Was ich schon immer einmal wissen wollte

 

Inhalt: Gottesdienst, Abendmahl, Taufe, Trauung, Beerdigung,
Wiederaufnahme, Seelsorge, Rechte für Kirchenmitglieder,  Kirchensteuer, Kleine Glaubenslehre.

 

Gottesdienst:

Der Mittelpunkt des Gemeindelebens ist der Gottesdienst, auch wenn sich dieses heute noch in vielen anderen Veranstaltungen während der Woche zeigt. Im Gottesdienst hört die Gemeinde auf Gottes Wort, das ihr vom Prediger für die heutige Zeit ausgelegt wird. Sie singt und betet miteinander. Der Gesang wird vom Orgelspiel begleitet. Gesangbücher liegen in der Kirche aus.

Öfters ist auch das Abendmahl in den Gottesdienst eingeschlossen. Auch die Taufe kann im Gottesdienst der Gemeinde stattfinden. Eine Sitzordnung gibt es nicht, nur die Konfirmanden nehmen in den ersten Bänken Platz.

In Hochstadt ist der Gottesdienst in der Regel um 10 Uhr. Abweichungen werden gesondert bekanntgegeben, im Internet und im Gemeindebrief. Die Kinder werden zu einem eigenen Gottesdienst eingeladen, der um 11.15 Uhr in der Regel in der Kirche gehalten wird; wenn diese aber besetzt ist, ist er im Gemeindehaus. Kinder können aber auch von den Eltern in den Gottesdienst der Gemeinde mitgebracht werden

 

 

Abendmahl:

Die Kirchengemeinde lädt in der Regel am ersten Sonntag im Monat und an den Festtagen im Gottesdienst zum Abendmahl ein. Diese besondere Feier stößt bei Außenstehenden oft auf Unverständnis, ist aber den Gemeindegliedern gewohnt. Beim Abendmahl wird gemeinsam ein Stück Brot gegessen (in unserer Gemeinde in Form von Oblaten) und ein Schluck Wein oder Traubensaft getrunken, entweder aus einem gemeinsamen Kelch oder auch in Einzelkelchen (alle drei Formen werden nacheinander angeboten).

Dazu werden die sogenannten „Einsetzungsworte“ gesprochen , die die Feier erst zu einem Sakrament  machen, einer heiligen Handlung, bei der äußerlich sichtbar etwas geschieht, bei der aber auch innere Gaben mitgeteilt werden.

Das Abendmahl geht zurück auf die letzte Mahlzeit Jesu mit seinen Jüngern. Hier nahm er Abschied von ihnen, schloß sich aber auch zu einer besonders festen Gemeinschaft mit ihnen zusammen. Diese Gemeinschaft mit Jesus und untereinander wird heute immer wieder neu bekräftigt durch die Feier des Abendmahls. Sie setzt voraus, daß man die Vergebung Gottes und die seiner Mitmenschen erlangt hat. Eine formelle Beichte ist aber deshalb nicht erforderlich, sondern eine eigene Handlung in  einem eigenen Gottesdienst

In jeder Gemeinde gibt es nur einen Ort, an dem das Abendmahl gefeiert wird, nämlich die Kirche. Ein  Hausabendmahl ist aber möglich bei Krankheit; da kommt der Pfarrer ins Haus und feiert mit der Familie.

 

 

Taufe:

Durch die Taufe wird man in die christliche Gemeinde aufgenommen, in die Kirche am Ort und in die weltweite Kirche. Sie kann im Säuglings- oder Kinderalter erfolgen, aber auch bei Erwachsenen.

Tradition ist die Kindertaufe. Diese hat den Vorteil, dass der heranwachsende Mensch erkennen kann: Ehe ich es noch begreifen konn­te, hat Gott sich schon für mich erklärt und hat mich in seine Gemeinde aufgenommen. Ich muss nicht von mir aus wissen, ob ich auch „reif“ für die Taufe bin, sondern ich weiss, dass ich dazu gehöre. Die Taufe ist für ein Kind wie ein Kleid, das noch zu groß ist, in das es aber hineinwächst.

Die Taufe ist ein „Sakrament“, eine heilige Handlung, bei der äußerlich sichtbar etwas geschieht, bei der aber auch innere Gaben mitgeteilt werden. Sichtbar ist die Berührung mit Wasser, die dazu verhelfen soll, dass man auch das Unsichtbare glauben kann, nämlich die Aufnahme in die Gemeinschaft mit Gott, die auch in der Aufnahme in die Kirche sichtbar wird.

Die Eltern müssen nicht unbedingt getraut sein (siehe unter „Trauung“). Sie können sich aber in Verbindung mit der Taufe ihres Kindes noch trauen lassen. Der Termin der Taufe muß rechtzeitig mit dem Pfarrer vereinbart werden (man muß bedenken, dass der Pfarrer auch noch eine Menge anderer Arbeiten hat und auf Ausweichtermine gefasst sein).

Die Taufe findet in der Regel in der Kirche statt, in begründeten Fällen wie Krankheit kann sie auch im Haus oder anderswo vorgenommen werden. Am Schönsten wäre eine Taufe im üblichen Sonntagsgottesdienst (gleich zu Beginn), um die Aufnahme in die Gemeinde bildlich darzustellen. Sie ist aber auch möglich im Anschluß an den Gottesdienst, auch zusammen mit anderen Tauffamilien.

Wenn ein Kind getauft wird, muss mindestens ein Elternteil der evangelischen Kirche angehören (aber beide Eltern müssen zustimmen), denn das Kind soll ja nach der Taufe christlich erzogen werden. Dazu helfen auch die Paten, die in die Verantwortung für das Kind mit hin­ein­gezogen werden. Mindestens ein Pate oder eine Patin muß evangelisch sein, weitere Paten können zum Beispiel auch römisch-katholisch sein. Auswärtige Paten müssen ein Bescheinigung ihres zuständigen Pfarramtes vorlegen.

Wer aber überhaupt keiner christlichen Kirche angehört, kann nicht Pate sein (zumindest nicht offiziell), weil er ja nichts zur christlichen Erziehung beitragen kann.

Ein Pate betet für sein Patenkind, erkundigt sich nach seinem Wohlergehen, berät die Eltern in allen Fragen, geht mit zum Gottesdienst, ist natürlich bei der Konfirmation dabei und verspricht sogar, das Kind in seine Familie aufzunehmen, wenn den Eltern etwas zustößt.

Die Taufe ist gebührenfrei. Die Gemeinde freut sich aber, wenn alle Teilnehmer der Taufe am Ausgang der Kirche eine Geldspende geben. Für die anschließende Familienfeier stehen auch verschieden große Räume im Gemeindehaus am Wallgraben gegen Bezahlung zur Verfügung. Im nächsten Gottesdienst wird die Taufe abgekündigt.

Die Taufe im Kindesalter erfordert die Konfirmation, also die Zustimmung des jungen Menschen zu seiner Taufe. Dazu wird er am Beginn der achten Klasse beim Pfarramt zum Konfir­mandenunterricht angemeldet. Wöchentlich ist eine Konfirmandenstunde im Gemeindehaus, und regelmäßige der Besuch des Gottesdienstes wird erwartet. Eine Konfirmandenprüfung findet nicht mehr statt, die Konfirmanden stellen sich nur in einem Gottesdienst der Gemeinde vor.

Auch wer nicht getauft ist, kann am Konfirmandenunterricht teilnehmen. Aber er hat dann na­türlich das Ziel, getauft zu werden und zur Kirche zu gehören. Die Taufe kann in  diesem Fall vor der Konfirmation erfolgen oder auch anstelle der Konfirmation im Konfirmationsgottesdienst.

 

Trauung:

Anders als in der katholischen Kirche ist die Trauung kein Sakrament, aber sie ist natürlich eine sehr sinnvolle und hilfreiche Handlung. Aber auch für den, der nur vor dem Standesamt geheiratet hat, gilt das sechste Gebot Gottes: „Du sollst nicht ehebrechen!“ Bei einer Trauung müssen aber beide Ehepartner konfirmiert sein oder einer kann auch einer anderen (anerkannten) christlichen Kirche angehören. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, daß sich ein Ehepartner vor der Trauung noch nachkonfirmieren läßt nach einem Privatunterricht beim Pfarrer.

Wenn die Eheleute aus verschiedenen Orten kommen, muß der auswärtige Partner sich die Genehmigung seines zuständigen Pfarrers geben lassen, aus der auch her­vorgeht, dass der Betreffende das Recht zur Trauung hat. Aber das ist nur eine Formsache, die aber erforderlich ist, weil das ausführende Pfarramt dann eine Vollzugsmeldung an das andere Pfarramt machen muß.

Voraussetzung für die Trauung ist auch die Eheschließung vor dem Standessamt. Nach den Bestimmungen des Staates wäre auch eine Trauung ohne Eheschließung möglich, aber die Kirche hält sich hier an die seit 1875 geübte Praxis.

Die Trauung ist nämlich nicht ein feierlich überhöhter Abklatsch der Eheschließung. In der Kirche werden die „Brautleute“ nicht noch einmal gefragt, ob sie einander heiraten wollen, sondern sie sind schon Eheleute, die ihre Ehe unter den Schutz Gottes und die Fürbitte der Verwandten und der Gemeinde stellen wollen. Wenn man sich in die alte Ordnung der Trauung hineinstellt, wird man auch von ihr getragen. Weil man die Ehe vom Segen Gottes umschlossen weiß, wird man auch schwere Zeiten besser ertragen können. Erst durch die Trauung erfährt die Ehe ihre wahre Tiefe.

Das schließt nicht aus, dass man alle möglichen Formen der Feier damit verbindet. Hochzeitskutsche und Blumenstreuen dürfen sein. Besonderer Blumenschmuck und eigene Musik sind möglich.

Fotografieren bei der Trauung ist dagegen nicht erwünscht. Es geht nicht, dass mehrere Fotografen um das Geschehen herumlaufen und störende Blitzlichtaufnahmen machen. Bestenfalls kann eine Videokamera auf der Empore aufgestellt werden oder im Anschluß an die Trauung noch ein Bild gemacht werden. Vor der Kirche dürfen auch Vereine ein Spalier bilden. Und für die Familienfeier steht das Gemeindehaus am Wallgraben gegen Bezahlung zur Verfügung

Die Trauung wird nur noch  am vorhergehenden Sonntag angekündigt . Da ist es schön, wenn die Brautleute zum Gottesdienst kommen. Die Trauung könnte im Prinzip auch an einem anderen Ort als in der Kirche stattfinden. Aber weil wir in Hochstadt so eine schöne Kirche haben, werden die Eheleute wohl gerade auf diesen Ort Wert legen

Gebühren werden für die Trauung nicht erhoben. Nur der tatsächliche Aufwand wie Orgelspiel muß erstattet werden.

 

 

Beerdigung:

Wenn man im Krankheitsfall den Besuch des Pfarrers wünscht, muß man ihm natürlich Bescheid geben. Man sollte nicht davor zurückschrecken, so als würde man schon mit einem baldigen Ende rechnen. Es ist nur ein Angebot zum Gespräch in einer Zeit, in der man selber zwangs­läufig zur Ruhe kommt. Eine Sterbebegleitung ist aber auch möglich.

Mit der Beerdigung nimmt die christliche Gemeinde Abschied von ihren Toten. Dazu findet die Trauerfeier immer in der Kirche statt. Anschließend geht man bei einer Erdbestattung zum Grab auf einem der beiden Friedhöfe. Bei einer Feuerbestattung kann man zur Halle am Ein­gang des alten Friedhofs gehen und sich dort von dem Sarg mit dem Verstorbenen verabschieden. Man kann aber auch warten, bis die Urne da ist und dann die Trauerfeier in der Kirche machen und die Urne anschließend auf einem der Friedhöfe beisetzen.

Für den Glauben macht es keinen Unterschied, ob man eine Erdbestattung oder eine Feuerbestattung vornimmt. Gott ist bei der Auferstehung nicht auf unseren Körper angewiesen. Die Entscheidung ob Erd- oder Feuerbestattung hängt mehr von gefühlsmäßigen Gesichtspunkten ab.

Die Trauerfeier ist gebührenfrei. Es ist nur der tatsächliche Aufwand zu erstatten (Läuten, Orgelspiel usw.).Im Anschluß an die Trauerfeier kann (muß aber nicht) zu einem Kaffeetrinken im Gemeindehaus am Wallgraben gegen Bezahlung eingeladen werden.

 

 

 

Wiederaufnahme / Übertritt:

Wer irgendwann einmal aus der Kirche ausgetreten ist, kann wieder eintreten, wenn er den ernsthaften Wunsch dazu hat. Er muß sich dazu zuerst mit dem Pfarrer in Verbindung setzen, der dann die Einzelheiten erläutert.  Man wird nicht noch einmal getauft, denn die Taufe ist einmalig und gilt immer. Es gibt auch keine besondere Aufnahmehandlung. Erwartet wird jedoch die Teilnahme am Gottesdienst und am Abendmahl. Und natürlich gehört auch dazu, dass der Wiederaufgenommen wieder Kirchensteuer bezahlt. Dafür hat er aber auch wieder alle Rechte in der Kirche, wie das Patenamt, Wahlrecht und Recht auf Amtshandlungen.

Für den Übertritt von einer anderen christlichen Kirche in die evangelische Kirche gilt das gleiche Verfahren. Wenn einer vorher schon einmal evangelisch war, ist es ganz problemlos. Wenn einer vorher römisch-katholisch oder griechisch-orthodox war, wird der Pfarrer noch ein Gespräch über die Unterschiede mit ihm führen. Aber jedenfalls werden keine hohen Hürden für eine Wiederaufnahme oder einen Übertritt aufgerichtet. Es gibt in den Städten auch be­sondere Kircheneintrittsstellen, aber man kann alles auch vertrauensvoll am Ort erledigen.

 

 

Seelsorge

Die Kirche macht allen Menschen das Angebot zum vertraulichen Gespräch. Man muss dazu nicht zu dem Pfarrer am Ort gehen (kann es aber), sondern jeder Pfarrer steht dazu zur Verfügung. Der große Vorteil dabei ist: Der Pfarrer ist zu absoluter Verschwiegenheit verpflichtet, auch wenn man nicht ausdrücklich um Verschwiegenheit gebeten hat. Er darf auch einem Kollegen oder seiner Frau nichts sagen. Man kann mit jeder Frage oder Sorge zu ihm kommen, der Themenbereich ist unbegrenzt. In manchen Fällen wird er weitere Gespräche anbieten oder an Spezialisten verweisen.

Zum Geburtstag kann der Pfarrer nur in Ausnahmefällen kommen. Vielfach nehmen aber Kirchenälteste oder andere Personen diese Aufgabe wahr.

Ein besonderes Angebot ist die Beichte, die es selbstverständlich auch in der evangelischen Kirche gibt. Darunter versteht man das Aussprechen seiner Verfehlungen und die Lossprechung von Sünden durch den Pfarrer im Auftrag Gottes. Diese persönliche Beichte ergänzt die allgemeine Beichte im Gottesdienst und soll eine Hilfe sein für Menschen in einer besonderen inneren Not.

Besondere Formen sind die Seelsorge in Krankhäusern, Seniorenheimen, Gefängnissen, bei der Bundeswehr und an Urlaubsorten, die von eigens dafür angestellten Pfarrern wahrgenommen wird. Es gibt auch Pfarrer für Binnenschiffer, Schausteller und Zirkusleute.

 

Rechte für Kirchenmitglieder

Die Evangelische Kirche versteht ihre Arbeit als Zeugnis für die Liebe Gottes zu den Menschen und als Dienst an der ganzen Gesellschaft. Ihre Angebote stehen allen Menschen offen.

Die Kirche ist immer in der Nähe - mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ihren Angeboten und ihren Gebäuden. In vielen Kirchengemeinden wird am Sonntag Gottesdienst gefeiert. Wer seelsorgerliche Hilfe sucht, kann sich überall an Pfarrerinnen und Pfarrer wenden. Die Kirche begleitet Menschen in wichtigen Momenten des Lebens, wie etwa der Taufe, der Konfirmation, der Trauung und der Bestattung. Daneben gibt es vielfältige Bildungsangebote und eine große Zahl von sozialen Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Krankenhäuser und Altenheime. Die Kirche engagiert sich in der Ökumene - vor Ort und weltweit.

 

Kirche verbindet:

Die Evangelische Kirche verbindet die Menschen, die  ihr angehören. Das tut sie, indem sie Angebote und Strukturen bereitstellt, die von allen ihren Mitgliedern genutzt werden können. Gemäß den christlichen Grundsätzen schützt und stützt die Kirche so die Gemeinschaft im Glauben.

Die Kirchenmitgliedschaft beginnt bereits mit der Taufe. Für einige Rechte, insbesondere für die Übernahme des Patenamtes, ist zusätzlich die Konfirmation erforderlich. Kirchenmitgliedschaft bezieht sich immer auf eine Kirchengemeinde und eine Landeskirche. Bei einem Umzug in das Gebiet einer anderen Landeskirche setzt sich die Kirchenmitgliedschaft in der neuen Kirchengemeinde fort.

 

Kirche ist verbindlich:

Eine Kirchenmitgliedschaft bringt nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten mit sich. Diese dienen dazu, die Kirche handlungsfähig zu machen. Mit der eingegangenen Kirchensteuer werden zum Beispiel die Gemeinden bei ihrer Arbeit unterstützt oder seelsorgerische Dienste finanziert, was wiederum allen Mitgliedern zugute kommt.

Obwohl die evangelische Kirche auch Nicht-Mitglieder einlädt, an ihrer Gemeinschaft teilzuhaben und ihnen freistellt, ob sie am Abendmahl teilnehmen möchten, muss bei einem Kirchenaustritt mit dem Verlust bestimmter Rechte gerechnet werden. Es ist dann zum Beispiel nicht mehr möglich, ein Patenamt zu übernehmen. Im Einzelfall und bei Unklarheit über Ihre Rechte sollte man mit dem zuständigen Pfarrer sprechen. Durch den Eintritt bzw. Wiedereintritt in die Kirche kann der rechtliche Status in vollem Umfang hergestellt bzw. wieder hergestellt werden.

 

Rechte und Pflichten aus der Mitgliedschaft in der Kirche:

-  Die Kirche begleitet Sie in wichtigen Situationen im Leben - bei Taufe, kirchlicher Hochzeit oder kirchlicher Bestattung.

-  Als Kirchenmitglied können Sie jederzeit ein Patenamt übernehmen. Gemeinsam mit den Eltern versprechen Sie damit, für die christliche Erziehung des Kindes zu sorgen.

-  Kirchenmitglieder haben ein Mitwirkungsrecht bei der Besetzung kirchlicher Ämter (zum Beispiel Kirchenvorstand). Sie dürfen sowohl wählen als auch selbst für ein Amt kandidieren.

-  In schwierigen Lebenssituationen stehen Kirchenmitgliedern selbstverständlich die Dienste der Diakonie oder der kirchlichen Seelsorge zur Verfügung.

-  Als Kirchenmitglied verpflichten Sie sich, gesetzlich geordnete kirchliche Abgaben (Kirchensteuer) zu leisten. Sie verpflichten sich außerdem, bei einem Umzug das Einwohnermeldeamt über die Kirchenmitgliedschaft zu informieren, damit die entsprechenden Angaben an die Kirche weitergeleitet werden können.

 

Verlust von Rechten bei Austritt aus der Kirche:

-  Nicht-Mitglieder haben keinen Anspruch auf eine kirchliche Trauung oder eine kirchliche Bestattung.

-  Bei einem Austritt aus der Kirche geht das Recht auf ein zukünftiges Patenamt verloren. Es kann daher sinnvoll sein, Familienangehörige über diesen Schritt zu informieren. Ein bestehendes Patenamt ist davon nicht betroffen.

-  Nicht-Mitglieder können nicht für kirchliche Ämter kandidieren oder an der Wahl teilnehmen. Da einige Berufe innerhalb der Kirche eng mit dem kirchlichen Auftrag verbunden sind, stehen diese nur Mitgliedern offen (aus einem Faltblatt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und einer Broschüre der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck aus dem Jahre 2004).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kleine Glaubenslehre

 

Hiermit grüße ich alle meine ehemaligen Konfirmanden, mit denen ich diese Themen durchgesprochen habe und die auch alle ein Merkheft mit diesem Text erhalten haben

 

A. Wir leben in Kirche und Welt

 

I. Unsere Kirche

 

1. Wir  sehen die Kirche:

Wir besichtigen die heimatliche Kirche, machen uns mit ihren Einrichtungsgegenständen und ihrer Bedeutung vertraut und erforschen auch etwas ihre Geschichte. Hier ist jeden Sonntag Gottesdienst, hier werden Kinder getauft und konfirmiert, hier werden Ehepaare getraut und Trauerfeiern gehalten. Hier ist der Mittelpunkt des Gemeindelebens.

 

2. Wir gehen in die Kirche:

Gott ruft uns durch das Wort der Bibel immer wieder in den Gottesdienst. Dieser gehört zum Leben eines Christen wie das tägliche Brot. Wer sich nicht zur Gemeinde hält, trennt sich von Gott. Alle Gemeindeglieder sollen am Gottesdienst beteiligt sein, nicht nur der Pfarrer. Den entscheidenden Dienst aber tut Gott an uns.

 

Das Wort „Gottesdienst“  hat drei Bedeutungen.

(a) Dienst, den wir Gott tun (Lobpreis)

(b) Dienst, den Gott an u n s tut

(c) Dienst an der Welt im Namen Gottes.

Unser ganzes Leben ist also Gottesdienst im weitesten Sinne. Überall können wir im

Sinne Gottes handeln, indem wir anderen helfen. Aber das macht den Gottesdienst am Sonntag nicht überflüssig, weil der uns erst Kraft gibt für den Dienst im Alltag.

 

Gottesdienstordnung in Kurhessen-Waldeck:

Stilles Gebet, Lied „Komm heiliger Geist“ und Eingangslied (Morgenlied, Psalmlied).

Eingangspsalm (Pfarrer und Konfirmanden oder Gemeinde) mit „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen!“ (Verknüpfung mit dem Neuen Testament.

Aufforderung zum Bittruf mit  „Herre Gott erbarme, Christe erbarme dich, Herre Gott, erbarme dich!“

Aufforderung zum Lobpreis mit „Allein Gott in der Höh sei Ehr!"

Pfarrer: „Der Herr sei mit euch!“ Gemeinde: „Und mit deinem Geist!“

Kollektengebet mit „Amen“

Schriftlesung (durch Spruch abgeschlossen), Gemeinde: „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis, Wochenlied, Predigt,  Predigtlied, Abkündigungen, Gebet, Fürbittengebet, Stillgebet, Vaterunser.

Pfarrer : „Gehet hin im Frieden des Herrn!“ Gemeinde: „Gott sei ewiglich Dank!“

Segen. Gemeinde: „Amen, Amen, Amen!“

Die Ordnung des Abendmahlsgottesdienstes und weiterer Gottesdienste sind im Gesangbuch zu finden.

 

 

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3. Wir gehören zur Kirche:

Man wird Glied der Gemeinde durch die Taufe, einmal Glied der weltweiten Christenheit, aber natürlich auch der Gemeinde am Ort. Diese wird geleitet durch Gemeindeversammlung, Kirchenväter, Kirchenvorstand (und Ausschüsse), Pfarrer. Aufgaben sind: Predigt, Sakramente, Amtshandlungen, Krankenbesuche, Unterricht, Kindergarten, Friedhof usw.

Unsre Gemeinde gehört zu einem Kirchenkreis, der zu einer Landeskirche,  zur „Evangelischen Kirche in Deutschland“ und zum „Ökumenischen Rat der Kirchen“ gehört. Sie heißt zum Beispiel „Evangelische Kirchengemeinde“ und hat ……Glieder,  ……Kirchenvorsteher und weitere hauptamtliche und nebenamtliche Mitarbeiter und kirchliche Einrichtungen und Kreise.

Die Kirche ist

a. das Gebäude, in dem Christen zum Gottesdienst zusammenkommen

b. die Organisation der Gemeinden, z.B. die EKD

c. Die Kirche sind die Menschen, die zur Kirche gehören: Wir sind die Kirche!

 

II. Unsere Welt

Gott bejaht unsre Welt. Sie ist sein Geschenk, das wir mit Dank annehmen und vom Glauben

gestalten und für das wir Gott loben,

 

1. Wir leben in Gemeinschaft mit anderen Menschen:

in der Familie erfahren wir Liebe (4.Gebot),

in der Freundschaft Vertrauen (8. Gebot, 1.Sam 20),

 in der Gruppe Freude (Jesus und seine Jünger, Dienstgruppen von Christen).

Die Schule ist der Ort gemeinsamer Arbeit. Die Konfirmandengruppe ist unabhängig von der Schulklasse. Sie kommt zusammen zur Vorbereitung auf die Konfirmation, besonders um zu

überlegen, wie wir unsren Glauben in der Welt praktisch leben können. Der Konfirmandenunterricht ist nachgeholter Taufunterricht und vorgeholter Abendmahlsunterricht.

 

2. Unser Leben erfaßt einen weiten Räum:

Wir leben in einer Nachbarschaft mit anderen Menschen zusammen (5. und 7.Gebot), die Gesellschaft sorgt für die äußere Ordnung (4. Gebot).

Röm 13,1 : „Jedermann sei untertan der Obrigkeit!“ und

Apg 5,29 : „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!“

(Bonhoeffer, Geschwister Scholl).

Wir leben als Volk unter Völkern. Gott will Frieden und ist gegen Rassenhaß; vor allem die Christen sollen ein Segen für die Welt sein (M. L. King, „Brot für die Welt“).

 

3. Die ganze Welt dient unserem Leben:

Wir leben in einer technisierten Welt, aber wir sind auch ein Teil der Natur. Beides ist von Gott gegeben, aber wir sind auch für beides mit verantwortlich (Erklärung zum 1. Artikel, Psalm 8). Wir haben darüber zu wachen, daß die Schöpfung Gottes nicht zerstört wird (Atombomben, Luftverschmutzung). Wir dürfen uns an der schönen Natur freuen. Aber wir sollen auch durch die Technik und Wissenschaft die Schöpfung Gottes vorantreiben.

 

4. Die  Gebote Gottes für unsre Welt:

Den Willen Gottes erkennen wir vor allem aus seinen Geboten (20. Mose). Die Geschichte von Naboths Weinberg (1.Kön 21) zeigt uns, wie schnell man alle diese Gebote übertreten kann. Das wichtigste Gebot ist das erste. Es hat einen Vorspruch: „Ich bin der Herr, dein Gott!“ Das hat das Volk Israel besonders beim Auszug aus Ägypten und Durchzug durchs Meer erfahren. Weil Gott hier geholfen hat, darf er auch etwas fordern; am Berg Sinai hat er deshalb das Gebot gegeben: „Du sollst nicht andere Götter haben neben mir!“

Auch für uns hat Gott gesorgt (Nahrung, Kleidung, Gesundheit; vgl. Erklärung zum ersten Artikel); deshalb gelten die Gebote auch uns. Auch heute gibt es Mächte, die für uns zu Göttern werden können (Macht, Geld, Arbeit, Sport). Gott will uns durch die Gebote vor ihnen schützen, aber auch vor anderen Menschen und vor uns selber.

Die Gebote schützen im Einzelnen: Gottes Ehre, Gottes Namen, Gottes Wort (Feiertag), Eltern. Leben, Ehe und Familie, Freiheit (Menschenraub), Ehre (Wahrheit), Eigentum (9. und 10. Gebot).

Jesus faßt die Gebote zusammen in dem Doppelgebot der Liebe: „Du sollst lieben Gott deinen Herrn und deinen Nächsten wie dich selbst!“ Wie man positiv die Gebote erfüllen kann, zeigt er an der Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37).

 

B. Was hat Gott mit der Welt vor?

 

I. Gott schafft die Welt

 

1. Wir bekennen Gott als Herrn und Schöpfer

Luther sagt in der Erklärung zum 1. Artikel des Glaubensbekenntnisses: Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat!“ Er hat dazu unsre Eltern als Werkzeuge benutzt. Aber er hat nicht nur

einzelnen Menschen von heute geschaffen, sondern ist auch der Schöpfer Himmels und der

Erde. Er hat dazu die Naturgesetze in seinen Dienst gestellt.

Die Weltanschauungen und Weltbilder haben sich im Lauf der Entwicklung verändert.

Wir wissen heute, daß das Weltall ungeheure Ausmaße hat die .Erde nur ein winziges Staubkorn in ihm. Wahrscheinlieh ist vor 5 Milliarden Jahren die sehr dichte Ur-Materie explodiert und breitet sich seitdem im Weltall aus. Es gibt aber auch die Theorie vom ständigen Weltall. Doch auf jeden Fall hat unser Weltall einen Anfang und ein Ende.

Aus einem Teil der Materie entstand unsre Milchstraße mit dem Sonnensystem und unsere Erde.

Auf der Erde hat sich dann aus einfachen Eiweißverbindungen

Das Leben entwickelt. Es ist zu immer höheren Formen fortgeschritten bis hin zu den Wirbeltieren, den Säugetieren und Menschen. Der Mensah hat also Vorfahren im `Tierreich, ist aber dennoch weit von den Tieren unterschieden (Sprache, Bewußtsein, Handwerkszeug, Feuer, Kultur, Glaube); er ist eine besondere Schöpfung Gottes.

Die Bibel hat .zwei Erzählungen über die Erschaffung der Welt:

1. Sieben Tagewerke mit dem Menschen als Krone der Schöpfung (1. Mose 1)

2. Der Mensch (Adam und Eva) im Paradiesgarten als Mittelpunkt der Schöpfung (1. Mose 2). Beide Geschichten wollen aber nicht berichten, wie es bei der Schöpfung zugegangen ist.

 

Die Schöpfungserzählungen der Bibel bezeugen den Glauben: Gott hat die Welt und den Menschen geschaffen! Über die Einzelheiten der Schöpfung wissen wir heute genauer Bescheid als die Menschen damals. Vielleicht wird es auch einmal möglich sein, das Leben künstlich zu erzeugen. Aber den Glauben an Gott den Schöpfer berührt das nicht. Die beiden wichtigsten Sätze der Bibel über die Schöpfung werden immer Geltung behalten:

a.  Am Anfang schuf Gott das Weltall (1.Mose 1,1).

b. Gott der Herr machte den Menschen (1.Mose 2,7).

Mit naturwissenschaftlichen Mitteln können wir das nicht beweisen - wir glauben es aber. Der Bibel geht es nicht um Naturwissenschaft, sondern um den Glauben. Wissenschaft und Glaube können jeweils nur auf ihrem Gebiet Aussagen machen.

 

2. Gott macht uns zum Verwalter der Welt:

Der Mensch führt in Technik und Wissenschaft die Schöpfung bis heute fort. Er kann vieles machen, aber er hat auch eine Grenze an der Macht Gottes. Der Mensch ist nicht selber Gott, sondern er steht in einer Beziehung zu Gott, zu den Mitmenschen und zur Welt Gottes.

 

II. Gott gibt die entfremdete Welt nicht auf

 

1. Der Mensch verfehlt seinen Auftrag:

Der Mensch hat immer wieder versucht, selber zum Herrn der Welt zu werden. In der Erzählung vom Sündenfall (1. Mose 3) ist das symbolisch dargestellt: Das Böse wurde immer schlimmer in der Welt.

 

2. Gott hält an der Welt als seinem Eigentum fest:

Er beruft den Abraham, holt sein Volk aus Ägypten, schließt am Sinai einen Bund, gibt das Land - schließlich schickt er seinen Sohn Jesus von Nazareth. Nach den Bundesschlüssen im Alten Testament schließt Gott in Jesus Christus einen neuen Bund ( = Neues Testament).

 

III. Gott heilt die Welt

 

1. Was tat Jesus Christus?

Er rief  zur Umkehr, zur Entscheidung, zum Heil. Er half gegen Krankheit, Sünde, Hunger und Tod. Er litt für uns, weil Gott die Welt liebt.

 

2. Wer ist Jesus Christus?

Er ist die Antwort auf die Erwartungen der Menschen des Alten Testaments. Er sah aus wie ein Mensch (geboren, gelitten, gestorben, begraben), ist aber wahrer Gott und auch heute der lebendige Herr (Gottes einziger Sohn, empfangen, auferstanden). Luther sagt in der Erklärung: „Ich glaube, daß Jesus Christus sei mein Herr. Weil er für uns sorgt, darf er befehlen; weil wir von ihm Hilfe erfahren, sollen wir gehorchen.

Ohne ihn wären wir verlorene und verdammte Menschen wie Adam und Eva (1. Mose 3). Doch Jesus hat am Kreuz die Strafe für unsere Schuld getragen und wir sind frei (Karfreitag). Gott hat ihn aber nicht im Tod gelassen, sondern hat ihn  auferweckt und zum Herrn der Welt gemacht (Ostern, Himmelfahrt).

 

C. Was hat Gott mit der Kirche vor?

 

I. Der Auftrag der Kirche:

 

1. Der Herr verpflichtet die Gemeinde zum Dienst:

Jeder Christ ist verpflichtete, sich zu Gott und zu Christus zu bekennen mit Wort und Tat (vgl. Bonhoeffer: Innere und Äußere Mission). Christus hat keine Hände; deshalb müssen wir in seinem Auftrag der Welt dienen und uns für den Fortschritt einsetzen.

 

2. Der Herr schenkt die Gemeinschaft mit anderen:

Für seinen Auftrag braucht der Christ die Gemeinde der Heiligen, die durch den Heiligen Geist zusammengehalten wird. Diese Kraft Gottes hat Paulus zum Apostel gemacht (Apg 9).

und gibt auch uns heute Kraft und Mut.

 

 

II.  Der Ursprung der Kirche

1. Der Herr gründet die Gemeinde:

Die Gründung der ersten christlichen Gemeinde wird in der Pfingsterzählung (Apg 2) bildhaft dargestellt. Gott beruft auch uns heute durch das Evangelium zum Glauben. Durch die Taufe gehören wir zu Gott (= wir sind Heilige).  Aber der Geist Gottes (= Heiliger Geist) muß uns immer wieder neu zu einem Men­schen Gottes machen.

 

2. Der Herr hält die Gemeinde lebendig:

Auch heute noch zieht Gott wie ein Fischer die Menschen in seine Gemeinde. Diese ist nicht ein von Menschen gegründeter Verein, sondern die ausgewählte Streitschar Gottes,  die zu­sam­menkommt zu Lehre, Abendmahl und Gebet (Apg 2,42); diese drei Dinge sind auch heute noch die wichtigsten Kennzeichen der Kirche. Christus ist ihr Haupt, die Christen die Glieder seines Leibes. Der Leib Christi hat auch seine Schäden. Aber wenn er wieder in das Kraftfeld des Heiligen Geistes gerät, kann auch eine tote Gemeinde wieder auferweckt werden.

 

III.  Die Vollendung der Kirche:

 

1. Der Herr will nur  e i n e  Kirche. Aber:

2. Wir leben in getrennten Kirchen (Katholische Kirche, Freikirchen, Sekten).

Wir können nicht bestimmen, wer zur wahren Kirche gehört; aber Gott wird sie am Ende alle zusammenführen.

 

3. Der Herr macht uns frei von Sünde : Gott hat uns vergeben (verlorener Sohn). Nun sollen wir auch den anderen vergeben (Apg 16: Kerkermeister von Philippi und Mt 18: Schalksknecht).

 

4. Der Herr will uns auferwecken vom Tod:

Mit dem Tod ist nicht alles aus. Unser irdischer Körper zerfällt zwar. Aber unsere Person (nicht „Seele“) steht weiter in einem Verhältnis zu Gott, der uns in der Auferstehung einen neuen Leib geben will (Vergleich mit Weizenkorn, l. Kor 15). Sterben bedeutet Gericht, aber auch unbeschwertes Leben bei Gott. Zur rechten Vorbereitung gehören Gebet und Beichte (Anhang des Gesangbuchs). Gottes Geist ist auch heute noch am Werk. Aber seine Herrschaft über die Kirche soll einmal am der Tage zur Herrscehaft über die  ganze Welt werden

 

D. Was hat Gott mit der Welt vor

 

I. Gott fordert und beauftragt mich

Gott hat Anspruch auf meine Zeit und meinen Besitz, die ich für mich. und meine Mitmenschen verwenden soll. Er will mich als Mitarbeiter für Frieden, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in der Welt.

 

II. Gott hat mich geschaffen

Gott schenkt mir Leib und Leben (auch Krankheit). Er gibt mir Verstand und Fähigkeiten, um bestimmte Berufe und Tätigkeiten auszuführen, er gibt mir auch meine Umwelt (Familie, Volk). Wenn ich mich von Gott entferne, verliere ich mein Menschsein und bleibe nur das höchst entwickelte Säugetier, eines unter vielen. Aber als Mensch vor Gott kann ich in der modernen Industriegesellschaft, selbst als funktionierendes Rädchen  im Getriebe, mein Menschsein bewahren und bewähren.

 

III.  Gott bewahrt und führt mich

1. Er beschenkt mich durch die Taufe:

Die Taufe ist ein sichtbares Zeichen der Treue und Vergebung Gottes, sie sagt mir, daß ich mich auf Gottes Wort verlassen kann.

Im Taufbefehl (Mt 28, 16-20) fordert Jesus uns auf, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen. Weil er bei Gott („im Himmel“) ist und alle Macht hat, möchte er der Herr über alle Menschen sein.

Wer wie Petrus und Johannes (Apg 4, 1-22) „i m“ Namen Gottes steht, der möchte, daß auch die anderen „i n“ den Namen „hineingetaucht“ werden. Mit der Taufe kommt man in die christliche Gemeinde hinein, in der Bereich ,wo Menschen den Namen Gottes anrufen und in seinem Namen handeln.

Die Taufe ist also nicht nur eine fromme Sitte, sondern bei ihr wird unser Name zusammen mit dem Namen Gottes genannt, um anzudeuten: die beiden gehören von nun an immer zusammen. Bekräftigt wird das durch das Wasser und die Taufformel: „Ich taufe dich in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!“ Beides zusammen - Zeichen und Wort - macht die Taufe zu einem Sakrament.

Die Taufe ist wie das Wässer einer Quelle, das den müden Wanderer erfrischt, die Pflanzen und Tiere am Leben erhält und vieleicht einen Kranken heilt.

Wasser hat aber auch Reinigungskraft und manchmal eine zerstörerische Wirkung. So wäscht auch die Taufe all das Böse vom Menschen ab, das einmal an ihn kommen wird; dazu muß er aber erst sterben, ehe er ganz neu geboren werden kann (Röm 6,3-4). Die Taufe gibt uns die Gewißheit, daß wir immer zu Gott gehören. Aber sie ist nur ein Anfang, es geht weiter mit dem Abendmahl.

Nicht der Pfarrer tauft das Kind, sondern Gott selber nimmt es in die Gemeinde auf, auch wenn es zunächst nichts davon versteht. Gott garantiert, daß die Taufe wirksam ist, unabhängig vom Glauben des Kindes und den Versprechungen der Eltern. Aber der Glaube und der nötige Unterricht sollen dann nachher dazu kommen. In der Konfirmation bekennt sich dann der Getaufte nachträglich zu seiner Taufe und stimmt dem Handeln seiner Eltern

zu (manchmal werden auch Erwachsene getauft).

Mit der Taufe ist es wie bei einem Geldschein, der dem Kind bei der Taufe geschenkt wird:

Es kann noch nichts damit anfangen, aber die Eltern verwalten das Geld. Später wird das Kind es gebrauchen und sinnvoll anwenden. Und es wird sich dann herausstellen, daß dieses Stück Papier wirklich etwas wert ist. So steht auch hinter dem Taufwasser die Vollmacht Gottes, daß durch die Taufe wirklich ein Bund zwischen Gott und Mensch geschlossen ist, der sich für das ganze Leben auswirkt. Eltern und Paten wachen darüber und helfen bei der christlichen Erziehung (Gebet, Unterricht, christliche Bücher, gutes Beispiel).

 

2. Er geleitet mich durch das Wort:

Gottes Wort redet mich an in Predigt, Andacht,  Unterricht, Gespräch. Es kommt zu mir durch Bibel, Andachtsbuch, Losung, Gesangbuch, Disks, Fernsehen, Internet. Dieses Wort kann mein Leben gestalten und ausrichten (Beispiel: Bonhoeffer „Widerstand und Ergebung“).

 

3. Er erhört mich im Gebet:

In der Geschichte von der Gefangennahme des Petrus (Apg 12) wird uns gezeigt, daß auch betende Hände etwas in unsrer Welt auszurichten vermögen. Das bekannteste Gebet ist das Vaterunser. In ihm fordert Jesus seine Jünger auf, Gott als Vater anzureden. Vor ihm dürfen wir unser ganzes Leben ausbreiten,

Das Vaterunser Tat gegliedert in: Anrede, sieben Bitten, Lobpreis und Amen. Die ersten drei Bitten handeln mehr von dem, was Gott am Herzen liegt: Gottes Name wird heilig gehalten, 

wenn wir ihn in allen Nöten anrufen. Gottes Reich kommt, wenn wir ihn über unser Leben herrschen lassen. Gottes Wille geschieht an allen Menschen (selbst an Jesus in Gethsemane).

Die anderen Bitten liegen uns vielleicht mehr am Herzen, denn sie betreffen unser Leben und das unsrer Mitmenschen.

Beten kann man überall: im stillen Kämmerlein oder mitten im Verkehrslärm der Straße. Man kann reden, wie man es etwa in der Familie tut, nicht frech, aber auch nicht geschraubt.

Der Inhalt des Gebets sind: Dank, Bitte, Fürbitte, Lobpreis.

Viele Menschen beten nicht, weil sie sich selber helfen wollen, weil sie sich nicht konzentrieren können, weil manche Bitten nicht erfüllt worden sind. Doch Jesus hat uns Mut gemacht, Gott so zu bitten, wie Kinder ihren Vater bitten.

Allerdings werden nicht alle Gebete erhört, weil Gott ja nichts tut, was uns oder anderen schaden könnte. Er ist kein Automat, der prompt das Gewünschte liefert. Aber er läßt sich auch durch ein unaufhörliches Bitten einmal umstimmen. Muster für unsre Gebete sind die Psalmen des Alten Testaments, viele Gesangbuchlieder und die Gebete im Anhang des Gesangbuchs.

 

4. Er hilft mir zur Gemeinde durch die Beichte:

Die Beichte ist der Schlüssel, der unser Herz wieder für Gott öffnen kann, wenn wir eine Schuld auf uns geladen haben und ein schlechtes Gewissen haben. Man kann Gott beichten oder einem Mitmenschen. Inhalt sind Sündenbekenntnis und Lossprechung von Sünden im Namen Gottes. Es gibt auch. besondere Beichtgottesdienste („Beichtspiegel“ im Anhang des Gesangbuchs). Wenn man bei einem Pfarrer beichtet, hat man den Vorteil, daß er verschwiegen sein muß („Beichtgeheimnis“).

 

5. Er stärkt mich durch das Abendmahl:

Taufe und Abendmahl sind die beiden Sakrament der Evangelischen Kirche. Brot und Wein sind die äußerlich sichtbaren Zeichen; dazu werden die Einsetzungsworte zum Abendmahl gesprochen. Diese beziehen sich auf das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern (Gründonnerstag). Auch sonst hat Jesus oft die verachteten und armen Menschen an seinen Tisch eingeladen und sie damit wieder in die Gemeinschaft mit Gott gerufen.

Auch uns heute wird im Abendmahl die Verbindung mit Gott geschenkt,  obwohl wir Sünder sind. Gott lädt uns ein an seinen Tisch (auch der Pfarrer ist nur Gast bei Gott) und versöhnt sich dabei mit uns. Weil er uns verziehen hat, sollen wir uns auch mit denen vertragen, die zum Abendmahl kommen.

 

6. Er segnet mich durch die Konfirmation: Er bestätigt mich in seinem Dienst:

In der Konfirmation erkläre ich mich bereit, unter Gottes Segen und in seinem Dienst zu bleiben. Ich weiß mich in Gottes Hand und bin berufen, seinen Willen mit meinem Wort und Handeln zu verwirklichen.

Aus dem Konfirmationsgottesdienst:

„Liebe Konfirmanden.....Wißt ihr, daß ihr durch. das Evangelium berufen seid, Christus nachzufolgen und mit der Kirche zu leben?“ -  „Niemand kann aus eigener Kraft Gottes Forderung erfüllen. Ein Christ bedarf sein Leben lang der Gnade Gottes und der Fürbitte der Gemeinde Deshalb frage ich euch: Wollt ihr konfirmiert werden? so antwortet: Ja, betet für uns!” -

„Herr Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, der du allein alles Gute in uns anfängst und vollendest, wir bitten dich für diese Konfirmanden, die du uns anvertraut hast, gib ihnen deine Gnade, Schutz und Schirm vor allem Argen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, daß sie bewahrt werden zum ewigen Leben!“

 

 

 

 

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