LEBENSSINN

 

Inhalt: Sinnfrage, Glück, Lebensstil, Fasten, Geld, Selbstmord, Freiheit

 

 

Sinn des Lebens

Leserbriefe:

„In letzter Zeit habe ich viel über den Sinn meines Lebens nachgedacht. Ich hielt mir vor Augen: zu einer bestimmten Zeit, unter bestimmten Umständen wurde ich durch meine Geburt an einen bestimmten Ort gestellt. Ist es verwunderlich, daß sich für mich jetzt die Frage nach dem „Warum“ meines Lebens erhebt? Ich bin alles andere als ein Pessimist. Aber ich habe eben die Eigenschaften, immer und bei jeder Sache zu fragen. Dabei befriedigen mich aber keineswegs irgendwelche allgemein gehaltene Antworten. So auch in dieser Frage nach dem Sinn meines Lebens. Ich habe keine Lösung gefunden. Mit vielen Menschen habe (ich gesprochen. Die Antwort: Arbeit ist der Sinn des Lebens usw. Sehr schön! Aber das nützt mir gar nichts, denn ich frage stur weiter: wozu diese Arbeit …. Kurz und gut, ich bin bisher nicht klargekommen. So wende ich mich nun an dich. Vielleicht kannst du mir weiterhelfen?“

(Dieter Baer, Bad Sulza).

 

• Das Glück: Der Sinn des Lebens liegt in dem Streben der Menschheit nach wahrem Glück. Ein Heim, eine Familie besitzen möchte jeder, vor allem aber, daß die Familie glücklich ist, daß alle Mitglieder der Familie frei von Sorgen. von Ausbeutung und Unterdrückung leben können. Das alles scheint etwas nichtig. Aber dafür kämpften und starben viele Menschen. Wenn es uns gelingt, diesen Kampf auf der ganzen Erde siegreich zu beenden, dann hat unser Leben und auch der Tod aller für das Glück der Menschheit kämpfenden Menschen seinen wirklichen Sinn gehabt (R. Metzler, Leipzig).

• Der Erfolg: Es gibt Menschen, die meinen, der einzige Genuß des Lebens sei das Vergnügen. Dem Vergnügen alle Ehre. Aber diese Weisheit ist ein gewaltiger Irrtum und spricht gegen das Leben selbst. Jeder, der schon einmal die Stunde des Erfolges nach mühevoller Arbeit gekostet hat, weiß, daß das eines der schönsten Gefühle des Menschen ist. Was meint ihr, wer glücklicher ist? Der Sieger eines innerbetrieblichen Wettbewerbs, der Sieger eines sportlichen Wettkampfes, der Sieger über sich selbst, über seine eigenen Mängel und Schwächen oder derjenige, der tatenlos von einem Vergnügen ins andere segelt? Sieger mußt du sein über alle deine Tage und Dinge, dann bist du glücklich und frei! (Richard Knoblich, Sondershausen).

• Die Arbeit: Der Sinn des Lebens eines Bürgers irgendeines sozialistischen Staates unterscheidet sich doch grundlegend von dem Sinn eines Menschen in einem kapitalistischen Staat. Im Sozialismus leben die Menschen, um zu arbeiten, während im Kapitalismus die Menschen arbeiten, um zu leben. Man könnte sagen, das ist das gleiche. Aber das ist nicht so. Der Inhalt des Lebens eines Arbeiters im Kapitalismus besteht darin, sich selbst zu erhalten, seine Arbeitskraft an den Kapitalisten zu verkaufen. Oft ist für die Menschen im Kapitalismus die Arbeit eine Last, ein Fluch. Im Sozialismus hat die Arbeit einen anderen Sinn bekommen. Dort ist die Arbeit für den Menschen zum Bedürfnis geworden und verliert den Charakter des notwendigen Übels (Gustav Adolf Götze, Beeskow).

• Dienen: Sinn des Lebens ist es, einem unvergänglichen Werk zu dienen. In diesem Werk sehe ich die große gesellschaftliche Aufgabe. Wenn jeder an dieser Aufgabe mithilft, dann erfüllt er meiner Meinung nach den Sinn seines Lebens. Ich betrachte es als Sinn meines Lebens, einen Teil derer zu bilden, die diesen friedlichen Aufbau sichern (Friedhelm Rückert, Stralsund).

• Ich glaube, daß jeder nach seiner Veranlagung einen bestimmten Sinn des Lebens sehen wird. Wozu lebe ich? Das ist die Frage, die sich jeder stellen muß. Der Sinn meines Lebens ist das Leben selbst. Für den Menschen besteht die besondere Lebensaufgabe im bewußten Schaffen, Aller Menschen höchstes Ziel ist immer die Persönlichkeit! (Harald Remke, Marienberg).

• Durch meine Geburt wurde mir das Leben geschenkt, und dieses Leben gilt es nun auszufüllen. Nicht etwa so, daß ich mir sage, ich will gut leben und wenig arbeiten wie die Freundin Charlotte, sondern als junge glückliche Mutter habe ich mir als Leitsatz über mein Leben gestellt, daß ich es so gestalte, daß mein Sohn einmal ein brauchbares Mitglied unserer Gesellschaft wird (Edith Friedrich, Gera)

• Meines Erachtens ist der Sinn oder die Aufgabe des Lebens Kampf ums Dasein, der der Erhaltung bzw. Vermehrung von Mensch, Tier und Pflanze dient. Ohne Arbeit gibt es

kein Leben: der Mensch ist gezwungen zu arbeiten, um sein Leben fristen zu können (es sei denn, er läßt sich von anderen unterhalten) (Lothar Richter, Freiberg).

• Weder die Arbeit, noch den Sport oder die Liebe kann man als „Sinn des Lebens“ bezeichnen. Man darf auf keinen Fall eins dieser Dinge herauslösen aus dem Ganzen des Lebens, denn alle gemeinsam machen ja das Leben und letzten Endes machen sie gemeinsam den Sinn des Lebens aus. Wenn man aber unbedingt einen Überbegriff finden will, so möchte ich sagen, der Sinn des Lebens ist „Werte schaffen“, Werte für die sich entwickelnde Gesellschaft, und zwar immer fortschreitend, höhere Werte. Die Begriffe Arbeit, Sport und Liebe sind in diesem Prozeß des „Werteschaffens“ nur kleinere Stationen (Roland Reißmüller, Frankfurt/Oder).

• Ich für meinen Teil sehe den Sinn des Lebens darin, dafür zu kämpfen, daß alle Menschen der Erde einmal ein menschenwürdiges Dasein führen können, daß man von ihnen sagen kann, sie sind Menschen und keine Sklaven, und dafür zu kämpfen, daß es nie wieder Krieg gibt. Man muß seinem Leben ein Ziel setzen, dann hat es auch Sinn und Zweck (Ursula Schönefeld, Heiligenstadt).

 

Wozu bin ich auf der Welt?   Darauf wird geantwortet:

1. Ich bin für mein Volk da! Aber wozu ist das Volk da?

2. Ich setzte eine Ahnenreihe fort! Wußte der erste, wozu er da war?

3. Ich will meine Pflicht tun! War es Pflicht, Juden zu erschießen?

4. Ich will Menschenleben erhalten? Aber die sollen wissen, wozu sie da sind.

5. Ich bin für meine Kinder da! Aber die fragen gerade nach dem Sinn.

6. Ich bin zum Arbeiten da! Arbeiten ist gut für ein Pferd

 

Leben und Tod:

Wenn man Bilder aussuchen läßt, die Sinn oder Unsinn des Lebens zeigen, erscheint der Tod wohl meist auf der Seite des Unsinns. Meist wird nicht eingesehen, daß die Frage nach dem Sinn des Lebens etwas mit dem Tod zu tun haben soll. Der Tod kann aber sehr schnell in unser Leben treten. Das wird deutlich, wenn ein Gleichaltriger durch eine Krankheit oder einen Verkehrsunfall stirbt. Darr kann mancher junge Mensch zwar unter Umständen sagen: „Den hat es aber erwischt!“ Aber das verrät nur eine Unsicherheit den Fragen des Lebens und des Sterbens gegenüber.

Manche sagen auch: „Mein Leben hat überhaupt keinen Sinn!“ Man hält den Menschen nur für ein Zufallsergebnis. Deshalb braucht er sich nur einen guten Job zu suchen und dann kann er umso besser das Leben gerießen. Aber in Wirklichkeit ist ein solcher Mensch nur leer und unruhig.

Auch allgemeine Antworten rufen neue Fragen hervor, etwa: „Der Sinn des Lebens ist Glück­lichsein!“ Was ist aber, wenn dieses Glück auf Kosten anderer errungen wurde? Was ist, wenn die Zufriedenheit zum Stehenbleiben führt?

 

Interessant sind auch die Inschriften auf Grabsteinen und in Anzeigen (heute selten):

1. Ruhe haben, nach arbeitsreichem Leben, nach Krankheit, nach Leid

2. Nicht vergessen („Geliebt, beweint und unvergessen“)(„Dem Auge fern, dem Herzen nah“)

3. Bedeutung für Familie (Mutter, Vater, Kind)

4. Tod bringt Getrenntes wieder zusammen („Der Tod kommt und vereint“).

 

Manche Inschriften verbinden den persönlichen Schmerz mit dem Hinweis auf Gott als den Schöpfer des Lebens und der Herrn des Todes:

Für uns zu früh, doch Gottes Wille (48 jähriger Landwirt)

Der Glaube tröstet, wo die Liebe weint!

Die Liebe höret nimmer auf! (Bibelsprüche)

Sei getreu bis in der Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben!

Jeder Mensch möchte ein wesentlicher Mensch sein, unverwechselbar und unersetzbar. Zwei Liebende sind erst glücklich, wenn einer dem anderer sagt daß er für ihn unersetzlich ist.

Aber wir erleben alle Tage, wie leicht wir am Arbeitsplatz ersetzbar sind. Das Schichtsystem baut ja darauf auf, daß wir ersetzbar sind. So findet man nur schwer zum Sinn seines Lebens.

 

Allerdings ist auch der andere auf uns angewiesen, um selbst etwas zu sein. Wenn der Tischler kein Holz bekommt, kann er keinen Tisch bauen .Daß wir auf andere angewiesen sind ist also keine negative, sondern eine positive Erkenntnis. Der andere schiebt mich ja nicht zur Seite, sondern er vertritt nur meine Sache in der Firma. Die Kindergärtnerin will nicht die Mutter ersetzen; aber sie hilft der Mutter, selber einen Sinn im Leben zu finden. Der Mensch kann durch andere ersetzt werden bzw. vertreten werden, ohne etwas von seiner Einmaligkeit einzubüßen.

Ich bin auf andere angewiesen, die mich vertreten. Aber auch andere sind auf mich angewiesen. Deshalb sollte ich bereit sein, auch einen anderer zu vertreten. Dabei geht es nicht darum, ihn zu ersetzen, d.h. auf die Seite zu schieben.

 

Antwort der Bibel:

Dennoch muß ich immer damit rechnen, daß ich Fehler mache, die den Sinn meines Lebens in Frage stellen. Da dürfen wir wissen: Christus tritt für uns ein, wo wir versagen. Er ersetzt uns nicht, vor allem ersetzt er nicht unser Lieben. Er nimmt aber unser Leiden und Strafe auf sich, damit wir zu uns selbst finden können. Wir müssen uns zwar weiter als Schuldige sehen, aber kommen doch zum Frieden mit Gott. Weil er uns annimmt, können wir uns auch selbst annehmen und von dieser Grundhaltung her leben.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens kann überhaupt kein Mensch beantworten: Nur der Schöpfer dieses Lebens kann sie beantworten. Er sagt uns in der Bibel: „Wir sind auf der Welt, um Gottes Kinder zu sein. Und Kinder sind dazu da, um Gott zu loben und zu preisen!“ Ein Lehrling hat es einmal folgendermaßen ausgedrückt: „Wenn mit dem Tode alles aus ist, hat das Leben des Menschen keiner Sinn!“ Es ist nur dann sinnvoll, wenn der Mensch nach dem Tode weiterleben kann. Diese Gewißheit zu erlangen ist die größte Aufgabe eines Menschen. Er kann diese Gewißheit nur in Jesus Christus erlangen. Kurz gesagt: Der Sinn des Lebens ist, den Weg zu Gott zu finden!“

Besonders schwer ist es für Körperbehinderte. Sie müssen anders leben als die meisten Men­schen, weniger in die Breite, dafür mehr in die Tiefe. Sie müssen auf vieles verzichten, sind aber auch frei von manchen Dingen, mit denen sich andere herumschlagen müssen. Weil sie

Zeit und Stille haben, können sie sich - oft stellvertretend für andere - mit Gottes Wort befassen, das Beten üben, sich beschenken lassen. Da sie nicht auf sich selbst bauen können, bleibt ihnen nur die Möglichkeit, sich an Gott festzuhalten.

Sie haben noch Aufgaben: Nachhilfestunden, anderen Rat geben, Zeit für sie haben, Basteleien usw. Dadurch wird der Kranke von seiner Krankheit abgelenkt. Er hat das Gefühl, daß er noch gebraucht wird. Er soll nicht meinen, er sei eire Last für der Gesunden. Dazu gehört aber auch, daß andere ihn gern besuchen. Einem Besucher selber wird aber dadurch deutlich werden, was er an seiner Gesundheit hat.

 

„Der Hauptmann von Köpenick

In dem Schauspiel fragt der Dichter Carl Zuckmayer Nach der letzten Verantwortung eines Lebens. „Und denn, denn stehste vor Gott dem Vater, vor dem stehste denn. Und der fragt dir ins Jesichte: Willem Voigt, wat haste jemacht mit dein' Leben? Und da muß ik sagen - Fußmatte, muß ik sagen. Die hab ik geflochten im Jefängnis, und denn sind se alle druff rumjetrampelt, muß ik sagen. Und zum Schluß haste jeröchelt und jewürcht um det bißken Luft, und denn war‘s aus. Det sagste vor Gott, Mensch. Aber der sagt zu dir: Jeh wech! sagt er! Ausweisung! sagt er! Dafür hat ik dir das Leben nich jeschenkt, sagt er! Det biste mir schuldig! Wo is et? Wat haste mit jemacht?“

Hier spiegelt sich das Gottesverständnis eines Menschen wider, der in der spätbürgerlichen Gesellschaft keinen Platz hatte. Als Vorbestrafter mußte er, um Arbeit zu bekommen, einen Ausweis nachweisen und um den zu erhalten - eine Arbeit nachweisen! Sein Schwager, bei dem er nach der Entlassung aus dem Gefängnis zeitweilig unterkam, konnte als obrigkeitshöriger Mensch nicht glauben, daß „eine Obrigkeit“ so etwas tut und weist ihm schließlich die Tür. Als Wilhelm Voigt legal keinen Paß bekam, beschloß er, ihn illegal zu bekommen. Er kauft sich eine Hauptmannsuniform beim Trödler und mit den Soldaten, die sich ihm (sofort) anschließen, zieht er ins Rathaus Köpenick, um den Paß dort zu bekommen. Als er dorthin kommt, ist seine erste Frage nach der Paßabteilung. Als er erfährt, daß sie nicht im Rathaus Köpenick untergebracht ist, weiß er, daß sein Unternehmen gescheitert ist. Er wird noch einmal verurteilt, aber später begnadigt.

 

Mein Ja zu dieser Zeit

Wir klagen immer wieder einmal über unsre Zeit. Zweifellos gibt es in ihr vieles, was uns unruhig und traurig machen könnte. Viele sind doch unzufrieden mit ihren Möglichkeiten. Sie wollen jede Chance ergreifen, um ihre Situation in irgendeiner Weise zu verbessern. Dabei aber sind sie ängstlich bemüht, nur ja nichts zu verpassen.

Jeder wechselt heute schneller als früher die Stellung. Wenn es sein muß und Erfolg verspricht, wechselt man auch der Beruf. Viel Unsicherheit und Unruhe stecken dahinter. Aber viele sind auch bewußt oder unbewußt auf der Suche nach dem, wofür einzusetzen sich wirklich lohnt.

Aber wenn wir uns wirklich auf Herz und Nieren prüfen, ob wir wirklich in einer anderen Zeit leben wollten, dann würde doch wohl die Antwort fast immer „Nein“ lauten. Wir möchten doch nicht in einer früheren Zeit leben, wo alles primitiver war. Und ob es in der Zukunft besser sein wird, wissen wir auch nicht so recht.

Für jeden wird es etwas anderes sein, was ihm an dieser unserer Zeit gefällt: die technischen Möglichkeiten, die beruflichen Chancen, die persönliche Freiheit, die kirchliche Erneuerung, die Bildungsmöglichkeiten. Unsere Zeit ist reich an Möglichkeiten und Gefahren, an Problemen und Gaben. Gott läßt uns in dieser Zeit einen weiten Raum für Freude, Bewährung und Dienst. So ist es doch schön, in dieser Zeit zu leben. Und so soll es ja auch sein.

 

Positive Elemente unserer Zeit:

1. Fortschritte der Medizin (Antwort 9)

2. Gleiches Recht für Frauen (Antwort 6 und 7)

3. Bessere Beziehungen zwischen Arbeitskollegen (Artwort 3 und 11)

 

In der Regel gibt es keine Ausweichmöglichkeiten, aus einer unbequemen oder gefährlichen Situation einfach auf diese oder jene Weise davonzulaufen. Man ist vielmehr gefragt, ob man eine Situation durchstehen kann, allein oder mit anderen Menschen; wir sind unausweichlicher aufeinander angewiesen. - Vielleicht hilft uns auch, was eine alte Dame in einer menschlich sehr verfahrenen Situation sagte: „Ich bin gespannt, wie Gott diesmal mit der Sache fertig werden wird!“

 

Einzelne Stimmen:

1. Weil ich es interessant finde, eine Zeit der Umbrüche und der großen Auseinandersetzungen zu erleben, und zwar nicht vom sicheren Hafen aus, sondern mitten drin. Und weil die Botschaft, die Gott für uns hat, auf diesem Hintergrund so aktuell ist. Darum ist auch eine Freizeit, eine Laienspielrüste oder eine Wochenendtagung in der Jungen Gemeinde fast immer ein abenteuerliches Unternehmen: Können wir das, was wir zu sagen haben, nichtig sogen; wird das, was wir zusammen tun, zu einer wirklichen Lebenshilfe? Und auf die Welt gesehen: Ich finde es gut, daß wir durch unsere Umwelt gezwungen werden, uns zu besinnen, was die Gemeinde wirklich ist und welche Aufgaben sie in und an der Welt hat (Jugendleiterin).

2. Als ich mich entschloß, Pastor zu werden, habe ich nicht geahnt, was eine kämpfende Kirche ist. Ich kannte zwar einigermaßen die Geschichte der Reformation, aber das war Buchwissen. Nun habe ich selbst erleben dürfen,

1. daß es in der Kirche nicht langweilig zugeht, sobald sie es auf Christus hin wagt, der Irrlehre zu trotzen unter Einsatz von Amt und Ehre und Freiheit (1. Kirchenkampf),

2. daß der Herr der Kirche junge Menschen durch ihr Bekenntnis und Leiden befähigt, einer dem Materialismus ausgelieferten Welt mit dem Evangelium zu dienen (2. Kirchenkampf).

In den letzten 25 Jahren mußte man im Osten in der Kirche Abenteuer bestehen. Dafür bin ich dankbar (Erich Andler).

3. Ich lebe gern in dieser Zeit, weil ich glaube, daß durch den politischen und sozialen Umbruch, in dem wir uns befinden, gerade einer unternehmerischen Persönlichkeit nicht nur in der Wirtschaft besondere Gelegenheit gegeben ist, wieder unternehmerisch im weitesten Sinne des Wortes tätig zu werden. Die verlorenen menschlichen Bindungen und der damit zusammenhängende Kulturverfall bieten die reizvollsten Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen und über die Beziehung von Mensch zu Mensch zu versuchen, zu einer besseren und auf ethisch-sittlicher Grundlage ruhenden Gesellschaftsordnung zu gelangen. Die aus der turbulenten Zeit resultierenden Schwierigkeiten gerade sind es, die eine unternehmerische Persönlichkeit zur höchsten Leistung anzuspornen imstande sind (Unternehmer).

4. Der Gedanke, lieber in einer anderen Zeit gelebt haben zu wollen, ist mir noch nie gekommen. Gott will, daß ich heute lebe, Christus ist auch heute da. Worum dann das Schielen auf andere Zeiten? Der Mensch unserer Tage hat keine anerkannten Wertmaßstäbe mehr. Das Schöne und Große unseres Auftrags ist es, daß wir sie uns unter der Anleitung Jesu neu suchen dürfen (Dr. Manfred Müller).

5. Unsere Zeit kennt fast keine weißen Flecke mehr auf der Landkarte. Die Welt ist nahezu erschlossen. Wenn man tagaus, tagein Fahrkarten, Schiffspassagen, Flugkarten vermittelt, wird einem der Horizont weit und die Welt erscheint plötzlich recht schmal und klein. Ich fühle mich sehr zu Hause in dieser Welt, die sich so aufgeblättert hat wie eine Rose. Ich freue mich darüber, daß es heute möglich ist, Reisen in fast alle Länder zu machen. Nur manchmal habe ich ein wenig Heimweh danach, daß es uns so schwer fallt, uns noch über kleine Dinge zu freuen: über das Flattern eines Schmetterlings, über einen erblühten Löwenzahn an der Baustelle, über einen Papierdrachen, der am Himmel seinen Kreis zieht. Und dann frage ich mich: Sind wir in dieser Zeit mit all unserer Erkenntnis reicher geworden? Und ganz unversehens packt mich ein Heimweh, noch einer Zeit, wie sie vielleicht in Wirklichkeit nie war: der Ruhe, des Geborgenseins (Sekretärin in einem Reisebüro).

6. Zunächst einmal bleibt mir gar nichts anderes übrig: Ich bin in diese Zeit hineingeboren. Aber dann muß ich sagen: Ich wünschte mir nichts anderes, als jetzt zu leben. Noch nie standen der Frau so viele Berufsmöglichkeiten offen. Noch vor 40 Jahren wäre es völlig undenkbar gewesen, daß ich in einem Riesen-Werk, das fast ausschließlich Männer beschäftigt, als Werkssekretärin arbeiten könnte. Ich glaube, daß es wichtig ist, daß Frauen in solchen Männerbetrieben an den „Knotenpunkten“ sitzen, und darum bin ich froh, jetzt auf der Welt zu sein (Sekretärin in einer Maschinenfabrik).

7. Die Frauenrechtlerinnen vergangener Jahrzehnte würden bestimmt vor Neid erblassen, wenn sie uns heute sehen würden. Dürfen wir doch das ernten, was sie so heiß erkämpft haben. Ich bin ihnen dafür von Herzen dankbar: daß wir die Möglichkeiten haben, zu studieren, ,,unseren Mann zu stehen“ in allen Berufen, daß es fast keine Situation mehr gibt, in denen eine Frau „unmöglich“ ist. Und daß wir trotz allem weiter Frauen sein dürfen, Mütter werden könne (Sekretärin).

8. Komische Frage! Als ob ich etwas ändern könnte an der Tatsache, daß ich jetzt lebe. Warum sollte ich übrigens nicht in dieser Zeit leben wollen, als Bauer leben wollen? Solange die Erde steht soll nicht aufhören . . . So ist mir gesagt. Trotz schlechter Ernten, trotz Motorisierung, trotz Mechanisierung, trotz Bomben und Kanonen, trotz Agrarunion, trotz allem, was wir heute erleben, soll nicht aufhören! Was denn? Die Gnade Gottes an den Menschen! Sonst noch was? Ja, meine Freude am Leben. Hier Niedergang und Zerbruch, dort Wachsen, Blühen, Neuanfang. Heute leben wollen, weil Gott es will! (Jungbauer).

9. Allein der technische Fortschritt macht mir unsere Zeit sympathisch. Wer Pessimist ist, denkt an Atombomben und Unfalltod. Ich selbst arbeite in der pharmazeutischen Industrie und denke an Medikamente. Außerdem glaube ich, daß jeder Mensch überhaupt nur in seiner Zeit leben und sich weiter entwickeln kann. Selbst die unsichere politische Lage schreckt mich nicht, in früheren Zeiten hat es auch Kriege und obendrein Seuchen und Hungersnöte gegeben (Arbeiter, 19 Jahre).

10. Das ist eine ausgesprochene Suggestivfrage! Ich finde, daß die großen Zeiten nicht die schönsten sind. Mir wäre ein weniger großes und aufregendes Jahrhundert viel lieber. Im Laufe der Jahrhunderte wurden zwar auf allen Gebieten Fortschritte gemacht, aber das Leben ist dadurch nicht besser geworden. Ich würde lieber in einer ruhigeren Zeit mit weniger Komfort und einer größeren inneren Ruhe leben (Angestellter, 22 Jahre).

11. Im Augenblick leben wir in einer Zeit politischer Spannungen; der Friede ist bedroht und man fürchtet einen dritten Weltkrieg. Abgesehen davon bin ich doch froh, daß ich in einer Zeit der Technik und der Erfindungen leben kann.

1. Meine Arbeit: Ich bediene am Fließband eine Spezialmaschine. Vor einiger Zeit wurde sie durch eine moderne Maschine ersetzt. Ich selbst durfte zwischen zwei Typen wählen, und ich habe mein Wohl nach technischen Gesichtspunkten und aus Gründen der Bequemlichkeit getroffen. Durch die Anschaffung dieser Maschine habe ich einen viel geringeren Kräfteverschleiß, die Handhabung ist bedeutend leichter. Hier zeigt sich schon eine gewisse Mitbestimmung im Betrieb, die sich jedoch nur auf die Auswahl der Maschine bezog. Heute ist es ober doch so, daß wir auch in der Gesamtheit des Betriebes mitbestimmen dürfen. Wo diese Mitbestimmung in wirklicher Verantwortung geschieht, muß sie sich zugunsten einer echten Betriebsgemeinschaft auswirken und zu einem Miteinander von Arbeitgeber und Arbeitnehmer führen. Ich versuche, an dieser Aufgabe nach besten Kräften mitzuarbeiten.

2. Mein Privatleben: Als Arbeiterin bin ich heute kein Mensch zweiten Ranges mehr. Mein Verdienst erlaubt es mir, kulturelle Veranstaltungen zu besuchen, die Erleichterungen technischer Erfindungen wahrzunehmen und mir auch als Arbeiterin ein nettes Zimmer zu leisten. Darüber hinaus sind mir vor allem die Menschen meiner Umgebung sehr wichtig. Ich brauche auch diese Menschen, um einen Sinn für meine im Betrieb sonst eintönige Arbeit zu finden. Ich brauche Menschen, die mir mit Rat und Tot zur Seite stehen, damit sich mein Leben entfalten kann. Ich brauche Menschen zu meiner persönlichen Freude, zu einem Miteinander und zur Bereicherung des Lebens (Sozialsekretärin).

12. Ich möchte nicht in einer anderen Zeit leben,

1. weil in dieser Zeit das Christseinmüssen (und -dürfen) sozusagen aus der Zeitung gelesen werden kann (so durchsichtig ist die Gebrechlichkeit der Welt und die Herrlichkeit Gottes heute - im Gegensatz zur Sicht unserer Großeltern etwa, da alles so wunderbar gesichert schien);

2. weil in dieser Zeit eine neue Kunst wächst deren Mut, Ernst, Ehrlichkeit und Formkraft bestürzt (im Gegensatz zu Idylle, Pathos und ironischer Weltverneinung);

3. weil in dieser Zeit eine anständige, ungehemmte und, wo sie nicht absichtlich fanatisiert wird, vorurteilsfreie Jugend heranwächst (im Gegensatz zu den vorangegangenen Generationen, die kniffliger, versteckter, autoritätsgläubiger waren);

4. weil in dieser Zeit - und das ist ein ausgefallener und sehr persönlicher Grund - die alten Choräle wieder gehört und gesungen werden können und sicherlich neue, ebenbürtige entstehen (Rudolf Otto Wiemer).

 

 

 

Glück

Hinführung:

Jeder von uns hat wohl schon einmal „Glück gehabt“; er ist einem Unfall entgangen, er hat etwas Wertvolles gefunden, ein Fehler hat sich gerade noch ausbügeln lassen.

Sagen wir dann: „Das war bloßer Zufall?“ Ist das auf die Einwirkung außerirdischer Gestirnmächte zurückzuführen? Oder hat das für uns etwas mit Gott zu tun?

Mancher hat zwar in einer Notlage gebetet. Aber hinterher hat er dann doch gesagt: „Ich habe halt Glück gehabt!“ Die meisten meinen: „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!“ Man hat das Gefühl, daß Gott schon etwas mit dem Glück zu tun hat; aber der Mensch muß auch etwas dazu tun  meint man.

 

Befragung:

Eine repräsentative Befragung in den drei Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz ergab folgendes Ergebnis auf die Frage nach dem Verursacher des Glücks:

 

 

D

A

CH

Gottes Wille

24,6

32,0

47,1

Außerirdische Mächte

13,4

11,3

8,1

Bloßer Zufall

60,0

56,1

44,8

 

Die Schweizer sagten also mit Mehrheit, ein glücklicher Zufall habe etwas mit dem Eingreifen Gottes zu tun. Manches mag zunächst wie ein Zufall ausgesehen haben. Aber ein glaubender Mensch wird darin ein Handeln Gottes erkennen. Gott kann doch auch im sogenannten „Zufall“ handeln.

Natürlich ist es ein Unterschied, ob man im Lotto  gewinnt oder einen Flugzeugabsturz überlebt: Das erste wird wohl nur Glück sein, das andere dagegen kann nur die Hilfe Gottes gewesen sein.

 

Sprichwörter:

Dem Glücklichen schlägt keine Stunde        

Glück und Glas, wie leicht bricht das.          

Glücklich ist wer vergißt, was doch nicht zu ändern ist.

Jeder ist seines Glückes Schmied     

Das Rad des Glücks, es dreht sich schnell!

Glück im Unglück

Scherben bringen Glück.

 

Definition.

„Glücklichsein“ meint in der Regel: Ich bin in einer Gemütsverfassung, in der ich mich durch und durch wohl fühle. Wenn es mir gut geht und ich zufrieden bin, dann bin ich glücklich. Oft erfährt man diesen Zustand aber nur für eine gewisse Zeit. Wenn das fehlt,  was man für das Glück als notwendig erachtet, dann ist man unglücklich. Wenn man keine Zeit und kein Geld hat, die Wohnung zu eng ist und die Arbeit unpassend, wenn Krankheiten und Unfälle

Menschliche Glückserfahrungen und Glückserwartungen haben eine große Spannweite. Menschen scheinen Glück auch verschieden zu  erleben: Der eine kann über eine winzige Kleinigkeit glücklich sein, ein anderer steckt im Überfluß und ist doch gelangweilt und unglücklich. Ein  Rollstuhlfahrer empfindet Glück im Leben, aber ein Hochleistungssportler ist unglücklich, weil er nicht den ersten Platz belegte. Materielle Güter machen nicht aus sich selbst heraus glücklich, aber ihr nichtiger Gebrauch kann Glück ermöglichen.

 

Was ist eigentlich Glück?

1. Lebensfreude: Bei einem glücklichen Menschen ist das Gefühl nicht abgestorben und die Erlebnisfähigkeit nicht verlorengegangen. Vor allem findet man sie in Freundschaft und Liebe, wo man sich nicht zu mißtrauen und zu verstellen braucht und sich geborgen fühlt. Ein solcher Mensch findet auch eine  Brücke  zwischen seinen Idealen und der Wirklichkeit und weiß sieh auch in schweren Stunden von einer höheren Ordnung getragen.

2. Instinktsicherheit: Ein glücklicher Mensch löst die Probleme  in natürlicher Richtigkeit, schön der Reihe nach und ohne Überhastung. Er muß auch einmal Unwissenheit zugeben, aber verliert nie die Nerven. Auf wenigstens einem Gebiet kann er etwas gut und vollendet und beeindruckt die Mitmenschen.

3. Elastizität: Ein glücklicher Mensch rappelt sich nach Niederlagen wieder auf und mobilisiert seelische Reserven. Er riskiert immer wieder neue Gefahren und versucht neue Möglichkeiten, anstatt auf Sicherheit zu gehen. Und in dem Maße, wie er Fehlschläge überwindet, wächst sein Selbstvertrauen.

4. Optimismus: Der glückliche Mensch hat keine Angst vor dem morgen und sieht seine persönlichen Nöte mit dem richtigen Abstand. Unsere Sorgen gelten sowieso zu 40 Prozent Gefahren, die niemals eintreten, zu 30 Prozent Dingen, die überstanden sind und sowieso nicht mehr geändert werden können. Rund 12 Prozent betreffen unnötige Sorgen über die Gesundheit, 10 Prozent betreffen allerhand geringfügige Beschwerden und nur 8 Prozent sind wirklich berechtigte Sorgen.

5. Äußerlichkeiten: Darunter rechnet man vor allem Geld und Reichtum. Durch ihn soll man leichter und schneller zum Glück kommen und Hindernisse wegräumen, die das Glück bisher unmöglich machten.

 

Was zum Glück gehört:

  • Viel Wissen und Befriedigung im Beruf, Reisen und Abendteuer, vor allem aber Gesundheit, schließlich auch Häuslichkeit und Gemütlichkeit.
  • Hingabe, Liebe und Geborgenheit. Manchmal ist es beglückender zu schenken als beschenkt zu werden. Der Geber ist glücklicher als der Nehmer. Wer glücklich sein möchte, sollte glücklich machen. Wirkliches Glück ist da, wo Menschen füreinander da sind. Im Glück des anderen wird die Liebe konkret.
  • Geborgenheit. Diese empfinden wir zum Beispiel:
  • Der Strom fiel aus, man saß bei Kerzenschein in der Küche
  • An Weihnachten waren einmal alle beisammen, sangen und erzählten
  • Ein warmes Bad und dann ins frisch bezogene Bett
  • Bei einem Unwetter wird eine Hütte erreicht.
  • Man redet miteinander nach langer Zeit.
  • Der Freund (oder die Freundin) legt den Arm um mich.

 

Das Glück macht regelmäßig Pause.

Der Philosoph Wilhelm Schmid vertritt die Meinung, daß das Streben nach Glück im Leben nicht das Wichtigste ist. In der Philosophiegeschichte kann man beobachten: Die Frage nach „Glück“ beschäftigt die Menschen nur alle Hundert Jahre mal. Bei der Suche danach werden sie verrückt und dann legt sich das wieder und alle führen ein normales Leben. Das war zum Beispiel im Zeitraum 1750 bis 1800 so. Damals hatten viele Menschen den Eindruck, ohne Glück lohne sich das Leben überhaupt nicht. Das gab sich dann wieder.

Auch heute und hier könnte man sagen: Guckt wie das in Afrika, in Bangladesch ist. Glaubt ihr, daß diese Leute Zeit haben, sich jeden Tag nach dem Glück zu fragen? Sollten wir uns nicht vielmehr darum kümmern als unsere Zeit damit zu verbringen, dem Glück hinterher­zuhechten, und es genau dadurch zu verfehlen?

Wichtiger als Glück ist Sinn. Das klingt zunächst abstrakt, ist jedoch greifbar nahe: Sinn ist dort, wo Zusammenhänge entstehen oder hergestellt werden. Und dies geschieht durch sinnliche Erfahrungen: durch Sehen, Hören, Schmecken, Berühren. So einfach ist das.  In der Philosophie zeigt sich: Die Wahrheit ist immer ganz einfach. Und so ist es mit dem Sinn eben auch. Dadurch, daß wir sehen, hören, riechen, schmecken, tasten, bekommen wir Zusammenhang mit der Welt. Und je stärker wir diesen sinnlichen Zusammenhang mit der Welt haben, desto stärker haben wir das Empfinden von Sinn. Das ist allerdings nur der Anfang.

Es gibt noch anspruchsvollere Ebenen von Sinn, wenn gefühlte Zusammenhänge entstehen zwischen Menschen, zum Beispiel in der Freundschaft, noch mehr in der Liebe. Wenn Menschen sich sehr lieben, stellen sie die Frage nach dem Sinn des Lebens nicht mehr. Das ist sehr typisch für diese Menschen. Sie sind im Besitz des Sinns des Lebens, und müssen deswegen gar nicht mehr danach fragen. Demnach haben religiöse Menschen gute Chancen, Sinn zu fühlen, wenn sie nach Gott fragen und damit einen größeren, über sie selbst hinausführenden Zusammenhang suchen.

Es gibt auch geistige Zusammenhänge. Es gibt die Möglichkeit sich einen Zusammenhang zwischen endlicher Welt und unendlicher Welt vorzustellen. Aber im Leben ist alles nach Gegensätzen organisiert. Aus dieser Tatsache ist zu erschließen,  daß es zum Endlichen auch noch den Gegenpol des Unendlichen gibt. Die Theologen sagen: Diese Dimension heißt „Gott“.  In unserer abendländischen christlichen Geschichte wird Gott gern als Mann vorgestellt. Er ist auch keine Frau, sondern er ist fern von allen menschlichen Kategorien ist. Deswegen leider auch fern von Kategorien wie „Gut“ und „Gerechtigkeit“. Denn das sind      mensch­­liche Kategorien.

Die Tatsache, daß in unserer Welt Böses geschieht, macht es manchen Menschen, auch Christen schwer, an Gott zu glauben. Die Christen sind selber schuld, wenn sie an einen Gott glauben, der nicht die gesamte Fülle des Lebens beinhaltet nach ihrem Verständnis. Im Unterschied zu anderen Religionen glauben Christen, Gott müsse absolut gut sein. Er darf nicht zugleich böse sein. Er darf nur das Positive repräsentieren und nicht auch das Negative. Mit so einem Gottesbild kann man nur scheitern, denn Leben beinhaltet auch negative Seiten und auch Leid. Gott festgelegt zu haben auf denjenigen, der nur für das Gute steht, bringt die Theodizee erst hervor. Die Theodizee ist nicht Gottes Problem, die Theodizee ist das Christenproblem. Wenn Gott nur für das Gute stünde, müßte man sagen: Das ist keine Allmacht, das ist nur eine Halbmacht.

Glücklich ist, wer einsieht, daß zur Fülle des Lebens die Gegensätze gehören. Daß das Leben nicht nur aus Lust und Freude besteht, kann jeder jeden Tag an seinem eigenen und am Leben anderer studieren. Leben ist Freude und Nichtfreude. Es gibt nicht nur Erfolg. Es gibt immer auch Mißerfolg. Alle erfolgreichen Menschen haben entsetzliche Erfahrungen von Mißerfolg gemacht. Deswegen sind sie so erfolgreich geworden, weil sie sich nach Mißerfolgen wieder berappelt haben.

Leben ist immerwährende Gegensätzlichkeit. Die entscheidende Frage dabei: Kann ich damit einverstanden sein? Kann ich aufhören damit, ständig gegen das anzukämpfen was mir nicht paßt. Wenn ich das kann, ergibt sich daraus eine Haltung der Gelassenheit. Ein Mensch, der das Leben in seiner Gegensätzlichkeit gelten lassen kann, wird heiter, im Unterschied zur Fröhlichkeit. Heiterkeit gibt es nicht nur in positiven, sondern auch in negativen Zuständen. Heiter kann man auch sein, wenn man traurig ist. Es ist ein grundsätzliches Einverstandensein mit dem Leben.

Wir müssen akzeptieren, daß es Negatives gibt. Aber es ist eine sehr große Frage, mit welchem Negativen wir leben müssen. Wenn ein Mensch Parkinson bekommt, da kann man nicht nur sagen: „ Damit mußt du leben!“ Besser sagt man: „Laßt uns Forschungen machen, um herauszufinden, ob es dafür genetische Ursachen gibt. Aber wir können nicht erwarten, daß diese Forschungen - wenn sie erfolgreich sein sollten -  daß nicht trotzdem Nebenwirkungen auftreten!“ Die ganze bisherige moderne Geschichte zeigt: Mit allem, was wir an Negativem abschaffen, schaffen wir uns irgendetwas herbei, das doch wieder negativ ist. Wir dürfen nicht daran glauben, daß dieser Prozeß jemals aufhören wird.

So haben wir immer etwas zu tun. Denn wie stellen Menschen sich das vor, wenn es nichts mehr zu kämpfen gäbe: gegen Negatives, gegen Verletzungen, gegen Traumatisierung, gegen Krieg, gegen Krankheit, gegen Hunger, gegen Not? Wenn wir nichts mehr zu kämpfen haben, glauben wir im Ernst, daß wir dann noch zu Höchstleistungen imstande sein werden? Es ist wichtig, Auszeiten dazwischenschalten, die sich ja im Leben ganz von allein einstellen. Die sogenannten tristen grauen Zeiten, die sind dafür da, daß das Glück sich wieder erholen kann. Wenn Menschen aus ihrem Unglücklichsein nicht mehr herauskommen, müssen sie sich darin einrichten. Am besten mit einem Garten. Wenn kein Garten zur Verfügung steht, dann wenigstens mit einem Balkon. Wenn kein Balkon zur Verfügung steht, dann wenigstens mit einem kleinen Garten im Zimmer, also Pflanzen. Da erlebt man die Kreisläufe der Natur. Eine Pflanze gedeiht, fällt in sich zusammen und kommt von Neuem hervor. Wenn der Mensch das sieht, fühlt er sich wieder geborgen. Denn wir können Sinn erfahren in den Zusammenhängen, die zwischen uns und allem Leben existieren. Ich bin nur ein Teil, ein Sandkorn, inmitten dieser belebten und unbelebten Natur. Ich kann mich eingegliedert fühlen in diese äußerste Vielfalt von Zusammenhängen.

In der linearen Zeit der Moderne kann ein Mensch sich nicht geborgen fühlen. Der moderne Mensch kennt nur vergehende Zeit und hastet ihr ständig hinterher. Schon wieder sind fünf Sekunden vergangen. Aber die Zeit vergeht ja nicht. Der moderne Mensch glaubt daran, daß die Zeit vergeht, er letzten Endes stirbt und danach ins Nichts fällt. Ich kenne kein Nichts. Nehmen wir den menschlichen Körper. Wenn er nach dem Tod in die Erde gelegt wird, tut die Natur ihr Werk. Nicht ein Atom wird vernichtet, kein Molekül geht verloren. Es wird umgewandelt in neues Leben. Sollte das mit der Seele und dem Geist so viel anders sein? Das Leben ist wertvoll genau dadurch, daß es zeitlich begrenzt ist. Alles was begrenzt ist, wird wertvoll. Würde das Leben endlos dauern, hätte es keinen Wert mehr. Wir würden ein furchtbar, um nicht zu sagen, tödlich langweiliges Leben führen.

 

Glücksschmiede Deutschland?

Mehr als zwei Drittel der Menschen in Deutschland empfinden sich als glücklich. Das geht aus eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahre 2000 hervor. Am häufigsten fühlen die Deutschen sich demnach im Urlaub oder beim Verliebtsein glücklich (beides 73 Prozent), gefolgt von Momenten des Beisammenseins mit Freunden (70 Prozent).

Beim Glück geht es den wenigsten dabei um die Jagd nach einem euphorischen Moment.

Vielmehr bezeichneten die Befragten es zu 77 Prozent als Glück, zu lieben und geliebt zu werden. 75 Prozent definierten »Zufriedenheit« als Glück, 62 Prozent die Fähigkeit, sich über kleine Dinge zu freuen. Dem Spruch „Jeder ist seines Glückes Schmied“ stimmt offenbar die Mehrheit zu: Nur zwölf Prozent der Befragten empfinden Glück als etwas Schicksalhaftes, das man nur begrenzt beeinflussen könne.

Das Glücksgefühl ist nach Alter, Geschlecht und Bildungsgrad ungleich verteilt. Der Umfrage zufolge schätzen sich Frauen, jüngere und gebildetere Menschen häufiger als glücklich ein. An Geld zum großen Glück glaubt nur ein Fünftel der Deutschen. Nicht allzu viele Deutsche glauben überdies, daß Kinder sie glücklich machen: Nur 49 Prozent sehen in Nachwuchs den Schlüssel zum Glück.

Eine immer größere Zahl der Deutschen bricht aus dem typisch pessimistischen Denken aus und bemüht sich, am eigenen Glück zu arbeiten. Glück ist daher als Resultat einer bewußten Bewältigung des Lebens und seiner Herausforderungen zu definieren, wenn das Ergebnis eine höhere Genußfähigkeit und mehr Spaß an den Dingen sei.

Der Glaube an einen höheren Sinn des Lebens ist sehr wichtig für das persönliche Glücksgefühl. Wer einen Sinn in seinem Leben sieht, wird  insgesamt selbstbewußter, fühlt sich wohler und kann so wiederum sein ganzes Leben positiv beeinflussen.

 

Gegen „erlernte Hilflosigkeit“.

Mit Optimismus und Zuversicht statt Angst und Gier wollen führende Trendforscher der weltweiten Krise seit dem Jahre 2009 begegnen. „Yes we can“ ist das Motto des Neuanfangs, nicht nur in den USA. soziale Ansteckung funktioniert. Wenn die wichtigsten Führer gute Stimmung verbreiten, haben sie viel mehr Chancen, die Krise gut zu überstehen.

Für die Massenmedien sind Katastrophen-Nachrichten interessanter als positive Nachrichten. Über sozialen Reichtum kann man weniger spektakulär berichten als über katastrophale Armut. Das Problem ist nicht der Kapitalismus an sich, sondern der Effekt, den der „Pop-Pessi­mismus“ in den Massenmedien auf die Mentalität der Menschen hat. In Amerika nennt man dieses Phänomen „die erlernte Hilflosigkeit“. Je mehr die Menschen konfrontiert werden mit Katastrophen-Nachrichten, umso mehr werden sie in der Haltung gestärkt: „Da läßt sich nichts machen.“

Dabei könnten Menschen Optimismus genauso lernen wie Hilflosigkeit. Früher sind die Theologen für die Hoffnung zuständig gewesen. Heute sind ihre Nachfolger die Trendforscher. Jeder hat die Chance, sich zu verändern. Alles hängt davon ab, ob sie Mut aufbringen und Initiative beweisen. Wir sind in einer Krise, aber die Frage ist nur, wie man sie gestaltet. Dabei spielten die neuen sozialen Netzwerke im Internet eine entscheidende Rolle. So habe die Unterstützung der breiten Bevölkerung zum Wahlerfolg Barack Obamas geführt: Zehn Millionen US-Bürger abonnierten seinen E-Mail-Newsletter, 3,1 Millionen Bürger spendeten 780 Millionen US-Dollar. Wir können von Obama lernen, wie man Menschen für eine Idee begeistern kann.

 

Deutsche sind richtig glücklich.

Von wegen unglückliches Volk. Das sehen offenbar nur die Medien so und die Verkäufer von Büchern und Seminare nach dem Motto: „So findet man das wahre Glück“. Nach Ansicht der 2011 erstmals erstellten Studie „Glücksatlas Deutschland“ markieren vier große „G“ das Glück: „Gesundheit, Geselligkeit, Geld und Gene“ sind die maßgebliche Faktoren für die Lebenszufriedenheit. Und die ist in Deutschland der Studie nach so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Für die meisten Deutschen punktet vor allem Gesundheit, aber auch das Leben mit einem Partner, der Austausch mit Freunden und eine erfüllende Arbeit

Auch wenn die östlichen Bundesländer noch hinter den Regionen im Norden und Süden Deutschlands rangieren, wird die Glückslücke kleiner.

Der Grund für die Studie: Während in anderen Ländern bereits regelmäßig eine Art „Glücksindex“ als Ergänzung zum Bruttosozialprodukt ermittelt wird, will man nun auch hierzulande endlich konkret wissen, was die Deutschen zufrieden macht. Die Aussagekraft des Bruttoinlandsprodukts als einzigem Wohlstandsindikator wird in Wissenschaft und Politik zunehmend kritisch betrachtet.

Aber wie kommt es zu den regionalen Unterschieden? Warum liegt die Region Hamburg an der Spitze? Wenig Single-Haushalte. relativ wenig Arbeitslosigkeit, ein großes Kultur- und Freizeitangebot. Die Wirtschafts-Boom-Region Hessen wiederum liegt an 14. Stelle auf einem klaren Abstiegsplatz. Ursachen: Die Menschen haben hier zu viel Streß und das überdurchschnittliche Einkommen ist höchst ungleich verteilt.

Geld allein, so betonen die Forscher, kann es auf jeden Fall nicht sein. Zwar hebt eine Einkommenserhöhung auch die Lebenszufriedenheit, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Schleswig-Holstein etwa ist ein eher armes Land, aber die Leute sind glücklicher als im Osten.

Es scheint viele feine Schrauben zu geben, an denen das persönliche Glück justiert wird: So sind etwa gerade diejenigen besonders zufrieden, die nach dem Verlust eines Partners einen neuen gefunden haben. Umgekehrt rangieren materielle Dinge wie der Besitz eines Eigenheims oder Gehaltserhöhungen nur auf den hinteren Plätzen. Quälend ist für viele jedoch ungewollte Arbeitslosigkeit. Menschen, die keinen Job haben, sind sehr deutlich unglücklicher als Menschen, die gut beschäftigt sind.

 

Suche nach ultimativer Formel.

Hundert renommierter Glücksforscher haben 2011 einen Sammelband vorgelegt  („Glück - The World Book of Happiness“, Dumont). Spitzenwerte auf der bis zehn reichenden Skala des Glücksmonitors erzielten dabei Costa Rica (8,5) Dänemark (8,3), Kanada und Schweiz (je

8,0). Am wenigsten glücklich sind die Menschen in Togo (2,6), Tansania (2,6) und Simbabwe (2,8). Deutschland liegt mit 7,1 Glückspunkten im oberen Fünftel - punktgleich mit Nicaragua und deutlich hinter Mexiko.

Wohlstand ist also keineswegs Garanten für das gefühlte Glück. Es wächst keineswegs mit dem materiellen Wohlstand stetig weiter an, wie das Beispiel der (mit 7,9 Punkten nichtsdestotrotz sehr glücklichen) Norweger zeigt, deren Lebenszufriedenheit über Jahre hinweg untersucht wurde. Wenn Menschen die Armutsgrenze hinter sich gelassen haben, trägt ein höheres Einkommen fast nichts zu ihrem Glück bei.

 

Auch mit bescheidenem Komfort glücklich zu sein, bedeutet aber zugleich: Sich nicht mit anderen, die mehr haben, zu vergleichen. „Befreien Sie sich von Neid!“empfiehlt Professor David Watson (Universität Iowa. An diesem Punkt scheiden sich allerdings auch die Geister der Glücksforscher: Je nach kulturellem Hintergrund stellen sie mehr die individuelle Entwicklung und das rein persönliche, sich aktiv zu erobernde Glück in den Mittelpunkt oder aber den Dienst an der Gemeinschaft, das Sich-Einbringen in ein funktionierendes Ganzes, das aus verschiedensten, auch gegensätzlichen Einzelteilen besteht.

Letzteres sehen vor allem asiatische Wissenschaftler als Schlüssel zum Glück. Durch das Gleichgewicht zwischen Ying und Yang kann man einen Zustand innerer Harmonie erreichen, der letztendlich ein inneres Gefühl des Glücks fördert.

Unterschiedlich sind die Auffassungen, die Glaube und Religion für das Glück des Einzelnen spielen. Viele Wissenschaftler sehen jedoch zumindest den Faktor „Spiritualität“ als wichtig an. Reine Vernunftmenschen sind weniger glücklich. Aber ist die Fähigkeit zum Glücklich­sein vielleicht auch in die Wiege gelegt? „50 Prozent unseres Glückspotentials sind angeboren. Zehn Prozent sind den Lebensumständen zuzuschreiben. Aber 40 Prozent des Glückspotentials liegen in unserer Hand“, sagt die Psychologin Sonja Lyubomirsky (University of California).

 

Glück - Wohl – Heil.

Noch vor einem Jahrhundert wurde zwischen „Heil“ und „Glück“ scharf unterschieden. Bei „Heil“ dachte man an die ewige Glückseligkeit, die für ein jenseitiges Leben in Aussicht gestellt war. Die Toten waren die Seligen. Die Unterscheidung zwischen der irdischen Welt der Sinne und der überirdischen Welt des Geistes drang seit Augustinus  in die christliche Theologie und Frömmigkeit ein. Gottesliebe und die Liebe zu irdischen Dingen schlossen sich

dabei aus.

Heil und Glück stehen jedoch in Beziehung zueinander. Wir können die Wirklichkeit Gottes nur im Blick auf die Wirklichkeit der Welt aussagen. Das Heil ist das Angebot Gottes für die Menschen zu einer heilen Gemeinschaft und ungebrochenen Existenz.

Glück ist ein Teil des Heils. Aber das Heil ist auch für Unglückliche da. Ein Mensch, der sein eigenes Glück opfert, ist nicht heillos.

Glück als Teil des Heils ist nicht nur das private Glück des Einzelnen, sondern eine Haltung, die sich der fremden Not  helfend zuwendet und dabei selbst Erfüllung findet.

Was Heil ist, das kann man nur deutlich machen, indem man vom Glück  der Menschen redet. Umgedreht ist das erfahrene Glück ein Vorzeichen des Heils. Wer aber auf das Heil Gottes hofft, kämpft auch für das Glück der Menschen; wer die Freiheitsbotschaft ausrichtet, muß sich auch für die Befreiung der Menschen einsetzen.

Das Reich Gottes bleibt natürlich etwas Zukünftiges und kein Mensch kann sich das Heil selbst beschaffen. Aber gerade weil Gott sich uns in Jesus Christus gnädig zugewendet hat, ist eine Änderung der Menschen und der Verhältnisse doch möglich geworden. Der Glaube ist nicht eine Privatsache und Laster in der Welt.

 

Zum Glück gehört auch das öffentliche Wohl. Das Glück für mich läßt sich nicht verwirklichen ohne das Glück der anderen. Nur wenn ich meine Bedürfnisse mit den Erfordernissen der Partner  abstimme, kann ich mein Glück finden. Und umgedreht hilft die Gesellschaft ja dann auch wieder, das persönliche Glück zu fördern. Heute haben wir begriffen, daß Friede und Gerechtigkeit, Freiheit und Versöhnung nicht nur innere Erfahrungen sind. Sie wollen auch in unserem Leben konkret verwirklicht werden .Dazu kann auch gehören, daß man ungerechte Herrschaftsverhältnis mit Gewalt beseitigt. Wer hier nur von der christlichen Pflicht zum Frieden spricht, verhilft den Verantwortlichen zur Tarnung und läßt diejenigen im Stich, die vielleicht erträgliche Zustände schaffen könnten.

Jesus hat nicht gesagt: „Geht hin in alle Welt und baut Krankenhäuser und Kindergärten!“ sondern er hat gesagt: „Macht zu Jüngern alle Völker und tauft sie!“ Aber das heißt nicht, daß uns das Wohl der Menschen nichts anginge. Wenn es einem gut geht, vergißt man Gott leicht darüber. Aber wenn es einem schlecht geht, wird er vielleicht auch nur schwer an Gott glauben können.

Doch das Wohl bleibt nicht das letzte Ziel unseres Lebens. Wenn einer eine irdische Wohltat erfahren hat, dann sollte er das zum Anlaß nehmen, einmal über das Heil Gottes nachzudenken: Hinter jeder Wohltat ist die Hand Gottes zu spüren.

Wir suchen nach Befreiung von Sünde und Tod und einem Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Doch dieses Heil wird von  Gott geschenkt und ist an den gekreuzigten Jesus gebunden.

Wir sind der Welt die Botschaft vom Heil Gottes schuldig, denn es ist das letzte Ziel des Lebens.

 

Was sagt die Bibel über das Glück?.

Griechische Philosophie:

Demokrit: Das Ziel der menschlichen Glückseligkeit ist das Wohlbefinden. Voraussetzung dafür sind Mäßigkeit und Klugheit im eigenen Leben, Freundschaft und Liebe im Verhältnis zu den Mitmenschen und das Streben nach dem allgemeinen Nutzen und die Befriedigung der Interessen aller im Blick auf die Gesellschaft.

Protagoras: Der Mensch ist das Maß aller Dinge. Es gibt keine absolute Wahrheit, alle Erkenntnisse sind relativ und subjektiv. Seine Schüler lehnten dann auch jede Etihk ab und sagten: Das wahre Ziel des Menschen ist die Lust, dazu muß er aber Herr über seine Sinne bleiben und sich ins Unvermeidliche schicken. absolut gültig.

Plato: Der Mensch soll sich an die absolut gültigen Ideen  (Tugend, das Gute) erinnern und so Glückseligkeit erlangen.

Aristoteles: Glückseligkeit besteht im Tun des Vernünftigen und Tugendhaften, im Finden des rechten Mittelweges zwischen Strenge und Nachsicht. Vernunft und Weisheit kann nur eine Minderheit erwerben, Tapferkeit und Wahrhaftigkeit können alle haben; aber auch Reichtum und Freunde und Einfluß gehören dazu.

 

Bei den Griechen will man das Glück auf rein geistige Weise erreichen. Die Bibel aber zeigt Gott, der die Menschen liebt und sie in Jesus erreicht hat, um ihnen Lebensmöglichkeiten zu eröffnen.

Bei den Griechen ist das Glück von bestimmten Verstandesqualitäten  abhängig. Die Bibel aber gratuliert gerade solchen Menschen, die nicht hervorgehoben sind, sondern auf Rat und Hilfe angewiesen.

Bei den Griechen werden nur eilige besonders Geeignete glücklich, Gottes Heil aber gilt dem neuen Gottesvolk aus allen Völkern.

Bei den Griechen ist das Glück als Gabe nur schwer zu gewinnen, Gott aber bietet seine unerschöpfliche Liebe allen Menschen an.

 

Die Bibel:

Ein Blick in die Konkordanz  zeigt, daß das Wort „Glück“ in der Bibel selten vorkommt, im Neuen Testament gar nicht, weil für Luther das Wort zu heidnisch klang, aber auch schon im Urtext selten ist. Aber die mit „Glück“ gemeinte Sache kommt vielfach zur Sprache.

Im Alten Testament wird betont, daß das Volk Israel Glück haben wird, wenn es auf Gott hört und ihm vertraut. Dann wird es Erfolg haben, Frieden, Sicherheit, langes Leben, Nachkommen, Reichtum. Um das zu erlangen ist der Einsatz der eigenen Klugheit nötig, aber auch

die Bundestreue Gottes . Schon zu Lebzeiten darf man den Segen Gottes erwarten.

Im Neuen Testament finden wir für das Glück den Ausdruck „selig“. Er bezeichnet einen Menschen, der das göttliche Heil empfangen hat. Wo der Mensch Anteil am Leben Gottes hat, da ist er glücklich zu preisen.

Der Glückwunsch Jesu gilt Menschen, die sich fern von Gott wähnen, weil sie keine besonderen Qualitäten aufzuweisen haben, sondern unbedeutend, arm und ohnmächtig sind. Das Glück ist unverdient und geschenkt.

Menschliches Leid kann dabei eingeschlossen sein. Natürlich ist es schwer verständlich, wenn einen ernsthaften Christen ein unverdientes Unglück trifft, einem anderen aber scheint das Glück in den Schoß zu fallen, obwohl er sich nicht um Gott und Kirche kümmert Aber Gottes Gedanken sind eben größer als unsere Gedanken.

Unter Gottes Einfluß lernt man nicht nur zu singen „Danke für jedes kleine Glück“, sondern auch „Danke für manche Traurigkeiten“. Was uns vordergründig als Unglück begegnet kann Gott in Heil verwandeln. Auch ein Kranker oder Behinderter kann durchaus noch glücklich sein. Manches Unglück haben wir uns selber zuzuschreiben. Aber es gibt auch Krankheit, Mißgeschick und Tod, wo wir die Begrenztheit menschlicher Möglichkeiten erleben. Die Schattenseite gehört mit dazu.

 

Das Urteil Salomos: 1. Kön 3, 3-28:

Salomo wird eine Frage gestellt, die jedes Menschenherz schneller schlagen läßt: „Bitte, was ich dir geben soll!“ Die herrlichsten Zukunftsbilder könnten nun auftauchen. Salomo sieht jedoch rückwärts: Er schaut auf das zurück, was sein Vater David erlebt hat mit Gott. Unter David war das Volk stark und mächtig geworden und Gott hatte ihm Barmherzigkeit geschenkt Nun lag es an Salomo, das Volk weiterzuführen.

Salomo bittet um ein gehorsames Herz, damit er das Volk gerecht richten kann und weiß, was gut und böse ist. Weil er nicht um langes Leben oder Reichtum oder Sieg gebeten hat, gibt Gott ihm ein weises und verständiges Herz. Und dann erhält er auch das, worum er nicht gebeten hat, nämlich Reichtum und Ehre. Was bei den Menschen in der Regel an erster Stelle der Wunschliste gestanden hat, das will Gott als Zugabe schenken. Gott hat immer das Beste für uns im Blick. Das Halten seiner Gebote bedeutet nicht eine Beschneidung im Leben, sondern ist Voraussetzung zum Glücklichsein.

 

Der törichte Reiche: Lk 12, 13-21:

1. Was ist zu den Plänen zu sagen? (Geglücktes Leben nicht verfügbar)

2. Ab wann wird die Zukunftssicherung zur falschen Berechnung?

3. Warum lautet das letzte Urteil: Du Narr? (Nicht Eigenleistung)

4. Wer kam in den Überlegungen des Mannes nicht vor? (Mitmensch)

5. Was kann gemeint sein mit „reich sein vor Gott“.

 

 

Wie Menschen über das Glück denken?

Experiment:

Bei einer Befragung sagten fast alle, Gesundheit sei das höchste Glück für sie. Aber dann machte man mit ihnen folgendes Experiment: Sie sollten auswählen  zwischen drei Sektoren auf einem Sportplatz

1. Ein kalte Büfett  zur freien Auswahl: Wer dorthin ging, hatte auf alle Fälle etwas und würde nicht leer ausgehen.

2. Gutscheine für eine Vorsorgeuntersuchung: Dort konnte man etwas für seine Gesundheit tun

3. Ein in der Erde vergrabener kleiner Goldbarren war zu suchen: Hier hatte nur ein einziger eine Chance.

Wofür haben sich wohl die meisten entschieden? Kaum einer ging zur Vorsorgeuntersuchung, etwa 15 Leute gingen zum kalten Büfett, aber über 200 suchten nach dem Goldbarren, den dann nur einer mit nach Hause nehmen konnte.

 

Lottogewinn:

Typisch für die Glücksvorstellungen vieler Menschen sind folgende Wünsche:  Genügend Geld, eine Frau wie Brigitte Bardot, ein Faß voll Bier im Keller, ein Paar Koteletts am Tag, ein Farbfernsehgerät und ein Liegestuhl im Garten! Der kühnste Traum ist jedoch ein Gewinn im Lotto (oder Tote). Wir wollen deshalb auch einmal zum Spaß jeder einen Lottoschein ausfüllen und dann warten, ob wir Glück gehabt hätten.

Durch den ersten Rang im Spiel möchte man auch den ersten Rang im Leben  erhalten. Die Ergebniszahlen sind deshalb für viele das wichtigste Ereignis des Wochenendes. Die meiste- haben auch einen Wunsch parat, den sie sich bei einem Gewinn erfüllen möchten. Aber das wahre Glück beginnt erst jenseits der 100.000.

Bei 49 möglichen Zahlen kommen jedoch auf einen Hauptgewinn 28 Millionen Nieten, denn es gibt bei 6 Kreuzen fast 14 Millionen Möglichkeiten. Ein System gibt es dabei nicht, denn für einen Hauptgewinn müßte mal 7 Millionen verwetten. Einige haben die Geburtstage und Geburtsjahre von Familienangehörigen angekreuzt. Andere haben beachtet, welche Zahlen oft und welche selten gezogen wurden (und dann entweder die häufigen oder die seltenen genom­men): Manchmal hat es auch Erfolg gehabt.

Einige Länder haben sich zunächst geweigert, das Lottospiel einzuführen. Aber schließlich konnte man doch nicht widerstehen, Lotteriesteuer und Reingewinn (für Sport und Kultur) einzunehmen. Die Gefahr ist allerdings nicht so groß, daß einer aus Wettleidenschaft sein Geld auf unlautere Weise besorgt (Unterschlagungen im Betrieb).

Ein Gewinner hat sein Geld vorbildlich angelegt: Er war als Waisenkind aufgewachsen, hatte sich dann als Möbelträger durchs Leben geschlagen und in einem Kiosk verkauft. Plötzlich war er reich und fühlte sich wie der Weihnachtsmann. Mit vierzig Waisenkindern zog er von Geschäft zu Geschäft, bis er alle neu eingekleidet hatte, die Schwestern im Krankenhaus (die ihn einmal liebevoll gepflegt hatten) stiftete er einen Aufenthaltsraum mit Fernsehapparat, der Tierschutzverein erhielt eine Spende und in Altersheimen verteilte er Spenden, auch kirchliche Organisationen wurden bedacht. Am Ende bleiben ihm noch 100.000 Mark, die ihm auch genügten. Er sagte: „Das größte Glück war, mein Geld mit anderen zu teilen!“

 

Glückwünsche oder Segenswünsche.

Sind Glückwünsche zum neuen Jahr nicht nur ein heidnischen Brauch? Viele Christen schreiben betont „Segenswünsche“, und das ist auch gut so. Der andere weiß dann in der Regel, daß der Absender sich zum christlichen Glauben bekennt.

Das Wort „Glück“ braucht aber in der Kirche nicht verpönt zu sein. In unserer Gesangbuchlieder  findet es sich öfter, besonders bekannt ist Paul Gerhardts Lied: „ Er lasse seinen Frieden ruhn auf unserm Volk und Land; er gebe Glück zu unserm Tun und Heil zu allem Stand!“

Luther hat in der Neujahrspredigt für 1539 den Namen „Jesus“ erklärt: Das Wort „Seligmacher“ ist kein gutes Deutsch, sondern der Name bedeutet „Heiland“, der Glück und Heil bringt und den Menschen in aller Not (körperlich wie geistlich) beistehen kann.

Der beste Glückwünsch ist das Gebet. Den Psalmvers 122,6: „Wünscht Jerusalem Glück“ müßte man sinngemäß übersetzen: „Erbittet Frieden für die Gottesgemeinde!“ Darum geht es eigentlich, wenn wir aus irgendeinem Anlaß einem anderen „Glück“ wünschen.

 

Seligpreisungen:

Wer in dieser Welt Glück und Erfolg, wer etwas Großes geleistet oder besonders gute Eigenschaften gezeigt hat, wird von seinen Freunden beglückwünscht. Jesus beglückwünscht auch die Menschen. Er preist aber die selig, die die Welt bemitleidet oder verachtet.

Was würden wir tun, wenn wir die Welt verändern könnten? Schule abschaffen, Einkauf ohne Bezahlung einführen. Kein Hunger und kein Elend mehr, immer Friede und Gerechtigkeit, keine Unterdrückung und Ausbeutung, kein Böses mehr in der Welt.

Immer wieder haben die Menschen sich bemüht, die Welt zum Guten zu verändern: Tolstoi, Gandhi, Martin Luther King. Auch der Sozialismus ist ein solcher Versuch, die Welt zu verbessern. Die Welt hat eine Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Gott weiß davon. Und Jesus sagt: Es ist gut, wenn ihr diese Sehnsucht habt.

Jesus kennt auch die Angst vieler Menschen um ihr Glück. Wenn einer etwas erreicht hat, dann strebt er weiter. Es gehört offenbar zum Menschsein dazu, daß wir nicht ausruhen können. Und auch wenn einer nicht über das Erreichte hinausstrebt, dann sucht er es doch zu sichern und zu schützen. Es gibt Augenblicke, da fühlen wir uns glücklich. Aber wir haben auch Angst, das Glück wieder zu verlieren. Wer ist da schon wirklich glücklich?

Matthäus hat in seiner sogenannten „Bergpredigt“ eine Reihe von Jesusworten zusammengestellt, die von glücklichen Menschen erzählen. Alle diese Sätze fangen mit „Selig sind...!“ Meist wird das ausführlicher übersetzt mit „glückselig zu preisen sind...!“

(Vergleiche die Umschreibung der Seligpreisungen).

Hier ist die Rede von Menschen, die wissen, daß sie nicht vollkommen sind und sich doch nach Vollkommenheit sehnen („geistlich arm“), die einen Kummer haben wegen eines Todesfalls oder eines Unglücks („Leid tragen“), die sich um Frieden zwischen anderen bemühen und selber auf ihr Recht verzichten („sanftmütig“),  die die Gerechtigkeit noch mehr ersehnen als bei leiblichem Hunger die Sättigung („hungert und dürstet“), die bereit sind zum Helfen („barmherzig“).

Wir würden doch erwarten, daß Jesus die Klugen und Reichen und Starken selig preist. Aber er nennt ganz andere Leute, die nach den üblichen Maßstäben als unglücklich gelten. Im Altertum wurde das Glück als etwas verstanden, was nur die Götter erlebten und den Menschen also vorenthalten war.

Jesus aber sieht es anders. Er spricht zu den einfachen, aber frommen Leuten. Sie wollten die Gebote Gottes streng und treu halten und verzichteten lieber auf soziale Sicherheit, als daß sie ihr Heil verscherzten. Weil sie es mit den Geboten ernst nahmen, kamen sie im Leben nicht so sehr voran. Aber sie erwarten alles von Gott, auf den sie angewiesen sind.

Die „geistlich Armen“ haben also nicht einen Mangel an heiligem Geist oder gar an Verstand, sondern die Demut vor Gott ist ihre innere Lebenshaltung. Sie können glücklich sein, auch wenn sie nichts haben, was nach unserer landläufiger Meinung zum Glücklichsein dazugehört.

Das liegt daran, daß ihnen das Glück von Jesus zugesprochen wird. Er gibt ihnen keine Empfehlungen und macht ihnen keine Versprechungen. Er vertröstet sie auch nicht auf ein besseres Jenseits (auch nicht in 7.4 und 6), sondern er trifft einfach die Feststellung: Ihr seid glücklich, und zwar schon hier und heute. Sie sind deshalb glücklich, weil sie Frieden schaffen unter den Menschen um sie herum, sie lösen Freude aus und das Glück strahlt förmlich von ihnen aus.

Das ist natürlich nur möglich, weil Jesus für das Heil und das Glück dieser Menschen eingetreten ist. Vorher waren sie gefangen vor den Vorurteilen und der Verachtung der anderen Menschen. Aber nun hat Jesus von außen ihr Gefängnis aufgebrochern, indem er am Kreuz für gerade diese Menschen starb. Nicht erst sein Tod hat Heilsbedeutung, sondern schon sein Leben. Schon hier stellte er sich ganz auf die Seite der Menschen, die unter einer Last gebeugt waren und in Angst und Einsamkeit lebten (deshalb hat man diese Jesusgeschichten auch für die Nachwelt erhalten, weil hier besonders deutlich wird, wie Jesus der Christus für andere ist).

Die rein menschlichen Wünsche werden dadurch zwar nicht erfüllt oder weggeblasen. Auch die Wirklichkeit bleibt unverändert. Aber sie ist keine Bedrohung mehr für das Glück. Gott sagt „Ja“ zu uns, auch wenn wir ein Kreuz zu tragen haben. Er hat ja selber beim Kampf um das Glück der Menschen seinem eigenen Sohn das Kreuz  aufgelegt, damit es die Menschen nicht mehr tragen müssen. Was dann noch bleibt, das ist von den Menschen im Glauben an Gott zu tragen.

Vor allem kann man nun auch die Not der Mitmenschen erkennen. Wenn wir sehen, daß sie es vielleicht noch schwerer haben, dann werden wir wieder zufrieden mit dem, was wir haben. Dann fragen wir auch nach den Wünschen der anderen und versuchen ihnen zu

helfen. Wir werden selber am meisten davon haben. Zum Glücklichsein ist nicht erforderlich, daß all unsere Wünsche in Erfüllung gehen, sondern daß Jesus Christus in unser Leben kommt und uns den Blick frei macht für unsere Mitmenschen.

 

Glück ist nicht da, wo der Mensch für sein privates Wohlergehen sorgt, sondern wo er sein Leben einsetzt für andere.

Wie sähe es wohl in unsrer Welt aus, wenn wir zu den „Seligen“ gehörten?

….wenn wir um unsere Grenzen und Mängel wüßten                     Vers  3

….unsere Traurigkeit zugäben, uns aber trösten ließen                   Vers 4

.....Mißverständnisse und Vorurteile aufgäben                                  Vers 5

….uns alle um Gerechtigkeit bemühten                                              Vers 6

…..Hilfsbereitschaft und Mitgefühl zeigten                                         Vers 7

.....unsre Gedanken und Wünsche rein und liebevoll wären           Vers 8

.....auf eine Sache verzichteten oder eine Bemerkung unterdrückten.

Es gibt aber solche Menschen, die nach der Bergpredigt leben und vor denen ein Segen auf die Menschheit ausgeht. Man muß dabei nicht nur an berühmte Leute denken (A. Schweitzer), sondern es gibt solche Menschen auch in unsrer Nähe. Sie sind nicht tyrannisch und hochmütig, sondern friedfertig; sie haben selber Leid erfahren, können aber dennoch andere trösten. Sie verbreiten eine Welt des Friedens um sich herum, und das ist ansteckend.

Wenn wir nun aber nicht zu diesen Menschen gehören? Vielleicht gehören wir doch dazu. Viele wollen doch die Welt verändern. Dann sollen sie bei sich selber anfangen. Denn das kann jeder! Es ist zwar unbequem, aber sehr wirksam.

 

Biblische Besinnung zu den Seligreisungen Mt. 5 und Lk 6:

In der Gegenüberstellung der Seligpreisungen nach Mt. 5 und Lk 6 finden wir für die Seligpreisungen der Armen und der Hungernden bei Matthäus eine weitergehende Ausdeutung als bei Lukas. Das gibt uns die Möglichkeit, bei den Seligpreisungen der Armen den ökonomischen und den geistig-geistlichen Aspekt und bei den Seligpreisungen der Hungernden den physischen und ethischen Aspekt gesondert zu betrachten.

 

Seligpreisung der Armen (ökonomischer Aspekt):

Der Satz stellt eine Gottunmittelbarkeit des Menschen fest, die auf alle materiellen und ökonomischen Vorzüge verzichten kann. In Jesu Urteil über das Scherflein der Witwe  (Mk  12, 42, in dem Rat an den reichen Jüngling (Lk 18,23) oder auch in den Gleichnissen vom reichen Kornbauern (Lk. 12,16-21)  und vom armen Lazarus (Lk. 16,19-31) finden wir in positiver oder negativer Wendung diesen Ansatz wieder: Nicht Reichtum öffnet die Tür zu Gott.

In Christus hat er die offene Tür allen angeboten (Joh. 3,16). Wir alle sind Gottes Geschöpfe, zu denen er sich bekennt, die er aber auch zur Verantwortung ruft.

Das Reich Gottes ist überhaupt häufig beschrieben unter Zurückweisung irdisch-materieller Grundorientierung. Fällt euch Reichtum zu, hängt euer Herz nicht daran! (Ps. 62,11).

 

Seligpreisung der geistlich Armen (geistig-geistlicher Aspekt):

Wir erinnern hier an Beispiele wie Zachäus (Lk 19), Pharisäer und Zöllner (Lk. 18,10), die Ehebrecherin (Joh.8) sowie bestimmte Berufsgruppen aus der Umwelt Jesu (zum Beispiel die Hirten).  Immer zeigt Jesus den gesellschaftlich und religiös Benachteiligten eine grundsätzliche Offenheit. Wer „etwas vorzuweisen hat“ wird nicht bevorzugt und wer mit leeren Händen kommt, wird nicht abgewiesen. So ist auch seine Zuwendung zu den Kindern und den Frauen zu verstehen. Aus dem Handeln und Reden Jesu ergibt sich Chancengleichheit für alle, die keine Aussichten vor Gott zu haben scheinen.        

 

Seligpreisung der Hungernden (physischer Aspekt):

Entsprechend der Seligpreisung der Armen werden die buchstäblich Hungernden eingeladen zur Teilhabe und zur Hoffnung auf seine Zukunft, in der ihr Hunger gestillt sein wird. Als klassische Illustration hierzu erscheint das Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus (Lk. 16). Es wäre aber ein Fehler, Jesus und seine Gemeinde als ein „Vertröstungsinstitut“ anzusehen. Vom Grundgedanken her wird hier eine Gleichheit gesetzt, die nicht den Hungernden vertrösten, sondern dem reichen Mann die Besinnung aufnötigen soll, die ihm Herz und Hand für den Hungernden öffnen würde.

 

Seligpreisung der. Hungernden (ethischer Aspekt):

Hier wird im Bild vom Hungern und im Bild vom Dürsten die Sehnsucht nach Gerechtigkeit angesprochen. Das Wort ist in der Matthäus-Fassung eine Ermutigung, die Sehnsucht nach Gerechtigkeit wachzuhalten. Es ist nicht Sache der Jesusjünger, sich mit Ungerechtigkeit abzufinden, genausowenig, wie es möglich wäre, Hunger oder Durst niederzuhalten, ohne daran zu sterben. Die Zusage „denn sie werden gesättigt werden“, verspricht, daß Gott sich selbst dieser Sache annimmt. Er hat sie auch zu seiner Sache gemacht. Und die Voraussetzung der Gleichheit - bei Gott ist kein Ansehen der Person - ist eine erste Garantie, daß die hier Gepriesenen keine leeren Versprechungen bekommen.

 

Seligpreisung der Weinenden / Trauernden:

Wer aus Trauer weinen muß, soll mit dem Trost Gottes rechnen. Wer noch weinen kann, hat bereits Befreiung erlebt, die vielen anderen Menschen fehlt. Jesus nimmt Leute wie Maria Magdalena in Schutz, und er selbst hat geweint und getrauert (Joh. 12,3; Lk. 19,34). Weinen ist eine Art des Eingeständnisses: „Ich stehe mit leeren Händen vor Gott und Menschen“.

Wir dürfen und wollen die Ursachen für alle Tränen, die heute wegen Unrecht und Leid geweint werden, nicht übersehen oder verdrängen. Es ist Anliegen und Aufgabe der Gemeinde Jesu aller Zeiten, den Dienst des Tröstens wahrzunehmen, denn er wird nötig sein, solange es menschliches Leben auf dieser Erde gibt.

 

Seligpreisung der Machtlosen:

An den beiden Stellen Mt 11,29 und 21,5 wird uns klar, wie „sanftmütig“ in unserem Vers zu verstehen ist. Jesus lädt zu sich als dem Sanftmütigen ein. Von ihm wird berichtet, daß er auf einem Esel in Jerusalem einreitet, womit eine alte Messiasverheißung sich erfüllt. Von daher erscheint gelebter Gewaltverzicht möglich und hoffnungsvoll für den Umgang der Menschen miteinander. Bei Jesus lernen wir: Sanftmut braucht Mutige, nicht Feige oder Ängstliche (vgl. Jes. 50,6 und Mt. 10,16). Die Erde wird denen bleiben, die sie nicht vergewaltigen. Wer die Schöpfung schonend behandelt, hat mehr von ihr.

 

Seligpreisung der Barmherzigen:

Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk. 10, 25-37) hat Jesus klargestellt: Ewiges Leben ist für uns Menschen Geschenk der Barmherzigkeit Gottes, nicht unser Verdienst. Unser Leben kann dieser Haltung Gottes nur entsprechen und entgegenkommen, wenn wir selbst Nächstenliebe und Barmherzigkeit üben. Wer das ernst nimmt, wird von der Frage: Wer ist mein Nächster? zu der Frage:. Wem soll ich Nächster sein? bekehrt. Wen die Not des Nächsten und der Welt nicht kalt läßt, sondern zum Denken und Handeln treibt, braucht auch eigene Not nicht zu fürchten.

 

Seligpreisung der im Herzen Reinen:

Hier geht es um Aufrichtigkeit und Lauterkeit, sich selbst und Gott und Mitmenschen nichts vorzumachen. Offenheit durch Vertrauen üben ist das, was uns so schwer gelingt. Jejus geht es um die Heilung unserer Beziehungen und Verbindungen. Und die ist ohne Vertrauen und ohne Buße nicht zu haben. Die Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen (Joh 6) zeigt Offenheit und Vertrauen. Hier wird Raum für die Begegnung mit Gott. Wer Vertrauen wagt, wird über das menschlich zu Erwartende hinaus beschenkt.

 

Seligpreisung der Friedensstifter:

Diese Seligpreisung spricht nicht nur von Friedensbereitschaft, sondern vom aktiven Friedenmachen. „Pazifismus“ kommt von lateinisch „pacem facere“ und bedeutet: Fakten des Friedens schaffen, das heißt das tun, bei dem sich der Mensch ganz einsetzt und auch zum Opfer bereit ist. Bereit, die Sache des Friedens in die eigener Hände, den Weg des Friedens unter die eigenen Füße zu nehmen. In der Person und dem Opfer Jesu ist Friedenmachen zur Vollendung gebracht. Das ist von uns nicht nachzumachen, aber wir können davon ausgehen und uns darauf gründen (Eph 2,14 und 4,3 und 6,15). Unser christliches Friedenszeugnis hat dieses Fundament und das Ziel der Einbindung der Menschen in die Friedensabsichten Gottes.

Friedenmachen geschieht in der Verknüpfung von Christuszeugnis und neuem Leben. Die Verheißung: „Denn sie werden Gottes Kinder heißen“, kann als Summe aller Verheißungen aus den Seligpreisungen verstanden werden. Denn wen Gott als Kind annimmt, den schützt, beschenkt und begleitet er.

 

Seligpreisung der Verfolgten:

Die Verse 11 und 12 entfalten diesen Satz auf die Situation der Jüngergemeinde hin. Und sie zeigen uns, daß die Not nicht übersprungen, sondern in ihrer ganzen. Weite erfaßt wird.

Jesus hat das Reich Gottes als ein neues Sein verkündigt und vorgelebt. Wer sich auf diese Voraussetzung eingelassen hat, kann gerechtes Denken und Handeln wagen, auch wenn die Verhältnisse nicht so sind (Röm. 12,2). Er ist auch in schwierigen Situationen zum Durchhalten ermutigt.

 

Die Seligpreisungen beschreiben einen Prozeß, der schon im  Gang ist und sie zeigen den Realismus, der die Welt sieht und annimmt, aber die Möglichkeiten des Glaubens einbezieht in die Bewältigung des Lebens.

 

 

Umformungen der Seligpreisungen: Was Jesus über seine Brüder sagt.

I.

Selig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr.

Glücklich sind die, die Gott brauchen, wie ein Kind, das seine Mutter braucht, weil es ohne sie nicht leben kann. Glücklich sind die, die Gott brauchen und sich dessen nicht schämen:

denn für sie ist Gott in Jesus da.

 

Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.

Glücklich sind die, die mit Gott darunter leiden, daß das Menschenherz böse ist und die Welt voll Leid und voll Schuld. Glücklich sind die, die das Leiden Jesu mitleiden, denn Gott hat seine Freude an ihnen.

 

Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.

Glücklich sind die, die nicht mit Gewalt an sich zu reißen versuchen, was nur Gott geben kann: Das Erfolghaben, das Gutsein, das Geliebtwerden. Glücklich sind die, die auf Gott zu warten wissen: ihre Ernte wird reich sein in Ewigkeit.

 

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.

Glücklich sind die, die sich nicht selbst recht geben, sondern sehnsüchtig danach verlangen, ihrem Gott recht zu sein. Glücklich sind die, die sich rech dem Hausrecht bei Gott sehnen:

Jesus stillt ihre Sehnsucht.

 

Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Glücklich sind die, die keine Angst haben, sich hineinreißen zu lassen in das Leid des Nächsten, die Not des Bruders. Glücklich sind die, die sich um des Mitmenschen willen verlieren Sie sind von Gott gefunden.

 

Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.

Glücklich sind die, die die zwiespältigen Gedanken, die halben Entscheidungen hinter sich lassen und die einfachen Schritte des Gehorsams tun. Glücklich sind die, die ernst machen mit Gottes Befehlen: Mit jeder gehorsamen Tat wird ihr Glauben gewisser.

 

Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Glücklich sind die, die sich nicht einengen lassen durch die Eisernen Vorhänge dieser Welt, sondern sie aufreißen mit den Taten des Friedens. Glücklich sind die, die der Mut haben, zwischen den Stühlen zu sitzen: denn das ist der Platz neben Jesus.

 

Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn das Himmelreich ist ihr.

Glücklich sind, die es sich gefallen lassen, daß man sie auslacht und links liegen läßt, weil sie zu Jesus gehören. Glücklich sind die, die sich selbst nicht mehr so wichtig nehmen: Sie sind Jesus wichtig in Ewigkeit.

Denn Gott liebt die leeren Hände und aus Mangel wird Gewinn. Immer enthüllt das Ende sich als strahlender Beginn.

 

II.

Gott liebt die,

-  die alles von Gott erwarten, gerade ihnen fällt sein Reich zu

-  die traurig sind, gerade sie können bei ihm aufatmen.

-  die sich nicht rücksichtslos durchsetzen, gerade ihnen schenkt er die ganze Welt.

-  die seine Gerechtigkeit empfangen und weitergeben, gerade sie bekommen sie.

-  die selbstlos für andere da sind, gerade sie nimmt er an.

-  die ein reines Herz haben, gerade ihnen zeigt er sich.

-  die Frieden machen, gerade sie nennt er seine Kinder.

-   die seinetwegen unter Druck gesetzt werden, gerade ihnen, gehört sein Reich.

 

III.

Glücklich sind die,

-  die nicht nur Wohlstand und Besitz im Kopf haben, ihnen steht der Himmel noch offen,

-  die das Leiden der Menschen nicht vertuschen, sondern lindern und erträglich machen,

   sie werden Trost finden,

-  die zartfühlend und trotzdem mutig sind, sie sollen die Welt regieren,

-  die sich nicht abspeisen lassen, bevor wirklich überall Gerechtigkeit herrscht,

    ihr Hunger soll gestillt werden.

-  die anstelle des Herzens keinen Stein haben, man wird auch ihnen herzlich begegnen,

-  die ein reines Gewissen haben können, Gott ist für sie nicht blockiert,

-  deren Arbeit dem Frieden dient, Gott erkennt sich in ihnen wieder.

 

IV.

1. Gratulation allen, die für ihren Lebenssinn keinen Reichtum brauchen, denn Gott wird sie beschenken.

2. Gratulation allen, die als geistlich arm gelten, denn Gott selbst gibt ihnen Geborgenheit.

3. Gratulation allen, die Hunger und Mangel leiden, denn sie sollen Befriedigung ihrer Bedürfnisse erleben.

4. Gratulation allen, die Hunger und Durst nach Gerechtigkeit umtreibt, denn sie sollen Erfüllung ihrer Sehnsucht finden.

5. Gratulation allen, die mit anderen leiden und trauern können, auch sie werden in ihrem Leid Trost finden.

6. Gratulation allen, die freiwillig auf Machtanwendung verzichten, denn Gottes Schöpfung

wird ihnen erhalten bleiben.

7. Gratulation allen, die sich anderer Menschen erbarmen, denn auch sie werden Barmherzigkeit erfahren.

8. Gratulation allen, die in Offenheit statt aus Hinterlist leben, denn sie werden Gott begegnen und ihn erfahren.

9. Gratulation allen, die ihre Gaben und Kräfte für Frieden einsetzen, sie werden Kinder und Erben Gottes sein,

10. Gratulation allen, die selbstlos für Gerechtigkeit wirken und dabei Heimat und Geborgenheit verlieren, denn in Gottes Reich haben sie die unverlierbare Heimat, - die wegen des Bekenntnisses zu Jesus geschmäht werden, denn er steht zu ihnen auch über die Grenzen dieses Lebens hinaus.

 

V.

Sollten wir nicht mißtrauisch sein gegenüber allen,

1. die Menschen an ihrem Reichtum messen, denn er verhindert Menschlichkeit und produziert Angst und Mißtrauen?

2. die sich auf geistig-geistliche Reichtümer etwas einbilden, als wären sie nur eigenes Verdienst, denn sie sind leer?

3. die Hung er nicht kennen, denn sie kennen den Wert des Lebens des Brotes und des Lebensbrotes nicht?

4. die selbstgerecht und allzu sicher sind, denn sie vergöttern sich selbst?

5. die unfähig sind zu trauern, denn sie weigern sich zu lernen, umzukehren und neu zu beginnen und verweigern auch anderen die Chance des neuen Lebens?

6. die Macht und Machbarkeit kalt kalkulieren, denn sie werden auch den Rest der Schöpfung töten?

7. die Unbarmherzigkeit für Stärke halten und als eine Tugend ausgegeben, denn ihre Kälte läßt Leben verkümmern und sterben?

8, die mit Tricks und Raffinessen arbeiten und gern alles geheimhalten, denn sie sind Gefangene ihres Egoismus?

9.  die dem Frieden nicht trauen, denn sie trauen Gott und Menschen nichts Gutes mehr zu?

10.  die Veränderung für Gerechtigkeit verhindern, und dabei Andersdenkende unterdrücken, denn sie sehen nur noch sich selbst? - die in Glaubenssachen intolerant sind und andere

nicht gelten lassen, denn ihre Hoffnungslosigkeit und ihr Mißtrauen machen ihnen selber Angst, mit der sie nicht mehr fertigwerden?

 

 

Das Glück in der heutigen Theologie

Von den Theologen ist das Stichwort „Glück" lange als Anpassung an den ganz im Diesseits aufgehenden Menschen verdächtigt oder als weltliche Heilsbotschaft abgeschrieben worden. Jetzt macht sich eine Wende im theologischen Denken bemerkbar. Themen wie Festlichkeit, Phantasie, Spiel und Kunst werden aufgenommen und einseitige Entwicklungen korrigiert. Die neue Auseinandersetzung mit dem Glück läßt sich in vier Gedanken zusammenfassen:

a) Das Glücksstreben des Menschen ist als berechtigt anzuerkennen. Den alten Gegensatz zwischen dem Glücksverlangen und dem Ruf zum Glauben gilt es zu überwinden. In diesem Zusammenhang muß die Rede vom religionslosen Zeitalter kritisch überprüft werden. Religion kann nicht einfach als Notbehelf und Mittel zur Selbstberuhigung erklärt werden. Sie ist Ausdruck menschlichen Verlangens nach Sinn und Geborgenheit. Darum müssen wir die Weltflucht des Glaubens verneinen und das Verlangen nach Glück bejahen.

b) Das unbegrenzte „Ja“ Gottes zum Menschen ist als Quelle des Glücks zu sehen. Der Mensch kann sich der von Gott geschenkten Freiheit freuen und das Leben spielerisch anpacken. Es liegt am Rückfall in eifernde Gesetzlichkeit, wenn uns Furcht vor dem Überschwang der Freude, der Leidenschaft und der Liebe ankommen will. Auch im Leid kann etwas wie Glück empfunden werden. In der jiddischen Oper „Der Fiedler auf dem Dach“ tanzt der Milchmann Tewje in einer ukrainischen Dorfgemeinde trotz Steuerdruck und Pogrom. Für ihn gibt es auch Lob unter Tränen und Freude mitten im Leid.

In der Hingabe Jesu an die Leidenden ist diese Haltung nicht nur exemplarisch sichtbar geworden, sondern als Einladung zu einem Weg, der allen Menschen offensteht, öffentlich proklamiert worden. Dieser Mann der Schmerzen will die Kluft zwischen denen schließen, die die Welt mit verändern, und denen, die das Leben feiern wollen.           

Wir können Jesus für den glücklichsten Menschen halten, der je gelebt hat. Er braucht sein Glück nicht erst herauszustellen, weil er sich angenommen und geliebt weiß. Dieses Glück befähigt ihn, „Ich“ zu sagen, und befreit seine Phantasie für andere. Von Jesus können wir lernen: Je glücklicher ein Mensch ist, umso leichter kann er loslassen. Das gnädige „Ja“ Gottes zu uns befreit uns von der Furcht, zu kurz zu kommen, und verhilft uns zur Selbstannahme wie zur Hinwendung zu anderen.   

c) Im Spiel und in der schöpferischen Phantasie bestehen die Inhalte des Glücks. Wir brauchen also im Glück nicht mehr eine Art Privateigentum zu sehen, das wir uns auf Kosten anderer stehlen müßten oder das vom Zufall diktiert wäre. Als die von Gott Beglückten, deren Leben glücken soll, sind wir Bauleute des Glücks mit dazu berufen, Glück nicht nur zu erfahren, sondern es auch selber hervorzubringen. 

Unser Glück beruht also darauf, daß wir Geschöpfe und Mitmenschen sind, unser Leben Gott verdanken und von anderen gebraucht werden. Auf die Frage nach dem Zweck der Schöpfung können wir antworten: Gott hatte Freude daran und wollte uns zur Mitfreude an seinem Werk haben. Ihm gehören der Dank und die Huldigung der Partner, die mit ihm diese Welt genießen und gestalten. Die schöpferische Phantasie ist die Kraft, die schon jetzt Hoffnung auf das Reich Gottes erweckt und in Verantwortung und Freude die Gestaltung dieses Reiches ermöglicht.   

d) Die Gemeinde ist Übungsfeld des Glücks. Wenn das Ziel des Glücks die Mitveränderung der Welt durch Phantasie und Liebe ist, dann hat dabei die Gemeinde eine besondere Aufgabe. Als die, die sich von Gott angenommen wissen, sind die Christen zum Einsatz für das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl von Menschen berufen, denn es gibt kein allgemeines Glück ohne das persönliche und umgekehrt. Im Blick auf die Arbeit heißt das, daß sie aus den schöpferischen Kräften der Liebe entspringt. Im Blick auf den Freizeitbereich heißt das, daß er mit Phantasie gestaltet wird, damit Menschen zu sich selbst kommen können. Auf diese Weise wird die Gemeinde nicht nur für andere, sondern mit anderen leben und in der Solidarität mit ihnen zum Experimentierfeld des Reiches Gottes werden.      

 

 

Heil

Das Wort „Heil“ ist ein Zusammenfassungswort. Es ist das umfassendste Wort, das die Sprache der Christen zur Verfügung hat, wenn sie aussagen will, was Gott durch Christus für die Menschen und für die Welt hat geschehen lassen. Hinter diesem Wort steht eine eigene sprachliche Entwicklungslinie. Das alttestamentliche Wort, das im Deutschen mit „Heil“ wiedergegeben wird, bezeichnet die Rettung oder Hilfe, die einem Bedrängten zuteil wird. Es herrscht dabei die Vorstellung einer notvollen Enge, aus der heraus Befreiung ins Weite geschieht. Die griechische Wortgruppe, durch die dieses alttestamentliche Wort übersetzt worden ist (sozo, soteria, soter), kann auch die Lebensrettung in Notsituationen bedeuten, wird darüber hinaus aber verwendet, wenn Zustände bezeichnet werden sollen, in denen jemand oder etwas bewahrt oder gesund erhalten wird oder sich wohlbefindet. Der lateinische Begriff „salus“, mit dem dies alles in der lateinisch sprechenden Welt übertragen worden ist, geht noch stärker auf Zustände, durch die das Wohl von Menschen erhalten wird.  Das deutsche Wort „Heil“ meint ebenfalls die Integrität, das In-Ordnung-sein von Menschen und Dingen, wobei aber Bereiche von Gefährdung und Hilfe, von Erkrankung und Gesundung mitschwingen.

 

Dieser erste Überblick zeigt zweierlei. Einmal, daß das Wort „Heil“ eine Eigenbedeutung hat, die es mit einbringt, wenn wir mit ihm aussagen wollen, was für uns Christen lebenswendend und lebensbestimmend geworden ist. Diese Eigenbedeutung schwingt zwischen Rettung aus Not und Gewinn gefährdeter Integrität. Formal betrachtet, geht es von mehr ereignishaften Kategorien zu mehr zuständlichen. Inhaltlich geht es vom Rettungsgeschehen bis zu etwas, das man Wohlbefinden nennen könnte, wenn man dabei nicht nur körperliche, sondern auch seelische und überhaupt ganzheitliche Befindlichkeiten meinen wollte. Zweitens befaßt dieses Wort nun auch alles das unter sich und in sich, was wir Christen überhaupt von der Bedeutung des Christusgeschehens für uns sagen können. Es ist dann sehr umfassend und füllt sich erst mit Inhalten, wenn mancherlei „soteriologische“ Verknüpfungen und \Vorstellungen mit ihm verbunden werden. Um dieses letztere, also das Umfassende, das mit „Heil“ gemeint ist, wenn wir „Heil“ sagen, muß es uns hier vor allem gehen. Dabei wird es uns allerdings auch wichtig ein, das erstere, also die Eigenbedeutung von „Heil“ als Wort christlicher Sprache, mit einzubringen und mitsprechen zu lassen.

 

1. DAS CHRISTUSHEIL

Entscheidend für die christliche Überzeugung davon, daß man auf Jesus das Wort „Heil“ anwenden muß, ist die Tatsache gewesen, daß Jesus nach seinem Kreuztod einer Reihe von Menschen - darunter auch seinen Jüngern - erschienen ist. Der von den Osterereignissen ausgelöste Glaube an Jesu Erhöhung zu Gott ist der Keim des christlichen Heilsglaubens. Es gab aber nie einen bloßen Erhöhungsglauben. Vielmehr war damit sogleich eine Fülle von weiteren Glaubenserkenntnissen verbunden. Zunächst einmal die, daß Jesus als Erhöhter auch der kommende ..Endzeitheilbringer“' sein werde und deshalb weiterverkündet werden müsse.

 

2. DIE HEILSVERSTÄNDNISSE

Bereits im Neuen Testament gibt es eine ganze Reihe von Verständnisweisen für das in Christus gekommene Menschheitsheil. Es ist ungewohnt, aber wir müssen uns daran gewöhnen, daß hier nicht eine einzige Vorstellung dominiert, sondern mehrere nebeneinanderstehen und vielfältig zum Ausdruck bringen, was es bedeutet. daß durch Jesus das Heil gekommen ist. Da ist einmal die Rede von „Erlösung“, hinter der das Bild vom Loskauf eines Sklaven steht. Das Bild hat vielfältige Beziehungen. Es kann die Befreiung von „Mächten“ meinen, die Befreiung vom Gesetz, auch die Befreiung von Sünde und Schuld.

Daneben gibt es den Gedanken der „Rechtfertigung“, der in der paulinischen Soteriologie überwiegt und für die Reformation von entscheidender Bedeutung wurde. Es ist ein „Kampf“- Begriff, insofern Paulus mit ihm den Streit darüber austrug, ob der Mensch durch Gesetzeserfüllung oder durch das „Sühnemittel“ (Röm. 3,25) des Kreuzestodes Christi vor Gott bestehen solle.

 

Manchmal gebraucht Paulus auch das Bild der „Versöhnung“. Es stammt aus dem Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen. Er setzt voraus, daß zwischen zwei Partnern ein Riß eingetreten war, der durch ein neues Einverständnis überwunden wird.  Hier handelt es sich um Gott und den Menschen. Der Riß ist dadurch entstanden, daß die Menschen sich in ihrer Sünde zu Feinden Gottes gemacht haben. In diesen Riß hat Gott das Kreuz Christi als wirksames Versöhnungszeichen gestellt.

Das Christusheil zeigt vier Momente von entscheidender Wichtigkeit:

Das erste durchgehende Moment ist, daß in allen Variationen des neutestamentlichen Heilsverständnisses G o t t als der zum Heil der Menschen Wirkende auftritt. Der Kreuzestod Christi ist keine Leistung vom Menschen  her zu Gott hin.

Das zweite wichtige und durchgehende Moment ist, daß in allen neutestamentlichen Heilsvorstellungen dem K r e u z e s t o d Christi die entscheidende Rolle beim Wirklichwerden des Heils  zugeschrieben wird.

Das dritte durchgehende Moment ist, daß „Heil“ im biblischen Sinne ganz selbstverständlich einen u n i v e r s a l e n Sinn hat. Es gilt allen Menschen.

Das vierte Moment, das wir herauszustellen haben, wird besonders umstritten sein. Das Heil, wie es im Neuen Testament verkündet und verstanden wird, gilt dem e i n z e l n e n Menschen in seiner Gefährdung, seiner Gottentfremdung, seiner Zweideutigkeit, kurz seiner Sünde und seiner Schuld vor Gott.

 

Aus einer Predigt

Wir sind alle dazu aufgerufen, zum Wohl der Menschen beizutragen .Aber das Wohl bleibt echt das letzte Ziel unseres Lebens: Wenn einer eine irdische Wohltat erfahren hat, dann sollte er das zum Anlaß nehmen, einmal aber das  Heil nachzudenken. Vielleicht muß man auch erst ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß hinter jeder  Wohltat die Hand Gottes zu spüren ist.

Es geht uns also nicht nur um das zeitliche Wohl, um Gesundheit, Frieden, Arbeit, soziale Gerechtigkeit, Rechtssicherheit. Wir suchen vielmehr nach dem ewigen Heil, nach Befreiung von Sünde und Tod und einem Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Dieses Heil besteht nicht im Einsatz für die Menschen und in humanistischen Programmen, sondern es wird uns von Gott geschenkt und ist an den gekreuzigten Jesus gebunden.

Bei der Verkündigung des Heils hat die  Kirche ihre eigentliche Aufgabe, die sie bei allem Einsatz für das Wohl nicht vernachlässigen oder vergessen darf. Sollen sich die anderen um das Heil kümmern, wir sind für das Heil zuständig. Wir sind der Welt die Botschaft vom Heil Gottes schuldig, denn es ist das letzte Ziel unsres Lebens.

Aber wir wollen nun nicht wieder an den Problemen unserer Welt vorbeisehen und den Glauben nur als eine innere .Erfahrung verstehen. Dann wäre er tatsächlich so etwas wie „Opium fürs Volk“ und der Dichter Heinrich Heine hätte recht mit seiner Forderung: „Wir wollen hier

Auf Erden schon das Himmelreich errichten!“ Wir können nicht immer nur auf  eine spätere gerechte Welt vertrösten.

Aber wir wissen, daß das Himmelreich etwas Zukünftiges bleibt und niemand sich das Heil selbst beschaffen kann. Aber gerade weil Gott sich uns in Jesus Christus so zugewendet hat,

ist eine Änderung der -Menschen und Verhältnisse möglich geworden. Der Glaube ist nicht eine Privatsache, sondern Friede, Freiheit, Gerechtigkeit und Versöhnung wollen in unserem Leben konkret verwirklicht werden. Als Christen ist es unsere Aufgabe, vom Heil nicht nur zu reden, sondern allen Menschen deutlich zu machen, daß das Heil auch das Wohl und das Glück mit einschließt.

 

Literatur:

„Der kleine Prinz“ von Saint-Exupery , Seite 26 - 36:

Der Prinz besucht vier Menschen auf ihrem Planeten, die jeweils nach etwas anderem streben: Der König will befehlen können, der Eitle will bewundert sein, der Säufer möchte vergessen können, der Geschäftsmann will besitzen.

Sie machen sich etwas vor und beschäftigen sich nur mit sich selbst. Aber welche Rolle spielen diese Wünsche in unserem Leben?

Der kleine Prinz hat nur ein vergleichsweise kleines Ziel: Er will eine Blume pflegen („Es ist gut für meine Blume, daß ich sie besitze. Aber du bist für die Sterne nichts nütze“). Glück ist

nicht dort, wo der Mensch für sein privates Wohlergehen sorgt, sondern wo er sein Leben für andere einsetzt.

Märchen: „Hans im Glück“, „Frau Holle“, „Froschkönig“.

 

 

 

 

Lebensstil und Fasten

Hergeben - verzichten - teilen:

Einwände: Ich möchte gerne teilen, aber...

... ich habe Angst, nicht auf meine Kosten zu kommen

... die anderen tun es ja auch nicht

... was werden dann meine Nachbarn sagen?

... muß ich da nicht meine Selbstverwirklichung aufgeben?

 ... ist dann die Mark nur noch fünfzig Pfennig wert?

 

Warum fällt uns das Teilen so schwer?

Das Haben-wollen und das Haben-müssen haben sich uns tief eingeprägt. Wir müssen ja auch etwas haben, denn wer nichts hat, kann auch nichts geben.

Aber wir leben auch in einer Zeit der Umbrüche, weil wir immer mehr erkennen, daß wir nicht alles endlos und unbegrenzt haben:

1. Die Versorgung mit fossilen Brennstoffen ist nicht gesichert

2. Anbaufähiger Boden und bewohnbare Flächen werden Mangelware

3. Die Möglichkeit der Umwelt, Abfälle aufzunehmen, und die ökologische Widerstandskraft sind begrenzt

4. Der Glaube zerbricht, daß durch Technik und immer größere Industrie die Armut in der Welt überwunden werden kann

5. Herkömmliche Wertvorstellungen tragen nicht mehr und man sucht nach neuen Werten, auch nach Gott, denn an irgendetwas muß der Mensch doch glauben.

Wir befinden uns bereits auf dem Weg in eine „nachindustrielle Gesellschaft“, die ganz neu menschliche Entwicklung ernst nimmt. Für viele aber erscheint eine Veränderung bedrohlich, sie wollen die wahre Lage vor sich selber verbergen und bleiben am alten Lebensstil haften.

 

Besser leben durch teilen?

Der Reiz, ein Moped zu besitzen, liegt weniger in dem Wertgegenstand, sondern im Fahrerlebnis, besonders wenn die Beschleunigung gut ist.

Festliegender Besitz ist weniger aufregend als wachsender und in Arbeit sich vermehrender. Aber noch besser ist es, wenn man seinen Besitz mit anderen teilt, also z.B. das Moped auch anderen zur Verfügung stellt bzw. sie mitnimmt.

Teilen heißt: Hergeben und hingeben, teilnehmen und teilhaben, mitteilen und austeilen. Wenn man einfacher lebt, fließen Freude und Kraft zurück, die man vielleicht nicht erwartet hat. Man kann nicht immer nur herausholen, sondern man muß auch hineinstecken.

 

Fasten und Frieden:

Die Beziehung des Fastens zum Beispiel zu ökologischen Problemen ist sicher schneller einsichtig als das Begriffspaar Fasten und Frieden. Die Hochrüstung der Gegenwart geht vor allem auf Kosten derer, die nicht einmal das Nötigste zum Leben haben. Für ihre Anliegen öffnen wir uns in dieser ganzheitlichen Erfahrung des Fastens in besonderer Weise. Kriege haben wesentliche Wurzeln im Streben nach Besitz und Macht, auch wenn das schon seit Urzeiten ideologisch verbrämt wurde. Friedensfähigkeit wird dort gefördert, wo Menschen sich üben im Verzicht.

 

Askese - ein Wort der Zukunft?

Unser Verhältnis zum Besitz kann uns zeigen, welche Ziele unser Leben bestimmen. Denn im Besitz- und Erwerbsstreben liegt die Versuchung, eben doch den Reichtum zu vergötzen. Dabei geht es nicht nur um den Erwerb von Gütern, sondern auch das Streben nach Ansehen und geistigem Reichtum kann den Blick für die Ewigkeit verstellen. Welche Gedanken beschäftigen mich denn abends zuletzt und morgens zuerst?

Die Mönche des Mittelalters übten Askese um des Reiches Gottes willen und wegen des persönlichen Glaubens. Doch sie ist längst durch platten Materialismus ersetzt. Ihm sind jedoch solche Werte wie Verantwortung, Solidarität und neue Askese entgegenzusetzen. Doch echte Werte erfordern ein lebenslanges Trainingsprogramm. Dieses wird gefördert durch das Teilen. Kraft und Antrieb bekommt es aus einer durch den Glauben veränderten Gesinnung, die sich nicht dem „Schema“ der Welt anpaßt.

 

 

Biblischer Befund:

Altes Testament:

Im Alten Testament diente das Fasten zur Vorbereitung des Offenbarungsempfangs. Das schließt meist eine Begegnung mit Gott ein (zum Beispiel Mose 34). Bevor Mose von Gott die Zehn Gebote erhielt, fastete er 40 Tage und 40 Nächte. Das Fasten im Alten Testament ist auch Ausdruck der Beugung des Menschen vor Gott. Auffällig ist, daß Fasten und Beten oft gleichzeitig vorkommen, um bei Gott Erhörung zu bewirken. Je länger je mehr wurde das Fasten jedoch zu einer frommen Leistung. Rechtes Fasten sollte jedoch zum Heil und zur Beugung vor Gott führen sowie zu sozialem Liebensdienst an armen und unglücklichen Menschen.

In alttestamentlicher Zeit wird Fasten zunächst als eins Art von Selbstdemütigung angesehen (vgl. Ps 35,13 und Jesaja 58,3+5). Es soll dem Bittgebet mehr Nachdruck verleihen und steht deswegen als Empfehlung bei schweren Heimsuchungen. Auch bei Todesfällen (1 .Sam 31,13) und vor allem vor dem Empfang von Offenbarungen (2.Mose 34,28; und 5. Mose 9,3) ist Fasten angesetzt.

Das Gesetz nennt als verpflichtenden Fasttag einzig den großen Versöhnungstag (4. Mose 29,7). Später jedoch wurde dem Fasten eine immer größere Bedeutung beigelegt als fromme Leistung, durch die man sich besondere Verdienste erwerben konnte. Doch schon die Propheten kritisierten die übertriebene Wertung und die Veräußerlichung des Fastens (Jes 58,1-5; und Jer 14, 12).

 

Sorgen (Matth. 6, 25 - 33)

Wie verträgt sich die Mahnung „Sorget nicht“ mit unserem Streben nach einem lebenswerten Leben? Im Gegensatz zu den Tieren und Pflanzen können wir Menschen nicht ohne Arbeit und Vorsorge für die Zukunft leben. Wir sorgen für uns und für die, die zu uns gehören. Wenn wir an die Zukunft denken, sind wir nicht nur immer in froher Erwartung, sondern fragen, was sie uns bringen wird, ob wir alles, was wir uns vorgenommen haben, erreichen können, ob wir genug von dem, was wir brauchen, haben werden.

Sorge kann zu einer Last werden kann, die unfrei macht. Ich bin hauptsächlich mit mir selbst und meinen Gedanken beschäftigt und nicht mehr frei zum Handeln und für andere. Das Wort der Bergpredigt „Sorget nicht“ will von dieser Last befreien.

 

Mt 6,1-6 und 16-18:

V. 1: Matthäus schildert in der Bergpredigt Jesus als den Lehrer der neuen Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit ist hier als Tun des Rechten in der Nachfolge Jesu, des von Gott um der Menschen willen Gebotenen zu verstehen, also nicht paulinisch als Gerechtsprechung der Glaubenden zu interpretieren, aber auch nicht in einen Gegensatz von Gottesliebe und Nächstenliebe, Horizontaler und Vertikaler auseinanderzureißen. Der Lehrer des rechten Tuns ist zugleich der, der das Rechte tut. Diese Gerechtigkeit ist derjenigen der Pharisäer und Schriftgelehrten überlegen, weil sie mit Gottes radikalem Willen Ernst macht und sich davon nicht durch zweitrangige Motive und Ziele ablenken läßt. Ihre Überlegenheit wird nach den Gegenüberstellungen von Kapitel 5 jetzt im Blick auf die Übungen jüdischer Frömmigkeit erwiesen.

Auch die Jünger Jesu, die Christen sind nach Matthäus in der Gefahr, daß ihre Frömmigkeit zu einer Schaustellung vor Menschen entartet und damit ihren Wert verliert. Es geht um das Motiv unserer Frömmigkeit, ob wir auf Anerkennung und Beifall anderer, also letztlich auf Selbstruhm aus sind oder ob wir aus Dankbarkeit und Freude an Gottes Gaben handeln und darum wirklich ganz und ungeteilt auf Gott ausgerichtet sind. Wer in seinem Verhalten und Glauben „sich sehen lassen“ will - auch wenn er sich sehen lassen kann! -, gebe acht, daß es nicht zum frommen Theater, zur heiligen Maskerade werde.

Aus dem volkstümlichen Judentum wird der Lohngedanke übernommen, aber neu interpretiert und dabei ad absurdum geführt. Nach zeitgenössischer Vorstellung schaffen die guten Werke, die vom Gesetz vorgeschrieben sind, und noch mehr die freiwillig erbrachten Leistungen ein Kapital, das für die Frommen im Himmel bereitliegt und dessen Zinsen sie schon bei Lebzeiten genießen können. Matthäus durchbricht das auf Meßbarkeit und Berechnen ihrer Wirkung ausgerichtete Denken und verändert damit den Lohngedanken: Es geht nicht um ein Entgelt, das Sklaven berechnen und von ihrem Arbeitgeber fordern, sondern um Gottes Treue und Anerkennung, mit der seine Kinder rechnen können.

Vers 2 - 4: Bei den Almosen ist hier weniger an die gesetzlich geregelten Abgaben, sondern vor allem an die darüber hinausreichende private Wohltätigkeit gedacht. Man muß bedenken, daß das Almosengeben im Morgenland nicht Unterstützung der Bettelei ist, sondern die Form der sozialen Hilfe schlechthin. Aber gerade bei der so vorbildlichen Armenfürsorge war die Gefahr des Mißbrauchs groß. Nicht nur, daß besonders hohe Spenden durch besondere Ehrungen gewürdigt wurden - das ist ja auch in der Kirche bis heute üblich. Die Kritik an den Pharisäern ist vielmehr grundsätzlicher Art: Alle ihre Frömmigkeit steht im Dienst von Geltungsbedürfnis und Eitelkeit und ist darum Heuchelei. Da eigentlich die Mitmenschen die Adressaten ihrer Frömmigkeit sind, haben sie den erstrebten Lohn schon weg. Sie können deshalb vor Gott nicht bestehen.

Vers 3 entwirft angesichts der Einheit unseres Zentralnervensystems ein paradoxes Bild (linke Hand- rechter Hand). Der Sinn ist jedenfalls, die Wohltat nicht nur vor anderen zu verbergen, sondern selbst wieder zu vergessen.  „Dein Vater" (V. 4 diese Formulierung in den ersten drei Evangelien nur hier!) sieht und kennt dich und wird es nicht vergessen, sondern anerkennen. Es geht also um ein neues Tun, das dem erneuerten Sein entspringt und frei von berechnendem Lohndenken ist.

Vers 5 bis 6: Im Volke Jesu wurde viel gebetet, und zwar sowohl in liturgischer Gestalt als auch in freier Form. Dieser Reichtum wurde aber durch eine Reihe fester Ordnungen kanalisiert. Auch hier konnte gerade den Frommen der Verdienstgedanke zur Gefahr werden. In die Absicht, in der Synagoge oder auf der Straße ein Beispiel zu geben und die anderen damit zu ermahnen, konnte unversehens der Wunsch geraten, bei ihnen Beachtung und Beifall zu finden. Diese Absicht entstellt den eigentlichen Sinn des Betens und trägt ihnen den Vorwurf der Scheinheiligkeit ein.

Das Paradoxe an Jesu Wort ist hier kein Bild, sondern ein Beispiel: Die Wahl der verschließbaren Vorratskammer, eines ganz und gar profanen Raumes zeigt die Freiheit Jesu gegenüber der sakralen Tradition und Sitte. Entscheidend sind am Beten nicht öffentlich erkennbare und meßbare Formen und Normen, sondern die anderen: verborgene Echtheit des Handelns, die Ausrichtung auf Gott, die vertrauensvolle Hinwendung zum Vater. Solches Beten, wie es Kindern Gottes entspricht, darf mit Gottes Antwort rechnen. Daß Gott es vergelten wird, heißt also hier, daß er unser Beten hören und auf seine Weise erhören wird.

Vers 16 - 18: Neben den offiziellen Fasttagen, besonders dem großen Versöhnungstag, wurde das Fasten von den frommen Juden häufig freiwillig geübt. Es galt ihnen als Zeichen der Trau­er und Reue über eigene und fremde Sünde, aber auch als ethische Verzichtleistung. Schon seit Jesaja 58, 5-12 war die Gefahr eines veräußerlichten, formalen Fastens gegenüber dem ganzheitlichen, echten Fasten, das in veränderter Einstellung und Haltung gegenüber den Mitmenschen sichtbar wird, bekannt. Die äußere Demonstration der Umkehr macht ihre eigentliche Absicht zunichte. Mag die gespielte Traurigkeit auf andere Eindruck machen - Gott läßt sich durch solchen frommen Schein nicht täuschen, er sieht hinter die Fassade.

Unser Wort scheint zunächst einen Widerspruch zu Mark. 2,18-22 zu enthalten, wo Fasten in der Gegenwart Jesu als überholt gelten darf. An unserer Stelle könnte es sich um eine anderslautende judenchristliche Tradition handeln, die Matthäus übernommen hat. Das eigentlich Paradoxe liegt in der Weisung von Vers 17: Waschen und Salben gehören doch gerade zu den Festvorbereitungen und waren an Fasttagen verboten! Damit ist freilich keine neue Anordnung erlassen, sondern ein Bild gezeichnet: Abkehr von der Sünde, Umkehr zum Vater, Hinkehr zu notleidenden Mitmenschen sind wie ein gewachsenes und gesalbtes Haupt. Fasten als Ausdruck solcher Umkehr ist eine festliche Sache, weil es seinen Ursprung in der verborgenen Beziehung zu Gott hat.

Unser Problem ist anders als zur Zeit Jesu: Das Fasten war damals keine Frage, nur wurde es in aller Öffentlichkeit ausgeübt und sozusagen zur Schau gestellt. Jesus aber ruft zu einem Tun im Verborgenen auf. Wir hingegen fasten gar nicht und müssen uns von diesem Text anregen lassen, bewußt auf etwas zu verzichten. Die in Matth. 6, 16-18 auf- und angegriffene Praxis des Fastens gehört kaum oder gar nicht zum Lebensvollzug der Menschen, wie wir sie in unseren „protestantischen“ Gemeinden vorfinden. Der Gedanke und die Praxis des Fastens wurden von ihnen nicht verinnerlicht.

Fasten ist für sie kaum ein Zeichen von Umkehr und Buße. Es ist vorwiegend negativ besetzt im Sinne von Verzicht und Forderung. Vereinzelte Ansätze zum bewußten Verzicht haben sich in den letzten Jahren herausgebildet. Sie sind aber weniger von der Buße als mehr von der Solidarität mit den Hungernden, den Unterdrückten und Diskriminierten in den lateinamerikanischen oder afrikanischen Staaten oder von der Verantwortung für ein menschenwürdiges Dasein der Notleidenden („Brot für die Welt“) und die Erhaltung der von Zerstörung bedrohten Schöpfung (Umweltverschmutzung) bestimmt.

Vor allem der Vers 17 wird einleuchtend gemacht werden müssen: Verzicht ist zu üben als Zeichen für die Notwendigkeit veränderter Einstellungen und Verhaltensweisen, die befähigen können, sein eigenes Leben und das der anderen würdig und sinnvoll zu gestalten. Nach Grundmann (Das Evangelium nach Matthäus, Berlin 1968, S. 152) könnte das heißen, daß das „mit dem Willen Gottes übereinstimmende ihm wohlgefällige rechte Verhalten“ sich rufen läßt zu „einem Fasten, in dem die Hinkehr zu Gott zur großen Freude und zum Fest des Lebens wird“

 

Jesus polemisierte gegen die falsche Haltung im Fasten und verteidigt zum Beispiel seine Jünger gegen die gesetzliche Auffassung der Pharisäer (Matth 6, 16-18). Jesus gibt dem Fasten einen neuen Sinn: Für ihr ist Fasten Gottesdienst und ein Zeichen der Umkehr zu Gott. Da er als der Messias gekommen ist und mit ihm die Heilszeit angebrochen ist, hat für ihn das Fasten nichts mit Trauer zu tun, sondern mit Freuden. Markus 2,18-22 macht dies besonders deutlich. Jesus läßt jedoch das Fasten zwischen seinem Kommen und seinem Wiederkommen (d.h. zwischen Heilsanbruch und Heilsvollendung) bestehen. Sicher wurde aus diesem Grunde auch in der nachapostolischen Zeit das Fasten wieder praktiziert.

 

Brüderliches Teilen in der Urgemeinde: Apg 2,42-47 und 4,32-37

Mit solchen eindeutigen biblischen Texten versucht man fertig zu werden, indem man ihn als „zeitgebunden“ bezeichnet oder der „Schwärmerei“ verdächtigt: Das sei eine Ausnahmesituation gewesen und gelte nicht für alle! Oder man nimmt einige Verse heraus, die einem passen, und die anderen überliest man schnell mit gutem Gewissen. Die Gütergemeinschaft sei angesichts der Erwartung der baldigen Wiederkunft Christi verständlich, aber für uns nicht mehr praktikabel. Das zeige auch die Kollekte, die Paulus nachher bei den heidenchristlichen Gemeinden habe sammeln müssen. Doch die Gemeinde in Jerusalem verarmte nicht wegen der Gütergemeinschaft oder weil man nicht mehr gearbeitet hätte angesichts des erwarteten Endes. Vielmehr folgte in den Jahren 48 - 50 nCh auf ein Brachjahr noch eine Mißernte, so daß ein unverschuldeter Engpaß in der Versorgung entstand.

Als Kennzeichen der Gemeinde werden genannt: Lehre, Gemeinschaft, Abendmahl und Gebet. Die Gemeinschaft wird auch besonders deutlich am gemeinsamen Besitz: Man gewährte sich gegenseitig Tischgemeinschaft und man verteilte mehr oder weniger organisiert Geld und Naturalien an die bedürftigen Mitchristen.

Die ersten Christen sahen sich als Verwalter, nicht als Besitzer. Sie sahen alle miteinander ihr Hab und Gut als gemeinsamen Besitz an („alle verkauften“, 2,44). Einzelne verkauften darüber hinaus noch Grundstücke (4,36 und 5,1ff). Doch das war wohl etwas Besonderes. Ein Stück des verheißenen Landes zu haben bedeutete doch Anteil haben an der Heilsverheißung; deshalb ist es sehr unwahrscheinlich, daß einer „alles“ verkauft hätte. In 4,34 steht aber die etwas umständliche Formulierung „die, die Besitzer von Grundstücken und Häusern waren“. Hier handelte es sich wohl um Häuser und Felder, die von den Eigentümern nicht selbst genutzt wurden. Sie gaben also das her, was nicht unbedingt zum Leben notwendig war. Der Gewinn aus dem Verkauf wurde aber nicht zum eigenen Verbrauch genutzt, sondern zum sozialen Ausgleich unter den Gemeindegliedern.

Es hat also jeder von seinen regelmäßigen Einkünften gelegt. Aber Sondereinkünfte (etwa durch Verkauf von Eigentum) kamen in die Gemeindekasse und wurden nicht zur Anhebung des eigenen Lebensstandards genutzt.

Offenbar hing das mit dem Glauben zusammen, besonders mit dem Glauben an die Auferstehung. In Apg 4,33 steht nämlich mitten in dem Bericht über die Gütergemeinschaft: „Die Apostel legten mit großer Kraft Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu!“

In der Apostelgeschichte wird noch an zwei anderen Stellen vom Fasten berichtet: Apostelgeschichte 13,3 und 14,23. Diese beiden Stellen zeigen, daß der Brauch des Fastens trotz des Kommens Jesu auch im Urchristentum Eingang gefunden hat.

Die urchristliche Gemeinde bot die Fastenpraxis übernommen (Apg 13,27-28 und 14,23; 2. Kor 6, und 11,27). Mit Gebet und Fasten bereitete man sich zur Taufe vor. Jesus läßt das Fasten zwischen seinem Kommen und seinem Wiederkommen bestehen. So wurde sicher aus diesem Grunde auch in der nachaspostolischen Zeit das Fasten weiter praktiziert. Die Christen fasteten damals mittwochs und freitags als Zeichen      der Erwartung des wiedekommenden Herrn. Der Mittwoch wurde gewählt als Tag der Gefangennahme Jesu, der Freitag als Tag der Kreuzigung.

In späterer Zeit wurde das Fasten auch wieder als Dienst der Wohltätigkeit geübt, um den Armen mit Essen, das man sich vom Mund absparte, zu helfen. Seit etwa dem Jahre 300 bürgerte sich das große 40tätige Fasten in der Passionszeit und zu Weihnachten und zu Pfingsten ein. Das Fasten wurde auch wieder als Dienst der Wohltätigkeit geübt, um den Armen mit Essen, das man sich vom Munde absparte, zu helfen.

 

Römer 12,1-2:

Im Römerbrief (12,1-2) werden Grundlage und Elemente eines neuen Lebensstils genannt und dann im weiteren Kapitel für die damalige Situation ausgeführt und konkretisiert: Gottes Liebe und Barmherzigkeit möchte unsere gesamte Persönlichkeit prägen. Des äußert sich in Veränderung des Sinnes, in kritischer Distanz zu „normalen“ Verhaltensweisen und in nüchterner Suche nach dem Guten.

 

Hebr 13,15-16: „Wohl zu tun und mitzuteilen vergeßt nicht!

Es sind keine Opfer mehr wie im Alten Testament möglich, sondern sie sind ersetzt durch Gotteslob und Nächstenliebe. Gott hat alles für uns getan und sich mit uns versöhnt. Unsere Antwort ist die Dankbarkeit, die sich zeigt im Bekennen und Dienen. Fundamente des gemeindlichen Lebens sind Barmherzigkeit üben, gastfrei sein und teilen lernen. Sie sind die Alternative zur Haben-Struktur.

 

Fasten

Definition:

Fasten ist zunächst die teilweise oder gänzliche Enthaltung von Nahrung zu besonderen Zeiten und Zwecken:

• um sich auf das Wesentliche des Lebens zu besinnen (Konzentration) („Ein voller Bauch studiert nicht gern“

• um das „Übergewicht“ des eigenen Ich's abzubauen und die Nöte der Welt zu sehen (Kontemplation).

 

Fasten ist eine Verhaltensweise von selbständigen Menschen, die sich frei entscheiden können. Fasten betrifft den ganzen Menschen: jede einzelne seiner Körperzellen, seine Seele und seinen Geist. In Form der Diät hat das Fasten einen ganz neuen Zugang in die Lebensweise der Menschen gefunden.

Es gibt verschiedene Formen des Fastens:

• Sich natürlich verhalten: Das tun, was dem Körper guttut, wonach der Körper verlangt. Der Erschöpfte soll sich ausschlafen, der Bewegungsfreudige soll wandern, Sport treiben, Schwim­men, das tun, was Spaß macht: bummeln, lesen, tanzen, Musik genießen, Hobbys pflegen.

• Sich vom Alltag lösen; heraus aus beruflichen und familiären Bindungen; weg von Terminkalender und Telefon. Verzicht auf Illustrierte, Radio, Fernsehen, Computer. Statt Reizüberflutung von außen: Begegnung mit sich selbst; statt sich der Steuerung von außen zu unterwerfen: sich der Innensteuerung überlassen.

• Alles weglassen, was nicht lebensnotwendig ist. Alles das, was zur lieben Gewohnheit geworden ist, aber dem Körper während der Fastenzeit schadet: Nikotin und Alkohol in jeder Form; Süßigkeiten und Kaffee; Medikamente (soweit entbehrlich) - auf jeden Fall aber Entwässerungstabletten, Appetitzügler und Abführmittel.

Fasten sollte nicht eine einmalige Übung sein, sondern zu einem vernünftigen Lebensstil verhelfen. Ein solcher Lebensstil beeinflußt Bedürfnisse und Konsum. Er hat Folgen für die Umwelt.

 

Geschichtliche und außerchristliche Zusammenhänge:

Zu jeder Zeit in der Geschichte haben Menschen gefastet. Ob aus religiösen, politischen oder gesundheitlichen Gründen - Fasten war immer ein Versuch, ein tief verwurzeltes Unrecht und Übel radikal auszurotten. Menschen haben gefastet - in einem sehr primitiv verstandenen Handeln - um einen zornigen Gott gnädig zu stimmen. Aber auch gegen unerträgliche Lebensbedingungen oder um ihren Körper von Krankheit zu befreien. Heute scheint Fasten - vor allem unter jüngeren Leuten - wieder entdeckt worden zu sein und fast schon zu einer religiösen oder auch politischen Modehaltung geworden zu sein.

Das Fasten ist ein uraltes, in vielen Religionen angewandtes Instrument zur persönlichen Läuterung und gesellschaftlichen Befreiung von Sünde und Unrecht. Das Fasten wird verstanden als Kraft der Läuterung, der Buße, der Einigung für die Betroffenen. In den außerchristlichen Religionen ist das Fasten weit verbreitet, zum Teil in Verbindung mit urtümlichem medizinischen Wissen, das heute in der modernen Medizin im Heilfasten wieder neue Bedeutung erlangt hat. Rein religiös dient das Fasten (in engeren Sinne des Wortes als zeitweiliger Verzicht auf jegliche Nahrung), um entweder die schädliche Kraftausstrahlung der Nahrung aufzuheben oder zur Vorbereitung auf bestimmte Weihen. Es kann auch Mittel sein um in dem durch das Fasten erreichten ekstatischen Zustand mit den Göttern in Verbindung zu treten oder die guten Geister auf sich zu lenken. Daneben kommt es zu organisierten Festen, wenn zum Beispiel Umweltkatastrophen abgewehrt werden sollen. In den großen Weltreligionen wird zu bestimmten Zeiten (Tage oder Perioden) gefastet.

 

Fasten als Ausdruck des Ergriffenseins von Gott

Fasten ist eine bis zum Verzicht auf Nahrungsaufnahme gesteigerte Gotthingabe. Wir opfern

gelegentlich Geld, Zeit oder Eigentum für Gott. Aber die Intensität der persönlichen Hingabe hat dann immer noch nicht die Grenze eines den eigenen Körper angehenden Opfers überschritten. Wie könnte unser Ergriffensein von Gott drastischer deutlich werden als an einer Stelle, wo wir um seinetwillen Dinge lassen, die durchaus zum normalen Gebrauch erlaubt, ja bestimmt sind? Jesus hebt das Essen und Trinen nicht auf, wenn er seinen Jüngern empfiehlt zu fasten.

Aber es geht um die grundsätzliche Bereitschaft und Willigkeit, in einen entscheidenden geschichtlichen Augenblick Gott über jedes andere Bedürfnis zu stellen. Es ist schon hieraus klar, daß die Verknüpfung des Fastens mit dem Angebot des Evangeliums klar bestimmt werden muß als ein Antworthandeln des Menschen, das in sich keinerlei Eigenwert als sittliche Leistung hat. Es ist ein Teil der Gehorsamsäußerung des vom Evangelium ergriffenen Menschen.          Als solches ist des Fasten aber fähig und geeignet, die Echtheit und das Maß des angeeigneten Evangeliums zu erweisen.

 

Die Freiheit des Fastens

Freiheit soll verstanden werden nicht als Freiheit „v o m“, sondern „z u m“ Fasten. Wenn das Fasten unter Zwang, Widerwillen oder Verkrampfung oder gar Gruppenzwang geschieht, ist es kein Fasten, sondern Hungern. Ein solches Fasten kommt nicht aus der Verneinung irgendeiner Speise - das wäre bloßer Verzicht. Zur Freiheit eines solchen Fastens gehört die persönliche Gewißheit über den Zeitpunkt. In das Fasten kann nicht mechanisch oder willkürlich eingetreten werden. Weil es ein geistlicher Vorgang ist, bedarf es der steten Verbundenheit mit Jesus Christus und des Gebetsumgangs durch den Heiligen Geist mit ihm. So ist Fasten jeweils Ergebnis von Führung Gottes.

Verbindlich festgelegte Fastenzeiten für eine Vielzahl von Menschen widersprächen dem Grundsatz des Führungshandelns Gottes in seiner Kirche. Sie kommen. praktisch der Ausschaltung der persönlichen Führung des Einzelnen gleich: Wo nicht mehr freier Raum für Gottes souveränes Handeln bleibt, ist man im Begriff, seine Herrschaft in der Kirche zu ersetzen oder zu verleugnen. Dies schließt nicht aus, daß sich Gruppen in freiem Entschluß das Fasten in bestimmten Zeiten, in bestimmter Weise und aus konkretem Anlaß auferlegen können.

 

Das Fasten für andere

Festen kann durchaus zur ganz persönlichen Vertiefung oder Reinigung des Glaubenslebens dienen. Aber das ist noch nicht sein voller Reichtum. Es hat auch stellvertretende Bedeutung. Hier erst kommt es zu seiner vollen Sinnerfüllung. Für sich selbst fasten ist gut und nützlich; für andere zu fasten ist besser und sinnvoller. Wurde oben von dem äußersten Einsatz des Menschen angesichts der Erstrangigkeit der Belange Gottes gesprochen, so muß hier dasselbe in Anbetracht der Leiden der Mitmenschen gesagt werden.

Wir finden zwei Ausdrucksformen eines solchen Fastens. Das erste beschränkt sich auf Nahrungsmittelenthaltung. Zum Beispiel kann man einem Alkoholkranken durch ein Nichttrinken auf Zeit, an bestimmten Tagen oder für unbestimmte längere Zeit (warum auch nicht für immer?) Unterstützung in seinem Bemühen geben, von Alkohol frei zu kommen oder zu bleiben. Das kann auch ein glaubenstärkendes Moment für den Alkoholiker sein.

Die andere Form kann in Verbindung mit Jesaja 58, 1-12 als Enthaltsamkeit und Entsagung im weiteren Sinne benannt werden, die aus dem erwachten Gerechtigkeitsbewußtsein für Notleidende und Unterdrückte und ungerecht Behandelte und auch für deren Verursacher entsteht.

Dieses solidarische Fasten wird sich oft in zwei Weisen des Fastens konkretisieren: Fasten um der Solidarität der Schuld und des Leides Willen. Es ist das herkömmliche bekannte passive Fasten. Meist geschieht es zusammen mit Fürbitten, Sündenbekenntnis, Suchen und Beten um Befreiung aus geistlicher oder (und) materieller Not.

 

Die Hilfen des Fastens

Der in guter körperlicher Verfassung Fastende wird nach anfänglicher Schwierigkeit das Fasten nur als w:ohltuend empfinden. Es bedeutet eine Entlastung, von allerlei Funktionen, die der Körper bei voller oder übermäßiger Verdauungsbeanspruchung erfüllen muß. Auch in das seelische Gefüge unseres Innenlebens strahlen Wirkungen: Wir fühlen uns geistlich frisch und rege.

Wichtig ist die Erfahrung der Freiheit. Unser alltägliches Leben 1äuft sonst weitgehend in festen Gleisen. Unsere Weckzeit ist bestimmt vom Schul- und Arbeitsbeginn; unsere Nahrungsaufnehme von Pausenzeiten und Speisenplan; unser Abend vom Fernsehen. Wir leiden nicht so sehr am Mangel, sondern an Überfluß und an der Überforderung: Termine hetzen uns, Informationen überfluten uns, Fragen und Probleme verunsichern uns, Angebote manipulieren uns, Drohungen disziplinieren uns. Da kann Fasten Erfahrung und Einübung in Freiheit sein: Ich fälle freiwillig die Entscheidung zum Verzicht. Daß ich dazu stehe, ist nicht durch Ordnungen oder Drohungen abgesichert, sondern ist von meiner Kraft und Konsequenz abhängig.

Wichtig am Fasten wird nicht der Verlust an Genuß, Freude und Lebensqualität, sondern der Gerinn von Klarheit durch Konzentration auf uns selbst, auf andere Menschen, auf Gott. Auch das Erkennen der Wege Gottes in konkreten Situationen wird entscheidend durch das Fasten

erleichtert. Es ist Gott offenbar viel eher möglich, sich einem aktiv (=fastend) auf ihn eingestellten Menschen zu offenbaren. Es ist, wie wenn ein Leserraum geschaffen wäre, .in den der Geist hineinsprechen und einströmen kann.

Fasten bewirkt Bevollmächtigung zu Diensten aller Art. Neben diesen geläufigen Fastenwirkungen sind sicher viele andere möglich, die Gott sich in seiner Freiheit vorbehalten hat zu schenken.

 

Fasten als ganzheitliche Erfahrung

Fasten will der Versuch sein, bewußter und intensiver zu leben. Fasten ist nicht nur ein Verzicht auf Nahrung, sondern ist auch ein Verzicht auf Dinge, die uns stark in Anspruch nehmen. Dennoch spielt dabei der Nahrungsverzicht eine wesentliche Rolle. Menschen fasten, um ihre Wahrnehmungsfähigkeit, das Einfühlungsvormögen und die Denkfähigkeit zu stärken. In diesem Sinne ist es ein Versuch, der unser ganzes Menschsein betrifft mit Körper, Sinnen und Geist.

 

Fasten in Gemeinschaft

Eine weit verbreitete Erfahrung der Gegenwart ist, daß der Einzelne sich als hilflos und ohn­mächtig erlebt. Träger der Verheißung in der Bibel ist immer eine Gemeinschaft: das Volk Israel und die Gemeinde Jesu Christi. Beim gemeinsamen Fasten kann ich Gemeinschaft mit der ganzen Person erfahren. Die Gemeinschaft motiviert, trägt durch und verbindet. Das Gespräch über verschiedene Erfahrungen, die der Einzelne macht und einbringt, hilft zur Klärung. Unterschiedliche Menschen orientieren sich am gleichen Ziel und versuchen, dieses anderen (Familie, Gemeinde) verständlich zu machen.

 

Grenzen des Fastens

Grenzen des Fastens gibt es im persönlichen Bereich und vom Ansatz als christliches Handlungsfeld her. Im persönlichen Bereich gilt, daß nur gesunde Menschen ein längeres Fasten unternehmen sollten. Schwangere und stillende Frauen sollten kein langes Fasten. beginnen; sie können jedoch ohne Gefahr und Unwohlsein bis zu 24 Stunden fasten.

Auf jeden Fall muß der Körper eine genügende Menge an Flüssigkeit (am besten frisches, reines Wasser oder leichte Obstsäfte), auch schon bei kurzem Fasten bekommen.

Die andere Grenze vom christlichen Ansatz her liegt da, wo Fasten als Hungerstreik zum Mittel der Erpressung wird. Hier wird der Ansatz der Liebe verlassen und das Fasten zur subtilen Form von Gewalt. Diese bleibt aber in die Spirale von Gewalt und Gegengewalt eingebunden und darf nicht als aus dem christlichen Glauben ableitbar hingestellt werden. Die letzte Stufe dieser Gewalt wäre die Gewalt gegen sich selber und würde zur Folge den eigenen Hungertod haben. Auch ein Berufen auf das Vorbild Jesus von Nazareth, der sein Leben für andere geopfert hatte, ist ein Irrweg und hat sicher nichts zu tun mit dem Gehorsam gegenüber Jesus, auch wenn Jesus von seinen Jüngern erwartet, daß sie ihr Leben für das Reich Gottes einsetzen sollen. Wohl aber kann ein Fasten den Ernst eines konkreten Anliegens als Stellvertretung und Fürsprache für andere unterstreichen und anderen Einsatz unterstützen

 

Formen des Fastens

1. Teilfasten:

Teilfasten heißt Verzicht auf bestimmte Elemente der Nahrung und des Lebensstils. Wir müssen uns fragen, ob uns nicht so manche Verhaltensweise so sehr lieb und wert ist, daß es gar nicht leicht fällt, darauf zu verzichten.

Beispiele: Verzicht auf Fleisch, Wurst, Kuchen, Süßigkeiten, Alkohol, Tabak.

Stattdessen: Quark, Vollkornbrot, Milch, Obst, Gemüse, Kräutertee.

Freizeitgestaltung und Umweltschutz: Verzicht auf Moped und Auto, Fernsehen und Musik. Stattdessen: Fahrrad, Gymnastik, Spiele; Andacht, Gebet, Singen, gute Gespräche.

 

2. Einübung in einen neuen Lebensstil:

Im Römerbrief werden Grundlagen und Elemente eines Lebensstils genannt (12,1-2) und dann in den folgenden Versen für die damalige Situation ausgeführt und konkretisiert. Gottes Liebe und Barmherzigkeit möchte unsere gesamte Persönlichkeit prägen. Das äußert sich in der Veränderung unseres Sinnes, in kritischer Distanz zu „normalen“ Verhaltensweisen und in nüchterner Suche nach dem Guten.

Durch Fasten können Freiräume für die wichtigen Erfahrungen geschaffen werden, die wir im

Alltag erleben können:

- Ich will wieder lernen, Stille zu ertragen

- Ich will wieder lernen, für mich allein sein zu können

- Ich will wieder lernen, mit anderen zu reden

- Ich will wieder lernen, mich Gott zuzuwenden.

 

3. Totalfasten:

Es ist einem gesunden Menschen ohne weiteres möglich, ein oder zwei Tage in der Woche vollkommen auf Nahrungsaufnahme zu verzichten.

Es ist hilfreich, den Unterschied zwischen Hunger und Appetit zu erfassen. Hunger ist ein Bedürfnis des Körpers, das eine physiologische Basis hat: Das Gefühl von wirklichem Hunger und die darauffolgende Reaktion - essen ist notwendig, um das menschliche Leben zu erhalten. Appetit dagegen ist wesentlich eine psychologische Regung, die jemand motiviert, Vergnügen im Akt des Essens zu suchen. Es ist immer oder fast immer Appetit und nicht Hunger, was uns veranlaßt, dreimal am Tage zu essen. Wahrer Hunger meldet sich in allgemeinen erst nach 25 bis 45 Fastentagen. Das Gefühl von extremem Appetit, das wir gewöhnlich „Hunger“ nennen, stellt eine bedeutende psychologische Anforderung an den Fastenden, gerade in den ersten Tagen.

Bei Beendigung des Fastens sollte nicht zu viel und zu schnell gegessen werden. Auch schwere Nahrung ist dem Körper nicht dienlich. Man muß auch nicht die nicht gehabte Nahrungsmenge nun wieder „nachessen“ wollen. Der Körper braucht dies auf keinen Fall. Vielleicht könnte solch ein kurzes Festen ein neues Grundverhalten beim Essen überhaupt nach sich ziehen.

 

Fastenaktionen

Richtlinien für eine umwelt- und menschenfreundliche Ernährung

1. Weniger Fleisch essen:

Wenn sich in 30 Jahren der Fleischverbrauch verdoppelt hat, ist das nicht nur eine Umweltbelastung (Futtermittelproduktion durch chemische Düngung, Gülleanfall, Antibiotika-Einsatz), sondern es hindert auch die Entwicklung in der Dritten Welt. Unsere Ernährung hat in den letzten 100 Jahren eine falsche Richtung beim Fleischverzehr angenommen. Mit steigen­dem Wohlstand wird unser Essen immer wertloser. Das hat auch psychologische Ursachen. Essen ist für uns oft Statussymbol, etwa in der Richtung: Ich bin etwas und habe etwas, und deswegen kann ich mir auch gutes Essen leisten. Für viele Menschen soll gutes Essen immer noch die Erinnerung an die Not nach dem Krieg verdrängen. Anderen bietet das Essen Befriedigung für Bedürfnisse, die sonst nicht erfüllt werden.

Fleisch ermöglicht nur eine kurzfristige Kraftentfaltung. Fettes Fleisch erhöht den Cholesterinspiegel und führt zu Herz- und Kreislauferkrankungen

Fleischreduzierte Kost könnte man vor allem in kirchlichen Einrichtungen einführen. Sehr gut wäre der Brauch, am Freitag kein Fleisch zu essen. Stattdessen könnte man eine schmackhafte Gemüsesuppe oder einen Auflauf anbieten. Als Alternative zu Fleisch gibt es Milchprodukte, Kräuter, Vollkornspeisen und Soja

2. Weniger Weißmehlprodukte, mehr Vollkornnahrung. Vor allem in der Schale sind Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe.

3. Zuckerverbrauch einschränken: Der stark raffinerierte Zucker enthält weder Vitamine noch Mineralstoffe. Der Vitamin-B-Haushalt des Körpers wird durch Zucker gestört.

4. So wenig wie möglich tierische Fette verwenden, denn sie enthalten viel Cholesterin. Alternative sind pflanzliche Fette, besonders Öle, die ungesättigte und essentielle Fettsäuren enthalten, die an der Zellatmung beteiligt sind und den Sauerstofftransport fördern.

 

Sieben Wochen ohne

Erstmals startete die bisher auf die nordelbische evangelische Kirche beschränkte Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“ im ganzen Gebiet der Bundesrepublik. Genau 45 Tage lang wollten die freiwillig Fastenden bis zum Samstag vor Ostern ihre „persönliche Droge“ aufgeben. Initiator der Aktion ist der Hamburger Pastors Heinrich C. G. Westphal. Rund 20.000 Christen wollten auf den schnellen, gewohnheitsmäßigen Griff zur Zigarette, den zwischen den Mahlzeiten genaschten Riegel Schokolade oder das Pils zum Fernseh-Feierabend verzichten.

Die Aktion wurde dann vom Frankfurter Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und dem Hamburger Amt für Öffentlichkeitsdienst gemeinsam getragen. Man rechnete dann mit 100.000 Fastenden.

Die Aktion der evangelischen Kirche zur Passionszeit verfolgt drei Hauptziele. Sie soll auf die „drängenden Probleme“ aufmerksam machen, die in zahlreichen Familien durch Alkoholmißbrauch, Rauchen und andere Süchte entstehen. Außerdem kann jeder Teilnehmer während der siebenwöchigen Durststrecke prüfen, ob er tatsächlich noch frei ist etwa von Nikotin- und Medikamentenmißbrauch oder ob er die Schwelle der Abhängigkeit bereits überschritten hat. Als dritten Beweggrund der Verzichtsaktion nannte Westphal den Versuch, auf den christlichen Sinn der Passionszeit und das Leiden von Jesus Christus hinzuweisen.

Begleitet wurde „Sieben Wochen ohne“ von einem Fastenkalender auf Umweltpapier in  DIN-A5-Format, der sich mit biblischen Meditationen oder Passionsgedanken ebenso befaßt wie mit Diät- und Gewichtsfragen. Nach dem Vorbild mittelalterlicher Fastenbriefe wurden fünf regelmäßige „Durchhaltebriefe“ verschickt, die auf konkrete Probleme und Erfahrungen der Fastenden eingehen.

Nahezu unbegrenzt scheint die Palette der Abhängigkeiten und Zwänge zu sein, auf die die Teilnehmer verzichten wollen. Einige wollen die Fastenzeit - so ergibt eine Durchsicht der rund 4.000 Zuschriften bei einer Aktion - einfach mal zum Abspecken nutzen. Eine Frau befreite sich vom Zwang, jeden Mittwochabend „ganz klein und unfähig in der Ecke zu hocken“ und eine Serie über den Bildschirm flimmern zu sehen. Ein 53jähriger gelobte „sieben Wochen ohne Ehekrach“ und im hessischen Glauberg legten sich gleich 50 Leute gemeinsam „trocken“.

Die Idee hat längst auch auf andere Länder übergegriffen (Portugal, Kanada, Finnland, Türkei, Nigeria). Es gibt die Aktion sogar auf Initiative eines Häftlings im Gefängnis. In der Hamburger Justizvollzugsanstalt Suhrkamp hat sich eine Gruppe zusammengefunden, um freiwillig auf Kaffee, Süßigkeiten oder Tabak zu verzichten. Dieser Häftling ist in die Münchner Anstalt Stadelheim verlegt worden. Und hier hat er wiederum eine Fastengruppe zusammengetrommelt. Gerade im Knast kann „Sieben Wochen ohne“ Menschen zusammenführen. Die Häftlinge seien ja vielen Fremdbestimmungen unterworfen, so Westphal. Wenn nun dort ein Mensch zu seiner täglichen Tasse Kaffee aus freien Stücken „Nein danke“ sagen kann, so sei das für ihn „ein Stück Freiheit“.

Versanddepots gibt es mittlerweile in Witten, Stuttgart und Nürnberg. In der Zentrale sind 9.500 Einzelbezieher in der Kartei. In Hunderten von Kirchengemeinden zwischen Flensburg und München treffen sich Menschen in Fastengruppen, feiern gemeinsam Gottesdienste und organisieren „Durchhaltetreffs“.

Die Aktion ist für Westphal kein demonstrativer Verzichtwettbewerb. Ganz im Gegenteil: Es geht nicht darum, sich im Verzichten zu überbieten, sondern sich gegenseitig zu bestärken. So weiß der Pastor aus vielen Briefen, daß Einsame in Fastengruppen Anschluß gefunden haben. Jeder bestimmt die Regel selbst, wovon er lassen will. Ob Verzicht auf Horoskop, Lesen, ewig lange Telefonate oder Autofahren am Sonntag - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

„Sieben Wochen ohne…“ hat auch missionarischen Charakter. Eher kirchenferne Menschen machen ebenfalls mit und beteiligen sich nach Jahren „Kirchenabstinenz“ erstmals wieder an einer Aktion mit christlicher Tradition. Westphal: „Es ist eine Besinnung für Körper und Seele.“ Und: „Viele Menschen verstehen, daß man nicht der Leidensgeschichte Jesu gedenken kann, wenn man bis zur Halskrause in Schlagsahne sitzt.“

 

Vegetarisch leben

 „Unser täglich Brot gib uns heute“ - so beten wir seit vielen Jahrhunderten im Vaterunser. Aus dem Wunsch nach täglichem Brot erwuchsen im Verlauf der Entwicklung der Menschheit und des Fortschritts noch andere Wünsche. Die vielen Dinge unserer täglichen Ernährung, die uns so selbstverständlich erscheinen und noch vor kurzer Zeit als Luxus, galten, lassen den Stellenwert des Brotes sinken.

Ralf lebt seit einigen Jahren vegetarisch. Er sagt: In dieser Zeit mußte ich sehr viel über Ernährung, Gesundheit, Ethik, aber auch praktische Dinge lernen. Ungezählte Gespräche führte ich mit Menschen, die teils aus Unwissenheit, teils aus Skepsis heraus entweder bedauerten oder zum Schutz ihrer eigenen Essensgelüste meine Haltung ablehnten.

Die Ernährung, eine unserer Existenzgrundlagen, ist abhängig vom Entwicklungsstand der Gesellschaft. Nach zwei Weltkriegen in Europa und großen Hungersnöten, also immer die latente Angst vor dem Verhungern im Unterbewußtsein, war Essen in der Nachkriegszeit der größte Wunsch der Menschen. Mit zunehmender landwirtschaftlicher Produktion und größerem Angebot stieg logischerweise der Verbrauch der Produkte.

Welche Konsequenzen hat das? Es gibt Gefahren für unsere Gesundheit, denn neben höherem Fleisch- und Fettverbrauch werden ebenso zuviel Zucker, Alkohol, Zigaretten usw. konsumiert. Wissenschaftler gehen davon aus, daß ein großer Teil der Erkrankungen auf falsche Ernährung zurückzuführen sind!

Und die Tiere? Riesige Mastanlagen sind erforderlich, in denen unter industriellen Bedingungen Fleisch produziert wird. Doch für mich als Christ stellt sich auch die ethische Frage: „Wie gehe ich mit Gottes Schöpfung um?

Albert Schweitzer sagte: „Menschliches Leben schließt ein, mit anderem Leben mitzuempfinden, innerliche Freude und Leid mit ihnen zu teilen, es vor Schaden zu hüten, es in seinem Wert zu steigern. Das Wesen des Guten ist: Leben erhalten, Leben fördern, Leben auf seine höchsten Werte bringen. Das Wesen des Bösen ist: Leben vernichten, Leben schädigen, Leben in seiner Entwicklung hemmen!“ Die Ehrfurcht vor dem Leben ist dasselbe wie der ethische Grundsatz der Liebe und verlangt Mitleid mit aller Kreatur. Ich weiß, daß viele Christen mit dieser Ethik leben, ich weiß auch, daß es Menschen gibt, die nicht auf Fleisch verzichten können. Doch alle gemeinsam sollten versuchen, diesem Thema einen höheren Stellenwert in ihrem Leben einzuräumen.

 

 

Ein neuer Lebensstil

Eigentum, Besitz:

An der Stellung zum Eigentum kann aufgezeigt werden, daß es ein doppeltes Gesicht hat, es macht unabhängig und es bindet. Wir brauchen bestimmte Dinge, um leben zu können: Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Arbeit. Außer dem Trieb, uns selbst zu erhalten und für das eigene Leben zu sorgen, haben wir das Bedürfnis, uns einen Eigenraum zu schaffen. Unser Eigentum hilft uns, uns selbst zu verwirklichen.

An der Art, wie wir unsere Wohnung einrichten oder wie wir uns kleiden, wird etwas von unserer Person deutlich. Wir brauchen Geräte, die die Hausarbeit erleichtern, damit wir Zeit gewinnen für persönliche Dinge. Wir brauchen Bücher, um uns zu bilden, wir brauchen Radio und Fernsehen zur Unterhaltung und um mit dem Weltgeschehen in Verbindung zu sein. Eigentum ist eine Voraussetzung für die Selbständigkeit und persönliche Entfaltung des Menschen. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite stellt den Menschen in die gesellschaftliche Mitverantwortung am Eigentum.

Was bei verantwortlichem Gebrauch der Selbstentfaltung dient, schlägt bei Mißbrauch, vor allem, wenn der Mitmensch aus dem Blick gerät, ins Gegenteil um. In der Bibel finden sich neben dem siebten Gebot zum Schutze des Eigentums zahlreiche Warnungen vor dem Reichtum.

Eigentum kann abhängig machen, wenn wir uns an das klammern, was wir haben, um Sicherheit und Identität zu finden. Wer bin ich, wenn ich bin, was ich habe, und dann verliere, was ich habe? Neidisch wird auf das gesehen, was der andere hat. Die Furcht, nicht mehr mitzukommen oder Ansehen zu verlieren, wenn wir dieses oder jenes nicht besitzen, kann uns unzufrieden und hart machen.

Angesichts des Hungers und Elends in der Welt ist von uns zuerst einmal ein neues Bewußtsein von uns gefordert. Mit dem Bedürfnis zu helfen, ohne daß man die wirklichen Probleme und Zusammenhänge kennt, ist nichts erreicht. Es geht heute nicht mehr nur um die Hilfe des Einzelnen am Einzelnen („Samariterdienst“), sondern um die Veränderung wirtschaftlicher Strukturen. Der Hunger in der Welt ist keine Naturkatastrophe, sondern eine Geschichtskatastrophe. Wenn man die nackten Zahlen in Einzelschicksale auflöst, dann kann man das Grauen ahnen: Hunger ist heute ein Massenvernichtungsmittel.

Was können wir tun?

1. Brot für die Welt: Diese seit 1960 laufende Aktion der evangelischen Kirchen will helfen bei Naturkatastrophen, bei gesellschaftlichen Katastrophen (Flucht, Mißernte), beim Aufbau des Gesundheitswesens und bei der Erziehung.

Der Ausdruck „Opfer“ ist da falsch am Platz. Das wäre es erst, wenn wir wirklich teilen würden. Wenn der Einzelne auf Konsum verzichtet, dann muß auch die Gesellschaft als Ganze noch einmal vernichten, denn für die verschenkten Waren war ja ein Exporterlös einkalkuliert, der nun für andere Projekte fehlt.

2. Die Information über die wirtschaftlichen Zusammenhänge und Notwendigkeiten wäre zu verstärken. Die Empfängerländer dürfen nicht entwürdigt werden. Sie werden fast ausschließlich mit krassesten Bildern der Not vorgesteilt. Dadurch erscheinen sie als Mitleid erregende Hilfsempfänger und nicht als Länder mit einem Recht auf Hilfe. Ihre Not beruht nämlich auf ihrer kolonialen Vergangenheit und den ungleichen Bedingungen des Welthandels. Man sollte auch nicht vergessen daß Entwicklungshilfe zum großen Teil eine Marktverbesserung für die Industrieländer bedeutet und nur eine verschleierte Ausbeutung ist. Mitleid gepaart mit einem Gefühl der Überlegenheit ist aber tödlich. Die Menschen und auch die Kirchen in Übersee sollen zur Selbsthilfe geführt werden. Christen können nicht alle Not beseitigen, aber sie können Zeichen der Liebe errichten und dem ganzen Menschen zum Heil verhelfen. Sie können sich der Opfer aktuellen Unrechts annehmen, sollten aber auch alle Möglichkeiten einsetzen, 3. Entspannung und Abrüstung: Durchschlagend könnte den Entwicklungsländern nur helfen, was bisher für die Rüstung ausgegeben wird: Die Kosten eines neuen Bombertyps mit Ausrüstung entsprechen dem Jahresgehalt von 250.000 Lehrern, den Kosten für     50.000 Traktoren

den Kosten für 75 Krankenhäuser.

5. Wir sollten der vorherrschenden Stimmung widerstehen, immer mehr Geld für persönliche Dinge auszugeben. Unsere Konsumgewohnheiten sollten auf ein verantwortbares Maß zurückgeschraubt werden. Unser Luxus könnte sonst das Evangelium in der dritten Welt unglaubwürdig machen (ähnlich wie im 19. Jahrhundert das Versagen vor der sozialen Frage; der Hunger ist die soziale Frage unserer Zeit).

Wir sollten eine Obergrenze für den persönlichen Verbrauch setzen, anstatt ein Minimaleinkommen für die anderen festzulegen‚ über oder unter dem sie gerade noch vegetieren können Die Reichen müssen einfacher leben‚ damit die Armen überhaupt leben können. Gefordert ist ein Programm der Rückentwicklung der reichen Welt! (Prof. Birch in Nairobi).

Wir brauchen nicht für eine asketische Lebenshaltung einzutreten. Aber wir können uns für eine geringere Vergeudung der für die ganze Menschheit lebenswichtigen unersetzlichen Materialien entscheiden. Nichts sollte weggeworfen werden, was noch nutzbar oder wiederverwendbar ist. Auf manches könnten wir sogar ganz verzichten (zum Beispiel auf Spraydosen).

Doch für viele rangiert der Besitz eines eigenen Motorfahrzeuges an der Spitze der Wohlstandswerte. Der Jugendliche will ein Moped, obwohl er es nur zum ziellosen Umherfahren braucht. Hier wäre ein modernes „Fasten“ zum eigenen Wohl und zu dem anderer durchaus angebracht.

Wenn aber eine Regierung das Wohl der gesamten Menschheit vor das des eigenen Staates stellen will, dann braucht sie dazu das Verständnis der Bürger, ja sogar noch mehr, nämlich die bewußte Bereitschaft, sich in der Lebenshaltung darauf einzustellen. Wären wir bereit, aus Reichen zu Armen zu werden, die aber doch dann in einem ganz anderen Sinne reich wären?

 

Was heißt es „einfach zu leben“?

Der Slogan „Wir müssen einfach leben, damit andere einfach leben können“ findet enormen gefühlsmäßigen Anklang und er vermittelt eine gute Idee. Bedeutet es, wenn ich jetzt zu einer Zwei-Auto-Familie gehöre, daß ich eins davon abstoßen muß und lernen muß, mit nur einem Auto zu leben? Oder wenn ich jetzt ein Auto habe, muß ich dies aufgeben und ein Fahrrad nehmen? Wenn ich zum Kochen jetzt Gas benutze, muß ich auf das Feuerholz zurückgreifen? Was befindet sich in besserer Übereinstimmung mit dem einfachen Lebe- handgeschneiderte Kleidung aus handgewebten Stoffen oder Konfektionskleidung aus synthetischem Material? Was ist ein einfaches Leben - die Abhängigkeit von einem Menschen, der die Hausarbeit erledigt oder von technischen Geräten für den gleichen Zweck? Nach unten oder nach oben ausgleichen?

Wenn ich meine Ausgaben neu ordne und im Interesse eines einfachen Lebens weniger ausgebe, welche Wirkung hätte das auf die Armen? Überhaupt keine, wenn ich dabei stehen bleibe. Im Gegenteil, wenn meine Zuwendung zum einfachen Leben darin bestünde, einen Hausmeister, der bisher angestellt war, einzusparen, würde seine Armut zunehmen. Also, wenn ich meine Ausgabe: im Namen der Armut und unter dem Vorwand eines einfachen Lebens reduziere, ohne gleichzeitig auch mein Einkommen zu reduzieren, werde ich nur mein Bankkonto aufstocken, was mich wohlhabender und meinen Ex-Hausmeister ärmer machen würde. Natürlich, wenn mein Einkommen gleichbleibt und meine Ausgaben reduziert werden, dann habe ich die Möglichkeit, mehr Almosen zu gehen, und ich kann nun dem Arbeitslosen Ex-Hausmeister helfen, Dadurch werde ich zweifach gesegnet sein, weil ich einfach lebe und weil ich mehr verschenke. .

Das einfache Leben kann zu einem Kult werden, zu einer Form umgekehrter Moral und selbst zu einem Ausdruck von dünkelhafter Selbstgerechtigkeit, ohne daß damit in irgendeiner Weise den Armen geholfen wird. Warum muß ich denn einfach leben und auch andere auf diesem Niveau leben lassen? Sollte ich nicht versuchen, die anderen dahin zu bringen, daß sie auf meiner gesegneten und höheren Ebene leben können? Wo ist der Maßstab?

Gesellschaftlich durchgesetzter einfacher Lebensstil ist eine notwendige Bedingung. Der Weg aus der Armut muß unter solchen Umständen weitgehend aus der gesellschaftlichen Entscheidung kommen, daß die Mittel zuerst dazu beansprucht werden, die grundlegenden Bedürfnisse aller Mitglieder der Gesellschaft zu befriedigen. Bestimmte Formen eines gesellschaftlich durchgesetzten einfachen Lebens, sind normalerweise eine notwendige Voraussetzung, um dieses Ziel zu erreichen. Folglich muß die Entscheidung getroffen werden, daß es niemandem erlaubt sein wird, ein Auto zu besitzen, bis nicht jedermann, der es wünscht, ein Fahrrad besitzen kann. Eine Konsequenz einer solchen Entscheidung wird darin bestehen, die Produktion von Fahrrädern zu erhöhen und die Produktion von Autos zu drosseln.

Ein gesellschaftlich durchgesetztes einfaches Leben als Instrument zur Beseitigung der Armut muß also Maßnahmen einschließen zur Regulierung der Einkommen und der Maßstäbe für die Produktion (und möglichst darüber hinaus auch für die Verteilung von Arbeit und dem Besitz von Eigentum). Es geht nicht darum, einige Leute aufzurufen, um der anderen willen in einen einfachen Lebensstil zu fliehen. Vielmehr geht es darum, jedem ein einfaches Loben für eine gewisse Zeit aufzuzwingen, damit ein materiell besseres Leben für alle als Folge davon möglich werden wird.

Einfaches Leben hat nur einen Wert als Maßnahme zur Abschaffung von Armut, wenn es in einem solchen gesellschaftlichen Kontext angenommen wird und wenn es gleichzeitig von anderen gesellschaftlichen Maßnahmen begleitet wird. Isolierte Beispiele von einfachem Leben, wie gut sie auch immer gemeint sein mögen, haben wenig Chancen, eine Wirkung in der Weise zu haben, wie es die Erklärung vermuten läßt: „Wir müssen einfach leben, damit andere einfach leben können!“

Hat das „einfache Leben“ einen inneren Wert? Wenn einfaches Leben vor allem materiellen Verlust bedeutet, ist es gewiß nicht als eine Tugend in sich selbst akzeptieren. Auch das Gegenteil - der Überfluß an materiellen Dingen - ist nicht als etwas in sich selbst Wünschenswertes zu bezeichnen. Die gesellschaftlichen Bedingungen sind jedoch in vielen Fällen so, daß das Streben und der Erwerb von materiellen Dingen nicht nur als wünschenswert vorgestellt, sondern zum eigentlichen Ziel des Lebens wird. Dies kann sowohl in reichen als auch in armen Ländern geschehen. Es ist nicht gegen materielle Dinge als solche zu protestieren, auch nicht gegen den Überfluß an materiellen Dingen. Aber was nicht akzeptiert werden kann ist die Tendenz, die alles durchdringt und der zu widerstehen so schwierig ist: Den Überfluß an materiellen Dingen zum alleinigen und hauptsächlichen Ziel des Lebens zu machen. Materielle Dinge sind im Leben nötig, aber weder ihr Gewinn noch ihre Preisgabe darf zu einem inneren Wert werden.

Innerhalb dieses breiten Rahmens kann man dem einfachen Leben einen neuen untergeordneten Wert beimessen. Man kann einverstanden sein mit den einfachen Leben al Protest gegen die Tendenz, den Überfluß an materiellen Dingen als Hauptanliegen des Lebens zu glorifizieren. Man kann einfaches Leben betonen, um zu zeigen, daß die Qualität des Lebens nicht durch den Besitz von Dingen gemessen werden kann. Man kann einfaches Leben benutzen, um zu demonstrieren, daß der Sinn und das Glück im Leben nicht durch prahlerisches und verschwenderisches Leben erreicht werden kann. Auf diese Weise wird einfaches Leben zu einer symbolischen Geste eines grundlegenden Prinzips.

Und wegen seines Symbolwertes wird man es nicht verabsolutieren und man wird nicht darauf bestehen, daß jedermann den eigenen Standard akzeptieren muß. Aber dennoch wird man versuchen, anderen die Notwendigkeit klar zu machen, sorgfältig überlegte Entscheidungen über die Rolle der materiellen Dinge im Leben zu fällen und darauf hinzuweisen, daß obwohl das weitgehend mit dem Kontext zusammenhängt, der Lebensstil nicht im Nachahmen bestehen kann oder eine Sache der passiven Konformität sein kann.

 

Hans im Glück - Annäherung an seine Botschaft

Die Zeiten ändern sich. Eine Lebenseinstellung und Lebensweise, für die alles auf Besitz hinausläuft, auf das Sich-Aneignen von Sachen, kommt, je mehr sie praktiziert wird, desto ärger in Verruf. Man muß vor ihr warnen. Nicht nur bei Christen, sondern auch bei den Menschen mit anderer oder keiner Weltanschauung spricht es sich herum, daß materielle Bedürfnisse nicht einfach gut sind, weil sie da sind, sondern daß es auch unvernünftige und unakzeptable Bedürfnisse gibt. Sogar die Steigerung dieser Erkenntnis gewinnt Freunde: Einbußen im materiellen Bereich können Gewinn in der menschlichen Sphäre bedeuten.

Im Originalmärchen bekommt vom Schwein-Gans-Tausch ab die Aussage eine neue Qualität: Hans wird jetzt von seinen Partnern überlistet und willigt in die Geschäfte ein, ohne zunächst Interesse für die Tauschobjekte gezeigt zu haben, während bis dahin er derjenige war, welcher die Geschäfte anstrebte. Die Bewegung, die Hans zunächst aktiv angestoßen hatte, stößt jetzt ihn - und stößt ihn in Situationen, die er nicht wollte. Der springende Punkt ist nun der, daß Hans selbst dort noch, wo die anderen ihn aktiv betrügen, in den ungewollten Verlusten Gewinn sieht - zwar nicht mehr im vorhinein, aber doch im nachhinein. Er ist also selbst in der erlittenen Beeinträchtigung noch glücklich, er wird ja zunehmend glücklicher. Dies bedeutet eine enorme Zuspitzung und Vertiefung der Aussage und eine große Herausforderung an den Leser bzw. Hörer: Wertminderung ist auch dann als Daseinssteigerung zu verstehen, wenn ich sie nicht angestrebt habe, sondern erleide. Hans gelangt zu der Paradoxie: „Nichts haben ist das größte Geschenk“. Materieller Verzicht ist die Voraussetzung für den menschlichen Gewinn.

Aber als die Steine in den Brunnen fallen, ist er verzweifelt. Er dankt Gott, als er nichts mehr besitzt, er springt vor Freude auf und geht nicht „mit leichtem Herzen und frei von aller Last“ in die Geborgenheit der Mutter. Aber das Zur-Mutter-Kommen ist nicht die Konsequenz aus seinem Tauschweg und dieser ist nicht die Voraussetzung für jenes. Die Mutter am Schluß ist die Ermöglichung des Weges.

Diesen Abwärtsweg gehen und dabei glücklich sein - das wäre von Anfang an, besonders aber vom Schwein-Gans-Tausch ab, nicht möglich gewesen ohne das Wissen um die Geborgenheit, um die Heimat, die ihn in jedem Fall am Ende seines Weges erwartet und die ihn so völlig angstfrei und gelassen materiellen Dingen gegenüber macht, eine Geborgenheit, auf die er schon immer vertrauen konnte und in der er insofern schon immer war.

Das Märchen „Hans im Glück“ enthält eine christliche Botschaft und erzählt von einer nur im christlichen Glauben reproduzierbaren Erfahrung:

- Der christliche Glaube kann sogar durch die aktive Bosheit der Menschen hindurch die Realität von Gottes Liebe spüren.

- Er kann selbst in einer gegen den eigenen Willen zugefügten Minderung Gewinn für sich - - - Der christliche Glaube weiß von einem Ja (Gottes) zum Menschen, unabhängig von allen - - Darum kann der christliche Glauben gänzlich darauf verzichten, sich auf seine „Werke“, auf die erarbeiteten Werte zu verlassen.

- Der christliche Glaube lehrt es auszuhalten, daß letzte Geborgenheit immer Zukunft, Hoffnungsgut bleibt (das Ankommen bei der Mutter wird nicht als Vorgang geschildert, sondern nur im Ausgang angedeutet).

Der theologische Hintergrund des M“ aus Matthäus 6 oder an die Erzählung vom reichen Kornbauern in Lukas 12, zu der „Hans im Glück“ ein Gegentext ist. Oder ich denke an die Sentenz des christlichen Mystikers Johann Scheffler (Angelus Silesius), in der man die Botschaft des Grimm'schen Märchens zusammengefaßt sehen kann:

Viel haben macht nicht reich.

Der ist ein reicher Mann,

der alles, was er hat,

getrost verlieren kann.

 

 

Beim Bau eines Münsters wurden drei Steinmetzen nach ihrer Arbeit gefragt. Der erste meinte: „Ich haue Steine!“ Der zweite meinte: „Ich verdiene Geld!“ Der dritte antwortete: „Ich baue am Dom!“

 

Zusammenfassung:

- Angesichts der verschiedenen Angebote und der permanenten Überforderung wollen wir bewußt einen Punkt des Verzichtens und der Enthaltsamkeit setzen.

- Dazu ist es notwendig, daß wir uns bewußt machen, wo wir in Abhängigkeiten gezwungen werden

- Nur durch konsequenten Verzicht können wir den Zwängen des Konsumdenkens entgehen. - Durch Fasten sollen Freiräume für die wichtiger. Erfahrungen geschaffen werden, die wir im Alltag nicht mehr erleben können.

- Ich will wieder lernen, Stelle zu ertragen

- Ich will wieder lernen, für mich allein zu sein

- Ich will wieder lernen, mit anderen zu reden

- Ich will wieder lernen, mich Gott zuzuwenden

 

Anstöße:

• Ich faste mit den Augen: einmal nicht fernsehen, einmal keine Illustrierte - ich achte ganz bewußt auf die Menschen, mit denen ich zusammenlebe.

• Ich beobachte einmal einen Menschen, den ich nicht besonders leiden kann. Wie sehe ich ihn mir an? Wie komme ich zu diesem Bild von ihm? Bin ich bereit, mein Bild von ihm zu korrigieren?

• Ich überprüfe mich: Mit welchen Gefühlen reagiere ich auf Menschen, die anderer Herkunft sind, auf Menschen anderer Hautfarbe, Sprache? Wie reagiere ich auf Menschen, die andere Wertvorstellungen haben als ich, auf Menschen anderer Kultur, Religion, Konfession?

• Ich arbeite daran, meine feindseligen Gefühle und meine Ängste sofort wahrzunehmen und anzunehmen, wenn mir Menschen begegnen, die anders sind; ich erlaube mir nicht, diese Gefühle auf die anderen loszulassen, sie an ihnen abzureagieren.

• Ich höre damit auf, auch wenn ich es noch so gut meine, sie zu meinen Überzeugungen hinzwingen zu wollen.

• Ich übe mich im Vertrauen daß die anderen Menschen verantwortlich handeln.

• Ich bemühe mich, zu sehen, was ich am anderen trotz allem wertschätzen kann.

• Ich frage mich, warum ich ständig über bestimmte Menschen negativ denke, in Gedanken an ihnen herumnörgle?

• Ich schenke einem Menschen ein dankbares Gedenken; ich schreibe eine Karte, rufe an, damit er erfährt, daß er in meinem Andenken ist.

• Ich schenke, ohne eine Gegengabe zu erwarten. Ich schenke behutsam, großmütig, sodaß der andere sich nicht zu einem Tauschgeschenk auf Heller und Pfennigaufgefordert fühlen muß.

•  Ich nehme ein Geschenk gern an, sinne aber nicht auf Revanche.

 

 

 

Geld

Geld und Mensch:

Mit Geld kann man sich nicht beschäftigen wie mit Briefmarken, sondern es greift tief in unser Leben ein. Glück und Unglück hängt an diesen Scheinen. Gerade alte Geldscheine aus der Inflationszeit machen uns deutlich, wie schnell alles zerronnen sein kann.

Der Volksmund sagt auch „Beim Geld hört die Freundschaft auf!“ Geld verbreitet eine Gier nach mehr. Sie ist genauso vorhanden bei einem Jungen, der seinen Eltern Geld stiehlt, wie bei dem Handwerker, der sein Produkt schlechter herstellt, um mehr zu verdienen.

Dabei will Geld eigentlich nur der Vereinfachung unseres Lebens dienen: Damit wir nicht beim primitiven Tauschhandel bleiben müssen, wird alles in Geld umgerechnet und jeder kann leicht verkaufen und kaufen. Aber es kann auch in sein Gegenteil verwandelt werden:

Ein alter Zecher hat es so ausgedrückt: „Wenn einer zehn Glas Wein schafft, aber nur neun trinkt, der ist ein anständiger Kerl. Wer aber nur drei vertragen kann und vier trinkt, ist ein Schwein!“

Beim Brunnengraben fand ein Bauer einen Kupferkessel mit Goldstücken. Er fühlte sich nun reich, ging hin und zechte mit seinen Freunden und hatte zuletzt auch seinen kleinen Bauernhof versoffen. Das Geld hatte seinen Charakter verdorben, bzw. es hat ans Tageslicht gefördert, was schon in ihm steckte.

Stimmt es, wenn man sagt: „Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt!“ Wieviel Geld braucht man wohl, um glücklich zu sein? Einer hat einmal gesagt: „Es müßte immer etwas weniger sein als man meint, haben zu müssen, dann hätte man das richtige Verhältnis zwischen Arbeit und Vergnügen. Die wenigsten Menschen aber wissen dieses Verhältnis zu wahren!“

Auch der Staat versucht, durch Gesetze die Macht des Geldes einzudämmen (Steuern, Kontrolle der Maße und Gewichte, Strafen bei Diebstahl und Betrug). Das alles kann die Sache zwar in bestimmten Bahnen halten, aber die Macht des Geldes über den Menschen nicht brechen. Selbst im Himmel sollte das Geld noch gelten, als der Ablaßkrämer Tetzel rief: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer in den Himmel springt!“

 

Christ und Geld:

Wir müssen als Christen genauso das Geld in die Hand nehmen wie alle anderen Menschen. In der Regel überwertet der Mensch das Geld. In seiner Hand wird es Segen und Fluch. Es kann zum Götzen werden, es kann den Menschen von sich selbst und dem Mitmenschen entfremden. Aus einem Tauschmittel kann ein Abgott werden, dem man sich unterwirft und auf den man Rücksicht nimmt. Besonders gefährlich wird es, wenn man die Sicherung seines Lebens in einem Bankkonto sieht. Das Geld weckt nämlich zwei Triebe: das Leben zu genießen und diesen Genuß zu sichern. Schon in der Bibel heißt es: „Die Wurzel allen Übels ist die Liebe zum Geld!“ (1.Tim 6,10).

Fromme Menschen, die nicht diesem Trieb erliegen wollten, haben deshalb den Zehnten von allem Geld für den Dienst Gottes gegeben. Aber Jesus sah auch noch darin eine Gefahr. Er macht deutlich: Damit wollt ihr euch ja nur vor Gott sichern! Er soll mit einem Zehntel zufrieden sein, während ihr neun Zehntel behaltet!

Ein Christ sieht sein Einkommen dankbar als eine gute Gabe Gottes an. Deshalb nimmt er auch die Verwendung seines Geldes vor Gott verantwortlich wahr. Und er beherzigt das Wort des Paulus (1. Kor 13): „Wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts!“ Das Geld wird dann nicht zum Mammon, wenn die Nächstenliebe über das Geld regiert. Sooft Geld durch unsre Hand geht, sollten wir uns fragen: Dient es Gott? Nicht verdienen, sondern dienen ist die Lebenserfüllung eines Christen.

Gott hat uns ja soviel geschenkt! Dazu gehören alle Gaben. für unser Leben, die Vergebung der Sünden und das ewige Leben. Wir wären ja gar nicht fähig, auch nur einen kleinen Teil als Dank zurückzuerstatten. Andererseits geben wir für alle möglichen Dinge wer weiß wieviel Geld aus. Gott aber hat uns mit vielen Gütern ausgestattet, damit wir sie an andere weitergeben können. Natürlich kann man nicht durch gute Werke selig werden; aber ein Christ tut Gottes Willen, und dazu gehört auch das Geben. Sparen ist gut; aber dann sollte man nicht ausgerechnet bei der Kirche anfangen!

Manche klagen auch: „Immer soll man bei der Kirche etwas geben!“ Einer hat einmal im Gesangbuch gelesen: „Gebet am Montag, Gebet am Dienstag, usw.“ Er hat dabei fälschlicherweise die erste Silbe betont. Dabei geht es dort ja nicht ums Geben, sondern ums Gebet.

Wer aber betet, der ist auch eifrig im Geben. Dadurch wird man selber nicht ärmer. Oft geben die noch am meisten, die selber wenig haben. Mancher sagt auch: „Ich habe auch mein Scherflein gegeben!“ Aber er vergißt dabei, daß die Witwe alles gegeben hat, was sie hatte.

Geben hat aber nur dann einen Sinn, wenn man gern gibt. Wer dabei murrt, soll sein Geld behalten. Gott ist darauf nicht angewiesen und die Kirche wird auch weiterbestehen. Man kann seine Gaben nicht nach dem bemessen, was man gibt, sondern was man zurückbehält. Man kann nicht nach dem gehen, was man gerade einstecken hat, sondern nach dem, was auf dem Sparkonto ist.

Wie wäre es etwa damit, wenn ein frischgebackener Facharbeiter sein erstes voll verdientes Geld der Kirche spendet? Wäre das nicht ein rechtes Dankopfer nach 20 Jahren der Fürsorge Gottes?

 

Was der Volksmund über das Geld sagt:

Pulver:

Damit wird das Geld mit den Döschen und Tütchen verglichen, die auf dem Jahrmarkt angeboten werden. Sie sollen Wunder wirken und sind doch Betrug. So gaukelt uns das Geld auch oft das Glück vor und läßt nachher doch nur Enttäuschung zurück.

Kröten:

Schätze und Reichtümer sollen früher von giftigen Kröten bewacht worden sein. Wollte man den Schatz haben, mußte man erst diese ekelhaften Tiere beseitigen und mancher büßte dabei sein Leben ist. So ist das Geld auch eine schmutzige und gefährliche Sache. - Andere allerdings sagen, der Ausdruck „Kröten“ sei entstanden, weil die ersten Münzen Schildkröten zeigten.

Pinkepinke:

Dieser Ausdruck kommt aus Westfalen und wird mit einer entsprechenden Handbewegung begleitet. Das Wort erinnert an das Spiel mit Münzen, die man in die Luft wirft. Je nach dem, ob Wappen oder Zahl oben liegt, entscheiden sich Gewinn und Verlust.

Geld abknöpfen:

Es war einmal Mode, Geldstücke als Knöpfe an die Jacke zu nähen. Wollte man die Jacke haben, mußte man erst das Geld abknöpfen. Hatte einer keiner Geld oder wollte nicht bezahlen, mußte man es ihm mit Geschick abknöpfen.

BSM:

In Bernburg prägte man Geldmünzen mit der Abkürzung „BSM“. Das sollte bedeuten: „Bernburger Scheidemünze“. Weil man das Volk aber über die Bedeutung dieser Buchstaben im Unklaren ließ, fand es selber eine Deutung: „Bruder-sauf-mal-Münze“.

 

Ist Geld die Antwort auf deine Probleme?

Im Jahre 1923 wurde im Edgewater Beach Hotel in Chicago eine sehr wichtige Versammlung gehalten. Anwesende in dieser Zusammenkunft waren die zehn erfolgreichsten Finanzmänner der Welt: der Präsident einer großen unabhängigen Stahlgesellschaft; der Präsident der National City Bank; der Präsident einer großen Gebrauchsgüterfabrik; der Präsident der größten Benzingesellschaft; ein großer Weizenspekulant; der Präsident des New Yorker Stock Exchange; ein Mitglied aus dem Kabinett des Präsidenten; ein großer Führer der Wall Street;

das Oberhaupt des größten Weltmonopols; der Präsident der Bank of International Settlements.

Hier war eine Gruppe der erfolgreichsten Männer der Welt zusammengekommen - auf jeden Fall, sie waren Männer, die das Geheimnis, wie man zu Geld kommt, gefunden hatten.

 

Fünfundzwanzig Jahre später:

Der Präsident der großen unabhängigen Stahlgesellschaft - starb bankrott. Die letzten fünf Jahre vor seinem Tode mußte er von geliehenem Geld leben.

Der Präsident der National City Bank - lebt noch.

Der Präsident der großen Gebrauchsgüterfabrik - starb als Flüchtling vor dem Gericht ohne einen Pfennig in einem fremden Land.

Der Präsident der größten Benzingesellschaft- ist jetzt wahnsinnig.

Der Präsident des New Yorker Stock Exchange - wurde aus dem Sing-Sing-Staatsgefängnis entlassen.

Das Mitglied aus dem Kabinett des Präsidenten wurde begnadigt - es durfte daheim sterben.

Der große Weizenspekulant - starb im Ausland - zahlungsunfähig.

Der große Führer in der Wall Street - beging Selbstmord.

Das Oberhaupt der großen Monopole - beging Selbstmord.

Der Präsident der Bank of International Settlements - beging Selbstmord.

Diese Männer hatten die Kunst, wie man zu Geld kommt, gut gelernt, doch keiner von ihnen hatte gelernt, wozu er eigentlich lebte.

 

 

Erzählung: Das Geldtäschchen

Dieser Tage mußte vor dem Amtsgericht ein Mann erscheinen, der in der Straßenbahn eine Dame geohrfeigt hatte. Nach dem Grundgefragt, erzählte er: „Ich sitze in der Bahn, dieser Frau gegenüber. Der Schaffner kassiert den Fahrpreis. Die Frau macht das Handtäschchen auf, nimmt das Geldtäschchen heraus, macht das Handtäschchen zu, macht das Geldtäschchen auf, nimmt das Fahrgeld heraus, macht das Geldtäschchen zu, macht das Handtäschchen auf, legt das Geldtäschchen hinein, macht das Handtäschchen zu und nimmt den Fahrschein in Empfang. Macht das Handtäschchen auf, langt das Geldtäschchen heraus, macht das Handtäschchen zu, macht das Geldtäschchen auf, legt. den Fahrschein hinein, macht das Hand­täschchen auf, legt das Geldtäschchen in das Handtäschchen und macht das Handtäschchen zu. Gleich darauf kommt der Kontrolleur und verlangt die Fahrscheine. Die Frau macht das Handtäschchen auf: nimmt das Geldtäschchen heraus, macht das Handtäschchen zu, macht das Geldtäschchen auf, nimmt den Fahrschein heraus, macht das Geldtäschchen zu, macht das Handtäschchen auf, legt das Geldtäschchen hinein, macht das Handtäschchen zu und zeigt den Fahrschein. Sie bekommt ihn zurück, macht das Handtäschchen auf, nimmt das Geld....“ - „Hören Sie auf!“, ruft der Richter, „da kann man ja verrückt werden!“ - „Jaa“, sagt der Mann, „das hab ich auch gedacht und da hab ich mich nicht mehr beherrschen können!“

 

Erzählung: Der bescheidene Blütenstecher (= Geldfälscher)

Tresor-Ede betrachtet neugierig seinen neuen Zellen“. „Aha, und was hast'n gestochen? Falsche Fuffziger?“ Der Neue wehrt erschrocken ab. „Nee, nee, ich bin ein bescheidener Mensch. Fünfmarkscheine hab ich gemacht, damit kommt man auch ganz schön rum!“

„Und da habe se dir natürlich gleich geschnappt?“ - „Nee, erst nach zwei Jahren. Weil das mit den Fünfern so gut fluppte, wollte ich mein Geschäft vergrößern!“ - „Und da haste dir uff Zehnmarkscheine umgestellt?“ - „Ach wo, wo ich doch so bescheiden bin. Nee, immer langsam voran hab ich wir gedacht…!“ Tresor-Eda wurde ungeduldig: „Nu quatsch dir endlich aus! Was haste denn dann fabriziert?“ Der Neue wischte sich eine Träne ab: „Achtmarkscheine!“

Andacht über das Scherflein der Witwe (Mk 12, 41-44):

1. Göttliche Erwartung

a) Geben ist unsere Sache,

Jesus spricht mit uns über das Geben

Jesus schaut uns zu beim Geben

b ) Opfer für Gottes Sache

Der Gebende erwartet unser Opfer,

Der Empfangende bringt sein Opfer

2. Menschliche Erfüllung:

a) Das unterschiedliche Opfer,

Das reichliche Opfer der Reichen.

Die völlige Hingabe der Witwe.

b) Die glaubende Hingabe.

Gib deinen Zehnten ganz.

Gib dein Leben ganz

Hauptthema ist: Gottvertrauen.

Dieses wird deutlich am Geld, aber auch sonst im Leben!

 

 

 

Selbstmord

Da nur der Mensch die Todesgewißheit hat, kann er die Schwelle zwischen Leben und Tod bewußt überschreiten. Meist haben ihn dann Trauer, Schwermut oder Angst in eine seelische Enge getrieben, wo die Hoffnung versinkt und der Zweifel sich zur Verzweiflung verdichtet. Das Tier kann töten, der Mensch kann sich selbst töten.

Sollen wir bei einem Selbstmordversuch eingreifen? Geht uns das Schlußmachenwollen eines Menschen überhaupt etwas an? Ist Selbstmord ein Mord? Ist der „Freitod“ eine Todsünde? Fällt er unter das fünfte Gebot? Ist der Lebensmüde ein Kranker, dem geholfen werden kann, wenn seine besondere Krankheit rechtzeitig erkannt und behandelt wird?

Der moderne Wohlfahrtsstaat treibt zwar eine gewaltige Hygiene und dringt mit seinen Kontrollen oft weit in die menschliche Intimsphäre hinein. Aber vor dem Selbstmord macht er respektvoll Halt und sagt. „Wer reisen will, den soll man nicht halten!“

Die Ärzte aber, die sich mit dem Selbstmord befaßt haben, fordern vom Staat, der müsse die Selbstmordkrankheit bekämpfen, wie er die Tuberkulose bekämpft oder die Zahl der Verkehrstoten zu vermindern sucht; neben die herkömmliche Bazillen-Hygiene müsse die moderne Seelen-Hygiene treten.

 

Gibt es viele Selbstmorde?

Man rechnet mit tausend Selbstmorden pro Tag in der Welt und etwa 5 - 10.000 Selbstmordversuche. In manchen Ländern sterben so viele Menschen durch Selbstmord wie durch Verkehrsunfälle. Selbstmordfälle pro 100 000 Einwohner im Jahre 1900: Deutschland 20, Sachsen 30, Thüringen 32, Gotha 42. Wenig entwickelte und katholisch geprägte Länder haben eine niedrigere Selbstmordziffer (im Jahre 1900 in Preußen: 10 Katholiken, 25 Evangelische).

In der Statistik der Todesursachen liegt der Freitod mit 18,5 auf 100 000 Einwohner noch vor den Verkehrsunfällen. Gleichwohl werden zur Verhütung von Verkehrsunfällen erheblich größere Anstrengungen unternommen als zur Verhütung von Selbsttötungen.

 

Gab es schon immer Selbstmorde?

Die Auffassungen über den Selbstmord schwankten im Laufe der Geschichte hin und her. Im Altertum verherrlichte die Philosophenschule der Stoa der. Selbstmord als „Geburtstag der Ewigkeit“; viele Philosophen und Staatsmänner nahmen sich das Leben. Nur einmal unternahm man etwas gegen die Selbstmordseuche: als sich in Milet die Mädchen scharenweise umbrachten, ordneten die Stadtväter an, jede Selbstmörderin solle nackt auf dem Markt ausgestellt werden; da gab es endlich Ruhe.

Mit der Freitodbegeisterung der Alten räumte erst das Christentum auf, verfiel aber nun in das entgegengesetzte Extrem: Die Selbsttötung wurde zum Selbstmord. In der Bibel findet sich zwar keine einzige Stelle, wo der Selbstmord verurteilt wird, obwohl an verschiedenen Stellen davon berichtet wird (Saul, Judas). Aber das fünfte Gebot wurde eben auch auf die Selbsttötung bezogen, nur daß eben Täter und Opfer dasselbe sind.

Deshalb reagiert die Umwelt bis heute mit Schaudern und Abscheu auf versuchten oder vollendeten Selbstmord. Der Selbstmörder ist den Frommen ein Frevler, den weniger Frommen ein Mörder. Die Verwandten versuchen das peinliche Ereignis aus ihrem Bewußtsein zu verdrängen: Den Schuß in den Mund bezeichnen sie als Jagdunfall oder als Ungeschick beim Gewehrputzen(so bei E. Hemingway). Dennoch spüren die beim ersten Versuch Davongekommenen die offene oder getarnte Verachtung ihrer Umwelt und beschließen, beim nächsten Mal noch radikaler vorzugehen.

Dennoch erwies sich die Selbstmordverhütung durch moralische Verachtung als wirkungslos. Die Kirche stellte dem Selbstmörder Ewigkeitsqualen in Aussicht und gab ihnen ein unehrenhaftes Begräbnis an einem besonderen Platz auf dem Friedhof. Auch der Staat stellte Selbstmord unter Strafe (Heute nur noch „Anstiftung oder Begünstigung von Selbstmord“). Dennoch wurden die Lebensmüden nicht von ihrem Vorhaben abgeschreckt.

Von einem anonymen Autor erschienen 1721 in Paris die „Persischen Briefe“ des Baron de la Brede et de Montesquieu, der den Freitod mit den Worten pries: „Das Leben wurde mir als eine Gunst verliehen; ich kann es also zurückgeben, wenn es keine mehr ist!“ In der Aufklärungszeit sah man im Selbstmord den höchster Ausdruck menschlicher Freiheit und ein Zeichen für beneidenswerte Charakterstärke. Die Selbsttötung wurde zum Freitod.

Hoffähig wurde der Freitod dann 1774 durch Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“. Doch Kant und Schiller wandten sich wieder dagegen. In „Kabale und Liebe“ heißt es: „Selbstmord ist die abscheulichste Sünde, die einzige, die man nicht bereuen kann, weil Tod und Missetat zusammenfallen!“

Auch vor den Fürstenhäusern machte der Selbstmord nicht Halt: Im Jahre 1886 ertränkte sich der geisteskranke Märchenkönig Ludwig II von Bayern im Starnberger See und 1889 schied Kronprinz Rudolf von Österreich mit seiner Geliebten Mary von Vetsera in Mayerling aus dem Leben.

Heute ist vor allen Dingen Japan für seine Selbstmordneigung bekannt. Ein Student stürzte sich schon 1908 am Wasserfall Kegon in die Tiefe, nachdem er zuvor auf der geglätteten Rinde einer Zypresse einen Abschiedsgruß eingeritzt und seine Altersgenossen aufgefordert hatte, ihm zu folgen. Auf Postkarten vervielfältigt wurde diese Aufforderung weit verbreitet, worauf allein im November an diesem Wasserfall 108 Selbstmorde geschahen.

In der japanischen Tradition unterscheidet man drei Formen des Selbstmords: 1.Junshi: Selbstmord von Frauen und Gefolgsleuten, die ihrem Herrn in den Tod folgen, vor allem beim Kaiser (heute nur Tonfiguren).

2. Harakiri: Selbstmord der Soldaten, wenn die Gefahr der Gefangennahme und der Demütigung besteht, also um ihr zu entgehen.

3.Shinju: Selbstmord eines Liebespaares, dem die Familiengründung infolge von Krankheit oder Verbot der Eltern verhindert zu sein scheint

Einen Höhepunkt befürchtete man auch für den Monat, in dem die Kronprinzessin Michiko Mutter wurde, weil der Aberglaube weit verbreitet ist, man müsse nur zur gleichen Zeit sterben wie das Kind geboren wird, dann gehe die eigne Seele auf das Königskind über.

 

Welches sind die Ursachen für den Selbstmord?

1. Materielle Not spielt kaum noch eine Rolle. Im Gegenteil: Die Selbstmordzahl steigt ja mit dem Wohlstand. Wer aber hart um seine Existenz kämpfen muß, findet keine Zeit für Selbstmordgedanken (Kriegszeit, Gefangenschaft, KZ). Häufig nehmen sich aber alte Männer das Leben, denen die Frau gestorben ist und die sich allein nicht helfen können. Dazu kommt die Einsamkeit und Isolierung des Alters (besonders wenn die Angehörigen in Urlaub fahren und der alte Mensch bleibt allein zu Hause).

2. Schwierigkeiten in den Partnerbeziehungen sind bei zwei Dritteln der Erwachsenen das Motiv. Häufig sind Enttäuschungen im Beruf und anderswo damit verbunden. Manchmal spielt auch eine fehlgeleitete Sexualität eine Rolle, wie bei einem Homosexuellen, den sein Freund verlassen hatte.

3. Rauschgifte und Drogen spielen in manchen Ländern eine große Rolle. Süchtige leben schon in der Irrealität und schreiten dann zur letzten Irrealität - dem Tod. Die Sucht ist eine Flucht in die Irrealität und eine verlängerte Form des Selbstmords. Beim Rauschgift ist das Schreckliche ja das Aufwachen. Nur beim Tod wacht man nicht mehr auf. Bei dieser Gruppe kommen vor allem wiederholte Versuche vor.

4. Echte Geisteskrankheiten sind als Ursache selten (etwa 10-20 Prozent. Aber viele Selbstmörder leiden unter der Gemütskrankheit der „endogenen Depression“ (Melancholie): Sie sind gedrückt und hoffnungslos und haben an nichts Freude; besonders kommt das vor am Morgen beim Aufwachen oder im Frühling oder im Herbst. In den Zwischenzeiten fühlt er sie sich wieder wohl und sind fröhlich und können sich an den anderen Zustand gar nicht mehr erinnern

5. Bilanzselbstmord galt lange Zeit als Hauptursache: Jemand schreibt einen Abschiedsbrief, zieht damit sozusagen Bilanz unter sein Leben und macht Schluß. Aber aus dem Bericht des russischen Dichters Tolstoi erkannte man, daß der Impuls zum Selbstmord von einer anonymen äußeren Macht aufgezwungen wurde; er setzte sich allerdings zur Wehr und überwand die Zwangsvorstellung.

Es wurde immer mehr deutlich, daß all diese Ursachen den Selbstmord noch nicht hinreichend erklären. Nach der Milieutheorie, ist die materielle Not die Ursache. Aber an dem Gegensatz von arm und reich kann es nicht liegen. Eher spielt eine allgemeine selbstmordfördernde Atmosphäre eine Rolle: durch das Großstadtleben, durch Wirtschaftsprozeß und Leistungsdruck, ist der Selbstmord zu einer Zivilisationskrankheit geworden. Nur insofern gilt die Milieutheorie noch, denn das hektische Leben führt zu dem Grundübel der Selbstmordkrankheit:

6. Die Neurose oder deren Häufung ist die Ursache bei 70 Prozent aller Selbstmordfälle. Meist beginnt die seelische Fehlentwicklung schon im Kindesalter. Dann kommt der derart schon gestörte Mensch in eine besonders selbstmordnahe Situation: Pubertätskrise, Liebeskummer, verpatztes Examen, beruflicher Mißerfolg, Einsamkeit im Alter usw. Der Tod sollte der Belastung ein Ende setzen.

Hier kann aber auch eine Vorbeugung gegen Selbstmord ansetzen: Man muß nicht mehr warten, bis der Betreffende seine Absicht äußert, man braucht nur auf die äußeren Anzeichen der Krankheit zu achten:

- Zunehmende Einengung (Lebenskraft erlahmt und die Beziehungen zur Umwelt sind gestört)

- gehemmte Aggressivität (die sich nun nicht mehr nach außen entladen kann)

- Flucht in die Irrealität (dauernde Beschäftigung mit Selbstmordphantasien) (medizinisches Name: „präsuizidales Syndrom“).

 

Aus der Einengung erklärt sich das oft lächerlich anmutende Verhalten mancher Selbstmörder und die ausgefallenen Todesarten: Ein Mann nahm Schlaftabletten, band sich eine Schlinge um den Hals, befestigte den Strick am Brückengeländer über einem Fluß und schoß sich zur Sicherheit noch eine Kugel durch den Kopf. Die Kugel aber durchschlug nur den Strick, er fiel ins kalte Wasser und erbrach die Schlaftabletten - sein Leben blieb erhalten.

Ein Rauschgiftsüchtiger hat sich beim ersten Mal ein Messer in den Bauch gestoßen; beim zweiten Versuch nahm er eine Überdosis Rauschgift, mußte sich aber nur erbrechen; daraufhin wollte er sich erhängen, aber der Gürtel riß.

Ein Amerikaner schloß sich im Kühlschrank ein und erfror dabei. Ein Pilot riß sich in der Druckluftkammer die Maske vom Gesicht. Ein Mann steckte der. Kopf unter eine 40-Tonnen-Presse, ein anderer sprang in flüssiges Metall.

 

Was kann man zur Verhütung des Selbstmorden?

Zunächst einmal sollte man alle Ankündigungen eines Selbstmords ernst nehmen und mit dem Betreffenden darüber sprechen. Rund 80 Prozent der Täter haben ihren Schritt vorher angekündigt. Man soll dann nicht meinen, sie würden nur drohen und würden es doch nicht tun.

Ärzte haben sich deshalb zu einer internationalen Arbeitsgemeinschaft unter Leitung von Dr. Ringel(Wien) und Dr. Thomas (Berlin) zusammengeschlossen, um hier aufklärend zu wirken. Vor allem legen sie Wert darauf, daß Selbstmord keine „Sünde“ ist, sondern eine Krankheit,

die manchmal vermeidbar, oft heilbar und zumindest nicht zum Tode führen muß.

Die Mediziner haben verschiedene Möglichkeiten zur Heilung: Liegt eine Geisteskrankheit vor, muß diese behandelt werden. Auch seelische Krankheiten (wie Depression) kann man durch Medikamente zum Abklingen bringen.

Eine andere Möglichkeit ist die psychotherapeutische Behandlung. Eine Aussprache und Klärung der Probleme mit einem Dritten kann schon viel helfen. Meist ist aus Personalmangel allerdings eine Gruppenanalyse und schriftliche Selbstanalyse zur Ergänzung der Einzelstunden nötig. Auch Hypnose und autogenes Training spielen eine große Rolle bei der Behandlung.

Verbündeter des Arztes bei der Behandlung ist der Selbsterhaltungstrieb des Menschen. Durch Diagnose, Behandlung und Nachbetreuung sank in Wien die Selbstmordquote von 35 auf 22 pro Hunderttausend. Von den Geretteten sind 85 Prozent dankbar, am Leben geblieben zu sein; und sind glücklich, wieder ins Leben entlassen zu werden.

 

Die Aufgabe der Kirche:

Die Kirchen und die Sozialfürsorge haben Beratungsstellen. Oft genügt schon die telefonische Aussprache oder ein Gespräch mit dem Pfarrer, wie es seit alters her in der Kirche üblich ist. Allerdings fehlt hier in schweren Fällen die Möglichkeit zu einer richtigen Behandlung. Deshalb müssen hier die Ärzte weitermachen. Wenn etwa einem Mann die vierte Frau ohne er­kenn­baren Grund davonläuft, dann muß vom Arzt seine gestörte Beziehung zum weiblichen Geschlecht korrigiert werden. Wenn einer wegen beruflicher Mißerfolge zu häufig zur Flasche greift, muß er zuerst vom Trinken abgebracht werden. Dazu aber bedarf der fachmännischen Behandlung.

Eine falsche Weichenstellung wurde oft schon in frühester Kindheit vorgenommen: Durch Verwöhnung werden sie zu Egoisten erzogen, durch Vernachlässigung fühlen sie sich zu niedrig eingestuft. Oft werden sie zu Spielverderbern und schlechten Kameraden. Wichtig ist dann die Anerkennung ihres Soseins und die Zuneigung wenigstens eines Menschen, der zu gemeinsamen Unternehmungen bereit ist.

Die kirchliche Arbeit und der Glaube und der Gemeinschaftssinn bilden aber Barrieren gegen den Selbstmord. Die Kirche kann auch Verständnis wecken für selbstmordgefährdete Menschen. Sie sollte nicht länger Verbrecher, Aussätzige oder Sünder in ihnen sehen, sondern Kranke und Hilflose, denen zu helfen ein Gebot der Menschlichkeit und der christlichen Liebe ist.

Vor allem kann die Kirche helfen bei der sogenannten „ekklesiogenen Neurosen“. Manche gute Christen habeneine enge, leibfeindliche und moralisierende Erziehung in einem sogenannte „christlichen Elternhaus“ durchgemacht. Dabei wurden gesunde sexuelle und erotische Regungen von vornherein als sündhaft gebrandtmarkt. Oft waren dann Perversionen die Folge, die dann zum Selbstmord führten. Hier sollte die Kirche von den Zerrformen einer Scheinfrömmigkeit zu einer theologisch sauberen und eben menschlich wie biblisch echten Glaubenshaltung führen.

Man wird vom Glauben her den Selbstmord als eine Form des Unglaubens sehen müssen, ohne gleich von „Sünde“ zu reden. Aber der Mensch traut doch Gott nicht mehr zu, daß er ihn aus seinen Lebensschwierigkeiten erlösen kann, sondern er will seine Selbstrechtfertigung selber in die Hand nehmen. Nur ein echter Glaube kann gegen solche Selbstmordgedanken helfen.

In Japan hat man nicht zuletzt wegen der verschwommenen religiösen Einstellung (Mischung vieler Religionen, angereichert durch Existentialismus und Nihilismus) eine derart hohe Selbstmordzahl. Wer aber sein Leben auf Glaube, Hoffnung, Liebe gründet, der wird auch jenen festen Halt finden, der vor dem Selbstmord schützt.

Dennoch können wir einen Mann wie Jochen Klepper nicht verurteilen. Seine Frau und seine Tochter waren Jüdinnen von Geburt und sollten ins Vernichtungslager verschleppt werden. Da hat die ganze Familie am Abend vorher Selbstmord begangen. Nicht die Niedrigkeit der Motive macht den Selbstmord verwerflich; man kann aus niederen Motiven am Leben bleiben und aus edlen Motiven aus dem Leben scheiden. Gott allein steht letztlich das Urteil darüber zu.

Für uns aber gilt einstweilen die Regel: Es gibt keine menschliche Situation, die unerträglich und hoffnungslos genug wäre, einen gesunden Menschen in den Tod zu treiben, weder geistige noch seelische Qual, weder KZ noch uneheliche Schwangerschaft noch Bankrott. Die „Krankheit zum Tode“ (Kierkegard) muß uns nicht übermannen, sondern Gott will uns jeden Tag neu zum Leben führen.

Wir brauchen uns nicht das Leben zu nehmen Jesus sieht uns, auch mitten in unserer Sünde. Bei ihm können wir Geborgenheit erfahren. Aber wir sollen auch mithelfen, daß andere Geborgenheit erleben und spüren.

 

Alte Menschen sind besonders gefährdet

Ein Senior wußte nicht mehr weiter: „Verzeih mir, was ich getan habe. Aber ich kann ohne Marion nicht leben. Ich bin auch sehr krank. Lebt wohl“ schrieb er auf einen Zettel. Dann machte der Siebzigjährige Schluß - drei Tage nach dem Tode seiner Frau. Auch eine 80jährige Rentnerin sah keinen anderen Weg: „Vielen Dank für Eure Liebe und Fürsorge“, sind ihre hinterlassenen Worte. „Ich will Euch nicht die Reisepläne kaputtmachen!“
Eine Witwe, Mitte siebzig, gesund und geistig voll da, schrieb: „ Lebe wohl, lieber Sohn. Jetzt hast Du keine Mutter mehr und keine Sorgen!“

Immer mehr alte Menschen nehmen sich das Leben, ohne daß es die Öffentlichkeit sonderlich bedrückt. Erschüttert zeigt sich die Gesellschaft nur, wenn sich junge Menschen umbringen. Tatsächlich aber sterben von eigener Hand viel mehr Senioren. Der Grund: Sie bereiten den Schritt gründlicher und konsequenter vor, wenden sichere Methoden an, und wenn sie trotzdem scheitern, ist die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung mit noch mehr Entschlossenheit groß.

Selbst in der Altenpolitik und in der Altenhilfe rangiert der Altersfreitod am Rande, denn er fällt - weil meist unter Ausschluß der Öffentlichkeit vollzogen - kaum auf. Es ist eine Fehleinschätzung, wenn angenommen werde, die Charakterstrukturen hätten sich im Alter derart verfestigt, daß therapeutische Einwirkung kaum möglich sei. Dies ist augenscheinlich auch der Grund dafür, daß alte Menschen in Beratungseinrichtungen unterrepräsentiert sind.

Freitodkurve alter Menschen erreicht Mitte der siebziger, Anfang der achtziger Jahre einen Höhepunkt.

Die Suizidgefährdung steigt mit dem Alter. Innerhalb der Altersgruppen waren die über 75jährigen am stärksten gefährdet. Alte Menschen nehmen sich häufiger in den eigenen vier Wänden das Leben als in Altenheimen. Allerdings gibt es aus Heimen verständlicherweise nur wenige Erhebungen zu dem heiklen Thema.

Der Anteil der Männer steigt stetig, und zwar am eindeutigsten in der Altersgruppe zwischen 15 und 34 Jahren. Bei den Frauen hat unter den 30- bis 34jährigen das Suizidrisiko seit Beginn der fünfziger Jahre am stärksten zugenommen. In der Gruppe der Fünfzig- bis Siebzigjährigen ist die Rate zwar gesunken, in der Gruppe der Siebzig- bis Neunzigjährigen aber eindeutig gestiegen.

Warum nun nehmen sich Menschen das Leben? Meist gibt es dafür keinen alleinigen Grund. In der Regel haben sich Probleme zu scheinbar ausweglosen Krisen summiert. Hauptfaktoren bei älteren Menschen sind seelische Krankheiten, körperliche, meist chronische und schmerzhafte Erkrankungen und soziale Beziehungskonflikte, häufig verbunden mit Einsamkeit: Lebensmüde Menschen wollen aber nicht den Tod; sie könnten nur das Leben nicht mehr ertragen, und das ist ein Unterschied.

Depressionen gehören nach Erlemeiers Erhebungen zu den Hauptursachen. Nach einer Untersuchung aus dem vergangenen Jahre hatte unter 155 über 60jährigen Patienten, die wegen Depressionen psychiatrisch behandelt wurden, jeder vierte zumindest einen Selbstmordversuch unternommen. Schon 1977 hatte eine Studie den Trend gekennzeichnet: bei den Todsuchenden über 65 Jahren waren fünfzig Prozent krankhaft depressiv.

Unter den Depressiven, die sich töteten, sind bedeutend mehr Verwitwete, Geschiedene oder getrennt Lebende - ein Zeichen dafür, daß der Zusammenbruch tragender Beziehungen, Depressionen und Freitod in enger Verbindung stehen. Oft sind auch chronische Erkrankungen Selbstmordmotiv. Es sind aber in der Regel nicht die Diagnosen des Arztes, die die Krisen auslösten, sondern übersteigerte Krankheitsängste, verbunden mit der Furcht vor langem Siechtum, Hilflosigkeit oder Sterbensverlängerung durch die Apparatemedizin.

 

 

Guido N. Groeger: Wenn das Selbstgefühl gestört ist:

Aspekte der Tendenz zum Selbstmord

Der Verlust traditioneller Jenseits- und anderer Glaubensvorstellungen hat vielfältige, tief eingreifende Folgen. Sie können unter drei Aspekten betrachtet werden: Kompensationsversuche, depressive Reaktionen, neue, sinnhafte Erfahrungen. Es scheint, als stelle die Reihenfolge dieser Verhaltens- und Erlebensweisen gleichzeitig einen möglichen phasischen Ablauf eines dahinter verborgenen, uns alle betreffenden Prozesses dar. Mag die Identitätsfrage immer eine Rolle gespielt haben; jetzt ist sie aus personaler Tiefe durchgebrochen. Das Bewußtsein kann sie nicht mehr verdrängen und muß für Versuche dieser Art hohe Hypotheken aus anderen Persönlichkeitsbereichen aufbringen.

Zu den Kompensationen gehört zum Beispiel der Gesundheitswahn. Er ist vor- oder nachformuliert in jener erstaunlichen Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die proklamiert: »Gesundheit ist der Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialer. Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheiten und Gebrechen.« Dem derart inthronisierten neuen Gott werden Opfer gebracht, tausendfältig und weithin ohne Zweifel an seiner Macht. Treten dennoch Krankheiten und Gebrechen auf, dann ist der Schuldige zuerst die Gesellschaft, dann das Individuum, allenfalls noch ein blindes Schicksal als dämonischer Gegenspieler der Gottheit Gesundheit. Sie selbst behält ihren Thron und bleibt.

Dabei sind die Signa ihrer Relativierung, wenn nicht gar Entmächtigung überall sichtbar: So im Anwachsen der psychosomatischen Störungen, im Ansteigen der Depressionen und in der Zunahme der Selbstmordtendenz. Zur

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psychosomatischen Problematik schwanken die Zahlenangaben. So kommt Strotzka »bei sehr enger Begrenzung auf jene Fälle, die psychotherapeutisch angehbar sind«, auf mindestens fünf Prozent der Gesamtbevölkerung.

Über die Zahl der Depressiven hat die Weltgesundheitsorganisation Schätzungen angestellt, die sich auf Länder mit vergleichbaren diagnostischen Kriterien beziehen. Zur Zeit wird mit hundert Millionen depressiver Menschen gerechnet, wobei es scheint, als müsse mit einer kontinuierlichen Zunahme gerechnet werden. Im Blick auf die eingangs geäußerte Vermutung eines phasischen Ablaufs des Prozesses neuer Identitätsfindung wären die Depressionen schon die zweite Folge der Diesseits-Entdeckung, Symptomatik mißglückter Kompensationen: Die neuen Götter tragen nicht.

Psychoanalysen im Sinn von Existenzanalysen geben dafür Anhaltspunkte: So ist ein lebensnotwendig gewordener Verzicht auf bisherige Positionen offensichtlich nicht einfach mit einem zu Aktivität führenden Befreiungsgefühl verbunden — oder es schwindet schnell. Vielmehr geht

4er Weg durch eine Depression hindurch. Insofern kann eine depressive Phase ein Schritt auf dem Weg zu einer neuen Gesundheit, zu neuer, gelebter oder engagiert gesuchter Integration sein. Wenn auch Vorsicht geboten ist, Individualverläufe auf Gruppenprozesse zu übertragen, läßt sich doch nicht übersehen, daß es analoga gibt. Dies läßt sich etwa in religiösen Gemeinschaften beobachten.

Ober die Selbstmordtendenz vermerkt Dubitscher: Sie »ist von Generation zu Generation angestiegen und scheint noch weiter anzusteigen«. Es fragt sich jedoch, ob es sich um eine absolute oder eine relative Zunahme handelt. Henseler weist darauf hin, daß der Anstieg der Selbstmorde, bezogen auf die Bevölkerungszahl, relativ konstant geblieben ist. Anders scheint es sich bei den Suicidversuchen zu verhalten. Ihre Zahl ist seit 1948 erheblich gestiegen, wobei zuzugeben ist, daß mit einer beträchtlichen Dunkelziffer gerechnet werden muß. Das Verhältnis Suicid zu Suicidversuch wird überwiegend mit 1:10 angegeben; aber es kann etwas geringer, wahrscheinlich aber höher liegen.

en der Bundesrepublik sterben jährlich etwa 12 000 Menschen durch Selbstmord: Alle 44 Minuten tötet sich ein Mensch selbst. Während Suicidhandlungen — also alles, was zum Selbstmord führen könnte, aber nicht immer führt — häufiger von Frauen als von Männern vorgenommen werden, übertrifft die Häufigkeit vollendeter Suicide von Männern die von Frauen erheblich. Bei Männern ist der größere Teil der Suicidhandlungen im vierten, bei Frauen im dritten Lebensjahrzehnt zu konstatieren. Der tödliche Ausgang steigt mit zunehmendem Alter.

Die sogenannten Suicidversuche verlangen eine kurze Differenzierung. Zu unterscheiden sind (nach Dubitscher): der Eventual-Suicid (der Selbstmord wird nicht direkt angesteuert, aber als Möglichkeit eingerechnet), der mißglückte Suicid (die Absicht ist ernsthaft, aber die Ausführung mißlang) und der demonstrative Akt (der Selbstmord wird nicht gewollt; die Demonstration dient aber dem Ziel, die vorhandene Verzweiflung der Umwelt zu signalisieren). Jede Suicidhandlung fordert ernstgenommen zu werden.

Eine Ausnahme bilden allenfalls vorgetäuschte Handlungen, die von Personen mit einer psychopathischen Struktur arrangiert oder auch nur behauptet werden.

Mag nun die Selbstmordziffer stimmen oder nicht — sie bleibt Ausdruck tiefer Störungen, verzweifelter Lebenssituationen. Die Interpretationen, die klare, voll bewußte Handlungsabläufe postulieren, werden durch die Praxis nicht bestätigt. Krankheiten, hauptsächlich Psychosen,

Aufgrund seiner Erfahrungen als Direktor des Evangelischen Zentralinstituts für Familienberatung in Berlin erörtert Prof. Dr. med. Guido N. Groeger die gegenwärtigen Theorien über Selbstmordanfälligkeit.

kommen zu einem kleineren Teil als Ursache in Frage, während psychische Belastungen, in Verbindung mit sozialen Faktoren, sich so gut wie immer in den übrigen Fällen konstatieren lassen. Im Sinn der WHO-Definition über Gesundheit haben auch sie Krankheitswert. Im großen und vielfältigen Bereich zwischen Gesundheit und Krankheit dokumentiert sie unübersehbar Leid und Leiden des Menschen, ganz gleich, wie groß der individuelle und der soziale Anteil im Einzelfall ist.

Es steht fest, daß die Selbstmordziffer mit Grad und Art sozialer Isolierung korreliert. Sind dagegen Menschen in soziale Geflechte sinnvoll integriert, gehen die Suicidzahlen zurück. Der Appell an die Nächsten wird bei einer Suicidhandlung von diesen Nächsten dementsprechend auch genau registriert — gleich, ob er akzeptiert oder abgewehrt wird. Schuldgefühle sind in diesem Kontext die Widerspiegelung der bewußt/unbewußten Absicht des Suicidanten, die Nächsten schuldig zu sprechen.

Hierauf stützt sich die bisher dominierende tiefenpsychologische Hypothese über die Ursache des Selbstmords: die Theorie der auf sich selbst gerichteten Aggression, weil anderen Personen gegenüber, die eigentlich gemeint sind, eine aggressive Hemmung besteht. Sieht man näher zu, dann ist zu entdecken, daß ein Suicidant das Auftauchen und Vorhandensein von aggressiven Regungen in sich selbst angstvoll verdrängt. Er empfindet sie als persönlichkeitsfremd, sie widerstreiten seinem Harmonisierungsbedürfnis und bedrohen seine Beziehung zu anderen Menschen. Sich mit seinen Nächsten auseinanderzusetzen, auf Kollisionskurs zu gehen, läßt am Horizont seiner Vorstellungen die Bedrohung auftauchen, isoliert zu werden.

Die Verwandtschaft der Selbstmordtendenz mit depressiven Persönlichkeitsstrukturen, Reaktionen und endogenen psychischen Störungen wird hier eklatant: Nichts wird so sehr gefürchtet wie die Möglichkeit, symbiotische Bedürfnisse nicht erfüllen zu können oder nicht erfüllt zu bekommen. Vor der Selbstverwirklichung, dem Erwachsenwerden und -sein bestehen massive Ängste.

Die wissenschaftliche Streitfrage, ob Aggressivität angeboren oder erworben sei, ist allerdings noch nicht abschließend beantwortet. Die verschiedenen Positionen werden oft sehr polemisch vertreten. Möglicherweise kann man aber über ein »Sowohl-als-auch« nicht hinausgelangen. In jedem Fall ist mit dem Faktum eigener und fremder Aggressionen zu rechnen. Eben dies kann der depressive Suicidant der anthropologischen Realität nicht zuweisen. Die psychoanalytische Theorie ortet die Genese dieser Hemmung in der oralen Phase, in der sowohl symbiotische Abhängigkeit wie latente Forderungshaltung der Persönlichkeitsstruktur angeheftet würden.

 

Auch der andere wird getötet

Vermag auch ein Mensch in der präsuicidalen Entwicklung, die durch Einengung, Verneinung von Lebenswerten, Stagnation und schließlich Regression (Ringel) gekennzeichnet ist, aggressive Tendenzen abzuwehren, so gelingt dies im Gefolge der Regression nicht mehr, denn aus ihr erwachsen heftige Aggressionen. Dann gibt es entweder doch noch einen Durchbruch nach außen (Ausfälle und Entladungen) gegen Nächste, eher gegen fernere Größen wie Behörden und Staat, Kirche und Gott. Dann sinkt die Selbstmordtendenz. Oder der Aggressionsstau wendet sich wegen der skizzierten tiefen Ängste nach innen. Diese Hypothese der Austauschbarkeit des Aggressionsobjekts findet eine Stütze in der Beobachtung, daß in Ländern, die eine niedrige Selbstmordrate aufweisen, die Mordziffer relativ hoch liegt. Auch die Umkehrung zeigt ein reziprokes Verhältnis. So sind, in psychologischer Sicht, Selbstmord und Mord verwandt, ja der Mensch, der mit Selbstmordabsichten umgeht und aggressiv gehemmt ist, nimmt den Nächsten, den er eigentlich meint, in sich hinein. Im Selbstmord wird dann gleichzeitig der andere getötet.

Wenn auch konstatiert werden kann, daß diese Hypothese der auf sich selbst verschobenen Aggression in vielen Fällen gilt, so ist sie doch nicht befriedigend und ausreichend; zum Teil enthält sie auch Widersprüche. So erweist sich die analytische Psychotherapie solcher Patienten in der Regel als außerordentlich schwierig; zumeist scheitert sie. Gewiß muß eingerechnet werden, daß eine Selbstmordhandlung affektiv hoch besetzt und multifaktoriell determiniert ist. Dennoch könnte ein höherer Therapieerfolg erwartet werden. Daß er selten eintritt, hat Gründe, die in der Konstellation selbst liegen: etwa die tiefe und lebenslange Verankerung in der Persönlichkeitsstruktur; die aus der Gesamtsituation sich ergebende starke Belastung der Patient-Arzt-Beziehung mit der Tendenz zum Scheitern; das Problem des Erkennens und Akzeptierens der Behandlungs- und Hilfsbedürftigkeit.

Nun ist die analytische Therapie nicht die einzige Therapiemöglichkeit; eine Kombination verschiedener Verfahren verspricht mehr Erfolg (stützende Gespräche, Beratung, Beschäftigungstherapie, autogenes Training, Hypnose, Psychopharmaka, Einzel- und Gruppenpsychotherapie, Tag- und Nachtkliniken). Andererseits fordert das Phänomen Selbstmord zur verstärkten Beachtung des sozialen Bereichs auf, wobei die Prophylaxe, besonders im Blick auf die Sozialisationsbedingungen, ein entscheidendes Gewicht besitzt. Dennoch bleibt die Frage nach weiteren intrapsychischen Bedingungen, die eine Rolle spielen könnten. Dabei kommen Beobachtungen des psychischen Geschehens zu Hilfe, die bisher gewissermaßen am Rande des Forschungsfeldes auftauchten, aber mangels einer ausreichenden, zusammenfassenden Theorie nicht zum Zuge kamen. Eine solche steht jetzt mit einer neuen, ergänzten Auffassung des Narzißmus zur Verfügung.

Es fällt schon bei den Depressiven auf, daß sie nicht nur Angst (und Wut) vor einem gefürchteten oder tatsächlichen Liebes- oder Liebesobjekt-Verlust haben, sondern daß solcher Fortfall oder das Scheitern neuer Verbindungen eine tief kränkende Wirkung besitzen. Stirbt zum Beispiel eine geliebte Person, ist in die Trauer über ihren Tod die Kränkung eingewebt, daß sie »einem so etwas antun konnte«. Hinter dieser Verletzbarkeit stehen ein hohes Ich-Ideal mit verborgenen Größenfantasien, die, in einen circulus vitiosus mündend, die Kränkbarkeit vergrößern, um dann wieder kompensatorisch zu wirken. »Wer sich groß fantasiert, der möchte auch so behandelt werden« (Kuiper). Bricht diese selbstschützende Regulation durch die nicht mehr abzuwehrende Realität zusammen, bedeutet dies gleichzeitig den Zusammenbruch des eigenen Selbstwertgefühls und der Lebensmöglichkeit.

»Wenn das Selbstideal streng und unerreichbar ist, wie es für Hemingway war, können die Folgen tragisch schab Der Betreffende kann in seinem Alltagsleben den übermenschlichen Ansprüchen des idealisierten Selbsts nicht gerecht werden, die Wirklichkeit macht sich schließlich geltend, und er wird sich des Unterschieds zwischen dem bewußt, was er sein möchte und was er tatsächlich ist. Und hier nun überflutet ihn der Selbsthaß, der sich in Myriaden selbstzerstörerischer Mechanismen auswirkt, von subtilen Selbstquälereien ... bis zur völligen Selbstvernichtung« (Yalom).

Worauf gründet das narzißtische Selbstwertgefühl? Bisher stand die Identifizierung mit einem geliebten Objekt in der Frühkindheit (in erster Linie der Mutter) als Ursache im Mittelpunkt des Interesses — ein notwendiger Gegenschlag zu dem vorangegangenen beziehungslosen Individualismus, dem Mythos der unabhängigen »Persönlichkeit«. Daß der Mensch durch den Menschen, durch ein Du, zum Ich wird, ist für den einzelnen wie für die Sozialisation wie für die Gesellschaftsstrukturen von eminenter Bedeutung; die pädagogischen, psychologischen, politischen, sozialen und theologischen Konsequenzen sind allerdings noch nicht ausgedacht und ausgeführt. Die von dieser Konzeption ausgehende Faszination hat aber stellenweise bereits zu Absolutheitsansprüchen geführt: Nur in der Gemeinschaft sei der Mensch lebensfähig.

Als Freud 1914 den Begriff Narzißmus einführte, differenzierte er zwischen einem primären und einem sekundären Narzißmus. Während der letztere extreme Regressionszustände zu einer frühesten Lebensstufe wie auch psychopathologische Störungen meint, drückt der Begriff des primären Narzißmus so etwas wie den Urzustand des Menschen aus: das pränatale, intrauterine Sich-Befinden, das »Ur-Datum« (Scharfenberg) des Menschen. Die Indizien mehren sich. Da sind die Einflüsse auf den Foetus: der mütterlichen Stimmung, ihrer Hormone, ihres Herzschlages, ihrer Darmbewegungen — seiner Bedinglichkeit, seines Stoffwechsels, seiner Herzfrequenz, seiner Intestinalbewegungen. Aber es kann noch keine Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt geben. Alles ist noch ungeschieden; alles, was benötigt wird, fließt zu, ist da. Außen- und Innenwelt sind eins, irritierende Einflüsse werden abgeschirmt.

Auf dem Boden einer solchen Befindlichkeit mit wachsender Wahrnehmung, solcher Urerfahrung vor jeder Begegnung und Beziehung, ist die Selbstbesetzung mit der ganzen, ungeteilten Libido vorstellbar. »Realität« als von außen kommende Größe mit bestimmten und bedrohenden An-Forderungen ist nicht existent. Realität und Eigenerleben sind identisch; Realität ist Sicherheit und Geborgenheit, ist Bei-sich-selbst-sein. Dementsprechend formuliert Kohut: „Der Gegenstand des Narzißmus, das heißt, der Besetzung des Selbst ist von sehr großer Bedeutung, denn man kann zu Recht sagen, daß er die Hälfte der Inhalte der menschlichen Psyche einschließt — während die andere Hälfte natürlich die Objekte darstellen.“ Hier liegen die Wurzeln des Selbstgefühls.

Dieses Selbstwertgefühl kann gestört, schließlich zerstört werden, letztlich deswegen, weil die Aufgabe der Realitätsanpassung kompliziert und schwierig ist und weil zusätzlich der Mut dazu genommen werden kann. Realitätsanpassung heißt zum Beispiel sich selbst zu relativieren, wobei aber gleichzeitig die Fähigkeit zur Welt- und Lebensbewältigung entwickelt und gestärkt werden muß; die libidinöse Selbstbesetzung muß teilweise aufgegeben, Libido Außenobjekten zugewandt werden. Für Erziehung und Sozialisation heißt das: Ichentwicklung und Kommunikationsfähigkeit beginnen damit, das Selbstwertgefühl von Kindern nicht zu unterdrücken, ihnen keine perfekten Leistungen abzuverlangen — was sie dann in einem strengen, rigiden Ich-Ideal internalisieren —, sondern zu helfen, daß sich ihr Selbstgefühl zur Reife entwickelt. Geschieht das, dann ist auch die entscheidende Basis einer Suicidprophylaxe gelegt. Daß Kinder und Jugendliche gehäuft Selbstmord begehen, zeigt, wie selbstunsicher sie sind und gemacht worden sind.

Vor Kränkungen schützen

Der 'Verletzung des Selbstgefühls kann reif oder kompensatorisch begegnet werden. Henseler nennt folgende Möglichkeiten: die reife Reaktion auf eine Kränkung (Prüfung von Realität und Ich-Ideal; Reaktion: nicht tangiert oder sachliche Abwehr oder Zustimmung), die unreife Reaktion (Regression, Verleugnung, Größenfantasien als Selbstschutz; als Konsequenz werden Partner benötigt, die den Fantasien zustimmen oder den Defekt anderweitig ausgleichen), die pathologische Reaktion (ein Zustand von Ohnmacht, Angst und Wut, Verzicht auf die eigene Individualität, zunehmende Realitätsverleugnung; schließlich Fantasien von Verschmelzung in einem harmonischen Urzustand). Kommt es nun von der Fantasie zur Handlung, dann rettet der Suicidant in seinem Erleben sein Selbstgefühl. Kettet er dergestalt sein Selbstgefühl, indem er ihn bedrohender (fantasierter oder fantasiehaft gesteigerter) Gefahr zuvorkommt, fällt der Rückzug seiner Libido von allen Außenobjekten auf sich selbst mit der Selbstvernichtung zusammen. „Das eigentliche Problem des Suicidanten ist nicht der Wunsch zu sterben, sondern der Wunsch, sich vor unerträglichen Kränkungen zu schützen.“

Was sind, wo beginnen unerträgliche Kränkungen? Im Einzelfall läßt es sich einigermaßen analysieren, auch ergeben sich Ansatzpunkte für bessere therapeutische Möglichkeiten. Zu different aber sind individuelle Faktoren: die Frühkindheit; die Wege vom Selbst zum Du, vom Du zum Ich, vom Ich zum Du und zum Wir; verwöhnende und/oder frustrierende Erlebnisse; Ermutigung oder Entmutigung; toleranter Imperfektionismus oder strenge, illusionäre Idealisierung: »Unter der Flagge der Vervollkommnung entsteht ein Problem, wo vorher keins war« (Watzlawick).

Sollensforderungen, auch und gerade in theologischen Ethiken (in denen sie der Fundamentalaussage der Sündhaftigkeit widersprechen) entwerfen riesige, zu oft unmenschliche Ziele und stürzen dadurch in Existenzkonflikte. »Wer sich ein utopisches, das heißt unerreichbares Ziel setzt, schafft aus sich heraus durch diesen Akt der Zielsetzung eine Situation, in der die Unerreichbarkeit des Ziels nicht dessen utopischer Natur, sondern der eigenen Unzulänglichkeit zugeschrieben wird ... Das Ergebnis ist Entfremdung, Depression, eventuell Selbstmord« (Watzlawick).

Im Einzelfall also lassen sich Ursachen und Wirkungen ausmachen. Anders ist es mit Gruppen, besonders Großgruppen. Wie ist es mit jenen hundert Millionen Depressiver, denen sich noch weitere Millionen zuaddieren, die noch Kompensationsversuchen anhängen? 1897 erschien von Emile Durkheim Le Suicide, ein Buch aus der Frühzeit der Soziologie, fundamental, angereichert mit dem Bewußtsein einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Krise. Dörner kommentiert dazu: »Die seit drei Jahrzehnten sich wiederholenden Krisen der kapitalistisch organisierten Wirtschaft und das Erstarken der Arbeiterbewegungen haben den liberalen Fortschrittsoptimismus der Bürger des 19. Jahrhunderts umschlagen lassen in eine depressive Grundstimmung ... Die ökonomische Depression hat mit der literarischen und wissenschaftlichen zu tun ... Kriterium wird Vernichtung oder Verwertung.« Gegen Ende dieses Jahrhunderts kommen die unvorstellbar gewordenen atomaren Apokalypsen hinzu. Sie lassen nur die Alternative zwischen Vernichtung und Ächtung — wobei an letztere geglaubt werden möchte, aber nicht wirklich geglaubt werden kann. Der Blick zum Himmel zeigt ihn leer.

Vermutungen seien ausgesprochen: Für viele ist die Erkenntnis ein tödlicher Schock, nicht einfach in ein Jenseits rekurrieren zu können, der Endlichkeit standhalten zu müssen — für andere ist es Befreiung. Für viele ist es bedrohend, nicht mehr von einem infantilisierten und infantilisierenden Glauben getragen zu werden — für andere ist es Hilfe zur Identität. Für viele ist es tiefe narzißtische Kränkung, in Selbstverantwortung gestellt und in Hände der Menschen gegeben zu sein — für andere ist es Entdeckung neuer Möglichkeiten. Nur in Umrissen, aber mit der Wahrscheinlichkeit, das Geahnte zu erleben (und es möglicherweise dadurch wirklich zu machen), erscheint jenseits der Depression die Möglichkeit neuer, sinnhafter Erfahrung: »Friede kommt aus dem inneren Raum« (Erikson).

 

 

 

Freiheit

Luther schreibt in seiner Schrift: „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ folgenden widersprüchlichen Satz: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan - Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan!“ Beides ist richtig, wir wollen uns nur überlegen, wie jeder dieser beiden Sätze gemeint ist.

Wenn man 14 oder 15 Jahre alt ist, dann will man endlich einmal die Luft der Freiheit atmen. Man möchte unabhängig sein von Eltern und Schule und endlich einmal viel Geld verdienen und sich alles leisten können. Das Erwachsensein erscheint als das große Ziel des Lebens und wird mit Freisein gleichgesetzt.

Das ist eine notwendige Stufe im Leben eines jeden Menschen. Er muß diese Entwicklung zur Selbständigkeit durchmachen, sonst kann er nicht erwachsen werden. Jeder muß sich erst einmal von den Eltern und allen anderen Autoritäten gelöst haben, ehe er eine neue Bindung eingehen kann (zum Beispiel an einen anderen Menschen) .Das gilt auch für die Bindung an Gott: Man muß erst einmal durch Krisen hindurchgehen, sonst weiß man gar nicht, was man eigentlich an Gott hat.

Aber manchmal hat man auch Angst vor der Freiheit, denn sie könnte ja zur Zerstörung führen. Irgendwie wollen wir uns auch instinkthaft dagegen sichern. Aber einmal müssen wir halt die Entscheidung fällen, ob die uns geschenkte Freiheit zum Chaos führen soll oder zu neuer Ordnung.

Das Wort „Freiheit“ hat heute eine schillernde Bedeutung. Wir gebrauchen es oft in“, „Hilde hat eine freie Lebensart“, „Er sprach sehr frei über all diese Dinge“. Und im politischen Bereich ist es einfach zu einem Schlagwort geworden.

An zwei Beispielen wird deutlich, was „Freiheit“ bedeutet, positiv und negativ:

1.) Ein Mann erhält seine Lohntüte und geht regelmäßig erst einmal ins Wirtshaus, um einen erheblichen Teil seines Geldes erst einmal in Bier und Schnaps umzusetzen, während die Familie zu Hause wartet. Ist das Freiheit?

2.) Ein junges Mädchen fährt in seiner Freizeit den gelähmten Vater im Rollstuhl spazieren, während die Freundinnen ausgehen. Ist das Freiheit?

Es gibt vielerlei Freiheit. Auch die Freiheit der Wildsau im Wald und die Freiheit der Reichen, die sich alles leisten können. Aber ist das nicht eine neue Knechtschaft unter die Triebe, die uns oft mehr gefangenhalten als alle anderen Bindungen? Man braucht sich ja nur einen Alkoholiker oder einen Kettenraucher anzusehen.

Darf man als Christ rauchen? Ein Christ darf alles tun, was ihn nicht hindert, so frei zu leben, wie Gott ihn haben will. Doch diese Freiheit ist dahin, wenn wir Sklaven des Tabaks sind und das Rauchen nicht mehr lassen können. Und manchmal muß man es auch dann lassen, wenn man einem anderen zeigen will, daß es auch „ohne“ geht. Dürfen denn Mädchen rauchen? Meist ist es auch schon ein „müssen“, weil sie es nicht mehr lassen können. An sich spricht ja nichts dagegen, Mann und Frau sind gleichberechtigt und auf Vorurteile von früher sollte man nicht mehr hören. Aber wahrscheinlich ist das Rauchen für eine Frau noch gesundheitsschädlicher als für den Mann. Dann muß man seine Freiheit eben bezahlen mit

einer neuen Bindung an eine Krankheit.

Wir wollen immer frei sein v o n etwas. Aber diese Freiheit erinnert an die Vogelfreien alter Zeiten, die jeder totschlagen konnte (Kain!). Wie mancher junge Mann hatte frei sein wollen von seinen Eltern und ist zum Beispiel in die französische Fremdenlegion abgehauen. Dort hat er sicher sehr bald begriffen, was Freiheit wirklich ist (Biblisches Beispiel: Der verlorenen Sohn).

Mehre Freiheit heißt nicht: „Ich kann tun, was ich will!“ sondern: „Ich kann tun, was ich soll!“ Echte Freiheit ist immer eine Freiheit zu etwas, die Ermöglichung der richtigen und auch der guten Tat.

An einem einsamen und dunklen Platz finde ich einen Geldbeutel mit 100 Euro Inhalt. Ich habe mich überzeugt, daß niemand mich dabei gesehen hat. Trotzdem gebe ich das Geld auf dem Fundbüro ab. Das würden doch die meisten auch so sagen. Warum aber? Zumeist aus Angst oder Nützlichkeitserwägungen: „Weil ich Angst vor mir selber hebe!“, „Weil ich durch vermehrte Geldausgaben doch nur auffallen würde!“, „Weil ich hoffe, daß andere auch so handeln, wenn ich einmal etwas verloren habe!“, „Weil ich dann eine Belohnung kriege!“ Schon mehr aus dem Bewußtsein mitmenschlicher Verpflichtung kommt die Antwort: „Weil der Verlierer vielleicht ein Familienvater mit kleinen Kindern ist!“ Aber eigentlich geht es hier um eine Gewissensentscheidung die vor Gott gefällt wird: Wir haben die Freiheit, das Gute oder das Böse zu tun; unser Gewissen entscheidet, ob wir Gott folgen wollen oder nicht, ob wir Liebe, Freundlichkeit und Frieden zeigen oder Sünde, Haß oder Mord usw.

 

Thesen:

1. Willkür und Zügellosigkeit befreien nicht, sondern knechten den Menschen: Das blinde Freiheitsverlangen ist nichts anderes als der Drang, allen Launen und Impulsen nachzugeben und den Trieben zu folgen. Damit eckt man aber nicht nur überall an, sondern gerät in die Gefahren, von seinen Launen und Trieben geknechtet zu werden. Wer sich aber Ziele stellt, ordnet sich, seine Zeit und seine Kraft, diesen Zielen unter und setzt sich freiwillig ein und übt auch Selbstbeherrschung. Das ist echte Freiheit.

2. Wer frei ist, erkennt die Notwendigkeit von Ordnungen und Geboten an: Nur wenn wir etwas freiwillig tun, fühlen wir uns frei. Was wir unwillig oder widerwillig tun, erscheint uns als Zwang. Das Meiste tun wir allerdings unfreiwillig. Es bleibt uns nur ein spärliches Maß an Zeit, Kraft und Möglichkeiten (Geld, Material) zur freien Verfügung. Deshalb ist es so wichtig, daß wir etwas Vernünftiges damit anfangen, was unserer Umwelt dient. Und wir sind gefragt, ob wir uns freiwillig den Ordnungen und Geboten ein- und unterordnen. In vielen Fällen sehen wir die Notwendigkeit auch ein: Strafbestimmungen, Verkehrsvorschriften, usw. Meist aber empfinden wir sie auch als einengend, als ungerecht und hart. Doch wir müssen uns ihnen trotzdem fügen, solange wir sie nicht durch andere ersetzen können. Dazu müssen wir unsren inneren Widerstand aufgeben und auch unter den harten Bedingungen der Gemeinschaft dienen.

3. Wer sich nicht selbst in Zucht nimmt, scheitert im Leben: Unser selbstsüchtiges und lebenshungriges Ich will uns mit all unseren Gefühlen, Gedanken und Kräften unterjochen und unfrei machen. Doch dadurch verlieren wir den Mut zum Leben und versuchen nun, ihm mit List und Gewalt zu entreißen, was es uns vorenthält. Aber dadurch würden wir uns nur selbst zerstören.

4. Nur die Liebe schließt das Herz auf und macht frei: Jeder von uns hat sich schon einmal frei und glücklich gefühlt, wenn er der verstehenden Liebe eines anderen Menschen begegnete. Ein Kind fühlt sich in der Liebe der Eltern wohl geborgen; Freunde (Freundinnen), die sich gegenseitig vertrauen, erschließen sich zu gegenseitiger Hingabe. Auch der andere wird uns sein inneres Wesen erschließen, wenn wir ihm mit Liebe begegnen. Und beide werden dann frei und beschwingt sein.

5. Die Liebe Gottes hat uns zur Freiheit berufen durch Christus: Gott hat uns zu freien Menschen gemacht, indem er uns seine Barmherzigkeit in Jesus Christus zeigte. Seine Gebote sind jetzt nur noch Wegweiser in das Land der Freiheit; in Dankbarkeit sollten wir ihnen folgen: Völlige Liebe treibt die Furcht au! Wir brauchen keine krampfhafte Angst zu haben, als wäre uns die ganze Welt feind und wir müßten verzweifelt um unseren Lebensanteil kämpfen. Wir dürfen uns auch an all dem Schönen und Guten freuen, das uns das Leben bietet. Wir brauchen nicht mehr verbissen um unser Recht zu kämpfen, sondern fragen nach unsrer Verantwortung im Leben (Familie, Beruf, Geschäft, Freundeskreis). Wer sich zu Gott hält, wird frei: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden!“(Jes 40,29-31).

Wer an Christus gebunden ist, braucht aber nun nicht aus Furcht vor dem Zorn Gottes zu handeln. Gott will uns nicht versklaven, sondern ist uns freundlich. Dafür sollten wir dankbar sein und bereit sein Christus nachzufolgen in aller Armseligkeit unseres Menschenlebens. Ein Roboter, ein künstlicher Mensch, kann nur das tun, was sein Meister will; er hat keine Freiheit der Entscheidung. Der von Gott geschaffene Mensch aber kann in allen Dingen dieses Lebens entscheiden. Gott wagt es, dem Menschen diese Entscheidung zu überlassen, sogar

die schwerwiegendste Entscheidung: Ob sich der Mensch für oder gegen seinen Schöpfer entscheiden will!

 

Frei sein - zum Dienst: Als in den Südstaaten von Amerika noch die Sklaverei bestand, sollte auf dem Sklavenmarkt auch ein junges schwarzes Mädchen verkauft werden. Die Sklavenhändler betasteten sie Glied für Glied, wie man ein Stück Vieh untersucht, und machten dann ihr Angebot. Schon soll einem Käufer der Zuschlag gegeben werden, da ruft plötzlich eine Stimme „Noch hundert Dollar!“ Niemand wagt, eine noch höhere Summe zu bieten. So erhält der Fremde das zitternde Mädchen. Der aber tritt an den Tisch und erklärt laut: „Ich schenke dir die Freiheit!“ Erst will es das Mädchen nicht glauben. Aber als der Käufer ihr eine Befreiungsurkunde ausstellt, da fällt sie ihm zu Füßen und spricht: „Ich bin frei und kann tun und lassen, was ich will; so will ich dir mein Leben lang dienen!“

Das Schicksal von Hiobs Frau (Hiob 1,1 - 2,9) zeigt die Stufen in der Freiheit zum Bösen: Aus der Enttäuschung über den Verlust der Kinder und des Besitzes wird Verbitterung und die Anklage gegen Gott. Die Folge aber ist eine Vereinsamung. Sie verliert noch das Letzte, was sie in ihrem Elend behalten hat: die Gemeinschaft mit ihrem Mann.

Wir fragen auch manchmal verbittert: Warum mußte gerade ich meine Kinder hergeben, meinen Besitz opfern, die Heimat verlassen? Der Kranke beneidet den Gesunden, die ledige Frau die verheiratete, die Kinderlose, die Mutter. Oft kommt es dann zur Anklage gegen Gott. Doch wer mit Gott abrechnen will, gerät nur in Vereinsamung.

Das Schicksal der Purpurkrämerin Lydia dagegen (Act 16,11-15) zeigt uns die Stufen in der Freiheit zu Glauben und Liebe: Gott tut das Herz auf, der Mensch achtet auf sein Wort und sucht die Glaubensgemeinschaft und übt Liebe an den Mitmenschen.

 

Wir sollten den Begriff „Freiheit“ viel mehr von der Bibel her sehen und nicht so sehr als rein politischen Begriff auffassen. Christus hat weder die Demokratie gepredigt noch die Befreiung der Sklaven verlangt. Die Freiheit des Christen ist nicht so sehr eine Frage der Staatsform oder der Gesellschaftsordnung, sondern eine Wirklichkeit des Glaubens.

Im Neuen Testament geht es zunächst um die Freiheit vom Gesetz, von den Mächten der Welt, die uns einen Zwang auferlegen, auch von den Kräften und Trieben, die in uns selber stecken. Dennoch ist Freiheit auch eine Gebundenheit, notfalls unter einem bestimmten Verzicht. Paulus schreibt in 1. Kor 6,12; 10,23: „Ich habe es alles Macht; es frommt aber nicht alles. Ich habe es alles Macht; es soll mich aber nichts gefangennehmen!“ Oder nach einer modernen Übertragung heißt es: „Ich kann mir zu allem die Freiheit nehmen, aber nicht alles ist hilfreich. Ich habe zu allem die Freiheit, aber nichts soll mich zu einem unfreien Menschen machen, während ich vorgebe, besonders frei zu sein!“

Die Freiheit hat also immer zwei Seiten. Und diejenigen, die so tun als seien sie wer weiß wie frei, sind im Grunde die unfreisten Sklaven ihrer selbst oder anderer Mächte. Wir wollen froh sein, daß Gott uns zu freien Menschen bestimmt hat. Wir. haben so viel Freiheit, wie wir uns nehmen.

           

Ist Freiheit nichts anderes als die Einsicht in die Notwendigkeit?

Das Streben des Menschen nach Freiheit ist nicht negativ zu bewerten (Freiheit von…), sondern indem der Mensch in Freiheit lebt, verwirklicht er sein Menschsein.

 

 

Menschliche Freiheit oder göttliche Fügung:

 Viele unserer Handlungen sind notwendig, weil allein der Organismus sie fordert. Aber es entstehen auch Handlungen, weil ICH sie will. Natürlich bin ich dann auch nachher dafür verantwortlich. Aber diese „Wahlfreiheit“ ist Kennzeichen der Persönlichkeit. Sie wählt zwischen Werten, und auch für das Unwerte kann sie sich entscheiden, besonders wenn es den Schein des Guten trägt (das ist möglich seit der Ursünde!).

Die Bibel sagt zu dem Thema „Freiheit“ zunächst einmal dies: „Der Mensch hat sein Geschick in der Hand!“ Aber Paulus sieht Freiheit immer nur in Verbindung mit der Gnade, denn Freiheit von Schuld-Gesetz-Tod muß uns gegeben werden. Formal können wir selbst wählen, aber wir sind damit noch nicht frei im wahren Sinne des Wortes.

Freiheit ist nicht stoische Leidenschaftslosigkeit. Und nach Galater 5,1 ist das mosaische Gesetz zwar von Gott, aber es kann entweder den Anreiz zur Sünde geben oder aber zur Selbstherrlichkeit führen. Deshalb kann man nur dann wahrhaft frei sein, wenn man sich der Gnade Gottes anvertraut; dies ist möglich seit dem Neuen Testament.

Christus wird dabei nicht an die Stelle des persönlichen ICH gesetzt. Indem man ihm aber Raum „in seinem Herzen“, ist man innerhalb dieser Grenzen frei. Will man aber diese Grenzen überschreiten, gerät man in die Unfreiheit (etwa: Zügellosigkeit). Nur einem Ich kann das Ich verantwortlich sein. Freiheit ist darum immer nur Freiheit vor Gott, und nur so ist Freiheit auch Mächtigkeit zum Guten.

Wo aber bleibt da die menschliche Initiative? Nach reformatorischem Verständnis wurde sie durch die Sünde verdorben und man kann sich deshalb nur noch der Gnade überlassen. Ist aber nun die Gnade, die von Gott gewollt ist, mit unfehlbarer Sicherheit wirksam, oder wird sie erst durch die menschliche Zustimmung wirksam?

Es stehen zum Beispiel die ungeheuren Forderungen der Bergpredigt in der Bibel, und Gott wird schon einmal nach der Barmherzigkeit fragen, die der Mensch geübt hat. Indem sich auch der Mensch der Gnade nähert und sich vor ihr entscheidet, handelt er. Und falls er sich einmal für das Böse entschieden haben sollte, dann gibt es doch noch die Gnade, denn Gott hat ja auch die Erde den Menschen zwar überlassen, aber er hat die Menschen nicht allein gelassen.

Ist aber nicht all unser Handeln irgendwie zweckbestimmt? Unsere Umwelt wirkt doch immer auf uns ein, und vielleicht kann es überhaupt nur eine Freiheit geben, wenn es überhaupt keine Umwelt gibt. Triebe und Interessen und Gefühle bestimmen den Menschen, und er erliegt immer nur dem stärksten Reiz. Wenn er meint, wirklich einmal Entscheidungsfreiheit zu haben, dann fehlen diese Motive, und es ist belanglos, ob er mit der rechten Hand auf die linke Klatscht oder umgekehrt; das ist dann keine Freiheit, sondern nur „Handeln“.

Hierzu ist aber zu sagen: Die Psychologie, die diese Lehre vertritt kann als exakte Naturwissenschaft sich nur mit den meßbaren Bereichen befassen. Sie stellt Definitionen auf und untersucht nun das abgegrenzte, erfaßbare Gebiet innerhalb dieser Definitionen. In diesem Fall hat sie nun die Extreme herausgesucht, aber über das Gebiet dazwischen kann sie nichts aussagen.

 

Theologisch gesehen heißt „Freiheit“ einfach: Nicht-mehr-gefangen-sein durch die Sünde.

Doch in diese Freiheit kommt man nicht plötzlich, sondern Christus wirbt dauernd und bietet das Geschenk der Freiheit an. Durch die Taufe ist uns die prinzipielle Möglichkeit zur Freiheit gegeben worden; aber diese Freiheit muß nun auch von uns realisiert werden.

Man kann natürlich wieder aus dieser Freiheit „herausfallen“, aber es ist Gnade, daß man wieder zurückkann. Man darf sich auch zum Bösen entscheiden, aber man wird dann umso mehr gebunden sein. In der Entscheidung zwischen Gut und Schlecht liegt die Freiheit, nachher ist man dann gebunden („religio“).

Aber an Christus gebunden sein ist kein Zwang, sondern eine positive, freiwillige Hingabe an Christus, der nicht das Böse für den Menschen will, sondern nur das Gute, weil er selbst das Gute ist. Er ist das Prinzip der Freiheit; nur indem man sich dieser Freiheit zuwendet, ist man frei. Es kommt jedoch nicht nur auf das Zuwenden an, sondern auf das Bleiben. Freiheit ist nicht nur eine Möglichkeit zur Entscheidung, sondern eine Möglichkeit, überhaupt zu leben. Der Mensch bleibt dann zwar weiter ein Sünder, aber der Tod als „der Sünde Sold“ ist nichtig.

Am besten ist dies vielleicht alles ausgedrückt im Gleichnis vom verlorenen Sohn: Der Vater läßt den Sohn gehen, aber er wartet auf ihn und läßt sein Haus immer offen, er ist sich sogar sicher, daß der Sohn wieder zurückkommen wird (obwohl er auch die Freiheit hätte, wegzubleiben). Aber auch der Sohn muß in sich den Entschluß zur Rückkehr fassen. Er kann das aber nur, weil er fühlt, wie die Liebe des Vaters ihn wieder zurückzieht in seine angestammte Heimat.

 

Logisch gesehen kann man das Problem des Zusammenwirkens von Gott und Mensch vielleicht nicht lösen, höchstens vielleicht dialektisch, etwa so, daß man sich zumindest der Gnade Gottes nicht entgegenstellt.

Man kann sich jedoch nicht entscheiden für den Glauben. Der Glaube an sich ist vielleicht schon Gnade, die zunächst einmal an allen wirkt. Aber nicht jeder sagt Ja dazu, nicht jeder hat seine Antenne in die richtige Richtung ausgerichtet. Aber auch das Annehmen der Gnade ist noch kein Glaube. Nur wer Ja zur Gnade sagt und sie dann verwirklicht, indem er danach lebt, glaubt. Ja oder Nein sagen zu dürfen zu Gott, das aber ist wiederum Gnade.

Das rührt jedoch nicht an der Allmächtigkeit Gottes. Er läßt es durchaus zu, daß der Mensch sich von ihm abwendet und dabei der Sünde verfällt. Er läßt eine solche Freiheit, aber die Sünde schafft der Mensch in sich selbst: Sünde ist nichts weiter als Ferne von Gott, in der dann die Sünden geschehen. Die „Schlange“ aus dem Paradies ist ein liebes Tier, sie ist nur das Bild für die Sünde im Menschen. Diese Sünde ist aber nicht Person, sondern Aktion. Die Sünde als zweite Macht neben Gott ist undenkbar, sie ist unter Gott, aber nicht von ihm - und sie kommt nicht von außen an den Menschen (die „Versuchung“ ist nur Ausdruck des inneren Abgefallenseins), denn das würde wieder zur Dämonisierung der Natur usw. führen.

Daß man die Kraft hat, sich gegen die Sünde zu stellen, ist Gnade Gottes. Das Schaf, das sich von der Herde entfernt, kann abstürzen, so daß der gute Hirte zu spät kommt. Deshalb sollte es sich möglichst früh hüten, an den Abgrund heranzukommen, es sollte sich also nur inner­halb der von Gott gegebenen Weidegründe aufhalten. Der Mensch jedoch kann, im Gegensatz zum Tier, erkennen, wo der Abgrund liegt (für das Tier gibt es ihn auf ethischem Gebiet über­haupt nicht), und das ist Gnade Gottes.

Der Mensch kann durchaus gegen seine „Motive“ handeln, etwa das Naschen in der Zuckerdose unterlassen. Zwar ist der Mensch in der Sünde, aber er kann etwas dazu tun, ob die Sünde groß oder klein wird - allerdings auch nicht im Bewußtsein der Selbsterlösung; zumal bei

Gott ja die Größe der Sünde nichts ausmacht. Es wäre nämlich auch schrecklich, wenn wir erst alle Sünden überwinden müßten, um „selig“ werden zu können; die Sünde ist nämlich viel vielfältiger, als wir denken, vieles merken wir gar nicht, und wir werden noch sündig genug.

Gott gibt dem Menschen kollektiv die Gnade, er bietet sie damit auch jedem Einzelnen an .Dieser Einzelne muß aber nun antworten, das geht nicht mehr kollektiv.

Jedoch kann der Glaubende wissen: „Ich bin erlöst!“ Nur wehe, wenn er das sagt und sich darauf beruft. Man kann nicht subjektiv die Gewißheit haben: Ich bin auf dem richtigen Weg! Man kann eine moralische Gewißheit haben; aber Gott läßt den Zweifel, damit man sich nicht zu früh zur Ruhe setzt.

Natürlich kann der Mensch die Gnade nicht voll verwirklichen, er ist nicht vollkommen. Aber Gott macht ihn vollkommen im Abendmahl. Dann glaubt der Mensch, d.h. er liefert sich Gott aus im Vertrauen auf ihn, der den Menschen nicht fallen läßt.

 

Das Böse:

Zunächst einmal ist zu sagen, daß die Bibel keine Aussage macht, woher das Böse kommt: Die Schlange ist einfach da. Wenn man aber nun doch meint, es sich irgendwie vorstellen zu müssen, so darf man weder sagen: „Es kommt von Gott!“ noch: „Es kommt vom Teufel!“ Wenn jemand das Böse verursacht, so ist es der Mensch.

Denkt man sich das Böse personifiziert im Teufel oder in Naturgewalten oder in geheimnisvollen Kräften oder in Dämonen, so schafft man dadurch nicht nur einen (in Wirklichkeit nicht existenten) Gegengott, der dann als reale Macht über die Menschen zu herrschen scheint. Man „dämonisiert“ damit auch den ganzen Kosmos, denn man vermutet nun überall böse Dämonen in seiner Umwelt, die dem Menschen das Leben schwer machen und ihn von Gott abbringen.

Die Natur und der Kosmos sind aber nicht „böse“ an sich, sie werden höchstens böse durch den Menschen. Wenn der Mensch sich von Gott abwendet, dann nimmt er damit nicht mehr seinen Auftrag wahr, es entsteht ein Vakuum, das Nichts, das wir vielleicht auch als „das Böse“ bezeichnen. Denn wenn die Dinge in diesen nicht mehr von Gott erfüllten Raum gelangen, dann werden sie „böse“.

Die Technik kann dadurch durchaus zum Segen der Menschheit werden. Findet der Mensch jedoch nicht mehr mit Hilfe Gottes den rechten Bezug zu ihr, dann wird die Technik „teuflisch“ und überherrscht den Menschen. Das Böse ist also „die nicht mehr bewältigte Beziehung zu den Dingen und zu Gott“ (operativer Hintergrund: Ein Ding an sich ist nicht, es ist nur in der Beziehung zum Menschen).

 

Freiheit in der Bibel:

Die Freiheit vom Gesetz, wie sie von Christus verkündet wurde und häufig in der Theologie des Paulus zu finden ist, darf nicht negativ gesehen werden. Seit Christus wird der Glaube nicht mehr durch das Gesetz gehemmt („Der Buchstabe tötet, das Gesetz macht lebendig“).

Das Gesetz war nur äußerlich, nun wird es überflüssig. Aus der Freiheit entsteht aber wieder eine neue Gebundenheit an die Offenbarung und den Glauben. Damit in der Freiheit aber kein Rückfall in die Sünde erfolgt, hilft die gegenseitige Liebe der Gemeinde. Diese Freiheit ist keine Preisgabe, sondern eine Bestätigung. Der Mensch ist nicht Marionette. Gott ringt um den Menschen wie ein Jüngling um sein Mädchen. Damit erniedrigt er sich bis zum Höhepunkt dieser Erniedrigung: Die Menschwerdung Gottes - um der Menschen willen.

Bei Paulus ging es besonders auch um die Freiheit von der Beschneidung. Paulus war für die Heidenchristen. Andere dagegen wollten, daß zukünftige Christen erst in die Volksgemeinschaft der Juden aufgenommen würden. Das geschah nicht aus völkischen Erwägungen, denn blutsmäßig kann man ja gar nicht mehr vom „Volk Abrahams“ reden. Abraham blieb aber das Symbol für den Anfang des Volkes Israel. In 1.Mose 1-12 erfolgt eine Verengung des Blickes

von den ersten Menschen über die Menschheit wieder zu Abraham, der nun zum Symbol für den Menschen wird. Als Abraham auszieht, gibt er seine ganze Existenz auf, seine Vergangenheit, seine geistige Welt, sein Lebenswerk Gott will sehen, ob Abraham dann auch noch

treu ist. Hinter Abraham steht jedoch die Solidaritätserklärung Gottes; indem Abraham geht, zeigt er sein Vertrauen zu Gott und setzt alles auf eine Karte. Er steht Gott nah, und dieser Ruf zur Gemeinschaft läßt ihn vielleicht dieses Wagnis unternehmen.       

Gott versucht Abraham (1. Mose 22,1-14):

Gott will Abraham auf die Probe stellen, er will sehen, ob er noch gehorsam ist, er will eine Bewährungsprobe. Aber er „versucht“ nicht im negativen Sinn. Gott will ja nicht das Böse (wie der Teufel), Gott versucht nicht zum Bösen, er stellt ja nur vor die Entscheidung. Erst wenn man sich für das Böse entschieden hat, dann war diese Frage Gottes eine „Versuchung“ (wohlgemerkt: Auch wenn man Ja sagt zu Gott, bleiben die Versuchungen und sie werden um nichts leichter; nun aber hat man die Kraft, sie zu bezwingen).

Abraham vertraut diesmal, daß Gott noch ein zweites Mal hilft. Gott „vertrauen“ heißt ja noch nicht, daß man nun Gottes Pläne durchschauen kann. Vielleicht hat Abraham aber auch gewußt, daß Isaak auch nur eine Gabe ist, auf die er keinen Anspruch hat.

Worin liegt die Schwere der Prüfung? Isaak ist der einzige Sohn. Und dieser soll nun getötet werden, wo Gott doch die Verheißung gegeben hat, Abraham werde der Vater vieler Völker sein. Abraham hatte diesen Sohn natürlich sehr lieb; und nun macht es Gott ihm auch noch schwer, denn Abraham muß ja erst drei Tage mit Isaak wandern - und diesen andauernd dabei belügen (Gott hat ihm ja auch keine Anweisung gegeben, was er Isaak sagen soll). Aber Abraham gehorcht bedingungslos, nie wird ein Zweifel erwähnt.

In der Vorgeschichte wird geschildert, wie Abraham die Verheißung Gottes mißverstanden hat: Er meinte, Gott habe sich den Weg so vorgestellt, daß Abraham sich seine Magd Sarah nimmt und daß sein Stammbaum von dort aus weitergeführt wird. Abraham hat nachhelfen wollen, ihm hat das Vertrauen gefehlt, auf Gottes Hilfe zu warten

Das bedeutet nun allerdings nicht, daß wir die Hände in den Schoß legen sollen. Christen werden in die Welt geführt; sie meditieren nicht, wenn etwa die Familie in Not ist. Wenn wir etwas tun, bringt das zumindest nicht neues Leiden. Es kann natürlich sein daß wir bei diesem Tun dann auch schuldig werden, aber wir wissen dann ja auch, wo wir die Schuld abladen können.

Aus den beiden Wurzeln: Verheißung und Gnade Gottes - Vertrauen Abrahams zu Gott ver­steht Israel seine Existenz. Wenn es sich davon löst, dann vergeht es, denn unter sich hat es nur den Abgrund. Andere Völker sind der Erde als natürlichem Schutz verwurzelt, für die Juden sind jedoch Abgrund und Himmel die Erde in einem (Abgrund und Himmel bilden zusammen die Erde, auf der sie stehen).

Die Juden waren also eine Gemeinschaft, die die Gnade und Verheißung Gottes hatte, die geleitet wurde vom Hohepriester (Gottesstellvertretertum) und vom König (Gottesgnadentum). Ursprünglich waren ja nur die Richter Führer des Volkes, und das auch nur im Krieg. Rechtstreitigkeiten wurden zunächst von Mose geregelt, später von einigen Helfern und Mose war nur für die schweren Fälle und als Berufungsinstanz. Der eigentliche Führer des Volkes war Gott. Dann aber wollte das Volk auch einen König wie die anderen Völker. Das war ein klarer Ungehorsam gegenüber Gott. Aber erstaunlicher Weise geht Gott auf diesen Ungehorsam ein und gibt ihnen den König. Als die Könige aber nicht spurten (soziale Ungerechtigkeit), entsteht eine politische Messiashoffnung auf einen gerechten König (Vorbild: David). Der König wurde bald zu einem Instrument, das sich von Gott unabhängig fühlte. Gott gibt nur noch die Unterschrift, dann aber hat man ihn nicht mehr nötig, denn der König weiß ja genausoviel, weil er von Gott erleuchtet ist.

„Abrahams Nachkomme“ wurde zunächst nur blutsmäßig verstanden. Es war aber nachher möglich, als Proselyt aufgenommen zu werden. Man kann also im rein geistlichen Sinne Jude werden. Rassisch dagegen geht es natürlich nicht, aber solche Menschen wurden doch in die Volksgemeinschaft aufgenommen.

Die Heilsgemeinschaft der Kirche ist anders strukturiert: Man wird aufgenommen durch die Taufe (Recht durch Missionsbefehl und Sühnetod Christi, der eine Verkündung der Gnade Gottes ermöglichte). Wenn Israel sich auch nicht als Volk verstand, hatte es doch diesen Charakter. Die Kirche dagegen ist „international“, die geistliche und die völkische Größe stimmen nicht mehr überein (wichtig für Mission!)

Mose hatte dem Volk auch eine Verfassung gegeben, die seine Helfer nun auslegten. Gott gibt aber dann dem Volk als eine Gnadengabe die zehn Gebote, denn wenn Gott sie gibt, dann steht fest, daß es ein gerechtes und weises Gesetz ist.

Das Volk ist stolz auf dieses Gesetz, denn die anderen Völker mußten so auskommen unter der Willkürherrschaft ihrer Könige. Es handelt sich also beim Dekalog nicht um ein Moralgesetz, sondern um ein Rechtsgesetz.

 

Welche Konsequenz bringt die christliche Freiheit?

Der Staat und die versteckte Macht der Wirtschaft schränken den Menschen immer mehr ein, der Mensch wird so zur Funktion. Deshalb kommt es darauf an, gegenüber dem Staat seine persönliche Freiheit zu wahren, die jedem Menschen von Gott gegeben ist. Eine völlige Entsubstantiierung des Menschseins würde ja auch bald das Ganze zerstören.

Schon bei den Griechen gibt es nicht nur ein objektives Recht (was der Staat als Gesetz festsetzt), sondern auch schon Ansätze eines subjektiven Rechts, also eine Art Menschenrechte, denn es wurden schon Rechte anerkannt, die dem Menschen an sich zukommen. In der Hauptsache bindet jedoch das griechische Recht, es gibt weniger Rechte für den Einzelnen.

Diese gab es jedoch überhaupt nicht im Orient, mit Ausnahme des Volkes Israel. Hier wurde der Staat als Organismus verstanden, ihm wurde der Gedanke der Herrschaft untergeordnet, und Volk und Führer waren dem gleichen Recht unterworfen. -

Mit dem Hellenismus drangen jedoch auch orientalische Gottkönigvorstellungen in den Westen ein. Dadurch kam es zu Reiberein mit den Christen, die nun nicht mehr unter Gottes Herrschaft leben können, sondern nur in einem Gott nicht genehmen Imperium. Sie duldeten jedoch vieles, weil sie an das nahe bevorstehende Ziel der Endzeit hofften, bis sich dann Konstantin zum Christentum bekannte.

Auch im mittelalterlichen Reich bestand eine Verbindung zwischen Kultus und Staat. Es gab allerdings zwei Institutionen, Kaiser und Papst, die beide das Reich aber ganzheitlich regieren wollten und so in Streit gerieten. Beide fühlten sich nur Gott gegenüber verantwortlich, es gab kein natürliches Recht für den Einzelnen. Man gestand jedoch eine „freie Meinungsäußerung“ zu, um so Ketzer besser erkennen zu können - und nachher bestrafen zu können!

In der Neuzeit beruht der Staat auf einem Vertrag zwischen den Individuen, der die Gesetze enthält, deren Einhaltung der Herrscher fordern kann, auf die sich aber auch das Volk berufen kann. Der Staat ist so eine Summe der Wollenden, und darauf versucht besonders Machiavelli einen rein weltlichen Staat aufzubauen. Aber bald forderte doch das Volk Toleranz und leistete Widerstand gegen den sich verstärkenden Absolutismus.

Im praktischen Bereich äußern sich diese Ideen des Widerstandes besonders im Calvinismus, in Holland und England kommt es zu Revolutionen, in denen man die Freiheit als angeborenes Recht fordert, das nicht erst dem Bürger verliehen werden muß. Nachdem kirchliche Kräfte zuerst die Freiheit eingeschränkt hatten, solange sie noch überlegen waren; beide Konfessionen (!) haben sie auch wieder geweckt, als sie die Unterlegenen waren.

 

(1.) Der Mensch ist Gottes Eigentum. Es gibt also keine Freiheit des Menschen, Freiheit kann ihm nur von Gott geschenkt werden. Obwohl der Mensch so gar nichts verlangen kann, wird er doch völlig frei gemacht durch Gott.

(2.) Das (vorbehaltlos) geschenkte Leben ist dennoch das Leben des Menschen, er darf existieren, er darf sich produzieren, aber er kann auch sein Recht verwirken. Der Raum des Existierens ist seit der Schöpfung da, er hat aber seine Grenze (siehe: Sündenfall!)

(3.) Gott hat jedoch Freude an der beglückten Natur, die ihm gehorsam und dankbar ist, und er gibt ihr deshalb von vornherein freiwillig die jedem Einzelnen zustehende Freiheit.

 

Läßt Gott uns Spielraum?

Wir können nicht absolut frei sein und tun und lassen, was wir wollen. Daran hindern uns schon die Erzieher und alle möglichen anderen Leute bis hin zum Staat. Aber wir erkennen diese geschriebenen und ungeschriebenen Vorschriften an, weil sie im Grunde nur gut für uns sind. Es ist keine Einstellung, daß man alles darf, daß man sich aber nur nicht erwischen lassen darf. Wir gehorchen dem Gesetz auch dann, wenn kein Zwang (= Polizist) dahinter steht (Verkehrsgebote!).

Auch die Zehn Gebote hindern uns, aber wir glauben, daß Gott damit nur unser Gutes wollte. Die Zehn Gebote sind ja weniger als Verbote gedacht, sondern als Hilfe für uns, damit wir leichter erkennen, was Unrecht ist; außerdem stecken sie nur den äußeren Rahmen ab, die äußerste Grenze, über die wir nicht hinüber dürfen, ohne es mit Gott zu verderben.

Ebenso wie wir gewisse Umgangsformen der Gesellschaft (= Gesetze anerkennen), ebenso erkennen wir auch Gottes Gebote an. Gott will unser Bestes, wir wollen unser Bestes, was hindert uns daran, daß wir auch diese Gebote halten? Wir sehen ein, daß wir uns diese Gesetze geben lassen müssen.

Auf unser sogenanntes Gewissen können wir uns nicht immer verlassen. Das Gewissen ist anerzogen, besonders von den Eltern. Und wenn die Ethik, an christlichen Maßstäben gemessen, falsch ist, nützt das Gewissen nichts mehr. Man kann es sehr oft übergehen und dadurch schließlich abstumpfen. Besonders versagt das Gewissen in kleinsten Dingen, in denen man dann wirklich nicht entscheiden kann, wie man sich verhalten soll. Dann gibt es nur eins: „In dubio pro deo!“ d.h. hier kann das Gesetz oder eine sinngemäße Erweiterung vielleicht wieder helfen. Wenn man aber dann immer noch nicht zu entscheiden vermag, dann kann man nur beten und anschließend handeln, nun ganz gleich wie.

Es kann vorkommen, daß wir etwas als eine Entscheidung des Gewissens ansehen, was in Wirklichkeit doch nur unser eigener Wille ist. Deshalb ist es gut, wenn wir unser Gewissen an einer höheren Ordnung ausrichten, etwa an den Zehn Geboten. Außerdem ist das Gewissen auch nicht immer eindeutig, es gibt in schwierigen Fällen oft zwei Antworten, und da ist es gut, wenn wir uns an einem „Gesetz“ ausrichten können: Im Zweifelsfall können wir den Buchstaben des göttlichen Gesetzes befolgen, das ist dann das kleinere Risiko.

 

„Allmacht“ Gottes?

Wie kommt Gott eigentlich dazu, daß er uns nur „Rahmengesetze“ gibt, uns aber im Übrigen freie Hand läßt? Sollte er uns nicht lieber bis ins kleinste vorschreiben, was wir tun sollen? Wie verträgt es sich überhaupt mit der „Allmacht“ Gottes, daß er sich immer noch von diesen „lumpigen“ Menschen „ärgern“ läßt?

Gott ist keine Dampfwalze, die uns und unseren Willen mit Macht niederwalzt. Er hat dem Menschen eine nicht unbedeutenden Stellung zugedacht: Der Mensch soll Mitschöpfer sein am Reich Gottes!

Gott gibt uns den Ton in die Hand. Er gibt uns auch einige Anleitungen, damit wir nicht von vornherein Fehler machen, und er gibt uns unseren Verstand, damit wir mit dem Rohmaterial etwas anfangen können. Wir dürfen nun lustig drauflos modellieren, Gott gibt dann nur noch den letzten Schliff. Gott beurteilt dann, ob das Werk vollkommen ist. Haben wir gleich von Anfang an grobe Fehler gemacht, dann wird es wohl verworfen werden. Es ist nur so: Wie jeder Bildhauer, so versucht auch Gott zu retten, was noch zu retten ist!

Gott läßt uns: In unserem Leben tauchen manchmal morsche Brücken auf, die wir lieber meiden sollten alldieweil die Gefahr besteht, daß sie zerbrechen, wenn wir sie betreten. Gott weiß, daß es auf einer solchen Brücke gefährlich für uns ist. Deshalb stellt er ja auch ein Warnschild vor ihr auf (Zehn Gebote usw., aber kein Verbotsschild). Gott

läßt aber nun dem Menschen die Freiheit, dennoch diese Brücke zu betreten, er läßt aber dann auch zu, daß die Brücke einstürzt und der Mensch ins ernüchternd kalte Wasser fällt, wo es vielleicht sehr gefährlich für ihn ist; aber es ist ja seine eigene Schuld!   

Wenn Gott aber dennoch gnädig sein will - er ist es nicht immer, denn es kann auch einmal zu spät sein - dann stützt er im letzten Augenblick noch die Brücke oder hilft uns wieder aus dem Wasser raus. Jedenfalls ist Gott ein guter Pädagoge, er swingt uns nichts auf, wir sollen es aus freien Stücken einsehen, daß seine Gebote gut sind, nachdem wir einmal „reingefallen“ sind.

 

Wie erfährt man konkrete Weisungen:

Durch Erlebnisse, die uns Gottes Willen zeigen (etwa Paulus)

Bei der Verkündigung des Wortes Gottes.

Im Gebet mit Gott.

Die Gefahr ist jedoch, daß man Gott mißversteht, daß man Eigenes als Gottes Wille ausgibt.

Was hindert uns: Angst vor Nachteilen, Trägheit, Egoismus, kein Vertrauen

 

 

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15,11-32):

Eigentlich hätte der Sohn doch noch gar kein Anrecht auf seinen Erbteil, denn sein Vater lebt ja noch. Der Sohn tut also etwas, das nicht richtig ist. Als er das Erbteil fordert, ist der Vater für ihn so gut wie tot. Er erkennt ihn nicht mehr an und meint, ihm nichts sagen zu müssen bzw. zu brauchen. Er fordert ein Recht, wo er nichts zu fordern hat. Er entzieht sogar noch dem Vater die Nutzung des Geldes, denn der Vater hätte mit dem Geld etwas anfangen können. Es war also eine Ungerechtigkeit dem Vater und dem Bruder gegenüber. Vielleicht hätte er sich rechtfertigen können, wenn er etwas mit dem Geld angefangen hätte; so aber setzt er sich ins Unrecht.

In diesem Gleichnis wird uns gezeigt: Der Mensch lehnt sich auf gegen Gott, er lehnt sich damit auf gegen das bestehende Recht oder er ist zumindest nicht mehr so fest darin vorankert. Er will sein eigenes Recht schaffen. Aber das menschliche Recht wird immer so aufgestellt, daß es dem Einzelnen möglichst bequem ist, es wird selten hinderlich sein. Man kann es zumindest der jeweiligen Lage anpassen und wenn nötig auch umstoßen.

Wer doch ethische Gesetze zu haben meint, gefällt sich in seiner Rolle als guter Mensch. Das eigene Gesetz wird dann zum Gott. Es kommt aber sehr wohl darauf an, aus welchen Motiven man Gutes tut. Man kann nicht vor Gott bestehen, wenn man nur nach dem Spruch gelebt hat: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“ denn dann hat er nach menschlichem Gesetz gelebt, nicht nach dem Gebot Gottes.

Der Mensch hat völlige Bewegungsfreiheit. Gott läßt den Menschen ruhig laufen, er bevormundet ihn nicht, er läßt ihn sogar ins Unglück laufen. Gott läßt dem Menschen viel Freiheit, einen großen Lebensraum, aber er gibt ihm auch viel Verantwortung. Der Mensch reicht fast an Gott heran, denn Gott schätzt den Menschen sehr hoch ein. Er hat Vertrauen zu dem Menschen. Deshalb legt er ihn keine Fesseln an und überläßt ihm die Entscheidung. Der Mensch kann die Verbindung mit Gott lösen, aber Gott läßt sie nicht von sich aus abreißen: Er nimmt den so tief gesunkenen Menschen wieder auf.

Gott zwingt nicht seinen Willen auf, er läßt Freiheit in Liebe .Die Liebe verbietet ihm, einen Zwang auszuüben, denn sonst wäre er nicht mehr der Gott der Liebe und der Freiheit. Gott setzt dem Menschen ein Gebot. Aber er hat nicht vorherbestimmt, daß Adam und Eva von der Frucht essen, er hat ihnen die Entscheidung überlassen. Gott hat auch nicht vorherbestimmt, daß es die Juden sein sollen, die Christus ans Kreuz schlagen sollten. Gott schickte seinen Sohn auf die Erde. Die Juden sollten ihn annehmen und wären damit erlöst worden. Aber sie haben sich gegen Christus entschieden. Da erst benutzte sie Gott zu seinem Werkzeug (es hätten genausogut die Germanen sein können, Gott hätte auch andere Wege gefunden). In den Juden hat Gott sein Werkzeug gefunden. Er hatte vorherbestimmt, daß Christus am Kreuz sterben sollte, er wußte aber noch nicht, welches Werkzeug er benutzen sollte.

 

Wir Menschen sind gerufen in ein Verhältnis zu Gott.

Der christliche Glaube besteht darin, daß wir zu Gott kommen dürfen.

Wir sind eingebaut in den Heilsplan Gottes.

Dieser geht seinen Gang mit oder ohne uns.

 

 

 

 

 

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