in Bischofsheim im Oktober 2005 eindrucksvoll dargestellt, indem sie ihren eigenen Apfelwein gekeltert haben. Der Grundkurs Chemie der Albert-Einstein-Schule Maintal arbeitete in den vergangenen Wochen an einem Projekt, das den Schülern die Verwendung des Zuckers in Äpfeln aufzeigte. Sie kelterten Apfelwein.

Zunächst füllten die Schüler über einen Zentner Apfel von Hand in einen Muser und dann vom Muser in eine Handpresse. Dabei entstanden etwa 40 Liter Most. Zufriedenstellende 60 Grad Oechsle stellte Julian anschließend mit der Oechslewaage fest. Trotz der spärlichen Apfelernte ließ sich die Qualität sehen. Der Alkoholgehalt betrug am Ende etwa 7,6 Volumenprozent.

Inzwischen hatten Mirko und Jonas den Säuregehalt des Mostes mit Natronlauge titriert. Eine schwierige Aufgabe, denn ist der Säuregehalt zu niedrig, dann kippt der Apfelwein später um, ist zu viel Säure im Getränk, ist es nicht mehr genießbar. Der Most besitzt etwa acht Gramm Säure pro Liter. Auch wenn sich bei der Gärung noch zwei Gramm abbauen, ist dies genug. Der enthaltene Zucker wird mit den Methoden nach Fehling und Tollens nachgewiesen, was jede Gruppe selbst durchführte.

Nach den chemischen Analysen wurde der Most auf die Gärgefäße aufgeteilt, die Gruppen behandeln das Produkt unterschiedlich: im ersten Pott blieb der Most unbehandelt, im zweiten Fäßchen wurde er mit Reinzuchthefe versetzt, und im dritten Gefäß kamen 250 Gramm Zucker dazu. Die Oechslegrade stiegen auf 96, der Alkoholgehalt wird dann entsprechend höher sein.

Nachdem Samir die Gärspunde vorbereite hatte, wurde der Most in die Fässer gefüllt. Nun hieß es abwarten. Eine vierte Gruppe füllte zum Most noch ein Hütchen voll Whisky - das sollte den Geschmack letztlich wesentlich beeinflussen. Vier Schulstunden Arbeit investierten die Einsteinschüler für 40 Liter handgekelterten Apfelwein. Eine kleine Dorfkelterei mit Packpresse schafft das Zwanzigfache und eine Großkelterei 60 bis 70 Hektoliter in einer einzigen Stunde.

Außer Kreuzschmerzen vom Bücken und Heben und schmutzigen Händen brachte dieses Projekt Abwechslung in den Schulalltag. Die Chemie ist nicht immer nur theoretischer Ballast, sondern spielt auch in alltäglichen Leben eine bedeutende Rolle Auch wenn sich viele dessen nicht unbedingt immer bewußt sind.

 

Unter dem Vorwand der Anpassung an EU-Recht und der Verwaltungsvereinfachung beabsichtigt das Land Hessen massive Einschnitte beim Naturschutz. Darauf weist jetzt die Wahlalternative Maintal - Soziale Gerechtigkeit (WAM) hin. Gefährdet wären in Maintal besonders die Streuobstwiesen und die Grüne Mitte. Um dem entgegen zu wirken, will die Fraktion in der kommenden Sitzung des Stadtparlaments am 3. Juli 2006 einen entsprechenden Antrag stellen.

Am 10. Mai hatte die Hessische Landesregierung den Entwurf einer Novelle des Hessischen Naturschutzgesetzes (HENatG) in den Landtag eingebracht, der dort schon sechs Tage später in einer ersten Lesung vorgestellt wurde: Dieser Entwurf sieht extrem drastische Verschlechterungen beim Naturschutz vor, so die WAM in ihrer Stellungnahme.

In Maintal wären davon besonders die Streuobstwiesen und die Grüne Mitte betroffen. Zum einen wolle die CDU-Landesregierung sämtliche landesspezifischen Schutzstandards abschaffen. Dazu zählten die für Hessens „Nationalgetränk” Appelwoi bedeutungsvollen Streuobstwiesen. Aber auch andere landestypische Biotope wie Alleen und Ufergehölze verlören ihren derzeitigen Schutz. Der Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) zum Beispiel bewertet das Vorgehen der Landesregierung nicht nur als einen Versuch, den Naturschutz nachhaltig gegenüber anderen Rechtsbereichen zu schwächen, sondern als „Frontalangriff auf das Naturschutzanliegen selbst”. Der BUND fordert deshalb Wiesbaden auf, diesen Entwurf zurück zu ziehen.

Was unter Federführung des Ministers Dietzel „ausgeheckt wurde”, lese sich wie ein „Gruselkatalog”. So kritisieren Naturschutzverbände, daß die Groß-Landschaftsschutzgebiete abgeschafft, die Schutzgebietsfläche drastisch verringert werden und in den verbleibenden Gebieten dann ein geringeres Schutzniveau gelten solle. Darüber hinaus sollen hoheitliche Pflichten zur Sicherstellung des Naturschutzes abgeschafft und die gesetzliche Ahndungspflicht bei nachgewiesenen Gesetzesverstößen gestrichen werden. Die Regelungen zu Ausgleichmaßnahmen sollen heruntergefahren werden. Eine Reduzierung der ehrenamtlichen Mitwirkung ist beabsichtigt.

„Der gesamte Entwurf der Landesregierung bleibt in vielen, wesentlichen Punkten weit Mater Bundes- und EU-Recht zurück”, so die WAM in ihrer Erklärung. Um diesen „Kahlschlag” in Sachen Umwelt und Natur zu verhindern, hat die WAM-Fraktion zur nächsten Parlamentssitzung einen Antrag eingebracht, der die Ablehnung des Entwurfs durch die Stadt Maintal vorsieht. Des Weiteren soll die Stadt Maintal beim Hessischen Städte- und Gemeindebund und anderen Gremien aktiv werden mit dem Ziel, daß dieser unrühmliche Gesetzesentwurf verhindert wird.

Auch der Arbeitskreis Streuobst in Maintal, der seit 1997 besteht, überhaupt nicht einverstanden. In einem offenen Brief an alle Fraktionen, die im Hessischen Landtag vertreten sind, protestieren die Mitglieder: „Mit Entsetzen haben wir zur Kenntnis genommen, daß in den vorliegenden Entwurf zur Änderung des HENatG die Streuobstwiesen aus dem Katalog der gesetzlich geschützten Biotope gestrichen werden sollen”, heißt es in dem Protestbrief. Streuobstwiesen gehörten zum typischen Landschaftsbestand Hessens, über die daraus gewonnenen Produkte erlangten die Bestände kulturprägende und regionale Bedeutung. Gerade „in Maintal sind seit einigen Jahren die Streuobstwiesenbestände als bestimmender Faktor für das Image der Stadt erkannt und entwickelt worden”, heißt es in dem Brief weiter. Außerdem dürfe die ökonomische Bedeutung für die heimische Wirtschaft, hier vor allem die Keltereien Höhl und Stier, nicht unterschätzt werden.

„Die beabsichtigte Gesetzesänderung wird zur Folge haben, daß Sponsoren die für Schutz- und Pflegemaßnahmen dringend benötigten finanziellen Mittel erheblich kürzen werden.” Viele der bislang vorgenommenen Pflege- und Hegemaßnahmen an den Streuobstbeständen, wie beispielsweise Neupflanzungen, Baumschnitt oder Unterwuchspflege, hätte der Arbeitskreis Streuobst Maintal nur dank der finanziellen Unterstützung von großzügigen Spendern und Sponsoren bewerkstelligen können. Sollte die Gesetzesänderung, wie von der Hessischen Landesregierung geplant, über die Bühne gehen, werde die „ehrenamtliche Arbeit vieler Bürger und Bürgerinnen in vergleichbaren Arbeitskreisen und anderen Natur- und Umweltschutz­verbänden entwertet”.

Darüber hinaus hätte die von der Landesregierung beabsichtigte Streichung der Streuobstwiesen aus dem Katalog der geschützten Biotope weitreichende Folgen. „Die allgemeinen Schutz­vorschriften des Naturschutzrechts sind nicht ausreichend, um die Streuobstwiesenbestände als einmaligen Biotop und unvergleichlichen Lebensraum mit seiner genetischen Vielfalt hinreichend und effizient zu schützen”, mahnt der Arbeitskreis in seinem Schreiben abschließend und fordert die Landtagsabgeordneten aller Fraktionen auf, die Gesetzesänderung noch einmal zu bedenken. Ähnliches soll auch eine Protestnote bewirken, über die die Maintaler Stadtverordnetenversammlung voraussichtlich in ihrer nächsten Sitzung nach der Sommerpause diskutieren wird.

Der BUND zum Beispiel bewertet das Vorgehen der Landesregierung „nicht nur als einen Versuch, den Naturschutz nachhaltig gegenüber anderen Rechtsbereichen zu schwächen, sondern als Frontalangriff auf das Naturschutzanliegen selbst”. Nach der jahrelangen schrittweisen Verschlechterung gehe Wiesbaden nun zur „Totalverstümmelung des Naturschutzes” über. Der BUND fordert deshalb die Regierung auf, diesen Entwurf zurückzuziehen.

 

Ein Erlaß bedroht nach Einschätzung der Grünen im Oktober 2007 viele Streuobstwiesen in Hessen. Mehr als die Hälfte des Obstbaumbestandes verliere nach der neuen Regelung den gesetzlichen Schutz, erklärte die Landtagsabgeordnete Ursula Hammann gestern in Wiesbaden. Nach dem Erlaß dürften Bäume mit einer Stammhöhe bis zu 1,80 Metern ohne Genehmigung gefällt werden. Bisher habe das nur für Bäume bis zu einer Stammhöhe von 1,60 Metern gegolten. Sie forderte Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) auf, den Erlaß umgehend zurückzuziehen.

Das Umweltministerium wies die Kritik zurück. Der Erlaß präzisiere nur ein Unterscheidungsmerkmal zwischen Streuobstwiesen und Obstplantagen. „Daraus einen erneuten Angriff auf Streuobstwiesen zu konstruieren, finde ich befremdlich”, sagte ein Ministeriumssprecher. Auf Streuobstwiesen stehen vor allem so genannte Hochstämme. In Obstplantagen werden dagegen kleine Bäume angepflanzt, die ohne Leitern abgeerntet werden können, und die meist schon nach zehn bis 15 Jahren ihre Ertragskraft verlieren und gerodet werden. Hochstämme werden viel älter und tragen erst nach etwa zehn Jahren.

Das Ministerium hat nach Darstellung des Sprechers mit dem Erlaß vom 2. August eine Definition der angesehenen Forschungsgesellschaft Landentwicklung und Landschaftsbau aufgegriffen. Für den Schutz von Streuobstwiesen gälten noch andere Kriterien, darunter die Größe der Fläche, die angebauten Obstsorten und eine extensive Bewirtschaftung, sagte der Ministeriumssprecher. Der Facherlass zur Höhe der Stämme solle helfen, Streitfälle zu schlichten.

Kritik an dem Erlaß kam aber auch von der Wiesbadener Umweltdezernentin Rita Thies (Grüne). Sie befürchte ebenfalls, daß Obstbaumbestände verstärkt ausgedünnt werden könnten. Zu den ökologisch wichtigen Altbeständen gehörten oft große Bäume. Die Landtagsabgeordnete Hammann stieß sich auch daran, daß die Stammhöhe ein entscheidendes Kriterium sein soll. Sie bemängelte, der Erlaß unterlaufe die Zielsetzung des neuen hessischen Naturschutzgesetzes zum Schutz der Streuobstwiesen.

Lob an dem Gesetz und seiner Handhabung gab es vom Verband der hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien. Es erleichtere die nötige Verjüngung der Baumbestände, sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Johanna Höhl. Das sei wichtig für den Ertrag. Die hessischen Apfelweinkeltereien seien schließlich auf die Streuobstwiesen angewiesen. Die dort wachsenden alten Sorten seien der Rohstoff für den typischen hessischen Apfelwein. Die Keltereien böten den entscheidenden wirtschaftlichen Anreiz, die Streuobstwiesen auch kontinuierlich zu pflegen. Das sei sehr aufwendig: So müßten die Wiesen zweimal im Jahr gemäht und die Bäume regelmäßig geschnitten werden.

 

Eine besondere Beziehung zum Apfel haben so genannte Pomologen. Die Apfel-Kenner - darunter Dr. Werner Schuricht - sind im September 2006 in den Maintaler Streuobstwiesen unterwegs und bestimmen die dortigen Sorten. Sie haben wohlklingende und zugleich merkwürdige Namen wie Schafsnase, Rubinette, Adersleber, Hochstädter Bischofsmütze oder Roter Trierer. Ihre Form ist für den Laien meist rund oder oval, doch der Kenner entdeckt gewaltige Unterschiede. Da wird nicht nur die Form betrachtet, sondern auch Farbe, Größe, Stil, Kelch und natürlich die Blätter. Die Rede ist von den Äpfeln. Allerdings nicht von den südländischen aus dem Supermarkt, sondern von jenen der Streuobstwiesen in Maintal. Diese sind meist nicht so groß, oft auch nicht wirklich zum Essen geeignet, wie der Apfel aus dem Supermarkt. Dafür werden sie aber gerne zum Keltern verwendet.

Wenn Dr. Werner Schuricht die Streuobstwiesen Maintals von Baum zu Baum abwandert, besteht seine Aufgabe darin, die jeweiligen Obstsorten zu bestimmen. Dabei nimmt der Kenner nicht nur Apfelbäume, sondern auch Birnen-, Pflaumen-, Kirsch-, Speierling- und Walnußbäume unter die Lupe. „Wir schätzen das Alter der Bäume anhand von Stammumfang, Kronenhöhe und der Sorte. Außerdem achten wir auf den Pflegezustand”, so Schuricht. Natürlich ist gerade die Sorte der Bäume von großem Interesse. „Viele Früchte kennen wir bereits, besonders interessant wird es immer, wenn wir nicht wissen, worum es sich handelt”, erklärt der Pomologe.

Betrachtet werden Farbe, Größe, Form, Stil, Kelch und Blätter der Früchte. Die nicht bestimmbaren Obstbäume werden mit einem numerierten Alu-Plättchen markiert, danach werden zwei bis drei Fruchtproben mitgenommen. „Wir setzen uns dann später alle noch einmal zusammen, um gemeinsam die unbekannten Obstarten zu bestimmen”, so Schuricht. Protokolliert wurden gestern alle Daten vom freiwilligen Helfer Andreas Zeder vom OGV Kilianstädten.

Insgesamt untersuchen die Pomologen in den Maintaler Streuobstwiesen etwa 2000 Bäume. Gestern war Halbzeit angesagt. Von den bisher 1000 untersuchten Bäumen gibt es etwa 80, die markiert wurden. Sinn der Obstuntersuchung ist die Erhaltung einiger Sorten. Der Arbeitskreis Landschaftspflegeverband (LPV) Main-Kinzig vermutete so manche rare Apfelsorte in den Maintaler Streuobstwiesen und wurde bestätigt. Nicht nur die Hochstädter Bischofsmütze, sondern auch die Schafsnase wurden entdeckt. Systematisch wird nun die zahlen- und sortenmäßige Zusammensetzung des Obstbestandes erfaßt, darunter auch die bisher unentdeckten Schätze.

Dr. Dieter Fritz aus Bischofsheim sagte im Februar 2008: „Wir haben keine übertriebenen Erwartungen“. Es ist schon ein kleines Erfolgserlebnis, die Grundstückseigentümer von Streuobstwiesen für Pflege und Erhalt zu motivieren. Nostalgisch wird es, wenn beim jährlichen Streuobstwiesenfest die Besucher gemütlich am Schützenhäuschen in Hochstadt beisammensitzen, den Blick auf die Frankfurter Skyline genießen und sich mit leckeren apfeligen Produkten stärken. Schon in der Schilderung des beliebten Ereignisses kann Dieter Fritz seine Begeisterung nicht verbergen.

Nachhaltige Wirkung für den dauerhaften Erhalt der Streuobstwiesen verspricht sich der Arbeitskreis auch vom Tag des Obstbaums im November. Dank der finanziellen Unterstützung durch die Fraport und die Zoologische Gesellschaft können junge hochstämmige Obstbäume zu günstigen Konditionen abgegeben werden ‑ ein Anreiz nachzupflanzen und damit auch die genetische Vielfalt zu sichern.

Mit Stolz erzählt Fritz, daß eine Obstbaumkartierung das erfreuliche Ergebnis hervorbrachte, daß einige Sorten wie der Edelborsdorfer oder Lord Suffield, die längst als ausgestorben galten, in Hochstädter Erde wurzeln. Ihr Standort wird jedoch streng geheimgehalten. So mancher Grundstückseigentümer stand schon mit Tränen in den Augen vor seinen in fast kahlen Bäumchen, sind doch die Äste zur Veredelung begehrtes Raubwerk. So ein Bäumchen will jedoch auch gehegt und gepflegt werden. Erhält es keine Aufmerksamkeit, teilt es ein beinahe menschliches Schicksal und vergreist. Dabei hat es unter günstigen Bedingungen die Aussicht, gut und gerne 70 bis 80 Jahre in Saft und Kraft zu stehen.

Hinzu kommt, daß sich ohne regelmäßige Mahd der Wald zurückholt, was ihm einst mühsam abgerungen wurde. Der Unterwuchs verwildert, die Streuobstwiesen beginnen zu verbuschen. Nach 20 bis 30 Jahren erstreckt sich über die einstige Streuobstwiese dann wieder Mischwald. Eine praktikable Lösung sind biologische „Mähmaschinen“ wie Schafe. „Die Schafbeweidung ist allerdings problematisch“, weiß der Bischofsheimer aus Erfahrung. Weil der Schäfer mit seiner Herde recht zügig über die Wiesen zieht, knabbern die Vierbeiner lieber am zarten Grün und lassen die holzigen Triebe stehen.

Die Existenz insbesondere der Maintaler Streuobstwiesen ist außerdem durch einen weiteren noch nicht identifizierten Feind bedroht: Die Apfelbaumkrankheit. Trotz intensiver Nachforschungen konnte bisher noch keine Ursache ermittelt werden. Zudem wird nach dem Ausschlußprinzip ermittelt ‑ ein zeitraubendes Verfahren.

 Mit dem Projekt „Ich schenk dir meine Geschichte“ und Führungen durch die Streuobstwiesen erleben auch Kinder und Jugendliche unmittelbar die Faszination der Streuobstwiese und werden für den Schutz dieser Biotope sensibilisiert.

Wie bereichernd der Erhalt der Streuobstwiesen ist, wird schnell offenkundig, wem man den Erzählungen eines Freunds dieses Naturidylls lauscht. „Die Streuobstwiese ist einfach klasse. Sie übt einen ganz besonderen Reiz und Charme aus“, verhehl Fritz seine Begeisterung nicht. Die Streuobstwiese sei für ihn ein Stück Heimat, ein Stück Identität, schlage eine Brücke zu seinen bäuerlichen Wurzeln.

Ein verklärter Ausdruck schleicht sie auf sein Gesicht, als er erzählt, wie er früher mit dem Großvater zur Kirschenernte fuhr, die Körbe lustig am Fahrradlenker schlenkerten. Regelmäßig fährt er auch heute noch in dem Rad in die Streuobstwiesen und kümmert sich um seine etwa 140 hochstämmigen Obstbäume, um im Herbst mit Genuß in den sauren Apfel zu beißen.

 

In der Zeit von Mitte April bis Ende Juni 2008 findet in den Maintaler Streuobstwiesen eine wissenschaftliche Untersuchung statt. Wie Freia Klinkert-Reuschling vom Fachdienst Umwelt der Stadt Maintal berichtet, wird das gesamte Gebiet kartographisch erfaßt und zudem werden die Bäume nach ökologischen Kriterien beurteilt. Durchgeführt wird die Kartierung der Maintaler Streuobstwiesen vom Institut für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement der Justus-Liebig Universität Gießen. Bianka Zelle, Diplomandin des Instituts, sammelt bei dem gemeinsamen Projekt der Universität mit dem Maintaler Arbeitskreis Streuobst in den nächsten Wochen Material für ihre Diplomarbeit. Bei der Kartierung handelt es sich um die Folgekartierung einer Studie, die bereits 1996 in Maintal durchgeführt wurde. Es soll dabei dokumentiert werden, wie die Pflegemaßnahmen der vergangenen zehn Jahre sich auf die Baumbestände der Streuobstwiesen ausgewirkt haben. Die Kartierung findet auf den Flächen Bischofsheimer Hang, Apfelgrund, Weidenkaute und Distelberg statt.

 

Im November 2008 fand der „Erste Maintaler Apfelmarkt“ statt.  Im Hof der Familie Fritz in Alt Bischofsheim 19  konnten  nicht nur die beim Arbeitskreis Streuobst Maintal bestellten Obstbäume ab 9.30 Uhr abgeholt werden, gleichzeitig bieten Maintaler Streuobstwiesenbesitzer auch die verschiedensten, rein biologisch erzeugten Apfelsorten im Rahmen des „Ersten Maintaler Apfelmarktes“ zum Kauf an. Goldparmäne, Goldrenette von Blenheim, Freiherr von Berlepsch, Rote Sternrenette, Kaiser Wilhelm, Landsberger, Ingrid Marie und viele andere mehr - Sortennamen, die man bislang nur vom Hörensagen gekannt hat. Jetzt besteht die einmalige Gelegenheit, diese Köstlichkeiten auch sinnlich zu erfahren, zu probieren und natürlich auch käuflich zu erwerben. Wer mit den unbehandelten und ungespritzten wundervollen Apfelsorten aus den Streuobstwiesen rund um Maintal Gesundheit pur einkaufen, gleichzeitig zum Erhalt der heimischen Natur beitragen und außer Äpfeln vielleicht auch noch leckere Nüsse, reinen Imkerhonig und andere Apfelspezialitäten erwerben möchte, sollte sich den „Ersten Maintaler Apfelmarkt“ unbedingt ansehen.

Und der Besucherstrom wollte nicht abreißen. Alle Erwartungen wurden locker übertroffen. „Wir waren schon eine Stunde vor dem offiziellen Ende des Markts restlos ausverkauft, so daß mancher Kunde enttäuscht und mit leeren Tüten den Hof verlassen mußte“, beschreibt Horst Koch, AK-Mitglied, die Situation am Samstag zur Mittagszeit. „Der Markt hat eindrucksvoll den Wunsch der Menschen nach biologisch erzeugtem Obst aus der Region widergespiegelt und damit aufgezeigt, daß die Äpfel aus heimischen Streuobstwiesen eine hohe Genußqualität besitzen und zum Keltern vielfach zu schade sind“, so Dr. Dieter Fritz zum Tagesanzeiger.

„Goldparmäne vom Berger Hang oder von der Hochstädter Hartig statt Braeburn aus Neuseeland. Wir werden versuchen, den Apfelmarkt zu einer festen Einrichtung in Maintal zu entwickeln“, kündigt der Bischofsheimer an, „sofern es auch in den kommenden Jahren zu guten Ernten kommen wird.“ An ausreichend jungen und ertragsfähigen Obstbäumen werde es in den Streuobstwiesen aber nicht mangeln. Immerhin hat der Arbeitskreis allein am vergangenen Samstag - zeitgleich mit dem Apfelmarkt - über 170 junge, hochstämmige Obstbäume an Maintaler Streuobstwiesenbesitzer abgegeben.

 

Es ist im Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße in Bischofsheim schon zu einer schönen Tradition geworden, im Herbst gemeinsam mit den Kindern heimische Äpfel zu frischem Saft zu keltern. So auch im Jahr 2012: Aus Äpfeln, die die Mädchen und Jungen Tags zuvor in den Streuobstwiesen gesammelt hatten, stellten sie zusammen mit den Erzieherinnen in reiner Handarbeit frischen Apfelsaft    her..

Nachdem die Apfelpresse und die Wanne für die Äpfel aufgestellt und alles vorbereitet worden war, erklärte Scharping die einzelnen Arbeitsschritte und beantwortete die Fragen der Kinder. In einer Wanne wurden die Äpfel dann vor dem Pressen noch gewaschen. Anschließend warfen die Kinder die Früchte in den Trichter der Häckselmaschine. Damit das Zerkleinern etwas leichter ging, wurden die Äpfel vorher in kleine Stücke geschnitten und die Masse in die große Apfelpresse geschichtet. Jedes Kind durfte mit pressen. Als dann aus dem Ausguß der Saft floß, waren die Kleinen begeistert. Erstaunt betrachteten sie die ausgequetschte Masse, welche beim Saftpressen übrigblieb. Zum Abschluß gab es für jedes Kind einen Becher vom frisch gepreßten Apfelsaft. Der restliche Saft wurde zu leckerem Apfel-Zimt-Gelee weiter verarbeitet.

Das Keltern der Äpfel ist für kleine und große Menschen immer ein ganz besonderes Erlebnis, weil nach der mühevollen Arbeit beim Schütteln der Bäume, dem Lesen des Obsts, dem Transport, dem Waschen und Mahlen der Äpfel erst nach dem abschließenden Pressen der frische trübe Saft genossen werden kann. Und wieder einmal stellten alle fest: Der Geschmack ist mit gekauftem, konserviertem Saft nicht zu vergleichen! „Für die Kinder war es wieder ein sehr spannender Vormittag, an dem sie eine Vorstellung davon bekamen, wie aus Äpfeln Saft hergestellt wird“, berichtet Erzieherin Bianca Holzwarth.

Ziel des Projekts „Modellregion Integration - Vereine und neue Partnerschaften“ ist es, Menschen mit Migrationshintergrund den Zugang zu Vereinen und Verbänden zu erleichtern. Besonderes Augenmerk gilt hierbei den Kindern und den Einrichtungen im Stadtteil Bischofsheim. So waren Gruppen aus dem Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße auch schon im Frühjahr auf der Streuobstwiese aktiv, als es galt, einen so genannten „Totholzhaufen“ zum Schutz der kleinen Bewohner der Wiesen zu errichten.

Obwohl in Maintal die „Modellregion Integration“ im Dezember endet, wünschen sich die Kinder und Erwachsenen des Familienzentrums Schillerstraße, daß es auch zukünftig Möglichkeiten gibt, lehrreiche, naturnahe und spannende Projekte zu gestalten. Zuerst einmal sagen die Kinder und das gesamte Team vom Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße Martin Scharping „Dankeschön“ für die Unterstützung bei der Apfelsaftherstellung.

 

Bei den Kindern des „Regenbogenhauses“ des SC Budokan drehte sich im  November 2013  alles um das Thema „Apfel“. Zusammen mit den Betreuern haben sie bunte Äpfel gebastelt und mit frisch gebackenem Apfelkuchen für das leibliche Wohl gesorgt. Das große Highlight war für die „Regenbogenkids“ der Ausflug zum Lohrberg, an dem es eine Kelterei gibt. Dort haben sie im Einzelnen erfahren, wie sie ihren eigenen Saft herstellen können, durften das Ganze auch gleich ausprobieren, haben Äpfel zusammengesucht und ihren ersten Most gemacht. Für jeden gab es eine volle Flasche, die man sich nach Hause mitnehmen durfte. Mit einem großen Topf voller Schokolade, in den die Kinder selbst zusammengestellte Obstspieße tunkten, endeten schließlich die Herbstferien.

 

 

Arbeitskreis Streuobstwiesen Maintal

 

Gründung:

In den vergangenen Jahren hat der Landschaftspflegeverband Main‑Kinzig e.V. mit Unterstützung des Landes Hessen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an den Streuobstbeständen vorgenommen. Außerdem wurden in erheblichem Umfang Nachpflanzungen vorgenommen. Diesen Anschub auf dem Weg zur langfristigen Erhaltung und Entwicklung des für die gesamte Region bedeutsamen Streuobstwiesenbestandes aufgreifend hat sich im Juli 1997 auf Initiative der Stadt Maintal der „Arbeitskreis Streuobst“ gebildet.

Anfang Juli 1997 trafen sich Ver­treter von ortsansässigen Obst‑ und Gartenbauver­einen, Land­wirte, Naturschützer und Behörden, um Möglichkeiten einer langfristigen Sicherung und Nutzung der Maintaler Streuobstwiesen zu erörtern und die damit verbundenen Probleme zu diskutie­ren. Im Rahmen eines regen Meinungsaustausches war man sich darüber einig, daß die von der Stadt und dem Landschaftspflegeverband bisher er­brachten Leistungen eine wichtige Grundlage für die Erhaltung der Streuobstwiesen darstellt, daß dies langfristig jedoch nur durch eine nachhaltige Initiative beziehungsweise Nutzung der Streuobst­wiesengrundstücke gewährleistet werden kann.

Der Arbeitskreis besteht bislang aus Vertretern der Stadt Maintal,  des Landschaftpflegeverbandes Main‑Kinzig e. V., der örtlichen Landwirtschaft, der ortsansässigen Keltereien Höhl und Stier, der Obst‑ und Gartenbauvereine Hochstadt und Bischofsheim. der Imker, der Vogelschutzwarte Maintal, des LIONS‑Club Maintal und der Grundeigentümer. Die Bildung des Arbeitskreises ist jedoch keineswegs abgeschlossen. Es steht den Bürgerinnen und Bürgern offen, die sich für den Erhalt der Streuobstwiesen engagieren wollen und zu konstruktiver Mitarbeit bereit sind.

Der Maintaler Arbeitskreis Streuobst ist kreisweit nach Nidderau und Schlüchtern der dritte. Aufgabengebiet des Arbeitskreises sei unter anderem, darüber nachzudenken, wie man den Ap­fel als das wichtigste Produkt der Streuobstwiesen wieder besser in die regionalen Wirtschaftskreis­läufe einbinden kann.

Ziele:

Ziel des Arbeitskreises ist die Gewährleistung einer kontinuierlichen, beständigen und dauerhaften Pflege der Obstbäume und des Unterwuchses und damit der Erhalt der Streuobstwiesen in Maintal.

Dazu bedarf es

  • des regelmäßigen und fachgerechten Schnittes und weiterer Pflanzenschutzmaßnahmen
  • der Pflege des Unterwuchses durch termingerechte Beweidung oder Mahd
  • der Durchführung von Ernteaktionen im Herbst durch die Jugendfeuerwehr
  • des Schutzes vor Obstdiebstahl
  • neuer Vermarktungsstrategien, betreffend die Verwertung des heimischen Obstes
  • der Information der Bevölkerung über die ökologische und ökonomische Bedeutung der Streuobstwiesen für die Region.
  • Unsere umweltpädagogische Fachkraft begeistert auch die Kleinsten für den Lebensraum Streuobstwiese
  • Unsere Blüten- und Kräuterwanderungen öffnen den Blick für die Schönheit und den vergessenen Nutzen der Natur vor unserer Haustür
  • Unsere Schnitt- und Okulierkurse hauchen alten Bäumen neues Leben ein.
  • und unsere pomologischen Vorträge lehren, welche Obstsorten auf der eigenen Wiese stehen

Arbeitskreis klingt nach Arbeit und tatsächlich, wir packen an, wo es nötig ist. Der Lohn ist vielfältig: Wenn man sieht, wie die jungen Bäume Jahr für Jahr wachsen, die man an einem trüb-kalten Novembermorgen gepflanzt hat, wie alte Bäume nach fachmännischem Schnitt wieder erstarken, wie Wiese und Bäume leben, dann freut man sich das ganze Jahr über an der Streuobstwiese.

Zu den regelmäßigen Treffen sind alle eingeladen, die sich für den Erhalt dieser einzigartigen Landschaft einsetzen: Streuobstwiesenbesitzer, Landwirte, Schäfer, Imker, Pomologen, Vogelfreunde, Kräuterhexen, Fledermausfreunde, Naturliebhaber, Keltermeister, und, und, und ...Am alljährlichen Tag des Obstbaumes im November werden traditionell bewährte hochstämmige Obstsorten kostengünstig abgegeben

 

Private Nutzung:

Der langfristige Erhalt der Streuobstwiesen ist je­doch nur durch eine private Nutzung sichergestellt. In diesem Zusammenhang wurden von Seiten der Obst‑ und Gartenbauvereine sowie der Landwirte viele Probleme angesprochen, die derzeit die Nut­zung der Streuobstwiesen beeinträchtigen. Hierbei wurde insbesondere auf den teilweise in großem Umfang stattfindenden Obstdiebstahl hingewiesen, wobei nicht nur die Ernte den eigentlichen Eigentü­mern gestohlen wird, sondern darüber hinaus auch Bäume mutwillig zerstört werden.

Für den vollendeten Genuß sind Verunreinigungen jedoch zu vermeiden - etwa durch Hundekot. „Die Äpfel für das Stöffchen werden vom Boden gesammelt. Wenn dort Hundehaufen liegen, lassen sich die Rückstände nie gänzlich entfernen, und auch nach der Verrottung bleiben die Krankheitskeime im Boden“, appellieren Anika Hensel und Ralf Vandamme an das Verantwortungsbewußtsein der Hundebesitzer. Auch Stöckchen, die zum Spiel geworfen werden und in der Wiese verbleiben, können beim Mähen zu Schäden führen. Vom Baum sollten sie erst recht nicht abgebrochen werden, ebensowenig wie die Äpfel als Spielzeug dienen sollten.

Ein Ansatz, um die Nutzung des Obstes wieder interessant zu machen, besteht nach Auffassung al­ler Beteiligten in der Vermarktung des Obstes. Hier betreibt beispielsweise die Kelterei Stier aus Main­tal seit drei Jahren erfolgreich die Herstellung eines regionalen Produktes, des Maintaler Schlehenap­felweines. Dazu werden nur naturbelassene Äpfel aus Maintaler Streuobstwiesen verarbeitet. Die Anliefere erhalten einen höheren Preis für ihr Obst und ihre Bemühungen um die Landschaftspflege werden somit belohnt.

„Diese Maßnahmen der öffentlichen Hand können allerdings nur ein Anschub auf dem Weg zur langfristigen Erhaltung und Entwicklung des für die gesamte Re­gion bedeutsamen Streuobstwiesenbe­standes“, erklärt Arbeitskreis‑Sprecher Dieter Fritz im März 1998 die Aufgabenstellung. Erfor­derlich seien weitere Maßnahmen, die eine kontinuierliche, beständige und dauerhafte Pflege nicht nur der Obstbäume, sondern auch des Unterwuchses gewährleisteten.

Mit Gründung des Arbeitskreises Streuobst soll die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen, den Be­hörden und den privaten Eigentümern der Streu­obstwiesen zukünftig verbessert werden.

 

Was Sie tun können:

  • entdecken Sie den Lebens- und Erholungsraum Streuobstwiese!
  • genießen Sie das Obst und die daraus gewonnenen Produkte aus der Region
  • nutzen Sie unsere Schnitt- und Veredelungskurse
  • Sie besitzen selbst eine Streuobstwiese und können sich nicht um die Pflege kümmern? Sprechen Sie uns an - wir helfen Ihnen weiter!

 

Hätten Sie gedacht

…..daß hier das größte zusammenhängende Streuobstwiesengebiet Hessens liegt?

... daß hier um 1850 sage und schreibe 1.500 verschiedene Obstsorten kultiviert wurden?

... daß hier erst kürzlich seltene Fledermausarten entdeckt wurden?

Die Streuobstwiesen um Maintal sind tatsächlich ein naturräumliches Kleinod, wohl einzigartig in Hessen. Sie sind eingebettet in einen über 400 Hektar großen Streuobstgürtel , der auch das nördliche Frankfurt umschließt. Nicht nur die absolute Ausdehnung, auch die ökologische Qualität der Obstwiesen mit ihrer Vielzahl geschützter Pflanzen und Tiere ist herausragend.

Besondere Beachtung verdienen dabei die hohen Populationsdichten von Steinkauz und Gartenrotschwanz. Beide Vogelarten sind auch international als besonders schützenswert eingestuft. Nach jüngsten Erkenntnissen sind die Biotope aber auch äußerst bedeutsam für Fledermäuse wie die Bechstein-, Fransen-, und Zwergfledermaus sowie für den Großen Abendsegler.

Besondere Bedeutung als Kulturgut menschlichen Wirtschaftens erhalten die Streuobstwiesen durch ihre große Sortenvielfalt an Apfel-, Birnen- und anderen Obstsorten. Lange Erfahrungen und Zuchtarbeit führten zu regional angepaßten und auf die jeweiligen Bedürfnisse der bewirtschaftenden Menschen ausgerichteten Varietäten. Diese genetische Vielfalt spielt für die Bewahrung der wertvollen Lebensräume auch deshalb eine Rolle, weil für die Zukunft möglichst viele jener Sorten erhalten werden sollen, die sich auch ohne aufwendigen Chemieeinsatz gegen Witterungseinflüsse und Schädlinge durchsetzen können.

 

Veranstaltungen:

Der Information über weitere Maßnah­men zum Schutz und Erhalt der Streu­obstbestände dient auch die vorgesehene Busfahrt zur Rhöner Apfelmesse in Sei­ferts/Rhön am 23. Mai 1998. Zu dieser Fahrt sind alle interessierten Bürgerin­nen und Bürger eingeladen. Auf der Messe präsentieren sich unter an­derem zahlreiche Vermarktungsstände rund ums heimische Obst und Aussteller mit Zubehör für die Streuobstverarbei­tung. Die Messe verteilt sich im ganzen Dorf ‑ alle Scheunen öffnen ihre Tore für Aussteller ‑ die Straßen verwandeln sich in Erlebnispfade und Flaniermeilen, gesäumt von kulinarischen und handwerk­lichen Spezialitäten. Fachbehörden, der Pomologenverein (Obstbaukunde), der Naturschutzbund und die Rhöner Apfel­initiative bieten den Besuchern Beratung

Neben dem selbstverständlichen Rund­gang über die Messe werden für die Gruppe besondere Programmpunkte an­geboten. Von 10 bis 12 Uhr wird H. Zöll, Leiter des Rhöner Apfelbüros, fachkun­dig durch den Streuobstwiesen‑Lehrpfad führen. Außerdem besteht anschließend die Gelegenheit zum Besuch verschiede­ner Fachvorträge. Ein Vortrag beschäftigt sich mit dem „Lebensraum Streuobst“ ‑ und wird von dem NABU‑ Kreisverband Fulda verant­wortet. Ein weiter von der „AGRECO“ Witzenhausen zu haltender Vortrag be­handelt die „EU‑Bioverord­nung“, das „ARLL“ Fulda zeigt „Vorführungen in der Streuobstwiese“.

 

Am Samstag, 13. Februar 1999, führte der „Arbeitskreis Streuobst“ eine „Baumschnitt­aktion am eigenen Baum“ durch. „Das Unbehagen ‑ gar Angst ‑ vor dem ersten Mal ist wohl jedem be­kannt, der den Schritt von der Theorie des Obstbaumschnitts zur praktischen Anwendung gewagt hat beziehungsweise wagen will. Zwischenzeitlich gibt es eine Vielzahl von durchaus anschaulicher und guter Literatur über die Theorie des Obstbaumschnitts; es werden vielerorts Schnittkurse mit praktischen Vorfüh­rungen angeboten. „In der Regel sieht der Obstbaum im eigenen Garten oder auf der eigenen Wiese aber anders aus als die in den Büchern abgebildeten Bäume oder die Demonstrationsobjekte im Rah­men eines Schnittkurses“, erläutert hier­zu Dr. Dieter Fritz, Sprecher des Arbeits­kreises Streuobst.

Um Hemmungen bei der Umsetzung von theoretischem Wissen in tatsächliche Schnittmaßnahmen am eigenen Obst­baum zu begegnen, bietet der „Arbeits­kreis Streuobst“ allen interessierten Obstbaumbesitzern an, die eigenen Bäume selbst unter fachlicher Anleitung zu schneiden. Am Beratungstag, Treffpunkt ist um 9 Uhr vor dem Verwaltungsgebäude Klo­sterhofstraße in Hochstadt, stehen Kreis­baumwart Goldacker, Heinrich Koch vom Landschaftspflegeverband Gelnhau­sen, Klaus Griese vom Obst‑ und Garten­bauverein Bischofsheim und Horst Koch vom Obst‑ und Gartenbauverein Hoch­stadt zur Verfügung, um die Eigentümer beim Schnitt der eigenen Bäume zu bera­ten und zu unterstützen.

 

Damit die Äpfel nicht am Baum vergammeln oder von Unbefugten unsachgemäß abgerissen werden, bot der Maintaler Arbeitskreis Streuobst ab 1999 eine Ernteaktion durch die Jugend der Feuerwehr Bischofsheim an. Unter Aufsicht der Feuerwehrleitung und fachkundigen Mitgliedern des Arbeitskreises ernten die jungen Brandschützer das Obst und verkaufen es der Kelterei Stier, die daraus die beliebten Apfelweine aus „Maintaler Streuobstwiesen“ erstellt. Der Erlös geht an die Jugendfeuerwehr. Streuobstwiesen‑Besitzer, die ihre Äpfel auf diese Weise ernten lassen wollen, wen­den sich an die Stadt Maintal,

 

Da die in den vergangenen Jahren von der Stadt Maintal und dem Landschafts­pflegeverband durchgeführten kostenlo­sen Pflanzaktionen aus finanziellen Gründen nicht mehr weiter angeboten werden können, ist der Arbeitskreis Streuobst initiativ geworden. Im Rahmen der Aktion „Tag des Obstbaumes“ Mitte November 1999 gab der Arbeitskreis Streuobst in Maintal 66 hochstämmige Obstbäume nebst Stützpfahl, Drahthose und Anbin­deseil für nur 25 Mark an die Eigentü­mer von Streuobstwiesen in Maintal ab. Besonders begehrt waren die ‑ von den Bürgern vorab angemeldeten und ge­wünschten ‑ alten, heimischen Sorten wie „Winterram­bour“, „Goldparmäne“, „Roter Trierer Weinapfel“, „Bohnapfel“, „Kaiser Wilhelm“" und „Roter Boskop“.

Die Resonanz auf den diesjährigen erst­malig durchgeführten „Tag des Obstbau­mes“ macht den Sprecher des Arbeits­kreises, Dieter Fritz, für die Zukunft zu­versichtlich: „Die Akzeptanz für diese Pflanzaktion läßt hoffen, daß die Eigentümer von Streuobstwiesen trotz der fi­nanziellen Eigenbeteiligung sich auch in Zukunft um den Erhalt ihres Besitzes kümmern.“

Ermöglicht wurde diese Aktion durch die Unterstützung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt von 1858 ‑ Hilfe für die bedrohte Tierwelt (ZGF). ZGF‑Chef Dr. Christoph Schenck sieht die Notwendigkeit kontinuierlicher Ar­beit auf den Streuobstwiesen: „Wenn wir nicht weiter in den entstandenen Lücken neue Bäume nachpflanzen sind die Bio­tope langfristig nicht erhaltbar. Da gilt es, auch bei dem akuten Finanzmangel der öffentlichen Hand die Aktion auf­recht zu halten.“ Dank des außergewöhnlichen Engagements des Arbeitskreises und der Finanzspritze der ZGF und anderer Sponsoren geht das Projekt weiter.

 

Im Jahre 2000 startete der Arbeitskreis ein umweltpädagogisches Projekt für Maintaler Kindergärten. Unter dem Motto „Erlebniswanderung durch die Maintaler Streuobstwiesen“ tref­fen sich regelmäßig Kindergruppen aus verschiedenen Einrichtungen. Anika Hen­sel, Mitglied des Arbeitskreises Streuobst, gestaltet die Vormittage in freier Natur mit viel Phantasie und großer Begeiste­rung. „Als ein solches Projekt im Arbeits­kreis diskutiert wurde, hat mich die Idee spontan interessiert“, erklärt die Mutter von zwei Kindern. „Mein Konzept fördert vor allem das spielerische Erleben der Streuobstwiese mit allen fünf Sinnen“.

Den Kindern soll mit dem Projekt Freude am Spielen in freier Natur und Respekt vor Tieren und Pflanzen vermittelt werden. Der Bezug zur heimischen Umwelt ist in der Zeit von Fernsehen und Computerspie­len in vielen Familien nicht mehr selbst­verständlich. „Viele Kinder wissen gar nicht mehr, wie es ist, mit nackten Füßen durchs Gras zu laufen, mit geschlossenen Augen einen Vogel zwitschern zu hören oder Bäume, Blumen und Gräser zu berühren“, so Anika Hensel. Im Rahmen von ver­schiedenen jahreszeitlich oder thematisch orientierten Veranstaltungen stehen bei den gemeinsamen Vormittagen zum Bei­spiel ein Frühstück in freier Natur, ge­meinsame Spiele und spielerisches Ken­nenlernen der Umwelt auf dem Programm. „Die Kinder umarmen und begrü­ßen“ die verschiedenen Bäume und berich­ten über ihre Erlebnisse, sie spielen „Na­tur‑ Memory“ oder versuchen, mit ge­schlossenen Augen verschiedene Geräu­sche zu erkennen.

Auch die Kinder aus der Kita Eichendorff­straße in Dörnigheim unternahmen in der vergangenen Woche einen Streifzug durch die frühlingshaften Streuobstwiesen Die Kinder sind mit viel Freude bei der Sache. „Für viele ist es eine völlig neue Erfahrung, so direkt und unmittelbar mit der Natur in Berührung zu kommen“, so die Projektlei­terin. Auf besonderes Interesse stößt bei den Erlebniswanderungen immer wieder die Tier‑ und Insektenwelt: „Guck mal, ich habe einen Marienkäfer gefunden!“ berich­tete freudestrahlend eines der Kinder und zeigte seinen „Schatz“ stolz herum.

„Die Resonanz bei den Maintaler Kindergärten war sehr positiv, so daß das Projektgleich mit mehreren Gruppen gestartet ist“, berichtet auch Silke Meißner vom Fachdienst Stadtentwicklung und Umwelt der Maintaler Stadtverwaltung. „Fast alle Tagesstätten haben Interesse an dem Projekt geäußert oder sind schon direkt da beteiligt ‑ nächstes Jahr möchten wir unser Angebot auf die Grundschulen ausdehnen.“

Zur Zeit betreut Anika Hensel 12 Gruppen aus den Maintaler Kitas. Mit seinem Angebot möchte der Maintaler Arbeitskreis Streuobst gleichzeitig das Interesse Kinder an dem Biotop Streuobstwiese wecken und seine Öffentlichkeitsarbeit ausweiten. „Die Kinder die heute in den Streuobstwiesen spielen, werden vielleicht als Erwachsene eine Streuobstwiese bewirtschaften und auf diese Weise für viele Tiere und Pflanzen einen wertvollen Lebensraum schaffen“, so Anika Hensel.

 

Damit die Äpfel gleichwohl nicht am Baum vergammeln oder von Unbefugten unsachgemäß abgerissen werden, bietet der Maintaler Arbeitskreis Streuobst auch 2001 die Ernteaktion durch die Jugendfeuerwehren Bischofsheim und Hochstadt an. Unter der Aufsicht von Leitern der Jugendfeuerwehren und fachkundigen Mitgliedern des Arbeitskreises ernten die jungen

Brandschützer die Äpfel und liefern sie der Kelterei Stier, die daraus ihre bekannten Apfelweine aus „Maintaler Streuobstwiesen“ keltert. Der Erlös geht an die Jugendfeuerwehren. Alternativ hierzu bietet der Arbeitskreis eine „Apfelerntebörse“ an. Der Arbeitskreis wird „Erntefreiwillige“ und Obstbaumbesitzer vermitteln, die sodann untereinander die einzelnen Modalitäten der Obsternte (Preis, Zeit, Menge etc.) aushandeln können.

 

Aufgrund der großen Resonanz in den vergangenen beiden Jahren werden auch dieses Jahr am Tag des Obstbaumes, dem 09. November 2002, vom Maintaler Arbeitskreis Streuobst hochstämmige Obstbäume zu einem einmalig niedrigen Preis an Besitzer von Streuobstwiesen „abgegeben“. An diesem Tag können die Obstbäume, die im Streuobstwiesengürtel Maintals gepflanzt werden sollen, incl. Pfahl, Drahthose als Bißschutz und Kokosschnüren für nur 13 € je Baum erworben werden. Als Schutz gegen Wühlmäuse bieten wir einen Drahtkorb für 7,50 € an.

Zur Vorbereitung der Aktion werden die interessierten Obstbaumgärtner gebeten, bis 20. 09. 2002 unter Angabe der vollständigen Flurbezeichnung ihres Grundstückes die gewünschten Obstbäume bei der Stadt Maintal, Amt für Stadtentwicklung und Umwelt ‑ Tel. (06181) 400‑401 oder dem Sprecher des Arbeitskreises Dr. Fritz Tel. (06109) 6 55 43 zu bestellen. Besonders empfohlen werden die unten aufgelisteten alten heimischen Sorten. Der Arbeitskreis wird jedoch versuchen, auch anderen Sortenwünschen zu entsprechen. Am Tag des Obstbaumes werden auf dem Gelände der Familie Strohl in der Bischofsheimer Straße 9 ab 10.00 Uhr die Obstbäume gegen bar verkauft.

Es besteht dabei außerdem Gelegenheit, sich durch Mitarbeiter des Landschaftspflegeverbandes des Main‑Kinzig‑Kreises und Mitglieder des Arbeitskreises Streuobstes, rund um die Obstbäume beraten zu lassen. Wissenswertes über junge Hochstämme incl. Pflanztips gibt es in der gesonderten Veranstaltung des Arbeitskreises am Vorabend, den 8. November 2002, ab 20.00 Uhr. Näheres zum Veranstaltungsort wird noch bekanntgegeben. Jeder, dessen Herz für Obstbäume schlägt, sollte sich diesen Samstag, den 09. 11. 02 als Tag des Obstbaumes unbedingt vormerken.

 

Landschaftspflegeverband Main-Kinzig sorgt sich 2009 um die Zukunft der Streuobstflächen

Als im vergangenen Jahr der Arbeitskreis (AK) Streuobst-Maintal sein zehnjähriges Bestehen feierte, machte er bereits auf sich aufmerksam mit einer außergewöhnlichen Aktion: Ein Projekt, das generationsübergreifend regionale Identität stiftete, krönte den zehnten Geburtstag. Schüler interviewten ältere Maintaler Bürger zum Thema Streuobst und erstellten daraus das Buch „Schenk mir Deine Geschichte“.

 

Der Magistrat der Stadt Maintal hat 2010 den Bischofsheimer Dr. Dieter Fritz für seine Verdienste als Sprecher des Arbeitskreises Streuobst gewürdigt. 1997 gründete der 52-jährige Jurist die Initiative zum Erhalt und zur Pflege der Maintaler Streuobstwiesen mit und übernahm anschließend mehr als zehn Jahre lang das Amt des Sprechers. Ihm folgt nun der Bischofshei­mer Dr. Ralf Vandamme nach.

„Er war Ideengeber und Motor des Engagements für die Maintaler Streuobstwiesen, hat in dieser Zeit viel bewegt und Wertvolles geleistet“, hob Erster Stadtrat Ralf Sachtleber hervor, der Dr. Dieter Fritz bei einem Treffen persönlich für seinen großen ehrenamtlichen Einsatz dankte. Das Amt des Sprechers für den Arbeitskreis hat nun Dr. Ralf Vandamme übernommen. Dessen Stellvertreter sind künftig Anika Hensel und Oliver Eschmann.

Im Maintaler Arbeitskreis Streuobst sind alle willkommen, die sich für die einzigartige Kulturlandschaft Streuobstwiese interessieren und dazu beitragen möchten, diese zu schützen. Ob Streuobstwiesenbesitzer, Landwirte. Schäfer, Pomologen, Vogelfreunde, „Kräuterhexen“, Fledermausfreunde, Naturliebhaber, Hobby-Kelterer oder Neulinge auf dem Gebiet der Streuobstwiese: Bei den regelmäßigen Treffen wird informiert und „gefachsimpelt“, bei Obst- und Kräuterwanderungen geschaut und gestaunt, bei Schnitt- und Okulierkursen oder gemeinschaftlichen „Großeinsätzen“ auf der Obstwiese Bäumen neues Leben eingehaucht. Eine umweltpädagogische Fachkraft begeistert bei speziellen Angeboten für Kinder auch schon die

Kleinsten für die Schönheit des Leberraums Streuobstwiese.

Die zahlreichen Experten, die sich hier engagieren, bringen ein geballtes Fachwissen mit und geben dieses auch an Interessierte weiter. Zu den Treffen sind alle, die gerne mehr wissen oder ihre eigenen Ideen einbringen möchten, jederzeit eingeladen. Auch wer beispielsweise eine Streuobstwiese besitzt und sich nicht selbst um die Pflege kümmern kann, ist hier an der richtigen Adresse.

 

„Nutzung gegen Pflege“ lautet das Prinzip der „Baumbörse“, die der Arbeitskreis Streuobst im Jahr 2011 initiiert hat und weiterentwickeln möchte. Dabei wird der Kontakt zwischen Streuobstwiesenbesitzern und Menschen, die gerne die Pflege einer solchen Wiese übernehmen möchten, hergestellt. „Geld sollte nicht fließen. Vielmehr dient die geleistete Arbeit auf den Wiesen als Pacht“, erklärt Ralf Vandamme.

In Bergen-Enkheim läuft ein solches Projekt bereits erfolgreich - dank des engagierten Einsatzes von Jürgen Pietzner. „Die Vermittlung von Streuobstwiesen ist eine zeitaufwendige Angelegenheit. Schließlich soll ein vertrauensvoller Konsens zwischen Wiesenbesitzer und Pate gefunden werden. Persönliche Gespräche und umfassende Aufklärung sind dazu unerläßlich“, weiß Anika Hensel. Der Arbeitskreis wünscht sich daher weitere Mitstreiter, die sich dieser Aufgabe, auch stadtteilbezogen, annehmen würden. „Es gibt noch viele Wiesen, die dringend Hilfe brauchen“, sagt Anika Hensel.

Und auch Besitzer von Streuobstwiesen, welche die Pflege der Kulturlandschaft gerne in andere Hände geben möchten, werden gesucht. Ansprechpartnerin ist Freia Klinkert-Reuschling vom städtischen Fachdienst Stadtentwicklung und Umwelt, erreichbar unter der Telefonnummer (061 81) 400-401.  Sie unterstützt die Aktivitäten des Arbeitskreises. „Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend“, loben Hensel und Vandamme die vorbildliche Kooperation.

Die Belebung der Streuobstwiesenkultur kann aus Sicht der beiden Sprecher am besten über die Wertschätzung der Produkte gelingen. „Es sind Genußmittel, die auf unseren Wiesen wachsen“, betont Ralf Vandamme, und Anika Hensel spricht gar von „Schätzen, die es nirgendwo zu kaufen gibt“. Und das scheint sich rumzusprechen. „Obwohl wir wenig Werbung gemacht haben, waren wir bei unserem Apfelmarkt auf dem Gelände der Bischofsheimer Waldschule ausverkauft“, freut sich Anika Hensel über das Interesse an den heimischen Produkten. Auch  in seiner flüssigen Form erfreut sich der Apfel wachsender Beliebtheit. „Der Geschmack von selbst gekeltertem Apfelwein ist unvergleichlich. Hinzu kommt das Abenteuer im Keller. Und nicht zuletzt bedeutet die Apfelweinkultur auch Pflege der Geselligkeit“, unterstreicht Ralf Vandamme schmunzelnd.

 

Unterstützung monetärer Art wird derzeit für den Tag des Obstbaums 2011 gesucht. „Die Zoologische Gesellschaft mußte in diesem Jahr als langjähriger Sponsor aussteigen. Doch wenn wir die Bäume durch Zuschüsse für zehn anstatt aktuell für 24 Euro abgeben können, werden mehr gekauft“, haben die beiden Sprecher beobachtet - ein wichtiger Beitrag für den Erhalt der Wiesen. In diesem Jahr konnten durch den fehlenden Zuschuß erstmals nur rund 50 Bäume ausgegeben werden. Interessierte Sponsoren für den Tag des Obstbaums, die prominent beworben würden, können sich per E-Mail an Ralf Vandamme unter der Adresse dr.ralf.vandamme@gmx.de wenden.

 

Um den Apfel sowie Produkte aus den Streuobstwiesen dreht sich alles am Apfelmarkt, der vom Arbeitskreis (AK) Streuobst Maintal am Samstag, 3. November 20123 veranstaltet wird. Derzeit verteilt der Arbeitskreis fast überall in Bischofsheim sowie in Dörnigheim und Hochstadt Flyer, die über die Veranstaltung informieren. Zudem hängen in Bischofsheim zahlreiche Plakate, welche auf den Apfelmarkt hinweisen.

Ort des Geschehens sind am 3. November die Räume des Stadtteilzentrums Bischofsheim, Dörnigheimer Weg 25, sowie der Bürgerhaus-Parkplatz. Dort wird von 10 bis 14 Uhr in Zusammenarbeit mit dem landesweiten Projekt „Modellregion Integration“ der mittlerweile vierte Apfelmarkt stattfinden, an dem die Besucher mit Mitgliedern des AK Streuobst fachsimpeln, Bäume für die eigene Obstwiese erwerben oder Produkte aus der Streuobstwiese kaufen können.

Spätestens seit eine Gruppe aus dem Quartier „Rechts vom Kreuzstein“ in Bischofsheim unter der Leitung von AK-Mitglied Anika Hensel im Mai vergangenen Jahres eine Exkursion durch die Bischofsheimer Streuobstwiesen unternahm, ist dieses Thema im Stadtteilzentrum in aller Munde. Am Ende des Winters pflanzte die Gruppe sechs hochstämmige Obstbäume auf einer brachliegenden Streuobstwiese in der Hochstädter Straße, tatkräftige Unterstützung erfuhren die engagierten Bürger von den Bischofsheimer Landfrauen und dem Heimatmuseum Maintal.

So war es nicht verwunderlich, daß sich der Arbeitskreis Streuobst für den vierten Apfelmarkt an das Stadtteilzentrum wandte und um eine Kooperation bat. Ihre Teilnahme am vierten Apfelmarkt haben verschiedene Gruppen zugesagt: Mit dabei sein wird der Moschee­verein Dörnigheim, das Heimatmuseum Maintal wird historische Geräte zur Apfelweingewinnung mitbringen, die Frauen aus dem Stadtteilzentrum sowie die Bischofsheimer Landfrauen werden kulinarische Spezialitäten zum Thema „Apfel“ anbieten.

„Zudem wird es zahlreiche Stände geben, die Äpfel von den Streuobstwiesen, Saft sowie Honig verkaufen“, berichtet Holger Rohrbach vom AK Streuobst. Gisela Fliedner wird wieder Kunst und Marmeladen von den Streuobstwiesen andienen. Der Arbeitskreis bietet selbst zahlreiche Informationen zu den Themen „Streuobstwiese“, „Lokales Obst“, „Landschaftsschutz“ und „Tips zur Baumpflege“ an. „Das Ziel des AK ist, die Streuobstwiesen zu erhalten“, betont Holger Rohrbach.

Gleichzeitig findet am Apfelmarkt der Tag des Obstbaums statt, an dem Bürger, welche im Vorfeld Obstbäume bestellt haben, diese ab 10 Uhr bei der Obstbaumvergabe am Stadtteilzentrum abholen können. Weitere Informationen zum Apfelmarkt erteilt Holger Rohrbach vom AK Streuobst. Er ist erreichbar unter der Telefonnummer (0 6109) 50 7799.

 

Frischen Wind für das Bischofsheimer Entree und für die dortigen Streuobstwiesen wünschen sich der Arbeitskreis Streuobst Maintal und der städtische Fachdienst Stadtentwicklung und Umwelt. Nach der erfolgreichen Belebung des Streuobstgebiets „Weidenkaute“ in Hochstadt im Frühjahr sei nun bereits das zweite Projekt mit dem Konzept „Pflege gegen Nutzung“ in Planung, informierte im August 2013 Erster Stadtrat Ralf Sachtleber. Auf den Streuobstwiesen  „Am Junker/Im Erken“ am Bischofsheimer Ortseingang aus Richtung Hochstadt kommend sollen in Zukunft wieder hochstämmige Obstbäume ihre Früchte tragen, frische Kräuter wachsen und bunte Blumen blühen.

Das Gebiet, das der Arbeitskreis Streuobst und die Stadt Maintal auserkoren haben, liegt am östlichen Hang oberhalb des Seniorenwohnheims „Kleeblatt“ des Deutschen Roten Kreuzes. Die beiden Bischofsheimer Arbeitskreismitglieder Holger Rohrbach und Matthias Höpfel sind Kenner der Streuobstwiesen. Sie freuen sich nach eigenem Bekunden bereits, als „Streuobstlotsen“ ehrenamtlich für diese Wiesen tätig zu werden und die Grundstücksbesitzer mit den möglichen neuen Nutzern zusammenzubringen. Anika Hensel wird sie dabei mit ihrer Erfahrung rund um das „Weidenkauten“-Projekt tatkräftig unterstützen.

„Pflege gegen Nutzung" heißt, daß die Streuobstwiesen in Bischofsheim interessierten Naturfreunden in einem entsprechenden Vertrag unentgeltlich zur Nutzung überlassen werden. Diese verpflichten sich als Gegenleistung zur fachgerechten Pflege der Wiesen und Obstbäume. Eigentümer, die ihre Grundstücke nicht mehr selbst pflegen können oder wollen, treffen auf neue Pächter - oft junge Familien. „Diese Idee hat in den vergangenen Monaten bereits der Weidenkaute zu neuem Leben verholfen, und wir hoffen, daß das Konzept jetzt in Bischofsheim genausogut funktioniert“, so Freia Klinkert-Reuschling vom Fachdienst Stadtentwicklung und Umwelt.

„Das Schöne am Konzept ‚Pflege gegen Nutzung` ist, daß kein Geld fließt, sondern stattdessen eine große Menge Engagement für die Natur. Und auch wer noch kein entsprechendes Fachwissen hat, kann mit Unterstützung unserer Streuobstlotsen erfolgreich eine Wiese bewirtschaften und wird bei seiner neuen Aufgabe begleitet“, so Stadtrat Ralf Sachtleber.

In den kommenden Wochen wird der Arbeitskreis Streuobst Maintal alle Grundstückseigentümer im Gebiet „Am Junker/ Im Erken“ anschreiben und einen Fragebogen zu dem Projekt versenden, kündigte der Stadtrat an. Zur erfolgreichen Belebung fehlten derzeit jedoch noch einige Daten zu Grundstücken und deren Eigentümern.

Besitzer, die ihren Streuobstwiesen qualifizierte Pflege zugute kommen lassen möchten, können sich ebenso wie interessierte künftige Nutzer bei Streuobstlotse Holger Rohrbach melden. Er ist erreichbar unter der Telefonnummer (0 6109) 50 77 99 sowie per E-Mail an die folgende Adresse: holgerrohrbach@yahoo.de.

 

Der Arbeitskreis Streuobst Maintal lädt auch 2013 wieder zu einem „Tag des Obstbaums“ ein. Am Samstag, 9. November, werden hochstämmige Obstbäume zu einem günstigen Preis an Besitzer von Streuobstwiesen im Maintaler Streuobstgürtel abgegeben. Inklusive Pfahl, Drahthose als Bißschutz und Kokosschnüren können Apfel- und andere Obstbäume für je 20 Euro erworben werden. Als Schutz gegen Wühlmäuse wird darüber hinaus einen Drahtkorb für 7,50 Euro angeboten. Zur Vorbereitung der Aktion werden alle Interessierten gebeten, bis Dienstag. 15. Oktober, ihre Bestellung unter Angabe der vollständigen Flurbezeichnung ihres Grundstücks bei Horst Koch, Telefon (0 61 81) 43 12 05, oder bei Freia Klinkert-Reuschling, Telefon (0 61 81)40 04 01, vom Arbeitskreis Streuobst abzugeben.

Besonders empfohlen werden die in der Sortenliste unten aufgeführten alten heimischen Sorten. Bei der Zusammenstellung der Bäume ist darauf zu achten, daß frühes und spätes Tafelobst ebenso wie gute Pollenspender (zum Beispiel Goldparmäne), aber auch Kelterobst wie Trierer Weinapfel, Borsdorfer, Graue Renette oder Bohnapfel berücksichtigt werden. Wer das Besondere mag, sollte daran denken, den Roten Berlepsch nachzupflanzen. Seine geschmack­liche Vielfalt ist immer wieder ein Erlebnis. Da er jedoch alterniert (trägt nur in jedem zweiten Jahr reichlich), ist diese früher jedem Kind bekannte Sorte vielerorts in Vergessenheit geraten.

Ebenfalls zu Unrecht nahezu verschwunden ist Baumanns Renette. Seine leuchtend-tiefrote Farbe erfreut das Auge, sein festes, helles, säuerliches Fruchtfleisch weckt die Sinne und ist reich an Vitamin C. Der Baum trägt regelmäßig und reichlich. Die Frucht ist über Monate hinweg lagerfähig und sein Saft wertvoll für die Apfelweinbereitung.

Während in den vergangenen Jahren viel für den Bestand der Apfelbäume getan wurde, sieht es um andere Obstsorten sehr schlecht aus. Zwetschgen und Pflaumen, die in den 50er Jahren noch heiß begehrt waren für saftige Obstkuchen und Ladwerge, werden kaum noch nachgepflanzt, geschweige denn gepflegt. Mirabellen, ein edles Obst, sind fast verschwunden. Und welches Kind kennt heute noch Renekloden? Aber auch die für die Maintaler Streuobstwiesen typischen mächtigen Kirschbäume sind großflächig überaltert. Das Tückische an ihnen ist, daß Kirschbäume lange regelmäßig tragen und dann sehr schnell, innerhalb weniger Jahre, an Kraft verlieren und absterben.

Daher empfiehlt der Arbeitskreis dringend das rechtzeitige Nachpflanzen dieser kostbaren Frucht. Wer den Befall von „Würmern“ scheut, sich also an den Maden der Kirschfruchtfliege stört, sollte möglichst früh blühende Sorten wählen, wie etwa die Süßkirsche Burlat. Doch auch Sauerkirschen sind durchaus eine Überlegung wert. Zu beachten ist dabei, daß Süßkirschen je nach Qualität des Bodens sehr groß werden können, so daß ein Pflanzabstand von zwölf Metern zu empfehlen ist.

Am Tag des Obstbaums, am Samstag, 9. November, werden die bestellten Bäume zwischen 10 und 12 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Stadtteilzentrum Bischofsheim, Dörnigheimer Weg, gegen Bargeld verkauft. Es besteht dabei die Gelegenheit, sich durch Mitglieder des Arbeitskreises Streuobst hinsichtlich richtiger Pflanzung und richtigen Erziehungsschnitts beraten zu lassen.

 

 

Kelterei Stier

Die Kelterei Jörg Stier in der Stoltzestraße 3-7 ist die „zweitgrößte“ Kelterei in Maintal. Das große Anliegen des Keltermeisters Jörg Stier ist es, in dieser Stadt, wo in allen vier Stadtteilen jahrhundertelang Apfelweintradition gepflegt wurde, eine neue Kultur des Äppelwoi aufleben zu lassen.

Als einer der wenigen seiner Zunft keltert Jörg Stier das „Stöffche“ auf traditionelle Art und veredelt es nach alten handwerklichen Verfahren. Ziel ist es, Qualität durch individuelles, traditionelles Handwerk zu erzielen. Hierbei sind der Verzicht auf Konzentrate und alle „Aufbesserungen“ die Grundlage der Apfelweinbereitung. Denn nur aus frischem selbstgekeltertem Obst dieser Region darf der Saft für die Apfelweinspezialitäten kommen.

Die Kunden des Familienunternehmens wissen, was sie kriegen - und zwar vor Ort da, wo man es riecht. Die Leute, meist Privatpersonen, kommen persönlich, um ihr Lebenselixier im Kanister abzuholen. Oft gruppiert sich am frühen Abend eine Runde treuer Kunden rund um das mächtige Holzfaß in der Probierstube. Der gutgelaunte Kellermeister unterhält seine Kunden mit Episoden aus der Apfelweinwelt.

Mit Jörg Stier hat die Stadt Maintal einen Kooperationspartner gefunden, der bereit ist, einen Beitrag zum Erhalt der Wiesen zu leisten. Nicht zuletzt deshalb, weil das hochwertige Obst aus den Streuobstbeständen für die Keltereien wertvoller Rohstoff ist, weil die in Maintal geernteten Äpfel sehr frisch zur Kelterei kommen.

Pro Doppelzentner zahlte Stier in den neunziger Jahren etwa vier Mark mehr als üblich, also 30 bis 32 Mark für 100 Kilo Äpfel. Die Obstpflücker können ihre Ernte aus steuerlichen Gründen nur gegen Getränkegutscheine einzutauschen. Pro Doppelzentner gibt es einen Gutschein über 32 Liter Schlehenapfelwein, wobei der Warenwert für diese Menge bei 70 bis 80 Mark liegt. Das Tauschgeschäft ist also auch heute noch zeitgemäß, und kein Relikt aus dem Mittelalter! Die Kelterei Stier garantiert dabei, daß die Ernte von den Maintaler Streuobstwiesen getrennt von Äpfeln aus anderen Gebieten verarbeitet wird. Ab Herbst 1995 wurden extra Anlieferungstage für Maintaler Äpfel eingerichtet.

Grundlage für handwerklich hergestellten Apfelwein sind heimische Äpfel, vorzugsweise aus den um die jeweilige Kelterei gelegenen Streuobstwiesen. Damit Aroma und Geschmack der Früchte erhalten bleiben, erfolgt eine schonende, naturbelassene Verarbeitung. Die Verwendung regionaltypischer Kelterfrüchte wie Speierling. Mispel, Mostbirne, Renette und all die anderen mehr, wird unterstützt und am Apfelwein kenntlich gemacht.

Auch die weitere Verarbeitung geschieht ausschließlich in der jeweiligen Kelterei. Grundsatz ist, daß durch individuelles Handwerk die Natur begleitet wird. Im Ergebnis zeigen sich Apfelweine mit regional-typischen Geschmacksrichtungen, einer nachvollziehbaren jahreszeitlichen Entwicklung sowie jahrgangstypischem Charakter. Ziel der Kelterarbeit ist die Erzeugung qualitativ hochwertiger Apfelweine und gegebenenfalls deren weitere Veredelung. Der Vertrieb erfolge überwiegend in der eigenen Region und ganz ausschließlich in Mehrweggebinden.

Da die Kelterei für die Herstellung ihres Maintaler Schlehenapfelweines nur Maintaler Obst verwendet und einen deutlich höheren Preis als alle umliegenden Keltereien an die Anlieferer bezahlt, werden die Besitzer der Streuobstwiesen zur Pflege und Ernte angeregt. In den Maintaler Streuobstwiesen stehen zum Teil Apfelsorten, die inzwischen nicht mehr gepflanzt werden oder sehr selten geworden sind. Es handelt sich um hochwertiges Obst, das hier in vielfältigen Geschmacksrichtungen dünger- und pestizidfrei reift.

 

Langfristig sollen die Besitzer von Streuobstwiesen über dieses sogenannte „Aufpreismodell“ über zeugt werden, daß es sich lohnt, ihre Streuobstanlagen zu pflegen. Auf den 100 Hektar Maintaler Streuobstwiesen können je nach Witterung pro Jahr rund 240 Tonnen Äpfel geerntet werden, die Stier für 32 bis 43 Mark pro Doppelzentner aufkauft.

An der Verarbeitungsmenge ändert Jörg Stier nichts. Insgesamt keltert er rund 200.000 Liter pro Jahr, davon    rund 10.000 Liter Schlehenapfelwein. „Mehr gibt es nicht“, legt der Keltermeister kategorisch fest. Der Grund: „Ich will den ganzen Prozeß auch weiterhin selbst begleiten.“ Anstatt die Menge zu erhöhen, will er lieber immer weiter an Qualität und Vielfalt seiner Produkte feilen. Er versteht sich als „Kleinstkelterer“. „Ich werde auch nicht mehr herstellen, weil ich mit jedem Liter zufrieden sein will“, sagt der Maintaler.

Keinesfalls könne es darum gehen, den stromlinienförmigen Schoppen zu schaffen. Die von Stier gebotenen Weine sollen lediglich ein Beispiel geben, wie durch rein handwerkliche Begleitung aus ein und demselben Grundstoff eine berauschende Vielfalt der unterschiedlichsten Produkte entstehen kann. „Stehen Sie zu ihrem individuellen Schoppen, der auch jedes Jahr anders schmecken darf, ja muß, weil die Äpfel schließlich jedes Jahr anders sind. Der immer gleichgestimmte Stoff, der in der Schraubverschlußflasche auch schon mal ein Jahr oder mehr unbeschadet im Supermarktregal bestehen kann, ist sicher nicht alles, was unter Apfelweinkultur verstanden werden sollte - das ist eben tatsächlich nur „Äppler“.

Stier setzt auf Qualität. Apfelwein oder Schaumwein ist für ihn kein bloßes Getränk. Erst recht keines, das man mit Schraubverschluß im Supermarkt kauft. So wie Coca- Cola. „Alles schmeckt gleich“ scheint er von dieser Vorstellung geradezu entsetzt. Selbst der „Sauergespritzte“ erregt sein Mißfallen. „Äppelwoi trinkt man pur“, sagt er. Bei Stier wird Apfelwein außer über die Kelterei nur über die Wochenmärkte und über den Hotel- und Gaststättenverband im Zusammenhang mit der Aktion „Hessen à la Carte“ vermarktet.

Seit 1979 keltert Jörg Stier bereits in der elterlichen Kelterei. Seitdem versucht er mit beachtlichem Erfolg, das Kelterhandwerk früherer Tage mit den Erwartungen der heutigen Zeit zu verbinden. Dabei verarbeitet die Kelterei Stier aus Qualitätsgründen nur Äpfel aus der Region. Seine Apfelsäfte, Apfel‑ und Apfelschaumweine gehen an die regionale Gastronomie und Hotels. Aber auch Privatleute kommen gerne in Jörg Stiers Geschäft. „Das ist wirklich mein Leben“, sagt er.

 

Klein, aber fein ist die Devise von Jörg Stier. Für ihn ist der Apfelwein ein Produkt aus Äpfeln aus der Region und traditionellem Handwerk. Wobei ein beträchtlicher Teil der Frucht tatsächlich aus der direkten Nachbarschaft stammt, von den Maintaler Streuobstwiesen. Stier kauft die Äpfel aus dem Landschaftsschutzgürtel rund um Bergen‑Enkheim und Maintal‑ Hochstadt den Besitzern und Bauern für einen Preis ab, der über dem marktüblichen liegt. Seit Jahren schon in einem örtlichen „Arbeitskreis Streuobst“ engagiert, trägt der Kelterer so zum Erhalt des wertvollen Ökosystems bei.

30 Prozent der jährlich rund 200.000 Liter Apfelweine und Apfelschaumweine, die der Bischofsheimer herstellt, sind gepreßt aus den Äpfeln der Maintaler Wiesen. Der Rest der Früchte stammt von Bäumen aus Büdingen bis Würzburg. Aus den 40 bis 50 Tonnen Äpfeln stellt Stier 30 verschiedene Stöffche‑, Cidre‑, Saft‑ und Schaumweinarten her:    Quitten‑ Apfelwein, Speierling, dem Hausschoppen, je nach Jahreszeit dem Nikolaus Schoppen oder dem Trierer Weinapfel‑Schoppen? Bei den Schaumweinen ist die Auswahl fast ebenso groß und reicht von Gold über Rosé bis zum Advents‑ oder Weihnachtscuvée.

Weil dem Maintaler nicht nur die Apfelwein‑Herstellung und die hessische Küche am Herzen hegen und er zudem weiß, wie schwer die Existenzsicherung für Kleinbetriebe ist, präsentiert er in seiner Kelterei auch die „Waren rund um den Apfel“, die andere aus der Region verkaufen. Zu einem Schluck Schoppen können Kunden Apfelchips knabbern, Apfelessig probieren, Apfelschaumwein‑Trüffel goutieren oder zu Weihnachten beim Apfelsaft‑Stollen schwach werden. Hinzu kommt Honig aus den Maintaler Streuobstwiesen oder Apfelgelee und Äpfel-Preßwurst für das Morgenbrötchen ‑ wenn gewünscht in hübsche Präsentkisten verpackt.

Eine Vielfalt, die, wie Stier glaubt, die wenigsten vermuten. „Viele kennen Apfelwein und all diese Produkte doch nur als identisches Lebensmittel aus dem Supermarkt, das immer gleich schmeckt.“ Ein Fakt, mit dem sich seine Fans nicht abfinden ‑ selbst, wenn sie längst nicht mehr in hessischen Gefilden wohnen. Der Postweg wird dann zur Nabelschnur, die Kelterer und Kunde miteinander verbindet. Regelmäßig schickt der Maintaler Lieferungen nach München. „Es waren sogar schon Pakete nach Spanien und Australien darunter“, sagt er und guckt dabei so, als sei alles andere ihm geradezu unerklärlich. Gemäß einem vielleicht sehr frei abgewandelten Churchill‑Zitat, wonach ein Tag ohne Schoppen ein verlorener Tag ist.

 

 

Sorten:

Jörg Stier füllt mehr als 30 Apfelweinsorten in seiner Kelterei in Maintal-Bischofsheim ab:

„Hausschoppen“: Schoppen frisch vom Keller. Er ist einzig auf der apfeleigenen Apeculatushefe gereift und wird direkt vom Faß in Behälter gefüllt. Er schmeckt fruchtig und bei neun bis zehn Grad am besten. Wird er zu kalt serviert, verliert er sein Aroma. So geht auch der Absatz von Apfelwein im Winter zurück. Zu dieser Jahreszeit schmeckt er jedoch auch heiß sehr gut. Der „klassische Apfelwein mit Frankfurter Ton“ hält genau das, was er verspricht: Das naturtrübe Getränk wird „wild“ gegärt ohne Zusätze und legt sich „hinten auf den Gaumen“. Es ist aber eine in der Branche „unbeliebte Art“, weil Apfelwein industriell anders hergestellt wird.

Speierling: Die Bezeichnung „Speierling“ wird oft als „Phantasiename“ mißbraucht: Nicht überall, wo Speierling draufsteht, ist auch Speierling drin. Erst wenn man ihn eine Weile auf der Zunge läßt, bevor man ihn schluckt, „wächst und blüht“ er und hat einen „ganz trockenen Abklang“. Hat er den, ist er echt, „der Rest ist nachgemacht“, erklärt Stier. Der Zusatz von zwei Prozent Speierlingsaft ist nicht gerade billig. Der Saft wird vor dem Kelterprozeß hinzugefügt, bis zu diesem Zeitpunkt darf er noch nicht gegoren sein. Um dies zu verhindern, wird er zuvor kalt geklärt. Es gibt bei Stier: „Echten Speierling“, nur aus Äpfeln der Maintaler Streuobstwiesen, der sich durch seine Klarheit und kräftige Farbe auszeichnet, „Original Speierling“,

            „Bischemer Speierling“ und „Stier Apfelwein“.

„Lagenapfelwein“, nur aus Äpfeln der Maintaler Streuobstwiesen hergestellt: Schon früh entdeckte man verschiedene Früchte, die den Apfelwein länger haltbar machten: Speierling, Elsbeere, Mispel, Quitte und Schlehe, die viel Säure enthalten und zudem noch für die Klarheit des Weines sorgen. Die Zugaben produzieren jenen kräftigen Geschmack, der dem Speierling das Attribut „Durstlöscher“ verleiht - und zwar deshalb, weil sich die Gerbsäure auf die Zunge legt und nicht unangenehmerweise in die empfindliche Magenregion abwandert. Es entsteht ein klarer Schoppen mit intensiver Farbe, vollmundigem Geschmack und einem leicht trocken Abgang. Dieser Speierling „mit dem Spezialton“ darf nur nach dem Essen („zur Verdauung“) eingenommen werden.

Der Wein reift in der Flasche, die ein außergewöhnliches Design hat, und wird als eine Art „Primeur“ angeboten, denn er ist nur im Frühjahr und im Frühsommer erhältlich. Er ist auch nur von begrenzter Haltbarkeit. Auf den Flaschen wird Jahrgang, Lagebezeichnung und der jahrgangsbezogene Alkoholgehalt verzeichnet.                        Das Produkt reift in der Flasche und ist naturbelassen, so daß sich der Geschmack verändert und vom jeweiligen Jahrgang abhängig ist. Es handelt sich also um einen wirklichen Edelapfelwein, er ist nicht standardisiert, sondern naturbelassen, das heißt, der Geschmack verändert sich mit dem Alter und hängt vom jeweiligen Jahrgang ab.

Schlehenapfelwein: Im Volksglauben glaubte man, daß man gegen Geisteskrankheiten immun sei, wenn man die ersten drei im Jahr erscheinenden Blüten verzehrt. Dem Schlehenapfelwein werden Schwarzdornbeeren zugemischt, die nur vor dem Frost geerntet worden (danach sind sie zu süß). Sie sorgen für eine spezielle fruchtige Note im Geschmack, nicht so herb wie beim Speierling, sondern vollmundig und rund. Die Gerbstoffe geben dem Schlehen-Apfelwein einen frischen, lebendigen Ton auf der Zunge, im Nachhall wirkt dieser Apfelwein sehr leicht. Schlehen-Apfelwein hat meist noch eine leichte Trübung und eine nicht sehr intensive Farbe und wird seit Herbst 1994 bei Stier herstellt und seit 1995 verkauft.

Mispelapfelwein: Die ursprünglich in Persien beheimatete Mispel wurde wegen ihrer Süße bei angenehmer Säure zur Herstellung von Trauben, Birnen- und vor allem Apfelweinen gerne genutzt. Der Mispel-Apfelwein zeichnet sich durch eine kräftige Farbe sowie einen kräftig harmonischen Geschmack bei nussigem Nachhall aus.

Ebereschenapfelwein: Die Eberesche war bei den Germanen dem Gewittergott geweiht und galt als Symbol der Wuchsfreude, Kraft und Widerstandsfähigkeit. Auch gab es den Brauch, das Vieh zur Walpurgisnacht mit Ebereschenzweigen auszupeitschen, weil dieses Ritual angeblich die Milchleistung erhöhte. Die Zugabe zum Apfelwein erfolgt als ganze Frucht in den gärenden Wein, allerdings beträgt der Anteil weniger als ein Promille. Das gibt einen Schoppen von meist heller Farbe und je nach Jahreszeit von intensiver bis leichter Trübung. Ein fruchtsäuerlicher Geschmack bei charakteristischem „Nachhall“, der besonders als „Neuer Heller“ (Nikolausschoppen) ab Anfang Dezember beliebt ist.

Quittenapfelwein: Der Quitten-Apfelwein zeigt meist noch eine leichte Trübung, durch sein feines und doch eigenes Aroma, bei kräftiger, von der Quitte geprägter Farbe, eignet er sich vor allem als Schoppen zur traditionellen hessischen Küche.

Elsbeerenapfelwein.

 

Apfelweine nach baskischer und bretonischer Art.

Die französische Variante des Apfelweins ist der „Cidre“. So heißt der Apfelwein im Nordwesten Frankreichs. Schon im 16. Jahrhundert hatte der Cidre das damals noch ungehopfte Bier und den aus klimatischen Gründen ungenießbaren Wein der Region völlig verdrängt - Cidre wurde zu dem typischen Hausgetränk der Bretonen und Normannen.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich in Frankreichs Nordwesten eine ganz eigene Keltermethode entwickelt, die weder mit der baskischen noch der hessischen Apfelweinherstellung vergleichbar ist, auch wenn die französischen Mostobstbäume ihren botanischen Ursprung in Nordspanien    haben.

Denn die Bretonen und Normannen wollen durch das häufige    Herunternehmen    von    der    Hefe soviel Fruchtzucker und Gärkohlensäure im Cidre erhalten wie möglich. Durch dieses Handwerk ist der Cidre natürlich auch leichter und eleganter als ein Sidra oder unser hessischer Schoppen. Den Cidre gibt es trocken im Weißweinglas serviert.

„Cidre trocken“ ist der Cidre nach Bischemer Art: Nach französischem Vorbild

gekeltert, aber doch mit fruchtig-hessischem Charakter. Bei einer Trinktemperatur von 8 - 9 Grad C überzeugen harmonischer Geschmack und elegantes Aroma nicht nur Apfelweinkenner. Und bei 5% Vol. Alkohol eignet sich Cidre trocken natürlich als leichter Wein, aber auch gerade zur guten Küche.

Cidre „Le Bol“ ist der in bretonischer Art gekelterte demi-sec Cidre. Etwa 4,5% Alkohol und eine ausgewogene Restsüße und Kohlensäure geben ihm die erfrischende Fruchtigkeit, die ihn als Getränk auch zum Nachtisch empfiehlt. Als Trinkgefäß eignet sich natürlich am besten die bretonische Cidre-Tasse: die „bol“. Denn erst die typische Keramiktasse gibt dem Cidre den Hauch französischer Lebensfreude, der ihn immer zum originellen Genuß werden läßt.

Sidra Zezena: Die Spanier haben ebenfalls ihre eigene Sorte, den Sidra. Als Sidra Zezena (das heißt „Stier“ auf spanisch) wird er auch bei Stier angeboten. Die Spanier pressen die Äpfel wie ihre Oliven. Der Wein reift aber nicht im Tank aus, sondern die Spanier lassen ihn direkt vom Gärtank in die Flasche laufen. Nach einem Jahr dann schmeckt der mit Kohlensäure und Hefe angereicherte „Sidra“ wie Feuer und Erde, ein idealer Kontrapunkt zu fettreichern Essen. Getrunken im Sidra-Glas entwickelt der Sidra Zezena sein intensiv fruchtiges Aroma und seinen kräftig-frischen Geschmack am besten.

Jahrgangsapfelschaumweine in traditioneller Flaschengärung:

Lange bevor in Deutschland überhaupt eine Firma Traubensekt herstellte, wurde 1820 von einem findigen Schlesier namens Carl Samuel Hausler (oder Häusler) in Hirschberg nach der klassischen Champagner-Methode der erste Apfel-Moussex hergestellt. Um die Jahrhundertwende dann von den damaligen Frankfurter Großkeltereien mit Erfolg betrieben. Ein Werbeplakat aus den zwanziger Jahren beweist, daß Schaumwein aus Äpfeln hergestellt wurde: „Apfelwein-Champagner. Erste Frankfurter Aepfelwein Kelterei Gebrüder Freyeisen, Frankfurt a. M.-Sachsenhausen“.   

Damals durfte man noch „Champagner“ sagen, heute ist das den deutschen Herstellern untersagt. Die Sektkelterei G. A. Löffler in Sprendlingen vertrieb den „German Champagne Cider“ sogar in Amerika. Bei der Kelterei Cornel in Bornheim hieß die Hausmarke Schäumer.

Wie auch die Kelterei Höhl in Hochstadt gaben aber immer mehr Firmen die Herstellung des Apfelschaumweines auf. In der Zeit nach dem Krieg wurde der Apfelschaumwein heruntergewirtschaftet. Um    1969/70 wurde die Produktion weitgehend eingestellt. Der Apfelchampagner war erst einmal von der Bildfläche verschwunden. In den letzten Jahren erlebt er eine kleine Wiedergeburt.

Jedoch stellen die großen Firmen den Champagner nur mit Hilfe einer modernen Technologie her. Wie zu hören ist, versuchen sich auch die Großen der Branche in Hochstadt und Rödelheim immer noch an einer geeigneten - industriellen - Schaumweinherstellung (so sagt es Herr Stier, Herr Possmann aber weist diese Behauptung zurück).

Doch heute ist es die Kelterei Stier die einzige in Europa, die sich der vollendeten klassischen Handwerks-Methode Champenoise bedient und zwar ohne erlaubte Aufbesserungsmittel. Im eigenen Keller fand der Jörg Stier den idealen Ort um zu experimentieren. Aus ersten zaghaften Versuchen in alten Wasserflaschen (die auch hin und wieder mal explodierten) zauberte der Jungunternehmer in wenigen Jahren Apfeledelgetränke hervor, die auch Champagnerfans verkosten. Seit 1986 hat er die Produktion wieder aufgenommen.

Das Verfahren ist nicht mit der Methode zu vergleichen, mit der 98% des deutschen Sektes hergestellt wird. Beim „Tankgärverfahren“ reift der Schaumwein in großen Drucktanks, wird anschließend filtriert und auf Flaschen gefüllt. In den fünfziger Jahren wurde dann ein Verfahren entwickelt, durch das die Vorteile der Flaschengärung (Qualität) mit denen der Gärung im Tank (geringe Kosten) verknüpft werden sollten. Zwar gärt wie beim traditionellen Verfahren der werdende Sekt in der Flasche, wird dann aber in Drucktanks umgefüllt (transvasiert), blank gefiltert und wieder auf neue Flaschen abgefüllt. Sekthersteller, die dieses „Travasierverfahren“ nutzen, dürfen jedoch den Begriff    „Flaschengärung“ verwenden, denn in der Flasche ist deren Sekt ja zweifellos vergoren.

Bei der originalen „Methode Champenoise“ aber kommt es darauf an, daß das Getränk den Kunden in derselben Flasche erreicht, in der er auch vergoren wurde. Diese Methode wurde    bereits zwischen 1668 und 1715 in der Abtei von Hautvillers in der Champagne von Dom Perignon  entwickelt und von Veuve Clicquot verfeinert. Sie beansprucht eine Menge Zeit und fordert auch zuletzt eine gehörige Portion Idealismus.

Nach einer ersten Gärung ist ja die Kohlensäure, die neben dem Alkohol durch einen biochemischen Prozeß des Vergärens von Zucker und Hefe entsteht, restlos entwichen. Um sie wieder hineinzukriegen, wird sie durch eine zweite Gärung gewonnen. Eine Gärdosage aus Zucker und Champagnerhefen wird in die Flaschen gefüllt. Nach dem Zusatz der Gärdosage werden die Flaschen mit Kronkorken verschlossen und in mehreren Reihen als Gärstapel übereinander geschichtet. Da die Flaschen verschlossen sind, kann bei dieser zweiten Gärung die Kohlensäure nicht mehr entweichen und verbindet sich mit dem Getränk. Sobald die Flaschen nach sechs bis sieben Monaten ausgegoren sind, also der Zucker restlos in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt ist, werden die Flaschen aufgerüttelt und auf Lagerstapel gelegt.

Die Hefe allerdings darf nicht in dem edlen Getränk bleiben. Um sie ohne große Verluste los zu werden, werden die Flaschen drei Wochen lang täglich geschüttelt, es bildet sich ein feiner Hefestrich. Dreht man die Flasche bei jedem Schütteln leicht, wandert die Hefe schließlich zum Kronkorken hin.

Dann erfolgt der handwerklich schwierigste Teil des traditionellen Champagner- Verfahrens - das Enthefen (Degorgieren). Denn die Hefe, die sich nach der Gärung in der Flasche abgesetzt hat und durch das Abrütteln auf den Kronkorken vorgerutscht ist, muß nun aus der Flasche (und es darf ja von dem kostbaren Getränk nichts verloren gehen).

Um dies zu erreichen, werden die Flaschen kopfüber etwa fünf Zentimeter in eine minus 25 Grad C kalte Gefrierlösung getaucht. Dadurch vereisen die Flaschenhälse mitsamt der Hefe. Der gefrorene Hefesatz sitzt jetzt auf dem Kronkorken fest. Nun können die Flaschen aufgerichtet werden. Der Kronkorken wird dann mit einem speziellen Degorgierhaken abgerissen.

Durch den hohen Druck der Flasche (6 bar, mehr also als in jedem Autoreifen) wird der gefrorene Hefesatz herausgeschleudert. Nun muß die Flasche zum rechten Zeitpunkt wieder aufgestellt werden. Geschieht dies zu früh, bleibt Hefe in der Flasche und der Schaumwein wird dadurch wieder trüb. Wird die Flasche zu spät umgedreht, sprudelt zu viel von dem wertvollen Schaumwein heraus.

Damit sich der Schaumwein wieder beruhigt, werden die Flaschen unverschlossen auf einen Tisch gestellt. Bevor die Flaschen das letzte Mal wieder verschlossen werden, müssen sie mit einer „Versanddosage“ aufgefüllt werden. Dies ist ein Gemisch von Zucker und Wein, in diesem Fall natürlich Apfelwein, aus dem der Schaumwein vergoren wurde. In der Champagne werden Schaumweine, die ohne Zucker in der Versanddosage aufgefüllt werden, mit dem Zusatz „Brut-non dosage“ kenntlich gemacht.

Nach dem letzten Auffüllen verschließt man die Flaschen nun endgültig mit Naturkorken und verdrahtet diese. Der schäumende Apfelwein muß nun noch etwa zwei Wochen ruhen, um dann etikettiert werden zu können. Anschließend, nachdem jede Flasche mindestens 40 mal in die Hand genommen wurde, steht sie Anfang Dezember für den Verkauf zur Verfügung. Das Ergebnis ist bei nur 7,5 prozentigem Volumen leicht zu genießen, sehr gut verträglich und hat einen trocken-reifen Apfelton.

 

Den Schaumwein gibt es in verschiedenen Sorten:

„Hessen à la Carte“-Apfelschaumwein ist derb, naturtrüb.

An bestimmten Tagen aber keltert man „Cuvée“, das heißt, nur der Saft, der ohne Druck aus der Presse herausläuft. Wie auch bei der Herstellung von Apfelwein vergären dann aus dem Fruchtzucker die Hefen, die Kohlensäure und der Alkohol.

Sider Exclusiv“ werden    die Jahrgangsapfelschaumweine genannt, die in traditioneller Flaschengärung hergestellt wurden. In der Getränkezeitschrift „Skyline“ urteilt Manfred Gorselewski: „...im Glas lichtgelb-kristallklar, langanhaltend vollperlend, schwacher reifer Apfelton mit sauberem Abgang und trockenem Nachklang...“.

„Sider Exclusiv grün“ (brut-non dosage) hat lediglich ein Alkoholaufkommen von siebeneinhalb Prozent und verursacht am nächsten Morgen deshalb keinen dicken Schädel, weil komplett auf den Schwefelzusatz verzichtet wurde. Stier kann nur 3.000 Flaschen davon verkaufen.

„Sider exclusiv „gold“ (trocken), „rot“ und „rose“. Natürlich wird das Rot dabei weder mit Farbstoffen noch mit Trauben komponiert, sondern nur aus Früchten des Gartens. Nur fünf bis acht Tropfen eines Beeren-Elixiers färben den prickelnden Wein zart rot. Was genau die Färbung ausmacht, sagt Stier nicht. Nur soviel: Man muß eine besondere Beziehung zur Apfelwein- und Schaumweinherstellung haben, muß „mit der Seele dabeisein“, wenn es was werden soll. Wo Laien nur den Schaumwein schmecken, kostet der Keltermeister vorne auf der Zunge die Beere und hinten den vollen Apfel. Morgens ist der Geschmack am sensibelsten. „Da reicht schon ein kleiner Schluck, um viel über den Wein zu erkennen“, weiß er. Der rote Apfelschaumwein („Cuvée rot“) wurde zum Beispiel bei der Modenschau im Rahmen der Messe der Bischofsheimer Einzelhändler gereicht.

„Eva“: Mit der Kreation dieser neuen Sorte hat Jörg Stier etwa 1989 begonnen. Diese Zeit hat er benötigt, um die richtige Mischung der Zutaten zu finden. „Dieser Champagner ist weich, harmonisch, mild und hat noch einen trockenen Nachklang. „Das

geht mit der Traube nicht, sondern nur mit dem Apfel“, charakterisiert Jörg Stier.

Spezialcuvées für Restaurant und alte Jahrgänge (C. Haeusler) gibt es auf Anfrage.

 

Cidre-Schaumwein ist der Schaumwein nur aus dem reinen Apfel. Denn anders als bei anderen bekannten schäumenden Weinen wie Champagner oder Sekt wird dem Cidre-Schaumwein weder Zucker noch Hefe zugesetzt.

Das Ergebnis dieser Flaschengärung zeigt sich leicht und verträglich zugleich - natürlich naturtrüb und nicht mehr Alkohol als der bekannte Schoppen (5,5% Vol.). Getrunken im Sektglas paßt er zu jedem Nachmittagsempfang wie auch zum leichten Essen. Allerdings ist es Jörg Stier nur möglich, eine kleine Auflage des „Cuvée“ herzustellen.

Von diesem „Edelsten vom Edlen“ produziert der Keltermeister jährlich nur etwa 3000 bis 4000 Flaschen. Zu zeitintensiv und mühevoll ist die Arbeit und zu beschränkt sind seine Kapazitäten. Traurig ist er darüber aber nicht, denn es liegt nicht in seiner Absicht, die Umsätze der Kelterei zu steigern. Wäre dies sein Ziel, dann hatte er den Rat eines Fachmannes auf dem Gebiet angenommen und die Produktionsweise des Champagners dahingehend geändert. daß er sich ebenfalls wie die großen Firmen, die moderne Technologie zu Nutzen macht.

Im Prinzip gleicht keine Champagnerfüllung im Geschmack der anderen. Durch die Handarbeit können stets Unregelmäßigkeiten auftreten, die in einem modernen Produktionsprozeß ausgeschlossen werden. Stier möchte aber an die handwerkliche Tradition anknüpfen, bei der es früher stets Unterschiede im Ergebnis gab. „Damals glich auch nicht jeder Stuhl eines Tischlers dem anderen. Heute entsteht jedes Möbelstück in Massenproduktion.

 

Genauso ist es mit dem Sekt. Es ist doch eigentlich wider die Natur, nicht ein Apfel sieht aus wie ein zweiter, nicht einer schmeckt genauso wie der andere. Heute wird jedoch mit Hilfe von Zusätzen der Geschmack ständig nivelliert und standardisiert (Herr Possmann weist diese Behauptung zurück). Die wahre Individualität des Produktes, geschaffen mit den Händen eines Menschen, gibt es kaum mehr. Die Menschen die den Champagner genießen, genießen ein individuelles Erzeugnis, das eine Geschichte erzählt und ein Stück Heimatverbundenheit ausdrückt.“

Mittlerweile kann der Kelterer sprichwörtlich die Korken knallen lassen. Apfelschaumwein wird nicht mehr nase- und gaumenrümpfend als Kellergeister Billigversion des Trauben-Sekt und Champagners abgetan. „Ich habe“, sagt Jörg Stier nicht uneitel, „ein Qualitätsbewußtsein für den Apfelschaumwein geschaffen,“ Er ist stolz darauf, daß mittlerweile in Gourmet-Tempeln auch sein Produkt ausgeschenkt wird und in Feinschmecker-Restaurants wie etwa bei Katharina Hessler sein prickelnder Apfeltropfen sogar den Sekt und Champagner-Ausschank überrundet hat. Was natürlich auch etwas mit dem Lokal-Matador-Status des Kelterers zu tun hat.

Die Nachfrage nach Stiers Schaumwein-Kreationen steigt stetig. Der Maintaler hat eine kleine, feine Jahres- Produktion. In nur 5.000 bis 6.000 Flaschen reift der Edeltropfen per anno heran. Auf Lager hat er insgesamt 8.000 der dickwandigen Glasbehälter. Darunter alte Jahrgänge von 1988 - eine echte Rarität, die es sonst nirgendwo in Deutschland gibt, schwärmt er. Die Preise übersteigen nicht die eines guten Champagners. „Ich will keine Boutique-Weine“, sagt er.

Jörg Stier könnte die Produktion seines Apfelschaumweines ausweiten, der Absatz wäre da, doch das will er nicht. Der Maintaler legt Wert auf das Handwerkliche und niemals würde er dem Schaumwein Vorrang vor seiner eigentlichen Passion, dem Stöffche, einräumen. Im Jahre 1986 kam er eigentlich nur auf die Flaschengärung, weil ihn die alte Tradition begeisterte, die fast vergessen war. Enthusiastisch zieht er einen Ordner mit alten Flaschen-Etiketten aus dem Regal. Hier sind alte Firmenembleme und Schaumwein-Werbung aus dem 18. und 19. Jahrhundert unter PVC Folie konserviert. Wenn Jörg Stier etwas anfängt, dann mit wahrer Leidenschaft.

Sein prickelnder Apfeltropfen ist Handarbeit, die Stier im Alleingang bewältigt. Jede Flasche hat er 50 Mal in der Hand, bevor sie später im Jahr über den Ladentisch geht. Acht Monate muß der Inhalt reifen, der aus den Streuobstwiesen Maintals stammt. Von Hand werden die Flaschen gedreht und gerüttelt, Stier bedient auch selbst die Korken-Maschine und verdrahtet die Flaschenhälse. Zehn verschiedene Schaumwein-Sorten hegen in seinen Regalen. Darunter alte und neue Jahrgänge, naturtrüber Apfelschaumwein, Roter, Goldener oder auch Rosé. Der Advents- Schaumwein paßt gut zu Klößen und Rotkohl, mit seinem weichen runden Geschmack und dem geringeren Alkoholgehalt, der Schaumwein verträglicher macht als Sekt.

In petto hätte er gar 30 bis 35 Sorten, denkt er schon über neue Kreationen nach. Gefragt sind vor allem der Rote und der Goldene Schaumwein. Der 2000er Jahrgang, der in den Fässern gärt, macht dem Kelterer etwas Kopfzerbrechen. Das nasse Wetter hat die Äpfel aufgeblasen, ohne viel Aroma hinzuzufügen. Wenig Säure und wenig Alkohol werden den Millenium- Jahrgang zu einem leicht konsumierbaren Stöffche machen, aber „ein leicht zu pflegender Jahrgang ist das nicht“, sagt Stier.

Daß seine Produkte nicht immer gleich schmecken, darauf legt der Maintaler Wert: Das ist handwerkliche Authentizität. Der Geschmack muß einer Erwartungshaltung entsprechen, aber wandelbar sein, und „er soll seine Schwankungsbreiten ausleben dürfen“, findet Jörg Stier Seine Produkte sind als „besonderes“ Weihnachtsgeschenk oder Präsent für Geschäftskunden gefragt. „Wieso sollte man den Sekt aus dem Supermarkt nehmen, wenn es etwas Regionaltypisches gleich um die Ecke gibt“, findet er.

Seine Kunden kommen aus der Region, aber auch aus Frankfurt und dem Taunus. Mittlerweile hat seine Kelterei einen festen Stamm, der sich in ein Drittel Geschäftskunden und ein Drittel Privatleute aufteilt. Ein weiteres Drittel seiner Produktion fließt in die Gastronomie. Und auch daß er den Hauptabsatz inzwischen im Dezember habe, zeige den Stellenwert seiner Schaumwein-Produktion.

 

Aber nicht nur Apfelwein wird aus Äpfeln hergestellt. Mit einer großen Produktpalette „rund um den Apfel“ wartet Stier auf: Apfelessig Apfelgelee, Apfelsenf, Apfelwein- Leberpastete, Paniermehl aus Apfeltrester, sortenreine Apfelbrände sind nur einige Produkte, die Stier alle feilbietet. Bei ihm dreht sich halt alles um den gesunden Apfel. Auch köstlicher Apfelsaft gehört zum vielfältigen Angebot der kleinen aber feinen Kelterei.

Die Apfelweinspezialitäten werden auch in Geschenkverpackungen und hübschen Präsentkörbe angeboten. Es werden ausschließlich Mehrwegflaschen gegen Pfand (auch bei unseren Apfelschaumweinen) benutzt. Nach telefonischer Vorbestellung kann man auch direkt ab Keller kaufen. Man kann auch nachfragen, wo die Apfelweinspezialitäten ausgeschenkt    bzw. verkauft werden.

Außerdem gibt es Rhöner Wurstsorten vom Lamm, 150 g für 7,50 DM. Es muß nicht immer Rind sein: Rhönlammwurst, Rhönlamm-Blutwurst, Rhönlamm-Leberwurst, am besten mit Apfelsenf und auf frischem Apfelweinbrot vom Bäcker Hoffmann aus Mühlheim.   

 

Der Keltermeister Jörg Stier

Jörg Stier ist der beste Botschafter ist, den sich Apfelwein nur vorstellen kann. Der 54-Jährige kann heute sein Unternehmen in Bischofsheim, das er mit den Söhnen betreibt, mehr denn je als Familienbetrieb bezeichnen. Der „Laden“, den er vor 25 Jahren von seinem Vater in Wachenbuchen übernommen und nach Bischofsheim verlagert hat, brummt. Stier ist im wahrsten Sinne des    Wortes in aller Munde.

Eben noch zur Enthüllung    des weltgrößten Bembels am Frankfurter Roßmarkt, steht er im nächsten Augenblick schon in seinem Verkaufs- und Ausschankraum und hält vor einer Gruppe von Journalisten ein flammendes Plädoyer für den Äppelwoi. Wer ihm in die Hände fällt, ist danach glühender Apfelweinfan. Und wem der Geschmack dann immer noch nicht zusagen sollte, der ist zumindest von Stiers Überzeugungskraft und Begeisterungsfähigkeit beeindruckt. Von seiner Geschäftstüchtigkeit auch.

Schon Jörg Stiers Vater war Küfer- und Keltermeister. Er selbst kam mit 19 Jahren eher zufällig an den Apfel. „Hab ich eigentlich vorher nie getrunken“, grinst er. Die Hilfe im väterlichen Kelterkeller war nur als Übergang nach dem Abitur gedacht. „Doch dann hat es mich gepackt.“ Jörg Stier keltert seit 1979 Apfelwein in der elterlichen Kelterei. Er ist verheiratet, seine Frau ist gelernte Graphikerin und entwirft die Etiketten, er hat zwei Kinder und einen Bruder. Im Jahre 1992 wurde der elterliche Betrieb geteilt, und Jörg Stier übernahm die Kelterei, sein Bruder den Vertrieb von Getränken.

Jörg Stier wurde in der Presse schon als „Philosoph des Äppelwoi“, als kongenialer „Apfelwein-Verrückter“ und sogar als „Apfelwein-Papst“    bezeichnet. Das Stöffche ist sein Leben. Bei Keltermeister Jörg Stier dreht sich alles um den Apfel und was man daraus in flüssiger Form herstellen kann. Er hat seine Apfelweinspezialitäten zur Lebensanschauung erhoben und ist damit weit über Maintals Grenzen hinaus bekannt geworden. Denn nicht nur „einfacher“ Apfelwein kommt aus den Stier’schen Kellern, sondern Schöpfungen der besonderen Art, die selbst in der Edelgastronomie geschätzt sind.

Den Apfelliebhaber ärgert, daß die Weinrebe so viel mehr Aufmerksamkeit genießt als der Apfel. „Dabei ist der Geschmack viel harmonischer.“ Zu unrecht werde der Wein aus Trauben vorgezogen. Er sieht die Keltereien in Hessen in der Pflicht, den Äppelwoi mehr zu kultivieren und zu präsentieren. Das gehört einfach zur hessischen Kultur. „Wenn die wegbricht, glaubt er, werden sich auch die ganz großen Keltereien nicht halten können.“

Jörg Stier war einer der ersten Keltermeister in Hessen, ja in ganz Deutschland, der die Kunst der Schaumwein-Herstellung aus Äpfeln wieder belebt hat. Dazu gehörte, daß er sich zunächst mit entsprechender Literatur aus der Vergangenheit beschäftigte. In seinem mit viel Liebe und Sorgfalt zusammengetragenen Archiv findet man Bücher aus dem 18. und 19. Jahrhundert, in denen unter anderem die Herstellung von Schaumwein aus Äpfeln beschrieben ist.

Selbst im Urlaub kann Jörg Stier nicht von den Baumfrüchten lassen. In seiner freien Zeit fährt er ins Baskenland, die Bretagne und die Normandie - um zu erkunden, was dort die europäischen Nachbarn so alles mit dem Apfel anstellen. Ein Spanienaufenthalt brachte Stier auf die Idee, außer klassischem Apfelwein auch Spezialitäten herzustellen. So nahm schließlich der Cidre Einzug in Bischofsheim.

Im Jahre 1988 ließ er die alte Tradition der Schaumweinherstellung in Hessen wieder auf leben. „Wäre doch langweilig, immer das gleich zu trinken“, liebt er die Vielfalt und das Neue. Eigentlich, verrät er der belustigten Besucherin, trinkt er sein Stöffche am liebsten selbst anstatt es zu verkaufen. „Es gibt Sorten, von denen kann ich mich gar nicht trennen“, sagt er. Die lagern alle in seinem privaten Appelwoi-Keller. Für den Maintaler ist das Keltern Kunst - ein Handwerk.

Bald darauf übernahm er die ersten Moderationen für Apfelweinabende und Seminare. So leitete er am 16. Oktober 1994 im Museum in Otzberg/Odenwald ein interessantes Seminar in Verbindung mit der dort zur Zeit zu sehenden Apfelweinausstellung. Am 3. November 1994 hielt er einen Vortrag im „Uffelmannschen Hof“, Schöneck-Kilianstädten, der geleitet wird von Gerald Stier, der - selbst Küchenchef - die Ideen seines Namensvetters schon längst aufgegriffen hat. Ein Apfelwein-Menue (89 Mark) gehört bei ihm zum Standardrepertoire.

 

Für die Sendung „Treffpunkt Natur“, die im ZDF am Sonntag, 25. Juni 1995 gegen 15 Uhr ausgestrahlt wurde, filmte ein Kamerateam bei Jörg Stier, der seinen neuesten „Hit vorstellte“, einen Schlehenapfelwein, der ausschließlich aus Früchten von Maintaler Streuobstwiesen gekeltert wird. In der Sendung „Treffpunkt Natur“ kam der pfiffige Keltermeister selbstverständlich ausgiebig zu Wort. Eine Radiosendung wurde am Samstag, 17. Juni, um 20 Uhr von HR 1 ausgestrahlt mit dem Titel „Vom Baum ins Glas - wie geht denn das?“

 

Seit 1997 betätigt sich Jörg Stier als Dozent der VHS-Main-Kinzig. Das erste Apfelweinseminar der Volkshochschule war an zwei Abenden im Mai 1997. Stier ließ dabei zum Beispiel ein Quiz ausfüllen. Apfelweine aus den heimischen Kellern wurden fachlich beurteilt. Selbstverständlich gab es jede Menge Tips vom Profi, wie der Schoppen im eigenen Keller zu behandeln ist, und von der Reinigung der Behältnisse bis zum „Abziehen von der Hefe“ gab es nichts, was im Werdegang der Frucht bis hin zum Apfelwein nicht ausgiebig besprochen worden wäre.

Mit ihrem höchst vergnüglich formulierten „1. VHS-Apfelwein-Diplom“ in Händen, erklärten die meisten der Teilnehmer unverzüglich, beim nächsten Mal wieder dabeizusein, und VHS- Ressortleiter Horst Günther plant nach dem Erfolg dieses ersten Apfelwein-Semiares für den Herbst ein VHS-Wochenendseminar in einer Schaukelterei in der Rhön.

Eine Führung beginnt im kleinen Lehrgarten der Kelterei, der ein Rundgang durch den Apfelweinkeller und das Kelterhaus bis zum Schaumweinkeller folgt. Auf dem Weg erfahren die Teilnehmer vieles über Geschichte und Herstellung der Apfelweinweinspezialitäten -    vom klassischen „Hausschoppen“ über die Veredelungsprodukte der Apfelweine mit Mispel, Schlehe oder Speierling bis hin zum Apfel Cidre und dem „Champagner“ aus Apfelwein. Zeitweise schloß sich an die Führung

noch ein Besuch    im Gasthaus „Adler“ in Hanau‑Mittelbuchen an. Es gab ein Drei‑Gang‑ Apfelweinmenü des durch Auftritte im Hessenfernsehen in den Sendungen „Hessen à la carte“ und „Handkäs mit Musik“ bekannt gewordenen Koches Claus Viering.

Nach über 15 Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit und stetem gemeinsamen Wirken um die hessische Genußkultur kam 2009 die Zeit des Abschieds. Zum Ende April schließt der Fernsehkoch Claus Viering sein Gasthaus Adler in Hanau-Mittelbuchen. Grund genug, für alle Freunde der kreativen hessischen Küche das finale Adler-Apfelwein-Festival zu besuchen. Am Samstag 25. April, serviert Viering ein Fünf-Gänge-Menü mit Feinstem aus der Adler- Zeit. Gerd Müller spielt die Highlights aus seinem Programm und Keltermeister Jörg Stier wird das Neueste aus der Kelterei erzählen und ausschenken. Ein Abend, mit dem ein bewegendes Kapitel hessischer Apfelkultur schließt. Aber ohne Wehmut - denn jedes Ende birgt den Beginn eines neuen Weges in sich. So sollen an diesem Abend noch einmal die „Gerippten“ fröhlich erklingen.

200 Gruppen im Jahr führt der Bischofsheimer durch die Kelterei und hält auch Apfelweinseminare an der Volkshochschule. „Bis März bin ich schon wieder ausgebucht. Aber es bereitet mir Freude, das Interesse am Apfelwein zu sehen.“

 

Außerdem ist Stier bei der Rhöner Apfelweinbörse vertreten (hier geht es um das Streuobstprojekt); bei einem Apfelweinabend in der „Landsteiner Mühle“ in Weilrod dreht sich ebenfalls alles um den Schlehen-Apfelwein aus Maintaler Streuobstwiesen.

 

Es folgten Beiträge über den Apfelwein für Zeitungen und Bücher. So veröffentlichte er Artikel in der Fachzeitschrift „essen & trinken“ unter dem Titel „Apfelwunder auf Hessisch“.

Stier hat an einem Buch mitgearbeitet, das von Michaele Scherenberg und Namensvetter Karl-Heinz-Stier vom Hessischen Rundfunk herausgegeben wurde, das dritte Buch aus der Reihe „Hessen à la carte“. Mit dem Autor des Buches „Hessen à la carte“ Karl-Heinz Stier ist der Maintaler weitläufig verwandt. „Alle in unserer Familie“, lacht Stier, „haben mit essen und trinken zu tun“.

 

Begründet auf seine Erfahrungen schrieb Jörg Stier 2000 sein erstes Buch „Vom Baum in den Bembel - die handwerkliche Herstellung der hessischen Apfelweine“. Dieses Buch soll allen Selbstkeltern zu noch besserem Apfelwein verhelfen, ist jedoch auch als Lesebuch für alle gedacht, die den Apfelwein mögen und ihr Wissen über das „hessische Nationalgetränk“ erweitern möchten. Am Ende findet der Leser ein kleines Wörterbuch, in dem die Fachbegriffe rund um das Apfelweinkeltern beschrieben sind. Eine übersichtliche Gliederung und zahlreiche Randverweise erleichtern das Lesen. So muß das 130seitige Werk nicht von vorne bis hinten durchgeblättert werden. Einzelne Kapitel können leicht zum Lesen herausgegriffen und Stichworte nachgeschlagen werden. Die passenden Illustrationen stammen von Joerg Eyfferth. „Vom Baum in den Bembel“ von Jörg Stier, ISBN 3-92 8100-79-3, ist im CoCon Verlag Hanau erschienen und kostet 19,80 Mark.

 

Für den Keltermeister aus Bischofsheim war es eine ganz besondere Ehre, daß er im Oktober 1998 zum Leiter der historischen Apfelweinkelterei im Hessenpark von Neu-Anspach berufen worden ist. Hier wird Stier mit alten Keltergeräten den Besuchern das alte, traditionsreiche Kelterhandwerk anschaulich demonstrieren. Am 3. und 4. Oktober 1998 kelterte Jörg Stier erstmals im Hessenpark und dann nochmals am Wochenende 17. und 18. Oktober. Hier hatten die Besucher Gelegenheit, dem Keltermeister über die Schulter zu schauen und auch selbst mit Hand anzulegen - und danach gab es natürlich frischen „Süßen“.

 „Angeworben“ wurde er von Arno Roth, einem der Hessen-à-la-Carte-Wirte. Die Schaukelterei im Park sollte extern besetzt werden. Seit wenigen Jahren wird hier Süßer hergestellt, aber kein Apfelwein. Gefragt war jemand, der das traditionelle Handwerk der Stöffche-Kelterei noch versteht. Stier keltert mit historischen Geräten. „Das ist eine Herausforderung. Jeder Saft schmeckt anders je nach Art der Pressung“. Er kann dabei sogar die Ernte der hessenparkeigenen Apfelbaumbestände nutzen können.

Stier rückt mit seinem eigenen Team an. Er hat eine lange Liste Freiwilliger, die mithelfen. Der eigene Apfelweinbetrieb in Bischofsheim darf natürlich nicht unter dem neuen Hobby leiden. Die Schaukelterei im Hessenpark hat Stier ehrenamtlich übernommen, darf aber seinen Wein direkt verkaufen.    Es sind auch Seminare geplant, wo die Teilnehmer auch selbst Hand anlegen dürfen.

 

Eine Apfelweinprobe fand am    26. März 1999 in der historischen Gaststube mit originalgetreuen Tischen und Bänken im Heimatmuseum in Maintals schönstem Stadtteil Hochstadt statt. Dieser Gedanke habe sich, so das Heimat-Museum, schließlich ganz von selbst ergeben, als der Vorstand des Museums Vereins Ende Februar bei der Kelterei Stier in Bischofsheim zu einer Apfelweinprobe eingeladen war und dem leidenschaftlichen Kunsthandwerker Jörg Stier gelauscht habe. Den Teilnehmern des „Apfelweinseminars bot er einige seiner besten Kreationen an. Neben dem heimischen Nationalgetränk und seinen Varianten wurden auch Schmalzbrot und Apfelweinkuchen angeboten.

 

Im Mai 1999 eröffnete Stier gar einen Mini-Lehrgarten vor seinem Haus. Jeweils eine Schlehe, eine Mispel und eine Quitte wurden als Spalierbäumchen gepflanzt. Auf den zugehörigen Tafeln, deren Texte von Jörg Stier selbst stammen, bekommt der Besucher der Kelterei in der Straße „Am Kreuzstein“ kurz den Baum erläutert und vor allem, was der Keltermeister mit dessen Früchten macht. „Selbstverständlich wird der Speierling-Baum in diesem Lehrgarten nach einigen Jahren ersetzt, wenn er eine bestimmte Höhe erreicht hat.“ „Sonst“, schmunzelt Stier, „könnte er mein Haus verdrängen“. Für die jungen Gäste spendierte Stier den beliebten naturtrüben Apfelsaft. Apfel-Bratwürstchen mit Apfelsenf rundeten das Angebot ab.    „Ich möchte mit diesem Lehrgarten insgesamt darstellen, was wir für eine wundervolle Kultur haben, man muß nicht immer nach Mallorca fliegen“, ergänzte der Keltermeister in seiner ihm eigenen Begeisterung.

Die Musik wurde vom Trio „Mayenroth“ bestritten. Der erste Teil des Namens kommt von einer alten Lokalbezeichnung in Maintal, dem Mayenfeld, der zweite Teil ist der „Rest von Gondsroth“. Es handelt sich um    so Karl Röth, Jürgen Repp aus Gondsroth und den Hochstädter Lehrer Gerd Müller, die seit 1994 dem hessischen Volk sprichwörtlich „aufs Maul“ schauen. Daraus entstehen Lieder, die Geschichten erzählen, Lieder, die das Leben schreibt in einem Stil, der Volksmusik als Bestandteil der regionalen Kultur mit ihren Wurzeln versteht,

So textet Müller zum Beispiel Schoppen-Lieder allererster Sahne („Ich trink’ de Blues nur aus 'm Bembel, der Stoff bringt Lebe in mei Seel“)

Der erste Auftritt war in der Gondsrother „Woipress“ und das Trio war damals der Meinung, all ihre 35 Lieder des ersten Repertoires singen zu müssen, so erinnern sich die drei. Angefangen wurde mit zum Teil bayerischer Folklore wie zum Beispiel von den „Biermösel Bloasn“, was einfacher ins Hessische übertragen werden konnte als andere nationale Dialekte. „Wir bringen es nur zu dritt zustande.“ Manchmal werden 100 Lieder bearbeitet, „bis eins zu uns paßt.“. Bekannte Melodien werden verfremdet und auf eigene Texte passend gemacht, immer das Vorbild vor Augen, anspruchsvolle Volks- und Mundartmusik verschiedener Stilrichtungen zu machen mit dem Tenor „Keine Münze für Muse“. Das Trio Mayenroth ist bereits auf CD zu hören: „Maintal-Szene“, die Nachfolge-CD von „Maintal Rock“, produziert von der Musik- und Kunstschule Maintal, beinhaltet den Speyerling-Song der Musiker.

In dem    kleinen, feinen Apfelladen (Am Kreuzstein 25) werden neben den bewährten Spezialitäten ein paar neue Produkte wie zum Beispiel Rhöner Apfelweinbrot aus dem Holzofen und Schlehen-Apfelwein-Likör geboten sind. Und natürlich einige leckere Schoppen, den leicht veränderten Cidre nach normannischer Landesart und viele weitere apfelige Köstlichkeiten.

 

Stier geht es also um die ganze Apfelweinkultur. Früher gehörte der Apfelwein als hessisches Nationalgetränk zum ländlichen Alltag In fast in jedem Haus gekeltert. Der eigene Garten. Hausschlachtung und die eigene Apfelweinherstellung - so konnten sich die Familien weitgehend selbst versorgen. „Es ist ein Stück unserer Kultur, mit der wir pfleglich umgehen sollten.“ Stier sieht die Apfelwein-Tradition in Gefahr. Im Kahlgrund sterben Betriebe und in Hanau-Steinheim, wo alljährlich das Bundesäppelwoi-Fest gefeiert wird, gibt es keine einzige Kelterei mehr. Und auch in der industriellen Herstellung nehmen Apfelsäfte und Softdrinks immer mehr zu und der Apfelwein ab.

Deshalb versucht Stier, die Apfelweinkultur auch wieder auf andere Lebensbereiche auszuweiten. Er hat weitere Zünfte zum Naturreinen motiviert. Die Bäckerei Weber bietet neuerdings Schoppebrot aus echtem Bischemer Speierling an und fertigt Champagnertrüffel mit Stier’schem Apfelschaumwein. Metzger Ebert macht seine Wurst aus Apfelschaumwein, seine „Pate“, eine Apfelschaumwein-Wurst, gilt als Delikatesse. Und Joachim Sauter, der frühere Wirt der „Ratsstuben im Bürgerhaus, entdeckte das Stöffche für seine Kochkünste. „Damit“, so Stier mit zusammenlaufendem Wasser im Mund, „das Kulturgut in einer Gesamtheit richtig dargestellt wird“. Seit einiger Zeit sei man wieder darauf gekommen, den Apfel als das hervorragende Medium zum Kochen zu verwenden Nächstes Ziel ist das Nationalgetränk in der gehobeneren Gastronomie zu etablieren. Eine Extra-Karte mit zu den verschiedenen Apfelweinsorten    abgestimmten Genüssen wünscht sich der Meister.

„Der Herr über den Apfelwein“ wurde Jörg Stier im Oktober 2008 genannt. Wer einfach nur schnell eine Flasche abgreifen möchte, ist in der Apfelweinkelterei von Jörg Stier fehl am Platz. „Stehe un babbele is hier angesagt“, macht der Bischofsheimer Keltermeister unmißverständlich deutlich. Aber schließlich laden der Apfelweinladen in der Straße „Am Kreuzstein 25“ mit den großen Weinfässern, die zu Stehtischen umfunktioniert wurden, und die vielfältigen Apfelweinspezialitäten zum Verweilen und vor allem zum Probieren ein.

Dafür sollte Zeit mitgebracht werden. Nicht nur, weil der Apfelwein keine Hektik verträgt, sondern auch, weil es in der Bischofsheimer Kelterei etwa 40 verschiedene Sorten davon gibt. „Der Apfel ist eben vielfältig. Natürlich schmeckt nicht jedem alles, aber es gibt auch niemanden, dem nichts schmeckt“, ist sich der Bischofsheimer der dem Apfel zugeneigten Zunge seiner Kunden sicher. Weil jedoch jede Saison ihr ganz eigenes apfeliges Tröpfchen hat, stehen die 40 verschiedenen Apfelweinsorten nicht immer gleichzeitig im Laden zum Kaufen und Zapfen bereit.

Zweifelsohne muß das Herz von Jörg Stier die Form eines Apfels haben. Denn sobald er auf die Frucht zu sprechen kommt, beginnen die Augen des Bischofsheimers zu leuchten, wissen Mund und Hände in farbenfrohen Worten und großen Gesten Fakten und Anekdoten zu erzählen.

Dabei scheint es eher ein Zufall zu sein, daß Jörg Stier seine Leidenschaft für den Apfel entdeckt hat, wenngleich er aus einer alten Kelterfamilie stammt. Nicht mehr als einem „falschen“ Schritt ist es zu verdanken, daß noch heute auf dem Gelände viele tausend Liter Apfelwein vor sich hin gären. „Ich habe Abi gemacht und wollte studieren. Doch dann bin ich in den Apfelweinkeller geraten und von diesem Moment an war es um mich geschehen. Seitdem bin ich aus dem Keller nicht mehr rausgekommen“, schmunzelt er.

Doch der Wahrheitsgehalt dieser Aussage ist mindestens ebenso trüb, wie der Apfelwein, der aus den großen Tanks zur Probe in die Gerippten plätschert. Denn Jörg Stier ist viel unterwegs, nicht nur auf der Streuobstwiese, sondern auch als Referent und Buchautor, um die Bedeutung des hessischen Nationalgetränks in Konkurrenz zu französischem Champagner

oder italienischen Weinen aufzuwerten.

„Ich möchte den Menschen Augen und Geschmack für das Geschehen auf den Wiesen öffnen“, beschreibt Stier, der vielseitig an einer Rehabilitation des Apfelweins wirkt. Und daß

sich der auf vielfältige Art genießen läßt, spiegelt auch das breitgefächerte Sortiment im Apfelladen wider: Sogar Apfelwein-Käse und -Salami gibt es.

Wo er sich am liebsten aufhält? „Am liebsten im Weinkeller.“ Inzwischen aber sei längst die Schreibstube sein Hauptaufenthaltsort. Dort führt er nicht nur die Bücher, er schreibt vor allem welche. Sechs Bände sind bereits über den Apfelwein, seine Herstellung, seine Besonder- und Eigenheiten erschienen. Gerade schreibt Stier an