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Haferung bis einschließlich Pfarrer

Ab Diakone, Rundgang durch Greußen

 

 

Chronik der Stadt Greußen

 

Verfaßt 1722 von Pfarrer Haferung

 

 

Bearbeitet von Peter Heckert

 

 

 

Hinweis:

Eine CD im Word-Format, auf der die Bilder in guter Qualität wiedergegeben werden, ist erhältlich beim Ev.- Luth. Pfarramt Greußen, Herrenstraße 6, Telefon 03636 / 703360. Dort gibt es auch das entsprechende Buch zu kaufen.

Gedacht ist sie vor allem für Nutzer …..

1. die einen Ausdruck machen möchten

2. die einzelne Textstellen kopieren möchten

3. deren Internet nicht schnell genug ist

4. die kein Internet haben.

Die Datei darf vervielfältigt werden.

 

 

 

Im Kasten stehen  Ergänzungen, die über die Chronik Haferung hinausehen

 

 

Chronik der Stadt Greußen von Pfarrer Haferung

 

Vorwort

Im Jahre 2003 feierte Greußen den 650. Jahrestag der Ernennung zur Stadt. Aus diesem Grund gibt die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde die im Besitz des Pfarramts befindliche handgeschriebene Chronik des Pfarrers Haferung im Druck heraus.

Diese Chronik ist ein wichtiges Zeugnis für die Geschichte Greußens. Haferung hat sie vom 16. September 1722 bis 29. Oktober 1722 niedergeschrieben. Dabei hat er für die örtliche Geschichte ältere Nachrichten verwandt. Die Nachrichten reichen zum Teil noch bis in die Zeit vor der Reformation zurück. Vor allem für die allgemeine Geschichte der Grafschaft Schwarzburg und Thüringens hat Haferung dabei eine ganze Reihe gedruckter Bücher ausgewertet.

Als Pfarrer lag sein Interesse natürlich besonders bei den Pfarrern und Lehrern und den kirchlichen Gebäuden. Aber er hat auch eine ganze Menge allgemeiner Nachrichten festgehalten (vor allem auch aus dem Dreißigjährigen Krieg), die er zum Teil aus dem Archiv auf dem Rathaus entnommen hat. So ist sein Werk bis heute eine wertvolle Bereicherung der Ortsgeschichte.

Es sind schon mehrere Chroniken zur Geschichte Greußens herausgekommen. Eine Chronik des Wenigentennstedter Pfarrers Andreas Toppius wurde 1727 gedruckt, ist aber schon älter. Rund hundert Jahre später hat Friedrich Wilhelm Sternickel im Jahre 1829 eine Chronik verfaßt, die damals schon gedruckt wurde, aber im wesentlichen erst einmal die Chronik Haferungs aufnimmt, teilweise kürzt und dann ergänzt.

Wieder hundert Jahre später im Jahre 1927 hat Hermann Hesse sein „Heimatbuch der Stadt Greußen in Thüringen“ herausgegeben. Es ist etwas weitschweifig, enthält aber wertvolle Nachrichten. Dann hat es nur 30 Jahre gedauert, bis im Jahre 1957 Paul Lürmann sein Buch „Aus Greußens Vergangenheit“ herausgeben konnte. Dieses sehr kenntnisreiche Buch behandelt die wichtigen Epochen der Geschichte Greußens und ist heute noch in vielen Häusern vorhanden.

Die Chronik Sternickels wurde bereits im Jahre 2001 im Faksimiledruck neu aufgelegt. Das wird besonders diejenigen erfreut haben, die Freude haben an alten Büchern und Schriften.

Man muß aber auch an die Leser von heute denken, die bereits mit der alten Schrift ihre Schwierigkeiten haben. Der Reichtum einer solchen Chronik soll aber auch der Jugend erschlossen werden. Denn nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.

Deshalb wurde die Chronik Haferungs jetzt in einer der heutigen Sprache angepaßten Übertragung herausgegeben. Sie verdient es auch, einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden, weil sie ausführlicher ist als die Chronik Sternickels und zusätzliche Einblicke in frühere Zeiten gibt.

Noch mehr Mühe als die Schrift macht der für unsere Ohren umständliche Schreibstil und die vielen heute nicht mehr gebräuchlichen Worte und die lateinischen Textstellen. Deshalb wurde versucht, die Chronik Haferungs in ein heute üblicheres Deutsch zu übertragen. Unter weitgehender Verwendung der Übertragungen von Frau Helga Schwanz, Frau Jutta Mälzer und Pfarrer Kelpin (aus dem Jahre 1995) wurde die Chronik Haferungs in heutiges Deutsch übertragen und für den Druck eingerichtet von Peter Heckert.

Der Schreibstil sollte möglichst erhalten bleiben. Doch für die Meisten von uns wäre er nur schwer verständlich und sogar mißverständlich, weil manche Wörter ihren Sinn verändert haben. Altertümliche Wörter, lateinische Ausdrücke und Fremdwörter wurden übertragen.

Die Satzstellung wurde berichtigt, zu lange Sätze wurden aufgeteilt. Lateinische Textstücke wurden übersetzt so gut es ging und soweit es für den Inhalt erforderlich war. Längere lateinische Abschnitte wurden etwas gekürzt, vor allem wenn sie das im Text vorher schon Gesagte nur wiederholen. Weggelassen wurden vor allem die vielen lateinischen Verse des „Poeten“ Zimmermann aus der Zeit des Verfassers der Chronik, weil sie inhaltlich nichts Neues bringen und nicht nur schwülstig, sondern auch holprig sind.

Bibelstellen wurden nach dem Luthertext wiedergegeben. Ausschmückende Bezeichnungen für die Adligen oder Amtsträger wurden gekürzt (aus dem „edlen Rat“ wurde ein einfacher Rat). Anmerkungen in der Chronik wurden in den laufenden Text eingearbeitet, soweit sie für den Inhalt wichtig waren. Die Seitenzahlen geben ungefähr die Seitenzahlen in der originalen Chronik an. Eine wörtliche Abschrift des Originals der Chronik von Haferung kann im Pfarramt gern eingesehen werden.

In die Übertragung wurden noch Anmerkungen in Kursivschrift eingefügt, die die Ausführungen Haferungs ergänzen und zumeist aus den früheren Chroniken über Greußen entnommen sind. Dabei werden einige der Ansichten Haferungs zurechtgerückt, aber vor allem auch die Linien in die spätere Zeit weiter gezogen.

In der Handschrift lassen sich oft die Buchstaben „o“ und „a“ nicht gut unterscheiden (z.B. „Sondershousen“ oder „Rothis“ für „Rat“). Auch läßt sich nicht entscheiden, ob die Striche über dem „u“ ein „ü“ bedeuten sollen. Der Name der Stadt Greußen ist in den meisten Fällen wie „Grüßen“ geschrieben, er wurde in der Übertragung aber immer mit „Greußen“ wiedergegeben. Es ist nicht sicher, daß jede Einzelheit in der Chronik wörtlich wiedergegeben wurde bzw. richtig gedeutet wurde. Aber der wesentliche Inhalt ist sicher getroffen.

 

Erläuterungen:

Es gab in Greußen einen ersten Pfarrer, der regelmäßig als „Pastor“ bezeichnet wurde, und einen zweiten Pfarrer, der als „Diakon“ bezeichnet wurde. Die beiden Pfarrer bildeten das „Ministerium“ (hier wiedergegeben als „Pfarrerschaft“).

Der Pfarrer konnte aber auch „Inspektor“ des Ebelebener Anteils der Herrschaft Sondershausen werden. In Sondershausen gab es entsprechend den „Superintendenten“ und den „Erzdiakon“. Sie gehörten mit zum „Konsistorium“, das die Kirchenleitung der Grafschaft bildete (heute: Superintendentur)

Der Werdegang eines Pfarrers war: Student der Theologie, Kandidat, Diakon, Hilfspfarrer (Pfarrerstellvertreter, Substitut), Pfarrer, Inspektor, Superintendent.

Ehe man ein Pfarramt erlangen konnte, wurde man ordiniert. Ehe man auf eine Pfarrstelle kommen konnte, mußte man eine Probepredigt hal­ten, wurde von den örtlichen Stellen gewählt und dann vom Konsistorium berufen (vocatio) und eingesetzt (investitutio). Gelegentlich wurden „Visitationen“ gehalten (wiedergegeben mit „Überprüfung“), bei denen Vertreter des Konsistoriums zu Besuch kamen (visitatio) und nach dem Rechten sahen und Streitigkeiten schlichteten.

In der Schule gab es zunächst den Rektor, den Kantor und den Kirchner (oder „Baccalaureus“). Später gab es dann den Rektor, den Konrektor (wiedergegeben als Mit-Rektor“), den Kantor (dritter Lehrer) und den Lehrer („praeceptor“, vierter Lehrer).

 

Sonntage im Kirchenjahr:

Das Kalenderjahr beginnt mit den Sonntagen nach Epiphanias. Dann folgen die Sonntage der Vorfastenzeit Septuagesimä, Sexagesimä, Estomihi, und die Sonntage der Fastenzeit Invokavit, Reminiszere, Okuli, Lätare, Judika, Palmarum, Ostern. Nach Ostern kommen die Sonntage Quasimodogeniti, Miserikordias Domini, Jubilate, Kantate, Rogate, Exaudi, Pfingsten.

Der Sonntag nach Pfingsten ist der Sonntag Trinitatis. Danach werden die Sonntage als Sonntage nach Trinitatis gezählt. Es folgen die letzten Sonntage des Kirchenjahres und die Adventssonntage mit Weihnachten. Häufige Feste sind Walpurgis (30. April), Johannistag (24. Juni), Fest der Heimsuchung Mariä (2. Juli) und Michaelistag (29. September).

 

Münzen:

Das Münzwesen war sehr mannigfaltig und nach Gebieten unterschiedlich, man kann nicht alle Angaben miteinander verrechnen: Es gab Gulden (fl.) und Meißener Gulden (Mfl.) zu 21 Groschen (gr.), der Groschen zu 12 Pfennig, der Pfennig zu 2 Heller. Neben dem Gulden war der Reichstaler zu 24 Groschen im Gebrauch. Eine Mark ist das Gewicht reinen Silbers von 234 Gramm, das in 16 Lot unterteilt wird. Eine Mark wird auch gerechnet als 3 Schilling, ein Schilling ist ein Groschen 4 Pfennig. Ein „Rheinischer Gulden“ waren 21 Schneeberger, ein Schneeberger waren 12 Löwenpfennige. Ein „Leonis“ sind 3 „Löwenpfennige“. Fünf Mark Silber wurden später als 70 Taler gerechnet. Ein Pfund hatte 32 Lot. Ein Schock hat vier Mandel oder 60 Stück.

 

Maße:

Ein Scheffel hatte etwas über 40 oder etwas über 45 Liter. Im Greußen war auch gebräuchlich die Bezeichnung „Marktscheffel“, auch „for“ genannt (von „forum“= Markt). Er hatte 12 Scheffel, auch „moden“ ge­­nannt (von „modius“). Der Scheffel hatte 4 Viertel. Das Viertel wurde geteilt in Metzen (1 Scheffel = 24 Metzen). Ein Malter hatte 12 Scheffel (ein Erfurter Malter waren 16 Nordhäuser Scheffel).

Ein Fuder hatte 12 Eimer, ein Eimer hatte in Greußen 82 Maß. Vielleicht ist das das „Wahnmaß“, das laut Toppius 1541 aufkam und im Jahre 1657 noch bestand: In der Umgebung schenkte man Vollmaß aus, in Greußen nur das kleinere „Wahnmaß“.

Ein Eimer hatte etwas über 61 Liter, ein Maß 0,89 Liter, eine Kanne 1,72 Liter, ein Stübchen 3,09 Liter. Eine Kufe soll 20 Eimer gehabt haben.

 

 

Steuern:

„Geschoß“ ist eine Abgabe an die Stadt auf Haus- und Landbesitz. Dieser Besitz wurde in Steuer- und Lagerbücher eingetragen, sogenannte „Urbarien“.

„Erbzins“ wurde von der Regierung gefordert für Landbesitz, von der Stadt für Haus, Hof und Land. Die Höhe der Steuer wurde vererbt auf die Nachfolger (Erben, Käufer). Die letzte Erbzinszahlung erfolgte im Jahre 1804.

„Kontribution“ war in Kriegszeiten eine von der Landesherrschaft oder der Besatzung geforderte Abgabe in Geld, Nahrungs- oder Futtermitteln oder anderem Bedarf.

Die Zehnt war eine städtische Grundsteuer: Ein Zehntel des Ernteertrags der Felder einschließlich der darauf gezogenen Tiere.

Steuern, nach der Höhe geordnet von viel bis wenig: Geschoß, kleiner Erbzins, Herdschilling (bei Kauf von Fremden verlangt).

 

Abkürzungen:

D. = Doktor der Theologie

L. = Lizentiat (Doktortitel zweiten Ranges)

M. = Magister.

 

 

 

Bildnachweis: (Bildbearbeitung Ursula Lenz)

Hermann Hesse: Heimatbuch der Stadt Greußen in Thüringen, 1927:

Stadtbild um 1675 (Seite 116)

Rathaus vor 1687 (Seite 210)

Stadtplan 1927  (Seite 267).

Paul Lürmann: Aus Greußens Vergangenheit, 1957:

Schieferhof 1957                     (Seite 11)

Kirchturm und Stadtmauer (Seite 57)

Inneres der Kirche                  (Seite 68)

Stadtbild um 1525                   (Seite 94).

 

 

Anmerkungen des Bearbeiters sind in Rahmen gesetzt, kurze Erläuterungen kursiv.

Die (eingeklammerten) Seitenzahlen im Text geben die ungefähre Seitenzahl in der Original-Chronik an. Das Inhaltverzeichnis ist am Schluß des Buches

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Chronik der Stadt Greußen vom Jahre 1713 bis 1753

von M. Chr. W. Haferung, Oberpfarrer zu Greußen

 

Allein Gott die Ehre

                                                                                                                        (1)

Begonnen den 16. September 1722

Das 1. Kapitel

 

VON  DEM  NAMEN  DER STADT GREUSSEN UND  VON  DER  HERRSCHAFT  ÜBRER  SIE

 

 

§ 1. In alten Schriften findet sich bei den Namen der Stadt Greußen zwar eine unterschiedliche Schreibweise, nichts aber über den Ursprung und die Bedeutung der Namen. Darüber darf man sich aber weniger wundern, weil auch bei großen und von alten Zeiten her berühmten Orten eine Erklärung nicht zu haben ist, es sei denn, daß man sich auf Mutmaßungen gründen wolle.

Der Name dieser Stadt wird unterschiedlich geschrieben, sowohl im Deutschen als auch im Lateinischen. In der deutschen Sprache schreibt heute jedermann „Greußen“, bei den Alten aber findet man „Gräußen“ oder „Grüßia“. Und in dem Schreiben, in dem der Erzbischof Heinrich zu Mainz im Jahre 1333 dem Abt und dem Kloster zu Ilfeld das Patronatsrecht über diese Stadt bestätigt, heißt sie „Grüzen“. Im Lateinischen aber findet man zuweilen „Greussa“, meist aber und üblicher „Greussena“.

 

Nach Hesse verdankt Greußen seinen Namen dem Demutszeichen Christi, dem Kreuz. In einer Lebensbeschreibung des Bonifatius wird ein solches Kreuz erwähnt als Endpunkt einer Grenze, die vom Thüringer Wald kam und über Erfurt und Straßfurt nach Schilfa geht und „vor ein Kreuz, das stehet in dem weiten Felde und über das Thal von Greußen“.

Der Name käme dann von der durch Bonifatius gebauten „Heilig-Kreuz-Kirche“. Auch in der Nähe von Kalbach bei Frankfurt am Main gab es in der Nähe einer Bonifatiusgedenkstätte eine „Krutzenkirche“. Aus dem „K“ konnte im örtlichen Dialekt dann leicht ein „G“ werden.

Lürmann leitet den Namen „Greußen“ von „Grus“ ab, weil die Siedlungen auf einer Kiesanschwemmung entstanden sei. Er hält aber auch die Ableitung von „Kreuz“ möglich, bezieht sie aber auf den Herbstmarkt am Tag der Kreuzerhöhung.

 

Herr Wilhelm Ernst Tentzel, kursächsischer Rat in Dresden, spricht: „Greußen, eine Stadt in Thüringen, ist nicht ehrwürdig und hat keine große Zahl an Gebäuden im Überfluß, aber die Arbeit der Einwohner ist am Ende nicht vergeblich, weil der Acker dennoch fruchtbar ist.“

Und der Schulrektor und Abt zu Ilfeld, Herr M. Michael Neander, lobt Greußen mit einem besonderen Spruch, wenn er in seiner „Beschreibung des Weltkreises“ aus dem Jahre 1582 schreibt: „Die edle und berühmte Stadt Greußen wird geschätzt wegen des Weins und der Güter. Sie wird geschätzt wegen ihrer guten Eigenschaften, die man einst beobachten konnte und die bis heute nicht gewichen sind. Die Arbeit dieser Stadt ist richtig und gut geordnet und bemerkenswert von der Freundlichkeit der Bürger her, von ihrer Gastfreiheit, von Schule, Kirche und Stadtverwaltung.

Die Schule leitet Volland, er steht ihr geistreich und gelehrt vor. Der Kirche aber steht unser ehrwürdiger D. Matthäus Bein­hard vor, liebenswürdig und fleißig. In der Stadtverwaltung stehen nicht zuletzt voran Johannes Tentzel (einst der Rektor der Greußener Schule, darauf Ratgeber der Stadt, jetzt aber Bürgermeister), Jakob Ma­ger, Albert Tentzel, Peter Deunhorn (Meister der Früchte und des Handwerks) und Johannes Henning sowie die besten Ratsherren dieser Gemeinde und weise Männer.“                                                                                                                   (2)                   

Es ist unbekannt, von wem Greußen erbaut worden sein mag. Auch von seinem ehemaligen Zustande ist nichts bekannt, nachdem - wie die ganze Innenstadt - so auch alle ihre Nachrichten und Urkunden im Feuer zugrunde gegangen sind, nicht allein in den Jahren 1491 und 1540, sondern auch im Jahre 1687.

 

§ 2. Der ehemalige Stiftsrektor in Ebeleben Paulus Jovius erwähnt zwar in seiner schwarzburgischen Chronik drei Greußen, von denen aber eines absolut „Greußen“ genannt wurde, die anderen beiden aber tragen den Zusatz „Mark-Greußen“ und „West-Greußen“. Er gesteht aber selbst ein, daß er keine Nachricht finde, wo das „Mark-Greußen“ gelegen haben soll.

 

Ebenso findet man nirgends eine Nachricht von der Lage des dritten. Also glaubt man mit Recht, daß das dritte Greußen niemals in der Welt gewesen ist.

Es ist aber auch gewiß, daß das erwähnte „Mark-Greußen“ die noch jetzt stehende Stadt ist. Das bezeugt Jovius selber, wenn er von Graf Günther XXIX. von Schwarzburg anführt, daß er seiner Frau im Jahre 1396 hundert Mark lötiges Silber verschrieben hat als jährliche Rente auf Lebenszeit aus der Stadt Mark-Greußen und Clingen.

 

Diese Ansicht, daß es nur zwei Greußen gegeben habe, wird nicht allgemein anerkannt (siehe: Paul Lürmann „Aus Greußens Vergangenheit“). Um 900 gab es zwei Greußen: das heutige Westgreußen und das heutige Clingen („Clinggreußen“). Das heutige Greußen bestand noch nicht. Marktgreußen wird erstmals 1268 erwähnt, als der Landgraf von Thüringen dem Grafen von Hohnstein den Bau einer Burg erlaubt, ausgenommen in „Marktgreußen“.

Auch darf es nicht „Mark-Greußen“ heißen, wie Haferung schreibt, sondern „Markt-Greußen“. Die in der Chronik folgenden Erwägungen Haferungs gehen also an der Sache vorbei. Auch die Jahreszahl 525 ist natürlich viel zu früh angesetzt. Bei der Erzählung, nach der ein Krieger aus dem Gefolge des letzten thüringischen Königs Herminfried sich in der Gegend des späteren Schieferhofs niedergelassen habe, handelt es sich um eine Sage. Greußen entstand erst Mitte des 13. Jahrhunderts und der Schieferhof erst 1457.

Die Herren von Greußen haben nachweislich von 1178 bis 1578 auf dem Schieferhof gesessen. Doch schon 860 wird ein Ritter Ditleip von Greußen in einer Schenkungsurkunde des Klosters Fulda erwähnt. Der Hof ist wahrscheinlich das älteste Gebäude Greußens. Das mit Schiefern gedeckte Steinhaus mit seinen 1½ Meter dicken Mauern und den gewaltigen Kellergewölben ist von der Stadt durch die nach Kutzleben führende Straße getrennt und mit einer Mauer eingefriedigt. An der Westseite ist es von der Helbe bespült. Südlich des Herrenhauses erstreckte sich das Besitztum bis an den Grollbach. Nach den Lehnsakten heißt der Besitz „Vorgreußen“ und bestand aus dem freien Siedelhof, einem Baumgarten und vier Hufen Land. Im Jahre 1170 treten die Herren von Greußen als Vasallen der Grafen von Frankenstein auf, die ihren Stammsitz auf dem Krayenberg bei Tiefenort haben.

 

Der Schieferhof 1957

 

Nach dem Aussterben der Frankensteiner ging die Burg zuerst an die Hersfelder und dann an die Henneberger. Der Greußener Landbesitz wurde mehrfach verpfändet: Zunächst an die Landgrafen von Thüringen, im Jahre 1436 an die Herren von Hopfgarten, dann an die Herren von Ried­­esel, im Jahre 1468 an die Herren von Lügeln, dann wieder an die Herren von Riedesel und von 1483 bis 1816 an die Herzöge von Sachsen. Daher kommt die Bezeichnung „Sächsischer Hof“, während die Bezeichnung „Schieferhof“ entstand, als das Haus nach 1800 mit Schiefer gedeckt wurde.

Die Herren von Greußen starben allerdings schon 1578 aus. Neuer Besitzer des Schieferhofes wurde Paul Krakau aus dem Hannöverschen. Es folgten 1630 Johann Zacharias Schöne, 1717 Ludwig Bode, 1737 Friedrich von Seebach, 1741 Gottfried Schuchardt und 1816 der Fürst von Schwarzburg-Sondershausen. Dieser belehnte August Wilhelm Gottfried Schuchardt mit dem Hof. Am 28. April 1821 wurde er von Heinrich Christian Dörre in Clingen erworben. Im Jahre 1823 kaufte die fürstliche Kammer den Besitz und löste ihn auf.

Danach wechselten die Besitzer des Hauses häufig. Noch vor 1850 erwarben es die Brüder Böttner und richteten dort eine Gärtnerei ein. Ungefähr 1870 übernahm der Gärtner Reinhold Baum den Hof. Danach ging er an Wilhelm Fritzsche und schließlich an Selmar Aschoff, dessen Familie noch heute der Besitzer ist.

Der Hof hatte einen großen Torbogen am jetzigen Eingang. An der Innenseite besaß das Tor einen Wehrgang. Rechts des Eingangs war die Wohnung für den Torwärter, links war das Haus für die Dienerschaft. Das Herrschaftsgebäude ist in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten geblieben. Die Stall- und Nebengebäude erstreckten sich nach Osten hin zu beiden Seiten der heutigen Ritterstraße. Daran schlossen sich nach Süden ein Baumgarten und ein größere Wiese an. Im We­sten stand einst ein 20 Meter hoher Bergfried mit einer steinernen Spitze (im Jahre 1400 wegen Baufälligkeit abgetragen).

 

Warum man die Stadt Greußen in alten Zeiten auch „Mark-Greußen“ genannt hat, läßt sich aus Mangel an historischen Dokumenten nicht beweisen. In der uralten Sprache der Goten, von denen auch die Thüringer ihren Ursprung genommen haben, bedeutet „Marcos“ so viel wie „Grenze“ oder Ende eines Gebiets. Das hat Franciscus Junius aus der gotischen Ausgabe des Neuen Testamentes und aus anderen Gründen dargestellt.

Und so ist auch noch heutigen Tags in der hiesigen Sprache „Mark“ so viel wie „Gren­­ze“. Man pflegt nämlich hier zu sagen: die Topfstedter Mark oder die Ottenhäusische Mark. Oder man sagt auch: eine „Mark-Säule“, das ist Grenz-Säule. Demnach wäre „Mark-Greußen“ nichts anderes als „Grenz-Greußen“.

Und wenn man in ungewissen Dingen einmal mutmaßen darf, so wird die Stadt schon zu alten Zeiten so genannt worden sein, weil sie - nach der Teilung des Thüringischen Königreiches - gleichsam zum Grenzstein zwischen den Franken und Sachsen gesetzt worden ist. Deshalb ist zu vermuten, daß auch Greußen wie Sachsenburg, Frankenhausen und Sondershausen im Jahre 525 erbaut wurde.

Sachsenburg wurde von den Heerführern der Sachsen genau dahin gebaut, weil die Gebiete der Sachsen bis dahin erweitert wurden. Sondershausen aber heißt so, weil es ein „Haus der Absonderung“ oder eine „Ab-Teilung“ war, weil es vom anderen Thüringischen Land, das der Gewalt der Franken unterworfen war, abgesondert und abgeschnitten worden war.

Greußen sollte die Mark und Grenze sein zwischen den Franken und Sachsen. Daher ist es in alten Zeiten auch „Mark-Greußen“ genannt worden.

(In einer Randbemerkung und auf einem beigelegten Zettel heißt es jedoch: Greußen wurde „Stadt“ genannt, weil sie mit Stadt- und Marktgerechtigkeit begabt war. Denn „forum“ bedeutet „Markt“ oder in der lateinischen Sprache öfters so viel wie „Stadt“. Deshalb wurden auch in alten Zeiten die Bürgermeister „magistri fori“ genannt, das heißt „Markt-Meister“. Ferner gab es Ratsmeister und endlich auch Bürgermeister. Es wird auch noch jetzt ein Markt „Foren“ genannt, aber dieser Zuname dieser Stadt ist unüblich geworden und wird heutzutage gar nicht mehr gehört. „Mark Greußen“ muß vielmehr „Markt-Greußen“ heißen, weil es mit Stadt- und Markt­ge­rech­tigkeit be­gabt ist. Im Archiv wurden Dokumente aus alten Zeiten gefun­den, da hat der Bürgermeister sich genannt „Magister fori“ oder „Martmeister“. Danach wurden sie „Rats­meister“ und „Bürgermeister“ genannt. Clingen wird auch „Marktflecken“ genannt, Weißensee ist ein „forum“, und es gibt auch noch den „Markt Tennstedt“. Auch wird ein Marktscheffel noch bis heute nur „foren“ genannt. Auch heute werden die jungen Männer „Marktmeister zu Greußen“ genannt, die in erster Linie auf den Markt zu sehen haben und insbesondere die Gewichte legen müssen. Ein Marktmeister ist einer, der die Aufsicht und Verantwortung hat).                                                              (3)

 

In späteren Zeiten gab es einen Frühjahrs- und einen Herbstmarkt. Der Herbstmarkt war am Tag nach Mariae Geburt (8. September). Es gab aber auch gelegentlich eine Sommermarkt (17. Juni), einen Viehmarkt und einen Wollmarkt. Am Töpfermarkt standen die Bäcker und Fleischer und südlich davon die Töpferwaren.

 

Das Dorf Westgreußen aber hat den Beinamen „West“ von seiner Lage bekommen. So bleibt es also außer allem Zweifel, daß es niemals mehr als zwei Greußen gegeben hat. Gleichwohl gilt: Aller Dinge Anfang ist klein! Selbst von dem weltberühmten Leipzig ist bekannt, daß es im Jahre 805 noch ein kleines Dorf gewesen ist mit dem Namen „Lieps“.

Auch von der Stadt Greußen ist das gewiß und es ist kein Zweifel, daß sie aus den in dieser Gegend ehemals gelegenen Dörflein erwachsen ist.

Die Namen und Dorfstellen sind noch jetzt bekannt. Zum Beispiel „Entzelnhausen“ vor dem Clingener Tor. Deshalb heißen noch jetzt die Gärten dort „zu Entzelnhausen“ oder „Pfaffenhausen“ (vor dem Rittertor) und „Nachhausen“ oder auch „Rüllhausen“, von dem noch die Ortsstelle und der Friedhof in Richtung Ottenhausen bekannt sind.

 

Die eine Wüstung heißt nicht „Pfaffenhausen“, sondern richtig: „Pfaffenhofen“. Es lag unterhalb der Pfaffenhofmühle an der schwarzburgischen Helbe westlich der Krämermühle. Die Bezeichnung „An der Pfaffenhofmühle“ wird schon 1410 genannt. Pfaffenhofen wird 1490 erwähnt und war eine Niederlassung von Jechaburger und Ilfelder Klosterleuten. In der Reformation ist es eingegangen. Auf dem Kirchberg (=Nahrungsberg) soll die Kirche von Pfaffenhausen gestanden haben. Hier fand man beim Pflügen Gräber mit menschlichen Gebeinen. Näheres über Rüllhausen auf Seite 221.

Kernpunkt Greußens war vielleicht die Altstadt. Dort haben sich Kaufleute ihre Unterkünfte geschaffen, nahe genug beim Marktgebäude am heutigen Marktplatz. Dort stand wohl ein Haus für die Auslagen der Kaufleute. Dort kreuzte sich auch die Straße Erfurt-Nordhau­sen mit der Straße Mühlhausen-Frankenhausen (die alte Leipziger Straße kreuzte auf der Höhe von Westerengel).

Greußen erhielt das Stadtrecht im Jahre 1353 durch den Grafen von Hohnstein (zusammen mit Clingen und Großenehrich). Danach wurden wahrscheinlich die Kleinbauern in der neu gebauten Neustadt angesiedelt, damit die ganze Feldflur genutzt werden konnte.

 

§ 3. Die Herrschaft über die Stadt hat sich seit dem „Interregnum“ dreimal geändert. Zuerst kam Greußen an die Markgrafen zu Meißen. Dann - nachdem Markgraf Heinrich der Durchlauchte das Thüringer Land gegen die Herzogin zu Braband mit streitender Hand erhalten - hat er es neben Sachsen alsbald seinem Sohn Albert übergeben. Das geschah im Jahr 1260.

 

Interregnum: Nach dem Ende der Staufer fehlte eine zentrale Staatsgewalt. Die allgemeine Fried- und Rechtlosigkeit führte zu immer neu aufflammenden Fehden. Räuberbanden machten viele Gegenden unsicher. Erst unter Rudolf von Habsburg (1273-1291) wurde wieder ein handlungsfähiges Königtum aufgerichtet.

 

Weil nun die Stadt Greußen zur Landgrafschaft Thüringen gehörte, kam sie damals auch mit unter die Herrschaft der Markgrafen zu Meißen. Sie blieb aber nicht lange darunter: Graf Heinrich II. zu Hohnstein hatte dem Markgrafen Albert und seinem Herrn Vater in dem bisherigen Krieg treue Dienste geleistet. Deshalb hat Albert - um diese Verdienste zu belohnen - diesem Grafen von Hohnstein noch im gleichen Jahr die Dörfer Greußen übertragen, die zuvor zur Landgrafschaft Thüringen gehörten. Und er hat ihm auch zugleich erlaubt, eine Burg oder Festung dort anzulegen, ausgenommen in Mark-Greußen. Ob nun eine solche Burg gebaut wurde und wo sie gestanden hat, ist nicht bekannt. Zwischen Großenehrich und Westgreußen hat zwar ehemals das Schloß oder die Burg Grolno (?) gestanden. Diese wurde aber - neben anderen wie Spatenberg bei Sondershausen, Rothenburg bei Kelbra und Tretenburg bei Gebesee - im Jahre 1260 auf Befehl des Kaisers Rudolph durch die Bürger von Erfurt zerstört (nachdem unter der nachlässigen Regierung des Landgrafen Albert die Straßen von diesen Burgen aus nur unsicher gemacht worden waren). So sieht man wohl, daß diese Burg nicht gemeint gewesen sein kann.

So war nun die Herrschaft über Greußen an die Grafen von Hohnstein kommen. Auch der frühere Pfarrer und Rektor der Klosterschule zu Walkenried, M. Heinrich Eckstorm (gestorben am 12. Februar 1622), bezeugt in der im Jahre 1593 auf den Grafen Ernst zu Hohnstein gehaltenen Leichenpredigt, daß Graf Heinrich II. zu Hohnstein im Jahre 1260 den Klettenberg, Spatenberg, Kirchberg und Greußen an sich gebracht hat. Dessen Sohn Graf Dietrich III. hat auch noch Sondershausen und Strausberg an sich gebracht.

Dietrich III. hatte aber keine männlichen Erben. Seine beiden Töchter waren aber an die Grafen von Schwarz­burg, Heinrich und Günther, vermählt. Deshalb schloß er im Jahre 1347 mit diesen beiden Schwiegersöhnen eine Erb-Vereinigung. Diese besagte, daß sie nach seinem Tode die Herrschaft Sondershausen einnehmen und besitzen sollten. Darüber erteilte er am 13. April Hand und Siegel. Dieses bestätigte auch Landgraf Friedrich am 31. Dezember zu Eisenach. Am zweiten Mittwoch nach dem Sonntag Quasimodogeniti des Jahres 1349 erfolgte außerdem die kaiserliche Bestätigung durch Karl IV. selbst.

Als nun der erwähnte Graf Dietrich von Hohnstein im Jahre 1356 in seiner Stadt Sonders­hau­sen starb, so wurde die Herrschaft von den beiden Grafen von Schwarz­burg wie verabredet eingenommen. So kam also die Herrschaft über die Stadt Greußen von den Grafen zu Hohnstein an die Grafen zu Schwarzburg.                                                                                                                                                                (4)

Es beschwerten sich zwar die anderen Grafen von Hohnstein, die Vettern des Verstorbenen, und überzogen die beiden Schwarzburg mit Krieg. Weil sich aber die Landgrafen Friedrich und Balthasar einschalteten, so wurde die Sache zu Weißensee verglichen, und die Herrschaft Sondershausen blieb schwarzburgisch.

Was die Stadt Greußen nun damals geworden ist, das ist sie durch Gottes Gnade und Erhaltung bis auf die gegenwärtige Zeit geblieben. So hat auch die Stadt Greußen mit den gesamten schwarzburgischen Landen in Zukunft einerlei Schicksal gehabt.  

 

§ 4. Der eigentliche Stammvater des noch jetzt blühenden Hauses Schwarzburg, Graf Günther, segnete im Jahre 1552 das Zeitliche. Seine beiden Söhne, nämlich Johann Günther und Albert, haben nicht allein ihre Lande und Herrschaften in zwei Teile geteilt, sondern auch zwei Linien gestiftet, jener die Arnstädter und dieser die Rudolstädter. Greußen ist bei der Arnstädter Linie geblieben und ist es auch noch jetzt, wenn auch nicht ohne Veränderungen beim Tod der Landesväter, wie nunmehr im Folgenden dargestellt wird.

 

 

Als der hochangesehene Stammvater der Arnstädter Linie, Graf Johann Günther, im Jahre 1586 aus dem zeitlichen Leben in das ewige wechselte, hinterließ er vier Söhne, nämlich die Grafen Günther, Anton Heinrich, Hans Günther und Christian Günther. Diese vier Grafen haben aber die väterlichen Erblande niemals wirklich unter sich verteilt und besondere Regierungen eingesetzt, sondern haben die Erblande gemeinschaftlich verwaltet. Denn obwohl man eine zwischenzeitliche Teilung untereinander getroffen hatte und jeder für sich allein residierte - nämlich Graf Günther zu Arnstadt, Graf Anton Heinrich und Hans Günther zusammen in Sondershausen und Graf Christian Günther in Ebeleben - so ist doch die Regierung selbst gemeinschaftlich und ungeteilt geblieben. Außer dem einem jeden zugewiesenen Anteil sind auch die meisten Einkünfte gemeinsam geblieben.

In dieser Gemeinschaft ist die brüderliche Einigkeit ohne Unterbrechung so fortgesetzt worden, daß ein vornehmer Theologe der damaligen Zeiten öffentlich von ihnen geschrieben hat: „Mit diesem sehr leuchtenden und völlig einzigartigen Beispiel brüderlicher Eintracht leuchten sie allen voran!“

Eine Gerichtsordnung („Stuhl-Mandat“), die im Jahr 1608 am 16. März unter diesen vier Herren Grafen gemeinschaftlich veröffentlicht wurde, ist noch jetzt hier in Greußen vorhanden und auch noch in Gebrauch.

 

 

Sie hatten auch als recht weise und verständige Herrscher allen Grund, in hoher brüderlicher Einigkeit zusammen zu halten, damit sie allezeit imstande wären, ihre Untertanen zu beschützen. Das war umso mehr nötig, weil das im Jahre 1620 in Böhmen angegangene Kriegsfeuer immer weiter um sich griff und sich im Jahre 1626 ihren Landen näherte.

Jedoch legte Gott, der Herr, nach seinem heiligen Rat und Willen, im letzten Jahrzehnt des Dreißigjährigen Krieges diesen Landen ein recht hartes Los auf. Er schuf einen großen Riß in dem damaligen gräflichen Haus, indem er innerhalb von zehn Jahren diese vier Brüder hinweg nahm, die bis dahin gemeinschaftlich regiert und durch das Band des Friedens alles zusammen gehalten hatten: nämlich im Jahre 1632 Graf Hans Günther, im Jahre 1638 Graf Anthon Heinrich, am 25. November 1642 Graf Christian Günthern in Sondershausen und am 7. Januar 1643 Graf Günther zu Arnstadt (dabei haben die beiden gräflichen Leichname zugleich auf der Bahre gestanden).                                                                                                                    (5)

 

§ 5. Darauf kam die Regierung an die junge Herrschaft. In den betrübten Zeiten war es sehr nötig, die Söhne durch Frömmigkeit und Gottseligkeit zu festigen. Die drei ersten verstarben ohne männliche Erben. Graf Christian Günther aber hatte drei Söhne, nämlich Christian Günther, Anton Günther und Ludwig Günther.

Diese drei fügten sich nun auch in die Zeit: Weil sie das preiswürdige Beispiel ihrer Vorfahren vor Augen hatten, hielten auch sie noch fromm in den schweren Zeiten zusammen und regierten von da an bis zum Jahre 1651 auch gemein­schaftlich. Infolgedessen hatte das gesamte Land und auch besonders die Stadt Greußen erneut nicht nur einen, sondern drei Herren, die aber doch, wenn es um das Beste für das Land ging, für einen Mann standen.

Im hiesigen Ort wurde die Huldigung am 20. April 1643, am Donnertag nach dem Sonntag Miserikordias, gar feierlich vorgenommen. Die Predigt hielte der damalige Pfarrer M. Dreyschärf. Herr Graf Christian Günther und Herr Graf Anthon Günther waren persönlich anwesend, daneben die Fräulein Schwestern und die Herren Räte.

Herr Graf Ludwig Günther war aber nicht da, weil er noch verreist und in der Fremde war.

Bei der Prozession in und aus der Kirche gingen die Geistlichen und der Rat von Clingen und Großenehrich hinter dem Wagen her. Nach dem Ende der Predigt mußten auf dem Rathaus zuerst der Rat und die Kirchen- und Schullehrer, danach auf dem Markt auch die gesamte Bürgerschaft und das Landvolk - nach vorher gehaltener Rede, Gegen-Antwort und Gratulation - die Huldigung gebührend ablegen.    

Als aber das alles vollendet war, hat der Graf die Geistlichen und den Rat von Greußen wie auch die Geistlichen und den Rat von Clingen und Großenehrich sämtlich zur Tafel da behalten. Sie wurden nicht nur herrlich behandelt, sondern auch aller Gnaden und landesväterlichen Schutzes versichert. Wie schlecht es aber diesem Herrscher später in den kümmerlichen Zeiten ergangen ist, wird im XII. Kapitel ausgeführt werden.

Nachdem im Jahre 1650 der so lang gewünschte Friede endlich in Kraft getreten war und nachdem man ihn nunmehr genießen konnte, so wollte jeder der Brüder seinen Teil für sich haben. So teilten sie am 13. Mai 1651 ihre bis daher gemeinschaftlich beherrschten Lande auf: Herr Graf Christian Günther bekam Arnstadt, Herr Graf Anthon Günther Sondershausen und Herr Graf Ludwig Günther Ebeleben.

 

Zwei Dinge waren bei dieser Teilung besonders bemerkenswert: Einmal, daß die Teilung durch das Los fast ebenso fiel, wie sie der Herr Vater vor seinem Tode hatte aufzeichnen lassen.

Danach war bemerkenswert, daß ein jeder an seinem Orte blieb, wo er bis dahin gewesen war und seine Residenz nicht zu verändern brauchte. Weil nun damals aus dem Amt Clingen die Städte Greußen und Großenehrich samt den Dörfern Rohn­stedt und Wenigenehrich ausgegliedert und dem Herren Graf Ludwig Günther zugeteilt wurden, so ist die Stadt Greußen an Ebeleben gekommen.                                                                                                                                                                       (6)

§. 6. Bei dieser Einteilung ist es von 1651 bis 1681 (gerade 30 Jahre) geblieben. Im Jahre 1666 starb Herr Graf Christian Günther zu Arnstadt. Er ließ einen einzigen Sohn und Nachfolger, Johann Günther, im Alter von zwölf Jahren zurück. Dieser hatte aber eine besondere Lust und Liebe zu den Studien und ging nach Tübingen, um dort seine Studien zu treiben. Aber er starb dort im Jahre 1669, drei Jahre nach dem Vater, im Alter von 15 Jahren.

Der andere Herr Graf, Anthon Günther zu Sondershausen, starb in demselben Jahre 1666 wie sein Bruder. Er hinterließ aber nicht allein fünf Töchter, sondern auch zwei Söhne, die Gott recht zum Segen gesetzt hat, nämlich Herrn Graf Christian Wilhelm und Herrn Graf Anthon Günther.

Im Jahre 1681 starb auch Herr Graf Ludwig Günther zu Ebeleben ohne männliche Erben. So kamen die gesamten Lande wieder an die schon erwähn­ten Herren Brüder. Die beiden Städte Greußen und Großenehrich wie auch die Dörfer Rohnstedt und Wenigenehrich wurden wieder dem Amt Clingen übertragen. So befindet sich Greußen noch in dieser Stellung und gehört zu Son­dershausen. Jedoch hat es kein Amt, sondern es gehört rechtlich zu Sondershausen, wie es schon gewesen war, als es dem Graf Ludwig Günther zugefallen war.

Unter diesem Gesalbten des Herren, dessen Residenz die Stadt Sondershausen war, hat nun Greußen von 1681 bis 1721 in erwünschter Blüte gestanden. Es hat das besondere Glück erlebt, daß Kaiser Leopold I. den Landesvater allergnädigst in den Reichsfürstenstand erhob. Das ist im Jahre 1698 am Sonntag Reminiszere hier von der Kanzel verlesen worden. Diesen hat Gott - nachdem er alt und lebenssatt geworden war - am 10. Mai 1721 zu sich in den Himmel genommen.

 

Sein erstgeborener Sohn Günther ist ihm in der Regierung nachgefolgt. Weil wir nun diesen als unseren gnädigsten Landesvater und Erben des väterlichen Stuhls mit untertänigster Ergebenheit anerkennen, so wünschen wir auch und bit­ten Gott, den Herrn, durch den Fürsten und Könige regieren, er wolle ihn auch zu einem Erben der väterlichen Jahre machen und dabei alles hohe fürstliche Wohlergehen erleben lassen.

Es ist hier nicht gesagt, welcher der beiden Sondershäuser Grafen Christian Wilhelm und Anthon Günther der eigentliche Landesherr war. Es ist anzunehmen, daß der erstgenannte Graf Christian Wilhelm bedeutender war. Günther XLIII. wäre dann sein erstgeborener Sohn gewesen. Auf ihn folgte sein jüngerer Bruder Heinrich XXXV., darauf Christian Günther III. und dessen Sohn Günther Friedrich Carl I. (seit 1794).

 

Was sich aber in der Stadt Greußen unter der Regierung eines jeden Landesvaters in geistlichen und weltlichen Dingen zugetragen hat, wird weiter unten, jedes an seinem Ort, angeführt werden.

 

 

 

 

 

 

Das II. Kapitel.

Von dem Stadt-Magistrat, dessen Wappen und Statuten.

 

§ 1. Das Kollegium des edlen und würdigen Rates hat von Anfang an - so weit sich darüber eine Nachricht findet - aus einer Ratsversammlung bestanden (genannt „Mittel“). In ihr sind alle Zeit sechs Bürgermeister und zwölf Ratsherren gewesen. Der Vorsitz wurde alle drei Jahre an jeweils einen Bürgermeister übertragen. Darüber findet sich seit 300 bis 400 Jahren eine sichere Nachricht.                                                                                                                                                                                   (7)

Im Jahre 1424 wurde durch das Entgegenkommen Heinrichs, des damaligen Abtes zu Ilfeld und Patrons der Kirche, in Gegenwart dreier Räte, der Grundstein für die Kirche Sankt Martin gelegt. Nachdem man den ganzen Bau innerhalb von 59 Jahren vollendet, und im Jahre 1483 die Einweihung geschehen sollte, setzte der Meister eine schöne Altartafel hinten dran: „Im Jahre 1483 am fünften Tag nach dem Tag des Heiligen Bischofs Bonifatius, wurde diese Tafel vollendet durch mich, Leonhard Könberg, jetzt in Erfurt wohnend. Die derzeitigen Bürgermeister sind: Ambrosius Angel und Heinrich Hauschild, Ratsmitglieder Hans Sachse, Werner Ebald, Heinrich Werdin und Hans Schönzail.“

 

Daß so lange an der Kirche gebaut worden sein soll, ist sehr unwahrscheinlich. Schon in dem Teilungsvertrag im Haus Schwarzburg-Blankenburg von 1411 wurde die „neue Kirche zu Greußen“ erwähnt. Bei der Einführung des neuen Pfarrers in Greußen im Jahre 1453 wird ihm aufgegeben, er solle in der Kirche Gottesdienst halten, was bei einer unfertigen, noch nicht geweihten Kirche ausgeschlossen war.

 

Im Jahre 1532 fing man hier an, das Evangelium nach der Reformation Luthers predigen zu lassen. Deswegen handelte man am Abend des Nikolaustages in Gegenwart dreier Räte mit dem ehrwürdigen Herrn Johannes Thal wegen seines Lehr- und Predigtamtes aus, daß er jährlich vom Rat 20 Gulden haben sollte, solange er lebt oder bei denen von Greußen bleiben könne (so besagt es ein altes Handelsbuch auf dem hiesigen Rathaus).

 

Die Regelung mit den drei Ratsjahrgängen („Mittel“) ist auch geblieben bis zum Jahre 1694, als Fürst Christian Wilhelm aus gewissen Gründen eine der drei Ratsversammlungen abschaffte, so daß jetzt nur noch zwei vorhanden sind, und immer eine mit der anderen wechselt. In alten Schriften werden die Bürgermeister genannt „Ratsmeister“, die Ratsherren aber „Rats-Compane“.

 

Als der Ort um 1350 Stadt wurde (mindestens seit 1353), bildete sich eine Selbstverwaltung heraus. Vertretung der Bürgerschaft war ein Ratskollegium oder „Ratsmittel“. Dieses bestand aus „Ratsmeistern“ und „Ratskompanen“. Im Jahre 1369 werden ein Ratsmeister und drei Rats­kompanen, im Jahre 1370 zwei Ratsmeister und vier Ratskompanen erwähnt. Ratsmeister und Ratskompane wurden dann später auch „Bürgermeister“ und „Ratsherren“ oder aber auch „Ratsverwandte“ genannt.

 

Jedes Ratsmittel amtierte ein Jahr lang als regierendes Ratsmittel. Danach war es „sitzendes“ Ratsmittel, das auf dem Rathaus so lange arbeitete, bis es seine Steuerabrechnung abgeschlossen hatte. Im dritten Jahr wurde es „ruhendes“ Ratsmittel. Es bestanden also drei Ratskollegien nebeneinander. Insgesamt bestand der Rat also aus 18 Personen, nämlich dreimal zwei Bürgermeistern und dreimal vier Ratsherren.

Die Leitung des Rates hatte der Bürgermeister, sein Stellvertreter führte das Kassebuch der Stadt. Das erste Ratsmitglied war Baumeister, das zweite war Weinmeister und kümmerte sich um die Stadtkämmerei, das dritte war Zolleinnehmer, das vierte Waagemeister. Diese Ratsmitglieder hießen später auch „Vier-Leute“ und sollten die Wünsche der Bürgerschaft beim Rat vertreten; sie wurden aber vom Rat gewählt und dann von der Regierung bestätigt.

Im Jahre 1698 wurden die Ratsmittel auf zwei verringert. Am 26. Dezember 1820 wurde der Stadtrat auf ein dauerndes Ratskollegium verringert, bestehend aus Oberbürgermeister und Unterbürgermeister und zwei Senatoren. In dieser Übertragung der Chronik ist das Wort „Ratsmittel“ durch „Ratsjahrgang“ wiedergegeben.

 

Weil Greußen von Anfang bis zum Jahre 1651 Sitz eines Amtes gewesen ist und vom Amtmann zu Clingen abhängig war, so pflegte dieser hier auch an bestimmten Tagen mit im Gericht zu sitzen.

Am Michaelistag 1497 (29. September) wurde beispielsweise der neue Rat wie folgt in das Ratsbuch aufgezeichnet:

    1. Veit von Witzleben, Amtmann zu Clingen.

    2. Hans Fleck,                     Ratsmeister

    3. Hans Hauschild, Ratsmeister   

    4. Barthel Schmidt,            Ratsmitglied

    5. Hans Schönzail   Ratsmitglied  

    6. Peter Simon        Ratsmitglied  

    7. Georg Wulner    Ratsmitglied.              .

 

Und wenn etwas in das Handelsbuch aufgezeichnet wurde, so hieß es: „Heute ist vor dem Amtmann zu Clingen und den Ratsmeistern und deren Stellvertretern vor der öffentlichen Gerichtsbank erschienen..... usw.“ (Gerichtsbank = Schranke des Gerichts).

 

Der Verfasser der Chronik widerspricht sich hier selber, denn oben hat er gesagt, daß Greußen entweder zum Amt Clingen oder zum Amt Ebeleben gehört hat. Das Amtshaus oder Justizamt soll am sogenannten „Pranger“ gestanden haben, wo die Zwingerstraße vom Marktplatz abgeht, und zwar an der Nordseite, wo später das Bodensteinsche-Bärholsche Haus Nummer 119 und 123 stand.

Sternickel schreibt: „Der Name Prangel oder Pranger deutet darauf hin, daß hier der Schandpfahl oder das Halseisen gestanden hat. Am Kreuzgewölbe fand man Krampen, die für ein Gefängnis gedient haben könnten. Das Haus war so groß wie zwei Häuser, die später an dieser Stelle standen. Es muß deshalb das Amtshaus gewesen sein. Daneben waren die Wohnung des Amtsdieners und das Gefängnis. Es gab keine Verbindung zum Müllerschen Haus. Vom 12. bis 15. Jahrhundert gab es hier das Justizamt, das dann nach Clingen verlegt wurde. Der Stadt­rat hatte die Gerichtsverwaltung über die Bürger mit Ausschluß der Kriminalsachen. Urkunden beweisen jedoch, daß der Amtmann von Clingen noch längere Zeit den hiesigen Ratsverhandlungen beigewohnt hat.“

Hesse schreibt: „In dem großen Amtshaus am Pranger regierte der Hohnstein’sche Vogt, der neben der Gerichtsbarkeit auch die Verwaltung der Stadt innehatte. Unterirdische Kreuzgewölbe dienten als Gefängnis. Auf der Abbildung Merians von 1610 fällt das Gebäude durch seine Höhe und Breite auf. Es stand an der Stelle, auf der sich die er­sten fünf Häuser am Nordende des Zwingers befinden. Es hatte von allen Seiten freie Zugänge.

Bis zur Verlegung des Justizamts nach Clingen war es das Haus der Gerichtsbarkeit von Greußen und Umgebung. Danach wurde es vom Rat neben dem Rathaus teilweise in Benutzung genommen (?).“

Lürmann aber schreibt: Pranger und Amtshaus sind nicht nachzuweisen. Das Amtshaus war in Clingen. Vielleicht stand am Eingang des Zwingers das Zollhaus, in dem bis 1668 der Amtmann zu den Jahrmärkten Gerichtssitzungen hielt. Im Keller war eventuell ein Gefängnis, aber kein Pranger (der war am Rathaus).

 

§ 2. Das Wappen des hiesigen Magistrats zeigt nicht allein den Bischof Martin zu Pferde, sondern auch in dem kleinen Schild einen springenden Löwen. Den Sankt Martin zeigt es zu Pferde sitzend, wie er an sei­nem Schwerte noch ein Stück des zerteilten Mantels hängen hat und die andere Hälfte einem Armen gegeben hat.

Martin wurde zu Sabaria in Ungarn, nicht weit von Posonium, geboren. Danach wurde er von seinen heidnischen Eltern in Tecinus in Italien erzogen. Weil er sich aber von Jugend an der christlichen Religion und Lehre zuwandte und dieses seinem Vater nicht gefiel, brachte er ihn unter die Soldaten und ließ ihn unter dem Kaiser Julian Kriegsdienste tun.

Dieses hatte er nun ganze drei Jahre getan, als er mitten im Winter bei strenger Kälte auf einen Bettler stieß. Dieser war ganz nackt und schon von vielen Reichen abgewiesen worden, die er um eine Decke für seinen Leib angesprochen hatte. Martin nahm seinen Mantel vom Leib, ließ den Bettler an einem Ende anfassen und er tat es an dem anderen, zerteilte ihn mit dem Schwert in zwei Stücke und gab die eine Hälfte diesem Armen.                                                                                   (8)

Die folgende Nacht aber erschien ihm Christus mit dem Stück dieses seines Mantels bekleidet. Er rühmte gegenüber den heiligen Engeln, wie ihn Martin - ein frommer und selbst armer Soldat - bekleidet habe, wo ihn doch viele Reiche nackend gelassen hätten.

Nachdem er nun diese Erscheinung gehabt hat, wandte er sich an Hilarius, den Bischof von Pietavi, um sich taufen und zum Priester weihen zu lassen. Im Jahre 374 wurde er sogar Bischof von Tours in Frankreich.

 

Als er der Kirche dort mit der Predigt des göttlichen Wortes und der Austeilung der heiligen Sakramente 26 Jahre lang vorgestanden hatte, ist er dort sanft und selig verschieden im Jahre 400, im Alter von 82 Jahren. Nach dem Bericht in einer Chronik von Tours sollen bei seiner Beerdigung die Engel vom Himmel gesungen haben.

 

Martin war - nach der Meinung der Katholischen - ein Patron der Thüringer. Deshalb stel­len diese nicht allein Gaben für die Soldaten Sankt Martins zur Verfügung, sondern müssen auch noch dem Bistum Mainz gewisse Abgaben von allen Kirchen geben, zu Ehren Martins, des thüringischen Kirchen- und Landespatrons. Durch den Sankt Martin in dem hiesigen Ratssiegel wird angezeigt, daß man ihn unter der damaligen päpstlichen Finsternis auch als einen Patron dieser Stadt anerkannt hat, wie denn auch die hiesige Pfarrkirche ihm zu Ehren geweiht war und noch jetzt „die Kirche Sankt Martini“ heißt.

Der springende Löwe aber in dem kleinen Schild darunter ist das Zeichen der schwarzburgischen Oberherrschaft. Diese pflegte früher allgemein durch einen solchen Löwen oder die Gabel angezeigt zu werden. Dieses Siegel ist dem hiesigen Rat übertragen oder erneuert worden im Jahr 1531, wie die Jahreszahl in dem Siegel anzeigt.

 

 

Es ließ auch Graf Heinrich XXXIII. im Jahre 1525 einen Taler prägen, auf dessen Vorderseite das alte schwarzburgische Wappen zu sehen ist. Es zeigt ein Schild mit dem schwarzburgischen Löwen, das gehalten wird zur Rechten von einem wilden Mann und zur Linken von einer wilden Frau, die beiderseits auch Wappen führen. Über dem Schild ist ein offener Helm, auf dem der schwarzburgische Löwe zu sehen ist mit der genannten Jahreszahl. Drumherum steht: „Neues Geld Heinrichs, des Grafen von Schwarzburg“. Auf der Rückseite ist ein Heiliger zu Pferde zu sehen, der mit dem Degen ein Stück vom Mantel schneidet, um es einem zwischen den Pferdesbeinen liegenden Krüppel zu geben, mit der Beischrift: „Heiliger Martin, bete für uns!“                                                                                                                           (9)

 

 

 

                                    Das III. Kapitel

Von der Einführung des Christentums, dem Verfall in päpstliche Irrtümer und der darauf erfolgten Reformation Luthers.

§. 1. Wenn von dem zu Greußen eingeführten Christentum, dem Verfall in päpstliche Irrtümer und der darauf erfolgten Reformation Luthers geredet wird, so ist das freilich ein Stoff, welcher mit allem Fleiß zu untersuchen wäre.

Nachdem aber nicht nur in den Kriegen, sondern auch in den entstandenen Feuersbrünsten die nötigen Dokumente verlorengegangen sind und von den rechten Umständen der Heidenbekehrung in Thüringen nichts Zuverlässiges vorhanden ist, so kann nur schwer eine sichere Nachricht darüber eingeholt werden. Dennoch sollte zu jedem Thema etwas angeführt werden.

Es ist außer allem Zweifel, daß Christus sofort nach seiner Himmelfahrt auch in Thüringen Buße und Vergebung der Sünden hat predigen lassen und so die Menschen zu Gott bekehren lassen. Man muß bedenken, daß seine Jünger nicht allein den Befehl gehabt haben, in alle Welt zu gehen und die Heiden zu bekehren (Matthäus 28, Vers 19). Er hat sie auch so ausgerichtet, daß Paulus schon zu seiner Zeit (das ist im Jahre 64) rühmen konnte, es sei nun keine Kreatur mehr unter dem Himmel, der das Evangelium von Christus nicht bereits gepredigt worden ist (Kolosser 1, Vers 23).

 

Sicherlich ist das Christentum nicht schon gleich nach der Himmelfahrt nach Thüringen gekommen. Die biblischen Stellen beziehen sich nur auf die damals bekannte Welt. Der Verfasser schreibt ja unten se­l­ber, daß es erst im 6. Jahrhundert Christen in Thüringen gab, die Bonifatius dann der Aufsicht des Papstes in Rom unterstellte.

Nach Toppius soll Bonifatius, der „Apostel der Deutschen“, im Jahre 731 zwischen Clingen und Greußen eine kleine Kapelle errichtet haben, nachdem er Sondershausen-Jecha verlassen hatte. Die Lage dieser Heilig-Kreuz-Kirche ist nicht mehr bekannt.

Sie könnte an der Stelle der heutigen Clingener Kirche gestanden haben, die ja östlich des Ortes errichtet wurde. Daß ein Ort zwei Kirchen hatte, ist nicht ungewöhnlich, weil die Kirche ja nicht von der Zahl der Gemeindeglieder abhängig war, sondern von ihren Einnahmen.

In Clingen gab es eine Andreaskirche mit Kirchhof, die 1227 und 1247 erwähnt wird und 1533 nur noch eine Kapelle war. Sie lag zuerst im Flurteil „Zwei Linden“, im Jahre 1506 vor dem Schloß nordwestlich des Ortes (ist das die gleiche Stelle, nur zwei Bezeichnungen?). Heute ist sie nicht mehr vorhanden. Die andere Kirche ist die Pfarrkirche St. Gumperti. Sie soll um 1207 entstanden sein.

Die Pfarrkirche kann aber nicht auf ein Kloster zurückgehen, denn in Clingen gab es kein Kloster, sondern nur eine Klosterniederlassung („Klosterhof“) mit Namen „Pfaffenhofen“ unterhalb der Pfaffenhofmühle.

Die Kirche aus der Zeit des Bonifatius könnte aber auch weiter in Richtung Greußen gestanden haben, auf dem Gelände der ehemaligen Molkerei in der Marienstraße. Das Flurstück „Unter den drei Linden“ geht von der Lindenstraße entlang dem Steingraben bis nach Clingen. Der „Lindenplatz“ war der Festplatz der Greußener und lag an sich zwischen der Lindenstraße und der Marienstraße. Aber der eigentliche Platz „unter den drei Linden“ war in der heutigen Marienstraße, wo die Geschwister-Scholl-Straße auf diese trifft, aber an der Nordwestseite, wo später die Molkerei war (gelbes Backsteingebäude).

Zumindest verlief auf dieser Strecke nördlich der heutigen Schwarzburger Straße ein Fußweg von Clingen nach Greußen, der dann bei der Heilig-Kreuz-Kirche abbog über den Steingraben in Richtung Clingener Tor. Oder die Straße führte südlich des Steingrabens auf einen Turm mit Durchgang zu (wie es eine Stadtansicht bei Sternickel zeigt) und dann weiter südlich des Waidhofs zum Markt (heute: abknic­kende Herrenstraße).

Bonifatius pflegte allerdings nur einfache Holzkirchen zu errichten. Später muß dort eine Kapelle aus Stein gebaut worden sein, denn bei Ausschachtungsarbeiten wurden starke Mauerreste, Reste von Kirchenfenstern und Torbogen und ein Brunnenschacht freigelegt.

 

Nun gehörten aber die alten Thüringer auch mit zu den menschlichen Geschöpfen unter dem Himmel. Man liebte die Finsternis mehr als das Licht und ging bald wieder hin zu den stummen Götzen, zu denen man von der verderbten Natur geführt wurde (1. Korinther 12, Vers 2). In dem benachbarten Sachsen waren die Irminsäule, der Crodus und der Tibelinus die vornehmsten Abgötter. Man verehrte sogar den Teufel selbst, damit er nicht schaden möchte. Die Versöhnung desselben geschah im Allgemeinen durch Menschenblut, weshalb sie denn auch von den Kriegsgefangenen jeweils den zehnten Mann zu opfern pflegten. So tat man es auch in Thüringen.                                                                                                                                                   (10)

Wenn man besonders auf die hiesigen Gegenden des Lan­des sieht, so verehrte man dort den Abgott Püsterich und die Abgöttin Jecha. Jener stand auf der Rothenburg in der Goldenen Aue bei Kelbra.

Die heidnischen Pfaffen pflegten von dieser Höhe die Einwohner des Landes zu erschrecken und im blinden Gehorsam zu halten durch den Donner und die Feuerflammen des Püstrich, die er erregte, wenn er mit Wasser angefüllt und aufs Feuer gesetzt wurde.

Das Bild selbst, aus Erz gegossen, ist noch jetzt im Zeughaus in Sondershausen zu sehen. Jecha aber wurde auf dem Frauenberg bei Sondershausen verehrt. Daher haben auch noch jetzt die beiden Dörfer Jecha und Jechaburg den Namen.

 

Der Heidengott hatte die Gestalt eines dicken und rundköpfigen Knaben, der kniet und dessen rechte Hand auf dem Kopf und dessen linke auf dem Knie liegen. Er war 76 Pfund schwer und etwa 60 Zentimeter groß. Oben auf dem Kopf und im Mund befanden sich Löcher, durch die man die Figur mit Wasser füllte und die danach mit Holzpflöcken verstopft wurden. Wenn man die Figur dann aufs Feuer setzte, dehnte sich das Wasser aus und die Holzpflöcke flogen mit einer donnerähnlichen Explosion heraus. Das Volk wurde dadurch erschreckt und versuchte, den Götzen durch Opfergaben mild zu stimmen.

 

Wann und zu welcher Zeit aber der heidnische Götzendienst in diesem Lande abgeschafft und die christliche Religion wieder eingeführt wurde, läßt sich so eigentlich nicht sagen. Manche wollen ja den Heiligen Bonifatius zum Apostel der Thüringer machen, was ja auch wirklich sein Verdienst und die Wahrheit ist. Diese verbinden die Einführung des Christen­tums mit seiner Ankunft im hiesigen Land: Im Jahre 725 soll er Jecha zerstört haben und im Jahre 731 die Kirche bei Greußen gebaut haben.

Daß schon im 7. Jahrhundert, ja bereits zum Anfang des 6. Jahrhunderts, Christen in Thüringen gewesen sind - ehe noch Bonifatius geboren war - das hat Sagittarius in seinem Buch „Altertümer der Heiden und der christlichen Thüringer“ zur Genüge erwiesen. Dennoch ist nicht zu leugnen, daß der christliche Gottesdienst in hiesigem Lande nicht eher als im 9. Jahrhundert recht in die Ordnung gebracht und die heidnische Abgötterei völlig abgeschafft wurde. Dazu hat Bonifatius freilich viel getan und hat es auch gut gekonnt.

Denn nachdem er im Jahre 721 das zweite Mal in Rom gewesen ist und von dem damaligen Papst Gregor II. ein nachdrückliches Empfehlungsschreiben an die fränkischen Könige mitgebracht hatte, hat er sich Kraft desselben die weitere Bekehrung der Thüringer vorgenommen und ist bald zu großem Ansehen gekommen und hat mit seinem Predigen hier und da viel Volks bekehrt.

 

Ja, als er im Jahre 731 vom Papst Gregor III. gar zum Erzbischof gemacht worden war - jedoch ohne daß er vorerst mit einem bestimmten Ort verbunden gewesen wäre - kam er abermals nach Thüringen und bekehrte noch viele Völker. Und weil die Heiden dieser Lande keine Kirchen gehabt haben, ließ er überall neue Kirchen aufbauen. Dieses ist nun auch hier in Greußen geschehen, weil er in demselben Jahre vor dem Clingener Tor eine Kirche hat bauen lassen, von der im nächsten Kapitel weiteres berichtet wird.

 

§ 2. So ist nun zwar das Licht des Evangeliums in Thüringen nach und nach immer heller aufgegangen. Jedoch haben sich auch die päpstlichen Finsternisse wieder ausgebreitet, so daß die Oberen und die Untertanen nicht nach dem geoffenbarten Worte Gottes, sondern nach den vorgeschriebenen Menschensatzungen des Papstes gelebt haben. Und das um so viel mehr, weil der schon vorher dargestellte Apostel Thüringens und der Thüringer, Bonifatius selbst, das Unkraut der päpst­lichen Irrtümer unter den Weizen göttlicher Lehre mit untergemengt hat.

Denn so mußte er zu Rom vor dem Papst erst einen körperlichen Eid ablegen (mit eigener Hand und mit Anfassen einer Reliquie) und auf die Gebeine des Apostels Petrus schwören, er wollte dem Papst in allem gehorsam sein und nach seinen Kräften das Reich desselben ausbreiten helfen.                                                                                                                                                                                                          (11)

Er brachte auch eine große Menge vermeintlicher Heiligtümer und Reliquien von Totengebeinen und anderem Zeug mit sich von Rom, um mit ihnen den Grund zur neuen Abgötterei und römischem Aberglauben bei den hiesigen Einwohnern zu legen. Ja, er verbot den Prie­stern die Ehe. Und wenn sie Christus nicht nach den römischen Satzungen predigen wollten, wurden sie zu Ketzern erklärt und gar ihres Amtes entsetzt.

Daß nun diese päpstlichen Finsternisse auch hier zu Greußen alles bedrückt haben, ist noch aus vielen Merkmalen zu erweisen. Man vergaß ja auch hier Gott und suchte die Hilfe bei den Heiligen. Daher mußte die hiesige Pfarrkirche im Jahre 1483 zur Ehre des Heiligen Martin geweiht werden. Und als im Jahre 1512 die Büchsenschützen-Bruderschaft gegründet wurde, nahmen sie nicht Gott oder Christus zum Patron an, sondern den Heiligen Laurentius und den Heiligen Christophorus.

Ja, man suchte nicht durch den Glauben, sondern durch die guten Werke die Seligkeit zu erlangen. Deshalb vermachte der hiesige Bürger Hans Bonifatius im Jahre 1489 eine eiserne Kufe (Flüssigkeitsmaß für Bier) für die Kirche zu Clingen, wie es in den dortigen Statuten mit diesen Worten aufgezeichnet wurde: „Am Montag nach Okuli (Mitfasten), im 89. Jahr des Jahrhunderts (?), hat der ehrsame Greußener Bürger Hans Bonifatius zu seiner Seelen Seligkeit eine eiserne Kufe in die Pfarrkirche Sankt Gumpert zu Clingen gegeben. Diese Kufe soll an der Vortür die Form hergeben für ein Pfund Wachs, das jährlich zu dem Licht unser Lieben Frau in der genannten Pfarrkirche dienen soll. Geschehen wie oben bei dem Ratsmeister Hans Bisckindorf und Heinrich Surbir, gleicher Ort, Jahr wie oben.“

Wenn sich einer nicht auf sein eigenes Werk verlassen konnte, so versuchte er, durch gekaufte Seelenmessen Anteil an fremden Werken zu erlangen: Denn die Einfältigen mußten sich einreden lassen, daß man für das an ein Kloster vermachte Geld oder für übereignete Grundstücke Nutzen haben könnte von den guten Werken, die die Mönche darin Tag und Nacht tun, und damit vor Gott so gut bestehen könnte, als habe man sie selbst getan.

In dieser Hoffnung schenkte Bernd von Tettenborn kurz vor der Reformation seinen bei Greußen gelegenen Weinberg an das Kloster Walkenried, weil die Mönche dort versprochen hatten, sie wollten wöchentlich Seelenmessen halten für alle, die aus dem Tettenbornschen Geschlechte seit Adams Zeiten verstorben wären und künftig noch sterben würden. Aus diesem Weinberg haben diese Brüder danach so viel Wein bekommen, daß sie ihn mit ihrem Lesen der Messe nicht verbrauchen konnten, obwohl ein jeder dabei „nur“ ein Maß getrunken hat.

Als im Jahre 1409 drei Grafen von Hohnstein jedem Mönch dieses Klosters für ihre Seelenmesse ein Maß Nordhauser Bier vermachten, in der Absicht, daß sie ihr Gebet desto fleißiger und fröhlicher möchten verrichten können, so wird die Messe, wenn nicht den Seelen der Verstorbenen, so doch den Kehlen der Lebenden schon fein zustatten gekommen sein.                                                                                  (12)

 

Der Pfarrer wettert hier als echter „Protestant“ gegen die römisch-katholische Praxis. Aber nach katholischer Lehre konnte man nicht die guten Werke der Mönche kaufen, sondern nur die überschüssigen guten Werke der sogenannten „Heiligen“.

Der Ertrag der Weinberge war auch nicht nur für den Meßwein gedacht, sondern diente vor allem zum Unterhalt des Klosters und seiner Bewohner.                          

 

Ein Dokument aus dem Jahre 1417 erhellt, daß Frau Anna, die hinterlassene Witwe des Grafen Günther, 30 Gulden zu einer Seelenmesse vermacht hat „zu Trost und Seligkeit ihres lieben Herren seligen Grafen Günther von Schwarzburg, und zur Seligkeit ihrer Seele, der Seele ihrer Kinder, und des Grafen Günthers Vater und Mutter, Brüder und Schwestern Seele, und aller derer, die aus der Herrschaft von Schwarzburg verstorben sind oder noch sterben, und auch noch zu Trost und Hilfe der Seelen des Vaters und der Mutter, der Brüder und der Schwestern der obgenannten Frau Anna“.

Ein anderer Fall kam im Jahre 1521 vor, als Frau Catharina „um des ewigen Gottes Willen und um der Seele Seligkeit ihrer Eltern mit anderen Freundinnen“ 25 Gulden vermacht hat. Darauf mußten sich dann die Geistlichen verpflichten, jährliche „ewige Leichenbegängnisse und Seelenmessen“ für den Grafen und dessen Eltern und die wohlgeborene Herrschaft von Loorfort, Schwarzburg, Bleichrunn, Beichlingen und Hohnstein halten zu wollen.

 

Im Jahre 1391 vermachte zu Sondershausen eine Frau sechzehn Schillinge Geldes guter Währung, die gängig und als Geld anerkannt sind, zu einem ewigen Zins an die Kirche der heiligen zwölf Patrone unseres Herrn Sankt Andreas und damit an die Pfarrei und Stadt Sondershausen. Sie spendete sie zur Seligkeit dem allmächtigen Gott, ihrer lieben Mutter und allen Heiligen zu Lob und Ehren, und zum Trost ihres Man­nes und ihrer Seele, und zu Gnaden ihrer aller lieben Eltern und Nachkommen Seele und aller gläubigen Seelen, die im christlichen Glauben verschieden und gestorben sind.

Im Jahre 1486 vermachte Hans Surling, Bürger in Sondershausen, ein „ewiges Begängnis“ in dem Gotteshaus der Pfarrkirche Sankt Andreas, zu Lob des Allmächtigen und zu Ehren Marias, der ed­len Königin, und aller Heiligen und Auserwählten Gottes. Es geschah auch zu Ehren der Seele des Hans Surling, seiner Ehefrau, ihrer beider Eltern, Kinder und Erben, und aller derer, die aus dem gräflichen Haus verschieden sind oder noch verschieden werden, zu Hilfe und Trost für sämtliche gläubigen Seelen, die aus ihrem rechten Glauben von dieser Welt geschieden sind.

Alle Jahre sollte man in der Pfarrkirche St. Andreas Nachtmessen und Seelenmessen halten. Dazu wurden für Kerzen gute und vollgewichtige Rheinische Gulden gegeben. Es gab diese Blindheit nicht allein bei dem gemeinen Volk und unverständigen Leuten, sondern auch bei den Gelehrten und Vornehmsten.

Eine Besonderheit waren die „Seelen-Bäder“. Diese wurden unter dem abergläubischen Papsttum gestiftet: Die Armen durften dort zu gewissen Zeiten umsonst baden und wurden zur Ader gelassen. Das hatte den Zweck, ihnen eine Barmherzigkeit zu erweisen, damit die armen Seelen wenigstens die Hoffnung hätten, aus dem Fegefeuer wie aus einem Schwitzbad erlöst zu werden. Ein solches wurde zu Sondershausen im Jahre 1505 gestiftet, die Urkunde darüber ist noch dort vorhanden.                

In Greußen stand neben dem Neustädter Mitteltor ein Wehrturm, bei dem auch die Badestube war mit Scheune und Garten (aber ohne Wohnhaus). Der Bader war von Heerzug und (Geld-)Fron befreit, mußte aber Frondienste leisten und Erbzins zahlen. Im Jahre 1682 wurde der Befreiungsbrief erneuert, ausgenommen das „Seelbad“. Das war ein kostenfreies Bad, das man zum Heil seiner Seele armen Leuten stiftete (im weiteren Sinn ist das „Seelbad“ jede Spende zum Heil der eigenen Seele oder der Seele eines Verwandten).                                                                                       

 (13)

So sehr waren damals auch hier in Greußen die Leute von den päpstlichen Irrtümern eingenommen. Wenn man dabei nicht an Gottes Gerichte dächte, so könnte man nicht begreifen, wie dieses bei einem Menschen mit gesunder Vernunft hat geschehen können. Aber wenn man der Wahrheit nicht glauben will, selig zu werden, so sendet Gott die Irrtümer so kräftig, daß man auch der Lüge glaubt (2. Thessalonicher 2, Vers 11).

Es ist kaum zu glauben, was man auch bei den Pfarrern dieses Landes für greuliche Unverständigkeit und schändliches Leben gefunden hat. Doch zeugt davon das Protokoll, das in Arnstadt liegt. Die meisten hatten ohne Scheu ihre Frauen, teils auch ihre mitgeführten Kinder, und führten ein Leben, welches eher einem Gastwirte als einem Christen anstehen würde.

 

§ 4. Je tiefer nun das päpstliche Unkraut hier seine Wurzeln geschlagen hatte, desto härter hielt es sich, als es durch die Reformation ausgerottet werden sollte. Denn obwohl das aufgehende Licht des Evangeliums den Untertanen von selbst in die Augen fiel, so wurde es doch bald wieder ausgelöscht oder in seinem Aufgang gehindert.

Das geschah sowohl durch den hiesigen Landesherrn Graf Heinrich XXXVI. als auch den Herzog Georg zu Leipzig. Deshalb haben auch im Gebiet von Sondershausen und Frankenhausen die päpstlichen Gebräuche länger gedauert als im Gebiet von Arnstadt, weil diese Lehen von Herzog Georg und Trier-Mainz waren.

Der Anfang wurde im Jahre 1524 gemacht durch Herrn Cyriakus Taubenthal, den Pfarrer zu Ringleben bei Frankenhausen (das damals nach Sondershausen gehörte). Sowie er aus den Schriften Luthers die Wahrheit erkannt hatte, verwarf er die bisherigen Irrtümer des Papsttums und seine Lehre des göttlichen Wortes wurde von den Zuhörern mit großer Begierde angenommen.

Als dieses aber die Mönche zu Nordhausen erfuhren, haben sie den damals in Sondershausen regierenden Herren, Graf Heinrich XXXVI., angetrieben, dieses aufgehende Licht rechtzeitig zu unterdrücken. Das hat er dann auch als ein eifriger Papstanhänger getan. Insbesondere wurde der erwähnte Cyriakus Taubenthal am 25. Januar (Tag der Bekehrung des Paulus) nach Frankenhausen vorgeladen.

Dort wurde ihm von dem Kanzler Hermann Pfister die weitere Reformation verboten. Obwohl er auch gleich sein Bekenntnis dem Grafen selbst anbot und es aus Gottes Wort verteidigen wollte, so wurde ihm doch Schweigen auferlegt und er mußte unterlassen, was er privat hier angefangen hatte.

Dennoch fing dieses Licht bald wieder an, auf eine andere Art aus dem Finstern hervor zu scheinen. Im folgenden Jahr nahm die Unruhe des Landes wegen der aufrührerischen Bauern immer mehr überhand, zumal auch die Sondershäuser Bürger mit dem Rädelsführer Thomas Müntzer heimlich gemeinsame Sache machten. Weil nun der Landesherr - zumal er hohen Alters war - sich in Sondershausen nicht mehr aufzuhalten wagte, begab er sich nach Nordhausen und überließ das Regiment dem Herrn Sohn, Graf Günther XL. Dieser hatte als ein gelehrter und verständiger Herr drei volle Jahre in Leipzig studiert und war Luther sehr günstig gesonnen.

Er wollte Luthers Lehre im hiesigen Land gern einführen, aber wegen seines Herrn Vater durfte er es nicht öffentlich. Er duldete aber die evangelische Lehre und verhinderte nicht, wenn sie Luthers Lehre einführten, zumal um Frankenhausen herum. Wenn aber Herzog Georg in Leipzig nichts dagegen getan hätte, so würde dieser preiswürdige Herrscher in Kürze alle reformiert haben.

Jener war aber ein eifriger Papstanhänger und geschworener Feind Luthers. Er schickte die Priester, die aus dem Papsttum austraten und evangelisch wurden, dem Domherrn zu Merseburg zu, um sie mit Gefängnis, Peitsche und anderen Qualen zu plagen.

Und wenn sie gestorben waren, ließ er sie durch den Scharfrichter auf dem Schindanger begraben, und die evangelischen Bürger ließ er am „Ort der Sünder“ begraben (besonderer Platz auf dem Friedhof, vor allem für Selbstmörder). Vor allem aber feindete er auch seinen eigenen Herrn Bruder wegen der evangelischen Religion sehr stark an, nämlich Herzog Heinrich, der in aller Stille in Freyburg residierte.                                                                                                                                                     (14)

Im Jahre 1524 ließ er in Leipzig den Buchhändler Johann Herrgott wegen eingeführter lutherischer Bücher auf öffentlichem Markte enthaupten und zugleich viele vornehme Bürger mit Weib und Kind wegen der angenommenen lutherischen Lehre verjagen. Im Jahre 1525 wurden dort zwei Bürger wegen ihres Bekenntnisses zur evangelischen Lehre enthauptet und einige Handwerksmeister nach Merseburg ins Gefängnis geschickt.

Im Jahre 1529 verbot er, die evangelischen Verstorbenen auf dem Gottesacker zu begraben. Ja, im Jahre 1533 gab er allen Totengräbern den Befehl, die lutherischen Verstorbenen auf einem Karren nach ungeweihten Orten zu fahren und sie dort zu begraben.

Solche Tyrannei mußte man auch hier befürchten. Herzog Georg nahm auch dem hiesigen Landesherrn die Stadt Frankenhausen weg, und zwar unter dem Vorwand, er tue es als Strafe für die Rebellion, weil sie es mit den aufrührerischen Bauern gehalten hatte.

Daß er es aber auf die Unterdrückung der Lehre Luthers abgesehen hatte, konnte man daraus schließen, daß er die Stadt nicht eher wieder hergeben wollte, bis die Reformation in dieser Grafschaft abgeschafft wäre und das Päpstliche von neuem eingeführt worden sei. So mußte Graf Günther XL. gegen seinen Willen das heilsame Reformationswerk unterlassen. Wenn er auch die lutherische Lehre hegte und sie hier und da annehmen ließ, so durfte er sie weder öffentlich einführen noch sich selbst dazu bekennen, bis Herzog Georg als ein rechter Leibeigener des Papstes im Jahre 1539 verstorben war.

Sein Bruder Herzog Heinrich ließ noch in diesem Jahre überall reformieren und ließ auch eine rechte christliche Kirchenordnung drucken. Auch Graf Günther zu Sondershausen hat sich bald öffentlich zur Lehre Luthers bekannt und sie eingeführt, so daß in kurzer Zeit Dörfer und Städte, Kirchen und Schulen von dem päpstlichen Unflat gereinigt und mit dem hellen Licht des Evangeliums erleuchtet worden sind. Das „Augsburgische Bekenntnis“ aber unterschrieben die Grafen Heinrich und Günther erst im Jahre 1541 auf dem Reichstag zu Regensburg.

 

Das „Augsburgische Bekenntnis“ (Confessio Augustana) ist eine der grundlegenden Bekennt­nisschriften der evangelischen Kirchen und wurde 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg von den evangelischen Ländern und Städten dem Kaiser übergeben. Das Bekenntnis war vor allem von Luthers Mitarbeiter Philipp Melanchthon verfaßt.

 

Daß man auch hier zu Greußen mit unter den ersten gewesen ist, die noch vor der öffentlichen Einführung im Jahre 1539 die Lehre Luthers angenommen haben, ergibt sich aus der Einsetzung des gewesenen Domherrn Johannes Thal.

Im Jahre 1532 hat man ihn hier zu dem Zweck als Pfarrer angenommen, daß er den Einwohnern das reine Evangelium predigen möge. Das wird später in Kapitel VI. bei den Pfarrern noch einmal erwähnt werden. Das geht auch hervor aus der Ehe, in der Pfarrer Petrus Clusener noch vor jenem Datum hier gelebt hat; das wäre ihm nicht erlaubt gewesen, wenn die päpstlichen Irrtümer nicht zuvor wären abgeschafft worden.

Nachdem aber die wahre Lehre und eine evangelische Religion hier in Greußen einmal eingeführt und angenommen wurde, ist sie auch durch Gottes Gnade und Beistand alle Zeit rein und lauter geblieben und nie­mals durch wieder eingeschlichene Irrtümer befleckt worden.

Dazu hat auch das löbliche und recht preiswürdige Beispiel der hiesigen hohen Landesherr­schaft und ihre eifrige Aufsicht das allermeiste beigetragen: Man weiß von ihren in Gott ruhenden Vorfahren keinen, der seit dem Jahre 1534 - als das löbliche Haus Schwarzburg die evangelische Lehre Christi angenommen hat - wieder abgefallen wäre.

Und obwohl Anlaß dazu gegeben war, so haben sie sich weder durch die Reiche dieser Welt noch ihre Herrlichkeit, ja weder durch Not noch Tod, zum Abfall bewegen lassen. Dafür hat man Gott mit Recht herzlich zu danken und ihn um weitere Erhaltung seines Wortes inbrünstig anzurufen.

Die Mönche und Nonnen in den Klöstern mußten die Lehre Luthers annehmen oder das Land räumen. Die sich das gefallen ließen, mußten sofort ihre Kleidung und Zeremonien ändern und die von Mönchen er­dachten Gesänge über die Heiligen abstoßen.

 Als der Herrschaft zugetragen wurde, daß solches in den Klöstern zu Frankenhausen noch nicht geschehen sei, erging ein ernstlicher Befehl an den dortigen Amt­mann, es den dortigen Äbtissinnen und ihren Jung­frauen zu befehlen. Dieses Schreiben des Herrn Grafen Günther aus dem Jahre 1543 ist in den „Unschuldige Nachrichten 1723“ auf Seite 190 zu lesen.                                                                      (15)

 

 

Das IV. Kapitel

Von den Kirchen der Stadt Greussen allgemein und insbesondere von der Pfarrkirche Sankt Martin.

 

§ 1. In den alten Schriften werden vier Kirchen angeführt, die ehemals hier gewesen sind. Denn im Papsttum war es nicht genug, eine Kirche zu haben, in der man den Gottesdienst halten konnte. Weil die Schenkungen der Gemeindeglieder so richtig einkamen, baute man auch noch Kapellen, worin man nur zu gewissen Zeiten Messen zu lesen und Seelengeräte (fromme Stiftung zum Seelenheil des Stifters) zu halten pflegte. Es hatte auch die Geistlichkeit selbst den besten Gewinn davon.

Vor allem konnte keine Kirche und Kapelle, ja kein Altar, eingeweiht werden, wenn nicht zuerst ein gewisser Vorrat an Reliquien und Heiligtümern dahin geschafft worden war, durch deren Berührung und Verehrung man viel Ablaß erhalten konnte.

Weil nun bald in dieser, bald in jener Kapelle der Gedächtnistag der Einweihung gefeiert wurde, so ergab sich allzeit ein großer Zulauf des Volkes, und keiner wurde ohne Geld zur Anrührung oder Verehrung des Heiligtums zugelassen. Entsprechend waren hier zu Greußen auch vier Kirchen.

 

Die erste war die Kapelle des Heiligen Bonifatius. Diese hat gestanden zwischen Greußen und Clingen am Wege, bei den drei Linden, von denen eine noch zu Menschengedenken gestanden hat und an deren Stelle dann später drei andere gepflanzt worden sind.

Diese Kapelle soll Bonifatius, der ehemalige Bischof zu Mainz und sogenannter „Apostel der Thüringer“, im Jahre 731 hier zuerst erbaut haben. Und weil er lustigen Gemüts war und er sich besonders an grünen Wäldern und schönen Feldern ergötzte, so baute er auch diese Kirche außerhalb der Stadt und im grünen Feld.

 

Es kann ihn aber auch der große Zulauf des Volkes an solche Orte genötigt haben, weil er öfter so viele Zuhörer bekam, daß die Kirche sie nicht fassen konnte, und er dann außerhalb derselben auf dem freien Felde oder im offenen Wald zu predigen pflegte.

 

Diese Kapellen wurden in der Regel im freien Feld errichtet. Das lag auch daran, daß sie meist an Orten errichtet wurden, wo vorher heidnische Kultstätten waren. Und die lagen meist im Freien (mit dem zu großen Andrang des Volks hat das nichts zu tun).

 

Da er nun im angeführten Jahr hierher kam, die hiesigen Heiden zu bekehren und den bereits Bekehrten ihren Gottesdienst auch für die Zukunft einzurichten, so ließ er auch diese Kapelle dahin setzen, wie er es auch schon getan hatte zu Arnstadt, Ohrdruf, Tretenburg (bei Gebesee) und anderen Orten mehr.

Wo die Kapelle gestanden hat, ist noch jetzt bekannt genug. Es liegt auch noch bis zum heutigen Tag ein großer Stein an der Stelle, der al­lem Anschein nach aus einem Fenster der damaligen Kapelle stammt.

Alte Leute wissen sich noch wohl zu erinnern, daß ehemals viele Steine des alten Mauerwerks dort noch beisammen gelegen haben. Wie lange die Kapelle aber gestanden und was sie für Einkünfte gehabt hat, ist nicht bekannt. Gewiß aber ist wohl, daß sie im Jahre 1424, als man mit dem Bau der Pfarrkirche begonnen hatte, noch nicht eingegangen war.

Die drei jetzt dort stehenden Linden sind dahin gepflanzt worden, um das Gedächtnis an die vor Zeiten dort gestandenen drei Linden und die Kirche für die Nachwelt zu erhalten, wie denn auch die Gegend selbst wohl bis an den Jüngsten Tag wird genannt werden „Bei den drei Linden“ (vergleiche auch Seite 26).

 

Die andere war die Kapelle der Heiligen Jungfrau Maria („Sanct Mariae Virginis“). Diese stand auf dem Markte, dort wo das Wasser aus der Herrengasse hervor läuft. Sie wurde im Jahre 1437 gebaut, also ehe noch die Pfarrkirche Sankt Martin fertig geworden war. Diese Kapelle erhielt eine gewisse Erbpacht auf die Weidegras- und Gartenparzellen des sogenannten „Alten Garten“ und auch ausstehende wiederkäufliche Pachten.                                                                                                                      (16)

 

Die Kapelle besaß auch mehrere Gärten hinter der Neustadt. Der „alte Garten“ war an der Kupferhelbe zwischen der späteren Schokoladenfabrik und der Ölmühle in Clingen.       

Die Liebfrauenkirche wurde um 1250 errichtet. Sie stand dort, wo die Herrengasse in den unteren Markt einmündet, nördlich der Hasengasse. Man konnte von allen Seiten drum herum fahren. Sie hatte zwei Altäre, die der heiligen Agnes und der heiligen Juliane gewidmet waren. Sie hatte einen Giebel nach dem Rathaus zu mit einem kleinen Schieferturm; hier stand auch ein Wächterhaus. Der andere Giebel zeigte nach dem Wasser zu; dort war der Brunnen an den Fleischbänken („Schierenborn“) und ein Leiterhaus (Ruhe: Topologie des Schwarzburger Landes).

Im Jahre 1437 wurde die Kapelle bedeutend vergrößert (Das müßte die richtige Jahreszahl sein, nicht 1427, wie Hesse angibt. Auf diese Zahl kommt man, wenn die Kirche bald nach Michaelis des Jahres 1558 abgebrochen wurde, nachdem sie 121 Jahre gestanden hat. So stand es nach Lürmann auf einem Stein über der Tür). Neben der Kirche soll ein Kloster gelegen haben, das um 1450 in den Waidhof umgewandelt wurde.

 

Weil sie der Jungfrau Maria gewidmet gewesen war, so wird man bei ihr wohl nicht geringen Ablaß erhalten haben, weil dieser im Papsttum das allermeiste gilt. Sie wurde allgemein „Mutter der Barmherzigkeiten“ („mater misericordiarum“) genannt und es waren in ihr alle Tage 12.000 Jahre Ablaß zu verdienen wie in der Marienkapelle in Rom, die man „Behüte uns vor der Hölle“ zu nennen pflegt. Doch habe ich davon keine Nachricht gefunden.

Im Jahre 1534 aber, als die Reformation hier bereits angefangen hatte, wollte man etwas wegen Baufälligkeit der Kapelle reparieren und ändern und erhielt vom damaligen Landgericht die Bewilligung, eine Kapelle in Greußen hinzuzufügen mit folgenden Worten (gekürzt):

„Die alte Kapelle ist abzureißen und eine neue Kirche mit zwei Altären und anderen hinzugefügten Gebäuden zu errichten und unter einem Dach zu bauen. Auf diese Urkunde ist unser Siegel aufgepreßt, ausgestellt im Jahre des Herrn 1534, am Tag des wahren Sabbats im Monat Dezember. Johannes, Gerichtsnotar.“  

Vermutlich aber ist dieser Plan nicht ausgeführt worden, weil man nach der vollzogenen Reformation diese Kapelle nicht mehr brauchte. Vielmehr wurde im Jahre 1558 von Graf Johann Günther befohlen, sie abzureißen, was dann auch geschehen ist.

Im Jahre 1528 aber starb hier Johannes Libol, der bisher das Vikariat „Sankt Agneta“ an dieser Kapelle unserer lieben Frauen versah, und an seine Stelle kam Johannes Thal.

 

Der „Vikar“ war ein Stellvertreter des eigentlichen Pfarrers. Er hatte vor allem in einer Kapelle den täglichen Gottesdienst zu halten. Zu seinem Unterhalt gab es ein eigenes Vermögen, die „Vikarie“. An der Marienkapelle gab es zuletzt zwei solcher Vikare, nämlich Johannes Libol und Johannes Thal. Während Libol 1528 starb, wurde Thal im Jahre 1532 erster evangelischer Pfarrer an der Martinskirche.

 

Die dritte war die Kirche des Hospitals Heiliger Geist („Sanctus Spiritus“) vor dem Grüningischen Tor. Wann dieses sehr kleine Kirchlein für die Hospitalsbewohner und etwa Vorbeireisende zu ihrem Gottesdienste erbaut wurde, ist nicht bekannt, auch nicht, ob sie dem Heiligen Geiste oder einem Heiligen geweiht gewesen ist.

 

Hesse gibt an, die Hospitalskapelle sei Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut worden. Sie sei auch gern von den Bewohnern der Neustadt besucht worden.

 

Weil sie aber - wie auch das Hospital - wegen ihres Alters sehr baufällig geworden war, so wurden im Jahre 1705 auf hohem Befehl des Fürsten Christian Wilhelm beide abgerissen. Unter der Leitung des Herrn Johannes Andreas Herzog, des damaligen Oberbürgermeisters und Bau-Inspektors, wurde sie neu gebaut. Jetzt wurde jedoch die Kirche mit in das Hospital eingebaut und dort der Gottesdienst in einer großen Stube abgehalten. Vorher hat die Kirche an der Straße nach der Stein­farthsmühle zu gestanden, wie an dem Mauerwerk noch zu sehen ist.

 

§. 2. Die noch jetzt stehende und nunmehr einzige Kirche Sankt Martin, die „Pfarrkirche“ genannt, ist von Anfang an so weitläufig und groß angelegt worden und schön ausgebaut gewesen, wie sie danach mit der Zeit geworden ist. Denn in einem Brief Graf Heinrichs zu Hohnstein, Herren zu Sondershausen, wird sie im Jahre 1307 das „Dorfkirchlein zu Marktgreußen“ genannt und mit ihrer (Reliquien-) Sammlung und was zu ihr gehört dem Abt zu Ilfeld gegeben. So hatte dieser das Einkommen dieser Kirche und sie wurde so dem Kloster eingegliedert und hat ihm angehangen.

 

An der Stelle der Stadtkirche stand also eine Kapelle Sankt Martini, die wohl kleiner war als die Liebfrauenkirche, aber älter als diese. Schon 1307 hätte also ein „Dorfkirchlein zu Marktgreußen“ bestanden. Nach Hesse wurde im Jahre 1333 dort mit dem Bau einer richtigen Kirche begonnen, er gibt aber keinen Beleg dafür an.

Bekannt ist nur, daß das Kloster zu Ilfeld seit dem Jahre 1333 das Patronatsrecht über die Kirche in Greußen hatte. Laut Teilungsrezeß im Hause Schwarzburg-Blankenburg bestand schon 1411 „die neue Kirche zu Greußen“. Lürmann sagt, im Jahre 1423 habe man begonnen, an der Stelle der Martinskapelle eine Kirche zu bauen.

Auch Haferung schreibt (siehe oben Seite 20): „Im Jahre 1424 wurde durch das Entgegenkommen Heinrichs, des damaligen Abtes zu Ilfeld und Patrons der Kirche, in Gegenwart dreier Räte, der Grundstein für die Kirche Sankt Martin gelegt.“

Daß dieses Gebäude erst 1486 fertig geworden sein soll, ist sehr unwahrscheinlich: Bei der Einführung des neuen Pfarrers in Greußen im Jahre 1453 wird ihm aufgegeben, er solle in der Kirche Gottesdienst halten, was bei einer unfertigen, noch nicht geweihten Kirche ausgeschlossen war. Es bleibt also offen, ob die Kirche von 1424 noch eine Kapelle war oder schon eine richtige Kirche.

Weil aber der große Brand im Jahre 1687 die Kirche gänzlich vernichtet hat, so teilt sich ihre historische Beschreibung in zwei Teile, nämlich vor und nach dem Brand.

 

a) Vor dem Brand im Jahre 1687:

 

§ 3. Weil das Kloster zu Ilfeld seit dem Jahre 1333 das Patronatsrecht über die Kirche in Greußen gehabt hat, so wurde der Bau dieser Kirche im Jahre 1424 mit Bewilligung des damaligen Abtes Heinrichs angefangen (Er war seiner Geburt nach ein Freiherr von Walk). Mit dem Ausbau aber brachte man ganze 59 Jahre zu, so daß ihre Einweihung nicht eher als im Jahre 1483 erfolgte. Verschiedene Stücke daran wurden auch sehr herrlich gemacht, wie es noch bis zum heutigen Tag vielen in Erinnerung ist.

 

Die Kirche von 1483 sah stattlich aus, insbesondere zeichnete sich der Chorraum durch seine besondere Höhe und reiche Verzierungen aus. Der Turm lief in einer himmelanstreben­den Spitze aus, an den vier Ecken des Turmunterbaus waren vier kleine Türmchen. Über dem Glockenstuhl wohnte ein Türmer mit Familie.

 

 

Nachdem aber keine umfangreiche Nachricht über den ganzen Bau mehr vorhanden ist, so will ich nur einige Teile genauer erwähnen. Diese sind:                                                                                                                                                                             (17)

 

I. Die Altäre

 § 4. Man war zu den Zeiten der päpstlichen Finsternis nicht mit einem Altar zufrieden, sondern es mußten ihrer mehr sein. In der Pfarrkirche Sankt Gumpert zu Clingen waren drei, nämlich der Hochaltar, der Sankt-Gehilfen-Altar und Unser-Lieben-Frauen-Altar. In gleicher Weise waren auch in der hiesigen Kirche drei Altäre: der Hochaltar und der Unser-Lieben-Frauen-Altar, die dem Pfarrer zustanden, und der Sankt-Annen-Altar, der dem Kaplan zustand.

 

Oben an dem Hochaltar war eine schöne vergoldete Tafel, die noch heute immer gerühmt wird. Diese war das letzte Stück, das noch von dem ersten Bau stammte und noch die vollkommene Einweihung erfuhr, wie aus den Worten hervorgeht, die der Meister dieser Platte hinten an die Mauer gesetzt hat: „Im Jahre 1483 am fünften Tag nach dem Tag des Heiligen Bischofs Boni­fatius, wurde diese Tafel vollendet durch mich, Leonhard Könberg, jetzt in Erfurt wohnend. Die derzeitigen Bürgermeister sind: Ambrosius Angel und Heinrich Hauschild, Ratsmit­glie­der Hans Sachse, Werner Ebald, Heinrich Werdin und Hans Schönzail.“

 

§ 5. Jedoch hat man in nachfolgenden Zeiten an dieser Tafel noch immer etwas verbessert und hinzugetan. So geschah es im Jahre 1614, als man die Krone oben auf den Altar gesetzt und wieder zur Ausmalung herabgenommen hat, und - nachdem sie ganz fertiggestellt war - noch vor dem Christfest an ihren Ort gesetzt und befestigt hat.

Das obere Täfelchen aber ist nach Herrn Bürgermeister Johannes Tentzels Vorlage im Jahre 1628, volle 125 Jahre danach (?), darauf gesetzt worden. Sie wurde aber den 15. Mai aufgerichtet, nachdem sie von Bernhard Röhler, dem Stukkateur („Kalkpoussierer“), angefertigt und dem Maler Melchior Tümpfel angemalt worden war.

 

Der schon vorher erwähnte Bürgermeister Tentzel hat auch im Jahre 1632 aus seinem Vermögen an der Außenwand der Kirche eine steinerne Treppe aufführen lassen.

 

Es handelt sich wohl um das Jahr 1632, nachdem das Leichenhaus abgerissen worden war, Johannes Tentzel war in dieser Zeit Bürgermeister. Er hat auch sonst allerhand gegeben. Es handelt sich aber wohl nicht um die Treppe, die unter dem Schulmeister Tentzel 1575-1578 gebaut wurde.

 

Die beiden letzten Altäre, nämlich der Unser-Lieben-Frauen-Altar und der Sankt-Annen-Altar, sind nach der Reformation abgeschafft worden, weil sie nach abgeschaffter päpstlicher Messe nicht mehr nötig gewesen sind. Es ist also nur der Hochaltar beibehalten worden. Dieser ganze Altar war sehr reich vergoldet. Es wurde von dem Altar erzählt, daß im Dreißigjäh­rigen Krieg ein Soldat davon Gold stehlen wollte. Ein Bürger aber hat ihn bei dieser Arbeit erschossen, so daß er darauf sitzen blieb und man ihn von dort hat wegschaffen müssen.

 

II. Die Sakristei

§ 6. Vor Alters waren in den meisten großen Kirchen zwei Sakristeien („Sacraria“) ausgestattet. Die eine war nahe bei dem Altar, damit die Priester darin die geistlichen Kleider und den Ornat anlegen konnten oder sich auch durch Lesungen gewisser darin vorhandener Bücher auf ihren Dienst vorbereiten konnten. Deshalb durfte auch nie­mand anders in diese gehen als die Priester selbst und etwa derjenige, welcher die Schlüssel dazu hatte und „Sakristan“ hieß.

Die andere Sakristei aber war an einem mehr verwahrten Orte, wo man die heiligen Kleider und Gefäße und auch die Amtskleidung (den „Kirchen‑Ornat“) und Kirchenschatz hinlegte und verwahrte.

 

§ 7. Zwei solcher Sakristeien sind auch von alters her in der hiesigen Kirche gewesen. Eine war für die Priester und ihre Bücher, nicht weit weg vom Altar. Diese ist aber durch den Brand von 1687 so verwüstet worden, daß man sie danach von Grund auf hat neu bauen müssen.

Die andere Sakristei war hinten unter dem Turme, um die heiligen Gefäße und was der Kirche sonst lieb und wert ist darin zu verwahren. Sie wurde mit starken eisernen und hölzernen Türen genügend verwahrt vor dem Feuer (wegen des schönen Gewölbes) und vor Dieben. Jedoch wurde diese Sakristei im Dreißigjährigen Krieg im Jahre 1631 von den Völkern Tillys aufgebrochen und alles, was darin war, wurde herausge­nommen.

 

Diese Sakristei befindet sich unten im Turm. An der Rückseite des Kirchenschiffs ist zwischen den beiden Grabdenkmälern eine Tür, die in einen etwa einen Meter langen Gang führt, der hinten zugemauert ist. Unter diesem Gewölbe ist noch ein hohler Raum Denn sobald man mit dem Fuß stark auftritt, hört man sehr genau, daß es hohl darunter ist. Vielleicht sind hier Gräber verstorbener Pfarrer.

 

II. Die Glocken

§ 6. So wie jetzt auf der hiesigen Kirche vier Glocken sind, so hat es auch von Anfang an so viele gegeben. Die dritte Glocke wurde „Bier-Glocke“ genannt, weil man abends um eine bestimmte Zeit damit zu läuten pflegte, damit die Gäste in den Bierhäusern an das Heimgehen erinnert wurden.

 

In den Statuten von Clingen, die im Jahre 1353 auf Pergament geschrieben worden, steht: „Nach der Bierglocke soll kein Mann länger beim Bier sitzen. Wer ergriffen wird, der soll fünf Schillinge auf das Rathaus geben und in seinem Haus bleiben.“ In welchem Jahre diese Glocke gegossen worden, weiß man nicht, gewiß aber ist, daß es vor dem Einweihungsjahr 1483 geschehen ist.

Noch gewisser ist, daß alle Glocken nach päpstlicher Weise getauft gewesen sind. Im Papsttum schrieb man den getauften Glocken in ganz abergläubischer Weise eine Kraft zu, Donner und Blitz, Gespenster und Hexen, ja sogar den Teufel selbst zu vertreiben. Daher pflegte man hier mit diesen getauften Glocken zu läuten, wenn ein Donnerwetter entstand, um es zu vertreiben, damit es nicht einschlage und zünde.                                                                                                                                   (19)

Dieses geschah dennoch am Donnerstag vor Pfingsten des Jahres 1536, des Abends um 10 Uhr. Da schlug das Wetter in den Kirchturm und steckte das Pulver an, das man in dem Gewölbe wegen des künftigen Schützenfestes aufgehoben hatte, und erstickte mit seinem Rauch den Kirchendiener („Kirchner“) und seine Frau sowie Hans Pfeifer, der auf dem Turm war. Lag jemand in Todeszügen, so läutete man mit einer Glocke. Wenn er aber begraben wurde, läutete man mit so vielen Glocken, wie er bezahlen konnte und wollte. Damit wollte man die Teufel, die nach seiner Seele trachteten, aus der Luft zu vertreiben und der Seele den Himmel öffnen. Abends und morgens läutete man damit zum Gebet des „Ave Maria“.

Diese abergläubigen Dinge wurden aber später abgeschafft, und obgleich das Abend- und Morgenläuten blieb, so geschah es doch nicht, um zum „Ave Maria“, sondern um zu einem anderen Gebet aufzumuntern. Wenn auch noch jetzt an manchen Orten eine Glocke geläutet wird, wenn jemand mit dem Tode ringt, so geschieht es, um die From­men an ihre Fürbitte für den Sterbenden zu erinnern. Daher wird eine solche Glocke „Schicksalsglocke“ genannt.

Am 12. Februar 1609, am Sonntag Septuagesimä (siebzig Tage vor Ostern), wurde ein ganz neuer Klöppel in die große Glocke gehängt, 85 Pfund schwer. Der andere aber, der zuvor in dieser Glocke mitten entzwei gebrochen war, wurde wieder zusammengeschweißt und in die Bierglocke gehängt, und er wog 55 Pfund. Beide wurden angefertigt in (Ober-) Zorge, eine Meile nördlich von Ellrich am Harz, und dort bestellt und abgeholt durch Herrn Jonas Wirck­mann.

 

§ 7. Weil aber diese Glocken zu klein waren, so ließ man im Jahre 1615 in Erfurt durch Meister Hieronymus Möhring drei neue gießen. Die große, welche ein Gewicht von 33 Zentner und 52 Pfund hatte (ohne Welle und Eisen), wurde am 27. Juni gegossen und am 8. Juli glücklich hierher gebracht und sofort gegen Abend auch auf den Turm und an ihre Stelle gebracht und auch versuchsweise geläutet. Am 20. Juli aber wurde für Andreas Schäfer zum ersten Mal mit dieser Glocke zum Begräbnis geläutet. Die beiden kleinen aber wurden nur umgegossen und den 1. September auch glücklich auf­gezogen. An allen dreien stand der übliche Reim des Meisters:

      In Greußen hänge ich,

      Meinen Klang gebe ich,

      Alle Christen rufe ich,

      Hieronymus Möhring in Erfurt goß mich.

       V. D. M. I. AE.

 (Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit).

Auch wurde im Jahre 1617 erneut eine Glocke gegossen, bei deren Aufhängung aber der Schwengel herab fiel und die Frau des Tischlermeisters Jeremias Walther so auf den Kopf traf, daß sie bald tot war und darauf am 19. Juli mit einer Predigt christlich zur Erde bestattet wurde.

Wenn in Zukunft von der „Jubelglocke“ die Rede ist, so möge man vielleicht diese darunter verstehen, die so genannt wurde, weil man sie in dem ersten Evangelischen Jubeljahr hat gießen lassen (hundertjährige Gedenkfeier der Reformation). Diese vier Glocken haben gehangen bis zum Jahre 1687, als sie an dem Fest der Heimsuchung Marias in dem großen Brande herunter gefallen und zerschmolzen sind.

    

III. Die Kanzel

§ 8. Als die Kanzel gebaut wurde, hat sie am ersten Pfeiler gestanden. Weil man aber im Jahre 1633 eine neue Kanzel bauen ließ, so rückte man sie an die Sakristei heran, wo auch noch heute ihre Stelle ist. Ihre Anfertigung war dem Tischlermeister Hans Voltz übertragen worden, und er brachte mit dieser Arbeit bald ein ganzes Jahr zu. Am 16. November war er mit seiner Arbeit fertig und fing an, sie aufzubauen.

 

Hier wird die ursprüngliche Eintragung in der Chronik wiedergegeben. Später wurde über den Text geschrieben, die Kanzel sei 1577 gebaut worden und hätte damals schon 77 Jahre an dieser Stelle gestanden. Es ist aber logischer, daß man erst 1633 eine neue Kanzel angefertigt hat, weil im Jahre 1634 der Kanzeldeckel dazu kam.

                                                                                                                                              (20)

Am 1. Februar 1634, wurde die „Krone“ (der Kanzeldeckel) darüber gehängt und befestigt. Die Bilder aber waren noch nicht fertig. Die eine Tür aus der Sakristei war schon im Monat August des vorigen Jahres durchgebrochen worden. Die Unkosten, die man insgesamt dafür aufgewandt hatte, beliefen sich auf 100 Gulden. Die alte Kanzel aber wurde dem Tischler gegeben und mit seinem Lohn verrechnet.

Nachdem sie nun ganz fertig war, hielt der damalige Pfarrer Johann Helwig am Sonntag Esto­mihi die erste Predigt darauf und weihte sie gar feierlich ein. Jedermann hatte deswegen in den schweren Kriegszeiten eine besondere Freude.    

 

§ 9. Nachdem die Kanzel aber auf der Kirche Kosten so weit fertig war und bis zum Jahre 1645 so gestanden hatte, erweckte Gott den Bürger­meister Wolfgang Anthon, daß er sie auf seine Kosten schön malen und richtig vergolden ließ. Die Arbeit wurde am 1. Mai angefangen und am 16. August zu Ende gebracht und hat ihn über 100 Gulden ge­kostet.

Damit auch dieses nicht vergessen würde, ließ er zur Nachricht für die Zukunft mit goldenen Buchstaben auf ein Täfelchen neben der Kanzel schreiben: „Diese heilige Kanzel wurde Gott und der Kirche zu Ehren auf eigene Kosten errichtet von Wolfgang Anthon in Erinnerung an seine geliebte Frau Anna Blandin, aus der Familie Kallenberg stammend, die hier in Greußen fromm begraben wurde, und mit verschiedenen schmückenden Farben und Ornamenten versehen, damit man - soweit das möglich ist - herrlicher predigen könne. Im Jahre „VIs, fera sepostIs, Mites Cant seCVLa beLLIs, haLVIVICaqVe IVV et relLIgIone frVI.“ (Die Großbuchstaben ergeben die Zahl 1649).

 

IV. Die Orgel

§ 10. Wie es von Anfang um das Orgelwerk dieser neu erbauten Kirche gestanden hat, habe ich nirgends gelesen. Im Jahre 1624 aber wurde dem Orgelbauer zu Eisleben, Ezechiel Groitsch (oder Grätschen), eine neue Orgel in Auftrag gegeben. Der Preis belief sich auf 600 Gulden, jedoch so, daß er alles dazu selber besorgen mußte.

Weil aber noch in diesem Jahr das große Sterben kam und im folgenden Jahr die einbrechende Kriegszeit viel Unruhe machte, so zog es sich mit der Orgel hin bis zum Jahre 1627.

Am 3. Sonntag nach Trinitatis wurde sie von dem Orgelbauer zur Prüfung übergeben. Als sie nun auf hohen Befehl der gnädigsten Herrschaft zu Sondershausen von dem dortigen Organisten Herrn Johann Krause gespielt und von ihm für gut befunden wurde, so war jedermann mit dem Werk gar wohl zufrieden.

Der Meister beklagte sich, daß er mit den vereinbarten 600 Gulden nicht auskommen könne, sondern deswegen in Schulden gerate.

So gab man ihm noch 114 Gulden als Trinkgeld und seinen Gesellen zwei Taler. Alles in allem aber kostete das ganze Werk, samt Trans­port, Aufstellung und Einrichtung, und was sonst noch ihretwegen aufgewendet wurde, 849 Gulden 20 Groschen 4 Heller.

Bei Übergabe der Orgel hielt der Pfarrer Herr Johann Helwig zur Einweihung eine Orgel-Predigt. Es freute sich jedermann sehr, als man die neue Orgel hörte, weil sich die Einweihung wegen der Sterbens- und Kriegszeit so lange - nämlich vier ganze Jahre - verzögert hatte.                                                                                                          (21)

           

§ 11. Bis dahin war die Orgel allein auf Kirchenkosten angefertigt worden. Zur weiteren Verzierung aber erweckte Gott guttätige und milde Herzen. Zuerst gab Herr Bürgermeister Johannes Tentzel das Geld dazu, daß der obere Chorraum von neuem geweißt und mit Steinfarben bemalt wurde. Die Bögen aber wurden marmoriert, um die Fenster wurden Rollwerke gemacht und die Zwölf Apostel an die Fenster gemalt (gemeint ist wohl: zwischen die Fenster). Diese Arbeit fingen Melchior Tümpfel und Heinrich Kroloch am 21. September 1627 an und vollendeten sie im November.

Weil es aber an der Orgel etwas dunkel war, so gab der vornehme praktische Arzt in Frankenhausen Petrus Erasmus 30 Taler dazu, daß mehr Licht für Orgel und Kirche käme: Im Jahre 1629 wurden zwei große Fenster im Kirchendach angefertigt und außen weiße Knöpfe darauf gesetzt.

Die Orgel stand gegenüber dem Podest für den Singechor, das zwischen der Sakristei und der Kanzel am vordersten Pfeiler war. Das Podest wurde im Jahre 1633 an den Turm unter die Orgel gebracht (so daß diese spätestens seit diesem Jahr dort aufgestellt war).

 

Nachdem aber das Orgelwerk in den Kriegszeiten einigermaßen wüst geworden war und nicht für vollkommen gehalten wurde, wurde am 1. August 1651 die völlige Erneuerung mit dem Naumburger Orgelbauer Ludwig Comparius (oder Camperius) zu einem Preis von 200 Gulden vereinbart. Er selbst mußte dazu alles aus eigenen Mitteln anschaffen. Ausgenommen war nur, daß die Bürgerschaft ihn und einen Gesellen speisen mußte. Die Arbeit wurde am 11. August angefangen und am 10. Oktober vollendet.

Am Nachmittag des 16. Juni 1653, zwischen 1 und 2 Uhr, erhob sich ein geschwindes und brausendes Wetter mit ungestümem Hagel-Regen. Es schlug mit schrecklichem Knall und Blitz in die Kirche ein, über der Orgel am Turm, zwischen dem Dach und den Mauern. Die Kirche und Orgel wurden von schwefligem Geruch erfüllt und man war in großer Gefahr, weil ein Brand hätte ausbrechen können.

Nachdem aber Rauch und Schrecken vergangen waren und man richtig nachschaute, fand man, daß das Wetter erstaunlicherweise auch in die Orgel durchgeschlagen hatte, oben an der großen Prinzipalpfeife; jedoch war die Pfeife selbst nicht verletzt.

Aber das Ventil zum Steuern im Rückpositiv und auch drei Wellen unter dem Pedal waren in Stücke geschlagen, und die Drähte an den Zügen (Trakturen) waren krumm gezogen, daß man das Rückpositiv gar nicht mehr gebrauchen konnte. Diesen Schaden ließ man am 23. Juni durch den Orgelbauer in Langensalza reparieren und gab ihm vier Taler.

V. Die Sitzplätze für den Rat (der „Ratsstand“)

§ 12. Der Ratsstand war ehemals unten im Chorraum, zuerst oben, da­nach aber unten auf der Erde. Im Jahre 1614 wurde er wieder oben hin gebaut. Die Arbeit wurde am 12. Juni fertig und der Stand wurde am Pfingstfest von den sechs Herren Bürgermeistern und dem gesamten Gemeinderat zum erstenmal betreten.                                                                                                                                                                  (22)

§ 13. Weil er aber für die Kirche ungünstig war und besonders den ganzen Chorraum verdunkelte, wurde er im Jahre 1631 wieder abgebrochen und zum Platz für den Schülerchor bei der Orgel gebracht. Dagegen wurden unten im Chorraum an beiden Seiten neue Stände für die Ratsmitglieder mit Gittern angefertigt und bald darauf von ihnen betreten. In diesem Jahre wurde auch am 23. April unten im Chorraum eine Tür durch die Mauer gebrochen und verschlossen.

 

VI. Der Himmel (die Decke der Kirche)

§ 14. Die Decke der Kirche (der „Himmel“) wurde im Jahre 1633 von den beiden Kunstmalern Melchior Tümpfel und Veit Lattermann dem Jüngeren erneuert und ausgemalt. Die Arbeit war ihnen beiden übertragen worden für 50 Gulden. Jedoch mußte die Kirche alle Farben und was sie sonst nötig hatten auf ihre Kosten anschaffen.

 

§ 15. Der damalige Pfarrer, Herr Johann Helwig, ließ zwischen die Bogen die Figuren aus der Offenbarung des Johannes, Kapitel 4 (die himmlische Ratsversammlung) und Kapitel 21 (das neue Jerusalem) sowie aus 1. Mose 22 (Isaaks Opferung) und 1. Könige 19 (Die Gottesoffenbarung an Elia) malen.

Der Schulrektor M. Starck aber gab an, daß die Verse des Stigelius oben an die Balken geschrieben wurden. Es wurde aber damals nicht allein oben der Himmel, sondern auch die Wände innen zwischen den Pfeilern bemalt. All das bisher Erwähnte geschah in den größten Beschwerungen des Krieges, so daß man also zu recht den Eifer für das Haus des Herren rühmen muß.

 

VII. Der Knopf und das Dach

§ 16. Am 18. Dezember des Jahres 1612 entstand ein ungewöhnlicher Sturmwind, der viele Gebäude umwarf, in Gärten und Wäldern die größten Bäume mit ihren Wurzeln aus der Erde riß und überall viel Schaden anrichtete. Bei dem Sturm wurde am Mittag zwischen 11 und 12 Uhr der Knopf von der Kirchenspitze herunter geworfen. 

Er wurde am 2. Januar 1613 auf dem Rathaus geöffnet im Beisein des Diakons Paul Seitz und der sechs Bürgermeister Heinrich König, Jacob Tentzel, Conrad Grüning, Andreas Lauterborn, Albert Tentzel und Zacharias König. Man fand einen Pergamentzettel darin, auf dem diese Worte standen: „Im Jahre 1516 wurde dieser Turm errichtet zur Zeit des Festes des Leibes Jesu Christi. Maria. Seht das Kreuz des Herrn: Hütet euch vor den Feinden!“

Bei dem „Fest des Leibes Jesu Christi“ wird es sich wohl um den Fronleichnamstag handeln, um den zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Sternickel ergänzt: Man fertigte nun ebenfalls eine kleine Nachricht auf Pergament mit dem Text: „Pfarrer war Christoph Großpitsch, Diakon Pauls Seitz und regierende Bürgermeister Heinrich König und Jakob Tentzel“. Man legte sie zu den anderen in den Knopf.

 

Man ließ den Knopf in diesem Jahr wieder erneuern und schön vergolden, weil er an sich gut war und im Herunterstürzen keinen besonderen Schaden genommen hatte.

Das Aufsetzen geschah am 8. Juni ohne Unglück, als Christoph Grospitz Pfarrer war, Paul Seitz Diakon und Heinrich König und Jakob Tentzel die regierenden Bürgermeister. Das Gewicht des Knopfes betrug damals 73 Pfund.

 

§ 17. Im Jahre 1655 wollte man das Dach reparieren lassen. Als aber der Schieferdecker Meister Andreas am 18. Juli das Dach zu besteigen anfing und die Leiter oben an den First des Daches angehängt hatte, brachen die hölzernen Haken heraus. Er fiel mit der Leiter und einigen Schiefern herunter. Und weil er sich auf der Erde überschlagen und über den Brückenstein in den Bach gestürzt war, meinten viele Leute, die es sahen, er würde sich ganz zerquetscht und zu Tode gefallen haben.

Als er aber aufgehoben wurde, stellte sich heraus, daß er mit dem Kopf und den Schul­tern und im Bach und Schlamm gelegen hatte. Es hatte sich zwar etliche Löcher im Kopf zugezogen, aber sonst hatte er am Leibe und dessen Gliedern keinen Schaden genommen.                                                                                                       (23)

Nachdem er sich nun erhoben hatte und zu sich selbst gekommen war, wunderte er sich selbst, mit allen, die seinen Fall gesehen, über die gnä­dige Hilfe und den Beistand Gottes, und sie priesen deswegen seine Allmacht. Am dritten Tag aber machte sich der Schieferdecker auf und reiste in seine Heimat.

 

§ 18. Auch hat man im Jahre 1660 und 1661 das ganze der Gebäude der Kirche ausgebessert. Dazu wurde ein ziemlicher Betrag von den ordentlichen Einkünften der Kirche und des Hospitals genommen und 118 Gulden als Beitrag der Bürgerschaft und noch 75 Gulden 10 Heller 6 Pfennige aus den Kirchenrücklagen.

 

IIX. Das Leichenhaus

§ 18. Das Leichenhaus war außen an die Kirche angebaut und hatte eine offene Halle (Porticus), in der ein Altar stand. So konnte man die Leiche vor der Bestattung darin niedersetzen und zuvor eine Seelenmesse für sie halten. Das einfältige Volk war von der damaligen betrügerischen Geistlichkeit beredet worden, daß eine Seele, über deren Leichnam noch eine Messe gelesen worden ist, entweder an dem Fegefeuer vorbeigehen könne oder sich doch darin nicht lange aufhalten werde.

Dieser Aberglaube wurde nun auch in diesem Leichenhaus getrieben. Es war aber so groß, daß man auf seinen Boden Früchte zu schütten pflegte. So haben dann im Jahre 1631 Horst Kästner und Volkmar Koch nachts Korn aus dem Haus gestohlen.

 

Dieses Leichenhaus wurde am 17. Juli (acht Tage vor dem Jakobustag) des Jahres 1632 abgerissen, weil es baufällig geworden war und nach der Abschaffung des päpstlichen Aberglaubens nicht mehr in Gebrauch war. Dafür fing man bald danach an, die neue Treppe zu machen. Sie wurde im September fertig und kostete alles in allem 100 Gulden. Die Tür aber, bei der das Leichenhaus gestanden hatte, heißt noch jetzt „die Leichentür“ und „auf Seiten des Leichenhauses“ (Das Leichenhaus stand an der Südseite der Kirche).

 

§ 19. Weil man aber nach der Reformation keine Seelenmessen mehr über die zu bestattenden Leichen hielt, so wurden sie statt dessen zuerst in die Kirche hinein getragen und dort während der Predigt aufgebahrt, damit jedermann sie anschauen konnte. Danach wurden sie auf dem Gottesacker hinausgetragen und begraben. Diesen Brauch hat es noch vor wenigen Jahren hier gegeben.

 

 

IX. Die Einweihung der Kirche

 

§ 20. Die Einweihung dieser in 59 Jahren sehr schön ausgebauten Kirche geschah am 11. November 1483 durch einen dazu beauftragten Weihbischof, wie es damals im Papsttum so üblich war. Wer dieser Weihbischof aber war, ist nicht bekannt.

Er kam mit den übrigen Geistlichen vor die noch verschlossene Kirchentür, fiel auf die Knie, und sprach einige vorgeschriebene Gebete. Nachdem das geschehen war, ging er in guter Ordnung dreimal um die Kirche herum und besprengte die Außenmauern mit seinem Weihwasser an drei Orten, nämlich am Fundament, in der Mitte und am oberen Teil.

Als er wieder vor die verschlossene Tür kam, klopfte er mit seinem Bischofstab daran und sprach: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehre einziehe!“ Nachdem ihm nun ein Diakon, der innen hinter der Tür stand, antwortete: „Wer ist der König der Ehre?“ sprach er draußen dreimal: „Er ist der Herr stark und mächtig, der Herr mächtig im Streit!“ (aus Psalm 24). Hierauf tat sich die Tür auf, damit er mit nur zwei seiner Kollegen hinein gehe.

Während die übrige Geistlichkeit mit dem Volk draußen das Wech­sel­gebet (die Litanei) zu allen verstorbenen Heiligen sang, trat er in die Kirche und sprach: „Friede sei mit diesem Hause und allen, die darinnen wohnen!“, legte sich vor den Altar und betete.

Danach schrieb er etwas an die Wände und besprengte sie mit Weihwasser, Salz, Asche und Wein. Dann machte mit dem ins Wasser getauchten Daumen viele Kreuz-Striche auf die Altäre, an die Wände und in alle Winkel und sprach: „Dieses Gotteshaus werde geheiligt in dem Namen des + Vaters + und des Sohnes und Heiligen + Geistes. Amen.“

Hierauf drang alles Volk in die Kirche hinein. Nachdem es einige Lieder zu Ehren aller Heiligen gesungen hatte, wurde dieser Kirche der Name „Sankt Martin“ gegeben, weil sie diesem Heiligen geweiht sein sollte.                                                                                                                                                                                            (24)

Die Altäre wurden mit dem gleichem Aberglauben eingeweiht. Zuerst fing der Weihbischof an zu singen: „Eile mir beizustehen, Herr, meine Hilfe!“ (Psalm 38, Vers 23). Darauf nahm er das Weihwasser, machte damit an den Ecken des Altares vier Kreuze, ging siebenmal um den Altar und besprengte ihn jedesmal mit Weihwasser und legte allerhand Reliquien und heilige Gegenstände in ein Loch mitten auf dem Altar. Dann nahm er drei Körner Weihrauch, tat sie unter vier Kreuzschlägen in ein besonderes Kästchen mit Salböl (Chrisam) legte eine Tafel darauf, die mit einem Kreuz gezeichnet war, salbte den Stein mit Öl und Balsam an fünf Stellen, zündete Rauchwerk an, bekleidete den Altar und hielt die Messe.

 

§ 21. Es wurde aber viel Ablaß verheißen allen, welche nicht allein jetzt bei der Weihe und Kirchmesse zugegen waren, sondern auch in Zukunft zum Jahrestag der Weihe in dieser Kirche erscheinen und ihr etwas schenken oder vermachen würden. Dieses alles aber war päpstlicher Aberglaube und Menschen-Tand. Das allermerkwürdigste aber bei dieser Einweihung war, daß sie auf eben den Tag geschah, an dem Luther geboren wurde. Daher hat derjenige Pfarrer, der die Worte auf der Altartafel von 1483 in das alte Kirchenbuch geschrieben hat, zu Recht hinzugesetzt: „Es ist dabei daran zu denken, daß in eben diesem 1483. Jahr, nachdem das Werk uns­rer Altartafel zusammen mit der Kirche angefertigt worden war und zur Ehre des heiligen Bischofs (dessen Bild oben darauf auf einem vergoldeten Pferde sitzend gemacht gewesen) eingeweiht wurde.

 

Es wurde eingeweiht auf den gleichen Sankt Martins-Abend, den 10. November, Martin Luther, der große und wertvolle Prophet Deutschlands, unter den Grafen von Mansfeld geboren wurde und am folgendem 11. No­vember, dem Tag des Bischofs Martin, durch die heilige Taufe in die Gemeinde Gottes aufgenommen wurde. Gott sei ewig Lob, Ehr und Dank gesagt, daß er uns durch diesen Wunder­mann aus dem babylonischen Gefängnis errettet hat und die selige Wahrheit des Evangeliums wieder gespürt, und den Artikel von der wahren Buße, Erkenntnis der Sünde, Glauben an Jesus Christus, von guten Werken, Gebrauch der heiligen Sakramente, Ehestand und Obrigkeit wieder auf die Kanzel und in die Häuser gebracht hat.“

 

Zu Beginn dieses Paragraphen ist in einer Randnotiz zum 11. November vermerkt: „also am Todestage Luthers“. Das ist natürlich falsch, denn Luther ist am 10. November geboren. Am Tag darauf wurde er getauft und erhielt deshalb den Namen des Tagesheiligen Martin. Weil die Kirche am Martinstag geweiht wurde, erhielt sie den Namen „Martinskirche“. Das war aber zufällig der gleiche Tag, an dem Luther in Eisleben geboren wurde, bzw. Luther erhielt auch den Namen „Martin“, weil er an diesem Tag getauft worden ist.

 

 b) Nach dem Brand im Jahre 1687:

§ 22. So herrlich und schön der Tempel des Herrn nach und nach ausgebaut wurde, so jämmerlich wurde er verwüstet, als in dem Brandjahr am 2. Juli (dem Fest der Heimsuchung Marias) Gott diese Stadt in gerechtem Zorn heimsuchte. Als damals das fressende Feuer auch die nächsten Häuser bei der Kirche ergriffen hatte, fing der Turm zuerst in der Höhe Feuer, so daß es an der Spitze wie helle Lichter brannte und den Schiefer heraus geschlagen hat. Beim Umfallen aber stürzte die Turmspitze in die Kirche, so daß diese auch angesteckt wurde. Sie wurde im Feuer so verzehrt, daß von der ganzen Kirche nicht so viel Holz übriggeblieben ist, daß man damit einen Wagen hätte beladen können.

Wie groß der Jammer damals war, ist mit keinem Worte zu beschreiben! Denn das Heiligtum Gottes lag in Asche und von dem herrlichen Gotteshaus war nichts mehr übrig als der gewölbte Chorraum und der Turm, so weit er aus Stein gewesen war. Die Glocken waren vom Turm herunter gefallen und geschmolzen.                                                                                                                                                                (25)

Die damaligen Abendmahlsteilnehmer mußten an diesem Tag auf das Abendmahl verzichten, weil keine Möglichkeit bestand, es zu bekommen. Es wurde ihnen erst am dritten Tag danach auf dem Bodischen Freihof vor der Stadt (dem Schieferhof) gereicht. Das war sehr betrübt mit anzusehen.

 

§ 23. Weil nun in der hiesigen Stadt kein Ort vorhanden war, wo man den Gottesdienst abhalten konnte, so wandte man sich auf herrschaftlichen Befehl nach Clingen, um in der dortigen Kirche an Sonn- und Festtagen in der Frühe den Gottesdienst zu verrichten. Deswegen mußten die Clingener ihren Gottesdienst eine Stunde früher als sonst gewöhnlich anfangen und beenden.

Nachmittags aber und montags hat man auf dem Kirchhof - nach der Herrengasse zu - viele Wochen unter freiem Himmel den Gottesdienst (Predigten und Betstunden) mit Seufzen und Tränen abgehalten. Der Kirchhof war dazu etwas aufgeräumt und so viel wie möglich gesäubert worden.

Weil die Glocken auch zerschmolzen waren, so bediente man sich ei­nes Glöck­chens, das sonst auf dem Rathaus zum Zusammenrufen der Bürgerschaft gebraucht wurde und beim Brand zwar heruntergefallen, aber nicht geschmolzen war.

 

Weil aber ein Stück heraus gesprungen war und nicht klang, sondern klapperte, schaffte man schließlich ein anderes kleines Glöckchen an, das man zum Gottesdienst und zu Beerdigungen gebrauchte, bis im Sommer des Jahres 1690 die neue Glocke wieder fertig war. Da hat man dann jenes Glöckchen als Uhrenglocke verwendet.

Statt der Kanzel (Predigtstuhl) aber hat man das Katheder des Schulrektors verwendet. Das hatte jemand herausgetragen und gerettet, als das Feuer auch die Schule ergriffen hatte. Das ging solange, bis das ganze verbrannte Gewölbe des Chorraums wieder repariert und bis zum Winter zum völligen Gottesdienste hergerichtet werden konnte. Es wurde dann wieder eine neue Kanzel ohne Zierat angefertigt und vor den Altar gesetzt, um darauf zu predigen; diese steht noch jetzt in der Hospitalskirche und wird benutzt.

Die Versammlungen waren aber manchmal zu klein, weil viele der hiesigen Bürger sich aus Mangel an Wohnung in die benachbarten Städte und Dörfer gewandt hatten, und sogar die Geistlichen selbst haben sich eine Zeitlang in Clingen oder auf dem Bodischen Hof aufge­halten.

 

§ 24. Je schmerzlicher es aber die gesamte Bürgerschaft empfunden hat, daß sie sich mit ihrem Gottesdienst - der sie doch in ihrer Trübsal trösten sollte - so kümmerlich behelfen mußte, desto mehr war ein jeder auf den Wiederaufbau der Kirche bedacht.

Es wurden zeitweise einige Baumaterialien herbeigeschafft, zumal der Landesvater Christian Wilhelm sehr bald 1.000 Taler dazu gegeben hatte und auch durch Fürsprache bei anderen großen Herren milde Beihilfe erwirkte. Sie haben ihre Milde erwiesen ohne Voreingenommenheit und ohne Verlust ihres hohen Respekts.

Es sind folgende Herren, die geliefert haben: 100 Reichstaler Herr Graf Albrecht Anton zu Schwarzburg und Hohnstein in Rudolstadt, zehn Reichs­taler der schwarzburgische Hofrat Wilhelm Friedrich Werner aus Sondershausen, 379 Reichstaler 1 Groschen 6 Pfennig die Handels­stadt Leipzig (wobei sich besonders die Herren Handelsleute als milde erwiesen und ein einziger allein 26 Groschen gegeben hat), 29 Reichstaler 20 Groschen die fürstliche Rentkammer zu Merseburg, 10 Reichstaler der Doktor der Medizin und öffentliche Professor Herr D. Berger in Leipzig (und zwar durch Vermittlung des vorher schon erwähnten Herrn Hofrats Werner), 40 Reichstaler die Grafschaft Stolberg,

52 Reichstaler 8 Groschen 7 Pfennig Amt und Stadt Franken­hausen, 202 Reichstaler 3 Groschen 6½ Pfennig aus dem Fürsten­tum Wolfenbüttel, 32 Reichstaler 19 Groschen 6 Pfennig aus der kaiserlichen Freien Reichsstadt Mühlhausen (obwohl diese gute Stadt im Jahre 1689 selbst einen ­schrecklichen Brand erlitten hatte), 59 Reichstaler 18 Groschen aus dem Fürsten­tum Hannover, 19 Reichstaler 18 Groschen aus Nordhausen, 80 Reichstaler aus der Mark Brandenburg, 59 Reichstaler 9 Groschen noch aus dem Fürstentum Wolfenbüttel usw.

Dieses Geld haben die ausgesandten Geldsammler einge­bracht. Damit man aber mit dem Bau der Kirche und der anderen geistlichen Gebäuden beginnen konnte, verehrte dazu der Graf mit seinen Brüdern in Arnstadt aus dem Gehölz über dem Amt Gehren im Thü­ringer Wald 660 Stämme.

 

Sternickel ergänzt: Baumeister für alle öffentlichen Hauptgebäude war Johannes Mützel aus Jena, der auch den Vorschlag gemacht hatte, alle Häuser in der Mittelstraße, der Herrengasse und der Hintergasse in gleicher Höhe und Fensterlinie aufzubauen. Der Zimmerlohn für Kirche, Schulen und Predigerwohnungen betrug 350 Reichstaler, 2 Eimer Bier und 2 Eimer Dünnbier („Kofent“).

 

Man hatte schon viele Steine auf den (neuen) Friedhof geschafft, um auf ihm eine Kirche zu bauen. Die Zeichnungen der Kirche waren bereits gemacht. Der Bau sollte noch im selben Jahr anfangen.

Doch die Steine wurden geprüft und verworfen, so daß aus der Kirche nichts wurde. Die übrigen Steine aber und die besonderen Werkstücke zu den äußeren Treppen, Türen und Fenstern, hat man teils freundlicherweise im Clingener Steingraben, teils hinter der Neustadt im Acker gebrochen.

Als die Mauer angefangen wurde, legte man an ihre Ecke an der Nordseite, wenn man in den Chorraum gehen will, ein schönes Quaderstück, auf dem die Buchstaben stehen: „C.W.E.Z.J.C.D.S.E.H. im Jahre 1688“. Das Mauerwerk wurde am 6. Oktober fertig.

 

Auf dem Bogen der Tür an der Nordseite des Chorraums steht allerdings die Jahreszahl 1637. Der Chor und der untere Teil des Turms sind ja noch von der alten Kirche erhalten.

 

§ 25. Wie aber die erste Kirche kaum innerhalb 59 Jahren gebaut wurde, so wird wohl auch zu der Erbauung der anderen notwendigerweise eine geraume Zeit erforderlich gewesen sein, nach dem allgemeinen Sprichwort: „Gut Ding will Weile haben!“ Weil nun (bis heute) einige Stücke an der Kirche sehr kostbar erbaut worden sind, so will ich darüber anführen, so viel ich erfahren konnte. Das Erste ist:

 

I. Der Turm

§ 26. Weil in dem großen Brande nicht nur alles, was aus Holz war, zu Staub und Asche geworden war, sondern auch das Mauerwerk selbst viel Schaden genommen hatte, so kostete die Reparatur desselben eine große Menge. Jedoch wurde man damit im Jahre 1690 ganz fertig, wie die Jahreszahl bezeugt, die außen auf dem Dach steht.

Am 15. Juni 1689 wurde der Greußener Zimmermeister Hans Rost beauftragt, auf die Mauern noch ein Stockwerk aus Holz zu setzen, in dem eine Wohnung für einen Hausmann oder Wächter ist. Er bekam dafür 110 Reichstaler. Die Arbeit wurde so angefertigt, daß am 25. November der Anfang mit dem Richten gemacht wurde und am 14. Dezember alles vollendet wurde.                                                                 (26)

 

Sternickel ergänzt: Im Kirchturm wurden 100 Stück Eichen aus dem witt­gen­stein­schen Forst über Holzthaleben verbaut. Sie kosteten ohne Fuhrlohn 62 Reichstaler 12 Groschen. Der Maurerlohn für die Kirche (ohne Turm) betrug 413 Reichstaler.

Der Zugang zum Turm erfolgt heute von der ersten Empore aus. Eine Holztreppe führt geradeaus in das nächste Stockwerk. Nach links geht es aber in einen zweiten Aufgang mit einer steinernen Wendeltreppe, die aber nicht ganz bis in das darüberliegende Stockwerk führt. Dieser Aufgang war lange Zeit zugemauert, ist aber sicher noch aus dem alten Turm.

Von dem darüberliegenden Stockwerk führt eine Treppe in das nächste Stockwerk. Durch eine Öffnung in der Wand sieht man in den Dachstuhl der Kirche. Man kommt in die Glockenstube, in der vier Glocken hängen. Darüber ist noch einmal ein viereckiger Raum mit Fensterläden, von dem aus man mit Leitern bis in die „Laterne“ des Turms kommt.

 

 

 

§ 27. Der Knopf aber auf dem hiesigem Kirchturm wurde am 4. August des Jahres 1690 durch den Schieferdeckermeister Hans Luttisch aus Sondershausen vormittags um 10 Uhr aufgesetzt. Er hat einen Umfang von 140 Zentimeter, es gehen 20 Eimer hinein und er wiegt 63½ Pfund. Das Vergolden aber kostete 15 Taler. Er ist mit der Hülse höher als ein Mann.

Als Nachricht wurde in die Hülse ein kupfernes Schächtelchen gelegt mit einer Schrift auf Pergament: „Am 4. August 1690 ist dieser Knopf auf den Kirchturm gesetzt worden, nachdem am 2. Juli 1687 die Kirche, der Turm und die ganze Mittelstadt erbärmlich in Asche gelegt worden waren. Damals regierte der hochlöbliche und hochgeborene Graf und Herr Christian Wilhelm, mit dem ganzen Titel einer der vier Grafen zu Schwarzburg und Hohnstein und Reichsgraf. Zum re­gie­ren­den Rat gehörten Bürgermeister Theodor Tentzel und Bürgermeister Heinrich Bernhard Rhäsa, Ratsmitglieder waren Johannes Christian Buhl, Christoph Gräser, Georg Barthel Wendt und Johann Tobias Lattermann.

Dem allmächtigen Gott sei Dank für diese Wohlthat, er gebe Gnade, daß dessen heiliges Haus vor dergleichen schwerem Unglück bis an den lieben jüngsten Tag behütet werde. Wir alle aber leben jetzt in kummer­vollen Zeiten, weil nämlich fast die ganze Welt - besonders der deutsche Kaiser und das ganze deutsche Reich - mit dem Türken und dem mehr als barbarischen König Ludwig XIV. von Frankreich als Bundesgenossen in Krieg verwickelt ist und auch Ungerechtigkeit und Falschgeld überall umhergeht.

Wir hoffen, daß durch die künftigen und besonders die gegenwärti­gen treuen Diener Christi - nämlich den philosophischen Magister Herrn Wolf Henrich Benjamin Mosch und den um die hie­sige Stadt und Kirche wohlverdienten Diakon Herrn Johann Kayser - das Wort Gottes rein und lauter ge­predigt wird und wir ewig selig werden mögen.

Es wurden auch am gleichen Tag der Turm und dessen Dach fertig. Darauf kamen 200 Zentner Schiefer zu je 10 Groschen 6 Pfennige. Dem Ziegeldecker aber, Meister Hans Lutjhen und dessen Bruder Nikolaus Lutjhen, wurden 52 Reichtaler Schieferdeckerlohn gegeben, einschließlich wie vereinbart zwei Eimer Bier, zwei Paar Schuhe und zwei Paar Strümpfe.“

 

Hesse gibt den Namen des Schieferdeckers mit „Leistenkorn“ an. Er hat aber „Luttich“ oder „Lutjen“ geheißen.

 

 

 Kirchturm mit Stadtmauer

II. Die Glocken

§ 28. Weil die früheren vier Glocken, nachdem sie bei dem Brand herunter auf das Gewölbe gefallen waren, völlig geschmolzen waren, so mußte man die Bürgerschaft mit einem kleinen Glöckchen zum Gottesdienste zusammenrufen. Zunächst geschah dieses durch ein Glöckchen, das man sonst auf dem Rathaus zum Zusammenrufen der Bürgerschaft gebrauchte, das beim Brand zwar herunter gefallen war, aber doch nicht zerschmolzen war. Weil aber doch ein Stück heraus gebrochen war, so klang es nicht, sondern es klapperte nur. Danach aber beschaffte man ein anderes und gebrauchte es sowohl zum Gottesdienstgeläut als auch zum Leichengeläut so lange, bis die neuen Glocken gegossen wurden. Danach hat man jenes Glöckchen für die Turmuhr genommen.

 

§ 29. Im Monat August des Jahres 1690 aber wurden in dem gräflichen Gießhaus zu Sondershausen vier schöne, neue Glocken, gegossen, die jetzt noch auf dem hiesigem Turm zu sehen sind.

Die erste Glocke, die 38 Zentner wiegen soll, wurde gegossen in Gegenwart des Grafen Christian Wilhelm, dessen Hofstaat, vieler anderer vornehmer Leute und der hiesigen Bürgermeister Heinrich Bernhard Rhäsa und Johann Christian Buhl. Die Schrift aber, die daran stand, war folgende: Oben herum steht: „Als während der Regierung des hochgeborenen Grafen und Herren, Herrn Christian Wilhelm IV., Reichsgraf, Graf zu Schwarz­burg und Hohnstein, Herr zu Arnstadt, Sondershausen, Leutenberg, Lohra und Klettenberg, durch Gottes Verhängnis die Stadt Greußen samt Kirche, Schule, Pfarrhaus und Rathaus und auch anderen Bürgerhäusern, so weit sie innerhalb der Ringmauer gestanden haben, auf Mariae Heimsuchung, am 2. Juli 1687, ganz abgebrannt ist und alle Glocken zerschmolzen sind, so ist im Monat August des Jahres 1690 bei noch währender - Gott gebe glücklicher - Regierung oben hochgedachter hochgräflicher Gnaden, diese Glocke als erste in dem erbauten gräflichen Gießhaus zu Sondershausen - Gott zu Ehren - von Meister Hans Heinrich Rausch und Hans Christian Geyer, Glockengießer aus Erfurt, gegossen worden“.

In der Mitte steht auf der einen Seite das schwarzburgische Wappen mit dieser Umschrift: „Christian Wilhelm IV., Reichsgraf, G.Z.S.V.H. H.Z.A.S.L.L.V.K.“

Auf der anderen Seite aber steht das fürstlich-sächsische Wappen mit dieser Umschrift: „Wilhelmina Christiana, geborene Herzogin zu Sach­sen, J. C. V. B. V. Gr. Z. S. V. Hohnstein“.

Unten herum aber ist zu lesen: „Als diese Glocke gegossen wurde, sind im Ratsstand gewesen: Bürgermeister Theodor Tentzel, Heinrich Bern­hard Rhäsa, Johannes Christian Buhl, Christoph Gräser, Georg Barthel Wende, Johann Tobias Lattermann, jetzt regierender C II. J., Br. Volkmar Bode, Br. Christoph Schuchardt, Benjamin Zahn, Johann Andreas Herzog, Tobias Sachse, Benjamin Magen, C III. J., Br. Friedrich Ludewig, Br. Philipp Magen, Tobias Pfündel, George Christian Fornfeist, Tobias Christian Magen und Jakob Wüstemann“.

 

Der Rat besteht aus 18 Personen, also sechs Bürgermeistern und zwölf Ratsmitgliedern. Bei der Bezeichnung „C II“ und „C III“ dürfte es sich um die „Ratskompane“ handeln, „Br.“ könnte auf einen früheren Bürgermeister hinweisen.

 

Für diese Glocke wurde im Jahre 1725 ein neuer Klöppel gestiftet, der 79 Pfund wog und - weil das Pfund mit 1 Heller und 9 Pfennig bezahlt wurde - 5 Taler 18 Heller 3 Pfennig kostete.

 

 

§ 30. Die beiden anderen wurden auch am 21. August gegossen. Die erste wiegt 18, die zweite aber 9 Zentner. Am 31. dieses Monats wurden diese drei Glocken aus Sondershausen abgeholt. Die kleine Glocke transportierte das Gespann des Hans Christoph Walther, die andere das Gespann des Meisters Hans Tobias Barthel und die dritte das Gespann des Herrn Johann Christian Buhl. Auch hat man danach in Erfurt die vierte Glocke gegossen, die nur 4½ Zentner wiegt. Die Gießer bekamen für den Zentner zu je 100 Pfund zwei Taler, dazu zwölf Taler für die Kost, doch wurde ihnen nichts mit ins Feuer (?) gegeben, wozu sonst das 100. Pfund gerechnet wird.                 (27)

Nachdem die Glocken nun am erwähnten 31. August glücklich hierher gebracht worden waren, wurden sie auch am 3. September aufgehängt und mittags zwölf Uhr zur Brautmesse des Herrn Sekretärs Johann Jakob Schilling und der Jungfrau Sophia Hase dann zum erstenmal geläutet.

Nach erfolgter Trauung aber wurden sie bis abends 10 Uhr und am folgenden Tag von früh 4 Uhr bis mittags 10 Uhr durch 24 Männer ohne Aufhören geläutet und wurden in dieser Probe für gut befunden. Es bekamen diese Läuter nur ein Stück Essen und etwas zu Trinken.

Weil aber alles schwer zu bewegen war, wurde es ihnen so sauer, daß ihnen zum Teil die Hände bluteten. Doch taten sie es mit Freuden und das Frohlocken der Bürgerschaft war dabei unbeschreiblich.

Am Freitag, dem 5. September, und am Sonntag, dem 7. September (dem 11. Sonntag nach Trinitatis), wurden die Glocken zum ersten Mal zum öffentlichen Gottesdienst geläutet. Deswegen hat am ersten Tag der Diakon Kayser Gott dem Herren drei Stunden lang gedankt und am anderen Tag der Pfarrer Mosch.

Dabei führte besonders dieser an, daß er vor genau vier Jahren auf diesen Sonntag seine Gastpredigt und am 14. Tag nach Michaelis seine Einzugspredigt in der damals sehr schönen Kirche gehalten habe, welche aber etwa ein dreiviertel Jahr danach so jämmerlich eingeäschert wurde.

 

Zur vierten Glocke kam noch eine Uhrglocke für den Viertel­schlag. Danach wurde am 29. September eine Sammlung unter der Bürger­schaft veranstaltet, die 36 Reichstaler und 12 Groschen erbrachte. Beide waren am 18. Oktober in Sondershausen gegossen worden und wurden hierher geholt. Die erste wurde am 31. Oktober glücklich auf den Kirchturm gebracht.

 

Die Angaben über den Glockenguß sind widersprüchlich, vor allem wird der Ort des Gusses unterschiedlich angegeben. Doch wahrscheinlich lief der Vorgang wie folgt ab: Zunächst wurden im August 1690 in Sondershausen drei neue Glocken gegossen. Drei Glocken mit dem Gewicht von 38, 18 und 9 Zentnern wurden am 31. August aus Sondershausen abgeholt und am 3. September aufgehängt.

Danach wurden noch zwei Glocken gegossen: Eine davon wurde vierte Glocke für die Kirche mit einem Gewicht von 4½ Zentnern. Am 31. Ok­tober wurde sie auf den Kirchturm gebracht. Doch sie ergab einen Mißklang mit der großen Glocke (die Gießer hatten eine Oktave versprochen). Am 11. Juli 1692 wurde sie - weil sie aus unbekannter Ursache zersprungen war - vom Turm herab geworfen und nach Erfurt gebracht und wieder umgegossen. Am 3. September wurde sie wieder hinauf gebracht und wurde in der Probe auch gut befunden.

Die andere der beiden Glocken wurde zur Uhrglocke für den Viertel­schlag und hatte ein Gewicht von 276½ Pfund (das bedeutet aber doch wohl, daß diese Glocke auf dem Rathaus aufgehängt wurde, denn nur dort gab es eine Uhr).

Unsicher ist, in welchem Ort diese beiden kleinen Glocken gegossen wurden. Wahrscheinlich ist aber die Angabe, daß beide am 18. Oktober in Sondershausen gegossen wurden, denn für den Glockenguß hatte man ja extra das Gießhaus in Sondershausen erbaut. Erst als man feststellte, daß die kleinste Glocke auf dem Turm nicht mit der größten zusammenpaßte, hat man sie in Erfurt neu gießen lassen (weil man der Gießerei in Sondershausen nicht mehr traute oder weil sie inzwischen wieder aufgelöst war).

Drei dieser Glocken wurden im Ersten Weltkrieg abgeliefert. Im Jahre 1925 wurden drei neue Glocken bei Schilling in Apolda bestellt. Die (neue) große Glocke trug das Greußener Stadtwappen (springender Löwe im Schild, darüber der heilige Martin), sie wog 45 Zentner und hatte einen Durchmesser von 1,56 Metern. Die kleineren Glocken wogen 12 und 8¼ Zentner. Die Glocke aus dem Jahr 1832, gegossen bei Ulrich in Laucha mit einem Gewicht von 17½ Zentnern, hat den Ton „e“ und wurde in das Geläut „c e g a“ eingefügt. Diese Glocke ist heute die älteste, ihre Aufhängung ist beschädigt.

Im Turm hängen heute noch die kleinste Bronzeglocke von 1925 mit einem Gewicht von 8¼ Zentnern und zwei Glocken aus Eisenhartguß aus dem Jahre 1957 mit einem Gewicht von 16 und 7 Zentnern, auch bei Schilling in Apolda gegossen.

 

III. Die Mauern

§ 31. Die Mauern der Kirche wurden zuerst angefangen. Dazu nahm man die Steine, die für die geplante Friedhofskirche angeschafft worden waren. Obwohl sie von Grund auf neu aufgebaut wurden, so haben sie doch keinen Bestand gehabt, denn sie haben nicht viel über 20 Jahre gestanden. Da waren sie schon an allen Stellen gerissen und hatten sich verzogen. Des­wegen hat man sie im Jahre 1710 wieder abreißen müssen und ein ganz neues Fundament gelegt. Darauf wurde die Kirche so gebaut, wie sie jetzt vor Augen steht. Der Teil nach der Herrengasse zu wurde zuerst angefertigt, zusammen mit dem Dach. Das folgende Jahr aber wurde mit dem Bau angehalten und neue Materialien wurden herbei geschafft. Im dritten Jahr wurde auch der Teil an der Südseite zustande gebracht.

 

Der Maurerlohn für die Kirche (ohne Turm) betrug nach Sternickel 413 Reichstaler. Schiff und Chorraum wurden nach Hesse im September 1691 fertiggestellt.

Malerisch wirkten die an der Nord- und Südseite zum Chor führenden überdeckten Treppenaufgänge, die 1894 wieder entfernt wurden. Die Strebepfeiler an der Ostseite des Chorraums sind erst später angebracht worden, während die Pilaster schon ursprünglich vorhanden gewesen sind.

 

§ 32. Weil die Schwibb-Bogen in der Mitte sehr niedrig und noch nach der alten Mode spitz waren, wurden sie mit großer Mühe ausgebrochen und in die Höhe geführt wie sie jetzt sind, mit einer weiten Rundung, wodurch die Kirche ungemein licht und hell geworden ist.

 

Chorraum (Ergänzung auf Seite 29 der Chronik)

Am 2. August 1693 fing man an, den Chorraum in der Kirche um einige Schuh hoch zu erhöhen und mit Stein auszulegen, daß er gleichmäßig hoch würde, weil er seit dem Brande noch immer unausgebessert geblieben war. Dabei fand man im Chorraum - auf den Brettern liegend - verfallene Steine, die zum großen Teil so weit verbrannt waren, daß die Buchstaben und was an Verzierungen daran gewesen war, ganz abgesprungen waren.

 

Die berühmtesten waren die drei Grabsteine des seligen Herrn Bürgermeisters Josias Thaler, des Herrn Bürgermeisters Ernst Elias Hauser und dessen Tochter der ersten Ehefrau, die gleich zwischen dem kleinen Chorraum und der Sakristeitür lagen.

 

IV. Der Sitzplatz für den Rat (der „Ratsstand“)

Weil der Ratsstand vor dem Brand unten im Chorraum ge­wesen ist (wie es bereits oben in § 12 angeführt ist), so wurde von der gnädigsten Herrschaft am 29. Juni 1691 eigens befohlen, daß dieser Raum für die Abendmahlsteilnehmer frei bleiben sollte. Stattdessen sollte der zweite und dritte Schwibb‑Bogen gegenüber der Kanzel als Stand für die Ratspersonen genommen werden. Die Personen, die bis dahin dort gestanden haben, sollten unter der Orgel und wo sonst Raum vorhanden war, ihre Stelle bekommen. Dagegen hat sich auch niemand aufgelehnt. So bekamen die Abendmahlsteilnehmer zur besseren An­dacht und Bequemlichkeit diesen recht hellen und lichten Platz.

 

Der Kirchenstand für städtische und staatliche Behörden war zwischen den beiden Mittelpfeilern auf der nördlichen Empore. Verziert war er mit dem fürstlichen Wappen und den fürstlichen Initialen.

Der östliche Kirchenstand war für den Magistrat und das Amtsgericht, der westliche für Gemeinderat und Kirchenvorstand. Die Kirchenstühle hatten hochlehnige gepolsterte Stühle (man mußte also nicht stehen, obwohl der abgeteilte Raum „Kirchenstand“ hieß). Sie waren verschlossen und an der Rückseite mit Ziergebälk und sonstigen Verzierungen versehen.

 

Kirchenplätze (Ergänzung auf Seite 30 der Chronik:)

Im Jahre 1691 wurde verordnet, daß jede Kirchenbank („Kirchenstand“) für die Männer unter dem Schwibb‑Bogen und in der ersten Reihe mit zwei Talern bezahlt werden soll, die in der zweiten Reihe mit einem Taler und die in der dritten mit 16 Heller. Weil die besten Bänke sehr begehrt waren, so ergab diese Gebühr eine beträchtliche Summe, für die man Bretter und Holz für diese Kirchenbänke kaufen konnte.

Am 29. Juni wurden auch die neu gebauten Frauenbänke ver­lost, in den mittleren Reihe für einen Taler, hinter den Pfeilern für 16 Heller, in den Nebenreihen aber je nachdem für 12, 8 oder auch 6 Heller.

 

IV. Die Kanzel

§ 33. Als man nach der Einäscherung der Kirche den Gottesdienst auf der Brandstelle verrichten mußte, bediente man sich anstatt der Kanzel des Lesepults (Katheder), das der Rektor sonst in der Schule gebraucht hatte und das von jemanden herausgetragen worden war. Nach­dem aber vor dem Winter das Chorgewölbe wieder repariert war und zur Ausübung des vollständigen Gottesdienstes einige Vorbereitungen gemacht worden waren, wurde vorläufig eine neue Kanzel ohne allen Zierat angefertigt und vor den Altar gesetzt, damit man darauf die Predigten halten könne. Schließlich brachte man sie dann auch an die gewöhnliche Stelle der Kanzel. Zum Pfingstfest am 30. Mai 1691 wurde zum erstenmal darauf gepredigt.

 

§ 34. Im Jahre 1709 aber ließ Herr Johann Andreas Herzog, damaliger Oberbürgermeister und Bau-Inspektor, aus seinen eigenen Mitteln bei dem Bildhauer Schwanhold in Kindelbrück die schöne Kanzel anfertigen und aufbauen, wie sie noch jetzt steht. Die vorige dagegen nahm man ab und setzte sie in die Hospitalkirche, wo sie denn auch noch auf den heutigen Tag steht und benutzt wird.

V. Die Leuchter

§ 35. Es gibt drei große Hängeleuchter in der hiesigen Kirche, die alle von frommen Christen aus besonderer Mildtätigkeit verehrt wurden.

Den ersten, der nicht weit von der Kanzel hängt und zwölf Taler gekostet hat, spendete die hiesige Handwerker-Innung der Bortenmacher (Posamentierer). Sie brachten ihn mit von der Leipziger Michaelismesse. Er wog 32 Pfund und 60 Gramm, jedes Pfund zu 9 Heller, was 12 Taler ausmacht, abgesehen von dem übrigen Gewicht und dem Fuhrlohn. Am 23. Dezember 1690 wurde er aufgehängt und am nächsten Tag wurden die Lichter drauf gesteckt.

Den anderen in der Mitte ließ Herr Johannes Ernst Heinrich, damaliger Stadtschreiber und vorher Bürgermeister in Clingen, hier machen.

Und den letzten, nach der Orgel zu hängend, hat im Jahre 1700 ein gewisser Herr von Fittingshofen gestiftet, angestellter Kammerherr bei dem Kurfürsten zu Sachsen. Er tat es, um sich erkenntlich zu zeigen, weil man seinem verstorbenen Herrn Sohn, Herrn .......... von Fittingshofen, eine Grabstätte in der hiesigen Kirche gestattet hatte.                                                                                                                                    (28)

Zu diesen drei Leuchtern aus dem 18. Jahrhundert, die man als „flämische Kronen“ bezeichnet, kam noch ein großer Leuchter aus dem 19. Jahrhundert mit zwei Ringen, der in Höhe der Seiteneingänge über dem Mittelgang hängt.

 

VI. Der Almosen‑Stock

§ 36. Den Almosen‑Stock ließ Herr Bürgermeister Rhäsa am 11. September 1690 mitten in die Kirche setzen, falls jemand zu Gottes Ehre und zum Bau des Gotteshauses etwas hinein legen wollte. Deshalb wurde auch daran geschrieben: „Erbarmet euch mein, denn die Hand des Herrn hat mich gerührt“. Der Bürgermeister selbst machte den Anfang mit dem Spenden, und drei bis vier Personen folgten gleich. So wurde es Brauch, daß bei allen Kindtaufen und Trauungen von jedem Gast etwas hineingesteckt wurde.

Auch die Fremden machten das, die die Kirche besichtigten: Als am 16. September der hiesige Herbstjahrmarkt war, besahen viele Fremde und auch Einheimische die neuen Glocken und legten dabei in diesen Stock reichliche Gaben.           

 

Der Almosenstock steht noch heute am Ende des Mittelgangs der Kirche in Höhe des nördlichen Seiteneingangs vor den durchgehenden Bänken. Er wird auch heute noch für Spenden genutzt.

 

VII. Die Orgel

§ 36. Die Orgel ist, wie sie jetzt vor Augen steht, ein so schönes und vollkommenes Werk, daß es im hiesigen Land nicht viele Orgeln geben wird, die dieser gleich sind. Jedoch ist sie nicht auf einmal in diesen Zustand gebracht worden.

Zuerst kaufte die Handwerks-Innung der Tuchmacher im Jahre 1687 in Ohrdruf ein schönes Positiv und verehrte es der hiesigen abgebrannten Kirche. Es wurde im selben Jahr am Weihnachtsfest zum erstenmal im Gottesdienst gebraucht. Im Jahre 1691 aber wurde es hinauf auf die neue Empore für den Singechor gebracht. Am 10. Sonntag nach Trinitatis wurden die Schullehrer und Schüler und Musikanten dahin gewiesen, so daß zum erstenmal wieder dort musiziert wurde.

So wie man aber in der neuen Kirche immer ein Stück nach dem anderen hinzufügte, so war man dann auch auf ein vollkommenes Orgelwerk aus. Deshalb schloß das Konsistorium in Sondershausen am 27. Juli des Jahres 1701 einen Vertrag ab mit Tobias Gottfried Trost, Orgelmacher in Halberstadt: Er sollte für die hiesige Kirche ein vollständiges Orgelwerk anfertigen für 1.000 Taler bares Geld.

Er versprach, das Werk innerhalb von eineinhalb Jahren anzufertigen. Er sollte alle Materialien selbst anschaffen, wie Zinn, Blei, Holz, Eisenblech, Draht, und alles, was zu den Pfeifen und Innenausbauten gehört. Der Rat aber mußte beschaffen, was zur Arbeit der Bildhauer, Tischler, Zimmerer und Mauer nötig war und die Eisenteile und das Holz zum äußeren Aufbau und den Zierrat der Orgel.                                                                                                                                                                                    (30)

 

Der Orgelbauer Trost verrichtete seine Arbeit nur langsam. Er lebte sehr üppig und kaufte zum Beispiel für ein Fest zehn Pfund Butter für 16 Kuchen und verwendete sogar den teuren Zucker beim Backen. Das Verhältnis zum Rat wurde immer gespannter. Bürgermeister Herzog ließ sogar einmal ein Fuhrwerk des Orgelbauers beschlagnahmen, weil man fürchtete, er würde das Zinn für die Orgelpfeifen fortschaffen. Er hatte jedoch nur in Greußen mit seinen dortigen Gießformen Orgelpfeifen hergestellt für die Orgel in Gräfentonna, die sein Sohn aufbaute.

Im Juni 1704 wurde die Orgel von dem Hoforganisten Johannes Christian Blättermann und dem Stadtorganisten Johannes Valtin Eccold zwei Tage lang geprüft und für vertragsgemäß eingestuft.

Die großen Zinnpfeifen waren zu schwach gegossen, so daß sich mehrere von ihnen unter ihrer eigenen Last bogen und zusammengedrückt wurden. Man verhandelte deshalb 1719 mit dem Orgelmacher Northeu aus Frankenhausen, der die Orgel überarbeitete. Im Jahre 1842 wurde eine neue Orgel mit 29 Registern von Siegfried Hesse aus Dachwig gebaut. In diese Orgel wurden noch sieben Register aus der Trost-Orgel übernommen, die am Spieltisch mit einem „T“ gekennzeichnet sind. Im Ersten Weltkrieg wurden die großen Zinnpfeifen herausgenommen. Heute hat diese Orgel 30 Register mit 1821 klingenden Pfeifen.

 

Im Jahre 1687 ordnete der Graf an, daß in dem gesamten Lande an den viertel­jährlichen Buß‑, Bet‑ und Fastentagen eine durchgehende Kollekte für die hiesige abgebrannte Kirche gespendet wurde, die dann einen bedeutenden Betrag erbrachte.                                                                                                                              (32)

 

Sternickel beurteilt das Aussehen der Kirche, wie es noch zu seiner Zeit war: Prächtig sind die Gemälde an der Decke, die die Geburt Jesu, die Taufe am Jordan und die Verklärung zeigen (sie wurden beim Umbau 1894 entfernt). Das Gemälde bei der Orgel an der Nordseite zeigt Himmel und Hölle. Nicht so schön sind die Deckengemälde über den Emporen.

Über die Innenausstattung der Kirche - aber wohl zum Teil aus späterer Zeit - wird gesagt: Der bis an die Decke reichende Altar zeigt unten vier Figuren, die den alten und den neuen Bund darstellen: Links Aaron und Mose, rechts Johannes und Petrus. In der Mitte des Altars sieht man in der Nische das auf Taft gebrachte Ölgemälde des Malers Beck in Erfurt, das die Auferstehung darstellt und von Kunstkennern verehrt wird. Darüber befindet sich eine geschnitzte Christusfigur, die auch den Auferstandenen darstellt.

Links vom Altar steht der Taufstein aus dem 19. Jahrhundert (ein Taufengel von 1701 steht heute im Diakonissenheim). An der Wand rechts im Chorraum ist eine Lutherbüste aus Bronze angebracht, links eine entsprechende Melanchthonbüste. Am Chorbogen ist links eine Gedenktafel für die Gefallenen des Krieges 1870/71 angebracht. Über dem Bogen ist ein Bild, das die Kreuzabnahme Christi darstellt, aber kaum zu erkennen ist.

Am zweiten Pfeiler neben der Kanzel befindet sich ein Brustbild Luthers in Flachrelief aus Marmor, das von Bürgervorsteher Klemm gestiftet wurde.

In der Kirche stehen verschiedene Grabsteine: An der Südwand sind es vier Grabsteine, die wohl ursprünglich auf dem Friedhof standen, später an der Außenseite der Kirche und jetzt innen. Der vorderste Stein aus dem Jahre 1597 zeigt den Studenten Balthasar Sella aus Tennstedt mit Halskragen, Umhängemantel und Degen (siehe Seite 259). Er wur­de am 2. Februar 1597 bei einem Hochzeitstanz im Rathaussaal von Hans Schinkieth (Schinköth?) mit einem Taschenmesser erstochen. Ein anderer Grabstein von 1713 war für den Diakon Johann Christian Hauschild. Auch an der Rückseite des Kirchenschiffs finden sich zwei große Grabdenkmäler.

Im Jahre 1894 wurde die Kirche umgebaut: Von den am 25. Juli 1725 vom Meister Christoph Gangloff fertiggestellten Emporen („Chorkirche“) wurden die oberen Emporen abgerissen und vier neue Glasfenster eingesetzt, eine Luftheizung wurde eingebaut, die Butzenscheiben entfernt, die Treppenaufgänge beseitigt, die hölzerne Balustrade im Chorraum entfernt. Der Taufstein, der früher im Altarraum stand, wurde vor diesen gesetzt. Der Altar wurde im korinthischen Stil errichtet.

Die Malerei wurde nach dem Entwurf des Hofdekorationsmalers August Böttger ausgeführt: Das Hauptschiff wurde in moderner Renaissance, der Altarraum im gotischen Stil bemalt.

Das Brustbild Jesu (gestiftet von Oberbürgermeister Klemm) kam in der Sakristei. Das Bild „Jesus am Kreuz“, gemalt von Medizinalrat Dr. Klemm (1805-1830), kam ins Kirchenschiff. Beide Bilder sind aber nicht mehr vorhanden.

 

 

 

Inneres der Kirche

Das V. Kapitel

Von einigen anderen zur Kirche gehörenden Dingen

 

I. Von dem Patronatsrecht über Kirchen und Schulen in Greußen

 

Für jede Kirche gab es einen Heiligen als Kirchenpatron. Im Falle Greußen war dies der

Heilige Martin. Davon zu unterscheiden ist aber das Patronatsrecht über die Besetzung der Pfarrstelle an dieser Kirche. Dieses Recht stand meist einem örtlichen Adligen zu oder auch einem Kloster. Aber nach und nach zog dieses Recht immer mehr der Landesherr an sich. Er hatte das Vorschlagsrecht für den Kandidaten für das Pfarramt (das Recht zum „Präsentieren“). Formell berufen wurde der Pfarrer aber von der Gemeinde, im Falle Greußen vertreten durch den Stadtrat.

 

§ 1. Wenn heute in der Kirche oder Schule hier eine freie Stelle zu besetzen ist, so steht dem Fürsten in Sondershausen das Vorschlagsrecht zu, dem hiesigen Stadtrat aber das Recht zur Berufung. So übt jeder sein jeweiliges Recht aus.

 

Es wird wohl von alten Zeiten her mit diesem Recht die gleiche Bewandtnis gehabt haben, sowohl unter dem Landgrafen in Thüringen als auch unter dem Grafen von Hohnstein. Von diesem kam das Berufungsrecht im Jahre 1262 an den Abt und das Kloster zu Ilfeld.

Im gleichen Jahr verschenkte Graf Heinrich II. von Hohnstein dieses Recht auch über einige andere Dörfer an das Kloster Ilfeld. Diese Schenkung hat der Erzbischof Gerlach zu Mainz in Heiligenstadt auf dem Eichsfeld bestätigt. Auch im Jahre 1333 wurde dem Abt Albert und dem Kloster zu Ilfeld das Patronatsrecht über einige Kirchen, darunter auch Greußen, von dem Erzbischof zu Mainz mit einem Brief bestätigt.                                                                                                                                         (33)

§ 2. Wie lange aber dieses Recht von dem erwähnten Abt und Konvent ausgeübt wurde und wie es wieder an das Haus Schwarzburg gekommen ist, das habe ich nirgends gefunden. Der verstorbene Herr Andreas Top­pius sagt zwar, die Berufung der Pfarrer habe dem Abt zu Ilfeld zugestanden bis ins Jahr 1433. Von da an habe man die Pfarrer zu Greußen berufen ohne den Abt.

Dem steht aber entgegen eine alte Nachricht, die sich auf dem hiesigem Rathaus befindet und im Jahre 1450 aufgezeichnet wurde, in der es gleich am Anfang heißt: „Nach altem Herkommen hat der Rat zu Greußen einen Pfarrer angenommen und eingeführt im Beisein zweier Ratsherren. Der Ablauf soll so sein: Der Pfarrer soll vor den Rat zu Greußen einen Brief bringen von unserem gnädigen Herrn Graf Heinrich zu Schwarzburg, daß es seiner Gnaden Gunst, Wissen und Wille sei und unser gnädiger Herr in dem Brief begehrt und bittet für den Pfarrer, ihn aufzunehmen. Wenn der Pfarrer diesen Brief den Räten gebracht hat, so pflegen sie ihn zu berufen nach altem Herkommen. Sie wollen es bleiben lassen bei den Satzungen, besonders daß er die Pfarrer lassen wolle in redlicher Amtsführung, um in der Kirche Gottesdienst zu halten und die Messe zu singen und zu lesen, und auch das Pfarrhaus in gutem Bauzustand erhalten, Dach und Schwellen, und anderen Notreparaturen usw.“

Daraus kann man sehen, daß damals - so wie heute - das Präsentationsrecht bei dem Grafen Heinrich zu Schwarzburg gelegen hat, das Berufungsrecht aber bei dem hiesigen Rat. Weil es aber im Jahre 1450 schon hieß, daß es so gehalten wurde „nach altem Herkommen, Recht und Satzungen“, so kann das Kloster Ilfeld dieses Recht nicht bis zum Jahre 1433 ausgeübt haben, denn von einer Zeit von 17 Jahren kann es nicht heißen: „nach altem Recht und Herkommen“.

Jedoch ist aus einem Vergleich, der im Jahre 1450 zwischen dem hiesigen Pfarrer und dem Rat aufgerichtet wurde zu ersehen, daß der Abt in Kirchenangelegenheiten hier damals noch sehr viel gegolten hat.

 

II. Von den Einkünften der hiesigen Kirche

 § 1. Früchte, die im Sack geliefert werden:

  • 248 Scheffel Getreide, halb Weizen und halb Gerste, von mehr als 8½ Hufen Pfarr- und Vikareiland, von denen die meisten Hufen nur 40 Scheffel, einige aber auch weniger geben. Weil diese Hufen mit der Zeit verkauft wurden, so muß nun ein jeder Eigentümer seinen Anteil entrichten. Jedoch sind im Nachhinein diese Äcker auch mit Steuer belegt worden.
  • 48 Scheffel Roggen, Gerste und Hafer, von vier Hufen, die im Grüningischen Feld liegen und vom hiesigen Rat verpachtet werden, und gibt jedes Viertel einen Scheffel Roggen, einen Scheffel Gerste und einen Scheffel Hafer.   
  • 7¾ Scheffel Korn und Gerste, von einzelnen Äckern in Clingen und Greußen.
  • 48 Scheffel Zehnt von Holzengel, davon 16 Scheffel gemengtes Korn oder Roggen, 16 Scheffel Gerste und 16 Scheffel Hafer. Diese gibt die Gemeinde von guten Körnern und muß sie - nach dem Vertrag vom 25. Januar (Tag der Bekehrung des Paulus) im Jahre 1558 - um den 2. Februar (Tag der Reinigung Marias) herum auf ihre Kosten und auf einmal herschaffen. Diese Früchte bekommen der Herr Rektor und der Herr Kantor. Den Überbringern wird hier eine Mahlzeit gegeben. Und sie bekommen auch 27 Kannen Bier mit nach Hause, die ihnen der Braupächter gibt, der die Bezahlung dafür wiederum aus der Kirche empfängt.  

 

§ 2. An Wachs 29 Pfund und 2 Viertel, teils für Wohnhöfe oder Hof­stätten, Äcker,           Gärten, Weinberge, oder auch für herrschaftliche Kühe und Schafe.

 

§ 3. An Geld: Die Erbzinsen aus dem Jahre 1601, nämlich 14 Gulden 8 Groschen             und 8 Heller.                                                                                       (34)

 

III. Von den Schenkungen und Vermächtnissen für die hiesige Kirche

§ 4. Es haben sich auch jederzeit fromme Grafen gefunden, die ihre Mil­de gegen die hiesige Kirche bezeugt haben und ihr sowohl an Geld als auch an Liegenschaften etwas vermacht haben, auch das eine und das andere Stück in ihr gebaut oder angeschafft haben, beispielsweise

1. Am Donnertag nach dem 1. September (Ägidius) des Jahres 1506 teilte Klaus Beinhardts Frau vor dem Clingener Amt­mann Veit von Witzleben und vor drei Räten mit, daß alle ihre nachgelassenen Güter dem Herrn Patron und Bischof Sankt Martin übertragen und gegeben sein sollten, so daß niemand von ihren Verwandten etwas davon sollte zu fordern haben. Es haben die Güter auch empfangen Karsten Heine und Hans Tut­horn, die Vormundschaftspfleger von Sankt Martin.

2. Ebenso tat auch am Sonntag nach dem 5. Februar 1515 (Vitus-Tag) Klaus Beinhardt mit seiner Ehefrau Apollonia und vermachten alles, was sie nach ihrem Tode hinterlassen wür­den, der Pfarrkirche Sankt Martin. Nachdem sie verstorben waren, wurde ihre ganze Hinterlassenschaft, nämlich Haus, Hof, Weinberg, ein Acker Landes, Haus­geräte und alles, was zum Haus gehörte, nichts ausgeschlossen, für 100 Gulden an Friedrich Winter übertragen und dieses Geld der Kirche übergeben.

3. Am 9. März des Jahres 1590 schenkte Hans Günther Urban, der­zeit Rentmeister auf der Sachsenburg, die Postille des Herrn Mattheus (ein Predigtbuch) für die hiesige Pfarrkirche, zu des allmächtigen Gottes Ehre und Fortpflanzung der reinen Lehre, besonders aber des Augsburgischen Bekenntnisses.

Diese wur­de aber im Jahre 1630 bei dem Einfall und den Kriegshandlungen Tillys aus der Sakristei mitgenom­men und auf dem Kirchhof hingeworfen, wodurch sie am Einband und den Blättern übel zerrissen und verderbt wurde, wie sie noch jetzt vorhanden ist.

4. Am 6. September 1598 verehrte Herr Johann Schmidt, Verwalter zu Schlot­heim, der Kirche ein neues Kreuz, das bei Bestattungen vor den Leichen hergetragen wird.

5. Am 18. August des Jahres 1602 gab Herr Bürgermeister Heinrich König einen Bratenwender im Wert von 24 Talern an die Kirche. Er hatte sechs Spieße, die auch ein Knabe wenden konnte. Er sollte gegen eine Gebühr ausgeliehen werden für Kindtaufen und Hochzeiten und wo er sonst begehrt werden sollte. Weil er sowohl hier als auch an anderen Orten oft gebraucht wurde, und man für den halben Bratenwender 6 Groschen, für den ganzen aber 12 bis 16 Groschen zu geben pflegte, hat er der Kirche viel eingebracht. In dem großen Brand am 2. Juli 1687 hat er Schaden gelitten, so daß er sich zwar noch jetzt in der Kirche befindet, aber unbrauchbar ist.

6. Am 12. Dezember 1607 hat Herr Johannes Grüning einen Stern mit dem Christkind, den man mit zwölf Lichtern bestecken kann, der Kirche geschenkt, damit man ihn in der Christ­mette gebrauchen sollte.

7. Im Jahre 1625 hat der Schlossermeister Jost Becker dreiviertel Weinberg am Warthügel der Kirche und das Gärtchen in der Rittergasse der Diakonatsstelle vermacht.

8. Im Jahre 1631 ließ Meister Thamm eine silberne Kanne von 50 Lot Gewicht machen und gab sie in die Kirche. Sie war zum Gebrauch beim Heiligen Abendmahl. Diese wurde aber bei der Plünderung in der Pfingstwoche mitgenommen.

9. Nachdem auch in dieser Plünderung die Kelche weggekommen waren, hat Herr Hofrat Volkmar Happe einen anderen Kelch zu 62 Lot machen lassen, der mit dem Vergolden und Macherlohn 60 Gulden gekostet hat und am 15. Sonntag nach Trinitatis zum erstenmal gebraucht wurde.

10. Im Jahre 1633 hat Maria Roßler, Ehefrau des Andreas Roßler, den halben Kelch gegeben.

11. Am 11. September 1653 aber hat Frau Elisabeth Dorothea, die Ehefrau des Herrn Bal­thasar Thammer, des verstorbenen Turmvogts in Magdeburg, einen vergoldeten Silberkelch zu 52 Lot gegeben, jedoch mit der Bedingung daß ihr einst eine Grabstätte im Chor­raum möchte vergönnt werden. Das wurde ihr dann auch versprochen - durch das Entgegenkommen des Konsistoriums zu Ebeleben - durch den damaligen Pfarrer, Herrn M. Dreyschärf.

12. Im Jahre 1682 gab Frau Martha Thal geborene Tentzel, die Witwe des verstorbenen hiesigen Bürgermeisters Josias Thal, zum christlichen Gedächtnis dieses ihres verstorbenen Ehemanns, den großen Kelch und den Brotteller (Patene) zu 92 Lot in die hiesige Kirche, der auch noch jetzt noch gebraucht wird an den großen Festtagen und wenn es viele Abendmahls­teilnehmer sind.

13. Am 5. Januar 1683 schenkte Wenzel Bühl, Bürger und Pelzwarenhändler in Leipzig, der hiesigen Kirche 30 Taler 12 Groschen, die er hier bei Herrn Christof Zahn, Bürger und Kürsch­ner, für verkaufte Waren zu fordern hatte.                 (35)

 

IV. Von den Kirchen- und Schulüberprüfungen (Visitationen)

§ 6. Weil es die hohe Obrigkeit dieses Landes sich allezeit hat höchst angelegen seinlassen, daß in Kirchen und Schulen eine gute Ordnung gestiftet und erhalten werde, so hat sie es auch nicht an nötigen Überprüfungen der Kirchen und Schulen vor Ort mangeln lassen und beide, wenn es nötig gewesen ist, besucht und überprüft.

 

 

Wann und in welchen Jahren dieses hier geschehen ist und was etwa bei der einen und der anderen im Besonderen vorgenommen wurde, soll hier angeführt werden, so weit man darüber eine Nachricht finden kann.

§ 7. Die erste Überprüfung („Visitation“) geschah im Jahre 1533. Damals fing in den hiesigen Landen das Licht der evangelischen Wahrheit an, aus den päpstlichen Finsternissen vollkommen hervorzubrechen. Deshalb hatte man auch hier im Jahre 1532 einen außerordentlichen Prediger, Herrn Johann Thal, zu dem Zweck angenommen, obwohl man sich wegen der großen Verfolgung Herzog Georgs in Leipzig noch nicht öffentlich zu Luthers Lehre bekennen durfte. Damit nun Graf Günther XL. diese Lehre bestmöglichst fördern konnte, wurde im erwähnten Jahr diese Überprüfung vorgenommen, jedoch nicht allein hier, sondern auch im ganzen Land.

 

§ 8. Im Jahre 1553 geschah wieder eine Überprüfung. Sobald Herzog Georg im Jahre 1539 zu Leipzig gestorben war und sich die Anhänger und Bekenner der Lehre Luthers hervorwagen durften, so nahm man auch hier zu Greußen die Kirchen-Ordnung („Agenda“) an, die sein Bruder Herzog Heinrich im Jahre 1536 in Wittenberg hatte drucken lassen. Diese Ausgabe ist noch in hiesiger Kirche zu finden. Ja, bei jenen Überprüfungen wurden alle Pfarrer des Landes angewiesen, diese zu gebrauchen.

 

§ 9. Im Jahre 1575 wie auch im Jahre 1587 wurden wieder wie im ganzen Land, also auch hier in Greußen Überprüfungen vorgenommen, was aber dabei insbesondere vorgenommen wurde, ist nicht aufgezeichnet.

 

§ 10. Dagegen wurde im Jahre 1615 auf Befehl der damals regierenden Landesherren, nämlich Graf Günther, Anthon Heinrich, Hans Günther und Christian Günther, wieder eine Überprüfung vorgenommen, weil seit dem Jahre 1587 keine gehalten worden war und weil so lange eine gewünscht worden war. Sie geschah im ganzen schwarzburgischen Land nicht nur allgemein, sondern auch sehr feierlich, wodurch sowohl die Lehrer als auch die Hörer in Kirche und Schulen an ihre Pflicht erinnert wurden.

Die Herren Visitatoren waren der Dekan in Sondershausen Herr Johannes Götze, die Diakone in Arnstadt M. Johannes Schuckel und M. Bartholomäus Bermel, sowie die Herren Johann Georg von Saalfeld und Christoph Lappe. Der Notar war der Doktor beider Rechte Johannes Heune.

Der Anfang wurde in Arnstadt gemacht, wo Herr Johannes Götze am 17. September (dem 15. Sonntag nach Trinitatis) zuerst in der Barfüs­serkirche eine Predigt hielt über 2. Korinther 17, Verse 6-10. Darauf wurde am 21. September in Arnstadt eine Überprüfung vorgenommen. Dabei mußten die benachbarten Prediger von den Dörfern mit prüfen helfen (Die angegebene Bibelstelle stimmt nicht, vielleicht ist Kapitel 12 gemeint).

 

Hier zu Greußen aber geschah die Überprüfung am 31. Oktober und den 1. und 2. November. Nach­ dieser Überprüfung hat Herr Johannes Götze die neue, aus XII Artikeln bestehende Gräflich-Schwarzburg­ische Kirchenordnung angefertigt. Diese wurde zur Grundlage der anderen, im Jahre 1649 veröffentlichten und noch bis heute beachteten Kirchen-Ordnung.                                                                                              (36)

 

 

 

 

§ 11. Weil danach durch das Kriegsgeschehen das einfache Volk sehr verwildert und zumal eine freche und unbändige Jugend aufgewachsen war, die sich weder regieren noch zum Guten anweisen lassen wollte, so hat der Graf Herr Ludwig Günther zu Ebeleben aus landesväterlicher Sorge in seinem Land eine allgemeine Überprüfung angeordnet, die in der Kirche und Schule zu Greußen am 8. und 9. Juli 1656 gehalten wurde.

Die Herren Visitatoren waren damals Herr Pfarrer Valentin Buhl und die Beisitzer des Konsistoriums zu Ebeleben, der Pfarrer in Groß- und Kleinbrüchter M. Paulus Held, der Gräflich Schwarzburgische Stallmeister in Ebeleben Herr Christof Marschall und der Gräfliche Hof- und Justiz-Rat in Ebeleben Herr Christian Schmidt (Einzelheiten über die Visitation am 6. Juli 1668 bei Lürmann Seite 217).

 

§ 12. Auch im Jahre 1686 hat der nun in Gott ruhende Fürst Herr Christian Wilhelm das Gleiche getan. Dabei sind Kommissare gewesen Herr Gustav Christian Happe, kaiserlicher Hof-Pfalzgraf, gräflich schwarzburgischer Kanzler und Präsident des Konsistoriums zu Sondershausen, und Herr Georg Friedrich Meinhard, Doktor der Heiligen Schrift, gräflicher Superintendent und Pfarrer zu Sondershausen und erster Beisitzer des dortigen Konsistoriums.

§ 13. Endlich ist auch unser jetziger teuerster Landesvater, der Fürst zu Schwarzburg, Herr Günther, wie ein weiser Salomo in die preiswürdigen Fußtapfen seines Herrn Vaters getreten, der ein gottseliger David war.

 

Er hat gleich zum Anfang der Regierung im Jahre 1721 eine solche Kirchen- und Schulüberprüfung angeordnet, um in Zukunft alles in seinem Land in gute Ordnung zu bringen, damit Gottes Wort und Ehre überall in ihnen reichlich wohnen möge.

Dabei waren Kommissare Herr Caspar Paulus Jahn, kaiserlicher Hofpfalzgraf und fürstlich schwarzburgischer Hof- und Justiz-Rat, und Herr Michael Heinrich Reinhard, der Heiligen Schrift Doktor und fürstlich schwarzburgischer hochverdienter Superintendent und auch Pfarrer in Sondershausen und Beisitzer des dortigen Konsistori­ums. Der Herr des geistlichen Zions unserer Lande segne ferner diesen seinen Gesalbten und sei allen seinen Gewaltigen ein Schild und sehr großer Lohn!

 

V. Von besonderen Festen (wie Bußtagen), angeordneten Betstunden und besonderen Anordnungen.

§ 14. Am 31. Oktober wie auch den 1. und 2. November 1617 wurde hier das erste Evangelische Jubelfest hochfeierlich feierlich begangen und gehalten, weil vor 100 Jahren das teure und auserwählte Rüstzeug Gottes, der verstorbene Doktor Martin Luther, seine erste gelehrte Streitrede (Disputation) gegen den schändlichen päpstlichen Ablaßkram und andere Greuel angeschlagen hatte. Weil uns nun Gott durch die geschehene Reformation besonders den rechten Gebrauch seines allerheiligsten Testaments wiedergegeben hatte und seine Kirche von den vielfältigen Mißbräuchen befreit hatte, so wußte man seiner Gnade und Barmherzigkeit nicht genug dafür zu danken und pries ihn deswegen mit großem Frohlocken drei ganze Tage.                                                                                                                                        (37)

Die gesamte Bürgerschaft wurde durch eine gedruckte öffentliche Ankündigung dazu eingeladen. An jedem Tag wurden zwei Predigten zu besonderen Texten gehalten. Bei der Frühpredigt kam jeden Tag der ganze Rat mit seiner Bürgerschaft in einer Prozession von dem Rathaus in die Kirche. Es wurde in dem Gottesdienst musiziert, so gut man konnte und wußte. Die beiden Pfarrer hier waren damals Herr M. Christoph Grosspitz, der selbst bis zum Jahre 1604 im Würzburgischen ein päpstlicher Priester gewesen ist, und der andere Herr Paulus Seitz.

§ 15. Im Jahre 1626 wurde eine besondere Verordnung erlassen, daß man in der Woche, dienstags und freitags, nach der Predigt, eine Betstunde halten sollte wegen des hereinbrechenden Krieges. Dabei hatte der verstorbene damalige Superintendent zu Sondershausen, Herr D. Glass, nicht allein das Aufforderungsschreiben, sondern auch das Gebet selbst entworfen und aufgesetzt.

 

 § 16. Ebenso hielt man am 25., 26. und 27. Juni 1630 das große evangelische Jubelfest zum Dank, den man schuldig war für die wunderbare und gnädige Erhaltung der reinen Lehre, die vor hundert Jahren vor dem Kaiser Karl V. zu Augsburg auf dem Reichstag öffentlich bekannt und danach in diesen Landen auch angenommen wurde. Es bestand Grund, das mit allem nur denkbaren Dank anzuerkennen.

Denn als 1530 das Augsburgische Bekenntnis übergeben wurde, durfte man der Lehre Luthers im hiesigen Land noch nicht beipflichten. Obwohl auf diesem Reichstag die vier Grafen von Schwarzburg zugegen waren, nämlich Graf Günther XXXIX., Günther XXXIIX. Heinrich XXXVII. und Günther XL., so waren sie doch Gegner Luthers. Sie erhielten damals vom Kaiser Karl V. wegen ihrer Verdienste für das Deutsche Reich und für seine kaiserliche Majestät, besonders aber auch als Lohn dafür, daß sie der Lehre Luthers nicht zugestimmt hatten, den Titel „Wohl­geboren“ und das „Recht des roten Blattes“, wie es in der Verleihungsurkunde vom 21. Oktober lautet. In den folgenden Jahren 1532 und 1533 breitete sich die Lehre Luthers im hiesigen Land dermaßen aus, daß man ihr im Jahre 1534 überall beipflichtete.

Um Gott wegen dieser Gnade an diesem dreitägigen Dank- und Freudenfest zu preisen, wurde die hiesige Bürgerschaft abermals durch eine gedruckte öffentliche Ankündigung ermahnt. An jedem Tag wurden zwei Predigten gehalten, die Frühpredigt von dem Pfarrer Johann Helwig und die Nachmittagspredigt von dem Diakon Christoph Oehmich.

 

§ 17. Am 7. September 1632 (Tag Reginas) wurde das angeordnete Dank- und Gedächtnisfest hier gefeiert, wegen des glücklichen Sieges, der drei Jahre zuvor durch göttliche Hilfe vor Leipzig errungen wurde. Es wurde hochfeierlich begangen und man pries Gott mit Freuden, daß er seine Kirche in Gnaden befreit hatte von dem bösen Unternehmen ihrer kaiserlichen Majestät, als man Luthers Lehre und Bekenntnis zu vertilgen suchte.

 

§ 18. Am 14. Februar 1639 (Tag Valentins) wurde die auf gräflichen Befehl eingerichtete tägliche Betstunde früh um 7 Uhr wegen der vor Augen schwebenden großen Kriegsgefahr angefangen. Zumal es nun überall an ein Plündern und Rauben ging, daß weder Untertanen noch Obrigkeit ihren Besitz behalten konnten und man also Ursache hatte, mit dem Bischof und Märtyrer Josaphat die Hilfe bei Gott zu suchen. Und im folgenden Jahr 1640 wurde auch ein Buß-, Bet- und Fasttag mit drei Predigten abgehalten.

 

§ 19. Im Jahre 1650 dagegen wurde das große Friedens-, Freuden- und Dankfest gehalten. Den lange gewünschten, von so viel tausend bedrängten Christen mit Seufzen und Tränen von Gott erbetenen allgemeinen Frieden hatte man redlich erbetet. Deshalb konnte man das zu jedermanns Freude erlebte Jahr sehr wohl das gewünschte „Jubeljahr“ nennen. Man sang das „Großer Gott wir loben dich“ (Te Deum laudamus) auch mit großem Frohlocken und hielt das Friedens-, Freuden-, Bet- und Dank-Fest, wie es von den damals regierenden drei Landes­vätern, Herrn Graf Christian Günther, Anthon Günther und Ludwig Günther, vorgeschrieben worden war (Die Beschreibung weiterer Jubelfeiern findet sich bei Sternickel Seite 144-149).                                                                                                                                          (38)

Je größer die bisherige Not gewesen war, als diese unsere Stadt das eine um das andere Mal ausgeplündert wurde, die Einwohner mit ganz unerträglichen Geldforderungen geplagt und das ganze Vaterland jäm­merlich verwüstet worden war, desto mehr war man erfreut, daß nun dem Blutvergießen, Rauben und Plündern entgegengesteuert hatte und der zu verehrende Friede wiedergebracht worden war.

Wie einige zusammen gerechnet haben, so kamen in diesem Dreißigjährigem Krieg - in öffentlichen Schlachten und auch sonst - 325.000 Personen um, diejenigen nicht mitgerechnet, die an Hunger gestorben und elend verschmachtet und verreckt sind.

Weil aber dieser Jammer nun ein Ende hatte, sang man an diesem feierlichen Feste hier mit Freuden, ja unter Trompeten- und Paukenschall, das „Großer Gott wir loben dich“. Ja man sang sogar „Gott, der Frieden hat gegeben“, ein Lied, das damals Herzog Wilhelm zu Weimar gemacht hatte.

 

§ 20. Am 9. Oktober 1655 wurde das Jubiläum und das Evangelische Dank­fest wegen des vor hundert Jahren, am 7. September 1555, er­lang­ten Religionsfriedens hochfeierlich begangen. Damals war unseren Vorfahren die große Gnade von Gott widerfahren, daß der herrliche Religionsfriede zu ihren Zeiten im ganzen Deutschen Reich ausgerufen wurde. Ja, Gott hatte ihn bis dahin gnädig erhalten und ihn uns hier genießen lassen, wie es in dem Dankgebet gepriesen wurde.

 

So sollten auch alle und jeder an diesem großen Gedächtnistag Gott das schuldige Dankopfer bringen. Wie das aber geschehen sollte, das hatte der damalige Landesvater Herr Graf Ludwig Günther zu Ebeleben in seinem Landesteil (gleich wie der Kurfürst zu Sachsen und andere evangelische hohe Machthaber) christlich und wohl angeordnet und eine schriftliche Bekanntmachung gemacht.

 

§ 21. Im Jahre 1665 ordnete Herr Graf Ludwig Günther nicht allein vierteljährliche Buß-, Bet- und Fasttage an, sondern wöchentliche Bußpredigten, weil sowohl in den benachbarten Königreichen und Landen blutige Kriege und Seuchen regierten, als auch besonders im Deutschen Reich allerhand große Ungerechtigkeit und Laster umher gingen, daß weit absehbare Gefahren, sowohl in religiösen als auch weltlichen Angelegenheiten, von Tag zu Tag zunahmen.

 

§ 22. Im Jahre 1683 wurde das Neujahrssingen abgeschafft und befohlen, daß niemand mehr singen sollte außer den örtlichen Lehrern. Die fremden Lehrer aber sollten vollständig abgewiesen werden. Auch sollte ein solches Singen auf keinen Fall den Dienstboten, Handwerksburschen, Mägden und den anderen Angestellten gestattet werden.

 

Offenbar war es üblich, daß um Neujahr herum die Lehrer und die Bediensteten von Dorf zu Dorf umherzogen, um durch Singen bei den Leuten sich eine milde Gabe zu verschaffen. In Zukunft darf das nur noch der Lehrer (wohl zusammen mit den Schulkindern) im eigenen Ort tun.

 

§ 23. Am 18. Juli 1684 wurde hier ein besonderes Dankfest gehalten, nachdem Gott nicht al­lein die Stadt Greußen vor der schädlichen Seuche der Pest in Gnaden behütet hatte, sondern diese sich auch nunmehr überall ganz gelegt hatte. In den benachbarten Orten waren viele Menschen gestorben, zum Beispiel in Nordhausen 6.000, in Erfurt 9.114 und in Mühlhausen 7.000. Die andern Städte dieses Landes waren aber von dieser Seuche verschont geblieben.

Weil dieses nun nicht unseren fleißigen Wachtmaßnahmen, sondern allein Gottes Gnade und Obhut zu zuschreiben war, dankte man ihm an diesem Fest öffentlich dafür.

 

§ 24. Im Jahre 1694 wurde anstatt der sonst üblichen Jahrmarktspredigt eine Betstunde verordnet. Dazu wurde befohlen, daß dazu um halb 7 Uhr ausgeläutet wird, damit der Gottesdienst rechtzeitig beendet wird, weil vor dessen Schließung niemand erlaubt sein sollte, Wa­­ren auszulegen oder zu handeln.                                                                                                                                                                                              (39)

§ 25. Im Jahre 1695 wurden die Hochzeiten am Sonn- und Montag abgeschafft und dafür alle auf den Mittwoch gelegt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch befohlen, daß Totengräber, Hebammen, Schäfer, Torwärter, Nachtwächter und Stadtknechte sich in Zukunft nicht mehr bei einer Hochzeit melden sollten noch eine Brautsuppe begehren sollten. Es sollte auch niemand erlaubt sein, etwas zu geben. Der erste aber, der an einem Mittwoch verheiratet wurde, war Meister Johannes Zacharias Schonrot, hiesiger Bürger und Tuchmacher, ein Sohn des verstorbenen Herrn Johannes Schonrot, damals Aussiedler (Freisasse) vor Greußen.

 

§ 26. Im gleichen Jahr wurde auch verordnet, daß der Gottesdienst in der Woche, der ebenso wie der sonntägliche um halb 8 Uhr angefangen wurde, in Zukunft von Ostern bis Michaelistag genau um 6 Uhr und von da an bis Ostern genau um 7 Uhr beginnen sollte, wenn eine halbe Stunde zuvor zu läuten angefangen wurde.

Desgleichen wurde auch angeordnet, daß die öffentlichen Aufgebote der neuen Eheleute ohne Titel geschehen sollten.

 

§ 27. Im Jahre 1710 wurden die Maibäume abgeschafft, die bis dahin zum Pfingstfest in die Kirche gesetzt zu werden pflegten. Weil dem Kirchendiener dadurch ein Verdienstausfall entstand, wurden ihm zum Ausgleich ....... Gulden mehr gegeben.

 

Jubelfeier der Reformation von 1617, 1717 und 1617 und des Augsburgischen Bekenntnisses von 1630 und 170: Siehe Sternickel Seite 144 - 149.

Reformationsfest 1717: Siehe Hesse Seite 123.

Feier des Geburtstags Luthers 1883: Siehe Hesse Seite 183.

Gedenkfeier der Völkerschlacht bei Leipzig 1913: Siehe Hesse Seite 186.

 

VI. Von dem Friedhof (Gottesacker)

§ 31. Früher wurden die Toten in der Kirche oder auch außen um die Pfarrkirche herum begraben. Denn es konnte nach dem päpstlichen Aberglauben keine Seele zur Ruhe kommen, es sei denn, der Leib sei zuvor an einem geweihten Ort begraben worden. So geschah es nun auch hier in und bei der Pfarrkirche Sankt Martin, weshalb man auch noch heutzutage Totengebeine dort ausgräbt.

Nachdem aber das Papsttum hier abgeschafft wurde und man versuchte, die Reste seines Aberglaubens vollends auszufegen, und auch noch andere Ursachen hinzukamen, hat man am 23. September 1576 angefangen, die Toten auf dem Friedhof („Gottesacker“) vor dem Grüningischen Tor zu begraben.

 

Um das Wissen davon auf die Nachkommen fortzupflanzen, wurde neben dem Tore dieses Friedhofs, links vom Eingang, ein großer Stein eingemauert, auf dem die Geschichte in einigen lateinischen Versen (Distichen) vorgestellt wurde. Weil aber der Stein inzwischen anderthalb hundert Jahre in Luft und Regen gestanden haben, so ist nur noch folgendes zu lesen:                                                                                   (40)

Dieser Begräbnisplatz wurde einst Acker genannt,

  Als Matthaeus Beinhard und Apollo Speiser

  hier das göttliche Wort bekannten.

  Anführer war Valtin Magen, der mit dem Zepter regiert,

  Die Handwerker Hartung und Valentin Grefe

  Unsre Ratsmitglieder, Hans Schelmar, Reinbot und auch

  Jan Henning führte mit fröhlichem Sinn dieses Werk aus.

  Baumeister war Jan Dirbach, und Johannes

  Langenhain war zu dieser Zeit Schreiber.  

  Gott gebe, daß die Regierung der Stadt Greußen blühe

  Und die Bürger in deiner schönen Kirche wohnen.

                        Im Jahre 1576.

 

Sternickel ergänzt: Für den Friedhof wurden vier Grundstücke gekauft. Ein Teil an der Westseite nach dem Steingraben zu (aber noch vor dem Grüninger Tor, neben dem Torhaus) wurde abgeschnitten und mit Obstbäumen bepflanzt und dem zweiten Bürgermeister zur Nutzung überwiesen („Herrengärtchen“)

Anschließend an das Herrengärtchen stand der „Konvent“, ein Spital für arme Reisende und Pilger (wenn es für alte und arme Einwohner gewesen wäre, dann hätte es Einkünfte gehabt).

Rechter Hand in dem Gebäude war die Totengräberwohnung. Dieses Haus ist 1719 beim Brand der Neustadt mit abgebrannt, wurde aber wieder aufgebaut als Wohnung des Totengräbers. Für arme und kranke Reisende befand sich darin jetzt eine besondere Stube links vom Hausflur.

Später war in dem Haus das Ingenieurbüro des Elektrizitätswerks, das im Jahre 1899 auf dem Grundstück hinter dem Armenhaus errichtet wurde. Die heutige Friedhofskapelle wurde 1899 erbaut mit einer Wohnung für den Friedhofswärter.

 

 § 32. Weil der Friedhof von Anfang an nicht genügend geschützt worden war, so haben ihn im Jahre 1602 die Altarleute auf Befehl des hiesigen Rats und auch aus hochdringender Not mit einer Mauer umgeben lassen.

Weil auch die Leichenpredigten auf dem Friedhof gehalten zu werden pflegten, so ließ der Schlotheimer Verwalter Johann Schmidt im Jahre 1608 die Kanzel auf dem Friedhof bauen und auch anmalen. Wo die Kanzel gestanden hat, ist noch jetzt zu sehen. Auch sind die Predigten noch vor 40 Jahren dort gehalten worden.

Dieser Johann Schmidt war übrigens der Vater des Herrn Christian Schmidt, der in allerhand Ämtern mit Erfolg tätig war. Er war Stadtschreiber in Greußen, aber auch Sekretär in Arnstadt, dann Steuerereinnehmer des Amtes in Clingen und am Ende Sondershausener gemeinschaftlicher Landesrentmeister und auch Hofrat in Ebeleben. Schließlich ist er am 14. Januar 1685 im Alter von 79 Jahren als Kanzler in Arnstadt gestorben.

Im Jahre 1687 hatte man nicht nur Steine und andere Materialien zu einer eigenen Friedhofskirche angeschafft, sondern es war auch bereits ein Zeichnung angefertigt worden, so daß der Bau der Kirche gleich angefangen werden sollte. Da aber Gott in diesem Jahre am 2. Juli den großen Brand schickte und die Pfarrkirche zu Staub und Asche machte, so bestimmte man diese Steine und andere Materialien zum Wiederaufbau der Pfarrkirche und unterließ den Bau der Friedhofskirche.

 

§ 33. Die Bogen aber, die auf dem Friedhof zu beiden Seiten der Mauer gewesen sind und auch zum Teil jetzt noch sind, waren die Erbbegräbnisstätten der vornehmsten Familien.

Wer ein solches Grab haben wollte, mußte es nicht nur gegen eine gewisse Zahlung von der Kirche kaufen, sondern auch die Bau-Unterhaltung übernehmen. Deshalb wurde auch im Jahre 1686 bei der Kirchen- und Schul-Überprüfung von den Herren Kommissaren verfügt, wer einen solchen Bogen zum Begräbnis hätte, sollte ihn entweder unterhalten oder einem anderen abtreten, der das tun wolle.

 

Auf dem Friedhof hatte jede Familie ihren Begräbnisplatz. Je näher der nach dem Tor zu lag, desto teurer war er. Die Gräber unter den „Schwibbögen“ an der nördlichen Mauer wurden am teuersten bezahlt. „Schwibbögen“ waren hölzerne Überbauten, die erst 1834 dem Stadtbrand zum Opfer fielen.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden einige alte Grabsteine an die Stadtkirche gebracht, um die Umgebung der Kirche in einen freundlichen Platz zu verwandeln.

Als im Befreiungskrieg 1813 im Schießhaus ein russisches und preußisches Lazarett war, wurden je fünf bis zehn Verstorbene in einem Grab auf dem Friedhof beerdigt, aber kein besonderer Grabstein gesetzt.

 

 

VII. Von den Hospitälern der Stadt Greußen

§ 34. Früher hatte die Stadt Greußen zwei Hospitäler und Armenhäuser. Das erste lag innen in der Stadt am Grüningischen Tor. Weil es aber wüst und baufällig geworden war, so wurde es am 24. Juni 1535 an Hans Schelmar den Älteren verkauft. Was es aber für Einkünfte gehabt hat und was mit den sich darin befindenden Personen geschah, ist unbekannt. Vielleicht ist an seine Stelle der sogenannte „Konvent“ gekommen, wo jetzt die Armen beherbergt werden.

 

Offenbar gab es in Greußen auch noch ein anderes Hospital, denn die Flurbezeichnung „Am Siechenhaus“ lag westlich der Stadt vor der Mauer an der Ölmühle. Das andere Hospital war dort, wo neben dem Grüningischen Tor später der sogenannte „Konvent“ und danach die Wohnung des Totengräbers standen. Das eigentliche Hospital mit Kapelle war aber östlich des heutigen Friedhofs, hatte aber einen eigenen Friedhof, auf dem auch die Kapelle stand (die Tür der Kapelle wurde später der Eingang zum Friedhof).

 

Das andere Hospital aber, das noch draußen vor dem Grüningischen Tore steht, wird genannt „das Hospital zum Heiligen Geist“. In den alten Schriften hieß es „das Haus der armen Leute“ oder „das Haus des Heiligen Geistes“ oder auch das „Siechenhaus“. Deshalb wird der Graben daneben auch „Siechengraben“ genannt. Die sich im Hospital befindenden Personen aber wur­den ehemals genannt „die Elenden zum Dienst der Heiligen“.                                                                                                   (41)

 

§ 35. Das Hospital hatte aber nicht nur seine Erbzinsen und Kupfer­stücke („Füchse“) von ausgeliehenen Kapitalien, sondern auch zwei Hufen Land, eine in Gangloff­sömmern und eine in Niedertopfstedt.

Die Hufe in Gangloffsömmern ist abgabenpflichtig gegenüber dem Rat zu Greußen und gibt dem Haus der Armen als Pacht jährlich 20 Scheffel gut gemengtes Korn, die der Besitzer der Hufe auch auf seine Un­kosten nach Greußen herschaffen muß. Im Jahre 1533 hat der hiesige Rat diese Hufe übertragen an Hans Breuning in Gang­loffsömmern mit der Bedingung, wenn er es unterließe, das Land zu verbessern oder die Pacht nicht entrichte, habe der Rat die Macht, die Hufe von ihm zu fordern und an einen anderen neu zu vergeben.

 

Die Hufe aber zu Niedertopfstedt wurde am 2. Juli 1535 für den heiligen Dienst in Greußen von dem hiesigen Rat und den Vormündern der armen Leute übertragen an Volkmar Krone zu Niedertopfstedt und seine Erben. Jeweils am 29. September (Michaelistag) mußte er 660 Löwengroschen und 1.111 Groschen Erbpacht geben nach Clingen aufs Schloß.

Desgleichen erhält das Hospital auch 6 Scheffel Korn von Land und Gärten, die vor der Stadt Greußen liegen, wie auch zwei Marktscheffel Korn von der Herrschaft aus der Trebramühle im Amt Clingen.

Auch läßt das Hospital durch seinen Knecht die Almosen einsammeln

1) am Sonntag, Mittwoch und Freitag in Greußen

2) am Dienstag in Niederbösa, Trebra, Holzengel, Feldengel und

 Topfstedt

3) am Donnerstag in Abtsbessingen, Großenehrich, Freienbessingen,

 Rohnstedt und Wolferschwenda

4) am Sonnabend in Kirchengel, Westerengel, Otterstedt, Thalebra und

 Westgreußen, wie es in der Ordnung vom Jahre 1506 aufgezeichnet

 wurde.

 

Im Jahre 1705 war das Gebäude des Hospitals und seiner Kirche ganz verwüstet. Deshalb wurde zum Wiederaufbau des Doppelgebäudes ei­ne Kollekte im ganzen Land eingesammelt. Danach wurde das Gebäude unter der Leitung des Herrn Johann Andreas Herzog, des damaligen Oberbürgermeisters, Ratsherr für das Schulwesen und Bau-Inspek­tor, von Grund auf neu gebaut, wie es jetzt ist.

 

Sternickel ergänzt: An der Westseite des neuen Hospitals wurde die Ka­pelle eingebaut. Nun konnten 14 Personen im Hospital wohnen. Auf der Ostseite des Hofes befand sich die Wohnung für den Knecht des Hospitals, der die Almosen einsammelte und andere Dienste am Hospital verrichten mußte.

Sternickels Angaben über die Einnahmen dieses Hospitals weichen et­was ab von denen in der Chronik Haferungs, offenbar haben sie sich bis zu seiner Zeit geändert. Ortschaften, die dem Hospital wöchentlich eine Unterstützung gaben, genossen seit 1506 in der Stadt Greußen Zoll- und Marktfreiheit. Am Weg vor der Hospitalstür stand der Opferstock, der aus einem hohlen Stein bestand und oben mit einem blechernen Deckel verschlossen war.

Jeden Donnerstag wurde durch den Diakon im Hospital Gottesdienst gehalten und auch das Abendmahl ausgeteilt. Schüler aus der zweiten Klasse mußten diesen Gottesdienst jedesmal besuchen und dem Gesang beiwohnen. Jeden Morgen und Abend hielten die Hospitaliten eine Betstunde, bei der ein Lied gesungen und ein Kapitel aus der Bibel vorgelesen wird. Im Jahre 1814 wurde in der Hospitalskirche ein Paar Hospitaliten getraut und kurz darauf ein Kind des Hospitalsknechts darin getauft. Anschließend an das Hospital wurde 1892-93 ein Krankenhaus erbaut, das bis 1922 in Betrieb war. Dann wurde es zur Schule umgebaut, heute ist dort die Grundschule untergebracht.

 

Der Altarschrein aus der Hospitalskapelle:

Hesse behauptet einerseits (gibt aber keine Begründung), der Altarschrein solle aus der Stadtkirche stammen. Andererseits soll er eine Erinnerung an die Hospitalskirche sein. Der Altar ist ein Meisterwerk alter Thüringer Schnitzkunst aus dem Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts. Direktor Stelljes (Der Greußener Altarschrein, Thüringer Fähnlein 1937, Heft 6) neigt dazu, das Werk dem Peter von Mainz zuzuschreiben, vielleicht eine seiner ersten Arbeiten zwischen 1480 und 1490.

Das Mittelstück enthält drei Figuren: Die mittlere Figur könnte Jesus mit einem Buch in der Hand darstellen. Links steht Christophorus, der das Jesuskind (mit der Weltkugel in den Händen) auf der linken Schulter trägt, in der rechten Hand hält er einen in einen Baum verwandelten Stab; er soll den Stifter abbilden. Rechts ist zu sehen die gekrönte Maria mit dem Kelch in der Hand.

Lürmann hat allerdings eine andere Deutung. Er hält die mittlere Figur für den Heiligen Laurentius, der in der rechten Hand einen Rost hält. In der rechten Figur sieht er die Heilige Barbara. Christophoros und Laurentius waren aber die Schutzpatrone der Büchsenschützen, Barbara war die Schutzpatronin aller Schießenden. Daraus schließt Lürmann, daß der Schrein von der Laurentiusbruderschaft oder einen ihrer Mitglieder oder Gönner angeschafft wurde, und zwar in der Zeit um 1512.

Der linke Flügel zeigt auf der Innenseite die Heilige Anna mit ihrer Tochter Maria und ihrem Enkel Jesus („Anna Selbdritt“), auf dem rechten Arm hat sie das Jesuskind, auf dem linken hält sie Maria. Auf der Außenseite dieses Flügels ist die Verkündigung der Geburt Jesu an Maria zu sehen: Der Engel Gabriel steht vor Maria; dazwischen stehen auf einem Band die Worte „Ave Maria gracia plena dei tecum“ („Gegrüßet seist du, Maria, die volle Gnade Gottes sei mit dir“). Der rechte Flügel zeigt auf der Innenseite Thomas und Jakobus, auf der Außenseite Michael und Erasmus.

Nachdem der Schnitzaltar 1934 von Paul Lürmann besichtigt worden war, wurde er im Museum in Eisenach restauriert. Das Eigentumsrecht der Kirche kann durch keine Urkunden bestätigt werden, aber es dürfte unstrittig sein, daß er aus einer Kirche stammt und deshalb auch heute Eigentum der Kirche ist. Der Schrein war dann im Diakonissenheim aufgestellt, jetzt im Gemeindehau

 

 

Das VI. Kapitel

Von den Kirchlichen Ämtern („Kirchendiener“)

 

§. 1. Welche kirchlichen Mitarbeiter es gab, als noch das Papsttum hier gewesen ist, habe ich nicht erfahren können. In der alten Nachricht vom Jahre 1450 wird ein Pfarrer erwähnt, der in einem lateinischen Schreiben genannt wird „Erzpriester“. Auch seine Kapläne werden erwähnt mit diesen Worten: „Der Pfarrer soll haben zwei Kapläne, einen weltlichen und einen geistlichen. Er soll auch an den höchsten Festen den Kirchner und seinen Knecht in sein Haus einladen, und ih­nen etwas zu essen geben, wie es von alters her gewesen ist.“

Weil auch verschiedene Vikarien hier waren, so werden öfters die Vikarien erwähnt. Auch die Vikarie und ihre Einkünfte werden erwähnt, denn der Vikarie zahlten Pacht („Erbzins“) die Gärten in Entzelnhausen (das ist vor dem Clingener Tor), einige Wohnhöfe oder Hofstätten in der Stadt und auch Äcker in Clingen und Topfstedt.

 

Eine „Vikarie“ war eine untergeordnete Pfarrstelle, der ein Einkommen zugeordnet war. Dieses diente dazu, einen Priester zu bezahlen, der dann Gottes­dienste hielt. Eine Gemeinde mußte nicht unbedingt dabei sein, ein Priester konnte auch allein die Messe lesen. Meist handelte es sich aber um eine Messe für Verstorbene, für die die Angehörigen eine Schenkung gemacht hatten.

 

 

 

Die Vikarie hatte auch ihr eigenes Land. So verkaufte noch am 31. Juli 1575 der hiesige Rat ein Viertel Vikarie-Land für 90 Taler an Bürgermeister Valtin Gref, jedoch so, daß er und seine Nachkommen dem Rate jährlich zehn Scheffel geben sollten, halb Korn und halb Gerste, und auch ein Fastnachtshuhn.

 

Weil in Greußen der Sitz des Erzpriesters war, so ge­hörten hierher viele Pfarrämter und Vikarien. In einem alten Dokument werden sie aufgezählt:

Sitz Greußen: Großenehrich, (Groß-) Ballhausen, Marktgreußen, Clingen, Holzengel, Günstedt (mit Kapelle), Weißensee, Kutzleben, Tennstedt, Tunzenhausen, Kapelle in Haussömmern, Schwerstedt, Westerengel, Feldengel, Obertopfstedt, Niedertopfstedt, Pfaffenhofen (Wüstung bei Greußen), Ottenhausen (mit Kapelle) „Fristedt“ (Fischstedt, Wüstung östlich von Greußen, oder Frömmstedt), Schilfa, Luthersborn, Straußfurt (mit Kapelle), Wundersleben, Lützensömmern, Gangloff­sömmern (mit Kapelle), Mittelsömmern, Abtswind, Nausis, (Klein-) Ballhausen, „In den Osthofen“, „Voringenhofen“ (wohl zwei Wüstungen), Kleintennstedt, Haussömmern, Hornsömmern, Rohnstedt, Grobern (Wüstung in der Clingener und West­greußener Flur, auch „Graborn“ oder „Kraborn“), Bliederstedt, Kapelle „Herbeto­leuben“ (Herbsleben?), Herrenschwenda, Grüningen (Filialort von Greußen).

 

Nicht mehr versorgte Pfründen des Erzpriestersitzes Greußen:

Greußen: Vikarie des Heiligen Sebastian, Vikarie des Dreikönigstags, Vikarie des Leibes Christi, Vikarie der seligen Jungfrau Maria in der Kapelle, Vikarie des Heiligen Nikolaus und der Heiligen Kunigunde, Vikarie der Heiligen Juliane in der Kapelle, Vikarie der seligen Jungfrau Maria, Vikarie in der Kapelle der Heiligen Gertrud.

Clingen: Vikarie des Heiligen Evangelisten Johannes in der Kapelle des Heiligen Andreas, Vikarie des Heiligen Gumpert, Vikarie der seligen Jungfrau Maria und des Heiligen Nikolaus in der Kirche des Heiligen Andreas.

Pfaffenhofen (Wüstung bei Greußen): Vikarie des Heiligen Johannes.

Tunzenhausen: Vikarie an der dortigen Kapelle.

Talheim: Vikarie der Heiligen Katharine (wohl Wüstung).

Strausfurt: Vikarie der Heiligen Juliane und Vikarie im Feld (-lager).

Westgreußen: Vikarie des Dreikönigstags, Vikarie der seligen Jungfrau Maria.

Gundersleben: Vikarie der seligen Jungfrau Maria.

(Groß-) Rüllhausen: Vikarie der Heiligen Katharine

Mittelsömmern: Vikarie des Heiligen Nikolaus.

Lützensömmern: Vikarie des Altars der seligen Jungfrau Maria und des Sebastian, Vikarie der Heiligen Katharina, Vikarie des Heiligen Nikolaus.

Kutzleben: Kapelle der seligen Maria.

Haussömmern: Kapelle.

Gangloffsömmern: Vikarie des Altars der seligen Jungfrau Maria.

Tennstedt: Vikarie des Leibes Christi, Vikarie des Heiligen Petrus und Paulus, Vikarie der Kapelle der Heiligen Elisabeth, Vikarie der Heiligen Katharina, Vikarie des Heiligen Sebastian, Vikarie der seligen Jungfrau Maria, Vikarie der Aussätzigen.        

Klein-Tennstedt: Vikarie der seligen Jungfrau Maria, Vikarie des Leibes Christi.

Osthofen: Vikarie (wohl Wüstung).

Tennstedt: Vikarie des Heiligen Michael, Vikarie des Heiligen Jodokus, Vikarie des Heiligen Jakob, eingezogene Stelle, eingezogene Stelle der Heiligen Anna in der Kapelle des Heiligen Jakob, Vikarie des Thomas in der Kapelle des Heiligen Jakob, eingezogene Stelle.

 

Als im Jahre 1506 dem neuen Erzbischof Jakob in Mainz eine freiwillige Abgabe (subsidium) gegeben werden mußte, betrug der Anteil für den Erzpriestersitz Greußen 7 Mark und 9 Lot Silber. Eine Mark Silber aber oder 16 Lot machen 10 Laum (?) Schock zu je 44 Groschen oder 6 Taler 17 Groschen.

 

§ 2. Nach der Reformation ist aber nie mehr als e i n Pfarrer und e i n Diakon hier gewesen, so daß also bei den kirchlichen Mitarbeitern keine anderen in diesem Kapitel anzuführen sind als diese beiden außer dem Kantor, Kirchner und Organisten.

Ihre Besoldung besteht teils in Geld, teils in Früchten, die im Sack ge­liefert werden müssen, teils in Land. In früheren Zeiten haben sich im­mer guttätige Herzen gefunden, die zur Verbesserung des Unterhalts der kirchlichen Mitarbeiter etwas von ihrem Besitz dazu vermacht ha­ben. Das wird dann bei einem jeden angeführt werden.                                                                                                                                     (42)

Wann nun ein jeder sein Amt angetreten hat und wie lange er es verwaltet hat und was er dabei für Schicksale gehabt hat, wird sich in diesem Kapitel aus der Kirchengeschichte und den Schriften, so viel man davon hat finden können, zeigen.

 
 

 

 

 

 

I. Von dem Pfarramt und den Pfarrern

 

§ 1. In den alten Schriften wird der Pastor nur „Pfarrer“ genannt, wie in der Nachricht von 1450, in der steht: „Der Pfarrer und sein Kaplan sollen keinen amtlichen (Messe-) Leser aufnehmen oder halten. Außerdem sollen sie den Hochaltar und den Liebfrauenaltar, die dem Pfarrer zustehen, alle Tage redlich und ehrlich betreuen, wie es in alten Zeiten schon unsere Vorfahren getan und gehalten haben. So soll auch der Pfarrer Macht haben über seine Kapläne, wenn sie Sachen zu tun haben mit den Bürgern, daß sie das vor dem Pfarrer und dem Rat vorzutragen versuchen.

Der Pfarrer soll den Vikaren nicht verbieten, schon vor dem „Opfer“ (der eigentlichen Messe) loszugehen, um Messe zu halten. Sondern die Vikare sollen rechtzeitig losgehen - ohne daß ihnen dafür ein besonderer Lohn gegeben wird - damit der arme Mann, der aufs Feld geht, früh die Messe hören kann.

Wenn aber der Pfarrer einen Kaplan aufnimmt in den Dienst, so soll man das verkünden auf der Kanzel, damit man weiß, wer Kaplan ist oder nicht, damit man Geschenke geben kann. Zur Feier oder zum Dank soll man dem Pfarrer drei Groschen geben, seinem Kaplan ebenso zwei Groschen.“

 

§ 2. Von den Pfarrern zur Zeit des Papsttums habe ich nicht mehr als drei gefunden; von dem ersten und letzten will ich eine alte Nachricht anführen.

 

Der erste war Hartmodus im Jahre 1318. Als zum Anfang des 14. Jahrhunderts der Verwalter und der Konvent zu Sankt Johannis in Weißensee dem Abt und Konvent zu Ilfeld das Patronatsrecht über die Kirche zu Schilfa streitig machen wollten, wurde die Streitsache im Jahre 1318 durch verordnete Schiedsleute - nämlich den Dechant Frederich, den Kanoniker Gottschalk in Jechaburg, den Meßpriester in Jecha und Hartmodus in Greußen - geregelt: dem Abt in Weißensee wurde das Patronatsrecht abgesprochen und dem Abt zu Ilfeld zugesprochen.

 

Lürmann führt einen weiteren Pfarrer an: Für das Jahr 1227 wird erstmals ein Pfarrer für Marktgreußen genannt (Dobenecker: Urkunden Thüringen): Magister Heidenreich muß ein für seine Zeit gelehrter Mann gewesen sein. Er wirkte 1277 bei einer kirchlichen Auseinandersetzung als Schiedsrichter mit. Im Jahre 1318 erscheint Markt­greußen als „Seden“, als Sitz eines Erzpriesters im Erzdiakonat Jechaburg.

Der Abt zu Ilfeld hatte seit 1337 das Patronatsrecht über die Greußener Kirche. Dieser wählte einen Pfarrer aus und schickte ihn zum Grafen von Schwarzburg. Dieser schickte ihn zunächst an den Rat von Greußen mit einem Schreiben, in dem er zum Ausdruck brachte, daß es sein Wunsch und Wille ist, daß man den Pfarrer aufnehme und in sein Amt einführe. Vor der Reformation gab es in Greußen gleichzeitig einen Pfarrer und zwei Kapläne (Diakone) und sieben Vikare, also insgesamt zehn Geistliche.                                                      

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Der andere war Werner Hußmann, ein Mönch aus dem Kloster Ilfeld und auch im Jahre 1427 Prediger dieses Gotteshauses.

Der dritte aber war Heinrich Kulbe (Kolbe), zwischen dem und dem hiesigen Rat im Jahre 1450 ein Streit beigelegt wurde, wie es in diesem Jahr mit diesen Worten aufgezeichnet ist: „Am Dienstag, dem 16. Oktober 1450 (Sankt-Gallus-Tag), wurde der Streit („Irrtum“) zwischen dem Pfarrer in Greußen Heinrich Kulbe und dem dortigen Rat und der Gemeinde durch den Grafen Heinrich zu Schwarzburg und durch den Abt zu Ilfeld Wilhelm von Ulstedt gütlich gerichtet und beigelegt:

Herr Pfarrer Heinrich Kulbe sollte alle Artikel, die der Rat und die Gemeinde in Greußen gegen ihn aufgestellt hatten, stetig und ewig halten, solange er Pfarrer ist. Und nach ihm sollten auch alle Pfarrer in Greußen das so halten, nach altem Herkommen und Gewohnheit, wie es von alters her gewesen ist.

Der Pfarrer soll den Schulmeister Heinrich Ludenroth aufnehmen, der jetzt Lehrer ist, oder wer in zukünftigen Zeiten ein vom Rat eingesetzter Schulmeister wird. Er soll ihn verköstigen und ihn behandeln wie seinen Kaplan und ihm eine Kammer im Pfarrhaus zum Schlafen geben.

Der Schulmeister wiederum soll es gegenüber dem Pfarrer im Chor und beim Dienst in der Gemeinde auch halten, wie es von alters Herkommen ist, ohne alle Einwände, welchen Gebrauch der Pfarrer oder Meister auch von den guten Sachen macht. Wird aber irgendein Artikel geändert und es anders gemacht, als es von alters gewesen ist, da soll der Rat hineinreden und es wieder richtig machen und beilegen und gut machen, ohne Einrede.“

Diesen Urteilsspruch hat getan der vorher erwähnte Graf Heinrich zu Schwarzburg für seinen Teil und der erwähnte Abt Herr Wilhelm von Ulstedt für seinen Teil, in dem Hofturm zu Sondershausen in Gegenwart des gütigen Abtes, des Pfarrers von Holzengel Heinrich Grimm, des Pfarrers von Greußen Heinrich Kulbe, der Greußener Bürger Friedrich Stigelitz, Klaus Koch, Nikolaus Riche, Klaus Wormstedt, Hans Endter und vieler anderer frommer Leute und des Hofgesindes des obenerwähnten Herren zu Schwarzburg.

 

§ 3. Am 13. Dezember 1606 vermachte Herr Bürgermeister Heinrich König einen Bratenwender für zwei Spieße samt einem Spieß im Wert von drei Talern dem Pfarramt, damit er dort zum Gebrauch bleiben sollte. Er ist auch noch bis zum heutigen Tag dort, wenn auch unbrauchbar, nachdem er in dem Brand am 2. Juli 1687 verderbt wurde.

§ 4. Am 16. Mai 1656 hat auch Herr Sekretär Elias Thamm, vornehmer Bürger und öffentlicher Notar von hier und freier Bürger (Bauer) in Clingen, ein gutes schwarzes ländliches Leichentuch der Kirche zur Verfügung gestellt.

Damit verbunden war die Bestimmung, daß jeder, der es zur Leichenbestattung seiner Angehörigen gebrauchen wollte, jedesmal dem amtierenden Herrn Pfarrer mindestens einen halben Gulden als Leihgebühr geben sollte und das Leichentuch wieder bringen sollte. Dies hat der Stifter mit vorherigem Wissen und Willen des Herrn Inspektors Herrn M. Joachim Dreyschärf selbst in das Kirchenbuch eintragen lassen.

 

§ 5. Die Wohnung der Pfarrer ist wohl zu alten Zeiten auch an dem Ort gewesen, wo sie noch jetzt neben der Schule und dem Diakonat liegt. Diese Pfarrwohnung war in dem großen Brand am 2. Juli 1687 auch ganz und gar in Asche ge­legt worden. Deshalb ließ der teuerste Landesvater die vornehmste Sorge auch darauf gerichtet sein, daß sie wieder erbaut würde.

Da es der Bürgerschaft nicht möglich war, den vielen Brandschutt von der Stelle zu schaffen, so verpflichtete er dazu einige Adlige und befahl auch den Städten, Marktflecken und Dörfern, den Schutt aus der Schule, Kirche und Pfarrhäusern und auch von den Wohnstätten der armen Bürger wegzubringen, so daß der Wiederaufbau vorgenommen werden konnte.

Die gnädigste Herrschaft übergab aus einem besonderen Vertrauen heraus diesen schwe­ren Bau des Pfarrhauses dem Bürgermeister und berühmten Rechtsbeistand Henrich Bernhard Rhäsa.

Dieser bewerkstelligte den Wiederaufbau auf das sorgfältigste, so daß innerhalb eines Jahres nach dem vorgegebenen Maß alles angefertigt wurde. Denn so kam bis zum 19. Oktober 1688 alles zustande, nachdem ein ganzes Jahr daran gearbeitet worden war, was nur möglich war. Die Kosten blieben im Rahmen des Voranschlags, so daß der Bau auf 1500 Reichstaler kam, dazu die vielen Frondienste, die die Bürgerschaft dabei geleistet hat, doch einschließlich der ein Jahr zuvor erbauten neuen Scheune und der zwei Schweineställe.

Der Pfarrer Herr M. Mosch bezog auch seine neue Wohnung, und zwar desto mehr mit Freuden und Danksagung gegen Gott, weil er sich bis dahin so jäm­merlich hatte behelfen müssen.

 

§ 6. Es sind 19 Pfarrer, die nach der Reformation aufeinanderfolgten und die bis auf den gegenwärtigen Tag dieses Amt hier durch Gottes Gnade wahrgenommen haben. Und zwar sind es folgende:

 

1. Heinrich Gäntzel, im Jahre 1517.

Das ist das Jahr gewesen, in dem der verstorbene Luther in Wittenberg seine ersten Thesen gegen das Papsttum angeschlagen hat. Es besteht kein Zweifel daran, daß dem Pfarrer diese Thesen bekannt geworden sind. Denn es ging damals mit der Lehre Luthers gut, wie David sagt: „Sein Wort läuft schnell“ (Psalm 147, Vers 15). Weil aber die päpstlichen Irrtümer hier allzu tief eingewurzelt waren und die Landesherrschaft sehr eifrig für das Papsttum war, konnte die Reformation so bald nicht stattfinden.

 

2. Petrus Clusener.

Er war zuvor ein Mönch in Köln, und seine Frau Maria war dort eine Nonne gewesen. Ob er mit dem Zunamen „Clusener“ geheißen hat oder ob ihm der Name von seinem vorhergehenden Mönchsstande beigelegt wurde, ist ungewiß. Meines Erachtens hat er den Namen wohl von dem Mönchsstand bekommen, weil auch sonst die Mönche wegen ihrer „Clausen“ oder „Clusen“, darin sie wohnten und darin mit Beten und Fasten ein strenges Leben führten, nur „Clausener“ oder „Clusener“ genannt wurden.

Und man pflegte auch früher die Pfarrer mehr nach dem Vornamen als nach dem Zunamen zu benennen. Denn es pflegten sich auch die geistlichen Stiftsherren niemals mit ihrem Geschlechts- oder Zunamen zu schreiben oder sich mit demselben benennen zu lassen, sondern sie waren zufrieden mit dem bloßen Vor- oder Taufnamen. Auch in ihren Briefen haben sie nicht anders geschrieben und haben dabei den ersten deutschen Kaiser Karl III. und dessen Nachfolger nachgeahmt. So setzte auch M. Anthon Leuber, welcher von 1597 bis 1606 hier Pfarrer gewesen ist, im hiesigen Kirchenbuch öfter vor seinen Namen: „Ich, M. Anthonius“.

Es ist nicht bekannt, in welchem Jahr Petrus Clusener hier ins Predigtamt gekommen ist und wann er darin verstorben ist. Weil ihm aber eine Frau zugeschrieben wird, so läßt sich daraus schließen, daß man in Greußen die Lehre Luthers eher angenommen hat als in Sondershausen, weil ihm sonst nicht erlaubt gewesen wäre, in der Ehe zu leben. Seine Frau Maria aber ist als seine hinterlassene Witwe hier später Mädchen-Schulmeisterin geworden.

 

 

 

 

Stadtbild um 1525

 

 

Johannes Thal, von 1532 bis 1543.

Er wurde geboren in Ottenhausen zwischen Greußen und Weißensee, zwar von gewöhnlichen, jedoch reichen und ehrlichen Eltern. Zum Beispiel war Margareta Thal im Jahre 1498 in dem dortigen Kloster Äbtissin, und sie war fast die letzte, die das Kloster geleitet hat, weil es bald darauf eingegangen ist.

Thal war in Nordhausen im Papsttum erzogen worden. Da ihm aber Gott durch das Licht des Evangeliums die Augen geöffnet hatte, wandte er sich vom Papsttum ab. Anfangs war er Vikar und Kanonikus in Großenehrich. Er war der Erste, der dort und im Amt Clingen das Evan­gelium rein gepredigt und dabei auch geheiratet hat. Danach predigte er in Clingen und danach hier in Greußen das Wort Gottes lauter und rein.

Dieses aufgehende Licht des Evangeliums war aber dem Herzog Georg in Leipzig sehr zuwider. Er versuchte nichts anderes, es wieder auszulöschen, wenn es hier und da in Thüringen anfing hervorzuscheinen. Deshalb stellte er auch diesem Johann Thal sehr nach. Schließlich hat ihn auch sein Pate nach der Beichte verraten, ihn auf dem Kirchhof aufgegriffen und dem Herzog heimlich überantwortet.

Die Abgesandten aber banden ihn auf einen Esel und führten ihn nach Sangerhausen, das damals wegen der vielen hingerichteten Lutheraner nur die „Ketzer-Gosse“ genannt wurde. Darüber ist seine erste Frau, welche nur 25 Wochen mit ihm in der Ehe gelebt hat, dermaßen erschrocken, daß sie noch während der Gefangenschaft ihres Mannes gestorben ist.  

Gleich vielen andern Lutheranern sollte er dort hingerichtet werden. Doch es ergab sich zu seinem Glück und durch göttliche Fügung, daß der Henker eben nicht bei der Hand war und die Hinrichtung vollziehen konnte. Jedoch wurde er auf Fürbitte einiger von Adel, insbesondere des von Tottleben - der am Ende für ihn bürgte und bei dem Kurfürsten zu Sachsen Fürsprache eingelegt hatte - aus dem Gefängnis freigelassen.

Darüber gab ihm der Rentmeister in Sangerhausen das nachfolgende schriftliche Zeugnis: „Auf Befehl meines gnädigen Herrn, Herzogs Georg zu Sachsen wurde der Priester Johannes Thal wegen erwiesener Unschuld aus dem Gefängnis entlassen. Geschehen in Sangerhausen, Mittwoch nach Pfingsten des Jahres 1525, Simon Pistorius, Rentmeister“.

Danach haben ihm die Adligen und anderen guten Freunde einen Eimer Wein und andere Sa­chen verehrt. Er hat sie deswegen zusammen mit seinem Paten und Verräter zu Gast gebeten, und diesem dabei besondere Ehre erwiesen. Als das seine Freunde verdroß, hat er gesagt: „Ei­­nem Freunde soll man ein Licht, einem Feinde aber zwei Lichter anstecken!“

Obwohl Thal in seinem Gefängnis hatte versprechen müssen, sich das Predigtamt in Großenehrich nicht mehr anzumaßen, so hat er doch aus treuer Vorsorge einen anderen Prediger dahin vermittelt, der die Lehre des Evangeliums dort aufrechterhalten hat, ungeach­­tet der großen Gefahr.

Danach aber ist er hier her nach Greußen gekommen und hat bei dem seligen Werk der Reformation wohl das meiste getan, zumal man im Jahre 1534 hier dem Papst­tum schon gänzlich abgedankt und die Lehre Luthers vollkommen angenommen hatte.                                                                                                                                           (46)

Zunächst wurde ihm hier im Jahre 1528 die Vikarie Sankt Agneta an der Lieben­frau­en­kapelle auf dem Markt übertragen, wie es aus diesem Präsentationsschreiben des Rats und der Gemeinde an den Priester (Official) des Stiftes Jechaburg an mehreren Stellen zu ersehen ist. Im Jahre 1532 wurde er hier Pfarrer. Vorher war er entweder nur ein Stellvertreter des vorherigen Pfarrers auf der Pfarrstelle oder ein Pfarrer außer der Reihe.

Das ist zu ersehen aus dem Verzeichnis, das hier auf dem Rathaus geführt wird und die Berufungsurkunde enthält: „Am Nikolausabend 1532 wurde in Gegenwart dreier Räte mit dem würdigen Herren Johann Thal über seine Lehre und sein Predigtamt so verhandelt, daß er jährlich vom Rat 20 Gulden haben sollte, solange er lebt oder in Greußen bleiben kann. Weil die Stadt aber jetzt eine Pfarrstelle mehr hat, soll ihm über die genannte Besoldung hinaus ein Malter Korn, ein Malter Gerste und die Hälfte des jährlichen Pfarrholzes gegeben werden, solange er das Predigtamt und das Verwalten der Sakramente innehat und der Gemeinde anstatt eines Pfarrers vorsteht.

Falls im Laufe des Jahres eine Baumaßnahme nötig wäre, soll ihm vergönnt sein, daß das Holz aus dem Pfarrwald auf den Pfarrhof gebracht wird. Wenn aber die Einwohner von Greußen von Gott mit einem Pfarrer versehen würden, sollte dieses Getreide und angefahrenes Holz dem Pfarrstelleninhaber wieder zugewandt werden und Herr Johannes es dazu verwenden können, daß ein Pfarrer ihm mithilft.“

Ob man ihm auch einen Schreckenberger (Münze) zum Einstand gegeben hat, wie es die Gemeinde zu Sankt Jakobus in Nordhausen dem Johannes Noricus im Jahre 1547 tat, ist dabei nicht aufgezeichnet.

Thal war also ab 1528 Vikar an der Liebfrauenkapelle und ab 1532 Pfarrer, aber wahrscheinlich noch mehr oder weniger nach der alten Art und erst ab 1534 offen ein evangelischer Prediger. Die zwanzig Gulden Besoldung stellen natürlich nur die Leistung in Bargeld dar, der Pfarrer hatte daneben auch noch andere Einkünfte).

                                                                                                                                             (47)

So eifrig er nun das Werk des Herren hier vorantrieb, so heftig setzten ihm die Papstanhänger dabei zu. Deshalb hat ihn der alte Johannes Spangenberg, damals Pfarrer zu Sankt Blasii in Nord­hausen, am Michaelistag 1535 mit einem lateinischen Schreiben getröstet. Er konnte aber auch in Greußen vor Herzog Georg nicht sicher sein. Deshalb wurde er auf Rat Luthers und anderer (insbesondere des schon erwähnten Spangenberg) Pfarrer in Erfurt an der Georgen- oder Kaufmannskirche. Er hielt eine besondere Freundschaft mit D. Luther, Philipp Melanchthon, Johannes Bugenhagen, Johannes Spangenberg, Myconius und anderen; aber mit dem Barfüßermönch aus Arnstadt hat er scharfe Streitgespräche geführt.

In seinem Namen hat auch D. Johann Lang, der erste evangelische Prediger in Erfurt und Senior des Geistlichen Ministeriums, im Jahre 1537 die Schmalkaldischen Artikel mit unterschrieben, und zwar mit diesen Worten: „Ich Johannes Lang, Doktor und Oberpfarrer der Kirche zu Erfurt, unterschreibe mit meiner Hand in meinem Namen und im Namen der anderen, die mit mir im Evangelium zusammenarbeiten, nämlich Herr Licentiat Ludwig Plaz aus Melsungen, Herr M. Sigismund Kirchner, Herr Wolfgang Kiesewetter, Herr Melchior Weid­mann, Herr Johannes Thal, Herr Johannes Kilian, Herr Nikolaus Faber und Herr Andreas Meuser.“

 

Das zweite Mal hat er eine Frau Hemmerle geheiratet, die vorher eine Klosterfrau im Stift Brehmen (Brehna?) war. Er hat 16 Jahre mit ihr in der Ehe gelebt, aber doch keine Kinder gehabt. Und zum dritten Mal geheiratet hat er im Jahre 1541 Margreten N., die von dem vornehmen Ratsherrn in Erfurt Elias Butzbach aufgezogen worden war. Mit ihr hat er acht Kinder gehabt, wovon besonders drei Söhne berühmt geworden sind, nämlich:

1. Johannes Thal, Arzt in Nordhausen im Jahre 1581. Er wurde am 18. Juli 1583 in Beschendorf abgeholt, um die Krankheit eines Adligen in Sachsen zu heilen. Er ist ums Leben gekommen, als die mutwilligen Pferde durchgegangen sind. Michael Neander erinnert an ihn mit diesen Worten: „D. Johannes Thal, der treffliche Mann, von großem Ver­stand und vielen hohen Gaben, der treffliche Arzt und Historiker, ordentlicher Arzt in Nordhausen. Er war einige Jahre Schüler der Schule in Ilfeld, daher mein und der Schule in Ilfeld besonderer treuer Freund, und er blieb es auch, solange er lebte. Er war von einem Adligen ins Land Sachsen geholt worden. Er fiel von einer Kutsche, als dem Kutscher seine an sich wohl gehaltenen Pferde weit weg aus der Bahn rasten und von der Straße in das weite Feld entliefen. Er brach einen Schenkel so gefährlich und übel, daß ihm beide Röhren durch die Stiefel herausragten. Er mußte etliche Stunden allein, von jedermann verlassen auf bloßem Feld unter dem bloßen Himmel liegen bleiben.

Er lag mit großem Wehklagen und Schmerzen, ehe ihm ein Mensch zu Hilfe kommen konnte. Drei Wochen darauf starb er dann, obwohl er drei vortreffliche Chirurgen hatte, die sich alle Mühe gaben.“

2. Wendelin Thal, der 1584 auch in Nordhausen Arzt wurde, aber 1587 wieder entlassen wurde und am 24. Dezember 1601 starb.

3. M. Daniel Thal, Professor der hebräischen Sprache in Altdorf. (48)

Der Vater Johannes Thal starb im Jahre 1551 in Erfurt, wo er Pfarrer in der Sankt Georgenkirche (Kaufmannskirche) war. Seine Witwe ist erst 46 Jahre danach, nämlich am 2. Februar 1597 in Nordhausen, gestorben und wurde dort am 4. begraben. Die Leichenpredigt aber wurde gehalten von dem dortigen Diakon Erasmus Rothmahler, der früher Kantor in Greußen gewesen ist.

 

4. Petrus Wurtzler, von 1543 bis 1556.

Er hatte bisher die Stelle des hiesigen Diakons bekleidet und wurde im Jahre 1543 auf die Pfarrstelle gesetzt. Weil er aber mit dem Rat wegen der Pfarrländerei in Streit gekommen ist und auch mit seinem Kollegen, dem Diakon (Kaplan) Heinrich Krippendorfer, in großem Streit lebte, wurde er im Jahre 1556 entlassen und schließlich Pfarrer in Großmehlra.

Zu seiner Zeit betrug die Pfarrbesoldung 40 Gulden in Geld, 1.080 Bündel Reisigholz, 4 Fuder Stangen, 4 Malter Scheitholz, 4 Gulden 12 Groschen für Holz und dann die ganze Pfarrländerei.

Worin aber der Streit mit dem Rate wegen der Pfarrländerei bestanden hat, habe ich nirgends finden können. Vermutlich entstand er wegen des Weinbergs auf dem Warthügel und Triller, den der Rat damals gegen zwölf Eimer Pacht unter seiner Hand gehabt hat und der erst im Jahre 1611 durch M. Johann Riger wieder an den Pfarrer gebracht wurde.

 

5. M. Sebastian Starck, von 1556 bis 1575.

Es folgte im Jahre 1556 Sebastian Starck. Er war in Meißen geboren, wie es in den Jahrbüchern des Fabricius aus dem Jahre 1528 steht: „Es wurde geboren in Meißen Sebastian Starck am 13. Februar 1528, der nun in Greußen in der Grafschaft der Schwarzburger das Evangelium lehrt, Sohn meines Bruders Andreas, des landwirtschaftlichen Assessors. Am 13. Februar 1535 wurde Fabian Starck geboren, der Bruder Sebastians, der jetzt in Köln lehrt.“

Weil Sebastian Starck aber ein Mann von besonderer Gelehrsamkeit und Gaben war, wurde er auch auswärtig berühmt und am 12. September 1575 auf die Super­inten­dentenstelle in die kaiserliche freie Reichsstadt Mühlhausen berufen, nachdem er das hiesige Pfarramt volle 19 Jahre mit gutem Ruhm ausgeübt hat.

Als dortiger Superintendent hat er im Jahre 1577 die Konkordienformel (Bekenntnisschrift der evangelischen Kirchen) unterschrieben und dadurch bezeugt, wie standhaft er an der Reinheit der Lehre Luthers und der getreuen Nachfolge festhalte. Er hat auch dort im Jahre 1580 die Wochenpredigten in die Barfüßerkirche eingeführt und ein Spruchbuch herausgegeben. Am 17. August 1586 starb er dort im Alter von 59 Jahren.

Er hatte einen Sohn M. Benjamin Starck, der von 1574 bis 1580 Kantor in Greußen gewesen ist und am 27. Januar 1606 Superintendent in Mühlhausen wurde, aber 1631 wegen hohen Alters seinen Dienst aufgegeben mußte.

Zur Zeit dieses Pfarrers betrug die Pfarrbesoldung hier 100 Gulden in Geld, 5 Marktscheffel und 4 Scheffel Weizen und auch so viel Gerste, 2 Marktscheffel und 8 Scheffel Hafer, 12 Eimer Wein, 12 Malter Holz und 1.080 Schock Wellen, 1 Baumgarten, 1 Acker Wiesen, eine freie Wohnung. Die Gebühren aber waren für das Begräbnis eines Erwachsenen 1 Groschen und für ein Kindes 6 Pfennige, für ein Aufgebot 3 Groschen.

 

 

 

 

6. Matthaus Beinhardt, von 1575 bis 1596.

 

Sternickel nennt diesen Pfarrer „Reinhardt“. Die Buchstaben „B“ und „R“ sehen in der Handschrift sehr ähnlich aus. Aber bei dem „R“ geht der letzte Teil des Buch­stabens deutlich nach rechts, beim „B“ jedoch nach links. Am deutlichsten wird das bei einem Namen, wo eindeutig der Buchstabe „R“ am Anfang stehen muß wie bei dem Kloster „Reinhardsbrunn“ (Seite 221). Der Name des Pfarrers ist also als „Beinhardt“ zu lesen.

 

Sein Geburtsort war die schwarzburgische Stadt Ilmenau. Ob er auch unter dem noch jetzt weltberühmten Schulmann M. Michael Neander, dem Rektor und Abt des Klosters zu Ilfeld, die Grundlagen der Frömmigkeit und der Allgemeinbildung gelegt hat, kann man nicht berichten. Gewiß aber ist es, daß Neander viel auf jenen gehalten hat und ihm eine herrliche Lobrede gehalten hat.

In seiner „Beschreibung der ganzen Welt“ rühmt er besonders den Zustand der Stadt Greußen und spricht: „Die Kirche leitet der ehrwürdige und vortreffliche D. Matthäus Beinhard, unser Freund und Studienkollege“.                                                                                                                                                                                                                (50)

In seiner Vaterstadt Ilmenau kam er auch zum ersten Mal ins Predigtamt und verwaltete das Diakonat dort von 1563 bis 1568. Nachdem er aber das Werk des Herrn dort mit allem Fleiß getrieben hatte, kam er im erwähnten Jahr zum Diakonat nach Sondershausen, wobei er denn auch das Pfarramt in dem nahegelegenem Dorf Jecha mit verwaltete, das bis 1653 alle Zeit ein Filialort des Sondershäuser Diakonats gewesen ist.

 

Jedoch sollte er auch hier noch nicht seine Laufbahn beschließen, sondern es brauchte ihn Gott auch noch an den dritten Ort: Als M. Sebastian Starck (der Greußener Pfarrer) am 12. Januar 1575 auf die Superintendentenstelle nach Mühlhausen berufen wurde, mußte er ihm noch im erwähnten Jahr im hiesigem Pfarramt nachfolgen und wurde am Sonntag Miserikordias Domini eingeführt.

Am 23. September 1576, als er das zweite Jahr hier war, fing man an, die Toten auf dem Friedhof vor dem Grüningischen Tore zu begraben. Vermutlich wird Beinhardt ihn auch auf feierliche Art - jedoch nach dem lutherischen Evangelium - eingeweiht haben.

Daher wird er auch in den lateinischen Versen erwähnt, die neben dem Eingang des Friedhofs in einen Stein gehauen sind, und zwar mit diesen Worten: „Matthäus Beinhardt lehrte hier zusammen mit Apollo Speiser das himmlische Wort Gottes.“

Er hat auch die Schäflein Christi hier volle 21 Jahre geweidet und sieben Diakone überlebt. Am 28. April abends gegen 6 Uhr ist er hier ge­storben und am 30. begraben worden. Sein Leichnam aber wartet auf die fröhliche Auferstehung am Jüngsten Tag auf dem erwähnten Friedhof.

Er hat ausdrücklich festgelegt, dort begraben zu werden, obwohl seine Vorgänger in die Pfarrkirche bestattet worden sind. Seine Witwe Anna aber wurde am. 27. November 1631 begraben. Ein Sohn mit dem gleichen Namen wie der Vater wurde am 29. Mai 1609 als Schüler im Alter von 16 Jahren hier begraben.

 

7. M. Anthon Leuber, vom 8. April 1597 bis 1606.

Im Jahre 1580 kam er in das Schulamt und wurde Rektor. Nachdem er aber dieses Amt noch kein Jahr innegehabt hatte, wechselte er aus der müh­samen Unterrichtung der Schuljugend mit dem Pfarramt in Bilsch­leben (entweder Bilzingsleben nordwestlich von Kindelbrück oder Bil­leben südlich von Ebeleben).

Jedoch blieb er auch hier nicht lange und wurde am 10. März 1581 zum Diakon nach Kindelbrück berufen. Dort lebte er aber mit seinem Kollegen, dem Pfarrer Johannes Lang, in öffentlichem und ärgerlichem Zank, so daß die Obrigkeit nicht länger darüber hinwegsehen konnte. So wurde Pfarrer Lang am 21. November 1582 auf Befehl des Oberkonsistoriums in Dresden aus seinem Amt entlassen. Er zog darauf nach Naumburg. Als er über Nacht in Eisleben bleiben wollte, verfiel er in Schwermut und starb dort.                                                                                                                             (51)

 

Der Diakon M. Anthon Leuber aber wurde auf Befehl des Konsistoriums in Leipzig nach Gorsleben (bei Artern) versetzt und der dortige Pfarrer Melchior Hase kam an seine Stelle nach Kindelbrück. Nachdem er nun in Gorsleben sein Amt bis zum Jahre 1597 wohl ausgeübt hatte, wurde er am 8. April wieder nach Greußen berufen, aber nun ins Pfarramt.

Am Sonntag Miserikordias Domini wurde er hier eingeführt durch den Superintendenten in Arnstadt Herrn M. Friedrich Roth und den Amtmann zu Clingen Nikolaus Wangenman.

 

Daß ihn aber der Superintendent von Arnstadt einführte, geschah vermutlich wegen der Pest, die damals hier schon anfing. An ihr sind dann auch in diesem Jahre seit dem 26. August noch 114 Personen gestorben und im folgenden Jahr noch einmal 328, zusammen also 442. Weil es nun zu dieser Zeit in Sondershausen noch rein war, Arnstadt aber auch schon infiziert war, so hat man aus diesem Grund den dortigen Superintendenten zu dieser Amtshandlung herangezogen. So ist es auch im Jahre 1625 bei dem Diakon Valentin Buhl geschehen.

M. Leuber hatte dann auch hier in dem ersten Jahre seines Amtes einen schweren Stand wegen der grassierenden Pest. Dazu kam noch, daß er vom 8. Januar 1598 an bis auf den 31. Oktober die Dienstgeschäfte allein verrichten mußte, weil sein Herr Kollege Kornelius Kolbe vor seinem Tode über neun Wochen krank lag und danach die unbesetzte Stelle nicht eher besetzt wurde.

Mit welchem Eifer er aber und vermutlich auch in Schriften gegen die Feinde gestritten hat, nämlich gegen die Calvinisten und Bischöflichen, und wie er (nach dem Vorbild des Herrn Vorgängers) nicht in der Kir­che, sondern auf dem Friedhof bei seinen Pfarrkindern hat begraben werden wollen, ist aus seinem Grabstein zu ersehen. Am 17. März 1606 zwischen 2 und 3 Uhr mittags, als man den ersten Schlag zur Litanei und Betstunde getan hatte, starb er und wurde darauf am 19. christlich in die Erde bestattet.

Seine Witwe aber wurde im Jahre 1610 an Herrn Johann Fornfeist, öffentlicher Notar in Greußen verheiratet. Dieser wurde ihr aber untreu und verließ sie, so daß sie als eine Verlassene im Jahre 1640 im Alter von 74 Jahren gestorben ist und den 7. Mai begraben wurde.                                                                                                         (52)

 

8. M. Johannes Riger, von 1606 bis 1612.

Die kaiserliche freie Reichsstadt Nordhausen war sein Geburtsort. Sie hat ihn zwar dreimal eingesetzt, aber doch endlich auch wieder abgesetzt. Die Grundlagen der Frömmigkeit und der Allgemeinbildung legte er in seiner Vaterstadt. Danach wurde er in der damals berühmten Klosterschule in Walkenried weiter ausgebildet, so daß er auf der Universität mit Ruhm die Magisterwürde annehmen konnte.

Im Jahre 1583 wurde er Diakon zu Sankt Petri in Nordhausen, und 1584 kam er in gleicher Eigenschaft an die Kirche Sankt Blasii. Nachdem er aber vier Jahre dieses Amt mit gutem Erfolg innegehabt hatte, wurde er am 23. Sonntag nach Trinitatis des Jahres 1589 Pfarrer am Frauenberg.

Im Jahre 1590 gab er in Frankfurt acht 19er-Bogen heraus: „Zwei Bücher über Ethik, darin die wahre Vernunft des guten Lebens enthalten ist“. Er widmete sie den damaligen Bürgermeistern von Nordhausen, Herrn Ernst Ernst, Johann Hoffmann und Johann Günther Wiegand und auch dem juristischen Beamten (Syndikus) Georg Will und dem Doktor bei­der Rechte Christoph Luder. Weil dieses vermutlich noch eine Frucht seines gelehrten Fleißes war, kann man daraus ersehen, wiewohl er sich in der Jugend in der Philosophie geübt hat.

Als im Jahre 1592 im Kurfürstentum Sachsen über die Teufelsaustreibung („Exorzismus“) ein Streit entstand, brachte er seine Anregungen zu Papier, wie man den Sachsen raten könne, und übersandte sie von Nordhausen nach Dresden. Dies wurde ihm aber als ein Vorwitz ausge­legt: Er wolle ein hochmütiger Mann sein, der mit Gewalt etwas sein will und in der Welt groß werden wolle. So schrieb D. Marcus Gerstenberger, Kanzler in Weimar und Kurfürstlich-Sächsischer Rat im Jahre 1593 an Ludwig Georg Wilde, einen juristischen Beamten in Nordhausen: „Es hat ein unruhiger Pfaffe vor drei Jahren ein Gutachten nach Dresden geschickt, wie allen Sachen abzuhelfen sei. Weil das aber eine ganz kranke Sache war, wurde er von dem römischen Redner Cato widerlegt: „Gib keinen Rat, ehe du nicht gerufen wirst!“

 

Da auch unter den kirchlichen Amtsträger in Nordhausen ein Streit über der Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im Heiligen Abend­mahl entstanden war, wollte er diesen aus dem 4. Kapitel des Johannesevangeliums in einer besonderen Abhandlung beilegen und sie in Mühlhausen drucken lassen. Weil er aber dabei irrte, ließ es das dortige Konsistorium nicht zu, und der Superintendent M. Ludwig Helmbold schrieb deswegen an Pandochäus nach Nordhausen einen gelehrten Brief.

 

Schließlich kam er mit einem Mitpfarrer und seinem Vorgesetzten D. Johannes Pandochäus in einem Streit, der ihm die Absetzung einbrachte. Doktor Johannes Pandochäus, der Pastor zu Sankt Nicolai und damaliger Superintendent in Nordhausen, hatte sich dem Verdacht des Calvinismus ausgesetzt und hatte darüber mit seinen Anhängern einen Streit erregt, der die Kirchengemeinde Nordhausen jämmerlich zerrüttete.

Er lehrte, es würden in der Taufe nicht alle Kinder wiedergeboren, und leugnete, daß der menschlichen Natur Christi die Mitteilung der göttlichen Majestät geschehen sei, und behauptete, zwischen Luther und Calvin sei in der Lehre über die Vorherbestimmung („Prädestination“) kein Unterschied, und predigte, Christus habe nicht allen Menschen - ohne Unterschied - das ewige Leben erworben, usw.

Diesem aber widersetzte sich M. Johannes Riger mit allem Ernste und widersprach Pando­chäus und seinen Anhängern nicht allein auf der Kanzel, sondern auch in veröffentlichten Schriften. Ich weiß nicht, ob er das Maß überschritten und aus der Widerlegung einen krachenden Blitz gemacht und seinen Gegner in der Erregung nur gelästert hat. Daß er aber eine gerechte Sache zu verteidigen versuchte, ist gewiß genug.

Weil es aber damals üblich war, daß diejenigen, die sich dem immer mehr einreißenden Kryptokalvinismus wiedersetzten, nichts anderes als den Laufzettel zu erwarten hatten - wie es später bei dem achten Kantor Erasmus Rothmahler geschildert werden wird - so ging es auch mit diesem.

 

Der Kryptokalvinismus ist der Versuch, die Lehre des Schweizer Reformators Calvin unterschwel­­lig in die lutherische Kirche einzuführen. Es handelte sich dabei um Anhänger Melanchthons, die die leibliche Gegenwart Christi im Abendmahl leugneten.

Um 1566 setzte sich eine erste Gruppe in Sachsen durch, wurde aber durch Kurfürst August beseitigt. Eine zweite Periode des Kryptokalvinismus erlebte Sachsen unter Christian I. (1586-91), die mit der Hinrichtung des Kanzlers Nikolaus Crell endete. Siehe auch Kantor Erasmus Rothmaler, Seite 159.                                               

                                                                                                                                               (54)

Am 22. Februar 1597 wurde Riger nicht nur das Betreten der Kanzel verboten, sondern man setzte ihn schließlich am 21. April auch ab, weil er es am Sonntag Palmarum gewagt hatte, nach eigenem Wohlgefallen die Kanzel wieder zu betreten. Er ging zwar darauf an das Gericht in Speyer, um den Nordhäuser Rat dort zu verklagen, erhielt aber kein Recht.

Doch Gott sorgte für ihn und erweckte die Grafen von Schwarzburg, daß sie ihn nicht nur alsbald bei seiner Rückkehr nach Schernberg brachten, sondern auch von da nach Greußen setzten. Nachdem der hiesige Vorgänger M. Anthon Leuber am 17. März 1606 verstorben war, legte Riger hier auf gnädigste Verordnung der damals gemeinschaftlich regierenden vier Herren Grafen von Schwarzburg, Herrn Günther, Anthon Heinrich, Hans Günther und Christian Günther, am zweiten Pfingstfeiertag die Probepredigt ab. Danach haben der Rentmeister zu Clingen Nikolaus Wange­mann und der Rat und die ganze Bürgerschaft - mit Einwilligung des Diakons Paul Seitz - einmütig die Zustimmung zu seiner Berufung gegeben.

So wurde er am 2. August schriftlich berufen, und der Herr Kanzler D. Bodinus hat ihm auf Befehl seiner gnädigsten Herren die Berufung selbst zugestellt. Am 17. Sonntag nach Trinitatis, das war der 12. Oktober, wurde er durch den Herrn Dekan Johann Götze in Sondershausen und den Rentmeister zu Clingen Nikolaus Wange­mann eingesetzt und bestätigt.

Er war hier öfters krank, besonders als die Jahre herbeikamen, von welchen es heißt: „Sie gefallen mir nicht!“ (Prediger 12, Vers 1). Daher machte der Dichter Matthäus Zimmermann aus dem Namen Johannes „Rigerus“ den Vers (Anagramm): „Res vera in signo“ („Die Wahrheit liegt im Wunder“). Mit der Erklärung: „Ein kranker Priester: Im Wunderzeichen liegt die Wahrheit! Meine Sache ist wahr: Das Wunder, mit dem ich gewürdigt werde, ist das Kreuz Gottes!“ Am 11. Juni 1610, vormittags um 9 Uhr, nahm ihm Gott seine Frau Kunigunde hinweg. Deswegen wurde die sonst übliche Jahrmarktspredigt nicht gehalten.

 

In den folgenden Jahren brachte er auch die beiden Weinberge wieder an das Pfarramt. Der hiesige Rat hatte nämlich die beiden zum Pfarramt gehörenden Weinberge seither in seine Hand gebracht, nämlich vier Äcker hinter dem Warthügel und fünf Äcker auf dem Triller. Dafür hat er dem Pfarrer jährlich 12 Eimer Wein von der Kelter oder - falls dieser mißraten war - 12 Gulden Geld gegeben. Riger meinte, er könnte diese neun Äcker weit besser nutzen, wenn sie wieder an das Pfarramt gegeben würden. Die vier Äcker hinter dem Warthügel, die schon fast wüst und öde waren, sollten zu Ackerland gemacht werden. Von den fünf Äckern auf dem Triller sollten die beiden besten und obersten in einem zum Anbau geeigneten Zustand erhalten werden, die andern drei aber teuer verkauft werden und von den erzielten Geld dem Pfarrer der Zins gegeben werden.                                                                                 (55)

Deswegen hat er am 3. September 1610 beim Rat schriftlich eine Eingabe gemacht. Dieser schickte sie an das Konsistorium nach Sondershausen. Am 15. Februar 1611 wurde sie ihm zurückgegeben und auch von dem Rat und allen Vierleuten angenommen und ihm auch die fraglichen neun Äcker am 21. März wieder tatsächlich übergeben. Darauf machte er die vier Äcker hinter dem Warthügel zum Ackerland.

 

 

Von den fünf auf dem Triller wurden zwei abgemessen und die übrigen drei sollten für 100 Gulden verkauft werden, weil sie im damaligen Zustand nicht höher eingeschätzt wurden; der zukünftige Besitzer sollte dafür dem Pfarrer davon auch jährlich 9 Pfennig Erbpacht geben. Dies geschah im Jahre 1611 unter der Leitung der Bürgermeister Conrad Grüning und Andreas Lauterborn

Im folgenden Jahr wurde am 16. März 1612 mit dem Ausreißen der Weinstöcke hinter dem Warthügel angefangen und dies am 29. vollendet, so daß das ganze Stück nutzbar wurde. Auf dem Triller geschah das Ausreißen zwar auch, doch der Verkauf von drei Äckern kam nicht zustande, so daß das ganze Stück noch bis zum heutigen Tag der Pfarrei gehört.

Nachdem er dieses zustande gebracht hatte, starb er am 6. Oktober des Jahres 1612 nachmittags um drei Uhr, nachdem er gerade 6 Jahre weniger 6 Tage das hiesige Pfarramt durch Gottes Gnade mit gutem Nutzen und Ruhm ausgeübt hatte und alle Zeit, als ein unsträflicher, freundlicher und friedlicher Mann gelobt worden war. Seine Tochter Anna wurde an Meister Hans Schuchardt, einen Fleischbeschauer und späteren Ratsherrn, getraut und war also eine Großmutter des noch jetzt lebenden hiesigen praktischen Arztes Herrn Johann Philipp Schuchardt.

 

9. M. Christoph Grosspitz, von 1613 bis 1625.

Er selbst schrieb seinen Namen „Grosspitsch“ oder lateinisch „Groß­pitschius Nyssenus“. Sei­ne Geburtsstadt war Neiße in Schlesien. So wie er dort in der päpstlichen Religion erzogen worden war, so diente er danach auch als ein päpstlicher Pfarrer in Waldaschaff („Waldaschach“) im Bereich des Stiftes Würzburg.

Da ihn aber die göttliche Fügung zu dem goldenen Büchlein Luthers über den Brief an die Galater führte, kam er durch Lesung dieses Buches zur Erkenntnis der Irrtümer im Papsttum und zur Erkenntnis der göttlichen Wahrheit im Luthertum. Er verließ das Papsttum und bekannte sich zum Luthertum. Daher rechnet ihn Herr D. Georg Heinrich Götze, der berühmte und um die Kirche Gottes verdiente Superintendent zu Lübeck, mit unter die Bischöfe, die aus der Lesung der Schriften Luthers bekehrt wurden.

Darauf wandte er sich nach Thüringen und wurde im Jahre 1604 Vierter Lehrer in der Schule zu Arnstadt, und weil er sich im Predigen immer übte und gute Gaben hatte, wurde er im Jahre 1609 Unter-Diakon an der Sankt Bonifatiuskirche.

Vorher aber hatte er am Pfingstdienstag 1608 in der Pfarrkirche in Jena über den vorgeschriebenen Evangelientext aus Johannes 10 eine Berufungspredigt gehalten. Dabei hat er den römischen Rottengeistern Lebewohl gesagt und das allein seligmachende Evangelium Jesu Christi freu­­dig angenommen, wie es in dem ungeänderten Augsburgischen Be­­kenntnis, den Schmal­­kaldischen Artikeln und der Konkordienformel dargestellt wird.

In der Einleitung vergleicht er sich mit dem Naeman (2. Könige 5) und deutet den Aussatz auf die irrige falsche und verfluchte Lehre, in der er bisher gesteckt hat, und zeigt, wie er durch die Lesung des goldenen Büchleins Luthers über den Brief an die Galater zur Erkenntnis gekom­men sei. In der Predigt zeigt er an,

1. was unter der Tür, dem Schafstall, dem Hirten, dem Türhüter und den Schafen verstanden wird,

2. was von denen zu halten ist, die anderswo als durch die Tür in den Schafstall steigen, daß sie Diebe und Mörder sind. Er deutet sie auf die römischen Seelenmörder:

a) Die Tür soll die Heilige Schrift sein. Er sagt aber, daß dahinter ein Geist steckt, der die Schrift über Christus setzt und ihr ein hohes Ansehen gibt, wie noch heutiges Tages im Papsttum die Kirche erhoben wird, über die Schrift zu urteilen. In erster Linie sei Christus die Tür.  

b) Der Schaf-Stall sei die christliche Kirche, deren Vorbild die Arche Noahs (1. Mose 7) und das Haus Rahab (Josua 2), (56)

c) Der Türhüter soll nach Chrysostomus Moses sein, nach Cyrill ein besonderer Kirchenengel (Daniel 10 und Offenbarung 2), nach Rupertus und Theodor von Mopsves­tia wurde nicht zu Unrecht der Heilige Geist darunter verstanden. Doch neigt der Verfasser der Meinung zu, daß die ganze Heilige Dreifaltigkeit der Türhüter sei.

d) Der Hirte sei allein Christus (Hesekiel 34). Doch es könne im besonderen Fall auch ein jeder getreuer, frommer Prediger darunter verstanden werden, besonders D. Luther.

e) Die Schafe sind nicht wie nach Bedas Meinung allein die Vorsteher und Auserwählten, sondern nach Chrysostomus alle, die in der Kirche sind, Gute und Böse. Diebe und Mörder sind nicht die rechten Propheten, die vor Christi Ankunft gelebt haben, sondern die Rotte Kora (4. Mose 16), die Söhne Aarons mit dem fremden Feuer (3. Mose 10) und die, von denen Hesekiel 34, Matthäus 24, Erster Timotheusbrief, Apostelgeschichte 20 und 2. Petrusbrief 2 sprechen.

Damit aber der rechte Zweck getroffen werde, so sagt er rund und von ganzem Herzen, daß all und jedes Stück, das von Dieben, Mördern, Wölfen, falschen Hirten, Lehrern und Propheten erzählt, den römischen Seelenmörder meint.

Der Papst ist der falsche Lehrer, Luzifer, den Obersten und Rädelsführer. Das wird dadurch bewiesen, daß er das Priestertum Christi sich selbst zulegt und als ein Hohepriester ausgerufen sein will und die Heiligen Dinge, Gaben und anderes für sich beansprucht, daß er mit Nadab und Abihu (3. Mose 10,1) fremdes Feuer durch erdichtete Greuel der Messe auf den Altar bringt, daß er die Geschöpfe anstatt des Schöpfers - das Brot in der Monstranz eingeschlossen - und die Heiligen anzubeten befiehlt, daß er die Ehe verbietet, daß der Geistliche Glocken tauft, Lichter, Öl, Brot und Wein weiht, daß er die Bösen stärkt in der Bosheit durch Ablässe, daß er sich als Nachfolger des Petrus ausgibt, und will doch nicht gestraft sein, da doch Petrus sich von Paulus hat strafen lassen müssen und ihm auch gefolgt ist (Apostelgeschichte 15, Galater 2), daß er das Heilige Abendmahl verstümmelt, usw.

 

Nachdem er sich nun also mit Mund und Herz von dem Papsttum abgewandt hatte und die Wahrheit des Evangeliums im Luthertum angenommen hatte, verwaltete er das Amt eines evangelischen Predigers in Arnstadt mit solchem Ruhm, daß er von seinen Zuhörern und auch Fremden gerühmt und gelobt wurde.

Als hier in Greußen eine unbesetzte Pfarrstelle war, legte er am 15. April 1613 (dem Sonntag Miserikordias Domini) - auf untertänigstes Bitten der Bürger und gnädigste Anordnung der Herrschaft - eine Probepredigt für das Amt des guten Hirten ab. Als er diese zu jedermanns Zufriedenheit gehalten hatte, wurde ihm am 26. mit einhelliger Zustimmung des Rats und der Bürger die Berufung zum Pfarramt in Greußen zugeschickt und am 29. erfolgte die Bestätigung.

Am 19. Mai wurde er mit Weib und Kind und allem, was er hatte, in Arnstadt abgeholt, nicht ohne Klagen der dortigen Bürger, die ihn gern länger behalten hätten. Er kam abends um 7 Uhr glücklich hier an. Zu seiner Abholung waren zwei Herren des Rates bestimmt, nämlich Herr Friedrich Happe und Herr Johann Rothe.

Am zweiten Sonntag nach Trinitatis, wurde er durch die Herren Kommissare, den Dekan von Sondershausen Johann Götz und den Rentmeister zu Clingen Niko­laus Wangemann, in sein Pfarramt eingesetzt und bestätigt. Von da an fing er auch an, sein Amt mit aller Treue und allem Fleiß zu verwalten.

Dabei hat er ohne Kreuz und Anfechtungen nicht bleiben können. Mit dem Rat hat er vielen Streit wegen der Pfarrländereien. Und die Gräflich-Schwarzburgische Kirchenordnung hat er auch nicht bestätigen wollen.

Am 3. August 1618 setzte ihn Gott in den betrüblichen Witwerstand. Am 4. Juli 1620 aber wurde er wieder mit Jungfer Maria Catharine getraut, Tochter des Herrn Johann Dauer, Bürgers und Handelsmanns in Weißensee. Er hat aber in dieser Ehe nicht länger gelebt als bis zum Jahre 1625, als er am 19. August in dem großen und sonst hier nie ge­hörten Sterben auch mit hingerafft wurde.

Er hat das hiesige Pfarramt elf Jahre geleitet. In seinen Predigten war er schriftreich und erbaulich, wie es zu ersehen ist aus einer Leichenpredigt, die er am 3. Dezember 1621 gehalten hat auf das Söhnchen des Herrn M. Balthasar Thamm, Doktor beider Rechte und hiesiger Rechtsanwalt

Zu seiner Zeit kam die für Land und Leute verderbliche Kupfermünze auf, mit der er sich auch hat besolden lassen müssen: Alle Lebensmittel sind im Preis zehnfach höher gestiegen, als sie sonst gekostet haben. Es kostete nämlich der Weizen (Nordhäuser Maß) 20 Gulden, Roggen 8 Gulden, Gerste 4 Gulden, Hafer 2 Gulden 10 Groschen 6 Heller, 1 Scheffel Heckerling 4 Groschen, 1 Scheffel Rübensamen 6 Gulden, 1 Stück Speck 1 Gulden, 1 Pfund Butter 1 Taler, 1 Pfund Käse 10 Gulden, 15 Stück (1 Mandel) Eier 1 Gulden, 1 Pfund Schweinefleisch 10 Gulden, 1 Pfund Rindfleisch 9 Gulden, 1 Pfund Kalbfleisch 6 Gulden, 60 Stück (1 Schock) Kraut 1 Taler, 1 Kanne Bier 4 Gulden, 1 Paar Schuhe 4 Gulden.

Doch im Jahre 1624 wurde alles wieder in den vorigen Stand gesetzt. Diese Jahreszahl steht in dem Vers: „IsVs et est sVbIto, qVt MoDo CroesVs erat“ (die Großbuchstaben MDCVVVVII ergeben nur die Jahreszahl 1622).                                   (57)

 

10. Christoph Oehmich, 1626.

Seine Geburtsstadt war die kaiserliche freie Reichsstadt Nordhausen, wie aus seiner eigenen Unterschrift im hiesigen Kirchenbuch zu ersehen ist. Wo er aber die Grundlagen der Frömmigkeit und der Allgemeinbildung gelegt hat und auf welcher Universität er sich zum künftigen Predigtamt vervollkommnet hat, habe ich nirgends gefunden, zumal auch Herr M. Johann Heinrich Kindervater in der gelehrten Abhandlung „Vom gelehrten Nordhausen“ ihn nicht erwähnt.

Sein erster Eintritt ins Lehr- und Predigtamt geschah im Königreich Böhmen, in einer Stadt, die Prossen genannt wird („Brußen“), die auf dem Gebiet des Herrn Wilhelm, Freiherrn von Chiritz und Tattauw, auf Töplitz, Neuschloß usw. sieben Meilen hinter Dresden liegt, wo er Dia­kon gewesen ist ( an der Elbe bei Königstein).

Als aber Kaiser Ferdinand II. im Jahre 1621 bei Prag die Schlacht gegen den neuen König in Böhmen Friedrich V. geführt hatte, wurden von da an die Jesuiten wieder in Böhmen aufgenommen und dafür alle Evangelischen und dem reinen ungeänderten Augsburgischen Bekennt­nis zugetanen Lehrer und Prediger vertrieben, so daß ganz Meißen, Fran­ken und Thüringen mit lutherischen Vertriebenen angefüllt wurde. Diese allgemeine Verfolgung betraf im Jahre 1624 auch Herrn Chri­stoph Oehmich, so daß er seine Gemeinde mit Weinen und Wehklagen verlassen und sich in seine Vaterstadt nach Nordhausen begeben mußte.

Am 19. August 1625 war M. Grosspitz von hier in der grausamen Pest, die im diesem Jahres in der hiesigen Unterherrschaft wütete (besonders aber in Greußen und Großenehrich) hinweggerafft worden und nur noch als Einziger war Diakon Sander übrig.

Die Herrschaft aber, nämlich Herr Graf Günther, Anthon Heinrich, Hans Günther und Christian Günther, konnten in dieser großen Not so schnell keinen Pfarrer einsetzen. Auf das untertänigstes Ersuchen der hiesigen Stadt hin gab die Herrschaft durch die Konsistorialräte in Sondershausen den folgenden Befehl: Christoph Oehmich von Nordhausen solle sich zum Ersatz des erledigten Pfarramts in Greußen bereit erklären und eine Probepredigt übernehmen.

Er hat sie auf sich genommen, weil er doch unlängst als Bittsteller darum gebeten hatte, an ihn als einen Vertriebenen in Gnaden zu denken.

Am 24. August (Bartholomäustag) - an dem 23 Beerdigungen gewesen waren - hat er die Predigt auch gehalten. Am dritten Tag danach, dem 26. August, hat er gleich die Berufung empfangen und am 11. Sonntag nach Trinitatis seine erste Amtspredigt gehalten.    

Sein Kollege Diakon Herr M. Sander wurde an diesem gleichen Sonntag auch an der Pest krank und starb donnerstags darauf, am 31. August, so daß also der neue Nachfolger in dieser trübseligen Zeit allein hinterlassen wurde. Jedoch hat ihn Gott in seinem schweren Amt gnädig gestärkt und wundersam erhalten, obwohl er gleich öfters den an der Pest Kranken und Sterbenden beistehen mußte.

Am 5. November 1626, dem 22. Sonntag nach Trinitatis, wurde er zum Diakon eingesetzt, kam aber gewissermaßen aus einer Trübsal in die andere, weil er nach der überstandenen Pest auch den Dreißigjährigen Krieg erlebte. Davon wird bei den Diakonen weiteres berichtet.

 

(Sternickel läßt Oehmich bei der Aufzählung der Pfarrer aus, weil er nur kurz die Stelle des Pfarrers versah, zwar berufen wurde, aber vielleicht doch nicht offizieller Pfarrstelleninhaber war).

 

11. Johannes Helwig, von 1626 bis 1637.

Sein Geburtsort war Holzthaleben im schwarzburgischen Amt Keula. Er hatte bereits elf Jahre Gott in seiner Kirche in Arnstadt treu und fleißig gedient, nämlich von 1615 als Hilfspfarrer und von 1616 bis 1626 als Unter-Diakon.                                       (58)

In diesem Jahr aber kam er nach erhaltener ordentlicher Berufung hierher nach Greußen. Damals war die Pestzeit ganz vorbei, aber es war dann doch in einer recht betrübten und elenden Zeit. Denn nicht allein die Stadt war von Einwohnern sehr entblößt, weil sie in vorigem Jahre durch das große Sterben 843 Personen eingebüßt hatte, sondern es hatte sich die Unruhe des Dreißigjährige Krieges bereits im ganzen Land ausgebreitet und es drohte dieser lieben Stadt ein Elend nach dem andern.

 

Als er am 3. November hier mit Frau und Kind ankam, hatte er einen solch schlechten Anblick, daß es nicht anders schien, als ob Gott zu ihm spreche: „Ich will ihm zeigen, wieviel er wird leiden müssen an diesem Orte!“ Denn als er des Abends etwas später ankam, waren nicht nur die Tore geschlossen, sondern es war auch die ganze Bürgerschaft in großer Furcht, weil der Großherzog von Florenz mit seiner Mannschaft vor dem Tore hielt und Quartiere begehrte. Dieses wird weiter unten näher ausgeführt werden.

Am 5. November aber, am 22. Sonntag nach Trinitatis, wurde er eingesetzt und eingeführt von Herrn Salomon Glass, dem noch jetzt hochberühmten Doktor der Theologie und Superintendent in Sondershausen, und von Hieronymus Heden, Doktor beider Rechte und Hofrat in Sondershausen und auch von Herrn Sylvester Schwanengel, dem Rentmeister zu Clingen.

Es war nun den vorhergehenden Sommer über wegen der Einquartierung der Merodischen Völker hier ein solches Elend gewesen, daß man ganze elf Wochen, nämlich von Sonntag Jubilate bis zum 7. Sonntag nach Trinitatis, keinen öffentlichen Gottesdienst hat halten können. Die Bürger waren nämlich mit all ihrer besten Habe in die Kirche geflüchtet, so daß sie deswegen geschlossen werden mußte. Es wurde im Winter auch nicht besser, weil immer ein Durchzug und eine Einquartierung nach der andern kam, so daß jeder in bezug auf seinen Besitz immer weniger sicher sein konnte.

Im Jahre 1631 aber stieß Pfarrer Helwig bei dem Einfall Tillys und der Ausplünderung eine große Trübsal zu. Es wurde nämlich nicht nur die ganze Stadt ausgeplündert, sondern auch die Kirche aufgebrochen, jämmerlich verwüstet und aller ihrer Kostbarkeiten beraubt. Dabei geriet der Pfarrer selbst in die Hände zweier sehr unbarmherziger und gottloser Kriegsknechte, die ihn mit Schlägen übel behandelten und nicht eher losließen, als bis er 15 Dukaten und 5 Taler Lösegeld gezahlt hatte. Dennoch hat er dieses Kreuz mit Geduld ertragen und Gott gedankt, daß er ihm wenigstens am Leben keinen Schaden hat erleiden lassen.

So hat es auch der vornehme Theologe und teure Mann Gottes getan, Herr D. Johann Gerhard in Jena. Diesen wollten die kaiserlichen Soldaten auf Anstiften päpstlicher Geistlicher am Kopf nehmen. Weil ihn aber Herr D. Major versteckt hatte, so konnten. die bösen Buben ihr Vorhaben an seinem Leib und Leben nicht verwirklichen. Deshalb nahmen sie ihm alle seine beweglichen Besitztümer, die auf etwa 1000 Gulden geschätzt wurden. Es regte sich aber dieser vornehme Theologe nicht gar sehr darüber auf, sondern sprach in einer zu rühmenden Gelassenheit: „Gott bekehre diese losen Leute und gebe mir nur christliche Geduld.“ (wörtliche Übersetzung des lateinischen Textes: „Gott gebe diesen unfrommen Soldaten die Strafe, mir aber die Geduld“).

 

Nicht anders machte es der verstorbene Herr Johannes Helwig von hier. Er hielt in diesen trübseligen Zeiten mit Geduld aus, bis daß ihn Gott am 11. Oktober 1637 aus der streitenden Kirche in die triumphierende aufnahm zu sich in den Himmel. Er wurde am 13. begraben, nachdem er das Pfarramt hier elf Jahre mit Ruhm und Geduld ausgeübt hatte. Er hat sein Leben gebracht auf 56 Jahre weniger zwölf Wochen und drei Tage.

Seine hinterlassene Witwe aber wurde am 14. April 1645 mit Herrn M. Georg Berthold Rode, den Pfarrer zu Kannawurf, getraut.                                                  (59)

 

Zu seiner Zeit betrug die hiesige Pfarrbesoldung 100 Gulden in Geld, 10 Marktscheffel und 1 Scheffel Früchte, halb Weizen und halb Gerste. Zuvor waren es 8 Marktscheffel und 4 Scheffel Weizen und auch so viel Gerste.

Nachdem man aber eine halbe Hufe Land dem Johann Schonert wieder abgestritten hatte, der vorher Pacht dafür hat geben müssen, und der Pfarrer 6 Äcker dafür bekommen hatte, so sind an Getreide 3½ Scheffel Weizen und 3½ Scheffel Gerste weggefallen. Die 6 Äcker aber von Schonert sind folgende: 2 Ar beim Langen Stein, 2 Ar im Zwinger und 2 Ar am Tennstedter Weg.

Ferner 1.080 Bündel Reisigholz, davon 360 aus dem Bürgerwald und 72 aus dem Mönchswald, 12 Malter Scheitholz von Gnaden der gnädigen Herrschaft und des Klosters Ilfeld, ein Garten bei der Steinfarths­mühle, das Gras auf dem Friedhof, zu jedem Hauptfest ein Stübchen Wein (fast vier Liter) und 1 Ar Wiese im Ried.

 

Ferner eine halbe Hufe Land an folgenden Stücken:

5 Ar hinter dem Warthügel

2½ Ar am Kirchberg

2½ Ar bei dem Langen Stein

¾ Ar in der Dreyse (?)

2 Ar im Flattich

3 Ar im Bohn-Lande

2 Ar im Grüningischen Felde, wovon ½ Ar Wiese waren

¾ Ar am Mönchberg

18 ½ Ar.

Ebenso:

2 Ar im Topfstedter Feld, bei dem Kreuzweg.

4 Ar ausgerodete Weinberge am Warthügel.

5 Ar ausgerodete Weinberge am Triller.

 

Zu dieser Zeit ist also die Besoldung in allen Stücken gewesen wie sie jetzt noch ist, nur daß heute die Wiese im Ried nicht mehr zu finden ist.  

 

12. Joachim Dreyschärf, von 1638 bis 1676.

Das Licht dieser Welt hatte er hier in Greußen am 25. Februar 1605 erblickt. Sein Vater Cae­sar Dreyschärf war ein Musiker. Weil ihn Gott die Trübsal des Dreißigjährigen Krieges wollte erleben lassen, so ließ er ihn erst einmal als Schullehrer Geduld lernen. Zuerst wurde er Rektor in Belgern in Sachsen. Dort hat er auch geheiratet, und dort ist ihm die Frau auch wieder gestorben.

Danach war er hier in seiner Vaterstadt, und zwar noch zu Lebzeiten des Vorgängers M. Sebastian Starck. Weil dieser wegen seines hohen Alters nicht mehr das Haus verlassen konnte, wurde ihm für den übrigen Rest seines Lebens eine Entschädigung vermacht.

 

Dafür wurde M. Joachim Dreyschärf am 17. Dezember 1633 auf gnädigsten Befehl der Herrschaft durch den Amtmann zu Clingen Anhard Schmied und durch den hiesigen Pfarrer Johann Helwig in sein Amt eingeführt. Weil der pensionierte Pfarrer das Schulhaus noch bewohnte, wurde ihm vom Rat in dem Haus des verstorbenen Herrn M. Grosspitz die untere und obere Stube und eine geschlossene Kammer gemietet.

Im Jahre 1634 wurde er nach dem Tod des Rektors Starcke dessen Nach­folger. Am 15. Mai schloß er hier seine zweite Ehe und wurde getraut mit Jungfer Marie, des verstorbenen Herrn Bürgermeister Zacharias König hinterlassene Tochter.

Er hat die hiesige Rektorstelle fünf Jahre mit gutem Nutzen für die anvertraute Ju­gend ausgeübt. Es wurden nicht allein gute Gaben in seinem Beruf als Lehrer, sondern auch schöne Gaben im Predigen an ihm beobachtet.

Am 7. April 1638 wurde er von den damals noch gemeinschaftlich regierenden vier Herren Brüder auf die hiesige Pfarrstelle berufen und wurde auch Beigeordneter des Aufsichtsbezirks Sondershausen. Am 18. April hielt er die erste Predigt in diesem neuen Amt und am 20. die erste Leichenpredigt auf die Frau des Bäckermeister Hans Reinhard, die 72 Jahre und 8 Wochen alt war.

Den 21. August wurde die Tochter des Herrn D. Andreas Tentzel, des hiesigen praktischen Arztes und Bürgermeisters, von ihm getauft, weil der Diakon Christoph Oehmich Pate wurde. Das war auch seine erste Taufe, bei der auch mit Erlaubnis der Herren Pfarrer die Jubelglocke zum erstenmal geläutet wurde. 

 

In diesem seinem Amte hat er nun viel Trübsal erduldet, abgesehen davon, daß die Kriegszeiten besonders für die Geistlichen viel Ungemach mit sich bringen, weil diese, wenn die anderen alle fliehen, aushalten müssen.                                                                                                                                                                                                  (60)

In dem letzten Jahrzehnt des Dreißigjährigen Krieges waren die erwähnten vier hoch­gräflichen Landesväter alle gestorben. Aber auch die drei Söhne des Herren Graf Christian Günther, nämlich Graf Christian Günther, Anthon Günther und Ludwig Günther, regierten nach dem preiswürdigen Beispiel des in Gott ruhenden Herrn Vaters und der Vettern auch gemeinschaftlich.

 

 

Am 31. Mai 1651 aber haben sie sich in ihr Land geteilt. Dem Herren Graf Ludwig Günther zu Ebeleben fielen die Stadt Greußen und die Stadt Großenehrich neben den beiden Dörfern Rohnstedt und Wenigenehrich aus dem Amt Clingen zu. So wurde er Inspektor der Grafschaft Schwarzburg, Ebelebener Teil, und mußte von da an von hier aus die nötigen Konsistorialtage in Ebeleben besuchen.

Dies geschah bis zum Jahre 1657, wo er am 5. Januar von dieser Welt abgefordert wurde, nachdem er das Amt eines evangelischen Predigers in den betrübten Zeiten mit gutem Ruhm ausgeübt und dabei von Gott in zeitlichen Dingen reichlich gesegnet worden war.

Das Begräbnis geschah am 7. Januar. Er wurde er mit volkreichem Ge­leit und geistlichen Feierlichkeiten in die Kirche getragen und nach der Leichenpredigt gleich bei den Stufen begraben. Dabei ist besonders er­wähnens­wert, daß er in das Grab seines verstorbenen Großvaters mütterlicherseits, des früheren Diakons Herrn M. Weber, gelegt wurde; dessen Grabstein wurde aber aufgehoben und dann ein neuer darauf gelegt.

Er hat kein höheres Lebensalter erreicht als 52 Jahre, jedoch unter vielem Jammer und Not. Zuletzt war er so hinfällig, daß ein Stellvertreter für ihn bestimmt wurde, nämlich M. Michael Tieroff von Nordhausen. Als dieser aber hierher kam, um sich mit ihm abzustimmen, trug man ihn eben zu Grab. Darauf trug Herr Graf Ludwig Günther dem für Greußen bestimmten Stellvertreter zwar die Pfarrstelle in Rockstedt an, aber die Theologische Fakultät Jena widerriet ihm, diese anzunehmen.

Die hinterlassene Witwe Maria starb am 25. September 1676, nachdem sie ihr Leben gebracht hatte auf 65 Jahre und wurde am 27. am 29. September (Fest des Erzengels Michael) mit einer Predigt begraben, nachdem sie erst in die Kirche getragen worden war.

 

 

Stadtbild um 1675

 

13. Christoph Toppius (Topf), von 1657 bis 1659.

Er wurde am 4. Februar 1590 in Sondershausen geboren. Sein Vater war der Tuchmacher Martin Topf, und sein leiblicher Bruder Andreas Toppius war Pfarrer in Wenigentennstedt, dessen Gedächtnis wegen seines großen Fleißes in thüringischen und anderen Geschichten zu Recht alle Zeit im Segen bleibt.

 Als sein Vater ein neues Haus baute, fiel Christoph durch eine Brücke, die die Zimmerleute über eine schadhafte Stelle gelegt hatten, drei Stockwerke hoch hinunter auf den Keller. Er zerbrach das rechte Bein, so daß er für tot gehalten und aufgehoben wurde und große Schmerzen hat leiden müssen. Doch wurde er durch einen ge­schick­ten Barbier glücklich geheilt, so daß er dann zur Schule und zu Studien angehalten wurde. Im Jahre 1613 schickt ihn sein Vater auf die Universität Jena und gab ihm zu seinem Studium drei Jahre lang 300 Gulden. Diese wurden ihm bei der Verteilung des Erbes 1637 abgezogen, damit auch die beiden anderen Brüder Paul und Andreas eben so viel wie der erste bekamen.

 

In den Weinberg des Herrn wurde er einige Male zu einem Mitarbeiter berufen. Im Herbst 1616 wurde er hier in Greußen Kantor. Im folgenden Jahre hielt er am 4. Mai 1617 in Sondershausen Hochzeit mit Jungfer Catha­rine Topf, Tochter seines verstorbenen Herrn Vetters Nikolaus Topf, der hier Diakon gewesen war. Im August 1621 (oder erst im Jahre 1622) kam er ins Pfarramt nach Wiedermuth und im Februar 1627 nach Urbach. Dort hielt er am 10. Juni dieses Jahres seine zweite Hochzeit mit Jungfer Barbara Sig­fried, Tochter der Herrn Pfarrer in Urbach.

Wegen des Krieges konnte er in diesem dritten Amt in seinem Pfarrhaus nie sicher wohnen und mußte sich immer wieder verjagen lassen. Als 1631 der kaiserliche Feldherr Graf Johann Tilly sein Feldlager vor Mühlhausen hatte, wurde er als damaliger Pfarrer von Urbach, von einem Trupp Reiter in das kleine Birkenwäldchen gejagt, grimmig bedroht und das Wäldchen fünfmal durchritten; er wurde aber doch nicht gefunden.

Noch in demselben Jahr kam er um alle seine Habe, als die Soldaten Tillys am 4. Juli in der Absicht, die Bauern zu dämpfen, das Pfarr­haus zu Urbach anbrannten, so daß noch sechs Häuser im Dorf mit im Feuer aufgingen.

Am 22. Juni 1632 kam eine starke Partei kaiser­licher Krieger vom Eichsfeld. Es gelang ihnen, ihn auf dem Feld zu fangen. Sie banden ihm den rechten Arm mit einem Strick so hart, daß er ganz grün wurde. Sie plünderten das gräfliche Schloß in Ebeleben und schleppten den gefangenen Pfarrer Toppius mit nach Duderstadt. Sie schlugen und schmähten ihn unterwegs gar übel, ließen ihn dort fünf Wochen im Arrest sitzen, bis der Herzog Georg von Lüne­burg mit schwedischem Volk den Ort Duderstadt einnahm, so daß er wieder los kam.

Im Jahre 1632 (oder 1633) ging er nach Groß‑ und Klein‑Brüchter und im Jahre 1639 nach Trebra. Von dort mußte er im Jahre 1640 wegen der Kriegsunruhen mit seiner hochschwangeren Frau Magdalene nach Greußen fliehen. Als bei dieser am 15. August die Wehen einsetzten und sie zwei junge Töchter auf einmal zur Welt brachte, taufte er sie in der Not beide selbst. Die Erstgeborne wurde genannt Catharina Elisabeth, die andere aber Anna Margreta.

Jene wurde nach der Nottaufe in die Kirche gebracht; aber als sie eingesegnet werden sollte, starb sie der Hebamme auf den Armen. Einen solchen Fall hat wohl kaum ein Pfarrer erlebt, daß ihm ein Kind in der Kirche während des Tauf- oder Einsegnungsakts verstorben wäre. Der damalige Diakon Christoph Oehmich, dem dieses begegnete, wußte daher nicht, wie er das begreifen sollte.

In Greußen starb am 24. Juni 1642 seine Frau Barbara, mit der er elf Kinder gezeugt hatte (und mit der ersten fünf). Am 12. Februar 1643 hatte er zum drittenmal Hochzeit mit Frau Susanne, welche eine Tochter des Herrn Conrad Grünings war, und die zum ersten Mal verheiratet gewesen war mit dem hiesigen Bürgermeister Hieronymus Hollstein, zum zweiten Mal aber mit Joachim Kaiser.

Am 8. April 1644 wurde er in Greußen in das Amt des Diakons berufen. Am ersten Ostertag, dem 21. April, trat er hier sein Amt an. Jedoch mußte er noch bis zum zweiten Pfingsttag das Pfarramt in Trebra daneben verrichten. Auch seine hiesige Besol­dung fing nicht eher an als am Johannistag, als das halbe Gnadenjahr um war.

 

Nach dem Tod eines Pfarrers stand seiner Witwe noch ein halbes Jahr die Besoldung zu. Dieser Zeitraum wurde deshalb „Gnadenjahr“ genannt.

 

Weil er sowohl in den ersten Ämtern als auch besonders im Diakonatsamt alles gut ausgerichtet hatte - nach den Fähigkeiten, die ihm Gott gegeben hatte - wurde er am 19. April 1657 ins Pfarramt berufen.

Am 29. Mai 1657 (oder 5. Mai) trug ihm Herr Graf Ludwig zu Ebeleben gnädig die Inspektion über die Kirchen seiner Grafschaft und die Führung des dortigen Konsistoriums an. Er bedankte sich untertänigst dafür, trat die Stelle aber nicht an, weil er schon ein hohes Alter hatte. Die Inspektion aber kam an den Pfarrer in Ebeleben, Herrn Valentin Buhl.

Im Pfarramt lebte er nicht länger als zwei Jahre. Er starb am 24. April 1659 und wurde am 27. April 1659, am Sonntag Jubilate, begraben, nachdem er ein Alter von 69 Jahren erreicht hatte.

Nach seinem Tode aber lebte seine Frau noch bis zum Jahre ..... und wurde also über 80 Jahre alt. Ein Sohn Andreas Toppius wurde Pfarrer in Himmelsberg; er wurde am 28. November 1633 in Groß-Brüchter geboren.                                                                                                                                                                                    (61)

14. D. Jacobus Tentzel, von 1659 bis 1671.

Das Licht dieser Welt erblickte er hier in Greußen am 1. August 1630. Sein Vater war der hiesige Bürgermeister Ernst Tentzel und die Mutter war Barbara geborene Happ. Obwohl wegen des Krieges sehr elende Zeiten waren, zeigte sich doch bald bei ihm eine besondere Vorliebe zum Studieren und eine Neigung, die auf nichts Schlechtes hoffen ließ.

Daher gaben ihn seine Eltern im sechsten Lebensjahr nach Erfurt, wo er so lange privat unterrichtet wurde, bis er im Jahre 1643 wieder nach Greußen kam und seine Grundlagen in der Allgemeinbildung vollends so legte, daß er sich im November 1647 auf die Universität nach Wittenberg begeben konnte. Weil nun Gott aus ihm einen großen Theologen machen wollte, lenkte sich auch sein Gemüt bald auf diejenigen Studienfächer, die für einen solchen erforderlich sind.

Die philosophischen Fächer betrieb er in den ersten zwei Jahren mit solchem Fleiße, daß er nicht nur am 23. April 1649 den Grad eines Magisters erhielt, sondern im Jahre 1650 schon anfing, privat die Philosophie zu studieren und besonders die orientalischen Sprachen wie Hebräisch, Chaldäisch, Syrisch und Arabisch.

Nicht zu verschweigen ist, daß er mehr als 20- mal sehr kühne Streitgespräche geführt hat. Im Jahre 1654 wurde er Dozent an der Philosophischen Fakultät und im folgenden Jahre bekam er Erlaubnis, als Privatprofessor öffentlich Theologie zu lehren.

Nachdem er sich nun dadurch zum Lehr- und Predigtamt volle zehn Jahre genügend vorbereitet hatte, so öffnete ihm Gott dazu eine Tür hier in seiner Vaterstadt, nachdem der alte Herr Diakon Toppius im Jahre 1657 zum Pfarrer erhoben wurde. Am 2. Mai erhielt er die rechtmäßige Berufung zu dessen Nachfolger und zum Beisitzer im Konsistorium. Weil es sich aber mit dem Zuzug noch hinzog, so hielt er am 17. September mit Herrn D. Johannes Meisner ein Streitgespräch über das Recht der Bischöfe in bezug auf die Erlaubnis zur Wahl des deutschen Kaisers.

Da­rauf wurde er am 15. November, dem 25. Sonntag nach Trinitatis, in Ebeleben ordiniert und hielt am 22. (dem 26. Sonntag nach Trinitatis) hier seine Antrittspredigt. Am 10. Dezember gab ihm Graf Ludwig Günther nicht allein die Beisitzerstelle im Konsistorium in Ebeleben, sondern auch die Zusicherung, daß er in Zukunft die Pfarrstelle in Greußen und die Inspektorstelle erhalten werde.

Am 26. April 1658 heiratete er Jungfer Sophie Elisabeth, Tochter des verstorbenen Herrn Wilhelm Lyser, Doktor der Theologie und öffentlicher Professor in Wittenberg. Am 6. November dieses Jahres wurde ihm auch nach dem Tod des Herrn Valentin Buhl die Inspektion in Ebeleben gegeben, und zwar mit dem Titel „Gräflich-Schwarz­bur­gi­scher Superintendent in der Herrschaft Ebeleben“, worauf dann am 25. des Monats die 21 Pfarrer dieser Herrschaft an ihn gewiesen wurden und wie üblich Gehorsam und Ehrerbietung mit Handschlag versprechen mußten.

Bedingung war jedoch, daß er die zum Diakonatsamt gehörigen ordentlichen Sonntags-, Wochen- und Hochzeits-Predigten und auch die Beisitzerstelle im Konsistorium behielt und der Rektor Johannes Kayser die Diakonatsaufgaben auf sich nahm.

Am 21. Mai 1659, nachdem der hiesige Pastor Christoph Toppius gestorben war, bekam er auch die Berufung auf die hiesige Pfarrstelle, so wie es ihm vor zwei Jahren gnädigst versprochen worden war. Er wurde am Sonntag Quasimodogeniti 1661 in persönlicher Gegenwart des Grafen dazu eingesetzt.

Am 13. Oktober 1662 bekam er in Wittenberg von Herrn D. Andreas Quensted den Doktortitel, für den Graf Ludwig Günther die meisten Kosten übernahm. Weil er ein Mann von besonderem Geschick war, hat er auch am hiesigen Orte in der Kirche Gottes großen Nutzen gestiftet und ist in wichtigen Streitigkeiten den anderen Ratgeber gewesen.

Deshalb kam er dann auch auf Befehl der Herrschaft am 2. Juli des er­wähnten Jahres nach Arnstadt und hielt dort eine Konferenz über den Fall von Synkretismus (Vermischung der Religionen) in Rinteln. Teilnehmer waren noch der damalige Superintendent in Sondershausen L. Johannes Christoph Nicolai, der Arnstädter Superintendent Nikodemus Lapp und der Arnstädter Erzdiakon Weber. Sie sollten auf Wunsch der Theologischen Fakultät in Wittenberg ihr Urteil über den Fall einschic­ken und machten es dann auch.                                                    (62)

Jedoch ist Tentzel am hiesigen Ort nicht länger geblieben als bis zum Jahr 1671, als ihn Graf Ludwig Günther zum Superintendenten nach Arnstadt berufen hat. Dort hat er auch ausgeharrt, bis ihn sein Jesus selig zu sich in den Himmel genommen hat und ihm als seinem guten Streiter die Siegeskrone aufgesetzt hat.

Denn obwohl er zu höheren Aufgaben begehrt und vorgeschlagen wurde - nicht nur von berühmten Universitäten wie die in Wittenberg, Königsberg und Jena, sondern auch von andern großen und vornehmen Städten - so hat er dieses doch solches abgelehnt und sich Gott und seinem Vaterland gewidmet. Wenn es nun in Arnstadt über ihn von neuem hieß: „Welches Amt er auch bekommen hat, es war ein Schmuck!“ so hat er das mit größtem Nutz und Ruhm getan, sowohl mündlich als auch schriftlich.

Als die Professoren in Wittenberg von denen in Rinteln angefochten wurden, weil Tentzel ihr Streitgespräch mit den Calvinisten mißbilligt hatte, so schrieb er zur Verteidigung jener „Über den kirchlichen Frieden“. Im Jahre 1671 gab er gegen den abtrünnigen L. Andreas Fromme „Die gründliche Rettung der Lutherischen Kirche“ heraus, mit der er diesem das Maul so stopft hat, daß er nichts dagegen zu antworten wußte.

Deshalb zählt der berühmte Lübecker Superintendent, Herr D. Georg Heinrich Götze, ihn mit unter die verdienten Verteidiger, die D. Martin Luthers Leben und Lehre erklärt haben. Auch das Schwarzburgische Kirchenbuch („Agende“) ist vor allem durch seine Sorge und seinen Fleiß zustande gekommen.

Nachdem er nun auf diese Weise sich nicht allein in seiner anvertrauten und untergebenen Kirche hochverdient gemacht hatte, sondern auch in der gelehrten Kirche voll berühmt gemacht hatte, segnete er dieses Zeitliche in Arnstadt am 25. März 1685 im Alter von 54 Jahren. Er wurde am darauffolgenden Sonntag, dem 29. des Monats, in der dortigen Hauptkirche gegenüber der Kanzel begraben.         (63)

Seine Söhne waren:

1) Wilhelm Ernst Tentzel, Königlich Polnischer und Kursächsischer Rat und Geschichtsschreiber, der am 24. November 1707 im Alter von 49 Jahren gestorben ist.

2) Herr Polycarp Tentzel, jetzt Fürstlich Sächsischer Kirchenrat und Superintendent in Langensalza.

3) Herr M. Gottfried Tentzel, Diakon in Arnstadt.

15. D. Jacob Friedrich Rothe, von 1671 bis 1686.

Er war ein Sohn des Herrn Lorenz Andreas Roth, schwarzburgischer Gemeinschaftsrat und Amtmann zu Gehren. Am 11. Mai 1669 wurde er Pfarrer in Clingen. Weil aber nach Worten des Paulus ein Bischof eines Weibes Mann sein soll, so heiratete er im Jahre 1670 und hielt am 24. und 25. Januar hier in Greußen seine Hochzeit mit Jungfer Clara Sabine, Tochter des Herrn Christian Schmied, schwarzburgischer Kanzleidirektor und Rat zu Ebeleben.

Nachdem aber Herr D. Tentzel von hier nach Arnstadt gezogen war, hielt Rothe am 13. April 1671 (dem Sonntag Judika) seine Probepredigt und empfing auch gleich am folgenden Tag die Berufung zum hiesigem Pfarramt und zur Inspektorstelle in Greußen, Großenehrich, Allmenhausen, Rohnstedt und Wenigenehrich. Gleichzeitig wurde er Beisitzer des Konsistoriums in Ebeleben.

Weil ihm von Graf Ludwig Günther befohlen worden war, den Zuzug zu beschleunigen, verabschiedete er sich am Sonntag Palmarum in Clingen und trat hier am ersten Osterfeiertag sein neues Amt an. Mit der offiziellen Einsetzung aber zog es sich hin bis zum 15. Oktober, dem 20. Sonntag nach Trinitatis.

Da wurde er von dem Herrn Superintendenten zu Arnstadt vor dem An­gesicht Gottes und der ganzen christlichen Gemeinde eingesetzt und eingewiesen.

Am 24. März 1681 nahm er in Jena - zum besonderen Wohlgefallen der gnädigsten Herrschaft - den akademischen Grad eines Lizentiaten der Theologie an und führte unter der Leitung des Herrn D. Johannes Musäus ein Streitgespräch über die „Die fromme Erinnerung an Jesus Christus, dessen Kreuz, aus 1. Kor. 2, Vers 2“.

Im Jahre 1685 hatten sich zwischen ihm und dem hiesigen Rat (Bürgermeister Volkmar Boden und dessen Ratskollegen) über verschiedene Privatangelegenheiten Zwistigkeiten ergeben, so daß er die Sache zur gütlichen Entscheidung an das Konsistorium nach Sondershausen weiterleitete. Deshalb wurde den Parteien ein Vorbescheid und zur Verhütung weiteren Streits am 23. Mai ein besonderer Vergleich auferlegt.                                                                                                                             (64)

Als er diese verlangte Versöhnung erhalten hatte, starb er im folgenden Jahre 1686 und wurde am 11. April bei volkreicher Versammlung begraben, nachdem er an die 15 Jahre treufleißiger Pfarrer und hiesiger Inspektor gewesen war und nicht älter wurde als 43 Jah­re, 6 Wochen und 2 Tage. Sein Leichnam wurde in der Kirche, gleich vor der Kanzel, in seine gewölbte Ruhekammer gesenkt.

Die Leichenpredigt aber hielt der Diakon Herr M. Johannes Kayser, ein Mann von 66 Jahren, der sich bereits nicht nur elf Jahre im Rektorat, sondern auch 28 Jahre im Diakonsamt wohl verdient gemacht hatte. Nachdem die Predigt beendet war und die Leiche versenkt worden war, hielt der damalige Pfarrer in Haßleben, Christian Balthasar Fiedler, die „Abdankung“.

Pfarrer Rothe hat wie alle andern frommen Christen wegen der in der Nachbarschaft wütenden Pest und auch wegen des schon vorher währenden Türkenkriegs in viel Sorge und Bekümmernis gelebt. Je­doch hat Gott beides, nach seiner Gnade und Barmherzigkeit, von der hiesigen Stadt und dem Land abgewandt.

 

16. M. Wolfgang Heinrich Benjamin Mosch, von 1686 bis 1696.

Er war ein Sohn des Herrn Johann Mosch, des verstorbenen Pfarrers in Bothen­heiligen. Die Grundlagen der Frömmigkeit und der Allgemeinbildung legte von 1651 bis 1657 in dem berühmten Gymnasium der kaiserlichen freien Reichsstadt Mühlhausen.

Dies stand unter der gelehrten und getreuen Führung des stellvertretenden Rektors M. Ludwig Starck und des Mit-Rektors M. Christoph Schrei­­ber und des Gymnasiallehrers Johannes Girbert.

Obwohl er es durch Gottes Gnade dort so weit gebracht hatte, daß er in griechischer und lateinischer Sprache freie und gebundene Reden ge­hal­ten hat und sich zur Wissenschaft genügend befähigt gezeigt hat, so hat ihn der inzwischen verstorbene Vater doch noch nicht auf die Uni­versitäten schicken wollen, sondern ihn wegen seiner Jugend erst ein­mal nach Gotha gebracht. Dort hat er im Gymnasium weiteren Unter­richt in Allgemeinbildung und theologischen Dingen genossen durch gelehrte Männer wie den Mit-Rektor Georg Hess, den Lehrer der höhe­ren Klassen M. Martin Francke und den Rektor Andreas Reyher, bis er sich im Januar 1660 auf die Universität nach Jena begab.

So wie er nun auf den erwähnten Schulen schon vorläufige Grundlagen gelegt hatte, so hat er auch auf dieser weltberühmten Universität mit glücklichem Erfolg sechs ganze Jahre lang darauf aufgebaut und hat es in dem einmal gewählten Studium der Theologie durch Gottes Gnade sehr weit gebracht. Die orientalischen Sprachen begriff er vollends unter Johannes Frischmuth, die Philosophie in einer umfassenden geisteswissenschaftlichen Vorlesung des Friedemann Bechmann, und die Theo­logie aus den Vorlesungen der damals berühmten Theologen Musäus, Chemnitz, Gerhard und Niemann.

Weil ihm aber der Vater nicht weiter helfen konnte, mußte er sich früh­zeitig auf das Halten von Vorlesungen verlegen und sich damit den nötigen Unterhalt suchen. Deshalb führte er im Jahre 1661 unter dem Vorsitz von M. Hundshagen ein Streitgespräch über eine Schluß­­fol­gerung („Syllo­gismus“), nahm auch den akademischen Grad „Magister“ an und wurde zum Dichter berufen.

Da er sich nun durch viele Streitgespräche sowohl in der Philosophie als auch in der Theologie bei den Studenten guten Ruhm erworben hatten, fanden sich bald einige, die seine Vorlesungen in Sprachen, Philosophie und Theologie hö­ren wollten. Als er von Übelwollenden an der Ausübung gehindert wer­den sollte, führte er im Jahre 1664 als Vorsitzender ein Streitgespräch über die damit zusammenhängenden Rechts­fragen, so daß er danach seine philologischen und philosophischen Vorlesungen öffentlich anschlagen und ungehindert halten durfte.

Weil er aber besonders daran dachte, Gott in seiner Kirche zu dienen, so sorgte dieser auch rechtzeitig für ihn, daß er ein Predigtamt erhalten konnte. Im Jahre 1665 wurde er seinem inzwischen verstorbenen Vater im Pfarramt in Bothen­heiligen beigegeben. Das tat er auf anhaltendes Zureden des inzwischen verstorbenen Herrn D. Tentzel, dem damaligen hiesigen Superintendenten, und nach dem Rat seiner Gönner in Je­na, der Herren D. Chemnitz, Gerhard und Richter. Er selbst wäre lieber noch länger in Jena geblie­ben.

Im Jahre 1679 kam er ins Pfarramt nach Ebeleben und war zugleich Beisitzer am dortigen Konsistoriums und Inspektor des Amtes. Die Probepredigt erfolgte am Sonntag Miserikordias Domini und der Einzug an Pfingsten. Nachdem Herr D. Rothe in Greußen gestorben war, teilte ihm der in­zwischen in Gott ruhende Graf Christian Wilhelm zu Sondershausen in der Nacht in seiner dortigen Hofkapelle mit, daß er nach Greußen gehen sollte. Dem ist er dann auch mit untertänigstem Gehorsam gefolgt, auch wenn sich einige Zweifel erhoben. Im Jahre 1686 wurde er Pfarrer hier in Greußen. Dabei nahm er jedoch die Inspek­tion des Amtes Ebeleben mit.

Die Probe geschah am 12. Sonntag nach Trinitatis und der Einzug am 20. Sonntag. Die Ämter hat er dann alle Zeit so geführt - nach dem Können, das ihm Gott gegeben hat - daß er Gott viele Seelen ge­won­nen hat und ihm guten Ruhm erworben hat. Dabei hat es an An­fech­tungen und Verfolgungen niemals gefehlt. Besonders aber betrübte ihn am 2. Juli 1687 der große Brand. Bei diesem büßte er nicht allein seine schönen Manuskripte ein, sondern wurde auch sonst aller seiner Mittel beraubt.

Er hätte mit seiner großen Familie wohl Not leiden müssen, wenn ihm nicht der gnädigste Landesvater und andere fromme Herzen reiche Beihilfe gegeben hätten.

Geheiratet hat er zweimal. Zum ersten Mal am Michaelistag 1665 Jungfer Marie Elisabeth, Tochter des Herrn Nikolaus Ulrich, früherer Bürger in Jena. Nachdem diese ihm am 20. April 1676 durch den Tod entrissen wurde, heiratete er ein zweites Mal im Jahre 1677 Jungfer Anne Magdalene, Tochter des verstorbenen Herrn Kaspar Kramer, Schulrektor in Langensalza. Dort geschah dann auch am 6. Februar öffentlich die Hochzeit. Mit dieser Frau hat er gleichfalls jederzeit vergnügt gelebt, bis er am 2. Februar 1696 (am Fest der Reinigung Marias, das damals auf einen Sonntag fiel) abends um 6 Uhr hier sanft und selig entschlafen ist.

Als Pfarrer und Inspek­tor hat er sich hier fast an die 9½ Jahre wohl verdient gemacht, aber kein höheres Lebensalter erreicht als 55 Jahre, 2 Monate, 3 Wochen und 2 Tage. Weil aber am Dienstag darauf der Jahrmarkt war, konnte das Begräbnis nicht gehalten werden. Deshalb wurde er mit besonderer Erlaubnis des Konsistoriums zu Son­ders­hau­sen, am folgenden Montag, abends um 8 Uhr, hier in der Kirche in sein Ruhekämmerlein beigesetzt, neben dem Altar, auf der Seite, an der der Kelch gespendet wird (von vorne gesehen rechts).

Den Sonntag darauf aber wurde die richtige Trauerfeier unter großer Beteiligung der Bevölkerung gehalten. Herr Georg Friedrich Meinhardt, Doktor der Theologie und hochverdienter Superintendent zu Sonders­hausen, hielt die Predigt über den Sterbegesang des Simeon aus Lukas 2, Vers 29-32, dem von dem Verstorbenen selbst ausgewählten Leichentext, und der Diakon M. Johannes Christian Hau­schild sprach den Nachruf.

Seine hinterlassene Witwe aber und sechs Kinder, die er selber mit gezeugt hatte, sind durch Gottes Gnade noch am Leben. Und wenn sie auch ein langes und schweres Witwenleid hat erfahren müssen, so hat sie doch das Glück erlebt, daß die drei ältesten Söhne von Gott zu seinem Dienst in die Kirche berufen wurden und ihm darin nun dienen, der älteste in Bil­leben, der zweite in Großenehrich und der dritte als Kantor in Weißensee. Gott schütze und er­halte sie auch in Zukunft!

 

17. D. Heinrich Tietzmann, von 1696 bis 1702.

Er wurde in Blankenheim geboren, eine Meile von Eisleben, wo sein Vater gleichen Namens an die 37 Jahre Pfarrer gewesen war. Die Grundlagen der Bildung legte er in Naumburg und bildete sie ganze fünf Jahre aus unter dem treuen Unterricht des Rektors Johannes Töpfer und des M. Händel wie auch des Mit-Rektors M. Christian Heinz. Im Jahre 1685 konnte er sich auf die Universität in Jena begeben zu den berühmtesten Professoren, und zwar besonders zu Johann Andreas Schmid in der Philosophie und zu D. Johann Wilhelm Bayer in der Theologie. Bei diesen und anderen gelehrten Männern machte er durch Gottes Gnade in kurzer Zeit große Fortschritte.

Herr Kraft Burckart von Bodenhausen, vertrautester Rat bei dem Kurfürsten zu Brandenburg und Leiter der Grafschaft Hohnstein, vertraute ihm nicht allein seine Kinder zur Ausbildung an, sondern schickte ihn auch im Jahre 1688 mit einem reichen Stipendium für sieben Jahre nach Wittenberg.

Dort hörte er nicht allein die gelehrtesten Leute, in der Ethik Christian Röhrer, in Geschichte Conrad Samuel Schurtzfleischer, in der Logik, Metaphysik und geistlichen Dingen Christian Donat, sondern übte sich auch fleißig unter ihnen im Streitgespräch. Er gelangte bald zu einer solchen Fertigkeit, daß er auch andere lehren durfte, nachdem er unter dem Jura-Professor Theodor Dassorius zum akademischen Grad des Magisters zugelassen worden war.

 

 

Als lehrender Magister wurde er wegen seines guten Wohlverhaltens im Jahre 1694 gar in die Zahl der außerordentlichen Professoren aufgenommen. Diese Stellung hat er erreicht durch ein gelehrtes Streitgespräch über „Die begrenzten Zweifel in der Philosophie“. Dasselbe geschah auch in der Theologie. Was er von den berühmtesten Lehrern, nicht nur in Jena, sondern auch in Wittenberg von Herrn. D. Löscher, Walther und Deutschmann begriffen hatte, trug er seinen Hörern mit guter Klarheit vor. Dabei wurde auch die Übungspredigt in der Schloß­kirche nicht versäumt.                                                                                                                                        (65)

Als er sich nun auf diese Art zum Pfarramt genügend vorbereitet hatte und einer seiner vornehmsten Förderer, Herr D. Johann Deutschmann, nach einer qualifizierten Person zum Pfarrer, Konsistorialrat und Superintendenten für Werningerode gefragt wurde, schlug er eben diesen vor. Es gab ihm Gott auch die Gnade, daß er - nach abgelegter Probepredigt - von hohen und niedrigen Personen einmütig begehrt wurde und schon der Tag der Einsetzung bestimmt war.

Aber aus Haß gegen Wittenberg, von wo er vorgeschlagen und gekommen war, wurde das hintertrieben. Diese Versuchung machte ihn aber nicht kleinmütig, sondern spornte ihn vielmehr an, in seinem ruhmwürdigen Lauf in Wittenberg fortzufahren, zumal er gewiß war, daß Gott anderweitig für ihn sorgen werde. Das ist dann auch geschehen. Denn als der nun in Gott ruhende Graf Christian Wilhelm IV., Reichsgraf, Graf zu Schwarzburg und Hohnstein usw., dieses aus dem untertänigsten Bericht des Herrn D. Deutsch­­mann vernommen hatten, verlangte er eine Predigt von ihm zu hören. Als sie diese mit gnädigster Billigung gehört hatten, wurde er darauf für die hiesige unbesetzte Pfarrstelle und die Inspektorenstelle in Ebeleben vorgeschlagen.

Weil nun auch die hiesige Probepredigt am 6. September zu jedermanns Vergnügen abgelaufen war, erfolgte alsbald im September die Berufung und Bestätigung.

Darauf beteiligte er sich am 13. Oktober 1696 in Wittenberg an einem Streitgespräch unter Leitung des Herrn D. Deutschmann über „Der ganze Heiland oder völlige und vollkommene Heiland aller. Ein Mensch gegen den Halbheiland der Pietisten“.

Seine Antrittspredigt hielt er an einem Sonntag nach Trinitatis, und am 11. Dezember hielt er seine erste Beerdigungspredigt auf eine Witwe, Frau Martha Catharine Lattermann. Das Jahr darauf, nämlich am 17. November 1697, heiratete er Jungfer Sophie Catharine, die hinterlassene Tochter des verstorbenen Herrn Johannes Andreas Vockerott, der schwarz­burgische Amtmann zu Arnstadt.

Obwohl Gott der Herr zu seinem Pflanzen und Begießen reichliches Gedeihen gab, so ließ ihn doch Gottes Bestimmung nicht länger als fünf Jahre hier, weil er im Jahr 1701 zum Fürstlich-Brandenburgischen Kirchen- und Konsistorialrat und Stadtpfarrer in die Residenz Ansbach berufen wurde.

Seine Abschiedspredigt hielt er hier am vierten Sonntag nach Epiphanias über das Evangelium Matthäus 8, Verse 23 - 27 (Stillung des See-Sturms) und gab sie danach im Druck in vier Siebenerbogen heraus. Der Einstieg ging über Richter 18, Vers 5: „Befrage doch Gott, daß wir erfahren, ob unser Weg, den wir gehen, auch zum Ziel führt“. Die Einleitung legte Apostelgeschichte 27, Verse 23-24 aus: „Diese Nacht ist bei mir gestanden der Engel Gottes, des ich bin, und dem ich diene, und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus, du mußt vor den Kaiser gestellt werden, und siehe, Gott hat dir geschenkt alle, die mit dir fahren.“

Der eigentliche Vortrag der Predigt ging um den Punkt: Der Engel auf dem Kirchenschiff im Sturm, der zu den Schiffsleuten spricht:

1. Ihr sollt eure Schiffahrt glücklich vollenden.

2. Und siehe, Gott hat euch alle geschenkt, die mit euch sind.

 

 

Tietzmann hat auch seine Reise nach Brandenburg glücklich vollendet. Und weil ihm Gott vor den Augen der hohen Herrschaft selbst viel Gnade finden lassen, stand er bei jedermann in großem Ansehen, daß man sein Wort annahm, nicht als das Wort eines Menschen, sondern als Gottes Wort selbst.                                                                                                                                                                                                     (66)

Jedoch geriet er mit Herrn D. Christian Händel, Fürstlich-Ansbach­ischer Oberhof­pre­di­ger und Generalsuperintendent, in einen schweren Streit, der danach der Evangelischen Kirche zum großen Ärgernis ausschlug.

Im Jahre 1710 gab er eine Predigt heraus, die er am 2. Sonntag nach Epiphanias vor dem Fürsten gehalten hatte, unter dem Titel: „Wunderbarer und angenehmer Hochzeitsgast“. Darin erwähnt er auf Seite 17, daß man ihm seinen Beruf verdächtig zu machen suche und ihn auch mit vielen Flüchen belegt habe; und er erklärt, daß er sich anbietet, schriftlich den Verlauf der Sache im Druck darzulegen.

Da aber Herr D. Händel auch selbst in Schriften hervortrat, gerieten sie beide in solcher Heftigkeit aneinander, daß Tietzmann für abgesetzt er­klärt wurde, nachdem er den Vorschlag nicht annehmen wollte, nach Schwabach zu ziehen. Nachdem er verstoßen war und eine sichere Hoff­nung auf ein gütliches Endes hatte, wurde er am 9. Juli 1714 auf dem Wege von Coburg nach Nürnberg angehalten und gefangen nach Würzburg („Wiltzburg“) gebracht. Die vielen Schriften, die von beiden Seiten und auch andern über diesen Vorfall veröffentlicht wurden, haben die Herrn Sammler der „Unschuldigen Nachrichten“ mehrfach besprochen.

Gott aber hat Herrn D. Tietzmann am 21. Februar 1714 aus der streitenden Kirche weg und zu sich in die triumphierende Kirche genommen.

 

18. D. Johann Caspar Haferung, von 1702 bis 1713.

Er ist aus Kraja, einem schwarzburgischen Dorf im Amt Bodungen (nordwestlich von Bleicherode), wo sein verstorbener Vater Johann Caspar Haferung fast 44 Jahre als Pfarrer Gott und seiner Gemeinde treu gedient hatte. Diesem hatte Gott sechs Söhne gegeben. Und weil sie alle zum Studium der Theologie neigten, waren sie darin durch Gottes Gnade und Segen so weit gekommen, daß sie schon zu Lebzeiten des Vaters Gott und seiner Kirche dienen konnten.

Als Erster wurde Johann Caspar nach dem ersten Unterricht bei seinem Vater nach Nordhausen in die Schule gebracht, um dort die Grundlagen der Allgemeinbildung zu legen. Dies geschah dann auch glücklich unter der treuen Führung dreier recht geschickter Schulmänner, nämlich des Rektors M. Conrad Dunckelberg, des Mit-Rektors Christian Buhl und des Kantors Demel.

Nachdem er unter diesen drei Jahre sehr fleißig war, begab er sich nach Halberstadt, um dort in der Thomasschule unter dem Rektor M. Wurtzler sich weiter für die akademischen Studien vorzubereiten. Weil dieses mit glücklichem Erfolg geschah, ging er 1690 nach Wittenberg.

Hier hörte er im Fach Philosophie einen der berühmtesten Männer mit anhaltendem Fleiß und großer Aufmerksamkeit, Röhrenser in der Moral, Schurtzfleisch in Geschichte, Donat in Logik, Metaphysik und geistlichen Dingen, Dassorius in Philologie, in der Theologie aber Löscher, Deutschmann und Neumann. Er schaffte es auch unter göttlichem Segen, daß er mit gutem Ruhm Magister wurde.

Und weil er vorhatte, sich mit Vorlesungen hervorzutun, führte er nicht nur am 1. November 1693 ein Streitgespräch über „Moralische Einstellungen“, bei dem er Christian Röhrenser antwortete, sondern auch als Leiter am 1. Dezember ein Gespräch über „Die Handlungen des äußeren Menschen“. Eine seiner Vorlesungen fand sowohl bei den Philosophen als auch bei den Theologen großen Beifall.   

Er ging dann nach Schweden und leitete dort nicht allein in der königlichen Residenz Stockholm, sondern auch in der berühmtesten Universität dieses Reiches in Uppsala die Söhne des Herren Anton de Boy an und legte überall Proben seiner Kunst an den Tag.

So hielt er nicht allein in Stockholm auf den Tod des glorwürdigsten Königs Karl XI. eine lateinische Rede, sondern führte auch in Uppsala verschiedene Streitgespräche, zum Beispiel am 19. Februar 1698 und an anderen Tagen über die Wissenschaft des natürlichen Geistes, das Handeln des göttlichen Geistes und die Wissenschaft der einfachen Vernunft, der Phantasie und der Mittel.                                                                                                                                                                                (67)

Weil er sich aber seinem Vaterlande wieder nähern wollte, kehrte er im Jahre 1700 nach Wit­tenberg zurück und machte sich durch Vorlesungen von neuem bekannt. Bald wurde er Außerordentlicher Professor, eine Stellung, die er am 3. Mai 1701 mit einem gelehrten Streitgespräch über die „Wissenschaften, die verpflichtend tätig sind“ beanspruchte.

Er stritt des weiteren am 13. Juli über Cicero als Theologe, über das „Buch der Natur“, und am 27. Juli über den „Ursprung der vernünftigen Seele“. Daneben wurden aber auch sowohl die philosophischen als auch die theologischen Vorlesungen und nicht weniger das Predigen in der Schloßkirche fleißig wahrgenommen.

Nachdem er sich aber durch dieses alles zum künftigen Lehramt in der Kirche Gottes genügend vorbereitet hatte, schickte es im Jahre 1702 der Herr der Gnade Christi, daß der nun in Gott ruhende Fürst Christian Wilhelm zu Schwarzburg in bezug auf die freie Pfarrstelle in Greußen gnädigst auf ihn abzielte.

Und da die befohlene Gastpredigt in seiner Schloßkapelle in Sondershausen zu seiner Zufriedenheit ausging, schlug er ihn dazu vor. Als er nun auch hier in Greußen die Probepredigt gehalten und darauf mit einhelliger Zustimmung der ganzen löblichen Bürgerschaft vom Rat be­rufen wurde und am 3. April bestätigt worden war, hielt er am 25. April in Wittenberg unter dem Vorsitz des Präsidenten Caspar Löscher, Doktor der Theologie und auch Professor, ein Streitgespräch über die Ordnung des kirchlichen Konsistoriums, der Beisitzer, Senioren und Doktoren der Kirche in Wittenberg wie über den Kreis zur Wahl des Generalsuperintendenten und die Erlaubnis zu seiner Wiedereinsetzung und deren Gebrauch und Mißbrauch (?).

Darauf wurde er als erster Pfarrer zu Greußen und Stellvertreter der Sondershausener Superintendentur und Beisitzer des dortigen Konsistoriums ordiniert. Er hielt hier seinen Einzug und die Einsetzung geschah durch den Super­intendenten D. Meinhardt und den Hof‑ und Konsistorialrat in Sondershausen Caspar Paul Jahn. Am 31. Oktober 1703 heiratete er Jungfer Johanna Eleo­nore, einzige Tochter des verstorbenen Herrn Jost Samuel Bergmann, schwarzburgischer Hofrat und Oberbürgermeister in Greußen.

Am 2. Oktober 1711 nahm er in Witten­berg den Doktorgrad an und empfahl sich dort durch zwei gehaltene Predigten, so daß er am 7. Dezember 1712 die Berufung zum Erzdiakonat der dortigen Pfarrkirche bekam.

Nachdem er nun hier in Greußen das Amt eines evangelischen Predigers elf Jahre mit aller Treue und guter Erbauung der Zuhörer - jedoch nicht ohne Streit und Wider­wärtigkeit - ausgeübt hatte, hielt er am Sonntag Invokavit 1713 über den üblichen Evangelientext seine Abschiedspredigt. Dabei war der Einstieg aus 1. Könige 13, Vers 26: „Es ist der Mann Gottes, der dem Mund des Herrn ist unge­horsam gewesen“ und der Anfang aus 1. Petrus 4, Vers 12: „Die Hitze widerfährt euch, auf daß ihr versuchet werdet“. Das Thema war dann „ein heftig versuchter Prediger“: 1. dessen Aufführung. 2. dessen Versuchung. 3. dessen Überwindung.

Montags darauf zog er unter vielen Tränen seiner Zuhörer, die ihn gern länger behalten hätten, von hier nach Witten­berg, und hinterließ einen guten Ruhm und gutes Andenken. Nach seinem Wegzug war die Stadt Greußen bis zum Trini­tatisfest ohne Pfarrer und Diakon, weil der Diakon Herr M. Hau­schild am 8. Januar verstorben war.

Alle Dienste mußten durch die Nachbarpfarrer verrichtet werden, was seit der Reformation noch nicht geschehen war. Die Diakonenstelle ist nicht eher als im neuen Jahr 1714 wieder besetzet worden.                                                                                   (68)

Je mehr er nun in Wittenberg Gelegenheit hatte, mit den von Gott verliehenen Gaben zu wuchern, desto mehr hat er auch dort seinen Fleiß und seine Gelehrsamkeit - sowohl auf der Kanzel als auch auf dem Universitätslesepult (Katheder) - unter göttlichem Beistand und Segen an den Tag gelegt.

Weil er im Jahre 1715 auch die Stelle eines außerordentlichen Professors der Theologie erhalten hatte, hat er seitdem verschiedene Streitgespräche und Predigten gehalten und heraus gegeben, zum Beispiel 1715 ein öffentlicher Anschlag am schwarzen Brett über die „Wahrheit, nicht als die Wahrheit“ gewonnen aus 1. Johannesbrief 2, Vers 21, womit er am 29. August seine öffentlichen Vorlesungen über das Buch Nehemia begann, im Jahre 1716 ein Streitgespräch über „Gnade um Gnade“ aus Johannes 1, Vers 16. Im selben Jahr über „Leichtgläubigkeit und Lästerung in der deutschen Frömmigkeit“, auch über „Die Hölle, die nicht nach der Sonne fragt“. Im Jahre 1717 zwei Jubelpredigten, im Jahre 1718 ein Streitgespräch über „Das Zeugnis des Heiligen Geistes”, im gleichen Jahr „Über das Geheimnis der Trinität in den Büchern der Apokryphen“, auch über „Was ist widersprüchlich am Wort Gottes in Jericho“, eine Rede auf das Ehe‑Jubel‑Fest des Herrn Johannes Georg Buhl, nachdem dieser mit seiner Frau 50 Jahre in der Ehe gelebt hatte.

Er hielt auch eine Reformationspredigt und im Jahre 1721 ein Streitgespräch über das, was dem Neuen Testament eigentümlich usw. Gott segne ihn ferner an Leib und Seele, und lasse ihn sowohl in der Kirche als auch in der Öffentlichkeit das Werk des Herrn treiben, zu aller Zuhörer Heil und Seligkeit.

 

19. M. Christoph Friedrich Haferung, von 1713 bis heute durch Gottes Gnade und Beistand. Ich bin ein leiblicher Bruder des Vorgängers und der vierte Sohn meines verstorbenen Vaters. Ich bin am 3. April 1677 in Kraja geboren.

Nachdem ich aber nach den eigenen Anweisungen des inzwischen verstorbenen Vaters die nötigen Grundlagen gelegt hatte, wurde ich von ihm am 2. Okto­ber 1692 nach Nordhausen gebracht und bin dort ganze fünf Jahre bis zum 6. Oktober 1697 geblieben.

Es bleibt nun den damaligen Lehrern dieser berühmten Schule - nämlich Herrn Rektor M. Dunckel­berg, Herrn Mit-Rektor Christian Bühl und Herrn Kantor Christian Demel - auch nach ihrem Tod der Ruhm besonderen Fleißes und besonderer Geschicklichkeit zur Unterrichtung der Jugend.

Von dem Ersten hat man öffentlich gerühmt, als er am 6. Juni 1708 im Alter von 68 Jahren gestorben war, daß er in seinem 24jährigen Rektorat nicht mehr als vier Stunden versäumt habe. So mußte auch ich mit dankbarem Gemüt rühmen, daß ich ihrem Unterricht und ihrem Wohlwollen, das ich vor vielen anderen genossen habe, wenn nicht alles, so doch das meiste zu danken habe.

Im Jahre 1698 bin ich nach Wittenberg gezogen. Dort wurde ich unter dem Rektor Magnifizenz Conrad Samuel Schurtzfleisch, Lehrer der Geschichte und der griechischen Sprache, und unter dem Dekan M. Gottlieb Wernsdorfer, außerordentlicher Professor der philosophischen Fakultät, in die Zahl der Akademiker aufgenommen.

 

Mit allen möglichem Fleiß habe ich nun die damaligen Lehrer dieser berühmten Universität gehört, zum Beispiel Röhren­ser im Fach Ethik, Schröer in den Fächern Meta­physik, Logik und geistlichen Dingen, Schurtzfleisch im Fach Geschichte, Dasso­rius im Fach Philologie - und nach dessen Abzug - seinen Nachfolger Wichmannshausen. Im Fach Theologie aber hörte ich Löscher, Deutsch­mann, Hannessen und Neumann.

Weil ich aber jederzeit den besonderen Schutz des Herrn Professors Johannes Christoph Wichmannshausen genossen habe, habe ich auch unter ihm am 27. April 1701 den Grad eines „Magisters“ angenommen.

Weil aber dieser nach akademischem Brauch zu verteidigen war, so habe ich Streitgespräche geführt: Am 27. Juli 1701 unter der Leitung meines Bruders M. Johannes Caspar Haferung, Doktor der Theologie, außerordentlicher Professor der Philosophischen Fakultät, über den „Anfang der vernünftigen Seele“, und am 26. Oktober unter dem Vorsitz des Christian Röhrenser über „Philosophie, Praktische Dinge usw. und das Naturrecht“.

Am 11. November - als ich selbst die Leitung hatte - führte ich ein Streitgespräch über „Die Unabhängigkeit des Naturrechts“. Das Gleiche tat ich mehrere Male auch auf dem Gebiet der in Theologie unter dem Vorsitz des heute verstorbenen Herrn D. Deutsch­mann.                                                                                                                (69)

Durch Gottes sonderbare Führung aber geschah es im Jahre 1702, daß der Fürst Christian Wilhelm, mein gnädigster Fürst und Herr, am 5. Mai aus besonderer hohen Gnade - auf Empfehlung des Herrn D. Meinhardt - mir die Unterrichtung der beiden ältesten Prinzen für deren Ehe gnädigst an­vertraute.

Wie mir aber bei dieser Aufgabe jederzeit alle hohe Gnade widerfuhr, so wurde ich auch im Jahre 1706, nachdem Herr M. Benjamin Kalbitz an der Stelle des verstorbenen Herrn M. Johannes Gräfe Erz­diakon geworden war, von dem Fürsten für die Diakonatsstelle in Sondershausen gnädigst vorgeschlagen.

Am 8. Sonntag nach Trinitatis habe ich in der Stadtkirche die Probepredigt abgelegt. Nach erfolgter rechtmäßiger Berufung wurde ich am 9. Sonntag nach Trinitatis ordiniert und eingesetzt. Dabei standen mein inzwischen verstorbener Vater und der hie­sige Bruder dem Herren Superintendenten bei. Ich habe meine Lehrerstelle noch vier ganze Jahre neben der Diakonatsstelle behalten und dabei immer eine hohe Gnade nach der ande­ren genossen.

Am 26. Oktober 1707 heiratete ich Jungfer Anthonie Elisabeth, jüngste Tochter des Herrn Anthon Ludwig Heuer, verstorbener schwarzburgischer Konsistorial‑Sekretär in Sondershausen.

Als ich aber bis ins achte Jahr das Diakonatsamt in Sonders­hausen ausgeübt hatte - entsprechend den mir von Gott gegebenen Möglichkeiten - und im Jahre 1713 die hiesige Pfarrstelle wieder zu be­setzen war, habe ich auf Befehl des Fürsten am Sonntag Exaudi hier die Probepredigt abgelegt. Weil Gott die Herzen der gesamten Zuhörer so geleitet hat, daß ich durch deren einhellige Stimmen berufen wurde, habe ich freitags darauf bei Hofe und am 1. Pfingsttag in der Stadt die Abschiedspredigt gehalten.

Nachdem diese vollendet war, bin ich noch nach Greußen gefahren. Dort wurde ich am zweiten Feiertag von Herrn Superintendenten D. Georg Friedrich Meinhardt und dem schwarzburgischen Hof‑ und Konsistorialrat Herrn ...... von Hünefeld eingesetzt und eingeführt. Am dritten Feiertag habe ich meine Antrittspredigt gehalten über das vorgeschriebene Festevangelium.

Am selben Tag bin ich noch mit diesem Herrn Kommissar wieder zurückgekehrt und habe mich auf den Umzug vorbereitet, der dann auch am Donnerstag darauf geschehen ist, so daß ich also am Trinitatisfest meine erste Amtspre­digt gehalten habe.

Weil die Diakonstelle noch unbesetzt war und ich ohne einen Kollegen allein gewesen bin, habe ich bis ins neue Jahr alle Amtsgeschäfte allein verrichten müssen. Bis hierher hat nun der Herr geholfen! Welchem da­her Lob und Dank gesagt sei für alle Gnade und Beistand, die er mir von Jugend an bis auf die gegenwärtige Stunde so redlich erwiesen hat. Er wolle das auch noch ferner tun zu seiner Ehre und zum ewigen Heil aller mir anvertrauten Seelen, um Jesu Christi Willen. Amen!

 

Sternickel ergänzt: Haferung starb am 14. Februar 1753 im Alter von 76 Jahren und wurde am 18. Februar begraben. Superintendent Graf aus Sondershausen hielt die Leichenpredigt über die Bibelstelle Hebräer 13, Vers 14, die der Verstorbene sich selbst ausgewählt hatte. Der Diakon Mensel trug den Lebenslauf vor.

 

Ephraim Joachimi, von 1753 bis 1767.

Er war vorher Pfarrer in Holzengel. Im Jahre 1765 wurde ihm sein Schwiegersohn, der bisherige Pfarrer in Feldengel und spätere Diakon in Greußen, Herr Johann David John, beigegeben. Am 3. Mai 1767 starb er und wurde am 6. Mai beerdigt. Die Leichenpredigt hielt M. Johann Georg Posse aus Sondershausen über Philipper 1, Vers 21, eine Bibelstelle, die der Verstorbene selbst ausgewählt hatte. Er wurde 71 Jahre und 2 Monate alt.

 

Gottfried Mensel, von 1767 bis 1804.

Ein Sohn des hiesigen Ratsmitglieds und Organisten Justus Nikolaus Mensel. Nach seinen Studien in Wittenberg wurde er 1744 als Mit-Rektor in Sondershausen angestellt. Nach fünf Jahren erhielt er die hiesige Diakonatsstelle und wurde 1767 erster Pfarrer. Er besaß viele wissenschaftliche Kenntnisse und hatte gute Predigtgaben. In den späteren Jahren allerdings fehlte ihm die Deutlichkeit des Vortrags, so daß man seine Worte nicht verstand.

Einige Einwohner forderten deshalb seine Abberufung beim Konsistorium. Dieses entschied jedoch, daß er nur an jedem vierten Sonntag predigen solle, die anderen Gottesdienste sollte der Diakon übernehmen.

Die Nachmittagsgottesdienste sollten die Nachbarpfarrer übernehmen oder Kandidaten, die Men­sel dafür zu bezahlen hatte. Er starb am 29. Mai 1804 im 82. Lebensjahr und wurde am 1. Juni beerdigt.

 

Ernst Benjamin Christoph Gimmerthal, ab 1804.

Am 10. Oktober 1769 wurde er in Clingen geboren als Sohn des damaligen Kantors und späteren Pfarrers Wilhelm Immanuel Christoph Gimmerthal in Jecha. Seine Mutter war die Tochter des Amtmanns zu Clingen, der die Geburt dieses Sohnes das Leben kostete. Er wurde von seiner Großmutter erzogen. Von 1780 bis 1787 besuchte er die hiesige Schule und ging dann auf die Universitäten Jena und Göttingen und studierte dort Theologie. Ab 1792 war er Lehrer in Sondershausen. Am Michaelistag 1793 bekam er die Hauslehrerstelle bei Geheimrat von Weise. Im Jahre 1799 wurde er als Pfarrer angestellt und wurde Diakon in Sondershausen und am 13. Oktober nach einer Probepredigt ordiniert.

Fünf Jahre später wurde er als erster Pfarrer nach Greußen berufen und hielt am 13. Sonntag nach Trinitatis die Probepredigt und wurde gleichzeitig als Mitglied des Konsistoriums vorgestellt. Am 26. Sonntag nach Trinitatis hielt er die Abschiedspredigt in Sondershausen und am 2. Advent die Antrittspredigt in Greußen. Am 29. Dezember 1823 ernannte ihn Fürst Günther Friedrich Carl zum Konsistorialrat. Im Jahre 1801 heiratete er Sophie Juliane Wilhelmine Wipprecht, älteste Tochter des Pfarrers in Großfurra, mit der er 24 Jahre in glücklicher Ehe lebte.

 

 

 

 

 

 

II. Von der Diakonatsstelle und den Diakonen

 

Bis zum Jahre 1908 gab es zwei Geistliche in Greußen: Der eine war „Oberpfarrer“ (der aber nur der erste Pfarrer war) und hielt den Früh- und Hauptgottesdienst, während der Kaplan (später „Diakon“) den Nachmittagsgottes­­­dienst und den Gottesdienst in der Hospitalskirche hielt.

 

§ 1. Wie es unter dem Papsttums hier mit den Diakonen gestanden hat, dazu habe nichts weiter gefunden, als was bereits bei den Pfarrern angeführt wurde: Es hat zwei Diakone gegeben, nämlich einen weltlichen und einen geist­lichen.

Den geistlichen Diakon sollte der Pfarrer damals nicht nur mit an seinem Tisch sitzen haben (so wie auch den Rektor der Schule), sondern ihm auch im Pfarrhaus eine Kammer zum Schla­fen geben, wie aus einer alten Nachricht vom Jahre 1450 zitiert wurde.

Die Wohnung der Diakone ist neben der Schule, nach der Kirche zu. Am 1. Mai 1691 wurde der Anfang mit dem Schul‑ und Diakonatsbau gemacht. Die beiden Keller mußten von Grund auf neu gefertigt werden, weil sie zum Teil durch darauf gefallene Mauern sehr zerstört worden waren.

 

Später baute man also ein eigenes Haus für den Kaplan oder Diakon. Um 1615 erfolgte der Ausbau des Kellers der alten Kaplanei (Diakonat) zum Bierkeller mit Trinkstube, sehr zum Mißfallen des Pfarrers. Beim Brand 1687 wurde das Haus zerstört.

 

Am 21. August 1693 wurde von dem übriggebliebenen Holz noch ein Stall in den Schulhof gesetzt, 12 Meter lang und 7,20 Meter breit. Der Herr Diakon sollte die eine Hälfte und der Herr Rektor die andere Hälfte benutzen. Damit waren auch beide wohl zufrieden. Der Zimmererlohn war 10 Gulden 1 Heller 8 Pfennige, sie mußten aber auch das ständig benötigte Holz schneiden. Die Maurer bekamen 3 Taler für die Fundamente. Ferner wurden auch im Rektorgebäude die Böden im mittleren Stockwerk mit Brettern vollends ausgedielt. Dafür bekamen die Tischler 3 Taler 1 Heller 4 Pfennig.

Nach der Reformation aber ist nie mehr als ein Diakon hier gewesen. Neben den gewöhnlichen Amtsgeschäften in der Stadtkirche hatte er auch den Gottesdienst in der Kirche des Hospitals zum Heiligen Geiste zu ver­richten.

Deshalb wurde es mit ihm von alters her so geregelt, daß er immer drei Wochen nacheinander am Donnerstag Katechismus­-Übun­­gen hielt und dann in der vierten Woche einmal predigte und auch zur gehörigen Zeit zur Beichte gesessen und das Heilige Abendmahl ausgeteilt hat.                                                                        (70)

 

§ 2. In früheren Zeiten haben sich öfters guttätige Leute gefunden, die der Diakonstelle etwas an Grundstücken oder Geld vermacht haben. Deshalb geben auch noch jetzt einige Stücke der Diakonats‑Länderei die Grundsteuern - so wie die anderen bürgerlichen Güter auch - aber nachträglich sind sie doch von den anderen Lasten befreit worden.

  • Im Jahre 1597 schenkte Jacob von Noe der Diakonatsstelle

1 Ar Land vom Grüningischen Weg, das mit Weizen bestellt war.

  • Im Jahre 1602 schenkte Frau Martha Acker­mann 1 Ar Weinberg am Nörderberg.
  •  
  • Im Jahre 1605 schenkte Frau Bürger­meister Elisabeth Kalb 50 Gulden, von denen für 34 Gulden 2 Ar Land auf der Schlicht gekauft wurden, die übrigen 16 Gulden aber wurden zu Kapital gemacht, von dem der Diakon jährlich 20 Groschen Zins hat.
  • Am 22. November 1608 vermachte Nikolaus Kleinschmidts Frau Martha ¾ Ar Land
  • Im Jahre 1625, der Schlossermeister Jost Bock sein Gärtchen in der Rittergasse.
  • Ebenso Herr Johannes Tentzel 3½ Ar und Herr Friedrich Happe 1 Ar Land.
  • Im Jahre 1632 Frau Amaley Leuber 2 Ar in der Goldenen Aue.
  • Im Jahre 1634 Herr Bürgermeister Conrad Grüning 10 Gulden, von denen der Diakon die Pacht haben sollte.
  • Auch hat Hans Spöth den Acker neben dem Riethborn vermacht.

 

 

§ 3. Es waren 24 Diakone, die nach der Reforma­tion aufeinander gefolgt sind und die bis auf den gegenwärtigen Tag dieses Amt hier durch Gottes Gnade wahrgenommen haben. Und zwar waren es folgende:

 

1. Vincentius.

Wann er angetreten ist und wie er mit Zu­namen geheißen hat, habe ich nicht erfahren können. Über seinen Anfang sind keine Nachrichten mehr vorhanden. Und von den Nachnamen ist bekannt, daß während und kurz nach dem Papsttum die geistlichen Herren nicht nach dem Zunamen und Geschlechtsnamen, sondern allein nach dem Vor‑ und Taufnamen benannt wurden. Bei den zwei Pfarrern wurde das bereits erwähnt.

 

2. Petrus Wurtzler.

Er nahm die Diakonatsstelle bis zum Jahre 1543 wahr. Er hat also bei dem Werk der seligen Refor­mation das Seine mit dazugetan. Danach wurde er zum Pfarrer eingesetzt, wo er bereits erwähnt wurde. Einige meinen, Petrus Wurtzler und Petrus Clusener seien eine Person.

 

3. M. Christoph Lasius, von 1543 bis 1545.

Er war ein Straßburger von Geburt und ein Mann von besonderem Eifer und Gelehrsamkeit. Er war aber auch ein Mann mit einem besonderen Schicksal, sofern nicht das Unglück und der Verdruß, den er überall gehabt hat, seinem eigenen Verhalten beizumessen ist. Er hat sich von Straßburg nach Ober­deutschland und besonders auf die Universität Wittenberg begeben.

Seine Gelehrtheit empfahl ihn für Görlitz, so daß er zum Rektor der alten Schule berufen wurde. Er machte die Görlitzer Schule berühmt, weil er von 1537 bis 1544 in ihr das Rektorat innehatte. Denn er war ein Mann, der nicht allein einen guten Lehrer und Schulmann, sondern auch einen guten Theologen abgab.

 

Der Chronist Haferung merkt hier an: Die Angabe, daß Lasius von 1537 bis 1544 das Rektorat in Görlitz innegehabt habe, wird wohl ein Irrtum sein. Denn es ist gewiß, daß er im Jahre 1541 Diakon in der Barfüßerkirche in Arnstadt geworden ist und im Jahre 1543 hierher nach Greußen gekommen ist.                                            

 (73)

 

Unter welchen Bedingungen er hier zum Diakon angenommen wurde und wie er wegen seines Streites mit dem hiesigen Rat am Anfang des Jahres 1545 wieder abgesetzt wurde, ist nicht allein aus der von dem Gothaer Pfarrer und Superintendenten Friederich Myconius darüber eingeholten Stellungnahme „Theologische Antwort“ zu ersehen, sondern auch aus seinem eigenen Brief, den er wegen seiner Entlassung an Herrn Graf Günther XL. zu Schwarzburg abgeschickt hat.

Sein Gegner im hiesigen Rate war besonders der Bürgermeister Wolfgang Schmid, dessen Namen wohl bis an den Jüngsten Tag hier in Segen bleiben wird, weil er der Kirche eine Erbschaft von 600 Gulden gestiftet hat. Weil er von Beruf ein Krämer gewesen ist, wurde er nur „Wolf Kramer“ genannt.                                                 (74)

Myconius schrieb: „Die Kirche wird dem Lasius nicht befohlen haben, in Greußen öffentliche Lästerungen zu erheben. Denn es tobt dort ein Rumpelgeist in aller Ungeduld und bittet darum, mein gnädiger Herr solle diese Brut flugs aus dem Rat werfen und so seinen Urteilsspruch ausführen. Das werden Ihre Gnaden wohl lassen, bis zuvor alle Sachen gehört, geprüft, gerichtet und als strafbar befunden werden. Ich befürchte aber, daß solche Köpfe, die von niemand etwas halten als von sich selbst, auch niemand folgen denn ihren eige­nen Köpfen: Sie werden sich schwerlich weisen lassen.                                                                                                                          (75)

Ich möchte meinen Herrn untertänig bitten, sich nicht zu übereilen, sondern den Streitfall entweder selbst zu verhören oder durch mich und einem oder zwei andere seiner Räte und Gelehrten. Denn obwohl es aus des Pfarrers Schriften klar genug erscheint, daß er ein zorniger, ungehaltener, bitterer, unbedächtiger Mensch mit seinen Worten und Reden sein muß, so ist dennoch zu bedenken, daß es auf der anderen Seite auch nicht so gar rein und unschuldig sein wird. Geschrieben in Gotha im Jahre 1544, Friedrich Mecus, Prediger zu Gotha“.                                       (76)

Nachdem der Diakon schuldig gesprochen wurde, hat er seine Entlassung erhalten. Weil dies aber gegen die bei seinem An­tritt geschehene Abrede vorgenommen worden war, so beklagte er sich darüber in einem sehr heftigen Schreiben an den Landesherren wie folgt: „Es weiß auch Euer Gnaden, daß ich zu unpassender Zeit beurlaubt wurde. Der Rat zu Greußen - die Pferdeburschen aus­ge­schlos­sen, die nicht als redliche Leute anzusehen sind - hat mit mir vereinbart, daß ich es ein halbes Jahr vorher anzeigen werde, wenn ich eine Gelegenheit zu meiner beruflichen Verbesserung sehe. Im umgedrehten Fall wollte der ehrbare Rat es auch mit mir tun, und zwar nur zu den üblichen Terminen Walpurgis (1. Mai) und Michaelis (29. September). Nun hat mir aber Euer Gnaden die Entlassung gegeben zu einem nicht üblichen Termin.                                                                                                                   (77)

Weil mir aber die Zeit nicht vergönnt wird, so bitte ich darum, Euer Gnaden wolle mir doch wenigstens so viel Recht ver­schaffen, daß mir der Rat meine Besoldungen in jeder Hinsicht voll auszahle, so als zöge ich am Michaelistag ab. Wenn ich mit sieben kleinen Kindern auf meine Unkosten nach Wittenberg ziehe, wird mir noch genug Unerwartetes geschehen. Auch werde ich in Wittenberg eine Weile warten müssen, bis sich eine Stelle ergibt. Ich habe nicht viel auf Vorrat, wie je­dermann wohl weiß.

Es kommt mir vor, als ob Euer Gnaden in dieser Auseinandersetzung gegen mich handelt, weil sie nur verhetzt ist durch einige Ihrer Räte, denen Wolf Krämer - wie man sagt, und ich will es auch glauben - die ´Hand versilbert` hat.

Aber ich hoffe, die Sache soll auch einmal einen Richter bekommen, der weder Gold noch Silber ansehen wird. Aber dafür muß ich Geduld haben. Es kommt mir auch vor, daß mir der Pferdebursch schuld gibt, ich hätte diesen Handel gegen die drei Räte angefangen. Da sage ich aber „nein“ dazu.

 

Ich habe gegen niemand etwas als gegen den Pferdebursch. Von den anderen im Rat und von der ganzen Gemeinde weiß ich nichts als Lieb und Gunst, wovon ich mich oft­ auf der Kanzel vom Gegenteil überzeugt habe und mein Schrei­ben ausweist.                                                                                                                                    (78)

Was ich rede oder von ihnen schreibe, das darf ich ihnen in die Fresse sagen, und ich nehme kein Blatt vors Maul, wenn auch noch zehn Krä­mer in dem Krämer stecken. Der Pferdebursch kann nichts Wahres ge­gen mich aufbringen, denn sonst würden die Blindschleicher nicht so verborgene Winkel su­chen und ihr Gift gegen mich auszuschütten. Weil aber die lichtscheuenden Fledermäuse den hellen Tag in den Augen nicht ertragen können, so fliegen sie erst am Abend in der Dämmerung aus, wenn die anderen Vögel einfliegen.

So hat man kurz vor Weihnachten zwei sol­cher ‚Fledermäuse’ bei Nebel und Nacht fliegen sehen von Großenehrich nach Greußen. Bald darauf ist der Tag festge­schrieben worden, an dem mir der Abschied gegeben wurde.

Weil das nun so ist, bitte ich, Euer Gnaden wolle den bösen Mäulern nicht so leicht Glauben schenken und mir meine einfache Bitte gnädig gewähren. Gegeben zu Greußen am 28. Januar 1545, Euer Gnaden untertäniger Christopherus Lasius.“

 

Lasius hat sich durch allerhand theologische Schriften empfohlen und besonders in Zeitz, Wittenberg und Frankfurt an der Oder gegen Flacius geschrieben. Ebenso hat er auch bereits vorher eine Erklärung des 16. Psalms herausgegeben. Allerdings hat er sich dabei als ein „Synergist“ erwiesen. Deswegen wird er wohl auch hier seine Entlassung be­kommen haben.

 

„Synergist“ ist die Bezeichnung für einen Theologen, der dem Menschen einen Anteil gibt bei der Gewinnung seines Heils, so als könnte der Mensch mit Gott gleichberechtigt zusammenarbeiten. Siehe dazu unten die Erläuterungen bei Johannes Hardhausen.               

                                                                                                                            (80)                                                                     

Aus seiner Bibliothek aber wurde die 6., 7. und 8. Magdeburger Zehnt (?) der hiesigen Kirche verehrt. Diese ist auch noch jetzt dort zu finden. Am Anfang stehen diese Worte geschrieben:

„Diese sechste bis achte Zehnt wurde der Kirche in Greußen, dem ersten Bürgermeister Johannes Tentzel und dem Diakon dieser Kirche Apollo Speiser, zur glücklichen Erinnerung gewidmet in Gegenwart des Pfarrers Anton Leuber und des Diakons Paul Seitz, im März 1604“.
Daß sich Lasius von hier nach Wittenberg wenden wollte, hat er selbst mitgeteilt. Wohin er aber wirklich von hier gebracht worden ist, das ist eigentlich nicht bekannt. In dem fürstlichen Archiv zu Sondershausen ist auswendig auf dem angeführ­ten Brief von jemandem geschrieben, daß dieser abge­setzte Lasius später kursächsischer Hofprediger geworden sei. Das ist vielleicht so zu verstehen, daß er in Senftenberg der Hofprediger der Witwe eines Kurfürsten gewesen ist.

Nach anderer Angabe ist er wieder nach Görlitz gegangen. Er war Pfar­rer in Spandau und Küstrin und wurde von da nach Cottbus zum Superintendenten und Inspektor berufen. Er hatte aber in Cottbus verschiedene Neider und Verfolger, besonders den Landeshauptmann Berthold von Mandelsloh, einen ausgesprochenen Feind. Deswegen blieb er in Cottbus nicht länger als eineinhalb Jahre. Denn als ihm ein Wink gegeben wurde, nach Senftenberg zu ziehen, tat er es mit allen Freuden und blieb dort bis an sein Ende.

Er starb am 25. August in Senftenberg im Alter von 68 Jahren und 50 Tagen. Seine hinterlassene Witwe, Frau Catharina, wurde begraben am Sonntag Sexagesimä 1604, im Alter von 63 Jahren, und seine hinterlassene Tochter Barbara, wurde am 4. Juli 1596 an den Clingener Hof­schreiber Andreas Lauterborn verheiratet.

 (Die im Original sehr umfangreichen Mitteilungen über diesen Diakon wurden für dieses Buch stark gekürzt).

 

4. Heinrich Krippendorf, 1548.

Er lebte mit seinem Kollegen, dem Pfarrer Peter Wurtzler, auch in großem Streit.

 

5. Bartholomäus Wüstemann, 1557.

Nachkommen von ihm sind die Frau des Herrn Bürgermeisters Ernst Nikolaus Brade und des Herrn Bürger­meisters Christoph Gräsers hinterlassene Witwe, eine ge­borene Wüstemann (aber Sternickel schreibt Seite 45, das stimme nicht).

 

6. Paul Seitz, von 1562 bis 1566.

Er war der erste dieses Namens, dem im Jahre 1599 noch ein anderer mit diesem Namen folgte. Er war zuvor Schulmeister oder Rektor in Clingen. Im Jahre 1562 wurde er in das Amt des Diakons berufen. Nachdem er es aber kaum vier Jahre ausgeübt hatte, tauschte er es im Jahre 1566 mit dem Pfarramt in Tunzenhausen.

Im Jahre 1581 wurde er Pfarrer in Westgreußen. Nach seinem Tod kam die Witwe wieder hierher nach Greußen und starb am 8. Februar 1604 im Alter von 63 Jahren.

 

7. Apollo Speiser, von 1566 bis 1580.

Er wurde im Jahre 1558 Rektor an der hiesigen Schule. Er ist der erste unter den Schulrektoren, von denen sich noch einige Nachrichten finden. Nachdem er sich acht Jahre in der Schule wohl gehalten hatte, wurde er im Jahre 1566 auf die Diakonatsstelle gesetzt. Zu seiner Zeit, nämlich am 23. September 1576, fing man hier an, die Toten auf dem Friedhof vor dem Grüningischen Tore zu begraben. Deshalb wird er auch erwähnt in den lateinischen Versen, die neben dem Eingang des Friedhofs in einem Stein gehauen sind, zusammen mit dem Kollegen:

            „Matthäus Beinhard, zugleich mit Apollo Speiser,

Bekannten hier das himmlische Wort Gottes“.

Am 9. November 1580 starb er und wurde in der Pfarr­kirche Sankt Martin im Chor begraben. Die Leichenpredigt hielt sein Kollege Matthäus Beinhardt, der ihm den Ruhm eines gelehrten und treufleißigen Mannes gab.

                                                                                             

8. M. Johannes Hardhausen oder Nordhausen, von 1581 bis 1582.

Nachdem der Vorgänger Apollo Speiser am 9. November 1580 gestorben war, folgte ihm Johannes Hardhausen im Jahre 1581 im Amt des Diakons. Er wurde aber am 4. April 1582 wieder aus seinem Amt entlassen. In zwei Punkten wäre eine sicherere Nachricht zu wünschen: Erstens über die Ursache seiner Entlassung und Absetzung.

Denn so gewiß als es ist, daß er aus seinem Amt entlassen wurde, so unbekannt ist die Ursache. Es ist aber nicht schwer zu vermuten und zu glauben, daß etwas in seinem Leben gewesen ist, nämlich daß es wegen der Lehre geschehen ist.

Zu dieser Zeit machte der „Synergistische Krieg“ in der Thüringischen Kirche viel Unruhe. Der sonst gelehrte Mann Victor Strigel, zuerst Professor in Jena, danach in Leipzig und schließlich in Heidelberg, hatte nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich zu behaupten versucht, daß dem natürlichen Menschen bei seiner Bekehrung eine Mitwirkung zuzuschreiben sei. Viele Gelehrte fielen ihm zu, zum Beispiel G. Major, P. Eber, P. Crell, Pipennius usw.

Deshalb wurden die halsstarrigen Verfechter seiner Irrtümer hin und wieder aus dem Dienst ent­lassen. Im Jahre 1573 wurden in Weimar sogar auf einmal die Superintendenten und 41 Prediger abgesetzt. Im Jahre 1565 und in den folgenden Jahren verfiel auch die Pfarrerschaft Nordhausens wegen der „Synergisterei“ und dem dreifachen Gebrauch des Gesetzes in große Zänkerei.

Der Erste Pfarrer beschuldigte Anton Otto und seine Anhänger - den Prediger zu Sankt Blasii Jacob Sibol­d und den Pfarrer zu Sankt Jacobi Johannes Nericus - der falschen Lehre. Wenn nun der hiesige Diakon etwa in den gleichen Strigelianischen Irrtümern gesteckt hätte und darin hätte verharren wollen, so kann es wohl sein, daß die hohe Obrigkeit - die seit der Reformation hier mit Fleiß auf Erhaltung der reinen Lehre bedacht gewesen ist - ihn in dieser Zeit aus seinem Dienst entlassen hat.

Nun etwas über seinen eigentlichen Namen. Von einigen wird er geschrie­ben „M. Johannes Hardhausen“, von anderen aber „M. Johannes Nordhausen“. Der verstorbene Herr Andreas Toppius meint, dieses ge­schehe mit Recht. Wäre das Letztere aber aus genügenden Nachrichten als recht zu erweisen, so wurden am 22. Januar 1584 M. Johannes Danckwerd und M. Johannes Nordhausen, beide lutherische Pfarrer in Bonn (der zweite aber in Königsee geboren), mit Händen und Füßen gebun­den von den Spaniern in den Rhein geworfen.

Gott aber half Nordhausen auf wundersame Weise aus dem Wasser, so daß er lebendig davon kam. Davon spricht Micrälius: „Johannes Nordhausen, Pfarrer in Bonn, wurde auf Befehl des Erzbischofs Ernst von Köln, an Händen und Füßen gebunden in den Rhein geworfen, und ist im Jahre 1584 auf wunderbare Weise entronnen.“

Wenn nun die letztere Schreibart richtig wäre, so wäre er sofort nach der Entlassung in Greußen wieder in Bonn in Dienste gekommen und durch ein besonderes Wunder von Gott aus der augenscheinlichen Lebensgefahr herausgerissen worden.                                                                                                                                                    (81)

9. M. David Weber, im Jahre 1582.

Dieser wurde am 16. April des erwähnten Jahres (am Pfingstfest) eingeführt, nachdem er von dem damaligen Landesherrn Graf Hans Günther zu Sondershausen und dem Rat in Greußen auf ordentliche Weise berufen worden war. Daß er vorher schon im kirchlichen Dienst war, ist sicher, unbekannt ist aber, wo das war. Er starb aber noch am 26. November desselben Jahres und wurde im Chorraum der Kirche begraben gleich an den Stufen. Im Jahre 1657 aber hatte er nach dem Tode noch das Glück, daß der Sohn seiner Tochter, M. Joachim Dreyschärf, der 28 Jahre hier Pfarrer war und erster Inspektor des Ebe­lebener Teils der Herrschaft Sondershausen, mit in sein Grab gelegt wurde. Dabei hob man den alten Leichenstein auf und legte einen neuen darauf.

 

10. Erasmus Theuerkauf, von 1583 bis 1584.

Er wurde am 24. Dezember 1583 in Döllstädt von dem gleichen Landesherrn und dem Rat, die den Vorgänger eingesetzt hatten, hier­her berufen. Aber innerhalb einer Jahresfrist wurde er nach Trebra versetzt, wo er aber nicht geblieben ist. Im Jahre 1600 kam er nach Hachelbich, am Walpurgistag 1617 nach Oberspier und im September 1623 nach Schernberg, wo er im Jahre 1638 wegen hohen Alters zurücktrat. Im Visitationsverzeichnis (Überprüfung der Gemeinden) des Jahres 1587 wird er genannt „gelehrter Mann“ (vir doctus).

 

11. Valentin Funcke, von 1583 bis 1586.

Im Jahre 1581 wurde er Diakon in Wiehe. Hier in Greußen folgte er auf den Diakon Theuer­­kauf. Er starb am 1. August 1586, nachdem er das Amt kaum drei Jahre verwaltet hatte.

12. Valentin Meurer, 1587 bis 1589.

Er stammte aus Blankenburg und wurde berufen am. 4. März 1587, nachdem er im Dezember 1585 schon zu Arnstadt ordiniert worden war.

Er starb im Jahre 1589, nachdem er das Amt auch nicht länger als zwei Jahre innegehabt hatte.

 

13. Nikolaus Toppius (Topf), vom 9. November 1589 bis 1596.

Er war ein geborener Sondershäuser und einer der Vorfahren des Thüringischen Historikers Andreas Toppius. Am 9. November 1589 wurde er auf die hiesige Diakonatsstelle berufen, nachdem er bis dahin hier Kantor gewesen ist. Als er das Amt noch nicht ganz sieben Jahr innegehabt hatte, starb er am 13. Mai 1596 und wurde am folgenden Tag begraben. Die Leichenpredigt hielte sein Kollege Matthäus Beinhard, der zwar nur 21 Jahre hier gewesen ist, aber nunmehr doch den siebenten Diakonen zu Grabe begleitete.

Die Witwe heiratete 1598 Joachim Manhard, früherer Rektor in Sondershausen. Alle beide starben am 1. Mai 1637, er eine viertel Stunde vor ihr, und sie kamen miteinander in ein Grab.

 

14. Cornelius Kalbe, von 1596 bis 1599.

Die Stadt Greußen war seine Vaterstadt. Im Jahre 1593 wurde er hier Kantor und im Jahre 1595 Pfarrer in Schönstedt (östlich von Weißensee). Nachdem er die ordentliche Berufung auf die hiesige Diakonatsstelle erhalten hatte, wurde er am 1. August 1596 durch den Pfarrer Matthäus Beinhardt eingeführt und bestätigt.

Kurz darauf, nämlich am 20. Septembers wurde er getraut mit Jungfer Theodosia, hinterlassene Tochter des verstorbenen Herrn Apollo Speiser, ehemaliger hiesiger Diakon.                                           (82)

Er starb am 9. März 1599, nachdem er neun Wochen wegen Schwindsucht im Bett gelegen hatte und sein Diakonsamt kaum zweieinhalb Jahre ausgeübt hatte. Am Sonntag Okuli, dem 11. März, wurde er begraben und in der hiesigen Pfarrkirche Sankt Martin im Chor bestattet, neben seinem verstorbenen Herrn Schwiegervater Apollo Speiser. Seine hinterlassene Witwe aber, Frau Theodosia, wurde am Montag nach Exaudi des Jahres 1602 mit Heinrich Roth ge­traut.

 

15. Paulus Seitz, von 1599 bis 1624.

Er ist der Zweite mit diesem Namen, Sohn des ersten. Er war ein Jahr in der Schule zu Clingen Rektor gewesen und wurde am 31. Oktober 1599 von dem Pfarrer M. Anthon Leuber, dem ganzen Rat und der hie­sigen Bürgerschaft zum Diakon berufen.

Nachdem er auf Befehl der Herr­schaft zu Sondershausen ordiniert worden war, holte man ihn aus der Schule zu Clingen ab. Den Sonntag darauf aber, am 4. November, wurde er von dem letzten Dekan zu Sondershausen Johann Götze und dem Clingener Rentmeister Nikolaus Wangenmann eingesetzt und be­stätigt. Dieses Amt hat er mit aller Treue ganze zwei Jahre innegehabt bis zum Jahre 1624, als er am 11. Mai auf die Pfarrstelle in Bellstedt und Thüringenhausen berufen wurde, wo er dann auch im Februar 1629 verstorben ist.

 

16. Georg Sander, von 1624 bis 1625.

Er folgte jenem nach im Jahre 1624, nachdem er ein Jahr Diakon in Großenehrich gewesen war. Im Jahre 1625 aber, in der grausamen Pestzeit, als sein Herr Kollege M. Christoph Großspitz am 19. August durch die Pest dahin gerissen worden war, legte er sich am 11. Sonntag nach Trinitatis auch.

 

Er folgte jenem am 31. August, dem Donnerstag darauf, ins ewige Leben nach, so daß also in der betrübten Zeit der Hilfspfarrer und „Pestmann“ Christoph Oehmich ganz allein gelassen wurde.

 

17. Valentin Buhl oder Buhle, von 1625 bis 1626.

Er wurde geboren im Jahre 1596 und wurde Kantor und Vierter Lehrer in Arnstadt. Nachdem der hiesige Kantor Georg Manard am 5. April 1625 nach Arnstadt gezogen war, folgte er diesem kurz zuvor auf der hiesigen Kantorstelle nach. Weil aber im Pfarramt nur ein Hilfspfarrer war und der Diakon auch durch die grausame Pest hingerafft wurde, nahm man in der damaligen Not den Kantor aus der Schule als Diakon. In Sondershausen war das noch neu und man wollte ihn hier nicht zur Ordination kommen lassen. Deshalb wurde er am 25. September nach Arnstadt geschickt, das auch schon von der Pest infiziert war, um die Ordination zu empfangen.

Sobald er wieder kam, trat er das Amt an und hielt am 29. (Michaelisfest) seine erste Amts­predigt. Am Sonntag Palmarum 1626 heiratete er und wurde getraut mit Jungfer Veronika, hinterlassene Tochter des verstorbenen Magisters Johannes Riger. Noch im Oktober dieses Jahres wurde er aber Pfarrer in Niederbösa.              (83)

Im Jahre 1629 wurde er Pfarrer zu Hohenebra und Thalebra, nachdem der dortige bisherige Pfarrer M. Hartprecht aus seinem Amt entfernt worden war.

Dieser hatte teil genommen am „Weigelismus und Stiefelianismus“. Er behauptete, daß die Gräfin von Gleichen, Frau Erdmuth Juliana, die dem „Stiefe­lianismus“ auch zugetan war, den Herrn Messias gebären würde.

Sie war eine geborene Gräfin von Hohnstein, Gräfin zu Gleichen, Spiegelberg und Pyrmont, Frau zu Damm, eine Tochter des letzten Grafen Ernst, mit dem 1593 der Gräflich-Hohnstein­sche Stamm ausgestorben ist, und die Witwe Johann Ludwigs, des letzten Grafen von Gleichen.

Die Geburt des Kindes würde die letzte Ankunft („Advent“) Christi in Herrlichkeit und zum Gericht sein. Auf diese neue Geburt bezog Hartprecht die allerschönsten und trostreichsten Sprüche des Alten Testaments und bog sie dort hin: Sie sei durch ein besonde­res Wunderwerk Gottes schon lange über die Zeit schwanger und man höre auch das Kind in dem mütterlichen Leib öfters weinen. Daraus schließe er, es müsse dieser der Retter Zions sein.

Weil aber der damalige Superintendent in Sondershausen, der verstorbene Herr D. Salomo Glass, ihm durch private Unterredungen nicht wehren konnte, so wurde er auf den 11. März 1630 vor das Konsistorium gefordert. Er sollte sich zu vier Fragen verbindlich äußern und verant­worten. Anwesend waren die Mitglieder des Konsistoriums, der Kanzler D. Christoph Lapp, der Hofrat D. Hieronymus Heden und auch andere dazu zusammengerufene Pfarrer, unter denen auch der hiesige Pfarrer Herr Johannes Helwig war. Als er sich nun genügend geäußert hatte, daß er dem Weigel­ianismus und Stiefelianismus zugetan sei und sich nicht zurechtweisen lassen wollte, wurde beschlossen, die Unterlagen an eine Theo­logische Fakultät zu übersenden. Inzwischen sollte er einstweilen aus seinem Amt entlassen werden. Diese Fakultät hat dann als Recht erkannt, daß M. Hartprecht, wenn er seinen Irrtum weder erkennen noch zurückziehen wolle, aus seinem Dienst entlassen werden sollte.

 

Jesaja Stiefel (1560-1627) vertrat die Lehre, daß die persönliche und wesentliche Einwohnung Christi den Wiedergeborenen zur Sündlosigkeit und zur Zeugung „heiliger Kinder“ befähige. (Er ist nicht zu verwechseln mit Michael Stiefel, der eine Endzeiterwartung vertrat und den angeblichen Zeitpunkt des Endes der Welt berechnet hatte). Valentin Weigel (1533-88) meinte, daß alle Erkenntnis von innen heraus und nicht von außen kommt, also aus dem Menschen und nicht von Gott.

So wurde ihm am 7. Juli in der Kirche in Sondershausen die Amtsenthebung in einer öffentlichen Ver­sammlung aller Pfarrer der Unterherrschaft angekündigt. Es wurde ihm befohlen, die Pfarrerwohnung innerhalb von 14 Tagen zu räumen. Man wollte aber diese erledigte Pfarrerstelle wieder mit einer christlichen Person besetzen, die schon eine Zeit im Amt gewesen war und sowohl in der göttlichen Lehre richtig und auch im Leben unsträflich ist.

Dadurch sollte alles, was mit verführerischer Lehre bis dahin ver­derbt worden war, durch Gottes Gnade wieder zurecht gebracht werden und alles gegebene Ärgernis abgeschafft werden.

 

Von Superintendent Glass und dem Erzdiakon Hugo Schunk wurden am 29. Juli dem Grafen zu Schwarzburg folgende Pfarrer vorgeschlagen: Der Pfarrer von Trebra M. Sebastian Becker und der Pfarrer von Niederbösa Valentin Buhl. Grund dafür waren sowohl ihre Qualität und Geschicklichkeit, die sie im Theologiestudium durch Gottes Gnade erlangt hatten, als auch ihre feinen Gaben im Lehren und Predigen und auch ihr christliches Leben und ihr Wandel. Der Graf wählte Va­lentin Buhl aus.

 

Nachdem er die Probepredigt abgelegt hatte, bekam er am 27. September seine Berufung. Seine bisherige Gemeinde zu Niederbösa lehnte zwar diese Versetzung am 28. Oktober ab und wollte ihn gerne länger behalten, sie erfolgte jedoch danach dennoch.

Schließlich wurde er Pfarrer in Ebeleben, wo er dann auch im Jahre1651, als der hiesige Pfarrer M. Dreyschärf Inspektor wurde, das Amt des Beisitzers am dortigen Konsistorium erhielt. Im Jahre 1657 ist er gar Inspektor geworden, nachdem jener verstorben war und der Nachfolger Christoph Toppius wegen seines hohen Alters die Inspektion nicht annahm.                                                             (84)

Was für ein schriftreicher und erbaulicher Prediger er gewesen ist, ist besonders aus zwei Leichenpredigten zu sehen. Die eine wurde gehalten am 19. Februar 1643 auf Herrn Graf Christian Günther aus 1. Johannesbrief 1, Vers 7, und die andere am 11. Juli 1654 auf Comtesse Clara Sabine aus Psalm 73, Verse 25-26. Darin führte er alles gründlich und wohl aus. Am 27. Oktober 1678 starb er im Alter von 82 Jahren.

 

18. Christoph Oehmich, von 1626 bis 1644.

Er wurde 1625 in der grausamen Pestzeit Stellvertreter des Pfarrers und gewissermaßen „Pestler“ („Pestilentialis“), wie es bereits bei dem zehnten Pfarrer angeführt wurde. Nachdem aber die Trübsal vorbei war und das Pfarramt mit Johannes Helwig wieder besetzt wurde und der hiesige Diakon Valentin Buhl nach Nieder­bösa gezogen war, wurde er Diakon. Mit dem Pfarrer zugleich wurde am 5. November, dem 22. Sonntag nach Trinitatis, eingesetzt.

Er wurde eingeführt von Herrn Salomon Glass, Doktor der Theologie und damaliger Superintendent zu Sondershausen, von Hieronymus Heden, Doktor beider Rechte und dortiger Ratsherr, und von Sylvester Schwan-Engel, Amtmann zu Clingen.

Am 29. Mai 1632 wurde er ge­traut mit seiner Frau Anna, Witwe des Greußener Bürgers und Maurers Just Tröger. Von da an lebte er als Diakon unter allerhand Trübsal und Elend, die der Dreißigjährige Krieg dem hiesigen Lande brachte, bis zum 2. Januar 1644. Am 4. Januar wurde er begraben, nachdem er das Diakonatsamt über 18 Jahre treufleißig innegehabt hatte und ein Lebensalter von 59 Jahren und 3 Monaten weniger 3 Tage erreicht hatte.

 

 

Er bekam aber von seinem Herrn Kollegen M. Joachim Dreyschärf den Ruhm eines wohlgelehrten Mannes, der sein Amt in Treue verwaltet hat. Seine Mutter Anna Oehmich wurde begraben am 5. März 1633 im Alter von 77 Jahren. Die hinterlassene Witwe aber wurde am 14. April 1645 getraut mit dem Stadtrat Philipp Tentzel.

 

19. Christoph Toppius (Topf ), von 1644 bis 1657.

Nachdem aber am 4. Januar 1644 der erwähnte Christoph Oehmich begraben worden war und man damals den Diakon nicht lange entbehren konnte, wurde Christoph Toppius am 8. April an dessen Stelle von Trebra her berufen. Weil er im Jahre 1657 das Pfarramt erlangt hat, so ist bei den Pfarrern schon alles über ihn angeführt und braucht also hier nicht wiederholt zu werden.

Zu seiner Zeit ist auch der Weinberg der Diakonatsstelle wieder an das Diakonat gebracht und schließlich ausgerodet worden. Dieser Weinberg war bis dahin in den Händen des Rats gewesen in der Form, daß sie dem Diakon jährlich vier Eimer Wein von der Kelter geben oder - wenn dieser mißraten ist - so viel Gulden Geld geben mußten.

 

20. M. Jacob Tentzel, von 1657 bis 1659.

In diesem Jahr gelangte er nach dem Tod des Pfarrers Toppius auch zum Pfarramt. Dort ist also auch das Nötige schon zusammengestellt worden.

 

21. Johannes Kayser, von 1659 bis 1694.

Er war ein Sohn des Greußener Bürgers und Buchhändlers Johann Kayser. Er wurde von Gott dem Herrn dreimal in ein Amt berufen („in seine Ernte ausgesandt“). Zuerst wurde er Kantor in Stadtilm. Danach wurde er am 20. Januar 1647 (am Tag des heiligen Fabian und Sebastian) auf die hiesige Rektoratsstelle berufen. Die Einführung geschah durch Herrn Magister Johann Kalbitz, Erzdiakon und Inspektor in Sondershausen, und durch die Pfarrerschaft von hier, den Pfarrer Magister Joachim Dreyschärf und den Diakon Christoph Toppius, und durch die drei Ratsjahrgänge.

Die feierliche Handlung verlief wie folgt: Zuerst hielt Magister Dreyschärf als hiesiger Erster Pfarrer auf besonderen Befehl gnädigster Herrschaft eine Schulpredigt in der Kirche. Als diese beendet war, be­stellte Herr Magister Johannes Kalbitz Herrn Magister Dreyschärf zum Inspektor und Herr Lizentiat Eberhard bestellte Herrn Diakon Christoph Toppius und Herrn Bürgermeister Tobias Herne zu Beauftragten für das Schulwesen. Diesen mußte der neue Rektor mit einem Handschlag seine Pflichterfüllung geloben.                                                                                                                    (85)

Darauf wurde er in einer Prozession aus der Kirche in die Schule geführt, wo Herr Magister Kalbitz die Schluß­rede hielt mit dem Thema: „Der Vergleich der Schule mit dem Paradies“. Der neue Rektor mußte darauf antworten. Am 29. November des gleichen Jahres heiratete er und wurde getraut mit Jungfer Sophia Elisabetha, Tochter des verstorbenen Herrn Conrad Hugo, Amtmann zu Stadtilm.

Nachdem er aber in diesen betrübten Zeiten und mit unzähligem Verdruß und Elend der Schule elf Jahre lang Rektor der Schule gewesen war, wurde er im November 1658 zum hiesigen Diakonat berufen. Am 28. November wurde er in Ebeleben von L. Tentzel geprüft und ordiniert. Die Einsetzung aber geschah erst im Jahre 1661 am Sonntag Quasimodogeniti, auch durch den schwarzburgischen Superintendenten Herrn L. Tentzel.

Im Jahre 1680 setzte ihn Gott in den betrüblichen Witwerstand. Seine Ehefrau Sophia Elisabeth wurde am 6. Juni, abends gegen 10 Uhr, in der Stille auf den Friedhof getragen und beigesetzt.

Am Dienstag, dem 8. Juni, wurde aber doch noch für sie ein ehrliches Begräbnis mit einer Predigt gehalten, nachdem sie ein Lebensalter von 59 Jahren erreicht hatte. Weil aber der Witwerstand für ihn nicht recht passend war, so sah er sich anderswo um und heiratete erneut eine Frau.

Am 2. Juli 1687 wurde er in Mitleidenschaft gezogen durch den großen Brand in Greußen, der ihn nicht wenig schädigte. Weil das Diakonatshaus nicht sofort wieder aufgebaut werden konnte, begann er, aus seinen eigenen Mitteln sich eine Wohnung zu bauen. Nachdem sie notdürftig ausgebaut worden war, bezog er sie dann auch. Dieses Haus besitzt und bewohnt der jetzige Brauhofs‑Pächter, Johannes Paul Ludewig.

Danach lebte er noch bis 1694 und wurde am 24. Juli begraben, nach­dem er fast 47 Jahre der Stadt Greußen treu und fleißig gedient hatte, nämlich elf Jahre als Rektor der Schule und 37 Jahre als Diakon. Am 22. Juli früh um drei Uhr war er von einem Stickfluß überfallen worden und war bald darauf um vier Uhr im Herrn selig entschlafen. Er war am Sonnabend noch auf dem Felde gewesen und hatte hernach Beichte gehört. Als er aber des Sonntags in der Frühe sein Konzept für die Predigt im Bette hatte und durchlesen wollte, überfiel ihn der Tod so geschwind, daß kaum seine Tochter und Enkel herbeilaufen konnten und ihm zurufen konnten: „Herr Jesu, dir lebe ich, Herr Jesu, dir sterbe ich.“

Bei seinem Begräbnis wurde er zuerst in die Kirche getragen und von dem Herrn Inspektor M. Mosch die Predigt gehalten über den Text Matthäus 25, Vers 23 „Ei du frommer und getreuer Knecht“. Danach wurde er - wie er es gewünscht hatte - auf dem Gottesacker in sein Ruhekämmerlein eingesenkt. Darauf hielt der Rektor M. Volkmar Johann Herbig dort einen Nachruf.

Er erreichte ein Lebensalter von 74 Jahren, 26 Wochen und 2 Tagen, ein Alter, das in den 200 Jahren seit der Reformation niemand in dem hiesigen Amt erreicht hat. Er hinterließ den Ruhm, daß er ein fein verträglicher und sehr christlicher Mann gewesen sei, den jedermann hoch geliebt hat. Er wurde betrauert und man wünschte sich, daß einem selber Gott auch ein solch sanft und seliges Ende geben wolle.         

 (86)

22. M. Johann Christian Hauschild, von 1695 bis 1713.

Er stammte aus Greußen und wurde am 18. Dezember 1659 geboren als ein Sohn des Meisters Nikolaus Kaspar Hauschild, hiesiger Bürger und Tuchmacher. Nachdem er die nötigen Grundlagen hier in der Schule seiner Vaterstadt gelegt hatte, ging er auf das Gymnasium in Gotha und schließlich auf die Universität nach Leipzig und beendete dort sein Studium.

Da­nach wurden ihm von dem Grafen Christian Wilhelm zu Sondershausen die ältesten Prinzessinnen erster Ehe zum Unterricht gnädigst anvertraut. Und weil er sich dabei zum Wohlgefallen des Grafen verhalten hatte, so wurde er im Jahre 1690 ins Pfarramt nach Trebra berufen.

Hier heiratete er 1691 Jungfer Anna Barbara, die Tochter des hiesigen verstorbenen Ratsmitglieds und Bortenmachers Herrn Jakob Wüstemann. Sie wurden getraut am Mittwoch, dem 28. Januar.

Als er aber in Trebra fünf Jahre lang das Amt eines evangelischen Lehrers redlich ausgerichtet hatte, wurde er am 6. Februar 1695 auf die Dia­konatsstelle in seiner Vaterstadt berufen und am 24. eingesetzt. Seine erwähnte Gattin aber wurde ihm im Jahre 1709 durch den Tod entrissen und am Sonntag, dem 25. August, im Alter von 45 Jahren und 8 Monate weniger 9 Tage begraben. Da er aber in seinem Haushalt nicht ohne Gehilfin sein konnte, schloß er im folgenden Jahre am Dienstag, dem 25. November 1710, die zweite Ehe mit Jungfrau Regina Catharine, älteste Tochter des Pfarrers in Niedertopfstedt, Herrn Johannes Michael Ortlof.

Jedoch lebte er in dieser neuen Ehe nur bis zum Jahre 1713. Nachdem er am Sonn­tag zuvor, dem 8. Januar, früh um 4 Uhr sanft und selig entschlafen war, wurde er am Dienstag, dem 10. Januar, begraben. Er hat beinahe an die 18 Jahre als Diakon hier Gott und seiner Gemeinde mit aller Treue und Fleiß gedient, dabei aber kein höheres Lebensalter erreicht als 53 Jahre und 2 Wochen und 5 Tage.

Die Leichenpredigt hielt der Pfarrer D. Johannes Caspar Haferung über den gewünschten Text Psalm 73, Verse 23-24. Der Lebenslauf wurde vorgetragen durch Herrn .......

Auf den Leichenstein aber schrieb der Herr Schwiegervater aus der zweiten Ehe dieses:

Steh stille, Wandersmann, hier kannst du sicher lesen,

daß Greußen ohne Pfarrer und Kapellan gewesen,

Als dieser himmelan - der Seele nach - aufflog,

und jener bald darauf, nach Wittenberg, wegzog.

Bist du sonst guter Art, so wirst du dich bei Zeiten,

So wohl auf deinen Tod durch Buße wohl bereiten,

Als auch den Seligen nicht kränken unbedacht,

Sein wohlverdientes Lob. Tritt ab, nun gute Nacht.

 

23. Christian Wilhelm Scharf, von 1713 bis 1718.

Er war ein Sohn des Herrn L. Benjamin Scharf, verstorbener Leib‑ und Landarzt wie auch fürstlicher Stadtarzt und Bürgermeister in Sondershausen. Er hatte die erste Grundlagen der Allgemeinbildung in der Schule seiner Vaterstadt gelegt und sie in Langensalza weiter ausgebaut. Darauf hat er sich nach Jena gewandt und dort sowohl in der Philosophie als auch in der Theologie etliche Jahre die berühmtesten Leute und besonders Herrn D. Buddeus gehört. Er hat redlich als Hauslehrer im Dienst gestanden bei Vornehmen von Adel in Allmenhausen und Berga. Schließlich wurde er im Jahre 1713 von dem heute verstorbenen Fürsten Christian Wilhelm auf die hiesige Diakonatsstelle gesetzt.                                                                                                                                                                                                                             (87)

Die Probepredigt erfolgte am Sonntag, dem 2. Advent, und weil darauf am 19. Dezember die Berufung durch den hiesigen Stadtrat erfolgte, wurde er am Sonntag, dem 3. Advent, in Sondershausen ordiniert. Darauf wurde er am 2. Christfeiertag zum Diakon eingesetzt von Herrn D. Georg Fried­rich Meinhardt, hochverdientem Superintendenten zu Sondershausen, und Herrn Kaspar Paul Jah, dortiger fürstlicher Hof‑ und Konsistorialrat. Seine Antrittspredigt aber hielt er am Neujahrstag 1714. Am 2. Mai dieses Jahres heiratete er und wurde getraut mit Jungfer Christiane Margarete, der einzigen Tochter sei­nes verstorbenen Herrn Vorgängers, M. Johannes Christian Hauschild.

Weil er aber wohl einen ungesunden Leib mit hierher gebracht hatte, so hatte er auch immer Schwierigkeiten mit Krankheiten und konnte kein hohes Lebensalter und keine lange Dienstzeit erreichen. Er starb am 4. August 1718 und wurde am Tag darauf abends in der Stille zu seinem Ruhekämmerlein auf den Friedhof gebracht.

Am Sonntag danach aber, am 7. August, wurde die Trauerfeier und die Predigt gehalten über den gewünschten Text aus dem 1. Johannesbrief 2, Verse 1 und 4. Er hat aber kein höheres Lebensalter erreicht als 38 Jahre, 6 Monate, eine Woche, ein Tag und zwölf Stunden. In Greußen hat er dreieinhalb Jahre Gott und seiner Kirche als Diakon gedient

           

 

 

24. M. Christoph Jacob Schrödter, von 1719 bis heute.

Er war ein Sohn des Meisters Georg Schrödter, Bürger und Schneider in Großenehrich. Seine Grundlagen legte er sechs Jahre lang in der Stiftsschule in Ebeleben unter dem Rektor Magister Konrad Hofmann und da­nach weiter in der Schule zu Langensalza.

 

Sternickel ergänzt: Dann ging er auf die Universität in Jena. Im Jahre 1710 wurde er beim schwarzburgischen Regiment als Feldprediger angestellt. Im Jahre 1717 wurde er Pfarrer in Niederbösa und 1719 Diakon in Greußen. Er starb am 12. Februar 1748 und wurde am 15. Februar beerdigt. Die Leichenpredigt hielt Herr Assessor Haferung über Galater 6, Verse 17-18 (vom Verstorbenen selbst gewählt) und den Lebenslauf trug Pfarrer Leubing aus Niederbösa vor.

 

Benjamin Mosch, von 1748 bis 1749.

Sohn des Pfarrers Wolfgang Mosch in Großenehrich. Er heiratete die jüngste Tochter des Ratsmitglieds und Organisten Justus Nikolaus Mensel. Im Jahre 12749 nahm er die Diakonatsstelle an der Predigerkirche in Erfurt an.

 

Gottfried Mensel, von 1749 bis 1767.

Schwager des Vorgängers, Sohn des Organisten Mensel. Vorher war er von 1744 bis 1749 Mit-Rektor in Sondershausen. Später wurde er erster Pfarrer in Greußen.

 

Johann David John, von 1767 bis 1785.

Geboren am 1. März 1734 in Greußen als Sohn des Meisters Kaspar Nikolaus John, Braumeister im großen Brauhaus. Im Jahre 1760 wurde er Pfarrer in Feldengel und Stellvertreter des Pfarrers in Trebra. Im gleichen Jahr heiratete er die einzige Tochter des ersten Greußener Pfarrers Joachimi, dessen Stellvertreter er im Jahre 1765 wurde. Im Jahre 1767 erhielt er die Diakonatsstelle.

Er starb am 24. Februar 1785 an einem Schlaganfall, als er gerade ins Hospital gehen und dort predigen wollte. Am 27. Februar wurde er ohne Leichenpredigt und Lebenslauf beerdigt. Er wurde 51 Jahre alt und war ein beliebter Prediger.

 

Gotthelf Heinrich Lenker, von 1785 bis 1801.

Sohn des früheren Pfarrers in Schernberg Johann Heinrich Lenker. Er studierte in Halle und wurde im Jahre 1765 zum Pfarrer nach Feldengel berufen. Im Jahre 1785 folgte er seinem dortigen Vorgänger auch in Greußen und wurde Diakon. Nach 17 Jahren starb er am 1. September 1801 an Brustwassersucht und wurde am 4. September in der Stille beerdigt.

 

Karl Gotthard Rhäsa, ab 1802.

Geboren am 18. November 1767 als jüngster Sohn des früheren Bürgermeisters Bernhard Wilhelm Rhäsa. Von 1787 bis 1788 besuchte er die Universität Leipzig und von 1789 bis 1790 die Universität Jena. Am 31. Juli 1792 wurde er Mit-Rektor an der hiesigen Stadtschule. Am 14. September 1802 wurde er auf die Diakonatsstelle gesetzt. Am 26. September 1826 wurde er Beisitzer im Konsistorium. Sein sanftes Benehmen gegen jedermann und sein freundlicher und gefälliger Umgang im Geist der Demut und Liebe und Eintracht haben ihm die Liebe vieler Zuhörer erworben.

 

 

 

 

III. Von dem Kantorat und den Kantoren.

§. 1. Wer das Kantorat unter dem noch währenden Papsttum hier verwaltet, habe ich nirgends gefunden. Auch nach der Reformation ist bis zum Jahre 1558 keiner bekannt. Wohl aber ist zu vermuten, daß der Schulrektor ehemals allein die Vertretung eines Kantors hat übernehmen müssen. In der alten Nachricht von 1450 steht nämlich: „So soll auch der Pfarrer dem Rektor die Kost im Pfarrhaus geben, und er soll auch dort das Lager haben. Andererseits soll auch der Rektor der Schule dem Pfarrer zu Diensten sein, ihn zuerst grüßen und sich erst als Zweiter zu Tische setzen.“                                                                                                                                           (88)

Wenn der Rat auf dem Rathaus den Rektor in die Schule einführt, soll der Pfarrer nicht dabei sein und damit nichts zu tun haben. Aber wenn der Rat ihn in die Schule einführt, wird ihm in Gegenwart des Rates aufgegeben, dem Pfarrer in der Kirche gehorsam zu sein, sich nach seinen Anweisungen zu halten nach redlichem altem Herkom­men und nach alter Gewohnheit.

Ja, aus dem Streit, den im Jahre 1450 Graf Heinrich zu Sondershausen und der Abt Wilhelm zu Ilfeld zwischen dem hiesigen Pfarrer und dem Rektor beigelegt haben - wie bei dem Pfarrer schon angeführt wurde - kann man das Gleiche schließen.

Nachdem man aber das Papsttum hier abgeschafft hatte und da­nach immer wieder versucht hatte, das Kirchen‑ und Schulwesen in einen besseren Zustand und eine bessere Ordnung zu bringen, so ist auch ein besonderer Kantor eingesetzt worden, damit der Rektor sich allein um die Jugend kümmern kann.

 

§ 2. Es haben sich auch die Eltern zuweilen frei­giebig gegen den Kantor erwiesen und zur Verbesserung seines Unterhaltes etwas aus ihrem Besitz vermacht, an Geld oder an Grund­stücken.

So verehrte im April 1611 Herr Hieronymus Bodin zugunsten der Kantoratsstelle eineinhalb Gulden von einem 1 Ruthe großen Stück Land, dessen Pacht künftig dem Kantor gegeben werden sollte, entweder am Sommerjahrmarkt oder am Sonntag Trinitatis. Diese Gabe hieß der „Pfingstbraten“. Der Kantor empfängt auch am Sonntag Invokavit sieben Groschen aus dem Hospital. Diese Gabe wird genannt der „Fastnachtsbraten“.

Im Jahre 1625 vermachte der Schlossermeister Jost Bock sowohl einen Garten dem Diakon als auch dem Kantor fünf Gulden, die ihm von seinem Getreide sollten entrichtet werden.

Ebenso vermachte auch Herr Johann Tentzel 33½ Acker Land. Zwei Acker Land und Wiesen in Rüllhausen wurden von Luca Scholmann im Testament vermacht. Weil diese aber nun Äcker von Privatleuten sind, so muß auch die übliche Grundsteuer davon entrichtet werden.

 

§ 3. Weil dem Kantor - der ehemals nur drei Stunden am Tag in der Schule gearbeitet hat - im Jahre 1657 auch die vierte Schulstunde auferlegt wurde, so sind ihm auch vier Gulden aus den Zinsen des Wolf Schmidt draufgelegt worden.

Auch wurden die zwei Gulden, die in den Kriegszeiten aufgehoben worden waren, am 14. Dezember 1657 vom Konsistorium wieder zuerkannt. Er erhielt auch von dem Zehnten der Gemeinde Holzengel - den sie nach dem Vergleich von 1558 um den 2. Februar (Tag der Reinigung Marias) hierher schaffen muß - 2 Scheffel Roggen, 8 Scheffel Gerste und 8 Scheffel Hafer; dabei wird dann den Fuhrleuten ein Trunk gegeben. Was sonst noch verändert wurde, wird bei jedem noch besonders gemeldet werden.

 

§ 4. Nach der Refor­mation bis heute sind es 27 Kantoren gewesen, die diesen Dienst versehen haben und von denen sich eine Nachricht gefunden hat. Und zwar sind es folgende:

 

1. Leonhard Ziegler, von 1558 bis 1561.

Er trat den Kantoratsdienst im Jahre 1558 an und wurde im Jahre 1561 nach Arnstadt versetzt zum Diakon an der Sankt Bonifatius-Kirche. Zu seiner Zeit betrug die Besoldung des hiesigen Kantors nur 24 Gulden an Geld und ungefähr vier Gulden Schulgeld und ein Heller für das Begräbnis eines Erwachsenen.

 

2. Jakob Reinhardt, von 1561 bis 1563.

Er folgte jenem am 16. Mai 1561 nach. Weil es ihm aber im Schulamt nicht gut erging, machte er sich bei Zeiten aus dem Staub und wurde - nachdem er die Kantoratsstelle kaum zwei Jahre verwaltet hatte - im Jahre 1563 hier Stadtschreiber.                                                                                                                                            (89)

Das Amt des Stadtschreibers wechselte nicht jährlich, damit eine gewisse Stetigkeit in der Geschäftsführung gewährleistet war. Da allerhand Kenntnisse erforderlich waren, nahm man zu diesem Amt meist Juristen. Der Stadtschreiber mußte alle Verträge, Testamente, Verkäufe, Schenkungen und andere Verhandlungen in das Handelsbuch der Stadt einschreiben. Das Buch von 1453 bis 1599 ist bei der Stadt noch vorhanden.

 

3. Martin Kohl (Martinus Carbo), von 1563 bis 1566.

Er folgte jenem, nachdem dieser die Kantoratsstelle mit dem hiesigen Dienst als Stadtschreiber getauscht hatte. Weil er aber ein Mann von feinem Eifer und guten Gaben war, so stieg er bald höher und wurde im Jahre 1566 Rektor in der hiesigen Schule.

Im Jahre 1574 wurde er Prediger in Heringen. Herr Leuckefeld bezeugt in der Vorrede seiner „Altertümer aus Ilfeld“, daß er von 1598 bis 1605 dort Erz‑Diakon gewesen ist, nicht aber Pfarrer, wie Toppius es will. Daß er aber volle 30 Jahre dort im Amte gewesen ist, wird deutlich werden aus der Grabinschrift, die ihm Matthäus Zimmermann angefertigt hat: „Er hat ein sehr hohes Lebensalter erreicht und sich daher mit Paulus danach gesehnt, erlöst zu werden“. Als er aber 1605 verstorben war, nannte er ihn einen „alten Theologen in der schwarzburgischen Stadt Heringen nahe Sonders­hausen“

 

4. Kaspar Wagner, im Jahre 1571

5. Konrad Schelmar, im Jahre 1572.

6. Valentinus Mehler, im Jahre 1573.

7. Benjamin Starck, 1574 bis 1575.

Weil Martin Carbo 1566 die Rektoratsstelle erhielt, so muß zwischen diesem und jenem noch einer gewesen sein. Doch davon findet sich keine Nachricht. Der hiesige Pfarrer M. Sebastian Starck, der 1575 in der kaiserlichen freien Reichstadt Mühlhausen Superintendent wurde, hatte einen Sohn mit Namen Benjamin Starck, der im Jahre 1582 auch zu Mühlhausen Erzdiakon und im Jahre 1598 Superintendent wurde, im Jahre 1631 aber wegen hohen Alters den Dienst aufgegeben mußte. Dieser ist vermutlich dieser hiesige Kantor gewesen. Er muß also von 1575, als er das hiesige Kantorat verließ, bis 1582, als er in Mühlhausen Erz­dia­kon geworden war, anderswo in Diensten gestanden haben.

 

 

8. Johannes Tentzel, 1575.

9. Albert Tentzel, 1576.

 

10. Nikolaus Nebel, 1577.

Er folgte jenem, verließ aber 1583 die Schule. Deshalb steht im Kirchenbuch: „Am 16. November 1592 wurde begraben Nicolaus Nebelius, derzeit hiesiger Schullehrer.“ Warum er aber die Schule verlassen hat, dafür wird keine Ursache angeführt.

 

11. Johann Hermstedt, 1583.

12. Leonhard Franz (Franciscus), 1584.

 

13. Nikolaus Toppius (Toppius), 1585 bis 1589.

Er wurde am 6. März 1561 in Sondershausen geboren und wurde hier Kantor. Die Hochzeit hielt er hier am 29. November 1587 mit Katharine, der Tochter des Heinrich Sattler in Sondershausen. Er folgte jenem nach und hat als Erster die Leitung des Musikchors in der Kirche und auch sonst bekommen und ausgeführt, ein Amt, das bis dahin die Rektoren innegehabt haben. Im Jahre 1589 aber kam er dann auf die hiesige Dia­konatsstelle. Bei der Aufzählung der Diakone ist er bereits erwähnt worden.

 

14. Johannes Latomus, 1590.

Am 20. Oktober heiratete er und wurde getraut mit Jungfer Gertrud, Tochter des Johann Ernst in Schillingstedt.

 

15. Erasmus Rothmahler, seit 1591.

Er war ein geborener Ilfelder und ging bei dem dortigen berühmten Rektor und Abt M. Michael Neander in die Schule. Nachdem er aber seine Grundlagen genügend in dieser damals berühmten Schule gelegt hatte, wurde er 1591 zum hiesigen Kantor bestellt,

Am 11. Oktober dieses Jahres wurde er getraut mit Jungfer Marie, Tochter des Herrn Johannes Berich, des neuen Pfarrers in Erfurt. Gleich darauf wurde er Pfarrer in Schönstedt und 1595 Diakon in Nordhausen an der Sankt Petri Kirche, wo er aber am 15. April 1597 wegen des Streites mit Pandochäus abgesetzt wurde. Er gab in diesem Jahr „Zehn Predigten über die Jakobsleiter“ heraus.                                         (90)

Ob nun etwa dieses Buch seine Absetzung zuwege gebracht hat, kann ich nicht sagen, weil ich eine solche Angabe nicht gesehen habe. Es ist aber wegen des einreißenden Krypto‑Kalvinismus geschehen. Bei dem achten Pfarrer, M. Johannes Riger, der damals in Nordhausen auch abgesetzt worden war, wurde das schon einigermaßen erläutert (Seite 102-104).

Zur weiteren Erläuterung ist aber noch dieses hinzuzufügen: Es hatten sich zur Zeit des Kurfürsten Christian I. in Sachsen seit dem Jahr 1586 in Sachsen einige Theo­logen in öffentliche Ämter eingeschlichen, die in den Artikeln von der Gnadenwahl, von den Sakramenten und von der Person Christi mehr calvinisch als lutherisch waren und deswegen auch den ehrlichen Luthe­r nur den „deutschen Martin“ zu nennen pflegten.

Dieses Übel mußte sich so viel mehr ausbreiten, weil der kurfürstliche Kanzler D. Nikolaus Crell die Sache am allermeisten betrieb. Er brachte es dahin, daß ein Erlaß veröffentlicht wurde, daß alle ihr Amt verlieren sollten, die die Beschwörung der bösen Geister (Exorzismus) bei der Taufe nicht weglassen wollten.

 

Die wenigsten konnten sich zum Auswandern entschließen. Man sah, daß es Ernst damit wurde, als der Oberhofprediger D. Mixus selber von seinem Amt abgesetzt wurde. Deshalb unterschrieben die meisten diesen Erlaß. Einer der Pfarrer aber konnte sich lange nicht entscheiden, was er tun sollte, weil ihn das Gewissen überzeugte. Als ihn aber die Frau bei dem Ärmel kriegte und sprach: „Schreibt, lieber Herre, schreibt, daß ihr bei der Pfarre bleibt“, so tat er es. Dieses ist nachher in Sachsen zum Sprichwort geworden.

Das einfache Volk drang Volk sehr auf die Erhaltung des Exorzismus. In Dresden ging ein Fleischer mit seinen Paten in die Kirche und wollte dem Pfarrer am Taufstein den Kopf mit dem Beil abhauen, sofern er die Be­schwörung der bösen Geister auslassen würde. Auch die Ritterschaft in Sachsen war mit dieser Veränderung nicht zufrieden. Es konnte aber, so lange dieser Kurfürst lebte, nichts von dem alten Brauch erhalten werden, weil der Kurfürst immer krank lag und der Kanzler niemanden zu ihm ließ, der nicht seines Anhangs war.

Demnach riß dieses Übel damals auch hier in Thüringen ein und fand an vielen Orten seine Förderer, zum Beispiel in Erfurt Magister Kaspar Teudenus, in Nordhausen D. Johannes Pandochäus und in Sondershausen den Kanzler Salomon Platureb. Wer sich nun wiedersetzte, wurde aus seinem Amt entlassen. In Naumburg zum Beispiel mußten im Jahre 1591 der Pfarrer M. Johannes Siderus und die beiden Diakone M. Johannes Steltzner und M. Bernhard Winter aus der Stadt weichen, weil sie sich dem einschleichenden Kalvinismus widersetzt hatten und den Exorzismus bei der Taufe nicht weglassen wollten.

Das Gleiche widerfuhr aber auch in Nordhausen M. Johann Riger und in Greußen Erasmus Rothmahler. Doch verließ ihn Gott nicht, sondern schickte es, daß er alsbald nach Franken­hausen zum Erzdiakon berufen wurde, wo er denn auch im Jahre 1610 im Herren entschlafen ist.                                                                                            (91)

 

Er hatte aber zwei Söhne, die seinem Namen großen Ruhm in der Welt erwarben. Der eine, Erasmus Rothmahler, war ein trefflicher Dichter und wurde Prediger in Danzig.

Der andere aber, Johannes Rothmahler, blieb in seinem Vaterland und wurde dort von Gott in besonderer Weise zum Segen bestimmt. Im Jahre 1624 wurde er Mit‑Rektor in Frankenhausen und Beisitzer des Mini­steriums und im folgenden Jahr auch Doktor der Theologie. Am Ende wurde er im Jahre 1635 Generalsuperintendent in Rudolstadt und ist dort im Alter von 49 Jahren im Jahre 1650 gestorben.

In einer Zusammenkunft der Pfarrer hielt er im Jahre 1648 eine schöne Streitrede gegen Hornejus über „Die Notwendigkeit guter Werke, die nicht beliebig sind, sondern die für heilsnotwenig gehalten werden.“ Deshalb sagt Micraelius in seinem „Buch der Kirchengeschichte“ auf Seite 791 von ihm: „D. Johannes Rothmahler, Schwarzburgischer Superintendent, wurde bekannt wegen seiner Streitrede gegen D. Hornejus über die Notwendigkeit guter Werke“.

 

16. Cornelius Kolbe, von 1593 bis 1596.

Er war in Greußen geboren. Nachdem Rothmaler im Jahre 1592 weggezogen war, folgte er ihm im Jahre 1593. Jedoch bekleidete er diese Stelle nicht län­ger als drei Jahre. Er stieg 1596 zum Diakon auf, nachdem er am 30. September 1595 mit gebührenden Dank­sagungen gegenüber dem Rat von seinem Dienst zurückgetreten war. Dies wurde bereits bei dem 13. Diakon angeführt.

 

 

 

17. Michael Karthäuser, seit 1595.

Er stammte aus Thalheim. Nachdem der Vorgänger am 30. September abgetreten war, wurde er am 3. Oktober an seiner Stelle angenommen. Später wurde er im Januar 1612 Schulmeister in Niederspier, wo er im Februar 1623 starb. Seine Witwe aber, Frau Anna, kam wieder nach Greußen und wurde hier am 2. August 1598 begraben.

 

18. Gottfried Siegfried, von 1612 bis 1615.

Er war ein Sohn des Diakons Günther Siegfried in Sondershausen und kam auf die hiesige Kantoratsstelle im Januar 1612, bekleidete sie aber nicht länger als bis 1615, als er im Mai dem Pfarrer zu Rockensußra, Friedrich Groschor, beigegeben wurde und nach dessen Tod, noch im erwähnten Jahr, wurde er Pfarrer zu Wiedermuth. Dort ist er denn auch 1621 selig entschlafen. Zu dieser Zeit war M. Christoph Großspitz Pfarrer.

Die Kantoratsbesoldung sah damals wie folgt aus: 35 Gulden vom Rat, 2 Schock Reisigholz, 2 Malter Scheit­­holz, 13 Groschen 3 Heller von der Schenkung des Wolf Schmidt, 4 Gulden Holzgeld, 6 Scheffel Weizen, ½ Scheffel Roggen. Das Holzgeld und die Früchte wurden ihm im Jahre 1614 zur Zeit der Bürgermeister Conrad Grüning und Andreas Lauterborn mit Zustimmung dreier Räte zugelegt. Auch wurden ihm 10 Gulden zugelegt von den 100 Gulden, die aus der Getränkesteuer zu erheben waren; wenn aber diese 100 Gulden wegfallen würden, sollten die 10 Gulden auch wieder wegfallen.

 

19. Jesaias Leuber, von 1615 bis 1616.

Er war ein Sohn des verstorbenen M. Anthon Leuber, des früheren hie­sigen Pfarrers. Ehe er noch den Dienst bekam, heiratete er 1614 und wurde am 24. Oktober getraut mit seiner Frau Amalica, Witwe des verstorbenen Herrn Casimir Kalb.

Er wurde am 14. Juli 1615 auf dem Rathaus von Pfarrer M. Christoph Großspitz, vom damals regierenden Bür­ger­meister Albert Tentzel und von Ratsherr Zacharias König zum Kantor angenommen. Er starb am 10. April 1616 und wurde am folgenden Tag mit einer Leichenpredigt begraben.

 

20. Christoph Toppius (Topf), von 1616 bis 1621.

Nachdem Jesaja Leuber frühzeitig gestorben war, folgte ihm Christoph Toppius und hatte das Amt inne bis 1621, als er auf die Pfarrstelle in Wiedermuth versetzt wurde. Weil es aber derjenige Toppius ist, der 1644 hier Diakon und 1657 Pfarrer geworden ist, so ist schon oben alles von ihm gesagt worden (Seite 116 und 149).

Von der hal­ben Hufe Landes, die von Johann Schonert erstritten worden war, wurden ihm im Jahre 1620 unter der Regierung der Bürgermeister Conrad Grüning und Andreas Lauterborn - mit Zustimmung dreier Räte und gnädiger Erlaubnis der Grafen - zum Gebrauch übergeben ¾ Ar im Unter‑Ried, ¾ Ar am Salzweg und 1¼ Ar am Nörderberg. Dafür mußte er verzichten auf die früher bezogenen 5½ Scheffel Weizen und 1 Scheffel Korn, 2 Scheffel Weizen und 2 Scheffel Gerste, die das Land an Pacht abgeworfen hatte.

Weil der Kantor aber keine Gerste zur Besoldung hatte, wurde beschlossen, daß er von den 3 Scheffeln Weizen und Gerste auf 2 Scheffel Weizen und Gerste und 1 Scheffel Korn verzichten müsse.

Dafür sollte er 4 Scheffel Weizen, wie oben erwähnt, von den Altar‑Leuten bekommen. Ferner erhielt er auch die Hälfte des Neujahrsgeldes gemäß der im Jahre 1617 veröffentlichten Visitationsordnung (Ordnung bei der Überprüfung der Gemeinden).                                                                                                                                        (92)

21. George Manard, von 1621 bis 1625.

Er war geboren in Greußen und erhielt die hiesige Kantorstelle im Jahre 1621. Nachdem er diese bis ins vierte Jahr versehen hatte, wurde er am 1. Februar 1625 in Arnstadt fünfter Lehrer an der Schule und auch zugleich Kantor und gleich darauf am 5. April vierter Lehrer. Diesen Dienst hat er dann auch versehen bis zum Jahre 1643. Nachdem er in den schweren Kriegszeiten viele Trübsal ausge­standen hat, ist er selig gestorben.

 

22. Valentin Buhl, 1625.

Als George Manard am 1. Februar dieses Jahres fünfter Lehrer an der Schule in Arnstadt und auch zugleich Kantor geworden war, folgte ihm gleich Valentin Buhl. Er kam von Arnstadt, wo er auch Kantor und vierter Lehrer gewesen war. Weil aber bald darauf die Pest hierher kam und innerhalb von zwölf Tagen den Pfarrer und Diakon dahinraffte, so wurde er in dieser Not aus der Schule auf die Diakonatsstelle berufen und trat sie am Michaelisfest an. Wie es ihm nun weiter ergangen ist, ist bereits bei dem 17. Diakon erzählt worden.

 

23. Bernhard Sella, von 1625 bis 1653.

Er war ein Sohn eines hiesigen Bürgers Heinrich Sella. Nachdem er 1625 die hiesige Kantoratsstelle angetreten hatte, heiratete er zweimal. Zuerst heiratete er am 13. Sonntag nach Trinitatis des erwähnten Jahres Jungfer Anne Marie, die Lehrerin der Mädchen, Tochter des verstorbenen Herrn Christian Schlichter, hiesiger Bürger und Ad­vokat. Im Jahre 1640 wurde er im Oktober eine Zeitlang beurlaubt, weil er ein Trunkenbold war, doch ist er danach wieder zur Ausübung seines Dienstes zugelassen worden.

Als am 12. Mai 1642 seine erste Frau gestorben war, wurde er am Sonntag Rogate getraut mit seiner Frau Euphrosine, Witwe des früheren kursächsischen Feldpredigers David Schler­­witzner, eine geborene Schrödler aus Weimar.

Schließlich starb er 1653 eines plötzlichen Todes, nachdem er 28 Jahre hier Kantor gewesen war und ein Alter von 49 Jahren, 2 Wochen und 3 Tagen erreichte. Am 14. Januar wurde er begraben und zunächst in die Kirche getragen, nach beendeter Predigt aber auf den Friedhof. Die hin­terlassene Witwe ist danach fast die 22 Jahre Lehrerin der Mädchen gewesen. Sie starb am 8. August 1664 im Alter von 65. Jahren.

 

24. Johann Kalbitz, von 1653 bis 1655.

Er war ein Sohn des Herrn M. Johannes Kalbitz in Sondershausen, der schon mehrfach erwähnt wurde und der Gott in sieben Ämtern gedient hat. Johannes Kalbitz der Ältere wurde am 16. Juli 1599 in Stadtilm geboren. Er hat Gott in seiner Vaterstadt sieben Jahre gedient, zuerst als dritter Lehrer (Baccalaureus) und da­nach als Rektor in der Schule. Ferner war er zwölf Jahre als Pfarrer in Eldeleben (Elgersburg ?) nahe bei Ilmenau (nach Rudolstadt gehörend).

Schließlich war er beinahe sechs Jahre in Marlishausen bei Arnstadt. Im Jahre 1646 kam er nach Sondershausen und hat dort als Diakon und danach als Erzdiakon und Dekan seinen Dienst getan, bis er dann zum Schluß noch Pfarrer in Haßleben wurde, wo er dann in der siebenten Station selig gestorben ist.                                                                                                                                                                                        (93)

Dessen Sohn war nun dieser Johann Kalbitz, der am 30. März 1653, Mittwoch nach dem Sonntag Judica, hier als Kantor eingeführt wurde, nach­dem der Vorgänger elf Wochen tot war.

Die Einführung geschah durch die hiesigen Herren des Rates und der Pfarrerschaft, nämlich durch den Pfarrer und Inspektor M. Joachim Dreyschärf, den Diakon Christoph Toppius und ebenso durch die Bürgermeister Tobias Horn und Andreas Pausel als Beauftragte für die Schule. Er wurde auch feierlich bestätigt.

Der Inspek­tor führte im Namen der gnädigsten Herrschaft und der Herren Konsistorialen und des hiesigen Rates das Wort. Darauf mußte der neue Kantor dann antworten und mit einem Handschlag Treue geloben.

Am 21. November desselben Jahres wurde er ge­traut mit Jungfer Dorothee Catharine, der Tochter des hiesigen Pfarrers M. Joa­chim Dreyschärf. Mit ihr hat er 41 Jahre und 19 Wochen in der Ehe gelebt, und darin 13 Kinder gezeugt, nämlich sechs Söhne und sieben Töchter, von denen bei seinem Tode noch drei Söhne und fünf Töchter gelebt haben.

Nachdem er aber das Kantorenamt zwei Jahre wahrgenommen hat und sich darin wohl verhalten hat, wurde er im Jahre 1655 zum Pfarramt nach Rockensußra berufen und zog am 18. Oktober dahin.

 

Von seinen Herren Söhnen lebt noch jetzt Herr M. Benjamin Kalbitz, der zuerst Pfarrer in Clingen war und von 1690 an Diakon in Sondershausen und von 1706 an Erzdiakon und Beisitzer des fürstlichen Konsistoriums. Gott erhalte ihn ferner und lasse sein Alter sein wie seine Jugend.

Johannes Kalbitz aber starb am 26. März 1695, dem 3. Ostertag, im Alter von 69 Jahren, 16 Wochen und 3. Tagen. Davon war er 39½ Jahre Pfarrer in Rockensußra. Seine hinterlassene Witwe aber, Frau Dorothea Catharina, wurde am 9. Januar 1698 hier begraben im Alter von 60 Jahren und 28 Wochen

 

25. Jonas Volland, von 1655 bis 1694.

Er war ein Sohn des hiesigen Bürger­meisters, des verstorbenen Herrn Andreas Volland. Als ein Student der Theologie und Anwärter auf das Pfarramt wurde er am 20. Okto­ber 1655 nach erhaltener rechtmäßiger Berufung eingeführt und bestätigt durch die Herren der Pfarrerschaft und Vertreter des Rates, nämlich durch Pfarrer M. Dreyschärf und Diakon Christoph Toppius und durch die Herren Bürgermeister Tobias Horn und Johannes Christoph Magen als Beauftragten für die Schule. Am 27. September 1656 zum Michaelisfest wurde er getraut mit Jungfer Euphemie Magdalene, Tochter des verstorbenen Herrn Bürger­meister Wolfgang Anthon.

Dieses Amt hat er nun mit allem Fleiß und gutem Ruhm wahrgenommen bis zum Jahre 1693, als er wegen seines Alters besonders mit dem Singen nichts mehr ausrichten konnte. Deshalb wurde dem dritten Lehrer (eigentlich Mit-Rektor), Herrn Christian Eckart, am 7. Januar die Vertretung des Kantors aufgetragen, und - nachdem Eckart im selben Jahr am 26. August verstorben war - am 20. Dezember seinem Nachfolger, dem Herrn Johannes Rudolph Schmerbauch.

Den Unterricht der Schuljugend, nämlich der zweiten Klasse, übte er bis an sein seliges Ende aus. Dieses erfolgte am 29. Juni 1694. Er wurde begraben Sonntag, den ersten Juli, nachdem er fast 39 Jahre hier Kantor gewesen ist und ein Lebensalter erreicht hat von 64 Jahren und 11 Wochen.

Die Leichenpredigt hielt der hiesige Pfarrer und Inspektor, Herr M. Mosch, den Le­benslauf aber trug vor der Pfarrer in Clingen, Herr M. Bachrend.

Man rühmte, er sei ein „Mann von gutem Ansehen und einer starken Stimme gewesen, so daß er guten Mut und einen guten Bauch zum Singen“ gehabt habe, wie ein vornehmer Mann hier von ihm geurteilt. Seine hinterlassene Witwe aber ist erst am 11. Januar 1719 gestorben im Alter von 77 Jahren, 6 Monaten und 2 Wochen.

 

26. Johannes Nikolaus Kleinschmidt, von 1695 bis 1696.

Er war ein Sohn Johann Kleinschmidts, des Bürgers in Großenehrich, und hatte sich bis da­hin als Theologiestudent in Leipzig aufgehalten. Am 13. Januar 1695 sang er in der Kirche zur Probe. Am ersten Tag nach Epiphanias und am 15. Januar las er in der Schule. Nachdem er nun darauf die ordentliche Berufung erhalten hatte, wurde er wie gewohnt eingeführt.

Im selben Jahr heiratete er am 30. Oktober und wurde getraut mit Jungfer Catharine Christine, der ältesten Tochter erster Ehe des hiesigen Pfarrers Magister Wolfgang Heinrich Benjamin Mosch. Er starb aber im folgen­den Jahre am 26. September 1696 in Leipzig.                                                                                                                               (94)

 

27. Johann Rudolph Schmerbauch, von 1696 bis heute.

Er war ein Sohn Georg Schmerbauchs, eines Einwohners von (Klein‑) Ballhausen. Vorher war er Organist in Zahna in Sachsen und versah dabei einen Dienst, den er als ein Student der Theologie von Wittenberg aus verrichtete. Am 20. Dezember 1693 wurde er Dritter Lehrer und stellvertretender Kantor in Greußen, nachdem er am dritten Sonntag im Advent, dem 13. Dezember, die Probe in der hiesigen Kirche gesungen hatte.

In diesem Amt heiratete er am Mittwoch, dem 27. Mai 1696, Jungfer Katharine Sophie, Tochter des hiesigen verstorbenen Apothekers und Ratsmitglieds Herrn Tobias Horn. Weil aber diese im Jahre 1697 im Alter von 21 Jahren und 13 Tagen starb und am Freitag, dem 10. Dezember, begraben wurde, verheiratete er sich noch einmal mit Frau Elisabeth Euphemie, Witwe des früheren hiesigen Kirchners und dritten Lehrers Johannes Christoph Koch. Die Kantoratsstelle aber erhielt er am 20. Dezember 1696.

Da aber bis dahin die Kantoren die zweite Klasse zu unterrichten hatten und der dritte Lehrer die dritte und vierte Klasse, so wurde nunmehr anstatt des dritten Lehrers ein Mit‑Rektor eingestellt, der die zweite Klasse zu unterrichten bekam. Dieser neue Kantor übernahm also die dritte und vierte Klasse, behielt aber die Kantoratsbesol­dung, wie sie zuvor gewesen war. Gott erhalte ihn ferner seiner Kirche und Schule zum Besten! (Da es offenbar nur vier Klassen gab, muß jede Klasse zwei Jahrgänge umfaßt haben).

 

Sternickel ergänzt: Er starb am 20. Mai 1739 im Alter von 69 Jahren nach 42jähriger Tätigkeit.

 

Johann Fuckardt, von 1739 bis 1757.

Sohn des Tuchmachermeisters und Schneiders Johann Tobias Fuckardt. Er starb am 23. Mai 1757, nachdem er 18 Jahre Kantor gewesen war, und wurde in Gegenwart der ganzen Schule ohne Predigt begraben.

 

Amandus Benjamin Christoph Gimmerthal, von 1757 bis 1770.

Sohn des Clingener Kantors Heinrich Anton Gimmerthal. Er starb am 12. April 1770.

 

Johann Benjamin Vonende, von 1770 bis 1808.

Geboren in Sondershausen und Rektor in Haßleben. Er starb am 28. Dezember 1808 im Alter von 74 Jahren und wurde am 1. Januar 1809 in der Stille beerdigt.

 

 

 

 

Friedemann Heinrich Christoph Trautvetter, von 1808 bis 1828.

Einziger Sohn des Pfarrers Trautvetter in Großmehlra. Er besuchte die Schule in Mühlhausen und die Universität. Durch ihn wurde die Musik in Greußen sehr empor gehoben und die Bürgerschaft hatte immer den Genuß der herrlichen Kirchenmusik. Mehrfach im Jahr gab es Konzerte im Schützenhaus. In seinem 20 Dienstjahr starb er am 5. Februar 1828 im 49. Lebensjahr.

 

Johann Carl Hesse, ab 1828.

Geboren am 1. August 1803 als Sohn des Johann Andreas Hesse in Hachelbich. Die hiesige Kantorstelle erhielt er am 16. Juli 1828.

 

IV. Von dem Kirchenamt und den Kirchnern

§ 1. Nach der Reformation ist der hiesige Kirchner (Kirchendiener) alle Zeit auch Lehrer in der Schule gewesen (Baccalaureus und Infimus, d.h. zweiter und dritter Lehrer). Er mußte also beide Ämter nebeneinander verrichten und täglich in der Schule die Jugend vier Stunden unterrichten.

Wie es während des Papsttums mit ihm ge­standen hat, kann man eigentlich nicht berichten. In der alten Nachricht vom Jahre 1450 steht: „Der Rat überträgt auf dem Rathaus dem Kirchner den Dienst, damit hat der Pfarrer nichts zu tun. Aber der Rat verpflichtet ihn, dem Pfarrer in der Kirche gehorsam zu sein, wie es von alters her gebührend gewesen ist“. Und weiter heißt es „Der Pfarrer soll auch an hohen Festtagen dem Kirchner und seinen Knecht ins Haus laden und ihnen ihr Trinkgeld geben, wie es von alters her gewesen ist“.

 

§ 2. Vor der Reformation mußten die Pfarrer den Kirchner so wie den Rekto­r und Diakon bei sich im Hause haben und jedem seine Schlafkammer geben. Das konnte auch wohl sein, weil sie alle Geistliche waren und in der Ehelosigkeit (Zölibat) leben mußten.

Nach der Reformation aber hat der Kirchner seine Wohnung gleich bei der Kirche gehabt. Diese Stelle hat aber nach dem Brande vom 2. Juli 1687 auf hohen Befehl unbebaut bleiben müssen.

Daher hat er eine Zeitlang hinter dem Spritzenhaus, neben der jetzigen Mädchenschule, gewoh­nt, bis Herr Johann Ernst Berrel sein eigenes Haus bezogen hat. Im Jahre 1721 aber fing man an, gegenüber der Kirche eine neue Kirchnerwoh­nung zu bauen (Ecke Bahnhofstraße/Herrenstraße).

 

§ 3. Weil der Kirchner auch das Geläut zum Gottesdienste, zu Kindtaufen und Beerdigungen bestellen mußte und dieses nicht die Arbeit nur eines Menschen ist, wurden ihm zwei Gulden und sechs Groschen da­für zugewiesen, damit er Gehilfen dazu anstellen und auch bezahlen konnte.                                                                                (95)

Dagegen aber bekam er bei den Beerdigungen für das Geläute - wenn bei allen drei Geläuten („Schlägen“) die große Glocke gebraucht wird - 16 Groschen, bei den anderen 12 Groschen und bei der dritten nur 8 Groschen. Dies wurde dann auch 1686 bei der Kirchen‑ und Schulüberprüfung so bestätigt.

Vor der Reformation aber war die Besoldung des Kirchners folgende:

  • 5 Scheffel Korn und Gerste von den Altarleuten
  • 4 Gulden an Geld aus der Kirche
  • 40 Groschen von den Altarleuten, für die Maibäume, die die Altar­leute in die Kirche führen lassen mußten
  • 20 Groschen für die drei Werktagsgottesdienste vor Ostern
  • 1 Groschen für das „Salve“
  • 1 Groschen für die Messe zu Ehren Sankt Annas. Sie wurde auf dem Sankt Annen-Altar gehalten, damit eine Seele aus dem Fegefeuer erlöst werde, sooft eine solche gehalten wurde
  • 8 Pfennig aus jedem Haus, von jedem Bürger, am Walpurgistag und Michaelistag
  • Bei einer Beerdigung hatte er bei einem erwachsenen Menschen 1 Groschen und bei einem jugendlichen Menschen 6 Pfennig für das Läuten und Begra­ben
  • Bei einer Kindtaufe aber gab es nur 3 Pfennige
  • 2 Fuder Reisig-Holz, die ihm der Rat anfahren ließ
  • Auch 3¼ Acker Land.

Anmerkung:

Das „Salve“ war ein Wechselgesang am Schluß des Gottesdienstes, der zu Ehren der Jungfrau Maria an gewissen Tagen pflegte gesungen zu werden, wenn man die Messe beschloß mit den Worten: „Gegrüßet seist du Königin, o barmherzige! o fromme! o süße Jungfrau Maria“. Es gab auch einen Wechselgesang am Anfang über die Heilige Maria, die so anfing: „Gegrüßet seist du, heilige Mutter!“

Die Besol­dung im Jahre 1532 war wie hier aufgeführt wurde. Im Jahre 1690 hat Herr Johannes Christian Bühl zugunsten dieses Dienstes einen Acker Land am Langen Stein in der Clingener Flur verehrt, wovon die Lasten nach Clingen gezahlt werden müssen.

 

§ 4. Die Kirchner aber (und Baccalaurei), die nach der Refor­mation aufeinander folgten und von denen man noch einige Nachricht hat finden können, sind die folgenden neun:

 

1. Volkmar Taube, von 1579 bis 1589.

Er war früher ein Ordensangehöriger im Kloster Volkenroda gewesen und im Jahre 1578 wurde er hier Kirchner und auch zugleich Organist. Diese beiden Ämter konnten sehr wohl beisammen sein.

Im Visitationsverzeichnis (Protokoll nach der Überprüfung der Gemeinden) von 1587 wird er „ein alter Mann“ genannt und starb am 19. Mai 1589. Seine Witwe aber 1ebte nach ihm noch bis zum Jahre 1697, als sie ihm am 5. September auch nachgefolgt ist.

 

2. David König, 1590, war auch Organist.

 

3. Johannes Trötschel, von 1590 bis 1598.

Er folgte jenem im Jahre 1590 nach. Am 7. Januar 1592 heiratete er Jungfer Anne Kraft, Tochter des verstorbenen Tobias Kraft aus Sondershausen. Nachdem er aber das Amt fast sieben Jahre innegehabt hatte, starb er 1598 und wurde am 14. November begraben. Der Pfarrer M. Anthon Leuber gab ihm den Ruhm, daß er, als ein wohlgelehrter und verständiger Mann, der Kirche und Schule treulich gedient habe und Organist und Kirchner zugleich gewesen war.

 

4. Bernhard Hofmann, von 1599 bis 1614.

Er war auch zugleich Organist. Am Montag nach dem Sonntag Exaudi des Jahres 1602 wurde er mit Jungfer Barbara verheiratet, Tochter des Bürgermeister Hartung Schmidt. Im Jahre 1614 gab er aber den Kirchen­dienst auf und behielt allein den Organistendienst, den er noch ausübte bis zum Jahre 1622, als er am 1. Juli das Zeitliche segnete.

Er war also der Letzte, der Organistendienst und Kirchendienst zugleich versah. Das Kirchneramt blieb bei dem untersten (dritten) Lehrer der Schule.

 

5. Valentinus Hauschild, von 1614 bis 1661.

Er wurde in Greußen geboren und kam in das Kirchneramt, als Hofmann es aufgab. Am 25. Januar 1614 wurde er von der Pfarrerschaft und drei Räten zum Kirchner und Untersten Lehrer der Schule an­genommen. Am folgenden Tag wurde er eingeführt durch Pfarrer, Diakon, Bürgermeister und einige Mitglieder des Rates.

Am 8. Mai 1615 wurde er getraut mit Jungfer Anne, Toch­ter des Wil­helm Gundermann in Arnstadt. Er hatte einen Sohn gleiches Namens, der als Student der heiligen Wissenschaften im Jahre 1653 zum Mitarbeiter an der hiesigen Schule angenommen wurde (Nachdem er dieses Amt zwei Jahre mit Fleiß wahrgenommen hatte, kam er im Jahre 1656 auf die Pfarrstelle in Bil­leben).

Nachdem Hausschild mit seiner Frau 46 Jahre in der Ehe gelebt hatte, starb er im Jahre 1661 und wurde am 9. Dezember begraben, nachdem er an die 48 Jahre Kirchner und Dritter Lehrer an der Schule gewesen war und sein Amt in Treue wahrgenommen hatte und besonders in den Kriegszeiten vom Anfang bis Ende viel Ungemach erlitten hatte. Seine hinterlassene Wit­we aber starb im Jahre 1671 und wurde am 1. Januar begraben im Alter von 74 Jahren.

 

6. Nikolaus Kleisberg, von 1660 bis 1683.

Er wurde dem Vorgänger am 21. Mai 1660 an die Seite gestellt. Am 8. Juli des folgendem Jahres heiratete er Jungfer Anne Catharine, der Tochter des verstorbenen Vorgängers. Er brachte es aber nicht auf die Jahre des Schwiegervaters, sondern starb 24. Januar 1683 und wurde begraben am 27. Er war hier an die 23 Jahre Kirchner und Dritter Lehrer, und diese Ämtern hat er so wahrgenommen, daß er von jedermann schmerzlich betrauert wurde.            

Er hat aber kein höheres Lebensalter erreicht als 47 Jahre und eine Wo­che. Seine hinterlassene Witwe starb im Jahre 1702 und wurde begraben am Dienstag, dem 18. Juli.                                                                                                                                          (96)

 

7. Johann Tobias Kleisberg, von 1683 bis 1688.

Er war ein Sohn des Vorgängers und als ein Student der Theo­logie und Schüler des Gymnasiums in Halle folgte er dem Vater in diesem Amt. Nachdem er es aber bis zum Jahre 1688 wahrgenommen hatte, dankte er am 6. November freiwillig ab und ging wieder auf die Universität nach Halle und von da auf die Universität nach Leipzig. Er lebt aber auch noch jetzt in Greußen außer Diensten.

 

8. Johann Christoph Koch, von 1688 bis 1698.

Sein Vater gleichen Namens war Pfarrer in Bellstedt und Thü­ringen­hausen. Und als der Vorgänger am 6. November 1688 abdankte, trat dieser an demselben Tage das Amt wieder an. Am Mittwoch, dem 2. November 1692, wurde er getraut mit Jungfer Elisabeth Euphemie, Tochter des Meisters Andreas Madlung, verstorbener Waid‑ und Schönfärber von hier.

Nachdem er aber kaum an die neun Jahre Kirchner und Dritter Lehrer gewesen war, starb er am 4. März 1698, des morgens früh um 5 Uhr, im Alter von 43 Jahren weniger 1 Monat.

Er wurde begraben am Sonntag, dem 6. März. Die Predigt hielt der damalige Pfarrer und Inspektor, Herr Heinrich Tietzmann. Den Lebenslauf trug vor der Rektor der Schule, Herr M. Volkmar Johannes Herbig.

Seine hinterlassene Witwe aber bekam den damaligen Dritten Lehrer und jetzigen Kantor. Der einzige Sohn aber, den er hinterließ, steht nunmehr seit dem Jahre 1719 im Dienst, den schon der verstorbene Vater ausgeführt hat.

 

9. Johann Ernst Berrel, von 1698 bis 1719.

Er war ein Sohn des Meisters Wenzel Ernst Berrel, Bürger und Ein­wohner in Walschleben. Als ein Student der Theologie trat er dieses Amt am 23. Mai 1698 an. Am Dienstag, dem 25. April des folgenden Jahres, heiratete er Jungfer Anne Sabine, mittlere Tochter des Pfarrers Valentin Hauschild in Großmehlra.

Nachdem er aber an die 21 Jahre dieses Amt mit gutem Fleiß und Ruhm wahrgenommen hatte, starb er am 21. Juli 1719, sonnabends vor dem 6. Sonntag nach Trinitatis.

Da war der schreckliche Brand in der Neustadt, der um 9 Uhr angefangen hatte, kaum vorbei. Der Kirchner Berrel hatte seit der Fastenzeit wegen Schwind­sucht nieder gelegen und sein Amt nicht wahrnehmen können.

Als aber am 21. Juli der Brand anfing, befürchtete er, er könnte in der Angst verlassen werden, wenn das Feuer in die Mittelstadt käme, und er müsse am Ende gar mit verbrennen. Er ließ er sich aus seinem Haus in Wilhelm Kleebergs Garten tragen, um nahe an der Zwingertür im Brühl zu sein, damit er im Fall einer solchen Not da hinaus gebracht werden könnte.

Als er aber dort lag, gab er wieder andere Anweisung, und als er kaum wieder nach Hause gebracht worden war, entschlief er sanft und selig in dem Herrn, nachdem er ein Alter von 48 Jahren weniger 5 Monate erreicht hatte. Am 25. aber wurde er bestattet.

Die Beerdigungspredigt wurde gehalten über den Text Jesaja 57, Vers 1: „Der Gerechte ist weggerafft durch die Bosheit!“. Seine Witwe aber lebt noch, Gott möge ihr beistehen!

 

10. Johann Benjamin Koch, von 1719 bis heute.

Er ist ein Sohn des Vorvorgängers und wurde noch zu Lebzeiten des Vorgängers vom Konsistorium in Son­ders­hausen zum Stellvertreter ernannt. Als aber am 21. Juli der hiesige Rat wegen seiner Berufung beisammen war und sie wollte schreiben lassen, entstand das Feuer, so daß die Berufung nicht zustande kam.

Weil nun in diesem Unglücke der Vorgänger den Geist aufgab, wurde er am 1. August zum rechtmäßigen Kirchner und Dritten Lehrer berufen und am Montag darauf einge­führt.                                                                                                                        (97)

Im Jahre 1721 heiratete er Jungfer Anne Sophie, älteste Tochter des hiesigen Ratsmitglieds und Kauf‑ und Handelsmanns Herrn Theo­dor Christoph Herzog. Gott stehe ihm ferner bei durch den Geist seiner Gnade!

 

Sternickel ergänzt: Er starb am 24. September 1758 im Alter von fast 65 Jahren und wurde am 18. Sonntag nach Trinitatis in Gegenwart der ganzen Schule mit einer Leichenpredigt begraben.

 

Benjamin Andreas Martini, von 1759 bis 1770.

Sohn des Kantors Johann Christian Martini in Toba. Er hat die Kirchenbücher sehr unordentlich geführt, so daß sein Nachfolger sie berichtigen und ergänzen mußte, soweit das möglich war (von 1761 bis 1762 war nichts mehr in die Kirchenbücher eingetragen worden, sondern es lagen nur Zettelchen vor).

 

 

Johann Friedrich Schenke, von 1770 bis 1805.

Einziger Sohn des Schuhmachermeisters August Christian Schenke. Er war vorher zweiter Kirchner in Sondershausen. Den Dienst in Greußen trat er am 13. August 1770 an. Er starb am 18. März 1805. Er war ein sehr wackerer, gewissenhafter und oft ängstlich pünktlicher Mann, der als geschickter Schullehrer hier noch immer ein gesegnetes Andenken hat.

 

Gottfried Christoph Kriebel, von 1805 bis 1825.

Er wurde am 9. Dezember 1761 in Sondershausen geboren und wurde 1794 Kantor in Gerterode. Seit dem Jahre 1805 war er Kirchner in Greußen. Nach 22 Jahren bat er das Konsistorium, ihn in den Ruhestand zu versetzen und seinen Schwiegersohn an seiner Stelle einzusetzen.

 

Johann Friedrich August Hotze, ab 1825.

Geboren am 24. Mai 1804 als dritter Sohn des Schuhmachermeisters Philipp Benjamin Hotze. Nach dem Schulbesuch in Greußen wurde er vom Konsistorium zum Stellvertreter des Kirchneramts ernannt. Am 29. Dezember 1825 wurde er eingeführt. Kurz darauf heiratete er die Tochter seines Vorgängers.

 

 

 

V. Von dem Organistenamt und den Organisten

 

§ 1. Die Organisten haben zwar mit dem Schulunterricht niemals etwas zu tun gehabt; doch sind drei von ihnen Dritter Lehrer und Kirchner gewesen, die das Organistenamt zu­gleich verwaltet haben: Der 1589 verstorbene Volkmar Taube, Johannes Trötschel und nach ihm Bernhard Hoffmann, der das Kirchneramt aber im Jahre 1614 freiwillig aufgegeben hat und das Organistenamt allein behalten hat.

§ 2. Die Wohnung haben die Organisten ehemals bei der Kirche gehabt. Nachdem sie aber im Jahre 1687 mit abbrannte, ist noch keine wieder gebaut worden. So bekommt der Organist von der Kirche die Miete bezahlt und hat sich selbst eine Wohnung beschafft. Wie es mit dem Ackerland steht, das zu diesem Amt gehört, wird bei dem 2. und 5. Organisten beschrieben werden.

 

§ 3. Die Organisten aber, von denen man noch eine gewisse Nach­richt hat finden können, sind folgende:

 

1. Volkmar Taube.

Er war Dritter Lehrer und Organist zugleich, und ist bei den Dritten Lehrern schon erwähnt worden.

 

2. David König.

Er war zunächst auch gleichzeitig Kirchner und Organist. Im Jahre 1588 aber gab er den Organistendienst auf und behielt das Kirchneramt bis 1590 (er müßte das Amt schon 1587 aufgegeben haben, weil in diesem Jahr schon sein Nachfolger das Amt übernahm)

 

3. Johann Trötschel, von 1587 bis 1598.

Er war auch zugleich Dritter Lehrer und Kirchner, so daß er dort schon besprochen wurde. Im Jahre 1587 wurde er Orga­nist und 1590 auch Kirchner und verwaltete dieses Amt bis 1598.

Weil aber die Organistenbesoldung damals gar gering war, so vermachte im Jahre 1594 zu deren Verbesserung Lucas Schelmar dazu noch 2½ Acker Land, nämlich ein Acker hinter dem Friedhof oder auf dem Siechengraben, der mit Korn bestellt ist, und ein Acker auf dem Stopfarth oder im Ried, der mit Gerste bestellt ist, und ½ Acker am Tennstedter Weg an Christoph Walsburgs Weinberg. Sie wurden ihm am 25. Juni, am Dienstag nach dem Johannistag, im Rat­haus übergeben, damit er und seine Nachfolger im Organisten­amt sie zu ihrem Nutzen nach Gefallen gebrauchen sollten, jedoch so, daß sie jährliche Pachten und Grundsteuern davon ent­richteten mußten.

 

4. Bernhard Hofmann, von 1599 bis 1. Juli 1622.

Er war auch zugleich Kirchner und Dritter Lehrer. Doch gab er dieses Amt 1614 auf und behielt den Organistendienst allein. Dies wurde schon bei den Dritten Lehrern erwähnt.

 

5. Martin Koch, von 1622 bis 1628.

Er folgte jenem und war geboren in Heringen. Weil er aber am 2. März 1628 einen Taschner mit Namen Caspar Wals­burger umbrachte, mußte er entlaufen.

 

6. Matthäus Gebhard, von 1628 bis 1643.

Als jener entlaufen war, folgte ihm dieser im Mai. Weil er sich beklagte, daß er mit der schlechten Besoldung nicht aus­kommen könnte, so wurde ihm am 25. Juni das Amt des Waagenmeisters als Zusatzverdienst aufgetragen. Man nahm an, daß es jährlich ungefähr 30 bis 40 Taler erbringen könnte. Man versprach auch, sofern es etwa entgegen der Annahme wieder wegfallen sollte, daß er dann aus der Bürgerschaft eine gewisse Gegenleistung empfangen solle.

Am 26. März 1639 beklagte er sich auch, daß er den Ertrag von Valentin Franckes ein halb Vier­tel Pfarrland nicht bekommen könnte, nämlich zweieinhalb Scheffel Weizen und ebensoviel Gerste, die zu seiner Besol­dung bestimmt waren. Der Rat sah aber, daß keine Möglichkeit zur Erhebung dieser Naturalleistungen vorhanden war, weil das Land wüste und öde war und die Kriegszeiten schwer. So wurde beschlossen, daß er das Land selbst übernehmen sollte und statt des Pachtgeldes zu seinem Besten den Nutzen haben sollte.

Bedingung war jedoch, daß er die Steuer entrichten lasse und wenn sich ein Käufer dafür finden würde, müßte er es dann auch wieder abtreten.                                                  (98)

Die Ackerstücke aber sind folgende: Eineinhalb Acker auf dem Wurm­berg, ein Ar unter den Linden, ein halber Acker im Ried und eineinhalb Acker am Gangloff­sömmerschen Weg. Nachdem er aber den hiesigen Dienst wahrgenommen hatte bis zum Jahre 1643, wurde er Organist in Weißensee. Das halbe Viertel Pfarrland ist noch bis zum heutigen Tag mit diesem Dienste verbunden.

 

7. Valentinus Tronnier, von 1643 bis 1650.

Er trat diesen Dienst an am Sonntag Exaudi des Jahres 1643. Er war ein Sohn des Quedlinburger Bürgers Valentin Tronnier. Er heiratete im Jahre 1647 und wurde am 2. Sonntag nach Epiphanias getraut mit Jungfer Mar­grete, Tochter des Herrn Johannes Heuer, Bürger und Goldschmied in Nordhausen. Zuletzt kam er wieder nach Quedlinburg in seine Vaterstadt.

 

 

 

8. Johann Lukas Boxberg, von 1650 bis 1652.

Er war ein Sohn Heinrich Boxbergs, Schullehrers in Westerengel. Er kam hierher, als der Vorgänger freiwillig sich zurückgezogen hatte. Im folgenden Jahre heiratete er und wurde getraut mit Jungfer Anne Catharine, Tochter des hiesigen Stadtschreibers Herrn Andreas Pau­sel. Doch blieb er nicht länger hier als bis zum Jahre 1652, als er im Mai nach Son­dershausen kam und dort Hoforganist und zugleich Küchen­schreiber wurde.

 

9. Tobias Pfündel, von 1652 bis 1690.

Er war ein Sohn des Freyburger Kantors und Organisten Tobias Pfündel. Bisher war er Organist in Ichstedt (westlich von Artern) und wurde hierher berufen und am 9. Juni 1652 bestätigt. Er heiratete im Jahre 1654 und wurde am 16. Januar getraut mit Jungfer Marie Elisabeth, Tochter des hiesigen Ratsmitglieds Herrn Christoph Weimar. Danach wurde er am 9. Oktober 1677 auch von Graf Ludwig Günther zu Ebeleben in den Ratsstand erhoben und wurde hier Ratsmitglied, blieb aber dabei doch Organist.

Da auch der Organist bis dahin nur 360 Bündel Holz zu seinem Unterhalt (Deputat) gehabt hatte, so wurden diesem noch 180 Bündel zugelegt, so daß der Organist also nun 540 Bündel bekommt.

Am 14. November 1690 aber starb er. Er hatte sich des Abends zu Bette gelegt, stand aber wegen einer aufkommenden Schwachheit des Leibes­ wieder auf. Aber alsbald traf ihn ein Schlaganfall, daß er selig verschied, nachdem er fast 38 Jahre den Dienst wohl ausgeübt und bei jedermann geachtet gewesen ist. Seine hinter­lassene Witwe aber, Frau Maria Elisabeth, ist erst am 16. Dezember 1706 hier begraben worden im Alter von 71 Jahren, 3 Monaten und 2 Tagen.

 

10. Johann Nikolaus Schäfer, von 1691 bis 1708.

Er war ein Sohn Herrn Johann Schäfers, Ratsmitglied und Weißbäcker in Ranis bei Salfeld. Er hatte sich eine Zeit lang in Sondershausen, als die dortige Organistenstelle nicht besetzt war, fleißig verdient gemacht. Also nun der Vorgänger ge­storben war, wurde er vom Grafen zu Sondershausen am 26. Mai 1691 zur Probe hierher geschickt. Weil man mit ihm zufrieden gewesen war, wurde er am 20. berufen und zog am 23. Juni ein.

Noch im gleichen Jahr heiratete er am Donnerstag, dem 8. No­vem­ber, und wurde getrauet mit Frau Sybille Juliane, Witwe des Herrn Georg Christian Fornfeist, Ratsmitglied und hiesiger Rechtsanwalt. Nachdem er aber dieses Amt mehrere Jahre verwaltet hatte, zog er weg und wurde Orga­nist in Stolberg.

 

Leider fehlt die Angabe, wie lange die Amtszeit dauerte. Die hier angegebene Jahreszahl wurde nur erschlossen aus dem Heiratsdatum des Nachfolgers.                                                                           

                                                                                                                                              (99)

11. Justus Nikolaus Mensel, von 1708 bis heute.

Er war ein Sohn Valentin Mensels, des verstorbenen Einwohners und Ge­richtsschöffens in Hörselgau bei Gotha. Nachdem nun der Organist Schäfer weggezogen war, wurde er vom Fürsten zum Probevorspielen vorgeschlagen. Dieses ging so aus, daß die hiesige Pfarrerschaft und der Rat damit zufrie­den waren. So erfolgte die Berufung und er trat sein Amt an. Am 4. Juli 1708 heiratete er und wurde getraut mit Jungfer Concor­die Margrete, älteste Tochter aus der zweiten Ehe des verstorbenen Herrn Wolfgang Heinrich Benjamin Mosch, damals hier Pfarrer und Inspektor für Ebeleben.

Er ist auch wegen seines guten Wohl­verhaltens von dem nun in Gott ruhenden Landes­fürsten Herrn Christian Wilhelm im Jahre 1721 in den Rats­herrenstand erhoben worden. Gott erhalte ihn ferner!

 

Sternickel ergänzt: Er starb im Jahre 1751 im Alter von 68 Jahren, nachdem er 46 Jahre Organist und 31 Jahre Ratsherr gewesen war.

 

Johann Friedrich Lauterborn, von 1751 bis 1778.

Sohn des Sattlermeisters Friedrich Tobias Lauterborn. Er war ein sehr geschickter Schreib- und Rechenmeister und gab den noch bekannten und vorhandenen „Rechenknecht“ in Druck. Er war Ratsmitglied und fürstlicher Zehnterheber. Er starb am 28. Oktober 1778 im 53. Lebensjahr.

 

Johann Heinrich Reinhardt, von 1779 bis 1827.

Er war Sohn des Kantors Reinhardt in Wundersleben. Er hat die hiesige Stadtschule besucht und erhielt im Jahr 1779 die Organistenstelle und war später auch Ratsmitglied. Im Jahre 1820 ließ er sich seinen Nachfolger beigeben. Er starb im Jahr 1827.

 

Johann Christian Richter, ab 1827.

Sohn des Schneidermeisters Johann Friedrich Richter. In Halle erweiterte er seine Kenntnisse so weit, daß er die schon vorher zugesicherte Stelle des Mit-Rektors übernehmen konnte. Am 29. August 1820 wurde er Stellvertreter auf der Organistenstelle. Am 25. Februar heiratete er Johanne Friederike Rebling, älteste Tochter des Schuhmachermeisters und Gemeinde-Ge­richts­schöffen Immanuel Lebrecht Rebling. Am 1. Juni 1828 wurde die Stelle des Mit-Rektors dadurch frei, daß der bisherige Mit-Rektor Beyer zum Pfarrer nach Holzsußra berufen wurde; daraufhin wurde die Stelle vom Konsistorium an Organist Richter übertragen.

 

 

 

 

 

 

Das VII. Kapitel

Von den beiden hiesigen Schulen und ihren Lehrern

 

1. Von der Knabenschule

 

§ 1. Die beiden Schulen sind von alten Zeiten her in guter Blüte gewesen. Die hohe und gnädige Obrigkeit des geistlichen und welt­lichen Standes hat niemals etwas mangeln lassen, um sie zu erhalten und in Zukunft noch zunehmen zu lassen. Deshalb hat man sie nicht allein jeder Zeit mit tüchtigen Lehrern und Lehrerinnen ausgestattet, sondern auch die nötigen Über­prü­fungen vor Ort („Visitationen“) vorgenommen, um zwischen ihnen und der untergebenen Jugend gute Ordnungen zu stiften und bei allen Gottes Ehre zu erhalten, wie bereits bei den Kirchensachen angeführt worden ist.

 

Im Jahre 1567 wurde in Schwarzburg M. Heinrich Müller als hauptamtlicher Schulaufseher berufen, zu dessen Besoldung Greußen 13 Gro­schen beisteuern mußte. Später wurde ein Konsistorium eingerichtet mit einem Kircheninspektor, der auch die Aufsicht über die Schulen ausübte, während der Ortsgeistliche die örtliche Schulaufsicht führte. Neben den Geistlichen waren noch von der Bürgerschaft gewählte „Scholarchen“ vorhanden (in dieser Chronik wiedergegeben mit „Beauftragte für das Schulwesen“), die alle 14 Tage dem Unterricht beiwohnen sollten. Meist waren das zwei Mitglieder des Rats, später fast stets die Oberbürgermeister der nicht amtierenden Ratsjahrgänge.

 

§ 2. Das Haus der Knabenschule war vor Zeiten auf dem Kirchhof. Dort waren die gesamten Kirchen‑ und Schullehrer alle in der Nähe beisammen. Weil aber das Haus nicht nur zu klein war, sondern auch baufällig, so kaufte der hiesige Rat am 2. Pfingsttag 1590 das Haus Martin Kaysers in der Herrengasse für 150 Gulden und richtete es her zur neuen Knaben­schule.

Im Jahre 1608 riß man das Haus ab und baute es von Grund auf neu. Bei dem großen Brande im Jahre 1687 war nun dieses Schulhaus auch mit zu Staub und Asche geworden und nichts blieb davon erhalten als das Lesepult des Rektors, das ein Bauer in guter Meinung herausgetragen hatte. Danach konnte man es so bald nicht wieder aufbauen.

Die Schullehrer waren übel zerstreut. Dem Rektor M. Krause wurde das kurz vor dem Brand als Organistenwohnun­g neu erbaute Häuslein hinter der Kirche zur Hälfte eingeräumt. Die andere Hälfte aber, die von dem dritten Bürgermeister den Hebammen gewidmet war, erhielt die Mädchenlehrerin. Dort wurden die Mädchen unterrichtet, obwohl das Haus im Brand einen solchen Schaden genommen hatte, daß das Dach und die oberen Stockwerke mit verbrannt sind. Der untere Teil aber blieb stehen, so daß er desto eher wieder notdürftig repariert werden konnte.

Der Kantor Jonas Volland ließ aus Mangel an nötigem Lebensunterhalts sein Back­haus hinter der Kirche in der Leitergasse sofort wieder bauen und nahm in dessen Oberteil seine Wohnung. Der dritte Lehrer aber, Herr Rube, mie­tete sich selbst gegen Zahlung von sechs Gulden Wohn­geld bei einem Bürger eine Wohnung. Der vierte Lehrer (Baccalaureus) wohnte zugleich mit der Mädchenlehrerin in dem vorher erwähnten Haus bei der Kirche.

Damit die liebe Jugend unterrichtet werden konnte, wurde noch im selben Jahr die neue Ratsstube im Oberstockwerk - die nicht gänzlich durchgebrannt war - und das Nebengemach etwas ausgebessert und aus Brettern ein Gang dorthin von den äußeren Treppen nach Osten gemacht.

Als Zwischenlösung wurde ein Schindeldach über das Mauerwerk des ganz abge­brannten Rathauses gehängt, so daß man dort so lange Schule gehalten hat, bis durch Gottes Beistand und Gnade die neue Schule wieder aufgebaut und notdürftig eingerichtet war.

Die neue Schule mit der Diakonatswohnung fing man am 4. September 1692 zu richten an und setzte diesen Bau ein ganzes Jahr mit allem Fleiß fort.

Am 27. September 1693 wurden zwei alte eiserne Öfen von dem noch ungebauten Rathaus genommen und am 1. Oktober in die Schule und am 2. in Wohnstube des Rektors gesetzt, daß also diese beiden wichtigen Gemächer wieder gebrauchsfertig waren. Nach der feierlichen Einweihung wurden sie wieder benutzt.

Zu dieser Einweihung wurden die Pfarrerschaft, der Rat und alle Leute von Rang (Honoratioren) am 9. November durch ein wohldurchdachtes Programm auf den 11. des Monats eingeladen. Diese geschah folgendermaßen: 1.) Nach dem Gottesdienst begab sich die Pfarrerschaft mit den drei Räten und zwölf Vier­leuten in die Schule.

Darauf gingen 2.) Schüler mit den Herren Lehrern vom Rathaus, in dem seit dem Brand die Schule gehalten worden war, in die neue Schule und sangen auf der Straße das Lied: „Nun lob meine Seele dem Herrn“. Viele Leute schauten dabei zu und es ging nicht ohne ihre Tränen ab.

3.) In der Schule hielt der Rektor M. Herwig eine lateinische Rede, danach der Pfarrer M. Mosch eine deutsche Rede vom Lob und Nutzen der Schulen. Dabei dankten sie beide der Herrschaft, dem Rate und allen, die hilfreiche Hand geleistet hatten für die Gnade und das Vorankommen.

Nachdem jeder Lehrer seine Schüler öffentlich geprüft hatte, wurde die ganze Handlung mit einer Choral‑ und Instrumentalmusik im Namen Gottes be­schlossen, so wie man es auch am Anfang gemacht hatte. Da­nach fing am 12. November der volle Besuch in der neuen Schule wieder an, nachdem auch am 10. November der Rektor seine neue Wohnung wieder bezogen hatte.

Es war aber nichts weiter fertig als die unterste Stube, die durch eine Zwischenwand so geteilt war, daß in dem Teil nach der Straße zu die vier untersten Klassen mit ihren Lehrern und in dem Teil nach dem Hofe zu der Rektor mit seinen oberen Klassen war und sich behelfen mußte.                                                                           (100)

Weil aber in der Folgezeit sich die Jugend immer weiter vermehrt und die untere Stube vor allem zu klein war, wurde auch im Jahre 1714 die obere Stube vollends zurecht gemacht, so daß nunmehr in dem einen Teil der Rektor mit seinen oberen Klassen und in dem anderen der Mit-Rektor mit seinen mittleren Klassen gar wohl und mit Fug und Recht sein kann. Das Schulhaus ist demnach wohl und bequem hergerichtet.

 

§ 3. Ehemals aber hatte die hiesige Knabenschule nur drei Lehrer (Präzeptoren), nämlich den Rektor, den Kantor und den Dritten Lehrer. Nachdem sich aber die Schuljugend im Laufe der Jahre vermehrt hatte und Gott nach erlangtem Frieden bessere Zeiten gegeben hatte, so ist am 24. Januar 1654 - auf Befehl des Herrn Graf Ludwig Günther zu Ebeleben - Valentin Hauschild zum Mitarbeiter an der hiesigen Schule bestimmt und eingeführt worden.

 

Im Jahre 1575 gab es einen Schulmeister, eine Kantor (zweiter Lehrer), einen Kirchner und Organisten (dritter Lehrer). Im Jahre 1600 gab es einen Rektor, einen Kantor, einen Baccalaureus (oder Infimus), der zugleich Kirchner war.

Im Jahre 1654 wurde eine neue Lehrerstelle geschaffen, der „Präzeptor“ oder „Collega Tertius“ oder „Kollaborator“, der die 3. und 4. Klasse übernahm.

Seit 1696 gab es den Mit-Rektor. Der Rektor hatte seitdem die erste, der Mit-Rektor die zweite, der Kantor die dritte, der Kirchner die vierte und der „Quintus“ die fünfte und der „Sextus“ die sechste Klasse zu betreuen. Später wurden die fünfte und sechste Klasse vereinigt, die Stelle des sechsten Lehrers aber blieb. Im Jahre 1728 gab es einen Quintus für die 5. Klasse und der Sextus seitdem nur für die 6. Klasse. Weitere Einzelheiten über die Schule bei Lürmann auf Seite 191-207.

 

Diese Zahl der Lehrer ist dann auch bis heute beständig erhalten worden. Jeder unterrichtet vier Stunden am Tag, nachdem es früher nur drei Stunden geschehen war. Weil im Jahre 1657 einem jeden Lehrer eine gewisse Zulage gegeben wurde, so ist auch von da an die vierte Stun­de eingeführt worden. Jedoch wurde der Unterricht am Montag und Sonnabend nur einen halben Tag besucht und an beiden Tagen nur vormittags.

Am Montag nach dem 1. Advent 1655 fingen mit Erlaubnis und Gutachten der Herren Inspektors die Knaben an, vormittags in die Schule zu gehen. Nachmittags hatten sie nun frei, während sie früher am Vor­mittag frei hatten.

Der damalige Landesvater Graf Ludwig Günther zu Ebeleben hat am 5. November 1658 hier in der Schule eine neue und weitläufige Schulordnung veröffentlichen lassen im Beisein der Geistlichen, aller dreier Ratsjahrgänge, der Vierleute und einigen aus der Bürgerschaft, in der sowohl vom Unterricht als auch von der Disziplin herrliche Abhandlungen und viele heilsame Vorschläge gemacht werden.

 

§ 4. Zur Heizung der Schulstuben werden jährlich 1.080 Bündel Holz gegeben, nämlich 360 Bündel aus dem Mönchsholz, das ehemals für die Schule bestimmt wurde, als der Abt und das Kloster Ilfeld über die hiesigen Kirchen und Schulen noch zu verfügen hatte. Diese Bündel wurden von den Vollbauern herbeigebracht. Der Rektor bekam zur Verpflegung der Knechte 12 Groschen, nämlich 6 aus der Kirche und 6 Groschen vom Rat. Die anderen 360 Bündel kamen aus dem Bürgerholz und sind später vom Rat noch zuge­legt worden. Die Fuhren dafür aber sollten diejenigen auf Bitten übernehmen, die sonst nicht pflichtmäßig dienen. Nun aber fahren auch diese die Vollbauern.

Zur Verpflegung bekommt der Rektor auch 12 Groschen, teils aus der Kirche, teils vom Rat. (Das Bürgerholz lag an der Straße von Kirchengel durch das Klappental beim Beginn der langen Grube am Jechaer Weg).

Als man auch im Jahre 1714 die Oberstube hergerichtet hatte, daß sie von dem Rektor und Mit‑Rektor mit ihren Untergebenen eingenommen werden konnte und die alte Holzzuweisung für die beiden Stuben nicht reichte, wurden abermals 360 Bündel vom Rat zugelegt. Mit deren An­lieferung ist es dann ebenso eingerichtet worden, wie es mit jenen üblich war.

 

§ 5. Was nun bei einem jeden dieser Schullehrer Bemerkenswertes vorgefallen ist und wie sie etwa von guttätigen Leuten bedacht worden sind, soll nun hier noch besonders angeführt werden. Jedoch werden die Kantoren und Kirchner ausgelassen, weil sie bereits unter den Kirchenmitarbeitern („Kirchendienern)(Seite 155 Kantoren, Seite 168 Kirchner) angeführt wurden.                                                                  (101)

 

1. Von dem Rektorat und den Rektoren.

§ 1. Es wurden ehemals die hiesigen Rektoren nicht anders als „Schul­meister“ genannt, wie es in den alten Schriften im allgemeinen gefunden wird, bis auf M. Joachim Dreyschärf, der im Jahre 1633 aus Sachsen hierher gekommen ist.

Der Name „Schulmeister“ ist keineswegs verächtlich, sondern recht bequem ist dadurch das latei­nische Wort „Ludi Magister“ (Meister der Schule bzw. des Spiels) auszudrücken. So waren auch diejenigen, denen dieser Titel unter den hiesigen Rektoren noch bei gelegt wird, nicht geringe Leute und Idioten.

Es waren vielmehr solche Män­ner, aus welchen man wohl hätte Professoren auf der Universität machen können, wie es besonders von Johann Tentzel und Johann Volland bekannt ist.

Wie es vor der Reformation mit den hiesigen Rektoren gehalten wurde, ist einigermaßen aus der Nachricht vom Jahre 1450 zu ersehen, in der es heißt: „Der Pfarrer soll dem Rektor die Kost im Pfarrhaus geben, und er soll dort eine Schlafkammer haben und nicht in der Schule. Der Rektor soll auch dem Pfarrer zu Dienste sein, am Tisch das erste Gericht herbeitragen und sich dann mit zu Tische setzen. Der Rat gibt dem Rektor auf dem Rathaus die Schule auf.

Der Pfarrer soll nicht dabei sein und hat damit nichts zu tun. Wenn aber der Rat ihn in die Schule einführt und ihm die Schüler anbefiehlt, soll der Pfarrer dabei sein, und der Rektor soll dem Pfarrer in Gegenwart des Rats geloben, ihm gehorsam zu sein und in der Kirche sich nach seinen Anweisungen zu halten, nach redlichem alten Herkommen und Gewohn­heit.“ Das geht auch hervor aus einem Vergleich zwischen dem damaligen Pfarrer Heinrich Kulbe (Kolbe) und dem Rektor Heinrich Ludenrodt, wie es schon in Kapitel VI. von den Pfarrern § 2 angeführt worden ist. Nach der Reformation ist das aber anders eingerichtet worden, so daß der Rektor seine Wohnung im Schulhaus selbst hat.

 

§ 2. Wegen der übernommenen vierten Stunde sind dem Rektor aus Wolf Schmidts Zinsen ehemals 6 Gulden zugelegt worden. Weil die Hälfte davon in den Kriegszeiten eine Zeitlang ausgefallen war, so haben es die Herren Konsisto­rialen am 14. Dezember 1657 wieder soweit gebracht, daß sie nun bis auf den heutigen Tag beständig gegeben werden.

Das Neujahr­-Geld aber - das sich jetzt der Rektor und der Kantor zu teilen pflegen - ist ehemals dem Rektor allein zugute gekommen. Als aber Herr Christoph Toppius (der im Jahre 1644 Diakon und im Jahre 1657 Pfarrer geworden ist) noch Kantor war, ist es so ausgemacht worden, daß sich beide darin gleich teilen sollten. Dagegen wurde dem Rektor das Schulgeld, wenn ein jeder fremder Knabe im Vierteljahr 6 Groschen geben muß, dem Rektor allein zuerkannt.

 

§ 3. Die Rektoren aber, die nach der Reformation in der hie­sigen Schule gewesen sind und von denen man noch einige Nachricht hat, sind folgende:

 

1. Johann Sauerbier, 1558.

 

2. Apollo Speiser, von 1558 bis 1566. Da er hier Diakon wurde, ist er dort schon erwähnt worden.

 

3. Martinus Carbo (Kohl), von 1566 bis 1574.

Weil er aber zuvor von 1563 bis 1566 Kantor hier gewesen, so ist er dort schon erwähnt worden bei dem dritten Kantor. Im Jahre 1574 wurde er Prediger in Heringen.

 

4. Benjamin Starck, 1575 (aus Mühlhausen).

Der Vater Sebastian Starck war zunächst hier Pfarrer gewesen und wurde dann Superintendent in Mühlhausen. Deswegen mag er vielleicht ein Mühlhäuser genannt werden. Endlich wurde dieser Benjamin Starck auch Super­intendent zu Mühlhausen, wie bei den Kantoren erwähnt ist.

 

5. Johannes Tentzel, von 1575 bis 1578.

Er war in Großwechsungen geboren. Zuerst war er Mit‑Rektor in Einbeck, von wo er 1575 hierher zum Kantor berufen wurde und noch in demselben Jahr erhielt er auch noch die Rektoratsstelle. Es ist gewiß, daß er ein Greußener von Geburt gewesen ist, obwohl sein Vater - aus Mangel alter Nachricht - unbekannt ist.

Die Grundlagen legte er hier in der Schule seiner Vaterstadt und vervollkommnete sie danach ferner unter dem unvergleichlichen Schulmann, dem Rektor und Abt zu Ilfeld M. Michael Neander, so daß er den Ruhm eines guten Redners und Dichters verdient.

 

Deswegen hat der gelehrte Rektor und Dichter in Sondershausen, M. Matthäus Zimmermann, aus dem Namen „Janus Tenzel“ durch Versetzung der Buch­staben (Anagramma) den Spruch herausbrachte: „En zelus nati!“ (d.h. „in Eifer geboren“).                                                                                                                          (102)

Daß er sich bei seinen schönen humanistischen Studien dem Jurastudium zugewandt hat, ist daraus zu schließen, daß er der hiesigen Stadt als ein juristischer Beamter („Syndicus“) gute Dienste getan. Auf welcher Universität es aber geschehen ist, habe ich nirgends gefunden.

Nachdem er nun seine Studien vollkommen abgeschlossen hatte, trat er im Jahre 1574 das Rektorenamt hier in Greußen an und diente mit seinen gründlichen Wissenschaften der anbefohlenen Jugend bis zum Jahre 1578. Da tauschte er die Schulleitung mit der Leitung der Stadt und wurde von Graf Johann Günther, dem Stifter der Arn­städ­ter Linie, zum Bürgermeisteramt berufen.

Sein Ruhm aber, den er durch seine Gelehrsamkeit und Weisheit erworben hatte, ist aus dem Zeugnis zweier gelehrter Schulleute zu erweisen. Der eine ist Neander aus Ilfeld, der in seiner „Beschreibung der ganzen Welt“, Seite 107 und 108, von der Stadt Greußen handelt und unter anderem spricht (dieser Punkt ist bereits am Anfang dieses Werkes angeführt worden): „Das politische Amt hat nicht zuletzt inne Johannes Tentzel, einst Rektor der Greußener Schule, darauf Jurist der gleichen Stadt, jetzt aber Bürgermeister.“

Der andere aber ist Zimmermann aus Sondershausen, der ihm den Titel „fein gelehrter Bürgermeister“ in Greußen gibt und aus dem Namen „Johannes Tencel“ abermals einen Sinnspruch (Programma) macht:„Ist nicht hier auch ein Mann des Glücks!“

Wenn er auch dem Schulstaub entzogen war, so blieb er doch allezeit Schutzherr und Freund der Schule und Kirche, und weil ihn Gott besonders in zeitlichen Gütern gesegnet hatte, tat er beiden viel Gutes. Er hat nicht nur auf eigene Kosten verschiedene Stücke in der Kirche bau­en lassen, sondern auch gewisse Vermächtnisse gestiftet.

Von diesen ist oben schon angeführt das obere Täfelchen des Altars und die steinerne Treppe an der Kirche. Dazu kommen noch 3½ Acker, die er der Diakonatsstelle, und 3½ Acker, die er der Kantoratsstelle vermacht hat. Bei dem 6. Diakon ist er auch schon erwähnt worden (richtig: dritter Diakon Laser, Seite 138), weil der im Jahre 1604 drei Magdeburger Zehnte (?) über­geben hat.

Tentzel starb am 18. November 1609 und hinterließ nicht allein auf dem Rathaus und bei der Bürgerschaft, sondern auch in Kirchen und Schulen ein rühmliches Andenken. Sein Alter betrug 64 Jahre.

 

6. Lorentz Thal, 1577.

Im Jahre 1573 wurde er vom Rat in Großenehrich zum Pfarrer vorgeschlagen, aber wegen verdächtiger Lehre nicht angenommen.

 

7. M. Peter Deuthorn, von 1578 bis 1580.

Er war ein Greußener von Geburt und hatte auch in der berühm­ten Klosterschule zu Ilfeld unter Neander die besten Grundlagen gelegt. Wo er aber den Grad eines Magisters angenommen hat, ist unbekannt. Doch hielt er sich in dem Schulstaube nicht länger auf als bis zum Jahre 1580, als er in den hiesigen Rat berufen wurde.

Michael Neander zählt ihn mit unter die hiesigen Ratsmitglieder, wenn er schreibt: „Albert Tentzel und Peter Deuthorn - beide Lehrer der guten Künste - und Johannes Henning waren Ratsherren dieser Stadt, beste und weiseste Männer, einst auf der Schule in Ilfeld geziert und gelehrt mit griechischen und lateinischen Wissenschaften.“

 

 

8. M. Anthon Leuber, 1580.

Weil er aber noch in diesem Jahre Pfarrer in Bilschleben wurde (entweder Billeben südlich von Ebeleben oder Bilzingsleben nordwestlich von Kindelbrück), aber doch am Ende wieder nach Greußen gekommen und im Jahre 1597 hier Pfarrer geworden ist, so ist er dort bereits behandelt worden.

 

9. Georg Helwig, 1581.

 

10. Nikolaus Nebel, 1582.

Er war im Jahre 1577 hier Kantor geworden und erlangte nun auch die Rektoratsstelle. Jedoch verließ er im Jahre 1583 die Schule wieder und starb im Jahre 1597.

 

11. M. Johannes Volland, von 1582 bis 1592.

Sein Vater war in Greußen Ratsmitglied und ein besonderer Schul­- und Gelehr­tenfreund, obwohl er selbst nicht studiert hatte. Weil der Vater aber nichts mehr wünschte, als aus diesem seinem Sohn der Welt einen gelehrten Mann zu erziehen, gab er ihn zum Unterricht bei den damals berühmtesten Lehrern.

Die ersten Grundlagen legte er mit gutem Ruhm hier in der Schule sei­ner Vaterstadt. Nachdem er aber hier in Gebräuchen, Sprachen und Künsten große Fortschritte gemacht hatte, brachte er ihn nach Erfurt. Dort hatte er dann das besondere Glück, im Haus des berühmten Basilius Fabri zu sein und dessen Unterricht zu genießen.                                                                                                                                               (103)

Weil Neander die Ilfeldische Schule in einen solchen Ruf gebracht hatte, daß Philipp Melanchthon öfters gesagt hat: „Es kommen keine besseren und gelehrteren Studenten nach Wittenberg als von Ilfeld, aus dem Unterricht Neanders", so sollte er auch noch diese Schule besuchen.

Durch den Unterricht Neanders brachte er es innerhalb von sechs Jahren zu einer solchen Vollkommenheit, daß er in griechischer und lateinischer Sprache einen trefflichen Dichter und Redner abgeben konnte, wie seine später herausgegebenen Schriften der gelehrten Welt gezeigt haben.

Hierauf ging er nach Leipzig und studierte dort ganze fünf Jahre Medizin. Er wollte aber nun mit dieser seiner soliden Wissenschaft - besonders in den humanistischen Studien - dem Nächsten gerne dienen.

Deshalb nahm er im Jahre 1582 die Rektoratsstelle in Greußen an und diente darin der Jugend, sowohl mündlich als auch schriftlich, mit glücklichem Erfolg und großem Ruhm.

Im Schulberuf ist es ihm aber nicht so gemacht worden, wie es seinen Verdiensten entsprochen und er es gerne gesehen hätte. Deswegen gab er das Amt dann auch auf, nachdem er ein volles Jahrzehnt darin ausgehalten hatte. Er kaufte Bürger­meister Herm­stet die Apotheke ab und betrieb dort eine Medizinpraxis.

Als er die „Griechische Auswahl“ herausgab, machte der Dichter und Rektor in Sondershausen ein gelehrtes griechisches Gedicht (Epigram­ma) darüber. Ebenso ein lateinisches, als er im Jahre 1592 die „Sechs Bücher über die griechische Poesie“ herausgab.

Am 16. Juli 1594 starb er des abends um 9 Uhr und wurde am 18. um 9 Uhr bestattet. Vermutlich ist er nicht sehr alt geworden, weil er nur zehn Jahre in der Schule gedient und danach zwei Jahre Jurist gewesen ist.                                                                                                                                                                                              (105)

 

12. M. Sebastian Starck, von 1592 bis 1633.

Er war von Geburt auch ein Greußener, nämlich der Sohn des Pfarrers M. Sebastian Starck, geboren im Februar 1563. Er wurde noch zu Lebzeiten seines Vorgängers am 3. September 1593 eingeführt. Weil er Medizin studiert hatte, so hat er diese neben der Rektoratsstelle alle Zeit ausgeübt. In dem ersten Jahre seines Rektorats am 10. Oktober wurde auch die neue Schule eingeweiht.

Dreimal aber hat er sich verehelicht. Zuerst am 26. August 1594 mit Jungfer Anne, Tochter des hiesigen Pfarrers Matthäus Beinhardt. Dabei hielt der Superintendent zu Eisleben Georg Autumnus die Hochzeitspredigt, und der berühmte Dichter und Rektor in Sondershausen, Matthäus Zimmermann, machte ein lateinisches Lied, in dem er die Braut mit einem Weinstock verglich.

Als jene verstorben war, heiratete er am 27. August 1599 Jungfer Susanne, Tochter des verstorbenen Herrn Bürgermeister Johann Hermstet.

Nachdem auch diese am. 9. Mai 1623 verstorben war, wurde er ein weiteres Mal getraut am 13. April 1624 mit Jungfer Catharine, Tochter des Bürgermeister Andreas Lauterborn. Mit diesen drei Frauen hat er 16 Kinder gezeugt und einer unter seinen Söhnen ist Doktor der Theologie und Super­intendent zu Torgau geworden.

Der schon erwähnte Matthäus Zimmermann machte zwei Sprüche mit Buchstabenwechsel (Anagrammata) auf den Namen dieses Rektors, aus denen zu schließen ist, daß er gleich wie seine Vorgänger auch ein Mediziner gewesen sein muß. Ja, Zimmermann bat ihn durch ein poetisches Einladungsschreiben zur Martinsgans, aus dem man bei beiden eine vertraute Freundschaft erkennen kann.                                                                                                                                                                 (106)

Schließlich starb er am 22. Januar 1634, mittags um 12 Uhr, nachdem er das 70. Jahr schon zurückgelegt hatte. So wie im Amt der Diakonen keiner ein höheres Lebensalter erreicht hat als der Diakon M. Johannes Kayser, so hat auch Starck diesen Vorzug unter den Schullehrern gehabt. Seine hinterlassene Witwe wurde begraben am 11. September 1671 im Alter von 70 Jahren.

Er behielt von dem damaligen Pfarrer Johann Helwig und allen anderen, die ihn gekannt hatten, den Ruhm eines wohl verdienten Rektors, der der Schule 41½ Jahre treu und wohl vorgestanden hatte. Er wurde auch am 24. Januar feierlich begraben und von jeder­mann sehr betrauert, weil er in dem hohen Alter und den schweren Kriegszeiten nichts unterlassen hat, was sein Amt erfordert hat, dabei aber alle Zeit sehr viel ausgestanden hat.

Er hat nicht allein drei Sterben hier erlebt, nämlich in den Jahren 1598, 1610 und auch 1625, sondern auch zwei Plünderungen mit erduldet, nämlich in den Jahren 1631 und 1632. Diese hat zwanzig Tage gedauert und er ist dabei nicht nur um alles das Seine gekommen, sondern wurde auch ge­prügelt und blutig geschlagen und schließlich von den grausamen Soldaten an den Schwanz des Pferdes gebunden und hat ihnen bis in ihr Quartier folgen müssen.

 

13. M. Joachim Dreyschärf, von 1633 bis 1638.

Im Jahre 1638 hat er das hiesige Pfarramt übernommen. Bei den Pfarrern ist er bereits schon erwähnt worden.

 

14. Johann George Schumann, von 1638 bis 1646.

Er war ein Sohn des Herrn Johann Schumann, früher Pfarrer in Obern­dorf bei Arnstadt, als er sich hier beworben hat. Er wird aber von Johannes Christoph Olearius unter die Ge­lehrten gerechnet, die in Arnstadt geboren wurden. Am 11. April 1638 wurde er hier von dem Amt­mann zu Clingen, Anhardt Schmied, und den Herren Philipp Tent­zel und Veit Lat­ter­mann zum hiesigen Rektor eingeführt.

Kurz darauf heiratete er am 28. Mai Jungfer Anne Catharine, Tochter des verstorbenen Herrn Georg Jauch, schwarzburgischer Hofjäger in Arnstadt. Nachdem er aber dieses Amt acht Jahre mit schlechtem Nutzen innegehabt hatte und sich zu einem Schulmann nicht gut eignete, wurde er im Jahre 1646 auf die Pfarrstelle nach Hohenebra und Thalebra versetzt, von wo aus er später nach Oberspier und Wasserthaleben gekommen ist.

 

15. Johannes Kayser, von 1646 bis 1658.

Er wurde Diakon und ist dort bereits erwähnt worden.

 

16. M. Johannes Tobias Treffart, von 1659 bis 1666.

Er war ein Sohn Herrn Friedrich Treffarts, des hiesigen Ratsmitglieds und Sattlers. Er folgte auf den Vorgänger Kayser, nachdem der in das hiesige Pfarramt gekommen war. Er wurde am 21. Mai vom hiesigen Stadtrat berufen und am 25. bestätigt. Er heiratete im folgenden Jahr am 28. November Jungfer Barbara Susanne, Tochter des verstorbenen Herrn Andreas Fornfeist. Er hatte dieses Amt nicht länger als acht Jahre inne und starb im Jahre 1666 und wurde am 26. Januar begraben im Alter von 35 Jahren.

 

17. Johann Nicol Käwalt, von 1666 bis 1669.

Er folgte jenem im erwähnten Jahre und heiratete auch noch in demselben Jahr am 13. August Jungfer Justine, Tochter des Kaufmanns und Stadtfähnrichs in Torgau, Herrn Peter Heckenwalds. Weil er aber für die Schule nicht besonders geeignet war und keine Gaben zum Lehren hatte, wurde er am 3. März 1669 Registrator an der Kanzlei in Ebeleben.                                                                                         (107)

 

18. Kaspar Didelius, von 1669 bis 1677.

Er war ein Sohn des Herrn Sebastian Didel, der aus Eger in Böhmen stammte und zuerst Kaplan in Ilmenau gewesen war und danach Pfarrer in Gehren wurde. Kaspar Didelius folgte auf Käwalt am 4. März 1669. Wegen der Berufung dieses Rektors entstand zwischen der Pfarrerschaft und dem hiesigen Rat ein solcher Streit, daß vom Konsistorium in Ebeleben das Recht zur Berufung durch den hiesigen Rat ausgesetzt wurde und ersetzt wurde durch das Recht auf die freie Verfügung.

Der neue Rektor wurde am 4. März vom Konsistorium berufen und am 19. April bestätigt. Die Pfarrerschaft beanspruchte nämlich, daß der Rat nur mit Zuziehung der Pfarrer die Kirchen‑ und Schulmitarbeiter berufen solle und auch deren Zustimmung zur Berufung mit beachten solle. Die Sache wurde am 18. Januar 1671 wie folgt geregelt: Die Pfarrerschaft will dem Rat die hergebrachten Regeln der Berufung nicht streitig machen und begehrt nicht, daß ihre Einwilligung im Wortlaut der Berufung ausdrücklich berücksichtigt wird. Dagegen wird der Rat die Überlegungen der Pfarrerschaft zur Kenntnis nehmen und will ihre Bedenken und Einwände beachten.

Didelius heiratete am 5. Juli Jung­fer Sophie Elisabeth, Tochter des hiesigen Bürgermeisters und freien Bauern in Clingen, Herrn Elias Thamm. Er hatte einen guten Ruf wegen seines Unterrichts, und auch Studenten bedienten sich seiner Unterweisung in den orientalischen Sprachen, um sich darin zu vervollkommnen. Doch er wurde nicht alt und starb am 4. November 1677. Nachdem er der hiesigen Schule acht Jahre gedient hatte und nicht älter geworden war als 39 Jahre, wurde er am 7. des Monats begraben.

 

 

19. Johannes Michael Ernesti, von 1678 bis 1683.

Sein Vater war Herr Johann Ernesti, Pfarrer zu Keula. Als Student der Theologie wurde er vom hiesigen Rat berufen, nachdem ihn das Konsistorium vorgeschlagen hatte. Am 25. April erfolgte die Bestätigung. Am 11. Februar 1678 trat er seine Arbeit auf der hiesigen Rektorats­stelle an.

Weil sich aber das Ledigsein nicht recht für ihn schicken wollte, trat er im folgenden Jahre in die Ehe und wurde getraut am Montag, dem 21. Oktober, mit Jungfer Margarete. Sie war Tochter des verstorbenen M. Andreas Albinus, des gewesenen Rektors an der Stadtschule in Weißenfels und Lehrer der hebräischen Sprache an dem dortigen Gymnasium.

Aber er lebte nicht lange in diesem Amt, weil er am 24. Oktober 1683, abends um fünf Uhr, an einem schwindsüchtigem Fieber sanft und selig entschlafen ist. Er hat der Schule nur bis in das sechste Jahr gedient und kein höheres Lebensalter erreicht als 37 Jahre weniger 20 Tage.

Am 26. Oktober, einem Freitag wurde er abends um 9 Uhr ganz stille auf den Friedhof getragen und dort in sein Schlafkämmerlein beigesetzt. Am 8. Tag danach, einem Sonntag, wurde die Trauerfeier mit den gewöhnlichen Bräuchen gehalten. Dabei hielt in einer großen Versammlung des Volks der hiesige Pfarrer Jacob Friedrich Rothe die Leichenpredigt. Nach deren Ende trug der Pfarrer in Otterstedt M. Meyerhoff den Lebenslauf vor.

 

20. Gottfried Krause, von 1684 bis 1690.

Er war ein Sohn des Herrn Andreas Krause, Bürger und Handelsmann im Bergstädtchen Thum. Als Theologiestudent hat er bis dahin die Kin­der des Grafen in Sondershausen unterrichtet. Nachdem aber Rektor Ernesti am 24. Oktober 1683 das Zeitliche gesegnet hatte, las Krause am 2. April 1684 (dem Mittwoch nach dem Sonntag Quasimodogeniti) die Probe. Sofort darauf trat er den Unterricht an, weil er am 18. des gleichen Monats die Berufung erhalten hatte.

Bei der Berufung dieses Rektors wurden von dem hiesigen Rat auch allerhand Schwierigkeiten gemacht, indem er forderte, daß der vom Konsistorium vorgeschlagene Kandidat sich auch bei ihm mit einem Schreiben melden und um die Rektoratsstelle an­halten solle. Aber weil zwischen Vorstellung und Berufung kein Zwischenhandlung zu erlauben ist, wurde das abgeschlagen.

Krause heiratete am Sonntag, dem 22. Juni, Jungfer Luise Emilie, die Toch­ter des verstorbenen Herrn Andreas Reinmann, früherer Diakon in Leutenberg. Am 2. Juli 1687 erlebte er mit fast der ganzen Stadt das große Unglück, daß in dem großen Brande auch die Schule mit draufging. Man mußte sich danach elendiglich behelfen, in dem man auf dem abgebrannten Rat­haus den Unterricht so lange abhielt, bis die Schule wieder aufgebaut und hergestellt werden konnte.

Jedoch rief ihn Gott aus diesem Babel weg, indem er durch dessen Füh­rung im Jahre 1690 die Berufung auf die Rektoratsstelle nach Langensalza bekam und am 25. Dezember von hier dahin umzog.                                                                          (108)

 

21. M. Volkmar Johann Herwig, von 1691 bis 1716.

Er war ein Sohn des Herrn Johann Kaspar Herwig, verstorbener Schullehrer in Jechaburg.

Die Anfänge der Bildung legte er mit gutem Ruhm in der Schule in Sondershausen unter dem damaligen Rektor Herrn M. Dunckelberger und Herrn M. Schmied. Als er im Jahre 1684 auf die Universität ging und öffentlich Abschied nahm, gab ihm der Landesvater - in gnädigster Betrachtung seines guten Wohlverhaltens - ein Stipendium auf drei Jahre.

Nach Ablauf der akademischen Jahre aber hat er sich alle Zeit in Sondershausen aufgehalten und Kinder unterrichtet, zuerst bei Herrn L. Schäfer, danach bei Herrn Geheimrat Happ und schließlich bei Herrn Hans Kaspar von Heringen, dama­liger gräflicher Oberhofmeister. Weil er sich aber bei allen wohl verhalten hatte, empfing er auch von Herrn Geheimrat Happ den akademischen Grad „Magister“. Der Herr von Heringen gab zu dessen Unkosten den meisten Beitrag.

Als nun die hiesige Rektoratsstelle im Jahre 1690 unbesetzt war, wurde er wegen seines stillen Wandels und seiner Bildung gnädigst auf sie be­rufen. Er bekam die Berufung am 19. Mai und die Bestätigung am 3. Juni.

Bei seinem Antritt fand er die hiesige Schule freilich in einem schlechten Zustand vor, weil nicht allein die Schulwohnung noch nicht gebaut war, sondern auch eine Aufenthaltsmöglichkeit für die Schüler in jeder Hinsicht fehlte.

Jedoch gab Gott danach immer mehr Segen, sowohl für den Unterricht des neuen Rektors als auch zum Aufbau des Hauses. Am 4. No­vember 1692 wurde die neue Schule von ihm, im Beisein der Pfarrerschaft und des Rats mit einer feierlichen Huldigung eingeweiht und zu­gleich der Besuch darin angefangen. Das weist das damals von ihm herausgegebene Programm aus.

Zweimal hat er hier geheiratet. Zuerst am 6. und 7. Juni 1692, Montag und Dienstag, Jungfer Anne Marthe, Tochter des hiesigen Ratsmitglieds und Handelsmanns Herrn Johann Christian Bühl. Doch sie starb am 20. Mai 1699 im Alter von 25 Jahren weniger 7 Wochen.

 Danach heiratete er am Mittwoch, dem l. September 1700, Jungfer Sophien Elisabeth, einzige Tochter des hiesigen Ratsmitgliedes und Kauf‑ und Handels­manns Herrn Jacob Jonas Hertzog.

Weil er alle Zeit Gott vor Augen hatte, so war dieser auch mit ihm in seinem Amte, so daß bei ihm die hiesige Schule jederzeit in gutem Zustande gewesen ist. Am 1. Juni 1716, dem 2. Pfingsttag, ist er in dem Herren sanft und selig ver­schieden.

Er hinterließ er den Ruhm, daß er der Schule alle Zeit wohl und fleißig vorgestanden habe. Er hat die Jugend in der Zucht erhalten, obwohl er öfter mit körperlichen Beschwerden beladen gewesen ist. Er hat über 25 Jahre dieser Schule vorgestanden und ein Lebensalter erreicht von 55 Jahren weniger 4 Monate und 8 Tage. Seine hinterlassene Witwe ist am 16. Juni 1717 an den Nachfolger getraut worden.

 

22. M. Johannes Christoph Adelung, von 1716 bis heute.

Er war ein Sohn des Johann Adelung, verstorbener schwarzburgischer Hof‑ und Stadtmusiker in Sondershausen. Nachdem durch den Tod Herwigs die hiesige Rektoratsstelle unbesetzt geworden war, wurde auf Befehl des Konsistoriums zu Sondershausen von ihm eine Probestunde gehalten.

Der Pfarrer in seiner Eigenschaft als Schulinspektor gab ihm ein Thema in Latein vor und ließ ihm das Pult zu seinem Vortrag. Nachdem nun dieser in Gegenwart der Pfarrerschaft, des ganzen Rates, der Vierleute und Schullehrer geschehen war und sowohl der Pfarrer als auch der Rat den Bericht darüber dem Konsistorium erstattet hatten, erfolgte die Berufung des hiesigen Rats und die Bestätigung vom Konsistorium. Ehe er aber noch eingeführt wurde, ließ ihm der Fürst Christian Wilhelm durch den Herrn Superintendenten D. Meinhardt den akademische Grad „Magister“ übertragen. Als dieses geschehen war, trat er im August dieses Jahres sein neues Amt an.                                                                                                               (109)

Bei der Einführung hielt der Pfarrer eine lateinische Rede, worin er ihn den Herren Lehrern als einen Kollegen und Rektor, der ganzen Schule aber als einen Lehrer vorstellte. Darauf antwortete Adelung dann und nahm das aufgetragene Amt mit gebührendem Respekt an.

Zum Schluß sprachen zwei Schüler der ersten Klasse, um ihm nicht allein zum Antritt zu gratulieren, sondern auch im Namen aller den künftigen Gehorsam und die schuldige Ehrerbietung zu versprechen. Darauf antwortete er wieder und nahm sie in Aufsicht und Unterricht auf.

Schließlich versprach er feierlich nach üblicher Sitte und wie es vom fürstlichen Konsistorium vorgeschrieben worden war, den Pfarrern Gehorsam und Ehrerbietung. Am 16. Juni 1717 heiratete er Frau Sophie Elisabeth, die Witwe des verstorbenen Herren Vorgängers. Gott segne ferner sein Amt und das seiner Herren Kollegen!

 

Sternickel ergänzt: Rektor Johannes Christoph Adelung starb im Jahre 1734, nachdem er das Rektorat 18 Jahre lang bekleidet hatte.

 

Johann Michael Schencke, von 1734 bis 1760

Aus Rockensußra. Von 1731 bis 1734 war er Mit-Rektor. Er starb am 25. März 1760.

 

Wilhelm Christoph Höpfner, von 1760 bis 1787.

Sohn eines Bauern aus Ebeleben. Vorher Pagen-Hofmeister in Sondershausen. Ein sehr strenger und ernster, aber gelehrter und geschickter und äußerst pünktlicher und gewissenhafter Mann. Er nahm das Amt 27 Jahre wahr und starb am 7. März 1787 und wurde am 11. März ohne Predigt und Lebenslauf begraben.

 

Johann Günther Friedrich Cannabich, von Ostern 1807 bis Januar 1819.

Ältester Sohn des Kirchenrats und Superintendenten Cannabich in Sondershausen. Im Jahre 1819 wurde er auf die Pfarrstelle in Niederbösa berufen und war später Pfarrer in Badra. Er ist ein ausgezeichnet geschickter und gelehrter Mann in der klassischen Literatur und hat sich als Schriftsteller im Fach Geographie sehr berühmt gemacht. Eins seiner Werke, das Lehrbuch der Geographie, ist von 1815 bis 1828 in zwölf Auflagen erschienen.

An seiner Wirkungsstätte in der Herrenstraße findet sich noch folgende Gedenktafel: „Hier lebte Johann Günther Friedrich Cannabich von 1807- 1819 als Rektor der Lateinschule. Er war Verfasser eines berühmten Lehrbuches der Geographie, nach dem in vielen Schulen der damaligen Zeit Unterricht erteilt wurde.“

 

Rudolph Höpfner, seit 1819

Einziger Sohn des Rektors Friedrich Albrecht Karl Höpfner in der Stadt Greußen.

 

 

II. Von dem Mit‑Rektorat und den Mit‑Rektoren.

§ 1. Wie bereits oben erwähnt hat die hiesige Schule ehemals nur drei Lehrer gehabt, nämlich den Rektor, den Kantor und den Kirchner („Baccalaureus“). Weil sich aber nach dem ausgestandenen Krieg die Schuljugend vermehrte und Gott hernach auch bessere Zeiten gab, hat Herr Graf Ludwig Günther zu Ebeleben am 24. Januar 1654 noch den vierten Lehrer hinzu getan.

Dieser wurde nun damals dritter Kollege und Lehrer der dritten Klasse genannt, weil der Kantor bisher die zweite Klasse gehabt hatte. Deswegen wurde der dritte Lehrer allgemein nur „der Praeceptor“ genannt.

 

§ 2. Da es aber im Allgemeinen hieß: „Aller Anfang ist schwer“, so hat es auch damals hart gehalten, für diesen so nötigen Lehrer an der hiesigen Schule den notdürftigen Unterhalt zu schaffen. Damals wurde auch nur wenig gemacht und das übrige der künftigen Hoffnung und Geduld überlassen.

Am 14. Dezember 1657 wurden von den Herren Konsistorialen 2 Gulden aus den Zinsen des Kramers Wolf Schmidt zugelegt, die er am kommenden Michaelistag des Jahres 1658 zum erstenmal bekommen sollte. Als aber Herr D. Tentzel im Juli 1659 die hiesige Schule überprüfte, wurden dem Lehrer der dritten Klasse noch 12 Gulden zugelegt, nämlich 4½ Gulden aus der Kirche, 4½ Gulden aus dem Hospital und 3 Gulden vom Rat, jedoch mit der Bedingung, daß er in Zukunft vier Stunden am Tag in der Schule arbeiten sollte, nämlich zwei Stunden früh und zwei Stunden nachmittags.

 

§ 3. Jedoch ist diese Ordnung im Jahre 1696 auf gnädigsten Befehl des Fürsten Christian Wilhelm geändert worden, und zwar so, daß dieser Lehrer unter dem Namen „Mit‑Rektor“ nunmehr die zweite Klasse ha­ben und der Kantor die dritte Klasse übernehmen sollte, jedoch unter Beibehaltung der bisherigen Besoldungen.

 

§ 4. Die Mit‑Rektoren, wie sie von Anfang bis auf den heutigen Tag aufeinander folgten, sind folgende (die ersten acht waren nur Lehrer):

 

1. Valentin Hauschild der Jüngere, von 1654 bis 1656.

Sein Vater gleichen Namens war derjenige Lehrer und Kirch­ner, der in der schweren Kriegszeit von Anfang bis ans Ende so vieles Ungemach erduldet hat. Darüber ist bei den Kirchnern berichtet worden. Deshalb wird dieser „Valentin Hausschild der Jüngere“ genannt.                                                                                                                (110)

Er wurde am 24. Januar 1654, dem Dienstag nach der Bekehrung des Paulus, noch als Student der Theologie im Namen Gottes eingeführt, nachdem er die ordentliche Berufung zu einem Mitarbeiter der hiesigen Schule empfangen hatte.

Die Einführenden waren die Herren Pfarrern und die verordneten Herren des Rats, nämlich der Pfarrer und In­spektor M. Dreyschärf und der Diakon Christoph Toppius sowie die hiesigen Beauftragten für das Schulwesen, das Ratsmitglied Andreas Pansel und der Stadtschreiber Joachim Weidner.

Der Inspektor führte für sich und im Namen der Her­ren Konsistorialen zu Ebeleben und des hiesigen Rats das Wort und stellte ihn dem Rektor und den Knaben vor, worauf er antworten und mit einem Handschlag Treue geloben mußte. Er hat aber dieses Amt nicht länger als zwei Jahre innegehabt und zwar mit gutem Nutzen für die Jugend, die noch einen zusätzlichen Lehrer nötig hatte. Er wurde im Jahre 1656 zum Pfarramt nach Billeben versetzt. Im Jahre 1658 aber wurde er Pfarrer in Großmehlra, wo er dann auch gestorben ist. Seine Tochter aber, Jungfer Anna Sabina, heiratete am 23. Mai 1698 den hiesigen Kirchner (und Baccalaureus) Johann Ernst Berrel.

 

2. M. Johannes Christoph Knauer, von 1656 bis 1658.

Er war in Eger geboren. Als Theolo­giestudent heiratete er am 22. Juli 1652 und wurde mit gnädigster Zustimmung des Herrn Grafen Ludwig Günther zu Ebeleben und auf besonderen Befehl der Herren Konsistorialen, bei ehrlicher Versammlung der Herren Geistlichen und Herrn des Rats und auch mit Einwohnern als Zeugen, im privaten Rahmen in der Mädchenschule verheiratet mit Jungfer Dorothee Elisabeth Schlee­witz, Stieftochter des Herrn Kantors Bernhard Sella.

Vier Jahre danach wurde er am 5. November 1656 nach empfangener Berufung, die auf den 22. Oktober datiert wurde, eingeführt und eingesetzt. Vorausgegangen war die Bestätigung durch die Herren der Pfarrerschaft und die Abgeord­neten des Rats, nämlich durch Pfarrer M. Dreyschärf und durch den Diakon Christo­ph Toppius wie auch durch die Beauftragten für das Schulwesen, nämlich durch die Herren Bürgermeister Tobias Herne und Johann Christoph Magen.

Er wurde dem Rektor unterstellt und den Schülern vorgestellt. Darauf mußte er dann antworten und feierlich Gehorsam geloben. Nachdem er aber auch nur zwei Jahre dieses Amt innegehabt hatte, folgte er den Vorgängern im hiesigen Schulamt und übernahm das Pfarramt in Billeben, wo er dann auch gestorben ist.

 

3. Christoph Schuchardt, von 1658 bis 1678.

Die Stadt Greußen war sein Geburtsort. Sein Vater war Meister Hans Schuchardt, Fleischhauer und Viermann des Rates, die Mutter Frau Anna geborene Riger. Seine Bildung hatte er hier in der Schule seiner Vaterstadt angefangen und danach in Arnstadt weiter vervollkommnet. Darauf hat er sich nach Leipzig gewandt und dort zwei Jahre Philosophie und Theologie bei den berühmtesten Lehrern gehört. Er hat sich auch nach Jena begeben und dort ein Jahr das Gleiche getan mit gutem Fleiß und Schlagfertigkeit.

Als aber der Mit-Rektor Knauer von hier weggezogen war, trat er am 30. No­vem­ber 1658 in dessen Amt ein. Weil es aber nun in dieser Stel­lung nicht gut für ihn war allein zu sein, heirate­te er im Jahre 1660 und wurde am 20. November getraut mit Jungfer Anne Sabine, hinterlas­sene Tochter des hiesiges Ratsmitglieds, des verstorbenen Herrn Albert Weimar.

Nachdem er aber in diesem Amt 20 Jahre ausgehalten und wegen einer Gesichtskrankheit ein angebotenes Pfarramt abgelehnt hatte, wurde er im Jahre 1678 in den Ratsstand befördert. Daß sich auch bei diesem Amte die Arbeit und der Verdruß gegen­einan­der aufhebt mit dem Lohn und Entgelt, kann man sich ausrechnen.                                                                                                                     (111)

Danach dankte am 8. November 1678 Herr Schuchardt in diesem Amt ab und trat in den Ratsstand, in dem es ihm dann auch glückte, daß er im Jahre 1684 Bürgermeister wurde. Er starb am 15. September 1695 im Alter von 62 Jahren, 11 Monate und 14 Tagen.

 

4. Johann Lorenz Weißensee, von 1679 bis 1684.

Er war ein hinterlasse­ner Sohn des Lorenz Weißensee, hiesiger Bürger und Einwohner. Als Theologiestudent trat er dieses Amt am 14. Februar 1679 an, nachdem es vom 8. November des vorigen Jahres (dem Ausscheiden des Vorgängers) bis zum 14. Februar 1679 volle 14 Wochen unbesetzt gewesen war. Am 19. April des folgenden Jahres heiratete er und wurde getraut mit Jungfer Anne Sophie, Tochter des hiesigen Meisters Benjamin Zahn, des Viermanns und Kürschners.

Weil er sich aber in diesem Amte vier Jahre wohl verhalten und wegen seines Eifers etwas Höheres verdient hätte, so wurde er bestimmt zum Hilfspfarrer in Großen­ehrich. Er hatte auch bereits die Berufung dazu empfangen. Gott aber wollte ihn bald vollkommen machen und nahm ihn am 4. Januar 1684 zu sich in den Himmel, ehe er noch das neue Amt antrat.

 

5. Johann Simon Krause, von 1684 bis 1687.

Als Lorenz Weißensee die Berufung zum Hilfspfarrer in Großenehrich empfangen hatte, wurde der Theologiestudent Tobias Heinrich Aßmann zum künftigen dritten Lehrer bestimmt. Auch nachdem Weißensee gestorben war, blieb es dabei, daß ihm Aßmann im Schulamt nachfolgen sollte. So mußte er dann auf Befehl des Grafen am 2. April 1684 (dem Mitt­woch nach dem Sonntag Quasimodogeniti) hier eine Probestunde halten und zwar am gleichen Tag mit Johann Simon Krause.

 

 

 

Dennoch mußte es sich durch Gottes Schickung so fügen, daß er dem Herrn Weißensee zwar nachfolgte, doch nicht in dem Amt, das dieser bis dahin innegehabt hatte, sondern in dem Amt, zu dem er neu berufen worden war: Herr Tobias Heinrich Aßmann wurde zum Pfarrstellvertreter nach Großenehrich berufen und starb auch in diesem Amte erst im Jahre 1721.

Auf die Stelle des hiesigen dritten Lehrers gelangte im Jahre 1684 Jo­hann Simon Krause, ein Sohn des Herrn Wipert Krause, des verstorbenen früheren Schullehrers und Kirchners in Sondershausen. Am Mon­tag, dem 1. Sep­tember, heiratete er Jungfer Clara Elisabeth, Tochter des Herrn Christoph Reinecke, schwarzburgischer Amts­schreiber in Straus­berg. Er nahm aber dieses Amt nicht länger wahr als bis zum Jahr 1687, als er Kantor in Son­dershausen wurde. Dort ist er auch ge­storben im Oktober des Jahres 1692.

 

6. Friedrich Philipp Rube, von 1687 bis 1692.

Er ist ein Sohn des Herrn Andreas Rube, des verstorbenen ehemaligen Pfarrers in Benecken­stein. Er trat dieses Amt im Jahre 1687 an und hei­ratete am 17. April desselben Jahres Jungfer Anne Catharine, hin­ter­lassene Tochter des verstorbenen Herrn Johann Öhler, ehemaliger Pfarrer in Osterhausen und Sittichenbach (östlich von Artern).

Nachdem er aber in dieses Amt kaum eingetreten war, erlebte er den großen Brand hier mit, als am 2. Juli (am Fest der Heimsuchung Marias) die ganze Mittelstadt samt Kirche und Schule in Asche gelegt wurde und besonders die Schule sehr stark zerstört wurde.                                                                                                                                 (112)

Jedoch hat er diese Aufgabe nicht länger als fünf Jahre verrichtet, als er nach Sondershausen zum Stadtkantor und dritten Lehrer beru­fen wurde. Er zog dahin am 12. November 1692 und steht durch Gottes Gnade noch jetzt in diesen Diensten. Gott erhalte ihn ferner und stärke ihn in seinem Alter.

 

7. Johann Christian Eckardt, 1693.

Er stammt aus Eisleben und wurde am 7. Januar in diesem Jahre auf Anordnung des Konsistoriums zu Sondershausen vom hiesigen Rat berufen. Weil auch der damalige Kantor Jonas Volland wegen eines gewissen Zufalles nicht mehr singen konnte, so wurde ihm zugleich das Singen aufgetragen, so daß er auch Vize­-Kantor war. Jedoch verbrachte er auf dieser Stelle kaum die Hälfte des ersten Jahres und starb am 26. August im Alter von 28 Jahren. Die hinterlassene Witwe aber lebt noch jetzt hier als Mädchenlehrerin, inzwischen im 27. Jahr.

 

8. Johann Rudolph Schmerbauch, von 1693 bis 1696.

Nachdem er das Amt des dritten Lehrers eben drei Jahre verwaltet hatte, wurde er hier Kantor. Bei den Kantoren ist er deshalb bereits erwähnt worden. Es hat sich auch bei seinem Ausscheiden folgende Veränderung zuge­tragen, daß anstatt eines Dritten Lehrers ein Mit­-Rektor verordnet wurde, der nunmehr die zweite Klasse zu unterrichten hatte. Schmerbach war der erste Mit-Rektor.

 

9. Johann Christian Curtius, von 1696 bis 1710.

Er ist ein Sohn des Herrn Jacob Conrad Curtius, des verstorbenen Hofjägers in Ebeleben. Als ein Theologiestudent hielt er am 12. Januar 1696 eine Probestunde. Als er berufen werden sollte werden, geschah die Veränderung, daß er nicht Dritter Lehrer, sondern Zweiter Lehrer wurde und als Mit‑Rektor die zweite Klasse unterrichten sollte. Dabei mußte er aber in die ungeänderte Besoldung des bisherigen Dritten Lehrers eintreten. Dabei ist es dann auch bis auf den heutigen Tag geblieben.

In diesem Amt hat er hier zweimal geheiratet: Zum ersten Mal am Dienstag, dem 15. Februar 1698, Jungfer Anne Marie, einzige Tochter des Meisters Johann Christoph Schuchardt, hiesiger Kürschner und Viermann des Rats.

Nachdem diese aber am 7. November 1706 im Alter von 28 Jahren, 9 Monaten und 7 Tagen gestorben war, heiratete er am 23. No­vember 1707 das zweite Mal Jungfer Anne‑Sophie, Tochter des verstorbenen Herrn M. Joachim Dreyschärf, des Pfarrers und Inspektors in Schernberg.

Dieses hiesige Amt des ersten Mit‑Rektors hat er innegehabt bis zum Jahre 1710, als er im Januar zum Hilfspfarrer nach Feldengel berufen wurde und auch in diesem Jahr noch Pfarrer dort wurde. Dort dient er noch jetzt Gott und seiner Gemeinde, der ihn auch in Zukunft an Leib und Seele zum Segen setzen wolle.

 

10. M. Johannes Konrad Rupert, von 1711 bis 1717.

Er war ein Sohn des Herrn Heinrich Michael Rupert, fürstlicher Rentereiverwalter in Sondershausen. Er hat seine Ausbildung in seiner Vaterstadt angefangen und danach in Jena einige Jahre fortgesetzt. Als ein verheirateter Theologiestudent hielt er im Dezember 1710 eine Probestunde für die hiesigen Mit‑Rektoratsstelle.

Weil man aber mit dieser Probe nicht sehr zufrieden gewesen war, wur­de er am 13. Januar des folgenden Jahres im Kon­sistorium zu Sondershausen in Gegenwart des hiesigen Pfarrers und Diakons geprüft. Weil es diesmal besser ging, erfolgte am 20. des Monats die Berufung und Bestätigung.

Darauf trat er dieses sein Amt an und führte es mit allem Fleiß und gu­tem Nutzen der Jugend bis zum 25. März 1717, als er am Mittwo­ch vor Ostern sanft und selig in dem Herrn ver­schied.

Den Stillen Freitag darauf wurde er im Beisein der ganzen Schule und mit vollem Geläute begraben, jedoch auf seinen eigenen Wunsch ohne Predigt.

Er hatte so wenig Vermögen, daß die Kirche zu seiner Beerdigung bei­tragen mußte: 2 Gulden für Sarg und Kreuz, 1 Gulden 11 Groschen für 8 Träger, 12 Groschen für das Geläut und 10 Groschen für den Totengräber, der das Grab für ihn machte.

 

11. Johann Christoph Schwabe, von 1717 bis heute.

Er war ein Sohn des Nikolaus Schwabe, Einwohner und Ackermann in Holzsußra. Er legte die ersten Grundlagen der Bildung in der Stiftsschule in Ebeleben und vervollkommnte sie weiter in der Freien Reichsstadt Mühlhausen.                             (113)

Von diesem Gymnasium begab er sich am Michaelistag 1708 auf die Universität in Wittenberg und wählte dort das Studium der Theologie. Dieser hielt nun hier auf Verordnung des Konsistoriums in Sondershausen im Jahre 1717 seine Probestunde, bei der es dann ebenso gehalten wurde wie bei dem Rektor, Herrn M. Adelung. Danach wurde er eingeführt und ihm die Jugend übergeben.

Im Jahre 1719 heiratete er Jungfer Anne Elisabeth, einzige Tochter des Herrn Johann Georg Hahn, Kantor und Schullehrer in Gangloffsömmern und Schilfa; die Hochzeit wurde am 19. Juni in seinem Geburtsort in Holzsußra gehalten. Gott gab auch zu seinem Pflanzen und Begießen das Gedeihen von oben herab, daß er sein Amt mit gutem Nutzen führet (vgl. 1. Kor 3,5)

Am 21. April 1731 erhielt er die Berufung zum Pfarramt nach Badra. Er wurde in Sondershausen am 2. Juni geprüft und darauf am zweiten Sonntag nach Trinitatis ordiniert. Am 8. Juni zog von hier ab und hielt in seinem neuen Amt die Antrittspredigt am dritten Sonntag nach Trinitatis.

 

Sternickel ergänzt: Er starb am 9. April 1752. Die Leichenpredigt hielt Superintendent Graf, den Lebenslauf (die „Abdankung“) trug sein Ver­treter Johann Jakob Pabst vor.

 

Johann Michael Schencke: Von 1731 bis 1734, danach wurde er Rektor.

 

Johann Heinrich Nacke: Von 1734 bis 1781, also 47 Jahre.

Geboren am 2. März 1701 als jüngster Sohn des hiesigen Braumeisters Wilhelm Heinrich Nacke. Im Jahre 1734 erhielt er die Kantorstelle. Er starb am 26. Februar 1781 im 80. Lebensjahr. Er wurde gegen Ende seines Lebens sehr kindisch und seine Schüler trieben argen Mutwillen mit ihm.

 

Johann Heinrich Christoph Koch: Von 1781 bis 1792.

Einziger Sohn des Kammgarnmachers (Raschmachers) Johann Friedrich Koch. Dann wurde er Prediger in Bruchstedt und starb dort im Jahre 1796.

Karl Gotthard Rhäsa: Von 1792 bis 1803. Der jüngste Sohn des damaligen ersten Bürgermeisters Bernhardt Rhäsa. Er kam dann auf die hie­sige Diakonenstelle.

 

Johann Christian Gotthard Magerstedt: Von 1803 bis 1810.

Sohn des Predigers Tobias Friedrich Magerstedt in Rohnstedt. Er besuchte die Schule in Schulpforta von 1779 bis 1785 und darauf die Universität Jena. An Ostern 1803 wurde er als Mit-Rektor angestellt. Im Jahre 1810 wurde er Prediger in Allmenhausen.

 

Johann Christoph Beyer: Von 1810 bis 1828.

Einziger Sohn des Landwirts Johann Kaspar Beyer in Badra. Er besuchte die Stadtschule in Sondershausen und die Universität in Jena. Danach unterrichtete er Kinder in Sondershausen. Dann war er 16 Jahre Mit-Rektor. Am 16. Juni 1828 wurde er Prediger in Holzsußra. Er ist ein sehr gelehrter Mann, der nicht nur mit den Griechen und Römern vertraut ist, sondern auch in den morgenländischen Sprachen ausgezeichnete Kenntnisse besitzt.

 

Johann Christian Richter: Er war Organist in Greußen und erhielt am 1. Juni 1828 die Stelle des Mit-Rektors.

 

Lehrer der fünften Klasse:

Die vierte Klasse hatte bisher der Kirchner unterrichtet. Doch dann wurde im Jahre 1728 - um die Schulverhältnisse zu verbessern - diese Klasse aufgeteilt und noch eine fünfte und sechste gebildet, vorläufig aber von nur einem Lehrer unterrichtet. Da die fünfte Klasse aber mit der sechsten vereinigt wurde, heißt der Lehrer seitdem „Sextus“.

Albert Weisensee: Von 1728 bis 1739. Sohn des hiesigen Ratskellerwirts Johannes Albert Weisensee. Als Student der Philosophie verheiratete er sich 1721 und wurde 1728 der erste „Sextus“. Er starb am 4. Februar 1739 im 47. Lebensjahr.

Johann Benjamin Keiser: Von 1739 bis 1757. Sohn des Stadtmüllers Johann Christoph Keiser. Er starb am 13. März 1757 im 48. Lebensjahr.

Johann Felix Rode: Von 1757 bis 1779: Ältester Sohn des Schneiders und Steuereinnehmers Johann Christian Rode in Bilzingsleben. Geboren am 26. Oktober 1726. Gestorben am 1. Ap­ril 1779.

Johann Ernst Hoppe: Von 1779 bis 1804. Einziger Sohn des hiesigen Brauhausgehilfen Hoppe. Ab 1804 Hofkommissär beim Fürsten in Sondershausen und verheiratet mit der ältesten Tochter des Pfarrers Gottfried Mensel.

Johann Friedrich Christian Jordan: Von 1804 bis 1814. Zweiter Sohn des hiesigen Totengräbers Alexander Jordan

Johann Friedrich Rebling: Von 1814 bis 25. Oktober 1826. Ältester Sohn des Schuhmachermeisters Johann Friedrich Rebling. Er war Schuhmacher und Mitglied der Herrnhuter Brüdergemeine in Neudietendorf. Von dort kehrte er aber aus Krankheitsgründen wieder nach Greußen zurück und bildete hier seine vorzüglichen Anlagen zum Lehreramt aus.

Johann Friedrich Karl Wiegand: Ab 18. Dezember 1827. Einziger Sohn des hiesigen Schneidermeisters Johann Christian Friedrich Wiegand.

 

 

II. Von der Mädchenschule und ihren Lehrerinnen.

 

§ 1. Die Unterrichtung der Schulmädchen ist - so viel man weiß - immer durch eine christliche und zu dieser Aufgabe genügend geschickte Frau ge­schehen. Alle, von denen sich einige Nach­richten finden lassen, sollen hier ange­führt werden, damit das Gedächtnis derer, die in dieser Arbeit das Werk des Herrn ge­trie­ben haben und die Jugend zu der Erkennt­nis Gottes gebracht haben, auch bei den Nachkommen im Segen bleiben.

 

§ 2. Der Ort der Mädchenschule hat sich verschiedene Male verändert, zumal sie zweimal mit abgebrannt ist.

 

Ursprünglich stand sie am Kirchplatz, wurde aber 1687 vernichtet. Nachmittags war es dort sehr dunkel wegen des vor einem Fenster stehenden Spritzenhauses.

Nach 1800 war die Schule in einem Gebäude gegenüber dem alten Spritzenhaus gegenüber der Südseite der Kirche, im dritten Haus Nummer 17 von der Leitergasse herauf. Dort hatte auch der Lehrer seine Wohnung. Im Jahre 1840 war sie in dem Gebäude der Knabenschule.

 

§ 3. Die Lehrerinnen an dieser Schule, von denen sich eine Nachricht gefunden hat, sind folgende:

 

1. Maria Clusener.

Sie war eine hinterlassene Witwe des Pfarrers Peter Clusener, die ehemals in Köln eine Nonne gewesen ist, so wie auch er ein Mönch dort war. So wie sie aber mit ihrem Mann nach der evangelischen Lehre Luthers in der Ehe gelebt hat, so hat sie auch hoffentlich ihren Kindern nicht mehr die Irrtümer des Papsttums, sondern den Katechismus Luthers und Gottes Wort vor­getragen.

Zu ihrer Zeit war im Jahre 1532 Johannes Thal hier Pfarrer, der auch das Papsttum verlassen hatte und die in Gottes Wort gegründete Lehre Luthers vortrug.

In der deutschen Bibel, die im Jahre 1545 durch Hans Luft in Wittenberg ge­druckt wurde und die in der hiesigen Sakristei in zwei Bänden vorhanden ist, steht am Schluß: „Dieses Buch gehört Margarete Cleusener, Pfarrerin in Berndorf, jetzt Schulmeisterin in Greußen. Gott ge­be uns seine Gnade, daß wir unser Amt recht ausrichten.“

 

2. Catharina Preiß, Valentin Knoblauchs Frau.

 

3. Sara Taube, bis 1576.

Witwe des Kirchners und Organisten Volkmar Taube. Ob sie zuvor eine Nonne war wie ihr Mann, der ein Mönch im Kloster Volkenroda war, ist unbekannt. Sie starb im Jahre 1576.

4. Maria, aus Hessen, von wo sie der Religion wegen vertrieben worden war.

 

5. Magdalena, bis 1625.

Eine Pfarrwitwe, die später den Juristen Schlicht heiratete. Sie starb im Jahre 1625.

 

6. Anna Maria Sella, von 1625 bis 1641.

Erste Frau des Kantors Bernhard Sella, eine geborene Schlicht. Sie wur­de angenommen im Jahr 1625 und starb 1641 im Alter von 38 Jahren. Das Amt der Mädchenlehrerin hat sie 15 Jahre ausgeübt.

 

7. Elisabeth Körber, von 1642 bis 1646.

Erste Frau des Pfarrers in Otterstedt Johannes Körber. Sie trat das Amt noch zu Lebzeiten ihres Mannes an, weil sie in der Kriegszeit in Otterstedt nicht sicher sein konnte. Das war am Aschermittwoch, dem 23. Februar 1642. Sie starb am 8. November 1646 im Alter von 40 Jahren und 4 Monaten.                                                                                                                                                                                                    (114)

8. Euphrosine Sella, von 1646 bis 1664.

Zweite Frau des Kantors Bernhard Sella. Sie wurde ange­nommen im Jahre 1646. Nachdem sie dieses Amt 18 Jahre wohl ausgeübt hatte, starb sie im Jahre 1664 und wurde begraben am 8. August im Alter von 65 Jahren und bekam eine Leichenpredigt. Sie hatte auch schon, als die vorige Lehrerin krank war, in der Schule unterrichtet und so 22 Jahre dieses Amt innegehabt.

 

9. Susanna Güttel, von 1664 bis 1678.

Sie wurde auch Suchorabski genannt. Im Jahre 1650 wurde sie Mädchenlehrerin in Ebeleben und am 23. August 1664 hierher berufen und am 25. bestätigt. Im Jahre 1678 (oder schon 1677) aber wurde sie wegen ihres hohen Alters und Versagens beurlaubt, aber auch wegen ihrer angewöhnten Trunkenheit und ihres ärgerlichen Handelns. Da sie im Jahre 1677 beurlaubt worden war, wurde die Arbeit in der Schule in der Zwischenzeit der Witwe Hans Seimers aufgetragen.

 

10. Maria Roth, von 1678 bis 1682.

Sie war geboren in Tiefensee im Gebiet Meißen. Sie wurde auch Christiana Roth genannt und soll ursprünglich aus Halle gekommen sein, später aus Ottenhausen. Sie wurde berufen im Jahr 1678 und übte dieses Amt 18 Jahre aus und starb im Jahre 1682. Am 12. Februar wurde sie begraben. Dabei wurde sie zuerst in die Kirche getragen und bekam dann eine Leichenpredigt.

 

11. Dorothea Gräfenhayn, von 1682 bis 1695.

Bis dahin war sie Mädchenlehrerin in Orlishausen gewesen und. wurde hierher berufen am 30. Mai 1682. Ihre Berufungsurkunde war unterschrie­ben vom Bürgermeister Benjamin Magen. Wegen ihres Alters und wegen ihrer Schwachheit aber trat sie zurück und zog am 4. Juni 1695 zu ihrem Sohn nach Sondershausen.

 

12. Martha Elisabeth Eckardt, von 1695 bis 1740.

Nachdem die Vorgängerin sich freiwillig zurückgezogen hatte, kamen die Pfarrerschaft und der Rat zusammen und stimmten ab wegen einer neuen Lehrerin. Vorgeschlagen wurden die Witwe des verstorbenen Kirchners Kleisberger und die Witwe des verstorbenen Organisten Boxberger. Die zweite bestand die Prüfung - die der Pfarrer M. Mosch in der Ratsstube mit ihnen vorgenommen hatte - am besten.

Deshalb wurde sie durch ein Schreiben von der Pfarrerschaft und dem Rat für das Amt empfohlen. Das Kon­sistorium zu Sondershausen aber wählte die Witwe des hiesigen verstorbenen Lehrers und Vize-Kantors Eckardt aus und befahl, sie zu berufen. Nachdem nun dieses geschehen war, wurde sie am 26. Juli 1695 von der Pfarrerschaft und dem Rat eingeführt. Sie übt das Amt durch Gottes Gnade noch jetzt im 27. Jahr mit gutem Nutzen aus. Gott gebe ihr ferner Segen und Gedeihen, der Jugend aber den Geist des Gehorsams!

 

Sternickel ergänzt: Sie starb nach 45 Dienstjahren im Jahre 1740 im 84. Lebensjahr.

 

Johann Georg Wedel: Geboren in Clingen als Sohn des Leinwebermeisters Christoph Anton Wedel, vom 6. Februar 1774 (seit 1740 schon der Vorgängerin beigegeben) bis 20. Oktober 1775. Erster (männlicher) Mädchenlehrer mit richtiger Vorbildung als Lehrer.

 

Johann Heinrich Gabriel Wiegand: Zweiter Sohn des Maurermeisters David Wiegand in Rockensußra, von 1775 bis 1777 (gestorben am 20. Oktober 1777 im 27. Lebensjahr).

 

Benjamin Christoph Rebling: Sohn des Schuhmachermeisters Heinrich Christoph Rebling aus Greußen, von 1778 bis 1824. Er wurde in Braunschweig zum Lehreramt ausgebildet und wur­de am 13. März 1776 Schulmeister der Mädchenschule in Großenehrich und 1778 Lehrer in Greußen. Er war ein geschickter Lehrer und ausgebildeter Schreibemeister. Er starb am 20. September 1824 im 83. Lebensjahr.

 

Johann Friedrich Ferdinand Rebling: Ältester Sohn des Vorgängers und diesem schon mehrere Jahre beigegeben.

Ein geschickter und tätiger Lehrer, der seine Pflichten eifrig erfüllt und seinem Amt mit nützlichem Erfolg vorsteht.

Im Jahre 1828 wurde die Mädchenklasse aufgeteilt und noch eine Schule eingerichtet im Haus der Witwe des Kantors Trautvetter auf dem Töpfermarkt Nummer 192.

 

Johannes Georg Christoph Elliger: Am 20. Mai 1802 geboren als Sohn des Johann Friedemann Elliger aus Clingen. Er erhielt die Stelle am 24. August 1828.

 

Einkünfte der Pfarrer und Lehrer:

Im Jahre 1694 bezog Pfarrer Mosch 109 Reichstaler, Diakon Kayser 68 Taler, Rektor Herbing 43 Taler, Kantor Volland 49 Taler, Lehrer Schmerbauch 20 Taler, Organist Schäffer 36 Taler, der Mädchenschulmeister 9 Taler, der Mit-Rektor (ab 1696) 43 Taler (die Jahresrechnung der ganzen Stadt belief sich um 1740 auf 1800 bis 1900 Taler). Zu dieser Bezahlung in Geld kamen allerdings noch Sachleistungen.

 

Um 1750 entstand ein Lyceum, das ab 1852 als Mittelschule weiterführt wurde.

Im Jahre 1828 wurden etwa 140 Kinder von einem Lehrer unterrichtet, eine Gruppe vormittags, eine nachmittags.

1872 Gewerbliche Fortbildungsschule, vorher (berufliche) Sonntagsschule

1888 Neue Bürgerschule auf dem Schulhof in der Herrengasse.

1889 Lateinschule (anstelle der Mädchenschule, ab 1901 Realgymnasium).

 

 

 

 

Das IIX. Kapitel.

Von weltlichen Dingen, die in Friedenszeiten hier geschehen und vorgenommen wurden.

 

1. Das Bauwesen und was dazu gehört

 

§ 1. Das Wasser, das aus dem Brauhof durch die Herrengasse lief, wurde im Jahre 1423 bei der Erbauung der Kirche Sankt Martin so geleitet, daß es seinen Gang durch die Kirche nahm und unter den Frauenbänken in Richtung Turm hinaus lief. Weil es aber dem Turm vielen Schaden tat und dieser Durchgang zu nichts nütze war, beschloß man bei der Reparatur des Kirchengebäudes im Jahre 1661, ihn abzuschaffen. Er blieb aber doch noch, bis dieser Gang in dem Brand im Jahre 1687 mit verschüttet wurde.

Seit dieser Zeit aber ist dieses Wasser nicht mehr durch die Herrengasse geflossen bis zum Jahre 1721, als Herr Bürgermeister Jakob Jonas Her­zog als Bau‑Inspektor um die Kirche herum einen neuen Graben aufwerfen ließ und den alten durch die Herrengasse wieder aufräumen ließ, so daß das Wasser nun zu je­dermanns Nutzen und Gebrauch wieder dahin läuft.

Der Fluß des Wassers durch die Hintergasse (Zwingerstraße) war damals auch eingegangen. Die Vierleute baten am 27. November 1662 bei den Herren der gräflichen Kommission darum, daß dieser wieder möge geleitet werden, wie er zuvor gewesen war. Es wurde beschlossen, daß das im künftigen Frühling geschehen solle. Zu diesem Zweck sollte eine neue Wasserrinne über den Graben beim Altstädter‑Tor ge­macht werden. Dieses ist dann zwar auch geschehen, aber in dem großen Brande ist die Wasserrinne wieder zerstört worden.

 

Das Quellgebiet der Helbe liegt bei Keula und Holzthaleben. Oberhalb von West­greußen ist ein Wehr, von dem zwei Bäche abgehen, um zahlreiche Mühlen zu treiben. Der eigentliche Fluß läuft als „Steingraben“ weiter. Das Wehr existierte wahrscheinlich schon 1282, zusammen mit dem nördlichen Zweig, der „schwarzburgische Helbe“ genannt wurde. Die südliche „sächsische Helbe“ ist etwa 100 Jahre später entstanden. Aus ihr läuft ein Teil des Wassers als „Baderhelbe“ durch einen Lochstein an der Lochmühle und vereinigt sich mit der Kup­ferhelbe, die an der Pfaffenhofmühle von der schwarzburgischen Helbe abzweigt.

Die Baderhelbe läuft dann um die Stadt herum, am Badehaus (daher der Name) und der Stadtmühle vorbei und mündet in den Steingraben. Das aus der sächsischen Helbe austretende Wasser lief vom Schieferhof in mehreren Armen durch die Stadt: der Hauptarm floß durch die Rittergasse, überquerte den Wallgraben am Brauhaus und floß ursprünglich unter der Kirche hindurch (wo er in alten Zeiten der Taufhandlung diente), die Herrengasse entlang und mündete in den vom Markt kommenden Hauptarm.

 Der andere Arm floß durch die Altstadt unter dem Altstädter Mitteltor hinweg. Auf dem Töpfermarkt teilte sich dieser Arm noch einmal: ein Teil floß durch die Zwingerstraße und vereinigte sich am Pranger mit dem vom Markt kommenden Wasser. Der Hauptarm floß in der Mitte des Marktes im offenen Bett und mündete dann in den Steingraben.

 

 

 

 

Rathaus:

An der Nordseite des Rathauses war das Greußener Wappen in Stein gehauen und mit der Inschrift versehen: „CWFZSGZHHZALLC“. Das bedeutet: „Christian Wilhelm, Fürst zu Sondershausen, Graf zu Hohnstein, Herr zu Arnstadt, Lohra, Leutenberg, Clettenberg.“ An der Nordwestseite befindet sich noch heute ein Metermaß (früher eine Elle). An der Vorhalle des Rathauses standen die Ratswaage und die Wollwaage (beides Balkenwaagen). Vor dem Brand von 1687 war der Eingang nicht vom Osten her, weil dort das Wasser vorbei lief und die Bürger bei Versammlungen im Wasser gestanden hätten.

 

 

Wo die Außentreppe in das Oberstockwerk führte, hing unter dem Giebel des Treppendachs die Bürgerglocke, die der Stadtknecht läuten mußte, wenn die Bürger zum Rathaus gerufen wurden. Sie hatte einen Sprung und ihr Ton war deshalb schnarrend. Wenn sie schwach läutete, deutete man ihren Klang scherzweise als „Bringt Geld her!“ Wenn sie stark läutete, meinte man zu hören: „Zieht das Hemd aus und bringt es her aufs Rathaus!“ Nach dem Brand wurde sie zum Gottesdienst gebraucht. Später wurde sie umgegossen und eine Taufglocke daraus gefertigt.

Im Unterstockwerk waren an der Nordseite des Rathauses eine Trink­stube bzw. Schank­- und Wohnräume des Wirts, an der Südseite eine Stube für das regierende Ratsmittel und eine Stube für das abgehende Ratsmittel, bzw. die Diensträume für die Vierleute („Bürgervorsteher“), der Stadtschreiberraum (für das Publikum zugänglich), das Ratsarchiv und die Wachstube für die Stadtknechte.

Im Oberstockwerk war an der Nordseite das „Fürstenzimmer“ für die Einkehr des Fürsten bei Durchreisen: In der Mitte war der große Festsaal (besonders für Feierlichkeiten und zum Tanz), der sich bis an den Turm erstreckte und größer war als der spätere Saal. Außerdem waren im Oberstockwerk die Küche und der Gewehrschrank und auf der Südseite waren zwei oder drei Ratsstuben.

Unter der nach dem Turm führenden Treppe war der „Gehorsam“, ein kleiner Verschlag, wo Bürger ihre Strafe verbüßen müssen, die sich eine kleine Strafe zugezogen haben oder etwa den Rat beleidigt haben. Im Keller war an der Nordseite ein Kreuzgewölbe als Bierkeller für den Wirt und als Weinkeller für den Rat. Außerdem gab es noch den, „Hexenkeller“ (noch 1778) und ein Gefängnis („Loch“).

 

Nach dem Brand wurde das Rathaus bis auf die Grundmauern abgerissen und neu aufgebaut. In der Mitte ruht der Turm über dem Saal und wird im Dachstuhl durch sehr starke Streben im Hängewerk getragen. Steht man im Mittelpunkt des Saals, so sieht man im Turm hinauf bis zu der Plattform, durch welche das Pendel der Uhr hängt und hin und her schwingt. Bis dahin hat der Turm drei Stockwerke. In der Kuppel befindet sich die Uhr und die drei Glocken hängen unter der Haube.

Im Oberstockwerk befinden sich drei große Stuben: Die Fürstenstube nach dem Markt zu, die die ganze Breite des Hauses einnimmt. Dane­ben befindet sich der große Saal, der mit roten und weißen Backsteinen ausgelegt ist. Dieser Saal wurde zum Tanz genutzt, bevor das Schieß­haus vergrößert wurde. Daran anschließend sind zwei oder drei Ratsstuben, nach Osten die neue Ratsstube und nach Westen die alte Ratsstube.

Im unteren Stockwerk befindet sich unter der Fürstenstube die Gaststu­be des Ratskellerwirts, die anfangs nur drei Fenster nach Osten und eins nach dem Markt zu hatte. Seit etwa 1750 wird das ganze Unterstockwerk für die Gastwirtschaft genutzt.

Auf der Südseite befinden sich zwei Stuben und eine Kammer. Die eine Stube soll früher die Amtsstube bei Kriminalfällen gewesen sein, später diente sie bis 1804 als Archiv für die Ratsakten.

Die Stube daneben und die dazugehörige Kammer benutzten die Vierleute zu ihren Versammlungen, sie wurde dann aber an den Ratswirt verpachtet.

Im großen Ratskeller (Zugang heute an der Südseite) befand sich früher die Kellerei, später lagerte dort das Bier. Der Wirt konnte allerdings nur an den Zapfen herankommen, damit er keine Verfälschung des Biers vornehmen konnte. Wenn das Faß gewechselt wurde, mußte immer einer vom Rat dabei sein.

Neben dem großen Keller befand sich ein „Hexenkeller“, wo die Personen so lange gefangengehalten wurden, bis sie als „Hexen“ auf dem Schindanger verbrannt wurden (manche sagen auch: auf der Sünderwiese). Im Keller unter der Wirtsstube befand sich das „Loch“ für Straftäter, das bei der Erweiterung der Wirtsstube aber zugeschüttet wurde.

Das Rathaus wurde 1703 neu gebaut, die Uhr und der Knopf wurden 1704 aufgesetzt. Die Gaststube wurde 1821 erweitert auf die ganze Breite des Hauses. Das mittlere Fenster nach dem Markt zu war früher die Tür, vor der sich eine breite steinerne Treppe mit einem Eisengeländer befand. Im Jahre 1834 ist das Rathaus ausgebrannt; aber die Außenmauern konnten wieder verwendet werden.

 

§ 2. Im Jahre 1526 wurde der Markt gepflastert, vom Rathaus bis an die Kapelle, wo das Wasser aus der Herrengasse hervorfließt. Es wurden dazu 1300 Fuder Steine geliefert. Jedoch geschah dieses nur an der Seite nach der Kirche zu.

Im Jahre 1561 aber wurde die Neustadt gepflastert. Im Jahre 1563 wie auch 1564 wurde die andere Seite des Marktes gepflastert und weitere Straßen.

 

§ 3. Im Jahre 1610 wurden im März Schlagbäume für alle Tore gemacht, um den jungen Edelleuten zu wehren, weil dieselben zuvor einige Male in und außerhalb der Stadt Mutwillen getrieben hatten. Auch wurden zwei Feuerspritzen von Mühlhausen gekauft und am 25. März die Bürgerschaft von der Kanzel ermahnt, eine Umlage dazu zu geben, weil der Rat durch den Kauf des Heidelandes des Reinhardt Bornisch auf der Erfurter Höhe und durch den Kauf anderer notwendiger Gebäude große Ausgaben hatte und sie aus eigenen Mitteln nicht bezahlen konnte.                                                                                                                                                                                  (115)

Im Jahre 1615 wurde auch das Grüningische Tor von Grund auf neu gebaut, und die Ratsherren, die damals mit am Regiment waren und den Bau geleitet haben, wurden durch die Buchstaben MB und BH an der Mauer festgehalten. Die Buchstaben bedeuten „Matthias Bliedung“ und „Bruno Hauer“ (nach einer anderen Lesart: „Mathis Bliedung, Bauherr“).

 

 

§ 4. Im Jahre 1626 wie auch in den folgenden Jahren wurden die Tore, Brücken und Stadtmauern repariert, weil die italienischen Völker sich in dem Schwarzburgischen überall ausgebreitet hatten und die Gefahr täglich zunahm. Man wollte vor den streitenden Parteien doch einigermaßen sicher sein.

Im Jahre 1639 wurden wegen der streitenden Parteien viele Schlagbäume und Gräben vor den Stadttoren sowie auch die Zugbrücken und neue Schießscharten an die Türme und Stadtmauern gemacht. Auch ein Ausschuß hat wöchentlich geübt und wurde mit den nötigen Gewehren versehen. (Der „Ausschuß“ war eine Art Bürgerwehr, die aber gegen ein Kriegsheer wohl kaum etwas ausrichten konnte. Aber immerhin waren die Anführer dieses Ausschusses sehr hoch angesehene Leute und kamen auch meist aus angesehenen Familien).

 

Stadtmauer:

Die Greußener Stadtmauer gliedert sich in die innere Mauer und die äußere Zwing­mauer. Diese war direkt an die mit Wasser gefüllten Wallgräben angebaut. Sie war erste Verteidigungszone und diente auch dazu, der Mauer ein festes Fundament gegen das Unterspülen zu geben. Verhält­nismäßig gut erhaltene Reste finden sich heute noch im Bereich zwischen dem Diakonissen­heim und dem alten Brauhaus (sogenannte „Anlagen“).

Diese Mauer war nur an den Stellen errichtet, die als Schwachpunkte in der Verteidigungslinie galten, also vor allem an der West- und Südseite. Diese Mauer hatte keine Türme, sondern nur vereinzelt Schießscharten. Sie war oben abgeschrägt und von der halben Dicke der Hauptmauer.

Zwischen der äußeren und der inneren Mauer lag der Zwinger, der dazu diente, daß die Verteidiger schnell zu den bedrohten Punkten gelangen konnten.

Die Hauptmauer hatte einen Umfang von 2135 Metern, war über 9 Meter hoch und 1,25 Meter dick. Sie war im Westen und Süden von tiefen Wallgräben umgeben, während im Norden und Osten der tiefe Steingraben einen natürlichen Graben bildete.

 

Tore:

Das Neustädter Mitteltor stand im Norden an der Steingrabenbrücke. Es hatte ein spitzes Dach und eine Schlaguhr. Es wurde 1834 durch den Brand beschädigt und dann abgetragen.

Das Altstädter Mitteltor stand im Süden etwa an der jetzigen Erlenteichbrücke. Es war 20 Meter hoch, hatte ein steiles, breit auslaufendes Dach und wurde 1820 abgerissen.

Außerdem gab es noch äußere Tore:

- Das Clingener Tor in der westliche Neustadt

- Das Grüninger Tor westlich des Friedhofs und des Schützenhauses.

- Das Erfurter Tor am südlichen Ausgang der Neustadt, auch „Schelmentor“ oder „Schindertor“, weil vor dem Tor der „Feldmeister“ sein Anwesen hatte.

- Das Rittertor am Knick der Rittergasse.

- Das Brühler Pförtchen an der Westseite wurde erst um 1600 eingebaut. Nach dem Brand von 1687 wurde das Türchen erweitert und um 1800 der jetzige Eingang zwischen Post und Schule geschaffen.

 

Diese äußeren Torbogen waren verhältnismäßig niedrig und im Grunde nur Durch­gänge durch bewohnte Gebäude und für manche Heuwagen nicht passierbar. Sie besaßen Fallgitter und Zugbrücken und enthielten Wohnungen für die Torwärter. Sie wurden alle zwischen 1730 und 1780 entfernt.

In die Stadtmauer waren ferner fünf niedrige Verteidigungstürme von zwölf Meter Höhe eingebaut, und zwar hinter dem Waidhof, hinter dem Brühl, an der Brücke am Erlenteich und zwei auf der Ostseite. Schließlich waren noch zwölf Blocktürme auf die ganze Mauer verteilt, teils rund, teils eckig, mit Schießscharten und Wehrgang versehen. In den Türmen der Stadtmauer waren weitere sieben Gefängnisse.

 

2. Die Schützen‑Brüderschaften

§ 5. Es gab in Greußen im Zusammenhang mit dem Ausschuß (der Bürgerwehr) zwei Schützenbrüderschaften, die wöchentlich zu üben pflegten. Zuerst war da die Brüderschaft der Armbrustschützen. Diese hat­ten ihr Schießhaus gegenüber Michel Ottos Haus zwischen dem Tor und dem Steingraben. Weil sie sich aber aufgelöst hatte und man lieber mit Büchsen als mit Armbrüsten schießen wollte, verkaufte der Rat im Jahre 1597 den Platz ihres ehemaligen Schießhauses an Heinrich Polstrior.                                                                                                                                        (116)

Der Rat stellte jedoch die Bedingung, wenn die Armbrustschützen ihr Schießhaus wieder bauen und ihre Gesell­schaft darin erneuern wollten, so sollte er es ihnen den Sommer über einräumen, und es nur im Winter für seine Zwecke gebrauchen. Alle Jahre aber sollte er davon dem Rat vier Gulden Erbzins geben.

 

Im Jahre 1579 findet sich die Eintragung im Stadtbuch: „Dem Heinrich Polst (nicht: Polstrion) wird vom Rat als Bauplatz überlassen die leere Stadt zwischen dem Tor und dem Steingraben, gegenüber Michel Ottens Haus, wo vor Zeiten die Armbrustschützen ihr Haus gehabt haben. Das war bei der Badestube.“

 

§ 6. Danach gab es die Brüderschaft der Büchsenschützen. Diese wurde gegründet mit gnädigster Erlaubnis des Grafen Günther am Tag der 2. Juli (Heimsuchung Marias) des Jahres 1512, einem Dienstag. Das geschah durch den gestrengen und unnachgiebigen Veit von Witzleben, Amtmann zu Clin­gen, und die derzeitigen hiesigen Ratsmeister Klaus Worm­stedt und Kaspar Kolbe und in Gegenwart der Ältesten des Rats. Alles wurde bestätigt als eine ehrliche und lobenswerte Ord­nung der Büchsenschützen. Sie mußten auf dem noch jetzt so genannten Schießacker von Ostern bis zum Michaelistag alle Sonn­tage und Heiligentage auf die Scheiben schießen.

Weil sie nach dem damaligen päpstlichen Aberglauben den Heiligen Laurentius und den Heiligen Christophorus zu ihren Patronen erwählt hatten, mußten sie zu deren wür­digen Ehren jährlich zwei Tage feiern, und damit dabei eine ehrliche Messe gelesen werden konnte, mußte ein jeder Schütze drei Pfennige dazu geben. Ihre Artikel sind ausführlich zu lesen in einem alten Stadtbuch auf dem hiesigem Rathaus Seite 41‑ 44.

 

 

Die Schützenordnung von 1512 wurde Grundlage für alle späteren Schützenordnungen. Während des 30jährigen Krieges und in den Pestjahren ruhte das Schießen. Die Büchsenschützen haben anfangs auf dem Oberried geschossen. Im Jahre 1575 wurde ihnen ein Acker vor dem Grüninger Tor eingeräumt und eine Schießbude eingerichtet. Mit der neuen Schützenordnung von 1729 waren die Schützen nicht mehr eine Bürgerwehr, sondern ein Verein.

Das Schießhaus vor dem Grüninger Tor wurde 1732 errichtet. Dieses Haus wurde 1811 vergrößert und war von da an auch der Öffentlichkeit zugänglich. Im Jahre 1825 und 1828 wurden noch Grundstücke für einen Garten dazugekauft.

Die Schützenordnung wurde 1730 verbessett und 1802 erneuert, jeweils vom regierenden Fürsten. Am 15. März und 10. August wurden die Gedächtnistage der Schutzherren jährlich gefeiert.

Nach Sternickel wurden die Gedächtnistage der Schutzherren jährlich gefeiert: Am 15. März wurde wohl Sebastian gefeiert, obwohl der eigentliche Sebastianstag der 20. Januar ist (aber es gab auch andere Sebastianstage) und am 10. August wurde Laurentius gefeiert (der Christophorustag ist der 21. Oktober).

3. Das Brauwesen udn dessen Ordnung

§ 7. Es gibt zwei Gruppen, die hier das Braurecht haben. Einmal sind es die Stadtbrauer, die einen Brauvorgang in der großen Pfanne vornehmen, wenn das Los auf sie gefallen ist. Danach dürfen sie das Bier in ihrem Hause zapfen.

Diese Ordnung wurde im Jahre 1508 am Freitag, am 25. November (Tag der Heiligen Katharina) in Arnstadt von Graf Günther in folgender Form bestätigt: „Wer von seinen Gütern 150 Groschen als Grund­steuer gibt und einen gebührenden Harnisch zur Verfügung stellt, darf brauen.“

Die anderen sind die Hausbrauer, denen es erlaubt ist, zu ihrem Tischtrunk jährlich zweimal einen Marktscheffel zu brauen, wenn sie von ihren Gütern die Hälfte der vorgeschriebenen Grundsteuer geben. Im Jahre 1541 kam das „Wahnmaß“ auf. Es sollte nicht länger stehen als nur sechs Jahre, steht aber noch bis zum heutigen Tag.

Im Jahre 1549 ließ der Rat eine neue Pfanne für das große Brauhaus anfertigen. Mit dem Kupferschmied Meister Simon Forster wurde ein Vertrag gemacht, daß er die alte Pfanne in Zahlung nehme und für zwei Pfund neues Kupfer drei Pfund altes bekommt, das übrige neue Kupfer aber wurde ihm bezahlt mit 3½ Groschen.

Weil sie aber zehn Zentner und 88 Pfund wog, so kostete sie 181 Gulden 7 Groschen. Da­rauf verrechnete er 126 Gulden und 14 Groschen für elf Zentner und 40 Pfund Kupfer. Soviel hatte die alte Pfanne gewogen. Jedes Pfund wurde mit 2 Groschen und 4 Heller berechnet. Und 3 Pfund altes Kupfer wurden für 2 Pfund neues Kupfer verrechnet. Das übrige aber wurde ihm mit Geld bezahlt.

Im Jahre 1561 aber kam die Tranksteuer hier auf, von jedem Maß Bier und Wein einen Heller. Jedoch bleibt alles Bier, das in der kleinen Pfanne des Brauhauses gebraut wird, bis auf den heutigen Tag von der Steuer befreit. Das ist ein herrliches Kleinod dieser Stadt.

 

§ 8. Im Sommer 1611 wurde der Brauhof wieder auf­gebaut, nachdem er bis dahin gar wüst geworden war. Er hatte einen schönen ganz neuen Keller, der bis an die Stadtmauer gebaut war. In diesem Jahr wurde auch der Brauhandel wieder angefangen. Es wurde 38 mal gebraut, bis man neue Gerste bekommen hat. Damals sind Bürgermeister gewesen Konrad Grüning und Andreas Lauterborn, die Bau‑ und Brauschreiber aber waren Veit Müller und Hans Rothe.

§ 9. Als am Juli 1687 die ganze Mittelstadt im Feuer aufging, war der Brauhof zwar unbe­schädigt geblieben, aber die beiden Brauhäuser wur­den ganz abgedeckt. Doch das Brauen wurde darin fortgesetzt und in dem noch erhaltenen Ratskeller wurde das Bier ausgeschenkt, so daß den Geistlichen ihre Besoldung ohne die geringste Verzögerung gegeben werden konnte.

 

Das Brauhaus in der Brühlstraße wird schon 1460 erwähnt. Es diente zur Bereitung des Bieres, das den brauberechtigten Bürgern zustand. Weil das Haus um 1600 sehr verfallen war, nahm man in den Jahren 1611 und 1612 einen Neubau vor.

Die Gebäude wurden erweitert bis zu dem kleinen Häuschen am Brühl hin. Den westlichen Teil bildete das „Darr­haus“, in dem Malz getrocknet wurde. Auch ein großer Bierkeller wurde angelegt. Im Jahre 1610 brachte man die erste Hopfenernte ein.

Als der Wallgraben vor dem Brauhof zugeschüttet wurde, wurde durch den Brauhof ein tunnelartiger Durchgang geschaffen. Nach Aufhebung der Braugerechtigkeit ging der Brauhof in Privathand über. Nur der ältere, nach Osten gelegene Teil blieb in städtischem Besitz. Um das Jahr 1890 wurden die alten Gebäude gründlich umgestaltet, die oberirdische Wasserleitung wurde entfernt und ein breiter Durchgang geschaffen und dann der Umbau zu einer Mälzerei vorgenommen.

 

 

4. Die Herrengeschäfte und weltliche Händel

 

§ 9. Im Jahre 1223 hat Landgraf Ludwig VI., sonst Ludwig der Heilige genannt, einen Verhandlungstermin in Greußen gehalten.

 

§ 10. Im Jahre 1324 wurde der Rat zu Greußen neben den Räten in Goslar und Mühlhausen von dem Kaiser Ludwig dem Bayern zu Kommissaren und Vollstreckern eingesetzt, um die verjagten Ratsherren von Nordhausen wieder einzusetzen. Es war dort in der Osterwoche ein großer Tumult entstanden zwischen dem Rat und der Bürgerschaft. Der gemeine Pöbel hatte sogar Heinz von Wolsungen zum Hauptmann über sich ausgerufen. Ferner wurde das Haus des Bürgermeisters Conrad Thill angefal­len und gestürmt und ihm großer Schaden, Schimpf und Spott zugefügt.

Er wurde dann auch mit anderen Ratspersonen, die der Stadt viele Jahre treu vorgestanden hatten, samt Frau und Kindern aus der Stadt gejagt. Weil nun diese Verjagten die Hilfe bei dem Erzbischof Matthias zu Mainz und danach beim Kaiser selbst gesucht hatten, ergingen allerhand Befehle und Verordnun­gen, von denen aber keine angenommen wurde.

Als die Geistlichen über die Sache redeten und mit dem Bann drohten, wurde der Dekan mit seinen Stiftsherren zur Stadt hinausgejagt und ihre Kirche zu einem Pferdestall gemacht und auch ihre Häuser in dem ganzen Stifte wurden ausgeplündert.

Als der Graf von Hohnstein in Sondershausen sei­nen Untertanen verbot, Holz und Korn dorthin zu führen, damit sie sich aus Mangel an Feuerholz ergeben müßten, brachen sie die Häuser ab und nahmen damit das Brauen und Backen vor.

Weil nun sowohl der Bischof als auch der Kaiser sahen, daß Güte nicht helfen wollte, ernannten sie die Räte zu Greußen, Mühlhausen und Goslar zu Abgesandten und Vollstreckern, die sich dorthin begeben und Tumult stillen sollten, damit die Verjagten wieder eingesetzt würden.

Als diese weder eingelassen noch gehört wurden, taten sich der Bischof zu Mainz, der Graf zu Hohnstein und die drei genannten Städte zusammen und belagerten die Stadt Nordhausen, brann­ten ihre Mühlen vor der Stadt ab, hoben das Rautentor mit Gewalt auf und bemächtigten sich der Aufrührer.

Sie wurden teils gehängt, teils geköpft, teils gerädert. Dadurch wurde dann die vorherige Ruhe wieder hergestellt, nachdem der Tumult beinahe vier Jahre gedauert hatte.

 

§ 11. Im Jahre 1523 wurde der 50 jährige Streit der Stadt Greußen mit den Ottenhäusern über die Flur des zerstörten Dorfes Rüllhausen durch die Abgeordneten Herzog Georgs von Sachsen und Graf Günthers von Schwarzburg gelöst und die Fluren wurden ausgestei­nt. Wo das Dorf Rüllhausen ehemals gelegen hat, ist zwar wohlbekannt, unbekannt aber ist, wann es zerstört wurde und eingegangen ist.                                                                                                                                    (117)

Obwohl die dazugehörigen Äcker, Wiesen, Weinberge und die Ödland-Stücke nach Ottenhau­sen zu jenseits der Steine lagen, so waren sie doch Eigentum der Bürger von Greußen und die­se gaben die Pacht dafür ins Kloster Reinhardsbrunn.

Weil nun aber die Gemeinde Ottenhausen die Greußener in ihrem bis­herigen Besitz stören wollte, so war die Sache vor dem Oberhofgericht zu einem Streit gediehen, der nun schon an die 50 Jahre gedauert hat. Damit aber diesem ein Ende gemacht würde, kamen im Jahre 1523 die beiderseitigen Abgesandten hier zu­sammen und schlossen einen Vergleich. Jedoch wurde dieser Vergleich nicht lange in Gültigkeit gelassen. Denn als Oswald von Kromsdorf den Ort Ottenhausen bekommen hatte und Amtmann zu Weißensee geworden war, hat er sich im Jahre 1552 erlaubt, einige Äcker der Greußener umzupflügen und mit Hafer zu bestellen.

Weil nun den Greußenern ihre Trift, Huteweide, Ödland und ihr zustehendes Recht entzogen worden war, so versuchten sie es abermals an einem höheren Ort. Sie erhielten den Bescheid, daß ihm verboten wur­de, diesen Hafer zu ernten. Jedoch tat er solches in der Tat auf einem Sonntag und ließ den Hafer in seinen Gewahrsam bringen. Weil er aber wieder in Kriegsdienste ging, konnte die Stadt Greußen das ihr zustehende Recht gegen ihn durchsetzen.

Weil sie aber doch dadurch in große Unkosten geraten war und viel Schaden erlitten hatte, so wurde im Jahr 1555 von den Grafen Günther und Hans Günther zu Schwarzburg befohlen, einige brachliegende Äcker auf ihrer Weide umzupflügen und mit Hafer zu bestellen, um sich dadurch von ihrem Schaden von einem Jahr zum anderen zu erholen.

Obwohl dieses nicht heimlich, sondern öffent­lich und ohne Widerrede von irgendeiner Seite geschehen ist, so haben doch der Sohn, Ernst Wittig von Kromsdorf, und die von Ottenhausen dagegen gehandelt.

Von etwa hundert Äckern ließ er des Nachts und in aller Eile durch seine Untertanen und andere Helfer den Hafer abschneiden und heimbringen.

Dabei ließ er verlauten, daß er alle dortigen Äcker, Wiesen und Weinberge, die die Greußener jenseits der Steine hätten, als das Seine ansehen werde und daß er der Stadt Greußen nichts davon zugestehen wolle.

Als aber die hie­sige Herrschaft deswegen eine Bittschrift an den Kurfürsten nach Weimar schickte, wurden zur Besichtigung verordnet der Rentmeister zu Weißensee Friedrich Uthmann, Florian von Greußen aus Kutzleben und Gangloff Hacke aus Schilfa. Darauf wurde dann diese Streitsache doch gütlich beigelegt, so daß die Bürgerschaft von Greußen in ihrem Besitz nicht mehr gestört werden dürfte.

 

Rüllhausen wird 1224 in einer Urkunde aus Reinhardsbrunn so genannt. Das Dorf scheint in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zerstört worden zu sein, denn 1296 vermacht Theodor Saxa dem Kloster Reinhardsbrunn einen Kelch als Sühne für die Zerstörung des Klosters. Im Jahre 1388 beginnt dann die Aufteilung des verlassenen Dorfes. Im Jahre 1483 gibt der Abt von Reinhardsbrunn schließlich die Erlaubnis, die Steine der verfallenen Kirche bei der Wüstung Rüllhausen für den Bau einer Kirche in Werningshausen zu benutzen (vgl. Sternickel 142-144).

 

§ 12. Am 4. März 1578 kam Graf Hans Günther selbst nach Clingen und legte dort den langen Streit bei, der zwischen den beiden Städten Greußen und Clingen wegen der Huteweide, dem Fischfang und der Grasnutzung im Nieder‑Flattich und am Nörderberg gewesen war. Entschieden wurde, daß sowohl der Nörderberg als auch der Nieder‑ Flattich in gleiche Teile geteilt und abgesteint werden und damit die Koppelweide gänzlich aufgegeben wird und nun bei der Grasnutzung, Fischerei und Huteweide keiner weiter gehen darf, als die gesetzten Steine anzeigen.

§ 13. Am 21. Oktober 1590 haben Graf Wilhelm zu Schwarzburg und Graf Ernst zu Hohnstein sich nach Greußen zu einer Tagung begeben und dort einen Vergleich gemacht wegen der Pachtzahlungen, die das Kloster Walkenried in der Goldenen Aue zu erhalten hatte.

Die Mönche dieser reichen Abtei hatten in der Goldenen Aue nicht al­lein ihre schönen Landgüter in Brolisleben, Broningen, Riet­hoff, Num­burg, sondern auch viele Äcker und einzelne Höfe, die sie an die Einwohner in He­­ringen und auf den Dörfern verpachtet hatten.

Diese mußten für die Äcker jährlich eine gewisse Pacht entrichten und alle neun Jahre eine gehörige Anerkennungsgebühr zahlen. Weil aber nach der Re­formation mit allen Klostergütern große Veränderungen vorgegangen sind und hierüber viel Streit ent­standen ist, so wurde damals hier in Greußen folgender Vergleich geschlossen:

Die Klosteräcker in der Goldenen Aue müssen erblich gegen eine Geldzahlung an die Besitzer überlassen werden, sie haben aber doch jährlich noch einen gewissen Zins zu geben.

 

§ 14. Die Zeit der Kipper und Wipper brachte im Handel und Wandel auch viel Verderben. Weil das allgemeine Geld so gering war, daß zwei Species-Taler zehn Gulden galten und weil wegen des geringen Wertes des Geldes die Ware desto höher angerechnet wurde, war eine solche Teuerung, daß die Preise wie folgt waren: ein Fuder Holz 8 Taler, ein Schock Reisigholz 2½ Taler, ein Scheffel Korn 5 oder 6 Taler, Gerste 3 Taler, Hafer 2 Taler, Erbsen 4 Taler, Rübensamen 6 Taler, ein Pfund Mus 4 Groschen, Speck und Tax‑Käse 16 Groschen, Butter 16 Groschen, 15 Stück (ein Mandel) Eier 18 Groschen, ein säugendes Kalb 10 Gulden, eine Kuh 60 bis 70 Gulden, ein Faß Bier 26 Reichstaler.                                                                           (118)

 

 

Das IX. Kapitel

 

VON  GROSSEN  WASSERFLUTEN UND  VON  GROSSEM  WASSERMANGEL

 

§ 1. Die Stadt Greußen hat von Wasserfluten mehrmals großen Scha­den erlitten. Einige von ihnen sollen hier angeführt werden, zum Beispiel:

1.) Im Jahre 1535, sonnabends vor Pfingsten, war ein Gewitter. Dabei kam aus dem Wurmbach ein so großes Gewässer zwischen der Stadt und der Schindersbrücke hergeflossen, daß etwa 350 Schafe und eine große Menge Ziegen, die auf der Weide waren, darin erstranken.

Zur Vermeidung des Gestanks hat man sie auf dem Lande über der Sünderwiese in ein Loch begraben („Sünderwiese“ ist die „Sonderwiese“, eine abgesonderte, von Greußener Gebiet umgebene Clingener Wiese).

2.) Am 18. Februar 1579 (am Tage der Eintracht) wurde das Tauwasser so groß, daß es 30 Zentimeter hoch über die Neustädter Brücke ging und dort in Keller und Höfen großen Schaden anrichtete. Auch die Helbe, die von der Lochmühle kommt, stieg hinter dem Brühl so weit an, daß sie im Brühl die Zwinger­tür aufstieß und mit solchem Ungestüm hereindrang, daß im Brühl alle Höfe und Häuser, Keller und Stuben voll wurden.

Man konnte kaum mit Pferden hindurch reiten, um die betroffenen Menschen samt ihren Kin­dern und ihrem Vieh zu retten. Es ist auch fast so viel Wasser durch den Rats-Teich vor dem Erfurter Tor in den Steingraben, geflossen, daß man gemeint hat, es würde die ganze Stadt ertrinken müssen.

3.) Im Jahre 1595, in der Woche nach dem Sonntag Sexagesimä, wuchs die Flut vom Schnee­wasser fast ebensosehr, ging bis an die Brücke bei der Badstube und dauerte ganze sieben Tage.

4.) Am 21. Juli 1624 lief das Wasser aus dem Steingraben durch das Loch am Tor in die Stadt und stieß auch die Zwingertür im Brühl auf.

5.) Am 30. Juli 1652 riß das Wasser die steinernen Treppen an den Brücken in der Neustadt weg.

6.) Am 29. April 1653, Freitag vor dem Walpurgistag, war ein großes Gewitter mit grausamem Hagel und Schlossen, durch das besonders über den Grollbach und das Ried das wilde Wasser alles überschwemmt hat und mit seiner geschwinden Flut die Mauern bei der Kalkhütte zwischen den Wegen geschleift hat. Große Steine davon wurden ins Judenried geschwemmt; die Gerste dort wurde aus dem Grund ausgewaschen, große Löcher in die Äcker gerissen und sonst so viel Schaden angerichtet, daß sich niemand an so etwas zu erinnern wußte. Es haben auch große Schlossen vor dem Gericht in Clingen gelegen, ebenso am Grollbach und an anderen Orten an tieferen Stellen, zum Teil mannshoch, die innerhalb von 14 Tagen nicht alle geschmolzen sind und das Gewässer immer weiter vermehrt haben.

7.) Im Jahre 1654 wurde es um den Martinstag sofort sehr kalt, so daß der erste Schnee bis zum Sonnabend vor dem Sonntag Septuagesimä bis in die zwölfte Woche gelegen hat. Weil er aber plötzlich durch ei­nen dazukommenden starken Regen auf­taute, ist am 4. Februar 1655 eine ungemeine Wasserflut entstanden. Schon am ersten Tag ist es im Brühl durch die Stadtmauer gedrungen und hat ihn so mit Wasser angefüllt, daß es über den Born gegangen ist und an Häusern und Scheunen großen Schaden angerichtet hat.

Am folgenden Tag wuchs es noch viel mehr, so daß es durch den Garten in den Hof der Kaplans­wohnung drang. Aus dem Brühl schoß es durch die Mühlgasse und warf dort an der Stadtmauer zwei große Stücke nie­der, die im Umfallen auch den Zwinger selbst sehr zerschmetterten.

Auch schoß es über die Neustädter Brücke in einem so starken Strom zum Tor herein und in der Mühlgasse durch den Zwinger wieder hindurch, so daß es im Judenried wegen des vielen Gesträuchs und der Enge stark überschoß und bis nach Grüningen und Ottenhausen sah es wie ein See aus.

Der Zimmer­mann Meister Simon von Feldengel ist mit dem Brückengeländer hinunter gefallen, als er gegen Abend am Sonntag Septuage­simä von Clingen weg ging, um nach dem Helbewehr zu sehen und über die Steingrabenbrücke in Clingen gehen wollte. Er wurde im reißenden Strome mitgerissen. Man erzählt, er habe sich auf ein schwim­mendes Stück Bauholz gesetzt. Und den Tod vor Augen hat er gesungen: „So fahr ich hin zu Jesus Christ“.

Am Dienstag darauf fanden ihn die Fischer, als er an Michael Mayers Garten an einem Weidenbaum hängengeblieben war. Mit den Händen hatte er sich fest darum geschlungen und so den Geist aufgegeben. Der Amtmann zu Clingen hat ihn deswegen gerichtlich untersuchen und in Clingen begraben lassen.                    (119)

8.) Am 19. Juli 1674, als Markt in Weißensee war, entstand des Nachts um ein Uhr ein Ungewitter mit solchem Sturmwind, daß jedermann meinte, es müßte alles zugrunde gehen. In den Gärten wurden die größten Obstbäume aus der Erde gerissen und 16 Häuser wurden umgeworfen. Es war ein solcher Sturm, daß es die Leute unten im Haus nicht einmal gehört haben, wenn das Ober­teil eingefallen ist.

Ja, der Wind hat in einer voll Wasser stehenden Rinne vor dem Gasthaus „Schwarzer Bär“ ein Stück Latte mit sol­cher Macht getrieben, daß es durch ihn hineinstoßen ist und halb außen und halb drinnen gesteckt hat. Der Regen aber tat keinen Schaden.

Das Gasthaus „Schwarzer Bär“ am Markt ist das älteste Gasthaus in Greußen; ab 1834 hieß es „Anker“. Am Markt war noch das Gasthaus „Goldener Löwe, das im Ersten Weltkrieg einmal einging. Um 1800 entstanden das Gasthaus im Schützenhaus, dann Voigts Kaffeehaus, der „Schwan“ in der Neustadt und schließlich das „Weiße Roß“ am Töpfermarkt.

 

9.) Im Juni 1688 entstand durch ein Unwetter eine große Wasserflut, indem das Wasser vom Grollbach hereingeschossen kam und größeren Schaden anrichtete, als es 1653 geschehen war. Es ging über die Mauern beim Herrengarten. Das Korn wurde von der Kalkhütte an bis zum Stadtgraben gänzlich überschwemmt und verderbt.

10.) Im Jahre 1692 war am hiesigen Lichtmeß‑Markt ein solch ungestümes Schneewetter, daß die Buden, die am Tag zuvor aufgebaut worden waren, nicht erhalten werden konnten, geschweige denn, daß jemand hätte handeln und verkaufen können. Ja, es fiel ein solcher Schnee, daß der Rat am dritten Tag die Wege vor dem Tor mit Kornschau­feln mußte freilegen lassen, damit der auswärtige Händler wieder aus der Stadt kommen konnte. Beim Tauen dieses Schnees entstand auch ein großes Gewässer.

11.) Am 10. August 1693 entstand mittags um zwölf Uhr ein solcher Sturmwind, daß er die Gerste, die gemäht oder in Haufen (Mandeln) lag, im Feld ganz zerstreute. Darauf folgte aber ein solcher Schlagregen und das Wasser lief in der Eile so heran, daß es in dem Herrengarten vor dem Erfurter Tore über die Mauern und bis ins Tor ging. Jedoch hat Gott Hagel von dieser Flur in Gnaden abgewendet.

Der Hagel ist aber anderswo und besonders bei Ebeleben so stark gewesen ist, daß Eisstücke, so groß wie eine Hand, gefallen sind. Sie haben die Leute auf dem Feld ganz blau geschlagen und 18 Stück Rindvieh und auch viele Bussardhühner und Gänse getötet.

 

§ 2. Vom Wassermangel, der durch die großen Wasserfluten entstanden ist, hat die Stadt Greußen ehemals auch großen Schaden erlitten.

1.) Vom 22. bis 25. Januar 1603 entstand ein ungemein großes Wasser durch den getauten Schnee. Weil auf eine plötzliche Kälte bald großer Frost folgte, blieben die Mühlen in Greußen und der gesamten Nachbarschaft stehen, daß man wegen des Mahlens und Schrotens große Not hatte. Wenn Gott das nicht bald gelindert hätte, hätten Menschen und Vieh sterben müssen.                                                            (120)

2.) Vierzehn Tage vor Weihnachten 1608 war eine solche große Kälte, daß viele Reisende davon erfroren sind. Die Kälte hielt in einer solchen Strenge an bis auf Fastnacht, so daß die Brunnen öfter eingefroren wa­ren und im ganzen Lande wegen des Mahlens große Not war.

An vielen Orten, besonders wo keine Windmühlen waren, ist das Volk Hungers gestorben. Einige haben auch das Korn gekocht und so anstatt des Brots essen müssen.

3.) Am 28. Januar 1638 ist durch das Gewässer das große Wehr oberhalb von Westgreußen abgerissen. Dadurch haben einige Mühlen volle 16 Jahre still gestanden und haben nicht mahlen können, zum Beispiel in Westgreußen, Clingen, Greußen und Weißensee.

Das ist dann ein großer Schaden gewesen, besonders für die Stadt Weißensee, die sonst kein Wasser hat, und die daher innerhalb dieser Zeit alles Getreide zum Mahlen und Schroten nach Günstedt hat geben müssen. Dieser schwere Bau konnte in den damaligen Kriegszeiten nicht vorgenommen werden bis zum Jahre 1654.

Zur Wiedererrichtung des Wehrs aber gab das Amt Weißensee für Ar­beitskräfte und Sachkosten zwei Teile und die Grafschaft Schwarzburg den dritten Teil. Damals litt die Stadt Greußen solche Not wegen des Wassers, besonders auf dem Brauhof. Deswegen versuchte man den Riedborn durch die Gärten in die Rittergasse zu leiten, konnte es aber doch nicht zustande bringen.

4.) Im Jahre 1716 war auch um Lichtmeß (2. Februar) herum eine solche strenge Kälte, daß man wegen des Mahlens große Not hatte. Besonders aber richtete sie in den Baum‑ und Obstgärten gar großen Schaden an, weil die meisten Bäume erfroren und manche Gärten ziemlich wüst wurden.

 

Das 7.Kapitel:

 

Von den Feuersbrünsten, die durch Blitzschläge, Vernach­lässigung,unachtsame Leute und andere Zufälle entstanden

 

§ 1. Sowohl in den uns zum Teil noch bekannten Zeiten, als auch vor Alters, ist diese unsere liebe Stadt mit großen Feuer‑ und Brandschäden heimgesucht worden. Daraus kann man die schweren Gerichte Gottes über die Sünde und die Sünder sehr wohl erkennen und soll wahre Buße tun, um so etwas abzuwenden. Die bekannten Beispiele sind folgende:

1.) Im Jahre 1454 hat die Stadt Greußen, wie auch viele andere Städte im Schwarz­­burgischen, von Mordbrennern großen Schaden erlitten.

2.) Am Montag vor dem Johannistag (24. Juni) 1491 wurde die Stadt Greußen von dem hiesigen Bürger Hans Gerlig angesteckt und ist fast ganz ausgebrannt. Weil die ganze Neustadt und Mittelstadt im Feuer aufging, wurde die Bürger­schaft hier damals so arm, daß die meisten Einwohner ihre Brandstätte verließen. Auf Befehl der Herrschaft wurde jedem, der neu bauen wollte, ein Bauplatz umsonst gegeben; dazu sollte er noch frei sein von Grundsteuer, Umlage und Pacht, solange der Mann und die Frau leben würden.

 

Nach Jovius sollen 1491 nur zwei unansehnliche Häuser und zehn kleine Häuser vom Brand verschont worden sein.

 

Der Täter floh anfangs. Und weil der Sohn Friedrich Gerligs in Verdacht kam, daß er mit dem Vater den Mordbrand verübt hätte, wurde er in Haft ge­nommen. Als ihm die Tat nicht bewiesen werden konnte, kam er wieder los, jedoch mit der Bedingung, daß er innerhalb eines Jahres seinen Besitz in Greußen verkaufen mußte und mit seiner Mutter aus der Herrschaft Schwarzburg ziehen mußte und keinen Ort im Umkreis einer Meile Wegs besuchen durfte. Dabei mußte er einen Friedenseid („Urfehde“) schwören und 14 Bürgen stellen, die sich verpflichten mußten, daß sie sich jedesmal auf Verlangen auf der Burg in Sondershausen stellen sollten. Das geschah hier vor dem Amtmann zu Clingen Bernhard Marschal und den hiesigen Ratsmeistern. Der ge­flohene Vater aber wurde später auch noch ergriffen und am Montag beim Herbst‑Jahrmarkt bei der Waidmühle an der Schinders­brücke (am Erfurter Tor) verbrannt.

3.) Am Donnerstag vor Pfingsten 1536 um 10 Uhr abends schlug ein Blitz in den hiesigen Kirchturm und zündete das Pulver an, das in den Gewölbe wegen des künftigen Schützenfestes dort verwahrt wurde. Weil man aber dem Gewitter entgegen läutete, in der Meinung, es würde sich das Gewitter von dem Klang der im Papsttum getauften Glocken vertreiben lassen oder doch am Einschlagen hindern lassen, erstickten der Kirchner und seine Frau sowie Hans Pfeifer auf dem Turm und blieben in dem Rauch tot.

4.) Im Jahre 1540 wurden von den Papstanhängern viele Mordbrenner in die evangelischen Lande ausgesandt und hier und da ihre Städte in Brand gesteckt, um dadurch die Ausbreitung des Evangeliums zu hem­men. Das betraf auch die Stadt Greußen: Am 4. Juli wurde in der Nähe des Grüningischen Tores Feuer gelegt, durch das die ganze Neustadt abbrannte bis auf drei Häuser nahe bei der Brücke.

Ja, das Feuer flog auch über die Mauer, daß nach der Kirche zu auch über 40 Häuser ab­brannten. Dies verursachte dann hier und in der Nachbarschaft großen Schrecken. Es waren über 400 Mordbrenner ausge­schickt worden. Da­runter befanden sich auch angesehene und in großen Ämtern sitzende Personen, denen man eingeredet hatte, sie täten dabei ein gutes Werk. Aber je mehr sie Städte und Dörfer verwüsteten, desto mehr verabscheuten sie die Vergebung der Sünden.

Zwei dieser Bösewichter, Martin Kirche und Stephan von Hildesheim, haben auch im er­wähn­ten Jahr die Stadt Nordhausen angesteckt und in einer Nacht in Asche gelegt: den ganzen Königshof und was davor am Holzmarkt lag, mit dem Augustiner‑Kloster und der Schule, dem Walkenrieder Hof und der Apotheke vor der Kuttelpforte, bis an das Tor am neuen Weg und dann nach vorne bis an den Markt und an das Elisenhaus. Beide Täter wurden danach verhaftet und - weil sie ihre Missetat freiwillig bekannt haben - enthauptet.

 

Bei dieser Behauptung, die Papstanhänger hätten Mordbrenner ausgeschickt, handelt es sich um unbewiesene Gerüchte. Die Aufnahme in die Chronik zeigt jedoch das weiterhin ange­spannte Verhältnis zwischen den Konfessionen zur Zeit der Abfassung der Chronik.

                                                                                                                                             (121)

5.) Am 4. August 1561, in der Nacht zwischen elf und zwölf Uhr, kam im Haus des Hans Bonifatius in der Herrengasse ein Feuer auf, das aber doch nur dieses und vom Haus Peter Schwon­sers den Dachstuhl und vom Haus Hans Reichemuths nur etwas vernichtet hat.

 

§ 2. Es hat auch mit dem vorigen Jahrhundert Gottes Rache über die Sünden dieser Stadt nicht aufgehört, sondern sich auch noch in den folgenden Zeiten gezeigt, damit uns dieses desto viel mehr immer vor Augen schweben sollte:

1.) Am 10. Mai 1606, frühe um 5 Uhr, kam hier im Brühl ein Feuer auf, durch Unachtsamkeit der Martha Kämmerer, die angebranntes Holz und Kohlen aus dem Brauhaus heimgetragen hat und unter ihre Holztüre gelegt hat. Da dieses sich nun nach und nach wieder entzündet hat, verbrannten die Kohlen, auch etwas von dem Holz. Sie wurden aber doch durch Gottes Gnade gelöscht, so daß es ohne weiteren Schaden abging.

2.) Am 24. November 1607, des abends bald nach 9 Uhr, hat in einer Kammer des Gasthofs des Lorenz Hofermann ein Feuer angefangen, das zwar einen großen Schrecken verursachte, aber doch durch Gottes Hilfe bald wieder gelöscht wurde.

3.) Am 1. September 1616, einem Sonntag, entstand des Morgens früh um sechs Uhr in Jakob Barthels Scheune in der Hintergasse ein Feuer, durch das sechs Häuser und auch sechs Scheunen in Asche gelegt wurden, wie auch der Waidhof des Friedrich Happ.

4.) Am 16. Juni 1653 erhob sich nachmittags zwischen ein und zwei Uhr geschwind ein brau­sendes Wetter mit ungestümem Schlagregen und schlug darauf in die Kirche hinein, über der Orgel am Turm, zwi­schen dem Dach und den Mauern, mit schrecklichem Knall und Blitz, so daß Kirche und Orgel von dem schwefligen Rauch erfüllt wurden.

Jedoch ging es ohne Entzündung ab, und nur an der Orgel war etwas zerschlagen, und auch einige Balken waren zerschmettert und an der Spitze waren die Schiefer heruntergeschlagen.

5.) Am 17. Dezember 1655, montags früh zwischen 6 und 7 Uhr, wurde der hiesige Trockenboden (Darre) mit Malz vollgeschüttet und die­ses wegen des starken Feuers von der Mälzerin Christiane Sennewald unbeabsichtigt angesteckt. Weil man dem Feuer nicht bald wehren konnte, hat es wegen der vielen Holzgestelle über dem Trockenboden auch das Dach ergriffen, daß es oben durchs Rauchloch gebrannt hat. Jedoch nach dem Sturmläuten und dem vielen Zulauf des Volks und besonders durch Gottes Hilfe und den Fleiß guter Menschen wurde es schließlich zum Stillstand gebracht, so daß es keinen weiteren Schaden anrichtete.

6.) Am 6. März 1662 kam hier auch ein Feuer auf und nahm 16 Häuser mit, ohne Scheunen und Ställe, nämlich vier an der Straße hinter dem Rathaus, ebenso die Mädchenschule, das Backhaus, Häuser auf dem Kirchhof und dort weiter herum; doch ist die liebe Kirche damals unverletzt geblieben.

7.) Am 2. Juli 1687, es war gleichzeitig das Fest der Heim­suchung Ma­rias, entstand hier der große Brand, von dem noch die meisten unter uns wissen und den nicht wenige beseufzen. Das Feuer hat angefangen während des Vaterunsers nach der Frühpredigt, um halb zehn Uhr in der Hintergasse, zwischen dem Haus des Korbmachers und dem Haus des Meisters Hans Müller.

Es hat bald die Scheune des Bürger­meisters Philipp Magen ergriffen und plötzlich so um sich gefressen, daß innerhalb von zwei bis drei Stunden die ganze Mittelstadt mit der Kirche, die Schule, das Rathaus und allen geistlichen Gebäuden in Asche gelegt wurde.

Das waren 215 Häuser, ohne Kirche, Rathaus, Pfarrhaus, Diakonshaus und Schulhäuser. Das Feuer entwickelte sich von Anfang an zur Vernichtung weiter. Von Bürgermeister Magens Haus war eine Seite Speck über das Rathaus geflogen und auf Andreas Augners Scheune ge­fallen.

So wurde auch diese Seite angesteckt. Es hat nicht nur die Hintergasse und der Markt auf beiden Seiten, sondern auch die Herrengasse und der Brühl zugleich gebrannt. So wurde von einem Tor bis zum anderen alles in Asche gelegt, ausge­nommen das Haus des Sattlermeisters Christian Jeremias Burckhardt und das daneben stehende Torhaus am Neustädter Tor.                                                         (122)

Ja, weil sich danach der Wind gewandt hat und von der Hainleite hergekommen ist, hat die Altstadt (Oberstadt) und auch die schöne Kirche draufgehen müssen, obwohl man allen möglichen Eifer zum Retten angewandt hat.

Weil auch die Kaufleute erst am Abend zuvor von der Naum­burger‑ Messe gekommen waren und ihre Waren noch nicht ausgepackt hatten, so haben viele von ihnen die Waren in den Kästen auf den Markt ans Wasser gebracht in der Meinung, sie dort erhalten zu können. Aber das Feuer hat sie auch ergriffen und ihnen nichts als Staub und Asche hinterlassen.

Die Jahreszahl dieses schreck­lichen Brandes und der grausamem Verwüstung der Stadt Greußen ist enthalten in diesen lateinischen Worten: „InCenDIUM greUsense annUo VIsItatIonIs festo LVgebVut posterI“

 

(„Der Brand Greußens am Tag der Heimsuchung Marias 1687 wird betrauert von den Nachkommenden“. Wenn man die Großbuchstaben in die übliche Reihenfolge richtig ordnet und die Buchstaben U und V als je fünf Jahre rechnet, kommt die Zahl 1687 heraus).

 

Deshalb muß auch auf hohe Verordnung gnädigster Herr­schaft der Pfarrer am Fest der Heimsuchung Marias nach dem Mittag alle Zeit eine besondere „Brandpredigt“ halten, zu deren fleißigem und bußfertigem Besuch die gesamte Bürgerschaft des Morgens von der Kanzel ermahnt wird.

 

Sternickel und Hesse ergänzen: Außer den Häusern im Brühl (mit Brauhaus, Darre, Brauhof) und den beiden Häusern hinter dem Neustädter Mitteltor wurde alles ein Raub der Flammen, selbst die Dächer auf den Türmen der Stadtmauern bleiben nicht verschont. Die benachbarten Orte schickten Lebensmittel für die Abgebrannten, die Sondershäuser Grafen gaben Unterstützungsbeiträge, Spendensammler wurden ausgeschickt.

Im Juni 1691 waren aber erst wieder 100 Häuser mit Scheunen und Ställen neu aufgebaut. Baumeister für alle öffentlichen Hauptgebäude war Johannes Mützel aus Jena, der auch den Vorschlag gemacht hatte, alle Häuser in der Mittelstraße, der Herrengasse und der Hinter­gasse in gleicher Höhe und Fensterlinie aufzubauen.

Der Zimmerlohn für Kirche, Schulen und Predigerwohnungen betrug damals 350 Reichstaler, 2 Eimer Bier und 2 Eimer Dünnbier („Kofent“).

 

8.) Am 11. Februar 1695, an einem Mon­tag, entstand mittags um zwölf Uhr in der Neustadt, zwischen den Scheunen des Meister Josias Schuchardt und der Maria Lattermann, ein Feuer. Es fraß in so geschwinder Eile um sich, daß 14 Häuser (ohne Scheunen und Ställe) binnen zwei Stunden in vollen Flammen standen und in Asche gelegt wurden. Das Feuer sollte durch eine Magd, die Bierfässer ausgebrüht hatte, verursacht worden sein, doch das war ungewiß.

In dem großen Unglück aber war es ein besonderes Glück oder vielmehr eine Schickung Gottes, daß der Wind immer in gerader Linie aus dem Bohnenland her wehte und so die Flammen über den Steingraben getrieben wurden und sie so an den Seiten nicht gar zu sehr um sich greifen konnten.

Das Feuer steckte zwar auch über den Steingraben hinweg das Hintergebäude der Familie Rang (die Scheune bei der Badstube) mit an, daß es auch draufging. Es wurde jedoch durch Gottes Gnade verhindert, daß das Wohnhaus vom Feuer ergriffen wurde und die Mittelstadt angesteckt wurde.

9.) Am 21. Juli 1719, am Sonnabend vor dem 6. Sonntag nach Trinitatis, als die Ernte vollkommen anfangen hatte und die meisten schon etwas Korn eingefahren hatten und auch zu dessen Einsamm­lung auf dem Feld waren, ging an demselben Ort durch Unachtsamkeit morgens gegen neun Uhr ein schreckliches Feuer auf, und zwar in der Neustadt beim Weißbäckermeister Hans Caspar Schmidt. Er hatte früh morgens gebacken und hatte glühende Kohlen im Haus bei seinem Backofen liegen.

Als er Korn ins Haus brachte und im Vorbeitragen einige Garben dabei liegen ließ, haben sich diese daran entzündet. Innerhalb von zwei Stun­den wurde die ganze Neustadt bis auf einige Häuser an und vor dem Clingener Tor in Asche gelegt.

Als das Feuer noch im dritten Haus war, ist eine Speckseite in der Luft geflogen und auf das Schindeldach Hans Gangloff Pickings gefallen, der nahe beim Grüningischen Tor wohnte. Weil nun dieses bald ange­zündet wurde und das Feuer um sich gegriffen hat, kam das Feuer auch herüber auf der Seite des Steingrabens und nahm dermaßen überhand, daß in zwei Stunden 65 Häuser in Asche gelegt worden.

Am Sonntag darauf konnte die Frühpredigt nicht gehalten werden, wie denn auch die Beichte am Sonnabend nicht geschehen war. Nachmittags aber hielt der Pfarrer eine Betstunde, in der man Gott mit zerknirsch­tem Gemüt dankte, daß er mitten im Zorn sich das Vaterherz hat brechen lassen und es nicht Garaus mit uns gemacht hat.

Er wurde auch flehentlich angerufen, sich der Brandgeschädigten in Gnaden zu erbarmen und dazu zu helfen, daß das Feuer möge getilgt werden, ohne Beschädigung durch das Löschen. Am 8. Sonntag nach Trinitatis geschah eine Brandpredigt über das ordentliche Evangelium aus Matthäus 7, Verse 15‑ 23.

10.) Am hierauf folgenden Montag ließ uns Gott aber­mals ein Zeichen seines Zornes sehen und das Gewitter in das Haus des Volkmar Beck in der Leiter­gasse einschlagen. Als die übliche Montags-Betstunde vor­bei war, gab Gott entgegen aller Vermutung einen solchen gnädigen Regen, daß man sich mit Recht darüber freuen mußte, weil Luft und Wind ganz still waren und es doch stark zu regnen anfing.

Doch ehe man es sich versah, geschah ein einziger Donnerschlag, aber sonst keiner mehr, mit einer solchen Heftigkeit, daß jedermann vermutete, es habe bei ihm eingeschlagen.

Es geschah dann auch, daß es bei Beck oben auf dem Dach einschlug und eine auf dem Boden stehende Wiege samt dem darin liegenden Heu angezündet wurde. Der Blitz fuhr dann die Treppe herunter und ist durch die Haus­tür auf die Straße heraus geschossen, so daß die Nachbarn das Feuer und herumfliegende Splitter gesehen haben. Weil nun Beck aber bald um Hilfe schrie und auch der Regen mit einem Schlag aufhörte, konnte jedermann herbei laufen. So wurde das Feuer durch Gottes Gnade gestillt, so daß es nicht zu Flammen kam und auch kein weiterer Schaden geschah.

Gott stehe uns ferner bei und gebe uns den Geist der Bekehrung, daß wir seinen gerechten Zorn nicht noch mehr zu dergleichen reizen, um Jesu Christi und seiner Fürbitte willen. Amen!

 

11.) In der Nacht zum 17. Oktober 1834 wurden Mittel- und Neustadt zum größten Teil ein Opfer der Flammen. Die Hilfeleistung von nah und fern war hervorragend. Die deutschen Versicherungen zahlten gut, die französischen machten Schwierigkeiten.

Zum Stadtbrand von 1841 vergleiche Hesse Seite 141, über die Brände seit 1873 vergleiche Hesse Seite 173.

 

 

Das XI. Kapitel

VON  UNGEMEIN  BILLIGEN  ZEITEN UND GROSSEN  TEUERUNGEN

 

§ 1. Über die Fruchtbarkeit Thüringens pflegte man allgemein zu sagen, daß es berühmt sei wegen dreier „W“, nämlich Waid, Wein und Wolle. Daher ist der bekannte Vers gemacht worden:             

Drei „W“ pflegen dich, Land Thüringen,

beliebt zu machen und Würde und Zierde zu sein:

Waid, Wein und Wolle.“

Das kann man auch wohl besonders von Greußen sagen. Auch die hiesigen Felder sind durch Gottes Gnade genug geeignet, solche Dinge hervorzubringen. Sie haben diese Früchte auch ehemals gebracht, und zwar von besserer Güte und in größerer Menge als andere Länder.

Wie häufig ehemals das Waid hier erzeugt worden ist, das ist den meisten, nicht gar zu alten Leuten bekannt. Davon zeugen die noch jetzt stehenden Waidhöfe und auch die Erwähnungen der Waidmühlen. Jedoch hat man darnach die Erzeugung des Waids bewußt unterlassen, da sein Preis gefallen ist und man den Acker besser zu nutzen gewußt hat.

Wie gut der Wein in Greußen vor hundert und mehr Jahren gewesen ist, davon gibt der frühere Rektor und Abt des Klosters Ilfeld, Magister Michael Neander, genügend Zeugnis, wenn er in seiner „Beschreibung der ganzen Welt“, die im Jahre 1582 herauskam, schreibt: „Greußen ist eine edle Stadt, die wegen ihres süßen und guten Weins berühmt ist, der so eingeschätzt wird, daß er bisweilen von der Qualität des Rheinweins nicht abweicht“.

Es war auch ehemals in der hiesigen Flur alles, was eine erhöhte Lage hatte, mit Wein be­pflanzt. Am ganzen Nörderberg, auf dem Taubental, Triller, Warthügel, am Tennstedter Weg und am Kirchberg waren lauter Weinberge.

So hatte man auch der Pfarrstelle 9 Äcker und der Diakonsstelle 4 Äcker Weinberg vermacht, um den Wein für die Messen in päpstlicher Zeit davon zu nehmen.

Daß aber heutigen Tages hier der Wein weder in voriger Menge noch in früherer Güte wächst, daran mag die schlechte Pflege schuld sein, die jetzt den Weinbergen widerfährt, und besonders die Sünde, durch die man sich bei Gott, dem Geber alles Guten, eines solchen edlen Ge­wächses immer mehr unwürdig macht. Zumal ja Gott im gerechten Ei­fer gedroht hat, um der Sünde willen der Erde ihre Kraft zu entziehen, daß sie ihre Gewächse nicht mehr geben soll.

 

Der Nörderberg ist östlich des Weinbergs, nördlich der Krämermühle. Dort war der Ratsweinberg. Aber auch in anderen Fluren gab es Wein. Der Niedergang des Weinbaus hatte sicher andere Gründe als die Sün­de der Menschen. Entscheidend dürfte gewesen sein, daß der Weinbau sehr viel Arbeit machte, die Qualität aber längst nicht so gut war, wie es zunächst behauptet wurde.                                                      

(124)

Auch an Wolle von guter Qualität gab es hier früher keinen Mangel. Deshalb hat man auch im Jahre 1627 dem Organisten Matthäus Gebhardt das Waagenmeister‑Amt zu Verbesserung seines Dienstes übertragen mit der Versicherung, daß er von ihm jährlich sicherlich 30 bis 40 Taler haben könne.

 

Am allermeisten aber ist zu preisen die reiche Fruchtbarkeit, die Gott in den hiesigen Acker gelegt hat, so daß dann auch hier öfters ganz besonders billige Zeiten ge­wesen sind. Zum Beispiel:

1.) Im Jahre 1226 waren die Früchte hier so reichlich ge­raten, daß ein Scheffel Korn 4 Groschen, der Weizen 5 Groschen und 1 Mandel Eier 1 Pfennig galt.

2.) Im 15. Jahrhundert waren die Früchte im hiesigen Land einige Male ganz ungemein billig. Denn so wurde es für eine große Teuerung ge­halten, wenn im Jahre 1433 ein Scheffel Nordhäuser Maßes 15 bis 16 Meißener Groschen galt. Dagegen war es im Jahre 1467 so billig, daß ein Arnstädter Maß Weizen oder 3 Nordhäuser Scheffel, für ungefähr 36 Pfennig verkauft wurde.

3.) Im Jahre 1635 geriet der Wein hier so wohl, daß es überall an Fässern fehlte, und jeder noch einmal so viel bekommen hat, als er vorher eingeschätzt hat. So wurden auch in diesem Jahre ge­schätzt, daß die Bürger Arnstadts 12.000 Eimer Wein haben.

4.) Im Jahre 1644 und damit in den schwersten Kriegszeiten, ließ Gott die Früchte hier so reichlich geraten, daß in der Sommerzeit der Scheffel Weizen 8 bis 9 Groschen, das Korn 4 bis 5 Groschen, die Gerste 3½ bis 4 Groschen und der Hafer 1½ bis 2 Groschen kostete. Ja, es war überall ein solcher Überfluß an Früchten, daß man sie nicht verkaufen konnte und auch kein Ar­beiter sie anstelle seines Lohnes annehmen wollte, so daß es viele Klagen unter den Leuten gab.

 

§ 2. So reichlich aber wie Gott in Thüringen und besonders auch am hiesigem Ort die Früchte allgemein geraten läßt, so groß ist doch auch manchmal - als seine gerechte Strafe - der Mangel an Früchten und die Teuerung gewesen. Denn wenn er seinen Segen entzieht, so muß entweder die Erde ihre Gewächse nicht geben, oder wenn wir sie auch ge­nießen, so dürfen wir doch nicht satt davon werden. Ja, er hat schon öfter dieses Land mit Krieg und Pest heimgesucht, so daß dann der notwendige Feldbau unterlassen wurde und so große Teuerung entstanden ist. Einige davon sind die folgenden:

1.) Im Jahre 1272 war die Teuerung hier so groß, daß ein Erfurter Malter Korn 4 Mark Silber gekostet hat. Deswegen ließ man aus Haselzapfen Brot backen. Die Leute lagen in den Mühlen und leckten den Mehlstaub von der Erde. Weil auch das Vieh häufig starb, so nahmen es die Hungrigen und aßen es ohne Brot, roh, gekocht und gebraten.

2.) Am Anfang des 14. Jahrhunderts führte Friedrich der Strenge, der Landgraf in Thüringen und Meißen, mit dem Kaiser Albert I. einen Krieg, der volle 13 Jahre dauerte. Weil nun in dieser Zeit die wenigsten Felder angebaut worden waren und auch in der hiesigen Gegend viele Äcker sieben Jahre lang nicht bestellt worden waren, so daß sie daher ganz mit Büschen und Unkraut überzogen dastanden, so war in den Jahren 1315 bis 1317 eine solche Teuerung, daß ein Erfurter Malter Korn 5 Mark Silbers kostete und der Hunger die Einwohner des hiesigen Landes sehr dünne machte. Denn obwohl man das gestorbene Vieh zur Speise nutzte, so konnte man dennoch nicht sein Leben fristen.

 

Das Wort „Admersus“ bei dem Landgrafen Friedrich ist wohl als „Asperitus“ = „der Strenge“ zu lesen.

 

3.) Im Jahre 1438 war auch im hiesigem Land eine solche Teue­rung und Hungersnot, daß man nicht leicht noch etwas mehr davon liest. Für ein Brot mußte ein Gulden bezahlt werden. Hin und wieder lagen die Menschen auf den Gassen, die vor Hunger gestorben waren, und hatten noch das Heu und Stroh, womit sie den Hunger stillen wollten, im Munde. Ja, weil in Erfurt die Friedhöfe nicht mehr ausreichten, die Verhungerten aufzunehmen, so machte man außerhalb der Stadt bei Schmidstedt fünf Gruben, in die über 8.000 Leichen geworfen wurden.                            (125)

Damit nun die Nachkommen eine Erinnerung an diese Hungersnot und große Teuerung hätten, ordnete die Obrigkeit an, daß man in Zukunft am Tage des Heiligen Markus Brote bäckt von der Größe, die damals ein Dreier‑Brot gehabt hat. Diese Brote werden auch jetzt noch „Markus‑Brötchen“ genannt und an vielen Orten in Thüringen in dieser Zeit verkauft.

4.) Im Jahre 1639 war hier in den schweren Kriegszeiten auch eine große Teuerung. Ein Scheffel Korn kostete 2 Taler. Weil nun dessenungeachtet die armen Einwohner noch mit unerträgli­chen anderen Umlagen geplagt wurden, so zogen viele aus großer Hungersnot in andere Orte, wo es nicht so teuer war. Nicht wenige, die sonst ihre gute Nahrung gehabt hatten, wurden ge­nötigt, ihr Brot vor den Türen zu suchen. Diese Teuerung dauerte bis zum Jahre 1642, so daß viele Personen an Hunger gestorben sind, die versucht hatten, sich mit Kräutern zu erhalten und im Winter mit Baumrinde, es aber nicht konnten.

5.) Im Jahre 1693 gab Gott zwar eine reiche Ernte, doch fingen die Früchte bald an im Preis zu steigen: Korn kam frühzeitig auf 30 Groschen, die Gerste einen Gulden und der Hafer 16 Groschen. Vor der neuen Ernte im Jahre 1694 aber kostete das Korn 2 Taler, die Gerste 26 Groschen und der Hafer 20 Groschen.

Wenn auch noch wie sonst die Abfuhr nach ..... (Bremen ?) erfolgt wäre, hätte eine Teuerung entstehen müssen, in der Menschen und Vieh Not gehabt hätten. Besonders in Frankreich und in der Schweiz sind viele Leute an Hunger gestorben. Doch folgte darauf eine reiche Ernte, daß auch schon am 13. und 14. Juli das Korn wieder eineinhalb Taler oder 34 Groschen kostete.

 

Sternickel ergänzt: Eine sehr bedrückende Teuerung entstand 1816 und 1817. Es war zwar kein allgemeiner Mangel an Feldfrüchten. Sie erreichten aber dennoch beispiellose Preise.

 

 

Das XII. Kapitel.

 

Von dem Kriegeswesen und den deswegen erlittenen Einquartierungen und anderen Drangsalen

 

§ 1. So wie ehemals in Thüringen der Krieg kein Ende fand und immer eine Unruhe auf die andere folgte, so hat es auch dieser unserer Stadt nicht an dadurch entstandenen Drangsalen und Elend gefehlt. Jedoch kann das, was das ganze Land angeht, anderswo gelesen werden. Hier ist allein das zu erwähnen, was in der Nähe geschehen ist und diesen Ort besonders mit betraf.

So traf Kaiser Heinrich IV. im Jahre 1075 einen Vergleich mit den Sachsen und Thü­ringern im Feld zwischen Greußen und Kindelbrück. Als nun alles geregelt war, setzte sich der Kaiser in seinem Ornat auf öffentlichem Felde hin und ließ seine Armee so um sich verteilen, daß die sächsischen und thüringischen Herren dazwischen hingehen konnten und er so von jedermann gesehen werden konnte.

Das meiste Verderben aber brachte den hiesigen Einwohnern die viermalige Belagerung der Stadt Weißensee. Die erste geschah im Jahre 1204. Es stritten sich damals Philipp von Schwa­ben und Otto von Lüneburg miteinander um die Kaiserkrone. Der damalige Landgraf in Thüringen und Hessen, Hermann, hielt es mit diesem.

So sammelte Philipp seine Armee und ging damit nach Thüringen und lag vor der Stadt Weißensee ganze sechs Wochen, ehe er sie gewinnen konnte. Durch Hilfe aber des Erzbischofs Ludolph, der ihm 1.100 Ritter und gute Mannschaft zuschickte, und besonders durch den Bei­stand der Grafen von Schwarzburg und Gleichen, nahm er das ganze Land ein, bis auf wenige feste Häuser und Schlösser. Da­bei ließ er dann alles, was ihm in Dörfern, Flecken, Städten und Schlössern vor die Hände kam, plündern, verwüsten, und verbrennen, so daß also im hiesigen Lande ein großer Schaden geschah.

Die andere Belagerung war 1212. Nach Philipps Tod, der im Jahre 1208 in Bamberg ermordet worden war, führte Otto von Lüneburg den Kaisertitel. Weil er aber vom Papst in den Bann getan wurde und an seiner Statt Friedrich II. zum Kaiser gewählt worden war, richtete er in Thüringen mit seinen Anhängern großen Schaden an und verbrannte alles um Naumburg und Zeitz herum. Und weil der Land­graf Hermann Friedrich II. anhing und angefangen hatte, die Stadt Weißensee nach der letzten Verwüstung wieder zu befestigen, ging der Kaiser Otto mit seiner Kriegs­macht selbst vor die Stadt, eroberte sie, plünderte sie aus und steckte sie danach in Brand.       

  (126)

Die dritte Belagerung war im Jahre 1213 durch die Anhänger des Otto aus Lüneburg: Graf Friedrich von Beichlingen stiftete noch andere Gra­fen an, daß sie Weißensee belagerten. Sie fingen auch an, vor der Stadt eine Burg zu bauen, um von da aus das ganze Land des Landgrafen zu beschä­digen.

Allein der Landgraf ließ alles an der Unstrut, Wip­per und Helbe aufbieten und überfiel sie un­versehens am Tage des Hei­ligen Nikolaus, daß sie sich unter Zurücklassung großer Beute auf die Flucht begeben mußten.

Die vierte Belagerung geschah im Jahre 1248 durch Graf Albrecht von Schwarzburg. Er stand der Herzogin von Braband bei, als sie nach dem Tode ihres Vaters Heinrich Raspe (des letzten Landgrafen) Thüringen einnehmen wollte und deshalb die Stadt Weißensee belagerte, plünderte und verbrannte. Je näher nun Greußen von Weißensee entfernt war, desto mehr hat auch die Belagerung Weißensees den hiesigen Einwohnern Unglück und Trübsal gebracht.

 

§ 2. Wie es während des Bauernkrieges hier ergangen ist, ist leichter zu erzählen. Nicht allein Sondershausen hat es mit den Aufrührern gehalten, sondern auch die Stadt Greußen war mit darin verwickelt.

Als im März 1525 der Bauerntumult in Schwaben und Franken anfing, wurde Thomas Müntzer - der zuvor von 1520 bis 1521 der erste evangelische Prediger in Zwickau gewesen war - Prediger in Allstedt. Er ergriff diese Gelegenheit, öffentlich gegen die Landesherrschaft und ihre auf die Untertanen gelegten Abgaben zu predigen.

Weil aber den Bauern wohl kein angenehmeres Evangelium könnte gepre­digt werden als das, das ihnen die Freiheit vom Gehorsam und den bisherigen Abgaben verkündigte, so fielen sie auch diesen Aufrüh­rern in der ganzen Allstedter Gegend und anderen angrenzen­den thüringischen Landen zu und machten einen Tumult, weil sie von Müntzer verhetzt waren, und zerstörten Kirchen und Klöster, Schlösser und Städte.

Weil ihn aber deswegen Kurfürst Friedrich zu Sachsen auf Wunsch Luthers aus dem Lande getrieben hatte, wandte er sich nach Mühlhausen und erreichte dort in kurzer Zeit einen großen Anhang. Auch die Greußener hielten es mit ihm, zumal der Prediger Gangloff aus Frankenhausen ein Fähnlein Volks aus den Bürgern von Greußen und Heringen den aufrührerischen Bauern zugeführt hatte. Ja, es war auch hier in Greußen, in Clingen und Großenehrich, ein allgemeiner Aufstand gegen die Obrigkeit, von dem an anderer Stelle noch mehr berichtet werden wird.

Luther erwähnt die Sache auf Seite 143 des III. Bandes seines in Jena erschienenen Buches „Deutschland“ und schreibt: „Er, Gangolf, der Siechenprediger zu Frankenhausen, hat ein Fähnlein angenommen, und es sind die von Heringen und Greußen darunter gewesen.“ Daß aber hier nicht alle sich auf diese gottlosen Händel eingelassen haben, sondern nur einige, und auch die meisten sich bald eines Besseren besonnen haben, hat der Ausgang gezeigt.

Deshalb hat jemand nicht lange danach in dem erwähnten Band Luthers über die hiesige Kirche bei dem angeführtem Wort am Rande geschrie­ben: „Einige von ihnen sind gegen Bauern aufgestanden und haben Hilfe begehrt. Einige aber (wie diese Umstände ergeben) haben mit abgebrannt. Es ist deshalb kein Wunder, daß noch solche auf­rührerischen und widerspenstigen Bauern dort gefunden wurden.“

Herzog Georg zu Leipzig hat, nachdem der aufrührerische Pöbel durch die Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525 gedämpft wurde, alle Städte, die es mit den Bauern gehalten hatten, mit einer großen Summe Geldes bestraft hat. Tennstedt mußte 2.000 Gulden, Arnstadt 3.000 Gulden und auch Sondershausen eine große Summe geben. Von Greußen aber ist das nicht bekannt, so ist desto mehr zu glauben, daß die hiesigen Einwohner rechtzeitig von solchen ungerechten Händeln abgelassen haben.

 

 

§ 3. In dem Dreißigjährigen Krieg aber hat diese arme Stadt und ihre Einwohner das allerhärteste erlitten und unbeschreibliche Drangsalen erdulden müssen. Sie wurde oft feindlich überfallen und gänzlich ausgeplündert. Man hat nicht einmal den Geistlichen und das Gotteshaus verschont, sondern alles, was die Bürgerschaft in die Kirche hinein gebracht hat, heraus genommen.

Auch an dem Heiligtum selbst hat man großen Mutwillen getrieben. Was nun von einem Jahr auf das andere geschehen ist, soll hier in Kürze angeführt werden.

Die Trübseligkeiten waren allerdings so groß, daß sie wohl mit keiner Feder zu beschreiben sind, und die Erpressungen waren so viel, daß wohl nicht der zehnte Teil aufge­zeichnet worden ist und auch die meisten Nachrichten darüber zugrunde gegangen sind.                                                                                         (127)

 

Im Jahre 1626

1.) Am 26. Mai kamen die kaiserlichen Völker unter dem Befehl des italienischen Grafen von Merode aus Hessen nach Thüringen und ließen sich am Anfang in den weimarischen Dörfern nieder, danach in dem Gebiet derer von Gleichen und schließlich in der Graf­schaft Schwarzburg. Im Gebiet Sondershausen nahm er für acht Wochen mit 22 Fähnlein kaiserliches Fußvolk und 2.000 Reitern sein Quar­tier. Das Hauptquartier war hier in Greußen.

Die hiesige Bürgerschaft hatte alle ihre bewegliche Habe und was ihr lieb gewesen ist in die Kirche gebracht. Auf dem Turm, über der Decke und unten in den Bänken war alles voll­gestopft. Deshalb konnte man die ganze Zeit über darin keinen Gottesdienst halten, nämlich von Sonntag Jubilate bis zum 7. Sonntag nach Trinitatis, im ganzen elf Wochen. Privat aber kamen fromme Menschen zusammen im Pfarrhaus, in der Oberstube, aber auch draußen im Hospital, um so ihren Gottesdienst sehr kümmerlich zu verrichten.

Bei dieser Ein­quartierung wurden viele Kirchen von den Soldaten aufgebrochen und beraubt, zum Beispiel die in Clingen, Westgreußen, Großenehrich, Wasserthaleben, Niederspier und fast alle an der ganzen Hainleite.

Holzengel wurde ganz in Brand gesteckt, so daß Kirche, Pfarrhaus und Schule und das ganze Dorf - bis auf einige wenige Häuser - in Asche gelegt wurden. Doch die hiesige Kirche blieb verschont und wurde nicht aufgebrochen. Aber die Meisten und Vornehmsten der Bürger­schaft war ausgewichen und nach Weißensee geflohen.

Ein Oberstleutnant, der sein Quartier in Bürgermeister Jakob Tentzels Haus hatte, ließ zwar durch seinen Hofmeister und andere Abge­ordnete die Kirche zweimal untersuchen. Man mußte ihnen willig aufmachen, daß sie alles in Augenschein nehmen konnten.

Dennoch verschonte er alles, was darin gefunden wurde, wegen des wehmütigen Bittens und Flehens der führenden Männer der Stadt. Das waren die Geistlichen - nämlich der Hilfspfarrer Christoph Oehmich und des Diakon Valentin Buhl - und der Hauptmann Paul Süßner und einige Ratsmitglieder wie der Bürgermeister Tobias Leuber, Johann Fornfeist und Johann Tentzel. Diese Drang­sal dauerte über acht Wochen. Dabei lebte man hier in steter Sorge und Bekümmernis und mußte soviel abgeben, daß es fast nicht konnte aufgebracht werden.

2.) Am 3. November, als man den neuen Pfarrer Johann Helwig aus Arnstadt abholte, und mit ihm am Abend etwas später ankam, waren alle Tore geschlossen und die ganze Bürgerschaft voller Schrecken und Furcht, weil ganz unvermutet der Großherzog von Florenz vor die Stadt kam und verlangte, hinein gelassen zu werden. Es wollte ihm aber die Bürgerschaft nicht trauen und nicht aufmachen, weil ihr bei der vorigen Einquartierung und dem gewaltigem Einfall der Merodischen Völker ein großer Schaden zugefügt worden war.

Weil er aber durch den Dolmetscher versichern ließ, er wollte kein Unannehmlichkeiten anfangen, er wäre auch deswegen nicht gekommen, sondern viel­mehr bereit, alles zu bezahlen, was er mit den Seinigen verzehren würde, ließ man ihn willig ein. Er hat sich dann auch entsprechend seinem Versprechen wohl verhalten und alles richtig bezahlt, auch niemanden ein Leid getan. Er selbst wohnte im Gasthaus „Schwarzer Bär“.

 

Im Jahre 1631:

3.) In diesem Jahr verhing Gott über diese arme Stadt ein sehr hartes Schicksal. Es war nicht genug, daß man in den beiden vorigen Jahren von den Kaiserlichen große Belastung gehabt hatte und wöchentlich ganz unerträgliche Steuern hat geben müssen, son­dern man war auch von Leuten Tillys gar sehr ausgeplündert worden.

Im vori­gen Jahr kam der schwedische König Gustav Adolf herein nach Sachsen, um dem Kurfürsten Johann Georg I. und den Evangelischen gegen den Kaiser beizustehen, weil man doch wohl sah, daß man es mit dem Kriege nur auf die Unterdrückung der Religion und der deut­schen Erkenntnis abgesehen hätte.  

Weil sich nun die Stadt Magdeburg für den König von Schweden erklärt hatte, wurde sie von dem kaiserlichen Generalleutnant Tilly jämmerlich verwüstet. Am 30. März 1631 kam er vor die Stadt.

Als er sie am 10. Mai im Sturm erobert hatte, hauste er mit seinen Wallonen är­ger darin als selbst die Türken. Die Frauen wurden von den Soldaten nach ihrer teuflischen Lust gebraucht, so daß dabei viele starben, besonders Mädchen von zehn bis zwölf Jahren. Als die Schulkinder geordnet über den Markt gingen und sangen: „Erhalt uns Herr bei deinem Wort“, ließ er sie wie einst Herodes von Askalon niedersäbeln (vgl. Mt 2,16-18).

Schließlich wurde die Stadt gar angezündet und es mußten in einer sechstägigen Feuerflamme über 30.000 Menschen (das Vieh nicht mitgerechnet) in Schmauch und Rauch jämmerlich umkommen. Am 11. und 12. Mai hörte man ein jämmerliches Geschrei der übrig geliebenen Kinder, die ständig „Vater!“ und „Mutter!“ gerufen haben und doch vor Unverstand nicht sagen konnten, wer ihr Vater oder Mutter sei. Saugende Kinder lagen bei ihren toten Müttern und hatten die Brüste im Mund.

Als Tilly nun diese unmenschliche Tat verübt hatte, ging er mit seiner ganzen Armee nach Thüringen, besonders in das Gebiet von Weimar und Schwarzburg, und plünderte überall. Das betraf dann auch besonders die Stadt Greußen. Die Plün­derung fing am Pfingstmontag, dem 30. Mai, an und dauerte die ganze Woche hindurch.

Weil man nun in der Einquartierung unter Mero­de das Gotteshaus verschont hatte und nicht ausgeplündert hatte, so hatten die bedrängten Einwohner des hiesigen Ortes in der gleichen Hoffnung all ihr Geld, Silberwerk, Kleider und was ihnen sonst lieb war, in die Kirche gebracht. Sie meinten, es sollte dort verschont bleiben. Allein die Kirche wurde mit Gewalt geöffnet, die Kasten zerschlagen und alle Türen, auch wenn sie eisern waren, zerbrochen, und alles ausgeleert. Was für ein Vorrat darin beisammen gewesen ist, läßt sich leicht denken. Aber er wurde auf einmal hinweg genommen und so die meisten ihrer besten Habseligkeiten beraubt.

4.) Es wurde damals auch das Heiligtum selbst nicht ver­schont. Man gebrauchte sowohl an der eisernen als auch an der hölzernen Sakristeitür solche Gewalt beim Schlagen, daß die geflüchteten Bürger das Pochen und Hauen auf dem Warthügel gehört haben. Die Spuren der damaligen Gewalttätigkeiten sind noch jetzt zu erkennen.

Als sie nun geöffnet war, wurden fünf sil­berne Kelche und eine silberne Kanne von 50 Lot Gewicht weggenommen, der Altar- und Kanzelschmuck geraubt, die kostbaren Amtskleider entwendet.

Auch wurden die schönen Kirchenbücher zerrissen und aus Mutwillen in den Dreck geworfen, wie man noch jetzt an einigen sehen kann. Die schöne Orgel, die gerade im Jahre 1627 gesetzt worden war, wurde schändlich ver­derbt, und die Kirche so zugerichtet, daß man darüber hätte blutige Tränen weinen mögen.

Hatte man aber das Gotteshaus nicht ver­schont - obwohl es doch niemals jemand wohl gegangen ist, der den Tempel Gottes verderbt hat - so wurden die Privathäuser noch weniger ver­schont, sondern aller Vorrat an Fleisch und Speck, Butter und Käse wie auch gute bewegliche Sachen hinweg genommen, so daß niemand wieder gefunden hat, was er in der Flucht verlassen und wovon er künftig leben sollte.

Den Haus­rat, den sie nicht mitnehmen konnten, hatten sie zer­schlagen. Und die Leute, die man ergriffen hatte, wurden unbarmherzig ge­prü­gelt, wenn sie nicht sagen wollten, wo sie ihr Geld hatten oder keines hatten herbeischaffen konnten.

Sogar der Pfarrer selbst, Herr Johann Helwig, wurde von zwei Kriegsknechten ergriffen, die ihn mit Schlägen unbarmherzig behandelt und nicht eher losge­geben haben, bis er mit 15 Dukaten und 5 Talern Lösegeld freigekauft wurde. Als nun die Kriegsknechte mit der reichen Beute davon gezogen waren, kamen die geflüchteten Einwohner der Stadt zwar nach und nach wie­der. Aber jeder fand in seinem Hause einen rechten Greuel der Verwüstung vor und konnte seinen Jammer und sein Elend mit nicht genug Tränen beweinen.                                                                 (129)

 

Im Jahre 1632:

5.) Am Anfang dieses Jahres ging Herzog Wilhelm von Weimar als Königlich-Schwedischer Generalleutnant mit seiner ganzen Arme hier durch nach dem Eichsfeld. In der hiesigen Stadt war zwei Tage und zwei Nächte das Generalhauptquartier.

Nachdem sich auch das Eichsfeld ihm unterworfen hatte und die Armee wieder zurückkam, gingen sie eben diesen Weg, so daß vor den streitenden Parteien den ganzen Winter über niemand sicher war und alle Einwohner in Städten und Dörfern mit unerträglichen Erpressungen geplagt wurden. Ja, die hin und her streitenden Parteien verursachten eine solche Gefahr in diesem Lande, daß niemand weder Tag noch Nacht in seinem Besitz sicher war, auch nicht in den umliegenden Dörfern.

6.) Am 22. Juni, morgens früh um fünf Uhr, fielen einige Pappenheimische Völker in Ebeleben ein. Sie haben die dort sich aufhaltende Landmiliz teils niedergemacht und 14 arme Einwohner kamen um, teils wurden sie tödlich verwundet, teils wurden sie - was sich nicht verbergen ließ - neben einigen Frauen mitgenommen. Auch die gräfliche Residenz und die Dörfer wurden gänzlich ausgeplündert. Deswegen war man hier in großer Furcht und befürchtete das Gleiche. Das geschah dann auch, wenn auch nicht sofort, sondern einige Monate danach.

Denn als im Herbst der kaiserliche Generalfeldmarschall Graf Heinrich Gottfried von Pappenheim durch das Schwarzburgische Land nach Meißen marschierte, wohnte er selbst mit dem Generalstab eine Nacht hier, und es wurden damals alle ausgeplündert, nicht nur hier in der Stadt Greußen, sondern auch in Weißensee, Tennstedt, Kindelbrück, Kölleda und Langensalza. Darauf erfolgte die Schlacht vor Lützen, in der der glorwürdigste König von Schweden, Gustav Adolf, mit seinem Tod den Sieg errungen hat, Pappenheim auch über hundert Wunden empfing und mit einer sechspfündigen Kugel erschossen wurde.

7.) Nach dieser Schlacht kam der schwedische Hauptmann Carl von Beerfeld mit einem Leutnant, einigen Unteroffizieren und 44 einfachen Soldaten hier ins Quartier und blieb darin bis in die Fastenzeit des folgenden Jahres. Dabei sind noch nicht gezählt die Verwundeten, die aus der Schlacht hierher geschickt wurden, die man mit Geld und Unterhalt versehen und auch heilen lassen mußte.

Im Jahre 1633:

8.) In diesem Jahre mußte die Grafschaft Schwarzburg 20.000 Gulden in die königliche Kasse nach Erfurt leisten, auch einige hundert Mann junger Leute. Der Anteil Greußens daran betrug monatlich über 480 Taler.

Es wurde auch in diesem Jahre diese Grafschaft dem kursächsischen Obristen Christoph Vitzthum von Eckstadt zum Platz für die Musterung der Soldaten angewiesen. Dafür mußte auch eine starke Umlage gezahlt werden. Diese Einquartierung hat sich bis in die Erntezeit erstreckt.

Der General Boso aber hatte sein Hauptquartier zu Weißensee, wohin denn die Stadt Kölleda und Großmonra monatlich 800 Reichstaler zah­len mußten.

Wenn die schrift­lichen Anweisungen kamen, waren sie an allen vier Ecken schwarz angebrannt. Diese mahnten alle Tage jene zum Aufbrechen, und zogen es doch so lange hin, bis weder Kühe noch Kalb, ja weder Schaf noch Huhn übrig waren. Daher sagte man: „Das Volk von General Bosen läßt zurück zerrissene Hosen.“

9.) Am 5. Oktober kam die Kompanie Herzog Wilhelms von Weimar nach Greußen. Man mußte sie erhalten und sie kostete wöchentlich viel Geld. Außerdem mußten auch einem sächsischen Leutnant zu Großenehrich alle zehn Tage hundert Taler geliefert werden.

 

Im Jahre 1634:

10.) Am 18. Januar kam eine schwedische Kompanie und nahm ihr Quartier hier in Greußen, und zu ihrem Unterhalt wurden wö­chentlich 230 Taler gereicht. Und am 30. April kam auch eine Kompanie schwedischer Reiter her, die auch das Ihre bekommen mußte.

11.) Am 13. Juni kam der schwedische Oberstleutnant Jona Rauschart von Mondschein mit 30 Reitern nach Greußen, denen man wöchentlich 70 Taler zahlen mußte, ohne Hafer, Heu und anderes. Weil auch der schwedische Oberst Heseler am 18. Juli Vollmacht bekommen hatte, aus der Grafschaft Schwarzburg 4.800 Taler Werbegelder zu erheben, so sollten die Offiziere in der Grafschaft mit ihrem bloßen Lohn zufrieden sein.

Dennoch kosteten sie der Stadt alle zehn Tage 244 Taler. Auch wurde gegen Weihnachten kursächsische Reiterei hierher verlegt, die man ganze acht Monate verpflegen mußte. Sie zogen sie erst kurz vor dem 24. August (Bartholomäustag) des folgenden Jahres wieder ab.

Die Völker des Erzherzogs Leopold unter dem General Piccolomini hausten in diesem Jahr in der hiesigen Gegend auch sehr übel. In Kölleda nahmen sie sogar die Glocke aus der Kirche mit­ sich. Die Stadt hatte schon einmal Lösegeld gegeben und dafür ihre Stadtmühle verpfändet.

Das andere Mal aber war kein Geld aufzubringen, obwohl der Pfarrer Herr Assing auf der Kanzel sehr bewegend darum bat. So wurde die Glocke noch einmal eine Viertelstunde lang unter Vergießung vieler tausend Tränen der großen Menge Volks geläutet und darauf herunter geworfen und zum Verkauf weggebracht.                                                                                                                                                   (130)

Im Jahre 1635:

12.) Bis dahin hatten die Schweden und Sachsen zusammen gestanden wie ein Mann. Als aber im Jahre 1635 zwischen dem Kaiser Ferdinand II. und den Sachsen der Friede zu Prag geschlossen und veröffentlicht wurde, meinte jedermann, es würde der Krieg nunmehr zu Ende sein. Aber das Blatt wandte sich doch so, daß er nun erst recht anfing, zumal Kur­sachsen, Brandenburg, Herzog Wilhelm und Herzog Georg von Braunschweig und Lüneburg nun die ständigen Feinde Schwedens wurden.

Deshalb kam im Jahre 1636 der schwedische Generalfeldmarschall Johann Ban­ner mit 24.000 Mann in diese Gegend und rückte damit am 11. Dezember vor die Stadt Erfurt. Weil sich diese aber nicht den im Jahre 1631 mit dem König Gustav Adolf gemachten Verträgen gemäß erweisen und auch keinen Proviant hergeben wollte, so nahm er die Stadt aufs neue wieder ein - wenn auch mit gewissen Bedingungen - und legte seine Garnison hinein, über die dann der Oberst Holz und danach Kaspar Ermes den Befehl führten. Darauf so mußten die umliegenden Städte und Dörfer allerhand Plünderung und auch sogar die „schwedische Kränkung“ erdulden.

Es fisch­ten auch damals die Eichsfeldischen Bauern im Trüben. Und weil die Völker Herzog Wilhelms von Weimar droben einquartiert ge­wesen waren, so suchten sie Vergeltung und verwüsteten hier und da die Gegend.

13.) Am 2. September kam abends nach sechs Uhr ein Regi­ments­quar­tier­meister vom Berghauerischen Regiment hier an und gab vor, daß er Befehl habe, daß der Regimentsstab mit zwei Kompanien sich in der hiesigen Stadt aufhalten dürfe. Sofern man aber dem Obersten wöchentlich 300 Taler geben wollte, biete er an, die Sache so einzurichten, daß nur der Major und der Regimentsquartiermeister mit deren Dienern und Gesinde hier bleiben und weiter nichts als Verpflegung für die Pferde begehren wollten.

Durch gütliche Unterhandlung aber kam man so überein, daß man dem Obersten jeden zehnten Tag 200 Taler, dem Major 25 Taler und dem Regimentsquartiermeister 15 Taler geben mußte. Knechte und Gesinde aber mußten von der Bürgerschaft unterhalten werden, wie auch ihre 80 Pferde. Am 8. des Monats kamen einige Reiter mit einem Major und einem Regi­ments­quartiermeister von dem General Major Speereuther und begehrten Quartier oder eine gütliche Abfindung.

Weil man das aber abschlug unter dem Vorwand, daß bereits ein Berg­hau­erischer Major hier wohne, drohten sie, mit acht Kompanien in die Stadt zu rücken und ihr Quartier zu besetzen, wenn sie dazu auch über die Mauer steigen müßten. Deswegen mußte man sie dann auch durch Hinterlegung einer gewissen Summe Geldes begütigen, daß sie ihr Quartier anderswo suchen möchten.

In diesem Jahre wurde auch bei einer Totalplünderung in Ebeleben Graf Christian Günthers hohe Person selbst angetastet: Nachdem man die Resi­denz ganz ausgeplündert hatte, wurden ihm die Kleider vom Leibe gerissen. Schließlich haben sie darauf gedrungen, daß die Familie mit den gräflichen Kindern zu Fuß hat davon gehen müssen. Und in dem Dorf haben sie es ebenso gemacht. Dieses wurde innerhalb von 14 Monaten zweimal angesteckt und größtenteils in Asche gelegt.

 

Im Jahre 1636:

14.) Am 25. Februar, am Freitag vor dem Sonntag Estomihi, machten die Soldaten des schwedischen Feldmarschalls Johann Banner einen Einfall in Greußen und gingen barbarisch und tyrannisch mit den armen Leuten um, hieben sie um und verwundeten viele, wenn sie nicht Geld herbeischaffen konnten, und legten ihnen auch eine ganz unerhörte Marter auf.

Diese Plünderung dauerte ganze elf Tage. Es wurden nicht allein den Bürgern alle Lebensmittel genommen und das Vieh geschlachtet oder weggetrieben, sondern auch die Kirche erneut aufgebro­chen, der Opferstock (Gotteskasten) aufgeschlagen und alles, was darin war, ausgeplündert.

15.) Bei diesem Einfall wurde David Müller, ein alter Bürger und Barbierer (Friseur) auf dem Kirchhof erschossen und auch noch denselben Tag dort gegenüber dem Brühl begraben.

 

Zwei Soldaten, welche sich selbst untereinander erschossen hatten, wurden am Aschermittwoch von ihren Kameraden auf dem hiesigen Friedhof begraben. Wie sie aber geheißen haben, hat man nicht erfahren, weil die meisten Bürger auf der Flucht gewesen sind.

Joachim Kaisers Frau Barbara floh nach Clingen und starb dort vor Schrecken und wurde am 4. März dort begraben. Hans Donau wurde auch von den Soldaten so übel zugerichtet, daß er auf dem alten Garten starb und am 6. in Clingen begraben wurde.

Ebenso wurde auch der Stadtknecht Claus Sältzer am 7. März begraben, nachdem er von den Soldaten vor fünf Tagen tödlich verwundet worden war.

 

Im Jahre 1637:

16.) Am 26. Januar kamen die beiden kaiserlichen Feldmar­schälle, Graf Melchior von Hatzfeld und Graf Johann von Götze, mit 3.000 Mann nach Greußen, zogen am anderen Tag allerdings wie­der fort. Es kamen aber andere 3.000 Mann herein und lagen auch eine Nacht in der Stadt. Von beiden hatte die Bürgerschaft viele Drangsale, zumal weil sie nicht viel zu nehmen gefunden hatten. Daher ist dann auch mancher, wenn er nichts herbeischaffen konnte, übel behandelt worden.

Dieses Volk wollten die erwähnten Generale gegen den schwedischen Feldmarschall Johann Banner durch Thüringen und Meißen führen und richteten auf diesem Marsch überall viel Schaden an. Am 25. Januar steckten sie in Rohnstedt das Pfarrhaus an, so daß dem damaligen Pfarrer Andreas Toppius alles Ge­treide und aller Hausrat zugrunde gingen. Es wurden ihm auch zwei heim­liche Behältnisse, eines in der Kirche und das andere in der Erde, geraubt.

17.) Damals wurde Jaob Nohr aus Köln am Rhein, ein Soldat unter dem Oberst Hatzfeld, von seinem Herrn, einem Rittmeister, erschossen, und am 25. Januar hier begraben.

Frau Dorothea aber, Witwe des Herrn Johann Schörrmann, früherer Pfarrer in Denstedt bei Weimar an der Ilm, 56 Jahre alt, war auf der Flucht von Großenehrich her. Auf dem bösen Weg erkaltete sie und ist ermattet in der Nacht vor dem Clingener Tor gestorben, als sie ausruhen wollte. Am 30. Januar wurde sie hier begraben.

Auch war Herr Caspar Fischer der Ältere und an die 32 Jahre Pfarrer in Holzengel, wegen der großen Unsicherheit und wegen des Tumultes, der über­all und immer währte, hierher ausgewichen; er ist hier gestorben im Alter von 72 Jahren und wurde am 3. März begraben.

 

Im Jahre 1639:

18.) Am 28. Februar versuchte der schwedische Oberst von Witzleb mit 200 Reitern einen Angriff auf Greußen. Sie zündeten das Grüningische Tor an und wollten die Stadt abermals auszuplündern.

Sie waren auch nachmittags um drei Uhr mit ihren Packwagen unversehens vor das Tor gerückt. Sie wollten sich aber weder in Güte noch mit Gewalt abweisen lassen, als nicht nur die Geistlichen, sondern auch einige Männer des Rats zu ihnen hinaus gingen und weh­mütig baten, die arme Stadt zu verschonen.

So stellte man sich am Ende doch zur Wehr: Der Stadtleutnant Michael Schinkieth (Schi­nckirtch?) wehrte sich mit der Bürgerschaft und gutem Mut, so gut sie konnten, schossen vier von ihnen tot und verwundeten 24, von denen am folgenden Tag drei in Clingen ge­storben sind, wohin sie flohen waren. Dem von Witzleb selbst, der sie anführte, wurde durch den Hut geschossen. Als die Soldaten abgezogen waren, sagten sie: „Nun haben wir die Greußische Beute.“

Weil aber noch mehr solche streifende Parteien und raubende Rot­ten hier vermutet wurden, machte man viele Schleusen (?) und Gräben vor die Stadttore und eine Zugbrücke und neue Schießscharten an die Türme und Stadtmauern, damit man ihren Angriff dadurch abhalten könne.

19.) Damals war auf den Straßen niemand sicher. Wer nur in die Nachbarschaft von einem Orte zum anderen reiste, mußte um Leib und Leben fürchten. Auf dem Weg nach Gangloffsömmern wurde der Schneider Hans Rappe, der hier in der Stadt gewesen war, von den Soldaten angeschossen, so daß er am dritten Tag hier starb und am 5. April begraben wurde.

Auch haben damals die Witzle­bischen Reiter in Clingen viele Leute übel geschlagen und alles dort ausgeplündert, obwohl die meisten Häuser schon leer standen und ihre Einwohner anderswohin geflüchtet waren.

Es trösteten sich doch aber die armen Leute und sprachen: „Der Glaube hat uns die Schweden ins Land gebracht, unser Vaterunser aber soll sie wieder hinaustreiben!“

Doch hatten es damals die begüterten Leute am schlimmsten, die sich immer mit dem Frieden trösteten, um das Ihrige zu erhalten, aber die größte Not leiden mußten.

Ein Tagelöhner dagegen, der mit seinem Schubkarre nach Nordhausen fuhr und dort einen Scheffel Korn für einen Taler kaufte, konnte ihn hier für zwei Taler wieder an den Mann bringen, auch wenn er ihm unterwegs öfters einmal abgenommen wurde.                                                                                                                                      (132)

Im Jahre 1640:

20.) In diesem Jahre mußten die Stadt Greußen dem Witzlebischen Re­giment 800 Taler Kommißgelder geben, und es lag auch des General Pfuhls Volk hier, das der Bürgerschaft große Drangsal an­getan hatte und viel Schaden zugefügt hatte, indem sie das Getreide weggeführt und das Vieh teils geschlachtet, teils mitgenommen hatten. Am 29. April brachen sie nach Erfurt auf.

Weil man auch ihre Wiederkunft befürchtete, flohen die noch anwesenden Bürger und hierher geflüchteten Nachbarn aus großer Furcht, sie könnten ganz verderben, nach Nordhausen und anderswo hin. Die Meisten sind über vier Wochen ausgeblieben.

21.) Damals wurde dem Schloß und der Stadt Sondershausen, wohin viele Leute geflohen waren, von streifenden Gruppen hart zugesetzt. Auch Schernberg, Spira, Trebra, Lützensömmern und andere benachbarte Orte wurden mit Rauben und Brennen sehr verwüstet.

Es gerieten auch die Parteien der Raubenden immer selbst aneinander. So wurden auch am 2. Mai zehn Soldaten von Trebra hierher gebracht, die dort am Tag zuvor erschlagen worden waren, daß man sie hier begrabe. Sieben waren von Generalmajor Pfuhls Regi­ment und waren von den Immernichten (?) überfallen und getötet worden. Am 29. August wurde auch hier begraben Konrad Notterott aus Gangloffsömmern, der durch einen Schuß tödlich verwundet wurde und hier bei der Pflege gestorben ist.

Am 16. Dezember dieses Jahres kam auch der Quartiermeister des Witzlebischen Regiments mit einer Anweisung von Major Königsmarck und erhob eine Forderung auf 3.000 Reichstaler, mit der Drohung, alles auszuplündern. Ja, am folgenden Tag es kam auch der Königsmarckische Generalquartiermeister und forderte 2.000 Taler und noch dazu ein gutes Gespann Kutschpferde, mit der Drohung, zwei Regimenter hier einzuquartieren. Durch flehentliches Bitten des Rates konnte erreicht werden, daß sie mit 2.000 Gulden und zwei der besten Pferde, die in der Stadt waren, sich begütigen ließen, ohne das, was sonst an Unkosten draufgegangen ist.

 

 

Im Jahre 1641:

22.) In diesem Jahre mußte die hiesige Stadt so viele Gelder geben, daß die meisten Bürger ihr Eigentum verließen und davon gingen, weil kei­ner mehr etwas zu geben hatte. Wenn sie ihr Eigentum durch einen an­geschlagenen Zettel zum Verkauf anboten, war doch niemand da, der es haben wollte. Obwohl im vorigen Jahr die Pfühlische Einquartierung über 5.000 Gulden gekostet hatte, so mußte man doch in diesem Jahr dem Hauptmann Köting 400 Taler Werbegelder geben. Und das Kanofkische Regiment kostete in einem Monat 3.000 Taler. Auch das Anhaltische Regiment und die Leibkompanie kosteten 296 Taler sechs Groschen und neun Pfennig.

23.) In diesem Jahr bezog auch der kaiserliche General Hatzfeld in Thüringen sein Lager, besonders um Erfurt herum, und fing wieder da an, wo die schwedischen Kriegshäupter Banner, Holtz und Holtzapfel aufgehört hatten; er blieb im hiesigen Land bis zum Jahre 1644.

 

Im Jahre 1642:

24.) Die arme Stadt Greußen erlitt in diesem Jahre wiederum ein fast unerträgliches Geschick, besonders von den Kroaten. Am 6. März wurde das Regiment des Obersten Beigott, ein Regiment Kroaten zu Pferde, in Greußen einquartiert. Sie zogen aber am neunten wieder fort. Dafür kamen am 24. März von demselben Regiment vier Kompanien an ihre Stelle. Diese hatten nun einige Tage hier die arme Bürgerschaft sehr be­drängt und was möglich gewesen war, von ihnen ausgepreßt. Als das aber der schwedische Oberst und Kommandant in Erfurt Caspar Ermes erfuhr, ließ er sie am 30. des Monats, des Morgens frühe um drei Uhr, überraschenderweise durch seine Leute überfallen, durch die Bannerschen Völker. Dabei wurde die Bürgerschaft durch den unvermuteten Lärm, durch das Schlagen und Blasen und Schießen sehr erschreckt. Was nun die Kroaten in Häusern und Kirchen noch übriggelassen hatten, das mußte ein Raub und Beute der Schweden werden, die alles vollends aus­ge­plündert haben. Der kroatische Oberst Pompsen wurde gefangen nach Erfurt gebracht, dazu 260 Pferde samt vieler Beute. 25.) Die Geldgaben waren in diesem Jahre auch so groß, daß sie den meisten Hausvätern den Garaus machten. Das Mercysche, Nassauische und Wahlische Regiment kostete der Stadt Greußen vom 4. November vorigen Jahres bis zum 17. Januar dieses Jahres 1.722 Taler 4 Groschen 10 Pfennige, dem Amt Clingen aber 3.444 Taler 4 Groschen 8 Pfennige.

Am 22. Januar kostete das Ferremontische und Gonzagische Regiment dem ganzen Amt Clingen 549 Taler 23 Groschen 5 Pfennige, wozu Greußen auch den dritten Teil gab. Ja, das Regiment Kroaten, das am 6. März herein kam, kostete täglich 995 Taler Unterhalt. Nachdem es auch von hier abmarschierte, mußte man ihm so viel nach Sondershausen und Heringen, ja nach Artern nachschicken an Geld, Brot, Fleisch, Bier, Hafer und Heu, daß es zusammen 2.289 Taler 21 Groschen 5 Pfennige betrug. Im November quartierten sich in Greußen ein das Regiment zu Pferde des französischen Feldmarschalls Graf Gebriaes und daneben der Hessische Generalmajor Christian; erst am 10. Dezember zogen sie wieder fort.                                         (133)

 

Im Jahre 1643

26.) In diesem Jahr kosteten die Einquartierungen abermals sehr viel, und die Plagen wurden immer größer. Am 29. Juni kam der Obrist Lembo mit zwei ganzen Regimentern und auch noch dazugestoßenen 200 Musketieren von Herbsleben hierher. Sie ­blieben drei Tage, die Stadt kostete das über 1.000 Taler. Sie waren aber kaum weg, da kam an ihre Stelle unterschiedliche Truppen, so daß immer eine Trübsal der anderen gleichsam die Hand bot.

27.) Ferner kamen am Juli ein Leutnant und ein Korporal mit 24 Reitern hierher, denen am folgenden Tag noch eine gute Zahl Musketiere folgte. Diesen mußte nun alles dar­gereicht werden. Weil aber nicht schnell genug alles bereit war, quartierten sie sich alle bei dem Bürgermeister im Haus ein. Sie kosteten die Stadt innerhalb weniger Tage über 1.000 Taler. Dadurch wurde sie so mit­genommen, daß über 80 Bürger davon gingen und ihre Häuser und ihr Land verließen. Obwohl man ihre Äcker zum Verkauf anbot für 6 bis 8 Gulden, einen geringeren aber für 1 bis 2 Gulden hingeben wollte, so war doch niemand da, der sie begehrte oder bezahlen konnte.

 

Im Jahre 1645:

28.) An dem Feste der Heiligen Drei Könige wurde ein Regiment Hessischer Reiter, vier Kompa­­nien stark, hierher verlegt und blie­ben über fünf Wochen, bis sich die Festung Heldrungen an die Schweden und Hessen ergab. Darauf marschierten sie am 10. Februar wieder aus Greußen ab.

 

Im Jahre 1646:

29.) In diesem Jahr machten die Schweden wieder Quartier in Thüringen. Es erhielten etliche Kompanien zu Pferde ihr Quartier in Greußen. Diese quälten, weil sonst niemand mehr etwas zu geben hatte, die armen Leute ganz unbarmherzig. Es war ein großes Unglück für die Stadt, daß die Landschaftskasse hier war. Das galt besonders, wenn die Dörfer ihren Anteil nicht leisteten und er von der Stadt selbst gefordert wurde. So beanspruchte Greußen im Jahre 1643 von den umgebenden Orten 16.068 Taler 16 Groschen 8 Pfennig, die sie für sie vorgeschossen hatte.

 

Im Jahre 1647:

30.) Am 18. Februar wurde aus dem schwedischen Kriegsvolk eine Kom­panie Polen in Greußen einquartiert. Dazu kamen am 20. Februar zwei Kompanien Dragoner, eine unter dem Befehl Wrangels und die andere unter Duglas. Am 23. Februar kamen noch zwei Regimenter zu Pferde unter Butler und dem jungen Banner. Doch ihre Zahl erreichte nicht die volle Kompaniestärke, so daß also 1.500 Pferde volle sieben Wochen in Greußen gelegen haben und mancher Hausvater seine Stube und Kammer, ja Küche und Keller zum Pferdestall machen mußte. Diese aber brachen erst am April, dem Mittwoch nach dem Sonntag Quasimodogeniti, wieder auf. Die Einquartierungskosten kamen für die ohnehin ganz entkräftete Stadt auf über einige 1.000 Taler.

31.) Vom 8. bis 15. Oktober lag auch der Rittmeister Lange mit seinen Völkern hier und kostete 394 Taler 7 Groschen 2 Pfennige an Geld und 254 Scheffel Hafer. Von nun an zeigte sich die Hoffnung auf den so lange gewünschten Frieden, weil die hohen Machthaber ihre Gesandten nach Nürnberg schickten und vorbereitende Verträge für den Frieden machten.

 

Im Jahre 1648:

32.) In diesem Jahr wurde wieder hier einquartiert die Leute des Rittmeister Lange, des Leutnants Horn und des Generalleutnant Duglas. Sie blieben zwar nicht lange hier, aber dennoch beliefen sich die Ein­quartierungskosten auf 2.906 Taler 15 Groschen 9½ Pfennige an Geld und 2.877 Scheffel an Hafer. Dieses war nun in den meisten Fällen die letzte Trübsal, die der Dreißigjährige Krieg brachte und die Meisten in einen solchen Stand setzten, daß ihnen nichts hinterlassen wurde als Armut und Dürftigkeit, Seufzen und Weheklagen.                                                                                                                                                                                                  (134)

33.) Endlich erhörte Gott das Seufzen und Gebet so vieler Bedrängter, die vor allem wegen der Religion in einen solchen Jammer und Not gestürzt wurden und gab zu den bis­herigen Verträgen sein Gedeihen von oben herab: Am 24. Oktober 1648 wurde in Münster und Osnabrück der Friede geschlossen und unterschrieben. Er wurde auch am folgenden Tag auf allen Gassen und Straßen ausgerufen. Hier in der Stadt Greußen wurde er am 23. Sonntag nach Trinitatis mit inniger Dank­sagung und zur allgemeinen Freude und zum Frohlocken von der Kanzel abgekündigt. Gott erhalte uns diesen Frieden auch ferner beständig und lasse unsere Freude darüber in dem Herrn alle Zeit heilig sein!

 

§ 4. Am 13. Juni 1677 nahm der Braunschwei­gische Hauptmann, Herr Abraham Schwedler, sein Quartier in Greußen wieder ein. Weil aber von dem ge­samten gräflichen Haus Schwarzburg vertraglich festgelegt worden war, daß vom Monat Mai 1677 bis zum Jahr 1678 zur Verpflegung der im hiesigen Land Einquartierten 55.000 Taler gegeben werden sollten, so betrug der Anteil der Stadt Greußen zu diesen und anderen davon abhängigen Auslagen monatlich 243 Taler 20 Groschen. Er zog aber am 22. November 1680 wieder von hier fort, nach­dem er ­gan­ze vier Jahre hier einquartiert war. Er hat sich aber so verhalten, daß man ihm ein gutes Zeugnis erteilen konnte, daß er seine Anweisungen gehalten habe.

 

§ 5. Im Jahre 1694 wurde der Bau der Häuser hiesigen Bürger sehr ge­hemmt, weil der Französische Krieg mit dem Kaiser noch dauerte und weil die ganze Grafschaft Schwarzburg - und also auch die arme Stadt Greußen - durch kursächsische Einquartierung und Abgaben mitgenom­men wurde.

Sie mußte vom 6. Dezember 1690 bis 1791 den halben Regimentsstab von Feldmarschall Flemmings Regiment zu Pferde hier aufnehmen und verpflegen. Als dann die Verpfle­gung sich allein auf den Oberstwachtmeister erstreckte, belief sich der Betrag auf 200 Reichtaler und höher, die Abgabe für den General auf 218 Reichstaler.

Davon waren zwar die Abgebrannten ausgenommen, doch von der ganzen Stadt mußten monatlich 109 Reichstaler geliefert werden.

 

Im Dreißigjährigen Krieg wurden auch Verteidigungsmaßnahmen er­griffen mit Aufstellung von Truppen und Bau einer Landwehr („Defensionswerk“) (Hesse Seite 169).

Die Kriegslasten beliefen sich nach Sternickel auf ungefähr 300.000 Taler (davon 250.000 Taler Kriegssteuer), von denen das Amt Clingen etwa ein Sechstel getragen hat. Greußen hatte allerdings in dieser Zeit gute Ernten, und manche Gewerbe hatten durch die Lieferung an die Soldaten einen guten Umsatz.

 

Siebenjähriger Krieg (Sternickel Seite 117 und Hesse Seite 124).

Deutsch-Französischer Krieg 1806 (Sternickel Seite 117).

 

 

Das XIII. Kapitel.

 

VON STERBEFÄLLEN UND  HIER  GEWESENEN  PESTZEITEN

 

§ 1. Wie Krieg und Pest allgemein diejenigen Plagen sind, mit denen Gott Land und Leute heimsucht, wenn sie seinem Wort nicht mehr gehorchen wollen, so hat er auch den Einwohnern dieser Stadt öfters seinen Zorn durch die todbringende Pest gezeigt. Deswegen sollen auch die bekannten Beispiele hier angeführt werden.

Es handelt sich hier um die private Ansicht des Pfarrers, daß Krieg und Pest eine Folge des Zorns Gottes und eine Strafe für menschlichen Ungehorsam seien. Kriege entstehen durch die Schuld der Menschen, und Krankheiten sind ein biologischer Vorgang, der unabhängig vom Verhalten der Menschen eintritt. Die folgende Schilderung der Judenverfolgung ist ein betrübliches Beispiel dafür, wie man für bestimmte Ereignisse einen Sündenbock suchte und die Juden dafür herhalten mußten.

 

1.) Im Jahre 1349 war in ganz Thüringen und besonders auch in Erfurt ein großes Sterben. Es sind dort so viele gestorben, daß alle Kirchhöfe mit Toten dermaßen angefüllt waren, daß man außerdem noch elf Gruben machen mußte, in die 12.000 Menschen kamen. Wie die Verse be­zeugen: „Im Jahre 1350 brachte die tötende Luft 12.000 Menschen an diesen Ort zusammen.“

Weil man aber die Juden verdächtigte, daß sie durch Vergiftung der Brunnen ein solches Sterben verursacht hätten, schlug man sie überall in der Fastenzeit tot, z. B. in Gotha, Eisenach, Creutzburg, Arnstadt, Ilmenau, Nebra, Wiehe, Tennstedt, Herbsleben, Thomasbrück, Frankenhausen, Sondershausen, Weißensee, usw.

In Erfurt wohnten damals ungefähr 3.000 Juden, von denen über 100 von den Bürgern erschlagen wurden. Die anderen aber liefen in ihre Häuser zusammen, steckten sie an und verbrannten sich darin selbst. So etwas geschah auch hier in dem Feld nach Otten­hausen zu. Deshalb wird die Gegend bis zum heutigen Tag noch das „Juden‑Ried“ genannt

 

(Das Judenried ist zwischen sächsischer Helbe, Grüninger Flur, Grollbach und Steingraben. Die Niedermetzelung der Juden im Jahr 1348 ist nicht erwiesen).

 

Im Jahre 1518 ist nicht allein hier in Greußen, sondern auch in der Nachbarschaft, ein landesweites Sterben gewesen, zum Beispiel in Kindelbrück, Greußen, Sömmerda, Köln und anderswo. Allerdings kann man die Anzahl der damals hier Verstorbenen nicht wissen. In Köln aber starben 500 Personen.

Im Jahre 1529 wütete der englische Schweiß in Thüringen und es starben viele Leute davon. Ein katholischer Geistlicher schrieb die Schuld den Lutheranern zu und hielt deswegen öffentliche Prozessionen ab, allerdings starb er selbst am anderen Morgen daran.

2.) Im Jahre 1552 war hier von Pfingsten bis Weihnachten erneut ein großes Sterben. Das Gleiche geschah auch in den anderen umliegenden Orten. Jedoch weiß man auch hier die Zahl der Verstorbenen nicht.

3.) Im Jahre 1564 war im Herbst hier abermals ein großes Sterben. Die Anzahl der Verstorbenen ist auch nicht bekannt. Weil aber der hiesige Kirchhof voll war, so dachte man seit der Zeit an über einen anderen Platz für ihn nach und erwarb dazu das Stück Land vor dem Grüningischen Tore. Am 23. September 1576 wurde dort mit dem Begraben der Anfang gemacht. Auf diese Pest erfolgte ein sehr strenger Winter, der bis lange nach Ostern dauerte.

4.) Im Jahre 1582 sind in Greußen vorwiegend an der Pest 467 Personen gestorben. Es ging damals diese Krankheit nicht allein durch ganz Thüringen, sondern auch sonst durch ganz Deutschland. Es starben in Tennstedt 700, in Erfurt 7.765 und in dessen Dörfern 9.676. Menschen, wie es eine Inschrift auf einem Ge­dächtnisstein versichert.

5.) Im Jahre 1597 wütete die Pest abermals hier, doch nicht so sehr als in Frankenhausen und Erfurt. Vom 26. August an sind nicht mehr als 111 Personen daran gestorben. Andere rechnen zwar 114, aber drei Personen, die von ihnen mitgezählt wurden, sind auf andere Weise („morte videnta“) gestorben:

Matthäus Sickel und Lorentz Preuß haben sich fast tot gefallen, der taube Zimmermann aber wurde totgeschlagen, so daß sie also nicht hierher gehören. Holzengel aber starb damals fast ganz aus.

6.) Im Jahre 1598 aber kam die Pest wieder und nahm 328 Personen hinweg, nach der Aufzeichnung des damaligen Pfarrers Magister Anton Leuber (nicht 326, wie Toppius will). Damals sind also innerhalb eines Jahres 439 Personen hier an der Pest gestorben.

 

§ 2. Dieses sind nun für den hiesigen Ort freilich große Sterben gewesen. Das allergrößte aber ist gekommen im Jahre 1625, in dem 843 Personen hinweg genommen wurden und die Pest hier und in Großenehrich dermaßen wütetet, daß beide von Einwohnern fast ganz entblößt wurden.

In Arnstadt wütete im Frühling die Hauptkrankheit gar sehr. Am 2. Juli fing dort die Pest an und dauerte bis zum Michaelistag. Die Pest sollte aus der Papiermühle von Lumpen herkommen sein. Es wurden durch sie dort viele Menschen hinweg genommen. Das ganze Jahr hindurch sind 1.236 Personen gestorben. Im August kam es so weit, daß in diesem Monat 433 und an dem 20. Tage dieses Monats 27 Personen begraben wurden.

Zu dieser Zeit aber fing die Pest auch hier an. Gott ließ das Gericht gewissermaßen am Heiligtum selbst anfangen, indem er die Geistlichen wegnahm, so daß niemand war, der die Kranken pflegen und die Betrübten trösten konnte: Am Anfang des 19. August nahm sie den Pfarrer, Herrn M. Großspitz, hinweg. Weil nun die Herrschaft nicht gleich wieder einen Pfarrer einsetzen konnte und doch die höchste Not einen Seelsorger erforderte, so wurde Christoph Oehmich von Nord­hausen gleich darauf zum Hilfspfarrer angenommen.

Als er am 24. August (Bartholomäustag) seine Probepredigt hielt, wurden gleich 23 Personen begraben, so daß ihm wohl bei dem ersten Eintritt in diese Stadt Grauen und Entsetzen hätte ankommen können. Ja, als er am 11. Sonntag nach Trinitatis früh seine Antrittspredigt gehalten hatte, legte sich der Diakon Georg Sander auch.

Er starb den Donnerstag darauf, so daß also der neue Hilfspfarrer in diesen trübseligen Zeiten in hiesigem Pfarramt ganz allein war.

Damit er aber wieder einen Beistand hätte, wurde bald der damalige Kantor Valentin Buhl zum Diakon gemacht. Beide haben dann auch treu miteinander ausgehalten und sind von Gott gnädig behütet worden, auch wenn sie oft mitten unter den Pestkranken sein und ihnen von Amts wegen beistehen mußten.

Es fing aber die Pest damals hier am 18. Juli an. Zuvor waren von Januar bis zum 9. Juni nicht mehr als zehn Personen gestorben. Anfang August ging das Sterben am schärfsten los. Weil aber Pfarrer Magister Großspitz, der die Verstorbenen damals aufzeichnen mußte, gleich an­fangs mit hingerissen wurde, so hat man für die Zeit vom 18. Juli bis zum 11. Sonn­tag nach Trinitatis keine Nachricht.

Wie das Sterben aber von da an zugenommen und auch wiederum abgenommen hat, ist aus der folgenden Zusammenstellung zu ersehen: Es fing an mit 5 Todesfällen am Samstag vor dem 11. Sonntag nach Trinitatis und 7 am Sonntag selbst.

Danach waren die Zahlen bis Freitag nach dem 12. Sonntag nach Trinitatis zweistellig, die höchste Zahl waren 18 Tote am Dienstag nach dem 11. Sonntag nach Trinitatis. Bis zum 16. Sonntag nach Trinitatis lag die Zahl an manchen Tagen über zehn Todesfällen, an anderen wieder darunter.

 

 

 

Danach waren die Zahlen nur noch einstellig. Am Montag nach dem 17. Sonntag nach Trinitatis kam erstmals kein Todesfall mehr vor. Am 21. Sonntag sind es noch einmal fünf Fälle, danach aber nur noch ein oder zwei Fälle und in zunehmendem Maße gar keine mehr an einem Tag. Aber dennoch gibt es bis zum Jahresende immer noch einzelne Todesfälle.

In diesem Jahre sind hier an der Pest ge­storben (sowohl Einheimische als auch Fremde) insgesamt 843 Personen. Dies hat der Kirchner Valentin Hauschild aufgezeichnet hinterlassen, der von 1614 bis 1661 das Amt verwaltet hat und so nicht allein diese Pestzeit, sondern auch den ganzen Dreißigjährigen Krieg hier überlebt hat.

Greußen hatte damals nach der Schätzung Lürmanns etwa 1.300 Einwohner.

 

 

 

Das XIV. Kapitel

 

Von einigen besondern Todesfällen, die sich hier sowohl natürlicher Als auch gewaltsamer Weise zugetragen haben.

 

§ 1. Unter den gewaltsamen Todesfällen, die sich in einem gewissen Zeitraum hier zugetragen haben, sind besonders folgende anzumerken:

1.) Am 8. November 1596 wurde der Sohn des Josias Matthäus Heß begraben, der in der vorhergehenden Nacht von Hans Hemm erstochen worden war.

2.) Am 4. Februar 1597 wurde Balthasar Sella begraben, Bürger von Tennstedt, sonst „Freund“ genannt, der am 2. Februar hier auf dem Rathaus mit dem Brotmesser jämmerlich erstochen worden war. Daß es beim Tanz geschah, ist auf dem steinernen Grabstein zu erkennen, den ihm sein Vater gleiches Namens und Bürgermeister in Tennstedt auf dem hiesigem Friedhof vor dem Grüningischen Tor hat setzen lassen. Die Schrift ist nicht mehr ganz zu lesen.

Um den Stein herum steht: „Balthasar Sella, ein guter, frommer und ehrenhafter Mann, Student, der seinen Hochzeitstanz erwartete im Gericht Greußen, wurde vom Tod hinweggerissen am 2. Februar 1597 im Alter von 36 Jahren.“ Neben dem Bildnis stehen lateinische Verse (Disticha). Das 4. aber ist nicht mehr zu erkennen, weil der Stein nunmehr über zwölf Jahre in Luft und Regen gestanden hat, so daß die Schrift verblichen ist.

3.) Am 20. Januar 1598 wurde Hans Mund von Grüningen vor dem Grüningischen Thore mit dem Schwert vom Leben zum Tode gebracht. Er hatte zwölf Wochen zuvor, nämlich am 31. Oktober vorigen Jahres, den Zimmermann von Westerengel, den Meister Aegidius Hofmann, vor dem hiesigen Ratskeller mit einer Hellebarde erschlagen. Sein Leichnam wurde danach auf dem Hospitalsfriedhof begraben.

4.) Im Jahre 1600 ging Meister Matthäus Günderam nach V.... (?) aus und ist ertrunken in der Helbe. Am 10. März darauf wurde er begraben.

5.) Am Freitag nach dem Sonntag Invokavit des gleichen Jahres, hat sich Hans, der Knecht des Volkmar Happ, mit Branntwein tot gesoffen und wurde darauf begraben, allerdings ohne Gesang und Klang.                                                                               (137)

6.) Am 15. Mai 1604 wurde der Seiler Hans Serbach von einem Pferde übel geschlagen und starb bald darauf.

7.) Am zweiten Pfingstfeiertag wurde Klaus Reinhard unverhofft mit einer Büchse erschossen und am folgenden Tag begraben.

8.) Am 6. Mai 1611 bekam Elisabeth, die Tochter Josias Schröders, ein Haar in Hals und Luftröhre und starb daran am dritten Tag.

9.) Am 22. September 1614 wurde Hartung Kranichfeld im Alter von 33 Jahren im Weinberg erschossen, ohne daß man erfahren konnte, wer es getan hatte und wie es zugegangen war. Er wurde am 24. darauf mit einer Leichenpredigt begraben.

10.) Am 11. Juni 1617 wurde Hans Fleischauer, der sich selbst erstochen hatte, aber vor dem Tod noch bekehrt hatte, mit einer Leichenpredigt begraben (er hat noch vor seinem Tod den Selbstmord bereut).

11.) Am 6. August wurde Peter Hochheim begraben, den der Schreiber des Junkers von Grüningen mit einem Gewehr erschossen hatte.

12.) Am 29. April 1618 wurde Peter Kolin begraben, der am 27. in Veit Lattermanns Haus über dem Herz gestochen worden war, so daß er gleich darauf den Geist hat aufgeben müssen.

13.) Am 28. Mai wurde begraben Katharina, Töchterchen des Thomas Fischer, das im Steingraben ertrunken war.

14.) Am 3. April 1628 wurde Christoff Ehrlich, ein Trompeter und Ver­lobter der Tochter des Heinrich Müller, auf dem Ratskeller im Tumult ganz unschuldigerweise erstochen.

15.) Am 20. Mai 1629 wurde Hans Alcke von Schilfa hier begraben, den am vorhergehenden Tag umgebracht wurde von Pferden, die er an den Wagen gespannt hatte und die wild geworden waren.

16.) Am 7. Oktober 1631 wurde Anna von Breitenbach aus dem Thüringerwald, die bei Heinrich Reinhardt diente, in der Lehmgrube von der einfallenden Erde erschlagen, die sie hacken und aufladen wollte.

17.) Am 19. Dezember wurde Albert Stuhl begraben, der 33 Jahre, 22 Wochen und 2 Tage alt war und der am 16. in des Hauptmann Paul Süßers Haus von diesem abends um 7 Uhr erstochen worden war.

18.) Am 3. Mai 1632 wurde Klaus Wölfer aus Haßleben begraben, der vor einigen Tagen ganz unschuldig dermaßen Schaden genommen hat­te, daß er darüber gestorben war.

19.) Am 12. Oktober wurde der Hauptmann Georg Heinrich Happ von dem Diener des Haupt­manns, der mit den Pistolen Spaß getrieben hatte, im Haus seines Vaters Hause tödlich verwundet und starb nicht lange danach.

20.) Am 20. des Monats wurde wieder ein Hauptmann, nämlich Hans Georg Happ, im Haus des Herrn Jakob Happ von anderen Soldaten erstochen und am 23. begraben.

21.) Am 22. Oktober 1634 wurde begraben Johann Christian, ein Sechs-Wochen ‑ Kind des Kürschnermeisters Nikolaus Zahn, das von der Magd in der Nacht beim Tragen erstickt worden sein soll. Deshalb wurde auch zuvor durch Richter und Schöffen eine Leichenschau vorgenommen.

22.) Im Jahre 1637 wurde der Faßmacher Hans Fischer im Alter von 44½ Jahren von einem Baum getroffen, den er bei der Steinfarthsmühle gefällt hatte. Er wurde so am Körper verletzt, daß er eine Stunde danach verstarb und am 7. Juli begraben wurde.

23.) Im Jahre 1639 ist Johann Aumüller betrunken im Judenried in ei­nen Graben gefallen und darin kalt geworden und gestorben. Er wurde begraben am 3. Januar.

24.) Am 1. Mai, dem Sonntag Miserikordias Domini, wurde Herr Johann Georg Zeiger, öffentlicher Notar und Vitzthumischer Amtmann aus Kannawurf, hier im Gasthof erschossen und darauf am 3. Mai begraben.

25.) Am 14. April 1640 wurde Arnold Günther, ein lediger Gesell und Seifensieder von hier, von dem Kupferschmied Hans Pichel mit einer Hellebarde am Haupte tödlich verwundet und starb am dritten Tag danach.                                                                                                                                                                                     (138)

26.) Am 21. September 1645 war der hiesige Stadthauptmann Herr Michael Schinkieth (siehe Seite 249) in Herrn Wolf Anthons Haus zu Gast und wurde dort im Trunk mit Herrn Andreas Tentzel, hiesigem Doktor und praktischem Arzt uneinig. Weil der Stadthauptmann nicht Frieden geben wollte, hat Tentzel ihn aus Notwehr mit dem Messer in den Leib gestoßen. Davon ist er am dritten Tag gestorben. Herr D. Tentzel aber zog danach nach Ohrdruf und wurde dort Fürstlich-Go­tha­­ischer Land‑ und Gräflich-Hohen­lohischer Leibarzt.

27.) Am 12. September 1648 wurde der hiesige Bürger Nikolaus Künert (geboren in Weißensee) abends um 5 Uhr in Joachim Barthels Bierhaus von dem betrunkenen Benjamin Krebs, mit einem Degen durch den Arm und Hals gestochen und so plötzlich ums Leben gebracht.

28.) Am 6. März 1662 wollte Frau Katharina, Meister Wolf Wegmars Frau, in der entstandenen Feuersbrunst etwas in ihren Keller bringen. Weil sie sich aber dabei verspätete, hat sie im Rauch ersticken müssen und wurde am 8. darauf begraben.

29.) Im Jahre 1666 wollte Meister Peter Pfennig, der hiesige Schwarz- und Schönfärber, früh am Montag färben und fiel unver­sehens in den siedenden Färberkessel. Darin verbrannte er sich am ganzen Leib so, daß er davon starb im Alter von 70 Jahren. Er wurde am 6. November mit einer Predigt begraben.

30.) Am 10. September 1672 wurde Maria Hof­mann begraben, Tochter des Paul Hofmann aus Kindelbrück und Magd bei Johann Nikolaus Laue von hier. Sie war vor einigen Tagen von einem Stück Erde in der hiesigen Lehmgrube, das von oben herab gefallen war, am Leib ganz zerquetscht und ist am Ende daran gestorben.

31.) Am 28. November 1673 wurde eine Frau aus (Groß‑) Ball­hausen bei der Steinfarthsmühle im Wasser tot gefunden und am 21. darauf begraben.

32.) Im Jahre 1676 ist Hans Bernhard Kühnemund aus Gangloff­söm­mern, der bei Heinrich Tentz hier gedient hatte, nach dem Abendbrot - nachdem er sich tagsüber mit Mistfahren erhitzt hatte - mit anderen in den Steingraben gegangen, um sich zu baden, und ist dort gegen 9 Uhr beim Garten des Lazarus Müller ertrunken.

33.) Am 1. August 1678 wollte Meister Hans Tobias Lattermann ein Stadt­bier holen lassen. Dabei ist seine Magd, Martha Maria Laue, von dem starken Geruch des Bieres in dem Keller umgefallen. Und weil ihr nicht gleich jemand zu Hilfe kom­men konnte, ist sie erstickt und wurde morgens tot gefunden.

34.) Am 17. Juni 1679 ging Jakob Murer aus Westgreußen abends von Greußen nach Hause. Weil es den ganzen Tag Schneegestöber gegeben hatte, ist er bei der Clingener Brücke hinunter gefallen und dort am Mor­gen tot gefunden worden. Bei seinem Begräbnis wurde mit den zwei kleinen Glöckchen geläutet.

35.) Im Jahre 1684 ging der hiesige Wagner Meister Nikolaus Henterich, früh mit seinem Sohn und zwei Töchtern in die Hainleite, um dort etwas Holz für sein Handwerk zu fällen. Nachdem er daran gearbeitet hatte bis gegen Mittag, hat er sich an einem Ort niedergesetzt und das Mittagsbrot gegessen. Die Kinder waren schon aufgestanden und wieder zur Arbeit gegangen. Er aber war mit dem Holzknech­t Georg Heß noch ein wenig sitzen geblieben. Da hat eine alte, dicke Eiche, die nicht weit von ihnen ge­standen hat, von selbst angefangen zu knacken. Sie ist so geschwind auf die Stelle geschlagen, wo die Männer gesessen haben, daß sie beide getroffen wurden, obwohl sie angefangen hat­ten zu laufen. Die Eiche hat den Holzknecht nur etwas berührt. Dem Wagner aber hat sie den Kopf und die Achseln ganz zerquetscht, so daß er zwei Stunden danach gestorben ist. Er wurde mit Erlaubnis der gnädigsten Herrschaft hierher gebracht und am 3. März, einem Montag, begraben.

36.) Im Jahre 1696 wurde Martha Koch begraben, eine Magd aus dem Ort Gang­­loffsömmern, die hier gedient hatte und auf dem Wege nach dem Markt in Gebesee bei Schwerstedt von der Deichsel gefallen war.

Ein Bein, das unter das Rad gekommen war, wurde ganz entzwei gefahren, so daß es abgeschnitten werden mußte. Sie ist aber am siebten Tag danach gestorben.

37.) Am 11. Oktober 1698 wurde die Tochter Wolf Gabriel Sternickels, 4 Jahre weniger 8 Wochen alt, nachmittags einige Stunden vermißt. Am Abend um 6 Uhr wurde sie im Teich nach der Lochmühle zu gefunden und tot herausgezogen.                                                                                                                                                       (139)

38.) Im Jahre 1704 wollte der hiesige Bürger Meister Hans Heinrich von Finn von Grüningen wieder nach Hause gehen. Er kam aber durch ein Unglück in den Steingraben und ertrank da­rin. Er wurde am 26. Sep­tember im Alter von 45 Jahren weniger 4 Monate mit einer Predigt begraben (Sternickel: Er war ein Raschmacher, also ein Kammgarnmacher, deshalb wurde die Ecke im Steingraben lange Zeit auch das „Rasch­machersloch“ genannt).

39.) Am 10. Mai 1712 wurde Heinrich Christoff Müller begraben, ein Knecht des Herrn Ernst Jesias Hase, der am Sonntag zuvor abends von einigen im Ratskeller angefallen und tödlich ver­wundet worden war, so daß er am Montag früh zwischen 5 und 6 Uhr gestorben ist.

40.) Am 26. April wurde am Abend ohne Gesang und Klang begraben Hans Andreas Lentz, der Flurschütz, den am Sonntag zuvor der Schustermeister Hans Heinrich Zimmermann mit einem Beil erschlagen hatte.

41.) Am 4. Januar 1716 wurde begraben Jungfer Anna Barbara, Tochter des hiesigen Bürgers und Weißbäckermeisters Wendel Schäfer, im Alter von 19 Jahren 4 Monaten und 3 Tagen, Sie war im Hause durch ein Loch in die Torfahrt gefallen, als sie etwas holen wollte, und kam zu Tode.

42.) Am 30. April wurde David Friedrich begraben, ein Söhnchen des Meister Johannes Ernst Jödecke, der am Dienstag zuvor in einen Laugenkübel gefallen und darin ertrunken war.

43.) Am 22. Juli 1721 war der Brand in der Neustadt, als die ganze Neustadt bis auf einige wenige Häuser an und vor dem Clingener Tor in Asche gelegt wurde. Dabei hat sich Frau Anna Barbara, Witwe des Bäckermeisters Tobias Reinhardt, in den Keller des Wagnermeisters Hans Philipp Henterich zurückgezogen. Sie ist dort durch den Rauch erstickt. Sie wurde am Abend herausgeholt. Weil die Leiche aber sehr aufgelaufen war und nicht liegenbleiben konnte, wurde sie am anderen Tag, dem 6. Sonntag nach Trinitatis, gegen Mittag, in aller Stille auf den Friedhof gebracht und be­graben.

44.) Bei diesem Unglück wurde auch der hiesige Bürger und Lohgerber Meister Werner Petri vom Feuer so beschädigt, daß er daran starb und am 28. Juli begraben wurde.

 

§ 2. Unter den zwar natürlichen, aber doch wegen einiger Umstände besonderen Todesfällen, sind folgende zu erzählen:

1.) Am 22. Dezember 1602 starb hier Hans Ungefüge. Er war ein gottloser Mann, der vor 40 Jahren einen Totschlag begangen hatte. Und weil er seitdem Gott und sein Wort und die Heiligen Sakramente verachtete, hat er stets in Trunkenheit gelebt. Er hat im Suff auf öffentlicher Straße die Schamgegend entblößt, schandbare Worte geführt und ist darin ohne bessere Erkenntnis hier gestorben. Er wurde am Sonntag nach Weihnachten ohne Gesang und Klang auf dem Hospitalsfriedhof an der Seite begraben.                       

2.) Am 18. April 1604 ging Lorenz Nottrot, ein Mann von 86 Jahren, auf das Feld, um einen Acker des Nikolaus Thomassen einzusäen. Er fiel dabei auf dem Ackerstück nieder und starb dort.

3.) Am 17. September 1611 starb Frau Euphemia Happ im 90. Lebensjahr und hatte 150 Kinder und Enkel bis ins fünfte Glied erlebt.

4.) Am 26. März 1612 wurde Christoph Kolbe begraben, ein Knecht von Tennstedt, der hinter dem Triller gestorben war.

5.) Im Jahre 1614 reiste Herr Johann Speck nach Leipzig zur Messe und starb auf der Rückreise in Merseburg und wurde dort am 6. Januar mit einer Predigt begraben im Alter von 55 Jahren.

6.) Am 2. Februar 1617, an einem Diensttag früh um ein Uhr, starb hier Christoff von Ebeleben.

Weil nun dessen Witwe, Frau Kunigunde geborene Vizthum, von den Vorstehern der Kirche für ihren verstorbenen Mann eine Grabstätte in der Kirche erhielt, so verehrte sie aus Dankbarkeit der Kirche 20 Gulden.

Die Tochter aber, Jungfer Anna Maria von Ebeleben, versprach auch aus Dankbarkeit für die ihrem verstorbenen Herrn Vater vergönnte Grabstätte von ihrer künftigen Erbschaft 100 Gulden, die allein zum Nutzen der Kirche und zu sonst zu nichts sollten angewandt werden. In die beiden Leichentücher aber, und zwar ein schwarzes aus London und ein weißes aus Schwaben, sollten der Pfarrer und der Diakon nach Ablauf von vier Wochen sich gleich teilen. Diesen Willen hat sie durch dem öffentlichen Notar Johann Fornfeist aufzeichnen lassen und mit ihrer Tochter eigenhändig unterschrieben.

7.) Am 20. Mai 1629 wurde der Korbmacher Conrad Fahnse begraben, im Alter von 54 Jahren, weniger 4 Wochen, der sich am Abend gesund und frisch zu Bett gelegt hatte und am Morgen um 4 Uhr tot in ihm gefunden wurde.

8.) Am 13. Juli 1636 wurde Simon Hofmeister begraben, ein Mann von 82 Jahren, der am Nörderberg während der Weinbergs­arbeit gestorben ist.                                                                                                                                                                   (140)

9.) Am 8. Januar 1649 war Kilian Völcker von Strausfurt hierher zum Markt gegangen, wurde gegen Abend plötzlich vom Trunk und Tabak krank, und als er um 10 Uhr bei Herrn Stolberg aus der Stube gehen wollte, ist er niedergefallen und tot liegengeblieben.

10.) Im Jahre 1668 war Herr Michal Reinhardt, ein Handelsmann aus Mühlhausen, in der Fremde gewesen, und kam krank hierher. Als er sich nun, nachdem er einige Tage hier gelegen hatte, nach Hause wollte führen lassen, starb er ganz in der Nähe vor dem Clingener Tor und wurde hier am 21. Februar begraben.

11.) Am 9. November 1675 wurde Martha Decha begraben, Witwe des ehemaligen Totengräbers Nikolaus Decha, die nach Meinung vieler und nach allen Umständen über 100 Jahr alt gewesen ist.

12.) Am 20. März 1677 wurde hier begraben Herr Georg Ortenius, frei­er Bauer in Großengottern, der von Weißensee hierher gereist war, auf dem Wege krank geworden war und - nachdem er nur einen Tag hier gelegen hatte - im Alter von 72 Jahren gestorben ist.

13.) Am 2. Juni 1694 wurde hinter dem Warthügel am Gangloffsömmerschen Weg ein Mann im Korn tot gefunden.

Er wurde in der Stille hier begraben, nachdem gegen Abend um 4 Uhr die Anordnung gekommen war.

 

Sternickel ergänzt: Im Jahre 1720 ist ein armer Mann im Judenried bei der Hegesäule tot aufgefunden worden. Darauf hat der Stadtrat einige Mann als Wache an diesen Ort abgeschickt. Da der Leichnam halb im Sächsischen und halb im Schwarzburgischen lag, haben die Grüninger Wächter die hiesigen davon gejagt und den Leichnam mit nach Grüningen genommen.

Im Jahre 1742 erhängte sich der Leinewebermeister Johann Bauer und wurde zwei Tage später ohne Gesang und Klang auf dem Friedhof hinten an der Mauer begraben.

Am 24. Juni 1750 verkürzte Martha Marie Weymar auf die gleiche Weise ihr Leben. An sich war Vorschrift, daß ein Selbstmörder von den Scharfrichterknechten abgeschnitten wird, auf einen Karren geladen und auf dem Schindanger begraben wird. Auf Bitten ihres Bruders wurde die Strafe aber so gemildert, daß ein armer Mann die Selbstmörderin abgeschnitten hat, in einen Sack steckte und auf dem Rücken zum Friedhof trug, sie über die Mauer warf und sie an dieser begraben hat.

Im Jahre 1811 veranstaltete der Pächter des Ritterguts zu Ottenhausen ein Vogelschießen. Dabei erhielt Theodor Meyer aus Greußen aus Versehen einen Schuß in den Unterleib. Er wurde im Backtrog nach Greußen getragen und starb am folgenden Tag. Er wurde von der Schützengesellschaft zu Grabe getragen

 

Gott allein die Ehr, und sonst keinem mehr. Amen!

Beendet am 29. Oktober 1722.

 

Im Original folgen jetzt zehn Seiten Nachträge und zwei einzelne Zettel, die aber schon an der entsprechenden Stelle in den Text eingearbeitet wurden. Danach folgt noch ein schwer lesbarer Brief aus späterer Zeit an einen Regierungsrat und zwei Briefe, in denen Spender eine Gabe für die vom Brand Geschädigten ankündigen.

 

 

 

Rundgang durch Greußen

 

 

Wenn man die Geschichte der Stadt Greußen heute nacherleben will, muß man sich ihr von außen her nähern. Vom Bahnhof geht man durch die Bahnhofstraße bis zur ampelgeregelten Kreuzung mit der Bundesstraße. Dort geht man links in die Lindenstraße und dann wieder links in die Geschwister-Scholl-Straße. Dort befindet sich gleich links das Heimatmuseum, der Ausgangspunkt eines Rundgangs durch Greußen. Wer mit dem Bus kommt, steigt an der Haltestelle in der Marienstraße aus (der Querstraße zur Geschwister-Scholl-Straße). Autofahrer biegen von der Bundesstraße in die Geschwister-Scholl-Straße ein, aus Richtung Erfurt nach der Ampel links, aus Richtung Nordhausen vor der Ampel rechts.

 

Anmerkung:

Die im Folgenden angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Seiten in dem gedruckten Buch. In dieser Datei sind sie etwas verschoben. Man sucht sich das entsprechende Stichwort am besten mit der Suchfunktion des Wordprogramms

 

(1) Heimatmuseum: Das Museum ist vorzugsweise für Gruppen nach Voranmeldung bei der Stadt zu besichtigen. Dann geht man auf der Geschwister-Scholl-Straße nach Westen bis zur Marienstraße.

 

(2) Bonifatiuskapelle: siehe Seite 26

Man geht dann links weiter in die Marienstraße und dann nach rechts in die Bahnhofstraße.

 

(3) Stadtgut: Links in der Bahnhofstraße liegt das Stadtgut. Es wurde nach 1870 erbaut und hat auch den Namen „Lindenhof“. Heute ist es Sitz der Verwaltungs­ge­mein­­schaft. Am Bahnhof geht man links vorbei und über den Bahnübergang. Rechts liegt westlich des Bahnhofs die Zuckerfabrik von 1873, die ab 1922 die Schokoladenfabrik „Quickborn“ war. Auf dem Fußweg geht es links weiter an der Bahn entlang.

 

(4) Gewässersystem der Helbe: Zunächst überquert man einen tieferen Graben, in dem die Kupferhelbe fließt. Kurz darauf kommt man über die sächsische Helbe, ein kleiner, aber wasserreicher Bach, der sich am Hang entlang zieht. Der Fluß Helbe kommt aus dem Hainich und wird vor Westgreußen an einem Wehr aufgestaut, damit das Wasser besser über das ganze Tal verteilt wird. Der Hauptfluß fließt als Steingraben durch Greußen. Nördlich davon fließt die schwarzburgische Helbe und südlich davon die sächsische Helbe, die vor allem die Stadt Weißensee mit Wasser versorgen sollte.

Die Kupferhelbe zweigt von der schwarzburgischen Helbe ab und mündet in die Baderhelbe. Diese wiederum zweigt von der sächsischen Helbe ab in Höhe der Lochmühle. Diese ist die heutige „Greußen Mühle GmbH“, die ihre Zufahrt von Westen hat. An der Südwestseite aber sitzt der Lochstein in der sächsischen Helbe, der nur eine bestimmte Menge Wasser in die Baderhelbe durchläßt.

Diese fließt um die Mühle herum und wendet sich dann nach Norden. Sie führt im Bogen um die Stadt herum, kommt am ehemaligen Badhaus vorbei (daher der Name) und trieb früher die Stadtmühle an der Ostseite der Mittelstadt an, ehe sie in den Stadtgraben mündet.

Der Fußweg führt zur Robert-Koch-Straße, in die man nach links einbiegt. Man überquert die Bundesstraße. Südöstlich der Kreuzung liegt der Schieferhof.

 

(5) Schieferhof: siehe Seite 11.

Man biegt dann nach links durch die Ritterstraße und die Brühlstraße in Richtung auf die Kirche. Dabei kommt man durch die „Anlagen“ mit Resten der Stadtmauer.

 

(6) Stadtmauer: siehe Seite 213.

 

(7) Brauhof: siehe Seite 217.

Nach rechts wirft man einen Blick in die Leitergasse: Sie führte zum Leiter- und Spritzenhaus südlich der Kirche. Es wurde 1780 errichtet und 1890 abgebrochen und hinter den Brauhof verlegt. Es gab drei Leiterhäuser, eins in der Neustadt, eins auf dem Kirchhof (1659 neu erbaut).

 

(8) Kirche: siehe ab Seite 54, besonders Seite 62 bis 67.

 

(9) Kirchliche Gebäude in der Herrenstraße: siehe Seite 179.

Wenn man nach links in die Herrenstraße sieht, folgen nacheinander das Haus des Kirchners, das Haus des Diakons („Kaplanei“, „Diakonat“), die alte Schule und das Pfarrhaus. Die Bahnhofstraße führt dann weiter in Richtung Osten zum Rathaus.

 

(10) Rathaus: siehe Seite 210.

 

(11) Marktplatz: Kreuzung von Handelsstraßen (siehe Seite 12 bis 14), Gasthaus „Zum Anker“ und „Zum goldenen Löwen“ (siehe Seite 224), Löwenapotheke (seit 1712).

 

(12) Liebfrauenkirche: siehe Seite 37.

 

(13) Amtshaus: siehe Seite 22.

 

(14) Neustädter Mitteltor: Dieses Tor stand an der Steingrabenbrücke. Es hatte ein spitzes Dach und eine Schlaguhr. Es wurde 1834 durch den Brand beschädigt und dann abgetragen.

Neben dem Neustädter Mitteltor stand ein Wehrturm, bei dem auch die Badestube stand mit Scheune und Garten (aber ohne Wohnhaus). Der Bader war von Heerzug und Fronzahlung befreit, mußte aber Frondienste leisten und Erbzins zahlen. Im Jahre 1682 wurde der Befreiungsbrief erneuert, ausgenommen das „Seelbad“. Das war ein kostenfreies Bad, das man zum Heil seiner Seele armen Leuten stiftete (im weiteren Sinn ist es jede Spende zum Heil der eigenen Seele oder der Seele eines Verwandten) (vgl. Seite 31 und 269).

 

Über den Steingraben kommt man in die Neustadt, die aber gar nicht so neu ist, sondern vielleicht seit der Erhebung Greußens zur Stadt besteht. Die Hofapotheke in der Neustadt, früher Adlerapotheke, besteht seit 1699. Nach links ging es zum Clingener Tor, einem der ehemaligen äußeren Torbogen.

 

(15) Clingener Tor in der westliche Neustadt

Die äußeren Torbogen waren verhältnismäßig niedrig und nur Durchgänge durch bewohnte Gebäude und für manche Heuwagen nicht passierbar. Sie besaßen Fallgitter und Zugbrücken und enthielten Wohnungen für die Torwärter. Sie wurden alle zwischen 1730 und 1780 entfernt.

Vor dem Clingener Tor in der Flattigstraße wurde am 23. März 1956 die katholische Kirche „Mater dolorosa“ geweiht.

Man geht aber in der Neustadt nach rechts in Richtung Grüningen. Links zweigt die Straße „Hinter den Wänden“ ab. Dieser Name erinnert an die Salpeterhütte.

(16) Salpeterhütte: Hier stand außerhalb der Stadtmauer um die Neustadt die Salpeterhütte, die 1527 erstmals erwähnt wird und um 1631 eingegangen ist. Hier hat man Salpeter gewonnen aus mit Kalk überzogenen Wänden. Die Straße Neustadt führt weiter nach Osten zu der Stelle, wo früher das Grüninger Tor stand.

 

(17) Grüninger Tor: siehe Seite 81 und 214.

Das Tor stand westlich des Friedhofs und des Schützenhauses. Ein Stein von diesem Tor befindet sich jetzt an der Ostseite des Haus Neustadt 51, allerdings mit Farbe überstrichen. Er wurde 1615 beim Umbau an der Außenseite des Gebäudes eingesetzt und trägt die Buchstaben M.B.B.H. (= „Mathias Bliedung, Bruno Hauer“ oder „Mathis Bliedung, Bauherr“).

Dieses Haus war der sogenannte „Konvent“, ein Armenhaus (Chronik Seite 40). Hier befand sich später das Büro des Elektrizitätswerks, das im Jahre 1899 auf dem Platz hinter dem Armenhaus errichtet wurde.

 

(18) Schützenhaus: siehe Seite 215.

 

(19) Friedhof: siehe Seite 81.

Östlich des Friedhofs - jenseits der heutigen Straße - stand das Hospital.

 

(20) Hospital: siehe Seite 83.

Anschließend an das Hospital wurde 1892-93 ein Krankenhaus erbaut, das bis 1922 in Betrieb war. Dann wurde es zur Schule umgebaut, heute ist dort die Grundschule untergebracht.

Man geht dann wieder ein Stück zurück in die Neustadt und biegt hinter dem ehemaligen Elektrizitätswerk nach links in das Gäßchen ein, das über den Steingraben zur Stadtmauer führt. Nach rechts geht es durch die Stadtmauer in die Mühlgasse.

 

(21) Stadtmühle: Im mächtigen Haus Nummer 3 befand sich die Stadtmühle, die vom Wasser der Baderhelbe betrieben wurde.

 

(22) Fronfeste: An der Nordwestseite der Kreuzung mit der Zwingerstraße stand die „Fronfeste“. Das Gebäude wurde 1837 als Ratsdienerwohnung, Gefängnis und Spritzenaufbewahrungsstätte erbaut.

Das westliche Stück der Mühlgasse hieß früher „Ratsgasse“, weil sie auf den Marktplatz fast auf der Höhe des Rathauses führte.

Durch die Zwingerstraße kommt man auf die Straße „Töpfermarkt“, wo am südlichen Ausgang der Mittelstadt das Altstädter Mitteltor stand.

 

(23) Altstädter Mitteltor: Es stand an der jetzigen Erlenteichbrücke. Es war 20 Meter hoch hatte ein steiles, breit auslaufendes Dach und wurde 1820 abgerissen. Am südlichen Ausgang der Altstadt stand das Erfurter Tor, auch „Schelmentor“ oder „Schindertor“, weil vor dem Tor der „Feldmeister“ sein Anwesen hatte. Am westlichen Ende der Rittergasse, wo sie einen Knick nach Norden macht, stand das Rittertor.

 

(24) Evangelisches Gemeindezentrum: Neben dem Altstädter Mitteltor befindet sich in der ehemaligen Preßlerstiftung das evangelische Gemeindezentrum (früher Diakonissenheim, seit 1912 mit Kindergarten). Im Gemeindesaal steht heute der Altarschrein aus der Hospitalskapelle (siehe Seite 86).

Man geht durch die Anlagen um die Stadt herum und kommt kurz vor der Bahnhofstraße zum Kriegerdenkmal.

 

(25) Denkmäler: Neben der Post steht das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs mit einer Tafel für die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Früher gab es noch ein Kriegerdenkmal an der Nordseite der Kirche für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Heute ist an der Nordwestseite der Kirche ein Kreuz mit einer Dornenkrone von 1957 zum Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Auch südlich des Rathauses stand früher ein Kriegerdenkmal.

Auf der anderen Seite der Bahnhofstraße steht in den Anlagen ein neuer Gedenkstein für die ersten Opfer des Stalinismus in Greußen 1945/46 („Greußener Jungen“).

 

(26) Brühler Pförtchen: An der Bahnhofstraße stand das Brühler Pförtchen. Dieser Durchgang wurde erst um 1600 eingebaut. Nach dem Brand von 1687 wurde das Türchen erweitert und um 1800 der jetzige Eingang zur Stadt zwischen Post und Schule geschaffen. Das Post­ge­bäude wurde 1892 errichtet. Man geht in den Anlagen weiter und sieht rechts die „neue“ Schule.

 

(27) Schule: An der Stelle des Steigerturms der Feuerwehr wurde 1887/88 eine neue Schule errichtet. Die Grundsteinlegung war am 14. April 1887. Es wurden zwölf Klassenräume und eine Aula geschaffen. Die Einweihung war am 28. Juni 1888. Heute ist hier die Regelschule untergebracht.

Von dieser Stelle blickt man hinüber bis zum Stadtgraben. Der Weg führt aber über eine Brücke nach links und am Kindergarten vorbei auf die Lindenstraße und wieder in die Geschwister-Scholl-Straße.

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 I. Von dem Namen der Stadt Greußen und

 von der Herrschaft über sie                                                                                   8

 II. Von dem Stadt-Magistrat, dessen Wappen und Statuten         20
 III. Von der Einführung des Christentums und
  der Reformation Luthers                                                                            24
 IV. Von den Kirchen der Stadt Greußen (Kirche St. Martini)        35
 V. Von einigen anderen zur Kirche gehörenden Dingen                70
 VI. Von den Kirchlichen Ämtern („Kirchendiener“)                          88

VII. Von den beiden hiesigen Schulen und ihren Lehrern                              180

IIX. Von weltlichen Dingen                                                                                  209

 IX. Von großen Wasserfluten und von großem Wassermangel                   222

 X. Von den Feuersbrünsten                                                                                226

 XI. Von ungemein billigen Zeiten und großen Teuerungen                          233

XII. Von dem Kriegswesen und den deswegen erlittenen
  Einquartierungen und anderen Drangsalen                                 237
XIII. Von Sterbefällen und hier gewesenen Pestzeiten                   255

XIV. Von einigen besonderen Todesfällen                                                         259

 

 

 

 

 

 

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