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Ortsgeschichte 1228 - 1618

Ortsgeschichte 1618 - 1846

Ortsgeschichte 1846 - 1933

Ortsgeschichte 1933 -2008

 

In der folgenden Datei makieren die kursiv gesetzten Angaben in der Mitte der Zeilen den Ort von Bildern in den bebilldeterten Dateien.

 

 

Steinbach unter Hallenberg

 

Geschichte einer hessisch-thüringischen Stadt

 

Vorwort

In den siebziger Jahren habe ich schon einmal eine Chronik von Steinbach-Hal­lenberg her­ausgebracht. Quellen waren die Werke von Conrad Geisthirt, Johannes Avenarius, Franz   Niclas Kraut, das Pfarrarchiv sowie verschiedene Bücher wie die Chroniken von Alexander Köbrich und Volker Wahl.

Die Ausführungen dieser Übersicht über die Geschichte Steinbach-Hallenbergs zur älteren Zeit (Fernstraßen, Zugehörigkeit, Burgen), zur Wirtschaftsentwicklung und zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sind zum großen Teil von Dr. Volker Wahl übernommen. Herr Wahl ist einer meiner Lehrer auf dem Gebiet der Geschichtsforschung. Vorbildlich sind seine Rekon­struktion eines Amtes Hallenberg anhand einer Grenzbeschreibung oder seine Forschungen zu den Anfängen der Reformation im Haselgrund. Es ist auch erstaunlich, wie er in lebenslanger Arbeit immer wieder neue Quellen ausfindig gemacht hat. Auch seine Idee, nach dem genauen Tag der Einweihung der Kirche zu fragen, indem an vom zweiten Sonntag im September ausgeht, ist großartig.

In einigen Punkten habe ich ihm widersprochen, weil mir andere Quellen vorlagen. Aber nur durch Austausch der Forschungsergebnisse kann man gemeinsam vorankommen. Niemand sollte sein Wissen oder seine Materialien eifersüchtig für sich behalten wollen, sondern sich freuen, wenn auch andere auch Anteil nehmen und sich interessieren. Jeder wird immer von anderen profitieren, denn es kann nicht wieder jeder in die Archive gehen und das noch einmal für sich erarbeiten, was andere schon längst erschlossen haben. Auch muß man bescheiden bleiben, denn manche Vorgänge lassen sich heute nicht mehr aufklären, so daß man auch sein Nichtwissen eingestehen muß.

Schwerpunkt meiner Chroniken war die Geschichte der Kirchengemeinde, die ich mit einem Spiritusgerät Seite für Seite vervielfältigte und in mühevoller Arbeit sortierte. Die Firma Beckmann hat die Exemplare dann liebevoll eingebunden und auch noch eine zweite Serie mit Nachrichten zur Ortsgeschichte hergestellt.

Im Jahre 2015 bat mich dann der Familienverband Avenarius, der auf den Steinbacher Pfarrer Matthäus Avenarius zurückgeht, die Chronik des Organisten Johannes Avenarius abzuschreiben. Ich habe sie dann auch gleich noch in heutiges Deutsch übertragen und mit Erläuterungen versehen; außerdem habe ich noch die Fotografien der einzelnen Seiten bearbeitet. Damit ist diese Chronik nun erstmals vollständig erschlossen, denn vorher wurden - mich eingeschlossen – immer nur Auszüge bearbeitet.

Nach Abschluß dieser Arbeit bin ich dann noch einmal daran gegangen, meine Chroniken zu überarbeiten und durch die Angaben in den Turmknopfurkunden und der Chronik Avenarius zu ergänzen. So entstand eine völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Ausgabe.

Der Inhalt dieser Chroniken ist verarbeitet in den bebilderten Chroniken im Internet

 

Wer sich die bebilderte Chronik  ausdrucken möchte, kann von mir eine DVD in besserer technischer Qualität erhalten (gegen Erstattung der Verpackung und des Portos). Außerdem können bezogen werden die digitalen Fotos der Seiten der Chronik des Johannes Avenarius sowie die wortgetreue Abschrift des Originaltextes.

Ein Urheberrecht für das Original der Chronik besteht nicht, weil es laut gesetzlicher Bestimmungen 70 Jahre nach dem Tod des Verfassers erlischt. Ein Urheberrecht für Abschrift und Übertragung besteht auch nicht, sondern alles steht für jedermann zur Benutzung frei.

 

Eine Sachworterklärung findet sich ganz am Ende dieser Datei und im Anhang der Datei „Kirchengeschichte“

 

 

 

 

 

Einleitung

Wenn man von Schmalkalden den Stiller Grund hinauf kommt und auf dem Stiller Berg steht, dann sieht man den Haselgrund vor sich, der von Viernau bis zum Rennsteig reicht. Man sieht die Häuser mit ihren roten Dächern, die Kirche, die Hallenburg, die Wiesen und Felder, alles eingebettet zwischen schützenden Bergen.

Zwei erste kleine Siedlungen entstanden am Hang der Hallenburg und im Erbstal entlang des Steinbachs („Steinbächer“), die sich dann nach beiden Seiten des Tales und auf beiden Seiten des Bachlaufs ausbreiteten, bis sie schließlich auch die Höhen eroberten.

Hier lebten einfache Menschen, die den steinigen Boden in harter Arbeit bestellten. Doch jeder brauchte noch einen zweiten Beruf. Da war es gut, daß man in den umliegenden Bergen Erze fand, die man wegen des Brennmaterials in den Wäldern und durch die Ausnutzung der Wasserkraft für einen wachsenden Erwerbszweig nutzen konnte. Die Eisenindustrie bildete so die wirtschaftliche Voraussetzung für die Besiedlung des Steinbacher Grundes. Bergleute, Holzhauer, Köhler, Eisenarbeiter, Nagelschmiede, Zangenschmiede, Schlosser und Werkzeugmacher waren die vorherrschenden Berufe.

Die Entwicklung des Ortes wurde geprägt durch den Fleiß und die Mühen der Menschen, die ihre handwerklichen Fertigkeiten in der Eisen- und Stahlverarbeitung entfalteten. Vielfach waren sie auch konservativ und hielten traditionsbewußt fest an Sitten und Bräuchen und an der Mundart. Die landschaftlichen Reize der Mittelgebirgsregion hat Steinbach lange einen beliebten Erholungsort sein lassen. 

 

Steinbach-Hallenberg ist eine Stadt im Kreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen am Südwestabhang des Thüringer Waldes. Die Gemarkung umfaßt 17,61 Quadratkilometer. Der Ort ist so lang wie sein Name. Er zieht sich etwa drei Kilometer das Haseltal entlang. Er liegt am Südwestabhang des Thüringer Waldes, etwa vier Kilometer südlich des Rennsteigs, umgeben von hohen Bergen (bis 900 Meter) in etwa 420 bis 470 Meter Höhe, durchschnittlich 465 Meter ü.N.N. Bis 1990 hatte die Stadt rund 6.300 Einwohner.

 

 

 

Reliefkarte Thüringer Wald

 

 

Besiedlung

Siedlungen von einiger Dauer begannen im Gebirge frühestens um das Jahr 1000. Wohl haben jederzeit vorgeschichtliche Völker das Thüringer Waldgebirge von Norden und Süden her überschritten. Sie haben aber immer erst das Vorland besiedelt, ehe es zur Erschließung und Urbarmachung des Gebirges kam. 

Dabei spielen die Franken eine bedeutende Rolle. Mit der Ausbreitung und Festigung der fränkischen Macht ging die Christianisierung und kirchliche Organisation des Landes Hand in Hand. Bereits vor der Jahrtausendwende drangen fränkische Siedler in die Täler der Hasel und Schwarza vor. In diese erste Rodungsperiode des 8. und 9. Jahrhunderts fallen die Gründungen der ,,Hausen“ - Dörfer des Werratales und des fränkischen Grabfeldes. Die nördlichste „ Hausensiedlung“ bildet Benshausen, dessen Gründung wahrscheinlich bereits im 8. Jahrhundert erfolgte.

Seit der Mitte des 11. Jahrhunderts setzte vom Süden, vom Grabfeld und vom Maingebiet der, die Rodungstätigkeit in Richtung Rennsteig verstärkt ein. Die Entstehung Steinbach-Hallen­bergs fällt in die Hauptrodungszeit vom 11. bis 13 Jahrhundert. Damals erreichte der Landesausbau im nördlichen Franken höhere Lagen. Es entstanden Siedlungen in Form des Straßendorfes und des oft mehrere Kilometer langen Reihendorfes mit Waldhufen bis auf die Hänge hinauf. Die schon frühzeitig entdeckten wichtigen Vorkommen an Eisen- und Kupfererzen, der natürliche Reichtum des Landes an Wald und das Vorhandensein der Wasserkraft boten die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Besiedlung des Steinbacher Grundes. Die Erschließung des Waldgebirges erfolgte talaufwärts. Die Dörfer Unter- und Oberschönau wurden erst im 14. und 15. Jahrhundert durch Siedler erschlossen.

Die ersten Siedler waren Eisenarbeiter, Köhler und Waldarbeiter, da in dieser Zeit noch kein nutzbringender Ackerbau möglich war. Erst im 18. Jahrhundert gibt es im Steinbacher Grund - aber auch nur vereinzelt - der Beruf des Ackermannes. So wurden das Eisenhandwerk und das holzverarbeitende Gewerbe zum Lebensfaktor der Siedlung und bestimmten durch Jahrhunderte das wechselvolle Leben im Tal der Hasel.

 

Wenngleich aus dem Gebiet um Steinbach-Hallenberg schriftliche Zeugnisse über Eisengewinnung und Eisenverarbeitung erst aus dem 14. Jahrhundert vorliegen, zeugen doch eingesunkene Stollen und Schächte, Pingenzüge und Schlackenhalden in den umliegenden Fluren am Arzberg, Arnsberg, an der Burg, am Kirchberg, Vorderlautenberg, Schützenberg und am Kalten Markt sowie charakteristische Flurnamen (Arzberg, Silberwiesen, Steinkernshohle) noch von dem hier früher blühenden Bergbau. Es wurden auch zahlreiche Bergleute angelockt, um den Erzreichtum des Gebirges zu erschließen.

Hier auf der Südseite des Thüringer Waldes um Brotterode, Steinbach-Hallenberg, Zella-Mehlis und Suhl wurden schon frühzeitig wichtige Vorkommen an Eisen- und Kupfererzen entdeckt. Bereits im 15. und 16. Jahrhundert gingen der Bergbau und die eisenverarbeitenden Gewerbe ihrer ersten Blütezeit entgegen.

 

Fernstraßen

Die Straßen des Mittelalters sind Höhenwege, denn die Gebirgstäler waren ursprünglich meist mit dichtem Haselgestrüpp und Buschwerk bewachsen und in vielen Fällen versumpft und von Wasserläufen durchzogen. Erst seit dem 13. Jahrhundert werden die Verkehrswege in die Täler verlegt, die jetzt schon vielfach von Siedlungen erschlossen sind. Der Rennsteig auf dem Kamm des Thüringer Waldes wurde oft als Verbindungsweg zwischen Anstieg und Abstieg der über das Gebirge führenden Straßen benutzt.

Ausspannen, an denen der Pferdewechsel erfolgte, waren in bestimmten Entfernungen auf der Höhe des Rennsteiges angelegt und dienten der Erleichterung des Reise- und Fuhrverkehrs. . Von den Höhenwegen, die im Mittelalter die Verbindung zwischen Franken und Thüringen herstellten und dieses Gebiet berührten, sind zwei alte Straßen von Bedeutung, die für die Siedlung im Tal der Hasel den Anschluß an das mittelalterliche Wegenetz über das Gebirge bewirkten.

 

 

Blick vom Arzberg

 

Die Moosburger Hohe Straße:

Ernst Koch hat 1916 die Urkunden über den Verlauf der Hohen Straße veröffentlicht. Sie war eine Fernverkehrsstraße von Thüringen nach Franken zwischen dem Nesselberg und der Moosburg im Norden sowie Meiningen im Süden. Noch im Jahre 1420 beeidete eine Reihe von Zeugen, unter ihnen Bauern und Bürger von Ohrdruf, Tambach, Christes, Breitenbach, Mittelstille und Steinbach sowie die Räte von Ohrdruf und Wasungen und die Handwerke von Schmalkalden, den Verlauf der „Hohen Straße“. Dieser alte Höhenweg trug zwischen dem Rennsteig und Meiningen die Bezeichnung „Hohe Straße“, auch „Fuldaer Straße“.

Es gab enge Beziehungen zwischen Thüringen und Würzburg. Der kürzeste Weg von Würzburg nach Erfurt führte aber über die „Hohe Straße“. Diese Straße kam von Mellrichstadt, Neustadt und Schweinfurt nach Meiningen zur Breuberghöhe (Hof Breuberg), erreichte nördlich von Metzels Tränkrit und stieß auf den Höhen nordwestlich von Christes auf die „Fuldaer Straße“. Für das Schmalkalder Gebiet muß sie mit großer Sicherheit auf den bewaldeten Höhen zwischen dem Christeser und dem Stiller Tal zu lokalisieren sein. Archäologisch ist sie durch viele Hohlweggräben nachweisbar.

Auf den Höhen südlich von Schmalkalden haben sich die Fernwege aus Süd und West getroffen, also aus Mainfranken und Fulda. Der westliche Zweig hieß dabei „Fuldaer Straße“. Das erklärt vielleicht, weshalb Kunihilt 874 ihr Gut in Schmalkalden dem Kloster Fulda vermachte.

Schon vor 1115 war die Hohe Straße die östliche Schmalkalder Gebietsgrenze, bis zu der die Thüringischen Ludowinger vordringen konnten. Heinrich IV. (der 1246 zum König gewählte letzte Vertreter dieser Linie) demonstrierte am 16. / 25. Mai 1228 den Besitz des Gebietes, indem er auf der Moosburg zwei Urkunden ausstellte. Auch im Verkaufbrief der Frankensteiner vom 10. August 1330 ist außer dem Rennsteig auch die „Hohe Straße“ als Jagdgrenze überliefert.

Über den Dreiherrenstein und das Henneberger Haus gelangt man einerseits nach Schmalkalden und andererseits nach Osten über die Wasserscheide von Hasel und Stille. Die Straße machte also einen Bogen von den Schmalkalder Südhöhen um das östliche Stilletal nach Norden. 

Auf der Rotteroder Höhe kreuzte eine alte Straße, die „Eisensteinstraße“ die aus dem Eberts­grund über die Hefteliete kam. Von der Rotteroder Höhe erklomm die Straße den Hang am Gasberg in heute noch feststellbaren Hohlwegen zur Ellertorhöhe, wo eine Straßenwarte zu vermuten ist und Hohlwege über Asbach und die Birkliete einmündeten. An der Moosburg vorbei ging es zu den Neuhöfer Wiesen, wo sich eine Ausspanne befand. Über den Sperrhügel ging es zum Nesselberg und nach Tambach, Gotha und Erfurt.

Noch im 16. Jahrhundert bildete diese Straße im Raum Springstille - Altersbach die Grenze zwischen dem Amt Schmalkalden und der Zehnt Benshausen. Im Jahre 1548 wird diese Grenze als „Landwehr“ der Zehnt Benshausen überliefert. Und 1589 schied der „Hoe Wegk“ als natürliche Grenze das Amt Schmalkalden von der Zehnt Benshausen.

Seit dem 13. Jahrhundert wurden die Fernstraßen in die Täler verlegt. Dies machte dann eine Schutzburg wie die „Moosburg“ überflüssig. Weil offenbar Berthold VII. den Nord-Süd-Verkehr nach Schmalkalden verlagern wollte, kam es zu Einbußen beim Geleitsgeld. Die Moosburger befehdeten deshalb den Henneberger, der 1314 die Burg einnahm und zerbrach. Rotterode wird in diesem Zusammenhang überhaupt nicht erwähnt. Aber das lag nicht daran, daß es vielleicht noch Frankenstein'sches Lehen war, wie Geisthirt vermutet. Ein Hohlweg von der Burg zum Dorf läßt auf die gleichzeitige Existenz des Dorfes schließen, das sozusagen die ökonomische Basis der Burg war.

 

 

Blick von der Rotteroder Straße

 

Die Meinoldesstraße:

Bereits im 12. Jahrhundert war die „Meinoldesstraße“ bekannt. Sie erreichte, von Ohrdruf kommend, den Rennsteig am Donnershauk. Von hier aus lief sie auf ihm entlang über den Wachsenrasen bei Oberschönau ebenfalls zu den weiter westlich gelegenen Neuhöfer Wiesen, wo sich die Ausspanne befand. Dort begann der Abstieg in das Moosbachtal hinab. Die Siedlungen im Tal der Hasel wurden von der Straße nicht direkt berührt. Sie lagen aber in ihrem Einzugsbereich und dürften frühzeitig Verbindungswege durch das Moosbachtal und zur Stiller Höhe besessen haben.

 

Erste urkundliche Erwähnung Steinbachs

In einer Urkunde von 1228 wird erstmals ein Reginhard von Hallenberg (Haldinberc) als Zeuge im Zusammenhang mit dem Kloster Rohr genannt. „Hallenberg“ wurde die nähere Bezeichnung für die Doppelsiedlung, die aus Obersteinbach am Schloßberg und Untersteinbach rund um die Kirche und das Erbstal bestand und seit dem 16. Jahrhundert eine gemeinsame Verwaltung hatte, den ,,Zwölferstuhl“.

Im Umkreis der heutigen Kirche und vor allem längs des vom Erbstal herabfließenden Gewässers entwickelte sich „Untersteinbach“. Der vom Erbstal herabfließende „Steinbächer“ gab dem Ort seinen Namen. Etwa zur gleichen Zeit entstand unter der Hallenburg eine zweite Siedlung „Obersteinbach“, deren erste Häuser sich am Schloßberg, im Gebiet der heutigen Dillersgasse und an der „Burg“ (der heutigen Moosburgstraße) zusammendrängten. An die zwei Siedlungen Obersteinbach und Untersteinbach erinnern noch heute die Bezeichnungen Ober- und Unterdorf (bzw. Oberstadt und Unterstadt), die sich bereits im 16. Jahrhundert in einem Entwurf für ein Erbregister des Amtes Hallenberg finden.

Der Ort Steinbach wird 1308 erst­mals urkundlich erwähnt, als am 24. Oktober 1308 die Markgräfin Anna von Brandenburg (die damalige Landesherrin von Schmalkalden) die Kapelle St. Mariae in Steinbach von der Schmalkalder Mutterkirche trennte.

Die erhöhte Lage an Wasserläufen begünstigte das Entstehen dieser ältesten Siedlungsbezirke im Tal der Hasel, die ihre räumliche Trennung im Laufe der Jahrhunderte überwanden. Es waren nur wenige Häuser, die den Kern der beiden Siedlungen ausmachten, denn noch waren die Hänge der umliegenden Berge bis ins Tal mit Wald bedeckt. Erst im Laufe der Jahrhunderte entstand das Bild der heutigen Stadt und kroch der Wald die steilen Hänge hinauf.

Die beiden Siedlungen Ober- und Untersteinbach entwickelten sich im Schutze der Hallenburg und wuchsen im Laufe der nächsten Jahrhunderte zu einem stattlichen Straßendorf heran.

 

Siedlungsbeginn am Schloßberg

 

Siedlungsbeginn im Erbstal

 

Entwicklung des Ortsnamens

In der Ersterwähnungsurkunde aus dem Jahre 1308 heißt der Ort einfach „Steinbach“, das ist also die älteste und ursprüngliche Form des Namens. Die später hinzugefügte lokale Kennzeichnung „unter Hallenberg“ (gelegentlich „Amt Hallenberg“) sollte den Ort von solchen gleichen Namens unterscheiden. Dann heißt es 1420 erstmals „Steinbach under Haldenberg“. Danach macht dann oft einen Unterschied zwischen „Obersteinbach“ und „Untersteinbach“ (1564). Im Jahre 1659 findet sich wieder die Schreibweise „Steinbach unter Hallenberg“. Im Jahre 1729 schreibt man „Steinbach Hallenberg“ (ohne Bindestrich) und 1829 Steinbach-Hallenberg mit Bindestrich.

 

 

 

Luftbild

Die Hallenburg

Auf der Hallenburg wurden Scherben aus dem Übergang von der Hallstatt zur Latènezeit geborgen, die auf rund 500 vCh zu datieren sind und wohl einem besonderen thüringischen Typ angehören. Außerdem fanden sich mittelalterliche Gefäßscherben des 13. und 14. Jahrhunderts.

Die Burgruine der Hallenburg liegt am Arnsberg. etwa achtzig Meter über der Talsohle auf einem nach drei Seiten sehr steil abfallenden Porphyrfelsen, dem Urgebirge dieser Gegend. Der sogenannte „Hallenburgporphyr“ stellt unter den im Randgebiet des Thüringer Waldes bei Steinbach-Hallenberg und Schmalkalden vorkommenden Porphyren den ältesten Erguß dar. Er bildet von dem Felsmassiv der Hallenburg bis zum Südhang des gegenüberliegenden Arzberges eine mehrere hundert Meter mächtige Eruptivdecke. Felsbildend tritt er allerdings nur an der Hallenburg auf, hier aber in einer mächtigen, etwa 50 Meter steil abstürzenden Porphyrklippe, auf der die Burg errichtet wurde.

Eine genauere Bestimmung der Erbauungszeit der Hallenburg ist bei dem Fehlen aller Zierformen und charakteristischer Anhaltspunkte nicht möglich (so schon Paul Weber 1913 in seinem Werk über die Bau- und Kunstdenkmäler der Herrschaft Schmalkalden). Eine urkundliche Überlieferung für die Erbauungszeit gibt es nicht. Die in der älteren Literatur enthaltenen Angaben über ihre Entstehung vor der Jahrtausendwende entbehren jeder Grundlage. Auch ist die Burg keine hennebergische Schöpfung, da als ihre Vorbesitzer die Herren von Hallenberg erscheinen.

 

Gemälde um 1850 von Carl Köhler

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Im Jahre 1676 behauptet der Meininger Polygraph Johann Sebastian Güth in seiner Chronik der Stadt Meiningen („Polygraphia Meiningensis“), daß um das Jahr 909 zum Schutz gegen die Ungarneinfälle im ganzen Land Burgen, darunter auch die Hallenburg über Steinbach-Hallenberg, gebaut wurden. Einen stichhaltigen Beweis bleibt er aber schuldig (in der Chronik des Johannes Avenarius wird dieses Datum zitiert unter Hinweis auf Güth).

In einem im Jahre 1847 erschienenen Aufsatz über die in der Herrschaft Schmalkalden gelegenen Schlösser weist der Landrichter Johann Georg Wagner erstmals auf die Nachricht in einer alten Schmalkalder Chronik hin, nach der sich die Hallenburg unter den Schlössern befunden haben soll, welche 1212 von Kaiser Otto IV. zerstört wurden. Aus dieser Nachricht kann geschlossen werden, daß bereits sehr früh an der Stelle der Hallenburg ein festes Haus entstanden war. Vermutlich war das aber nicht vor der Jahrtausendwende. Und um 1200 wurde dieses Haus bis auf die Grundmauern niedergelegt

Unterstützt wird unsere Annahme durch die Tatsache, daß die Mauern der Hallenburg nicht einheitlich aus einem Material erbaut wurden. So besteht das Unterteil des Turmes bis zu einer geringen Höhe nur aus Sandsteinquadern, während sich darüber zumeist Porphyrblöcke, vermischt mit Sandsteinquadern, befinden. Auch das Vorhandensein von Kaminen in der Mauerstärke läßt sich nur dadurch erklären, daß auf den Grundmauern der alten Feste ein neues Haus aufgerichtet wurde, dessen Ruinen noch heute über Steinbach-Hallenberg emporragen.

Die heutige Burg wäre dann nach 1212 von den seit Anfang des 12. Jahrhunderts hier residierenden Herren von Hallenberg wieder erbaut worden. Sie ist also spätromanisch, aus dem 12. bis 13. Jahrhundert. Damals war sie Sitz der Herren von Hallenberg, einer ursprünglich selb­ständigen Kleinherrschaft.

Rund zwanzig Jahre später ist die Burg an die Henneberger gefallen. Doch die Nachricht des hennebergischen Historiographen Johann Adolph von Schultes, daß sich die Hallenburg als eine althennebergische Besitzung bereits 1245 im Besitz der Grafen von Henneberg befunden haben soll, ist urkundlich nicht belegt. Schultes schloß dies aus der Tatsache, daß die Hallenburg urkundlich im Jahre 1268 im Besitz eines Sohnes des Grafen Heinrich III. von Henneberg vorkommt, nachdem dieser nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1245 die väterlichen Besitzungen mit seinem jüngeren Bruder geteilt hatte. Dennoch kann die Nachricht, daß die Burg im Jahre 1245 hennebergisch war, als sicher angenommen werden, da bereits 1232 ein Reinhard von Hallenberg als hennebergischer Dienstmann genannt wird.

 

 

Hallenburg mit Baum auf dem Turm

 

Der Name hat sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt. Als „castrum Haldenherc“ tritt der Name erstmals urkundlich in einer lateinischen Schenkungsurkunde vom 7. März 1268 auf. Auch in den folgenden zweihundert Jahren heißt sie noch „Haldenberg“ (1360), zuletzt auch „Haldenburg“ (1391). Erst seit dem Ende des 15. Jahrhunderts wird durchgehend Hallenberg oder Hallenburg geschrieben. Die Ruine erscheint 1532 als „Schloß Hallenbergk“, 1565 als „Hauß Hallenburgk“, 1607 „Schloß Hallenburgk“ und 1616 als „Hauß Hallenbergk“.

Der erste Bestandteil des Wortes ist eine gebeugte Form des mittelhochdeutschen Wortes „halde“ in der Bedeutung „Abhang, Bergabhang“. Man muß sich den Namen Haldenberg bzw. Hallenburg aus einer Redeweise wie „Burg an der Halden“ oder „Burg zu der Halden“ entstanden denken. Die heutige Form Hallenburg entstand durch Lautangleichung der benachbarten Konsonanten „l“ und „d“. Diese sprachliche Erscheinung (in der Sprachwissenschaft als „Assimilation“ bezeichnet) geht auf das Wirken des Prinzips der Kraftersparnis beim Sprechen zurück und findet sich in der Mundart des Ortes in den verschiedensten Formen. Die Hallenburg ist demnach mit „Burg am Bergabhang“ zu erklären, eine sprachliche Deutung, die durch die natürliche Lage der Burg auf halber Höhe des Arnsberges wirkungsvoll unterstrichen wird.

 

Die Gesamtanlage der ehemaligen Burg ist heute nicht mehr ganz zweifelsfrei festzustellen. Gegen den Berg hin war sie durch einen in den Felsen gehauenen Graben abgesichert. Sie läßt sich jedoch noch deutlich in die Vorburg mit Wirtschaftsgebäuden und Stallungen und die etwa zwölf Meter höher gelegene Hauptburg mit Bergfried und Palas gliedern.

Der Zugang zur Gesamtanlage der Burg erfolgte durch das Torhaus auf der Vorburg. Es bestand aus einem kleinen Turm, in dem sich ein Torstüblein mit einem Ofen befand. Zwei Fenster, vermutlich eins nach dem Hof und das andere nach außerhalb, gaben Gelegenheit, den Verkehr innerhalb und außerhalb der Burg zu beobachten. Das Tor wurde durch eine Ziehbrücke verschlossen, die heruntergelassen werden konnte, um den davorliegenden Graben zu überbrücken Sie wurde bei den Bauarbeiten im Jahre 1584 von Grund auf neu errichtet.

Die sogenannte Vorburg besteht aus einem ebenen rechteckigen Platz, dessen durchschnittlich zwei Meter starke Umfassungsmauern noch erhalten sind. Davor war nach der Bergseite zu um 1850 noch ein bogenförmiger Unterbau zu sehen, der wohl von einem kleinen Turm herrührte, der zu dem an dieser Stelle stehenden äußeren Tor gehörte. Nach Nordosten und Norden zu verlief ein schwächerer, damals zum Teil nur noch in den Fundamenten festzustellender Mauerzug, der im rechten Winkel an die Nordseite des das Hauptgebäude tragenden Felsens anschloß. Vor diesem Mauerzug zog sich der künstlich in den Felsen gehauene Graben hin, der sich im Westen steil in das Tal hinabsenkte.

Innerhalb der Mauer auf der Vorburg standen verschiedene Gebäude. Auf dem verhältnismäßig kleinen Platz der Vorburg standen insgesamt vier Pferdeställe und zwei Schweineställe. Es ist für frühere Zeiten eine erstaunlich große Wirtschaftsanlage mit rund 23 Pferden, 20 Kühen und anderem Rindvieh, Schweinen und Kleinvieh und einem offenbar regem Jagdbetrieb. Daneben gab es ein größeres scheunenartiges Gebäude, im Inventarverzeichnis von 1584 als „Stadel“ bezeichnet. Der „Stadel“ hatte in seinem „Barn“ (dem Nebenraum zur Tenne) auf beiden Seiten „Rauffen“ (Holzgitter für das Grünfutter) für 20 Stück Rindvieh und diente hauptsächlich als Lagerplatz für Futter und zur Aufbewahrung der landwirtschaftlichen Geräte und Karren.

Von der Wasserversorgung ist heute nichts mehr zu erkennen. Einen Brunnen hat die Burg nicht gehabt.

Ein künstlicher Wasserlauf wurde von den Quellen der Brunnwiesen oberhalb der Burg gegen Osten hin abgezweigt und mittels Röhren dem Schloß zugeleitet. Der Bach, der dann den Schloßberg hinabfloß, wurde früher Badersbrunnen genannt, da er auch die „Bad­stube“ am Schloßberg mit Wasser versorgte.

 

 

Von der Vorburg führt ein Fußweg - zuletzt auf Stufen - zu der etwa zwölf Meter höher gelegenen Hauptburg, dem sogenannten „Oberhaus“. Noch um 1900 waren hier Umfassungsmauern an der Nordseite und auf der gegen Westen vorspringenden Klippe bis zu geringer Höhe erhalten. Die hier vorspringende Felskanzel stürzte im Jahre 1919 ab.

Der Bergfried steht 0,75 Meter von der Westfront des Palas entfernt auf und an einem besonderen Felsenklotz und ist noch bis zur Höhe von 20 Meter erhalten. Er dürfte früher eine Höhe von etwa 25 bis 28 Meter gehabt haben, da er auf einer Zeichnung aus dem Jahre 1589 das Hauptgebäude um etwa ein Drittel überragt. Diese einzige erhaltene Zeichnung der Hallenburg vor ihrer Zerstörung finden wir auf einer Karte der Herrschaft Schmalkalden, die der hessische Landmesser Joist Moers in diesem Jahr vollendete. Sie zeigt „Halnbergk“ nur als einen Turm mit einem spitzen Dach, das Palasgebäude dahinter und die hohen Umfassungsmauern. Außerdem ist auf der Seite nach dem Berg zu eine Zugbrücke angedeutet. Seitwärts vom Bergfried war bis in das 19. Jahrhundert hinein noch der Rest eines Kellergewölbes zu sehen, das später zugeschüttet wurde.

Etwa zehn Meter über dem Boden befindet sich an der nordwestlichen Seite des Bergfrieds ein Einsteigloch, darunter ein großer Kragstein. Der jetzige Zugang zu ebener Erde wurde erst um 1840 eingebrochen und mit einer Tür versehen. Hier am Fuße des Turmes hat die Mauer eine Stärke von 1,75 Meter, während der innere Durchmesser nur 1,55 Meter beträgt.

Vor der Zerstörung war der Turm noch in mehrere Geschosse eingeteilt, die mittels Seilen und Leitern erreicht werden konnten. Der eigentliche Zugang zum Turm lag auf der dem Palas zugekehrten Seite. Es war ein quadratisches Einsteigloch, das von dem angebauten Treppenturm aus erreicht wurde. Die in späteren Zeiten zugemauerte Öffnung ist auch heute noch an der Südseite des Bergfrieds erkennbar.

Die vor 100 Jahren noch vorhandenen Gewölbereste zwischen dem Bergfried und der vorspringenden Felskanzel deuten daraufhin, daß sich zwischen diesen beiden Punkten noch ein weiterer Schloßtrakt befunden haben muß. An seiner hinteren Front durch die nordwestliche Umfassungsmauer abgesichert, erhob sich dieser Gebäudeteil auf dem Kellergewölbe des Schlosses. Dafür spricht auch noch ein anderer Umstand. Der bereits erwähnte Kragstein an der Nordwestseite des Bergfrieds mit dem darüber befindlichen Einsteigloch ist nur durch das Vorhandensein eines weiteren Schloßtraktes an dieser Stelle zu erklären.

Das Hauptgebäude des Schlosses war von drei Seiten mit Mauern umgeben. Durch das obere Tor, das durch ein danebenliegendes Torstüblein beaufsichtigt wurde, gelangte man zunächst in den inneren Hof. Der Zugang zum Palas lag in dem angebauten Treppenturm auf der rechten Seite des Burggebäudes. Eine Wendeltreppe führte zu den einzelnen Geschossen. Insgesamt sind drei Türöffnungen an der rechten Vorderfront des Palas erhalten. Auch das Erdgeschoß wurde von dem angebauten Treppenturm aus erreicht. In dem Raum oberhalb der Wendeltreppe „uff der Schnecken“ wurde ein Seil aufbewahrt, mit dem die Gefangenen in das Burgverließ hinabgelassen und aus demselben herausgezogen wurden.

Im heute als Ruine vorhandenen „Oberhaus“ befanden sich die verschiedenen herrschaftlichen Räume und Gemächer, die sich auf das Erdgeschoß und die zwei darüber liegenden Stockwerke verteilten. Der Palas hat nach der Bergseite zu abgerundete Ecken und in jedem der ehemaligen Geschosse je zwei große, wohl in späterer Zeit erweiterte Öffnungen nach Osten, ferner je eine nach Süden und eine schmale Öffnung nach Norden. Nach Westen zu sind viele große Mauerdurchbrüche vorhanden, auch Türöffnungen nach dem steinernen Wendeltreppenturm, welcher außen an der Westseite emporführte und den Zugang zu den einzelnen Geschossen des Palas vermittelte.

 

Das im Jahre 1584 angelegte Inventarverzeichnis und die aus diesem Jahr überlieferten Baurechnungen erlauben eine weitgehende Rekonstruktion der Räumlichkeiten: Unter dem mit Ziegeln gedeckten Dach lag ein großer Boden, welcher der Ausstattung nach vermutlich als Aufenthaltsraum und Schlafraum für das Personal diente.

Im obersten Stockwerk lagen die herrschaftlichen Einzelgemächer. An der Kaminseite befand sich die „Frauen Zimmerstuben“ mit einem Kachelofen darin. Ihr schloß sich die „Herrn Cammer“ an, die als Schlafgemach diente. Weitere Schlafräume im gleichen Stockwerk waren die „Frauenzimmers Cammer“ und die „Hofmeisters Cammer“, neben der sich auch eine „Speiß Cammer“ befand.

Ein Stockwerk tiefer diente die „große Stube“ als Wohn- und Aufenthaltsraum der Herrschaft. An der Kaminseite stand ebenfalls ein Kachelofen. Die Kaminanlage ist heute noch erkennbar. Sie befindet sich auf der dem Bergfried zugewendeten Seite des Oberhauses und ist in den beiden oberen Wohngeschossen in der Mauerstärke emporgeschleift. Daneben lag die „Jungkern Cammer“ und ein kleines Stüblein an der großen mit einem Kachelofen. Eine weitere, nicht näher bezeichnete Kammer mit drei niedrigen Fenstern schloß sich daran an.

Im Erdgeschoß befand sich die Küche, die wohl den größten Raum beanspruchte. Eine Tür führte in zwei hintereinander liegende Kammern an der Nordseite des Palas, eine zweite Tür von der Küche zunächst in eine kleinere Kammer, die durch eine mit Eisen beschlagene Tür von einem „Gewelb hinter der Küchen“ abgetrennt wurde. Vermutlich befanden sich diese Kammer und das Gewölbe hinter der Küche in dem abseitigen Schloßtrakt, der unterkellert war mit ebenfalls zwei Räumen.

 

Blick vom Köpfchen

 

Zur Wirtschaftsanlage der Burg gehörten noch die vor dem Wald liegenden Schloßgüter, nämlich Äcker und Wiesen, sowie der Schloßgarten. Zum Schloßbezirk gehörten 1584 auch das am Schloßberg liegende „Wirtshaus am Bergk“ mit dem „Breuhauß“ (Brauhaus), das heute sogenannte „Glockenhaus“, ein Fachwerkhaus mit steinernem Unterbau aus dem Mittelalter.

Es hatte jedoch keinen religiösen Ursprung. Die dort aufgehängte Marienglocke von 1520 stammte aus der früheren Dorfkirche in Untersteinbach. Weiterhin gehörten zum Burgbezirk das „Jegerhauß“ (Jägerhaus) auf der Jägerwiese gegenüber der Dillersgasse an der Stelle des späteren Amtshauses.

Glockenhaus

 

Von den Abbildungen der Burg kann nur die bereits erwähnte Zeichnung von Joist Moers einen gewissen Anspruch auf Authentizität erheben, da sie noch vor der Zerstörung der Hallenburg entstand. Auf der auf Leinwand gemalten Karte der Herrschaft Schmalkalden vom Jahr 1676 sind Einzelheiten erst recht nicht erkennbar, während die Karte in Geisthirts „Historie Schmalcaldica“ (was die Hallenburg betrifft) ein  Phantasieprodukt ist, da die Burg längst Ruine war. Künstlerische Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert wie Ölgemälde und die Radierung von Carl Wagner oder der Stahlstich von Fr. Hablitschek nach einer Zeichnung von C. Köhler zeigen nur die Ruine.

 

Die Hallenburg gehört zu einem Verbund von Burgen. Sie ist wohl als eine ursprüngliche Schutzstätte entstanden und diente danach vorwiegend als eine Art Verwaltungssitz. Ausschlaggebend für die Erbauung der Burg am Abhang des Arnsberges mag der Erzreichtum der umliegenden Berge und die schon früh einsetzende Eisenerzgewinnung gewesen sein, die den Bau einer Schutzburg erforderten.

Sie war auch ein wichtiger militärischer Punkt. Schon in frühester Zeit war hier ein idealer Beobachtungsplatz, der es ermöglichte, das ganze Tal mit seinen seitlichen Ausläufern zu beherrschen. Unweit der „Hohen Straße“ und des wichtigen Nord-Süd-Passes, der am Ruppberg vorbei zum Rennsteig bei Oberhof zog, überschaute und beherrschte man das am Fuße der Burg hingestreckte Tal der Hasel mit den zahlreichen Eisenerzgruben, den fischreichen Bächen und den wildreichen Waldbeständen.

 

 

Steinbach mit Hallenburg

 

Die „Hohe Straße“ im Westen wurde durch die Moosburg geschützt, und auf dem Ruppberg im Osten soll das Schloß Nordeck gestanden haben, im Süden schließlich war der große Dolmar zu erblicken, der auf halber Höhe in Kühndorf ebenfalls eine hennebergische Burg trug. Mit den Burgen Henneberg, Hartenberg, Osterburg, Aschach und Ebenhausen entstanden im Mittelalter eine ganze Reihe hennebergischer Burgen südlich des Rennsteigs. Auch die Hallenburg gehörte zu den althennebergischen Besitzungen, aber eine hennebergische Schöpfung scheint sie aber nicht gewesen zu sein. Schon gar nicht ist sie mit der Stammburg der Henneberger zu vergleichen, die eine stattliche Hofburg war, während die Hallenburg nur verhältnismäßig wenig Raum zur Verfügung hatte.

Man wird nicht fehlgehen in der Annahme, daß die meisten dieser Burgen ungefähr in der gleichen Zeit errichtet wurden, nämlich von den Grafen von Henneberg (den Nachfolgern der Gaugrafen des Grabfeldes) oder von den kleineren selbständigen Dynastengeschlechtern wie den Herren von Nordeck, den Besitzern des Schlosses auf dem Ruppberg und den Herren von Hallenberg.

 

Ab 1583 setzten umfangreiche Bauarbeiten an den herrschaftlichen Gebäuden ein, wie zahlreiche Baurechnungen in dieser Jahresübersicht zeigen. Zu den Bauarbeiten wurden 213 hallenbergische Untertanen aus den Dörfern des Amtes herangezogen. Außer den Handwerkern von Unter- und Obersteinbach wurden auch Handwerksmeister aus den umliegenden Orten herangezogen. Neben umfangreichen Flick- und Instandsetzungsarbeiten wurden auch das Tor und Steinbogen, die in dem Hof standen und gar baufällig gewesen sind, abgebrochen und ein neues Steintor mit einer Zugbrücke errichtet.

 

Hallenburg mit Blick nach Unterschönau

 

Trotz zuvor eingehender Instandsetzung setzte nach 1588 der Zerfall sehr schnell ein. Die Burg verwahrloste zusehends, wie der Bericht der verordneten Statthalter und Räte in Meiningen vom 25. Juni 1602 an den Kurfürsten von Sachsen feststellte. In ihrem Brief gestanden sie ihm, daß bei der Besichtigung das gleichwohl geringe Schloß Hallenberg (in dem niemand seit 1588, als beide Amtsverwaltungen Kühndorf und Hallenberg zusammengelegt worden, darinnen gewohnet) gar baufällig, wüst und vergänglich befunden worden. Die Balken und Träger warenfaul und mürb und haben sich wie auch das Mauerwerk selbst auseinander gebogen, besonders in der Küche.

Und an anderer Stelle berichten sie, daß auch die unteren Gebäude, welche der Hofmann bewohnt, gleichfalls also zerfallen, eingegangen und bös sind, das derselben mit Flickwerk nicht mehr zu helfen ist. Wenn ein Hofmann noch länger an diesem Ort gehalten werden sollte, sind das Wohnhaus, Ställe und Scheuern ganz und gar bis auf das geringe Mauerwerk abzutragen und müssen von neuem erbaut werden. Es wurde empfohlen, das Amt des Hofmanns abzuschaffen und die Schloßgüter an Personen aus dem „Dorf Steinbach unter Hallenbergk“ zu verpachten.

Die kurfürstliche Regierung versuchte mit dieser Maßnahme nicht nur beträchtliche Mehrausgaben zu sparen, sondern auch durch die Verpachtung der Schloßgüter einen höheren Gewinn zu erzielen. Dadurch versprachen sie sich ein Mehr an Zinsen von den Äckern, als ihnen bisher der Hofmann zu geben schuldig war. Außerdem sparten sie die 30 Klafter Brenn- oder Feuerholz ein, die der Hofmann bisher ohne Bezahlung aus den Gehölzen des Arnsberges empfangen hatte. Auch sollte durch seine Ablösung die pfadliche Trift in den jungen Schlägen, die ihm als Hofbauern zustand, wegfallen und der herrschaftliche Waldbestand geschont werden.

Nicht zuletzt waren es die hohen Baukosten, die sie bewogen, abschließend festzustellen: „Ob aber Eure Kurfürstliche Gnaden die oberen Gebäude des erwähnten Schloßes wieder erheben und in einen neuen Bau gnädigst richten lassen wollten, das steht bei derselben gnädigsten Willen. Wir vor uns wüßten nicht, was solches nutzen könnte.“ Bald darauf scheinen der Hofmann auf Befehl des Kurfürsten seines Amtes enthoben und die Schloßgüter vor dem Wald verpachtet worden zu sein.

Am 12. März 1617 bitten drei Einwohner von Steinbach, nämlich der Schultheiß Valten König, Ernst Happe und Klaus Holland (Nell genannt) die Regierung in Meiningen um die bisher noch nicht erfolgte Ausfertigung der Kaufurkunden für die Ackergrundstücke, die sie vor ungefähr zwölf Jahren aus dem Zubehör des nunmehr abgegangenen Hauses Hallenberg erkauft haben.

Das war um 1605, und drei Jahre später erging der Befehl des Kurfürsten zu Sachsen, das Haus Hallenberg mit all seinen Gebäuden abzubrechen. In einem Schreiben aus Schleusingen vom Jahre 1616 erinnerte der Oberaufseher Rudolf von Ponikau den sächsischen Regenten an die gewaltsame Aktion im Jahre 1608. „Daß auf den vor drei Jahren ergangenen Befehl, daß Haus Hallenberg als gar ruinös mit allen seinen Gebäuden niedergeleget, daß alte Gehölz verkauft und auch in Rechnung verschrieben worden, daran werden sich Euer Gnaden aufs sich untertänigst erinnern lassen.“

Bereits ein Jahr zuvor, am 22. Januar 1607, hatten sich die ehemals hennebergis­chen Untertanen in Mehlis geweigert, die ihnen vom Hallenberger Amtsverwalter auferlegten Frondienste bei der Abbrechung des Schlosses Hallenberg zu leisten, wie aus einem Bericht der Regierung in Meiningen an den Kurfürst zu Sachsen hervorgeht. Nachdem auch sein Amt abgeschafft und die Ackergrundstücke an Steinbacher Bewohner verkauft worden waren, kam 1608 der landesherrliche Befehl, das ruinöse Haus Hallenberg mit allen seinen Gebäuden niederzulegen.

 

Als 1619 das Amt Hallenberg an die Landgrafen von Hessen-Kassel fiel, war die Hallenburg längst eingegangen. Die Gebäude auf der Vorburg waren bis auf die Grundmauern abgetragen worden, auch das Hauptgebäude scheint damals schon weitgehend niedergerissen worden zu sein. Der hessische Amtsschultheiß bewohnte jetzt das Jägerhaus auf der Jägerwiese, an dessen Stelle später ein neues Amtshaus errichtet wurde.

 

 

 

Von der Rotteroder Straße zur Hallenburg

 

 

Während des Dreißigjährigen Krieges zogen sich die Talbewohner mehrmals vor den anrückenden Kriegshorden in die wehrhaften Mauern der alten Feste zurück. Etwaiges noch vorhandenes Holzwerk mag dabei, wie auf so vielen verlassenen Schlössern, verfeuert worden sein, wie auch die Steine der Umfassungsmauern und des Burgtores sicher beim Häuserbau Verwendung gefunden haben mögen. Weitere Nachrichten fehlen jedoch. Aus dem Jahre 1768 ist überliefert, daß der hessische Amtsschultheiß Franz Nicolaus Kraut einen Garten auf der Vorburg anlegte.

Zu Beginn des 19. Jahrhundert hatte sich in Deutschland mit der Romantik eine Geistesströmung herausgebildet, die sich trotz ihrer zwiespältigen Haltung durch schwärmerische Bewunderung mittelalterlichen Lebens und mittelalterlicher Kunst große Verdienste bei der Pflege der baukünstlerischen Leistungen des Mittelalters erwarb. Einer der ersten Staaten, der sich unter dem Einfluß der Romantik um seine alten Baudenkmäler zu kümmern begann, war das Kurfürstentum Hessen.

Im Jahre 1835 erging eine Anweisung des Ministeriums in Kassel, ein Verzeichnis aller im Lande befindlichen Ruinen, Burgen, Schlösser, Türme, Kapellen und sonstiger Gebäude des Altertums mit Angabe ihrer Lage anzufertigen. Die Bauinspektion in Schmalkalden lieferte dann auch im Jahre 1838 ein Verzeichnis nach Kassel, das neben einem Bericht über den Zustand der Hallenburg auch einen Situationsplan von der Schloßruine zu Steinbach-Hallenberg enthielt.

An der Ruine fanden ein paar Jahre später erste Sicherungsarbeiten auf Staatskosten statt. Im Jahre 1840 beantragte die Bauinspektion Schmalkalden die Erschließung der Ruine, 1847 die Erhaltung und den Aufbau des eingestürzten Mauerwerks. Erst 1850 wurde ein „Etat für die Unterhaltung der Ruinen im Bezirk Schmalkalden gegen weiteren Verfall“ bewilligt. Für die Hallenburg betrug er 65 Taler.         

Beim Übergang Kurhessens an Preußen im Jahre 1866 wurden die kurhessischen Staatsforsten im Kreis Schmalkalden mitsamt der Ruine Hallenburg an Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha geschenkt, wo sie auch die nächsten Jahre verblieben.

Das Inventarium der Baudenkmäler im Regierungsbezirk Kassel aus dem Jahre 1870 enthält für die Hallenburg den Vermerk „Burgruine bei Steinbach. Vorhanden sind noch ein runder Turm, das Mauerwerk des Hauptgebäudes und die Futtermauer der Vor­burg. Die Unterhaltung lag bisher dem Staate ob und ist jetzt an den Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha übergegangen. Ausbesserungen sind von Zeit zu Zeit erfolgt.“                            

Eine erneute Aufnahme fand 1909 bis 1913 durch die Inventarisationsarbeiten von Professor Paul Weber für den Band über die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Herrschaft Schmalkalden statt, in deren Verlauf auch ein Grundplan und ein Querschnitt durch den Burghügel angefertigt wurden.          

Das ursprüngliche Bild der Gesamtanlage, das sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch erhalten hatte, wurde durch den Absturz der an der Westseite überhängenden Felskanzel am 20. August 1919 fast völlig zerstört, eine breite und tiefe Gasse hinterlassend. Der Porphyr­block zerschmetterte im Tal eine Werkstatt, die glücklicherweise zu dieser Zeit unbesetzt war, während das dabeistehende Wohnhaus unversehrt blieb. Schon seit längerer Zeit hatte man an dem Felsvorsprung verdächtige Sprünge bemerkt, so daß die Herzogliche Hofkammer in Gotha auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht und um Schutzmaßnahmen ersucht wurde. Daraufhin wurde an der Ruine eine Warnungstafel angebracht und der Zugang versperrt. Die dringend notwendigen Sicherungsarbeiten aber unterblieben.

 

 

Felsabsturz 1919

 

Felsbrocken heute im Garten

 

Heute steht die Ruine unter dem Schutz Denkmalpflege des Staates. Nicht unbedeutende Geldmittel wurden nach 1945 zur Sicherung und Erhaltung der Ruine Hallenburg zur Verfügung gestellt. Es bedurfte jedoch immer der Aufmerksamkeit der örtlichen Behörden wie auch der Boden- und Denkmalpfleger, um dieses historische Bauwerk und Baudenkmal vor mutwilliger Zerstörung zu bewahren.

Als am 14. Dezember 1982 die Interessengemeinschaft „Hallenburg“ unter Leitung von Ernst Wolf gegründet wurde, trat sie in einen neuen Abschnitt ihrer Geschichte ein. Es begann die sachkundige Pflege der Burg und des sie umgebenden Geländes, wozu notwendige Aufräumungs- und Erhaltungsarbeiten gehören. Seit 1984 bekrönt wieder eine Dachhaube den Turm der alten Burg, nachdem sie 375 Jahre lang als Ruine ihr kärgliches Dasein gefristet hatte.

           

 

Die Moosburg

Nordwestlich von Steinbach-Hallenberg, etwa eine halbe Stunde vom Ort entfernt, erhebt sich am Hang des oberen Moosbachtales ein hoher Porphyrfelsen, der im Mittelalter ebenfalls eine Burg getragen hat. Daß sich auf dem verhältnismäßig kleinen Felsmassiv einst eine Burg befunden hat, steht außer Zweifel, und die Sage von der Eroberung der Moosburg wird in ihrem geschichtlichen Kern durch die vorhandene urkundliche Überlieferung gestützt. Die Burg ist heute nichts mehr erhalten. Sie lebt nur noch in der dortigen Flurbezeichnung „Wüstes Schloß“ weiter.

Wie schon bei der Hallenburg wurde ein etwa 15 Meter hoher und nach drei Seiten steil abfallender Porphyrfelsen in den Bau der Anlage mit einbezogen. Auf seiner Plattform hat das gewiß sehr bescheidene Hauptgebäude gestanden. Der Zugang erfolgte von der nach dem Berg zu gelegenen Seite aus. Hier führen mehrere in Stein gehauene Stufen empor. Da sie plötzlich aufhören, muß mit dem Absturz einer Felsmasse gerechnet werden.

Köbrich deutet einige im Felsen vorhandene Vertiefungen als künstlich eingehauene Löcher, in denen die Tragbalken einer Tür eingelassen gewesen sein sollen. Auch die Marke einer Türangel und eine alte Herdvorrichtung glaubte er zu erkennen. Dagegen sagt Weber im Jahre 1913 von dem Felsen, daß „auf seiner ganz unebenen, stark zerklüfteten Oberfläche keine Spur vom Mauerwerk und von Bearbeitung“ zu sehen ist. Geisthirt, der den Felsen im Jahre 1714 besichtigte, fand dort nur „etwas Mauerwerk, Ziegel und Kalksteine, unter dem Felsen aber häufig herabgeworfene Stein“. Von Mörtelresten in den Nischen des Felsens und Ziegelstücken berichtet noch Köbrich im Jahre 1894. Ebenfalls konnten erst um 1980 Keramikreste aus dem 13. und 14. Jahrhundert in unmittelbarer Nähe des Burgfelsens gefunden werden.

Nach der Bergseite hin befindet sich noch heute ein ziemlich tiefer und breiter Graben, der sich im Halbkreis um den Fuß des Felsens legt. Konzentrisch verläuft etwas weiter südlich ein zweiter schmaler und flacher Graben. Obwohl nur wenig Raum für Baulichkeiten zwischen dem Felsen und dem Grabenrand bleibt, besteht kein Zweifel, daß die Moosburg einst bewohnt war.

 

Die Moosburg lag dicht an der „Hohen Straße“, so daß es nahe liegt, ihre Lage mit dem Bestehen dieses mittelalterlichen Höhenweges in Verbindung zu bringen. Über ihre Erbauung besitzen wir keinen urkundlichen Nachweis. Sie wird zum ersten Mal im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts erwähnt, als Heinrich Raspe, Landgraf von Thüringen, am 16. Mai 1228 auf ,,Moseburc“ urkundet. Wahrscheinlich waren die Landgrafen von Thüringen, die schon um 1100 als Herren von Schmalkalden vermutet werden, die Erbauer der Burg. Sie drangen nach dem Ende der Herren von Nordeck (nach 1115) von Schmalkalden her an die ,,Hohe Straße“ vor.

Vielleicht haben sie, um dieses Grenzgebiet gegen die Grafen von Henneberg zu behaupten, damals die Moosburg erbaut, die rund hundert Jahre später noch zum thüringischen Besitz südlich des Rennsteigs gehört.

Mit dem Übergang von Schmalkalden an Henneberg um 1247 wechselte auch die Moosburg ihren Besitzer. Sie wird 1248 im Besitz des hennebergischen Lehnsmannes Otto von Mose­burg genannt. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde sie jedoch Opfer der dynastischen Aus­einandersetzungen in diesem Gebiet. Damals versuchte Berthold VII. von Henneberg-Schleu­singen, in den seit 1291 markgräflichen Gebieten um Schmalkalden Fuß zu fassen und seine Macht durch die Ausdehnung seines Herrschaftsgebietes bis an den Kamm des Thüringer Waldes zu vergrößern. Dabei brachte er Herren, die sich ihm nicht unterordnen wollten, dadurch zur Anerkennung seiner Landeshoheit, indem er ihre Burgen zerstören ließ. Im Jahre 1314 eroberte er die Moosburg und ließ sie schleifen.

Sie scheint später nicht wieder aufgebaut worden zu sein, da ihre Schutzfunktion wegfiel, als durch die Verlagerung des Verkehrs in die Täler die ,,Hohe Straße" ihre Bedeutung für den Fernverkehr im Schmalkalder Raum immer mehr verlor.

Geisthirt bezieht die im Jahre 1717 von Rudolphi erwähnte Nachricht, daß Kaiser Heinrich IV. um das Jahr 1070 alle Berge und Hügel in Thüringen mit Schlössern belegte, unter denen er auch eine „Moosburg“ nennt, auf die Moosburg bei Steinbach-Hallenberg. Das aber ist ein Irrtum, dem auch Köbrich in seiner „Geschichte von Steinbach und Amt Hallenberg“ unterliegt. Als Quelle für die Nachricht von der Erbauung der „Moseburg“ gibt Rudolphi die Annalen des Lampert von Hersfeld an, deren Erstdruck 1525 in Tübingen erfolgte. Mit der von Lampert erwähnten „Moosburg“ ist allerdings die Mosburg am südwestlichen Harzrand unweit von Bad Sachsa und Walkenried gemeint.

Die erste urkundliche Nachricht von der Moosburg datiert aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts. Heinrich Raspe, der Landgraf von Thüringen, urkundete am 16. Mai 1228 zweimal auf „Moseburc“. Es ist möglich, daß die „Moseburc“ von den Landgrafen von Thüringen erbaut wurde. Wir dürfen die Ludowinger schon um 1100 als Herren von Schmalkalden annehmen.

Zickgraf vermutet, daß sie nach dem Ende der Herren von Nordeck (nach 1115) von Schmalkalden her an die „Hohe Straße“ vordrangen. Vielleicht haben sie, um dieses Grenzgebiet gegen die Grafen von Henneberg zu behaupten, die Moosburg an die „Hohe Straße“ erbaut. Gleichzeitig erhielten sie damit die Kontrolle über einen weiteren wichtigen Zugang nach Thüringen, den sie bereits auf fränkischer Seite beherrschten. Zickgraf dürfte mit seiner Vermutung Recht haben, daß der Einbruch des Schmalkalder Zentgebietes in die Zehnt Benshausen an dieser Stelle auf thüringischen Einfluß zurückgeht

Der Anlaß zur Erbauung der Moosburg ist nicht in den Kämpfen Kaiser Heinrichs IV. mit den Sachsen und Thüringern zu sehen, sondern in den Auseinandersetzungen zwischen den Ludowingern und den Hennebergern um das Erbe der Herren von Nordeck im Gebiet der Zehnt Benshausen sehen. Es ist zwar erwiesen, daß Heinrich IV. auch in Thüringen auf eine Stärkung der Stellung des Königtums abzielte und überall Burgen bauen ließ, um seine Steuerrechte zu vergrößern, vom Bau königlicher Burgen in Mittel- und Südthüringen verlautet dagegen nichts.

Nach dem Untergang der Gaugrafschaft im Grabfeld waren im 12. Jahrhundert in Südthüringen neben den Hennebergern auch die Thüringer Landgrafen im Vordringen, die ihr Herrschaftsgebiet bis nach Schmalkalden verschieben konnten.

 

 

Der genaue Zeitpunkt des Übergangs des Schmalkalder Gebietes an die Ludowinger läßt sich nicht bestimmen, doch ist er vermutlich am Beginn des 12. Jahrhunderts zu suchen. In diese Zeit möchten wir auch die Erbauung der Moosburg nordwestlich von Steinbach-Hallenberg setzen.

Bereits 20 Jahre später ergriffen die Grafen von Henneberg von dem acht Kilometer entfernten Schmalkalden Besitz. Mit dem Übergang von Schmalkalden an Henneberg um 1247 wechselte auch die Moosburg ihren Besitzer. Sie wird 1248 im Besitz des hennebergischen Lehnsmannes Otto von Moseburg und seines Bruder Rudolf genannt, die einem Verzichtbrief für das Kloster Georgenthal ihren Herrn, Graf Hermann von Henneberg, mitsiegeln lassen. In einer Urkunde vom 3. Juni 1273 machte Graf Hermann von Henneberg seinen Vettern bestimmte Zusagen über das „castrum Moseberc“.

 

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde die Burg jedoch Opfer der dynastischen Auseinandersetzungen in diesem Gebiet. Damals versuchte Berthold VII. von Henneberg-Schleusingen, in den Gebieten um Schmalkalden Fuß zu fassen, und seine Macht durch die Ausdehnung seines Herrschaftsgebietes bis an den Kamm des Thüringer Waldes zu vergrößern. Diese Gebiete gehörten seit 1291 durch Einheirat dem Markgrafen von Brandenburg. Nach dem Tode des Markgrafen Hermann im Jahre 1308 hatte seine Witwe Anna von Habsburg das Erbe in Schmalkalden angetreten. Im Jahre 1309 nahmen die ritterlichen Gefolgsleute der Markgräfin Otto von Kühndorf gefangen, der in diesem Jahr die Moosburg besaß und dort für den Bischof Andreas von Würzburg, einen Gegner der Markgräfin, eintrat.

Im Gebiet um Schmalkalden gab es Herren, die sich Berthold VII. von Henneberg-Schleu­singen nicht unterordnen wollten, wie oben genannten Otto von Kühndorf und Hermann Vogt von Salzburg. Diese brachte er dadurch zur Anerkennung seiner Landeshoheit, daß er ihre Burg, das „hus zu Moseburg“, im Jahre 1314 zerstören ließ.

Ob die Burg damals wieder aufgebaut wurde, ist nicht überliefert. Es ist jedoch nicht anzunehmen, da durch die Verlagerung des Verkehrs in die Täler die „Hohe Straße“ ihre Bedeutung für den Fernverkehr im Schmalkalder Raum immer mehr verlor und damit auch die Schutzfunktion der Moosburg wegfiel.

In einer Reihe von Zeugenaussagen aus dem Jahre 1420 über den Verlauf der „Hohen Straße“ wird die Moosburg noch mehrmals als Streckenpunkt erwähnt. Zu dieser Zeit war sie aber schon nicht mehr bewohnbar, wie auch die „Straße, die von dem Nesselberg vor Zeiten für die Mosburg und Rotenrode hin gegangen hat“, nicht mehr für den Fernverkehr benutzt wurde.

Wagner erwähnt einen Lehnbrief des Grafen Albrecht von Henneberg-Römhild aus dem 16. Jahrhundert, in welchem ein Walddistrikt als vor dem „alten Schloß Moosburg“ liegend bezeichnet wird. Doch schon die Karte der Herrschaft Schmalkalden von Joist Moers aus dem Jahre 1589 enthält keinen Hinweis mehr auf die ehemalige Burg im oberen Moosbachtal.

 

 

Die Burg auf dem Ruppberg

Unter den Thüringerwaldbergen im Gebiet zwischen Steinbach-Hallenberg und Zella-Mehlis hebt sich der Gipfel des Ruppberges (866 Meter) neben denen des Großen Hermannsberges (868 Meter) und des Spitzigen Berges (881 Meter) besonders auffällig hervor. Diese hervorragende Lage macht ihn zum vielbesuchten Ausflugsziel der näheren und weiteren Umgebung. Der Hintergrund wird durch die nahegelegenen Felsbildungen des Hermannsberges, der Hohen Möst, des Donnershauks und des Gebrannten Steins bestimmt.

Zu den Burgen in und um Steinbach-Hallenberg ist auch die auf dem Ruppberg zu zählen, da der dortige Waldbezirk seit 1619 zur Steinbacher Flurgemarkung gehört. Eine vorhandene Umwallung wird in frühgeschichtliche Zeiten verlegt Auf dem spitzen Porphyrkegel des Rupp­bergs soll sich einst eine Burganlage befunden haben, die wahrscheinlich schon im 11. Jahrhundert vorhanden war.

Der unbewaldete Doppelgipfel des Ruppberges besteht aus mächtigen Porphyrfelsen, dessen zwei schmale Kuppen von 5 und 8 Meter Breite eine 13 Meter breite Einsattlung begrenzen. „Gegen Norden ist ein künstlicher Graben ausgehoben, dessen Erdreich zum Walle getürmt ist. Gegen Süden liegt der Graben und Wall etwas tiefer als der Abhang und zieht sich noch ein Stück nach Westen herum. Nach Osten und einem Teil der Westseite ist der Fall des Felsens so steil, daß hier Wall und Graben nicht nötig waren.“

Daß in neuerer Zeit keinerlei Mauerreste oder sonstigen Anzeichen für eine Burganlage inner­halb der Umwallung mehr festzustellen waren, hat nach Weber angeblich verschiedene Gründe-. Besonders die Wasserversorgung der Burg spricht gegen die Existenz eines mittelalterlichen Ritterbesitzes auf dem Ruppberg. Deshalb werden die Befestigungsanlagen unterhalb des Gipfels in frühgeschichtliche Zeiten verlegt.

Der Jenaer Kunsthistoriker spricht davon, daß es sich möglicherweise um „einen Zufluchtsort der Umwohner aus frühgeschichtlichen Zeiten“ handelt. Erich Marquardt setzt den Wall auf dem Ruppberg in die Latènezeit (500 bis etwa 50 vCh) und Gotthard Neumann äußert, wenn auch zurückhaltender, das gleiche. Frühgeschichtliche Umwallungen sprechen aber keineswegs gegen die Behauptung der Chronisten, daß sich auf dem Ruppberg eine mittelalterliche Burg befand. Selbst der geringe Platz auf dem schmalen Felsrücken und die ungünstige Wasserversorgung sprechen nicht dagegen. Die hervorragende Lage mit einer ausgezeichneten Fernsicht und die unmittelbare Nähe einer mittelalterlichen Fernstraße lassen gerade den Ruppberg als Standort für eine Burg in Betracht kommen.

In unmittelbarer Nähe des Ruppberges verlief eine bedeutende mittelalterliche Fernstraße, die vom Paß bei Oberhof über Zella-Mehlis nach Schleusingen bzw. zum Kloster Rohr zog. Die Bedeutung des Oberhofer Gebirgsüberganges für den frühmittelalterlichen Fernverkehr bezeugt auch eine Reihe von Funden vor- und frühgeschichtlicher Bodenaltertümer, durch die diese wichtigste und älteste Übergangsstelle von der mittleren Steinzeit an fast durchgehend belegt ist.

Wenn man dem Schmalkalder Chronisten Johann Conrad Geisthirt Glauben schenken darf, waren noch um 1723 Reste des Mauerwerks auf dem Ruppberg zu sehen. Geisthirt gilt in seiner Überlieferung als sehr zuverlässig, da er verschiedene Forschungsreisen in das von ihm bearbeitete Gebiet unternahm und auch Auskünfte bei ortskundigen Personen einholte. Er berichtete darüber in seiner „Historia Schmalcaldica“:

„Der hohe Berg, auf welchen es gebauet, hat in dem Grenz-Buch den Nahmen, daß er ge­nennet wird der Rupberg, und gehet hinter demselben her die Schmalkalder Grenze bis an den Hasels Rasen. Weniges Mauerwerck von diesem Schloss, so auf der blossen Leube am Thüringer Wald nicht sogar weit von dem Gothischen Dorf Mehlis liegt, ist noch übrig ....“. Und der Lokalhistoriker Wagner berichtete im Jahre 1847 über den Fund einer alten Goldmünze, alter Hufeisen und anderer Seltenheiten.

 

Heute sind keinerlei Anzeichen für eine einst existierende befestigte Anlage zu finden. Da nach der Überlieferung die Burg auf dem Ruppberg schon sehr frühzeitig abgebrochen wurde, sind heute keinerlei Anzeichen mehr vorhanden, daß auf der spitzen und schmalen Kuppe des Berges eine Burg gestanden hat.

Beim Fehlen aller baulichen Anzeichen ist man im Wesentlichen auf die chronis­tischen und urkundlichen Nachrichten angewiesen, um die Existenz und die Lage der Burg festzustellen.

Anhaltspunkte für den Standort einer Burg auf dem Ruppberg gibt auch die chronistische und urkundlichen Überlieferung zu den Herren von Nordeck, die ähnlich wie die Herren von Hallenberg Besitzer einer Kleinherrschaft waren. Das Geschlecht der Herren von Nordeck starb schon 1115 aus, nachdem ihr letzter Vertreter, Gebhard von Nordeck, das Schloß seines Vaters zerstört und eine vom Kloster Reinhardsbrunn anhängige Zelle St. Blasius gestiftet hatte. So ging die Erinnerung an die Burg auf dem Ruppberg schon frühzeitig verloren.        

 

 

Blick vom Ruppberg zum Grenzadler

 

Über die Ausdehnung des Herrschaftsgebiets und die Herkunft der Herren von Nordeck, die sich vermutlich nach dem fränkischen Schloß Nordeck bei Stadt­steinach in Oberfranken nannten, lassen sich keine sicheren Zeugnisse beibringen. Ihren Aufstieg haben sie - wie so viele kleine Dynastengeschlechter - vermutlich der Reichspolitik nach dem Investiturstreit zu verdanken. Zickgraf vermutet die Dynasten als Herren des reichslehnbaren Zentstuhls in Benshausen und bringt die Lage der Herrschaft mit der bereits erwähnten Fernstraße, die am Ruppberg vorbei zum Paß bei Oberhof zog, in Verbindung. „Sicherung dieser wichtigen Straßenzüge und des Passes war die Aufgabe, die den Dynasten gestellt war“. Die chronistischen Überlieferungen sprechen davon, daß sie ihren Sitz auf dem Ruppberg und außerdem Besitzungen in Mehlis, Heinrichs und Albrechts hatten.

Die Annalen des Klosters Reinhardsbrunn erzählen, daß die Gräfin Hildegard, eine Tochter des Landgrafen Ludwig mit dem Barte von Thüringen und Gattin Poppos I. von Henneberg, nach dem Tode ihres Ehemannes in der Schlacht von Mellrichstadt (1078) den Edlen Thimo von Nordeck geheiratet habe.

Beider Sohn, Gebhard von Nordeck, habe die Zelle St. Blasius gestiftet, sie dann dem Kloster Reinhardsbrunn geweiht und mit allen umliegenden Landen begabt.

Das älteste schriftliche Zeugnis, das den Sitz der Herren von Nordeck ausdrücklich mit dem Ruppberg in Verbindung bringt, ist das „Chronicon Hennebergense“ aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Es wiederholt die Darstellung der Reinhardsbrunner Klosterbücher, ist jedoch noch weit besser unterrichtet. Es vermeldet, daß die Burg Thimos von Nordeck auf dem Ruppberg gestanden habe, daß Gebhard von Nordeck das Schloß seines Vaters zerstört und bald darauf die Zelle St. Blasius wie auch die Kirchen in Heinrichs und Albrechts gegründet habe. Mit Gebhard von Nordeck starb das Geschlecht der Herren von Nordeck dann 1115 endgültig aus.

Es gibt keinen Grund, diese Nachrichten anzuzweifeln, da das „Chronicon Hennebergense“ neben thüringischen Annalen und Chroniken auch eigene unverdächtige Quellen, wahrscheinlich aus den verlorenen Veßraer Jahrbüchern verwertet. Dem unbekannten Verfasser müssen also bei der Niederschrift dieses Werkes heute verschollene Quellen zur Verfügung gestanden haben, die auch den genauen Standort des Schlosses der Herren von Nordeck auf dem Rupp­berg enthielten. Andererseits wäre es auch denkbar, daß er diese Kenntnis aus eigener Anschauung schöpfte und noch zu Beginn des 16. Jahrhunderts bauliche Überreste des „castrum Rupberck“ vorhanden waren. Auf die Überlieferung des „Chronicon Hennebergense“ gehen seitdem alle Darstellungen hennebergischer Geschichtsschreiber zurück.

 

 

Ruppberg Gipfel

 

Das Kloster Reinhardsbrunn war das Hauskloster der Großeltern des Gebhard von Nordeck. Deshalb wurden die neu gegründeten Zelle bei Mehlis an dieses Kloster überwiesen, wie auch die Stiftung der Kirchen in Albrechts und Heinrichs. Doch die Beziehungen der Herren von Nordeck zum Kloster Goseck bei Naumburg bleiben bis heute völlig im dunkeln. Die Gosecker Annalen berichten, daß zur Zeit des ersten Abtes Friedrich (1070 - 1098) eine Gräfin Hildegard, Schwester Ludwig des Springers, ihren Sohn Gebhard dem Mönchsleben geweiht habe. Sie bereute aber ihr Gelübde in der Hoffnung auf sein Erbe und entzog ihn wieder dem Kloster.

Sicher handelt es sich bei den beiden Personen um die Gattin Thimos von Nordeck und ihren Sohn. Zickgraf vermutet, daß es der frühe Tod ihres zweiten Gatten war, der sie veranlaßte, ihren Sohn aus dem Kloster zu nehmen, um der Herrschaft den Erben zu erhalten. Reue und Angst um den gebrochenen Eid mögen dann die Stiftung der Zelle durch Gebhard von Nor­deck angeregt haben. Der Gosecker Mönch berichtet, daß Gebhard von Nordeck bald danach verstorben ist. Bestimmt ist er, nachdem ihn seine Mutter dem Kloster entzogen hatte, nicht wieder Mönch geworden. Die Klosterüberlieferungen von Goseck enthalten jedenfalls nichts darüber.

 

 

Grenzbeschreibung 1165 (angeblich 1111)

An der Gründung der Zelle St. Blasius durch Gebhard von Nordeck und den mit ihr verbundenen Schenkungen ist nicht zu zweifeln. Die Nachrichten über diesen Vorgang werden durch zwei Reinhardsbrunner Besitzurkunden inhaltlich voll gedeckt, die Herkunft und Umfang der zu Reinhardsbrunn gehörenden Besitzungen südlich des Rennsteigs im Gebiet um Zella-Mehlis urkundlich sichern sollen Beide Urkunden sind zwar Fälschungen der Reinhardsbrun­ner Mönche, ziehen aber die durch verschiedene Überlieferungen als gesichert anzunehmenden Tatsachen nicht in Zweifel.

In dem Diplom Heinrichs V. vom 26. August 1111 bestätigt der Kaiser dem Kloster Rein­hardsbrunn den Besitz der Wälder Windefelt und Elisis, den ihm Ritter Gebhard von Nordeck zur Errichtung und Ausstattung eines Klosters daselbst vermacht hat. Außerdem bestätigt der Kaiser den Besitz eines ebenfalls mit seinen Grenzen beschriebenen Bifangs (= umzäuntes Feld),  mit dem Gebhard das auf Anweisung des Reinhardsbrunner Abtes Ernst zur Ehre des heiligen Märtyrers Blasius an dieser Stelle errichtete Bethaus am Tag der Weihe dotiert hat.

Inhaltlich bildet das vorstehende Diplom die Vorurkunde für die Würzburger Bischofsurkunde vom 14. Mai 1112, mit der Bischof Erlung vor Würzburg die Errichtung der Zelle und die Schenkung Gebhards von Nordeck bestätigt. Der Bischof weihte das neue Bethaus und gewährte Gebhard die freie Vogtwahl. Außerdem sicherte er ihm das Recht der Taufe und des Begräbnisses und schenkte ihm auch den Zehnten von den künftigen Rodungen in diesem Gebiet.

 

Durch die Bestimmung, in den Forsten Rodungen anzulegen, werden die territorialpolitischen Absichten des Klosters Reinhardsbrunn sichtbar. Zella-Mehlis und Suhl wie auch Albrechts und Heinrichs und wohl noch weitere Dörfer im Bereich der Forsten von Zella-Mehlis und Suhl verdanken ihr Entstehen sicher dem von Reinhardsbrunn und den Thüringer Landgrafen angeregten Landausbau. Mit dem nach der Wende vom 11. und 12. Jahrhundert erworbenen Klostergut erweiterten die Ludowinger abermals ihr Territorium, das bereits im Reinhards­brunner Besitz bis vor Schmalkalden reichte.

Damit griffen sie weit über den Gebirgskamm nach Süden, denn der in der Fälschung auf Heinrich V. genannte Forstbezirk reichte vom Rennsteig bei Oberhof bis in die Gegend von Suhl. Die Schenkung Gebhards von Nordeck an das Kloster seiner Großeltern war deshalb für die Landgrafen von Thüringen ein nicht zu unterschätzender territorialer Gewinn, den sie vermöge der Reinhardsbrunner Vogtei fest in der Hand hatten. Ihre Gegner in der Auseinandersetzung um das Erbe der Herren von Nordeck waren die Grafen von Henneberg, die in den folgenden Jahrhunderten als die Haupterben der Nordecker im Gebiet der Zehnt Benshausen auftraten.

 

 

Mit der Schenkung der umliegenden Forsten an die neugestiftete Zelle hatte das Kloster Reinhardsbrunn gewisse Rechte am Thüringer Wald erworben. Eine Fälschung sollte nun dem Kloster nicht nur das Jagdrecht im Gebiet des späteren Zella-Mehlis sichern, sondern auch den Vormarsch der Henneberger aufhalten. In der um 1165 in Reinhardsbrunn auf Kaiser Heinrich V. gefälschten Urkunde von angeblich 1111 werden die Grenzen der Forste Windefelt und Elisis, die der Edle Gebhard von Nordeck der Zelle des Heiligen Blasius bei Mehlis samt dem Jagdrecht geschenkt haben soll, genau beschrieben.

Das Gebiet schloß einen beträchtlichen Waldbezirk um Zella-Mehlis ein, der bis an den Dörm­bach bei Unterschönau und hinauf zum Rennsteig reichte. Er wird in der Folgezeit zum erklärten Streitobjekt der Henneberger, als das Kloster Reinhardsbrunn im Jahre 1357 seinen Grundbesitz diesseits des Waldes an die Landgrafen von Thüringen abtauschte. Noch im Jahre 1445 wiesen mehrere beeidete Zeugen den Henneberger Grafen das alleinige Jagdrecht im Mehliser und Zeller Wald diesseits hinauf bis auf die Leube am Rennsteig.

 

Die Grenzbeschreibung aus dem Diplom Kaiser Heinrichs V. von angeblich 1111 enthält die vermutlich ältesten und zuerst schriftlich fixierten Flurnamen dieses Gebietes. Ausgangspunkt des Grenzzuges ist die Quelle der Langen Lauter am Großen Eisenberg unweit des Rennsteigs bei Schmiedefeld. Er verläuft dann über verschiedene Grenzpunkte, die heute nur noch zum Teil bekannt sind, aber noch im 16. Jahrhundert als Forstorte auftraten, bis in die Gegend westlich von Zella-Mehlis.

Von hier aus wendet er sich in nördlicher Richtung zur Dürren Hasel (Durrinhesilon) bei Bermbach, ihr entlang zum Landwehrgraben, hinter dem sich der in der Grenzbeschreibung genannte Flurort „Grunenhesilon“ verbirgt. Über den nicht zu lokalisierenden Flurort „Al­dass­nant“ führt der Grenzzug denn zum Dörmbach bei Unterschönau, der in der Grenzbeschreibung als „Duringbach“ auftritt. Ihm folgt er bis zur Einmündung in die Hasel in Unterschönau.

Der nächste Grenzpunkt der Forstbeschreibung ist der Hellenbach zwischen Unter- und Oberschönau. Nur dieser Flurort kann sich hinter der Bezeichnung „Herigozeshelminahe“ verbergen, denn er zeigt an, daß die Grenze jetzt entlang des Haselbaches aufwärts bis zum Rennsteig verläuft. Bis 1619 ist der vorstehend beschriebene Zug die Grenze zwischen der Zehnt Benshausen und dem Amt Hallenberg geblieben.

Der Name „Herigozeshelminahe“ enthält in seinem ersten Bestandteil sicher einen Personennamen, während „Helminahe“ sich von Helm, einer alten Bezeichnung für Berg, ableitet und den dort befindlichen Wasserlauf bezeichnet. Der erste Bestandteil muß schon sehr früh aufgegeben worden sein, das Grundwort entwickelte sich dann zu den heute hier vorhandenen Flurbezeichnungen Hellenbach und Hellenberg.

Vor der Einmündung des Grenzzuges in den Rennsteig wird noch der Flurort „Milinbuoch", ein heute nicht mehr bekannter Waldort an der Haselquelle genannt. In der Grenzbeschreibung von 1548 und der Karte von Joist Moers aus dem Jahre 1589 ist er noch als „Elenbug“ verzeichnet. Von nun an bildet der Rennsteig die nicht mehr beschriebene Ostgrenze, bis in der Nähe des Großen Eisenberges der Ausgangspunkt dieser Grenzbeschreibung wieder erreicht wird.

Die in dem kaiserlichen Diplom enthaltene Grenze der Forsten Windefelt und Elisis deckt sich in einem für uns bedeutsamen Zug mit der später überlieferten Grenze der Zehnt Benshausen. Obwohl die Urkunde eine Fälschung ist, hat sie für die Untersuchung der territorialen und politischen Verhältnisse unseres Gebietes große Bedeutung, weil ihr Verlauf in dem oben beschriebenen Zug die Respektierung gewisser territorialer Rechte voraussetzt.

Das kann nach Lage der Dinge nur die Kleinherrschaft der Herren von Hallenberg sein, zumal eine weitere Reinhardsbrunnner Fälschung vom Ende des 12. Jahrhunderts ebenfalls der Nord­grenze des späteren Amtes Hallenberg folgt. Die Grenzbeschreibung in der Urkunde von angeblich 1111 schließt das Gebiet um die Hallenburg eigentümlich aus, so daß wir mit Recht vermuten können, daß schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts das Gebiet um die Hallenburg erschlossen war, wenn wir auch erst rund 200 Jahre später von einer Siedlung im Tal der Hasel hören.

 

 

Landwehren

Zu den geschichtlichen Zeugnissen aus vergangenen Jahrhunderten im Steinbacher Grund gehören auch die Landwehren, die als spätmittelalterliche Wehranlagen für die Sperre wichtiger Straßen und den Schutz wertvoller Gebiete angelegt wurden. Die Landwehr des Amtes Hallenberg ist heute nur noch in Flurnamen und in älteren Berichten und Grenzaufzeichnungen erhalten. Sie scheint aus Gräben und Waldhecken bestanden zu haben. In einer Karte aus dem Jahre 1589 ist sie als schmaler Busch- bzw. Waldstreifen eingezeichnet, der bei Altersbach ein Stück längs der „Hohen Straße" auf der Wasserscheide entlang lief, dann ostwärts abbog und dem rechten Ufer des Altersbaches bis zur Einmündung in die Hasel folgte. Die Hallenberger Landwehr kann nur als Grenzbefestigung der Zent Bensbausen gegen die Ämter Hallenberg und Schmalkalden verstanden werden. Naheliegend wäre auch der Straßenschutz des Abganges der ,,Hohen Straße" nach Steinbach-Hallenberg, da die Landwehr an dieser Stelle mit der alten Höhenstraße zusammenfiel. Auch bei Bermbach deuten Flurnamen auf eine alte Landwehranlage hin. Über die Zeit der Entstehung der Landwehren im Gebiet um Steinbach-Hallenberg und die Art ihrer Unterhaltung ist jedoch nichts überliefert.

 

 

Wüstungen

Wenig wissen wir auch über die Wüstungen in diesem Gebiet, die teilweise schon in Aufzeichnungen des späten und ausgehenden Mittelalters auftauchen. Es sind verlassene Siedlungen und Feldfluren, die weniger durch Verheerung in Kriegszeiten als durch Siedlungskonzentration und durch soziale Faktoren entstanden. Die Wüstungen im Umkreis von Steinbach-Hallenberg sind Gebirgswüstungen. Es waren meist Viehhöfe, die im Bereich des Thüringer Waldes lagen.

Oberhalb der Neuhöfer Wiesen, nahe am Rennsteig, findet sich die Wüstung ,,Bloße Leube“. Als ein wahrscheinlich schon im 15. Jahrhundert angelegter Viehhof ging er vor dem Dreißigjährigen Krieg ein. In unmittelbarer Nähe lag der „Neuhof“, der den dortigen Weiden den Namen gab. Er diente auch als Ausspanne und wurde erst 1812 Wüstung. Die Wiesen wurden dann an Rotteroder und Altersbacher Einwohner verpachtet. Ein weiterer Viehhof lag im Kanzlersgrund. Der ,,Kanzlershof“ gehörte im 16. Jahrhundert zur landgräflichen Meierei in Weidebrunn. Er besaß zwei Viehställe und ein Wohnhaus für die Hirten, die dort während des Sommers 50 bis 70 Fohlen und annähernd 400 Stück Rindvieh zu warten hatten. Hinzu kamen 750 Acker Wiesen. Die Hute erstreckte sich weit über den Oberschönauer und Steinbacher Forst. Erst 1852 ging der Hof ein.

 

 

Neuhöferwiesen

 

Eine wechselvolle Geschichte hatte der ,,Heftenhof“ im Ebertsgrund. Es war ein ehemaliges Henneberger Erbleihegut, das schon 1340 als wüst bezeichnet wird. Vor 1570 wurde es von einem Schmalkalder Stahlgewerken wieder aufgebaut. Später wurde der Hof wieder wüst und 1710 mit Stallung und Scheuer erneut aufgebaut. Im 19. Jahrhundert ging er endgültig ein. Daß im Ebertsgrund ein Darf namens „.Eberts“ gelegen haben soll, überliefert eine Sage, die vom Ort und seinem Untergang zu erzählen weiß. Bergleute sollen die Bewohner gewesen sein. Tatsächlich wurde im Ebertsgrund nach Kupfer und Kobalt geschürft. Aber das Dorf ist nicht versunken, wie es die volkstümliche Überlieferung will, die Wohnstätten sind sicher aufgegeben worden, als sich der Bergbau nicht mehr lohnte. Der Flurname ,,Kirchhückel“ ist eine letzte Erinnerung an die einstige Siedlung im Ebertsgrund.

 

 

Das Amt Hallenberg

Die Hallenburg war Ausgangspunkt für die Entstehung des Amtes Hallenberg, dessen Kern auf den Vogteibezirk der Hallenburg zurückgeht, das aber in seinem Umfang deutlich erst im 16. Jahrhundert zu erkennen ist. Es umfaßte als geschlossenes Gebiet den eigentlichen Burgvogteibezirk mit den beiden Orten Unter- und Obersteinbach sowie einen größeren Waldbezirk. Daneben besaß es landesherrliche Rechte in einigen Dörfern der Umgebung. Für die älteste Zeit ist eine starke Bindung an den alten Gerichtsstuhl der Zent Benshausen festzustellen.

Im 16. Jahrhundert begann der Niedergang der Burg. Als Graf Albrecht von Henneberg-Röm­hild im Jahre 1518 das Schloß in Schwarza erbaute, hörte die Hallenburg auf, eine Residenz der Henneberger Grafen zu sein. Seit dieser Zeit war sie nur noch der Sitz des herrschaftlichen Amtsmannes, der von hier aus die Geschicke des Amtes Hallenberg, des Anteils von Henneberg-Römhild an der Zehnt Benshausen und an den Dörfern Mehlis und Albrechts leitete.

Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts ist der Niedergang der Burg festzustellen. Sie verwahrloste zusehends. Der Amtmann erhält zwar beim Übergang von Hallenberg an das sächsische Herrscherhaus im Jahre 1584 den Titel „Amtsvogt“.

Aber 1588 wird er Amtsverwalter von Kühndorf und Hallenberg und nimmt seinen Sitz in dem Schloß in Kühndorf. Er bekleidet das Amt noch bis 1598. Nur ein Hofmann wohnte noch in den unteren Gebäuden, der die zum Burgbezirk gehörenden Äcker und Wiesen bestellte und Viehzucht trieb.

Außerdem gab es Unterbeamte, die unter Ablegung eines Diensteides in ein Dienstverhältnis eintraten. Sie wurden vor allem Träger der Finanzverwaltung und erhielten eine feste Entlohnung, die sie bei der jährlichen Abrechnung einbehielten. Im Amt Hallenberg gehörten zu den herrschaftlichen Unterbeamten die Jäger und Förster sowie die Mitglieder des seit dem Ende des 15. Jahrhunderts im Amt Hallenberg bestehenden Berggerichts und der Bergverwaltung. Zur Bewahrung und Verteidigung der Burg waren Reisige verpflichtet, die dem Amtmann auf der Hallenburg unterstanden und das militärische Aufgebot darstellten.

Nach dem Tod des letzten Hennebergers im Jahre 1583 unterstand das Amt dem sächsischen Herrscherhaus, das für die Besitzungen aus dem hennebergischen Erbe eine gemeinschaftliche Regierung in Meiningen unterhielt. Eine der ersten Amtshandlungen des vormals henneber­gischen Amtmannes Michael Mußmacher, jetzt sächsischen Burgvogts und Amtsverwalters, war die Zusammenstellung eines Inventarverzeichnisses und die Anlage einer „Jahresrechnung des Ampts Hallenbergk von Petri Cathedra des 1583. Jahrs bis wiederum Petri Cathedra des 1584. Jahrs“ (Petri Cathedra, 22. Februar) in der alle Einnahmen und Ausgaben des Amtes verzeichnet waren. Der Burgvogt Michael Mußmacher, der die Baumaßnahmen überwachte und das erforderliche Geld anwies, hatte noch bis zur Zusammenlegung der Ämter Kühndorf und Hallenberg im Jahre 1588 seinen Sitz auf der Hallenburg. Nach dieser Zeit war das Schloß weitgehend unbewohnt.

 

 

Zugehörigkeit zu Herrschaftsgebieten

Die heutige Stadt Steinbach-Hallenberg hat im Laufe ihrer über siebenhundertjährigen Geschichte mehrfach ihre politische und territoriale Zugehörigkeit gewechselt.

 

Kleinherrschaft der Herren von Hallenberg

(12. Jahrhundert, erwähnt 1228 und 1232):

Die Hallenburg hat aber seit ihrer Entstehung bis zum Übergang an das hennebergische Grafenhaus keine bedeutende Rolle gespielt. Die urkundliche Nachricht aus dem Jahre  1228, in der Reginhard von Hallenberg als Handlungszeuge bei der Entvogtung des Klosters Rohr genannt wird, läßt den Schluß zu, daß er durch seine Stellung unter den hochfreien Geschlechtern damals nicht als Lehensmann, sondern als Anlieger der Regelung der Vogtfrage beiwohnte.

Obwohl es keine urkundlichen Zeugnisse über die Herren von Hallenberg aus der Zeit vor 1228 gibt, lassen Reinhardsbrunner Klosterurkunden Rückschlüsse auf ein höheres Alter der Kleinherrschaft zu. Daß sie bis in die Anfänge des 12. Jahrhunderts zurückgeht läßt sich aus einer Grenzbeschreibung vom Ende des 12. Jahrhunderts ablesen, die der Nordgrenze des späteren Amtes folgt (siehe oben): Eine Reinhardsbrunner Besitzurkunde aus dem Jahr 1111 beschreibt die Grenzen des vom Kloster Reinhardsbrunn beanspruchten Gebietes aus der Schenkung der Herren von Nordeck im Gebiet zwischen Zella-Mehlis und dem Rennsteig. Dabei wird das Herrschaftsgebiet um die Hallenburg eigentümlich ausgeschlossen. Hier kann man die Beachtung bestimmter territorialer Rechte erkennen, deren Zentrum nur die Hallenburg gewesen sein kann.

 

Ihre Selbständigkeit blieb offensichtlich in den nach 1115 beginnenden Auseinandersetzungen zwischen den von Schmalkalden vordringenden Thüringer Landgrafen und den von Schleusingen her die Zent Benshausen in Besitz nehmenden Grafen von Henneberg unangetastet.

Erst 120 Jahre später erreichten die Grafen von Henneberg das Tal der oberen Hasel. Da 1232 Reinhard von Hallenberg als hennebergischer Dienstmann erscheint, ist zu vermuten, daß sich die Herren von Hallenberg zwischen 1228 und 1232 aus der Freiheit in die Abhängigkeit als Lehnsherrn („Ministerialität“) begeben haben: Ein Reinhard von Hallenberg (vermutlich der gleiche, der 1228 unter dem Namen Reginhald auftrat) ist unter den hennebergischen Dienstmannen, die für ein Einlager in Schleusingen in Aussicht genommen werden.

Bereits im Jahre 1115, nach dem Ende der Herren von Nordeck, den Besitzern des Schlosses auf dem Ruppberg, war es zu schweren Kämpfen um ihr Erbe im Raum der Zehnt Benshausen gekommen. An ihrem Nordrand lag die Hallenburg mit der Kleinherrschaft der Herren von Hallenberg. Diese war eine „eigenartige Absplitterung der Zehnt“ Benshausen. In der ältesten Zeit ist daher die Geschichte des Amtes und der Burg Hallenberg eng mit der Geschichte der Zehnt Benshausen verknüpft. Die Hallenburg war bis in das 16. Jahrhundert die Schutzburg der Zehnt.

Die Henneberger schieben also zwischen 1228 und 1232 ihr Herrschaftsgebiet bis in die Gegend von Hallenberg vor und erwerben die bisher eigenständige Herrschaft, Burg und Ort. Die Hallenburg wurde Mittelpunkt eines hennebergischen Amtes. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts war die Hallenburg Residenz, Amts- und Verwaltungssitz, Schutzburg der Zehnt Benshausen und Zehntgefängnis für diesen mittelalterlichen Gerichtsbezirk. Beherrschend überragte sie die langgestreckte Siedlung im Tal der Hasel und bestimmte deren wechselvolle Geschichte über Jahrhunderte hinweg.

Nach dem Verschwinden der bisherigen Machthaber in dieser Gegend drangen von Schmalkalden her die Thüringer Landgrafen bis nach Christes, Altersbach, Rotterode und zur Moosburg an die „Hohe Straße“ vor, während andererseits die Henneberger als Erben der Herren von Nordeck das Gebiet der Zehnt Benshausen für sich in Besitz nahmen. Noch mußten sie den kleinen örtlichen Machthabern - besonders in Kühndorf und Hallenberg - ihre Selbständigkeit lassen.

 

Grafschaft Henneberg (ungeteilt) (nach 1230 bis 1274):

Die Hallenburg wurde vorübergehend auch der Wohnsitz und die Residenz verschiedener Henneberger Grafen. Von hier aus zogen sie zu den herrschaftlichen Jagden in die Wälder des Amtes Hallenberg und der Zehnt Benshausen bis zum Rennsteig und in die Gegend von Zella-Mehlis. Jetzt rückte sie etwas mehr in den Blickpunkt der Geschichte. In der Folgezeit wurde die Hallenburg mehrmals als hennebergische Besitzung erwähnt. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts war sie Residenz, Amts- und Verwaltungssitz, Schutzburg der Zent Benshausen und Zentgefängnis für diesen mittelalterlichen Gerichtsbezirk.

Am 7. März 1268 bestimmte Graf Berthold V. (der älteste Sohn Heinrichs III. von Henneberg) seiner Gemahlin Schloß und Stadt Schleusingen zur Altersversorgung („Leibgeding“) und das Schloß Hallenberg („castrum Haldenberc“) als Hochzeitsgeschenk („Morgengabe“. Graf Heinrich III. von Henneberg übernahm bei Antritt seiner Regierung die althenne­ber­gischen Lande, zu denen auch das Schloß Hallenberg gehörte.

 

 

 

Herrschaft Henneberg-Hartenberg (1274 – 1391) (Pfandschaft der Herren von Bibra):

Bei der großen hennebergischen Landesteilung von 1274, durch die sich das Henneberger Grafenhaus in drei Seitenlinien, Henneberg-Schleusingen, Henneberg-Hartenberg und Henneberg-Aschach teilte, fiel die Burg an den Stifter der Hartenberger Linie, bei der sie etwa 100 Jahre lang blieb.

Schon 1360 hatte der Landgraf von Hessen sich in Henneberg eingekauft und erlangte die Mitherrschaft über die ideelle Hälfte des Amtes Schmalkalden, der Vogtei Breitungen und der Zent Brotterode. Von der Zent Benshausen erhielt es aber nur ein Viertel. Ein weiteres Viertel gehörte Henneberg-Hartenberg, das von Henneberg-Römhild beerbt wurde, und zwei Viertel gehörten Henneberg-Schleusingen.

Wenn auch das Amt Hallenberg nach der hennebergischen Landesteilung von 1274 eine gewisse Selbständigkeit und Unabhängigkeit gegenüber der Zehnt Benshausen erlangte, blieb seine Bindung an den alten Gerichtsstuhl der Zehnt noch bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts erhalten. Das Amt Hallenberg hatte also einen anderen Landesherrn als Schmalkalden, es gehörte in der Reformationszeit zu Henneberg-Römhild. Die drückende finanzielle Lage zwang noch vor 1374 die Grafen von Henneberg-Hartenberg, das Schloß an die Herren von Bibra zu verpfänden.

 

Henneberg-Aschach (1371 bis 1391):

Bereits 1371 hatten sich jedoch die Grafen von Henneberg-Aschach ein Anrecht auf das hartenbergische Amt Hallenberg gesichert und es zusammen mit anderen Besitzungen der Hartenberger für 85.000 Pfund Heller fränkischer Landeswährung angekauft. Nachdem 1378 die Linie Henneberg-Hartenberg ausgestorben war, standen die Hallenburg und das dazugehörige Amt rechtmäßig dem Haus Henneberg-Aschach zu. Noch waren sie aber eine Pfandschaft der Herren von Bibra. Diese traten am 13. März 1391 die „Haldenburg“ und das „Amt Haldenberg“ mit aller Zugehörung gegen Schloß Aschach an Graf Hermann von Henneberg-Aschach ab.

 

Herrschaft Henneberg-Römhild (1391 bis 1549):

Die Aschacher Linie nannte sich fortan nach einer ihrer neuen Erwerbungen Henneberg-Römhild. Bei dem Haus Henneberg-Römhild blieben Schloß und Amt Hallenberg bis zum Jahr 1549, in diesem Jahr starb auch diese Linie aus. Der letzte Graf, der auf der Hallenburg wohnte, war Albrecht von Henneberg mit seiner Gemahlin Catharina von Stolberg.

Nachdem er in Schwarza ohne Erben verstorben war, entstand viel Streit um seinen Nachlaß.

Die Hallenburg stand kraft eines Erbvertrages den mit Graf Albrecht verschwägerten Grafen von Stolberg zu. Diese meldeten Erbansprüche auf das Amt Hallenberg an. Sie hatten aber nicht mit den lebenden Blutsverwandten („Agnaten“) der erloschenen Römhilder Linie gerechnet. Noch im gleichen Jahr nahm Graf Wilhelm IV. von Henneberg-Schleusingen das Schloß Hallenberg und das dazugehörige Amt mit Gewalt ein. Danach waren umfangreiche Bauarbeiten notwendig, von denen zahlreiche Baurechnungen vorliegen.

 

Herrschaft Henneberg-Schleusingen (1549 bis 1583):        

Von Wilhelm IV. gingen Schloß und Amt Hallenberg auf seinen Sohn Georg-Ernst von Henneberg Schleusingen über, der im Jahre 1564 die hallenbergischen Besitzungen seinem jüngeren Bruder Poppo als Zuwendung für nicht erbberechtigte Kinder („Apanage“) überließ. Nach seinem Tod im Jahre 1574 kamen sie wieder an Georg-Ernst.

Als dieser am 27. Dezember 1583 ohne männliche Nachkommen starb, erlosch das Haus Henneberg, das in fünf Jahrhunderten eine wichtige Rolle in der fränkischen Geschichte gespielt hatte.

Für die älteste Zeit ist eine starke Bindung an den alten Gerichtsstuhl der Zehnt Benshausen festzustellen. Erst nach 1549 löste sich das Amt mehr oder weniger von der Zehnt und orientierte sich nach Schmalkalden, dem Verwaltungsmittelpunkt der hennebergisch-hessischen Doppelherrschaft.

 

Kurfürstentum Sachsen (1583 bis 1619):

Das Amt Hallenberg kam in den gemeinsamen Besitz des Kurfürstentums und der Herzogtümer Sachsen, die eine gemeinschaftliche Regierung für die ehemalige Grafschaft Henneberg in Meiningen unterhielten. Durch den Herrschaftswechsel erhielt das Amt Hallenberg mehr Selbständigkeit gegenüber den benachbarten Landesteilen, die sich vor allem in der Errichtung eines eigenen Hochgerichts in Steinbach ausdrückte.

Die Hallenburg fiel mit dem Amt Hallenberg auf Grund der Erbverbrüderung zwischen den Hennebergern und den Ernestinern vom 1. September 1554 zu Kahla an das sächsische Herrscherhaus. Seit dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts war die Burg nur noch Sitz des herrschaftlichen Amtsverwalters.

Das Ende des Henneberger Grafenhauses im Jahre 1583 veränderte die territorialpolitischen Verhältnisse dieses Gebietes vollends. Schmalkalden wurde hessischer Alleinbesitz, während das Amt Hallenberg vorübergehend an Kursachsen fiel. Nur 25 Jahre währte die sächsische Herrschaft im Amt Hallenberg. Im Jahre 1588 wurden die Ämter Hallenberg und Kühndorf zusammengelegt und durch einen Amtsvogt, der seinen Sitz auf Schloß Kühndorf nahm, gemeinschaftlich verwaltet.

 

Landgrafschaft Hessen-Kassel (1619 bis 1626):

Schon nach 1549 löste sich das Amt mehr oder weniger von der Zent und orientierte sich nach Schmalkalden, dem Verwaltungsmittelpunkt der hennebergisch-hessischen Doppelherrschaft.

Hier waren die Landgrafen von Hessen-Kassel seit 1360 Mitbesitzer von Schmalkalden. Im Jahre 1619 wurde das Amt Hallenberg gegen den hessischen Anteil an der Zehnt Benshausen ausgewechselt und kam ebenfalls an die Landgrafschaft Hessen.

Die hennebergischen Besitzungen in Mehlis wurden bisher vom Amt Hallenberg aus verwaltet. Der Ort gehörte zur Hälfte zu Thüringen und besaß ein eigenes Dorfgericht, an dem der Hallenberger Amtmann den Vorsitz hatte. Auf Grund der henneberg-hartenbergischen Besitzungen in Albrechts unterstand auch dieser Ort zur Hälfte dem Amt Hallenberg, und der Hallenberger Amtmann hatte die Aufsicht über das Dorfgericht.

Durch den Vertrag verlor das Amt Hallenberg das Nutzungsrecht („Gerechtsame“) in den Dörfern Albrechts und Mehlis. Zum Amt Hallenberg kamen Bermbach, Herges, Untersteinbach, Obersteinbach, Altersbach, Rotterode, Unterschönau und Oberschönau. Seitdem war das Amt ganz hessisch und unterstand fortan unter der Leitung eines hessischen Amtsschult­heißen dem Oberamt Schmalkalden.

Dabei erhielt das Amt Hallenberg aus der Zent Benshausen einen beträchtlichen Zuwachs an Grundbesitz, so daß seitdem Schützenberg, Gebrannter Stein, Ruppberg, Breukopf, Steinhauk, der kleine und große Hermesberg (Hermannsberg), der Brand (Gebrannter Stein) und Sonnenberg, der Kirchberg, Winterliete und Krummeschlinge, der Mittelberg, Raitzberg und Sattel zur Flurgemarkung Steinbach-Hallenberg gehören.          

Damals entstand die noch heute gültige Grenze zwischen den Kreisen Suhl und Schmalkalden. Der Vertrag von 1619 ist auch der Grund, daß der Ruppberg bei Zella-Mehlis bis heute noch zur Steinbacher Flurgemarkung gehört. Auch die Schanze am Rennsteig im Kanzlers­grund liegt auf Steinbacher Gebiet, denn der Forst östlich des Haselbaches mit dem Schützenberg gehört seit 1619 zum Forst Hallenberg. An Hessen gingen damals auch die zur Zehnt gehörigen Dörfer „Hergets“ und „Bernbach“ (Herges-Hallenberg und Bermbach), die nunmehr ganz dem Amt Hallenberg eingegliedert wurden.

Es war also ein recht bedeutsamer Grundbesitz, der aus der Zehnt Benshausen für Hessen ausgeschieden wurde. Deshalb mußte in der bisherigen Zehnt eine Grenze gezogen werden, die in einer weiteten Urkunde genau beschrieben wurde. Die Zentgrenze, die zuvor für eine längere Strecke mit der Flurgrenze zwischen Steinbach und Herges zusammengefallen war, fiel jetzt mit der Flurgrenze zwischen Herges und Viernau zusammen und zog sich dann weiter über den Höhenzug nach Springstille.

 

Austausch unter den Dörfern:

Aber das Amt Schmalkalden hatte noch einzelne Besitzungen im Amt Hallenberg. Nach dem Besuch des Landgrafen Wilhelm kam es ab 31. Oktober 1791 zu einem Austausch. Erst 1791 wurde die seit Jahrhunderten bestehende Streulage der Besitzungen der Ämter Hallenberg und Schmalkalden beseitigt. Die Hallenberger Besitzungen in Näherstille wurden zu Schmalkalden geschlagen und die Orte Unter- und Oberschönau, Springstille, Altersbach und Rotterode (die zuvor teilweise oder ganz zum Amt Schmalkalden gehört hatten)  mit Herges, Bermbach und Steinbach-Hallenberg zum Amt Hallenberg vereinigt.

Die Grenze der Gemeinde Steinbach-Hallenberg zu Herges war schon 1773 abgegrenzt worden. Die Orte Unter- und Oberschönau, Rotterode, Altersbach und Springstille wurden zusammen mit den Dörfern Herges, Bermbach und Steinbach-Hallenberg zum Amt Hallenberg vereinigt (Rotterode und Altersbach gehörten bis 1791 zum Amt Schmalkalden).

           

Im Jahre 1330 gelangte Rotterode als bis dahin hersfeldisches Lehen der Herren von Frankenstein durch Kauf an die Grafen von Henneberg. Im 14. Jahrhundert war der Ort Lehnbesitz des Schmalkalder Chorherrenstifts und erschien 1340 in einem Verzeichnisse der Grundstücke des Amtes Schmalkalden („Urbar“) als Wüstung unter dem Namen „Roterot“. Im Frankensteiner Kaufbrief von 1330 wird auch ein Dorf „Alharts“ genannt, hinter dem man das heutige Altersbach vermutet. Im Jahre 1340 wird der Ort unter dem Namen „Altusbach“ mit anderen Dörfern des Amtes Schmalkalden als Wüstung aufgeführt..

Schwieriger war die Rechtslage in den beiden Siedlungen Unter- und Oberschönau, die beide erst relativ spät entstanden sind. Hier an der oberen Hasel überschnitten sich die Ämter Hallenberg und Schmalkalden mit der Zehnt Benshausen. Um das Jahr 1360 war der „Hamer in der Schonouwe under Haldenberg“, der Ausgangspunkt der späteren Ortschaft Unterschönau, nach Schmalkalden zinspflichtig. Im Anfang des 15. Jahrhunderts stritten sich die Schleu­singer aus dem Amt Schmalkalden mit den Römhildern, den hennebergischen Besitzern des Amtes Hallenberg und der Zehnt Benshausen, um die Schneidmühle in der Schönau, die wiederum der Anfang der späteren Ortschaft Oberschönau war.

 

 

An der Stelle, an der in Unterschönau der Dörmbach in die Hasel mündet, stießen seit der Landesteilung von 1274 die Gebiete dreier hennebergischer Territorien zusammen. Das Gebiet westlich der Hasel vom Dörmbach bis zur Haselquelle am Schützenberg und weiter zum Rennsteig gehörte der Schleusinger Linie und damit in das Amt Schmalkalden. Das östliche Waldgebiet vom gleichen Ausgangspunkt bis zum Rennsteig gehörte in die Zehnt Benshausen, während das Land südlich des Dörmbachs zu beiden Seiten der Hasel dem Amt Hallenberg zustand und den eigentlichen Burgvogteibezirk darstellte.

Die Rechtslage wurde schwierig als im 16. Jahrhundert in diesem dreiwertigen Gebiet zwei Siedlungen, Unter- und Oberschönau, entstanden. Diese jungen Gründungen waren ja nicht mehr in die alten Zenten Schmalkalden und Benshausen einbezogen. Nachdem bis 1619 die Hasel gewissermaßen die zwei Dörfer zerschnitt und sie westlich der fließenden Grenze dem Amt Schmalkalden, östlich von ihr aber der Zehnt Benshausen zuwies, wurde durch den Austauschvertrag zwischen Sachsen und Hessen in diesem Jahr der zur Zehnt Benshausen gehörige Teil dem Amt Hallenberg eingegliedert. Noch immer waren beide Orte geteilt, nun zwischen den beiden hessischen Ämtern Schmalkalden und Hallenberg. Erst 1791 wurden die Dörfer Unter- und Oberschönau ganz dem Amt Hallenberg zugeschlagen.

Ähnlich verlief der Kampf im Stillergrund. Näherstille, das am weitesten vom Amt entfernt lag, scheint anfänglich überwiegend hartenbergisch gewesen zu sein. Doch kam es hier schon im 15. Jahrhundert zu fortwährenden Irrungen mit der Schleusinger Linie. Im 16. Jahrhundert hatte das Amt Schmalkalden den Ort mit Ausnahme der Vogtei über die Hallenberger Untertanen schließlich völlig unterworfen.

Springstille, das seinen Namen von der hier entspringenden Stille hat, war die älteste Siedlung im Amt Hallenberg. Schon im Jahre 948 wird „Stillaha“ unter den Gütern Kaiser Ottos genannt, die er dem Kloster Hersfeld im Tausch übereignete. In Springstille gehörten seit 1274 Teile des Ortes sowohl zum Amt Hallenberg, andere zu Schmalkalden. Die nach Schmalkalden gehörenden Güter werden 1360 in einem Grundstücksverzeichnis des Amtes Schmalkalden genannt. Erst im 17. Jahrhundert endeten mit dem Übergang von Hallenberg an Hessen die Streitigkeiten über die Gerechtigkeitsausübung in Springstille, während der Ort erst 1791 ganz an das Amt Hallenberg fiel.

 

 

Kirche in Springstille

 

In Herges-Hallenberg gehörten im 14. Jahrhundert größere Teile des Ortes zum henne­ber­gischen Amt Benshausen. Der Ort, der 1445 noch „Hergots“ genannt wird, besaß nur wenige Hallenberger Güter. Das gleiche gilt für Bermbach, das 1340 als „Bernbruch“ auftritt und zum größten Teil zum Amt Benshausen gehörte.

 

Pfandherrschaft Hessen-Darmstadt (1626 bis 1646):

Die Herrschaft der Landgrafen wurde von 1626 bis 1646 von der Pfandherrschaft Hessen-Darmstadt unterbrochen. Auch danach blieben der Ort und das Amt hessischer Besitz, vom hessischen Mutterland durch sachsen-meiningisches, teils auch sachsen-weimarisches Gebiet getrennt.

 

Landgrafschaft Hessen (1646 bis 1807):      

 

Königreich Westfalen (Werra-Departement, Distrikt Eschwege) (1807 bis 1813):

Während der napoleonischen Zeit von 1807 bis 1813 gehörte das Gebiet zum Königreich Westfalen. Das frühere Amt Hallenberg bildete mit seinen Dörfern einen Kanton des Distrikts Eschwege im Werradepartement, bevor es 1822 im Kreisamt Schmalkalden aufging. Steinbach-Hallenberg wurde also abermals hessisch. Hessen-Kassel war seit 1803 Kurfürstentum.

 

Kurfürstentum Hessen-Kassel (1813 bis 1866):       

 

Land Preußen (Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel) (1866 bis 1944):

Nach dem Krieg von 1866 fiel Hessen-Kassel an Preußen. Der Ort gehörte nunmehr mit dem Kreis Schmalkalden zur Provinz Hessen-Nassau (Regierungsbezirk Kassel), Land Preußen

 

Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt (1944 bis 1945):

Der Kreis Schmalkalden wurde 1944 im Zuge einer Neuordnung in Sachsen und Thüringen dem preußischen Regierungsbezirk Erfurt zugeteilt. Steinbach-Hallenberg hatte am 30. Juni 1936 das Stadtrecht erhalten. Mit dem Landkreis Schmalkalden wurde es am 1. Juli 1944 aus dem Verband der preußischen Provinz Hessen-Nassau herausgelöst und dem Regierungsbezirk Erfurt eingegliedert.

           

Land Thüringen (1945 bis 1952):

(1945 - 1950 Landkreis Schmalkalden, 1950 - 1952 Landkreis Suhl),

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges fiel der Kreis Schmalkalden an das Land Thüringen.

Am 1. Juli 1950 erfolgte dann eine umfangreiche Neuordnung, bei der der Landkreis Schmalkalden in den Landkreis Suhl eingegliedert und vorübergehend an die Nachbarkreise aufgeteilt wurde..

 

Bezirk Suhl, Kreis Schmalkalden (seit 25. Juli 1952).          

Der Kreis Schmalkalden entstand neu, als am 25. Juli 1952 das Land Thüringen praktisch (nicht rechtlich) aufgelöst wurde. Seitdem gehört Steinbach-Hallenberg mit dem Kreis Schmalkalden dem Bezirk Suhl an

 

Land Thüringen, Kreis Schmalkalden-Meiningen:

Seit 1994 gehört Steinbach-Hallenberg zum Kreis Schmalkalden-Meiningen.

 

 

Schloßberg und Hallenburg

 

 

Verwaltung der beiden Dörfer

Für die heutige Stadt Steinbach-Hallenberg gibt es zwei dörfliche Siedlungskerne: die sich im Schutz der Burg am Schloßberg entwickelnde Siedlung Obersteinbach und die Ansiedlung in Untersteinbach am Erbstal mit den für das Dorf namengebenden Wasserlauf Steinbach. Beide Dörfer waren im 16. Jahrhundert noch räumlich getrennt, wurden aber bereits einheitlich verwaltet. An der Spitze der Gemeinde stand der ,,Zwölferstuhl“, dessen Vorsteher „Dorfmeister“ genannt wurden. Jedes Dorf hatte seinen eigenen Dorfmeister.

Die Zwölfer waren gleichzeitig Gerichtsschöffen. Ihre Existenz geht auf das im 15. Jahrhundert hier entstandene Berggericht zurück, an dem zwölf Berggerichtsschöffen das Urteil sprachen. Die Zwölfer wurden auf Lebenszeit gewählt, bei Abgang eines Zwölfers durch Tod wählten sie einen neuen aus der Mitte der Gemeinde. Ihre Zusammenkünfte fanden in der Zwölferstube im Oberwirtshaus statt.

Nachdem der Bergbau im Hallenberger Revier eingegangen war, wurden auch Schöffen und Zwölfer aus anderen Erwerbszweigen gewählt. Im 17. Jahrhundert waren die Zwölfer nicht nur Gerichtsschöffen, sondern hatten auch die verschiedenen Gemeindeämter wie Kämmerer, Bauherr, Marktmeister, Brotwäger, Fleischschätzer u. a. zu versehen.

Seit 1773 stand der Gemeindevertretung ein „Schultheiß“ vor, der von der Landesherrschaft eingesetzt wurde. Durch die kurhessische Gemeindeverordnung von 1834 erhielt er als Vorsitzender des Gemeinderates die Bezeichnung „Bürgermeister“.

 

Amtmänner

Johannes Avenarius schreibt: „Als Steinbach noch nicht so volkreich war, hat es keinen ordentlichen (Amts-) Schultheißen gehabt. Wer etwas klagen wollte, hat nach Kühndorf ins Amt gehen müssen. Die damaligen hoheitlichen Personen aber, die den Titel „Amtsverwalter“ führten, sind nach Bedarf nach Steinbach gekommen, besonders aber zum Rügegericht.“

Während der hennebergischen Zeit wurden Schloß und Amt Hallenberg von besonderen Burg- und Amtmännern verwaltet, deren erster 1358 bezeugt ist. Sie erhielten ihr Amt zumeist zeitlich befristet verliehen. Sie waren Träger der schriftlichen Verwaltung, die sich im 14. bis 16. Jahrhundert hauptsächlich auf das Anlegen von Lehnbüchern oder Erbregistern, die Führung der Amtsrechnungen sowie die Aufzeichnung der Weistümer (Rechtsordnungen) erstreckte. Außerdem waren sie zur Bewahrung und Verteidigung der Burg verpflichtet, hatten die Einnahmen des Burgbezirkes und des Amtes zu überwachen, das militärische Aufgebot zu befehligen und zum Teil auch die Gerichtsbarkeit im Amt auszuüben. Dafür nutzten sie das Amt als Geldquelle (Renten- oder Sportelquelle, Sportel = Gebühr) oder wurden an den Erträgen des Amtes beteiligt.

Der erste namentlich erwähnte Amtmann ist Hans von Rosenthal, der um 1358 auf der Hallenburg amtierte. Er wird noch 1371 beim Verkauf der henneberg-hartenbergischen Besitzungen als „vesten mann“ bezeugt. Er besaß noch weitere Güter in der näheren Umgebung und nannte sich vermutlich so nach seinen Besitzungen im „Rosental“ zwischen Viernau und Schwarza.

In einem Zeugenverhör über die Jagdgrenzen der Grafen von Henneberg wird für die Zeit um 1380 „Berld Banse, Grauen Berlde schutzen amptmann zu Haldenberg“ (Berthold X. von Henneberg-Hartenberg) genannt. Um 1410 ist Ditrich von Thunfeldt „Burgmann zu Hallenberg“. Vor 1467 war Hermann Vrat Amtmann auf Hallenberg. Aber es liegen keine weiteren Nachrichten über ihre Amtszeit vor.

 

Am 26. November 1467 bestellten die Grafen Friedrich und Otto von Henneberg-Römhild den Lehnsmann Leonhard von Masbach zum Amtmann auf Hallenberg. Über diese Amtshandlung liegt ein Bestallungsbrief vor, der uns Einblick in das Aufgabengebiet des herrschaftlichen Amtmannes und Burgverwalters gibt.

Leonhard von Masbach wurde für 3 Jahre zum „Amtmann auf Schloß und Amt Haldenberg“ ernannt und sollte sich in dieser Zeit des Schlosses samt den Äckern, Wiesen, Fischwässern, Zinsen und Gülten, die vor ihm der verstorbene Amtmann Hermann Vrat innegehabt und eingenommen hatte, annehmen.

Das Schloß sollte er auf seine eigenen Kosten in redlichem Bau und guter Dachung halten, es mit Torwarten, Wächtern und anderen versehen und getreulich bewahren. Der Amtmann hatte auch die zum Schloß gehörigen Äcker und Wiesen zu bestellen und zu erhalten, das Gericht zu Benshausen, welches nach Hallenberg gehörte, auch andere Gerichte des Amtes nach Notdurft zu besetzen und die Bußen und Geldstrafen einzunehmen.

Er sollte den Untertanen und armen Leuten des Amtes getreulich raten und helfen, wie es einem Amtmann zu tun gebührte. Das zum Schloß gehörende Gehölz hatte er getreulich zu hegen, was er aber selbst im Schloß zum Bauen und Brennen brauchte, sollte er unentgeltlich angewiesen bekommen.

Zu seinen Pflichten gehörte es fernerhin, den Henneberger Grafen jederzeit drei reisige Pferde mit zwei Knechten auf dem Schloß bereitzuhalten und sie und ihr Gefolge frei zu bewirten. Leonhard von Masbach erhielt Schloß und Amt Hallenberg zunächst auf drei Jahre zugewiesen mit dem ausdrücklichen Recht, nach beiderseitiger Übereinkunft auch bis zu seinem Tode Amtmann auf Hallenberg zu bleiben.

Im Falle seines Todes sollten Schloß und Amt von seinen Erben der Herrschaft ohne Widerrede übergeben werden.

 

Nach Leonhard von Masbach scheint Hans Zoller (Zollner) der Ältere von Rotenstein Amtmann auf Hallenberg geworden zu sein. Er wird erstmals im Jahr 1473 genannt und hatte das Amt bis 1490 inne. Ihm folgten Eberhard von Ostheim (1490 - 1498), Hans Zoller (Zollner) der Jüngere von Rotenstein (1498-1508) und Bartholmes Zoller (Zollner) von Rotenstein (1508 - 1510). Ein weiterer Amtmann zu Beginn des 16. Jahrhunderts war Vinzenz Burkan. Im Jahre 1534 wird Hans von Ostheim genannt. Bereits 1524 erscheint Balthasar von Ost­heim, der im Jahre 1548 in einer Manuskriptbeschreibung der Grenze der Zehnt Benshausen bekannte, daß er und sein Vater, Eberhard von Ostheim, „das Amt Hallenberg ohne Ruhmgerede an die fünfzig Jahre innegehabt und von der Herrschaft Henneberg verwaltet.“

 

Die weitere Liste der Amtmänner ist fast vollständig erhalten:

* Bernhard Truchseß, von 1548 und 1552

* Vinz Treuter, von 1552 bis 1556

* Heinrich von Vitzenhagen, Amtmann auf Hallenburg, von 1556 bis 1564,

   erwähnt 1561.

* Hans Keller (Kellner), von 1564 bis 1572

* Hiob Ziegler (oder Siegler), von 1572 bis 1580. Er wird 1573 erwähnt.

* Michael Mußmacher, Amtsverwalter auf Kühndorf und Amt Hallenburg.

  Er trat sein Amt   1580 an, wird ab 1585 mehrfach erwähnt und starb 1589.

* Christoph Winter, Amtsverwalter in Kühndorf. Er wird 1600 und 1605 erwähnt

* Caspar Schmidt aus Kühndorf. Er hat 1619 die Verträge wegen der Aufteilung der

   Zent Benshausen von sächsischer Seite aus unterschrieben, war aber vorher

   sicher der Leiter des Amtes Hallenberg

* Justus Eckhardt wurde von Hessen-Kassel im Jahre 1619 nach Steinbach gesetzt.

  Er führte   den Titel „Amtsschultheiß“ bis ins Jahr 1627.

* Johann Simon wurde 1627 von Hessen-Kassel als Amtsschultheiß ins Amt

   Hallenburg gesetzt.

 

* Paulus Riedtmöller (auch: Riedmöller) wurde während der Pfandherrschaft von Hessen- Darmstadt als Amtsschultheiß nach Steinbach gesetzt. Vermutlich ist er der einzige, der von Hessen-Darmstadt hierher als Amtsschultheiß gesetzt worden ist, weil er 1641 das Rüge-Gericht gehalten hat. Im Jahre 1648 ist aber das Amt Steinbach Hallenberg durch einen Vergleich wieder an das Fürstenhaus Hessen-Kassel gekommen. Der Amtsschultheiß wurde entlassen, weil er sich weigerte, der Herrschaft Hessen-Kassel zu huldigen.

 

* Vincenz Zielfelder, geboren in Schmalkalden. Er führte den Titel „Amtsschultheiß“. Er ist am 30. September 1647, als die Grenzsteine am Köpfchen besichtiget worden sind, schon hier gewesen.

* Herrmann Zielfelder, auch in Schmalkalden geboren.

 

*  Adam von Jossa aus einem uralten adeligen Geschlecht in Schlesien. Er verwaltete das Amt eines Küchenschreibers bei Frau Hedwig Sophie. Diese war die Frau des alten Landgrafen, Mutter des regierenden Landesherrn, die damals in Schmalkalden als ihrem Witwensitz wohnte und regierte. Diese setzte Adam von Jossa um das Jahr 1682 nach Steinbach in das Amt. Er war ein frommer, christlicher, aufrichtiger, ehrlicher alter Deutscher.

Er hielt mit jedermann gerne Freundschaft und ging gerne zum Gottesdienst. Er starb am 20. Februar 1718 früh um 2 Uhr sanft und selig im Alter von 69 Jahren. Er hat das Amt an die 35 Jahre verwaltet. Er hinterließ seine liebe Frau und einen einzigen Sohn, der auf die Universität gehen konnte. Dieser starb aber auch am 21. August1721, und mit ihm starb der ganze Stamm der Herren von Jossa dieser Linie aus.

 

* Johann Herrmann Hippstedt, von 1716 bis 1719, früherer Hauptmann unter den hessischen Truppen. Er wurde Herrn Adam von Jossa im Jahre 1716 an die Seite gestellt. Dem guten Herrn von Jossa war aber damit nicht viel geholfen, und er hielt deswegen so viel wie möglich an seinem Amt fest. Als aber Herr Jossa verstarb, folgte Hippstedt ihm im Amt, und wurde von dem Herrn. Oberrentmeister Waldenberger im Jahr 1718 vollständig in das Amt eingewiesen. Er wurde geboren in Gospenroda einem Dorf unweit von Berka an der Werra gelegen (südöstlich von Eisenach). Im Jahre 1719 wurde er kränklich und begab sich in seine Heimat, wo er auch im Herbst gestorben ist an einer Krankheit, an der fast alle seine Geschwister gestorben sind. - Bei der Bestellung dieses und nachfolgenden Herrn Amtsschultheißen ist der gesamte Zwölferstuhl jedesmal befragt worden, ob sie mit dieser Person zufrieden seien oder ob es etwas gegen sie haben.

* Justus Eckhardt Zufall, von 1719 bis 1748. Er ist geboren in einem Ort unweit von Kassel, war Rechtsanwalt in Schmalkalden und wurde von Oberrentmeister Waldenberger in das Amt eingeführt. Er war ein freundlicher lieber Herr, der wohl studiert hat. Deshalb ist er in unterschiedlichen wichtigen Sachen von der Regierung zum Schlichter („Kommissar“) ernannt und verwendet worden. Am 2. April 1748 ist er gestorben.

Amtshaus mit Hallenburg

 

* Johann Herrmann Fleischhuth, von Januar 1749 bis 1756. Das Berufungsschreiben hat er am 19. Dezember 1748 vom Landgraf zu Hessen erhalten. Er war ein Pfarrersohn und kam als Lediger nach Steinbach. Seine Ehefrau wurde die Tochter des Herrn Oberschultheißen Gößel in Kassel. Dieser Herr Amtsschultheiß war gleich von Anfang an besorgt um das Wohlsein der Hallenberger Untertanen, besonders in Steinbach. Einige Einwohner hatten nämlich schon mehrfach angefragt, wie es sich mit einigen Dingen verhielte. Fleischhuth ordnete als erstes an, daß die Vorsteher die von der Herrschsaft wegen der hier einquartierten Miliz gutgeschrie­benen Verpflegungsgelder austeilen und den Einwohnern überlassen müssen. Das war vorher Zeit in Steinbach noch nie geschehen, obwohl die Herrschaft schon vor 24 Jahren die Gelder wegen der Miliz gegeben hatte, aber niemand von den Einwohnern hat so recht gewußt, wo diese Gelder eigentlich hingekommen sind

Zweitens verpachtete Fleischhuth unter Zuziehung der Zwölfer und Vorsteher die beiden Wirtshäuser der Gemeinde. Das hätte bestimmt nicht stattgefunden, wenn nicht dieser Amtsschultheiß fest darauf bestanden hätte. So wurden also die beiden Wirtshäuser verpachtet von sämtlichen Zwölfern und Vorstehern. Einige hätten das gerne wieder rückgängig gemacht. Alleine der erwähnte Amtsschultheiß wußte auf seine Art die Verpächter nachdrücklich anzumahnen, bei ihren Versprechen zu bleiben.

 

* Johann Heinrich Bauer, von 1756 bis 1763. Er ist geboren in Morschen (zwischen Melsun­gen und Rotenburg) und hat sein Beglaubigungsschreiben erhalten von dem Herrn Landgrafen von Hessen-Kassel. Er hat sich des sehr niedergegangenen Gemeinwesens sehr angenommen, ein höflicher und sanfter Herr. Gegen die Zwölfer allerdings ist er ein „Freund“ gewesen, er hat ihnen die Zehrung nicht gegönnt.

 

* Franz Niclas Kraut, von September 1763 bis 1774 (geboren 1724). Er besuchte die Schulen in Rauschenberg, Treysa und Hersfeld und studierte in Marburg Rechtswissenschaft. Nach verschiedenen Arbeitsstellen als Rechtsanwalt und Justitiar (er war zum Beispiel Beamter in Malsfeld südlich von Melsungen). Im Jahre 1763 bewarb er sich um die Stelle in der Herrschaft Schmal­kalden, wo bereits die Schwester seines Vaters verheiratet war. Am 1. Juli 1763 leistete er in Kassel den Amtseid als Amtsschultheiß des Amtes Hallenberg. Er hatte die Stelle rund zehn Jahre inne. Am 8. März 1765 wurde er gleichzeitig zum Bergrichter für die Herrschaft Schmalkalden bestellt.

Gleich zu Beginnes seiner Tätigkeit befaßte er sich vom 21. bis 24. August und 4. bis 6. September mit der Grenzfeststellung zwischen dem Amt Hallenberg und den angrenzenden Ämtern Georgenthal und Schwazwald (heute: Luisenthal). Diese Tätigkeit dürfte sein Interesse an der Geschichte und alten Akten geweckt haben. Er benutzte u.a. das Schwarzer Archiv und sicherlich die amtlichen Archive der Herrschaft.

Die von ihm geführten Akten („ Protokolle“) wurden durch Herrn Hofgerichtsrat Küster un­ter­sucht und er wurde am 1. Februar 1774 (andere Angabe 1775) vom Landgrafen aus seinen Ämtern entfernt „wegen vielfältigen ordnungswidrigen  Sportulierens und Bedrückung der Untertanen“ („sportulieren“ = Gebühren erheben). Vielleicht gab es einen Streit mit den Gemeindevorstehern, in dessen Folge die Zwölfer wegen „gewisser Umstände“ abgesetzt wurden und an deren Stelle sechs Gemeindevorgesetzte gewählt wurden. Sie wurden 1770 auf hohen Befehl aus Kassel in Schmalkalden von Herrn Rat Hensel verpflichtet. Jedem wurde eine besondere Dienstanweisung ausgehändigt, was jeder zu verwalten habe. Vielleicht lag hier aber gar kein Vergehen der Zwölfer vor, sondern es handelte sich einfach um eine Gemeindereform.

Die Bezüge wurden Kraut gelassen. Er starb am 3. Oktober 1774 in Steinbach-Hallenberg

* Nach der Amtsenthebung des Amtmanns Kraut wurde die Stelle offenbar zunächst nicht besetzt, sondern es war nur ein Beamter als bloßer Richter und Verwalter im Amt tätig.

* Friedrich Hartmann Faust, von 1784 bis 1806

 

 

Gerichtsbarkeit

Die Entwicklung der mittelalterlichen Gerichtsbarkeit im Amt Hallenberg stellt sich als das widersprüchliche Abbild der krausen politischen Geschichte dieses Gebietes dar. Da sich das Amt Hallenberg auf einer ursprünglich grundherrlichen Organisation (Kleinherrschaft der Herren von Hallenberg) aufbaute, hatte es anfänglich nur die Vogtei über seine Untertanen und übte die „niedere Gerichtsbarkeit“ in dem ihm zustehenden Gebiet um die Hallenburg aus.

Die Blutgerichtsbarkeit stand allein dem Zentgericht zu Benshausen zu, einem der ältesten Gerichtsstühle Hennebergs. Dessen Gerichtssprengel reichte im 12. Jahrhundert vom Nordabhang des Dolmar bis an den Südrand des Thüringer Waldes, ferner vom Suhler Friedberg im Osten bis Unterschönau und den Stiller Grund im Westen. Die Gerichtsentwicklung im späteren Mittelalter wird daher entscheidend von der Existenz des Zentgerichtes zu Benshausen bestimmt.

Unter „Blutgerichtsbarkeit“ versteht man das Recht, körperliche Strafen bis hin zum Tod zu verhängen über todeswürdige Verbrechen wie Mord, Brandstiftung, Notzucht und Raub zu urteilen. Dabei durfte auch „peinlich befragt“, also gefoltert werden. Sie wurden mit dem Schwert oder mit dem Galgen gestraft. Die Verbrennung erfolgte hauptsächlich als Strafe für Blutschande und bei Verurteilung von Hexen. Ein Totschläger, der in der Hallenburg durch Selbstmord endigte, wurde noch zum Feuertod verurteilt und sein Körper verbrannt.

 

Von den wenigen urkundlich überlieferten Blutgerichtsfällen im Amt Hallenberg ragt der Fall des Räubers Dietzel aus Geba heraus, die  sehr eng mit der Geschichte des sagenumwobenen Rennsteigs verknüpft ist: An der Abzweigung der alten Zellaer Leubenstraße vom Rennsteig steht am Wegesrand der Stein Nr. 16, den Rennsteigfreunde auch unter den Bezeichnungen „Hessenstein“ und „Scheffelstein“ kennen („Hessenstein“, weil im 17. Jahrhundert hier die Grenze zwischen Hessen, Sachsen-Henneberg und Sachsen-Gotha verlief; „Scheffelstein“, weil der Dreiherrenstein in Viktor von Scheffels bekanntem Rennsteiggedicht nach der landschaftlichen Schilderung nur dieser Grenzstein sein kann).

Der wohl bekannteste Name für diesen alten Grenzstein aber ist „Dietzel-Geba-Stein“, weil in unmittelbarer Nähe dieses Steines der Straßenräuber Dietzel aus Geba mit dem Schwerte hingerichtet wurde. Eine Sühnestein sollte fortan die Lebenden an das blutige Ende des Dietzel von Geba erinnern.

Zwei schriftliche Überlieferung gab es bisher für die Geschichte des Wegelagerers Dietzel von Geba. Im Jahre 1524 berichtete der herrschaftliche Jäger Contz Keller aus Schwarza in einem Zeugenverhör über die Jagdgerechtigkeit der Grafen von Henneberg im Amt Hallenberg auch von der Tat des Dietzel. Eine weitere Nachricht finden wir in einer alten Manu­skriptbeschreibung der Grenze der Zehnt Benshausen, die der Hallenberger Amtmann Balthasar von Ostheim 1548 angefertigt hatte. Es ist nicht viel, was uns beide Quellen über den damaligen Vorfall berichten.

 

Dietzel von Geba wurde durch den Hallenberger Amtmann zum Tode verurteilt und an dieser Stelle hingerichtet, weil er auf der Mehliser Straße Weinfuhrleute überfallen und beraubt hatte. Die Urkunde von 1524 berichtet von etlichen Spießgesellen, die ihm beim Diebstahl geholfen haben sollen. Er aber sei in Mehlis aufgegriffen, gen Hallenberg in den Turm geführt und eine Zeit dort gefangengehalten worden. Dietzel von Geba hätte eigentlich beim Zentgericht Benshausen hingerichtet werden müssen, denn dieses war bekanntlich für Raub und die anderen drei hohen Rügen zuständig. Nun war aber wegen der hennebergisch-hessischen Streitigkeiten über die Gerechtigkeitsausübung am Zentgericht über 20 Jahre kein Gericht in Benshausen gehalten worden. So kam es zu einem Vergleich der hier angrenzenden Landesherren, der damit endete, daß der Straßenräuber Dietzel von Geba am Ort seines Verbrechens mit dem Schwerte vom Leben zum Tode gebracht wurde. Als Zeugen der Hinrichtung werden die Amtleute von Schmalkalden, der damalige Amtmann von Hallenberg, Hans Zoller, und Clas Schreiber von Ohrdruf als Vertreter der Grafen von Gleichen, die den damals an dieser Stelle angrenzenden Forst Schwarzwald innehatten, genannt.

Der Verfasser der Grenzbeschreibung datierte die Hinrichtung an der Zellaer Leuben­straße mit ziemlicher Sicherheit in das Jahr 1498, seinem Bericht ist jedoch nicht zu entnehmen, ob er der Hinrichtung damals beiwohnte. Während Contz Keller noch zu dieser Zeit herrschaftlicher Jägerknabe war, wird Balthasar von Ostheim erstmals 1524 (sechsundzwanzig Jahre nach der Hinrichtung des Dietzel von Geba) als Amtmann von Hallenberg erwähnt.

Nun hat ein glücklicher Zufall eine bis heute unbekannte Zeugenaussage im Staatsarchiv Meiningen zutage gefördert, die das Bild vom Überfall, der Gefangennahme und der Hinrichtung des Dietzel berichtigt und ergänzt. Am 15. Mai 1527 verhörte der Stadtschreiber und Notar Leonhard Walther in Münnerstadt im Beisein des Amtmannes Fabian von Uttenhofen und des Kellners Hans Schuler den mehr als sechzigjährigen Bürger und Zentgrafen Weipert Dorbert zur Jagdgerechtigkeit der Grafen von Henneberg im Amt Hallenberg.

Der Zeuge sagte unter Eid aus, daß er seit 1490 als Reisiger im Dienste der Henne­berger Grafen gestanden und drei Amtmänner auf der Hallenburg gedient hätte, acht Jahre bei Eberhard von Ostheim, zehn Jahre bei Hans Zoller, dem Jüngeren von Rotenstein, und zwei Jahre bei Bartholmes Zoller von Rotenstein. Über Strafsachen im Amt Hallenberg berichtete er unter anderem, daß zu jener Zeit ein „Dietzel von Geba“ straffällig geworden wäre. Er habe den Fuhrleuten („Kerner“) Wein, Eisen und anderes gestohlen, welches sie auf zwei Geschirren nachts auf der Leube stehen gelassen hatten. Nach Bekanntwerden der Tat hätte ihn der Amtmann von Hallenberg (damals Hans Zoller der Jüngere) nach Mehlis geschickt, den Täter zu fangen. Das hätte er getan und in Mehlis den Schultheißen angesprochen, ihm Leute zuzu­schicken, die helfen sollten, den gefangenen Dietzel von Geba gen Hallenberg in den Turm zu führen.

Der Gefangene aber hätte im Gefängnis gestanden, daß er und einer von Gera (dem heutigen Geraberg), „Pflock“ genannt, den Fuhrleuten die mit Wein gefüllten Fässer, Eisen und anderes von den Karren genommen, in eine Hütte in den Wald getragen und darin versteckt hätten.

Weipert Dorbert sagte ferner aus, daß der Gefangene auf der Leube mit dem Schwert hingerichtet und tot auf ein Rad gelegt worden wäre. Bei der Hinrichtung wären herzogische, hen­ne­bergische und gleichnische Räte, unter anderem Hans Zoller mit seinen Knechten und die „alte Spitznase Clasen Schreiber zu Orttorff“ zugegen gewesen.

Damit endet der Bericht aus den Akten des Staatsarchivs in Meiningen, der Bericht eines Augenzeugen, der im Auftrag des Hallenberger Amtmannes den Straßenräuber Dietzel von Geba gestellt und ins Gefängnis geführt hatte.

Zum Gedenken an diese Tat soll an der an gleicher Stelle erfolgten Sühne ein Stein gesetzt worden sein, dessen Standort in unmittelbarer Nähe des heutigen Steines Nr. 16 war. Mehr als 1,80 Meter soll er hoch gewesen sein und auf der Vorderseite eine eingehauene Hand getragen haben. Diese Hand sollte, wie uns überliefert wird, die Tathand des Dietzel darstellen, wie andere wollen, aber nur als ein Symbol des Rechts aufzufassen sein. Der ursprüngliche Standort dieses Gerichts- oder Sühnesteines war auf einer kleinen Waldblöße an der Zellaer Leube, die auch unter dem Namen „Handfleck“ bekannt war. Neben der eingemeißelten Hand soll er auch eine Inschrift besessen haben. Am Ende des vergangenen Jahrhunderts soll er umgestürzt sein und dann beim Bau des Sternberger Pirschhauses Verwendung gefunden haben. Heute erinnert nur noch der Name Dietzel-Geba-Stein an jene Zeit, als Wegelagerer und Straßenräuber den Rennsteig unsicher machten und grausame Strafe ihr Lohn war.

 

 

Früheres Amtsgericht

 

Zu den im Amt Hallenberg verwendeten Rechtsmitteln gehörten auch Gefängnisstrafen, die man auch gegen die Wiedertäufer verhängt hat. Es waren nicht nur kriminelle Rechtsverlet­zer, die auf der Hallenburg gefangengehalten wurden, auch Menschen, die wegen ihrer der Landesherrschaft und der Kirche entgegenstehenden politischen und religiösen Gesinnung verfolgt wurden, waren zeitweise im Turm der Hallenburg eingekerkert. Die Wiedertäufer waren Anhänger einer Bewegung der Reformationszeit, die - über die Reformation hinausgehend - das gesellschaftliche Leben von der Bibel her zu gestalten versuchten. Sie fanden auch in der Grafschaft Henneberg ihre Anhänger. Deshalb schrieb am 18. Juni 1528 der Kurfürst Johann von Sachsen an Burghard Hund, betreffend die Wiedertäufer zu Mehlis: „Wir wollen nicht (ver-) bergen, daß ein Kirchner und ein Schmied von Mehlis, welche dem Irrtum des Wiedertaufens verwandt sein sollen, zu Hallenburg gefänglich ein(ge)­kommen (sind), gegen welche in Kürze möchte Rechtfertigung vorgenommen werden.“

Das Ziel der Wiedertäufer war eine klassenlose Gesellschaft nach dem Muster der Urgemeinde. Ihre religiösen und sozialen Vorstellungen, die Nichtachtung der Staatsgewalt, die Verwerfung von Eid und Kriegsdienst brachten ihnen die Verfolgung der weltlichen Machthaber und der Kirche ein. Um sich der Verfolgung durch Feuer und Schwert zu entziehen, mußten sie oft ihre Heimat und den häuslichen Herd verlassen. So heißt es in einem Bericht aus dieser Zeit über die „Ausflüchtigen von Zella: „Balthasar Armknecht und sein Weib sind noch flüchtig, haben hinter sich gelassen vier Kinder, drei Knaben und ein Mädlein, ist ein Knabe neun Jahre alt, der andere drei Jahre alt, der dritte zwei Jahre alt und das Mädlein fünf Jahre alt. Die hat ihr Eltervater zu sich genommen, Hans Haseney zu Steinbach.“

Erst im 16. Jahrhundert begann mit dem Zerfall der Zehnt Benshausen die Lösung des Amtes Hallenberg von dem alten Gerichtsstuhl der Zehnt und die Errichtung eines eigenen Hochgerichts im Amt Hallenberg. Infolge der Veränderungen in den territorialen Besitzverhältnissen nach 1584 wurde seitdem ein eigenes Hochgericht in Steinbach-Hallenberg gehalten Bis in das ausgehende 16. Jahrhundert blieb aber die Bindung des Amtes Hallenberg an den alten Gerichtsstuhl bestehen. In dieser Zeit war die Hallenburg, in der sich auch das Zentgefängnis befand, die Schutzburg der Zent.

 

„Spiegelnde“ Strafen („die Talion“ = Vergeltung einer Übeltat durch Zufügen des gleichen Übels) findet man in der Chronik des Avenarius in einem der gesammelten Weistümer aus dem 16. Jahrhundert. „Wer Mark­steine mit Frevel ausreißt, denselben soll man in die Erden graben bis zum Hals und soll vier Pferde, die des Ackerns nicht gewohnt sind, an einen Pflug, der neu sei, spannen, und sollen die Pferde nicht mehr gezogen haben und der Acker nicht mehr geackert (worden sein) und der Pflughalter den Pflug nicht mehr gehalten haben und ihm dann nach dem Hals ackern, bis er ihm den Hals abgeackert habe.“

Nur als Spiegelstrafe (als Strafe, aus der das Verbrechen ersichtlich ist) läßt sich folgende Überlieferung aus dem 16. Jahrhundert deuten. Bei einem Zeugenverhör im Jahre 1527 berichtete der ehemalige Reisige Weipert Dorbert über Strafsachen im Amt Hallenberg: „Die von Mehlis (hätten) auf Befehl des Amtmannes auf Hallenberg einen Hirten, der Vergiftung der Weide beruchtigt (d. i. bezichtigt), gen Hallenberg geführt, der um solcher der Weide Vergiftung Willen durch einen Henker, Vetterhans genannt, am weißen Hain verbrannt worden (wäre) und einen Kuhschwanz zum Zeichen seiner Tat auf dem Rücken getragen hätte.“ Der Hirt aus Mehlis wurde verbrannt, weil er dem Vieh die Weide angezündet hatte, so daß es kein Futter mehr vorfand.

Bereits Ende des 15. Jahrhunderts kam es durch die verwickelten Besitzverhältnisse - die Zehnt Benshausen war zeitweilig zwei und dreiherrig - zu fortwährenden Streitigkeiten und Sonderansprüchen. Einer der Hauptstreitpunkte war das Zentgefängnis. Hessen, das von 1360 an am Zentgericht beteiligt war, setzte vor 1584 durch, daß die Gefangenen nicht mehr gen Hallenberg abgeführt werden sollten.

Auch suchten die Landesherren in steigendem Maße ihre einherrigen Dörfer im Amt Hallenberg vom Gerichtszwang des dreiherrigen Zentgerichtes zu befreien oder wenigstens seine Befugnisse einzuschränken. So heißt es 1496 in einer Beschwerde über den Grafen Hermann von Henneberg-Römhild, dem in diesen Jahren das Amt Hallenberg gehörte: „Wenn seine Leute etwas tun, weshalb sie sie in der Zehnt und allen Herren straffällig geworden sind, so macht er ein eigenes Gericht in den Dörfern und ahndet alles es allein. Mit dem Gefängnis zu Hallenberg wird es auch nicht so gehalten, wie es recht ist, denn sie führen Leute heraus, töten auch Leute nach ihrem Gefallen und ohne Recht.“

 

 

Früheres Amtsgericht 1980

 

Im Laufe des 16. Jahrhunderts brachten es die Landesherren der Zehnt dahin, daß ihre „ein­herrigen“ Untertanen in den Ämtern Hallenberg, Schwarza und Suhl nur noch mit den vier „hohen“ Rügen gerichtspflichtig waren, aber erst nach dem Aussterben der Henneberger und dem Übergang Hallenbergs an das Kurfürstentum Sachsen im Jahre 1584 wurde der Prozeß der völligen Abtrennung und Aufrichtung eines eigenen Hochgerichtes im Amt Hallenberg vollzogen. Das Gericht wurde am 30. Juni 1590 bestätigt, als erstmals in Untersteinbach ein Dieb gehängt wurde.

 

Das erste „peinliche Halsgericht“ in Steinbach fand 1590 statt. Damals erinnerte man sich daran, daß in alten Zeiten - ungefähr vor 200 Jahren - auch ein Halsgericht in Steinbach gewesen sein soll. Der Galgen stand am oberen Ende der Bermbacher Straße („ nahe bei den oberen Häusern auf dem Rasen“, „auf dem Hügel vorn am Hungerhauk über Cunz Möllers Acker an der Struthwiese“). De Stelle bzw. Gegend heißt im Volksmund heute noch „auf dem Galgen“.

Am 18. Juni 1590, dem Donnerstag vor dem Johannestag, wurde der Galgen durch die Steinbacher Zimmerleute aufgerichtet. Das Holz dazu wurde aus dem Paßberg bei Viernau geholt und als Fronfuhr in das Amt gebracht. Die Wagner und Blochhauer fertigten die Leitern und die Hallenberger Schmiede die Ketten zum Galgen an.

Das Gericht wurde durch den Zentgrafen von Meiningen gehalten. Der peinliche Ankläger war aus Themar und der Scharfrichter aus Dreißigacker (heute Ortsteil von Meinigen); den hat die Herrschaft auch bezahlt. Die Gerichtsschöffen der Gemeinde Steinbach haben nicht mit im Gericht gesessen. Aber die Herrschaft hat einem jeden 7 Knacken für eine Mahlzeit gegeben. Außerdem hat sie den Schöffen und Gerichtsleuten auch 50 Gulden zu vertrinken gegeben.

Zum Schutz des Gerichts hatte der zuständige Amtmann aus Kühndorf „viel Hakenschützen, wehrhaftige Leute, Fußgänger und Reisige“ (Hakenschützen sind Soldaten mit Hakengewehren) mitgebracht.

Hermann Bock von Sitzendorf (südlich von Ilmenau), „der dem Obermöller bei der Nacht etliche über 40 Ellen flachsen gebleicht Leinentuch gestohlen und bei Nacht aus seinem Haus getragen“, war ergriffen worden. Die Herren haben ihn in Verwahrung genommen und ihn nach Kühndorf ins Amt geführt. Dort hat er freiwillig bekannt, daß er auch noch mehr Leute bestohlen hat und ist auch weiterer Verbrechen angeklagt worden. So sah sich die Herrschaft veranlaßt, ein Urteil in Jena einzuholen (Die Universität Jena und der Jenaer Schöppenstuhl waren damals die höchste Instanz in Rechtssachen). In diesem Urteil wurde darauf erkannt, daß er zu henken sei. Der Gerichtstag ist gehalten worden am Dienstag nach dem Johannestag 1590 (30. Juni), und der arme Sünder ist gehenkt worden. Die Chronik des Avenarius beschreibt den Vorgang in allen Einzelheiten und vermerkt besonders, daß der Gemeinde dabei keine Kosten entstanden sind.

 

Unter die peinliche Gerichtsbarkeit fielen auch die Prozesse wegen „Hexerei-Sünde“. Im Jahre 1599 fand am Zentgericht Benshausen ein Verfahren gegen Anna und Martha Baderin, Tochter der bereits zuvor als Hexe verbrannten Anna Bader, statt. Sie blieben in ihrem Bekenntnis standhaft, verstarben aber an den Folgen der Tortur.

Unter den peinigenden Folterungen des Henkers und seines Knechtes gestanden sie, daß sie durch ihre Mutter zu solchem Unwesen verführt worden wären und sich dem Bösen, der rote Kleider und einen schwarzen Hut mit schwarzer Straußenfeder trug, zur linken Hand versprochen und Unzucht getrieben hätten. Auch hätten sie die Hostie vom Abendmahl mit heimgenommen, unter den Schmer in ein Töpfchen getan, mit der Salbe einen Stecken geschmiert und wären auf ihm zur Hintertür hinaus zu den teuflischen Tänzen auf den Paßberg, im Spitzelbach und auf den Ruppberg gefahren, wobei ein unbekannter Spielmannn aus Schwarza geigte.

Als ihre Gesellschaft gaben sie zwei schon als Hexen hingerichtete (Frauen aus Benshausen) und die eigene Schwester an. Beide gestanden bei den grausigen Qualen auch, sie hätten des Schäfers Gesinde vergiften wollen, indem sie Quecksilber in die Suppe schütteten. Anna Bader sagte außerdem aus, verschiedenen Familien Läuse angezaubert zu haben, und Martha Bader beschuldigte sich, sie hätte Schäfers Kind stehlen wollen.

 

Eine Zentordnung von 1615 erging auf Ansuchen der Regierung in Meiningen für das nunmehr sächsische Amt Hallenberg, die in zwölf Artikeln die Zuständigkeit des Steinbacher Zentgerichtes für peinliche Strafsachen bestätigt. Bereits im 16. Jahrhundert waren die Befugnisse des Dorfgerichtes höher hinaufgerückt worden, denn der Amtmann sprach nun auch Recht über alle nicht todeswürdigen Verbrechen und die Straftaten „über Haut und Haar“. Damit ahndete das Amt auch Blutgerichtsfälle und übte die mittlere Gerichtsbarkeit aus. Die Jahrrechnung des Amtes Hallenberg von 1583/84 beweist nachdrücklich die gestiegenen Rechte des Amtes. In diesem Jahr wurde in Steinbach ein Dieb durch Abhauen zweier Finger bestraft, außerdem mit Ruten ausgestrichen, aus dem Land getrieben und dessen auf ewig verwiesen.

An Gerichtskosten mußten damals vom Amt aufgebracht werden:

 

-   4 Gnacken Jorgen Holand gen Meiningen, ward den Herrn Statthaltern und Räten

    zu wissen getan, wie das Heintz Konig gefänglich ein (ge)kommen.

-  36 Gnacken H. Holand gen Jena, ist der Juristischen Fakultät daselbst eine

    Wahrheitsfrage, den gefangenen Dieb Heinz König von Obersteinbach

    (betreffend), übergeben und um Rechtsbelehrung gebeten worden.

  - 1 Gulden 2 Gnacken ist damals für den Dorfschreiber gegeben worden.

 

  - 2 Gnacken einem Boten gen Maßfeld, ist den Herrn Statthaltern und Räten das

    Gerichtsurteil zugeschickt worden.

  - 2 Gnacken einem Boten gen Schmalkalden, wurde dem Rentmeister um den

    Scharfrichter geschrieben.

  - 3 Gulden dem Scharfrichter, daß er dem gefangenen Heintz Konig die

    meineidlichen zwei Finger abgeschlagen.

  - 1 Gulden ihm, daß er ihn mit Ruten ausgestrichen hat, 1 Gulden 6 Gnacken ihm

    und seinem Knecht zur Zehrung. 1 Gulden dem Landknecht zu Fahegulden

    (Fanggeld). 1 Gulden 38 Gnacken ihm für 20 Nächte Gefängnisgeld und Atzung

    zu 4 Gnacken.

- 11 Gnacken Letz Schmidt für das Hals- und Prangeisen und einen Eisenhammer,

    so der Scharfrichter mit sich weggenommen. 1 Gulden für Kost.

 

Die nicht todeswürdigen Verbrechen wurden oft mit Ehrenstrafen belegt, von denen die Schaustellung am Pranger ein häufig vorkommendes Rechtsmittel war. Dazu gab es im Südthüringer Raum vor allem der „Gak“ und das Triller- oder Narrenhäuschen. Als Triller- oder Narrenhäuschen bezeichnete man einen runden Korb, der schnell gedreht wurde. Der Gak war ein Korb mit einem Bodenbrett, das gleichsam eine Falltür war. Er wurde über einem Gewässer aufgehängt, so daß der Dieb ins Wasser fallen mußte, wenn das Bodenbrett weggezogen wurde..

Über diese Ehrenstrafe berichtete am 10. April 1567 der Hammerschmied Wolf Kolmann von Steinbach. „Er (habe) auf einem guten Feiertag unter der Predigt Kohlen geführt und das Amt (d. i. Kirchgang) versäumt, da habe ihn Vitzenhagen (damals Amtmann auf Hallenberg) mit dem Narrenhaus gestraft und (er habe) 1 Gulden müssen zur Buße geben.“

Noch im Jahre 1707 wurde diese Ehrenstrafe bei Gesetzesverletzungen im Amt Hallenberg angewendet: Valten König, Nagler in Obersteinbach wurde, weil er in Asbach eine junge Gans gestohlen hatte, getrillert und danach aus dem Handwerk gestoßen.

Eine andere Ehrenstrafe war das Staupen, die Züchtigung mit dem Staupbesen. Am 10. Juli 1721 wurde Johann Georg Möller wegen Diebstahl von dem Amtsschultheißen Zufall und sämtlichen Zwölfern zum Staupenschlag verurteilt. Die Exekution verrichtete des Henkers Knecht, und sein Sohn ging neben her und verordnete die Streiche.

 

Ein Fall von Landesverweisung wird 1719 bekannt, nachdem Barbara Füllner aus Untersteinbach mit einem hier liegenden Dragoner ihrem Vorgehen nach ein uneheliches Kind gezeugt hatte. Sie wurde durch den Amtsschultheiß und den ganzen Schöffenstuhl zur Landesverweisung auf ewig verurteilt und von dem Landknecht mit ihrem Kind noch am gleichen Tag fortgeführt und verwiesen.

Über eine andere Strafform - die Rodung eines Stückes Land - gibt uns die Amtsrechnung von 1583 / 84 Auskunft: „Hans Holand, Valtin Holands Sohn, von wegen einer Schlägerei, die er mit zweien verursacht, sollte meines gnädigen Fürsten und Herrn Acker am Silberrain eine Ecke roden lassen.“ 

 

Geldbußen waren ein beliebtes Rechtsmittel, brachten sie doch dem Amtmann und der Herrschaft beträchtliche Einnahmen. So berichtete Michael Mußmacher 1584 über Einnahmen von Strafen und Bußen: „2 Gulden, 12 Gnacken Hans Holland, des alten Hansen Hollands Sohn, Strafe erlegt, von wegen er zuvor zu etlichen Malen Hadersachen halben mit Gefängnis gestraft worden und darüber wiederum mit Hans Kollman, Hans Rauert und anderen eine Schlägerei zu Altersbach verursacht.

5 Gulden Thomas am Tor, Müller zum Herges, Strafe erlegt, weil er etliche Malen fürstliches schriftliches Ersuchen, meistenteils seine Schulden betreffend, verachtet“

Dem Hallenberger Amtmann stand auch die Hälfte der Bußen zu, die das Dorfgericht von Mehlis verhängte. So heißt es 1584: „2 Gulden Melcher Geßler und Valtin Schmidt erlegt, so sich am Ostertag unter der Mittagspredigt im Wirtshaus miteinander gerauft. Hiervon ist 1 Gulden in des Schlosses zu Georgenthals und Vogts auf Hallenbergs Herberge zu mehr Ordnung gegeben worden.“

 

 

Blick vom Kirchberg mit Rehen

 

Das Petersgericht (auch Landgericht oder Rügegericht) ist ein im Hennebergischen und einigen Orten Frankens gehaltenes besonderes Gericht, das auf Petri Stuhlfeier (22. Februar) wegen kleinerer Verbrechen gehalten wurde. In der Chronik von Johannes Avenarius (ab Seite 1) wird zunächst das allgemeine Formular für das Amt Schmalkalden für eine Verhandlung in Steinbach-Hallenberg im Jahr 1505 angewendet. Am Schluß wird gesagt, hier seien alle Entscheidungen ab 1505 festgehalten, die in Steinbach gefällt wurden, also eine Art allgemeines Landrecht darstellen, das Vorbild für die Entscheidungen in Steinbach war.

Vor dem Rügegericht hatten alle Männer des Amtes zu erscheinen, Rede und Antwort zu stehen und die Rügen über die im Amt vorgefallenen Frevel anzuhören. An ihm sollte jeder rügen, was er Unrechtes bei seinem Nachbarn gesehen oder vernommen hätte. Über eine strafbare Handlung sollte der Geschädigte möglichst selbst Kundschaft und Zeugnis beibringen. Wer am Rechtstage nicht erschien, wenn eine Rüge gegen ihn vorkam, wurde bestraft und später nicht mehr angehört. Frauen und Dienstboten mußten dem Gericht fernbleiben, sie wurden aber dann von dem Gerichtsknecht geboten, wenn Frevel gegen sie zur Aburteilung vorgebracht wurden.

Das Rüge- oder Petersgericht des Amtes Hallenberg stand unter dem Vorsitz des Hallenberger Amtmannes. Beisitzer waren die Schultheißen aus den dem Amt unterstellten Ortschaften. Schöffen waren die Mitglieder des Steinbacher Zwölferstuhls. Nach dem Übergang des Amtes Hallenberg an Hessen kam noch der hessische Rentmeister von Schmalkalden hinzu.

 

Folgende Gerichtstage werden vermerkt:

  • Im Jahre 1641 wurde ein Peters- und Rügegericht gehalten.
  • Am 3. Juli 1683 hat der Herr Amtsschuldheiß Adam von Jossa das erstemal ein Petersgericht gehalten.
  • Am 18. Juli 1726 hat der Herr Amtsschultheiß mit den Gerichtsschöffen in Gegenwart des Herrn Oberrentmeisters Waldenberger das sogenannte Rügegericht gehalten. Gleichzeitig hat er auch die Gemeinderechnungen geprüft. Den folgenden Tag aber sind die Grenz- und Marksteine bei Unterschönau am Hohen Berg und Köpfchen wie auch die neue Mühle am Laudenbach-Steg besichtigt worden.
  • Am 16. April 1731 ist das Rüge- oder sogenannte Petersgericht gehalten worden von dem Herrn Rentmeister Waldenberger und Herrn Amtsschultheiß Zufall in Gegenwart der Zwölfer in ihrer Eigenschaft als Gerichtsschöffen und der Schultheißen aus Her­ges, Bermbach, Unterschönau, Springstille und Näherstille.

Es ist nichts Besonderes gerügt worden außer daß der Schultheiß von Herges im Namen der Gemeinde sich in höchstem Maße beschwert hat über Matthäus Fischer, in dessen Haus das Feuer aus Unachtsamkeit ausgebrochen ist und die Leute in einen erbarmungswürdigen Zustand gesetzt worden sind. Der Schaden ist auf 3273 Taler geschätzt worden, weil die meisten der Abgebrannten nicht das Geringste aus ihren Häusern bringen konnten, weil sie nicht zu Haus, sondern auf dem Feld gewesen sind.

Wenn ihnen die Steinbacher nicht zu Hilfe gekommen wären, würde das Unglück noch größer geworden sein, zumal die Steinbacher ihr Äußerstes getan und keine Gefahr gescheut haben. Und das, obwohl ihnen die Hergeser nicht sehr günstig gesinnt sind und diese sie vor einigen Jahren wegen der Hutegerechtigkeit, als sie ihnen in unrechtmäßiger Weise eine Entschädigung abgefordert haben, gründlich in Harnisch gebracht haben und sie in große Unkosten und Schaden gestürzt haben.

  • Am 29. April 1734 wurde das Rüge- oder Petersgericht gehalten und die Gemeinde-Rechnungen der letzen drei Jahre geprüft. Die Kosten, die damals entstanden sind, finden sich in der Wirts- und Vorsteher-Rechnung. von 1735.
  • Ende Oktober und Anfang November 1735 waren zwei Abgesandte („Kommissare“) in Schmalkalden, die in der ganzen Herrschaft das Rügegericht hielten und die Leute scharf einer Prüfung unterzogen, wie es in geistlichen und weltlichen Dingen wie auch im Bereich der Gemeinde herginge. Den 3. November wollten sie auch in das hiesige Amt kommen. Weil das aber wegen der ihnen befohlenen Rückreise nach Kassel nicht geschehen konnte, wurde der Befehl erteilt, wer etwas zu klagen habe, müsse nach Schmalkalden kommen. So wurden dann auch sämtliche Zwölfer und Vorsteher dorthin bestellt und haben über drei Stunden lang Rede und Antwort gestanden und sind über viele Punkte befragt worden.

 

  • Am 13. Februar 1736 waren Kommissare in Schmalkalden hielten das Rügegericht. Sie entließen den Lapp (den Geldeintreiber, „Exekutor“) und ließen ihn nach Kassel in den Turm nach dem Druseltal zu und später ins Zuchthaus bringen. Dieser Lapp war ein böser Mensch, der am 18. Oktober 1724 die alte Hirtenfrau in Oberschönau mit einem Stock aufs Herz gestoßen hatte, so daß sie nach zwei Stunden gestorben ist.

 

Er bereitete den Leuten viel Drangsal an und brachte sie in großen Schaden wegen Steuer auf Branntwein und Tabak usw. Er wollte auf den Jahrmärkten keine fremden Händler hier dulden. Er war zunächst nur Geldeintreiber und hatte nichts Eigenes, jetzt aber hat er ein eigenes Haus, Möbel und Geld in Form von Kapitalbriefen, die aber doch nur armer Leute Schweiß und Blut sind.

  • Das alte Rügegericht wurde 1763 wieder von Amtsschultheiß Kraut eingeführt, um die Menschen zu einem guten Wandel gegenüber dem Nächsten und zur rechten Vorbereitung auf die ewige Glückseligkeit zu helfen. Dazu sollten auch treufleißige, ruhige, friedliebende, gesittete und achtbare Geistliche helfen, wie es die Steinbacher Geistlichen waren. Dadurch sollten gute Christen und gehorsame Untertanen erzogen werden.
  • Im Jahre 1805 will Amtmann Faust das Rügegericht wieder einführen. Deshalb fragt er bei der Regierung wegen der Einzelheiten an. Man schreibt ihm am 4. Juni 1805: Bei allen Rügegerichten im Lande ist es üblich, daß sämtliche Familienoberhäupter aus der Gemeinde dabei erscheinen und ihre ledernen Feuerlöscheimer vorzeigen (Nur die echten Bürger hatten einen solchen Eimer). Sie müssen auch sonst auf allgemeine Polizeiverfügungen Rede und Antwort geben, und in ihrer Anwesenheit sollen die über das Jahr hindurch in ihrer Gemarkung vorgefallenen Frevel summarisch untersucht werden. Einer Vorladung der zum Rügegericht zugelassenen Männer bedarf es nicht. Wenn aber Frauen oder Angestellte wegen verübter Frevel vor das Rügegericht geladen werden müssen, so soll diese Vorladung der Schultheiß oder der Dorfpolizist umsonst vornehmen. Es ist bei den zur Buße Vorgeladenen der Brauch, daß der Pfandgeber außer dem Drittel der Strafe von dem Gepfändeten zur Abschreckung der Feldfrevler eine Pfandgebühr von einem oder zwei Albus erhält, je nachdem ob der Bertreffende bloß mit der Sichel oder mit dem Gespann ertappt worden ist. Jeder Einwohner muß auf dem Rügegericht mitstimmen. Wer aber gerügt wird und ist nicht da, der wird er gestraft und nicht weiter gehört.                             

Die Gerichtspflege unter Vorsitz des hessischen Amtsschultheißen wurde auf diese Weise bis in das 18. Jahrhundert im Amt Hallenberg ausgeübt. Im Jahre 1774 wurde es vorübergehend aufgehoben und erst 1787 wieder mit einem eigenen Amtsschultheißen besetzt. Durch die 1791 erfolgte Vergleichung mit dem Oberamt Schmalkalden, bei der das Amt Hallenberg seine endgültige Ausdehnung erhielt, bekam der Hallenberger Amtsschultheiß die Jurisdiktion über alle Dörfer des Amtes..

Im Jahre 1807 und 1813 bildete das frühere Amt Hallenberg einen Kanton des Distrikts Eschwege unter dem Vorsitz eines Friedensrichters mit einem Sekretär zur Rechtspflege, bis es 1812 im Kreisamt Schmalkalden aufging. Seit dieser Zeit war es kurfürstliches Justizamt, dessen Richter den Titel Amtmann erhielt.

Nach der Einverleibung Kurhessens in Preußen wurde der bisherige Amtmann preußischer Amtsrichter im Amtsgerichtsbezirk Steinbach-Hallenberg. Der Ort erhielt ein Amtsgericht, dessen erste Berufungsinstanz das Landgericht zu Meiningen war

 

 

Steuern

Obwohl die Bewohner der Dörfer im Amt Hallenberg nicht leibeigen waren, wurden sie doch von seiten der Grund-, Gerichts-, Landes- und kirchlichen Herrschaften schwer bedrückt. Abgaben in Geld- und Naturalform waren alljährlich an das Amt abzuführen.

Daneben waren die landesherrlichen Untertanen noch zu Arbeitsleistungen in Form von Frondiensten verpflichtet, die aber nie als ungemessene (unbegrenzte) Dienste - die stets ein Zeichen von Hörigkeit sind - auftraten.

Die am häufigsten vorkommende Abgabe war der Erbzins, der als Anerkennungsgebühr für das Besitzrecht an Häusern, Eisenhämmern und Mühlen, an Äckern, Wiesen und Gärten gefordert wurde. Die Hämmer- und Mühlenbesitzer hatten Bergzins für das Eisenerz und Wasserzins für die Ausnutzung der Wasserkraft zu entrichten. Über die Besitz- und Abgabeverhältnisse in den Dörfern geben Erbregister und Amtsrechnungen Auskunft, die in den schriftlichen Aufzeichnungen der Archiven überliefert sind.

Konkrete Zahlen über die Güterverteilung im Amt Hallenberg treten uns erst in den schriftlichen Aufzeichnungen des 16. Jahrhunderts entgegen. Nach dem Erbregister von 1564 waren zunächst im Ort 20 ½ „Erbe“ vorhanden, wozu noch einmal 20 „Erbe“ in den übrigen Dörfern des Amtes kamen. Für ihre Nutzung hatten die jeweiligen Besitzer Erbzinsen an die Landesherrschaft zu zahlen. Die Güter bestanden meist aus Äckern und Wiesen aus dem Grundbesitz der Landesherren, die durch planmäßige Rodungen gewonnen worden waren. Hinzu kamen Häuser und Hofstätten. Aber auch Lehen in Form von Mühlen, Eisen- und Zainhämmern und Pochwerken unterlagen dem Erbzins.

 

Als Frondienste wurden Leistungen beim Bauen oder bei der Aussaat und der Einbringung der Ernte gefordert. Hinzu kamen Anspanndienste beim Heranführen von Baumaterialien und anderen Produkten sowie die Jagdfron. Allerdings waren die Fronzeiten nicht immer fixiert und wurden von dem Amtmann willkürlich und nach seinem Ermessen festgelegt. Auch Produkte des Handwerks mußten an die Grundherren abgeführt werden, zum Beispiel Holzbeile, Schaufeln und Dielen.

Die Besitzer der Erbe hatten bestimmte Abgaben und Frondienste zu leisten: „In beiden Stein­bachen sind einundvierzig und ein halbes Erbe, gibt ein jegliches dem Amtmann für Erbzins und seine Fron einen halben Gulden und ein Einzelhaus oder ein Hintersiedel (Untermieter) einen Ortsgulden zu Zins. So man am Schloß bauet oder die Rinnen zum Brunnen legt, so müssen sie dazu fronen. Die von Steinbach sind schuldig, die Wege von den beiden Dörfern zum Schloß zu bessern und zu machen, desgleichen nach der Knolwiesen (das heutige Knüllfeld), damit das Heu hereingeführt werde. So man am Brauhaus bauet oder am Wirtshaus am Berg, sind sie schuldig, daran zu fronen. Da man auf dem Schloß Hallenberg bauet, sind die von Steinbach schuldig, die Handfron zu tun, die Bretterfronfuhren dazu.“

Auch die Besitzer der Hallenberger Erbe in den Dörfern des Amtes hatten neben ihren Abgaben an Erbzinsen Fronleistungen für den Amtmann auf der Hallenburg zu verrichten. Die fünf Erbe in Herges mußten jährlich gemeinsam eine Weinfuhr verrichten und im Frühjahr und Herbst einen Pflug stellen.

Die von Springstille mußten zehn Schnitter in der Ernte stellen und den Sand zum Bau auf die Hallenburg führen. Die Besitzer der Hallenberger Güter in Bermbach fuhren das Heu von der Knolwiese zum Schloß und mit zwei Wagen Mist auf die herrschaftlichen Äcker.

Die Gemeinde zu Benshausen stellte 25 Fronpflüge zum Ackern zur Verfügung und verrichtete eine Weinfuhr für den Amtmann. Beim Bau der Hallenburg mußten die Männer das grobe Gehölz (Balken) auf die Hallenburg fahren. Die Männer von Mehlis verrichteten die Hand­fron beim Bau der Hallenburg und machten das Heu auf der Knolwiese.

 

Im Jahr 1735 ist der sogenannte „dritte Teil“ der Steuer dem Namen nach abgeschafft worden. Dafür wurde nach dem dritten Monat eine sogenannte „Landsteuer“ eingeschoben, so daß jährlich 16 normale Monatssteuern erhoben werden. Dieses soll sechs Jahre fortgesetzt werden. Die Extra-Steuern aber sollen auf dem Heilige-Drei-Königs-Tag (6. Januar) und dem Martinstag (11. November) bleiben und auch der „Schreckenberger" soll bleiben wie vorher (Der Schreckenberger war eine Steuereinheit in Hessen, nämlich 4 Albus 6 Heller von 100 Gulden).

 

 

Vom Kirchberg mit Skiläufern

 

 

Wetter 1540 bis 1591

1540:  Es war ein dürrer Sommer, in dem aber viel Korn und Wein gewachsen ist.

1577: Am 21. Juni 1577 schneite es in Steinbach, auf den Johannistag (24. Juni) fror es.

1589: Es ist ein feiner trockener Sommer gewesen, der bis in Herbst gedauert hat, so daß das liebe Getreide nicht aus der Erde hervor kommen können, und den Winter über ist es sehr frostig gewesen. Es sind sehr hat viel Zeichen am Himmel gesehen worden gewöhnlich alle Wochen den Herbst und Winter über, vor allem Feuerzeichen und Feuerstreifen.

1590: Auch in diesem Jahr ist ein überaus heißer und dürrer Sommer gewesen, wie kein Mensch ihn je in Erinnerung hatte. Es hat viel gebrannt in Städten und Dörfern. Die Stadt Heringen (an der Werra) ist ganz abgebrannt, in Erfurt sind 300 Häuser abgebrannt, in Suhl am Sonnabend nach Ostern 250 Häuser ohne die anderen Gebäude. Es gab auch eine Teuerung: 1 Maß Korn kostete in Schmalkalden um die 3 Königstaler und 22 Knacken ([Ein „Maß“ hatte etwa zwei Liter. Der Königstaler wurde auch „Philippstaler“ genannt, weil er das Bildnis des Königs Philipp von Spanien trug; er entsprach einem Gulden und 40 Kreuzer oder 5 Kopfstücke. Ein Knacken sind sechs Heller).

1590: Auf den Tag vor dem 1. September  hat der Blitz dem Metzger Jakob Nickel in Steinbach auf dem Acker nach Altersbach zu bei dem Geknick (Flurbezeichnung) 40 Stück Hammel und Schafe erschlagen und getötet. Der Metzger hat die Schaf und Hammel herein in den Ort fahren lassen, hat die Fell abgezogen und den armen Leuten das Fleisch geborgt und geschenkt.

1591: Am Tag der Heiligen Drei Königs (6. Januar) kostete ein Maß Korn teilweise 28 Knacken und der Hafer 11 und 12 Knacken, aber es war nicht gut, es gab wenig Korn wegen der großen Hitze, die 1590 gewesen war. Schon drei Jahre vor dem heißen Sommer ist der Preis für den Wein fast überall aufgeschlagen, und 1 Maß Wein kostete in Schmalkalden und anderen Orten mehr als 7 Knacken. Im Herbst des heißen Sommers kostete 1 Maß aber 54 Knacken, aber nach Martini (11. November) noch etwas mehr (Das heißt noch nicht, daß damals in Schmalkalden Wein angebaut wurde). Es gab es wenig Korn wegen der großen Hitze, die 1590 gewesen war.

 

 

Truppendurchzüge 1554 bis 1565

1554: Am Tag des Heiligen Johannes, dem 24. Juni, zog der Herr von Heydeck mit einem gewaltigen Heereszug über den Wald und durch das Dorf Steinbach [Mit „Heydeck“ kann nur Rudolstadt gemeint sein, wo die Heidecksburg steht].

 

1555: Am Tag des Heiligen Johannes, dem 24. Juni, zog der Braunschweiger vor Meiningen und lag zwölf Wochen hier in Quartier.

 

1565: An Heiligabend zog das Heer des Römischen Reiches deutscher Nation, auch „die Kaiserlichen“ genannt, vor die Stadt Gotha. Diese wurde samt dem Schloß erobert, der Herzog wurde gefangengenommen und dem Kaiser übergeben. Da Schloß war derart verwüstet, daß kein Stein auf dem anderen blieb. Auch der Stadtwall wurde ganz verwüstet und zerrissen. Gegen Ostern 1567 sind Stadt und Schloß erneut durch Verrat geöffnet worden. Das Schloß hieß „Grimmenstein“. Nachdem es aber im Jahre 16…durch den frommen  und sehr gottesfürchtigen Fürsten Herzog Ernst (sonst „Bet-Ernst“ genannt) von Grund auf neu erbaut wurde, ist es „Friedensstein“ genannt worden (Die Umbenennung des Schlosses geschah nach dem Dreißigjährigen Krieg, im Jahre 1654 war es fertiggestellt).

 

 

Gemeindeordnungen

Vom Ende des 16. Jahrhunderts liegen uns eine Reihe von Gemeindeordnungen vor, die das kommunale Leben in Unter- und Obersteinbach regelten:

 

Ordnung der Gemeindegehölze von 1583:

Am Matthäustag, dem 21. September 1583, haben  die Schöffen und Ältesten der Gemeinde folgende Ordnung beschlossen: Jeder Einwohner soll für einen jeden Stamm Bauholz der Gemeinde zwei Knacken geben und das Holz in Scheite trennen, aber Baumwipfel und Äste soll er für die Gemeinde liegen lassen, und die Dorfmeister sollen sie zum Nutzen der Gemeinde anwenden. Will einer einen Bau am Berg machen lassen oder einen bewaldeten Berg abholzen lassen, sollen die Späne den Dorfbewohnern sein und diese sollen sie an den üblichen Holztagen heraustragen.

 

Für einen Baum, der als Stückholz verwendet wird, soll von einem Einwohner um die vier Knacken gegeben werden. Äste soll er liegenlassen und sie sollen der Gemeinde sein und die Dorfmeister sollen sie der Gemeinde zu Nutzen anwenden. Wenn aber einer das Stückholz am Berg machen lassen will, so sollen die Späne der Gemeinde sein.

Für einen Baum, der zu Zaunstützen verwendet wird, soll ein Einwohner der Gemeinde auch vier Knacken geben, aber er soll keine Dielen daraus schneiden lassen, die Seitenstreifen und Dielen kann er sonstwo sich beschaffen und kaufen. Für einen Stamm Holz für einen Schweinestall soll ein Einwohner der Gemeinde auch zwei Knacken geben, Seitenstreifen und Dielen soll er sich sonstwo beschaffen und kaufen. Für Pferde- und Kuhkrippen, Dachrinne oder sonst eine Rinne und für einen Schweintrog soll ein Einwohner der Gemeinde für einen jeden Stamm zwei Knacken geben.

Einen Baum für Leitern oder sonst ein schwächeres Holz für die Windleisten, die man an den Seiten die Strohdächer braucht, können durch die Dorfmeister nach Bedarf unter die Einwohner ausgeteilt werden.

So mag ein jeder Einwohner sein Bauholz in Stücke schneiden und heimschaffen und den Bau oder was er machen lassen will daheim anfertigen. Wenn aber einer am Berg zu lang arbeitet an einem Bau, sollen die Späne der Gemeinde sein, und die Einwohne sollen sie an den ge­wöhnlichen Holztagen hinaustragen.

Jeder Einwohner, der nötig etwas bauen und Holz fällen will, soll sich das Holz jederzeit durch den Lehrer anweisen lassen, und zwar jede Woche am Dienstag und Freitag, und dem Lehrer soll für jeden Stamm ein Pfennig gegeben werden. Außerhalb dieser Zeit, wenn man im Notfall das Holz fällen muß, seien es eins oder zwei Stämme, die soll der Lehrer demjenigen anweisen, und dieser soll dem Lehrer drei Pfennig geben. Der Lehrer soll mit Fleiß jeweils aufschreiben, was gefällt wird und dem Dorfmeister melden, damit der es für der Gemeinde berechnen kann (Offenbar geht es hier darum, daß der Lehrer noch eine zusätzlich Einnahmequelle hat).

Wenn ein Einwohner Reiser für sein Gelände beschaffen läßt für den Fall, daß ihm das Wasser an Äckern oder Wiesen Schaden tun wird, der soll für einen jeden Stamm der Gemeinde zwei Knacken geben, aber das soll nicht gelten im Dorf für Häuser oder Stallungen. Es bleibt der Gemeinde vorbehalten, das Gemeindeholz auszuteilen und zu verkaufen an die Einwohner je nach Bedarf und - je nachdem es das Gemeindegehölz ertragen kann - die Zuteilung zu mindern und zu vermehren, wie es die Not erfordern wird und die Zeit leiden will.

Die Gemeindeholztage sollen alle Wochen am Montag gehalten werden und auslaufen nach den Ostertagen, wenn der Hirte das Vieh ausgetrieben hat, nach dem Michaelistag (29. September), wenn der Lehrer mag oder zum Gebet geläutet wird.

 

Waage-Ordnung von 1584:

Am 29. September 1584 wird folgende Waage-Ordnung erlassen:

1. Es soll jeder Einwohner der beiden Dörfer Unter- und Obersteinbach  verpflichtet sein, sein Getreide und Mehl in und außer der Mühle wiegen zu lassen, und nichts ungewogen in oder aus der Mühle zu führen oder zu tragen. Wer das nicht beachtet, verliert das Getreide und muß dem Müller so viel an Geld geben, als das Getreide wert ist.

2. Nachdem bisher unterschiedliches Gewicht in der Waage gebraucht worden ist, sollen die Dorfmeister bei nächster Gelegenheit recht genaue Gewichte für die Wage beschaffen und darüber mit Ernst wachen.

3. Jeder Müller darf von jedem Malter harten Getreides 16 Pfund als seinen Mahllohn nehmen, aber nachher wieder 7 Pfund Kleie dazu geben.

4. Nachdem das Getreide gewogen ist, soll es der Mahlgast durch seine Leute aus der Waage in die Mühle schaffen und es soll nicht zuvor wieder heim getragen werden, unter Androhung des Verlusts des Getreides.

5. Der Müller soll entsprechend seinem Eid und seiner Verpflichtung jedermanns Gut zuverlässig mahlen, so klein und rein es sich zu Mehl machen läßt. Es wird eine ernste Strafe angedroht, wenn einer als Betrüger enttarnt wird. Deshalb darf auch kein auswärtiger Müller die Einwohner bedrängen, bei ihm Getreide zu mahlen, auch bei Androhung des Verlusts des Getreides.

6. Jeder Müller soll einen Kasten in der Waage stehen haben, in dem sich ungefähr ein Maß (zwei Liter) oder mehr Mehl befindet. Was dann an Mehl über dem zugelassenen Schwund liegt, das soll dem Mahlgast aus dem Kasten erstattet werden. Wenn aber das Mehl überläuft und sich mehr findet als eingewogen, das soll dem Müller durch den Wagemeister in seinen Kasten getan werden.

7. Niemand soll dem vereidigten Waagemeister viel oder wenig in sein Amt reden, er sei Müller oder dessen Mitarbeiter und auch nicht der Mahlgast oder seine Mitarbeiter. Eine Ausnahme wäre es allerdings, daß er seinen Pflichten zuwider handelte. In diesem Fall soll man sich jeder Zeit bei den Behörden beklagen und einen Bescheid erhalten.

Die Zeit aber, in der der Waagemeister das Wiegen vornehmen soll, soll vom Petritag (22. Februar) bis zum Michaelistag (29. September) alle Tag am Abend von 6 bis 7 Uhr sein, und dann vom Michaelistag bis zum Petritag von  3 bis 4 Uhr am Abend. Wenn das nicht geschieht, behält sich die Behörde eine Strafe vor.

Ganz zum Schluß behält sich die Behörde in dieser Verordnung ausdrücklich vor, diese nach Bedarf zu ändern, etwas zu streichen oder hinzuzufügen, auch zu verbessern oder sie ganz und gar aufzuheben.

 

Gemeinde Fuhr- und Fron-Ordnung von 1585 und 1586:

Die Fron ist ein Herrendienst, der von den Untertanen unentgeltlich geleistet werden mußte, höchstens wurde die Verpflegung gestellt. Es gab Hand- und Fuhrfron („Hand- und Spanndienste“), gemessene Fron, die auf eine Anzahl von Tagen beschränkt war, und auch die ungemessene Fron. Eine solche Fron hatte aber nur zu leisten, wer ein „Erbe“ hatte, also einen Handwerksbetrieb oder einen größeren Bauernhof mit Pferden, denn es waren ja oft schwere Fuhren über größere Strecken zu fahren.

 

Am 24. Juni 1585 haben sich die beiden Dörfer im Amt Hallenberg auf Befehl der Regierung zu Meiningen geeinigt über das Fahren der Jagdausrüstung und der Jagdbeute  und über das Jagdgeld, das auferlegt und befohlen wurde.

Erster Punkt: Wenn Jagdfuhren und Jagdgeld für das Amt Hallenberg angeordnet werden, soll das nur auf die großen Güter verteilt werden (Es sind in den zwei Dörfern Unter- und Obersteinbach zwanzig ganze und ein halbes Gut. Desgleichen sind in Herges, Springstille, Näherstille zwanzig ganze Güter).

Zweiter Punkt: Nach Zillbach zu fahren soll zwei Frondienste ausmachen, ebenso nach Maßfeld oder nach Schleusingen.

Am 27. September 1617 wird außerdem ein Vergleich der Gemeinde Steinbach mit dem andern halben Amt wegen der Grenzjagden und Jagdbeutefuhren geschlossen. Bei den Grenzjagden sollen die Hallenberger Untertanen in Herges, Springstille und Näherstille jedesmal einen Wagen mit dem dazugehörigen Jagdzeug mehr als die Steinbacher bespannen und führen. Dagegen soll Steinbach allein die Jagdbeute bei den Jagden abholen und hereinführen, weil es vorher auch also gehalten worden ist.

Aber diese Abmachung bezieht sich nur auf die Jagd und auf sonst nichts. Über die allgemeinen Fronleistungen wird vereinbart: Ein Hammer im Ober- oder Unterdorf gelegen, der einen Tag die Fron leisten muß, soll mit einem halben Gut oder einem Kleinbauern („Sichelgut“) zugleich ein Pferd anspannen und fahren. Ein Bauer ohne Hofstelle, der weder Gut noch Hammer hat („Hinter Siedel“), aber doch zwei Pferde, soll mit dem halben Gut und einem Hammer zugleich ein Pferd anspannen und fahren.

Wenn die halben Güter und Eisenhämmer einmal reihum anspannt haben, soll ein Bauer ohne Hofstelle oder Eisenhammer, der aber doch ein Pferd hat, gleich danach  mit einem halben Gut und einem Hammer zusammen anspannen und fahren (gemeint ist wohl, daß sie nur jedes zweite Mal mit anspannen müssen).

Es ist auch beredet worden, was der machen soll, dem bei der Jagd das Fahren befohlen wird, der aber kein Pferd hat: Der soll eines mieten und herbeischaffen, so billig er es bekommen und wo er es bekommen kann. Ist aber kein Pferd zu bekommen, so soll der für ihn eintreten, dem es nicht befohlen wurde, für ihn zu fahren und anzuspannen, und dieser soll 12 Knacken als Lohn nehmen.

Ebenso sollen die Schneidmühlen, Stabeisen-Hämmer und Pochwerke im Unter- und Oberdorf mit einem Hammer zusammen ein Pferd anspannen, wenn sie aus dem Gemeindewald das Holz zum Bauen nehmen. Nehmen sie aber kein Holz zum Bauen aus dem Gemeindewald, sind sie nicht verpflichtet, zu fahren und anzuspannen.

Ein Klein-Bauer muß mit der Hand fronen. Und wenn er einmal reihum gefront hat, müssen die Bauern ohne Hofstelle und einzelne Häuser nicht fronen. Aber das andere Mal sind sie wieder verpflichtet mit zu fronen, aber der Amtmann muß einem jeden Fröner für jeden Tag neun Pfennig zu einem Schilling geben, wie es von alters das Herkommen ist.

 

Gemeinde Fron-Ordnung über Wege, Stege, Wasser von 1585:

Die Pferdebesitzer sollen einer nach dem anderen fahren und Frondienst leisten, wenn es nötig ist. Die Dorfmeister sollen ordentlich alles anweisen, wenn etwas zu fahren ist. Ebenso ist es mit denen, die Fron mit der Hand leisten: Es soll einer nach dem andern oder auch alle zusammen gleichzeitig fronen wie es nötig ist. Auch diese sollen die Dorfmeister ordentlich anweisen.

 

Von Schafen und Schäferei 1588 und 1596:

Früher bestand im Dorf Steinbach diese Ordnung und Gewohnheit, daß kein Einwohner dieses Orts berechtigt ist, eine Schäferei und noch viel weniger Schafe zu halten. Doch schon am 14. Januar 1588 wurde den Einwohnern zugestanden, daß ein jeder Einwohner den Winter über sein Heu und Stroh verfüttern darf an Schafe und anderes Vieh, aber ohne Schaden für seinem Mitbürger. Die Schafe sollen im Winter zur rechten Zeit herein getan werden und in passender Zeit wieder abgegeben werden, damit die Zahl des Rindviehs im Ort nicht verringert wird.

Im Jahre 1596 aber ist es dahin gekommen, daß eine große Anzahl vorhanden ist und sie auch über Winter gehalten werden. Damit dies aber für die Gemeinde nicht zum Schaden und Nach­teil wird, ist durch den Schultheiß Valtin König, die Gerichtsschöffen, die Dorfmeister Kaspar Bader und Hartmann Wilhelm am 14. September 1596 diese Abmachung getroffen worden,  wie es in Zukunft mit der Schäferei gehalten werden soll.

Es wird jedem Einwohner gestattet, über Winter hier Schafe zu füttern und zu halten, wenn er es kann, jedoch müssen diese seine eigenen Schafe sein und keine Miet-Schafe. Es soll aber jeder, der sie halten kann, von jedem Schaf der Gemeinde einen Knacken Steuer geben.

Es soll aber auch keinem Einwohner weiterhin erlaubt sein, etwa Miet-Schafe anzunehmen gegen Geldzahlung oder Lämmer oder Wolle, damit nicht die Fütterung in diesem Ort verteuert und andere Einwohner dadurch behindert werden.

Weil nun ein Einwohner - wie gemeldet wurde - den Winter über Schafe gehalten hat, ist verabredet worden, daß es ihm hiermit untersagt ist. Sie müssen am Ende des Winters in angemessener Zeit aus dem Ort weggeschafft werden, damit keinem Einwohner ein Schaden zugefügt wird und der sich deswegen bei der Behörde beklagen müßte. Bei Zuwiderhandlung wird Strafe angedroht.

 

Nach dieser Zeit ist der Gemeinde Steinbach erlaubt worden, eine Schäferei zu halten. Dafür hat sie der Herrschaft jährlich 24 Gulden, einen Hammel und ein Lamm geben müssen. Weil aber den Schafhaltern die Abgabe zu hoch war und weil andere benachbarte Schafhalter mehr Vieh gehalten haben und kaum 12 Gulden oder 16 Gulden jährlich gezahlt haben, gaben sie im Jahre 1710 die Schäferei völlig auf, so daß mehrere Jahre keine Schafe hier gewesen sind.

Am 12. März 1715 wurde vom Fürsten die bisherige Abgabe von 24 Gulden auf 16 Gulden ermäßigt. Diese soll die Gemeinde jährlich und auf die Einwohner aufteilen, je nachdem wieviel Rinder und Schafe sie haben.

Weil aber einige bei der Bezahlung nachlässig waren und auch mittlerweile Meister Georg Kehr (der jüngere), Metzger in Obersteinbach, sich angeboten hat, die Schäferei wieder zu pachten, wurde ihm diese im Jahre 1719 auf drei Jahre lang von der Herrschaft überlassen, und zwar jedes Jahr gegen die obenerwähnte Abgabe. Seit dieser Zeit hat man wieder angefangen, das Knüllfeld wieder zu bearbeiten. Nach Ablauf von drei Jahren stieg die Zahl der Schafhalter wieder bis auf acht Personen.

 

Im Jahre 1725 wollten Meister Georg Kehr, Hans Kaspar Kehr und Michael Carle die Schäferei pachten. Sie versprachen jährlich 26 Gulden zu geben und nicht mehr als 150 Hammel und nichttragende Schafe zu halten. Es klagten aber die Begüterten und die Ackerleute dagegen, daß die Schäferei nicht den Metzgern alleine zustünde, sondern ihnen, weil sie mit ihrem Gespann viele Frondienste leisten müßten. Es wurde es ihnen auch von der Behörde zugesprochen, und zwar zum Preis von 16 Gulden.

Nach dieser Zeit ist der Pachtpreis unterschiedlich gewesen. Weil sich jederzeit acht Einwohner nacheinander gemeldet haben, haben sie die Schäferei auf jeweils drei Jahre zu pachten bekommen. Der Preis ist in den Jahren 1752 1756 auf 30 Gulden zu je 20 Groschen verpachtet worden, nämlich 16 Gulden einheimisches Geld und 14 Gulden allgemein umlaufendes Geld. Es sind allezeit 225 Stück Schafe in dem Pferch erlaubt worden.

 

Im Jahre 1796 auf den Michaelistag wurde die hiesige Schäferei für 80 Gulden an vier Einwohner verpachtet. Nachdem aber der Förster Lampmann wegen zweier Grundstücke am Ruppberg beim Amt Hallenberg eine Klage eingereicht hatte, wurde dem Schäfer verboten, auf dem Rupprasen zu hüten, bei Androhung von 10 Gulden Strafe. So war die Gemeinde genötigt, im Jahre 1797 durch einen Anwalt aus Schmalkalden eine Klageschrift nach Kassel einzureichen. Die Sache wurde beim 20. Dezember 1797 wie folgt entschieden: Der Förster Lampmann wird verurteilt, die Klagenden bei der weiteren Ausübung ihrer althergebrachten Schafhute-Rechte auf der herrschaftlichen Flur Rupprasen nicht weiter zu beunruhigen noch sie ganz zu hindern. Andernfalls wird eine harte Strafe angedroht. Er soll sich auch wegen der entstandenen Kosten halben mit ihnen vergleichen.

 

Tauben-Ordnung 1590:

Im Dorf ist hin und wieder Hader und Zank entstanden und die Behörde hat damit sich befassen müssen, weil sich einige sogar wegen der Tauben geschlagen haben. Der Amtmann hat dem Schultheiß, den Dorfvorstehern und den Gerichtsschöffen auferlegt, wer Tauben halten darf und wie. Folgendes ist am Sonntag Kantate 1590 (vierter Sonntag nach Ostern) festgelegt worden: Wenn einer einen eigenen Pflug ins Feld führt, soll drei Paar Tauben halten dürfen. Darüber hinaus werden keine zugelassen werden. Auch sonst soll keiner Tauben von einem anderen Einwohner übernehmen.

 

Über das ,,Nachbarwerden in hiesiger Gemeinde Steinbach“ 1590:

Nicht jeder Bewohner des Ortes war auch „Nachbar“, ein Ausdruck, den man eher mit „Einwohner“ wiedergibt im Sinne von Ortsbürger. Nur diese waren echte und stimmberechtigte Ortsbürger, die anderen waren nur „Beisassen“, ein Ausdruck, der allerdings nicht in Steinbach vorkommt. Wer von auswärts kam, mußte eine Gebühr zahlen, um „Nachbar“ zu werden.

Wenn einer aus einem anderen Dorf sich hier häuslich niederlassen will, der soll bei der Gemeinde zwei Gulden hinterlegen und dem Herrn ebenso zwei Gulden, so daß die Summe also vier Gulden beträgt, und ein gutes Führungszeugnis mitbringen. Wenn aber ein früherer Einwohner oder das Kind eines Einwohners hierher ziehen und sich häuslich niederlassen will, da soll es bei zwei Gulden bleiben, dem Herrn einen Gulden und der Gemeinde einen Gulden.

Wenn aber ein unverheirateter junger Mann hier Einwohner werden will, gibt er zwei Viertel Wein, dem Herrn ein Viertel und der Gemeinde ein Viertel oder an deren Stelle zwei Kopfstück, dem Herrn ein Kopfstück und der Gemeinde ein Kopfstück (ein Viertel etwa sieben Liter).

 

 

Blick von der Hallenburg nach Süden

 

Vormundschaftsordnung von 1592:

Bei der Kurfürstlich Sächsischen Regierung in Meiningen sind Klagen vorgebracht worden, daß in Vormundschaftssachen große Unrichtigkeiten vorkommen: Es wurden keine Bestandsverzeichnisse aufgestellt. Das Geld wurde nicht zum Nutzen der Pflegekinder verliehen. Die Rückforderung und die Wiederausteilung des Geldes erfolgten nicht zu rechter Zeit. Es wurde auch keine jährliche Rechnung von den Vormündern über ihre Einnahmen und Ausgaben gemacht.

Die Regierung ordnete am 1. September 1592  für die Zukunft an, daß wenn amtlich bestellte Vormünder sich etwas zu Schulden haben kommen lassen, diese mit Pflichten und Eiden beladen werden sollen. Sie sollen für die Pflegekinder - ihre Person und Güter - nicht allein treu und mit bestem Fleiß sorgen, sondern auch alsbald durch den Stadt- oder Amtsschreiber eines jeden Orts ein ordentliches Bestandsverzeichnis in Anwesenheit zweier Rechtspersonen oder sonst zweier oder dreier glaubwürdiger Zeugen aufstellen und schreiben zu lassen.

Auch über ihre Einnahmen und Ausgaben sollen sie ordentliche Verzeichnisse führen. Das Geld der Pflegekinder ist zur rechten Zeit einzufordern und sogleich an sichere Orte gegen Zinsen weiter auszuleihen. Die Vormünder dürfen es keineswegs bei sich zu behalten oder zu ihren eigenen Nutzen verwenden. Es ist aber auch jährlich im Amt oder vor dem örtlichen Rechnungsführer und Rat oder denjenigen, jedesmal dazu bestimmt werden, eine ordentliche und richtige Rechnung vorzulegen. Und was jedes Jahr noch als Rest aussteht, soll er sofort an barem Geld dazulegen oder aber nachweisen, daß es bereits gegen Zinsen wieder ausgeliehen ist, und dann in die Rechnung bringen. Dabei sollen die Vormünder gefährliche oder vorsätzliche Trägheit nicht gebrauchen oder vortäuschen, und das alles unter Androhung der Pfändung ihrer Hab und Güter.

Damit aber das alles tatsächlich und treu eingehalten wird, sollen die erwähnten  Amtsverwalter, Rechnungsführer und Räte von jeden Vormündern jedes Jahr und  besonders an gewissen dazu bestimmten Tagen im Amt oder nach genauer Bestimmung durch einige ihrer Mitarbeiter in Anwesenheit des Stadtschreibers die Rechnung abhören. Was sie zu dem oben Gesagten im Widerspruch finden, das soll bei nächster Gelegenheit bei den Vormündern abgeschafft werden. Man darf keine Unrichtigkeit in Einnahme oder Ausgabe durchgehen lassen.

Wenn sie bei dem einen oder anderen Punkt Bedenken haben oder sonst den Vormündern nicht Folge leisten könnten, haben sie das hierher in die Kanzlei gelangen zu lassen und sich dort Bescheid einzuholen. So soll in jeder Hinsicht gute Ordnung und Richtigkeit erhalten bleiben und das Wohlergehen der Unmündigen gesichert werden, ein Nachteil und Schaden für die Vormünder aber verhütet werden, wie es ihnen gegenüber recht und billig ist. Die erwähnte Regierung sieht sich veranlaßt, daß dies alles endlich und mit Fleiß geschehen soll.

 

Mühlen-Ordnung von 1599:

1. Wenn es sich in Zukunft ergibt, daß eine Mahlmühle für die beiden Steinbach ausfällt und zu verkaufen ist, dann soll sie keiner kaufen dürfen, der nicht das Müllerhandwerk gelernt hat und genügend damit umzugehen weiß; von diesem Grundsatz soll in diesem Handwerk nicht abgewichen werden. Wenn aber einem oder mehreren durch Erbfall eine Mühle zufallen würde, soll derjenige oder diejenigen die Mühle mit einem geeigneten Müller versehen. Und wenn bei diesem Müller festgestellt wird, daß er einem oder mehre Artikel dieser Mühl-Ordnung gebrochen hat, dann soll der Herr der Mühle und nicht der Mietmüller verpflichtet sein, die danach ausgesprochene Buße und Strafe zu bezahlen.

2. Jeder Müller soll sein Mühlwerk - also Räder, Stein und Getriebe – nach dem Winkelmaß, dem Richtscheid und nach der Waage ausrichten. Er soll auch die Steinrinnen gleichmäßig im Kreis des Mühlrads verteilen. Er soll den Holzaufbau um den Mühlstein mit passenden Deckeln versehen und den Mühlstein glatt aufsetzen. Bei Nichtbeachtung werden drei Gulden als Strafe verhängt.

3. Wenn ein Müller die Steine neu einbaut, soll er gut darauf achten, daß sie in der richtigen Art zusammenwirken, damit das Getreide der Leute nicht verdirbt, sondern gewissenhaft gemahlen wird. Keiner darf einen Stein einbauen, der nicht wenigstens 14 Zentimeter dick ist.

Bei Nichtbeachtung werden drei Gulden als Strafe verhängt. Ebenso soll jeder Müller verpflichtet sein, wenn er einen Mühlstein eingesetzt und behauen hat, die Mühle zuerst mit seinem eigenen Gut und nicht mit dem des Mahlgastes zu beschütten. Die Strafandrohung ist wie oben.

4. Die Mahlsteine sollen mit einem Deckel einigermaßen verdeckt werden, und das Loch am Deckel soll eine Spanne vor dem Loch des Steins sein, und der Korb oder Schuh aufs niedrigste eingerichtet sein und ungefähr drei Finger über das Loch des Steins gehängt werde. Bei Nichtbeachtung werden drei Gulden als Strafe verhängt. Die Mühlen sollen mit Wänden gegen das Wasser wohl verwahrt sein, so daß kein Wind hineingehen kann. Doch man darf ein verglastes Fenster machen, daß man sieht, wie der Stein zu hauen ist. Bei Nichtbeachtung werden auch drei Gulden als Strafe verhängt

5. Es soll auch ein jeder Müller die nötigen Radzuber, Tröge, Mahlkasten, Beutelkasten und Kehrgerät haben, und zwei Haarsiebe - ein enges und ein weiteres - in dem Mahlwerk haben. Bei Nichtbeachtung wird ein Gulden als Strafe verhängt. Ebenso soll ein jeder Müller das rechte Maß haben, nämlich ein ganzes Maß (2 Liter), eine Metze (Gefäß mit 10 Liter Inhalt), dazu auch ein Vierling (6 Liter Inhalt), bei Androhung einer Buße von einem Gulden.

Vor allem aber sollen die Mühlen in jeder Hinsicht sauber sein und zwar so, daß einem jeden sein verschüttetes Gut wieder völlig und rein aufgehoben werden kann. Bei Nichtbeachtung wird ein Gulden als Strafe verhängt.

6. Kein Müller soll seinen eigenen Sack nutzen, noch sonst eine Hinterlist gebrauchen. Wenn man das aber doch feststellt, soll er, so oft er erwischt wird, mit einem Gulden bestraft werden.

7. Kein Müller soll weder Gänse noch Hühner noch anderes Vieh in die Mühle gehen lassen und auch gar keine Tauben haben, bei einer Strafandrohung von einem Gulden. Es soll sich auch ein jeder Müller - um eine Strafe am eigenen Leib zu vermeiden - mit dem ordentlichen Mahllohn begnügen und zufriedenstellen lassen und nicht mehr Geld verlangen. Es soll auch einem jeden frei stehen, selbst bei dem Mahlen seines Getreides dabei zu sein oder seine Leute dazu abzuordnen. Der Müller darf das nicht verweigern noch jemanden daran hindern. Als Strafe ist eine Nacht im Gefängnis angedroht.

Besonders aber sollen alle die, die für den Verkauf backen (?), entweder selbst oder ihre Angestellten bei dem Mahlen anwesend sein. Wenn es aber nicht erfolgt und sie durch die Müller ungleich behandelt werden, sollen sie sich deswegen bei den Behörden nicht beklagen dürfen.

Desgleichen soll auch ein jeder Müller verpflichtet sein, dem Mahlgast Semmelmehl und Roggen-,  Gersten- und Hafermehl zu machen, wie das ein jeder haben will.

Wenn sich aber ein Müller unterstehen würde, etwas anderes zu seinem Vorteil darunter zu mahlen oder das Mahlgut zu verwechseln oder auf einem anderen Wege einen Betrug zu verüben, ein solcher falscher Mensch soll ohne Erbarmen am eigenen Leib mit Haft im Turm bestraft werden.

Es sollen auch die Müller mit einem Eid verpflichtet werden, gehorsam nach dieser Ordnung zu leben, der Herrschaft treu und gehorsam zu sein, das Mühlwerk mit allem Zubehör so viel wie nötig im Bau und mit Würde zu erhalten. Sie sollen niemanden gefährden noch behindern, sondern einem jeden von seinem Getreide das Mehl mit Fleiß herstellen und bewahren. Sie sollen nichts davon verändern, verwechseln, noch untereinander mengen, sondern ein jeden sein Gut für sich alleine machen und niemandem aufschütten, was fehlt. Sie sollen auch stets diejenigen, die zuerst in die Mühle kommen, nacheinander bedienen und keinen vor dem andern bevorzugen und eher abfertigen, es sei denn ein armer Mensch, der viele kleine Kinder und kein Brot hat. Sie sollen auch für sich und ihre Leute mit dem üblichen Lohn zufrieden sein. Die hierüber einen Eid abgelegt haben und sich verpflichtet haben, sollen immer wieder daran erinnert und dabei gelassen werden.

So oft auch ein Müller einen Mitarbeiter annimmt, soll er diesen verpflichten, das Mühlwerk nicht zu fälschen, sondern sich an die erwähnte Ordnung ganz zu halten. Wenn er aber dieses nicht tun oder den Herrn in Schaden führen würde, soll der Müller es ihm an seinem Lohn kürzen dürfen.

Damit durch die Müller und den Mahllohn kein Gefahr entsteht, soll hiermit verordnet und dem jeweiligen eingesetzten Dorfvorsteher auferlegt sein, daß sie alle Vierteljahr mit dem Schultheiß eine Besichtigung der Mühl und der Maße in ihr vornehmen. Derjenige Müller, der sich strafbar gemacht hat, soll die Strafe erhalten, die bei allen Artikeln dieser Ordnung erwähnt ist, und an die entsprechenden Dienststellen ausgeliefert werden.

 

„Von guter Ordnung und Zucht in der Gemeinde“ 1629:

In den beiden Gemeinden Ober- und Untersteinbach ist leider allerhand Unordnung bei den Brunnen, Brunnenkasten, Fahr- und Gehwegen und Stegen im Dorf und Feld eingerissen. Diese Unordnung kann man auf die Dauer nicht mehr sehen und durchgehen lassen. Und um der Unordnung zuvorzukommen, haben sich die sämtlichen Zwölfer mit Wissen und Einwilligung des Amts gütlich darauf geeinigt, die angesprochene Unordnung in nachfolgender Art gänzlich abzuschaffen.

1. In Zukunft soll jede Person bestraft werden, die vorsätzlich Brunnenröhren öffnet, die unter die Erde oder in den Brunnen gelegt sind, und die Brunnen an ihrem Lauf hindert. Wer von dem Dorfpolizisten dabei erwischt wird, soll 5 Gulden zahlen, und zwar 2 Gulden an die Herrschaft, 2 Gulden an die Gemeinde, und 1 Gulden an den Polizisten. Ihnen soll jede Person ohne Erbarmen verfallen sein, die auf frischer Tat ertappt wird.

2. Weil die Brunnenkasten der Gemeinde fast von jedermann unrein gehalten werden, so soll diejenige Person, so dabei ertappt wird, jedesmal unbarmherzig der Strafe verfallen sein, und zwar mit sechs Groschen, davon 3 Groschen an die Gemeinde und 3 Groschen dem Polizisten.

3. Es sind auch viele Klagen erhoben wurden, daß die eine oder andere Person gegen das Herkommen in unverantwortlicher Weise beim Fahren und Gehen vorsätzlich neue Wege gesucht hat, so daß andere ebenso ihnen gefolgt sind und hierdurch wurde großer Schade verursacht. Ist doch einer gesehen worden, soll jede fahrende Person, die bei dieser Übertretung ertappt wurde, der Gemeinde und dem Polizisten einem halben Gulden zahlen. Ein Fußgänger soll einen Schreckenberger Buße zahlen, jedoch die Hälfte der Gemeinde, die andere Hälfte dem Polizisten, aber auch nicht weniger sich mit denjenigen zu einigen, denen deshalb ein Schaden verursacht wurde, und ihnen eine Abfindung zu zahlen.

 

4. Es ist auch zum Erbarmen, daß kein ehrlicher Hausbesitzer oder Hausbewohner nichts vor dem leidigen Diebstahl bewahren kann. Das gilt auch für das,  was im Feld angebaut wird, seien es Kraut, Rüben und anders, das ein ganzes Jahr Unkosten, Mühe und Arbeit verursacht hat und mit Gottes Segen angebaut wird. Deshalb soll der Felddiebstahl mit einer ernsten Verwarnung vertrauensvoll bei der Gemeinde angezeigt werden, ganz gleich, ob es sich um Mann oder Frau, junge oder alte Menschen handelt. Dadurch soll sich in Zukunft jeder mit den Seinen vor einem derartigen Felddiebstahl oder einem anderen Diebstahl hüten. Wenn eine Person aber ertappt wird, soll sie nicht allein mit Geldstrafe und Gefängnis im Turm bestraft werden, sondern auch unbarmherzig mit einer Strafe am eigenen Leib belegt werden, zum Beispiel mit dem Bock oder Pranger (beides verbunden mit einer Schaustellung unter Festbinden an einem Gegenstand oder einer Wand). Danach wird nun die eine und andere Person diese angezeigten Artikel zu achten wissen und sich vor Strafe und Schaden hüten.

 

Die sämtlichen Zwölfer werden hier von Amts wegen auch selbst ernstlich daran erinnert, daß sie entsprechend ihrer geleisteten Verpflichtungen auf das Brotwiegen und das Mahlen in der Mühle besser als bisher geschehen eifrig achtgeben sollen, zur Erhaltung einer guten Polizeiordnung in Gemeindesachen und zum Besten der Armen. Sie sollen so viel wie möglich und menschlich nötig sich an die vorher aufgezählten Punkte halten. Beurkundet am 23. Oktober 1629 in Steinbach Hallenberg.

 

 

Blick von der Hallenburg nach Süden

 

Pest 1566

Als man das Jahr 1566 zählte, starb mancher Mann, manche Frau, manche Magd  und mancher Knecht, manche Kinder und Jugendliche an der Pest, im Amt Schmalkalden waren es an die 2.500 und im Amt Steinbach einhundert.

 

Himmelserscheinungen 1572 bis 1759

Außergewöhnliche Himmelserscheinungen wurden als Vorboten schlimmer geschichtlicher Ereignisse angesehen. Und wenn man lange genug wartete, kam dann auch irgendein schweres Ereignis:

 

Im Jahr 1572 ist in dem Gestirn Kassiopeia ein sehr herrlicher Stern erschienen. Einige hielten ihn für einen Kometen, andere für einen Wanderstern. Er hat 16 Monate dort lang gestanden. In dieser Zeit ereignete sich die sogenannte „Pariser Bluthochzeit“, bei der mehr als 30.000 evangelische Christen in einer Nacht von den blutdurstigen Papisten im Königreich Frankreich ums Leben gebracht wurden, ganz jämmerlich und recht grausam und entsetzlich. Deswegen hat der Stern so lang dort gestanden und hat gewissermaßen zu dem lieben Gott nach Rache gerufen. In der Tat haben auch die Anstifter und Vollstrecker dieser schrecklichen Tat alle ihren wohlverdienten Lohn bekommen und sind schrecklich von Gott gestraft worden und so weiter (Die „Pariser Bluthochzeit“ wird auch „Bartholomäusnacht“ genannt. In dieser Nacht wurden bei einer Veranstaltung in Paris mehrere protestantische Adlige ermordet und in Folge davon auch protestantische Bürger in der Stadt).

 

Im Jahre 1580 hat am Himmel ein Komet oder Schwarzstern gestanden. Diese Erscheinung wird verbunden mit der Verwüstung des „alten Schlosses“ durch den Kurfürsten August nach dem Tod der Frau Gräfin verwüstet worden (Aber die Hallenburg ist wahrscheinlich 1212 von Kaiser Otto IV. zerstört worden).

Im Jahre 1596 hat abermals ein Komet am Himmel gestanden. Im Jahre 1607 hat sich abermals ein Komet oder Schwanzstern am Himmel gezeigt und sehen lassen.

Im Jahre 1618 ist abermals ein Komet am Himmel erschienen. Dieser Stern ist gewissermaßen ein Prophet gewesen der 30jährigen Unruhe oder des sogenannten 30jährigen Krieges, der in diesem Jahr seinen Anfang genommen hat. Im Jahre 1652 hat sich abermals ein Komet am Himmel sehen lassen. Im Dezember 1664 hat sich ein Komet am Himmel gezeigt.

Um Advent 1682 und am Anfang des folgenden Jahres bis um Fastnacht hat ein großer Komet über dem hiesigen Arzberg gestanden. Er ist in ganz Deutschland gesehen worden und hat allen Menschen große Furcht und Schrecken bereitet. Dieser Stern hat gleichsam vorher verkündigt und vorhergesagt, daß der türkische Kaiser die kaiserliche Residenzstadt Wien belagern wird und den Christen großes Herzeleid zufügen würde.

 

Am 11. März 1721 in der Nacht von zehn Uhr bis um zwei Uhr früh morgens waren sehr viele weiße und rote Zeichen am ganzen Himmel. Sie schossen wie Pfeile ganz stark und geschwin­de von Norden nach Süden. Ja, man konnte am Ende ganze Klumpen Feuer sehen, die danach zerfuhren. Was solche Zeichen bedeuten werden, wird die Zeit lehren.

 

Am 21. Mai 1726 ist eine überaus große Sonnenfinsterns gewesen, wie sie seit Menschengedenken nicht gesehen worden war. Sie begann vormittags um 9 Uhr 5 Minuten 22 Sekunden. Die große Verfinsterung sah man nach 10 Uhr 26 Minuten. Um 11 Uhr 27 Minuten 31 Sekunden war das Ende. Sie hat also 2 Stunden und 22 Minuten gedauert. Die Größe dieser Finsternis erstreckte sich auf 37 Zentimeter, so daß von der Sonnenscheibe nur noch der 24. Teil nicht verfinstert geblieben ist. Es ging nur noch um ein oder zwei Minuten, dann wäre es eine totale Sonnenfinsternis gewesen. Es war so finster, daß man in den Stuben oder Kammern fast keine Schrift erkennen oder lesen konnte, man sah sogar die Sterne am Himmel glänzen und scheinen.

Am 15. Januar 1726, nachmittag zwischen zwei und drei Uhr, haben zwei Regenbogen über dem Stiller Berg gestanden, ein kleiner und ein großer und die Sonne mitten drinnen, in der Gegend, wo ehemals vor 42 Jahren der Kometstern gesehen worden ist.

 

Am 15. Februar und am 9. Oktober 1730 nachts zwischen 7 und 8 Uhr haben abermals rote und weiße Zeichen. Am 2. November aber hat ein ganz besonderes Zeichen am Himmel gestanden

Im Jahre 1731 hat sich der sogenannte Nordschein um den 28. Oktober und 21. Dezember oft und sehr stark gezeigt. Am 22. September abends gegen acht Uhr war ein Zeichen am Himmel, ganz breit und geflammt, wie ein Regenbogen, von Süden bis Westen. Es ist von einigen auf die Auswanderung der Salzburger gedeutet worden.

 

Am 10. Februar 1736 früh um 4 Uhr hat ein Feuerzeichen am Himmel gestanden, das viele Leute gesehen haben. Es hat an verschiedenen Orten in diesem und dem folgenden Jahr besonders im Thüringischen großen Schaden angerichtet, doch ist unser Steinbach bisher gottlob unbeschädigt geblieben.

 

Im Jahre 1742 von Christtag bis auf Fastnacht hat man einen Kometen gesehen mit einem langen Strahl. Darauf ist der große Bayerische Krieg ausgebrochen.

In einer Sonntagnacht im Dezember 1754 zwischen 11 und 12 Uhr sind dem Unterdörfer Hirten Matthäus Nothnagel Kriegsleute am Himmel erschienen (bei und neben dem Monat) in Gestalt eines großen Heeres, die sich in zwei Gruppen geteilt und aufeinander zu gegangen sind als wollten sie fechten. Diese gewaltige Erscheinung hat der Hirte dann dem Herrn Pfarrer gegenüber beteuert auf sein Gewissen und Seele. Das ist ein Zeichen für den großen entstandenen Krieg in ganz Europa, in dem wir uns leider zum Gotterbarmen befinden.

(An sich gab es zu dieser Zeit keinen großen Krieg: Der österreichischer Erbfolgekrieg war von 1742 bis 1745, der siebenjährige Krieg erst 1756 bis 1763. Es gab also gar keinen großen Krieg, aber weiterhin Spannungen zwischen Preußen und Österreich, das mit Rußland und Sachen verbündet war und schließlich auch Frankreich auf seine Seite ziehen konnte. Vielleicht ist der Eintrag aber auch erst 1756 gemacht worden, als der Siebenjährige Krieg schon im Gange war).

 

Im Jahre 1758   ist ein großer Stern gesehen worden und das auf ein Jahr lang. Er hat alle Nacht drei Stunden lang gestanden mit großen Strahlen samt einem hausgroßen Umhang im Nebelring.

 

Am 16. September 1759 abends um 9 Uhr ist so ein großer langer weißer Strahl zwei Stunden lang gesehen worden, über den Arzberg hinüber. Das war ein großes Zeichen am Himmel, aber leider Gottes ist er nur für einen Mordschein gehalten worden (gemeint ist wohl, daß das Himmelszeichen nach Meinung des Verfassers das Anzeichen eines großen geschichtlichen Ereignisses gewesen sei, andere Leute aber haben ihn nur für das Zeichen eines Mordes gehalten).

 

 

Familienereignisse in den Grafenhäusern

In Steinbach hat man Notiz genommen von den Ereignissen in den Grafenhäusern in Henneberg, Sachsen und Hessen, je nachdem, wer die Landesherrschaft ausübte:

 

Tod des Grafen Poppo 1574:

In der Osterzeit ist unser allergnädigster Fürst und Herr Graf Poppo zu Henneberg in Burg­breitungen selig im Herrn entschlafen und nach Schleusingen zum Begräbnis überführt worden. Es wurde eine Leichenpredigt gehalten und es ist auch ein ganzes Jahr in der ganzen Landschaft getrauert worden (Burgbreitungen ist Herrenbreitungen, heute Ortsteil von Breitungen östlich der Werra).

 

Tod Georg Ernsts 1583:

Am 27. Dezember in der Mittagsstunde ist unser allergnädigster Fürst und Herr, Herr Georg Ernst, Graf und Herr zu Henneberg, selig im Herrn entschlafen. Am 9. Januar 1584 wurde er in Schleusingen christlich in die Erde bestattet. Hier in Steinbach ist eine schöne herrliche Leichenpredigt gehalten worden und unserem gnädigsten Fürsten und Herrn die letzte Ehre und der letzte Wille erwiesen worden. Und weil mit ihm die Grafen zu Henneberg ausgestorben sind, ist die ganze Grafschaft Henneberg an die jüngere kurfürstliche Linie in Weimar gefallen und es ist ihm gehuldigt worden.

 

Tod Annas von Sachsen 1585:

Am 1. Oktober gegen Abend um 7 Uhr ist Anna, die Gemahlin des Kurfürsten August, eine geborene Königstochter aus Dänemark, selig im Herrn Christus entschlafen, und am 18. Oktober fürstlich in die Erde bestattet worden. Wie im ganzen Fürstentum ist auch hier in Steinbach eine Leichenpredigt gehalten und ein ganzes Jahr getrauert worden.

 

Tod Augusts des Starken 1586:

Am 11. Februar zwischen 7 und 8 Uhr nachmittags ist unser allergnädigster Fürst und Herr, Herzog August Kurfürst zu Sachsen, des Reiches Erzmarschall, selig im Herrn entschlafen. Er wurde am 28. Februar fürstlich in die Erde bestattet in der kurfürstlichen Residenzstadt Dresden.

 

Tod Maria Amalias 1711:

Am 16. Juni starb Frau Maria Amalia, unsere regierende liebe Landesfürstin von Hessen-Kassel, eine geborene Herzogin von Kurland, auf der Reise nach Schlangenbad (im westlichen Taunus) in Weilmünster (im östlichen Taunus). Es wurde ein halbes Jahr in der Kirche getrauert.

 

 

Blick von der Hallenburg nach Süden

 

Zwölfer und Gerichtsschöffen in Steinbach

Vermutlich hat es die Zwölfer schon lange gegeben, weil sie erwähnt werden, als 1590 hier ein Dieb gehenkt worden ist. Auch als 1605 die Mauer um den Gottesacker gemacht worden ist, da hat es Gerichtsschöffen oder Zwölfer gegeben, denn ihre Namen sind am Eingangstor auf der rechten Seite in Stein eingehauen: Wolfgang Kempf, Christoph Reinhardt, Hans Raunstein, Hans Rothämel, Hans Zitter, Klaus Lambach, Hans Nothnagel, Cuntz Holland, Hans Ernst Wilhelm, Valtin Wilhelm, Georg Ehrhardt, Cron Wagner (außerdem Schultheiß Valtin König und  Dorfmeister Hans Reinhardt Nell und Hans Holland).

Am Sonntag Jubilate des Jahres 1620 ist von sämtlichen Zwölfern und Vorstehern dieser Beschluß gefaßt worden, daß ein jeder am vereinbarten Ort erscheinen sollte, sooft sie durch den Amtsboten oder Gemeindedieser dazu aufgefordert würden. Wenn aber der eine oder der andere ausbliebe, der soll einen Ortsgulden (viertel Gulden) als Strafe geben. Oder wenn er unmöglich erscheinen könne, dann soll er einem anderen Mitglied eine Vollmacht geben.

           

Im Jahre 1641 waren Zwölfer: Bartholomäus Rothämel, Konrad Häfner, Valtin Wilhelm,  Wendelin Menz, Wolf Holland, Hans Reinhard Klein, Valtin Zitter, Hans Holland-Wolff, Christoph Holland-Nell, Georg Preiß, Valtin Schmidt, Lips Holland.

Von 1655 bis 1662 sind in den Zwölferstuhl gekommen: Valtin Wilhelm Nell, Georg Engelhardt, Cron Köllmann, Valtin Baumbach, Bläsing Anschütz, Matthäus Holland-Motz.

 

Im Jahre 1683 waren Zwölfer: Valtin Schmidt, Valtin Baumbach, Matthäus Holland-Moritz, Peter Häfner, Valtin Rienecker, Klaus Köllmann, Georg Zitter, Hans Hemm­ling, Valtin Hellmann (der Springstiller), Paulus Nothnagel, Georg Häfner, Klaus Wilhelm

Als dann einige gestorben sind, wurden von dem Zwölferstuhl mit Bedacht ausgewählt und von dem Herrn Amtsschultheißen bestätigt: Romrich Rothämel (Schuhmacher in Untersteinbach), Georg Wilhelm (Handelsmann, Schneider und Kirchensenior), Valtin Bickel (Messerschmidt in Untersteinbach), Kaspar Brohm (Metzger in Obersteinbach, der aber 1695 abtreten mußte).

 

Am 6. Februar 1708, als Johannes Avenarius zum Organisten und Schullehrer gewählt und bestätigt worden ist, war der Schöffen- und Zwölferstuhl mit folgenden Personen besetzt:

  • Klaus Köllmann, Hammerschmied und Gewerk in Obersteinbach, starb am 6. Januar 1718.
  • Hans Hemmling, Nagelschmied und Händler, Obersteinbach, starb 1709.
  • Johannes Albrecht, Hufschmied, Kirchenältester, Obersteinbach, starb am 28. März 1716. 
  • Hans Christoph Usbeck, Schlosser. Obervormund, Obersteinbach, starb am 30. März 1722.
  • Philipp Heil, Ackermann, Untersteinbach, starb am 23. November 1718.
  • Valtin Holland, Hufschmied in Untersteinbach.
  • Hans Abel Wahl, Böttcher und Braumeister, starb am 4. April 1722.
  • Jakob Pfannschmidt, Fuhrhändler, Eichmeister, Obersteinbach, starb am 15. Mai 1715.
  • Peter Nothnagel, Fuhrhändler und Hammergewerk, Obersteinbach.
  • Kaspar Dietzel, Schlosser und Kirchenältester, Obersteinbach.
  • Johannes Rothämel, Schuhmacher, Untersteinbach, starb am 23. Mai 1725. 
  • Valentin Recknagel, Hammerbläser, Untersteinbach, starb am 23.Augusat 1723 (Ein „Hammergewerk“ ist ein Anteilhaber an einem Hammerwerk, ein „Hammerbläser“ ist wohl einer, der im Hammerwerk den Blasebalg für das Anfachen des Feuers betrieb).

 

Nachdem im Jahr 1708 bis heute verschiedene Zwölfer verstorben waren, sind an deren Stelle nachfolgende Wahlbevollmächtigte gewählt und von dem Herrn Schult­heißen bestätigt und verpflichtet worden:

  • Kaspar Reumschüssel, Hammergewerk, Untersteinbach, starb am 17. März 1717.
  • Johannes Faßler, Böttcher in Obersteinbach; er wurde von dem Herrn Amtsschultheißen von Jossa den Zwölfern zugeordnet.
  • Johannes Wilhelm, Handelsmann und Müller, Obersteinbach.
  • Johannes Hoffmann, Kettenschmied, Untersteinbach, starb am 20. Juni 1725.

 

Im Jahre 1717 waren Zwölfer:

Kaspar Albrecht, Hufschmied in Untersteinbach.

Hans Georg Holland-Merten, Nagelschmied und Hammergewerk, Obersteinbach.

Hans Georg Faßler, Obersteinbach, Gabelschmied;

    von dem Herrn Amtsschultheißen zum Zwölfer verordnet und verpflichtet

Klaus Ritzmann, Schlosser in Obersteinbach, starb am 30. November 1727. 

Hans Caspar Kehr, Metzger in Untersteinbach.

Moritz Wahl, Böttcher, Untersteinbach.

Klaus Reumschüssel, Hammergewerk in Untersteinbach.

Georg Kehr der Jüngere, Metzger, Obersteinbach.

 

Und nachdem innerhalb von elf Jahren von diesen auch wieder einige verstorben waren, sind an Neujahr 1728 Zwölfer und Gerichtsschöffen nach der Ordnung gewesen:

Valtin Holland, Hufschmied in Untersteinbach, gestorben den 15. November 1731.

Peter Nothnagel, Hammergewerk in Obersteinbach, gestorben 28. Juli 1733

Kaspar Dietzel,  Schlosser und Kirchenältester, Obersteinbach,  22. November 1736

Johannes Faßler, Böttcher in Obersteinbach, den 8. März 1734 gestorben.

Johannes Wilhelm, Handelsmann und Schneidmühlengewerk, Obersteinbach.

Kaspar Albrecht,  Hufschmied, Untersteinbach.

Hans Georg Holland-Merten, Nagelschmied und Hammergewerk, Obersteinbach.

Hans Georg Faßler, Gabelschmied, Obersteinbach, starb am 22. November 1729.

Hans Kaspar Kehr, Metzger in Untersteinbach.

Moritz Wahl, Böttcher in Untersteinbach. .

Klaus Reumschüssel,  Hammergewerk in Untersteinbach.

Georg Kehr der Jüngere, Metzger in Obersteinbach, ist gestorben.

 

 

Exkurs: Traditionelle Steinbacher Namen

Es ist erstaunlich, wie viele dieser Namen sich bis heute erhalten haben: Albrecht, Bühner, Diller, Eck, Ender, Faßler, Häfner, Hellmann, Hemmling, Heil, Huhn, Holland, Hoffmann (Hofmann), Holland-Nell (oder nur Nell), Jäger, Köllmann, König, Kempf  (Kämpf), Luck, Menz, Motz, Nothnagel, Pfannschmidt, Pfeffer, Preiß, Raßbach, Recknagel, Reinhardt, Reum­schüssel, Ritzmann, Rothämel, Schmidt, Usbeck, Wahl, Wilhelm.

Relativ selten bzw. gar nicht vorhanden sind die Familiennamen, die mit „Holland“ zusam­mengesetzt sind. Man wird annehmen können, daß einmal eine holländische Familie nach Steinbach kam und die Doppelnamen beim Anwachsen der Familie dadurch entstanden, daß man sich nach den Vornamen der Kinder unterschied. Die Namen „Holland-Wolff“ (= Wolfgang Holland) und Holland-Dick (der Dicke) kommen heute nicht mehr vor, dafür aber Holland-Moritz, Holland-Cunz, Holland-Letz (der Letzte), Holland-Merten (Martin), Holland-Jopp (Hiob), Holland-Nell und natürlich auch der Name Holland allein.

Noch selten sind auch Namen wie Kaiser, König, Herzog, Margraf, die entstanden sein könnten aus Rollen beim Theaterspielen: Anfang des 18. Jahrhunderts gab es nur „König“.

 

 

Gemeindevorsteher

Die „Dorfmeister“ oder „Gemeindevorster“ sind mit unserem heutigen Bürgermeister zu vergleichen. Einige Namen sind bekannt:

1665    Peter Häfner , Christoph Pfeffer (Brauherr), Volker Häfner           (Fleischschätzer).

1757    Valtin Holland-Letz, Johannes Raßbach       

Dieser hat eine Brücke bauen lassen beim Brauhaus. Er hat laut seiner Rechnung für die Brücke einschließlich der Verpflegung für die Arbeiter 92 Taler ausgegeben. Die Brücke will aber wieder in Trümmer einfallen, weil der Vorsteher sie nicht hat ganz vollenden lassen, das ist ihm ein großer Nachteil geworden wegen seiner Nachlässigkeit.

1759   Kaspar Usbeck (Jahreszahl unsicher)

Hat laut seiner Rechnung einige 80 Taler verzehren lassen

 (  ?  )  Valtin Rothämel (zugleich Schankwirt im Unterwirtshaus)

Hat laut seiner Rechnung einige 70 Taler verzehren lassen, was unverantwortlich ist.

(Der Schreiber geht es nur darum, die hohen Kosten für die Verpflegung der Bauarbeiter zu geißeln. Aber ein anständige „Zehrung“ war damals üblich).

1758    Hans Ernst Recknagel (Hammermeister) und Valtin Motz (Müllermeister)

1759    Johannes Jäger, Konrads Sohn (Müllermeister)

1761    Valtin Diller (Nagelschmied) und Simon König (Hufschmied)

1762    Johannes Jäger und Matthäus Holland-Moritz, Jacobs Sohn (Müllermeister)

 

 

Schloßbergbrücke am Brauhaus

 

 

 

Amtspersonen

 

Jahr

Amtmann

Schultheiß

Dorfmeister

Vorsteher

Gerichts-Schöffen,

Zwölfer

1358

Hans Rosenthal

 

 

1380

Bernd Banse

 

 

1410

Dittrich von Thunfeldt

 

 

1467

Hermann Vrat (vor 1467)

 

 

1467

Leonhard von Masbach

 

 

1473

Hans Zoller (Zollner)

 

 

1490

Eberhard von Ostheim

 

 

1498

Hans Zoller (Zollner) der Junge von Rotenstein

 

 

1508

Bartholmes Zoller (Zollner) von Rotenstein

 

 

 

Vinzenz Burkan

 

 

1534

Hans von Ostheim

 

 

1548

Bernhard Truchseß

 

 

1552

Vinz Treuter

 

 

1556

 Heinrich von Vitzenhagen

 

 

1564

 Hans Keller (Kellner)

 

 

1572

Hiob Jobst Ziegler (Siegler)

 

 

1580

Michael Mußmacher

Georg Brotmacher

 

1588

Michael Mußmacher

(bis 1589)

Schult­heiß Georg Brotmacher

 

1596

Valtin König (bis 1605, siehe Friedhofstor)

Kaspar Bader,

Hartmann Wilhelm

 

1590

 

Georg Brotmacher

 

1605

Christoph Winter

Hans Reinhardt Nell,  Hans Holland

Wolfgang Kempf, Christoph Reinhardt, Hans Raunstein, Hans Rot­hämel, Hans Zitter, Klaus Lambach, Hans Nothnagel, Cuntz Holland, Hans Ernst Wilhelm, Valtin Wilhelm, Georg Ehrhardt, Cron Wagner

1619

Caspar Schmidt (sächs.)

 

 

1619

Justus Eckhardt (hess.), bis 1748

 

 

1627

Johann Simon

 

 

1627

Paulus Riedtmöller

(bis 1648)

 

 

1631

 

 

Hans Reinhardt Kleiner  

1632

 

 

Valtin Zitter, Hans Holland, Hans König  

1637

 

 

Christoph Holland-Nell

1641

 

 

Bartholomäus Rot­hämel, Konrad Häfner,  Valtin Wilhelm, Wendelin Menz, Wolf Holland, Hans Reinhard Klein, Valtin Zitter, Hans Holland-Wolff, Christoph Holland-Nell, Georg Preiß, Valtin Schmidt, Lips Holland

1643

 

Georg Engelhardt,

 Hans Scheidler

 

1646

 

Hans Heil,

Hans Häfner,

Georg Gegenmüller

Barthel Rothämel

Peter Wilhelm

1647

 

 

Klaus Usbeck

1651

Vincentius Zielfelder (aus Schmalkalden

Blasius Anschütz, Hans Lang

Barthel Rothämel, Stoffel Holland-Nell, Valtin Wilhelm Velle, Valtin Kindt, Wendel Menz, Georg Preiß, Hans Reinhard Klein, Petter Wilhelm, Hans Holland-Wolf, Philip Holland, Valtin Zitter, Claus Usbeck

1655 bis 1662

 

 

Valtin Wilhelm Nell, Georg Engelhardt, Cron Köllmann,

Valtin Baumbach, Bläsing Anschütz, Matthäus Holland-Motz

1665

 

Peter Häfner

 

1667

 

Hans Holland

 

1668

 

Hans Hemmling,

Georg Weber

 

1680

 

Hans Raßbach

 

1682

Adam von Jossa

(bis 1718)

 

 

1683

 

 

Valtin Schmidt, Valtin Baumbach, Matthäus Holland-Moritz, Peter Häfner, Valtin Rienecker, Klaus Köllmann, Georg Zitter, Hans Hemmling, Valtin Hellmann (der Springstiller), Paulus Nothnagel, Georg Häfner, Klaus Wilhelm

nach

1683

 

 

Romrich Rothämel, Georg Wilhelm, Valtin Bickel, Kaspar Brohm

1697

Adam von Jossa

Nicolaus Luck, Peer Nothnagel

Johannes Hemmling, Matthäus Holland-Moritz Älter, Nicolaus Köll­mann, Valentin Hellmann, Johannes Albrecht, Valentin Büchel der jüngere, Johann Christoph Usbeck, Valtin Holland Kann­gießers Sohn, Philipp Heyl, Johann Abel Wahl, Jonas Pfannschmidt, Georg Wilhelm, Schneider

1704

 

Ernst Häfner

 

1707

 

Kaspar

Reum­schüssel

 

1708

 

Michel Häfner

Klaus Köllmann, Hans Hemmling, Johannes Albrecht, Hans Christoph Usbeck, Philipp Heil, Valtin Holland, Hans Abel Wahl, Jakob Pfann­schmidt, Peter Nothnagel, Kaspar Dietzel, Johannes Rot­hämel, Valentin Recknagel

Nach 1708

 

 

Kaspar Reumschüssel, Johannes Faßler, Johannes Wilhelm, Johannes Hoffmann

1709

Hans Baumbach

Valtin Rumpel,

Johannes Ehrhard

 

1711

 

Georg Reumschüssel

 

 

 

1720

 

 

Johannes Frank

(1716)

1718

Johann Herrmann Hippstedt (bis 1719)

Valtin Häfner

 

1719

Justus Eckhardt Zufall

(bis 1748)

Valtin Menz,

Georg

Holland-Moritz

 

1722

 

Christoph König

Peter Nothnagel, Hans Wilhelm, Kaspar Dietzel, Hans Georg Holland-Merten, Valtin Recknagel, Klaus Ritzmann, Hans Faßler, Hans Hoffmann, Hans Georg Faßler

1724

Justus Eckard Zufall

Severus König,

Valtin Nothnagel

(ersetzt durch

Johannes Luck )

Valten Holland (Kann­gießer, Hufschmidt in Untersteinbach), Peter Nothnagel (Hammerwerker in Obersteinbach), Caspar Dietzel (Schlosser in Obersteinbach), Johannes Rothämel (Schuster in Untersteinbach), Valten Recknagel (Hammerbläser in Untersteinbach), Johannes Faßler (Büttner in Obersteinbach, reformiert), Johannes Hoffmann

(Rinckenschmied in Untersteinbach), Johannes Wilhelm, (Handelsmann in Obersteinbach), Caspar Allbrecht (Hufschmied in Untersteinbach), Johann Georg Holland-Merten (Nagelschmied und Hammerwerker in Obersteinbach), Nicolaus Ritz­mann (Schlosser in Obersteinbach), Johann Georg Faßler (Gabelschmidt in Obersteinbach, reformiert)

1725

 

Johannes Wahl

 

1726

 

Hans Ernst König,

Johannes Wahl

 

 

Peter Nothnagel, Kaspar Dietzel, Valtin Recknagel, Kaspar Albrecht, Johannes Wilhelm, Hans Georg Holland-Merten, Klaus Ritz­mann, Hans Faßler, Moritz Wahl, Hans Georg Faßler

1727

 

Johannes Frank,

Hans Ernst König

Kaspar Dietzel,

Johannes Faßler

1728

 

Johannes Jäger, Fuhrhändler und Handelsmann in Untersteinbach

Valtin Holland, Peter Nothnagel, Kaspar Dietzel, Johannes Faßler, identisch mit 1729

1729

 

Valtin  Holland

Valentin Holland (Kann­gießer, Hufschmidt in Untersteinbach), Peter Nothnagel (Fuhrhändler und Hammerwerkinhaber Obersteinbach), Caspar Dietzel (Schlosser und Kirchenältester in Obersteinbach), Jo­hannes Faßler (Bött­cher und Heiligenmeister in Obersteinbach), Johannes Wilhelm (Handelsmann und Lehnträger in Obersteinbach), Caspar Ellbrecht (Hufschmied in Obersteinbach), Johann Georg Holland-Merten (Hammerwerkinhaber in Obersteinbach), Johann Georg Faßler (Gabelschmied in Obersteinbach), Johann Caspar Kehr (Metzger in Untersteinbach), Mauritius Wahl (Böttcher und Braumeister Untersteinbach), Nikolaus Reum­schüssel (Hammerwerkinhaber in Untersteinbach),

Georg Kehr der Jüngere (Metzger in Obersteinbach).

1730

 

Wilhelm Reinhardt 

 

1731

 

Michael Diller,

Wilhelm Reinhardt

Valtin Heil, Peter Nothnagel, Kaspar Dietzel, Jo­han­nes Faßler, Johannes Wilhelm, Kaspar Albrecht, Georg Holland-Moritz,

Kaspar Kehr, Moritz Wahl, Klaus Reum­schüssel, Georg Kehr

Johannes Franck

1732

 

Heinrich Otto Eck

 

1733

 

Valtin Häfner

Johannes Usbeck

1734

 

Matthäus Häfner

Christoph Neues,

Johannes Faßler

1735

 

Hans Georg Huhn

 

1736

 

Valtin Holland-Merten, Valtin Holland-Moritz

Kaspar Dietzel, Valen­tin Holland, Johannes Frank, Johannes Wilhelm, Valtin Heil, Kaspar Albrecht, Christoph Neues, Hans Georg Holland-Merten, Johannes Usbeck, Hans Kaspar Kehr, Moritz Wahl, Klaus Reum­schüssel, Georg Kehr    

danach

 

 

Konrad Larbich,

Johannes Faßler,

Michel Huhn,

Johann Georg Doles

1737

Justus Zufall

Jacob König

 

1743

 

Christoph Pfannschmidt

 

1749

Johann Herrmann

Fleischhuth

 

 

1755

Fleischhuth

Johannes Raßbach

Georg Holland-Merten, Klaus Reumschüssel,

Konrad Larbig, Johann Georg Doles

1753

 

Valentin Holland-Letz

Johannes Weber

 

1756

Heinrich Bauer

 

 

1757

 

Valtin Holland-Letz, Johannes Raßbach

 

1758

 

Hans Recknagel,

Valtin Motz

Valtin Bühner, Georg August Holland,

Nicolaus Avenarius

1759

Bauer

Johannes Jäger,

Michel Holland- Letz

David Ender und

Seite 216

1758

 

Georg August Holland,  Nicolaus Avenarius

Valtin Bühner

 

1759

 

David Ender

Johann  Kaspar Kehr, Johannes Usbeck, Johannes Faßler, Michel Huhn, Johann Georg Dohles, Johann Christian Holland, Nicolaus Avenarius.

Absetzung des Zwölfers Schneider in der Chronik Avenarius

1760

 

Michel Holland- Letz, Johannes Jäger

 

1761

Bauer

Georg Wilhelm,

Valtin Diller,  

Simon König

 

1762

 

Matthäus Holland-Moritz (auch 1763)

 

1763

Franz Niclas Kraut

Matthäus Holland-Moritz

 

1775

(nur ein Richter)

 

 

1781

(Assessor Hensel)

Nicolaus Reinhard, Johann Wilhelm *

 

 

 

 

 

1784

Friedrich Hartmann Faust

 

 

1792

 

Vorsteher: Johan­nes Recknagel,     

 Michael Nothnagel,

Schultheiß Nicolaus Reinhard, zugleich Bauaufseher und Rechnungsführer

George Cramer, Johannes Wilhelm, Michael Holland-Letz, Caspar Rot­hämel, Valentin Huhn, Peter Usbeck

 

 

1801

Faust

Schultheiß Reinhard

 

1806

Faust

Vizeschulz Henrich Reiszig, Vorgesetzter, Caspar  Rothämel

 

1807

Hartert, Titel „Friedensrichter“ (bis 7. April 1814)

 

1814

Bernhardt Schuchardt

 

 

1826

 

Peter Holland

 

1827

 

 

Christian Menz jun.,

„Amtsschultheiß“

 

 

 

1829

Schuchardt

Christian Menz jun., Ortsschultheiß

 

 

Leschen

 

 

1837

Wilhelm Stern

Christian Menz jun

 Christian Holland (Vizebürgermeister), Friedrich Reumschüssel, Christian Hoffmann, Gottlieb Us­beck, Apotheker Ottleben, Seifensieder Zielfelder, Ausschußvorsteher Carl Bühner

1848

Scheffer

 

 

1862

 

Elias Usbeck, Christians Sohn

 

1864

Felde

Am 8. Juli 1869 starb der Bürgermeister Elias Usbeck

Kaufmann Caspar Holland- Cunz, zugleich Vizebürgermeister,  Kaufmann Friedrich Reum­schüssel, Hammerbesitzer Christian Holland, Peters Sohn, Hammerbesitzer Peter Usbeck, Postverwalter Matthäus Werner, Kaufmann Johannes Holland-Letz

1869

 

Der Kaufmann und vorherige Vizebürgermeister Caspar Holland-Cunz wurde zum Bürgermeister gewählt und am 29. Juli verpflichtet

 

1873

 

Caspar Holland-Cunz

Hammergewerke Christian Ludwig Holland, Vizebürgermeister, Apotheker Conrad Köbrich, Kaufmann Christian Usbeck,  Kaufmann Johannes Holland-Letz,  Zimmermeister Michael Jäger, Glasermeister Christian Döll

1885

 

August Usbeck

 

1897

 

Kaufmann Alexander Bleymüller aus Schmalkalden

Beigeordneter war Mühlenbesitzer August Jäger (seit 1889).

1901 bis 1925

 

Wilhelm Zickendraht aus Homberg bzw. Rückingen

 

1920

 

 

Karl Reumschüssel  und Gustav Pfeffer (kommissarisch)

 

1926

bis 1933

 

Schuhmacher Henze aus Hohenstein bei Nordhausen

 

13. 03. 1933

 

Bernhard Recknagel (zunächst nur kommissarisch)

 

1945

 

Carl Oscar Usbeck

 

4.7.45

 

Walter Ritzmann

 

 

 

Karl Zimmermann, Helmut Weidlich, Herwig Keller, Walter Jäger, Alfred Jäger

 

 

* In der Zeit des Amtsschultheißen Kraut wurden die Zwölfer wegen gewisser Umstände abgesetzt (aber vielleicht war da auch nur die Folge einer Verwaltungsreform). An deren Stelle wurden sechs Gemeindevorgesetzte gesetzt und gewählt.

Im Jahre 1773 wird das Amt des (Dorf-) Schulheißen eingeführt. In Steinbach wird im Jahre 1781 erstmals der Titel „Schultheiß“ im Sinne von „Dorfschulze“ verwendet. Auch 1801 und 1805 heißen die ehemaligen Vorsteher nunmehr „Schultheiß“.

 

Braumeister und Eichmeister:

Besondere Ämter waren das Amt des Braumeisters, das auch verbunden war mit dem Amt des Eichmeisters, denn dieser hatte den Braumeister zu kontrollieren. Namentlich bekannt sind Christoph Pfeffer (1665), Nikolaus Reumschüssel (1725) und Johannes Wahl (1728).  

 Im Jahre 1758 ist Johann Georg Holland-Letz, Nagelschmied und Hammermeister, von dem Amtsschultheiß Bauer zum herrschaftlichen Lehnsträger übers Brauwesen bestellt worden. Im Jahre 1759 haben die Zwölfer und Vorsteher zugestimmt, daß er das Amt verwaltet. Er hat aber große Last mit dem herrschaftlichen Eichmeister Schneider wegen immer neuer Sachen gehabt.

Die Dienstanweisung der Gemeinde für ihn lautet: Sämtliche Zwölfer und Vorsteher, haben einen Mann ernannt, der das Haus der Gemeinde hat und dieses zum Nutzen der Gemeinde fortführen soll. Zu dem Zweck haben wir Meister Georg Holland-Letz ernannt und angenommen. Weil aber nun derselbe aber auch wissen will, was er in seinem Amt zu tun hat, so sind noch folgende Punkte zu beachten:

1. Er soll das Haus der Gemeinde halten als sei es das seine. Er soll alles, was das Brauwesen, und Eichen [= Messen] angeht und auch sonst alles, was zum Brauwesen erforderlich wird, bestmöglich erledigen. Er soll selber das Geld von den Brauern einkassieren und es ohne Not nicht ausgeben, es sei denn zum Ersetzen von Maschinenteilen. Er soll das Geld, das dem Vorsteher zu fordern zusteht, ohne Wissen der Zwölfer nicht erlassen.

2. Es soll ihm von jedem Gebräu oder Eiche 4 Maß (ein Maß gleich 2 Liter) Bier und 4 Maß Treber, von den Brauern auch ein halber Eimer Frischbier ohne Entgelt gegeben werden („Gebräu“ oder „Eich“ ist der Inhalt einer „Braupfanne“, die aber eine beträchtliche Größe hatte und zum Beispiel ein Gewicht von sieben Zentnern. Das „Gebräu“ ist ein Biermaß von unterschiedlicher Menge in den einzelnen Ländern, aber immer sehr viel).

3. Er soll jedes Jahr für seine Mühe 8 Kopfstück zu 14 Batzen Geld haben und bekommen

4. Er soll allezeit, wenn geeicht wird, dabei sein, damit weder die Gemeinde noch die Brauer irgendwie zu kurz kommen sollen. Auch der herrschaftliche Eichmeister soll sich deswegen nicht beunruhigen, sondern sie sollen so viel wie möglich in Einigkeit miteinander umgehen. 

 

Am 13. April 1761 ist der Hammermeister Sigmund Holland vom Herrn Amtsschultheiß Bauer zum Gemeinde-Eichmeister angenommen worden, weil der alte Lehnträger Johann Georg Holland-Letz nicht für den alten Lohn hat in dem Amt bleiben wollen, nämlich 8 Kopfstück am baren Geld für das ganze Jahr. So hat sich der obige willig für die alte Besoldung werben lassen und angeboten.

Aber Sigmund Holland wollte damit nur den vorherigen Lehnträger Holland-Letz ärgern. Deshalb hat er vorher lange darum gejammert, ehe er dies Amt für die besagten 8 Kopfstück zu verwalten bekommen hat. Mit der Zeit ist er aber damit nicht zufrieden gewesen und hat von der Gemeinde verlangt, noch ein Gebräu Bier frei brauen zu dürfen. Er hat das auch in seiner Rechnung berechnet, aber von dem Herrn Amtsschultheiß Bauer ist das nicht genehmigt worden. Außerdem hat er seinen Lohn hoch getrieben und von einem jeden Gebräu ½ Malter Treber, ½ Eimer Frischbier und 8 Maß Bier frei bekommen. Den Eich-Lohn hat er extra berechnet, den Fuhrlohn desgleichen. Und jeder Bräutigam hat ihm 1 Kopfstück geben müssen, was vorher nicht der Fall war.

Wäre Holland Letz der Gemeinde nicht so zur Last gefallen, würde der Georg Holland ihn wohl bei seinem Eichmeister-Amt gelassen haben (Wer Georg Holland ist, wird nicht gesagt). Wie bekannt hat Georg Holland-Letz noch über seinen jährlichen Lohn der Gemeinde ein Gebräu zu sieben Taler - in Worten sieben Taler - am Pachtgeld unterschlagen. Er hat sie wieder ersetzen müssen. Georg Holland-Letz hat das Amt also nicht so ganz freiwillig aufgeben müssen, sondern Georg Holland hat ihn aus seinem Amt wegen Betrugs entlassen müssen. Aber der Nachfolger hat auf andere Art betrogen.

 

Förster:

1722  Johann Schäfer (auch 1725, ab 1729 Oberförster, auch 1731 und 1734)

1729  Johann Georg Zielfelder (auch 1743)

1731  Förster Zielfelder (auch 1734, 1735, 1743), Förster Wachs (Unterschönau,

    auch 1734)

1792  Förster Lampmann (auch 1796)

1829  Förster Schminke, in Oberschönau Friedrich Zilcher.

1837  Förster Simmer, Henning (Oberschönau)

1865  Revierförster Lipsyus aus Steinau

1873  Herzoglicher Oberförster Wilharm

 

In den Turmknopfurkunden werden noch erwähnt:

1792: Der fürstliche Landrat Herr Christian von Eschwege zur Aue,

 Johann Ernst Holland Moritz, Schultheiß zu Rotterode,

Valentin Mangold, Schultheiß zu Altersbach,

 Christian Stübing, Schultheiß zu Unterschönau,

1837: Landrat ist Plitt, Kreis­sekretär ist Renner.

1848: Wagener

 

Nach dem Tod des Herrn Rats Wisenbächer in Schmalkalden hat der Herr Rentmeister Wal­denberger die Justiz bis dahin allein verwaltet. Nach Pfingsten 1731 ist der Herr von Fran­ckenberg als geheimer Legationsrat und Oberamtmann von unserem allergnädigsten König Landesfürsten und Herrn dahin gesetzt worden.

 

Um 1800  gab es neben dem Zwölferstuhl  noch zwei Vorsteher („Dorfmeister“), die Einnahmen und Ausgaben berechnen, einen Kämmerer, der das Bierbrauen berechnet, zwei Fleischschätzer und Brotwäger, eine Braumeister, einen Brauknecht, einen Marktmeister und einen Baumeister, der die Aufsicht hat über die Gemeindegebäude und die sieben aus dem Arzberg eingeleiteten Brunnen.

 

Von 1724 bis 1737 sind noch zusätzliche Gemeindeämter aufgezeichnet:

 

Jahr

Rechnungsführer

Fleischschätzer

Brotwieger

Marktmeister

1665

 

Volker Häfner

 

 

1678

 

 

Hans Ritzmann, Wiegemeister

1697

Johann Holland-Moritz Klein, Johann Caspar Holland, Kann­gießer

 

 

1724

Johannes Eck (Hufschmied in Untersteinbach), Johann George Usbeck (Schlosser in Obersteinbach)

Johann Georg Pfannschmidt (Zainer in Obersteinbach), Johann George Ritzmann (Schlosser in Untersteinbach)

 

 

1725

 

Paul Usbeck

 

 

1726

Christoph König

Heinrich Otto Eck

 

 

1727

Matthäus Häfner

Paul Wahl

 

Johann Balthasar Abesser

1728

Johannes Wahl

Valtin Heß

 

 

1729

 

Valtin Pabst

Hans Moritz Huhn

Hans Moritz Huhn, Drechsler in Obersteinbach

 

1730

Johannes Häfner

Johann Adam Roth

Johann Adam Roth

 

1731

Jakob König

Johannes Holland

 

 

1732

 

Valtin Holland

Christoph Hoffmann

Christoph Häfner

Balthasar Elias Brandt

1733

Wilhelm Reinhardt

Hans Georg Weber

 

 

1734

 

Christoph Köllmann

 

Thomas Hofmann

 

1735

 

Heinrich Rot­hämel, Georg Häfner, Valtin Holland-Letz

 

 

Johannes Usbeck

Klaus

Wilhelm 

1736

 

Jacob Holland-Dick

Johann Georg Dietzel

 

 

1737

 

Hans Christoph Pfannschmidt

Wolfgang Rothämel

 

Michael

Holland-Merten

1757

Johannes Häfner   

 

 

 

1758

 

Georg Ernst Letz 

 

 

1759

 

Simon König

Simon König

Georg Nothnagel

1761

 

Matthäus Häfner,

Kaspar Kehr

 

 

1762

 

Kaspar Kehr

 

Johannes Keyser

1792

Kastenmeister Peter Wilhelm sen., ebenso Bauaufseher und Rechnungsführer für den Kirchenbau

 

 

 

 

Der Rechnungsführer Peter Köllmann, Fuhrmann in Untersteinbach, lehnte 1729 die Aufgabe aber ab mit der Begründung, ohne Ruin seiner Familie dieses Amt nicht verwalten zu können. Deshalb wurde Meister Valtin Pabst, Maurermeister in Untersteinbach, angenommen. Das Amt des Rechnungsführers war wohl nicht so sehr beliebt, weil man dann auch Geld eintreiben mußte für die Gemeinde, und wenn das nicht gelang, dann mußte der Rechnungsführer die fehlende Summe drauflegen.

Der gleiche Vorgang ergab sich 1735: Am 14. Oktober 1735 war der Rechnungsführer Heinrich Rothämel der jüngere gestorben. An seiner Stelle wurde Meister Georg Häfner, Nagelschmied auf dem Erbstal, ausgewählt. Weil er das Amt aber abgeschlagen hat, kam Meister Valtin Holland-Letz, auch Nagelschmied in Obersteinbach, an die Stelle.

 

Lebensweise

Ein Blick in die Walddörfer und ihre nächste Umgebung zeigt trotz des natürlichen Reichtums des Landes die Armut der arbeitenden Bevölkerung. Die Häuser der Waldleute, durchweg von Holz erbaut und mit Schindeln gedeckt, konzentrieren sich an einigen Stellen, an denen sich das Tal verbreiterte und seitliche Ausläufer ausschickte. Sie waren einstöckig und oft nur zum Gebrauch für eine Familie bestimmt. Stattlicher präsentierten sich die Eisenhämmer, Mahl- und Schneidemühlen, die an der Hasel oder an extra angelegten Hammergräben lagen.

Die Berge und Wälder gaben den hier Lebenden alles, was sie zum Leben brauchten, wobei das eisenverarbeitende und das holzverarbeitende Handwerk das Erwerbsleben des ganzen Dorfes bestimmte. Durch den Verkauf der Erzeugnisse dieser beiden Handwerke auf den benachbarten Märkten wurden die Produkte erworben, die zur Erhaltung der menschlichen Arbeitskraft notwendig waren.

 

 

Köhlerhütte

 

Der Wald lieferte das Holz zum Bau ihrer Häuser und Brennholz für den Winter. Die Sträucher, Wiesen und Triften gaben dem Vieh im Sommer die Weide. Im Wald verdienten sich die Holzfäller und Köhler ihren Taglohn, durch die Bearbeitung der Produkte des Waldes und der Berge erwarben sich die Handwerker ihren Unterhalt.

Trotz der Bedrückungen durch die Landesherren war das Leben in den Dörfern des Steinbacher Grundes sehr geschäftig. Von fast allen Bergen und Hängen stieg Rauch aus den Meilern und Gruben der Köhler empor. Hier im Wald hantierte eine große Schar rußiger Männer, fällte Holz und schaffte es auf die Lichtungen, wo ihre primitiven Hütten standen. Holzfäller und Blochhauer waren eifrig damit beschäftigt, Stämme zu fällen und sie zum Transport ins Tal zuzuhauen und zu schneiden. In den Fichtenwaldungen am Rennsteig arbeiteten die Harzer, die die Bäume anlachten und Harz abnahmen, das sodann zu Pech und Kienruß verarbeitet wurde.

Am Arzberg und am weiter entfernt liegenden Ringberg erhoben sich die Halden einer ganzen Menge von Bergwerken und in ihrer Nachbarschaft die primitiven Hütten zur Beherbergung der Bergleute. In den Schluchten und Hohlen, die aus dem Wald herausführten, knarrten die Räder der Fuhrwerke, die aus dem Wald Werkholz in die Schneidmühlen, Feuerholz in die Dörfer, Kohlen und Erz in die Hämmer und Schmelzhütten brachten. Im Dorf selbst kreischten die Sägen und Schneidmühlen, klapperten die Räder der Mahlmühlen, tönten in den Eisenhämmern und Dorfschmieden die Schläge der schweren und leichten Hämmer.

 

 

Markt

Wie das kärgliche Leben in den Bergen früher war, kann man aus einem Schreiben der Gemeinde vom Jahre 1565 erfahren: „Es ist die Woche lang wenig Geld im Dorf, sondern auf den Sonnabend fahren Hammerschmiede, Dielschneider mit ihrer Ware gen Schmalkalden zum Markt, von den zwei Handwerken muß sich ein ganzes Dorf nähren als Bergleute, Licht- und Meilerköhler, Schmiedeknechte in den Hämmern, Hufschmiede, Blochhauer, Holzhauer, Dielschneidersknechte. Das ist unser Handel und Nahrung zu Steinbach.“

 

Zunächst hatte die Landesherrschaft nur einen Markt am Sonntag gestattet, einen Markt für die Bergleute, Köhler und Holzarbeiter des Amtes. Dieser wöchentliche Verkauf wurde von den anderen Dörfern und vor allem von den Schmalkaldern als ,,Bettelmarkt“ verspottet. Der Grund lag wohl in den geringen Waren, die auf dem Markt angeboten wurden. Aber die Einwohner brauchten den Markt notwendig für die Deckung der einfachen Lebensbedürfnisse und für die Erhaltung ihrer Arbeitskraft. Er fand ursprünglich vor der Kirche statt, mußte dann aber 1565 nach Obersteinbach verlegt werden.

 

Am 1. Juni 1669 verlieh die damalige Landesherrin Hedwig Sophie der Gemeinde Steinbach unter Hallenberg zwei Jahrmärkte, von denen einer Montag vor Pfingsten und der zweite Montag nach dem Kirchweihfest abgehalten wurde. Volker Wahl meint, der Preis dafür sei jedoch die Einführung der reformierten Konfession in Steinbach-Hallenberg gewesen, aber diese wäre sowieso gekommen.

 

 

Markt

 

Gegen die Entrichtung von Zoll- und Wegegeld war zur genannten Zeit jedermann im Kaufen und Verkaufen zugelassen. Marktgerechtigkeit sowie Brau- und Schankgerechtigkeit waren wichtige Voraussetzungen für die Befriedigung der Lebensbedürfnisse der Bevölkerung. Ein dritter Jahrmarkt folgte 1855 am Montag der letzten Woche vor Weihnachten. Steinbach-Hallenberg war jetzt Marktflecken.

Sonnabends fuhren die Meister nach Schmalkalden, um dort die in der Woche hergestellten Waren zu verkaufen. Spät abends traten sie wieder ihren Rückweg ins Dorf an, um am Sonntagfrüh die Gesellen und Knechte für die vergangene Woche zu entlohnen. Mit dem geringen Erlös ihrer Arbeit suchten diese danach den Bettelmarkt auf, wo sie Korn, Brot, Fleisch, Butter, Käse, Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Flickleder kaufen konnten.

 

Marktbude

 

Der Markt fand ursprünglich vor der Kirche statt. Im Laufe der Zeit wirkte sich der Verkauf vor der Kirche störend auf den sonntäglichen Kirchgang aus, da die Bewohner während der Predigt vor der Kirche bei den Waren stehen blieben. Auf Verlangen des Pfarrers mußte der Markt 1565 verlegt in das Oberdorf verlegt werden. Das bewirkte aber, daß viele Leute erst gar nicht zur Kirche kamen. Daher wurde von dem Amtmann eine Ordnung aufgerichtet, nach der gestraft wurde, wer während der Predigt den Markt besuchte.

Die Marktordnung ist uns selbst nicht überliefert. Sie sah aber vor, daß ein Fähnlein mit dem gräflich-hennebergischen Wappen den Kauf und Verkauf anzeigen sollte. Frühmorgens wurde das Fähnlein aufgesteckt, jedoch während der Predigt weggenommen und der Verkauf unterbrochen.

Die Verlegung des Bettelmarktes in das Oberdorf rief 1565 auch den Schmalkalder Stadtrat auf den Plan, der darin eine Beeinträchtigung seiner Marktrechte sah. Er forderte daraufhin, die Aufhebung des Marktes. In einem Gegenbericht wehrten sich die Steinbacher gegen die unberechtigten Angriffe des Schmalkalder Stadtrates und versicherten dem Henneberger Grafen, daß keine Waren auf dem Markt kämen, womit sie die Schmalkalder in ihrem Marktrecht schädigen könnten. Der Graf gab den Steinbachern recht, so daß sie ihren Markt für die Berg- und Hüttenleute auch weiterhin abhalten konnten.

Einen eigentlichen Jahrmarkt gab es erst seit dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts. Am 1. Juni 1669 verlieh die damalige Landesherrin der Gemeinde Steinbach unter Hallenberg zwei Jahrmärkte, von denen einer Montag vor Pfingsten und der zweite Montag nach dem Kirchweihfest abgehalten wurde. Gegen die gebührliche Zoll- und Wegegeldentrichtung war zur genannten Zeit jedermann im Kaufen und Verkaufen zugelassen.

Für jeden Markt hatte die Gemeinde jährlich vier Gulden zu entrichten. Die Vorsteher und Zwölfer hatten das Nachbargeld zu erheben und jedermann gegen „gebührliche Zoll- und Wegegeldentrichtung“ zur genannten Zeit im Kaufen und Verkaufen zuzulassen. Ein dritter Jahrmarkt folgte 1855 am Montag der letzten Woche vor Weihnachten. Steinbach-Hallenberg war jetzt Marktflecken (weitere Bilder zum Markt in der Datei „Kirchengemeinde“).

 

Wegen des Verkaufs auswärtiger Waren gab es 1801 einen Streit: Die Schmalkalder Kauf- und Handelsleute hatten durch eine Verfügung der fürstlichen Regierung erwirkt, daß alle Handelsleute in Steinbach, Brotterode und überhaupt auf dem Lande keine fremden Waren verkaufen und sie aus fremden Landen herbeischaffen dürfen. Vielmehr solle jeder Krämer seine Waren in der Stadt Schmalkalden, bei den Krämern und Kaufleuten kaufen und hier und da wieder verkaufen. „Deshalb waren wir genötigt, eine Bittschrift an die fürstliche Kanzlei in Kassel einzusenden, weil wir hier in Steinbach im Amt Hallenberg keine Gemeinschaft mit der Stadt Schmalkalden haben“. Es wurde auch vorgetragen, daß Leute hier in Steinbach wohnen, die öffentliche Messen und Jahrmärkte in fremden Landen besuchen.

Beschwert hatten sich außer Schultheiß Reinhard die Kaufleute, Georg Wilhelm Bühner, Matthäus Menz und Kollegen über verschiedene Einschränkungen ihres Handels und gebeten, es bei der bisherigen Regelung zu belassen. Auf Befehl der Regierung in Kassel vom 2. Oktober 1801 wurde ihnen mitgeteilt, daß es bei dem Verbot an die Kaufleute in der Herrschaft Schmalkalden bleibt, ausländischen Waren, die zu ihrem Handel nicht gehören, einzuführen und diese an die Fabrikanten zu überlassen -  ausgenommen, wenn sie zu ihrem eigenen Bedarf bestimmt sind. Es muß damit sein Bewenden haben, jedoch die Kaufleute in Steinbach sollen nicht genötigt werden, ihre Ware von den Kaufleuten in der Stadt Schmalkalden zu nehmen (Das ist bis heute so geblieben, daß die Steinbacher „keine Gemeinschaft“ mit den Schmalkaldern haben).

Wetter 1634 bis 1684

1634: Die Obst- und Kirschbäume haben überaus schön und recht stark geblüht.

1639: Am 18. Mai - und vorher schon am 12. April - hat es die Nacht über fast gefroren.

1677: In der Nacht des 23. April hat sich ein schrecklicher Wind gleich einem Erdbeben erhoben. Er hat samt starkem Regen in der Nacht fort gewütet und in Wäldern und auch an Häusern und Dächern gewaltigen Schaden verursacht. Schindeln wurden abgehoben und auf den Straßen herum bis in den Kirchberg verweht. Insbesondere ist dadurch das Kirchendach sehr beschädigt worden, auch Fenster und Orgelpfeife, und der Knopf samt dem Hahn wurde herunter geworfen und ist zerbrochen.

1684: Es ist ein überaus dürrer Sommer gewesen, davon die Leute noch lange Zeit zu erzählen wissen. Er ist so heftig gewesen, daß auch Tambach damals bis auf zwei Häuser abgebrannt ist.

 

 

Dreißigjähriger Krieg

Die Kriegswirren des Dreißigjährigen Krieges drückten dem Leben in den Dörfern bis ins 18. und 19. Jahrhundert hinein einen fühlbaren Stempel der Not auf. Von den 156 Häusern, die 1611 in Ober- und Untersteinbach standen, wurden im Verlauf der nun folgenden Jahrzehnte viele heruntergebrannt.

Im Jahre 1621 ist eine Armee über den Thüringer Wald gezogen nach Schmalkalden. Dabei ist eine Truppe nach Steinbach gekommen und hat die Gemeindebraupfanne weggenommen und nach Schmalkalden verkauft.

Am 8. und 9. Mai 1624 ist Steinbach durch die kaiserlichen Reiter, die damals in Schmalkalden und im Hessenland einquartiert waren, nach Trompetenstößen feindlich und mit Ernst angegriffen worden. Da haben sich die Steinbacher wegen Leib- und Lebensgefahr zur Ge­genwehr stellen müssen. Durch Gottes Hilfe haben sie zwei starke Kompagnien wieder vertrieben. Aber aus Rache legten sie das Dorf Herges in Asche und vier Personen wurden erschossen, nämlich Balthasar Bischof, Klaus Voler, Hans Buchner und Hans Funk. Auch wurde der Schmalkalder Bürger Christoph Bindriemen und auch sonst viele Personen beschädigt.

 

Um den 11. November 1627 herum ist der Oberst Schönberger mit seiner Reiterei durch Steinbach gezogen und sie haben sich eine Nacht lang dort niedergelassen. Sie haben übel gehaust und geplündert und haben alles, was ihnen gefallen hat, an sich genommen und mitgenommen. Der Schaden ist mit 3000 Gulden nicht zu bezahlen. Vom 28. bis 30. Juli 1627 war der Oberst Blaurer von Wartensen mit seinem Fuß-Regiment in Steinbach einquartiert. Die Unkosten betrugen an die 1000 Gulden. Am 31. Juli sind sie wieder über den (Thüringer) Wald gezogen.

An Neujahr 1628 ist der Oberst Wahl und nach ihm Oberst Saliß mit seinem Regiment in Schmalkalden und in ganz Hessen ins Winterquartier eingezogen. Sie waren dreieinhalb Jahre dort einquartiert. Steinbach hat wöchentlich 6 Groschen – bisweilen auch mehr - pro hundert Gulden Kapital als Kriegssteuer zahlen müssen, so daß ordentlich und außerordentlich über 3.000 Gulden draufgegangen sind.

Am Abend des 5. März 1629 ist der Oberst Jacob Brock von Bodensee in Steinbach angekommen und hat die Nacht über mit 150 Fußsoldaten dort geschlafen. Die Musketiere und einige Offizieren des Obersten Saliß sind von Schmalkalden gekommen und haben sie fortreiben wollen. Es ist aber völlige Nacht gewesen, so daß sie beide im Ort blieben und an die 60 Gulden Unkosten verursacht haben.

Am 4. Januar 1631 sind der Oberst Schlammersdorfer und der Leutnant Nikolaus Chemnitz mit dem Stab und mit drei Kompanien Fußsoldaten nach Steinbach gekommen und waren fünf Tage hier einquartiert.

Am 1. Februar 1631 ist Oberst Calenberg mit dem Stab und zwei Kompanien in die Stadt Schmalkalden gekommen. Er hat 1500 Taler Werbegelder gefordert und auch herausgepreßt und dort seine (Soldaten-) Werbung gehalten. Der Junker Saalfeldt ist in Steinbach einquartiert worden, man hat ihm Kriegssteuer zahlen müssen.

Am 8. März 1631 sind Oberst Finnlander und Oberstleutnant Württemberger mit drei Kompanien Fußsoldaten in Steinbach angekommen und waren bis auf den 11. hier einquartiert und haben übel gehaust.

Am gleichen Tag sind Oberst Rieß und Oberst Farbus mit zwei Regimentern hierher gekommen und haben der Oberstleutnant Württemberg vertrieben. Es sind 15 und 16 Musketiere in ein Haus einquartiert worden. Hierauf den 11. März ist der Oberst Rieß mit seinem ganzen Regiment nach Steinbach gekommen. Sie waren eine Nacht hier untergebracht, es sind in manchem Haus 20 Mann einquartiert worden. Sie haben übel gehaust.

 

Vom 13. bis 15. Juni 1631 waren vier Kompanien zu Roß unter dem Kommando des Obersten Schlammersdorff einquartiert. Sie haben sehr übel gehaust und im herrschaftlichen Amtshaus die Sachen abgenommen und auf Pferdewagen geladen. Es sind über 1500 Gulden an Unkosten draufgegangen.

Sie haben ein Pferd des Stangenschmieds Mathias Reinhard und ein Pferd Paul Steubes, die über die 100 Taler wert waren, zum Zwecke des Vorspannens zurückbehalten, obwohl sie versprochen hatten, die Pferde wieder zurückzugeben. Auf ihr Verlangen hat man 20 Taler bis nach Oberstadt (südwestlich von Suhl) nachschicken müssen, damit sie die Pferde wieder zurückgeben. Sie haben aber Geld und Pferde behalten und die Boten übel geschlagen.

Vom 31. Oktober bis 6. Dezember 1631 war der hennebergische Ausschuß einquartiert. Georg Keßler war Leutnant, Kaspar Armknecht von Themar war Feldwebel, Philipp Hermenfeldt war Unterfeldwebel, Hans Hartung war Führer (auch von Themar), dazu ein Korporal von Meiningen samt einer Kompanie Musketiere, beide je 100 Mann stark. Sie haben sich aber fast wie ein Feind gar übel verhalten. Die Unkosten betrugen laut genauerer Aufstellung 536 Gulden 6 Groschen ohne das, was sie abgenommen haben (Der Ausschuß war die halbmilitärische Landmiliz, für die jeder Ort einige Männer zu stellen hatte).

 

Am Abend des 29. September 1631 ist der König von in Schweden mit seiner Armee über den (Thüringer) Wald gegangen, wie man sich erzählt mit 24.000 Mann. Davon sind ungefähr 15 Reiter hierher gekommen und haben Quartierzettel schreiben lassen. Sie sind aber in Altersbach und Rotterode geblieben und haben niemand Schaden zugefügt, nur etwas Wein und Bier hat man ihnen geben müssen (Quartierzettel waren wichtig für die Abrechnung der Unkosten, die dann der Staat zu tragen hatte).

Am 1. Sonntag im Advent 1631 war Oberst Wollingshauen mit dem Stab und vier Kompanien drei Tage und Nächte hier einquartiert, es sind Kurländer gewesen.

 

Am 11. Januar 1633 hat sich der Rittmeister Farbich in die Stadt Schmalkalden einquartiert, dem man von damals bis zum 15. Mai hat 738 Taler 5 Groschen 3 Pfennige als Kriegssteuer zahlen müssen. Am 13. Juni 1633 ist Oberstleutnant Alexander Forbus mit seiner Schwadron Fußvolk in Steinbach ankommen. Steinbach und die umliegenden Ortschaften haben ihn bis zum 30. des Monats versorgen müssen.

Im Jahr 1634 sind die Kroaten eingefallen und haben übel gehaust, gebrannt, gesengt, geplündert und andere böse Tücke und Stücke getrieben. „Gott verhüte, daß nicht in diesem oder folgenden Jahr die Franzosen, die acht Meilen von Frankfurt stehen, hier das Gleiche tun!“ schreibt der Chronist.

Steinbach wurde vor allem gegen Ende des Krieges von Kriegshandlungen heimgesucht. Vom 5. Juni 1636 bis zum 20. Juli 1637 sind Kriegslasten für die Schweden angefallen in Höhe von 1.045 Taler 26 Groschen 6 Pfennige. Im vierten Band des Gerichtsbuchs ist ausführlich beschrieben, wer dieses Geld bekommen hat und was man für diese Leistung hat beschaffen müssen (Hafer, Heu, Stroh, Brot, Bier, Käse, usw.).

Aber auch für die kaiserlichen Soldaten ist viel in diesem Jahr aufgewendet worden. In dem erwähnten Buch ist auch zu finden, was draufgegangen ist für das Kriegsvolk des Landgrafen Georg zu Roß und zu Fuß, das in Steinbach und in der Stadt Schmalkalden zum Schutz gelegen hat, nämlich 717 Taler.

Am 16. Juli 1637 ist ein Trompeter in die Stadt Schmalkalden gekommen und hat sich als Engel ausgegeben, hat auch von künftigen verborgenen Sachen geredet und weissagen wollen.

Am 18. Juni 1638 ist ein kaiserlicher Oberstwachtmeister nach Steinbach gekommen. Man mit sich mit ihm wegen des Quartiers einigen wollen. Weil er aber zu viel von dem Dorf Obersteinbach gefordert hat, ist diese Einigung hinfällig geworden, weil der erwähnte Oberstwachtmeister wollte, daß in der Nacht die ganzen Truppen hierher befohlen werden.

Am 19. Juni ist mit ihm verhandelt worden, daß das Dorf Obersteinbach ihm in der Zeit der Einquartierung wöchentlich 25 Taler geben wolle. Dafür hat er versprochen, dieses Dorf von aller Einquartierung und von allen Reitern, die ins Dorf kommen und wieder abziehen und anderen groben Erschwernissen unbelastet zu lassen. Er hat es aber nicht länger als eine Woche gehalten: Entgegen der mündlich und schriftlich verfaßten und mit Handschlag bekräftigten Vereinbarung hat er am Sonntag Sexagesimä, dem 28. Januar, nicht allein die eigenen Reiter, sondern auch die von anderen Kompanien in Obersteinbach einquartiert. Sie haben gewalttätig an den dortigen Untertanen gehandelt, unchristliche und sich nicht gehörende, unerhörte und feindliche Erpressungen von Geld vorgenommen, ebenso haben aber auch andere hohe und untere Offiziere und gewöhnliche Soldaten getan.

 

Am 13. März 1638 hat der Schmalkalder Ausschuß samt 30 angeworbenen Darmstädtischen Musketieren antreten müssen, weil die kaiserlichen Soldaten über den (Thüringer) Wald marschiert waren. Gegen Abend ist der Regimentsquartiermeister hierher gekommen und hat 100 Taler als Restzahlung verlangt, er ist aber bald wieder fortgegangen, weil man ihm nichts schuldig war.

Am 8. Juni 1639 sind zwei Kompanien Kroaten mit an die 150 Mann abends um 4 Uhr nach Steinbach gekommen. Sie hatten zuvor von Herrn Kommissar Fuß in Schweinfurt den Befehl bekommen, in der Stadt Schmalkalden ihr Quartier zu nehmen, aber die in Schmalkalden vorhandene Schutztruppe des Kaisers hatte diesen Befehl aufgehoben. So haben sie in Steinbach Quartier verlangt.

Aber weil hier der Schmalkalder Ausschuß mit etwa 50 Musketieren hier war, ist ihnen das Quartier abgeschlagen worden. Man hat sich jedoch mit ihnen geeinigt, Verpflegung ins Quartier nach Herges und Viernau zu schicken. Sie haben sich darauf umgewendet in Richtung auf dieses Quartier, haben dann aber doch wieder kurz gewendet und entgegen der Abmachung Untersteinbach angegriffen und beschossen. Der Ausschuß, der wenig Pulver und Bleikugeln gehabt hatte, ist ausgerissen. So haben die Kroaten Untersteinbach geplündert und danach Ober- und Untersteinbach in Brand gesteckt. Dabei sind an die 20 Gebäude abgebrannt. Es sind auch zwei Ausschußmitglieder - einer von Altersbach und ein Mann von Schwarza - umgekommen, auf der Seite der Kroaten ein Rittmeister. Neun Häuser und sechs Scheunen wurden in Brand gesteckt. Am 4. November 1639 sind von der fürstlichen Frau Witwe zu Kassel an die 150 Musketiere zum Schutz in der Stadt Schmalkalden einquartiert worden.

 

Am 21. Dezember 1639 ist der Quartiermeister Bartholomäus Duncker nach Steinbach gekommen und hat für Rittmeister Wigmanns Kompanie ein Quartier begehrt für 80 Pferde. Weil die Kompanie aber nicht so bald gekommen ist, hat man sich mit dem Quartiermeister geeinigt, ihm seine Verpflegung und alle Tage zehn Taler zu geben. Aber während man noch die Quartierzettel schrieb, ist das Unterdorf von acht Reitern geplündert worden. Doch am 23. dieses Monats ist Quartiermeister Cornelius Kauffmann von Rittmeister Zwickers Kompanie gekommen, hat die Absprache aufgehoben und die Kompanie in Steinbach einquartiert. Die Kompanie ist am 24. dieses Monats am Christtag hier gekommen, als man in die Kirche hat gehen sollen. Sie waren bis zum 2. Januar 1640 einquartiert und sind dann an diesem Tag fortgezogen.

 

Am 6. Juni 1640 ist der schwedische Oberst Pfuel mit einer starken Vorhut über den (Thüringer-) Wald nach Steinbach gekommen. Sie haben sich am Mittag im Gruppich (westlich der Hauptstraße) niedergelassen und die Tiere gefüttert.

Dann sind 200 bis 300 Mann ins Unterdorf eingefallen und haben es völlig ausgeplündert. Am Nachmittag um vier Uhr sind sie nach Schmalkalden gezogen. Dort ist die ganze Armee innerhalb von drei Tagen zusammen gekommen, über 70.000 Mann, die mit dem Anführer Bannier einige Tage in Erfurt gewesen sind. Als er dazugekommen ist - sagt man – ist die Armee in und um Schmalkalden aufgebrochen, es sollen 9.000 Wagen dabei gewesen sein.

Am 10. Juni 1640 ist eine starke Abteilung von Schmalkalden nach Steinbach gekommen und hat die ganze Herde des Obersteinbacher Viehs angetroffen - auch Ziegen und Schafe und Schweine - und mit nach Schmalkalden genommen. Am 12. Juni sind sie aufgebrochen und nach Franken gegangen. Aber am 14. dieses Monats sind sie wieder zurück gegangen nach Marksuhl (bei Eisenach). In Schmalkalden hat damals ein im Haus gebackener Laib Brot einen Taler gekostet. Man sagt, daß wohl mancher eine Kuh für einen Laib Brot hätte tauschen können.

Bald darauf haben sich beide Armeen, die kaiserliche und die schwedische, in der Gegend von Vacha im Feld niedergelassen. Die Abteilungen haben sich so stark hin und her bewegt, daß an die vier Wochen kein Mensch sich in den Dörfern hat sehen dürfen lassen. Wie weit man auch das wenige Vieh im Wald versteckt hatte, so haben sie es doch ausgemacht. Am 6. Juli haben sie das Hergeser und Bermbacher Vieh (Kühe, Ochsen und Schafe) auf dem Kol­mig und Fallbächer entdeckt, genommen und weggetrieben. Am 31. dieses Monats sind beide Armeen von Vacha und Salzungen aufgebrochen und nach Rotenburg an der Fulda marschiert.

Am 20. Juli 1640 plünderten 250 ,,marode Brüder“ den Ort Steinbach. Bei Weidebrunn aber wurde ihnen von Schmalkaldern die Beute wieder abgenommen und fünf Marodeure wurden erschossen.

 

Am 2. Januar 1641 ist ein Regiment des Oberst Rosen in Schwarza, danach am 28. ein Regiment in Benshausen und auch ein Regiment in Viernau eingefallen. In Viernau hatte man sich zu der ersten Schutztruppe noch eine weitere besorgt. Da die (fremden) Truppen in Stärke von 50 Mann nach Steinbach gekommen waren, konnten sie nichts ausrichten. Am 30. des Monats um zehn 10 Uhr ist diese Schutztruppe wieder fortgezogen wie auch die (fremden) Truppen in Viernau.

Bald sind aber zwei Quartiermeister mit drei Reitern von Benshausen nach hier gekommen und haben für zwei Kompanien Verpflegung verlangt. Während man noch mit ihnen etwa eine halbe Stunde verhandelte, sind drei starke Truppen Reiter - über die 300 Mann stark - nach Ober- und Untersteinbach gekommen. Die Einwohner haben die zwei Quartiermeister samt den drei Reitern hier und in der Schönau abgewehrt, so daß sie nichts ausgerichtet haben. Aber man hat ihnen Verpflegung mit nach Benshausen geschickt: drei Malter Hafer, ein Malter Korn, ein zweijähriges Kalb und ein noch säugendes Kalb.

Am 21. März 1641 überfiel die Meiniger Besatzung des Gilli de Hasi Steinbach und nahm alles Vieh und den Amtsschultheiß Riethmüller mit nach Meiningen

Am 9. und 10. Dezember 1641 ist Herr General Hatzfeld mit seiner Armee bei Erfurt aufgebrochen und alle sind nach Schmalkalden gezogen. Am 11. dieses Monats ist die Vorhut in Schmalkalden angekommen. Von Oberst Binau ist deshalb eine Schutztruppe nach Steinbach verlegt worden. Am 12. ist ein Trupp Reiter von 30 Pferden hierher gekommen und hat angefangen, das Unterdorf zu plündern. Sie sind durch die Einwohner vertrieben worden, aber in Herges eingefallen, ohne von der dortigen Schutztruppe Notiz zu nehmen. Sie haben Herges samt der Kirche systematisch geplündert. Alles Vieh der Gegend ist damals in Obersteinbach gewesen und die Leute sind zu Haus geblieben.

Im Jahre 1642 sind die Hatzfeldschen Abteilungen aus Meiningen fortgezogen, nachdem man einige Wochen in Steinbach vor ihnen unsicher gewesen ist, weil sie eine unzumutbare Geldforderung in Schmalkalden erhoben hatten. 

 

Am 16. Januar 1648 kamen 200 Kroaten von der Armee des Generals Holzapfel nach Steinbach und wollten Obersteinbach ausrauben. Die Leute widersetzen sich jedoch, und die Kroaten plünderten daraufhin Bermbach. Dabei kamen ihnen aber 43 schwedische Reiter auf den Hals, die die Kroaten in die Flucht schlugen: 28 wurden getötet und 30 gefangen und zusammen mit 63 Pferden nach Erfurt geführt.

Am 19. Januar 1648 rückten dann 2.000 kaiserliche Soldaten vor Steinbach. Die mit Gewehren bewaffneten Einwohner mußten sich auf die Hallenburg zurückziehen. Weil einige Soldaten erschossen worden waren, fingen die andern an zu plündern. Alle Frucht, allen Hausrat und alles geschmiedete Eisen führten sie auf Wagen weg. Valtin Zitter verlor 1.000 Taler.

Von den 156 Häusern, die 1611 in Ober- und Untersteinbach standen, wurden im Laufe der folgenden Jahrzehnte viele heruntergebrannt. Plünderungen und Erschießungen der Bewohner in den Dörfern durch die einfallenden Kriegshorden, die oft nicht wie Menschen hausten waren an der Tagesordnung. Volker Wahl zählt, daß im Dreißigjährigen Krieg der Ort mehr als 25 Mal von fremden Truppen beschwert wurde.

 

Am 14. Oktober 1648 nahm der für Land und Leute verderbliche Dreißigjährige Krieg - in welchem mutmaßlich 32.000 Menschen ums Leben gekommen sind - ein erwünschtes Ende.

In Münster und Osnabrück wird der Friede geschlossen. Am 16. Juni 1650 wurde der Friede von Osnabrück in Nürnberg auf einem Reichstag mit vortrefflichen Feierlichkeiten bestätigt und vom Kaiser des Römischen Reichs deutscher Nation, dem König von Schweden, und dem König in Frankreich unterschrieben. Die Kriegstruppen wurden nach und nach entlassen.

 

 

 

 

Weitere Ereignisse in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Am 27. Mai 1638 ist Peter Holland-Dick durch Wolfgang Hamel erschossen worden, als er im Ausschuß hat helfen müssen, den Peter Reif dingfest zu machen. Dieser Peter Reif wurde am Tag danach nach Schmalkalden geführt und gefangen genommen. Bald danach wurde er nach Meiningen geführt, dort verurteilt und gehenkt.

Am 22. August 1639 hat Ernst Rothämel, ein unverheirateter junger Mann, wegen Streits um die (Kriegs-) Steuer Matthäus Hemmling erstochen.

Am 10. Januar 1640 ist ein Mensch von Ebertshausen (in E. geboren) hier in Steinbach bei der Rasenmühle (an der Grenze nach Herges) erfroren.

Am 19. Januar 1641 ist das Haus Valtin Wilhelms unerwartet abgebrannt, das Oberteil bis auf das Unterstockwerk

Am 18. Februar 1641 ist Justus Schmidt in Obersteinbach gestorben und am 19. Februar ehrlich in die Erde bestattet worden. Er hat in seinem Haus einen tödlichen Sturz erlitten, ein Auge ist ihm aus dem Kopf gefallen. Seine Frau ist in Schmalkalden gewesen hat ihm eine Stärkung holen wollen. Als sie wieder zu Hause angekommen ist, hat sie ihn tot aufgefunden Er war 97 Jahre alt.

 

Nach dem Dreißigjährigen Krieg

Die Türken vor Wien 1683:

Johannes Avenarius schreibt 1683: „In diesem Jahr hat sich der türkische Kaiser mit einer über­aus großen und starken Armee vor die Kaiserliche Residenzstadt Wien gelagert. Er ist aber endlich nach Wochen durch Gottes Hilfe und durch den Beistand verschiedener Herrscher - besonders aber durch den Kurfürsten von Sachsen Johann Georg - davon weggeschlagen worden. In dieser Zeit sind die Christen in großer Gefahr und Angst gewesen. Sie haben fleißig und andächtig gesungen und gebetet, wie die deshalb angeordneten Gesänge und Gebete ausweisen. Gott behüte uns und unsere Nachkommen bis an den lieben jüngsten Tag vor diesem Erbfeind der Christen und ihrer Religion, und erhalte uns sein heiliges und allein seligmachendes Wort und die hochwürdigen  Sakramente, daß uns diese weder der Türke noch der Papst raube und zerstöre, und wir durch sie ewig selig werden. Amen!“ Zu dieser Zeit ist angeordnet worden, um elf Uhr auf dem hiesigen Kirchturm zu läuten, durch dieses Zeichen sollten die Leute daran erinnert werden, das Türkengebet zu beten.

 

Teuerung 1693:

Im Jahr 1683 ist eine überaus große Teuerung hier gewesen, so daß 1 Maß Korn 6 Kopfstück oder 32 Groschen, 1 Maß Gerste 20 Groschen gekostet hat. Es war Jammer und Not unter den Leuten und es sind damals wegen des Hungers verschiedene Personen von hier weggegangen. Wieder gekommen sind in diesem Jahr an die 130 Personen, von denen verschiedene an Hunger gestorben sind. Das Angebot an Arbeit war sehr stark, so daß Geld zu verdienen war, sonst würde es noch schlimmer gewesen sein. Gegen den Herbst zur Erntezeit ist 1 Maß Korn wieder mit 1 Taler bezahlt worden. Es haben sich auch viele Heuschrecken dieses Jahr hier sehen lassen.

 

Schlüssel zu den Gemeindekasten 1695:

Die damaligen Beamten in Schmalkalden wollten die Schlüssel zu den Gemeindekasten haben, in denen die Briefschaften und ihre Urkunden verwahrt liegen. Weil aber sämtliche Zwölfer nicht damit einverstanden waren, weil es gegen ihren Eid und ihre Pflicht gewesen wäre. Auch die ganze Gemeinde konnte sich nicht dazu entschließen und konnte es nicht geschehen lassen, obwohl sie gefangen nach Schmalkalden geführt werden sollten. Es wurden ihnen die Schlüssel zwar gelassen. Aber weil ihnen ihre Standhaftigkeit als eine Rebellion ausgelegt wurde, wurden sie zu 200 Taler Strafe verurteilt. Doch auf ihre Bitte ging man auf 100 Taler herunter, und jeder Einwohner mußte 9 Groschen dazu geben. Dem Zwölfer Kaspar Brehm, der mit Kaspar Hemmling damals nach Kassel geschickt worden war, wurde bei seiner Rückkehr seine Ehre und Würde genommen.

 

Schatzfund 1696:  

Am 22. Juni, zwei Tage vor dem Tag Johannes des Täufers, haben drei Mädchen in Rotterode nahe am Brauhaus an einem Steinhaufen eine Zinnkanne voll Geld gefunden ungefähr 400 Taler. Es ist auch etwas Gold dabei gewesen, lauter alte ganze Thaler und 16 Groschen-Stücke und dergleichen. Es waren die Tochter Michael Reumschüssels in Rotterode und Elisabeth, die Tochter des Naglers Hans Holland-Jopp in Obersteinbach.

 

Kranke Schafe 1697:

Kamen kranke Schafe aus Thüringen nach Rotterode und Altersbach, weil mehrere Metzger aus Franken sie dort gekauft hatten und nun und durch die Dörfer trieben. Als aber die Einwohner dessen gewahr wurden, haben sie eingegriffen, haben die Schafe und Hämmel weggenommen, geschlachtet und gegessen und auch weiter verkauft.

 

Diebstahl 1707:

In diesem Jahr ist der Nagler Valtin König in Obersteinbach (geboren in Rotterode) getrillert worden (in einen Käfig gesperrt worden, der dann schnell um eine Achse gedreht wurde). Er hatte als Angehöriger der Landmiliz (des Ausschusses) auf dem Rückweg von Kassel in Asbach (bei Schmalkalden) eine junge Gans gestohlen und mitgenommen. In Folge seiner Tat wurde er aus dem Handwerk gestoßen. Doch er hat danach beim Landgrafen in Kassel eine Bittschrift eingereicht, seine Sünde bekannt und bedauert. Die Herrschaft hat dann Befehl gegeben, ihn wieder aufzunehmen.

 

Lebensverhältnisse 1724:

In der Turmknopfurkunde von 1724 steht: „Ansonsten ist es bisher nicht zu teuer, doch eine sehr nahrlose Zeit gewesen. Die Waren der Handwerker erzielen nur einen schlechten Preis. Die Last für das Land ist sehr groß. Dazu kommt auch die Einquartierung der Hessischen Reiterei, die nun an die 15 bis 16 Jahre gewährt hat. Deshalb nimmt die Armut hier sehr überhand. Das Getreide ist in wenigen Tagen im Preis auch höher gestiegen, weil bisher während der Erntezeit in Thüringer und Franken ständig Unwetter waren. Das Maß Roggen kostet 11 Groschen, der Weizen 14 Groschen, die Gerste 6 Groschen der Hafer 5 Groschen, das Maß Bier aber 5 ½ Pfennige…. Zur Zeit ist es zwar in Europa überall friedlich und kein Krieg, doch tun sich solche Entwicklungen hervor, daß nichts Gutes zu erwarten ist. Gott erhalte uns und unseren lieben Nachkommen im Frieden und Segen um Jesu Christi willen. Gegeben Steinbach Hallenberg, den 8. August 1724.“

 

Polnischer Thronfolgekrieg 1733 bis 1738:

Der polnische König August der Starke war 1733 gestorben. Frankreich wünschte als Nachfolger Stanislaus Lesczinski, Rußland und Österreich aber wollten Augusts Sohn als August III. zum König machen. Es kam zum Krieg zwischen Österreich und Frankreich, dem Spanien beistand. In diesem Zusammenhang gab es auch Auseinandersetzungen im Bereich der Herrschaft Schmalkalden.

Am 15. Januar 1733 sind sieben Reiter von dem Leibregiment nach Steinbach gekommen, deren Pferde von den Einwohnern ein Jahr lang verpflegt werden mußte. In diesem Jahr haben die alten Vorsteher von 1727 bis 1733 ihre Dragoner-Rechnungen ins Oberamt liefern müssen, weil sie beschuldigt wurden, sie hätten zu viel eingenommen. Am 22. Sonntag nach Trinitatis ist zwischen den zwei Gottesdiensten eine Kompanie gothai­sches Fußvolk mit klingendem Spiel durch den Ort an den Rhein marschiert.

Der Krieg wurde 1738 durch den Wiener Frieden beendet. August III. blieb König von Polen, Lesczinski erhielt das Herzogtum Lothringen, Franz Stephan von Lothringen  (der Mann Maria Theresias) erhielt das Herzogtum Toskana, Neapel und Sizilien fielen an Spanien, der Kaiser erhielt Unteritalien.

 

Am 9. und 10. November 1735 hatte Steinbach zwei Kompanien oder 300 Mann preußische Soldaten im Quartier, die vom Rhein zurückkamen. Diese haben es zum Teil sehr schlimm getrieben, sie haben tüchtig gefressen und gesoffen, besonders viel Branntwein. Bei der Aufteilung war auf Steinbach an sich nur eine Kompanie – nämlich 160 Mann - gekommen, welche dann paarweise je zwei und zwei einquartiert wurden. Die übrigen Einwohner, die keine Soldaten bekommen hatten, sollten Geld geben.

Aber am Abend um 8 Uhr rückte noch eine Kompanie ein, unter dem Vorwand, sie hätten sich verirrt. Dem Vernehmen nach aber hatten sie ihr Quartiergeld verkauft. Hier war nun guter Rat teuer. Doch auf Befehl der Behörde wurden sie in beide Wirtshäuser einquartiert und mit Speis und Trank wohl versehen. Am nächsten Morgen wurden sie einquartiert, und es sind wenige Häuser gewesen, in denen keine Preußen einquartiert waren.

Ein Capitain bei Herrn Förster Zielfelder hat in zwei Tagen und zwei Nächten für Verpflegung 15 Taler verbraucht .Ein anderer aber hat bei Hans Abel Wahl in einem Tag und zwei Nächten 11 Taler verbraucht, und was er nicht verzehrt hat, das wurde mitgenommen. Über 600 Taler sind dabei draufgegangen. Diese Vorgänge sind an unsern König und von da an den König in Preußen berichtet worden. Erwähnt wurde auch ihre übles Betragen, weil sie den Leuten Verschiedenes entwendet, Geld und Leinentuch von ihnen erpreßt haben und sich auch sonst sehr unhöflich durch Verunreinigung der Betten aufgeführt haben. Dem Vernehmen nach sind die Offiziere, weil sie schlechte Ordnung gehalten haben, ziemlich bestraft worden.

In Unterschönau waren 190 Mann einquartiert. Oberschönau hat keine gehabt und hat sich mit den anderen Orten einigen und Geld geben müssen. In Brotterode haben sie den Amtsschultheißen und in Seligenthal den stellvertretenden Bürgermeister mit Namen Salzmann mitnehmen wollen. Sie sind aber durch den Förster Wachs in Trusen und Brotteroder Männer wieder befreit worden.

Die Soldaten haben eine gute Fertigkeit im Essen und Trinken gehabt, drei und auch vier Pfund Fleisch waren ihnen wie nichts. In einem Dorf in der Nähe von Roßdorf (westlich von Schmalkalden) hat einer sechs Pfund Rindfleisch und zwei Pfund Schweinefleisch gefressen, ist aber morgens im Bett tot gefunden worden. Als der Offizier ihn hat aufschneiden lassen in der Meinung, er hätte vielleicht Gift bekommen, hat sich ergeben, daß der Magen entzwei geborsten ist. Darauf hat der Offizier gesagt: „Friß, daß dir der Teufel usw.!“.

Mit der Forderung, Zugpferde zu stellen („Anspann“), haben sie es auch gar übel gemacht. Sie haben die Leute geschlagen und sogar auch mitnehmen wollen. Die Helmershäuser (westlich von Meiningen) hatten den „Verirrten“ bis hierher Vorspanndienste geleistet. Weil aber Steinbach nicht verpflichtet war, sie abzulösen, mußten sie hier bleiben und den zweiten Tag wieder anspannen bis nach Geschwenda (nordwestlich von Ilmenau).

Weil nun die armen Leute weder für sich noch für ihr Vieh irgendwelche Lebensmittel und auch kein Geld hatten, gingen sie von Haus zu Haus und bettelten Heu und Stroh für ihr Vieh, das sie auch bekamen. Auf ihrer Rückreise wurden sie hier mit ihrem Vieh auf Befehl der Obrigkeit mit Speis und Trank verpflegt.

Weil die Stadt Schmalkalden keine von diesen „Gästen“ habe wollte, lagen die Milizsoldaten 14 Tage in der Stadt und es bekam jeder täglich 2 gute Groschen 6 Pfennige. Im November ist zwischen dem deutschen Kaiser und dem König in Frankreich ein Waffenstillstand abgeschlos­sen worden und einige Monate danach ist der Frieden geschlossen worden (Ende des polnischen Erbfolgekriegs).

Am vierten Adventsonntag 1735 wollte eine Kompanie gothaischer Soldaten hier durchmarschieren. Weil sie aber keinen Erlaubnisschein hatten, sind sie von den Milizsoldaten zurück gehalten worden.

 

Soldatenaushebung 1736:

Um den 2. Februar 1736 herum ist eine große und starke Soldatenaushebung in Sachsen-Zeitz gewesen, und sind in Viernau fünf Mann ausgenommen worden, einem Mann zugleich zwei Söhne und der dritte ist vorher schon im Krieg gewesen (Viernau war ehemals hennebergisch und fiel dann an Sachsen und gehörte damals zu Sachsen-Zeitz)

Am 2. Januar 1736 sind drei kaiserliche Reiter und nach einiger Zeit auch zwei Kreis-Reiter hierher ins Winterquartier gekommen. Sie blieben einen Monat hier, einen Monat in Brotte­rode, einen Monat ihn der Vogtei, einen Monat in Oberamt. Darauf sind sie wieder hierher gekommen 8Kreistruppen sind die von den Kreisständen zu stellende Truppenverbände).

 

Vom 26. bis 28. Januar 1736 sind kursächsische Fußsoldaten hier durchmarschiert und haben sich dann niedergelassen. Eine Kompanie in Steinbach, ein Kompanie in den zwei Schönau, eine Kompanie in Altersbach und Rotterode. Sie benahmen sich besser als die Preußen, nahmen mit allem vorlieb und waren zufrieden mit dem, was man ihnen gab.

 

Wegzug zu den Soldaten 1736:

Einige Wochen vor Pfingsten 1736 ging Hans Kaspar Recknagel, Blasebalgtreter in einem Hammerwerk in Untersteinbach, nach Berlin, wo er schon einen Bruder hat. Er war schon vorher dort Soldat gewesen, war aber entflohen. Jetzt wurde er wieder Soldat. Nach Pfingsten ist er wieder von hier weg und nach Berlin gegangen, seine Frau mit ihren vier Kindern folgte ihm nach. Im Jahre 1737 kam er hierher und gab vor, er wollte hier bleiben. Er ließ sich ge­fangensetzen und schwor einen Eid, nicht wieder wegzugehen. Er bekam auch Arbeit im Hergeser Hammer, wie er es gewollt hatte.

Er hat nicht nur seinen Erbteil, sondern alles Hab und Gut seiner Mutter verpfändet. Er hat einen Eid bei seinem Leben geschworen, von hier nicht wieder wegzugehen, sondern beständig im Lande zu bleiben. Doch wider besseres Wissen und Gewissen ist er wieder und also zum drittenmal in preußische Kriegsdienste getreten und also meineidig geworden. 

Nachdem die Sache an den König berichtet wurde, hat Amtsschultheiß Justin Eckhard Zufall den erwähnten Johann Kaspar Recknagel am 31. Oktober 1737 unter öffentlichem Glockenschlag zum ersten-, zweiten- und drittenmal zum Kriminalgericht („peinliches Halsgericht“) auf den künftigen 9. Februar 1738 nach hier vorgeladen. Als Bedingung wurde genannt, er möchte in Person erscheinen oder nicht, es würde schon ergehen, was recht sein würde.

Dieses peinliche Halsgericht ist aber nicht weiter ausgeführt worden.

 

 

Weitere Ereignisse mit Soldaten:

Am 24. und 28. Juni 1736 wollten zwei Regimenter weimarische Soldaten hier durchmarschieren, wurden aber abgehalten. Nach dem Friedensschluß am Rhein (der Friede von Wien wurde aber erst 1738 geschlossen) haben die benachbarten Fürsten 1736 ihre Kriegsvölker entlassen, ihnen aber nicht viel mit auf den Weg gegeben.

Daher hat man vielmal gehört, daß die entlassenen Soldaten die Leute bedrängt haben: Sie haben ihnen zwar nichts an Leib und Leben getan, aber sie haben ihnen abgenommen, was sie hatten.

Am 28. Juli 1736 ist eine fremde Frau, die von den preußischen Werbern Briefe gehabt und nach Floh und Seligenthal hat tragen sollen, auf dem Neuen Hof (oberhalb von Rotterode) von unseren Milizsoldaten ertappt worden, in Schmalkalden inhaftiert und nach einigen Tagen durch den Scharfrichter ausgepeitscht worden. An ihrem Kopf vorne an der Stirn waren auf einem Zettel diese Worte angeheftet: „Preußische Briefträgerin“.

Im September 1736 kamen 8 Reiter vom Leibregiment wieder hierher ins Quartier, obwohl das vierte Jahr (in dem die Gemeinde noch verschont werden sollte) noch nicht völlig vorbei war. Ob sie aber wenn ihre Zeit - nämlich ein Jahr - abgelaufen ist, wieder abmarschieren werden, wird die Zeit lehren. Am 28. September 1737 sind die Reiter vom Leibregiment, die ein Jahr hier einquartiert waren, wieder abmarschiert.

Am 8. November 1737 hat Meister Valtin Holland-Moritz, der derzeitige Vorsteher im Beisein sämtlicher Zwölfer und vieler Einwohner die Rechnung über die Einquartierung der Reiter vorgelegt; sie ist auch für richtig befunden worden.

 

 

Blick zum Arzberg

 

 

Siebenjähriger Krieg 1756 bis 1763

Zu diesem Krieg ist in der Chronik Avenarius vermerkt: „Im Jahre 1756 hat der Deutsche Kaiser mit seiner Gemahlin, Königin von Ungarn und Böhmen, ein Bündnis  geschlossen mit dem König von Frankreich; das ist noch niemals in einigen Jahrhunderten geschehen!“

(Deutscher Kaiser war damals Karl VII. Im österreichischen Erbfolgekrieg war Österreich noch mit England verbündet und Frankreich stand auf der Seite Preußens. Im Siebenjährigen Krieg aber schlossen England und Preußen 1756 das Bündnis von Westminster, das die Neutralität Norddeutschlands (und damit des mit England verbundenen Hannover) sichern sollte. Andererseits gelang es Österreich, das zögernde Frankreich auf seine Seite zu ziehen, weil jetzt Preußen als der stärkste Gegner galt, Rußland und Schweden schlossen sich an. Zu Preußen hielten nur Braunschweig, Hessen und Sachsen-Gotha.

Das Land Württemberg, das im Folgenden oft erwähnt wird, stand auf österreichischer Seite. Im Frieden von Hubertusburg 1763 sicherte Friedrich von Preußen dem Gemahl der Maria Theresia von Österreich, Franz Stephan von Lothringen, seine Stimme bei der Kaiserwahl zu).

 

Die Allianz-Briefe gegen den König von Preußen sind 1756 zum Vorschein gekommen, als der Deutsche  Kaiser, die Russische Kaiserin, Frankreich, Schweden und die meisten Fürsten und Kurfürsten gegen den König von Preußen Krieg angefangen haben (Dies war der Beginn des Siebenjährigen Krieges, in dem Hessen auf Seiten Preußens stand gegen Österreich, Rußland und Frankreich mit heimlicher Unterstützung von England).

 

Der Krieg wird dann bei Avenarius wieder verbunden mit ungewöhnlichen Naturereignissen: „Im Jahre 1756 sind an vielen hunderttausend Enden Erdbeben geschehen in der ganzen Welt, besonders aber in …… Sie haben sich sehr merkwürdig angesehen, ganz gewiß sind sie hoch beteuert und beschworen worden. Sie sind auch an allen Enden erstaunlich anzusehen gewesen. Ich  finde, es ist unmöglich, alles zu schreiben, doch etliche Ereignisse will melden: Die feuerspeienden Berge in Sizilien haben Tag und Nacht außerordentlich  gewütet und getobt, so daß in dieser Gegend durch die starken Flammen alle umliegenden Städte und Dörfer verzehrt worden sind. Besonders aber ist die große und weltberühmte Hauptstadt Lissabon in Portugal ganz niedergesunken, so daß einige hunderttausend Menschen ihr Leben jämmerlich haben einbüßen müssen. Alle vornehmen Städte und Dörfer in ganz Deutschland sind dadurch bewegt und erschüttert worden. An allen Orten und. Enden sind Brunnen aufgebrochen, die man noch niemals gesehen hat. Die Folgen werden sich erst zeigen, wenn der große Krieg, der das Land verdirbt, sein Ende gewinnt. Aber das sind Zeichen des Jüngsten Tages ([Das Erdbeben in Lissabon war am 1. November 1755. Es hat das Gefühl der Aufklärung, in der besten aller Welten zu leben, stark erschüttert).

 

In früheren Kriegen mußten die Truppen von der Bevölkerung versorgt werden, egal ob es die eigenen oder fremde waren („Der Krieg ernährt den Krieg“). So waren auch 1763 französische Soldaten zu verpflegen. Diese forderten gleich 169 Rationen pro Mann, so daß das Amt Schmalkalden über 54.000 Rationen aufbringen sollte, die Stadt Schmalkalden außerdem über 40.000 Rationen. Auf Steinbach-Hallenberg wären über 15.000 Rationen gefallen. Zum Glück gab es aber zweimal einen Erlaß, so daß für Steinbach nur noch 2.115 Rationen blieben.

 

1757  ist das ganze französische Kriegsheer gekommen als Hilfsvölker des deutschen Kaisers und hat in  den Ländern Hannover, ganz Hessen, Braunschweig, Lüneburg, Sachsen-Weimar-Eisenach und Sachsen-Gotha alles besetzt, greulich gewütet und Geld erpreßt von den armen Untertanen. Sie sind aber durch Gottes Hilfe alle wieder 1758 durch Prinz Ferdinand, Herzog von Braunschweig mit den verbündeten Armeen wieder zurück an Rhein und Main vertrieben worden, wie lange sie am Rhein bleiben werden, wird sich noch zeigen.

 

1757  Im Dezember hat der König in Preußen die österreichische Armee in Leuthen bei Breslau in Schlesien geschlagen. Sie war 80.000 Mann stark. Sie wurden alle zerstreut, 30.000 von ihnen wurden zu Gefangenen gemacht. Von der österreichischen Armee ist damals nichts mehr übriggeblieben als 24.000 Mann. Das ist ein Wunder Gottes.

1758  waren die kursächsischen Kreistruppen in Steinbach im Winterquartier. Sie haben die Leute sehr geplagt und auf die Evangelischen geschimpft (Kreistruppen sind die von den Kreisständen zu stellende Truppenverbände).

1758  sind wir dir Kurmainzer Truppen wieder los geworden, die uns den ganzen Winter sehr geplagt haben. 

1758  sind hier junge Burschen für den großen schweren Krieg einberufen worden, einige 60 Mann. Diese große Einberufung ist im ganzen Land geschehen, dazu einige Schützen und Jägerburschen.

1758   sind unsere hessischen und hannoverschen Truppen bei Kassel durch die Franzosen geschlagen worden….

1758 hat der König von Preußen mit 40.000 Mann die Russen, die 100.000 Mann stark waren, vollständig geschlagen und 1758 die Schweden in die südliche (?) Mark zurückgetrieben. Die große kaiserliche Armee ist samt der Reichsarmee wieder von Dresden nach Böhmen zurückgetrieben worden. Die Belagerung haben seine fünf mächtigen Feinde gegen ihn nach Ablauf eines Monats aufheben müssen und sich zurückziehen müssen. Da hat man die Hand Gottes in diesem schweren Krieg sichtbar gesehen.

 

Am 20. November 1758 sind an die 3.000 Mann Panduren und Kroaten über den Breiten Berg auf Springstille zu marschiert. Dort haben sie ihr Lager unten im Wiesengrund bei der Hechel (eine Gaststätte etwas westlich von Springstille) aufgeschlagen. Da hat ihnen alles Nötige gereichet werden müssen an Wildbret, Rindfleisch und Brot und sie haben das Feld geplündert. Früh morgens sind sie nach Asbach und Brotterode marschiert und haben auf dem Wege übel gehaust.

 

Am 20. April 1759 ist die ganze Reichsarmee samt den Kaiserlichen unter dem General von Kolb aus Schmalkalden marschiert nach dem Werragrund. Da ist die Heeresabteilung („Chor“ = Korps) der alliierten Armee unter dem Befehl des Herrn Erbprinzen von Braunschweig ankommen. Sie haben die erwähnte große Armee gänzlich zerstreut und fortgetrieben. In Meiningen und Wasungen (im Werratal) sind vier Bataillone Kur-Kölner Truppen gefangengenommen und von den Alliierten wieder zurück nach Schmalkalden und den Stiller Grund hinauf über den Breiten Berg nach Suhl und Schleusingen getrieben und verfolgt worden. In Suhl ist ein hessischer Jäger von kaiserlichen Husaren tot im Feld (?) geblieben.

 

1759  Am 27. April früh um 5 Uhr ist ein kaiserliches Husaren-Kommando hier ankommen unter dem Vorwand, sie wollten die Landmiliz auflösen, die zu dieser Zeit noch hier war und eben nach Kassel marschieren wollte, aber im Oberwirtshaus auseinander gelaufen ist. Das Kommando hat aus elf Husaren bestanden. So haben sie den Herrn Amtsschultheiß Bauer im Schlafrock mitgeschleppt und nicht eher wieder zurückgelassen, bis er endlich 65 Taler hat bezahlen lassen. Als Geißel haben sie von hier mit fortgeschleppt den hiesigen ältesten Vorsteher Michel Holland-Letz. Sie haben ihm die Hände auf den Rücken gebunden. Als das Geld ist interlegt wurde, ist er unterhalb der Rasenmühle oben am Kirchberg wieder losgemacht worden

1759  ist die ganz Landmiliz, von der nur noch wenige Leute übriggeblieben sind, unter die regulären Regimenter Soldaten verteilt worden.

 

Am 7. Juni 1759 ist eine Partei - etwa 30 Mann Husaren - nach Schmalkalden gekommen, haben ihren Marsch weiter fortgesetzt nach Floh und Struth und über den Wald. Ohne Zweifel sind es Kaiserliche gewesen, doch haben sie niemand etwas getan oder von ihnen Geld verlangt.

Einige Tage vorher hatte der Marschkommissar Hohn von Schmalkalden Befehle an alle Dörfer herausgegeben, wenn die Parteien ankämen und wollten plündern oder Geld erpressen, so sollten sich die Leute zur Wehr setzen, womit sie nur könnten. Vorher aber sollten sie nach ihren Marschbefehlen fragen, und wenn sie diese hätten, sollten sie diese passieren lassen.

Wie nun diese erwähnte Partei nach Struth und zum Nesselhof gekommen ist (am Weg von Floh nach Tambach-Dietharz) haben sich die Bauern mutig gegen sie zur Wehr gesetzt, obwohl die Husaren nichts von ihnen verlangt haben. Sie haben auf sie zugeschlagen, da haben die Husaren nach ihnen geschossen und gehauen. Dabei sind zwei Mann tot geblieben, einer von der Struth, der andere vom Nesselhof, dem dritten von Struth haben sie den Kopf zerspaltet.

Im Juni 1759 haben die Franzosen zum drittenmal Kassel wieder eingenommen und eine unerschwingliche Kriegssteuer („Kontribution“) gefordert. Am 20. Juni 1759 sind Kroaten und Panduren und Husaren 500 Mann gekommen und haben die preußischen Werber ausschalten wollen.

 

Im Jahre 1759 ist ein Kommando Husaren nach Herges und Altersbach geritten und ist in Rotterode in Stellung gegangen und hat sehr nach Verpflegung verlangt. Die zwei letzten Posten waren der Vorbote des großen Unglücks, das über die Herrschaft Schmalkalden ergangen ist, wie das folgende Ereignis zeigt: Im Jahre 1759 ist der General Kolb  mit 4000  Mann nach Schmal­kalden gezogen, hat da 100.000 Taler Brandsteuer in der ganzen Herrschaft Schmalkalden angekündigt auf Befehl des Kaisers Franz I. („Brandsteuer“ ist wohl einfach ein Name für eine neue Steuer, sie könnte damit zusammenhängen, daß man eine Abgabe für abgebrannte Häuser haben wollte). Es waren lauter Soldaten von der Reichsarmee.

 

Von da an ist eine Verteilung auf das Land gemacht worden, von 58.000 Einwohnern sind 240 Taler zu zahlen, auf die Stadt sind 41.760 Taler zugekommen. Von da an hat die gewaltige Vollstreckung angefangen bei der Stadt und beim Land. Den Reitern hat im Überfluß alles mögliche gereicht werden müssen in Form von Hafer und Heufutter samt Essen und Trinken, dazu haben sie acht Batzen Geld unter den Teller bekommen. Zur Vollstreckung waren in Steinbach 20 Mann Schwäbische Reiter gehabt aus dem württembergischen Gorlachischen Kreis-Regiment.

Nach diesem hat man Infanterie in Steinbach gehabt, und zwar 20 Mann Salzburger, Regensburger und Augsburger Musketiere. Die Offiziere, die hier einquartiert waren und Erpressungen ausgeübt haben, heißen: 1. Leutnant Serbald, 2. Fähnrich Wolf Dals, 3. Leutnant Klicker.

Von dieser unerschwinglichen Summe fielen auf Steinbach allein 6.288 Taler, die nimmer hätten bezahlt werden können, sind aber doch bezahlt worden. Alle Schultheißen und Amtsschultheiß Bauer sind nach Schmalkalden in den Arrest geführt worden und haben auf der Hauptwache gesessen. Durch großes Bitten sind sie wieder losgelassen worden.

Aber der Amtsschultheiß hat in Steinbach wieder Arrest bekommen durch sechs Mann, der ganze Stadtrat von Schmalkalden ist in Arrest gewesen. Alle herrschaftlichen Angestellten haben Arrest gehabt und erstaunlich viel Geld geben müssen. Das große Schmalkalder- und Gußeisen-Magazin in Schmalkalden ist nun zum zweiten Mal fortgeführt worden. Der Kriegskommissar Tilly hat den besten Stahlberg den Suhler Hammerwerksbesitzers verkauft. Am 23. Juli ist die große Vollstreckung wegen großer Armut wieder von Steinbach weggezogen.

 

Am 25. Juli 1759 haben die Franzosen dem ganzen Hessenland eine Kriegssteuer von 2 Millionen Talern gefordert. Gleich nach der großen kaiserlichen Vollstreckung wurde bekannt gemacht, daß auf Schmalkalden 100.000 Taler kommen. Bis zu diesem Zeitpunkt liegen aber noch die kaiserlichen Reichstruppen in der Stadt Schmalkalden und treiben noch die ersten 100.000 Taler der von ihnen verhängten Kriegssteuer ein.

Der kaiserliche Kriegskommissar Tilly hebt alle herrschaftlichen Finanzverwaltungen aus und läßt weiter in den herrschaftlichen Waldungen Holzkohle brennen, was von unseren Kohlenverwaltern verboten gewesen ist. Er läßt ferner durch die Handwerker in den Magazinen schmieden. Die Beamten müssen ihm in jeder Hinsicht unterwürfig sein. Insgesamt muß man sagen: Er haust in der Herrschaft Schmalkalden nach seinem Wohlgefallen mit zwei Bataillone Salzburger, die lagern sich unter der Stadt beim Salzwerk, zu seiner Deckung.

Den Steinbacher Amtsschultheiß hat er zum zweitenmal nach Schmalkalden auf die Hauptwacht bringen lassen. Bei Wasser und Brot hat er zwei Tage lang sitzen müssen. Er hat seine Notdurft in der Stube verrichten müssen, wenn da Not am Mann war, hat er nicht hinausgehen dürfen, sondern er mußte diesen Arrest im Gestank aushalten.

 

Am 1. August 1759 hat der Fürst Ferdinand von Braunschweig durch Gottes Hand die doppelt so große französische Armee bei Preußisch Minden (Hannoversch Münden?) vollständig geschlagen, die vorher ganz Hessen mit zwei Millionen Taler Kriegssteuer belegt hatte. Das gan­ze Hannoverland haben sie ausgeplündert. Aber jetzt hat sich das Blatt gewendet: Es sind 15.000 Tote auf dem Platz geblieben, ohne die Verwundeten, es sind auch 12.000 gefangengenommen worden. Alle Artillerie wurde erbeutet samt der Verpflegung.

Am 10. August 1759 ist wieder eine Römersteuer gefordert worden durch den kaiserlichen Kriegskommissar Tilly, zwei hohe Steuern; das beträgt hier eine große Summe.

Im Jahre 1759 sind in dem kaiserlichen Lagern vor Schmalkalden zwei Regensburger Soldaten wegen Fahnenflucht hingerichtet worden.

Am 10. September 1759 ist die Herrschafft Schmalkalden von ihrem großen Unglück wieder befreit worden, nämlich von den kaiserlichen Truppen und den Reichstruppen. Es sind Hessische Husaren gekommen von der alliierten Armee und haben die Abteilung in Barchfeld ausgeschaltet, die aus 16 Mann bestanden hat. Es sind aber zwei von unseren Husaren dabei tot geschossen worden (Die „alliierte Armee“ waren Preußen, Hessen und Braunschweiger, die Gegner Österreichs und Frankreichs). Da hat sich das Lager bei Schmalkalden beinahe halsüberkopf fortgemacht wieder auf Königshofen zu (heute: Bad Königshofen im Grabfeldgau in Franken).

 

Am 9. Februar 1760 ist auf den Abend  ein ganze Partie hessische Jäger und Husaren hier angekommen und haben in Unterschönau und hier zehn Mann mit Gewalt zu Soldaten eingezogen und  es wurden noch auf 30 Mann aufgezeichnet, die sich noch stellen sollen bei Verlust von Hab und Gut. Am gleichen Tag sind im Amt Brotterode 40 Mann eingezogen worden, im Oberamt Schmalkalden über 100 Mann, in der Vogtei Herrenbreitungen 70 Mann und in Barchfeld 50 Mann (Das ist eine seltsame Kriegsführung: Die Einwohner eines besetzten Gebietes haben die Soldaten - egal ob Freund oder Feind - aufs Beste zu verpflegen, oft auch noch darüber hinaus Geld zu zahlen, und wenn sie Pech haben, werden auch noch aus ihrer Mitte mehr oder weniger Männer zu Soldaten gezwungen).

 

Am 8. April 1760 in der Nacht um 10 Uhr haben kaiserliche Jäger und Husaren unter dem Anführer einer kleinen Abteilung Otto die Stadt Schmalkalden und ihre vornehmsten Geschäftsleute ausgeplündert. Dazu haben sie auf dem Rückweg den Stiller Grund geplündert und da alles Vieh mit fortgetrieben. Sie haben auch vier Geiseln aus der Stadt mitgenommen, nämlich Herrn Salzinspektor, Herrn Oberschulze, Herrn Stadtschulze und Herrn Rat Habicht. Sie sind aber in Suhl wieder losgekommen gegen eine Zahlung von 1.000 Talern, und das Vieh ist auch zurückgegeben worden für 80 Taler.

 

Am 22. Mai 1760 früh um 6 Uhr sind vier Württemberger Husaren hier angekommen. Vom Vorsteher haben sie Geld verlangt. Er hat ihnen auch 4 Taler gegeben. Sie sind aber nicht mit zufrieden gewesen, sondern sind hinausgegangen und haben dem Wirt Avenarius sein Pferd genommen. Der Wirt ist ihnen aber gleich nachgelaufen, jedoch in den Bach gefallen. Rund 200 Einwohner haben ihm das Pferd wieder abgejagt ([Daß 200 Einwohner in den Bach gefallen sein sollen, wie es an sich dasteht, ist wohl kaum anzunehmen).

Am 26. Juli 1760 sind 4.000 kaiserliche Truppen und Reichstruppen nach Schmalkalden gekommen unter dem kommandierenden General Licinski. Sie haben fürs Erste 6 monatliche Steuersätze von der ganzen Herrschaft Schmalkalden gefordert (gemeint ist der Faktor, mit dem die Steuersumme multipliziert wurde).

Zwei Lager wurden westlich und östlich der Stadt aufgeschlagen. Die Stad- und Landmetzger haben das Fleisch vor 6 Kreuzer das Pfund ins Lager liefern müssen, wo es doch 8 Kreuzer gekostet hat. Danach sollten noch 10. Steuersätze erhoben werden. Jedes Dorf wird die Woche anteilmäßig zwei Stück Rindvieh liefern müssen, abgesehen von dem Anteil der Metzger.

Danach haben sie auf Stadt und Land 66 Steuersätze veranschlagt. Das macht eine ungeheure Summe Geld aus, sie hätte sich belaufen auf 100.000 Taler, die gar nicht auf einmal zu zahlen gewesen wäre. Dennoch sollte sie in vier Tagen bezahlt werden. Nach der Aufteilung der Sum­me auf die Ortschaften hätte Steinbach 7.380 Taler zahlen müssen. Und dieses Geld sollte bezahlt werden in lauter Carlin zu je 7 Taler, in Dukaten zu je 3 Taler. In „dicke Tonn“ zu je 1 Taler 16 Batzen und in „Pistolen“ zu je 5 Taler.

Doch zur damaligen Zeit kostete ein Carlin je 11 Taler, ein Dukaten 5 Taler, eine „dicke Tonn“ 2 Taler 12 Batzen und eine „Pistole“ 7 Taler. Die Gesamtsumme war also in Wirklichkeit noch ein Drittel höher (Sie mußten das Geld teurer einkaufen als es ihnen nachher angerechnet wurde).

Am 10. August 1760 ist die Truppe des Licinski („das Linciuskische Chor“ = Korps) wieder abmarschiert über den (Thüringer-) Wald und hat einstweilen bei Gotha gelagert. Als Vollstreckungsoffizier war in Steinbach der Leutnant Raumhof mit 40 Mann Infanterie. Es hat ihm alles kostenlos gereicht werden müssen, dazu je Mann ein halbes Kopfstück am Tag.

 

Am 14. August 1760 ist die ganze Württemberger Armee bei Schmalkalden angekommen, etwa 12.000 Mann stark. Sie hat ihr Lager bei der Bohrmühle gehabt, von Herrn Pistors Haus den ganzen Wiesengrund hinunter bis zum Blechhammer reichend. Der Herzog von Württemberg hat die Armee selbst befehligt. Sein Hauptquartier wir im Lager oben bei der Bohrmühle in einem Zelt (Die Bohrmühle ist an der Asbacher Straße von Schmalkalden nach Asbach, der Blechhammer ist an der Näherstiller Straße in Höhe der heutigen Hochschule. Es handelt sich also um den Wiesengrund zwischen Näherstille und Asbach).

Da ist des Unheils kein Ende gewesen. Die Reiterei ist sehr stark in den Dörfern einquartiert worden. Die meiste und stärkste Einquartierung hat stattgefunden in Unter- und Oberschönau und Bermbach. Diese Dörfer sind um all ihr Heu gekommen, auch um das meiste Vieh, das haben sie geschlachtet samt dem Federvieh. Denn es hat ihnen alles kostenlos geliefert werden müssen oder das Geld dafür. Zehn Stück Rindvieh hat Steinbach an sie liefern müssen.

Von den Württembergern hat Steinbach zur Vollstreckung hier gehabt sechs Husaren, sechs Jäger zu Fuß mit einem Leutnant namens Herr von Freyde. Außer dem Rindvieh hat Steinbach 28 Schafe abliefern müssen.

In der großen Vollstreckung hat der Vorsteher Johannes Jäger wegen Tapferkeit viele Schläge bekommen von den Grenadieren zu Pferd. Wir haben dann wieder Vollstreckung gehabt unter einem Leutnant namens Herr von Waldersleben mit zehn Reitern. Jeder Soldat hat jeden Tag ein Kopfstück bekommen, der Offizier aber 5 Kopfstück.

Es war zum Erbarmen, wie in allen Orten in unserer Gegend von diesen Leuten gehaust worden ist, es ist nicht alles zu beschreiben. Viele Leute sind durch den Schrecken gestorben. Die Bermbacher Dragoner haben am hellen Tag die Steinbacher Herde Rinder und Schafe geplündert, von den Rindern zwei Stück, von den andern vier Stück. Die meisten Leute sind in Steinbach weggelaufen.

 

Am 21. August 1760 hat der Vorsteher wieder einen Befehl zur Vollstreckung aus der Stadt mitgebracht, obwohl er eben aus seinem Amt entlassen worden war. Es ist ein Wachtmeister namens Johannes Mann mit sechs Husaren hier angekommen von einer von den Württembergern neu eingerichteten sogenannten „Frei-Abteilung“. Diese hat aus allerhand Volk bestanden. Sie ist am 21. August unter einem Oberst-Wachtmeister namens Glasenap in der Stadt eingerückt und hat sich da völlig ausgestattet auf Kosten der Stadt.

Am 18. August ist die ganze Württemberger Armee aufgebrochen und über den (Thüringer-) Wald gejagt. Sie haben acht Geiseln mit sich genommen aus der Stadt von den vornehmsten Herren aus Schmalkalden wegen der großen ungeheuren Summe Geldes. Diese letzte „Freiabteilung“, der hier bei uns die Vollstreckung aufgetragen war, hat sehr übel gehaust: Der Müller Matthäus Jäger wurde geplündert und hat mit den Frauen springen müssen. Der Vorsteher Johannes Jäger und der Wirt Avenarius wurden geschlagen und alles zerworfen und sie wurden beinahe alle im Haus erschlagen. Philipp Wahls Witwe haben ein paar Mann abgeholt und sie im Wirtshaus grausam mißhandelt und beinahe tot geschlagen.

Beim Händler Pfeffer und im fürstlichen Amt haben sie ganze Nächte mit Tanzen zugebracht sind mit Übermut nach allen Frauen und Mädchen gesprungen. In Schmalkalden hat die „Freia­bteilung“ alle Tore zugehalten und die leerstehenden Häuser aufgeschlagen. Aus den Eisenhämmern hat man ihnen viele Zentner Breiteisen zufahren müssen.

Das Herzeleid ist so groß unter den Steinbachern, so daß wir nicht gewußt haben, wo aus noch ein, womit sie diese große Geldsumme bezahlen sollten. Alle Dörfer haben sich deswegen bei der Stadt verpflichten müssen. Am 24. August ist die Vollstreckung hier im Ort wieder abgezogen

Der Vorsteher Johannes Jäger hat auch 30 Meter Tuch zu neuen Säcken liefern müssen. Am 6. September ist der Rest der „Freiabteilung“ der Württemberger aus Schmalkalden wieder wegmarschiert, die uns so geplagt hat.

 

 

Am 22. September ist ein Kommando französischer Husaren aufs Neue in Schmalkalden zur Vollstreckung eingerückt, wegen der großen ungeheuren Forderung der Futterlieferung. Von Frankreich sind gefordert worden -  verteilt auf die Herrschafft Schmalkalden - je 100.000 Portionen Hafer zu  je 20 Liter und Heu zu je 20 Pfund. Und dieses französische Kommando ist in allen Dörfern zur Vollstreckung einquartiert worden und hat sehr viele Kosten verursacht.

Am 12. Dezember 1760 ist ein französischer Husarenkorporal mit vier Husaren auf Vollstreckung hier ankommen wegen der uns zu zugeteilten 6.000 Anteile. Sie sollten die Rückstände eintreiben. Es ist genau untersucht worden, ob die Vollstreckung durch die Zwölfer und Vorsteher sowie den Korporal in allen Scheunen und Häusern durchgeführt worden ist. Alles Heu, das sie angetroffen haben, mußte ohne alle Gnade stückweise aufgebunden werden. Da ist sozusagen bei Tag und Nacht Hafer und Heu geliefert worden. Alles ist genau verwaltet und alle Verpflegung in Empfang genommen worden. Auch die große ungeheure Geldsumme und Brandsteuer von vor drei Jahren ist verrechnet worden.

In Anwesenheit der Zwölfer und Vorsteher wurde alles durch den nach Steinbach geschickten Mann abgewogen, Herrn Quartiermeister Mischtereski vom Schmalkaldischen Kontingent. Da hat die Verpflegung Tag und Nacht aufgetragen und gefahren werden müssen. Da hat es erbärmlich ausgesehen bei Armen und Reichen ums arme Vieh. Da haben bis zu 60 und 70 Frondienstleistende Tag für Tag hin und her nach Schmalkalden ins Magazin tragen müssen, das die Franzosen dort haben einrichten lassen. Die Zwölferstube ist in Steinbach zu einem Hafermagazin gemacht worden.

 

Am 3. Januar 1761 sind an die 30 französische Husaren hier zur Vollstreckung gekommen wegen Verpflegung. Den anderen Tag sind sie wieder nach Schmalkalden marschiert. Es haben aber zuerst 52 Taler Vollstreckungsgebühr gereicht worden müssen.

Am 4. Juni 1761  ist ein Erlaß vom französischen General Herr Herzog von Broglio veröffentlicht worden, daß alle Fahnenflüchtigen von der alliierten Armee (also von den Preußen, Hessen, Braunschweigern) in unserem Lande sollen angezeigt werden und wer in Kriegsdiensten steht, müsse ihm gewissenhaft überliefert werden. Von allen Beamten ist laut genauer Anweisung allen jungen Leuten bei 100 Talern Strafe zu verbieten, jemanden außer Landes und zu der alliierten Armee zu gehen und sie haben sich allezeit für Frankreich bereit zu halten.

 

Am 15. Februar 1761  sind wegen der Annäherung der Preußen die französischen Husaren in Schmalkalden samt der „Frei-Abteilung“ wieder wegmarschiert und  haben den Assessor Höhn mit fortgenommen. Der Prinz Ferdinand hat damals mit der Allianzarmee die ganze französische Armee unter dem Marschall Broglie aus dem ganzen Hessenland wieder vertrieben. Auf die Gemeinde Steinbach entfielen wieder bei der Abrechnung für die Verpflegung 1.100 Taler und noch 600 Taler für die Württemberger.

Am 9. April 1761sind an die 200 Kur-Mainzer Truppen zu Fuß hier eingerückt und waren drei Tage hier einquartiert. Da hat ihnen alles kostenlos gereicht werden müssen. Als sie weggezogen sind haben über 200 Taler Bargeld an drei Offiziere gewährt werden müssen. Dazu kommt noch, was die gewöhnlichen Soldaten von den Leuten gefordert haben. Der kommandierende Offizier hat Herr Oberstwachtmeister von Faber geheißen. Randvermerk: In drei Tagen haben sie 1.000 Taler gekostet.

 

Den Sontag drauf, am 5. April, sind früh um 7 Uhr rund 120 Husaren und Reiter von der Reichsarmee in Steinbach eingerückt und haben vor dem Oberwirtshaus halt gemacht. Da hat ihnen Bargeld in Höhe von 120 Talern ausgezahlt werden müssen. Danach sind sie wieder weggezogen.

 

Am 22. Januar 1761 sind nach Steinbach aufs ganze Amt 16 Mann spanische Husaren zur Vollstreckung gekommen wegen rückständigen Heus aus der Lieferung für 1760. Die Vollstreckung hat Steinbach ganz allein aushalten müssen. Man hat es bei dem Amtsschultheißen Bauer nicht so weit bringen können, daß sie aufgeteilt wird, was jedes Dorf zu tragen hätte. Durch Schöntun bei dem Wachtmeister wurde es so weit gebracht, daß er am 1. Februar zwölf Mann auf die anderen Ortschaften verteilte. Am 6. des Monats marschierten sie wieder ab. In dieser Zeit haben sie 110 Taler gekostet, unter den Einwohnern wurden 48 1/6 Taler als Opfer erhoben.

Am 11. März hat die Gemeinde Steinbach an den damaligen Kommissar Hahn (wohl der gleiche, der bisher unter dem Namen „Hohn“  erschien) 1.016 Taler 15 Kreuzer bezahlen müssen mit der Behauptung, das Heu wäre in Schmalkalden von den Nassauischen Husaren verfüttert worden und in Hersfeld bei der Lieferung quittiert worden.

 

Am 8. Mai haben die Franzosen eine Lieferung angesetzt, wovon Steinbach ist zugeteilt worden, 1.654 einfache Rationen zu übernehmen. Sie seien in Gerste zu liefern und der Malter als 20 Rationen zu rechnen. Es wurde auch versprochen, auf 24 Gulden eine halbe „dicke Tonn“ zurückzugeben wegen des Fuhrlohns. Allein in der Lieferung ist der Malter nicht höher als 16 Rationen gerechnet worden, wie aus der Quittung hervorgeht. Und die auf je 24 Gulden versprochene „dicke Tonn“ hat Steinbach auch nicht bekommen. Ob das Geld von den Franzosen an den Kommissar Hahn bezahlt worden ist, weiß man nicht, man erwartet noch eine genaue Untersuchung (?). Als nun die Gerste mit großer Mühe und Arbeit in Gothaischen gekauft und darauf nach Steinbach geschafft worden war, kam der Befehl, innerhalb von 24 Stunden 550 Rationen Heu zu liefern anstatt der Gerste. So wurde wieder ein Schaden von 55 Talern verursacht.

Am 18. Juni kam ein Befehl von dem Assessor Hahn in das Amt, daß die Vorsteher alles Heu im Dorf genau erfassen und die genaue Liste einliefern sollen; das ist auch geschehen. Kurz darauf kam der Befehl 40 Rationen Heu zu liefern. Pro Zentner wurde ein Taler versprochen, dazu pro Zentner 1 Taler 3 Batzen Fuhrlohn. Am Johannesfest wurde das Heu aufgeladen und auf den Weg geschickt. Das Geld für das Heu ist von dem Hahn bezahlt worden, aber der Fuhrlohn bis heute nicht. Die Bauern dürften noch 40 Taler gut haben (?).

 

Am 24. Juli 1761 sind von der Herrschaft Schmalkalden und dem Gericht Barchfeld 100 volle Rationen von den Franzosen gefordert worden, es ist auch geliefert worden. Davon entfielen auf Steinbach 6.2900 Rationen an Heu. Es hat laut Regierungsbefehl nach der Ernte geliefert werden sollen. Weil diese Lieferung aber schon vorher erfolgte, mußten die Schultheißen und Vorsteher in der ganzen Herrschaft Schmalkalden bei Leib- und Lebensgefahr aus jedem Ort für Heu, Hafer und Stroh eine genaue Aufstellung von jeder Gattung übergeben, das in dem  Jahr 1761 angebaut und geerntet worden war, wie es die Regierung verlangte.

Darauf kam der Befehl, von jeder Gattung zwei Drittel Anteil zu liefern und ein Drittel Anteil zu behalten. Dieses Unglück hat uns im Heu sehr betroffen, wie oben schon geschildert. Mit dem Hafer ging es noch, weil die Aufstellung sich nicht höher als auf 27 Malter erstreckte und davon zwei Drittel zu liefern waren.

Auf Steinbach kamen dabei 18 Malter. Dabei ist es aber nicht geblieben, denn es sind auf Steinbach noch 116 Malter umgelegt worden. Das aber übertraf die Ernte weit und konnte unmöglich nach der Ernte geliefert werden. Das Strohliefern ist unterblieben. Diese ganze Verpflegung hat von hier nach Vacha (an der Werra) ins Magazin getragen und gefahren werden müssen. Der Fuhrlohn für den Zentner Heu betrug 5 Kopfstück, für den Malter Hafer 2 Gulden.

 

Am 25. Juli 1763 ist hier von Herrn Leutnant Sagderoff eine Musterung gehalten worden für das Regiment der Dragoner des Prinzen Friedrich, die in Schmalkalden einquartiert sind. Sie geschah in Abwesenheit unseres neu eingesetzten Herrn Amtsschultheißen Franz Nikolaus Kraut. Es sind zu Dragonern registriert worden:

Christian Luck (ist zum Garnisonsregiment überwiesen worden)

Peter Reumschüssel

Hans Ernst Hemmling (ist umgehend und als tüchtig angenommen worden)

Christian Reinhard

Christian Häfner

Johannes Franck

Valtin Holland-Cunz, Köhler

 

Im August ist abermals vom Herrn Oberstleutnant Hielckenbach und Herrn Leutnant Zisdeck in Abwesenheit des Steinbacher Amtsschultheißen für ein neues Garnisonsregiment eine Musterung gehalten worden und Steinbach hat 27 Mann dazu hergeben müssen (die Namen folgen).

 

 

Blick zum Arzberg

 

 

Brauwesen und Wirtshäuser

Das gräfliche Wirtshaus „Zur Hallenburgk“ stand ursprünglich am Schloßberg. Im Jahre 1583 hat der Landesherr der Gemeinde Steinbach das Wirtshaus und das Brauhaus mit allem Zubehör für 20 Gulden im Jahr pachtweise überlassen, wie es auch in den drei Jahren vorher geschehen ist. Am 29. Juni 1588 hat die Herrschaft der Gemeinde Steinbach das Recht auf ein Wirtshaus und auch Braustätte verliehen und ihnen dieses Wirtshaus für 15 Gulden Pacht auf drei Jahre überlassen. Dem Landesherrn mußte aber die Getränkesteuer davon gegeben werden.

 

Oberwirtshaus:

Nach der Verleihung des Schank- und Braurechts am 19. Juli 1595 (andere Angabe als oben) an die Gemeinde wurde und nach dem Verkauf des alten Hauses wurde es 1595 als „Oberwirtshaus“ auf Gemeindekosten neu errichtet. Es stand auf dem Platz, wo sich heute die Gaststätte „Hallenburg“ befindet (Hauptstraße 119), war aber weiter zurückgebaut.

Im Oberwirtsbaus befanden sich die „Zwölferstube“ und die Zunftstube, in der die drei Zünfte der Schlosser, Schmiede und Nagelschmiede ihre Zusammenkünfte hielten. Vor dem Haus fanden die Jahrmärkte statt.

Beide Wirtshäuser wurden zunächst gemeinsam, später aber getrennt verpachtet. Im Jahre 1629 ist dem Krämer Hans Rothämel das Wirtshaus in Steinbach mit Zustimmung der ganzen Gemeinde auf ein Jahr pachtweise überlassen worden. Zum Einstand hat er zwei große Faß Bier gegeben, von denen eines in die Stube geschoben wurde: Jeder in der Gemeinde hat daran vorbei gehen dürfen und trinken, wer da wollte, Mann und Frau, Jung und Alt, Groß und Klein.

 

Braupfanne 1643:

Am 21. Dezember 1642 ist eine Armee über den Thüringer Wald gezogen nach Schmalkalden. Ein Teil der französischen Armee ist nach Steinbach kommen und hat die GemeindeBraupfanne zerschlagen, abgebaut und nach Schmalkalden verkauft. Am 3. Februar 1643 haben die Vorsteher der Gemeinde von der Hessischen Kompanie und von dem Juden Meier einige Stücke mit einem Gewicht von zwei Zentnern zurückgekauft. Aus deren Verkauf hat man so viel Geld gelöst, daß man eine neue blecherne Pfanne davon kaufen und bezahlen konnte.

Am 9. Februar 1643 haben die Vorsteher Georg Englert und Hans Scheidler das Blech für eine Braupfanne von Christoph Münch in Brotterode gekauft, den Zentner für 6 Taler. Es sind 2 Zentner und 25 Pfund gewesen. Am 10. Februar haben die Vorsteher bei dem Schmied Veit Jung in der Aue (Aue bei Schmalkalden) die Braupfanne bestellt, für je einen Zentner sollten 9 gute Groschen Macherlohn gezahlt werden. Da die Pfanne 19 Zentner schwer war ergab sich ein Preis von 6 Taler 9 gute Groschen (es war also eher ein Braukessel als eine Braupfanne). Dem Knecht wurden 6 gute Groschen als Trinkgeld gegeben. Ein Taler wurde Valtin Merten als Fuhrlohn gegeben, um die Pfanne nach Steinbach zu fahren. Die Pfanne hat aber nicht lange Bestand gehabt. Darum ist man auf eine neue kupferne Pfanne bedacht gewesen, die Bestand haben sollte.

Darauf sind sich Zwölfer und Vorsteher im Jahre 1655 einig geworden, eine neue Pfanne machen zu lassen. Am 18. März des Jahres haben sie bei Valtin Weisheit, dem Kupferschmied in Schleusingen, eine neue Braupfanne bestellt. Für die neue Braupfanne wurden 264 Gulden und 6 gute Groschen aufgewendet (die einzelnen Posten werden genau aufgezeichnet).

 

Vergleich mit der Gemeinde Herges wegen des Bierbrauens 1665:

Am 8. März und 2. Mai und 5. Juli 1655 wurden auf der fürstlichen Kanzlei in Kassel beide Seiten  gehört, nämlich sämtliche Zwölfer, Lehnsträger und die ganze Gemeinde Steinbach  die geklagt haben gegen das Dorf Herges in gleichen Amt wegen des Bierbrauens und des Verfahrens dabei. Nach einem Vorschlag zu einem gütlichen Vergleich haben sie sich nach der erfolgten Verhandlung endlich folgendermaßen verglichen: Dem Dorf Herges soll von heute an die nächsten sechs Jahre gestattet sein, in ihrem Dorf Bier zu brauen und zu diesem Zweck ein Brauhaus zu erbauen. Sie sollen das Bier sowohl in ihrem Dorfe verkaufen oder verzapfen dürfen als auch an andere Orte außerhalb des Amts Hallenberg verkaufen 

Es gilt jedoch die Bedingung, daß die Gemeinde Herges für das Bierbrauen und den Handel damit diejenigen Lasten bezahlt und mitträgt, die die Gemeinde Steinbach dafür tragen muß: An den Fürsten und Herrn sind von jedem Eimer Bier zehn Maß zu entrichten. Außerdem hat sich das Dorf Herges nach Anzahl seiner Einwohner zu beteiligen an den zwanzig Gulden jährlichen Erbzins und auch an dem Abtrag des geliehenen Geldes, das die Gemeinde Steinbach wegen dieser Brau- und Schenkgerechtigkeit bezahlen muß. Außerdem hat Herges ebenso wie die Gemeinde Steinbach, wenn ein Kind im Dorf Herges sich verheiraten würde, ein Zuber Bier (Holzwanne mit gut 60 Liter Fassungsvermögen) frei. Wenn nach Ablauf der sechs Jahre aber, sofern in dieser Sache nichts weiter und beständig verglichen worden ist oder von der Herrschaft nicht etwas anderes verordnet worden ist, sollen beide Teile ihre vorigen Rechte wahrnehmen können.

Die Hergeser haben das dann angenommen und versprochen, dem Vereinbarten nachzukommen. Sie haben sich aber beschwert, daß sie neben der oben genannten Last auch noch bisher eine Tranksteuer zu zahlen hatten von jedem Bier, das in Herges ausgeschenkt worden ist und sie von jedem Zuber einen halben Schreckenberger entrichtet haben. Sie sind sowohl wegen der Tranksteuer als auch wegen der Bitte, mit der von ihnen abgelehnten Gebühr einen gewissen Schluß zu machen, an die fürstliche Rentkammer (Finanzverwaltung) verwiesen worden.

 

Verpachtung 1687:

Ein zweites Wirtshaus entstand erst im 17. Jahrhundert in Untersteinbach. Das befand sich hinter der Erbstalbrücke am Ufer der Hasel an der Nordseite (die heutigen Nachkommen geben als Gründungsjahr 1675 an). Im  Jahr 1687 hat Johannes Menz, Fuhrhändler in Untersteinbach, die beiden Wirtshäuser mit allem Zubehör, Holznutzungen und dergleichen in Pacht gehabt und dafür 1.000 Gulden im Jahr gegeben. Es hat aber sowohl der Pächter als auch besonders die Gemeinde von diesem Pachtverhältnis keinen Nutzen, sondern vielmehr Schaden gehabt. Die Gemeinde mußte nämlich sowohl mit Hans Menz als auch dessen hinterlassener Witwe und Erben einen langwierigen und kostspieligen Prozeß führen, wie in den Rechnungen hin und wieder zu ersehen ist.

 

Beschwerde 1723:

Im Jahre 1723 gab es noch einmal eine Beschwerde gegen Pfarrer Avenarius: Peter Pfannschmidt, Gabelmacher aus Obersteinbach, hatte schon 1695 die Nebenschank- und Braugerechtigkeit erhalten und mußte dafür dem reformierten Pfarrer drei Taler geben. Nun beschwerte er sich, weil Pfarrer Avenarius am 15. Sonntag nach Trinitatis gesagt hatte, es werde keine größere Sünde getrieben als im Wirtshaus. Der Pfarrer aber sagte, er habe niemanden persönlich angreifen wollen und der Eifer für Gottes Ehre finde sich in vielen Kirchenordnungen (es ging wohl um die Sonntagsheiligung).

 

Verpachtung 1726:

Nach dem 29. September 1726 wurde unter öffentlichem Glockenschlag auf der Gemeindeverwaltung den Einwohnern angezeigt, daß die beiden Wirtshäuser verpachtet werden sollen. Hierauf bewarben sich als Pächter Meister Georg Kehr der Jüngere, Metzger in Obersteinbach, und Johannes Usbeck, Christophs Sohn, Schlosser in Obersteinbach. Die Gemeinde forderte 800 Gulden. Weil die Bewerber aber nicht mehr als 675 Gulden für ein Jahr geben wollten, ist es gelassen worden, wie es vorher war.

 

Verpachtung 1729

Zu Anfang des neuen Jahres 1729 wurden die Gemeindeämter wieder besetzt und die Schenkwirte verpflichtet. Im Unterwirtshaus blieb der bisherige Wirt Meister Johannes Eck für den bisherigen Pachtpreis (Der Wirt mußte offenbar der Gemeinde eine bestimmte Summe garantieren und hatte dann unter Umständen seien Mühe, dieses Geld und seinen nötigen Verdienst wieder herauszuholen. Dadurch entstand dann so etwas wie ein „Wirtsrest“).

Im Oberwirtshaus wollte der bisherige Wirt Johann Konrad Jäger nicht bleiben für den alten Preis. Deshalb wollten die Zwölfer und Vorsteher den Meister Hans Usbeck, Christophs Sohn, annehmen, der schon vorher verschiedene Jahre als Wirt im Wirtshaus gewesen war. Johann Konrad Jäger aber wollte dies nicht geschehen lassen und wandte ein er sei doch der bisherige Inhaber und habe deshalb mehr Rechte.

Inzwischen versprach Usbeck, seinen alten Wirtsrest zu bezahlen, nämlich 50 Taler. Das ist auch geschehen, denn er wollte wieder Wirt werden. Hans Konrad Jäger aber bot an, 100 Taler von seiner Schuld abzutragen und Wirt zu bleiben. Hier war nun guter Rat teuer. Schließlich - weil einige Einwohner ins Amt gingen - befahl der Herr Amtsschultheiß, die Einwohnerschaft durch den Glockenschlag zusammenzurufen und nach den meisten Stimmen zu entscheiden. Darauf geschah es, daß Hans Konrad Jäger - der ja der Inhaber war - 100 Taler bares Geld auszahlte und Schenkwirt blieb. Auf diese Art und Weise bekam die Gemeinde Geld in die Hände und machte sich auch frei von ihrer Schuld bei Hans Kaspar Motz (eine dritte Person, die mit der Vergabe des Wirtshauses nichts zu tun hatte). Das wäre vielleicht nicht möglich gewesen, wenn es bei der Vergabe des Wirtshauses nicht so ergangen wäre, wie es ergangen ist.

 

Brauwesen 1730 bis 1734:

Als es 1730 auf die Kirchweih zuging, hat man angefangen in der Gemeinde Doppelbier zu brauen, welches auch jeder Zeit sehr gut geraten ist. Die Kanne wurde für 1 Groschen oder 12 Pfennige verkauft, das Bier war wohl wegen seiner Güte 1 Batzen wert.

In den Jahren 1732 und 1733 war Oberwirt der Mühlen- und Zimmermeister Johann Konrad Jäger und Unterwirt der Hufschmied Johannes Eck.

Im Jahre 1733 ist das Oberwirtshaus repariert worden und eine neue steinerne Türumrandung gemacht und der Abzug im Keller aufgegraben und gereinigt worden.

Im Jahre 1734 war Metzger Hans Caspar Kehr der Unterwirt Schlosser und Zwölfer Johannes Usbeck war Oberwirt. Dieser war 1729 von dem ehrsamen Zwölferstuhl als Wirt ins Oberwirtshaus verpflichtet und angenommen worden. Weil aber Johann Konrad im Besitz der Stelle war und nicht aus dem Wirtshaus heraus wollte, hat Usbeck bis jetzt warten müssen. So haben auf diese Weise sämtliche Zwölfer ihr Versprechen nicht gehalten.

 

Malzhaus 1734:

Weil das alte Malzhaus auf dem Berg ziemlich baufällig war (das später so genannte „Glockenhaus“) und sowohl Gerste als auch das Brennholz beschwerlich und kostspielig dahin zu schaffen war, beschlossen sämtliche Zwölfer und Vorsteher, ein anderes bequemes und nützlicheres Malzhaus zu bauen. Das alte Malzhaus sollte die Wohnung des Hirten werden und das alte Hirtenhaus verkauften sie für 105 Taler an Moritz Wahl, später hat es Quiring Fischer gekauft.

 

Nach Ostern kauften sie dann für 186 Taler die alte Scheune und das Wohnhaus der Witwe Christoph Nothnagels in Obersteinbach ab, unten am Schloßberg gleich rechts. Im Jahr 1734 ist dem Maurer Meister Valtin Wick aus Floh der Auftrag erteilt worden, die neuen Malzkeller zu graben, und es ist auch der Anfang zum Mauern gemacht worden. Meister Johannes Usbeck, Zwölfer und jetziger Schankwirt im Oberwirtshaus wurde zum Bauherrn über den ganzen Bau bestellt. Das Malzhaus kostete 1.258 Gulden 11 Groschen 8 ½ Pfennige, dazu 136 Taler für die von Christoph Nothnagels Witwe gekaufte Grundstücksfläche einschließlich der Scheune. In Schmalkalden wurde dann 1734 für 22 Taler noch ein neuer kupferner Eicheimer angefertigt.

 

Verpachtung 1749:

Amtsschultheiß Fleischhuth verpachtete unter Zuziehung der Zwölfer und Vorsteher die beiden Wirtshäuser der Gemeinde. Das hätte bestimmt nicht stattgefunden, wenn nicht dieser Herr Amtsschultheiß fest darauf bestanden hätte. So wurden also die beiden Wirtshäuser verpachtet von sämtlichen Zwölfern und Vorstehern. Einige hätten das gerne wieder rückgängig gemacht. Alleine der erwähnte Amtsschultheiß wußte auf seine Art die Verpächter nachdrücklich anzumahnen, bei ihren Versprechen zu bleiben. Um 1759 unterschreibt Valtin Rothämel als Vorsteher, auch zugleich Schankwirt im Unterwirtshaus. Im Jahre 1765 wurden die Amtsjurisdiktionspfähle (Anschlagsäule) zur öffentlichen Bekanntmachung auf diesem Platz aufgestellt.

 

Verpachtung 1753 / 1754:

Die Zwölfer haben schon vorher einige Jahre den in der hiesigen Gemeinde eingerissenen Unordnungen eine Grenze zu setzen versucht. Darum hatte auch die Einwohnerschaft vielmals gebeten. Deshalb sind die beiden Wirtshäuser samt Malz- und Brauhaus mit allem Inventar dem 15. Januar 1753 für 395 Taler verpachtet worden an Valentin Bühner, Metzgermeister in Obersteinbach (dazu die Gemeindewiese beim Mittelhammer und bei der Rasenmühle).

Das Pachtgeld hat 790 Taler betragen mit der Auflage, das jährliche Pachtgeld an einem bestimmten Tag zu bezahlen, und dennoch hat man auch eine ausreichende Sicherheit stellen müssen. Gleich anfangs des Jahres 1753 sind mit diesem Pachtgeld 200 Taler Kapital samt 60 Taler Zinsen an die Erben der Familie Motz in Rotterode abgetragen worden. Es sind aber bei diesen Erben nämlich der Ehefrau des Valentin Motz noch 200 Taler wie auch 100 Taler bei dem Herrn Stadtschuldheißen in Schmalkalden stehen geblieben.

Im folgenden Jahr 1754 hat von dem obenerwähnten Pachtgeld kein Kapital abgelöst werden können, weil die  große Überschwemmung am 17. Dezember 1753  an den Stegen und Brücken im Erbstal großen Schaden verursacht hat, und 1754 erst einmal das Nötigste hat gebaut werden müssen. Der Preis der Gerste ist in dem obenerwähnten Pachtjahr auf 4 Taler oder auch 20 Kopfstück gestiegen. Das Maß Bier kostete damals 6 ½ Pfennig, aber es war öfters nicht von bester Qualität wie auch in einigen vorangehenden Jahren.

Doch um desto eher ein besseres und gutes Bier zu bekommen, wurden die Gasthäuser 1754 e an zwei Pächter vergehen, das untere Wirtshaus dabei an den Nagelschmied Johann Georg Holland-Letz. Da aber sowohl hier als auch an anderen Orten sehr schlimme und nahrungslose Zeiten waren, hat man den Pachtvertrag bei je 395 Talern jährliches Pachtgeld lassen müssen, weil es nicht höher zu bringen war.

 

Über die zwei Pächter wurde entschieden nach Inhalt ihrer gerichtlich bestätigten Pachtbriefe, daß der Pächter im Oberwirtshaus zwei Drittel gibt und der Pächter im Unterwirtshaus ein Drittel an Pachtgeld. Außerdem mußte jeder einen dreijährigen Herdochsen (einen Stier) ohne Kosten für die Gemeinde halten.

 

Oberwirtshaus im 19. Jahrhundert:

In den Jahren 1819 / 20 entstanden bei dem Gastwirt Caspar Wilhelm Pachtrückstände. Im Jahre 1820 wurde eine Biersteuer zur Verbesserung der Schullehrerbesoldung eingeführt. Im Jahre 1823 waren die Stall-, Tanz- und Remisengebäude beim Oberwirtshaus in einem sehr schlechten Zustand.

Das Oberwirtshaus wurde im Jahre 1828 neu gebaut. Im Jahre 1829 wurde es für die jährliche Pacht von 624 Talern für drei Jahre an den seitherigen Wirt Valentin Bühner und das untere Wirtshaus für 330 Taler an dessen Sohn Gottlieb Bühner vergeben.

Ende 1871 wurden die bis 1. März 1872 verpachteten beiden Gemeinde-Wirtshäuser zum Verkauf angeboten. Käufer wurden die seitherigen Pächter Hugo Bühner und Ferdinand Recknagel. Bühner erstand das obere Wirtshaus mit Brauhaus und Felsenkeller für 6.000 Taler.

Am Sonntag nach Pfingsten, dem 12. Juni 1881, entstand im Oberwirtshause (Gasthof „Zum Schloß Hallenburg“, Besitzer Hugo Bühner) Feuer, das sich sehr schnell verbreitete und diesen Gasthof sowie die Anwesen von Matthias Holland-Cunz, Caspar Danz, Kaufmann Erich Sasse, und das Oberdörfer Schulhaus mit sämtlichen Nebengebäuden einäscherte und die Apotheke teilweise zerstörte.

Der Platz, auf dem die Schule gestanden hatte, wurde dem Gastwirt Hugo Bühner für 1.803 Mark verkauft. Dafür wurde das Anwesen des Naglers Christoph August König, an der Hauptstraße, Wohnhaus mit Schmiede und Scheune, mit dem dahinter liegenden Acker des Kaufmanns Wilhelm Holland-Merten angekauft. Auf dem Letzteren entstand nunmehr die neue Schule, die am 15. Oktober 1882 eingeweiht wurde.

 

Unterwirtshaus:

Nachdem 1790 ein großer Brand in Untersteinbach gewütet hatte, wurde in der Hauptstraße ein neues Unterwirtsbaus errichtet. Im Jahre 1823 wurde das alte Unterwirtshaus für 1.150 Taler durch die Gemeinde angekauft, so daß die Tradition des Hauses auf das Gasthaus „,Zum Stern“ (Hauptstraße 47) überging, das auch weiterhin die Keller im Brunnenrain beim alten Wirtshaus nutzte. Im Jahre 1871 erstand der seitherige Pächter Hugo Recknagel das untere Wirtshaus in der Hauptstraße mit Kellerhaus und Felsenkeller für 2.800 Taler. 

Die Familientradition des Unterwirts aber wird heute im „Steinbacher Wirtshaus“ Hauptstraße 33 weitergeführt. Die Außenanlagen des ,,Steinbacher Wirtshaus“ wurden 1978 in rustikalem Stil neu gestaltet und die ,,Töpfersgasse“ eröffnet. Die Rekonstruktion der Gaststätte „Steinbacher Wirtshaus“ wurde 1980 abgeschlossen, ein wesentliches Verdienst der Wirtin Marie Bühner und vieler Handwerker. Im Juni zeichnete das Fernsehen dort eine Unterhaltungssendung mit dem Titel „Nägel mit Köpfen“ auf. Sie machte mit Sitten und Gebräuchen des Haseltales bekannt; neben auswärtigen Gästen kamen auch viele Steinbacher zu Wort.

 

 

Gräben 1659

Die Zwölfer und Vorsteher haben 10. und 15. August 1659 den Graben hinter Hans Hoffmanns und Valtin Pfannschmidts Haus besehen und festgestellt, daß dieser Graben zu eng und auch nicht tief genug sei. Deshalb wurde festgelegt, daß er jederzeit 1,20 Meter breit und 60 Zentimeter tief gehalten werden soll.

Es sollen auch Steine gesetzt werden, damit keiner dem anderen zu nahe an dem Graben arbeite (Die Gräben müssen weit sein wegen der Hochwassergefahr).

Am gleichen Tag haben die Zwölfer und Vorsteher den Graben, der durch Klaus Häfners Haus geht, in Augenschein genommen. Klaus Häfner soll den Graben in seinem Haus 60 Zentimeter weit halten. Was durch diesen Graben gehen kann, das soll er nicht hindern. Den Überlauf müssen die Nachbarn gehen lassen, wie er geht, und jeder soll vor seiner Tür das Wasser abwehren, so gut er kann.

Dabei ist aber auch verabredet und verboten worden, daß keiner in den Graben, der oben bei Hans Rothämels Haus herab geht, Kehricht oder anderen Dreck werfen soll. Wer dabei ertappt wird, der soll der Gemeinde 2 Kopfstück Strafe zahlen.

 

 

Unterdorf

 

Vom Verkauf gemeindeeigener Grundstücke 1665 bis 1731

* Am 22. Dezember 1665 haben sich die Zwölfer und Vorsteher Valtin Holland-Dicks Witwe vorgenommen und sie befragt wegen des Grundstücks der Gemeinde, auf dem ihr Haus steht, ob sie die 10 Gulden Kaufpreis  jährlich der Gemeinde verzinsen oder das Kapital abtragen wolle. Sie hat sich bereit erklärt, von dem Kapital jährlich 2 Gulden zu bezahlen und zu entrichten. Bis 1668 wurde die Summe bezahlt.

* An Ernst Preiß ist das Grundstück, auf dem sein Wohnhaus steht, für 20 Gulden verkauft worden. Bis 1668 hat er einen Teil des Preises bezahlt. Am 14. Juli 1690 wurde er von den Zwölfern angehalten zu bezahlen. Er wollte aber der Gemeinde nichts zugestehen und sagte, er hätte einen Brief, der würde es wohl beweisen.

* Am 22. Dezember 1666 haben die Zwölfer und Vorsteher mit Wolf Dillmann in Obersteinbach einen Handel abgeschlossen und ihm ein Grundstück der Gemeinde verkauft, auf das er bereits sein Haus gebaut hatte. Die Fläche mit einer Größe von 15 Schuhe wurden für 11 Gulden verkauft, die er der Gemeinde möglichst schnell bezahlen will (Ein Schuh entspricht als Längenmaß etwa 31 Zentimetern. Als Flächenmaß wie hier muß er aber größer sein bzw. es wurde nur eine Teilfläche unter dem Haus verkauft). Wolf Dillmann hat 3 Groschen. 4 Pfennig und die Gemeinde auch 3 Groschen 4 Pfennig zu diesem Kauf gegeben, der mit einem Umtrunk begossen wurde. Dillmann hat noch bis 1668 in Raten die Schuld abbezahlt.

* Am gleichen Tag haben die Zwölfer und Vorsteher mit Konrad Häfner auf der Rasenmühle einen Handel abgeschlossen und ihm unter der Mühle ein Grundstück der Gemeinde verkauft, 81 Quadratmeter für 17 Gulden, den Gulden zu 3 ½ Kopfstück gerechnet, die er der Gemeinde auf Ostern 1666 bezahlen will. Er hat auch 10 Groschen 6 Pfennige und die Gemeinde 10 Groschen 6 Pfennige zum Weinkauf gegeben. Den Kaufpreis hat er bis 1669 in Raten bezahlt.

* Am 1. März 1667 erschien vor dem ehrsamen Zwölferstuhl der ehrsame Nikolaus Häfner sowie sein Sohn Hans Häfner und bat, daß diesem zum Bau eines neuen Hauses ein Platz gegen gerechte Bezahlung von der Gemeinde gegeben werden möge. Daraufhin haben die Zwölfer und deren Vorsteher den Platz in Augenschein genommen. Er ist in Obersteinbach bei Konrad Häfners Mahlmühle und Zainhammer, zwischen dem Haus der Witwe Valtin Holland-Dick und Konrad Häfners neuen Zainhammer. Er ist fast 15 Meter lang. Es wurde beschlossen, daß der Platz, den Klaus Häfner im Namen seines Sohnes Hans begehrt, für 15 Gulden ihm gehören soll. Die Bezahlung soll wie folgt geschehen: Er zahlt der Gemeinde sehr bald 3 Gulden, und dann soll er im Jahr 1668 am 30. April 4 Gulden und so bis zur völligen Bezahlung jährlich 4 Gulden abtragen. Im Jahr 1667 bestand noch ein Rest von 5 Gulden.

* Am 10. Oktober 1678 sind sämtliche Zwölfer und Vorsteher beisammen gewesen und haben die nachfolgend genannten Männer vor sich fordern lassen und sich mit ihnen geeinigt wie folgt:

- Christoph Pfeffer gibt jährlich von seinem Stahl 1 Groschen 6 Pfennige für das Grundstück.

- Hans Faßler gibt jährlich von seiner Schmiede 1 Groschen 6 Pfennige.

- Christoph Holland-Cunz gibt jährlich von seiner Schmiede 1 Groschen 6 Pfennige.

* Im Jahr 1680 haben sämtliche Zwölfer und Vorsteher an Hans Holland-Merten ein Grundstück für 8 Gulden verkauft, damit er sein Wohnhaus darauf bauen kann. Es ist auch am 23. Juni unten und oben mit Grenzsteinen versehen worden. Vor der Tür aber darf nur das Dach überstehen und es darf nichts vor die Tür gelegt oder gebaut werden. Der Preis wurde bis 1704 bezahlt.

* Am 1. Juli 1704 sind die Zwölfer und Vorsteher von Johann Holland-Merten ins fürstliche Amt bestellt worden und haben Abrechnung mit ihm gehalten. Er ist der Gemeinde ja noch die 4 Gulden von 1680 schuldig gewesen. Dazu kamen 5 Gulden für ein Grundstück, das an seine Schmiede und Scheune grenzt. Diese 9 Gulden sind nun der Gemeinde bezahlt worden, indem sie mit dem Pferd für den Heerwagen verrechnet wurden. Der Vorsteher Ernst Häfner wird es in die Rechnung bringen müssen.

* Am gleichen Tag haben sämtliche Zwölfer und Vorsteher an Valtin Preiß ein Grundstück in Unterschönau für 3 Gulden verkauft, in Anwesenheit des Herrn Amtsschultheißen sowie Valtin Schmidt, Klaus Köllmann und Hans Raßbach. Das Grundstück ist auch am 23 Juni mit Grenzsteinen versehen worden. Er darf aber vor seine Tür nichts zu legen und zu bauen.

 

* Die Zwölfer und Vorsteher waren am 14. Juli 1690 beieinander und ließen folgende Leute vor sich fordern:

  • Hans Häfner, Sohn des Klaus Häfner. Er war der Gemeinde noch 8 Gulden wegen seines Grundstücks schuldig, die er auch anerkannte. Es wurde ihm auferlegt, am 29. September 4 Gulden und dann an Neujahr die anderen 4 Gulden zu bezahlen.
  • Wilhelm Häfner und Verwandte waren vorgeladen, weil sie der Gemeinde noch 4 Gulden  3 Groschen. 9 Pfennig schuldig.
  • Hans Endter versprach im Namen seiner Schwiegermutter, die Hälfte zu bezahlen und zwar am 11. Novemberdieses Jahres. Wilhelm Häfner soll ebenso am Martinstag die andere Hälfte bezahlen. Hiervon hat Georg Häfners Witwe das Ihrige bezahlt. Es bleibt ein Rest von 3 Gulden für Wilhelm Häfner, die sind nun aber auch bezahlt.
  • Hans Preiß war der Gemeinde 6 Gulden wegen seines Grundstücks schuldig. Es wurde ihm auferlegt 6. Dezember dieses Jahres 3 Gulden und dann an Pfingsten des künftiges Jahr 1691 ehrlich zu bezahlen.
  • Hans Georg Holland-Dick sagte: Die sämtlichen Erben wären der Gemeinde wegen eines Grundstücks noch 7 Gulden 1 Groschen schuldig. Er wollte sich mit den anderen Erben bereden und diese Schuld ehrlich bezahlen. Das ist nun richtig bezahlt.

 

* Dem Schmied Hans Holland-Merten ist von den Zwölfern und Vorstehern ein Grundstück in Unterschönau an seinem Haus für 5 Gulden verkauft worden, er will die 5 Gulden inner­halb 8 Tagen bezahlen.

* Im Jahre 1695 haben die Zwölfer und Vorsteher an Jonas Pfannschmidt ein Grundstück der Gemeinde an seiner Scheune verkauft für 7 Taler bares Geld. Dies ist zur Nachricht hier aufgezeichnet worden.

* Am 20. Juli 1707 haben sämtliche Zwölfer und Vorsteher an Hans Kaspar Motz von Rotte­rode ein Grundstück zwischen dem Plätzerhammer und dem Pochwerk (am oberen Ende der Hallenburgstraße) für 5 Gulden verkauft. Es wurde bald an den Vorsteher Kaspar Reum­schüssel bezahlt.

* Am 5. Januar 1708 haben sämtliche Zwölfer und Vorsteher an Valtin Rothämel ein Grundstück neben seiner Scheune für 42 Gulden verkauft, nämlich 25 Meter in die Länge und Breite. Er hat sogleich dem Vorsteher Michel Häfner 15 Gulden bezahlt, und versprochen das andere auf Ostern völlig zu bezahlen. Bis 1709 war alles bezahlt.

* Am 16. April 1708 haben sämtliche Zwölfer und Vorsteher an Kaspar Holland-Merten ein Grundstück an der Teichwiese, 176 Quadratmeter für 10 Gulden verkauft (der Gulden zu 3 ½ Kopfstück gerechnet).

* Am 16. April 1708 haben sämtliche Zwölfer und Vorsteher an die Brüder Valtin und Hans Hoffmann für 34 Gulden 10 Groschen 6 Pfennige ein Grundstück vor der Roten Mühle (Oberhofer Straße) verkauft. Es ist 41 Meter lang und breit, so wie es die Steine anzeigen

* Am 21. März 1709 haben sämtliche Zwölfer und Vorsteher in Anwesenheit des Herrn Amtsschultheißen Hans Baumbach ein kleines Grundstück neben seinem Haus für 6 Gulden verkauft, ebenso ein Stück nach dem Weg des Herrn Amtsschultheißen zu, der Wasserablauf bis an die Ecke Quiring Scheidlers unten an seinem Garten, auch wieder für 6 Gulden, also zusammen 12 Gulden. Er verspricht der Gemeinde umgehend 6 Gulden zu bezahlen und dann 29. September 6 Gulden zu völliger Bezahlung in diesem Jahr zu entrichten. Die 6 Gulden sind auch an den Vorsteher Valtin Rumpel bezahlt worden.

 

* Am 21. März 1709 haben sämtliche Zwölfer und Vorsteher an den Nagelschmied Hans Rothämel in Obersteinbach ein Grundstück neben seinem Haus, 13 Meter lang und breit, für 8 Gulden. 10 Groschen. 6 Pfennige verkauft

* Er hat auch im Jahr 1709 dem Vorsteher Johannes Ehrhardt 7 Gulden 1 Groschen 6 Pfennige als Abschlag bezahlt und dann 1711 dem Vorsteher Georg Reumschüssel 1 Gulden 9 Groschen zur völligen Bezahlung gegeben, wie es in den Rechnungen des Vorstehers zu ersehen ist.

* Am 1. April 1709 haben sämtliche Zwölfer und Vorsteher an Johannes Schaff ein Grundstück auf dem Blaßrasen, neben Johann Adam Roth gelegen, 42 Meter lang und breit, für 35 Gulden verkauft. An den Vorsteher Johannes Ehrhardt wurden gleich bezahlt 13 Gulden 8 Groschen. Ebenso wurden 10 Gulden an Johannes Albrecht zum Bau der neuen Brücke bezahlt. Er bleibt noch 11 Gulden.12 Groschen 9 Pfennige schuldig.

 

* Am 4. April 1714 haben sämtliche Zwölfer die obenerwähnten Brüder Valtin und Hans Häfner wegen des Rests vor sich fordern lassen. Sie haben mit eigenhändiger Unterschrift versprochen, an Pfingsten 1714 zu bezahlen. Vom obigen Rest wurden bezahlt 1 Gulden 18 Groschen durch ein Bündel Eisen, das nach Kassel geliefert wurde. Es bleibt ein Rest von 6 Gulden 19 Groschen 6 Pfennige. Im Jahre 1716 ist dieser Rest völlig bezahlt worden, wie die Einnahme in der Rechnung des Vorstehers Valtin Häfner zeigt.

* Am 4. April 1714 haben sämtliche Zwölfer und Vorsteher den obenerwähnten Hans Schaff wegen des erwähnten Prozesses vorgenommen. Er hat mit eigenhändiger Unterschrift versprochen, keine Schwellen (unterste Balken eines Fachwerkhauses) auf das gekaufte Grundstück zu legen, bis es ganz bezahlt ist. Er hat bis 1719 bezahlt.

 

* Die Zwölfer und Vorsteher haben am 7. März 1719 an Jakob Pfannschmidt,  Sohn  des Bartholomäus, ein Grundstück verkauft zum Bau eines Hauses unten bei dem Nagelschmied Valtin König und am sogenannten „Rasen“ gelegen, rund 7,5 Meter breit und 9 Meter lang, für 10 Gulden bares Geld. Weil er aber dieses Versprechen nicht hat halten können, hat er nicht mehr als 4 Gulden gegeben, wie aus der Rechnung des Vorstehers Georg Holland-Moritz zu ersehen ist. Die übrigen 6 Gulden wurden ins künftige Jahr 1720 auf den Johannestag aufgeschoben. Bürge dafür wurde Georg Huhns Witwe. Dieses wird hiermit festgehalten und halbes Tagwerk Wiesen der erwähnten Huhns Witwe wurde zum Pfand verschrieben, wie in ihren Schuldscheinen zu ersehen ist.

* Sämtliche Zwölfer und Vorsteher haben am 21. April 1718 an Meister Matthäus Holland-Dick ein Grundstück unter der Roten Mühle neben Michael Faßler, 9 Meter breit und 13,5 Meter lang für 12 Taler verkauft. Er verspricht der Gemeinde von dieser Summe sogleich 6 Taler zu zahlen, ehe er eine Schwelle für das Haus liegen hat. Sollte die Gemeinde an ihm zweifeln, will er für die anderen 6 Taler seinen Vetter Jakob Holland- Dick als Bürgen stellen, bis sie gänzlich bezahlt sind.

* Hans Georg Holland-Merten hat 2 Gulden 18 Groschen empfangen, es wurde für die Brücke verwendet laut Rechnung. Für 3 Gulden 18 Groschen hat der Schuldner am Garten gearbeitet und auch Nägel gemacht, das hat Severus König in seiner Rechnung vom 16. Jul 1721.

* Am 14. April 1719 haben die Zwölfer und Vorsteher an Georg Preiß ein Grundstück verkauft Bau eines Hauses oben an Valtin Königs Haus gelegen auf dem sogenannten „Rasen“, ungefähr 14,5 Meter lang und 9 Meter breit, für 15 Gulden. Er hat 5 Gulden 3 Groschen als Anzahlung gegeben, die Zahlungen erfolgen bis 1724.

* Am 14. April 1720 haben sämtliche Zwölfer und Vorsteher dem Johann Konrad Jäger in Unterschönau ein Grundstück an der Drahthütte  unter dem Zainhammergraben neben dem Hauptfluß gelegen, rund 16 Meter lang und 7 Meter breit, für 14 Gulden verkauft, die er sogleich mit 14 Viertel Stabeisen bezahlt hat. Die erwähnten Eisenstäbe sind an Johannes Heil in das Haus mit der Gemeindekasse geliefert worden.

 

* Am 9. Mai 1722 ist an Hans Konrad Jäger ein Grundstück über seinem Haus verkauft worden, so viel wie ihm mit Steinen abgegrenzt wurde, für 4 ½ Gulden, die in vier Wochen zu bezahlen sind, in Anwesenheit des Herrn Amtsschultheißen, Herrn Förster Schäfer und der Zwölfer. Die 4 ½ Gulden sind ordnungsgemäß bezahlt an den Vorsteher Christoph König.

* Am 9. Mai 1722 hat der Herr Amtsschultheiß Zufall in Anwesenheit der Zwölfer an Hans Wolf Marr in Unterschönau ein Stück an seinem Garten bei der Drahtmühle für 2 Gulden verkauft, die in vier Wochen zu bezahlen sind. Die Summe ist ordnungsgemäß an den Vorsteher Christoph König bezahlt worden.

* Am 9. Mai 1722 haben sämtliche Zwölfer in Anwesenheit des  Herrn Amtsschultheißen  Jakob  Hemmling der Jüngere ein Stück Hofrecht für 3 Gulden verkauft, das mit drei Steinen  markiert wurde. Der Betrag ist an den Vorsteher Christoph König geliefert worden.

* Im Jahre 1725 haben die Zwölfer und Vorsteher dem Jakob Holland-Dick den neuen Garten, „Auf dem Rasen“ genannt, auf vier Jahre verpachtet, also von 1725 bis 1728, jedes Jahr für drei Taler. Jakob Holland-Dick verspricht dabei, daß er den Garten neu einrichten und verbessern wolle. Im Jahre 1736 ist dieser Garten dem erwähnten Pächter Jakob Holland-Dick als Eigentum verkauft und die Gelder - nämlich 100 Taler - zum neuen Malzhaus verwendet worden.

* Im Jahre 1731 haben die Zwölfer und Vorsteher an Meister Hans Georg König, Schuhmachern bei der oberen Linde, eine 90 Zentimeter breite Fläche verkauft, die zu seinem Grundstück hinzugefügt wurde, und sie dafür 6 Gulden bekommen.

 

 

Blick von der Linde

 

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft existierte nur in Form bäuerlicher Nebenbetriebe, deren Besitzer Handwerker, Heim- oder Fabrikarbeiter waren. Der lagebedingte Zweig- und Parzellenbetrieb des Waldes und die geringe Bodenfruchtbarkeit ließen nur einen begrenzten Feldbau zu und verhinderten bis in das 18. Jahrhundert hinein den Ausbau der Landwirtschaft im Steinbacher Grund.

Demgegenüber erlangte die Viehhaltung eine größere Bedeutung, da die Wälder und Bergweiden eine genügende Futtergrundlage für das Vieh boten. Für das Ausmaß der Viehhaltung sprechen die seit dem 15./16. Jahrhundert abgefaßten Bestimmungen für die Weide- und Hutegerechtigkeit im Amt Hallenberg.

Im Jahre 1530 wurde den Steinbacher Hirten die auf Grund und Boden des Amtes Schmalkalden ausgeübte Hut und Trift durch die hessischen und hennebergischen Beamten zu Schmalkalden verboten. Im Jahre 1577 beschwerte sich der Steinbacher Hirt Adam Jung gegen den Amtmann Hiob Ziegler auf der Hallenburg wegen der ihm auferlegten Buße, weil ein dem Amtmann gehöriges Schweinchen auf der Weide eingegangen war.

Bereits 1596 erhielt die Gemeinde die Schäfergerechtigkeit gegen 24 Gulden jährlichen Hutezinses. Die Hute- und Weidegerechtigkeit für das Rindvieh hatte die Gemeinde in der ganzen Feldmark, wobei das Vieh durch zwei Hirten in die angrenzenden Fluren des Amtes Hallenberg getrieben wurde.

Seit 1619 hatten auch die Gemeinden Viernau, Benshausen und Mehlis Hutrechte in den Forstorten des Amtes Hallenberg (Steinbach, Herges, Bermbach). Als Gegenleistung zahlten sie Triftgeld in die Renterei nach Steinbach.

Die Gemeinde Mehlis mußte alle sieben Jahre den hessischen Beamten von Schmalkalden und Hallenberg ein Essen geben (z.B. 1714 und 1730), die sogenannte „Hirtenzeche von Mehlis“. Bei dieser Gelegenheit wurde amtlich festgestellt, ob die Hute bestimmungsgemäß ausgeübt worden war. Dieser alten Tradition der Mehliser Hirtenzeche zufolge feierte später Zella-Mehlis alljährlich das Hirtenfest mit dem traditionellen Hirtenblasen. Wer allerdings heute zum Hirtenfest nach Zella-Mehlis geht, muß seine Zeche selber zahlen.

Darauf wurde die Gemeinde Steinbach Hallenberg am 18. Oktober 1799 von der neusten Hüteordnung in der Form befreit, daß ihr erlaubt sein soll, ihre Gemeindeschäferei bis zum ersten März hüten zu lassen.

 

Am 10. Oktober 1678 ist Hans Ritzmann vor die Zwölfer geladen worden ist, weil er bisher Korn und auch andere Frucht vor anderen Einwohnern weggekauft hat. Dadurch ist die Frucht verteuert worden. Deshalb ist ihm dieses ernstlich verboten worden, und er darf in Zukunft nicht eher etwas von den Früchten kaufen, bis die Fuhrleute mit ihren Früchten unter der Linde um 2 Uhr nachmittags stille halten. Der erwähnte Hans Ritzmann hat in diesem Jahr das Gemeinde Maß gemietet, wovon er jährlich 2 Gulden 6 Groschen der Gemeinde entrichten muß (gemeint ist wohl, daß er die Gemeindewaage gemietet hat).

 

Zwischen Michaelis und Weihnachten des Jahres 1710 sind aus Thüringen und Sachsen sehr viele Tauben hierher und ins Hessenland eingefallen und eingeflogen. Sie waren kahlköpfig und in ganz schlechtem Zustand gewesen. Es haben sich hundert und tausend niederlassen. Viele davon sind gefangen und zum Flug behalten worden (also für eigene Zwecke genutzt worden) oder auch an viele andere Dörfer verkauft worden. Was dieser seltsame Vogelflug bedeuten und nach sich ziehen wird, ist dem lieben Gott bekannt.

 

Gegen den Herbst und Winter 1719 fanden sich im Heu viele Würmer, die es verzehrten und zermalmten. Den vorhergehenden Sommer waren auf den Wiesen viele Heuschrecken. Daher wurde das Heu gegen das Frühjahr recht teuer, so daß ein Fuder Heu für 10 bis 12 und auch mehr Taler verkauft wurde, und gar nicht wohl zu bekommen war. Es mußte mancher Mann sein Vieh teilweise abschaffen, damit ihm nicht alles miteinander wegstarb. Eine Wagenladung („Schock“) Stroh kostete 2 bis 2 ½ Taler.

 

 

 

Von 1723 bis 1731 sind folgende Bäume gepflanzt worden:

621  Apfel- und Birnen-Stämme

802  Kirschen  und Pflaumenbäume

158  Wildobst und andere Stämme

Diese Aufstellung ist auf Befehl nach Kassel geschickt worden.

(Späterer Nachtrag, wahrscheinlich von Pfarrer Habicht:  in anderer Handschrift). Wenn damit in der Folge fortgefahren worden wäre, was müßte jetzt unsere Flur mit Obstbäumen geziert und fruchtbar sein. Schade, schade!).

 

In diesem Sommer 1732  ist auf dem Stiller Berg auf dem Acker des Valtin Heil ein Kornstengel gewachsen, an dem 13 vollkommene Ähren gewachsen sind, das ist sehr verwunderlich (Nachtrag von Pfarrer Habicht: Man hätte dieses außerordentliche Naturerzeugnis als ein Zeichen göttlicher Macht und Vorsehung in einem wohl verschlossenen Gefäß konservieren und für die Nachwelt aufbewahren sollen“).

 

In der Mitte des Monats Mai 1733 hat sich ein sonderbarer Schaden am Korn gefunden. Ob er vom Frost, Mehltau oder von der zur selben Zeit eingefallenen Finsternis hergerührt hat, weiß ich nicht. Das Korn wurde in den Tälern an vielen Orten in Franken und Thüringen ganz weiß, als ob es schon reif sei, obwohl es doch noch gar nicht geblüht hat. Deshalb ist auch das Korn in acht Tagen um 2 gute Groschen aufgeschlagen, doch hat durch Gottes Güte in der Zeit der Ernte das Maß (zwei Liter) wieder 8 gute Groschen gekostet.

 

Im Jahr 1734 sind die neuen Äcker am sogenannten Galgenberg am oberen Ende der Bermbacher Straße neben dem Weg zur Kuhweide - die von einigen Einwohnern gerodet und gehackt worden sind - zum erstemal eingesät worden. Das Getreide dort steht aber sehr dünn und schlecht, sie werden dieses Jahr wohl nicht viel davon Gewinn haben (Späterer Nachtrag: Mit der Zeit sind die Äcker besser geworden).

Die geringen Erträge der gerodeten Ackerflächen an den Hängen der umliegenden Berge konnten zwangsläufig die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung nicht abdecken. So kommt schon in frühesten Zeiten dem Austausch handwerklicher Produkte des Waldes und der eisenverarbeitenden Industrie gegen Erzeugnisse der Landwirtschaft eine steigende Bedeutung zu. Um 1773 finden wir in Steinbach-Hallenberg nur zehn Ackerleute, die wegen des geringen Feldbaues auch noch Lohnfuhren verrichten müssen.

Gegen das Ende dies Jahres 1734 und Anfang des Jahres 1735 haben viele Kühe - aber nur in Untersteinbach und nur in der unteren Herde - Fehlgeburten gehabt („verworfen“). Sie sind danach größtenteils gemästet und geschlachtet worden.

 

Die  Zwölfer und Vorsteher der Gemeinden Ober- und Untersteinbach beurkunden am 22.  April 1736, daß sie folgende Vereinbarung einhalten wollen: Das königliche Forstamt der Herrschaft Schmalkalden hat am heutigen Tag  durch Oberforstmeister von Dernbach die schriftliche Versicherung ausgestellt, das Rindvieh der genannten Gemeinden gegen alle nachteilige Beeinträchtigung zu schützen, wenn es der Forstordnung gemäß im Bereich des Schönauer Forsts gehütet wird.

Im Gegenzug haben die genannten Gemeinden nach reiflicher Überlegung und Beratung der Sache diese Versicherung und schriftliche Erklärung gegenüber dem königlichen Forstamt der Herrschaft Schmalkalden ausstellen wollen: Die Gemeinden werden alles angeschossene und gestorbene Wild in diesem Bereich ohne Weigerung nach geschehener Anzeige im hiesigen Forsthaus abliefern.

 

Gegebenenfalls werden sie es auch nach Schmalkalden bringen, sofern sich unsere gnädigste Herrschaft dort befindet und wenn sie es benötigt. Wir werden es in ganzen Stücken hinfahren und die Herrschaft daran keinen Mangel spüren lassen. Und sofern durch unsere Nach- und Fahrlässigkeit der Herrschaft ein Schaden entstünde, werden wir diesen ersetzen.

 

Im Jahre 1799 wurde eine neue Ordnung veröffentlicht und befohlen, daß kein Hirte oder Schäfer länger als bis zum 12. April  und nicht vor Ende Oktober auf den Wiesen hüten darf, sonst soll er bestraft werden. Hierauf hat die Gemeinde Steinbach-Hallenberg beim Landgrafen Wilhelm IX. um Befreiung von dieser Anweisung gebeten, weil hier in unserer Gegend im Frühling die Wetter zu rauh und vielmal sehr groß sind. Es wurde um den Termin 1. März nachgesucht.

Die Landwirtschaft wurde um 1800 meist im Nebenerwerb betrieben. Es gab nur acht Ackerbauern, die Ochsengespanne hielten. Dazu kamen noch sechs Straßenfuhrleute, die besonders Nordhäuser Branntwein in großen Mengen herbeifuhren; sie waren bis Württemberg tätig. Dazu kamen noch einige Kaufleute, die alle Material- und Schnittwaren besaßen und viele Messen und Märkte besuchten.

 

 

Blick auf das Rathausviertel

 

 

Forstwirtschaft

Bauholz von der Herrschaft 1628:

Im Jahre 1628 sind von der Herrschaft die Hauptstämme zu Erbauung der großen Brücken im Unter- und Oberdorf aus dem Wald der Herrschaft angewiesen worden und – wie es vorher auch geschehen ist nach rechtmäßigem Herkommen – aus Gnaden und ohne Bezahlung. So wurde es auch gehalten mit den Tannenhölzern in den Kellern, wenn man diese brauchte. So wird es auch gehalten mit anderen Hauptbauten in der Gemeinde, wie sie auch heißen mögen.

 

Brückenbau 1643 und 1644:

In den Jahren 1643 und 1644 sind beide Brücken in Ober- und Untersteinbach gebaut worden. Das Holz dazu ist aus dem Wald der Herrschaft angewiesen worden.

 

Kauf von Holz aus dem Gemeindewald 1646:

Am 19. April 1646 sind für Jakob Recknagel im Gemeindewald auf dem Kirchberg auf seine Bitte hin sechs Stämme vom damaligen Vorsteher Hans Heil mit den üblichen Zeichen angezeichnet worden. Recknagel aber ist ohne Wissen der Gemeindevorsteher in den Kirchberg gegangen, hat die angezeichneten Stämme stehen lassen und hat andere abgehauen, die nicht angezeichnet waren. Deshalb ist er von den Gerichtsschöffen mit einer Strafe von einem halben Gulden belegt worden.

 

Am 24. Juni sind die Zwölfer und Vorsteher beisammen gewesen, und haben sich Hans Holland-Letz vorgenommen, der sich im Gemeindewald einen Baum hat anweisen lassen und sich eine Krippe davon hat machen lassen. Das andere Stück hat er seinem Schwager Hans Wilhelm verkauft, der Pfosten zu einer Planke daraus hat machen lassen. Weil das aber Unrecht ist und so etwas niemandem zugelasen werden darf, ist er auf Beschluß der Schöffen mit 6 guten Groschen gestraft worden, denn aus von der Gemeinde gekauftem Holz darf nichts anders als was zum Hausbau nötig ist verwendet werden.

 

Holz für die Schule 1657:

Im Auftrag der Gemeinde sind von den Zwölfern der Schulmeister Valentin Buchhammer und Velten Baumbach nach Schmalkalden geschickt worden. Dort ist eine Kirchenversammlung gewesen. Die Abgesandten haben die Versammlung gebeten, die vor einigen Jahren getroffene Abmachung über das Schulholz durchzusetzen – die auch vor wie nach dem damaligen Spruch eingehalten wurde - daß von den erwähnten Dörfer jedes Dorf jährlich 1 Klafter  Scheitholz und ein halbes Schock Reisigholz (30 sogenannte „Wellen“) in die Schule nach Steinbach zu schaffen habe.

 

Weil die Oberschönauer aber vorgeschützt hatten, kein Holz in der Gemeinde zu haben, durften sie als Anteil jährlich einen Gulden und 3 ½ Kopfstück geben, für die dann Holz gekauft werden sollte. Damals haben auch die Schultheißen und Vorsteher jedes Orts darin eingewilligt. Von der Versammlung wurde ihnen die Lieferung bzw. Zahlung nochmals ernstlich auferlegt. Beurkundet Steinbach im Amt Hallenberg am 11. März 1657.

Weil die Schule von der Kirche ins Leben gerufen worden war, war sie damals eine Angelegenheit der Kirche und Probleme wurden vor einer kirchlichen Versammlung verhandelt. So war es auch mit dem Brennholz für die Schule. Dabei bestand allerdings das Problem, daß die alte Regelung an sich überholt war, denn inzwischen hatten die Dörfer eigene Schulen und mußten diese heizen. Oberschönau war außerdem kein eingepfarrter Ort, sondern eine eigenständige Filiale. Doch wie meist in solchen Fällen blieb es bei der alten Regelung, auch wenn sie an sich überholt war.

 

Holzmaß 1726:

Um 1726 ist auch von den Forstangestellten und Jägern das Holzmaß verkürzt und davon abgeschnitten worden unter dem Vorwand, es solle in Zukunft kein Übermaß mehr gesetzt werden. Sie haben aber ihr Versprechen nicht gehalten, sondern nach wie vor eine größere Länge gemessen als da war.

 

Holzanweisung 1743:

Im Jahre 1743 ist ein Befehl des Fürsten an die hiesige Gemeinde ergangen, daß der Vorsteher allezeit den Förster mit zu der Holzanweisung in die Berge der Gemeinde mitnehmen soll.

Das hat aber der derzeitige Vorsteher Christoph Pfannschmidt verweigert aus Sorge, es könnte der Gemeinde damit eine lästige Neuerung auferlegt werden. Er ist deswegen zu einer Strafe von 5 Gulden verurteilt worden.

Dieser Befehl aber, daß die Anweisung nur mit Zuziehung eines Forstsachverständigen geschehen soll, hat aber auf nichts anderes als auf die Erhaltung des Jagdrechts abgezielt. Dabei hat der Förster nicht das allergeringste, auch nicht einmal einen Trunk von den Anweisungsgebühren zu beanspruchen, er sollte den Gemeindeholzfällern und dem Vorsteher gelassen werden. Diesem allem ist aber der damalige Herr Förster Zielfelder nachgekommen. Immer wenn er oder seine Söhne bei der Anweisung dabeigewesen sind, haben sie niemals geholfen, die Anweisungsgebühren mit zu verzehren. Wurde der Förster dazu gebeten, dann war die Antwort: Es steht mir nicht zu!

Im Jahre 1780 gab es außer dem Forstamt in Schmalkalden ,,Reitende Förster" in Oberschönau, Steinbach-Hallenberg, Brotterode und Trusen und ,,gehende Förster“ in Mittelstille und Trusen. Im Jahre 1800 gab es in Altersbach einen Forstläufer, der zum Seligenthaler Forst gehörte und für den Steinbacher Forst den Förster Karl Lampmann sowie drei Forstläufer in Steinbach und Bermbach.

 

Im Jahre 1731 haben die Herren Forstangestellten haben den Befehl ausgegeben: Wer künftig Bau-, Feuer- und Kohlholz haben will, der soll dieses nicht abhacken, sondern mit Stumpf und Stiel oder mitsamt der Wurzel ausgraben. Ebenso sollen sie Stämme, Äste und Abgang nicht eher heimtragen, bis alles erst auf Wellen gebunden und abgezählt ist. Der Chronist hält das abermals für eine unverantwortliche Neuerung (er mußte ja selber auch Feuerholz im Wald machen).

Allein gegen die jetzt eingeführten Neuerungen reichten sowohl die Gemeinde Steinbach als auch die abgebrannten Einwohner aus Herges eine Bittschrift ein. Diesen ging es um das ihnen geschenkte Bauholz, weil sie dieses auch ausgraben sollten, was ihnen aber unmöglich war, wie der Herr Amtsschultheiß, der Herr Förster und andere selbst gesehen und bezeugen mußten. Sie erhielten ein königliches Antwortschreiben, daß sie von dem Ausgraben verschont sein sollten. Wegen der Äste und Reisig vom Feuerholz lautet der königliche Bescheid, daß es damit bleiben solle wie in den alten Zeiten gewesen ist. Und das Forstamt in Schmalkalden soll ohne Vorwissen des Oberamts den Einwohnern nichts Neues aufbürden.

 

 

Jagd

Die Jagd stand allein der Landesherrschaft zu. Den Untertanen war eigenmächtiges Jagen verboten und unter strenge Strafe gestellt. Da sich noch bis zum Ausgang des Mittelalters viele schadhafte Tiere wie Bären, Wölfe, Luchse und Wildschweine in den Wäldern und Schluchten des Gebirges aufhielten, waren der Wildschaden auf den Äckern und Fluren sowie die Gefahren für das weidende Vieh und die Bewohner beträchtlich.

Die Jägermeister, Jägerknechte und Jägerknaben mußten als Jagdpersonal die Waldleute beaufsichtigen, damit sie nicht unberechtigterweise wilderten, sie hatten Fallen, Gruben und Schneisen anzulegen und das Raubwild aufzuspüren. Ihre wichtigste Aufgabe war jedoch, den Bedarf der Landesherrschaft an frischem Wildpret aller Art zu decken.

Von den Hallenberger Jägern werden uns um 1370 genannt Dietzel von Viernau und Kunze Schuchenhaim, um 1430 Heinz Langhals und Heinz Hasenjäger. Um 1420 berichtete der Hallenberger Jäger Hans Klingenbach: „Graf Berthold  von Hallenberg hatte einen Jäger, der hieß Lobelin, der ging im Winter und Sommer barfuß und stand oft an der Hetze und sprach, er wollte, wann er gestorben ist, daß man ihn daselbst begrabe“ („Hetze“ vielleicht „bei der Hetzjagd“).

Am Ende des 15. Jahrhunderts heißt ein Jäger Hans König, genannt Boshans. Zur selben Zeit war auch ein Schwabe der herrschaftliche Jäger und wurde „Schwabenhänslein“ genannt. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts hieß der Jägermeister Hans Pflaumen und seine Gehilfen Betz Dener, Jorgen Kulman und Hans Mathesen. Über Contz Jeger heißt es 1527, daß er zwei Knechte, Hans Hasel („Zwippelhans“ genannt) und Valten Fischer, gehabt habe und „nach Hirschen, Wildpret, Rehen und Bären gejagt und gefangt“ habe.

An Waffen verwendete man für die Jagd zunächst die Armbrust, später auch Feuergewehre. Im 16. Jahrhundert waren die Jäger und Förster meist noch mit Waidmessern und Sauspießen bewaffnet.

 

Die Jagd erstreckte sich oft über große Entfernungen, so vom Paßberg bei Viernau über Christes bis nach Schwallungen, vom Spitzigen Berg bei Zella-Mehlis bis an den Rennsteig, am Lubenbach und am Sternberg, von der Bloßen Leube am Rennsteig bis zum Veilchenbrunnen, vom Ruppberg herein bis zum Erlesberg und zum Türle bei Viernau. In den Wäldern des Amtes Hallenberg jagten die Henneberger Jäger am Petersberg, Lautenberg und Hohen Berg, vom Harten Schorn gegen die Birkliete zu und zur Moosbach hin, außerdem von der Möst zur Kanzlersmühle bei Oberschönau und nach Steinbach herunter zum Oberhammer und der Oberschneidmühle.

Alte Jagdurkunden von 1524, 1525 und 1527 ergänzen das Bild von den Jagden im Amt Hallenberg. In dieser Zeit hetzten die Henneberger Jäger vom Amt Hallenberg das Wild vom Renn­steig bis zum Dolmar. Ihre Atzung und Hundelager hatten sie zumeist in Mehlis bei dem Schultheißen.

Wenn herrschaftliche Jagden veranstaltet wurden, waren die Bewohner der Dörfer zur Jagd­fron verpflichtet. Sobald Hauptjagden veranstaltet werden sollten, mußte man die arbeitenden Leute aus den Waldrevieren austreiben und die Arbeit bis zum Ausgang der Jagd verbieten. Doch das war nicht die einzige Bedrückung, welche die Jagd den Bewohnern der Dörfer einbrachte. Wochenlang mußten die Dörfer bei den Hauptjagden helfen, die Garne und Netze aufstellen, sich mit Pferden und Geschirren einfinden, um die Jagdbeute in die Schlösser der Herrschaft zu führen. Die Gemeinden mußten das Essen, Trinken, Futter für die Hunde und Pferde bereitstellen, auch in einzelnen Fällen die Jagdherren unentgeltlich bewirten.

Ein beredtes Zeugnis davon geben uns die zahlreichen an die Landesherren gerichteten Beschwerden. „Wenn wir nun mit schweren Landfuhren, Baudiensten und so ferner schweren Jagddiensten noch belegt und beläßtigt werden sollen, so befinden wir leider, daß wir elende, arme, verderbte Leute sind."

 

Oft kam es auch zu Streitigkeiten zwischen den Landesherren verschiedener Territorien über die Abhaltung der Jagd. So führte der hessische Landgraf 1585 Klage darüber, daß bei seiner Jagd die sächsischen Untertanen an der Hallenberger Grenze angestellt worden wären, welche die ganze Nacht über mit Rufen, Blasen, Schreien und „wider die Bäume klopfen“ das Wild verscheucht hätten. Der sächsische Jägermeister räumte das auch ein, entschuldigte sich aber damit, daß es die hessischen Jäger geradeso machten und sich ganz unwaidmännisch verhielten.

Noch im 16. und 17. Jahrhundert war der Bär in unseren Wäldern ein nicht selten vorkommendes Raubtier. Im Jahre 1584 waren bei einer an der Möst abgehaltenen Jagd fünf Bären gefangen worden. Bei einer im Jahre 1592 abgehaltenen Jagd waren in Steinbach ein Bär, bei Rotterode fünf Bären und an der Möst eine alte Bärin mit zwei Jungen gestellt worden.  Auch der Wolf, der vor allem während des Dreißigjährigen Krieges nicht selten zum Schrecken der Bewohner wurde, machte die Wälder um Steinbach-Hallenberg noch lange unsicher. Noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts berichtete der Schmalkalder Chronist Johann Geisthirt, daß vor dem „Neuhof“ ein Galgen gestanden habe, an dem man die rasenden Wölfe gehenkt habe.

Am meisten wurde die Jagd auf Hirsche mit Hecken geübt: Das Wild wurde gegen künstlich aufgestellte Heckenzäune getrieben und an den wenigen Durchlässen abgeschossen oder durch Netze zu Fall gebracht. Auch Hasenjagden wurden veranstaltet, bei denen die Hasen mit Hunden gehetzt oder mit Garnen gefangen wurden.

 

Mitteldorf (mit Gänsen)

 

Bergbau

Eisengewinnung und Eisenverarbeitung bestimmten das wirtschaftliche Leben des Ortes seit seinen Anfängen. Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung war ein sich lohnender Bergbau, der jedoch nach dem Dreißigjährigen Krieg immer mehr zurückging und im Laufe des 18. Jahrhunderts ganz erlosch. Die schriftlichen Aufzeichnungen aus dem 16. Jahrhundert zeigen, daß er zu dieser Zeit noch in hoher Blüte stand und in und um Steinbach-Hallenberg seine höchste Entwicklung fand. Er wurde oft noch einzeln, aber auch schon gemeinschaftlich betrieben.

Der Bergbau im Steinbacher Grund gehört wohl mit dem um Brotterode zu den ältesten im Kreis Schmalkalden. Wenn es auch keine urkundlichen Nachrichten über die Anfänge des Bergbaus in und um Steinbach-Hallenberg gibt, so stößt man doch an vielen Stellen im Steinbacher und Oberschönauer Forst auf Spuren ehemaliger Erzverhüttung.

Davon zeugen auch die mit Waldpflanzen bewachsenen Schlackenfelder und Pingenzüge, die eingesunkenen Stollen und Schächte an der Burg, am Arzberg, Schloßberg, Kirchberg, Vorderlautenberg, Dürrekopf bis in die Nähe des Rennsteigs, am Schützenberg und an der Kalten Mark. Schon frühzeitig fand die Verhüttung des Eisensteins statt, da die gefällreiche Hasel eine vorzügliche Wasserkraft und der bis an die Siedlungen heranreichende Wald reiches Brennmaterial darboten.

 

Die Voraussetzung für den Betrieb von sechs Eisen- bzw. Kupferhämmern war ein lohnender Bergbau, der sich im 16. Jahrhundert vor allem auf die Reviere im Arzberg und am Ringberg bei Asbach erstreckte. Am 11. März 1569 schrieb Graf Boppo von Henneberg an Hans Kellner, Vogt auf Hallenberg, er möge dafür Sorge tragen, daß die Bergleute am Ringberg bei Asbach den gewonnenen Eisenstein wie früher nur an einem bestimmten Tag in der Woche, nämlich dem Sonnabend, an die Hammerschmiede verkauften. Außerdem sei der Eisenstein fuderweise zu verzinsen.

Im gleichen Jahr 1569 erging eine Beschwerde der Gemeinde an den Grafen, daß der henne­ber­gische Förster sie hindern wolle, auf dem Arzberg Holz zu hauen, wo sie dieses doch zu ihrem Bergwerk notwendig bedürfen. Im Jahre 1572 bat die Gemeinde den Grafen, die für den Hammer- und Mühlenbetrieb sehr drückende Bestimmung aufzuheben, während der dürren Jahreszeit für ihre Hammer- und Mühlgräben kein Wasser aus der Hasel entnehmen zu dürfen. Im Jahre 1587 hatte der hessische Bergmeister von Schmalkalden ein Bergwerk am Ringberg eingerichtet, gegen dessen Betrieb der nunmehr sächsische Vogt Michael Mußmacher von Hallenberg Einspruch erhob, weil dabei auch Gebiete des Amtes Hallenberg in Betracht kamen.

Aus allen Nachrichten kann man entnehmen, daß zu dieser Zeit der Bergbau und die Eisenverhüttung im Amt Hallenberg in hoher Blüte standen und die Zeit von 1560 bis 1620 eine Periode relativen Wohlstandes war. Daß dieser Wohlstand jedoch nur die Besitzer der Eisenhämmer und Mühlen, nie die untersten Schichten des Volkes, die Hammerknechte und Bergleute, erfaßte, beweist ein Klagschreiben der Zella-Mehliser Gewerken gegen den Amtmann auf der Hallenburg, der ihnen bei der schweren Strafe von 100 Gulden geboten hatte, keinen Bergzins nach Georgenthal zu zahlen.

In dem Schreiben heißt es, daß sie der Amtmann mit unerträglichen Schmähworten angetastet und sie ehrlose, ehrvergessene, treulose und meineidige Leute die nicht würdig wären, unter einer ehrlichen Gemeinde zu wohnen, gescholten habe. Als sie sich verantworten wollten, habe der Gestrenge mit Faustschlägen gedroht und einen von ihnen ins Gefängnis führen lassen, worauf die anderen es für besser gehalten hatten zu schweigen. Zum Schluß habe der Amtmann einen Termin nach Maßfeld anberaumt. Da sie aber aus seinen Worten merkten, daß sie eingesperrt werden sollten, wären sie aus Furcht und auch wegen der kleinen Kinderlein, die weder zu beißen noch zu brechen hätten und deshalb in Hungersnot getrieben würden, nicht nach Maßfeld, sondern wieder nach Hause gegangen.

 

Noch um 1770 sind am Ringberg zwölf Eisenerzschächte in Betrieb. In Steinbach werden fünf Gruben genannt, der Schacht am Arzberg, die „Neun Jahrs Zeche“, die „Hansen Grube“, die Grabe „Morgen Gabe“ und ein Schacht „Auf dem Knüllfeld“.

An Silber- und Kupferbergwerken werden der „Ober und Unter Schacht am Silberhaug, ein angefangener Stollen am Silberhaug und der „Ober und Unter Thonauer Schacht“ erwähnt.

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde jedoch der Eisenbergbau im ganzen Revier eingestellt, nachdem noch 1735 ein Versuchsstollen an der Hallenburg angelegt worden war. Doch dieser Versuch, den Bergbau wieder zu beleben, blieben ohne Erfolg. wie alle späteren Versuche.

Zu dieser Zeit waren in unmittelbarer Umgebung auch noch fünf Eisenerzgruben in Betrieb. Außerdem wurde in fünf weiteren Schächten nach Kupfer und Silber geschürft. Die Ausbeute in diesen Bergwerken war jedoch gering, so daß in immer größerem Umfang Eisenerz von der Mommel und dem Stahlberg herangeführt werden mußte.

 

 

Berggericht

Ausdruck der Blüte des Bergbaus ist auch die Existenz des seit dem Ende des 15. Jahrhunderts eingerichteten Berggerichts im Amt Hallenberg. Es war für alle Irrungen in Bergwerks- und Hämmer­angelegen­heiten zuständig und übte die Gerichtsbarkeit für alle Eisenhämmer aus, die Erz aus den Hallenberger Revieren bezogen.

Das Hallenberger Berggericht ist aber nicht mit der Entstehung des Suhler Berggerichtes zwischen 1462 und 1474 in Verbindung zu bringen. Es heißt:„Die Gewerkschaften nahmen also ihren Anfang und wurde zu Steinbach unter Hallenberg ein frei Berggericht von Bergmeister, Berggerichtsschöffen, vier Bergmännern, vier Köhlern und vier Hammerschmieden, vor dem Zwölferhaus vom Beamten des Orts gehalten. Hier müssen alle Kläger erscheinen, die Berglohn auf hallenbergischen Boden zu fordern gehabt, in- und ausländische, und haben zu diesen Kosten des Gerichts jeder Bergmann, Köhler, Groß- und Kleinschmied, Drechsler und Schreiner, alle, welche die Waldung zu ihren Nutzen gebrauchen, sechs Pfennige erlegen müssen.“

 

Das Berggericht war für alle Irrungen in Bergwerks- und Hämmerangelegenheiten zuständig und übte die Gerichtsbarkeit für alle Eisenhämmer aus, die Erz aus den Hallenberger Revieren bezogen. Ein landesherrlicher Bergmeister überwachte den Bergbau und die Eisenverarbeitung im ganzen Amt und sammelte die Bergfrevel, die jährlich vor dem Berggericht in Steinbach verhandelt wurden. Den Vorsitz führte der jeweilige Amtmann. Ihm zur Seite standen zwölf Berggerichtsschöffen, bestehend aus vier Bergmännern, vier Hammergewerken und vier Köhlern, die zur Urteilsfindung an das Berggericht bestellt worden waren und die Bergfrevel mit Geldbußen oder Ehrenstrafen ahndeten.

Aus dieser Zeit ist eine alte Bergordnung überliefert, die der Steinbacher Bergmeister Valentin König am Ende des 16. Jahrhunderts für das Berggericht des Amtes Hallenberg zusam­men­stellte. Sie enthält Nachrichten über die Suhler und Steinbacher Berggerichte vom Jahre 1474 bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Im Jahre 1573 hatte der Hallenberger Amtmann das Suhler Berggericht um Kopien von Bergrechten und Berggerichtsurteilen gebeten, da sich im „Amt Hallenberg etliche Irrungen, des Bergwerks halber, zugetragen“ hatten. Überlieferte Bergrechte und Berggerichtsurteile der Suhler und Hallenberger Berggerichte wurden also seit 1474 für die Urteilsfindung herangezogen. In den Jahren 1582, 1627 und 1632 wurden spezielle Schmiedeordnungen für die Hammerschmiede von Obersteinbach und Untersteinbach durch das Berggericht bestätigt.

 

Im Jahre 1565 berichtete der lutherische Pfarrer Caspar Betzelmann an den Grafen von Henneberg, daß in den 21 Jahren (also seit 1544), in denen er auf der Pfarrei Steinbach gewesen wäre, „der Hammer die under schön awe genannt“ dem Haus Hallenberg zinspflichtig gewesen wäre und zum Berggericht zu Steinbach gehört hätte. Alle Verstöße gegen die Bergrechte, er nennt besonders „frevendlicher Handel“, Schelt- und Schmähworte, die sich innerhalb des Hammers zugetragen hätten, wären am Berggericht zu Steinbach durch den Amtmann auf der Hallenburg gerügt worden.

Der Bericht des Pfarrers enthüllt auch recht deutlich, was mit einem Eisenhammer im Steinbacher Grund geschehen würde, der aus Konkurrenz oder anderen Gründen seinen Eisenstein aus einem anderen Gebiet bezog: „Wo sie (die Eisenhämmer) zum Haus Hallenberg und Berggericht nicht gehörten, würden die Hammerschmiede sie zu keinem Steinkauf auf Euer fürstlich Gnaden Gebirge zulassen, wo nun der Hammer keinen Stein auf Euer fürstlich Gnaden Gebirge kaufen sollte, so müßte der Hammer zu Boden gehen.“

Aber nicht nur der Unterschönauer und die Steinbacher Hämmer gehörten zum Berggericht zu Steinbach, auch die Hammerschmiede aus Mehlis (heute: Zella-Mehlis) gehörten von alters her und noch dazu, da sie ihren Eisenstein ebenfalls aus den Steinbacher Revieren bekamen. Sie mußten auch einen Bergschöffen stellen und erschienen immer, „wo man ihnen das Gericht zu wissen tut.“

 

Das Berggericht fand jährlich einmal vor dem Zwölfer- oder Amtshaus statt. Ihm gehörten zwölf Schöffen an, die zur Urteilsfindung an das Berggericht bestellt worden waren und die Bergfrevel mit Geldbußen oder Ehrenstrafen ahndeten. Eine weitere Person am Berggericht war der Steber oder Stäber, der den Schwörenden den Eid abnahm, der zumeist vor Ort auf dem Stollen geschworen wurde, wobei der Steber den Eidstab in den Händen hielt.

Vor dem Berggericht mußten alle Bergleute, Köhler und Hammerschmiede der Hallenberger Dörfer erscheinen und der Berggerichtsordnung gewärtig sein. Waren Bergfrevel im Amt vorgefallen, wurden sie durch den Bergmeister dem Gericht vorgetragen.

Am 19. Juni 1592 wurde durch den ehrbaren und achtbaren Michael Mußmacher, Amtsverwalter zu Kühndorf und Hallenberg, ein Berggericht gehalten. Das dabei ausgesprochene Bergurteil nahm bezug auf eine 1582 aufgerichtete Ordnung des Eisenschmiedehandwerks, die besagte, daß „auf einen Tag Schmiedewerks nicht mehr als vier Zentner Eisen“ geschmiedet werden dürften.

Damit diese Ordnung auch weiterhin eingehalten wurde, verpflichtete der Amtmann sechs Hammerschmiede und vier Knechte, darüber zu wachen. Als Geschworene wurden die Hammerschmiede Hans Wilhelm, Wolf Kempf, Aßmuß Zumpf, Görg Holland, Christoph Jörg, Hans Reinhardt und die Meisterknechte Valtin Heinz, der alte Hensel, Bart Recknail und Hans Holland Nell vereidigt. In ihrem Eid schworen sie, ,,über die Ordnung steif und fest zu halten und Hand zu haben, die Verbrecher sollen den Meistern gleich oder mit Gefängnis gestraft werden“.

Daß diese Schmiedeordnung bereits ein Jahr danach von den Hammergewerken nicht mehr eingehalten wurde, geht aus einer Notiz in der Hallenberger Amtsrechnung von 1583 / 84 hervor: „Die Hammerschmiede von Ober- und Untersteinbach haben für sich im Berggericht des Amts Hallenberg eine Schmiedeordnung aufgerichtet, nämlich, daß ein jeder Hammerschmied auf einen Tag nicht mehr als 4 Zentner Eisen machen solle. Verbunden damit war das ausdrückliche Verbot, wer darüber arbeiten lassen werde, soll meinem gnädigen Herrn und Fürsten von Henneberg mit 1 Gulden Strafe verfallen sein.

Weil sie aber hernach solche Ordnung nicht gehalten haben, sind die Verbrecher gestraft worden.“

Zwölf Jahre später mußte ein nochmaliger Beschluß, am Tag nur 4 Zentner und in der Woche 24 Zentner Eisen zu schmieden, am Berggericht gefaßt werden, wobei den Hammerschmieden das Zugeständnis gemacht wurde, sich die Arbeitszeit für diese Menge selbst einzuteilen:

„Wenn nun die obenerwähnte Zahl der 24 Zentner in zwei Tagen bereitet werden könnte, sollte es ihnen gelassen sein, aber darüber gar nicht, und sollte die übrige Zeit stille gehalten werden.“

 

Die rechtlichen Grundlagen für den Eisenbergbau wurden nach dem 1619 erfolgten Übergang des Amtes Hallenberg an Hessen durch die für ganz Hessen gültige Bergordnung von 1616 neu festgelegt. Das Berggericht zu Steinbach-Hallenberg bestand noch im Jahre 1669, ging aber dann im Schmalkalder Bergamt auf, das fortan auch die Berggerechtigkeit für das Amt Hallenberg ausübte.

Obwohl der Dreißigjährige Krieg den Bergbau eingeschränkt hatte, bestand das Berggericht noch im Jahre 1669, ging aber dann in das Bergamt zu Schmalkalden auf, das fortan die Berggerechtigkeiten auszuüben hatte.

 

 

Eisenverarbeitendes Handwerk

Die erste verbürgte Nachricht über die dortige Eisenverhüttung bringt das Schmalkalder Grundstücksverzeichnis („Urbar“) von 1360, das einen „Hammer in der Schönau unter Hallenberg“ anführt. Noch 1541 wird in einer hennebergisch-hessischen Schmiedeordnung der Hammer in der Schönau unter denen genannt, die ihr Eisen in die Stadt Schmalkalden zu liefern hatten. Dieser mutmaßlich älteste Eisenhammer im Steinbacher Grund lag an der Stelle, an der in Unterschönau der Dörmbach in die Hasel floß. Er wurde vermutlich schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts von einem Schmalkalder Eisengewerken im Schutze der Hallenburg erbaut, woraus zu schließen ist, daß der Eisenerzbergbau im Haseltal zu jener Zeit bereits im Gange war.

 

Erst in den schriftlichen Aufzeichnungen seit dem Ende des 15. Jahrhunderts kommen Eisenerzbergbau, die Verhüttung des Eisensteines und die Weiterverarbeitung des gewonnenen Eisens im Amt Hallenberg deutlicher vor. Als die Hauptschürfgebiete für Eisen- und Kupfer­erze werden der Arzberg und der Ringberg bei Asbach genannt.

Im Jahre 1542 wurde der Unterschönauer Eisenhammer von dem Schmalkalder Bürger Johann Wißler für 950 Gulden an den Steinbacher Hammerschmied Alexius Holandt verkauft. Es entstand aber in der Folgezeit ein langwieriger Streit zwischen dem Schmalkalder und Hallenberger Amtmann um die Anteile an diesem Hammer. Nach Alexius Holandt besaß Dietzel Dittmar den Hammer, der wie sein Vorgänger auch Bergmeister am Steinbacher Berggericht war.

Das Erbregister von 1564 nennt uns fünf dem Hause Hallenberg zinspflichtige Eisen- bzw. Kupferhämmer in Ober- und Untersteinbach, den „Recknagel Hammer“, zwei Kupferhämmer und zwei Eisenhämmer, die den Brüdern Jorg, Endres und Hans Hollandt sowie Christoffel und Baltzar Hans Holandt gehörten. In Obersteinbach sind das der Oberhammer sowie ein Eisen- und ein Kupferhammer auf dem ,,Platz“ (Hallenburgstraße 34 und zur Rösse hin), in Untersteinbach der Mittelhammer und der Unterhammer.

 

Von den alten Berggerechtigkeiten erfährt man in einem Brief der Gemeinde Steinbach aus dem Jahre 1565: „Wir von Steinbach im Amt Hallenberg haben auch ein Eisenbergwerk, das von unsrer alten Herrschaft, den Grafen von Henneberg-Römhild in Schwarza, die Freiheit erhalten hat, auf den Eisenbergen wie dem Ringberg und dem Arzberg auch Holz anzubauen und zu gewinnen, um das Bergwerk damit zu fördern. Diese Freiheit steht jedem zu, er komme aus Reußen oder Preußen. Er darf auf euer fürstlichen Gnaden freiem Gebirge nieder sitzen und einschlagen in einem Bergwerk. Wenn er dann auf Eisenstein oder Erz trifft - das ihm Got beschert -  gehört ihm alles. Doch er soll es mit Wissen eines Bergmeisters tun, von dem er das Bergwerk von euer fürstlichen Gnaden nehmen muß als Lehen und dem Bergmeister angeloben, daß er an euer fürstlichen Gnaden Berggericht zu Steinbach das Recht geben und nehmen wird.“

 

In der „Amt Schmalkalder und Zehnt Benshäuser Waldbereitung“ vom Jahre 1570 werden in dem hessischen Bericht auch die Eisenhämmer und Kupferhämmer im Steinbacher Grund genannt: „Im Kanzlersgrund liegen zwei Häuser, darinnen wohnen ein hessischer und henne­bergischer Förster, welche die „Hinterwelde“ versehen sollen. Danach liegt im Kanzlersgrund eine Schneidmühle, die Obernschönau genannt, die die Dielen beider Herrn schneidet. Unter dieser Schneidemühle liegt ein Eisenhammer, die Unterschönau genannt. Er gehört in die Zent Benshausen und bezieht ihr Holz aus der Zent. Nicht weit hiervon zur Linken liegt der Arnsberg, darauf der Hallenberg liegt, und an demselben Arnsberg liegen zwei Schneidmühlen, welche nach Hallenberg gehören; die obere braucht das Holz der Zehnt und beider Herren gegen Bezahlung, die andere hat ihr Holz erblich von Arnsberg. Als nächstes liegen darunter drei Eisenhämmer, die auch hallenbergisch sind, und danach zwei Dörfer, die beide Steinbach genannt werden“

In der Amtsrechnung von 1583 / 84 werden uns erstmals die Namen der fünf Hämmer in Ober- und Untersteinbach genannt: Oberhammer, Kupferhammer auf dem Platz“ (heute Hallenburgstraße 34 und zur Rösse hin, später standen dort zwei Eisenhämmer), Eisenhammer gegenüber dem Kupferhammer, Mittelhammer und Unterhammer. Im Jahre 1584 werden erstmals auch ein Zainhämmer und vier Pochwerke erwähnt.

Das Erbregister von 1619 nennt bereits zwei Zainhämmer und fünf Pochwerke, auch ein neubewilligtes Nagelschmiedefeuer. Für die Hämmer hatten die Besitzer jährlich zu Michaelis 2 Gulden, 3 Gnacken Bergzins vom Arz- und Ringberg zu zahlen. Auch der „Unter Schönauer Hammer“, der in diesem Jahr Ernst Happ und Valten Rothämel gehörte, bezahlte diesen Betrag. Im Jahre 1718 gab es fünf Eisenhämmer, drei Zainhämmer (1806 waren es vier), einen Drahtzug,

Die Hämmer wurden gewerkschaftlich betrieben, wobei die Besitzer entsprechende Anteile an den sechs Tagen Schmiedwerk besaßen. Ein Tag Schmiedwerk entsprach dabei einer Arbeitszeit von zwei Monaten. Die Besitzer der Hämmer bezahlten für ihre Anteile Erbzinsen an die Grundherren. Für den Oberhammer betrug der Erbzins zu Michaelis 1 Gulden, für den Kupfer­hammer 2 Gulden. Der Mittelhammer zinste 18 Gnacken und der Unter Hammer 1 Gulden. In den Steinbacher Schmiedeordnungen von 1627 und 1632 wird an Stelle des Eisenhammers neben dem Kupferhammer ein Blechhammer genannt.

Zum ersten Mal erscheint in der Amtsrechnung von 1668 auch ein neu erbauter Eisenhammer zu Herges-Hallenberg“, wie überhaupt nach dem Dreißigjährigen Krieg in den Dörfern des Amtes eine rege Bautätigkeit einsetzte.

 

Neben den Zainhämmern bei der Rasenmühle und der Zittersmühle finden wir noch einen kleinen Zainhammer unterm Arnsberg, der vordem im Dörmbachtal stand, aber um 1730 in Obersteinbach neu aufgebaut wurde.

Die einheimische eisenverarbeitende Industrie und das Handwerk blühten auf, da die freigewordenen Kräfte sich jetzt verstärkt dem Eisenhandwerk zuwandten. Im Jahre 1773 gab es 78 Schlosser, 124 Nagelschmiede und 34 Hufschmiede in Steinbach-Hallenberg, die in drei Zünften zusammengefaßt waren. Im Jahre 1806 ist die Zahl der Schlosser auf 133, die der Nagelschmiede auf 246 und die der Hufschmiede auf 91 angestiegen. Der Eisenstein wurde jetzt über die Eisensteinstraße im Ebertsgrund von der Mommel und dem Stahlberg bei Schmalkalden herangeführt und hier in Kleinbetrieben zu Nägeln, Messern und Scheren verarbeitet.

Im Jahre 1806 ist die Zahl der Schlosser auf 133, die der Nagelschmiede auf 246 und die der Hufschmiede auf 91 angestiegen. Eine Aufstellung des Oberzunftamtes in Schmalkalden nennt uns im Jahre 1844 zwanzig Hammergewerke im Steinbacher Grund. In Steinbach-Hallenberg stehen davon fünf Eisenhämmer: In Obersteinbach standen davon drei, der Oberhammer etwas oberhalb des Platzes nach Unterschönau zu, die anderen beiden auf dem Platz, (Hallenburgstraße 34 und zur Rösse hin. Blechhammer und Kupferhammer, der inzwischen zum Eisenhammer eingerichtet wurde).

Am Ende der Hammergasse in Untersteinbach stand der Mittelhammer. Unweit der Kirche nach dem Ausgang des Dorfes zu trieb das Wasser des Kunstgrabens den Unterhammer. Außerdem gab es vier Zainhämmer (Zainhammer auf der Rolle, Reck- und Zainhammer in der Moosbach, Zitter-Zainhammer, Zainhammer bei der Rasenmühle). Herges-Hallenberg hat einen Eisenhammer und zwei Zainhämmer.

In Oberschönau stehen ein Eisen-, ein Zain- und ein Drahthammer über dem Dorfe, in Unterschönau finden wir einen Eisenhammer, den Zainhammer beim Wirtshaus, den Zainhammer oberhalb der Schule, den Jägerschen Zainhammer und einen Drahthammer.

 

Trotzdem ist für den Steinbacher Grund bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine stetige Abwärtsentwicklung auf wirtschaftlichem Gebiet festzustellen. Die einseitig entwickelte Wirtschaftsstruktur im Steinbacher Grund, wo bis weit in das 19. Jahrhundert hinein ausschließlich Nägel verschiedener Art und Schlosserwaren hergestellt wurden, war eine weitere Ursache für das ökonomische Zurückbleiben dieses Gebietes. Das zähe Beharren der heimischen gewerblichen Produktion an der alten Produktionsweise verhinderte die Herausbildung von Manufakturen, so daß sich die Entwicklung vom Handwerk zum industriell produzierenden Fabrikbetrieb nur unter Schwierigkeiten und erst relativ spät durchsetzen konnte.

 

Die allgemeine Notlage hatte ihre Ursache auch in der mehr oder minder starken Ausbeutung der Handwerker durch die Verleger. Überwiegend setzten die Handwerker ihre Erzeugnisse nicht direkt und selbst ab, sondern überließen dies den Verlagsgeschäften. In den meisten Fällen lieferte der Verleger das Rohmaterial und nahm die fertige Ware gegen Lohn ab. Aber es gab auch Handwerkergruppen, die das Rohmaterial beim Eisenhändler kauften und ohne Auftrag auf eigenes Risiko verarbeiteten. Sie überließen dann ihre Erzeugnisse einem beliebigen Kaufmann oder Verleger. Nicht selten kam es vor, daß die Eisenhandwerker statt mit barem Geld für ihre Erzeugnisse mit Lebensmitteln oder Rohmaterial abgefunden wurden. Auf diese Weise wurde ihr Verdienst bedeutend geschmälert. Dieses sogenannte „Trucksystem“ ist noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts anzutreffen.

Die durch ihre Notlage verbitterten Handwerker erblickten jedoch vor allem in der maschinellen Produktion eine lebensbedrohende und überlegende Konkurrenz. Als 1847 / 48 oberhalb von Asbach eine erste Fabrik entstand, in der maschinell Nägel und Drahtstifte produziert wurden, sahen die Nagelschmiede aus den Orten im Steinbacher Grund dadurch ihre Existenz aufs äußerste bedroht. Am 13. März 1848 zogen mit Äxten und anderen Hiebwerkzeugen bewaffnete Schmiedehandwerker aus Steinbach-Hallenberg, Unter- und Oberschönau und aus Rotterode zur ,,Wasch“ und zerstörten die Anlage bis auf den Grund. Den sich in den Revolutionstagen anschließenden Tumulten in den Orten begegnete das ängstlich gewordene Bürgertum mit der Formierung einer ,,Bürgergarde“. Ein durch Kuriere aus Kassel angefordertes Militärkommando sollte die Ruhe und Ordnung wieder herstellen.

 

Im Jahre 1864 waren in der Eisen-Industrie 755 Personen in 491 Werkstätten beschäftigt. Den nur einseitig ausgebildeten Nagelschmieden drohte in diesen Jahren durch den stürmischen Aufschwung der Industrie und die fabrikmäßige Herstellung ihrer Erzeugnisse wiederum Verdienstlosigkeit und ein fragwürdiges Dasein.

Im Steinbacher Grund waren zum Ende des 19. Jahrhunderts noch etwa 210 selbständige Meister mit rund 400 Gehilfen im Schlosserhandwerk tätig, dazu 525 Meister mit 330 Gehilfen im Nagelschmiedehandwerk beschäftigt. In den fünf Orten des ehemaligen Amtes Hallenberg, Steinbach-Hallenberg, Altersbach, Rotterode, Unter- und Oberschönau, waren etwa    4.000 Menschen, rund Dreiviertel der Bevölkerung im eisenverarbeitenden Handwerk tätig, und dies trotz der äußerst geringen Verdienstmöglichkeiten im Nagelschmiedeberuf, wo der Schmied für 8.000 Hufnägel in der Woche nur 7 Mark erhielt. Zeitgenössische Berichte sprechen von der bitteren Not, die damals in den Ortschaften des Haseltales herrschte.

Die fortschreitende maschinelle Fertigung der Eisenprodukte verringerte ihre Erwerbsmöglichkeiten in zunehmendem Maße, so daß sie sich jetzt immer mehr dem sich entwickelnden Produktionszweig der Eisenkurzwaren, die als „Schmalkalder Artikel“ in die Welt hinausgingen, zuwandten.

Durch den Übergang des Kreises Schmalkalden an Preußen im Jahre 1866 waren fortan bessere Bedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung gegeben. Die Aufhebung der Gewerbeordnung und die Erwartungen auf den preußischen Markt förderten die Industrialisierung der Eisen- und Stahlwarenproduktion. Vor allem nach der Reichsgründung von 1871 entstanden auch in Steinbach-Hallenberg eine ganze Reihe kleiner und mittlerer Werkzeug- und Metallwarenfabriken, die sich dem entwickelnden Produktionszweig der Eisenkurzwaren zuwandten, allerdings geschah die Herstellung der Kleineisenwaren weiterhin vorwiegend im Heimbetrieb.

 

Trotzdem herrschte im Steinbacher Grund bis zum ersten Weltkrieg die handwerkliche Produktion eindeutig vor. Dabei befand sich das Nagelschmiedehandwerk im Niedergang, da sich die meisten Nagelschmiede dem Schlosserhandwerk zugewandt hatten. Im Jahre 1892 gab es in Steinbach-Hallenberg 150 gewerbliche Betriebe mit etwa 700 Arbeitern. Die ursprüngliche Hausindustrie glitt nur allmählich in den Fabrikbetrieb hinüber. Ansätze für eine moderne Großproduktion gibt es erst seit den zwanziger Jahren.

Bemerkenswert für die vorangehende Entwicklung ist nur die Tatsache, daß durch die Verwendung industriell vorgefertigter Schmiederohlinge ein Teil der ursprünglichen Schmiedearbeit fortfiel. Sie wurden vor allem in der Zangenproduktion verwendet. Seit 1910 wurden sie in einer in Steinbach-Hallenberg erbauten Gesenkschmiede geschlagen.

Das Charakteristische der heimischen Produktion war jedoch die Breite und Vielfalt der hergestellten Kleineisenwaren und Werkzeuge. Obwohl die vorwiegend handwerkliche Produktion durch den ständig steigenden Druck der Industrie bedroht war, behauptete sie sich hartnäckig. Die Herstellung dieser Eisenkurzwaren erforderte eine hohe Geschicklichkeit und handwerkliches Können, so daß sich bei dieser Art der Produktion die Überlegenheit der Maschine noch nicht so stark auswirkte. Die Produzenten verstanden es auch, sich im Produktionssortiment durch Varianten und verschiedenartige Ausführungen ständig wieder den Erfordernissen des Marktes anzupassen.

 

Der Industrialisierungsprozeß wurde dann vor allem durch den seit 1891 bis 1893 erfolgten Bau der Bahnstrecke Schmalkalden - Steinbach-Hallenberg - Zella-Mehlis gefördert, der den Anschluß an das mitteldeutsche Eisenbahnnetz ermöglichte. Im Jahre 1898 wurde in Steinbach die Elektrizität eingeführt, seit 1910 Gas als Energiequelle verwendet. Dadurch konnten die neuen Firmen verstärkt von der Hand- zur Maschinenarbeit übergehen.

Die Bevölkerungszahl verdoppelte sich im Laufe eines Jahrhunderts und stieg von 2.019 im Jahre 1802 auf 4.009 im Jahre 1900 an. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts erreichte sie eine nochmalige Steigerung um 2.000, so daß 1935 in Steinbach-Hallenberg 6.034 Einwohner gezählt wurden.

Die Handwerker waren jedoch außerordentlich konservativ eingestellt und hingen zäh am Althergebrachten. Der weitaus größte Teil von ihnen war trotz wirtschaftlicher Abhängigkeit von den Verlegern doch Besitzer von Produktionsmitteln. Oft besaßen sie ein eigenes Häuschen und etwas Grundbesitz, der fast immer eine bescheidene Landwirtschaft, zumindest aber die Haltung von Vieh als Nebenerwerb erlaubte, mit dem sie über Notzeiten hinwegkamen. Die Industrialisierung im Steinbacher Grund ging nicht mit der Herausbildung einer Großindustrie einher; da die Masse der Unternehmen beim Kleinbetrieb mit einer Beschäftigungszahl von höchstens 12 bis 15 Arbeitern stehenblieb.

 

Holzverarbeitung

Neben dem Bergbau und dem eisenverarbeitenden Handwerk spielte auch die Holzverarbeitung eine wirtschaftlich bedeutsame Rolle. Die Herstellung von Holzkohle war eine notwendige Voraussetzung für die Verhüttung der Eisensteine. Der Holzreichtum der Wälder diente zugleich dazu, Bau- und Zimmerholz zu gewinnen.

Schon frühzeitig werden deshalb auch Schneidemühlen im Tal der Hasel genannt. Eine im 16. Jahrhundert erwähnte Schneidemühle im Kanzlersgrund war Ausgangspunkt für den späteren Ort Oberschönau. Am Arnsberg lagen zwei weitere Schneidemühlen, die die Grundlage für die Entwicklung des Böttcher- und Zimmerhandwerks bildeten.

Für die Anlage von Mühlen und sonstigen Gewerken spielte von Anfang an das Vorhandensein der Wasserkraft eine entscheidende Rolle. Sofern diese nicht durch die Hasel oder durch die in sie einfallenden Nebenläufe getrieben wurden, übernahmen von ihnen abgezweigte Kunstgräben diese Aufgabe.

 

 

Mühlen

Für die Anlage von Mühlen und sonstigen Gewerken spielte von Anfang an das Vorhandensein der Wasserkraft eine entscheidende Rolle. Sofern diese nicht durch die Hasel oder durch die in sie einfallenden Nebenläufe getrieben wurden, übernahmen von ihnen abgezweigte Kunstgräben diese Aufgabe. I

m Jahre 1718 gab es sieben Mahlmühlen, eine Ölmühle (in der Moosbach, der Besitzer wurde „Miethmüller“ genannt). Um 1773 lagen an den Steinbach-Hallenberg durchziehenden Wasserläufen sieben Mahlmühlen und eine Schlagmühle, fünf Eisen- und drei Zainhämmer, ein Drahtzug und eine Schneidemühle.

 

Rasenmühle:

Unter dem Dorf nach Herges zu stand die „Rasenmühle“. Sie gehört mit zu den ältesten Mahlmühlen im Amt Hallenberg und wurde von dem Wasser der Hasel getrieben. Der Besitzer mußte den Graben von der Pfarrwiese bis an die Mühle nebst zwei steinernen Brücken über den Mühlbach unterhalten. Die Geschichte der Rasenmühle reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück.

Von ihrer Existenz erfährt man erstmals 1556, als eine Mühle unter Steinbach an Hansen Launen verliehen wird. In der Jahresrechnung von 1583 / 84 wird sie als „Muhl ober dem Hergeßer schlank“ bezeichnet. Bis 1612 gehörte sie Hans Laun (Launen) und seinen Söhnen Matthes und Cunz Laun. In der Amtsrechnung von 1700 erfährt man dann von einem neuen bei der Rasenmühle erbauten Zainhammer, mit dem die Rasenmühle fortan ihr Wasser teilen mußte.

 

Rasenmühle

 

Mühle auf dem Erbstal:

Am Erbstal lag an der Kreuzung mit der Wolffstraße auf der nördlichen Seite die „Erbstaler- oder Pfütschen Mühle“, die von dem Steinbächer getrieben wurde, der sich vorher in einem kleinen Teich sammelte. Sie wurde 1561 auf Bewilligung des henneberger Amtmannes Heinrich von Vitzenhagen von Cuntzen Luck aus Untersteinbach erbaut. Der Lehnbrief darüber lautet: „Am Sonnabend nach dem vierten Sonntag vor Ostern des Jahres 1561 beurkundet der Amtmann Heinrich von Vitzenhagen vor dem öffentlichen Notar Andreas Heß, daß er mit Erlaubnis des Grafen Georg Ernst zu Henneberg erlaubt habe, ein Mühle zu bauen. Diese wird erb­lich übertragen dem Erben von Elisabeth, der Frau des Cunz Luck, wohnhaft in Untersteinbach in seinem Haus unten im Erbstal gelegen. Darin darf der Müller für sich selbst und andere Leute mahlen.

Er soll die Mühle und das Wasser auf ein Rad laufen lassen und es gebrauchen, so viel er es nötig hat, aber nur das Wasser, das im Erbstal hinter den Häusern her fließt. Wenn er aber das Wasser oberhalb der Häuser auf den Wiesen haben wollte - besonders in der Zeit, in der man die Wiesen zu wässern pflegt - da soll kein Weg hineinführen. Vielmehr soll er das Wasser der Nachbarn gehen lassen, wenn Wasser da ist. Die Mühle soll jährlich am 29. September dem Amtmann auf der Hallenburg fünf Ortsgulden (halbe Gulden) als Pacht geben ohne Widerrede. Der Müller versichert noch, daß seinem gnädigsten Fürsten und Herrn und seiner Vollmacht und seinem Besitz, auch ihm und seinem Erben kein Schaden entstehen soll.“ (Vitzenhagen war von 1564 bis 1572 der Amtmann).

 

Motzenmühle:

Am Ende der Mühlgasse stand die „Lehnträgers- oder Motzen Mühle“, die 1677 von Georg Weber erbaut worden war. Ihr Wasser entnahm sie dem schon genannten Kunstgraben, der bei den Waagwiesen von der Hasel abgezweigt worden war und bei der Rasenmühle sich wieder in die Hasel ergoß.

 

Mühlen im Oberdorf:

Der Moosbach trieb die „Happichts Mühle“, die heute noch am Eingang der Moosburgstraße zu erkennen ist. - In der Nähe des Brauhauses stand die „Nolten Stophels Mühle“, die mit der „Zitters Mühle“ gegenüber der Dillersgasse und einem dabei liegenden Zainhammer das Wehr neben dem Amtshaus gemeinschaftlich unterhalten mußten.

In der Amtsrechnung von 1655 wird der Bau einer neuen Mahlmühle in Obersteinbach erwähnt: Valtin Holland hatte das Mühlrecht zu Bermbach. Nachdem die Mühle im Jahr 1647 von den Soldaten abgebrannt und der damalige Müller Jörg Häßler das Recht daran aufgegeben und weggezogen war, hat Valtin Holland mit fürstlicher Erlaubnis die Mühle nah Obersteinbach übertragen und dort neu gebaut.

 

Schlagmühle:

In der Moosbach an der Rotteroder Grenze stand 1773 eine Ölmühle, die aber wegen der geringen Benutzung, sie wurde nur ein Viertel Jahr lang gebraucht, später zu einer Schlagmühle umgebaut wurde.

 

Schlagmühle in der Rotteroder Straß

 

Rote Mühle:

Ein Kunstgraben, der von der Hasel abzweigt, speist auch die „Rote Mühle“ und einen Draht­zug. Beide mußten das Wehr oberhalb des Oberhammers unterhalten. Die „Rote Mühle gibt es heute noch am Anfang der Oberhofer Straße.

 

 

Rote Mühle 1980

 

 

Arnsberger Schneidmühle:

Die Arnsberger Schneidemühle wurde anfänglich gewerkschaftlich betrieben, später war sie zeitweilig herrschaftlich, um dann wieder in Privatbesitz zu gelangen. Sie war die älteste Schneidemühle und hatte das Recht zum Bezug von forstfreien Blochen aus dem Arnsberg. Um 1520 war sie im Besitz von Berlett Hofmann, vierzig Jahre später besaßen sie die Brüder Kilian und Klaus Marx (Lehnbrief aus dem Jahre 1561).

Weil die Arnsberger Schneidmühle alt war, wurde sie 1734 abgerissen und eine neue - und zwar näher nach dem Arnsberg zu - hingesetzt. Diese war aber nur auf einer Hälfte nach Schönau hin gedeckt. Da kam am zweiten Ostertag früh ein starker Wind auf und warf sie völlig über den Haufen. Daraufhin wurde wieder ein neuer Bau aufgerichtet. Aber am 2. November 1736 abends gegen 10 Uhr brannte sie aus dem Grund (von Grund auf?) ab, ohne daß man eine Vermutung hat haben können, wo das Feuer hineingekommen ist. Daher haben diese Unternehmer innerhalb zweier Jahre viele Kosten gehabt (Der Arnsberg ist der Berg über der Hallenburg, die Mühle aber hat natürlich unten am Bach gelegen in Richtung Unterschönau).

 

Mühle in Unterschönau 1726:

Am 31. Oktober 1726 schreibt die Regierung in Kassel an die Rentkammer in Schmalkalden

wegen Peter Jägers Mühle in Unterschönau. Dieser wollte eine Mühle im Laudenbach bauen,

aber die anderen Mühleneigentümer und Besitzer der Wiesen im Laudenbach hatten Beschwerde geführt wegen der Zulassung des Mühlenbaus. Es wurde entschieden, daß Peter Jäger mit dem bereits erlaubten Mühlenbau fortfahren soll.

Voraussetzung war dessen Erklärung, daß er nämlich 

(1.) an der Wässerung der  Wiesen gar nichts verändern will, sondern nur dasjenige 

   Wasser auffangen will, das nach der Wässerung von den Wiesen abfließt,

(2.) den Platz vor dem Haus frei und offen zu lassen und mit nichts zu bebauen,

(3.) den Mühlengraben für den Übertritt des Viehs jederzeit bedeckt halten will,

   folglich an der Viehtrift nichts ändern wolle.

 

 

Wetter 1709 bis 1759

1709: In diesem Jahr war ein überaus großer kalter und langanhaltender Winter, und es erfroren sehr viele Leute auf Reisen und in anderen Orten, man erzählt, daß damals mehrere Postboten - vor allem auch die Meininger - erfroren sind: Sie sind auf dem Pferd sitzend vor das Stadttor gekommen, so daß man meinte, sie lebten noch. Weil die Leute stark eingeheizt haben, ist es geschehen, daß es in diesem Winter siebenmal gebrannt hat. Aber es ist doch nicht mehr als ein einziges Haus aus diesem Grund ab gebrannt.

1710: Am 11. Juli hat es ein überaus schweres und großes Donnerwetter gegeben und hat das Wasser überaus großen Schaden im Gras auf den Wiesen verursacht. Es ist aber ein unvergleichlich schöner und lieblicher Herbst gewesen.

1719: Vom Tag Christi Himmelfahrt bis drei Tage vor dem Tag Johannes des Täufers hat es nicht ein Tröpfchen Wasser geregnet, so daß es sehr schlecht um die Feldfrüchte gestanden hat. Weil es aber am 21. Juni und dem folgenden Tag einen schönen Regen gegeben hat und alles erfrischt wurde, hielt man deswegen am Johannistag gegen Mittag ein Dankfest (Die Zeitspanne vom Himmelfahrtstag am 18. Mai bis 21. Juni ist an sich nicht so sehr lang, aber für einen sehr regenreichen Ort wie Steinbach vor der Höhe des Thüringer Waldes doch schon ungewöhnlich).

 

1725: Dieses Jahr ist ein kalter und nasser Sommer gewesen, so daß in der Heu-Ernte kaum vier oder fünf Tage warmes Wetter und Sonnenschein gewesen. Daher gab es eine späte Ernte: um Michaelis herum (29. September) stand noch Getreide, bis weit nach Martinstag (11. November) war noch Flachs im Felde.

1726: Vom 6. Januar bis 26. März ist beständiges Winterwetter und sehr kalt gewesen und auch viel Schnee gefallen. Erst am 1. Februar ist wieder ein Fuhrmann hierher gekommen, der Korn gebracht hat. Vorher mußte alles auf dem Rücken von Tambach, Schmalkalden und Springstille gebracht und getragen werden.

Um diese Zeit ist in Brotterode viel Jammer und Not um Brot und Holz gewesen, weil sie wegen des großen Schnees nicht haben herauskommen können. Daher hat der dortige Herr Amtsschultheiß den Armen je einen Quartierschein geschrieben und sie bei den Reichen einquartiert, damit sie nicht vor Hunger sterben oder erfrieren. Herr Dr. Fuchs Landarzt und Herrn Ihring in Schmalkalden haben auf ihre Kosten Brot backen lassen aus einem Malter Mehl und dorthin bringen und den Armen austeilen lassen (Der „Landarzt“ wohnte in der Stadt, war aber für das ganze Land zuständig. Herr Ihring war wohl ein Unternehmer).

Es sind auch in diesem Winter verschiedene Menschen erfroren, aber vor allem viel Wild. Dieses ließ sich verlocken („kirr“), daß es am hellen Tage in den hiesigen Ort gelaufen ist. Daher wurde auch am 3. März ein großer Hirsch in dem Wasser gleich an der Kirche während des Gottesdienstes lebendig gefangen und nach dem Küsterhaus geführt, unterwegs aber ist er durch einen Genickschuß getötet worden.

 

Um diese Zeit 1726 ist ein geehrter Mann und kursächsischer Beamter aus Schleusingen mit Namen (Name fehlt) über den (Thüringer-) Wald gekommen und wollte nach Hause marschieren. Auf dem Oberhof aber (heute: Oberhof) hat er seinen Angestellten mit der Kutsche vorangeschickt und wollte zu Fuß nachfolgen. Unterwegs aber hat er sich verirrt, auch weil der Wind die Fahrspur zugeweht hat. Er blieb unter einer Buchen sitzen und sich in seinen Mantel gehüllt. Er wird die ganze Nacht gesucht, aber nicht gefunden.

Es träumte aber einem Viehhirten in Zella in dieser Nacht, wie ein Mann unter einer ihm wohlbekannten Buche sitzt. Er geht mit anderen am Morgen wieder hinaus. Als endlich sein Hund anschlägt, geht er ihm nach und findet den Herrn unter der Buche ganz zugeweht und halbtot. Er bringt ihn mit anderen nach Zella, wo er sich einige Tage aufgehalten hat und dann nach Hause reiste. Dieser Mann ist jetzt Amtsrichter in Benshausen. Er lebt jetzt noch, wo ich dieses schreibe, teilt Johannes Avenarius 1731 mit.

 

1726:  Am 6. Juli ist ein überaus starkes Donnerwetter gewesen, das auch in das Haus auf dem Dolmar bei Kühndorf eingeschlagen und es angezündet hat und dasselbe ist fast ganz abgebrannt. Im Herbst hat 1 Maß Korn 10 Groschen und 1 Maß Weizen 11 und 11 ½ Groschen gekostet. Es ist nicht viel Hafer gewachsen, und er hatte keinen Kern. Es war ein nasser und feuchter Herbst.

727: Von Neujahr bis in den März ist überaus schönes, liebliches und warmes Wetter gewesen, so daß schon verschiedene Leute an den Acker gefahren sind und gesät haben. Aber in der Mitte dieses Monats kam der Winter wieder und brachte mit sich große Kälte, Wind und vielen Schnee. Am 27. Mai und 5. Juli waren große starke Gewitter, die große Hagelkörner und große Wasser brachte. Vor allem in Schmalkalden entstand großer Schaden, weil Wehre und Stege mitgenommen wurden.

In diesem Jahr ist ein unvergleichlich schöner und nicht besser zu wünschender Sommer und eine gute Ernte gewesen, so daß um den Bartholomäustag (24. August) mit der Ernte völlig fertig gewesen ist bis auf ein klein wenig Grummet (zweiter Grasschnitt), das noch gestanden hat. Es hat auch ziemlich viele Früchte für Menschen und Vieh gegeben. Besonders ist merkwürdig, daß es hier in Steinbach viel Obst gegeben hat, während andere benachbarte Orte, die sonst davon einen Überfluß gehabt haben, gar nichts oder doch nur ein klein wenig bekommen haben.

 

1729:  Von Weihnachten vorigen Jahres 1728 und zu Anfang dieses Jahres und eine geraume Zeit danach  war es sehr kalt und windig, so daß die Wasserräder für die Werkstätten alle eingefroren sind mit Ausnahme der Mühlen, die man mit großer Mühe und Arbeit in Betrieb halten konnte. Es war so kalt wie vor 20 Jahren im kalten Winter 1709, so daß auch verschiedene Leute erfroren zum Beispiel bei Kleinschmalkalden ein Seifensieder aus Waltershausen in Thüringen. Ebenso ist bei Mittelstille ein Dragoner erfroren, der vielleicht aus Trunkenheit den hohen Rain hinunter ins Wasser gefallen und in diesem ohne Hut ein Stück weiter gegangen ist und am Ende sitzen geblieben ist. Am Morgen des 6. Januar ist er tot gefunden worden. Er hat bis auf den 14. des Monats liegen müssen, ehe er besichtigt worden ist. Weil er keinen guten Ruf hatte, ist er auf Befehl der Obrigkeit schließlich auf freiem Feld weit vom Weg bei einer Hecke begraben worden, und zwar von Bettelleuten, die einen Taler dafür bekommen haben.

1730: Vom 10 bis 13. Dezember wehte der Wind gewaltig stark und es war grimmig kalt. Ebenso war es vom 20. des Monats bis zum Ende des Jahres und vom Anfang des neuen Jahres bis zum 30. Januar, als es wieder aufgetaut ist und die Eisenhämmer wieder gingen.

1731: Am Ende des vorigen und Anfang dieses Jahres ist es immer sehr kalt gewesen. Alle Wasserräder für die Werkstätten sind eingefroren bis nach dem 30. Januar, als es wieder gelinder wurde und aufgetaut ist. Mit großer Mühe und Arbeit hat man die Mühlen in Gang gehalten. Es hat auch überaus sehr viel Schnee gegeben, wie man ihn vielen Jahren hier nicht gehabt und gesehen hat.

Nachdem dem Vernehmen nach nicht nur hier, sondern auch an anderen Orten die Winterfrucht ziemlichen Schaden gelitten hat und die kalten Winde so lang anhalten haben, daß es bis 1. April noch keinen warmen Tag und keine warme Nacht gegeben hat, ist deswegen das Getreide im Kaufpreis gestiegen und das Maß Korn

 

1732: In diesem Jahr war eine schöne und reiche Ernte. Diejenigen aber, die den zweiten Grasschnitt („Grummet“) nicht vor unserer Kirmes im September gemacht hatten, mußten das Heu teilweise oder ganz entbehren oder aber ganz verdorben einbringen und nehmen, weil von dem dritten Kirmestag bis 13. Oktober beständig Regenwetter gewesen ist. Nach dem Regen kam Frost, so daß um den 11. November noch viel verdorbenes Gras im Feld gelegen hat.

1733: Die ganze Heu Ernte hindurch ist unvergleichlich schönes Wetter gewesen, in der Mitte der Getreide-Ernte hat es zuviel, stark und lang geregnet, daher wurde unterschiedlich Korn geerntet (Die Heuernte dürfte so im Juni, die Getreideernte im Juli und August gewesen sein).

1734: Die Obst- und Kirschbäume haben überaus schön und recht stark geblüht. Aber den Frühling und Sommer bis Juni hat es ziemlich viel geregnet. Dieses Jahr hat es mehr geregnet als die Sonne geschienen. Auch das Getreide, besonders das Winterkorn ist umgeschlagen und es hat überall nicht viel ins Sammelgefäß gegeben. Der Winter hat gedauert bis um den 24. Februar. Acht Tage vor dem Advent waren die Eisenhämmer völlig eingefroren.

 

1735: In der Heu-Ernte 1735 hat es oft und viel geregnet, so daß fast jedermann auch an einer guten Getreide-Ernte („Schneidernte“) gezweifelt hat. Aber durch Gottes Güte ist die Getreide-Ernte gut und auch reichlich gewesen und es ist bis jetzt noch gutes Grummet-Wetter und ein schöner Herbst ist gefolgt. Dieses Jahr ist der Wein verdorben, er ist wenig und auch nicht gut geworden, weilen die Franzosen die Weinberge am Rhein sehr verwüstet und verderbt haben.

1736: Vom 12. bis 16. Mai war es sehr kalt und schneite, so daß diejenigen Leute, die Vieh im Kanzlersgrund (östlich von Oberschönau) und auf der Schmücke hatten (an der Straße von Oberhof nach Schmiedefeld), Futter dahin tragen mußten, ja einige mußten das Vieh mit hierher nehmen.

Vor und nach Pfingsten bis Ausgang des Juli 1736 hat es fast immer geregnet, und es ist eine schlechte Heu-Ernte gewesen. Es haben sich auch sehr viele Raupen eingestellt und merklichen Schaden am Flachs verursacht ebenso wie die Raben am Kraut. Das hat dazu geführt, daß man den Flachs vor der Zeit hat heimbringen müssen. Doch hat man gottlob bisher an Korn, Weizen, Gerste und Hafer noch nichts gespürt von diesen Schäden. Gott verhüte alles Übel und wende allen Schaden auch ferner in Gnaden ab.

Am 11. Juli 1736 war ein schweres und starkes Donnerwetter, das hier und besonders im sogenannte „Geknick“ (nach Altersbach zu) großen Schaden an den Wiesen angerichtet hat: Mehr als für 100 Taler Heu und Gras wurden verschlammt, ebenso soll es im Stillergrund, im Bamberger und an anderen Stellen mehr geschehen sein. Dennoch ist eine gute Heu- und Getreide-Ernte gewesen, Grummet (zweiter Grasschnitt) aber hat es nicht viel gegeben.

 

1737: So gut wie die Heu-Ernte in diesem Jahr war, so mißlich naß und unbeständig ist die Getreide-  und Grummet-Ernte (zweiter Grasschnitt) dieses Jahr wegen des vielen und beständigen Regenwetters gewesen, nachdem es vom Jakobitag (27. Juli) bis in die Zeit unsrer Kirmes fast alle Tage - wenige ausgenommen – dunkel, kalt und regnerisch gewesen ist. Daher ist das Getreide ziemlich ausgewachsen, das meiste wurde naß eingebracht, noch mehr liegt draußen und es sieht sehr gefährlich und mißlich um das Grummet aus.

1748: Es war sehr kalt im Winter.

 

1752: Am 3. Juli 1752 ist eine ungemein große Überschwemmung entstanden, so wohl hier als auch an anderen Orten, wie sie seit Menschengedenken nicht gewesen ist. Das Wasser ist in Höhe der Brücke beim Unterwirtshaus abgezweigt. Es hat hier und an anderen Orten großen Schaden verursacht: Das Gras auf den Wiesen wurde überschwemmt und das Heu weggeführt. Das Wasser ist sowohl an harten als auch an sumpfigen Stellen aus der Erde gequollen.

Am 6. Juli hat es wieder eine sehr große Überschwemmung gegeben, die das Wehr an der Waagwiese weggeführt hat. Diese Überschwemmung hat auch das Stiller Tor in Schmalkalden umgeworfen.

1752: Am 9. Juli 1752 gab es wieder ein großes Wasser in Steinbach.

 

1753: Am 17. Dezember 1753 hat das große Wasser unter anderem Schaden verursacht, das Wasser hat in der Dillersgasse ein sehr großes Loch gerissen, wo der Gemeindeweg über das Wasser geht, das die Zittersmühle und die Valtin Stoffels Mühle und den Zainhammer treibt. Da haben die betroffenen Handwerker das Wasser wieder zu ihren Wasserrädern geleitet, aber das Loch nicht füllen oder gleich machen wollen. Es ist zur Klage und Besichtigung gekommen und von Amtswegen entschieden worden, daß die Handwerker das Loch haben wieder zumachen müssen.

 

1755: In diesem Jahr ist ein sehr kalter Winter gewesen, da es von Weihnachten bis in die Passionswochen eingefroren gewesen ist, so daß weder Eisen- noch Stabeisenhammerwerke gegangen sind. Es sind auch - wie man hört - hier und da vielen Leuten die Glieder erfroren, und auch viel Wild ist gestorben. Es hat seit Menschengedenken nicht so viel Schnee gelegen.

1756: In der hiesigen Gegend, auch an noch mehr Orten, sind auch auf Birn- und Kirschenbäumen ganze Blumen gewachsen, und das besonders in Steinbach. Auch auf Apfelbäumen sind große und schöne vollkommene Rosen gewachsen. Und im Stiller Grund haben anstatt einer Blüte die meisten Bäume zweimal geblüht.

 

1759: Es ist so ein warmer heißer Sommer gewesen, wie seit Menschengedenken keiner gewesen ist. Wir haben so eine schön reichliche Heu- und Getreide-Ernte gehabt, wie in vielen Jahren keine.

Am 10. November, sechs Wochen vor dem Christfest, ist so ein großer Schnee gefallen auf den Feldern und es ist so ein großer starker Frost eingefallen, daß alle Eisenhämmer eingefroren sind. Zwei Hämmer sind 14 Tage darauf zum zweitenmal durch noch größere Kälte, die wieder im Advent gekommen ist, eingefroren; das ist schon lange nicht mehr so gewesen.

 

 

 

Steinbacher Flurkarte von 1717 / 18

Die Karte gibt die die landwirtschaftlich genutzten Flächen, die Waldstücke und die Ortslage wieder. Die ersten Gebäude von Süden her gesehen stehen an der Rasenmühle: zwei Hauptgebäude mit drei Mühlrädern und zwei Nebengebäude. Über die Hasel geht eine Brücke und von da aus ein Weg in den Kirchberg. Die Straße nach Herges ist noch sehr schmal. Von der heutigen Einmündung der Arzbergstraße auf die Bahnhofstraße ging ein Weg in den Stiller Graben und einer über die Straße „Bei den Fichten“ in Richtung Arzberg. Der Weg nach Altersbach führte vom Kälberzeil über den Altersbacher Weg an der Linde vorbei, wo er auf den Weg durch den Gruppich traf. An der Stelle der Bismarckstraße war nur ein schmaler Weg mit einem Teich.

 

 

 

Arzbergstraße, Gruppich und Kirchberg waren noch nicht bebaut. In der Hauptstraße beginnen die Häuser bei Haus Nummer 6 und 7. Die Bebauung ist dort ziemlich geschlossen. Die Straße trug bis zur Hammergasse den Namen „Uff der Straße“. Links zweigt dann die heutige „Friedensgasse“ ab (mit dem charakteristischen Knick). Rechts geht die Pfarrgasse ab (heute: Kirchplatz) mit der Kantorsgasse, den beiden Schulgebäuden rechts der Kirche und einem ziemlich großen Haus auf der ,,Insel“ (Kirchplatz 13). Am Eingang des Kirchplatzes lagen damals noch freie Felder, ebenso an der linken Einmündung der Hammergasse. Eine größere Zahl von Wohnhäusern, Werkstätten und Stallungen findet sich im Umkreis der Kirche und in der Hammergasse, an deren Ende ein Wehr mit zwei langen Gebäuden, der Mittelhammer, stand.

Über die Brücke aus dem Jahr 1718 kommt man ins Erbstal. Links steht das Unterwirtshaus (heute: Erbstal 1). Das Hauptgebäude steht unmittelbar an der Hasel, mit dem Giebel zum Wasser. Dahinter ist ein Nebengebäude, ein kleineres Haus steht im rechten Winkel dazu.

Hinter dem Unterwirtshaus steht die „Klappermühle mit einem Teich, durch den der Stein­bächer fließt. Auf dem Hirtenhügel stehen fünf Häuser, an der Gräfenhohle zwei, dazwischen führt noch ein Weg nach oben. Das Erbstal selbst ist dicht besiedelt mit kleinen Häuschen und Werkstätten, vor allem in seiner linken unteren Seite fast dem heutigen Straßenbild entsprechend. Im Erbstal sind die Häuser links wie in einem Eisenbahnzug aufgereiht.

Der obere Teil des Erbstals weitet sich fast platzartig aus. Häuser stehen an der Stelle der heutigen Häuser Erbstal 35 und 37 sowie 41, rechts gehen sie bis Nr. 36. Ein einzelnes Haus steht am Anfang der Bermbacher Straße und eins auf dem Grundstück Brunnenstraße 12.

Die Hauptstraße und die Hammergasse sind ziemlich bebaut. Am Ende der Hammergasse ist ein Wehr mit zwei langen Gebäuden, der „Mittelhammer“. Die Straße von der Hammergasse bis zur Mühlgasse hieß „Zwischen den Dörfern“ und war nur an einigen Stellen bebaut. Um 1710 wurde die Mühlgasse angelegt. Sie führte zu den Mühlwiesen, auf denen eine Mahlmühle stand, die alte „Motzenmühle“.

Der Friedhof hat eine fast quadratische Form und geht im Osten noch nicht bis zum Kunstgraben und reicht im Süden nur bis zur Kirche. Die heutige Wolffstraße ist noch nicht besiedelt, die hier verzeichnete Fläche heißt „Die Waag-Wiesen“. Der Weg zur heutigen Schule ist schon vorhanden. Dort beginnt die Straßenbezeichnung „Der Markt“. Hier begann Obersteinbach.

Das ziemlich große Oberwirtshaus (neben dem ein Brauhaus stand), steht auf einem ziemlich großen Platz. Von dort gehen aus die Kälberzeil (mit dem Anfang der Rotteroder Straße), untere Moosbach mit der unteren Moosbachmühle, untere Moosburg und Kellerstraße. Die heutige Moosburgstraße, damals und heute noch im Volksmund „die Burg“ genannt, ist mit annähernd 20 Häusern verzeichnet.

Der obere Teil der Hauptstraße weitet sich wieder platzartig aus und heißt „Unter den Linden“. Die Hasel läuft auf der Mitte der Straße, einige kleinere Häuser stehen unmittelbar am Wasser. Die Brücke zum Schloßberg ist vorhanden, sie wurde 1765 neu gebaut.

 

 

Schloßberg auf einer Tasse

 

Der Schloßberg ist ziemlich hoch hinauf bebaut und dicht mit Häusern bedeckt, links stärker als rechts. Büttnersgasse und der Weg zum Glockenhaus sind zu erkennen. Rechts am Eingang des Schloßbergs steht ein ziemlich langes Haus parallel zur Straße. Dort wird 1735 für l.258 Gulden ein großes dreistöckiges Malzhaus errichtet, das das Malzhaus weiter oben am Berg ersetzte, das später als „Glockenhaus“ bezeichnet wurde. Die Straße „Uff der Dillersgasse“ beginnt an der Brücke über die Hasel, wahrscheinlich ein alter Holzbau. Sie ist ziemlich breit und geht in die heutige Oberhofer Straße hinein. Die Verlängerung der Dillersgasse bildeten die ,,Deichwiesen“, heute ist dort die Teichstraße.

 

Die Bäche und Wasserläufe entsprechen dem heutigen Bild, wenn auch der ehemalige Kunstgraben erst in jüngster Zeit zugeschüttet wurde. Ein freies Stück ergab sich etwa von der heutigen Gastwirtschaft „Zur Linde“ an bis in die Nähe des jetzigen Dölls Hotel. Leider ist die Bezeichnung für das Haus an der Stelle des ehemaligen Amtsgerichts nicht zu lesen.

Dann folgte wieder als dichter besiedelter Ortsteil von Obersteinbach der sogenannte „Platz“, auf dem der Platzhammer stand (Hallenburgstraße 34 und zur Rösse hin). Einige stattliche Gebäude, nämlich der Hammer mit Wehr und Abflußgräben, sind in der Flurkarte eingezeichnet.

Durch die ,,Plätzersmühle“ (heute: Hallenburgstraße 34) läuft ein Graben, der aus einem ziemlich großen Teich hinter der Mühle gespeist wird und sich unten wieder mit der Hasel vereinigt. Dieser Kunstgraben speist auch die ,,Rote Mühle“.

Die „Rothe Mühle“ und ein Drahtzug wurden von der Hasel getrieben und mußten das Wehr oberhalb des Oberhammers unterhalten. Hier und am ,,Oberhammer“ war ein weiterer Siedlungspunkt, während der Weg nach Unterschönau zu noch ziemlich unbesiedelt war. Einige Häuser gibt es noch am Hohen Berg („Gaß auf dem Berge“) und an der ehemaligen Gaststätte  ,,Wald­schlößchen“, wo auch ein kleiner Teich war. Auf der Obereller stand seit 1711 ein Schützenhaus für 20 Schützen. Die ganze Gemeinde wurde damals in zehn „Korporalschaften“ eingeteilt und mit Offizieren versehen, damit bei Alarm jeder Offizier seine Leute bald zusammen hatte.

Am Ende des Dorfes nach Unterschönau zu liegt die „Arnsberger Schneidemühle“. Die Hasel ist hier ein Stück geteilt. Auch in Unterschönau hat die Hasel zwei Arme bis zum unteren Teil der Schulstraße. Diese ist die Durchgangsstraße und führt schon damals durch die Engstelle hindurch. Die kleine gewölbte Brücke führt in den Wald. Von der Schulstraße zweigt (etwas weiter unten als heute) breit der Weg ins Dörmbach ab.

Die Karte zeigt dann noch das untere und das obere Dörmbach, das Gebiet zwischen den Hermannsbergen und zwischen dem Großen Hermannsberg und dem Steinhauck, dann noch die Flur nach dem Knüllfeld, Scheitelkopf und Bermbacher Weg zu. Der Verlauf der Straßen ist vielfach der gleiche wie heute (zum Beispiel der geschwungene Weg vom Dörmbach ins Haichle), bei vielen Äckern und Häusern sind die Namen der Besitzer mit angegeben.

 

 

Grenzsteine

Am 9. Mai 1722 haben die Zwölfer, die Steinsetzer Valtin Rothämel und Klaus Luck in Anwesenheit des Herrn Amtsschultheißen Zufall und Herrn Förster Johann Schäfer die Grenze und die Grundstücke der Gemeinde im Feld besichtigt.

Am 31. Mai 1724 haben in Anwesenheit des Herrn Amtsschultheißen Zufall die Zwölfer, Vorsteher und Steinsetzer die Grenze von hinten am Arzberg hinten durch das Feld bis an die Hergeser Grenze in Anwesenheit der Hergeser Nachbarn, und über die Grenze hinüber und um den Kirchberg herum besichtigt. Ferner sind auch mit dazu genommen worden die Schulkinder Heinrich Ritzmann, Matthäus Allbrecht, Hans Faßler, Hans Kaspar Dietzel und Johann Christoph Holland-Merten, damit die Kenntnis der Grenze noch lange erhalten blieb.

Am 24. April 1726 den 24. April sind die Grenzsteine um die Pfarrgüter besichtigt worden.

Am 26. Juni 1728 ist die Gemeindegrenze begangen und besichtigt worden.

Am 16. Mai 1731 sind von den Zwölfern, Vorstehern und Steinsetzern die Marksteine bei dem neuen Feldweg zwischen beiden Dörfern am Haus des Hans Georg Holland-Cunz gesetzt worden. Der Weg kostet 16 Gulden.

Am 4. Oktober des gleichen Jahres ist der lang streitig gewesene Grenzstein bei der neuen Mühle und beim Steg über den Laudenbach (Ludwigssteg) bei Unterschönau gesetzt worden.

 

Am 22. Dezember sind die übrigen Steine vom erwähnten Grenzstein bis an das sogenannte Köpfchen gesetzt worden. Mit dabei waren die hier mit Namen angegebenen Personen:

Herr geheimer Legationsrat von Franckenberg

Herr Oberförster von Dernbach                   hat bekommen 2 Taler 16 gute Groschen

Herr Oberförster Schäfer                              hat bekommen 2 Taler

Herr Forstschreiber                                       hat bekommen 2 Taler

Herr Amtsschultheiß 5 Dukaten, weil er die Herrn gespeist und für seine Mühe

Herr Förster Zielfelder                                  12 Taler 16 gute Groschen

Herr Förster Wachs                                       12 Taler 16 gute Groschen

Den sämtlichen Jägerburschen                      18 gute Groschen

Herrn Gerichtsschreiber Doles

Valtin Knoth, Fuhrlohn für die Grenzsteine 1 Taler

Valtin Pabst für das Anfertigen der Steine 18 gute Groschen

Auf zweimal wurden 11 Gulden, 14 gute Groschen, 7 ½ Pfennige verzehrt worden.

Ferner sind mitgegangen nachfolgende Schulkinder: Johannes Wirth, Peter König, Matthäus Kehr, Johann Caspar Wilhelm, Johann Konrad Weber, Michel Reinhardt, Philipp Wahl, Matthäus Weber, Johann Jäger Müller, Kaspar Moritz Häfner, Philipp Häfner, David Ender, Abel Wahl, Caspar Holland-Moritz, Cyriacus Diller, Kaspar Moritz Reumschüssel (Die Schulkinder mußten mitgehen, weil sie auch für die Zukunft die Standorte der Grenzsteine garantieren sollten). Sämtliche Kosten, die bei diesem Steinsetzen entstanden, betrugen 36 Taler, 12 Groschen oder 46 Gulden 18 Groschen.

 

Vom 8. bis 11. September 1734 war die große Grenzbesichtigung auf hessischer und gothaischer Seite, am Mittwoch und Donnerstag in Mehlis und Zella, am Freitag und Sonnabend hier. Es sind an die 40 bis 50 Personen von hier „wunderbar“ damit belästigt worden. Auf der hessischen Seite  waren dabei Oberforstmeister von Dernbach, Oberrentmeister Waldenber­ger, Oberförster Schäfer, Herr Amtsschultheiß Zufall, Förster Wachs in Unterschönau, Förster Zielfelder in Steinbach, der Forstläufer, die Steinsetzer Moritz Wahl und  Hans Konrad Jäger, die Zwölfer Hans Georg Holland-Moritz, Klaus Reumschüssel usw. und noch andere aus der Gemeinde. Die Mahlzeit soll allerhand gekostet haben, sie ist von der Herrschaft bezahlt worden. Es war auch kein Mangel an Musikanten und Spielleuten, die auf der Hallenburg die fremden Herren empfingen.

 

 

Gemeinschaftliche Weide 1727

Am 1. September 1727 haben die beiden Hirten und der Schäfer mit ihrem Vieh die gemeinschaftliche Weide wieder betrieben. Es sind aber die Hergeser gekommen und haben sie gepfändet, indem sie drei Kühe und sechs Schafe und Hämmel weggenommen haben. Sie haben diese aber bei einer Strafe von fünf Talern ohne Heller und Pfennig wieder zurück geben müssen. Beim Gerichtstermin wurde jeder Partei auferlegt, solange auf die Hute und Weide auf der Koppelhut zu verzichten, bis die Sache besser untersucht wäre. Die Hergeser haben das aber nicht gehalten.

 

Acht Tage darauf ist die Angelegenheit von den Behörden und anderen verständigen Leuten in Augenschein genommen worden und von der Steinbacher Gemeinde ein alter Markstein gezeigt und gehoben worden. Darauf ist nochmals beiden Teilen befohlen worden, sich der Hute und Weide auf der Koppelhut zu enthalten. Das ist aber zuerst von den Hergesern wieder gebrochen worden, so daß die Steinbacher auch dem nachgefolgt sind. Es sind ihnen aber auch 13 Stück Schafe von den Hergesern aus dem Pferch genommen worden, die sie aber auch wieder zurück geben mußten.

 

 

Gewalt durch Soldaten 1727 und später

Werbung für die Armee 1727:

Vom Monat Februar bis in den April 1727 ist zu Pferd und Fuß sehr stark für die Armee geworben worden. Die jungen Leute waren nicht sicher in ihren Betten. Sie machten sich dann fast alle miteinander auf in andere Orte wie Zella, Mehlis, Tambach usw. Dadurch waren alle Arbeitsplätze zerrissen und die Arbeit ging schlecht und es sah übel aus. Daher ließen die Behörden einen Befehl ausgehen, nach dem jeder Vater seinen davongelaufenen Sohn bei Verlust von Hab und Gut wieder herbeischaffen und bei sich arbeiten lassen solle.

 

Einquartierung 1727:

Vom 2. März bis zum Juli 1727 ist die Anzahl derer hier einquartierten Dragoner bis auf 23 gestiegen. Man hat ihnen jeden Tag 2 Metzen Hafer und 8 Pfund Heu, Spreu und Stroh geben müssen. Dafür ist den Leuten für drei Monate Steuer gut geschrieben worden.

 

Quartiermeister reitet Mann nieder 1727:

Am 20. Mai 1727 ist der jüngste Sohn des Hans Holland, Nagelschmied in Obersteinbach, von dem hier sich aufhaltenden Quartiermeister aus Unvorsichtigkeit über den Haufen geritten worden, daß er eine ganze Weile bewußtlos gewesen ist, aber doch endlich wieder zu sich gekommen ist.

 

Dragoner reitet Mann nieder 1727:

Ein in Altersbach geborener Dragoner Thomas Lenß (oder: Lantz) war Dragoner in der Kompanie Major Blums, die zum Auroch‘schen Regiment gehörte, das wegen seiner Grausamkeit bekannt war. Am 19. Juli 1727 hat er seine Frau besucht, die er als Witwe geheiratet hatte und die jetzt in Unterschönau wohnte. Dort hat er mit einem Kameraden noch im Wirtshaus gesessen und gesoffen. Nun ritten sie nach Altersbach um die Wette. Dabei hat er auf der Wiese bei der Schneidmühle aus Unvorsichtigkeit Meister Ernst Hilpert über den Haufen geritten. Der Nagelschmied in Obersteinbach wollte in Unterschönau Zain-Eisen holen und konnte nicht gut hören konnte. Am anderen Tag ist er gestorben.

Er wurde von Herrn Dr. Fuchs, dem Landarzt und dem hiesigen Bader („Chirurg“) Meuß besichtigt und untersucht. Dabei waren Herr Amtsschultheiß Zufall, Herr Kantor, die Gerichtsschöffen Kaspar Dietzel und Johannes Faßler, die Vorsteher Meister Hans Ernst König und Meister Johannes Frank. Es ergab sich, daß bei ihm das „Herz-Brot“ und sechs Rippen (die sechste Rippe zweimal) die zwei Kinnbacken und Zahnlade entzwei gewesen sind, ebenso die kleine Röhre am Schienbein. Er hatte auch ein großes Loch am Hals, so daß er keine Speise hinunter bringen konnte. Am 22. Juli wurde er begraben mit dem Text „Sehet, welch ein Mensch“ (Joh 19, 5). . Der Täter aber entfloh auf Veranlassung anderer Dragoner.

 

Gewaltsame Werbung 1729:

Im Jahre 1729 ereignete sich wieder ein schlimmes Einzelschicksal. Zur Miliz (dem „Landesausschuß“) gehörte damals ein großer, wohl gewachsener Mann namens Caspar Holland-Merten. Die Offiziere der in Steinbach liegenden Dragoner wollten ihn gern als Dragoner oder Grenadier haben und dann nach Kassel schicken. Er wollte aber kein Soldat werden, weil sein Vater durch einen Schlaganfall gelähmt und sein älterer Bruder nicht recht bei Sinnen war. Er arbeitete in einem Hammerwerk in der Nähe der Todtenwarth bei Niederschmalkalden. Dort lauerten ihm aber die Preußen auf, die überall ,,lange Kerle“ suchten.

Die Steinbacher Soldaten aber wollten ihn für ihren Landesherrn haben. Die Sache wurde für sie dringend, als Prinz Wilhelm nach Schmalkalden kommen und den Caspar sehen wollte. Sie schrieben an die Regierung in Meiningen, sie möchte den Holland-Merten gefangennehmen lassen und nach Schmalkalden bringen (das Hammerwerk gehörte damals zu Meiningen).

So wurde dann der Mann festgenommen, erhielt viele Schläge und Seitenstöße und wurde einige Tage in Schmalkalden „aufm Tor“ in Arrest gehalten. Sein alter lahmer Vater und seine betrübte Mutter machten eine Eingabe beim Prinzen, hatten aber keinen Erfolg. Die Beamten wollten nicht einmal bescheinigen, daß dieser Sohn ihr einziger Ernährer sei. Die Mutter machte bei dem Prinzen einen Fußfall mit großem Wehklagen und Geschrei, da gab der Prinz den Sohn los.

Doch nun wurde dem Holland-Merten auf Betreiben der Offiziere und Beamten die Arbeit gekündigt. Auch in Steinbach wurde den Hammergewerken verboten, ihm Arbeit zu geben. Durch diese Maßnahmen sollte er gezwungen werden, doch noch zu den Grenadieren zu gehen. Bis zum Jahresende aber sollte er noch im Hammerwerk bei der Todtenwarth arbeiten dürfen.

Doch acht Tage später wurde er krank und kam nur noch mit großer Mühe am 18. November bis nach Asbach. Von dort ließ ihn der Steinbacher Pfarrer mit seinem Pferd nach Steinbach bringen. Der Mann hatte große Angst und war sehr unruhig. Aber schließlich schlief er ein. Sein Vater wachte bei ihm. Als er am Sonnabend früh gegen drei Uhr nach ihm sah, fand er ihn tot im Bett liegen. Er wurde unter großem Gefolge der ganzen Gemeinde am 20. November begraben. Er war 22 Jahre und 15 Wochen und 5 Tage alt.

 

Diebstähle durch Soldaten 1729:

Nach Neujahr 1729 hat der Diebstahl unter den Dragonern sehr überhandgenommen, so daß sie nicht nur des Nachts Hühner, Gänse, Ziegen, Schweine, Kälber und dergleichen geholt, sondern auch am hellen Tage am 3. Januar zu Mittag in das Haus Valtin Mangolds gingen, der Nagelschmied in Obersteinbach ist. Dort haben sie unter anderem 14 Ellen (4,20 Meter) neues Halb-Tuch und Barchent-Stoff und drei silberne Finger-Ringe usw. genommen. Sie wurden aber dabei ertappt und nach Herges in den Arrest geführt. Was ihnen widerfahren ist, wird die Zeit lehren. Es hat niemand erfahren können, was sie deswegen für Strafe haben leiden müssen, ich bin aber der Meinung, daß sie dafür überhaupt keine Strafe erhalten haben.

 

Erfassung junger Männer 1734:

Im Jahr 1734 wurden die ledigen und verheirateten jungen Männer von 15 bis 30 Jahren hier aufgeschrieben, es sind beinahe 300 gewesen. Am 7. Juni wurden sie alle nach Schmalkalden bestellt. Es waren viele der Meinung, es würden - wie vorher im Sächsischen geschehen - neue Soldaten gemacht werden. Aber es wurden nur die alten Milizsoldaten(„Ausschösser“) aus ihrem Dienst entlassen und an ihrer Stelle neue gemacht; es war also eine unbegründete Furcht unter den Leuten.

 

Willkür der Soldaten:

Das18. Jahrhundert kennzeichnet wieder die Willkür wechselnder Obrigkeiten, die mit ihren militärischen Horden den Steinbacher Grund durchzogen. Die Kriege der sächsischen und preußischen Fürsten zogen tiefe Furchen in das friedvolle Antlitz dieser schönen Landschaft. Neben den Preußen (von denen es heißt, daß sie sich unflätig benommen haben) und den Sach­sen gaben schwedische, französische, gothaische und hessische sowie württembergische Söldner hier ungebetene Gastrollen. Wie ein Jahrhundert zuvor griffen die Einwohner oft zur Selbsthilfe und nahmen durchaus nicht alle ihnen aufgebürdeten Maßnahmen hin.  

König von Schweden in Hessen 1731

Im Jahre 1720 wurde Erbprinz Friedrich I. von Hessen-Kassel gleichzeitig König von Schweden. Ehe der König gekrönt wurde, hat er die Evangelisch-Lutherische Konfession angenommen (Hessen-Kassel war reformiert, Schweden war lutherisch). Im Jahre 1731 ist der König in Schweden, unser allergnädigster Landesherr, nach Kassel gekommen und außerdem in Marburg, Gießen, Hersfeld und anderen Orten gewesen. Er ist aber nicht nach Schmalkalden gekommen, obwohl der Stadtrat eine Ehrenpforte auf dem Markt hat aufrichten lassen, die auch 200 Taler gekostet hat. Auch die dortigen Musiker haben Musikstücke komponiert und andere Lieder anfertigen lassen.

Es war aber vergebens, weil der König nicht hierher gekommen ist. Er hat sich einige Monate im Hessenland aufgehalten, ehe er wieder nach Schweden gereist ist. Er hat ausrufen und anzeigen lassen, daß jedermann seine Not und Beschwerden vorbringen sollte. Doch der Verfasser soll die Bittschrift mit seinen Namen unterschreiben und die Unterschrift von einem Beamten bestätigen lassen, weil sonst viele unbegründete Klagen vorkommen könnten.

Am 19. Mai 1732 wurde dem König in Schweden, unserem Landesherrn (aber ohne daß er selber anwesend war), auf dem Schloß in Schmalkalden von den geistlichen und weltlichen Beamten gehuldigt. Der Herr Oberamtmann und Legationsrat von Franckenberg nahm im Namen des Königs die Huldigung entgegen. Der Herr Oberrentmeister Waldenberger hielt die Rede über die Nachfolge der Herren Regenten im Hessenland. Diese sind die Herrn Landgrafen Hessen-Kassel, Philippsthal, Wanfried, Rotenburg, Darmstadt und schließlich die Kurfürsten zu Sachsen (Erstaunlich ist dabei, daß auch Hessen-Darmstadt erwähnt wird, das ja schon lange von Hessen-Kassel getrennt war. Und sogar die Kurfürsten von Sachsen sollten noch einen Anteil bekommen haben).

Es wurde in dieser Rede auch erwähnt, wie die althergebrachten Rechte und Gewohnheiten der Einwohner erhalten und jederzeit beschützt worden sind. Zuerst leisteten den Treueid und gaben dem Herrn von Franckenberg den Handschlag alle weltlichen Angestellten, Beamten, Förster und Bergangestellten. Danach die reformierten Geistlichen in den Kirchen und Schulen wie auch die lutherischen Geistlichen. Endlich dann der Stadtrat, die Ärzte, Steuerbeamte und andere. Die darauffolgenden Tage wurden die Einwohner insgesamt verpflichtet, nämlich ein Amt um das andere. Am 23. dieses Monats huldigte das Amt Steinbach Hallenberg, und zwar jeder Mann, der verheiratet war.

Es waren noch drei Personen dabei, die schon vor 55 Jahren dem Herrn Landgrafen Karl gehuldigt hatten, die damals mit dabei gewesen waren, sind jetzt auch mit zugegen gewesen, nämlich Klaus Luck aus Untersteinbach, Quiring Holland aus Obersteinbach und Andreas Köhler aus Bermbach. Von der. Herrschaft bekam jeder Einwohner 3 Maß Bier, das vom Bierheller bezahlt wurde.

Die hiesige Gemeinde aber gab einem jeden aus den Gemeindewirtshäusern 2 Maß, so daß also jeder 5 Maß Bier bekam. Die Geistlichen aber sind wie gewöhnlich leer ausgegangen, es war niemand da, der ihnen das Geringste zur Erfrischung gegeben hätte (Johannes Avenarius rechnet sich auch zu den Geistlichen, deshalb seine Klage).

 

Pfaffeneller und Hallenburg

Viehseuche 1731

Gegen Ende September des Jahres 1731 hat ein Metzger aus Benshausen (südlich von Steinbach) ein dreijähriges Rind an Jörg Enders in Obersteinbach verkauft. Es ist vielleicht von einem verdächtigen und infizierten Ort hergekommen ist, weil es kurz danach verendet ist. Als das Vieh in Obersteinbach hierauf auf die Weide getrieben wurde und an die Stelle kam, wo das tote Vieh ausgelegt war, hat es fürchterlich gescharrt und gebrüllt. Eine Menge Vieh ist krank geworden und verendet, nur weniges Vieh ist erhalten und geheilt worden.

Weil nun diese Seuche unter dem Rindvieh mehr und mehr einriß, gab der Herr Oberamtmann in Schmalkalden den Befehl, kein Stück Vieh mehr auszulegen, sondern große Löcher in die Erde zu machen, 1,50 Meter tief,  und das tote Vieh dort zu verscharren. Darauf wurden am Ende Steinbachs bei Valtin und Wilhelm Königs Häusern solche Löcher gemacht und von dem Schinder die toten Tiere, nachdem sie vorher zerteilt worden sind, in diese geworfen und mit Erde bedeckt. Die Löcher wurden für Lohn gemacht und ein Tagelöhner bekam täglich 6 Groschen

Anfänglich wollte sich niemand dazu bereit erklären, weil man meinte, daß dies eine unehrliche Arbeit wäre, so daß der Herr Amtsschultheiß diejenigen Leute, die in keiner Zunft waren, mit Gewalt dazu hat anhalten müssen. Doch danach scheute sich niemand und es waren noch Tagelöhner übrig.

Es wurde eine Umlage wegen der Unkosten gemacht und für jedes verendete Stück Vieh wurden 4 gute Groschen, aber auf zwei Kühe 6 gute Groschen festgelegt (Rabatt!). Doch ist es nachher anders geregelt worden und diese Kosten in Höhe von 50 Talern sind von der Bierhellerkasse bezahlt worden. Der Tierkörperverwerter („Abdecker“) soll - wie ich vernommen habe - für das Töten und Zerlegen auch ein bestimmtes Stück Geld aus der Bier­hellerkasse erhalten haben.

Der damalige Vorsteher Wilhelm Reinhardt hat wöchentlich eine genauere Aufstellung einreichen müssen. Laut dieser Aufstellung  sollen in Obersteinbach  120 Stück Rinder, Ochsen, Kühe, Stiere und Kälber zu Boden gegangen und verendet sein, aber nicht ein einziges Stück Vieh aus der Untersteinbacher Herde verendet sein.

Es ist dieses Viehsterben nicht nur hier gewesen, sondern auch in der Nachbarschaft, wie zum Beispiel in Mehlis, Zella, Suhl usw.,  in den Würzburgischen Landen, an der Saale, in der Rhön und in den Fuldaer Landen. Doch ist merkwürdig, daß in Untersteinbach nicht ein einziges Stück Vieh an dieser Seuche verendet ist. Ihre Königliche Majestät in Schweden hat deswegen eine besondere Bekanntmachung und Befehl herausgehen lassen mit dem Datum Kassel, den 16. Oktober 1731.

 

Im Herbst waren am 2. und 6. und 7. und 8. mehrere Beerdigungen waren - nämlich ein kleines Kind, eine Frau sechs Wochen nach der Geburt ihres Kindes, eine alte Frau mit Schlaganfall und eine junge Frau. Daraufhin ist das Gerücht ausgestreut worden, es wäre eine ansteckende Seuche wie unter dem Rindvieh auch unter den Menschen. Es haben fast keine fremden Leute, die etwas hier verkaufen wollten, hierher gehen dürfen. Daher sind die hiesigen Leute nach Utendorf (nördlich von Meinigen) gegangen und haben von den dortigen Einwohnern außen vor dem Dorf Köchniß (?), Erbsen und Linsen gekauft. Ja, es sind sogar von der Stadt Schmalkalden Schildwachen bestellt worden und niemand ist eingelassen worden.

Deswegen hat der Herr Amtsschultheiß einen Zwölfer mit einem Vorsteher in das Oberamt nach Schmalkalden geschickt, um zu berichten, daß hier keinen ansteckenden Seuchen wüteten. Darauf wurden die Wachen wieder abgeschafft und die Seifenhändler sind wieder hierher gekommen.

Auf Befehl der Behörden hat der Tierkörperverwerter das gestorbene Vieh im Beisein des Vorstehers Wilhelm Reinhardt aufmachen und genau untersuchen müssen. Darin haben sich dann befunden:

1. das Herz schwarz und wolkig

2. die Lunge auf einer Seite schwarz

3. der Magen rot und mit Wasser angefüllt

4. die Eingeweide und der Darm wäßrig

5. der Pansen ganz trocken.

Das Zwerchfell, Leber, Milz, und Nieren sind gut gewesen.

 

 

Vom Köpfchen

 

Steuerstreit 1733

Im Jahre 1719 fanden sich einige Nachbarn in hiesiger Gemeinde, die vorher immer die ganze Gemeinde regieren wollten. Sie gaben bei den Einwohnern an, weil man im hiesigen Amt im Vergleich zu den anderen Ämtern bei der Steuer gar sehr hoch veranschlagt wäre und die ehrbaren unter den Ämtern unrichtig handelten. Sie wollten dieses beim Landesherrn in Kassel untertänig vorzubringen und um Gleichbehandlung zu bitten. Sie begaben sich deshalb in die Wirtshäuser, ließen Mann für Mann vor sich kommen mit ihren Steuerbüchern und schrieben einzeln auf, was jeder jährlich gegeben hatte. Sie setzten sich auch in Schmalkalden in das Haus des Amtmanns Lapp und verglichen die dortigen Unterlagen mit denen ihren Steuerrechnungen,

Darauf klagte sie bei den königlichen Behörden so lang, bis im Jahre 1717 und 1718 (andere Angabe 1719 und 1720, aber nicht 1730) die Gemarkungen in den vier Ämtern der Herrschaft Schmalkalden durch zwei vereidigte Landmesser gemessen wurde. In Steinbach hat der Feld­messer Johann Laun aus Sontra mit einer etwa vier Meter langen Stange die Gemarkung vermessen. Der Acker wurde zu 150 Ruthen gerechnet (eine Ruthe ist nicht ganz 10 mal 20 Meter groß). Sie bekamen von jedem fruchtbaren und jedem brachliegenden Acker einen hessischen Albus. In Steinbach hat der Vermesser 80 Taler haben wollen (einschließlich der Eintragungen in die Grundbücher „Stückbücher“).

Das Ergebnis wurde in eine Karte eingetragen, die aus sieben Regal-Bögen besteht („Regal“ gibt die Größe der Bögen an). Diese wurden auf der Zwölferstube ausgelegt und dann in der großen Holzkiste verwahrt. Ein Doppel der colorierten Landkarten befindet sich en im Staatsarchiv Marburg, dort unter der Jahreszahl 1730. In digitaler Form sind sie auch bei der Stadt Steinbach-Hallenberg vorhanden (siehe unten).

 

In dieser Zeit aber wurden auf Verlangen der Urheber der Klage vier Abgesandte in den vier Ämtern der Herrschaft Schmalkalden von dem Herrn von Görtz, Kammerpräsident in Kassel, mit Handschlag verpflichtet. Der Nagelschmied Hans Kaspar Holland war einer der Abgesandten, der wegen dieses Auftrags 200 Taler aus der Gemeindekasse als Tagelohn erhielt, ohne das, was er vom Herrn Oberrechnungsführer in Schmalkalden und dem Steuer-Erheber, aus der Bierhellerkasse und aus dem „Überschuß“ erhalten hat.

Weil er aber nicht so sehr auf das Interesse des Fürsten und der Gemeinde sah, sondern vielmehr auf seine eigenen Vorteile und deshalb nichts ausrichtete und nicht mehr gehört werden wollte, bestimmte er aus eigener Machtvollkommenheit einen anderen Abgesandten, vielleicht wegen des Geldes, das er von diesem geborgt hatte.

Er überredete den neuen Abgesandten, daß er nach Schweden zum König reisen und diese Sache mit Nachdruck vorstellen sollte. Dieser machte sich im Jahre 1732 um den 29. September in Begleitung eines ledigen Nagelschmieds auf die Reise, ehe er sich die Sache reiflich überlegt hatte. Aber ein jeder verfaßte eine Bittschrift, von den en zwei in Abschrift in der Chronik des Johannes Avenarius ab Seite 242 zu finden sind:

Allerdurchlauchtigster! Ihre Königliche Majestät werden es ungnädig deuten, daß ich Armer und Verlassener mich wage, meine große Not, Jammer und Elend alleruntertänigst zu klagen.

Ich  alter und blutarmer Bürger - in Obersteinbach zu Hause - muß mit tränenden Augen meinen allergnädigsten König und Herrn berichten, wie ich als ein früherer reicher Mann („alter Schatzträger“) wegen der schweren und starken Steuern so arm geworden bin, daß ich mich mit Betteln behelfen muß.

Wegen einem halben Taler hat der Geldeintreiber mir meinen einzigen Rock verpfändet. Danach habe ich den halben Taler hinterlegt und dennoch nicht meinen einzigen Rock wieder bekommen.

Der hochselige verstorbene Landgraf hat in seiner löblichen Regierung die schweren und starken Lasten des Landes ziemlich ermäßigt. Nun aber sind sie so unerträglich, daß mancher Bürger mit Weib und Kindern sich in andere Herrschaftsgebiete hat begeben müssen und sie haben ihr Hab und Gut hinter lassen müssen. „Ach Gott vom Himmel sieh darein und laß dich des erbarmen“ (Zitat aus einem Kirchenlied).  

Der allergnädigste König erbarme sich über unseren Jammer und unser Elend. Wir sind in Elend geraten, vielleicht kommt auch noch mehr ans Tageslicht. Großer König, hilf uns Armen, sonst müssen wir untergehen. 

Eurer Königlichen Majestät alleruntertänigster und treuverpflichtester Knecht und Untertan  Johannes Häfner, Sohn des Klaus.

Allerdurchlauchtigster! Die Untertanen und Bürger in Obersteinbach im Amt Hallenberg und in Herrenbreitungen und Brotterode sind so stark gepreßt und verfolgt und es sind ihnen unerträgliche Steuern von den Herrn Beamten auferlegt worden, so daß sie gezwungen sind, andere Herrschaftsgebiete und Lebensmöglichkeiten zu suchen. Deswegen haben meine notleidenden Mitmenschen mich bewogen, als ihr Beauftragter sie nach Schweden zu verweisen, anstatt ihre Not und ihr Elend dem Erbprinzen hier zu klagen. Ich habe mich mit meinen Kameraden eine lange Zeit auf der See aufgehalten in Sturm und Ungewitter, aber vor Gericht habe ich nicht das Glück haben können, ihre Durchlaucht anzutreffen. Deshalb wage ich es, mein und meiner bedrängten Mitmenschen Not, Jammer und Elend alleruntertänigst meinem allergnädigsten König und hilfreichen Landesherrn zu klagen.

Obzwar der verstorbene Landgraf  in seiner damaligen Regierung seinen treuen Untertanen erträgliche Steuern auferlegt hat und allezeit dafür gesorgt hat, daß Land und Leute in guter Blüte gestanden haben, sind gleich aber nach seinem Tod die Auflagen unerträglich geworden. Mein allergnädigster König hat auch die Not der Getreuen damals gnädigst beherzigt und sie bei ihrer früheren unerträglichen Steuerlast gnädigst bleiben lassen. Allein leider kurz darauf haben die Untertanen ganz schwere Lasten aushalten müssen. Obwohl ihre Durchlaucht mit allem Fleiß versucht hat, diese große Unruhe zu hemmen, werden die erlassenen Befehle dennoch gehorsam befolgt und danach gelebt. Obwohl die Dragoner-Regimenter aufgelöst worden sind, haben die Vorsteher zum Beispiel dennoch die Gelder dafür gegeben. Wenn aber nun die Untertanen gegen das zugefügte Unrecht klagen, wird ihnen mit dem Zuchthaus gedroht oder auch in Arrest geführt, und wenn etwa der Eine oder der Andere ein wenig schuldig geblieben ist, müssen die armen Leute den Geldeintreibern ein Mehrfaches bezahlen. Meine Feder vermag nicht alle Ungerechtigkeit auszudrücken, die den Untertanen widerfahren ist, deshalb werden die Dokumente, die ich bei mir habe, noch mehr aufdecken.

Großer und gerechter König! Laß Gnade und Barmherzigkeit gegen ihre treuen Untertanen wiederfahren, denn sie klagen ihren Jammerstand ihrem treuesten und allergnädigsten Landesvater mit der gewissen Zuversicht, gerettet zu werden vor ihrem vor Augen schwebenden Untergang. Die frühere angeordnete Kommission hat nichts in der Sache bewirkt. Wir haben bei dem Herrn Oberamtmann von Frankenberg gefragt, was in dieser Sache geschehen sei.

Er hat darauf geantwortet, daß die Kommission 1.500 Taler gekostet habe, weshalb er in diesen Sachen keine Veränderung bewirken könnte. Er hat uns in dieser Sache an den König verwiesen.

 

Nachdem sie aber erfuhren, daß ich im Begriff war, nach Schweden zu verreisen, hat der Amtsschultheiß Justin Eckhard Zufall die Wache zu mir geschickt, um mich zu ergreifen und mir meine Schriften weg zu nehmen. Meine Kasten und die Dokumentenkiste haben sie aufgebrochen und alles versiegelt und mich gefangengenommen, so daß meine arme Frau und Kinder werden Not leiden, ich aber bin nackt und bloß davon gelaufen. Der Amtsschultheiß hat auch streng befohlen, daß keiner sich unterstehen solle, seine Not und seine Anliegen an seine Durchlaucht zu klagen und 20 Taler Strafe oder auch Zuchthaus angedroht.

Unser allergnädigster König! Weil es mir nun von meinen Mitmenschen befohlen worden ist, daß ich bei Eurer Königlichen Majestät um eine Kommission von hier dahin alleruntertänigst anhalten soll, bitte ich Eure Majestät hiermit zu Füßen liegend und doch wehmütig, daß Eure Majestät geruhen werden, nach Ihrer weltbekannten Gerechtigkeit uns armen Untertanen mit einer gewissen Hoffnung auf eine Kommission zu erfreuen, damit nach genauer Untersuchung den Bedrängten und Notleidenden wieder kann geholfen werden. Ich hoffe auf eine gnädigste Erhörung

Euer Königlichen Majestät alleruntertänigster wehmütigster Untertan und Knecht

Johann Conrad Wilhelm im Namen der Bürger der Gemeinde Steinbach-Hallenberg.

 

Nach dem Urheber dieser zwei Bittschriften ist scharf geforscht worden. Sie wird wohl niemand anders als der alte Deputierte Holland aufgesetzt haben, und er hat sie danach durch seinen Sohn abschreiben lassen. Am 18. Mai 1733 kamen die Abgesandten wieder aus Schweden zurück. Und obwohl sie ein königliches Schreiben dabei hatten, wurden beide festgesetzt und nach einigen Tagen nach Schmalkalden geführt. Einige Männer und Frauen aus dem Dorf haben bei deren Wegführung einige spitze Reden geführt und die Verhafteten befreien und mit Steinen nach den Milizangehörigen werfen wollen.

Der Herr Oberamtmann aus Hersfeld und der Herr Amtsvogt von Friedewald haben eine Untersuchung vorgenommen. Übeltäter sind ins Oberamt bestellt worden und als sie dort erschienen, wurde ihnen befohlen, in Haft zu gehen. Es wurden verurteilt:

                                                                       Gefängnis                   Unkosten

Hans Ernst Raßbach                                       14 Tage                     4 Rthl.

Georg Kaiser                                                    8 Tage                        2

Paul Usbeck                                                     6 Wochen                 12

Valtin Mangold                                                6 Wochen                 12

Hermann  Häfner                                           6 Wochen                 12

Wilhelm Wilhelm, Junggeselle                       14 Tage                      4

Johannes Wilhelm, dieser ist bisher noch verschont und hat eine Bittschrift eingereicht.

 Georg Königs Frau                                        8 Tage                            2 rt.

Anna, Frau des Ernst Schöner                       14 Tage                        4

Margarethe, Frau des Heinrich Schmidt      14 Tage                        4

Katharina, Frau des Christoph Holland           6 Wochen                 12

Margarethe, Frau des Peter Häfner              14 Tage                        4

 

Der neue Abgesandte aber und sein Gefährte wurden nach dem 29. September nach Kassel geführt, wo sie sich - ungeachtet trotz vieler Bitten und Klagen - noch in hartem Gefängnis und schwerer Arbeit befinden. Am 11. Juli ist der Wilhelm gegen Zahlen eines bestimmten Geldbetrags für das zweite Jahr losgekommen und nach hier gekommen.

 

Der alte Abgesandte aber und sein Sohn - die die Hauptursache alles Übels und Unglücks sind - entflohen und irrten in der Welt herum und empfangen, was ihre Taten wert sind (meint der Chronist). Sie sind in Benshausen gestorben. Die oben angeführten Gefangenen haben sich in der Zeit ihrer Gefangenschaft selbst verpflegt

Im Jahre 1759 sind in Steinbach und in der Herrschaft Schmalkalden alle Mann mit ihren Söhnen und Töchtern aufgeschrieben worden und was ein jeder an Steuer geben muß, die Zusatzsteuer („Beisteuer“ oder „Handsteuer“) ist aber abgezogen worden. Dieses ist hauptsächlich zugunsten der Herrschaft geschehen.

Oberdorf im Winter

 

 

Bittschrift wegen der Holzzuteilung 1753

Im Jahre 1753 ist eine Veränderung bei Holz und die Holzkohle in der Herrschaft Schmalkalden erfolgt, besonders aber im Amt Hallenberg. Nach Ansicht einiger Forstbediensteten soll es in den herrschaftlichen Wäldern sehr unordentlich zugegangen sein, wie es auch einige Köhler selber bestätigt haben. Es wurden Kommissare hierher geschickt, nämlich Herr geheimer Kammerrat Waitz und Herr Vizejägermeister von Berlepsch, die sich die Wälder ansahen. Daraufhin wurden dann sämtliche Köhler, so wohl hier, als auch in Unterschönau, Oberschönau, Herges, Rotterode, Struth und entsprechende Orte zum Schwören angehalten und mußten auch schwören (Bei dem Schwören ging es wohl darum, daß sie die neuen Bestimmungen einhalten sollten).

Danach wurde sowohl den großen Hammerwerken als auch den kleinen Handwerkern das Klafter Holz abgesprochen, das sie vorher zum Verkohlen bekommen hatten und in der Renterei bezahlten, und zwar erstere für jeden Klafter Kohlholz  10 ½ gute Groschen, letztere aber nur 10 gute Groschen. Stattdessen sollten sie abgemessene Kohlen im Wald nehmen gegen Bezahlung (Sie sollten also das Holz nicht mehr selbst verkohlen lassen, sondern fertige Holzkohle kaufen). Auch sollte vermutlich das Feuer- oder Brennholz den Einwohnern zwar nicht ganz abgesprochen werden, aber doch der Preis erhöht werden. Auch durfte das Reisig von dem Feuerholz nicht nach Haus getragen werden.

Da das alles nun den Hammerwerken und Handwerkern als etwas Neues und sehr beschwerlich vorkam, wurden einige Leute aus den einzelnen Zünften abgeordnet, bei der Herrschaft deswegen eine Bitte vorzutragen. Diese wollten alle drei Tage vor die Augen unseres gnädigsten Landesfürsten Wilhelm VIII. treten, konnten es aber nicht schaffen, ihre Bittschrift dem Landesfürsten selber in die Hände zu geben, obwohl diese von denen herrschaftlichen Bediensteten verschiedenemal abgefordert wurde.

Doch dann hat die gnädigste Herrschaft die Bittsteller am Sonntag - nach einer abermaligen Abweisung des fürstlichen Kammerdieners - rufen lassen. Sie wurden allesamt in der lutherischen Kirche in Kassel (als Lutheraner aus dem Schmalkaldischen gingen sie natürlich in die lutherische Kirche, während die Landesherrschaft reformiert war).

Sie wurden auch von dem Landesfürsten gnädig angesehen, und noch gleich sonntags vor der Mittagsmahlzeit dem Herrn geheimen Kammerrat Waitz befohlen, die Sache sogleich zu untersuchen. Bei ihm haben dann die Bittsteller ihr Anliegen vorbringen mußten Dabei legten sie unter anderem eine Abschrift des Vertrags über die 1619 geschehene Landesauswechslung vor (Benshäuser Vertrag), in der unterschrieben war, daß ihr bisheriges Recht beibehalten werden sollte, und auch mündlich versichert wurde, das hergebrachte Steinbacher Scheit- und Klafter Maß solle erhalten bleiben.

Ein Druck des Vertrags befindet sich auf der Steinbacher Ratsstube, das hiesige Amt hat sie nach Kassel schicken müssen. Er ist während des Aufenthalts der Bittsteller auch in Kassel angekommen, aber diese wußten das damals nicht. Da man nun annahm, eine gute Lösung in kurzer Zeit zu bekommen, so sind am Montag, dem 28. Juli 1753 die Bittsteller bis auf Valentin Holland-Letz, Johannes Recknagel und Johann Michel Holland nach Hause gegangen 

(Der 28. Juli 1753 war allerdings ein Samstag, es könnte am 30. Juli gewesen sein, denn die Abreise kann ja erst nach der Verhandlung am Sonntag erfolgt sein. Der später erwähnte 4. August war ein Samstag).

Allein die Sache hat sich verzögert und ist erst mittwochs darauf auf das Forstamt in Kassel gekommen. Als die Forsträte und Geheimräte beisammen waren, auch die drei Bittsteller anwesend waren und ihr Anliegen abermals vorbringen mußten – aus diesem Grund war ja die Forstversammlung auf Befehl des Landesherrn einberufen worden – ist auch ein guter Ausgang in Aussicht gestellt worden.

Die Bittsteller haben das Ergebnis auf dem Forstamt selber versiegelt von einem Rat zum anderen tragen müssen und zuletzt an Herrn Vize-Jägermeister Berlepsch abgegeben, der vermutlich die Sache ganz unterdrückt hätte. Dieser hat auf die Anfrage nach dem Beschluß auf die Kanzlei, von da auf die Bergstube und andere Stellen mehr verwiesen. Auch haben dessen Jäger versucht, die Bittsteller zu necken und müde zu machen, weil sie wohl unterrichtet waren.

Aber die Bittsteller haben das Anfragen nach dem Beschluß nicht unterlassen, bis Freitagnachmittag Regierungsrat Haier die Auskunft gab: „Eure Sache ist heute nicht in den geheimen Rat gekommen und ich habe gehört, es sollte auch nicht geholfen werden!“

Diese Nachricht ist von den Bittstellern betrübt aufgenommen worden, weil erstens die Nahrung des ganzen Hallenberger Grundes dadurch sehr geschwächt würde, zweitens die abgereisten Bittsteller anders nicht als auf Hoffnung und Versicherung eines guten Bescheids nach Haus gegangen sind, drittens in Anbetracht der vielen Kosten, die deswegen aufgewandt wurden, weil jedem täglich ein halben Taler als Lohn versprochen war und auch bezahlt werden mußte.

Wie man leicht erkennen kann ist guter Rat nun teuer gewesen. Deshalb haben die Bittsteller ein erneutes Schreiben an Herrn Geheimrat Waitz übergeben, daß er ihnen zu einer Entscheidung verhelfe. Sie haben aber weiter nichts als eine freundliche Antwort erhalten. Deshalb haben die Bittsteller sich genötigt gesehen, abermals eine Eingabe an den Landesfürsten einzureichen

Das ist geschehen am Sonntag, den 4. August 1753 (Sonntag war der 5. August) in Wilhelmsthal (Sommerresidenz nördlich von Kassel). Hierauf hat der Landesfürst gnädigst geantwortet: „Es soll euch geholfen werden, dieser Mann (gemeint ist der Rat Waitz) soll euch helfen!“ Die­ser Herr Rat Waitz aber hat die Bittsteller an Herrn Jägermeister Berlepsch verwiesen, um die Handlung des Forstamts zu veranlassen, aber dennoch auch diese wieder abzuweisen. So wurde das Laufen nach Kassel und Wilhelmsthal nur noch vermehrt, bis ein Schreiben an Herrn  Jägermeistermeister Berlepsch erbeten wurde, das wie folgt lautet:

„Hochwohlgeborener Herr, Höchstverehrter Herr Jägermeister! Die Schmalkalder Bittsteller treten unserm gnädigsten Herrn an allen Orten vor die Augen, wo er sich hinwendet, und erinnern an die Entscheidung über ihre Bittschrift. In der Kanzlei gibt man zur Antwort, der Bericht sei nicht eingekommen, da mir doch bekannt ist, daß Euer Hochwohlgeboren ihn dahin haben abgeben lassen. Weil es nun dabei darauf ankommt, daß derjenige Kanzleiangestellte bekannt wäre, der von Euer Hochwohlgeborenem Jäger den Bericht angenommen hat, so bitte ich gehorsamst darum, ob Euer Hochwohlgeboren gefällig wären, diesen Umstand mir mitteilen zu lassen. Dann will ich so gut wie möglich mich bemühen, damit dieser in Arbeit befindliche Bericht ausgemacht werde. Der ich in schuldigster Hochachtung beharre

Euer Hochwohlgeborener Gehorsamster Waitz, Wilhelmsthal, den 5. Augst 1753“.

Darauf ist dann der Vorgang über den Forst im Steinbacher Grund nach Wilhelmsthal zum Geheimen Rat gekommen und endlich ist auf vieles Bitten und Flehen folgende Entscheidung herausgenommen:

Auszug (Antwort auf die von sämtlichen Eisen- und Hammerwerkstätten und Handwerkern  wie auch Vorsteher der Gemeinde Steinbach übergebene untertänigste Eingabe). An den Oberforstmeister von Knachtenbach ergangene gnädigste Rückantwort (Verfaßt in Wilhelmsthal, den 7. August 1753):

„Ihr habt also es nicht nur bei dem bisherigen richtigen Klafter-Maß zu lassen und darauf zu sehen, daß nicht nur das Holzhauer- und Kohlen-Wesen auf der zwischen unserer Rentkammer und dem Oberforstamt geregelten und den Beamten zur Verpflichtung der Köhler und Holzhauer zugeschickten Anweisung beruht, sondern auch die zu denen Klaftern gehörenden Äste und Abfälle mit den Klaftern verkohlt werden zum gleichen Preis. Ebenso sollen die Klafter Kohlen den Hammerwerksbesitzern und Handwerkern im Walde nach richtigem Kohlenmaß zugemessen werden nach der Zahl der Stütze. Es soll auch nichts abgezogen werden von dem, was nach bisherigem Herkommen von jeder (Holz-) Gattung auf einen Karren gehört.

Den Hammerwerkbesitzern sind so viele Karren Kohlen zu überlassen, wieviel ihnen aus dem ihnen zugeteilten Kohlholz du dem dazu gehörenden Amtsholz und den Abfällen zugeteilt werden können. Es ist ihnen gegenwärtig und bis zu einer anderen Verordnung in dem von der Kommission vorgeschlagenen Preis zu überlassen!“ (Gemeint sind wohl die Stützen, mit denen die Holzhaufen zusammengehalten werden. Ein Klafter sind etwa 3,5 Kubikmeter Holz).

 

Der vorstehende Auszug aus dem Antwortschreiben ist denen abgeordnet gewesenen Hammerwerksbesitzern, Handwerkern und Vorstehern der Gemeinde Steinbach auf allerhöchsten Sonderbefehl erteilt worden aus der hochfürstlichen Landeskanzlei.

Das vorstehende Antwortschreiben hat an sich auf weiter nichts abgezielt, als die Unordnun­gen der Köhler im Wald zu hemmen. Es ist aber doch der Kohlenpreis erhöht worden, indem der Karren Klafter Kohlen auf 14 gute Groschen festgesetzt wurde mit dem Vorwand, es könnte kein Klafter Holz nach altem richtigem Klafter Maß geliefert werden. Das alte Maß  war ein Karren Kohlen zu neun Stützen und ein Klafter war 6 Schuh breit und hoch, das Schneidmaß war 4 Schuh lang, der Nürnberger Werkschuh ein wenig länger, wie es in den  Verträgen über die  Landesauswechs­lung von 1619 beschrieben ist.

Doch nun hieß es, auf einen Karren könnten von den Stock-Kohlen (Holzkohlen, die aus den Stangenholz  oder Baumstümpfen gewonnen wurden) nicht mehr als acht Stützen gemessen werden, und dafür müßten 10 gute Groschen an die Renterei und 1 Taler 8 gute Groschen an die Köhler gezahlt werden. Unter den Stock-Kohlen waren aber auch noch immer größtenteils grüne Stangen mit abgehauen. Also waren die Hammerwerksbesitzern und Handwerker genötigt, abermals bei der gnädigsten Herrschaft vorstellig zu werden. Am 1. Februar 1754 wurden abgeordnet: Johann Georg Franck, Schumacher, im Namen der Hammerwerksbesitzer und Stabeisenschmiede, Georg Nothnagel, Schlosser, und Klaus Hilpert, Nagelschmied, im Namen der Handwerker

Darauf ist dann ein gedrucktes öffentliches Schreiben herausgekommen, das von den Kanzeln abgelesen wurde. Es war zwar für die Köhler einigermaßen nachteilig, aber es wurde darin nachdrücklich befohlen, das richtige Köhlermaß anzuwenden. Es sollten auch neun Stütze Stock-Kohlen von reinem Stockholz auf einen Karren gezählt werden. Dieses Schreiben wurde an das Amtshaus und auch an die Gemeinde-Wirtshäuser angeschlagen.

Es durfte aber kein Feuerholz mehr verkohlt werden. Das war vorher häufig geschehen, weil die Köhler vorher den Einwohnern für einen Klafter Feuerholz im Wald 1 ½ Taler oder auch 8 Kopfstück zahlten. Diese wußten demnach trotz ihrem teuren Holzkauf einen guten Gewinn zu machen. Darauf wurde dann den Einwohnern für ihre Haushaltungen ein Holzschein für Feuerholz geschrieben, so viel sie verlangten und bezahlen konnten. Jetzt aber wurde nachdrücklich verboten, Feuerholz zu verkohlen oder zu verkaufen, wenn es doch geschähe, sollte ihnen kein Stück Holz mehr gegeben werden.

Der erste Bittgang kostete 165 Taler. Die Gemeinde hat davon das Wenigste getragen, weil nach Darstellung des damaligen Vorstehers die Gemeinde nichts vorrätig habe, sondern in großer Schuld gesteckt habe. Der zweite Bittgang, der am 1. Februar 1754 angefangen hat, kostet 51 Taler 8 gute Groschen, die auf die einzelnen Handwerkszweige umgelegt wurden.

Diese Unkosten sind entstanden durch Tage- und Schreiblohn wie auch etwas Verpflegung, weil Hammerwerkbesitzer und Handwerker notwendigerweise hier zusammen gekommen sind. Bei den herrschaftlichen Räten und Kanzleiangestellten hat es nichts gekostet.

 

 

Bewässerung 1753

Im Jahr 1753 hat sich ein Streit erhoben wegen des Wassergrabens auf der hiesigen Lutherischen Pfarrwiese beim Unterhammer. Und das, weil vorzeiten die Bewässerung über die Wiese geleitet worden ist, die der verstorbene Herr Organist Johannes Avenarius erblich genutzt hat.

Um aber die Länge des Bewässerungsgrabens auf der Organistenwiese zu verkürzen, ist der Graben im Jahr 1736 mit Zustimmung des verstorbenen Herrn Pfarrer May dem jüngeren und den Leitern der hiesigen Kirchengemeinde und der bürgerlichen Gemeinde auf Begehren des Besitzers (des Organisten) an das Ende der genannten Wiese gelegt worden.

Im obenerwähnten Jahr 1753 aber haben Johannes Wilhelm Richmer und der Rasenmüller Johannes Jäger, deren Frauen die Erben des Organisten sind, den neuen Graben zugefüllt unter dem Vorwand, er sei zu weit. Außerdem haben sie das von der Gemeinde erbaute Wasserwehr aus dem Hammergraben gerissen.

Daher sind die Zwölfer wie auch Leiter der Kirchengemeinde und der bürgerlichen Gemeinde genötigt gewesen, dieses dem hiesigen Amt zu klagen, damit die von der hennebergischen Herrschaft an die hiesige Lutherische Pfarrei vermachte Wiese durch die verhinderte Bewässerung nicht verdirbt. Der Herr Amtsschultheiß Fleischhuth hat alles in Augenschein genommen und durch verläßliche Zeugen den Ort zeigen lassen, wo die Bewässerung vorzeiten hergeleitet worden ist. Darauf ist folgender gerichtlicher Ausspruch geschehen:

„Den Klagenden ist in Zukunft zu gestatten, daß sie ungehindert über ihre Wiese von dem Hammergraben an bis an die Wiese der Klagenden den zur Bewässerung benötigten Graben ohne jedes Hindernis nutzen dürfen, und zwar an der Stelle, wo er sich jetzt befindet und durchgängig 30 Zentimeter hoch und ebenso breit. Die Klagenden aber haben den erwähnten Graben nicht nur auf ihre Kosten mit Brettern einzufassen, sondern auch den Beklagten auf deren Wiese den Schaden zu ersetzen, der verursacht wird durch eigenmächtiges und ungehöriges Aufwerfen eines anderen dahin nicht gehörenden Grabens, notfalls nach vorher ergangener Schätzung. Aus diesem Grunde sind sie auch verpflichtet, die hierbei entstandenen Gerichtskosten zu ersetzen schuldig!“

Die Einfassung des Bewässerungsgrabens ist sogleich durch den damaligen Vorsteher Valentin Holland-Letz in die Wege geleitet  worden und der Graben durch den Zimmermann Gerlach mit Brettern ausgefüttert worden, wie es aus der Rechnung des Vorstehers Johannes Weber für das Jahr 1753 zu ersehen ist. Johannes Wilhelm und Johannes Jäger Einspruch erhoben, er wurde aber abgeschlagen.

 

 

Wirtschaftliche Verhältnisse 1753 / 1754

Es waren damals sehr verwirrte und nahrungslose Zeiten, denn die Wirtschaft lag ganz und gar darnieder, keine Eisenware war zu verkaufen. Die Frucht war sehr teuer, der Stab Eisen kostete 15 ½ Kopfstück.

Es zogen auch in den Jahren 1753 bis 1754 verschiedene Handwerker und andere Leute außer Landes (dazu gehörten schon Viernau und Schwarza), nämlich Klaus Munch, Müller und Bauer auf dem Erbstal, mit Weib und Kind, nach Schwarza. Johannes Döll, Stabeisenschmied, und dessen Sohn Johann Gottlieb - dieser mit Frau und Kind - nach Viernau.

Der Schlosser Reinhard Usbeck, auch dessen Vater und Mutter Abel und Margaretha, und

Johannes Holland-Eb  nach Brandenburg, wie auch die Nagelschmiede Matthäus König (Quirings Sohn) und Cyriak Diller.

Die Nagelschmiede Matthäus Häfner (Christophs Sohn) und Johann Kaspar Holland-Merten junior mit Frau und Kindern gingen in das Isenburgische Gebiet in der Nähe von Frankfurt am Main, Herrnhaag genannt (die Herrnhuter Siedlung Herrnhaag südwestlich von Büdingen).

 

Ortschroniken

Das Evangelische Pfarramt Steinbach-Hallenberg verwahrt zwei Chroniken, die viele kirchliche Nachrichten enthalten, aber von Amtspersonen (Lehrer, Amtmann) verfaßt wurden und an sich Chroniken der Gemeinde sind. Besonders die Chronik des Lehrers und Organisten Johan­nes Avenarius ist ein sehr wertvolles Werk, denn es dürfte kaum einen anderen Ort geben, wo so ausführlich die Ereignisse aus der Zeit von 1708 bis 1737 beschrieben werden und auch Nachrichten aus früheren Zeiten gesammelt werden, angereichert durch eine ganze Anzahl von Satzungen und wichtigen amtlichen Schreiben. Vor allem hält Avenarius nicht nur die „amtlichen“ Nachrichten fest, sondern auch viele Ereignisse aus dem Leben der kleinen Leute. Auch über Kirche und Schule wüßte man aus dieser Zeit wohl kaum etwas.

Einen großen Teil der Aufzeichnungen des Johannes Avenarius nehmen Zeitzeugenberichte ein (Seite 327 bis 436). Aber Avenarius verwendet auch Nachrichten aus früherer Zeit (ab 1524). Hier hat er wahrscheinlich eines der drei Bücher seines Großvaters Matthäus Avenarius benutzt, die dieser seinen drei Söhnen und damit auch dem Vater des Johannes Avenarius geschenkt hatte. Eine weitere Quelle war das Register der Pfarrer zu Steinbach von 1574, das Pfarrer Caspar Betzelmann aufgezeichnet hat und in dem er den Bericht des Pfarrers Wolfgang Gräf über die Besetzung der Pfarrstellen festgehalten hat (Seite 162).

Am 5. Januar 1729 übereicht Johannes Avenarius, Organist und Schullehrer, seine Chronik an die leitenden Personen des Ortes. Dabei verwendet er sein sogenanntes „Chronodistichon“, bei dem die groß geschriebenen Buchstaben aneinandergereiht eine römische Zahl ergeben.

Dabei sind aber nicht wie sonst bei römischen Zahlen die niedrigeren Ziffern von den höheren abzuziehen, sondern jede Ziffer ist einzeln zu nehmen und dann sind alle zusammenzuzählen

Aber die hier angegebene Buchstabenfolge ergibt nur das Jahr 1629, es muß aber 1729 heißen. Johannes Avenarius sagt aber selber, er habe von 1728 bis 1731 das Buch geschrieben und 1734 nach Nachträge gemacht. Das bedeutet doch wohl, daß er nachher das Buch wieder in Händen hatte und fortgeführt hat.

Die Chronik des Johannes Avenarius wurde im Jahr 2015 in Steinbach-Hallenberg abfotografiert. Peter Heckert, der von 1967 bis 1989 Pfarrer in Steinbach-Hallenberg war und jetzt wieder in seinem Heimatort Hochstadt wohnt, hat die Bilder bearbeitet, den  Text abgeschrieben und in  heutiges Deutsch übertragen und mit Erläuterungen ergänzt. Die lateinischen Zitate wurden übersetzt und altertümliche Wörter nachgeschlagen und durch heutige Ausdrücke ersetzt. Auch wurden insgesamt der Sprachfluß, die Satzstellung und die Ausdrucksweise dem heutigen Deutsch angepaßt. Wer dennoch die ursprüngliche Gestalt der Chronik nachempfinden möchte, der kann ja in das Original hineinsehen.

Peter Heckert hat auch eine Chronik „Kirche im Steinbacher Grund“ herausgegeben, in der auch Nachrichten aus anderen Quellen verarbeitet sind. Sie ist heute zu finden im Internet unter „ www.peterheckert.org“, Thüringen Ausflugsziele, Steinbach-Hallenberg, zusammen mit einer allgemeinen Ortsgeschichte.

An verschiedenen Stellen der Chronik ist auch erwähnt, daß eine Nachricht in das „Buch der Gemeinde“ (= bürgerliche Gemeinde, die Chronik der Kirchengemeinde heißt „Pfarramtschronik“) eingetragen wurde, um es für die Nachwelt zu erhalten. Auch Grundstücksverkäufe der Gemeinde sind in dem Buch festgehalten. Auf den Seiten 58 bis 63 enthält das Buch sogar eigenhändige Eintragungen des Amtmanns Faust.

 

Das Buch ist ein Kulturgut, das der Öffentlichkeit und jedem interessierten Forscher zur Verfügung stehen muß, so wie in einer Bibliothek auch. Das Pfarramt kann froh sein, daß es diese Chronik noch in Besitz hat und sie nicht längst wie anderes Archivgut an eine andere öffentliche Bibliothek abgegeben werden mußte. Im Grunde gehört sie in die Thüringische Landesbibliothek im Jena.

Es gibt Seiten, die auch im Original leer sind. Johannes Avenarius hat ja keine nach Jahren geordnete fortlaufende Chronik geführt (nur in den Zeitzeugenberichten), sondern hat seine Nachrichten nach Sachgebieten geordnet und dadurch auch Platz gelassen für Ergänzungen. Diese wurden dann auch von Späteren vorgenommen.

Nun ist zum ersten Mal diese Chronik vollständig erfaßt und für die Nutzung aufbereitet worden. Bisher gab es immer nur Auszüge, zum Beispiel von Rechtsanwalt Gerland in Schmalkalden und einige Zusammenfassungen. Manche Widersprüche lassen sich jetzt klären, denn zu dem gleichen Thema finden sich oft Eintragungen an zwei oder drei Stellen.

 

Dazu kommt eine weitere Chronik des Amtmanns Kraut, der von 1724 bis 1774 lebte. Die Handschrift von 1768 wurde 1966 im Pfarrarchiv Steinbach-Hallenberg von Dr. Volker Wahl gefunden und identifiziert. Das Werk war allerdings unvollständig und beginnt erst mit Seite 221. Im Museum Schloß Wilhelmsburg in Schmalkalden befindet sich allerdings eine Abschrift, die mit Seite 23 beginnt und nach der Seite 221 mit dem Steinbacher Manuskript übereinstimmt.

Den vollständigen Titel überliefert der Barchfelder Pfarrer Johann Reinhard Häfner in seinem Werk über die Geschichte der Herrschaft Schmalkalden. Der Titel ist sehr lang und beginnt mit „Sammlung erprobter theils ungedruckter Nachrichten“. Häfner hatte das vollständige Manuskript von dem Kaufmann Ulrich Kürschner in Brotterode erhalten.

Gleich zu Beginnes seiner Tätigkeit befaßte Kraut sich vom 21. bis 24. August und 4. bis 6. September mit der Grenzfeststellung zwischen dem Amt Hallenberg und den angrenzenden Ämtern Georgenthal uns Schwarzwald (heute: Luisenthal). Diese Tätigkeit dürfte sein Interesse an der Geschichte und alten Akten geweckt haben. Er benutzte u.a. das Schwarzer Archiv und sicherlich die amtlichen Archive der Herrschaft.

Der erste Teils eines Werkes enthält die allgemeine Entwicklung, natürliche Lage und Beschaffenheit des Landes, kirchliche Entwicklung und die Organisation der hennebergischen und hessischen Landesherrschaft. Der zweite Teil behandelt Stadt und Amt Schmalkalden und die anderen Ämter der Herrschaft. Daran schließen sich an die Anschriften von Urkunden und amtlichen Schriftstücken.

Kraut hat das Werk nicht mit eigener Hand geschrieben, sondern seine Schreiber dafür angestellt. Aber für die Geschichte der Herrschaft Schmalkalden und besonders des Amtes Hallenberg ist sein Werk eine wertvolle Fundgrube historischer Nachrichten. Ihm verdanken wir, daß die von Pfarrer Matthäus Avenarius in Latein verfaßten Lebensbeschreibungen der lutherischen und reformierten Pfarrer von Steinbach-Hallenberg erhalten sind. Sie sind allerdings in einer lateini­schen Sprache verfaßt, die selbst Lateinlehrer am altsprachlichen Heinrich-von-Gagern Gymnasium in Frankfurt am Main stellenweise nicht deuten konnten, weil die Schreiber kein Latein konnten und beim Abschreiben offenbar Fehler machten.

 

Auch die „Nachrichten über die Berggerichte in Suhl und Steinbach-Hallenberg“ sind wegen des Verlustes der meisten Urkunden eine wichtige Quelle über die Berggerechtigkeit in diesem Gebiet. Allerdings muß man dabei bedenken, daß Kraut keine „Bergordnung“ überliefert hat, sondern Berggerichtsverhandlungen vom 15. bis 17. Jahrhundert aneinanderreiht, und daß Häfners zusammenfassende Übersicht in einigen wesentlichen Punkten von Krauts Manu­skript abweicht. Diese umfangreiche Chronik verdiente es, auch so ausgewertet zu werden wie die Chronik des Johannes Avenarius.

Seite aus der Chronik des Amtmanns Kraut

 

 

Absetzung des Zwölfers Schneider wegen Mordes 1759

Im Jahre 1759 ist der Zwölfer Schneider von allen Zwölfern abgesetzt worden, weil er an zwei Stellen Schnupftabak weggenommen hatte, wie das von zwei Zeugen beschworen wurde. Sie haben aber deswegen vom Amt Bescheid bekommen, sie sollten ihn bei 5 Gulden Strafe wieder annehmen. Aber die 8 lutherischen Zwölfer haben um ihre Entlassung gebeten und sind auch weiter dem Zwölferstuhl ferngeblieben.

Auf den Pfingstmarkt 1759 hat der Schneider erstmals eine Gebühr erhoben bei den Krämern, was vorher noch niemals geschehen ist. Eben in diesem Monat ist der Schneider Schützenhauptmann geworden. Dieser Mann (drei Wörter dick durchgestrichen)  hat sechs Ämter gehabt: 1. Zwölfer, 2. herrschaftlicher Eichsachverständiger, 3. reformierter Heiligenmeister, 4. amtlich bestellter Vormund für Waisen, 5. Steuer-Erheber, 6. ist er ein Schützenhauptmann gewesen und hat eine Schützen-Kompanie aufgestellt.

Schneider hat die Schützen mit Musik und Trommeln auf den Schießhof geführt. Am zweiten Pfingst­tag hat er die Schützen nach Herges geführt, da hat er aus Mutwillen alle Schützen fünf – oder sechsmal abfeuern lassen. Sind also alle Dörfer hier herum in Schrecken versetzt worden als wären Feinde angekommen und wollten uns aussaugen und abbrennen. Am dritten Pfingsttag sind sie wieder von dem Schützenhof gekommen, haben unter der Linde getanzt - alte Männer! Es war anzusehen wie damals in Sodom und Gomorrha (Anspielung auf 1. Mose 19, auf die moralische Verderbtheit der beiden Städte).

Trotz dieser letzten elenden Kriegszeit haben sie sich noch in derselben Nacht voll gesoffen, sie sind Patrouille gegangen in alle Wirtshäuser, haben die Besucher belästigt und mit Gewehren geschlagen. Ein Musikant mit Namen Moritz Herzog hat sich unterstanden, ihn abzuwehren. Da ist der Schneider in seiner Wut und mit seinem verfluchten Anhang auf ihn eingedrungen und sie haben ihn bald tot geschlagen. Am nächsten Morgen in der Frühe war es dem Mann als würde er sterben.

Da gab es in der Gemeinde deswegen so einen Aufstand, daß viele Einwohner ins Amt liefen. Sie holten den Schneider in seinem eigenen Haus ab und führten ihn ins Oberwirtshaus. Da wurde er n Ketten gelegt und in das Landknechtshaus geführt. Dieser ist aber ist von da wieder entflohen, ist wieder trotzig im Dorf herum gegangen, hat seine Ämter aufgezählt und hat sich an niemanden gekehrt. Er hat sich also auf seinen starken Arm verlassen, auf die, die es mit ihm halten, und hätte bald noch mehr Schlimmes gemacht. So hat Moritz Herzog die Schläge umsonst haben müssen.

Sechs Wochen nach diesem Schlagen, am 27. Juli, starb Moritz Herzog an den an Pfingsten empfangenen Schlägen. In dieser ganzen Zeit hat er unsägliche Schmerzen ausgestanden. Er ist zwei Tage nach seinem Tod geöffnet worden. In Anwesenheit der Gerichtschöffen hat der Landesarzt festgestellt, daß der Schöffe Schneider ihn so tyrannisch hat zugerichtet, daß er ihm sechs Rippen im Leib hat entzwei geschlagen und das Schulterblatt gespaltet.

Der Chronist meint noch: „Seine Strafe wird sich zeigen!“ Aber gleich nach diesem Tod ist er entflohen und man hat ihn bis jetzt nicht wieder gesehen. Als der Mann tot war, war Schneider noch einige Tage hier, wurde aber nicht verhaftet. Am 20. November 1759 ist dieser Schneider all seiner Gemeindeämter enthoben worden: Reformierter Heiligenmeister ist Justus Menz geworden, Gemeindevormund ist Gregor Flemming geworden und David Ender ist für ihn Zwölfer geworden.

Am 4. Mai 1760 hat der Assessor Hohn von Schmalkalden diesen Schneider wieder - ohne daß man die Sache ausgemacht hätte - wieder in das Eichamt eingesetzt. Am 2. Juni hat sich die ganze Gemeinde wegen des  Schneider verpflichtet und unterschrieben, daß sie denselben nicht zum Eichmeister haben wollte, es koste, was es wolle. Daher hat der Wirt und Braunachbar gebraut und keinen Strafzettel von ihm genommen, obwohl es bei 10 Talern Strafe verboten war. Dazu hat die ganze Gemeinde Widerstand geleistet und die Anordnung nicht beachtet.

Als aber Herr Justus Holland brauen wollte, wurde ihm beim Schroten in der Mühle sein Malz beschlagnahmt und dem Müller verboten, es auszugeben. Es mußte das Feuer im Brauhaus, das schon drei Stunden gebrannt hatte, wieder ausgelöscht werden. Darauf beschwerten sich die Zwölfer und Vorsteher in Schmalkalden im Oberamt und bekamen von dort den Befehl, weiter zu brauen, bis der Prozeß des (Totschlägers) Schneider vorbei wäre und die Gemeinde mußte eine Kaution stellen. Das Amt blieb vorerst unbesetzt. Am 1. August 1759 hat der Amtsschultheiß das herrschaftliche Eichamt dem Johann Georg Holland-Letz aufgetragen, daß er dies verwalten sollte bis zu einer anderen Regelung.

 

 

Örtliche Verhältnisse 1773

Folgende Einrichtungen gab es in Steinbach: Im Jahre 1773 befanden sich in Ober- und Untersteinbach 384 Gebäude, unter ihnen zwei Kirchen, das Amtshaus, zwei Pfarrhäuser, zwei Schulhäuser, das Ober- und Unterwirtshaus mit zwei Malzhäusern und einem Brauhaus. Im Ort befanden sich ferner sieben Mahlmühlen und eine Schlagmühle, fünf Eisen- und drei Zainhämmer, ein Drahtzug und eine Schneidemühle.

Neben dem Oberwirtshaus stand ein Kaufhaus, in dem die Tuchmacher ihre Ware auslegten. Markt wurde am Montag nach Exaudi und Montag nach Egidii gehalten.

 

Tod durch Erfrieren 1786

Am 4. November 1786 ist Thomas Bickel, Sohn des Kohlbrenners Georg Friedrich, erfroren. Er war nach seinem Vater geschickt worden, ihm das Essen zu bringen. Als er auf dem Weg war, sind so ein starker Wind und eine große Kälte entstanden, daß er nicht weiter als bis zum Schafstall auf dem Knüllfeld (östlich von Steinbach) gekommen ist. Dort muß er müde geworden sein, hat sich niedergesetzt und ist sanft und selig eingeschlafen und erfroren. Zwei Tage danach ist er gefunden worden und nach Hause gebracht worden. Von einer zahlreichen Trauergemeinde wurde er christlich in die Erde bestattet. Der Text der Ansprache war aus dem Propheten Jeremia im 31. Kapitel, Vers 3: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Liebe.“

 

Rundblick vom Kirchturm I

 

 

Besuche des Landgrafen 1787 und 1791 und großer Brand

Am 5. September 1787 kam Landgraf Wilhelm IX. (der spätere Kurfürst Wilhelm I.) nach Steinbach. Dabei wurde das Amt Steinbach wieder vom Oberamt Schmalkalden getrennt und erhielt einen eigenen Amtsschultheißen, der den Titel „Amtmann“ erhielt. Dennoch gehörten Teile von Oberschönau, Unterschönau, Springstille und Näherstille auch weiterhin noch zu Schmalkalden.

Erst beim zweiten Besuch des Landgrafs am 31. Oktober 1791 ging Näherstille ganz an Schmalkalden und die anderen Orte ganz an das Amt Steinbach-Hallenberg. Damit gehörte auch Rotterode kirchlich gesehen ganz zu Steinbach. Damals war der Landgraf nach Steinbach gekommen, um sich persönlich vom Ausmaß des Brandes am 3. April 1790 und dem Stand der Wiederaufbauarbeiten zu überzeugen.

 

Am 3. April 1790 morgens gegen sieben Uhr brach im Haus der Witwe Köllmann Feuer aus, das mit großer Schnelligkeit überhandnahm. Es riß zuerst die gegenüberliegende Pfarrwohnung weg und nahm mit solcher Schnelligkeit überhand. Bei dem entsetzlichen Sturmwind war es nicht menschenmöglich, den wütenden Flammen Einhalt zu gebieten. Innerhalb von vier Stunden brannten vier Wohnhäuser, 20 Scheunen und ungefähr 20 Werkstätten und zehn Köhlerhäuser ab. Unter den abgebrannten Häusern waren auch das Schulhaus (Kirchplatz 20 / 22), das Pfarrhaus (Kirchplatz 30) und der obere Teil des Kirchturms.

Auch hat bei diesem Unglück der Kirchturm sehr und die Kirche etwas gelitten, so daß das sämtliche Fachwerk vom Achteck des Turms an völlig vernichtet wurden, dazu Glocken, Uhr, Helm und Fahne. Der menschenfreundlichen Hilfe der beiden Gemeinden Herges und Viernau, die mit ihren beiden Spritzen herbeieilten, hatten wir es vorzüglich zu danken, daß die Kirche und der übrige Teil des Turms gerettet wurden.

Im Herbst 1791 besichtigte der hessische Landgraf Wilhelm IX. die noch nicht wieder aufgebauten Brandstätten. Er nahm sowohl sämtliche neuen Gebäude und die Brandstätten der noch nicht wieder aufgebauten Pfarr- und Schulhäuser in Augenschein und hat auch fast das ganze Amt bereist. Der Besuch veranlaßte die Gemeinde, um eine Kollekte nachzusuchen. Diese wurde auch gnädigst zugestanden. So konnten noch im Jahre 1792 wenigstens die öffentlichen Gebäude wieder hergestellt werden.

Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel hielt in seinem Tagebuch über den Besuch in Steinbach-Hallenberg fest (sprachlich etwas angepaßt): „Den 9ten nach Steinbach, wo der um Ostern 1790 entstandene heftige Brand besichtiget wurde. Selbiger ist hinter dem lutherischen Pfarrhaus angegangen. Dieses, der Kirchturm und über 40 Häuser waren in zwei Stunden ein Raub der Flammen, woran die Faulheit der Untertanen im Löschen hauptsächlich schuld gewesen. Keine Spritze, Eimer (et cetera, et cetera) waren vorhanden, und der Beamte Faust hat viel Schwäche ebenfalls bewiesen, daß er nicht besser die Leute zum Löschen angeführt. Sämtliche abgebrante Häuser stehen wieder gänzlich fertig und bewohnt da, das Pfarrhauß und Schulhauß ausgenommen, welche noch gar nicht, außer dem Aufräumen, angefangen sind. Bloß wurde das Holz gezimmert. Auch wird hier bemerkt, daß der Amtsschultheiß Faust nicht einmal dafür gesorgt, daß die neu erbaute Häuser in der Straße nach der Schnur gerichtet, sondern, wie die abgebrante, bald vor, bald zurück treten, deswegen er sich aber mit dem Grund und Boden entschuldigte, wovon keiner das geringste hätte fahren lassen wollen.“

 

Berufe um 1800

Nach wie vor hatte fast jeder Einwohner seine Landwirtschaft. Um 1800 bestand die Feldmark aus 733 Acker Land, 1.021 Acker Wiesen und Gärten, 302 Acker Gemeindegüter, 291 Acker Waldung, 13 Acker Schulgüter und 41 Acker Pfarrgüter. Viele Wiesen lagen im Wald, zum Teil sehr entlegen. Durch viel Fleiß und Dünger konnte man den Feldern trotz des steinigen Bodens einigen Ertrag abringen. Vor allem wurden angebaut Kartoffeln, Kraut, Flachs, Gerste. Meist waren es Sommerfrüchte, denn die Winterfrüchte gerieten nicht gut. Die Wiesen lieferten gesunde Futterkräuter. Das Vieh wurde nicht groß und fett, war aber immer gesund und gab gute Milch.

Bei Feldfrevel (meist Überfahren eines fremden Grundstücks, es gab ja nur wenige Wege)  erhält der Geschädigte von dem Frevler außer dem Drittel der Strafe auch noch zur Abschreckung der Feldfrevler eine Pfandgebühr von einem oder zwei Albus, je nachdem ob der Be­treffende bloß mit der Sichel oder mit dem Gespann ertappt worden ist.

Es soll aber auch das Gemeindevermögen die Hälfte der Strafe erhalten. Außerdem verlangt die Regierung in Kassel am 4. Juni 1805 binnen 14 Tagen zu berichten, ob Feldfrevel von kursächsischen Untertanen auf diesseitigem Gebiet verübt wurden (schon Viernau gehörte zu Kursachsen). Wahrscheinlich ist schon mehrfach ein begangener Feldfrevel bis dahin ganz ungestraft geblieben oder auf irgendeine Weise sonst gerügt worden.

 

Rundblick vom Kirchturm II

 

 

Die Franzosenzeit 1806 bis 1813

Amtmann Faust schreibt im Jahre 1792 in der Turmknopfurkunde: „Wir leben übrigens jetzt in einer Periode, die in Hinsicht auf die jetzigen Franzosenkriegs am Rhein für die Ruhe Deutschlands sehr bedenklich wird. Frankreich empörte sich gegen seinen souveränen König, stürzte ihn vom Thron, brachte ihn und seine Frau, seinen Kronprinzen und seine Tochter, auch seine Schwester, als Gefangene in die sogenannten „Tempelgebäude“ in Paris und macht ihm jetzt den Prozeß.

Die zur Zeit regierende Kaiserliche Majestät Franz II. konnte dieses nicht mit gleichgültigen Augen ansehen und schickte daher in Verbindung mit seiner Majestät des Königs von Preußen und seiner Hochfürstlichen Durchlaucht unseres Herrn Landgrafen eine starke Heeresmacht nach Frankreich. Darunter befanden sich auch 6.000 Mann Hessen. Der König und unser Gnädigster Fürst zogen selbst mit ins Feld.

Die beiden erwähnten Monarchen hatten den Oberbefehl über sämtliche Verbände der Armee dem regierenden Herzog zu Braunschweig-Wolfenbüttel übertragen. Die alliierte Armee war schon tief in Frankreich bis in Champagne eingedrungen, hatte die Festungen von Longwy und Verdun eingenommen und den General Dummourier fast eingeschlossen. Aber durch widrige Zufälle, besonders durch den Mangel an Lebensmitteln, sahen sie sich wieder zum Rückzuge und zur Räumung jener Festungen genötigt.

 

Mittlerweile war der Französische General Custine von Landau aus in Speyer und Worms eingefallen und hatte dort ein ansehnliches Kaiserliches Magazin weggenommen. Dann war er weiter nach Mainz und Frankfurt gezogen und behauptet diese Plätze bis jetzt.

Unsere Hessen und die Preußen stehen jetzt am Rhein und wir sind erwartungsvoll der Blutszenen, die es da geben dürfte. Wollte der Himmel nur, daß die Erfolge (der Franzosen) unserer bangen Erwartung nicht entsprechen.“

 

Landgraf Wilhelm IX. wurde 1803 zum Kurfürsten und hielt am 15. Mai 1803 seinen feierlichen Kirchenzug in die St. Martini Kirche in Kassel und nannte sich von da an Wilhelm I.

Im Jahre 1805 wurde eine Fruchtsperre mit beispielloser Strenge angelegt und vollzogen. Eine Hungersnot würde unfehlbar eingetreten sein, wenn nicht der Kurfürst geruht hätte, aus seinen Magazinen und durch zweckmäßige Vorkehrungen aus den übrigen Vorräten des Landes die Bevölkerung zu unterstützen.

 

Am 29. September 1806 rückte eine französische Armee bei Kassel und besetzten alle Tore. Kurfürst Wilhelm und sämtliche Hessischen Verwandten mußten flüchten. Alles, was noch zu bergen war, wurde gerettet. Und der Kurfürst rettete sich mit seinem Gefolge nach Schleswig. Alle hessischen Soldaten wurden entwaffnet und nach Hause geschickt. Alle Geschütze und Gewehre in Kassel und auch auf dem Lande wurden weggenommen und mußten unter Androhung der Todesstrafe abgeliefert werden. Alle Vorräte an Gulden und Reichstalern in Kassel, die auf 234 Zentner geschätzt worden sind, sind weggenommen und nach Frankreich abgeführt worden. Außerdem sind alle Außenstände und Einkünfte im Land beschlagnahmt worden.

Auch die Herrschaft Schmalkalden wurde von den Franzosen besetzt. Die Einwohner Steinbachs mußten hohe Summen nach Schmalkalden liefern, um die Einquartierung zu finanzieren. Die Lieferungen von hier nach Schmalkalden für die französische Einquartierung und Durchmärsche nach Preußen und Polen sind unerträglich gewesen. Mehr als 2.000 Kanonen, die sie aus Preußen und Sachsen nebst Wagen für den Winter und Geld erbeutet und weggenommen haben, mußten alle durch die hiesigen Bauern als Fronleistung nach Mainz gefahren werden.

 

Durch den Druck und durch die vielen Kosten in der Herrschaft Schmalkalden und in ganz Unterhessen wurden die Untertanen rebellisch und es kam wegen des harten Drucks zu Aufständen. Sie fingen in Schmalkalden an, die Kanonen wegzunehmen und einige französische Soldaten wegzujagen. Auch die Beamten mußten fliehen und einige ihrer Amtssitze wurden zerstört. Um die Leute zu besänftigen wurde von Schmalkalden nach Kassel berichtet und um eine Abteilung Soldaten gebeten, die am 18. Jun mit 1.850 Mann in Schmalkalden ankam und einquartiert wurde, um die Rebellen gefangen zu nehmen.

Verschiedene von ihnen befanden sich in der Gegend von Brotterode, Kleinschmalkalden, Seligenthal und Floh und auch noch in der Stadt selbst. Aber die meisten entflohen, und sie haben nur zwei Mann von Brotterode und einen Mann von Kleinschmalkalden gefangengenommen und nach Kassel abgeführt. Es sind auch verschiedene Rebellen in Unterhessen zum Tode verurteilt und erschossen worden.

Auch im Amt Hallenberg suchte man nach ihnen. Am 22. Januar früh vier Uhr rückte ein Kommando von 180 Italienern vor das Haus des Bürgermeisters und verlangte, er solle die Rebellen anzeigen. Aber es war ja alles ruhig, kein Einwohner hatte sich an der Rebellion beteiligt. Am Nachmittag zogen die Soldaten wieder ab.

 

Im Jahre 1807 wurde Hessen zusammen mit Hannover, Braunschweig und einem Teil von Preußen dem Hyronimus Napoleon als „Königreich Westphalen“ übergeben („Hieronymus“ kennt man unter dem Namen „Jerome“). Am 7. März 1807 mußte auf dem Marktplatz von Schmalkalden dem König Jerome gehuldigt werden. Er war der Bruder Napoleons und regierte von Kassel aus das neu gebildete Königreich Westphalen. Erst mußten die Amtsträger, dann die einzelnen Ortschaften den Eid ablegen: „Ich schwöre Gehorsam dem König und Treue der Verfassung!“

Eine neue Auflage in Form einer Verbrauchssteuer wurde eingeführt: Wenn einer mahlen wollte, mußte er einen (kostenpflichtigen) Erlaubnisschein haben, wenn einer ein Schwein oder Kalb schlachten wollte, mußte er einen Erlaubnisschein haben; wer dagegen handelte, wurde hart bestraft.

Ende April wurde mit der Aufzeichnung der Zivilakten begonnen, also schon eine Art Standes­amt eingerichtet. Aber das Volk wollte von dieser Neuerung nichts wissen. Im September wurde den Bürgermeistern der Befehl erteilt, die Kosten dafür anzuweisen. Man versuchte überall, hinhaltenden Widerstand zu leisten.

 

In der Franzosenzeit mußten viele der mit Gewalt ausgehobenen jungen Soldaten zuerst nach Spanien und sodann nach Rußland marschieren und wurden fast sämtlich ein Opfer der fremden Macht, nur wenige kehrten zurück. - In der Woche vor Ostern 1809 wurden 30 Kürassiere, 30 Veteranen und eine Brigade Gendarmen nach Steinbach verlegt, weil viele Leute ihre Steuer nicht bezahlt hatten. Der Gemeinde brachte das nicht wenig Kosten und Verdruß. Auch wurde eine Proklamation wegen der Unruhe und Empörung verlesen.

Seit Anfang des Jahres 1813 liefen dann die ersten Nachrichten von den Niederlagen und Verlusten der französischen Armee ein. Die Erwartung der Bevölkerung war sehr gespannt, manche voreiligen Gerüchte liefen um. Zwei Polizisten wurden zusätzlich nach Steinbach verlegt.

Als am 15. März der hessische Kurfürst den russischen Zaren Alexander in Breslau traf, wurde in den Wirtshäusern der Volksjubel und das Lärmen schon hörbarer. Dennoch ordneten die Franzosen immer noch Siegesfeiern an, die aber nur schwach besucht wurden.

Mangel und Not wurden überall drückend spürbar. Die Abgaben konnten überhaupt nicht mehr entrichtet werden. Ende August wurden die Franzosen an allen Punkten geschlagen. Am 24. Oktober kam der Kosakenvortrieb der alliierten Armeen nach Schmalkalden und verkündete, man habe nunmehr das „Königreich Westphalen“ in Besitz genommen. Die Kosaken unter der Führung Czernitscheffs hatten dem „König“ in Kassel „einen Besuch abgestattet“.

 

Am 28. Oktober 1813 zog der Kronprinz wieder in Kassel ein. Doch als Erstes forderte er auf, sich zum Dienst fürs Vaterland bereit zu halten. Dieser bestand zunächst in der Einquartierung von Soldaten, die nun ständig durchmarschierten. Oft nahmen sie, wo sie etwas fanden.

Viele Lieferungen aller Art mußten geleistet werden, und die Teuerung stieg dabei. Ende November 1813 wurde bekanntgemacht, daß auch weiterhin Steuern gezahlt werden müssen! Auch mußten die Rückstände von Abgaben aller Art aus der Franzosenzeit beglichen werden. Der Kurfürst kam am 20. November 1813 in Gotha an und zog am 21. November in Kassel ein. In Steinbach wurde ein Dankfest gehalten und ein Essen gegeben, bei dem man auf die Gesundheit des Kurfürsten trank. Als der Kurfürst sein Land wieder erhielt, hatten sich von r viele Freiwillige eingefunden, welche die Feldzüge nach Frankreich mitmachten und mit Ruhm gekrönt, größtenteils zurückkehrten.

Aber bald kamen auch neue Verordnungen heraus, die weniger Begeisterung hervorriefen, besonders über die Errichtung des Militärs und die Entrichtung der Steuern. Die alte Fürstengewalt wurde eben wieder errichtet! Die Sitten waren nach dem Krieg ziemlich verwildert. Besonders die aus dem Feld zurückgekehrten jungen Soldaten nahmen sich mancherlei Frechheiten heraus und verübten Ungezogenheiten. Mitte Oktober kam der neue Amtmann Schuchard an und hielt streng auf Ordnung. Aber am Ende des Jahres 1815 mußte sogar der Landsturm geholt werden, um die Ungezogenheiten und Frechheiten der zurückgekehrten Soldaten zu dämpfen.

 

 

Hungersnot 1816 / 17

Ungewöhnliche Elementarereignissen gab es in allen Jahrhunderten: Am 21. Juni 1577 schneite es in Steinbach, auf den Johannistag (24. Juni) fror es. Bei einem Feuer am 10. April 1617 wurden 60 Häuser zerstört und viel Vieh kam um. Am 9. Juli 1752 gab es ein großes Wasser in Steinbach. Aber besonders gefährlich war das Hungerjahr 1816 / 17.

Im Mai und Juni gab es viel Regen und kühle Tage. Die Bestellung der Felder wurde dadurch sehr gehindert. Besonders heftiger Regen fiel Ende Juni, und das Wasser nahm dabei immer mehr zu. Am 28. Juni wuchs es nach Mittag unvermutet schnell an und überschwemmte viele Wiesen, Felder und Gärten. Viele an den Ufern liegende Baumstämme wurden mitgenommen, Wasserwehre fortgerissen und überall an den Ufern und Wegen großer Schaden angerichtet. Ein solches Hochwasser hatte es lange nicht gegeben, nur einige alte Leute wollten wissen, daß 1769 ein ähnlich großes Wasser gewesen sei. Doch fast den ganzen Sommer hindurch bis zum Herbst hinein dauerte die kühle und nasse Witterung fort. Das Gedeihen und Reifwerden der Feldfrüchte wurde dadurch sehr gehindert. Schon in August trat Mangel an Brotfrüchten ein.

Die Preise stiegen mit jeder Woche, für ein Maß Getreide mußte man bis zu 44 Batzen zahlen. Durch staatliche und private Anstrengungen wurden Lebensmittel herbeigeschafft. Das Korn wurde schließlich sogar aus Rußland eingeführt und kostete pro Maß 3 Taler 6 Batzen, ein Tragkorb („Kötze“) voll Kartoffel kostete 1 Taler 9 Batzen und auch bei manchen Geizigen noch einige Batzen mehr. Die ärmeren Leute hielten sich frühzeitig an die neuen Kartoffeln, die aber noch sehr klein und unreif waren.

Auf den Feldern und in den Gärten wurde viel gestohlen. Die Kirmes wurde in den Oktober verschoben, weil erst die Ernte (oder was noch davon übrig war) eingebracht werden sollte. Doch Mitte November fiel großer Schnee, so daß viele Kartoffeln und Rüben draußen blieben. Im nächsten Frühjahr konnten nur wenige oder gar keine Kartoffeln gepflanzt werden, weil es an Steckkartoffeln fehlte. Mangel und Not nahmen im Frühjahr immer mehr zu und die Bettelei überhand.

Viele Einwohner gingen nach auswärts, um Brot zu beschaffen, aber die Hungersnot war ja überall im Deutschland. Die staatlichen Notspeicher wurden geöffnet und die allerschlimmste Not etwas gelindert. Dennoch waren viele unzufrieden und murrten. Man hängte sogar in Steinbach eine Schmähschrift aus, durch die man etwas ertrotzen wollte, aber es blieb bei leeren Drohungen.

Im Sommer konnten sich viele der Ärmeren nur noch mit Wiesen- und Feldkohl nähren. Die Diebstähle in Gärten und Feld und auch sonst rissen immer mehr ein, alle Bestrafungen schienen fruchtlos zu sein. Besonders fiel man sehr frühzeitig über die noch unreifen Kartoffeln her, wodurch großer Schaden verursacht wurde. Die Ernte fiel dann aber doch ziemlich gut aus. Gras, Kartoffeln und Kraut gab es reichlich.

Das Getreide war dünn und gering, aber doch von guter Qualität. Der ärgsten Not wurde dadurch erst einmal abgeholfen.

Zur Erinnerung an diese schwere Zeit wurden überall Gedenkmünzen geprägt, von denen eine auch von dem damaligen Steinbacher Schultheiß Menz in den Kirchturmknopf eingelegt wurde. Sie zeigt auf der einen Seite eine Mutter mit zwei Kindern und die Umschrift: „O gib mir Brot, mich hungert“. Die andere Seite zeigt eine Waage mit verschiedenen Preisangaben, einen Anker im Meer, die Jahreszahlen 1816 und l817 und die Umschrift: „Verzaget nicht, Gott lebet noch“.

Im Jahr 1919 fielen zwar die Preise, aber Mangel an Nahrung und Geld blieben. Die Ernte war gut. Schon am 20. Juli wurde das erste Winterkorn geschnitten und eingefahren. Aber die Handwerker hatten einen geringen Verdienst und wenig Arbeit, weil der Handel durch das preußische Zollwesen sehr gestört war.

 

 

Probleme für den Schäfer wegen Verteilung von Brachland 1811

Am 15. September 1811 hat Waldaufseher Wilhelm aus Marburg die herrschaftlichen Waldstücke am Arzberg, Kirchberg, Humpfenloch und Blöcher-Arnsberg besichtigt. Er gab den Befehl, daß jeder unbegüterte Einwohner ein Viertel Ar des Rodelands erhalten sollte. Es wurde von dem Landmesser Herrmann aus Floh ausgemessen und jedem Einwohner sein Viertel zum Roden zugemessen und mit Steinen versehen.

Bei dieser Verteilung der Waldstücke haben verschiedene Einwohner dem Waldaufseher eine Angelegenheit vorgetragen, daß auch ein Stück Brachland über dem Erbstal am Bermbacher Weg, wo der Schäfer und der Hirte im Frühling und in der Sommerszeit hüten, abgegeben werden könnte. Sie hatten den Vorwand, daß es keiner hätte, sondern es sei nur eine Weide für das Vieh. Somit wurde auf Anraten der Herrn Forstbeamten den Interessenten dieses Stück Huteland von 9 ¼ Ar für die hiesigen Einwohner abgemessen und mit Steinen versehen.

Dadurch ist allerdings nicht nur die Hute für den Schäfer, sondern auch für den Hirten des Hornviehs geschmälert worden. Daraufhin hat sich der Pächter der Schäferei beschwert. Er hat die Schäferei von 1811 bis 1814 gepachtet und sollte jährlich 80 Gulden an Pachtgeld an die Gemeinde zahlen. Er beschwerte sich, daß ihm ein Stück von 9 ¼ Ar Huteland ist weggenommen und an die Einwohner abgegeben worden ist.

Der Schäfer schickte eine Eingabe an die Präfektur in Eschwege (in der Franzosenzeit wurden die Namen der Ämter und die Verwaltungsstruktur geändert und für Steinbach war nun die Präfektur Eschwege zuständig): „Seit dem 12. März 1715 hat die hiesige Gemeinde Steinbach von unseren verstorbenen Fürsten Karl aus Gnaden das Recht erhalten, eine Schäferei einzurichten. Von dieser Schafhute wurden der Herrschaft bisher jedes Jahr 18 Gulden zugewiesen und auch bis heute bezahlt worden. Ich habe von 1811 bis 1814 gut drei Jahre nacheinander die Schäferei gepachtet, mit der Bedingung, daß wir die Hute, wie wir sie in den vorigen Jahren genutzt haben, auch diese drei Jahre nutzen können. Aber in diesem Herbst ist durch die Bitten hiesiger Einwohner ein Stück Hute am Steinbach am Bermbacher Weg in Größe von 9 ¼ Ar von unserem Hutegebiet abgemessen worden. Die Forstangestellten haben dem Herrn Waldaufseher vorgeschlagen, daß dieses Stück wüst liegendes Rodeland abgegeben werden könnte, weil es nur Weide sei. Der Herr Waldverwalter  hat dann auch das Stück Land vermessen lassen - ohne daß das Huterecht der Gemeinde Steinbach beachtet worden wäre - und an die Einwohner verteilt. Da ich aber als Schafpächter der hiesigen Gemeinde alljährlich 80 Gulden Pachtgeld zahlen soll, ist doch ganz natürlich, daß ich in meinem bisherigen Huterecht geschützt werden will. Außerdem bin ich genötigt, nicht nur einen Abschlag auf das diesjährige Pachtgeld zu machen, sondern ich bitte auch untertänig, daß mir die Pacht auf drei Jahre wieder abgenommen wird oder durch eine andere gute Verpachtung erlassen sind!“ Eine Antwort ist nicht vorhanden.

 

 

Rundblick vom Kirchturm III

 

 

Ortsentwicklung seit 1820

Im 18. Jahrhundert werden folgende Straßen erwähnt: Erbstal, Hammergasse, Mühlgasse, Am Berg (Schloßberg), Auf der Burg (Moosburg), Auf dem Platz (oberes Ende der Hallenburgstraße und zur Rösse hin), Kälberzeil (1726), Rösse (1727). Dazu kam die Straßenbezeichnung „Zwischen den Dörfern“; hier stand auf der Höhe des Friedhofs ein Tannenwäldchen, das Mitte des Jahrhunderts gerodet und bebaut wurde. Nördlich daran schloß sich an die Bezeichnung „An der Straße“.

 

Ein Weg zum Gruppich wurde 1822 / 23 gekauft. Im Jahre 1824 begann man mit dem Ausbau der Hauptstraße. Treibende Kraft war der Kreisrat Schoedde, die Leitung hatten die Bürgermeister Elias Usbeck und Matthäus Weber. Zunächst nahm man das Stück vom Oberwirtshaus bis zum Kirchplatz in Angriff. Dann wurde die Straße im Jahre 1826 zur Zeit des Bürgermeisters Peter Holland bis zum Unterhammer fortgeführt. Und im Jahre 1827 wurde sie unter dem Bürgermeister Menz (einem Vorfahren des Zahnarztes Menz, Hauptstraße 42) bis zur Lindenstraße und noch darüber hinaus ausgebaut.

Sodann wurde im gleichen Jahr 1827 auch die Brücke bei dem Erbstal durch den Maurermeister Georg Bittorf erbaut (und hat bis heute gehalten). Im Jahre 1828 wurde mit dem Bau des hiesigen Oberen Gasthauses begonnen und in diesem Jahr vollendet. Im Jahre 1828 wurde auch der Anfang zum Straßenbau in der Moosbach gemacht und 1829 fortgeführt.  

 

Pfarrer Wilhelm Friedrich Habicht schreibt 1829 in der Turmknopfurkunde: „Schon seit mehreren Jahren ist der Wohlstand der hiesigen Eisenarbeiter sehr gesunken und sinkt täglich immer mehr. Im Allgemeinen sind daran die unter den deutschen Fürsten errichteten Zollschranken und Wegegelder schuld‚ wodurch ein nachteiliges Stocken im Handel und großer, fühlbarer Geldmangel entstanden ist. Besonders aber trägt hierzu auch der Getreidehandel das seinige bei. Ein wahres Glück, daß bei diesen traurigen Verhältnissen die Lebensbedürfnisse nicht nur, sondern auch die Luxusartikel sehr wohlfeil sind, sonst würde bei der unerhörten Verdienstlosigkeit größtenteils die Hungersnot unvermeidlich sein. Bei dem Allen aber ist der Luxus sehr hoch gestiegen. Ob der gegenwärtige bedenkliche Krieg zwischen Rußland und der Türkei einen Einfluß auf unsre Lage haben wird, muß und wird die Erfahrung lehren.

Seit 30 Jahren hat sich die hiesige Feldflur fast um ein Viertel durch die Abholzung bedeutender Waldstücke am Arnsberg, Humpfenloch, Kirchberg und Arzberg zum Urbarmachen vergrößert und während dieser Zeit ist die Landwirtschaft sehr angehoben worden.“

 

Auch 1763 hatte man schon Waldstücke gerodet. Da der Wohlstand immer mehr sank, vergrößerte man seit 1800 die Feldflur um ein Viertel. Sehr verdient gemacht hat sich dabei der Pfarrer Wilhelm Friedrich Habicht. Er war ordentliches Mitglied des Hessischen Landwirtschaftsvereins und betrieb selber eine Landwirtschaft. Er führte den Kleeanbau und den Winterfrüchteanbau ein, dazu ein Staudenkorn (das 12-16 Maß lieferte) und die Weberkantendistel.

Pfarrer Wilhelm Friedrich Habicht schreibt 1829  „Ich habe seit mehreren Jahren den Klee- und Winterfrüchte-Anbau, besonders des zweckmäßigen Staudenkorns, mit gutem Erfolge eingeführt und viele Nachahmer gefunden; auch ist mein Versuch mit der Weberkantendistel in diesem Jahre - trotz der nassen ungünstigen Witterung - wider Erwarten gut ausgefallen; und überhaupt ist bei allen Erzeugnissen eine reichliche Ernte gewesen. Zum Beispiel lieferten 60 Garben Staudenkorn 12-14-16 Maß zu je 20 Liter.“

Im Jahre 1825 mußte der Arzt und Chirurg Finck aus Steinbach entfernt werden. Ein Amtswundarzt hatte seine Tätigkeit aufgenommen, eine Totenschau war eingeführt worden, ebenso die Pockenschutzimpfung. Ein Kreis-Tier-Arzt wurde 1828 angestellt. Die Einrichtung einer Apotheke wurde lange nicht genehmigt und 1829 erneut abgeschlagen, erst nach 1830 konnte der Apotheker Ottleben eine Apotheke einrichten. Das hatte segensreiche Folgen für die Gemeinde und das ganze Amt Steinbach-Hallenberg. Ebenso wichtig wird es sein, wenn in Zukunft ein praktischer Arzt, Geburtshelfer und Wundarzt in einer Person angestellt werden soll, wie das Kurfürstliche Ministerium im Jahr 1837 entschieden hat. Erst 1865 wird der Amtswundarzt Erdmann aus Allendorf erwähnt, der Apotheker Köbrich aus Netra ist noch im Amt.

Im Jahre 1863 ist Wilhelm Erdmann der Amtswundarzt. Im Jahre 1873 wird der Arzt Dr. Lehnebach erwähnt. Regierungsrat Wilhelm Schoedde, Kreisrat des Kreises Schmalkalden, verschaffte 1829 den Gemeinden Rotterode und Altersbach eigene Friedhöfe.

Der andere Erwerbszweig neben der Landwirtschaft war die Herstellung von Eisenwaren. Seit den ältesten Zeiten gab es drei Zünfte (in Klammern die Zahl der Meister im Jahr 1806): Nagelschmiede (246), Schlosser (133) und Hufschmiede (91). Zu diesen Zünften gehörten aber auch solche Berufe wie Kettenschmiede, Rinckenschmiede, Klingenschmiede, Büchsenschmiede, Büchsenmacher, Zainer, Hammergewerke und Hammerbläser.

Sieben Bäckereien schlossen sich 1804 zu einer eigene Zunft zusammen. Die elf Metzgermeister bildeten mit den Brotterödern eine Zunft. Die Leineweber wohnen meist auf den Dörfern. Die Zimmerleute, Schreiner und Schuhmacher gehörten zu den Schmalkalder Zünften. Neben vielen Büttnern (Faßhersteller) und Garnstrickern gab es Schneider, Glaser, Wagner, Köhler, Drahtzieher, Drechsler, Messerfabrikanten, einen Sattler und einen Arzt.

 

Im Jahre 1831 wurde über Forstfrevel der Steinbacher in den benachbarten gothaischen Waldungen geklagt. Deshalb wurde Feuer- und Kohlholz aus staatlichen Wäldern zur Verfügung gestellt. Um 1850 legte man ein Steinkohlenmagazin an. Im Jahre 1836 wurde die Feuerwehr neu organisiert, die Spritzenmannschaften verpflichtet und eine dritte Feuerspritze ange­schafft.

 

Pfarrer Habicht schreibt 1837 in der Turmknopfurkunde. „Das wichtigste Ereignis für Kurhessen ist ohne Zweifel die Gründung einer ständischen Verfassung durch Wilhelm II., Kurfürsten von Hessen, und die daraus hervorgegangene neue Städte- und Gemeinde-Ordnung von 1837, durch die ein regeres, auf das Gemeinwohl ausgerichtetes Leben in Stadt und Land entstanden  ist und hoffentlich immer mehr anwachsen wird.

Entsprechend der Gemeindeordnung bildet den Ortsvorstand: ein Bürgermeister, ein aus mehreren Mitgliedern zusammengesetzter Gemeinderat und der Gemeindeausschuß. Der derzeitige Bürgermeister ist Christian Menz jun. Der Gemeinderat besteht aus folgenden Mitgliedern: 1. Christian Holland, Vizebürgermeister, 2. Friedrich Reumschüssel, 3. Christian Hoffmann, 4. Gottlieb Usbeck, 5. Apotheker Ottleben, 6 .Seifensieder Zielfelder, 7. Ausschußvorsteher Carl Bühner. Die durch die neue Gemeindeordnung auch im hiesigen Orte entstandene Bürgergarde hat vor einigen Wochen ihre militärischen Übungen begonnen unter der Leitung ihres Hauptmanns, des Försters Simmer.“

 

 

Rundblick vom Kirchturm IV

Wirtschaftliche Not ab 1846

Im Jahre 1846 entstand durch die Krankheit der Kartoffel eine Teuerung, daß gut 10 Liter Kartoffeln 3 ¾ Silbergroschen und 20 Liter Roggen 2 Taler 12 Silbergroschen kosten. Die Not wurde 1847 und damit die Verdienstlosigkeit waren sehr groß. Deswegen ließ die Gemeinde den Weg durchs Erbstal von Tagelöhnern ausbauen. Die Kosten beliefen sich auf 1.700 Taler, von denen 500 Taler aus der Staatskasse kamen. Die Obsternte aber war so gut, daß eine Tragekorb auf dem Rücken [„Kötze“] Obst nur 2 ½ Silbergroschen kostete.

Am 20. November 1847 starb zu Frankfurt a./M. der Landesfürst Wilhelm der II. von Hessen und am 30. wurde hier mit den Trauergeläute begonnen.

Im Jahr 1848 kam es zu einem Aufstand der Eisenarbeiter im Steinbacher Grund. Vizebürgermeister Caspar Holland-Cunz hat darüber einen Bericht niedergeschrieben (siehe unten).

Der Straßenbau wurde in den Jahren 1849 bis 1853 überm Erbstal am Galgenberg bis nach Bermbach fortgeführt, und es wurden Birken neben jener Straße gepflanzt. Seit 1853 gab es die Armenverpflegung mit Naturalverköstigung.

 

Durch den Mangel an Holz wurde 1856 die frühere Brunnenleitung mit Großalme­röder Tonröhren ausgeführt und dabei der Oberhammerbrunnen bis in den Justizamtshof neu angelegt. Die Gesamtkosten haben ohne die Transporte etwa 900 Taler betragen. Im Jahre 1857 wurde den Kleinfeuerarbeitern im Kreise Schmalkalden ein Teil ihres seit undenklichen Zeiten bezogenen Brennholzes aus der Staatswaldung entzogen und dafür Steinkohlen-Magazine angelegt; das entzogene Holz wurde zu Bauholz benutzt und meistbietend verkauft‚ und der Mehrerlös wurde für Steinkohle verwendet. Dadurch kostet seit einigen Jahren ein Gefäß mit etwa 20 Litern Inhalt 2 ¾ Silbergroschen (inzwischen aber 3 Silbergroschen), so daß die Kleinfeuerarbeiter nur so bestehen können.

Im Jahr 1857 war der Sommer so trocken und die Ernte so gut, daß Mitte August alle Hülsenfrüchte geerntet waren und kosteten 20 Liter Roggen nur 20 Silbergroschen und der Tragkorb [„Kötze“] Kartoffeln 4 - 5 Silbergroschen.

Beim Oberhammer wurde 1857 bis 1860 ein Gemeindefelsenkeller gebaut, der 650 Taler kostete. Der Felsenkeller im Erbstal wurde 1863 angelegt und hatte bis 1865 schon 320 Taler gekostet.

 

 Im Jahre 1861 sind von Unterdörfer Kühen viele Kälber geboren in Mißgestalten, Hund, Wolf usw. ähnlich. Der Unterwirt mußte seinen Hund abschaffen und es sind danach solche Geburten nicht wieder vorgekommen. Auch wurde in jenem Jahre eine Sparkasse und 1862 eine Viehkasse eingerichtet.

Im Kirchberg wurde 1861 bis 1871 der Wald vom unteren bis zum mittleren Weg gerodet und 27 Acker Waldung in Parzellen zu 17 Acker vermessen und an die armen Bewohner auf zwölf Jahre verpachtet,  die 3 ersten für 10 Silbergroschen und die 9 letzten für 20 Silbergroschen. Dieses ist nicht allein für die Gemeindekasse, sondern auch für die ärmeren Einwohner ein großer Vorteil [ein Acker = gut 23 Ar]. Seit 1863 wurde der Straßenbau unterm Dorf in Richtung Altersbach angefangen.

Im Jahre 1863 wurde die Verfassung von 1860 aufgelöst und die von 1831 wieder in Kraft gesetzt. Dadurch mußten sich im ganzen Land die auf Lebenszeit gewählten Ortsvorstände der Neuwahl unterwerfen. Für die nicht wieder neu gewählten Ortsvorstände müssen die betreffenden Gemeinden das jährlich zustehende Gehalt zahlen

 

 

Dabei wurden gewählt und bestätigt:

 

A. zum Bürgermeister:

1. der seit 1852 amtierende Schlosser Elias Usbeck, Christians Sohn

B.  zum Gemeinderat:

2. Kaufmann Caspar Holland-Cunz, zugleich Vizebürgermeister

3. Kaufmann Friedrich Reumschüssel

4. Hammerbesitzer Christian Holland, Peters Sohn

5. Hammerbesitzer Peter Usbeck

6. Postverwalter Matthäus Werner

7. Kaufmann Johannes Holland-Letz

C. ständiger Gemeindeausschuß:

8. Hammerbesitzer Christian Bernhardt Holland‚ Ausschußvorsteher

9. Metzger Caspar Häfner

10. Schlosser Michel Usbeck

11. Kaufmann Christian Usbeck, Gottliebs Sohn

12. Müller Peter Jäger

13. Amtswundarzt Wilhelm Erdmann

14. Schlosser Wilhelm Reumschüssel

15. Schlosser Gottlieb Nothnagel; zugleich Steuer-Erheber

16. Seifensieder Christoph Zielfelder

D. außerordentlicher Ausschuß:

17. Nagler Jacob König, Valtins Sohn

18. Glaser Christian Döll

19. Schlosser Philipp Reumschüssel, Gottliebs Sohn

20. Müller Gottlieb Usbeck

21. Hammerbesitzer Johannes Usbeck, Elias Sohn

22. Gurtweber Matthäus Wirth

23. Bauer Johannes Wahl

24. Schlosser Matthäus Holland-Cunz, Valtins Sohn

25. Schuhmacher Christian König

E. Staatsbeamte:

26. Justizamtmann Felde aus Kassel

27. Rentereibeamter Rompf, soeben nach Kassel versetzt

28. Aktuar Lieberknecht aus Wanfried

29. Revierförster Lipsyus aus Steinau

30. Amtswundarzt Erdmann aus Allendorf

31. Postverwalter Werner

32. Apotheker Köbrich aus Netra

33. Lutherischer Pfarrer Hattendorf aus Kreuzviehe

34.  Reformierter Pfarrer Raßmann aus Westuffeln

35. Kantor Münch aus Brotterode

36. Organist Eck

37. II. Grundschullehrer Rohde

38.  I. Grundschullehrer Fenner, Steinbach

39. Kirchenvater Peter Usbeck, zugleich Kirchenrechner

40. Kirchenvater Siegmund Reumschüssel

41. Kirchenvater Christian König, Johannes Sohn, lutherisch.

42. Kirchenvater Christoph Holland-Moritz

43. Kirchenvater Valtin König, Valtins Sohn, reformiert.

 

F. Ortsvorstände in den eingepfarrten Ortschaften:

44. In Altersbach Schmied Christian Häfner

45. In Rotterode Schuhmacher Christian Gratz

46. In Unterschönau Schlosser Wilhelm Friedrich Bauroth.

 

Im Jahre 1865 war der Schnee so groß, daß sich alte Leute sich nicht an einen solchen erinnern konnten. Östlich soll er in manchen Orten - Oberhof usw.- 4,50 Meter hoch gelegen haben. Am 30. März mußte der Schneepflug von hier nach Schmalkalden geschleppt werden und am 1. Juni wurden die Kartoffeln schon wieder gehäufelt. Am 19. Juni hatte man wieder einen starken Frost und es sind hier und in der Umgegend die Kartoffeln teilweise erfroren. Dadurch ging der Mehlpreise auf einen Taler pro Zentner in die Höhe. Auch sind bis 1865 etwa. 400 Menschen von hier abgereist und arbeiten auf Zuckerfabriken im Ausland, so daß es hier sehr an Tagelöhnern mangelt.

 

 

Der Aufstand von 1848

Der wirtschaftliche Niedergang des Handwerks, bewirkt durch den stürmischen Aufschwung der Technik und der Industrie und die zunehmende Ausbeutung durch die Händler trugen dazu bei, daß sich die Nagelschmiede des Steinbacher Grundes den revolutionären Geschehnissen ihrer Zeit anschlossen.

In den vierziger Jahren herrschte überall Mangel und Elend, besonders bei den unteren Volksschichten. Die damals Verantwortlichen fanden keine Mittel, die Not zu beheben. Sie forderten die Wohlhabenden zur Mildtätigkeit auf. Umgedreht aber wurden die Armen ermahnt, nicht ein Recht daraus abzuleiten und Unterstützungen zu fordern, weil das den Bestand der Ordnung gefährde. In der Kirche wurden die Leute ermahnt, in dem allgemeinen Notstand eine Strafe und Prüfung Gottes zu sehen und nicht durch trotziges und arbeitsscheues Wesen die Ungunst der Verhältnisse noch zu steigern. Gleichzeitig forderte aber Karl Marx im „Kommunistischen Manifest“ auf, dem Bürgertum alles Kapital zu entreißen und alle Produktionsinstrumente in den Händen der Arbeiter zu zentralisieren. Damit wollte er einen anderen Weg weisen, die Verhältnisse grundlegend zu ändern.

In Steinbach war besonders das Jahr 1847 sehr unglücklich. Die Nahrungsmittel waren sehr teuer. Der Verdienst schlecht. Arbeit war knapp. Es gab manche „wilde Ehe“, weil die Armen keine Heiratserlaubnis erhielten. Aber Nordhäuser Branntwein wurde nach wie vor viel getrunken. In Steinbach war 1841 das „Glockenhaus“ zum Aufenthaltsort für arme, kranke und gebrechliche Personen bestimmt worden. Aber viele Waisenkinder blieben ohne Versorgung, weil die öffentlichen Kassen erschöpft waren.

Am meisten hatten die Nagelschmiede zu leiden. Dazu kam noch der Bau einer Nägelfabrik im Ebertsgrund durch die Schmalkalder ,,Reinhardt und Held“. Die Fabrik hieß allgemein „die Wasch“, weil hier das ganz in der Nähe abgebaute Kobalt gewaschen wurde. Sie war nach der 1835 errichteten „Neuen Hütte“ eine der ersten Fabriken im Schmalkalder Raum. Sie produzierte Nägel und Drahtstifte, die den sowieso schon überbesetzten Handwerkern existentielle Probleme bereiteten. Die Nagelschmiede glaubten sich durch die Fabrik in ihrer Existenz bedroht. Als aber ihre Bitt- und Beschwerdeschriften unberücksichtigt blieben, wagten sie das Äußerste.

Am Morgen des 13. März 1848 kam völlig unerwartet ein massenhafter Zug von Nagelschmie­den aus Ober- und Unterschönau in Steinbach an. Er setzte sich mit den Nagelschmieden aus Steinbach und Rotterode in Verbindung und erhielt Zulauf durch viel Volk.

Mit Äxten und anderen Zerstörungswerkzeug bewaffnet zogen sie nach dem Ebertsgrund, um die Nägelfabrik zu zerstören. Mit der Ankunft der Leute hatte niemand gerechnet. Deshalb fanden sie nicht den geringsten Widerstand.

Die Wut war so groß, daß in unglaublich kurzer Zeit Gebäude und Maschinen fast völlig vernichtet wurden. Sie fanden nicht den geringsten Widerstand Mehrere hundert Menschen führten auf der ,,Wasch“ eine grauenerregende ,,Pelzwäsche“ durch (wie es als Augenzeuge der Steinbacher Vize- Bürgermeister Holland-Cunz beschreibt). Es wurden vier Stift- und Nagelmaschinen zerstört und das Gebäude sowie der Draht- und Zainhammer beschädigt. Das wurde von mehreren 100 Menschen erstaunlich schnell ausgeführt worden ist. Die hastige Zerstörung forderte noch ihr entsetzliches Opfer in Rotterode.

Am frühen Morgen des 14. März 1848 erhielt Landrat Wagner die Nachricht, daß etwa 400 Nagelschmiede aus dem Steinbacher Grund zu dem Drahthammer bei Asbach gezogen seien, um die dortigen Nagelmaschinen zerstören. Wagner fand dann etwa 200 mit Beilen und Äxten bewaffnete Meister, Gesellen und Lehrlinge aus Steinbach-Hallenberg, Oberschönau, Unterschönau, Rotterode, Altersbach und Struth bei der Zerstörung der Maschinen. Nur unter Lebensgefahr gelang es dem Landrat und dem Rentmeister Salzmann, das wütende Volk, das auch Asbach und Schmalkalden überfallen wollte, zur Heimkehr zu bewegen.

In Schmalkalden wurde die Bürgergarde alarmiert und zeitweise vor dem Stiller Tor zusam­mengezogen. Zwischen der Stadt und Asbach liefen Bürgergardisten Patrouille. Diese Angst der Schmalkalder löste im Steinbacher Grund ätzenden Spott aus, der auch nach Jahrzehnten noch nicht versiegt war.

Diese armen, teilweise schon halb verhungerten Leute hatten sich bei der Zerstörung äußerst angestrengt. Sie hatten den Weg 2 bis 3 Stunden weit hin und zurück gemacht und kamen nun am Nachmittag erschöpft und hungrig in Steinbach-Hallenberg an. Hunger tut weh und Not bricht Eisen! Sie verlangten von den Zunftdeputierten deren vorrätige Gelder aus der Zunftlade. Mit Zustimmung des damaligen Rentmeisters Salzmann bekamen sie davon 60 Taler zum Verzehren. In Steinbach-Hallenberg waren aber im Augenblick die verlangten und nötigen Lebensmittel für so viele Menschen nicht so schnell aufzutreiben und so ging ein Teil davon in Wirtshäuser benachbarter Orte.

 

Aber es war vielleicht doch nur ein falscher Wahn der Leute, meint Vize-Bürger­meister Holland-Cunz. Denn jetzt gibt es auswärts viel mehr Nägelfabriken, ja, das Zain-Eisen oder vielmehr das Walz- und Schnitteisen wird aus anderen Gegenden billiger auch nach hierher bezogen, als es hier bei den teuren Materialien herzustellen ist. Trotzdem haben die hiesigen, jetzt noch zahlreichen Nagelschmiede schon seit mehreren Jahren vollauf zu tun und keinen schlechten Verdienst.

Am 14. März fanden sich die Arbeiter wieder zusammen, wählten einen Anführer und verlangten jetzt auch die Ermäßigung der Holztaxe und die kostenlose Abgabe von Streu aus dem Wald; diesem Verlangen wurde später von der Staatsregierung auch entsprochen. Auch wurde der Ruf nach Freiheit und Gleichheit laut. Es waren auch gefährliche Verbrecher dabei, wie der Landrat vermerkt. Sie holten sich 20 Taler aus der Zunftkasse und zogen in das „große Wirtshaus“ und wollten die „Neue Hütte“ zerstören.

Die Aufregung und die verschiedenen teils statthaften, teils unstatthaften Verlangen vieler Leute, namentlich auch nach Freiheit und Gleichheit - doch oft mißverstanden - steigerten sich immer mehr durch allerlei Aufwiegelungen in Rede und Schrift und den vermehrten Genuß von erhitzenden Getränken.

Weil man mit Recht eine allgemeine größere Ruhestörung auch im hiesigen Orte allen Anzeichen nach befürchtet, wurde noch am selben Tage im Schullokal die hiesige Bürgergarde neu organisiert. Aber mit ihr war bei der Lauheit und Furchtsamkeit der meisten Mitglieder fast gar nichts auszurichten, denn die Ruhestörer hatten auch Schießgewehre. Der Landrat bot die Bergknappschaft zum Schutz auf.

Am 17. März erschienen die Gemeindedeputierten Steinbachs vor dem Landrat und gaben eine Ergebenheitsversicherung und ihre Forderungen ab. Sie verlangten Ermäßigung der Holzpreise, Bezug von Reisig und Waldstreu zu den alten Bedingungen, einstweilige Aussetzung des Einzugs rückständiger Forstgelder, Ermäßigung der hohen Gebühren für das Einschreiben, Lossprechen und Meisterwerden in Zünften, Teilung der Nagelschmiedezunft in örtliche Zünfte, verbesserte Bedingungen bei der Vergabe von Branntwein- und Kramhandelskonzessionen und Erleichterungen bei den Verpflichtungen zum Wegebau.

Am 21. März rückten auf dringliche Bitten des Landrats ein Bataillon Schützen und eine Eskadron Husaren in den Kreis Schmalkalden ein. Sie befanden sich zunächst im Werragrund, dann auch in Steinbach, Brotterode und Schmalkalden.

Dennoch schrieb Wagner am 23. März, daß sich in den Handwerks-Ortschaften unter den niedrigen Volksschichten ein sehr aufgeregter und schwieriger Geist zeige, der durch die schlimmen Ereignisse in anderen Ländern fortwährend Nahrung findet. Über die Osterfeiertage griff der Tumult immer mehr um sich. Von auswärts war allerhand liederliches Gesinde hinzugekommen und tobte zuletzt Tag und Nacht herum.

Man mußte dem immer mehr um sich greifenden Tumult ein Ende machen, zumal sich während der Osterfeiertage freches, drohendes, liederliches Gesindel auch noch von auswärts einfand und zuletzt Tag und Nacht hindurch wütete. Vergeblich versuchten Mitglieder der Gemeindebehörde, Verhandlungen mit den aufständischen Arbeitern und Handwerkern. Die „Rebellen“ hatten sich im „oberen Wirtshaus“ versammelt, formierten sich, „mit Stöcken und Knütteln bewaffnet“ und unter immer stärkerem Zuzug von „frechem, drohendem, liederlichem Gesindel auch von auswärts“, zu einer neuen, großen Demonstration. Alle „Friedliebenden wurden aufgefordert, sich dem Zug anzuschließen.“

Am dritten Osterfeiertage beschloß die Gemeindebehörde: Wir fangen am untersten Haus an und fordern jeden friedliebenden Bürger zur Abwehr des Krawalles auf, der hauptsächlich im Oberwirtshause getrieben wurde; dann wird mit der Aufforderung durch den ganzen Ort fortgefahren.

Als die Unterdörfer an das obere Wirtshaus kamen, gingen Mitglieder der Gemeindebehörde hinein, forderten auch da jeden Friedliebenden auf, sich dem Zuge anzuschließen. Es schlossen sich viele an, darunter auch mehrere sogenannte „Rebeller“. Der Zug ging dann weiter, wurde im Oberdorfe bedeutend größer. Als er - mit Stöcken und Knitteln gehörig bewaffnet - am Blechhammer ruhig angelangt war, kehrte er wieder um. Und wenn er nicht auseinander gegangen wäre, so .....könnte man ihn vielleicht heute noch sehen!

Trotz den Vorsichtsmaßregeln gab es jedoch später an diesem Tage wieder eine große Schlägerei mit Knüppeln und Gewehrkolben vor dem hiesigen Oberwirtshaus zwischen Hiesigen und Auswärtigen, und in der allgemeinen Aufregung wurde mit allen Glocken geläutet. Auch diese Schlägerei schien mehr aus persönlich privatem als aus politischem Charakter entsprungen zu sein.

Durch das Herbeieilen vieler friedfertiger Ortsbürger wurde die Schlägerei beendet. Auch die Schankwirtschaften - die während des Krawalles sehr schlechte Geschäfte gemacht haben sollen - wurden für einige Zeit ganz geschlossen. Die Ruhestörungen ließen hierauf nach, die Bürgergarde mußte bis zum 2. Mai Wache halten.

Die Ruhestörungen ließen dann nach. Vom 24. März bis 2. April haben 150 Mann Infanterie und 10 Mann Husaren aus Kassel im Ort gelegen. Am 2. und 3. Mai kamen wieder 100 Mann Gardisten hier an. Sie mußten aber schon am 18. Mai wieder in Frankfurt sein, wo die Nationalversammlung zusammentreten sollte. Sie wurden aber durch andere Soldaten ersetzt, die von der Bevölkerung verpflegt werden mußten gegen eine Vergütung von dreidreiviertel Silbergroschen pro Mann und Tag aus der Staatskasse.

„Von der „Bermbacher Höhe“ aus berichtete ein Beobachter durch Kuriere unmittelbar an die hessische Regierung nach Kassel und gab taktische Ratschläge hinsichtlich der Situation in Schmalkalden und einer drohenden Ausweitung der Vorfälle im Steinbacher Grund. Ein Militärkommando sollte die inhaftierten Teilnehmer aburteilen. Aber jetzt wurde es angewiesen, angesichts der Anfang des Monats Mai immer mehr wachsenden Erregung den Prozeß zunächst auszusetzen und eine mildere Taktik zu befolgen.

Ab 3. April bis zum 2. Mai hielt die Bürgergarde Wache. Am 22. April wurde der Pfarrer Habicht von einem Teil der Einwohner bedrängt, sein Pfarrland herauszugeben und die Gebühren für kirchliche Amtshandlungen herabzusetzen. Bürgermeister Sasse lebte in großen Ängsten, weil er meinte, die Leute wollten ihn schlachten. Der Ortsgendarm Bock sprach in einem Schreiben an den Landrat von Gewehrschüssen, von der Belagerung des Wohnhauses des Bürgermeisters und von dem Eindringen der Aufständischen in die Wohnung des Amtsaktuars Huth, der eilends nach Schmalkalden flüchtete. Der Landrat konnte ihm nicht helfen, denn er wurde selber von 23 Bürgern bedroht.

Nachher stellte es sich allerdings heraus, daß es mit der ,,Volksbedrängnis“ gegen Pfarrer Habicht nicht so schlimm gewesen war. Der Wunsch war zwar von Einzelnen geäußert worden, aber es sind keine Taten gefolgt und es haben keine öffentlichen Demonstrationen stattgefunden. Es wurde auch keine „Katzenmusik“ veranstaltet. Und schon gar nicht hat man den Pfarrer am 24. April von der Kanzel heruntergerissen und Kirche und Pfarrhaus verwüstet, wie erzählt wurde.

Von den Rebellen - nach denen vom Militär gefahndet wurde - gingen mehrere längere Zeit auf die Flucht. Es wurden jedoch 16 Mann gefangengenommen und mußten zum Teil lange in Untersuchungshaft sitzen, bis endlich eine landesherrliche Begnadigung eintrat. Ende des Jahres zog das Militär- fast ungern - wieder von hier ab: Es hatte zwischen Bürger und Soldaten ein gutes Einvernehmen gegeben, daher wurde es von vielen Leuten noch ein gut Stück des Wegs begleitet.

Die unruhige Stimmung unter der Bevölkerung blieb zunächst noch mit der anhaltenden Not.

Der Landrat mußte am 21. Juni feststellen, daß nur das Militär die Bevölkerung bei Ruhe und Ordnung halte, auf die Bürgergarden sei zur Zeit nicht zu rechnen. Bei der völligen Arbeitslosigkeit der Handwerker haben kommunistische und republikanische Umtriebe Eingang gefunden und so bedrohliche Gesinnungen und Gelüste erwirkt, daß alle besonnenen Leute mit läh­mender Frucht vor der nächsten Zukunft erfüllt sind.

Zu einer allgemeinen Beruhigung führten erst die Ermäßigung der Holzpreise, Wegebaumaßnahmen und eine gute Ernte im Jahr 1848 und daraufhin fallende Lebensmittelpreise. Das Militär fahndete nach den Rebellen. Viele flüchteten für längere Zeit. Ein Schneider aus Stein­bach flüchtete mit Weib und Kind nach Amerika. Ebenso ein gewisser Marr aus Rotter­ode, der über Hamburg nach Amerika ging und erst nach Jahren wiederkam (er war der Vorfahre des Zimmermanns Hugo Holland-Moritz in Rotterode). Gefangengenommen wurden 16 Mann, die zum Teil lange in Untersuchungshaft saßen, bis sie begnadigt wurden.

Die allgemeine Aufregung in ganz Deutschland fand demnach auch hier ihr Echo, jedoch immer in einem solchen Maße, daß man es im Vergleich zu Städten wie Kassel, Berlin, Leipzig, Dresden, Frankfurt a.M. (letztere der Sitz des damaligen deutschen Parlaments) doch nur äußerst klein nennen kann.

Bei der Eröffnung der Telegrafenverbindung zwischen Schmalkalden und Steinbach 1874 entstand ein Gedicht, das in zwei Versen auf die Ereignisse von 1848 Bezug nahm:  

Die Steinbacher kommen, ihr Bürger heraus,

So klang's 48 mit Sturmgebraus,

Man rührte die Trommel, man griff zum Gewehr,

Als ständ vor dem Thore ein feindliches Heer.

Doch Steinbachs Rebellen, in grimmiger Wuth,

Die dachten nicht dran zu vergießen ihr Blut,

Sie blieben in Steinbach hübsch ruhig zu Haus,

und lachten die ängstlichen Schmalkalder aus.

 

 

Rundblick von Kirchturm V

 

 

Wetter 1857 bis 1893

1857: Der Sommer war so trocken und die Ernte so gut, daß Mitte August alle Hülsenfrüchte geerntet waren und kosteten 20 Liter Roggen nur 20 Silbergroschen und der Tragkorb („Kötze“) Kartoffeln 4 - 5 Silbergroschen.

1865: Am 19. Juni hatte man starken Frost und es sind hier und in der Umgegend die Kartoffeln teilweise erfroren. Der Schnee war in diesem Jahr so groß, daß sich alte Leute sich nicht an einen solchen erinnern konnten. Östlich soll er in manchen Orten - Oberhof usw.- 4,50 Meter hoch gelegen haben.  Am 30. März mußte der Schneepflug von hier nach Schmalkalden geschleppt werden und am 1. Juni wurden die Kartoffeln schon wieder gehäufelt.

1871: Am 27. Juni 1871 war in Folge anhaltenden Regenwetters eine große Überflutung hier. Die ausgetretene Hasel bedeckte teilweise die Straße, mehrere kleine Gebäude wurden von dem reißenden Wasser umgerissen, andere sowie die beiden oberen Brücken, nämlich die sogenannte Sattlersbrücke sowie die Plätzer-Brücke arg beschädigt.

 

1876: In der Nacht vom 12. auf 13. März 1876 wütete ein furchtbarer Sturmwind, der den größten Teil der Dächer abdeckte und die Schornsteine hinwegfegte, außerdem aber auch in den Wäldern großen Schaden anrichtete. Vor allem beschädigt wurden die hinter der Burg stehenden uralten Tannen und die große Eiche über der Arzberger Brunnenkammer („Kindles­brunnen“, bei Haus Arzbergstraße 80, Ecke Kälberzeil), in der weiten Umgebung die einzige in ihrer Stärke  (man spricht von 7 Meter Umfang) sind zusammen gebrochen. Der Stamm war 3 Meter hoch, innen hohl und hatte einen Durchmesser von 2,50 Meter. In dem hohlen Stamm haben drei Mann gefrühstückt‚ welche genügend Platz dazu hatten. Die Eiche ergab an Holz 13 Stück Schmiedestöcke, 14 Meter Holz sowie mehrere Stücke Werkholz und 2 Fuhren Reisig. An dem Zerlegen des Baumes haben drei Mann 14 Tage gearbeitet. Da eine Säge von der Länge nicht zu beschaffen war, mußte alles mit der Axt durchgeschrotet werden. In der Mitte war der Stamm schwarz und so hart wie Eisen (Vermerk Klingelhöfer:)

 

1878: Infolge anhaltenden Regens entstand ein „Großwasser“, das das Wehr beim Amtsgericht durchbrach und das unter demselben zwischen Erbfluß und Kunstgraben stehende Wohnhaus des Zainers Georg Christian Holland-Moritz mit fort riß, nachdem kurz vorher der Besitzer durch zwei Steiger der Feuerwehr mittelst einer Leiter aus dem einbrechenden Hause geholt worden war.

 

1893: Infolge anhaltender Hitze entstand eine Futternot, das Vieh konnte nicht erhalten werden und wurde bis auf einen kleinen Bestand geschlachtet; man konnte das Pfund Fleisch für 25 bis 30 Pfennige kaufen. In Schmalkalden wurde ein Futtermagazin eingerichtet und Viehfutter in Form von Heu, Klee, Stroh, Erdnußkuchen und Reisschlempe aus anderen Provinzen Preußens herbeigeschafft und zu billigen Preisen unter die Viehhalter verteilt.

 

 

Gewerbe im 19. Jahrhundert

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb die gewerbliche Produktion - spezialisiert auf die wenigen Schmiedeberufe - in Steinbach-Hallenberg vorherrschend. Im Jahre 1864 waren damit 755 Personen in 491 Werkstätten beschäftigt. Und noch in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden 210 selbständige Meister mit rund 400 Gehilfen im Schlosserhandwerk sowie 525 Meister mit 330 Gehilfen im Nagelschmiedehandwerk gezählt. Rund Dreiviertel der Bevölkerung war somit im eisenverarbeitenden Handwerk tätig.

Allerdings waren durch den Übergang des Kreises Schmalkalden an Preußen im Jahre 1866 bessere Bedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung gegeben. Die Aufhebung der Gewerbeordnung und die Erwartungen auf den preußischen Markt förderten die Industrialisierung der Eisen- und Stahlwarenproduktion. Vor allem nach der Reichsgründung von 1871 entstanden auch in Steinbach-Hallenberg eine ganze Reihe kleiner und mittlerer Werkzeug- und Metallwarenfabriken, die sich dem entwickelnden Produktionszweig der Eisenkurzwaren zuwandten. Allerdings geschah die Herstellung der Kleineisenwaren weiterhin vorwiegend im Heimbetrieb.

Der Industrialisierungsprozeß wurde dann vor allem durch den zu Beginn der neunziger Jahre vollzogenen Anschluß an das mitteldeutsche Eisenbahnnetz, wodurch weitere Absatzmärkte erschlossen wurden, sowie durch die Verwendung der Elektrizität (seit 1898) und des Gases als Energiequellen gefördert. Dadurch konnten die neuen Firmen verstärkt von der Hand- zur Maschinenarbeit übergehen.

Trotzdem herrschte im Steinbacher Grund bis zum ersten Weltkrieg die handwerkliche Produktion eindeutig vor. Dabei befand sich das Nagelschmiedehandwerk im Niedergang, da sich die meisten Nagelschmiede dem Schlosserhandwerk zugewandt hatten. Im Jahre 1892 gab es in Steinbach-Hallenberg 150 gewerbliche Betriebe mit etwa 700 Arbeitern. Die ursprüngliche Hausindustrie glitt nur allmählich in den Fabrikbetrieb hinüber. Ansätze für eine moderne Großproduktion gibt es erst seit den zwanziger Jahren. Bemerkenswert für die vorangehende Entwicklung ist nur die Tatsache, daß durch die Verwendung industriell vorgefertigter Schmiede­rohlinge ein Teil der ursprünglichen Schmiedearbeit fortfiel.

Sie wurden vor allem in der Zangenproduktion verwendet. Seit 1910 wurden sie in einer in Steinbach-Hallenberg erbauten Gesenkschmiede geschlagen. Das Charakteristische der heimischen Produktion war jedoch die Breite und Vielfalt der hergestellten Kleineisenwaren und Werkzeuge. Obwohl die vorwiegend handwerkliche Produktion durch den ständig steigenden Druck der Industrie bedroht war, behauptete sie sich hartnäckig. Die Herstellung dieser Eisenkurzwaren erforderte eine hohe Geschicklichkeit und handwerkliches Können, so daß sich die Überlegenheit der Maschine noch nicht so stark auswirkte. Die Produzenten verstanden es auch, sich im Produktionssortiment durch Varianten und verschiedenartige Ausführungen ständig den Erfordernissen des Marktes anzupassen.

 

 

Victor von Scheffel 1858

Über das Leben der Dorfbewohner im vergangenen Jahrhundert berichtete 1858 der süddeutsche Dichter Josef Viktor von Scheffel anläßlich einer Wanderung durch den Thüringer Wald, bei der er auch Steinbach-Hallenberg aufsuchte. Er entwirft ein fast romantisch anmutendes Stimmungsbild, das auch Einblick in die Ärmlichkeit des Lebens und Schaffens seiner Bewohner gibt. Am 19. März 1858 berichtete er einem Freund in Eisenach über seine in Stein­bach gewonnenen Eindrü>„Anderen Tags in der schweigenden Frühdämmerung ging ich allein und träumerisch nach Zella hinab, dann auf langen öden, oft an den Odenwald erinnernden Pfaden am Abhang des Gebirges in das kurhessische Nest Steinbach-Hallenberg. Dort bannte mich ein Gewitter fest. Wirtshaus und sonstige Zustände waren gänzlich primitiv. Mit Mühe war ein abgesonderter Raum zum Schlafen zu erlangen. Da ich im allgemeinen Schlafsaal nicht unterzukommen Lust hatte, wurde mir die Gemeinderatssitzungsstube eingeräumt. Zum bleibenden Andenken habe ich anderen Tags ein Tintenfaß dort umgestoßen, der Fleck wird noch auf dem Fußboden sichtbar sein.

Aber dies eigentümliche Nagelschmiededorf mit seiner alten Burg, von riesigen Fichten umsäumt, das abendliche Hämmern und Klopfen auf den Schmiedeambossen, der fröhliche Gesang dazu und die ganze Weltabgeschiedenheit dieses kurhessischen lokalisierten Gewerbebetriebes war mir ein neues, nur in Mitteldeutschland noch so erhaltenes Bild alter, der Umgestaltung sich zuneigender Zustände. Mit Weibern, die die Steinbachischen Hufnägel und Schmiedewaren auf kleinen Karren zum Selbstverschleiß in die Umgegend verführten, ging ich nach Kleinschmalkalden und auf den Inselsberg.“

Rundblick vom Kirchturm VI

 

Unter preußischer Herrschaft seit 1866

In dem im Jahre 1866 stattgefundenen Bruderkrieg zwischen Preußen und Österreich hatte sich der Kurfürst von Hessen-Kassel nicht auf Preußens Seite, sondern auf die Seite Österreichs gestellt. Wenige Tage nach dem Mobilmachungsbeschluß des Bundestages wurde Kurhessen von den Preußen besetzt und unser Kurfürst Friedrich Wilhelm als Gefangener nach Stettin geführt (er starb am 6. Januar 1875). Durch Urkunde vom 18. September 1866 entband er die Truppen vom Fahneneid und die Beamten und Untertanen vom Diensteide. Durch Königliches Patent vom 3. Oktober 1866 nahm der damalige König von Preußen, Wilhelm I., Besitz vom vormaligen Kurfürstentum Hessen, das mit dem früheren Herzogtum Nassau die preußische Provinz Hessen-Nassau bildete.

 

Im Jahre 1866 wird die Forstverwaltung nach dem preußischen Vorbild neu geordnet. Oberförstereien gabt es in Schmalkalden und Brotterode, die vornehmlich den Privat- und Kommunalwald zu betreuen hatten. Der größte Teil des Staatswaldes wurde von Preußen an den Herzog von Gotha verschenkt (Forstamt Reinhardsbrunn), weil dieser den Preußen im Krieg gute Dienste geleistet hatte. Dies erregte großes Mißfallen, die Preußen waren nicht beliebt, wenn auch durch ihre Wirtschaftspolitik ein gewisser Aufschwung zu verzeichnen war.

 

Am 16. Juli 1870 erhielten die folgenden Reservisten und Landwehrleute Befehl, sich von 19. bis 21. Juli bei dem Bezirkskommando Rotenburg a/F. einzustellen, um an dem zwischen Preußen und Frankreich ausgebrochenen Kriege teilzunehmen: (es folgen in den Turmknopfurkunden 41 Namen). Im Krieg 1870/71 waren aus Steinbach 42 Krieger beteiligt, darunter 19 verheiratete Reservisten. Sie gehörten meist zur Armee-Abteilung des Kronprinzen von Preußen.

Es gab einige Verwundete. Dem Unteroffizier Adolf Zielfelder mußte ein Bein amputiert werden, und der Husar Gottlieb Kleb wurde durch einen Brustschuß verletzt, leicht verwundet wurde Valtin Wilhelm Jäger.

Zur Feier der Heimkehr der hiesigen Krieger wurde ihnen nach abgehaltenem Dank-Gottes­dienst am 18. Oktober 1871 von der Gemeindebehörde ein fröhliches Mahl veranstaltet, überhaupt der ganze Tag ohne Störung recht festlich begangen. Jeder von ihnen empfing bei dieser Festlichkeit in der Kirche ein neues Kirchengesangbuch mit einem vom Bürgermeister im Namen der Gemeinde entworfenen, unterzeichneten und besiegelten schön lithographierten Gedenkblatt (unter Nr. 9 a den Turmknopfurkunden beigefügt).

Der Bürgermeister Elias Usbeck starb am 8. Juli 1869. Sein Nachfolger wurde der bisherige Vizebürgermeister Caspar Holland-Cunz, der sich auch schon vorher um die Belange der Gemeinde gekümmert hatte. Am 29. Juli wurde er verpflichtet.

 

In der Nacht vom 12. auf den 13. März 1871 wütete ein furchtbarer Sturmwind, der den größten Teil der Dächer abdeckte und die Schornsteine hinwegfegte. Auch in den Wäldern wurde großer Schaden angerichtet. Die hinter der Hallenburg stehenden uralten Fichten brachen um. Ebenso ging es der großen Eiche am Kindlesbrunnen an der Ecke Arzbergstraße / Kälberzeil. Der Stamm war drei Meter hoch und hatte sieben Meter Umfang, war innen hohl und hatte 2,5 Meter Durchmesser, so daß drei Mann genügend Platz hatten, um in dem Baum zu frühstücken. Drei Mann trennten 14 Tage lang den Stamm mit der Axt auf und zerlegten ihn, weil eine Säge dieser Länge nicht zu beschaffen war.

Am 27. Juni 1871 gab es nach anhaltendem Regenwetter eine große Überflutung. Das Wasser bedeckte stellenweise die Hauptstraße. Mehrere kleine Gebäude wurden von dem reißenden Wasser umgerissen. Einige Gebäude und die beiden oberen Brücken (Sattlers- und Plätzers­brücke) wurden beschädigt und 1873 neu gebaut. An Stelle der durch die Überschwemmung 1871 stark beschädigten Brücken sollen vom Staate zwei eiserne gebaut werden, die auf 8.000 bis 10.000 Taler veranschlagt sind. Mit dem Bau derselben ist 1873 begonnen worden.

 

Die Gemeindebehörde besteht 1873 aus folgenden Mitgliedern:

a. Bürgermeister Caspar Holland-Cunz

b. Gemeinderat:

1. Hammergewerke Christian Ludwig Holland, Vizebürgermeister

2. Apotheker Conrad Köbrich

3. Kaufmann Christian Usbeck

4. Kaufmann Johannes Holland-Letz

5. Zimmermeister Michael Jäger

6. Glasermeister Christian Döll

c. Ständiger Ausschuß:

1. Gottlieb Nothnagel, Vorsteher

2. Christian Hofmann, Stellvertreter

3. Wilhelm Bühner

4. Michael Usbeck

5. Gottlieb Usbeck

6. Postverwalter Werner

7. Christian König

 

d. Außerordentlicher Ausschuß:

1. Christian Jacob König

2. Wilhelm Reumschüssel

3. Georg Ritzmann

4. Mathias Wirth

5. Carl Bühner

6. Peter Usbeck

7. Mathias Holland-Cunz

 8. Christian Jäger

9. Christian Holland senior

Pfarrer:

1. Wilhelm Bernhard, lutherischer Pastor

2. Wilhelm Rohnert, reformierter Pastor.

Lehrer:

1. Friedrich Schlag, Kantor,

2. Johann Georg Eck, Organist,

3. Christian. Rohde,

4. Fenner (Kantor Münch pensioniert).

Amtsgericht:

1. Amtsrichter Christian Kind,

2. Sekretär Carl Zschorlich

Arzt: Dr. Lehnebach

Herzoglicher Oberförster: Wilharm

 

Im Juli 1897 starb der seit 1. April 1885 im Amt gewesene Bürgermeister August Usbeck. Am 28. Oktober wurde der Kaufmann Alexander Bleymüller aus Schmalkalden mit zwölf gegen elf Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt und am 8. Dezember durch Landrat Hagen in sein Amt eingeführt.

Am 1. April 1898 trat die neue Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen-Nassau in Kraft und mit ihr das Dreiklassen-Wahlsystem. Dabei wurde die Gesamtsteuersumme in drei Teile geteilt und die Wähler entsprechend in drei Klassen eingeteilt, die getrennt ihre Kandidaten wählten.

Das erste Drittel der Steuern zahlten 1902 in Steinbach 31 Personen (Arzt, Apotheker, Forstassessor, Gastwirte, Kaufleute, Zimmermeister). In der zweiten Abteilung waren es 92 Personen (Handwerker, Kaufleute, Fabrikanten, Oberförster, Postverwalter, Amtsrichter, der lutherische und der altlutherische Pfarrer, aber nicht der reformierte!). Die Masse der Einwohner war in der dritten Abteilung. Jede Abteilung hatte aber nur zwei oder drei Abgeordnete zu wählen. Die kleinen Leute wurden dadurch natürlich alle benachteiligt.

 

An Silvester 1894 wurde das Ausrufen der Stunden durch den Nachtwächter eingestellt.

 

Als der Nachtwächter Mai zu Neujahr von der Gemeinde ein paar neue Schuhe bekommen sollte, meinte er: „Bas soll ich mit zwaa Paar Schühe tue, da möt ich ja ei Paar in de Hänne trö?“ (Was soll ich mit zwei Paar Schuhen tun, da muß ich ja ein Paar in den Händen tragen?)

Sein Spruch war: Hört ihr Herrn und laßt euch sagen, es hat zehn geschlagen, lobet den Herrn! Einmal wurde er gefragt, weshalb er immer nur sagt: „Hört ihr Herrn!“ und nicht auch die Frauen erwähnt. Er entgegnete: „Die Frawe lasse sich ja doch nes sä!“

 

Als der Nachtwächter im Oberdorf einmal seinen Neujahrswunsch sagte „Gott ferner uns behüte, mit Segen uns beschütte“ da öffnete sich zufällig ein Oberstubenfenster und herab kam ein nasser Guß. Das brachte aber den alten Mai nicht aus dem Gleichmut. Er sagte nur: „Es muß ja net gleich sei!“

 

Die Kreissteuer wurde erstmals 1896 erhoben und brachte gleich im ersten Jahr 2.701,53 Mark ein.

 

 

Rundblick vom Kirchturm VII (nach Nordwesten)

 

 

Die „Gründerjahre“

Die Zeit seit 1871 - besonders aber ab 1900 - nennt man die „Gründerjahre“ weil es eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und der Gründung vieler Firmen und des Baus vieler Häuser war. Auch die öffentlichen Einrichtungen wurden ausgebaut. In Steinbach war auch ein relativer Wohlstand eingekehrt. Damals wurde manches geschaffen, was heute noch allen Bürgern zugute kommt.

Durch den Übergang des Kreises Schmalkalden an Preußen im Jahre 1866 waren bessere Bedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung gegeben. Die Aufhebung der Gewerbeordnung und die Erwartungen auf den preußischen Markt förderten die Industrialisierung der Eisen- und Stahlwarenproduktion.

Vor allem nach der Reichsgründung von 1871 entstanden auch in Steinbach-Hallenberg eine ganze Reihe kleiner und mittlerer Werkzeug- und Metallwarenfabriken, die sich dem entwickelnden Produktionszweig der Eisenkurzwaren zuwandten. Allerdings geschah die Herstellung der Kleineisenwaren weiterhin vorwiegend im Heimbetrieb.

Der Industrialisierungsprozeß wurde dann vor allem durch den zu Beginn der neunziger Jahre vollzogenen Anschluß an das mitteldeutsche Eisenbahnnetz gefördert, wodurch weitere Absatzmärkte erschlossen wurden. Dazu kam die Verwendung der Elektrizität (seit 1898) und des Gases als Energiequellen. Dadurch konnten die neuen Firmen verstärkt von der Hand- zur Maschinenarbeit übergehen.

Trotzdem herrschte im Steinbacher Grund bis zum ersten Weltkrieg die handwerkliche Produktion eindeutig vor. Dabei befand sich das Nagelschmiedehandwerk im Niedergang, da sich die meisten Nagelschmiede dem Schlosserhandwerk zugewandt hatten.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb die gewerbliche Produktion, spezialisiert auf die we­ni­gen Schmiedeberufe, in Steinbach-Hallenberg vorherrschend. Im Jahre 1864 waren damit 755 Personen in 491 Werkstätten beschäftigt. Und noch in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden 210 selbständige Meister mit rund 400 Gehilfen im Schlosserhandwerk sowie 525 Meister mit 330 Gehilfen im Nagelschmiedehandwerk gezählt. Rund Dreiviertel der Bevölkerung war somit im eisenverarbeitenden Handwerk tätig.

 

Die einseitig entwickelte Wirtschaftsstruktur, wo bis weit in das 19. Jahrhundert hinein ausschließlich Nägel verschiedener Art und Schlosserwaren hergestellt wurden, war eine weitere Ursache für das wirtschaftliche Zurückbleiben dieses Gebietes, das für den größten Teil der Bevölkerung unmittelbar Not und Elend bedeutete.

Die allgemeine Notlage hatte ihre Ursache auch in der mehr oder minder starken Ausbeutung der Handwerker durch die Verleger. Überwiegend setzten die Handwerker ihre Erzeugnisse nicht direkt und selbst ab, sondern überließen dies den Verlagsgeschäften. In den meisten Fällen lieferte dabei der Verleger das Rohmaterial und nahm auch die fertige Ware gegen Lohn ab.

Aber es gab auch Handwerkergruppen, die das Rohmaterial beim Eisenhändler kauften und ohne Auftrag auf eigenes Risiko verarbeiteten. Sie überließen dann ihre Erzeugnisse einem beliebigen Kaufmann oder Verleger. Nicht selten kam es vor, daß die Eisenhandwerker statt mit barem Geld für ihre Erzeugnisse mit Lebensmitteln oder Rohmaterial abgefunden wurden. Auf diese Weise wurde ihr Verdienst bedeutend geschmälert.

Gegen Ende der siebziger Jahre mußten die Hammerwerke ihren Betrieb einstellen. Bis dahin bestanden noch der Oberhammer (Oberhofer Straße 43), Plätzerhammer (Hallenburgstraße 34), Mittelhammer (Hammergasse) und Unterhammer (Hauptstraße 20). An ihrer Stelle wurden Eisenpolierereien und sonstige fabrikähnliche Anlagen eingerichtet.

Mit Beginn der 80er Jahre wurden die hiesigen Nagelschmiede sozusagen lahm gelegt. Es entstand in Eberswalde bei Berlin die große Nägelfabrik von Möller und Schreiber, ebenso eine solche in Hamburg. Diese fabrizierten die in Steinbach einzeln geschmiedete Hufnägel massenhaft und lieferten zu solchen billigen Preisen, daß die Steinbacher Arbeiter und Händler nicht nachkommen konnten. Infolge des Arbeitsmangels fehlte es am Verdienst; ein arbeitsloser Nagelschmied arbeitete als Tagelöhner gern für 1 Mark 20 Pfennige pro Tag, um nur Brot für seine Familie zu schaffen.

 

Die Regierung half durch Lieferung von 100 Zentner Eisen aus Peine. Dieses wurde billig an die Nagelschmiede abgegeben. Der Erlös kam wieder den Notleidenden zugute in Form von Unterstützungen oder auch für geleistete Tagelöhne. Die Regierung unterrichtete auch die Firma Möller und Schreiber von dem Notstand, der durch ihre Fabrikation hervorgerufen wurde. Die Firma schickte ab 1886 Eisen und ließ es durch die Nagelschmiede des Steinbacher Grundes verarbeiten. Es wurden Spezialnägel angefertigt wie Ochsenhufnägel, Maultiernägel, Elefantennägel und Eisnägel.

Die Firma sorgte für den Absatz der von ihr gegründeten Faktorei. Sie verzichtete auf ihren Gewinn und schuf einen Unterstützungsfonds, aus dem den Naglern erhebliche Beihilfen gewährt wurden, zuletzt 1902.

Aus Betriebsmitteln wurde auch ein Stipendienfonds geschaffen, der den Söhnen der Nagelschmiede den Besuch der Königlichen Fachschule für Kleineisen- und Stahlwarenindustrie ermöglichen sollte. Die Zeit wurde genutzt, sich auf andere Berufszweige der Metallindustrie zu verlegen, vor allem auf das Schlosserhandwerk. Dennoch gab es im Jahre 1902 noch etwa 120 Nagelschmiede, die Schloß-, Brett-, Kern- und Schiffsnägel anfertigten, dazu alle möglichen Sorten von Haken. Hufnägel dagegen wurden nur noch wenig produziert.

Das Charakteristische der heimischen Produktion war jedoch die Breite und Vielfalt der hergestellten Kleineisenwaren und Werkzeuge. Obwohl die vorwiegend handwerkliche Produktion durch den ständig steigenden Druck der Industrie bedroht war, behauptete sie sich doch hartnäckig. Die Herstellung dieser Eisenkurzwaren erforderte eine hohe Geschicklichkeit und handwerkliches Können, so daß sich die Überlegenheit der Maschine noch nicht so stark auswirkte.

Die Produzenten verstanden es auch, sich im Produktionssortiment durch Varianten und verschiedenartige Ausführungen ständig den Erfordernissen des Marktes anzupassen. Die Handwerker aber waren außerordentlich konservativ eingestellt und hingen zäh am Althergebrachten. Oft besaßen sie ein eigenes Häuschen und etwas Grundbesitz, der fast immer eine bescheidene Landwirtschaft, zumindest aber die Haltung von Vieh als Nebenerwerb erlaubte, mit dem sie über Notzeiten hinwegkamen.

Die Industrialisierung im Steinbacher Grund ging nicht mit der Herausbildung einer kapitalistischen Großindustrie einher, da die Masse der Unternehmen beim Kleinbetrieb mit einer Beschäftigungszahl von höchstens 12 bis 15 Arbeitern stehenblieb. Die Eisen- und Stahlwarenproduzenten des Steinbacher Grundes wiesen als einfache Warenproduzenten einen unterschiedlichen Grad wirtschaftlicher Abhängigkeit auf.

Die Aussichten für das Nagelschmiedehandwerk waren um die Jahrhundertwende denkbar ungünstig. Manche handgeschmiedeten Sorten von Nägeln konnten auf dem Markt nur noch bestehen, weil die Familien sehr bedürfnislos waren, die Kinder zur Arbeit herangezogen wurden und ein kleiner Zuerwerb in der Landwirtschaft möglich war. Die vorhandenen Nagler wurden noch gefördert. Aber die Kinder sollten sich anderen Berufen zuwenden und eine gründliche Ausbildung erhalten.

In Frage kam besonders das Schlosserhandwerk. Die Schlosser- und Zeugschmiede-Innung wählte 1902 Julius Usbeck zum Obermeister. Die Schlosser wehrten sich jedoch gegen die Zwangsinnung mit den Schmieden. Unter den 98 Betrieben waren viele, die gar nicht einwandfrei als Schmiedebetriebe anzusehen waren. Die Beiträge für die Versicherung bei der Schmiede-Innung waren zu hoch, zum Teil betrugen sie das Dreifache.

Bei einer Versammlung am 15. November 1907 verließen die Vertreter der Berufsgenossenschaft wegen der derben Angriffe den Saal der Gastwirtschaft „Schloß Hallenberg“. Auch am 2. Januar 1908 trat eine Versammlung der Bitte der Schmiedeberufsgenossenschaft entgegen, ihr die zugeteilten Betriebe zu belassen. Am 29. Februar legte das Reichsversicherungsamt Berlin fest, daß die Kleineisenindustrie des Schmalkalder Raums in die Thüringische Eisen- und Stahlberufsgenossenschaft hinein gehört.         

 

Durch den Rückgang des Nagelschmiedehandwerks und die eingetretene Hochkonjunktur konnten die Nagelschmiede aber 1909 wieder einen guten Gewinn erzielen. In Unterschönau bildete sich eine Genossenschaft. Der Beitritt wurde aber nicht empfohlen, weil die Händler mehr gezahlt hätten als die Genossenschaft, die außerdem auch mechanisch geschmiedete Nägel beziehe.

Im Jahre 1905 legte der Schlossermeister Christian Rothämel im Erbstal Haus Nr. 67 den ersten Federhammer Marke „Ajax“ an, der sich als sehr praktisch erwies und den Zangenschmieden viel harte Arbeit ersparte.

Im Jahre 1906 entstand in der Straße „Unter den Linden“ die Thüringer Gesenk­schmiede, welche die einer aus hiesigen Schlossermeistern gebildeten Gesellschaft ins Leben gerufen wurde. Ebenso entstand gleichzeitig die Thüringer Temper- und Stahlgießerei.

 

Am 8. April 1905 hielt der Fachschuldirektor Beil aus Schmalkalden im Gewerbeverein einen Vortrag über „Werkzeugfabrikation in Nordamerika“. Er berichtete von seiner Studienreise und dem Besuch der Weltausstellung in St. Louis und regte die Gründung einer Gesenk­schmiede an. Im Jahre 1906 entstand in der Lindenstraße Nr. 23 (später Kino) die „Thüringer Gesenkschmiede“, die von einer aus verschiedenen Schlossermeistern gebildeten Gesellschaft ins Leben gerufen worden war. Gleichzeitig entstand die ,,Thüringer Temper- und Stahlgießerei“. Beide entwickelten sich zunächst gut und wollten zur Erweiterung ihrer Anlagen schreiten und mehrere große Motoren aufstellen. Doch 1912 wurde die Gesenkschmiede von Carl F. Usbeck für 42.000 Mark erstanden, und 1914 hat der Schlossermeister August Bickel die Gesenke übernommen und wollte eine Schlägerei einrichten.

Die Fabrikanten schlossen sich am 16. Dezember 1904 im Ratskeller zusammen, um die Jubiläumsausstellung in Kassel gemeinsam zu beschicken.

Schon 1907 hatte eine Versammlung von 75 selbständigen Schlossermeistern die Preiserhöhungen von 20 Prozent bei den Polierern abgelehnt. Man wollte mit jedem Polierer einzeln verhandeln und Aufschläge bis höchstens 10 Prozent bewilligen.

Am 27. März 1911 wurde beschlossen, einen Fabrikantenverband für den Steinbacher Raum zu gründen. Man wählte die Herren Rom­mel, Sänger, Usbeck, Adolf Letz und Gießler in ein Komitee.

 

Rundblick vom Kirchturm VIII (zum Friedhof)

 

Arbeiterbewegung / Sozialdemokratische Partei

Die wirtschaftliche Stellung der Eisen- und Stahlwarenproduzenten des Steinbacher Grundes, stand der Organisierung der Arbeiterbewegung lange Zeit hemmend im Wege. Das Fehlen einer Großindustrie, die verschiedenen Formen der Nebenbeschäftigung und deren Verbindung mit persönlichem Eigentum bewirkten, daß konservatives und kleinbürgerliches Denken bis weit in das 20. Jahrhundert hinein vorherrschend blieb.

Am 25. März 1907 kamen die Schlossergesellen zusammen, um einen berufsständischen Verein zu gründen. Er sollte mit den Meistern auf friedlichem Wege eine normale Arbeitszeit und eine Besserung der Lohnverhältnisse erstreben. Politik aber sollte vom Verein ferngehalten werden.

Auch die Lehrlinge wollten am 5. April 1907 im Gasthof „Deutscher Kaiser“ (Hammergasse 1) einen Verein gründen, um notfalls auch einmal streiken zu können. Doch die Polizei und die Fortbildungsschule lösten die Versammlung auf. Einige Lehrlinge zogen noch zur Hallenburg und sammelten dabei Geld. Am 7. April wollten sie im Freien einen Vorstand wählen.

Am 13. April 1907 wurde im Gasthof „Schloß Hallenberg“ der Vorstand des neu gegründeten Metallarbeitervereins gewählt. Vorsitzender wurde Emil Wilhelm, Stellvertreter Ernst Karl König, Schriftführer Johann Capraro. Der Verein hatte 100 Mitglieder und erwartete, daß alle Schlossergesellen sich ihm anschließen.

 

Noch einmal wird am 9. November 1913 von der Gründung eines Gewerkvereins der Maschinenbau- und Metallarbeiter im Gasthaus Karl Wilhelm berichtet. Vom 8. bis 15. März wurde eine „rote Woche“ durchgeführt, um den Mitgliederstand der sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften zu heben. Bedingt durch die wirtschaftliche Krise war ein Abonnentenschwund bei der Arbeiterpresse festzustellen.

Es wurde aber versichert: Die Sozialdemokratie denkt nicht daran, mit revolutionären Mitteln zu kämpfen. Nicht mit Mordwaffen, sondern mit geistigen Waffen will sie zum Ziel kommen. Ein Beitritt zu den christlichen Gewerkschaften kann nicht empfohlen werden, da deren Führer in den Parlamenten die Interessen der Arbeiter mit Füßen treten. Nur in den freien Gewerkschaften werden die Interessen der Arbeiter vertreten. Die Sozialdemokratie wird wachsen!

 

Anfänge einer sozialdemokratischen Bewegung in Steinbach-Hallenberg sind schon in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts festzustellen. Aber erst nach dem Ende des ersten Weltkriegs trat sie verstärkt in Erscheinung. Während der Novemberrevolution bildete sich ein Arbeiter- und Soldatenrat, um die Forderungen der Arbeiter nach demokratischen und sozialen Rechten durchzusetzen. 

Der 1894 gegründete Männergesangverein „Frohsinn“ schloß sich dem deutschen ArbeiterSängerbund an. Im Jahre 1919 entstand ein Arbeiter-Sportclub, der sich zu einem weit über die Grenzen der engeren Heimat bekannten und geachteten Mitglied des Arbeiter-Turn- und Sportbundes entwickelte. In den Jahren zwischen 1921 und 1923 formierten sich schließlich klassenbewußte Arbeiter zur Ortsgruppe der KPD und schlossen sich den Hundertschaften der Arbeiterbewegung an.

Regenbogen (Haus Kirchplatz 5)

 

 

Wirtschaftliche und kommunale Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg

Todesfälle 1883 / 84:

Im Winter fand ein großes Sterben statt, namentlich unter den Kindern. So wurden an einem Tage sechs Kinder von hier und eine Frau von Unterschönau zu Grabe getragen.

 

Hausnummern 1884:

Am 30. Dezember 1884 bat Pfarrer Obstfelder den Bürgermeister, daß alle Häuser mit Hausnummern versehen werden, damit die Eintragungen in die Kirchenbücher exakt gemacht werden können. Im gleichen Jahr kam es zur Gründung des Turnvereins und im Jahr darauf des Turnklubs.

 

Drei-Kaiser-Jahr 1888:

Das Jahr 1888 war ein Trauerjahr. Am 9. März brachte der Telegraph die Nachricht, daß Seine Majestät der Kaiser und König Wilhelm I. im 91. Lebensjahr aus diesem Leben dahingeschieden sei. Es wurde eine sechswöchige Landestrauer angeordnet und vier Wochen lang jeden Mittag von 12 bis 1 Uhr mit allen Glocken geläutet. Der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm weilte zur Zeit des Todes seines hochseligen Vaters infolge eines bösen Halsleidens (an dem er nicht mehr genesen sollte) in San Remo. Als ihn dort die Trauerkunde ereilte, reiste er alsbald nach Berlin, um den Thron als Kaiser Friedrich III. zu besteigen. Aber schon am 15. Juni 1888 ereilte auch ihn der unerbittliche Tod. Eine abermalige Landestrauer von sechs Wochen wurde angeordnet und abermals vier Wochen täglich von 12 bis 1 Uhr mit sämtlichen Glocken geläutet. Als dritter deutscher Kaiser im Jahre 1888 bestieg nun den Thron Wilhelm II., der bis 1918 das Deutsche Reich regierte.

 

 

Mord 1888:

Am 9. Dezember 1888 Sonntag abends gegen 6 Uhr wurde der Herzogliche Waldwart Ferdinand Hengelhaupt aus Rotterode auf dem Wege von hier nach Rotterode am Kälberzeil, oberhalb der Zionskirche, von dem Nagler Elias Rommel und dem Schlosser Richard Pfeffer von Steinbach erschlagen. Dieselben wurden am 22. März 1889 vom Schwurgericht Meiningen zum Tode verurteilt und am 34. Oktober desselben Jahres auf dem Hof des Landgerichtsgebäudes in Erfurt hingerichtet. Diesem schaurigen Akte wohnten der damalige lutherische Pfarrer Obstfelder, Gemeinderatsmitglied Ferdinand Häfner (Andreas Sohn), Ausschußmitglied Schlossermeister Elias Usbeck und der praktische Arzt Dr. Kuhn von Steinbach als Zeugen bei.

 

Eisenbahn 1889 - 1893:

Nach vielen Bittschriften wurde im Jahr 1889 die Genehmigung zum Bau einer Eisenbahn von Schmalkalden über Steinbach-Hallenberg nach Zella genehmigt. Im Amt Hallenberg war ein beträchtliches Industrierevier entstanden, das auf Roheisen und Kohle angewiesen war, das aber auch seine Produkte nicht nur mit Hilfe von Kötzen vertreiben wollte. Außerdem war eine starke Holzindustrie entstanden. Man hoffte auf Fremdenverkehr und den Absatz von Porphyrgestein für den Straßenbau. So war der Bau einer Eisenbahnlinie ein dringendes Bedürfnis.

Man erwog auch den Plan einer Strecke von Tambach durch den Berg über Oberschönau und Steinbach nach Rohr. Doch im Staatsvertrag zwischen Preußen und Gotha wurde die Verlängerung der Strecke Wernshausen-Schmalkalden über Steinbach-Hallenberg nach Zella-Mehlis festgelegt. Die Kosten wurden auf 4,9 Millionen Mark veranschlagt. Dazu kamen noch 229.000 Mark für den Grunderwerb, von denen das Herzogtum Gotha aber 20.000 Mark zu tragen hatte. Steinbach trug 15.500 Mark bei und baute für 9.000 Mark die Zufahrtstraße zum Bahnhof.

Der preußische Landtag hatte schon am 15. März 1887 die Zustimmung zum Bau der Eisenbahnlinie Zella-Steinbach-Schmalkalden-Kleinschmalkalden gegeben. Die Nachricht traf um 14.30 Uhr in Steinbach-Hallenberg ein. Doch endgültig wurde der Startschuß erst 1889 gegeben. Am 6. August trafen die ersten Bahnarbeiter ein, Bayern und Italiener, die zunächst die Strecke Schmalkalden-Steinbach in Angriff nahmen. Die landespolizeiliche Abnahme der Strecke fand am 4. Dezember 1891 statt.

Der erste Zug traf am 14. Dezember von Schmalkalden aus in Steinbach-Hallenberg ein. Unter Beteiligung der ganzen Einwohnerschaft, der Gemeindebehörde und sämtlicher Vereine fand unter den Klängen des Musikkorps eine großartige Feier statt. Ein Jahr später, am 25. Januar 1893, wurde die Strecke Steinbach-Hallenberg-Zella-Mehlis mit einer entsprechenden Feierlichkeit der Öffentlichkeit übergeben. Seit jener Zeit blühten Handel und Verkehr auf und der Wohlstand hob sich bedeutend.

 

Brand Gasthof „Deutscher Kaiser“ (Hammergasse, 1893):

Am 11. Mai 1893 (Himmelfahrt) zwischen 11 und 12 Uhr entstand in der Scheune Gottlieb Nothnagels in der Hammergasse ein Brand, der sich schnell ausbreitete und auch die Häuser von Fuhrmann Wilhelm, Wagner Anding, Nagler Kaiser, Schlosser Jäger, Holzhauer Kil­lenberg, Büchsenschlosser Motz, Gebrüder Wilhelm, Kaufmann Usbeck und Witwe Giesen­han zerstörte. Stark beschädigt wurden das Wirtshaus (Hauptstraße 45) und das Haus des Metzgers Häfner (Hauptstraße 39). Man erzählt sich, damals seien die Speckseiten nur so durch die Luft geflogen. Gottlieb Nothnagel hat dann an der Stelle seiner Scheune den Gast­hof ,,Zum Deutschen Kaiser“ errichtet.

Im Juli 1893 entstand im Mitteldorf ein zweiter Brand in der Scheune des Matthäus Rommel. Es brannten mit ab die Wohnhäuser von Ernst Wilhelm, Lehrer Volkmar, Schlosser Marr, Postverwalter Weber (?) sowie die Werkstatt mit Mietwohnung von Gottlieb Usbeck; sein Wohnhaus und das der Witwe Peter Wahls wurden stark beschädigt. In beiden Fällen wurde Brandstiftung vermutet, doch haben die Täter nicht ermittelt werden können. Es hat halt immer dort gebrannt, wo man den Platz nachher gut gebrauchen konnte, um neue und größere Bauten zu errichten.

 

Futtermangel 1893:

Im Jahre 1893 entstand infolge anhaltender Hitze Futternot, das Vieh konnte nicht erhalten werden und wurde bis auf einen kleinen Bestand geschlachtet; man konnte das Pfund Fleisch für 25 bis 30 Pfennige kaufen. Als die Not am höchsten stand, wurde durch die Fürsorge der Königlichen Regierung und unsres sehr verehrten Herrn Landrats Dr. Hagen in Schmalkalden ein Kreisfuttermagazin ins Leben gerufen und Kunst- und Kraftfutter (wie Erdnußkuchen, Reisschlempe und dergleichen) und ebenso Heu und Stroh zu billigen Preisen aus den fernen Provinzen hier eingeführt. Dadurch wurde es möglich, den geringen Viehbestand doch zu halten.

 

Zigarrenfabrik 1894:

Im Jahre 1894 gründete der Zigarrenfabrikant Ludwig Wolff aus Hamburg eine Zigarren­fabrik, in der etwa 120 Mädchen und Frauen arbeiteten und dadurch einen beträchtlichen Verdienst in die Gemeinde brachten. Die Firma errichtete Produktionsstätten im Thüringer Wald, weil dort Frauen als Arbeitskräfte bereitstanden. Andererseits waren diese froh, einen Verdienst finden zu können.

 

Kistenfabrik an der Rösse

 

Rathaus 1898 – 1900:

Im Monat August 1899 entstand in dem ehemaligen Besitztum des Hammergewerken Christian Hoffmann (der Oberförsterei gegenüber) ein Schadenfeuer, dem das ganze Anwesen in der der Hauptstraße Nr. 48 zum Opfer fiel.

Dieses Grundstück wurde in seiner ganzen Größe mit 64 Ar 7 Quadratmeter von dem damaligen Besitzer Carl Wilhelm Wirth durch Beschluß der Gemeindevertretung vom 1. Oktober 1899 für 30.000 Mark von der Gemeinde käuflich erworben, die neun Meter breite Rathausstraße darüber gelegt und das Rathaus darauf errichtet.

Am 18. Mai wurden die Zeichnung und die Beschreibung des Rathauses genehmigt und 35.000 Mark für den Neubau bewilligt. Am 25. April wurde dann der neue Ortsbebauungsplan für das Gebiet Rathausstraße, Bismarckstraße, Arzbergstraße und Bahnhofstraße genehmigt. Der Bau des Rathauses wurde der 1897 gegründeten Firma des Maurermeisters Keßler und dem Zimmermeister Jäger übertragen

 

Obere Hauptstraße

 

 Am 26. März 1900 fand die feierliche Grundsteinlegung statt. Am Montag vor Pfingsten wurde das Rathaus gerichtet (und am 15. Mai immerhin 200 Mark für den Richtschmaus bewilligt). Am 1. Oktober wurde das Haus seinem Zweck übergeben. Die Gemeindevertretung veranstaltete bei dieser Gelegenheit eine Festlichkeit, an der sich außer den hiesigen Gemeinde- und Staatsbeamten und Geistlichen auch der Herr Landrat Dr. Hagen, Regierungs-Assessor Dr. Schmieder und die Kreisausschußmitglieder beteiligten. Die Kosten beliefen sich auf 50.000 Mark. Um diese leichter tragen zu können, hatte der Kreisausschuß die Konzession für einen Gastwirtschaftsbetrieb erteilt. Am 1. Oktober wurde so die Rathauswirtschaft an den Gastwirt Carl Holland für jährlich 1.500 Mark verpachtet.

 

Rathaus

 

Die Urkunde zur Erinnerung der Grundsteinlegung des Gemeinde-Verwaltungs-Hauses zu Steinbach-Hallenberg, eingelegt in den Grundstein am 26. März 1900, lautet wie folgt: „Infolge der Zunahme der Bevölkerung und der Gemeinde-Verwaltungsgeschäfte von Steinbach-Hallenberg stellte sich in den letzten Jahren immer mehr das Bedürfnis eines eigenen Gemeindeverwaltungs-Gebäudes heraus. Die Gelegenheit, ein zu diesem Zweck geeignetes Grundstück zu erwerben, bot sich durch das Freiwerden eines größeren Baugrundes infolge

eines Schadenfeuers, das die Gebäulichkeiten des Schuhmachers Wilhelm August Wirth niederlegte. Es war früher im Besitz des verstorbenen Hammerwerkers und Kaufmanns Christian Hoffmann, das dieser durch Ankauf von Liegenschaften mit großem Garten und Feld-Ländereien umgab und eine schöne Lage im Mitteldorf hatte.

 

Dieses Grundstück wurde von dem genannten Wirth auf Vorschlag des Gemeindevorstandes durch Beschluß der Gemeindeverordneten zu dem Preis von 30.000 Mark Deutscher Reichswährung einschließlich der Brandkassen-Entschädigung gekauft. Nach Begradigung des ganzen Gebiets wurden Baugründe abgegrenzt, eine Straße durch gelegt und dieser der Name „Rathausstraße“ gegeben. Zur rechten Seite und eingangs dieser Straße soll sich das neue Rat­haus erheben.

Zu diesem Zwecke wurde durch Beschluß der Gemeindeverordneten eine Baukommission unter Vorsitz des Bürgermeisters eingesetzt, die das Nähere über Bau und Baukosten zu beraten und zur Vorlage zu bringen hatte. Diese Baukommission bestand aus drei Mitgliedern des Gemeindevorstandes und drei Mitgliedern der Gemeindeverordneten.

 

 

 

Die Kommission beauftragte nun den Architekten Meußer zu Schmalkalden mit dem Entwurf und dem Kostenanschlag eines Bauplans, wobei die Gesamtbaukosten mit 35.000 Mark begrenzt waren. In einer Reihe von Sitzungen kam der dann vorgelegte Plan in seinen Einzelheiten zur Beratung und Feststellung, dem dann auch die Genehmigung der Gemeindeverordneten folgte.

Auf Grund einer öffentlichen Ausschreibung erhielten der Maurermeister Ernst Keßler und der Zimmermeister Karl Jäger die Ausführung des Rathausbaus zu dem Preis von 35.000 Mark übertragen. Zur Erleichterung der durch diesen Bau entstehenden Lasten erhielt die Gemeinde Steinbach-Hallenberg von dem Kreisausschuß zu Schmalkalden die Erlaubnis zu einem Gastwirtschaftsbetrieb im Rathaus.

Zur Erinnerung der Gründung dieses Baues wurde in den Grundstein diese Urkunde eingelegt.

Dieses geschah unter der segensreichen Regierung des Königs Wilhelm II. von Preußen, des Deutschen Kaisers, im elften Jahr seines Regierungsantritts, im 29. Jahr der Wiederaufrichtung des deutschen Reiches.

Zu dieser Zeit waren im Amt:

Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau: Excel lenz Graf von Zedlitz-Trutschler.

Regierungspräsident des Regierungsbezirks Kassel: Herr Freiherr von Trott zu Solz.

Landrat des Kreises Schmalkalden: Herr Regierungsrat Dr. Hagen.

Königlicher Amtsrichter zu Steinbach-Hallenberg: Herr von Kienitz.

Lutherischer Pfarrer zu Steinbach-Hallenberg: Herr Hertting.

Reformierter Pfarrer zu Steinbach-Hallenberg: Herr Schantz.

Herzoglich-Gothaischer Oberförster zu Steinbach-Hallenberg: Herr Brohmeyer.

 

Das Gewerbe der Schlosser und Nagler bringt noch lange dem Orte seine hauptsächliche Nahrung. Seit mehreren Jahren hat sich die Schlosserei (Eisen-Kurz-Warenfabrikation) sehr entwickelt und ist gut beschäftigt im Gegensatz zu der Nagelschmiederei, die durch die maschinelle Herstellung der Nägel bedrängt, immer weniger Hände beschäftigt. Die übrigen Hantierungen bringen guten Lohn. In diesem Jahre wurde eine Zentrale zur Ergänzung elektrischer Kraft und Licht in der Moosbach in Betrieb gesetzt. Es war dieses Jahr eine gute Ernte, sämtliche Feldfrüchte sind wohlgeraten. Es ist ein großer Segen im ganzen deutschen Reiche. Verheerende Krankheiten haben unseren Ort lange nicht heimgesucht. Die Bevölkerung nimmt stetig und bemerkenswert zu, der Zuzug ist größer als der Abzug.

Unter den Völkern Europas ist andauernder Friede. Industrie und Handel blühen und das Land erfreut sich infolgedessen eines steigenden Wohlstandes und besserer Lebenshaltung seiner Bevölkerung. Gott zu Ehren, an dessen Segen alles gelegen. Er wolle unsern Ort schirmen und segnen.

Abgeschrieben von dem in den Akten des Bürgermeisteramts aufgenommenen Entwurf.

Steinbach-Hallenberg, am 21.August 1906     Bernhard Knoth, Bürogehilfe

 

Rathaus mit Kriegerdenkmal

 

Nach Fertigstellung des Rathauses wurde vor diesem ein Kriegerdenkmal errichtet. Am 26. Juni 1900 wurde dem Kriegerverein und dem Militärverein die Genehmigung zur Errichtung eines Kriegerdenkmals zu Ehren der Teilnehmer des Krieges von 1870 / 71 erteilt. Die Maurerarbeiten hierzu wurden ebenfalls durch Keßler, die Bildhauerarbeiten von Emil Köpler aus Schmalkalden ausgeführt. Die Kosten betrugen 3.187 Mark und wurden zum größten Teil durch freiwillige Gaben aufgebracht, während der Rest von den beiden Krieger- und Militärverein übernommen wurde. Im Oktober erfolgte die feierliche Einweihung und Übergabe.

Das Denkmal zeigte einen Landsturmmann. Im Jahre 1905 wurde es mit einem Gitter mit Kandelaber an den vier Ecken versehen und der Springbrunnen wieder instandgesetzt. Zwischen Gitter und Denkmal war Rasen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kriegerdenkmal mit dem Landsturmmann entfernt und durch einen Friedensbrunnen ersetzt. Diesen hat man nach der gesellschaftlichen Wende 1990 durch eine nichtssagenden Allerweltsbrunnen ersetzt. Dabei war der Friedensbrunnen doch ein gutes Gegenbild zu dem Landsturmmann, auch wenn er von den Kommunisten errichtet wurde

 

Rathaus mit Friedensbrunnen von 1950

 

Rathaus 1975

 

Als Bürgermeister amtierte damals der frühere Kaufmann Alex Bleymüller aus Schmalkalden, Beigeordneter war seit 1889 Mühlenbesitzer August Jäger. Gemeindebeamte waren vorhanden: Gemeindeschreiber Christian Wilhelm Dittmar (seit 1885), Bürogehilfe Ernst Thomas (1893), Sparkassenkassierer Julius Häfner (seit 1885), Gemeinderechner August Häfner (1.1.1900), zwei Polizeisergeanten Valtin Recknagel und Richard Wahl und Flurhüter Holland-Cunz.

Am 30. April 1901 schied Bürgermeister Bleymüller aus dem Amt, um die Stelle eines Ersten Bürgermeisters in Ilmenau zu übernehmen. Als sein Nachfolger wurde Wilhelm Zickendraht aus Rückingen (Kreis Hanau) am 18. Juli mit zwölf gegen acht Stimmen gewählt und am 5. August eingeführt. Die Linden von der Rathausstraße aufwärts bis zur Mühlgasse wurden 1901 durch Bürgermeister Bleymüller gepflanzt.

 

Typhusepidemie 1904:

Der Winter 1904 brachte uns eine nicht unbedenkliche Typhus-Epidemie, bei der etwa 20 Personen zu gleicher Zeit darniederlagen. Der Gedanke des Landrates, in der alten Zigarrenfabrik (über Kaufmann Sasse) ein Notlazarett einzurichten, konnte nicht verwirklicht werden, weil die betreffenden Familien ihre Kranken selbst pflegen wollten. Da die Krankenschwester die Arbeit nicht mehr allein versehen konnte, mußte man die Kinderschule schließen, um in Schwester Paula Hilfe zu bekommen. Todesfälle kamen, Gott sei Dank, nur zwei vor.

Am 21. Juni 1906 ertrank das 2 ½ Jahre alte Töchterchen des Schlossers Friedrich August Häfner in der Hasel. Es war in einem unbewachten Augenblick ins Wasser gefallen. Wiederbelebungsversuche waren ohne Erfolg.

 

Friedhof 1905:

Im Jahre 1905 wurde der Friedhof mit Akazien, Rot- und Weißdorn, zwei Linden, sonstigen Bäumen und mit Flieder bepflanzt.

 

Neue Schule 1901:

Durch das Anwachsen der Bevölkerung mußten immer mehr Schulstellen und Schulräume geschaffen werden. Man tauschte das am Friedhof gelegene Forstgrundstück gegen die Hirtenwiese an der Rasenmühle und baute eine weitere Schule mit Lehrerwohnung (die alte Schule war 1882 erbaut worden). Die Maurerarbeiten führte die Firma Keßler aus, die Zimmerarbeiten die Firma Simon aus Schmalkalden. Die Kosten beliefen sich auf 34.000 Mark, wozu der Staat eine Beihilfe von 10.000 Mark gab.

Am 4. September 1901 wurde die neue Schule mit einer Schülerfeier eingeweiht. Jedes Kind erhielt eine Bratwurst. Es wurden 799 Bratwürste verteilt, die 800. erhielt die Schulfrau Marie Bickel. Die Gemeindebehörden beteiligten sich, dazu sämtliche Vereine und die Feuerwehr. Erster Rektor war der frühere Kantor und Hauptlehrer Heymel.

 

Haushalt 1903:

Der Haushalt der Gemeinde Steinbach-Hallenberg belief sich 1903 auf 73.000 Mark, von denen 30.000 über direkte Steuern und 5.000 durch indirekte Steuern aufgebracht wurden. Ausgegeben wurden: 7.600 für Verwaltung, 2.600 für Polizei, 1.500 für Armenpflege, 30.900 für Schule, 4.800 für Kreissteuern.

 

 

 

Wohlstand vor dem Ersten Weltkrieg:

Pfarrer Klingelhöfer schreibt in der Turmknopfurkunde von 1906: „Der Wohlstand ist gegenwärtig ganz gut. Die Industrie blüht. Die Meister können nicht genug Arbeitskräfte bekommen. Arbeiter aus Schmalkalden und selbst aus Westfalen fanden in Steinbach ihr Brot. Die Waren gingen in viele Länder und wurden gut bezahlt. Die Handwerksbetriebe entwickelten sich langsam zu Fabriken. Steinbach-Hallenberg hat sich in jeder Beziehung gehoben. Der Schnapsverbrauch war in 20 Jahren auf die Hälfte gesunken, dafür hatte sich aber der Bierverbrauch verdreifacht.“

Die fabrizierten Qualitätswaren gingen aus manchen Betrieben in aller Herren Länder und wurden gut bezahlt. Jedermann konnte in dieser Zeit beobachten, wie die Handwerksbetriebe allmählich in Fabrikbetriebe hinüberglitten. In dieser „guten alten Zeit“ fand wirklich ein jeder sein gutes Auskommen.

 

 

Ausbau des Straßennetzes 1894 - 1909

Ende 1894 wurde die Bermbacher Straße angelegt und damit der Weg nach Bermbach vom Galgenberg ins Gründchen verlegt. In den Jahren 1905 / 06 wurde beschlossen: Der südliche Teil der Bismarckstraße und die Herrengasse (heute: Friedensstraße) werden ausgebaut. Der nördliche Teil der Bismarckstraße soll ausgebaut werden, wenn die Anlieger alle Grundstücke zur Verfügung gestellt haben.

In einer kurzen Reihe von etwa 6 bis 7 Jahren entstand die Moosbachstraße mit ihren zahlreichen Häusern‚ wurden Rotteroder- und Bahnhofstraße bebaut und ebenso die Lindenstraße.

Die Bahnhofstraße soll etwas weiter links in den alten Rasenmühlenweg verlegt werden. Die Lindenstraße wird ausgebaut, wenn die Anlieger das Gelände zur Verfügung stellen und auch die Zinsen für die noch unbebauten Grundstücke mit übernehmen. Im Jahre 1903 wurden 14 neue Wohnhäuser gebaut, dazu 19 sonstige Gebäude und 14 Umbauten. Im Jahre 1905 waren es 21 Wohnhäuser, 8 Werkstätten, 6 Ställe, 3 Nebengebäude, 1 Scheune und 29 Um- und Ausbauten.

Am 1. Mai 1907 trat eine Neu-Einteilung der Straßen und eine Um-Numerierung der Häuser in Kraft und eine Beschreibung der Häuser wurde vorgenommen. Es gab damals folgende Straßen: Bahnhofstraße, Lindenstraße (bis Rasenmühlenweg), Rasenmühlenweg, Bismarckstraße, Hauptstraße, Herrengasse (nur nördlich bebaut), Arzbergstraße, Kälberzeil, Rotteroder Straße (bis zur Schlagmühle), Moosbach Moosburg, Kämpfstraße (nur westlich bebaut) (heute: Kellerstraße), Dillersgasse, Teichstraße, Hoher Berg, Schützenstraße, Oberhofer Straße, Rösse, Wilhelmstraße, Büttersgasse, Schloßberg, Wolffstraße, Mühlgasse, Hammergasse, Kirchplatz, Erbstal, Brunnenstraße, Bermbacher Straße.

Der Ausbau der Straßen brachte aber auch Probleme mit sich. Schon 1902 fuhr ein Radfahrer in ziemlich scharfem Tempo einen abschüssigen Weg hinunter und überfuhr ein dreijähriges Kind, das sich ein Bein brach. Die Bismarckstraße wurde wegen ihrer glatten Fahrbahn gern von Radfahrern zum Üben und zu Wettfahrten benutzt. Besonders in der Zeit zwischen 16 und 17 Uhr nahm das Radfahren überhand. Am 13. April 1907 wurde wieder ein Kind umgerannt und verletzt.

Im Haus Bismarckstraße 43 eröffnete Herr Kundt eine Badeanstalt mit Kastendampfbädern, Wannenbädern und Duschbädern. Das war am 7. Juni 1905. Doch schon ein Jahr später wurde sie von Herrn Prusseit übernommen, der kleinere Wannen für billigere Bäder ein baute. Die Bismarckstraße sollte einen vornehmen Charakter tragen, weil sie etwas abseits von Verkehr und Industrieanlagen lag. Ein Bauherr mußte die Zeichnung für sein Haus ändern lassen, weil dort nur Häuser in ,,heimischer“ Bauweise gebaut werden sollten.

Treibende Kraft dafür war der Kreisbauinspektor Kaufmann. Beispiele für seine Vorstellungen vom Bauen sind das Pfarrhaus in Oberschönau und das Volksbad in Schmalkalden und das Evangelische Gemeindehaus in Steinbach-Hallenberg.

 

Mitte 1911 wurden Hauptstraße, Rathausstraße und Bahnhofstraße geschottert. Die Bahnhofstraße sollte von der Linde (Einmündung Lindenstraße) bis zur Gastanstalt (Einmündung Rasenmühlenweg) sogar geteert werden. An der Ostseite wurde ein Gehweg angelegt; die Anlieger mußten das Land hergeben und die Bordsteine bezahlen.

Am 18. September 1911 wurde mit dem Bau eines Abwasserkanals am Kirchplatz begonnen. Dadurch verschwand der Kunstgraben hinter dem Pfarrgrundstück. Auch der gemauerte Kanal vor der Erbstalbrücke (er ging durch das Haus Erbstal 32) wurde durch Zementröhren ersetzt. Gleichzeitig wurden Kirchplatz, Herrengasse und Bismarckstraße kanalisiert. Der Schmutz in der nassen Jahreszeit und der Staub im Sommer waren schlimm. Die Straßenbauverwaltung wollte deshalb wenigstens die Hauptstraße mit Kleinpflaster in sieben Meter Breite versehen. Die Kosten für Gehsteig und Kanalisierung in Höhe von 45.000 Mark sollte die Gemeinde übernehmen, auch die Mehrkosten, wenn an einigen Stellen breiter gepflastert werden sollte.

Beim Ausbau der Arzbergstraße gab es Schwierigkeiten. Zunächst hatte man Zweifel, ob die Herrengasse über den Keßlerhügel zur Arzbergstraße verlängert werden kann. Man legte das dann fest, wollte aber diesen Verbindungsweg für Lastfuhrwerke sperren. Dann wollte der Bauunternehmer Keßler 1.500 Mark mehr haben, weil er Knüllfeldsteine verwenden sollte; so wurde der Verwendung von Steinen aus der Arzbergrücke zugestimmt.

Eine Verbindung zur Hauptstraße sollte am nördlichen Ende der Straße hergestellt werden. Das Pfannschmidt‘sche Haus wurde für 11.500 Mark gekauft. Die Firma Holland-Letz Söhne sollte zunächst sechs Mark pro Quadratmeter Hofraum erhalten, wollte dann aber das Grundstück kostenlos hergeben, wenn die Straße zehn Meter breit gebaut wird. Im Oktober 1912 machte die Firma Keßler dann Konkurs, nachdem sie schon einmal einen Konkurs durch Vergleich hatte abwenden können.

Inzwischen wurden die Klagen über den Zustand der Straßen immer heftiger. Die Moosbach glich bei Regenwetter mehr einem Hohlweg im Feld, so daß der Arzt schon Besuche in dieser Straße abgelehnt hatte (dort wohnten meist Arbeiter!). Ein ,,Antistraßendreck-Verein“ wurde gegründet, der den Ort in ,,Dreckbach“ umbenennen wollte. Am 12. März 1913 wurde das Ortsstatut über die Straßenreinigung angenommen.

Die Vollendung der Arbeiten an der Arzbergstraße wurde der Firma Schleicher übergeben (Nachfolger von Keßler). Ein Darlehen von 25.000 Mark wurde aufgenommen, das durch die Anliegerbeiträge wieder getilgt werden sollte. Die Bismarckstraße erhielt einen besseren Zugang zur Haupt- und Bahnhofstraße durch Abbruch des Gemeindewohnhauses am südlichen Ende, das früher Adolf Herzog gehört hatte. Am 11. März 1914 konnte die Arzbergstraße endlich abgenommen werden; sie hat 25.000 Mark gekostet.

Im Sommer 1914 wurde dann die Hauptstraße vom Kirchplatz nach unten bis zur Arz­berg­straße gepflastert. Die Lindenstraße wurde durch Notstandsarbeiten kanalisiert. Im Herbst wurde die Hauptstraße dann bis zum Rathaus gepflastert. Im Jahre 1915 wurde sie dann weiter bis zum Kälberzeil gepflastert, ebenso die Wilhelmstraße von der Saftsbrücke bis zur Brücke gegenüber dem Amtsgericht (bis zur Nummer 14). Die Luisenstraße wurde 1909 angelegt und das dortige Pfarrland in einzelnen Parzellen verkauft. Sie hieß ursprünglich „Königin-Luise-Straße“ nach der populären preußischen Königin.

Weiterer Ausbau des Ortes in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg:

1907 Neubau des Saales im Gasthaus Adolf Wilhelm im Erbstal (Lindenhof)

1907 Eröffnung des Gasthofs ,,Tanne“ am 17. Februar mit Bockbier und Konzert

1907 Abriß und Neubau der Schlagmühle in der Rotteroder Straße

1909 Der Schindanger auf dem Galgen wurde vergrößert und eingezäunt

1911 Einweihung der Zigarrenfabrik in der Rotteroder Straße am 21. Januar

1911 Erwerb der Motzenmühle durch Carl W. Bickel, der weiter gemahlen hat, aber

   auch eine Schlosserwerkstatt anbauen wollte (Wolffstraße 2)

1911 Einbau der Rathausuhr durch Firma Kühn in Gräfenroda, nachts beleuchtet,

   Wartung und Aufziehen durch Uhrmacher Koch, am 19. August.

1912 Der Bautechniker König erhält 1.500 Mark im Jahr ohne Vertrag

1913 Dampfheizung der Firma Werner im Rathaus eingebaut (25. November)

1914 Die Thüringische Landesbank erwirbt das Grundstück Bismarckstraße 41.  

 

Knüllfeld:

Die Schutzhütte auf dem Knüllfeld in der Nähe des Steinbruchs war zerstört worden und wurde 1902 durch die Firma Keßler wieder aufgebaut. Der verschließbare Raum fiel dabei weg und wurde durch einen altanartigen Vorbau ersetzt. Bei dieser Hütte hielt Herr Simon immer einmal Wirtschaft und kündigte das dann in der Zeitung an. Er war ein wohlhabender Bauer aus Asbach. Seine Frau hatte den Gasthof ,,Zum Deutschen Kaiser“ geerbt, so daß sie diese Gaststätte übernahm. Doch dann baute er auf dem Knüllfeld einen Bauernhof, zu dem die bürgerliche Gemeinde das Land gab.

Doch als die Scheune schon gebaut war, stellte sich heraus, daß die Gaststätte in der Hammergasse aufgegeben werden mußte. Die Scheune wurde zu einem Restaurant ausgebaut und eine neue Holzscheune errichtet (die heutige Scheune wurde später erbaut). Das Wasser wurde mit dem Kuhgespann am Kalten Brunnen (am Steinhauck) geholt, auch im Winter. Jeden zweiten Tag war ein 500 Liter Faß nötig. Die Landwirtschaft war die Haupteinnahmequelle, die Gaststätte wurde nur nebenher betrieben.

Im Jahr 1937 wurde die Lichtleitung zum Knüllfeld auf Kosten des Abnehmers verlegt, aber von der Gemeinde dann unterhalten. Die Leitung hing an Holzmasten, von denen jeder mit einer Lampe versehen war. Wenn man oben 50 Pfennig in den Automaten warf, brannte das Licht eine halbe Stunde auf dem Weg bis Steinbach. Nach dem Krieg wurde die Leitung mit Betonmasten auf einer etwas anderen Trasse erneuert. Die Wasserleitung zum Knüllfeld wurde 1957 gebaut. Das spätere Erdkabel kam aus Berlin.

Viele Versorgungsgüter für die Gaststätte wurden mit dem Rucksack geholt. Später hatte Frau Marie Jung auch einen Trabant. Der Weg von Bermbach her wurde 1974 neu planiert. Später gehörte die Gaststätte dem VEB Metallwaren „Grünes Herz“.

 

 

Infrastruktur 1893 - 1909

Wasserleitung:

Zunächst gab es in Steinbach verschiedene einzelne Wasserleitungen, die in Brunnen endeten. Am 8. März 1893 wurde die Valtin-Wilhelms-Quelle in der Struth (mit einer Brunnenleitung zum Erbstal) für 400 Mark von der Gemeinde gekauft. Am 6. November des gleichen Jahres wurde die Wasserleitung am Schloßberg genehmigt und anschließend von der Firma Ansorg in Gotha gebaut. Aber oft fanden sich Würmer und sogar ein Molch im Wasser. Eine zentrale Wasserversorgung war ein dringendes Bedürfnis.

 

Luftbild

 

Hauptgegner des Projekts eines Wasserwerks und einer richtigen Wasserleitung war der am 11. April 1904 gegründete „Bürgerverein“ mit seinen 150 Mitgliedern. Seine Argumente waren: Es gäbe genug Brunnen, eine genügend starke Quelle fehle, die Kosten wären zu hoch, eine Kanalisation müsse ja auch gebaut werden. Es gäbe 20 Brunnen, und wenn am Oberhammer, in der Moosbach und in der Bahnhofstraße Wassermangel herrsche, dann müsse man dort eben die Brunnen erweitern.

Dann ging der Streit darum, welche Quelle genommen werden sollte. Die Struthquelle wäre nicht ausreichend, man müßte alle dortigen Quellen zusammenfassen. Die Arzbergquelle ist die ergiebigste im Ortsgebiet. Noch stärker ist die Hellenbachquelle in Oberschönau, aber die hat die Gemeinde nicht in ihren Besitz bringen können. Doktor Kästner schlug sogar den Bau eines Stauweihers im Kanzlersgrund vor. Auch 1910 plante man eine Talsperre im Kanzlers­grund oberhalb der Finkensteine, um den Wasserstand der Werra besser regulieren zu können (die Werra sollte kanalisiert werden).

Am 18.2. / 15.3.1907 wurde das Projekt des Kreisbaumeisters Pause aus Wetzlar, das vom Meliorationsamt Fulda bestätigt worden war, angenommen. Der Techniker Caspar Schmidt wurde zur Beaufsichtigung der Arbeiten angestellt. Man entschied sich für die Struthquelle, deren Wasser in Marburg begutachtet worden war (einen Pachtvertrag mit dem gothaischen Domänenfiskus für die Hellenbachquelle wollte man nicht abschließen, weil man die Steuer für den gothaischen Besitz erhöhen wollte). Am 18. November 1907 wurde beschlossen, die Arzbergquelle gleichzeitig mit auszubauen: Es sollen zwei Bassins gebaut werden, von denen eins Feuerzwecken dienen soll, so daß man Überflurhydranten im Abstand von 80 Metern einbauen kann.

Wer sich bis 15. Dezember in die Liste eingetragen hatte, erhielt den Wasserhahn in die Küche gelegt und den Abstellhahn im Keller kostenlos verlegt. Bis 10. Dezember waren auch 302 Häuser angemeldet. Vor allem die besseren Leute hielten sich noch abseits. Doch bis 4. Februar 1908 hatten sich 606 Hausbesitzer angemeldet, also fast der ganze Ort.

Am 31. Januar wurde der Gemeinderat beauftragt, ein Darlehen von 160.000 Mark aufzunehmen, der Antrag auf Staatsbeihilfe wurde erneuert. Auf die Ausschreibung gingen neun Angebote ein. Am 8. April wurde in Anwesenheit des Landrats der Bau der Wasserleitung endgültig beschlossen. Die Firma Brauer & Co. in Höchst a M. wurde mit der Ausführung der Arbeiten beauftragt.

Im Juni war der Behälter in der Struth ausgeschachtet und die Leitung bis zur Hauptstraße verlegt. Täglich wurden 200 Meter der 13 Kilometer langen Leitung in 1,80 Meter Tiefe verlegt. Am 24. August wurde schließlich mit dem Bau des Behälters an der Arzbergquelle begonnen.

Im Oktober wurde das Wasserwerk in Betrieb gesetzt. Auch in der ,,Windmühle“ (Erbstal 56) konnte das Wasser noch bis in die erste Etage geliefert werden, obwohl der Behälter nur von der oberen Quelle gespeist wurde. Am 29. Dezember wurde die Leitung abgenommen, am 30. Dezember auch von der Brandversicherungsanstalt.

Schon am 30. November konnten sich die neuen Hydranten bei einem Brand bewähren, ebenso am 6. Juli 1913, als Scheune und Saal der ,,Hallenburg“ eingeäschert wurden. Die Kosten beliefen sich auf 185.000 Mark. Für ein Entgelt von 240 Mark wurde Herr Hemmling 1911 als Wassermeister angestellt. Die Quelle am Reinhardsberg wurde mit angeschlossen.

 

Elektrizitätswerk 1898 – 1899:

Am 22. April 1898 fanden die ersten Verhandlungen zur Errichtung eines Elektrizitätswerks statt, die dahin führten, daß die Firma Hermann Gieldzinski in Berlin ein Elektrizitätswerk in der Moosbach (heute Nummer 13) errichtete, das schon Anfang März 1899 in Betrieb gesetzt wurde. Außer der Straßenbeleuchtung erhalten etwa 200 Häuser elektrisches Licht, auch wird an eine größere Anzahl Gewerbetreibender Starkstrom zum Betriebe ihrer Maschinen und dergleichen abgegeben.

Offenbar reichte der Strom aber nicht aus. Das Elektrizitätswerk wurde zunächst unter Zwangsverwaltung gestellt und am 12. Mai 1902 von der Neue-Boden-Aktiengesellschaft gekauft. Sie baute das Werk um, eine neue Akkumulatoren-Batterie mit 546 Ampèrestunden wurde eingebaut, eine Verbundheißdampfmaschine mit 150 PS Leistung wurde in Betrieb genommen. Auch die Leitungen in den Straßen wurden geändert. Die Kilowattstunde kostete 50 Pfennige, wenn der Verbraucher die Kosten für die Anlage übernahm. Pauschalkonsumenten durften die Glühlampen nur vom Werk beziehen.

Doch schon im Herbst 1903 übernahm der Zivilingenieur Max Grigoleit aus Berlin (mit Büro in Erfurt) das Elektrizitätswerk. Durch billigen Strom wollte man den Verbrauch erhöhen, weil die Maschinen nicht ausgelastet waren: Wer die Lampen mehr als 300 Stunden im Jahr brennen ließ, brauchte nur noch 25 Pfennig pro Kilowattstunde zu bezahlen.

Im Jahre 1906 wurde eine neue Dynamomaschine aufgestellt. Den Großbetrieben wurde empfohlen, von der Dampfmaschine auf den Elektromotor umzusteigen. Über die Versorgung der Nachbarorte wurde 1908 verhandelt. Mitte 1909 wurde die Konzession zur Lieferung von Elektrizität nach Herges-Hallenberg erteilt.

Im Jahre 1910 wurden die Leitungen nach Rotterode, Altersbach, Herges und Springstille verlegt und Mittelstille eine Konzession erteilt. Doch nun wurde der Strom knapp. Einigen Kleinabnehmern wurde der Strom gekündigt. Aber es wurde weiter an der Verpflichtung festgehalten, keinen Gasmotor aufstellen zu dürfen. Es entwickelte sich eine heftige Fehde zwischen Elektrizitäts- und Gaswerk, wer die bessere und preiswertere Energie liefern könne. Das Elektrizitätswerk bemühte sich um eine Beleuchtung der Kirche und Schule. Aber andererseits wurde das Gaswerk ja erst nötig, weil das Elektrizitätswerk nicht ausreichte.

Das Elektrizitätswerk ging später in Gemeindeeigentum über. Schon 1913 wollte man es für 200.000 Mark kaufen, Herr Grigoleit wollte aber 270.000 Mark haben.

 

Gaswerk:

Am 26. September 1907 veröffentlichte der Gemeinde-Baubeamte Schmidt eine Anzeige, in der es hieß: Interessenten für eine Gasanstalt möchten sich melden Die Rohre sollten zusammen mit der Wasserleitung verlegt werden. Am 18. Januar 1908 hielt Ingenieur Heil in „Schloß Hallenberg“ einen Vortrag über die Gasanstalt und beantragte die Konzession für ein solches Werk.

Die Konzession erhielt jedoch die Berlin-Anhaltische-Maschinenbau-Aktiengesellschaft und die Gasanstalts-Betriebsgesellschaft in Berlin. Ihr Ingenieur Rheinbay hielt am 28. Januar 1909 einen Vortrag über die Verwendung von Gas. Diplomingenieur Goldschmidt führte im Saal Gaslampen und Brenner vor.

Am 1. März stimmten Gemeinderat und Bürgerausschuß der Verleihung einer Gaskonzession zu, am 7. Mai wurde der Bau vom Kreisausschuß genehmigt. Mitte Mai vermaß ein Ingenieur die Rohrleitungen. Die Wiese des Schlossers Julius Bühner unterhalb der Gießerei wurde aufgekauft (Bahnhofstraße 16, später Betriebsberufsschule).

Am 30. Juni 1909 trafen zwei Doppelwaggons mit Röhren ein, am 3. August wurde mit der Verlegung der Gasrohre in der unteren Hauptstraße und im Erbstal begonnen. Am 17. Oktober wurde mit dem Bau der Gasanstalt begonnen. Am 26. Februar 1910 wurde sie baupolizeilich abgenommen.

Am 15. April 1910 ging die Gasanstalt dann in Betrieb, am 16. April konnten die Hausfrauen zum ersten Mal auf Gas kochen. Wer sich bis dahin angemeldet hatte, erhielt die Leitung kostenlos ins Haus gelegt. Der Kubikmeter kostete bei Leuchtgas 20 Pfennige, bei Kochgas 16 Pfennige und bei technischem Gas 14 Pfennige. Die Gemeinde erhielt 15 Prozent des Netto-Reingewinns.

Am 24. Mai wurde in einem Betrieb ein 2 PS Fafnir-Gasmotor zum Antrieb eines Gebläses aufgestellt. Gasschmiedeofen, Härteofen und Lötpistole wurden angeboten. Gemeindevertretung und Schlosserinnung besichtigen das Gaswerk und ließen sich die Apparate vorführen. Doch Anfang 1911 versorgte das Elektrizitätswerk 129 Motoren mit 351 PS, das Gaswerk aber nur 21 Motoren mit 39 PS. Es wurden aber noch weitere Leitungen verlegt, zum Beispiel den Gruppich hinauf.

 

Post/Telefon/Bahnhof:

Am 15. November 1846 wurde in Steinbach die erste Post gegründet. Vorher gab es nur einzelne Boten wie den Kreisbereiter oder den Boten des Bergamts. Dann nahmen das Justizamt und nach 1830 auch die Renterei einen Amtsboten an, Lukas Wirt, genannt „Botenluck“. Diese Einrichtung bestand aber noch lange neben der Post her. Seit 1873 gibt es einmal täglich Postverbindung (Fahrpost) mit Schmalkalden; vom 1. August an geht noch eine tägliche Botenpost nach Schmalkalden.

 

Die Poststelle der „kaiserlichen Post“ wurde im heutigen Haus Hauptstraße 112 untergebracht. Die ersten Postmeister waren Georg Sasse (1846–51), Matthäus Werner (1851-88), Leifer (1888-93) und Herr Eisfeldt. Bis zum 25. September 1902 verwaltete der Postassistent Scheidel das Postamt, dann wurde die Stelle dem Postassistenten Kühne aus Neuhaus am Rennweg übertragen. Er verließ Steinbach 1915 und sein Nachfolger wurde ab 1. August Herr Buchmann aus Köppelsdorf. 

 

Alte Post in der oberen Hauptstraße

 

Die Post nahm am 30. Juli 1945 wieder den Betrieb auf. In der Zeit der Währungsreform wurden vom 24. Juni bis 10. Juli Bezirksstempelmarken auch in Steinbach-Hallenberg ausgegeben: Sie trugen die Nummer 16 (Oberpostdirektion Erfurt) und die Postamtsbezeichnung Steinbach-Hallenberg.

Für eine Fernsprecheinrichtung meldeten sich 1903 zunächst 15 Interessenten. Noch im Juni wurde mit dem Bau einer Leitung begonnen. Im August konnte die Anlage in Betrieb genommen werden. Angeschlossen waren Betriebe, Gaststätten, Ärzte und der Bahnhof. Einige Teilnehmer waren in Oberschönau, einer in Herges. Zwei öffentliche Sprechstellen gab es in Steinbach und Oberschönau. Die Vermittlung wurde nur zu bestimmten Zeiten vorgenommen, zum Teil gab es nur eine Dienstbereitschaft von jeweils zehn Minuten. Insgesamt konnten 39 Orte außerhalb angewählt werden bis nach Coburg, Weimar, Heiligenstadt und Eisenach. Das Bürgermeisteramt wurde erst 1908 angeschlossen.

 

Am 1. Januar 1909 wurde der Postscheckverkehr innerhalb Deutschlands eröffnet. Die Steinbacher Post gehörte zum Postscheckamt Leipzig. Für eine Mindesteinlage von 100 Mark konnte man ein Konto eröffnen. Am 15. Juni 1912 wurde im Postfach ein Schließfachschrank aufgestellt. Im Orts- und Landbestellbezirk gab es neun amtliche Verkaufsstellen für Postwertzeichen und zehn Briefkästen. Rund eine halbe Million Briefe gingen ein und ab.

Es kamen 25.000 Pakete an und 38.000 wurden abgesandt. An Zeitungen wurden 195.000 abgesetzt, fast 2.000 Telegramme wurden aufgegeben und gingen ein. Im Jahre 1913 gab es schon 75 Fernsprechzellen, für die 90.000 Verbindungen hergestellt wurden.

 

   Post in der Bahnhofstraße

Bahnhof:

Der Bahnhof bestand seit Beginn der Eisenbahn. An Heiligabend 1904 wurden die elektrische Beleuchtung des Bahnhofs, der Bahnsteige und Ladegleise in Betrieb genommen. Im Jahre 1908 wurde der Güterschuppen am Bahnhof erweitert.

 

 

 

 Im Juli 1909 wurde in das Stationsgebäude eingebrochen, ohne daß aber Geld gefunden wurde. Der Schlosser Valtin Walter aus Roßdorf und sein Komplize Paul Straubing aus Arnstadt versuchten mit Spitzhacken den Geldschrank zu öffnen, aber es gelang ihnen nicht ganz. Gegen 3.30 Uhr wurden sie von dem Hilfsweichensteller Franz Jäger bemerkt, der noch zwei Leute alarmierte; die Einbrecher wurden vertrieben. Bei einem zweiten Einbruch am 16. September konnte Walter festgenommen werden. Er hatte vier Wochen beim Bau der Gasanstalt geholfen und wahrscheinlich noch mehr Einbrüche verübt. Straubing floh und hat bei dem Köhler im Kanzlers­grund ein Stück Brot erbettelt (1912 gab es auch noch Köhler am Rupp­berg). Ein weiterer Komplize Walters wurde in Eiterfeld Kreis Hünfeld festgenommen. Im Jahre 1911 wurde eine Bahnhofsuhr angebracht.

Einbruch im Bahnhofsgebäude

 

Landwirtschaft 1904 - 1914

Im Jahre 1904 wurden zwei Kuhhirten angestellt für das Oberdorf und das Unterdorf (die Grenze war an der Mühlgasse). Das Austreiben erfolgte ab 20. April bis in den Herbst, solange es die Witterung erlaubte. Im Hochsommer mußte das Austreiben vor acht Uhr erfolgen. Jeder Hirte hatte zwei Zuchtbullen zu halten, beim Kalben hatte er die nötige Hilfe zu leisten. Für jede Kuh erhielt der Hirte vier Mark im Jahr als Hirtenlohn. Das eigene Vieh hielt er zusammen mit der Herde. Im Jahre 1914 schied der Hirte König (wohnhaft im Erbstal) aus, sein Nachfolger wurde ab 1. Januar Georg Lichtenheld.

Problematisch war die sogenannte ,,Huteablösung“. Ursprünglich durften die Kühe auf jedem Grundstück gehütet werden. Man strebte jedoch an, daß dieses Recht gegen eine Gebühr abgelöst wurde. Es sollte nur noch in bestimmten Gebieten gehütet werden. Dazu mußte zum Beispiel ein Triftweg durch das Dörmbach geschaffen werden, damit man die Weideflächen im Oberdörmbach und am Hermannsberg noch erreichen konnte. Im Unterdörmbach und am Knüllfeld sollte nicht mehr gehütet werden.

Doch dadurch wurde die Hute sehr verringert. Der Hirte konnte zum Teil nicht mehr auf die noch nicht abgelösten Grundstücke, weil rundherum schon alles abgelöst war. Ab 1909 verlangte man, daß die Ablösung „in natura“ geschehen soll, also durch Bereitstellung von Ersatzland. Doch 1911 nahm man auch wieder Geld an, um damit Grundstücke am Dicken Berg kaufen zu können.

Besonders gegen die Huteablösung im Häuchle wurde Widerspruch erhoben: Die Wiesen überzögen sich zu sehr mit Moos, der Graswuchs ließe nach und das Düngen würde teurer. Man wollte es lieber bei der Hute belassen. Aber auch die Staatsforsten wollten gern die alten Weiderechte loswerden. Die Steinbacher lehnten das am 5. Mai 1912 bei einer Versammlung im Schmalkalder Rathaus ab, weil die Rechte auch noch kommenden Generationen erhalten bleiben sollten.

Kuhgespann am Kirchplatz

 

Die „Kuh des kleinen Mannes“ war die Ziege. Am 5. Februar 1902 wurde auf Anregung des Bürgermeisters im Ratskeller der „Ziegenzucht-  und Versicherungsverein Steinbach-Hallen­berg“ gegründet. Unter Vorsitz von Gottlieb Wilhelm fanden sich 23 Mitglieder zusammen. Nach und nach mußten alle Ziegenhalter dem Verein beitreten, denn es wurden nur noch gekörte Böcke zur Zucht zugelassen, und die waren bei einem Preis von 60 Mark für den einzelnen Halter zu teuer. Ab 1909 wurden auf Beschluß des Kreisausschusses nur noch Böcke der Saanenrasse zur Zucht zugelassen.

Doch das Interesse an dem Verein ließ nach. Der Bürgermeister redete dem Vorstand gut zu und sagte Unterstützung zu. Ein dritter Bock sollte beim Kuhhirten König auf dem Erbstal untergestellt werden. Die Einwohner wollten weiter die Thüringer Landrasse haben. Die (hornlose) Saanenrasse sei für das rauhe Klima nicht geeignet.

Es wurde 1910 auch nicht mehr als zwei Saanenzuchtböcke angeschafft. Im Jahre 1911 wurden acht Böcke gehalten für die über 1.000 Ziegen, davon vier durch den Ziegenzuchtverein. Ab 13. August 1911 wurde Johann Friedrich Wilhelm als Ziegenhirt angestellt. Die Ziegen wurden aus dem Mittel- und Oberdorf bei der Braubrücke gesammelt. Am 21. November trat man dem Kreisziegenzuchtverein bei, damit man die Böcke kostenlos austauschen konnte. Im Jahre 1913 gab es im ganzen Kreis nur noch die weiße Saanenziege. Die Tiere aller sechs Aussteller aus Steinbach-Hallenberg wurden bei der Kreistierschau prämiert.

 

Geklagt wurde über Felddiebstähle, besonders bei Kohl. Auch wurden Wege über fremdes Eigentum getrampelt. Die Flurhüter sollte solche Leute zur Anzeige bringen. Bis 1914 war Ernst W. Nothnagel Flurhüter, Waldwart und Hilfspolizist, sein Nachfolger wurde Emil Recknagel.

Am 14. Oktober 1906 wurde eine erste Obst- und Gartenbauausstellung eröffnet. Rektor Heymel hatte die meisten Verdienste für das Gelingen der Ausstellung. Kreisbaumwart Ilgen aus Fambach gab während der Ausstellung Auskunft. Die Schulkinder wurden durch die Ausstellung geführt und belehrt. Es waren 117 Aussteller mit 528 Tellern Obst und 22 Teller Gemüse. Den ersten Preis erhielt Bürgermeister Zickendraht. Ein Garten- und Obstbauverein wurde gegründet. In einer Versammlung am 11. November sprach wieder Kreisbaumwart Ilgen. Im Jahre 1909 wurde eine Obstbaumspritze angeschafft und H. Ernst mit der Kontrolle über den Gebrauch betraut.

 

Am 15. März 1909 wurde in der Gaststätte Adolf Wilhelm im Erbstal ein Geflügelzuchtverein mit 30 Mitgliedern gegründet unter Vorsitz von Dr. Kästner. Eine erste Lokal-Geflügel-Ausstellung war im März 1912 in der Gaststätte im Erbstal. Dabei waren auch ausgestopfte Raubvögel aus der Gegend zu sehen. Am 22./23. Februar 1913 war die zweite Ausstellung. Fritz Kaiser errang einen ersten Platz in Vieselbach für Emdener Gänse. Die Ausstellung am 17. / 18. Januar 1914 wurde durch eine Taubenausstellung erweitert.

Im Jahre 1902 gab es Steinbach drei Schweinemärkte, drei Krammärkte und drei Gemüsemärkte. Ein Wochenmarkt fand zum ersten Mal am Sonnabend, dem 7. März 1914 auf dem hinteren Rathausplatz statt; Gemüse, Obst und Blumen wurden angeboten. Im Jahre 1914 gab es fünf Oberförstereien, darunter die in Steinbach mit dem verantwortlichen Oberförster Forst­meister Brohmeyer.

 

 

 

Vereine

Nach 1900 gab es in Steinbach etwa 50 Vereine, darunter der Evangelische Arbeiterverein, Kriegerverein, Sanitätskolonne, Militärverein, Gesangverein „Frohsinn“, Gewerbeverein,  Männergesangverein, Turnclub, Skatclub, Radfahrerverein, Turnverein, Kegelclub „Gemütlichkeit“, Quartettverein,  Brieftaubenverein und Ziegenzuchtverein. Die Vereine durften jederzeit, auch am Sonntag, Stiftungsfeste und Bälle durchführen. Selbst die beiden Turnvereine kamen viel zu viel vom Turnen ins Tanzen, das Vergnügen stand bei allen Vereinen im Vordergrund.

Auch die Jugendlichen, sowohl Jungen als auch Mädchen, fanden sich am Sonntagnachmittag und Sonntagabend im Wirtshaus ein, um bei Bier und Schnaps fröhlich zu sein. In angeheiter­ter Stimmung strich man dann noch bis Mitternacht auf den Straßen herum. Es wurden viele unnütze Ausgaben gemacht, und nachher reichte das Einkommen nicht aus. Geschäftsleute mußten oft zwei oder drei Jahre auf ihr Geld warten oder büßten es sogar ein. Aber auch als noch nicht so viele Vergnügungen stattfanden, gab es jeden Sonntag Schlägereien und Stechereien.

Der Vorsitzende des Thüringerwaldvereins von Oberschönau schrieb: „Die Schönauer Jugend ist nicht viel wert, die Steinbacher aber auch nicht, sie haben sich beide gegeneinander nichts vorzuwerfen. Mithin wäre es wünschenswert, wenn sich die Thüringerwaldvereine von Steinbach-Hallenberg und Oberschönau zur Aufgabe machten, dem zügellosen Herumtreiben der Jugend etwas entgegen zu halten!“

 

Am 12. Juni 1902 war der Handelsmann Wilhelm Holland-Letz (Mühlgasse) mit einigen jungen Burschen in Streit geraten. Drei von ihnen lauerten ihm auf dem Weg auf und brachten ihm zwei Messerstiche in die Brust und zwei in den Rücken bei.

In der Nacht vom Sonntag auf Montag, dem 8./9. November 1908, wurde der Schlosser Johann Capraro vor einem Gasthaus in der Hauptstraße von dem Schlosser Jäger mit dem Messer in den Leib gestochen. Als der Bruder des Gestochenen davon erfuhr, entwand er ihm das Messer. Doch Jäger schoß daraufhin mit dem Revolver auf ihn, Capraro fiel zunächst vor Schreck hin, verfolgte den Jäger aber dann und nahm ihm den Revolver ab, in dem sich noch vier Kugeln befanden. Jäger wurde fürchterlich verhauen und seine Wohnung demoliert. Cap­raro kam ins Krankenhaus. Jäger wurde am 9. November verhaftet. Johann Capraro konnte im Jahre 1968 sein 70jähriges Berufsjubiläum feiern, nach dem er die ganze Zeit in der gleichen Firma gearbeitet hatte.

Am 7. Oktober 1912 wurde Albert Huhn in Meiningen zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Huhn hatte am 28. April 1912 den Schlosser Ludwig Capraro in Altersbach erstochen. Er behauptete, in Notwehr gehandelt zu haben. Doch Zeugen sagten aus, er habe schon vorher sein Dolchmessser überall herum gezeigt. Capraro dagegen habe sich sehr anständig verhalten und habe auch Ohrfeigen des Angeklagten ohne Gegenwehr eingesteckt. Huhn habe sich hinterher noch seiner Tat gerühmt.

 

Natürlich kann man diese Vorgänge nicht allein dem Vereinswesen in die Schuhe schieben. Die Vereine hatten auch einen guten Zweck und haben sehr segensreich gewirkt. Erwähnt seien noch:

Am 29. November 1903 wurde in der Gaststätte Luther von 13 Männern ein „Verein ehemaliger Artilleristen“ gegründet (Vorsitzender Chr. Rothämel). Am 19. Dezember 1903 wählte der neu gegründete Cither-Club seinen Vorstand.

Die Sanitätskolonne wurde 1903 gegründet, der Bürgerverein 1904. Der Kegelclub hatte seine Kegelbahn im Gasthof „Deutscher Kaiser“.

Am 30. Juli 1905 war das erste Konzert der Heckmann‘schen Musikkapelle in „Schloß Hallenberg“ (Trompete: Kämpf, König; Posaune: Marr).

Am 7. Dezember 1905 wurde der Ortsverein des Deutschen Flottenverbandes gegründet, der monatlich einen „Flottenabend“ hielt (Vorsitzender: E. Fichtel). Ein Landwehrverein wurde 1907 gegründet von ehemaligen Soldaten. 

Der Thüringerwald-Verein Schmalkalden weihte am 20. Juni 1909 die Schutzhütte auf dem Wachsenrasen ein und veranstaltete ein Bergfest.

Sehr aktiv war der Verschönerungsverein, der viele Spazier- und Wanderwege ausbaute, Brücken baute und Bänke aufstellte und Wegweiser anbrachte. Geld kam durch Sammelbüchsen ein. Besonders arbeitete man am Arzberg, am Köpfchen, an der Hallenburg, aber auch bis in den Kanzlersgrund hinein.

 

Der TURNVEREIN hielt seine Übungsstunden Montag und Sonnabend im Saal Bühner, Hauptstraße 33, ab. Er richtete 1902 eine Gesangsabteilung unter Leitung von Lehrer Schröder und eine Sparkasse ein. Am 26./27. Juni 1909 wurde das 25jährige Jubiläum begangen mit Umzug, Aufmarsch und Freiübungen, Volksfest und Tanz.

Am 12. August hielt der Turnklub sein 14. Stiftungsfest ab mit Wetturnen der Jugendabteilung und Schauturnen auf dem Festplatz bei der Ruine Hallenburg. Der Turnklub führte auch 1913 eine erste Fastnachtsfeier durch mit Tanz und Liedern.

Eine Gauturnfahrt wurde im gleichen Jahr durchgeführt: Die Steinbacher Turner holten etwa 350 Schmalkalder auf der Rotteroder Höhe ab und marschierten über die Hallenburg zum Knüllfeld, wo es Freiübungen und volkstümliches Wetturnen gab. Bester Steinbacher war Josef Capraro als zweiter Sieger.

Ein Fußballklub ,,Hurra“ wurde 1908 gegründet und verlor 12:0 in Oberschönau. Doch 1911 siegte man gegen Herges und Struth-Floh.

Ein Tennisklub wurde 1912 gegründet und der Garten der ,,Tanne“ zu einem Tennisplatz hergerichtet, der im Winter als Eislauffläche dienen sollte.

 

Ein WINTERSPORTVEREIN wurde am 11. Februar 1905 im Restaurant gegründet bzw. am 14. Februar in der Gaststätte Bühner. Es waren 31 Mitglieder, die zum Beispiel über das Selbstanfertigen von Schneeschuhen sprachen. Man unternahm Touren bis zur Schmücke, auch Damen beteiligten sich. Eine Jugendabteilung wurde angeschlossen. Der Sportwart, Forstassessor Gildemeister, nahm die Errichtung eines Sprunghügels in die Hand. Am Hohen Berg sollte eine Rodelbahn angelegt werden. Am 21. Januar 1912 fand das erste Wintersportfest in Steinbach-Hallenberg statt mit Wettläufen auf Schneeschuhen und Rodelrennen auf dem Sportplatz.

 

Im Jahre 1905 wurde ein SCHÜTZENVEREIN gegründet, der Schießhalle und Schießstände beim Gasthaus „Tanne“ baute. Ein Grundstücksbesitzer, über dessen Grundstück die Schußlinie verlief, verweigerte aber die Erlaubnis. Da hatte es der 1907 gegründete Teschingverein besser, weil er im Zimmer schießen wollte. Mit dem Bau neuer Schießstände auf dem Gänserasen wurde 1909 begonnen. Am 30. Juli 1909 wurden die Schießstände am Hohen Berg abgenommen und am 1. August zum ersten Mal geschossen. Am 8. August war die Einweihung mit einem Schützenfest auf dem Platz vor dem „Waldschlößchen“. Den Eingang des Schützenhauses zierten die Worte: „Üb Aug‘ und Hand für‘s Vaterland!“ Sonntag war Umzug, Dienstag war Königsschießen.

 

 

Im Jahre 1909 bildete sich ein KONSUMVEREIN mit 128 Mitgliedern, die ein Wohnhaus kauften und darin einen Laden einrichteten. Als Konkurrenz schlossen sich Geschäftsleute zu einem Rabattverein zusammen. Am 11. Oktober wurde der Konsumverein ins Genossenschaftsregister eingetragen. Die Haftungssumme betrug 30 Mark, jedes Mitglied konnte bis zu zehn Anteile erwerben.

Über 50 Mitglieder gründeten am 25. Januar 1906 einen Sparverein, der wöchentliche Beiträge einsammelte, das Geld auf der Sparkasse einzahlte und von den Zinsen dann Staatslose kaufte. Am 10. Dezember wurden die Beträge zurückgezahlt. Für die Spar- und Leihkasse wurde 1913 ein Geldschrank Marke „Ova“ der Ostertagwerke zum Preis von 850 Mark gekauft.

 

FEUERWEHR: Ein Ortsstatut über das Feuerlöschwesen wurde 1907 erlassen. Danach gab es seine Pflichtfeuerwehr, in der alle männlichen Einwohner von 18 bis 50 Jahren zum Dienst verpflichtet waren. Befreit waren nur Beamte, Ärzte, Arbeiter in Elektrozentralen und wer körperlich oder geistig dazu unfähig war. Ortsbrandmeister und Stellvertreter wurden von der Ortspolizeibehörde ernannt.

Bei einem Brand hat sich jeder bei seiner Abteilung einzufinden (bei auswärtigen Bränden nur bestimmte Mitglieder), es sei denn, er ist krank oder sein eigener Besitz ist gefährdet. An Übungen und Alarmen hat jeder teilzunehmen, jeder Einwohner hat Löschhilfe zu leisten, die Besitzer von Zugpferden haben diese in festgelegter Reihenfolge zur Verfügung zu stellen.

Im Jahr 1908 wurde die Feuerspritze Nr. 3, die sogenannte „Kehrslindespritze“ wegen Altersschwäche verkauft. Am Scharnier des Kolbenstengels befanden sich die Zahl 1632 und die Buchstaben „B.D.“.

 

Feuerwehrhaus an der Schule

 

Auf dem Platz der alten Schuldienerwohnung (in der Straße zur Schule hin) wurde am 8. Oktober 1909 der neue Feuerwehrschuppen mit Steigerturm, Polizeiwachtstube und Arrestzelle eingerichtet. Die Maurerarbeiten führte die Firma Keßler aus, die Zimmerarbeiten C. Jäger. Die Brandversicherungsanstalt gab 1909 einen Zuschuß zur Anschaffung von Feuerlöschgeräten. Eine fahrbare Leiter sollte angeschafft werden. Die Zahl der Feuerwehrmannschaften konnte dadurch verringert werden auf zwei Abteilungen mit insgesamt 36 bis 40 Mann im Alter von 25 und 26 Jahren.

Wer nicht herangezogen wurde, hatte jährlich drei Mark Steuer zu zahlen, die für die Anschaffung der Uniformen verwendet wurde. Wegen vieler Beschwerden wurde dann die Dienstzeit auf das 25. bis 29. Lebensjahr festgesetzt und die Steuer von 1 bis 3 Mark gestaffelt.

 

 

Weitere Ereignisse aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg

Zur Kirmes fanden sich auf dem Rathausplatz ein: Zuckerwarenbuden, Dampfkarussell, Losbuden, Schießbuden, Bierausschank, Bratwurstverkauf. Zur Kirmes 1905 kam auch ein Welt-Kinematographentheater, das die neuesten Zeitereignisse und humoristische Szenen darstellte. Auch 1910 war so ein Kinematograph da, hatte aber erst Zulauf, als bekannt wurde, daß die Darbietungen wirklich gut waren. Aber am 2. / 3. Januar gastierte auch im Bühner‘­schen Saal ein American-Kinematograph mit aktuellen Neuheiten und spannenden Dramen, „herausgerissen aus dem Leben“. Am 29. Dezember 1912 wurden im Saal „Deutscher Kaiser“ Filmvorführungen gegeben. Das Programm wechselte dabei zweimal die Woche. Zur Freude der Besucher arbeitete der Apparat völlig flimmerfrei.

Am 9. Oktober 1913 war der Drahtseilkünstler Leonardo Renner auf dem Platz hinter „Schloß Hallenberg“ zu Gast. Er fuhr auch an einem 250 Meter langen Turmseil von der Ruine Hallenburg ins Tal, sich nur mit den Zähnen an einem Apparat haltend. Seine Todesfahrt wirkte durch effektvolles Feuerwerk schauerlich schön.

Theater wurde all die Jahre auch gespielt mit wechselnden Truppen. Im Jahr 1914 kam ein Fürst auf einer Skitour von Oberhof nach Steinbach und hatte die Theaterdirektion beauftragt, einen lustigen Abend zu geben. Er wünschte große Ungezwungenheit und großes Publikum. Man hatte ihm im Saal von „Schloß Hallenberg“ extra eine Loge gebaut.

Am 11. Juni 1914 wurde in Magdeburg die Mitteldeutsche Tourenfahrt gestartet. Als erster der 38 Wagen startete Herzog Karl Eduard von Sachsen-Coburg-Gotha mit einem 26-PS Dixie. In Steinbach fuhr am 13. Juni kurz nach 13.30 Uhr der erste Wagen durch, im zweiten folgte der Herzog von Gotha. Bis 14 Uhr waren neun Wagen in mäßigem Tempo durch den Ort gefahren. Nach einem Gewitterguß kam gegen 15 Uhr eine zweite Gruppe von Autos durch, insgesamt waren es 31 Wagen.        

Seit dem 12. Juni drehte sich auf dem Rathausplatz ein großes Dampfkarussell mit einer 60-PS Dampfmaschine und 800 farbigen Glühlampen. Durch Scheinwerfer, Reflektoren und Transparente wurde eine italienische Nacht hervorgerufen. Ein großes Noten-Konzert-Orchestrion sorgte für Unterhaltung. Auf dem Karussell standen Autos, in denen jeder einmal das Auto fahren probieren konnte.     

Am 27. Oktober 1909 verstarb Eva Usbeck, genannt „Evelies“, im Alter von über 84 Jahren. Sie hatte über 40 Jahre lang die Botengeschäfte zwischen Steinbach und Schmalkalden besorgt und vor zwei Jahren mit ihrem Mann als ältestes Ehepaar am Ort die Goldene Hochzeit gefeiert.

 

 

Am 16. November 1909 wütete ein orkanartiger Sturm mit Schneegestöber, der das Arbeiten im Freien unmöglich machte. Gegen 16 Uhr brach die „Kehrslinde“ gegenüber der Firma C.F. Saft (an der Saftsbrücke am Beginn der Hallenburgstraße) direkt über dem Erdboden ab; der Stamm hatte einen Durchmesser von 70 Zentimeter.

Am 18. Juni 1910 eröffnete der Fabrikant Neues aus Oberschönau eine Buslinie von Oberschönau zum Bahnhof in Steinbach-Hallenberg. Er konnte 14 Personen befördern und auch Gepäck mitnehmen. Der Fahrpreis betrug von Haltestelle zu Haltestelle 15 Pfennig, von Ober­schönau bis zum Bahnhof aber nur 40 Pfennig. Eine erste Vergnügungstour wurde am 6. Juli über Oberhof, Zella, Schwarza, Steinbach unternommen, ab 10. Juli verkehrte der Bus täglich zu sieben Zügen.

 

Am 20. Juni 1911 wurde ein Ortsausschuß von 23 Herren zur Förderung der Jugendpflege gegründet. Eine Gesundheitskommission wurde 1912 gebildet. Der Arzt Dr. Beltz wurde 1912 zum amtlichen Leichenbeschauer für Steinbach-Hallenberg ernannt. Er war 19 Jahre in Steinbach tätig und fiel Anfang 1915 im Krieg. Sein Nachfolger wurde Dr. Horn aus Wasun­gen, der im Rathaus praktizierte. Am 18. Januar 1914 erklärte die Versammlung der Mitglieder der Krankenkasse, die Honorarforderungen der Ärzte als zu hoch. Sie wollte nur 10.000 Mark im Jahr für die Ärzte bewilligen.

 

Am 30. Mai 1911 wurde eine Fortschrittliche Volkspartei unter Vorsitz von Kaufmann Prusseit von 30 Personen gegründet. Der Bürgermeister Zickendraht wurde am 25. November 1911 für weitere zwölf Jahre wiedergewählt, die Wahl wurde am 2. August 1913 vom Landrat bestätigt.

Um der Fleischnot entgegenzuarbeiten organisierte das Bürgermeisteramt einen Seefischverkauf bei der Polizeiwachtstube. Eine Probesendung traf am 12. September 1912 ein, das Pfund kostete 22 Pfennige, der Zuspruch war rege.

Am 11. Januar 1912 feierte Obermeister Friedrich Hornig sein 25jähriges Meister- und Geschäftsjubiläum.

 

Am 16. Juni 1913 war das 25jährige Regierungsjubiläum des Kaisers. Auf dem Festplatz hinter der Schule hielt Pfarrer Walther die Festrede. Dabei überreichte er dem Patenkind des Kaisers, dem 8jährigen Wilhelm Holland-Moritz, seine silberne Taschenuhr mit kaiserlichem Monogramm und Krone als ein Geschenk des Kaisers (er war Pate geworden, weil das Kind der achte Junge in der Familie war).

Im Jahre 1913 berechnete ein Seismologe der Sternwarte in Philadelphia, daß die Erde im Jahre 1972 untergehen wird: Eine Springflut werde die Erde überschwemmen und vulkanische Ausbrüche werden den Rest besorgen; nur von Rußland soll noch ein kleines Stück übrigbleiben.

 

Am 18. Mai 1914 gegen 9.45 Uhr erschien in südöstlicher Richtung ein Flugzeug, das mit einem starken Gegenwind zu kämpfen hatte. Am Knüllfeld legte es sich plötzlich auf die Seite und ging im Gleitflug nieder. Die Landung erfolgte in einer Schonung am kleinen Hermanns­berg. Es war ein Albatroß-Eindecker vom bayerischen Fliegerbatallion München mit zwei Mann Besatzung, die nach Hamburg wollten.

 

 

 Flugzeug am Hermannsberg

 

Am 18. September landete auf den Hergeser Wiesen ein Flugzeug, das von dem späteren Zahnarzt Paul Höhn gesteuert wurde. Er war um neun Uhr in Gotha aufgestiegen, um Fotoaufnahmen zu machen. Er hielt sich von 9.45 bis 11.45 Uhr in Steinbach auf.

 

 

Flugzeug an der Rasenmühle

 

Rotterode

Am 26. März 1903 wurde der frühere Handelsmann Carl August Motz zum Bürgermeister gewählt. Der 1853 gegründete Gesangverein beging in diesem Jahr sein 50jähriges Jubiläum mit Fahnenweihe. Im Jahre 1904 fand das Fahnenweihefest des Turnvereins statt. Ein Gänseverein wurde 1906 gegründet, ein Brieftaubenverein 1907. Der Kriegerverein war 1873 gegründet worden und durfte seit 1889 eine Fahne tragen; er hatte 18907 immerhin 36 Mitglieder, unter denen noch zwei Feldzugteilnehmer waren.

Eine Wasserleitung war unbedingt nötig. Die Gemeinde ließ eine Quelle oberhalb des Dorfes (Tellquelle) ausgraben. In den Jahren 1911/12 wurde eine Wasserleitung durch die Firma Keßler gebaut. Sie hatte einen Sammelbehälter mit 100 Kubikmeter Inhalt. Für die 90 Hausanschlüsse wurden 3,2 Kilometer Leitung gebraucht. Am 13. April 1912 wurde die Leitung eingeweiht, und es konnten sogar zehn Wasserventilatoren zum Betrieb der Schmiedefeuer betrieben werden.

Nach einem Vortrag am 27. Juni 1910 von Verbandsrevisor Schrankl und Ergänzungen von Lehrer Döll aus Mittelstille bildete sich ein Darlehenskassen- und Raiffeisenverein mit 30 Mitgliedern und dem Handelsmann Karl Gratz als Rechner. Am 1. September wurde die Genossenschaft ins Register eingetragen. Der Verein stieg auf 70 Mitglieder. Er kaufte die Neuhöfer Wiesen für 8.000 Mark und verteilte die Parzellen an die Mitglieder. Am 2. Juni 1913 legte der Zimmerlehrling Hugo Holland-Moritz vor der Handwerkskammer in Erfurt seine Gesellenprüfung mit „recht gut“ ab.

Am 5. Juni 1906 wurde Reinhold Mäder aus Schmalkalden als neuer Lehrer auf der mit dem Kirchendienst verbundenen Schulstelle angestellt. Ab 1. April 1909 wurde ein zweiter Lehrer angestellt, für den Raum geschafft werden sollte. Die Gemeinde wollte eine Kapelle errichten und den Betsaal zum Schulhaus herrichten. Doch Lehrer Mäder ging schon 1914 und Herbert Stahlenberg (?) wurde sein Nachfolger. Die Lehrer wechselten sehr oft.

 

Altersbach

Im Sommer 1902 legte Georg Heinrich Gerlach eine Dreschmaschine mit Göbelwerk an. Der nur kleine Turnverein verlegte 1904 sein Vereinslokal aus der Gaststätte Kauffmann zum Gastwirt Eck, der einen Saal bauen lassen wollte. Ein Bürgerverein wurde gegründet, der gleich Anträge an die Gemeindevertretung stellte. Ein erster Motor wurde 1905 durch Schlossermeister W. L. Jäger aufgestellt.

Am 11. Juli 1903 besuchte Landrat Hagen die Schule und führte neue Spiele ein und brachte auch die nötigen Geräte mit. Am ersten Ostertag wurde dem Lehrer Leyh, der schon 33 Jahre in der Gemeinde gewirkt hatte, der Kantortitel verliehen. Er wurde als „Vater und Berater unseres Dorfes“ bezeichnet. Am 9. Mai 1905 beging man den 100. Todestag Schillers mit einer Schulfeier und einem Bergfeuer auf dem Gaisberg.

Am 1. Juni 1906 wurde eine Fernsprecheinrichtung hergestellt, die mit der Posthilfsstelle im Kauffmann‘schen Gasthaus verbunden wurde. Der Anschluß an das Elektrizitätswerk Steinbach-Hallenberg wurde 1908 beschlossen, weil die Industrie auf den Elektromotor angewiesen war, um konkurrenzfähig zu bleiben. Am 7. Oktober 1908 brannten Wohnhaus und Scheune des Bäckers Oskar Menz ab (später: Konsumladen in der Hauptstraße).

Am 28. August 1908 wurde der Nagler und Landwirt Berthold Gerlach zum Bürgermeister gewählt. Am 17.April 1910 weihte der Turnverein die neue Turnhalle ein, am 21. August war dort das 2. Gauturnfest des 5. Bezirks. Am 30. Juni wurde ein Spar- und Darlehnskassenverein gegründet.

Am 8.Septenber trat gegen 19.15 Uhr die elektrische Beleuchtung zum ersten Mal in Tätigkeit. In den Jahren nach 1912 wurden die Felder zusammen gelegt und die „Separation“ nach anfänglichen Widerständen doch abgeschlossen.

Ab 1. April 1909 übernahm der Schulamtsbewerber Schäfer die Zweite Lehrerstelle, wurde aber am 31. März 1910 zum Militär eingezogen und Ernst Ludolph wurde angestellt. Am 1. Juli 1911 erhielt Kantor Leyh „den Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens nebst Schleife“, die Gemeindevertretung aber lehnte ein Ehrengeschenk für 40jährige Dienstzeit ab. Leyh starb am 15. Oktober 1915 in Meiningen. Die zweite Lehrerstelle war ab 1. Oktober 1914 durch August Meyer aus Rinteln besetzt.

 

 

Einwohnerzahl

Wenn für das Jahr 1564 schon rund 400 Einwohner angegeben werden, so erscheint das doch sehr hoch, wenn für das Jahr 1754 in der Chronik Avenarius gerade einmal 416 Einwohner gezählt werden

Im Jahre 1619 gab in den einzelnen Ortschaften folgende „Feuerrechte“ (in Klammem die Zahlen von 1721):

Steinbach        255      (330)               Unterschönau     19      (21)

Herges                27       (51)               Oberschönau         6    (6)     

Bermbach         23        (16)               Springstille           16

Die Zahl der Wohnhäuser war wohl etwas höher, denn 1718 waren es 372 Häuser.

 

In der Turmknopfurkunde von 1724 wird gesagt: „Die hiesige Ober- und Untersteinbacher Gemeinde bestehet zur Zeit aus 300 Mann und etwas darüber, darunter sind nicht mehr als 10 reformierte geist- und weltliche Bediente. Mit eingeschlossen sind in Unterschönau 5 reformierte Männer und in Altersbach einer.“

Im Jahre 1806 waren es 396 Häuser. Im Jahre 1721 zählte man 334 Familien und 71 Witwen. Im Jahre 1773 sollen es laut Volker Wahl schon über 2.000 Einwohner gewesen sein. Die Einwohnerzahl betrug im Jahr 1830 in 387 Wohnhäusern 2.489 Einwohner. Im Jahr 1871 waren es in 440 Wohnhäusern 2.911 Einwohner. Die 3.000 Einwohner wurden um 1875 erreicht, um 1900 dann 4.000 Einwohner.

Nun stieg die Zahl jährlich um durchschnittlich 100, so daß im Jahre 1913 dann 5.317 Einwohner erreicht waren. Durchschnittlich wurden 200 Kinder im Jahr geboren bei 86 Sterbefällen (35 Eheschließungen). Zum Vergleich: 1905 hatte Schmalkalden 9.515 Einwohner, Altersbach 548 und Rotterode 500 (seit 1910 hatte Rotterode mehr Einwohner als Altersbach, nämlich 585 gegenüber 572).

Steinbach hatte in jener Zeit an die 700 Wohnhäuser und rund 1.000 Haushaltungen und 50 Einzelpersonen. Es gab 38 Pferde, über 300 Rinder, 600 - 800 Schweine, mehr als 1.000 Ziegen und 7.000 Obstbäume. Knapp 2.000 Einwohner waren Kinder unter 14 Jahren (1913). Es gab 234 Altlutheraner, 10 Katholiken und einen Juden.

Am Ende des 18. Jahrhunderts befanden sich in Ober- und Untersteinbach 384 Gebäude, unter ihnen zwei Kirchen, das Amtshaus, zwei Pfarrhäuser, zwei Schulhäuser, das Ober- und das Unterwirtshaus mit Malzhäusern und einem Brauhaus. Hinzu kamen ferner sieben Mahlmühlen und eine Schlagmühle, fünf Eisen- und drei Zainhämmer, ein Drahtzug und eine Schneidemühle. Zu dieser Zeit wurden etwa 2.000 Einwohner in Steinbach-Hallenberg gezählt.

 

Nach der Volkszählung hatte Steinbach-Hallenberg folgende Einwohnerzahlen aufzuweisen: 1875: 2.981, 1880: 3.107, 1885: 3.117, 1890: 3.260, 1895: 3.668, 1900: 4.010, 1905: 4.504.

 

Im Jahre 1910 hatte Altersbach 99 Häuser mit 147 Rindern und 104 Schweinen, Rotterode hatte 97 Häuser mit 151 (?) Haushaltungen und 11 Rindern und 148 Schweinen. Die Einwohnerzahl stieg von 6.034 im Jahr 1935 auf 7.010 nach dem Krieg (29.10.1946). Der Bevölkerungszuwachs seit 1939 betrug 15,8 Prozent. Durch die Kriegsereignisse waren 1.443 Personen in die Stadt gekommen. Im Jahre 1965 waren es 6.295 Einwohner und 1974 dann 6.242 Einwohner.

 

I. Volkszählung am 16. Juni 1925:    

 

1.

Gesamtzahl der Wohnstätten           

   847

2.

Familienhaushaltungen von 2 und mehr Personen

1.437

3.

Einwohner (davon 2888 männlich und 2888 weiblich)

5.776

4.

Landwirtschaftliche Betriebe (ab 3 Ar Land pro Betrieb erfaßt)

   910

5.

Gewerbliche Betriebe einschl. aller Ladengeschäfte usw. 

   557

 

II. Volkszählung am 16. Juni 1933:   

 

1.

Gesamtzahl der Wohnstätten rund

   950

2.

Familienhaushaltungen

1. 669

3.

Einwohner (davon 3013 männlich und 2971 weiblich)

5.984

4.

Landwirtschaftliche Betriebe von über 50 Ar Größe

   262

5.

Landwirtschaftliche Betriebe unter 50 Ar Größe

   603

6.

Gewerbebetriebe in denen 2 und mehr Personen tätig sind

   252

 

Vor dem Zweiten Weltkrieg waren es 6.000 Einwohner. Während des Krieges und unmittelbar nach diesem erhöhte sich die Zahl der Wohnbevölkerung durch den starken Zustrom von Ost- und Westevakuierten sowie von Umsiedlern auf über 7.000. Es waren 1.443 Personen infolge der Ergebnisse des Krieges in die Stadt gekommen. Im Nach der amtlichen Volkszählung vom 29. Oktober 1946 lebten damals 7.010 Einwohner (3.077 männliche und 3.933 weibliche) in Steinbach-Hallenberg. Später ging diese Zahl wieder zurück, so daß gegenwärtig (September 1974) 6.242 Einwohner gezählt werden. Im Jahre 2015 wird die Einwohnerzahl mit rund 5.000 angegeben, aber da ist der Stadtteil Herges mit eingeschlossen.

 

 

Steinbach im Ersten Weltkrieg

Nach der Ermordung des Österreichischen Thronfolgerpaares wurde am 25. Juli 1914 die Mobilmachung angeordnet. Die Kaufleute erhöhten sofort die Preise und schädigten viele Soldaten, die erst noch einkaufen wollten. Die Sparkasse, versicherte, daß auch weiter Rückzahlungen vorgenommen würden. Am 4. August wurden Beschränkungen im Post- und Fernsprechdienst bekanntgegeben, mit Frankreich und Rußland bestand kein Postverkehr mehr. Die Polizeistunde wurde auf 23 Uhr festgesetzt (Jugendliche 22 Uhr).

Bereits am Sonntag, dem 2. August, fuhren die ersten Reservisten (Marine und Jäger) ab. Sie wurden von den Einwohnern zum Bahnhof geleitet. Ab 11. August begann die Kriegsaushebung im Landwehrbezirk Hersfeld. Spionagefurcht machte sich breit: Angeblich sollten sich Spione in Schwesterntracht in den Wäldern aufhalten, auf dem Knüllfeld wollte man drei Autos gesichtet haben, der Benshäuser Tunnel sollte gesprengt worden sein. Eine Bürgerwehr mit weißer Binde und Gemeindestempel wurde gebildet.

Der kommandierende General ordnete an, daß alle Geschäfte polizeilich geschlossen werden müssen, die Lebensmittel zu Wucherpreisen verkaufen oder die Annahme von Reichsbanknoten verweigern. Für die Grundnahrungsmittel wurden Höchstpreise festgesetzt. Die Vereine wurden aufgefordert, ihre Kassenbestände dem Roten Kreuz zur Verfügung zu stellen. Die schulentlassenen Mädchen strickten Strümpfe für die Krieger.

Bei Beginn des Krieges gingen die Frauen und Mädchen mit einem wahren Feuereifer daran, Strümpfe für die Soldaten zu stricken. Aber dabei unterlief ihnen ein Fehler, der den wackeren Kriegern Blasen an den Füßen verursachte: Sie strickten die Strümpfe zu groß: Statt 96 Maschen waren nur 48 erforderlich, und die Ferse brauchte statt 48 nur 40 Maschen.

Mitte August wurde der Landsturm aufgeboten. Viele mußten ihren Beruf aufgeben und fehlten als Arbeitskräfte. Benzin und Benzol wurden für den privaten Gebrauch gesperrt. Brieftauben, deren Besitzer nicht dem Verein angehörten, mußten abgeliefert werden (sie hätten für Spionagezwecke benutzt werden können). Die Posten der freiwilligen Landsturmabteilung machten nachts Streifengänge durch Ort und Feldflur und hatten zu schießen, wenn einer auf Anruf nicht stehenblieb.

Am 28. August traf die Nachricht vom Tod des Amtsrichters Rühl ein. Er war Vorsitzender des Kriegervereins und hatte noch am 1 August eine glühende Abschiedsrede vor dem Kriegerdenkmal gehalten. Nun wurde dort ein Kranz für ihn niedergelegt.

 

 

Firma Usbeck, später Menz

 

Die Industrie kam zunächst ganz zum Erliegen. Der Metallarbeiterverband gewährte Arbeitslosenunterstützung. Herr Keller aus der Moosburgstraße nahm die Anträge an. Die Fabrikanten mußten ihre Warenlager verpfänden und erhielten dafür Darlehenskassenscheine, um weiter produzieren zu können, auch wenn der Absatz stockte. Die Reichsbank nahm Gold an, um dafür die dreifache Menge Papiergeld in Umlauf setzen zu können. Es war patriotische Pflicht, alles Gold herauszugeben.

Für die Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren wurden Kreisjugendkompanien gegründet. Durch Exerzieren und Felddienstübungen sollten die jungen Leute militärisch vorbereitet werden. Am 19. September wurde auf dem Schulhof mit 200 Jugendlichen eine Übung unternommen, am 18. Oktober im Ebertsgrund, am 22. Oktober auf dem Dolmar.

Für die Kriegs- und Friedenssammlung gingen 4.285 Mark ein. Davon wurden 150 Sendungen mit Wollsachen, Zigaretten, Schokolade, Zeitungen und Briefpapier abgeschickt. Im Bürgermeisteramt wurde eine Nebensammelstelle zur Beschaffung warmer Unterkleidung für die Truppe eingerichtet.

Die ersten acht Wochen des Krieges wurde nicht gearbeitet, weil alle Bestellungen rückgängig gemacht worden waren. Dann liefen die Kriegslieferungen an. Die Unternehmer mußten den Lohn bis auf den letzten Heller auszahlen und durften den Arbeitern nicht noch Frondienstarbeiten auferlegen. Die Arbeiter wünschten aber zum Teil, daß der nicht voll ausgezahlte Lohn der Sammelstelle für die Krieger überwiesen würde.

Ende Januar 1915 wurden in Steinbach 23 Gefallene, zwei Vermißte und vier Gefangene gezählt. Für einen Soldaten war schon die Trauerfeier gehalten worden und eine Todesanzeige erschienen, als er sich doch noch aus französischer Kriegsgefangenschaft meldete.

 

Es wurde „Kriegsbrot“ mit der Aufschrift „K“ verkauft, das trotz der Beimischung von Kartoffelmehl so gut nähren sollte wie normales Brot. Am 15. März wurden Brotkarten eingeführt. Viele Hausfrauen gingen zum Selbstbacken über, wie das noch vor 30 Jahren üblich war. Öfen waren noch vorhanden. Ein Privatbrot reichte für 14 Tage und sättigte besser als das frische Brot. Auf Karten gab es vier Pfund Brot pro Woche und Person.

Ende Oktober 1915 gab es fleisch- und fettlose Tage. Am 3. Juni 1916 wurden Zuckerkarten ausgegeben. Um den hohen Kartoffelpreisen entgegenzuwirken kaufte die Gemeinde 300 Zentner Kartoffeln. Am 15./16. September sollten sie am Bahnhof verkauft werden. Doch allein durch die Ankündigung fielen die Preise wieder.

 

Die Gemeinde mußte die Kartoffeln einkellern. Noch Ende September wurden zehn Stück Rindvieh aus dem Ort nach außerhalb verkauft. Von Ende Oktober an mußten bei dem von der Gemeinde eingerichteten Fleischverkauf numerierte Karten in der Reihenfolge des Eintreffens der Käufer ausgegeben werden.

Im Herbst 1915 gab es viel Arbeit in der Industrie. Besonders die Nagelschmiede verdienten fünf- bis sechsmal so viel wie in Friedenszeiten. Die Preise waren auf das Doppelte gestiegen, aber vorher waren sie auch nicht kostendeckend gewesen. Ende 1916 verdienten gute Arbeitskräfte bis zu 200 Mark die Woche, jugendliche Arbeiter erhielten bis zum 20 Mark am Tag und in Einzelfällen bis zu 150 Mark die Woche.

Für die Soldaten wurde ab 1915 die Zeitung „Heimatgruß“ herausgegeben. Die Stimmung der Bevölkerung war aber ab Mitte 1916 schlecht. Mitte 1917 haben viele Einwohner einen Beitrag zur U-Boot-Spende abgelehnt mit der Begründung: „Wir können auch ohne U-Boote leben!“ Es kamen nur 360 Mark zusammen. Die Gemeindekörperschaften aber erklärten am 2. August 1917, ihres Wissens stimme kaum ein Einwohner dem Verzichtfrieden Scheidemanns (SPD) und Erzbergers (Zentrum) zu.

Im Juli 1918 wurde Laubheu gesammelt, um als Futter für die Heerespferde zu dienen. Beeren wurden gesammelt als Tauschobjekt für Butter. Im August wurde die Ernährung ganz kritisch, weil die alte Ernte verbraucht war und die neue noch nicht verfügbar war. Eine Zeitlang gab es ziemlich ungenießbares Brot. Am 19. Oktober hielt Amtsgerichtsrat Lattmann aus Schmalkalden noch einen Vortrag, in dem er zur Zeichnung der neunten Kriegsanleihe aufforderte. Er behauptete, mit der Stimmung der Soldaten stehe es nicht so schlecht, wie man in der Heimat denke. Aber auch in der Gemeindeverkaufsstelle stiegen die Preise in unsinnige Höhen. Geld war ja da, es wurde alles gekauft.

Am 9. November 1918 war der Krieg zu ende. Aus Steinbach nahmen 1.288 Mann am Krieg teil. Davon sind 107 gefallen und 6 vermißt. In Kriegsgefangenschaft gerieten 59, von denen zwei verstarben und bis August 1919 nur sieben zurückkehrten. Eine Ortsgruppe zum Schutz der Kriegsgefangenen wurde gegründet und für die Heimkehr wurden Vorbereitungen getroffen.

 

 

Hauptstraße 48

 

Die Revolution von 1918

Am 11. November 1918 wurde das Rathaus in Steinbach-Hallenberg von Arbeitern besetzt und die rote Fahne aufgezogen. Im Sitzungssaal brachten die Revolutionäre ihre Forderungen vor: Absetzung des Bürgermeisters, Einführung des Achtstundentags und Ausschaltung des Polizeisergeanten aus der Butterverteilung.

Es wurde ein Arbeiterrat gebildet, der sofort seine Kontrollfunktionen aufnahm: Jeder Angestellte wurde durch ein Mitglied des Arbeiterrates genau kontrolliert (der Kontrollierende stand hinter dem Angestellten und sah ihm über die Schulter). Jedes Schriftstück wurde gegengezeichnet. Das Ende war ein lärmender Umzug und schließlich ein Tanz, zum ersten Mal seit Beginn des Krieges. Die große Mehrheit der Bevölkerung verhielt sich aber ruhig und abwartend.

 

Am Donnerstag, dem 14. November, erschien folgender Aufruf in der Zeitung: „An die Bevölkerung von Steinbach-Hallenberg. Infolge der Revolution hat sich auch in Steinbach-Hallenberg ein Arbeiterrat gebildet. Derselbe hat in dieser Stunde die öffentliche Gewalt in seine Hände genommen. Ausschreitungen, Plünderungen und Versuche der Auflehnung gegen den Arbeiterrat werden nach dem Revolutionsgesetz bestraft. Die Beamten, soweit sie sich dem Arbeiterrat zur Verfügung stellen, bleiben unter Kontrolle des Arbeiterrats in ihren Ämtern. Der Arbeiterrat rechnet auf die Hilfe der ganzen Bevölkerung. Arbeiter und Bürger Steinbach-Hallenbergs! Helft mit, daß sich die unvermeidlich gewordenen großen Umwälzungen, die uns nach dieser Zeit grausamen Völkermordens eine bessere Zukunft sichern sollen, möglichst leicht vollziehen. Keine Gewalt, kein Blutvergießen soll die Sache des Volkes entweihen. Hoch lebe die sozialistische Republik. Steinbach-Hallenberg, den 13. November 1918. Der Arbeiterrat.“ (Original und Stempel des Arbeiterrats sind erhalten).

 

Am Sonnabend erschien im Auto des Landrats ein „Sekretär des Soldatenrates Berlin“ namens Döttling und hielt unter Vorsitz des Bürgermeisters in der Gaststätte Bühner eine öffentliche Versammlung ab. Dabei wurde der Arbeiter- und Soldatenrat neu gewählt. Vertreter der Arbeiter waren Emil Wilhelm, Karl Reumschüssel, Valtin Karl Kaiser und August Faßler. Vertreter der Soldaten waren Richard und Carl Menz, von den Arbeitgebern wurde Julius Usbeck gewählt und von den Beamten Pfarrer Rade.

Der Arbeiter- und Soldatenrat tagte in unregelmäßigen Abständen. Sein Vorsitzender Reumschüssel wurde Gemeinderatsmitglied. Dem Vollzugsausschuß des Arbeiter- und Soldatenrats für den Kreis gehörten aus Steinbach der Vorsitzende Reumschüssel und Herr Rade an. Zunächst hatte sich der Arbeiter- und Soldatenrat mit allerlei Ernährungsfragen zu beschäftigen. Um eine gerechte Verteilung der Lebensmittel zu erreichen wurde das System der Kundenlisten eingeführt, die Klagen verstummten.

Dann wandte man sich der Klärung der gegen Bürgermeister Zickendraht erhobenen Vorwürfe zu. Es stellte sich heraus, daß dieser eineinhalb Jahren für jeden Sack Mehl von den Bäckern 20 Pfennige erhalten hatte. Auch in anderen Punkten wurde ihm eine unvorsichtige Handlungsweise in finanzieller Hinsicht nachgewiesen. So wurde er am 26. Februar 1919 vom Arbeiter- und Soldatenrat abgesetzt. In der Zeitung gab es eine umfangreiche Polemik zwischen Herrn Reumschüssel und Herrn Zickendraht in dieser Sache. Schließlich sollte ein Gerichtsverfahren eine Klärung bringen. Kommissarischer Bürgermeister wurde zunächst Karl Reumschüssel.

 

Bei der Gemeinderatswahl am 23. Februar 1919 erhielten die Sozialdemokraten 1.253 Stimmen und 14 Sitze, die beiden parteilosen bürgerlichen Listen erhielten 244 und 225 Stimmen und je zwei Sitze. Die Sozialdemokraten verdankten ihre hohe Stimmenzahl zum guten Teil auch der Mißstimmung gegen den Bürgermeister. Dennoch wurde Zickendraht wieder Bürgermeister, weil die Untersuchung ergebnislos verlief. Karl Reumschüssel wurde Beigeordneter, also sein Stellvertreter. Außerdem gehörten zum Gemeinderat die USP-Mitglieder König, Steube und K. Menz sowie die Bürgerlichen Lesser und A. Rommel.

Während des Kapp-Putsches in Jahre 1920 war der Bürgermeister wieder eine Zeitlang vom Amt suspendiert. Er konnte aber aufgrund der allgemeinen Amnestie seine Tätigkeit wieder aufnehmen. In Steinbach hörte man am 13. März, einem Sonnabend, erstmals etwas von der Gegenrevolution in Berlin.

Am Sonntagnachmittag verlas der Ausrufer Behringer eine Proklamation des „Reichskanzlers“ Kapp. Aber sonst blieb es noch ruhig. Am Montagnachmittag wurden die Arbeiter von Steinbach vor dem Rathaus zusammengerufen. Einige Einwohner kamen gleich mit Gewehren. Suhler Abgesandte waren gekommen und hatten von Zusammenstößen zwischen der Suhler Arbeiterschaft und Reichswehrtruppen berichtet.

Die Aufregung wuchs. Nachmittags kamen die Sonntagszeitungen aus Frankfurt am Main an. Aus ihnen ging hervor, daß der Süden und Westen des Reichs der alten Regierung treu geblieben waren. Der Landrat Schubert setzte Bürgermeister Zickendraht ab, weil er als einziger Bürgermeister der Provinz Hessen-Nassau den Aufruf Kapps hatte öffentlich bekannt machen lassen.

 

Hauptstraße 45 (später: Heimathof)

 

Am Dienstag wurde wieder gestreikt. Es kam keine Eisenbahn mehr. Mittags wurden wieder die Arbeiter zum Rathaus bestellt. Aus Suhl und Zella-Mehlis waren beunruhigende Nachrichten gekommen. Man wollte 100 Mann zur Unterstützung nach dort schicken. Es meldeten sich aber nur neun gediente und elf ungediente Männer.

Am Nachmittag verlas Bürgermeister Reumschüssel eine beruhigende Bekanntmachung: Die Kämpfe in Suhl hätten auf einem Mißverständnis beruht! Am Abend war Versammlung des Metallarbeiterverbandes, in der eine „Sicherheitswache“ gebildet wurde. Die Post wurde unter Führung von Gustav Motz von den Arbeitern besetzt.

Am Mittwoch überflog ein Flugzeug den Ort und warf Flugblätter ab: Der General von Stolzmann aus Kassel machte eine Kundgebung bekannt. Daraufhin kam es wieder zu Versammlungen der Arbeiter, die Arbeit in den Betrieben ruhte.

Auch am Donnerstag, dem 18. März, fanden fortgesetzt Sitzungen statt, obwohl Kapp schon bald bedingungslos zurückgetreten war. Die Sicherheitswache sollte die Polizei unterstützen. Die Polizeistunde wurde auf 21 Uhr festgesetzt. Es wurde beschlossen, Lebensmittel an die Zella-Mehliser Wachtposten zu schicken.

In Schmalkalden hatte sich ein Aktionsausschuß aus USPD und Mehrheitssozialisten gebildet. Der Redakteur der „Volksstimme“, Kuno Blechschmidt, hatte die „Diktatur des Proletariats“ ausgerufen. In Steinbach ließ der Aktionsausschuß rote Anschläge anbringen: Alle Kraftfahrzeuge, Fuhrwerke und Fahrräder werden beschlagnahmt. Es sollen Arbeiterräte gebildet werden. Meldungen zum Eintritt in ein freiwilliges Arbeiterheer werden angenommen!

Am Freitag wurde mitgeteilt, alle Männer bis zu 40 Jahren sollten in das Arbeiterheer eintreten. Die erste Post seit vier Tagen und die Zeitungen kamen an. Von Gotha her hörte man am Nachmittag Kanonendonner.

Die Arbeiter forderten dann die Bezahlung der Streiktage. Die Unternehmer wollten zahlen, wenn der Aktionsausschuß bescheinige, daß es sich um einen politischen Streik gehandelt habe. Sie hofften, dann Ersatzansprüche an den Staat stellen zu können. Am Dienstag, dem 23. März, sollte die Arbeit wieder aufgenommen werden, hatte der Schmalkalder Aktionsausschuß ausklingeln lassen. Aber eine Arbeiterversammlung am Montagabend hatte sich dagegen ausgesprochen. Daraufhin legte das Mitglied des Arbeiterrates Kaiser seinen Posten nieder. Am 24. März kehrte wieder Ruhe ein. Der Aktionsausschuß in Schmalkalden und der Arbeiterrat in Steinbach lösten sich auf.

Die Arbeiter bekamen die Streiktage nicht bezahlt; das erschien ihnen mit Recht als eine Niederlage ihrer Führer. Aus Hessen rückten starke Reichswehrkräfte heran, um im Auftrag der legalen Regierung die Ruhe wieder herzustellen. Die Radikalen unter den Arbeitern hatten keine Chance mehr. In Steinbach hatte sich die vorsichtige Politik Reumschüssels doch bewährt.

Bei den Reichstagswahlen im Juni erhielt die USP 1.136 Stimmen (Kandidat Bock), fast doppelt so viel Stimmen wie die nächststärkere Partei (übrigens hatte die SPD 127 Stimmen, die KPD 34, die DDP 222). Bei den Wahlen zum Preußischen Landtag im Februar 192l siegte die USP knapp vor der Deutschen Volkspartei, die Kommunisten standen mit 389 Stimmen schon an dritter Stelle. Bei den gleichzeitigen Kreistagswahlen wurden aus Steinbach gewählt: August Häfner und Julius Usbeck (Vereinigte Rechtsparteien), Rade (DDP), Wilhelm Keller (USP) und Speck (KPD).

Im Jahre 1920 wurde die Moosbach als Notstandsarbeit befestigt. Das Gaswerk und das Elektrizitätswerk wurden 1919 und 1920 durch die Gemeinde angekauft. Die Siedlung in der Struth (Struthweg) wurde 1921 bis 1923 gebaut. Auf dem „Köpfchen“ wurde durch Abtragung der felsigen Bergkuppe ein Sportplatz geschaffen.

Im Jahre 1924 lief die Amtsperiode des Bürgermeisters Zickendraht ab. Die Geschäfte führte vorübergehend der stellvertretende Bürgermeister Gustav Pfeffer. Dann wurde im Jahre 1926 der gelernte Schuhmacher Henze aus Hohenstein bei Nordhausen gewählt, oder besser gesagt: Das Los entschied für ihn. Im Jahre 1933 wurde er seines Postens enthoben und wegen verbotenen Waffenbesitzes mit drei Monaten Gefängnis bestraft.

In seiner Zeit wurden folgende Objekte in Angriff genommen: Befestigung von Brunnenstraße, Wolffstraße, Lindenstraße, Struthweg, Gräfenweg, Kälberzeil und Ausbau der Hennebergstraße, Anlegung der Kirchbergsiedlung in den Jahren 1927 bis 1933, Erweiterung der Wasserleitung durch Fassung der Zimmerbachquelle, Bau der hauswirtschaftlichen Berufsschule, Anlage von Brücken über die Hasel und ihre Nebenarme (an Motzenmühle und Unterhammer).

Das Kriegerdenkmal in der Struth wurde aber ohne Unterstützung durch öffentliche Gelder auf Betreiben der militärischen Vereine gebaut. Bei der Einweihungsfeier hat Herr Henze und sein marxistischer Gemeinderat durchgesetzt, daß diese Feier als Lustbarkeit angesehen und infolgedessen eine Lustbarkeitssteuer beschlossen wurde.

 

Blick zum Kriegerdenkmal

 

Kriegerdenkmal in der Struth

 

 

Erschießung eines Steinbachers 1923

In Steinbach war die Arbeiterschaft nach dem Krieg gut organisiert, die Gemeindevertretung und der Gemeinderat waren ,,rot“. Das war einigen Reaktionären natürlich ein Dorn im Auge. Keine der Auseinandersetzungen war aber in Tätlichkeiten ausgeartet.

Anfang 1922 wurde aber von einem Schmalkalder eine Ortsgruppe des „Jungdeutschen Ordens“ ins Leben gerufen. Dieser versuchte, die Versammlungen der Arbeiter im Saal Bühner durch Zwischenrufe zu stören. Im Flur der Gaststätte „Tanne“ hatte man jugendlichen Arbeitern mit dem Gummiknüppel blutige Köpfe geschlagen und Arbeiterfrauen „Proletarierlumpen“ und „Dreckschweine“ genannt. In Privatwohnungen wurden Gewehr- und Blinker­übungen gehalten. Man befürchtete einen Putsch der Rechten.

Deshalb gründeten die Arbeiter am 24. Oktober 1923 (oder am 23. Oktober) eine „republikanische Schutzwehr“. Wegen des Ausnahmezustandes trafen sich angeblich 200 Männer bei Nacht (die meisten wohl von außerhalb, insgesamt 108 Personen). Leiter der Versammlung waren der Zeichenlehrer Emil Hopfgarten und der Lehrer Pfaff aus Zella-Mehlis.

Emil Richard Hopfgarten wurde am 30. Juni 1899 in Hamburg geboren. Er gehörte seit 1921 der KPD an und emigrierte 1933 aus politischen Gründen in die damalige UdSSR. Nach anderer Angabe ist er bereits 1930 in die Sowjetunion gegangen und hat dort in der Verwaltung Aufklärung der Roten Armee gearbeitet. Am16. November 1937 wurde er verhaftet und am 15. März 1938 vom Militärkollegium des Obersten Gerichtes der UdSSR wegen „Spionage“ zum Tode verurteilt. Es heißt, das Todesurteil sei noch am selben Tage vollstreckt worden.

Volker Wahl hat über Emil Hopfgarten zwei weiterführende Aufsätze geschrieben:

„Das Scheitern der ‚Deutschen Oktoberrevolution‘ im Herbst 1923 zwischen Steinbach-Hallenberg und Zella-Mehlis“, in: Jahrbuch 2013 des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins 28 (2013), S. 225-254. 

Wahl, V. „…ohne Amt und Rang“. Zur Biographie des Generalarbeitsführers im Arbeitsgau Thüringen, Thüringischen Staatsrats und Reichstagsabgeordneten Karl Schmückle (1895-1970). In: Hessen und Thüringen. Festschrift für Jochen Lengemann zum 75. Geburtstag. Herausgegeben von Jens Beger. Jena 2013, S. 397-424.

Es wurden zwei Hundertschaften gegründet. Wer noch nicht im Besitz von Waffen war, wurde namentlich aufgeschrieben. Die andere Seite aber gab Bericht darüber an die Regierung in Kassel, an die Schupo in Suhl und die Reichswehr in Meiningen. Der Landrat Schubert (SPD) aber ließ die vorliegenden Haftbefehle nicht vollstrecken, sondern ließ sich von den Betreffenden nur ein Schriftstück unterzeichnen, wonach sie sich jeder politischen Betätigung enthalten sollten. Die Gendarmerie wurde durch drei bis fünf Beamte verstärkt.

Am 6. November wurde an der Ecke Hauptstraße / Kälberzeil ein Brief gefunden, der an „Speck, Steinbach-Hallenberg“ gerichtet war. Die Schupo Suhl verhaftete ihn in der Nacht vom 6. zum 7. November. Aber der Landrat ließ ihn wieder auf freien Fuß setzen, weil er ein harmloser Mann sei. Am 8. November wurde ein weiterer Befehl gefunden, der von Emil Hopfgarten ausgefertigt war. Er war adressiert an „Speck, Moosbach 12, oder Herzog, Erbstal 8“. In der Nacht rechnete man nach sicheren Gerüchten mit kommunistischen Plünderungsversuchen. Die Bürgerschaft kam in große Erregung. Bürgermeister Zickendraht forderte Polizeiverstärkung an.

Eine Gruppe von Einwohnern wurde am 9. November im Landratsamt vorstellig. Die Regierung in Kassel ermächtigte darauf den Kreissekretär, die Reichswehr in Meiningen mit der Auflösung der kommunistischen Hundertschaften und der Inhaftierung ihrer Führer zu beauftragen.

Die Reichswehr arbeitete den rechten Kräften in die Hände. Unter den Soldaten waren „Jung­do“-Leute aus Steinbach-Hallenberg. Steinbacher drückten der Reichswehr die Listen der Leute in die Hand, wo man Haussuchungen machen sollte, und waren selber bei den Verhaftungen dabei. Den Soldaten hatte man gesagt, sie sollten die Sprengung der Gasanstalt und mehrerer Fabriken verhindern. Mehrere Fabrikanten seien schon im Bett abgemurkst worden Die Spartakisten hätten sich eingeschanzt und würden die Soldaten mit Gewehr- und Maschinengewehrfeuer empfangen. Deshalb hatte die Reichswehr auf 15 leichte und schwere Maschinengewehre dabei.

 

Am 10. November, kurz nach 6 Uhr, wurden die Bewohner des Hauses Moosbach 15 durch Rasseln eines Autos aus dem Schlaf geweckt. Vor dem Haus Moosbach 18 - 20 hielt ein Auto. Mehrere Reichswehrsoldaten sprangen heraus und umstellten das Haus. Geführt wurden sie von einem Zivilisten, dem Drogisten Schmückle, der aus Schlesien stammte und ortsunkundig war. Er sollte den Soldaten den Weg zu dem gesuchten Karl Menz zeigen. Ein Soldat klopfte an die Tür. Sie ging auf und ein alter Mann trat heraus und sagte „Guten Morgen“. Im gleichen Augenblick fiel ein Schuß.

Die 86jährige Mutter des Mannes hatte den Schuß auch gehört. Sie öffnete das Fenster. Doch der Posten rief ihr zu: ,,Fenster zu!“Doch sie war schwerhörig und konnte ihn nicht verstehen. Da legte der Posten auf sie an. Ein Beobachter rief ihm zu, die Frau könne nichts hören. Da rief er den Zuschauern zu: ,,Fenster zu!“ und schoß nach dem Haus Moosbach 15.

Die alte Frau fand ihren Sohn in einer Ecke direkt an der Haustür tot in einer großen Blutlache sitzen. Die Soldaten trugen ihn in die Wohnstube. Die alte Frau lief zu ihrer Schwiegertochter im Nebenhaus. Die Soldaten durchsuchten das ganze Haus, fanden aber nichts. Schließlich schlossen sie es ab und übergaben den Schlüssel der Polizei. Der unschuldig Erschossene war der Nagelschmied Gottlieb Karl Menz. Sein Tod wurde von allen sehr bedauert.

Die Gemeindevertretung beschloß, die Beerdigungskosten und die Unterhaltszahlungen zu tragen, bis die Angelegenheit eine vorschriftsmäßige Regelung gefunden hat. Man wollte auch auf die Freilassung des verhafteten Gemeindevertreters Keller drängen. Am 13. November 1923 folgten etwa 2.200 Menschen dem Sarg des Erschossenen.

Unter den Trauergästen waren auch der Landrat, die Gemeindekörperschaften und Arbeiter aus den umliegenden Ortschaften. Im Ort herrschte Sonntagsruhe, alle Fabriken und Werkstätten waren geschlossen, das Elektrizitätswerk lieferte keinen Kraftstrom.

Am 20. November wurden die KPD und die NSDAP verboten. Am 23. November rückte wieder Reichswehr an. Im Sitzungssaal des Rathauses wurde den Soldaten ein Zeitungsartikel von Karl Menz vorgelesen. Er war selber dabei, konnte aber keine Beweise für seine Darlegungen bringen. Er wurde deshalb durch scharfe Worte zurechtgewiesen.

Karl Menz schrieb aber erneut in der Zeitung: Er habe nicht gegen die Reichswehr gehetzt, sondern er richte sich gegen diejenigen, die die Reichswehr ohne Grund nach Steinbach gebracht hätten. Er halte alle seine Behauptungen aufrecht, nur die Zahl der Maschinengewehre habe er nicht selber nachgezählt.

Die Reichswehr ist sicher nicht „ohne Grund“ gekommen. Die als „Erwerbslosenversammlung“ auf der nächtlichen Spielwiese getarnte Zusammenkunft diente schon der Vorbereitung eines Putsches gegen das Deutsche Reich. Die Bildung neuer „Proletarischer Hundertschaften“, einer „republikanischen Schutzwehr“, sollte den bedrohlichen Machenschaften des lokalen Jung­deutschen Ordens begegnen.

Die Auseinandersetzung mit den rechtsstehenden Parteien und Verbänden war aber vor allem auf die kommunistische Revolution in Deutschland ausgerichtet war. Es ging um eine Strategie zur Eroberung der Macht in Deutschland. Thüringen stellte dafür ein wichtiges Operationsfeld dar. Aber daß eine „Zentrale der Kommunistischen Partei“ ins hessische Steinbach-Hallenberg verlegt worden sei, ist doch übertrieben. Aber das alles rechtfertigt natürlich nicht die Erschießung eines gänzlich unbeteiligten Mannes (generell ist die Erschießung eines Menschen nicht gerechtfertigt).

 

Hauptstraße Bereich Hammergasse

 

 

Inflationszeit 1923

Seit dem Jahre 1920 griff die Geldentwertung immer mehr um sich. In Berlin arbeiten die Notenpressen Tag und Nacht, um schlechtes Geld für gutes in das Volk zu werfen. Noch im Jahre 1923 beging die Regierung den Betrug, Banknoten in der Ausstattung der Vorkriegszeit mit dem kaiserlichen Adler und den Unterschriften aus dem Jahre 1910 herauszugeben. Genauso fälschte sie die Kriegsanleihe durch zahlreiche Neudrucke. Eine Scheinblüte war es nur, die durch die immer höheren Löhne und Verdienste erzeugt wurde. Dabei blieb aber immer Mark gleich Mark, wenn auch der Wert immer weiter sank und die Preise der Lebensmittel und der Waren des täglichen Bedarfs immer mehr stiegen.

Deutschland wurde so zum billigsten Lande der Welt. In großer Zahl fanden sich infolgedessen zahlreiche Ausländer ein und beteiligten sich mit ihrem hochwertigen Gelde an dem Ausverkauf Deutschlands. In manchen Großstädten ist nach amtlicher Schätzung von ihnen fast der vierte Teil der Häuser aufgekauft worden.

Schon machte sich das Gespenst der Erwerbslosigkeit bemerkbar, und es mußte in vielen Fällen mit Unterstützungen begonnen werden. Wilde Streiks verschlimmerten die Lage noch mehr. An diesen beteiligten sich sogar die Eisenbahner und Bergleute, so daß hier eine ganze Woche lang kein Zug verkehrte und man gezwungen war, bei einer notwendigen Reise ein Fuhrwerk zu mieten. Mehrmals mußte die Schule in den Jahren 1921/22 geschlossen werden, weil keine Kohlen vorhanden waren.

 

Die Sparguthaben, über die fast ein jeder verfügte, und die mündelsicher aufbewahrten Gelder schmolzen nach und nach in ein Nichts zusammen. Welche Fortschritte die Geldentwertung im Jahre 1923 machte, darüber legen folgende Zahlen ein beredtes Zeugnis ab. Sie zeigen den Leidensweg des deutschen Volkes:

Am 1. November des Jahres 1923 kostete:

1 Pfund Brot                             3 Milliarden Mark

1 Pfund Fleisch                       36 Milliarden Mark

1 Glas Bier                               4 Milliarden Mark   

Am 15. November desselben Jahres:

1 Pfund Brot                             80 Milliarden Mark

1 Pfund Fleisch                       900 Milliarden Mark

1 Glas Bier                               52 Milliarden Mark

Am 1. Dezember desselben Jahres:

1 Pfund Brot                           280 Milliarden Mark

1 Pfund Fleisch                          32 Billionen Mark.

 

Eine Goldmark hatte schließlich den Wert von 1 Billionen Papier-Mark. Ein Pfund Fleisch kostete 32 Billionen Mark. Die Leute besaßen zwar viel Geld, aber sie erhielten keine Ware dafür. Wenn man sein Monatsgehalt einen Tag aufbewahrte, erhielt man am nächsten Tag nur noch zwei Salzheringe dafür.

An der Altersbacher Straße hatte ein Tüncher mehrere Häuser gebaut. Eins davon verkaufte er und der Kauf wurde mit Wein begossen. Als er aber einige Tage später die Kaufsumme erhielt, konnte er davon gerade noch den Wein für das Begießen des Kaufs bezahlen. Ein 70 jähriger Rentenempfänger weinte bitterlich auf der Straße, weil seine Rente noch nicht einmal dazu reichte, sich in der Gastwirtschaft „Zum Stern“ ein Zehntel Liter Branntwein zu kaufen.

Ein Einwohner hob in Schmalkalden sein Sparguthaben von 18.000 Mark ab. Nach langem Bitten erhielt er in Springstille für 10.000 Mark einen Sack Roggen dafür. Der Müller verlangte 8.000 Mark Mahl-Lohn. So ging das Vermögen dieses Mannes verloren.

Ein Erlebnis entbehrt nicht des komischen Beigeschmacks. Bei einem Witwer namens Zimmermann auf der Rösse klopfte Frau Sorge an die Tür. Arbeitslos und Hunger dazu, das tut weh! Ganz verzagt hatte er sich auf sein Lager geworfen und war eingeschlafen. Gegen Abend wurde er wach und sieht in den Nachbarshäusern Licht brennen. Nun war er der Meinung, es sei morgens etwa 6 Uhr und machte sich, nachdem er das letzte Stückchen Brot in die Tasche gesteckt hatte, auf den Weg nach Schmalkalden, um dort sein Sparguthaben abzuholen. Schon in den Stiller Dörfern fiel ihm auf, daß heute der Tag lange auf sich warten lassen wollte.

Doch wanderte er weiter, und als er die ersten Häuser von Schmalkalden erblickte, faßte er sich ein Herz, klopfte an ein beleuchtetes Fenster und fragte nach der Zeit. Zu seinem Schrecken wurde er seines Irrtums gewahr. Weil jetzt aber guter Rat teuer war, entschloß er sich, bis zum anderen Morgen in Schmalkalden zu bleiben. Es ging auf den Winter zu, und nach vielem Bitten und Flehen gewährte ihm der Bahnhofswirt den Aufenthalt im Wartesaal während der Nacht. Am anderen Morgen war der alte Mann einer der ersten auf der Sparkasse, um sein Geld in Empfang zu nehmen. Dafür konnte er nach seinem Dafürhalten wirklich allerhand kaufen. Ohne sich etwas zu gönnen ging er an den Fahrkartenschalter und verlangte eine Karte nach Steinbach-Hallenberg. Aber welches Verhängnis‚ das Geld reichte noch nicht einmal für die Heimfahrt. Mit was für Gefühlen der arme Mann den Weg zu Fuß zurücklegte, das kann sich jeder leicht denken.

Ein hier wohlgeachteter und angesehener Bürger beging Selbstmord aus Kummer und Gram.

Doch bei Todesfällen war oft kaum ein Sarg zu beschaffen. Manche Leute dachten allen Ernstes daran, die Leichen in einer einfachen Umhüllung zu beerdigen. Das ging natürlich nicht aus gesundheitlichen Gründen. So mußte die Gemeinde eine Ladung Särge beschaffen. Sie waren aus ganz dünnen Brettern notdürftig zusammengefügt und brachen sehr schnell im Grabe unter der Last der darauf liegenden Erde zusammen.

Am allerschwersten wurde der Mittelstand betroffen, und unter diesem hatten Beamte und Rentner das schwerste Los. Pfarrer Rade hatte sich ein Ferkelchen beschafft und gedachte, es mit Gras und sonstigen Abfällen Groß zu füttern. Schon nach 3 Wochen mußte das arme Tierchen geschlachtet werden, wenn es nicht eingehen sollte. An dem Fleisch haben Mann und Frau fast 14 Tage gegessen. Übel war der zweite Pfarrer, Herr Giese, dran. Sein Gehalt genügte nicht, nur das Bescheidenste zu kaufen. Mehr als einmal hat er sich des Abends hungrig zu Bett gelegt. Doch ist er später, als seine Notlage offenbar wurde, von Gemeindegliedern, die noch etwas erübrigen konnten, oft unterstützt worden.

Auch in den Küchen der einst wohlhabenden Leute wurde fast nur Pferdefleisch verwandt. Die ganz Mittellosen scheuten auch vor Hundefleisch nicht zurück. Einbrüche und Betrügereien waren an der Tagesordnung. Dem Hirten wurden am hellen Tag die Kühe von der Weide gestohlen und anderen die Ziegen aus dem Stall. Wer seinen Abtreter vor der Haustüre vermißte, der brauchte nur den Alteisenhändler aufzusuchen, um das Diebstahlsgut wieder zu finden. Aus der Kirchenorgel wurden die Stimmdeckel der Holzpfeifen gestohlen. Zur Zeit der Ernte mußte die Polizei den Aufenthalt fremder Personen in der Feldflur nach einer bestimmten Abendstunde verbieten, weil die Felddiebstähle einen zu großen Umfang annahmen.

Erst die Einführung der Rentenmark am 1. Januar 1924 brachte eine gewisse Stabilisierung. Aber die wirtschaftliche Not war damit nicht behoben. Im Jahr 1933 gab es fast 6.000 Einwohner, aber 454 Familien mit 1.453 Personen, die Unterstützungsempfänger waren.

Es gab 262 landwirtschaftliche Betriebe von über 50 Ar Größe und 603 unter 50 Ar Größe. Es gab 252 Gewerbebetriebe mit zwei oder mehr Beschäftigten und insgesamt 562 Betriebe und Geschäfte. Aber von den 400 Betrieben der Kleineisenindustrie lagen 70 Prozent still, die Fabrikbetriebe arbeiteten nur noch zu 30 Prozent (zehn Eisenindustrie, zwei Zigarrenfabriken). Sonstige Handwerksbetriebe und Ladengeschäfte gab es 150. Aus Wohlfahrtsmitteln und Arbeitslosenunterstützung wurden rund 41 Prozent der Einwohner unterstützt.

 

Hauptstraße vom Rathaus zur Kirche

 

In der Zeit von 1918 bis 1933 folgende Einrichtungen geschaffen:

Unter Bürgermeister Zickendraht :

* Bau einer Hochdruckwasserleitung mit je einem Hochbehälter in der Struth und im

  Arzberg (1907/08)

* Bau der Arzbergstraße (1912/13)

* Befestigung der Moosbachstraße (1920)

* Ankauf des Gas- und Elektrizitätswerkes (1919/20)

* Ausbau der Siedlung in der Struth in den Jahren (1921/23).

 

Unter Bürgermeister Henze:

* Spielplatz „Köpfchen“ durch Abtragung der felsigen Bergeskuppe

* Befestigung der Brunnenstraße, Wolffstraße, Straße „Unter den Linden“, des

  Struthweges, Gräfenweges und Kälberzeils

* Ausbau der Hennebergstraße

* Anlage der Kirchbergsiedlung (1927/33)

* Erweiterung der Wasserleitung durch Fassung der Zimmerbachquelle bei

  Oberschönau

* Bau der Hauswirtschaftlichen Berufsschule

 

 

* Anlage je einer Brücke,

  • über die Hasel beim Wehr oberhalb der Motzenmühle
  • unterhalb dieses Wehres
  • über den Mühlgraben unterhalb des Wehres zur Motzenmühle
  • über den Kunstgaben unterhalb der Hufeisenfabrik („Unterhammer“)
  • über die Hasel in derselben Lage wie vor.

*  Kriegerdenkmal in der Struth auf Betreiben der militärischen Vereine

Ohne jede Unterstützung durch die politische Gemeinde. Bei der Einweihungsfeier haben Herr Henze und sein marxistischer Gemeinderat durchgesetzt, daß diese Feier als Lustbarkeit angesehen und infolgedessen eine Lustbarkeitssteuer beschlossen wurde.

 

 

Die Zeit der Naziherrschaft

Oskar Holland-Letzt auf Veranlassung des Parteigenossen Lehrer Menz im Jahre 1933 in der Turmknopfurkunde über die Zeit seit dem Ersten Weltkrieg: 128 Tote und das mehrfache an Verwundeten war die Saat, die von Steinbach-Hallenberg in diesen vier Jahren für ein besseres Deutschland gelegt wurde.

Die dann folgende Zeit des Niederganges und der Revolution hat auch in unserer Bevölkerung ihre sonderbarsten Blüten hervorgebracht. Alte gute Sitten und treueste Pflichterfüllung machten dem Geist des materiellen Gewinns, der Vaterlandslosigkeit und der Gottesverleumdung Platz. Persönlicher Eigennutz war die Triebfeder alles Handelns.

Da fungierte zum Beispiel auch ein Arbeiter und Soldatenrat unter dem Vorsitz eines Notargehilfen. Im Kriege etatmäßiger Feldwebel, wurde er in der Revolution marxistischer Parteiredner „Gesinnungslump“ und „Postenjäger“ war im Volksmund der Ausdruck für eine solche Wandlungsfähigkeit.

Im Jahre 1920 war der Kapp-Putsch, der mit all den unerfreulichen Erscheinungen aufräumen sollte. Die Aktion aber brach zusammen; das deutsche Volk war noch nicht reif dazu. Bürgermeister Zickendraht, seit dem Jahre 1900 im Amt, wurde bei dieser Gelegenheit seines Amtes enthoben und dafür ein Karl Reumschüssel eingesetzt, jedoch nur solang, als eine Untersuchung gegen Bürgermeister Zickendraht ergebnislos verläuft und ihm „nichts am Zeug zu flicken war“. Nach Ablauf der 24-jährigen Amtsperiode wurde Gustav Pfeffer vorübergehend stellvertretender Bürgermeister‚ bis dann im Jahre 1926 ein gelernter Schuhmacher namens Henze aus Hohenstein bei Nordhausen gewählt wurde. Unglücklicherweise entschied das Los für ihn. In den ganzen Jahren seines Wirkens hat dieser neudeutsche Bürgermeister eine sehr zweifelhafte Rolle gespielt. Drei Monate Gefängnis erhielt er wegen verbotenen Waffenbesitzes im Jahre 1933 nach seiner Amtsenthebung.

 

In Steinbach-Hallenberg wurde schon 1924 eine Ortsgruppe der ,,Völkischen Freiheitsbewegung“ gegründet, ,,die all die jungen idealistischen Kräfte umfaßte, die gewillt waren, jederzeit für die Sache des Vaterlandes einzustehen“. Sie schloß sich 1925 sogleich der neu gegründeten „National-Sozialistischen-Deutschen Arbeiterpartei“ an.

Als eine der ersten Ortsgruppen des ,,Gau Thüringen“ der NSDAP wurden die Steinbacher überall dort eingesetzt, wo es galt, „marxistischen Terror mit Gewalt zu brechen“. In Suhl, Zella-Mehlis und Schmalkalden hat die Ortsgruppe Steinbach-Hallenberg den Grundstein für den Aufbau der nationalsozialistischen „Bewegung“ gelegt.

Bei Hitlerversammlungen wurde sie als Saalschutz angefordert und war in Gotha, Eisenach, Meiningen und Altenburg und an der sächsischen Grenze im Einsatz. Hitler selbst sprach in einem Schreiben seine Anerkennung für die unermüdliche Unterstützung des Wahlkampfes in Thüringen aus (4. Februar 1927). Steinbach-Hallenberg wurde dann Sitz der Kreisleitung unter dem Landtagsabgeordneten Otto Recknagel („Doppel Ott“).

Die Machtübernahme wickelte sich in Steinbach „in voller Disziplin und ohne jegliches Blutopfer“ ab. Die „Bereinigung“ der Beamtenstellen ging ,,rein gesetzmäßig und ohne jede Gewalttätigkeiten vor sich“. Bürgermeister Heinrich Henze wurde „ wegen marxistischer Betätigung vom Preußischen Staat“ seines Amtes enthoben und Bernhard Recknagel zunächst kommissarisch eingesetzt. Er war der Bruder des Kreisleiters und blieb dann auch Bürgermeister.

Auf der Internetseite der Stadt Steinbach-Hallenberg wurde einige Zeit auch Otto Recknagel als bedeutende Persönlichkeit der Stadt aufgeführt, sogar mit Bild. Er stand dort neben Helmut Recknagel und Kati Wilhelm und auch neben Volker Wahl. So ganz recht wird das diesen wirklichen Persönlichkeiten nicht sein.

Die Brüder Recknagel waren nicht Landrat und Bürgermeister im heutigen Sinn, so wie es später der Kreisratsvorsitzende auch nicht war. Diese Männer waren nicht dem Wohl der Allge­mein­heit verpflichtet, sondern waren Handlanger der nationalsozialistischen Ideologie. Daran ändert auch nicht, daß am 30. Juni 1939 der Ort zur Stadt erhoben wurde, das wäre auch unter anderen Umständen erfolgt.

 Wenn Steinbach-Hallenberg seine kommunistische Vergangenheit abschütteln wollte, indem es den Straßen wieder ihre alten Namen gab, dann sollte es auch nicht Funktionäre des national­sozia­lis­tischen Systems ehren. Und nachdem man Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft wieder aberkannt hat, kann man seinen Handlanger vor Ort nicht als „bedeutende Persönlichkeit“ aufführen. Offenbar hat man jetzt daraus die Folgerungen gezogen.

Volker Wahl hat dazu einen Aufsatz herausgegeben:  Die Haßfigur „Doppel-Otto“. Zur Biographie des NS-Abgeordneten, Landrats und Kreisleiters Otto Recknagel (1897-1983) im Landkreis Schmalkalden. In: Zwischen Stadt und Nation. Bürgertum in Deutschland. Teil 2. Göttingen 2014, S. 645-667.

Kochs Haus und Gaststätte

 

In den Turmknopf wurden 1933 mehrere Fotoaufnahmen aus diesem Jahr eingelegt:

* Flaggenhissung am Rathaus (13. März 1933,  3 Uhr)

* Absetzung des Bürgermeisters Henze (Sonnabend, 11. März 1933, 12 ½  Uhr)

* Kreisleiter Otto Recknagel ruft zum kommissarischen Bürgermeister Pateigenosse Bernhard Recknagel aus (Sonnabend 11.3.1933, 13 Uhr)

* Reichsstatthalter Saukel spricht anläßlich der Flaggenhissung vorm Rathaus (13. März 1933, 3 Uhr)

* Prinz Philipp von Hessen besucht die Steinbacher Kirche, links Pfarrer Kirchner (7. Juli 1933)

* Turmknopfabnahme. Aufnahme: Hanns Werner Menz, Hauptstraße 42 (27. Juli 1933).

 

B. Tätigkeitsgebiete der Bevölkerung 1933:

Die Bevölkerung gruppiert sich nach folgenden Erwerbszweigen:

 

1.

Handwerksbetriebe der Kleineisenindustrie einschließlich der Eisenpolierer

400

2.

Kleinbetriebe der Schuhmacher, Schneider, Tüncher und Bauhandwerker

  50

3.

Kleinhandelsgeschäfte einschließlich Metzger und Bäcker

100

4.

Fabrikbetriebe der Kleineisenindustrie

  10

5.

Zigarrenfabriken

 2

 

Summe:

Von den Betrieben zu 1. liegen etwa 70 Prozent still, die restlichen 30 Prozent sind nur noch in ganz beschränktem Umfang und größtenteils ohne jede fremde Arbeitskraft beschäftigt. Die Betriebe unter 4 arbeiten teilweise nur noch mit etwa 30 Prozent der früheren Belegschaften. Der wirkliche Anhaltspunkt für den Beschäftigungsgrad in allen gewerblichen Betrieben ist die Betriebszählung vom 16. Juni 1933. Es wurden nur 252 Gewerbekarten ausgefüllt. Das sind solche Betriebe und Geschäfte, in denen mit dem Inhaber zwei und mehr Personen beschäftigt sind.

 

 C. Steuerübersicht für Gewerbebetriebe:

 

Gewerbesteuersoll

Lohnsteuersoll

1927   

 83.175,00 RM

15.920.00  RM

1932

 10.000,00 RM

  2. 979,80 RM

 

 

D. Öffentliche Fürsorge nach dem Stande vom Monat Juli 1933:

 

 

Familien

Personen

1.

Ausgesteuerte Wohlfahrtserwerbslose

255

935

2.

Sonstige Hilfsbedürftige

130

374

3.

Zusatzunterstützungsempfänger der Wohlfahrtpflege

15

55

4.

Kleinrentner

6

6

5.

Sozialrentner

48

  82

 

                  Summe:   

454

1.452

Es werden mithin von der öffentlichen Fürsorge betreut:

27,23 Prozent der Haushaltungen und 24,30 Prozent der Einwohner.

Im Monat Juli 1933 wurden folgende Wohlfahrtsunterstützungen ausgezahlt:

1 .

Kleinrentner

 501,50  RM