Hintertaunus

 

 

Rundfahrten Hintertaunus

 

1. Am Ende der Autobahn A 66 Richtung Bad Schwalbach fahren - Rauenthal (siehe Rheingau) - Matinsthal (siehe Rheingau) - Schlangenbad (abbiegen nach links) - Wambach – Abstecher nach links nach Langenseifen - Kemel.

Hier befand sich in der Frühphase des Limes zunächst eine kleine Holzschanze dicht an der Grenzlinie selbst, die dann nach der Mitte des 2. Jahrhunderts durch das Numeruskastell ersetzt wurde. Dieses lag an der Aulbachquelle im Bereich des heutigen Ortskerns (die in einer Karte eingezeichnete Stelle ist völlig falsch). Die Küche lag in der vorderen Hälfte des Kastells, das dem östlich vom Ort Kemel vorbeiführenden Limes zugewandt war.

 

In Heidenrod links nach Egenroth und Kloster Gronau. Dann weiter nach Niedermeiligen, an Münchenrod vorbei nördlich nach Nastätten.

Das ist eine Stadt im al­ten Einrichgau (heute nur als „Einrich“ bezeichnet). Die Pfarrkirche ist von 1250 mit romanischem Westturm und spätgotischem Helm. Das Langhaus ist barock. der Chor von 1479. Das Rathaus ist von 1609, der Schlernsche Hof von 1692.

 

Im 18. Jahrhundert siedelte sich in Dachsenhausen (nordwestlich von Nastätten) eine Korbflechterfamilie aus dem Hunsrück an. Sie gab im Lauf der Jahre ihr Wissen an die einheimischen Bauern weiter und so sind in der Region die Dachsenhäuser bis heute als die „Mannemächer“ (Manne = Korb, Mächer = Macher) bekannt. Eine weitere ortsspezifische Besonderheit ist der seit 1573 nachweisbare Familienname „Opel“. Rund 1000 Personen haben diesen Namen seither getragen, darunter auch die Vorfahren des Auto-Pioniers Adam Opel. Sehenswert im Ort ist auch die spätklassizistische evangelische Pfarrkirche von 1834/35.

 

 Noch weiter nördlich nach Miehlen

In Miehlen wurde ein Schinderhannes-Museum eingerichtet. Johann Wilhelm Bückler, genannt Schinderhannes, geboren am 25. 5. 1783 in Miehlen, ge­storben am 21. 11. 1803 (hingerichtet), war Tierkörperverwerter, Scharfrichter und Räuberhauptmann in den Rhein­landen.

Über Hunzel wieder auf die Bäderstraße und auf dieser nach rechts südöstlich nach Pohl und Holzhausen.

 

(2.) Westlicher Hintertaunus:

Achtung: Diese Tour kann man nicht machen am letzten Sonntag im Mai, weil dann der Radfahrersonntag „Fahr zur Aar“ ist

Man kann nach Bad Schwalbach auf der gleichen Strecke fahren wie bei Tour 1, aber zur Abwechslung ist auch die Strecke von Wiesbaden her möglich. Man fährt auf der B 54 nach Taunusstein und dort links nach Bleidenstadt und weiter bis zum Abzweig am Schützenhof über die Bahnlinie nach Bad Schwalbach

Von der Adolfstraße aus kann man noch zwei Abstecher machen:

Man biegt nach links in die Martin-Luther-Straße ein und kommt zum Waldfriedhof und zu einer Jupitergigantensäule

Wieder zurück auf der Adolfstraße fährt man ein Stück weiter und dann links in die Heimbacher Straße und dann gleich rechts in die Straße nach Lindschied zum Jagdschloß „Villa Lilly“

Man muß aber wieder zurück nach Bad Schwalbach fahren, weil die Straße nach Heimbach gesperrt ist. Die Adolfstraße geht über in die Bahnhofstraße und dann links auf die B 54. Auf dieser nach links nach Adolfseck und Hohenstein und weiter nach Michelbach.

Von Rückershausen aus geht es links nach Dörsdorf und dann rechts nach Katzenelnbogen.

Von Katzenelnbogen fährt man nach Osten Richtung Aartal. Etwas vor Zollhaus geht es links ab zur Burg Hohlenfels. Die B 274 führt wieder auf die B 54 und nach links geht es nach Hahnstätten (das man aber auch auslassen kann).

Wieder ein Stück nach Süden geht es links ab nach Burgschwalbach. Von dort fährt man südöstlich nach Panrod, dann südlich über Hennethal, Strinz Trinitatis, Limbach zur B 417. Dort steht die „Hühnerkirche“ ein große Gaststätte an der sogenannten „Hühnerstraße“.

Dort geht es rechts ab nach Süden zum Kastell Zugmantel. Auf dieses wird durch keinen Wegweiser hingewiesen. Man sieht aber links an der Straße einen römischen Wachturm und rechts einen Parkplatzschild mit dem Hinweis „Parkplatz Römerturm 400 Meter“. An der Straße nach Orlen biegt man nach links in den Parkplatz ein.

Vom Kastell fährt man Richtung Westen nach Orlen und dann nach Süden nach Wehen. Im Ort geht es erst links und dann gleich wieder rechts und dann stößt man schon auf das Schloß in der Gerichtsstraße 6. Südlich des Schlosses geht es ein Stück nach Osten und dann rechts auf die Platter Straße.

Am Ende der Bebauung geht rechts die Obere Waldstraße ab. In diese fährt man hinein, soweit es geht. Dann noch ein Stück weiter gehen, aber nicht gleich links ab in den Forstweg, sondern erst nach steil geradeaus und dann links auf einen Forstweg, an dessen Südseite bald darauf das kleine Kastell Heidekringen liegt.

Auf der B 417 fährt man dann nach Wiesbaden. Wenn man in Richtung Frankfurt weiter fahren will folgt man nicht den Schildern zur Autobahn, denn die führen zum Schiersteiner Kreuz, sondern fährt in die Innenstadt und in Erbenheim auf die Autobahn.

 

(3.) Dasdorf - Idstein - Bad Camberg- Niederselters - Abstecher Münster - (Hünfelden-) Dauborn – Kirberg.

 

(4.) Weiltal – Weilmünster (nicht am ersten Sonntag im August)

 

(5.) Usingen - Hundstadt – Grävenwiesbach - Waldsolms - Brandoberndorf- Bodenrod- Usingen

 

(6.) Obermörlen – Langenhain - Zierenberg- Gaulskopf (eventuell weiter nach Friedrichsthal, siehe Hochtaunus)

 

 

 

 

Langenseifen

Spaziergänger oberhalb des Bad Schwalbacher Ortsteils Langenseifen blicken mit ratlosen Gesichtern auf den merkwürdigen Bau vor ihnen. Er sieht aus wie ein riesiger Heißluftballon aus Holz. An einem kleinen Anbau - dem Eingang - hängt ein Schild. „Evangelische Kirche“ steht darauf und das Symbol der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Das runde Gebäude ist eine Kapelle. Soweit man weiß ist sie in ihrer Form in Deutschland einzigartig. Sie ist ein Kunstwerk.

Die Kapelle mit ihrer runden Form hat ihre ganz eigene Atmosphäre. Der runde Bau vermittelt Geborgenheit. Weil es keine Fenster gibt, lenkt in besinnlichen Momenten kein Blick nach draußen ab. Mittelpunkt des Raumes, in dem etwa 60 Menschen auf einfachen Holzstühlen Platz finden, ist der Altar - eine schwarze Basaltlavasäule. Durch die Glasverkleidung rund um den Altar ist der Rest der großen Säule unterhalb des Bodens zu sehen, sie wird von Strahlern angeleuchtet. Direkt über dem Altar fällt Licht durch eine Glaskuppel: Man soll Himmel und Erde sehen.

Entworfen wurde die Kapelle aus Lärchenholz und Weißtanne von der Architektin Barbara Schmid von der EKHN, die Altarskulptur wurde von dem Bildhauer Holger Walter aus Karls­ruhe geschaffen. Die Säule ist fast vier Meter hoch und rund sechs Tonnen schwer. Sie wurde zunächst frei auf dem Feld aufgestellt. Das war im Jahr 2005, auf Fotos sieht die Säule aus wie ein Hinkelstein. Die Menschen in dem 500-Einwohner-Ort ahnten zum ersten Mal, daß etwas Ungewöhnliches auf sie zukommen könnte.

Sie hatten sich eigentlich ein herkömmliches Gebäude mit Satteldach und Türmchen vorgestellt. Die Kapelle wurde dann rund um die Säule gebaut. Daß in Langenseifen in Zeiten der leeren Kirchen eine Kapelle entstanden ist, hat mehrere Gründe. Auslöser war, daß die Menschen zum Kirchgang ins zwölf Kilometer entfernte Bärstadt fahren mußten. Das fanden schon die Bewohner vor 100 Jahren nicht gut. Ab 1910 gab es laut Pfarrchronik mehrere Anläufe für einen eigenen Sakralbau, 91 Jahre später machte das Kirchenmitglied Werner Ernst den entscheidenden Schritt zur Erfüllung des Traums. Er schenkte der Kirchengemeinde das Ackerland, jedoch unter einer Bedingung: Dort müsse eine Kapelle gebaut werden. Sie ist nun fast der einzige Neubau der EKHN.

Am 3. Juni 2012 wurde die ersehnte Kapelle eingeweiht. Der Bau kostete 360.000 Euro. Die Kirchengemeinde und die EKHN teilten sich die Kosten, die Stadt Bad Schwalbach gab auch etwas dazu. Bislang wird dort einmal im Monat ein gut besuchter Gottesdienst gefeiert. Künftig soll die Kapelle häufiger genutzt werden. Mittlerweile sind auch die Skeptiker verstummt. Von außen ist sie zwar nicht Jedermanns Geschmack. Aber jeder, der reinkommt, ist positiv überrascht.

In Langenseifen wohnt der Zahnarzt Jens Lehmann (Zur Rehwiese 6), der 99 Weinstöcke betreut, der höchste Weinberg im Taunus.

 

 

Schlangenbad

Die als „Bäderstraße“ gekennzeichnete B 260 zweigt ein paar Kilometer westlich von Wiesbaden ab. Bald erreicht man den lauschigen Weinort Martinsthal. Rollt man auf der Bäderstraße weiter, so kommt man in den anmutig in eine Talsohle ge­schmiegten Kurort Schlangenbad und nach Bad Schwalbach und Bad Ems.

Als Logo der Bäderstraße durch den Rheingau dient der muntere Römer Livius, der fröhlich in der Wanne planscht. In der Hand hält er einen Weinpokal, den Helm hat zum Baden abge­legt. Vor mehr als 2000 Jahren haben er und seine Legionäre hier im Taunus den Limes errichtet und in der Freizeit in war­men Quellen gebadet.

 

Martinsthal:

Wenn man zum Aussichtspunkt Bubenhäuser Höhe westlich von Martinsthal kommen will, biegt man schon ein Stück vor dem Kloster nach links und rechts in die alte Chaussee ab bis zur Reitschulstraße links und dann gleich wieder rechts in die Weinbergstraße und dann im Rechtsbogen auf die Bubenhäuser Höhe.

In Martinthal heißen die Weinbergslagen Baiken, Gehrn und Wülfen, deren Namen bei Ries­lingkennern spontane Begeisterung auslösen. In bester Halbhöhenlage erzeugt die Staats­domaine Rauen­thal (südlich des Ortes) Spitzenweine von eleganter Würze und terroirbetonter Finesse. Die edlen Tropfen mögen schon ehedem in den preußischen Amtsstuben Begehrlichkeit geweckt haben. Im Jahre 1900 erwarb der Königlich Preußische Staat die hochwertigen Lagen im Rauenthaler Berg. Durch planmäßiges Arrondieren und großzügige Investitionen wurde dieser junge Außenbetrieb der Hessischen Staatsweingüter zu einem über 50 Hektar großen, prosperierenden Weingut ausgebaut.

 

Nördlich von Martinstal liegt rechts der Bundesstraße das ehemalige Zisterzienserkloster Tiefenthal, heute Exerzitienhaus. Es ist ein in seinen Gebäuden junges Kloster, nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Grundmauern eines im 12. Jahrhundert gegründeten und 1803 aufgehobenen Nonnenklosters errichtet.

 

Schlangenbad:

Den Namen hat das Bad von der Äskulapnatter, die es in Deutschland nur noch in dieser Umgebung gibt. Man sagt: Wenn sie aussterben, werden auch die Quellen von Schlangenbad versiegen Das staatliche Bad ist 300 Meter hoch gelegen. In den gut gepflegten Anlagen finden sich Hainbuchennalleen aus der Rokokozeit.

Der Kurort mit 300 Einwohnern wird wegen seiner heilkräftigen, merkwürdig blau gefärbte Thermalquellen stark besucht. Heilanzeigen sind: Nervenleiden aller Art, chronische Frauenleiden. Er hat zwei Warmbadeanstalten mit allen modernen Einrichtungen. Das Thermalwasser hat eine stark regenerierende Wirkung auf Wunden und Hautdefekte, sowie merkwürdige geradezu kosmetische Wirkung auf die Haut.

Schlangenbad hat ein in Deutschland einzigartiges Thermalwasser: Das Schwimmbad wurde 1928 erbaut und hat ein schmuckes Uhrtürmchen, hübsche Kolonnaden und hölzerne Umkleidekabinen. Es liegt auf einer Waldwiese am Hang des Hansen­kopfes, mit großen Liegewiesen und Turngeräten. Die Wasserwärme ist gleichbleibend bei 22 bis 24 Grad und wird jeden Tag gewechselt.

Die wohltuende Wirkung der Thermalquellen von Schlangenbad war bereits vor Jahrhunderten bei den Adligen in ganz Europa, Fürsten und Kardinälen sowie betuchten Geschäftsleuten be­kannt. Im 19. Jahrhundert wurden in Schlangenbad elegante Hotels und ein mondänes Kurhaus errichtet. Schlangenbad galt als das teuerste der zahlreichen Taunusbäder, seine Quelle wurde zum Modegetränk der feinen Gesell­schaft. Die russische Zarin, die spanische Königin und die deutsche Kaiserin setzen den Standard für das kleine Kurbad mit dem schmeichelnd weichen Heilwasser.

Vom Glanz von dazumal künden das heute als „Parkhotel“ firmierende alte Kurhaus und Villen aus der guten alten Zeit. Es gibt ein Kurhaus mit vornehmen Sälen, eine protestantische und eine katholische Kirche, ein Kurhaus und ein Erholungsheim für Kriegsbeschädigte.

 

Im Adelheidtal hinter dem Kurhaus sind die Rheingauer Gebückbäume noch vorhanden (Siehe Hallgarten).

 

Schöne Hainbuchen-Alleen umgeben den Badeort und führen nach den nahen Bergkuppen, zum Beispiel auf den 495 Meter hohen Hansenkopf mit Turm, den Bärstadter Kopf, den Wilhelmsfelsen, den Grauen Stein, die eine Stunde entfernte „Hohe Wurzel“ (618 Meter) mit hohem eisernen Aussichtsturm, zur Altaneiche usw. Einen herrlichen Rheingaublick hat man von der Bubenhäuser Höhe (268 Meter) sowie von der Hallgarter Zange (Weg von Schlangenbad mit gelben Strichen bezeichnet).

 

Wambach: Mühlenmuseum bei der Wambacher Mühle nördlich von Schlangenbad.

Ebenfalls nördlich ist das Taunuswunderland.

 

Pohl

Wenn man in den Ort hineinkommt, steht rechts die Kirche. Hier geht die Kirchstraße ab. Auf ihr kommt man zu einem Stein, der den Limesverlauf markiert, rechts ist der alte Friedhof.

Unmittelbar vor dem Gelände des alten Friedhofes befand sich das römische Kleinkastell Pohl. Seine Nordwestkante lag im heutigen Verlauf der Kirchstraße. Gefunden wurden neben Scherben und Kulturresten auch zahlreiche Spitzgräben von etwa zwei Meter Tiefe sowie Fundamente. Sie belegen einen Steinturm in der Nordwestecke sowie einige feste Gebäude innerhalb der Anlage. Oberirdisch sind keine Spuren sichtbar.

In den nachgewiesenen festen Gebäuden innerhalb und außerhalb des Kastells im Bereich des heutigen Pfarrgartens kann man die Anfänge der Ortschaft Pohl sehen. Auch beim Kirchenbau 1874 war man in diesem Gelände auf Fundamentgräben aus römischer Zeit gestoßen - wie später seitens der Erbauer zugegeben wurde - jedoch hatte man diese verschwiegen, um den Fortgang der Bauarbeiten nicht zu gefährden.

Historiker und Militärgeographen waren sich sicher, daß hier mindestens ein Kleinkastell gestanden haben mußte, da Pohl an einem militärisch wichtigen Punkt lag. Zum einen knickte gerade hier der Limes fast rechtwinklig auf der Wasserscheide ab und vergleichbare andere Stellen am Limes waren immer mit Kleinkastellen gesichert; zum anderen traf hier der Grenz­graben auf eine alte, wichtige Heerstraße.

Die ersten Spuren für das Kastell fand Fabricius am letzten Tag der Ausgrabungen 1897, dann nach gründlichen Untersuchungen wieder im August und September 1903. Das rechteckige Erdwerk mit gerundeten Ecken war etwa 43 mal 34 Meter groß. Außerhalb fand man weitere Mauer- und Fundamentreste und auch weitere Spitzgräben, etwa 2,00 bis 2,20 Meter tief. In Kleinkastellen standen normalerweise nur Zelte, in Pohl aber sind fest Gebäude nachgewiesen.

 

Nach dem Kleinkastell Pohl mit seinem Wachtturm und Limesdurchlaß bog der Limes fast rechtwinklig nach Süden zum „Pohler Wäldchen“ am Pohler Stich ab. Im gesamten Verlauf des Waldes wird der Limes auf einer Länge von etwa 600 Metern wieder gut sichtbar. Wenn die Höhe - wie man annehmen muß - im Vorfeld des Limes zu römischer Zeit kahl und unbe­waldet war, so hatte man vom hiesigen Wachtturm aus Blickverbindung mit dem Kastell in Holzhausen und Aussicht auf die Talhänge am Hasenbach sowie über die gesamte Pohler Senke.

Das Pohler Kastell verlor seine Bedeutung, als um 260 nach Ch. der Druck der anstürmenden Germanenstämme zu groß wurde. Der Grenzwall mußte bald danach aufgegeben werden. Das Steinmaterial wurde sicher bald für den Haus- und Straßenbau verwendet, die letzten Spuren der Anlage verwischten sich im Laufe der Jahrhunderte.

Der Limes-Abschnitt Pohl ist mittlerweile von der Ortsgemeinde gut einsehbar gemacht und informativ ausgeschildert worden. Eine Rekonstruktion des Kleinkastells mit Wachtturm ist etwas weiter westlich erbaut worden (Eintritt 4 Euro). Der Limes-Abschnitt Pohl ist eine Einladung an alle, die sich für die Geschichte und Kultur unserer Landschaft interessieren.

 

Eine nach neuestem Stand der Forschung ab 2008 erstellte Rekonstruktion eines mit Holz und Erde errichteten Kleinkastells läßt die Bedeutung dieses, am Kreuzungspunkt zweier alter Fernwege gelegenen Limeskastells wieder erkennen. Der Nachbau repräsentiert ein frühes Holz-Erde-Kastell, welches hypothetisch am Beginn des 2. Jahrhunderts nCh, vielleicht unter Kaiser Trajan, konzipiert und ausgeführt wurde. Dieses wurde mit einem fortifikatorisch eigenständigen Holzturm aus der gleichen Zeit zu einem weltweit einmaligen Erlebnisraum zusammengefaßt.

 

Westlich von Pohl ist eine Rekonstruktion der Limespalisade zwischen Hunzel und Pohl errichtet worden. Im Waldstück ist der Limes gut erhalten. Jeweils am Waldanfang ergänzen Palisadenrekonstruktionen den originalen Wallgraben und führen die einstige Befestigung vor Augen. Zu dieser Stelle gelangt man, wenn man in der Mitte des Dorfes an der Informationstafel (über die alte Schule) den Weg nach links geht.

Der Limes erreicht von Hunzel kommend die Gemarkung Pohl im Wald. Wo der Waldweg heute aus Südwesten kommend den Limes schneidet, war auch in römischer Zeit ein Walldurchgang. Hier haben nacheinander zwei Holztürme und ein Steinturm gestanden, letzterer etwa 10 Meter vor den Palisaden. Die Flurbezeichnung „Am Landgraben“ erinnert hier noch an den Limes, der parallel zum Waldrand gut erhalten der Bäderstraße zustrebt.

Im Feld hinter dem Pohler Neubaugebiet, 100 Meter vom versteinten Waldrand entfernt, legte Fabricius 1897 das Fundament eines Steinturms frei. Es hatte ein Maß von etwa 5,40 Meter im Quadrat. Bei dem etwa 85 Zentimeter dicken Mauerwerk fand man allerlei Kulturreste, Kohlen, Aschen, Scherben und einen durchlochten Dachschiefer.

Da sind noch die Fundamentmulden bzw. Schutthügel eines steinernen Wachtturmes und einer Holzturmanlage. Da sind die Reste eines vorrömischen Grabhügels zu finden, der in den Limes mit eingebunden war, und da sind auch noch Spuren der letzten Grabungen. Vom Steinturm ist im Boden ein 30 Zentimeter hohes und 80 Zentimeter starkes Mauerwerk erhalten. Möglicherweise wurde die Anlage hier bei Kampfhandlungen abgebrannt, denn der Boden war durch Hitze gerötet. Die Arbeiter hatten bei den Ausgrabungen den Eindruck, „als ob das Zeug brennend in den Graben reingeschmissen und darin verkohlt wäre; gerade wie wenn ein altes Haus abgebrannt ist und der Keller ausgeräumt wird“.

 

Von Pohl führt eine Drei-Kastelle-Route durch die Gegend rund um den Limes und berührt dabei die Limesrekonstruktion westlich von Pohl, die Visualisierung des Kastells Pfarrhofen und das Kastell Holzhausen.

 

Die Überreste des römischen Kleinkastells Pfarrhofen liegen zwischen Holzhausen und Bettendorf, rund 180 Meter hinter dem Limes auf der Gemarkung von Miehlen, in der Nähe eines vorgeschichtlichen Grabhügelfeldes. Das Kastell wurde um 150 nCh auf einer Fläche von 40 mal 38 Meter errichtet. Es diente zur Sicherung eines aus dem römischen Reich in das Vorland des Limes führenden Weges.

Die Mauerreste des Kastells waren noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts etwa einen Meter hoch erhalten. Bis zum Jahre 1852 hatte man die Steine allerdings für den Bau der Bäderstraße ausgebrochen. Bei den archäologischen Untersuchungen durch die Reichslimeskommission im Jahr 1897 konnten nur noch vereinzelte Fundamentreste ausgemacht werden.

Das Klein­kastell hatte eine nahezu quadratische Grundfläche von 40 mal 38 Meter und war von einer 0,75 Meter starken Mauer umgeben. Der Zugang lag vermutlich in der Ostmauer. Im Innern wurden Spuren von Lehmfachwerk-Gebäuden festgestellt. Umfassungsgraben und Wallanschüttung hatte dieses Steinkastell nicht. Die Mauern stießen rechtwinklig aufeinander und waren nicht, wie üblich, als abgerundete Ecken ausgebildet. Der Ausgrabungsbefund läßt darauf schließen, daß der Kastellplatz nach einer Brandkatastrophe aufgegeben wurde.

 

Der Wachposten 2/25 befindet sich an der Gemarkungsgrenze zwischen Bettendorf, Pohl und Obertiefenbach im „Pohler Wäldchen“. Die Überreste des erstmals im Jahr 1897 durch die Reichslimeskommission untersuchten Steinturmes wurden. 2007 archäologisch nachuntersucht und anschließend auf Grundlage der hierdurch gewonnen Erkenntnisse durch eine Aufmauerung sichtbar gemacht. Die noch vorhandenen Gräben eines hölzernen Vorgängerturmes, ein gut erhaltener Limesabschnitt im dortigen Waldstück sowie ein nahe gelegener vorgeschichtlicher Grabhügel runden das Bild dieser interessanten Turmstelle ab.

 

Holzhausen an der Haide

Wo die B 274 von Rettert kommend in die B 260 einmündet, steht rechts das Haus, in dem 1832 Nikolaus August Otto geboren wurde. Seine Erfindung eines Verbrennungsmotors mit vier Takten: Ansaugen, Verdichten, Arbeiten und Ausstoßen aus dem Jahr 1876 eroberte als Ottomotor die Welt. In seinem Geburtshaus hat die Gemeinde ihrem berühmten Sohn ein technisches Museum eingerichtet.

 

  Kastell Holzhausen an der Haide:

In einem weiten Bogen umrundet der Pfahlgraben östlich von Holzhausen an der Haide den Grauen Kopf, mit 543 Metern die höchste Erhebung in der Gegend. Hier liegt eines der besterhaltenen Kastelle am obergermanischen Limes, etwa 2,5 Kilometer östlich von Holzhausen am Nordrand des Grauen Kopfes. Man geht aus vom Parkplatz an der B 260 am Kreisel südlich von Holzhausen (Nordseite Richtung Kemel). Dabei folgt man immer dem Zeichen des Limeswegs, dem Wachtturm (also nicht den Weg fast parallel zur Bundesstraße nehmen, sondern mehr im rechten Winkel weiter).

Hier sind dann durch Schilder die Wachturmstellen 31 bis 33 (bei 33 noch Schutthügel) bezeichnet.  Auf diesem Weg kommt man auch sehr bald an den Limes, der hier außergewöhnlich hoch noch erhalten ist. An der Schutzhütte kreuzt man den Limes und geht dann noch hoch zum Kastell. Der Hinweg ist allerdings 2,5 Kilometer lang. Auf dem Rückweg kann man an der Schutzhütte zunächst links den geschotterten Weg gehen und kommt dann an der Wachtturmstelle 34 (noch Schutthügel) vorbei, geht aber auf dem nächsten Weg wieder rechts auf den Limesweg.

Man kann aber auch einen sehr viel kürzeren Weg wählen, auf dem man dann allerdings nicht den Limes sieht, sondern gerade einmal die gerade erwähnte Wachtturmstelle: Wenn man von Kemel kommt ist links die Abzweigung nach Grebenroth. Danach geht nach rechts der zweite breite Waldweg ab, eine relativ breite Forststraße die gleich einen Boden nach rechts macht. Hier kann man noch mit dem Auto fahren bis zu einem Sperrschild, von dem aus es dann nicht mehr sehr weit bis zum Kastell ist.

 

Alle romantischen Klischees von Roms einsamen Außenposten in den dunklen germanischen Wäldern des Barbaricums werden hier aufs Feinste befriedigt. Das mit 1,4 Hektar kleinste Kohortenkastell am Limes ist das am besten erhaltene der gesamten Grenzsperre. Wie ein Bild aus dem romantischen 19. Jahrhundert liegt die Ruine da, versteckt im hohen Buchenwald, durch seine abgeschiedene Lage verschont vom Steinraub der frühen Neuzeit, ungestört seit fast 2000 Jahren.

Die Garnison Holzhausen wurde unter Kaiser Commodus gebaut. Ihre Entstehung in der späten Limesphase ist auf die zunehmende Bedrohung durch germanische Stämme zurückzuführen, die sich entgegen ihrer berühmten sonst üblichen Zwistigkeiten gegen die Besatzer verbündet hatten.

Ab dem 3. Jahrhundert läßt sich aus schriftlichen und neuerdings auch archäologischen Quellen das Nebeneinander zweier unterschiedlicher Germanengruppen nachweisen. Die alteingesessenen Westgermanen werden zuletzt im Zusammenhang mit Kaiser Caracallas Feldzug im Jahre 213 genannt. In den Siedlungen der zugewanderten Elbgermanen findet man auffällig viele römische Waffen und Beute aus Plünderungszügen. Zum Teil bestanden die Siedlungen der einheimischen und der zugewanderten Stämme gleichzeitig nebeneinander. Bernd Steidl formuliert es eindrucksvoll so: Die zwei Gruppen „könnten - etwas überspitzt - als Freunde und Feinde Roms charakterisiert werden“.

Beim Fall des Limes wurde auch Holzhausen aufgerieben. Doch vom dichten Buschwald geschützt, haben sich die Fundamente hervorragend erhalten. Im Jahre 1898 wurden die oberen Mauerlagen von der Reichs-Limeskommission konserviert, auch das half der guten Bewahrung bis heute.

Wenn man von der Schutzhütte aufsteigt, zieht sich plötzlich eine dreieinhalb Meter hohe und eineinhalb Meter dicke steinerne Wallanlage durch das Gehölz. Davor liegt ein tiefer, sechs Meter breiter Spitzgraben, dahinter ist die angeschüttete Erdrampe für den einstigen Wehrgang noch auszumachen. Ein Erddamm trug einst den Wehrgang. Darunter verborgen sind die bis zu drei Meter hohen Überreste der Steinmauer. Offen liegen die Grundmauern der Ecktürme und die Türme der vier Tore, deren obere Steinlagen bei der Konservierung neu aufgesetzt wurden.

Geht man die einst sechs Meter hohe Mauer ein Stück entlang, stößt man auf die Reste des linken Seitentores, das von zwei schieferbedeckten Türmen flankiert war. Auch hier war der Außenanstrich weiß mit rot aufgemalten Fugen. Dies ist die Porta sinistra (die linke Pforte). Gegenüber liegt dann die Porta dextra (rechte Pforte). Im Kastell geht es links zur Porta praetoria (Haupttor mit zwei Durchfahrten) und rechts jenseits der Mitte ist die Porta decumana.

Die Umfassungsmauer des 500-Mann-Kastells und die steinernen Fundamente von Stabsgebäude, Fahnenheiligtum, den vier Toren und den zweigeschossigen Ecktürmen zeichnen sich vor allem im Schnee romantisch ab. Nur die aus Holz errichteten Mannschaftsbaracken und Hütten des Dorfes (vicus) haben keine Spuren hinterlassen. Die Verlängerung der Lagerstraße durch das Haupttor des Kastells im Osten (porta praetoria) führte zum 400 Meter entfernten Limesdurchgang bei Wachtposten 2/35.

Die Besatzung, die 2. Treverer-Kohorte (Cohors II Treverorum), brachte 213 nCh aufwendige Ehreninschriften für Kaiser Caracalla an, in denen sie ihn in vergoldeten Buchstaben als „größten Germanensieger“ (Germanicus maximus) feierte. Wie schon Kaiser Domitian ließ er sich nach einem in diesem Jahr errungenen Sieg als angeblicher Germanenbezwinger in Rom feiern.

Die überwucherte Ruine, der einsam und still mitten im Wald liegende Außenposten Roms, so ganz stimmt das romantische Bild natürlich nicht mit der Römerzeit überein: Die Besatzer hatten weit und breit alles abgeholzt. Ihr enormer Holzbedarf als Baumaterial für Palisaden, Türme und Kastelle. Häuser und Baracken. zur Unterhaltung ihrer aufwendigen Stadt- und Villenkultur, als Feuer für die Heizungen und Bäder und den Betrieb frühindustrieller Unternehmungen wie der Erzverhüttung hatte sicher auch zu Kahlschlägen im germanischen Gebiet geführt.

Es gibt Orte, an denen man Geschichte noch heute spürt, die authentisch sind. Keine weißen Kieswege, keine neu errichteten Mäuerchen, keine wieder aufgebauten Tore, Türme und Wehrgänge. Die Rekonstruktionen haben ihre Berechtigung, machen sie doch breitere Bevölkerungsschichten auf das Welterbe aufmerksam, geben einen Einblick, wie es an der Reichsgrenze aussah. Aber die Magie des Ortes, die können sie nicht vermitteln. Der Pfahlgraben ist im Wald westlich vom Kastell Holzhausen wohl erhalten, er ist lediglich vor dem Kastell in nachrömischer Zeit eingeebnet worden.

Das Kastell liegt noch im Bundesland Rheinland-Pfalz. Gut 100 Meter östlich von dem Wehrbau läuft die hessische Grenze. Ungefähr dort wird auch der Pfahlgraben wieder sichtbar und ist von hier aus etwa 900 Meter weit nach Osten zu verfolgen. Dann verschwindet zunächst der Grenzwall und nach weiteren 30 Metern auch der Graben. Noch bevor der Pfahlgraben aufhört, erblickt man den ersten Steinturmhügel auf hessischem Gebiet.

 

 

Bad Schwalbach

Schwalbach wird zuerst 1352 erwähnt, 1509 wurden seine Wasser von Bischof Uriel zu Speyer und dem Abte Johann Schrott zu St. Ulrich gegen ihre Leiden gebraucht, im Jahre 1585 vom Kurfürsten August von Sachsen. Seit dem 16. Jahrhundert, als Dr. Tabernae­montanus, der Medicus des pfälzischen Kurfürsten, die Quellen für wirksam befand, ist der Kurbetrieb etabliert. Auch hier gab sich die Prominenz ein Stelldichein: Sissi von Österreich, König Ludwig von Bayern, Leibniz, Goethe sowie der 14. und 26. Präsident von Amerika waren unter den Gästen.

Landgraf Georg von Hessen-Darmstadt  war 1626 für das Bad tätig. Unter Landgraf Ernst von Hessen-Roten­burg entstanden um 1651 ansehnliche Bauten. Der Ort wurde früher Langen­schwalbach genannt und liegt 318 Meter hoch. Im Jahre 1816 kam der Ort mit der Grafschaft Nieder-Katzenelnbogen an Nassau, 1866 mit diesem an Preußen. Bad Schwal­bach war Kreisstadt des Untertaunuskreises und ist heute Kreisstadt des Rheingautaunuskreises.

 

Wenn man nach Bad Schwalbach hineinfährt sieht man rechts in der Brunnenstraße das berühmte Hotel Malepartus, daneben das Café Wagner, das in fünften Generation von der gleichen Familie geführt wird, die ihre Familiengeheimnisse bei der Herstellung ihrer Süßigkeiten wahrt.

Es folgt dann die spätgotische katholische St. Elisabethkirche von 1471 und das „alte Schloß“ (Am Kurpark 12), auch „Rothenberger Schlößchen“ genannt. Das Haus wurde 1602 für Land­graf Moritz von Hessen-Kassel erbaut. Dessen Sohn Hermann aus zweiter Ehe erhielt als Erbe die teilsouveräne Landgrafschaft Hessen-Rotenburg, zu der auch Schwalbach gehörte. Daraus leitet sich der Name des Schlößchens ab. Das Gebäude blieb 160 Jahre im Eigentum der Linie Hessen-Rotenburg. Seit 1729 war das Schloß Sitz des Amtes Hohenstein, dann des herzoglich nassauischen Amtes Langen-Schwalbach, des Justizamtes und der „Landoberschultheißerei“. Es war also Landratsamt und Zollamt und heute Amtsgericht.

Es handelt sich um eine vierseitig geschlossene Anlage um einen Innenhof. Der langgestreckte Hauptbau mit verschiefertem Fachwerkobergeschoß hat ein hohes Satteldach mit kleinen Gauben. Zur Hofseite befinden sich zwei offene Laubengänge auf Holzstützen mit geschnitzten Kopfbändern und eine barocke Tür. Die Obergeschoßzone auch der Wirtschaftsgebäude ist mit reizvollem Zierfachwerk versehen. Das Zwerchhaus war früher mit einer Ladeluke versehen. Das Treppentürmchen ist von einem Haubendach gekrönt. Ursprünglich gehörten zwei herrschaftliche Wachthäuser, Waschhaus, Amtsdienerwohnung, Scheuer, Chaisen-Remise, Gärten und Wiesen zum Anwesen.  Links ist dann das Kurhaus, hinter dem man parken kann.

 

Hinter dem Kurhaus beginnt der Kurpark. Eine Übersichtstafel über die Quellen steht unten an der Straße „Am Kurpark“ rechts vor dem Kurhaus. Bad Schwalbach hat neun Mineralquellen, die sich (nach Urteil des Professors Seegens) durch ihren starken, reinen Eisengehalt und ihren Reichtum an gebundener Kohlensäure bei gänzlichem Zurücktreten aller anderen festen Bestandteile auszeichnen. Das klassische Mineral‑ und Moorbad soll wirksam sein gegen Frauenleiden, Nervenleiden, Gicht und Rheuma sowie Herz‑ Kreislaufkrankheiten.

Von der Übersichtstafel sieht man an der Nordseite des Kurhauses aus den Stahlbrunnen, einen der beiden zwei Hauptbrunnen. Der Weinbrunnen ist die älteste Heilquelle und steht gegenüber an der Brunnenstraße, wo der Badweg abbiegt. Der Brunnen ist etwas säuerlich, wird aber von der Bevölkerung gern genutzt.

Die den Badeeinrichtungen dienenden Gebäude sind: Das in italienischem Renaissancestil 1873 erbauten Kurhaus, das Moorbadehaus (Parkstraße 11) und das Stahlbadehaus (Brunnenstraße 20). Eine Besonderheit Schwalbachs sind die Liegekuren im Kurpark. Im Kurpark wird nachmittags auch zum Tanztee aufgespielt.

Am Ende des Kurparks startet die Moorbahn, auf der Ausflügler transportiert werden. Abfahrt ist am westlichen Ende der Parkstraße. Nur an Sonn- und Feiertagen Frühjahr bis Oktober. Kontakt: Kurbahn Verein 06124/ 726342.

 

Man kann dann noch einen kleinen Rundgang machen: an der Nordseite des Kurhaus beginnt die Koblenzer Straße. An ihrem Ende steht links das Haus Stadt Frankfurt (Adolfstraße 3). Rechts geht es in die Kirchstraße, in der man noch einmal schön die rückwärtigen Gebäude des alten Schlosses sehen kann.

 

Vom Parkplatz muß  man auf der anderen Seite des Kurhauses abfahren. Man fährt ein Stück nach rechts und gleich wieder an der Kirche nach links in die Kirchstraße, die in die Adolfstraße einmündet.  Hier steht auf der linken Seite mit der Hausnummer 105 an der Einmündung der Straße Schmidtberg das alte Rathaus aus dem 17. Jahrhundert. Ein Stück weiter ist auf der rechten Seite der Brodelbrunnen, bei dem eine so große Menge reiner Kohlensäure aus der Erde entströmt, daß man sie auffängt, in eiserne Flaschen preßt und versendet.

 

Von der Adolfstraße aus kann man noch zwei Abstecher machen:

1. Man biegt nach links in die Martin-Luther-Straße ein und kommt zum Waldfriedhof. Dort steht an der Nordwestecke die Kopie des Fußes einer im Wiesbadener Museum befindlichen Jupitergigantensäule. Der Stein wurde 1839 unweit von hier auf dem einstigen Areal eines reichen römischen Gutshofes ausgegraben. Abgebildet sind die Göttermutter Juno, Minerva, die Beschützerin der Künste. Herkules sowie der Götterbote Merkur, Schutzgott der Kaufleute und Diebe.

2.  Wieder zurück auf der Adolfstraße fährt man ein Stück weiter und dann links in die Heimbacher Straße und dann gleich rechts in die Straße nach Lindschied. Vor dem Ort geht es nach links und dann wieder rechts ab in die Adolphus-Busch-Allee. Sie führt zu einer Anlage, die ursprünglich als Jagdschloß und Urlaubsort von Adolphus Busch erbaut wurde.

Der in Mainz-Kastell geborene Adolph Busch war im Alter von 18 Jahren nach den USA ausgewandert. Zunächst war er auf einem Schiff auf dem Mississippi tätig. Dann stieg er in die Brauerei Anheuser ein. Heute ist Anheuser-Busch die größte Brauerei der USA und hat 50 Prozent Marktanteil.

Heute wird das kleine Dorf für die Rehabilitation von Drogensüchtigen genutzt. Darin gibt es das „Haus Lilly“ in Erinnerung an den Namen der Frau Buschs, aber auch das „Haus Claire“, bei dem man nicht weiß, ob es sich um eine Verwandte oder eine Geliebte handelte. Er starb bei einem Sommerurlaub in Lindschied. Sein Herz soll im Park begraben sein.

Man muß aber wieder zurück nach Bad Schwalbach fahren, weil die Straße nach Heimbach gesperrt ist. Die Adolfstraße geht über in die Bahnhofstraße und dann links auf die B 54. Auf dieser nach links nach Adolfseck

 

 

 

 

Burgruine Adolfseck

Landschaftliche Gegensätze kennzeichnen den Lauf der Aar auf ihrem Weg durch den Taunus zur Lahn. Bevor das Flüßchen gemächlich der Mündung zustreben kann, muß es sich im Abschnitt Bad Schwalbach durch ein wildromantisches Felsental zwängen. Diese Lage für strategische Zwecke zu nutzen, bot sich schon früh an. So entstanden gleich zwei Burgen in direkter Nachbarschaft nebeneinander: die Burg Adolfseck der Nassau-Idsteiner im 14. Jahrhundert und die Burg Hohenstein der Katzenelnbogener im 12. Jahrhundert.

Am Eingang des Ortes liegt rechts auf der Spitze einer ins Aartal vorspringenden Bergnase die Ruine der bis zum Dreißigjährigen Krieg uneinnehmbaren Burg Adolfseck. Die Burg entstand im 13. Jahrhundert und war die Burg des Grafen Adolf I. von Nassau. Erhalten sind die ovale Gesamtanlage, der Burggraben und die spätgotische Kapelle. Wenn man sie besuchen will, muß man rechts die Taunusstraße hinauffahren.

 

Am Ende der Bebauung des Ortes auf der linken Seite steht ein Schild „Justinusfelsen“. Hier beginnt seit dem Jahr 2000 ein Wanderweg von knapp 1.000  Meter Länge, der zu allen archäologischen Denkmälern führt (siehe Führungsblatt 165). Auch den Justinusfelsen kann man nur auf diesem Weg erreichen

Nördlich des Weges, der zur Bahn führt, lag gleich westlich der Durchgangsstraße das Kleinkastell Adolfseck. Das Kleinkastell Adolfseck schützte einen Brückenübergang südlich des Kastells, ungefähr 50 Meter hinter dem Limes, über die der Postenweg lief. Von ihr sind einige Pfähle mit den typischen, eisernen Schuhen gefunden worden.  Der kleine, steinerne Wehrbau war etwa 18 mal 20 Meter groß und hatte abgerundeten Ecken. Er ist wohl erst in der Mitte des 2. Jahrhunderts entstanden. Zu sehen ist heute nichts mehr. Im Mittelalter war hier die Siedlung Ressfeld.

 

Westlich bam Heuberg befindet sich eine Turmstelle, die wohl zur älteren Limeslinie gehörte und noch im Gelände zu sehen ist. Die jüngere Limes-Linie zog vom Kleinkastell Adolfseck in östlicher Richtung durch offenes Gelände den Hang hoch, sie ist aber nicht erhalten. Am Seifenberg etwas weiter nördlich befindet sich im Zuge des Limes eine Schanze. Noch ein Stück weiter kommt man zum Justinusfelsen. An ihm befindet sich in Augenhöhe die Inschrift „Ianuarius Iustinus“. Hier hat sich ein römischer Soldat etwa 200 Meter außerhalb des Limes verewigt.

 

Am Ortsausgang geht es rechts in das Naturschutzgebiet Pohlbachtal. Weiter geht es durch das Aartal vorbei an der Frankenberger Mühle zum Felsentor, erkennbar an der früheren Gaststätte. Hier konnte man das Tal als angestauter Halsgraben abriegeln.

 

 

Burg Hohenstein

Man sollte zur Burg Hohenstein nach links aus dem Aartal hinauffahren. Wenn man sich dem alten Dorfkern nähert, zeigt das große Schild „Burg 300 m” die Richtung. Die Lage der Burg auf einem nach drei Seiten steil abfallenden 200 Meter hohen, von der Aar umflossenen Felsgrat ist faszinierend. Nicht minder die Masse Mauerwerk der verbliebenen Türme und Wehrmauern, einer 2,50 Meter starken Schildmauer, Befestigungen, die im Laufe der Jahrhunderte stetig verstärkt und erweitert wurden.

Die Burg wurde von den Grafen von Katzenelnbogen erbaut. Dieses Geschlecht zählte auf seinem Höhepunkt im 15. Jahrhundert innerhalb seines Territoriums 225 Dörfer, neun Städte und elf Burgen oder Schlösser.

Wie die Hohenstein ausgesehen hat, wissen wir heute ganz genau nach den Zeichnungen von Wilhelm Dillich, die er Anfang des 17. Jahrhunderts angefertigt hat und erhalten sind. Zwei gewaltige Schildmauern deckten gegen feindlichen Beschuß von der Bergseite her ab: die zweieinhalb Meter dicke äußere Mauer zwischen Tor- und östlichem Eckturm und die innere Maurer, teilweise aus dem Felsen gehauene Schildmauer zwischen dem fünfeckigen West­turm und Bergfried zum Schutz der Kernburg. Auch kleinste Mauerteile sind mit behauenem Schiefer sauber aufgeschichtet, so daß alles wie aus einem Guß erscheint.

Plünderungen und Feuer während des Dreißigjährigen Krieges leiteten das Ende ein, nach schwerem Beschuß mußte sich die Besatzung 1647 ergeben. Seitdem verfiel Hohenstein, ist aber dennoch eine der größten und eindrucksvollsten Burgruinen im Taunus.

Heute betreut das Land Hessen die Ruine, in der man frei herumklettern kann. Das integrierte Hotel-Restaurant Waffenschmiede hat nur eine beschränkte Raumkapazität und ist auf unbestimmte Zeit geschlossen. Neben der Burg steht die Kirche.

Man kann auf der anderen Seite wieder hinunterfahren ins Aartal. Empfohlen wird aber die Rückkehr auf dem gleichen Weg, weil man dann im Tal kurz vor dem Eisenbahntunnel noch einen schönen Blick auf die Burg hat.

 

Aarbergen: Michelbach

Aarbergen ist eine sehr ausgedehnte Gemeinde. Im Aartal trifft man auf Michelbach. Der Ort  besitzt zwei Kirchen, die man von der Straße aus sehen kann. Die alte Kirche inmitten des Friedhofs ist ein niedriger Bau mit romanischem Chorturm ohne Apsis.

Im Jahre 1655 wurde nördlich von Michelbach durch Graf Johann von Nassau-Idstein die Nas­sau-Idstein‘sche Eisenhütte mit Eisenhammer gegründet. Doch der holzgefeuerter Hochofen wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts abge­baut. Erzeugnisse waren Öfen. Ofenplatte und Töpfe. Heute ist hier Werk der Firma Eisengießerei Passavant.

 

Etwas weiter nördlich liegt Rückershausen, der letzte hessische Ort. Hier sollte man nach links abbiegen, denn das Aartal ist weiter unten nicht mehr so interessant. Hier geht es  über Dörsdorf nach Katzenelnbogen, das ja auch einmal hessisch war und dessen Namen die hessischen Landgrafen im Titel führten.

 

Katzenelnbogen

Die Burg Katzenelnbogen wurde um 1095 auf Bleidenstädter Vogteigut erbaut. Auf das gleiche Jahr datiert auch die urkundliche Ersterwähnung des Ortes. Nach der Burg benannte sich seit etwa 1138 ein Grafengeschlecht, das mit den Staufern zur damaligen Zeit in ver­wandt­schaftlicher Verbindung stand. Während des Interregnums erwarb es bedeutende Ländereien.

Um das Jahr 1260 teilten die Brüder Diether und Eberhard die Grafschaft unter sich auf, die sich erst um 1402 wieder vereinigte und dann ein Gebiet vom Odenwald bis zur unteren Lahn beherrschte, allerdings in zwei Teile getrennt, die sogenannte Niedergrafschaft um Katzeneln­bogen und St. Goar und die sogenannte Obergrafschaft im Rhein-Main-Dreieck um Darm­stadt. Zur Ersteren gehörten Orte wie Braubach und St. Goar, zur Letzteren Rüsselsheim, Groß-Gerau, Darmstadt und Zwingenberg.

Eine bedeutende Einnahmequelle verschaffte sich das Haus durch Zölle auf Schiffe, die den Rhein befuhren, sowie in dem von ihm begründeten Darmstadt, an der Bergstraße, einer Handels­straße, die von Heidelberg nach Frankfurt am Main führte. Dies machte sie zu einer der reichsten Grafschaften des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Die Grafen von Katzenelnbogen spielten eine bedeutende Rolle und sollen über einen der größten Silberhorte in Deutschland verfügt haben, den sie politisch geschickt zum Vergeben von Darlehen an andere Geschlechter nutzten und damit ihren Einfluß sicherten. Das Haus stellte u.a. Bischöfe in Münster und Osnabrück, mit Diether von Katzenelnbogen gegen Ende des 12. Jahrhunderts einen Kanzler des Reiches und eine Königsmutter von Adolf von Nas­sau. Diether VI. von Katzenelnbogen erhielt für seine Verdienste am 19. Juli 1312 Kaiser Heinrich VII. die Stadtrechte für Katzenelnbogen zugesprochen.

Nachdem 1330 Darmstadt zur Stadt erhoben wurde, verlegten die Grafen von Katzenelnbogen ihren ständigen Herrschaftssitz dorthin. Die weitere Entwicklung der Stadt Katzenelnbogen erlahmte daraufhin. Im Jahre 1479 starb das Grafengeschlecht in der männlichen Linie aus. Sein Besitz fiel, nach größeren Erbstreitigkeiten mit Nassau, 1557 endgültig an die Land­grafschaft Hessen. Hier wiederum fielen die südlich gelegenen Teile später an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die nördlichen an Hessen-Kassel.

Von 1798 bis 1814 gehörten die westlich des Rheins liegenden Teile der Grafschaft Katzen­elnbogen (Rheinfels, St. Goar und Pfalzfeld) zur Ersten Französischen Republik. Der kurhessische Teil fiel 1815 an das Herzogtum Nassau. Nach dem Deutschen Krieg kam Katzeneln­bogen 1866 zur preußischen Provinz Hessen-Nassau. Im Rahmen der preußischen Gemeindereform verlor Katzenelnbogen seine Stadtrechte. Zur 650-Jahr-Feier der Stadtr­echtsverleihung im Jahr 1962 bekam Katzenelnbogen erneut die Stadtrechte zugesprochen. Im Jahre 1972 kam es im Zuge der rheinland-pfälzischen „Funktional- und Gebietsreform“ zur Bildung der Verbandsgemeinde Katzeneln­bogen, deren Verwaltungssitz die Stadt Katzen­elnbogen ist (nach Wikipedia).

Von Katzenelnbogen fährt man nach Osten Richtung Aartal. Etwas vor Zollhaus geht es links ab zur Burg Hohlenfels

 

Burg Hohlenfels

Die Burg wurde 1355 - 1363 für Graf Johann von Nassau-Herrenberg errichtet. Auf steilem Kalkfelsen erbaut ist sie von drei Seiten durch fast senkrechte Felsen geschützt nahezu unangreifbar. Zur vierten Seite ist sie geschützt durch einen breiten Graben und fünf Türme und fünf Tore machen sie verteidigungsstark. Der Bergfried ist fünfeckig, die Schildmauer hat Ecktürme, es gibt Zwinger und Halsgraben, Bergfried und Wohnturm. Die Burg kam später zu Kronberg und über die Waldecker 1753 wieder an die Nassauer, die Teile der alten Burg abbrechen ließen.

Die Burg dient heute den Nerother Wandervögeln als Jugendburg. In der Domäne am Fuß der Burg besteht eine Verpflegungsmöglichkeit.

Die B 274 führt bei dem Ort Zollhaus wieder auf die B 54. Nach links könnte man noch einen Abstecher nach Hahnstätten machen. Aber zu sehen gibt es dort nicht sehr viel. Nach rechts geht die Kirchstraße ab. Im Winkel steht die ehemalige Wasserburg des 16. Jahrhunderts. Sie ist dreiflügelig mit Treppenturm und vier Erkern. Der Eingang ist von der Durchgangsstraße her, sie ist aber nicht zu besichtigen. Die Kirche steht weiter hinten in der Kirchstraße auf der rechten Seite. Sie ist von 1217 und hat ein erneuertes Langhaus aus dem 17. Jahrhun­dert.

Nördlich von Hahnstätten ist ein Kalksteinbruch, dessen Sohle nur noch zwei Meter über dem Meeresspiegel ist und die demnächst der tiefste Punkt in Deutschland sein wird.

Von Zollhaus geht es nach rechts weiter die Aar hochwärts, aber dann gleich links nach Burg­schwalbach.

 

Burgschwalbach

Hoch über dem Ort liegt links die mächtige Burg. An der Durchgangsstraße zeigt ein Wegweiser links den Weg nach oben. Erbaut 1368 - 1371 von den Gra­fen von Katzenelnbogen fiel die Burg 1479 an die hessischen Landgrafen und 1536 an die Grafen von Nassau-Weilburg, die bis 1630 hier wohnten. Erhalten sind Schildmauer, Halsmauer, Turm und Zwin­ger, Doppelmauer und Türme, Palas, Wohnbauten und Stallungen. Die romanische Kirche im Ort hat eine Rokoko-Stuckdecke.

 

Von Burgschwalbach geht der Weg weiter nach Panrod und Hennethal. Dort links ab nach Strinz Trinitatis und Limbach zur B 417. Dort steht die „Hühnerkirche“, eine große Gaststätte an der sogenannten „Hühnerstraße“. Auf der Bundesstraße geht es  nach rechts weiter, bis man links den Römerturm im Kastell Zugmantel sieht. Rechts ist ein Hinweis auf den Parkplatz in 400 Meter Entfernung. Nach dem Parkplatz biegt man nach links ab, noch vor der Waffelfabrik.

 

 

Kastell Zugmantel

Am Parkplatz steht zwar eine Informationstafel zu dem rund 2,5 Kilometer langen Lehrpfad, aber die Ausschilderung ist sehr mangelhaft. Zum Beispiel kann man nicht erkennen, daß das eigentliche Kastell sich direkt südlich an den Parkplatz anschloß (ein grüner Wegweiser zeigt zum Beispiel nach Norden). Es empfiehlt sich, die Übersichtskarte zu fotografieren oder abzuzeichnen, damit man den Weg findet.

Über das Kastell Zugmantel liegt eine der frühesten Untersuchungen zu einem Limeskastell aus dem Jahr 1760 vor. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts nahm der historische Verein für Nassau erste kleinere archäologische Ausgrabungen am Kastell Zugmantel vor. Systematische wissenschaftliche Untersuchungen erfolgten dann durch die Reichs-Limes-Kommission, ab 1894 und schließlich im 20. Jahrhundert durch das Saalburgmuseum. Die umfangreichste Erkundung wurde von 1901 bis 1914 durchgeführt. Ab 1905 bis 1914 besuchte Kaiser Wilhelm II. mehrfach die Ausgrabungsstelle, sogar noch während des Ersten Weltkriegs. Die unterbrochenen Grabungen wurden von 1921 bis 1937 - zum Teil als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen  - fortgesetzt. Weitere Grabungen folgten 1949, 1950 und 1956.

 

Den Rundweg kann man beginnen, in dem man durch das Eisentor an der Nordseite des Parkplatzes geht (Markierung Eule). Auf dem Übersichtsplan ist hier ein Bogen nach rechts eingezeichnet, dort sind aber keine Wege. Hier zwischen Kastell und Limes lag jedoch ein

Tempel, dessen Spuren im Wald noch sichtbar sind, vielleicht war er der „Großen Mutter“ (Magna Mater) geweiht.

 

Wenn man den Weg weiter geht, steht links eine Informationstafel über die Gladiatoren. Hier befindet sich eine der zwei „Rundschanzen“ des Kastells, die eine Besonderheit am Taunuslimes darstellen. In früherer Zeit wurden sie irrtümlich für Schanzen gehalten. Die „Schanze“ war aber kein Wehrbau, sondern ein kleines Amphitheater, wie man es oft neben Legionslagern, gelegentlich auch neben Auxiliarlagern gefunden hat. Sie dienten wahrscheinlich als Arena zur Vorführung von Übungen der Truppe. Sehr ähnliche Anlagen wurden am Kastell Dambach, in Wales bei Kastell Tomen y Mur sowie am nahe gelegenen Kastell Arnsburg entdeckt.

Zu sehen ist ein kreisrunder Erdwall von 48 Meter Durchmesser, der als Unterbau für das Holzgerüst mit den Sitzreihen diente. Die Arena hat einen Durchmesser von 24 Metern und wurde in den Boden eingetieft. Zwei Unterbrechungen im Wall im Norden und im Süden markieren die zwei gegen­überliegenden Eingänge. Das Bauwerk war von einem Gräbchen umgeben, das wohl der Entwässerung diente.

Drei Funde lassen sich mit Gladiatoren- und Tierkämpfen verbinden. Ein Greifenkopf­beschlag aus Bronze diente vermutlich als Aufsatz eines Gladiatorenhelms. Auf einem Schleif­stein ist die Darstellung eines Kampfes zweier Männer zu sehen. Einen Hinweis auf den Einsatz von Tieren gibt vielleicht die Besitzerinschrift „vesstigiatorum“ auf einem Tongefäß, denn die „vestigatores“ waren die Tierfänger.

 

Der Weg führt weiter zu dem rekonstruierten Limes-Wachtturm WP 3/15. Das Fundament des Steinturms wurde im Jahre 1966 kurz vor der Zerstörung durch den Bau der Bundesstraße von H. Schop­­pa untersucht. Dicht daneben entstand 1971/72 der rekonstruierte Limesturm, den man besteigen kann. Der Turm gibt einen zutreffenden allgemeinen Eindruck eines Limeswachtturms, doch weist er einige Mängel auf: Leider ist er nicht verputzt worden (sämtliche antiken Steintürme des Taunuslimes trugen einen hellen Verputz, in dem eingerissene und rot eingefärbte Linien Quader nachahmten). Auch waren die römischen Limestürme sicherlich etwas höher. Und es gab bei ihnen keinen ebenerdigen Eingang. Vor dem Turm sind etwa 50 Meter des Pfahlgrabens mit Palisade hergerichtet worden, der Limeswall war allerdings im Altertum oben nicht abgeflacht. Den originalen Zustand kann man noch sehen, wenn man nach rechts auf dem Rundweg  am Limes entlang geht.

Am dritten Weg rechts - wo der Weg eine leichte Biegung nach rechts macht – ist die Abzweigung auf dem Rundweg. Man kann auch noch weiter am Limes entlang gehen bis zum Waldrand vor Eschenhahn. Hier geht man 100 Meter am Waldrand nach rechts bis zur Eisenstraße (alter Verkehrsweg für Beförderung von Eisen und Erzen zwischen Lahn und Main). Der Eisenstraße dann nach rechts durch den Wald folgen. Nach 1,2 Kilometern bis zur Kreuzung mit der Markierung Eule gehen, mit dieser nach links gehen, vorbei an der alten Rundschanze.

 

Wenn man aber mit dem Rundweg nach rechts abbiegt, trifft man auf die breite Forststraße, die vom Parkplatz nach Osten führt. Man überquert sie (etwas rechts-links) und geht weiter nach Süden. Östlich liegt dann am Galgenköppel eine zweite „Rundschanze“ mit möglicherweise ähnlicher Zweckbestimmung wie die nördliche „Schanze“.

Man trifft dann auf einen Weg, auf dem man rechts weitergeht und in einem Linksbogen auf ein Wiesental kommt. Hier stehen ein Insektenhotel und die Orlener Elsbeere. Die Elsbeere war der Baum des Jahres 2011 und wurde gepflanzt im März 2011 zum 40jährigen Bestehen der Stadt Taunusstein im internationalen Jahr der Wälder. Die „schöne Else“ gehört zu den Rosengewächsen und kann bis zu 300 Jahre alt werden und eine Durchmesser von einem Meter erreichen. Das rotbraune und sehr dichte Holz der Elsbeere ist gut geeignet für die Herstellung von Musikinstrumenten.

Hier steht auch eine Informationstafel über das Kastellbad. Unterhalb der Tafel, etwa 320 Meter vom Osttor des Lagers entfernt, lag das Kastellbad. Der Platz war gut gewählt, denn die Wasserversorgung der Therme wurde durch die hier entspringende Aar sichergestellt. Man sieht weiter unten in der Wiese zwei Felsbrocken und den Beginn des Bachlaufs – die Aar­quelle. Die Aar entspringt also unterhalb des Kastells Zugmantel und mündet nach 40 Kilometern bei Diez in die Lahn.

In dem Militärbad waren die Räume nach dem Badeablauf geordnet. Nach dem Ablegen der Kleider im Umkleideraum (apodyterium) begab man sich in die Sauna (sudatorium) und ließ danach den Körper in einem lauwarm geheizten (tepidarium) und in einem ungeheizten Raum (frigidarium) abkühlen. Ein Raum, der angenehm erwärmt war (calidarium), stand für einen längeren Aufenthalt zur Verfügung. Zudem gab es ein Becken mit kaltem und warmem Wasser (piscinae).

Das Bad weist eine komplizierte Baugeschichte auf. Sicher ist in Periode 1 ein kleines Militärbad vom Reihentyp, das zu Beginn des 2. Jahrhunderts errichtet wurde. Kurz nach der Mitte des 2. Jahrhunderts wurde das alte Bad aufgegeben und durch einen unmittelbar daneben liegenden größeren Neubau ersetzt. Ein weiterer Umbau erfolgte Ende des 2. Jahrhunderts, bei dem Apodyterium und Frigidarium vergrößert wurden.

 

Von der Informationstafel ging eine Straße in nordwestlicher Richtung auf das Kastell zu, die aber nicht mehr zu erkennen ist. So entstand ein längsdreieckiger Platz, der den Kern des Vicus (Zivilsiedlung) bildete. Aber Häuser gab es auch westlich und nördlich davon. Das weitläufige Kastelldorf (vicus) erstreckte sich um den gesamten Kastellbereich Der Vicus gehört zu den am besten erforschten Kastellvici am Obergermanischen Limes. In ihm konnten zahlreiche Wohnhäuser - teilweise mit Fußbodenheizung  - nachgewiesen werden

Im Dorf gab es insgesamt drei Sakralbauten: Der dreieckigen Platz wurde von einem kleinen Heiligtum beherrscht, das dicht vor dem Kastelltor lag. In dem Vicus befand sich außerdem ein Heiligtum des Jupiter Dolichenus, von dem man geringe Mauerreste und auch Skulpturen dicht vor der Nord-Ost-Ecke des Kastells gefunden hat. Es gab ferner einen Tempel zwischen Kastell und Limes (siehe oben, nördlich des Parkplatzes).

 

Bei der Ausgrabung des Vicus hat H. Jacobi zum erstenmal über die Haustypen Klarheit gewonnen, die in einer solchen dörflichen Ansiedlung üblich waren. Die Häuser waren länglich-rechteckig; ihre Breite lag bei 6 bis 13 Meter, die Länge meist zwischen 30 und 43 Meter. Sie wendeten die Schmalseite der Straße zu, und dort befand sich fast immer der einzige Kellerraum des Hauses. Von der Inneneinteilung der Häuser ist wenig bekannt.

Im vorderen Bereich eines solchen Hauses befand sich über einem holzverschalten oder steinernen Keller meist ein Gewerbebetrieb, in dem Waren und Dienstleistungen des täglichen Lebens feilgeboten wurden. Zahlreiche Funde aus dem Dorf belegen, daß hier Keramik­händler, Bronzegießer und Knochenschnitzer ansässig waren, aber auch lederverarbeitende Betriebe wie Schuhmacher. Im rückwärtigen Teil lagen die Wohnräume, die vereinzelt mit Fußbodenheizungen ausgestattet waren. Dahinter schloß sich der Gartenbereich an. Viele Häuser besaßen auch einen eigenen Brunnen. Der Vicus des Zugmantel-Kastells ist aber heute völlig von der Oberfläche verschwunden.

Unter den Funden aus dem Vicus gibt es ungewöhnlich zahlreiche germanische Fundstücke des 2. Jahrhunderts nCh, die in anderen Kastellvici des römischen Hessen gelegentlich auch vorkommen. Sie fanden stets besondere Beachtung in der Forschung und haben manche Diskussion hervor­gerufen. Sie kamen zusammen mit römischen Funden aus den Kellern, Brunnen und Bodenschichten des Vicus und bezeugen, daß neben dem Kastell der 1. Treverer­kohorte eine germanische Bevölkerungsgruppe wohnte. Offenbar haben die Römer auch im 2. Jahrhundert nCh gelegentlich kleineren Gruppen von Germanen die Ansiedlung in der Provinz gestattet, möglicherweise mit der Verpflichtung zum Heeresdienst.          

Nach römischem Recht mußten Verstorbene außerhalb der Siedlungsgrenzen bestattet werden. Hier war das südlich des Kastells an der Straße nach Wiesbaden. Hinter der Tafel konnte ein zweites, kleineres Gräberfeld entdeckt werden. Im 1. und 2. Jahrhundert nach Christus wurden Verstorbene mit persönlichen Beigaben auf öffentlichen Verbrennungsplätzen einge­äschert, die Reste in eine Urne gefüllt und diese wurde dann mit anderen unverbrannten Beigaben (Teller, Nahrung, Töpfe) bestattet. Im 3. Jahrhundert nach Christus ging man zur billigeren Körperbestattung über, die außerdem mehr den christlichen Glaubensvorstellungen entsprach. 

 

Man geht dann auf dem Forstweg weiter in Richtung Westen bis zu einer Informationstafel über das Gräberfeld. Ein Tor des Kastells ging nach Süden. Daran schlossen sich Häuser und das Gräberfeld an. Dieses liegt südlich des heutigen Sportplatzes. Die südlichen und südöstlichen Bereiche der Befunde sind durch die Anlage eines Sportplatzes und eines Gewerbebetriebes gestört. Weitere Störungen des Befundkomplexes entstanden durch den neuzeitlichen Ausbau der Hühnerstraße.

An der Informationstafel geht man nach rechts hinauf. Bald erkennt man links eine Lücke im Wall - das Haupttor (Porta Praetoria). Dieses war in allen vier Bauphasen nicht nach Norden auf den Limes hin ausgerichtet, sondern nach Osten. Die Aufgabe des Kohortenkastells war es, die Civitas-Hauptstadt Aquae Mattiacorum (Wiesbaden) und das fruchtbare Land im Rhein­gau vor Überfällen zu schützen, die aus dem germanisch besiedelten Limburger Becken zu befürchten waren. Wegen seiner wichtigen Sperrfunktion gehörte das Kastell am Zugmantel zu den ältesten römischen Wehrbauten im Taunus.

Es begann um 93 nCh mit einem Numeruskastell aus Holz (1. Holzkastell, 3,7 Hektar). Dieses wurde unter Kaiser Hadrian erweitert (2. Holzkastell, etwa 1,1 Hektar). Wohl in der Mitte des 2. Jahrhundert entstand das wiederum etwas größere Steinkastell I (1,7 Hektar). Im Jahre 223 ist schließlich das auf 2,1 Hektar ausgebaute Steinkastell II fertig geworden. Mit 2,1 Hektar Fläche war Steinkastell II das kleinste Lager einer cohors equitata in Obergermanien. Es hat bis zum Ende des Limes um 263 bestanden.

Vom eigentlichen Kastell II ist heute die Umwehrung noch als Erdwall oder Böschung zu sehen. In seiner letzten Bauphase hatte das Kastell Zugmantel mit den Abmessungen 124,5 mal 171 Meter eine Gesamtfläche von gut 2,1 Hektar. Damit war es das kleinste Kastell einer Cohors equitata am gesamten Limes. Die Wehrmauer war von einem einfachen Graben umgeben, die Kastellecken abgerundet und nicht mit Türmen bewehrt. Dafür waren alle vier Tore des Lagers mit Doppeltürmen ausgestattet.

Als Besatzung ist in dieser Zeit die Cohors I Treverorum equitata auf Inschriften bezeugt; sie ging aus einer älteren, kleineren Hilfstruppe der keltischen Treuerer („Trierer“) hervor, einem numerus Treverorum.

Von der Bebauung des Kastellinneren konnten die Principia (Stabsgebäude) in vollem Umfang nachgewiesen werden, die restlichen Bauten dürften aus Holz oder Fachwerk bestanden haben. Aus dem Kastellareal stammen Gewandfragmente einer Großbronze, die in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts datieren.

Man geht dann aber nicht den Weg geradeaus weiter, sondern biegt nach links ab in den Kastellbereich. Man kommt zu einer eisernen Tür, deren Sperrhebel man hochheben muß, um direkt auf den Parkplatz zu kommen.

An der Straße fährt man geradeaus nach Orlen und dann rechts ab nach Wehen.

 

Wehen

Wehen ist heute Stadtteil von Taunusstein im Verwaltungsverbund von zehn einst selbständigen Gemeinden mit 27.500 Einwohnern. Wenn man von Orlen kommt biegt man erst nach links ab und dann nach rechts. An dieser Ecke liegt das geräumige Schloß.

Der Ort gehörte zum Gebiet der früheren Grafschaft und des späteren Herzogtums Nassau. Unter der Nassau-Weil­burger Linie entstand schon um 1330 ein Schloß, das von 1593 bis 1655 als Witwensitz diente, später auch als Amtsgericht. Vor geraumer Zeit haben die Renovierungsarbeiten am Schloßkomplex begonnen. Ein Abschnitt, in dem das ehema­lige Heimatmuseum untergebracht war, öffnete wieder seine Türen unter der neuen Konzeption „Regionale Geschichte und Volkskunde”, beginnend mit dem Ausstel­lungsthema „Vom Acker in die Küche”, die Lebenswelt die­ser Region zwischen 1900 und 1925.

Die Straße (Wegweiser Wiesbaden) macht noch einmal einen Knick nach links und führt dann durch ein mit Gewerbe durchsetztes Gebiet bis an den Ortsrand.

 

Wingsbach

Von Wehen kann man noch einmal einen Abstecher über das südwestlich gelegene Hahn zu dem nördlich gelegenen Wingsbach machen. Dort ist in der Scheidertalstraße 52 der Lehenshof,  65232 Taunusstein.

Der Lehnshof ist das älteste Gebäude von Taunusstein und vermutlich nach dem ehemaligen Kloster Bleidenstadt das zweitälteste im oberen Aartal. Besonders bemerkenswert ist die zum Anwesen gehörende, in Bruchsteinmauerwerk errichtete, barocke Zehntscheune, deren mächtiges Halbwalmdach mit Biberschwanz-Dachziegeln gedeckt ist. Diese auffällige Bauweise mit dem beeindruckenden Dachgebälk aus Eichenholz und die kleinen mit Sandstein gefaßten Öffnungen an der Rückseite weichen vom regional verbreiteten Scheunentyp ab. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Scheune im 18. Jahrhundert.

Das Anwesen, das erstmals 1223 als „Großer Lehenshof zu Hayne“ urkundlich erwähnt wurde, geht auf Kaiser Karl den Großen zurück. Das Gebiet des oberen Aartals gehörte zum Königssondergau (Königssundragau) und war Eigentum des fränkischen Königs. Im Jahre 812 übertrug Karl der Große die Verwaltung von Teilen des Königssondergaus dem Erzbischof des Erzbistums Mainz, verbunden mit dem Ansinnen, daß Land zu roden und kultivieren.

Ob das Anwesen bereits bestand oder von dem Kloster übernommen wurde, ist nicht überliefert. In den ersten Schriftstücken wird jedoch erwähnt, daß die Benediktinerabtei von Blei­denstadt ihren Hof 1315 an die Familie von Geroldstein zum Lehen gegeben hat.

Die Dorfleute von Hahn waren dem Kloster lehenspflichtig und den Grafen zu Nassau dienst- und steuerpflichtig. Die Abgaben wurden in der Scheune gesammelt. Davon hat sich der Name „Zehntscheune“ erhalten.

Seit 1867 ist das Anwesen im Besitz der Familie Capito. Um den Erhalt und die Sanierung hat sich seit mehr als 150 Jahren die Familie Capito und insbesondere der 2008 verstorbene Rainer Capito verdient gemacht. Er ließ Anfang 2000 das Krüppelwalmdach der Scheune und des Stallgebäudes neu decken. Dabei wurden die handgestrichenen Biberschwanzziegel per Hand abgenommen, weil sich darunter kostbare sogenannte „Feierabendziegel“ befanden, die die Jahreszahl 1731 trugen. Rund 1.000 Quadratmeter  Bruchsteinmauerwerk wurden gereinigt und neu verfugt, eine Bühne eingebaut und eine Traverse für Beleuchtung und Beschallung installiert. Seitdem finden in der Scheune kunsthandwerkliche Märkte und Musikveranstaltungen statt.

Wenn man durch eines der beiden großen Tore tritt, ist man beim Blick hinauf in das Dachgebälk von der Größe der Scheune überwältigt. Das Eichengebälk aus dem Jahr 1734 ist bis auf wenige Ausbesserungen im Original erhalten.

Heute ist der Lehenshof Heimat des Vereins „Forum Schmiede e.V.", einer Selbsthilfegruppe, die sich die Integration von Menschen mit seelischen Problemen oder zumindest ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zum Ziel gesetzt hat. Der Verein hat dort drei Räume angemietet und veranstaltet jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr einen kleinen Flohmarkt samt Kaffeeklatsch, dazu immer wieder schöne Märkte. Eine kleine, aber feine Bücherstube ergänzt das Angebot. Seit einiger Zeit wird die Scheune auch für Hochzeiten und andere Feierlichkeiten vermietet.

 

Kastell Heidekringen

In Wehen fährt man südöstlich auf der Platter Straße aus dem Ort heraus. Am Ende der Bebauung geht rechts die Obere Waldstraße ab. In diese fährt man hinein, soweit es geht. Dann geht man zu Fuß weiter. Man geht aber nicht gleich links ab, sondern den steilen Weg bergauf bis zu einem breiten Querweg, auf den man nach links einbiegt.

Auf der Südseite liegt bald darauf das kleine Kastell Heidekringen liegt (0,4 Hektar). Es ist an der römischen Verbindungsstraße, die von dem Civitashauptort Aquae Mattiacorum (Wiesbaden) zum Kastell Zugmantel am Limes führte. .Die Entfernung zum Limes beträgt fünf Kilometer.

Das Kastell bestand nur relativ kurze Zeit in der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts und diente als zusätzliche, rückwärtige Sicherung und wohl auch als Straßenstation. So war das Kastell wohl ein kleiner, militärischer Straßenposten zur zusätzlichen Sicherung des römischen Wiesbaden. Da es für eine vollständige Hilfstruppe zu klein ist, war die Besatzung wahrscheinlich eine zeitweise abkommandierte Abteilung einer Auxiliareinheit, die in einem anderen Kastell stationiert war.

Die Reste des Kastells findet man noch gut sichtbar. Ausgrabungen fanden 1897 und 1949 statt (E. Ritterling und H. Schoppa). Die Umwehrung war vorne durch eine senkrechte Bohlenwand versteift. Der Erddamm der Umwehrung und der Verteidigungsgraben davor sind noch rundum sichtbar. Das Kastell besaß zwei Tore, die sich in den Langseiten befanden. Im Kastellinneren verband eine Straße, die der via principalis größerer Militärlager entsprach, die beiden Tore miteinander.

Die hölzernen Mann­schaftsunterkünfte, die man voraussetzen muß, sind nicht ausgegraben worden. Außerhalb des Wehrbaus lag vor dem Nord-Tor ein kleines Badegebäude, dessen Umriß noch schwach sichtbar ist. Außerdem fand man ein ehemals holzverschaltes Bassin (B), vielleicht eine Pferdetränke. Die römische Straße unmittelbar nördlich davon ist bei den Ausgrabungen festgestellt worden.      

 

 

Idstein

Bandkeramiker:

Verstehen kann man sie ja schon, die Bandkeramiker, die einst in der Idsteiner Senke nördlich der heutigen Hexenturmstadt ihre Häuser gebaut haben: Sanft liegt die Mulde am Fuß des Taunus, noch heute geschützt vor zu heftigen und im Winter kalten Winden, die über das Mittelgebirge ziehen. Wahrscheinlich hatten sie aber noch einen besseren Grund, hier zu siedeln und ihre Felder zu bestellen. Der Boden ist sehr fruchtbar; wer hier sät, wird meist mit einer reichen Ernte belohnt. Woher die frühen Idsteiner wußten, daß der Boden besonders ertragreich sein würde, wenn man versucht, auf ihm Getreide anzubauen, weiß auch der Archäologe Christoph Schade von der Universität Frankfurt nicht, aber die Menschen der Bandkeramikzeit, haben sich fast immer die heute noch besten Böden ausgesucht, um dort ihre aus Langhäusern bestehenden Dörfer zu bauen.

Ihre Kultur war im Übrigen die erste, die nicht mehr hauptsächlich auf Jagen und Sammeln basierte: Die Menschen betrieben Ackerbau und waren damit seßhaft. Daß die Idsteiner Senke gegen 5500 vor Christus von Menschen besiedelt worden ist, ist seit mehr als zehn Jahren erforscht. Eine kleine Sensation ist aber, daß dies der nordwestlichste Punkt ist, von dem bekannt ist, daß hier auch schon Bandkeramiker, deren Ursprung in Transdanubien, dem heutigen Ungarn, vermutet wird, eine Heimstatt hatten. Mehr als 500 Jahren bauten sie in der Senke immer wieder an anderer Stelle neue Dörfer.

Als sie sich das Gebiet zwischen Idstein im Süden und Bad Camberg im Norden aussuchten, fanden sie, wie überall in Europa, Urwälder vor. Die Bandkeramiker rodeten die Wälder und waren damit die ersten, die in diesem Gebiet gestalterisch eingriffen; so entstand hier erstmals eine Kulturlandschaft.

An Funden aus dieser Zeit mangelt es im Prinzip nicht. Bereits vor mehreren Jahren hat der Hobbyarchäologe Horst Nauk das rund 15 Quadratkilometer große Areal systematisch begangen und Fundstellen, meist Tonscherben oder Hinterlassenschaften aus Feuerstellen, markiert. Rund 700 Menschen lebten im Schnitt in den Dörfern ‑ eine stattliche Zahl und entsprechend viele Spuren. Lediglich Friedhöfe haben die Forscher  - die in einer dreiwöchigen Aktion das Gebiet noch einmal geomagnetisch vermessen haben  - bislang nicht gefunden. „Die Bandkeramiker haben leider nur besonders wichtige Leute bestattet, die anderen wurden verbrannt“, sagt Schade. Eine richtige Sensation wäre es daher, wenn bei den nächsten Abschnitten des Forschungsprojekts noch Friedhöfe gefunden werden. Dann könnten die Archäologen möglicherweise auch ermitteln, wie es den Bandkeramikern in der Idsteiner Senke ging, wie sie gelebt haben, wie sie sich ernährt haben und wie alt sie geworden sind.

Für diesen Herbst ist geplant, einzelne Fundstellen exakter als bisher möglich zu vermessen und vielleicht auch einen Häusergrundriß freizulegen. Wie es mit dem Projekt weitergeht, hängt unter anderem auch davon ab, wieviel Geld die Forscher um Christoph Schade zusammenbekommen. Sein Ziel ist, zusammen mit interessierten Idsteinern eine Initiative zu gründen. Die könnte sich nicht nur um die Zukunft der Erforschung ihrer Heimat kümmern, sondern deren Ergebnisse vielleicht auch in einem Museum präsentieren. Interessenten erreichen Christoph Schade unter 69194259 oder per Mail an SchadeLindig@web.de.

 

Römer:

In Niedernhausen fährt man von der Autobahn ab und immer geradeaus durch den Ort nach Oberseelbach und dann weiter nach Norden in Richtung Dasbach. Kurz vor dem Ort wird der Limes gekreuzt. Auf den Dasbacher Höhen bei Idstein steht der Limesturm.  Parken geht am besten, wenn man vor dem Turm rechts zum Parkplatz abbiegt.

Östlich der Straße von Oberseelbach nach Idstein befand sich über viele Jahrhunderte ein etwa ein Meter hoher Hügel, den die Leute in der Umgebung „Heidenkippel“ nannten und als Grab eines nichtchristlichen Herrschers ansahen. Zwischen 1856 und 1872 wurden die Steine zum Bau der Straße verwendet, aber es handelte sich um die Reste eines römischen Steinturmes.

Auf Betreiben des pensionierten Idsteiner Bauingenieurs Ottmar Weigel wurde 1996 bis  2002 im Zusam­menhang mit dem Hessentag  eine Rekonstruktion eines Limesturms In mehr als 4.700 Stunden freiwilliger Arbeit nach den damaligen Erkenntnissen errichtet. Er zeigt den damaligen Forschungsstand mit Gleichzeitigkeit von Palisade, Graben und Wall. Außer dem Steinturm sieht man zwei Palisaden, die den Verlauf des Limes markieren. Ein kleiner Steinturm zeigt die originale Stelle des Wachtpostens 4/103. Weiter östlich ist die Informationstafel, hinter der vier Holzpfosten im Wald die Stelle markieren, wo der frühere Holzturm stand.

Im Gebiet von Idstein und Niedernhausen ging dem Limes eine ältere Grenzlinie voraus, die erst um die Mitte des 2. Jahrhunderts bis zu 750 noch vorne geschoben und  begradigt wurde. Das war bereits 100 Jahre früher als anderswo. Der ältere Limes verlief etwas südlich der Einmündung der Straße von Dasbach auf die Landesstraße. Auf der Tafel auf der westlichen Seite der Straße ist diese Linie als gelber Strich eingezeichnet.

Eine Turmbesteigung und Ausstelllungsbesichtigung ist möglich jeden Sonntag von Anfang April bis Ende Oktober bei einem  Eintritt von 1,50 Euro. Es gibt auch Erlebnisführungen. Ein Römerfest ist Ende August. Informationen unter www.roemerturm-idstein.de, oder-Mail info@roemerturm-idstein.de

 

Geschichte:

Zwei Brüder aus „Etichestein“ bezeugten im Jahr 1102 eine Pfändungsurkunde. Es ist das älteste Schriftstück, auf dem der Name Idstein amtlich erwähnt wird und damit Nachweis, mindestens 900 Jahre alt zu sein. Während des Dreißigjährigen Kriegs waren im Jahre 1629 noch 89 Familien in Idstein ansässig, 1648 waren es noch gerade einmal zehn. Der Landesherr von Idstein, Graf Johannes, hatte sich als überzeugter Protestant auf die Seite von König Gustav Adolf von Schweden geschlagen und mußte nach dem Sieg der kaiserlichen Liga sein Territorium im Taunus vorübergehend verlassen. Die Folgen des reformatorischen Eifers ihres Grafen hatten die Handwerker und Bauern der Stadt auszubaden: Sie wurden von durchmarschierenden Truppen und Verpfändungen drangsaliert, durchlitten Hungersnöte und Pestepidemien.

Nach der Rückkehr von Johannes aus seinem Straßburger Exil ging es mit Idstein rasant aufwärts: Das Schloß wurde renoviert, die Stadtkirche erweitert, im Park wuchsen exotische Pflanzen. Künstler gingen in Idstein ein und aus, unter anderem Merian der Jüngere, der den Schloßherrn künstlerisch beriet. Niederländische Meister bemalten Wände und Decken des Kirchenschiffs. Unter der Regierungszeit des Grafen Johannes und seines Sohnes Fürst Georg August Samuel erlebte die Residenzstadt eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit.

Doch die Gottesfürchtigkeit des Grafen hat den Idsteinern noch ein weiteres Mal arg zugesetzt: Weil sich Johannes verpflichtet fühlte, den „Teufel und dessen Anhang zu verfolgen“, und er sein Land „nicht schutzlos den Hexen auszuliefern“ gedachte, ließ er 1676 in nur einem Jahr 39 Frauen und Männer aus Idstein und Umgebung grausam foltern und hinrichten. Übrigens war keines der bedauernswerten Opfer jemals im Hexenturm eingekerkert. Die mußten vielmehr in einem Verließ in der Stadtmauer oder in leerstehenden Häusern auf ihre Peiniger warten. Der Schloßturm wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts zum Gedenken an die erbarmungslose Verfolgung unschuldiger Menschen umbenannt.

Während Johannes einen vergleichsweise bescheidenen Lebensstil pflegte, hat sein Sohn und Nachfolger Georg August Samuel auf großem Fuß gelebt. Seine Gemahlin Henriette Dorothea gab allein 300 Gulden aus zum Kauf von Spitzen fürs Kindbett. Georg August Samuel, der sich 1688 zum Fürsten erheben ließ, begann mit dem Bau des Biebricher Schlosses. Offenbar überstieg aber die luxuriöse Hofhaltung die Finanzkraft des Fürsten, so daß er sich zu nicht ganz legalen Mitteln der Geldbeschaffung veranlaßt sah. Er  wurde 1697 von der oberrheinischen Kom­mission der Falschmünzerei überführt und mußte 700 Gulden Strafe zahlen.

Georg August Samuel starb ohne männliche Erben, Idstein fiel an die Nassau-Usinger Linie und war nicht länger Sitz der gräflich‑fürstlichen Residenz. Im Jahre 1729 wurde im Schloß ein Archiv eingerichtet, das dort bis 1881 verblieb. Danach wurde in den einstigen Gemächern Hut­leder verarbeitet. Die Lederindustrie, die sich um 1800 in Idstein etablierte, sicherte den Bürgern bescheidenes Auskommen. Das Schloß diente auch den Katholiken vorübergehend als Gotteshaus. Und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier ein Gymnasium eingerichtet.

In Idstein wurde  1817 als erster Stadt in Hessen eine Union von Lutheranern und Reformierten  geschlossen. Die Stadt darf sich deshalb „Stadt der Reformation“ nennen.

 

Im Jahre 1848 machte Idstein wieder von sich reden: Aufmüpfige Bewohner der Stadt - von den revolutionären Umtrieben 1848 erfaßt - versammelten sich zu aufrührerischen Reden in der Unionskirche und sorgten dafür, daß Idstein fortan als „Demokratennest“ verrufen war. Mehrere hundert Deputierte, die sich in der Idsteiner Unionskirche versammelt haben, müssen die Revolution retten. Sie, die vom Volk Gewählten, haben sich die Freiheit und Einheit Deutschlands auf die Fahnen geschrieben. Ein Redner will viel: Wir sind nicht bloß gekommen, um Forderungen zu stellen. „Der Hund muß endlich beißen, und wenn es selbst in eine geheiligte Wade wäre.“ Eine (gemäßigte) Resolution wird verabschiedet, hinter der sich eine neue März‑ Bewegung formieren soll, denn die Revolution war beinahe zur Ruhe gekommen.

Doch es kam, was befürchtet worden war: Herzog Adolf befahl Hausdurchsuchungen und Festnahmen. Der folgende Hochverratsprozeß gegen die Rädelsführer endete zwar mit Freisprüchen. Doch trotz dieses Erfolgs: Der Demokratenkongreß im Juni 1849 ‑ am 18. März hatte die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche die Reichsverfassung verabschiedet ‑ wollte retten, was nicht mehr zu retten war. Bald darauf wendeten sich die Bürger von der Politik ab ‑ das Regime des Herzogs von Nassau hatte vorerst gesiegt.

 

Schreckliche Bekanntheit erlangte Idstein in der Zeit des Nationalsozialismus. Im Kalmenhof - ursprünglich 1888 von Frankfurter Bürgern gegründetes Heim für geistig behinderte Zöglinge ‑ wurden während des nationalsozialistischen Regimes kranke Kinder mit Arzneimitteln vergiftet. Eine Mahn‑ und Gedenkstätte auf dem Friedhof des heutigen Heilerziehungsheims Kalmenhof erinnert an die mindestens 600 Jungen und Mädchen, die hier umgebracht wurden.

 

Allgemeines:

Idstein, die alte Residenzstadt der Nassauer, verfügt über einen Fachwerkreichtum, wie er sonst im Taunus kaum noch vorkommt. Über die bunten Fachwerkgiebel ragen die Stadtkirche, das auf einem Felsen thronende Rathaus, Torhaus und Amtshäuser sowie Bergfried einer ehemaligen Burg, Zehntscheuer und schließlich das hochgestreckte Schloß. Was für eine Ansammlung von Kunstdenkmälern für ein Städtchen von 11.500 Einwohnern!

Im vorigen Jahrhundert soll es noch „finster” gewesen sein in Idstein, die Schönheit unter verstaubtem Putz, von den vielen Feuerstätten der Häuser und Werkstätten der Lohgerberstadt mit „Schmutzqualm " erfüllt, daß es sich kaum atmen ließ. Damals also schon Umweltprobleme und keine Abhilfe. Erst in den 30er Jahren wurde das Fachwerk freigelegt, in letzter Zeit farbig restauriert, Idstein als ein lebendiges Museum, in dem noch Holzbaukunst in höchster Ausprägung aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg zu bestaunen ist. Trotz vieler Not hat sie in Idstein alles überstanden.

Idsteins Charme gründet auf der Fachwerk‑Idylle seiner Altstadt ‑ ein wunderbares Freilichtmuseum, in dessen mittelalterliche Szenerie das moderne Leben integriert wurde. Die Stadt hat 150 Fachwerkhäuser überwiegend aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, in denen sich vielfach Geschäfte befinden und die  mit Schnitzereien kostbar verziert sind. Um sie ranken sich unzählige Geschich­ten und Anekdoten.

 

Rundgang:

Von der ursprünglichen Burg „Etichenstein“ hat nur wenig die baulichen Anpassungen an die jeweiligen Erfordernisse der Zeit überdauert. Den Verlust der Wehrfunktion zeigen die schönen Fachwerkaufsätze aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an, die sogenannten Kanzleigebäude, deren geschweifte Giebel am ehesten den Vergleich mit dem des Killingerhauses standhalten.

Einzig der intakt stehengebliebene, gleichwohl „um 50 Fuß“ auf 42  Meter  verkürzte Bergfried erinnert noch an den mittelalterlichen Bau. Möglicherweise blieb er auch als eine Art Menetekel erhalten: sein Beiname „Hexenturm“ gemahnt an eines der dunkelsten Kapitel in der Idsteiner Geschichte. Angeblich wurden während des hier besonders heftig wütenden Hexenwahns im 17. Jahrhundert 35 Frauen und 8 Männer im Verlies vor den Verhören und Hinrichtungen gefangengehalten. Vor allem waren es auch Waldenser, die als Ketzer angesehen wurden. Die Mauern waren eineinhalb Meter dick.  Von der Plattform hat man eine überwältigende Aussicht auf die Stadt (Den Schlüssel gibt es im Killingerhaus). Über eine später ausgebaute Treppe können Besucher heute bis fast an die Spitze des kreisrunden Turmes hinaufsteigen. Der luftige Ausguck eröffnet den  besten Blick über das Dächer­gewinkel und die Taunusberge ringsum.

Von der ehemaligen Burg Etichostein wird erzählt, wie Ritter Ulrich sich mit seiner Mechthilde herabstürzte, als der Schwiegervater zur Rache wegen des Raubs seiner Tochter anrückte. Die Ankündigung des nahen Untergangs der Nassau-Idsteiner Linie erkannte man später in dem Todessturz des vorletzten Grafen Johann Ludwig. Bei der Taufe des Söhnchens, mit welchem das Geschlecht enden sollte, stürzte er aus dem Schloßfenster in den Weiher und ertrank. Er hatte Medizin zusammen mit Alkohol genossen.

Adolf von Nassau machte die Burg zu seinem Hauptsitz. Er wurde am 5. Mai 1292 zum König gewählt. Aber er stand in der Abhängigkeit der Kurfürsten, deren er sich zu entledigen versuchte. Die Kurfürsten setzten ihn aber in Mainz ab und riefen Albrecht von Österreich gegen ihn auf. Sein zweiter Sohn Gerlach baute die Stadt, die 1287 die Stadtrechte erhielt, weiter aus.

 

Das neue Schloß, das sich an der Stelle der 1615 niedergelegten Burg erhebt, wurde 1614 bis 1634  unter dem Grafen Ludwig (Wappen über dem Tor) und seinen Sohn Johann im Renais­sancestil erbaut. Beim Weiterbau ab es kriegsbedingte Unterbrechungen  bis 1653.Mit dem Bau setzte die Weilburger Linie der Nassauer Grafen ein unübersehbares Herrschaftszeichen, als sie ihre Idsteiner Vettern nach deren Aussterben 1605 beerbt hatte. Ihre größte Blüte erlebte die kleine Residenz von Nassau-Idstein unter dem bereits genannten Grafen Johann, der nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges nicht nur das Schloß - innen wie außen  - fertigstellte. Er ließ auch einen leider verschwundenen Lust- und Mustergarten mit exotischen Gewächsen anlegen.

Baumeister des Schlosses waren Jost und Heinrich Heer.  Mitzureden hatte aber auch der Erbauer des Schlosses in Wiesbaden-Biebrich, Maximilian von Welsch. Dennoch konnte im 30jährigen Krieg das Schloß nicht eigentlich prunkvoll ausfallen. Es imponiert mit einfacher Renaissanceverzierung eher von der Masse her als dreiflügeliger Baukörper. Das Kaisergemach hat wunderschön restaurierte Deckengemälde.

Nur bis 1721 hat es als Residenz gedient. Das jetzige Schloß erlebte das Erlöschen der nachfolgenden Linie. Gleichzeitig mit Fürst Georg August wurden seine beiden letzten Töchter 1721 von den Blattern dahingerafft. Im Schloßkeller ließ die Fürstin die Leichen bis zur Überführung in die Fürstengruft in der Stadtkirche in Sand aufbewahren. Im Schloß der Grafen von Nassau‑Idstein ist seit 1945 das Gymnasium untergebracht.

 

Das alte Rathaus und das Torbogengebäude sind ansehnlich. Die Treppe vor dem Rathaus in der Schloßgasse, das 1698 erbaut wurde, bietet einen großartigen Blick auf die Fachwerk‑ Kulisse. Nach einem Felssturz im Jahre 1928 wurde das Rathaus unmittelbar über einer tunnelartigen Straßenöffnung wieder aufgebaut. Vor dem Rathaus führt eine breite Treppe hinauf. Von ihr aus hat man den schönsten Blick auf das Killingerhaus und die Versammlung von Fachwerkgebäuden rund um den König-Adolf-Platz. Wer hier läuft, wandelt auf den Spuren Kaiser Maximilians I. Als er 1502 Idstein besuchte, schritt er diese Treppe hinauf zur Burg. Zu seinen Ehren wurde eigens das spätgotische Tor in die Anlage gebrochen.

 

Das prächtige Killingerhaus am König-Adolf‑ Platz 7 wurde 1615 von dem gräflichen Amtsschreiber Johann Conrad Killing für sich und seine Frau als dreigeschossiges Fachwerkhaus mit großem Erker und reicher, symbolischer Schnitzkunst erbaut. Zwischen phantasievoll gekreuzten roten Balken taucht die Jahreszahl 1615 auf, an Erker, Giebel, Stützen, Kanten sind Ornamente, Pflanzen, Tiere, Fratzen eingeschnitzt und farbig abgesetzt. Die Reichtum, bürgerlichen Stolz und Glaubensfestigkeit ausstrahlende Fassade verweist auf die Bedeutung und das Repräsentationsbedürfnis des einstigen Bauherrn.

Hartnäckig hielt sich die Geschichte, es hätte ursprünglich in Straßburg gestanden, wäre in Einzelteile zerlegt, rheinabwärts bis Wiesbaden verschifft und in Idstein wieder aufgestellt worden.

Glaubt man der Legende,  dann wäre es 1615 gebaut worden, allerdings nicht in Idstein, sondern weitab, rheinaufwärts in Straßburg. Dem Nassauer Grafen Johann soll es indirekt zu verdanken sein. daß dieses architektonische Schmuckstück auf Reisen ging. Während des Dreißigjährigen Krieges zog Johann es vor, sich ins sichere Straßburg zu begeben. Dort nahm er den Amtmann Johannes Killinger in seine Dienste und nach dem Friedensschluß mit nach Idstein. Doch da gab es ein Problem; die Gattin wollte sich partout nicht von ihrem Eigenheim trennen, der Amtmann sich aber auch nicht von seiner Frau.

Die drohende Ehekrise soll mit dem Umsetzen des gesamten Hauses vom Elsaß in den Taunus abgewendet worden sein. Zu schön, um auch wahr zu sein? Nach Jahrzehnten spekulativer Hobbyforschung hat sich nun die Wissenschaft in einem Projekt ernsthaft des für das 17. Jahrhundert höchst ungewöhnlichen Balken-wechsel-dich-Spiels angenommen. Und wie nicht anders zu erwarten, die schöne Legende ist entzaubert: Das Killinger-Haus ging nie auf Reisen. Das gilt heute als eindeutig widerlegt.

Für den ungewöhnlich reichen Schmuck des sogenannten Killingerhauses gibt es bei dem im hiesigen Raum vor-herrschenden rheinisch-fränkischen Fachwerktyp kaum Vergleichbares, selbst in Idstein nicht. Keines der Nachbarhäuser hat einen derart schönen Schweifgiebel und einen über zwei Stockwerke reichenden Mittelerker vorzuweisen. Alle Fensterumrahmungen und Eckpfosten sind mit farbig ausgelegten Flachschnitzereien verziert. Ihr gebrochenes Grün und das Rostrot des Balkenwerkes kontrastieren lebhaft zu den hellen Flächen. Die Gefache unter den Fenstern und die beiden Giebel sind mit kunstvoll ausgeführten Wappen und symbolischen Darstellungen gefüllt, deren Deutung noch immer nicht zweifelsfrei gelungen ist.

Im Mai 1987 wurde dort  ein Heimatmuseum eingerichtet. Eines der ältesten Exponate darin wird eine Fußbodenplatte der  XXII. römischen Legion sein, die an die römische Besetzung bis ins 3. Jahrhundert erinnert. Weitere Ausstellungsstücke sind der „Königs Rauchschutz- und Atmungsapparat“, ein Webstuhl und eine prächtige Tür  aus dem Schloß. Ins Killingerhaus ist auch der Verkehrsverein eingezogen. Öffnungszeiten: montags bis donnerstags von 8 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, freitags von 8 bis 12 Uhr, sonn- und feiertags von 15 bis 17 Uhr.

 

Der Höerhof in der Obergasse 26 wurde zwischen 1620 und 1626 erbaut. Der Bauherr heißt Heinrich Heer (= Höer). Erst schuf er seit 1613 für Graf Ludwig II. von Nassau Weilburg das Residenzschloß anstelle der alten Burg, dann baute sich Heer sein eigenes Traumhaus auf einem Grundstück, das ihm der Landesherr als Dank für die großartige Leistung zur Verfügung gestellt hatte. Das kräftige Türkis seiner Gefache und die kunstvollen Einlegearbeiten stimmen ein auf das farbenprächtige Fachwerkrund. Mittlerweile hat sich in ihm das gleichnamige renommierte Feinschmeckerlokal etabliert.

Es gibt noch das Schiefe Haus und das Gasthaus „Zum Löwen“, von dem erzählt wird, daß dort ein Schatz vergraben sei.

 

Beherrschend ist auch die Stiftskirche (Martinskirche, Unionskirche). Der Unterbau des Kirchturms ist noch älter als der um 1400 erbaute Bergfried.  Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die gotische Hallenkirche errichtet, ihre heutige Gestalt und reiche Innenausstattung stammt zumeist aus dem 17. Jahrhundert. Nach dem großen Krieg im 17. Jahrhundert erhielt die Martinskirche ihr jetziges Aussehen, mit 38 schon im vorigen Jahrhundert gelobten „trefflichen altdeutschen Gemälden”.

Graf Johann ließ auch in eigenartiger Weise die St.-Martins-Kirche umgestalten, heute Unionskirche genannt, weil hier 1817 die Union zwischen Lutheranern und Reformierten für das Herzogtum Nassau geschlossen wurde. Unter Johann ist ein Gesamtkunstwerk geschaffen worden, das im protestantischen Europa ohne Beispiel ist. Nur die besten Maler, der Rubensschüler Angelo Immenradt und Johann von Sandrart, waren dem Grafen gut genug, um seine Vision einer biblischen Gemäldegalerie in dem gotischen Gotteshaus umzusetzen. Über den für lutherische Kirchen typischen Emporen. auf denen die Gemeinde nach Stand und Geschlecht geschieden saß – das Mittelschiff blieb frei –. wurden die Hochwände und die Decke lückenlos mit Szenen der Heilsgeschichte ausgemalt. Die auf Leinwand festgehaltenen und durch Rahmen unterteilten 38 Bilder geben dem Kircheninneren eine besondere Raumgliederung. Jede Darstellung wirkt in sich abgeschlossen. Der Eindruck eines für evangelische Kirchen außerordentlichen Farb- und Schmuckreichtums wird noch durch die prachtvollen Grabdenkmäler und eine Kanzel aus Lahnmarmor gesteigert.

Die Leinwände des Rubensschülers Michael Angelo Immenradt und seiner vier Gesellen bedecken Seitenwände und Decke völlig und erzählen Geschichten des Neuen Testaments. Bei der Hochzeit zu Kana läßt er den Maler Rubens unter den Gästen sitzen, der eine Jünger von Emmaus trägt die Züge des Grafen Johann von Nassau. Auch die übrige Kirche ist restlos ausgeschmückt mit Schnitzereien, Spruchmedaillons, Kanzel, gräflichen Epitaphen und Altar aus Lahnmarmor. Die unterschiedliche Pracht des geschnitzten Gestühls bezeichnet die Sitzordnung nach Ständen. Männlein und Weiblein getrennt, einschließlich der gräflichen Familie. Deren Abkommen ruhen in der Fürstengruft unter dem Altar.

Der jetzige Name „Unionskirche“ erinnert seit 1817 an die hier vorgenommene Verschmelzung von lutherischer und reformierter Konfession zur „Nassauischen Union”, auf ein Edikt hin, das  „Wir, Wilhelm von Gottes Gnaden, souveräner Herzog von Nassau“ in Wiesbaden verordnete. Allerdings entsprach es den Bestrebungen in der Bevölkerung. Der Schlüssel für die Kirche ist im Buchladen gegenüber oder im Verkehrsamt im Killingerhaus zu haben.

 

Heute:

Die Stadt war jahrhundertelang landesherrlicher, kirchlicher und geistiger Mittelpunkt und im 19. Jahrhundert bis zum Anschluß Nassaus an Preußen sogar Gerichtsort. Heute zählt Idstein zu den aufstrebenden Städten im Rheingau‑Taunus‑Kreis. In insgesamt zwölf Stadtteilen wohnen rund 23.000 Menschen. Das Jazz‑Festival im Sommer und der Alteburger Markt, der dreimal im Jahr ausgerichtet wird, lockt viele Tausend Besucher in die Stadt. Vom 14. bis 23. Juni 2002 war die ehemalige Residenzstadt im Taunus heimliche Hauptstadt Hessens, Gastgeber für die Menschen zwischen Werra und Neckar, auf dem 42. Hessentag. Idstein lebt mit und in seiner Geschichte, nicht von seiner Geschichte, wie immer wieder zu hören ist. Das Mittelzentrum für das Idsteiner Land, für die Menschen aus Niedernhausen, Hünstetten, Waldems und Aarbergen an der A 3 zwischen Frankfurt und Limburg, zehrt nicht von dem, was frühere Generationen geschaffen hatten.

Die Bürger verdienen ihr Brot in 1300 Betrieben vor Ort mit 7000 Arbeitsplätzen, in der Dienstleistung, vor allem in der Informations‑ und Medizintechnik ‑ die größten Anbieter sind Black & Decker (Verwaltung) und Thermoplast (Zulieferer für Autoindustrie). Im Gerben von Leder hatte die Stadt einen guten Ruf ‑ heute gibt es nur noch eine Fabrik in Ehrenbach. Arbeit bieten auch das Krankhaus, die 13 Schulen, darunter das Gymnasium Pestalozzischule im Residenzschloß, die Fachhochschule Fresenius und das Sozialpädagogische Zentrum Kalmenhof des Landeswohlfahrtsverbandes.

Idsteins Altstadt ist zweifellos in der Vorweihnachtszeitszeit am stimmungsvollsten, wenn die Straßen und Häuser mit Lichterketten und Tannengrün geschmückt sind. Der Weinachtsmarkt am zweiten Adventswochenende gilt als einer der schönsten im Rheingau- Taunus‑Kreis. Zwischen den Buden gibt es Kinderkarussells, Jäger servieren Wildgulasch und Idsteiner Chöre und Orchester musizieren vor dem Rathaus an  beiden Tagen haben auch die Geschäfte den ganzen Tag geöffnet, so daß beim Bummel auch gleich ein paar Weihnachtsgeschenke erstanden werden können.

 

Hasenmühle:

Von der Hasenmühle aus unternahm der Räuber Schinderhasses  seine Streifzüge, das Posthaus in Würges wurde von hier aus überfallen.

 

Oberauroff:

Bei der kleinen evangelischen Pfarrkirche ist der Chorraum bedeutend höher als das Langhaus. Vermutlich war schlicht das Geld beim Umbau 1310 vom romanischen Vorgängerbau zu einem gotischen Kleinod ausgegangen.

 

Heftrich (östlich von Idstein):

Südlich von Heftrich ist das Römerksastell Altenburg (wo die Straße nach Süden sich teilt nach rechts fahren).

 

Wallrabenstein (nördlich):

Im Jahre 1339 entstand unter Graf Walram von Nassau-Idstein eine Burg, die im 30jährigen Krieg verfiel. Die wenigen Reste bilden mit den Fachwerkgehöften eine malerische Gruppe.

 

 

Bad Camberg

Bad Camberg wurde am 6. Februar 1000 erstmals als „Cagenberg“ erwähnt, als Kaiser Otto III. dem Kloster Burtscheid bei Aachen seinen Hof Cagenberg schenkte. Es erhielt 1365 Stadtrechte. Von der im 14. Jahrhundert angelegten Stadtwehr sind das Obertor und das Untertor (auch „Schie­fer Turm“) erhalten geblieben, sonst nur noch geringe Reste von ehemals elf Türmen, unter anderem auch ein Wehrturm von 1580, der der Pfarrkirche St. Peter und Paul als Turm dient.

Zu seinem historischen Unglück liegt Bad Camberg in einem fruchtbaren Gebiet, dem Emsbachtal, das wegen des üppigen Weizenanbaus auch als  „Goldener Grund“ bekannt ist. Das nahrungsreiche Tal mit Camberg als Metropole zog hungrige Heerscharen wie die Fliegen an. „Der Krieg ernährt den Krieg“ ‑ Wallensteins Devise bekam die Stadt nicht nur im Dreißigjährigen Krieg zu spüren. Auch die Recken des Siebenjährigen Krieges sowie napoleonische Truppen und deren Feind schätzten zum Leidwesen der Bevölkerung diese Reiseroute. Die mittelalterliche Stadtmauer hielt dem Ansturm der gierigen Mäuler und plündernden Horde nicht lange stand.

Bad Camberg ist das älteste Kneippheilbad Hessens und einstige Metropole des Goldenen Grunds. Die gemütliche Badestadt mit malerischer Altstadt und wechselvoller Geschichte ist nicht nur für Kurgäste attraktiv. Richtig aufwärts ging es mit dem kriegsgeplagten Örtchen - das 1665 gerade noch 40 Einwohner zählte - erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Jahre 1927 etablierte der damalige Bürgermeister Johannes Pipberger in Camberg die Kneippkur.

Die Idee brachte er aus Pfarrer Kneipps Heimatstadt Wörishofen mit. Pipbergers Vorhaben gefiel den Bürgern. Private Kurheime schossen aus dem Boden, ein Badehaus wurde gebaut, Kurpark und Kräutergarten wurden angelegt. Dem Bürgermeister lag in erste Linie die Gesundheit der Camberger an Herzen. Daß die importierte Idee 1981 in ehrwürdigen Titel „Bad“ münden und die Kleinstadt zur einzigen staatlich anerkannten Kurstadt im Kreis Limburg-Weilburg avancieren würde, davon konnte Initiator Pipberger nur träumen.

Derzeit kommen jährlich rund 23.000 Kurgäste in das traditionsreiche Kneippheilbad, um Herz, Kreislauf und Immunsystem mit Güssen, Bädern, Waschungen Bewegung und Kräutern zu stärken. Oder um die heilsame Wirkung des berühmten Bad Camberger Lehms zu testen, die Giftstoffe bindet und Hautausschläge lindert. Oder um einfach im etwa 1,5 Hektar großen Kurpark zu spazieren, Licht zu baden und die Wasserspiele zu beobachten.

Zwei moderne Kliniken, Sanatorien und Kurheime bemühen sich um die Gesundheit der Gäste. Am Rand des Parks entsteht derzeit ein neues Kurmittelhaus, das voraussichtlich noch im Jubeljahr 2017 eröffnet wird ‑ gemeinsam mit dem neuen Kräutergarten.

Gepflegte, reichverzierte Fachwerkhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert säumen die engen Gassen der Altstadt und den Marktplatz. Fachgeschäfte, gemütliche Cafés, urige Weinlokale und Gaststätten laden zum Einkaufsbummel oder Verweilen ein. Die Altstadt ist ruhig, vielleicht ein wenig verschlafen, aber genau das Richtige, um dem Alltagsstreß zu entfliehen.

 

Höhepunkt und ganzer Stolz der Stadt ist der 144 Meter lange Amthof, der  1605 erbaut und in den achtziger Jahren für zwölf Millionen saniert wurde. Der ehemalige Sitz der kurtrierischen Amtmänner ‑ jetzt Rathaus, Archiv, Galerie und Stadtmuseum (ab April geöffnet) ‑ gilt als der längste Fachwerkbau im ehemaligen Regierungsbezirk Wiesbaden. In das imposante Gebäude integriert ist das Wahrzeichen der Stadt, der Obertorturm, einer von einst 13 Türmen der alten Stadtmauer, die nur noch teilweise erhalten ist.

An der Außenfront wird die kunstvolle Kombination von Schmuck und Symbolen besonders deutlich. Neben den christlichen Motiven fallen die beiden reich geschmückten, doppelstöckigen Erker ins Auge, die von leicht bekleideten Männern gestützt werden. Achatius von Hohenfeld, der einen Teil dieses Fachwerkkomplexes im 17. Jahrhundert errichtete, war astrologisch bewandert und ließ die Sternzeichen und Aszendenten von sich und seiner Frau, umrahmt von Fabelwesen, an einem der Erker anbringen. Er diente bei den Nassauischen Fürsten in Holland und kam hier wahrscheinlich mit Menschen, Tieren und Früchten aus den holländischen Kolonien in Berührung, denn die fränkischen Erker im Innenhof sind mit exotischen Elementen verziert. Die geschnitzten Brüstungsriegel und -felder zeigen Menschenköpfe mit großen Kulleraugen, Fabelwesen, Rankwerke sowie Frucht- und Blumenornamente in schöner Farbenpracht.

Neben dem Amtshof steht die Hohenfeldsche Kapelle (1650). Die Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul von 1779 (Turm von1580) hat eine reiche Ausstattung.

Das Tiefenbach-Haus am Marktplatz, ein typisches Renaissance-Fachwerkhaus ist das prächtigste Haus am Markt. Es wurde im Jahre 1592 errichtet. Dieses Haus, das mit reichem, vielfarbig abgesetztem Schnitzschmuck versehen ist, gehört zu den bekanntesten Fachwerkhäusern im Nassauer Land. Im Giebel streiten zwei farbige Landsknechte in damaliger Tracht. Darunter verkünden zwei posaunende Engel das Ende der Welt. Kunstvoll gestaltete Eckständer mit Beschlag-, Rankenwerke und Menschenköpfe rahmen die beiden Obergeschosse ein. Blickfang an der Fassade ist der Wappenträger mit dem Tiefenbach-Wappen. Die Inschrift mit dem Wappen des Erbauers und seiner Frau besagt, daß die Familie aus Siegen stammte.

Das älteste gotische Fachwerkhaus  Pfarrgasse 1 wurde im Jahre 1477 errichtet. Zum Haus gehört auch der reich geschmückte, rotfarbige Torbau mit zwei fränkischen Erkern aus dem

17. Jahrhundert. Umrahmt sind die Fenster von gewundenen Säulen mit Konsolen, Pilastern mit Schnüren, Quasten und Eierstäben. Dekorativ bemalte Fabelwesen und Blütenwerk in den Brüstungsfeldern runden die Rahmung ab.

In der Schmiedgasse hat ein wohlhabender Bürger Anfang des 18. Jahrhunderts ein reich geschmücktes Haus errichtet. Neben einem dreiseitigen Erker umrahmen zierliche Säulen die Fenster. Neun groteske Menschenköpfe mit geöffneten Mäulern blicken auf die Passanten herab, als ob sie ihnen etwas zurufen wollten. Im Erlebnisrestaurant „Zum Schmied“ servieren Knechte und Mägde - vom lieblichen Lauten­spiel der Minnesänger begleitet - täglich eine Brotzeit für arme Wanderer. Umsonst. Aber nicht zu früh gefreut: Ein feuchter Händedruck genügt dem Wirt dann doch nicht. Die Gratis‑Mahl­zeit muß abgearbeitet werden. Der Bettelgast hat die Wahl zwischen Besteck polieren oder Straße fegen.

 

Kreuzkapelle:

Östlich von Bad Camberg an der Südwestecke von Schwickershausen für die Heiligenwald­straße zur Kreuzkapelle. Das Gotteshaus wurde an der Stelle einer Einsiedelei 1683 als Wallfahrtskapelle erbaut, die 1725 erneuert wurde. Auch von Kapellenstraße in der Stadt führt ein Kreuzweg mit barocken Bildwerken (sieben Fußfälle) aufwärts.

Der Name leitet sich aus dem Grundriß her, ein Zentralbau, der das griechische Kreuz variiert. Vier gleichförmige Kreuzarme mit jeweils dreiseitigem Chorabschluß  sind von einem achteckigen Mauerring umgeben (schöne Aussicht).  Und über dem Kreuzungspunkt der abgewalm­ten Schieferdächer krönt ein Vierungstürmchen das ungewöhnliche Gotteshaus. Die Ausstattung stammt aus dem Früh- und Spätbarock. Auf dem Hochaltar ist eine  freistehende Kreuzigungsgruppe, die Kanzel ist farbig gefaßt.

 

Gnadenthal:

Westlich von Bad Camberg ist das Kloster Gnadenthal mit altem Fachwerkbau

 

 

Selters - Niederselters:

Sehenswert ist hier das Quellenhaus. Das Rathaus war Unterkunft des Militärs zur Bewachung der Quellen.

 

Selters -Münster (nördlich von Selters):

Das Wohnhaus einer Hofreite (Neustraße 8) wurde erbaut 1830 als verputzter Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach und symmetrischer fünfachsiger Fassade sowie zweiläufiger Freitreppe.

Das Kulturzentrum Alte Kirche (Alois-Born-Straße 22) wurde 1717 erbaut als Nachfolgekirche einer 1340 erwähnten Kapelle. Seit 1909 stand sie leer und wurde 1989-91 umgebaut zum Kulturzentrum.

Hünfelden-Kirberg

Aus falsch verstandener Pietät wurde ein Menhir zum Kriegerdenkmal umgearbeitet und fand im Friedhof seine Aufstellung (Der Friedhof ist östlich der Durchgangsstraße in der Hain­buchenstraße).

 

Hünfelden-Dauborn

Südlich von Dauborn ist auch ein Menhir in der Landkarte eingezeichnet, südlich der Kalascher Mühle und des Leidenbergs.

 

 

Weiltalweg

Achtung: Am ersten Sonntag im August ist das Tal gesperrt wegen des Radfahrersonntags

Aus einem kühlen Grunde, nämlich vom „Talgrund” im romantischen Weiltal aus, kann man zu kurzen oder längeren Wanderungen aufbrechen, bei denen man Luft erster Qualität, gemischt mit Wald- und Wiesenduft, schnuppert und viel schöne Landschaft sieht. Erst im Jahre 2000 wurde der Wan­der- und Radweg in Gänze fertiggestellt. Er folgt, soweit es Topographie und Naturschutz zulassen, dem Verlauf des Gebirgs­flusses Weil.

 

Vom Startpunkt am Roten Kreuz unterhalb des Kleinen Feldbergs sind es nur wenige Gehminuten zur renaturierten Weilquelle unterhalb des Großen Feldberges. Hier können auch die konser­vierten Überreste eines Glasofens aus dem 15. Jahrhundert und die Fundamente des römischen Feldbergkastells besucht werden. Die Wege dorthin sind ausgeschil­dert.

Der durchgehend gut beschilderte Weg führt entlang des Naturschutzgebietes „Reifenberger Wiesen“ nach Oberreifen­berg, wo die Burgruine mit ihrem mächti­gen, runden Bergfried, dem rechteckigen, sechsgeschossigen Wohnturm mit seinen vier Meter starken Mauern sowie in den Fels gehauenen Pulverkammern vom Geschlecht der Reifenherger kündet. Auf steiler Abfahrt geht es hinunter ins Weiltal  und dort w eiter  auf der Landstraße 3025

 

Vom Parkplatz „Talgrund”  auf der Höhe der Anglerteiche kann man  nach Osten zur Ruine der Burg Hattstein am Sängelberg  gehen, von der allerdings nicht mehr viel zu sehen ist. Der Weg Nummer 1 hat die Markierung „Ahornblatt“. Zunächst geht es aufwärts durch den Talgrund und dann rechts in den Wald. Etwas im Holz versteckt sind rechts die Reste der Burg Hattstein zu sehen.

Von der weiß man, daß sie im 10. Jahrhun­dert vom Mainzer Erzbischof zum Schutz der Eisenerzvorkom­men im Umland errichtet worden ist. Erbauer soll Hatto von Reifenberg gewesen sein, sein Sohn wäre der Gründer des Hattsteinschen Geschlechts gewesen. Im Jahre 1226

wurde die Burg erstmals urkundlich erwähnt. Doch meist hatten die Hattsteiner Streit mit den Nachbarn, die „Bündnisse“ mit ihnen abschlossen, die sie sich gut bezahlen ließen. Frankfurt versuchte 1393 die Burg zu stürmen, 1429 kamen die Cronberger den Hattsteiner gegen Frank­furt zu Hilfe. Erst 1432 konnten sie Philipp und Conrad von Hattstein gefangennehmen

Im späteren Mittelalter waren die Frankfurter nicht gut auf die Herren von Hattstein zu sprechen, denn sie waren zu Raubrittern geworden, die es auf die Waren der Kaufleute abgesehen hatten, die auf der Taunus­straße vom Rhein nach Frankfurt und zurück fuhren.

Im Jahre 1467 gelang es den Reifenbergern, die Burg zu erobern. Doch nach der Gefangennahme des Domherrn Philipp Ludwig von Reifenberg durch den Erzbischof von Mainz wurde die Burg der Verfall überlassen, das Geschlecht der Hattsteiner erlosch 1767 mit Johann Constantin Philipp von und zu Hattstein.

Die Hauptburg der Hattsteiner bestand aus einem Turm und einem Wohnbau. Sie war durch einen Zwinger und einen tiefen Graben geschützt. Im 17. Jahrhundert wurde die Burg verlassen und fing zu bröckeln an. Seitdem steht sie als Ruine im Walde. Der Weg führt dann nach einem kurzen Stück nach rechts und zurück zum Parkplatz.

Der Weg Nummer 2 hat die Markierung Rehbock. Während Weg 1 nur rund zwei Kilometer lang ist, sind es nun vier Kilometer. Vom Parkplatz geht es in nordöstlicher Richtung aufwärts. Der Weg führt über eine große Sturmscha­denfläche, die von einer nur zwölf Minuten dauernden Gewit­terbö im Sommer 1966 stammt, die im Nu 8.000 Festmeter Holz umriß. Die Fläche wurde wieder aufgeforstet, jedoch ist sie am Unterschied des Vegetationsbildes gegen­über der umgebenden Waldfläche zu erkennen. Der Weg biegt nach etwa 500 Metern rechts ab ins Tal. Zwischendurch hat man einen Blick auf Ar­noldshain und den Großen Feldberg. Auf dem Talgrundweg kommt man zum Parkplatz zurück.

Der Weg Nummer 3 hat die Markierung Schmetterling. Er ist etwa fünf Kilometer lang. Vom Parkplatz geht es über die Straße und über die Weil. Am Waldrand nach links auf einen schmalen Pfad, der im Weiltal aufwärts vorbei an einem Kinderspielplatz bis zum Trippelweiher führt. Bald geht es wieder - immer entlang der Markierung „Schmetterling” - auf die andere Tal­seite und dann links aufwärts. Rechts zeigt sich der Schmitt­grund und geradeaus vor dem Wanderer auf der Höhe Oberrei­fenberg mit seiner Ruine. An der nächsten Wegkreuzung geht es scharf nach links und am Westhang des Sängelberges entlang zur Ruine Hattstein und in den Talgrund. Auf dem Talgrundweg kommt man zum Parkplatz.

 

Durch die Freizeitanlage „Oberes Weiltal“ gelangt man in den Luftkurort Schmitten. Dem idyllischen Bachlauf folgend, schließt sich nach Hunoldstal die einzige steile Pas­sage an.

 

Man kommt dann zur Ruine Landstein links an der Straße, davor ist die Landsteiner Mühle. Eine schon im 15. Jahrhundert vorhandene Kornmühle mit Gasthaus ging im Dreißigjährigen Krieg unter. Das wüst gewordene kleine Dorf wurde nicht mehr besiedelt. Aber Ende des 17. Jahrhun­derts entstand die Korn-, Öl- und Schneidemühle wieder, jetzt ein beliebtes Ausflugslokal. Mehr fällt die dahinter aufragende Kirchenruine Landstein ins Auge. Die Kirche - Ende des 13. Jahrhunderts errichtet - war noch bis zur Reformation als Wallfahrtsort bekannt. Nach dem verheerenden Krieg wurde die große Glocke im Brandschutt gefunden und nach Ober­ursel verkauft.

 

Die Straße führt dann weiter nach Alt-Weilnau.  Der alte Ortskern entstand schon sehr früh am Fuße einer um 1200 erbauten Burg der Grafen von Diez und erhielt 1336 sogar für kurze Zeit Stadtrechte. Ein viereckiger Torturmes ist Rest der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert. Die Burg hat einen runden Bergfried. An der Zufahrtsstraße nach Altweilnau zeigt ein Schild. „Zu den 100 Stufen” zu einem Aus­sichtspunkt hoch oben auf einem Fels. Ein schöner Hangweg im Buchenforst hält darauf zu. Zum Aufstieg zur ersten Sta­tion, der Schutzhütte Albertsruh, sind es 50 Stufen, von da geht es mit kaum erkennbarem Pfad zu einer aussichtsrei­chen Felsplatte mit Bank (Mit dem Auto kann man auch über Usingen einsteigen. Dazu muß man in Usingen in Richtung Waldems nach links abbiegen. Über Merzhausen fährt man auf der Bundesstraße 275 weiter, biegt aber nicht rechts nach Altweilnau ab).

 

Wenn  man auich die Erbismühle besuchen will, dann muß man am südlichen Westrand des Ortes in den Erbismühlenweg einbiegen, der zur Mühle führt. Sie gilt als die älteste in diesem Raum, wird bereits 1213 im Zusammen­hang mit einem Kloster im Westerwald als „Erweins­mühle“ oder „Erbesmühle“ genannt. Sie war so etwas wie eine Grenzstation zwischen den Rittern von Alt-Weilnau und Neu-Weilnau.

Auf die Erbismühle kamen immer wieder neue Müller, die das Mahlwerk auch während der Schreckensherrschaft der Ritter, in den Bauernkriegen und während des 30jährigen Krieges in Gang hielten. Den Vorfahren der heutigen Besitzer, der Familie Schneider, brannte die Mühle in der Silvesternacht 1899 und später noch einmal an Weihnachten 1908 vollständig ab. Seit dieser Zeit begann man, auf der Erbismühle auch Gäste aufzunehmen. Sie entwickelte sich zu einem bekannten Sporthotel, wo schon die Fußballer der Nationalmannschaft und von Eintracht Frankfurt trainierten. Im Eingangsbereich sind noch Fotos der früheren Mühle zu sehen. Sie gibt dort auch einfache Speisen, allerdings nicht unbedingt billig. Heute allerdings ist das Sporthotel „dauerhaft geschlossen“.  Man kommt auf die Landstraße „Weilstraße“ und fährt auf dieser nach links wieder bis zur Bu ndesstraße 275 und auf dieser  nach rechts  nach Neu-Weilnau.

 

Llinks in Neu-Weilnau ist ein schöner Park mit einer Mauer. Es ist ein wunderliches Reich, in dem Hermann Türk in dem winzigen Taunus-Dorf Neuweilnau lebt. In seinem „Park Dreieich“ stehen ein mittelalterlicher Turm und eine Kapelle. Doch der Turm ist erst 100 Jahre alt, und das angebliche Gotteshaus sieht von innen aus wie ein etwas verranztes Wohnzimmer. Es wurde nie als Kapelle genutzt. Die nächste Kuriosität ist ein Tunnel, der in den Fels gehauen wurde und mit einem winzigen Balkon endet. An der Decke hängen kleine Fledermäuse, eine Grotte ist der Mittelpunkt des Gangs.

Der Eigentümer selbst wohnt in einem ganz normalen Haus mitten auf dem etwa 15.000 Quadratmeter großen Anwesen, es war früher das Kutscherhaus. Gebaut wurde es Ende des 19. Jahrhunderts von dem Frankfurter Privatier Friedrich Favre. Der Mann hatte reichlich Geld und viel Fantasie. In dem winzigen Weilroder Ortsteil Neuweilnau erfüllte er sich auf dem Gelände des früheren Viehmarkts mit seinem Park einen Traum.

Er ließ das etwa 20 Meter hohe Türmchen wie eine mittelalterliche Ruine bauen, hinzu kamen Kapelle, Tunnel, Stall, Kutscher- und Gärtnerhaus sowie das Hauptgebäude, das er „Villa Dreieich“ nannte. Sein Turm und die Kapelle sehen auch heute noch von außen täuschend echt aus, im Dach des angeblichen Gotteshauses läutet sogar eine Glocke. Im ganzen Park verteilte Favre Statuen, auch Taufbecken und Grabsteine waren dabei. In der Grotte drapierte er die lebensgroße Puppe eines Landstreichers mit einer Bibel in der Hand auf einem Stuhl. Der Landstreicher ist heute nicht mehr da, die Statuen sind in den 1970er Jahren fast alle gestohlen worden. In der Nähe der „Kapelle“ steht noch ein Abbild der heiligen Elisabeth, auch eine in Stein gemeißelte Mutter mit ihrem Kind ist geblieben, die war wohl zu schwer. Nachdem Favre während des Ersten Weltkriegs ums Leben kam, wechselte das Grundstück häufiger den Eigentümer. Von den vierziger Jahren an vergammelte es immer mehr.

Am 24. Dezember vor 29 Jahren schließlich erfüllte sich Türk seinen Traum: Er schenkte sich das Anwesen zu Weihnachten. Seitdem hat sich dort sehr viel getan.

Der Eigentümer selbst erzählt von „Bergen von Müll“, die er alleine aus dem Tunnel herausgetragen habe. Über den Kaufpreis und die Höhe seiner Investitionen schweigt Türk, der früher im Vertrieb arbeitete. Er ließ etliche der uralten Bäume fällen, baute den zerfallenen Turm wieder auf. Auch die anderen Gebäude wurden wieder auf Vordermann gebracht. Heute sieht das Anwesen innerhalb der Steinmauern gepflegt aus.

 

Nach rechts hat man einen schönen Blick auf Alt-Weilnau. Zum Schloß Neu-Weilnau geht es rechts die Straße hoch. Die Grafen von Weilnau errichteten um 1302 die Burg Neuweilnau, bei der dann das Dorf gleichen Namens entstand. Später ging die Herrschaft Weilnau an die Grafen von Nassau über, die das heute noch stehende Schloß Neu-Weil­nau errichten ließen. Das heute hoch über dem Weiltal gelegene Renaiss­sanceschlößchen Neu-Weilnau wurde von Graf Ludwig I. von Nassau-Weilburg 1506–1513 auf der Höhe des Rödelnberges über dem Dorf errichtet.

Hier residiert seit 1816 das hessische Forstamt, konnte allerdings nur noch das Erdgeschoß des Haupthauses nutzen, das die Grafen von Nassau‑Weilburg 1506 bis 1513 an Stelle der früheren Burg ge­baut hatten. Das Obergeschoß, das früher als Wohnsitz des Forstamtsleiters diente, und das Torhaus, ein Fachwerkbau aus dem 16. Jahrhundert, standen seit Jahren leer. Als dann bei einem Erdbeben Mitte der neunziger Jahre ein Teil der alten Burgmauer eingeb­rochen ist, war endgültig klar, daß sa­niert werden mußte.

Nach der Sanierung durch den Landesbetrieb Hessen Forst bis zum Jahre 2004 enthält das Obergeschosses des Haupthauses die neuen Büros des Forstamts. Aus den vielen kleinen Zimmern entsteht ein großer Saal, den Hessen Forst für repräsentative Zwecke nutzen will, in dem sich aber auch Heiratswillige das Jawort geben können. Hier können repräsentative Veranstaltungen wie Festivals, Trauungen und Abenteu­erevents stattfinden. Mit Singleabenden im Schloßkeller und mit Klettertouren will man Besucher locken. Die Wohnungen im Torhaus sollen an Privatleute vermietet werden.

 

Überall an der Weil sind idyllische Plätzchen zum Rasten und Schauen; auch ein Grillplatz ist im Steinbruch zwischen Rod an der Weil und Cratzenbach angelegt. Wer im Weiltal reiten möchte, kann sich in Weilrod-Riedelbach in der Langstraße bei Päckert ein Pferd satteln lassen. Ponys stehen bei der Familie Gräf im Islandponyhof Schmitten-Seelenberg im Stall.

 

Durch Neu-Weilnau geht es weiter Richtung Weilrod. Kurz vor Rod a.d. Weil biegt man aber links ab nach Cratzenbach. Dort steht rechts ein Hinweisschild nach „Hat­tenbach über Eichelbacher Hof“. Der Weg ist allerdings sehr schlecht, in der Mitte nicht mehr als ein Waldweg. Aber der Besuch des Eichelbacher Hofs lohnt sich, ist doch das Herrenhaus derer von Rheinberg 1568 erbaut. In den Land­gasthof muß an einem Mittwoch, Samstag oder Sonntag kommen, um sich mit „Hirten­schmaus“ (Lammbraten), „Burgforelle“, „Gesindeteller“ (Sülze vom Schwein) oder gar „Singender Wandersgeselle“ (Handkä­se mit Musik) oder hausgemach­ten Krautsalat zu stärken. Der Hof wurde von einer Familie in jahrelanger Arbeit restauriert. Als sie an einem Sonntag im Hof saßen, kamen plötzlich Wanderer und setzten sich dazu. Nach einiger Zeit fragten sie: „Wird hier denn nicht bedient?“ Da kamen sie auf die Idee, an einigen Tagen Kaffee und Kuchen anzubieten.

 

Man kommt dann wieder auf die Straße von Weilrod nach Bad Camberg. Man fährt aber nicht geradeaus nach Hasselbach, sondern nach links in Richtung Schweikershausen. Dort liegt links die Vogelburg mit mehr als 100 Papageien und Eulen. Die Papageien sprechen, setzen sich auf die Schulter und sich auch lernbegierig. Sie wurden meist aus Privathand hier übernommen. Öffnungszeiten sind vom 15. März bis 15.November von 10 bis 19 Uhr, im Winter nur an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 19 Uhr.

Die schwarz-braune Uhu-Dame plustert sich mächtig auf, als der Betrachter etwas näher an ihr Gehäuse herantritt. Mit starkem Blick fixiert sie den Betrachter und klappert mit dem Schnabel. Die Drohgebärde soll einschüchtern und den Nachwuchs vor Räubern schützen. „Wenn kein Gitter da wäre, würde sie angreifen”, erläutert Hans Steiner.

In seinem Vogelpark Weilrod-Hasselbach kann der Besucher das Verhalten der Vögel, insbesondere der Papageien und Eulen, in naturnaher Umgebung beobachten. Anders als Greifvögel, die ihre Beute im Flug entdecken und auf sie herniederstürzen, verharrt die Eule erst einmal regungslos auf einem Ast, fixiert ihr Opfer und fliegt dann plötzlich auf die Beute zu. Die sagen­umwobenen Vögel haben es Hans Steiner angetan. Für sie hat er Volieren aus Naturstein gebaut, in denen die Eulen genug Dec­kung haben, wie sie sie in der Natur suchen. Deshalb sind auch die Sichtfenster für die Besucher des Parks recht klein, und manchmal muß man genau hinschauen, wenn man den Stein­kauz, beispielsweise in seiner Höhle, entdecken will.

Steiner hat in seinem Vogelpark den Kompromiß gefunden zwischen dem Interesse der Menschen an den Vögeln, deren Lebensgewohnheiten und den Möglichkeiten zur Erholung. Im Zentrum des Parks liegt der Ara-Kaffeegarten mit mehr als 100 teilweise überdachten Sitzplätzen. Der Garten gruppiert sich um eine kleine Teichanlage mit einer Insel, auf der sich zwei Papageien die Zeit vertreiben. Papageien fliegen im Vogelpark Hoch­taunus frei umher. Sie sind anders als die scheuen Eulen, kon­taktfreudig und lassen sich füttern. Vom Gartencafe hat der Besucher einen herrlichen Blick über Täler und Wälder. Wer möchte. kann seinen Picknickkorb mitbringen oder sich an der Theke mit hausbackenem Blechkuchen oder Schwenk­braten vom Grill versorgen. Etwas abseits liegt der Spielplatz mit Klet­tergerüsten und - als besondere Attraktion für Kinder - dem Meerschweinchenfreigehege.

„Der Vogelpark dient der Erho­lung, der Bildung und dem Artenschutz”, sagt Hans Steiner. Er hat einen Vogel-Lehrpfad angelegt und ist besonders stolz darauf, daß die Vögel pärchen­weise leben, so daß die Nachzucht möglich ist. Besonders eindrucksvoll ist die Artenvielfalt. In den Volieren kann man die Schnee-Eule in ihrem weißen Gefieder ebenso bewundern wie den Sperlingskauz, der nicht viel größer als ein Spatz ist. Diese kleinste europäische Kauzen­art gehört zu den wenigen tagesaktiven Eulen. Die anderen Eulen erwachen erst zur Dämmerstunde zum aktiven Vogelleben.

Außer Eulen und Papageien sind in Weilrod-Hasselbach Steinadler, Kakadus, Enten und Sittiche zu sehen. Der jährlich wachsende Vogelpark gilt unter Vogelfreunden fast noch als ein Geheimtip. Neue Volieren kommen hinzu. Inzwischen wurde eine Aussichtsplattform errichtet, und beim Spielplatz entstand ein überdachter Versammlungsraum, in dem die Intelligenz der Papageien anhand von Kunststücken wie Fahrradfahren gezeigt wird.

Der Vogelpark ist ganzjährig geöffnet, in den Sommermo­naten von neun Uhr bis zum Sonnenuntergang. Der Eintritt beträgt für Erwachsene fünf, für Kinder drei Mark. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt.

 

Auch Dämme und Einschnitte der Bahnstrecke Grävenwiesbach - Weilmünster sind in der Landschaft noch zu erkennen. Die Bahnlinie querte das Steinkertztal zwischen Mönstadt und Naunstadt über ein 23 Meter hohes Viadukt. Die imposante Stahlfachwerkbrücke wurde 1973 abgerissen, zwei gemauerte Widerlager an beiden Talseiten sind noch erhalten.

 

Dann fährt man nach Weilrod hinein und links ab Richtung Weilmünster. Links zweigt steil die Straße „Am Kirchberg“ ab. Sie führt zu Kirche und Pfarrhaus. Dieses war - wie ein Schild infor­miert - „seit 1283 ununterbrochen Wohn­haus hiesiger Pfarrer“ und damit das ältes­te in Deutschland. Allerdings blieb es nicht un­verändert blieb: Ein Fachwerkteil wurde 1522 draufgesetzt, 1962 wurde es reno­viert. Vor der Kirche steht die 1884 gepflanzte „Luther‑ Linde“.

Über Emmershausen gelangt man zur Run­kelsteiner Mühle. Hier an der engsten Stelle des Weiltales kreuzt man gleich dreimal auf kleinen Brücken die namensgebende Weil.

Mit dem kleinen Ort Winden verläßt man die schroffen Taunushänge und den Hochtaunuskreis. Mit Audenschmiede er­reicht man den Landkreis Limburg-Weil­burg. Nach Weilmünster folgt der Weiltalweg der ehemaligen Bahnstrecke Grävenwiesbach-Limburg. Weiter nach Essershausen und Weinheim mit der Freienfelser Burgruine mit herrlichem Ausblick in das Weiltal. Dann verläuft der leicht abschüssige Weg bis zur Mündung in die Lahn bei der Guntersau. Abstecher kann man noch machen zur Kristallhöhle bei Kuhbach und nach Elkershausen (südlich von Weinheim) mit der ehemaligen Wasserburg.

 

 

Weilmünster

Sehenswert ist auch die alte Schule mit einem Oberstockwerk in Fachwerk und einem kleinen Turm. Vom Marktplatz steigt man auf zum Kirberg mit dem Aussichtsturm, der einmal Teil der mittelalterlichen Befestigungsanlage war. Man kommt auf die „Hessenstraße“, einem mittelalterliche Handelsweg, in Richtung Rohnstadt.

 

Weilmünster-Rohnstadt (südlich von Weilmünster):

Das ehemalige Rat- und Backhaus (Langenbacher Straße 4) wurde 1927 erbaut als Rathaus im Heimatstil (Backstein), danach wurde es genutzt als Schule, Kirche und Jugendraum, heute ist es Heimatmuseum und Archiv.

 

Weilmünster-Dietenhausen:

Westlich von Dietenhausen verläuft der Eselsweg, auf dem man früher die Esel entlang der Höhenlinie nach Weilmünster trieb.

 

Weinbach-Elkerhausen (westlich von Weilmünster, aber schon näher an der Lahn):

Das Schloß Elkerhausen (Burgring 18) wurde. erbaut im 12. Jahrhundert als Wasserburg, heute ist es Renaisssanceschloss in Privatbesitz.

 

Wanderwege auf dem Faltblatt „Wanderwegsystem Weilmünster“ des Zweckverbandes „Naturpark Hochtaunus“).

 

 

Usingen

Weil Osinga, Osanga, Osungen, Otsingen oder Oasunge an einer alten Königsstraße von Frankfurt nach Sachsen lag, jeweils eine Tagesetappe (etwa 27 Kilometer) von den Reichs­städten Frankfurt und Wetzlar entfernt, entstand Usingen vermutlich als ein Rastort. Es war ein Königshof, der dem König oder seinen Gesandten, Boten oder Beamten Quartier bot. Diese These wird durch eine Flurbezeichnung „Alte Burg“ unterstützt. Doch so wenig sich heute nachweisen läßt, wie und wo genau Usingen in der Beckenlandschaft des Flusses Usa entstand, so ungewiß ist der Zeitpunkt.

In einem Urkundenbuch des Klosters Fulda ist erstmals in der Zeit zwischen 750 und 802 von dem Ort die Rede. Ein gewisser Rihdrud, ein Rudpraht mit seiner Ehefrau Folcrat, die Nonne Rihsumt und weitere Wohltäter schenkten damals dem Kloster Güter in Usingen. Als offizielle „Geburtsstunde“ Usingens gilt das Jahr 802, wie das Hessische Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden der Stadt bestätigt hat. Seiner Auskunft nach kann bei einer Zeitspanne als sicherer Termin einer Ersterwähnung immer nur das späteste Datum angenommen werden.

 Fürst Walrad (1635 ‑ 1702) gilt als einer der bedeutendsten Förderer der Stadt. Er machte Usingen zu seinem Fürstensitz. Unter seiner 43 Jahre dauernden Regentschaft entwickelte sich die Stadt, deren Wirtschaft nach dem Dreißigjährigen Krieg und durch große Brande zum Erliegen gekommen war, zu neuer Blüte. Der Fürst baute das Usinger Schloß zu seiner Residenz aus und legte den Schloßgarten an. Er siedelte aus Frankreich geflüchtete Hugenotten an, ließ für sie eine Neustadt bauen, förderte die Wirtschaft und das Schulwesen.

Sein Sohn Wilhelm Heinrich und nach seinem Tod dessen Witwe Charlotte Amalie setzten die Reformen der Verwaltung und des Sozialwesens fort. Die Fürstin, der Geigerkönig August Wilhelm und Herzog Friedrich August sind neben Walrad als weitere herausragende Persönlichkeiten in der Stadt präsent. Ihre lebensgroßen Porträts zieren die Fassade eines renovierungsbedürftigen Fachwerkhauses an der Bahnhofstraße.

Die Gemeinde hat hier ihrem größten Sohn ein passendes Plätzchen hergerichtet. Vom terrassenförmigen Herrngarten „blickt“ der erste Herrscher Usingens, Graf Walrad, über sein Städt­chen. Einige besonders schöne Stücke der Eschbacher Klippen, die beim Erkalten der Quarzkristalle entstanden, sind im Sockel des Walrad-Denkmals in Usingen eingelassen. Wie von Menschenhand geformt und geschliffen wirken die vielen Dutzend kegelförmiger Kristalle, aus denen sich die konkav gebogenen Steine zusammensetzen. Die Gemeinde hat hier ihrem größten Sohn ein passendes Plätzchen geschaffen.

 Vor ihm staffeln sich das frühere Schloß, die wuchtige Laurentiuskirche – Wahrzeichen des Usinger Landes –. und im Hintergrund tun sich die höchsten Taunus-Erhebungen auf.

Schloß und Herrngarten ließ Walrad zwischen 1660 und 1662 anlegen. Wiedererkennen würde er die Residenz wohl nicht mehr. An ihrer Statt steht ein gelbes (Schul-) Backsteingebäude, das nach einem verheerenden Brand 1873 gebaut wurde. Usingen war im 17. Jahrhundert nur deshalb Herrschaftssitz geworden, weil zwei erbberechtigten Nassauer Brüdern keine bessere Lösung als eine Landesteilung eingefallen war. Die von Walrad begründete nassauisch-saar­brückisch-usingische Linie hielt es dann nur gut 80 Jahre im Hintertaunus, 1744 wurde der Regierungssitz nach Wiesbaden verlegt.

Walrad hatte sich nach Kräften bemüht, mit seiner Bautätigkeit, der Förderung von Ackerbau und Gewerbe. die schlimmsten Folgen des Dreißigjährigen Krieges zu überwinden. Kaum hatte sich das Städtchen erholt, wurde es 1692 von einer großen Feuersbrunst erneut fast vollständig zerstört. Ganz im absolutistischen Geist der Plan-und Machbarkeit aller Dinge ließ Walrad das Zentrum nach einheitlichem Plan – gerade Straßen und freie Plätze – wiederaufbauen. Die Hauptachsen prägen noch heute das Usinger Stadtbild, im Mittelpunkt wie eh und je der Schloßplatz zwischen Schule und Fachwerk-Rathaus. Auf beide blickt der nassauische Löwe von einer hohen Sandsteinsäule am Brunnen herab.

 

Junkernhof (Wilhelmjstraße):

Das Gebäude ist erbaut 1692 als Fachwerkhaus auf Fundamenten von drei Wohnhäusern. Es war erst freiadliger Hof, dann Flanellfabrik. Teile der Innenausstattung aus dem 17. - 19. Jahrhundert sind erhalten. Der heutige Besitzer schreibt: Den ersten Besitzer unseres Hauses, des Junkernhofs in Usingen, kannte ich schon als Kind: einmal aus der Erzählung meiner Großmutter, die ihn wie einen edlen Prinzen aus Grimms Märchen schilderte, und dann von seinem Grabstein an der Kirche, auf dem er als untersetzter, energischer Mann in voller Rüstung, mit dem Streitkolben in der Hand dargestellt ist. Dieser Reinhard von Schletten hatte kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg aus der Mitgift seiner Frau und durch Zukäufe ein freiadeliges Gut erworben und durch den Umbau dreier Häuser ein repräsentatives Wohnhaus geschaffen.

Sein Grundstück wurde an einer Westseite auf etwa 90 Meter Länge von der Stadtmauer begrenzt, für deren Verteidigung er zu sorgen hatte. Das aufwendig mit stuckierten Decken, ornamentierten Bodenfliesen und prächtigen Kachelöfen ausgestattete Haus geriet am 23. April 1692 in Brand und entfachte einen Feuersturm, dem große Teile Usingens zum Opfer fielen: fast 100 Anwesen brannten nieder und zehn Tote waren zu beklagen.

Energisch ging man an den Wiederaufbau. Das ganze Straßennetz wurde neu konzipiert. Für den damaligen Besitzer des Junkernhofes, einem Herrn von Kniestedt, ergab sich so die Gelegenheit, nicht nur die erhalten gebliebenen Keller, sondern auch die alte Straße vor dem Haus mit zu überbauen und dort ein Gutteil des Brandschuttes abzuladen. Auf der eingeebneten Brandstelle wurde ein großes, fünfachsiges Fachwerkhaus errichtet. Schmuckelemente unter den Fenstern zeigen, daß es zunächst nicht verputzt war. Der Erbauer verkaufte sein Gut an einen Herrn von Schildeck, der es über lange Jahre verpachtete. Von dessen Erben erwarb es der Landesherr, um dem Gut seinen rechtlichen Sonderstatus zu nehmen und es Stück für Stück an steuerpflichtige Bürger zu verkaufen. Das Wohnhaus mit Garten und Wirtschaftsgebäuden ersteigerte 1810 ein Flanellfabrikant und betrieb darin sein Gewerbe. Im Jahre 1826 verkaufte er das Haus an einen meiner Vorfahren.

Rund 100 Jahre später hat mein Großvater die baufälligen Scheunen abgerissen und das Haus den damaligen Wohnstandards einigermaßen angepaßt. Er nutzte es als Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung. Nach dem Krieg mußte es nicht nur der Familie, sondern auch Evakuierten und Flüchtlingen als Unterkunft dienen. Bis zu 34 Personen lebten zeitweise im Haus - und verwohnten es. Nach und nach zogen sie aus und schließlich stand es zur Hälfte leer und nur noch zwei alte Tanten hausten darin. Durch Erbschaft waren schließlich 15/112 Anteile am Junkernhof bei mir gelandet.

Meine Schwestern und ich haben uns nach einigem Zögern entschlossen, das Haus zu sanieren und dabei möglichst viel der Originalsubstanz zu bewahren und vielleicht das Fachwerk der Fassade freizulegen. Die schlimmsten Bauschäden sind mittlerweile behoben und der erste Bauabschnitt abgeschlossen, der zweite begonnen. Am „Tag des offenen Denkmals“ können so alle Stadien der Sanierung, vom Abbruchhaus bis zur fertigen Wohnung gleichzeitig besichtigt werden. Im Schutt unter den Fußböden haben sich eine Menge interessanter Relikte aus den letzten 500 Jahren gefunden, die ebenfalls zu sehen sein werden. Schätze haben wir aber leider trotz eifrigen Grabens und Siebens nicht gefunden (Ulrich Würz)

 

Hattsteinweiher:

Westlich von Usingen führt die K 739 in Richtung Niederlauken und Wilhelmsthal. Beim Katharinenhof zweigt nach Norden die Straße zum Hattsteinweiher ab.

Der Hattsteinweiher ist das einzige natürliche Gewässer im Taunus, in dem Baden erlaubt ist. Saison ist dort fast das ganze Jahr über, im Herbst, Winter und Frühjahr bevölkern Spaziergänger den Uferweg. Doch der Ansturm hält sich in den Grenzen des regionalen Einzugsgebiets. Selbst bei strahlendem Sonnenschein darf man begründete Hoffnung haben, am Rasen- und Sandstrand oder auf der Terrasse des See-Restaurants noch ein freies Plätzchen zu finden.

Anders als im Langener Waldsee etwa, wo neuesten Gerüchten zufolge für den Aufenthalt im Wasser Stehplatzkarten ausgegeben werden, läßt es sich im Hattsteinweiher fast ungestört schwimmen. Die Füße stoßen sich weniger an den Rippen des Nachbarn als daß sie schnell wieder Boden unter sich haben: Das Gewässer ist kaum vier Hektar groß. Gut ein Viertel der Uferlandschaft ist zudem als Naturschutzzone abgegrenzt, und darf nicht angeschwommen oder betreten werden.

 

Steinbruch

Die kleine Stadt Usingen im Taunus ist weltweit bekannt - zumindest in den Kreisen der Glashersteller. Der in der Hochtaunuskreis-Gemeinde abgebaute Quarz ist so rein, daß er sogar für die Raumfahrt benutzt wird. Es ist der reinste Quarz, der heute noch in Deutschland abgebaut wird. Das Mineral wird so lange gehauen, zerrieben und gemahlen, bis aus ihm ein Pulver geworden ist. Dann wird der Quarz in die ganze Welt verkauft, jeden Monat sind es etwa 100 bis 200 Tonnen.

Das meiste davon geht in die Glasindustrie, sehr begehrt ist er auch in der Raumfahrt. Präzisionsgeräte in den Raumschiffen bestehen aus dem Usinger Mineral, das auch für den Bau von Teleskopen benutzt wird. So zum Beispiel für „OWL“. Die Buchstaben stehen für „Over Whelmingly Large Telescope“, also für ein extrem großes Teleskop. Fertig gebaut ist das gigantische Gerät mit einem Spiegeldurchmesser von 100 Metern allerdings noch nicht. Es soll das größte Teleskop der Erde werden. Den Steinbruch in Usingen hinter den großen Firmengebäuden mit der Aufschrift „Bremthaler Quarzitwerk“ direkt an der Bundesstraße 275 Richtung Wernborn gibt es schon lange. Hier wurde schon vor über 100 Jahren Quarz abgebaut.

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs kaufte Erich Schott den Steinbruch der Stadt Usingen ab. Er war der Sohn des Gründers der Jenaer Glaswerke, aus der schließlich die heute in Mainz ansässige Firma Schott entstand. Damals baute die Firma auch in den nahe gelegenen Orten Kransberg und Bremthal Quarz ab, daher der Name „Bremthaler Quarzitwerke“. Viele Jahrzehnte lang wurden die Steine mit der Hand eingesammelt und in Karren zur Verarbeitung ins Werk gebracht. Die grobe Arbeit erledigen heute die Maschinen. Sechs Menschen arbeiten in dem Werk, das 1997 an die Firma Mineralmühle Leun verkauft wurde.

 

Wanderwege auf dem Faltblatt „Wanderwege in Usíngen“ des Zweckverbandes „Naturpark Hochtaunus“).

 

Kransberg:

Kransberg war „Dolles Dorf 2006“. Es liegt in sehr schöner Umgebung und hat ein Schloß, das auch angefahren werden kann. Es ist die Burg der Craniche von Cranichsberg, die 1326 ausstarben. Sie hat einen halb-kreisförmigem Bergfried und einen Palas und Wirtschaftsgebäude. In der neugotischen Kirche (1872 – 1875) im Dorf steht die alte Kanzel des Limburger Domes, ein Werk des Manierismus von 1609.

 

Eschbacher Klippen:

Nördlich von Usingen liegt der Stadtteil Eschbach. Nördlich der Bebauung liegen zwischen Michelbacher Straße und Maibacher Weg (mit dem Auto hier parken) den Eschbacher Klippen.

Geologisch betrachtet. stellen die etwa 60 Millionen Jahre alten Eschbacher Klippen - zu denen noch der auf der anderen Straßenseite versteckt im Wald liegende Saienstein gehört - den Überrest eines unvorstellbar langen Verwitterungsprozesses dar. Nach den tektonischen Einbrüchen vor etwa 40 Millionen Jahren in der Wetterau, dem Limburger und Usinger Becken, bei gleichzeitiger Auffaltung des Rheinischen Schiefergebirges (somit auch des Taunus) begann die Erosion des weichen Schiefers, nur das härtere Quarzitgestein blieb stehen.

Der bei Bergsteigern zu Übungszwecken beliebte Felsen ist Teil eines Quarzganges, der sich quer durch den Taunus erstreckt und für geologisch geschulte Augen an mehreren Stellen sichtbar ist. An die Steilseite und das bis zu 17 Meter hoch aufragende östliche Ende des Quarzit-Riffs sollten sich allerdings nur Geübte wagen. Glücklich oben angelangt, erwartet die Kletter als Lohn der Anstrengungen ein wunderbarer Blick über das Usinger Becken auf die Rückseite des Großen Feldberges. Diese Aussicht eröffnet sich allerdings genauso schön von den beiden Rundwanderwegen aus, die durch das Gelände führen. An der westlichen Schmalseite kann der Fels auch problemlos von Halbschuhträgern erklommen werden.

Einige besonders schöne Stücke, beim Erkalten der Quarzkristalle entstanden, sind im Sockel des Walrad-Denkmals in Usingen eingelassen. Wie von Menschenhand geformt und geschliffen wirken die vielen Dutzend kegelförmiger Kristalle, aus denen sich die konkav gebogenen Steine zusammensetzen. Die Gemeinde hat hier ihrem größten Sohn ein passendes Plätzchen geschaffen.

 

Hundstadt

In einem Kinderwald wurden immer bei der Geburt eines Kindes Bäume gepflanzt, bisher sind es  400,

 

Grävenwiesbach

Im Ort erinnert ein Privatmuseum an den Lehrer und Jugendherbergsvater Schirmer.

 

Waldsolms

Wanderwege auf dem Faltblatt „Panoramaweg Waldsolms“ des Zweckverbandes „Naturpark Hochtaunus“.

Wanderwege auf dem Faltblatt „Köhlerpfad Hasselborn“ des Zweckverbandes „Naturpark Hochtaunus“.

 

 

 

 

 

 

 

 

Lahn

 

Autotouren

 

(1) Gießen

(2) Krofdorf-Gleiberg, Biebertal, Dünsberg

Von der Westumgehung von Gießen B 29 fährt man in Wettenberg ab und geradeaus nach Gleiberg und Krofdorf. Im Ort nicht geradeaus weiter in Richtung  Salzböden, sondern links und dann rechts zum Dünsberg (Parkplatz Dünsberg auf der linken Seite). Rückwärts fährt man dann über Fellinghausen nach Biebertal. Über Vetzberg geht es dann wieder nach Gleiberg und auf die B 49.

(3) Wetzlar, Waldgirmes:

Nach Wetzlar über die A 45. Von dort nach Osten auf der B49 über Garbenheim und Dorlar nach Waldgirmes.

(4), Herborn, Dillenburg, Haiger über die A 45.

 (5) Ehringshausen, Edingen, Greifenstein, Oberbiel, Altenberg:

Auf der A 45 fährt man in Ehringhausen ab und nicht über die B 277, sondern erst ein Stück weiter im Ort nach rechts nach Daubhausen und weiter nach Nordwesten nach Edingen. Dort geht es dann links ab nach Greifenstein. Von dort geht es nach Süden, an der Einmündung rechts nach Holzhausen, und dann über Ulm und Allendorf (Outdor-Zentrum Lahn) links ab nach Bissenberg und Stockhausen. Dann weiter nach Leun und Niederbiel nach Oberbiel und Kloster Altenberg.

Von der Bundesstraße biegt man ab nach Oberbiel, dann aber gleich wieder rechts auf die Straße „Altenberg“ und dann links ab, wo das Schild „Sackgasse“ steht. Man fährt durch das Hofgut von Kloster Altenberg hindurch zu dem Parkplatz rechts von der Kirche. Der Eingang zur Kirche ist allerdings auf der anderen Seite, man muß erst ganz herumgehen durch die Klosterpforte in den ersten Hof. Dort ist rechts der Eingang in die Kirche (wo das Schild „Standesamt“ hängt).

(6) Weilburg

(7) Von Wetzlar bis Limburg:

Auf der A 45 über das Gießener Südkreuz zur Abfahrt Lützellinden, nach links und durch Großrechtenbach, Weidenhausen, in Volpertshausen rechts abbiegen nach Reiskirchen und Richtung Nauborn. Wenn man auf die Straße Schöffengrund - Wetzlar trifft nach rechts abbiegen. Dort steht rechts die Honigmühle. Ein Stück weiter durch den Wald steht rechts die Dickesmühle, ein Backsteinbau, der nicht besonders gekennzeichnet ist. Aber links steht ein Wegweiser „Teutbirg-Basilika“. Dort kann man parken und es geht ein Steig hinauf zu den Resten der Basilika

Wenn man ein Stück weiter Richtung Nauborn fährt, liegt rechts nordöstlich der Weißmühle die Ringwallanlage auf dem Bilstein. Von Nauborn fährt man nach Wetzlar hinein. Links liegt die Ruine Kalsmunt, rechts der Dom.

Im Westen von Wetzlar fährt man über die  L 3451 Karl-Kellner Ring und dann hoch auf die B 49 Richtung Limburg. Nördlich liegt Dalheim. Dort hat man ein 118 Gramm schweres Bruchstück aus vergoldeter Bronze, das zu der lebensgroßen Reiterstatue von Waldgirmes gehört. Das Fragment ist eines von rund 20.000 archäologischen Fundstücken, die seit 2006 in Dalheim ausgegraben wurden.

Man fährt dann wieder auf die Bundesstraße und an Oberbiel vorbei und biegt dann links ab Richtung Solms und Braunfels. Hinter Solms biegt man rechts ab in die Braunfelser Straße, die übergeht in die Wetzlarer Straße. Am Kreisel nimmt man die dritte Ausfahrt und fährt über den Europaplatz auf den Altstadtring und fährt immer um die Stadt herum, nach rechts in die Schlesierstraße und bis auf die Landesstraße. Dort geht es rechts zu den Parkplätzen für die Altstadt.

Man fährt dann auf dem Altstadtring wieder ein Stück zurück, aber nicht geradeaus weiter auf der Landesstraße Richtung Villmar, sondern noch einmal links herum und dann rechts auf die Kreisstraße 379 nach Philippstein.

Der Ort lohnt sich wegen seiner Ruine. Man fährt etwas in den Ort hinein, dann aber dreht man wieder um und fährt nach links in die Bermbacher Straße zur Landesstraße 3451 und dort links weiter Richtung Edelsberg. Im Ort geht es rechts ab nach Kuhbach, wo die berühmte Kristallhöhle ist (siehe Datei „Weilburg“). Wenn man diese besuchen will – vor Kuhbach links abbiegen – fährt man von dort weiter nach Freienfels: Man kann aber auch von Edelsberg direkt nach Freienfels fahren, dessen Burg bekannt ist durch die jährlichen Ritterspiele. In Freienfels fährt man wieder nach links in Richtung Villmar. Gleich nach der Abzweigung ist links die Auffahrt zur Burg. Über Weinbach geht es an Elkershausen vorbei zur Lahn bei Aumenau. Dort links weiter nach Villmar.

Man fährt in Villmar fast durch die Stadt hindurch, dann geht es rechts in die König-Konrad-Straße und dort steht rechts ein Wegweiser „Natursteinbruch“. Man fährt in die Straße „Am Lahnufer“, aber nicht links ab zum Spielplatz, sondern weiter bis zur Brücke, die mit Lahnmarmor verkleidet ist. Diese überquert man und fährt nach rechts in die Straße „Überau“. Am Bahnhof steht links das neue Lahn-Marmor-Museum. Dort geht es auch hoch in die Straße „Oberau“ und (nicht sehr weit) immer geradeaus bis zu einem Wegweiser „Unica-Stein­bruch“.

In Runkel ist die Durchfahrt ist sehr eng und führt von dieser Seite als Einbahnstraße über die Lahnbrücke. Die drei starken steinernen Bogen der Alten Lahnbrücke halten seit 1440 (oder 1448) dem Druck des Verkehrs, des Wassers und des Eisganges stand. Man biegt nach der Brücke links ab in Richtung Limburg. Rechts sieht man hoch über dem Tal die Burg Schadeck: Sie wurde im Jahre 1288 (oder 1280) von Heinrich I. von Westerburg nach einem Familienzwist als Trutzburg gegen Runkel erbaut. Zwischen den Nachbarn gab es ständige Fehden. Ende des 18. Jahrhunderts verfiel die Anlage. Ein viergeschossiger Bau ist erhalten (schöne Aussicht).

Dort lassen die „Schadecker Landsknechte“ die Vergangenheit lebendig werden und geben so Einblicke in die Zeit, als die Landsknechte als Söldner durch die Lande zogen. Der Verein gründete sich 1988 und läßt seitdem die Geschichte der „landsknechet“ wieder lebendig werden. Wer Kontakt zu den Landsknechten aufnehmen möchte schreibt an: Schadecker Landsknechte, Michael Franke, Burg Schadeck, 65594 Runkel-Schadeck. E-Mail: landsknechteschadeck@gmx.de.

 

Kerkerbachtal:

Am Ende von Runkel darf man nicht nach links fahren, obwohl der Wegweiser nach Limburg dorthin weist. Man fährt nach rechts Richtung Steeden und Dehrn. Vor dem Anfang von Stee­den kreuzt man den Kerkerbach: Links geht es zur Neuen Mühle und der Mündung in die Lahn. Nach rechts aber geht es in das Kerkerbachtal, das sich eignet für eine Radtour (Mit dem Auto kann man aber auch die sehenswerte Unterhofer Mühle an der Straße von Scha­deck nach Niedertiefenbach anfahren. Dann kann man ein Stück nach Norden nach Hofen und dann nach links nach Steeden fahren)

Wo noch vor wenigen Jahrzehnten schwere Dampfloks durch das Kerkerbachtal schnauften, kann man heute ganz genüßlich Radfahren oder Wandern. Das idyllische Seitental der Lahn ist abwechslungsreich und bietet schöne Natur. Erstes Ziel ist 300 Jahre alte „Hofener Mühle“ (Unter­hofer Mühle) an der Straße von Runkel-Schadeck nach Beselich. Es ist ein wunderschönes Anwesen aus dem 18. Jahrhundert mit einem kleinen Mühlenmuseum, Wasserwerk, Getreidemühle, Gästehaus, einer Veranstaltungsscheune und einem lauschigen Innenhof, ein wunderschönes, denkmalgeschütztes Gebäude-Ensemble. Hofener Mühle, Familie Dorn, 65594 Runkel-Hofen, Telefon: 06482 339, Fax: 06482 607789. E-Mail: zugast@hofener-muehle.de, Internet: www.hofener-muehle.de. Öffnungszeiten: Donnerstag-Sonntag: ab 14:00 Uhr, Dienstag und Mittwoch nach Vereinbarung für Gruppen ebenfalls geöffnet.

Südöstlich von Schupbach liegt die Christianshütte. Am Eisenstollen östlich der Hütte ist ein schönes kühles Plätzchen, wo man sich mit dem klaren Wasser erfrischen kann. Wenige Meter entfernt: der Erzstolleneingang der Christianshütte. Wo heute ein kleiner Bach entlang läuft, waren die Gleise, auf denen die Dampflok die Bodenschätze herausfuhr. Die Tour der Bahn ging nach Christianshütte, wo auch unser nächster Stop ist. Früher war es Sitz der Firma Buderus, dort wurde Eisen verhüttet.

Knapp ein Kilometer entfernt, auch mitten im Wald nördlich von Schupbach, liegt ein Lahnmarmorbruch. Bis in die 70iger Jahre wurde Marmor abgetragen, dann rentierte sich das nicht mehr. Letzte Station ist Heckholzhausen. Am Ortseingang nicht zu übersehen: eine alte Kerkerbachbahn, so wie sie früher aussah. Die Kerkerbachbahn wurde übrigens 1868 in Betrieb genommen und transportierte all die Bodenschätze wie Kalk, Eisenerz, Basalt und Ton, aber auch Marmor.

(7)Limburg, Diez, Hadamar

(8) Westlich von Limburg (noch nicht bearbeitet, nur Materialsammlung)

 

 

Lahntal

Gemeinsam vermarkten sie den 242 Kilometer langen Fluß: Sechs Landkreise sowie 48 Städte und Gemeinden haben sich zum Lahntal-Tourismus-Verband zusammengeschlossen, um Urlauber anzulocken ‑ nach Bodensee und Harz ist dies erst die dritte länder‑übergreifende touristische Organisation. Der Erfolg gibt den Anrainern Recht: Die Zahl der Kanuten und Radfahrer hat sich verdoppelt. Der Renner ist der „Radweg an der Lahn“. Von der Quelle im Rot­haargebirge bis zur Mündung in den Rhein führt der gut ausgeschilderte Weg am Fluß durch ganz unterschiedliche Landschaften.

Ein­gerahmt von steilen Abhängen star­tet die Lahn als kleiner Bach in 628 Meter Höhe kurz hinter der hessischen Landes­grenze im Rothaargebirge, plätschert an kleinen Fachwerkstädtchen vorbei ins Marburger Hinterland bei Biedenkopf, wo auch heute noch die Fabrikbauten der ehemaligen Ludwigs­hütte an einen großen eisenverarbeitenden Betrieb am Oberlauf der Lahn erinnern.

Erst unterhalb von Marburg bei Roth, wo sich das Tal weitet, steigen die ersten Bootswanderer ein. Breite Auen führen an Gießen vorbei bis nach Wetzlar. Hinter Weilburg, wo die Lahn die Felsenhalbinsel mit dem Renaissanceschloß umfließt, wird es für die Paddler spannend: Deutsch­lands einziger Schiffstunnel mit einer Dop­pelschleuse ist zu passieren, bevor es wei­ter über Limburg, Fachingen, Bad Ems bis zur Mündung in Lahnstein geht. Zahlrei­che Schlösser und Burgen säumen den ro­mantischen Weg.

Wie reizvoll die Strecke für Radwanderer ist, hat sich herumgesprochen: Nach einer Studie des Geographischen Instituts der Uni­versität Gießen kommen jedes Jahr mehr als 240.000 Radler, unter ihnen natürlich auch viele Pedaltreter aus der Region, die etwa mit dem Fahrrad von Gießen zu den Duten­hofener Seen fahren. Dabei nimmt das Tal flußabwärts an Beliebt­heit zu.

Zu den Radlern kommen rund 120.000 Bootswanderer, die mit Kajaks und Kana­diern auf der Lahn paddeln. Auch ihre Zahl hat sich seit Anfang der neunziger Jahre verdoppelt. Und dabei spielt der Lahntal-Tourismus-Verband, der aus der 1994 ge­gründeten Lahntal‑Kooperation entstan­den ist, eine entscheidende Rolle. Seitdem präsentiert sich das Tal als touristische Einheit von der Quelle bis zur Mündung in Rheinland‑Pfalz.

Der länderübergreifende Verbund schaffte 31 Ein‑ und Ausstiegsstellen sowie Rastplätze, die dafür sorgen, daß die Kanuten nicht in den Brutgebieten der Vö­gel anlegen. Infotafeln weisen den Touris­ten den Weg zu Hotels, Campingplätzen, Gaststätten und Geschäften. Dazu gibt es Wanderführer für Radler und Bootstouris­ten. Bed-&-Bike‑Gasthöfe bieten müden Sportlern ihre Dienste an, zudem locken die Lahnhöhenwege und ein kulinarischer Herbst mit Spezialitäten aus der Region.

Zwar läßt sich nicht genau sagen, wie stark die Zahl der Übernachtungen durch die neuen Touristen gestiegen ist, weil vie­le Besucher auf den in den Statistiken kaum erfaßten Cam­pingplätzen und in kleinen Pensionen Quartier suchen. Doch wird das Umsatzvolumen der Gäste im Verbandsgebiet auf 350 Millionen Euro pro Jahr geschätzt.

Im Kreis Marburg‑Biedenkopf beziehen sich 70 Prozent der Anfragen auf die Lahn. Zwar habe der Kreis auch zwei sehenswerte Schlösser zu bieten. Wegen der Burgen al­lein komme jedoch niemand: Die Schlösser werden über die Lahn besucht. Inzwischen beteiligen sich sogar die Städte und Ge­meinden aus den Seitentälern der Lahn an dem Verbund: So hoffen die Fremdenver­kehrsbetriebe im Burgwald, im Gleiberger Land, im Salzbödetal (Lahn‑Dill‑Bergland), im Solmser Land und an der romantischen Mittellahn, ebenfalls von den Radlern und Wanderern am Fluß zu profitieren.

 

Gießen

Bei der Anfahrt über die Autobahn aus Frankfurt muß man darauf achten, daß man schon am Gambacher Kreuz in Richtung Gießen fährt.Über das Südkreuz Gießen geht es über Bergwerkwsald und Schioffenberger Tal hinain in die Stadt. An der Ampelkreuzung liegt links das Stadttheater. Man fährt geradeaus bis zu einem Sperrschild vor der Fußgängerzone, dort biegt man rechts ab und kommt zum Brandplatz. Dieser ist entstanden durch einen Brand im Jahre 1680. Dort kann man (außer Mittwoch und Samstag) parken.

Zuerst kommt man am Alten Schloß vorbei, das vermutlich im Zuge der ältesten Stadtbefestigung um 1300 als zweite Wasserburg die östliche Flanke der ersten Stadtbe­festigung sicherte.

Es diente  später als Kanzlei und wurde am 6. Dezember 1944 bei einem Bombenangriff  zerstört: In den siebziger und achtziger Jahren wurde es nach dem Renaissance‑Erschei­nungsbild neu aufgebaut. Heute sind dort die Gemäldegale­rie und Kunsthandwerkausstellung des Oberhessischen Museums untergebracht.

An das Alte Schloß schließt sich der Botanische Garten an. Die rund vier Hektar große schatti­ge Grünanlage war bis in die siebziger Jahre fast ausschließlich For­schungsort der Uni­versität. Sie ist der älteste botanische Garten Deutschlands, der seit seiner Anlage nicht verlegt worden ist. Seine Anfänge gehen auf das Jahr 1609 zurück, als Land­graf Ludwig von Hessen der zwei Jahre vorher gegründeten Universität ein Stück Parkgelände zur Errichtung eines Heilpflanzengartens („hortus medicus“) überließ. Auf rund 1200 Quadratmetern wurden damals Kräuter und Sträucher gezogen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Areal ständig erweitert, denn mit der Entwicklung der Botanik zur Wissenschaft wuchs auch die Bedeutung von Universitätsgärten.

Etwa 7500 verschiedene Pflanzenarten wachsen auf der knapp drei Hektar großen Fläche des Botanischen Gartens. Dazu gehören Buchen aus der heimischen Flora, aber auch Steppengräser aus Amerika und Blumen aus Neuseeland. Es gibt allein 250 verschiedene Baumar­ten. Zu deren eindrucksvollsten Vertre­tern gehört die etwa 25 Meter hohe, rund 150 Jahre alte Chinesische Flügelnuß, die mit ihrer wuchtigen Krone gleich neben dem Gärt­nerhaus steht. Der Ginkgobaum nahe dem Eingang wur­de bereits 1815 gepflanzt. Zwei Platanen sind von 1826 und eine Blutbuche von 1820.

Eine Besonderheit ist auch die kultur­historische Abteilung ‑ dort sind die Pflan­zen nach den Zeitabschnitten geordnet, in denen sie erstmals von Menschen genutzt wurden: beispielsweise Holunder in der Jungsteinzeit oder Eßkastanien und Pfir­sichbäume, die von den Römern einst mit über die Alpen gebracht wurden.

Auf rund 2000 Quadratmetern Gewächshausfläche gedeihen in Gießen tropische Nutzpflan­zen wie Kaffee, Kakao, Vanille, Papyrus, Zuckerrohr oder auch riesige Farne genau­so wie die kleinen, fleischfressenden Ve­nus‑Fliegenfallen. Eindrucksvoller Blick­fang ist die Victoria‑ Seerose aus dem Ama­zonasgebiet, die als Attraktion in keinem Botanischen Garten fehlen darf. Es gibt ein Regenwaldhaus und eine Sammlung von Edelweißen, die eine Rarität darstellt.

Zu den täglichen Aufgaben der Gärtner gehört auch die Pflege der rund 25 Sammlungen und Abteilungen der Anlage, die im Freien oder in zwei Gewächshäusern untergebracht sind. Die größte Sammlung sind etwa 1000 Arten von Hochgebirgspflanzen im Alpinum. Raritäten sind Edelweiße, Victoria-Seerosen und Ginkgos.

Vom 18. bis frühen 20. Jahrhundert hatte die klassische Systematik, also die Lehre von der Entwicklung und Verwandtschaft der Arten, ihre Blüte in Deutschland.  Die systematische Abteilung ist das Herzstück der Anlage. Genau in deren Mitte wachsen in 22 langen Beeten etwa 750 Pflanzenarten, die nach bestimmten äußeren Merkmalen und ihrem Verwandt­schaftsgrad angeordnet sind. Doch die Ahnenreihe hat Fehler. Man dachte lange Zeit, daß die Zuordnung der Arten in die Pflanzenfamilien feststeht. Jetzt, durch die Möglichkeiten der Molekularbiologie, wird das kräftig durcheinander geschüttelt. Wo früher beispielsweise eine enge Verwandtschaft als sicher galt, belegen moderne Untersuchungen das Gegenteil. Nicht nur für den Garten in Gießen lautet daher die Devise: Wir müssen unser System verändern und dem neuen Wissensstand anpassen. Dafür soll in den kommenden Jahren ein Teil der Pflanzen neu arrangiert werden und ein „Garten der Evolution“ entstehen.

Auch wenn jedes Jahr rund 30.000 Menschen in den Botanischen Garten kommen, ein öffentlicher Park ist er nicht. Er ist im Grunde ein reiner Lehr- und Forschungsgarten. Studenten der Biologie, Agrarwissenschaften, Tiermedizin, Geographie und angehende Lehrer lernen hier, Pflanzen zu bestimmen. Und Wissenschaftler nutzen die Gewächse für ihre Forschungen. Die 13 Gärtner müßten dafür jedes Jahr mehrere zehntausend Pflänzchen kultivieren und ernten.

Sie kümmern sich auch um den internationalen Samentausch. Botanische Gärten auf der ganzen Welt stehen in engem Kontakt und schicken sich auf Wunsch und kostenlos Samen ihrer bedeutendsten Pflanzen zu.

Am anderen Ende des Parkes hinter dem Gärtnerhaus links stand einst das im Zwei­ten Weltkrieg zerstör­te, architektonisch ein­drucksvolle Palmen­haus. Heute lädt dort ein idyllischer Teich (Schwanenteich?) umrandet von Park­bänken zum Verwei­len ein. Vielleicht wird das Jugendstilgebäude einmal wieder aufgebaut.

Der vielleicht schönste Rastplatz im Garten ist aber unmittelbar neben einem der ersten klassizistischen Denkmäler aus Gußeisen, 1826 zu Ehren des ersten Gar­tenleiters, Friedrich Lud­wig Walther (1759‑1824), errichtet (vom Eingang aus geradeaus an der Ostseite des Parks). Von dort ist der Blick frei auf das Al­te Schloß.

 

Östlich des Botanischen Gartens kommt der Landgraf-­Philipp‑Platz und auf der anderen Seite das schmucke „Neue Schloß“, das Philipp der Großmütige gleich nach dem Ausbau der Stadt zur Festung errichten ließ. Hier im neuen Schloß entstand 1607 die alte Universität. Daneben steht der monumen­tale Renaissancebau des Zeughauses, der später dann als Kaserne genutzt wurde.

An der Nordseite des Platzes geht man durch die Straße mit den Marktlauben zum Lindenplatz und dort nach links zum Kirchenplatz. Von der Stadtkirche steht nur nach der Turm, der an bestimmten Tagen bestiegen werden kann. Hinter dem Turm liegen östlich das  Wallen­fels’sche Haus (Vor‑ und Frühgeschichte, Völkerkun­de und Archäologie) und links daneben das Leib’sche Haus mit dem Oberhessischen Museums (Werdegang Gießens und sein Wachs­tum seit dem 12. Jahrhundert bis in die heutige Zeit). In der Gasse links davon sieht man auf der linken Seite die Synagoge.

Weiter nach links kommt man zum Marktplatz, wo sich auch eine Informationstafel befindet. Man hält sich zunächst rechts und biegt dann links ab in die Bahnhofstraße. Diese geht man entlang über die Westanlage. Dort befindet sich in Höhe der Post (aber noch vor dem Bahnhof) auf der linken Seite geht es zum Liebigmuseum mit dem Liebig-Laboratorium in dem ehemaligen Wachgebäude einer Kaserne. Hier befand sich 1879 die neue Universität.

An der Straßenecke gegenüber der Post aber steht das Mathematicum im ehemaligen Provinzialgefängnis (Arndstraße 2: Mo-Fr  9-18, Sa und So 10-18 Uhr, Familie 12 €, Person  5 €). Um der vermeintlichen Ge­heimwissenschaft den Schrecken zu neh­men, spielt er schon mal im vollbesetzten Linienbus ein Theaterstück mit Handpup­pen über die Unendlichkeit, steht als Marktschreier für Mathematik auf dem Wochenmarkt in Halle oder schreibt ein Buch „Über seine Italienische Reise in die Mathematik“. Albrecht Beutelspacher entspricht so gar nicht dem Klischee des Mat­he‑Professors, der im Elfenbeinturm über gemeinhin unverständlichen Formeln brü­tet. „Ich hatte schon immer Lust, Dinge zu erklären“, sagt der 52‑Jährige, seit 1988 Professor an der Gießener Universität mit den Spezialgebieten Geometrie und Kryp­tologie.

Das macht der ideenreiche Forscher, der einst eine Prüfziffermethode für die D‑Mark‑Scheine entwickelt hat, zum Bei­spiel mit einem Riesenkaleidoskop, Mat­he‑Knobeltischen, oder Seifenblasenexpe­rimenten. Spaß sollen die Exponate der Ausstellung „Mathematik zum Anfassen“ machen ‑ und zum Mitdenken anregen. Längst ist die Schau ein Publikumsrenner, die der gebürtige Tübinger seit 1994 mit ei­nem Team von fünf Mitarbeitern immer weiter entwickelt hat. Mehr als 500.000 Be­sucher in ganz Europa zählt die Wander­ausstellung. Für seine „hervorragenden Leistungen in der Vermittlung von Wissen­schaft“ erhielt Beutelspacher vor zwei Jah­ren den Communicator‑Preis der Deut­schen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Das „Museum“ ist ein Science Center ohne belehrende Schautafeln, dafür mit interaktiven Expo­naten, bei dem die Besucher durch spiele­rischen Umgang ganz automatisch versu­chen, den mathematischen Hintergrund zu verstehen.

Beutelspacher will  die eigentlich gar nicht so sprö­de Materie vermitteln, ohne die weder ein Handy noch die Kasse im Supermarkt funktionie­ren würde. Die Schüler müssen Formeln anwenden und einsetzen, ohne zu wissen, wofür sie gut sind. Statt die schönen Sei­ten der Zahlenakrobatik zu zeigen, werde Mathe häufig zum Disziplinierungsele­ment. Um das zu ändern hat der talentier­te Orgelspieler einmal monatlich im Ma­thematicum eine Fortbildungsveranstal­tung für Lehrer geplant. Schließlich ist Mathe für Beutelspacher eine „außeror­dentlich demokratische und emanzipatori­sche“ Wissenschaft: „Wenn ich an der Ta­fel einen Fehler mache, kann das jeder Stu­dent sofort nachrechnen. Da gibt's kein Rausreden, und das ist auch gut so.“

Wenn man nur das Mathematicum besuchen will, fährt man am Abzweig Bergwerkswald in Richtung Wetzlar und dann zunächst in Richtung Universitätskliniken. Aber geradeaus geht es dann in die Stadt. Am Selterstor (kenntlich an der über die Straße führenden Fußgängerbrücke) fährt man nach links und dann in Richtung Hauptbahnhof. Man muß aber vor der Lahnbrücke nach links abbiegen und kann dort auf der rechten Straßenseite parken. Zum Mathematicum kommt man, wenn man ein Stück zurück geht und durch das Parkhaus und den Bahnhof in die Straße vor dem Bahnhof.

Wenn man schnell zur Autobahn kommen will, fährt man über die Lahnbrücke. Wenn man aber noch ein Stück an der Lahn entlang fährt und erst eine Brücke weiter nördlich auf der Rodheimer Straße über die Lahn, kommt man zum Harthof. Die ehemalige Versuchsanstalt der Universität  sollte im Zuge des Gießener Autobahnrings abgerissen werden, ist aber heute eine Künstlergalerie („Harthofgalerie“).

Wenn man vom Mathematicum wieder zum Brandplatz gehen will, geht man am Liebigmuseum vorbei zum Seltersweg (zwei Straßen westlich der Bahnhofstraße). Die Stadt hat einen Anlagenring, der auf der alten Stadtmauer gebaut wurde. Zugang von Süden her ist das Selterstor (mit dem Bauwerk „Elefantenclo“). Nach links geht es hinein in den Seltersweg. Dort ist eine Gedenktafel für Büchner, den anderen berühmten Gießener. In der Straße befindet sich auch noch ein altes Gasthaus (Name?) und die Skulptur „Die Schwätzer“.

Vom Brandplatz fährt man weiter in Richtung Licher Straße. An dieser Straße liegt westlich der Alten Friedhof (1530 - 1533) mit dem Grab Wilhelm Röntgens. Südwestlich des Friedhofs (Goethestraße und andere) sind Gründerzeitbauten. Die Licher Straße führt auf die Autobahn.

Auf dem Schiffenberg steht ein ehemaliges Kloster, bei dem jährlich ein großes Fest stattfindet. In der Stadt gibt es auch noch ein Kindermuseum von Wolfgang Magel. Die genossenschaftliche Siedlung in der Landmannstraße ist eine Arbeitersiedlung aus der Zeit um 1900.

 

Wettenberg

Das Gießener Becken mit seinen angrenzenden Senken, seit Jahrhunderten ein wichtiger Durchlaß zwischen Nord und Süd, war in Zeiten territorialer Auseinandersetzungen hart umkämpft. Hier am Kreuzungspunkt alter Handelsstraßen saßen die Merenberger, Nassauer, Dillenburger, hier begründeten die Grafen von Gleiberg ihre Dynastie um das Jahr 1000 mit dem Bau einer Burg genau an jener Stelle, wo schon die fränkischen Konradiner eine erste Befestigungsanlage errichtet hatten. Noch heute läßt sich vom Bergfried auf dem 308 Meter hohen Basaltkegel der einstige Weitblick nachempfinden.

 

In Gleiberg fährt man dort, wo die Hauptstraße rechts abbiegt links, in die Burgstraße und dann immer um den Berg herum. Man muß nicht gleich am Anfang des Parkplatzes parken, er zieht sich noch ein Stück den Berg hinauf.

Die Burg Gleiberg auf 308 Meter hohem Basaltkegel wurde 1646 zerstört und ist seitdem als Ruine erhalten, aber gut restauriert. Es gibt Unterburg und Nassauer Bau (16. Jahrhundert) mit Gaststätte.

Die Oberburg hat einen Palas und einen 30 Meter hohem Bergfried. Der Eingang lag ursprünglich an der Nordseite.

Die gesamte Anlage ist im Besitz des 1837 gegründeten Gleibergvereins, der sich mit der Übernahme verpflichtet hat, den Verfall aufzuhalten, Restaurierungsarbeiten durchzuführen und der Öffentlichkeit den Zugang zu ermöglichen. Diese Auflagen werden in bewundernswerter Weise noch immer erfüllt.

Zur Kirche kommt man nur (der direkte Weg von der Burg ist oft verschlossen) am unteren Ende des Parkplatzes durch das Südtor, das um 1350 erbaut wurde und eine Wachstube und ein Halseisen hat, und dann immer links weiter. Die evangelische Katharinen-Kirche ist die ehemalige Burgkapelle, entstanden um 1350, im Jahr 1619 um die Querachse erweitert. Die zwei Emporen sind von außen betretbar.

Man tritt zunächst in das eine Kirchenschiff mit drei bemalten Holzpfeilern. Nach links geht dann noch ein Kirchenschiff ab mit einem Holzpfeiler, offenbar für die Burgbewohner. Am Scheitelpunkt steht die prächtig bemalte Kanzel. Im Chor finden sich Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert.

Die Kirche wurde von 1961 bis 1965 restauriert und 1997 wieder nach dem alten Patronat benannt.

Der 1996 von Manfred Schmidt bei den Vorbereitungen zur 725-Jahrfeier aus Anlaß der ersten urkundlichen. Erwähnung der Krofdorfer Kirche 1271 wiederentdeckte Patronatsname St Margaretha führte am 12. Juli 1997 zur Benennung in „Evangelische Katharinenkirche Gleiberg“. Gleichzeitig wurde die Krofdorfer Kirche nach ihrem historischen Patronatsnamen benannt in „Evangelische Margarethenkirche Krofdorf“. Die aus römisch-katholischer Zeit stammende Patronatsbezeichnung hat sich - anders als die Patronatsbezeichnung der Krofdorfer Kirche im Zuge der Reformation - nie vollständig aus dem Bewußtsein der evangelischen Bevölkerung verloren, hatte aber auch keine Bedeutung mehr für den inzwischen evangelischen Glauben.

Die heilige Katharina von Alexandrien wird wie Margaretha von Antiochia (Krofdorf) zu den 14 Nothelfern gezählt. Der Legende nach soll sie während der frühen Christenverfolgungen den Märtyrertod gestorben sein (+310). Aufgrund ihrer Abstammung als Tochter des Königs Costus war sie hochgebildet und konnte sich als junge Christin gegenüber dem römischen Kaiser Maxentius in Alexandrien für den christlichen Glauben und gegen seine heidnische Götzenanbetung einsetzen. So wurde sie aufgrund ihrer Weisheit als Patronin und Schutzheilige der Gelehrsamkeit, der Bibliotheken und Schulen, Studenten und Schüler verehrt. Wegen des Rades ist sie auch zuständig für die Wagner und Müller sowie alle anderen Gewerbetreibenden. Wegen ihrer Schönheit ist sie auch die Patronin der Schneiderinnen und Modistinnen.

Das ihr zugeschriebene Symbol ist das Rad, mit dem sie der Legende nach durch den Kaiser gefoltert wurde. Selbst in größter Anfechtung des Glaubens hielt sie am Glauben fest und erinnert so an das biblische Wort: „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.“ (Psalm 46,2). Das kann Mut machen, heute den eigenen, christlichen Glauben zu bekennen. Als Gemeinde glauben wir, daß positive Vorbilder uns Wegweiser im Glauben sind. Darum hat man mit der Rückbenennung ein Zeichen setzen wollen.

 

Bereits aus der Ferne fällt mit der auf einem Basaltkegel liegenden, das Gleiberger Land beherrschenden Burg Gleiberg als dem Wahrzeichen der Gemeinde Wettenberg, die evangelische Katharinenkirche Gleiberg auf. Sie schmiegt sich eng an den Berg an. Die kleine bronzene Gedenktafel rechts des Kirchenportals verrät bereits Wesentliches über die Katharinenkirche: Sie wurde um 1350 errichtet, zu Beginn des 30jährigen Krieges erweitert, umfassend in den 60iger Jahren restauriert und trägt seit 1997 wieder ihren alten Patronatsnamen. Im Jahr 2003 erfolgte eine erneute Sanierung, insbesondere des barocken Dachstuhls. Damit sind baugeschichtlich die wesentlichen faßbaren Phasen beschrieben:

I.. Eine erste Spur der Feier des christlichen Gottesdienstes auf dem Gleiberg findet man in dem aus dem 12./13. Jahrhundert stammenden Merenberger Bau der noch auf das 10. Jahrhundert zurückgehenden Befestigungsanlage Burg Gleiberg. Die kleine aus spätstaufischer Zeit stammende Burgkapelle befindet sich östlich im Palas, noch heute erkennt man das in die Wand eingelassenes Weihwasserbecken sowie Reste der ehemals zwei Kreuzgewölbe auf Wanddiensten mit Knospenkapitellen. Die heute noch erhaltene und nun sich in der Katharinenkirche befindende kleine Ave-Glocke rief einst die Burgbewohner zum Gebet.

II. Um 1350 wurde nach der Verleihung der Marktrechte 1331 an Gleiberg für die wachsende Bevölkerung, bestehend aus den Burgmannen (Verwaltungsbeamte, Ritter, Bedienstete der Burgherren) und ihren Familien. die Errichtung einer etwas größeren Kirche vor dem damaligen Haupteingang der Burg Gleiberg nötig. Sie wurde der Heiligen Katharina von Alexandrien geweiht und gehörte als Filial zur Krofdorfer Mutterkirche. Wie drei kleine noch erhaltene Strebepfeilerreste auf romanischem Sockel zeigen erhielt die Apsis mit ihren hohen Maßwerkfenstern in gotischer Zeit ein Deckengewölbe, das später (1742) durch eine flache Holzdecke ersetzt wurde. Auffällig sind noch heute die Freskenfragmente im Chorraum, die bei den großen Renovierungen in den 1960iger Jahren wiederentdeckt wurden.

III. Gleich zu Beginn des 30jährigen Krieges kommt es zur baulichen Erweiterung der inzwischen baufällig und zu klein gewordenen Kirche. Laut Bauinschrift über dem Hauptportal von 1619 war es eine für die damalige Zeit doch recht kurze Phase, die bis 1621 dauerte. Da nicht in den Felsen verlängert werden kann, wird im rechten Winkel zum in Ostwestachse liegenden Chor ein großes, zudem hohes Kirchenschiff in Nordsüdachse liegend angebaut. Das erklärt den ungewöhnlichen L-förmigen Grundriß der Kirche. Der große Chorbogen mit gemalten Bossenquadern trägt dabei wesentlich zur räumlichen Verbindung beider Raumteile bei, dient vor allem aber der Lastenverteilung des auf den Chor aufgesetzten achteckigen, verschieferten Turmes mit kleiner Laterne und Haube.

Die Balkendecke des Schiffs wird über Mittelunterzug auf Längsachse durch eine mit Weinranken bemalte Mittelsäule (1621) gestützt. Das originale Dachgestühl ist noch in sehr gutem Zustand erhalten.

Im Jahr 1626 werden die beiden übereinanderliegenden, jeweils von außen betretbaren Emporen eingebaut. Dabei ist aus dieser Zeit die untere Empore mit ornamentalen Brüstungsmalereien sowie biblischen Bild- und Wortmotiven versehen; die obere besitzt gedrehte Docken (1. Hälfte 18. Jahrhundert). Im Jahre 1643 wird der Kirchenraum ganz im reformatorischen Sinn mit einer geschnitzten Kanzel vervollständigt.

IV. In den folgenden Jahrhunderten wird 1743 der Chorraum renoviert (Inschrift), dabei werden um die vier Maßwerkfenster Fensterumrandungen und Putten gemalt. Im Jahr 1809 werden weitere Stützsäulen im Kirchenschiff nötig, da der Längsunterzug sich stark durchbog.

V. Eine umfassende Restauration und Sanierung wird unter Pfarrer H.-Christoph Barnikol 1961-1965 unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten durchgeführt. Ein Flugzeugangriff hatte 1945 schwere Schäden verursacht, so daß die Kirche danach unbenutzbar blieb. Zahlreiche, teilweise Fresken wurden entdeckt, von denen fünf rekonstruierbar waren, die in der Reformation überstrichen worden waren, ebenso die Brüstungsmalereien. So sehen wir heute Fragmente beispielsweise der Katharina mit dem Rad, mit dem sie nach der Legende gefoltert wurde. Im Jahre 1979 erfolgte eine umfangreiche Außenrenovierung des Daches samt Turm und Mauerwerk.

VI. Im Zuge der Untersuchungen für die Sanierungsmaßnahmen 2003 ist der historische Dachstuhl aus der Barockzeit neu ins Blickfeld gerückt Die durch Feuchtigkeit und Fäule geschädigten Holzbauteile im Dachstuhlbereich mußten entfernt werden. An die verbleibenden Holzbalken wurden neue Eichenbalken mit allen zimmermannsmäßigen Verbindungen angeschlossen, so daß die Bauteile wieder voll tragfähig sind und der Charakter der Dachkonstruktion erhalten bleibt Die wesentlichen Schäden lagen im Bereich der Sparrenfüße und der Mauerlatten. Auch die Deckenbalken wurden geprüft und teilweise durch neue ersetzt. Die Ostseite des Daches (Längsseite) mußte wegen Undichtigkeit neu eingedeckt werden.

Im Innenbereich wurden die Elektroleitungen modernisiert und unter Putz gelegt Eine neue Beschallungsanlage wurde installiert Der Innenraum wurde unter denkmalrechtlichen Gesichtspunkten gestrichen bzw. die durch die Baumaßnahmen geschädigten Teile wiederhergestellt (Wandbemalungen). Die Fresken wurden davon ausgespart. Wesentlich zur Ermöglichung der Renovierung 2003 beigetragen hat die großzügige Unterstützung durch die Landesdenkmalpflege Hessen und die Gemeinde Wettenberg.

 

Kleiner Rundgang durch die Kirche:

(1) Wer durch das Portal von 1619 tritt, sollte sich dessen mittelalterlicher Hinweisfunktion auf Christus als der Tür zum Heil bewußt sein: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, der wird selig werden“ (Joh 10,9).

(2) Drei Grabdenkmäler haben ihren Platz in der Kirche gefunden, auch wenn sie nicht ursprünglich hier standen. Sie sind alle mutige Zeugnisse des Glaubens an das ewige Leben:

(2a) Das erste Epitaph ist der Grabstein der Familie Johannes und Anna Maria Kingelhöfer von 1695. Unter anderem lesen wir: „Selig sind die Todten, die im Herrn sterben von nun an, Ja der Geist spricht“. Abgebildet ist der auferstandene Christus, wie er links vom Vater mit seinen drei Söhnen und rechts von der Mutter Klingelhöfer mit ihren drei Töchtern, alle betend, umgeben ist.

(2b) Das zweite Epitaph befindet sich im Chorraum und wurde für den mit 42 Jahren im Jahre 1666 verstorbenen Burgmannen und Kellermeister des Grafen von Nassau-Weilburg, Johann Kaspar Rottenberger, gefertigt. Die beeindruckende Inschrift erzählt von der Glaubenszuversicht dieses Mannes mitten in schwerster Zeit „in Angst bracht ich mein Leben zu“ - 30jähriger Krieg, Verwüstungen, Überschwemmungen, Kindersterblichkeit, Hungersnot, Pest.

(2c) Der dritte Grabstein erinnert an das frühe Sterben der drei Töchter des britischen Capitaine George Schneider und seiner Frau Louise geborene Lesch von Mühlheim in den Jahren 1782/83.

(3) An Brüstungsmalereien gibt es einiges zu entdecken. Bereits beim Betreten der Kirche fällt rechts ein Bild auf einer Bankbrüstung auf: Es zeigt eine mittelalterliche Darstellung vom Gleiberg mit der Kirche auf dem Berg, ein Beter kniet zu Füßen des Gleibergs. Er betet den christlichen Gott an, der verhüllt in einer Wolke durch die hebräischen, roten Buchstaben für Gott („Elohim“) gekennzeichnet wird. Diese verhüllende Darstellung Gottes war Impuls für die Namensgebung des Gemeindebriefes „WOLKE“.

Hinter dem Altar sind fünf Bildtafeln zu sehen: die vier Evangelisten mit ihren Attributen (Johannes mit Adler, Lukas mit Stier, Markus mit Löwe, Matthäus mit Engel) und in der Mitte ist der König und Psalmdichter David dargestellt, der im Gebet die Auferstehung Christi voraussieht.

(4) In der Verschränkung von moderner Kunst mit dem denkmalgeschützten Kirchenraum und seinem historisch gewachsenen, besonderen Gesicht fügt sich der bronzene moderne Taufstock (1998, 107 Zentimeter hoch) des Berliner Künstlers Kassiel Kaehler in Aufnahme der etwa 300jährigen ovalen Taufschale ein: Aus einem Baumstumpf wächst ein neuer Stamm mit einem sich darum windenden Weinstock empor, der zwischen einigen Blättern die wertvolle Schale trägt. Den achteckigen Sockel ziert als Umschrift ein Zitat aus Johannes 15,5: „Jesus Christus spricht ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“. Damit ist ein Thema vorgegeben. Der auf den Sockel aufgebaute Baumstumpf erinnert an abgehauenes Leben, der Hoffnung auf eine Zukunft beraubt. Eine Warnung stellt die auf der Oberfläche angebrachte Bibelstelle aus Jesaja 34,4c dar („... wie ein Blatt verwelkt am Weinstock“), dem Psalm 1,3 mit einer Verheißung antwortet („... und seine Blätter verwelken nicht“). Der auf den leblosen Stumpf eingesetzte, emporragende Stamm wird wiederum Lebensträger für einen Weinstock, der sich an ihm hoch schlängelt. Zwölf Blätter und eine Wein­traube zieren den Taufstock. Einige der filigranen Blätter halten die alte Taufschale, als wollte dies sagen: Wer aus dir getauft wird, wird Teil am Weinstock Christi und ist Lebens- und Segensträger in Gottes Reich. Dem aufmerksamen Betrachter entgeht sicher nicht die Verbindung zum Krof­dorfer Taufstein: Die Lebenskrone aus Kubus und kleinen Dächern, hier stark auf die Oberkante des Stammes verdichtet, findet sich ebenso wieder wie de den Stumpf übersäenden Bauklötzchen.

 

(5) Die vermutlich in der Reformationszeit übertünchten Fresken in der Apsis wurden 1961 wiederentdeckt und konserviert. Fragmentarisch erhalten sind unter anderem: (a) die Heilige Katharina von Alexandrien als Patronin der Kirche mit dem ihr zugeschriebenen Signum des Rades auf der südlich-östlichen Wandseite in den Chorfensternischen, (b) der Heilige Hieronimus, (c) die Muttergottes auf der Weltkugel, (d) der Heilige Christopherus und (e) zur Kanzel hin, durch den Triumpf­bogenaufbruch zerstört, Reste des jüngsten Gerichts.

(6) Beeindruckend ist die schwere, mit breiten Eisenbändern versehene Eichentruhe, die ihren Platz in der Apsis gefunden hat Sie stammt aus dem Jahr 1588 und diente damals zur Aufbewahrung der gottesdienstlichen Spenden (Geldschlitz) und wichtiger kirchlicher Akten.

 

(7) Die auffallend reichverzierte und hohe Kanzel samt mächtigem Schalldeckel von 1643 beherrscht wesentlich den Kirchenraum mit. Sie wurde von dem Vetzberger Schreinermeister Volbert Bauernfeind 1629 begonnen, der aber 1635 an der Pest verstarb. Die Kanzel wurde 1643 von einem anderen unbekannten Künstler vollendet, vielleicht einem Sohn. Der Kanzelstuhl trägt die Inschrift: „Wer diesen Styl recht will beschreiden, mvs lehren, weren, leiden meiden“. Den Schalldeckel verziert ein älter wirkendes Kruzifix, das vermutlich einmal ein Prozessionskreuz darstellte. Die beiden Inschriften des Schalldeckels lauten: „Mal 2. Des Priesters Lippen sollen die Lehr bewahren, das man avs seinem Mvndt das Gesetz svche“. und „Psalm 51: Herr, thve meine Lippen avff, das mein Mvnd deinn Ryhm verkvndige; Anno 1643“.

Der hohe Kanzelaufgang beginnt mit der Aufschrift über das Evangelium von der Auferstehung Christi in Ewigkeit („Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbt und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Johannes 11 V, 25,26). Thematisch werden die drei folgenden Bildmotive überschrieben: 1. Der siegreiche Christus, die Siegesfahne schwenkend und die Gestalten der Hölle tötend (Aufschrift: „Gott sey dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch unsern Herrn Jesum Christ. Cor.1, V 55“). 2. Der Christus resurrexit über dem leeren Sarg mit der Siegesfahne. 3. Die Himmelfahrt Christi.

 

(8) Weit ins Gleiberger Land hinein macht die Katharinenkirche sich heute mit ihren drei bronzenen Glocken bekannt. Seit alters her rufen sie die Menschen zu sonntäglichem Gottesdienst und täglichem Innehalten und Gebet. Sie tragen zugleich die Freude des Glaubens in die Welt zum Zeugnis hinaus. Ursprünglich noch in der kleinen Kapelle der Burg eingebaut, erklang die kleine romanische Glocke im Schlagton f " ab 1350 in der neuerbauten St. Katharinenkirche. Als sogenannte „Ave-Glocke“ trägt sie die lateinische Inschrift „in prinzipio erat verbum et verbum erad apud deum. ave maria gratis plena dominus tecum et b(enedicta)“: deutsch: „lm Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. Gegrüßet seist du, Maria, du bist erfüllt mit Gnade, der Herr sei mit dir und du seist gesegnet“ - Die große Glocke von 1571 (Ton h’) zeigt auf ihrem Mantel die Gefangennahme Jesu in Gethsemane und seine Grablegung. Erst 1978 trat durch die Spendenleistung der Gemeindeglieder eine dritte, mittlere Glocke hinzu mit Schlagton d und der Inschrift aus Jeremia 22,29: „O Land, Land, höre des Herrn Wort“.

 

Verwendete Literatur u.a.: H.-Chr. Barnikol, Evangelische Kirchengemeinde, in: J. Leib, Krofdorf-Gleiberg zwischen Tradition und Fortschritt (Heimatbuch zur 1200-Jahrfeier) 1974.

M. Schmidt, 1643-1993. Die Gleiberger Kanzel ist 350 Jahre alt (Hrsg. Kgm), 1993.

M. Schmidt, 1271-1996: 725. Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung der Krofdorfer Kirche (Hrsg. Kgm), 1996.

G. Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen, 1982.

 

Man kann mit dem Auto durch das Südtor des Ortes fahren, an einem Brunnen vorbei und durch das Nordtor (um 1350) mit der Linde davor. Im Ort sind noch Stadtmauerreste zu sehen. Über die Burgstraße fährt man dann nach Krofdorf. Am Nordrand des Ortes (in Richtung Salzböden) fährt man auf einem geschotterten Weg nach links. Nach etwa einem Kilometer kommt man zum Fohn­bachtal, in das man aber nur ein Stück hineinfahren kann.

Der Fohnbach hat eine Länge von 12,8 Kilometern. Er entspringt in der Nähe des Forsthauses Wald­haus in etwa 330 Meter Höhe. Der Fohnbach besitzt keine eigene Quelle, sondern entsteht aus mehreren Hangsickerquellen, die in Rinnsalen zusammen fließen. Ein natürlicher Bachlauf - mit einem Saum aus Schwarzerlen, Feuchtwiesen und den angrenzenden naturnahen Waldbeständen - kennzeichnet einen ökologisch und auch landschaftlich hochwertigen aber sensiblen Lebensraum.

Das Fohnbachtal mit seinen Feuchtwiesen und Gewässern, vorgelagerten Streuobstbeständen und natürlichen Waldbestän­den, mit zahlreichen Pflanzen und Tieren, bildet einen bedeutenden Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Feuchtwiesenbereiche mit ihren Orchideenvorkom­men sind als besonders wertvoll anzusehen.

Von dort geht es wieder direkt in den Ort bis zur Kirche. Die evangelische. Pfarrkirche (um 1350), ist ein ausgezeichnetes Beispiel für eine spätgotische Holzpfeilerkirche. Nach rechts geht es dann weiter an der Ruine Vetzberg vorbei. Die Ruine Vetzberg ist die einstige Vorburg der Gleiberger, ebenfalls auf einem dominierenden Basaltkegel. Sie ist seit etwa 1770 verfallen, Bergfried und Reste des Palas sind erhalten. Im Ort Vetzberg gibt es eine Ringmauer mit Torturm (14. Jahrhundert). Dann kommt man nach Biebertal-Rodheim.

Wißmar bei Wettenberg: Holz- und Technikmuseum, Dampftage und Vorführungen

 

Museum Kelten-Keller, Mühlbergstraße 9 (Gemeindeverwaltung)

In den letzten Jahrhunderten vor der Zeitenwende war der Dünsberg ein bedeutendes keltisches Siedlungszentrum im Gleiberger Land. Eine großflächige und stark befestigte Stadt befand sich auf dem heute bewaldeten Berg, der Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher ist - sowohl für Erholungsuchende und Sportler als auch für historisch Interessierte. Der Dünsberg nimmt aber auch eine Schlüsselstellung im mittelhessischen Raum in der Übergangszeit Kelten - Germanen - Römer ein.

Erste archäologische Ausgrabungen fanden bereits vor 100 Jahren statt. In den letzten Jahren wurden einige gezielte Grabungen durchgeführt, die Fragen zu verschiedenen Aspekten der keltischen Stadt beantworten konnten: zur Befestigungsweise, zur Siedlungsstruktur, zu Dauer und Ende der Besiedlung, zur Wasserversorgung, zur Deutung der rätselhaften Waffenfunde vor Tor 4 und schließlich auch zu den keltischen Bestattungssitten.                       

Die Gemeindeverwaltung Biebertal stellt dem Verein Archäologie im Gleiberger Land e.V. die Räume im Untergeschoß des Rathauses zur Verfügung. Im Jahre 2007 wurde das Museum eröffnet und erfreut sich seitdem regen Interesses. Das Museumskonzept stützt sich auf die Fachkenntnis des Vorstandes, der an den Ausgrabungen wesentlich beteiligt war und teilweise aus Fachwissenschaftlern besteht. Vom Verein herausgegeben wird ein aktuelles, reich bebildertes Heft zur Archäologie unseres Hausberges: „Der Dünsberg bei Gießen - Ausgrabungen in einer keltischen Stadt“ (Biebertal 2006).

Schwerpunkt in diesem Museum sind die bei den jüngeren Ausgrabungen freigelegten und dokumentierten Funde und Strukturen sowie die daraus folgenden Interpretationen - ein Blick in die moderne Ausgrabungstechnik und die fesselnde Welt der Archäologie!

Erstmals kann in unmittelbarer Nähe des Dünsbergs ein herausragender Fundkomplex aus keltischer Zeit dauerhaft und im Original präsentiert werden. Zu sehen sind zahlreiche herausragende Beispiele des keltischen Handwerks: zum Beispiel Münzen aus Gold, Silber und Buntmetall, Fibeln (Gewandspangen) aus Bronze und Eisen, Glasarmringe und Glasperlen, reich mit Email verzierte Teile des Pferdegeschirrs, Schwerter und Lanzenspitzen sowie Keramik, Mahlsteine und sogar verkohltes Getreide. Nachbildungen zeigen die spätkeltische Tracht und Kleidung.

Der Verein führt regelmäßig Grabungen und Vermessungen von Bodendenkmälern durch. Der Museumsbesuch ist kostenlos, doch man freut sich über Spenden. Es warten noch viele Funde auf die notwendige Restaurierung. Man kann Pate werden für einen herausragenden Fund! Die Betreuung des Museums erfolgt ehrenamtlich durch Mitglieder des Vereins.

Öffnungszeiten: Jeden 1. und 3. Sonntag im Monat, 14 bis 16 Uhr.

 

Dünsberg                                                                                         Führungsblatt 60

Weithin das Umland beherrschend, erhebt sich am nordwestlichen Rand des Gießener Beckens, im Gladenbacher Bergland als Ausläufer des Westerwaldes, die mächtige Kuppe des Dünsbergs. Aufge­baut aus Kieselschiefern des Kulm, überragt er mit seiner Höhe von fast 500 Metern die Siedlungslandschaft des Marburg-Gießener Lahntals. Der An­blick dieses großartigen Berges, seine natürlichen Gegebenheiten machen verständlich, daß er zu verschiedenen Zeiten der Vor- und Frühgeschichte als naturbestimmter zentraler Ort besiedelt und befestigt wurde.

Um den Berg ranken sich viele Sagen. Denn auf dem Dünsberg lag einst eine der bedeutendsten spätkeltischen Siedlungen: ein Oppidum, eine befestigte, stadtartige Anlage, die ihre größte Ausdehnung vermutlich im letzten Jahr hundert vor Christus hatte. Auf dem rund 90 Hektar großen Areal mit drei Befestigungswällen und 14 Toren lebten mehrere tausend Einwohner - für die damalige Zeit großstädtische Verhältnisse.

Das Oppidum lag nahe an der Grenze, bis zu der die Römer in Germanen vordringen konnten. Und so wird zum Beispiel überliefert, daß sich Germanen und Römer im „Dünsberg­grund“ im oberen Biebertal, eine gewaltige Schlacht lieferten. Zwar seien die Römer zu Beginn des Kampfs zahlenmäßig überlegen gewesen, doch die germanischen Krieger hätten kurz vor der Niederlage Verstärkung bekommen und deshalb die römische Armee besiegen können. Seitdem werde das ehemalige Schlachtfeld „Todmal“ und der Hügel, von dem die Verstärkung kam, „Helfholz“ genannt. In jedem Fall ist die Siedlung die einzige bekannte keltische Befestigung, die bis zum kulturellen Umbruch zur römischen Kaiserzeit existierte. Vermutet wird heute, daß die Kelten im Jahre zehn vor Christus hier ihre letzte Schlacht gegen den aus Main anrückenden Feldherren Drusus geschlagen haben.

Anders als die keltischen Ringwälle am Altkönig im Tau­nus oder dem pfälzischen Donners­berg wurde die Anlage auf dem Dünsberg früher nie eingehend erforscht. Dabei wird das Verteidigungssystem als noch bedeutsamer angesehen, und das nicht nur, weil hier, anstatt der üblichen zwei, ein dritter Ringwall mit einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer den Gip­fel umzieht. Vor allem gilt das darin liegende Oppidum als die einzige rechtsrheinische Siedlung der Kelten, die so lange bestand, daß deren Bewohner in unmittelbaren Kontakt mit den Römern kamen.

Diese Annahme konnte durch archäologische Funde in der näheren Umgebung untermauert werden, so mit dem fünf Kilometer entfernten römischen Lager bei Lahnau-Waldgirmes. Letzte Zweifel beseitigten die von der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts veranlaßten Grabungen. Dabei konnten zahlreiche Funde wie Lanzenspitzen, Schildbeschlä­ge oder Reste eines Pferdegeschirrs gesichert werden. Alles deutet auf einen militärischen Zusammenstoß zwischen Römern und Kelten.

Dort oben sie­delten auf 90 Hektar Kelten hinter ‑ noch teilweise erhaltenen ‑ Ringwällen. Drei Wall­ringe, die Überreste verfallener Mauern, umziehen den Berg, jeweils in etwa den Höhenlinien folgend. Ihre Ausmaße und die Gesamtausdehnung der Anlage, de­ren äußerer Wall die Fläche von über 90 Hektar umschließt, zeigen deutlich, daß man hier vor einem der eindrucksvollsten Denkmäler hessischer und mittel­europäischer Vorzeit steht.

Es ist im Einzelnen noch nicht erforscht, wie die Mauern des Dünsbergs konstruiert waren.

Auf jeden Fall waren sie Holz-Stein-Erde-Mauern mit tragendem Pfosten-Balken-Gerüst, Verblendung der Front oder der Fronten mit Trockenmauern und Füllung des Mauerkörpers oder Aufschüttung einer Rampe mit Steinen und Erde.

Sicher waren sie im Lauf der Jahrhunderte von der späten Bronzezeit im 8. Jahrhundert vCh über die spätkeltische Zeit im 2./1. Jahrhundert vCh bis in alamannische Zeit im 5. Jahrhundert nCh in verschiedener Art, jeweils nach dem Stand der Wehrtechnik gebaut. Für den Zeitraum der größten Ausdehnung und Blüte der Bergbefestigung, das spätkeltische Oppidum, ist eine sogenannte Pfostenschlitzmauer (Typ Kel­heim) anzunehmen und nach den neuesten Grabungen für den äußeren Wall nachgewiesen. Sie bestand aus mächtigen Pfosten, eigentlich großen Baum­stämmen, die im Abstand von 1,50 bis 3,00 Meter in den Boden gesetzt waren. Die Zwischenräume waren mit als Trockenmauer aufgesetzten Bruchsteinen ausgefüllt und dahinter eine breite Erdrampe angeschüttet, davor lag ein Graben.

Auf dem Dünsberg liegt ein spätkeltisches Oppidum, eine jener großen stadtartigen Anlagen der keltischen Welt, die Hauptorte von Stämmen oder Stammesteilen waren und in denen sich Ver­waltung, Handel, Münzprägung, Gewerbe wie auch Kult und Religion konzentrierten. Von der Innenbesiedlung zeugen in großer Zahl künstliche Verebnungen an den Hängen (Podien), auf denen Baulichkeiten standen. Mit dem äußeren Wall hat sich die um mauerte Fläche gegenüber den älteren Burgen fast verdreifacht, einbezogen sind jetzt die Bergausläufer des Kleinen Dünsbergs im Nordwesten und vielleicht - unfertig geblieben - des Hinteren Bulenkopfes im Südwesten.

Es gab etwa 1.000 Wohnpodien, die auf eine Einwohnerzahl von mehr als 1.000 Menschen bis hin zu 10.000 schließen lassen. Das Kerngerüst der Häuser bestand aus mächtigen Holzpfosten, die in den Boden eingegraben wurden. Die Löcher haben sich als Erdverfärbungen im Boden erhalten. Am Ostsporn wurden Pfostenlöcher mit einem Abstand von 2,50 mal 2,50 Meter gefunden. Ein solches Lagerhaus wurde im sogenannten „Keltenhof“ rekon­struiert.

 

Am Parkplatz geht man durch ein nachgebautes keltisches Tor, das vom Dünsberg-Verein mit finanzieller Förderung durch das Land Hessen und die Gemeinde Biebertal errichtet wurde. Das Keltentor ist die freie Rekonstruktion eines Tangentialtores unter Berücksichtigung aktueller Ausgrabungsergebnisse von Tor 4. Neben dem touristischen Aspekt sieht der Dünsberg-Verein das Tangentialtor als Beitrag, die Leistung der damaligen Bewohner und die historische Bedeutung des Dünsbergs einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Oberhalb steht der Keltenhof mit vielen Informationen zum Dünsberg und zum Leben der Kelten. Dann geht es immer auf der geteerten Straße weiter, die hier auch archäologischer Rundweg und Kunstweg ist.

Durch den Archäologischen Wanderweg wird eines der eindrucksvollsten Denkmäler hessischer und mitteleuropäischer Vorzeit erschlossen. Im Jahre 1986 ist dieser Rundwanderweg vom Dünsberg-Verein in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen, dem Forstamt Biebertal und der Gemeinde Biebertal eingerichtet worden. Unter dem Stichwort „Celtic Art“ haben 2002 die Revierförsterei Königsberg und der Dünsberg-Verein einen Skulpturenweg entlang des Archäologischen Wanderweges angelegt.

 

Das erste Ziel ist der Schulborn, für den schon eine Anbindung an die frühlatènezeitliche Befestigung des mittleren Walles ver­mutet werden kann. Der Schulborn (sul = Lache) ist eine der beiden großen Wasserstellen innerhalb des befestigten Bereichs. Er liegt jetzt in einer winkligen Ausbiegung des äußeren Walles. Grabungen in dem Wasserreservoir erbrachten den Nachweis eines aus Holz sorgfältig gebauten großen Wasserreservoirs von 13,08  bis 13,50 Meter Länge und 4,20 bis 4,55 Meter Breite, das ein älteres kleineres Bassin und verschiedene Brunnenschächte überlagerte. Die Wände dieses Beckens bestanden aus Pfosten und Bohlen, wobei die Bohlen in Falze in die Pfosten eingelassen waren.

 

Hier am Schulborn trifft man auf den äußeren Ringwall. Er wurde in der Mittellatènezeit (Mitte des 2./1. Jahrhundert vCh) begonnen und in der Spätlatène­zeit vollendet. Die Datierung erfolgt nach Ausdehnung, Funden und den typischen Zangentoren. An Tor 7 ist die Zangenform nur noch undeutlich zu erkennen, es ist ein typisches Zangentor. An dieser Stelle biegt der Wall nach Nordwesten aus, um den Kleinen. Dünsberg in die Befestigung einzuschließen. Ein „Strahlenwall“ begleitet die Mauer eine weite Strecke und zieht nach Norden tief den Berg hinab.

Hier beginnt der Aufstieg zum mittleren Wall, der bei der Erläuterungstafel gekreuzt wird. Am Steilhang des Berges ist die Befestigungslinie meist nicht mehr als Wall erhalten, sondern nur noch als Terrasse sichtbar, auf der heute teilweise Wege verlaufen. Im Schnitt dicht nördlich dieser Stelle findet sich dafür ein deutliches Beispiel. Ob der Mauer an den Steilhängen ebenfalls ein Graben vorgelagert war, ist nicht sicher.

Der Befund östlich von Tor 8 (das man auf dem Rundweg nicht erreicht) mit dem talwärts zielenden Wall legt nahe, daß die Quelle des Schulborns durch später wieder aufgegebene Annexwälle in die Befestigung des mittleren Walles einbezogen war, wie es von anderen zeitgleichen Beispielen bekannt ist. Der Bau dieses Wallringes erfolgte viel­leicht in der Späthallstatt-Frühlatènezeit um 500 vCh, die mit den frühen Kelten zu verbinden ist; allerdings liegen nur wenige Funde dieser Zeit vor. Sicher bestand er in der entwickelten Frühlatènezeit am Ende des 4./Beginn des 3. Jahrhunderts vCh, aus der vom ummauerten Ostsporn des Berges die meisten Funde stammen.

Auf der Höhe von Tor 13 sieht man dann schon den inneren Ring. Dieser im Oval die Bergkuppe umziehende Wall ist wahrscheinlich erstmals in der späten Bronzezeit, der Urnenfelderzeit im 5. Jahrhundert vCh, in unbekannter Bauweise angelegt und später immer wieder erneuert und ausgebaut worden. Starke Brandspuren zeigen, daß in ihm mehr Holzwerk verbaut wurde, als für eine Pfostenschlitzmauer notwendig wäre. Auf­fällig ist der kräftige Materialgraben hinter dem Wall, aus dem Erde und Steine für den Mauerbau entnommen wurden.

Der Ring ist besonders gut zu erkenn, wo ihn die Teerstraße schneidet.

Diese führt dann im Bogen auf den Gipfel. Links sieht man den Fernsehturm, rechts eine Lichtung mit Liegestühlen und schöner Aussicht. Das letzte Stück geht man direkt zum Plateau mit Tischen und Bänken und einem kleinen Spielplatz. Der Kiosk ist Mittwoch, Samstag und Sonntag geöffnet und bietet auch Speisen an. Auf den alten Aussichtsturm kann man hinaufsteigen (rund 80 Stufen zur unteren Plattform) und hat eine herrliche Rundumsicht.

 

Beim Abstieg geht man den Fußweg auf der anderen Seite des Gipfels direkt hinunter zum inneren Ring mit Tor 12. Hier kann man besonders gut sehen, daß der innere Wall eine sechs bis acht Meter hohe Außenböschung hat. Das Tor ist wie die meisten Tore der anderen Wälle ein sogenanntes „Tangentialtor“ mit gegeneinander ver­setzten Wall-Enden. Man geht (oberhalb) am Wall entlang und kommt zum zweiten Tor des inneren Walls, dem Tangentialtor 13.
Es geht hinunter zur Teerstraße, die gekreuzt wird. Der Weg führt hinunter zu Tor 14 oberhalb des mittleren Walls. Dieser scheint ursprünglich wie der innere ein geschlossenes Oval gebildet zu haben. Darauf deutet ein Wallrest im Nordosten mit dem Tangentialtor 14 hin. Erst zu einer späteren Zeit ist dann offenbar der weit vorspringende Ostsporn umschlossen und die Wallführung verändert wor­den.

Der mittlere Wall umschließt in diesem Bereich den nach Osten ragenden Geländeporn mit Tor 9. Von einer älteren Mauerführung stammt offenbar das hier liegende Wallstück mit Tor 14. Auf dem Geländesporn wurden vor allem Fundstücke aus spätrömischer und frühgeschichtlicher Zeit gefunden. Danach hatte der Dünsberg auch zu diesen Zeiten noch Bedeutung als Mittelpunkt für das Umland und trug wahrscheinlich eine alamannische Gauburg als Sitz eines Kleinfürsten.

 

Etwas weiter unten (zweimal rechts gehen) trifft man auf den mittleren Wall. Er liegt tiefer am Berg und führt teilweise an Steilhän­gen entlang. Hier sind die Mauerreste abgestürzt und der Wall ist nur noch als Terrasse erhalten. An diesem Wall geht man nun auf der Fortstraße abwärts.

Man kommt zu Tor 10 und Tor 11. Der Weg macht jetzt eine starke Linkskurve zum Tor 5. Von hier könnte man noch einen Abstecher zu Tor 6 (einem Zangentor) und zur Quelle am hinteren Eulenkopf machen. Diese dritte - heute hangabwärts verlagerte Quelle - lag vor Tor 6 hinter dem Strahlenwall bzw. dem zum Hinteren Eulenkopf führenden Wall. Wieweit sie in die Befestigung eingebunden war, ist noch unklar. Man kann diese Stelle aber auch auslassen.

Der Weg führt dann weiter zu Tor 4 (ein Zangentor) und Tor 3. Von dort geht man hinunter zum Grinchesweiher. Am Grinchesweiher wurde ein noch größe­res Reservoir als am Schulborn angegraben. Hier sieht man schon im Verlauf der Annexwälle, die die Quelle einschließen, zwei Bauperioden. Ein älterer Annex setzt nörd­lich von Tor 3 an und führt in rechtem Winkel nach Norden zum Wall zurück. Er wird überlagert und abgeschnitten von einem jüngeren Annex, der in sanf­tem Bogen dem Wall vorgelagert ist und zu dem Tor 3 den Zugang bildete. Man kann aber auch geradeaus weiter gehen und dann wieder hinunter zum Parkplatz (zum Tor 2 und 1 kommt man dann nicht, sonst müßte man noch einmal zum Schulborn gehen).

 

Ungeklärt in ihrer Bedeutung sind die sogenannten Strahlenwälle, die vorzugsweise vor den Toren ansetzen und den Berghang hinunterziehen. Sie können nicht sämtlich dazu gedient haben, weitere Geländeteile der Befestigung hinzuzufügen - wie es noch für einen Wall (oder Ackerrain?) vermutet wird, der östlich von Tor 4 abgeht und zum südlichen Sporn mit Geschützständen aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) hinführt. Eine abgeschlossene, noch nicht bearbeitete Neuvermessung wird hier vielleicht Klärung bringen.

 

Überblickt man die Geschichte des Dünsbergs, so reichen einige steinzeit­liche Funde - darunter eine Scherbe der Michelsberger Kultur - und ein Radnadelfragment der Hügelgräberbronzezeit nicht aus, um für diese Zeiten eine dauerhafte Besiedlung anzunehmen. Das Gipfel­plateau wird in der Ur­nenfelderzeit besiedelt und wohl auch befestigt. Eine Befestigung der Spät­hallstatt-Frühlatènezeit ist höchstens zu vermuten, vielleicht schon mit der älteren Wallführung des mittleren Ringes.

Im Jahre 1999 hat die Römisch-Germanische Kommission Frankfurt am Main mit Ausgrabungen an Tor 4 begonnen. Vielfältige Funde von keltischen und teilweise auch römischen Waffen und Gegenständen erschließen bessere Kenntnisse zur Geschichte des Dünsbergs. Trotz der Forschungen gerade in den letzten Jahren hält unsere Kenntnis unserer Bewunderung allerdings kaum Schritt. Grabhügel am Südhang des Dünsbergs und einzelne Funde aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit deuten darauf hin, daß schon vor den Kelten Menschen in irgendeiner Form den Berg nutzten.

Doch erst im 8. Jahrhundert vCh, am Ende der Bronzezeit, entstand auf der Bergkuppe anscheinend eine Art Burganlage. Zumindest wird das aus Keramik- und Metallfunden geschlossen. Die besondere Erhaltung des obersten Walls mit seiner heutigen Höhe von bis zu zehn Metern und relativ viele Reste verbrannten Holzes sind Indizien für eine massive undwuchtige Holz-Erde-Verbauung.

 

Von der Höhenburg zum Oppidum

Die Datierung des mittleren Walles ist ungewiß. Der Bau erfolgte vielleicht in der Späthallstatt-/Frühlatènezeit um etwa 500 vCh, allerdings liegen nur wenige Funde dieser Zeit vor. Möglicherweise bestand er bereits am Ende des 4./ Beginn des 3. Jahrhunderts vCh, sicher jedoch im 2. Jahrhundert vCh, aus welchem der Ostsporn die meisten Funde geliefert hat.

Seit dieser Zeit ist der Dünsberg eine keltische Stadtanlage.

Etwa gleichzeitig werden auch andere Berge im Lahn-Dill-Gebiet mit Befestigungen versehen. Eine keltische Regionalkultur bildet sich heraus - wahrscheinlicher Hintergrund: Örtlicher Eisenerzabbau und -verhüttung. Mit dem Bau des untersten Walles in der Mittellatènezeit etwa um 100 vCh vollzog sich vermutlich die Vergrößerung der Siedlung zum „Oppidum“. Mehrere tausend Fundstücke sind Indizien für eine deutliche Zunahme der Bevölkerung.

 

Landwirtschaft, Handwerk, Handel

Das Oppidum auf dem Dünsberg war eine Stadt der Bauern. Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebte vermutlich als Selbstversorger mit geringen Überschüssen, so daß davon die Handwerker „bezahlt“ werden konnten. Trotzdem dürften in der Blütezeit Bauernhöfe der Umgebung zugeliefert haben.

Die Gesellschaft der Kelten war also eine agrarische Gesellschaft. Pflugschare, Hacken und Sensen aus Eisen, die am Berg gefunden wurden, sind dafür direkte Beweise. Die Felder trugen vermutlich vor allem Gerste, seltener Emmer und Hirse.

Als Nutztiere für die Versorgung mit Fleisch, Horn und Leder wurden vor allem Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen gehalten. Das legt auch das Grabungsergebnis aus anderen keltischen Städten nahe.

Viele Tätigkeiten, die heute als „Beruf“ etabliert sind, waren in keltischer Zeit „Hausfrauen- oder Hausmannsarbeit“, da sie von Jedermann und mit leicht zu beschaffenden Materialien ausgeführt werden konnten: Weben, spinnen, nähen, Möbel bauen, Schuhe anfertigen, Jagdwaffen herstellen, jagen, schlachten.

Arbeiten, die vor allem mit einer aufwendigen Technik und einer besonders schwierigen Roh­stofflage zusammenhingen, erforderten schon in keltischer Zeit professionelle Handwerker: Schmiedearbeiten (Eisen, Bronze, Silber, Gold), Töpferei, Schmuck- und Geräteherstellung, Schnitzarbeiten, Köhler, Emmailleure.

Rund 300 Münzen sind vom Dünsberg aus unterschiedlichen Herkunftsgebieten bekannt. Sie bestätigen, daß bereits in vorrömischer Zeit die einheimischen Kelten Geldwirtschaft mit Gold-, Silber- und Kupfermünzen und damit auch Handel betrieben. Anhand der Münzfunde lassen sich Handelskontakte nach Süddeutschland, nach Böhmen, sowie Mittel- und Nordfrankreich, aber auch in das nähere Umfeld des Dünsbergs, zum Beispiel das Heidetränk-Oppidum im Taunus belegen. Was hatte der Dünsberg als Handelsgut zu bieten? Wahrscheinlich Felle, Leder, Roheisen.

 

Eisenland am Dünsberg

Seit mehr als 2000 Jahren bildet der heimische Raum eines der bedeutendsten Montanzentren im Lahn-Dill-Gebiet. Am südlichen und westlichen Fuß des Dünsbergs und in den angrenzenden Hügeln befinden sich reiche Eisenerzvorkommen. Der Abbau des Eisenerzes erfolgte vermutlich im Tagebau. In „Rennnöfen“ wurde das Eisenerz geschmolzen und anschließend zu Barren verarbeitet. Spezielle Essenschmiede übernahmen danach die Weiterverarbeitung. Zum Schmelzen des Erzes waren große Mengen Holzkohle erforderlich, die Köhler in Kohlenmeilern erzeugten.

Da das Ganze eine „feuergefährliche“ Angelegenheit und auch mit Geruchsbelästigungen verbunden war, ist davon auszugehen, daß die Köhlerei und die Schmelze außerhalb der Höhensiedlung in einiger Entfernung von den Wohnhäusern stattfand. Die Weiterverarbeitung, also das Schmieden des Eisens, könnte durchaus dann ein „innerstädtisches“ Handwerk gewesen sein.

Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die Erzgewinnung im Umfeld des Dünsbergs eine erneute Blüte. Elsenerzgruben wie „Elennore”, „Elisabeth”, „Königsberg”, „Abendstern“, „Morgenstern” und „Friedberg”, letztere in unmittelbarer Nähe des heutigen Hotels „Keltentor“ bei Fellingshausen stellen für erfolgreiche einhundert Jahre heimischer Industriegeschichte. Im Jahre 1963 wurde die letzte Schicht in der Grube „Königsberg“ gefahren.

Mit der entwickelten Frühlatènezeit (Latène B 2) setzt jedenfalls eine dichtere Besiedelung ein und der mittlere Wall hat zu dieser Zeit sicher bestanden. Ob eine Siedlungskontinuität zum Oppidum der Mittel-Spätlatènezeit (Latène C 2-D 2) vorhanden oder dies eine Neugründung war, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen.

Das Ende des Oppidums dürfte nach zahlreichen neuen Funden mit einer Zerstörung durch römische Truppen wahrscheinlich bei einem Feldzug des Drusus in den Jahren 10/9 v.Chr. gekommen sein. Nach der vernichtenden Varusschlacht haben sich, vermuten die Wissenschaftler, die Römer auf ihre ausgebauten Linien zurückgezogen. Einer Bedrohung ihrer Vorposten wie bei Waldgirmes wurde mög­licherweise präventiv begegnet. Ein direkter Zusammen­hang mit den neu entdeckten römischen Anlagen im Lahntal aus - späterer - augusteischer Zeit ist allerdings derzeit nicht zu belegen (Waldgirmes).

Jedenfalls spielte entgegen älterer Meinung der Berg, als fast 100 Jahre später unter Domitian der Wetteraulimes ange­legt wurde, schon lange keine Rolle mehr. Auch nach dem Limesbau duldeten die Römer keine Besiedlung mehr am Dünsberg. Das Oppidum verfiel. Sicher ist, daß das Oppidum zur Zeit des Römerlagers in Dorlar und des Römerforums in Waldgirmes, also seit 10 vCh, keine für die Römer gefährliche Bedeutung mehr hatte.

Noch einmal ins Licht der Geschichte tritt der Dünsberg in spätrömischer Zeit, als nach dem Fall des Limes um 260 nCh die Alamannen im Lauf der Jahrzehnte das Land besiedelten. Dichte Fundstreuung auf dem Ostsporn spricht für eine alamannische Gauburg des 4./5. Jahrhunderts, den Sitz eines Kleinkönigs, die mit dem Ausgreifen der fränkischen Macht um 500 ihr Ende fand. Einige merowingerzeitliche Funde des 7. Jahrhunderts lassen sich in ihrer Bedeutung für die Geschichte des Berges noch nicht abschätzen.

 

Auf der Straße geht es dann weiter nach Frankenbach, links ab nach Erda, wieder links ab nach Hohensolms. Die Zufahrt zum alten Ortsteil ist gleich am Ortseingang links zur Evangelischen Jugendburg. Nach dem Ort geht es wieder links ab nach Bieber und dann entweder über Waldgirmes (Datei „Waldgirmes“) weiter oder direkt nach Wettenberg und zum Gießener Ring oder über Dorlar, Atzbach (Achtung: nicht nach Kinzenbach), Heuchelheim Autobahn.

Biebertal

In Biebertal-Rodheim fährt man in die Straße „Am Turnerplatz“. Auf ihr fährt man zunächst einmal geradeaus über die Hauptstraße zum Schmitter Hof mit dem dreistöckigen Herrenhaus mit Fachwerkoberbau (1457) und dem neuen Herrenhaus (1790). Wieder zurück biegt man nach links in die Hauptstraße ein. Zwischen Sparkasse und Altenheim ist ein Parkplatz, der zum Gail’schen Park führt.

 

Gail’scher Park in Rodheim

Die Geschichte der Familie Gail und des Rodheimer Anwesens:

Der Kaufherr Georg Philipp Gail (1785-1865) gründete, aus Dillenburg kommend, im Jahre 1812 eine Rauchtabakmanufaktur in Gießen. Anlaß war das im napoleonischen Großherzogtum Berg, zu dem auch Dillenburg gehörte, eingeführte staatliche Monopol für die Tabakindustrie. Auf­grund seiner Geschäftstüchtigkeit wuchs das Unternehmen schnell und entwickelte sich zum wichtigsten Industriezweig in Gießen. Georg Philipp Gail erlangte großes Ansehen und wurde 1822 erster Bürgermeister nach der neuen Gemeindeordnung in Gießen.

Im Jahr 1857 wurde die Filiale in Rodheim gegründet. Wie auch an ihrem Stammsitz in Gießen, legte die Familie Gail an ihrer Niederlassung in Rodheim neben der Fabrik auch ein Haus (Schweizer Haus) und einen Park an. Wann der erste untere Parkteil genau angelegt wurde, ist nicht bekannt. Zur Ankunft seiner Braut Minna Mahla aus Amerika verschönerte Wilhelm Gail, Enkel von Georg Philipp Gail, den noch kleinen Park mit Wasserkünsten als Folge von Becken und Gerinnen. Ein Reklameplakat der Firma Gail aus dem Jahr 1884 zeigt bereits einen kleinen Teich vor dem Schweizer Haus mit einer Fontäne.

Wilhelm und Minna Gail, beide große Parkliebhaber, müssen damals bereits von einer Ver­größerung ihres kleinen Paradieses außerhalb der Stadt Gießen geträumt haben. Im Jahr 1888 begannen die Aktivitäten, die sich bis zum Jahr 1896 hinzogen und mit dem Bau einer Villa abgeschlossen wurden. Über die Gesamtkonzeption ließ sich Wilhelm Gail durch den Frankfurter Architekten Franz von Hoven beraten, sowie durch Heinrich Siesmayer, den bedeutendsten Gartenarchitekten dieser Zeit in Hessen. Die weiteren Planungen sowie der Ausbau der Parkanlage wurden später durch den Frankfurter Stadtgartendirektor Andreas Weber fortgeführt und umgesetzt.

Wilhelm Gail hat als Kenner der Gartenkunst des 19. Jahrhunderts selber großen Einfluß auf die Gestaltung genommen. Genießen konnte er den Park mit seiner geliebten Frau jedoch nur sehr kurze Zeit, da sie nach der Fertigstellung an Krebs erkrankte und bereits 1898 verstarb. Auch drei seiner vier Söhne starben früh. So war der Park Zeit seines Lebens „eine grausame Erinnerung an mein geschwundenes Glück”, wie Wilhelm Gail sich in einem Brief an seinen Schwiegervater 1899 ausdrückte.

Die Villa diente der Familie Gail weiterhin als Sommersitz. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie der Hauptwohnsitz der Nachfahren. Nach heutigen Erkenntnissen ist der Park nur unwesentlich verändert worden. Aus den zwanziger Jahren ist eine größere Pflanzaktion der Firma Wirtz & Eicke aus Rödelheim überliefert. Ursprünglich war der Park mit vielen Birken, Linden und Weiden, wie es auf alten Fotos zu erkennen ist, bepflanzt. Nur die Bäume mit sehr kräftigen Stämmen und einige Sträucher stammen noch aus der Entstehungszeit.

Die Wege hatten zunächst eine Kiesdecke und wurden im Laufe der Jahre betoniert oder mit Bitumen versehen, sind aber 2005 größtenteils wieder rückgebaut worden. In einem Lageplan des Anwesens aus dem Jahr 1902 lassen sich die Veränderungen unterhalb des Teiches zum heutigen Stand gut ablesen.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Villa von der amerikanischen Besatzung beschlagnahmt.

Im Jahr 1948 konnte die Familie Rumpf-Gail die Villa wieder beziehen, baute das Erdgeschoß um und legte ein Schwimmbecken mit Pavillon und eine Terrasse im Stil der Zeit an.

Seit dem Erwerb des Anwesens durch die Gemeinde Biebertal im Jahr 2003 und der Vermietung an die Firma Schunk Dienstleistungs-GmbH nutzt diese die Villa als Büro und für Veranstaltun­gen. Die Innenräume, die Fassaden und die Terrassen sind durch die Firma Schunk in den Jahren 2004 und 2005 renoviert worden.

 

Heinrich Siesmayer (1817-1900):

In Frankfurt am Main wirkte Anfang des 19. Jahrhunderts mit Sebastian Rinz ein bekannter Gartenkünstler. Im Jahr 1832 ging Heinrich Siesmayer bei ihm als Gärtner in die Lehre. Der Chef erkannte das Talent des jungen Siesmayers und übertrug ihm nach einigen Jahren das Zeichnen von Entwürfen und die Leitung bei der Ausführung größerer Aufträge.

Siesmayer, auf den Namen Franz Heinrich getauft, kam 1817 als Sohn des Kunstgärtners Jakob Philipp Maria Siesmayer aus Niederselters an der Lahn in Mainz-Mombach zur Welt. Heinrich trat völlig mittellos seine Lehrjahre an. Er blieb acht Jahre bei seinem Lehrmeister, besuchte nebenbei die Gewerbe- und Sonntagsschule und nahm Unterricht im Planzeichnen.

Am 1. Mai 1840 machte sich Heinrich Siesmayer selbständig. Der Durchbruch gelang ihm mit der Gestaltung der Parkanlagen für den Fürsten zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Die Firma Siesmayer erlebte einen kometenhaften Aufstieg. Der Erfolg der Firma ergab sich aus den sich glücklich ergänzenden Talenten der Brüder: Heinrich, der kreative Gestalter, und Nikolaus, der Baumschulist und Geschäftsmann. Sein größter Auftrag in diesem Zeitabschnitt war die Anlage des Kurparks in Bad Nauheim. In den siebziger Jahren schuf er Gärten u.a. für die Barone Wilhelm und Karl von Rothschild, Fürst Metternich in Johannisberg, Freiherr von Bethmann in Königstein und den Kommerzienrat von Stumm zu Schloß Hallberg.

Die Frankfurter verehren Siesmayer wegen seiner Verdienste um die Gründung des Palmen­gartens. Auf der Höhe des Ruhmes hatte die Firma bis zu 500 Beschäftigte mit einer großen Baumschule in Bad Vilbel. Zunehmend kränkelnd, übergab der verwitwete neunfache Vater 1890 die Firma an seine Söhne Philipp, Joseph und Ferdinand. Nach langer Bettlägerigkeit verstarb er am 22. Dezember 1900.

Im Jahr 1888 ließ Wilhelm Gail sich von Heinrich Siesmayer hinsichtlich der großen Park­erweiterung beraten.

 

Andreas Weber (geboren 1832):

Im Gegensatz zu dem freischaffenden Gartenarchitekten Heinrich Siesmayer war Andreas Weber Angestellter der Stadt Frankfurt. In seiner dortigen Tätigkeit hat er sich besonders um die schmuckvolle Bepflanzung der Frankfurter Anlagen verdient gemacht. Aber auch große Parks, wie der Ostpark, die Anlagen zum Zoo und der Georgengarten wurden von ihm entworfen. Nebenbei war er auch für zahlreiche wohlhabende Familien tätig.

Im Auftrag des Kommerzienrat Wilhelm Gail gestaltete er einen englischen Landschaftsgarten an seinem Wohnsitz am Oswaldsgarten in Gießen und das Grabmal der Schwiegermutter auf dem alten Friedhof.

Im  Jahre 1832 in Frankfurt geboren, erlernte er (wie Siesmayer)den Gärtnerberuf bei Sebastian Rinz, dessen Enkel er war. Dieser finanzierte ihm eine Reise zur Weiterbildung, die ihn nach Paris, Brüssel und London führte. Von unterwegs berichtete er seinem Förderer in regelmäßigen Briefen über die erworbenen Kenntnisse und seine finanziellen Belange. Darüber hinaus führte er ein Tagebuch in der jeweiligen Landessprache. Zurück in Frankfurt trat er als Adjunkt des damaligen Stadtgärtners, seines Großvaters Sebastian Rinz, in städtische Dienste. Neun Jahre später, im Jahr 1861, übernahm er dessen Stelle und leitete als städtischer Gartendirektor die Stadtgärtnerei bis zu seinem Lebensende.

Eine jahrelange Zusammenarbeit mit Herrn Kommerzienrat Wilhelm Gail ist durch zahlreiche Briefe aus dessen Kopierbuch belegt. Während Heinrich Siesmayer mit Franz von Hoven die Parkerweiterung konzipiert hat, bekam Andreas Weber 1890 von Wilhelm Gail einen General­auftrag für die weitere Planung und die Überwachung der Arbeiten im Park. Als Grund für den Wechsel des Gartenarchitekten kann das Erkranken von Heinrich Siesmayer zu diesem Zeitpunkt angesehen werden.

 

Begehung 1999:

Über ein Jahrhundert konnte die Bevölkerung, mit wenigen Ausnahmen, das Anwesen nicht betreten. Mit einer über zwei Meter hohen Natursteinmauer schirmten sich die Eigentümer gegen die umgebende Bebauung inmitten der Gemeinde ab. Im Herbst 1999 fand eine Ortsbegehung des Bauausschusses auf dem Schindwasengelände statt, um das angrenzende, als Neubaugebiet vorgesehene Gelände zu begutachten. Hierzu mußte der Park durchquert werden. Die Mitglieder des Ausschusses und viele interessierte Bürger hatten somit erstmals die Möglichkeit, hinter die „Gail’sche Mauer” schauen.

War zuerst die Neugierde groß, so war bald die Überraschung umso größer. Vor allem der Park, der im englischen Stil angelegt ist, begeisterte durch seine Fülle von Einbauten und schöner Details. Die Wegeführung, die Bodenmodellierung und die Pflanzenanordnung ließen sofort die Hand eines großen Gartenkünstlers erkennen. Anschließende Begehungen mit Fachleuten der Gartenhistorik und des Denkmalschutzes bestätigten den kulturhistorischen Wert der Anlage. Der Park war bis zu diesem Zeitpunkt der Gartenfachwelt nicht bekannt und stand daher auch nicht unter Denkmalschutz.

 

Rundgang durch den Park

1. Sie betreten den Park talseits im Süden durch den im Jahr 2004 neu gestalteten Eingang. An der Stelle, an der sich heute die Sparkasse und das AWO-Heim befinden, standen früher die Zigarrenfabrik und die Stallungen (Bild Seite 4).

Folgen Sie oberhalb der Treppe dem Weg nach rechts. Sie befinden sich hier im ersten zwischen 1857 und 1890 geschaffenen Parkteil mit Blick auf das Schweizer Haus. Der Wasserlauf mit zahlreichen Becken unterschiedlicher Ausformung war Teil der Parkverschönerung, die Wilhelm seiner Frau Minna 1883 zur Hochzeit schenkte.

Wenn Sie den Weg geradeaus weiter gehen, werden Sie hinter einer Wegeabbiegung durch den Blick in eine wunderschön modellierte Rasenfläche, in der gekonnt Baumpflanzungen gruppiert sind, überrascht. Hier wird deutlich, daß wir einen Park im Stil eines englischen Land­schafts­gartens vor uns haben. Diese neue Ausdrucksform der Gartengestaltung entstand Anfang des 18. Jahrhunderts in England. Im Gegensatz zu den geometrisch gestalteten Gärten der Epochen der Renaissance und des Barocks nimmt sich der landschaftliche Stil die Naturschönheit zum Vor­bild. Durch schmückende Einbauten (Staffagen) werden malerische Parkbilder inszeniert. Charakteristisch für einen Landschaftspark sind der Aufbau von Sichtachsen und eine malerische Gruppierung von Bäumen und Sträuchern.

 

2. Geht man den breiten Hauptweg weiter, erlebt man eine Abfolge von einzelnen Parkbildern. Nach einer verdichteten Pflanzung und einer Wegebiegung öffnet sich überraschend der Blick über den Teich auf die Villa. Auf der rechten Seite sehen Sie auf einer kleinen Anhöhe das gleichzeitig mit der Villa entstandene Keramiktürmchen. Die Klinker sowie die bunten Dachziegel stammen aus der Produktion der Gießener Dampfziegelei und Tonwarenfabrik, die Wilhelm Gail 1891 erworben hat. Auf dem Plan von 1902 (Seite 5) erkennt man südlich des Keramiktürmchens am Hang einen kleinen Weinberg. Der östliche Teil der Terrassierung aus Natursteinen ist noch vorhanden.

 

3. Wenn Sie dem Weg um den Teich nach rechts folgen, fällt hinter einer Pflanzung. Ihr nächster Blick auf eine kleine, aus den fünfziger Jahren stammende, Bogenbrücke, die zu einer Insel führt. Die Insel war ursprünglich mit Bäumen bepflanzt.

 

4. Nach wenigen Schritten wird Ihnen das nächste Parkbild, mit dem Teichhaus und einer Trauer-weide präsentiert. Andere Parkeinbauten sind von hier nicht zu sehen. Das Teichhaus mit seiner Birkenfront hatte nicht nur Schmuckwert, sondern diente auch einem nützlichen Zweck. Hinter der etwa 1,50 Meter dicken Frontwand befindet sich ein Eiskeller, in dem man im Winter geschnittene Eisblöcke aufbewahrte. Ein künstlich aufgeschütteter Hügel überbedeckt den Raum, gibt Schutz vor Wärme und ist zugleich eine willkommene Modellierung im Gelände.

 

5. Hinter dem Hügel des Eiskellers wird der Blick auf die Villa wieder frei. Auf der rechten Wegseite sehen Sie das Bienenhaus. Ein Hinweis darauf, daß sich die Familie Gail mit vielen Dingen des täglichen Lebens vor Ort selbst versorgte. Das östlich angrenzende, inzwischen bebaute Gelände wurde früher als Obstplantage und zur Anzucht von Gemüse und Blumen genutzt. Hier befanden sich Trauben- und Gewächshäuser. Mehrere Gärtner waren mit Pflanzenanzucht und Parkpflege beschäftigt. Wilhelm Gail hat hier auch verschiedene Obstsorten getestet und seine Ergebnisse an die Bevölkerung weitergegeben.

 

6. Vorbei an einem großen Mammutbaum folgen Sie dem Weg weiter bergan. Sie befinden sich nun östlich der Villa. Hier hatten die Kinder der Industriellenfamilie ein eigenes Spielhaus zur Verfügung. Es wurde um 1910 für Marianne, die Tochter aus zweiter Ehe von Wilhelm Gail, gebaut. In einem von einer Hecke eingefaßten Areal sind die Gestelle einer Schaukel und eines Seilkarussells (Rundlauf) noch vorhanden. Es sind seltene Beispiele der ersten Spielgeräte in unserer Region. Die Innenwände des Spielhauses sind in den fünfziger Jahren mit einem Märchenfries verziert worden, welcher dem Vetzberger Malermeister Baumbach zugeschrieben wird, jedoch mit Max Weilzierl signiert ist. Er wurde im Jahr 2006 saniert.

 

7. Über die Parallelwege gehen Sie zurück zu der schönen Keramikskulptur am Teich, die einen Faun darstellt. Seitlich am Sockel finden Sie den Namenszug der Firma Gail, der die Skulptur als eigenes Produkt ausweist. Der Entwurf stammt von dem Gießener Architekt und Künstler Hans Meyer. Die Wasserrinne wird über ein Drainagesystem, welches östlich im Turnerplatzgelände angelegt wurde, gespeist und hatte die Aufgabe, den Teich mit Wasser zu versorgen. Zur Zeit ist jedoch diese Funktion ganzjährig nicht mehr gesichert. Nur nach sehr starken Regenfällen spendet die Drainage noch etwas Wasser.

Nachdem Sie dem Teichhaus einen Besuch abgestattet haben, gehen Sie den Weg unterhalb der Villa weiter und erreichen wieder die Sichtachse zwischen Villa und Keramiktürmchen. Dort haben Sie einen sehr schönen Blick über den Teich, die Insel, zum Turm und in die Landschaft.

Geschickt wurde durch die Stellung des Turms auf eine kleine Anhöhe die angrenzende Be­bauung verdeckt. Die bewaldeten Berge im Hintergrund hat man gekonnt in das Parkbild mit einbezogen. Dies ist ein oft verwendeter Kunstgriff der englischen Landschaftsarchitektur, um eine Anlage optisch zu vergrößern. In der Teichmitte ist eine Fontäne in einer Felsengruppe installiert, für die es ursprünglich eine besondere Druckleitung mit elektrischer Pumpe gab.

Die Villa steht als dominierendes Element, leicht erhöht, auf dem oberen Niveau an einer künstlichen Hangkante. Alle Blickachsen, Parkeinbauten und das Wegesystem sind auf sie abgestimmt. An der Fassade des Dachgeschosses sehen Sie schöne Putzmotive mit Tier- und Pflanzendarstellungen. Im Jahr 1948 wurde leider die schöne Klinkerfassade des Erdgeschosses verändert.

Seit dem Jahr 1896 verfügt die Villa über eine eigene Wasserversorgung. Quellwasser, welches man unterhalb des Ortes Vetzberg am Hang auffing, wurde in einen großen Keramikbehälter auf dem Dachboden gepumpt. Von dort führte man es zu den Bädern und zur Küche. Unter der großen Terrasse westlich der Villa befindet sich eine Zisterne, aus der das Haus zusätzlich mit Wasser versorgt wurde.

 

8. Der Rundweg führt Sie weiter um den Teich nach Westen und zeigt Ihnen stimmungsvolle Bilder, schöne Bäume und Ausstattungsstücke, sowie den Blick zur Insel samt Brücke am gegenüberliegenden Ufer. Ein außergewöhnlicher Platz im Park ist die kleine Halbinsel am Westufer, zu der Sie zum Teich hinab gehen sollten. Mit einer Felswand (Grotte) als Rücken ist hier eine der wärmsten Stellen des Parks angelegt. Sie wurde als Sitzplatz genutzt, auf der man, wie überliefert, gelegentlich am Nachmittag den Tee einnahm. Von diesem Standort aus, tief im Gelände, fast auf Wasserspiegelhöhe, wirkt die Parkanlage in sich geschlossen und sehr prachtvoll. Die umgebende Bebauung ist nicht zu sehen und der Ort Rodheim ist nicht zu spüren. Haben Sie nicht das Gefühl sich in einem weitläufigen Park zu befinden? Dabei ist er nur 2,8 Hektar groß.

 

9. Westlich, oberhalb des Teiches, treffen Sie auf einen Tennisplatz. Er ist mit Sicherheit einer der wenigen in seinen Umrissen noch erhaltenen Plätze aus dem 19. Jahrhundert. In den fünfziger Jahren ist er auf das aktuelle Wettkampfmaß verlängert worden. Dabei wurde eine im Westen angrenzende Schießbahn aufgegeben. Der Platz war bis zum Jahr 1999 noch bespielbar.

 

10. „Die Wege sind die stummen Führer des Spaziergängers und ein Mittel, die einzelnen Szenen in einer bestimmten Reihenfolge und von den vorteilhaftesten Punkten aus zu zeigen” (Gustav Meyer 1859). Ein Musterbeispiel einer Wegeführung nach der Lenne-Meyerschen Schule wurde hier im Rodheimer Park verwirklicht. Alle Wege sind in gezogenen Bögen gestaltet, die vertieft in den Rasenflächen liegen. Jeder mündet am Ende eines Bogens in ein Wegekreuz ein. Am Westrand des Parks treffen sich in vollendeter Ausformung fünf dieser Wege. Besondere Keramikrandsteine aus Gail’scher Fabrikation fassen die Wege.

 

11. Folgen Sie dem Weg hinab in südliche Richtung. Sie erreichen wieder den ältesten Parkteil, der unterhalb des Schweizer Hauses um 1880 entstanden ist. Am Ende des Weges finden Sie separate Sitzplätze. Ein runder kleiner Kiesplatz auf der rechten Seite war einst von fünf Kastanien umstanden. Die sogenannten „Kastanienrondelle” waren seinerzeit ein beliebtes Gestaltungsmotiv. Zu einer Schießanlage westlich des Tennisplatzes gehören ein Sitzplatz mit Bank und Steintisch. Der Hügel diente als Kugelfang. In dem Plan von 1902 kann man diese Anlage links neben dem Tennisplatz erkennen.

 

12. Der Wasserlauf unterhalb des Schweizer Hauses führte ursprünglich bis an die Gießener Straße heran. Er wurde, wie der umgebende Parkteil, als Hochzeitsgeschenk für Minna Mahla vom Kommerzienrat Wilhelm Gail angelegt.

Die Hauptwegeverbindungen im Park bestückte man bereits 1896 mit Mastleuchten. Am Wasserlauf steht eine besonders schöne Leuchte, unter der sich früher ein Sitzplatz befand. Die Ansätze eines Weges, der den Wasserlauf einst begleitete, sind noch zu erkennen.

Als erstes Wohngebäude entstand oberhalb der Fabrik 1880 das Schweizer Haus. Im romantischen Stil ist es auf einer künstlich mit Felsen aufgeschichteten Anhöhe errichtet. Ein Weg und zwei Steintreppen führen von drei Seiten zu ihm hinauf. Das ungeteilte Erdgeschoß diente der Familie Gail als Aufenthaltsraum. Karl, der Vater von Wilhelm Gail, ließ das Schweizer Haus als Hochzeitsgeschenk für seine zweite Frau von dem Gießener Architekten Hugo von Ritgen, der durch den Umbau der Wartburg bekannt geworden ist, erbauen.

 

13. Wir schließen unseren Weg an einem mit Felsen direkt am Teich steil aufgetürmten Aussichtspunkt und haben von hier nun viele vorher einzeln betrachtete Szenen in einem Panoramabild vereint.

 

Ausblick:

Die Charta von Florenz von 1981 (Charta der historischen Gärten) stellt in Artikel 1 fest: „Ein historischer Garten ist ein mit baulichen und pflanzlichen Mitteln geschaffenes Werk, an dem aus historischen oder künstlerischen Gründen öffentliches Interesse besteht. Als solches steht er im Rang eines Denkmal“. Die heutige und die kommenden Generationen haben die Aufgabe und die Verpflichtung solche historischen Denkmale zu erhalten.

Der Rodheimer Park ist zweifelsfrei ein Gartendenkmal, gestaltet nach gartenkünstlerischen Ideen und Gestaltungsprinzipien. Das Ensemble von Villa und Park, in einem einzigartigen modellierten Gelände, stellt ein Gesamtkunstwerk dar. Es ist in großen Teilen noch im Original erhalten. Dies ist nicht nur in Hessen selten. Die Besonderheit des Rodheimer Parks liegt in der gekonnten Inszenierung einzelner Parkbilder auf einer kleinen Fläche. Die Raumaufteilung ist so geschickt gewählt, daß der Park wesentlich größer erscheint als er tatsächlich ist.

Klassische Ausdrucksformen, wie der Aufbau von Blickachsen, die Einbeziehung der umgebenden Landschaft und die Einfügung von Parkbauten lassen sich zahlreich finden. Als lebendiges Denkmal, das einer ständigen Veränderung unterliegt, bedarf er einer fortwährenden fachkundigen Pflege, um ihn auf Dauer zu erhalten.

 

Der Freundeskreis Gail’scher Park e. V.:

Einigen Bürgern, die im Herbst 1999 die Schönheit und den Wert des Parks erkannten, war sofort klar, daß die Anlage für die Bevölkerung offen stehen sollte und man Sorge dafür zu tragen hatte, den Park in seiner Art zu erhalten. Sie gründeten deshalb im August 2000 den „Freundeskreis Gail’scher Park e.V.” mit der Zielsetzung, dieses gartenhistorische Kulturgut zu bewahren, Nutzungen für die Villa zu finden und den Park für die Bevölkerung zugänglich zu machen. Auf Initiative des Freundeskreises wurde der Park sofort in die Liste der unter Denkmalschutz stehenden Objekte aufgenommen. Aufgrund der vom Freundeskreis vorgetragenen Änderungsvorschläge bezüglich der geplanten Neubauten am Schindwasen wurde der Eingriff in den Park stark vermindert.

 

Mit dem Erwerb des Anwesens durch die Gemeinde Biebertal begann die eigentliche Arbeit des Vereins. Im Zuge der Verkaufsverhandlungen hatte sich der Freundeskreis bereit erklärt, die fachliche Begleitung bei der Parksanierung sowie die Organisation der Öffnungszeiten an den Wochenenden zu übernehmen. Durch die intensive Hilfe von Sponsoren konnte der südliche Parkteil durch den Bau eines neuen Eingangs wieder in die Gesamtanlage eingebunden werden.

Die intensive Arbeit des Freundeskreises gipfelte im Jahr 2002 nach langen Verhandlungen im Erwerb des Anwesens durch die Gemeinde Biebertal mit gleichzeitiger Verpachtung an die Schunk-Group aus Heuchelheim. Diese ideale Konstellation stellt die Gemeinde frei von finanziellen Belastungen und eröffnet dem Freundeskreis weitreichende Nutzungsmöglichkeiten, fordert aber parallel dazu einen hohen Einsatz zur Sanierung der Parkanlage. So wurden in den Jahren 2004 bis 2006 fast alle Wege mit einem neuen Kiesbelag versehen. Auch konnte der Teich und der Bachlauf am Schweizerhaus sowie das Spielhaus renoviert werden. Vielfältige Neuanpflanzungen rundeten das Bild ab. Einen großen Anteil am Gelingen der Parkrettung trägt die Gemeinde Biebertal mit ihren politischen Gremien und Entscheidungsträgern. Der ehemaligen Bürgermeisterin Helga Lopez (MdB) kam hier eine tragende Rolle zu.

Der Bekanntheitsgrad des Gail’schen Parks stieg in den letzen Jahren stetig an, was den vielen ausführlichen Berichten in Presse, Funk und Fernsehen zu verdanken ist. Zu den regulären Öffnungszeiten an den Wochenenden und Feiertagen kommen viele Besucher und erfreuen sich an der Schönheit des Parks. Besuchergruppen aus ganz Deutschland lassen sich von uns fachkundig durch den Garten führen.

Neben der Organisation der Öffnungszeiten, die durch „Parkwächter” aus dem Kreis der Mitglieder durchgeführt wird, bietet der Freundeskreis Exkursionen zu Parkanlagen der Region und das Mittsommerfest für die Mitglieder an. Darüber hinaus werden in Zusammenarbeit mit der Kulturinitiative Biebertal und des Rodheimer Heimatvereins kulturellen Veranstaltungen im Park geplant. Die Termine werden in der örtlichen Presse angekündigt oder sind über die Internetadresse des Freundeskreises zu erfahren.

Der Freundeskreis wird getragen von der Arbeit seines Vorstandes und vielen freiwilligen Helfern. Der Mitgliederzuwachs auf aktuell über 450 bestätigt diese Arbeit. Mit der Öffnung Ostern 2004 ist ein Ziel des Freundeskreises erreicht worden. Der Park konnte seither an den Wochenenden besucht werden. Er ist geöffnet vom 1.März bis 31.Oktober, samstags von 14-18 Uhr und sonntags von 10-18 Uhr, sowie vom 1. November bis 29.Februar, sonntags von 13-16 Uhr. An Feiertagen kann er entsprechend der Sonntagsregelung ebenfalls besucht werden. Führungen werden jeweils am ersten Sonntag der Monate März bis November um 14 Uhr angeboten oder können für Gruppen, auch außerhalb der Öffnungszeiten, unter der Tel. Nummer 06409-6347 vereinbart werden.

Freundeskreis Gail’scher Park e.V. Karlstraße 20, 35444 Biebertal, Fon: 06409-81070 Fax: 810730 Internet: www.gailscherpark.de

 

Auf Bitten von Herrn Dr. Michael Rumpf-Gail hat der Freundeskreis das Archiv nach Aufzeichnungen und Fotos, die die Geschichte der Fabrik, der Familie Gail und die Entstehung des Parks dokumentieren, durchgesehen. Eine Auswahl der Unterlagen wurde von Herrn Prof. Dr. Hans-Joachim Weimann auf zwei CD-s mit den Titeln: „Tabakrauch und Gartenlust“ und „Reisen von Dr. Georg Gail“ veröffentlicht. Sie können für je 6,00 € frei Haus unter der Telefonnummer 06409 6436 erworben werden.

Im Jahr 2005 hat der Freundeskreis einen Bildband „Der Gail’sche Park“ herausgegeben. Über drei Jahre hat Karlheinz Krahl in unzähligen Besuchen den Gail’schen Park mit seiner Kamera eingefangen. Das Ergebnis ist eine Anzahl von beeindruckenden und stimmungsvollen Fotos. Einleitend wird die tragische Geschichte von Wilhelm und Minna Gail, die diesen Park schufen, erzählt. Der Bildband ist im örtlichen Buchhandel für 15.00 € erhältlich.

 

Die evangelische Kirche an der Hauptstraße hat einen spätromanischen Chorturm, ein gotisches Schiff und dreiseitige Emporen (17. Jahrhundert) mit Brüstungsmalerei; außerdem gibt es Bildnisgrabsteine.

 

 

Wetzlar

Erlebnisführung:

Im15. Jahrhundert lebte der Turmwärter mit Frau, Kindern, Ziege und Hühnern in der wenige Quadratmeter großen Kuppel des Wetzlarer Doms. Sämtliche Verpflegung mußte zu Fuß über die etwa 50 Meter hohe Treppe geschleppt werden. Täglich wurde auch ein Eimer hinaufgezogen und einer  hinabgelassen – aber es war nicht der gleiche Eimer.

Die Erlebnis-„Statt Führungen“  beschäftigen sich weniger mit Lebensverhältnissen der Hochwohlgeborenen, denn mit denen der einfachen Leute.  Mit Führern in historischen Kostümen geht es in fünf Stationen rund um den gotischen Dom. Vor der Michaelskapelle, wo einst der städtische Friedhof war, wird von der Mehrklassengesellschaft der Toten berichtet. Henker, Bader, Abdecker oder auch Schauspieler durften im Spätmittelalter nicht auf dem Friedhof beerdigt werden. Ihre Leichen wurden vor den Stadtmauern verscharrt. Auch der Besuch von Maximilian I. anno 1505 kommt nicht zu kurz. Damals kam er noch als König. Erst 1508 nahm der Begründer des Reichskammergerichts ohne päpstliche Kaiserkrönung als erster deutscher König den Titel „Erwählter Römischer Kaiser“ an.

Die etwa zweistündige Stadttour endet mit dem zeitgenössischen Lustspiel „Henno“ um einen schlauen Bauern, einen noch schlaueren Knecht und zwei schöne und kluge Frauen. Das 1497 uraufgeführte Werk von Johannes Reuchlin (1455‑1522) „war ein Erfolgsstück, was alles in Schatten stellte, was die deutschen Humanisten bis dahin zu Wiederbelebung des Dramas inszeniert hatten.

 

Rundgang:

Die Hauptsehenswürdigkeit in Wetzlar ist der Dom, der nur einen Turm hat und von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt wird. Eine ausführliche Beschreibung ist in Wikipedia zu finden

Lohnenswert ist aber auch ein Rundgang zu den  Museen.  Alle Museen sind außer montags täglich von 10 Uhr bis 13 Uhr und von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet (das Jerusalemhaus nur nachmittags).

 

Lottehaus (Lottestraße 10):

Vom Dom geht man nach Osten in die Goethestraße und dann nach rechts in die Lottestraße, wo in dem  Wohnhaus der Charlotte Buff ein Museum ist. Der  Vater von Charlotte Buff war Verwalter der Deutschordensniederlassung in Wetzlar. Das Wohnhaus wurde zu einer Erinnerungsstätte an Goethes Wetzlarer Zeit hergerichtet.

Um die Praxis dieses vielbespöttelten höchsten deutschen Gerichtshofes kennenzulernen, war Jungadvokat Goethe auf Vaters Wunsch im Mai 1772 nach Wetzlar gegangen. Er wohnte rechts neben dem Haus „Zum Kaiser“ am Kornmarkt (südlich der Lottestraße).  An der Ecke gegenüber war das Haus der wenig geschätzten Tante Lange. Außer seiner Unterschrift in die Gerichtsmatrikel wurden keine weiteren Aktivitäten in Kammernähe bekannt.

Statt in verstaubte Akten blickte er lieber den hübschen Bürgertöchtern in die Augen, bis er an der Amtsmannstochter Charlotte Buff hängenblieb. Im Deutschordenshof führte die 19jährige Charlotte für Vater Buff und zehn muntere Geschwister nach dem Tod der Mutter den Haushalt mit Umsicht und Fröhlichkeit. Allein wie sie das Brot für alle am Busen schnitt und die Kleinen begierig um sie herumhüpften: Der aus viel steiferem Frankfurter Bürgerhaushalt stammende Musensohn war hingerissen. Dann erst kamen die gemeinsamen Ausflüge, der Tanz droben in Volpertshausen, wo das Tanzhaus noch eine Tafel trägt. Aber Lotte war vergeben an den hannoverschen Legationssekretär Johann Christian Kestner, denn allein versprochen zu sein galt als Verlöbnis unauflöslich bindend.

Das Lottehaus war für heutige Begriffe ein dürftiges Fachwerkanwesen. Man  sieht in die Dielenstuben und die winzige Küche. Eine Holzstiege hoch geht der Blick von den inneren Befindlichkeiten des jungen „Werther“ und seiner Protagonisten über den kaum veränderten Deutschordenshof hinweg quasi rund um den Erdenball, wo man in allen Sprachen mit und gegen Werther gelitten hat ‑ mancher sogar bis zum bitteren Ende.

Im  Haus nebenan (Lottestraße 8) ist das Stadtmuseum. Es behandelt die Themen Archäologie, Stadtgeschichte, Industriekultur (Optik, Bergbau). Die bis 1806 dauernde „Kameral-Zeit“ nimmt breiten Raum ein. Allerdings unter umgekehrten Vorzeichen, nämlich aus Sicht der Bewohner, die die steiflippige Welt der Richter und Advokaten, Prokuratoren und Assessoren wie ein Staat im Staate empfunden haben müssen.

 

Jerusalemhaus (Schillerplatz 5):

Wetzlars Altstadt ist sehr verwinkelt und es  fehlen oft die Übergänge von  einer Straße zur anderen. Deshalb muß man erst  wieder zurückgehen zum Dom, dann  nach links in die Krämerstraße, die sich  mit der Sillhofer Straße fortsetzt. An  der Kornblumengasse biegt man dann  links ab und kommt zum Schillerplatz. Hier steht das Jerusalemhaus.

Den  braunschweigischen Legationssekretär Carl Wilhelm Jerusalem hatte es in das damals verschrieene „deutsche Sibirien“ verschlagen.  Schon jahrelang quälte er sich in der Gerichtsvisitation um Aufdeckung von Korruption bei diesem bekannten „Verschleppungsinstrument“. Unter dem höheren „Cameralen‑Geschmeiß“ Wetzlars waren Schnüffler ohnehin nicht geschätzt. Jung, fremd, nicht von Adel und mit gerade mal einem Diener in zwei gemieteten Zimmern hausend, war man nichts. Dazu ohne Aussicht auf Liebe, wenn das Objekt der Sehnsucht längst vergeben und man selbst von unangreifbarem Anstand war. Melancholische Stimmung mag ihm eigen gewesen sein. Sah man Jerusalem nicht oft trübsinnig aus dem Erker seiner Stübchen im prächtig fachwerkgetragenen „Jerusalemhaus“ auf den Gottesacker der Franziskanerkirche gegenüber starren?

Da fehlte als Auslöser nur noch das „Hausverbot“ des beleidigten Ehemannes, worauf sich der 25jährige Pistolen für eine „Reise“ lieh und diese am Folgetag in dieser Räumlichkeit auf Nim­merwieder­kehr antrat. Auf die Couchnische soll man den Sterbenden noch gebettet haben.

Bis 1945 hat man noch die originale Tatwaffe in ihrer verzierten Eleganz betrachten können. Beim Einmarsch der Amerikaner geriet sie in unbekannte andere Hände. Unauffindbar ist ebenfalls die Ruhestätte des Unglückliche n,   denn Selbstmörder wurden außerhalb der Mauern verscharrt. Erst seit liberaleren Tagen darf im „Rosengärtchen“ hinter dem Dom  - alter Grabesplatz vieler Prominenter und Festspielort im Sommer - an einem Obelisken des Selbstmörders gedacht werden.

Goethe kannte  Jerusalem nur beiläufig. Aber beinahe wäre er in gleiche Verzweiflung gestürzt wie sein gleichaltriger Kollege.  Hätte Johann Christian Kestner, Charlottes Verlobter,  seine Pistolen nicht schon an Jerusalem verliehen gehabt, wer weiß,  was mit Goethe geschehen wäre

Der selbstgewählte Abgang eines bis dahin unauffälligen jungen Mannes von dieser Welt hat einen Tatort selten so bekannt gemacht wie Wetzlar. Es ist nicht das Unglück dieses Jerusalem allein, das in seiner geheimnisvollen Unergründlichkeit die Herzen über 200 Jahre lang rührt.

Hätte jener Johann Wolfgang Goethe sich nicht durch rücksichtslose Flucht gerettet, der leuchtende Stern am deutschen Poetenhimmel wäre nie aufgegangen. Erst in dem Nachgesang auf die äußeren und inneren Verhältnisse schrieb er in den „Leiden des jungen Werther“ wenigstens seine Seele von der Last frei, indem er die Kunstfigur wie Jerusalem enden ließ. Welche riesige weltweite Wirkung dieser Briefroman hatte, weiß in Wetzlar jedes Schulkind.

 

Reichskammergerichtmuseum (Hofstatt 19):

Nördlich des Schillerplatzes geht es in die Straße Hofstatt mit dem Reichskammergerichtmuseum. Die mittelhessische Stadt war von 1689 bis zum Ende des Alten Reichs 1806 Sitz des weitgehend unabhängigen Reichskammergerichts, das die Aufgabe hatte, anstelle von Fehde, Gewalt und Lösegelderpressung ein geregeltes Streitverfahren zu entwickeln.

Das „Reichskammergericht“ (jetzt Café). hatten seinen Hauptbau am Fischmarkt und trägt noch den gekrönten Doppeladler. Das Alte Reich mit seinen rund 3000 Rechtseinheiten, vom Kurfürstentum bis zur kleinsten Ritterschaft, kannte praktisch keine „Reichsbehörden“. Nur lose wurde das untereinander heillos zerstrittene Gebilde namens Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation zusammengehalten. Der Kaiser war weit, und der Nachbar führte grundsätzlich Arges im Schilde. Recht hatte, der es sich nahm.

Da grenzte es schon an ein Wunder, daß die Spitzen des Reiches – Kaiser und Stände – Ende des 15. Jahrhunderts zur Bekämpfung von Selbstjustiz und Eigennutz eine Institution auf den Weg brachten, die es erstmals jedem erlaubte, außerhalb des eigenen Herrschaftsverbandes (Zivil-) Recht einzuklagen: das Reichskammergericht.

Nach seiner Installierung 1495 zeigte es allein durch seine räumliche Trennung vom Hof eine gewisse Unabhängigkeit, behielten sich auch der Kaiser das Besetzungsrecht für die Kammerrichter und die Stände ein Mitspracherecht bei der Berufung der Beisitzer vor. Die Herren waren natürlich immer von Adel. der Klageweg stand grundsätzlich aber jedermann offen. Schließlich sollte bei der hehren Aufgabe, den inneren Reichsfrieden zu wahren, auch der „gemeine Untertan“ vor Willkür geschützt sein.

Nach einer Standort-Odyssee durch mehrere süddeutsche Städte nahm das Gericht 1527 seinen Sitz in Speyer, ehe es 1690 vor den brandschatzenden Franzosen verlegt werden mußte. Daß ausgerechnet das verarmte, wenig repräsentative Reichsstädtchen Wetzlar zum neuen Tagungsort erkoren wurde, war den obersten Gesetzeshütern des Reiches alles andere als recht. Den Gemeindevätern umso mehr, erhoffte man sich doch nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch im Spätmittelalter viel Glanz und noch mehr Geld.

Als vorläufiges Sitzungsgebäude überließ man dem Gericht sogar das Rathaus. Aus dem Provisorium wurden Jahrzehnte. Unterhalb des Domplatzes steht es noch heute: kenntlich am dunkelroten Anstrich und dem schwarzen Doppelkopfadler an der Front.

Nach dreijähriger Vorbereitungszeit war es soweit. Feierlich nahm das Reichskammergericht am 15. Mai 1693 seine Arbeit wieder auf. Der Kammerrichter bestieg seinen Thron, und im Beisein einer großen Menschenmenge wurde das Gericht nach einem zeitgenössischen Bericht, „durch einen von des Herrn Cammerrichters Churfürstlichen Gnaden in öffentlicher Rede des Advocati Fisci, zur höchsten Freude der durch den Speyerischen sehr verarmten Gerichtspersonen und aller nach Recht seufzenden Partheyen, nicht ohne Gemüthsbewegung, mit vielen Solennitäten endlich einstweilen wieder eröffnet“..

Das nach (römischem) Gewohnheitsrecht urteilende Reichskammergericht ist zwar nicht mit dem Bundesverfassungsgericht vergleichbar, doch der 300. Wiederkehr der Eröffnung wurde im Frühjahr 1993 gebührend gedacht. In Anwesenheit von Bundespräsident und Justizministerin erinnerten die Festredner daran, daß sich mit dem Reichskammergericht seit dem 16. Jahrhundert allmählich ein allgemeines Rechtsbewußtsein herausgebildet hatte, an dessen Ende die Schaffung des Rechtsstaates heutiger Prägung steht. Die Unabhängigkeit der Justiz bildete den ersten Schritt für die Gewaltenteilung und damit der Gleichstellung aller Individuen.

Der Arbeit und Bedeutung des Reichskammergerichts gedenkt seit 1987 ein kleines Museum in der Wetzlarer Altstadt. Knappe Erläuterungen zu den Exponaten und eine Ton-Dia-Schau führen in die Materie ein: Wie arbeitete überhaupt das Gericht, wie war es zusammengesetzt, wer durfte wann klagen? Die Schattenseiten werden nicht verschwiegen. Urteile waren kaum zu vollstrecken, der Vetternwirtschaft war Tür und Tor geöffnet, zu wenig Personal hatte mit zu hohen Aktenbergen zu kämpfen. Sprichwörtlich mahlten die Justizmühlen langsam – manchmal Jahrzehnte. Kein Wunder, daß die Richter und Beisitzer zur Beschleunigung der Wahrheitsfindung für „Handreichungen“ empfänglich waren.

Schon das Museumsgebäude steht für eine der größten Skandale in der Geschichte des Gerichts. Es ist im sogenannten Avemannschen Haus untergebracht, das 1760 vom Assessor Papius erbaut worden war. Nach dem Auffliegen einer Bestechungsaffäre hatte der Assessor binnen 24 Stunden die Stadt zu verlassen. Johann Wolfgang von Goethe, 1772 Praktikant in Wetzlar. verarbeitete diesen Vorfall verschlüsselt im „Götz von Berlichingen“ und beklagte in seinen Lebenserinnerungen „Dichtung und Wahrheit“ die Mißstände: „Ein ungeheurer Wust von Akten lag aufgeschwollen und wuchs jährlich, da die 17 Assessoren nicht einmal imstande waren, das Laufende wegzuarbeiten. 20.000 Prozesse hatten sich aufgehäuft, jährlich konnten 60 abgetan werden und das Doppelte kam hinzu.“

Fast jeder fünfte Wetzlarer stand in einem direkten Beschäftigungsverhältnis zum Gericht. Der erhoffte wirtschaftliche Aufschwung ließ dann auch nicht auf sich warten. Wer dank der anspruchsvollen Kameralisten, der Beamten der fürstlichen Kammer, zu Geld gekommen war – Kaufleute, Handwerker, Nahrungsmittelhersteller –, ahmte den Lebensstil der neuen Oberschicht nach, freilich ohne daß dadurch die Standesgrenzen überwunden wurden. Wie stark die Zweiteilung der Wetzlarer Einwohnerschaft war, verrät noch heute die Abfolge der Häuser in den Gassen um den gotischen Dom. Die Gerichtsangehörigen erbauten sich steinerne Barock- und Rokokohäuser, die Alteingesessenen beließen es bei Fachwerk.

 

Reichsburg Kalsmunt:

Den schönsten Blick über die Wetzlarer Altstadt hat man von den beiden Lahnbrücken oder von der staufischen Burgruine Kalsmunt. Kalsmunt - welch ein exotisch klingender Name für Bergkegel über Wetzlar und der breiten Lahn-Dill-Ebene, über dessen Bedeutung es nur Vermutungen gibt. Weil er als Vorposten die ganze Gegend beherrscht, ließ Kaiser Friedrich Barbarossa eine Reichsburg darauf bauen, von deren einzig übriggebliebenem Bergfried der Panoramablick nach allen Seiten reicht.

Die Auffahrt bis kurz unter den Gipfel ist ausgeschildert. Fußpfade führen von der Wetzlarer Vorstadt bald durch Wald hinauf. Wald ist auch längst in den Burgbereich eingedrungen, von dem nur noch Mauerreste übrig sind, die das Ausmaß des inneren von ursprünglich zwei Mauerringen erkennen lassen. Beachtlich ein unter Bäumen übriggebliebenes Burgtor.

Für Bewahrung des Turms hat 1836 der Wetzlarer Geschichtsverein gesorgt. Durch die drei Meter dicke Turmmauer ließ er  einen  Eingang hauen. Eine Treppe führt innen hinauf, von der aus der Kaminabzug und die praktische Anlage einer Toilette zu erkennen sind. Es plumpste einfach alles außen herunter.

Unten die Stadt wie auf dem Tablett. Dom und kleinere Häuser kleben an der Oberstadt, tiefer Lahn und Dill in verzweigten Rinnsalen. Darum herum gigantische Auftürmungen des Industriezeitalters, zu Füßen Leitz, im Hintergrund Buderus, beide weltberühmt. Teile von Aßlar und Lahnau schließen sich an. Gegenüber einem Bergrücken Kloster Altenberg und alles in der Ferne einrahmt von den Lahnbergen und ihren höchsten Spitzen, Dünsberg und Stoppelberg. Fast jede Erhebung hat ihren Turm, von denen die mittelalterlichen der Burgen und Warten bis hin zu den Zinnen von Braunfels miteinander im Sichtkontakt stehen. Das ergab ein vorzügliches Signalsystem - ohne Funk und Kabel. Der „Bleistift”, wie die Brühlsbacher Warte der ehemaligen Wetzlarer Stadtbefestigung bildhaft bezeichnet wird, und der Aussichtsturm auf dem Stoppelberg sind die markantesten dieser Fixpunkte.

Daß die Burg Kalsmunt Ende des 12. Jahrhunderts errichtet wurde, beweist ein aus ihrer Münze stammender Pfennig im Stadtmuseum Wetzlar. Damals lag der Burgberg außerhalb der Stadt, diente aber gleichwohl ihrem Schutz. Bewohnt jeweils von Lehnträgern, hat das Gemäuer diese Funktion allerdings nie erfüllen müssen. Zum Verfall führte seit 400 Jahren nicht nur seine Aufgabe, sondern auch der Baustoffbedarf der Häuslebauer von Wetzlar. Sie bedienten sich - wie das vielerorts der Fall war - daran selbst.

Nur durch das sonderbare Ereignis des Auftritts eines falschen Kaisers ragt Kalsmunt geschichtlich heraus. Von Neuss, wo ihm der Boden zu heiß wurde, traf im Juli 1285 ein Alter mit willfährigem Gefolge ein. Die Wetzlarer trauten ihm nicht recht, ob er wirklich der Staufenkaiser Friedrich II. sei, den alle Welt seit 35 Jahren tot wußte. Dennoch ließen sie ihn ein, hielten ihn aber bewacht, wiewohl sie sich vor einem Kriegszug des herausgeforderten richtigen Königs Rudolf von Habsburg fürchten mußten. Der kam wenig später, und dann ging alles ganz schnell: Der falsche Kaiser kam ins Turmverlies auf dem Kalsmunt, wurde verurteilt und zwei Tage später öffentlich verbrannt. Unter der deshalb angesetzten Folter hatten er und ein Getreuer die wahre Identität verraten: Tile Kolup hieß er - zu deutsch „Dietrich Holzschuh“.

Wetzlar hat zwei alte Warten, die rechtzeitig vor Feinden warnen sollten: Die Garbenheimer Warte und die Brühlsbacher Warte, im Volksmund Bleistift” genannt. Links von ihm liegt der Kaisersgrund, der nach dem Volksglauben der Richtplatz gewesen sein soll. Historiker aber halten den „Alten Galgen” nahe der Garbenheimer Warte, dem heutigen Bismarckturm, für die tatsächliche Richtstätte.

 

 

Naunheim (nördlich von Wetzlar)

Die eine ist grob, das Streifenmuster mit Fingern eingedrückt, die andere feingeschliffen und mit einem zarten Blumenrelief verziert. Die beiden Tonscherben, aus einem Acker bei Wetzlar‑ Naunheim im Lahn‑Dill‑Kreis zutage gefördert, zeigen den großen Unterschied zwischen der römischen und der germanischen Kultur im zweiten Jahrhundert nach Christus.  Archäologen wollen herausfinden, ob und wie die Germanen, die an der Grenze zum römischen Reich quasi in einem Entwicklungsland wohnten, von der römischen Hochkultur beeinflußt wurden. Wie haben die Germanen auf den Wohlstand im römischen Reich reagiert, auf die wunderbaren Errungenschaften in ihrer unmittelbaren Nähe, die steinernen Villen, die Glas‑ und Silbergefäße? Spuren von Steinhäusern hat das Team der Ausgräber bisher nicht entdeckt.

Sicher zu sein scheint, daß Römer und Germanen im Grenzgebiet des Limes im Lahntal zwischen Wetzlar und Gießen friedlich miteinander verkehrten. Dafür sprechen nicht nur die Funde im Boden dieser von Archäologen unter die Lupe genommenen ehemaligen germanischen Siedlung. Auch die ebenfalls von seiner Kommission gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege im nahen Waldgirmes betreuten Ausgrabungen eines römischen Militärlagers; deuten darauf hin.

 

Nauborn (westlich von Wetzlar) ist später in dieser Datei behandelt, vgl.  auch Führungsblatt zu der Wallanlage und dem vorromanischen Kirchenbau bei Nauborn.

Archäologische Denkmäler in Hessen 149.

 

 

Wetzlar-Dalheim (nordwestlich von Wetzlar):

Auf den ersten Blick ist es nur ein Bruchstück: 118 Gramm schwer und so groß wie eine Handfläche - aber rund 2000 Jahre alt. Dieses außen vergoldete Fragment aus Bronze ist ein Sensationsfund. Es gehört zu einer lebensgroßen Reiterstatue, die in einer römischen Siedlung im heutigen Lahnau-Waldgirmes gestanden hat. Doch gefunden wurde das Stück im mehrere Kilometer entfernten Wetzlar-Dalheim.  Das Fragment ist eines von rund 20.000 archäologischen Fundstücken, die ein Forscherteam seit 2006 in Dalheim ausgegraben hat. Der allergrößte Teil davon sind Rückstände aus der frühen Eisenproduktion wie Schlacken. Das Team der Wissenschaftler der Universität Jena erforscht die frühe Eisenproduktion im mittleren Lahntal, sucht also nach Überbleibseln aus der Zeit zwischen dem ersten Jahrhundert vor und dem ersten Jahrhundert nach Christus.

Neben dem Bruchstück der Reiterstatue fanden sie: Mit Pflanzenmuster reich verschnörkeltes und für Südgallien typisches Geschirr, das die Einheimischen aus dem heutigen Dalheim von den Römern importierten, Keramikgefäße germanischen Ursprungs und einige vollständig erhaltene etwa zwei Zentimeter große Gewandspangen aus patinierter Bronze, so genannte Nauheimer Fibeln. Daß die so gut erhalten sind, ist schon extrem ungewöhnlich. Die Fibeln waren im ersten Jahrhundert vor Christus so eine Art Modeschmuck, mit der Männer wie Frauen ihre Gewänder zusammenhielten und die paarig getragen wurden.

Außer den Dingen des täglichen Bedarfs stießen die Forscher auch auf Eisenschlacke von bis zu 40 Kilogramm Gewicht, Abfallprodukte der Erzverhüttung, und auf Reste von Ofen zur Eisengewinnung - an den Wänden einer rechteckigen Werkstattgrube. Das ist die größte und besterhaltene Eisenproduktionsanlage aus dieser Zeit in Deutschland. In Wetzlar-Dalheim könne die Entwicklung der heimischen Eisenproduktion von der Eisenzeit bis ins Mittelalter nachvollzogen werden.

Was sie bisher ausgegraben haben, macht die Archäologen sicher, daß an der Fundstelle sowohl im ersten Jahrhundert vor Christus, als auch im ersten Jahrhundert nach Christus Menschen lebten. Das Bruchstück ist Beleg dafür, daß sich in der zweiten Besiedlungsphase bereits um neun Jahre nach Christus Menschen hier niedergelassen hatten. Genau zu dieser Zeit besiegte der Cherusker-Fürst Arminius den römischen Statthalter Varus in der bis heute berühmten Varusschlacht. Nach der Niederlage zogen die Römer sich aus den rechtsrheinischen Gebieten Germaniens zurück. Viele Siedlungen und Anlagen wurden aufgegeben. So wurde auch die vergoldete Reiterstatue zerstört und die Siedlung in Waldgirmes geplündert.

 

 

Waldlehrpfad:

Südlich von Wetzlar ist der „Waldlehrpfad Stoppelberg am Kirschenwäldchen“ (siehe Faltblatt der Zweckverbandes „Naturpark Hochtaunus“). Der Stoppelberg ist ein erloschener Nebenkrater des Vogelsbergvulkans. Der Name „Stoppel“ kommt von dem gälischen „stapuli“ = aufragender Fels. Er könnte aber auch von „Staiuf“ kommen = ein Becher ohne Fuß, der auf den Kopf gestellt wurde.

 

Waldgirmes:                                                                                                Führungsblatt 148

Großgemeinde Lahnau:

Lahnau liegt im hessischen Lahn-Dill-Kreis östlich der Stadt Wetzlar an der Lahn. Die Großgemeinde Lahnau ist am 1. August 1979 aus den ehemals selbständigen Dörfern Atzbach, Dorlar und Waldgirmes entstanden. Sie liegt etwa in der Mitte zwischen den Städten Gießen und Wetzlar auf der nördlichen Lahnseite und ist verkehrsmäßig optimal zu erreichen. Es bestehen gute Busverbindungen nach Gießen, Wetzlar und Biebertal; über die Auffahrt zur B 49 ist Lahnau an das dichte Autobahnnetz Hessens angeschlossen.

Lahnau liegt in einer reizvollen Landschaft, inmitten eines waldreichen Gebietes und bester landwirtschaftlicher Böden, überdies seit alters her am Schnittpunkt interessanter Fernwege, insbesondere in Verbindung mit dem Lahnübergang bei Dorlar. So verwundert es nicht, daß die Siedlungsgeschichte der drei Dörfer erstaunlich weit zurückreicht.

Beim Bau der Sport- und Kulturhalle Lahnau im Jahre 1990 legte man Wohngruben aus vorgeschicht­licher Zeit frei. Keramikfunde und Steinwerkzeuge lassen auf eine Besiedlung bereits um etwa 5000 vor Christus schließen. Zu Beginn dieses Jahrhunderts fand man bei Bauarbeiten mitten in Waldgirmes, aber auch westlich des Ortskerns, Teile von Tonwaren und fünf menschliche Skelette, die auf eine Siedlung in der Römerzeit hinweisen.

 

Auch die Ortsnamen weisen auf ein beträchtliches Alter der drei Dörfer hin. Die Entstehung Dorlars ist aufgrund der Endung des Ortsnamens auf „lar“ in die vorfränkische Zeit des 4. und 5. Jahrhunderts anzusetzen. Die „bach“-Orte - wie Atzbach  - werden der fränkischen Zeit zugerechnet, und Wald-„germice“ dürfte keltischen Ursprungs sein. Waldgirmes und Atzbach werden erstmals 771 bzw. 774 im Lorscher Codex urkundlich belegt; Dorlar wird 1182 in der Merenberger Chronik erwähnt und außerdem zu Anfang des 13. Jahrhunderts im Zusammenhang mit einer Legende zur Gereonskirche in Köln, die um einen Dorlarer Pfarrer rankt. Die Entstehung des alten Taufsteins in der Dorlarer Kirche wird auf das 12. Jahrhundert datiert.

 

Die drei Lahnau-Dörfer gehörten im 8., 9. und 10. Jahrhundert zur Grafschaft an der mittleren Lahn. Als erster Graf ist ein Heimo im 8. Jahrhundert bezeugt. Es folgten die Weilburger Grafen, die Konradiner, von denen Otto zwischen 911 und 918 vermutlich die Burg Gleiberg errichten ließ (Ersterwähnung 992). Ottos Bruder, Graf Konrad, ging als König Konrad I. (911 - 918) des Deutschen Reiches in die Geschichte ein.

Graf Otto, dem die westliche Hälfte der Grafschaft Gleiberg zugefallen war, heiratete zwischen 1129 und 1141 die Erbtochter des Grafen von Solms. Er brachte sein Herrschaftsgebiet in die Solmser Besitzungen ein und nannte sich fortan Graf Otto von Solms. Im Jahr 1255 wurde die Grafschaft Solms unter den Brüdern Heinrich und Marquard aufgeteilt. Marquard, der sich schon um 1240 in Königsberg eine eigene Residenz errichtet hatte, bezeichnete sich nunmehr als Graf von Solms-Königsberg. Waldgirmes gehört zu seiner Herrschaft. Graf Philipp, das letzte männliche Glied in dieser Dynastie, verkaufte 1350 seine Besitzungen an den Landgrafen Heinrich II. den Eisernen von Hessen. Der Kaufvertrag soll auf dem Königstuhl abgeschlossen worden sein. Erst 1629/1631 wurde dieser Teilungsvertrag durch den Kaiser genehmigt. In den drei Jahrhunderten zuvor waren die Waldgirmeser „Zwei Herren untertan“, d.h. sie mußten an zwei Herren Zehntabgaben leisten.

Bis zum Jahr 1104 gehörten Atzbach, Dorlar und Waldgirmes zur Grafschaft Gleiberg. In jenem Jahr fand eine Teilung des Besitzes in eine westliche und östliche Hälfte statt. Die Grenze verlief zwischen Dorlar und Waldgirmes. Die Osthälfte erhielt Hermann III., die Westhälfte Otto.

Der Nachfolger Hermanns III., dessen Sohn Wilhelm, hatte als Erben zwei Töchter, die um 1180 eine nochmalige Teilung der östlichen Hälfte der Grafschaft Gleiberg notwendig machten. Dorlar und Atzbach kam dabei an die Herren von Merenberg. Mit Hartrad VI. starb das Geschlecht der Merenberger 1328 in der männlichen Linie aus. Hartrad hatte zuvor seine Tochter Gertrud mit dem Grafen von Nassau-Weilburg verlobt. Mit deren Heirat 1333 wechselten Atzbach und Dorlar in den Besitz der Grafen von Nassau Weilburg über. Die Herrschaftsverhältnisse blieben unverändert, bis Nassau-Weilburg 1815 an Preußen fiel.

 

Stellvertretend soll hier nur an die Glaubenskämpfe der nachreformatorischen Zeit und die Wirren und Seuchen des Dreißigjährigen Krieges erinnert werden, in denen die Lahnau-Dörfer stark in Mitleidenschaft gezogen wurden; schließlich waren die Bewohner der Dörfer nahezu ausgerottet, die Häuser zerstört und Felder verwüstet. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde die Waldgirmeser Kirche durch marodierende Schweden geplündert und sogar teilweise zerstört.

 

Die drei Gemeinden besaßen von alters her gemeinsame Markwaldungen am Königstuhl, der früher verschiedene Namen trug, wie Spitzenberg, Hämuskopf oder Himberg. Der Wald war für den Lebensbedarf der Menschen in früherer Zeit unersetzlich. Das Holz benötigten sie zum Heizen und Bauen, die Beeren für die Ernährung, Gras und Laub als Viehfutter, aber auch als Streu in den Ställen, bzw. als Waldweide für Rinder, Schafe und Schweine. Im Jahr 1584 fand eine erste Teilung der „Rodheimer Mark“ statt, zu der damals auch die drei Lahnau-Dörfer gehörten. Der Streit um die Nutzung der Markwaldungen am Königstuhl zwischen den Dörfern Heuchelheim, Kinzenbach, Atzbach, Dorlar und Waldgirmes erstreckte sich über Jahrhunderte. Im Jahr 1766 wurde eine Teilung einvernehmlich beschlossen und 1773 die Aussteinung der Grenzen vorgenommen. Die Grenzsteine stehen zum Teil heute noch.

Im Jahre 1734 war Atzbach Sitz eines Justizamtes geworden, das erst 1849 aufgelöst und dem Kreisgericht Wetzlar einverleibt wurde. Atzbach blieb bis 1860 Bürgermeisterei für die Dörfer Atzbach, Garbenheim, Dorlar, Dutenhofen, Kinzenbach, Vetzberg, Krofdorf und Gleiberg. In jenem Jahr fand eine Zusammenlegung mit dem Bürgermeisteramt Launsbach in Krofdorf-Gleiberg statt. Erst 1934 erhielten die Dörfer Atzbach und Dorlar ein eigenes Bürgermeistamt.

Mit dem Ende des Deutschen Reiches 1806 und den Umgliederungen durch den Wiener Kongreß 1815 gelangte das nassauische Amt Atzbach in preußischen Besitz. Am 24. Oktober 1816 übernahm der preußische Staatsrat von Hatzfeld das Amt Atzbach und fügte es dem Kreis Wetzlar zu. Atzbach und Dorlar waren preußisch und gehörten, wie der gesamte Kreis Wetzlar zur Rheinprovinz.

Im Jahre 1867 wurde das alte hessische Dorf Waldgirmes preußisch, wie schon zuvor seine Nachbarn Atzbach und Dorlar. Es verblieb jedoch eine Kreisgrenze zwischen den Dörfern bis 1932, denn ab 1816 gehörten Atzbach und Dorlar zum Kreis Wetzlar, Waldgirmes zum Kreis Gießen, jedoch ab 1867 zum Kreis Biedenkopf.

Am 1. August 1972 Schloß sich Dorlar auf freiwilliger Basis der Stadt Wetzlar an. Vom 1. Januar 1977 bis zum 31. Juli 1979 gehörten die drei Dörfer Atzbach, Dorlar und Waldgirmes unter der Stadtteilbezeichnung „Lahntal“ zur Stadt Lahn.

 

Lahnau heute: Wald- und Landwirtschaft haben in vergangener Zeit die Menschen in Atz­bach, Dorlar und Waldgirmes ernährt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam der Bergbau hinzu, der denen, die nur wenig oder überhaupt kein Land besaßen, zu Arbeit und Brot verhalf. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gründeten sich in den Dörfern Firmen zur Zigarrenherstellung. Fast ausschließlich Frauen arbeiteten dort und brachten so ein wichtiges Zubrot nach Hause, was sich vor allem in den Jahren der Weltwirtschaftskrise um 1930 notlindernd bemerkbar machte.

In Lahnau leben heute etwa 8.500 Menschen. Die Großgemeinde ist ein nicht unerheblicher Industrie- und Gewerbestandort. In den Betrieben finden etwa 1.500 Menschen Arbeit und Brot (Texte: Erwin Schmidt, Waldgirmes).

 

Anfahrt zum römischen Forum:

Auf der Autobahn bis Wetzlar-Süd fahren. Von dort ist der Weg nach Lahnau ausgeschildert. In Waldgirmes fährt man durch den Ort in Richtung Wetzlar. An den letzten Häusern auf der rechten Seite steht ein Wegweiser „Römer-Forum“, der zur Ausgrabungsstelle weist (Parken schon vor der Baustoffhandlung). Zur  Geschäftsstelle des „Fördervereins römisches Forum Waldgirmes e.V.“ kommt man, wenn man wieder zur Hauptstraße zurückfährt, dann ein kurzes Stück in Richtung Wetzlar und dann links in das Gewerbegebiet „Polstück“. Dort ist links in der  Georg-Ohm-Straße die Geschäftsstelle. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag 10-12 und 13-15 Uhr (Telefon 06441/65240. Internet: „www.roemerforum-lahnau“. Email :roemerforum@t-onlinde.de

Es gibt auch noch ein sehr großes Heimatmuseum in der Friedensstraße 20 (westlich der Rodheimer Straße, die nach Norden führt). Das Heimatmuseum ist aber geschlossen und auch nicht für Gruppen zugänglich.

 

Grabungsgeschichte:

Am Westrand der Gemeinde hatte Gerda Weller aus Waldgirmes, die als ehrenamtliche Mitarbeiterin für das Landesamt für Denkmalpflege Hessen regelmäßig die Äcker begeht, in den achtziger Jahren und Anfang der neunziger Jahre römische und germanische Scherben aufgesammelt. Im Westen von Waldgirmes nördlich der Naunheimer-Straße im Feld stieß man in der Flur „Am Golden Acker“ (wegen der Funde von vergoldeter Bronze) auf einen einst befestigten 7,7 Hektar großen römischen Stützpunkt.

Daraufhin führte die Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts (RGK) im Spätherbst 1993 erste Sondagegrabungen durch, die weitere Hinweise auf die römische Präsenz am Ort erbrachten. Eine geomagnetische Prospektion des Geländes ergab den trapezförmigen Grundriß einer römischen Befestigungsanlage mit abgerundeten Ecken. In den Jahren 1994 und 1995 kam es im Rahmen eines Schwerpunktprogrammes der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zu weiteren Ausgrabungen durch die Römisch-Germanische Kommission. Es kamen noch viele weitere Funde zutage, zum Teil von hervorragender Qualität in Herstellungsweise und Material.

Da die Gemeinde Lahnau in diesem Areal ein Gewerbegebiet ausweisen wollte, begannen 1996 in Projekt der RGK in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen erste großflächige archäologische Untersuchungen. In den Grabungssommern 1997/98 kamen jedoch neben einigen Häusern aus Holz und Lehm auch die Steinfundamente eines 2.200 Quadratmeter großen Zentralgebäudes zutage, was absolut untypisch ist für ein Militärlager. Aufgrund der spektakulären Ausgrabungsergebnisse („erste römische Stadtgründung rechts des Rheins“) gab 2002 die Gemeinde Lahnau das geplante Gewerbegebiet auf.

Dies machte den Weg für eine langfristig angelegte Untersuchung der römischen Stadt von Waldgirmes frei. Der in seiner historischen Bedeutung bisher einmalige Fundplatz wird seit 2002 mit maßgeblicher Unterstützung durch die Deut­sche Forschungsgemeinschaft (Laufzeit bis 2012) archäologisch erforscht. Wegen der besonderen Bedeutung des Ortes für die Geschichtsforschung wurde 2006/07 der Grundriß des römischen Zentralgebäudes rekonstruiert und damit für die breite Öffentlichkeit erschlossen.

Zuständig sind Prof. Dr. Siegmar von Schnurbein, Direktor der Römisch-Germanischen Kommission Frankfurt, einer Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin und Prof. Dr. Egon Schallmayer (Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Wiesbaden).

Die beiden Grabungsleiter vor Ort waren Dr. Armin Becker und Dr. Gabriele Rasbach (RGK)

sowie Dr. Alexandru Popa und seinen Studenten aus Moldawien. Das Grabungsteam erreichen Sie per eMail unter alexandru.popa@geschichte.uni-giessen.de.

 

Bild 1: Gesamtansicht

 

Zur Geschichte der Römer in Deutschland:

Die Kelten sind unter anderem aus dem Bericht Julius Cäsars über den Krieg mit den Galliern (De bello Gallico) bekannt. Ihre archäologischen Zeugnisse, besonders Schmuck und Trachtbestandteile aus Metall, zeichnen sich durch große kunsthandwerkliche Fähigkeiten aus. In seinem Bericht geht Caesar auch erstmals ausführlicher auf das Gebiet rechts des Rheins ein, das er als Siedlungsgebiet von Germanen bezeichnete. Von den Kelten wie auch von den Germanen sind keine zeitgleichen eigenen Schriftzeugnisse auf uns gekommen.

Der rechtsrheinische deutsche Mittelgebirgsraum bildete eine Übergangszone zwischen der keltischen und der germanischen Kultur, wobei der Rhein nicht als trennende Grenze anzusehen ist, wie Cäsar es tendenziös darstellte. Auf dem nur sieben Kilometer nördlich von Wald­girmes liegenden Dünsberg bestand ein sogenanntes Oppidum, eine der großen Zentralsiedlungen, die für die spätkeltische Zivilisation so typisch waren. Diese Siedlung wurde nach Ausweis der Funde um 30 bis 20 vCh von den Bewohnern verlassen.

Mit dem Erscheinen der Römer im Lahntal kurz vor der Zeitenwende wurde dieses Oppidum aber erobert und zerstört und somit die letzten Kelten in der Gegend von ihrem Berg vertrieben. Ob nun ein Zusammenhang mit der erst einige Jahre später angelegten Stadt bei Wald­girmes oder auch dem Marschlager bei Dorlar besteht, läßt sich aber bisher nicht belegen. Vielleicht haben die Römer zur Demonstration ihrer Macht ganz bewußt die Nähe des ehemaligen Oppidums gewählt, um zu zeigen, wer jetzt hier das Sagen hat.

In Waldgirmes wurden Hinterlassenschaften beider Völkerschaften zutage gefördert. Die Ausgrabungen ergaben, daß die Römer ihre Stadt über einem keltischen Gräberfeld errichteten, das rund 100 Jahre zuvor aufgelassen worden war und wohl nicht mehr als Bestattungsplatz zu erkennen war. Nach dem Zusammenbruch der keltischen Herrschaft wanderten die Germanen in den Mittelgebirgsraum ein. Deren Hinterlassenschaften (Keramik und Gewandspanngen) fanden sich in den römerzeitlichen Gruben und belegen das friedliche Miteinander der verschiedenen Gruppen. 

Mit der Eroberung Galliens durch Julius Cäsar zwischen 58 und 52 vCh wurde der Rhein Grenze des Römischen Reiches. Die Bürgerkriege, die in Rom auf Caesars Ermordung 44 vCh folgten, banden die römischen Kräfte und Interessen für die nächsten Jahrzehnte. Erst als sich Caesars Großneffe und Adoptivsohn Oktavian als Kaiser Augustus endgültig durchgesetzt hatte, richtete sich die römische Aufmerksamkeit wieder auf Gallien. Dort war es während der römischen Bürgerkriege immer wieder zu germanischen Einfällen und Plünderungen gekommen, so daß Rom ab den zwanziger Jahren des 1. Jahrhunderts vCh erste Gegenmaßnahmen ergriff.

In der Folge kam es zwischen 12 und 9 vCh zu einer Reihe von Feldzügen nach Germanien, die die römischen Truppen unter dem Kommando des Drusus, des Stiefsohnes von Augustus, bis an die Elbe führten. Auf dem Rückmarsch verunglückte Drusus tödlich. Sein Bruder Tiberius übernahm daraufhin den Oberbefehl und brachte die Kämpfe 8 vCh zu einem vorläufigen Abschluß. Intensität und Ausdehnung der 8/7 vCh erreichten römischen Herrschaft zwischen Rhein und Elbe sind in der historischen Forschung umstritten. Die Archäologie, darunter maßgeblich auch die Grabungsergebnisse von Waldgirmes, liefert zunehmend Argumente für eine schon bald nach 8 /7 vCh beabsichtigte Provinzialisierung Germaniens.

 

Bild 02: Germanendorf

 

Der römische Stützpunkt von Waldgirmes ist im Wesentlichen zeitgleich mit dem bekannten Lager von Haltern, das in den Jahren vor Christi Geburt gegründet wurde und bis 9 nCh bestand. Er gehört damit in eine Phase, in der Rom nach den Feldzügen des Drusus 12 bis 9 vCh erneut im rechtsrheinischen Germanien aktiv wurde.

 

Zu weiteren Kämpfen in Germanien kam es erst wieder zwischen 1 und 5 nCh. Aus unbekannten Gründen brach ein allgemeiner Aufstand der Germanen aus, der die meisten germanischen Stämme zwischen Rhein und Elbe erfaßte und alle vorangegangenen militärischen Erfolge in Frage stellte.  Über den Verlauf der Kämpfe ist nahezu nichts bekannt.

Velleius Paterculus sprach von einem „immensum bellum“, einem gewaltigen Krieg, und die Tatsache, daß der Nachfolger des Domitius, Marcus Vinicius, ein erfahrener und in vielen Feldzügen bewährter Heerführer, in dreijährigen Kämpfen nicht in der Lage war, Herr des Aufstandes zu werden, spricht für die Härte der Auseinandersetzungen. Die Auseinandersetzungen sind in ihrer Ausdehnung und tatsächlichen Intensität allerdings nur schwer einzuschätzen.

Ob der für das Jahr 1 nCh überlieferte „gewaltige Krieg“ eine germanische Reaktion auf das römische Vordringen war, oder ob umgekehrt die Anlage neuer Lager im rechtsrheinischen Raum auf dem Zusammenbruch der bisherigen Grenzsicherung in jenem „immensum bellum“ beruhte, läßt sich anhand der Quellen nicht entscheiden. In jedem Fall verändert die Entdeckung römischer Anlagen in Dorlar und Waldgirmes die bisherigen Vorstellungen vom Ablauf der augusteischen Feldzüge in Hessen. Neben die Wetterau tritt als mögliche Vormarsch- und vor allem Nachschubroute die Lahn.

Rom hat dann doch die Verträge mit den Germanen nicht gehalten. Die nächste Phase des Germanenkrieges begann, als Kaiser Augustus seinem Stiefsohn Tiberius im Jahre 4 nCh wieder den Oberbefehl über das Rheinheer übertrug. Mit großer Energie eröffnete Kaiser Tiberius erneut den Krieg, dessen Ziel jetzt offenbar war, eine neue römische Provinz Germania vom Rhein bis zur Elbe zu schaffen. Köln sollte wohl ihre Hauptstadt werden. In unserem Raum könnten die Militärlager in Frankfurt am Main-Höchst und Bad Nauheim und der Stützpunkt Waldgirmes bei Wetzlar aus dieser Zeit stammen. Besonders der Statthalter Varus übte eine Schreckensherrschaft aus und hat die Germanen bis zum Jahr 4 nCh völlig unterworfen.

Tiberius gelang es 4 und 5 nCh, die Lage so weit zu stabilisieren, daß Rom sich stark genug fühlte, im folgenden Jahr gegen den scheinbar letzten Gegner, das Markomannenreich des Marbod in Böhmen, vorzugehen. Dieses Unternehmen mußte wegen des pannonisch-dalmatischen Aufstands abgebrochen werden.

Bis zum Jahr 6 nCh hatte es den Anschein, als könne das neu eroberte Gebiet in eine Rom tributpflichtige Provinz umgewandelt werden. An einigen Stellen wurden bereits erste Umstrukturierungsmaßnahmen durch die Schaffung stadtartiger Siedlungen vorgenommen. So besitzen die Lager von Haltern an der Lippe, von Marktbreit am Main und von Waldgirmes an der Lahn neben zahlreichen militärischen Komponenten auch zivile Struk­turen, die verdeutlichen, daß mit der Einrichtung und dem Aus­bau dieser Stützpunkte bereits Mittelpunkts­orte geschaffen werden sollten, die für die zivile Verwaltung des Umlandes vor­gesehen waren.

In Germanien wurde nun Publius Quinctilius Varus zum Statthalter ernannt. Sein Auftrag war vermutlich die Vorbereitung der Gründung einer Provinz Germania. Ob eine solche Provinz im Jahre 9 nCh bereits existierte, gehört zu den am heftigsten umstrittenen Fragen der augusteischen Germanienpolitik. An Schriftquellen stehen für diese Problematik nur Cassius Dio (56.18,2) und eine kurze Notiz bei Tacitus (annales I 59) zur Verfügung. Insbesondere die Interpretation der Dio-Stelle wird kontrovers diskutiert: „Ihre Truppen überwinterten dort [in Germanien] und gründeten Städte, und die Barbaren paßten sich an ihre Ordnung an, gewöhnten sich an Märkte und trafen sich in friedlichen Versammlungen§ (zitiert nach: Goetz/ Welwei 53).

Von althistorischer Seite wird die Gründung regelrechter Städte mangels eindeutiger Beweise meist bestritten. Lediglich für das Lager von Haltern konnte Siegmar von Schnurbein auf Grund von Baubefunden eine Verlagerung der Funktion von militärischen hin zu administrativen und logistischen Aufgaben wahrscheinlich machen.

Für Waldgirmes scheidet nach dem momentanen Grabungsstand die Umnutzung eines Militärlagers aus. Stattdessen verdeutlichen die bisher aufgedeckten Baubefunde die Unterschiede zur Innenbebauung von Militärlagern. Dies betrifft zum einen die straßenbegleitende Bebauung mit Portikus und dahintergelegenen Freiflächen. Zum anderen läßt das Zentralgebäude mit seinem vorgelagerten Platz eine Interpretation als Forum zu. Weitere Ausgrabungen werden zeigen, ob es mit Waldgirmes erstmals gelungen ist, eine der in den antiken Schriftquellen als „polis agora“ oder „nova colonia“ beschriebenen Anlagen aufzudecken.

Mit dem Aufstand des Cheruskerfürsten Arminius gegen den römischen Statthalter Publius Quinctilius Varus begann im Jahr 9 nCh das Ende der römischen Herrschaft in Germanien.

Die Münzfunde deuten darauf hin, daß die Anlage im Jahre 9 nCh nach etwa zehnjähriger Besiedlung wieder aufgegeben wurde. In diesem Jahr hatten die Römer in der Varusschlacht (auch bekannt unter dem Namen „Schlacht im Teutoburger Wald“) eine verheerende Niederlage erlitten. Danach zogen sie sich zunächst wieder auf die linksrheinischen Gebiete zurück. Die Anlage nahe dem heutigen Waldgirmes wurde niedergebrannt und verschwand schließlich im Laufe der Jahrhunderte im Auelehm des Lahntales.

Der Feldherr Germanicus, Adoptivsohn des neuen Kaisers Tiberius, versuchte in den Jahren 14 bis 16 nCh, das verlorene Territorium in einer Reihe von Feldzügen erneut zu unterwerfen. Nach den neuesten Grabungsergebnissen spielte dabei auch die Siedlung von Waldgirmes eine Rolle. Kaiser Tiberius ließ die Feldzüge jedoch im Herbst 16 nCh mit der wohl richtigen Einschätzung beenden, daß man Germanien von nun an seinen inneren Zwistigkeiten überlassen könne.

Er entschied sich schließlich in einer Kosten‑Nutzen-­Abwägung dafür, die Eroberungspläne aufzugeben. Die römi­schen Truppen wurden wieder in ihre Ausgangsbasen an der Rhein‑ und Donaulinie zurückgezogen. In Hessen sind spätestens damals die römischen Lager in der Wetterau, Frankfurt‑Höchst, Friedberg, Bad‑Nauheim und Rödgen sowie im Lahntal die von Dorlar und Waldgirmes geräumt worden. Waldgirmes brannten sie wahrscheinlich selber nieder. So konnte 300 Jahre später das große Eindringen von Germanen erfolgen, so daß eine Romanisierung Germaniens verhindert wurde.

 

Die Struktur der Stadt:

Die Stadt war umgeben mit einer Mauer aus Holz und Erde mit zwei vorgelagerten Spitzgräben. Die Holz-Erde-Mauer selbst besaß eine Breite von 3,20 Metern. Die Pfosten wiesen untereinander einen Abstand von 0,90 Metern auf, was drei römischen Fuß entspricht. Die Mauer bestand aus zwei Pfostenreihen, an deren Innenseite Bohlen angesetzt waren. Der Raum zwischen der so entstandenen Schalung wurde mit dem Aushub aus den Spitzgräben aufgefüllt; an der Oberseite wurde eine Brüstung aufgesetzt.

 

Bild 03: Mauer

 

Die Stadt hatte mindestens drei Tore. Ost- und Westtor besaßen einfache Durchfahrten und je zwei hinter die Holz-Erde-Mauer zurückspringende Seitentürme. Türme hatten entweder vier oder an besonders gefährdeten Stellen sechs Pfosten. Die Gesamtanlage des Osttors war 11,80 Meter breit und besaß zwei hinter die Holz-Erde-Mauer zurückspringende Seitentürme. Die Breite der Tordurchfahrt betrug zwischen 3,70 und 4,00 Meter. Das im Verlauf der Nord-Süd-Achse an der Nordseite vermutete Tor war an dieser Stelle nicht vorhanden. Die Umwehrung war dort jedoch durch einen 7 Meter breiten Zwischenturm verstärkt, der auf sechs Pfosten stand.

Zwischen den Toren verlief die West-Ost-Straße. Im Zentrum zweigte eine weitere Straße nach Süden ab (heute durch Platten markiert). Das sicher anzunehmende Tor im Süden lag noch südlich der heutigen Baustoffhandlung.

 

 

In der Mitte beider Straßen verliefen Wassergräben, die sicherlich mit Holz abgedeckt waren. Ein Brunnen lag im Innenhof des Zentralgebäudes 6 (nördlicher Anbau). Die Wasserversorgung hing aber nicht allein von Brunnen ab: Reste von Bleirohren belegen das Vorhandensein einer Frischwasserleitung, die aus dem Nordosten herbeigeleitet wurde (die Leitung wurde teilweise ausgegraben).

Die Stadt unterscheidet sich in der Struktur und einzelnen Gebäuden  wesentlich von zeitglei­chen römischen Militäranlagen. Mit Ausnahme der steinernen Fundamentmauern des Forums wurden in Waldgirmes bisher lediglich Holz- bzw. Fachwerkbauten nachgewiesen. Durch die Erosion des Bodens im Areal der römischen Stadt waren nur an wenigen Stellen noch Reste der ehemaligen römischen Oberfläche erhalten.

 

Vorgängerbauten:

Die bisher ältesten römischen Baumaßnahmen in Waldgirmes umfaßten ein etwa 1.700 Quadrat­meter großes Areal im Zentrum, an der Südwestecke des heute sichtbaren Forums. Die Fläche war von einem flachen Gräbchen eingefaßt. In der Nordhälfte dieser Anlage war mit dem Bau massiver Steinfundamente in rechteckigen Gruben begonnen worden. Die Spuren wurden durch das jüngere Forum und durch den Wassergraben der Straße zerstört. Ein Vergleich mit den Dimensionen des später errichteten Forums zeigt eine so deutliche Symmetrie beider Anlagen, daß ein enger Zusammenhang beider Grundrisse anzunehmen ist. Die begonnenen, jedoch nicht vollendeten Steinfundamente und die frühe Datierung lassen einen Zusammenhang mit römischen Feldzügen der Jahre 9 bis 7 vCh nicht mehr ausgeschlossen erscheinen.

 

Forum der Stadt:

Im Zentrum der römischen Siedlung von Waldgirmes wurde nur wenige Jahre nach ihrer Gründung ein monumentales Gebäude errichtet. Der Grundriß entspricht genau dem Typ des römischen Forums, d. h. dem administrativen und wirtschaftlichen Zentrum einer römischen Stadt und ihres Territoriums. Es war zugleich der wichtigste Platz zur Repräsentation und Selbstdarstellung einer Gemeinde, ihrer Herrscher, ihrer verdienten Bürger und Förderer. Das  Forum verweist also deutlich auf den zivilen Bereich.

 

Bild 04: Forum

 

Die Fundamente des 2.200 Quadratmeter großen Bauwerks bestehen aus steinernen Sockelmauern. Auf dieser bislang im ausgusteischen Germanien einzigartigen Fundamentierung standen Fachwerkwände auf Schwellbalken. Nur vier Pfosten standen in Pfostengruben. Die Übrigen saßen auf quadratischen, 50 mal 50 Zentimeter großen Steinfundamenten auf.

 

Bild 05: Forum und  Bild 06:Forum

 

Drei 6 Meter breite Gebäudeflügel umgaben einen 24 mal 32 Meter großen Innenhof. Er wurde im Norden durch eine durch eine 45 Meter lange und 12 Meter breite Halle abgeschlossen, deren Dach durch mächtige Pfosten gestützt wurde.

 

Bild 07 Forum Querhalle und Bild 08 Forum Apsis

 

Die Halle besaß an ihrer nördlichen Längsseite drei Anbauten: Im Zentrum ein quadratischer, zehn mal zehn Meter großer Raum. Dieser war von  zwei je 6 Meter breiten Räumen mit halbrunden Abschlüssen flankiert. Diese Anbauten sind für die Interpretation des gesamten Baukomplexes als Forum von zentraler Bedeutung.

Die gesamte Anlage war von der West-Ost-Straße zurückgesetzt, so daß zwischen Straße und Gebäude ein freier Platz entstand, der in seiner Größe in etwa dem Innenhof entsprach. Auf ihm lagen 15 Meter vor der Südfront des Gebäudes zwei große Gruben. Zwei Gräbchen sind als Drainagegräben anzusprechen.

Der zentrale Saal könnte als Versammlungsort eines Stadtrates genutzt worden sein, die beiden Apsiden könnten als Gerichtssaal oder als Ort für den Kaiserkult gedient haben. Die große Querhalle stand dann für Geschäfte und  Verhandlungen aller Art zur Verfügung.

Aus den im Innenhof gelegenen Gruben konnten zahlreiche Bruchstücke von Sockeln für bis zu fünflebensgroßen Reiterstandbilder (Postamente) geborgen werden. Sie bestanden aus einem Muschelkalkgestein, das leicht und exakt zu bearbeiten ist. Das Gestein ist im Lahntal fremd und wurde von den Römern aus der Region um das lothringische Metz nach Waldgirmes gebracht.

 

Wohngebäude:

Unter den Gebäuden ließen sich ganz verschiedene Bauten identifizieren. Im Innern der Siedlung standen mindestens sechs anspruchsvolle Wohnbauten. Diese Häuser erinnern mit ihrer Raumverteilung um einen zentralen Raum an Atriumhäuser des Mittelmeerraumes. Dieser Gebäudetyp wurde nicht über Korridore erschlossen, sondern über einen zentralen Raum (Atrium), vom dem aus alle übrigen Räume zugänglich waren. Über dem Atrium befand sich eine Licht­öffnung im Dach, der durch die Öffnung einfallende Regen wurde durch ein Wasserbecken im Fußboden aufgefangen. Für Waldgirmes ist jedoch eine geschlossene Dachkonstruktion anzunehmen, die den Klimabedingungen besser entsprach.

Eine weitere Gruppe von Bauten wird durch Laubengänge und zu den Straßen hin offene, an Verkaufslokale (Tabernae) erinnernde Räume charakterisiert. In diesen Bauen wurde produziert, verkauft und vielleicht auch gewohnt. Zumindest ist für einen Teil der Gebäude ein zum Wohnen dienendes Obergeschoß durchaus denkbar. Dieser Gebäudetyp fand sich vor allem entlang der Straßen. Als Gewerbe, die in solchen Bauten ausgeübt wurden, sind Töpferei und Eisenverarbeitung belegt.

Daneben gab es reine Wirtschaftsgebäude. Bei den bisher nachgewiesenen Speichern ruhte der eigentliche Boden des Gebäudes auf Pfostenreihen etwas erhöht über der Oberfläche. Diese Bauweise diente dem Schutz vor Ungeziefer und Schädlingen und der besseren Belüftung der gelagerten Vorräte, überwiegend wohl Getreide. Daneben kommen noch einfache Schuppen- oder Hallenbauten vor, bei denen größere Gebäudeteile nach außen geöffnet waren und in denen die unterschiedlichsten Waren lagerten.

Zwei Gebäude im Westen der Anlage könnten eine frühe römische Kaserne gewesen sein, die aus Mannschaftsbaracke und davon getrennter Unterkunft für die Offiziere bestand. Bauten, die sicher religiösen Zwecken dienten, wurden bisher nicht entdeckt. Es muß auch eine militärische Bewachung der Stadt gegeben haben.  Das Militärlager in Dorlar kam dafür nicht in Frage, denn es hatte nur 100 Jahre früher für kurze Zeit bestanden.

 

Bild 09: Wohnbauten

 

Die Innenbebauung orientierte sich am Verlauf der Straßen. Erfaßt wurden mindestens acht anspruchsvolle Wohnbauten. Die Wandpfosten dieser Bauten waren überwiegend in schmale Pfostengräbchen eingesetzt. Nach der Straße zu hatten sie Überdachungen (Laubengang), damit die Händler dort ihre Waren ausstellen konnten und die Besucher auch bei regnerischem Wetter weitgehend trockenen Fußes ihrer Arbeit und Geschäften nachgehen konnten. Der Eingang befand sich zwischen zwei rechteckigen, gleich großen Räumen. Er führte in einen großen, annähernd quadratischen Raum im Zentrum des Hauses, der von schmäleren Räumen flankiert wurde.

Eine rückwärtige Raumreihe Schloß die Gebäude ab. Die Gebäude an den Straßen dienten zum Teil als offene Läden oder wurden als Werkstätten benutzt. Schmieden und Töpfern sind nachgewiesen.

 

Bild 10: Grundriß

 

G e b ä u d e 1  lag nahe der Südostecke (in der zweiten Reihe südlich der Straße). Ausgegraben wurde ein 32 Meter langes Stück der Nordseite. Die nach Süden anschließenden Gebäudeteile. bei denen sich auch eine regelmäßige Gestaltung andeutet, sind durch moderne Überbauung zerstört. Der Ostteil ist noch nicht ergraben. Im freigelegten Ausschnitt zeigte sich eine regelhafte Abfolge von je drei nebeneinanderliegenden Räumen, die durch Korridore voneinander getrennt waren.

 

G e b ä u d e  2 befand sich direktsüdlich an der ost-west-verlaufenden Straße. Mit seiner westlichen Schmalseite stieß es an den nord-süd-verlaufenden Straßenzug. Das Bauwerk war 60 Meter lang und 12 Meter breit (mit Lauubengang 15 Meter) und besaß an beiden Straßenseiten einen vorgelagerten Laubengang (porticus). Teilweise waren die hinter den Laubengängen gelegenen Räume zur Straße hin offen.  Vermutlich war das Gebäude nach Süden offen.

Im Westteil nimmt die Raumaufteilung deutlich auf einen dort angelegten Töpferofen Rücksicht. Erhalten waren lediglich die in den Boden eingetieften Teile des birnenförmigen, 1,30 mal 1,70 Meter großen Ofens. Im Innern der Brennkammer war die Ofenzunge noch vorhanden, Reste der Ofentenne konnten dagegen nicht nachgewiesen werden. Unmittelbar westlich vor dem Ofen lag die rechteckige. 2 mal 1,5 Meter große Bedienungsgrube. Die gesamte Anlage wurde noch vor dem Ende des Stützpunktes aufgegeben und verfüllt. Das Gebäude diente handwerklichen Zwecken, eine Interpretation, die auch durch die zur Straße hin offenen Räume des Baues gestützt wird.

 

G e b ä u d e 3  lag gleichfalls südlich der West-Ost-Straße, aber östlich von Gebäude 2. Es wurden nur im Osten der Grabungsfläche einige Teile aufgedeckt. Es war 15 Meter breit und bestand aus Einzelpfosten, die im Abstand von 3,00 bis 3,20 Metern in Pfostengruben eingesetzt waren. Lediglich bei diesem Gebäude  saßen die Pfosten in einzelnen Pfostengruben. Der Ostteil des Gebäudes ist noch nicht ergraben.

 

G e b ä u d e  4  war in der zweiten Reihe südlich der West-Ost-Straße, aber schon fast an der Südstraße. Es war 12 Meter breit und nur durch einen knapp 3 Meter breiten Korridor von Bau 2 getrennt. Es besaß ebenfalls zur Straße hin offene Räume, jedoch keinen vorgelagerten Laubengang. Der Südteil ist durch moderne Überbauung zerstört.

 

G e b ä u d e  5  war nördlich der West-Ost-Straße und östlich der Verlängerung der Süd­straße. Dieses Gebäude war 12 Meter breit und einschließlich der beiden im Norden und Süden vorgelagerten Laubengänge 22 Meter lang. Es war älter als das Zentralgebäude 6 und wurde vor dessen Bau niedergelegt. Die quadratische Grube an der Südseite gehört ihrer Ausrichtung nach zu Zentralgebäude 6, sie hat einen Teil des südlichen Laubengangs zerstört.

 

G e b ä u d e  6  war das Zentralgebäude: die große Halle mit den Erweiterungen nach Norden und dem Brunnen im Süden (B 1)

 

G e b ä u d e  7 - 9: In diesem Bereich konnten keine vollständigen Gebäudegrundrisse ermittelt werden. Erfaßt wurden neben einem Töpferofen (T 1) nördlich der Gebäude lediglich Einzelpfosten und Gräb­chenstücke, die zum Teil eine gemeinsame Ausrichtung aufwiesen. Hier könnten drei Gebäude gelegen haben. Im Ostteil dieses Bereichs konnten wegen des beträchtlichen Oberflächenverlustes keine vollständigen Grundrisse mehr erfaßt werden. Letztlich ist es jedoch offen, ob es sich bei den Befundkomplexen 7 - 9 um kleinere Einzelgebäude oder um eine straßenbegleitende Bebauung vergleichbar mit Gebäude 2 handelte. Unter der Nummer 7/1 (ganz im Westen) ist eine Reihe von Einzelpfosten zusammengefaßt. Vermutlich handelte es sich hierbei nicht um ein Gebäude, sondern um einen umzäunten Bauhof, der bei Errichtung des Stützaunes angelegt und später abgerissen wurde

 

G e b ä u d e  10  lag im Winkel zwischen der West-Ost-Straße und der Südstraße.

Hier fand sich eine Reihe von fünf Pfosten, die den Laubengang des Gebäudes bildeten.

 

B r u n n e n:

Es gab Brunnen im Bereich des Forums. Dann wurde der Brunnen 1 an der südwestlichen Ecke der Gesamtanlage gefunden. Der zweite Brunnen ist der Bedeutendste und war an der Straße nach Westen schon in der Nähe des Westtores. Der Baum für das Holz dieses  Brunnens wurde im Jahr 4 vCh gefällt und wurde im Jahr 3 vCh in den Brunnen eingebaut, der somit das Jahr der Gründung der Stadt angibt. Er war mit 11 Meter überraschend tief. Über 4 Meter des hölzernen Brunnenkastens waren erhalten und als unterste Konstruktion hatten die Römer ein ausgedientes Faß als Brunnenstube eingebaut.

 

Bild 11: Brunnen

 

Herausragend sind die Funde, die aus dem Brunnenschacht geborgen werden konnten, denn es handelt sich um über 100 Bruchstücke hölzerner Gegenstände, die sich nur dank der Lage im Grundwasserbereich bis heute erhalten haben. Neben Architekturteilen aus Holz, einem römischen Schanzpfahl (pilum murale) und Bruchstücken von Holzgefäßen wurden auch mehrere Fragmente der zerschlagenen Bronzefigur geborgen.

Bis zur Auffindung des rechten Fußes des Reiters, der auf dem Rand des Fasses am unteren Ende des Brunnenkastens zu liegen gekommen war, verrieten die Funde bisher nichts Näheres über die Person des Reiters. Bis zur Grabungskampagne 2009 waren unter dem Fundbestand nur einige Gewandfalten sowie einzelne Locken dem Reiter zuzuweisen. Die Annahme, daß es sich um eine Kaiserstatue gehandelt hatte, wurde nun erhärtet, denn der Fuß trägt den knöchelhohen Calceus mit seiner seitlich herabhängenden Schnürung, einen Schuh, der höhergestellten Persönlichkeiten des Patrizier- bzw. Senatorenstandes vorbehalten war.

Nachdem zu diesem Zeitpunkt der Ausgrabung der Brunnen bis auf den Rand des Fasses abgegraben war, konnte mit dem Freilegen der äußeren Faßband begonnen werden. Dies ge­staltete sich schwierig, weil die Faßdauben nur mit Ruten verbunden waren, die sehr schlecht erhalten waren. Nachdem die Hälfte der Faßdauben entfernt worden war, konnte die Verfüllung untersucht und die darin befindlichen Funde konnten geborgen werden. Im unteren Bereich des Fasses kam neben acht fast neuwertigen Mühlsteinen der Kopf eines lebensgroßen Bronzepferdes zutage.

 

Bild 12: Mühlsteine

 

R e i t e r s t a t u e:

Die planmäßig angelegte, zivile römische Stadt von Waldgirmes erbrachte bereits 1994 das erste Bruchstück vergoldeter Gußbronze. Das nur wenige Zentimeter große Fragment war eine archäologische Sensation, belegte es doch, daß die Römer hier eine Statue errichtet hatten (wenn nicht mehrere).

 

Bild 13 und 14: Bronzestücke

 

Zu dem Bild „Bronzestücke“:

1 -  5 Fragmente der vergoldeten Bronzestatue. Über 80 dieser zumeist sehr kleinen - Teile wurden bis Ende 1998 gefunden. Die Blattvergoldung ist in der Regel sehr gut erhalten. Der größte Teil der bisher geborgenen Stücke hat eine glatte Oberfläche. Einige sind jedoch als Bestandteile des Haares (2-3), der Pferdeschirrung (1) oder als Teile von Gewandfalten anzusprechen.

6 Bearbeitetes Kalksteinfragment. Diese Kalksteine gehörten wohl zur Basis der Statue. Der Stein ist weich und damit gut zu bearbeiten. An den verschiedenen Werkzeugspuren lassen sich die Technik und Vorgehensweise römischer Handwerker gut beobachten.

 

Ihre Größe und die Identität der dargestellten Person blieben hingegen ungewiß, auch als in den folgenden Jahren immer wieder Bruchstücke zutage gefördert wurden. Erst als 1998 ein Bruchstück des vergoldeten Brustgurts eines Pferdes geborgen werden konnte, konkretisierte sich die Vorstellung von dieser Statue.

 

Bild 15 Pferdegeschirr

 

In Waldgirmes hatten die Römer offenbar mit der Fertigstellung des zentralen Verwaltungsgebäudes (des Forums) eine lebensgroße, vergoldete Reiterstatue aus Bronze aufgestellt. In den folgenden Jahren gab der Boden rund 180, zum überwiegenden Teil sehr kleine Bruchstücke frei, darunter auch das größere Fragment eines Pferdefußes.

 

Bild 16: Reiterfuß

 

Die Bronzestücke stammen überwiegend aus dem Brunnen (B 1) und den Gruben im Innenhof des zentralen Gebäudes 6. Das größte Bruchstück ist auf der Vorderseite mit einer relativ grob gearbeiteten Ranke verziert, aus der in regelmäßigen Abständen Blüten entspringen. Dieses Stück ist aufgrund von Parallelen als zum Brustgeschirr von Pferden gehörig anzusprechen. 

 

Bild 17: Pferdekopf

 

Die größte Überraschung ist aber die hohe künstlerische Qualität. Der Pferdekopf ist äußerst filigran gearbeitet und reichverziert. Er ist vollständig erhalten, mit Nüstern, Zähnen, Auge und Resten der Goldauflage. Das mit sechs Zierscheiben reichgeschmückte Zaumzeug ist auch noch gut zu sehen. Die Medaillons des Zaumzeugs sind an den Seiten mit drei Büsten der Siegesgöttin Victoria geschmückt, gut erkennbar an den in ihrem Rücken sichtbaren Flügeln. Ursprünglich waren es wohl vier Darstellungen der Siegesgöttin, denn ein Medaillon ist verloren.

Die ovale Schmuckplatte auf dem Nasenrücken des Pferdes ziert ein Bild des sitzenden Kriegsgottes Mars, der Schwert und Schild hält. Auf dem seitwärts gewandten Kopf trägt er einen Helm mit hoch aufragendem Helmbusch. Die Gestaltung dieser Platte besitzt nicht die künstlerische Qualität des Pferdekopfes, woran man bereits erkennen kann, daß verschiedene Handwerker bei der Herstellung der Statue beteiligt waren. Das über der Nasenplatte angebrachte Rundmedaillon war wie die anderen figürlich verziert.

Ebenfalls unklar ist zur Zeit die Ansprache der Figur, die auf der Schmuckplatte über den Nüstern dargestellt ist. Vermutlich gehören beide ebenfalls in den Zusammenhang der Bildersprache von Krieg und Sieg, was gut zur Situation einer römischen Stadtgründung in neu erobertem Gebiet passen würde.  „Götter, die für den siegreichen Staat stehen“, deutet Landesarchäologe Professor Egon Schallmayer die politische Aussage.

Der Pferdekopf aus Waldgirmes ist von außergewöhnlicher künstlerischer Qualität. Er besitzt mit seinen geblähten Nüstern, der feinen Äderung und den wachen Augen sehr große Ausdruckskraft. Das Maul ist aufgerissen, das vorwärts drängende Pferd wird vom Reiter gezügelt, die Öse der Trense ist ebenso wie der Hengstzahn gut erkennbar. Der qualitätvollen Darstellung des Pferdekopfes entsprechend ist das Zaumzeug reichgeschmückt. Figural verzierte Medaillons zieren die Riemenkreuzungen, am Riemenwerk selbst sind kleine Schnallen und Nieten erkennbar. Am Stirnriemen zeugen rechteckige Aussparungen von ehemals eingesetztem Kopfschmuck.

Mit rund 55 Zentimeter Länge und 14 Kilogramm Gewicht ist der Pferdekopf mit Abstand das größte bisher bekannte Teil der Statue aus Waldgirmes. Einen Fund solcher Qualität und Erhaltung hat es in Deutschland bisher nicht gegeben. Zwar ist vor längerer Zeit auch in Augsburg ein Pferdekopf gefunden worden. Der ist aber nicht so aufwendig gearbeitet wie der Fund von Waldgirmes.

Um eine etwa lebensgroße Reiterstatue gießen zu können, benötigt man mindestens 450 Kilogramm Bronze. Rechnet man das Gewicht des Pferdekopfes ein, konnten bisher bei den Ausgrabungen Fragmente im Gesamtgewicht von 24 Kilogramm geborgen werden. Diese Zahl führt im Vergleich deutlich vor Augen, wie viele Teile verloren sind. Doch überraschenderweise kamen an anderen Orten des Lahntals, in Wetzlar-Naunheim und in Wetzlar-Dalheim, bei Ausgrabungen in germanischen Siedlungen Stücke der vergoldeten Bronzestatue zutage. Hier zeigt sich der Wert des Rohmaterials Bronze, denn Teile der Statue wurden offensichtlich als Rohmaterial zur Wiederverwendung verhandelt.

Der Lagerung im Wasser ist es zu verdanken, daß der Bronzekopf so gut erhalten ist. Die künstlerische Qualität des Reiterstandbild  ist von hoher Bedeutung ist. Es gehört zu dem Besten, was in dieser Zeit geschaffen wurde.  Die Statue wurde den Erkenntnissen zufolge von den bedeutendsten Künstlern im Römischen Reich geschaffen. Die Restaurierung des Sensationsfundes in der Werkstatt der Hessischen Landesarchäologie werde voraussichtlich zwei Jahre dauern. Anschließend soll der Kopf im Rahmen einer Son­derausstellung an einem zentralen Ort in Hessen der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

 

Aus historischen Überlegungen heraus kann es sich während der Gründungsphase einer Stadt in einer neu zu gestaltenden Provinz nur um die Reiterstatue des Kaisers Augustus (23 vor bis 14 nach Christus) gehandelt haben. Auch der Schuh ist ein typischer senatorischer Stiefel, den nur sehr hochrangige Römer trugen.

Eine solche Statue war in der Antike ein Sinnbild dafür, daß der Kaiser selbst anwesend ist. Er war der Imperator des Römischen Reiches, als in Betlehem oder Nazareth Jesus Christus als sein Untertan geboren wurde. Er war das politische Aushängeschild für diese neueroberte Region. Er wollte, daß Germanien für immer zum römischen Reich gehören sollte.

Aufgrund der Fundlage ergibt sich die einzigartige Möglichkeit, die Statue auf wenige Jahre genau zu datieren - und einen Zusammenhang zu den Ereignissen im Umfeld der Varus­schlacht herzustellen. Von einem „einzigartigen Fund in Europa mit Weltrang“ ist die Rede. Die archäologische Entdeckung aus Mittelhessen sei auf einer Stufe mit der Himmelsscheibe von Nebra und den Keltenfürsten vom Glauberg zu sehen. Diese Bronzeskulptur gehört qualitativ zu den besten Stücken, die jemals auf dem Gebiet des ehemaligen Römischen Reichs gefunden wurden.

Es gibt die Theorie, daß das Reiterstandbild nicht von den sich zurückziehenden Römern zerstört wurde, denn diese hätten die Statue doch mitgenommen, wenn sie genügend Zeit gehabt hätten. Vermutlich haben die Germanen nach Einschätzung der Archäologen das Standbild zerstört und den Kopf im Brunnen versenkt. Die Germanen haben den Kopf rituell in Brunnen versenkt, um eigene Götter zu besänftigen. Mit echten Pferdeköpfen wurde damals so verfahren. Das feingearbeitete römische Reiterstandbild muß auf die Germanen unglaublichen Eindruck gemacht haben. Es könnte als besondere Gabe gedient haben. Es gibt aber auch die andere Ansicht, daß die Römer selbst die Statue zerstört hätten, weil die Funde überall auf dem Gelände verstreut waren und nur der Kopf in den Brunnen geworfen war.

Die Aufstellung einer Reiterstatue - vermutlich des Augustus  -  in Waldgirmes ist der früheste sichere Beleg für eine vergoldete etwa lebensgroße Statue nördlich der Alpen. Sorgfältig bearbeitete, profilierte Kalksteine sowie zwei Architekturquader und kleine Bruchsteine, denen teils Mörtel anhaftete. aus demselben Fundbereich werden derzeit als Reste der Statuen­basis gedeutet.          

 

Bilder 18 und 19. Neues Reiterstandbild

Der Künstler und Designer Heinrich Janke aus Braunfels erstellte anhand der vorliegenden Bronzescherben und deren Größenangaben eine moderne Nachbildung des Reiterstandbilds, die sich auch an der bisher einzigen erhaltenen Darstellung des römischen Kaisers Marc Aurel als Reiterstandbild (Kapitolinisches Museum in Rom) orientiert. Da eine authentische Nachbildung des Reiterstandbilds aufgrund der Funde nicht möglich war, wurde auf den Versuch einer sich am Original annähernden Darstellung des Kaisers Augustus als gerüsteter Feldherr und Imperator verzichtet. Vielmehr wurde das Objekt von dem Künstler bewußt zivil und schlicht gehalten, um auf die überwiegend friedliche Nutzung der römischen Stadt Wald­girmes als Markt- und Handelsstadt hinweisen. Der Bronzeguß der hier stehenden Nachbildung wurde im Jahr 2007 angefertigt und im Jahr 2009 anläßlich der 2000jährigen Geschichte  der Varusschlacht (9 nCh) im Forum aufgestellt. Als Material für die Nachbildung des Sockels wurde Muschelkalkstein verwendet, der auch seinerzeit beim Original Verwendung fand.

Die Aufstellung von wahrscheinlich bis zu fünf lebensgroßen, vergoldeten Reiterstandbildern im Innenhof des Forums von Waldgirmes verdeutlichen ebenso wie die gesamte, im Vergleich

zur Siedlungsgröße völlig überdimensionierte Forumsanlage, eine Repräsentation, die weit über den privaten oder kommunalen Bereich hinausging, In Waldgirmes präsentierten sich das Römische Reich und der römische Kaiser einer einheimischen Bevölkerung, die beeindruckt, aber auch für Rom und seine Lebensweise gewonnen werden sollte.

 

Botanische Funde in den Brunnen der römischen Stadt:

Der Brunnen, in dem wir den Pferdekopf gefunden haben, enthielt auch Haselnüsse, Zwetschgen- oder Olivenkerne. Dadurch kann man Speisegewohnheiten untersuchen oder Handelsverbindungen nachweisen. Die Römer haben hier Märkte gebaut und die Einheimischen an die römische Verwaltung gewöhnt. Hier sieht man die ersten Schritte eines friedlichen Zivilisierungsprozesses.

Die Ausgrabungen in Waldgirmes werden kontinuierlich von einem archäobotanischen und archäozoologischen Beprobungsprogramm begleitet. Während der kalklose Boden das Knochenmaterial weitgehend zerstört hat und dadurch Knochen nur in geringem Umfang für weitergehende Untersuchungen geborgen werden konnten, konnten inzwischen mehr als 1.000 botanische Proben technisch aufbereitet werden.

Der Fundplatz liegt auf trockenen, durchlüfteten Mineralböden, in denen - dank der aktiven Bodenlebewesen - nur verkohlte oder mineralisierte Pflanzenreste erhalten sind. Eine willkommene Ausnahme stellen die beiden 2005 und 2009 ausgegrabenen Brunnen dar, die in den heutigen Grundwasserbereich hineinreichten. Unter solchen Ablagerungsbedingungen bleibt auch unverkohltes (subfossiles) organisches Material erhalten.

In den beiden Brunnen fanden sich neben importierten Arten Obst und Nüsse, die in römischer Zeit in der Umgebung zu sammeln waren, wie Haselnuß (Corylus avellana), Schlehe (Prunus spinosa) oder Brombeere (Rubus fruticosus). Solche Arten gehörten seit dem Neolithikum stets zur Alltagsernährung der Menschen.

Eine Besonderheit für die römische Zeit und geographische Lage von Waldgirmes sind die Fruchtsteine bzw. Kerne von Pflaume (Prunus domestica ssp. insititia), Apfel (Malus spec.)

und Olive (Olea europaea), die in einigen der Brunnenproben auftraten. Während Wildäpfel (Malus sylvestris) in den natürlichen Auenwäldern des Lahntales gesammelt worden sein könnten, wurden nach den antiken Schriftquellen von den Römern bereits mehrere wohlschmeckende Apfelsorten in Gärten gezogen. Der Pflaumenbaum ist ein weiteres Obstgehölz, das in Hessen erst seit Beginn der römischen Gutshofwirtschaft innerhalb des Limes ab dem 2. Jahrhundert nCh angepflanzt wurde.

Der Ölbaum ist hingegen in der mediterranen Hartlaubregion beheimatet. Daher handelt es sich bei den gefundenen Pflaumen- und Olivensteinen um Überreste von aus dem Süden importierter Nahrung. Offenbar waren in Waldgirmes Menschen ansässig, die - im Gegensatz zu den im Umland siedelnden Germanen - solche Exotica schätzten und das nötige „Kleingeld“ besaßen, um diese Waren zu beziehen.

Auch Getreide und andere Grundnahrungsmittel wurden wohl teilweise so beschafft. Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang Funde der Wintergetreide Dinkel (Triticum spelta)und Nacktweizen (T. aestivum s.l./durum/turgidum) in Waldgirmes. Diese beiden Wintergetreide waren nicht Teil der frühgermanischen Landwirtschaft, wie ihr Fehlen in 22 untersuchten germanischen Fundstellen Hessens nahelegt. Das römische Waldgirmes bezog diese Getreide wie auch Pflaumen und Oliven offenbar aus größerer Entfernung. Geregelter Nachschub und überregionaler Handel mit Grundnahrungsmitteln sind eine Grundvoraussetzung während der Eroberungs- und Konsolidierungsphase.

 

Dendrochronologie und Pollenanalyse (Brunnen 1):

Zu einer modernen archäologischen Ausgrabung gehören heute auch Untersuchungen zur Flora und Fauna des Umfeldes. Daraus lassen sich direkte Rückschlüsse auf die Ernährungs- und Wirtschaftssituation des Ortes und seiner Bevölkerung gewinnen, die aus den archäologischen Funden nur lückenhaft zu erschließen sind.

In Waldgirmes konnte 2005 der erste römische Brunnen aus dem Jahr 3 vCh erforscht werden. Er war rund sieben Meter tief und erreichte das heutige Grundwasserniveau. In der Baugrube hatten die Römer einen Kasten aus Spaltbohlen errichtet, der noch etwa einen halben Meter hoch erhalten war. Doch neben den konstruktiven Hölzern erbrachte der Brunnen auch ein zerbrochenes Scheibenrad aus Holz und Brettchen, die vermutlich als Dachschindeln anzusprechen sind. Auf einem dieser Brettchen befanden sich die Reste von 2.000 Jahre altem Moos, in dem sich Pollen unterschiedlicher Pflanzen erhalten hatten; herausragend war der Nachweis von Anis-Pollen. Damit ist der Anbau dieses wichtigen römischen Würzkrauts in Waldgirmes belegt.

Doch nicht nur Pollen, sondern auch andere botanische Reste geben wichtige Hinweise auf die Ernährung der im römischen Waldgirmes lebenden Menschen. So wurde in der Verfüllung des Brunnens ein Olivenkern gefunden. Die Belieferung mit Oliven aus Spanien war bis zu diesem direkten Beweis nur durch Amphoren erschließbar, die als Transportbehälter für ­die­se Südfrüchte dienten. Die verschiedenen Amphoren lassen ein breites Spektrum erkennen, das Lebensmittellieferungen aus dem gesamten Mittelmeerraum umfaßt. Öl und Oliven wurden vom südspanischen Guadalquivir angeliefert; auch die für die römische Küche notwendige Würzsauce stammte von der Iberischen Halbinsel. Spanischer Wein wurde offenbar nur wenig getrunken, denn beim Wein dominieren Importe aus dem östlichen Mittelmeerraum, und etwa ein Viertel der Weinamphoren stammt aus Italien.

 

Weitere Funde aus Waldgirmes:

Zur zeitlichen Einordnung einer Fundstelle sind die bei einer archäologischen Ausgrabung geborgenen Funde von zentraler Bedeutung. In römischer Zeit besitzen Keramikfunde und Münzen den größten Wert für die Datierung eines Ortes. Alltags- und Luxusgegenstände geben Aufschluß über die dort lebende Bevölkerung und lassen erkennen, inwieweit die Siedlung in das römische Wirtschaftsgefüge eingebunden war. Die Funde von Waldgirmes zeichnen sich durch zwei Besonderheiten aus: zahlreiche Fundstücke stammen aus weit entfernten Gegenden des Römischen Reiches. Die Herstellungsorte dieser teilweise einmaligen Stücke sind sicher im Mittelmeerraum zu suchen. Nur Mitglieder einer relativ kleinen römischen Oberschicht konnten die Besitzer der prachtvollsten Stücke gewesen sein.

Die anderen Funde sind der einheimischen Bevölkerung des Lahngebiets zuzurechnen. Spärliche Waffenfunde auf der einen Seite und das Auffinden einheimischer Keramik auf der anderen legen die Vermutung nahe, daß hier Römer und Germanen offensichtlich friedlicher zusammenlebten als andernorts. Diese Mischung zeugt von einer friedlichen Koexistenz der einheimischen Bevölkerung mit den neuen Machthabern. Waffen und für Militärlager typische Kleinfunde fehlen in Waldgirmes bisher weitgehend.

 

Auf die  L a n d w i r t s c h a f t  deuten Fragmente von eisernen Sicheln und Sensen und einem schweren Astmesser (auch Hippe genannt) und anderen Werkzeugen, aber auch Schlacken, verweisen auf vielfältige landwirtschaftliche Tätigkeiten. Kleine ehemals um einen Stock gebogene bronzene Stachel dienten zum Treiben des Viehs. Untersuchungen von Tierknochen belegen bisher jedoch nur einheimische Tierarten. Aber die größeren römischen Zuchtrinder ließen sich bisher nicht nachweisen. Der Naturraum im Umfeld war geprägt durch die von Waldweide (Schweine und Rinder wurden in Wäldern gehütet) aufgelichteten Eichen- und Buchenwälder. Durch den Einschlag von Eichen, die die Römer zum Bau der Stadt benötigten, entstanden Freiflächen, die wohl zum Anbau von Getreide genutzt wurden.

Handel und H a n d w e r k prägten das Leben in der Stadt, wovon Eisenwerkzeuge und verschiedene Geräte zeugen. Die Tätigkeit der Schmiede verdeutlichen zahlreiche Schmiedeschlacken und ein pilzförmiger Amboß zum Treiben von Blechen. Zum Werkzeug des Feinschmiedes gehören verschiedene Punziereisen und ein Hammerlötkolben. Schloß beschlage und verschiedene große und kleine Schlüssel lassen sich dem häuslichen Bereich zuordnen.

 

Bild 20: Münze

 

In den Jahren um die Zeitenwende gelangten mit den römischen Kriegszügen erstmals in größerem Umfang auch Silber- und B r o n z e m ü n z e n aus den Prägestätten Rom, Nimes (Nemau­sus) und Lyon (Lugdunum) in die neu eroberten Gebiete.  Die rund 200 Münzen sind die Grundlage für die Datierung des Stützpunktes. Sie fanden sich  größtenteils in einer Schicht, die der Zerstörungszeit zuzuweisen ist. Die Münzreihe enthält eine große Anzahl von Münzen, die während der Regierungszeit des Kaisers Augustus geprägt wurden, sowie wenige Münzen aus der Spätzeit der Römischen Republik.

 

Bild 21: Münzen

 

Die jüngsten Münzen, die nach Waldgirmes gelangten, tragen zusätzlich einen sogenannten „Gegenstempel“. Dieser zeigt das Namenskürzel „VAR“ des Publius Quinctilius Varus und ist damit ein deutlicher Beleg für die Existenz der Siedlung während seiner Statthalterschaft in der Germania von 7 bis 9 nCh. Da sie sämtlich aus der Zerstörungsschicht stammen, läßt sich das Ende der römischen Besiedlung sicher mit der Niederlage der Römer in der sogenannten „,Schlacht im Teutoburger Wald“ 9 nCh in Verbindung bringen. Weder die Münzreihe noch andere Funde lassen Anzeichen für eine über das Jahr 9 nCh hinausreichende Besiedlung oder erneute Besetzung dieses Platzes etwa unter Germanicus in den Jahren 14 - 16 nCh erkennen (heute wird wieder angenommen, daß eventuell doch bis zum Jahre 16 noch Römer dort waren).

 

K er a m i k s c h e r b e n sind die häufigsten Funde. Die römischen Gefäße wurden mit der schnell rotierenden Töpferscheibe hergestellt, im Unterschied zu den Gefäßen der einheimischen Bevölkerung, die von Hand aufgebaut sind und dickwandiger und gröber in der Ausführung sind. Manche Stücke unter der römischen Keramik sind mit dem Namen des Töpfers gestempelt. Herstellerstempel nennen die Namen italischer Töpfer aus Arezzo, Pisa und Puteoli sowie eines Handwerkers aus dem antiken Lugdunum, dem heutigen Lyon. Das Graffito APR ist auf der Unterseite eines Sigillata-Tellers eingeritzt und läßt sich in den Namen Apronius, Aprilis o.ä. auflösen. Scherben des feinen römischen Tafelgeschirrs Terra Sigillata sind allerdings relativ gering vertreten.

 

Bild 22: Keramik

 

Dank zahlreicher gut untersuchter Töpfereien können heute mit chemischen Analysen die Herkunftsregionen bestimmt werden. Nach Waldgirmes gelangte Keramik aus der Champagne, Lyon in Gallien sowie Pisa und Arezzo in Italien. Aber auch direkt am Ort wurde Keramik hergestellt. Dies belegen zwei Töpferöfen. In dem Töpferofen nördlich der Befundkomplexe 7 bis 9 (T 1) fanden sich noch einige Gefäße aus der letzten Beschickung des Ofens.           

Insgesamt entspricht das Spektrum der Drehscheibenwaren dem anderer reitgleicher römischer Anlagen wie beispielsweise Haltern an der Lippe. Durch einen hohen Anteil an handgemachter germanischer Keramik unterscheidet sich Waldgirmes jedoch deutlich von römischen Militäranlagen aus dieser Zeit. Der überwiegende Teil der handgemachten Ware besteht aus sehr groben Scherben, die mit Kammstrich und Schlickerbewurf verziert sind. Nur wenige Stücke sind auf der Außenseite geglättet und haben einen abgestrichenen Rand.

Besonders in der Osthälfte des Stützpunktes wurde beiderseits der ost-west-verlaufenden Straße römische Drehscheibenware zusammen mit handgemachter germanischer Keramik gefunden. Innerhalb des Zentralgebäudes kamen hingegen nur wenige Scherben zutage, diese aber ausschließlich von Drehscheibenkeramik.

 

G e w a n d s p a n g e n (Fibeln) dienten dazu, Kleidungsstücke zu schließen oder aneinander

zu befestigen. Sie gehören aufgrund ihrer teilweise regionalen Verbreitung und engen Dat­ier­ung neben Münzen und Keramik zu den chronologischen Leitfunden einer archäologischen Fundstelle. Mehr als 40 Fibeln konnten geborgen werden. Sie stammen sowohl aus dem römischen wie dem einheimischen Kulturbereich und vermitteln damit ein Bild der Bevölkerungsverhältnisse. Zwei Fibeln verdeutlichen dies exemplarisch:

Die römische Scheibenfibel besteht aus einer Grundscheibe von etwa drei Zentimeter Durchmesser. Auf dieser Scheibe befindet sich ein filigran verziertes Silberblech in Form von Lotusblättern. Die Lotusblätter zieren zusätzlich blaue und grüne Glaseinlagen. Ein Bernstein sitzt auf der Schauseite des zentralen Nietes. Diese Fibel wurde vermutlich in Oberitalien hergestellt. Der beste Vergleich für diese Gewandspange ist ein Stück aus Trier.

 

Bild 23: Fibeln

 

Die germanische Silberfibel zählt aufgrund ihrer Gestaltung zu den Augenfibeln. Auch sie weist auf dem Bügel und sogar auf der Unterseite der Nadelrast Verzierungen in typischer Manier auf. Beide Stücke dienten sicherlich höher gestellten Persönlichkeiten als Schmuck und Bestandteil der Tracht, die die neu gegründete Stadt als gemeinsamen Raum nutzten.

 

Bild 24: Gemme

 

F u n d e  a u s  G l a s sind in Waldgirmes selten, aber darunter befinden sich zwei herausragende Stü>

Bild 25: Glasperle

 

Eine Mosaikperle aus Glas zeigt drei eingelegte Bilder des ägyptischen Stiergottes Apis. Er trägt die Sonne zwischen den Hörnern. Die Perle hat einen Durchmesser von nur 1,5 Zentimeter. Die Herstellungsorte dieser teils einmaligen Stücke sind sicher im mediterranen Raum zu suchen.

 

Bild 26: Schmuck

 

Zu dem Bild „Schmuck“:       

Neben der vergoldeten Bronzestatue zeichnet sich Waldgirmes durch eine Reihe herausragender Kleinfunde aus, die in Auswahl abgebildet sind.

1. Glasgemme mit der Darstellung einer Niobide.

2. Wandscherbe eines Glasmosaikgefäßes. Über einer Form wurden Scheiben mehrfarbiger Glasstäbe zusammengesetzt und durch Hitze verbunden. Deshalb ist die Innenseite des Gefäßscherbens, die auf der Form auflag. rauh. die Außenseite, die dem Schmelzprozeß direkt ausgesetzt war, glänzend und glatt. Alle drei Glasobjekte wurden in einer ähnlichen Technik hergestellt.

3. Perle, in die drei Glasmosaikbilder des ägyptischen Stiergottes Apis eingelegt sind. Vor dem Bild des Stieres ist ein Altar erkennbar, auf dem Räucherwerk verbrannt wird.

4.Kleiner Silberanhänger.

5. Bronzemünze aus der Münzstätte Lugdunum mit einem Gegenstempel des Varus.

6. Scheibenfibel aus Silberblech. Während die Nadel eine bei römischen Fibeln häufige Scharnierkonstruktion aufweist, ist die übrige Gestaltung der Fibel bisher einmalig: eine durchbrochen gearbeitete Blechauflage in Form von Lotusblättern. die mit blauen und grünen Glaseinlagen verziert ist.

 

Die Bedeutung der Stadtgründung:

Die römischen Truppen fanden in den Gebieten  östlich des Rheins völlig andere Bedingungen vor als in Gallien. Politische, wirtschaftliche und administrative Zentren, auf die sich die römische Herrschaft stützen konnte, existierten bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr. Stattdessen herrschte in Germanien eine bäuerliche Subsistenzwirtschaft vor: In Germanien (in griechischen Texten dieser Zeit ebenfalls als „Keltike“ bezeichnet) gab es vielmehr nur kleine weilerartige Siedlungen, die auf Eigenversorgung ausgerichtet waren. Für die Römer war deshalb der Aufbau städtischer Verwaltungsstrukturen im eroberten Germanien von zentralem Interesse.

Diese Wirtschaftsweise war kaum in der Lage, den zuweilen plötzlich auftretenden Bedarf der römischen Truppen aus dem Lande heraus sicher zu stellen. Wollte man das eroberte Germanien auch tatsächlich beherrschen und verwalten, war der Aufbau einer eigenen Infrastruktur unumgänglich. Rom tat das durch die Gründung von Städten. In Germanien erfolgte zum einen der Um- und Ausbau bereits existierender Militärlager, in denen sukzessive weitere Anlagen  für administrative und auch wirtschaftliche  Zwecke errichtet wurden. Daneben berichtet der im 3. Jahrhundert nach Christus  lebende Senator und Autor Cassius Dio über die Anlage von Märkten und die Gründung von Städten.

Dazu berichtet der römische Senator und Historiker Cassius Dio: „Denn um dieselbe Zeit hatte sich in der [rechtsrheinischen] Keltike Folgendes ereignet: Die Römer hatten dieses Gebiet nicht als geschlossenes Territorium in ihrem Besitz, sondern beherrschten nur Teile, wie diese gerade unterworfen worden waren. ... Ihre Truppen überwinterten dort und gründeten Städte, und die Barbaren paßten sich ihrer Ordnung an, gewöhnten sich an Märkte und trafen sich in friedlichen Versammlungen, sie vergaßen freilich nicht ihre traditionellen Bräuche, ihre angestammte Art und ihre auf dem Recht des Waffentragens beruhende freie Lebensweise. Daher waren sie nicht empört über die Veränderung ihres Lebens und bemerkten den Wandel kaum, solange sie nur allmählich und nach einem behutsamen Verfahren ihre alten Gewohnheiten verlernten.“ (Cassius Dio 56,18, 1-3; Übersetzung nach Goetz/Welwei 1995).

Die Ausgrabungen in Lahnau-Waldgirmes stellen derzeit zusammen mit den Untersuchungen des Schlachtfeldes von Kalkriese, dem wahrscheinlichen Ort der „Schlacht im Teutoburger Wald“, die wichtigste Forschungsgrabung zur augusteischen Germanienpolitik in Deutschland dar. Die Ergebnisse der laufenden Grabungen haben schon jetzt die bisherige Interpretation dieser zwar kurzen, für die weitere historische Entwicklung des Gebiets zwischen Rhein und Elbe aber entscheidenden Zeitspanne grundlegend beeinflußt.

Trier, Mainz, Köln, Bonn, Xanten - alle diese Orte wurden vor etwa 2000 Jahren von den Römern gegründet und zählen zu den ältesten Städten Deutschlands. Und Waldgirmes? Der kleine Ort im Lahntal zwischen Wetzlar und Gießen ist natürlich wesentlich jünger, aber am Ortsrand hat man Reste einer römischen Niederlassung gefunden, die nach Feststellung der Archäologen fast genau zwei Jahrtausende alt ist. Zunächst war man davon ausgegangen, ein weiteres Militärlager entdeckt zu haben, das die Römer im Zuge ihrer Eroberung Germaniens vom Rhein bis zur Elbe als Stützpunkt angelegt hatten.  Nur in Waldgirmes wird eine historische Variante erfahrbar, in der Germanien ein Teil der römischen Welt werden sollte.

 

Daß die Römer dabei auf ihre repräsentative Staatsbaukunst zurückgriffen, um ihre Macht und die Überlegenheit ihrer Kultur zu demonstrieren, haben gerade die sensationellen Entdeckun­gen in Waldgirmes an der Lahn erkennen lassen. Hier fand sich im Zentrum der umwehrten Stadtanlage, in der man vielleicht schon eine römische Kolonie (colonia) erblicken kann, ein großer Forumskomplex ‑ übrigens der früheste Steinbau östlich des Rheins ‑ dessen Grundriß sehr gut die Vorstellung erweckt, hier könne der kaiserliche Statthalter, der oberste Militärchef oder der mit der Schaffung der Verwaltungsstruktur betraute hohe Beamte residiert haben. Das befestigte Forum sollte die Veraltungsaufgaben in der Provinz Germanien übernehmen. Die Lahn wurde zum wichtigsten Verbindungsweg in den römischen Westen.

Nach seinem Grundriß mit dem großen Innenhof, der gewaltigen Querhalle und den drei Apsiden entspricht das Bauwerk genau einem römischen Forum, d.h. dem Zentrum für Politik, Verwaltung und Wirtschaft einer römischen Stadt. Dieses, in Verbindung mit zahlreichen vergoldeten Bronzefragmenten eines lebensgroßen Reiterstandbildes und andere einmalig wertvollen Funden belegen, daß Rom begann, hier ein ziviles Zentrum im neu eroberten Germanien aufzubauen.

„Das Projekt gehört aufgrund des Forschungsgegenstandes im Rahmen der provinzial­römischen Archäologie zur absoluten Spitzengruppe, für Deutschland möchte man ihm eine Ausnahmeposition zubilligen.“ Die Einschätzung der Deutschen Forschungsgemeinschaft: „Die Ausgrabungen von Waldgirmes stellen im Bereich der provinzialrömischen Archäologie Deutschlands die wichtigste Entdeckung der letzten zehn Jahre dar. Selbst in Trier hatten wir während dieser Zeit wohl keine Grabung, die unser Geschichtsbild ähnlich tiefgreifend verändern könnte.“ Dr. Hans-Peter Kuhnen, Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier: „Es handelt sich hier um den ältesten römischen Steingrundriß, den wir überhaupt in Germanien kennen. Wie wir aus antiken Quellen wissen, haben die Römer in Germanien bereits angefangen, stadtartige Siedlungen anzulegen, und wir nehmen an, daß es sich hierbei um eine dieser Stadtgründungen handelte, die nicht mehr zum Blühen gekommen ist. Wenn die Geschichte anders verlaufen wäre - davon bin ich persönlich überzeugt - dann wäre hier einer der Mittelpunkte römischer Herrschaft in Germanien entstanden.“

Die beteiligten Archäologen gehen nun davon aus, daß es sich bei der ganzen Anlage um eine „Stadt in Gründung“ gehandelt hat, deren wirklicher Name wahrscheinlich für immer im Dunkel der Geschichte verborgen bleiben wird. Allem Anschein nach planten die Römer hier ein oder sogar „das“ Verwaltungszentrum in einer noch zu schaffenden Provinz Germanien zu errichten, aus dem in späteren Zeiten vielleicht einmal eine größere deutsche Stadt entstanden wäre.

Das Leben in der römischen Stadt Waldgirmes endete mit einem gewaltigen Brand. Vermutlich hatten die letzten römischen Siedler die Stadt selbst angezündet, um sie nicht der einheimischen Bevölkerung in die Hände fallen zu lassen. Im Jahr 17 nCh berief Kaiser Tiberius, der Nachfolger des Augustus, den Feldherrn Germanicus aus Germanien zurück und gab damit den Plan endgültig auf, Germanien rechts des Rheins in das Römische Reich als Provinz einzugliedern. Die Römer kontrollierten in den folgenden Jahrhunderten das Vorfeld der Rheingrenze bzw. des Limes, ohne dort wieder feste Stationen zu errichten. Der erst sehr viel später errichtete Limes verläuft etwa 15 Kilometer südöstlich von Waldgirmes und schließt sie nicht mehr mit ein.

In Waldgirmes wünscht man sich, daß dort einmal ein archäologischer Park entsteht, mit einer Anbindung an die Landestelle an der Lahn (Hafenweg).

 

Zoff um römischen Pferdekopf aus Bronze:                        

Man hofft, daß die antike Skulptur in die Region zurückkehrt. Denn kurz nach der Entdeckung verschwand der Pferdekopf aus der Öffentlichkeit. Es folgten Untersuchungen, Restaurierungen - und ein Streit, der noch nicht beigelegt ist. Die Archäologen gruben die wertvolle Bronzefigur auf dem Grund und Boden eines Landwirtes aus. 2009 sah das Landesrecht vor, daß ein solcher Fund zur Hälfte dem Land Hessen und zur Hälfte dem Grundstückseigentümer gehört. Bis heute ringen das Land und der Lahnauer. Derzeit läuft am Gießener Regierungspräsidium (RP) ein sogenanntes Entschädigungsfest- setzungsverfahren. Dafür wurde auch ein Gutachter beauftragt, der den Wert des Pferdekopfes feststellen soll.

Wilfried Paeschke der Vorsitzende des Fördervereins „Römisches Forum Waldgirmes“ und Vereins-Geschäftsführer Peter Schepp machen mit dem Förderverein die Ergebnisse der archäologischen Grabungen in Waldgirmes seit Jahren öffentlich. Dabei geht es ihnen um mehr als den Pferdekopf.  Archäologen haben in den vergangenen Jahrzehnten in Waldgirmes Spuren der bislang einzigen römischen Stadtgründung in Germanien östlich des Rheins und nördlich der Donau freigelegt.

Regelmäßig kommen Schulklassen, die den Spuren dieser etwa um das Jahr vier vor Christus gegründeten Siedlung nachgehen. Unter anderem mit Vorträgen, Führungen und einer „Legionärstruppe“ informiert der Verein über das einstige Römerlager in Waldgirmes.

Im  Jahre 2015 bereiten die Mitglieder den Bau eines Besucherzentrums an der Ausgrabungsstätte vor. Der Pferdekopf, der noch in der Restaurierungswerkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege in Wiesbaden lagert, wäre eine besondere Attraktion für den Neubau.  Das Original müsse es natürlich nicht sein, betont Vereinsvorsitzender Paeschke. „Wir wünschen uns nur eine Replik, damit wir diesen wirklich tollen Fund endlich der Bevölkerung zeigen können.“

 

Dorlar

Luftbildarchäologen entdeckten im Jahr 1986 auf einer leichten Anhöhe nordöstlich des alten Ortskerns von Dorla  in der Flur „Eberacker“, ein etwa 20 Hektar großes römisches Marschlager, das im Jahr 1991 ergraben wurde. Hier könnten etwa eine Legion Soldaten kurzfristig stationiert gewesen sein.

Im gleichen Jahr wurden bei Grabungen im Bereich der Dorlarer Klosterkirche neben zahlreichen karolingischen Scherben rottonige Ziegelfragmente entdeckt, darunter eines mit dem Truppenstempel der römischen Militäreinheit signiert, die diese Ziegelsteine in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts hergestellt hatte.

Bei Grabungen im Chorraum der Dorlarer Kirche stieß man auf mehrere Vorgänger-Chor­bauten, wobei der älteste die gleichen Maße aufweist wie der in das 8. Jahrhundert datierte Chor der Theutbirgkapelle in Nauborn. Auch bei der Kirchensanierung in Waldgirmes (1978 bis 1983) fand man Mauerreste eines alten Chorraumes mit den gleichen Maßen, was ebenfalls ein Kirchengebäude im 8. Jahrhundert belegt.

Im 13. Jahrhundert ist die Dorlarer Kirche als Eigenkirche der Merenberger und deren Begräbnisstätte nachgewiesen. Um 1218 entstand nach einer Brandkastrophe die heutige Dor­larer Kirche in einem frühgotischen Baustil. In der Mitte des 13. Jahrhunderts bemühten sich die Merenberger beim Erzbischof in Trier erfolgreich auch um die Patronatsrechte für die Kirchen in Atzbach, Waldgirmes und Naunheim.

Im Jahr 1297 beschloß die in unserem heimischen Raum mächtige Familie der Merenberger, in Dorlar ein Prämonstratenser-Nonnenkloster zu errichten, das 1304 eingeweiht wurde. Die Oberhoheit über das Kloster und das Recht Ernennung der Äbtissinnen oblag dem Abt des Klosters Rommersdorf bei Neuwied.

Um 1310 wurde eine Straße von Niedergirmes durch Naunheim und südlich an Waldgirmes vorbei zum Dorlarer Lahnübergang gebaut. Es kann unterstellt werden, daß dies wohl primär wegen einer Verbindung zwischen den beiden Prämonstratenserklöstern in Altenberg bei Oberbiel und Dorlar geschah. Flurnamen in der Dorlarer und Waldgirmeser Gemarkung erinnern noch heute an diese untergegangene Straßenverbindung.

Das Nonnenkloster in Dorlar bestand bis 1437 und wurde dann aus wirtschaftlichen Gründen in ein Mönchskloster umgewandelt. Es war ein vermögendes Kloster und bestand bis zur Reformation im Oktober 1526. Die Mönche - nur noch drei oder vier waren es vermutlich - folgten der Lehre Luthers. Der Erzbischof in Trier genehmigte 1531 den Verkauf des Klosters „weil der Ketzerei verfallen“, und am 12. März 1532 wurde ein Kaufvertrag mit den Herren von Buseck über 2.300 Gulden abgeschlossen.

Die Busecker hatten mit diesem Kauf auch die Verpflichtung der „Collateur“ übernommen, d.h. die Pflicht, Pfarrer zu bestellen und zu besolden, aber auch die Kirchengebäude in Ordnung zu halten. Die Busecker verarmten und konnten der Collateur nicht nachkommen. Das Klostergut mußte darum verkauft werden. Die Gemeinden des Dorlarer Kirchspiels erhielten recht hohe Ablösungssummen. Mit den Dörfern Waldgirmes und Naunheim hatte es 1610 bei einem Ablösungsangebot von 10.000 Gulden zunächst noch keine Einigung gegeben. Mit dem Geld wurden die Kirchen in Atzbach und Waldgirmes umfangreich renoviert und Emporen eingebaut. Seit dieser Zeit gab es zwei Kirchspiele: Dorlar mit Atzbach und Waldgirmes mit Naunheim (bis 1959).  Die evangelische Gemeindekirche von Waldgirmes stammt aus dem 14. Jahrhundert. Es gab auch eine jüdische Gemeinde Waldgirmes.

 

Dillenburg

 Lang zieht sich die Hauptstraße mit ihren blumengeschmückten Fachwerkhäusern um den Burgfelsen. Die Burg aus dem  12. Jahrhundert wurde 1760 bis auf wenige Reste zerstört, markant aber ragt der Wilhelmsturm in die Höhe. Er wurde zu Ehren von Wilhelm l. von Oranien von 1872 bis 1875 erbaut In ihm stellt das Nassau-Oranische Museum die   Zusam­menhänge der Nassauer mit der Niederländischen Geschichte dar. Die spätmittelalterlichen Kasematten, eine der größten Deutschlands, können mit einer Führung besichtigt werden. Ebenso spannend ist die Küchen­ausstellung im Wirtschaftsgeschichtlichen Museum in der Villa Grün.

 

Weinberg:

Für Liebesromantik hält der Weinberg in Dillenburg viele verschwiegene Plätzchen mit überwachsenen Bänken bereit. Doch an Verliebte haben die Mitglieder des hiesigen Verschönerungsvereins in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weniger gedacht, als sie daran

gingen, diesen Südhang mit Wanderwegen und Rastplätzen zu erschließen. Sie hatten vorrangig die „Sommerfrischler“ und „Ausflügler“ im Sinn. Diese sollten sich hier wohlfühlen

und Erholung finden. Sogar die Heilung von Erkrankungen, vor allem der Lunge, wollte

man ermöglichen.

Deshalb wurden große Anstrengungen unternommen, um die Anerkennung als Luftkurort zu erhalten. Man pries den Waldreichtum direkt vor dem Haus, der „der Landschaft ununterbrochen eine ozonreiche, gewürzige und staubfreie Luft“ zuführe. Man dokumentierte die Sonnentage und maß die Intensität der Sonneneinstrahlung. An  aussichtsreichen Stellen wurden Schutzhütten errichtet, von denen der in Eisenguß ausgeführte, reichverzierte „Bismarcktempel“ (1885 eingeweiht) und das „Adolfstempelchen“ (in Erinnerung an Herzog Adolf von Nassau, Landesherr von 1839 bis 1866) noch heute zum Verweilen einladen.

Um die Jahrhundertwende baute man am Rande des Weinberges sogar ein Kurhaus. In diesem, nach Schwarzwälder Stil errichteten Fachwerkgebäude waren „warme Wannen-  und medizinische Bäder“ eine Wohltat für die Gäste. Die Bahn, seit 1862 vorhanden, spielte mit und richtete in der Nähe die Haltestelle „Kurhaus“ ein. Apotheke und Drogerie hielten „sämtliche Mineralwässer Nassaus“ bereit. Doch alle Bemühungen um eine offizielle Anerkennung als Luftkurort waren erfolglos, hauptsächlich weil die erforderlichen Sonnentage fehlten.

 

Als Urlaubs- und Ausflugsziel hatte Dillenburg sich aber trotzdem behauptet; wegen seiner direkt in der Stadt beginnenden Rundwanderwege, wegen seines Schloßberges mit Wilhelmsturm und Kasematten und wegen seiner Geschichte um Wilhelm von Oranien und dessen Freiheitskampf in den Niederlanden wie auch als Residenzstadt der Nassau-Dillenburger Grafen und Fürsten.

 

Herborn

Im grünen Tal der Dill liegt die Fachwerkstadt Herborn mit ihren stattlichen, farbenfrohen Häusern. Wegen der rauhen Witterung ist die Wetterseite vieler Gebäude mit grauen Schindeln beschlagen. Die weiten Straßen und Plätze der Altstadt werden intensiv von der Freiluft-Gastronomie genutzt. Zu den wenigen Natursteinbauten zählen das Rathaus von 1630 mit buntem Wappenfries sowie das Hauptgebäude der ehemaligen Hohen Schule von 1590, die mit ihren vier klassischen Fakultäten bis in die napoleonische Zeit ein bedeutender Kulturfaktor war. Über der Stadt liegt die gotische Stadtkirche mit schönem Netzgewölbe und noch ein wenig höher thront das Schloss der Grafen von Nassau, das heute als evangelisches Seminar genutzt wird.

 

Haiger

An jedem Donnerstagnachmittag macht sich in Haiger, 18.000-Einwohner-Stadt im Lahn-Dill-Kreis, die Nähe des Siegerlandes bemerkbar: Nach ländlicher Art breitet sich dann - fast einzigartig in Hessen - zwischen Marktplatz und Aubach ein Straßenmarkt aus mit (beinahe) allem, was das Herz begehren mag: Gemüse, Lebensmittel, Blumen wechseln straßenweise mit Geschirr, Kochtöpfen, Spielzeug, Textilien von Wäsche bis zum Tischtuch und dazu noch allerlei Schnickschnack. Das ist ein Wühlen, Ratschlagen, Prüfen. Beim Schlendern und Schätzen von einem Stand zum anderen vergeht die Zeit unversehens. Bald wird man alles über Haiger wissen. Der Markt ist nebenbei Nachrichtenbörse.

Aus der Altstadt ragt auf einem Hügel wie auf einem Thron die 1048 geweihte, später ver­änderte Stadtkirche auf. (Theutbirgweg).  Ihr Fläz bezeichnet den ältesten Siedlungskern, wo schon im Jahr 900 eine Taufkapelle stand. Eine außergewöhnliche Innenausmalung macht die heutige Kirche zu einer großen Kostbarkeit. Im gesamten Chor erzähle in lichten Farben gehaltene Fresken die Leidensgeschichte Christi, Schrecken und Verheißung des Jüngsten Gerichts, zeigende zwölf Apostel und die Symbole der vier Evangelisten, alles von reichem Blattwerk, Blüten, Schmuckbändern umrankt.

Anschaulich und einfach sind die Bilder, deren Entstehung zwischen 1485 und 1490 vermutet wird. Erst kürzlich wurde an einer Seitenwand ein Christophorus freigelegt. Und die Fachleute fragen sich: Bergen die übrigen Wände noch mehr Kunstwerke? Ihre Schöpfer sind unbekannt. Kunstführer tippen auf Niederländer, vielleicht Jan van Leyden oder Maler aus seiner Schule.

Möglicherweise haben die letzten Ritter von Haiger die Ausschmückung gestiftet, waren sie doch am spätgotischen Ausbau der Kirche stark beteiligt. Der letzte, Jost, hatte vor seinem Tod 1511 bestimmt, „im kleinen Chörgen bei minem Vatter” bestattet zu werden, der heutigen Sakristei. Im Kirchenschiff ziert sein Familienwappen, Herzen im Dreipaß, das alte Gewölbe der Stadtkirche.  Als einziger Bau hat die Kirche sämtliche Brandkatastrophen überstanden, die Haiger so häufig heimsuchten, daß es die Phantasie der Umgebung zur Sagenbildung über mysteriöse Weis­sagungen anregte. Die Bausubstanz ist deshalb jünger in Haiger.

Zu Füßen der Kirche drängen sich einige für den Westerwald typische Häuser in Fachwerk und Schiefer, die ihre Giebel zur Straße kehren. Das schönste hebt sich durch bunt bemalte Schnit­zereien ab. Dieses Haus Fischbach von 1724 gibt als Heimatmuseum vor allem Aufschluß über das frühere Arbeitsleben.

 

Entlang der Dill arbeiteten Gerbereien, die aus den Wäldern ringsherum Baumrinde und Holzkohle erhielten. Eisenhütten waren zahlreich. Gewinnung von Ton und Walkerde spielte eine Rolle für die Herstellung der schönen Westerwälder Keramik und der Tuche. Die Gerbereien sind wie alles andere verschwunden. In der Dill kann wieder geangelt werden. Wovon Haiger heute lebt, das ist nach einem kurzen Aufstieg durch den unmittelbar an die Stadt grenzenden Stadtwald vom Eduardsturm auf dem 395 Meter hohen Kopf aus zu sehen: Zahlreiche mittlere Industriebetriebe verschaffen der Stadt eine gemischte Struktur.

Etwas weiter ist am 491 Meter messenden Hoheroth ein reizvoll gelegener Grillplatz vor einer Hütte zu erreichen. Es zahlt es sich aus, beim Metzger in der Stadt Spießbraten und Zuberei­tungs­anweisungen besorgt zu haben. Beim Menü im Freien kann man sich von der gerühmten Güte der „Wallet (Westenwälder)-Säu“ überzeugen.

Der Abstieg nach Süden führt in den Stadtteil Langenback, ein - wie der Name sagt – lang­gezogenes Straßendorf. Hier finden sich im dörflichen Heimatmuseum weitere Anschauungs­stücke für die heimischen Berufe der Bergleute, Holzfäller, Bauern. Eine komplette Bauern­wohnung ist eingerichtet.

Auf den Spuren sagenhaften Glücks südlich Langenaubachs mag der Besuch enden. Neben dem Aubach ist an einer Felswand das sogenannte Wildweiberhäuschen zu finden, eine Höhle, aus der sich früher die märchenhaften Wesen herausgegeben haben sollen, um den Menschen auch Gutes zu tun.

Haiger-Langenaubach:

Die Alte Kapelle (Lähbachstraße 1) wurde1769 erbaut als Nachfolgebau einer Kirche von 1452, heute wird sie als Ausstellungsraum und Heimatmuseum genutzt.

 

Ehringshausen

Die Wehrkapelle (Am Kirchberg) wird erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt, ein kubisches Gebäude mit Walmdach, Schießscharten, Gauben mit Uhren, Totenkronen: Heute ist sie Trausaal und Veranstaltungsraum.

 

 

Katzenfurth: (Strecke Gießen–Siegen)

Für den Urpreußen Bismarck waren es schlicht „die besten Deutschen”, jene französischen Glaubensflüchtlinge, die seit Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 zu Tausenden nach Deutschland kamen. Neben Preußen profitierten vom Zuzug besonders die hessischen Landgrafschaften Kassel und Darmstadt, daneben aber auch kleinere Fürstentümer wie die Grafschaft Solms-Greifenstein. Hier, in der Region zwischen Wetzlar und Herborn, erinnert man jetzt mit einem „Hugenotten-Wanderweg“ an die halb realen, halb legendenhaften Ereignisse bei der Ansiedlung von 445 französischen Protestanten durch den Solmser Grafen Wilhelm-Moritz.

Der Überlieferung nach soll der Fürst die aus der Dauphine stammende Flüchtlingsgruppe an einer Quelle im Wald, später „Welscherborn“ genannt, entdeckt und großherzig aufgenommen haben. Angesiedelt wurden die Hugenotten im Dörfchen Daubhausen; außerdem übergab Wilhelm-Moritz den fleißigen Handwerkern und Händlern noch seinen Meierhof, um den 1690 das Dorf Greifenthal entstand. Diese Stationen - Welscherborn, Daubhausen, Greifenthal - umklammert der Hugenottenweg bis hinauf zur weithin sichtbaren Burgruine Greifenstein mit dem Deutschen Glockenmuseum.

 

Ehringshausen

Die Wehrkapelle (Am Kirchberg) wird erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt, ein kubisches Gebäude mit Walmdach, Schießscharten, Gauben mit Uhren, Totenkronen: Heute ist sie Trausaal und Veranstaltungsraum.

 

Katzenfurth: (Strecke Gießen–Siegen)

Für den Urpreußen Bismarck waren es schlicht „die besten Deutschen”, jene französischen Glaubensflüchtlinge, die seit Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 zu Tausenden nach Deutschland kamen. Neben Preußen profitierten vom Zuzug besonders die hessischen Landgrafschaften Kassel und Darmstadt, daneben aber auch kleinere Fürstentümer wie die Grafschaft Solms-Greifenstein. Hier, in der Region zwischen Wetzlar und Herborn, erinnert man jetzt mit einem „Hugenotten-Wanderweg“ an die halb realen, halb legendenhaften Ereignisse bei der Ansiedlung von 445 französischen Protestanten durch den Solmser Grafen Wilhelm-Moritz.

Der Überlieferung nach soll der Fürst die aus der Dauphine stammende Flüchtlingsgruppe an einer Quelle im Wald, später „Welscherborn“ genannt, entdeckt und großherzig aufgenommen haben. Angesiedelt wurden die Hugenotten im Dörfchen Daubhausen; außerdem übergab Wilhelm-Moritz den fleißigen Handwerkern und Händlern noch seinen Meierhof, um den 1690 das Dorf Greifenthal entstand. Diese Stationen - Welscherborn, Daubhausen, Greifenthal - umklammert der Hugenottenweg bis hinauf zur weithin sichtbaren Burgruine Greifenstein mit dem Deutschen Glockenmuseum.

 

Burg Greifenstein (bei Wetzlar):

Die Anfahrt erfolgt über die A 45 (Sauerlandlinie) bis Abfahrt Ehringshausen. Im Ort geht es nach rechts ihn Richtung Edingen. Westlich liegen die Hugenottendörfer Daubhausen und Greifenthal (siehe Ehringshausen). Von Edingen (Datei „Edingen“) geht es nach Greifenstein. Im Ort geht es nach links in die Straße „Lustgarten“ zu einem Parkplatz unmittelbar unter der Burg.

Burgruine Greifenstein ist die bedeutendste Wehranlage im Westerwald. Bewohnt war die Anlage bereits im 12. Jahrhundert. Erhalten ist die aus zwei gleich hohen Türmen bestehende Schildmauer: Um die Kernburg gibt es einen inneren Bering mit mehreren Ecktürmen (13. Jahrhundert). Der äußere Bering (1447–80) ist versehen mit Eck-, Tor- und Batterietürmen (1610–20), besonders die „Roßmühle“. Dort ist auch das Deutsche Glockenmuseum, dessen Gründung angeregt durch Glockengießerei Rincker im nahen Sinn.

Unter den rund 280 Burgen und Burgruinen Hessens nimmt Greifenstein eine in jeder Hinsicht herausragende Stellung ein. Die durch eine hohe Steinmauer verbundenen Doppeltürme - der eine mit Kuppel. der andere spitzhelmig - beherrschen weithin sichtbar das Dillbergland nordwestlich von Wetzlar. Schon auf der Autobahn 45 in Fahrtrichtung Norden kommen linker Hand die Zwillingstürme ins Blickfeld. Vom Burgturm wie von der Burgterrasse und den Mauerumgängen bieten sich hervorragende Aussichten auf die Umgebung.

Das Bauwerk mit den 5,70 Meter dicken Wänden und dem  Geschützturm war Unterkunft  der Truppen der Solms-Braunfelser Grafen. Ihr rührigster Graf Wilhelm I., hatte sie im frühen 17. Jahrhundert gleichermaßen zu einem stattlichen Schloß mit hohen Fachwerkaufbauten, wie sie Merian auf einem Stich überlieferte, und zu einer uneinnehmbaren Festung erweitert. Gesichert wurde die Anlage durch gewaltige, teilweise erhaltene Geschützbastionen mit bis zu sieben Meter dicken Mauern.

Im Jahre 1673 belagerten die Franzosen die Burg. Die Sage erzählt, daß der Burgherr, Graf Wilhelm, dem Belagerer, Marschall Turenne, eine Wette anbot. Die Burg werde an ihn übergeben, wenn er an jedem Tor der Burg einen Krug Wein austrinke. Der Franzose wußte nicht, daß die wehrhafte Burg 20 Tore hatte. So geht noch heute der Spruch im Westerwald um: „O Greifen- stein, du edles Haus, nüchtern hinein, betrunken heraus“.

Später verfiel die Burg und erst in unserer Zeit wurde der Baubestand konserviert. Heute kann die Anlage in vielen Teilen besichtigt werden. Sehenswert ist vor allem die Schloßkirche, die aus zwei übereinanderliegenden Gotteshäusern besteht: Gotisch das untere, barock reich ausgestattet das obere vom Ende des 17. Jahrhunderts. Die beiden Bergfriede sind das Wahrzeichen der Burg: der 1384 erbaute Nassauer Turm und der spitzbehelmte Bruderturm von 1390 mit dem Greifen auf der Turmspitze.

In der Burg befindet sich das Deutsche Glockenmuseum, das über 40 sehr wertvolle Glocken zeigt, deren älteste aus der Zeit um 1200 stammt. Im Ort kann ein Burg- und Dorfmuseum besichtigt werden.

 

Historischer Überblick:

1208

Ersterwähnung in Urkunden eines „Crafto“ von Greifenstein

1280

Erste Zerstörung der Burg durch die Grafen Otto von Nassau-Dillenburg und Heinrich von Solms-Burgsolms

1298

  Zweite Zerstörung, veranlaßt durch König Adolf von Nassau, durch den Wetterauer Städtebund und die Grafen von Nassau und Solms

1322

König Ludwig der Bayer belehnt Gottfried von Sayn mit dem Burgberg und erteilt Stadtrechte für Greifenstein

1381

Nassauer und Solmser bauen den Greifenstein wieder auf, nach festungsartigem Ausbau uneinnehmbar

1432

Greifenstein wird alleiniger Besitz der Grafen zu Solms-Braunfels und wird nun von dort aus verwaltet

1593

Witwensitz der Gräfin Elisabeth zu Solms-Braunfels, Schwester Wilhelms von Oranien

1602

Bruderteilung im Haus Solms-Braunfels. Graf Wilhelm I., der Festungsbauer, macht Greifenstein zu seiner Residenz (selbständige Grafschaft)

1643

Die Greifensteiner erhalten durch Graf Wilhelm II. einen Freiheitsbrief

1685

Aufnahme und Ansiedlung von Hugenotten durch Graf Wilhelm Moritz zu Solms-Greifenstein in Daubhausen und Greifenthal

1693

Die Solms-Braunfelser Linie stirbt aus. Das Erbe fällt an Graf Wilhelm Moritz. Er verlegt seinen Hof nach Braunfels. Greifenstein ist unbewohnt und zerfällt

1969

Übergabe der Burgruine an den am 12.12.1969 gegründeten Greifenstein-Verein e.V. durch Schenkung des letzten Fürsten zu Solms-Braunfels, vertreten durch Hans Georg Graf von Oppersdorff

1974

Erwerb des Hauses „Äußere Talpforte“ und Einrichtung des Burg- und Ortsmuseums

1984

Sammlung historischer Glocken in der Roßmühle und Übergabe als „Stiftung Deutsches Glockenmuseum“

1985

Verleihung der Silbernen Halbkugel durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz

1987

Kauf des 350jährigen Bott’schen Hauses. Ausbau zum Archiv- und Seminargebäude des Greifenstein-Verein e.V. und des Deutschen Glockenmuseums

1995

Burg Greifenstein, ein Denkmal von nationaler Bedeutung

 

Rundgang:

Durch die Äußere Befestigung kommt man in den großen Burgbezirk mit vielen Wohnhäusern. Links steht in der Talstraße die „Äußere Talpforte“ mit dem Burg- und Ortsmuseum.

Unten am Aufgang der Burg rechts steht das Bollwerk „Der Drache“ (Nr. 19 des Burgführers). Es ist ein 1479 errichteter Geschützturm. Das untere Geschoß mit Maulscharten ist erhalten. Es hat die stärksten Mauern der Burg (bis 7 Meter). Seine Geschütze konnten Feuer speien wie ein Drache. Den neuen Aufgang hinauf kommt man zur Kasse (Erwachsene 3 Euro, Kinder 1 Euro).

 

Rechts ist das tiefe Gefängnis (Nr. 1), ein gotisches Gewölbe, Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut. Es war zuerst Tor, später Gefängnis - heute ist es mit Folterwerkzeugen versehen.

Links sieht man das Rondell (Nr. 2), ein runder Turm, der seit 1684 mit einer Wendeltreppe versehen ist, als Aufgang der Dorfbewohner zur Schloßkirche. Die jetzige Auffahrt zum Kirchplatz wurde 1830 angelegt.

Der Glockenstuhl (Nr. 3) ist aus Hüttenberg-Hochelheim. Die Glocke stammt aus dem 14. Jahrhundert, ihr Gewicht beträgt 350 Kilogramm.

 

Die „Roßmühle“ (Nr. 4) ist das größte Bollwerk, ein Geschützturm, der 1620 von Graf Wilhelm I. zu Solms-Greifenstein erbaut wurde. Vor der Mühle steht eine Kanone. Ein Blick durch die Schießscharten zur Katharinenkapelle läßt erkennen, wie diese Bastion in Verbindung mit den Kasematten früher einen Schutz für die gefährdeten Ostflanken der Burg bedeutete. In Belagerungszeiten konnte hier eine von Pferden  angetriebene Mühle das Getreide mahlen. Der „Roß­gang“ befand sich im oberen Teil der Mühle und ist noch heute gut zu erkennen.

Glockenmuseum: Eine gute Idee war es, die im Zuge der Restaurierungsarbeiten wiederhergestellte Roßmühle zur Stätte des „Deutschen Glockenmuseums“ zu machen. Die seit 1972 provisorisch in einer Kasematte untergebrachte Sammlung wurde 1984 als „Stiftung Deutsches Glockenmuseum“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Geschichte der Glocke reicht bis ins vierte Jahrtausend vor Christus zurück, lange bevor die ersten metallenen Klangkörper in christlichen Kirchen Einzug hielten. Zur Abwehr böser Geister seien in vorgeschichtlicher Zeit Nüsse, Fruchtschalen oder Muscheln als Rasseln eingesetzt worden. Seit etwa 3000 Jahren werden Glöckchen und Schellen aus Metall gefertigt. Rund 900 Jahre Glockengeschichte können im Glockenmuseum bestaunt werden. Heute werden 43 Glocken aus neun Jahrhunderten deutscher Glockenbaugeschichte gezeigt.

Ausgestellt wird im ersten Untergeschoß gleich links ein Nachguß der „Oldenburgglocke“, die ins 9. bis 10. Jahrhundert datiert wird und die älteste nördlich der Alpen entdeckte Glocke ist. Gleich daneben ist die älteste originale Glocke des Museums, eine „Bienenkorbglocke“ aus dem 12. Jahrhundert zu sehen. Wuchtigster Klangkörper ist die Van-Trier-Glocke aus der Mitte des 16. Jahrhundert mit 1,20 Metern Durchmesser und 1100 Kilogramm Gewicht im zweiten Untergeschoß auf dem Boden.

In den Nischen des Geschützturmes sind die bis ins 12. Jahrhundert zurückreichenden 40 Glocken frei aufgehängt. Fast alle dürfen vom Besucher selbst angeschlagen werden. Mit Gummihämmern können Besucher die Klangfülle der Glocken testen.

Die Architektur scheint ohnehin wie geschaffen für die 40 Exponate. Ein „kuppelförmig überwölbter Raum mit tiefen Wandnischen“, so heißt es im Prospekt. Der bienenkorbartige Raum vermittelt das Gefühl, sich inmitten einer überdimensionalen Glocke zu befinden. Oder man sieht in dem „Roßgang“ eine Vergrößerung jener Gußformen, die im Museum die Technik der Glockenherstellung dokumentieren.

Im Prinzip hat sich daran seit 1000 Jahren nichts geändert, wie der gern zitierte Friedrich Schil­ler in seinem „Lied von der Glocke“ überliefert hat: „Fest gemauert in der Erden / steht die Form aus Lehm gebrannt“. Beim Bau der Kirchenglocken hat sich seit dem 14. Jahrhundert wenig geändert:78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn werden in einer Gußform unter Fichtenholzfeuer zu den Klangkörpern geformt. Gestimmt werden die Glocken aber inzwischen weniger mit der althergebrachten Stimmgabel, sondern per Frequenz-Analyse mit dem Laptop.

Fünf Glockengießereien gibt es in noch Deutschland. Eine davon  - die Gießerei Rincker -  hat ihren Sitz im wenige Kilometer entfernten Sinn. Mit einer Spende von neun Glocken aus der Gießerei begann auch die Geschichte des Museums.

Neben der Glockensammlung hat der Museumsverein inzwischen eine rund 3.000 Bücher umfassende Bibliothek zur Glockenkunde aufgebaut, die größte ihrer Art im deutschsprachigen Raum. Außerdem veranstaltet der Verein ein jährliches internationales Kolloquium für Wissenschaftler und Glockenbauexperten und gibt ein Jahrbuch der Glockenkunde heraus.

 

Über den Kirchplatz mit dem Baum, der an das Drei-Kaiser-Jahr 1888 erinnert, kommt man zur   Doppelkirche mit Kasematten (Nr. 5). Der Eingang zur Schloßkirche erfolgt vom Kirchplatz. Sie ist auf die Katharinenkapelle aufgesetzt. Wegen Aufschüttungsarbeiten liegt die 1448 –   1476 als Wehrkirche entstandene gotische St. Katharinenkapelle inzwischen unter der Erde. Namenspatronin ist die heilige Katharina von Siena, die im Jahre 1461 heilig gesprochen wurde. Im Jahre 1618 erfolgte der Einbau der Gruft mit Gedenkstein. Reste von Fresken sind sichtbar. Unter der Kapelle geht der alte Zugang nach draußen. Er wurde 1603 überwölbt, links und rechts sind Kasematten (kein Durchgang zur Roßmühle).

Über der Kapelle wurde unter dem Grafen Wilhelm Moritz zu Solms-Greifenstein ein barockes Gotteshaus erbaut, in dem noch heute jeden Sonntag Gottesdienst abgehalten wird. Es ist eine in Hessen einzigartige Doppelkirche. Der Baubeginn war 1683, die Weihe 1702.

Von außen nur unscheinbar anzusehen überrascht das Innere des Gotteshauses mit großartigen Stukkaturen im Stil des italienischen Frühbarocks, die die gesamte Decke, die Kanzel und die auf runden Säulen mit Volutenkapitellen ruhenden Emporen schmücken. Die prunkvolle Stuckdekoration mit Putten, Engeln, Fruchtkörben und gedrehten Bändern aus Muschelkalk mit Gips, stammt von renommierten Künstlern wie dem Holländer Jan de Paeren. An der südwestlichen Empore hat sich der Künstler der Stuckarbeiten verewigt: „Jovanes de Paerni fecit 1686“. Die italienische Inschrift deutet darauf hin, daß er in Italien gewesen ist.

Die Zwischenfelder sind ausgefüllt mit Putten, eingerahmt von flatternden Bändern und Blumengirlanden. Man zählt 72 Engel und Putten. Muscheln, Vasen und große Kartuschen bedecken die übrigen Flächen. Der Künstler soll seine Arbeiten an der Nordempore begonnen haben. Hier sind die Beine der ersten Putten allegorisch zu Palmwedeln ausgeformt. Das ging dem Bauherrn schließlich jedoch zu weit: Der Graf und eine Abordnung der Bürgerschaft sollen bei einer ersten Besichtigung energisch auf Engel mit Beinen bestanden haben. Der heutige Besucher kann beide Puttenausführungen miteinander vergleichen.

Die Frontseite wird von der Kanzel beherrscht, die vor der glatt verputzten Wand besonders stark hervortritt. Mit ihrem von fünf Putten gestützten Oberteil gilt sie als eine der schönsten Kanzeln im weiten Hessenland. Nur hier und bei der Arbeit an den Emporen hat es der am italienischen Barock geschulte Stukkateur wohl etwas leichter gehabt. Die Decke aber mußte er auf dem Rücken liegend mit dem eigens aus Holland herbeigeschafften Muschelkalk ausformen.

Auf der Turmempore steht eine Orgel. Ihr Hauptregister soll 1700  von dem französischen Orgelbauer in der Kirche selbst hergestellt worden sein. Sie hatte ein Manual, ein Pedal, 16 Register und 685 Pfeifen, eine für die damalige Zeit beachtliche Größe. Der neoromanische Prospekt ist von der Firma Knauf in Gotha aus dem Jahre 1869. Im Jahre 1982 wurde ein Trompetenregister eingebaut.

Unter der Orgel sieht man die Wappen des Grafen Wilhelm Moritz und seiner Gemahlin Magdalena Sophia Landgräfin von Hessen-Homburg in Bingenheim.

Nachdem Graf Wilhelm Moritz 1696 wegen der Erbfolge nach Braunfels übergesiedelt war, vermachte er 1702 die Kirche der evangelischen Gemeinde, die sie heute noch nutzt

 

Gegenüber der Kirche steht der Nachbau eines historischen Gießhauses für Glocken, das voll funktionstüchtig ist. Dort sind beispielsweise Projektwochen für Schüler geplant, bei denen Glocken - oder auch Kanonen - hergestellt werden. Denn Arbeit hatten die Glocken- und Stuckgießer über die Jahrhunderte im Krieg wie im Frieden. In Friedenszeiten wurden alte Kanonen zur Metallgewinnung für die Glockenproduktion eingeschmolzen. Im Krieg lief die Schmelze dann in entgegengesetzter Richtung.

Noch im Ersten Weltkrieg wurde in Deutschland die Hälfte aller Glocken von den Türmen geholt. Im Zweiten Weltkrieg waren es gar 78 Prozent aller Glocken im Deutschen Reich, die als Materialreserve für die Kriegsführung beschlagnahmt und teilweise eingeschmolzen wurden. Zudem sind zehntausende  Glocken in den besetzten Ländern geraubt worden. So sind auch in Greifenstein acht Glocken aus Osteuropa zu sehen. Man betrachtet die Stücke als Leihgabe. Es kann durchaus sein, daß jemand aus Polen bei einem Besuch hier seine alte Kirchenglocke wiederfindet.

 

Dann geht man hinauf zum Marstall (Nr. 6). Hier kann man durch Einwurf eines Euro das eindrucksvoll laute achtstimmige Glockenspiel an der Wand zum Tönen bringen. Das überdachte Kellergewölbe wurde früher genutzt zur Vorratshaltung, heute ist es Teil der Gasträume. Links vom Eingang an der Längswand außen ist unregelmäßiges Mauerwerk sichtbar, die ältesten Reste sind vor 1298 entstanden. Der Fußboden besteht stellenweise aus Fischgrätmuster.

 

Jetzt geht es erst links hinunter zum Bollwerk (Nr. 79), „Der Kuchen“, auch die „Münz“ genannt. Es ist mit seinen Schießscharten und gewölbtem Innenraum noch ein vollständig erhaltenes Bollwerk von Graf Otto zu Solms-Braunfels 1463 erbaut (er regierte 1459-1504). Einst befand sich östlich davon ein Anbau, in dem nach 1681 eigene Münzen geprägt wurden. Heute hat das Standesamt eine Niederlassung im hohen Gewölbe und man kann hier Eheschließungen vornehmen.

Weiter vorne liegt das Neue Tor (Nr. 8) mit den früher darüber liegenden neuen Gemächern. Der untere noch erhaltene Komplex wurde 1603 - 1608 von Graf Wilhelm I. zu Solms-Greifen­stein erbaut, der nur wenige Jahre später einen Wohnbau mit Arkadengang (Renaissance) darauf setzen ließ, der 1615 vollendet wurde.

Die Peter-Leppen-Pforte wurde erbaut 1462 und nach dem ersten Torwächter benannt. Diese Pforte schließt an das davor gebaute Neue Tor an und ist nur noch in Ansätzen erhalten. Der noch gepflasterte Weg zur Oberburg führte weiter durch das Feuchte Gewölbe (Nr. 9), das 148 erbaut wurde,  ein Gewölbeansatz ist rechts noch vorhanden. Seitlich der Peter-Leppen-Pforte  ist die Südbastion (Nr. 10), ein nach außen vorspringender Geschützturm. Dort befindet sich noch ein Ausfallschacht (Gitter von oben sichtbar), der vor die Mauer führt.

Dann geht man wieder hinauf zur Oberburg. Der Lange Keller (Nr. 11) ist der Durchgang zum Großen Burgkeller (und zu den Toiletten). Er ist ein Tonnengewölbe unter dem Küchenhof mit Eingang an der Freitreppe. Darin ist auch eine kleine Waffenkammer. Er ist der Zugang zum großen Burgkeller, dem früheren Weinkeller, der heute in die Gastronomie mit einbezogen und für größere Gesellschaftsfeiern geeignet ist. Links vom Langen Keller ist eine hohe Mauer eines Stall- und Wirtschaftsgebäudes mit zwei noch erhaltenen Turmansätzen außen (Erker) und einstiger Tordurchfahrt.

Über die Treppe neben dem langen Keller geht es zum Wohnbau mit Burgküche (Nr. 12). Der Bau von 1475/76 besaß ursprünglich drei Stockwerke und war an den Palas anstoßend. Im Erdgeschoß war die überdacht Küferei. Im Durchgang zum inneren Burghof war die Hof- und Gesindestube, daran anschließend war der Hausflur („Ern“) mit Treppe nach oben und seit 1687die Burgküche, darüber war  dann die Grafenwohnung.

 

Vom  Palas (Nr. 13) ist noch die hohe Mauer über dem Marstall erhalten, links ist noch eine zugemauerte gotische Tür sichtbar. Der mittelalterliche Rittersaal ist als südlicher wehrhafter Abschluß der Kernburg nach 1381 erbaut. In der Burghofecke steht eine vorspringende steinerne Wendeltreppe (Nr. 14). Im Jahre 1687 erfolgten Umbau und Erweiterung durch Graf Wilhelm Moritz zu Solms-Greifenstein.

Auf der alten Schildmauer aus dem 13. Jahrhundert wurden nach 1381 die Doppeltürme (Nr. 15) errichtet durch Ruprecht Graf zu Nassau-Sonnenberg und Johann Graf zu Solms-Burg­solms, genannt Springsleben: Der Nassauer Turm hat ein rundes Dach und der Bruderturm ein spitzes Dach. Der Bruderturm beherbergt heute das Glockengeläut mit drei Glocken. Im Inneren ist die Türmerstube. Von oben hat man eine großartige Sicht über die Burganlage und das Greifensteiner Land, allerdings nur durch kleine Fenster. Mit dem Kopf eines Adlers, dem Leib eines Löwen, mit Krallenfängen und Adlerflügeln dreht sich die große Wetterfahne auf der Spitze des Bergfrieds. Die alten Wetterhähne der Burg  und Ofenplatten sind im unteren Teil des nassauischen Turms zu sehen.

Die Bornkammern (Nr. 16) sind  ein überdachtes Doppelgewölbe. Im rechten Raum befindet sich der etwa 20 Meter tiefe, heute zugeschüttete Leierbrunnen. Der Bornsaal (Nr. 17) ist ein zwischen Bornkammern und Burghof gelegener Wohnbau mit sogenannten Frauenzimmern aus der Zeit um 1420. Ein Umbau erfolgte 1605 - 1607durch Graf Wilhelm I. zu Solms-Greifen­stein. Der größte Raum ist im Erdgeschoß, später Bornsaal genannt.

Man kann noch neben den Bornkammern hinunter gehen zum Neuen Bau (Nr. 18). Er ist ein östlich an den Bruderturm 1687 - 1693 angefügter Saalbau des Grafen Wilhelm Moritz zu Solms-Greifenstein, der begann, aus Greifenstein ein Barockschloß zu machen. Dieser Bau diente nur zu Wohn- und Repräsentationszwecken. Er wurde über einem älteren Flügel mit noch erhaltener Durchfahrt errichtet. Dieser Bau stand noch bis 1809 unter Dach. Von hier hat man einen Blick auf die Reste des „Drachen“. Im Neuen Bau steht ein Modell der Burg.

 

Greifenstein-Verein:

Die Bastion mit ihren markanten Zwillingstürmen konnte in den vergangenen Jahren durch das ehrenamtliche Engagement des rund 1.000 Mitglieder zählenden „Greifenstein-Vereins” gerettet werden. Im Jahre 1969 taten sich sieben ältere Herren zusammen, um die vom Zahn der Zeit gezeichnete Burg vor dem endgültigen Zerfall zu bewahren.

Ohne den Einsatz dieser Bürgerinitiative hätte die Burg Greifenstein längst das Schicksal anderer dem Verfall preisgegebener Burganlagen geteilt: Weite Teile der Ruine hätten wegen Einsturzgefahr gesperrt oder sogar gesprengt werden müssen. Leicht war der Kampf um den Erhalt der Burganlage jedoch nicht - weder in bautechnischer noch in finanzieller Hinsicht. Nur schrittweise konnte - je nach Kassenlage des Vereins - das Ensemble restauriert werden. Man erhielt Mittel der Landesregierung, Spenden sowie mit den Erlös aus Festen, Tombolas und anderen Veranstaltungen, die der Verein organisierte.

In fast 20 Jahren ehrenamtlicher Arbeit wurde die Anlage mustergültig in ihren Grundzügen wiederhergestellt. Im Jahre 1985 wurde der Verein für seine Mühen mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet. Im Jahre 1992 folgte die Erhebung zu einem „Denkmal von nationaler Bedeutung“.

Bei der Vermarktung des Greifensteins setzt der Verein nun auf Partner aus der heimischen Wirtschaft. Zwei Unternehmen (Firma Herhof, Umweltmanagement, Friedhelm‑Loh-Gruppe mit dem Rittal‑Werk, Schaltschranktechnik) finanzierten dabei nicht nur den Prospekt mit, für die Zukunft wolle man die „Synergieeffekte“ eines „Sponsorships“ nutzen. Für Touristiker und Kommunalpolitiker geht es in erster Linie um ein in sich stimmiges Vermarktungskonzept, das großen Wert legt auf ein einheitliches Erscheinungsbild. Greifenstein soll Synonym werden für vielfältige Freizeitaktivitäten und für historisches Sightseeing. Wer Post vom Greifenstein‑ Verein erhält, wird oben auf den Seiten ein neugestaltetes Logo sehen. Bei allen Bemühungen, die Burg als Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region zu etablieren, ist man aber auch weiterhin vor allem auf den Einsatz ehrenamtlicher Helfer und Vereinsmitglieder angewiesen.

Anlässe, die Burg zu besuchen, gibt es viele, auch wenn die sommerlichen Freilichtaufführungen von Theaterstücken mit historischen Bezügen Pause haben. Am 28. März etwa findet der Ostermarkt statt. Die Barockkirche ist zudem Ort festlicher Adventskonzerte.

Wo einst die alten Greifensteiner den Humpen kreisen ließen, kann heutzutage Jedermann und Jedefrau Burgherr oder Burgfrau spielen und Gäste einladen. Inklusive Mundschenk, Kaminfeuer, Kerzenlicht, Mobiliar, Geschirr und viel altem Schmiedeeisen an den Wänden kostet der Spaß im großen Keller der Burg, in 100 Leute Platz haben, 100 Mark und 50 Mark für den Raum der Münze, in dem 25 Personen sitzen können. Speis und Trank müssen natürlich extra berappt werden; ebenso, wenn ein Musikant aufspielen soll.

Frankfurter, die dort oben feierten, behaupten steif und fest, sie hätten sie gesehen - die weiße Frau mit weißem Haar. Um Mitternacht sei sie fast schwebend, wortlos in den Keller der alten Münze gekommen, habe kurz am wärmenden Kaminfeuer verharrt und sei dann im Dunkel der Kellertreppe, im Nichts, verschwunden. Kann sein, daß die Gäste schon zu tief ins Glas geschaut hatten, was sie auch unbesorgt tun konnten, war doch unten im Dorf ein Nachtlager für sie bereitet. Geht man unerschrocken und mit der Kombinationsgabe deutscher Fernsehkommissare der Spukgeschichte nach, stellt sich bald heraus, daß der „Geist” für sein Auftreten honoriert wird. Nicht gerade fürstlich, wie es sich für einen Burggeist gehört. Immerhin reicht es für einige kühle Blonde vom Faß, das des öfteren im Partykeller der Burg aufgemacht wird.

 

Öffnungszeiten: Burgruine Greifenstein, Museen und Doppelkirche, 15. März bis 31. Okt tägl. 10–18 Uhr; 1. November bis 14. März nur Sonntag 10–17 Uhr. Burgmuseum, Talstraße (in der alten „Torpforte"), gleiche Zeiten.

Erwachsene zahlen für den Besuch der gesamten Anlage zwei Euro, Kinder 0,50 Euro. Gruppenführungen durch die Burganlage und das Glockenmuseum nach Voranmeldung. Weitere Infos unter Tel. 06449/6460 oder www.glockenmuseum.de im Internet über Ausstellungen und Veranstaltungen, das Restaurant Marstall und seine Leistungen.

Werden Sie Burgbesitzer! Informationen über eine Mitgliedschaft im Greifenstein-Verein e.V., dem Verein zur Erhaltung der Burg Greifenstein, finden Sie ebenfalls unter „www.burg-greifenstein.net“

Kontakt: Greifenstein-Verein e.V., Talstraße 19 • 35753 Greifenstein, Telefon 06449/6460 • Telefax 06449/6073, Internet: verein@burg-greifenstein.net

Restaurant Marstall: Telefon 06449/6736 . Internet: marstall@burg-greifenstein.com. Warme Küche: Dienstag bis Sonntag 11.00 Uhr - 18.30 Uhr Donnerstag, Freitag und Samstag 11.00 Uhr - 22.00 Uhr oder nach Vereinbarung. Montag Ruhetag.

 

Wenn man weiter durch den Ort Greifenstein fährt, kommt man auf die Straße Ehrings­hausen-Holzhausen. Man fährt in Richtung Holzhausen, und - wenn man will - noch ein Stück nach Norden zur Ulmbachtalsperre mit einem großen flachen Badestrand, mit Bootssteg, Liegewiese, Restaurant und Kiosk. Für das Schwimmbad innerhalb des Campingplatzes zahlen Erwachsene 1,50 Mark, Kinder von 6 bis 16 Jahren eine Mark Eintritt.

Südlich von Holzhausen geht es nach Ulm und Allendorf. Südlich des Ortes ist der „Sagen- und Märchenwald Ulmtal”. Er ist Teil des Outdoor-Zentrums Lahntal. Aber ein Besuch lohnt sich nicht. Dort stehen etwa die Darstellungen von den Bremer Stadtmusikanten, Schinderhannes, Siegfried, Aschenputtel, Dornröschen. Urwaldtiere stehen oder liegen in dem schattigen Waldgelände. Kinder können auf Ponys reiten; auch ein Spielplatz ist vorhanden.  Der „Sagen- und Märchenwald” ist vom ersten Ostertag bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Erwachsene drei Mark, Kinder zwei Mark Eintritt.

Weiter geht es über Bissenberg und Stockhausen nach Leun (überaus schöne Fachwerkhäuser), dann nach Niederbiel und Oberbiel und dort durch die Grundstraße nach links bis zum Schaubergwerk Grube Fortuna. Wieder zurück in Oberbiel geht es ein Stück in Richtung Wetzlar und dann links hoch zum Kloster Altenberg. Dann wieder zurück auf die B 49 und zur Autobahn Wetzlar-Ost.

 

 

Oberbiel

Zeche Fortuna:

Das Museumsgelände läßt sich von Oberbiel aus mit dem Auto direkt anfahren: Im Ort links ab in die Kirchstraße und dann immer geradeaus in die Grundstraße und im großen Bogen nach links und noch ein ganzes Stück nach außerhalb bis zum Parkplatz.

 

„Bergbau“ gehört gemeinhin nicht zu den Begriffen, die ein typisches Merkmal von Hessen benennen. Und doch gab es Zeiten, da übertraf insbesondere der Eisenerzabbau den anderer Regionen um ein Mehrfaches. Im Kaiserreich förder­ten allein im Revier Wetzlar 115 Eisenerzgruben, noch 1920 deckte der Bergbau an Lahn und Dill gut ein Fünftel des deutschen Bedarfs. Der Niedergang begann seit den fünf­ziger Jahren. Im letzten hessischen Hochofen gingen 1981 die Feuer und im letzten Eisenerz-Bergwerk, der Grube Fortuna bei Solms-Oberbiel, kaum zwei Jahre später die Zechenlam­pen aus.

Anders als bei den meisten Förderanlagen, um deren Erhalt vergeblich gekämpft wurde, sprang die römische Glücksgöttin Fortuna insofern einer Handvoll Idealisten bei, als es ihnen nach langem Ringen gelang, die Anlage in Oberbiel wenigstens für ein Industriemuseum zu retten. Der Publikumszuspruch gab ihnen recht. Seit 1987 führen nun ehemalige Steiger und ehrenamtliche Helfer in 150 Me­tern Tiefe durch das einzige Eisenerz-Be­sucher­berg­werk Deutschlands. Dort unten wird in einer großen, freitra­genden „Halle“ das zuletzt eingesetzte Gerät - Bohrer, Schrapper, Wurfschaufellader - ebenso eindrucksvoll wie ohrenbetäubend vorgeführt. Zusätzlich Anziehung bekam „Fortuna in den vergangenen Jahren durch die Einrichtung eines Feld- und Grubenbahnmuseums. Mehr als 50 histori­sche Dampf- und Diesellokomotiven können besichtigt werden. An besonderen Fahrtagen wird auf dem Gelände auch rangiert.

Die wenigen Monate Zaudern der politisch Verantwortlichen zwischen dem endgültigen Schichtende im März 1983 und dem entsprechenden Beschluß im Sommer hatten allerdings genügt, die Zeche fast zu zerstören: Alle heute dem Besucher funktionstüchtig vorgeführten Gerätschaften, inklusive Aufzug, standen unter Wasser. Nur mit gro­ßen Mühen und großem finanziellem Aufwand konnten die Stollen wieder trocken gelegt werden.

Noch immer müssen Minute für Minute eineinhalb Kubikmeter kri­stallklaren Wassers abgesaugt werden. Das trägt nicht unerheblich zu den jährlich anfallenden Verlusten der Anlage in Höhe von 800.000 Mark bei. die der Lahn-Dill-Kreis trägt. Daran ändern weder die großenteils ehrenamtlich wirkenden Mitglieder des Fördervereins der Grube etwas noch der Eintrittspreis von neun Mark - zur Kosten­deckung müßte er beim Fünffachen liegen.

Die Umwandlung in die Rechtsform eines „Eigenbetriebes“ seitdem 1. Januar 1992 soll die Zeche - die nebenbei sechs hochqualifizierte Arbeitsplätze sichert - nun auf stabile finanzielle Beine stellen.

Es geht nicht nur um den Erhalt eines einmaligen Industrie-Denkmals, des einzigen Eisenerz-Besucherbergwerks Deutschlands. Darüber hinaus soll „Fortuna“ einmal zum Kristallisationskern eines den Hes­senpark ergänzenden historischen Technikparks werden. Rund 30 Feld- und Grubenbahnen sind schon gekauft worden, und ge­nügend Gleise sind ebenfalls vorhanden, um die einzelnen In­dustrie- und Technikdenkmäler miteinander zu verbinden.

Beste Be­dingungen also, einmal den entwicklungsgeschichtlichen Dreisprung vom Bergbau als der Voraussetzung zur Industrialisierung über deren Träger (Hüttenwerke, stahl- und metallverarbeitende Betriebe) bis hin zur High-Tech-Revolution an einem Tag nachzuerleben.

Der erste Schritt ist schon spannend und vielversprechend. So wirk­lichkeitsnah wie möglich sind die Helfer der Grube Fortuna bemüht. plastische Eindrücke vom früheren Leben und der Arbeit der Berg­leute zu vermitteln. Hammer und Schlegel bekommt man zwar nicht in die Hand gedrückt, der Schutzhelm aber ist Pflicht. „Glück auf!“ begrüßt der Grubenführer. zumeist ein ehemaliger Kumpel, alle, die „einfahren“ wollen. Dabei geht es zu Fuß in das Stollenmundloch. „Gegangen“ wird nicht in der Welt des Bergmanns. So eigen wie sein Arbeitsfeld ist seine Sprache.

Unter Tage führt der Weg zu einem Förderkorb, der in einem Blind­schacht hängt. Nach zweimaligem Anschlagen fährt der Aufzug auf eine Sohlentiefe von 150 Metern. Dort wird auf die rittlings zu erklim­mende Grubenbahn umgestiegen. Gespenstisch bricht sich das ein­zige Licht, von der Grubenlampe am Helm des Lokführers. während der rumpelnden Fahrt an dem grob behauenen Gestein.

Am Ende des jetzt voll ausgeleuchteten Schachtes wird erst die farbenpräch­tige Welt des Stollenlabyrinths sichtbar. Hier herrschen konstant 13 Grad. Durchzogen von weißen und gräulich-schwarzen Maserun­gen schimmert das Gestein in kräftigen dunkelroten Tönen. Ein Griff an die Wände, und die Finger sind gezeichnet wie nach dem Berüh­ren eines Stempelkissens.

In rund 140 Jahren wurden aus der Grube Fortuna mehr als 4,5 Mil­lionen Tonnen Rot­eisenstein gefördert, allein in den zehn Jahren vor der Stillegung 1983 waren es gut eine Million. Nicht das Erschöpfen der Ressourcen, sondern eine weltweite Absatzkrise bei zu hohen Produktionskosten zwang zur Aufgabe. Die Zeche könnte jederzeit wieder angefahren werden. Das Gerät. Bohrer, Schrapper, Wurf­schaufellader funktioniert tadellos, wie es die Besucher ebenso ein­drucksvoll wie ohrenbetäubend vorgeführt bekommen. Mit jeder Er­läuterung und jeder Demonstration steigt der Respekt vor den Män­nern, die früher nur im Schein ihrer Grubenlampen einen einsamen, gefahrvollen Kampf gegen das Gestein geführt haben.

Das Besucherbergwerk Grube Fortuna hat täglich außer montags von 9 bis 16 und am Wochenende bis 17 Uhr geöffnet (letzter Einlaß eine Stunde vorher). Zu empfehlen ist auch die zweieinhalbstündige Führung in „unerschlossene« Stollen“, nur für Kleingruppen bis zehn Personen (für Kinder ungeeignet) und nach Voranmeldung, Telefon 0 64 43/4 01. Das Freigelände mit Grubenbahnen und technischem Gerät ist kostenfrei zugänglich – für die (unregelmäßigen) Fahrt­zeiten der Bahnen telefonische Vorabinformation empfehlenswert.

Man kann die Grube auch von Aßlar aus erreichen, indem man nördlich des Ortes nach Berghausen abbiegt. Man kann die ganze Strecke von Oberbiel nach Aßlar auch durchfahren, an der Gaststätte ist nur eine verkehrsberuhigte  Zone.

 

Kloster Altenberg

Auf dem Michaelsberg ist das Klostergut vorgelagert, das die Nonnen zu ihrer Versorgung selbst bewirtschafteten und das heute noch Domäne ist, zum Teil abgeschlossen durch die große Klostermauer. Hier wurde Friedrike Fliedner (1800 bis 1842) als Tochter des fürstlichen Gutsverwalters geboren. Sie und ihr Mann gründeten das Diakonissenmutterhaus Kai­sers­werth. Daraus ist wiederum der Orden der Schwestern der Barmherzigkeit in Königsberg hervorgegangen. Diese fanden nach der Vertreibung aus Ostpreußen im Jahr 1953 auf dem Altenberg ein neues Mutterhaus. Wunderbarerweise kam bei einer Brandkatastrophe 1952 - als Altenberg Kinderheim war - niemand zu Schaden. Es wurden auch wichtige Teile der Gertrudisbauten verschont, darunter auch ihre vermutliche Zelle. Die Klostergebäude und der Kreuzgang (der zweite Hof) wurden in alter Form wiederhergestellt. Seit 1955 dient es auch als Feierabendhaus und Ausbildungsstätte.

Über Altenberg verläuft auch der Elisabethen-Pfad, ein Fernwanderweg, der die Lebensstationen der Heiligen Elisabeth verbindet (Zeichen E). Das Kloster geht aber zunächst zurück auf den Mönch Gottfried. Laut Legende sollen ihn wundersame Begebenheiten dazu bewogen haben, aus einer Einsiedelei im Jahr 1178 ein Klösterlein zu errichten. Es bat sein Heimatkloster Rommersdorf bei Neuwied um die Entsendung von Ordensfrauen auf den Altenberg. Dort fing er 1180 mit sechs Prämonstratenserinnen an.

Doch die berühmteste Bewohnerin war Gertrudis, die Tochter der Heiligen Elisabeth von Thüringen  (1207 bis 1231). Sie machte 1229 das Gelübde wahr, das sie noch gemeinsam mit ihrem Mann geleistet hatte, der beim Kreuzzug umkam: Barfuß kam sie von Marburg, um ihre jüngste Tochter Gertrud im Alter von 18 Monaten (nicht: vier Jahre) ins Kloster zu bringen. Das jüngste Kind sollte von der Außenwelt ferngehalten werden, um ins Glaubensleben hineinzuwachsen. Das war damals nicht unüblich und in späteren Jahrhunderten für die Eltern auch ziemlich einträglich. Elisabeth selbst hatte sich als Witwe ohnehin allem entäußert, um sich in Marburg im eigenhändigen Dienst an Kranken und Armen in wenigen Jahren zu verzehren.

Unter strenger Zucht - der schlimmstenfalls auch im dunklen Karzer nachgeholfen wurde - entwickelte sich Gertrudis zur Klosterfrau, die von den Nonnen 1248 zur nunmehr ihrerseits strengen Meisterin (Magistra) gewählt wurde. Bereits mit 20 Jahren wurde Gertrud (1227 bis 1297) die Meisterin des Ordens und blieb es bis zu ihrem Tode. Selten ist ein Platz so dauerhaft in Frauenhand wie Kloster Altenberg. Gut 50 Jahre hat diese „Meisterin“ das damalige Prämonstratenserinnenkloster geleitet. Unter ihrer Leitung wurde die reichsunmittelbare Anlage ausgebaut und es entstand in den Jahren 1260 bis 1270 die erhalten gebliebene Abteikirche. Vor allem die Kirche wurde von dem Geld Gertruds gebaut.

 

Die Abteikirche ist von außen eher schlicht anzuschauen, erbaut in einheitlicher Frühgotik. Ihre Baumeister haben sich nach der Elisabethkirche von Marburg gerichtet, als sie die ungewöhnlich aufgeteilte Klosterkirche anlegten. Erst im 18. Jahrhundert hat die Kirche barocke Ergänzungen erfahren.

Im Inneren eröffnet sich ein ungewöhnliches Mit- und Nebeneinander von barocker Ausstattung und gotischen Wandmalereien in feinsten Pastelltönen. Kunsthistorischen Seltenheitswert besitzt die gegenüber dem Langhaus um acht Stufen erhöhte Vierung. In ihrer Mitte liegt Meisterin Gertrud als schöne junge Frau in Stein gemeißelt auf einer Tumba vor dem barocken Hochaltar begraben. Früher wurde auch noch in einer Vitrine Elisabeths vermeintlicher Verlobungsring gezeigt, heute ist er auf dem Schloß Braunfels.

Das einschiffige, in Kreuzrippen gewölbte, farbig abgesetzte Langhaus ist unterteilt in zwei Geschosse mit Kapellen, Fürstengruft, Kapitelsaal und Nonnenempore. Die Nonnenempore ist aus dem 13. Jahrhundert über 60 Stühlen, die zur damaligen Zeit alle von Hand geschnitzt wurden. Die Schöler-Orgel ist von 1765 und erklingt zu den Altenberger Konzerten als zweitälteste spielbare Orgel. Auf dem Altar steht ein drehbares Kruzifix, von dem immer die Seite nach vorne gedreht wird, die von der Farbe her zur Kirchenjahreszeit paßt.

Die Decke und die Wände der Kirche sind mit alten Gemälden versehen, die lange übertüncht waren. Gut erhalten sind im Chorbereich die Ausmalungen aus dem späten 13. Jahrhundert, darunter ein überlebensgroßer Christophorus. Auf dem großen Wandbild rechts hat auf der linken Seite ein anderer Maler gewirkt als rechts. Die Vögel oben auf dem Bild sind von der Krone Elisabeths übernommen.

 

Elisabeths Entscheidung war für Altenberg die beste Werbung. Vornehme Familien brachten fortan ihre unverheirateten Töchter samt Mitgift in dem von der wunderwirkenden Frau bevorzugten Kloster unter. Altenberg wurde so reich, daß Gertrudis ihm in langen Baujahren sein jetziges Aussehen geben konnte. Zuletzt soll sich das Kloster mehr zum vornehmen Altersstift entwickelt, die Glaubensstrenge sehr gelockert haben.

Das Kloster wurde 1802 aufgehoben und ging für 200 Jahre im Besitz der Familie Solms-Braunfels, die ihn schon Jahrhunderte vorher begehrt hatten. Die Familie hat viele Kunstwerke verkauft. Viele alte Reliquien des Klosters sind dadurch auf der ganzen Welt verstreut, zum Beispiel in Sankt Petersburg. Einiges steht auch im „Metropolitan Museum of Art“ in New York, Bildwerke wurden dort zu Kernstücken der Sammlungen.

Auch im Frankfurter Städel hängen im ersten Stock zwei vom gotischen „Altenberger Altar” stam­mende Seitenflügel von 1334, die wie ein Bilderbogen auf goldenem Grund das Marienleben zeigen. Dazu treten der Erzengel Michael als Patron und in bedeutungsvoller Anordnung die beiden Frauen, die für Entwicklung und Bestand des Klosters ausschlaggebend waren: die Heilige Elisabeth, die ihren Fürstenmantel einem Bettler reicht, und hinter ihr kniend ihre Tochter Gertrudis, winzig dargestellt, wie ein Ableger vom großen Stamm. Die Familie Solms selbst behielt das im Schloß Braunfels zu besichtigende zartgliedrig geschnitzte Mittelstück, das Schrein für Reliquien der Elisabeth gewesen sein soll.

Das Frankfurter Städel Museum zeigte im Sommer 2016 in einer neuen Ausstellung eine der eindrucksvollsten Kirchenausstattungen des Mittelalters, die noch erhalten ist. Leihgaben aus aller Welt ermöglichten die Zusammenführung des Altenberger Altars. Und ein Geheimnis wird dabei auch gelüftet. Im Jahre1925 hat das Frankfurter Städelmuseum die bemalten Seitenflügel des Altenberger Altars erworben, als herausragende Werke der frühen Tafelmalerei. An den Erhalt des Gesamtensembles aus Schreinkasten, Muttergottesfigur, Flügelbildern mit Passions- und Marien­darstellungen, den dazugehörigen Reliquien, Tüchern und Wandbildern verschwendete niemand einen Gedanken. Daß die 37 Objekte jetzt erstmals seit der Säkularisierung im 19. Jahrhundert wieder vereint sind, ist ein „Wunder“ und „Glücksfall“. In einem Seitenflügel des Städel kommt nun zusammen, was einst in der Klosterkirche zusammengehört: detailliert gestickte Altardecken, fein ziselierte Schmiedearbeiten wie Vortragekreuze oder die Armreliquie der heiligen Elisabeth, edle Schnitzereien am Schrein sowie farbenprächtige Malereien auf Seitentafeln des Altars und Glasmalereien der Kirchenfenster. Im Zentrum die Madonna mit Kind eines Kölner Meisters (um 1320/30), Hauptpatronin des Klosters, die beseelt in die Ferne blickt, während das mit herrschaftlicher Geste auf ihrem Schoß stehende Kind kaum mehr der stützenden Hand bedarf.

Die funktionalen und inhaltlichen Bezüge der Installation entfalten sich auch in digitaler 3-D-Darstellung auf dem Großbildschirm in einem Seitenkabinett. Im simulierten Wechsel der Altarbestandteile ergeben sich Konstellationen, wie sie auch den Vorgaben des Kirchenjahres folgten. Davon kündet das Pflichtenheft der Küsterin Magistra Dorothea von Düdelsheim, aufgezeichnet von Klostervorsteher Petrus Diederichs, in dem bis hin zur Farbe der Kerzen und der Verwendung von Reliquien festgelegt worden ist, welche Inszenierungen des Altars für die jeweiligen kirchlichen Feiertage gemäß der Liturgie vorgesehen waren.

Die Schau kann aber noch aus anderer Sicht Einzigartigkeit behaupten. Bei der Restaurierung des aus Braunfels stammenden Schreinkastens wurden mittels Röntgenfluoreszenzanalyse Motive unter den barocken Übermalungen der Rückwand und der Seitenflügel entdeckt. Diese frühen Zeugnisse der figürlichen Malerei des 13. Jahrhunderts waren Anlaß für ein Kolloquium und Fachgespräche, die nun in einem Forschungsprojekt des Städel mit dem kunsthistorischen Institut der Frankfurter Goethe-Universität vertieft werden sollen.

 

Reguläre Führungen:

Oktober bis März:

* 1. Sonntag im Monat, 15:00 Uhr, April bis September.

* 1./3. Sonntag im Monat, 15:00 Uhr

Führungen sind auch nach Voranmeldung möglich. Info und Anmeldung:

E-Mail: „info@koenigsbergerdiakonie.de“ ,Telefon: 06441 206123

Preis:  Erwachsene: 3,- Euro, Kinder: 2,- Euro, Familien: 10,- Euro

 

Evangelischer Gottesdienst ist jeden Sonntag um 11 Uhr.

Das Klostercafé hat an jedem Sonntag geöffnet.

Es gibt einen Klosterladen

Das Kloster bietet außerdem an: Räume für Feiern, Tagungen, Seminare, Vorträge, Musikproben, Konzerte.

Jährlich gibt es Kräutermarkt, Erntefest und Hochzeits- und Veranstaltungsmesse.

 

 

Weilburg

Weilburg aus der Vogelperspektive muß herrlich sein - wie die Lahn den Fels mit dem weitläufigen Schloß umschlingt, wäre von oben am besten zu erkennen. Die  Teilnehmer des jährlichen Ballonfahrerfestivals  können es so sehen. Andere erhaschen vom Parkdeck Mauerstraße nur einen Bildausschnitt von bewaldeten Steilhängen der Lahn, bevor es durch holprige Gassen hinauf zu Marktplatz und Schloß geht.

 

Weilburgs Stadtgeschichte beginnt 906, im Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung. Die erste Blüte erlebte Weilburg nach der Verleihung der Stadtrechte 1295 durch Adolf I., dem ersten Deutschen König aus dem Hause Nassau. Internationales Flair durchzog Weilburg, als es 1355 Residenz des Hauses Nassau-Weilburg wurde. Im 16. Jahrhundert entstand das Hochschloß im Stil der Renaissance. Im 18. Jahrhundert wurden das Lahntor und die Steinerne Brücke errichtet, später das klassizistische Postgebäude sowie im Jahre 1847 der einzige Schiffstunnel Deutschlands.

Wenige Jahre nachdem Nassau im Jahre 1816  zum Herzogtum geworden war, wurde der Sitz der Regierung nach Wiesbaden verlegt. Weilburg blieb jedoch Sommerresidenz der Herzöge. Im Jahre 1890 wurde Herzog Adolf von Nassau Großherzog von Luxemburg. Heute ist das Weilburger Schloß im Besitz des Landes Hessen. Kenner zählen es zu den eindrucksvollsten und schönsten Schloß- und Gartenanlagen Deutschlands.

Im 18. Jahrhundert galt Weilburg als die modernste der kleinen Residenzen Deutschlands. Mit dem Schloß gestaltet Baumeister Julius Ludwig Rothweil viele Teile der ursprünglichen Stadt um. So entstand vor der Schloßkirche der barocke Marktplatz mit dem Neptunbrunnen als optischem Mittelpunkt. Die Stadt an der Lahn am Rand des hessischen Westerwaldes wird überragt von dem barocken Ensemble aus Schloß, Schloßkirche, Parkanlage und den Häusern am Markt­platz. Man bummelt durch die Fußgängerzone mit sehenswerten Häusern aus mehreren Jahrhunderten.

 

Marktplatz

Ursprünglich war es nur ein kleiner freier Platz, über den die mittelalterliche Nord-Süd-Achse des Ortes verlief und der den östlichen herrschaftlichen Stadtbereich von dem westlichen bürgerlichen Wohnbereich trennte. Erst nach 1700 entstand der zentrale, großzügig gestaltete innerstädtische Freiraum, als welchen m an den Weilburger Marktplatz heute kennt: Graf Johann Ernst zu Nassau-Weilburg prägte das Bild seiner Residenz durch umfangreiche Baumaßnahmen entscheidend und verlieh dem Stadtkern sein heutiges Gesicht. Zwischen 1703 - 1713 schuf der Baumeister Julius Ludwig Rothweil aus der bescheidenen mittelalterlichen Kleinstadt eine barocke Residenz.

Sonnenanbeter genießen vorm Bistro am Neptunbrunnen die heitere Atmosphäre des barocken Platzes, ein Geviert von Bürgerhäusern mit der Schloßkirche. Graf Johann Ernst zu Nassau-Weilburg ließ 1707 bis 1713 Rathaus und Schloßkirche zusammen mit dem neuen Marktplatz errichten. Der Graf tat noch mehr: Schlosserweiterung, Orangerien, Gärten, neue Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude, Alleen und Chausseen machten Weilburg zur modernsten unter den Kleinresidenzen.

Der Marktplatz hat in seiner großzügigen Weite als Mittelpunkt den Neptunbrunnen, der von den Weilburgern auch liebevoll „Christoffel“ genannt wird. Der Bildhauer Anton Wilckens aus Vallendar gestaltete 1709 die mit Meeresfrüchten und kleinen Delfinen verzierte Mittelsäule, auf der Neptun mit einem Dreizack seinerseits auf einem Delfin reitend thront. Das geschwungene Sandsteinbecken auf einem achteckigen Sockel aus Lahnmarmor ist an dem Platz der früheren Weede, einer Pferdetränke errichtet.

So ist der Marktplatz in Weilburg als Zeugnis handwerklichen und künstlerischen Könnens nicht nur ein Spiegelbild des Lebens früherer Generationen, sondern auch ein unverzichtbarer Baustein unseres Gedächtnisses. Die Bürgerinitiative „Alt-Weilburg e.V.“, die 1973 gegründet wurde, sieht die Erhaltung von Weilburg unter Bewahrung denkmalpflegerischer Aspekte als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an.

 

Schloß

Man wird Graf Johann Ernst zu Nassau-Weilburg kein Unrecht tun, wenn man ihn einen kleinen Fürsten nennt. Bestand sein Herrschaftsgebiet, die Grafschaft Nassau-Weilburg, vor dreihundert Jahren doch aus einer Fläche von gerade einmal 21 Quadratmeilen und hatte nicht einmal 60.000 Einwohner. Einen dem eigenen Verständnis nach absolutistischen Herrscher wie Graf Johann Ernst hielt das aber nicht davon ab, seiner selbstempfundenen großen Bedeutung auch einen entsprechenden architektonischen Ausdruck zu verleihen.

Und so ließ er die Burg, die seine Vorfahren Ende des 13. Jahrhunderts zusammen mit der Stadt Weilburg erworben hatten und die in der Renaissance zu einer vierflügeligen Schloßanlage umgestaltet worden war, von 1702 an zu einer gewaltigen barocken Residenz ausbauen. Noch heute hält man erstaunt inne, wenn man die weitläufige, prachtvolle Anlage zum ersten Mal majestätisch auf einem steilen Felsrücken über der Lahn thronen sieht. Zu einer Kleinstadt wie Weilburg scheint sie irgendwie nicht recht zu passen.

Eindrucksvoll auf einem Bergsporn hoch über der Lahn erbaut, gehört Schloß Weilburg zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern Hessens. Die seit dem Mittelalter in mehreren Bauabschnitten errichtete Anlage gilt als typisches Beispiel einer Residenz deutscher Duodezfürsten, deren Geschichte bis ins 19. Jahrhundert reicht. Auch im Deutschen Reich, das damals in Dutzende Grafschaften und Fürstentümer zerfiel, orientierte man sich am Vorbild des französischen Königs und versuchte, dessen glanzvolle Hofhaltung nachzuahmen. Das führte zu einer Bautätigkeit größten Ausmaßes. Mit ihren umfangreichen Aufträgen an die großen Baumeister jener Zeit zur Aus- und Neugestaltung ihrer Burgen und Schlösser veränderten die Fürsten mehr und mehr das Erscheinungsbild ihrer Landeshauptstädte, schufen sie von weltlichen und kirchlichen Prachtbauten geprägte, mit Parkanlagen und Alleen großzügig gestaltete repräsentative Residenzstädte.

 

Als Wohn- und Regierungssitz der Grafen zu Nassau verbinden sich in Schloß Weilburg drei bedeutende Bau- und Ausstattungsphasen miteinander:

I. Die mittelalterliche Burg der Grafen Weilburg-Nassau.

II. Im Jahr 1533 begann Graf Philipp III. mit dem Ausbau der Burg zum vierflügeligen Renaissanceschloß, das 1573 vollendet wurde und alle wichtigen Residenzfunktionen erfüllte. Renaissancemalereien und Rippengewölbe zeugen von dieser Zeit. Der märchenhafte Innenhof gehört zu den wenigen vollständig erhaltenen Bauwerken aus dieser Zeit. Geschweifte Steingiebel, Zwerchhäuser in Stein und Fachwerk, Erker, Portale, Arkaden, Freitreppe, Löwenbrunnen sowie Uhrturm und Stadtpfeiferturm, von dem der dort oben wohnende Stadtpfeifer einst die Uhrzeit verkündete, geben die würdige Kulisse für die berühmten Weilburger Schloßkonzerte.

III. Unter Graf Johann-Ernst und seinem Baumeister Rothweil entstand zwischen 1700 und 1719 ein barockes Architekturkunstwerk, das noch heute das Bild der Stadt prägt. Unter der Leitung des Architekten und Baumeisters Julius Ludwig Rothweil ließ Graf Johann Ernst nicht nur das Renaissanceschloß um Verwaltungs-, Wirtschafts- und Gartengebäude erweitern, sondern auch die Innenräume im Barockstil umgestalten. Das Stadtbild von Weilburg änderte sich ebenfalls: Für die Erweiterung des Schloßgartens und die Umgestaltung des Marktplatzes mußten mehrere Dutzend Häuser abgerissen werden. Die betroffenen Bürger erhielten zur Entschädigung Bauplätze in der Vorstadt. Das Rathaus wurde zusammen mit der Stadt- und Schloßkirche in einem Bau untergebracht. Diese Erweiterungen mit Nebengebäuden und Gartenanlagen prägen bis heute das Erscheinungsbild der Gesamtanlage.

 

Die meisten Schloßteile sind - auch im Innern - für Besucher sieht im Wesentlichen den Stand des 19. Jahrhunderts. Das gilt auch für das Mobiliar, das Ende des 18. Jahrhunderts nahezu vollständig ausgetauscht wurde. Eine Ausnahme stellt das Badekabinett dar, das Graf Johann Ernst 1711 anlegen ließ. In der Wanne aus schwarzem Schupbacher Marmor, in der bequem eine ganze Familie Platz fände, pflegte schon der Graf selbst zu baden. Für die damalige Zeit äußerst komfortabel war auch die Wasserzuleitung: Drei Hähne spendeten sowohl kaltes als auch heißes Wasser.

Auch das Prunkschlafzimmer ist durch und durch barock: Spiegelkabinett, kostbare Wandbespannungen, prächtige italienische Stuckarbeiten, dazu das scharlachrote Imperialbett nebst Baldachin. Die zahlreichen anderen herrschaftlichen Räume sind überwiegend im Empire-Stil gehalten. Der Schönheit des variantenreich gestalteten Parkettbodens, der seidenen Wandbespannungen, der Vertäfelungen, Stuckarbeiten, Kristallüster, Spiegelwände, Möbel und Gemälde tut das gleichwohl keinen Abbruch. Fürstliche Pracht allenthalben.

Unter den herrschaftlichen Wohn- und Repräsentationsräumen bilden vor allem das Kurfürstliche Gemach und das Chinesische Kabinett sehenswerte Beispiele barocker Prachtentfaltung.

Das Chinesische Kabinett verband als ehemaliges Kabinett der Fürstin einst die Gemächer Graf Johann Ernsts und seiner Gemahlin Maria Polyxenia. Das Kurfürstliche Gemach diente als Prunkschlafzimmer vorrangig repräsentativen Zwecken. Kostbares Mobiliar und wandfeste Dekorationen bilden eine wirkungsvolle Einheit.           

In seiner kurzen Regierungszeit zwischen 1801 und 1816 ließ Fürst Friedrich Wilhelm die Ausstattung der fürstlichen Wohnräume         im Stil des zeitgenössischen Empire modernisieren. Besonders deutlich zeigt sich die veränderte Wohnkultur des 19. Jahrhunderts in der strengen Formensprache vieler Einrichtungsgegenstände, wie etwa an den mächtigen Greifenköpfen des Bettes im Gelben Schlafzimmer. Zeittypisch sind die sowohl im Pariser Zimmer als auch im Salon der Herzogin erhaltenen Bildtapeten.

Die herrschaftliche Hofküche unter wuchtigem Gewölbe offenbart die in ihrer Kargheit ungeahnte Neuerungen: mehrere Einzelfeuerstellen und fließendes Wasser. Kupferne Pfannen, Kasserollen, Kessel, Schaber, Messer, Hackklotz, Riesenmörser - so als läge alles für den Küchenmeister bereit.

Nach dem Gang durch Räume der gräflichen Administration mit kunstvollen Stern- und Netzgewölben geht es in eine schier unendliche Abfolge von herrschaftlichen Räumen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, die erstaunlich wenig kühlen Pomp, sondern fast Gemütlichkeit ausstrahlen. Jeden Raum ziert ein anderes Parkettmuster, vom Allerfeinsten ist der Fußboden des Chinakabinetts aus Nußbaum mit eingelegten Blei- und Zinnintarsien. Dazu gibt es Decken- und Wandmalereien zu bewundern, kostbarer Stuck, Vertäfelungen, Spiegelwände, Kristallüster, edelstes Mobiliar, gußeiserne Öfen und besonders wertvoll sind die seidenen Wandbe­spannung.  Ein fantastischer Blick bietet sich den Besuchern vom Ostflügel aus auf die ewig rauschende Lahn mit der Alten Brücke, den Zollhauseben und dem historischen Postamt.

 

Mit dem Schloß wurde auch der dazugehörige Park umgestaltet. Er wurde Teil eines architektonischen Gesamtkonzepts. Dahinter verbarg sich ein tieferer Sinn: Indem es dem Fürsten gelang, die Natur zu bändigen und ihre Pracht nach seinen Vorstellungen zu gestalten, zeigte er seine Macht und seinen Reichtum. Barockgärten sind immer ganz und gar künstliche, von Menschenhand geschaffene Räume. Vorbild war auch hier wieder Versailles, wo für eine unvorstellbare Summe Geldes tausende Arbeiter unter Anleitung berühmter Gärtner und Architekten eine Landschaft von höchster Regelmäßigkeit und perfekter Symmetrie geschaffen hatten.

 

Über das repräsentative Treppenhaus gelangt man zur Oberen Orangerie, einst der Weg vom Schloß  zur Herrschaftsloge in der Stadt- und Schloßkirche. Die 1703 - 1705 errichtete und mit gemalten Tapeten prächtig ausgestattete Obere Orangerie diente vorrangig für Feste und Lustbarkeiten des Hofes. Sie vermittelt mit ihren großen Fenstertüren zwischen dem künstlerisch gestalteten Innen- und Außenraum. Sie vereinigt Pflanzenhaus und Festsaal. Die gläsernen Flügeltüren und die Tapete mit gemalten Fliesen von Christian  Seekatz beherrschen den Raumeindruck.  Die Untere Orangerie nutze man in erster Linie zur Überwinterung der Zitrus- und Orangeriegewächse während der kalten Jahreszeit,

Im Halbrund der beheizbaren Orangerie überwinterten die frostempfindlichen exotischen Kübelpflanzen aus dem Schloßgarten. Heute wird sie für Konzerte genutzt. Zwei Galerien umrahmen die mit Stuck über reichverzierte Musik- und Tanzhalle. Die eine zeigt 2070 verschiedene aufgemalte Kachelimitationen, die andere eine Scheinarchitektur mit perspektivisch aufgemalten Ofennischen, die zuerst kaum von den daneben stehenden Ofen zu unterscheiden sind - ein gelungener Bluff am Ende der Führung.

Schloß Weilburg, Schloßplatz 3, Weilburg/Lahn. Telefon 06471/2236, Öffnungszeiten: November bis Februar Dienstag bis Sonntag 10 bis 16 Uhr. März, April und Oktober 10 bis 17 Uhr, Feiertage geöffnet. Mai bis September Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertage 10 bis 18 Uhr. Die letzten Führungen beginnen jeweils eine Stunde vor Schluß.

Am Schlossplatz finden wir das Bergbau- und Stadtmuseum mit dem "Tiefen Stollen", einer unterirdischen Schaustollenanlage.

 

Parkanlagen:

Die höfische Prachtentfaltung beschränkt sich in Weilburg nicht nur auf das Schloßgebäude mit seinen Repräsentationsräumen, sondern schließt die Gartenanlagen, Nebengebäude und das städtische Umfeld mit ein. Die Anlage erstreckt sich über verschiedene Plateaus, die durch Stützmauern getrennt kleinteilige Terrassen bilden.

Die im Barock üblichen symmetrischen Parterres schmücken mit ihren Rasen- und Kiesflächen, Buchsbaumhecken und blühenden Beetstreifen die auf verschiedenen Plateaus liegenden Garten räume. Einen Ausgleich hierzu bildet der im Raster gepflanzte, wie ein Baukörper anmutende Lindensaal. Mächtige Blutbuchen innerhalb des Parterres vor der Oberen Orangerie berichten von der landschaftlichen Gestaltung der oberen Terrasse im 19. Jahrhundert. Auf der unteren Terrasse laden farbenfrohe Sommerblumen zum Verweilen ein.

 Nur auf der einen Seite grenzt die Altstadt an die terrassenförmig angelegte Schloßanlage. Auf der anderen fällt das wilde Gebück tief zur Lahn hinab. Graf Johann Ernst zu Nassau-Weilburg war es, der mit seinen zahlreichen barocken Bauten die Residenzstadt Weilburg bis heute prägte. Orangerien, neue ausgelagerte Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude, gekonnt zu einem Ganzen zusammengefügt, Alleen und Chausseen - all diese prächtigen Bauwerke gehen auf Johann Ernst zurück.

Der schlichte Weilburger Renaissance-Park wurde  - wie es den Regeln des barocken Gartenbaus entsprach  - in verschiedene Terrassen unterteilt. Der größeren oberen Terrasse, die man vom Schloß aus am besten sehen konnte, gaben 18 Statuen aus Blei, Wasserkünste aus Marmor und mehrere hundert Gewächskästen ihr damaliges Gesicht. Heute ist es vor allem das Mitte des 18. Jahrhunderts angelegte Boskett aus 156 Linden - alle exakt 5,60 Meter hoch  - das die Blicke der Besucher anzieht.

In die obere Terrasse integriert und von zwei Treppen aus Schupbacher Marmor flankiert ist eine Orangerie, die im Winter exotische Pflanzen beherbergte und heute zum Teil als Café genutzt wird. Ihre Fassade ist dem Grand Trianon von Versailles nahezu original nachempfunden. Auf ihrem Dach stehend genießt man die „Kavaliersperspektive“ auf die untere Gartenterrasse. Die präsentiert sich nach einer zwischenzeitlichen Umgestaltung in einen englischen Landschaftsgarten heute wieder so, wie sie ursprünglich angelegt worden war: als von Zierwegen und Zierflächen unterbrochenes Rasenstück, mit einem Brunnen und zwei bronzierten Statuen in der Mitte, eingerahmt von Mauerwerk und bepflanzt mit bunt blühenden Blumen. Die Sonnenuhr oberhalb des Brunnens mit dem Wappen des Grafen Johann Ernst schuf der Weilburger Steinmetz Balthasar Seyfert 1694.

Ein Spaziergang durch das Gebück hinunter zur Lahn bietet einen reizvollen Kontrast zur formalen Terrassenanlage. Das heutige Waldstück am Steilhang war ehemals eine mehrreihige Pflanzung ineinander verflochtener Hainbuchen, die vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert als unüberwindbare natürliche Wehrmauer und Grenzmarkierung diente.

Der jahreszeitliche Wandel der Pflanzen formt die Gestaltung eines Gartens immer wieder neu. Gerade ein historischer Garten braucht besonders regelmäßige und fachkundige Pflege, um das ganze Jahr über attraktiv zu sein. Zu den gärtnerischen Aufgaben der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gehören nicht nur die Vermehrung, Anzucht, Pflanzung und Pflege der historischen Parterres und der Wegflächen. Zitruspflanzen und Obstspaliere sind zu erziehen und die Kronen der Bäume im Lindensaal in ihre barocke Form zu bringen.

 

Schloßkirche

Graf Johann Ernst ließ in seiner Residenzstadt von dem Architekten Julius Ludwig Rothweil das Rathaus und die neue Schloßkirche in einem Baukomplex am Marktplatz errichten. Nach Abbruch der Vorgängerkirche dauerten die Arbeiten von 1707 bis 1713. Der mittelalterliche Kirchturm wurde in die Planung mit einbezogen. An der künstlerischen Ausgestaltung waren namhafte Künstler der Zeit beteiligt, wie Christian Seekatz d. Ä., Andreas Gallasini, Anton Ruprecht für den Kanzelaltar und Johann Jakob Dahm aus Mainz für den Orgelprospekt. Die barocke Orgel wurde 1903 durch ein spätromantisches Werk von Wilhelm Sauer, Frankfurt (Oder), ersetzt. Die Schloßkirche kann mit Recht zu den bedeutendsten evangelischen Kirchenbauten des deutschen Barock gezählt werden, vergleichbar der Michaelskirche in Hamburg oder der Frauenkirche in Dresden.

Fürst Carl Christian schenkte die Kirche der Kirchengemeinde, ließ aber weiterhin die Bauunterhaltung durch sein Haus besorgen, bis sie 1866 an Preußen kam. Nach 1945 übernahm das Land Hessen die Unterhaltungsverpflichtung. Durch den Staatskirchenvertrag gelangte die Kirche schließlich in die Verwaltung der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau in Darmstadt.   Aus dieser Baugeschichte ließen sich durch die restauratorische Voruntersuchung fünf Farbfassungen belegen. Zwischen 1900 und 1910 mußte die Kirche schon einmal wegen Einsturzgefahr geschlossen werden.

 

Die Voruntersuchung zeigte 1986, daß die gesamte Raumschale infolge der Umluftbewegung durch die alte Dampfheizung stark vergraut und verschmutzt war, insbesondere in den durch Kondensation gefährdeten Randbereichen. Etliche Partien zeigten gelbliche Wasserflecken. Das Stuckgewölbe war von einem Netz aus Rißbildungen durchzogen. Eine der Puttengruppen mit großer Vase hatte sich bereits gelöst und drohte abzustürzen. Die Holzunterkonstruktion war teilweise von Holzschädlingen befallen, die Brettschalung in vielen Bereichen an den Fußpunkten verfault. Häßliche braune Flecken zeigten sich in der Putzfläche des Gewölbes, die durch Teeröle bei früheren Arbeiten im Dachstuhl aus Holzschutzmitteln entstanden waren

Stuckaturen, die sich vom Untergrund gelöst hatten, wurden als Erstes provisorisch gesichert. Im Frühjahr 1986 konnte das Restaurierungskonzept für das Stuckgewölbe vorgelegt werden, das zuvor in einer Musterachse erarbeitet worden war. Im ersten Bauabschnitt 1987 wurde die Heizung ausgewechselt und ein neuer Sandsteinfußboden verlegt. Dann wurde das Mulden­gewölbe ausführlich untersucht. Die Holzkonstruktion des Muldengewölbes ist mit Hängepfosten am Dachstuhl aufgehängt. Wie der Statiker im Februar 1988 feststellen mußte, war das Gewölbe akut einsturzgefährdet. Die Kirche mußte sofort geschlossen werden. Der Dachstuhl aber war zum Glück gesund und standsicher, mußte jedoch konstruktiv mit Holz und Stahl verstärkt werden, um die Hängelast des Gewölbes besser aufnehmen zu können. Der Status der Verformung wurde dadurch stabilisiert.

Nach Abnahme der Dispersionsschicht stellte sich heraus, daß ein Großteil der Putzflächen versintert war. Um die verschiedenen Arten von Schadstoffen, unter anderem Salze durch Regenwasser oder Teeröle durch Holzschutzmittel, aus dem Putz herauszulösen, wurde die ganze Schale mehrmals mit Kompressen aus Zellulose überzogen. Große Stuckornamente und Putten wurden durch Gewindestäbe aus Edelstahl an der Brettschalung gesichert.

Nach den Ausbesserungsarbeiten an Putz und Stuck wurde ein dünner Anstrich aus Marmorkalk aufgetragen, Reparaturstellen waren vorher mit Ölkalk behandelt worden. Dann erhielt das ganze Gewölbe einen einlagigen dickeren Kalkanstrich im Farbton der Erstfassung. Zu Ostern 1992 konnte das Kirchenschiff der Gemeinde für den Gottesdienst wieder zurückgegeben werden. Nun konnten auch wieder in den Sommermonaten die Schloßkonzerte stattfinden.

Im letzten und dritten Bauabschnitt ab 1993 wurden die vier Wände des Kirchenschiff es und die Nebenräume wie Orgelempore und Fürstenloge restauriert, ebenso die Ausstattung wie der Kanzelaltar mit den fünf Wechselbildern und der Orgelprospekt, das Allianzwappen über der Fürstenloge und die Bankreihen. Diese Arbeiten konnten wegen der Schloßkonzerte immer nur in den Wintermonaten von September bis April durchgeführt werden.

In den Jahren 1993/1994 wurde die Altarwand im Westen von der Dispersionsfarbe befreit und in Kalk neu gefaßt. Der Kanzelaltar behielt seine Fassung von 1927 von Otto Linnemann (Frankfurt). Der Altar wurde gereinigt und stellenweise restauriert. Das ursprüngliche Konzept einer Neufassung im Stile der Bauzeit wurde zugunsten der letzten und authentischen Linnemann-Fassung nach eingehender Diskussion verworfen. Die fünf Wechselbilder des Kanzelaltars wurden in der Werkstatt des Landesamtes restauriert.

Einen immer wiederkehrenden Streitpunkt zwischen Nutzer und Fachleuten stellte die ungeregelte Steuerung der neuen Heizanlage dar. Schließlich wurde ein Gutachten zur Messung des Raumklimas in Auftrag gegeben. Das Meßergebnis zeigte, daß während der Mess dauer die Temperatur- und Luftfeuchteschwankungen bei weitem nicht die restauratorischen Vorgaben erfüllten, sondern viel zu hoch lagen. Das Gutachten empfahl den gesamten Raum durchgehend zu beheizen, bei einer Grundtemperatur von 10 Grad, als Maximaltemperatur darf ein Wert von höchstens 15 Grad erreicht werden. Aufheizen und Abkühlen sollen zeitlich gedehnt werden. Die Diskussion zwischen Nutzer und Bauausschuß um die richtigen Heizwerte zog sich weiter hin, bis endlich 1997 ein Gerät zur automatischen Steuerung installiert wurde.

Als letzte große Baumaßnahme wurde 1997 die Sanierung des Kirchturmes durchgeführt. Der Turmschaft erhielt einen neuen Anstrich, schließlich ist er das Wahrzeichen der Stadt. Die barocke Turmhaube wurde in Schiefer neu eingedeckt. Die Holzarchitektur der Laterne erhielt eine Verkleidung aus Kupfer. Zum Schluß wurden Kreuz und Wetterfahne mit dem Engel neu vergoldet.

 

Weitere Bauten:

Besuchenswert sind auch das Bergbau- und Stadtmuseum mit Schaustollenanlage.

Das Jagd- und Sommerschloß „Windhof“ liegt am östlichen Stadtrand.

Die Heilig-Grab- Kapelle liegt auf dem alten Friedhof etwas oberhalb der Stadt (wahrscheinlich im Ostteil der Stadt am Braunfelser Weg). Sie wurde 1505 erbaut zur Erinnerung an die Wallfahrt des Grafen Johann Ludwig nach Palästina. Heute dient sie als Winterkirche. In unmittelbarer Nähe entstand die Kreuzigungsgruppe auf dem Kalvarienberg.

Das Wasser für die Stadt kam von der anderen Lahnseite, es gab herrschaftliche und bürgerliche Brunnen.

Ein Modelbaupark ist in der Hainallee 11 (Eintritt 2,50 €)

Stadtmuseum: Länger als zwei Jahrtausende läßt sich der Erzbergbau im Lahntal zurückverfolgen. Bis ins 19. Jahrhundert hatte sich eine Eisenindustrie entwickelt, die während ihrer Blütezeit von fast 1300 Gruben des damaligen Herzogtums-Nassau beliefert wurde. Zunehmende Eisenerzimporte und die zentrale Verhüttung an Saar und Ruhr führten jedoch in unserem Jahrhundert zur Schließung der heimischen Gruben. Im Jahre 1983 stellte die letzte hessische Eisenerzgrube ihre Förderung ein. Die Erinnerung daran bleibt lebendig durch den „Tiefen Stollen“ im Bergbau- und Stadtmuseum, eine Schaustollenanlage, die den Besucher heute hautnah vor Ort führt und die Geschichte des Bergbaus im Lahn-Dill-Gebiet zeigt.

 

Flugpionier

Die Stadt hütet reizvolle Erinnerungen an den technischen Pioniergeist der Väter: Als erstem Flugpionier in Deutschland gelang es beispielsweise dem Franzosen Jean-Pierre Blanchard, sich mit seinem Heißluftballon in die Lüfte zu erheben. Er war am 3. Oktober 1785 bereits etwas unglücklich in Frankfurt mit einem nur zu zwei Drittel gefüllten Ballon gestartet, wurde mit dem Wind Richtung Weilburg getragen und mußte schließlich in der Lahn wassern.  Er schenkte der Stadt seine Fahne zum Dank für die Bergung und den freundlichen Empfang. Sie ist heute im Bergbau- und Stadtmuseum zu bewundern, in guter Gesellschaft mit zwei weiteren „Fahnen der Lüfte“, die an die erste Nachtüberquerung des Ärmelkanals erinnern. Im Jahre 1910 strandete das Luftschiff „Zeppelin Z II“ am Webersberg in Weilburg.

Von gänzlich anderen Winden getrieben waren 51 Jahre später die Herren Charles Green, Robert Hollond und Thomas Monk-Mason: Sie waren in London gestartet, hatten den Ärmelkanal überquert und waren nach 18 Stunden in Niedershausen bei Weilburg heruntergekommen. Da in Niedershausen niemand des Englischen mächtig war, brachte man die Herrschaften nach Weilburg, wo schließlich im Marstall die Taufe des Ballons auf „Royal Vauxhall and Nassau“ stattfand.

Käthchen Paulus wiederum, die 1906 vom Marktplatz bei der 1000-Jahr-Feier Weilburgs mit dem Ballon startete, war die erste Frau, die mit dem Fallschirm von ihrem Gefährt sprang. Ihr zu Ehren feiert die Stadt jährlich im August ein Ballonfestival, bei dem in einem historisch nachempfundenen Ballon eine Käthchen-Paulus-Darstellerin zum Flug abhebt. Die Fremdenverkehrs Marketing GmbH, an der die Stadt mehrheitlich beteiligt ist, stieg inzwischen selbst in das Ballon-Geschäft ein. Sie veranstaltet nicht nur das Festival, sondern organisiert über ihr Tochterunternehmen  ,,ax-ballooning-Fahrten über das Weilburger Land“.

Auch der Zeppelin sorgte für Schlagzeilen. Grund: Der Zeppelin Z II war in Weilburg gestrandet. Das Luftschiff, das wegen Sturms bei Limburg vor Anker gegangen war, hatte sich losgerissen und trieb führerlos nach Weilburg. Dort schleuderte der Sturm den Zeppelin gegen den Webersberg. Eine Gedenktafel erinnert an das Wrack.

 

Keine Stadt ohne Prominenz:

Der erste deutsche König, Konrad I, der irgendwann zwischen 880 und 885 in der Stadt geboren wurde, ließ sich von den deutschen Stammesherzögen 911 in Forchheim zum König von Ostfranken wählen. Ihm zu Ehren soll während des Hessentages ein Denkmal enthüllt werden.

Oder Friedrich Ludwig Sckell, 1750 in Weilburg geboren: Der Landschaftsgärtner entwarf den Aschaffenburger Park Schönbusch und den Englischen Garten in München.

Zu den berühmten Töchtern und Söhnen Weilburgs zählt Heinrich von Gagern, der 1848/49 die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche leitete. Gagern, in Bayreuth geboren, machte in Weilburg sein Abitur.

Auch in Weilburg machte Abitur Ulrike Meinhof. Die RAF-Terroristin, in Oldenburg geboren, lebte in den fünfziger Jahren in Weilburg und ging dort aufs Gymnasium, schloß an der Lahn mit dem Abitur ab, bevor sie an die Uni nach Marburg wechselte.

Der wohl prominenteste noch lebende Bürger der Stadt dürfte schließlich Gerd F. Unger sein, eine Art „Karl May von Weilburg“: Der mit weit mehr als 650 Romanen fleißigste  deutschsprachige  Western-Schriftsteller wurde zwar 1921 in Breslau geboren, lebt aber seit langem zurückgezogen in der Lahnstadt und schreibt immer noch eine wilde Geschichte nach der anderen.

 

Partnerschaft mit China:

Die Technikerschule lieferte Anknüpfungspunkte zu Weilburgs zweitgrößter nationaler Bevölkerungsgruppe, denn das sind 55 Chinesen. In der Technikerschule gibt es eine Klasse mit Schülern aus China. Die Geschichte dazu geht so: Im Jahre 1995 fragten Schüler am Ende einer Projektwoche des Gymnasiums, wie das denn mit einer Partnerschaft nach China wäre? Statt immer nur Italien, Frankreich oder Niederlande und seit 1998 Slowakei. Bürgermeister Schick fand über die Zeitung das Interesse einer chinesischen Firma aus Köln weckte. Bald war der Draht ins Reich der Mitte geknüpft. Heute unterhält Weilburg nicht nur Kontakte zu chinesischen Städten wie Qingtao oder Lianyungang und Tianjin, sondern aus der Partnerstadt Daliah kommt auch einer der Akrobaten, die mit Johnny Klinkes Tigerpalast zum Hessentag auf den Weilburger Schloßplatz kommen.

Musikfestwochen

Die internationalen Musikfestwochen in der fürstlichen Residenz haben sich längst vom Geheimtip zur regelrechten Pflichtveranstaltung gemausert. Die unvergleichliche Atmosphäre der Freiluftkonzerte im Renaissancehof oder im Schloßgarten, das Flair und die Akustik in der Schloßkirche, der Oberen Orangerie oder der Alten Hofstube des Schlosses ziehen jährlich zehntausende von Besuchern in ihren Bann. Künstler von internationalem Rang haben Weilburg für sich entdeckt und schlagen einen musikalischen Bogen von der Renaissance bis zur Moderne. Nahtlos binden sich die Veranstaltungen der Weilburger Musikschule, des Gymnasiums Philippinum und des Vereins „Alte Musik im Weilburger Schloß“ ein. Theateraufführungen, Kabarett und Folkveranstaltungen in der Stadthalle runden das kulturelle Programm ab.

 

Schiffstunnel:

Drei Tunnels im Abstand von nur 150 Metern: Das ist, neben der Residenz auf der Kuppe der Altstadt, das Aushängeschild Weilburgs. Da ist zunächst der 1847 eröffnete, 195 Meter lange Schiffstunnel, der die Lahnschleife durchsticht: Er diente dem raschen Transport der Erze aus dem Lahnbergbau flußaufwärts. Doch bald hatte er seine ursprüngliche Aufgabe verloren. Denn mit dem Bau der Lahntalbahn entstand auch ein mehr als 300 Meter langer Eisenbahntunnel, wurden die Erztransporte auf die Schiene verlagert. Diesen beiden Jahrhundertbauwerken folgte nun im Frühjahr dieses Jahres der 130 Meter lange Autotunnel durch den Mühlberg.

Der Schiffstunnel, der gerade mal 15 Jahre von wirtschaftlicher Bedeutung war, hat freilich nicht ausgedient. Denn in den vergangenen beiden Jahrzehnten entwickelte sich die Lahn zu einem Freizeitdorado der Kanuten. Und da gehört eine Fahrt durch den Tunnel unbedingt dazu. An manchen Tagen ist die Lahn derart von Kanuten bevölkert, daß es vor der Doppelschleuse jenseits des Tunnels regelrechte Staus gibt. Der Schiffstunnel  wird heute nur noch von Wasserwanderern besucht und von ihnen an den Schleusenanlagen auch bedient.

Die Lahn ist die natürliche Grenze zwischen Westerwald und Taunus. Mit hunderten von Schleifen durchfließt sie das nassauische Land auf ihrem Weg zum Rhein: Manchmal zieht sie sich behäbig und breit durch fruchtbare Täler, dann wieder furcht sie sich tief in schroffe Felsformnationen. Und über dem Fluß: die endlose Kette der Schlösser, Burgen und Kirchen. Sie beeindrucken als imposante Zeitzeugen, die von der Geschichte unserer Landschaft erzählen.

Wie eine Insel liegt die historische Altstadt Weilburgs auf hohem Felsrücken in einem fast kreisförmigen Lahnbogen.

Erst im 19. Jahrhundert behinderte die Schleife den Schiffverkehr auf der Lahn. Die Weilburger griffen zu einer unorthodoxen Lösung des Verkehrsproblems: Im Jahre 1847 durchstießen sie den Bergrücken zum Bau des einzigen Fluß-Schiffahrtstunnels in Deutschland. Eine Bootsfahrt durch den Tunnel und durch die anschließende Doppelkammer-Schleuse gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen einer Lahnfahrt.

Neben der historischen Wasserversorgung aus dem frühen 18. Jahrhundert ist der Schiffstunnel mit der Koppelschleuse ein weiteres wasserhistorisch interessantes Bauwerk in Weilburg; In den Jahren 1844 bis 1847 im Zuge der Lahnregulierung zur Schiffbarmachung erbaut, ist er eines der herausragenden Verkehrsdenkmäler des 19. Jahrhunderts, nicht nur in Hessen. Die Verbindung eines Tunnelkanals mit anschließender Koppelschleuse findet sich so nicht noch einmal in Europa.

Im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung und  des  daraus  resultierenden erhöhten Gütertransports im frühen 19. Jahrhundert mußten neue Verkehrswege erschlossen werden. Die Lahn bot sich dabei besonders zum Transport des in der Region gewonnenen Eisenerzes zur Verhüttung ins Ruhrgebiet an. Im Zuge der Regulierung wurden auch Schleusen benötigt, um die Wehre bequemer umschiffen zu können. Die Lahnschleife um Weilburg mit zwei Wehren, sehr schmalen Uferstreifen und zwei Brücken war jedoch für die Anlage von Schleusen denkbar ungeeignet. Diese Situation mag denn Oberbergrat Schapper wohl auf den Gedanken einer Untertunnelung des Bergrückens gebracht haben. Die Regierung entschied sich tatsächlich für den Tunnel.

 

Zunächst wurde in bergmännischem Abbau von beiden Seiten gleichzeitig der Tunnel in den Berg getrieben. Anschließend errichtete man die Schleusenkammern und den Schleusenkanal mit den beiden Straßenbrücken.   Nach vielen Schwierigkeiten beim Bau wurde am 1. Oktober 1847 das Bauwerk seiner Bestimmung übergeben. Der Tunnel hat eine Länge von 195 Metern, eine Höhe von 6,30, eine Breite von 6,00 und eine Wassertiefe von 1,75 Metern. Die Koppelschleuse mit drei zweiflügeligen  Toren  hat  zwei Schleusenkammern von 42 Metern Länge und 5,35 Metern Breite.

Durch den Bau der Eisenbahn, deren Streckenabschnitt von Lahnstein bis Weilburg 1862 fertiggestellt war, verlor die Lahnschiffahrt sehr bald ihre Bedeutung  für  den Warentransport.  Der Schiffstunnel  wurde nur von den Lahnfischern weiterhin genutzt. Seit in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts das Wasserwandern als Freizeitsport entdeckt wurde, ist die Befahrung des Schiffstunnels die größte Attraktion an der Lahn. Mit über 150.000 Paddelbooten, die jedes Jahr den Tunnel und Schleuse passieren, erfährt das Bauwerk  die  größte Auslastung in seiner über hundertfünfzigjährigen Geschichte. 

 

Tiergarten

Eine besondere Attraktion ist der Tierpark Weilburg im Stadtteil Hirschhausen östlich von Weilburg, dann südlich. In ihm können sich Dam-, Rot- und Muffelwild und viele Kleintierarten in natürlicher Umgebung bewegen. Der Tiergarten ist an 365 Tagen im Jahr von 8 bis 19 Uhr geöffnet, im Winter bis zum Einbruch der Dunkelheit, ein großer Abenteuerspielplatz lädt zum Klettern und Toben ein.

Der Tierpark ist über 400 Jahre alt und von einer Mauer umgeben.  Der Wildpark Tiergarten Weilburg geht auf eine Gründung des Grafen von Nassau-Weilburg zurück. Später wurde das Gelände mit einer massiven Mauer eingefaßt, die nach außen nur wenig aus dem Boden ragte, innen aber tief abfiel: die schmackhaften Waldbewohner konnten so also leicht hinein, von selbst aber nicht wieder hinaus finden - auf diese Weise war stets für feines Wildbret in der gräflichen Küche gesorgt.

Die Tiere finden hier ein Naturidyll, durchzogen von malerischen Bachläufen, verträumten Wiesentälern, uralten Baumbeständen. Auf 92 Hektar lädt der Park zu Streifzug ein, lassen sich vor allem einheimische Tierarten in freier Wildbahn beobachten: Auerochsen, Tarpane, Wildpferde, Wisente, Fischotter, Hirsche. Der Weilburger Tiergarten ist bundesweit das einzige Auffanggehege für heimatlose Wölfe und Luchse.

Die größte Hirschart der Welt -  Elchbulle Gustav und seine Gattin Senta - haben im Weilburger Tierpark jede Menge Auslauf. Die Auerochsendamen Alma und Lenchen haben sich mit ihren beiden Kälbern Zeus und Wito weit weg in den Schatten verzogen. Nur die Przewalski­pferde kommen trotz der Hitze samt Fohlen ans Gatter. Doch der Tierpark ist kein Freiluftzoo im eigentlichen Sinn. Viele Tiere, wie etwa die ausgedehnten Dam- und Sikawildbestände, streifen einfach frei durch das riesige Gelände von mehr als 90 Hektar.

Ein Fachwerkhaus rekonstruiert den Alltag der Urgroßväter, mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen aus dem vergangenen Jahrhundert. In der Tenne kann sich der Besucher über Forstwirtschaft und Naturschutz unterrichten.

Bis zu 400 Jahre alt sind die Eichen des „Hutewaldes“, in dem einst, wie der Name sagt, auch Tiere gehütet wurden. Eicheln waren zur Mast von Schweinen wie geschaffen. Die Baumgiganten dienen heute als zuverlässige Schattenspender für Spaziergänger und Tiere. Auch die Schafe, gleich hinter dem Eingang, wissen ein kühles Plätzchen zu schätzen und kuscheln sich zwischen die riesigen Wurzeln. Gegenüber wohnt der Fischotter und gleich daneben findet sich ein schön gestalteter Kinderspielplatz.

Ein zweiter Schwerpunkt liegt für die Parkleitung in der Vermittlung wildbiologischer Zusam­menhänge. Ein neu angelegter „Pilzlehrpfad“ beispielsweise erläutert die wichtige Funktion von Baumpilzen für die Zersetzung von Totholz. Dank des ökologisch intakten Waldhaushalts innerhalb des Parks läßt sich die Arbeit von „Kupferrotem Lackporling“ oder der „Geweihförmigen Holzkeule“ auch am lebenden Objekt studieren.

Wer von den Streifzügen durch den Park Hunger und Durst bekommen hat, kann im „Hessenhaus“ einkehren. Der schöne Fachwerkbau mit Blick auf den unteren Parkweiher serviert neben vielen anderen Köstlichkeiten auch saftige Braten vom Reh oder Hirsch. Wildbret, wie einst an des Herrn Grafen Tafel, kann sich hier heute jeder schmecken lassen.

Tiergarten Weilburg, 35781 Weilburg, Tel. 06471/ 8066, ganzjährig täglich geöffnet, im Sommer von 9-19 Uhr, im Winter von 9 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit. Eintritt für Erwachsene 2,60 Euro, Kinder von 6-14 Jahren, Schüler und Studenten 1,30 Euro, Kinder bis 6 Jahre gratis. Anfahrt: von Frankfurt auf der A 5 Richtung Kassel bis Homburger Kreuz, weiter über Usingen auf der B 456 bis kurz vor Weilburg.

 

Kubacher Kristallhöhle

Diesmal war es keine eingebrochene Kuh oder das Ergebnis von Steinbruch- und Bergmannsarbeiten, als per Zufall ein Höhlensystem entdeckt wurde. Das Auffinden der für Deutschland einmaligen geologischen Rarität einer Kristallhöhle nahe dem Weilburger Ortsteil Kubach

geht auf das Beharrungsvermögen eines Mannes zurück. der eigentlich kein Kavernenfachmann ist. Einzig die spärlichen Hinweise Weilburger Bergleute aus dem späten 19. Jahrhundert, sie seien beim Phosphoritabbau auf eine große Tropfsteinhöhle gestoßen, in die eine „Dorfkirche“ passe, veranlaßten den Lehrer Karl-Heinz Schröder vor mehr als 20 Jahren, der Unterwelt ihr Geheimnis zu entreißen.

Pech war nur, daß sich die bis zu 100 Jahre alten Berichte in der Beschreibung von Stalagmiten und Stalaktiten überboten, aber keine genaue Lokalisierung hinterließen. Was tun? Trotz intensiver Nachforschungen in Archiven, Zeugenbefragungen und geologischer Expertisen glich die Suche jener nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Erst der Einsatz schweren Bohrgeräts ließ Hoffnung keimen, als unvermittelt das Bohrgestänge in 40 Meter Tiefe in einen großen Hohlraum fiel. Eine herabgelassene Spezialkamera gab Gewißheit: Die langersehnte Höhle schien gefunden. Durch einen eigens angelegten Schacht wurde am 15. Oktober 1974 erstmals ein Mensch in das Erdinnere geschickt.

Was er unten vorfand, war zunächst enttäuschend. Hatten die Kubacher sich doch erhofft, dort unten die lange gesuchte Tropfsteinhöhle zu entdecken, die sie aus Chroniken alter Phosphorit­bergleute kannten. Diese hatten im Jahre 1881 eine „prächtige Höhle” beschrieben, die so groß sein sollte, daß man die Kubacher Kirche hätte hineinstellen können. Und ein Heuwagen, so stand es bei den Bergleuten geschrieben, hätte ohne weiteres durch die riesige Höhle fahren können.

Davon konnte bei der 1974 entdeckten Höhle keine Rede sein. In engen, zerklüfteten Höhlenwänden fand sich, zur allgemeinen Enttäuschung, auch nur eine einzige Tropfsteingruppe vor: genau jene, die man bei der ersten Fotografie mit einer speziellen Bohrlochkamera zufällig aufgenommen hatte. Statt phantastischer Tropfsteingebilde bedecken glitzernde Kalkspatkristalle die Wände und an vielen anderen Stellen weißer Perlsinter – wie zu schockgefrorenen Wasserfällen erstarrt.

Und doch entdeckten die Höhlenforscher bald, daß diese Höhle ganz andere Reize vorwies: Millionen von Kalkspatkristallen glitzern an den Wänden der 30 Meter hohen Halle - sie ist damit übrigens die höchste Schauhöhle in der ganzen Bundesrepublik. Wie die Kristalle entstehen konnten, ist noch nicht endgültig geklärt. Eine konstante Wassertemperatur, ruhiges Gewässer und eine bestimmte Kombination chemischer Elemente müssen zusammengewirkt haben. Das ist so selten der Fall, daß die Höhle jetzt unter Naturschutz steht, da die dichten Kristallgruppen äußerst wertvoll sind: Abbrechen und mitnehmen ist strengstens verboten

Daß am Ende eine ganz andere, nie vermutete Höhle entdeckt worden war, konnte das Forscherglück Schröders und seiner in einem gemeinnützigen Verein zusammengeschlossenen freiwilligen Helfer nicht mehr trüben. Es lohnte sich demnach, den gewaltigen Felsriß von Lehm und Schutt zu befreien und – nachdem auch noch die höchste „Halle“ Deutschlands erkundet war – die Kaverne unter dem Namen „Kubacher Kristallhöhle“ 1981 der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie ist mit 30 Metern Deutschlands höchste Schauhöhle.

Am spannendsten erweist sich der Abgang. Eine nicht enden wollende Treppe mit insgesamt 455 Stufen scheint direkt in Hades' Schattenreich zu führen. Mythologisches allerdings umrankt die geologische Entstehung der Höhle nicht. Das älteste Gestein - Kalkablagerungen devonischer Meere  - entstand bereits vor 350 Millionen Jahren. Im Karbon (rund 100 Millionen Jahre später) wurde es zu einem Gebirge gefaltet und erhielt Strukturen, die die spätere Richtung der Höhle mitbestimmt haben. Während der Eiszeit vor zwei Millionen bis 10.000 Jahre vCh wurde das Hohlraumsystem der heutigen Höhle aus dem Kalkstein herausgelöst und seitdem ständig erweitert. Im jüngsten, noch andauernden Prozeß, entstanden die Ablagerungen und der kristalline Schmuck. Seinem Erhalt dient ein künstlicher „See“, um die Luftfeuchtigkeit bei gut 85 Prozent zu stabilisieren. Das Wasser im tieferen Teil setzt den Prozeß der Höhlenbildung fort. Grundwasser und ein aus Regen und Schmelze gebildeter „Sommersee“ nagen Millimeter um Millimeter an dem Gestein. In einigen tausend Jahren wird die Sohle noch tiefer als die bislang erreichten 70 Meter liegen.

Das Wasser hat auch die Kubacher Kristallhöhle geschaffen: Ihre Entstehungsgeschichte begann vor 350 Millionen Jahren. Damals, in der Devonzeit, war die heutige mittelhessische Lahngegend noch von einem tropischen Meer bedeckt. Aus den Korallenriffen am Meeresboden entstand über die Jahrtausende Kalkstein. Das Höhlensystem wurde während der Eiszeit vor rund zwei Millionen Jahren bis vor 10.000 Jahren durch Sickerwasser aus dem Gestein ausgespült.

Das warme, kalkgesättigte Wasser in der Höhle sorgte anschließend für den einzigartigen Höhlenschmuck und ließ die Calcitkristalle wachsen. Später, als das Wasser aus der Höhle zum größten Teil abgelaufen war, sorgte die ständig vorhandene kalkgesättigte Feuchtigkeit von etwa 90 Prozent unter der Erde für ein weiteres Phänomen. An den Kristallspitzen hängen Wassertropfen, aus denen sich der gelöste Kalk abscheidet und auch heute noch die etwa einen Zentimeter großen, weißen Perltropfsteine entstehen läßt.

Zurückgekehrt ans Tageslicht, runden ein Schauraum in der Gaststätte und ein „Steinmuseum“ im Freien die Höhlenexkursion ab. Dokumentiert werden die außergewöhnliche Entdeckungsgeschichte der Höhle und anhand der teilweise mannshohen Felsblöcke die geologischen Verhältnisse im mittleren Deutschland.

Neben dem Museum im Höhlenhaus findet der Besucher vor dem Höhleneingang ein Freilicht-Steinemuseum. Bis zu zwölf Tonnen schwere Gesteinsbrocken aus verschiedenen Erd-Epochen sind ausgestellt. Im oberirdischen Höhlenmuseum sind zudem Mineralien aus aller Welt zu bestaunen. Hier wird außerdem auch die Erschließung der Höhle dokumentiert.

Seit vier Jahren wird die Kubacher Kristallhöhle zudem jeweils am zweiten Adventssonntag als von der Natur gegebene Konzerthalle genutzt. Die Chor-Konzerte in der einzigartigen Akustik, bei der die Töne sechs- bis achtfach durch die Höhle laufen, sind immer ausverkauft.

 

Die Kubacher Kristallhöhle ist vom 29. März bis zum 2.November werktags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. An Wochenenden sowie an Feiertagen ist von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die letzten Führungen durch die Höhle (Dauer etwa 45 Minuten) beginnen in der Woche um 16, am Wochenende um 17 Uhr. Auch außerhalb der regulären Besucherzeiten sind Führungen nach Voranmeldung (Tel. 06471/94000) möglich. Für Gruppenführungen ab 20 Personen wird um Voranmeldung gebeten. Der Höhlenbesuch kostet 3,50 Euro für Erwachsene, 2,50 für Schüler und 0,50 Euro für Kinder bis sechs Jahre. Im Preis ist die Besichtigung des Steine- und des Höhlenmuseums inbegriffen. Die Foto-Erlaubnis kostet zwei Mark.

 

Stadtteile:

Ahausen: einen Kilometer lahnaufwärts gelegen, mit einer modernen Anlage für Sportschützen.

Bermbach: der kleinste Stadtteil, mit seinem gemütlichen Freibad.

Drommershausen: ein Eldorado für Reiter.

Gaudernbach mit dem einzigen Baumaschinen-Modelle-Museum Deutschlands.

Hasselbach: mit seinen weiten Flächen ein Paradies für Wanderer.

Hirschhausen: Naherholungseinrichtung „Wildpark Tiergarten Weilburg“.

Kirschhofen: links der Lahn und direkt gegenüber von

Odersbach, mit seinem reizvollen Campingplatz, der Jugendherberge, dem Freibad.

Kubach: mit seiner weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten „Kristallhöhle“.

Waldhausen: ist sogar noch älter als Weilburg (881).

 

Waldbrunn-Ellar (nordwestlich von Weilburg)

Es gibt historische Gebäude und einen Friedhof, eine sehenswerte Ortsmitte. Die Burgruine ist aus dem 12. Jahrhundert, die Burgschmiede aus dem 16. Jahrhundert. Weitere Sehenswürdigkeiten  sind Gefängnisturm und Stadtmauer, Friedhof der ehemaligen israelitischen Gemeinde, Heimatmuseum mit Kunstausstellung.

 

Weinbach-Elkerhausen (südlich von Weilburg, aber östlich der Lahn):

Das Schloß Elkerhausen (Burgring 18) wurde. erbaut im 12. Jahrhundert als Wasserburg, heute ist es Renaisssanceschloß in Privatbesitz.

 

Nauborn: Theutbirg-Basilka

Auf der A 45 über das Gießener Südkreuz zur Abfahrt Lützellinden, nach links und durch Großrechtenbach, Weidenhausen, in Volpertshausen rechts abbiegen nach Reiskirchen und Richtung Nauborn. Wenn man auf die Straße Schöffengrund - Wetzlar trifft nach rechts abbiegen. Dort steht rechts die Honigmühle. Ein Stück weiter durch den Wald steht rechts die Dickesmühle, ein Backsteinbau, der nicht besonders gekennzeichnet ist. Aber links steht ein Wegweiser „Teutbirg-Basilika“. Dort kann man parken und es geht ein Steig hinauf zu den

Resten der Basilika

Südlich von Nauborn senkt sich von Südwesten ein Ausläufer der Randhöhen zum Wetzbach hinab. Er bildet vor dem eigentlichen Talgrund eine etwa 100 mal 60 Meter große, weitgehend ebene Fläche, die nach Norden und Osten steil abfällt. An der höchsten Stelle  wurde die Teutbirg-Basilika errichtet. Der alte Zugang dürfte von Norden her an der Ost­flanke entlang in einem Bogen zur Südostecke des Gotteshauses geführt haben.

Die Kirche der Teutbirg („in loco qui dicitur Nivora“) wird erstmals am 13. März 778 genannt (Urkunde 3058 = 3696a): Eine „venerabilis matrona“ namens Teutbirg (= die Gott Geweihte) schenkte dem Kloster Lorsch eine „Basilika“ („basilicam, qui ibi constructa est“) mit Land und 30 Leibeigenen. Am 12. Juni 781 erweiterte Teutbirg diese Schenkung durch eine zweite Stiftung (Urkunde 3047 = 3700). Es handelt sich wohl um eine Eigenkirche, die deutlich vor 778 entstanden ist. Ein kleiner Nonnenkonvent könnte zugehörig gewesen sein. Die Kirche wird aber nicht über die Wende zum 9. Jahrhundert hinaus bestanden haben.

Die Mauern der Teutbirg-Kirche wurden 1927 von dem Nauborner Pfarrer Friedrich Karl Schieferstein (1874 - 1959) entdeckt. Ihm war beim Studium des Lorscher Codex  - d. h. der Stiftungsurkunden an das Kloster Lorsch -  aufgefallen, daß um 800 in Nauborn zwei Kirchen bestanden haben müssen: Die „Basilika“ der Teutbirg und  eine der Heiligen Maria geweihte Kirche („ecclesiam, quae constructa est in honore S. Mariae“) mit allem Zubehör an Ländereien und Leibeigenen (Urkunde 3156 = 3726a); diese wurde  am 25. Oktober 806 von Engil­drut und Engilsuint dem Kloster Lorsch vermacht.

Karl Schieferstein unternahm im Frühjahr 1927 mit seinen Konfirmanden bereits erste Schürfungen am „alten Kirchhof“. Man fand  menschliche Knochen und stieß auf Mauerreste, die sich als Südostecke eines Chorraumes erwiesen. Offen war zunächst die Frage, um welche der beiden urkundlich genannten Kirchen es sich dabei handelte. Schieferstein entschied sich - und zwar wieder auf Grund von Flurnamen - für die Theutbirg-Basilika, wobei ihn folgende Überlegung leitete: Da die hinter der heutigen Nauborner Ortskirche ansteigende Höhe in der lokalen Überlieferung als „Engelsberg“ bezeichnet wird, sah er darin einen Hinweis auf die alte Stifterfamilie Engildrut und Engilsuint.

 

Im Jahre 1932 wurde die Fundstelle durch Walter Bade im Auftrag des Bonner Landesmuseums näher untersucht. Mit 14 Schnitten untersuchte er das Kircheninnere weitgehend, der Friedhof wurde nur ansatzweise mit Schnitten ergraben. Die Bruchsteinfundamente waren bis zu 60 Zentimeter hoch erhalten und wurden einheitlich aufgemauert.

Die Kirche war ein längsrechteckiger Saalbau aus Bruchsteinmauerwerk mit um Mauerstärke eingezogenem, gestelztem Halbrundchorhaus, das außen rechteckig ummantelt und innen vermutlich mit einer in die Apsiskalotte übergehenden Längstonne gewölbt war. Der nach Osten ausgerichtete Grundriß der Kirche ist vierteilig:

1). Ein annähernd quadratischer Chor von 4,3  mal 4,6 Meter Größe, nach außen gerade, innen gerundet. Er setzt eine massive Steinbauweise voraus. Sein Fußboden lag etwa 0,20  Meter höher als die Schwelle der Südtür und scheint ursprünglich ein Mörtelestrich gewesen zu sein. In der Apsis stand sicher ein Altar, obwohl entsprechende Spuren im Boden fehlen.

2.) Ein Rechteckraum von 7,35 Meter lichter Länge und 4,75 Meter lichter Breite, der für die Gemeinde bestimmt war. Eine Quermauer mit einem 2,25 Meter breiten Durchlaß in der Mitte teilt ihn ab von dem nächsten Raum. Die Chorwände waren verputzt.

3.) Da Chor und Gemeinderaum keinen direkten Zugang von außen hatten, diente der westliche Längsraum offenbar als Vor- und Durchgangsraum und hatte auch nur einen einfachen Lehm-Estrich. Der 7,35 Meter lange  und 4,80 Meter breite Vorraum hatte an seiner Südostecke eine 1,75 Meter breite Öffnung. Die Deutung dieses Westteils als gedeckter Vorhof zur Kirche (Atrium) ist umstritten.

4.) Im Südwesten ist ein kleiner Anbau mit Innenmaßen von 3,95 mal 1,45 Meter an die Südwand angeschlossen. Der 0,86 Meter breite Zugang bestand an der Ostseite nach außen, aber nicht zur Kirche. Er war sicher keine Sakristei, da ein unmittelbarer Zugang zum Kirchenraum fehlt. Er wird als Klause der Teutbirg gedeutet (im Lehmestrichboden wies er eine Herdstelle auf). Die Funktion dieses Raumes bleibt aber im Dunkeln, eine Deutung als Zelle ist ganz unsicher. Außen stieß man auf Tierknochen, eine Axt, Scherben und Holzkohle.

 

Alle drei Räume - Kirchenraum, Vorraum und Anbau - waren im Gegensatz zum eingewölb­ten Chor vermutlich mit einem flachen Dach oder mit einem offenen Dachstuhl gedeckt, da die Mauerstärke für eine Gewölbekonstruktion von 4,75 Meter nicht ausgereicht hätte. Stützen oder Pfeiler fehlten. Einige Ziegelbruchstücke, teils aus dem Innern des Anbaus, teils von der Nordseite der Kirche, waren in der Art römischer Tegulae gefertigt und dienten - weil kein Schiefermaterial belegt ist - offensichtlich der Dachbedeckung.

Die Zugänge deuten eine Ausrichtung der Kirche bzw. zugehörigen Siedlung nach Süden an, ferner bestand ein Eingang oder Fenster im Chorraum nach Osten. Die Fußböden im Chor und im angrenzenden Bereich der Kirche bestanden aus Mörtelestrich, im „Atrium“ aus Lehmestrich. Bau­fugen konnten nicht beobachtet werden (außer an der Westecke des Anbaus), die Kirche wurde in einem Zuge errichtet und hatte weder Vorgänger noch Nachfolger. Da im Innern wie auch im Umfeld Mauerversturz fehlt, scheint sie nicht allmählich verfallen, sondern abgetragen worden zu sein.

Wie die Türschwellen zeigen, lag die alte Oberfläche 0,9 Meter unter dem heutigen Niveau. Das aufgehende Mauerwerk erreichte, soweit erhalten, mit zwei bzw. drei Steinlagen die heutige Bodenhöhe. Die Fundamentgräben waren rechtwinklig in den gelben Lehm eingegraben. Das Steinmaterial bestand aus Grauwacke der näheren Umgebung und war teils gesetzt, teils schräg gestellt oder durcheinander gemauert und nur in den oberen Lagen mit Kalkmörtel gebunden.

 

Auf der Süd- und der Nordseite der Kirche wurden vierzehn beigabenlose und nach der Kirche ausgerichtete Bestattungen von Frauen und Kindern (von mehreren das Geschlecht nicht bestimmt) ohne Särge und Totenbretter entdeckt. Daß sich unter den Toten nur Frauen und Kinder nachweisen ließen, mag Zufall sein. Nördlich des Chores wurde eine Art von Massenbestattung angetroffen, aber nicht näher untersucht. Da keines der dort dicht aufeinander liegenden Skelette gestört war, dürften die Toten gleichzeitig in den Boden gekommen sein. Holzspuren von Särgen und Beigaben fehlten. Dieser Befund könnte für hier bestattete Leibeigene sprechen.

Da die Kirchenfundamente keine Gräber schneiden bzw. stören und im Kircheninnern Gräber fehlen, muß der Friedhof nach Errichtung der Kirche angelegt worden sein. Alle Toten lagen mit dem Kopf im Westen, blickten also nach Osten. Nachbestattungen fehlten, was für eine kurze Belegungszeit spricht. Die Grenzen des Friedhofes konnten nicht bestimmt werden. Neben Knochen wurden Gefäßscherben aus der Zeit zwischen 700 und 780 sowie eine Eisen­axt entdeckt  (Archäologische Denkmäler in Hessen 149).

Die Teutbirgkirche geriet durch den späteren Siedlungsschwerpunkt im heutigen Nauborn ins Abseits und verfiel. Auch die Marienkirche („Engelsleute-Ecclesia“), deren Lage am Engelsberg vermutet wird, ging unter, vielleicht ist aber die Nauborner Pfarrkirche ihre Rechtsnachfolgerin.

Braunfels

Das Schloß der Fürsten Solms-Braunfels steht auf einer Basaltkuppe über der Stadt. Der älteste Teil stammt aus dem 13. Jahrhundert, das Übrige wurde nach den durch den 30jährigen Krieg verursachten Schäden und einem Brand von 1679 neu aufgebaut und im neugotischen Stil 1846 - 1891 erweitert. Innerhalb der ausgedehnten Anlage sind der Rittersaal sowie die Samm­lungen von Plastiken, Gemälden, Mö­beln und Waffen sehenswert. Auf dem unbebauten Vorgelände des Schlosses wurde nach dem großen Brand von 1696 auf Veranlassung von Graf Wilhelm Moritz eine einheitliche Gestaltung des Marktplatzes begonnen. Jedes Haus mußte „60 Schuh lang und 40 Schuh in die Breite gebaut werden“.

 

Waldmuseum

Den Besucher des einzigartigen Waldmuseums Dr. Kanngiesser in Braunfels erwartet mehr als eine Sammlung von Schätzen der Natur: Muscheln, Schmetterlinge, Insekten, Fossilien, Mineralien und eine Südsee‑Bibliothek. Kaum überschreitet der Gast die Schwelle des Hauses, betritt er eine andere Welt, in der die Zeit stehen geblieben ist. Keine Kasse, kein Eintritt, jeder Be­sucher wird persönlich durch das Jugend­stil‑Wohnhaus geführt. Bereits im Flur ist kein Weiterkommen. Wände voller Gewei­he, daneben Sägefische, Wal‑ Barthaare, Schildkröten, Tropenhelme, Büsten, Mas­ken aus Afrika, Holzscheiben. Nirgendwo Beschriftungen, Broschüren, Kataloge. Dafür setzen sich die Erzählungen der Familie Schleifer für den Zuhörer wie kun­terbunte Mosaiksteinchen zusammen.

Die Vielfalt der Eindrücke verwirrt, gleichzeitig treibt sie den Besucher zu im­mer neuen Entdeckungen in den Wohnräumen. Da eine riesige Vogelspinne, dort ein Kugelfisch, die schönsten Achate aus Brasilien, prachtvoll schillernde Schmet­terlinge, Totenschädel, Blitzröhren aus Sibirien, Mammutbackenzähne.

Unge­zählte Sammlerstücke hat der verstorbe­ne Friederich Kanngiesser aus allen Tei­len der Welt von seinen Forschungsreisen mitgebracht. Sie lagern in stilvollen Schränken, Vertikos, Vitrinen: Möbel der Biedermeier‑ und Gründerzeit. Wie es der Verstorbene hinterließ, wird es hier gesi­chert. An den Wänden hängen Gemälde und Zeichnungen dicht an dicht ‑ das Auge kann nur einen Teil erfassen.

Seit dem Tod des Arztes und Philoso­phen Friederich Kanngiesser 1965 wah­ren die Geschwister Margarete und Oskar Schleifer, die schon als Kinder bei Kann­giessers ein und aus gingen, sein Erbe. Der dritte im Bunde, Hermann Müller­-Schleifer, stieß 1972 dazu. Das Trio wohnt im Museum, offenbar beengt, denn fast alle Räume werden von Sammlungen in Beschlag genommen.

Innen ist alles original ‑ der große Stolz der Drei. Die düsteren Tapeten von 1905, ebenso die bemalten Jugendstildec­ken im oberen Stockwerk. Auch Marmela­dengläser mit Steinproben, Pappkartons mit unbekanntem Inhalt, Hölzer, Wur­zeln, Baumfrüchte im Flur ‑ alles blieb unverändert. Fast alles, denn das Jagd­zimmer von 1975 ist quasi ein Stilbruch, über den keine Einigkeit besteht, denn der Doktor jagte nicht.

Friederich Kanngiesser wurde 1884 in Frankfurt am Main geboren, studierte Medizin und Naturwissenschaften, pro­movierte in Medizin und in Philosophie. Bis 1916 lehrte er an der Schweizer Universität Neuchatel Toxologie und Botanik. Anschließend ließ er sich als Privatgelehr­ter mit seiner Frau Constance, einer Engländerin, in dem von seinen Eltern 1905erbauten Haus in Braunfels nieder. Das einsame Grundstück mitten im Wald hatten die Eltern mit Blick auf die naturkundlichen Interessen ihres Sohnes aus­gewählt. Bereits 1916 führte Kanngiesser Besucher durchs Haus „eine geistige Stätte, ein Sanatorium für Gemüt und­ Seele“. Er informierte, bildete und klärte auf, denn als Toxikologe hatte er sich dem Kampf gegen die Suchtgifte, vor allem Alkohol und Nikotin, verschrieben. Noch heute entdeckt der Besucher seine schrift­lichen Ermahnungen.

Auch wenn die Zeit im Inneren Hauses stehen zu bleiben scheint. Drumherum hat sich zum Leidwesen Schleifers stark verändert. Seit dem Bau des Kreiskrankenhauses nebenan ist mit der Abgeschiedenheit vorbei. Wald wurde ebenfalls gelichtet. Auch Sorge um die Zukunft ihres Museums beschäftigt die Familie. Ihr fortgeschrittenes Alter zwingt bereits zu Einschränkungen. Im Winter heizt sie lediglich im Untergeschoß. Auch die Stadt Braunfels blickt sorgenvoll in die Zukunft des in Privatbesitz befindlichen Museums, eine Rarität, die erhalten bleiben sollte. Verhandlungen mit der Familie scheiterten bisher.

Waldmuseum Dr. Kanngiesser, Heckberg Straße 21, Braunfels, Telefon 0644/6241. Geöffnet täglich 10 bis 17 Uhr, Anmeldung im Winter empfehlenswert, Eintritt frei, um Spende wird gebeten.

 

Westlich von Braunfels ist ein Hutewald, eine „Urwaldzelle“. Dort gibt es zum Beispiel kleine Hirschkäfer, die einzigartig in Hessen sind.

 

Philippstein

Ursprung des Ortes ist die Burg Philippstein, die 1390 durch den Landgrafen Philipp I. von Nassau-Weilburg und Saarbrücken auf einem Bergkegel als Grenzburg zur Solmser Grafschaft errichtet wurde. Gleichzeitig ist Philipp I. der Namensgeber für die Burg und die entstandene Siedlung. Im Jahre 1610 erbauten die Bürger eine evangelische Kirche und ein Pfarrhaus.

Um Philippstein entstand mit dem Beginn der Industrialisierung der Tagebau Wilhelmstollen (1937) und die Grube Eisenfeld (1838). In den darauffolgenden Jahrzehnten entstanden sieben weitere Eisenerzgruben. Philippstein wurde zu einem Bergarbeiterdorf mit bis zu 400 Bergleuten in der Spitze. Im Jahre 1962 wurden die letzten beiden Gruben geschlossen. Heute erinnert ein Denkmal an die Tradition des Bergbaus im Ort.

Die Ruine der Spornburg liegt etwa 35 Meter über dem gleichnamigen Dorf auf einem Bergsporn über dem Tal des Baches. Die Burg wurde im Jahre 1390 von Graf Philipp I. von Nassau-Weilburg erbaut. Sie diente in erster Linie der Absicherung seines Territoriums und der Bergbauminen. Spätestens im 16. Jahrhundert verlor die Burg ihre strategische Bedeutung und verfiel nach dem Abzug des letzten Verwalters immer weiter.

Im 19. Jahrhundert wurde die Ruine von den Dorfbewohnern als Steinbruch genutzt, so daß weite Teile abgetragen wurden und die Steine in neu errichteten Gebäuden eingefügt wurden. Selbst der Bergfried wurde nicht verschont. Auch ihm wurden im unteren Bereich Steine entnommen, so daß er das Aussehen eines von Bibern angenagten Baumstammes hatte und stark einsturzgefährdet war.

Der Bergfried der Burg liegt am westlichen Rand der Ruine an ihrer tiefsten Stelle, was burgenbautechnisch eine Besonderheit darstellt. An den Bergfried schließen sich Reste der Schildmauer an. Weitere Mauerreste am Berghang könnten von einem Palas stammen, wobei dies nicht einwandfrei geklärt ist.

Die Ruine ist heute wieder frei begehbar. Der etwa 20 Meter hohe Bergfried ist mittlerweile im Bestand gesichert und kann bestiegen werden. Er besitzt heute ein Dach, das aus einer hölzernen Konstruktion besteht und mit Schiefer gedeckt ist.

 

 

Villmar

Man fährt in Villmar fast durch die Stadt hindurch, dann geht es rechts in die König-Konrad-Straße und dort steht rechts ein Wegweiser „Natursteinbruch“. Man fährt in die Straße „Am Lahnufer“, aber nicht links ab zum Spielplatz, sondern weiter bis zur Brücke, die mit Lahnmarmor verkleidet ist. Diese überquert man und fährt nach rechts in die Straße „Überau“. Am Bahnhof steht links das neue Lahn-Marmor-Museum. Dort geht es auch hoch in die Straße „Oberau“ und (nicht sehr weit) immer geradeaus bis zu einem Wegweiser „Unica-Stein­bruch“.

 

In der Natur sieht er unscheinbar aus, der Lahnmarmor. Erst geschnitten und poliert entfaltet er sein feines Farbspiel. Bis etwa 1970 wurde im unteren Lahntal rund um Villmar der repräsentative Stein gebrochen. Über 30 Marmorbrüche gab es einst zwischen Villmar und Weilburg entlang der Lahnmulde. Der Lahnmarmor der „Varietät Unica“ zeichnet sich durch seine dunkelrote Farbe und die großen Fossilien aus.

Seit jeher schmückten die Reichen und Mächtigen Paläste und Prunkbauten mit dem teuren Kalkstein. Er schmückt noch heute nicht nur die Lahnbrücke und den Fußboden der Kirche in Villmar, sondern auch die Eingangshalle das Empire State Building, die Moskauer U-Bahn, den Palast des Maharadschas von Tagore (Indien) oder das Theater von Rio de Janeiro und hierzulande den Dom zu Würzburg, das Weilburger Schloß und die Amorbacher Abteikirche. Unica-Marmor fand auch Verwendung in Würzburg (Residenz, Käppele), Berliner Dom (Kaisertreppe, Taufkapelle), Schloß Bruchsal (Marmorsaal), Wiesbaden (Russische Kapelle, Kurhaussaal).

Die Fossilien eröffnen ein Fenster in einen frühen Zeitabschnitt der Erd- und Lebensentwicklung vor rund 380 Millionen Jahren. Es ist die Zeit des mittleren Erdaltertums, während der Pioniere der ersten Landpflanzen die Festländer eroberten und auch die Wirbeltiere in Gestalt der frühesten Amphibien ans Land stiegen.

 

Im Erdzeitalter des Devon lag die Gegend etwa 20 Grad südlich des Äquators, also im tropischen Klima; die Durchschnittstemperatur lag über 20 Grad. Man kann die fossilen Lahnmarmor-Riffe heute in einem großen Ozean lokalisieren, der sich zwischen einem nördlichen Kontinent „Eur­amerika“ und einem großen ausgedehnten Südkontinent erstreckte. Deutschland lag damals ungefähr 20° bis 30° südlich des Äquators. In dieser vorzeitlichen Szenerie ist das Lahn-Gebiet als Senkungsraum auf dem äußeren Schelf Euramerikas zu verorten. Der Feinbau der kalkigen Skelette von Korallen und Stromatoporen, der sich zuweilen bis in tägliche Wachstumszonen auflösen läßt, vermittelt die Erkenntnis, daß im Erdaltertum die Zahl der Tage, die das Jahr umfaßte, höher war. Die Erde drehte sich in jener Zeit noch schneller!

Unter dem Meeresboden gab es vulkanische Aktivität, die den Meeresboden stellenweise manchmal über den Meeresspiegel hinaushob. Auf diesen Untiefen und an den Flanken der Vulkaninseln konnten sich Riffe ansiedeln, die zu mächtigen Gebilden heranwuchsen.

Für die Entstehung von Riffen übrigens ein denkbar ungeeigneter Raum beträchtlicher Wassertiefe, hätte nicht gleichzeitig ein phasenweise äußerst heftiger untermeerisch aktiver Vulkanismus unterschiedliche Förderprodukte - Basalte, Laven, Tuffe und Aschen - hunderte Meter bis fast zur Wasseroberfläche angehäuft, den tierischen Riffbauern damit in durchlichtet turbulenter Flachwasserzone Siedlungsraum bietend. So entstanden in Pausen vulkanischer Aktivität Saumriffe; um Vulkaninseln atollartige Riffe.

Durch die Wasser in den Porenräumen wurden sie teilweise rot gefärbt. Durch die Bewegungen der Kontinentalplatten entstanden Risse, die mit Mineralsubstanzen gefüllt wurden und heute als weiße Strukturen („Adern“) zu sehen sind.

Im Vorriff werden immer wieder Bruchstücke herausgebrochen und die Bruchstücke wirken heute unsortiert. Im Hauptriff (Bereich des Naturdenkmals) konnten die Riffbildner dagegen über lange Perioden ungestört wachsen. Im Rückriffbereich lagerten sich feinste Kalkschlämme ab. Das Gestein ist deshalb nicht gleichmäßig, sondern breite Lagen mit recht großen Bestandteilen wechseln sich ab mit deutlich röteren Lagen. Wenn ungewöhnliche Stürme nicht vom Vorriff abgefangen werden konnten, zertrümmerten die Wellen auf im Hauptriff das Entstandene und lagerten kleinkörnigen Schutt auf dem Riff ab.

Das mitteldevonische „Stromatoporen-Riff“ ließ abgestorbenes Meeresgetier absinken. Schicht um Schicht bauten sich dadurch riesige Kalksteinvorkommen auf, die sich unter dem Druck des Wassers und des eigenen Gewichtes über Jahrmillionen zu einem kompakten Gestein verfestigten.

Im Unica-Steinbruch bei Villmar ist der Zentralbereich eines ausgedehnten Stromatoporen-Riffes dreidimensional aufgeschlossen. An der glattgesägten Wand wird ein Stromatoporenriff erkennbar. Der Aufschluß gilt als weltweit einzigartig. Das Wachstum im Riff, aber auch Zerstörungen durch einstige Stürme, werden damit an Ort und Stelle nachvollziehbar. Großflächig polierte Marmorprofile geben Einblick in ein Bodendenkmal von europäischem Rang.

Zum einen sind Kalkskelette zum Teil bis metergroßer, ausgestorbener schwammartiger Tiere - so genannter Stromatoporen - nicht selten, gefolgt von Bechern und Stöcken unterschiedlicher altertümlicher Korallen sowie vielen Überresten im Riff lebender kleinerer Tiere, von denen etwa Seelilien, Schnecken und Armfüßler zu nennen sind.

An anderen Abbau-Orten der Umgebung Villmars kann der Lahn-Marmor aus überwiegend fragmentierten und im Bereich des Riffs verfrachteten Kalkskeletten bestehen, die als Schuttlagen in steiler Hang-Lagerung erhalten sind, wiederum Hinweis auf einstige Stürme.

Der Abbau im Steinbruch Unica wurde in den 1930er Jahren begonnen. Gearbeitet wurde dabei mittels Seilsägetechnik. Mit Hilfe eines schnell laufenden Stahlseils, Quarzsand, der in die Sägerille eingebracht wurde, und Wasser, das den Sand transportierte und gleichzeitig das Seil kühlte, wurden die Blöcke aus dem Gesteinsverbund getrennt. Dabei erreichte man bei einer Länge des Steinbruchs von etwa 14 Metern einen Vortrieb von etwa 4 Zentimetern am Tag. Auf der oberen Ebene kann man an der Wand die Spuren der Seilsäge heute noch sehen.

Die großen Blöcke mußten dann weiter zerkleinert werden. Hierzu bohrte man parallele Löcher nebeneinander ins Gestein und trieb Keile in die Löcher. Durch den Druck wurden die Granitblöcke auseinander gedrückt. Spuren dieser Bohrungen sind seitlich neben der Treppe zur oberen Ebene als auch am kleinen Block im hinteren Bruchbereich zu erkennen.

Anfangs transportierten die Arbeiter die tonnenschweren Blöcke auf Holzstämmen rollend zur nächstgelegenen Verladestation. Von dort wurden sie mit Pferdefuhrwerken oder mit kleinen Bahnen bis an die Lahn oder nach Koblenz gebracht. Später wurde der Block dann mit einem Derrick­kran auf den Blockwagen gehoben. Der Kranstamm ist noch heute an der oberen Bruchkante zu sehen. Das neben ihm stehende Gerät ist die zum Kran gehörende Winde.

 

In den verschiedenen Riffzonen bildeten sich charakteristische Kalksteine. Drei „Massekalkschichten“ unterscheiden die Geologen heute zwischen Weilburg, Villmar und Katzeneln­bogen. Sie begründen die große Anzahl von Lahnmarmorvarietäten: „Schupbach Goldader“, „Unica Blassrot“ oder „Lahnberg dunkel“ - einst hatten diese Namen einen famosen Ruf in der ganzen Welt. Heute wird kein Marmor mehr gebrochen. Mit einigen Resten hilft man noch bei Reparaturen aus. Auch viele Häftlinge mußten übrigens die schwere Arbeit in den Steinbrüchen verrichten.

Der alte Industriezweig lebte noch einmal kurz auf, als ein 1000-Tonnen-Kran die marmornen Gesteinsblöcke aus dem stillgelegten Bruch „Bongard“ in Villmar im Kreis Limburg-Weilburg emporhievte. Mit dem Stein wurde der im Krieg zerstörte Hochaltar der Mannheimer Jesuitenkirche restauriert.

Heute stößt man höchstens zufällig auf Überreste der einstigen Abbaustellen. Zugewachsen mit Gestrüpp, überwuchert von Gras und Sträuchern - kaum etwas weist auf den einstigen Arbeitsplatz vieler hundert Männer hin. Hat man die Steinbrüche aber gefunden, dann entdeckt man überall Spuren einstigen Schaffens. Geborstene Stahlseile, Winden, Umlenk-Rollen und Mauerreste von Maschinenhäusern bilden ein faszinierend-morbides Technikmuseum in freier Natur.

Interessierte dürfen den Steinbruch betreten (aber immer auf die eigene Sicherheit achten!) und Einblicke in die außergewöhnlichen Kalkstein-Formationen bekommen. Der Unica-Marmorstein­bruch ist in die Liste der 77 bedeutendsten Geotope Deutschlands aufgenommen worden. Das Naturdenkmal erhielt 2001 den Hessischen Denkmalschutzpreis. Den Marmor kann man durch Wasser zum Glänzen bringen.

 

Lahn-Marmor Museum:

Axel Becker, ein Informatiker aus Schupbach, gründete 1997 er mit anderen Interessierten den Verein „Lahn-Marmor-Museum“, der sich für den Erhalt und die Erforschung der Marmorbrüche engagiert. Heute arbeiten Geologen und Kunsthistoriker ebenso darin mit wie Bürger, die mittlerweile stolz sind auf ein derartiges Vorkommen in ihrer Heimat.

Dichteste Information bietet das Museum in Villmar, Peter-Paul-Straße 30. Nach acht Jahren Vorbereitungszeit hat der Verein „Lahn-Marmor-Museum“ ein Museum eröffnet, in dem uralte Versteinerungen mit faszinierenden Mustern zu bewundern sind, aber auch Werkzeuge zur Verarbeitung und fertige Werkstücke. Es werden auch Führungen angeboten. Geöffnet jeden ersten Sonntag im Monat (bis September) von 14 – 17 Uhr. Heute befindet sich das Museum am Bahnhof im Winkel der Straßen „Überau“ und „Oberau“ am Weg zum Steinbruch.

 

Lahn-Marmor-Weg:

Der im Unica-Steinbruch erfahrbare erdgeschichtliche Einblick kann durch zwei gut ausgebaute Rundwege im Bereich des Marktfleckens Villmar erweitert werden. Der Besucher wird hier Baudenkmäler wie die Lahnbrücke, künstlerisch gestaltete Brunnen, Reliefs, Gedenksteine aus Lahn­marmor, nicht zuletzt auch Werkzeuge und Maschinen der einstigen Marmorverarbeitung ken­nenlernen können. Von der König-Konrad-Halle an der Lahn im Südwesten der Stadt rechts an der Straße nach Runkel gehen zwei Rundwege aus (Näheres im Internet).

 

Wanderung:

Von Villmar sind es nur wenige Kilometer flußabwärts entlang der Lahn nach Runkel. Die einstündige Wanderung führt immer an der Lahn entlang. Unterwegs gibt es viele Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel den alten Steinbruch „Weibshohl“, den König-Konrad-Felsen, die Marmorbrücke und den begehbaren Unica-Marmorsteinbruch, zu bewundern. Das ist der Höhepunkt der etwa vier Kilometer langen Wanderung. Pausieren können müde Wanderer auf den am Wegesrand aufgestellten Bänken mit direktem Blick auf die Lahn. Wer nicht mehr zu Fuß zurück nach Runkel kehren möchte, kann den Ausgangspunkt auch mit der nahegelegenen Eisenbahn erreichen. Die Bahn fährt in der Nähe des Unica-Marmor­steinbruchs ab und ist innerhalb von fünf Minuten in Runkel.

 

Abstecher Villmar-Weyher (südlich von Villmar): Der Ort hat viele schöne Fachwerkhäuser, in einem der Häuser feierte ein Nassauer Fürst seine Hochzeit, weil das Schloß in Runkel zu ruinös war.

 

Runkel

Von Villmar geht es an der Lahn entlang – links sieht man die Felsen – nach Runkel, das „Felsennest an der Lahn”. Der Ort Runkel ist über schmalen Gäßchen und zusammengedrängten Häusern wieder erstanden nach der Zerstörung von 1634. Es ist ein gemütliches, altes, romantisches Städtchen mit etlichen idyllischen Plätzen und vielen hübschen Fachwerkhäusern. Über der schmalen Häuserzeile reckt die gewaltige Feste Runkel ihre drei kantigen Türme empor. Die Burg steht hoch über dem Fluß auf steilwandigen Felsen, seltenes Beispiel frühmittelalterlicher Festungsbaukunst. Noch heute ist die Burg ein Beispiel eines frühmittelalterlichen Verteidigungsbaues und die Burg erscheint dem Betrachter von der Lahnseite her als uneinnehmbar. Der Aufgang ist ausgeschildert. Besonders schön ist der Blick von der Burg herab auf das Städtchen und das Lahntal.

 

Die Burg Runkel:

Der Legende nach soll die Festungsanlage 778 erbaut worden sein, doch eine spätere Gründung ist realistischer. Im Jahre 1159 wird ein Siegfried von Runkel urkundlich erwähnt. Wahrscheinlich wurde die Burg zur Sicherung des Übergangs über die Lahn von Kaiser Friedrich Barbarossa gegründet. Dann gab es Krach zwischen Siegfried von Runkel und seinem Vetter Heinrich, der von der Burg vertrieben wurde.

Die Kernburg hat drei Türme und eine 45 Meter lange, bis sechs Meter dicke Schildmauer. Natürlich hat die gewaltige Anlage die Zeit nicht unversehrt überdauert, vor allem nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg. Der schlimmste Tag von Burg Runkel war der 15. Oktober 1634. Damals, im 30jährigen Krieg, wurden Ort und Schloß von österreichischen Truppen unter der Führung des Grafen Isolani weitgehend zerstört. Die Kroaten, hausten wüst und zerstörten Burg und Stadt. Abwechselnd stürmten dann Sachsen, Franzosen, Hannoveraner und Darmstädter die Burg. So hatten die anständigen Bürger im Tal immer genug Arbeit damit, die Burg für den nächsten Ansturm und Brand wiederaufzubauen.

Die Kernburg mit ihren drei mächtigen Türmen blieb seit 1634 zwar Ruine, aber die Wohngebäude entstanden in den folgenden Epochen neu. Die Unterburg mit drei Höfen wurde von 1642 bis ins 18. Jahrhundert. wieder aufgebaut. Durch ein mittelalterliches Doppelturmtor und auf der Fallbrücke über den früher viel tieferen Halsgraben gelangt man in den malerischen Innenhof mit der efeubewachsenen Unterburg. In ihr sind Wohnräume und das Museum untergebracht. Im Ahnensaal Porträts der früheren Burgherren, in den anderen Räumen eine interessante Waffensammlung und vieles mehr, eine Kapelle und ein Archiv und die Fürstlich-Wied'sche Verwaltung. Das Bollwerk mit seiner sechs Meter dicken Schildmauer war bis zum Dreißigjährigen Krieg uneinnehmbar.

Man sollte nicht versäumen, den viereckigen Bergfried in der Kernburg zu ersteigen und die Aussicht ins Lahntal und hinüber auf Burg Schadeck zu genießen, die in einem Jahrhunderte währenden Familienzwist als Trutzburg zur Runkel gegenüber entstanden ist. Oder man kann tief hinab in die Gewölbe klettern. Da steht noch die große alte Kelter und kündet von der Zeit, da hier der Runkeler „Rote” in die Fässer floß.

Im Jahre 1824 starb mit Friedrich Ludwig, der letzte Fürst der Wied-Runkelschen Linie. Run­kel fiel an die Linie Wied-Neuwied, in deren Besitz die Burg noch heute ist. Heute wird das Schloß von Prinz Metfried zu Wied und seiner Frau. bewohnt Sie versuchen, die Burganlage so gut es geht zu erhalten.

In der Burg ist ein Museum. Die Burg kann von Ostern bis Ende September von Dienstag bis Sonntag von 10.30 Uhr bis 17 Uhr besichtigt werden. Führungen: 10.30, 11, 14.30, 16 und 17 Uhr.

 

Rundgang Burg Runkel:

1. Äußeres Tor: Zwischen zwei Rundtürmen steht das rundbögige Tor. Im Obergeschoß ist später eine Wohnung eingebaut worden. Nach hinten versetzt ist ein zweistöckiges Wohnhaus als teilweise verschieferter Fachwerkbau angebaut. Über dem Tor sieht man das Wiedische Wappen mit den Initialen des Grafen Johann Ludwig Adolf zu Wied, Herr zu Runkel und Isenburg 1714.

2. Fallbrü>3. Erker: Er war zur Sicherung des äußeren Zwingers und des Burggrabens, eine wichtige Verteidigungsanlage im Mittelalter. Links steht ein Grenzstein, mit dem die zu Runkel gehörenden Zehnten abgemarkt waren.

4. Wohn- und Stallgebäude von 1701: Im Erdgeschoß ist Bruchsteinmauerwerk verwendet, darüber Fachwerk. In der Mitte trägt das Gebäude einen achteckigen Treppenturm mit Glockenhaube. Der Speicher zur Kornlagerung hat drei Stockwerke. Das Gebäude wird heute privat genutzt!

5. Gotischer Mittelbau mit Durchfahrt zum inneren Hof mit dem Wappen Wied-Runkel und Eberstein-Naugard um 1652.

6. Neuer Kelterraum: Hier wurde der „Runkeler Rothe“ gekeltert und verkostet. Im ersten Raum stehen ein Modell von Burg und Ort im Mittelalter, Gerätschaften für Weinbau, Landwirtschaft sowie Zeichnungen zur Burganlage. Dazu eine Ausstellung über Geologie und Verarbeitung von Lahnmarmor.

7. Wagnerei: Hier wurden früher Wagen und landwirtschaftliches Gerät gefertigt und gewartet.

8. Schmiede: Die Werkstatt für alle Gewerke aus Metall und Pferdeschmiede.

9. Brunnenerker: Er wurde erbaut nach dem 30jährigen Krieg. Der Brunnen ist 22 Meter tief und geht bis zur Grundwassersohle (Lahnspiegel).

10. Hauptwohngebäude: Es besteht seit dem 30jährigen Krieg und hat unten starke Gewölberäume als Schutzgang zum Brunnen. Hier ist der Eingang zur Waffensammlung und zur Burgruine.

11. Waffenkammer: Die Burgherren waren zum Schutz der Bevölkerung verpflichtet. Neben der Verteidigung bei Angriffen gehörte auch die Jagd dazu (Schutz der Landwirtschaft, da bei starken Wildschäden und Mißernten der Landwirte eine Hungersnot drohte). Die Sammlung von Waffen und Gerät gibt Zeugnis des damaligen Lebens.

12. Wehrgang: Er ist ein der Schildmauer vorgelagerter Verteidigungsgang. Später wurde er unterbrochen durch Einbau einer Wendeltreppe, die hinunter zum Ausgang führt.

13. Weinkeller: Der unterste Raum der Burganlage diente im Mittelalter zur Herstellung des begehrten „Runkeler Rothen“. Der Wein war wesentlicher Bestandteil der Versorgung der Bevölkerung in Notzeiten, insbesondere bei einer Belagerung. Die nächsten Räume, ebenfalls mit Tonnengewölben, dienten der Lagerung von Lebensmitteln und Kriegsgerät.

14. Folterkammer: Die diente der Strafvollstreckung, da auf der Burg auch Recht gesprochen wurde. Sie ist ein steinerner Zeuge von Not und Schrecken, insbesondere bei den Hexenprozessen von 1649 -1652. Die letzte urkundlich erwähnte Nutzung war 1765.

15. Südturm: Er hat einen quadratischen Grundriß aus dem 15. Jahrhundert mit vorkragender Wehrplatte. Die Begehung ist nur mit Leitern möglich. Die Höhe ab dem Fundament beträgt 26 Meter. Die Schildmauer ist gegen die Lahnhöhen als Angriffsseite gerichtet. Die Schießscharten wurden früher durch Holzstege verbunden. Die Stärke der Schildmauer von Norden nach Süden ist bis auf sechs Meter ansteigend.

16. Bergfried: Er ist auf dem Mittelpunkt des Felskegels errichtet, der als Fundament der Burganlage dient. Die Räume wurden als Wachräume genutzt, daneben aber auch für die „eiserne Reserve“ und zur Lagerung von Verteidigungsmaterial. Er war die letzte Bastion in der Burg.

17. Palas: Er ist der Hauptwohnteil der Burganlage mit einem Dachgeschoß. Der Innenausbau aus Holz wurde beim Brand von 1634 (Dreißigjähriger Krieg) restlos zerstört. Statt Wiederaufbau wurden die Flügel der vorgelagerten Höfe zu Wohnzwecken aufgestockt.

18. Schadecker Turm: Er diente zur Verstärkung der Nordseite gegen Angriffe der gegenüberliegenden Burg Schadeck der verwandten Grafen zu Leiningen-Westerburg, Vermutlich nach 1288 in die Giebelwand mit fünfeckigem Grundriß eingebaut. Im unteren Bereich ist er massiv. Er hat nur oben zwei übereinander liegende Räume mit spitzbogigen Tonnengewölben und Plattform über der Mauerkrone.

 

Der Verein „Die Runkelaner“:

Der Verein „Die Runkelaner“ setzt mit einem alten Nachen kostenlos Besucher vom Lahnufer zur Schleuseninsel über. Die „RunkeLahner“ - und die Aktion „Fährmann hol über“ am 19.8 & 20.8. 2006 fährt zwischen 11 & 19 Uhr kostenlos das Fährschiff der „RunkeLahner“ zur Schleuseninsel in Runkel - dort warten lecker Speisen und Getränke. Wer mehr über den Verein „Die RunkeLahner“ wissen möchte, sieht im Internet nach: www.runkelahner.de

 

Kriegsgräberstätte:

Hier wurden 232 Opfer der Weltkriege beigesetzt, davon 89 Ausländer und 20 Unbekannte. Es waren Wehrmachtssoldaten, Angehörige der Waffen-SS und zivile Bombenopfer, polnische und sowjetische Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Gefangene eines „Arbeitserziehungslagers“. Darunter sind auch viele Frauen und polnische und sowjetische Säuglinge und Kleinkinder, von denen viele in Niederselters gestorben sind, wo die Frauen beim Mineralbrunnen arbeiten mußten. In einem Sammelgrab wurden unbekannte Häftlinge aus verschiedenen Konzentrationslagern beigesetzt, die zu einer SS-Baubrigade gehörten, die seit Februar 1945 zerstörte Bahnanlagen wieder instand setzen sollte. Sie waren in Eisenbahnwagen auf Abstellgleisen untergebracht. Im März 1945 kamen zehn von ihnen durch einen Bombenangriff in Runkel-Aumenau ums Leben. Drei sowjetische Gefangene kamen aus dem „Arbeitserziehungslager“ Frankfurt-Heddernheim, Außenkommando Hundstadt, die in einem Eisenbahntunnel Propeller für Jagdflugzeuge herstellen mußten

Die Kriegsgräberstätte Runkel wurde Ende der sechziger Jahre als letzte Sammelanlage in Hessen geschaffen für Tote aus den Kreisen Oberlahn, Usingen und Limburg. Am 6. Oktober 1968 wurde die Kriegsgräberstätte eingeweiht und der Stadt Runkel übergeben.

 

Steeden

In den riesigen Steedener Kalk­steinbrüchen wurden immer wieder frühe Siedlungsfunde ge­macht, denen aber auch altsteinzeitliche Kalksteinhöhlen zum Opfer gefallen sind.

Dehrn

Schon seit der Jungsteinzeit, schätzungsweise 5000 vCh leben Menschen an der günstigen Lahnfurt. Darauf lassen Funde von Knochen, Tonscherben und Steinbeilen beim Bau der Kirche St. Nikolaus im Jahr 1923 schließen. Auch fränkische Gräber aus dem 7. Jahrhundert nach Christus sind bei Erdarbeiten in Dehrn gefunden worden.

Erstmals wurde der Ortsname im Jahre 1197 in einem Pfandvertrag schriftlich erwähnt. In diesem Pfandvertrag unterzeichnete ein „Frei von Dern“ als Zeuge. Ebenfalls um 1190 herum müssen ein nur noch in Resten erhaltener Turm und der heutige rechte Gebäudeteil des Burgmannenhauses gebaut worden sein, das sich unterhalb der Burg Dehrn befindet. Die Frei waren vermutlich auch die Erbauer der Burg, deren Baudatum sich nicht genau bestimmen läßt. Allerdings waren die Frei lediglich von den Grafen von Diez, denen auch der gesamte Ort gehörte, mit der Burg belehnt. Sie ging erst nach 1492 in das Eigengut der Frei von Dehrn über.

Dehrn war Sitz der Ritterfamilie Frei von Dehrn. Der Namensbestandteil „Frei“ deutet darauf hin, daß es sich bei ihnen um eine der wenigen edelfreien Familien handelte, denen der Aufstieg in die Ritterschaft gelang. Historisch faßbar ist erstmals für 1190 ein Heinrich Frio. Eng verbunden waren die Frei mit dem Lubentiusstift in benachbarten Dietkirchen, dessen Vögte sie zeitweise waren. Aus dem Besitz sind heute die Burg Dehrn, das Burgmannenhaus an ihrem Fuß, Burg Crass im Rheingau und die Burg Hartenfels (Ruine) im Westerwald erhalten.

 

Dehrn war Sitz der „Dehrner Cent“. Diese war wegen ihres Umfangs und ihres Alters eines der bedeutendsten Zentgerichte der Grafschaft und hatte bis ins 18. Jahrhundert Bestand, allerdings vom 14. bis zum 16. Jahrhundert mit Sitz in Niederhadamar. Ein Schultheiß ist für Dehrn erstmals 1259 verbürgt.

Der Zehnt wurde in der „Zehntenscheune“ eingesammelt, die heute zu Hintergasse 1 gehört und in den letzten Jahren als Bauernscheune genutzt wurde. Die Scheune ist seit Jahrzehnten im Besitz der Familie Caspari.

Im Jahre 1737 starben die Frei von Dehrn Im Mannesstamm in Eltville mit Franz Alexander Kasimir, fuldischer Hof- und Regierungsrat, aus. Als letztes Mitglied der Familie starb 1794 dessen Tochter Johanna Amalia Christina, Gemahlin des kurmainzischen Hof- und Regierungsrats Adolf Wilhelm Franz Freiherr von Greiffenclau zu Vollrads. Die Burg fiel an die Familie Greiffenclau, die sie zum Schloß umbaute und zu Beginn des 19. Jahrhunderts verkaufte. Seitdem hat der Besitz mehrfach gewechselt.

Nach der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Berg in napoleonischer Zeit, ging Dehrn 1805 in den Besitz des neu gegründeten Herzogtums Nassau über, das den Ort dem Amt Limburg anschloß.

Sehenswürdigkeiten des Dorfes sind die Burg Dehrn und das dazugehörige aber ältere ehemalige Hofmannenhaus, die „Pfalz“. Während der Hauptbau auf das 12. Jahrhundert zurückgeht, wurde der größte Teil des Gebäudes um 1480 errichtet. Von 1998 bis 2000 wurde die „Pfalz“ umfassend restauriert. Das Anwesen kann durch einen Torbogen betreten werden. Die Wände des Kellergeschosses sind auffallend massiv gebaut. Sie weisen eine Dicke von etwa drei Metern auf. Es könnte sich um einen früheren Kontrollposten für den Lahnübergang gehandelt haben. In  Dehrn gibt es die Nikolauskirche und eine malerische Nikolauskapelle.

Der auffälligste Bauteil der Burg ist der runde 34 Meter hohe Bergfried mit achteckigem Zinnengeschoß. Während der Turm mit seinen bis zu drei Meter dicken Mauern vermutlich aus dem 13. Jahrhundert stammt, wurde das achteckige Zinnengeschoß im 19. Jahrhundert ergänzt. Der Wohnbau, südlich des Bergfrieds, ist im Kern noch gotischen Ursprungs (13.  Jahrhundert). Dieser Teil wurde im 16. Jahrhundert spätgotisch umgebaut. Östlich des gotischen Wohnbaus befindet sich ein Wohnbau mit vierseitigem Mansarddach. Dieser wurde wahrscheinlich im frühen 19. Jahrhundert ergänzt. Die westlichen Gebäudeteile wurden nach 1845 im neugotischen Stil errichtet. Für diese Gebäudeteile sind die Stufengiebel charakteristisch.

Südlich an der Burg befand sich ein Englischer Landschaftspark mit zwei Brücken und einer Kapelle. Von der Kapelle sind nur die Grundmauern erhalten. Nahe der Burg haben sich zwei Burgmannenhöfe erhalten, die im Wesentlichen noch in der Spätgotik errichtet wurden.

Im 16. Jahrhundert wurden schloß artige Umbauten vorgenommen.

 

In den Jahren 1843/44 ging das Schloß in den Besitz der Familie von Dungern über, die weitere Umbauarbeiten am Schloß vornehmen ließ. Unter anderem wurden die Zufahrtswege erneuert, der Turm renoviert und erhöht. Neue Wirtschaftsgebäude und ein Park vergrößerten die Anlage. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Familie von Dungern ihr Vermögen, darunter auch das Schloß Dehrn. Dessen Wert wurde auf 3,5 Millionen Reichsmark geschätzt, wozu noch Ländereien von mehr als 85 Hektar kamen.

Von 1965 bis 1982 war es Sitz einer Klinik des Landeswohlfahrtsverbands für Sprach- und Stimmerkrankungen mit 84 Betten und von 1986 bis 1994 ein Asylbewerberheim mit bis zu 800 Bewohnern. Später wurde das Land Hessen Eigentümer. Seit 1999 steht das Schloß weitgehend leer. Mehrere Versuche scheiterten, dort Unternehmen anzusiedeln. Inzwischen befindet sich die historische Anlage in einem verwahrlosten Zustand.

Am 18. Juni 2012 ersteigerte der Bad Vilbeler Immobilienunternehmer Bruno Kling die Burg für 251.000 Euro bei einer Zwangsversteigerung am Amtsgericht Limburg. Die Zwangsversteigerung war von der Stadt Runkel wegen Steuer- und Gebührenschulden des letzten Privateigentümers beantragt worden. Der neue Besitzer kündigte an, Wohnungen und möglicherweise auch Firmenräume in der Anlage einzurichten. Im Februar 2014 verkaufte Kling die Anlage jedoch an den Limburger Immobilienunternehmer Christian Mohri. Dieser beabsichtigt die Renovierung und Nutzung als Sitz seiner Familie, die zum Teil aus Dehrn stammt.

 

Eine regelmäßige Dampfbootverbindung auf der Lahn nach Limburg bestand spätestens ab 1884. Ab 1907 wurden Motorboote eingesetzt. Im Juli 1949 wurde die regelmäßige Personen-Bootsverbindung nach Limburg eingestellt, nachdem am Anfang des Jahres eine Busverbindung in Betrieb gegangen war. - Im Jahre 1902 wurde eine Stahl-Straßenbrücke über die Lahn fertiggestellt. Am 26. März 1945 sprengte die fliehende Wehrmacht die Stahlbrücke über die Lahn. Im September 1948 war der Neubau, die heute noch vorhandene Betonkonstruktion, nach zwei Jahren Bauzeit fertig.

 

Dietkirchen

Die ehema­lige Stiftskirche eines 841 erstmals genann­ten Kollegiatstiftes St. Lubentius wurde über einer vom Missionar Lubentius aus Gallien im 4. Jahrhundert errichteten Kapelle erbaut. Sie war die Mutterkirche des gesamten Lahn­gaues. Die Doppeltürme scheinen aus dem Kalkfelsen herauszuwachsen. Die frühromanische Kreuzbasilika entstand im 11. und 12. Jahrhundert. Von der alten Ausstattung sind noch ein Taufstein, eine Pietà und ein Kopfreli­quiar des heiligen Lubentius erhalten. Dieses silbervergoldete Kopfreliquiar des heiligen Lubentius ist der kost­barste Schatz. Der Behälter beherbergte ursprünglich einen anderen Schädel, denn er ist zu eng, so daß der Unterkiefer bei den Gebeinen bestattet werden mußte. Ein Steinsarg steht unter dem Hochal­tar. Der moderne Fußgänger­steg über die Lahn ist die längste, an zwei Pylonen hängende Holzkonstruktion dieser Art in Deutschland; elegant schwingt sie über den Fluß.

 

 

Limburg

An den sieben Türmen des Limburger Doms ist vermutlich jeder schon mal vorbeigefahren. Nur wenige hundert Meter südlich der berühmtesten Radarfalle auf der A3 sieht man seitlich im Limburger Becken einen ganz markanten Punkt: der Limburger Dom, wie er auf einem Felsen über der Altstadt thront. Dank des einst geschickt gewählten Bauplatzes konnten die Besucher der Stadt schon von Weitem über den Reichtum und die Gottesfurcht der Limburger staunen. Besonders auffällig sind neben dem weiß-rot-ockerfarbenen Außenputz, der zwischen 1968 und 1972 nach originalen Resten rekonstruiert wurde, die sieben Türme des Doms.

Um 800 entstand die erste Burganlage auf dem Limburger Felsen. Es handelt sich um eine Schutzburg, die wahrscheinlich zum Schutze einer Furt des Flusses Lahn errichtet wurde. In den folgenden Jahrzehnten entstand in ihrem Schutz die Stadt. Sie wird 910 als „Lintburc“ und 942 als „castellum Lintpure“ erwähnt. Limburg entstand an einer in der fränkischen Zeit militärisch gesicherten Furt über die Lahn, im Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen. Im Jahre 1150 wurde eine hölzerne Brücke über die Lahn errichtet. Die Fernstraße von Köln nach Frankfurt am Main führte von da an durch Limburg. Besitzer Limburgs war der Gaugraf des Nieder­lahngaus, Konrad Kurzbold, der auf dem Felsen über der Lahn das St. Georgen-Stift gründete. Um 1220 übernahmen die Herren von Isenburg-Limburg die Herrschaft und errichteten die Burg auf dem Lahnfelsen. Im 14. Jahrhundert erlebte Limburg eine wirtschaftli­che Blütezeit.

Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Burg Limburg in ihrer heutigen Form errichtet. Die herrschende Schicht der mittelalterlichen Bürgerschaft waren reiche Kaufmannsfamilien. Im Jahre 1827 wurde die Stadt zum katholischen Bischofssitz erhoben. Ab 1862 war Limburg Knotenpunkt wichtiger Eisenbahnstrecken und so ist es bis heute geblieben. Limburg ist die einzige Stadt Deutschlands, die einen Bahnhof hat, an dem nur ICE-Züge halten.

 

Burg:

Seit einiger Zeit ist die gesamte Limburger Altstadt zum Sanierungsgebiet erklärt worden. Der finanzielle, planerische und administrative Aufwand und der hohe denkmalpflegerische Anspruch richteten sich dabei auf ein Stadtdenkmal, das den Rang eines Gesamtkunstwerks innehat - begünstigt durch die Lage und die Topographie der unverwechselbaren Stadtkrone von Stiftskirche und Burg auf dem steilen Felssporn über der Lahn. Dies alles schafft eine einzigartige Silhouette, die ihren Reiz fast ungetrübt über die Jahrhunderte bewahren konnte. Limburg wurde bei diesem Großprojekt indes nicht museal als „überdimensionale Bildpostkarte unterm Glassturz konserviert“ (R. Bentmann), sondern zeitgemäß als Wirtschaftsstandort, Wohnumfeld und soziales Milieu revitalisiert.

Die Burg auf dem Kalkfelsen über der Lahn - das Initialbauwerk für die Ansiedlung und spätere Stadt - entstand auf dem fast ebenen Bergplateau des Domhügels in frühkarolingischer Zeit. Die in Schriftquellen greifbare Baugeschichte beginnt freilich erst 910, als der letzte Karolingerkönig dem Grafen des Niederlahngaues seinen Fronhof Oberbrechen mit allem Zubehör, Hörigen und der Berger Kirche schenkte, damit er mit diesem Besitz seine Kirche auf dem Berg Lintburk, die er dort zu bauen im Begriff stand, ausstatten könne. Bei der Gründung handelte es sich um ein Chorherrenstift, das dem Heiligen Georg geweiht war.

Südöstlich der Stiftskirche lag die Kernburg. Der bauliche Gesamtkomplex auf dem Bergplateau (mit der Ummauerung des Burgbezirks) läßt sich allerdings erst seit dem Hochmittelalter festmachen. Die weitere Baugeschichte der Burganlage ist so komplex und facettenreich, daß man sich vor allem dem bildhaft ablesbaren Wandel der Gesellschaft mit all ihren Formationen und Strukturen widmen  muß: Jede Entwicklungsphase einer Gesellschaft hat auch bei den Baulichkeiten, die sie sich schafft, ihre Standards und Muster der Lebensgestaltung, genuine zivilisatorische und ästhetische Bedürfnisse. Die „formation professionelle", die stark ausgeprägte Neugier der Archäologen und Bauhistoriker, erschloß auch in dieser Hinsicht das kunstvolle Ensemble, das man heute vor Augen hatn.

Schon das „Alte Schloß" ist eine malerische Zweiflügelanlage aus Gebäuden unterschiedlicher Entstehungszeiten. Der älteste erhaltene Bau ist die dem Heiligen Petrus geweihte Burgkapelle im Eckbereich der Anlage. Sie wurde in ein Gebäude der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts einbezogen und überbaut - in einem laut Inschrift 1534 errichteten Bruchsteinbau. Der sich nördlich anschließende, heute unverputzte Wohnturm aus Bruchsteinmauerwerk, besetzt das Zentrum des östlichen Flügels. Der Bau über quadratischem Grundriß entstand nach französischen und italienischen Vorbildern in der Zeit um 1250. In beiden Geschossen befinden sich heute repräsentative Festsäle mit einer jeweils sehr ansprechenden Raumausstattung.

Ein prächtiger und wirkungsvoller Fachwerkbau, mit geschweiftem Zwerchgiebel besetzt zum Hof hin den nördlichen Bereich des Ostfliigels. Hier befand sich ursprünglich die Küche. Die gesamte Südseite des Burghofs wird von einem zweistöckigen Saalbau mit Treppenlaube beherrscht, die nach einem Brand 1929 in den Jahren 1934/1935 wieder hergestellt wurde. Bauhistorische Untersuchungen zeigten, daß es hier einen östlichen Kernbau von 1297 gab, der im späten 15. Jahrhundert auf die heutige Länge erweitert wurde.

Vor der Eingangsseite zum Burghof sehen wir das so genannte „Neue Schloß“ mit einem kleinen ummauerten Garten. Das eingeschossige Gebäude wurde 1710 erbaut. Es könnte noch aus der Zeit des Chorherrenstiftes stammen, weil es zusammen mit dem ehemaligen Kurtrierischen Amts­haus (Kolpingstraße 9) und dem Hospital (Hospitalstraße 2) zu den wenigen Barockbauten Limburgs gehört. Mit seiner harmonischen Proportionierung und seiner schlichten Aufmachung ist es ein qualitätvolles Beispiel für die Profanbaukunst dieser Zeit. Seine Funktion galt in erster Linie der Kurtrierischen Administration, später richtete man darin Dienstwohnungen für die Mitarbeiter ein. Im Jahre 1968 ergab sich ein durchgreifender Umbau des Erdgeschosses für die Domsakristei.

Von nassauischer und preußischer Zeit bis heute wurden die Gebäude der Burganlage zum Teil vermietet und dienten unterschiedlichsten Zwecken: etwa als Stadt- und Diözesanmuseum sowie bis heute als Stadtarchiv und als Institut für Lehrerausbildung. Es gab Versuche, Teile des Ensembles zu verkaufen, denn die Bauunterhaltung und Pflege ist außerordentlich aufwendig. Indes konnte bislang kein Käufer für eine dem hochkarätigen Denkmalkonglomerat angemessene und verträgliche Nutzung gefunden werden.

 

Dom:

Schon in den Zeiten der Karolinger stand an der Stelle des Doms eine Kirche, bis Konrad Kurz­bold, Graf des Lahngaues, um 910 neben seiner „Lintburc“ ein Chor­herrenstift mit einer Kirche errichtete. Konrad, der Graf des Niederlahngaus, war ein Mann von auffallend kleinem Wuchs. „Kurzbold“ nannten ihn deshalb die Zeitgenossen. Wie viele andere Adlige seiner Zeit war auch Konrad stets um sein Seelenheil besorgt. Er trachtete deshalb danach, sich durch eine herausragende fromme Tat für das Leben im Jenseits abzusichern. Also gründete er 910 auf dem „Limburger Felsen“ über der Lahn das Stift St. Georg, das er mit eigenen Besitzungen und Rechten ausstattete. Das war an sich nichts Ungewöhnliches. Im frühen Mittelalter entstanden im Gebiet der mittleren Lahn eine ganze Reihe solcher Stifte, in denen Geistliche tätig waren, zwar nicht nur, aber auch, um für das Seelenheil des Stifters zu beten. Die meisten von ihnen gingen auf das einflußreiche Geschlecht der Konradiner zurück, dem auch Konrad Kurzbold entstammte.

Die Konradiner waren ursprünglich Grafen des Lahngaus. Ende des 9. Jahrhunderts stiegen sie zu Herzögen von Franken und damit zur mächtigsten Adelssippe im ostfränkischen Reich auf. Nach dem Tod Karls des Großen war dessen Herrschaftsgebiet ja in einen westlichen Teil, aus dem später Frankreich wurde, und einen östlichen Teil, Deutschland, zerfallen. Als letzter karolingischer König regierte Ludwig das Kind das Reich im Osten.

Einer seiner engsten Berater war Herzog Konrad der Jüngere, ein Vetter Konrad Kurzbolds. Nach dem frühen Tod Ludwigs - er starb 911 im Alter von 18 Jahren - wählten die ostfränkischen Herzöge ihn zum neuen König. Das war eine kleine Sensation, denn bis dahin hatte das Erbrecht die Thronfolge geregelt.

Mit der Wahl Konrads endete die Herrschaft der Karolinger im östlichen Teil des Reiches. Allerdings war auch ihm kein langes Leben vergönnt: Er starb schon sieben Jahre später ohne Nachkommen, und die Königskrone fiel an den sächsischen Herzog Heinrich I. Er begründete die Herrschaft der Ottonen, die sein Sohn Otto I. fortsetzte. Das Geschlecht der Konradiner dagegen erlosch 1036 nach dem Tod des letzten männlichen Nachkommen.

Konrad Kurzbold lebte zu dieser Zeit schon lange nicht mehr. Er starb 948 und wurde wunschgemäß in der von ihm gestifteten Kirche beigesetzt - in der Hoffnung, daß alle dort gesprochenen Gebete und Fürbitten ihm im Jenseits zum Vorteil gereichen würden.

Wie es zum Ausbau der von Konrad Kurzbold gestifteten Kirche zu einer prachtvollen spätromanischen Basilika gekommen ist, weiß man nicht genau. Wahrscheinlich regte Graf Heinrich II. von Nassau Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts den Neubau an, die Finanzierung übernahmen wohl zum größten Teil die während der Kreuzzüge zu Wohlstand gelangten Limburger Kaufleute. Es dürfte ihnen gefallen haben, daß der Limburger Dom später fast dreißig Jahre lang die Rückseite des 1000-Mark-Scheins zierte. Im Jahre 1235 weihte der Erzbischof von Trier die neue Kirche, die zugleich die Kirche der Pfarrei Limburg wurde, den Heiligen Georg und Nikolaus von Myra.

Die im Stift St. Georg zusammenlebenden Geistlichen, die sogenannten Kanoniker, waren keine Mönche und gehörten keinem Orden an. Ihre Gemeinschaft war der eines Klosters allerdings sehr ähnlich. Ihr Leben richteten sie nach der Regel des heiligen Augustinus. Dem Stift gehörten auch einige Weltgeistliche an, Söhne von Adeligen zumeist, die keine Priesterweihe erhielten, und denen der Besitz von Privateigentum gestattet war. Sie konnten es sich leisten, in eigenen Häusern rings um die Kirche zu wohnen. Insgesamt lebten bis zu sechzehn Kanoniker im Limburger Stift unter der Leitung eines vom Erzbischof eingesetzten Propstes. Ihren geistlichen Führer, den Dekan, wählten die Kanoniker dagegen selbst.

Die Lahn-Stadt auf der Grenze zwischen hessischem Westerwald und Taunus wird weithin sichtbar überragt von dem prächtigen Dom mit seinen sieben Türmen. Der letzte spätromanische Kirchenbau in Deutschland mit seinen frühgotischen Elementen hat in unserer Zeit bei einer umfassenden Renovierung seine leuchtenden mittelalterlichen Farben zurückerhalten. Einmalig in Europa sind die Fresken aus dem 13. Jahrhundert.

Der Limburger Dom ist einer der imposantesten Baudenkmäler in Deutschland. Die ehemalige Stiftskirche St. Georg, mit der für einen Dom so ungewöhnlich kurzen Bauzeit (1215 - 1235), verbindet Einflüsse rheinischer Spätromantik und französischer Frühgotik. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde er aufwendig restauriert und erstrahlt seitdem wieder in den Original-Farben ziegelrot und altweiß.

Was den Dom aber vollends zur Rechtfertigung für einen Limburg-Besuch macht, sind die Ergebnisse der Innenrestaurierung, die in mehrjähriger, akribischer Detailarbeit eine kunsthistorische Sensation zutage gefördert haben: farbenfrohe romanische Fresken der Original-Raum­fassung aus dem 13. Jahrhundert. Damit besitzt Limburg einen in Europa einmaligen Kunstschatz.

Der mächtige und dennoch schlanke Dom mit seinen sieben Türmen aus Kalkstein und Marmor, aus Basalt, Trachyt und Schiefer ist aufgrund seiner überaus malerischen Lage und seines Baustils bemerkenswert. Er stellt das bedeutendste Beispiel für den spätromanischen Stil, den Übergangsstil von 1210 bis 1250, der in Deutschland weit verbreitet war. In dem spätromanischen, trotz kleiner Grundfläche monumental wirkenden Bau ist schon der Geist der Gotik am Werk: Die wuchtige Schwere des romanischen Baustils ist aufgelockert, der Spitzbogen löst den Rundbogen ab, mächtig streben Hallen und Türme nach oben. Man muß von der Lahnbrücke aus sehen, wie sich der Dom aus den urweltlichen Schichten der Kalkfelsen heraushebt, die ungefügen Massen unter das Gesetz des Geistes und der Schönheit zwingend ‑ wie ein Choral in Stein steht die Gottesburg mit ihren sieben Türmen über der Lahn.

Im Äußeren dominiert noch die Spätromanik, das Innere zeigt frühgotische Formen. Im Jahre 1235 fand die Einweihung der Stiftskirche durch den Erzbischof und Kurfürst Theoderich II. von Trier statt. Seit 1827 ist die ehemalige Stiftskirche die Kathedrale des Bistums Limburg. Als eines der wenigen katholischen Stifte in Hessen blieb St. Georg bis zur Säkularisierung 1803 bestehen. Es überstand sogar die Einführung der Reformation in Hessen, als die meisten Stifte verstaatlicht wurden, und die wenigen, die übrigblieben, einen enormen Verlust an Einfluß und wirtschaftlicher Macht hinnehmen mußten.

 

Die mächtigen Westtürme empfangen den Besucher: Edel gegliedert, wachsen sie aus dem massiven Sockel, erdennah und der Ewigkeit zugewandt, ein frohes Bekenntnis des Hochmittelalters zu Gott und der Welt. Die Zahl der Türme entspricht den sieben Sakramenten. Die Doppeltürme auf der Westseite, zwischen denen das Eingangsportal liegt, sind 37 Meter hoch, der spitze Vierungsturm in der Mitte sogar 66 Meter. Die Ecktürme am südlichen Querhaus wurden allerdings erst 1863 errichtet.

In der Mitte der mit Friesen, Säulchen, Fenstern und Blendbögen reichverzierten Eingangsfassade befindet sich eine große Rosette - nicht nur sie ein Element der als Vorbild dienenden französischen Kathedralgotik. Der bärtige Mann außen am Hauptportal links, nachdenklich auf den Stock gestützt, soll den unbekannten Baumeister darstellen. Der Ritter rechts soll den Bauherrn darstellen, einen Grafen Heinrich, wohl Graf Heinrich von Nassau, den Großvater König Adolfs von Nassau.

Durch das Portal betritt man einen Feiersaal, der durch seine stille Mächtigkeit zum Herzen spricht und es zu Gott emporzieht. Fromme Innerlichkeit und Weltfreude zugleich haben diesen Raum gestaltet, als ein Gleichnis der verklärten Schöpfung, die ver­heißen ist im Bilde der heiligen Stadt, die von Gott kommt, „ge­schmückt wie eine Braut“. Durch den doppelten Kranz der Empore und des Triforiums, der sich um den ganzen Bau legt, sind die Wände durchbrochen und ihrer lastenden Schwere entkleidet.

Ein feiner Sinn für Klarheit und Maß durchwaltet den festlichen Raum, von den schweren Bögen des Erdgeschosses bis zur zierlichen oberen Galerie; die Fülle der Einzelformen ist sicher dem Ganzen eingefügt, das seinen Mittelpunkt in der Vierung hat, vom Licht aus der Kuppel durchströmt. Mehr als 800 Säulen lenken den Blick himmelan zu einem mächtig hervor­tretenden Bild des Weltenrichters, dem die Kirchenpatrone St. Nikolaus und St. Georg zur Seite stehen.

Der Dom hat, abgesehen von seiner unvergleichlichen Lage, einen einzigartigen Vorzug: In keinem großen Bau des deutschen Mittel­alters ist die ursprüngliche Ausmalung so vollständig erhalten. Bei der Restauration 1935 wurden alle Übermalungen beseitigt und die alten Farben hervorgeholt: auf der lichten Wandtönung der kräftige Farbenakkord von Gelb, Rot und Blau. So gibt der Zusammen­klang von Stein und Farbe den ursprünglichen Raumeindruck wieder.

Man beachte die Freskenmalereien des 13. Jahrhunderts, in schlichten Farben flächig der Architektur eingeordnet: im Bogenfeld über dem Hochaltar Christus mit St. Nikolaus (dem Patron der Stadtpfarrei) und dem hl. Ritter Georg, dem Schutzherrn des Domes (beide Heilige finden sich nochmals bei den Vierungspfeilern bei der Kommunionbank); dazu vor allem die Apostelbilder in den Em­porenbögen des Mittelschiffs. Es sind hoheitsvolle Gestalten, aus den Vorstellungen staufischer Kaiserherrlichkeit geschaffen.

Gleich beim Hauptportal steht der spätromanische Taufstein aus der Entste­hungszeit mit reichem Bildwerk, Tugenden und Laster darstellend, der prächtigste, der sich aus staufischer Zeit in Deutschland erhalten hat. Im Mittelschiff befindet sich ein spätgotisches Sakramentshaus von 1496. Der Hochaltar ist modern, ebenso die Chorfenster (ganz oben: Christus, neben ihm die Heiligen des Bistums: S. Lubentius, Apostel des Lahngaues, S. Elisabeth von Schönau, S. Hildegard von Bingen und Erzbischof Rhabanus Maurus von Mainz). Über dem Chor­gestühl befinden sich die holzgeschnitzten Wappen ehemaliger Stiftsherren und Bischöfe. Im Chorumgang stehen die alten Chorschranken aus der Zeit der Erbauung des Domes; in ihren Feldern Bilder der Leidens­geschichte Christi von 1540.

Der dreischiffige Innenraum des Dorns wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgestaltet und nach dem Zweiten Weltkrieg umfassend restauriert. Er soll das himmlische Jerusalem darstellen: Das schlichte, hohe Mittelschiff führt wie eine Straße durch die Stadt, Seitenschiffe und Emporen stehen für Häuser mit mehreren Geschossen, Fenstern und Türen. Die Malereien an den Wänden und an der Decke erzählen allerlei biblische Geschichten - unabdingbar in einer Zeit, in der die wenigsten Menschen lesen und schreiben konnten. So sieht man zum Beispiel auf den Bögen der seitlichen Emporen zahlreiche Heilige, Apostel und Evangelisten. Das Deckengewölbe zeigt Sündenfall, Sünde und Paradies.

Auf der linken Seite des Querschiffs stellt ein großes Wandbild die Ahnenreihe Jesu dar, auf der rechten befindet sich eine Reihe kleinerer Abbildungen. Dargestellt sind unter anderem die Schlüsselübergabe an Petrus, weiter oben Samson, der einen Baum ausreißt, und Johannes der Täufer im Fellumhang. Auf den Säulen links und rechts vor dem Altar sind Georg und Nikolaus zu sehen, die beiden Patrone der Kirche. In der Kuppel hoch über dem Altar erscheinen sie noch einmal, diesmal neben dem auf dem Thron des Weltenrichters sitzenden Jesus Christus.

Zahlreiche Grabmale, Epitaphe genannt, erinnern an ehemalige Kanoniker oder Stifter, was ja ganz in deren Interesse lag. Das größte und älteste Epitaph gehört Konrad Kurzbold. Der Unterbau seines Grabes und die sechs mit Skulpturen versehenen Säulen stammen noch aus der ersten Kirche, in der er ursprünglich beigesetzt worden war. Die Grabplatte, auf der er lebensgroß in staufischer Tracht abgebildet ist, wurde erneuert, als man das Grab 1235 im linken Querhaus der neuen Kirche aufstellte.

Das Altarkreuz zwischen Vierung und Chor stammt aus dem 15. Jahrhundert. Der Altar selbst ist deutlich jünger: Er wurde 1977 errichtet. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) hatte die Neugestaltung des Altarraums erforderlich gemacht. Der Priester sollte die Messe künftig nicht mehr mit dem Rücken zu den Kirchenbesuchern feiern, sondern ihnen zugewandt. Das Kruzifix wurde von der Übermalung befreit und die romanische Gestalt wurde wieder hervorgeholt.

Linkes Querschiff: In der Marienkapelle mit barocker Marienstatue stehen die Grabmäler der Bischöfe Peter Josef Blum (1884) und Karl Klein (1898). In der Wand gegenüber ist dargestellt der Stammbaum Christi (16. Jahrhundert). In der Nische daneben steht ein spätgotischer St. Anna‑Altar.

Rechtes Querschiff: In der Kapelle befindet sich seit 1913 die Gruft der Bischöfe von Limburg; rechts an der Wand der Kapelle das fein­gearbeitete Grabmal des Ritters Daniel von Mudersbach und seiner Gemahlin Jutta (15. Jahrhundert). Über der Kapelle befindet sich ein uraltes Kreuzbild, auf das die übrigen Wandbilder des Querschiffes hinweisen.

Im rechten Seitenschiff ist untergebracht die Erasmuskapelle mit Pietà. In den Boden des Domes sind die Grabplatten von Stiftsherren und Limburger Bürgern aus dem 17. und 18. Jahrhundert eingelassen. Das Hochgrab des Lahngaugrafen Konrad Kurzbold in Form einer Bahre aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts befindet sich auf der Empore ist nur durch Führung zugänglich.

 

Außenrestaurierung:

Die Restaurierung in den Jahren 1970 bis 1973 war das Ergebnis jahrzehntelanger Überlegungen, Diskussionen, gestalterischer Versuche und Untersuchungen. Spätestens seit den 50er Jahren waren sich alle beteiligten Denkmalpfleger einig, daß der im 19. Jahrhundert abgeschlagene Verputz zur Er­haltung des Bauwerkes erneuert werden müßte. Schnell zunehmendem Steinzerfall folgten immer häufigere Instandsetzungsarbeiten wie Nachfugen des Mauerwerks und Austauschen schadhafter Werksteine. Bereits in den fünfziger­ Jahren begann man die Fassaden des Domes Fläche für Fläche zu verputzen. Doch bald schon bemerkte man, daß der grau aussehende Trasskalkverputz sehr leblos wirkte und optisch die Gliederung der Fassaden auflöste. Anschlie­ßend durchgeführte Farbgebungsversuche konnten ebensowenig überzeugen. Die weite­ren Putzarbeiten wurden eingestellt.

In den fol­genden Jahren, von 1967 bis 1969, beschränk­te man sich auf statische Sicherungsmaßnah­men. Die hierfür erstellten Gerüste boten die Gelegenheit, umfassende restauratorische Un­tersuchungen historischer Verputze und Farb­fassungen durchzuführen. Über drei Jahre hin­weg konnten noch zahlreiche Verputz‑ und Be­malungsreste gesichert und dokumentiert wer­den, so daß die farbige Außenfassung aus der Bauzeit rekonstruiert werden konnte.

Die ursprüngliche Außenbemalung hatte man im Mittelalter noch von den Baugerüsten des Domes aus angebracht. Als Putzträger für die in Freskotechnik aufgetragene farbige Architektur­bemalung waren die gesamten Außenflächen, einschließlich der Werksteine, mit einer dünnen, etwa 3 bis 5 Millimeter starken Putzschicht überzo­gen. Von jüngeren Außenbemalungen wurden noch eine weitere mittelalterliche Außenfarbig­keit aus weiß gekalkten Wandflächen mit ocker­gelber Architekturgliederung und aus dem 18. Jahrhundert weiße Wandflächen mit grauer Architekturfassung nachgewiesen.

Nach vielen Diskussionen entschieden sich die Verantwortlichen, die erneute Außenbemalung zu wagen. Im Jahre 1970 wurden die Putzarbeiten wieder fortgesetzt. Es folgte die farbige Rekon­struktion der ursprünglichen Farbfassung mit roter Archi­tekturgliederung, weißen Wandflächen, gelb‑rot­grau im Wechsel abgesetzten Kapitellen und Basen mit schwarzen Säulenschäften. Eine Rekonstruktion der Außenfassung in der alten Freskomaltechnik schied wegen zu geringer Haltbarkeit gegenüber aggressiven Bestandtei­len in der Luft aus. Als Ersatzmaterial kam eine reine, nicht kunstharzvergütete Silikatfarbe zur Verwendung. Die Außenrestaurierung des Do­mes war eine notwendige Konservierungsmaß­nahme zur Erhaltung der Bausubstanz, die Re­konstruktion der Außenfarbigkeit die zwangsläu­fige Folge des erneuerten Außenverputzes.

Auf Wunsch des Domkapitels und des Hessi­schen Ministers der Finanzen sollte nach Abschluß der Außenrestaurierung auch die stark verschmutzte und vergraute Innenausmalung instandgesetzt werden. Die 1871‑1877 freigeleg­te und 1934-1935 erneut restaurierte staufische Raumfassung befand sich in sehr schadhaftem Zustand. Regenwassereinbrüche in den Gewöl­ben und an den oberen Wänden gefährdeten an vielen Stellen die Haltbarkeit des Verputzes, so daß auch die Innenausmalung ernsthaft bedroht war. Hinzu kam, daß das Fortschreiten der Schäden durch eine für die Raumfassung nicht geeignete Beheizung beschleunigt wurde. Doch nicht nur äußere Einflüsse bewirkten Schä­den und Verschmutzungen, auch die verwende­ten Materialien der Übermalungen hatten zu star­ker Vergrauung geführt.

Umfassende restauratorische Voruntersuchun­gen im Jahr 1974 ergaben, daß man durch die erste Freilegung der ursprünglichen Ausmalung im 19. Jahrhundert sämtliche Zwischenfassun­gen bis auf wenige Reste beseitigt hatte. Eine anschließende Übermalung aus dieser Zeit wurde zum größten Teil später, in den dreißiger Jah­ren. wieder abgenommen, jedoch anschließend eine erneute Überfassung angebracht. Diese Übermalung von 1934 - 1935 wich in Formen und Farbtönen von der in Freskotechnik ausgeführ­ten ursprünglichen Ausmalung stark ab. Die Übermalung bestand aus einer Kasein-Leimfar­be, der man Kreide und Pigmente zugesetzt hatte. Zum Zeitpunkt der Untersuchung stand diese Übermalung zum Teil blätterhaft auf oder krei­dete stark. Eine Reinigung der Malschicht war nicht möglich, da schon beim geringsten Ver­such, den Schmutz und den Ruß von der Ober­fläche zu entfernen, diese Schicht verloren ging. Eine Fixierung hätte die originale Malschicht gefährdet.

Bei den Restaurierungen im 19. Jahr­hundert und in den dreißiger Jahren erfolgten hand­werkliche Reinigungsarbeiten an Gewölben und Wänden mit Malerspachteln und Scheuerbür­sten. Die Folgen waren gravierende Schäden an der Originalfassung. Bis zu 90 Prozent der Fehlstellen an der staufischen Fassung sind auf diese Freilegungs‑ und Reinigungsmethoden zurückzuführen. Anhand von Kleinstbefunden konnten Zwischenfassungen (auch archivalisch belegt) von 1749, 1774 und 1840 bestätigt wer­den. Die staufische Architekturfassung ein­schließ­lich der figürlichen Malereien war rund 500 Jahre sichtbar. Entstanden ist der Innenver­putz mit der Ausmalung zeitgleich mit den drei Bauabschnitten des Domes in der Folge von Westen nach Osten, noch von den jeweiligen Baugerüsten aus. Deutlich wird dies etwa durch die unterschiedlichen Themen der Darstellungen sowie durch Abweichungen in Formen, Farbtö­nen und durch den Pinselduktus der verschie­denen Maler.

Bei der jüngsten Restaurierung wurden die Übermalungen abgenommen und die noch bis zu 80 Prozent erhaltene, ursprüngliche Raumfassung mit den jüngeren ergänzenden Malereien frei­gelegt und konserviert. Das Bistum Limburg und die beteiligten Dienststellen und Fachleute for­derten eine Retusche an der Ausmalung, die eine im Endzustand möglichst geschlossene Raumfassung zeigen sollte. Auf eine fragmen­tarische Retuschierart sollte verzichtet werden. Die Hauptforderung der Denkmalpfleger war, die Wertigkeit der freigelegten Malereien zu ihren Hintergründen, auch zu den weiß gekalkten Wänden und Gewölbeflächen, durch die Retu­schen nicht zu verschieben. Hintergrund und Malerei als gleichwertige Einheit in die Retuschen einzubeziehen, war die gestellte Aufga­be. Von allen anschließend erprobten Retu­schierarten erwies sich die Punkt-Retusche als die geeignetste für diese Aufgabenstellung.

Wegen der Nutzung des Domes während der 17jährigen Restaurierungsdauer wurden die Arbeiten abschnittsweise durchgeführt. In die­ser Zeit waren ständig 13 ‑ 15 Restauratoren ganzjährig im Dom beschäftigt. Am 8. Septem­ber 1991 endete mit einem Dankgottesdienst sowie mit einem Festakt und einem Konzert die große Dornrestaurierung.

 

Schloß:

Neben dem Dom steht das Schloß der Herren von Limburg. Nicht sehr auffällig sind die aus mehreren Jahrhunderten stammenden Teile des alten Schlosses mit u.a. Laubengang, Wohnturm und Fachwerkstockwerken. Zum Schloß gehört das Diözesan-Museum mit hervorragenden Kunstschätzen. Hier ist vor allem ein über 1000 Jahre altes byzantinisches Reliquiar in der Form eines griechischen Doppelkreuzes zu bewundern. Aus Anlaß der Gründung wurde dem neuen Bistum eine kostbare Reliquie übereignet, nämlich mehrere Holzpartikel vom Kreuz Jesu Christi, aufbewahrt in der „Staurothek“, einer byzantinischen Goldschmiedearbeit aus dem 10. Jahrhundert. Das Museum wurde 1905 im Beisein von Kaiser Wilhelm II. eröffnet. Damals war es noch im Limburger Schloß untergebracht. Seit 1985 sind die Bestände des Museums und der Domschatz in einem eigenen Gebäude zu sehen.

 

Weitere Bauten:

In unmittelbarer Nähe des Schlosses steht die mit Vorbauten und Holzwerk reichverzierte Dom­vikarie. Unten am Fuß des Felsens steht die an Innenarchitektur so kunstreiche Barfüßerkirche (mit dem Domschatz). An der Nonnenmauer steht das Haus Caffiné, das einen weitgedehnten Blick über die Stadt gestattet. Die Steinerne Brücke über die Lahn wurde 1341 vollendet. Im Jahre 1232 wurde das Franziskanerkloster gegründet. Die Kirche St. Sebastian ist eine flachgedeckte dreischiffige Basilika mit Spitzbogenarka­den, nur der Chor ist gewölbt. Im Innern enthält sie ein Vesperbild, einen spätgotischen Kruzifixus,  eine Rokokokanzel, eine Orgel von 1685 und Epitaphien des 16 und 17. Jahrhunderts (Grabplatte des Johannes von Limburg von 1320). Vom Domberg aus erkundet man die malerische Altstadt mit ihren zahlreichen kleinen Märkten, romantischen Gassen und vor allem ausgezeichnet restaurierten Fachwerkhäusern aus dem 13. bis 18. Jahrhundert, die der Stadt ihr charakteristisches Bild verleihen.

 

Kunst im „Haus der sieben Laster“, Brückengasse 9:

Eines der Kleinode der Limburger Altstadt ist das „Haus der sieben Laster“, das mittlerweile weitestgehend sanierte, reich verzierte Fachwerkhaus aus dem Jahr 1567. Ein herausragendes Merkmal dieses Hauses - am ursprünglichen Schuhmarkt gelegen - sind die geschnitzten Fratzen am Deckenbalken über dem Eingang zum Museum. Durch diese Köpfe, interpretiert als die biblischen „sieben Laster“ (Hochmut, Neid, Unkeuschheit, Unmäßigkeit, Zorn, Trägheit und Geiz) wurde dieses Haus bekannt und berühmt. Die Köpfe wurden wahrscheinlich ursprünglich zur Abwehr böser Geister beim Umbau oder Neubau des Anwesens im Jahre 1567 angebracht. Vildan Hillenbrand hat mittlerweile einen kleinen Museums-Shop im „Haus der 7 Laster“ eröffnet. Hier kann man neben vielen originellen Kunstwerken vor allem Postkarten, „Ablaßbriefe“ und auch Abgüsse der Laster-Köpfe erwerben.

 

Bäckerei Hensler, Kolpingstraße 1:

Die Bäckerei Hensler ist eine nostalgische Kunstbäckerei in den Tiefen der Limburger Altstadt, in der noch nach alter Familientradition selbst gebacken wird. Das Haus ist leicht zu erkennen, da viele Kunstwerke die Häuserfassade zieren. Herr Hensler senior hat diese eigenhändig hergestellt. Mit diesem Kunsthandwerk hat auch eine besondere Spezialität des Hauses zu tun. Seine Mehlbrötchen nannte der Bäckermeister „Belgische Brocken“, weil sie ihn an die Schleifsteine für seine Werkzeuge erinnerten, die aus diesem Fels stammten. Oft kopiert, aber nie erreicht, sind sie mittlerweile Kult in Limburg und werden am liebsten mit einem Schaumkuß gegessen.

 

 Restaurant „Himmel und Erde“, Joseph-Heppel-Strasse 1a:

Von außen eine alte Friedhofskapelle, von innen ein Top-Restaurant: Andreas und Dorothee Strieder haben aus der alten Ruine der Kapelle am Schafsberg eine Topadresse in der Gastro­nomie­landschaft von Limburg geschaffen. Im April 2008 ist sie sogar zum Denkmal des Monats gewählt worden. Besucher erwarten irdische Vergnügen und himmlische Genüsse: also bodenständige Gerichte wie der Namenspate „Himmel und Erde“, aber auch viele Vertreter der Haute Cuisine. Ein Konzept, das aufzugehen scheint, denn das Restaurant, das erst im November 2007 eröffnete, erfährt mittlerweile starken Zulauf.

 

 Lindenholzhausen:

„Harmonie“ Lindenholzhausen, Bahnhofstraße 65:

Die Harmonie ist schon über 100 Jahre alt (1906 gegründet). Sie kommen aus einem Stadtteil Lindenholzhausen, der auch bekannt ist als das Sängerdorf. Die Harmonie ist der größte von elf Chören dort (bei nur 3.500 Einwohnern). Sie haben als Männerchor schon viele Preise gewonnen bei hessischen, deutschen und auch internationalen Wettbewerben. Der Männerchor der „Harmonie“ präsentiert mit rund 90 Sängern anspruchsvolle Chormusik. Das A-capella-Repertoire des Chores umfaßt Werke der klassischen Vokalpolyphonie, der Romantik sowie des zwanzigsten Jahrhunderts.

 

 

Diez

Wie siamesische Zwillinge sind Limburg und Diez - aller­dings operativ getrennt. Den Einschnitt bilden Bahnlinie und Landesgrenze. Hier Hessen, da Rheinland-Pfalz. Der kleinere Zwilling ist Diez. Direkt am Zusammenfluß von Aar und Lahn liegt das Städtchen mit seinem heimeligen Alten Markt und den hübschen Fachwerkbauten.

Erstmals urkundlich erwähnt wird Diez unter der Bezeichnung „Theodossa“ in einer Urkunde Karls des Großen aus dem Jahr 790. Die Stadtrechte wurden 1329 verliehen. Die Grafen von Diez, genannt seit 1073, waren namhafte Politiker der staufischen Kaiser und Inhaber der „Gol­denen Grafschaft“ um Diez, die im 15. Jahrhundert an Trier. Katzenelnbogen, Nassau und Eppstein fiel. Die Seitenlinie Diez-Weil­nau stellte mehrere Äbte von Fulda.

Über die Häuser Dillenburg und Nassau ging der Besitz durch Erbfolge 1607 an Oranien-Nassau. Die späteren Fürsten von Nas­sau-Diez wurden als Prinzen von Oranien 1815 Könige der Nie­derlande. Diez wird auch „Oranierstadt“ genannt. über. Fürst Wilhelm von Nassau-Ora­nien gab 1568 das Fanal zum achtzigjährigen Befreiungs­kampf der Niederlande von den Spaniern.

Die Grafen waren zugleich Statthalter der Niederlande und residierten auch dort. Die Verwaltung des heimischen Besitzes überließen sie ihren Gemahlinnen. Diez ist oft von Frauen regiert worden, was sich noch im Stadtbild ausprägt. Eine Hausinschrift erinnert an die Gräfin Sophie-Hedwig, die im 30jährigen Krieg bedrängte Bürger zehn Jahre lang „gnädig im Schloß aufgenommen und wie eine Gluckhenne unter dero Flügel bedecket” hat. Nicht nur ihr Mann, sondern auch viele seiner Nachfolger versahen derweil Statthaltergeschäfte in den Niederlanden. Sie opferten sich auch im Befreiungskampf, den einer ihrer Vorfahren, Wilhelm von Nas­sau-Oranien, zuerst aufgenommen hatte.

Eine dieser Frauen, die die Grafschaft Nassau-Diez deshalb alleine lenken mußten, war Albertine. Auf den Ruinen eines mittelalterlichen Klosters ebenfalls auf einem Lahnfelsen, aber am Rande der Stadt, ließ sie sich von 1672–84 das fünfflügelige Barockschloß Oranienstein als Witwensitz errichten.

Weil im Jahre 1815 der erste König der neugegründeten Monarchie der Niederlande, Wilhelm I. von Nassau-Oranien, aus diesem Barockschloß hervorging, suchen es die holländischen Besucher ebenso eifrig auf, um den Stammbaum ihrer Königsfamilie zu verfolgen. Die Königin Beatrix verkörpert die sechste Generation. Unvergessen ist in Diez der Staatsbesuch ihrer Eltern 1971, der damaligen Königin Juliane und Prinzgemahl Bernhard, und Empfang im Blauen Saal. Das Königshaus stiftete die Kunstschätze für seine Ausstattung und die des Museums.

Das Fürsten­tum Nassau-Diez bestand aus kaum mehr als einer Handvoll Dörfer und der Hauptort aus einer dunkel dräuenden Burg, um die sich einige halbkreisförmig verlaufende Gassen leg­ten. So wie die Neusiedler den alten Kern aufbrechen sollten, wollten auch die Fürstregentinnen das Mittelalter in Gestalt der Burg hinter sich lassen und schufen Schloß Oranienstein als neue Residenz.

 

Hübsche alte Häuser gibt es dort, kleine Läden, Lo­kale, Eisdiele, die ihre Stühle beim ersten Sonnenstrahl herausstellen, so geschützt ist es dort. Samstags gruppiert sich male­risch um den „Säckerbrunnen” ein kleiner Markt. Von den Lahnkähnen schleppten früher die „ Säcker” die Lasten dorthin. In der malerischen Altstadt stehen zahlreiche hervorragende Fachwerkbauten aus dem 15.bis 18. Jahrhundert. Die 1552 entstandene Lahnbrücke hat ein barockes ehemaliges Zollhäuschen.

Die Wilhelmstraße führt durch die sogenannte Neustadt, jenen Teil von Diez, der unter Fürstin Amalie Ende des 17. Jahr­hunderts planmäßig zur Ansiedlung von vertriebenen Luthe­ranern und Waldensern angelegt worden war.

Unterhalb der Burgmauern drängt sich die gotische Stiftskir­che von 1289 an den Fels und umringt die jetzige Fußgängerzone das Bauwerk. Hier liegt die 1726 verstorbene Fürstin Amalie in einem prächtigen Marmorsarkophag bestattet.

 

Über dem Wasser erhebt sich immer noch ähnlich dem alten Merianstich aus der Altstadt die wohlerhaltene Burg Diez auf schroffem Fels (östlich der B 417). Sie gehört zu einer der wenigen in ihrem mittelalterlichen Aussehen erhaltenen Burganlagen Deutschlands. Die Grund­mauern der Burg gehen auf das Jahr 1073 zurück. Seit dem 11. Jahrhundert hat sie die Zeiten zwar verändert, aber weitgehend intakt überstanden. Im 14. und 16. Jahrhundert wurde der Stammsitz der Grafen von Diez ausgebaut. Heute ist sie Jugendherberge und Heimatmuseum. Nur als Besu­cher der dort eingerichteten Jugendherberge oder des Heimat­museums (Voranmeldung bei Stadtarchivar Storto, Telefon 0 64 32 / 26 61, von Mai bis September regelmäßig offen sonntags 10 bis 13, donnerstags 19 bis 21 Uhr) kann man sie betreten. Ein Blick vom Burg­hof über das Gewinkel der Fachwerkgassen und die Stiftskir­che zu Füßen der Burg ist gestattet.

 

Das Schloß Ora­nienstein liegt im Norden der Stadt am Ende der Oraniensteiner Straße. Sie endet vor den Toren der Kaserne. Auch zu den regulären Öffnungszeiten des Schlosses muß man sich bei der Wache anmelden. Mit Eskorte wird man zum Ehrenhof und weiter von der Museumsführerin indivi­duell durch die Gemächer geleitet. Das Schloß ist eine der schönsten deutschen Barockanlagen, aber im allgemeinen Bewußtsein wenig präsent, kaum ein populärer Kunstführer ver­zeichnet es. Das stimmungsvoll aufeinander bezogene Gelb und Weiß der Außen­fassade verströmt ein heiteres Flair, und im Inneren erstrahlen schöner denn je die herrlichen Stuckierungen und Deckenfresken. Wer vermutet ein solches Kleinod auch hinter dem hohen Zaun einer Bundeswehrkaserne. In der Nachfolge einer preußischen Kadettenanstalt hat dort die Kom­mandantur einer Panzerbrigade ihren Sitz.

Dennoch ist der um einen Ehrenhof gruppierte Bau nicht ganz den Blicken der Öffentlichkeit entzogen. Einige der Gemächer und die Schloßkapelle dürfen besichtigt werden. Von den 318 Schloßräumen werden nur die prunkvollen im Erdgeschoß des Mittelbaus gezeigt, der noch auf den alten Klostermauern ruht. Im präch­tigsten der Säle hängt das Bildnis der Gräfin Albertine, eine schmale, hochstirnige, dunkellockige Schönheit in tief dekolletiertem Seidenkleid. Ihre Schwiegertochter, Amalie von Nassau-Diez, ließ im 18. Jahrhun­dert die barocke Neustadt gegenüber der Altstadt anlegen und vollendete das Schloß.

Fachmännischer Erläute­rung bedarf es auch, um die tiefere Bedeutung der reichen Stukkaturen zu erfassen. Jeden Raum schmückt ein anderes Bildwerk. Im Treppenhaus symbolisieren vier lebensgroße Figuren Ruhm, Weisheit, Stärke und Fleiß. Im Empfangs­zimmer fällt neben Apollo, Diana und Chronos Theodissa auf, die mit Mauerkrone und Schlüssel als Sinnbild für die Stadt Diez steht. Dionysische Lebensfreude herrscht im Fest­saal: Musizierende, essende und trinkende Putten korrespon­dieren mit allegorischen Figuren der vier damals bekannten Erdteile.

Gekrönt wird das von den Tessiner Stukkateuren Antonio Genone und Eugenio Castelli in dreijähriger Arbeit bis 1709 geschaffene Meisterwerk der Deckenzier von der Ausstattung der Schloßkapelle. Über wandhohen Pilastern rahmt das alttestamentarische Stuckrelief „Passahmahl” ein von Jan von Dyck gemaltes Deckenfresko „Das Pfingstwunder”. In der prächtigen Schloßkirche wird die gleichzeitige Darstellung des christlichen Pfingstgeschehens und des jüdischen Passah­mahles als Zeichen der Liberalität der fürstlichen Erbauerinnen gewertet wird.

Auf der Rückseite führt ein reizender Lustgarten mit gußeisernen Staketen aus den Erzgru­ben der Umgebung auf die Felsnase, von wo aus Fluß, Berge, Wälder, Wiesen, Dörfer zu überschauen sind.

 

Neben der Denkmalpflege leistet der Bund als Eigner von Oranienstein mit dem Bewahren des barocken Kleinods (sei­ner vielleicht schönsten „Kaserne”) auch einen Beitrag zur deutsch­-niederländischen Freundschaft und ihrer Ahnenpflege. Auf die Diezer Linie des Hauses Nassau geht unmit­telbar das bis heute regierende Königshaus von Holland zurück. Ein Blick ins Gästebuch Oraniensteins zeigt, daß das von Fürst-Regentin Albertine Agnes von Nassau-Diez-Ora­nien von 1672 bis 1684 erbaute und von ihrer Schwiegertoch­ter Amalie von Anhalt-Dessau seit 1696 barock umgestaltete Schloß ebenso zu den Pflicht­punkten traditionsbewußter Niederländer auf den Spuren der Oranier gehört wie Dillen­burg, Siegen oder Wiesbaden. Der prominenteste Eintrag erfolgte 1971, als Königin Juliane und ihr Gemahl Prinz Bern­hard auf Oranienstein weilten und als „Hausherren” einen Empfang zu Ehren des Bundespräsidenten gaben.

 

Drei Kilometer südwestlich von Diez liegt das Schloß Schaumburg auf einer Geländeschwelle über der Lahn. Schon von weitem zieht das dunkle, burgähnliche Schloß alle Blicke auf sich. Erzherzog Stephan von Österreich hat die aus dem hohen Mittelalter stammende Burg 1850-1855 im Stil der englischen Neugotik um- und ausbauen lassen.

Nördlich von Diez liegt in einem Seitental am Rand von Aull die „Alte Burg“, ein ehemaliges Wasserschlößchen als dreistöckiger Fachwerkbau aus dem Jahr 1558.

Bei Altendiez ist in einem ehemaligen Steinbruch ein 35 Hektar großer Freizeit-See entstanden. Ab Altendiez folgt der engste und landschaftlich schönste Talabschnitt, der teilweise von keiner Straße durchzogen ist. Nur die Bahn fährt - oft durch Tunnels - und Wanderer haben hier ein stilles Revier.

 

Floßfahrt:

 Rund vier Stunden dauert die gemütliche Fahrt mit der Lahn-Arche. Geflößt wird von Diez aus durch das romantische Lahntal und wieder zurück. Im Sommer legen die Boote samstags um 10 und 14 Uhr von den Lahnanlagen ab. (Reservierungsmöglichkeiten und Detailinformationen unter www.flossfahrt-lahn.de oder über Tourist-lnfo Weilburg, Tel. (06471) 3 14 67.)

 

Hadamar

Die ehemalige Residenzstadt im hessischen Westerwald liegt am Schnittpunkt zweier historischer Fernstraßen. Sie wurde 832 erstmals urkundlich erwähnt und 1324 mit den Stadtrechten ausgezeichnet. Sehenswert ist das malerische Stadtbild. Im geschlossenen Altstadtbereich gibt es zahlreiche schöne Fachwerkhäuser - viele mit interessanten Schnitzereien - aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Mittelpunkt der alten Fürstenstadt ist das mächtige Renaissance-Schloß, eine der bedeutendsten Anlagen des Landes, 1612 von Graf Johann Ludwig von Nassau-Hadamar begonnen. Heute beleben Ausstellungen und Konzerte das Schloss und im ehemaligen Marstall logiert das Stadtmuseum.

Auch die drei Marktplätze der Altstadt sowie das Rathaus mit putzigem Glockentürmchen und reichen Schnitzereien wurden von Graf Johann Ludwig angelegt.

In der gotischen, barock ausgestatteten Liebfrauenkirche finden im Sommer Konzerte statt.

Romantisch ist die Nepomukbrücke über den Eibbach, deren älteste Teile bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen.

Die barocke Neustadt gruppiert sich um gleich drei Marktplätze. Das Fachwerk-Rathaus ist von 1641.

In Hadamar gibt es das Musische Internat der Limburger Domsingknaben sowie die Staatliche Glasfachschule mit glastechnischer Versuchsanstalt und Bundesfachschule des deutschen Glaserhandwerks und die psychiatrische Klinik, in der in der Nazizeit die psychisch Kranken ermordet wurden.

 

Umgebung:

Eine Wallfahrtskapelle ist auf dem Herzenberg.

Nördlich von Hadamar zwischen Niederzeuzheim und Oberzeuzheim beginnt ein Mühlental.

Die bedeutendsten Mühlen sind  die römische Aumühle, die wieder aufgebaut wurde, aber nur am Pfingstmontag geöffnet ist. Nördlich liegt die Lochmühle, der 1786 erstmals erwähnt wurde und 1965 abgebrannt ist. Sie dient heute dem Tourismus.

Durch herausragendes ehrenamtliches Engagement wurde vor nicht allzu langer Zeit ein jungsteinzeitlicher Bestattungsplatz bei Hadamar-Niederzeuzheim vor der Zerstörung gerettet. Hier im Kreis Limburg-Weilburg kann nun ein 5000 Jahre altes Steinkammergrab besichtigt werden.

Dornburg (nördlich von Hadamar):

Dornburg ist der Name einer Zentralgemeinde, die sich aus den Ortschaften Frickhofen, Dornberg, Wilsenroth, Thalheim und Langendernbach zusammensetzt. Hier gab es vor 2000 Jahren eine keltische Stadtanlage. Das „Ewige Eis“ beim Ortsteil Frickhofen ist ein Naturwunder, das einzigartig für den gesamten Westerwald ist. In einem Stollen trifft man hier bereits in zwei Metern Tiefe auf festes Eis, das niemals schmilzt. Eine weitere ungewöhnliche Naturerscheinung ist das „Dornburg-Plateau“ selbst. Starke Magnetnadel-Schwankungen lassen darauf schließen, daß sich im Bergmassiv Magneteisenstein befindet. Die Nadel spielt bereits in größerer Entfernung „verrückt“ und anzeigt eine entgegengesetzte magnetische Polarität.

 

Ab hier liegt nur eine Materialsammlung vor, die Ziele wurden noch nicht persönlich besucht

 

Birlenbach-Fachingen (westlich von Limburg):

 Der Ort ist seit 1749 durch sein Heilwasser „Staatlich Fachingen“ weltberühmt geworden. In der Nachbarschaft des Ortes sind große Kalksteinbrüche mit farbigem Gestein zu sehen.

 

Balduinstein

Der malerische Ort Balduinstein mit seiner romantischen Burgruine auf einem Felssporn liegt auf der linken Lahnseite. Auf der modernen Brücke über den Fluß steht das Denkmal für den letzten Fährmann an der Lahn. Von den Taunushöhen aus überragt das neugotische Schloß Schaumburg (1850) das Tal. Die Burg Schaumburg wurde 1320 von Erzbischof Balduin errichtet und im späten Mittelalter ausgebaut. Auf Veranlassung des Erzherzogs Stephan von Österreich wurde Mitte des 19. Jahrhunderts ein schloßähnli­cher Bau in englischer Neugotik errichtet. Wirtschaftsgebäude mit Rokokotürmen sind aus dem 18. Jahrhundert. Vom zinnengeschmückten. achteckigen Turm hat man eine umfassende Rundsicht.

 

Balduinstein

Der malerische Ort Balduinstein mit seiner romantischen Burgruine auf einem Felssporn liegt auf der linken Lahnseite. Auf der modernen Brücke über den Fluß steht das Denkmal für den letzten Fährmann an der Lahn. Von den Taunushöhen aus überragt das neugotische Schloß Schaumburg (1850) das Tal. Die Burg Schaumburg wurde 1320 von Erzbischof Balduin errichtet und im späten Mittelalter ausgebaut. Auf Veranlassung des Erzherzogs Stephan von Österreich wurde Mitte des 19. Jahrhunderts ein schloßähnli­cher Bau in englischer Neugotik errichtet. Wirtschaftsgebäude mit Rokokotürmen sind aus dem 18. Jahrhundert. Vom zinnengeschmückten. achteckigen Turm hat man eine umfassende Rundsicht.

 

Geilnau (westlich Limburg):

Gleich am Ortseingang von Geilnau steht ein ehemaliges Jagdschloß von 1797. Durch eine Kastanienallee geht es zur Lahn und dort zu einem alten Mineralbrunnen in einem runden, offenen Schacht von 9 Meter Tiefe und zwei Quellen nebeneinander. Rechts ist ein  eisen­haltiger Säuerling, links ein Schwefelbrunnen (Schlüssel im Haus neben dem Schlößchen).

 

Laurenburg (westlich von Limburg):

Auf der rechten Lahnseite über dem Ort Laurenburg steht die gleichnamige Ruine: Im 11. Jahrhundert erbaut von Grafen von Lauren­burg, die sich nach der Umsiedlung nach Nassau nun Grafen von Nassau nannten. Auch große Geschlechter haben einmal klein angefangen: Die seit etwa 1100 nachweisbaren, bis 1866 regierenden und noch heute neben anderen im niederländischen Königshaus fortlebenden Nassauer nahmen ihren Anfang mit einem be­scheidenen Sprengel rund um die Laurenburg an der Lahn.

Erst als es im Verlauf des 12. Jahrhunderts gelang, weiter lahnabwärts in Nassau Fuß zu fassen und sich durch Allian­zen, Erbschaften und eine geschickte Heiratspolitik territo­rial bis an Rhein und Sieg auszudehnen, begann der Aufstieg zu einer der wichtigsten Mächte im Reich - gipfelnd im Kö­nigtum Adolfs von Nassau in den Jahren 1292 bis 1298.

Für eine wirklich bedeutende Rolle stand sich das Haus freilich selbst im Wege: Auf Dauer schwächte es sich durch eine Unzahl von Teilungen und konfessionellen Spaltungen. Zahlreiche Burgen und Schlösser von Wiesbaden über Weilburg, Diez, Dillenburg bis Siegen stehen für diese Zersplitterung.

Die Burg ist bereits im 13. Jahrhundert zerfallenen. Aber die steinernen Zeugen der verästelten Linien Nassaus sind heute alle in einem hervorragenden Erhaltungszustand. Doch ausgerechnet der Wiege des Geschlechtes, der immer im Besitz des Hauses ver­bliebenen Lauren­burg, drohte noch bis vor wenigen Jahren wegen Baufälligkeit der Abriß. Private Initiative hat das in letzter Minute verhindert.

Man kann den restaurierten Wohnturm heute besichtigen. Über Leitern, wie es im „Illustrierten Lahnführer” von 1901 heißt, müssen An­lage und der helle Wohnturm der Laurenburg dank der Instandsetzungsarbeiten des Burgpächters und -bewohners Horst Wienberg nicht mehr betreten werden. Gefahrlos kann man über eine Wendel­treppe den Turm besteigen. Auf der Aussichtsplattform wird deutlich, wie überlegt die Nassauer, alias Laurenburger, den Burgenstandort ausgewählt hatten: Nach drei Seiten war das Gemäuer faktisch unangreifbar, dabei nah genug an der Lahn, um das Geschehen auf dem Fluß und dem dortigen Übergang zu kontrollieren.

Im mittleren Turmzimmer hat der Hausherr eine kleine Militaria-Sammlung und eine nas­sauische Gedenkstätte eingerichtet, ein privates Waffenmuseum. Da fehlen auch keine Erinnerungsstücke an den größten Sohn des Hauses, Wil­helm von Nassau-Oranien, der 1568 das Fanal zum jahrzehn­telangen Ringen um die Befreiung der Generalstaaten von den Spaniern gegeben hatte. Wie im Gästebuch die zahlrei­chen Eintragungen durch holländische Besucher zeigen, ist die Erinnerung daran bei unseren Nachbarn ebenso leben­dig, wie die Laurenburg quasi als Geburtsstätte der Niederlande im allgemeinen Bewußtsein verankert ist.

An ihrem Fuß im Tal steht ein Schlößchen aus dem 18. Jahrhundert, einst fürstlicher Sommersitz, heute Altersheim. Vom Tal aus sieht man auf den gegenüberliegenden Höhen die Kirchenruine Brunnenburg. Der Ort Kalkofen ist durch seinen Lahnpegel bekannt, der vor dem Ortseingang gleich neben der Durchfahrtsstraße steht.

 

Kloster Arnstein

Seit 1052 nannten sich die Grafen im Einrichgau nach ihrer Burg Grafen von Arnstein. Dort bauten sie auf steilem Felsgrat zwischen Lahn- und Dörsbachtal eine Burg. Diese wurde im 12. Jahrhundert umgewandelt in ein Klo­ster durch Ludwig von Arnstein. Im Jahre 1139 schenkte der letzte Graf Ludwig III. die Burg den Prämonstratensern für eine Abtei. Ludwig von Arnstein trat selbst als Laienbruder in das Kloster ein, seine Frau Guda wurde Einsiedlerin.

Im Jahre 1208 wird die Klosterkirche ‑ heute auch eine beliebte Wallfahrtsstätte ‑ eingeweiht.

Einer Krone gleich sitzt die viertürmige, effektvoll weiß und gelb gefaßte Abtei­kirche über der Lahnschleife, ein beeindruckendes Beispiel für den Übergang der Kirche von der Romanik zur Gotik. Die Klosterkirche wurde anschließend erbaut und später erweitert. Der Westteil mit zwei Türmen ist romanisch, Mittelschiff, Querschiff und Oktogon-Türme sind gotisch. Innen steht eine Ritterskulptur aus dem 12. Jahrhundert, das gotische Chorgestühl ist aus dem Jahrhundert. Unter den Klosterbauten ist ein rein romanisches Refektorium.

Im 30jährigen Krieg wurde das Kloster mehrfach gebrandschatzt. Im 18. Jahrhundert wurden Abtei‑Gebäude als Lazarett benutzt, deswegen findet sich der Soldatenfriedhof in der Nähe.

Im Jahre 1803 wurde das Kloster aufge­hoben. Von 1869 bis 1871 sind aber wieder Benediktiner in Arn­stein. Seit 1919 gehört das Kloster dann der „Ordensge­meinschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens und der Ewigen An­betung“, dort auch „Arnsteiner Pa­tres“ genannt.

Vom Mönchsfriedhof hat man einen bezaubernden Ausblick auf Obernhof und das Lahntal.

Burg- und Kirchenherren wußten immer, wo die schönsten Plätze sind: Von hier oben schaut man also bequem ins Land.

 

Obernhof

Obernhof ist die „Perle des Lahntals“. Hier gibt es einige schöne Fachwerkhäuser und eine zweischif­fige Pfeilerbasilika St. Margarethen mit Bauteilen aus dem 11. Jahrhundert, die später eingewölbt wurde. Vor allem aber gibt es hier Weinberge und Winzer (mit Gutsausschank). Die Gemeinde ist der einzige verbliebene Weinbauort im Lahntal (heute zum Anbaugebiet Mittelrhein gehörend). Etwas mühsam ist der Aufstieg durch Weinberge zum Goethepunkt. Belohnt wird man aber mit dem schönsten Lahnblick von Westerwälder Seite aus.

In der Nähe steht die Laurenburg, die Stammburg der Nassauer.

An der Lahn unterhalb von Obernhof und gegenüber von Kloster Arnstein liegt außerhalb von Ortschaften die Burganlage Langenau, die im 13. bis 14. Jahrhundert von den gleichnamigen Rittern erbaut wurde, ein Wasserschloß, das einzige dieser Art an der Lahn.

 

Bergnassau

Drei Kilometer hinter Bergnas­sau liegt auf der anderen Lahnseite im Lahnknie eine Eisenhütte. Man  kommt vorbei an der Schleuse Hollerich, geht später leicht ansteigend in den Wald und immer die Richtung mit der stark gewundenen Lahn.

 

Nassau

Nassau, ein großer Name, ein weitgespannter Begriff. Alljährlich begeben sich niederländische Touristen auf die Reise zu den Ursprungsstätten ihres Königshauses Oranien-Nassau nach Dillenburg, Beilstein, Diez und natürlich nach Nassau, wo das Herrschergeschlecht als Lehns­herren des Erzstiftes Trier seinen Anfang nahm. Bereits 790 als „Nassonga“ erwähnt. Im Jahre 1158 erhielten die Grafen von Laurenburg Tal und Gut Nassau zum Lehen und nannten sich von nun an Grafen von Nassau. Im Jahre 1348 erhielt Nassau Stadtrechte. Gewiß: Nassau liegt nicht in Hessen, sondern in Rheinland-Pfalz. Aber von der Burg Nassau kam eines der wichtigsten Herrschergeschlechter im hessischen Raum, die Grafen von Hessen-Nassau.

Und kein echter Nassauer ist ein „Nassauer“. Um diesen Satz zu verstehen, muß man folgende Geschichte kennen: Herzog Adolf von Nassau (Wiesbaden) war ein spendabler Landesvater. Unter den nassauischen Studenten, die im vergangenen Jahrhundert in Göttingen, fern der Heimat, studierten, gab es viele arme Teufel. Damit die sich wenigstens satt essen konnten, stiftete der Herzog einige Freitische. Es gab in Göttingen aber nicht nur arme Studenten aus Nassau. Studierende aus allen deutschen Landen gaben sich angesichts der gedeckten Tische als Nassauer aus - um zu „nassauern“, also um kostenlos zu essen.

 

Eine technische Sensation war zur damaligen Zeit die 1828 - 1830 erbaute Kettenbrücke über die Lahn, die erste Ihrer Art in Deutschland. Vom Bahnhof Nassau her überqueren Zugreisende die eiserne Lahnbrücke und wenden sich unmittelbar nach rechts. Autofahrer können ihren Wagen schon diesseits des Flusses parken. Vom Bahnhof Nassau aus ist es ein kurzer Schlenker zu den Sehenswürdigkeiten der im Krieg hart getroffenen, nüchtern wiederaufgebauten Stadt.

 

Hinter der Kirchspielkirche mit dem romanischen Turm steht eines der prächtigsten Rathäuser in bunt ausgemaltem Schnitzwerk, ein ehemaliger Adelshof von 1607, ein prächtiger dreistöckiger Fachwerkbau,

Sehenswert sind auch der prächtige Fachwerkbau des Adelsheimer Hofes und die evangelische Johanniskirche, eine mittelalterliche Stadtkirche mit Bauteilen aus dem 10. Jahrhundert, mit einem Turm aus dem 11. Jahrhundert und einer heute noch geläuteten Glocke von 1480.

Von den Stadtmauerresten ist noch der Graue Turm erhalten geblieben (14. Jahrhundert).

 

Burg Nassau (westlich des Ortes, aber etwas weiter südlich):

Hoch über der Stadt auf dem obersten Berggipfel erhebt sich um 1120 erbaute Burg mit dem mächtigen Bergfried. Es geht die Sage von Trutwin von Laurenburg, der bei der Hirschjagd die Bergspitze entdeckte und ungeachtet des Kirchenbesitzes sogleich den Burgbau dort beschloß. Daß er selbst bald einem Mord zum Opfer fiel und seine weiterbauenden Söhne mit dem Kirchenbann bedroht wurden, hielt das Werk nicht auf. Für Entschlußkraft und Unbeugsamkeit waren die Nachfahren der Grafen bekannt, die sich nach dem Platz Nassau nannten. Auch die Bevölkerung hält sich auf diese Eigenschaften etwas zugute.

Die Burgherren stellten mit Adolf einen deutschen König, drei Mainzer Bischöfe und aus ihrem Geschlecht die Regenten der Niederlande (Haus Oranien -Nassau). Weit ist die Aussicht vom mächtigen vierkantigen Turm mit seinen witzigen Erkertürmchen (die wie hingeklebt aussehen) und dem angebauten Treppenturm. Im Palas bietet die Burggaststätte bürgerliches Essen sowie mittelalterliche Gelage an.

Was wir heute hier vorfinden, ist mühevolle Aufbauarbeit, begonnen in den siebziger Jahren mit dem Bergfried, der nach alten Stichen originalgetreu wie zur Zeit seiner Erstentstehung vor 1124 durch die Herren von Laurenburg, die sich nach 1159 Grafen von Nassau nannten, wiedererstellt werden konnte. Schwieriger wurde es mit dem romanischen Palas daneben. Für ihn gab es keine frühen Unterlagen, bis der Zufall zur Hilfe kam in Form eines freigelegten romanischen Fensterrundbogens und der dazugehörigen Kapitelle. Es entstand ein Meisterwerk handwerklichen Könnens. Im Palas wurde eine Gaststätte eingerichtet. Auf den Bergfried kann man hinaufklettern und sich in den vier Wichhäuschen beim Blick über altes nassauisches Land als Burgwächter fühlen.

 

Stein’sches Schloß (westlich des Zentrums, auf der anderen Lahnseite):

Am Lahn­ufer steht der Hinweis „Stein-Denkmal” und „Burggaststätte”. Auf einem Bergsporn liegt mitten in der Stadt das Stein’sche Schloß. Die Stammburg der Herren von und zu Stein ist seit 1158 der Stammsitz der Familie und wird 1234 erstmals als Lehen der Grafen von Nassau genannt. Es hat ein Renaissanceportal, einen achteckigen Erinnerungsturm und einen Schloßpark (Privatbesitz, Turmbesichtigung möglich).

Es war bis ins 17. Jahrhundert bewohnt, als die Reichsfreiherren es vorzogen, ein Schloß unten in der Stadt zu bauen, den Adelsheimer Hof. Das Schloß ist das Geburtshaus des Reichsfreiherrn Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein (geboren 1757), dem Begründer einer Städteordnung, die als so modern gilt, daß heute in Rheinland-Pfalz und in Hessen als kommunale Auszeichnung die „Freiherr vom Stein Plakette“ verliehen wird. Auf seiner Reform beruht die kommunale Selbstverwaltung, der die Bauern frei machte. Zum Triumph über den von ihm leidenschaftlich bekämpften Napoleon ließ Stein den neugotischen Turm anbauen. Als Goethe zu Besuch kam, unternahmen beide eine Kahnpartie lahnabwärts.

Das Ehrenmal für Stein steht links der Lahn, ein etwas theatralischer Rundtempel, den Theodor Heuss einweihte.

 

Lahnaufwärts:

Aus dem an der westerwälder Seite der Lahn gelegenen Bahnhof Nassau kommend geht man nach links in Bahnnähe zur Lahnbrücke (Blick auf Burgberg mit Ruine Nassau und geringen Resten der Burg Stein). Man überschreitet diese und geht

nach links lahnaufwärts. In Bergnassau muß man wieder nach links abbiegen, nach kurzer Strecke hinunter zur Lahn gehen und flußaufwärts an der Lahn entlang. Drei Kilometer hinter Bergnassau liegt auf anderer Lahnseite im Lahnknie eine Eisenhütte. Vorbei an der Schleuse Hollerich kommt man später leicht ansteigend in den Wald und geht  immer die Richtung mit der stark gewundenen Lahn. Nach dem nächsten Lahnknie liegt auf der anderen Lahnseite das Wasserschloß Langenau, das einzige dieser Art an der Lahn.

 

Lahnabwärts:

Vom Burgberg geht es in anderer Richtung abwärts nach Bergnassau und dem Beginn des Lahntalweges. Beim historisch bedeutsamen Gasthaus „Goldene Krone” kann man sich noch für ein Leihrad entscheiden, falls man sich nicht schon in der Stadt eins besorgt hat. Wiederum ist dieser Teil des Weges wegen vieler Wellen und Steigungen für den Pedaltreter nicht gerade ideal.

Hinter dem Lahnknie nimmt  man Abschied von Nassau. Die Stadt erleichtert ihn, indem sie ihre industriebesetzte Kehrseite mit einer „chinesischen Mauer“ abgeriegelt hat. Ein Marktbeherrscher, jeder Hausfrau ein Begriff, durfte sein riesiges Hochlager nahe dem Fluß errichten. Als tüchtiger Gewerbesteuerzahler besaß er mehr nassauische Durchsetzungskraft als einige Ästheten, die geglaubt hatten, den Koloß verhindern zu können.

Hinter der Stadt wird das Tal enger. Gegenüber der Lahn erscheint die Wasserburg Langenau, ebenfalls Schauplatz einer Sage. Als sie im Ufergras schlummerte, kam Jutta von Langenau das Söhnchen Heinrich abhanden. Die Suche war vergebens. Die Leute erzählten, eine schöne Wasserfrau habe ihn zu sich geholt in ihren schillernden Palast, eine Art Klein-Tannhäuser in der Lahn. Nach einem Menschenalter kam Heinrich - immer noch ein Kind - heraus. Der kurze Weg vom Ufer zum Schloß seiner Ahnen wandelte ihn zum Mann. Die neue Burgherrin sah ihn, verliebte sich. Am Burgtor angekommen, aber war Heinrich schon zum Greis gealtert, zur Liebe unfähig.

Im Bogen wird der Klosterhof Hollerich in einer Tallichtung umgangen, bevor auf steiler Anhöhe Arnstein erscheint. Die Wallfahrtskirche aus dem 13. und 14. Jahrhundert kann ihre Stilverwandtschaft mit den Kirchen von Niederlahnstein und Limburg nicht leugnen, wenn auch im Inneren spätere Zeiten einiges dazugesetzt haben. Es war aus Buße für seine als Gottesstrafe empfundene Kinderlosigkeit, daß Graf Ludwig III. von Arnstein seine Burg zum Kloster machte, selber darin Laienbruder wurde und seiner Frau Guda eine Zelle bauen ließ, von wo aus sie den Blick auf den Altar hatte, sagt die Legende.

Steile Berge und verborgene Täler sind bevorzugte Orte für das Spirituelle. Tief unten vor der Mündung des kleinen Dörsbachs in die Lahn treffen sich in der ehemaligen Klostermühle Gottessucher zu konfessionellen Seminaren. Wenige Schritte weiter über der Lahnbrücke ist das Geistige in anderer Form zu finden. Hier zieht sich Obernhof entlang dem Weinberg, an dessen Pflege auch die Klosteräbte großen Anteil hatten. Nicht nur vom Lahnwein, auch vom Rundblick über das Erwanderte oberhalb vom Goethepunkt aus kann man sich berauschen lassen.

Weitere Aussichtspunkte sind die Rabenlei südlich des Ortes (Parkplatz an der Bäderstraße  260) und der Pavillon Nassaublick südlich des Ortes auf der anderen Lahnseite.

 

Einer der landschaftlich schönsten, kulturhistorisch interessantesten ist der Lahntal-Rad- und Wanderweg über dem linken Flußufer von Nassau nach Obernhof. Er führt fast ausschließlich durch Wald, dessen Zustand allerdings die Wanderlust beeinträchtigen kann.

 

Dausenau

Urkundlich belegt ist, daß der Ort 1348 Stadtrechte erhielt. In der Stadt gibt es zahlreiche, bis zu 300 Jahren alte Fachwerkhäuser. Das alte Rathaus ist spätgotisch. Besonders sehenswert die größtenteils erhaltene Stadtbefestigung und dreischiffige goti­sche die St. Castor-Kirche aus dem 14. Jahrhundert mit ihrem romanischen Turm. Die reiche Innenausstattung, unter anderem ein geschnitzter Altar um 1500 und beachtliche Malereien aus dem 14.bis 16. Jahrhundert, begeistern die Kunstkenner. Vor dem Ort steht die 1000 Jahre alte Gerichtseiche. Als Wahrzeichen von Dausenau gilt an der Durchfahrtsstraße wegen seines Neigungswinkels der „Schiefe Turm“", ein ehemaliger Wehrturm der Stadtmauer aus dem Jahr 1359. Ein besonders malerisches Bild bietet der Ort von der Lahnseite aus.

 

Bad Ems

An der oberen Brücke von Bad Ems kreuzte der römische Limes die Lahn. In der Nähe befand sich das römische Kastell Aviomonte. Heute steht an dieser Stelle die Mar­tinskirche, eine Emporenbasilika mit Turm und Pfarrhaus, das  Süd­portal ist romanisch, innen hat sie gotische Glasfenster. Im Jahre 880 wird Ems ur­kundlich erwähnt und erhielt als Blei- und Silberbergbaustadt im Jahre 1324 Stadtrecht.

 

Der Ort ist eines der ältesten Heilbäder Deutschlands. Im Jahre 1172 wurden erstmals die Emser Thermen ur­kundlich erwähnt. Im Jahre 1715 entstand das jetzige obere Kurhaus. In der zweiten. Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte das Bad seinen größten Aufschwung und war Treffpunkt gekrönter Häupter. Am 13. Juli 1870 traf sich hier der König von Preußen (der spätere Kaiser Wilhelm II.) mit dem französischen Gesandten Graf Benedetti zu einer Un­terredung, die zum Krieg mit Frankreich führte. Plötzlich wird in dem beschaulichen Örtchen Weltpolitik gemacht. Die „Emser Depesche“ Bismarcks wird zum Auslöser des deutsch‑französischen Krieges.

Am Trinkbrunnen, dem Emser „Kränchen“, plauderte einst Kaiserin Eugenie von Frankreich mit der Königin von Rumänien und der Herzogin von Orleans.

Richard Wagner vollendete in Bad Ems den Parsifal.

Wieder lockt eine Spielbank, die älteste Deutschlands übrigens. Auch hier findet sich ein beein­druckendes Ensemble aus der Belle Epoque, das entlang der Lahn sich in pastellener Pracht aufreiht und mit den Felsschründen des engen Tales kontrastiert. Die Zeit der gekrönten Häupter ist vorbei, geblieben sind die Heilkraft der Thermen und die eindrucksvolle Bäderarchitektur mit dem Kurviertel, den ehemaligen Grandhotels und den Villen.

Bad Ems ist bekannt für sei­ne Salzpastillen, die bei Husten und Heiser­keit Wunder wirken. Im Frühling glänzt das Städtchen mit einem Musikfestival, im Hochsommer, am 25. August, mit dem langen, farbenfrohen Blumenkorso des Bartholomäusmarktes. Den schönsten Blick auf die Emser Traumkulisse hat man vom Ufer der Lahn.

Ein Erlebnis ist eine Fahrt mit der Kurwaldbahn auf die Lahnhöhe (54 Prozent Steigung). Von Bad Ems aus gut zu erreichen ist die Ruine der Sporkenburg über dem Emsbachtal. Auf der Höhe liegt die weitläufige Golfanlage „Denzer Heide“.

 

 

Lahnstein

Am Fuß des Festungsberges stehen als Reste einer kurfürstlichen Residenz der ehemalige Marstall und das barocke Dikasterialgebäude (Verwaltungsgebäude). In der Altstadt gibt es historische Häuser, unter anderen das alte Rathaus und einen kurfürstlichen Zehnthof. Im geschichtsträchtigen „Wirtshaus an der Lahn“ ist auch Goethe eingekehrt. Hier steht auch das Geburtshaus der Mutter des Komponisten Ludwig van Beethoven, die Gedächtnisstätte ist  zugänglich.

Im Ortsteil Niederlahnstein ist sehenswert die Johanniskirche aus dem 12. Jahrhundert. Außerhalb des Stadtkerns am Rheinufer sind Reste der - heute leider verschütteten - römischen Befestigungsanlage (Hinweistafel).

Auf einem Bergsporn erbaut ist die Allerheiligenbergkapelle auf den Resten einer Einsiedelei aus dem 17. Jahrhundert.

Auf der anderen Lahnseite erhebt sich Burg Lahneck über der Stadt. Auf dem Turm soll eine Siebzehnjährige verhungert sein, als die Holztreppe hinter ihr zusammenbrach.

Hinter den Bahnanlagen steht die Martinsburg mit Teilen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Umfangreiche Reste der Stadtmauer und der Mauertürme sind zu sehen, die Kirche St. Martin ist aus dem 12. und 14., das Rathaus aus dem 16. Jahrhundert.

Auf der Höhe erstreckt sich ein modernes Kurzentrum. Um die wildromantische Rupperts­klamm am Stadtrand zu erkunden, bedarf es der Qualitäten eines Bergwanderers (zwei Kilometer Länge, mit Drahtseilen gesichert).

Von hier kann man fahren ins romantische Mühlental mit dem Turm der ehemaligen Wasserburg, nach Koblenz-Arenberg mit einer Wallfahrtskirche und einer ungewöhnlichen Parkanlage (Darstellungen aus der Welt der Bibel).

 

Ehrenbreitstein

Nicht zu übersehen ist die auf 118 Meter hohem Fels thronende Festung Ehrenbreitstein ge­genüber der Moselmündung, eine der stärksten Festungen in Europa aus der Zeit nach 1815.

Ein Besuch lohnt sich allein schon wegen der wunderbaren Aussicht auf  Rhein, Mosel und ins weite Land. Koblenz wird deshalb auch schon die „Militärhauptstadt Deutschlands“ genannt. In der Tat ist sie des Landes größte Garnison, vielerlei militärische Ämter und Einrichtungen konzentrieren sich hier.

Schon vor mehr als 2000 Jahren ging es um die Absicherung des Moselübergangs an der römischen Heerstraße von Mainz nach Köln. Bereits um 1000 entstand hier die erste Burg, die im Laufe der Jahrhunderte zu einer uneinnehmbaren Feste ausgebaut wurde. Die heutige Anlage errichteten die Preußen 1817 - 1828. Die Bauten in schlichten, kubischen Formen passen sich in ihren wuchtigen Maßen dem stufenförmigen Gelände an, die Hauptgebäude wirken monumental. Noch im 19. Jahrhundert galt die Stadt als stärkste Festung Deutschlands. Doch das verhinderte nicht, daß Koblenz in zahlreichen Kriegen immer wieder nahezu dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Im Festungsbereich befinden sich neben zwei Gastronomiebetrieben das Landesmuseum Koblenz – Staatliche Sammlung technischer Altertümer -, die Festungskirche, das Ehrenmal des Deutschen Heeres und die Jugendherberge Koblenz. Andere Teile des Festungswerkes können von außen besichtigt werden.

 

 

 

 

 

 

Hintertaunus

 

 

Rundfahrten Hintertaunus

 

1. Am Ende der Autobahn A 66 Richtung Bad Schwalbach fahren - Rauenthal (siehe Rheingau) - Matinsthal (siehe Rheingau) - Schlangenbad (abbiegen nach links) - Wambach – Abstecher nach links nach Langenseifen - Kemel.

Hier befand sich in der Frühphase des Limes zunächst eine kleine Holzschanze dicht an der Grenzlinie selbst, die dann nach der Mitte des 2. Jahrhunderts durch das Numeruskastell ersetzt wurde. Dieses lag an der Aulbachquelle im Bereich des heutigen Ortskerns (die in einer Karte eingezeichnete Stelle ist völlig falsch). Die Küche lag in der vorderen Hälfte des Kastells, das dem östlich vom Ort Kemel vorbeiführenden Limes zugewandt war.

 

In Heidenrod links nach Egenroth und Kloster Gronau. Dann weiter nach Niedermeiligen, an Münchenrod vorbei nördlich nach Nastätten.

Das ist eine Stadt im al­ten Einrichgau (heute nur als „Einrich“ bezeichnet). Die Pfarrkirche ist von 1250 mit romanischem Westturm und spätgotischem Helm. Das Langhaus ist barock. der Chor von 1479. Das Rathaus ist von 1609, der Schlernsche Hof von 1692.

 

Im 18. Jahrhundert siedelte sich in Dachsenhausen (nordwestlich von Nastätten) eine Korbflechterfamilie aus dem Hunsrück an. Sie gab im Lauf der Jahre ihr Wissen an die einheimischen Bauern weiter und so sind in der Region die Dachsenhäuser bis heute als die „Mannemächer“ (Manne = Korb, Mächer = Macher) bekannt. Eine weitere ortsspezifische Besonderheit ist der seit 1573 nachweisbare Familienname „Opel“. Rund 1000 Personen haben diesen Namen seither getragen, darunter auch die Vorfahren des Auto-Pioniers Adam Opel. Sehenswert im Ort ist auch die spätklassizistische evangelische Pfarrkirche von 1834/35.

 

 Noch weiter nördlich nach Miehlen

In Miehlen wurde ein Schinderhannes-Museum eingerichtet. Johann Wilhelm Bückler, genannt Schinderhannes, geboren am 25. 5. 1783 in Miehlen, ge­storben am 21. 11. 1803 (hingerichtet), war Tierkörperverwerter, Scharfrichter und Räuberhauptmann in den Rhein­landen.

Über Hunzel wieder auf die Bäderstraße und auf dieser nach rechts südöstlich nach Pohl und Holzhausen.

 

(2.) Westlicher Hintertaunus:

Achtung: Diese Tour kann man nicht machen am Sonntag nach Pfingsten, weil dann der Radfahrersonntag „Fahr zur Aar“ ist

Man kann nach Bad Schwalbach auf der gleichen Strecke fahren wie bei Tour 1, aber zur Abwechslung ist auch die Strecke von Wiesbaden her möglich. Man fährt auf der B 54 nach Taunusstein und dort links nach Bleidenstadt und weiter bis zum Abzweig am Schützenhof über die Bahnlinie nach Bad Schwalbach

Von der Adolfstraße aus kann man noch zwei Abstecher machen:

Man biegt nach links in die Martin-Luther-Straße ein und kommt zum Waldfriedhof und zu einer Jupitergigantensäule

Wieder zurück auf der Adolfstraße fährt man ein Stück weiter und dann links in die Heimbacher Straße und dann gleich rechts in die Straße nach Lindschied zum Jagdschloß „Villa Lilly“

Man muß aber wieder zurück nach Bad Schwalbach fahren, weil die Straße nach Heimbach gesperrt ist. Die Adolfstraße geht über in die Bahnhofstraße und dann links auf die B 54. Auf dieser nach links nach Adolfseck und Hohenstein und weiter nach Michelbach.

Von Rückershausen aus geht es links nach Dörsdorf und dann rechts nach Katzenelnbogen.

Von Katzenelnbogen fährt man nach Osten Richtung Aartal. Etwas vor Zollhaus geht es links ab zur Burg Hohlenfels. Die B 274 führt wieder auf die B 54 und nach links geht es nach Hahnstätten (das man aber auch auslassen kann).

Wieder ein Stück nach Süden geht es links ab nach Burgschwalbach. Von dort fährt man südöstlich nach Panrod, dann südlich über Hennethal, Strinz Trinitatis, Limbach zur B 417. Dort steht die „Hühnerkirche“ ein große Gaststätte an der sogenannten „Hühnerstraße“.

Dort geht es rechts ab nach Süden zum Kastell Zugmantel. Auf dieses wird durch keinen Wegweiser hingewiesen. Man sieht aber links an der Straße einen römischen Wachturm und rechts einen Parkplatzschild mit dem Hinweis „Parkplatz Römerturm 400 Meter“. An der Straße nach Orlen biegt man nach links in den Parkplatz ein.

Vom Kastell fährt man Richtung Westen nach Orlen und dann nach Süden nach Wehen. Im Ort geht es erst links und dann gleich wieder rechts und dann stößt man schon auf das Schloß in der Gerichtsstraße 6. Südlich des Schlosses geht es ein Stück nach Osten und dann rechts auf die Platter Straße.

Am Ende der Bebauung geht rechts die Obere Waldstraße ab. In diese fährt man hinein, soweit es geht. Dann noch ein Stück weiter gehen, aber nicht gleich links ab in den Forstweg, sondern erst nach steil geradeaus und dann links auf einen Forstweg, an dessen Südseite bald darauf das kleine Kastell Heidekringen liegt.

Auf der B 417 fährt man dann nach Wiesbaden. Wenn man in Richtung Frankfurt weiter fahren will folgt man nicht den Schildern zur Autobahn, denn die führen zum Schiersteiner Kreuz, sondern fährt in die Innenstadt und in Erbenheim auf die Autobahn.

 

(3.) Dasdorf - Idstein - Bad Camberg- Niederselters - Abstecher Münster - (Hünfelden-) Dauborn – Kirberg.

 

(4.) Weiltal – Weilmünster (nicht am ersten Sonntag im August)

 

(5.) Usingen - Hundstadt – Grävenwiesbach - Waldsolms - Brandoberndorf- Bodenrod- Usingen

 

(6.) Obermörlen – Langenhain - Zierenberg- Gaulskopf (eventuell weiter nach Friedrichsthal, siehe Hochtaunus)

 

 

Langenseifen

Spaziergänger oberhalb des Bad Schwalbacher Ortsteils Langenseifen blicken mit ratlosen Gesichtern auf den merkwürdigen Bau vor ihnen. Er sieht aus wie ein riesiger Heißluftballon aus Holz. An einem kleinen Anbau - dem Eingang - hängt ein Schild. „Evangelische Kirche“ steht darauf und das Symbol der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Das runde Gebäude ist eine Kapelle. Soweit man weiß ist sie in ihrer Form in Deutschland einzigartig. Sie ist ein Kunstwerk.

Die Kapelle mit ihrer runden Form hat ihre ganz eigene Atmosphäre. Der runde Bau vermittelt Geborgenheit. Weil es keine Fenster gibt, lenkt in besinnlichen Momenten kein Blick nach draußen ab. Mittelpunkt des Raumes, in dem etwa 60 Menschen auf einfachen Holzstühlen Platz finden, ist der Altar - eine schwarze Basaltlavasäule. Durch die Glasverkleidung rund um den Altar ist der Rest der großen Säule unterhalb des Bodens zu sehen, sie wird von Strahlern angeleuchtet. Direkt über dem Altar fällt Licht durch eine Glaskuppel: Man soll Himmel und Erde sehen.

Entworfen wurde die Kapelle aus Lärchenholz und Weißtanne von der Architektin Barbara Schmid von der EKHN, die Altarskulptur wurde von dem Bildhauer Holger Walter aus Karls­ruhe geschaffen. Die Säule ist fast vier Meter hoch und rund sechs Tonnen schwer. Sie wurde zunächst frei auf dem Feld aufgestellt. Das war im Jahr 2005, auf Fotos sieht die Säule aus wie ein Hinkelstein. Die Menschen in dem 500-Einwohner-Ort ahnten zum ersten Mal, daß etwas Ungewöhnliches auf sie zukommen könnte.

Sie hatten sich eigentlich ein herkömmliches Gebäude mit Satteldach und Türmchen vorgestellt. Die Kapelle wurde dann rund um die Säule gebaut. Daß in Langenseifen in Zeiten der leeren Kirchen eine Kapelle entstanden ist, hat mehrere Gründe. Auslöser war, daß die Menschen zum Kirchgang ins zwölf Kilometer entfernte Bärstadt fahren mußten. Das fanden schon die Bewohner vor 100 Jahren nicht gut. Ab 1910 gab es laut Pfarrchronik mehrere Anläufe für einen eigenen Sakralbau, 91 Jahre später machte das Kirchenmitglied Werner Ernst den entscheidenden Schritt zur Erfüllung des Traums. Er schenkte der Kirchengemeinde das Ackerland, jedoch unter einer Bedingung: Dort müsse eine Kapelle gebaut werden. Sie ist nun fast der einzige Neubau der EKHN.

Am 3. Juni 2012 wurde die ersehnte Kapelle eingeweiht. Der Bau kostete 360.000 Euro. Die Kirchengemeinde und die EKHN teilten sich die Kosten, die Stadt Bad Schwalbach gab auch etwas dazu. Bislang wird dort einmal im Monat ein gut besuchter Gottesdienst gefeiert. Künftig soll die Kapelle häufiger genutzt werden. Mittlerweile sind auch die Skeptiker verstummt. Von außen ist sie zwar nicht Jedermanns Geschmack. Aber jeder, der reinkommt, ist positiv überrascht.

In Langenseifen wohnt der Zahnarzt Jens Lehmann (Zur Rehwiese 6), der 99 Weinstöcke betreut, der höchste Weinberg im Taunus.

 

 

Schlangenbad

Die als „Bäderstraße“ gekennzeichnete B 260 zweigt ein paar Kilometer westlich von Wiesbaden ab. Bald erreicht man den lauschigen Weinort Martinsthal. Rollt man auf der Bäderstraße weiter, so kommt man in den anmutig in eine Talsohle ge­schmiegten Kurort Schlangenbad und nach Bad Schwalbach und Bad Ems.

Als Logo der Bäderstraße durch den Rheingau dient der muntere Römer Livius, der fröhlich in der Wanne planscht. In der Hand hält er einen Weinpokal, den Helm hat zum Baden abge­legt. Vor mehr als 2000 Jahren haben er und seine Legionäre hier im Taunus den Limes errichtet und in der Freizeit in war­men Quellen gebadet.

 

Martinsthal:

Wenn man zum Aussichtspunkt Bubenhäuser Höhe westlich von Martinsthal kommen will, biegt man schon ein Stück vor dem Kloster nach links und rechts in die alte Chaussee ab bis zur Reitschulstraße links und dann gleich wieder rechts in die Weinbergstraße und dann im Rechtsbogen auf die Bubenhäuser Höhe.

In Martinthal heißen die Weinbergslagen Baiken, Gehrn und Wülfen, deren Namen bei Ries­lingkennern spontane Begeisterung auslösen. In bester Halbhöhenlage erzeugt die Staats­domaine Rauen­thal (südlich des Ortes) Spitzenweine von eleganter Würze und terroirbetonter Finesse. Die edlen Tropfen mögen schon ehedem in den preußischen Amtsstuben Begehrlichkeit geweckt haben. Im Jahre 1900 erwarb der Königlich Preußische Staat die hochwertigen Lagen im Rauenthaler Berg. Durch planmäßiges Arrondieren und großzügige Investitionen wurde dieser junge Außenbetrieb der Hessischen Staatsweingüter zu einem über 50 Hektar großen, prosperierenden Weingut ausgebaut.

 

Nördlich von Martinstal liegt rechts der Bundesstraße das ehemalige Zisterzienserkloster Tiefenthal, heute Exerzitienhaus. Es ist ein in seinen Gebäuden junges Kloster, nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Grundmauern eines im 12. Jahrhundert gegründeten und 1803 aufgehobenen Nonnenklosters errichtet.

 

Schlangenbad:

Den Namen hat das Bad von der Äskulapnatter, die es in Deutschland nur noch in dieser Umgebung gibt. Man sagt: Wenn sie aussterben, werden auch die Quellen von Schlangenbad versiegen Das staatliche Bad ist 300 Meter hoch gelegen. In den gut gepflegten Anlagen finden sich Hainbuchennalleen aus der Rokokozeit.

Der Kurort mit 300 Einwohnern wird wegen seiner heilkräftigen, merkwürdig blau gefärbte Thermalquellen stark besucht. Heilanzeigen sind: Nervenleiden aller Art, chronische Frauenleiden. Er hat zwei Warmbadeanstalten mit allen modernen Einrichtungen. Das Thermalwasser hat eine stark regenerierende Wirkung auf Wunden und Hautdefekte, sowie merkwürdige geradezu kosmetische Wirkung auf die Haut.

Schlangenbad hat ein in Deutschland einzigartiges Thermalwasser: Das Schwimmbad wurde 1928 erbaut und hat ein schmuckes Uhrtürmchen, hübsche Kolonnaden und hölzerne Umkleidekabinen. Es liegt auf einer Waldwiese am Hang des Hansen­kopfes, mit großen Liegewiesen und Turngeräten. Die Wasserwärme ist gleichbleibend bei 22 bis 24 Grad und wird jeden Tag gewechselt.

Die wohltuende Wirkung der Thermalquellen von Schlangenbad war bereits vor Jahrhunderten bei den Adligen in ganz Europa, Fürsten und Kardinälen sowie betuchten Geschäftsleuten be­kannt. Im 19. Jahrhundert wurden in Schlangenbad elegante Hotels und ein mondänes Kurhaus errichtet. Schlangenbad galt als das teuerste der zahlreichen Taunusbäder, seine Quelle wurde zum Modegetränk der feinen Gesell­schaft. Die russische Zarin, die spanische Königin und die deutsche Kaiserin setzen den Standard für das kleine Kurbad mit dem schmeichelnd weichen Heilwasser.

Vom Glanz von dazumal künden das heute als „Parkhotel“ firmierende alte Kurhaus und Villen aus der guten alten Zeit. Es gibt ein Kurhaus mit vornehmen Sälen, eine protestantische und eine katholische Kirche, ein Kurhaus und ein Erholungsheim für Kriegsbeschädigte.

 

Im Adelheidtal hinter dem Kurhaus sind die Rheingauer Gebückbäume noch vorhanden (Siehe Hallgarten).

 

Schöne Hainbuchen-Alleen umgeben den Badeort und führen nach den nahen Bergkuppen, zum Beispiel auf den 495 Meter hohen Hansenkopf mit Turm, den Bärstadter Kopf, den Wilhelmsfelsen, den Grauen Stein, die eine Stunde entfernte „Hohe Wurzel“ (618 Meter) mit hohem eisernen Aussichtsturm, zur Altaneiche usw. Einen herrlichen Rheingaublick hat man von der Bubenhäuser Höhe (268 Meter) sowie von der Hallgarter Zange (Weg von Schlangenbad mit gelben Strichen bezeichnet).

 

Wambach: Mühlenmuseum bei der Wambacher Mühle nördlich von Schlangenbad.

Ebenfalls nördlich ist das Taunuswunderland.

Pohl

Wenn man in den Ort hineinkommt, steht rechts die Kirche. Hier geht die Kirchstraße ab. Auf ihr kommt man zu einem Stein, der den Limesverlauf markiert, rechts ist der alte Friedhof.

Unmittelbar vor dem Gelände des alten Friedhofes befand sich das römische Kleinkastell Pohl. Seine Nordwestkante lag im heutigen Verlauf der Kirchstraße. Gefunden wurden neben Scherben und Kulturresten auch zahlreiche Spitzgräben von etwa zwei Meter Tiefe sowie Fundamente. Sie belegen einen Steinturm in der Nordwestecke sowie einige feste Gebäude innerhalb der Anlage. Oberirdisch sind keine Spuren sichtbar.

In den nachgewiesenen festen Gebäuden innerhalb und außerhalb des Kastells im Bereich des heutigen Pfarrgartens kann man die Anfänge der Ortschaft Pohl sehen. Auch beim Kirchenbau 1874 war man in diesem Gelände auf Fundamentgräben aus römischer Zeit gestoßen - wie später seitens der Erbauer zugegeben wurde - jedoch hatte man diese verschwiegen, um den Fortgang der Bauarbeiten nicht zu gefährden.

Historiker und Militärgeographen waren sich sicher, daß hier mindestens ein Kleinkastell gestanden haben mußte, da Pohl an einem militärisch wichtigen Punkt lag. Zum einen knickte gerade hier der Limes fast rechtwinklig auf der Wasserscheide ab und vergleichbare andere Stellen am Limes waren immer mit Kleinkastellen gesichert; zum anderen traf hier der Grenz­graben auf eine alte, wichtige Heerstraße.

Die ersten Spuren für das Kastell fand Fabricius am letzten Tag der Ausgrabungen 1897, dann nach gründlichen Untersuchungen wieder im August und September 1903. Das rechteckige Erdwerk mit gerundeten Ecken war etwa 43 mal 34 Meter groß. Außerhalb fand man weitere Mauer- und Fundamentreste und auch weitere Spitzgräben, etwa 2,00 bis 2,20 Meter tief. In Kleinkastellen standen normalerweise nur Zelte, in Pohl aber sind fest Gebäude nachgewiesen.

 

Nach dem Kleinkastell Pohl mit seinem Wachtturm und Limesdurchlaß bog der Limes fast rechtwinklig nach Süden zum „Pohler Wäldchen“ am Pohler Stich ab. Im gesamten Verlauf des Waldes wird der Limes auf einer Länge von etwa 600 Metern wieder gut sichtbar. Wenn die Höhe - wie man annehmen muß - im Vorfeld des Limes zu römischer Zeit kahl und unbe­waldet war, so hatte man vom hiesigen Wachtturm aus Blickverbindung mit dem Kastell in Holzhausen und Aussicht auf die Talhänge am Hasenbach sowie über die gesamte Pohler Senke.

Das Pohler Kastell verlor seine Bedeutung, als um 260 nach Ch. der Druck der anstürmenden Germanenstämme zu groß wurde. Der Grenzwall mußte bald danach aufgegeben werden. Das Steinmaterial wurde sicher bald für den Haus- und Straßenbau verwendet, die letzten Spuren der Anlage verwischten sich im Laufe der Jahrhunderte.

Der Limes-Abschnitt Pohl ist mittlerweile von der Ortsgemeinde gut einsehbar gemacht und informativ ausgeschildert worden. Eine Rekonstruktion des Kleinkastells mit Wachtturm ist etwas weiter westlich erbaut worden (Eintritt 4 Euro). Der Limes-Abschnitt Pohl ist eine Einladung an alle, die sich für die Geschichte und Kultur unserer Landschaft interessieren.

 

Eine nach neuestem Stand der Forschung ab 2008 erstellte Rekonstruktion eines mit Holz und Erde errichteten Kleinkastells läßt die Bedeutung dieses, am Kreuzungspunkt zweier alter Fernwege gelegenen Limeskastells wieder erkennen. Der Nachbau repräsentiert ein frühes Holz-Erde-Kastell, welches hypothetisch am Beginn des 2. Jahrhunderts nCh, vielleicht unter Kaiser Trajan, konzipiert und ausgeführt wurde. Dieses wurde mit einem fortifikatorisch eigenständigen Holzturm aus der gleichen Zeit zu einem weltweit einmaligen Erlebnisraum zusammengefaßt.

 

Westlich von Pohl ist eine Rekonstruktion der Limespalisade zwischen Hunzel und Pohl errichtet worden. Im Waldstück ist der Limes gut erhalten. Jeweils am Waldanfang ergänzen Palisadenrekonstruktionen den originalen Wallgraben und führen die einstige Befestigung vor Augen. Zu dieser Stelle gelangt man, wenn man in der Mitte des Dorfes an der Informationstafel (über die alte Schule) den Weg nach links geht.

Der Limes erreicht von Hunzel kommend die Gemarkung Pohl im Wald. Wo der Waldweg heute aus Südwesten kommend den Limes schneidet, war auch in römischer Zeit ein Walldurchgang. Hier haben nacheinander zwei Holztürme und ein Steinturm gestanden, letzterer etwa 10 Meter vor den Palisaden. Die Flurbezeichnung „Am Landgraben“ erinnert hier noch an den Limes, der parallel zum Waldrand gut erhalten der Bäderstraße zustrebt.

Im Feld hinter dem Pohler Neubaugebiet, 100 Meter vom versteinten Waldrand entfernt, legte Fabricius 1897 das Fundament eines Steinturms frei. Es hatte ein Maß von etwa 5,40 Meter im Quadrat. Bei dem etwa 85 Zentimeter dicken Mauerwerk fand man allerlei Kulturreste, Kohlen, Aschen, Scherben und einen durchlochten Dachschiefer.

Da sind noch die Fundamentmulden bzw. Schutthügel eines steinernen Wachtturmes und einer Holzturmanlage. Da sind die Reste eines vorrömischen Grabhügels zu finden, der in den Limes mit eingebunden war, und da sind auch noch Spuren der letzten Grabungen. Vom Steinturm ist im Boden ein 30 Zentimeter hohes und 80 Zentimeter starkes Mauerwerk erhalten. Möglicherweise wurde die Anlage hier bei Kampfhandlungen abgebrannt, denn der Boden war durch Hitze gerötet. Die Arbeiter hatten bei den Ausgrabungen den Eindruck, „als ob das Zeug brennend in den Graben reingeschmissen und darin verkohlt wäre; gerade wie wenn ein altes Haus abgebrannt ist und der Keller ausgeräumt wird“.

 

Von Pohl führt eine Drei-Kastelle-Route durch die Gegend rund um den Limes und berührt dabei die Limesrekonstruktion westlich von Pohl, die Visualisierung des Kastells Pfarrhofen und das Kastell Holzhausen.

 

Die Überreste des römischen Kleinkastells Pfarrhofen liegen zwischen Holzhausen und Bettendorf, rund 180 Meter hinter dem Limes auf der Gemarkung von Miehlen, in der Nähe eines vorgeschichtlichen Grabhügelfeldes. Das Kastell wurde um 150 nCh auf einer Fläche von 40 mal 38 Meter errichtet. Es diente zur Sicherung eines aus dem römischen Reich in das Vorland des Limes führenden Weges.

Die Mauerreste des Kastells waren noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts etwa einen Meter hoch erhalten. Bis zum Jahre 1852 hatte man die Steine allerdings für den Bau der Bäderstraße ausgebrochen. Bei den archäologischen Untersuchungen durch die Reichslimeskommission im Jahr 1897 konnten nur noch vereinzelte Fundamentreste ausgemacht werden.

Das Klein­kastell hatte eine nahezu quadratische Grundfläche von 40 mal 38 Meter und war von einer 0,75 Meter starken Mauer umgeben. Der Zugang lag vermutlich in der Ostmauer. Im Innern wurden Spuren von Lehmfachwerk-Gebäuden festgestellt. Umfassungsgraben und Wallanschüttung hatte dieses Steinkastell nicht. Die Mauern stießen rechtwinklig aufeinander und waren nicht, wie üblich, als abgerundete Ecken ausgebildet. Der Ausgrabungsbefund läßt darauf schließen, daß der Kastellplatz nach einer Brandkatastrophe aufgegeben wurde.

 

Der Wachposten 2/25 befindet sich an der Gemarkungsgrenze zwischen Bettendorf, Pohl und Obertiefenbach im „Pohler Wäldchen“. Die Überreste des erstmals im Jahr 1897 durch die Reichslimeskommission untersuchten Steinturmes wurden. 2007 archäologisch nachuntersucht und anschließend auf Grundlage der hierdurch gewonnen Erkenntnisse durch eine Aufmauerung sichtbar gemacht. Die noch vorhandenen Gräben eines hölzernen Vorgängerturmes, ein gut erhaltener Limesabschnitt im dortigen Waldstück sowie ein nahe gelegener vorgeschichtlicher Grabhügel runden das Bild dieser interessanten Turmstelle ab.

 

Holzhausen an der Haide

Wo die B 274 von Rettert kommend in die B 260 einmündet, steht rechts das Haus, in dem 1832 Nikolaus August Otto geboren wurde. Seine Erfindung eines Verbrennungsmotors mit vier Takten: Ansaugen, Verdichten, Arbeiten und Ausstoßen aus dem Jahr 1876 eroberte als Ottomotor die Welt. In seinem Geburtshaus hat die Gemeinde ihrem berühmten Sohn ein technisches Museum eingerichtet.

 

  Kastell Holzhausen an der Haide:

In einem weiten Bogen umrundet der Pfahlgraben östlich von Holzhausen an der Haide den Grauen Kopf, mit 543 Metern die höchste Erhebung in der Gegend. Hier liegt eines der besterhaltenen Kastelle am obergermanischen Limes, etwa 2,5 Kilometer östlich von Holzhausen am Nordrand des Grauen Kopfes. Man geht aus vom Parkplatz an der B 260 am Kreisel südlich von Holzhausen (Nordseite Richtung Kemel). Dabei folgt man immer dem Zeichen des Limeswegs, dem Wachtturm (also nicht den Weg fast parallel zur Bundesstraße nehmen, sondern mehr im rechten Winkel weiter).

Hier sind dann durch Schilder die Wachturmstellen 31 bis 33 (bei 33 noch Schutthügel) bezeichnet.  Auf diesem Weg kommt man auch sehr bald an den Limes, der hier außergewöhnlich hoch noch erhalten ist. An der Schutzhütte kreuzt man den Limes und geht dann noch hoch zum Kastell. Der Hinweg ist allerdings 2,5 Kilometer lang. Auf dem Rückweg kann man an der Schutzhütte zunächst links den geschotterten Weg gehen und kommt dann an der Wachtturmstelle 34 (noch Schutthügel) vorbei, geht aber auf dem nächsten Weg wieder rechts auf den Limesweg.

Man kann aber auch einen sehr viel kürzeren Weg wählen, auf dem man dann allerdings nicht den Limes sieht, sondern gerade einmal die gerade erwähnte Wachtturmstelle: Wenn man von Kemel kommt ist links die Abzweigung nach Grebenroth. Danach geht nach rechts der zweite breite Waldweg ab, eine relativ breite Forststraße die gleich einen Boden nach rechts macht. Hier kann man noch mit dem Auto fahren bis zu einem Sperrschild, von dem aus es dann nicht mehr sehr weit bis zum Kastell ist.

 

Alle romantischen Klischees von Roms einsamen Außenposten in den dunklen germanischen

Wäldern des Barbaricums werden hier aufs Feinste befriedigt. Das mit 1,4 Hektar kleinste Kohortenkastell am Limes ist das am besten erhaltene der gesamten Grenzsperre. Wie ein Bild aus dem romantischen 19. Jahrhundert liegt die Ruine da, versteckt im hohen Buchenwald, durch seine abgeschiedene Lage verschont vom Steinraub der frühen Neuzeit, ungestört seit fast 2000 Jahren.

Die Garnison Holzhausen wurde unter Kaiser Commodus gebaut. Ihre Entstehung in der späten Limesphase ist auf die zunehmende Bedrohung durch germanische Stämme zurückzuführen, die sich entgegen ihrer berühmten sonst üblichen Zwistigkeiten gegen die Besatzer verbündet hatten.

Ab dem 3. Jahrhundert läßt sich aus schriftlichen und neuerdings auch archäologischen Quellen das Nebeneinander zweier unterschiedlicher Germanengruppen nachweisen. Die alteingesessenen Westgermanen werden zuletzt im Zusammenhang mit Kaiser Caracallas Feldzug im Jahre 213 genannt. In den Siedlungen der zugewanderten Elbgermanen findet man auffällig viele römische Waffen und Beute aus Plünderungszügen. Zum Teil bestanden die Siedlungen der einheimischen und der zugewanderten Stämme gleichzeitig nebeneinander. Bernd Steidl formuliert es eindrucksvoll so: Die zwei Gruppen „könnten - etwas überspitzt - als Freunde und Feinde Roms charakterisiert werden“.

Beim Fall des Limes wurde auch Holzhausen aufgerieben. Doch vom dichten Buschwald geschützt, haben sich die Fundamente hervorragend erhalten. Im Jahre 1898 wurden die oberen Mauerlagen von der Reichs-Limeskommission konserviert, auch das half der guten Bewahrung bis heute.

Wenn man von der Schutzhütte aufsteigt, zieht sich plötzlich eine dreieinhalb Meter hohe und eineinhalb Meter dicke steinerne Wallanlage durch das Gehölz. Davor liegt ein tiefer, sechs Meter breiter Spitzgraben, dahinter ist die angeschüttete Erdrampe für den einstigen Wehrgang noch auszumachen. Ein Erddamm trug einst den Wehrgang. Darunter verborgen sind die bis zu drei Meter hohen Überreste der Steinmauer. Offen liegen die Grundmauern der Ecktürme und die Türme der vier Tore, deren obere Steinlagen bei der Konservierung neu aufgesetzt wurden.

Geht man die einst sechs Meter hohe Mauer ein Stück entlang, stößt man auf die Reste des linken Seitentores, das von zwei schieferbedeckten Türmen flankiert war. Auch hier war der Außenanstrich weiß mit rot aufgemalten Fugen. Dies ist die Porta sinistra (die linke Pforte). Gegenüber liegt dann die Porta dextra (rechte Pforte). Im Kastell geht es links zur Porta praetoria (Haupttor mit zwei Durchfahrten) und rechts jenseits der Mitte ist die Porta decumana.

Die Umfassungsmauer des 500-Mann-Kastells und die steinernen Fundamente von Stabsgebäude, Fahnenheiligtum, den vier Toren und den zweigeschossigen Ecktürmen zeichnen sich vor allem im Schnee romantisch ab. Nur die aus Holz errichteten Mannschaftsbaracken und Hütten des Dorfes (vicus) haben keine Spuren hinterlassen. Die Verlängerung der Lagerstraße durch das Haupttor des Kastells im Osten (porta praetoria) führte zum 400 Meter entfernten Limesdurchgang bei Wachtposten 2/35.

Die Besatzung, die 2. Treverer-Kohorte (Cohors II Treverorum), brachte 213 nCh aufwendige Ehreninschriften für Kaiser Caracalla an, in denen sie ihn in vergoldeten Buchstaben als „größten Germanensieger“ (Germanicus maximus) feierte. Wie schon Kaiser Domitian ließ er sich nach einem in diesem Jahr errungenen Sieg als angeblicher Germanenbezwinger in Rom feiern.

Die überwucherte Ruine, der einsam und still mitten im Wald liegende Außenposten Roms, so ganz stimmt das romantische Bild natürlich nicht mit der Römerzeit überein: Die Besatzer hatten weit und breit alles abgeholzt. Ihr enormer Holzbedarf als Baumaterial für Palisaden, Türme und Kastelle. Häuser und Baracken. zur Unterhaltung ihrer aufwendigen Stadt- und Villenkultur, als Feuer für die Heizungen und Bäder und den Betrieb frühindustrieller Unternehmungen wie der Erzverhüttung hatte sicher auch zu Kahlschlägen im germanischen Gebiet geführt.

Es gibt Orte, an denen man Geschichte noch heute spürt, die authentisch sind. Keine weißen Kieswege, keine neu errichteten Mäuerchen, keine wieder aufgebauten Tore, Türme und Wehrgänge. Die Rekonstruktionen haben ihre Berechtigung, machen sie doch breitere Bevölkerungsschichten auf das Welterbe aufmerksam, geben einen Einblick, wie es an der Reichsgrenze aussah. Aber die Magie des Ortes, die können sie nicht vermitteln. Der Pfahlgraben ist im Wald westlich vom Kastell Holzhausen wohl erhalten, er ist lediglich vor dem Kastell in nachrömischer Zeit eingeebnet worden.

Das Kastell liegt noch im Bundesland Rheinland-Pfalz. Gut 100 Meter östlich von dem Wehrbau läuft die hessische Grenze. Ungefähr dort wird auch der Pfahlgraben wieder sichtbar und ist von hier aus etwa 900 Meter weit nach Osten zu verfolgen. Dann verschwindet zunächst der Grenzwall und nach weiteren 30 Metern auch der Graben. Noch bevor der Pfahlgraben aufhört, erblickt man den ersten Steinturmhügel auf hessischem Gebiet.

 

 

Bad Schwalbach

Schwalbach wird zuerst 1352 erwähnt, 1509 wurden seine Wasser von Bischof Uriel zu Speyer und dem Abte Johann Schrott zu St. Ulrich gegen ihre Leiden gebraucht, im Jahre 1585 vom Kurfürsten August von Sachsen. Seit dem 16. Jahrhundert, als Dr. Tabernae­montanus, der Medicus des pfälzischen Kurfürsten, die Quellen für wirksam befand, ist der Kurbetrieb etabliert. Auch hier gab sich die Prominenz ein Stelldichein: Sissi von Österreich, König Ludwig von Bayern, Leibniz, Goethe sowie der 14. und 26. Präsident von Amerika waren unter den Gästen.

Landgraf Georg von Hessen-Darmstadt  war 1626 für das Bad tätig. Unter Landgraf Ernst von Hessen-Roten­burg entstanden um 1651 ansehnliche Bauten. Der Ort wurde früher Langen­schwalbach genannt und liegt 318 Meter hoch. Im Jahre 1816 kam der Ort mit der Grafschaft Nieder-Katzenelnbogen an Nassau, 1866 mit diesem an Preußen. Bad Schwal­bach war Kreisstadt des Untertaunuskreises und ist heute Kreisstadt des Rheingautaunuskreises.

 

Wenn man nach Bad Schwalbach hineinfährt sieht man rechts in der Brunnenstraße das berühmte Hotel Malepartus, daneben das Café Wagner, das in fünften Generation von der gleichen Familie geführt wird, die ihre Familiengeheimnisse bei der Herstellung ihrer Süßigkeiten wahrt.

Es folgt dann die spätgotische katholische St. Elisabethkirche von 1471 und das „alte Schloß“ (Am Kurpark 12), auch „Rothenberger Schlößchen“ genannt. Das Haus wurde 1602 für Land­graf Moritz von Hessen-Kassel erbaut. Dessen Sohn Hermann aus zweiter Ehe erhielt als Erbe die teilsouveräne Landgrafschaft Hessen-Rotenburg, zu der auch Schwalbach gehörte. Daraus leitet sich der Name des Schlößchens ab. Das Gebäude blieb 160 Jahre im Eigentum der Linie Hessen-Rotenburg. Seit 1729 war das Schloß Sitz des Amtes Hohenstein, dann des herzoglich nassauischen Amtes Langen-Schwalbach, des Justizamtes und der „Landoberschultheißerei“. Es war also Landratsamt und Zollamt und heute Amtsgericht.

Es handelt sich um eine vierseitig geschlossene Anlage um einen Innenhof. Der langgestreckte Hauptbau mit verschiefertem Fachwerkobergeschoß hat ein hohes Satteldach mit kleinen Gauben. Zur Hofseite befinden sich zwei offene Laubengänge auf Holzstützen mit geschnitzten Kopfbändern und eine barocke Tür. Die Obergeschoßzone auch der Wirtschaftsgebäude ist mit reizvollem Zierfachwerk versehen. Das Zwerchhaus war früher mit einer Ladeluke versehen. Das Treppentürmchen ist von einem Haubendach gekrönt. Ursprünglich gehörten zwei herrschaftliche Wachthäuser, Waschhaus, Amtsdienerwohnung, Scheuer, Chaisen-Remise, Gärten und Wiesen zum Anwesen.  Links ist dann das Kurhaus, hinter dem man parken kann.

 

Hinter dem Kurhaus beginnt der Kurpark. Eine Übersichtstafel über die Quellen steht unten an der Straße „Am Kurpark“ rechts vor dem Kurhaus. Bad Schwalbach hat neun Mineralquellen, die sich (nach Urteil des Professors Seegens) durch ihren starken, reinen Eisengehalt und ihren Reichtum an gebundener Kohlensäure bei gänzlichem Zurücktreten aller anderen festen Bestandteile auszeichnen. Das klassische Mineral‑ und Moorbad soll wirksam sein gegen Frauenleiden, Nervenleiden, Gicht und Rheuma sowie Herz‑ Kreislaufkrankheiten.

Von der Übersichtstafel sieht man an der Nordseite des Kurhauses aus den Stahlbrunnen, einen der beiden zwei Hauptbrunnen. Der Weinbrunnen ist die älteste Heilquelle und steht gegenüber an der Brunnenstraße, wo der Badweg abbiegt. Der Brunnen ist etwas säuerlich, wird aber von der Bevölkerung gern genutzt.

Die den Badeeinrichtungen dienenden Gebäude sind: Das in italienischem Renaissancestil 1873 erbauten Kurhaus, das Moorbadehaus (Parkstraße 11) und das Stahlbadehaus (Brunnenstraße 20). Eine Besonderheit Schwalbachs sind die Liegekuren im Kurpark. Im Kurpark wird nachmittags auch zum Tanztee aufgespielt.

Am Ende des Kurparks startet die Moorbahn, auf der Ausflügler transportiert werden. Abfahrt ist am westlichen Ende der Parkstraße. Nur an Sonn- und Feiertagen Frühjahr bis Oktober. Kontakt: Kurbahn Verein 06124/ 726342.

 

Man kann dann noch einen kleinen Rundgang machen: an der Nordseite des Kurhaus beginnt die Koblenzer Straße. An ihrem Ende steht links das Haus Stadt Frankfurt (Adolfstraße 3). Rechts geht es in die Kirchstraße, in der man noch einmal schön die rückwärtigen Gebäude des alten Schlosses sehen kann.

 

Vom Parkplatz muß  man auf der anderen Seite des Kurhauses abfahren. Man fährt ein Stück nach rechts und gleich wieder an der Kirche nach links in die Kirchstraße, die in die Adolfstraße einmündet.  Hier steht auf der linken Seite mit der Hausnummer 105 an der Einmündung der Straße Schmidtberg das alte Rathaus aus dem 17. Jahrhundert. Ein Stück weiter ist auf der rechten Seite der Brodelbrunnen, bei dem eine so große Menge reiner Kohlensäure aus der Erde entströmt, daß man sie auffängt, in eiserne Flaschen preßt und versendet.

 

Von der Adolfstraße aus kann man noch zwei Abstecher machen:

1. Man biegt nach links in die Martin-Luther-Straße ein und kommt zum Waldfriedhof. Dort steht an der Nordwestecke die Kopie des Fußes einer im Wiesbadener Museum befindlichen Jupitergigantensäule. Der Stein wurde 1839 unweit von hier auf dem einstigen Areal eines reichen römischen Gutshofes ausgegraben. Abgebildet sind die Göttermutter Juno, Minerva, die Beschützerin der Künste. Herkules sowie der Götterbote Merkur, Schutzgott der Kaufleute und Diebe.

2.  Wieder zurück auf der Adolfstraße fährt man ein Stück weiter und dann links in die Heimbacher Straße und dann gleich rechts in die Straße nach Lindschied. Vor dem Ort geht es nach links und dann wieder rechts ab in die Adolphus-Busch-Allee. Sie führt zu einer Anlage, die ursprünglich als Jagdschloß und Urlaubsort von Adolphus Busch erbaut wurde.

Der in Mainz-Kastell geborene Adolph Busch war im Alter von 18 Jahren nach den USA ausgewandert. Zunächst war er auf einem Schiff auf dem Mississippi tätig. Dann stieg er in die Brauerei Anheuser ein. Heute ist Anheuser-Busch die größte Brauerei der USA und hat 50 Prozent Marktanteil.

Heute wird das kleine Dorf für die Rehabilitation von Drogensüchtigen genutzt. Darin gibt es das „Haus Lilly“ in Erinnerung an den Namen der Frau Buschs, aber auch das „Haus Claire“, bei dem man nicht weiß, ob es sich um eine Verwandte oder eine Geliebte handelte. Er starb bei einem Sommerurlaub in Lindschied. Sein Herz soll im Park begraben sein.

Man muß aber wieder zurück nach Bad Schwalbach fahren, weil die Straße nach Heimbach gesperrt ist. Die Adolfstraße geht über in die Bahnhofstraße und dann links auf die B 54. Auf dieser nach links nach Adolfseck

 

 

 

 

Burgruine Adolfseck

Landschaftliche Gegensätze kennzeichnen den Lauf der Aar auf ihrem Weg durch den Taunus zur Lahn. Bevor das Flüßchen gemächlich der Mündung zustreben kann, muß es sich im Abschnitt Bad Schwalbach durch ein wildromantisches Felsental zwängen. Diese Lage für strategische Zwecke zu nutzen, bot sich schon früh an. So entstanden gleich zwei Burgen in direkter Nachbarschaft nebeneinander: die Burg Adolfseck der Nassau-Idsteiner im 14. Jahrhundert und die Burg Hohenstein der Katzenelnbogener im 12. Jahrhundert.

Am Eingang des Ortes liegt rechts auf der Spitze einer ins Aartal vorspringenden Bergnase die Ruine der bis zum Dreißigjährigen Krieg uneinnehmbaren Burg Adolfseck. Die Burg entstand im 13. Jahrhundert und war die Burg des Grafen Adolf I. von Nassau. Erhalten sind die ovale Gesamtanlage, der Burggraben und die spätgotische Kapelle. Wenn man sie besuchen will, muß man rechts die Taunusstraße hinauffahren.

 

Am Ende der Bebauung des Ortes auf der linken Seite steht ein Schild „Justinusfelsen“. Hier beginnt seit dem Jahr 2000 ein Wanderweg von knapp 1.000  Meter Länge, der zu allen archäologischen Denkmälern führt (siehe Führungsblatt 165). Auch den Justinusfelsen kann man nur auf diesem Weg erreichen

Nördlich des Weges, der zur Bahn führt, lag gleich westlich der Durchgangsstraße das Kleinkastell Adolfseck. Das Kleinkastell Adolfseck schützte einen Brückenübergang südlich des Kastells, ungefähr 50 Meter hinter dem Limes, über die der Postenweg lief. Von ihr sind einige Pfähle mit den typischen, eisernen Schuhen gefunden worden.  Der kleine, steinerne Wehrbau war etwa 18 mal 20 Meter groß und hatte abgerundetn Ecken. Er ist wohl erst in der Mitte des 2. Jahrhunderts entstanden. Zu sehen ist heute nichts mehr. Im Mittelalter war hier die Siedlung Ressfeld.

 

Westlich bam Heuberg befindet sich eine Turmstelle, die wohl zur älteren Limeslinie gehörte und noch im Gelände zu sehen ist. Die jüngere Limes-Linie zog vom Kleinkastell Adolfseck in östlicher Richtung durch offenes Gelände den Hang hoch, sie ist aber nicht erhalten. Am Seifenberg etwas weiter nördlich befindet sich im Zuge des Limes eine Schanze. Noch ein Stück weiter kommt man zum Justinusfelsen. An ihm befindet sich in Augenhöhe die Inschrift „Ianuarius Iustinus“. Hier hat sich ein römischer Soldat etwa 200 Meter außerhalb des Limes verewigt.

 

Am Ortsausgang geht es rechts in das Naturschutzgebiet Pohlbachtal. Weiter geht es durch das Aartal vorbei an der Frankenberger Mühle zum Felsentor, erkennbar an der Gaststätte. Hier konnte man das Tal als angestauter Halsgraben abriegeln.

 

 

Burg Hohenstein

Man sollte zur Burg Hohenstein nach links aus dem Aartal hinauffahren. Wenn man sich dem alten Dorfkern nähert, zeigt das große Schild „Burg 300 m” die Richtung. Die Lage der Burg auf einem nach drei Seiten steil abfallenden 200 Meter hohen, von der Aar umflossenen Felsgrat ist faszinierend. Nicht minder die Masse Mauerwerk der verbliebenen Türme und Wehrmauern, einer 2,50 Meter starken Schildmauer, Befestigungen, die im Laufe der Jahrhunderte stetig verstärkt und erweitert wurden.

Die Burg wurde von den Grafen von Katzenelnbogen erbaut. Dieses Geschlecht zählte auf seinem Höhepunkt im 15. Jahrhundert innerhalb seines Territoriums 225 Dörfer, neun Städte und elf Burgen oder Schlösser.

Wie die Hohenstein ausgesehen hat, wissen wir heute ganz genau nach den Zeichnungen von Wilhelm Dillich, die er Anfang des 17. Jahrhunderts angefertigt hat und erhalten sind. Zwei gewaltige Schildmauern deckten gegen feindlichen Beschuß von der Bergseite her ab: die zweieinhalb Meter dicke äußere Mauer zwischen Tor- und östlichem Eckturm und die innere Maurer, teilweise aus dem Felsen gehauene Schildmauer zwischen dem fünfeckigen West­turm und Bergfried zum Schutz der Kernburg. Auch kleinste Mauerteile sind mit behauenem Schiefer sauber aufgeschichtet, so daß alles wie aus einem Guß erscheint.

Plünderungen und Feuer während des Dreißigjährigen Krieges leiteten das Ende ein, nach schwerem Beschuß mußte sich die Besatzung 1647 ergeben. Seitdem verfiel Hohenstein, ist aber dennoch eine der größten und eindrucksvollsten Burgruinen im Taunus.

Heute betreut das Land Hessen die Ruine, in der man frei herumklettern kann. Das integrierte Hotel-Restaurant Waffenschmiede hat nur eine beschränkte Raumkapazität. Neben der Burg steht die Kirche.

Man kann auf der anderen Seite wieder hinunterfahren ins Aartal. Empfohlen wird aber die Rückkehr auf dem gleichen Weg, weil man dann im Tal kurz vor dem Eisenbahntunnel noch einen schönen Blick auf die Burg hat.

 

Aarbergen: Michelbach

Aarbergen ist eine sehr ausgedehnte Gemeinde. Im Aartal trifft man auf Michelbach. Der Ort  besitzt zwei Kirchen, die man von der Straße aus sehen kann. Die alte Kirche inmitten des Friedhofs ist ein niedriger Bau mit romanischem Chorturm ohne Apsis.

Im Jahre 1655 wurde nördlich von Michelbach durch Graf Johann von Nassau-Idstein die Nas­sau-Idstein‘sche Eisenhütte mit Eisenhammer gegründet. Doch der holzgefeuerter Hochofen wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts abge­baut. Erzeugnisse waren Öfen. Ofenplatte und Töpfe. Heute ist hier Werk der Firma Eisengießerei Passavant.

 

Etwas weiter nördlich liegt Rückershausen, der letzte hessische Ort. Hier sollte man nach links abbiegen, denn das Aartal ist weiter unten nicht mehr so interessant. Hier geht es  über Dörsdorf nach Katzenelnbogen, das ja auch einmal hessisch war und dessen Namen die hessischen Landgrafen im Titel führten.

 

Katzenelnbogen

Die Burg Katzenelnbogen wurde um 1095 auf Bleidenstädter Vogteigut erbaut. Auf das gleiche Jahr datiert auch die urkundliche Ersterwähnung des Ortes. Nach der Burg benannte sich seit etwa 1138 ein Grafengeschlecht, das mit den Staufern zur damaligen Zeit in ver­wandt­schaftlicher Verbindung stand. Während des Interregnums erwarb es bedeutende Ländereien.

Um das Jahr 1260 teilten die Brüder Diether und Eberhard die Grafschaft unter sich auf, die sich erst um 1402 wieder vereinigte und dann ein Gebiet vom Odenwald bis zur unteren Lahn beherrschte, allerdings in zwei Teile getrennt, die sogenannte Niedergrafschaft um Katzeneln­bogen und St. Goar und die sogenannte Obergrafschaft im Rhein-Main-Dreieck um Darm­stadt. Zur Ersteren gehörten Orte wie Braubach und St. Goar, zur Letzteren Rüsselsheim, Groß-Gerau, Darmstadt und Zwingenberg.

Eine bedeutende Einnahmequelle verschaffte sich das Haus durch Zölle auf Schiffe, die den Rhein befuhren, sowie in dem von ihm begründeten Darmstadt, an der Bergstraße, einer Handels­straße, die von Heidelberg nach Frankfurt am Main führte. Dies machte sie zu einer der reichsten Grafschaften des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Die Grafen von Katzenelnbogen spielten eine bedeutende Rolle und sollen über einen der größten Silberhorte in Deutschland verfügt haben, den sie politisch geschickt zum Vergeben von Darlehen an andere Geschlechter nutzten und damit ihren Einfluß sicherten. Das Haus stellte u.a. Bischöfe in Münster und Osnabrück, mit Diether von Katzenelnbogen gegen Ende des 12. Jahrhunderts einen Kanzler des Reiches und eine Königsmutter von Adolf von Nas­sau. Diether VI. von Katzenelnbogen erhielt für seine Verdienste am 19. Juli 1312 Kaiser Heinrich VII. die Stadtrechte für Katzenelnbogen zugesprochen.

Nachdem 1330 Darmstadt zur Stadt erhoben wurde, verlegten die Grafen von Katzenelnbogen ihren ständigen Herrschaftssitz dorthin. Die weitere Entwicklung der Stadt Katzenelnbogen erlahmte daraufhin. Im Jahre 1479 starb das Grafengeschlecht in der männlichen Linie aus. Sein Besitz fiel, nach größeren Erbstreitigkeiten mit Nassau, 1557 endgültig an die Land­grafschaft Hessen. Hier wiederum fielen die südlich gelegenen Teile später an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die nördlichen an Hessen-Kassel.

Von 1798 bis 1814 gehörten die westlich des Rheins liegenden Teile der Grafschaft Katzen­elnbogen (Rheinfels, St. Goar und Pfalzfeld) zur Ersten Französischen Republik. Der kurhessische Teil fiel 1815 an das Herzogtum Nassau. Nach dem Deutschen Krieg kam Katzeneln­bogen 1866 zur preußischen Provinz Hessen-Nassau. Im Rahmen der preußischen Gemeindereform verlor Katzenelnbogen seine Stadtrechte. Zur 650-Jahr-Feier der Stadtr­echtsverleihung im Jahr 1962 bekam Katzenelnbogen erneut die Stadtrechte zugesprochen. Im Jahre 1972 kam es im Zuge der rheinland-pfälzischen „Funktional- und Gebietsreform“ zur Bildung der Verbandsgemeinde Katzeneln­bogen, deren Verwaltungssitz die Stadt Katzen­elnbogen ist (nach Wikipedia).

Von Katzenelnbogen fährt man nach Osten Richtung Aartal. Etwas vor Zollhaus geht es links ab zur Burg Hohlenfels

 

Burg Hohlenfels

Die Burg wurde 1355 - 1363 für Graf Johann von Nassau-Herrenberg errichtet. Auf steilem Kalkfelsen erbaut ist sie von drei Seiten durch fast senkrechte Felsen geschützt nahezu unangreifbar. Zur vierten Seite ist sie geschützt durch einen breiten Graben und fünf Türme und fünf Tore machen sie verteidigungsstark. Der Bergfried ist fünfeckig, die Schildmauer hat Ecktürme, es gibt Zwinger und Halsgraben, Bergfried und Wohnturm. Die Burg kam später zu Kronberg und über die Waldecker 1753 wieder an die Nassauer, die Teile der alten Burg abbrechen ließen.

Die Burg dient heute den Nerother Wandervögeln als Jugendburg. In der Domäne am Fuß der Burg besteht eine Verpflegungsmöglichkeit.

Die B 274 führt bei dem Ort Zollhaus wieder auf die B 54. Nach links könnte man noch einen Abstecher nach Hahnstätten machen. Aber zu sehen gibt es dort nicht sehr viel. Nach rechts geht die Kirchstraße ab. Im Winkel steht die ehemalige Wasserburg des 16. Jahrhunderts. Sie ist dreiflügelig mit Treppenturm und vier Erkern. Der Eingang ist von der Durchgangsstraße her, sie ist aber nicht zu besichtigen. Die Kirche steht weiter hinten in der Kirchstraße auf der rechten Seite. Sie ist von 1217 und hat ein erneuertes Langhaus aus dem 17. Jahrhun­dert.

Nördlich von Hahnstätten ist ein Kalksteinbruch, dessen Sohle nur noch zwei Meter über dem Meeresspiegel ist und die demnächst der tiefste Punkt in Deutschland sein wird.

Von Zollhaus geht es nach rechts weiter die Aar hochwärts, aber dann gleich links nach Burg­schwalbach.

 

Burgschwalbach

Hoch über dem Ort liegt links die mächtige Burg. An der Durchgangsstraße zeigt ein Wegweiser links den Weg nach oben. Erbaut 1368 - 1371 von den Gra­fen von Katzenelnbogen fiel die Burg 1479 an die hessischen Landgrafen und 1536 an die Grafen von Nassau-Weilburg, die bis 1630 hier wohnten. Erhalten sind Schildmauer, Halsmauer, Turm und Zwin­ger, Doppelmauer und Türme, Palas, Wohnbauten und Stallungen. Die romanische Kirche im Ort hat eine Rokoko-Stuckdecke.

 

Von Burgschwalbach geht der Weg weiter nach Panrod und Hennethal. Dort links ab nach Strinz Trinitatis und Limbach zur B 417. Dort steht die „Hühnerkirche“, eine große Gaststätte an der sogenannten „Hühnerstraße“. Auf der Bundesstraße geht es  nach rechts weiter, bis man links den Römerturm im Kastell Zugmantel sieht. Rechts ist ein Hinweis auf den Parkplatz in 400 Meter Entfernung. Nach dem Parkplatz biegt man nach links ab, noch vor der Waffelfabrik.

 

 

Kastell Zugmantel

Am Parkplatz steht zwar eine Informationstafel zu dem rund 2,5 Kilometer langen Lehrpfad, aber die Ausschilderung ist sehr mangelhaft. Zum Beispiel kann man nicht erkennen, daß das eigentliche Kastell sich direkt südlich an den Parkplatz anschloß (ein grüner Wegweiser zeigt zum Beispiel nach Norden). Es empfiehlt sich, die Übersichtskarte zu fotografieren oder abzuzeichnen, damit man den Weg findet.

Über das Kastell Zugmantel liegt eine der frühesten Untersuchungen zu einem Limeskastell aus dem Jahr 1760 vor. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts nahm der historische Verein für Nassau erste kleinere archäologische Ausgrabungen am Kastell Zugmantel vor. Systematische wissenschaftliche Untersuchungen erfolgten dann durch die Reichs-Limes-Kommission, ab 1894 und schließlich im 20. Jahrhundert durch das Saalburgmuseum. Die umfangreichste Erkundung wurde von 1901 bis 1914 durchgeführt. Ab 1905 bis 1914 besuchte Kaiser Wilhelm II. mehrfach die Ausgrabungsstelle, sogar noch während des Ersten Weltkriegs. Die unterbrochenen Grabungen wurden von 1921 bis 1937 - zum Teil als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen  - fortgesetzt. Weitere Grabungen folgten 1949, 1950 und 1956.

 

Den Rundweg kann man beginnen, in dem man durch das Eisentor an der Nordseite des Parkplatzes geht (Markierung Eule). Auf dem Übersichtsplan ist hier ein Bogen nach rechts eingezeichnet, dort sind aber keine Wege. Hier zwischen Kastell und Limes lag jedoch ein

Tempel, dessen Spuren im Wald noch sichtbar sind, vielleicht war er der „Großen Mutter“ (Magna Mater) geweiht.

 

Wenn man den Weg weiter geht, steht links eine Informationstafel über die Gladiatoren. Hier befindet sich eine der zwei „Rundschanzen“ des Kastells, die eine Besonderheit am Taunuslimes darstellen. In früherer Zeit wurden sie irrtümlich für Schanzen gehalten. Die „Schanze“ war aber kein Wehrbau, sondern ein kleines Amphitheater, wie man es oft neben Legionslagern, gelegentlich auch neben Auxiliarlagern gefunden hat. Sie dienten wahrscheinlich als Arena zur Vorführung von Übungen der Truppe. Sehr ähnliche Anlagen wurden am Kastell Dambach, in Wales bei Kastell Tomen y Mur sowie am nahe gelegenen Kastell Arnsburg entdeckt.

Zu sehen ist ein kreisrunder Erdwall von 48 Meter Durchmesser, der als Unterbau für das Holzgerüst mit den Sitzreihen diente. Die Arena hat einen Durchmesser von 24 Metern und wurde in den Boden eingetieft. Zwei Unterbrechungen im Wall im Norden und im Süden markieren die zwei gegen­überliegenden Eingänge. Das Bauwerk war von einem Gräbchen umgeben, das wohl der Entwässerung diente.

Drei Funde lassen sich mit Gladiatoren- und Tierkämpfen verbinden. Ein Greifenkopf­beschlag aus Bronze diente vermutlich als Aufsatz eines Gladiatorenhelms. Auf einem Schleif­stein ist die Darstellung eines Kampfes zweier Männer zu sehen. Einen Hinweis auf den Einsatz von Tieren gibt vielleicht die Besitzerinschrift „vesstigiatorum“ auf einem Tongefäß, denn die „vestigatores“ waren die Tierfänger.

 

Der Weg führt weiter zu dem rekonstruierten Limes-Wachtturm WP 3/15. Das Fundament des Steinturms wurde im Jahre 1966 kurz vor der Zerstörung durch den Bau der Bundesstraße von H. Schop­­pa untersucht. Dicht daneben entstand 1971/72 der rekonstruierte Limesturm, den man besteigen kann. Der Turm gibt einen zutreffenden allgemeinen Eindruck eines Limeswachtturms, doch weist er einige Mängel auf: Leider ist er nicht verputzt worden (sämtliche antiken Steintürme des Taunuslimes trugen einen hellen Verputz, in dem eingerissene und rot eingefärbte Linien Quader nachahmten). Auch waren die römischen Limestürme sicherlich etwas höher. Und es gab bei ihnen keinen ebenerdigen Eingang. Vor dem Turm sind etwa 50 Meter des Pfahlgrabens mit Palisade hergerichtet worden, der Limeswall war allerdings im Altertum oben nicht abgeflacht. Den originalen Zustand kann man noch sehen, wenn man nach rechts auf dem Rundweg  am Limes entlang geht.

Am dritten Weg rechts - wo der Weg eine leichte Biegung nach rechts macht – ist die Abzweigung auf dem Rundweg. Man kann auch noch weiter am Limes entlang gehen bis zum Waldrand vor Eschenhahn. Hier geht man 100 Meter am Waldrand nach rechts bis zur Eisenstraße (alter Verkehrsweg für Beförderung von Eisen und Erzen zwischen Lahn und Main). Der Eisenstraße dann nach rechts durch den Wald folgen. Nach 1,2 Kilometern bis zur Kreuzung mit der Markierung Eule gehen, mit dieser nach links gehen, vorbei an der alten Rundschanze.

 

Wenn man aber mit dem Rundweg nach rechts abbiegt, trifft man auf die breite Forststraße, die vom Parkplatz nach Osten führt. Man überquert sie (etwas rechts-links) und geht weiter nach Süden. Östlich liegt dann am Galgenköppel eine zweite „Rundschanze“ mit möglicherweise ähnlicher Zweckbestimmung wie die nördliche „Schanze“.

Man trifft dann auf einen Weg, auf dem man rechts weitergeht und in einem Linksbogen auf ein Wiesental kommt. Hier stehen ein Insektenhotel und die Orlener Elsbeere. Die Elsbeere war der Baum des Jahres 2011 und wurde gepflanzt im März 2011 zum 40jährigen Bestehen der Stadt Taunusstein im internationalen Jahr der Wälder. Die „schöne Else“ gehört zu den Rosengewächsen und kann bis zu 300 Jahre alt werden und eine Durchmesser von einem Meter erreichen. Das rotbraune und sehr dichte Holz der Elsbeere ist gut geeignet für die Herstellung von Musikinstrumenten.

Hier steht auch eine Informationstafel über das Kastellbad. Unterhalb der Tafel, etwa 320 Meter vom Osttor des Lagers entfernt, lag das Kastellbad. Der Platz war gut gewählt, denn die Wasserversorgung der Therme wurde durch die hier entspringende Aar sichergestellt. Man sieht weiter unten in der Wiese zwei Felsbrocken und den Beginn des Bachlaufs – die Aar­quelle. Die Aar entspringt also unterhalb des Kastells Zugmantel und mündet nach 40 Kilometern bei Diez in die Lahn.

In dem Militärbad waren die Räume nach dem Badeablauf geordnet. Nach dem Ablegen der Kleider im Umkleideraum (apodyterium) begab man sich in die Sauna (sudatorium) und ließ danach den Körper in einem lauwarm geheizten (tepidarium) und in einem ungeheizten Raum (frigidarium) abkühlen. Ein Raum, der angenehm erwärmt war (calidarium), stand für einen längeren Aufenthalt zur Verfügung. Zudem gab es ein Becken mit kaltem und warmem Wasser (piscinae).

Das Bad weist eine komplizierte Baugeschichte auf. Sicher ist in Periode 1 ein kleines Militärbad vom Reihentyp, das zu Beginn des 2. Jahrhunderts errichtet wurde. Kurz nach der Mitte des 2. Jahrhunderts wurde das alte Bad aufgegeben und durch einen unmittelbar daneben liegenden größeren Neubau ersetzt. Ein weiterer Umbau erfolgte Ende des 2. Jahrhunderts, bei dem Apodyterium und Frigidarium vergrößert wurden.

 

Von der Informationstafel ging eine Straße in nordwestlicher Richtung auf das Kastell zu, die aber nicht mehr zu erkennen ist. So entstand ein längsdreieckiger Platz, der den Kern des Vicus (Zivilsiedlung) bildete. Aber Häuser gab es auch westlich und nördlich davon. Das weitläufige Kastelldorf (vicus) erstreckte sich um den gesamten Kastellbereich Der Vicus gehört zu den am besten erforschten Kastellvici am Obergermanischen Limes. In ihm konnten zahlreiche Wohnhäuser - teilweise mit Fußbodenheizung  - nachgewiesen werden

Im Dorf gab es insgesamt drei Sakralbauten: Der dreieckigen Platz wurde von einem kleinen Heiligtum beherrscht, das dicht vor dem Kastelltor lag. In dem Vicus befand sich außerdem ein Heiligtum des Jupiter Dolichenus, von dem man geringe Mauerreste und auch Skulpturen dicht vor der Nord-Ost-Ecke des Kastells gefunden hat. Es gab ferner einen Tempel zwischen Kastell und Limes (siehe oben, nördlich des Parkplatzes).

 

Bei der Ausgrabung des Vicus hat H. Jacobi zum erstenmal über die Haustypen Klarheit gewonnen, die in einer solchen dörflichen Ansiedlung üblich waren. Die Häuser waren länglich-rechteckig; ihre Breite lag bei 6 bis 13 Meter, die Länge meist zwischen 30 und 43 Meter. Sie wendeten die Schmalseite der Straße zu, und dort befand sich fast immer der einzige Kellerraum des Hauses. Von der Inneneinteilung der Häuser ist wenig bekannt.

Im vorderen Bereich eines solchen Hauses befand sich über einem holzverschalten oder steinernen Keller meist ein Gewerbebetrieb, in dem Waren und Dienstleistungen des täglichen Lebens feilgeboten wurden. Zahlreiche Funde aus dem Dorf belegen, daß hier Keramik­händler, Bronzegießer und Knochenschnitzer ansässig waren, aber auch lederverarbeitende Betriebe wie Schuhmacher. Im rückwärtigen Teil lagen die Wohnräume, die vereinzelt mit Fußbodenheizungen ausgestattet waren. Dahinter schloß sich der Gartenbereich an. Viele Häuser besaßen auch einen eigenen Brunnen. Der Vicus des Zugmantel-Kastells ist aber heute völlig von der Oberfläche verschwunden.

Unter den Funden aus dem Vicus gibt es ungewöhnlich zahlreiche germanische Fundstücke des 2. Jahrhunderts nCh, die in anderen Kastellvici des römischen Hessen gelegentlich auch vorkommen. Sie fanden stets besondere Beachtung in der Forschung und haben manche Diskussion hervor­gerufen. Sie kamen zusammen mit römischen Funden aus den Kellern, Brunnen und Bodenschichten des Vicus und bezeugen, daß neben dem Kastell der 1. Treverer­kohorte eine germanische Bevölkerungsgruppe wohnte. Offenbar haben die Römer auch im 2. Jahrhundert nCh gelegentlich kleineren Gruppen von Germanen die Ansiedlung in der Provinz gestattet, möglicherweise mit der Verpflichtung zum Heeresdienst.          

Nach römischem Recht mußten Verstorbene außerhalb der Siedlungsgrenzen bestattet werden. Hier war das südlich des Kastells an der Straße nach Wiesbaden. Hinter der Tafel konnte ein zweites, kleineres Gräberfeld entdeckt werden. Im 1. und 2. Jahrhundert nach Christus wurden Verstorbene mit persönlichen Beigaben auf öffentlichen Verbrennungsplätzen einge­äschert, die Reste in eine Urne gefüllt und diese wurde dann mit anderen unverbrannten Beigaben (Teller, Nahrung, Töpfe) bestattet. Im 3. Jahrhundert nach Christus ging man zur billigeren Körperbestattung über, die außerdem mehr den christlichen Glaubensvorstellungen entsprach. 

 

Man geht dann auf dem Forstweg weiter in Richtung Westen bis zu einer Informationstafel über das Gräberfeld. Ein Tor des Kastells ging nach Süden. Daran schlossen sich Häuser und das Gräberfeld an. Dieses liegt südlich des heutigen Sportplatzes. Die südlichen und südöstlichen Bereiche der Befunde sind durch die Anlage eines Sportplatzes und eines Gewerbebetriebes gestört. Weitere Störungen des Befundkomplexes entstanden durch den neuzeitlichen Ausbau der Hühnerstraße.

An der Informationstafel geht man nach rechts hinauf. Bald erkennt man links eine Lücke im Wall - das Haupttor (Porta Praetoria). Dieses war in allen vier Bauphasen nicht nach Norden auf den Limes hin ausgerichtet, sondern nach Osten. Die Aufgabe des Kohortenkastells war es, die Civitas-Hauptstadt Aquae Mattiacorum (Wiesbaden) und das fruchtbare Land im Rhein­gau vor Überfällen zu schützen, die aus dem germanisch besiedelten Limburger Becken zu befürchten waren. Wegen seiner wichtigen Sperrfunktion gehörte das Kastell am Zugmantel zu den ältesten römischen Wehrbauten im Taunus.

Es begann um 93 nCh mit einem Numeruskastell aus Holz (1. Holzkastell, 3,7 Hektar). Dieses wurde unter Kaiser Hadrian erweitert (2. Holzkastell, etwa 1,1 Hektar). Wohl in der Mitte des 2. Jahrhundert entstand das wiederum etwas größere Steinkastell I (1,7 Hektar). Im Jahre 223 ist schließlich das auf 2,1 Hektar ausgebaute Steinkastell II fertig geworden. Mit 2,1 Hektar Fläche war Steinkastell II das kleinste Lager einer cohors equitata in Obergermanien. Es hat bis zum Ende des Limes um 263 bestanden.

Vom eigentlichen Kastell II ist heute die Umwehrung noch als Erdwall oder Böschung zu sehen. In seiner letzten Bauphase hatte das Kastell Zugmantel mit den Abmessungen 124,5 mal 171 Meter eine Gesamtfläche von gut 2,1 Hektar. Damit war es das kleinste Kastell einer Cohors equitata am gesamten Limes. Die Wehrmauer war von einem einfachen Graben umgeben, die Kastellecken abgerundet und nicht mit Türmen bewehrt. Dafür waren alle vier Tore des Lagers mit Doppeltürmen ausgestattet.

Als Besatzung ist in dieser Zeit die Cohors I Treverorum equitata auf Inschriften bezeugt; sie ging aus einer älteren, kleineren Hilfstruppe der keltischen Treuerer („Trierer“) hervor, einem numerus Treverorum.

Von der Bebauung des Kastellinneren konnten die Principia (Stabsgebäude) in vollem Umfang nachgewiesen werden, die restlichen Bauten dürften aus Holz oder Fachwerk bestanden haben. Aus dem Kastellareal stammen Gewandfragmente einer Großbronze, die in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts datieren.

Man geht dann aber nicht den Weg geradeaus weiter, sondern biegt nach links ab in den Kastellbereich. Man kommt zu einer eisernen Tür, deren Sperrhebel man hochheben muß, um direkt auf den Parkplatz zu kommen.

An der Straße fährt man geradeaus nach Orlen und dann rechts ab nach Wehen.

 

Wehen

Wehen ist heute Stadtteil von Taunusstein im Verwaltungsverbund von zehn einst selbständigen Gemeinden mit 27.500 Einwohnern. Wenn man von Orlen kommt biegt man erst nach links ab und dann nach rechts. An dieser Ecke liegt das geräumige Schloß.

Der Ort gehörte zum Gebiet der früheren Grafschaft und des späteren Herzogtums Nassau. Unter der Nassau-Weil­burger Linie entstand schon um 1330 ein Schloß, das von 1593 bis 1655 als Witwensitz diente, später auch als Amtsgericht. Vor geraumer Zeit haben die Renovierungsarbeiten am Schloßkomplex begonnen. Ein Abschnitt, in dem das ehema­lige Heimatmuseum untergebracht war, öffnete wieder seine Türen unter der neuen Konzeption „Regionale Geschichte und Volkskunde”, beginnend mit dem Ausstel­lungsthema „Vom Acker in die Küche”, die Lebenswelt die­ser Region zwischen 1900 und 1925.

Die Straße (Wegweiser Wiesbaden) macht noch einmal einen Knick nach links und führt dann durch ein mit Gewerbe durchsetztes Gebiet bis an den Ortsrand.

 

Wingsbach

Von Wehen kann man noch einmal einen Abstecher über das südwestlich gelegene Hahn zu dem nördlich gelegenen Wingsbach machen. Dort ist in der Scheidertalstraße 52 der Lehenshof,  65232 Taunusstein.

Der Lehnshof ist das älteste Gebäude von Taunusstein und vermutlich nach dem ehemaligen Kloster Bleidenstadt das zweitälteste im oberen Aartal. Besonders bemerkenswert ist die zum Anwesen gehörende, in Bruchsteinmauerwerk errichtete, barocke Zehntscheune, deren mächtiges Halbwalmdach mit Biberschwanz-Dachziegeln gedeckt ist. Diese auffällige Bauweise mit dem beeindruckenden Dachgebälk aus Eichenholz und die kleinen mit Sandstein gefaßten Öffnungen an der Rückseite weichen vom regional verbreiteten Scheunentyp ab. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Scheune im 18. Jahrhundert.

Das Anwesen, das erstmals 1223 als „Großer Lehenshof zu Hayne“ urkundlich erwähnt wurde, geht auf Kaiser Karl den Großen zurück. Das Gebiet des oberen Aartals gehörte zum Königssondergau (Königssundragau) und war Eigentum des fränkischen Königs. Im Jahre 812 übertrug Karl der Große die Verwaltung von Teilen des Königssondergaus dem Erzbischof des Erzbistums Mainz, verbunden mit dem Ansinnen, daß Land zu roden und kultivieren.

Ob das Anwesen bereits bestand oder von dem Kloster übernommen wurde, ist nicht überliefert. In den ersten Schriftstücken wird jedoch erwähnt, daß die Benediktinerabtei von Blei­denstadt ihren Hof 1315 an die Familie von Geroldstein zum Lehen gegeben hat.

Die Dorfleute von Hahn waren dem Kloster lehenspflichtig und den Grafen zu Nassau dienst- und steuerpflichtig. Die Abgaben wurden in der Scheune gesammelt. Davon hat sich der Name „Zehntscheune“ erhalten.

Seit 1867 ist das Anwesen im Besitz der Familie Capito. Um den Erhalt und die Sanierung hat sich seit mehr als 150 Jahren die Familie Capito und insbesondere der 2008 verstorbene Rainer Capito verdient gemacht. Er ließ Anfang 2000 das Krüppelwalmdach der Scheune und des Stallgebäudes neu decken. Dabei wurden die handgestrichenen Biberschwanzziegel per Hand abgenommen, weil sich darunter kostbare sogenannte „Feierabendziegel“ befanden, die die Jahreszahl 1731 trugen. Rund 1.000 Quadratmeter  Bruchsteinmauerwerk wurden gereinigt und neu verfugt, eine Bühne eingebaut und eine Traverse für Beleuchtung und Beschallung installiert. Seitdem finden in der Scheune kunsthandwerkliche Märkte und Musikveranstaltungen statt.

Wenn man durch eines der beiden großen Tore tritt, ist man beim Blick hinauf in das Dachgebälk von der Größe der Scheune überwältigt. Das Eichengebälk aus dem Jahr 1734 ist bis auf wenige Ausbesserungen im Original erhalten.

Heute ist der Lehenshof Heimat des Vereins „Forum Schmiede e.V.", einer Selbsthilfegruppe, die sich die Integration von Menschen mit seelischen Problemen oder zumindest ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zum Ziel gesetzt hat. Der Verein hat dort drei Räume angemietet und veranstaltet jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr einen kleinen Flohmarkt samt Kaffeeklatsch, dazu immer wieder schöne Märkte. Eine kleine, aber feine Bücherstube ergänzt das Angebot. Seit einiger Zeit wird die Scheune auch für Hochzeiten und andere Feierlichkeiten vermietet.

 

Kastell Heidekringen

In Wehen fährt man südöstlich auf der Platter Straße aus dem Ort heraus. Am Ende der Bebauung geht rechts die Obere Waldstraße ab. In diese fährt man hinein, soweit es geht. Dann geht man zu Fuß weiter. Man geht aber nicht gleich links ab, sondern den steilen Weg bergauf bis zu einem breiten Querweg, auf den man nach links einbiegt.

Auf der Südseite liegt bald darauf das kleine Kastell Heidekringen liegt (0,4 Hektar). Es ist an der römischen Verbindungsstraße, die von dem Civitashauptort Aquae Mattiacorum (Wiesbaden) zum Kastell Zugmantel am Limes führte. .Die Entfernung zum Limes beträgt fünf Kilometer.

Das Kastell bestand nur relativ kurze Zeit in der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts und diente als zusätzliche, rückwärtige Sicherung und wohl auch als Straßenstation. So war das Kastell wohl ein kleiner, militärischer Straßenposten zur zusätzlichen Sicherung des römischen Wiesbaden. Da es für eine vollständige Hilfstruppe zu klein ist, war die Besatzung wahrscheinlich eine zeitweise abkommandierte Abteilung einer Auxiliareinheit, die in einem anderen Kastell stationiert war.

Die Reste des Kastells findet man noch gut sichtbar. Ausgrabungen fanden 1897 und 1949 statt (E. Ritterling und H. Schoppa). Die Umwehrung war vorne durch eine senkrechte Bohlenwand versteift. Der Erddamm der Umwehrung und der Verteidigungsgraben davor sind noch rundum sichtbar. Das Kastell besaß zwei Tore, die sich in den Langseiten befanden. Im Kastellinneren verband eine Straße, die der via principalis größerer Militärlager entsprach, die beiden Tore miteinander.

Die hölzernen Mann­schaftsunterkünfte, die man voraussetzen muß, sind nicht ausgegraben worden. Außerhalb des Wehrbaus lag vor dem Nord-Tor ein kleines Badegebäude, dessen Umriß noch schwach sichtbar ist. Außerdem fand man ein ehemals holzverschaltes Bassin (B), vielleicht eine Pferdetränke. Die römische Straße unmittelbar nördlich davon ist bei den Ausgrabungen festgestellt worden.      

 

 

Idstein

Bandkeramiker:

Verstehen kann man sie ja schon, die Bandkeramiker, die einst in der Idsteiner Senke nördlich der heutigen Hexenturmstadt ihre Häuser gebaut haben: Sanft liegt die Mulde am Fuß des Taunus, noch heute geschützt vor zu heftigen und im Winter kalten Winden, die über das Mittelgebirge ziehen. Wahrscheinlich hatten sie aber noch einen besseren Grund, hier zu siedeln und ihre Felder zu bestellen. Der Boden ist sehr fruchtbar; wer hier sät, wird meist mit einer reichen Ernte belohnt. Woher die frühen Idsteiner wußten, daß der Boden besonders ertragreich sein würde, wenn man versucht, auf ihm Getreide anzubauen, weiß auch der Archäologe Christoph Schade von der Universität Frankfurt nicht, aber die Menschen der Bandkeramikzeit, haben sich fast immer die heute noch besten Böden ausgesucht, um dort ihre aus Langhäusern bestehenden Dörfer zu bauen.

Ihre Kultur war im Übrigen die erste, die nicht mehr hauptsächlich auf Jagen und Sammeln basierte: Die Menschen betrieben Ackerbau und waren damit seßhaft. Daß die Idsteiner Senke gegen 5500 vor Christus von Menschen besiedelt worden ist, ist seit mehr als zehn Jahren erforscht. Eine kleine Sensation ist aber, daß dies der nordwestlichste Punkt ist, von dem bekannt ist, daß hier auch schon Bandkeramiker, deren Ursprung in Transdanubien, dem heutigen Ungarn, vermutet wird, eine Heimstatt hatten. Mehr als 500 Jahren bauten sie in der Senke immer wieder an anderer Stelle neue Dörfer.

Als sie sich das Gebiet zwischen Idstein im Süden und Bad Camberg im Norden aussuchten, fanden sie, wie überall in Europa, Urwälder vor. Die Bandkeramiker rodeten die Wälder und waren damit die ersten, die in diesem Gebiet gestalterisch eingriffen; so entstand hier erstmals eine Kulturlandschaft.

An Funden aus dieser Zeit mangelt es im Prinzip nicht. Bereits vor mehreren Jahren hat der Hobbyarchäologe Horst Nauk das rund 15 Quadratkilometer große Areal systematisch begangen und Fundstellen, meist Tonscherben oder Hinterlassenschaften aus Feuerstellen, markiert. Rund 700 Menschen lebten im Schnitt in den Dörfern ‑ eine stattliche Zahl und entsprechend viele Spuren. Lediglich Friedhöfe haben die Forscher  - die in einer dreiwöchigen Aktion das Gebiet noch einmal geomagnetisch vermessen haben  - bislang nicht gefunden. „Die Bandkeramiker haben leider nur besonders wichtige Leute bestattet, die anderen wurden verbrannt“, sagt Schade. Eine richtige Sensation wäre es daher, wenn bei den nächsten Abschnitten des Forschungsprojekts noch Friedhöfe gefunden werden. Dann könnten die Archäologen möglicherweise auch ermitteln, wie es den Bandkeramikern in der Idsteiner Senke ging, wie sie gelebt haben, wie sie sich ernährt haben und wie alt sie geworden sind.

Für diesen Herbst ist geplant, einzelne Fundstellen exakter als bisher möglich zu vermessen und vielleicht auch einen Häusergrundriß freizulegen. Wie es mit dem Projekt weitergeht, hängt unter anderem auch davon ab, wieviel Geld die Forscher um Christoph Schade zusammenbekommen. Sein Ziel ist, zusammen mit interessierten Idsteinern eine Initiative zu gründen. Die könnte sich nicht nur um die Zukunft der Erforschung ihrer Heimat kümmern, sondern deren Ergebnisse vielleicht auch in einem Museum präsentieren. Interessenten erreichen Christoph Schade unter 69194259 oder per Mail an SchadeLindig@web.de.

 

Römer:

In Niedernhausen fährt man von der Autobahn ab und immer geradeaus durch den Ort nach Oberseelbach und dann weiter nach Norden in Richtung Dasbach. Kurz vor dem Ort wird der Limes gekreuzt. Auf den Dasbacher Höhen bei Idstein steht der Limesturm.  Parken geht am besten, wenn man vor dem Turm rechts zum Parkplatz abbiegt.

Östlich der Straße von Oberseelbach nach Idstein befand sich über viele Jahrhunderte ein etwa ein Meter hoher Hügel, den die Leute in der Umgebung „Heidenkippel“ nannten und als Grab eines nichtchristlichen Herrschers ansahen. Zwischen 1856 und 1872 wurden die Steine zum Bau der Straße verwendet, aber es handelte sich um die Reste eines römischen Steinturmes.

Auf Betreiben des pensionierten Idsteiner Bauingenieurs Ottmar Weigel wurde 1996 bis  2002 im Zusam­menhang mit dem Hessentag  eine Rekonstruktion eines Limesturms In mehr als 4.700 Stunden freiwilliger Arbeit nach den damaligen Erkenntnissen errichtet. Er zeigt den damaligen Forschungsstand mit Gleichzeitigkeit von Palisade, Graben und Wall. Außer dem Steinturm sieht man zwei Palisaden, die den Verlauf des Limes markieren. Ein kleiner Steinturm zeigt die originale Stelle des Wachtpostens 4/103. Weiter östlich ist die Informationstafel, hinter der vier Holzpfosten im Wald die Stelle markieren, wo der frühere Holzturm stand.

Im Gebiet von Idstein und Niedernhausen ging dem Limes eine ältere Grenzlinie voraus, die erst um die Mitte des 2. Jahrhunderts bis zu 750 noch vorne geschoben und  begradigt wurde. Das war bereits 100 Jahre früher als anderswo. Der ältere Limes verlief etwas südlich der Einmündung der Straße von Dasbach auf die Landesstraße. Auf der Tafel auf der westlichen Seite der Straße ist diese Linie als gelber Strich eingezeichnet.

Eine Turmbesteigung und Ausstelllungsbesichtigung ist möglich jeden Sonntag von Anfang April bis Ende Oktober bei einem  Eintritt von 1,50 Euro. Es gibt auch Erlebnisführungen. Ein Römerfest ist Ende August. Informationen unter www.roemerturm-idstein.de. Oder E-Mail info@roemerturm-idstein.de

 

Geschichte:

Zwei Brüder aus „Etichestein“ bezeugten im Jahr 1102 eine Pfändungsurkunde. Es ist das älteste Schriftstück, auf dem der Name Idstein amtlich erwähnt wird und damit Nachweis, mindestens 900 Jahre alt zu sein. Während des Dreißigjährigen Kriegs waren im Jahre 1629 noch 89 Familien in Idstein ansässig, 1648 waren es noch gerade einmal zehn. Der Landesherr von Idstein, Graf Johannes, hatte sich als überzeugter Protestant auf die Seite von König Gustav Adolf von Schweden geschlagen und mußte nach dem Sieg der kaiserlichen Liga sein Territorium im Taunus vorübergehend verlassen. Die Folgen des reformatorischen Eifers ihres Grafen hatten die Handwerker und Bauern der Stadt auszubaden: Sie wurden von durchmarschierenden Truppen und Verpfändungen drangsaliert, durchlitten Hungersnöte und Pestepidemien.

Nach der Rückkehr von Johannes aus seinem Straßburger Exil ging es mit Idstein rasant aufwärts: Das Schloß wurde renoviert, die Stadtkirche erweitert, im Park wuchsen exotische Pflanzen. Künstler gingen in Idstein ein und aus, unter anderem Merian der Jüngere, der den Schloßherrn künstlerisch beriet. Niederländische Meister bemalten Wände und Decken des Kirchenschiffs. Unter der Regierungszeit des Grafen Johannes und seines Sohnes Fürst Georg August Samuel erlebte die Residenzstadt eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit.

Doch die Gottesfürchtigkeit des Grafen hat den Idsteinern noch ein weiteres Mal arg zugesetzt: Weil sich Johannes verpflichtet fühlte, den „Teufel und dessen Anhang zu verfolgen“, und er sein Land „nicht schutzlos den Hexen auszuliefern“ gedachte, ließ er 1676 in nur einem Jahr 39 Frauen und Männer aus Idstein und Umgebung grausam foltern und hinrichten. Übrigens war keines der bedauernswerten Opfer jemals im Hexenturm eingekerkert. Die mußten vielmehr in einem Verließ in der Stadtmauer oder in leerstehenden Häusern auf ihre Peiniger warten. Der Schloßturm wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts zum Gedenken an die erbarmungslose Verfolgung unschuldiger Menschen umbenannt.

Während Johannes einen vergleichsweise bescheidenen Lebensstil pflegte, hat sein Sohn und Nachfolger Georg August Samuel auf großem Fuß gelebt. Seine Gemahlin Henriette Dorothea gab allein 300 Gulden aus zum Kauf von Spitzen fürs Kindbett. Georg August Samuel, der sich 1688 zum Fürsten erheben ließ, begann mit dem Bau des Biebricher Schlosses. Offenbar überstieg aber die luxuriöse Hofhaltung die Finanzkraft des Fürsten, so daß er sich zu nicht ganz legalen Mitteln der Geldbeschaffung veranlaßt sah. Er  wurde 1697 von der oberrheinischen Kom­mission der Falschmünzerei überführt und mußte 700 Gulden Strafe zahlen.

Georg August Samuel starb ohne männliche Erben, Idstein fiel an die Nassau-Usinger Linie und war nicht länger Sitz der gräflich‑fürstlichen Residenz. Im Jahre 1729 wurde im Schloß ein Archiv eingerichtet, das dort bis 1881 verblieb. Danach wurde in den einstigen Gemächern Hut­leder verarbeitet. Die Lederindustrie, die sich um 1800 in Idstein etablierte, sicherte den Bürgern bescheidenes Auskommen. Das Schloß diente auch den Katholiken vorübergehend als Gotteshaus. Und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier ein Gymnasium eingerichtet.

In Idstein wurde  1817 als erster Stadt in Hessen eine Union von Lutheranern und Reformierten  geschlossen. Die Stadt darf sich deshalb „Stadt der Reformation“ nennen.

 

Im Jahre 1848 machte Idstein wieder von sich reden: Aufmüpfige Bewohner der Stadt - von den revolutionären Umtrieben 1848 erfaßt - versammelten sich zu aufrührerischen Reden in der Unionskirche und sorgten dafür, daß Idstein fortan als „Demokratennest“ verrufen war. Mehrere hundert Deputierte, die sich in der Idsteiner Unionskirche versammelt haben, müssen die Revolution retten. Sie, die vom Volk Gewählten, haben sich die Freiheit und Einheit Deutschlands auf die Fahnen geschrieben. Ein Redner will viel: Wir sind nicht bloß gekommen, um Forderungen zu stellen. „Der Hund muß endlich beißen, und wenn es selbst in eine geheiligte Wade wäre.“ Eine (gemäßigte) Resolution wird verabschiedet, hinter der sich eine neue März‑ Bewegung formieren soll, denn die Revolution war beinahe zur Ruhe gekommen.

Doch es kam, was befürchtet worden war: Herzog Adolf befahl Hausdurchsuchungen und Festnahmen. Der folgende Hochverratsprozeß gegen die Rädelsführer endete zwar mit Freisprüchen. Doch trotz dieses Erfolgs: Der Demokratenkongreß im Juni 1849 ‑ am 18. März hatte die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche die Reichsverfassung verabschiedet ‑ wollte retten, was nicht mehr zu retten war. Bald darauf wendeten sich die Bürger von der Politik ab ‑ das Regime des Herzogs von Nassau hatte vorerst gesiegt.

 

Schreckliche Bekanntheit erlangte Idstein in der Zeit des Nationalsozialismus. Im Kalmenhof - ursprünglich 1888 von Frankfurter Bürgern gegründetes Heim für geistig behinderte Zöglinge ‑ wurden während des nationalsozialistischen Regimes kranke Kinder mit Arzneimitteln vergiftet. Eine Mahn‑ und Gedenkstätte auf dem Friedhof des heutigen Heilerziehungsheims Kalmenhof erinnert an die mindestens 600 Jungen und Mädchen, die hier umgebracht wurden.

 

Allgemeines:

Idstein, die alte Residenzstadt der Nassauer, verfügt über einen Fachwerkreichtum, wie er sonst im Taunus kaum noch vorkommt. Über die bunten Fachwerkgiebel ragen die Stadtkirche, das auf einem Felsen thronende Rathaus, Torhaus und Amtshäuser sowie Bergfried einer ehemaligen Burg, Zehntscheuer und schließlich das hochgestreckte Schloß. Was für eine Ansammlung von Kunstdenkmälern für ein Städtchen von 11.500 Einwohnern!

Im vorigen Jahrhundert soll es noch „finster” gewesen sein in Idstein, die Schönheit unter verstaubtem Putz, von den vielen Feuerstätten der Häuser und Werkstätten der Lohgerberstadt mit „Schmutzqualm " erfüllt, daß es sich kaum atmen ließ. Damals also schon Umweltprobleme und keine Abhilfe. Erst in den 30er Jahren wurde das Fachwerk freigelegt, in letzter Zeit farbig restauriert, Idstein als ein lebendiges Museum, in dem noch Holzbaukunst in höchster Ausprägung aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg zu bestaunen ist. Trotz vieler Not hat sie in Idstein alles überstanden.

Idsteins Charme gründet auf der Fachwerk‑Idylle seiner Altstadt ‑ ein wunderbares Freilichtmuseum, in dessen mittelalterliche Szenerie das moderne Leben integriert wurde. Die Stadt hat 150 Fachwerkhäuser überwiegend aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, in denen sich vielfach Geschäfte befinden und die  mit Schnitzereien kostbar verziert sind. Um sie ranken sich unzählige Geschich­ten und Anekdoten.

 

Rundgang:

Von der ursprünglichen Burg „Etichenstein“ hat nur wenig die baulichen Anpassungen an die jeweiligen Erfordernisse der Zeit überdauert. Den Verlust der Wehrfunktion zeigen die schönen Fachwerkaufsätze aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an, die sogenannten Kanzleigebäude, deren geschweifte Giebel am ehesten den Vergleich mit dem des Killingerhauses standhalten.

Einzig der intakt stehengebliebene, gleichwohl „um 50 Fuß“ auf 42  Meter  verkürzte Bergfried erinnert noch an den mittelalterlichen Bau. Möglicherweise blieb er auch als eine Art Menetekel erhalten: sein Beiname „Hexenturm“ gemahnt an eines der dunkelsten Kapitel in der Idsteiner Geschichte. Angeblich wurden während des hier besonders heftig wütenden Hexenwahns im 17. Jahrhundert 35 Frauen und 8 Männer im Verlies vor den Verhören und Hinrichtungen gefangengehalten. Vor allem waren es auch Waldenser, die als Ketzer angesehen wurden. Die Mauern waren eineinhalb Meter dick.  Von der Plattform hat man eine überwältigende Aussicht auf die Stadt (Den Schlüssel gibt es im Killingerhaus). Über eine später ausgebaute Treppe können Besucher heute bis fast an die Spitze des kreisrunden Turmes hinaufsteigen. Der luftige Ausguck eröffnet den  besten Blick über das Dächer­gewinkel und die Taunusberge ringsum.

Von der ehemaligen Burg Etichostein wird erzählt, wie Ritter Ulrich sich mit seiner Mechthilde herabstürzte, als der Schwiegervater zur Rache wegen des Raubs seiner Tochter anrückte. Die Ankündigung des nahen Untergangs der Nassau-Idsteiner Linie erkannte man später in dem Todessturz des vorletzten Grafen Johann Ludwig. Bei der Taufe des Söhnchens, mit welchem das Geschlecht enden sollte, stürzte er aus dem Schloßfenster in den Weiher und ertrank. Er hatte Medizin zusammen mit Alkohol genossen.

Adolf von Nassau machte die Burg zu seinem Hauptsitz. Er wurde am 5. Mai 1292 zum König gewählt. Aber er stand in der Abhängigkeit der Kurfürsten, deren er sich zu entledigen versuchte. Die Kurfürsten setzten ihn aber in Mainz ab und riefen Albrecht von Österreich gegen ihn auf. Sein zweiter Sohn Gerlach baute die Stadt, die 1287 die Stadtrechte erhielt, weiter aus.

 

Das neue Schloß, das sich an der Stelle der 1615 niedergelegten Burg erhebt, wurde 1614 bis 1634  unter dem Grafen Ludwig (Wappen über dem Tor) und seinen Sohn Johann im Renais­sancestil erbaut. Beim Weiterbau ab es kriegsbedingte Unterbrechungen  bis 1653.Mit dem Bau setzte die Weilburger Linie der Nassauer Grafen ein unübersehbares Herrschaftszeichen, als sie ihre Idsteiner Vettern nach deren Aussterben 1605 beerbt hatte. Ihre größte Blüte erlebte die kleine Residenz von Nassau-Idstein unter dem bereits genannten Grafen Johann, der nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges nicht nur das Schloß - innen wie außen  - fertigstellte. Er ließ auch einen leider verschwundenen Lust- und Mustergarten mit exotischen Gewächsen anlegen.

Baumeister des Schlosses waren Jost und Heinrich Heer.  Mitzureden hatte aber auch der Erbauer des Schlosses in Wiesbaden-Biebrich, Maximilian von Welsch. Dennoch konnte im 30jährigen Krieg das Schloß nicht eigentlich prunkvoll ausfallen. Es imponiert mit einfacher Renaissanceverzierung eher von der Masse her als dreiflügeliger Baukörper. Das Kaisergemach hat wunderschön restaurierte Deckengemälde.

Nur bis 1721 hat es als Residenz gedient. Das jetzige Schloß erlebte das Erlöschen der nachfolgenden Linie. Gleichzeitig mit Fürst Georg August wurden seine beiden letzten Töchter 1721 von den Blattern dahingerafft. Im Schloßkeller ließ die Fürstin die Leichen bis zur Überführung in die Fürstengruft in der Stadtkirche in Sand aufbewahren. Im Schloß der Grafen von Nassau‑Idstein ist seit 1945 das Gymnasium untergebracht.

 

Das alte Rathaus und das Torbogengebäude sind ansehnlich. Die Treppe vor dem Rathaus in der Schloßgasse, das 1698 erbaut wurde, bietet einen großartigen Blick auf die Fachwerk‑ Kulisse. Nach einem Felssturz im Jahre 1928 wurde das Rathaus unmittelbar über einer tunnelartigen Straßenöffnung wieder aufgebaut. Vor dem Rathaus führt eine breite Treppe hinauf. Von ihr aus hat man den schönsten Blick auf das Killingerhaus und die Versammlung von Fachwerkgebäuden rund um den König-Adolf-Platz. Wer hier läuft, wandelt auf den Spuren Kaiser Maximilians I. Als er 1502 Idstein besuchte, schritt er diese Treppe hinauf zur Burg. Zu seinen Ehren wurde eigens das spätgotische Tor in die Anlage gebrochen.

 

Das prächtige Killingerhaus am König-Adolf‑ Platz 7 wurde 1615 von dem gräflichen Amtsschreiber Johann Conrad Killing für sich und seine Frau als dreigeschossiges Fachwerkhaus mit großem Erker und reicher, symbolischer Schnitzkunst erbaut. Zwischen phantasievoll gekreuzten roten Balken taucht die Jahreszahl 1615 auf, an Erker, Giebel, Stützen, Kanten sind Ornamente, Pflanzen, Tiere, Fratzen eingeschnitzt und farbig abgesetzt. Die Reichtum, bürgerlichen Stolz und Glaubensfestigkeit ausstrahlende Fassade verweist auf die Bedeutung und das Repräsentationsbedürfnis des einstigen Bauherrn.

Hartnäckig hielt sich die Geschichte, es hätte ursprünglich in Straßburg gestanden, wäre in Einzelteile zerlegt, rheinabwärts bis Wiesbaden verschifft und in Idstein wieder aufgestellt worden.

Glaubt man der Legende,  dann wäre es 1615 gebaut worden, allerdings nicht in Idstein, sondern weitab, rheinaufwärts in Straßburg. Dem Nassauer Grafen Johann soll es indirekt zu verdanken sein. daß dieses architektonische Schmuckstück auf Reisen ging. Während des Dreißigjährigen Krieges zog Johann es vor, sich ins sichere Straßburg zu begeben. Dort nahm er den Amtmann Johannes Killinger in seine Dienste und nach dem Friedensschluß mit nach Idstein. Doch da gab es ein Problem; die Gattin wollte sich partout nicht von ihrem Eigenheim trennen, der Amtmann sich aber auch nicht von seiner Frau.

Die drohende Ehekrise soll mit dem Umsetzen des gesamten Hauses vom Elsaß in den Taunus abgewendet worden sein. Zu schön, um auch wahr zu sein? Nach Jahrzehnten spekulativer Hobbyforschung hat sich nun die Wissenschaft in einem Projekt ernsthaft des für das 17. Jahrhundert höchst ungewöhnlichen Balken-wechsel-dich-Spiels angenommen. Und wie nicht anders zu erwarten, die schöne Legende ist entzaubert: Das Killinger-Haus ging nie auf Reisen. Das gilt heute als eindeutig widerlegt.

Für den ungewöhnlich reichen Schmuck des sogenannten Killingerhauses gibt es bei dem im hiesigen Raum vor-herrschenden rheinisch-fränkischen Fachwerktyp kaum Vergleichbares, selbst in Idstein nicht. Keines der Nachbarhäuser hat einen derart schönen Schweifgiebel und einen über zwei Stockwerke reichenden Mittelerker vorzuweisen. Alle Fensterumrahmungen und Eckpfosten sind mit farbig ausgelegten Flachschnitzereien verziert. Ihr gebrochenes Grün und das Rostrot des Balkenwerkes kontrastieren lebhaft zu den hellen Flächen. Die Gefache unter den Fenstern und die beiden Giebel sind mit kunstvoll ausgeführten Wappen und symbolischen Darstellungen gefüllt, deren Deutung noch immer nicht zweifelsfrei gelungen ist.

Im Mai 1987 wurde dort  ein Heimatmuseum eingerichtet. Eines der ältesten Exponate darin wird eine Fußbodenplatte der  XXII. römischen Legion sein, die an die römische Besetzung bis ins 3. Jahrhundert erinnert. Weitere Ausstellungsstücke sind der „Königs Rauchschutz- und Atmungsapparat“, ein Webstuhl und eine prächtige Tür  aus dem Schloß. Ins Killingerhaus ist auch der Verkehrsverein eingezogen. Öffnungszeiten: montags bis donnerstags von 8 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, freitags von 8 bis 12 Uhr, sonn- und feiertags von 15 bis 17 Uhr.

 

Der Höerhof in der Obergasse 26 wurde zwischen 1620 und 1626 erbaut. Der Bauherr heißt Heinrich Heer (= Höer). Erst schuf er seit 1613 für Graf Ludwig II. von Nassau Weilburg das Residenzschloß anstelle der alten Burg, dann baute sich Heer sein eigenes Traumhaus auf einem Grundstück, das ihm der Landesherr als Dank für die großartige Leistung zur Verfügung gestellt hatte. Das kräftige Türkis seiner Gefache und die kunstvollen Einlegearbeiten stimmen ein auf das farbenprächtige Fachwerkrund. Mittlerweile hat sich in ihm das gleichnamige renommierte Feinschmeckerlokal etabliert.

Es gibt noch das Schiefe Haus und das Gasthaus „Zum Löwen“, von dem erzählt wird, daß dort ein Schatz vergraben sei.

 

Beherrschend ist auch die Stiftskirche (Martinskirche, Unionskirche). Der Unterbau des Kirchturms ist noch älter als der um 1400 erbaute Bergfried.  Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die gotische Hallenkirche errichtet, ihre heutige Gestalt und reiche Innenausstattung stammt zumeist aus dem 17. Jahrhundert. Nach dem großen Krieg im 17. Jahrhundert erhielt die Martinskirche ihr jetziges Aussehen, mit 38 schon im vorigen Jahrhundert gelobten „trefflichen altdeutschen Gemälden”.

Graf Johann ließ auch in eigenartiger Weise die St.-Martins-Kirche umgestalten, heute Unionskirche genannt, weil hier 1817 die Union zwischen Lutheranern und Reformierten für das Herzogtum Nassau geschlossen wurde. Unter Johann ist ein Gesamtkunstwerk geschaffen worden, das im protestantischen Europa ohne Beispiel ist. Nur die besten Maler, der Rubensschüler Angelo Immenradt und Johann von Sandrart, waren dem Grafen gut genug, um seine Vision einer biblischen Gemäldegalerie in dem gotischen Gotteshaus umzusetzen. Über den für lutherische Kirchen typischen Emporen. auf denen die Gemeinde nach Stand und Geschlecht geschieden saß – das Mittelschiff blieb frei –. wurden die Hochwände und die Decke lückenlos mit Szenen der Heilsgeschichte ausgemalt. Die auf Leinwand festgehaltenen und durch Rahmen unterteilten 38 Bilder geben dem Kircheninneren eine besondere Raumgliederung. Jede Darstellung wirkt in sich abgeschlossen. Der Eindruck eines für evangelische Kirchen außerordentlichen Farb- und Schmuckreichtums wird noch durch die prachtvollen Grabdenkmäler und eine Kanzel aus Lahnmarmor gesteigert.

Die Leinwände des Rubensschülers Michael Angelo Immenradt und seiner vier Gesellen bedecken Seitenwände und Decke völlig und erzählen Geschichten des Neuen Testaments. Bei der Hochzeit zu Kana läßt er den Maler Rubens unter den Gästen sitzen, der eine Jünger von Emmaus trägt die Züge des Grafen Johann von Nassau. Auch die übrige Kirche ist restlos ausgeschmückt mit Schnitzereien, Spruchmedaillons, Kanzel, gräflichen Epitaphen und Altar aus Lahnmarmor. Die unterschiedliche Pracht des geschnitzten Gestühls bezeichnet die Sitzordnung nach Ständen. Männlein und Weiblein getrennt, einschließlich der gräflichen Familie. Deren Abkommen ruhen in der Fürstengruft unter dem Altar.

Der jetzige Name „Unionskirche“ erinnert seit 1817 an die hier vorgenommene Verschmelzung von lutherischer und reformierter Konfession zur „Nassauischen Union”, auf ein Edikt hin, das  „Wir, Wilhelm von Gottes Gnaden, souveräner Herzog von Nassau“ in Wiesbaden verordnete. Allerdings entsprach es den Bestrebungen in der Bevölkerung. Der Schlüssel für die Kirche ist im Buchladen gegenüber oder im Verkehrsamt im Killingerhaus zu haben.

 

Heute:

Die Stadt war jahrhundertelang landesherrlicher, kirchlicher und geistiger Mittelpunkt und im 19. Jahrhundert bis zum Anschluß Nassaus an Preußen sogar Gerichtsort. Heute zählt Idstein zu den aufstrebenden Städten im Rheingau‑Taunus‑Kreis. In insgesamt zwölf Stadtteilen wohnen rund 23.000 Menschen. Das Jazz‑Festival im Sommer und der Alteburger Markt, der dreimal im Jahr ausgerichtet wird, lockt viele Tausend Besucher in die Stadt. Vom 14. bis 23. Juni 2002 war die ehemalige Residenzstadt im Taunus heimliche Hauptstadt Hessens, Gastgeber für die Menschen zwischen Werra und Neckar, auf dem 42. Hessentag. Idstein lebt mit und in seiner Geschichte, nicht von seiner Geschichte, wie immer wieder zu hören ist. Das Mittelzentrum für das Idsteiner Land, für die Menschen aus Niedernhausen, Hünstetten, Waldems und Aarbergen an der A 3 zwischen Frankfurt und Limburg, zehrt nicht von dem, was frühere Generationen geschaffen hatten.

Die Bürger verdienen ihr Brot in 1300 Betrieben vor Ort mit 7000 Arbeitsplätzen, in der Dienstleistung, vor allem in der Informations‑ und Medizintechnik ‑ die größten Anbieter sind Black & Decker (Verwaltung) und Thermoplast (Zulieferer für Autoindustrie). Im Gerben von Leder hatte die Stadt einen guten Ruf ‑ heute gibt es nur noch eine Fabrik in Ehrenbach. Arbeit bieten auch das Krankhaus, die 13 Schulen, darunter das Gymnasium Pestalozzischule im Residenzschloß, die Fachhochschule Fresenius und das Sozialpädagogische Zentrum Kalmenhof des Landeswohlfahrtsverbandes.

Idsteins Altstadt ist zweifellos in der Vorweihnachtszeitszeit am stimmungsvollsten, wenn die Straßen und Häuser mit Lichterketten und Tannengrün geschmückt sind. Der Weinachtsmarkt am zweiten Adventswochenende gilt als einer der schönsten im Rheingau- Taunus‑Kreis. Zwischen den Buden gibt es Kinderkarussells, Jäger servieren Wildgulasch und Idsteiner Chöre und Orchester musizieren vor dem Rathaus an  beiden Tagen haben auch die Geschäfte den ganzen Tag geöffnet, so daß beim Bummel auch gleich ein paar Weihnachtsgeschenke erstanden werden können.

 

Hasenmühle:

Von der Hasenmühle aus unternahm der Räuber Schinderhasses  seine Streifzüge, das Posthaus in Würges wurde von hier aus überfallen.

 

Oberauroff:

Bei der kleinen evangelischen Pfarrkirche ist der Chorraum bedeutend höher als das Langhaus. Vermutlich war schlicht das Geld beim Umbau 1310 vom romanischen Vorgängerbau zu einem gotischen Kleinod ausgegangen.

 

Heftrich (östlich von Idstein):

Südlich von Heftrich ist das Römerksastell Altenburg (wo die Straße nach Süden sich teilt nach rechts fahren).

 

Wallrabenstein (nördlich):

Im Jahre 1339 entstand unter Graf Walram von Nassau-Idstein eine Burg, die im 30jährigen Krieg verfiel. Die wenigen Reste bilden mit den Fachwerkgehöften eine malerische Gruppe.

 

 

Bad Camberg

Bad Camberg wurde am 6. Februar 1000 erstmals als „Cagenberg“ erwähnt, als Kaiser Otto III. dem Kloster Burtscheid bei Aachen seinen Hof Cagenberg schenkte. Es erhielt 1365 Stadtrechte. Von der im 14. Jahrhundert angelegten Stadtwehr sind das Obertor und das Untertor (auch „Schie­fer Turm“) erhalten geblieben, sonst nur noch geringe Reste von ehemals elf Türmen, unter anderem auch ein Wehrturm von 1580, der der Pfarrkirche St. Peter und Paul als Turm dient.

Zu seinem historischen Unglück liegt Bad Camberg in einem fruchtbaren Gebiet, dem Emsbachtal, das wegen des üppigen Weizenanbaus auch als  „Goldener Grund“ bekannt ist. Das nahrungsreiche Tal mit Camberg als Metropole zog hungrige Heerscharen wie die Fliegen an. „Der Krieg ernährt den Krieg“ ‑ Wallensteins Devise bekam die Stadt nicht nur im Dreißigjährigen Krieg zu spüren. Auch die Recken des Siebenjährigen Krieges sowie napoleonische Truppen und deren Feind schätzten zum Leidwesen der Bevölkerung diese Reiseroute. Die mittelalterliche Stadtmauer hielt dem Ansturm der gierigen Mäuler und plündernden Horde nicht lange stand.

Bad Camberg ist das älteste Kneippheilbad Hessens und einstige Metropole des Goldenen Grunds. Die gemütliche Badestadt mit malerischer Altstadt und wechselvoller Geschichte ist nicht nur für Kurgäste attraktiv. Richtig aufwärts ging es mit dem kriegsgeplagten Örtchen - das 1665 gerade noch 40 Einwohner zählte - erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Jahre 1927 etablierte der damalige Bürgermeister Johannes Pipberger in Camberg die Kneippkur.

Die Idee brachte er aus Pfarrer Kneipps Heimatstadt Wörishofen mit. Pipbergers Vorhaben gefiel den Bürgern. Private Kurheime schossen aus dem Boden, ein Badehaus wurde gebaut, Kurpark und Kräutergarten wurden angelegt. Dem Bürgermeister lag in erste Linie die Gesundheit der Camberger an Herzen. Daß die importierte Idee 1981 in ehrwürdigen Titel „Bad“ münden und die Kleinstadt zur einzigen staatlich anerkannten Kurstadt im Kreis Limburg-Weilburg avancieren würde, davon konnte Initiator Pipberger nur träumen.

Derzeit kommen jährlich rund 23.000 Kurgäste in das traditionsreiche Kneippheilbad, um Herz, Kreislauf und Immunsystem mit Güssen, Bädern, Waschungen Bewegung und Kräutern zu stärken. Oder um die heilsame Wirkung des berühmten Bad Camberger Lehms zu testen, die Giftstoffe bindet und Hautausschläge lindert. Oder um einfach im etwa 1,5 Hektar großen Kurpark zu spazieren, Licht zu baden und die Wasserspiele zu beobachten.

Zwei moderne Kliniken, Sanatorien und Kurheime bemühen sich um die Gesundheit der Gäste. Am Rand des Parks entsteht derzeit ein neues Kurmittelhaus, das voraussichtlich noch im Jubeljahr 2017 eröffnet wird ‑ gemeinsam mit dem neuen Kräutergarten.

Gepflegte, reichverzierte Fachwerkhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert säumen die engen Gassen der Altstadt und den Marktplatz. Fachgeschäfte, gemütliche Cafés, urige Weinlokale und Gaststätten laden zum Einkaufsbummel oder Verweilen ein. Die Altstadt ist ruhig, vielleicht ein wenig verschlafen, aber genau das Richtige, um dem Alltagsstreß zu entfliehen.

 

Höhepunkt und ganzer Stolz der Stadt ist der 144 Meter lange Amthof, der  1605 erbaut und in den achtziger Jahren für zwölf Millionen saniert wurde. Der ehemalige Sitz der kurtrierischen Amtmänner ‑ jetzt Rathaus, Archiv, Galerie und Stadtmuseum (ab April geöffnet) ‑ gilt als der längste Fachwerkbau im ehemaligen Regierungsbezirk Wiesbaden. In das imposante Gebäude integriert ist das Wahrzeichen der Stadt, der Obertorturm, einer von einst 13 Türmen der alten Stadtmauer, die nur noch teilweise erhalten ist.

An der Außenfront wird die kunstvolle Kombination von Schmuck und Symbolen besonders deutlich. Neben den christlichen Motiven fallen die beiden reich geschmückten, doppelstöckigen Erker ins Auge, die von leicht bekleideten Männern gestützt werden. Achatius von Hohenfeld, der einen Teil dieses Fachwerkkomplexes im 17. Jahrhundert errichtete, war astrologisch bewandert und ließ die Sternzeichen und Aszendenten von sich und seiner Frau, umrahmt von Fabelwesen, an einem der Erker anbringen. Er diente bei den Nassauischen Fürsten in Holland und kam hier wahrscheinlich mit Menschen, Tieren und Früchten aus den holländischen Kolonien in Berührung, denn die fränkischen Erker im Innenhof sind mit exotischen Elementen verziert. Die geschnitzten Brüstungsriegel und -felder zeigen Menschenköpfe mit großen Kulleraugen, Fabelwesen, Rankwerke sowie Frucht- und Blumenornamente in schöner Farbenpracht.

Neben dem Amtshof steht die Hohenfeldsche Kapelle (1650). Die Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul von 1779 (Turm von1580) hat eine reiche Ausstattung.

Das Tiefenbach-Haus am Marktplatz, ein typisches Renaissance-Fachwerkhaus ist das prächtigste Haus am Markt. Es wurde im Jahre 1592 errichtet. Dieses Haus, das mit reichem, vielfarbig abgesetztem Schnitzschmuck versehen ist, gehört zu den bekanntesten Fachwerkhäusern im Nassauer Land. Im Giebel streiten zwei farbige Landsknechte in damaliger Tracht. Darunter verkünden zwei posaunende Engel das Ende der Welt. Kunstvoll gestaltete Eckständer mit Beschlag-, Rankenwerke und Menschenköpfe rahmen die beiden Obergeschosse ein. Blickfang an der Fassade ist der Wappenträger mit dem Tiefenbach-Wappen. Die Inschrift mit dem Wappen des Erbauers und seiner Frau besagt, daß die Familie aus Siegen stammte.

Das älteste gotische Fachwerkhaus  Pfarrgasse 1 wurde im Jahre 1477 errichtet. Zum Haus gehört auch der reich geschmückte, rotfarbige Torbau mit zwei fränkischen Erkern aus dem

17. Jahrhundert. Umrahmt sind die Fenster von gewundenen Säulen mit Konsolen, Pilastern mit Schnüren, Quasten und Eierstäben. Dekorativ bemalte Fabelwesen und Blütenwerk in den Brüstungsfeldern runden die Rahmung ab.

In der Schmiedgasse hat ein wohlhabender Bürger Anfang des 18. Jahrhunderts ein reich geschmücktes Haus errichtet. Neben einem dreiseitigen Erker umrahmen zierliche Säulen die Fenster. Neun groteske Menschenköpfe mit geöffneten Mäulern blicken auf die Passanten herab, als ob sie ihnen etwas zurufen wollten. Im Erlebnisrestaurant „Zum Schmied“ servieren Knechte und Mägde - vom lieblichen Lauten­spiel der Minnesänger begleitet - täglich eine Brotzeit für arme Wanderer. Umsonst. Aber nicht zu früh gefreut: Ein feuchter Händedruck genügt dem Wirt dann doch nicht. Die Gratis‑Mahl­zeit muß abgearbeitet werden. Der Bettelgast hat die Wahl zwischen Besteck polieren oder Straße fegen.

 

Kreuzkapelle:

Östlich von Bad Camberg an der Südwestecke von Schwickershausen für die Heiligenwald­straße zur Kreuzkapelle. Das Gotteshaus wurde an der Stelle einer Einsiedelei 1683 als Wallfahrtskapelle erbaut, die 1725 erneuert wurde. Auch von Kapellenstraße in der Stadt führt ein Kreuzweg mit barocken Bildwerken (sieben Fußfälle) aufwärts.

Der Name leitet sich aus dem Grundriß her, ein Zentralbau, der das griechische Kreuz variiert. Vier gleichförmige Kreuzarme mit jeweils dreiseitigem Chorabschluß  sind von einem achteckigen Mauerring umgeben (schöne Aussicht).  Und über dem Kreuzungspunkt der abgewalm­ten Schieferdächer krönt ein Vierungstürmchen das ungewöhnliche Gotteshaus. Die Ausstattung stammt aus dem Früh- und Spätbarock. Auf dem Hochaltar ist eine  freistehende Kreuzigungsgruppe, die Kanzel ist farbig gefaßt.

 

Gnadenthal:

Westlich von Bad Camberg ist das Kloster Gnadenthal mit altem Fachwerkbau

 

 

Selters - Niederselters:

Sehenswert ist hier das Quellenhaus. Das Rathaus war Unterkunft des Militärs zur Bewachung der Quellen.

 

Selters -Münster (nördlich von Selters):

Das Wohnhaus einer Hofreite (Neustraße 8) wurde erbaut 1830 als verputzter Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach und symmetrischer fünfachsiger Fassade sowie zweiläufiger Freitreppe.

Das Kulturzentrum Alte Kirche (Alois-Born-Straße 22) wurde 1717 erbaut als Nachfolgekirche einer 1340 erwähnten Kapelle. Seit 1909 stand sie leer und wurde 1989-91 umgebaut zum Kulturzentrum.

Hünfelden-Kirberg

Aus falsch verstandener Pietät wurde ein Menhir zum Kriegerdenkmal umgearbeitet und fand im Friedhof seine Aufstellung (Der Friedhof ist östlich der Durchgangsstraße in der Hain­buchenstraße).

 

Hünfelden-Dauborn

Südlich von Dauborn ist auch ein Menhir in der Landkarte eingezeichnet, südlich der Kalascher Mühle und des Leidenbergs.

 

 

Weiltalweg

Achtung: Am ersten Sonntag im August ist das Tal gesperrt wegen des Radfahrersonntags

Aus einem kühlen Grunde, nämlich vom „Talgrund” im romantischen Weiltal aus, kann man zu kurzen oder längeren Wanderungen aufbrechen, bei denen man Luft erster Qualität, gemischt mit Wald- und Wiesenduft, schnuppert und viel schöne Landschaft sieht. Erst im Jahre 2000 wurde der Wan­der- und Radweg in Gänze fertiggestellt. Er folgt, soweit es Topographie und Naturschutz zulassen, dem Verlauf des Gebirgs­flusses Weil.

 

Vom Startpunkt am Roten Kreuz unterhalb des Kleinen Feldbergs sind es nur wenige Gehminuten zur renaturierten Weilquelle unterhalb des Großen Feldberges. Hier können auch die konser­vierten Überreste eines Glasofens aus dem 15. Jahrhundert und die Fundamente des römischen Feldbergkastells besucht werden. Die Wege dorthin sind ausgeschil­dert.

Der durchgehend gut beschilderte Weg führt entlang des Naturschutzgebietes „Reifenberger Wiesen“ nach Oberreifen­berg, wo die Burgruine mit ihrem mächti­gen, runden Bergfried, dem rechteckigen, sechsgeschossigen Wohnturm mit seinen vier Meter starken Mauern sowie in den Fels gehauenen Pulverkammern vom Geschlecht der Reifenherger kündet. Auf steiler Abfahrt geht es hinunter ins Weiltal  und dort w eiter  auf der Landstraße 3025

 

Vom Parkplatz „Talgrund”  auf der Höhe der Anglerteiche kann man  nach Osten zur Ruine der Burg Hattstein am Sängelberg  gehen, von der allerdings nicht mehr viel zu sehen ist. Der Weg Nummer 1 hat die Markierung „Ahornblatt“. Zunächst geht es aufwärts durch den Talgrund und dann rechts in den Wald. Etwas im Holz versteckt sind rechts die Reste der Burg Hattstein zu sehen.

Von der weiß man, daß sie im 10. Jahrhun­dert vom Mainzer Erzbischof zum Schutz der Eisenerzvorkom­men im Umland errichtet worden ist. Erbauer soll Hatto von Reifenberg gewesen sein, sein Sohn wäre der Gründer des Hattsteinschen Geschlechts gewesen. Im Jahre 1226

wurde die Burg erstmals urkundlich erwähnt. Doch meist hatten die Hattsteiner Streit mit den Nachbarn, die „Bündnisse“ mit ihnen abschlossen, die sie sich gut bezahlen ließen. Frankfurt versuchte 1393 die Burg zu stürmen, 1429 kamen die Cronberger den Hattsteiner gegen Frank­furt zu Hilfe. Erst 1432 konnten sie Philipp und Conrad von Hattstein gefangennehmen

Im späteren Mittelalter waren die Frankfurter nicht gut auf die Herren von Hattstein zu sprechen, denn sie waren zu Raubrittern geworden, die es auf die Waren der Kaufleute abgesehen hatten, die auf der Taunus­straße vom Rhein nach Frankfurt und zurück fuhren.

Im Jahre 1467 gelang es den Reifenbergern, die Burg zu erobern. Doch nach der Gefangennahme des Domherrn Philipp Ludwig von Reifenberg durch den Erzbischof von Mainz wurde die Burg der Verfall überlassen, das Geschlecht der Hattsteiner erlosch 1767 mit Johann Constantin Philipp von und zu Hattstein.

Die Hauptburg der Hattsteiner bestand aus einem Turm und einem Wohnbau. Sie war durch einen Zwinger und einen tiefen Graben geschützt. Im 17. Jahrhundert wurde die Burg verlassen und fing zu bröckeln an. Seitdem steht sie als Ruine im Walde. Der Weg führt dann nach einem kurzen Stück nach rechts und zurück zum Parkplatz.

Der Weg Nummer 2 hat die Markierung Rehbock. Während Weg 1 nur rund zwei Kilometer lang ist, sind es nun vier Kilometer. Vom Parkplatz geht es in nordöstlicher Richtung aufwärts. Der Weg führt über eine große Sturmscha­denfläche, die von einer nur zwölf Minuten dauernden Gewit­terbö im Sommer 1966 stammt, die im Nu 8.000 Festmeter Holz umriß. Die Fläche wurde wieder aufgeforstet, jedoch ist sie am Unterschied des Vegetationsbildes gegen­über der umgebenden Waldfläche zu erkennen. Der Weg biegt nach etwa 500 Metern rechts ab ins Tal. Zwischendurch hat man einen Blick auf Ar­noldshain und den Großen Feldberg. Auf dem Talgrundweg kommt man zum Parkplatz zurück.

Der Weg Nummer 3 hat die Markierung Schmetterling. Er ist etwa fünf Kilometer lang. Vom Parkplatz geht es über die Straße und über die Weil. Am Waldrand nach links auf einen schmalen Pfad, der im Weiltal aufwärts vorbei an einem Kinderspielplatz bis zum Trippelweiher führt. Bald geht es wieder - immer entlang der Markierung „Schmetterling” - auf die andere Tal­seite und dann links aufwärts. Rechts zeigt sich der Schmitt­grund und geradeaus vor dem Wanderer auf der Höhe Oberrei­fenberg mit seiner Ruine. An der nächsten Wegkreuzung geht es scharf nach links und am Westhang des Sängelberges entlang zur Ruine Hattstein und in den Talgrund. Auf dem Talgrundweg kommt man zum Parkplatz.

 

Durch die Freizeitanlage „Oberes Weiltal“ gelangt man in den Luftkurort Schmitten. Dem idyllischen Bachlauf folgend, schließt sich nach Hunoldstal die einzige steile Pas­sage an.

 

Man kommt dann zur Ruine Landstein links an der Straße, davor ist die Landsteiner Mühle. Eine schon im 15. Jahrhundert vorhandene Kornmühle mit Gasthaus ging im Dreißigjährigen Krieg unter. Das wüst gewordene kleine Dorf wurde nicht mehr besiedelt. Aber Ende des 17. Jahrhun­derts entstand die Korn-, Öl- und Schneidemühle wieder, jetzt ein beliebtes Ausflugslokal. Mehr fällt die dahinter aufragende Kirchenruine Landstein ins Auge. Die Kirche - Ende des 13. Jahrhunderts errichtet - war noch bis zur Reformation als Wallfahrtsort bekannt. Nach dem verheerenden Krieg wurde die große Glocke im Brandschutt gefunden und nach Ober­ursel verkauft.

 

Die Straße führt dann weiter nach Alt-Weilnau.  Der alte Ortskern entstand schon sehr früh am Fuße einer um 1200 erbauten Burg der Grafen von Diez und erhielt 1336 sogar für kurze Zeit Stadtrechte. Ein viereckiger Torturmes ist Rest der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert. Die Burg hat einen runden Bergfried. An der Zufahrtsstraße nach Altweilnau zeigt ein Schild. „Zu den 100 Stufen” zu einem Aus­sichtspunkt hoch oben auf einem Fels. Ein schöner Hangweg im Buchenforst hält darauf zu. Zum Aufstieg zur ersten Sta­tion, der Schutzhütte Albertsruh, sind es 50 Stufen, von da geht es mit kaum erkennbarem Pfad zu einer aussichtsrei­chen Felsplatte mit Bank (Mit dem Auto kann man auch über Usingen einsteigen. Dazu muß man in Usingen in Richtung Waldems nach links abbiegen. Über Merzhausen fährt man auf der Bundesstraße 275 weiter, biegt aber nicht rechts nach Altweilnau ab).

 

Wenn  man auich die Erbismühle besuchen will, dann muß man am südlichen Westrand des Ortes in den Erbismühlenweg einbiegen, der zur Mühle führt. Sie gilt als die älteste in diesem Raum, wird bereits 1213 im Zusammen­hang mit einem Kloster im Westerwald als „Erweins­mühle“ oder „Erbesmühle“ genannt. Sie war so etwas wie eine Grenzstation zwischen den Rittern von Alt-Weilnau und Neu-Weilnau.

Auf die Erbismühle kamen immer wieder neue Müller, die das Mahlwerk auch während der Schreckensherrschaft der Ritter, in den Bauernkriegen und während des 30jährigen Krieges in Gang hielten. Den Vorfahren der heutigen Besitzer, der Familie Schneider, brannte die Mühle in der Silvesternacht 1899 und später noch einmal an Weihnachten 1908 vollständig ab. Seit dieser Zeit begann man, auf der Erbismühle auch Gäste aufzunehmen. Sie entwickelte sich zu einem bekannten Sporthotel, wo schon die Fußballer der Nationalmannschaft und von Eintracht Frankfurt trainierten. Im Eingangsbereich sind noch Fotos der früheren Mühle zu sehen. Sie gibt dort auch einfache Speisen, allerdings nicht unbedingt billig. Heute allerdings ist das Sporthotel „dauerhaft geschlossen“.  Man kommt auf die Landstraße „Weilstraße“ und fährt auf dieser nach links wieder bis zur Bu ndesstraße 275 und auf dieser  nach rechts  nach Neu-Weilnau.

 

Llinks in Neu-Weilnau ist ein schöner Park mit einer Mauer. Es ist ein wunderliches Reich, in dem Hermann Türk in dem winzigen Taunus-Dorf Neuweilnau lebt. In seinem „Park Dreieich“ stehen ein mittelalterlicher Turm und eine Kapelle. Doch der Turm ist erst 100 Jahre alt, und das angebliche Gotteshaus sieht von innen aus wie ein etwas verranztes Wohnzimmer. Es wurde nie als Kapelle genutzt. Die nächste Kuriosität ist ein Tunnel, der in den Fels gehauen wurde und mit einem winzigen Balkon endet. An der Decke hängen kleine Fledermäuse, eine Grotte ist der Mittelpunkt des Gangs.

Der Eigentümer selbst wohnt in einem ganz normalen Haus mitten auf dem etwa 15.000 Quadratmeter großen Anwesen, es war früher das Kutscherhaus. Gebaut wurde es Ende des 19. Jahrhunderts von dem Frankfurter Privatier Friedrich Favre. Der Mann hatte reichlich Geld und viel Fantasie. In dem winzigen Weilroder Ortsteil Neuweilnau erfüllte er sich auf dem Gelände des früheren Viehmarkts mit seinem Park einen Traum.

Er ließ das etwa 20 Meter hohe Türmchen wie eine mittelalterliche Ruine bauen, hinzu kamen Kapelle, Tunnel, Stall, Kutscher- und Gärtnerhaus sowie das Hauptgebäude, das er „Villa Dreieich“ nannte. Sein Turm und die Kapelle sehen auch heute noch von außen täuschend echt aus, im Dach des angeblichen Gotteshauses läutet sogar eine Glocke. Im ganzen Park verteilte Favre Statuen, auch Taufbecken und Grabsteine waren dabei. In der Grotte drapierte er die lebensgroße Puppe eines Landstreichers mit einer Bibel in der Hand auf einem Stuhl. Der Landstreicher ist heute nicht mehr da, die Statuen sind in den 1970er Jahren fast alle gestohlen worden. In der Nähe der „Kapelle“ steht noch ein Abbild der heiligen Elisabeth, auch eine in Stein gemeißelte Mutter mit ihrem Kind ist geblieben, die war wohl zu schwer. Nachdem Favre während des Ersten Weltkriegs ums Leben kam, wechselte das Grundstück häufiger den Eigentümer. Von den vierziger Jahren an vergammelte es immer mehr.

Am 24. Dezember vor 29 Jahren schließlich erfüllte sich Türk seinen Traum: Er schenkte sich das Anwesen zu Weihnachten. Seitdem hat sich dort sehr viel getan.

Der Eigentümer selbst erzählt von „Bergen von Müll“, die er alleine aus dem Tunnel herausgetragen habe. Über den Kaufpreis und die Höhe seiner Investitionen schweigt Türk, der früher im Vertrieb arbeitete. Er ließ etliche der uralten Bäume fällen, baute den zerfallenen Turm wieder auf. Auch die anderen Gebäude wurden wieder auf Vordermann gebracht. Heute sieht das Anwesen innerhalb der Steinmauern gepflegt aus.

 

Nach rechts hat man einen schönen Blick auf Alt-Weilnau. Zum Schloß Neu-Weilnau geht es rechts die Straße hoch. Die Grafen von Weilnau errichteten um 1302 die Burg Neuweilnau, bei der dann das Dorf gleichen Namens entstand. Später ging die Herrschaft Weilnau an die Grafen von Nassau über, die das heute noch stehende Schloß Neu-Weil­nau errichten ließen. Das heute hoch über dem Weiltal gelegene Renaiss­sanceschlößchen Neu-Weilnau wurde von Graf Ludwig I. von Nassau-Weilburg 1506–1513 auf der Höhe des Rödelnberges über dem Dorf errichtet.

Hier residiert seit 1816 das hessische Forstamt, konnte allerdings nur noch das Erdgeschoß des Haupthauses nutzen, das die Grafen von Nassau‑Weilburg 1506 bis 1513 an Stelle der früheren Burg ge­baut hatten. Das Obergeschoß, das früher als Wohnsitz des Forstamtsleiters diente, und das Torhaus, ein Fachwerkbau aus dem 16. Jahrhundert, standen seit Jahren leer. Als dann bei einem Erdbeben Mitte der neunziger Jahre ein Teil der alten Burgmauer eingeb­rochen ist, war endgültig klar, daß sa­niert werden mußte.

Nach der Sanierung durch den Landesbetrieb Hessen Forst bis zum Jahre 2004 enthält das Obergeschosses des Haupthauses die neuen Büros des Forstamts. Aus den vielen kleinen Zimmern entsteht ein großer Saal, den Hessen Forst für repräsentative Zwecke nutzen will, in dem sich aber auch Heiratswillige das Jawort geben können. Hier können repräsentative Veranstaltungen wie Festivals, Trauungen und Abenteu­erevents stattfinden. Mit Singleabenden im Schloßkeller und mit Klettertouren will man Besucher locken. Die Wohnungen im Torhaus sollen an Privatleute vermietet werden.

 

Überall an der Weil sind idyllische Plätzchen zum Rasten und Schauen; auch ein Grillplatz ist im Steinbruch zwischen Rod an der Weil und Cratzenbach angelegt. Wer im Weiltal reiten möchte, kann sich in Weilrod-Riedelbach in der Langstraße bei Päckert ein Pferd satteln lassen. Ponys stehen bei der Familie Gräf im Islandponyhof Schmitten-Seelenberg im Stall.

 

Durch Neu-Weilnau geht es weiter Richtung Weilrod. Kurz vor Rod a.d. Weil biegt man aber links ab nach Cratzenbach. Dort steht rechts ein Hinweisschild nach „Hat­tenbach über Eichelbacher Hof“. Der Weg ist allerdings sehr schlecht, in der Mitte nicht mehr als ein Waldweg. Aber der Besuch des Eichelbacher Hofs lohnt sich, ist doch das Herrenhaus derer von Rheinberg 1568 erbaut. In den Land­gasthof muß an einem Mittwoch, Samstag oder Sonntag kommen, um sich mit „Hirten­schmaus“ (Lammbraten), „Burgforelle“, „Gesindeteller“ (Sülze vom Schwein) oder gar „Singender Wandersgeselle“ (Handkä­se mit Musik) oder hausgemach­ten Krautsalat zu stärken. Der Hof wurde von einer Familie in jahrelanger Arbeit restauriert. Als sie an einem Sonntag im Hof saßen, kamen plötzlich Wanderer und setzten sich dazu. Nach einiger Zeit fragten sie: „Wird hier denn nicht bedient?“ Da kamen sie auf die Idee, an einigen Tagen Kaffee und Kuchen anzubieten.

 

Man kommt dann wieder auf die Straße von Weilrod nach Bad Camberg. Man fährt aber nicht geradeaus nach Hasselbach, sondern nach links in Richtung Schweikershausen. Dort liegt links die Vogelburg mit mehr als 100 Papageien und Eulen. Die Papageien sprechen, setzen sich auf die Schulter und sich auch lernbegierig. Sie wurden meist aus Privathand hier übernommen. Öffnungszeiten sind vom 15. März bis 15.November von 10 bis 19 Uhr, im Winter nur an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 19 Uhr.

Die schwarz-braune Uhu-Dame plustert sich mächtig auf, als der Betrachter etwas näher an ihr Gehäuse herantritt. Mit starkem Blick fixiert sie den Betrachter und klappert mit dem Schnabel. Die Drohgebärde soll einschüchtern und den Nachwuchs vor Räubern schützen. „Wenn kein Gitter da wäre, würde sie angreifen”, erläutert Hans Steiner.

In seinem Vogelpark Weilrod-Hasselbach kann der Besucher das Verhalten der Vögel, insbesondere der Papageien und Eulen, in naturnaher Umgebung beobachten. Anders als Greifvögel, die ihre Beute im Flug entdecken und auf sie herniederstürzen, verharrt die Eule erst einmal regungslos auf einem Ast, fixiert ihr Opfer und fliegt dann plötzlich auf die Beute zu. Die sagen­umwobenen Vögel haben es Hans Steiner angetan. Für sie hat er Volieren aus Naturstein gebaut, in denen die Eulen genug Dec­kung haben, wie sie sie in der Natur suchen. Deshalb sind auch die Sichtfenster für die Besucher des Parks recht klein, und manchmal muß man genau hinschauen, wenn man den Stein­kauz, beispielsweise in seiner Höhle, entdecken will.

Steiner hat in seinem Vogelpark den Kompromiß gefunden zwischen dem Interesse der Menschen an den Vögeln, deren Lebensgewohnheiten und den Möglichkeiten zur Erholung. Im Zentrum des Parks liegt der Ara-Kaffeegarten mit mehr als 100 teilweise überdachten Sitzplätzen. Der Garten gruppiert sich um eine kleine Teichanlage mit einer Insel, auf der sich zwei Papageien die Zeit vertreiben. Papageien fliegen im Vogelpark Hoch­taunus frei umher. Sie sind anders als die scheuen Eulen, kon­taktfreudig und lassen sich füttern. Vom Gartencafe hat der Besucher einen herrlichen Blick über Täler und Wälder. Wer möchte. kann seinen Picknickkorb mitbringen oder sich an der Theke mit hausbackenem Blechkuchen oder Schwenk­braten vom Grill versorgen. Etwas abseits liegt der Spielplatz mit Klet­tergerüsten und - als besondere Attraktion für Kinder - dem Meerschweinchenfreigehege.

„Der Vogelpark dient der Erho­lung, der Bildung und dem Artenschutz”, sagt Hans Steiner. Er hat einen Vogel-Lehrpfad angelegt und ist besonders stolz darauf, daß die Vögel pärchen­weise leben, so daß die Nachzucht möglich ist. Besonders eindrucksvoll ist die Artenvielfalt. In den Volieren kann man die Schnee-Eule in ihrem weißen Gefieder ebenso bewundern wie den Sperlingskauz, der nicht viel größer als ein Spatz ist. Diese kleinste europäische Kauzen­art gehört zu den wenigen tagesaktiven Eulen. Die anderen Eulen erwachen erst zur Dämmerstunde zum aktiven Vogelleben.

Außer Eulen und Papageien sind in Weilrod-Hasselbach Steinadler, Kakadus, Enten und Sittiche zu sehen. Der jährlich wachsende Vogelpark gilt unter Vogelfreunden fast noch als ein Geheimtip. Neue Volieren kommen hinzu. Inzwischen wurde eine Aussichtsplattform errichtet, und beim Spielplatz entstand ein überdachter Versammlungsraum, in dem die Intelligenz der Papageien anhand von Kunststücken wie Fahrradfahren gezeigt wird.

Der Vogelpark ist ganzjährig geöffnet, in den Sommermo­naten von neun Uhr bis zum Sonnenuntergang. Der Eintritt beträgt für Erwachsene fünf, für Kinder drei Mark. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt.

 

Auch Dämme und Einschnitte der Bahnstrecke Grävenwiesbach - Weilmünster sind in der Landschaft noch zu erkennen. Die Bahnlinie querte das Steinkertztal zwischen Mönstadt und Naunstadt über ein 23 Meter hohes Viadukt. Die imposante Stahlfachwerkbrücke wurde 1973 abgerissen, zwei gemauerte Widerlager an beiden Talseiten sind noch erhalten.

 

Dann fährt man nach Weilrod hinein und links ab Richtung Weilmünster. Links zweigt steil die Straße „Am Kirchberg“ ab. Sie führt zu Kirche und Pfarrhaus. Dieses war - wie ein Schild infor­miert - „seit 1283 ununterbrochen Wohn­haus hiesiger Pfarrer“ und damit das ältes­te in Deutschland. Allerdings blieb es nicht un­verändert blieb: Ein Fachwerkteil wurde 1522 draufgesetzt, 1962 wurde es reno­viert. Vor der Kirche steht die 1884 gepflanzte „Luther‑ Linde“.

Über Emmershausen gelangt man zur Run­kelsteiner Mühle. Hier an der engsten Stelle des Weiltales kreuzt man gleich dreimal auf kleinen Brücken die namensgebende Weil.

Mit dem kleinen Ort Winden verläßt man die schroffen Taunushänge und den Hochtaunuskreis. Mit Audenschmiede er­reicht man den Landkreis Limburg-Weil­burg. Nach Weilmünster folgt der Weiltalweg der ehemaligen Bahnstrecke Grävenwiesbach-Limburg. Weiter nach Essershausen und Weinheim mit der Freienfelser Burgruine mit herrlichem Ausblick in das Weiltal. Dann verläuft der leicht abschüssige Weg bis zur Mündung in die Lahn bei der Guntersau. Abstecher kann man noch machen zur Kristallhöhle bei Kuhbach und nach Elkershausen (südlich von Weinheim) mit der ehemaligen Wasserburg.

 

 

Weilmünster

Sehenswert ist auch die alte Schule mit einem Oberstockwerk in Fachwerk und einem kleinen Turm. Vom Marktplatz steigt man auf zum Kirberg mit dem Aussichtsturm, der einmal Teil der mittelalterlichen Befestigungsanlage war. Man kommt auf die „Hessenstraße“, einem mittelalterliche Handelsweg, in Richtung Rohnstadt.

 

Weilmünster-Rohnstadt (südlich von Weilmünster):

Das ehemalige Rat- und Backhaus (Langenbacher Straße 4) wurde 1927 erbaut als Rathaus im Heimatstil (Backstein), danach wurde es genutzt als Schule, Kirche und Jugendraum, heute ist es Heimatmuseum und Archiv.

 

Weilmünster-Dietenhausen:

Westlich von Dietenhausen verläuft der Eselsweg, auf dem man früher die Esel entlang der Höhenlinie nach Weilmünster trieb.

 

Weinbach-Elkerhausen (westlich von Weilmünster, aber schon näher an der Lahn):

Das Schloß Elkerhausen (Burgring 18) wurde. erbaut im 12. Jahrhundert als Wasserburg, heute ist es Renaisssanceschloss in Privatbesitz.

 

Wanderwege auf dem Faltblatt „Wanderwegsystem Weilmünster“ des Zweckverbandes „Naturpark Hochtaunus“).

 

 

Usingen

Weil Osinga, Osanga, Osungen, Otsingen oder Oasunge an einer alten Königsstraße von Frankfurt nach Sachsen lag, jeweils eine Tagesetappe (etwa 27 Kilometer) von den Reichs­städten Frankfurt und Wetzlar entfernt, entstand Usingen vermutlich als ein Rastort. Es war ein Königshof, der dem König oder seinen Gesandten, Boten oder Beamten Quartier bot. Diese These wird durch eine Flurbezeichnung „Alte Burg“ unterstützt. Doch so wenig sich heute nachweisen läßt, wie und wo genau Usingen in der Beckenlandschaft des Flusses Usa entstand, so ungewiß ist der Zeitpunkt.

In einem Urkundenbuch des Klosters Fulda ist erstmals in der Zeit zwischen 750 und 802 von dem Ort die Rede. Ein gewisser Rihdrud, ein Rudpraht mit seiner Ehefrau Folcrat, die Nonne Rihsumt und weitere Wohltäter schenkten damals dem Kloster Güter in Usingen. Als offizielle „Geburtsstunde“ Usingens gilt das Jahr 802, wie das Hessische Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden der Stadt bestätigt hat. Seiner Auskunft nach kann bei einer Zeitspanne als sicherer Termin einer Ersterwähnung immer nur das späteste Datum angenommen werden.

 Fürst Walrad (1635 ‑ 1702) gilt als einer der bedeutendsten Förderer der Stadt. Er machte Usingen zu seinem Fürstensitz. Unter seiner 43 Jahre dauernden Regentschaft entwickelte sich die Stadt, deren Wirtschaft nach dem Dreißigjährigen Krieg und durch große Brande zum Erliegen gekommen war, zu neuer Blüte. Der Fürst baute das Usinger Schloß zu seiner Residenz aus und legte den Schloßgarten an. Er siedelte aus Frankreich geflüchtete Hugenotten an, ließ für sie eine Neustadt bauen, förderte die Wirtschaft und das Schulwesen.

Sein Sohn Wilhelm Heinrich und nach seinem Tod dessen Witwe Charlotte Amalie setzten die Reformen der Verwaltung und des Sozialwesens fort. Die Fürstin, der Geigerkönig August Wilhelm und Herzog Friedrich August sind neben Walrad als weitere herausragende Persönlichkeiten in der Stadt präsent. Ihre lebensgroßen Porträts zieren die Fassade eines renovierungsbedürftigen Fachwerkhauses an der Bahnhofstraße.

Die Gemeinde hat hier ihrem größten Sohn ein passendes Plätzchen hergerichtet. Vom terrassenförmigen Herrngarten „blickt“ der erste Herrscher Usingens, Graf Walrad, über sein Städt­chen. Einige besonders schöne Stücke der Eschbacher Klippen, die beim Erkalten der Quarzkristalle entstanden, sind im Sockel des Walrad-Denkmals in Usingen eingelassen. Wie von Menschenhand geformt und geschliffen wirken die vielen Dutzend kegelförmiger Kristalle, aus denen sich die konkav gebogenen Steine zusammensetzen. Die Gemeinde hat hier ihrem größten Sohn ein passendes Plätzchen geschaffen.

 Vor ihm staffeln sich das frühere Schloß, die wuchtige Laurentiuskirche – Wahrzeichen des Usinger Landes –. und im Hintergrund tun sich die höchsten Taunus-Erhebungen auf.

Schloß und Herrngarten ließ Walrad zwischen 1660 und 1662 anlegen. Wiedererkennen würde er die Residenz wohl nicht mehr. An ihrer Statt steht ein gelbes (Schul-) Backsteingebäude, das nach einem verheerenden Brand 1873 gebaut wurde. Usingen war im 17. Jahrhundert nur deshalb Herrschaftssitz geworden, weil zwei erbberechtigten Nassauer Brüdern keine bessere Lösung als eine Landesteilung eingefallen war. Die von Walrad begründete nassauisch-saar­brückisch-usingische Linie hielt es dann nur gut 80 Jahre im Hintertaunus, 1744 wurde der Regierungssitz nach Wiesbaden verlegt.

Walrad hatte sich nach Kräften bemüht, mit seiner Bautätigkeit, der Förderung von Ackerbau und Gewerbe. die schlimmsten Folgen des Dreißigjährigen Krieges zu überwinden. Kaum hatte sich das Städtchen erholt, wurde es 1692 von einer großen Feuersbrunst erneut fast vollständig zerstört. Ganz im absolutistischen Geist der Plan-und Machbarkeit aller Dinge ließ Walrad das Zentrum nach einheitlichem Plan – gerade Straßen und freie Plätze – wiederaufbauen. Die Hauptachsen prägen noch heute das Usinger Stadtbild, im Mittelpunkt wie eh und je der Schloßplatz zwischen Schule und Fachwerk-Rathaus. Auf beide blickt der nassauische Löwe von einer hohen Sandsteinsäule am Brunnen herab.

 

Junkernhof (Wilhelmjstraße):

Das Gebäude ist erbaut 1692 als Fachwerkhaus auf Fundamenten von drei Wohnhäusern. Es war erst freiadliger Hof, dann Flanellfabrik. Teile der Innenausstattung aus dem 17. - 19. Jahrhundert sind erhalten. Der heutige Besitzer schreibt: Den ersten Besitzer unseres Hauses, des Junkernhofs in Usingen, kannte ich schon als Kind: einmal aus der Erzählung meiner Großmutter, die ihn wie einen edlen Prinzen aus Grimms Märchen schilderte, und dann von seinem Grabstein an der Kirche, auf dem er als untersetzter, energischer Mann in voller Rüstung, mit dem Streitkolben in der Hand dargestellt ist. Dieser Reinhard von Schletten hatte kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg aus der Mitgift seiner Frau und durch Zukäufe ein freiadeliges Gut erworben und durch den Umbau dreier Häuser ein repräsentatives Wohnhaus geschaffen.

Sein Grundstück wurde an einer Westseite auf etwa 90 Meter Länge von der Stadtmauer begrenzt, für deren Verteidigung er zu sorgen hatte. Das aufwendig mit stuckierten Decken, ornamentierten Bodenfliesen und prächtigen Kachelöfen ausgestattete Haus geriet am 23. April 1692 in Brand und entfachte einen Feuersturm, dem große Teile Usingens zum Opfer fielen: fast 100 Anwesen brannten nieder und zehn Tote waren zu beklagen.

Energisch ging man an den Wiederaufbau. Das ganze Straßennetz wurde neu konzipiert. Für den damaligen Besitzer des Junkernhofes, einem Herrn von Kniestedt, ergab sich so die Gelegenheit, nicht nur die erhalten gebliebenen Keller, sondern auch die alte Straße vor dem Haus mit zu überbauen und dort ein Gutteil des Brandschuttes abzuladen. Auf der eingeebneten Brandstelle wurde ein großes, fünfachsiges Fachwerkhaus errichtet. Schmuckelemente unter den Fenstern zeigen, daß es zunächst nicht verputzt war. Der Erbauer verkaufte sein Gut an einen Herrn von Schildeck, der es über lange Jahre verpachtete. Von dessen Erben erwarb es der Landesherr, um dem Gut seinen rechtlichen Sonderstatus zu nehmen und es Stück für Stück an steuerpflichtige Bürger zu verkaufen. Das Wohnhaus mit Garten und Wirtschaftsgebäuden ersteigerte 1810 ein Flanellfabrikant und betrieb darin sein Gewerbe. Im Jahre 1826 verkaufte er das Haus an einen meiner Vorfahren.

Rund 100 Jahre später hat mein Großvater die baufälligen Scheunen abgerissen und das Haus den damaligen Wohnstandards einigermaßen angepaßt. Er nutzte es als Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung. Nach dem Krieg mußte es nicht nur der Familie, sondern auch Evakuierten und Flüchtlingen als Unterkunft dienen. Bis zu 34 Personen lebten zeitweise im Haus - und verwohnten es. Nach und nach zogen sie aus und schließlich stand es zur Hälfte leer und nur noch zwei alte Tanten hausten darin. Durch Erbschaft waren schließlich 15/112 Anteile am Junkernhof bei mir gelandet.

Meine Schwestern und ich haben uns nach einigem Zögern entschlossen, das Haus zu sanieren und dabei möglichst viel der Originalsubstanz zu bewahren und vielleicht das Fachwerk der Fassade freizulegen. Die schlimmsten Bauschäden sind mittlerweile behoben und der erste Bauabschnitt abgeschlossen, der zweite begonnen. Am „Tag des offenen Denkmals“ können so alle Stadien der Sanierung, vom Abbruchhaus bis zur fertigen Wohnung gleichzeitig besichtigt werden. Im Schutt unter den Fußböden haben sich eine Menge interessanter Relikte aus den letzten 500 Jahren gefunden, die ebenfalls zu sehen sein werden. Schätze haben wir aber leider trotz eifrigen Grabens und Siebens nicht gefunden (Ulrich Würz)

 

Hattsteinweiher:

Westlich von Usingen führt die K 739 in Richtung Niederlauken und Wilhelmsthal. Beim Katharinenhof zweigt nach Norden die Straße zum Hattsteinweiher ab.

Der Hattsteinweiher ist das einzige natürliche Gewässer im Taunus, in dem Baden erlaubt ist. Saison ist dort fast das ganze Jahr über, im Herbst, Winter und Frühjahr bevölkern Spaziergänger den Uferweg. Doch der Ansturm hält sich in den Grenzen des regionalen Einzugsgebiets. Selbst bei strahlendem Sonnenschein darf man begründete Hoffnung haben, am Rasen- und Sandstrand oder auf der Terrasse des See-Restaurants noch ein freies Plätzchen zu finden.

Anders als im Langener Waldsee etwa, wo neuesten Gerüchten zufolge für den Aufenthalt im Wasser Stehplatzkarten ausgegeben werden, läßt es sich im Hattsteinweiher fast ungestört schwimmen. Die Füße stoßen sich weniger an den Rippen des Nachbarn als daß sie schnell wieder Boden unter sich haben: Das Gewässer ist kaum vier Hektar groß. Gut ein Viertel der Uferlandschaft ist zudem als Naturschutzzone abgegrenzt, und darf nicht angeschwommen oder betreten werden.

 

Steinbruch

Die kleine Stadt Usingen im Taunus ist weltweit bekannt - zumindest in den Kreisen der Glashersteller. Der in der Hochtaunuskreis-Gemeinde abgebaute Quarz ist so rein, daß er sogar für die Raumfahrt benutzt wird. Es ist der reinste Quarz, der heute noch in Deutschland abgebaut wird. Das Mineral wird so lange gehauen, zerrieben und gemahlen, bis aus ihm ein Pulver geworden ist. Dann wird der Quarz in die ganze Welt verkauft, jeden Monat sind es etwa 100 bis 200 Tonnen.

Das meiste davon geht in die Glasindustrie, sehr begehrt ist er auch in der Raumfahrt. Präzisionsgeräte in den Raumschiffen bestehen aus dem Usinger Mineral, das auch für den Bau von Teleskopen benutzt wird. So zum Beispiel für „OWL“. Die Buchstaben stehen für „Over Whelmingly Large Telescope“, also für ein extrem großes Teleskop. Fertig gebaut ist das gigantische Gerät mit einem Spiegeldurchmesser von 100 Metern allerdings noch nicht. Es soll das größte Teleskop der Erde werden. Den Steinbruch in Usingen hinter den großen Firmengebäuden mit der Aufschrift „Bremthaler Quarzitwerk“ direkt an der Bundesstraße 275 Richtung Wernborn gibt es schon lange. Hier wurde schon vor über 100 Jahren Quarz abgebaut.

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs kaufte Erich Schott den Steinbruch der Stadt Usingen ab. Er war der Sohn des Gründers der Jenaer Glaswerke, aus der schließlich die heute in Mainz ansässige Firma Schott entstand. Damals baute die Firma auch in den nahe gelegenen Orten Kransberg und Bremthal Quarz ab, daher der Name „Bremthaler Quarzitwerke“. Viele Jahrzehnte lang wurden die Steine mit der Hand eingesammelt und in Karren zur Verarbeitung ins Werk gebracht. Die grobe Arbeit erledigen heute die Maschinen. Sechs Menschen arbeiten in dem Werk, das 1997 an die Firma Mineralmühle Leun verkauft wurde.

 

Wanderwege auf dem Faltblatt „Wanderwege in Usíngen“ des Zweckverbandes „Naturpark Hochtaunus“).

 

Kransberg:

Kransberg war „Dolles Dorf 2006“. Es liegt in sehr schöner Umgebung und hat ein Schloß, das auch angefahren werden kann. Es ist die Burg der Craniche von Cranichsberg, die 1326 ausstarben. Sie hat einen halb-kreisförmigem Bergfried und einen Palas und Wirtschaftsgebäude. In der neugotischen Kirche (1872 – 1875) im Dorf steht die alte Kanzel des Limburger Domes, ein Werk des Manierismus von 1609.

 

Eschbacher Klippen:

Nördlich von Usingen liegt der Stadtteil Eschbach. Nördlich der Bebauung liegen zwischen Michelbacher Straße und Maibacher Weg (mit dem Auto hier parken) den Eschbacher Klippen.

Geologisch betrachtet. stellen die etwa 60 Millionen Jahre alten Eschbacher Klippen - zu denen noch der auf der anderen Straßenseite versteckt im Wald liegende Saienstein gehört - den Überrest eines unvorstellbar langen Verwitterungsprozesses dar. Nach den tektonischen Einbrüchen vor etwa 40 Millionen Jahren in der Wetterau, dem Limburger und Usinger Becken, bei gleichzeitiger Auffaltung des Rheinischen Schiefergebirges (somit auch des Taunus) begann die Erosion des weichen Schiefers, nur das härtere Quarzitgestein blieb stehen.

Der bei Bergsteigern zu Übungszwecken beliebte Felsen ist Teil eines Quarzganges, der sich quer durch den Taunus erstreckt und für geologisch geschulte Augen an mehreren Stellen sichtbar ist. An die Steilseite und das bis zu 17 Meter hoch aufragende östliche Ende des Quarzit-Riffs sollten sich allerdings nur Geübte wagen. Glücklich oben angelangt, erwartet die Kletter als Lohn der Anstrengungen ein wunderbarer Blick über das Usinger Becken auf die Rückseite des Großen Feldberges. Diese Aussicht eröffnet sich allerdings genauso schön von den beiden Rundwanderwegen aus, die durch das Gelände führen. An der westlichen Schmalseite kann der Fels auch problemlos von Halbschuhträgern erklommen werden.

Einige besonders schöne Stücke, beim Erkalten der Quarzkristalle entstanden, sind im Sockel des Walrad-Denkmals in Usingen eingelassen. Wie von Menschenhand geformt und geschliffen wirken die vielen Dutzend kegelförmiger Kristalle, aus denen sich die konkav gebogenen Steine zusammensetzen. Die Gemeinde hat hier ihrem größten Sohn ein passendes Plätzchen geschaffen.

 

Hundstadt

In einem Kinderwald wurden immer bei der Geburt eines Kindes Bäume gepflanzt, bisher sind es  400,

 

Grävenwiesbach

Im Ort erinnert ein Privatmuseum an den Lehrer und Jugendherbergsvater Schirmer.

 

Waldsolms

Wanderwege auf dem Faltblatt „Panoramaweg Waldsolms“ des Zweckverbandes „Naturpark Hochtaunus“.

Wanderwege auf dem Faltblatt „Köhlerpfad Hasselborn“ des Zweckverbandes „Naturpark Hochtaunus“.

 

 

Lahn

 

Autotouren

 

(1) Gießen

(2) Krofdorf-Gleiberg, Biebertal, Dünsberg

Von der Westumgehung von Gießen B 29 fährt man in Wettenberg ab und geradeaus nach Gleiberg und Krofdorf. Im Ort nicht geradeaus weiter in Richtung  Salzböden, sondern links und dann rechts zum Dünsberg (Parkplatz Dünsberg auf der linken Seite). Rückwärts fährt man dann über Fellinghausen nach Biebertal. Über Vetzberg geht es dann wieder nach Gleiberg und auf die B 49.

(3) Wetzlar, Waldgirmes:

Nach Wetzlar über die A 45. Von dort nach Osten auf der B49 über Garbenheim und Dorlar nach Waldgirmes.

(4), Herborn, Dillenburg, Haiger über die A 45.

 (5) Ehringshausen, Edingen, Greifenstein, Oberbiel, Altenberg:

Auf der A 45 fährt man in Ehringhausen ab und nicht über die B 277, sondern erst ein Stück weiter im Ort nach rechts nach Daubhausen und weiter nach Nordwesten nach Edingen. Dort geht es dann links ab nach Greifenstein. Von dort geht es nach Süden, an der Einmündung rechts nach Holzhausen, und dann über Ulm und Allendorf (Outdor-Zentrum Lahn) links ab nach Bissenberg und Stockhausen. Dann weiter nach Leun und Niederbiel nach Oberbiel und Kloster Altenberg.

Von der Bundesstraße biegt man ab nach Oberbiel, dann aber gleich wieder rechts auf die Straße „Altenberg“ und dann links ab, wo das Schild „Sackgasse“ steht. Man fährt durch das Hofgut von Kloster Altenberg hindurch zu dem Parkplatz rechts von der Kirche. Der Eingang zur Kirche ist allerdings auf der anderen Seite, man muß erst ganz herumgehen durch die Klosterpforte in den ersten Hof. Dort ist rechts der Eingang in die Kirche (wo das Schild „Standesamt“ hängt).

(6) Weilburg

(7) Von Wetzlar bis Limburg:

Auf der A 45 über das Gießener Südkreuz zur Abfahrt Lützellinden, nach links und durch Großrechtenbach, Weidenhausen, in Volpertshausen rechts abbiegen nach Reiskirchen und Richtung Nauborn. Wenn man auf die Straße Schöffengrund - Wetzlar trifft nach rechts abbiegen. Dort steht rechts die Honigmühle. Ein Stück weiter durch den Wald steht rechts die Dickesmühle, ein Backsteinbau, der nicht besonders gekennzeichnet ist. Aber links steht ein Wegweiser „Teutbirg-Basilika“. Dort kann man parken und es geht ein Steig hinauf zu den Resten der Basilika

Wenn man ein Stück weiter Richtung Nauborn fährt, liegt rechts nordöstlich der Weißmühle die Ringwallanlage auf dem Bilstein. Von Nauborn fährt man nach Wetzlar hinein. Links liegt die Ruine Kalsmunt, rechts der Dom.

Im Westen von Wetzlar fährt man über die  L 3451 Karl-Kellner Ring und dann hoch auf die B 49 Richtung Limburg. Nördlich liegt Dalheim. Dort hat man ein 118 Gramm schweres Bruchstück aus vergoldeter Bronze, das zu der lebensgroßen Reiterstatue von Waldgirmes gehört. Das Fragment ist eines von rund 20.000 archäologischen Fundstücken, die seit 2006 in Dalheim ausgegraben wurden.

Man fährt dann wieder auf die Bundesstraße und an Oberbiel vorbei und biegt dann links ab Richtung Solms und Braunfels. Hinter Solms biegt man rechts ab in die Braunfelser Straße, die übergeht in die Wetzlarer Straße. Am Kreisel nimmt man die dritte Ausfahrt und fährt über den Europaplatz auf den Altstadtring und fährt immer um die Stadt herum, nach rechts in die Schlesierstraße und bis auf die Landesstraße. Dort geht es rechts zu den Parkplätzen für die Altstadt.

Man fährt dann auf dem Altstadtring wieder ein Stück zurück, aber nicht geradeaus weiter auf der Landesstraße Richtung Villmar, sondern noch einmal links herum und dann rechts auf die Kreisstraße 379 nach Philippstein.

Der Ort lohnt sich wegen seiner Ruine. Man fährt etwas in den Ort hinein, dann aber dreht man wieder um und fährt nach links in die Bermbacher Straße zur Landesstraße 3451 und dort links weiter Richtung Edelsberg. Im Ort geht es rechts ab nach Kuhbach, wo die berühmte Kristallhöhle ist (siehe Datei „Weilburg“). Wenn man diese besuchen will – vor Kuhbach links abbiegen – fährt man von dort weiter nach Freienfels: Man kann aber auch von Edelsberg direkt nach Freienfels fahren, dessen Burg bekannt ist durch die jährlichen Ritterspiele. In Freienfels fährt man wieder nach links in Richtung Villmar. Gleich nach der Abzweigung ist links die Auffahrt zur Burg. Über Weinbach geht es an Elkershausen vorbei zur Lahn bei Aumenau. Dort links weiter nach Villmar.

Man fährt in Villmar fast durch die Stadt hindurch, dann geht es rechts in die König-Konrad-Straße und dort steht rechts ein Wegweiser „Natursteinbruch“. Man fährt in die Straße „Am Lahnufer“, aber nicht links ab zum Spielplatz, sondern weiter bis zur Brücke, die mit Lahnmarmor verkleidet ist. Diese überquert man und fährt nach rechts in die Straße „Überau“. Am Bahnhof steht links das neue Lahn-Marmor-Museum. Dort geht es auch hoch in die Straße „Oberau“ und (nicht sehr weit) immer geradeaus bis zu einem Wegweiser „Unica-Stein­bruch“.

In Runkel ist die Durchfahrt ist sehr eng und führt von dieser Seite als Einbahnstraße über die Lahnbrücke. Die drei starken steinernen Bogen der Alten Lahnbrücke halten seit 1440 (oder 1448) dem Druck des Verkehrs, des Wassers und des Eisganges stand. Man biegt nach der Brücke links ab in Richtung Limburg. Rechts sieht man hoch über dem Tal die Burg Schadeck: Sie wurde im Jahre 1288 (oder 1280) von Heinrich I. von Westerburg nach einem Familienzwist als Trutzburg gegen Runkel erbaut. Zwischen den Nachbarn gab es ständige Fehden. Ende des 18. Jahrhunderts verfiel die Anlage. Ein viergeschossiger Bau ist erhalten (schöne Aussicht).

Dort lassen die „Schadecker Landsknechte“ die Vergangenheit lebendig werden und geben so Einblicke in die Zeit, als die Landsknechte als Söldner durch die Lande zogen. Der Verein gründete sich 1988 und läßt seitdem die Geschichte der „landsknechet“ wieder lebendig werden. Wer Kontakt zu den Landsknechten aufnehmen möchte schreibt an: Schadecker Landsknechte, Michael Franke, Burg Schadeck, 65594 Runkel-Schadeck. E-Mail: landsknechteschadeck@gmx.de.

 

Kerkerbachtal:

Am Ende von Runkel darf man nicht nach links fahren, obwohl der Wegweiser nach Limburg dorthin weist. Man fährt nach rechts Richtung Steeden und Dehrn. Vor dem Anfang von Stee­den kreuzt man den Kerkerbach: Links geht es zur Neuen Mühle und der Mündung in die Lahn. Nach rechts aber geht es in das Kerkerbachtal, das sich eignet für eine Radtour (Mit dem Auto kann man aber auch die sehenswerte Unterhofer Mühle an der Straße von Scha­deck nach Niedertiefenbach anfahren. Dann kann man ein Stück nach Norden nach Hofen und dann nach links nach Steeden fahren)

Wo noch vor wenigen Jahrzehnten schwere Dampfloks durch das Kerkerbachtal schnauften, kann man heute ganz genüßlich Radfahren oder Wandern. Das idyllische Seitental der Lahn ist abwechslungsreich und bietet schöne Natur. Erstes Ziel ist 300 Jahre alte „Hofener Mühle“ (Unter­hofer Mühle) an der Straße von Runkel-Schadeck nach Beselich. Es ist ein wunderschönes Anwesen aus dem 18. Jahrhundert mit einem kleinen Mühlenmuseum, Wasserwerk, Getreidemühle, Gästehaus, einer Veranstaltungsscheune und einem lauschigen Innenhof, ein wunderschönes, denkmalgeschütztes Gebäude-Ensemble. Hofener Mühle, Familie Dorn, 65594 Runkel-Hofen, Telefon: 06482 339, Fax: 06482 607789. E-Mail: zugast@hofener-muehle.de, Internet: www.hofener-muehle.de. Öffnungszeiten: Donnerstag-Sonntag: ab 14:00 Uhr, Dienstag und Mittwoch nach Vereinbarung für Gruppen ebenfalls geöffnet.

Südöstlich von Schupbach liegt die Christianshütte. Am Eisenstollen östlich der Hütte ist ein schönes kühles Plätzchen, wo man sich mit dem klaren Wasser erfrischen kann. Wenige Meter entfernt: der Erzstolleneingang der Christianshütte. Wo heute ein kleiner Bach entlang läuft, waren die Gleise, auf denen die Dampflok die Bodenschätze herausfuhr. Die Tour der Bahn ging nach Christianshütte, wo auch unser nächster Stop ist. Früher war es Sitz der Firma Buderus, dort wurde Eisen verhüttet.

Knapp ein Kilometer entfernt, auch mitten im Wald nördlich von Schupbach, liegt ein Lahnmarmorbruch. Bis in die 70iger Jahre wurde Marmor abgetragen, dann rentierte sich das nicht mehr. Letzte Station ist Heckholzhausen. Am Ortseingang nicht zu übersehen: eine alte Kerkerbachbahn, so wie sie früher aussah. Die Kerkerbachbahn wurde übrigens 1868 in Betrieb genommen und transportierte all die Bodenschätze wie Kalk, Eisenerz, Basalt und Ton, aber auch Marmor.

(7)Limburg, Diez, Hadamar

(8) Westlich von Limburg (noch nicht bearbeitet, nur Materialsammlung)

 

 

Lahntal

Gemeinsam vermarkten sie den 242 Kilometer langen Fluß: Sechs Landkreise sowie 48 Städte und Gemeinden haben sich zum Lahntal-Tourismus-Verband zusammengeschlossen, um Urlauber anzulocken ‑ nach Bodensee und Harz ist dies erst die dritte länder‑übergreifende touristische Organisation. Der Erfolg gibt den Anrainern Recht: Die Zahl der Kanuten und Radfahrer hat sich verdoppelt. Der Renner ist der „Radweg an der Lahn“. Von der Quelle im Rot­haargebirge bis zur Mündung in den Rhein führt der gut ausgeschilderte Weg am Fluß durch ganz unterschiedliche Landschaften.

Ein­gerahmt von steilen Abhängen star­tet die Lahn als kleiner Bach in 628 Meter Höhe kurz hinter der hessischen Landes­grenze im Rothaargebirge, plätschert an kleinen Fachwerkstädtchen vorbei ins Marburger Hinterland bei Biedenkopf, wo auch heute noch die Fabrikbauten der ehemaligen Ludwigs­hütte an einen großen eisenverarbeitenden Betrieb am Oberlauf der Lahn erinnern.

Erst unterhalb von Marburg bei Roth, wo sich das Tal weitet, steigen die ersten Bootswanderer ein. Breite Auen führen an Gießen vorbei bis nach Wetzlar. Hinter Weilburg, wo die Lahn die Felsenhalbinsel mit dem Renaissanceschloß umfließt, wird es für die Paddler spannend: Deutsch­lands einziger Schiffstunnel mit einer Dop­pelschleuse ist zu passieren, bevor es wei­ter über Limburg, Fachingen, Bad Ems bis zur Mündung in Lahnstein geht. Zahlrei­che Schlösser und Burgen säumen den ro­mantischen Weg.

Wie reizvoll die Strecke für Radwanderer ist, hat sich herumgesprochen: Nach einer Studie des Geographischen Instituts der Uni­versität Gießen kommen jedes Jahr mehr als 240.000 Radler, unter ihnen natürlich auch viele Pedaltreter aus der Region, die etwa mit dem Fahrrad von Gießen zu den Duten­hofener Seen fahren. Dabei nimmt das Tal flußabwärts an Beliebt­heit zu.

Zu den Radlern kommen rund 120.000 Bootswanderer, die mit Kajaks und Kana­diern auf der Lahn paddeln. Auch ihre Zahl hat sich seit Anfang der neunziger Jahre verdoppelt. Und dabei spielt der Lahntal-Tourismus-Verband, der aus der 1994 ge­gründeten Lahntal‑Kooperation entstan­den ist, eine entscheidende Rolle. Seitdem präsentiert sich das Tal als touristische Einheit von der Quelle bis zur Mündung in Rheinland‑Pfalz.

Der länderübergreifende Verbund schaffte 31 Ein‑ und Ausstiegsstellen sowie Rastplätze, die dafür sorgen, daß die Kanuten nicht in den Brutgebieten der Vö­gel anlegen. Infotafeln weisen den Touris­ten den Weg zu Hotels, Campingplätzen, Gaststätten und Geschäften. Dazu gibt es Wanderführer für Radler und Bootstouris­ten. Bed-&-Bike‑Gasthöfe bieten müden Sportlern ihre Dienste an, zudem locken die Lahnhöhenwege und ein kulinarischer Herbst mit Spezialitäten aus der Region.

Zwar läßt sich nicht genau sagen, wie stark die Zahl der Übernachtungen durch die neuen Touristen gestiegen ist, weil vie­le Besucher auf den in den Statistiken kaum erfaßten Cam­pingplätzen und in kleinen Pensionen Quartier suchen. Doch wird das Umsatzvolumen der Gäste im Verbandsgebiet auf 350 Millionen Euro pro Jahr geschätzt.

Im Kreis Marburg‑Biedenkopf beziehen sich 70 Prozent der Anfragen auf die Lahn. Zwar habe der Kreis auch zwei sehenswerte Schlösser zu bieten. Wegen der Burgen al­lein komme jedoch niemand: Die Schlösser werden über die Lahn besucht. Inzwischen beteiligen sich sogar die Städte und Ge­meinden aus den Seitentälern der Lahn an dem Verbund: So hoffen die Fremdenver­kehrsbetriebe im Burgwald, im Gleiberger Land, im Salzbödetal (Lahn‑Dill‑Bergland), im Solmser Land und an der romantischen Mittellahn, ebenfalls von den Radlern und Wanderern am Fluß zu profitieren.

 

Gießen

Bei der Anfahrt über die Autobahn aus Frankfurt muß man darauf achten, daß man schon am Gambacher Kreuz in Richtung Gießen fährt. Über das Südkreuz Gießen geht es über Berg­werskwald und Schiffenberger Tal hinein in die Stadt. An der Ampelkreuzung liegt links das Stadttheater. Man fährt geradeaus bis zu einem Sperrschild vor der Fußgängerzone, dort biegt man rechts ab und kommt zum Brandplatz. Dieser ist entstanden durch einen Brand im Jahre 1680. Dort kann man (außer Mittwoch und Samstag) parken.

Zuerst kommt man am Alten Schloß vorbei, das vermutlich im Zuge der ältesten Stadtbefestigung um 1300 als zweite Wasserburg die östliche Flanke der ersten Stadtbe­festigung sicherte.

Es diente  später als Kanzlei und wurde am 6. Dezember 1944 bei einem Bombenangriff  zerstört: In den siebziger und achtziger Jahren wurde es nach dem Renaissance‑Erschei­nungsbild neu aufgebaut. Heute sind dort die Gemäldegale­rie und Kunsthandwerkausstellung des Oberhessischen Museums untergebracht.

An das Alte Schloß schließt sich der Botanische Garten an. Die rund vier Hektar große schatti­ge Grünanlage war bis in die siebziger Jahre fast ausschließlich For­schungsort der Uni­versität. Sie ist der älteste botanische Garten Deutschlands, der seit seiner Anlage nicht verlegt worden ist. Seine Anfänge gehen auf das Jahr 1609 zurück, als Land­graf Ludwig von Hessen der zwei Jahre vorher gegründeten Universität ein Stück Parkgelände zur Errichtung eines Heilpflanzengartens („hortus medicus“) überließ. Auf rund 1200 Quadratmetern wurden damals Kräuter und Sträucher gezogen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Areal ständig erweitert, denn mit der Entwicklung der Botanik zur Wissenschaft wuchs auch die Bedeutung von Universitätsgärten.

Etwa 7500 verschiedene Pflanzenarten wachsen auf der knapp drei Hektar großen Fläche des Botanischen Gartens. Dazu gehören Buchen aus der heimischen Flora, aber auch Steppengräser aus Amerika und Blumen aus Neuseeland. Es gibt allein 250 verschiedene Baumar­ten. Zu deren eindrucksvollsten Vertre­tern gehört die etwa 25 Meter hohe, rund 150 Jahre alte Chinesische Flügelnuß, die mit ihrer wuchtigen Krone gleich neben dem Gärt­nerhaus steht. Der Ginkgobaum nahe dem Eingang wur­de bereits 1815 gepflanzt. Zwei Platanen sind von 1826 und eine Blutbuche von 1820.

Eine Besonderheit ist auch die kultur­historische Abteilung ‑ dort sind die Pflan­zen nach den Zeitabschnitten geordnet, in denen sie erstmals von Menschen genutzt wurden: beispielsweise Holunder in der Jungsteinzeit oder Eßkastanien und Pfir­sichbäume, die von den Römern einst mit über die Alpen gebracht wurden.

Auf rund 2000 Quadratmetern Gewächshausfläche gedeihen in Gießen tropische Nutzpflan­zen wie Kaffee, Kakao, Vanille, Papyrus, Zuckerrohr oder auch riesige Farne genau­so wie die kleinen, fleischfressenden Ve­nus‑Fliegenfallen. Eindrucksvoller Blick­fang ist die Victoria‑ Seerose aus dem Ama­zonasgebiet, die als Attraktion in keinem Botanischen Garten fehlen darf. Es gibt ein Regenwaldhaus und eine Sammlung von Edelweißen, die eine Rarität darstellt.

Zu den täglichen Aufgaben der Gärtner gehört auch die Pflege der rund 25 Sammlungen und Abteilungen der Anlage, die im Freien oder in zwei Gewächshäusern untergebracht sind. Die größte Sammlung sind etwa 1000 Arten von Hochgebirgspflanzen im Alpinum. Raritäten sind Edelweiße, Victoria-Seerosen und Ginkgos.

Vom 18. bis frühen 20. Jahrhundert hatte die klassische Systematik, also die Lehre von der Entwicklung und Verwandtschaft der Arten, ihre Blüte in Deutschland.  Die systematische Abteilung ist das Herzstück der Anlage. Genau in deren Mitte wachsen in 22 langen Beeten etwa 750 Pflanzenarten, die nach bestimmten äußeren Merkmalen und ihrem Verwandt­schaftsgrad angeordnet sind. Doch die Ahnenreihe hat Fehler. Man dachte lange Zeit, daß die Zuordnung der Arten in die Pflanzenfamilien feststeht. Jetzt, durch die Möglichkeiten der Molekularbiologie, wird das kräftig durcheinander geschüttelt. Wo früher beispielsweise eine enge Verwandtschaft als sicher galt, belegen moderne Untersuchungen das Gegenteil. Nicht nur für den Garten in Gießen lautet daher die Devise: Wir müssen unser System verändern und dem neuen Wissensstand anpassen. Dafür soll in den kommenden Jahren ein Teil der Pflanzen neu arrangiert werden und ein „Garten der Evolution“ entstehen.

Auch wenn jedes Jahr rund 30.000 Menschen in den Botanischen Garten kommen, ein öffentlicher Park ist er nicht. Er ist im Grunde ein reiner Lehr- und Forschungsgarten. Studenten der Biologie, Agrarwissenschaften, Tiermedizin, Geographie und angehende Lehrer lernen hier, Pflanzen zu bestimmen. Und Wissenschaftler nutzen die Gewächse für ihre Forschungen. Die 13 Gärtner müßten dafür jedes Jahr mehrere zehntausend Pflänzchen kultivieren und ernten.

Sie kümmern sich auch um den internationalen Samentausch. Botanische Gärten auf der ganzen Welt stehen in engem Kontakt und schicken sich auf Wunsch und kostenlos Samen ihrer bedeutendsten Pflanzen zu.

Am anderen Ende des Parkes hinter dem Gärtnerhaus links stand einst das im Zwei­ten Weltkrieg zerstör­te, architektonisch ein­drucksvolle Palmen­haus. Heute lädt dort ein idyllischer Teich (Schwanenteich?) umrandet von Park­bänken zum Verwei­len ein. Vielleicht wird das Jugendstilgebäude einmal wieder aufgebaut.

Der vielleicht schönste Rastplatz im Garten ist aber unmittelbar neben einem der ersten klassizistischen Denkmäler aus Gußeisen, 1826 zu Ehren des ersten Gar­tenleiters, Friedrich Lud­wig Walther (1759‑1824), errichtet (vom Eingang aus geradeaus an der Ostseite des Parks). Von dort ist der Blick frei auf das Al­te Schloß.

 

Östlich des Botanischen Gartens kommt der Landgraf-­Philipp‑Platz und auf der anderen Seite das schmucke „Neue Schloß“, das Philipp der Großmütige gleich nach dem Ausbau der Stadt zur Festung errichten ließ. Hier im neuen Schloß entstand 1607 die alte Universität. Daneben steht der monumen­tale Renaissancebau des Zeughauses, der später dann als Kaserne genutzt wurde.

An der Nordseite des Platzes geht man durch die Straße mit den Marktlauben zum Lindenplatz und dort nach links zum Kirchenplatz. Von der Stadtkirche steht nur nach der Turm, der an bestimmten Tagen bestiegen werden kann. Hinter dem Turm liegen östlich das  Wallen­fels’sche Haus (Vor‑ und Frühgeschichte, Völkerkun­de und Archäologie) und links daneben das Leib’sche Haus mit dem Oberhessischen Museums (Werdegang Gießens und sein Wachs­tum seit dem 12. Jahrhundert bis in die heutige Zeit). In der Gasse links davon sieht man auf der linken Seite die Synagoge.

Weiter nach links kommt man zum Marktplatz, wo sich auch eine Informationstafel befindet. Man hält sich zunächst rechts und biegt dann links ab in die Bahnhofstraße. Diese geht man entlang über die Westanlage. Dort befindet sich in Höhe der Post (aber noch vor dem Bahnhof) auf der linken Seite geht es zum Liebigmuseum mit dem Liebig-Laboratorium in dem ehemaligen Wachgebäude einer Kaserne. Hier befand sich 1879 die neue Universität.

An der Straßenecke gegenüber der Post aber steht das Mathematicum im ehemaligen Provinzialgefängnis (Arndstraße 2: Mo-Fr  9-18, Sa und So 10-18 Uhr, Familie 12 €, Person  5 €). Um der vermeintlichen Ge­heimwissenschaft den Schrecken zu neh­men, spielt er schon mal im vollbesetzten Linienbus ein Theaterstück mit Handpup­pen über die Unendlichkeit, steht als Marktschreier für Mathematik auf dem Wochenmarkt in Halle oder schreibt ein Buch „Über seine Italienische Reise in die Mathematik“. Albrecht Beutelspacher entspricht so gar nicht dem Klischee des Mat­he‑Professors, der im Elfenbeinturm über gemeinhin unverständlichen Formeln brü­tet. „Ich hatte schon immer Lust, Dinge zu erklären“, sagt der 52‑Jährige, seit 1988 Professor an der Gießener Universität mit den Spezialgebieten Geometrie und Kryp­tologie.

Das macht der ideenreiche Forscher, der einst eine Prüfziffermethode für die D‑Mark‑Scheine entwickelt hat, zum Bei­spiel mit einem Riesenkaleidoskop, Mat­he‑Knobeltischen, oder Seifenblasenexpe­rimenten. Spaß sollen die Exponate der Ausstellung „Mathematik zum Anfassen“ machen ‑ und zum Mitdenken anregen. Längst ist die Schau ein Publikumsrenner, die der gebürtige Tübinger seit 1994 mit ei­nem Team von fünf Mitarbeitern immer weiter entwickelt hat. Mehr als 500.000 Be­sucher in ganz Europa zählt die Wander­ausstellung. Für seine „hervorragenden Leistungen in der Vermittlung von Wissen­schaft“ erhielt Beutelspacher vor zwei Jah­ren den Communicator‑Preis der Deut­schen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Das „Museum“ ist ein Science Center ohne belehrende Schautafeln, dafür mit interaktiven Expo­naten, bei dem die Besucher durch spiele­rischen Umgang ganz automatisch versu­chen, den mathematischen Hintergrund zu verstehen.

Beutelspacher will  die eigentlich gar nicht so sprö­de Materie vermitteln, ohne die weder ein Handy noch die Kasse im Supermarkt funktionie­ren würde. Die Schüler müssen Formeln anwenden und einsetzen, ohne zu wissen, wofür sie gut sind. Statt die schönen Sei­ten der Zahlenakrobatik zu zeigen, werde Mathe häufig zum Disziplinierungsele­ment. Um das zu ändern hat der talentier­te Orgelspieler einmal monatlich im Ma­thematicum eine Fortbildungsveranstal­tung für Lehrer geplant. Schließlich ist Mathe für Beutelspacher eine „außeror­dentlich demokratische und emanzipatori­sche“ Wissenschaft: „Wenn ich an der Ta­fel einen Fehler mache, kann das jeder Stu­dent sofort nachrechnen. Da gibt's kein Rausreden, und das ist auch gut so.“

Wenn man nur das Mathematicum besuchen will, fährt man am Abzweig Bergwerkswald in Richtung Wetzlar und dann zunächst in Richtung Universitätskliniken. Aber geradeaus geht es dann in die Stadt. Am Selterstor (kenntlich an der über die Straße führenden Fußgängerbrücke) fährt man nach links und dann in Richtung Hauptbahnhof. Man muß aber vor der Lahnbrücke nach links abbiegen und kann dort auf der rechten Straßenseite parken. Zum Mathematicum kommt man, wenn man ein Stück zurück geht und durch das Parkhaus und den Bahnhof in die Straße vor dem Bahnhof.

Wenn man schnell zur Autobahn kommen will, fährt man über die Lahnbrücke. Wenn man aber noch ein Stück an der Lahn entlang fährt und erst eine Brücke weiter nördlich auf der Rodheimer Straße über die Lahn, kommt man zum Harthof. Die ehemalige Versuchsanstalt der Universität  sollte im Zuge des Gießener Autobahnrings abgerissen werden, ist aber heute eine Künstlergalerie („Harthofgalerie“).

Wenn man vom Mathematicum wieder zum Brandplatz gehen will, geht man am Liebigmuseum vorbei zum Seltersweg (zwei Straßen westlich der Bahnhofstraße). Die Stadt hat einen Anlagenring, der auf der alten Stadtmauer gebaut wurde. Zugang von Süden her ist das Selterstor (mit dem Bauwerk „Elefantenclo“). Nach links geht es hinein in den Seltersweg. Dort ist eine Gedenktafel für Büchner, den anderen berühmten Gießener. In der Straße befindet sich auch noch ein altes Gasthaus (Name?) und die Skulptur „Die Schwätzer“.

Vom Brandplatz fährt man weiter in Richtung Licher Straße. An dieser Straße liegt westlich der Alten Friedhof (1530 - 1533) mit dem Grab Wilhelm Röntgens. Südwestlich des Friedhofs (Goethestraße und andere) sind Gründerzeitbauten. Die Licher Straße führt auf die Autobahn.

Auf dem Schiffenberg steht ein ehemaliges Kloster, bei dem jährlich ein großes Fest stattfindet. In der Stadt gibt es auch noch ein Kindermuseum von Wolfgang Magel. Die genossenschaftliche Siedlung in der Landmannstraße ist eine Arbeitersiedlung aus der Zeit um 1900.

 

Wettenberg

Das Gießener Becken mit seinen angrenzenden Senken, seit Jahrhunderten ein wichtiger Durchlaß zwischen Nord und Süd, war in Zeiten territorialer Auseinandersetzungen hart umkämpft. Hier am Kreuzungspunkt alter Handelsstraßen saßen die Merenberger, Nassauer, Dillenburger, hier begründeten die Grafen von Gleiberg ihre Dynastie um das Jahr 1000 mit dem Bau einer Burg genau an jener Stelle, wo schon die fränkischen Konradiner eine erste Befestigungsanlage errichtet hatten. Noch heute läßt sich vom Bergfried auf dem 308 Meter hohen Basaltkegel der einstige Weitblick nachempfinden.

 

In Gleiberg fährt man dort, wo die Hauptstraße rechts abbiegt links, in die Burgstraße und dann immer um den Berg herum. Man muß nicht gleich am Anfang des Parkplatzes parken, er zieht sich noch ein Stück den Berg hinauf.

Die Burg Gleiberg auf 308 Meter hohem Basaltkegel wurde 1646 zerstört und ist seitdem als Ruine erhalten, aber gut restauriert. Es gibt Unterburg und Nassauer Bau (16. Jahrhundert) mit Gaststätte.

Die Oberburg hat einen Palas und einen 30 Meter hohem Bergfried. Der Eingang lag ursprünglich an der Nordseite.

Die gesamte Anlage ist im Besitz des 1837 gegründeten Gleibergvereins, der sich mit der Übernahme verpflichtet hat, den Verfall aufzuhalten, Restaurierungsarbeiten durchzuführen und der Öffentlichkeit den Zugang zu ermöglichen. Diese Auflagen werden in bewundernswerter Weise noch immer erfüllt.

Zur Kirche kommt man nur (der direkte Weg von der Burg ist oft verschlossen) am unteren Ende des Parkplatzes durch das Südtor, das um 1350 erbaut wurde und eine Wachstube und ein Halseisen hat, und dann immer links weiter. Die evangelische Katharinen-Kirche ist die ehemalige Burgkapelle, entstanden um 1350, im Jahr 1619 um die Querachse erweitert. Die zwei Emporen sind von außen betretbar.

Man tritt zunächst in das eine Kirchenschiff mit drei bemalten Holzpfeilern. Nach links geht dann noch ein Kirchenschiff ab mit einem Holzpfeiler, offenbar für die Burgbewohner. Am Scheitelpunkt steht die prächtig bemalte Kanzel. Im Chor finden sich Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert.

Die Kirche wurde von 1961 bis 1965 restauriert und 1997 wieder nach dem alten Patronat benannt.

Der 1996 von Manfred Schmidt bei den Vorbereitungen zur 725-Jahrfeier aus Anlaß der ersten urkundlichen. Erwähnung der Krofdorfer Kirche 1271 wiederentdeckte Patronatsname St Margaretha führte am 12. Juli 1997 zur Benennung in „Evangelische Katharinenkirche Gleiberg“. Gleichzeitig wurde die Krofdorfer Kirche nach ihrem historischen Patronatsnamen benannt in „Evangelische Margarethenkirche Krofdorf“. Die aus römisch-katholischer Zeit stammende Patronatsbezeichnung hat sich - anders als die Patronatsbezeichnung der Krofdorfer Kirche im Zuge der Reformation - nie vollständig aus dem Bewußtsein der evangelischen Bevölkerung verloren, hatte aber auch keine Bedeutung mehr für den inzwischen evangelischen Glauben.

Die heilige Katharina von Alexandrien wird wie Margaretha von Antiochia (Krofdorf) zu den 14 Nothelfern gezählt. Der Legende nach soll sie während der frühen Christenverfolgungen den Märtyrertod gestorben sein (+310). Aufgrund ihrer Abstammung als Tochter des Königs Costus war sie hochgebildet und konnte sich als junge Christin gegenüber dem römischen Kaiser Maxentius in Alexandrien für den christlichen Glauben und gegen seine heidnische Götzenanbetung einsetzen. So wurde sie aufgrund ihrer Weisheit als Patronin und Schutzheilige der Gelehrsamkeit, der Bibliotheken und Schulen, Studenten und Schüler verehrt. Wegen des Rades ist sie auch zuständig für die Wagner und Müller sowie alle anderen Gewerbetreibenden. Wegen ihrer Schönheit ist sie auch die Patronin der Schneiderinnen und Modistinnen.

Das ihr zugeschriebene Symbol ist das Rad, mit dem sie der Legende nach durch den Kaiser gefoltert wurde. Selbst in größter Anfechtung des Glaubens hielt sie am Glauben fest und erinnert so an das biblische Wort: „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.“ (Psalm 46,2). Das kann Mut machen, heute den eigenen, christlichen Glauben zu bekennen. Als Gemeinde glauben wir, daß positive Vorbilder uns Wegweiser im Glauben sind. Darum hat man mit der Rückbenennung ein Zeichen setzen wollen.

 

Bereits aus der Ferne fällt mit der auf einem Basaltkegel liegenden, das Gleiberger Land beherrschenden Burg Gleiberg als dem Wahrzeichen der Gemeinde Wettenberg, die evangelische Katharinenkirche Gleiberg auf. Sie schmiegt sich eng an den Berg an. Die kleine bronzene Gedenktafel rechts des Kirchenportals verrät bereits Wesentliches über die Katharinenkirche: Sie wurde um 1350 errichtet, zu Beginn des 30jährigen Krieges erweitert, umfassend in den 60iger Jahren restauriert und trägt seit 1997 wieder ihren alten Patronatsnamen. Im Jahr 2003 erfolgte eine erneute Sanierung, insbesondere des barocken Dachstuhls. Damit sind baugeschichtlich die wesentlichen faßbaren Phasen beschrieben:

I.. Eine erste Spur der Feier des christlichen Gottesdienstes auf dem Gleiberg findet man in dem aus dem 12./13. Jahrhundert stammenden Merenberger Bau der noch auf das 10. Jahrhundert zurückgehenden Befestigungsanlage Burg Gleiberg. Die kleine aus spätstaufischer Zeit stammende Burgkapelle befindet sich östlich im Palas, noch heute erkennt man das in die Wand eingelassenes Weihwasserbecken sowie Reste der ehemals zwei Kreuzgewölbe auf Wanddiensten mit Knospenkapitellen. Die heute noch erhaltene und nun sich in der Katharinenkirche befindende kleine Ave-Glocke rief einst die Burgbewohner zum Gebet.

II. Um 1350 wurde nach der Verleihung der Marktrechte 1331 an Gleiberg für die wachsende Bevölkerung, bestehend aus den Burgmannen (Verwaltungsbeamte, Ritter, Bedienstete der Burgherren) und ihren Familien. die Errichtung einer etwas größeren Kirche vor dem damaligen Haupteingang der Burg Gleiberg nötig. Sie wurde der Heiligen Katharina von Alexandrien geweiht und gehörte als Filial zur Krofdorfer Mutterkirche. Wie drei kleine noch erhaltene Strebepfeilerreste auf romanischem Sockel zeigen erhielt die Apsis mit ihren hohen Maßwerkfenstern in gotischer Zeit ein Deckengewölbe, das später (1742) durch eine flache Holzdecke ersetzt wurde. Auffällig sind noch heute die Freskenfragmente im Chorraum, die bei den großen Renovierungen in den 1960iger Jahren wiederentdeckt wurden.

III. Gleich zu Beginn des 30jährigen Krieges kommt es zur baulichen Erweiterung der inzwischen baufällig und zu klein gewordenen Kirche. Laut Bauinschrift über dem Hauptportal von 1619 war es eine für die damalige Zeit doch recht kurze Phase, die bis 1621 dauerte. Da nicht in den Felsen verlängert werden kann, wird im rechten Winkel zum in Ostwestachse liegenden Chor ein großes, zudem hohes Kirchenschiff in Nordsüdachse liegend angebaut. Das erklärt den ungewöhnlichen L-förmigen Grundriß der Kirche. Der große Chorbogen mit gemalten Bossenquadern trägt dabei wesentlich zur räumlichen Verbindung beider Raumteile bei, dient vor allem aber der Lastenverteilung des auf den Chor aufgesetzten achteckigen, verschieferten Turmes mit kleiner Laterne und Haube.

Die Balkendecke des Schiffs wird über Mittelunterzug auf Längsachse durch eine mit Weinranken bemalte Mittelsäule (1621) gestützt. Das originale Dachgestühl ist noch in sehr gutem Zustand erhalten.

Im Jahr 1626 werden die beiden übereinanderliegenden, jeweils von außen betretbaren Emporen eingebaut. Dabei ist aus dieser Zeit die untere Empore mit ornamentalen Brüstungsmalereien sowie biblischen Bild- und Wortmotiven versehen; die obere besitzt gedrehte Docken (1. Hälfte 18. Jahrhundert). Im Jahre 1643 wird der Kirchenraum ganz im reformatorischen Sinn mit einer geschnitzten Kanzel vervollständigt.

IV. In den folgenden Jahrhunderten wird 1743 der Chorraum renoviert (Inschrift), dabei werden um die vier Maßwerkfenster Fensterumrandungen und Putten gemalt. Im Jahr 1809 werden weitere Stützsäulen im Kirchenschiff nötig, da der Längsunterzug sich stark durchbog.

V. Eine umfassende Restauration und Sanierung wird unter Pfarrer H.-Christoph Barnikol 1961-1965 unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten durchgeführt. Ein Flugzeugangriff hatte 1945 schwere Schäden verursacht, so daß die Kirche danach unbenutzbar blieb. Zahlreiche, teilweise Fresken wurden entdeckt, von denen fünf rekonstruierbar waren, die in der Reformation überstrichen worden waren, ebenso die Brüstungsmalereien. So sehen wir heute Fragmente beispielsweise der Katharina mit dem Rad, mit dem sie nach der Legende gefoltert wurde. Im Jahre 1979 erfolgte eine umfangreiche Außenrenovierung des Daches samt Turm und Mauerwerk.

VI. Im Zuge der Untersuchungen für die Sanierungsmaßnahmen 2003 ist der historische Dachstuhl aus der Barockzeit neu ins Blickfeld gerückt Die durch Feuchtigkeit und Fäule geschädigten Holzbauteile im Dachstuhlbereich mußten entfernt werden. An die verbleibenden Holzbalken wurden neue Eichenbalken mit allen zimmermannsmäßigen Verbindungen angeschlossen, so daß die Bauteile wieder voll tragfähig sind und der Charakter der Dachkonstruktion erhalten bleibt Die wesentlichen Schäden lagen im Bereich der Sparrenfüße und der Mauerlatten. Auch die Deckenbalken wurden geprüft und teilweise durch neue ersetzt. Die Ostseite des Daches (Längsseite) mußte wegen Undichtigkeit neu eingedeckt werden.

Im Innenbereich wurden die Elektroleitungen modernisiert und unter Putz gelegt Eine neue Beschallungsanlage wurde installiert Der Innenraum wurde unter denkmalrechtlichen Gesichtspunkten gestrichen bzw. die durch die Baumaßnahmen geschädigten Teile wiederhergestellt (Wandbemalungen). Die Fresken wurden davon ausgespart. Wesentlich zur Ermöglichung der Renovierung 2003 beigetragen hat die großzügige Unterstützung durch die Landesdenkmalpflege Hessen und die Gemeinde Wettenberg.

 

Kleiner Rundgang durch die Kirche:

(1) Wer durch das Portal von 1619 tritt, sollte sich dessen mittelalterlicher Hinweisfunktion auf Christus als der Tür zum Heil bewußt sein: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, der wird selig werden“ (Joh 10,9).

(2) Drei Grabdenkmäler haben ihren Platz in der Kirche gefunden, auch wenn sie nicht ursprünglich hier standen. Sie sind alle mutige Zeugnisse des Glaubens an das ewige Leben:

(2a) Das erste Epitaph ist der Grabstein der Familie Johannes und Anna Maria Kingelhöfer von 1695. Unter anderem lesen wir: „Selig sind die Todten, die im Herrn sterben von nun an, Ja der Geist spricht“. Abgebildet ist der auferstandene Christus, wie er links vom Vater mit seinen drei Söhnen und rechts von der Mutter Klingelhöfer mit ihren drei Töchtern, alle betend, umgeben ist.

(2b) Das zweite Epitaph befindet sich im Chorraum und wurde für den mit 42 Jahren im Jahre 1666 verstorbenen Burgmannen und Kellermeister des Grafen von Nassau-Weilburg, Johann Kaspar Rottenberger, gefertigt. Die beeindruckende Inschrift erzählt von der Glaubenszuversicht dieses Mannes mitten in schwerster Zeit „in Angst bracht ich mein Leben zu“ - 30jähriger Krieg, Verwüstungen, Überschwemmungen, Kindersterblichkeit, Hungersnot, Pest.

(2c) Der dritte Grabstein erinnert an das frühe Sterben der drei Töchter des britischen Capitaine George Schneider und seiner Frau Louise geborene Lesch von Mühlheim in den Jahren 1782/83.

(3) An Brüstungsmalereien gibt es einiges zu entdecken. Bereits beim Betreten der Kirche fällt rechts ein Bild auf einer Bankbrüstung auf: Es zeigt eine mittelalterliche Darstellung vom Gleiberg mit der Kirche auf dem Berg, ein Beter kniet zu Füßen des Gleibergs. Er betet den christlichen Gott an, der verhüllt in einer Wolke durch die hebräischen, roten Buchstaben für Gott („Elohim“) gekennzeichnet wird. Diese verhüllende Darstellung Gottes war Impuls für die Namensgebung des Gemeindebriefes „WOLKE“.

Hinter dem Altar sind fünf Bildtafeln zu sehen: die vier Evangelisten mit ihren Attributen (Johannes mit Adler, Lukas mit Stier, Markus mit Löwe, Matthäus mit Engel) und in der Mitte ist der König und Psalmdichter David dargestellt, der im Gebet die Auferstehung Christi voraussieht.

(4) In der Verschränkung von moderner Kunst mit dem denkmalgeschützten Kirchenraum und seinem historisch gewachsenen, besonderen Gesicht fügt sich der bronzene moderne Taufstock (1998, 107 Zentimeter hoch) des Berliner Künstlers Kassiel Kaehler in Aufnahme der etwa 300jährigen ovalen Taufschale ein: Aus einem Baumstumpf wächst ein neuer Stamm mit einem sich darum windenden Weinstock empor, der zwischen einigen Blättern die wertvolle Schale trägt. Den achteckigen Sockel ziert als Umschrift ein Zitat aus Johannes 15,5: „Jesus Christus spricht ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“. Damit ist ein Thema vorgegeben. Der auf den Sockel aufgebaute Baumstumpf erinnert an abgehauenes Leben, der Hoffnung auf eine Zukunft beraubt. Eine Warnung stellt die auf der Oberfläche angebrachte Bibelstelle aus Jesaja 34,4c dar („... wie ein Blatt verwelkt am Weinstock“), dem Psalm 1,3 mit einer Verheißung antwortet („... und seine Blätter verwelken nicht“). Der auf den leblosen Stumpf eingesetzte, emporragende Stamm wird wiederum Lebensträger für einen Weinstock, der sich an ihm hoch schlängelt. Zwölf Blätter und eine Wein­traube zieren den Taufstock. Einige der filigranen Blätter halten die alte Taufschale, als wollte dies sagen: Wer aus dir getauft wird, wird Teil am Weinstock Christi und ist Lebens- und Segensträger in Gottes Reich. Dem aufmerksamen Betrachter entgeht sicher nicht die Verbindung zum Krof­dorfer Taufstein: Die Lebenskrone aus Kubus und kleinen Dächern, hier stark auf die Oberkante des Stammes verdichtet, findet sich ebenso wieder wie de den Stumpf übersäenden Bauklötzchen.

 

(5) Die vermutlich in der Reformationszeit übertünchten Fresken in der Apsis wurden 1961 wiederentdeckt und konserviert. Fragmentarisch erhalten sind unter anderem: (a) die Heilige Katharina von Alexandrien als Patronin der Kirche mit dem ihr zugeschriebenen Signum des Rades auf der südlich-östlichen Wandseite in den Chorfensternischen, (b) der Heilige Hieronimus, (c) die Muttergottes auf der Weltkugel, (d) der Heilige Christopherus und (e) zur Kanzel hin, durch den Triumpf­bogenaufbruch zerstört, Reste des jüngsten Gerichts.

(6) Beeindruckend ist die schwere, mit breiten Eisenbändern versehene Eichentruhe, die ihren Platz in der Apsis gefunden hat Sie stammt aus dem Jahr 1588 und diente damals zur Aufbewahrung der gottesdienstlichen Spenden (Geldschlitz) und wichtiger kirchlicher Akten.

 

(7) Die auffallend reichverzierte und hohe Kanzel samt mächtigem Schalldeckel von 1643 beherrscht wesentlich den Kirchenraum mit. Sie wurde von dem Vetzberger Schreinermeister Volbert Bauernfeind 1629 begonnen, der aber 1635 an der Pest verstarb. Die Kanzel wurde 1643 von einem anderen unbekannten Künstler vollendet, vielleicht einem Sohn. Der Kanzelstuhl trägt die Inschrift: „Wer diesen Styl recht will beschreiden, mvs lehren, weren, leiden meiden“. Den Schalldeckel verziert ein älter wirkendes Kruzifix, das vermutlich einmal ein Prozessionskreuz darstellte. Die beiden Inschriften des Schalldeckels lauten: „Mal 2. Des Priesters Lippen sollen die Lehr bewahren, das man avs seinem Mvndt das Gesetz svche“. und „Psalm 51: Herr, thve meine Lippen avff, das mein Mvnd deinn Ryhm verkvndige; Anno 1643“.

Der hohe Kanzelaufgang beginnt mit der Aufschrift über das Evangelium von der Auferstehung Christi in Ewigkeit („Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbt und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Johannes 11 V, 25,26). Thematisch werden die drei folgenden Bildmotive überschrieben: 1. Der siegreiche Christus, die Siegesfahne schwenkend und die Gestalten der Hölle tötend (Aufschrift: „Gott sey dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch unsern Herrn Jesum Christ. Cor.1, V 55“). 2. Der Christus resurrexit über dem leeren Sarg mit der Siegesfahne. 3. Die Himmelfahrt Christi.

 

(8) Weit ins Gleiberger Land hinein macht die Katharinenkirche sich heute mit ihren drei bronzenen Glocken bekannt. Seit alters her rufen sie die Menschen zu sonntäglichem Gottesdienst und täglichem Innehalten und Gebet. Sie tragen zugleich die Freude des Glaubens in die Welt zum Zeugnis hinaus. Ursprünglich noch in der kleinen Kapelle der Burg eingebaut, erklang die kleine romanische Glocke im Schlagton f " ab 1350 in der neuerbauten St. Katharinenkirche. Als sogenannte „Ave-Glocke“ trägt sie die lateinische Inschrift „in prinzipio erat verbum et verbum erad apud deum. ave maria gratis plena dominus tecum et b(enedicta)“: deutsch: „lm Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. Gegrüßet seist du, Maria, du bist erfüllt mit Gnade, der Herr sei mit dir und du seist gesegnet“ - Die große Glocke von 1571 (Ton h’) zeigt auf ihrem Mantel die Gefangennahme Jesu in Gethsemane und seine Grablegung. Erst 1978 trat durch die Spendenleistung der Gemeindeglieder eine dritte, mittlere Glocke hinzu mit Schlagton d und der Inschrift aus Jeremia 22,29: „O Land, Land, höre des Herrn Wort“.

 

Verwendete Literatur u.a.: H.-Chr. Barnikol, Evangelische Kirchengemeinde, in: J. Leib, Krofdorf-Gleiberg zwischen Tradition und Fortschritt (Heimatbuch zur 1200-Jahrfeier) 1974.

M. Schmidt, 1643-1993. Die Gleiberger Kanzel ist 350 Jahre alt (Hrsg. Kgm), 1993.

M. Schmidt, 1271-1996: 725. Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung der Krofdorfer Kirche (Hrsg. Kgm), 1996.

G. Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen, 1982.

 

Man kann mit dem Auto durch das Südtor des Ortes fahren, an einem Brunnen vorbei und durch das Nordtor (um 1350) mit der Linde davor. Im Ort sind noch Stadtmauerreste zu sehen. Über die Burgstraße fährt man dann nach Krofdorf. Am Nordrand des Ortes (in Richtung Salzböden) fährt man auf einem geschotterten Weg nach links. Nach etwa einem Kilometer kommt man zum Fohn­bachtal, in das man aber nur ein Stück hineinfahren kann.

Der Fohnbach hat eine Länge von 12,8 Kilometern. Er entspringt in der Nähe des Forsthauses Wald­haus in etwa 330 Meter Höhe. Der Fohnbach besitzt keine eigene Quelle, sondern entsteht aus mehreren Hangsickerquellen, die in Rinnsalen zusammen fließen. Ein natürlicher Bachlauf - mit einem Saum aus Schwarzerlen, Feuchtwiesen und den angrenzenden naturnahen Waldbeständen - kennzeichnet einen ökologisch und auch landschaftlich hochwertigen aber sensiblen Lebensraum.

Das Fohnbachtal mit seinen Feuchtwiesen und Gewässern, vorgelagerten Streuobstbeständen und natürlichen Waldbestän­den, mit zahlreichen Pflanzen und Tieren, bildet einen bedeutenden Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Feuchtwiesenbereiche mit ihren Orchideenvorkom­men sind als besonders wertvoll anzusehen.

Von dort geht es wieder direkt in den Ort bis zur Kirche. Die evangelische. Pfarrkirche (um 1350), ist ein ausgezeichnetes Beispiel für eine spätgotische Holzpfeilerkirche. Nach rechts geht es dann weiter an der Ruine Vetzberg vorbei. Die Ruine Vetzberg ist die einstige Vorburg der Gleiberger, ebenfalls auf einem dominierenden Basaltkegel. Sie ist seit etwa 1770 verfallen, Bergfried und Reste des Palas sind erhalten. Im Ort Vetzberg gibt es eine Ringmauer mit Torturm (14. Jahrhundert). Dann kommt man nach Biebertal-Rodheim.

Wißmar bei Wettenberg: Holz- und Technikmuseum, Dampftage und Vorführungen

 

Museum Kelten-Keller, Mühlbergstraße 9 (Gemeindeverwaltung)

In den letzten Jahrhunderten vor der Zeitenwende war der Dünsberg ein bedeutendes keltisches Siedlungszentrum im Gleiberger Land. Eine großflächige und stark befestigte Stadt befand sich auf dem heute bewaldeten Berg, der Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher ist - sowohl für Erholungsuchende und Sportler als auch für historisch Interessierte. Der Dünsberg nimmt aber auch eine Schlüsselstellung im mittelhessischen Raum in der Übergangszeit Kelten - Germanen - Römer ein.

Erste archäologische Ausgrabungen fanden bereits vor 100 Jahren statt. In den letzten Jahren wurden einige gezielte Grabungen durchgeführt, die Fragen zu verschiedenen Aspekten der keltischen Stadt beantworten konnten: zur Befestigungsweise, zur Siedlungsstruktur, zu Dauer und Ende der Besiedlung, zur Wasserversorgung, zur Deutung der rätselhaften Waffenfunde vor Tor 4 und schließlich auch zu den keltischen Bestattungssitten.                       

Die Gemeindeverwaltung Biebertal stellt dem Verein Archäologie im Gleiberger Land e.V. die Räume im Untergeschoß des Rathauses zur Verfügung. Im Jahre 2007 wurde das Museum eröffnet und erfreut sich seitdem regen Interesses. Das Museumskonzept stützt sich auf die Fachkenntnis des Vorstandes, der an den Ausgrabungen wesentlich beteiligt war und teilweise aus Fachwissenschaftlern besteht. Vom Verein herausgegeben wird ein aktuelles, reich bebildertes Heft zur Archäologie unseres Hausberges: „Der Dünsberg bei Gießen - Ausgrabungen in einer keltischen Stadt“ (Biebertal 2006).

Schwerpunkt in diesem Museum sind die bei den jüngeren Ausgrabungen freigelegten und dokumentierten Funde und Strukturen sowie die daraus folgenden Interpretationen - ein Blick in die moderne Ausgrabungstechnik und die fesselnde Welt der Archäologie!

Erstmals kann in unmittelbarer Nähe des Dünsbergs ein herausragender Fundkomplex aus keltischer Zeit dauerhaft und im Original präsentiert werden. Zu sehen sind zahlreiche herausragende Beispiele des keltischen Handwerks: zum Beispiel Münzen aus Gold, Silber und Buntmetall, Fibeln (Gewandspangen) aus Bronze und Eisen, Glasarmringe und Glasperlen, reich mit Email verzierte Teile des Pferdegeschirrs, Schwerter und Lanzenspitzen sowie Keramik, Mahlsteine und sogar verkohltes Getreide. Nachbildungen zeigen die spätkeltische Tracht und Kleidung.

Der Verein führt regelmäßig Grabungen und Vermessungen von Bodendenkmälern durch. Der Museumsbesuch ist kostenlos, doch man freut sich über Spenden. Es warten noch viele Funde auf die notwendige Restaurierung. Man kann Pate werden für einen herausragenden Fund! Die Betreuung des Museums erfolgt ehrenamtlich durch Mitglieder des Vereins.

Öffnungszeiten: Jeden 1. und 3. Sonntag im Monat, 14 bis 16 Uhr.

 

Dünsberg                                                                                         Führungsblatt 60

Weithin das Umland beherrschend, erhebt sich am nordwestlichen Rand des Gießener Beckens, im Gladenbacher Bergland als Ausläufer des Westerwaldes, die mächtige Kuppe des Dünsbergs. Aufge­baut aus Kieselschiefern des Kulm, überragt er mit seiner Höhe von fast 500 Metern die Siedlungslandschaft des Marburg-Gießener Lahntals. Der An­blick dieses großartigen Berges, seine natürlichen Gegebenheiten machen verständlich, daß er zu verschiedenen Zeiten der Vor- und Frühgeschichte als naturbestimmter zentraler Ort besiedelt und befestigt wurde.

Um den Berg ranken sich viele Sagen. Denn auf dem Dünsberg lag einst eine der bedeutendsten spätkeltischen Siedlungen: ein Oppidum, eine befestigte, stadtartige Anlage, die ihre größte Ausdehnung vermutlich im letzten Jahr hundert vor Christus hatte. Auf dem rund 90 Hektar großen Areal mit drei Befestigungswällen und 14 Toren lebten mehrere tausend Einwohner - für die damalige Zeit großstädtische Verhältnisse.

Das Oppidum lag nahe an der Grenze, bis zu der die Römer in Germanen vordringen konnten. Und so wird zum Beispiel überliefert, daß sich Germanen und Römer im „Dünsberg­grund“ im oberen Biebertal, eine gewaltige Schlacht lieferten. Zwar seien die Römer zu Beginn des Kampfs zahlenmäßig überlegen gewesen, doch die germanischen Krieger hätten kurz vor der Niederlage Verstärkung bekommen und deshalb die römische Armee besiegen können. Seitdem werde das ehemalige Schlachtfeld „Todmal“ und der Hügel, von dem die Verstärkung kam, „Helfholz“ genannt. In jedem Fall ist die Siedlung die einzige bekannte keltische Befestigung, die bis zum kulturellen Umbruch zur römischen Kaiserzeit existierte. Vermutet wird heute, daß die Kelten im Jahre zehn vor Christus hier ihre letzte Schlacht gegen den aus Main anrückenden Feldherren Drusus geschlagen haben.

Anders als die keltischen Ringwälle am Altkönig im Tau­nus oder dem pfälzischen Donners­berg wurde die Anlage auf dem Dünsberg früher nie eingehend erforscht. Dabei wird das Verteidigungssystem als noch bedeutsamer angesehen, und das nicht nur, weil hier, anstatt der üblichen zwei, ein dritter Ringwall mit einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer den Gip­fel umzieht. Vor allem gilt das darin liegende Oppidum als die einzige rechtsrheinische Siedlung der Kelten, die so lange bestand, daß deren Bewohner in unmittelbaren Kontakt mit den Römern kamen.

Diese Annahme konnte durch archäologische Funde in der näheren Umgebung untermauert werden, so mit dem fünf Kilometer entfernten römischen Lager bei Lahnau-Waldgirmes. Letzte Zweifel beseitigten die von der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts veranlaßten Grabungen. Dabei konnten zahlreiche Funde wie Lanzenspitzen, Schildbeschlä­ge oder Reste eines Pferdegeschirrs gesichert werden. Alles deutet auf einen militärischen Zusammenstoß zwischen Römern und Kelten.

Dort oben sie­delten auf 90 Hektar Kelten hinter ‑ noch teilweise erhaltenen ‑ Ringwällen. Drei Wall­ringe, die Überreste verfallener Mauern, umziehen den Berg, jeweils in etwa den Höhenlinien folgend. Ihre Ausmaße und die Gesamtausdehnung der Anlage, de­ren äußerer Wall die Fläche von über 90 Hektar umschließt, zeigen deutlich, daß man hier vor einem der eindrucksvollsten Denkmäler hessischer und mittel­europäischer Vorzeit steht.

Es ist im Einzelnen noch nicht erforscht, wie die Mauern des Dünsbergs konstruiert waren.

Auf jeden Fall waren sie Holz-Stein-Erde-Mauern mit tragendem Pfosten-Balken-Gerüst, Verblendung der Front oder der Fronten mit Trockenmauern und Füllung des Mauerkörpers oder Aufschüttung einer Rampe mit Steinen und Erde.

Sicher waren sie im Lauf der Jahrhunderte von der späten Bronzezeit im 8. Jahrhundert vCh über die spätkeltische Zeit im 2./1. Jahrhundert vCh bis in alamannische Zeit im 5. Jahrhundert nCh in verschiedener Art, jeweils nach dem Stand der Wehrtechnik gebaut. Für den Zeitraum der größten Ausdehnung und Blüte der Bergbefestigung, das spätkeltische Oppidum, ist eine sogenannte Pfostenschlitzmauer (Typ Kel­heim) anzunehmen und nach den neuesten Grabungen für den äußeren Wall nachgewiesen. Sie bestand aus mächtigen Pfosten, eigentlich großen Baum­stämmen, die im Abstand von 1,50 bis 3,00 Meter in den Boden gesetzt waren. Die Zwischenräume waren mit als Trockenmauer aufgesetzten Bruchsteinen ausgefüllt und dahinter eine breite Erdrampe angeschüttet, davor lag ein Graben.

Auf dem Dünsberg liegt ein spätkeltisches Oppidum, eine jener großen stadtartigen Anlagen der keltischen Welt, die Hauptorte von Stämmen oder Stammesteilen waren und in denen sich Ver­waltung, Handel, Münzprägung, Gewerbe wie auch Kult und Religion konzentrierten. Von der Innenbesiedlung zeugen in großer Zahl künstliche Verebnungen an den Hängen (Podien), auf denen Baulichkeiten standen. Mit dem äußeren Wall hat sich die um mauerte Fläche gegenüber den älteren Burgen fast verdreifacht, einbezogen sind jetzt die Bergausläufer des Kleinen Dünsbergs im Nordwesten und vielleicht - unfertig geblieben - des Hinteren Bulenkopfes im Südwesten.

Es gab etwa 1.000 Wohnpodien, die auf eine Einwohnerzahl von mehr als 1.000 Menschen bis hin zu 10.000 schließen lassen. Das Kerngerüst der Häuser bestand aus mächtigen Holzpfosten, die in den Boden eingegraben wurden. Die Löcher haben sich als Erdverfärbungen im Boden erhalten. Am Ostsporn wurden Pfostenlöcher mit einem Abstand von 2,50 mal 2,50 Meter gefunden. Ein solches Lagerhaus wurde im sogenannten „Keltenhof“ rekon­struiert.

 

Am Parkplatz geht man durch ein nachgebautes keltisches Tor, das vom Dünsberg-Verein mit finanzieller Förderung durch das Land Hessen und die Gemeinde Biebertal errichtet wurde. Das Keltentor ist die freie Rekonstruktion eines Tangentialtores unter Berücksichtigung aktueller Ausgrabungsergebnisse von Tor 4. Neben dem touristischen Aspekt sieht der Dünsberg-Verein das Tangentialtor als Beitrag, die Leistung der damaligen Bewohner und die historische Bedeutung des Dünsbergs einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Oberhalb steht der Keltenhof mit vielen Informationen zum Dünsberg und zum Leben der Kelten. Dann geht es immer auf der geteerten Straße weiter, die hier auch archäologischer Rundweg und Kunstweg ist.

Durch den Archäologischen Wanderweg wird eines der eindrucksvollsten Denkmäler hessischer und mitteleuropäischer Vorzeit erschlossen. Im Jahre 1986 ist dieser Rundwanderweg vom Dünsberg-Verein in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen, dem Forstamt Biebertal und der Gemeinde Biebertal eingerichtet worden. Unter dem Stichwort „Celtic Art“ haben 2002 die Revierförsterei Königsberg und der Dünsberg-Verein einen Skulpturenweg entlang des Archäologischen Wanderweges angelegt.

 

Das erste Ziel ist der Schulborn, für den schon eine Anbindung an die frühlatènezeitliche Befestigung des mittleren Walles ver­mutet werden kann. Der Schulborn (sul = Lache) ist eine der beiden großen Wasserstellen innerhalb des befestigten Bereichs. Er liegt jetzt in einer winkligen Ausbiegung des äußeren Walles. Grabungen in dem Wasserreservoir erbrachten den Nachweis eines aus Holz sorgfältig gebauten großen Wasserreservoirs von 13,08  bis 13,50 Meter Länge und 4,20 bis 4,55 Meter Breite, das ein älteres kleineres Bassin und verschiedene Brunnenschächte überlagerte. Die Wände dieses Beckens bestanden aus Pfosten und Bohlen, wobei die Bohlen in Falze in die Pfosten eingelassen waren.

 

Hier am Schulborn trifft man auf den äußeren Ringwall. Er wurde in der Mittellatènezeit (Mitte des 2./1. Jahrhundert vCh) begonnen und in der Spätlatène­zeit vollendet. Die Datierung erfolgt nach Ausdehnung, Funden und den typischen Zangentoren. An Tor 7 ist die Zangenform nur noch undeutlich zu erkennen, es ist ein typisches Zangentor. An dieser Stelle biegt der Wall nach Nordwesten aus, um den Kleinen. Dünsberg in die Befestigung einzuschließen. Ein „Strahlenwall“ begleitet die Mauer eine weite Strecke und zieht nach Norden tief den Berg hinab.

Hier beginnt der Aufstieg zum mittleren Wall, der bei der Erläuterungstafel gekreuzt wird. Am Steilhang des Berges ist die Befestigungslinie meist nicht mehr als Wall erhalten, sondern nur noch als Terrasse sichtbar, auf der heute teilweise Wege verlaufen. Im Schnitt dicht nördlich dieser Stelle findet sich dafür ein deutliches Beispiel. Ob der Mauer an den Steilhängen ebenfalls ein Graben vorgelagert war, ist nicht sicher.

Der Befund östlich von Tor 8 (das man auf dem Rundweg nicht erreicht) mit dem talwärts zielenden Wall legt nahe, daß die Quelle des Schulborns durch später wieder aufgegebene Annexwälle in die Befestigung des mittleren Walles einbezogen war, wie es von anderen zeitgleichen Beispielen bekannt ist. Der Bau dieses Wallringes erfolgte viel­leicht in der Späthallstatt-Frühlatènezeit um 500 vCh, die mit den frühen Kelten zu verbinden ist; allerdings liegen nur wenige Funde dieser Zeit vor. Sicher bestand er in der entwickelten Frühlatènezeit am Ende des 4./Beginn des 3. Jahrhunderts vCh, aus der vom ummauerten Ostsporn des Berges die meisten Funde stammen.

Auf der Höhe von Tor 13 sieht man dann schon den inneren Ring. Dieser im Oval die Bergkuppe umziehende Wall ist wahrscheinlich erstmals in der späten Bronzezeit, der Urnenfelderzeit im 5. Jahrhundert vCh, in unbekannter Bauweise angelegt und später immer wieder erneuert und ausgebaut worden. Starke Brandspuren zeigen, daß in ihm mehr Holzwerk verbaut wurde, als für eine Pfostenschlitzmauer notwendig wäre. Auf­fällig ist der kräftige Materialgraben hinter dem Wall, aus dem Erde und Steine für den Mauerbau entnommen wurden.

Der Ring ist besonders gut zu erkenn, wo ihn die Teerstraße schneidet.

Diese führt dann im Bogen auf den Gipfel. Links sieht man den Fernsehturm, rechts eine Lichtung mit Liegestühlen und schöner Aussicht. Das letzte Stück geht man direkt zum Plateau mit Tischen und Bänken und einem kleinen Spielplatz. Der Kiosk ist Mittwoch, Samstag und Sonntag geöffnet und bietet auch Speisen an. Auf den alten Aussichtsturm kann man hinaufsteigen (rund 80 Stufen zur unteren Plattform) und hat eine herrliche Rundumsicht.

 

Beim Abstieg geht man den Fußweg auf der anderen Seite des Gipfels direkt hinunter zum inneren Ring mit Tor 12. Hier kann man besonders gut sehen, daß der innere Wall eine sechs bis acht Meter hohe Außenböschung hat. Das Tor ist wie die meisten Tore der anderen Wälle ein sogenanntes „Tangentialtor“ mit gegeneinander ver­setzten Wall-Enden. Man geht (oberhalb) am Wall entlang und kommt zum zweiten Tor des inneren Walls, dem Tangentialtor 13.
Es geht hinunter zur Teerstraße, die gekreuzt wird. Der Weg führt hinunter zu Tor 14 oberhalb des mittleren Walls. Dieser scheint ursprünglich wie der innere ein geschlossenes Oval gebildet zu haben. Darauf deutet ein Wallrest im Nordosten mit dem Tangentialtor 14 hin. Erst zu einer späteren Zeit ist dann offenbar der weit vorspringende Ostsporn umschlossen und die Wallführung verändert wor­den.

Der mittlere Wall umschließt in diesem Bereich den nach Osten ragenden Geländeporn mit Tor 9. Von einer älteren Mauerführung stammt offenbar das hier liegende Wallstück mit Tor 14. Auf dem Geländesporn wurden vor allem Fundstücke aus spätrömischer und frühgeschichtlicher Zeit gefunden. Danach hatte der Dünsberg auch zu diesen Zeiten noch Bedeutung als Mittelpunkt für das Umland und trug wahrscheinlich eine alamannische Gauburg als Sitz eines Kleinfürsten.

 

Etwas weiter unten (zweimal rechts gehen) trifft man auf den mittleren Wall. Er liegt tiefer am Berg und führt teilweise an Steilhän­gen entlang. Hier sind die Mauerreste abgestürzt und der Wall ist nur noch als Terrasse erhalten. An diesem Wall geht man nun auf der Fortstraße abwärts.

Man kommt zu Tor 10 und Tor 11. Der Weg macht jetzt eine starke Linkskurve zum Tor 5. Von hier könnte man noch einen Abstecher zu Tor 6 (einem Zangentor) und zur Quelle am hinteren Eulenkopf machen. Diese dritte - heute hangabwärts verlagerte Quelle - lag vor Tor 6 hinter dem Strahlenwall bzw. dem zum Hinteren Eulenkopf führenden Wall. Wieweit sie in die Befestigung eingebunden war, ist noch unklar. Man kann diese Stelle aber auch auslassen.

Der Weg führt dann weiter zu Tor 4 (ein Zangentor) und Tor 3. Von dort geht man hinunter zum Grinchesweiher. Am Grinchesweiher wurde ein noch größe­res Reservoir als am Schulborn angegraben. Hier sieht man schon im Verlauf der Annexwälle, die die Quelle einschließen, zwei Bauperioden. Ein älterer Annex setzt nörd­lich von Tor 3 an und führt in rechtem Winkel nach Norden zum Wall zurück. Er wird überlagert und abgeschnitten von einem jüngeren Annex, der in sanf­tem Bogen dem Wall vorgelagert ist und zu dem Tor 3 den Zugang bildete. Man kann aber auch geradeaus weiter gehen und dann wieder hinunter zum Parkplatz (zum Tor 2 und 1 kommt man dann nicht, sonst müßte man noch einmal zum Schulborn gehen).

 

Ungeklärt in ihrer Bedeutung sind die sogenannten Strahlenwälle, die vorzugsweise vor den Toren ansetzen und den Berghang hinunterziehen. Sie können nicht sämtlich dazu gedient haben, weitere Geländeteile der Befestigung hinzuzufügen - wie es noch für einen Wall (oder Ackerrain?) vermutet wird, der östlich von Tor 4 abgeht und zum südlichen Sporn mit Geschützständen aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) hinführt. Eine abgeschlossene, noch nicht bearbeitete Neuvermessung wird hier vielleicht Klärung bringen.

 

Überblickt man die Geschichte des Dünsbergs, so reichen einige steinzeit­liche Funde - darunter eine Scherbe der Michelsberger Kultur - und ein Radnadelfragment der Hügelgräberbronzezeit nicht aus, um für diese Zeiten eine dauerhafte Besiedlung anzunehmen. Das Gipfel­plateau wird in der Ur­nenfelderzeit besiedelt und wohl auch befestigt. Eine Befestigung der Spät­hallstatt-Frühlatènezeit ist höchstens zu vermuten, vielleicht schon mit der älteren Wallführung des mittleren Ringes.

Im Jahre 1999 hat die Römisch-Germanische Kommission Frankfurt am Main mit Ausgrabungen an Tor 4 begonnen. Vielfältige Funde von keltischen und teilweise auch römischen Waffen und Gegenständen erschließen bessere Kenntnisse zur Geschichte des Dünsbergs. Trotz der Forschungen gerade in den letzten Jahren hält unsere Kenntnis unserer Bewunderung allerdings kaum Schritt. Grabhügel am Südhang des Dünsbergs und einzelne Funde aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit deuten darauf hin, daß schon vor den Kelten Menschen in irgendeiner Form den Berg nutzten.

Doch erst im 8. Jahrhundert vCh, am Ende der Bronzezeit, entstand auf der Bergkuppe anscheinend eine Art Burganlage. Zumindest wird das aus Keramik- und Metallfunden geschlossen. Die besondere Erhaltung des obersten Walls mit seiner heutigen Höhe von bis zu zehn Metern und relativ viele Reste verbrannten Holzes sind Indizien für eine massive undwuchtige Holz-Erde-Verbauung.

 

Von der Höhenburg zum Oppidum

Die Datierung des mittleren Walles ist ungewiß. Der Bau erfolgte vielleicht in der Späthallstatt-/Frühlatènezeit um etwa 500 vCh, allerdings liegen nur wenige Funde dieser Zeit vor. Möglicherweise bestand er bereits am Ende des 4./ Beginn des 3. Jahrhunderts vCh, sicher jedoch im 2. Jahrhundert vCh, aus welchem der Ostsporn die meisten Funde geliefert hat.

Seit dieser Zeit ist der Dünsberg eine keltische Stadtanlage.

Etwa gleichzeitig werden auch andere Berge im Lahn-Dill-Gebiet mit Befestigungen versehen. Eine keltische Regionalkultur bildet sich heraus - wahrscheinlicher Hintergrund: Örtlicher Eisenerzabbau und -verhüttung. Mit dem Bau des untersten Walles in der Mittellatènezeit etwa um 100 vCh vollzog sich vermutlich die Vergrößerung der Siedlung zum „Oppidum“. Mehrere tausend Fundstücke sind Indizien für eine deutliche Zunahme der Bevölkerung.

 

Landwirtschaft, Handwerk, Handel

Das Oppidum auf dem Dünsberg war eine Stadt der Bauern. Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebte vermutlich als Selbstversorger mit geringen Überschüssen, so daß davon die Handwerker „bezahlt“ werden konnten. Trotzdem dürften in der Blütezeit Bauernhöfe der Umgebung zugeliefert haben.

Die Gesellschaft der Kelten war also eine agrarische Gesellschaft. Pflugschare, Hacken und Sensen aus Eisen, die am Berg gefunden wurden, sind dafür direkte Beweise. Die Felder trugen vermutlich vor allem Gerste, seltener Emmer und Hirse.

Als Nutztiere für die Versorgung mit Fleisch, Horn und Leder wurden vor allem Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen gehalten. Das legt auch das Grabungsergebnis aus anderen keltischen Städten nahe.

Viele Tätigkeiten, die heute als „Beruf“ etabliert sind, waren in keltischer Zeit „Hausfrauen- oder Hausmannsarbeit“, da sie von Jedermann und mit leicht zu beschaffenden Materialien ausgeführt werden konnten: Weben, spinnen, nähen, Möbel bauen, Schuhe anfertigen, Jagdwaffen herstellen, jagen, schlachten.

Arbeiten, die vor allem mit einer aufwendigen Technik und einer besonders schwierigen Roh­stofflage zusammenhingen, erforderten schon in keltischer Zeit professionelle Handwerker: Schmiedearbeiten (Eisen, Bronze, Silber, Gold), Töpferei, Schmuck- und Geräteherstellung, Schnitzarbeiten, Köhler, Emmailleure.

Rund 300 Münzen sind vom Dünsberg aus unterschiedlichen Herkunftsgebieten bekannt. Sie bestätigen, daß bereits in vorrömischer Zeit die einheimischen Kelten Geldwirtschaft mit Gold-, Silber- und Kupfermünzen und damit auch Handel betrieben. Anhand der Münzfunde lassen sich Handelskontakte nach Süddeutschland, nach Böhmen, sowie Mittel- und Nordfrankreich, aber auch in das nähere Umfeld des Dünsbergs, zum Beispiel das Heidetränk-Oppidum im Taunus belegen. Was hatte der Dünsberg als Handelsgut zu bieten? Wahrscheinlich Felle, Leder, Roheisen.

 

Eisenland am Dünsberg

Seit mehr als 2000 Jahren bildet der heimische Raum eines der bedeutendsten Montanzentren im Lahn-Dill-Gebiet. Am südlichen und westlichen Fuß des Dünsbergs und in den angrenzenden Hügeln befinden sich reiche Eisenerzvorkommen. Der Abbau des Eisenerzes erfolgte vermutlich im Tagebau. In „Rennnöfen“ wurde das Eisenerz geschmolzen und anschließend zu Barren verarbeitet. Spezielle Essenschmiede übernahmen danach die Weiterverarbeitung. Zum Schmelzen des Erzes waren große Mengen Holzkohle erforderlich, die Köhler in Kohlenmeilern erzeugten.

Da das Ganze eine „feuergefährliche“ Angelegenheit und auch mit Geruchsbelästigungen verbunden war, ist davon auszugehen, daß die Köhlerei und die Schmelze außerhalb der Höhensiedlung in einiger Entfernung von den Wohnhäusern stattfand. Die Weiterverarbeitung, also das Schmieden des Eisens, könnte durchaus dann ein „innerstädtisches“ Handwerk gewesen sein.

Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die Erzgewinnung im Umfeld des Dünsbergs eine erneute Blüte. Elsenerzgruben wie „Elennore”, „Elisabeth”, „Königsberg”, „Abendstern“, „Morgenstern” und „Friedberg”, letztere in unmittelbarer Nähe des heutigen Hotels „Keltentor“ bei Fellingshausen stellen für erfolgreiche einhundert Jahre heimischer Industriegeschichte. Im Jahre 1963 wurde die letzte Schicht in der Grube „Königsberg“ gefahren.

Mit der entwickelten Frühlatènezeit (Latène B 2) setzt jedenfalls eine dichtere Besiedelung ein und der mittlere Wall hat zu dieser Zeit sicher bestanden. Ob eine Siedlungskontinuität zum Oppidum der Mittel-Spätlatènezeit (Latène C 2-D 2) vorhanden oder dies eine Neugründung war, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen.

Das Ende des Oppidums dürfte nach zahlreichen neuen Funden mit einer Zerstörung durch römische Truppen wahrscheinlich bei einem Feldzug des Drusus in den Jahren 10/9 v.Chr. gekommen sein. Nach der vernichtenden Varusschlacht haben sich, vermuten die Wissenschaftler, die Römer auf ihre ausgebauten Linien zurückgezogen. Einer Bedrohung ihrer Vorposten wie bei Waldgirmes wurde mög­licherweise präventiv begegnet. Ein direkter Zusammen­hang mit den neu entdeckten römischen Anlagen im Lahntal aus - späterer - augusteischer Zeit ist allerdings derzeit nicht zu belegen (Waldgirmes).

Jedenfalls spielte entgegen älterer Meinung der Berg, als fast 100 Jahre später unter Domitian der Wetteraulimes ange­legt wurde, schon lange keine Rolle mehr. Auch nach dem Limesbau duldeten die Römer keine Besiedlung mehr am Dünsberg. Das Oppidum verfiel. Sicher ist, daß das Oppidum zur Zeit des Römerlagers in Dorlar und des Römerforums in Waldgirmes, also seit 10 vCh, keine für die Römer gefährliche Bedeutung mehr hatte.

Noch einmal ins Licht der Geschichte tritt der Dünsberg in spätrömischer Zeit, als nach dem Fall des Limes um 260 nCh die Alamannen im Lauf der Jahrzehnte das Land besiedelten. Dichte Fundstreuung auf dem Ostsporn spricht für eine alamannische Gauburg des 4./5. Jahrhunderts, den Sitz eines Kleinkönigs, die mit dem Ausgreifen der fränkischen Macht um 500 ihr Ende fand. Einige merowingerzeitliche Funde des 7. Jahrhunderts lassen sich in ihrer Bedeutung für die Geschichte des Berges noch nicht abschätzen.

 

Auf der Straße geht es dann weiter nach Frankenbach, links ab nach Erda, wieder links ab nach Hohensolms. Die Zufahrt zum alten Ortsteil ist gleich am Ortseingang links zur Evangelischen Jugendburg. Nach dem Ort geht es wieder links ab nach Bieber und dann entweder über Waldgirmes (Datei „Waldgirmes“) weiter oder direkt nach Wettenberg und zum Gießener Ring oder über Dorlar, Atzbach (Achtung: nicht nach Kinzenbach), Heuchelheim Autobahn.

Biebertal

In Biebertal-Rodheim fährt man in die Straße „Am Turnerplatz“. Auf ihr fährt man zunächst einmal geradeaus über die Hauptstraße zum Schmitter Hof mit dem dreistöckigen Herrenhaus mit Fachwerkoberbau (1457) und dem neuen Herrenhaus (1790). Wieder zurück biegt man nach links in die Hauptstraße ein. Zwischen Sparkasse und Altenheim ist ein Parkplatz, der zum Gail’schen Park führt.

 

Gail’scher Park in Rodheim

Die Geschichte der Familie Gail und des Rodheimer Anwesens:

Der Kaufherr Georg Philipp Gail (1785-1865) gründete, aus Dillenburg kommend, im Jahre 1812 eine Rauchtabakmanufaktur in Gießen. Anlaß war das im napoleonischen Großherzogtum Berg, zu dem auch Dillenburg gehörte, eingeführte staatliche Monopol für die Tabakindustrie. Auf­grund seiner Geschäftstüchtigkeit wuchs das Unternehmen schnell und entwickelte sich zum wichtigsten Industriezweig in Gießen. Georg Philipp Gail erlangte großes Ansehen und wurde 1822 erster Bürgermeister nach der neuen Gemeindeordnung in Gießen.

Im Jahr 1857 wurde die Filiale in Rodheim gegründet. Wie auch an ihrem Stammsitz in Gießen, legte die Familie Gail an ihrer Niederlassung in Rodheim neben der Fabrik auch ein Haus (Schweizer Haus) und einen Park an. Wann der erste untere Parkteil genau angelegt wurde, ist nicht bekannt. Zur Ankunft seiner Braut Minna Mahla aus Amerika verschönerte Wilhelm Gail, Enkel von Georg Philipp Gail, den noch kleinen Park mit Wasserkünsten als Folge von Becken und Gerinnen. Ein Reklameplakat der Firma Gail aus dem Jahr 1884 zeigt bereits einen kleinen Teich vor dem Schweizer Haus mit einer Fontäne.

Wilhelm und Minna Gail, beide große Parkliebhaber, müssen damals bereits von einer Ver­größerung ihres kleinen Paradieses außerhalb der Stadt Gießen geträumt haben. Im Jahr 1888 begannen die Aktivitäten, die sich bis zum Jahr 1896 hinzogen und mit dem Bau einer Villa abgeschlossen wurden. Über die Gesamtkonzeption ließ sich Wilhelm Gail durch den Frankfurter Architekten Franz von Hoven beraten, sowie durch Heinrich Siesmayer, den bedeutendsten Gartenarchitekten dieser Zeit in Hessen. Die weiteren Planungen sowie der Ausbau der Parkanlage wurden später durch den Frankfurter Stadtgartendirektor Andreas Weber fortgeführt und umgesetzt.

Wilhelm Gail hat als Kenner der Gartenkunst des 19. Jahrhunderts selber großen Einfluß auf die Gestaltung genommen. Genießen konnte er den Park mit seiner geliebten Frau jedoch nur sehr kurze Zeit, da sie nach der Fertigstellung an Krebs erkrankte und bereits 1898 verstarb. Auch drei seiner vier Söhne starben früh. So war der Park Zeit seines Lebens „eine grausame Erinnerung an mein geschwundenes Glück”, wie Wilhelm Gail sich in einem Brief an seinen Schwiegervater 1899 ausdrückte.

Die Villa diente der Familie Gail weiterhin als Sommersitz. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie der Hauptwohnsitz der Nachfahren. Nach heutigen Erkenntnissen ist der Park nur unwesentlich verändert worden. Aus den zwanziger Jahren ist eine größere Pflanzaktion der Firma Wirtz & Eicke aus Rödelheim überliefert. Ursprünglich war der Park mit vielen Birken, Linden und Weiden, wie es auf alten Fotos zu erkennen ist, bepflanzt. Nur die Bäume mit sehr kräftigen Stämmen und einige Sträucher stammen noch aus der Entstehungszeit.

Die Wege hatten zunächst eine Kiesdecke und wurden im Laufe der Jahre betoniert oder mit Bitumen versehen, sind aber 2005 größtenteils wieder rückgebaut worden. In einem Lageplan des Anwesens aus dem Jahr 1902 lassen sich die Veränderungen unterhalb des Teiches zum heutigen Stand gut ablesen.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Villa von der amerikanischen Besatzung beschlagnahmt.

Im Jahr 1948 konnte die Familie Rumpf-Gail die Villa wieder beziehen, baute das Erdgeschoß um und legte ein Schwimmbecken mit Pavillon und eine Terrasse im Stil der Zeit an.

Seit dem Erwerb des Anwesens durch die Gemeinde Biebertal im Jahr 2003 und der Vermietung an die Firma Schunk Dienstleistungs-GmbH nutzt diese die Villa als Büro und für Veranstaltun­gen. Die Innenräume, die Fassaden und die Terrassen sind durch die Firma Schunk in den Jahren 2004 und 2005 renoviert worden.

 

Heinrich Siesmayer (1817-1900):

In Frankfurt am Main wirkte Anfang des 19. Jahrhunderts mit Sebastian Rinz ein bekannter Gartenkünstler. Im Jahr 1832 ging Heinrich Siesmayer bei ihm als Gärtner in die Lehre. Der Chef erkannte das Talent des jungen Siesmayers und übertrug ihm nach einigen Jahren das Zeichnen von Entwürfen und die Leitung bei der Ausführung größerer Aufträge.

Siesmayer, auf den Namen Franz Heinrich getauft, kam 1817 als Sohn des Kunstgärtners Jakob Philipp Maria Siesmayer aus Niederselters an der Lahn in Mainz-Mombach zur Welt. Heinrich trat völlig mittellos seine Lehrjahre an. Er blieb acht Jahre bei seinem Lehrmeister, besuchte nebenbei die Gewerbe- und Sonntagsschule und nahm Unterricht im Planzeichnen.

Am 1. Mai 1840 machte sich Heinrich Siesmayer selbständig. Der Durchbruch gelang ihm mit der Gestaltung der Parkanlagen für den Fürsten zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Die Firma Siesmayer erlebte einen kometenhaften Aufstieg. Der Erfolg der Firma ergab sich aus den sich glücklich ergänzenden Talenten der Brüder: Heinrich, der kreative Gestalter, und Nikolaus, der Baumschulist und Geschäftsmann. Sein größter Auftrag in diesem Zeitabschnitt war die Anlage des Kurparks in Bad Nauheim. In den siebziger Jahren schuf er Gärten u.a. für die Barone Wilhelm und Karl von Rothschild, Fürst Metternich in Johannisberg, Freiherr von Bethmann in Königstein und den Kommerzienrat von Stumm zu Schloß Hallberg.

Die Frankfurter verehren Siesmayer wegen seiner Verdienste um die Gründung des Palmen­gartens. Auf der Höhe des Ruhmes hatte die Firma bis zu 500 Beschäftigte mit einer großen Baumschule in Bad Vilbel. Zunehmend kränkelnd, übergab der verwitwete neunfache Vater 1890 die Firma an seine Söhne Philipp, Joseph und Ferdinand. Nach langer Bettlägerigkeit verstarb er am 22. Dezember 1900.

Im Jahr 1888 ließ Wilhelm Gail sich von Heinrich Siesmayer hinsichtlich der großen Park­erweiterung beraten.

 

Andreas Weber (geboren 1832):

Im Gegensatz zu dem freischaffenden Gartenarchitekten Heinrich Siesmayer war Andreas Weber Angestellter der Stadt Frankfurt. In seiner dortigen Tätigkeit hat er sich besonders um die schmuckvolle Bepflanzung der Frankfurter Anlagen verdient gemacht. Aber auch große Parks, wie der Ostpark, die Anlagen zum Zoo und der Georgengarten wurden von ihm entworfen. Nebenbei war er auch für zahlreiche wohlhabende Familien tätig.

Im Auftrag des Kommerzienrat Wilhelm Gail gestaltete er einen englischen Landschaftsgarten an seinem Wohnsitz am Oswaldsgarten in Gießen und das Grabmal der Schwiegermutter auf dem alten Friedhof.

Im  Jahre 1832 in Frankfurt geboren, erlernte er (wie Siesmayer)den Gärtnerberuf bei Sebastian Rinz, dessen Enkel er war. Dieser finanzierte ihm eine Reise zur Weiterbildung, die ihn nach Paris, Brüssel und London führte. Von unterwegs berichtete er seinem Förderer in regelmäßigen Briefen über die erworbenen Kenntnisse und seine finanziellen Belange. Darüber hinaus führte er ein Tagebuch in der jeweiligen Landessprache. Zurück in Frankfurt trat er als Adjunkt des damaligen Stadtgärtners, seines Großvaters Sebastian Rinz, in städtische Dienste. Neun Jahre später, im Jahr 1861, übernahm er dessen Stelle und leitete als städtischer Gartendirektor die Stadtgärtnerei bis zu seinem Lebensende.

Eine jahrelange Zusammenarbeit mit Herrn Kommerzienrat Wilhelm Gail ist durch zahlreiche Briefe aus dessen Kopierbuch belegt. Während Heinrich Siesmayer mit Franz von Hoven die Parkerweiterung konzipiert hat, bekam Andreas Weber 1890 von Wilhelm Gail einen General­auftrag für die weitere Planung und die Überwachung der Arbeiten im Park. Als Grund für den Wechsel des Gartenarchitekten kann das Erkranken von Heinrich Siesmayer zu diesem Zeitpunkt angesehen werden.

 

Begehung 1999:

Über ein Jahrhundert konnte die Bevölkerung, mit wenigen Ausnahmen, das Anwesen nicht betreten. Mit einer über zwei Meter hohen Natursteinmauer schirmten sich die Eigentümer gegen die umgebende Bebauung inmitten der Gemeinde ab. Im Herbst 1999 fand eine Ortsbegehung des Bauausschusses auf dem Schindwasengelände statt, um das angrenzende, als Neubaugebiet vorgesehene Gelände zu begutachten. Hierzu mußte der Park durchquert werden. Die Mitglieder des Ausschusses und viele interessierte Bürger hatten somit erstmals die Möglichkeit, hinter die „Gail’sche Mauer” schauen.

War zuerst die Neugierde groß, so war bald die Überraschung umso größer. Vor allem der Park, der im englischen Stil angelegt ist, begeisterte durch seine Fülle von Einbauten und schöner Details. Die Wegeführung, die Bodenmodellierung und die Pflanzenanordnung ließen sofort die Hand eines großen Gartenkünstlers erkennen. Anschließende Begehungen mit Fachleuten der Gartenhistorik und des Denkmalschutzes bestätigten den kulturhistorischen Wert der Anlage. Der Park war bis zu diesem Zeitpunkt der Gartenfachwelt nicht bekannt und stand daher auch nicht unter Denkmalschutz.

 

Rundgang durch den Park

1. Sie betreten den Park talseits im Süden durch den im Jahr 2004 neu gestalteten Eingang. An der Stelle, an der sich heute die Sparkasse und das AWO-Heim befinden, standen früher die Zigarrenfabrik und die Stallungen (Bild Seite 4).

Folgen Sie oberhalb der Treppe dem Weg nach rechts. Sie befinden sich hier im ersten zwischen 1857 und 1890 geschaffenen Parkteil mit Blick auf das Schweizer Haus. Der Wasserlauf mit zahlreichen Becken unterschiedlicher Ausformung war Teil der Parkverschönerung, die Wilhelm seiner Frau Minna 1883 zur Hochzeit schenkte.

Wenn Sie den Weg geradeaus weiter gehen, werden Sie hinter einer Wegeabbiegung durch den Blick in eine wunderschön modellierte Rasenfläche, in der gekonnt Baumpflanzungen gruppiert sind, überrascht. Hier wird deutlich, daß wir einen Park im Stil eines englischen Land­schafts­gartens vor uns haben. Diese neue Ausdrucksform der Gartengestaltung entstand Anfang des 18. Jahrhunderts in England. Im Gegensatz zu den geometrisch gestalteten Gärten der Epochen der Renaissance und des Barocks nimmt sich der landschaftliche Stil die Naturschönheit zum Vor­bild. Durch schmückende Einbauten (Staffagen) werden malerische Parkbilder inszeniert. Charakteristisch für einen Landschaftspark sind der Aufbau von Sichtachsen und eine malerische Gruppierung von Bäumen und Sträuchern.

 

2. Geht man den breiten Hauptweg weiter, erlebt man eine Abfolge von einzelnen Parkbildern. Nach einer verdichteten Pflanzung und einer Wegebiegung öffnet sich überraschend der Blick über den Teich auf die Villa. Auf der rechten Seite sehen Sie auf einer kleinen Anhöhe das gleichzeitig mit der Villa entstandene Keramiktürmchen. Die Klinker sowie die bunten Dachziegel stammen aus der Produktion der Gießener Dampfziegelei und Tonwarenfabrik, die Wilhelm Gail 1891 erworben hat. Auf dem Plan von 1902 (Seite 5) erkennt man südlich des Keramiktürmchens am Hang einen kleinen Weinberg. Der östliche Teil der Terrassierung aus Natursteinen ist noch vorhanden.

 

3. Wenn Sie dem Weg um den Teich nach rechts folgen, fällt hinter einer Pflanzung. Ihr nächster Blick auf eine kleine, aus den fünfziger Jahren stammende, Bogenbrücke, die zu einer Insel führt. Die Insel war ursprünglich mit Bäumen bepflanzt.

 

4. Nach wenigen Schritten wird Ihnen das nächste Parkbild, mit dem Teichhaus und einer Trauer-weide präsentiert. Andere Parkeinbauten sind von hier nicht zu sehen. Das Teichhaus mit seiner Birkenfront hatte nicht nur Schmuckwert, sondern diente auch einem nützlichen Zweck. Hinter der etwa 1,50 Meter dicken Frontwand befindet sich ein Eiskeller, in dem man im Winter geschnittene Eisblöcke aufbewahrte. Ein künstlich aufgeschütteter Hügel überbedeckt den Raum, gibt Schutz vor Wärme und ist zugleich eine willkommene Modellierung im Gelände.

 

5. Hinter dem Hügel des Eiskellers wird der Blick auf die Villa wieder frei. Auf der rechten Wegseite sehen Sie das Bienenhaus. Ein Hinweis darauf, daß sich die Familie Gail mit vielen Dingen des täglichen Lebens vor Ort selbst versorgte. Das östlich angrenzende, inzwischen bebaute Gelände wurde früher als Obstplantage und zur Anzucht von Gemüse und Blumen genutzt. Hier befanden sich Trauben- und Gewächshäuser. Mehrere Gärtner waren mit Pflanzenanzucht und Parkpflege beschäftigt. Wilhelm Gail hat hier auch verschiedene Obstsorten getestet und seine Ergebnisse an die Bevölkerung weitergegeben.

 

6. Vorbei an einem großen Mammutbaum folgen Sie dem Weg weiter bergan. Sie befinden sich nun östlich der Villa. Hier hatten die Kinder der Industriellenfamilie ein eigenes Spielhaus zur Verfügung. Es wurde um 1910 für Marianne, die Tochter aus zweiter Ehe von Wilhelm Gail, gebaut. In einem von einer Hecke eingefaßten Areal sind die Gestelle einer Schaukel und eines Seilkarussells (Rundlauf) noch vorhanden. Es sind seltene Beispiele der ersten Spielgeräte in unserer Region. Die Innenwände des Spielhauses sind in den fünfziger Jahren mit einem Märchenfries verziert worden, welcher dem Vetzberger Malermeister Baumbach zugeschrieben wird, jedoch mit Max Weilzierl signiert ist. Er wurde im Jahr 2006 saniert.

 

7. Über die Parallelwege gehen Sie zurück zu der schönen Keramikskulptur am Teich, die einen Faun darstellt. Seitlich am Sockel finden Sie den Namenszug der Firma Gail, der die Skulptur als eigenes Produkt ausweist. Der Entwurf stammt von dem Gießener Architekt und Künstler Hans Meyer. Die Wasserrinne wird über ein Drainagesystem, welches östlich im Turnerplatzgelände angelegt wurde, gespeist und hatte die Aufgabe, den Teich mit Wasser zu versorgen. Zur Zeit ist jedoch diese Funktion ganzjährig nicht mehr gesichert. Nur nach sehr starken Regenfällen spendet die Drainage noch etwas Wasser.

Nachdem Sie dem Teichhaus einen Besuch abgestattet haben, gehen Sie den Weg unterhalb der Villa weiter und erreichen wieder die Sichtachse zwischen Villa und Keramiktürmchen. Dort haben Sie einen sehr schönen Blick über den Teich, die Insel, zum Turm und in die Landschaft.

Geschickt wurde durch die Stellung des Turms auf eine kleine Anhöhe die angrenzende Be­bauung verdeckt. Die bewaldeten Berge im Hintergrund hat man gekonnt in das Parkbild mit einbezogen. Dies ist ein oft verwendeter Kunstgriff der englischen Landschaftsarchitektur, um eine Anlage optisch zu vergrößern. In der Teichmitte ist eine Fontäne in einer Felsengruppe installiert, für die es ursprünglich eine besondere Druckleitung mit elektrischer Pumpe gab.

Die Villa steht als dominierendes Element, leicht erhöht, auf dem oberen Niveau an einer künstlichen Hangkante. Alle Blickachsen, Parkeinbauten und das Wegesystem sind auf sie abgestimmt. An der Fassade des Dachgeschosses sehen Sie schöne Putzmotive mit Tier- und Pflanzendarstellungen. Im Jahr 1948 wurde leider die schöne Klinkerfassade des Erdgeschosses verändert.

Seit dem Jahr 1896 verfügt die Villa über eine eigene Wasserversorgung. Quellwasser, welches man unterhalb des Ortes Vetzberg am Hang auffing, wurde in einen großen Keramikbehälter auf dem Dachboden gepumpt. Von dort führte man es zu den Bädern und zur Küche. Unter der großen Terrasse westlich der Villa befindet sich eine Zisterne, aus der das Haus zusätzlich mit Wasser versorgt wurde.

 

8. Der Rundweg führt Sie weiter um den Teich nach Westen und zeigt Ihnen stimmungsvolle Bilder, schöne Bäume und Ausstattungsstücke, sowie den Blick zur Insel samt Brücke am gegenüberliegenden Ufer. Ein außergewöhnlicher Platz im Park ist die kleine Halbinsel am Westufer, zu der Sie zum Teich hinab gehen sollten. Mit einer Felswand (Grotte) als Rücken ist hier eine der wärmsten Stellen des Parks angelegt. Sie wurde als Sitzplatz genutzt, auf der man, wie überliefert, gelegentlich am Nachmittag den Tee einnahm. Von diesem Standort aus, tief im Gelände, fast auf Wasserspiegelhöhe, wirkt die Parkanlage in sich geschlossen und sehr prachtvoll. Die umgebende Bebauung ist nicht zu sehen und der Ort Rodheim ist nicht zu spüren. Haben Sie nicht das Gefühl sich in einem weitläufigen Park zu befinden? Dabei ist er nur 2,8 Hektar groß.

 

9. Westlich, oberhalb des Teiches, treffen Sie auf einen Tennisplatz. Er ist mit Sicherheit einer der wenigen in seinen Umrissen noch erhaltenen Plätze aus dem 19. Jahrhundert. In den fünfziger Jahren ist er auf das aktuelle Wettkampfmaß verlängert worden. Dabei wurde eine im Westen angrenzende Schießbahn aufgegeben. Der Platz war bis zum Jahr 1999 noch bespielbar.

 

10. „Die Wege sind die stummen Führer des Spaziergängers und ein Mittel, die einzelnen Szenen in einer bestimmten Reihenfolge und von den vorteilhaftesten Punkten aus zu zeigen” (Gustav Meyer 1859). Ein Musterbeispiel einer Wegeführung nach der Lenne-Meyerschen Schule wurde hier im Rodheimer Park verwirklicht. Alle Wege sind in gezogenen Bögen gestaltet, die vertieft in den Rasenflächen liegen. Jeder mündet am Ende eines Bogens in ein Wegekreuz ein. Am Westrand des Parks treffen sich in vollendeter Ausformung fünf dieser Wege. Besondere Keramikrandsteine aus Gail’scher Fabrikation fassen die Wege.

 

11. Folgen Sie dem Weg hinab in südliche Richtung. Sie erreichen wieder den ältesten Parkteil, der unterhalb des Schweizer Hauses um 1880 entstanden ist. Am Ende des Weges finden Sie separate Sitzplätze. Ein runder kleiner Kiesplatz auf der rechten Seite war einst von fünf Kastanien umstanden. Die sogenannten „Kastanienrondelle” waren seinerzeit ein beliebtes Gestaltungsmotiv. Zu einer Schießanlage westlich des Tennisplatzes gehören ein Sitzplatz mit Bank und Steintisch. Der Hügel diente als Kugelfang. In dem Plan von 1902 kann man diese Anlage links neben dem Tennisplatz erkennen.

 

12. Der Wasserlauf unterhalb des Schweizer Hauses führte ursprünglich bis an die Gießener Straße heran. Er wurde, wie der umgebende Parkteil, als Hochzeitsgeschenk für Minna Mahla vom Kommerzienrat Wilhelm Gail angelegt.

Die Hauptwegeverbindungen im Park bestückte man bereits 1896 mit Mastleuchten. Am Wasserlauf steht eine besonders schöne Leuchte, unter der sich früher ein Sitzplatz befand. Die Ansätze eines Weges, der den Wasserlauf einst begleitete, sind noch zu erkennen.

Als erstes Wohngebäude entstand oberhalb der Fabrik 1880 das Schweizer Haus. Im romantischen Stil ist es auf einer künstlich mit Felsen aufgeschichteten Anhöhe errichtet. Ein Weg und zwei Steintreppen führen von drei Seiten zu ihm hinauf. Das ungeteilte Erdgeschoß diente der Familie Gail als Aufenthaltsraum. Karl, der Vater von Wilhelm Gail, ließ das Schweizer Haus als Hochzeitsgeschenk für seine zweite Frau von dem Gießener Architekten Hugo von Ritgen, der durch den Umbau der Wartburg bekannt geworden ist, erbauen.

 

13. Wir schließen unseren Weg an einem mit Felsen direkt am Teich steil aufgetürmten Aussichtspunkt und haben von hier nun viele vorher einzeln betrachtete Szenen in einem Panoramabild vereint.

 

Ausblick:

Die Charta von Florenz von 1981 (Charta der historischen Gärten) stellt in Artikel 1 fest: „Ein historischer Garten ist ein mit baulichen und pflanzlichen Mitteln geschaffenes Werk, an dem aus historischen oder künstlerischen Gründen öffentliches Interesse besteht. Als solches steht er im Rang eines Denkmal“. Die heutige und die kommenden Generationen haben die Aufgabe und die Verpflichtung solche historischen Denkmale zu erhalten.

Der Rodheimer Park ist zweifelsfrei ein Gartendenkmal, gestaltet nach gartenkünstlerischen Ideen und Gestaltungsprinzipien. Das Ensemble von Villa und Park, in einem einzigartigen modellierten Gelände, stellt ein Gesamtkunstwerk dar. Es ist in großen Teilen noch im Original erhalten. Dies ist nicht nur in Hessen selten. Die Besonderheit des Rodheimer Parks liegt in der gekonnten Inszenierung einzelner Parkbilder auf einer kleinen Fläche. Die Raumaufteilung ist so geschickt gewählt, daß der Park wesentlich größer erscheint als er tatsächlich ist.

Klassische Ausdrucksformen, wie der Aufbau von Blickachsen, die Einbeziehung der umgebenden Landschaft und die Einfügung von Parkbauten lassen sich zahlreich finden. Als lebendiges Denkmal, das einer ständigen Veränderung unterliegt, bedarf er einer fortwährenden fachkundigen Pflege, um ihn auf Dauer zu erhalten.

 

Der Freundeskreis Gail’scher Park e. V.:

Einigen Bürgern, die im Herbst 1999 die Schönheit und den Wert des Parks erkannten, war sofort klar, daß die Anlage für die Bevölkerung offen stehen sollte und man Sorge dafür zu tragen hatte, den Park in seiner Art zu erhalten. Sie gründeten deshalb im August 2000 den „Freundeskreis Gail’scher Park e.V.” mit der Zielsetzung, dieses gartenhistorische Kulturgut zu bewahren, Nutzungen für die Villa zu finden und den Park für die Bevölkerung zugänglich zu machen. Auf Initiative des Freundeskreises wurde der Park sofort in die Liste der unter Denkmalschutz stehenden Objekte aufgenommen. Aufgrund der vom Freundeskreis vorgetragenen Änderungsvorschläge bezüglich der geplanten Neubauten am Schindwasen wurde der Eingriff in den Park stark vermindert.

 

Mit dem Erwerb des Anwesens durch die Gemeinde Biebertal begann die eigentliche Arbeit des Vereins. Im Zuge der Verkaufsverhandlungen hatte sich der Freundeskreis bereit erklärt, die fachliche Begleitung bei der Parksanierung sowie die Organisation der Öffnungszeiten an den Wochenenden zu übernehmen. Durch die intensive Hilfe von Sponsoren konnte der südliche Parkteil durch den Bau eines neuen Eingangs wieder in die Gesamtanlage eingebunden werden.

Die intensive Arbeit des Freundeskreises gipfelte im Jahr 2002 nach langen Verhandlungen im Erwerb des Anwesens durch die Gemeinde Biebertal mit gleichzeitiger Verpachtung an die Schunk-Group aus Heuchelheim. Diese ideale Konstellation stellt die Gemeinde frei von finanziellen Belastungen und eröffnet dem Freundeskreis weitreichende Nutzungsmöglichkeiten, fordert aber parallel dazu einen hohen Einsatz zur Sanierung der Parkanlage. So wurden in den Jahren 2004 bis 2006 fast alle Wege mit einem neuen Kiesbelag versehen. Auch konnte der Teich und der Bachlauf am Schweizerhaus sowie das Spielhaus renoviert werden. Vielfältige Neuanpflanzungen rundeten das Bild ab. Einen großen Anteil am Gelingen der Parkrettung trägt die Gemeinde Biebertal mit ihren politischen Gremien und Entscheidungsträgern. Der ehemaligen Bürgermeisterin Helga Lopez (MdB) kam hier eine tragende Rolle zu.

Der Bekanntheitsgrad des Gail’schen Parks stieg in den letzen Jahren stetig an, was den vielen ausführlichen Berichten in Presse, Funk und Fernsehen zu verdanken ist. Zu den regulären Öffnungszeiten an den Wochenenden und Feiertagen kommen viele Besucher und erfreuen sich an der Schönheit des Parks. Besuchergruppen aus ganz Deutschland lassen sich von uns fachkundig durch den Garten führen.

Neben der Organisation der Öffnungszeiten, die durch „Parkwächter” aus dem Kreis der Mitglieder durchgeführt wird, bietet der Freundeskreis Exkursionen zu Parkanlagen der Region und das Mittsommerfest für die Mitglieder an. Darüber hinaus werden in Zusammenarbeit mit der Kulturinitiative Biebertal und des Rodheimer Heimatvereins kulturellen Veranstaltungen im Park geplant. Die Termine werden in der örtlichen Presse angekündigt oder sind über die Internetadresse des Freundeskreises zu erfahren.

Der Freundeskreis wird getragen von der Arbeit seines Vorstandes und vielen freiwilligen Helfern. Der Mitgliederzuwachs auf aktuell über 450 bestätigt diese Arbeit. Mit der Öffnung Ostern 2004 ist ein Ziel des Freundeskreises erreicht worden. Der Park konnte seither an den Wochenenden besucht werden. Er ist geöffnet vom 1.März bis 31.Oktober, samstags von 14-18 Uhr und sonntags von 10-18 Uhr, sowie vom 1. November bis 29.Februar, sonntags von 13-16 Uhr. An Feiertagen kann er entsprechend der Sonntagsregelung ebenfalls besucht werden. Führungen werden jeweils am ersten Sonntag der Monate März bis November um 14 Uhr angeboten oder können für Gruppen, auch außerhalb der Öffnungszeiten, unter der Tel. Nummer 06409-6347 vereinbart werden.

Freundeskreis Gail’scher Park e.V. Karlstraße 20, 35444 Biebertal, Fon: 06409-81070 Fax: 810730 Internet: www.gailscherpark.de

 

Auf Bitten von Herrn Dr. Michael Rumpf-Gail hat der Freundeskreis das Archiv nach Aufzeichnungen und Fotos, die die Geschichte der Fabrik, der Familie Gail und die Entstehung des Parks dokumentieren, durchgesehen. Eine Auswahl der Unterlagen wurde von Herrn Prof. Dr. Hans-Joachim Weimann auf zwei CD-s mit den Titeln: „Tabakrauch und Gartenlust“ und „Reisen von Dr. Georg Gail“ veröffentlicht. Sie können für je 6,00 € frei Haus unter der Telefonnummer 06409 6436 erworben werden.

Im Jahr 2005 hat der Freundeskreis einen Bildband „Der Gail’sche Park“ herausgegeben. Über drei Jahre hat Karlheinz Krahl in unzähligen Besuchen den Gail’schen Park mit seiner Kamera eingefangen. Das Ergebnis ist eine Anzahl von beeindruckenden und stimmungsvollen Fotos. Einleitend wird die tragische Geschichte von Wilhelm und Minna Gail, die diesen Park schufen, erzählt. Der Bildband ist im örtlichen Buchhandel für 15.00 € erhältlich.

 

Die evangelische Kirche an der Hauptstraße hat einen spätromanischen Chorturm, ein gotisches Schiff und dreiseitige Emporen (17. Jahrhundert) mit Brüstungsmalerei; außerdem gibt es Bildnisgrabsteine.

 

 

Wetzlar

Erlebnisführung:

Im15. Jahrhundert lebte der Turmwärter mit Frau, Kindern, Ziege und Hühnern in der wenige Quadratmeter großen Kuppel des Wetzlarer Doms. Sämtliche Verpflegung mußte zu Fuß über die etwa 50 Meter hohe Treppe geschleppt werden. Täglich wurde auch ein Eimer hinaufgezogen und einer  hinabgelassen – aber es war nicht der gleiche Eimer.

Die Erlebnis-„Statt Führungen“  beschäftigen sich weniger mit Lebensverhältnissen der Hochwohlgeborenen, denn mit denen der einfachen Leute.  Mit Führern in historischen Kostümen geht es in fünf Stationen rund um den gotischen Dom. Vor der Michaelskapelle, wo einst der städtische Friedhof war, wird von der Mehrklassengesellschaft der Toten berichtet. Henker, Bader, Abdecker oder auch Schauspieler durften im Spätmittelalter nicht auf dem Friedhof beerdigt werden. Ihre Leichen wurden vor den Stadtmauern verscharrt. Auch der Besuch von Maximilian I. anno 1505 kommt nicht zu kurz. Damals kam er noch als König. Erst 1508 nahm der Begründer des Reichskammergerichts ohne päpstliche Kaiserkrönung als erster deutscher König den Titel „Erwählter Römischer Kaiser“ an.

Die etwa zweistündige Stadttour endet mit dem zeitgenössischen Lustspiel „Henno“ um einen schlauen Bauern, einen noch schlaueren Knecht und zwei schöne und kluge Frauen. Das 1497 uraufgeführte Werk von Johannes Reuchlin (1455‑1522) „war ein Erfolgsstück, was alles in Schatten stellte, was die deutschen Humanisten bis dahin zu Wiederbelebung des Dramas inszeniert hatten.

 

Rundgang:

Die Hauptsehenswürdigkeit in Wetzlar ist der Dom, der nur einen Turm hat und von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt wird. Eine ausführliche Beschreibung ist in Wikipedia zu finden

Lohnenswert ist aber auch ein Rundgang zu den  Museen.  Alle Museen sind außer montags täglich von 10 Uhr bis 13 Uhr und von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet (das Jerusalemhaus nur nachmittags).

 

Lottehaus (Lottestraße 10):

Vom Dom geht man nach Osten in die Goethestraße und dann nach rechts in die Lottestraße, wo in dem  Wohnhaus der Charlotte Buff ein Museum ist. Der  Vater von Charlotte Buff war Verwalter der Deutschordensniederlassung in Wetzlar. Das Wohnhaus wurde zu einer Erinnerungsstätte an Goethes Wetzlarer Zeit hergerichtet.

Um die Praxis dieses vielbespöttelten höchsten deutschen Gerichtshofes kennenzulernen, war Jungadvokat Goethe auf Vaters Wunsch im Mai 1772 nach Wetzlar gegangen. Er wohnte rechts neben dem Haus „Zum Kaiser“ am Kornmarkt (südlich der Lottestraße).  An der Ecke gegenüber war das Haus der wenig geschätzten Tante Lange. Außer seiner Unterschrift in die Gerichtsmatrikel wurden keine weiteren Aktivitäten in Kammernähe bekannt.

Statt in verstaubte Akten blickte er lieber den hübschen Bürgertöchtern in die Augen, bis er an der Amtsmannstochter Charlotte Buff hängenblieb. Im Deutschordenshof führte die 19jährige Charlotte für Vater Buff und zehn muntere Geschwister nach dem Tod der Mutter den Haushalt mit Umsicht und Fröhlichkeit. Allein wie sie das Brot für alle am Busen schnitt und die Kleinen begierig um sie herumhüpften: Der aus viel steiferem Frankfurter Bürgerhaushalt stammende Musensohn war hingerissen. Dann erst kamen die gemeinsamen Ausflüge, der Tanz droben in Volpertshausen, wo das Tanzhaus noch eine Tafel trägt. Aber Lotte war vergeben an den hannoverschen Legationssekretär Johann Christian Kestner, denn allein versprochen zu sein galt als Verlöbnis unauflöslich bindend.

Das Lottehaus war für heutige Begriffe ein dürftiges Fachwerkanwesen. Man  sieht in die Dielenstuben und die winzige Küche. Eine Holzstiege hoch geht der Blick von den inneren Befindlichkeiten des jungen „Werther“ und seiner Protagonisten über den kaum veränderten Deutschordenshof hinweg quasi rund um den Erdenball, wo man in allen Sprachen mit und gegen Werther gelitten hat ‑ mancher sogar bis zum bitteren Ende.

Im  Haus nebenan (Lottestraße 8) ist das Stadtmuseum. Es behandelt die Themen Archäologie, Stadtgeschichte, Industriekultur (Optik, Bergbau). Die bis 1806 dauernde „Kameral-Zeit“ nimmt breiten Raum ein. Allerdings unter umgekehrten Vorzeichen, nämlich aus Sicht der Bewohner, die die steiflippige Welt der Richter und Advokaten, Prokuratoren und Assessoren wie ein Staat im Staate empfunden haben müssen.

 

Jerusalemhaus (Schillerplatz 5):

Wetzlars Altstadt ist sehr verwinkelt und es  fehlen oft die Übergänge von  einer Straße zur anderen. Deshalb muß man erst  wieder zurückgehen zum Dom, dann  nach links in die Krämerstraße, die sich  mit der Sillhofer Straße fortsetzt. An  der Kornblumengasse biegt man dann