Martin Luther in Schmalkalden

 

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Die Einführung der Reformation in Schmalkalden

Die Bewohner des Schmalkalder Gebiets wurden wohl von iro-schottischen Mönchen zum Christentum bekehrt, vor allem ab 725 von Bonifatius und seinen Mitarbeitern. In Schmalkalden gab es zunächst kein Kloster, denn sonst hätte Kunihild ihre Güter in Schmalkalden nicht dem Kloster Fulda vermacht.

Die erste Kirche war wohl die Kapelle St. Jakob am Schloßberg, die 1319 in das Stift St. Egidii und Erhadi umgewandelt wurde. Dieses war die Zentralkirche der Großpfarrei Schmal­kalden mit Suhl, Ebertshausen, Steinbach (Nachfolger der Urpfarrei Springstille), Schwarza, Christes und Haindorf. Später übernahm diese Rolle die Stadtkirche, die anders als die Kirche der Landesherrschaft auf dem Schloßberg von den Bürgern der Stadt errichtet und unterhalten wurde (daher der Name).

 

Um 1500 (vielleicht schon 1498) wurde Heinrich Wilhelm Ulrich Pfarrer in Schmalkalden. Genauer gesagt: Er wurde Pfarrstelleninhaber, denn in der Hauptsache war er kurfürstlich-kölnischer Rat und Dechant und deshalb dauernd von seiner Pfarrstelle abwesend. Von seinem Kurfürsten wurde er oft zu Gesandschaften gebraucht. Die Pfarrstelle war nur eine zusätzliche Einnahmequelle für ihn. Er ließ sich nämlich in Schmalkalden durch einen Vikar vertreten, der ihm jährlich 40 Gulden Absensgeld (Abwesenheitsgeld) zahlen mußte, dafür aber auch alle sonstigen Einkünfte der Pfarrei erhielt.

Seit 1500 war Heinrich Wilhelm Vikar in Schmalkalden, danach Johannes Winter. Dieser wohnte in der Haindorfsgasse im Haus des alten Buchbinders Antonius Preusser gegenüber dem reformierten Rektorat. Er baute das Haus 1524 neu und versah es an den Kragsteinen mit Kelch und Beil.

In dieser Zeit kam die Gewohnheit auf, daß die Geistlichen nur noch auf den Sonntag Beerdigungen hielten. So konnten sie in der Woche ihre Bequemlichkeit genießen und am Sonntag in einem Abwasch alles erledigen. Dadurch versäumten aber die Leute den Gottesdienst, weil sie alle nur zu den Beerdigungen gingen. Die beiden Landesherrn, Wilhelm von Henneberg und Philipp von Hessen (die Herrschaft Schmalkalden war seit 1360 zur Hälfte hessisch) mühten sich zunächst fruchtlos um die Abstellung dieses Mißbrauchs. Im Jahre 1506 ließen die Fürsten bekanntgeben, niemand könne zu einem Aufschub der Beerdigung gezwungen werden.

Pfarrer Ulrich protestierte dagegen, weil er fürchtete, der Vikar werde ihm wegen vermehrter Arbeit weniger Pacht geben. Er versprach zur Klärung der Sache selbst nach Schmalkalden zu reisen. Allerdings müsse er vorher noch einmal zum Kaiser, das Geschäft sei unaufschiebbar. In Wirklichkeit wollte er aber nur Zeit gewinnen und schrieb an den Bischof von Würzburg und verklagte Stadt und Rat Schmalkalden. Wilhelm von Henneberg aber wies darauf hin, Ulrich habe versprochen, die Sache in Schmalkalden zu klären, da könne er sich nicht an den Bischof wenden. Er kam dann auch überhaupt nicht, es blieb bei dem fürstlichen Befehl. Der Vikar Winter wurde sogar zum Pfarrer ernannt.

Im Jahre 1521 kam es zu einem Aufstand der armen Bevölkerung mit einem Sturm auf die Wohnungen der Geistlichen. Ihm folgte 1524 ein Aufstand der unteren und mittleren Schicht gegen das Stift und seine Kirche und gegen das Augustinerkloster. Im Jahre 1525 wurde das ganze Stift ausgeplündert.

 

Balthasar Wilhelm

Der erste Schmalkalder, der offen für die Reformation eintrat, war Balthasar Wilhelm. Er stammte aus einer alten Ratsfamilie. Sein Großvater war Bürgermeister (Gedenkstein am Chor der Stadtkirche), sein Onkel Gemeindevormund und Bürgermeister. An seinen Vater Jorge Wilhelm erinnert der Grabstein am Chor der Stadtkirche mit dem schräg gestellten Wappenschild und der Hausmarke (Steinzange, von drei Rosen begleitet).

Balthasar Wilhelm besuchte zunächst die Stadtschule und studierte ab Ostern 1511 in Erfurt Theologie. Dabei lernte er vielleicht auch Luther kennen. Am 31. März 1517 übernahm er das St. Katharinenvikanat am Stift (d.h. er mußte an dem betreffenden Altar täglich Gottesdienst halten). Im Jahre 1521 verzichtete er aber auf das geistliche Amt.

Eine 1524 von ihm herausgegebene reformatorische Schrift ,,Prenostication und zukünffiig tzeyte" ist leider verschollen. Im Frühjahr 1525 folgten dann die vier Artikel gegen den Stadtpfarrer Winter und den Prior des Augustinerklosters. Wilhelm übersandte sie seinen Gegnern und auch anderen zur Kenntnis. Seine Thesen lauteten:

1. Jesus Christus hat a l l e Menschen erlöst durch sein Leiden.

2. Getauft werden soll in verständlicher (d.h. deutscher) Sprache.

3. Das Abendmahl ist unter beiderlei Gestalt zu reichen (auch Kelch).

4. Die Seelenmessen und die dabei üblichen Geschäfte sind abzuschaffen.

Doch statt des erwarteten Schutzbriefes erhielt Balthasar Wilhelm einen scharfen Verweis des Henneberger Grafen, datiert von Palmarum 1525 in Schleusingen. Wilhelm von Henneberg bezichtigte Wilhelm des Aufruhrs und ermahnte ihn, sich nicht um solche Sachen zu kümmern. Er solle die Prediger lassen und sich um nichts kümmern und in ihre Predigten nicht hineinreden.

 

                          Wilhelm von Henneberg

 

Balthasar Wilhelm kam also in eine schwierige Lage, aus der er erst durch den Bauernkrieg befreit wurde. Er befand sich unter den vier Abgesandten, die bei Landgraf Philipp um Gnade bitten sollten, weil sich die Stadt den aufrührerischen Bauern angeschlossen hatte.

Um die gleiche Zeit erschien die Schrift „Konjunktionen der Finsternis“ mit einem Neujahrsgruß, in dem Wilhelm sagt: Nicht auf die Sterndeuter ist zu hören, sondern auf Gottes Wort! Er sieht Prophezeiungen auf die gegenwärtigen Verhältnisse voraus und wendet sich gegen die verführten Bauern und gegen die Klöster.

 

Ungefähr im Jahr 1531 hielt er auf vier Tafeln die merkwürdige Vision fest, die im Jahre 1526 der Schmalkalder Bürgermeister Sigmund Gadamar hatte. Er schrieb dann noch ein Buch vom Predigtamt, das Landgraf Wilhelm mit einem anerkennenden Schreiben würdigte. Im Jahre 1546 erleichterte er sich das Herz durch eine Auslegung des 3. Psalms.

Er war nämlich schweren persönlichen Kränkungen durch den Amtmann Melchior von Harstall ausgesetzt. Wilhelm war nämlich 1533 zum Zweiten Rentmeister und 1537 zum Ersten Hessischen Rentmeister eingesetzt worden. Aus einem hennebergischen Vikar war so ein hessischer Beamter geworden. Aber es kam zu Kompetenzstreitigkeiten mit dem herrschsüchtigen Amtmann, der ihm Untreue im Amt vorwarf, weil bei der Abrechnung ein Erbregister fehlte. Eine der Ursachen für die Streitigkeiten scheint ein Zwist mit der Frau des Amtmanns gewesen zu sein.

Im Jahre 1544 wurde Wilhelm Landvogt in Wasungen, wurde aber auch dort verfolgt und zog sich aus dem Staatsdienst zurück. Aber in Schmalkalden mußte er lange auf die Räumung seines Hauses in der Haindorfsgasse kämpfen, in das der neue Rentmeister einfach eingezogen war. Erst 1548 konnte er vom Haus am Schloßberg in das Haus seiner Frau Anna ziehen. Er starb am 7. Juni 1555.

 

Die Durchführung der Reformation in Schmalkalden

Seit 1523 breitete sich die Reformation im Salzunger Raum aus. Schmalkalden aber wurde „von oben“ reformiert. Die Stadt war dabei das Prüffeld für Hessen. Nachdem der eigentliche Pfarrer Ulrich in Köln gestorben war, setzte Landgraf Philipp von Hessen eigenmächtig den Pfarrer Winter ab. Im Mai oder Juni 1525 wurde Wilhelm Gräf (Grebe) aus Hildburghausen als evangelischer Prediger in der Stadtkirche eingesetzt.

 

Erste Reformversuche

 

Das rief natürlich neue Zwietracht unter den beiden Landesherren hervor, nachdem die gemeinsame Verwaltung schon immer schwierig gewesen war. Aber Philipp von Hessen wollte wohl mit einem politischen Schachzug einen Schlag gegen den hennebergischen Mitregenten führen. Außerdem war Schmalkalden für ihn das Prüffeld für die Einführung der Reformation, die im übrigen Hessen ein Jahr später eingeführt wurde, zuerst in Marburg.

Im Jahre 1526 versuchte Wilhelm von Henneberg die Reformation zu unterlaufen. Kurz vor Ostern schrieb er an den Dechanten, die Prozessionen zu den hohen Kirchenfesten müßten eingestellt werden. Ein Jahr später ernannte er Jakob Hartmann zum Prediger am Stift, damit er das Wort Gottes dem Volk „aufs trefflichste und reinste“ vortrage, aber doch so, daß es nicht zu Neuerungen oder gar zum Aufruhr führe.

Doch im Jahre 1528 wollte er wieder die in der Stadtkirche neu eingeführten Bräuche verbieten. Im Jahre 1530 soll er mit dem Saalfelder Amtmann Sigismund von Boineburg über die Einführung der Reformation verhandelt haben, aber er blieb weiter beim katholischen Glauben. Er war nämlich vom Bistum Würzburg abhängig und war deshalb nicht in der Lage, die Reformation im ganzen Land durchzuführen.

Am 8. Juli 1527 einigten sich die hessischen und hennebergischen Räte über die Besetzung der Pfarrstellen: Schmalkalden sollte abwechselnd von Hessen und von Henneberg besetzt werden. Die Filialen Suhl und Schwarza (mit Vikarie Christes) sollte von Henneberg, die Filialen Ebertshausen und Steinbach und die Vikarie Haindorf sollten von Hessen besetzt werden. So geschah es dann auch. In Schmalkalden wurde (nach Gräf) der Pfarrer Hieronymus Pfnör von Henneberg eingesetzt, Caspar Herrnschwager wurde dann wieder von Hessen eingesetzt. Danach wurde Schmalkalden ganz hessisch.

Die Verhandlungen zwischen hennebergischen und hessischen Räten führten 1529/1530 zu dem Kompromiß, daß die Reformation auf die Stadtkirche beschränkt bleiben sollte und die übrigen Kirchen und Klöster nicht reformiert werden durften, besonders auch das Stift in Schmalkalden nicht. Geisthirt urteilt: Die Reformation machte nicht in allen Stücken gute Fortschritte. Auch 1537 waren die Katholiken noch stark in der Stadt.

Die Einwohner wurden jedoch eines Besseres unterrichtet, vor allem durch die Tagungen des Schmalkaldischen Bundes in der Stadt. Vor allem 1537 und 1540 haben viele fremde Prediger und Luther selbst die Lehre der Reformation von den Kanzeln verkündet. Entsprechend einer Forderung der Bundestagung von 1540 wurden auf Befehl des Landgrafen Philipp die Altäre in der Stadtkirche bis auf den Hauptaltar und der Altar in der Sakristei abgebrochen und zusammen mit den Tafelbildern zunächst auf dem Kirchenboden verwahrt.

In Henneberg wurde die Reformation erst durch Georg Ernst durchgesetzt, der 1530 bei der Übergabe des Augsburgischen Bekenntnisses mit dabei gewesen war und sich offen zur Reformation bekannte, als er 1543 zur Regierung kam. Sein Vater stimmte nun auch zu, als er Johann Förster, Doktor der hebräischen Sprache aus Wittenberg, als Reformator ins Land holte. Schleusingen wurde Sitz einer Superintendentur, der seit 1564 „Landesinspektionen“ zugeordnet waren, die man dann auch als „Dekanate“ bezeichnete.

 

Das Stift in Schmalkalden wurde am 14. April 1545 auf Weisung Georg Ernsts reformiert: Die Mönche mußten am 16. Juni ihre Haushälterinnen heiraten und ihre Kinder legitimieren. Ein Teil der Einnahmen des Stiftes wurde zur Aufbesserung der Pfarrgehälter in den Ortschaften und für den Schleusinger Landschulkasten verwendet.

Im Jahre 1552 wurde Christoph Fischer zum Generalsuperintendenten der Grafschaft Henneberg eingesetzt und als Stiftspfarrer nach Schmalkalden berufen. Im Evangelischen Kirchengesangbuch ist er mit dem Lied Nr. 59 vertreten, das er der Gemeinde in Schmalkalden widmete, auch wenn er damals nicht mehr in Schmalkalden war. Er führte 1555 eine Kirchen- und Schulvisitation in Schmalkalden und den anderen Ämtern durch. Dabei zog er auch Vertreter der hessischen Obrigkeit hinzu, damit im umgedrehten Fall auch die Henneberger hinzugezogen würden.

In Schmalkalden wurde über die Entheiligung des Sonntags und die langen Predigten des Archidiakons Steuerlein geklagt, der sich mehr um sein Notariat als um sein Pfarramt kümmere. Im Stift waren erledigte Stellen nicht mehr besetzt worden. Es waren nur noch zwei Chorherren und ein Vikar vorhanden, die mit einer Leibrente abgefunden wurden.

Das Stift wurde weltlicher Besitz. Der Stiftsprediger hielt noch weiter Gottesdienst und wurde auch noch beim Stift beerdigt. Seit 1560 wurden die Stiftshäuser verkauft.

Im Jahre 1560 wollte man auch die Aposteltage abschaffen, weil da die Schmal­kal­der doch nur weidlich söffen, spielten und die Arbeit versäumten. Doch Christoph Fischer hintertrieb den Befehl, weil man wegen des Mißbrauchs diese Tage nicht abschaffen dürfe. Nach und nach wurden die Klöster aufgelöst: Augustinerkloster 1548, Breitungen 1552, Heiliges Grab bei Asbach 1554.

Allerdings gebrauchte man noch lange die Nürnberger Agende, die doch solche Bräuche wie Kreuzschlagen, lateinischer Vespergottesdienst und Exorzismus (Teufelsaustreibung) bei der Taufe beibehielt. Deshalb entwarf Graf Georg Ernst selber eine Kirchenordnung, ließ sie von Wittenberger Theologen begutachten und gab sie 1582 in Druck. Gegen heftigen Widerspruch der Geistlichen seines Landes führte er sie in allen Kirchen ein. Nur der Schmalkalder Stiftspfarrer Alexander Utzinger erklärte sich freimütig für die neue Agende und rechtfertigte in einer Schrift das Unternehmen des Grafen.

 

Der Schmalkaldische BundSchon auf dem Reichstag zu Worms, auf dem Luther so standhaft seine Sache vertreten hatte, war den Evangelischen ihre neue Lehre verboten worden. Deshalb verbündeten sich 1526 in Gotha und Torgau die führenden evangelischen Länder Kursachsen und Hessen, andere schlossen sich an. Der Reichstag zu Speyer verbot 1529 wiederum alle kirchlichen Neuerungen und wollte die Messe wieder einführen, wo sie schon abgeschafft worden war. Gegen diesen „Abschied“ (Beschluß) protestierten verschiedenen Länder und Städte und erhielten seitdem den Namen ,,Protestanten“. In Speyer hatte man Strafen bis zur Reichsacht angedroht. Über das Reichskammer­gericht versuchte man, den evangelischen Fürsten die eingezogenen geistlichen Güter wieder abzunehmen. Dadurch verstärkten sich die Bündnisbestrebungen der Protestanten. Schon in Speyer hatte man geheime Abmachungen getroffen: Man wollte sich in einer günstig gelegenen Stadt treffen.

So kam es am 28. November 1529 in Schmalkalden zu einem vorbereitenden Treffen, zu dem der hessische Landgraf die Einladung aussprach. Man verhandelte über die Erweiterung des Torgauer Bündnisses. Teilnehmer waren Kursachsen, Hessen, Braunschweig-Lüneburg, Brandenburg-Ansbach und die Städte Straßburg, Nürnberg, Ulm, Konstanz, Heilbronn, Reutlingen, Memmingen, Lindau und Kempten. Einige Gesandte wollten sich vor einem Beitrittt zu einem Bündnis erst über die Glaubensartikel einigen. Andere wollten auf jeden Fall ein Bündnis schließen. Man arbeitete 17 Artikel aus, aber eine Einigung kam nicht zustande, weil die Anhänger Luthers und Zwinglis zu sehr in Religionsfragen zerstritten waren. Wer einem Bündnis beitreten wollte, sollte am 6. Januar 1530 seine Gesandten nach Nürnberg schicken.

Nach außenpolitischen Erfolgen wollte Kaiser Karl V. die deutschen Probleme zu einer Klärung bringen und berief dazu ab 20. Juni 1530 einen Reichstag nach Augsburg ein. Dort wurde am 25. Juni das Augsburgische Bekenntnis (CA) übergeben, kurz darauf ähnliche Bekenntnisse der Oberdeutschen und Schweizer. De Reichstagsmehrheit billigte am 19. November einen Abschied, der die Einberufung eines allgemeinen Konzils vorsah, bis zu dem alle Neuerungen verboten sein sollten. Bis 15. April 1531 wurde den Protestanten Zeit gelassen, den Beschlüssen von Augsburg zuzustimmen.

 

Unter dem Druck dieser offenen Kampfansage kamen die Protestanten am 22. Dezember 1530 zu einem Konvent im Gasthof „Zur Krone“ in Schmalkalden zusammen. Es war die erste offizielle Tagung und der zweite Konvent. Jetzt gelang es erstmals, eine größere Zahl zu einem Bündnis zu vereinen. Teilnehmer am Gründungsvertrag waren Kursachsen, Braunschweig-Grubenhagen, Braunschweig-Lüneburg, Hessen, Anhalt-Bernburg, Albrecht von Mansfeld, Gebhard von Mansfeld und die Städte Straßburg, Ulm, Konstanz, Reutlingen, Memmingen, Lindau, Biberach, lsny, Magdeburg, Bremen und Lübeck.

Der Abschied wurde am 31. Dezember 1530 verabschiedet. Es unterschrieben die anwesenden Fürsten und die Bevollmächtigten von Magdeburg und Bremen, die übrigen Städte unterschrieben nicht. Dafür wurden andere Städte und Staaten zum Beitritt eingeladen. Im Jahr 1531 traten noch die Städte Braunschweig, Göttingen und Eßlingen bei, Anfang 1532 noch Goslar und Einbeck.

Der Bund wurde für einen Zeitraum von zunächst sechs Jahren geschlossen. Man versprach sich gegenseitigen Schutz gegenüber Angriffen des Kaisers und wollte die Verbreitung des evangelischen Glaubens absichern. Man beschloß, eine gleichförmige Kirchenordnung zu errichten, gegen die Wiedertäufer vorzugehen und das Bündnis geheimzuhalten. Als offizielles Datum für den Bundesschluß gilt der 27. Februar 1531, als die Urkunden in insgesamt 18 Exemplaren in der Kanzlei in Torgau ausgestellt wurden.

Zu Beginn des Jahres 1531 erklärten die oberdeutschen Städte ihre Bereitschaft, dem Bund beizutreten. Nürnberg, Windsheim und Weißenburg lehnten ab. Auch Brandenburg-Ansbach und Dänemark lehnten ab, standen aber der Sache positiv gegenüber. Die Aufnahme der Schweizer wurde vom Bündnis abgelehnt. Luther gab seine Zustimmung zu dem Defensivbündnis.

 

Am 29. März 1531 kam man zum dritten Konvent in Schmalkalden zusammen und die ersten Besiegelungen wurden im Gasthof „Zur Krone“ vorgenommen. Dänemark, Pommern und Mecklenburg wollten nicht beitreten, aber auch keine Hindernisse entgegenstellen. Bei Religionsprozessen wollte man die Zuständigkeit des Reichskammergerichtes anzweifeln. Die Benennung von Rechtsanwälten und die Aufstellung eines Heeres wurden beschlossen.

Der vierte Konvent war im August 1531 (Abschied vom 1. September) (Es wird hier die Zählung der Konvente nach Geisthirt verwendet, andere zählen die erste Zusammenkunft im Jahre 1529 nicht mit). Man verhandelte über einen lnterimsfrieden (Zwischenfrieden) wegen eines Türkeneinfalls.

Am 3. August 1532 kam der Nürnberger Religionsfrieden zustande, in dem der Kaiser den Protestanten bis zu einem allgemeinen Konzil die freie Religionsausübung zugestehen mußte. Beim fünften Konvent am 24. Juni 1533 gab man dem Papst zur Antwort, man werde nur einem wirklich freien Konzil zustimmen. Außerdem brachte man den Verfassungsbeschluß zustande.

Bis 1534 fielen fast ganz Norddeutschland, Kleve, Anhalt und Schlesien der Reformation zu. Dem Herzog Ullrich von Württemberg verhalf man wieder zu seinem Land. Allerdings mußte er dafür 1536 die Wittenberger Konkordie einführen, wodurch die radikale Richtung des Schweizer Reformators Zwingli in den oberdeutschen Städten eingedämmt wurde. Die Konkordie war ein Glaubensbekenntnis und eine Kirchenordnung und besiegelte den Sieg der Fürstenreformation über die bürgerlich-radikale Reformation.

Überhaupt muß man sagen: Der Schmalkaldische Bund begünstigte zwar die Ausbreitung der Reformation, nahm ihr aber auch etwas die soziale Komponente, weil er ein Fürstenbund war. In dem Gegensatz zwischen Fürsten und Städten behielten immer die Fürsten die Oberhand. Die führenden Köpfe waren Philipp von Hessen und Johann Friedrich von Sachsen. Der Bund konnte trotz Spannungen seinen politischen Einfluß erweitern. Er war zunächst ein politisches, dann auch ein militärisches Machtinstrument. Schließlich bemühten sich auch die ausländischen Mächte um eine Aufnahme.

 

Beim sechsten Konvent ab 6. Dezember 1535 waren 15 Fürsten, 2 Grafen und Vertreter von 22 Städten erschienen, dazu Abgesandte des Königs von England (7. Dezember) und des Königs von Frankreich (10. Dezember). Der König von England wurde aufgenommen und versprach 100.000 Taler jährlich (Handy/Wahl: Nur Dänemark wurde 1538 aufgenommen, weil man den Ausländern keinen Einfluß geben wollte).

Die Bundesverfassung wurde ausgefertigt und der Bund von 1531 auf zehn Jahre verlängert. Bundeshauptleute waren der Kurfürst von Sachsen und der Landgraf von Hessen. Bei Feldzügen im Norden sollte der Kurfürst, bei solchen im Süden der Landgraf den Befehl haben. Bei einem allgemeinen Krieg sollte auch Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg für die Wahl des obersten Feldhauptmanns zur Verfügung stehen. Für den Ernstfall war eine ,,eilende Hilfe" von 10.000 Mann Fußvolk und 2.000 Mann Reiterei vorgesehen.

Kursachsen und Hessen hatten im Bundesrat zwei Stimmen, die anderen Fürsten und Grafen je eine Stimme und die Städte zusammen vier Stimmen. Auch hier setzten sich also die Fürsten wieder durch, zumal die Städte sich zur Aufbringung der gleichen Geldmittel wie die Fürsten verpflichten mußten. Trotz zahlreicher Mängel und eines oft nur schwerfälligen Handelns und vieler Schwierigkeiten existierte nun doch eine Machtkonzentration der evangelischen Stände, mit der auch der Kaiser rechnen mußte. Er hatte ein Konzil ernstlich zugesagt und befand sich schon in Mantua. Aber man sagte seinen Gesandten, das Konzil müsse in Deutschland sein.

 

Beim siebten Konvent zu Michaelis 1536 wurde die Verlängerung des Bundes feierlich beurkundet (nach Geisthirt wurde erst hier die Bundesverfassung aufgesetzt). Die Bundesverfassung wurde durch das ,,Coburger Kriegsregiment" ergänzt und in den Punkten überarbeitet, die die Mobilmachung betrafen.

Die glanzvollste Versammlung war die Schmalkalder Tagung von 1537, der achte Konvent. Damals reichte die Lokalgeschichte in die Nationalgeschichte hinein. Es waren 18 deutsche Fürsten und Vertreter von 28 Reichs- und Hansestädten, 42 Theologen, der Vizekanzler des Reichs und (zeitweise) der päpstliche Gesandte anwesend.

Der Schmalkaldische Bund befand sich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Pommern war beigetreten, dazu die Städter Augsburg, Frankfurt (Main). Kempten, Hannover, Hamburg, schließlich auch Dänemark und Schweden.

Papst Paul III., der an bescheidenen Reformen interessiert war, lud am 2. Juni 1536 mit einer Bulle zu einem Generalkonzil für den 23. März 1537 nach Mantua ein. Dafür mußten die Protestanten ihren Standpunkt neu feststellen. Das Augsburger Bekenntnis und die Wittenberger Konkordie erschienen ihnen jetzt zu kompromiß­le­risch. Die Theologen sollten ein neues Gutachten abgeben.

Vor allem schaltete man auch Luther selber ein. Schon am 24. Juni und 1. Dezember 1536 forderte Johann Friedrich von den Theologen seines Landes eine Fortentwicklung der Bekenntnisse. Am 11. Dezember 1536 bewog er Luther in Torgau, seine Ansichten niederzulegen. Seine Beweggründe waren: Ein Konzil sollte abgelehnt werden und der Bund dagegen gestärkt werden. Außerdem sollte die Stellung des hessischen Landgrafen geschwächt werden. Dieser hatte zwar nur ein kleines Land und war nicht Kurfürst. Aber er hatte ein gutes Verhältnis zu den Süddeutschen und war ein bedeutender Fürst. Wenn aber alle auf e i n Bekenntnis geeint wären, bedeutete das eine Stärkung des Bundes und auch des sächsischen Kurfürsten.

Anfangs wurde der Auftrag an Luther aber noch geheimgehalten. Am 15. Dezember 1536 lud Luther dann Agricola, Amsdorf und Spalatin für den 28. Dezember nach Wittenberg ein. Mit Melanchthon und den anderen Wittenbergern waren es insgesamt acht Theologen. Luthers spätere Schmalkaldische Artikel kamen also durchaus unter Mitarbeit anderer Theologen zustande. Die Verhandlungen zogen sich allerdings hin.

Vor allem das Abendmahl und der Vorrang des Papstes waren strittig. Melanchthon unterschrieb dann Luthers Artikel nur mit Vorbehalt, obwohl der Kurfürst eine eindeutige Stellung von seinen Theologen verlangte. Am 3. Januar 1537 gingen die Artikel an den Kurfürsten, der sie billigte. So hatte man eine Gesprächsgrundlage für den nächsten Konvent, der vom  7. Februar bis 6. März 1537 in Schmalkalden stattfand.

Die Stadt war gut geeignet für solche Zusammenkünfte. Sie lag verkehrsgünstig an der Kreuzung der Straße Braunschweig - Nürnberg und Frankfurt - Leipzig. Vor allem der noch zögernde Kurfürst von Sachsen hatte keinen Vorwand zur Absage, denn der Weg war auch für ihn nicht zu weit. Selbst die Henneberger Grafen mußten aus Höflichkeit erscheinen und wurden so mit der evangelischen Lehre bekannt. Philipp von Hessen wollte aber nicht in seine Hauptstadt Kassel einladen, damit die anderen nicht von vornherein den Verdacht hatten, er strebe noch mehr Gewicht im Bund an. Schmalkalden war die zweitgrößte Stadt seines Landes mit knapp 5.000 Einwohnern, mit zahlreichen großen Gebäuden für die Beratungen und die Unterbringung der Abgesandten, eine Stadt mit einigen gepflasterten Straßen und einer Wasserleitung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Rundgang durch Schmalkalden stellt die Gebäude vor und berichtet über ihre Verbindung zu Luther und den Versammlungen in Schmalkalden:

 

1. Stadtkirche St. Georg:

Eine Pfarrkirche bestand in Schmalkalden wohl schon im 11. Jahrhundert (Jahreszahl 1075 am Eingang zum Südturm). Im 12. Jahrhundert wurde die romanische Georgskirche gegründet. Das Patronat entsprach dem der Hauptkirche in Eisenach, dem Sitz der Thüringer Landgrafen (Daß aber die vielen Mariendarstellungen in der Kirche auf eine „Marien­­kirche“ hindeuten, ist nicht zwingend, weil die Marienfrömmigkeit in allen Kirchen eine große Rolle spielte).

                                     Stadtkirche um 1600

 

Von dieser früheren Kirche ist der untere Teil des Südturms erhalten (nicht viel vor 1200), der dann in die Fassade der spätgotischen Hallenkirche einbezogen wurde. Der Bau der heutigen gotischen Kirche wurde 1437 mit dem Chor begonnen. Das zeigt die Inschrift am ersten südlichen Chorpfeiler. An der Nordseite des Chores befinden sich bei einer Konsole die Grabsteine von Vater und Onkel von Balthasar Wilhelm (Inschrift „jörg willem“ und Wappenschild).

Stadtkirche vom Altmarkt aus

 

Der Dachstuhl war 1496 in Arbeit, danach begann die Einwölbung. Der Chor wurde 1500 durch den Bischof von Würzburg geweiht. Der Nordturm wurde bis zum Jahre 1447 errichtet.

Er stürzte 1564 bis zur Hälfte ein und wurde erst 1748 und 1851 in der heutigen Form wieder aufgebaut. Er trägt die „Groß-Oster-Glocke“ von 1852, Nachfolgerin der Stiftsglocke, die 1585 auf diesen Turm gebracht wurde und 1847 zersprang. Sie ist die zweitgrößte Glocke Thüringens.

 

Der Südturm wurde 1570/71 bis zur Höhe des zweiten Obergeschosses abgetragen und mit Steinen des abgerissenen Augustinerklosters neu gebaut. Der Dachreiter der Kirche birgt seit 1467 die Uhr mit der Inschrift „memento mori“ („denk an den Tod“). Unter der Uhr ist der Tod zu sehen, der mit der Sense nach dem Reifen in der Hand einer Jungfrau schlägt (der Reifen ist ein Symbol des Lebens).                      

 

Auch nach außen ist die Südseite reicher ausgestaltet, weil das die Schauseite zum Markt ist (sonst eher die Westseite). Zu den Versammlungen des Schmalkaldischen Bundes hatte die Kirche schon das heutige Aussehen, nur die Türme hatten wohl spitze Helme.           

 

Zwischen Chor und Türmen blieb nur wenig Platz, so daß der Grundriß des Schiffes fast quadratisch wurde. Alle drei Schiffe haben annähernd die gleiche Höhe der Gewölbe, wodurch der Eindruck einer Hallenkirche entsteht.

 

Die Gewölbe sind unterschiedlich gestaltet: im Mittelschiff Schlingenmuster, im nördlichen Seitenschiff einfaches Netzmuster, im südlichen Seitenschiff jedes Joch ein reich geformtes Sterngewölbe, im Chor wieder Netzmuster.

 

Eine  steinerne Kanzel stand ursprünglich am zweiten südlichen Pfeiler, wo jetzt das Bildnis Luthers in Stein gehauen ist. Die heutige Kanzel ist von 1669, der Taufstein und der Gotteskasten von 1560, der Kronleuchter von 1642.

 

 

Am 9. Februar 1608 wurden auf Befehl des calvinistischen und daher bilderfeind­lichen Landgrafen Moritz von Hessen zahlreiche Kunstwerke aus der Kirche entfernt, darunter die Altäre auf dem Kirchenboden, die Bilder an den Außenwänden und eine plastische Darstellung der Ölbergszene, von der die Gestalt eines schlafenden Jüngers rechts neben dem Westportal noch ein Rest sein könnte. Erhalten blieben dennoch ein Meßgewand, mehrere Ölbilder, sein Schnitzaltar, ein Schmerzensmann, Musikinstrumente und anderes.

Sie befinden sich heute in dem Raum über der Sakristei, der ursprünglich Paramentenkammer (für die Altarbehänge) und Bibliothek war und seit Mitte des 19. Jahrhunderts „Lutherstube“ genannt wird. Daß Luther von hier aus durch das akustisch sehr ungünstige Fensterchen den Gottesdienst verfolgt habe, ist sehr unwahrscheinlich. Die Kirchenbibliothek enthält eine Reihe von Drucken aus dem 15. und 16. Jahrhundert (viele noch in alten Einbänden), ein altes Meßbuch und Notenhandschriften.

 

Schnitzaltar im Kirchenmuseum („Lutherstube“)

 

Bei der Renovierung 1899 wurden die Tafelbilder an den Emporen durch Umdrehen der Platten wieder sichtbar gemacht und die neuen Figuren im Chor aufgestellt. Nach den Zerstörungen des Krieges erfolgte 1959 bis 1964 eine umfassende Wiederher­stellung: Die Emporen wurden erneut verändert, eine neue Orgel mit 39 Registern von der Firma Schuster errichtet, drei Fenster im Chor und das Westfenster wurden mit Glasgemälden von Carl Crodel versehen.

 

In der Stadtkirche hat Martin Luther zweimal gepredigt. Er war am 31. Januar 1537 in Wittenberg aufgebrochen und über Altenburg und Eisenach nach Jena gekommen, wo er mit dem Kurfürsten zusammentraf, der mit ihm nach Schmalkalden weiterreiste. Am 7. Februar trafen sie in Schmalkalden ein. Am nächsten Tag ging Luther zum Gottesdienst, als Spalatin predigte.

Am 9. Februar predigte Luther selber. Das Thema ist nicht bekannt. Doch er sagte, die Akustik von der Kanzel sei sehr schlecht gewesen, er habe eine „Stimme wie eine Spitzmaus“ gehabt. Am 18. Februar predigte er dann noch einmal in der Stadtkirche. Der Text der Predigt über Matthäus 4, 1-11 ist überliefert, die Predigt wurde auf Vormittag und Nachmittag verteilt.

Insgesamt waren zwölf Theologen anwesend, darunter Luther, Melanchthon, Bugenhagen, Myconius, Spalatin, Agricola, Bucer, Osiander, Amsdorf und Lang. Dazu Gelehrte wie Johannes Stigelius und Eobanus Hessus. Sie alle predigten in der Stadtkirche, aber auch der Stadtpfarrer Wilhelm Gräf.

 

 

2. Dekanatsgebäude:

Das Haus war Pfarrhaus der Stadtkirchengemeinde, ursprünglich Wohnung des lutherischen Pfarrers, dann Sitz des reformierten Inspektors. Es ist 1669 erbaut und wurde im 17. Jahrhundert um ein Stockwerk erhöht. Nördlich neben dem Dekanat ist die ehemalige Stadtschule.

                    

      Dekanatsgebäude                                     Ehemalige Stadtschule

 

3. Reformierte Schule:

Die Inschrift an der Eingangstür lautet. „Dieses Haus wurde neu gebaut für die Kenntnis der Frömmigkeit und Religion, für die Sitten und das Lernen“.

        

 

4. Rathaus:

Das älteste Rathaus stand vermutlich an der Stelle des heutigen Ratskellers. Vielleicht hat man auch zu Luthers Zeiten dort schon getrunken, denn die Stadt hatte den Gästen immerhin 1.000 Liter Wein zum Trinken vermacht.

Eobanus Hessus jedenfalls schrieb am 17. Februar 1537 aus Schmalkalden: „Wir sind durch Gottes Gnade wohlauf und zechen auf dieser Tagung in Schmalkalden wacker und sind weise!“ Es müssen einige hundert Teilnehmer an der Tagung gewesen sein. Angeblich soll es 21 Gasthöfe in der Stadt gegeben haben. Aber die Gäste wohnten vornehmlich in den etwa 200 „Freihäusern“, die eigenes Braurecht hatten.

 

 

In der Mitte der heutigen Häuserzeile steht das gotische Rathaus, in dem der Stadtrat im Jahre 1419 zum ersten Mal tagte. Das Erdgeschoß bestand aus einer offenen Halle, die bis in den heutigen Ratskeller hineinreichte. Im ersten Obergeschoß war zunächst auch ein großer ungeteilter Saal. Doch wurde dort 1472 die „große Ratsstube“ mit breitem, zehngeteilten Fenster eingebaut und 1473 eine kleine Ratsstube. Im zweiten Obergeschoß waren die Rüstkammern.

Die große Ratsstube wurde 1917 zu einer Gedächtnishalle zur Erinnerung an den Schmalkaldischen Bund mit zahlreichen Wappen und Porträts der Fürsten und Städte eingerichtet, wovon aber heute nichts mehr erhalten ist.

Der südliche Teil der Häuserzeile ist das sogenannte „neue Rathaus“, nach einem Brand von 1901 in den Jahren 1903 bis 1905 errichtet. Früher stand hier das städtische Waage- und Kaufhaus mit Tanzsaal, Archiv und Weinkeller von 1600. An der Südseite ist noch ein Inschriftstein zu sehen. An der inneren Südwand des Ratskellers befindet sich die Darstellung eines bärtigen Mannes mit Weinreben im Mund.

 

 

Das Wandbild in der Eingangshalle wurde in den 30iger Jahren von dem Schmal­kalder Kunstmaler Carl Simon geschaffen in Anlehnung an Stiche von Dilich und Merian:

Im Treppenhaus des Rathauses sind noch Inschrifttafeln aus der 1901 abgerissenen alten Kemenate hinter dem Rathaus und ein steinerner Löwe von 1583 vom Auer-Tor zu sehen.

 

 

Nach einem Gottesdienst in der Stadtkirche wurde am Nachmittag des 10. Februar die Bundestagung in der „vorderen Stube“ des Rathauses (große Ratsstube, Audienzsaal) eröffnet. Der kursächsische Kanzler Brück hielt die Eröffnungsrede. Brück ging dabei von Luthers Artikeln aus, die aber noch gar nicht öffentlich verbreitet waren. Er wollte ihre Anerkennung als Bekenntnisschrift erreichen. Doch die Abgesandten hatten dazu keine Vollmacht.

Melanchthon hatte gleich Philipp von Hessen in Kenntnis gesetzt, und dieser informierte über die Straßburger die Städte. Es regte sich wieder das Mißtrauen der Städte gegenüber den Fürsten, denn sie fürchteten, bei einem Konflikt zuerst in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt zu werden und beharrten deshalb auf dem Augsburgischen Bekenntnis. Auch standen sie in der Abendmahlslehre doch Zwingli näher. So war das Vorhaben im Grunde von Anfang an gescheitert.

Am 13. Februar trug der Kaiserliche Gesandte Mathias Heldt eine Botschaft Kaiser Karls vor, am Vormittag dem Landgrafen von Hessen und dem Kurfürsten von Sachsen, am Nachmittag den übrigen Fürsten und Städten: Auf Veranlassung des Kaisers habe der Papst auf den 13. Mai 1537 ein Konzil nach Mantua in Ober-Italien einberufen. Der Kaiser fordere die Protestanten auf, diese Kirchenversammlung zu besuchen, damit die religiösen Streitigkeiten beigelegt werden können.

Am 24. Februar lehnte man jedoch ein Konzil in Italien ab, weil dort nicht genug Sicherheit für Leib und Leben gegeben sei. Deutsche Angelegenheiten sollten auf deutschem Boden geregelt werden. Man lehnte auch die Stellung von Truppen gegen die Türken ab, hätte aber sicher im Ernstfall eingegriffen. Und man wies den Vorwurf Karls V. ab, man wolle ja nur das Kirchengut haben, mit dem Argument, daß es ja auch in katholischen Erzbistümern Säkularisationen gebe.

 

5. Totenhofskirche:

Im Jahre 1540 wurde der Friedhof vor die Stadt verlegt. An der Stelle der Heilig-Kreuz-Kapelle beim Quidenborn wurde 1541 eine Friedhofskirche erbaut, in der man die Sakristei der alten Kapelle erhielt. Die jetzige Totenhofskirche wurde 1760 erbaut, die Steinkanzel ist von 1680. Die Kirche enthält zahlreiche Grabmäler, die für die Kostümgeschichte von großem Interesse sind.

 

6. Sankt-Gehilfen-Kapelle:

Südlich des Bahnübergangs bei den dortigen Teichen ist der Siechenrasen. Dort wurde beim „Siechenhaus“ die „Sankt-Gehilfen-Kapelle“ erbaut, für die der Rat 1397 eine „ewige Messe“ stiftete, für die er einen Priester anstellen durfte. Die Kapelle wurde von der Brüderschaft St. Jost in Schmalkalden als Gottesdienststätte genutzt und 1538 abgebrochen. Auf dem Fried­hof bei der Kapelle wurde 1570 noch einmal ein Selbstmörder begraben.

 

Noch weiter draußen im Stadtteil Aue ist die christliche Pflegeanstalt, die von den Baptisten geführt wird. Noch weiter draußen im Stadtteil Aue ist die christliche Pflegeanstalt, die von den Baptisten geführt wird.

 

7. Sankt-Nikolai-Kapelle:

Im nördlichen Teil des Postamtes am Markt stand die Sankt­ Nikolai-Kapelle, in der die Leute opferten, die über den Thüringer Wald reisen wollten. Sie wurde wahrscheinlich im 14. Jahrhundert erbaut, denn 1376 wurde eine Vikarie dafür gestiftet. Im Jahre 1480 wurde sie neu errichtet.

Sie war noch in den Mauern der Holffoth‘schen Schmiede erhalten. Daneben war an der Stelle des Eichel‘schen Hauses ein kleiner Friedhof, über den man durch das Galgentor zum Galgenberg kam. Die Kapelle wurde 1538 abgerissen und der Platz in eine Pferdeschwemme verwandelt, ein Zeichen für den Fortschritt der Reformation auch in den anderen Kirchen.

 

Mit dieser Kapelle und ihrem Friedhof stand vielleicht eine „Terminei“ der Meininger Franziskaner in Verbindung. Das war ein Haus, in dem die erbettelten Spenden gesammelt wurden. Diese Terminei soll in der Nähe des Auer­ Tores gestanden haben. Vielleicht ist sie auch in den Resten einer Kapelle am Brock‘schen Haus identisch (Chorraum in der Stadtmauer erhalten).

 

8. Gasthof „Zur Krone“:

An der Stelle des heutigen Finanzamtes stand das älteste und stattlichste Gasthaus in Schmalkalden, das Haus „Zur Krone“. Es war ursprünglich ein Fachwerkbau mit Erker und wurde am 12. April 1880 samt „Lutherstube“ abgerissen. Erhalten blieb nur das Hessenwappen von 1695. Der Name ist aber bis heute bekannt geblieben, denn eine Reisegruppe aus den USA meldete 1982 beim Reisebüro ein Essen im Gasthof „Zur Krone“ an.

 

Hier fand ein Teil der Tagungen des Schmalkaldischen Bundes statt (wegen der guten Gastronomie?). Die Vertreter der „Stände“ (Adel, Geistlichkeit, Bürger) berieten im Rathaus, in der Burg, in der ,,Krone“, im Haus des Vizebürgermeisters Herz. Die Kommissionen tagten im Brock‘schen Haus (Auergasse 3).

Auf der anderen Seite des Gasthofs steht die Todenwarth‘sche Kemenate aus dem 16. Jahrhundert an der Stelle eines ehemaligen Herrenhofs.

 

Durch die Mohrengasse geht man über die Salzbrücke in die Steingasse.

 

 

9. Alte Superintendentur:

Das Haus Steingasse 8 (lange Zeit Stadtcafé) war eine Zeit lutherische Superintendentur, nachdem man das eigentliche Gebäude am Kirchhof an die Reformierten hatte abgeben müssen. Die Bürgerschaft war aber weitgehend lutherisch und besorgte ihrem geistlichen Oberhaupt diese gute Wohnung mit Stuckdecke.

Ein bezeichnendes Licht auf die konfessionellen Verhältnisse späterer Jahrhunderte wirft folgende Anekdote: Ein Händler pries seinen Scheuersand an. Doch der Lutherische Inspektor, der den Mann als Reformierten kannte, rief aus dem Fenster: ,,Ich kaufe keinen reformierten Sand!“

 

Der andere Ausgang des Hauses führte in die frühere Judengasse, wo an der Stelle der heutigen Autowerkstatt die Synagoge stand. Ihre Zerstörung am 9. November 1938 war der Auftakt zur Verschleppung und Ermordung der Schmalkalder Juden durch die Nazis. Ein jüdischer Friedhof war hinter dem Haus Stiller Tor 3, heute besteht noch der jüdische Friedhof im Eichelbach.

 

 

Die Synagoge stand in der Straße „Hoffnung“ (früher Judengasse). Heute ist hier eine Autowerkstatt, an der eine Gedenktafel angebracht ist. Die Erinnerung an die jüdische Gemeinde ist ein Anlaß, auf Luthers antijüdische Haltung besonders in seinen späteren Jahren hinzuweisen. Hier war er ganz von Vorurteilen seiner Zeit und vieler Jahrhunderte umfangen.

 

10. Rosenapotheke / Melanchthonhaus:

Das Haus in der Steingasse wurde 1545 durch Reinhard Olff erbaut (Hausmarke), wohl mit Benutzung älterer Teile. Es war Poststelle und seit 1664 Apotheke. Im Erdgeschoß befinden sich neben dem gotischen Einfahrtstor (besonders gut vom Hof aus zu erkennen) drei Räume mit Kreuzgewölben. Die Staffeln der Giebelwände sind nur nach einer Seite zu abgeschrägt.

Das Haus wird auch als „Melanchthonhaus“ bezeichnet. Doch 1537 wohnte der Reformator im Hoffmann‘schen Haus am Neumarkt. Aber 1540 könnte er in dem Haus gewohnt haben, das an der Stelle der heutigen Rosenapotheke stand, oder auch im Hinterhaus, wo am Eingang Stumpfelsgasse die Jahreszahl 1539 steht und wo man auch ein Melanchthonzimmer zeigte, von dem noch ein Teil der Wandvertäfelung aus dem 17. Jahrhundert im Schloß erhalten ist.

 

 

11. Lutherhaus:

Am Töpfermarkt, der seit 1837 „Lutherplatz“ heißt, steht das Haus des Hessischen Rentmeisters Balthasar Wilhelm, in dem Luther während seines Aufenthaltes im Jahre 1537 wohnte. Das war eine große Ehre und Genugtuung für den ersten Schmalkalder Geistlichen, der offen für die Reformation eintrat.

Wahrscheinlich hat Wilhelm selber um 1520 das Haus bauen lassen, denn er ließ im Jahre 1538 am Erdgeschoß sein Familienwappen anbringen: eine Steinzange mit zwei Rosen zu beiden Seiten, darüber die Jahreszahl 1538, darunter eine steinerne Rundmarke, die von drei Halbkugeln eingefaßt ist. Heute ist dort außerdem noch eine Gedenktafel angebracht.

Das Haus ist ein Ständerriegelbau auf niedrigem Steinsockel, ein Lehmfachwerkbau mit vorgekragten Geschossen unter einem abgewalmten Satteldach. Durch das Haustor am Schloßberg betrat man den mit großen Sandsteinplatten ausgelegten Flur, der bis an die Torfahrt an der anderen Seite des Hauses ging (das Neben­gebäude stand noch nicht, diese Wand ist massiv gemauert).

 

Das Fachwerk ist allerdings nicht mehr original, wie ein Vergleich mit früheren Zeichnungen zeigt. Das Hinterhaus jedoch ist das älteste Wohnhaus in Schmalkalden, etwa 1400 bis 1430 entstanden und mit dem Vorderhaus dann zu einer Einheit verbunden.

An der Schloßbergfront tragen die beiden mittleren Knaggen menschliche Gesichter (Mann und Frau), die äußeren zeigen Löwenfratzen. Rechts vom Hauseingang des Vorderhauses waren zwei etwas erhöht liegende Zimmer. Hinten führte eine Treppe in einmaliger Brechung zum großen Flur im ersten Obergeschoß. Dieser hatte nach dem Schloßberg zu vier große Fenster und war neunmal neun Meter groß.

 

                  Obere Diele im Lutherhaus

 

Hier spielte sich das häusliche und gesellschaftliche Leben ab. Auf dem Flur des zweiten Obergeschosses hielt Luther am 11. Februar 1537 vor den Fürsten und Theologen eine Predigt über die Auslegung der Glaubensartikel, die unter dem Titel gedruckt ist: „Auslegung des Glaubens durch Doktor Martinum Lutherum zu Schmalkalden ins Rentmeisters Hause Ao 1537“.

Luther bewohnte die beiden vorderen Zimmer des zweiten Obergeschosses. Im Alkoven des nach dem Schloßberg zu gelegenen Raumes stand nach der Überlieferung sein Bett. Zu den Legenden gehört aber wohl der angebliche Ausspruch Luthers: „Gastfreund, flieh die hessischen Betten" sowie das „winterfeuchte Bett“ und das „schwere Schmalkalder Brot“.

 

Die Stuckdecke aus der Renaissancezeit zeigt in den Mittelfeldern das Wappen des Landgrafen von Hessen sowie die Wappen der Reformatoren Luther und Melanchthon. Die übrigen fünf Deckenbilder sind von stilisiertem Blattwerk eingefaßt, das von Löwen- und Engelsköpfen unterbrochen wird. Das Nebenzimmer hat eine noch prächtigere Barockdecke.

 

In der Diele sind über den vier Türen die vier Jahreszeiten durch Engelsgestalten dargestellt (vorne Frühling und Sommer, hinten Herbst und Winter). In der Diele nach dem Alkoven zu befinden sich heute auch die Reste der acht farbigen Glasfenster, die Balthasar Wilhelm 1538 in Erinnerung an den großen Tag an den Vorderfenstern hatte anbringen lassen (sie zeigen Porträts oder Wappen von Fürsten und die Opferung Isaaks).                               

 

An der Außenwand des zweiten Obergeschosses ließ der spätere Besitzer Reinhard Stiefel 1687 eine große Gedenktafel anbringen (1,75 Meter hoch), von dem gleichen Stukkateur, der auch die Decken im Inneren gemacht hat. Sie trägt die Inschrift: „Versammlungshaus der Evangel. Stände u. Theologen bei Verfertigung der Schmalkald. Articul. Anno MDXXXVII“.

Diese Inschrift ist allerdings historisch nicht ganz richtig, denn die Verhandlungen fanden vorwiegend in anderen Gebäuden statt, und die Artikel wurden nicht in Schmalkalden „verfertigt“, sondern Luther hat sie schon relativ vollständig nach Schmalkalden mitgebracht.

 

Der Raum oberhalb und unterhalb der Inschrift ist durch drei Rosen aufgeteilt und wird von barockem Rankenwerk umrahmt, das unten mit einem Engels­kopf und drei Fruchtgehängen abschließt. Den oberen Abschluß bilden links das Petschaft Luthers, rechts das Melan­chthons, in der Mitte und zuoberst die Hausmarke Stiefels mit den Buchstaben „RSS“ (= Reinhard Stiefel, Schmalkalden). In der Mitte erinnert ein weit hervortretender Schwan (Sinnbild der Reinheit und Standhaftigkeit) an die auf Luther bezogenen Worte des böhmischen Reformators Jan Hus, der vor seiner Verbrennung 1415 auf dem Scheiterhaufen in Konstanz ausgerufen haben soll: „Ihr rupft und bratet mich wie eine Gans; nach hundert Jahren kömmt ein Schwan, den wird man müssen leben lan!“ Der Name „Hus“ bedeutet so viel wie „Gans“. Der Schwan ruht auf einem Sockel, der vorn in eine Fratze (dem Sinnbild des Bösen) ausmündet.

Stiefel ließ auch das wertvolle Treppenhaus und die reichen Stuckdecken anbringen: Er verkleinerte auch die Flure wesentlich durch den Einbau von Zimmern, weil sich das Leben jetzt in den Räumen abspielte. Auch 1817 und 1883 und zuletzt 1983 wurden Gedenktafeln an dem Haus angebracht.

               Wappen im Lutherhaus

 

12. Aufgang zum Schloß:

An der Stelle der Gaststätte „Wilhelmsburg“ stand die alte Dechanei, die Wohnung des obersten Priesters in katholischer Zeit. Die starken Mauern stammen aus romanischer Zeit. Unter dem großen Saal ist eine romanische Fensterarkade mit Vierpaß, in der Südwand ein großer lnschriftstein. Die Stiftshäuser zogen sich bis zur Kirche hinauf. Es waren sogenannte „Freihäuser“, d.h. die Geistlichen wohnten miet- und steuerfrei.

Am Fuß des Schloßgartens liegt der ehemalige Marstall (heute: Amtsgericht), der an der Stelle des Wirtschaftshofs für Stift und Schloß steht. Im Jahre 1439 tauschte ihn Graf Wilhelm von Henneberg vom Stift. Seitdem hieß er „Henneberger Hof“ und wurde als Nebenresidenz und Gästehaus benutzt. Das heutige Gebäude wurde 1618 unter Landgraf Moritz von Hessen erbaut (lnschrifttafel). Im Osten des Gebäudes steht der Pulverturm, ein letzter Turm der Stadtbefestigung.

               Ehemaliger Marstall

 

Das Gebäude, in dem sich die Gaststätte „Pfalzkeller“ befindet, wurde 1604 auf einer älteren geistlichen Ablage errichtet, wahrscheinlich der Marienkapelle; diese oder die Jakobskapelle war die erste Schloßkapelle. Das Gebäude war Schloßkanzlei und danach Bergamt.

 

                 Die heutige Pfalz

 

Unter dem Aufgang zum Schloß kurz vor dem Eingangstor befinden sich in der Erde die Reste eines halb unterirdischen Ausstellungsraums für Reliquien (Erinnerungsstücke an Heilige), über dem die gewölbte Sakristei des Stiftes errichtet war. Dieses Gebäude mußte beim Schloßbau am 23. Februar 1586 als erstes weichen für den Bau der Zufahrtstraße zum Schloß.

 

10. Stift und Stiftskirche:

Am 1. Februar 1319 gründete Graf Berthold VII. zu Henneberg ein Kollegiatstift für zwölf Chorherren und zwölf Vikare und ließ an der Stelle der Jakobskapelle eine Stiftskirche St. Egidii und Erhardi errichten. Sie stand auf dem Platz vor dem heutigen Schloß und muß ein markantes Wahrzeichen der Stadt gewesen sein. Der Gottesdienst in der nahegelegenen Marienkapelle blieb aber bestehen und wurde reihum von den Vikaren des Stifts besorgt. Der Glockenturm stand getrennt vom Kirchenschiff. Eine Freitreppe führte zur Kirche empor, deren Front „mit allerlei zierlich gehauenen Portalen und Bildern“ versehen war. Im Inneren war sie reich mit Bildern und Reliquien ausgestattet (Arm des Heiligen Egidius samt Ring, Arm des heiligen Longinus und seine Lanze, Finger des Heiligen Andreas, Öl der Heiligen Catharine und Walpurgis).

        

                                       Auf dem heutigen Schloßvorplatz stand die Stiftskirche

 

Beim Neubau des Schlosses wurde die Stiftskirche abgerissen, um freie Aussicht zu haben. Drei Glocken wurden auf den Schloßkirchenturm gebracht, die größte Glocke („Groß­-Oster") kam 1589 auf den nördlichen Stadtkirchenturm. Der Hauptbau wurde 1587 niedergelegt, die Fläche eingeebnet und die hohe Mauer nach dem Schloßberg zu errichtet.

 

Schloß um 1600

11. Wilhelmsburg:

Zur Zeit der Bundestagung 1537 stand an der Stelle des heutigen Schlosses noch die Burg Waltaff (so der richtige Name, nicht „Wallrab“). Sie diente den fürstlichen Herrschaften als Wohnung und war Beratungsort für die Fürsten und Stände. Das Haupthaus stand an der Stelle der heutigen Schloßkirche, der Turm auf einer Kuppe in der Mitte des heutigen Schloßhofs. Von dieser Burg sind noch erhalten: Der Ziehbrunnen im Keller des Torhauses, die unteren Geschosse des Schloßkirchenturms und der Keller unter der Schloßkirche (wo die ur­sprüngliche Torfahrt war). Das heutige Schloß wurde 1585 bis 1590 unter Landgraf Wilhelm IV. als Sommersitz errichtet. Es beherbergt ein Museum, zu dem auch ein Raum über die Reformationszeit gehört.

                                      

                                Die Westseite des Schlosses, rechts die Schloßkirche

 

                                          Schloßinnenhof                                               Ostseite                             Westseite

 

                                                      Durchblick zum Blauen Saal                                                           Riesensaal

                               

                                Ofenplatten aus dem Schloß mit christlichen Motiven

      

                                                 Weißer Saal

 

Die Schloßkirche war richtungsweisend für den protestantischen Kirchenbau in Deutschland, besonders auch in der näheren Umgebung, vor allem durch die Übereinanderordnung von Altar (mit Taufbecken), Kanzel und Orgel (die älteste noch spielbare Orgel aus der Renaissancezeit in Mitteleuropa). Die Kanzel ist nicht seitlich angebracht, sondern Mittelpunkt des Ganzen und von allen Emporen gut einsehbar, also eine typische Predigtkirche.

 

Die Haupt­wirkung des Raumes lag nicht nur in der Stuckdekoration, sondern in den 30 großen Bildtafeln und den zwei Rundbildern im Deckengewölbe. Sie stellten gegenüber, was Christus sagt und was der Papst sagt und tut (in Anlehnung an die Holzschnittfolgen von Lukas Cranach von 1521 „Passional Christi und Antichristi“ zu der Melanchthon die Unterschriften fertigte.

                                               

           Decke

                                                    

                                            Kanzel                                                                                      Altar

                                           

                                            Orgel                                                                                       Fürstenstuhl

 

 

Das Schloß verläßt man dann in Richtung Osten:

 

                          

Zwinger                                                                              Kristallturm

12. Landeskirchliche Gemeinschaft:

Das Haus unterhalb des Schloßbergs in der Künkelsgasse ist Sitz des Inspektors der Landeskirchlichen Gemeinschaft für Thüringen. Die Gemeinschaft ist eine Gruppierung innerhalb der evangelischen Landeskirche, die konservativ und streng gläubig ist und seit der Jahrhundertwende 1900 im Kreis tätig ist.

 

13. Gemeindehaus:

Das Haus wurde in den Jahren 1984/1985 durch die Gemeinde und das Dekanat mit tatkräftiger Hilfe der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck erbaut. Es enthält einen großen Saal, mehrere kleinere Räume für die Gemeindearbeit, Büro und Hausmeisterwohnung. Es ersetzt das frühere Gemeindehaus Reihersgasse 11.

 

14. Evangelischer Kindergarten:

Der Kindergarten mit 60 Plätzen besteht seit 1878.

 

15. Hospital mit Kapelle:

Früher gab es drei Hospitäler in Schmalkalden: Das Sondersiechenhaus für ansteckende Kranke bei der Sankt-Gehilfen-Kapelle am Siechenrasen (Nähe Bahnhof), das (1837 abgerissene) Unterhospital für Syphilitiker am Quidenborn bei der Heiligkreuzkapelle (Bahnhofstraße) und das Oberhospital am Weidebrunner Tor, das heute noch erhalten ist.

Das Hospital wurde 1339 gegründet durch Berthold VII. von Henneberg. Das heutige Gebäude wurde 1743 erbaut unter Verwendung gotischer Teile des früheren Hospitals und 1838 um­­gebaut und erweitert. Auf dem Turm befindet sich eine mittelalterliche Glocke, die ur­sprünglich auf der Augustinerkirche hing.

Die angebaute Kapelle stammt aus der Gründungszeit des Hospitals. Unter den Fenstern des Chorraums sind flachbogige Nischen, in denen sich wohl Schnitzaltäre befanden. Das Hospital war bis 1978 Altersheim, danach „Haus der Organisationen“ und heute Verwaltungssitz mehrerer kirchlicher Organisationen (u.a. Rentamt). Die Kapelle wird von der Kirchengemeinde genutzt, vor allem für Wochenschlußandachten und Gottesdienste der Synode.

 

16. Große Kemenate:

In der Weidebrunner Gasse steht die „Große Kemenate“ aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Im Erdgeschoß befand sich ursprünglich eine große Halle. Schon 1495 wurde das Haus dreigeteilt, wie man an der unterschied­lichen Höhenlage der heutigen Fenster sehen kann (der dritte Teil war der angebaute Nordflügel, der Südflügel ist von 1594). Gegenüber der Großen Kemenate stand „Trunickels Haus“, eine weitere Kemenate von 1534.

 

In der Großen Kemenate wohnte 1537 der Päpstliche Gesandte Peter Vorstius. Er hatte an sich die wichtigsten Fürsten zum Konzil nach Mantua einladen sollen. Doch sie waren alle in Schmalkalden versammelt. Da veranlaßte ihn der Bischof von Mainz, von Halle aus nach Schmalkalden zu reisen. Dort traf er am 24. Februar unter kursächsischem Geleit mit 21 Pferden und großem Gefolge ein (diese Zahl gibt einen Eindruck davon, welches Leben damals in der Stadt geherrscht haben muß).

Der Gesandte konnte jedoch nichts erreichen: Johann Friedrich legte die beiden Schreiben des Papstes ungelesen zur Seite und ging aus dem Zimmer. Man teilte dem Gesandten mit, der Kurfürst habe sich auf das Rathaus begeben, er möge die Schriftstücke wieder mitnehmen. Philipp von Hessen gewährte dem Gesandten erst gar keine Unterredung, 8ondern stattete dem schwer erkrankten Luther einen Besuch ab.

In der Großen Kemenate mußte der Päpstliche Gesandte auch die Nachricht vernehmen, daß sich Luthers Krankheit wieder gebessert hatte. Luthers Anhänger Schlaginhaufen ritt von Tambach kommend durch die Weidebrunner Gasse und rief laut: „Luther lebt, Luther lebt!“ Da konnte der Gesandte nur noch abziehen.

Am Nebenhaus ist eine Gedenktafel für Johann Christian Geisthirt angebracht, der der Schmalkalder Chronist ist und auch vieles über den Schmalkaldischen Bund überliefert hat.

 

17. Heilig-Grabes-Behausung:

In der Pfaffengasse befindet sich außer dem spätgotischen Haus in der Ziegengasse noch eine große Kemenate, die „Heilig-Grabes-Behausung“. Sie wurde wohl vom Henneberger Grafen den Vikaren der Kapelle „Zum Heiligen Grab“ im Jahre 1515 zur Wohnung gegeben. Die Heilig­grabeskapelle lag oberhalb des Stauweihers unmittelbar vor Asbach. Der Name soll nach einer Sage daher kommen, daß es dort ähnlich aussieht wie in der Umgebung des Grabes Jesu in Jerusalem.

Die Kapelle war zunächst Filial der Pfarrei Schmalkalden, ab 23. Februar 1362 wurde das Patronatsrecht auf die Stiftskirche übertragen. Ab 1365 wurde sie mit einer Vikarie versehen und mit dem Kaplan Wolfgang Fraß besetzt (der in der Schaffung einer Vikarie sein Lebenswerk gesehen hatte). Bald wurden es sogar zwei Vikarien. Seit 1446 stand ein Wohnhaus auf der Mauer an der Pforte nach Schmalkalden zu. Im Jahre 1542 fand noch Gottesdienst statt. Am 27. Mai 1554 wurden alle Gebäude, Felder, Wiesen und Zinsen an Johann Steitz und Jobst Thieß verkauft. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gebäude verwüstet, die Kapelle 1713 ganz abgerissen und mit ihren Steinen die Umfassungsmauer ausgebessert. Die steinerne Nachbildung des „Heiligen Grabes“ kam in die Kirche in Haindorf (sogenannte „Krippe“).

 

18. Hessenhof:

Der Hessenhof am Neumarkt war wohl ursprünglich eine Wasserburg und Sitz des Vogtes des Thüringer Landgrafen. Hier hat sich wahrscheinlich Ludwig der Heilige von seiner Frau, der Heiligen Elisabeth, verabschiedet, als er 1225 in den Kreuzzug zog, von dem er nicht zurückkehren sollte.

 Seit Schmalkalden 1360 halb hessisch geworden war, hatte der hessische Vogt dort seinen Sitz: daher kommt der Name „Hessenhof“. Das Kellergeschoß ist aus romani­scher Zeit und war ursprünglich das Erdgeschoß. Ein Raum war eine Trinkstube und enthielt Wandmalereien, die zu den ältesten erhaltenen weltlichen Darstellungen in Mitteleuropa gehören. Sie sind inzwischen im Schloß Wilhelmsburg in Kopie zu sehen. Dargestellt ist die Iweinsage des Hartmann von Aue. Im Bogenfeld ist das Hochzeitsmahl dargestellt, als die Gäste gerade mit dem Trinken beschäftigt sind (gutes Motiv für eine Trinkstube). Das Haus wurde 1551 bis 1553 einem großen Umbau unterzogen, bei dem die stei­nerne Torfahrt eingebaut wurde, die heute (nach dem Umbauten des 19. Jahrhun­derts) wieder hergestellt ist. An den Hauptbau stoßen zwei Flügelbauten. Der Garten reichte ursprünglich bis zum Augustinerkloster, im Garten stand noch lange der Tauf­stein aus dem Augustinerkloster.

 

               Elisabeth von Rochlitz

 

Der Hessenhof war schließlich Wohnsitz der Elisabeth von Rochlitz, der Schwester Philipps von Hessen.

 

Im Hessenhof tagten 1537 die Theologen (wenn sie sich nicht an Luthers Kranken­bett versammelten). Grundlage ihrer Beratungen war das Augsburgische Bekenntnis, nicht Luthers Artikel, die dieser etwas überraschend vorgelegt hatte. Sie waren so schroff gehalten, daß eine Einigung mit den Katholiken nicht möglich gewesen wäre. Aber es gab auch Differenzen mit den Oberdeutschen. Doch Luther wollte auch kei­ne Abstriche machen.

Melanchthon wollte echt einen Kompromiß finden, das war ihm Herzenssache. Er wurde am 12. Februar von einem aus 13 Theologen bestehenden Ausschuß aufge­fordert, seinen Traktat „Über Gewalt und Primat des Papstes“ als Anhang zum Augs­burgischen Bekenntnis zu verfassen. Die Verhandlungen nahmen also einen ande­ren Verlauf, als der Kurfürst und Luther erhofften, es gab keinen Fortschritt in ihrem Sinne.

 

                Luther und Melanchthon

 

Am 21. Februar wurden Luthers Artikel von den meisten Theologen im Hessenhof unterschrieben. Vor allem die süddeutschen Theologen zögerten lange mit der Un­terschrift wegen der Abendmahlsfrage. Luther hatte in der Abendmahlslehre in den Schwabacher Artikeln Zugeständnisse gemacht, aber in den Schmalkaldischen Arti­keln nahm er das wieder zurück und war wieder unversöhnlich.

 

Nicht unterschrieben: Paulus Fagius (Straßburg), Martin Bucer, Bonifaz Wolfhart, Johann Weinschalk, Ambrosius Blaurer, Johannes Lonizer (Marburg), Johannes Fontanus (Niederhessen) und Tilman Schnabel (Alsfeld). Bu­genhagen unterschrieb im Auftrag von Johannes Brenz, Myconius für Menius. Lang und Mechler waren in Schmalkalden anwesend, unterschrieben aber erst am 4./5. März in Erfurt. Es unterschrieben aber auch neun Theologen, die nicht in Schmalkal­den anwesend waren (Nr.26 sowie Nr. 35 bis 42, vor allem Erfurter). Daraus erklärt sich die Differenz, daß 42 Theologen anwesend waren, aber 43 unterschrieben. Das Augsburgische Bekenntnis und Melanchthons Traktat aber unterschrieben alle, obwohl der Traktat relativ scharf war. Unter dem Traktat sind 32 Unterschriften, dar­unter aus Straßburg Paulus Fagius und Martin Bucer, Bonifaz Wolfhart (Augsburg), Ambrosius Blaurer (Tübingen) und Johannes Fontanus (Kassel).

Bei der Unterschrift ging es nicht nur um eine bloße Unterzeichnung, sondern um ein Bekenntnis, das das Augsburgische Bekenntnis erweitern und ergänzen sollte. Si­cher hätten noch mehr Theologen und Abgesandte unterschrieben, wenn wirklich Aussicht auf ein Konzil bestanden hätte. Manche kamen zu spät, andere reisten zu früh ab. So mußten die Artikel mehr als Luthers Privatbekenntnis angesehen werden und die Unterschriften mehr als Privatunterschriften. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß es sich bei den Schmalkaldischen Artikeln um ein einzigartiges Zeug­nis Luthers handelt.

Am 9. Januar 1537 findet sich erstmals die Bezeichnung „Schmalkaldische Artikel“ für Luthers Bekenntnis in einem Brief des Kurfürsten an seinen Kanzler. Unter diesem Namen kamen sie auch in einem Schriftstück des hessischen Kanzlers Johann Feige vom 11. Februar 1537 vor. Unter diesem Namen gingen sie auch in die Geschichte ein. Sie sind die einzige Bekenntnisschrift Luthers außer den Katechis­men. Erst 1554 wurden sie gedruckt und dadurch der Name festgeschrieben im Vorwort der Wittenberger Ausgabe von Johannes Stoltz. Schließlich wurden sie 1580 in die Bekenntnisschriften aufgenommen, zunächst in die Dresdner Ausgabe des Konkordienbuches in deutscher Sprache, im gleichen Jahr aber auch in das lateinische Konkordienbuch aus Leipzig. Somit waren die Schmalkaldischen Artikel nicht mehr nur „norma doctrinae“ („Richtschnur der Lehre“), sondern verbindliche Glaubenssätze. Melanchthons Traktat dagegen erschien im Konkordienbuch nur als Anhang, nachdem er zunächst als Bekenntnisschrift gegolten hatte.

Heute werden in den lutherischen Kirchen die angehenden Theologen unter anderem auf beide Schriften verpflichtet. Das geschieht jedoch zum Beispiel nicht im Kirchenkreis Schmalkalden, wo bei der Ordination nur von „dem“ Bekenntnis der Reformation die Rede ist, also nicht von einzelnen Bekenntnisschriften, sondern von der Grundentscheidung der Reformatoren.

 

19. Augustinerkloster:

Das Augustinerkloster ist vielleicht um 1320 entstanden, denn am 1. Oktober 1322 wird den Mönchen gestattet, zwei Bürgerhäuser zu erwerben, um ihr Gelände erweitern zu können. Ende des 15. Jahrhunderts waren Kreuzgang, Turm und Krankenhaus schon stark baufällig. Der letzte Prior verkaufte 1548 die Besitzungen an Wilhelm von Henneberg, im Jahre 1567/1568 wurden Kloster und Einkünfte der Stadt übergeben. Sie verwendete die Steine für die Wiederherstellung des Südturms der Stadtkirche und der Stadtmauer, die Einkünfte verwendete sie für die Stadtschule.

Von der Klosteranlage haben sich noch zwei Umfassungs­mauern erhalten. In der einen sieht man noch ein frühgotisches und ein spätgoti­sches Portal. Im Garten befinden sich ein Sockelstück und eine Säulentrommel. Teile der Klosterkirche stecken noch in den südlich der Mauer stehenden Gebäuden.

          Klostermauer

 

Luther war in seinen jungen Jahren Augustinermönch, kam aber gerade durch den Klosteraufenthalt zu der Erkenntnis, daß nicht die „guten Werke“ vor Gott gerecht machen, sondern allein der Glaube. In seinen Schmalkaldischen Artikeln lehnte er das Klosterwesen scharf ab.

 

Das Klosterhaus wurde 1573 abgerissen und 1580 das heutige Haus Schmiedhof 19 durch Heinrich Zöllner erbaut (Hausmarke und Wappen). Heute heißt es auch „Stengel‘sches Haus“ nach Studienrat Professor Wilhelm Stengel, seit 1889 Oberlehrer an der Oberrealschule, der am 11. September 1939 starb und das Haus der Stadt vermachte.

 

      Stengelsches Haus

 

20. Stadtkirchnerei:

Am Kirchhof stehen noch das Küsterhaus von 1608 (Stadtkirchnerei), die Kaplanswohnungen, das Beinhaus (später Armenhaus), die Stadtschule, die reformierte Inspektur (heute Dekanat) und die reformierte Schule. Stadtkirchnerei und Dekanat wurden 1987 renoviert. Der Rundgang durch die Stadt ist damit wieder an seinem Ausgangspunkt angelangt.

 

 

 

 

 

 

Luthers Schmalkaldische Artikel

Im ersten Teil erwähnt Luther die Glaubenslehren, die nicht umstritten sind: Der Glauben an Gott, der in Jesus Mensch wurde und durch den Heiligen Geist wirkt.

Schmalkaldische Artikel und Reformatoren

 

Im zweiten Teil geht es um die reformatorische Grunderkenntnis, daß der Mensch gerecht werde ohne Werke des Gesetzes durch den Glauben. Deshalb setzt er sich ausführlich mit der Messe auseinander, in der fast nicht mehr die Stimme des guten Hirten vernehmbar wurde und das Abendmahl zu einer Opferhandlung des Priesters ohne Gemeinde und zu einer bezahlten Dienstleistung (Krankheit, Seelenmesse) geworden war. Inbegriff der Verkehrtheit der Kirche war die Machtfülle des Papstes, der höchstens einen geistlichen Vorrang („brüderlicher Papst“) haben kann, denn das Haupt der Kirche ist Christus.

 

Schmalkaldische Artikel Wittenberger Ausgabe

 

In einem dritten Teil behandelt Luther das, was noch diskutiert werden kann: Alle Menschen sind Sünder und dem Tod unterworfen. Das Leben kann nicht allein aus der Gesetzesbefolgung gestaltet werden, denn der Leistungsdruck führt nur dazu, daß man noch mehr sündigt. Wir halten uns vor Gott für gute Menschen, sind aber von der Erbsünde gefangen. Wir sind aber nicht nur gefordert, sondern auch beschenkt. Doch allein durch den Glauben tritt man in das rechte Verhältnis zu Christus. Das Evangelium gibt Rat und Hilfe gegen die Sünde durch das Wort, die Vergebung, die Taufe, das Abendmahl, die Beichte und die gemeinsame Unterredung. Durch den Glauben erhalten wir ein ganz anderes, neues Herz, und auf solchen Glauben folgen dann die guten Werke.

 

Schmalkaldische Artikel Jenaer Ausgabe

 

Luther sagt am Schluß: Dies sind die Artikel, darauf ich stehen muß und stehen will bis in meinen Tod, und ich weiß darin nichts zu ändern noch nachzugeben. Will aber jemand etwas nachgeben, der tue es auf sein Gewissen!

Man hat die Schmalkaldischen Artikel vielfach als „Luthers Testament“ bezeichnet. Er selber spricht von „Zeugnis und Bekenntnis“. Der Ausdruck „Testament“ wird aber im September 1536 von Kanzler Brück gebraucht und ist in umschriebener Form auch in dem Auftrag des Kurfürsten an Luther vorhanden. Luther war ja tatsächlich in Schmalkalden so krank, daß er beinahe dort gestorben wäre.

 

 

Luthers Krankheit:

Als Luther in Schmalkalden ankam, war er zwar leidend, aber nicht gerade krank. Aber nach­dem er am 9. Februar gepredigt hatte, tat am nächsten Tags ein Blasensteinleiden wieder auf. Seit seinem Wartburgaufenthalt hatte er Schwierig­keiten mit der Verdauung, denn die reichhaltige Ritterkost bekam dem vorher nur kärglich lebenden Mönch nicht.

Nach der Doppelpredigt am Sonntag Invokavit (18. Februar) traten die Steinschmerzen ganz besonders heftig auf. Luther betete: „Dir befehle ich mich, Herr, du treuer Gott, ich will gerne sterben, wo und auf welche Weise dir, mein Gott, gefällt, denn dein Wille ist der allerbeste!“ Die Gastgeber kümmerten sich rührend um Luther. Auch Kurfürst Johann Friedrich, Landgraf Philipp, Melanchthon, Spalatin und Myconius besuchten ihn und spendeten ihm Trost.

 

Die Fürsten sandten auch ihre Leibärzte. Die verordneten ihm, wie Luthers Frau in einem Brief empfohlen hatte, unter anderem Knoblauch und Pferdemist, so daß Luther schließlich sagte: „Kommt nicht wieder, ich will lieber sterben!“ Später sagte er über diese Pferdekur: „...als ob ich ein Ochs wäre!“

Am Dienstag, dem 22. Februar, schrieb Melanchthon an den berühmten Arzt Dr. Sturz in Erfurt, der ihm bekannt war, er möge doch kommen und auch die Medikamente mitbringen (demnach gab es damals in Schmalkalden noch keine Apotheke). Durch die Behandlung des Dr. Sturz besserte sich der Zustand Luthers etwas, so daß er auf dem Flur eine Predigt halten konnte. Aber an ein Verlassen der Wohnung war nicht zu denken. Deshalb fanden die theologischen Verhandlungen auch zum Teil in Luthers Zimmer statt. Luther war aber weitgehend ausgeschaltet. Der Kurfürst sprach seine Bedenken aus, ob Luthers Sache auch bestehen bleibe, wenn er sterbe. Aber Luther tröstete ihn: „Ach nein, mein gnädigster Herr, das wollte Gott nicht; es sind noch viele gelehrte und treue Leute, die es herzlich gut meinen und recht verstehen, und ich hoffe, Gott werde Gnade geben, daß sie sich zur Mauer machen, darüber halten und es bewahren werden!“

Die Linderung war nur von kurzer Dauer. Luther fürchtete, vor Schmerzen den Verstand zu verlieren. Am Sonntag, dem 25. Februar, besuchte ihn Melanchthon, der sich Luthers Krankheit ganz besonders zu Herzen nahm. Als er an Luthers Bett weinte, sagte Luther zu ihm: „Haben wir Gutes empfangen von der Hand des Herrn und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ Als die Schmerzen immer mehr zunahmen, verlangte Luther, von Schmalkalden weggeschafft zu werden.

 

 

    Wald in Richtung Tambach-Dietharz

 

Als der päpstliche Gesandte das erfuhr, wollte er sich selbst von Luthers Tod überzeugen. Man war natürlich der Meinung: Wenn Luther stirbt, dann ist erwiesen, daß seine Sache vom Teufel ist. Als man den Gesandten nicht vorließ, schickte er seinen Diener, um Luthers Leich­nam zu besehen. Aber auch der wurde abgewiesen. Luthers Diener Tipontius sagte ihm: „Ihr sollt Luther in Ewigkeit nicht sehen!“ Am Montag verabschiedete sich Luther von den Teilnehmern des Konvents mit den Worten: „Ich begehre nichts lieber, denn bei Christus zu sein!“

 

Weil Melanchthon für den 25. Februar ungünstige Sterne vorausgesagt hatte, ging die Reise erst am 26. Februar los. Die vom Kurfürsten gestellten Reisewagen waren aus Georgenthal und Reinhardsbrunn geholt worden. Luther lag auf einem Wagen, von einer Kohlenpfanne erwärmt, die eigens in Schmalkalden hergestellt worden war. Es folgten ein Wagen voll Kohlen und Instrumente. Mit Luther fuhren Bugenhagen, Spalatin, Myconius, Dr. Sturz und der Theologe Schlaginhaufen aus Köthen. Zwei Reiter lenkten die Gespanne.

Daß die Strüther Luther mit Steinen beworfen hätten, ist nicht belegt.

 

 

               Wappen an der Kirche in Struth-Helmershof

 

Über den Nesselhof ging es in Richtung Tambach.

 

Nesselhof

 

In der Literatur wird angegeben, es sei über die neue Anspanne gegangen, die es damals schon gab. Man kann sich aber eher vorstellen, daß es über die alte Ausspanne ging, denn das Gerüttel der schlechten Straßen verursachte Luther zusätzliche Schmerzen. Dieser Weg führt auch direkt zum Lutherbrunnen vor Tambach.

 

                      Lutherbrunnen mit Inschrift

 

Doch daß Luther sich an diesem Brunnen gelabt habe und gar davon genesen sei, gehört in das Reich der Sage. Die Schmerzen waren so groß, daß Luther nicht aufstehen konnte. Aber vielleicht hat das Rütteln auch geholfen, daß in Tambach eine Linderung eintrat. Doch zunächst schrie Luther:

„Wenn nur ein Türk da wäre, der mich schlachtete! Ich stürbe gern, wenn nicht das Teufels Gesandter in Schmalkalden wäre und in der ganzen Welt herumschreien würde, ich hätte vor großer Furcht und Zagen sterben müssen!“ Im kurfürstlichen Geleitshaus in Tambach legte Luther den 25. Psalm aus. Durch die Medikamente, durch Hering, Erbsenbrei und Rotwein trat doch in der Nacht eine Linderung ein und Luther konnte wieder Wasser lassen

    Lutherkirche in Tambach-Dietharz

 

Voller Freude schrieb er noch früh am drei Uhr an Melanchthon und meldete ihm die Besserung. Der Schluß des Briefes ist auch am Tambacher Lutherbrunnen festgehalten: „Tambach ist mein Phanuel, dort erschien mir der Herr!“ Den Brief brachte Schlaginhaufen eilig nach Schmalkalden. Als er an der Wohnung des päpstlichen Gesandten in Schmalkalden vorbeikam, rief er laut auf lateinisch: „Lutherus vivit, Luther lebt!“ Die Freude war natürlich groß. Der Kurfürst und Melanchthon schrieben gleich ihre Glückwünsche zurück.

Luther schrieb von Tambach aus auch an seine Frau und reiste nach Gotha, wo ihn erneut ein Schwächeanfall traf, so daß er einige Tage bleiben mußte. Auch in Erfurt mußte erst eine Zwangs­­pause eingelegt werden. Am 14. März kam Luther in Wittenberg an. Am 6. März schloß die Tagung in Schmalkalden.

In einem Brief aus dieser Zeit findet sich bei Luther die Bezeichnung „Schmalkazi­de“, eine Anspielung auf das in diesem Gebiet gewonnene Erz (griechisch „kalzis“ Erz). In einem Brief aus Tambach spricht Luther allerdings auch von der „Schmalkalder Grube“. Luther verwendet also eine positive und eine negative Bezeichnung für die Stadt.

 

Der Schmakaldische Krieg:

Am 10. Juni 1538 schlossen die Katholiken in Nürnberg ein Gegenbündnis, weil der in Schmalkalden anwesende kaiserliche Gesandte wohl allzuviel Schlechtes über die Tagung berichtet hatte. Aber am 10. April 1539 mußte der Kaiser in den Frankfurter Anstand einwilligen, weil er wieder dringend Hilfe gegen die Türken brauchte: Der Nürnberger Religionsfriede wurde 1532 auf die „Verwandten der Augsburgischen Konfession“ ausgedehnt und Religionsgespräche wurden vereinbart (1540/1541 in Hagenau, Worms, Regensburg).

 

Der neunte Konvent des Schmalkaldischen Bundes fand 1539 in Arnstadt statt. Der zehnte Konvent war dann vom 1. März bis 15. April 1540 wieder in Schmalkalden. Dabei waren alle Bundesgenossen vertreten, auch namhafte Theologen, darunter Melanchthon, der im Hinterhaus der Rosenapotheke wohnte. Luther war nicht dabei. Man stellte 1540 auf Bitten des Kaisers noch einmal die Punkte zusammen, in denen man unter Umständen nachgeben könnte. Man schlug vor, die Messe abzuschaffen, überflüssige Altäre zu beseitigen (was dann auch gleich in der Stadtkirche Schmalkalden geschah) und Visitationen durchzuführen.

 

Der letzte Konvent (der zehnte in Schmalkalden, wenn man die Vorbesprechung hinzuzählt) am 24. Juni 1543 war nur schwach besucht, vor allem fehlte Moritz von Sachsen.

Moritz von Sachsen

 

Dem Kaiser wurden Hilfsvölker gegen die Türken in Aussicht gestellt und Schweden in den Bund aufgenommen. Diese Zeit war der Höhepunkt der Ausdehnung des Protestantismus, denn ein Land nach dem anderen fiel dem evangelischen Glauben zu.

 

Das letzte Bollwerk des Papsttums in Norddeutschland war Braunschweig-Wolfen­büttel: Herzog Heinrich (er ist in Luthers Schrift „Wider Hans Worst“ gemeint) bezichtigte Philipp von Hessen, er wolle die katholischen Fürsten überfallen. Er führte aber selber Krieg gegen die zum Schmalkaldischen Bund gehörenden Städte Goslar und Braunschweig. Da verjagten ihn der Kurfürst von Sachsen und der Landgraf von Hessen und machten das ganze Land evangelisch. Doch dann überzog der Kaiser im Sommer 1543 das protestantische Herzogtum Kleve mit Krieg. Es gab Streit zwischen Kurfürst Johann Friedrich und seinem Vetter Herzog Moritz.

Philipp von Hessen mußte am 13. Juni 1541 ein Sonderabkommen mit dem Kaiser abschließen, weil dieser ihn wegen einer Doppelehe in der Hand hatte. Philipp von Hessen war ein Frauenheld und hatte auch die französische Krankheit.

Er verliebte sich in ein Hoffräulein der Elisabeth von Rochlitz, seiner Schwester, die später als Witwe im Hessenhof in Schmalkalden wohnte. Er wollte aber nicht ohne Trauung mit ihr zusammenleben. Er schrieb an Luther: Wenn kein Weg für ihn gefunden werde, dann könnte er nicht mehr im Bund mitarbeiten. Außerdem zog er Stellen aus dem Alten Testament zur Rechtfertigung heran.

Am 4. März 1540 wurde er in Gegenwart Melanchthons in Rotenburg an der Fulda getraut. Luther wußte davon und willigte widerwillig ein. Die Verschwiegenheit wurde natürlich nicht gewahrt. Dem Landgrafen wurde mit der Reichsacht gedroht. So konnte ihn der Kaiser zur Tatenlosigkeit zwingen. Damit war auch der Bund lahmgelegt, denn Philipp war der agilere der beiden Oberhäupter.

Als 1544 ein Frieden mit Frankreich und ein Waffenstillstand mit der Türkei auf 18 Monate geschlossen wurden, traf der Kaiser Vorbereitungen zum Krieg gegen die Protestanten. Der Papst wollte aber auch die Macht des Kaisers nicht groß werden lassen: Bayern erhielt die pfälzische Kurwürde und die sächsische Kurwürde ging an Moritz von Sachsen, also an die Albertinische Linie, die vorher nur ein Herzogtum hatte.

Im Frühsommer 1546 wurden die Vorbereitungen des Kaisers deutlich. Am 20. August wurde die Reichsacht über die Bundesoberhäupter verhängt. Bei Ichtershausen (bei Erfurt) wurde am 3. Juli ein Heer aufgestellt. Doch die Kampfhandlungen fanden zunächst von Juli bis September an der Donau statt, weil man die Heranführung kaiserlicher Truppen aus Italien verhindern wollte. Am 31. August kam es zur Kanonade von Ingolstadt. Der Kaiser war zunächst noch schwächer, und die Hessen hatten gute Kanonen.

Aber am 17. September 1546 erhielt der Kaiser Zuzug aus den Niederlanden und wurde überlegen. Am 30. Oktober überfiel Moritz von Sachsen das ernestinische Sachsen. Dessen Truppen eilten zurück, das Kriegslager der Bundesgenossen löste sich am 22./23. November auf. Damit waten die oberdeutschen Städte schutzlos. Ulrich von Württemberg mußte Abbitte tun. Erzbischof Hermann von Köln wurde abgesetzt. So konnte der Kaiser verhindern, daß der wirtschaftlich starke Mittel- und Niederrhein protestantisch wurden.

Johann Friedrich konnte zunächst Erfolge gegen Moritz erringen, unterlag aber am 24. April 1547 auf der Lochauer Heide bei Mühlberg (Elbe) den Truppen des Kaisers, des Königs Ferdinand und des Herzogs Moritz. Er wurde gefangengenommen und Moritz erhielt am 19. März (Kapitulation Wittenbergs) die versprochene Kurwürde.

 

Ingolstadt- Mühlberg- Wittenberg

 

Am 19. Juni unterwarf sich Landgraf Philipp und wurde ebenfalls gefangengenom­men. Er war nach Halle gekommen, um sich mit dem Kaiser zu vergleichen. Aber man nahm ihn gefangen, weil man ihm zwar die Verschonung vor ewigem Gefängnis versprochen hatte, nicht aber vor dem Gefängnis überhaupt. Er mußte sein Geschütz dem Kaiser abliefern, Kassel und Hanau wurden geschleift.

Schmalkalden wurde vom Schmalkaldischen Krieg nicht berührt und mußte nur 100 Mann für die Truppen des Landgrafen stellen. Doch Kaiser Karl V. war so erzürnt über die Stadt, in der ja der Bund geschlossen worden war, daß er diesen „Hort der Ketzerei“ dem Erdboden gleich machen wollte. Doch jetzt erwies sich die Doppelherr­schaft als günstig: Der andere Landesherr, Georg Ernst von Henneberg, erreichte über Moritz von Sachsen eine Audienz beim Kaiser und konnte die Stadt vor der Vernichtung bewahren.

Der Kaiser kam auf dem Reichstag zu Augsburg 1547/1548 den Protestanten etwas entgegen. Diese lehnten aber dennoch das „Interim“ ab. Moritz von Sachsen wechselte wieder die Seite und wurde Führer der protestantischen Fürstenopposition, die mit einer Rebellion im Jahre 1551 die Freigabe Johann Friedrichs und Philipps erzwang und für die Protestanten die Zusicherung der freien Religions­ausübung erreichte. Kaiser Karl V. dankte ab und überließ die Krone seinem Bruder Ferdiand.

Am 25. September 1555 wurde der Augsburger Religionsfriede verkündet. Er stellte die Augsburgische Konfession gleichberechtigt neben das katholische Bekenntnis. Nunmehr bestimmten die Fürsten über die Konfession ihrer Untertanen: „Wem die Regierung, dem der Glaube!“ („cuius regio, eius religio“). So nutzen katholische wie protestantische Fürsten die Religion im Interesse der Festigung ihrer Macht nach innen und außen und in der Auseinandersetzung mit der Zentralgewalt. Bei der Reformation ging es durchaus nicht nur um Glaubensdinge, sondern auch um handfeste weltliche Macht.

Dennoch steht für einen Christen die geistliche Seite im Vordergrund. Er erinnert sich daran, daß Luther in Schmalkalden Gottes Wort verkündet hat und sein Glaubensbekenntnis dort zur Diskussion stellte. Luther war länger in Schmalkalden als in mancher anderen Stadt - und beinahe wäre er dort sogar noch gestorben. Wer ein guter Anhänger Luthers sein will, der sollte die Bibel lesen, die er übersetzt hat. Er könnte aber auch Luthers eigene Schriften lesen, besonders die gut zugänglichen: Im Gesangbuch finden sich Auszüge aus den Schmalkaldischen Artikeln. Vor allem aber findet sich dort auch der Kleine Katechismus Dr. Martin Luthers. Den kann jeder lesen und zum Beispiel die Erklärung Luthers zum Ersten Gebot beherzigen: „Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen!“

 

 

Die Einführung der reformierten Konfession:

Unter Landgraf Wilhelm IV. (1567-1592) fanden die Grundsätze und Lehren der Reformierten Kirche in Niederhessen und in der Herrschaft Schmalkalden im Stillen Eingang. Der Kurfürst von Brandenburg wollte diese Entwicklung aufhalten und schickte dem Landgrafen die 1576 in Torgau ausgearbeitete „Konkordienformel“ zu. Die Hessischen Theologen nahmen sie grundsätzlich an. Aber einige niederhessi­sche Theologen formulierten ihre Bedenken, die auch von dem Schmalkalder Pfarrer Caspar Herrnschwager unterschrieben wurden. Bei der Generalsynode 1581 in Kassel wurden nur die altkirchlichen Bekenntnisse, das Augsburgische Bekenntnis (samt Apologie) und die Schmalkaldischen Artikel als Bekenntnis aufgezählt. Dennoch kam es zu Änderungen in weniger wichtigen Dingen: Die Absage an den Teufel (Exorzismus) wurde bei der Taufe weggelassen, die lateinischen Vespergottesdienste wurden abgeschafft, Chorröcke duften nicht mehr getragen werden und die Einsetzungsworte beim Abendmahl durften nicht mehr gesungen werden.

Landgraf Moritz der Gelehrte (1592 - 1632) wollte das Land von allen theologischen Streitigkeiten befreit wissen und die „allein wahre Religion“ einführen. Er war ein vielseitiger Gelehrter und hatte sich durch seinen Lehrer Beza den freieren Grundsätzen der Reformation angeschlossen. Um die Religion wieder auf den Stand der Zeit Philipps des Großen zu bringen, wollte er folgende vier Verbesserungspunkte einführen:

1. Über Christus darf man nur konkret lehren, nicht abstrakt

2. Beim Abendmahl ist gemäß der Einsetzung richtiges Brot zu verwenden

3. Die Zehn Gebote müssen nach der Ordnung der Bibel gelehrt werden

4. Alle Bilder in den Kirchen müssen abgeschafft werden.

Zunächst wurde die Einführung der Verbesserungspunkte nur angemahnt, aber 1603 dann befohlen. Am 12. September 1605 wurde wieder die gesamte Geistlichkeit in Schmalkalden zusammengerufen. Die Stadtpfarrer fingen zum Teil zu wanken an. Aber die Pfarrer von Ebertshausen, Benshausen Viernau und Steinbach-Hallenberg widersprachen entschieden und holten sogar ein Gutachten der Wittenberger Fakultät ein.

Am 22. September 1605 kam der Landgraf wieder nach Schmalkalden und forderte die Bestrafung einiger junger Leute, die wegen der abzuschaffenden Mißbräuche bedenkliche Reden führten. Am Michaelisfest begann der Pfarrer Caspar Herrnschwager mit der Werbung für die Verbesserungspunkte, bei denen es ja nicht um Glaubensartikel gehe, sondern nur um Zeremonien. Die Leute gingen in Scharen zum Abendmahl, um es noch einmal nach alter Art zu empfangen.

Man wartete dann zunächst die Neubesetzung verschiedener Ämter ab. Sebastian Herrnschwager wurde Stadtpfarrer und Ortolph Herrnschwager Stiftspfarrer. Im Jahre 1608 hielt sich der Landgraf Moritz längere Zeit in Schmalkalden auf und ließ seinen Hofprediger Kalckhoff in der Stadtkirche predigen.

An Pfingsten wurde mit dem Brotbrechen beim Abendmahl angefangen. Es nahmen teil: die Landgräfin und ihr Gefolge, einige Räte, der Rentmeister und der Hofprediger. Außerdem wurden das Vortragen des Kreuzes bei Beerdigungen und das Läuten des Glöckchens beim Glaubensbekenntnis abgeschafft. Den Lehrern wurde befohlen, den Kasseler Katechismus in der Schule zu verwenden. Man war in Schmalkalden deshalb so streng, weil die Bräuche zum Teil noch katholisch waren.

Am 21. November führte der Landgraf eine Überprüfung (Visitation) durch, bei der die Bürger der Reihe nach befragt wurden und bei der es natürlich um die Verbes­serungspunkte ging. Doch es ging nur langsam voran, denn manche Bürger wußten sehr gut aus der Bibel zu antworten und diskutierten zwei und mehr Stunden.

 

                        Kolorierte Lutherbibel

 

Am Zweiten Advent aber sollten die Verbesserungspunkte ohne Aufschub eingeführt werden. Als Sebastian Herrnschwager den Befehl des Landgrafen verlas, entstand ein großer Tumult. Herrnschwager vergaß sogar das Gebet, der Eschweger Super­intendent und der Dekan von Rotenburg flüchteten sich in die Sakristei.

Danach mußten Stadtrat und Bürger aufs Schloß kommen. Sie sollten schwören, sich bei der Einführung der Verbesserungspunkte ruhig zu verhalten. Die nahe beim Kanzler standen, mußten notgedrungen schwören. Die anderen wollten fliehen, fanden aber die Tore verschlossen. Sie drohten, sie mit Gewalt aufzubrechen. Da wurden sie geöffnet, und der Haufe strömte mit greulichem Geschrei in die Stadt und fing einen Tumult an, von dem man damals weit und breit erzählte.

Es wurden 200 Soldaten von Vacha und Brotterode auf die Wilhelmsburg verlegt. Sebastian Herrnschwager ließ sich von Soldaten zum Friedhof begleiten. Am Hospital erschienen Plakate: „Wir wollen die Pfaffen alle totschlagen, die uns und unseren Kindeskindern die Seligkeit stehlen!“

Am 12. Dezember wurden 50 Bürger, dazu Beamte und Soldaten, um die Stadtkirche aufgestellt. Hunderte andere Bürger hatten ihre Gewehre abgeben müssen. Schließlich gingen sechs Zimmerleute vom Land, einige Steinmetzen und vier Stadtwächter in die Kirche und entfernten alle Bilder, luden sie auf vier Wagen und brachten sie zum Schloß. Was außen an der Kirche war, wurde zerstört und die Fläche mit weißer Farbe übermalt. Auch die Gottesackerkirche, die Siechen- und Hospitalkapelle wurden geplündert.

Beim Mittagessen wies Schultheiß Marold darauf hin, daß auch noch auf dem Kirchenboden Bilder seien, die man schon 1540 weggelegt hatte. Noch einmal wurden zwei Wagen vollgeladen. Insgesamt acht Wagen mit Bildern und Schnitzwerken wurden auf das Schloß gebracht, dort zerbrochen und noch am Abend verbrannt. Und als einige fragten, weshalb denn nicht die Bilder aus der Schloßkirche entfernt würden, wurden diese auch weggeschafft (sie waren eine Zeit in Gotha, dann sind sie verschollen).

An Weihnachten kamen 65 Leute zum Abendmahl, am zweiten Feiertag gar nur elf. Der Pfarrer stand hinter dem Altar, zerbrach die „Christsemmel“ und reichte jedem Teilnehmer einem Stück. Der Kelch wurde dem Empfänger in die Hand gegeben. Die Lateinischen Choralgesänge, die Messe, das Gloria und das Vorhalten von Tüchern beim Abendmahl wurden abgeschafft. Stattdessen sang man einen vierstimmigen Psalm aus dem Liederbuch Lobwassers.

Doch mit der Zeit kam niemand mehr zum Abendmahl. Den Armen wurde angedroht, sie würden die Unterstützung verlieren, wenn sie nicht zum Abendmahl kämen. Aber nach Haindorf gingen die Leute in Scharen zum Abendmahl, weil dort der lutherische Rektor Clemen predigte, bis er abgesetzt wurde. Viele schickten Ihre Kinder auf auswärtige Schulen.

 

Es wurde kein Bürgermeister und kein Ratsmitglied mehr bestätigt, wenn er sich nicht zu den Verbesserungspunkten bekannte. Herrnschwager setzte einfach neue Kirchenälteste ein und verweigerte den „Andersgläubigen“ die geistlichen Handlungen.

Am 1. Advent 1609 verkündete Herrnschwager, es werde niemand mehr getraut oder Pate, der nicht den Hessischen Katechismus kann und zum Abendmahl geht. Im ganzen Jahr nahmen nicht mehr als 188 Personen am Abendmahl teil. An Weihnachten waren es 37. An diesem Tag betete Herrnschwager zum ersten Mal das „Unser Vater“, um dem anwesenden Landgrafen zugefallen. Je mehr jedoch die Pfarrer auf die Gemeindeglieder schimpften, umso weniger wurden ihre Ermahnungen befolgt.

Nach und nach bekannten sich aber doch einige zu den Reformpunkten, besonders unter der Jugend. Wer ein öffentliches Amt bekommen wollte, mußte sowieso zu den Reformierten übertreten. Manche taten es aus Furcht. Manche, die sonst durch ein nicht sehr gutes Benehmen auffielen, hoffen dadurch einen Vorteil zu erlangen.

Im Dreißigjährigen Krieg nahm Hessen-Darmstadt die Herrschaft Schmalkalden als Pfand in Besitz. Die Darmstädter waren aber lutherisch. Sie verboten als erstes die Fürbitte für den Landgrafen Moritz. Jetzt wurden wieder der Lutherische Katechis­mus, die Ohrenbeichte, die Oblate beim Abendmahl und das Vortragekreuz bei Beerdigungen eingeführt. Der Altar in der Schmalkalder Stadtkirche kam 1636 wieder an seinen alten Platz im hinteren Teil des Chorraumes.

Nach der Rückeroberung der Herrschaft durch Hessen-Kassel sollte es in Religionssachen im Prinzip so bleiben wie bisher. Nur hatten jetzt wieder die Reformierten die Oberhand, die Lutherischen wurden nur geduldet. In Orten mit zwei Kirchen sollte eine den Reformierten überlassen werden. War nur eine Kirche vorhanden, aber von beiden Konfessionen eine namhafte Anzahl von Mitgliedern am Ort, sollten die Gottesdienste nacheinander gehalten werden.

In Schmalkalden gab es damals nur noch 40 Reformierte, denen die Schloßkirche zugeteilt wurde. Am 1. Januar 1649 wurde in der Schloßkirche zum ersten Mal wieder das Abendmahl nach reformierter Form mit Brotbrechen gehalten.

 

Am 2. Februar 1650 wurde die Stadtkirche mit Gewalt geöffnet und gleich vormittags und nachmittags reformierter Gottesdienst gehalten. Landgraf Wilhelm VI. war persönlich mit dabei. Nun wollten die Lutherischen aber nicht mehr in die Stadtkirche gehen, sondern sich lieber auf dem Gottesacker unter freiem Himmel versammeln. Der Amtmann war aber dagegen, weil man nicht einfach die Stadtkirche aufgeben wollte. So hat dann der Lutherische Inspektor am nächsten Sonntag nach dem reformierten Gottesdienst in der Stadtkirche gepredigt.

Damit war praktisch die „Alternation“ eingeführt: Den Reformierten stand die Kirche von   6 bis 8 Uhr und von 12 bis 14 Uhr zur Verfügung, den Lutheranern ab 8 Uhr und ab 14 Uhr. Am 23. Februar wurde zum ersten Mal reformiertes Abendmahl in der Stadtkirche gehalten. Als Ende des Jahres der Lutherische Inspektor starb, wurde der Reformierte in die Wohnung am Kirchhof gesetzt und erhielt den Vorrang in Verwaltungssachen. Die Lutherische Gemeinde mußte für ihren Oberpfarrer ein Haus in der Steingasse kaufen.

In der Folgezeit wurden in rein lutherischen Orten reformierte Pfarrer eingesetzt, so in Herrenbreitungen, Kleinschmalkalden, Asbach, Brotterode, Floh und Steinbach, dazu ein reformierter Lehrer in Fambach. Die Alternation wurde eingeführt in Floh-Seligenthal und Steinbach-Oberschönau.

 

 

Die Zahl der Reformierten wuchs mit der Zeit wieder. Viele reformierte Beamte kamen mit ihren Familien aus dem übrigen Hessen. Reformierte Männer heirateten lutherische Frauen und ließen die Kinder reformiert taufen. Viele Lutheraner wechselten die Konfession, um bei der Obrigkeit gut angesehen zu sein. Wer sich gegen das fünfte bis siebte Gebot (reformierte Zählung: Elternmißachtung, Totschlag, Ehebruch) vergangen hatte, blieb straffrei, wenn er reformiert wurde.

Vollends die Landgräfin Hedwig Sophie ließ niemanden zu einem öffentlichen Amt zu, der nicht reformiert war. Sie war als Brandenburgerin nicht hessisch-reformiert, sondern streng calvinistisch. So mußte die Hälfte der Gemeindevertreter von reformierter Konfession sein. Die reformierten Pfarrer und Lehrer erhielten Besoldungszulagen. Die reformierten Kinder erhielten Schulgeldfreiheit und Geschenke. So wuchs die Reformierte Gemeinde, schon als Hedwig Sophie als Vormund für ihren Sohn über ganz Hessen herrschte und erst recht, als sie die Herrschaft Schmalkalden allein regierte (Sie hatte sich Schmalkalden als Witwensitz ausbedungen). Noch 1731 hieß es in einer Beschwerde: „Wenn einer Nachtwächter werden will, muß er erst reformiert werden!“

Doch im Laufe der Zeit ebbten die Schwierigkeiten ab. Die Zeit der Aufklärung brachte mehr Duldsamkeit mit sich. Durch die Freiheitskriege gegen Napoleon entstand ein neues Nationalbewußtsein. Und durch die Reformationsgedenkfeiern 1817 gab es auch eine kirchliche Hochstimmung, die zu einer Union drängte. Pfarrkonferenz und Synode nahmen Vergleichspunkte an, am 14. September 1818 nahm eine Synode auch die Hanauer Artikel an (in Hanau war die Union vollzogen worden). Aber zu einem tatsächlichen Zusammenschluß kam es nicht.

In Herrenbreitungen und Barchfeld führte man das gemeinsame Abendmahl ein. In Steinbach-Hallenberg wechselte Pfarrer Habicht oft mit seinem Schwager Lucan, auch bei Beerdigungen und Taufen, die reformierten Gemeindeglieder wurden sogar zum lutherischen Abendmahl zugelassen. In Floh stellte man einen „evangelischen“ Pfarrer an und Trusen beantragte einen solchen. In Fambach beantragte man 1837 eine Zusammenlegung beider Gemeinden.

Aber die Inspektoren ließen auf Weisung von oben die Sache nur noch auf kleiner Flamme weiterkochen. Mit dem Voranschreiten der Restauration auf staatlichem Gebiet wurden auch die Unionsversuche abgewürgt. Im Jahre 1840 beschloß das Konsistorium, daß die Vereinigung „bei den eingetretenen Hindernissen bis auf Weiteres ruhen soll“. Dabei ist es fast 100 Jahre geblieben.

 

Die Verfassung der Hessischen Kirche von 1924 schuf dann die Möglichkeit zu einem Zusammenschluß .Von 1931 an schlossen sich die Lutherischen und Reformierten Gemeinden zu Evangelischen Gemeinden zusammen, nachdem sich die Unterschiede bis auf wenige Äußerlichkeiten angeglichen hatten. Die Gemeindeglieder gingen schon immer zu beiden Pfarrern in den Gottesdienst, bei Amtshandlungen bestand freie Pfarrerwahl. In Schmalkalden wurde zwar bis 1980 noch reformiertes Abendmahl gehalten. Aber wichtiger war das Bewußtsein, sich als einige evangelische Gemeinde in einer weltlichen Welt behaupten zu müssen. Selbst zur Römisch-Katholischen Kirche bestehen gute Beziehungen und manche gute Zusammenarbeit.

 

Benutzte Literatur:

Johann Conrad Geisthirt: Historia Smalcaldica, 2., 3. und 6. Buch

Johann Reinhard Häfner: Die Herrschaft Schmalkalden, besonders 3. und 4. Buch

Nicolaus Kraut: Allerlei Nachrichten, Neunte Abteilung (Manuskript)

Beiträge zur Geschichte Schmalkaldens (Festschrift 1974)

Volker Wahl/Peter Handy: Schmalkalden zur Reformationszeit, Wissenschaftliche

Zeitschrift Friedrich-Schiller-Universität Jena, 1983, Heft 1/2 (unter dem Titel: „Martin

Luther und die Schmalkalder Bundesversammlung von 1537“, auch im „Jahrbuch für

Regionalgeschichte“, 10. Band, Weimar 1983)

Beilage zu „Thüringer Hausfreund“ vom 16.9. und 2.9.1925

Ernst Badstübner: Kirchen in und um Schmalkalden, Berlin 1969

Zeitungsartikel in der Tageszeitung „Freies Wort“ (Lokalseite)

 

Kritisch zu werten sind folgende Bücher:

Karl Volkmar: Luthers Gefangennahme. Luther und Schmalkalden, 1930

„Schmalkalden. Artikel des Glaubens, glaubende Menschen“, Kassel 1987

Postkartenmappe „450 Jahre Schmalkaldische Artikel (1537-1987“, Dresden 1987

(zehn Fotopostkarten aus Schmalkalder Kirchen).

 

Das Buch „Schmalkalden, Artikel des Glaubens, glaubende Menschen“ erschien 1987 in Kassel aus Anlaß des Jubiläums „450 Jahre Schmalkaldische Artikel“. Der erste Teil ist von Gottfried Müller. Der Rest über „Luther in Schmalkalden“ und „Ein Gang durch das Dekanat“ angeblich von Alfred Schreiber.

In diesem Buch sollte auch die heutige Kirche im ehemaligen „Kreis Herrschaft Schmalkalden“ vorgestellt werden. Der Auftrag für den Schmalkalder Teil kam ziemlich kurzfristig. Anfang September fragte Dekan Schreiber in der Pfarrkonferenz, wer dazu etwas schreiben könnte. Ich meldete mich - für ihn vielleicht überraschend - und legte Ende des Monats das Manuskript vor. Danach war nichts mehr davon zu hören, nur daß nach Weihnachten Frau Schreiber das Manuskript nach Kassel mitgenommen habe.

Erst als das fertige Buch in Schmalkalden vorgestellt wurde, stellte sich heraus, daß der Schmalkalder Teil unter dem Namen von Alfred Schreiber herausgekommen war. Er hatte einige kleinere Ver­änderungen vorgenommen, die den Text „verböserten“, aber den einzigen wirklichen Fehler übersehen (die Stadtkirche in Schmalkalden ist gotisch und nicht romanisch). Da das Buch gedruckt war, ließ sich nichts mehr ändern. Ich stellte Herrn Schreiber zwar deswegen zur Rede, erntete aber nur unqualifizierte und bissige Antworten.

Wenigstens in dem für den Kirchenkreis Schmalkalden beigelegten Zettel, der erst danach gedruckt wurde, hätte er die wahren Verhältnisse darstellen können, aber auch dazu hatte er nicht die Größe. Ich ließ es dabei bewenden, weil es mir darauf ankam, daß die Information verbreitet wurde und nicht daß mein Name in diesem Zusammenhang genannt wurde. Mein Ehrgeiz war es gewesen, daß eine knappe sachliche historische Darstellung gegeben wird, die möglichst viel an Informationen enthält. Wenn schon einmal so ein Buch herausgegeben wird, dann sollte es auch Hand und Fuß haben. Zu einem großen Teil wurde dieses Ziel erreicht - abgesehen von den nachträglichen Änderungen Schreibers.

 

 

 

 

 

Rundgang durch Schmalkalden auf den Spuren Luthers (überarbeiteter Text)

 

Der Bus fährt möglichst weit zum Schloß Wilhelmsburg hinauf, eventuell bis zur Gaststätte „Queste“. Am großen Parkplatz in der Recklinghäuser Straße nimmt er die Gäste wieder auf.

Der Rundgang beginnt mit einem Besuch des Museums im Schloß Wilhelmsburg und der dortigen Abteilung über die Reformation in Schmalkalden

 

Wilhelmsburg:

Zur Zeit der Bundestagung 1537 stand an der Stelle des heutigen Schlosses noch die Burg Waltaff (so der richtige Name, nicht „Wallrab“). Sie diente den fürstlichen Herrschaften als Wohnung und war Beratungsort für die Fürsten und Stände. Das Haupthaus stand an der Stelle der heutigen Schloßkirche, der Turm auf einer Kuppe in der Mitte des heutigen Schloßhofs. Von dieser Burg sind noch erhalten: Der Ziehbrunnen im Keller des Torhauses, die unteren Geschosse des Schloßkirchenturms und der Keller unter der Schloßkirche (wo die ursprüngliche Torfahrt war). Das heutige Schloß wurde 1585 bis 1590 unter Landgraf Wilhelm IV. als Sommersitz errichtet. Es beherbergt ein Museum, zu dem auch ein Raum über die Reformationszeit gehört.

Das heutige Schloß wurde in den Jahren 1585 bis 1590 unter Landgraf Wilhelm IV. von Hessen als Nebenresidenz erbaut. Fast alle Zimmer und Säle sind mit Wandmalereien im Stil der deutsch-niederländischen Spätrenaissance geschmückt, einige mit prachtvollen Stukkaturen. Ab 1878 wurde im Schloß durch den Hennebergischen Geschichtsverein ein Museum eingerichtet, das bis heute wertvolle kulturhistorische Sammlungen beherbergt.

Die Schloßkirche war richtungsweisend für den protestantischen Kirchenbau in Deutschland, besonders auch in der näheren Umgebung, vor allem durch die Übereinanderordnung von Altar (mit Taufbecken), Kanzel und Orgel. Die Kanzel ist nicht seitlich angebracht, sondern Mittelpunkt des Ganzen und von allen Emporen gut einsehbar, also eine typische Predigtkirche. Die Orgel ist die älteste völlig aus Holzpfeifen bestehende und heute noch spielbare Orgel aus der Renaissancezeit in Mitteleuropa, erbaut 1590 von dem Göttinger Hoforgelbaumeister Daniel Meyer).

Die Haupt­wirkung des Raumes lag nicht nur in der Stuckdekoration, sondern in den 30 großen Bildtafeln und den zwei Rundbildern im Deckengewölbe. Sie stellten gegenüber, was Christus sagt und was der Papst sagt und tut (in Anlehnung an die Holzschnittfolgen von Lukas Cranach von 1521 „Passional Christi und Antichristi“ zu der Melanchthon die Unterschriften fertigte.

 

Vom Vorgelände der Burg aus („Exerzierplatz“) sieht man in Richtung Osten auf folgende Gebäude für die kirchliche Arbeit (auf die anderen Gebäude, die nachher auch noch besucht werden, wird natürlich auch hingewiesen): Landeskirchliche Gemeinschaft (das Haus in der Künkelsgasse ist Sitz des Inspektors der Landeskirchlichen Gemeinschaft für Thüringen. Die Gemeinschaft ist eine Gruppierung innerhalb der evangelischen Landeskirche, die konservativ und streng gläubig ist und seit der Jahrhundertwende 1900 im Kreis tätig ist), Gemeindehaus (das Haus wurde in den Jahren 1984/1985 durch die Gemeinde und das Dekanat mit tatkräftiger Hilfe der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck erbaut. Es enthält einen großen Saal, mehrere kleinere Räume für die Gemeindearbeit, Büro und Hausmeisterwohnung. Es ersetzt das frühere Gemeindehaus Reihersgasse 11) und Evangelischer Kindergarten (der Kindergarten mit 60 Plätzen besteht seit 1878).

 

Stift und Stiftskirche:

Am 1. Februar 1319 gründete Graf Berthold VII. zu Henneberg ein Kollegiatstift für zwölf Chorherren und zwölf Vikare und ließ an der Stelle der Jakobskapelle eine Stiftskirche St. Egidii und Erhardi errichten. Sie stand auf dem Platz vor dem heutigen Schloß und muß ein markantes Wahrzeichen der Stadt gewesen sein. Der Gottesdienst in der nahegelegenen Marienkapelle blieb aber bestehen und wurde reihum von den Vikaren des Stifts besorgt. Der Glockenturm stand getrennt vom Kirchenschiff. Eine Freitreppe führte zur Kirche empor, deren Front „mit allerlei zierlich gehauenen Portalen und Bildern“ versehen war. Im Inneren war sie reich mit Bildern und Reliquien ausgestattet (Arm des Heiligen Egidius samt Ring, Arm des heiligen Longinus und seine Lanze, Finger des Heiligen Andreas, Öl der Heiligen Catharine und Walpurgis).

Beim Neubau des Schlosses wurde die Stiftskirche abgerissen, um freie Aussicht zu haben. Drei Glocken wurden auf den Schloßkirchenturm gebracht, die größte Glocke („Groß­-Oster") kam 1589 auf den nördlichen Stadtkirchenturm. Der Hauptbau wurde 1587 niedergelegt, die Fläche eingeebnet und die hohe Mauer nach dem Schloßberg zu errichtet.

 

Aufgang zum Schloß:

Am Fuß des Schloßgartens liegt der ehemalige Marstall (später Amtsgericht), der an der Stelle des Wirtschaftshofs für Stift und Schloß steht. Im Jahre 1439 tauschte ihn Graf Wilhelm von Henneberg vom Stift. Seitdem hieß er „Henneberger Hof“ und wurde als Nebenresidenz und Gästehaus benutzt. Das heutige Gebäude wurde 1618 unter Landgraf Moritz von Hessen erbaut (Inschrifttafel). Im Osten des Gebäudes steht der Pulverturm, ein letzter Turm der Stadtbefestigung. Er wurde 1335 erbaut und diente der Aufbewahrung des Schießpulvers der Stadt.

Unter dem Aufgang zum Schloß kurz vor dem Eingangstor befinden sich in der Erde die Reste eines halb unterirdischen Ausstellungsraums für Reliquien (Erinnerungsstücke an Heilige), über dem die gewölbte Sakristei des Stiftes errichtet war. Dieses Gebäude mußte beim Schloß­bau am 23. Februar 1586 als erstes weichen für den Bau der neuen Zufahrtstraße zum Schloß.

Das Gebäude, in dem sich die Gaststätte „Pfalzkeller“ befindet, wurde 1604 auf einer älteren geistlichen Ablage errichtet, wahrscheinlich der Marienkapelle; diese oder die Jakobskapelle war die erste Schloßkapelle. Das Gebäude war Schloßkanzlei und danach Bergamt.

An der Stelle der Gaststätte „Wilhelmsburg“ stand die alte Dechanei, die Wohnung des obersten Priesters in katholischer Zeit. Die starken Mauern stammen aus romanischer Zeit. Unter dem großen Saal ist eine romanische Fensterarkade mit Vierpaß, in der Südwand ein großer Inschriftstein. Die Stiftshäuser zogen sich bis zur Kirche hinauf. Es waren sogenannte „Freihäuser“, d.h. die Geistlichen wohnten miet- und steuerfrei.

 

Lutherhaus:

Am Töpfermarkt, der seit 1837 „Lutherplatz“ heißt, steht das Haus des Hessischen Rentmeisters Balthasar Wilhelm, in dem Luther während seines Aufenthaltes im Jahre 1537 wohnte. Das war eine große Ehre und Genugtuung für den ersten Schmalkalder Geistlichen, der offen für die Reformation eintrat. Wahrscheinlich hat Wilhelm selber um 1520 das Haus bauen lassen, denn er ließ im Jahre 1538 am Erdgeschoß sein Familienwappen anbringen: eine Steinzange mit zwei Rosen zu beiden Seiten, darüber die Jahreszahl 1538, darunter eine steinerne Rundmarke, die von drei Halbkugeln eingefaßt ist. Heute ist dort außerdem noch eine Gedenktafel angebracht.

Das Haus ist ein Ständerriegelbau auf niedrigem Steinsockel, ein Lehmfachwerkbau mit vorgekragten Geschossen unter einem abgewalmten Satteldach. Durch das Haustor am Schloßberg betrat man den mit großen Sandsteinplatten ausgelegten Flur, der bis an die Torfahrt an der anderen Seite des Hauses ging (das Neben­gebäude stand noch nicht, diese Wand ist massiv gemauert). Das Fachwerk ist allerdings nicht mehr original, wie ein Vergleich mit früheren Zeichnungen zeigt. Das Hinterhaus nach dem Schloßberg zu jedoch ist das älteste Wohnhaus in Schmalkalden, etwa 1400 bis 1430 entstanden und mit dem Vorderhaus später zu einer Einheit verbunden.

An der Schloßbergfront tragen die beiden mittleren Knaggen menschliche Gesichter (Mann und Frau), die äußeren zeigen Löwenfratzen. Rechts vom Hauseingang des Vorderhauses waren zwei etwas erhöht liegende Zimmer. Hinten führte eine Treppe in einmaliger Brechung zum großen Flur im ersten Obergeschoß. Dieser hatte nach dem Schloßberg zu vier große Fenster und war neunmal neun Meter groß.

Hier spielte sich das häusliche Leben ab. Hier wohnte Luther vom 7. bis 26. Februar 1537. Auf dem Flur des zweiten Obergeschosses hielt er am 11. Februar 1537 vor den Fürsten und Theologen eine Predigt über die Auslegung der Glaubensartikel, die unter dem Titel gedruckt ist: „Auslegung des Glaubens durch Doktor Martinum Lutherum zu Schmalkalden ins Rentmeisters Hause Ao 1537“.

Luther bewohnte die beiden vorderen Zimmer des zweiten Obergeschosses. Im Alkoven des nach dem Schloßberg zu gelegenen Raumes stand nach der Überlieferung sein Bett. Zu den Legenden gehört aber wohl der angebliche Ausspruch Luthers: „Gastfreund, flieh die hessischen Betten" sowie das „winterfeuchte Bett“ und das „schwere Schmalkalder Brot“.

Die Stuckdecke aus der Renaissancezeit zeigt in den Mittelfeldern das Wappen des Landgrafen von Hessen sowie die Wappen der Reformatoren Luther und Melanchthon. Die übrigen fünf Deckenbilder sind von stilisiertem Blattwerk eingefaßt, das von Löwen- und Engelsköpfen unterbrochen wird. Das Nebenzimmer hat eine noch prächtigere Barockdecke.

In der Diele sind über den vier Türen die vier Jahreszeiten durch Engelsgestalten dargestellt (vorne Frühling und Sommer, hinten Herbst und Winter). In der Diele nach dem Alkoven zu befinden sich heute auch die Reste der acht farbigen Glasfenster, die Balthasar Wilhelm 1538 in Erinnerung an den großen Tag an den Vorderfenstern hatte anbringen lassen (sie zeigen Porträts oder Wappen von Fürsten und die Opferung Isaaks).

An der Außenwand des zweiten Obergeschosses ließ der spätere Besitzer Reinhard Stiefel 1687 eine große Gedenktafel anbringen (1,75 Meter hoch), von dem gleichen Stukkateur, der auch die Decken im Inneren gemacht hat. Sie trägt die Inschrift: „Versammlungshaus der Evangel. Stände u. Theologen bei Verfertigung der Schmalkald. Articul. Anno MDXXXVII“.

Diese Inschrift ist allerdings historisch nicht ganz richtig, denn die Verhandlungen fanden vorwiegend in anderen Gebäuden statt, und die Artikel wurden nicht in Schmalkalden „verfertigt“, sondern Luther hat sie schon relativ vollständig nach Schmalkalden mitgebracht.

Der Raum oberhalb und unterhalb der Inschrift ist durch drei Rosen aufgeteilt und wird von barockem Rankenwerk umrahmt, das unten mit einem Engels­kopf und drei Fruchtgehängen abschließt. Den oberen Abschluß bilden links das Petschaft Luthers, rechts das Melanchthons, in der Mitte und zuoberst die Hausmarke Stiefels mit den Buchstaben „RSS“ (=Reinhard Stiefel, Schmalkalden). In der Mitte erinnert ein weit hervortretender Schwan (Sinnbild der Reinheit und Standhaftigkeit) an die auf Luther bezogenen Worte des böhmischen Reformators Jan Hus, der vor seiner Verbrennung 1415 auf dem Scheiterhaufen in Konstanz ausgerufen haben soll: „Ihr rupft und bratet mich wie eine Gans; nach hundert Jahren kömmt ein Schwan, den wird man müssen leben lan!“ Der Name „Hus“ bedeutet so viel wie „Gans“. Der Schwan ruht auf einem Sockel, der vorn in eine Fratze (dem Sinnbild des Bösen) ausmündet.

Stiefel ließ auch das wertvolle Treppenhaus und die reichen Stuckdecken anbringen: Er verkleinerte auch die Flure wesentlich durch den Einbau von Zimmern, weil sich das Leben jetzt in den Räumen abspielte. Auch 1817 und 1883 und zuletzt 1983 wurden Gedenktafeln an dem Haus angebracht.

 

Rosenapotheke/Melanchthonhaus:

Das auffälligste Haus in der Steingasse wurde 1545 durch Reinhard Olff erbaut (Hausmarke) umgebaut, wohl mit Benutzung älterer Teile. Im Erdgeschoß befinden sich neben dem gotischen Einfahrtstor (besonders gut vom Hof aus zu erkennen) drei Räume mit Kreuzgewölben. Die Staffeln der Giebelwände sind nur nach einer Seite zu abgeschrägt. Das Haus enthält noch zahlreiche Baureste aus der Gotik (spätgotische Fenster, Kreuzgewölbe). Es war Sitz der reitenden Post und seit 1664 Apotheke.

Das Haus wird auch als „Melanchthonhaus“ bezeichnet. Doch 1537 wohnte der Reformator im Hoffmann‘schen Haus am Neumarkt. Aber 1540 könnte er in dem Haus gewohnt haben, das an der Stelle der heutigen Rosenapotheke stand, oder auch im Hinterhaus, wo am Eingang Stumpfelsgasse die Jahreszahl 1539 steht und wo man auch ein Melanchthonzimmer zeigte, von dem noch ein Teil der Wandvertäfelung aus dem 17. Jahrhundert im Schloß erhalten ist.

 

Alte Superintendentur:

Das Haus Steingasse 8 (lange Zeit Stadtcafé) war eine Zeit lutherische Superintendentur, nachdem man das eigentliche Gebäude am Kirchhof an die Reformierten hatte abgeben müssen. Die Bürgerschaft war aber weitgehend lutherisch und besorgte ihrem geistlichen Oberhaupt diese gute Wohnung mit Stuckdecke.

Ein bezeichnendes Licht auf die konfessionellen Verhältnisse späterer Jahrhunderte wirft folgende Anekdote: Ein Händler pries seinen Scheuersand an. Doch der Lutherische Inspektor, der den Mann als Reformierten kannte, rief aus dem Fenster: ,,Ich kaufe keinen reformierten Sand!“

Der andere Ausgang des Hauses führte in die frühere Judengasse, wo an der Stelle der heutigen Autowerkstatt die Synagoge stand. Ihre Zerstörung am 9. November 1938 war der Auftakt zur Verschleppung und Ermordung der Schmalkalder Juden durch die Nazis. Ein jüdischer Friedhof war hinter dem Haus Stiller Tor 3, heute besteht noch der jüdische Friedhof im Eichelbach. Die Erinnerung an die jüdische Gemeinde ist ein Anlaß, auf Luthers antijüdische Haltung besonders in seinen späteren Jahren hinzuweisen. Hier war er ganz von Vorurteilen seiner Zeit und vieler Jahrhunderte umfangen.

 

Salzbrücke:

Auf der Salzbrücke, an der ehemals die Stille vorbeifloß, stand im 14. und 15. Jahrhundert der älteste Schmelzofen der Stahlschmiede. Später waren hier die Fleischbänke. Vom Markt wird die platzartig erweiterte Salzbücke durch die „Insel“ getrennt, eine kleine malerische Häusergruppe.

 

Gasthof „Zur Krone“:

An der Stelle des heutigen Finanzamtes stand das älteste und stattlichste Gasthaus in Schmalkalden, das Haus „Zur Krone“. Es war ursprünglich ein Fachwerkbau mit Erker und wurde am 12. April 1880 samt „Lutherstube“ abgerissen. Erhalten blieb nur das Hessenwappen von 1695. Der Name ist aber bis heute bekannt geblieben, denn eine Reisegruppe aus den USA meldete 1982 beim Reisebüro ein Essen im Gasthof „Zur Krone“ an.

Hier fand ein Teil der Tagungen des Schmalkaldischen Bundes statt (wegen der guten Gastronomie?). Die Vertreter der „Stände“ (Adel, Geistlichkeit, Bürger) berieten im Rathaus, in der Burg, in der ,,Krone“, im Haus des Vizebürgermeisters Herz. Die Kommissionen tagten im Brock‘schen Haus (Auergasse 3).

Auf der anderen Seite des Gasthofs steht die Todenwarth‘sche Kemenate aus dem 16. Jahrhundert an der Stelle eines ehemaligen Herrenhofs. Der Staffelgiebel trägt die Jahreszahl 1575, es hat ein Rundbogenportal mit Sitznischen und Stabwerksprofilen. Im Inneren gab es früher eine große Halle im Erdgeschoß und einige Räume mit Kreuzgewölbe.

 

Sankt-Nikolai-Kapelle:

Im nördlichen Teil des Postamtes am Markt stand die Sankt­ Nikolai-Kapelle, in der die Leute opferten, die über den Thüringer Wald reisen wollten. Sie wurde wahrscheinlich im 14. Jahrhundert erbaut, denn 1376 wurde eine Vikarie dafür gestiftet. Im Jahre 1480 wurde sie neu errichtet. Sie war noch in den Mauern der Holffoth‘schen Schmiede erhalten. Daneben war an der Stelle des Eichel‘schen Hauses ein kleiner Friedhof, über den man durch das Galgentor zum Galgenberg kam. Die Kapelle wurde 1538 abgerissen und der Platz in eine Pferdeschwemme verwandelt, ein Zeichen für den Fortschritt der Reformation auch in den anderen Kirchen.

Mit dieser Kapelle und ihrem Friedhof stand vielleicht eine „Terminei“ der Meininger Franziskaner in Verbindung. Das war ein Haus, in dem die erbettelten Spenden gesammelt wurden. Diese Terminei soll in der Nähe des Auer­ Tores gestanden haben. Vielleicht ist sie auch in den Resten einer Kapelle am Brock‘schen Haus identisch (Chorraum in der Stadtmauer erhalten).

 

In der Auer Gasse blickt man noch auf die Totenhofskirche: Im Jahre 1540 wurde der Friedhof vor die Stadt verlegt. An der Stelle der Heilig-Kreuz-Kapelle beim Quidenborn wurde 1541 eine Friedhofskirche erbaut, in der man die Sakristei der alten Kapelle erhielt. Die jetzige Totenhofskirche wurde 1760 erbaut, die Steinkanzel ist von 1680. Die Kirche enthält zahlreiche Grabmäler, die für die Kostümgeschichte von großem Interesse sind. Zur Bahnhofstraße hin befindet sich der Dachreiter mit Schweifkuppel, Laterne, Knauf und Wetterfahne.

Noch weiter westlich südlich des Bahnübergangs bei den dortigen Teichen ist der Siechenrasen. Hier stand die Sankt-Gehilfen-Kapelle, für die der Rat 1397 eine „ewige Messe“ stiftete, für die er einen Priester anstellen durfte. Die Kapelle wurde von der Brüderschaft St. Jost in Schmalkalden als Gottesdienststätte genutzt und 1538 abgebrochen.

 

Rathaus:

Der Altmarkt wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert angelegt. Seine Westseite gilt als ältester Siedlungspunkt (noch vor der Ersterwähnung 874).

Das älteste Rathaus stand vermutlich an der Stelle des heutigen Ratskellers. Vielleicht hat man auch zu Luthers Zeiten dort schon getrunken, denn die Stadt hatte den Gästen immerhin 1.000 Liter Wein zum Trinken vermacht. Der Gelehrte Eobanus Hessus jedenfalls schrieb am 17. Februar 1537 aus Schmalkalden: „Wir sind durch Gottes Gnade wohlauf und zechen auf dieser Tagung in Schmalkalden wacker und sind weise!“ Es müssen einige hundert Teilnehmer an der Tagung gewesen sein. Angeblich soll es 21 Gasthöfe in der Stadt gegeben haben. Aber die Gäste wohnten vornehmlich in den etwa 200 „Freihäusern“, die eigenes Braurecht hatten.

Das Rathaus ist eine der fünf gotischen „Kemenaten“ in der Stadt. In der Mitte der heutigen Häuserzeile steht das gotische Rathaus, in dem der Stadtrat im Jahre 1419 zum ersten Mal tagte. Das Erdgeschoß bestand aus einer offenen Halle, die bis in den heutigen Ratskeller hineinreichte. Im ersten Obergeschoß war zunächst auch ein großer ungeteilter Saal. Doch wurde dort 1472 die „große Ratsstube“ mit breitem, zehngeteilten Fenster eingebaut und 1473 eine kleine Ratsstube. Im zweiten Obergeschoß waren die Rüstkammern.

Die große Ratsstube wurde 1917 zu einer Gedächtnishalle zur Erinnerung an den Schmalkaldischen Bund mit zahlreichen Wappen und Porträts der Fürsten und Städte eingerichtet, wovon aber heute nichts mehr erhalten ist. Im Foyer weisen jedoch die Wappen der Mitgliedsstädte auf dieses Ereignis hin. Das Wandbild in der Eingangshalle wurde in den 30iger Jahren von dem Schmalkalder Kunstmaler Carl Simon geschaffen in Anlehnung an Stiche von Dilich und Merian.

Der südliche Teil der Häuserzeile ist das sogenannte „neue Rathaus“, nach einem Brand von 1901 in den Jahren 1903 bis 1905 errichtet. Früher stand hier das städtische Waage- und Kaufhaus mit Tanzsaal, Archiv und Weinkeller von 1600. An der Südseite ist noch ein In­schriftstein zu sehen. An der inneren Südwand des Ratskellers befindet sich die Darstellung eines bärtiger Mannes mit Weinreben im Mund.

Im Treppenhaus des Rathauses sind noch Inschrifttafeln aus der 1901 abgerissenen alten Kemenate hinter dem Rathaus und ein steinerner Löwe von 1583 vom Auer-Tor zu sehen. Eine Tafel neben der Eingangstür erinnert an den Bauernkrieg 1525.

 

Das Rathaus war von 1530 bis 1544 eine der Tagungsstätten des Schmalkaldischen Bundes. Nach einem Gottesdienst in der Stadtkirche wurde am Nachmittag des 10. Februar die Bundestagung in der „vorderen Stube“ des Rathauses (große Ratsstube, Audienzsaal) eröffnet. Der kursächsische Kanzler Brück hielt die Eröffnungsrede. Brück ging dabei von Luthers Artikeln aus, die aber noch gar nicht öffentlich verbreitet waren. Er wollte ihre Anerkennung als Bekenntnisschrift erreichen. Doch die Abgesandten hatten dazu keine Vollmacht.

Melanchthon hatte gleich Philipp von Hessen in Kenntnis gesetzt, und dieser informierte über die Straßburger die Städte. Es regte sich wieder das Mißtrauen der Städte gegenüber den Fürsten, denn sie fürchteten, bei einem Konflikt zuerst in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt zu werden und beharrten deshalb auf dem Augsburgischen Bekenntnis. Auch standen sie in der Abendmahlslehre doch Zwingli näher. So war das Vorhaben im Grunde von Anfang an gescheitert.

Am 13. Februar trug der Kaiserliche Gesandte Mathias Heldt eine Botschaft Kaiser Karls vor, am Vormittag dem Landgrafen von Hessen und dem Kurfürsten von Sachsen, am Nachmittag den übrigen Fürsten und Städten: Auf Veranlassung des Kaisers habe der Papst auf den 13. Mai 1537 ein Konzil nach Mantua in Ober-Italien einberufen. Der Kaiser fordere die Protestanten auf, diese Kirchenversammlung zu besuchen, damit die religiösen Streitigkeiten beigelegt werden können.

Am 24. Februar lehnte man jedoch ein Konzil in Italien ab, weil dort nicht genug Sicherheit für Leib und Leben gegeben sei. Deutsche Angelegenheiten sollten auf deutschem Boden geregelt werden. Man lehnte auch die Stellung von Truppen gegen die Türken ab, hätte aber sicher im Ernstfall eingegriffen. Und man wies den Vorwurf Karls V. ab, man wolle ja nur das Kirchengut haben, mit dem Argument, daß es ja auch in katholischen Erzbistümern Säkularisationen gebe.

 

Stadtkirche St. Georg:

Eine Pfarrkirche bestand in Schmalkalden wohl schon im 11. Jahrhundert (Jahreszahl 1075 am Eingang zum Südturm). Im 12. Jahrhundert wurde die romanische Georgskirche gegründet. Das Patronat entsprach dem der Hauptkirche in Eisenach, dem Sitz der Thüringer Landgrafen (Daß aber die vielen Mariendarstellungen in der Kirche auf eine „Marien­­kirche" hindeuten, ist nicht zwingend, weil die Marienfrömmigkeit in allen Kirchen eine große Rolle spielte).

Von dieser früheren Kirche ist der untere Teil des Südturms erhalten (nicht viel vor 1200), der dann in die Fassade der spätgotischen Hallenkirche einbezogen wurde. Der Bau der heutigen gotischen Kirche wurde 1437 mit dem Chor begonnen. Das zeigt die Inschrift am ersten südlichen Chorpfeiler. An der Nordseite des Chores befinden sich bei einer Konsole die Grabsteine von Vater und Onkel von Balthasar Wilhelm (Inschrift „jörg willem“ und Wappenschild).

Der Dachstuhl war 1496 in Arbeit, danach begann die Einwölbung. Der Chor wurde 1500 durch den Bischof von Würzburg geweiht. Der Nordturm wurde bis zum Jahre 1447 errichtet. Er stürzte 1564 bis zur Hälfte ein und wurde erst 1748 und 1851 in der heutigen Form wieder aufgebaut. Er trägt die „Groß-Oster-Glocke“ von 1852, Nachfolgerin der Stiftsglocke, die 1585 auf diesen Turm gebracht wurde und 1847 zersprang. Sie ist die zweitgrößte Glocke Thüringens. Der Südturm wurde 1570/71 bis zur Höhe des zweiten Obergeschosses abgetragen und mit Steinen des abgerissenen Augustinerklosters neu gebaut. Der Dachreiter der Kirche birgt seit 1467 die Uhr mit der Inschrift „memento mori“ („denk an den Tod“). Unter der Uhr ist der Tod zu sehen, der mit der Sense nach dem Reifen in der Hand einer Jungfrau schlägt (der Reifen ist ein Symbol des Lebens).

Zwischen Chor und Türmen blieb nur wenig Platz, so daß der Grundriß des Schiffes fast quadratisch wurde. Alle drei Schiffe haben annähernd die gleiche Höhe der Gewölbe, wodurch der Eindruck einer Hallenkirche entsteht. Die Gewölbe sind unterschiedlich gestaltet: im Mittelschiff Schlingenmuster, im nördlichen Seitenschiff einfaches Netzmuster, im südlichen Seitenschiff jedes Joch ein reich geformtes Sterngewölbe, im Chor wieder Netzmuster.

Auch nach außen ist die Südseite reicher ausgestaltet, weil das die Schauseite zum Markt ist (sonst eher die Westseite). Zu den Versammlungen des Schmalkaldischen Bundes hatte die Kirche schon das heutige Aussehen, nur die Türme hatten wohl spitze Helme.

Eine steinerne Kanzel stand ursprünglich am zweiten südlichen Pfeiler, wo jetzt das Bildnis Luthers in Stein gehauen ist. Die heutige Kanzel ist von 1669, der Taufstein und der Gotteskasten von 1560, der Kronleuchter von 1642.

Am 9. Februar 1608 wurden auf Befehl des calvinistischen und daher bilderfeind­lichen Landgrafen Moritz von Hessen zahlreiche Kunstwerke aus der Kirche entfernt, darunter die Altäre auf dem Kirchenboden, die Bilder an den Außenwänden und eine plastische Darstellung der Ölbergszene, von der die Gestalt eines schlafenden Jüngers rechts neben dem Westportal noch ein Rest sein könnte. Erhalten blieben dennoch ein Meßgewand, mehrere Ölbilder, sein Schnitzaltar, ein Schmerzensmann, Musikinstrumente und anderes.

Sie befinden sich heute in dem Raum über der Sakristei, der ursprünglich Paramentenkammer (für die Altarbehänge) und Bibliothek war und seit Mitte des 19. Jahrhunderts „Lutherstube“ genannt wird. Daß Luther von hier aus durch das akustisch sehr ungünstige Fensterchen den Gottesdienst verfolgt habe, ist sehr unwahrscheinlich. Die Kirchenbibliothek enthält eine Reihe von Drucken aus dem 15. und 16. Jahrhundert (viele noch in alten Einbänden), ein altes Meßbuch und Notenhandschriften.

Bei der Renovierung 1899 wurden die Tafelbilder an den Emporen durch Umdrehen der Platten wieder sichtbar gemacht und die neuen Figuren im Chor aufgestellt. Von 1959 bis 1964 eine umfassende Wiederher­stellung: Die Emporen wurden erneut verändert, eine neue Orgel mit 39 Registern von der Firma Schuster errichtet, drei Fenster im Chor und das Westfenster wurden mit Glasgemälden von Carl Crodel versehen.

In der Stadtkirche hat Martin Luther zweimal gepredigt. Er war am 31. Januar 1537 in Wittenberg aufgebrochen und über Altenburg und Eisenach nach Jena gekommen, wo er mit dem Kurfürsten zusammentraf, der mit ihm nach Schmalkalden weiterreiste. Am 7. Februar trafen sie in Schmalkalden ein. Am nächsten Tag ging Luther zum Gottesdienst, als Spalatin predigte.

Am 9. Februar predigte Luther selber. Das Thema ist nicht bekannt. Doch er sagte, die Akustik von der Kanzel sei sehr schlecht gewesen, er habe eine „Stimme wie eine Spitzmaus“ gehabt. Am 18. Februar predigte er dann noch einmal in der Stadtkirche. Der Text der Predigt über Matthäus 4, 1-11 ist überliefert, die Predigt wurde auf Vormittag und Nachmittag verteilt.

Insgesamt waren zwölf Theologen anwesend, darunter Luther, Melanchthon, Bugenhagen, Myconius, Spalatin, Agricola, Bucer, Osiander, Amsdorf und Lang. Dazu Gelehrte wie Johannes Stigelius und Eobanus Hessus. Sie alle predigten in der Stadtkirche, aber auch der Stadtpfarrer Wilhelm Gräf.

 

Nach einem Mittagessen im Ratskeller folgt der zweite, kürzere Teil des Rundgangs. Er beginnt auf dem Kirchhof mit der Reformierten Schule, dem Dekanatsgebäude und der Stadtschule an der Westseite und dem Küsterhaus von 1608 (Stadtkirchnerei), den Kaplanswoh­nun­gen und dem Beinhaus (später Armenhaus) an der Nordseite.

Das Haus der früheren Reformierten Schule wurde 1658/59 erbaut und beherbergte die erste Schule des Kreises für Kinder, die der reformierten Konfession anhingen. Später diente es als Suppenküche der Versorgung der Armen. Die Haustür ist mit Schnitzarbeiten reich ausgestattet. Die Inschrift an der Eingangstür lautet. „Dieses Haus wurde neu gebaut für die Förderung der Künste und Wissenschaften, für die Kenntnis der Frömmigkeit und Religion, für die Sitten und das Lernen“).

Das Dekanatsgebäude war Pfarrhaus der Stadtkirchengemeinde, ursprünglich Wohnung des lutherischen Pfarrers, dann Sitz des reformierten Inspektors. Es wurde 1549 anstelle eines romanischen Hauses errichtet und 1669 um ein Stockwerk erhöht.

 

Heilig-Grabes-Behausung (in der Pfaffengasse):

In der Pfaffengasse befindet sich außer dem spätgotischen Haus in der Ziegengasse noch eine große Kemenate, die „Heilig-Grabes-Behausung“. Sie wurde wohl vom Henneberger Grafen den Vikaren der Kapelle „Zum Heiligen Grab“ im Jahre 1515 zur Wohnung gegeben. Die Heilig­grabeskapelle lag oberhalb des Stauweihers unmittelbar vor Asbach. Der Name soll nach einer Sage daher kommen, daß es dort ähnlich aussieht wie in der Umgebung des Grabes Jesu in Jerusalem.

Die Kapelle war zunächst Filial der Pfarrei Schmalkalden, ab 23. Februar 1362 wurde das Patronatsrecht auf die Stiftskirche übertragen. Ab 1365 wurde sie mit einer Vikarie versehen und mit dem Kaplan Wolfgang Fraß besetzt (der in der Schaffung einer Vikarie sein Lebenswerk gesehen hatte). Bald wurden es sogar zwei Vikarien. Seit 1446 stand ein Wohnhaus auf der Mauer an der Pforte nach Schmalkalden zu. Im Jahre 1542 fand noch Gottesdienst statt. Am 27. Mai 1554 wurden alle Gebäude, Felder, Wiesen und Zinsen an Johann Steitz und Jobst Thieß verkauft. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gebäude verwüstet, die Kapelle 1713 ganz abgerissen und mit ihren Steinen die Umfassungsmauer ausgebessert. Die steinerne Nachbildung des „Heiligen Grabes“ kam in die Kirche in Haindorf (sogenannte „Krippe“).

 

Hessenhof:

Der Hessenhof am Neumarkt war wohl ursprünglich eine Wasserburg und Sitz des Vogtes des Thüringer Landgrafen, erbaut Anfang des 13. Jahrhunderts. Hier hat sich wahrscheinlich Ludwig der Heilige von seiner Frau, der Heiligen Elisabeth, verabschiedet, als er 1225 in den Kreuzzug zog, von dem er nicht zurückkehren sollte.

Seit Schmalkalden 1360 halb hessisch geworden war, hatte der hessische Vogt dort seinen Sitz: daher kommt der Name „Hessenhof“. Das Kellergeschoß ist aus romani­scher Zeit und war ursprünglich das Erdgeschoß. Ein Raum war eine Trinkstube und enthielt Wandmalereien aus der Zeit um 1230, die zu den ältesten erhaltenen weltlichen Darstellungen in Mitteleuropa gehören. Eine Kopie befindet sich im Schloß Wilhelmsburg. Dargestellt ist die Iweinsage des Hartmann von Aue. Im Bogenfeld ist das Hochzeitsmahl dargestellt, als die Gäste gerade mit dem Trinken beschäftigt sind (gutes Motiv für eine Trinkstube).

Das Haus wurde 1551 bis 1553 einem großen Umbau unterzogen, bei dem die stei­nerne Torfahrt eingebaut wurde, die heute (nach dem Umbauten des 19. Jahrhun­derts) wieder hergestellt ist. An den Hauptbau stoßen zwei Flügelbauten. Der Garten reichte ursprünglich bis zum Augustinerkloster, im Garten stand noch lange der Tauf­stein aus dem Augustinerkloster.

Hessenhof war schließlich Wohnsitz der Elisabeth von Rochlitz, der Schwester Philipps von Hessen.

Im Hessenhof tagten 1537 die Theologen (wenn sie sich nicht an Luthers Kranken­bett versammelten). Grundlage ihrer Beratungen war das Augsburgische Bekenntnis, nicht Luthers Artikel, die dieser etwas überraschend vorgelegt hatte. Sie waren so schroff gehalten, daß eine Einigung mit den Katholiken nicht möglich gewesen wäre. Aber es gab auch Differenzen mit den Oberdeutschen. Doch Luther wollte auch kei­ne Abstriche machen.

Melanchthon wollte echt einen Kompromiß finden, das war ihm Herzenssache. Er wurde am 12. Februar von einem aus 13 Theologen bestehenden Ausschuß aufge­fordert, seinen Traktat „Über Gewalt und Primat des Papstes“ als Anhang zum Augs­burgischen Bekenntnis zu verfassen. Die Verhandlungen nahmen also einen ande­ren Verlauf, als der Kurfürst und Luther erhofften, es gab keine Fortschritt in ihrem Sinne.

Am 21. Februar wurden Luthers Artikel von den meisten Theologen im Hessenhof unterschrieben. Vor allem die süddeutschen Theologen zögerten lange mit der Un­terschrift wegen der Abendmahlsfrage. Luther hatte in der Abendmahlslehre in den Schwabacher Artikeln Zugeständnisse gemacht, aber in den Schmalkaldischen Arti­keln nahm er das wieder zurück und war wieder unversöhnlich.

Nicht unterschrieben: Paulus Fagius (Straßburg), Martin Bucer, Bonifaz Wolfhart, Johann Weinschalk, Ambrosius Blaurer, Johannes Lonizer (Marburg), Johannes Fontanus (Niederhessen) und Tilman Schnabel (Alsfeld). Bu­genhagen unterschrieb im Auftrag von Johannes Brenz, Myconius für Menius. Lang und Mechler waren in Schmalkalden anwesend, unterschrieben aber erst am 4./5. März in Erfurt. Es unterschrieben aber auch neun Theologen, die nicht in Schmalkal­den anwesend waren (Nr.26 sowie Nr. 35 bis 42, vor allem Erfurter). Daraus erklärt sich die Differenz, daß 42 Theologen anwesend waren, aber 43 unterschrieben. Das Augsburgische Bekenntnis und Melanchthons Traktat aber unterschrieben alle, obwohl der Traktat relativ scharf war. Unter dem Traktat sind 32 Unterschriften, dar­unter aus Straßburg Paulus Fagius und Martin Bucer, Bonifaz Wolfhart (Augsburg), Ambrosius Blaurer (Tübingen) und Johannes Fontanus (Kassel).

Bei der Unterschrift ging es nicht nur um eine bloße Unterzeichnung, sondern um ein Bekenntnis, das das Augsburgische Bekenntnis erweitern und ergänzen sollte. Si­cher hätten noch mehr Theologen und Abgesandte unterschrieben, wenn wirklich Aussicht auf ein Konzil bestanden hätte. Manche kamen zu spät, andere reisten zu früh ab. So mußten die Artikel mehr als Luthers Privatbekenntnis angesehen werden und die Unterschriften mehr als Privatunterschriften. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß es sich bei den Schmalkaldischen Artikeln um ein einzigartiges Zeug­nis Luthers handelt.

Am 9. Januar 1537 findet sich erstmals die Bezeichnung „Schmalkaldische Artikel“ für Luthers Bekenntnis in einem Brief des Kurfürsten an seinen Kanzler. Unter diesem Namen kamen sie auch in einem Schriftstück des hessischen Kanzlers Johann Feige vom 11. Februar 1537 vor. Unter diesem Namen gingen sie auch in die Geschichte ein. Sie sind die einzige Bekenntnisschrift Luthers außer den Katechis­men. Erst 1554 wurden sie gedruckt und dadurch der Name festgeschrieben im Vorwort der Wittenberger Ausgabe von Johannes Stoltz. Schließlich wurden sie 1580 in die Bekenntnisschriften aufgenommen, zunächst in die Dresdner Ausgabe des Konkordienbuches in deutscher Sprache, im gleichen Jahr aber auch in das lateinische Konkordienbuch aus Leipzig. Somit waren die Schmalkaldischen Artikel nicht mehr nur „norma doctrinae“ („Richtschnur der Lehre“), sondern verbindliche Glaubenssätze. Melanchthons Traktat dagegen erschien im Konkordienbuch nur als Anhang, nachdem er zunächst als Bekenntnisschrift gegolten hatte.

Heute werden in den lutherischen Kirchen die angehenden Theologen unter anderem auf beide Schriften verpflichtet. Das geschieht jedoch zum Beispiel nicht im Kirchenkreis Schmalkalden, wo bei der Ordination nur von „dem“ Bekenntnis der Reformation die Rede ist, also nicht von einzelnen Bekenntnisschriften, sondern von der Grundentscheidung der Reformatoren.

 

Liebaug’sches Haus:

Das Haus hat einfach gegliedertes Fachwerk, ein steiles Satteldach mit Krüppelwalm und ist im Inneren reich ausgestattet. Es ist das Haus eines reichen Bürgers aus dem 16. Jahrhundert. Durch die Torfahrt erreicht man die Torhalle und eine von fränkischen Lauben umgebenen Hof, der die Bedeutung des Gebäudes als Handelshaus erahnen läßt. In solchen Häusern übernachteten die Gäste der Tagungen des Schmalkaldischen Bundes.

Am Haus Weidebrunner Gasse 30 neben der Großen Kemenate ist eine Gedenktafel für Johann Christian Geisthirt angebracht, der der Schmalkalder Chronist ist und auch vieles über den Schmalkaldischen Bund überliefert hat.

 

Große Kemenate:

In der Weidebrunner Gasse steht die „Große Kemenate“ aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Im Erdgeschoß befand sich ursprünglich eine große Halle. Schon 1495 wurde das Haus dreigeteilt, wie man an der unterschied­lichen Höhenlage der heutigen Fenster sehen kann (der dritte Teil war der angebaute Nordflügel, der Südflügel ist von 1594). Gegenüber der Großen Kemenate stand „Trunickels Haus“, eine weitere Kemenate von 1534.

In der Großen Kemenate wohnte 1537 der Päpstliche Gesandte Peter Vorstius. Er hatte an sich die wichtigsten Fürsten zum Konzil nach Mantua einladen sollen. Doch sie waren alle in Schmalkalden versammelt. Da veranlaßte ihn der Bischof von Mainz, von Halle aus nach Schmalkalden zu reisen. Dort traf er am 24. Februar unter kursächsischem Geleit mit 21 Pferden und großem Gefolge ein (diese Zahl gibt einen Eindruck davon, welches Leben damals in der Stadt geherrscht haben muß).

Der Gesandte konnte jedoch nichts erreichen: Johann Friedrich legte die beiden Schreiben des Papstes ungelesen zur Seite und ging aus dem Zimmer. Man teilte dem Gesandten mit, der Kurfürst habe sich auf das Rathaus begeben, er möge die Schriftstücke wieder mitnehmen. Philipp von Hessen gewährte dem Gesandten erst gar keine Unterredung, 8ondern stattete dem schwer erkrankten Luther einen Besuch ab.

In der Großen Kemenate mußte der Päpstliche Gesandte auch die Nachricht vernehmen, daß sich Luthers Krankheit wieder gebessert hatte. Luthers Anhänger Schlaginhaufen ritt von Tambach kommend durch die Weidebrunner Gasse und rief laut: „Luther lebt, Luther lebt!“ Da konnte der Gesandte nur noch abziehen.

 

Stadtbefestigung:

Am Ende der Weidebrunner Gasse stand das Weidebrunner Tor. Hier sind noch Reste der Stadtbefestigung zu sehen. Teile des doppelten Mauerrings sind zu erkennen. Die stärkere und höhere Innenmauer aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ist über weite Strecken noch erhalten. Die Außenmauer wurde im 15. Jahrhundert aufgerichtet.

 

Hospital mit Kapelle:

Früher gab es drei Hospitäler in Schmalkalden: Das Sondersiechenhaus für ansteckende Kran­ke bei der Sankt-Gehilfen-Kapelle am Siechenrasen (Nähe Bahnhof), das (1837 abgerissene) Unterhospital für Syphilitiker am Quidenborn bei der Heiligkreuzkapelle (Bahnhofstraße)' und das Oberhospital am Weidebrunner Tor, das heute noch erhalten ist.

Das Hospital wurde 1339 (anderer Angabe: um 1319) gegründet durch Berthold VII. von Henneberg. Das heutige Gebäude wurde 1743 erbaut unter Verwendung gotischer Teile des früheren Hospitals und 1838 um­­gebaut und erweitert. Auf dem Turm befindet sich eine mittelalterliche Glocke, die ursprünglich auf der Augustinerkirche hing. Die angebaute Kapelle stammt aus der Gründungszeit des Hospitals. Unter den Fenstern des Chorraums sind flachbogige Nischen, in denen sich wohl Schnitzaltäre befanden. Das Hospital war bis 1978 Altersheim, danach „Haus der Organisationen“ und heute Verwaltungssitz mehrerer kirchlicher Organisationen (u.a. Rentamt). Die Kapelle wird von der Kirchengemeinde genutzt, vor allem für Wochenschlußandachten und Gottesdienste der Synode.

 

Augustinerkloster:

Das Augustinerkloster ist vielleicht um 1320 entstanden, denn am 1. Oktober 1322 wird den Mönchen gestattet, zwei Bürgerhäuser zu erwerben, um ihr Gelände erweitern zu können. Ende des 15. Jahrhunderts waren Kreuzgang, Turm und Krankenhaus schon stark baufällig. Der letzte Prior verkaufte 1548 die Besitzungen an Wilhelm von Henneberg, im Jahre 1567/1568 wurden Kloster und Einkünfte der Stadt übergeben. Sie verwendete die Steine für die Wiederherstellung des Südturms der Stadtkirche und der Stadtmauer, die Einkünfte verwendete sie für die Stadtschule.

Das Klosterhaus wurde 1573 abgerissen und 1580 das heutige Haus Schmiedhof 19 durch Rentmeister Heinrich Zöllner erbaut (Hausmarke und Wappen); er war verheiratet mit Margarethe Wolf von Todenwarth, einer Vorfahrin Goethes. Heute heißt es auch „Stengel‘sches Haus“ nach Studienrat Professor Wilhelm Stengel, seit 1889 Oberlehrer an der Oberrealschule, der am 11. September 1939 starb und das Haus der Stadt vermachte. Von der Klosteranlage haben sich noch zwei Umfassungs­mauern erhalten. In der einen sieht man noch ein frühgotisches und ein spätgoti­sches Portal. Im Garten befindet sich ein Sockelstück und eine Säulentrommel. Teile der Klosterkirche stecken noch in den südlich der Mauer stehenden Gebäuden.

Luther war in seinen jungen Jahren Augustinermönch, kam aber gerade durch den Klosteraufenthalt zu der Erkenntnis, daß nicht die „guten Werke“ vor Gott gerecht machen, sondern allein der Glaube. In seinen Schmalkaldischen Artikeln lehnte er das Klosterwesen scharf ab (Die Tourist-Information der Stadt hat ein informatives Faltblatt mit einem schönen Stadtplan herausgegeben, der aber eine andere Reihenfolge vorschlägt).

 

 

 

 

 

 

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