Predigten zu Amtshandlungen

 

Taufansprachen

 

„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder!“    (Röm 3,14)

Wir werden von manchen Dingen getrieben in unserem Leben. Da sind unsere Pflichten und Aufgaben, Beruf, Familie und Gesellschaft fordern alles von uns. Die Zeit vergeht so schnell, jeden Tag ist etwas anderes. Wir werden getrieben und gehetzt von einem zum anderen.

Auch so ein kleines Kind wird schon getrieben. Es hat Hunger, es will sauber gemacht werden und gepflegt werden. Es stellt seine Anspräche an die Eltern und möchte deren Liebe und Zuwendung spüren. Auch so ein Kind kennt schon Leid und Schmerz und wird getrieben von den Notwendigkeiten des Lebens.

Und nun spricht Paulus davon, daß auch der Geist Gottes einen Menschen treibt. Was ist denn das eigentlich der „Geist Gottes“? Man kann das vielleicht an ehesten zeigen am Leben des Paulus selbst: Der wurde auch erst umgetrieben vom Haß auf Christus und die Christen, er war einer der schlimmsten Verfolger der Gemeinde und sah darin sein Lebenswerk.

Aber dann hat Christus ihn in der Stunde vor Damaskus umgedreht und in die andere Richtung getrieben. Nun eilte er durch die ganze Welt, um Menschen für Christus zu gewinnen. Jetzt hatte er seine wahre Lebensaufgabe gefunden. Die Kraft Gottes, der Geist Gottes, hatte ihn dazu getrieben.

Wir heute leben ja in einer vorwiegend christlichen Umwelt, trotz allem. Wir erleben nur noch selten so eine Bekehrung wie die des Paulus. Bei uns werden schon die kleinen Kinder getauft und werden so vom Anfang ihres Lebens an vom Geist Gottes bestimmt.

Damit sie aber auch wirklich in die Gemeinde hineinwachsen, haben die Eltern und die Paten die Aufgabe, dem Kind von seiner Taufe zu erzählen und ihm die Bedeutung der Taufe zu erklären. Paulus sagt: Wer getauft ist und sich vom Geist Gottes bestimmen läßt, der ist ein Kind Gottes. Er wird nicht gehetzt von Gott, sondern darf sich zuversichtlich in seinen Schutz begeben. Wer zum Kind Gottes geworden ist, der läßt sich von nichts anderem in der Welt mehr treiben als von Gott.

Kinder hören ja zunächst einmal auch nur auf ihre Eltern. Deshalb wird auch ein rechtes Gotteskind nur auf seinen himmlischen Vater hören und ihm gehorchen. Die Eltern haben ihm gehorcht, indem sie das Kind hierher zur Taufe gebracht haben. Nun soll auch ihr Kind zu einem Kind Gottes werden in der Taufe. Gott nimmt das Kind damit nicht weg. Er sagt nur: „Es darf jetzt auch mein Kind sein!“

Auf diese Zusage darf dieses Kind ganz fest vertrauen, sein Leben lang. Gott will es beschützen und will ihm Kraft und Hilfe schicken in allen Nöten und Gefahren. Es kommt nur darauf an, ob sich dieses Kind auch vom Geist Gottes treiben lassen w i 1 1.

 

„Freuet euch, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind!“     (Lk 10,2b)

Es ist immer eine schöne Sache, wenn ein Kind geboren wird und es wird dann hier zur Taufe gebracht. Wir wissen ja: Kinder sind ein Geschenk Gottes! Und deshalb haben wir auch allen Grund, Gott dafür zu danken und sie in der Taufe ihm wieder gewissermaßen zurückzugeben.

Es gibt bei uns ja auch den Brauch der Namensgebung. Ich frage mich aber immer, was denn der Sinn dieser Handlung sein soll. Den Namen erhält das Kind doch am Tage der Geburt von seinen Eltern. Dann geht der Vater zum Standesamt und meldet stolz die Geburt seines Sohnes und sagt: „…. „soll er heißen!“ Das ist ein ganz selbstverständlicher Akt, den man nicht noch einmal später zu feiern braucht, am Ende erst nach ein oder zwei Jahren.

Natürlich ist der Name schon etwas Wichtiges. Er unterscheidet uns ja von allen anderen Menschen und sagt uns immer: Dieser eine bestimmte Mensch ist gemeint, unverwechselbar und unveränderlich. Der Name ist schon etwas kostbares, es ist nicht gleichgültig, ob wir einen guten Namen haben oder ob unser Name im Dorf verachtet ist.

Doch bei der Taufe geht es nicht mehr um die Namensgebung. Die Taufe ist die Aufnahme in die christliche Gemeinde, in den Bereich, wo der Name des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes angerufen wird. Es geht nicht um Geld und Geschenke. Aber bei der Taufe wird uns die Verheißung Gottes mitgegeben. Die Namensgebung ist nur ein einmaliger Akt und nachher ist gar nichts mehr - es ist überhaupt nichts anders geworden mit dem Kind. Mit der

Taufe aber soll es erst richtig losgehen.

Gott hat Ihnen, den Eltern, dieses Kind geschenkt. Und nun will er es auch zu  s e i n e m Kind machen. Deshalb wird ja auch nach dem Namen gefragt, damit jeder weiß: dieses eine bestimmte Kind ist gemeint, mit dem Gott nun etwas vorhat. Deshalb ja auch das Zeichen des Wassers, damit das Kind es merkt und die Umstehenden es sehen: „Du bist gemeint, dieses bestimmte Kind!“ An diesem Kind hat Gott gehandelt und an ihm will er weiter handeln.

Natürlich ist damit nicht gemeint, daß ein getauftes Kind nun besser gedeiht und schneller wächst als die anderen. Es kann natürlich einmal sein, daß da ein Zusammenhang zu bestehen scheint.

In Schleswig-Holstein fragte einmal ein Pfarrer einen reichen und stolzen Bauern: „Wie geht es Ihren Kindern?“ - „Danke, gut!“ war die Antwort, „die sind ja auch nicht getauft!“ Und kurz darauf bildet sich bei dem ältesten Kind ein Wasserkopf und es verblödet. Der Vater hat bald darauf Geburtstag. Er äußert nur einen Wunsch: „Holt den Pfarrer, die Kinder sollen getauft werden!“ Ja, so kann es sein, aber es muß nicht so sein.

Aber wir wissen ja auch, daß dieses Kind einmal ungehorsam sein wird: nicht nur gegenüber den Eltern, sondern vor allem gegenüber Gott. Die Bibel nennt das dann „Sünde“. Sie meint nicht, daß die Sünde schon von den Eltern auf das Kind weitervererbt wird; aber wir wissen

ja auch, daß jeder Mensch immer wieder einmal gegen den erklärten Willen Gottes verstößt und sich damit von Gott entfernt.

Hier will ihm die Taufe nun eine Hilfe sein, damit er immer wissen kann: Gott hat dich lieb, er läßt dich nicht im Stich, du kannst immer wieder zu ihm zurückkehren. Diese Gabe der Taufe kann keinem Menschen mehr genommen werden.

Deshalb ist es so wichtig, daß die Eltern und Paten dem Kind immer wieder von seiner Taufe erzählen und ihm vormachen, wie man als Christ lebt. Es ist selbstverständlich, daß  Eltern, die ihr Kind zur Taufe gebracht haben, dieses dann auch zum kirchlichen Unterricht und zum Kindergottesdienst schicken. Aber zuallererst haben sie selbst die Aufgabe, das Kind ganz allmählich, aber ganz von selbst, in die Gemeinde hineinwachsen zu lassen.

Mit der Taufe ist dazu erst der Grundstein gelegt. Gott hat als erster an diesem Kind gehandelt und ihm die Verheißung gegeben: „Dein Name ist im Himmel aufgeschrieben!“ nicht nur im Kirchenbuch. Du gehörst schon zu Gott, auch wenn du in dieser Welt lebst. Du hast nicht nur von den Eltern einen Namen erhalten, sondern Gott hat dir den Namen „Christ“ gegeben, du gehörst von jetzt an zu seiner Gemeinde.

Auf diese Zusage kann sich jeder von uns verlassen, auch wenn die Stürme des Lebens kommen und es manchmal schlecht um uns zu stehen scheint. Gott verläßt uns nicht. „Freuet euch, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind!“

 

"In der Welt habt ihr Angst,abe seid getrost, ich habe die Welt überwunden!"   (Joh 16,33)

Es gibt ja Menschen, die überlegen sich ernsthaft, ob sie es verantworten können, Kinder zur Welt zu bringen. Sie meinen, es sei gar nicht mehr so angenehm, in dieser Welt zu leben, so wie sie ist. Vielleicht gibt es wieder Krieg. Oder schreckliche Krankheiten. Oder Enttäu­schungen.

Denken wir einmal an das, was den Kindern heute in der Schule zugemutet wird und an das, was täglich auf sie einstürmt. Wie oft müssen Kinder leiden und werden nicht verstanden. In der Welt der Erwachsenen kommen sie immer zu kurz. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn Eltern sich fragen: „Ist es unter dieser Umständen nicht besser, überhaupt keine Kinder zu haben?“

Ibn der Bibelvers heißt es deshalb auch: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“ Die Bibel weiß aber auch, da die Angst nicht allein in der Welt ihre Ursache hat, sondern auch im Herzen der Menschen. In jedem Menschen steckt das Böse schon drin. Jeder Mensch handelt einmal gegen den  Willen Gottes und ist deshalb ein Sünder. Es  gibt so vieles, was uns das Leben mit anderen Menschen und die Gemeinschaft mit Gott so schwer macht.

Auch ihr Kind wird es nicht leicht haben im Leben. Sie werden es lange Jahre versorgen und behüten müssen und nachher auch noch in vielen Dingen begleiten und beraten. Aber eins wird es immer wissen dürfen: Es darf immer des Beistands Gottes gewiß sein. Die Taufe und der Taufspruch sollen uns und diesem Kind das ganz fest versichern. Was auch im Leben kommen mag, welche Menschen und Kräfte auch an uns herumziehen und uns von Gott abbringen wollen: Gott läßt nicht von uns!

Durch die Taufe wird auch dieses Kind aus dem Machtbereich weltlicher Herrscher und Mächte herausgenommen. Es wird hineingenommen in die Gemeinde Gottes, wo es unter dem besonderen Schutz Gottes steht und Stärkung durch die Gemeinschaft mit anderen Christen finden kann. Es lebt nun in einem Kraftfeld, in dem nur noch der Name Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes gilt und angerufen wird.

Äußerlich gesehen wird dadurch allerdings nichts leichter in der Welt. Im Gegenteil: Wer den Namen Gottes anruft, kommt eher noch in besondere Bedrängnis, weil der Name Gottes heute von vielen Seiten angefeindet wird.

Aber er darf doch von Jesus hören: „Ich habe die Welt überwunden!“ Die Taufe ist zwar keine Lebensversicherung, aber sie gibt uns die Gewißheit: Jesus ist der Herr auch dieses Kindes. Er wird es führen und leitet durch alle gefährlichen Zonen dieser Welt hindurch. Und er wird am Ende der Sieger bleiben über alle Gefahren dieser Welt!

 

„Laßt die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn ihnen ist das Reich Gottes!“  (Mk 10, 13-14)                                                                

Wenn wir das Kruzifix sehen, die Darstellung des gekreuzigten Jesus auf unserem Altar, dann wissen zwar die Erwachsenen Bescheid, aber die Kinder wissen oft nichts damit anzufangen. Ein Kind war einmal mit seinem Vater in der Kirche. Vor dem Altar fragte es: „Vater, was macht denn der Mann da?“ Der Vater wußte zunächst auch nicht gleich, was er antworten sollte, wie er es seinem Kind erklären sollte. Aber da sprach das Kind von sich aus schon weiter: „Ach, ich weiß es. Der macht:  Komm in meine Arme!"

Besser könnte man es kaum ausdrücken. So haben Vater und Mutter es oft mit ihm gemacht. Es wußte: Bei den Eltern ist man sicher! Wenn sie dich in die Arme nehmen, dann kann dir niemand mehr etwas anhaben wollen.  So wie Eltern es mit ihrem Kind machen, so macht es aber auch Jesus mit allen, die zu ihm gehören. Er sagt: „Laßt sie zu mir kommen!“ Vor allem sagt er das über die Kinder.

Man muß nun wissen, daß die Kinder und übrigens auch die Frauen zur Zeit Jesu nicht für voll genommen wurden. Es ging ihnen so, wie man es heute immer noch manchmal im Laden beobachten kann: Die Kinder werden beiseite gedrängelt und die Erwachsenen sagen auch

noch: „Die Kinder haben ja Zeit!“ Zur Zeit Jesu wurden sie erst gar nicht beachtet.

Jesus aber hat sich um sie gekümmert. Kein Mensch ist ihm zu gering, als daß er sich nicht mit ihm befaßt hätte. Selbst als er nach einem langen Tag schon ziemlich abgekämpft ist, sagt er noch: „Laßt die Kinder zu mir kommen!“ Seine Jünger wollten ihn davon verschonen und ihm endlich Ruhe verschaffen. Aber ihm ist es nicht zuviel, jetzt auch noch die Kinder zu segnen.

Er sagt: „Die Kinder begreifen noch am besten, wie es mit dem Reich Gottes ist. Sie vertrauen allein auf Gott. Und wer das tut, der darf auch zu ihm kommen. Und wer nicht ebenso wie ein Kind von Gott alles erwartet, der kann nicht zu ihm kommen!“

Das gilt auch heute noch genauso. Zur Taufe können selbst kleine Säuglinge gebracht werden, die doch noch nichts davon verstehen. Aber es geht doch gar nicht darum, daß wir das verstehen, sondern daß Jesus gesagt hat: „Laßt die Kinder zu mir kommen!“ Er will sie bei sich ha­ben und will sie segnen. Sie können ihm nichts bieten, aber er nimmt sie aus freien Stücken in die Familie Gottes mit hinein.

Auch nachher dürfen und sollen die Kinder zu Jesus kommen. Sie dürfen zu ihm beten und sie dürfen zum Kindergottesdienst kommen. Niemand darf das verwehren. Die Eltern und Paten helfen mit, daß das Kind überhaupt etwas von Jesus erfährt und dann später immer wieder zu ihm hinfinden kann.

Es ist nicht schön, wenn etwa die Eltern fast jeden Sonntag sagen: „Wir haben heute etwas anderes vor!“ Ein getaufter Christ gehört nun einmal in den Gottesdienst oder zumindest irgendwie in die Verbindung mit Gott. Manchmal sagen auch andere Leute, zum Beispiel Kinder in der Schule: „Man geht doch nicht in den Religionsunterricht!“ und von denen, die hingehen, kann man manchmal auch hören: „Ich habe heute mal keine Lust!“

.Aber Jesus sagt: „Laßt die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn ihnen ist das Reich Gottes!“ Jesus ist nie zu müde und hat immer Zeit für uns. Er breitet seine Arme aus und lädt uns ein. Die Kinder verstehen das vielleicht noch am leichtesten. Sie sehnen sich nicht nur nach den offenen Armen der Eltern, sondern auch zu Jesus. Weil sie aber bei Jesus sein möchten, sagt er über sie: „Sie gehören jetzt schon zu Gott!“ Damit wir daran fest glauben können, werden wir in der Taufe äußerlich sichtbar in die Gemeinde Gottes aufgenommen.

 

Ab jetzt werden die Ansprachen nur noch in Stichworten wiedergegeben

 

Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein!                        (1. Mose 12,2)

Der erste Teil der Taufe geschieht durch Gott: Er verspricht seinen Segen, aber nicht magisch oder automatisch. Aber freiwillige Zusage Gottes, mit beim Leben dieses Menschen dabei zu sein. Das muß sich nicht äußerlich zeigen: Gesundheit, Wohlstand, Lernfähigkeit, Glück im Leben. Aber bei allen Gefahren und Schwächen ist er mit dabei, ein Tröster und Helfer. Aber Gott ist auch in den glücklichen Stunden neben uns. Dank nicht vergessen! Der zweite Teil ist dann unsere Sache, nicht um zu ergänzen, sondern um Folgerungen zu ziehen: Getaufte sollen anderen zum Segen werden, sollen ihnen helfen und sie trösten, deshalb sind wir getauft.

 

Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen! (Jes 12,3)

Zur Taufe wird Wasser verwandt. Wasser ist Lebensmittel, Reinigungsmittel, Heilmittel (also Taufe). Wozu Taufe, man kann doch auch so leben als Mensch? Aber  nicht als Christ.

Mit Freuden zu Gott gehören: Gibt Schutz, zeigt Sinn des Lebens, erhält unser Leben.

Taufe ist freudiges Ereignis: Dank an Gott. Weiterhin Kraft holen aus der Taufe, so wie man Wasser schöpft zur Erquickung. Es kommen auch schwere Tage (Krankheit), dafür braucht man eine Stärkung.

 

Weiset meine Kinder und das Werk meiner Hände zu mir!              (Jes 45,11)

Wieso „meine Kinder“? Sie sind doch „Werk“ der Eltern! Kinder sind Geschenk, nicht jedem ist es vergönnt. Eltern sind nur Treuhänder, Gott verantwortlich, auch für den Glauben. Erster Schritt. Taufe, Kinder zurückbringen zu Gott und in Gottes Hand legen, damit er beschützt. Ganze Schöpfung ist Gottes Werk, besonders aber ein Kind. Wie ist es wunderbar gemacht - gerade dieses Kind! Eltern haben die Aufgabe, es in der Gemeinschaft Gottes zu halten. Er möchte es, wir auch? So wie irdische Eltern ihr Kind fördern und beschützen.

 

 

Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen! (Jes 54,10)

Es ist Gnade, wenn man ein Kind haben darf und es groß ziehen kann. Taufe ist Verheißung, egal was kommt: Einwirkungen von außen, Ungehorsam von unserer Seite, auch Zweifel. Wir wissen, daß Berge nicht weichen. Genauso fest auf Gottes Gnade vertrauen. Höchstens am Ende der Tage weichen die Berge (so weit geht er Blick). Aber auch dann bleibt der Taufbund erhalten. Heute nur ein kleiner Anfang. Aber großes herrliches Ende. Wir haben es nicht verdient. Aber Gott ist so.

 

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein! (Jes 43,1)

Vor vielen Dingen kann man sich fürchten. Was wir dem Kind alles zustoßen? Gott sagt: Ich befreie dich von vornherein von diesen Mächten, schütze dich vor Gefahren. Gott ruft jeden Menschen mit Namen. Name ist wichtig, macht unverwechselbar. Wenn ein Kind verloren geh und weiß seinen Namen, kann es wieder nach Hause gebracht werden. Wir können nicht verlorengehen, weil wir Gottes Kinder sind. Bei der Taufe wird das Eigentumszeichen aufgeprägt: Bekenntnis gegenüber anderen, aber auch Schutzzeichen (Wie ein Ehering. Hier hat niemand anderes etwa zu suchen).

 

Der Herr ist bei mir wie ein starker Held! (Jer 20,11)

Wir möchten, daß dieses Kind ein starker Held wird: Stärke, Ellbogen, Durchsetzungsvermögen, Sportler, tüchtiger Arbeiter. Wir brauchen Menschen, zu denen wir aufschauen (nur so Ziel, Ansporn, Vorbild). Warum nicht auch zu Gott aufschauen? Er ist der wahre Held. So wie ein Kind zu seinem Vater aufschaut, so soll es auch lernen, zu Gott aufzuschauen. Gott schafft uns Bahn für unser Leben, verteidigt uns, ist unser Vorbild. Wenn wir uns zu ihm halten, werden wir selber ein Held, gutes Vorbild, einer der anderen helfen kann. Das macht auch stark gegen die innere Gefahr, die zum Beispiel vom Glauben abbringen will (Zweifel, Verzagtheit). Wenn Gott bei uns, bleibt Glaube erhalten und wird gestärkt.

 

Ich will einen ewigen Bund mit ihnen machen, daß ich nicht will ablassen, ihnen Gutes zu tun! (Jer 32,40)

Wir kennen den Begriff „Bund“: Staatenbund, Ehebund, Freundschaftsbund - nun auch Taufbund. Allerdings kein Vertrag zwischen gleichberechtigten Partnern, sondern Gott gewährt den Bund; wir können nichts bieten (Kind ist unscheinbar). Aber ewiger Bund, der von seiner Seite aus nicht gebrochen wird. Wenn wir auch ausbrechen, tut er doch Gutes, damit wir wieder zurückfinden. Immer wieder ist das Gute zu spüren: a.) Nahrung, Kleidung, Wohnung, b.) Gesundheit, Glück, Freunde, Liebe, c.) Glaube, Jesus Christus, Gott.  Das wird in der Taufe versprochen, wir sollen dankbar sein und uns dessen als würdig erweisen.

 

 

Herr, frühe wollest du meine Stimme hören; frühe will ich mich zu dir schicken und aufmerken!“ (Ps 5,4)

Kindertaufe ist heute umstritten, selbst Pfarrer lassen ihre Kinder nicht taufen, weil sie noch nichts verstehen. Doch Taufe ist Geschenk Gottes, unabhängig vom Empfänger (vgl. Patengeschenke). Taufe ist das größte Geschenk („Gott gelobt sich uns an“). Nicht nur Eltern hören in der Frühe das Geschrei des Kindes, auch Gott hört auf die Stimme so eines kleinen Menschen, er hört unser Flehen und Klagen. Aber auch: Wir sollen uns früh zu ihm aufmachen und auf sein Wort hören. Der Psalm ist ein Morgenpsalm: Soll jeden Morgen an die Taufe erinnern, an Verheißung und Auftrag.

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!“ (Ps 8,2)

Mißverständnis der Taufe als Namensgebung. Es geht um den Namen Gottes (!), der mit unserem Namen verbunden wird. Sein Name ist herrlich, bei uns und in der ganzen Welt. Taufe hilft zur Ausbreitung des Namens. Wenn Name bekannt, dann auch Person und Sache gegenwärtig. Gott will Herrscher sein über die Welt und die Menschen, auch über dieses Kind. Der große Gott beugt sich herab. Wir sind dankbar, daß wir zu ihm gehören. Aber auch Aufgabe: Kind soll den Namen Gottes erfahren.

 

Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott!                                                                                                             (Ps 8,5-6)

Ein Kind stellt nichts dar. Im Leben der Erwachsenen ist es nicht geachtet. Der „Materialwert“ des Menschen ist gering.  Dennoch ist er sehr viel mehr: Für Eltern ist das Kind mehr als eine Ansammlung von Molekülen. So ist es auch der Mensch vor Gott. In der Taufe wird er ein Kind Gottes, um das er sich kümmern will. Er ist Stellvertreter Gottes und kommt gleich nach ihm, aber er ist nicht selber Gott. Wir sind eingeordnet, das sollten wir erkennen: Ehrung und Verpflichtung. Möge dies Kind in diesem Sinne aufwachsen.

 

Meine Augen sehen stets zu dem Herrn, denn er wird meinen Fuß aus dem Netz ziehen (Ps 25,15)

Augen wichtig für Menschen: Lernt Welt kennen. Freude der Eltern, wenn das Kind bewußt zu blicken beginnt. Auch auf Gott sehen! Intensiv suchen. Er sieht auf uns, deshalb Taufe. Wir auf ihn sehen. „Stets“: Wir sehen auch auf Anderes, Verlockendes. Fuß im Netz gefangen: Sünde wird kommen, Weltanschauungen nach dem Kind greifen. Da hilft der Blick auf Gott und Gemeinschaft der Kirche. Aufgabe der Eltern und Paten: Großartiges Angebot. Hilft aus Gefahren, wenn wir uns helfen lassen wollen.

 

Wie köstlich ist deine Güte Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben! (Ps 36,8)

Geburt Zeichen der Güte Gottes: gesund, fröhlich, Fortschritte. Nicht selbstverständlich. Hat Beter  des Psalms erfahren: Allerhand Anfeindungen erfahren. Auch diesem Kind wird es nicht anders ergehen. Aber unter die Fittiche wie Vogel seine Jungen, wie Eltern ihre Kinder. Wenn die nicht helfen können, dann bei Gott Geborgenheit und Zuflucht. Kirche (und Taufe) wie Burg (Kirchenburg). Dorthin flüchten, wenn es ganz schlimm kommt im Leben. Taufe Versprechen Gottes, Eigentumszeichen. Unter diesem Schutz kann Glaube wachsen.

 

Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Licht sehen wir das Licht! (Ps 36,10)

Zwei Ding brauchen wir zum Leben: Wasser und Licht. Gott gibt sie uns. Bei der Taufe: Taufwasser und Wort (= Quelle und Licht). Hilft uns zum Leben, kann uns aber auch ge­fährlich werden: Wasserflut und Sonne bedrohen uns. Taufe ist das Absterben des alten Menschen, aber vor allem: ein neues Leben in Gott. Erst im Licht Gottes sehen wir alles richtig. Die Taufe will uns dazu eine Hilfe sein.

 

Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben! (Ps 46,2)

Große Nöte haben uns getroffen und werden uns treffen. Aber im Augenblick haben wir Freude. Was hilft da - wer hilft in Not? Eltern können Kind nicht bewahren. Wer ist heute stark?  Auf wen können wir uns verlassen? Wer ist ein Helfer. Vergleich mit einer Burg: Zufluchtsstätte. Taufe ist Schutzherrschaft. Heute keine Sicherheit durch Bunker, Versicherung, usw. Gott allein hat Leben in der Hand (nicht automatisch-magisch oder leichtsinnig sein). Leben getragen vom Vertrauen auf Gott. Leichter, sicherer, zuversichtlicher durchs Leben.

 

Gott der Herr ist Sonne und Schild, der Herr gibt Gnade und Ehre; er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen! (Ps 84,12)

Sonne gibt Wärme und Leben. Schild schützt vor Pfeilen. Wir brauchen diesen Gott und vertrauen ihm die Kinder an in der Taufe. Wir suchen Ehre. Gnade ist etwas anderes. Was ist das „Gute“? Nur für die Frommen (= Glaubenden)? Wie eine kleine Pflanze die Sonne braucht, so auch ein Kind die Liebe der Eltern, aber auch die Hilfe Gottes, damit der Glaube wächst. Dazu hilft die Taufe.

 

Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang!“ (Ps 90,14)

Schon kleines Kind darf Gnade Gottes spüren: Taufe! Säuglingstaufe hat Sinn. Kinderevangelium. Bei der Taufe auch andere Geschenke. Doch Hauptgeschenk: Gnade Gottes. Brauchen wir. „Frühe“ bedeutet auch: alle Morgen neu, das ist notwendig. Psalm gibt auch Ausblick auf das Ende („siebzig Jahre“). Lebenslang darauf angewiesen: Spannungsbogen. Was jetzt geschieht hat dauernde Bedeutung. Deshalb kann man auch fröhlich sein und Gott rühmen (Verpflichtung des Christen). Christen sind fröhlich und dankbar, weil sie zu Gott gehören.

 

Er hat seinen Engeln befohlen über dir, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest!                                              (Ps 91,11-22)

„Kinder haben Schutzengel“, wenn sie in großer Gefahr sind (Bild: Kinder gehen über Steg, Schutzengel dahinter). Aber  nicht Geistwesen schützt, sondern Gott selber. Taufe aber keine Lebensversicherung, aber Schutz, so wie etwa die Ritter auf einer Burg das Dorf beschützten. Gott geht mit auf den Wegen dieses Kindes. Vielleicht schwierige und verschlungene Wege mit gefährlichen Steinen. Aber Gottes Hände führen daran vorbei: Verheißung der Taufe.

 

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!    (Ps 98,1)

Wir singen, wenn wir uns freuen, oftmals ohne daß wir es uns erklären können. Grund wäre: Dankbarkeit für Gottes Wunder, zum Beispiel Geburt-Taufe-Geleit durchs Leben. Mehr als alle Wunder dieser  Welt, denn es hilft, mit der Welt fertig zu werden. Taufe läßt sich nicht kaufen, aber ist größere Hilfe als alle Güter dieser Welt, die unser Leben nicht sichern. Davon dem Kind später erzählen (Eltern, Paten). Im Grunde altes Lied und gleiches Wunder, muß aber in unserer Zeit neu gesagt werden.

 

 

Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist seinen heiligen Namen; lobe den Herrn meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!                                                                                            (Ps 103,1-2)

Wir haben Grund, Gott zu loben: Verheiratet, Kind - gesund, macht Fortschritte. Nicht unser Verdienst, können gar nichts dazu tun, ein Wunder. Kind macht Mühe, will Liebe empfangen, nehmen wir gern in Kauf. Taufe ist die nächste Tat Gottes, für die wir ihn loben: Aufnahme in die Gemeinde, Schutz vor Bösem, ewige Gemeinschaft. Dieses Gute nie vergessen. Aufgabe der Eltern und Paten. Kind soll später einmal in das Lob einstimmen und begreifen, wofür es dankbar sein kann.

 

Ich will dem Herrn singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.    (Ps 104,33)

Wenn man singt: Ausdruck der Freude und der Dankbarkeit. Wofür danken? Kind, Gesundheit, Bildung, Wohlstand, Leben. Auch Taufe? Bringt in Verbindung mit Gott. Ist das Grund zum Singen? Eher Nachteile: Schwierigkeiten bei Menschen oder bei Gott? Taufe eine Hilfe zum Leben. Schutz Gottes (nicht automatisch), keine Angst, zu einer Gemeinschaft gehören, Sinn des Lebens finden. Aber auch Aufgabe: anderen davon weitersagen, andere damit anstecken, Freude in die Welt bringen. Ganzes Leben über. Gott hat es möglich gemacht.

 

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich!                    (Ps 106,1)

Dank für das Kind. Nicht selbstverständlich. Manchmal auch unerwünscht. Dank, daß man eine Aufgabe hat, wenn auch Sorgen. Etwas anderes als Fabrikarbeit, gibt Leben einen Sinn. Stütze für das Alter. Wir haben täglich für Vieles zu danken: Wohnung, Kleidung, Nahrung. Gott versorgt mit allem, was wir brauchen -  und mehr. Er ist freundlich, nicht ein furchterregender Gott. Seine Güte gilt auch für die Zukunft. Das verspricht er heute und besiegelt es durch Wort und Zeichen.  Schon einem kleinen Kind mitgeben bis ans Lebensende. Aufgabe der Eltern!

 

Der Herr segne euch je mehr und mehr, euch und eure Kinder!                                         (Ps 115,14)

Segen bedeutet: Gott drückt dem Kind seinen Stempel auf (gehört zu ihm, ist von ihm geprägt). Jesus legt ihm die Hand auf (Kinderevangelium). Taufe ist Zusage des Segens. Aber es soll weitergehen („mehr und mehr“). Aufgabe der Eltern. Wer bei Gott bleibt, wird den Segen erfahren. Segen für die ganze Familie, wenn sie unter dem Wort Gottes bleibt. Vorbild der Eltern und Geschwister. Wirkungen auf andere Familien (brauchen wir!). Taufe will uns des Segens versichern und an unsere Aufgabe erinnern.

 

Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

                                                                                                                                                         (Ps 121,7-8)

Manches Übel kommt über einen Menschen: Äußere Not, Krankheit, Mißerfolg. Nicht nur unverbindlicher Wunsch, sondern Segen. Noch wichtiger: Bewahrung der Seele. Mächte, die um die Seele eines Menschen kämpfen: Schule, Massenmedien, Beruf, Eltern, Kirche, Gott (?).  Sicher ist: Gott behütet den Eingang (deshalb Taufe!). Über den Ausgang entscheiden wir mit: Ob wir bei Gott geblieben sind. Aufgabe der Eltern und Paten, aber zuerst wirkt Gott an uns.

 

Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich!                                                      (Ps 126,3)

Der große Gott hat mit so einem hilflosen Kind zu tun! Taufe ist Aufnahme in den Bund Gottes. Damalige Bedeutung eines Bundes: Geschenk des Stärkeren, nicht Partnerschaft. Deshalb fröhlich. So wie Eltern sich um Kind kümmern, so kümmert sich Gott um uns alle. Ein natürliches Verhältnis, verwandtschaftliche Verpflichtung. Unter Menschen tut kaum einer etwas uneigennützig. Gott aber will sich um uns kümmern. Wir aber sollen Antwort geben. Echte Freude, die aus dem Tun Gottes kommt.

 

Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn!                                                                                   (Ps 127, 3a)

Nicht in jedem Fall erfreut über diese Gabe, zum Beispiel Zwillinge (Viel Arbeit, große Umstellung). Manche Ehen bleiben kinderlos. Deshalb Dank. Jedes Kind eine eigene Persönlichkeit, mit jedem eine eigene Freude, bis ins Alter. Gott kann die Gabe wieder zurückfordern. Aber bei der Taufe hören wir: Gott schenkt uns zur Freude und will behüten und bewahren. Kinder sind nicht eine Last, sondern stehen unter dem besonderen Schutz Gottes. Eltern schützen auch. Aber Gott hat auch ein Interesse daran. Er will, daß wir gut damit umgehen. Aufgabe der Eltern und Paten.

 

Laß mich frühe hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich. Tue mir kund den Weg, darauf ich gehen soll, denn mich verlangt nach dir!“

                                                                                                                                                             Ps 143,8)

Schon ein kleines Kind darf das Geschenk der Gnade empfangen: Geldgeschenk zur Taufe, erst später läßt sich damit etwas anfangen. Eltern sind Verwalter dieses Geschenks, auch Verwalter der Taufe. Das Kind soll bei Gott gehalten werden. Taufe nur Anfang der Gnade. Von Gott dürfen wir alles erhoffen. Er zeigt uns auch den Weg, auf dem wir gehen sollen. Dieser Weg ist nicht ungewiß. Wer nach Gott verlangt und auf ihn hofft, der erfährt auch Hilfe.

 

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr   (Sach 2,14)

Wir freuen uns: über Kind, auf Weihnachten, das „Fest der Kinder“. Wissen die Kinder um den Sinn des Festes? Freude, weil der Gottessohn geboren ist (Aufgabe für Eltern und Paten). Er will zu uns kommen. Haben wir Platz in unserer Wohnung, in unserem Herzen? Taufe: Er klopft bei uns an! Wenn er aber bei uns ist, steht er uns auch bei. Nicht ein Schamrotzer, der nur auf unsere Kosten leben will, sondern ein guter Freund. Ihm können wir öffnen!

 

Also ist’s auch bei eurem Vater im Himmel nicht der Wille, daß eines von diesen Kleinen verloren gehe             (Mt 18,14)

Kind in der Stadt verloren gegangen. Es weint, Eltern in Sorge. Menschen fragen nach dem Namen. In Taufe erhalten wir den Namen eines Christen (unser Name und Gottes Name zusammen). Gott kann uns rufen, Menschen können uns zurückbringen. Wir gehen oft mutwillig von Gott weg. Taufe will uns versichern: Ihr kommt wieder zurück! Kein Vater gibt sein Kind auf. Wir können uns  immer wieder in die Arme des Vaters flüchten. Wir sind alle nur klein und schutzbedürftig. Aber bei dem Vater sind wir sicher.

 

Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen                  (Mt 5,8)

Kindergebet: „Herz ist rein“, richtiger: „mach rein“. Keiner behält reines Herz. Dennoch nicht von Gott getrennt. Dessen will uns die Taufe gewiß machen. Äußerlich geschieht nicht viel, aber Reinwaschung von Sünden. Ein reines Herz, wenn wir uns an Gott halten. E r macht es rein. Dann wird man auch Gott im Leben erfahren: in Krankheit, Schule, Verfolgung, Beruf, Familie, zuletzt im Tod. Erst dann Gott ganz schauen. Taufe ist Anzahlung auf das ewige Leben, aber weitere „Zahlungen“ nur, wenn mit reinem Herzen bei Gott.

 

Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen                 (Mt 5,9)

Frieden brauchen wir: Zusammenleben im Kleinen (Familie, Arbeitsplatz, Schule), Leben der Völker. Nicht immer leicht, dafür zu wirken. Aber ohne das geht die Welt zugrunde. Brauchen Menschen, die zum Frieden bereit sind, auch wenn andere nicht Frieden halten. Wir haben Vorleistungen zu bringen. Glaube und Taufe wollen helfen, dazu Kraft geben. Eltern und Paten helfen, daß Kind es lernt, Gott und die Menschen zu lieben, d.h. auch Frieden.

Verheißung: Gottes Kinder! Dazu macht Taufe. Kinder erweisen sich des Vaters würdig. Gott will Frieden, Sohn zu den Menschen gesandt. Durch Taufe Geschenk der Kindschaft, Friedfertigkeit möglich, auch für dieses Kind.

 

Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zur Erlösung für viele

                                                                                                                                      (Mt 20,28)

Eltern seufzen manchmal über ihre Kinder, die sie bedienen müssen. Wenn Kinder größer, wollen sie helfen. Aber letztlich Aufgabe der Eltern. So will auch Gott uns dienen: Er will das Böse von uns nehmen, das an uns kommt. Wir werden uns zwar auch mühen, aber wir schaffen es nicht. Taufe versichert uns: Gott wird helfen und das Entscheidende tun. Wir können nicht über ihn verfügen, nicht etwas von ihm verlangen. Aber er tut es von sich aus, so wie Eltern für ihre Kinder sorgen.

 

 

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden (2. Kor 5, 17)

Durch die Taufe sind wir „in Christus“, aber nicht magisch, sondern Aneignung. Schon kleines Kind! Durch Taufe wird zunächst nichts anders. Dennoch: Wir sind nicht nur Mensch, sondern auch Christ. Mit Gott verbunden, in glücklichen und schweren Zeiten. Aber warum muß Kind neu werden? Immer erneute Sünde. Kind ist neue Kreatur, aber auch am inneren Menschen immer wieder neu werden. Brauchen wir nötig, daß wir einen Neuanfang setzen: Gott schenkt ihn uns durch die Vergebung. Wichtig für Zusammenleben: Ehe (neuer Anfang nach begangenen Fehlern), Eltern - Kind (Ausgleich des Verhältnisses). Entscheidend wichtig: Gott hat uns zuerst vergeben. Durch die Taufe wird uns das zugesichert, wir dürfen immer wieder neu sein. Forderungen Gottes leichter zu erfüllen, weil täglicher Neubeginn. Mit diesem Gott fröhlich durch die Welt.

 

Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind,d er wird nicht hienkommen  (MK 10,15)

Kinder gelten noch nichts. Bei Jesus aber Vorbild: Gläubiges Vertrauen, Verständnis, Gefühl. Erwachsene wollen erwerben, erkämpfen - Kinder lassen sich beschenken, freuen sich.    Deshalb jetzt schon getauft, von Anfang an zur Kirche. Was in den noch ungeprägten Menschen eingesenkt wird, bleibt erhalten. Aufgabe der Eltern und Paten. Unter Umständen  ernsthaftere und tiefere Beziehung zum Glauben als Eltern: Diese von Kindern lernen.Ziel für beide: Reich Gottes. Wollen wir hineinkommen? Taufe ist Anfang, bringt Verheißung.

 

Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden;  wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden (Mk 16,16)

Warum Taufe? Weil Sitte, weil Grund zum Feiern. Taufe zum Heil (= Leben im Sinne Gottes). Ist das notwendig,  hilft das für’s Leben? Schutz Gottes, Sinn des Lebens (man weiß, wohin man gehört). Aber: Glaube gehört dazu! Kindertaufe? Nicht magisch mißverstehen: Man kann Geschenk der Taufe wieder verlieren. Es hängt nicht nur an der äußeren Handlung (Gott kann auch ungetauftes Kind annehmen). Aber sie ist Hilfe zum Glauben: Macht Verheißung deutlich.

 

Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden                                        (Lk 1,30)

Vielleicht Bedenken, Kind in Welt zu setzen: Wohnung, Lebensstandard, Liebe und Zuwendung. Gefahren: vom Straßenverkehr bis zu Gewalttätigkeiten. Vor allem Gefahr für den Glauben. Eltern sollen christliche Erziehung versprechen. Glaube ist angefochten. Kinder gehen eigenen Weg, nicht immer in der Macht der Eltern. Dennoch: Fürchte dich nicht, Gnade bei Gott. Gott verspricht Hilfe vor Gefahren für Leib und Leben, aber vor allem in Glaubensdingen. Durch Taufe gehören wir ihm, niemand kann wegreißen, gibt Möglichkeit zum Glauben. Gnade bei Gott: Maria ist Werkzeug und Helfer Gottes. Auch dieses Kind hat in der Taufe Fähigkeit zur Dienerin Gottes erhalten. Schön, daß eine solche Verheißung.

 

Fürchtet euch nicht; siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren

                                                                                                                                                     (Lk 2,10-11)

Man muß vieles fürchten in der Welt: Krankheit, andere Menschen, Krieg, Elend, persönliches Leid. Aber Gott sagt: Große Freude (Weihnachten!). Jesus bringt Freude, weil er stärker ist als alles, wovor wir uns fürchten müßten. Sie wird allem Volk widerfahren, auch diesem Kind:  I h m  ist  h e u t e  der Heiland geboren durch die Taufe: Bringt in Verbindung mit dem, der alles heil macht, äußerlich und innerlich. Aber dazu muß er in jedem wiedergeboren werden. Doch Taufe ist die beste Voraussetzung dafür: Gott hat seinen Teil erfüllt.

 

Johannes spricht: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber ein Stärkerer nach mir, der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen                                                                                                                                        (Lk 3,16)

Vielleicht verstehen Kinder mehr vom Reich Gottes als wir (gläubiges Vertrauen in der Weihnachtszeit). Wassertaufe bewahrt vor Feuertaufe, ist aber gleichzeitig (freiwilliges ) Gericht. Taufe hat Folgen: Von Gott her („er gelobt sich uns an“) und von Seiten des Menschen (christliche Erziehung). Vorbereitung auf das Kommen der entscheidende Punkt. Gefragt: Bedeutet Gott dir etwas? Gott könnte wie eine Lawine kommen. Taufe aber sicherer Ort, will uns bewahren. Wir können Gott nicht entgegentreten, an sich sind wir bankrott. Aber Gott kommt von sich aus, Zusage: Er kommt zu diesem Kind!

 

Wer dies Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat 

                                                                                                                                                     (Lk 9, 48)

Kinderfeindliche Welt, alle sollen gleich Erwachsene sein. Eltern müssen das Kind nehmen, wie es ist. Auch die Umwelt muß es aufnehmen. Wer dem Kind Liebe erweist, nimmt Jesus auf. Aber das Kind soll auch Jesus aufnehmen. Taufe als Hilfe. Wechselseitiges Verhältnis. In Jesus haben wir Gott. Er hat die Kinder aufgenommen, so wie Gott sie annimmt. Zu diesem Gott soll auch dies Kind gehören. Eltern und Paten ein Vorbild, indem sie sich auch zu Gott halten.

 

Wer dies Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat

                                                                                                                                                     (Lk 9, 48)

Eltern nehmen ihr Kind gern auf! Nehmen wir auch kranke Kinder auf, oder von anderen Leuten? Lassen wir Kinder gelten, wie sie sind? Kinder sind eigene Person. Nehmen wir andere Menschen an im Namen Gottes? Wer es fertigbringt, anderen Gutes zu tun, tut es für Gott. Rangstreit der Jünger: Auch um die Geringen kümmern, denn Gott achtet sie hoch. Gilt auch für dieses Kind: Ihm alles Gute tun, besonders christliche Erziehung.

 

Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborene Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben                                                                                                                              (Joh 3,16)

Weihnachten gute Gelegenheit zur Taufe: Geht um die Geburt eines Kindes. Jeder freut sich. Aber Gott hat ihn wieder hergeben müssen. Auch wir? Kinder nur Leihgabe! Gottes Eigentum. Wer an Gott glaubt, wird nicht verloren sein, auch wenn er stirbt. Taufe ist Anrecht. Muß auch realisiert werden. Gott hat sein Teil getan: Liebt auch dieses Kind, ist selber so ein Menschlein geworden. Wer sich auf die Seite Gottes stellt, geht nicht verloren.

 

Der Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer denn alles; und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen (Joh 10,29)

Alle Menschen gehören Gott, auch die Kinder. Gott ist größer als alle Mächte der Welt. Es werden Hände nach diesem Kind greifen: Macht, Geld, Weltanschauungen, Krankheit, das Böse. Aber Gott hält seine schützende Hand darüber wie eine Mutter über ihr Kind (Windzug, der eine Kerze bedroht), er verteidigt dieses Menschenkind wie Eltern ihre Kinder. Aber manchmal gehen Menschen von sich aus weg. Aufgabe der Eltern und Paten. Hauptsache: Gott schützt!

 

Ich lebe, und ihr sollt auch leben                                         (Joh 14,19)

Kinder sind schnell krank, haben es aber auch schnell überwunden, sagt man. Kinder sterben auch. Hier aber wird gesagt: „Ich lebe!“An Ostern ist Jesus auferstanden. Traditioneller Tauftag: Taufe gibt Anrecht auf das ewige Leben. Allerdings nicht automatisch, muß von uns verwirklicht werden (Aufgabe der Eltern und Paten). Vergleich mit Geldschein: Geld brauchen wir zum Leben. Taufe brauchen wir auch! Jünger Jesu hatten das Sakrament nicht nötig, waren ja bei ihm. Aber wir haben die Taufe als sichtbares Zeichen, damit das Leben uns gewiß ist. Wer getauft ist gehört zu denen, die bei Gott leben werden.

 

Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen (Joh 3,5)

Mit der biologischen Geburt eines Menschen ist es nicht getan. Christliche Eltern bringen ihr Kind zur Taufe. Dabei sichtbar mit Wasser in Berührung, aber auch unsichtbar mit dem Geist Gottes (=Gott). Äußerliche Handlung ist Sinnbild für unsichtbares Geschehen, an das wir glauben. Aufgaben des Wassers: 1. „Lebensmittel“, 2. Reinigungsmittel, 3. Heilmittel. Entsprechend bei der Taufe: Verbindung mit Gott. Grundvoraussetzung (Ausnahmen sind Gott möglich), die aber erst nachher verwirklicht werden muß; wirkt nicht automatisch, erfordert unseren Glauben. Mithilfe der Eltern und Paten.

 

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun    

                                                                                                               (Joh 15,5)

Trauben schmecken nur, wenn sie vorher am  Stock saßen. Ohne Weinstock nützt alle Sonne, Düngung, Pflege nicht. Taufe: Kind wird Rebe an dem Weinstock Jesus Christus. Das ist die eigentliche Kraftquelle. Ohne das nützt Essen und Pflege nichts. Als Kaiser Friedrich II. verfügte, daß die Pflegerinnen nicht mit den Kindern sprechen sollten, starben  diese. Noch wichtiger als die Mutterliebe ist die Gottesliebe. Aber die ist uns zugesagt: „Wer in mir bleibt!“ Jesus bleibt bei uns, aber wir bei ihm? Kind! Früchte der Taufe, Früchte des Glaubens. Ohne Gott keine sinnvolle Frucht (nur hohl und faul). Dieses Kind aber hat die Möglichkeit, Frucht zu bringen.

 

Ihr habt mich nicht erwählt, sondern ich habe euch erwählt      (Joh 15,16)

Kinder kann man sich nicht aussuchen: Junge-Mädchen, hübsch-häßlich, klug-dumm, gesund-krank. Wir nehmen sie aus Gottes Hand, so wie er sie geschaffen hat. Wir können uns nicht Gott aussuchen (liebender Gott für uns oder strafender Gott für die anderen; Nothelfer; Wettergott). Gott hat uns ausgesucht, will unser Herr sein, so wie Jesus seine Jünger auswählte. Auch dieses Kind zu seinem Kind erwählt, soll zu seiner Gemeinde gehören. Gott wird für es sorgen, Selbstverpflichtung Gottes.

 

Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein                                         (Röm 8,31 b)

Ein Kind wird in eine ihm lebensfeindliche Umwelt geboren, braucht die Hilfe der Erwachsenen (Eltern, Arzt). Aber auch später manche Feinde (persönlich, sachlich). Auch in Glaubensdingen Gegner. Jedoch nichts anderes verheißen: Jesus hatte Feinde. Solcher Feinde braucht man sich nicht zu schämen. Aber am Glauben sollen sie Anstoß nehmen, nicht an äußerlichen Dingen. Wo es um den Glauben geht, ist Gott auf unserer Seite. Taufe macht uns dessen gewiß, Gottes Versprechen. Unsere Aufgabe: in diesem Glauben leben und  wachsen.

 

So sind wir mit Christus begraben durch die Taufe in den Tod, damit - gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters - also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln  (Röm 6,3-4)

Großer Taufstein, Kinder untergetaucht. Luther: Alten Mensch ersäufen. Nicht Böses getan. Du gehörst zu Gott. Jeden Tag neu werden. Abwaschen: äußerlich und innerlich (Reinheit). Handeln Gottes an e i n e m Menschen gegenwärtig. Alte absterben lassen (Lebensgemein­schaft- Todesgemeinschaft). Wasser ist Leben und Tod. Lebensspendende Kraft: Kann gar nicht mehr anders (vgl. Predigt 6.Sonntag, Reihe II).

 

 

Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben…..mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn

                                                                                                                   (Röm 8,38-39 i.A.)

Taufe bringt uns mit Gott in Berührung: Kind Gottes! Schon kleines Kind darf die Liebe Gottes spüren. Nötig für das ganze Leben. Aber es kommt viel Böses dazwischen (im Bibeltext lange Aufzählung). Doch das kann nicht von Gott trennen. Nicht einmal der Tod, der ist nur Rückkehr zu Gott. Bogen von Taufe bis Tod unter der Liebe Gottes. Jesus ging den gleichen Weg zu Gott. Taufe gibt Gewißheit, daß zu Gott gehörig. Luther schrieb in schwierigen Zeiten an die Wand: „Ich bin getauft!“

 

Der Gott aber des Friedens sei mit euch allen                                 (Röm 15,33)

Wir sehnen uns nach Frieden, gerade weil es so viele Kriege gibt. Menschen versuchen, Frieden zu machen, treffen aber Kriegsvorbereitungen. Taufe: Gott hat Frieden mit uns gemacht. Grund zum Unfrieden gibt das Böse in uns. Aber Gott will dennoch mit uns zu tun haben. Taufe ist das Unterpfand dafür (Versprechen). Frieden unter den Menschen nur wenn Frieden mit Gott. Gott hat sein Teil getan. Aber den Menschen fehlt oft der Glaube. Taufe verspricht Glauben. Aber jeder muß ihn bei sich vervollkommnen. Die eigentliche Aufgabe der Taufe kommt erst noch.

 

Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn (1. Kor 1,9)

Mit der Treue der Menschen ist es nicht so weit her, erleben Enttäuschung im Leben. Jeder macht Erfahrung. Gott aber ist treu. Beruft uns in der Taufe in seine Gemeinde und hält auf jeden Fall daran fest. Gefahr: unser Ungehorsam, Gottesleugner, Gleichgültigkeit. Nichts und niemand kann Taufe rückgängig machen. Werden auf die gleiche Stufe gestellt wie Jesus, nämlich Kinder Gottes. Dieser Stellung würdig erweisen. Berufung lehnt man nicht ab. Taufe ist eine Ehre, die Gott uns antut. Dankbar. Gottes Treue mit unserer Treue beantworten.

 

Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unseren Herr Jesus Christus (1. Kor 15,57)

Leben ein Kampf, von Anfang bis Ende. Beklemmung, wenn man am Anfang steht: Krankheit, Weltanschauung, mißgünstige Menschen, Beruf, Alter, selbst innerhalb der Familie. Eine Spannung wie vor einem Fußballspiel. Aber hier: Kampf schon entschieden. Müssen nicht allein kämpfen, Christus bei uns. Dessen soll uns die Taufe gewiß machen. Aber Kampf nicht erlassen, wir müssen ihn durchstehen. Können Sieg nicht selber erringen: Christus hilft. Aber deshalb umso sicherer. Aber christliche Erziehung nötig. Dank für Taufe und den sicheren Sieg, der schon einem kleinen Kind verheißen wird.

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen

                                                                                                                                  (1. Kor 13,13)

Man gibt dem Kind bei der Taufe Glückwünsche mit, zum Beispiel „Hauptdache gesund!“

(Stimmt das?). Hier wird dem Kind etwas anderes gewünscht von Gott: Gnade als Vergebung für Sünden, die das Kind begehen wird, unverdientes Durchstreichen der Schuld. Liebe, wie Eltern ihr Kind lieben, auch wenn es unartig oder schmutzig oder abweisend ist. Das wird uns bei der Taufe zugesagt. Aber dazu gehört die Gemeinschaft mit der Kirche (= Aufnahme in die Gemeinde), sonst wie glühende Kohle im Schnee, die bald verlöscht. Unser aller Aufgabe.

 

Wie viele von euch auf Christus getauft sind, die haben Christus angezogen (Gal 3,27)

Zur Taufe hat man ein Taufkleid. Können alle sehen. Unsichtbar: Christus übergezogen. Neue Haut wie bei einer Schlange. Nötig zum Leben! Taufe streift das Böse, das an uns kommen wird, wieder ab und macht uns neu, das ganze Leben über. Nicht nur äußerlich, wirkt nach innen. Taufe nicht Formsache, sondern haftet immer an. Allerdings muß man in dieses Gewand erst noch hineinwachsen (wie in andere Geschenke). Aufgabe der Eltern und Paten. Aber dieser Christus dann auch wie eine richtige Haut, die untrennbar zum Körper gehört, ohne die man stirbt.

 

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen (Eph 2,19).

Schlimm, wenn man Fremdling ist (Flüchtlinge). Besser schon, wenn man als Gast eingeladen wird. Gott aber sagt: 1. Mitbürger der Heiligen (= Glied der Gemeinde, Nachbar und Bekannter), 2.Gottes Hausgenossen (einer, der wie ein guter Freund oder Verwandter im Haus aufgenommen wird und sich dort zu Hause fühlt. Taufe = in Gottes Haus wohnen: 1. Kann zum Gotteshaus gehen. 2. Gehört zur Gemeinde. Mithilfe der Eltern und Paten, damit das Kind heimisch wird, ihm selbstverständlich wird.

 

Der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird euch auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi (Phil 1,6)

Gott hat das Werk angefangen: Geburt! Welch ein Wunder ist so ein Kind. Gott fängt aber noch mehr an: Taufe. Er ist der Vater und übernimmt auch die Verantwortung bis ans Ende unseres Lebens, bis die Welt ein Ende hat. Der Anfang ist manchmal (meist) entscheidend. Hier die richtigen Weichen stellen, dann ans Ziel. Hauptsache: Gott fängt an. Er stellt Ziel sicher, garantiert das Erreichen.

 

Ihr wißt, daß ihn wandeln solltet würdig des Gottes, der euch berufen hat zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit

                                                                                                                             (1.Thess 2,11-12 i.A.)

Eltern möchten ihr Kind zu anständigen Menschen erziehen. Erwarten das, dürfen es auch erwarten: sorgen für das Kind, dürfen Gehorsam verlangen. Wieviel mehr Gott! Hat uns berufen. Im Reich Gottes bestimmte Erwartungen. Taufe: Versprechen Gottes, daß wir zu ihm kommen. Jetzt wir an der Reihe. Nicht nur Wohlanständigkeit, sondern Glaube, der dann Auswirkungen hat auf Lebenswandel. Kinder wollen Eltern keine Schande machen. Gottes Kinder? Jeder als Kind der Eltern und Gottes verstehen. Dazu soll die Taufe helfen.

 

Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Argen (2. Thess 3,3)

Es gibt viel Arges: Krankheit, Elend. Eltern können ihr Kind  nicht bewahren, auch nicht vor bösen Einflüssen. Brauchen  die Hilfe Gottes, der sie beschützt vor den Gewalten, die um sie ringen: Sie sind Gottes Eigentum, deshalb kümmert er sich um sie, er ist treu (zuverlässig). Zum Teil nur stärken, zum Teil auch bewahren vor dem Argen. Taufe ist das Versprechen Gottes, daß er dieses Kind behüten wird.

 

Als aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unseres Heilandes, rettete er uns, nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit durch das Band der Wiedergeburt und Erneuerung im heiligen Geist

                                                                                                                                                 (Tit 3, 4-5)

Wo ist Freundlichkeit zu finden? Jesus (Zachäus), Christen. Durch Taufe gehören wir zu diesen Menschen. Alles geschenkt. Gratis: Zweite Geburt. Ohne Wasser nicht leben. Tägliche Taufgnade. Eigentliches Weihnachtsgeschenk. Gleichwertiges? Herz, das ihm vertraut; Liebe, die dem Bruder hilft. Aufgabe der Eltern. Gott hat alles getan (vgl. Predigt zu Christfest I).

 

Ihr seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk  (1. Petr 2,9)

Ist das nicht zu viel gesagt angesichts eines solchen hilflosen Kindes? Taufe ist das Versprechen, zum auserwählten Geschlecht zu gehören, äußeres Zeichen für unsichtbares Geschehen: Nicht nur Glied des Volkes, sondern weltweite Gemeinschaft. Deutlich bei Treffen mit anderen. Aber kein Hochmut, sondern Verpflichtung: Priester sein (= Mittler zwischen Gott und Volk und zwischen Gottes Volk und anderen Völkern). Heiliges Volk (= ganz zu Gott gehören, auch in Anfechtungen und Sorgen. Aufgabe der Eltern! Verheißung Gottes: Ihr seid es schon, verwirklicht es.

 

Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm                (1. Joh 4,16)

Eltern haben ihr Kind lieb, auch behindertes Kind. Aber wahre Liebe erst von Seiten Gottes. Sein Vorbild spornt uns zur Liebe an. Wer bei Gott bleiben will, soll Liebe üben. Kein Gegensatz: Glaube-Mitmenschlichkeit. Taufe eine Hilfe dabei. Gott erklärt sich für uns. Zeigt seine Liebe einem schwachen Kind, Gottes Liebe bleibt unverändert, das ganze Leben. Eltern sollen Hilfe geben, daß Kind die Liebe lernt. Aber entscheidend Gottes Liebe (vorleben). Antwort jetzt auf der Seite der Menschen.

 

Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, daß wir Gottes Kinder sollen heißen     (1. Joh 3,1)

Eltern lieben ihr Kind, ob 1. oder 4. Kind. Aber auch Gott liebt jedes Kind, jeden Menschen. Irdische Eltern, himmlischer Vater. Nicht selbstverständlich, daß Gott sich um uns kümmert (auch Eltern, die sich nicht um ihre Kinder kümmern). Doch in seiner Liebe ist er für uns da. Eltern erziehen auch mit Strenge, zum Guten der Kinder. Wer weiß, was Gott mit diesen Kindern vorhat. Aber eins ist gewiß: Seit der Taufe Gottes Kind (nicht nur „heißen“). Gott beschützt es, so wie Eltern ihr Kind schützen.

 

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat                                            (1.Joh 5,4)

Hohe r Anspruch, viele Weltanschauungen. Aber dieses Selbstbewußtsein dürfen wir haben, denn nicht unsere Sache, sondern Gottes Verheißung. Was ist überwunden und besiegt? Angst vor dem Leben, vor Zukunft, vor Tod. Sucht nach Lebensstandard und Genuß, Abhängigkeit von anderen Leuten, von Geld und Erfolg. Versuchung zum Unglauben und Gleichgültigkeit. Taufe will Stärkung sein, um diesen Gefahren zu begegnen. Gibt Verheißung, daß Gott den Sieg behält gegen die Mächte der Welt. Aber Mithilfe der Eltern und Paten und  der Gemeinde im Vertrauen auf Gottes siegende Kraft.

 

Es ist ein köstlich Dinge, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade (Hebr 13,9)

Herz kann verhärtet sein gegen Christus. Herz kann zu weich sein gegen fremde Einflüsse. Fest werden = standhaft und treu! Hebräerbrief: Falsche Lehre. Was ist das heute: Konsumdenken, Gleichgültigkeit, Weltanschauung. Gott will, daß unser Inneres fest bleibt gegen all das und bei ihm bleiben, bei dem Glauben, auf den getauft. Taufe ist Verbindung mit Gott. Zusage, daß Verbindung nicht abreißt. Elternamt. Aber es ist Gnade, wenn wir so sein können. An einem hilflosen Kind besonders deutlich: Gott handelt! Wir brauchen nur bei ihm zu bleiben.

 

Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der da ist und der da war und der da kommt (Offb 1,8)

Weißes Taufkleid - weißes Sterbehemd. Jesus will am Anfang und am Ende stehen. Nicht nur Anfang - nicht nur am Ende. Ende gut, alles gut! Verheißung: Jesus will belgeiten auf dem Lebensweg. Unser Leben nur ein kleines Stück gegenüber dem, der schon immer war und sein wird. Der große Gott hat mit uns Gemeinschaft. Heute mit Taufe Anfang gemacht (so eine Art Zündung). Aber Bogen über das ganze Leben. Dieses hat damit ein Ziel (wichtig für Erziehung). Nur diesem Herrn allein folgen.

 

Weitere Taufsprüche

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten (Ps 103,13)

Laßt uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt (1. Joh 4,19)

Gott sei uns gnädig und segne uns, er lasse uns sein Angesicht leuchten (Ps 67,2)

 

Bild für Taufe: „Mit allen Wassern gewaschen“

 

 

 

Taufgedächtnis:

1 .Einführung:

Der eigenen Taufe zu gedenken, ist in ökumenischer Sicht mindestens ebenso wichtig und verbreitet wie das Gedenken an den eigenen Geburtstag. In den evangelischen Kirchen des deutschen Sprachraums ist dies aber nicht mehr selbstverständlich. Kein Wunder, daß die Bedeutsamkeit der Taufe bei Kindern und Erwachsenen weithin dem Bewußtsein entschwunden ist. Eine Wiederbelebung sakramentaler Frömmigkeit in unseren evangelischen Kirchen ist aber nur möglich, wenn bereits die Gabe der Taufe gebührend zur Kenntnis und ernst genommen wird. Zwar werden die Taufen jetzt schon weithin im Rahmen der Gemeindegottesdienste - also im Angesicht der versammelten Gemeinde - geführt, aber dies sind im Allgemeinen seltene Anlässe.

Von Kindheit an sollte darum das jährliche „Taufgedächtnis“ in Familien und Gemeinden begangen werden. Eine Hilfe und Erinnerungsstütze bieten bereits jene Kirchengemeinden, die auf Grund der Eintragungen im Kirchenbuch und in der Gemeindekartei monatlich einmal - etwa regelmäßig am letzten Sonntag im Monat - alle getauften Kinder (einschließlich Kleinstkinder) bis hinauf zum Konfirmationsalter und ihre Eltern sowie ortsansässigen Paten zum Taufgedächtnis in den Gottesdienst der Gemeinde einladen. Eine solche Einladung zum Gottesdienst enthält, nach einem kurzen Hinweis auf die Bedeutung der Taufe, die Bitte, die bei der Taufe des Kindes empfangene Symbolkerze mitzubringen - andernfalls würde das Kind eine neue Kerze empfangen, welche an der großen Osterkerze entzündet wird, die auf einem Osterleuchter - links vom Altar bzw. Taufstein - steht.

Besonders eindrucksvoll dürfte den Kindern das „Taufgedächtnis“ sein, wenn in diesem Gottesdienst danach auch eine Taufe vollzogen wird, bei der das getaufte Kind seine erste Kerze erhält, und die „Taufgedächtnis-Kinder“ richtig zuschauen können, wie es bei ihrer Taufe einst war. Selbstverständlich sind auch alle Familiengottesdienste besonders geeignet, Taufgedächtnis zu halten. Man sollte aber auch nicht davor zurückschrecken, das Taufgedächtnis in einem vollen Abendmahlsgottesdienst zu begehen.

Die Handlung des Taufgedächtnisses sollte sich sinnvoller Weise an das Glaubensbekenntnis anschließen, aber sie kann auch dem allgemeinen Fürbittengottesdienst vorangehen. Wird eine Taufe im Gottesdienst vollzogen, so geht das Taufgedächtnis der Taufhandlung Gründen voran.

 

2. Die Handlung

-Der Pfarrer wendet sich der Gemeinde zu mit den Worten: „Liebe Gemeinde. Seht, welch eine Liebe hat uns Gott, der Vater erwiesen, daß wir Gottes Kinder heißen sollen und es auch sind. Darum halten wir heute Taufgedächtnis der Kinder unserer Gemeinde, die in diesem Monat einst die Heilige Taufe empfangen haben und wollen aus diesem Anlaß auch der wunderbaren Gabe unserer Taufe gedenken. Eingeladen waren darum folgende Kinder und werden gebeten, von den Altar zu treten:

N. N.“ (Es folgen die Namen der Eingeladenen, auch wenn nicht alle erschienen sind)

Nachdem ein Gemeindeältester die mitgebrachten oder die neuen Symbolkerzen der Kinder an der Christuskerze entzündet hat, überreicht der Pfarrer jedem einzelnen Kind - wenn das Kind noch zu klein ist, dem, der es trägt - die ihm zugedachte Kerze und spricht außer dem Namen des Kindes: „N. N. Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Danach sagt er allen Kindern die Worte: „Freut euch, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind (Lukas 10,20)“.

Es folgt ein der Kirchenjahreszeit angepaßtes Gebet etwa folgenden Inhalts (z. B. für die Epiphaniaszeit): „Herr unser Gott, Du hast durch Geburt und Leiden, Tod und Auferstehung deines Sohnes Jesus Christus ein helles Licht auf Erden angezündet, das Licht der Wahrheit und der Liebe, und Du willst, daß es weiterbrenne in denen, die auf Seinen Namen getauft sind. Wir bitten Dich, erleuchte die Herzen dieser Kinder, die heute des Tages ihrer Taufe gedenken. Gib ihnen allezeit das Licht Deines Wortes auf ihren Lebensweg und laß es wiederstrahlen in ihrem Bekenntnis zu Dir und in ihrem Leben unter den Menschen; auf daß Dein Licht sich ausbreite unter allen Menschen - auch unter denen, die Dich nicht kennen und die im Dunkel leben - damit sie mit uns hoffen lernen auf Deinen kommenden Tag; durch Jesus Christus, unsern Herrn, Amen“.

Der Pfarrer wendet sich wieder den Kindern zu und sagt ihnen einen Segenswunsch etwa mit folgenden Worten: „Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch, daß euer Geist, ganz samt Seele und Leib möge bewahrt werden unsträflich bis auf den Tag der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Getreu ist er, der euch ruft. Er wird's auch tun. Gehet hin in Frieden, Gottes Engel geleite euch!“ (Eine gleichzeitige Handauflegung ist wegen der brennenden Kerzen leider nicht möglich). Die Handlung schließt mit einem Tauflied. Die Kinder löschen ihre Kerzen und begeben sich auf ihre Plätze.

„Symbolkerzen“ kann man selber anfertigen. Falls der Handel keine mittelgroßen Kerzen liefert, kann man Haushaltskerzen mit rotem oder violettem „Zierwachs“ belegen.  Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn die Kinder auch noch ein Gedenkblatt oder eine geeignete Spruchkarte erhalten, aber die Kerze sollte nicht fehlen.

 

 

Trauung

 

„Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei." (1. Mose 2,18)

Es ist nicht schön, wenn der Mensch allein ist. Solange man noch jung ist, wird man die Einsamkeit nicht so spüren. Kinder vermissen wohl etwas, wenn sie ohne Vater oder ohne Geschwister aufwachsen. Aber schon Jugendliche sind oft froh, wenn sie allein sind; sie wollen zu sich selber finden und sich von niemandem irgendwelche Vorschriften machen lassen. Bedrückend wird die Einsamkeit aber wieder im Alter, wenn man keinen Menschen mehr hat, mit dem man sich aussprechen kann, wenn man sich nutzlos vorkommt und das Leben keinen Sinn mehr zu haben scheint.

Deshalb ist es gut, wenn man beizeiten vorsorgt, damit man im Alter nicht allein ist. In der Ehe darf man viele Jahre ein gemeinsames Leben führen, für die man nur dankbar sein kann. Wer verheiratet ist, hat es jedenfalls viel schöner.

Aber es ist auch nicht gut, wenn der Mensch allein ist. Wir sehen das an manchen alleinstehen­den Menschen, die keinen Lebenspartner gefunden haben. Sie werden leicht sonderbar und eigenartig, sie kommen uns so einseitig vor und man hält sie leicht für ein bißchen verrückt. Das hängt sicher damit zusammen, daß sie niemanden hatten der sie immer einmal korrigierte, auf den sie sich einstellen müßten und auf den sie dabei auch Rücksicht nehmen mußten.

Die Ehe soll solche Fehlentwicklungen verhindern oder doch zumindest abmildern. Sie ist das Spielfeld, wo man das Miteinanderleben unter Menschen üben kann, wo man erfahren kann, was Nächstenliebe ist und wie man sich auf andere Menschen einstellt. Deshalb sollten wir dankbar sein für diese Einrichtung.

Die Bibel sagt uns: Die Ehe ist von Gott eingesetzt als eine Hilfe für die Menschen. Es wird dort aber auch noch eine andere Begründung gegeben: Dem Menschen ist es zu langweilig, als er noch allein ist. Er hat niemanden, mit dem er sich unterhalten kann und mit dem er seine Gedanken austauschen kann. Die Tiere, die ihm Gott gegeben hat, sind ja keine Partner für ihn. Deshalb macht Gott ihm die Frau, damit er sich mit ihr freuen und eine Gespielin habe.

Das ist also die ganz einfache Begründung der Bibel für die Ehe: Mann und Frau sollen sich gegenseitig zur Freude verhelfen und die Einsamkeit überwinden. Das ist Gottes Wille gewesen, als er die Menschen in zwei Geschlechtern erschuf und doch beide aneinander gewiesen hat.

Es mag natürlich auch sein, daß man den anderen einmal über hat. Man kann sich ja eigentlich nur wundern, wie man ein ganzes Leben so eng mit einem anderen Menschen zusammenleben kann ohne dabei durchzudrehen. Aber daran zeigt sich eben, daß die Ehe eine gute Einrichtung Gottes ist, zu der er auch heute noch seinen Segen gibt. Und wenn es vielleicht auch. manchmal hart hergehen mag, so kommt doch alles darauf an, daß man sich wieder zusammen rauft.

Dann ist eine Belastungsprobe nicht gefährlich, sondern führt nur zu einer Vertiefung und Festigung. Der Himmel ist da auch manchmal mit Wolken bedeckt, manchmal scheint die Sonne, aber immer ist es der gleiche Himmel. So ist es auch mit der Liebe und Ehe: nichts soll sie zerstören, weil sie von Anfang der Schöpfung an so eingerichtet ist.      

Das Wort „Gehilfin“ brauchen wir nicht zu eng zu verstehen, so als müßte die Frau den gleichen Beruf und die gleiche Tätigkeit und den gleichen Arbeitsplatz haben wie der Mann. Das war früher die Regel, ist aber heute die Ausnahme. Das „Gehilfin sein“ drückt sich auch noch ganz anders aus: Sie soll Gehilfin sein zur Freude, soll ihrem Mann in allen Nöten und Schwierigkeiten beistehen, soll das ausgleichende Element sein, soll trösten und Rat geben können, in beruflichen, gesellschaftlichen und persönlichen Dingen. Und selbstverständlich gilt das Gleiche auch umgekehrt für den Mann: Er soll seiner Frau eine Stütze und ein liebevoller Partner sein.

Dine Bibeln sagt uns dazu: Gott will das so. Er hat das absichtlich von Anfang an so eingerichtet, daß einer dem anderen helfen kann. Wer diesen Auftrag Gottes annimmt, der darf dann auch der Segen Gottes spüren. Nach der Zustimmung Gottes fragen wir doch an diesem. Tag. Wenn wir bereit sind, auf seine Vorschläge einzugehen, dann ist er auch auf unsrer Seite. Dieser Gott, der die Welt und uns geschaffen hat, der auch die Ehe zwischen Mann und Frau eingesetzt hat, der macht Ihnen heute ein Angebot: Er will bei Ihrer Ehe mit dabei sein und seine Hand schützend darüber halten.

An Ihnen wird es nun liegen, dieses Angebot zu verwirklichen. Gottes Hand ist ausgestreckt. Er bietet sich als Gehilfe an. Wenn Sie ihn dabei haben, werden Sie sich auch untereinander helfen können und Gottes Schöpfungsauftrag verwirklichen und seines Segens gewiß sein.

 

„Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein!“                              (1. Mose. 12,2)

Bei einer Trauung denken wir darüber nach, was der Glaube mit der Ehe zu tun hat. Eine Eheschließung ist ja zunächst einmal ein „weltliches Geschäft“, wie es Luther gesagt hat. Aber es ist natürlich richtig und gut, wenn man bei einem solchen wichtigen Schritt im Leben nach Gottes Wort und Willen fragt.

Andererseits verheißt Gott uns dann auch seinen Segen für die Ehe. Das ist ja eigentlich die Hauptsache an der Trauung, dann man seine Ehe mit dem Segen Gottes beginnt. Gleich zu Anfang darf man auf diese Weise sicher sein, daß Gottes Hilfe und Beistand mit dabei ist und alles zu einem guten Ende kommen soll.

Der Segen Gottes ist mehr als ein unverbindlicher Glückwunsch der Menschen. Glückwünsche sind gut und richtig; aber sie sind eben nur ein Wunsch. Der Segen Gottes aber zieht auch gleich ein Handeln nach sich. Da kommt man in den Bereich einer Kraft, die das Leben von nun an bestimmen und auch verändern kann. Wer unter dem Segen Gottes steht, der spürt auch, daß Gott über seinem Leben waltet und es in seine Hand genommen hat.

Wir hoffen alle, daß sich dieser Segen in vielfältiger Weise an Ihnen verwirklichen möge. Er zeigt sich zum Beispiel in Ihrem ganz persönlichen Zusammenleben. Hier können Sie Hilfsbereitschaft und Verständnis füreinander üben, die für das Zusammenleben der Menschen überhaupt wichtig ist und die schließlich ihren letzten Grund in der Liebe Gottes zu den Menschen haben.

Der Segen Gottes zeigt sich auch im Zusammenleben als Familie. Wenn Sie erst einmal Kinder haben werden, dann werden Sie merken, wie schön es ist, am Schöpfungswerk Gottes beteiligt zu sein. Sie werden Verantwortung übernehmen müssen, aber auch eine große Bereicherung für Ihr Leben erfahren. Man hat große Aufgaben, aber man wird auch eine vielfache Freude erfahren.

Der Segen Gottes kann sich auch in Beruf und Freizeit zeigen. Sicherlich muß das nicht bedeuten, daß man viel Geld verdient und einen schnellen Aufstieg schafft. Aber das Geld allein macht es ja auch nicht. Viel wichtiger ist die Freude am Beruf und die Achtung und Aner­ken­nung der Mitarbeiter. Dazu will Gott Ihnen helfen, wenn Sie nach seinem Willen leben und ganz fest darauf vertrauen, daß er mit seinen Zusagen wahr machen wird.     

Am meisten aber will sich der Segen Gottes auswirken in unserem Glaubensleben. Es macht sicher einen Unterschied, ob man so dahinlebt wie ein Tier oder ob man die Möglichkeit nutzt, die nur dem Menschen gegeben ist, nämlich in Verbindung mit Gott zu treten. Er recht uns die Hand hin; von seiner Seite her ist alles getan. Er sagt: „Ich will dich segnen!“ Wir haben alle die Möglichkeit, ein festes Vertrauen zu Gott zu gewinnen, Gott will uns zum Glauben helfen

Die Trauung soll eine zusätzliche Stärkung für diesen Glauben sein. An einem entscheidenden Wendepunkt des Lebens dürfen wir uns hier des Segens Gottes versichern, des Segens im Bereich des Glaubens, aber auch in vielen Dingen unseres äußeren Lebens.

Gott erwartet andererseits von uns, daß wir nun ein Segen für andere werden. Sein Segen soll sich noch weiter ausbreiten über andere Menschen. Er braucht immer Menschen, die Träger seines Segens werden, eine Atmosphäre des Segens um sich verbreiten und so den Segen auf andere übertragen.

Aber Gott hat dabei zuerst gehandelt. Zuerst heißt es: „Ich will dich segnen!“ und dann erst kommt: „Du sollst ein Segen sein!“ Beides gehört untrennbar zusammen. Aber die Reihenfolge ist nicht umkehrbar. Erst hat Gott immer gehandelt und unser Handeln folgt ihm nur nach.

Wie können wir nun den Segen Gottes an andere weitergeben? Das geschieht schon allein dadurch, daß wir anderen ein gutes Vorbild geben. Sie können in Ihrem Zusammenleben zeigen, wie man als christliches Ehepaar miteinander umgeht. Sie können Ihren Kindern alle Fürsorge und Liebe angedeihen lassen und Ihre Mitarbeiter im Beruf durch Fachwissen und Fleiß überzeugen.

Wenn dies so ist, dann hat der Segen Gottes erst seine eigentliche Absicht erreicht und ist zu seiner Vollendung gekommen. Es geht auch bei einer Ehe nicht nur um unser persönliches Glück, sondern um ein gutes Zusammenwirken mit allen Menschen. Ihr Handeln und Denken sollte hier vorbildhaft sein und andere zur Nachahmung anregen. Sie sind deshalb zu zweit, damit Sie diese Aufgabe gemeinsam und mit mehr Erfolg anpacken können. Gott verheißt Ihnen am Tag Ihrer Trauung seinen Beistand dazu, heute und für alle Tage. „Wenn Sie sich von ihm helfen lassen wollen, dann werden Sie seinen Segen spüren und ihn an andere weitergeben können.

 

„Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir und will dich segnen!“      (1.Mose 26,24)

Der Weg in eine Ehe ist immer ein Wagnis. Einen solchen Schritt wird man sich gut überlegen. Schließlich handelt es sich ja nicht um einen kurzen Spaziergang, sondern um eine Reise, die durchs ganze Leben führt. Und die Ehe ist nicht nur etwas für ein paar Festtage, sondern gerade für den Alltag.

Aber trotz aller ernsthaften Bemühungen und Selbstprüfungen wird man sich vielleicht doch etwas besorgt fragen: War unser Schritt richtig? Sind wir wirklich füreinander bestimmt? Werden wir immer gut miteinander auskommen? Wird alles so kommen‚ wie wir es uns vorgestellt haben?  

Da ist es gut, wenn man gleich zu Anfang gesagt bekommt: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir und will dich segnen!“ Ein solches Wort kann Mut machen und Zuversicht geben. Man geht immer ein Wagnis ein. Aber dieses ist vertretbar, weil es ein Wagnis mit Gott ist, weil Gott mit seinem Segen bei dieser Ehe dabei sein will.      

Im 1. Mosebuch ist dieses Wort dem Isaak gesagt worden. Dem haben die Nachbarn immer wieder Schwierigkeiten bei der Arbeit gemacht. Aber mit Gottes Hilfe hat er doch alles durchgestanden. Und Gott sagt ihm dazu: „Fürchte dich nicht!“

Fürchte dich vor keinem Menschen und auch vor keiner Gefahr. Du wirst deinen Weg schon gehen, denn ich stehe auf deiner Seite. Ich will dich nicht nur vor Gefahren beschützen, sondern dir auch für alle sichtbar meinen Segen mitgeben.

Dieses Bibelwort wird Ihnen nun auch zum Beginn Ihrer Ehe gesagt. Es soll Ihnen Mut machet‚ daß Sie unbeirrt Ihren Weg durchs Leben gehen. Keine Schwierigkeit soll sie aus der Bahn werfen und keine Gefahr ängsten können. Sie sollen sieh immer sicher sein, daß Gott Sie auf Ihrem Weg begleiten wird. 

Gott ist der Führer auf unserem Weg. Er kennt den Weg und weiß das Ziel. Wenn wir uns ihm anvertrauen, werden wir nicht fehlgehen. Er ist aber auch der Beschützer vor den Gefahren, die links und rechts von unserem Wege lauern. Entweder er führt uns an ihnen vorbei oder er schirmt uns dagegen ab oder er gibt uns die Kraft‚ damit fertigzuwerden.

So werden wir dann mit Gottes Hilfe auch unser Ziel gelangen. Vergessen wir nicht: Gott muß dabei sein! Allein aus eigener Kraft werden wir nichts erreichen. Gott allein ermöglicht uns einen sicheren Weg durchs Leben. Er hat uns ins Leben gerufen, da wird er es uns auch weiter erhalten und uns beschützen.

Etwas wird allerdings anders sein als früher: Bis jetzt sind Sie zwei weitgehend getrennte Wege gegangen. Nun aber sind diese Wege zusammengekommen und es gibt nur noch einen einzigen breiten Weg für sie. Das bedeutet, daß auch Gott Sie jetzt nimmer als Einheit sieht Sein Segen gilt nun nicht mehr zwei Einzelmenschen, sondern dem Ehepaar. Nur in dieser Gemeinsamkeit dürfen Sie das Segenswort auf sich beziehen und darauf dann auch vertrauen. Deshalb ist es sicher auch berechtigt, das Bibelwort in die Mehrzahl umzuformen: „Fürchtet euch nicht, denn ich bin mit euch und will euch segnen!“

Gott hat vom Anfang der Schöpfung an die Ehe eingerichtet als die Möglichkeit, wie Mann und Frau in enger Gemeinschaft miteinander leben sollen. Die Ehe entspricht dem Willen Gottes, denn er hat gesagt: „Es ist sehr gut!“

An Ihnen liegt es nun, diesen äußeren Rahmen mit Leben zu erfüllen. Gott hat etwas geschenkt, aber im Leben soll es verwirklicht werden. So ist Gott eben: Er stellt uns alle Möglichkeiten zur Verfügung und überläßt es uns, was wir damit anfangen. Er zwingt uns nicht; aber er möchte, daß wir uns in seinem Sinne entscheiden.

Das aber tun wir, wenn wir alles von ihm erhoffen, indem wir zu ihm beten und uns immer wieder seiner Gemeinschaft versichern. Gott bietet uns seine Hilfe an. Es ist unser Schade, wenn wir sie ausschlagen. Wer sich aber von Gott helfen läßt, der wird gut mit ihm fahren. Er darf seinen Weg von Gott behütet wissen und wird seinen Segen täglich neu erfahren. Das verspricht Gott Ihnen heute, und darauf dürfen Sie sich ihr ganzes Leben über verlassen.

 

„Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst!“     (1. Mose 28,15)

Wenn man in eine fremde Gegend zieht oder eine große Reise vorhat. Dann hat man manchmal Beklemmungen. Natürlich lockt auch das Ungewohnte und das Ungewöhnliche. Man weiß ja nie, was kommt: Welche Gefahren, welche Zwischenfälle drohen, welche Pannen sich ereignen. Deshalb ist man in der Regel auch etwas aufgeregt, ehe es losgeht. Doch zum Glück gibt sich das dann wieder, wenn man erst einmal drin ist.

So ist auch eine Ehe zunächst einmal Neuland, auch wenn man sich vorher noch so gut kennt. Man kann schon etwas Beklemmungen dabei haben, weil die Zukunft ja ungewiß bleibt. Man weiß noch nicht, wohin das alles führen wird. Deshalb wird man vielleicht auch einsehen, daß man den Schutz eines Höheren braucht.

Gerade der Start ist manchmal schwierig, deshalb ist man auch aufgeregt dabei. Aber oftmals ist der Start auch entscheidend: Wenn er mißglückt, dann kann schon das ganze Rennen negativ entschieden sein. Allerdings ist eine Ehe kein Kurzstreckenrennen sondern eher ein Langstreckeckenrennen. Wenn man da den Start verpatzt hat, kann man doch auf die Länge der Zeit noch manches ausbügeln. In der Ehe ist Zeit gegeben, miteinander und aneinander zu lernen.

Es ist auch klar, daß ein Ehepartner den anderen zu behüten sucht. Wir Menschen tun ja Manches, um Unheil von einem anderen abzuwenden. Aber manchmal versagen wir auch oder müssen die Grenzen unserer Macht erkennen. In manchen Dingen kann nur noch Gott uns wirklich helfen.

Da ist es gut, wenn Gott Ihnen heute für Ihre Ehe sagt: „Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten!“n So ein Versprechen ist viel wert, denn wir können Gott darauf „festnageln“, schließlich hat er es ja freiwillig gegeben. In der Ehe binden sich nicht nur zwei Menschen aneinander, sondern auch Gott bindet sich an die Eheleute.

Den Schutz Gottes braucht man auch notwendig. Viele schwere Dinge können in einer Ehe kommen, zum Beispiel Krankheit oder Trennung. Es ist uns nicht versrochen, daß wir davor bewahrt werden. Aber Gott will uns helfen, solche schwierigen Lagen zu bestehen.

Wenn wir in einer engen Schlucht an einem rauschenden Wildbach entlanggehen, dann sind wir froh, wenn ein Geländer da ist, das uns vor den reißenden Fluten bewahrt. Wir können das Wasser und die Gefahr nicht beseitigen, aber wir können davor bewahrt werden, hinein zu fallen.

So hat auch Gott uns durch sein Wort und durch seine Gebote ein Geländer gebaut, das uns vor Schlimmerem bewahrt. Wer trotzdem mutwillig über dieses Geländer klettert, der wird dann auch die Folgen zu tragen haben.           

Gott aber möchte uns eine Hilfe geben mit seiner Verheißung: „Siehe, ich bin bei dir und will dich behüten, wo du hinziehst!“ Ursprünglich ist dieses Wort ja dem Jakob gesagt worden, der seine Heimat verlassen mußte, weil er einen Streit mit seinem Bruder hatte. In dieser entscheidenden Stunde seines Lebens gibt Gott ihm die Zusage, daß er ihn behüten und beschützen will auch in der Fremde. Als für den Menschen die Zukunft noch ungewiß ist, hat Gott sie schon unter einen guten Stern gestellt.

Eine Hochzeit ist ja nun auch ein entscheidender Punkt im Leben. Da fragt man schon einmal nach einem Wort Gottes‚ das den weiteren Lebensweg begleiten soll und das einem ruhig auch einmal einfallen kann, wenn man nach so einem Wort sucht.

Gott läßt uns erst einmal viel Freiheit und läßt uns hinziehen in das Land, das wir uns erobern sollen. Oftmals sind es sehr weite Wege, die man dann zu gehen hat und sicher sind auch manche Irrwege dabei. Das ist das Risiko unseres Lebens.

Doch Gott läßt uns niemals aus den Augen. Wir können ihm nicht entfliehen. Wir können nichts gegen seinen Willen tun und er hält uns schon im Zaum. Aber dafür steht er auch bereit, wenn es wirklich einmal schlimm um uns steht und wir Hilfe brauchen. Das Zweite ist dabei das Entscheidende: Wo immer wir such sind, ist Gott uns nah. Auch wenn wir uns ganz allein und einsam fühlen, ist er doch da. Er sagt: „Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst!“ Im Vertrauen auf dieses Wort dürfen Sie Ihren gemeinsamen Weg gehen.

 

„Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt!“  (Joh 1,5-6)

Als das Volk Israel kurz vor dem gelobten Land stand, da darf sein Führer Josua diese Worte hören. Jahrelang waren sie durch die Wüste geirrt. Nun sollen sie bald ihr Ziel erreichen. Da erneuert Gott seine Verheißung; „Ich will dich nicht verlassen!“

Es hat sicher gut getan, an einem derart entscheidenden Punkt diese Worte zu hören. Man ist doch etwas unsicher und zaghaft, weil man nicht weiß, was die Zukunft bringen wird. Da sucht man dann schon einmal nach einem Wort Gottes.

Sie, liebes Ehepaar, stehen jetzt auch an so einem wichtigen Punkt. Man hält Rückschau auf das Vergangene und blickt erst recht in die Zukunft. Erst ist jeder seinen eigenen Weg gegangen und hat sein Leben für sich allein geführt. Doch dann haben sich die beiden Wege gekreuzt und sind ein Stück nebeneinander gelaufen. Und nun ist der Punkt erreicht, wo festgestellt wird: Unser Weg soll nun für immer gemeinsam verlaufen!

Doch das ist nun nicht nur eine private Vereinbarung, sondern es wird in einem feierlichen öffentlichen Akt bekannt gemacht. Deshalb hat auch Gott etwas zu sagen, deshalb kann auch hier eine Trauung stattfinden, in der Gottes Wort über die Ehe verkündet wird. Was bisher

im Stillen geschehen ist, tritt nun an das Licht der Öffentlichkeit. Und es wird mit einem Bund besiegelt. Diese äußeren Formen gehören durchaus dazu, denn nur so wird alles rechtskräftig.

Es genügt nicht, einfach nur zusammenzuziehen. Angeblich ist das Zeichen einer modernen Einstellung und fördert die Gleichberechtigung der Frau. Aber in der meisten Fällen steht dahinter nur Eigensucht und man will sich noch ein Hintertürchen offenhalten. Doch wenn man sich wirklich liebt, kann man auch heiraten. Gerade wo viele heute so vereinzelt sind, sollte man ein Stück Gemeinschaft dagegen setzen.

Ein Bund zwischen zwei Menschen wie ihn die Ehe darstellt, beginnt mit dem Bundesversprechen, also in diesem Falle mit der Verlobung. Die Hochzeit ist dann der endgültige Bundesschluß auf Lebenszeit. Weil das so eine wichtige Sache ist, wird auch ein Fest gefeiert, man zieht Festkleider an und hält ein Festmahl. Das äußere Zeichen des Bundes ist der Ring. Er verbindet zwei Menschen äußerlich miteinander und deutet jedem Dritten an: „Hier darfst du nicht einbrechen!“ Wenn aber so ein Bund dennoch gebrochen wird, dann ist das ein sehr trauriges Ende für einen Ehebund.

Gott hat auch einen Bund geschlossen mit dem Volk Israel am Berge Sinai. Es sollte ein ewiger Bund sein, der auch mit einem Fest gefeiert wurde. Und das äußere Zeichen waren die Gebote, die Gott den Menschen gab, um sie zu beschützen, damit niemand in die Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch einbrechen kann.

Doch wie traurig sah es mit diesem Bund von seiten der Menschen aus: Gleich bei der nächsten Gelegenheit wurde er gebrochen! Gott hatte diesem armen Volk, das es nicht verdient hatte, seinen Bund geschenkt. Aber sie haben das Geschenk nicht gewürdigt. Doch Gott sagt immer wieder: „Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen! Sei getrost und unverzagt!“

Der Ehebund kann uns nun zum Sinnbild werden für den Gottesbund. Auch in der Ehe muß einer dem anderen viel vergeben. Aber dennoch bleibt der Bund bestehen. Gott jedoch hat noch mehr Geduld mit uns als ein Mensch es haben könnte. Wir dürfen immer wieder zu ihm zurück kehren und neu seine Aufforderung hören „Sei getrost und unverzagt!“

So ist dann der Ehebund umschlossen von dem Gottesbund. Und sicher ist der Gottesbund entscheidend wichtig für den Lebensbund der Menschen. Wir wollen nicht vergessen, daß zu unserem Leben ganz entscheidend der Bund mit Gott dazugehört. .

Aber auf der anderen Seite ist dann auch klar: Wer fest in diesem Gottesbund steht, der wird auch die Hilfe Gottes erfahren. So wie Gott dem Josua an einem entscheidenden Punkt seine Hilfe verspricht, so verspricht Gott heute auch Ihnen, die sie Ihre Ehe beginnen: „Ich will dich nicht verlassen noch vor dir weichen. Sei getrost und unverzagt!“ Wer sich auf Gott verläßt, der ist nicht verlassen: Er wird Trost finden im Leid und neuen Mut, wenn er einmal verzagt ist.

Im Vertrauen auf diese Verheißung Gottes dürfen Sie heute Ihren gemeinsamen Lebensweg beginnen. Er reicht Ihnen die Hand fürs Leben und will Sie begleiten auf dem Weg in ein noch unbekanntes Land. Wenn man seinen Weg mit Gott beginnt, dann kann man ruhig bleiben und voller Zuversicht in die Zukunft blicken.

 

„Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen!“                                        (Jos 24,15)

Mit der Hochzeit werden zwei Menschen zu einer Familie, oder wie es, in der Bibel noch altertümlich heißt: „zu einem Haus.“Mit diesem Haus ist nicht das Wohngebäude gemeint, sondern zum „Haus“ gehören alle, die in einer Haus- und Familiengemeinschaft wohnen.

Früher war das meist eine ganze Anzahl von Personen. Mehrere Generationen wohnten unter einem Dach, und einer konnte dem anderen helfen. Familie und Arbeitsplatz waren noch nicht getrennt. Das ganze Leben war mehr einen Einheit.

Heute hat sich da Manches geändert. Wir haben Kleinfamilien mit wenigen Kindern. Jede Generation lebt möglichst für sich, wenn auch oft noch unter einem Dach mit den Eltern. Doch man zieht sich gern auf den eigenen kleinen Bereich zurück und möchte gern ganz privat sein.

Auch die persönlichen Entscheidungen werden nicht mehr nach Beratung mit der ganzen Verwandtschaft getroffen, sondern jeder entscheidet für sich selber. So sind es die jungen Leute von heute gewohnt, so soll es auch sein. Es wird manchmal schwer sein für die Eltern, wenn sie ihre Kinder innerlich freigeben sollen. Aber anders geht es nicht.

Aber auch für die jungen Leute wird durch die Ehe manches anders. Nun heißt es, Rücksicht nehmen auf den anderen. Man kann nicht mehr allein entscheiden, sondern muß sich immer mit dem anderen absprechen. Jede Frage kommt ja auf beide zu und jede Entscheidung hat ja

auf beide ihre Auswirkungen.

Aber das ist natürlich auch eine Hilfe für den Einzelnen. Nur steht nicht allein, die Last der Entscheidung liegt nicht nur auf ihm, sondern die Verantwortung wird gemeinsam getragen. Dafür hat Gott ja die Ehe eingesetzt, damit eins dem anderen helfen kann. Zu zweit geht vieles 1eichter. Man ist dann sicherer und hat mehr Zuversicht für die Zukunft.   

Bei der Entscheidung, um die es hier im Josuabuch geht, handelt es sich auch gleich um eine sehr gewichtige Sache. Das Volk Israel steht .nach dem Zug durch die Wüste kurz vor dem gelobten Land. Josua legt dem Volk die Frage vor: „Wollt ihr weiterhin zu dem Gott gehören, der euch aus Ägypten herausgeführt hat, oder wollt ihr es nicht?“

Für Josua steht die Entscheidung schon fest. Er legt hier gleich sein persönliches Bekenntnis ab: „Auch wenn ihr euch anders entscheiden solltet: Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen!“

Das ist eine gewichtige Frage, die man sich immer wieder in seinem Leben vorlegen muß.

Besonders aber in der Ehe ist die Frage des Glaubens entscheidend wichtig. Man kann dieses Gebiet nicht ausklammern, sondern muß hier gleich von Anfang an die nötige Klarheit schaffen. Meist ist es dann ja auch so, daß man sich gemeinsam einheitlich entscheidet, entweder so oder so.

Eine Ehe ist nun einmal eine Lebensgemeinschaft, in der es möglichst keine Trennung geben sollte. Zumindest wäre das gleich von vornherein eine schwere. Belastung. Vielleicht würde man bei unterschiedlichem Denken über Glaubensfragen zu keiner vollen, inneren Gemeinschaft finden.

Andererseits kann es eine große Hilfe sein für die Ehe, wenn man sich auch in dieser Hinsicht einig ist. Der gemeinsame Glaube, der gemeinsame Gottesdienstbesuch, das gemeinsame Gebet sind ein starkes Band zwischen zwei Menschen. Was die anderen in dieser Frage machen, kann uns - wie dem Josua auch - gleichgültig sein. Es wird jeder nur nach dem gefragt, wie e r sich verhalten hat.

Heute, am Tag Ihrer Trauung, werden Sie deshalb auch gefragt, ob Sie sich zu diesem, Gott halten wollen. Doch allein die Tatsache der Trauung selbst ist ja schon ein Bekenntnis. Hier wird ja öffentlich kundgetan: Uns ist der Segen Gottes für unsere Ehe schon wichtig; wir wollen gleich der. ersten Tag im Namen Gottes beginnen.

Heute werden Sie nun, als eine christliche Familie, als ein „christliches Haus“, in die Gemeinde eingefügt. Sie dürfen damit in der großen Gemeinschaft der christlichen Familien stehen, die schon vor Ihnen hier an diesem Altar den Segen Gottes empfangen haben. Auch die Gemeinde will Ihnen zur Seite stehen und bietet Ihnen manche Hilfe an.

Aber noch wichtiger ist die Hilfe Gottes, die Ihnen heute zugesprochen wird. Er will Sie auf Ihrem Weg begleiten in ein unbekanntes Land. Wenn Sie das Bekenntnis des Josua nachsprechen können: „Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen!“dann werden nicht nur Sie dienen, sondern Gott wird auch Ihnen dienen.

Wenn wir uns auf die Seite Gottes stellen, dann bindet er sich an uns, dann können wir uns auch auf ihn verlassen Nehmen Sie das deshalb heute als Verheißung für Ihre Ehe mit: Unser aller Gott, der Gott Israels und der Vater Jesu Christi, ist auch Ihr Gott. Er steht Ihnen zur Seite, wohin Sie auch gehen. Er führt Sie ins Unbekannte, aber er hilft Ihnen auch bei den neuen Aufgaben. Mit diesem. Gott können Sie es wagen!         

 

„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird dich und mich scheiden!“                                               (Ruth 1,16-17)

Dieser Spruch ist sehr beliebt bei Trauungen. Aber man kann auch wiederum Hemmungen haben, ihn zu verwenden. Denn wo trifft das denn wirklich einmal zu, daß man wirklich mit dem Ehepartner ins Ausland und in die völlige Fremde geht?

Es muß sich doch kaum einer wegen einer Heirat ganz von seiner bisherigen Familie losreißen. Die meisten bleiben doch auch heute noch am Ort oder ganz in der Nähe wohnen und der Kontakt mit den Angehörigen ist ohne weiteres möglich. Oft weiß man das gar nicht einmal zu schätzen.

Doch die Ruth hier geht sogar in ein fremdes Land. Es ist die Heimat ihrer Schwiegermutter, wo gerade eine Hungersnot überstanden ist. Ruth wäre nicht verpflichtet gewesen, nach dem Tod ihres Mannes mit der Schwiegermutter zu gehen‚ sie hätte wieder in ihre alte Familie zurückkehren können. Aber sie sagt: „Ich gehöre nun einmal zu der Familie meines Mannes, da will ich auch meine Schwiegermutter nicht allein lassen, wo sie nun alt geworden ist und meine Hilfe braucht!“

Leicht ist das sicher nicht wenn man so alle Brücken hinter sich abbrechen muß und in ein Land kommt, wo man zunächst einmal als Fremde angesehen wird, wo einem auch sonst manches fremd ist - man kann schon etwas Beklemmungen dabei haben. Vor allem hat ihr ja auch der Ehepartner gefehlt, der ihr das Einleben erleichtert hätte und ihr eher zu einer Anerkennung bei den Leuten der neuen Umgebung, verholfen hätte.

Zu zweit kann man eine solche Umstellung schon viel leichter bewältigen. Das ist eben das Gute an der Ehe, daß einer dem anderen helfen kann. Deshalb können wir dieses Bibelwort auch einmal auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau anwenden: „Wo du hingehst da will ich auch hingeben; wo du bleibst, da bleibe ich auch!“ Bei der Liebe zweier Menschen ist eine Kraft am Werk, die größer ist als alles Trennende und Schwierige. Wenn man sich einmal füreinander entschieden hat, dann wird man auch zusammenhalten, was auch immer kommen mag. Keiner wird verspielen, was errungen wurde.

„Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott!“ heißt es weiter im Buch Ruth: Auch ein paar Dörfer weiter leben Menschen wie wir. Man wird sich schon in die neue Umgebung und die neue Verwandtschaft einleben können. Wenn vielleicht auch manche Bräuche anders sind oder sprachliche Besonderheiten bestehen - aus der Welt ist man ja nicht.

Vor allem gibt es anderswo den gleichen Gott wie hier und natürlich auch eine christliche Gemeinde. In diese Gemeinde sollen Sie hineinwachsen, nun nicht mehr als zwei Einzelne, sondern als eine Familie. Von heute an werden Sie immer zusammen gesehen, auch von Gott. Er fragt nicht nach der Herkunft des Einzelnen, sondern wie er sich jetzt gerade verhält.

Dieser Gott wird Ihnen auch helfen, die Aufgaben Ihrer Ehe zu meistern. An ihn dürfen Sie sich wenden, wenn Sie nach Trost und Hilfe suchen. Ihm dürfen Sie danken für all das, was er Ihnen geschenkt hat.

Es kommen aber auch einmal schwere Zeiten, wo man nach Rat und Schutz Ausschau hält. Aber bei Gott dürfen Sie sich geborgen wissen bis an Ihr Lebensende. Ja, eine Ehe ist auf Dauer geschlossen, soll bis zum Ende halten. Nur der Tod kann zwei Menschen voneinander scheiden, aber dann wird man neu vereint sein mit Gott.

Vor Ihnen liegt nun das ganze weite Feld einer Ehe, das Sie sich nun erobern wollen. Man kann eine solche Aufgabe natürlich auch ohne Gott anpacken. Aber wenn Sie hier um seinen Segen bitten, dann dürfen Sie sicher sein: er läßt Sie nicht allein. So wie er andere Ehepaare vor Ihnen nicht allein gelassen hat, so wird er auch Ihnen beistehen.

Wir wollen jedenfalls in diesem Gottesdienst für Sie beten, und um den Segen Gottes für Sie bitten. Die Ruth, von der uns in der Bibel berichtet wird, hat auch auf Gott vertraut und ist dabei nicht schlecht gefahren Auch wir können uns auf diesen Gott verlassen, denn er verläßt uns nicht, wo immer wir auch sind. Überall ist Gottes Welt und überall sind wir ihm nahe und er ist uns nahe.

So mögen Sie dann Ihre Ehe im Namen dieses Gottes beginnen und unter seinem Schutz und Segen weiterführen. Was Gott heute mit Ihnen angefangen hat, das wird er auch zu einem guten Ende führen.

 

„Gott ist mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Berg meines Heils, mein Schutz und meine Zuflucht, mein Heiland!“                                                                                     (2. Sam 22,3)

Zunächst einmal vertrauen wir doch alle auf unsere eigene Kraft und Stärke. Wir spüren unsere Fähigkeiten und möchten sie anwenden. Ehe man andere belästigt, versucht man erst einmal selber durchzukommen. Da ist ja auch etwas Wahres dran, es soll ja keiner auf Kosten der anderen leben, sondern er ist verpflichtet, sich erst einmal selber anzustrengen.

Auch wenn man heiratet, erscheint das erst einmal als eine rein menschliche Angelegenheit. Zwei Menschen haben sich gefunden und versuchen, ihr Glück in die eigenen Hände zu nehmen. Vielfach wird man ja schon gleich am Anfang einer Ehe in allerhand Aufgaben und Probleme gestürzt, daß man gar nicht recht zur Besinnung kommt: Einrichtung der Wohnung, Abschluß der Berufsausbildung, Einleben in die neue Verwandtschaft, eventuell Sorge für ein Kind.

Es ist sicher auch gar nicht schlecht, wenn man sich Manches erst gemeinsam erringen muß. Aber es ist auch gut, wenn man darüber nicht vergißt, daß es auch noch Höheres und Wich­tigeres gibt. Der Spruch aus dem zweiten Samuelbuch, aus einem Dankpsalm, will Sie daran erinnern. Er verweist auf Gott, der Helfer und Beistand in einer Ehe sein will.

Es wird von ihm gesagt, daß man auf ihn vertrauen kann. Wer heiratet, muß auch seinem Partner voll und ganz vertrauen. Da kann er nicht bestimmte Dinge ausklammern und denken: „Ach, es wird sich schon einrenken!“ Da kann man nichts verschweigen oder dazutun, sondern rückhaltlose Offenheit ist erforderlich. Und man muß wissen: Der andere wird mit mir durch dick und dünn gehen!

Er wird mich nicht allein lassen, wenn ich einmal in irgendeiner Sache versagt habe. Er wird mir beistehen in Krankheit und Leid. Er wird mir alles zugutekommen lassen, was ihm selber Freude gemacht .hat.

Wenn kein Vertrauen da ist, läßt man es besser sein mit dem Heiraten. Es wird nichts, wenn man schon den Gedanken hat: Wenn es nicht klappt, kann man ja immer noch wechseln. Eine Ehe ist auf Dauer angelegt, für das ganze Leben. Wer dazu nicht bereit ist, der ist eben nicht reif dafür.

Auf Gott aber kann man vertrauen. Menschen enttäuschen uns manchmal. Aber Gott läßt keiner im Stich. Er ist unser Helfer und Beistand in Freude und Leid, in guten wie in schweren Tagen. Er denkt immer nur das Beste von uns und hält große Stücke auf uns. Wenn es eine Enttäuschung gibt, dann liegt die. Schuld immer auf Seiten der Menschen.

Hier wird Gott verglichen mit einer Burg, mit einem schützenden Schild und mit einem Berg, auf den man flüchten kann. Es ist immer gut, wenn man so etwas im Hintergrund hat. Man wird oft lange Zeit sein Leben führen, ohne daß man Gott besonders braucht. Wenn Friede herrscht und alles gut läuft‚ dann braucht man keine Burg, so denkt man jedenfalls.

Aber sowie Gefahr droht, erinnert man sich daran daß ja eine Zuflucht da ist. Es ist gut‚ wenn man der Weg nach dort schon kennt. Das bedeutet aber: auch in den guten Zeiten sollte man Verbindung haben zu dem Ort, wo man Rettung finden kann.

So sollten wir auch immer Gott über unserem Leben und unserer Ehe wissen. Und wenn wir ihn gerade einmal nicht als Helfer brauchen, dann sollten wir uns mit unserem Dank an Ihn wenden. Auch wann unser Leben ganz normal verläuft, nicht besonders aufregend und ohne besondere Schwierigkeiten, dann haben wir doch Grund zur Dankbarkeit.

Auch dieser Gottesdienst ist eine Gelegenheit, Gott zu danken. Sie haben einen bestimmten Punkt in Ihrem Leben erreicht und schauen voll Zuversicht in die Zukunft. Es kann ein guter Weg werden, wenn Sie ihn mit Gott gehen.

Es werden auch einmal Tage kommen, wo sie nicht mehr so recht weiter wissen. Dann werden Sie erst Ihre vollen Erfahrungen mit Gott machen. Dann wird er sich als Schutz und Zufluchtsort erweisen. Dann werden Sie merken, wie er zum Heiland werden kann.

„Heiland“, das heißt doch: Er kann das Leben wieder heil machen, kann Wunden verbinden und Kraft zu einem Neuanfang geben. Er kann Menschen wieder zusammenführen und ihrem Leben immer wieder einen Sinn geben. Es ist gut, daß wir diesen Gotthaben. Wir brauchen nicht allein oder zu auch zu zweit durchs Leben zu gehen, sondern wir haben einen Beschützer und Helfer. Wenn Sie sich immer wieder an ihn wenden, werden Sie es leichter im Leben und in der Ehe haben.

 

Glaubet an den Herrn, euren Gott, so werdet ihr sicher sein; und glaubt seinen Propheten, so werdet ihr Glück haben.

                                                                                                                (2. Chron 20,20)

Wir wollen doch alle Glück haben und glücklich werden. Gerade an Beginn einer Ehe erwartet man das doch. Auch die Leute wünschen Glück und Segen und alles scheint in bester Ordnung zu sein. Natürlich hat man auch Grund, an solch einem Tag glücklich zu sein. Schließlich ist es ja ein freudiger Anlaß, wenn sich zwei Menschen miteinander verbinden.

Und es ist ganz selbstverständlich, daß sie glücklich sind, weil sie für immer zusammengehören dürfen.

Aber was stellen wir uns im Einzelnen unter „Glück“ vor? Daß wir im Lotto gewinnen? Daß wir an einem Unfall gerade noch einmal vorbeikommen? Daß wir Glück in der Liebe haben? Daß wir gesund bleiben? Ist das schon alles, was zum Glück gehört?

Wie macht man das überhaupt, daß man glücklich wird? Nun: Wer glücklich werden will, der soll erst einmal andere glücklich machen. Glücklich wollen sie alle werden. Aber es kommt zunächst einmal darauf an, nicht etwas für sich haben zu wollen, sondern für andere dazu sein. Dann kommt auch das Glück ganz von selbst, ohne daß man noch viel dazu tun muß.

Denken wir an Menschen, die sich schon in ihrem. Beruf für andere einsetzen, vielfach unter Zurückstellung der persönlichen Wünsche. Aber wieviel Freude und Befriedigung kann man finden, wenn man die Dankbarkeit der Menschen sieht, um die man sich kümmert. Natürlich gibt es auch Unzufriedene, denen es keiner recht machen kann. Aber in der Regel wird es doch so sein, daß glücklich ist, wer andere glücklich macht.

Die Ehe ist die beste Gelegenheit, wo man üben kann, wie man als Mensch mit einem anderen Menschen umgehen soll. Zwei Menschen, die sich lieben, bringen doch die besten Voraussetzungen mit, um miteinander glücklich zu werden. Einer soll den anderen glücklich machen. Man kann nicht erwarten, daß der andere einen glücklich macht, sondern jeder sollte sich bemühen, zuerst an den anderen zu denken, daß e r glücklich werden kann.

Was man in der Ehegelernt hat, das kann man dann in der großen Gemeinschaft der Menschen anwenden. Mit dem heutigen Tag werden Sie ja als eine Familie in den großen Verband der Gesellschaft eingefügt. Sie stehen auch als eine christliche Familie in der Gemeinschaft und sind nun mit ein Glied am Leib der Kirche und haben dort ihre Aufgaben.

Deshalb ist es nun mit eine Ihrer Aufgaben, nicht nur einander glücklich zu machen, sondern auch gemeinsam andere Menschen glücklich zu machen. Sie können sich ja jetzt gegenseitig dabei helfen. Zu zweit gelingt manches besser als wenn man allein ist. Das ist der Segen, der über der Ehe liegt.

Doch das ist nun noch nicht alles. Der Spruch heißt ja: „Glaubet an den Herrn, euren Gott, so werdet ihr sicher sein; und glaubet seinen Propheten, so werdet ihr Glück haben!“ Nur im Glauben an Gott kann man diese Aufgabe schaffen.

Glück zu haben ist ja ein sehr vordergründiger und sehr menschlicher Wunsch. Doch das wird hier nicht schlecht gemacht, solche Wünsche sind schon berechtigt. Wir dürfen uns ruhig nach dem Glück sehnen. Dieser Spruch stammt ja aus dem Alten Testament, wo man besonders am Glück interessiert war und sehr weltlich und sehr diesseitig von diesem Glück sprach.

Aber man wußte auch: Glück kann man nur haben, wenn man sich auf die Seite Gottes stellt Wer an Gott glaubt, der wird sicher sein vor allen Gefahren. Und wer auf seine Boten hört, der wird Glück haben!

Unser Glück hängt nicht von Menschen ab, denn die denken immer nur zuerst an sich selbst. Unser Glück hängt allein von Gottes Schutz ab. Auch in einer Ehe können Gefahren und schwere Zeiten kommen. Aber bei Gott ist man geborgen und sicher.

Das ist eine große Verheißung, die Ihren heute mit auf den Weg gegeben wird. Wenn Sie sich unter dem Schutz Gottes stellen, dann werden Sie ihr Glück finden. Und dabei könnte dann vielleicht auch das geschehen was Luther als den Sinn der Ehe angesehen hat, nämlich daß eins das andere in den Himmel bringe. Aber es geht nicht um den siebten Himmel der Liebe, sondern es geht darum, zu Gott zu kommen, der unser Herr ist und der auch der Herr Ihrer Ehe sein wird.

 

„Bekümmert euch nicht; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke!“                           (Neh 8,10)

Dieser Bibelspruch war einmal die Losung unserer Kirche für ein Jahr. Er kann aber auch sehr gut die Losung sein für ein ganzes Leben, besonders für ein Leben zu zweit in der Ehe. Am Beginn eines wichtigen Lebensabschnittes sucht man ja doch vielleicht nach einem Bibelwort, das einem Wegweisung und Hilfe sein kann. Gewiß ist die Bibel kein Orakelbuch. Aber sie enthält doch viele gute Worte, an die man sich halten kann, wenn man einmal nach einem solchen Wort sucht. In diesem Sinn wollen wir auch diesen Ihren Trauspruch verstehen und beherzigen.

Am Anfang einer Ehe erscheint natürlich alles im besten Licht. Das ist ja auch gut und richtig so. Man muß so einen wichtigen Schritt mit Freude tun und auch mit einem guten Schuß an Zuversicht und Selbstvertrauen. Die Bibel fordert uns ja auch mit diesem Spruch dazu auf: „Bekümmert euch nicht!“

Kummer wollen wir an einem solchen Tag nicht haben, obwohl wir doch auch wissen, wie schwer es im Leben und in einer Ehe werden kann. Da gibt es viel Kampf gegen äußere und innere Widerstände. Es kann Krankheit kommen oder berufliche Schwierigkeiten. Es geht nicht immer alles so glatt, wie man sich das vielleicht vorgestellt hat.

In einer jungen Ehe gibt es auch erst einmal Einspielungsschwierigkeiten. Vieles muß sich erst so ergeben oder miteinander abgesprochen werden. Wenn dann noch äußere ungünstige Umstände dazukommen, wird es doppelt schwer.          

Mancher könnte daraus den Schluß ziehen: Dann ist es wohl besser, erst überhaupt keine Ehe ins Auge zu fassen. Aus lauter Angst vor Bekümmernis würde er jeden Schritt in dieser Richtung unterlassen. So aber soll es ja gerade nicht sein. Die Ehe will im Gegenteil helfen, mit solchen Ängsten und Gefahren besser fertigwerden zu können.

Wenn zwei Menschen sich zusammentun, wollen sie doch besser vorankommen. Deshalb hat Gott ja den Ehestand eingesetzt. Er will nicht, daß der Mensch allein sei. Wenigstens e i n e n Partnersoll er haben, der ihm hilft‚ mit den Schwierigkeiten des Lebens fertig zu werden. So ist die Ehe eine gute Ordnung Gottes, die uns hilft, gemeinsam durchs Leben zu gehen. Dadurch wird dann doch Vieles leichter werden.

Wenn man aber erst einmal in dieser Ordnung drinsteht, kann man ihr nicht mehr ohne großen Schaden entfliehen. Dann muß man sich eben gemeinsam allen Problemen stellen und auch gemeinsam mit ihnen fertigwerden. Wenn man aber zu zweit ist und Gott um seinen Segen gebeten hat, dann darf man eine solche Aufgabe mit Freude in Angriff nehmen.

Wer seine Ehe nämlich im Namen Gottes beginnt, der steht auch unter der Verheißung Gottes. Er darf auch sicher sein, daß Gottes Hilfe ihn begleitet. Durch die Trauung sagt Gott uns seinen Beistand zu, und da dürfen wir auch sicher sein, daß er uns nicht allein läßt. Erfahrene Eheleute können vielleicht schon die Wahrheit dieses Bibelspruches bezeugen. Manchmal offen, manchmal verborgen, darf man immer wieder die Hilfe Gottes erfahren, besonders in der Ehe.       

Sie ist schon ein Wagnis, aber ein schönes Wagnis. Deshalb darf man auch mit Freude daran gehen ‚weil Gott uns diese Freude schenkt. Wir müssen uns nicht mit Gewalt in eine solche Freude hineinsteigern oder gar noch irgendwelche Mittel zur Nachhilfe verwenden. Unsere Stärke ist, daß echte Freude uns von Gott geschenkt wird, eine Freude, die auch andauert und die uns hilft, über alle Gefahren und Bekümmernisse hinwegzukommen.

Am heutigen Tag muß man es ganz laut sagen: Wenn man sich auf Gott verläßt, ist man nicht verlassen; dann kann man die Gefahren des Lebens bestehen und immer enger zusam­men­wachsen. Zunächst einmal werden Eheleute mehr die Freude aneinander im Auge haben. Aber erst die gemeinsame Freude an Herrn wird stark machen. Der Glaube, das feste Stehen in der Gemeinde, das Weiterentwickeln dessen, was man gelernt und geübt hat - all das kann ein festes Band werden, das dem gemeinsamen Leben Dauer und Festigkeit gibt.

Die Ehe ist eine zarte, aber schöne Pflanze. Wir müssen sie immer wieder begießen und pflegen. Sie braucht Liebe und Freude. Aber dann blüht sie auch und wird von Tag zu Tag schöner und stärker. Wir Menschen müssen unseren Teil dazu tun. Aber Gott gibt das Gedeihen. Heute und alle Tag Ihrer Ehe ruft er Ihnen zu: „Bekümmert euch nicht; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke!“

 

„Verlaßt euch auf den Herrn ewiglich; denn Gott, der Herr, ist ein Fels ewiglich!“    (Jes 26,4)                                                                      

Wenn man durch die Berge wandert, dann trifft man hin und wieder auf große Felsen. Sie scheinen wie für die Ewigkeit gemacht zu sein, unverrückbar und fest. Die Felsen sind uns ein Symbol für das Beständige, das alle Zeiten überdauert.

Aber genauso fest und beständig ist auch Gott in seiner Liebe zu uns. Er will uns begleiten auf unserem Weg durchs Leben, er will uns beschützen und er will uns helfen, wo es nötig ist. Auf ihn können wir uns verlassen‚ wenn wir Unterstützung brauchen.

Außer den Felsen findet man in den Bergen nur Geröll und weichen Waldboden, manchmal sogar auch ein schwankendes Sumpfloch, das nur einen sehr trügerischen Halt geben kann. Aber auf den Felsen hat man einen sicheren Stand, da kann nichts passieren.

So ist es auch oft mit der Treue der Menschen: sie kommt leicht ins Rutschen wie eine Geröllhalde, sie gibt nach wie der Waldboden und sie zerbricht wie die Oberfläche eines Sumpfes. Gottes Treue aber steht fest wie für die Ewigkeit, sie läßt sich durch nichts erschüttern, sie ist jeden Tag gleichbleibend und zuverlässig.

Solch ein herausragender Felsen ist uns aber auch oft ein guter Orientierungspunkt. Wenn uns die Gegend unbekannt ist und die Wegweiser fehlen, halten wir gern Ausschau nach einem markanten Punkt, der uns die Richtung weist. So brauchen wir auch für die Ehe gewisse Richtpunkte und Ziele, die uns weiterhelfen und den richtigen Weg weisen.

Sicherlich werden Ihnen an einem Tag wie heute manche gute Ratschläge und Wünsche mit auf den Weg gegeben. Das ist auch nur gut so und kann eine Hilfe sein. Aber den Weg müssen Sie immer allein finden und vor allen Dingen allein gehen. Das kann Ihnen niemand abnehmen und das ist ja auch Ihr Wunsch.

Aber Ihr Weg wird leichter und sicherer sein, wenn Sie sich an Gottes Wort halten, in engem Kontakt mit ihm bleiben und ihm Ihr Geschick anvertrauen. Deshalb bleibt doch immer noch genug Raum für die eigene Entscheidung. Gott will uns ja nicht einschränken durch kleinliche Vorschriften.

Auch in der Ehe geht es nicht um einen harten Zwang, sondern mehr um die Möglichkeiten, die Gott uns eröffnet. Nur zur Hilfe und damit es nicht zu schwer für uns wird, hat er einige Regeln aufgestellt für das Zusammenleben der Menschen, die natürlich ganz besonders für das Leben zu zweit in der Ehe gelten.

Zu diesen Regeln gehört etwa das sechste Gebot, das uns den Bruch der Treue verbietet. Dazu gehört aber noch viel mehr die Aufforderung, einander zu lieben und mit Liebe auch die Schwierigkeiten zu meistern. Da wird uns gesagt, daß Mann und Frau gleich wert geschaffen sind und daß sie sich als Partner begegnen sollen und zusammenarbeiten sollen.

Vielleicht wird sich das auch mancher ganz von selber sagen können. Aber mit unseren guten Vorsätzen ist das ja immer so, daß wir sie sehr leicht wieder über Bord werfen. Gott dagegen können wir nicht so einfach abschieben‚ so wie wir ja auch einen Felsen nicht einfach beiseite räumen können. Aber das ist nur von Vorteil für uns. Denn nachher sehen wir vielleicht doch ein, daß wir nur einen Fehler gemacht hätten, wenn wir nach unsren eigenen Vorstellungen gegangen wären.

Deshalb wird Ihnen am Beginn Ihrer Ehe die Empfehlung gegeben: „Verlaßt euch auf den Herrn ewiglich!“ Vertraut nicht nur jetzt einmal auf ihn, sondern laßt ihn die ganze Ehe über mit dabei sein. Ein kurzes Strohfeuer nutzt nicht viel. Erst auf die Länge der Zeit kann man Erfahrungen mit Gott machen. Aber wer sich auf Gott verläßt, der ist dann auch nicht von ihm verlassen. Menschen machen uns oft Zusagen und lassen uns dann im Stich. Bei Gott ist das nicht so. Er freut sich im Gegenteil, wenn wir etwas von ihm erwarten und uns helfen lassen wollen.

Wir brauchen auch durchaus den Beistand Gottes. Es wird nicht immer leicht werden in der Ehe. Es kommen auch einmal schwere Tage, wo man mit Trauer erfüllt ist oder unsicher wird. Da sucht man dann nach einem Halt und einem Ausweg. Aber diese Hilfe ist längst schon da, wenn wir sie nur ergreifen.

Heute macht Ihnen Gott in der Trauung die Zusage, daß Sie sich auf ihn verlassen können. Er steht Ihnen bei, was Ihnen das Leben auch bringen wird. Seine feste Hand ist ausgestreckt, um Sie zu führen. Sie brauchen diese Hand nur zu ergreifen, dann wird es Ihnen gut gehen.

 

 „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden!“                                                                                                                    (Jes 40,31)

Sie sind nicht die Ersten, die die Ehe geschlossen haben und nun getraut werden. Vor Ihnen haben auch schon andere hier gestanden‚ um Gottes Segen für ihre Ehe zu- erbitten. Sie sind

 heute nicht allein. Gott ist mit ihnen in allem, was Sie tun.

Und hinter Ihnen steht die christliche Gemeinde, in die Sie nun eingefügt werden als eine christliche Familie. Mit Ihren Gang zur Kirche haben Sie allen gezeigt: Unsere Heirat beruht nicht auf einer privaten Übereinkunft, sondern hat für uns etwas mit Gott zu tun: Deshalb werden Sie nun auch getragen sein von der übergreifenden Ordnung Gottes. Er hat die Ehe eingesetzt und gesagt: „Es ist gilt so!“

Deshalb dürfen Sie sich heute der Zustimmung Gottes gewiß sein. Und wenn Sie ihn um Hilfe bitten, wird Gott Sie auch beschützen auf Ihrem Lebensweg. Sie werden „laufen und nicht matt werden, sie werden wandeln und nicht müde werden“.

Es gibt Manches, was uns den Mut zum Leben nehmen kann. Da sind zunächst einmal die äußeren Schwierigkeiten, bis man sich ein Heim geschaffen hat und die wirtschaftlichen Dinge nicht mehr so eine Rolle spielen. Da muß man Zufriedenheit in seinem Beruf und bei seinen sonstigen Aufgaben finden. Da muß man sich mit den Menschen gut verstehen und in die neue Verwandtschaft einfügen: Das persönliche Leben muß sich erst noch aufeinander einspielen, man muß erst noch zusammenwachsen.

Heute ist natürlich erst' einmal ein Tag der Freude. Heute sind Sie erst einmal am Ziel Ihrer Wünsche und können neuen Mut fassen. Aber in einigen Tagen sind Sie schon wieder eins der vielen Ehepaare, die im harten Lebenskampf stehen und ihren Weg durch diese Welt erst finden müssen.

Sehr viel Neues wird auf Sie einstürmen. Sie werden viel Kraft brauchen, um das alles zu bewältigen. Vielleicht werden Sie die ganze Ehe damit zu tun haben, den immer neuen Anforderungen gerecht zu werden. Es können ja auch einmal Leid und Krankheit kommen,

wo man sehr fest zusammenstehen muß, um alles zu bewältigen. Doch gerade dann sollen Sie sich an diesen Bibelspruch erinnern, der Ihr Trauspruch ist: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft!“

Aber erwarten wir denn eigentlich tatsächlich etwas von Gott? Ist er nicht doch mehr so etwas wie eine Verzierung an unserem Leben, die sein, kann, die man aber auch lassen kann? Vielleicht muß man erst einmal die Erfahrung gemacht haben‚ daß Gott tatsächlich mehr ist, daß er helfen, kann und Halt gibt.

Eine Ehe beginnt immer mit großen Erwartungen. Am meisten erwartet man von dem Menschen, den man liebhat. Man hat Gemeinschaft mit ihm gefunden und verspricht sich viel vor der gegenseitigen Hilfe. Das ist ja auch gut und schön so, das ist ja mit ein Hauptzweck der Ehe, auch nach der Bibel.

Aber können wir nicht auch etwas von Gott erwarten? Können wir nicht vielleicht noch mehr von ihm erwarten als von einen Menschen, auch wenn es der liebste Mensch für uns auf Erden ist? „Die auf den H e r r n harren, kriegen neue Kraft!“ Wenn Sie einmal ganz verzweifelt und mutlos. sind, werden Sie schon merken, wie sehr Sie Kraft von Gott brauchen.

Vor allen Dingen k a n n Gott auch Kraft geben, wenn man nur etwas von ihm erwartet. Wir müssen ihn nur bitten und ihm auch alles zutrauen. Dann kann man auch erfahren, daß da eine Kraft ist, die über unser menschliches Vermögen hinausreicht und uns weiter bringt als alle menschliche Hilfe.

Man kann natürlich auch sagen: „Wir schaffen alles alleine, ohne den Rat der Eltern und Verwandten und auch ohne Gott!“ Wer so denkt, macht es sich unnötig schwer im Leben. Man kann ihn natürlich auch nicht auf einen solchen Bibelspruch hinweisen‚ denn er wird ihm nichts bedeuten.         

Wer aber sein Leben von Gott als Geschenk in Empfang nimmt, dem ist solch ein Spruch doch Trost und Hilfe. Er ist ja. nicht nur für die Stunden der Not gedacht, sondern gerade für einen Tag wie heute: Wer im Namen Gottes seine Sache beginnt, der spürt die große Freude und Zugereicht, die uns mit der Hoffnung auf Gott gegeben ist.

Mögen Sie doch. auch etwas erfahren von der Leichtigkeit des Lebens unter Gottes Hand. Mögen Sie doch auch „auffahren mit Flügeln wie Adler“ und von oben her die Dinge dieser Welt betrachten. Ein Adler steigt sehr hoch hinauf und kann deshalb viel überblicken. Er sieht erst alles im rechten Licht und unter den richtigen Größenverhältnissen.

Als Christen stehen wir mit Gott Hilfe genauso über der Dingen. Und daß auch Sie in Ihrer Ehe immer wieder die herrliche Freiheit der Kinder Gottes erfahren mögen, wünschen wir Ihnen alle und erbitten es von Gott im Gebet. Denn: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft!“

 

„Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott!“   (Jes 41,10)

Es gibt viele Dinge, die man im Leben fürchten wird. Auch am Beginn einer Ehe hat man vielleicht noch Angst vor dem Neuen. Das ist ganz natürlich und niemand findet etwas dabei. Zwei Menschen stehen am Ufer und blicken hinüber auf die andere Seite, zu neuen Ufern. Dort drüben ist Neuland, das man sich erst erobern muß, das man erst kennenlernen muß und das man erst liebgewinnen wird.

Allerdings: So ganz neu wird es auch nicht sein. Man hat sich ja schon vorher gekannt und Pläne gemacht. Aber wenn es dann ernst wird, sieht alles noch einmal ganz anders aus. Wenn man erst einmal im richtigen Wasser schwimmen muß, dann ist das etwas anderes als alle Trockenschwimmübungen vorher. Deshalb darf sich jeder freuen, der sich in das neue Element gestürzt hat.

Das Schöne dabei ist: Es geht nicht allein! Sicher hat es auch seine Vorteile, wenn man allein und ungebunden ist und auf niemanden Rücksicht zu nehmen braucht.

Aber dann ist man halt auch allein, wenn man einmal einen anderen Menschen braucht; dann ist man eben einsam und hat niemanden, mit dem man sich über alles aussprechen kann.

Mancher wird das sehr oft spüren und deshalb Ergänzung und Austausch mit einem Partner suchen. Ein anderer dagegen meint, er begehe einen Fehler, wenn er eine Ehe eingeht, weil er dann sein Ungebundensein aufgibt.

Ein Glück nur, daß doch immer wieder Menschen diesen Fehler machen und schließlich doch in den Hafen der Ehe einlaufen. Denn in der Ehe werden sie schon bald eines Besseren belehrt: Es läßt sich doch alles besser durchstehen‚ wenn man zu zweit ist, sowohl in Freude

wie in Leid.

Doch das ist noch nicht alles. Eine Ehe ist nicht nur eine Privatangelegenheit zweier Menschen .Gott will mit dabei sein in Freude und Leid: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir!“ sagt er uns hier: Er will sich damit nicht aufdrängen. Aber er bietet seine Hilfe denen an, die darauf warten. Gott steht uns bei, wenn wir nicht mehr weiter wissen; er will uns helfen, gerade die schwierigen Situationen zu meistern.

Diese Hilfe kann sicher jeder für seine Ehe gebrauchen. Es ist nicht leicht, in der Welt von heute zu bestehen. Vom Beruf her kommen starke Anforderungen, die Beziehungen zu anderen Menschen und zur Gesellschaft müssen            ausgewogen sein, man möchte etwas Vergnügen und Erholung    finden. Unser Glaube ist da ein Angebot, mit all diesen Fragen fertig zu werden.       

Keiner braucht sich zu fürchten vor den Anforderungen, die auch in der Ehe auf ihn einstürmen. Gott steht denen zur Seite, die auf ihn vertrauen. Wir dürfen uns im Gebet mit allen Dingen an ihr wenden. Wenn wir selbst nicht mehr weiterkönnen, dann dürfen wir uns doch bei ihm neue Kraft holen.           

Er fordert uns auf: „Weiche nicht, denn ich bin dein Gott!“ Man kann manchen Schwierigkeiten aus dem Weg gehen, indem man ihnen ausweicht. Gott aber sagt: „Bleib stehen, ich helfe dir schon!“ Auf Gott können        wir uns verlassen.

Aber auf der anderen Seite wird uns damit auch gesagt: Gott kannst du nicht entweichen! Du bist ihm verantwortlich für alles, was du tust in deinem Leben. Jeder Ehepartner ist für den anderen verantwortlich vor Gott. Luther hat es so ausgedrückt: „Eins soll das andere in den Himmel bringen!“Das gilt in guten wie in bösen Tagen, in Freude und Leid. Da gibt es keine Ausreden: „Der andre war schuld!“ Jeder muß seinen Teil an Verantwortung selber übernehmen.

Sie aber haben Ihre Ehe unter den Schutz Gottes gestellt. Sie sind hierher gekommen, um sich trauen zu lassen und den Segen Gottes für Ihre Ehe zu empfangen. Nun erwartet          man auch etwas von Ihnen. Wer sich auf die Seite Gottes stellt, der muß auch so leben, wie es sich bei Gott gehört, das ist ganz selbstverständlich. Sie sind von heute an nicht nur irgendeine Familie, sondern eine christliche Familie, über der als Verheißung und Auftrag stehen soll: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott!“  

Vor allem die Verheißung wollen wir heute hören. Wir brauchen immer wieder viel Schwung, schon für den Anfang, aber auch für das Durchstehen. Gott kann Ihnen diese Kraft schenken. Wir wollen ihn in unserem Gebet immer wieder darum bitten.

 

„Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen!“                                                                                                                                           (Jes 54,10)

Es ist eine Gnade Gottes, daß es Mann und Frau gibt und daß beide aneinander gewiesen sind. Das macht uns die Bibel deutlich, wenn sie am Anfang in einer anschaulichen Geschichte etwas deutlich machen will vom Wesen des Menschen. Da heißt es nämlich: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei!“

Damit der Mensch sich nicht allein durchs Leben schlagen muß und damit er sich nicht so einsam fühlt, wird ihm der Ehepartner gegeben. Das ist nach diesen Geschichten am Anfang der Bibel der Sinn der Ehe. Wenigstens e i n e n Menschen soll man haben, der zu einem hält. „Gott hat das extra so eingerichtet!“ bekennen die Menschen, die diese Geschichten erzählt haben. Damit machen sie auch uns heute deutlich: Die Ehe ist eine gute Schöpfungs­ordnung Gottes, die wir voller Dankbarkeit hinnehmen sollten.

Aber man kann es auch als eine besondere Grade verstehen, wenn gerade diese zwei Menschen sich gefunden haben Sicherlich war es zunächst nur Ihre ganz persönliche Entscheidung, bei der Sie nicht weiter nach Gott gefragt haben. Aber vielleicht kann man es doch jetzt nachträglich so verstehen: Gott hat mir ganz bewußt den anderen gegeben als Gefährten und Gehilfen! Mit diesem Menschen soll ich nun zurechtkommen und ein ganzes Leben zusammensein.

Das ist auch wieder so eine Gnadentat Gottes: Man darf sich auf ein ganzes Leben einrichten! Eine Ehe ist immer auf Dauer angelegt und entwickelt sich erst mit der Zeit so richtig. Man muß nicht gleich wieder auseinanderlaufen, wenn es einmal Einspielungsschwierigkeiten gibt. Man hat vielmehr Zeit, sich aufeinander einzustellen und einander immer besser kennenzulernen.

Manche Menschen behaupten, die lebenslange Ein-Ehe sei ein unerträglicher Zwang und heute altmodisch und überholt. Aber eher ist das Gegenteil der Fall: Gerade wo heute die mit­menschlichen Beziehungen so zu verflachen drohen, hat man einen Menschen nötig, dem man ganz vertrauen kann. Und Vertrauen kann nur richtig wachsen, wenn man ständig zusammen ist.

So wollen wir also an diesem Tage dankbar sein, daß Gott so etwas möglich macht. Er läßt uns in dieser engen Gemeinschaft leben und sagt: „Ich gebe meinen Segen zu eurem Tun! Ihr dürft wissen, daß Ihr das Rechte tut!“

Gott sagt: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen!“ Wir wissen, daß die Berge nicht von ihrem Fleck weichen werden. Aber noch sicherer als diese Tatsache ist uns die Gnade Gottes. Er hält doch ganz unverrückbar zu uns.

Es mag ja manches kommen, das unser Verhältnis zu Gott stört. Denken wir vielleicht an Einwirkungen von außen, an Menschen, die uns von Gott abbringen wollen oder auch Menschen, die uns auf ihre Seite ziehen wollen. Dazu kommt, dann noch der Ungehorsam von unsrer Seite. Wir tun doch so Manches, was nicht dem Willen Gottes entspricht und ihm nicht gefallen kann.

Vielleicht zweifeln wir auch hin und wieder an der Macht Gottes. Es geschieht so Manches in der Welt, das den Anschein in uns erwecken könnte, es gäbe keinen Gott oder Gott sei machtlos. Auch in mancher Ehe wird man vielfach nichts von Gott verspüren. Dann liegt es nahe, an Gottes Macht irre zu werden.          

Doch Gott sagt: „Meine Gerade soll nicht von dir weichen!“ Sie soll auch nicht von Ihnen weichen, die Sie heute die Ehe geschlossen haben, denn dieses Bibelwort wird gerade Ihnen am heutigen Tage ganz besonders gesagt.

Oftmals hätten wir es sicher nicht verdient, daß Gott sich so um uns kümmert. Aber er ist eben so. Er will sich auch mit einem solchen Ehepaar befassen, das nun seinen gemeinsamen Weg beginnt. Vielleicht wird dieser Weg nicht immer leicht sein. Aber es wird entscheidend darauf ankommen ob es ein Weg mit Gott sein wird.

Er macht Ihnen heute dieses Angebot, daß er seine Gnade nicht von Ihren weichen lassen will. Es liegt nun an Ihnen, ob Sie sich von ihm helfen lassen wollen. Vielleicht meint man, ihn im Augenblick nicht so nötig zu haben. Aber es können ja auch einmal andere Zeiten kommen, wo man nach einem Wort Gottes sehnt, das Trost geben kann und das einen wieder aufrichten will.

Da soll Ihnen etwa Ihr Trauspruch einfallen: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen!“

So wünschen wir Ihnen hier alle, daß Sie sich oft auf diese Gnade Gottes verlassen. Wir wollen für Sie beten und die Nähe Gottes auf Sie herabflehen. Und wir wollen Sie und ihre Ehe dem anbefehlen, der der Herr aller Menschen ist und er auch Sie in Ihrer Ehe führen und leiten kann zu einem guten Ende.

 

 „So ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr!“                                                                                                                                    (Jer 29,13-14)

An wichtigen Punkten des Lehens ist es gut, sich einmal etwas Zeit zu nehmen und über alles nachzudenken. Man kann sich erinnern an das, was gewesen ist, was gelungen oder danebengegangen ist. Man wird aber vor allem auch Pläne machen für die Zukunft und überlegen, wie es weitergehen soll.

Die Hochzeit ist so ein wichtiger Einschnitt. Man verspricht sich gegenseitig, in Zukunft gemeinsam durchs Leben zu gehen. Man will versuchen‚ die eigenen Vorteile auch dem anderen zugute kommen zu lassen. Und man hofft darauf, daß er helfen kann, die eigenen Nachteile etwas zu mildern. Es ist gut, wenn man wenigstens noch einen Menschen neben sich hat, der mit einem durch Dick und Dünn geht, auf dem man sich verlassen kann und der einem auf jeden Fall beisteht. 

Dazu ist ja die Ehe da. So steht es schon in der Bibel: Der Mensch soll nicht allein sein, er soll einen Gefährten haben, einen Partner. Wenn Mann und Frau in der Ehe zusammen leben, dann gibt Gott seinen Segen dazu. Das gemeinsame Leben bekommt einen tieferen Sinn, weil es unter den Augen Gottes geschieht.

Es ist gut, wenn man sich diese Tatsache gleich zu Beginn einer Ehe vor Augen hält. Gott will jedem Ehepaar, das in der Kirche getraut wird, mit seinem Schutz und Segen begleiten. Diese Verheißung Gottes soll auch von heute an über Ihnen stehen. Gott macht uns ein schönes Geschenk mit der Ehe. Es liegt an uns, ob wir es recht gebrauchen.

Eine gewisse Beklemmung und Unsicherheit wird man ja vielleicht doch haben, wenn man einen solchen Schritt wagt. Man fragt sich: „Wird auch alles gut gehen? Wird es so werden‚ wie wir uns das so vorgestellt haben? Werden wir gesund bleiben‚ werden wir arbeiten können und Geld verdienen? Werden wir uns wohlfühlen in der Gemeinschaft anderer Menschen?“

Aber es gibt auch noch andere Fragen, die im Zusammenhang mit der Heirat auftauchen. Viele Dinge müssen nun gemeinsam entschieden werden. Man muß vielfach erst herausfinden, was der andere denkt. und mag und vorhat. Manches spielt sich dann mit der Zeit ein. Aber es wird immer wieder auch Neues geben, wo man sich erst neu einigen muß. Manchmal werden auch beide Partner nicht so recht wissen, was sie tun sollen, ob es so oder so richtig ist. Dann werden sie vielleicht erst lange nach einer Lösung suchen.

Da wird man vielleicht auch anderswo Rat und Hilfe suchen. Da gibt es Verwandte und Freunde, die manchen guten Hinweis geben können. In Sachfragen wird man sich an Fachleute werden. Es gibt Bücher und andere Hilfsmittel. Aber vergessen wir nicht, daß auch Gott da ist, der gerade einem jungen Ehepaar helfen will. Wenn man noch auf den Suche ist, wenn man sich noch etwas unsicher auf dem neuen Feld bewegt, dann hat man doch in Gott einen verläßlichen Führer und Beistand.

Schon zur Zeit Jeremias sagte Gott zu seinem Volk: „So ihr mir von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen!“ Es ging ihnen nicht gut und sie brauchten Hilfe. Aber der Retter war da, sie brauchten sich nur an ihn zu wenden, er wollte und konnte auch eingreifen.

Auch in einer Ehe können einmal dunkle Tage kommen, wo man an die Grenzen seiner Macht gerät, wo Menschen dann nicht mehr helfen können. Da hilft es auch nicht, wenn man als ein Ehepaar zusammensteht, da muß ein Höherer eingreifen Zum Glück haben wir einen Gott, der über unserem Leben wacht und der uns dabei führen und geleiten will auf guten Wegen.

Aber er erwartet von uns, daß wir ihn von ganzem Herzen suchen. Es ist nicht damit getan, daß wir in die Kirche kommen und uns trauen lassen. Gott möchte, daß wir ihr wirklich brauchen und nach ihm Ausschau halten und ihn in allen Dingen, in großen und in kleinen, anrufen.

Der Glaube ist nicht eine Theorie, sondern etwas sehr Praktisches, das unser Leben voranbringt und eine Ehe entscheidend prägen kann.

Mann und Frau sind auch deswegen. in der Ehe zusammengefügt, damit "eins das andere in den Himmel bringt", wie Luther gesagt hat. Die Trauung will Ihnen wieder einmal einen Anstoß geben, in dieser Richtung Schwung zu nehmen. Eheleute haben auch die Aufgabe, im Glauben einander zu fördern und gemeinsam Fortschritte zu machen.         

Gott jedenfalls sagt uns allen zu, daß er sich finden lassen wird, wenn wir ihn nur von ganzem Herzen suchen. Er entzieht sich uns nicht, gerade dann, wenn wir ihn am meisten brauchen. Er freut sich vielmehr, wenn wir uns zu ihm aufmachen und um seine Hilfe bitten. Er will heute einen Bund schließen mit dem Ehepaar, das getraut wird. Er wird diesen Bund halten, da können wir sicher sein. Unsere Aufgabe wird es nur sein, in diesem Bund drin zu bleiben und uns von ihm tragen und stärken zu lassen.

 

„Freue dich und sei fröhlich; denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen!“

(Sach 2,14}

Wir wissen nicht so genau, wann eine Ehe denn eigentlich beginnt auf dem Standesamt oder in der Kirche, mit der Verlobung oder schon mit dem Verliebtsein? Eine Ehe wird nicht von dem Leiter des Standesamtes und auch nicht vom Pfarrer geschlossen, sondern - wenn schon - dann von Gott und v o r Gott. Es gibt ja nicht zu unrecht die Redensart: „Ehen werden im Himmel geschlossen!“ Aber es ist sicher auch viel Menschliches dabei; es geht doch auch immer um die ganz persönliche Entscheidung.

Aber wir wissen nicht so genau, wann aus dem Verliebtsein eine Liebe und aus der Liebe eine Ehe wird. Das stellt man eines schönen Tages plötzlich fest. Es ist so ähnlich wie mit der Geburt eines Kindes: Wir wissen nicht so genau, wann das neue Leben beginnt. Aber eines Tages steht es dann fest. Doch es muß noch lange heranwachsen und heranreifen.

So muß auch eine Ehe in der Verlobungszeit heranreifen. Sie ist schon länger da, aber doch nicht allen sichtbar Mit dem heutigen Tag, mit der Eheschließung und der Trauung tritt sie nun an das Licht der Öffentlichkeit: Heute ist der Geburtstag ihrer Ehe! So wie mit der Geburt eines Kindes das Leben erst eigentlich losgeht, so geht es nun auch mit Ihrer Ehe erst richtig los. Man muß sich an den neuen Zustand erst gewöhnen es gibt Arbeit und Sorgen, man muß Opfer bringen. Aber es gibt auch viel Freude, viel Neues zu entdecken und viel gelgenseitige Hilfe.

Deshalb ist dieser Tag ein fröhlicher Tag. Im ersten Teil Ihres Trauspruchs heißt es deshalb auch: „Freue dich und sei fröhlich!“ Deshalb gehört zur Hochzeit auch ein Fest, ein unvergeßlicher Eindruck, der das ganze Leben über bleibt. Sie sollen ja an den Geburtstag Ihrer Ehe immer mit Freuden zurückdenken können und sollen immer das Versprechen im Ohr behalten, das Sie sich heute gegeben haben.

Denn es können auch einmal schwere Stunden in ihrer Ehe kommen. Denken wir

nur daran, was die Generationen vor uns alles mitgemacht haben und welch großen Belastungen die Ehe damals unterworfen waren Wir können nicht dankbar genug dafür sein, daß heute manches besser ist. Und sie persönlich dürfen dankbar dafür sein, daß Sie es in manchen Dingen besser haben als andere Ehepaare.

Aber auch wenn einmal schlechtere Zeiten kommen sollten, dann' heißt es immer noch: „Freue dich und sei fröhlich!“ Die Freude, die Gott einem jeden von uns mit auf den Weg gibt, die kann uns über die vielen Schwierigkeiten unseres Lebens hinweghelfen, die doch immer wieder kommen werden

Außerdem dürfen Sie ja nun zu zweit Ihren Lebensweg fortsetzen, um sich in allen Dingen gegenseitig helfen. Es ist doch so, daß jeder bestimmter Vorzug hat, seine starken Seiten, wo er dem anderen überlegen ist. Das kann nun dem Partner mit zugutekommen, kann ihn zurecht­rücken und anspornen. Das ist der Segen und die Verheißung über der Ehe. Das werden Sie nun auch verspüren können. Dafür dürfen Sie immer wieder dankbar sein.

Aus diesem Gefühl der Sicherheit heraus kann dann auch letztlich eine Zufriedenheit und Freude wachsen. Doch das ist nicht einfach ein psychologischer Vorgang, der sich auf rein menschlicher Ebene abspielt. Der Spruch aus Sacharja gibt eine andere Begründung: „Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen!“ Dieses Bibelwort dürfen wir sicher auch einmal auf eine Ehe anwenden und unter diesem Blickwinkel sehen.

Wir dürfen ans freuen und fröhlich sein, weil Gott zu uns kommen will! Er will auch der Herr Ihrer Ehe sein und will bei Ihnen wohn en. Das ist durchaus ganz konkret zu verstehen: Gott möchte mit an Ihrem Tisch sitzen können, er möchte ihr Gebet hören können, er möchte eine Bibel bei Ihnen finden.

Mit Ihrer Trauung sind Sie zu einer christlichen Familie geworden, zu einem christlichen „Haus“, in dem Gott wohnen darf. Wenn Sie ihm immer genügend Platz einräumen, ja eigentlich sogar a 1 1 e n Platz, dann werden auch Freude und Fröhlichkeit in ihrem Haus sein.

Besonders nahe will er uns sein im Abendmahl. Hier darf man ganz .persönlich spüren, daß man eine Verbindung mit Gott hat, trotz aller Dinge, die sich trennend zwischen ihn und uns stellen könnten. Das ist eine große Sache, daß Gott uns immer wieder seine Hand reicht. Heute und alle Tage gilt es, diese Hand zu ergreifen und sich von ihr führen und leiten zu lassen. Daß wir einen solchen Gott haben, das macht und dankbar und gibt uns Grund zur Freude und läßt uns fröhlich sein.

 

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“                                              (Ps 23,1)

Früher waren die Rollen in' der Ehe meist wie folgt verteilt: „Der Mann muß hinaus ins feind­liche Leben, drinnen waltet die züchtige Hausfrau!“ Das bedeutete Der Mann ging außer Haus einer Arbeit nach, er vertrat die Familie nach außen, er hatte Teil am gesellschaftlichen Leben. Die Frau dagegen war meist ans Haus gefesselt, hatte in jeder Hinsicht für den Mann dazusein und die Kinder großzuziehen.

Das ist heute zum Glück nicht mehr so: Mann und Frau haben einen Beruf, sie sind in der Ehe gleichberechtigt und teilen die Aufgaben untereinander auf. Da kann es dann durchaus auch so sein, daß man bei den Aufgabengebieten untereinander abwechselt und zum Beispiel auch die Frau die Familie nach außen vertritt oder der Mann die Hausarbeit macht.

Wir haben heute partnerschaftliche Vorstellungen von der Ehe. Das mag auch eine Folge jener alten Geschichte vom Anfang der Bibel sein, wonach Mann und Frau den gleichen Ursprung haben und gleichberechtigt nebeneinander leben.

Das Bild vom Hirten und der Herde aus dem 23. Psalm könnte wieder die gegenteilige Vorstellung nahelegen: Der kluge Hirte führt das dumme Schaf dorthin, wo er es für gut hält. Doch das sind mehr Auslegungen aus unserer Zeit.

In biblischer Zeit mußten Hirten ganze Kerle sein. Sie mußten die ihnen anvertrauten Schafe gegen alle Gefahren verteidigen, gegen wilde Tiere und Räuber. Sie suchten immer die besten Weiden für sie aus und das frischeste Wasser. Ein Hirte war also durchaus eine positive Gestalt.

Deshalb konnte auch Gott mit einem guten Hirten verglichen werden. Mit dem „Herrn“ ist ja nicht der Mann gemeint, sondern der himmlische Vater, der über Mann und Frau steht. Von ihm wird gesagt, daß er für alles sorgt, was wir zum Leben brauchen, so daß es uns an nichts mangeln wird.

Allerdings könnte das so aussehen‚ als sei Gott der Supermann und Über-Vater, der die Menschen unmündig und abhängig hält. Er wird ja immer als Mann vorgestellt und dabei denkt man vielleicht an Chef, Polizist, Regierung - an eine übergeordnete Macht.

In der Tat gibt es kein Verhältnis zwischen Gott und den Menschen, in denen der Mensch ein gleichberechtigter Partner Gottes sein könnte. Das ist halt anders als in der Ehe, eher so wie das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Aber da wissen wir ja auch, daß Eltern alles-für ihre Kinder tun. Die Kinder haben es gut, solange sie bei den Eltern bleiben und ihnen vertrauen.

Allerdings wissen wir auch, daß Kinder sich immer mehr von den Eltern lösen, sich auf eigene Beine stellen - und immer mehr zu Partnern der Eltern werden. Die Hochzeit ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Die Eltern sollten ihren Kindern die Freiheit geben, ihren eigenen Weg zu finden, um so eher werden sie erkennen, was sie auch weiterhin an den Eltern haben können.

Auch Gott läßt uns die Freiheit, die wir brauchen. Er läßt es sogar zu, daß wir von ihm fortgehen. Er möchte uns nicht zu Knechten machen, sondern zu Menschen, die gerne auf ihn hören und ihm folgen. Er als der Größere und Stärkere bietet uns seine Freundschaft an, wir brauchen nur in seine Hand einzuschlagen.

Bei ihm wird es uns an nichts mangeln. Das soll nicht heißen, daß wir nun in einem Schlaraffenland leben würden. Vieles können wir ja auch durchaus selber tun. Die Ehe soll ja dazu helfen, daß es gemeinsam besser geht und man mehr erreichen kann.

Es ist auch nicht gesagt, daß alle Gefahren und Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt werden. Im Psalm ist von. Feinden die Rede und vom finsteren Tal, durch das man manchmal wandern muß. Auch eine Ehe wird davon nicht frei bleiben.

Doch wir dürfen darauf vertrauen, daß Gott uns durch alle Gefahren hindurchführen wird. Er sieht auf uns, er wacht über uns, sein Segen geht mit uns. Heute will er sich an Sie binden, Ihnen sein Versprechen geben, daß er dabei sein will bei allem, was nun kommen soll. Auf ihn-können Sie rechnen.

Es wird nun darauf ankommen, daß Sie sich dieses Vertrauens als würdig erweisen. Gott erwartet, daß wir uns gern von ihm führen lassen und seine Geschenke in Anspruch nehmen. Dann wird das in Erfüllung gehen, was am Ende dieses 23. Psalms steht: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen ein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar!“

 

„Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige. Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich dein!"                                                                                                                                (Ps 25,4-5)

Bei einer Hochzeit werden einem viele Glückwünsche mit auf den Weg gegeben, aber auch allerhand gute Ratschläge. Das ist auch gar nicht verkehrt, denn dadurch wird uns die Anteilnahme anderer Menschen deutlich. Nur muß man eben bedenken, daß es nur Ratschläge sind und keine Bevormundung; entscheiden muß sich schon jeder selber.

Auch Gott nimmt Anteil an dem heutigen Geschehen. Deshalb gibt es außer der Eheschließung auch noch die Trauung in der Kirche. Hier sollen Ihnen nun nicht nur rein menschliche Ratschläge mitgegeben werden, sondern hier wird Gottes Wort ausgelegt und etwas über Ehe und Familie gesagt. In einer Formulierung für die Trauung wird mit vier Begriffen der Inhalt des Wortes Gottes kurz umschrieben: vertrauen und hoffen, vergeben und lieben.

Es ist sicher deutlich, daß man diese vier Dinge gut für eine Ehe gebrauchen kann. Man muß sich dem anderen bedingungslos anvertrauen, sonst kann man keine Ehe eingehen. Man muß hoffen, daß es immer nur besser werden kann und daß man lange beisammen sein darf. Man muß bereit sein zur Vergebung, wenn einmal etwas schief gelaufen ist. Und man muß sich lieben und füreinander da sein, sonst hat ja alles keinen Sinn.

Das sind einige Dinge, die Gott uns über die Ehe sagt. Es handelt sich dabei auch wieder um Ratschläge, die man annehmen oder nicht annehmen kann. Allerdings sind sie doch verbindlicher als menschliche Meinungen, denn hier steht ja doch der Wille Gottes dahinter, hier spricht letztlich Gott zu uns.

Wenn einer also wie im 25. Psalm bittet: „Her, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige!“ dann zeigen uns solche Hinweise der Bibel schon die Richtung, in der Gottes Weg verläuft. Wenn Gott uns etwas rät, dann können wir sicher sein, daß er uns auf den richtigen Weg führt. Wer sich ihm anvertraut, der wird auch ans Ziel gelangen

Hierin unterscheidet sich Gottes Rat von allen menschlichen Meinungen. Menschen können sich täuschen und wir selber können uns auch täuschen. Aber Gott weiß den Weg, den er für uns bestimmt hat in unserer Ehe und in unserem Leben. Wir brauchen ihr gar erst zu bitten, daß er uns den richtigen Weg führt. Sein Weg ist richtig. Wir müssen nur der Weg erkennen und dann auch gehen.

Deshalb heißt es auch in Psalm 25: „Du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich dein!“ Gott gibt uns also nicht nur gute Ratschläge durch sein Wort, sondern er steht uns auch mit der Tat bei in allen Lebenslagen. Deshalb geht es auch bei der Trauung nicht darum, daß viele Worte gemacht werden. Hier wird uns vielmehr der Segen Gottes zugesichert und durch die Einsegnung ganz deutlich gemacht.

Wie kann der Segen Gottes uns aber helfen in unsrer Ehe? Der Segen ist mehr als nur ein unverbindlicher Glückwünsch, wie ihn Menschen aussprechen. Der Segen hat tatsächlich seine Folgen und wirkt sich an dem betreffenden Menschen aus. Allerdings dürfen wir das nicht so verstehen, als liefe hier automatisch etwas ab wie bei einem Zauber. Man kann sich den Segen auch wieder verscherzen, wenn man ihn mißachtet oder sich von Gott abwendet.

In der Ehe wird dieser Segen zunächst einmal deutlich im Zusammenleben der Ehepartner. Ihr Verhältnis zueinander wird gleich anders sein, wenn sie ihre Ehe unter den Augen Gottes führen. Sie werden fester zusammenstehen und auch Schwierigkeiten besser meistern können. Sie wissen ja: Gott steht uns zur Seite. Das wirkt sich sicherlich auch auf die ganze Umgebung aus.

Man spürt es einer Familie gleich ab, ob sie vom Segen Gottes bestimmt ist: Da gibt es kein häßliches Wort und kein Vordrängen der eigenen Person, sondern Verständnis und Hilfe für den anderen. Da gibt es keine Hetze und das Jagen nach Geld, sondern Ruhe und das Vertrauen auf Gottes Hilfe.

Daß Sie das alles in Ihrer Ehe erfahren mögen, wünschen wir Ihnen heute alle. Sie werden es erfahren wenn Sie tatsächlich alles von Gott erwarten und wenn Sie auch sagen können: „Täglich harre ich dein°!“ Gott will nicht nur am Tag Ihrer Trauung und bei einigen wenigen anderen Gelegenheiten mit Ihnen zu tun haben, sondern jeden Tag neu.

An Ihnen liegt es nun, was Sie aus diesem Angebot Gottes machen. Gott hat von seiner Seite her alles zu Ihrem Glück getan. Er zeigt Ihren den Weg zum Leben und hilft Ihnen, wo es nötig ist. Aber er erwartet auch. daß Sie täglich alles von ihm erhoffen und mit seiner Hilfe rechnen. Dann wird der heutige Tag und der heutige Gottesdienst nicht vergeblich gewesen sein, sondern seinen Segen an allen Tagen auswirken.

 

„Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß!“           (Ps 33,4)

Das Wort, das sich Eheleute bei der Trauung geben, ist wahrhaftig: Das dürfen wir doch annehme n. Man kann ja nur in die Ehe gehen, wenn man es ernst meint und dem anderen auch vertrauen kann. Sonst sollte man es lieber sein lassen: Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit und Offenheit sind die Grundlagen für eine gute und dauerhafte Ehe.           

Manchmal kann allerdings Wahrhaftigkeit sogar wehtun: wenn nämlich einer dem anderen die Meinung sagt und dabei auch unangenehme Dinge zur Sprache bringt. Das hat auch in einer Ehe Raum und gehört mit zu den Aufgaben einer Ehe. Sie soll ja eine Hilfe für den anderen bedeuten: Er hat nun einen Partner erhalten, der ihn korrigieren kann.

Manchmal sagt man ja: Der Ehepartner kann gar nicht objektiv urteilen, weil er den anderen doch nur in den Himmel hebt und vor lauter Liebe für die Wirklichkeit blind ist. Aber wenn er seine Aufgabe ernst nimmt und wahrhaftig ist, wird er schon dem anderen helfen und ihn zurechtrücken.

Natürlich geht das nicht schulmeisterlieh und vom hohen Roß herab. Wir wissen alle, daß wir Fehler haben. Und um die etwas auszugleichen, ist uns von Gott ein Partner geschenkt‚ der uns vor schlimmen Abweichungen bewahren soll. Vier Augen sehen mehr als zwei, und zwei Leute haben mehr gute Gedanken als nur einer. Wenn sie gut zusammenarbeiten und sich gut verstehen, kann das eine große Hilfe für beide sein.

Nun heißt es aber in diesem Spruch: „Des H e r r n Wort ist wahrhaft!“ Gott will der Dritte mit im Bunde sein. Erst dann ist sichergestellt, daß es wirklich wahrhaftig zugeht. Gottes Maßstab ist unbestechlich. Er deckt uns schonungslos die Wahrheit auf, wo wir Menschen immer noch etwas beschönigen.

Gott bietet Ihnen heute als einem jungverheirateten Paar seine Hilfe an. Er sagt Ihnen: Über allen menschlichen Einrichtungen und Versuchen gibt es noch die Ordnung Gottes, in die Sie mit dem heutigen Tag hineingestellt werden. Diese übergreifende Hilfestellung Gottes will ihnen Halt geben‚ gerade bei dem noch unsicheren Anfang einer Ehe. Gott will Ihnen auch zur echten Wahrhaftigkeit helfen.

Wir Menschen täuschen uns ja manchmal. Das läßt sich nicht anders machen. Manchmal sind wir auch enttäuscht. Aber auf Gott kann man sich verlassen: Er hält sein Wort, das er Ihnen heute gibt und das er Ihnen immer wieder ins Gedächtnis rufen will. Der Vers: „De- Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß!“ war ja einmal die Losung unsrer Kirche für ein Jahr. Er könnte auch gut zu einer Ehe passen und die Losung für das gemeinsame Leben werden.

Was ist es nur, das Gott Ihnen zusagt und das er Ihnen halten will:' Er sichert- Ihnen seinen Schutz und seine Hilfe zu. In Bibel, Gottesdiensten und Gemeindeabenden legt er Ihnen sein Wort vor. Er will auch diese junge Ehe begleiten mit seinem Segen: Auch die Gemeinde, kann und will für Sie da sein.

Das ist ein großes Angebot, das Ihnen da gemacht wird. Wo gibt es denn so etwas noch in unsrer Welt, in der jeder auf sich selber gestellt ist? Natürlich muß man vieles allein ausstehen, wo einem keiner helfen kann. Aber Gott-will Ihnen dazu Maßstäbe und Hinweise geben.

Sein Segen ist nicht einfach eine leere Versprechung oder ein unverbindlicher Glückwunsch, wie ihn viele bei einer Hochzeit aussprechen. Nein, hinter Gottes Segen steht eine Macht, die ein Leben verändern kann.

Und deshalb unterscheidet sich eine christlich eingesegnete Ehe auch von einer anderen Ehe. Sie steht unter den Augen Gottes und unter seinem Willen. Aber sie darf auch seiner Begleitung und Hilfe sicher sein.

An Ihnen liegt es nun, was Sie aus dieser Zusage machen. Gott hat seinen Teil zu Ihrer Ehe beigetragen. Jetzt sind Sie dran, Ihre ganze Ehe über die Antwort darauf zu geben in Ihren Gedanken, Worten und Taten. An Ihnen liegt es, ob Sie dieses Geschenk annehmen und gebrauchen oder ob Sie es achtlos liegenlassen. Bei allem aber soll dieser Spruch Sie begleiten und zur Losung für Ihre Ehe werden: „Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß!“

 

„Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird‘s wohl machen!“  (Ps 37,5)

Wenn man früher eine Reise vorhatte, dann begann man sie mit einem Gebet. Damals war das Reisen noch viel gefährlicher als heute und vielen Menschen war diese Gefahr auch bewußt. Sie wollten deshalb ihren Weg unter den Schutz Gottes stellen. Sicherlich sind sie auch nicht schlecht damit gefahren.

Natürlich kann man auch heute beten, ehe man auf große Fahrt geht. Auch heute ist das Reisen noch gefährlich, ob es nun mit dem Auto, der Bahn‚ dem Schiff oder dem Flugzeug ist. Zwar muß man nicht mehr unbedingt mit Räubern rechnen. Aber dafür hat die moderne Zeit neue Gefahren mit sich gebracht. Deshalb ist es auch heute noch sinnvoll, vor einer Reise den Segen Gottes zu erbitten.

Man weiß ja trotzallem nie, ob man ankommt bzw. ob man gut ankommt. Natürlich rechnet man immer damit. Aber wir wissen ja, wieviel dazwischen kommen kann. Oft sind unsere Pläne sehr schnell über den Haufen geworden und es kommt alles anders, als man denkt. Aber auch wenn es gut geht, ist es doch besser, wenn Gott dabei ist. Dann haben wir wenigstens Grund, ihm zu danken und ihn zu loben.

Sie beginnen ja nun heute auch einen Weg, ihren gemeinsamen Lebensweg. Bisher sind Sie zwei verschiedene Wege gegangen, jeder hatte seine eigener Ziele und Wünsche und Absichten. Dann haben sich irgendwann einmal Ihre Wege gekreuzt, und Sie haben beschlossen, in Zukunft gemeinsam zu gehen.

Das wird sicher ein Vorteil sein. Wenn man auf der Wanderschaft ist, freut man sich auch über Gesellschaft und Unterhaltung. Da kann man sich gegenseitig beistehen, wenn einmal eine Gefahr kommt oder wenn man nicht mehr weiter kann. Zu zweit ist das Leben eben doch einfacher, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht‚ sondern vor allem, was die gegenseitige menschliche Hilfe angeht.

Das ist ja auch nach dem Zeugnis der Bibel der Segen einer Ehe: Der Mann braucht die Frau, damit er nicht allein ist und eine Gehilfin hat, die ihm nicht nur die Zeit vertreibt, sondern auch sonst in allen Dingen eine Stütze ist. Und das gilt natürlich auch umgekehrt für die Frau: Auch sie hat in dem Mann einen Partner und einen Halt.

Doch wir wissen, daß auch heute die Ehe ein Wagnis ist. Gewiß, viele äußerliche Dinge sind heute gut geregelt, vielleicht auch besser als früher. Und wenn man dazu noch eine eigene Wohnung hat und sein Auskommen, dann sind viele Schwierigkeiten schon ausgeräumt. Aber die eigentlich menschlichen Probleme werden immer bestehenbleiben.

Vielleicht fragt man sich doch: Sind wir wirklich füreinander bestimmt? Werden wir uns immer einigen können? Werden wir die Gefahren und Schwierigkeiten bestehen können? Doch da wird Ihnen mit Ihrem Trauspruch gesagt: Nur keine Angst! Vertraut nur auf Gott, er wird's schon wohl machen,

Gott hat uns in seinem Wort, in seinen Verheißungen und Geboten, Wegweiser an unseren Weg gestellt. Wir brauchen nur seinen Vorschlägen zu folgen, dann werden wir nicht in die Irre gehen sondern das gewünschte Ziel erreichen, eben mit Gottes Hilfe.

Das ist gemeint, wenn es am Beginn dieses Psalms heißt: „Befiehl dem Herrn deine Wege!“ Das gilt für jeden, ob er nun verheiratet ist oder nicht: Wer auf Gottes Wegen geht, wird sicher gehen. Er braucht sich nicht vor Gefahren zu fürchten, er muß auch keine Angst haben, sein Ziel zu verfehlen. Wenn wir unsere Wege Gott anbefehlen, dann übernimmt er ja die Verantwortung und führt alles richtig zum guten Ende.

Es mögen Menschen kommen, die Sie etwas anderes lehren wollen. Vielleicht werden Sie sich oft auch selber helfen wollen. Aber einfacher werden Sie es haben, wenn Sie sich gleich auf Gott verlassen, nicht erst selber einen Weg suchen wollen, der dann doch ein Irrweg ist oder in einer Sackgasse endet.

Gott macht Ihnen ein Angebot, das Sie nicht ausschlagen sollten. Heute ist eine günstige Gelegenheit für Sie, die Ihr ganzes Leben mit entscheiden kann. An Ihnen wird es nun liegen, was Sie aus diesem Angebot machen. Ich kann Ihnen nur im Auftrag Gottes sagen: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird's wohl machen!“

 

„Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen möge, der du zugesagt hast mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg!“                                                                                                                                       (Ps 71,3)

Wir erleben heute einen Tag der Freude und des Glücks. Wenn zwei Menschen sich gefunden haben und für ihr ganzes Leben beisammen bleiben wollen, dann freuen sich die Verwandten und Nachbarn mit, da ist das auch ein Ereignis für die Öffentlichkeit.

Man kann ja auch nur dankbar sei, wenn man in der Ehe zusammen sein darf. Vieles läßt sich eben doch zu zweit leichter bewältigen: Man hat einmal eine Arbeit, mit der man nicht allein zurechtkommt man ist unsicher in einer Frage und möchte gern den Rat eines anderen hören; man hat eine Freude erlebt und möchte das gern einem anderen mitteilen - in der Ehe hat man diesen Partner, der einem in Freude und Leid zur Seite stehen will.

Auch mit schweren Stunden müssen wir ja rechnen. Hier wird die Ehe erst ihre Kraft und Zuverlässigkeit erweisen müssen, hier werden erst ihre Vorteile voll zur Geltung kommen. Hier wird aber auch bald deutlich werden: „Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren!“ Da ist es gut, wenn wir auch auf die Hilfe Gottes hoffen dürfen.

Gewiß können wir uns auch als Menschen sehr viel helfen. Die Ehe ist ja gerade eine solche Hilfseinrichtung auf Gegenseitigkeit. Und Sie dürfen sicher auch mit der Hilfe der Verwandten und Bekannten rechnen. Aber irgendwann kommt man damit einmal an eine Grenze, wo nur noch Gott helfen kann.

Aber dann dürfen wir sagen mit den Worten des 71. Psalm: „Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen möge!“ Wenn wir Angst bekommen, wenn uns eine Gefahr zu mächtig zu sein scheint, dann dürfen wir uns doch immer zu Gott flüchten: Er wird uns dann schon beschützen und nur das an uns heranlassen, was wir bewältigen können.

Die Ehe ist also nicht nur eine Privatsache zweier Menschen, nicht ein Vertrag und auch nicht nur eine unverbindliche Abmachung. Gott will mit im Bunde sein. Er stellt die -Regeln auf für diesen Bund, er ist beim Bundesschluß mit dabei und er will auch diesen Bund beschützen.

Er will Sie, liebe Eheleute beschützen vor den Gefahren, die von außen kommen, vor Menschen und Dingen, die Ihnen. überwollen und Sie und Ihre Ehe gefährden könnten. Er will Ihnen aber auch helfen gegen die Gefahren, die von innen heraus kommen. Es könnte ja doch einmal Gleichgültigkeit und Unzufriedenheit aufkommen.

Aber mit all diesen äußeren und inneren Problemen dürfen Sie sich an Gott wenden und Sie werden von ihm Hilfe erfahren. Er hat ja zugesagt, daß er helfen wird. Das ist zum ersten Mal geschehen bei der Taufe. Es wurde bestätigt bei der Konfirmation und es soll auch heute wieder deutlich werden.

Gott will Sie auch in der Ehe mit seinem Schutz und Segen begleiten. Man muß sich nur an ihn wenden und ihn um Hilfe bitten. Wenn Sie auf sein Wort hören und in Verbindung mit ihm bleiben, werden Sie einen starken Beistand an ihm haben. Vor Ihnen haben schon viele andere das erfahren und sie sind gut mit Gott gefahren. Sie haben von heute an die Möglichkeit, in gleicher Weise Ihre Ehe in seinem Namen zu beginnen und zu führen.

Was Gott zusagt, das hält er auch ein. Mit zwei Bildern macht uns das der Psalmvers deutlich: „Du bist mein Fels und meine Burg!“ Ein Fels ist das Sinnbild für etwas Dauerhaftes und Beständiges: Er wird kaum vom Wetter verändert und er bleibt fest an seinem Platz. So ist auch die Zuverlässigkeit Gottes unantastbar. Auf ihn kann man' sich bei allen Stürmen des Lebens

und bei jeder Erschütterung verlassen.

Gott ist wie eine Burg, hinter deren schützende Mauern man sich flüchten kann. Wir können uns dieses Bild ja noch einmal näher vor Augen halten. Manche Burg ist niemals erobert worden. Aber sie ist zerfallen, weil sich niemand mehr um sie gekümmert hat, weil keine Menschen da waren, die sie erhalten hätten.

So könnte auch unser Glaube an Gott und das Vertrauen auf seine Hilfe zerfallen, wenn wir uns nicht um ihn kümmern. Es sind gar nicht einmal so sehr die Einwirkungen von außen als vielmehr unsre eigene Gleichgültigkeit, wenn der Glaube an Gott schwach wird. Wenn wir aber die Verbindung zu ihm aufrechterhalten und noch weiter ausbauen, dann können wir bei Gott immer unsere Zuflucht finden.

Es wird mit eine der Aufgaben der Ehe sein, daß einer den anderen auch im Glauben stärkt. Wer aber Gottes Liebe und Treue zu den Menschen erkannt und gespürt hat, der wird sie sich zum Vorbild nehmen für das eigene Leben. Gerade in der Ehe werden Sie erfahren können, wie menschliche Liebe umfangen ist von der größeren Liebe Gottes, die wir dann in unserem Leben abbilden sollen. Daß Sie diese Liebe jeden Tag neu und von Tag zu Tag mehr erfahren mögen, das wünschen wir Ihnen heute und das wollen wir vor allem von Gott im Gebet erbitten.

 

„Gott der Herr ist Sonne und Schild; der Herr gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen!“                                                                                                                                         (Ps 84,12)

Wenn eine Pflanze wachsen soll, dann braucht sie dazu Licht und Sonne. Und die Ehe ist auch so eine Pflanze, die langsam heranwächst und erst allmählich sich zu ihrer vollen Größe und Pracht entfaltet. Heute wollen Sie, liebes Ehepaar, einen großen Schritt auf diesem Wege tun. Aber es liegt auch noch ein langer Weg vor Ihnen, auf dem Sie immer mehr die Vorzüge einer Ehe entdecken und auskosten können.

Gott jedenfalls möchte, daß es mit jeder Ehe gut geht. Er hat sie eingerichtet, damit der Mensch nicht mehr allein ist. Gott möchte jede Ehe auch fördern, damit sie sich zu ihrer wahrem Bestimmung entfalten kann. Ein Ehepartner soll dabei dem anderen helfen, den vorerst noch bescheidenen Anfang immer weiter fortzuentwickeln, damit alle Segenskräfte auch zur Geltung kommen. Gottes Segen jedenfalls ist wie die Sonne, die allem erst das Gedeihen gibt. Er hat auch Ihre Ehe gewollt und möchte Sie auch in Zukunft begleiten. Das wird vor allem auch daran deutlich, daß er wie ein Schutzschild über Ihrer Ehe sein will.

Es gibt ja Manches, das eine Ehe gefährden kann. Einmal sind es mehr allgemeine Ideen, die gerade in unserer Zeit die Einrichtung der Ehe in Frage stellen. Man versucht, neue Formen des Zusammenlebens zu finden. Doch die gute alte Ehe ist damit noch längst nicht überholt und im Gegenteil nötiger denn je.

Zum anderen sind es die Probleme, die es immer schon gab und auch noch weiterhin geben wird. Da sind die Menschen, die sich in eine Ehe hineindrängen wollen, um sie zu zerstören. Da sind die Arbeit und die Pflichten des Alltags, die das Miteinanderleben in der Ehe zu kurz kommen lassen. Da sind die Eigensucht und die Bequemlichkeit eines jeden von uns, die die guten Seiten der Ehe wieder verdecken und ihren Sinn manchmal in'' Frage zu stellen' scheinen.

Gott will uns davor bewahren. Er hat uns das Gebot gegeben: „Liebe deine Nächsten wie dich selbst!“ In der Ehe, dieser engstem Gemeinschaft der Menschen, kann man das am ehesten üben. Man kann alle Vorzüge eines Lebens zu zweit genießen. Aber man muß mit Gottes Hilfe auch mit den Schwierigkeiten fertigwerden. Nur wo wir ganz versagen würden, da hält Gott mit seinem Schutzschild die Gefahren von uns fern und verhilft uns zu einem sicheren Weg durchs Leben.

In dem Psalmvers heißt es ja: „Der Herr gibt Gnade und Ehre!“ Es ist schon eine Gnade, daß man nicht allein durchs Leben gehen muß, sondern mindestens noch einen Menschen hat, der zu einem hält. Und das alles wiederum steht unter dem höheren Schutz Gottes. Oft können wir uns unter dem Wort „Gnade“ nur wenig; vorstellen. Aber wenn es in einer Ehe gut geht, dann haben wir ein gutes Beispiel dafür, wie sich Gottes Gnade sichtbar an Menschen auswirkt.

Es ist auch Gnade, wenn uns sonst so allerhand im Leben gelingt: wenn wir im Beruf vorankommen, wenn wir gute Freunde haben, wenn wir mit den Verwandten gut auskommen, wenn wir gesund bleiben, wenn man Kinder haben darf. Es wird für Sie darauf ankommen, auf solche Gnadenzeichen zu achten und Gott Ihre Dankbarkeit dafür zu zeigen.

Damit ehren wir Gott und werden auch selber geehrt. Es ist keine Schande, wenn man sich auf die Hilfe eines Größeren verläßt. Gerade Gott gegenüber ehrt es den Menschen, wenn er seine Grenzen erkennt und alles in Gottes Hände legt. Letztlieh wird diese Haltung auch von anderen Menschen anerkannt werden. Sie werden einem solchen Ehepaar mit Ehrerbietung entgegentreten und einem solchen Vorbild nacheifern wollen.

Es braucht sich keiner zu schämen, daß er aus Anlaß der Eheschließung in die Kirche geht und diesen Tag mit einem Gottesdienst begeht. Es ist im Gegenteil eine große Ehre, wenn man hier im Angesicht der Gemeinde als christliches Ehepaar eingesegnet wird. Das hat seine Auswirkungen auf das ganze Klima in der Ehe und wird manches leichter machen, im Verhältnis der Eheleute zueinander wie auch im Verhältnis zu anderen Menschen.

Wer es mit dem Glauben und mit der Trauung ernst meint, für den gilt auch die Verheißung: „Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen!“Ein „Frommer“ ist nicht ein Mensch, der sich aus der Welt zurückzieht und mit den Freuden des Lebens nichts zu tun haben will, sondern ein Mensch, der sich zu Gott hält und von ihm alles Gute erwartet.

Wenn Sie in diesem Sinne „fromm“ sein wollen, dann wird es Ihnen auch nicht an' Gutem in Ihrer Ehe fehlen. Das verheißt Gott Ihnen heute am Tag Ihrer Trauung, damit Sie sich alle Tage Ihrer Ehe darauf verlassen können: „Gott der Herr ist Sonne und Schild; der Herr gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen!“

 

 

„Weise mir, Herr, deinen Weg, daß ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, daß ich deinen Namen fürchte!“                                                                                                                                                      (Ps 86,11)

An bestimmten Wendepunkten des Lebens überlegt man sich schon, wie es weitergehen soll. Auch wenn man manchmal ziemlich in den Tag hinein lebt, so muß man doch gelegentlich einmal innehalten und über alles nachdenken. Schließlich sind wir ja Marschen, die bewußt leben und ihr Leben selbst gestalten können und dürfen.

Die Eheschließung ist eine solche Weichenstellung. Einen solchen Schritt tut man nicht unüberlegt. Aber man muß dabei auch schon ein Stück in die Zukunft sehen, muß sich Pläne für die Zukunft machen. Vielleicht hören Sie auch manchen guten Rat in diesen Tagen, manchen gutgemeinten H:inweis und viele gute Wünsche. Schließlich nimmt ja doch mancher Anteil an Ihrem persönlichen Schritt.

Sie dürfen dankbar sein, wenn sich auch andere um Sie kümmern. Aber letztlich muß man sich doch immer selbst entscheiden. Das Psalmwort aber spricht von einem, der auch mitreden will und sogar auch mitreden darf: Es spricht von Gott, dem Herrn, der uns geschaffen hat und der uns auch die Ehe gegeben hat, damit wir es leichter haben sollen im Leben. Gott will nicht, daß der Mensch allein sei. Er soll zumindest noch einen Partner haben, auf den er sich auf alle Fälle verlassen kann.

Die Ehe ist also ein Geschenk und eine Hilfe Gottes. Doch zunächst einmal ist sie mehr ein Angebot. Was wir daraus machen, ist mit in unsre Hand gelegt. Richtig werden wir es wohl machen, wenn wir Gott tatsächlich bitten: „Weise mir, Herr, deinen Weg!“ Gott will nicht nur einmal an einem solchen Punkt wie einer Hochzeit mit uns zu tun haben, sondern er will uns begleiten an jedem Tag unserer Ehe.

Gott will uns auf s e i n e n Weg führen. Dieser wird nicht immer mit unseren Vorstellungen übereinstimmen. Wir haben oft so unsere eigenen Ansichten und Päane. Aber diese müssen nicht immer die richtigen sein. Gott weiß besser, was gut für uns ist und wovor wir uns besser hüten sollten. Eine Richtschnur sind seine Gebote und überhaupt‚ was seinem Wort gesagt ist. Deshalb wollen wir heute besonders auf dieses Wort Gottes hören. Es gibt uns etwas, das über unsere menschlichen Wünsche hinausgeht und was zuverlässiger ist als das Wort der Menschen.

Allerdings werden uns keine Einzelanweisungen für jeden Fall gegeben. Wir werden immer wieder fragen müssen, was denn nun wahr ist, was die Wahrheit Gottes ist. Gott will uns ja nicht unfrei machen, sondern an den Entscheidungen beteiligen. Er hat uns ja so geschaffen, daß wir nicht irgendwelchen Trieben und Instinkten folgen‚ sondern mit Verstand und Überlegung an die Dinge herangehen.

Mit anderen Worten: Gott läßt uns eine große Freiheit. Er setzt Grenzwerte, gibt uns Richtlinien; aber erst einmal läßt er uns viel freie Hand. Das gilt auch besonders für einen Ehe. Da gibt es viele Dinge, die von dem Ehepartner nach rein menschlich-praktischen Gesichtspunkten entschieden werden. Aber man kommt auch an grundsätzliche Fragen, wo es nicht mehr nach menschlichem Gutdünken gehen kann.

Es wäre nicht recht, wenn man im gegenseitigen Einvernehmen übereinkäme: „Wir sehen die Ehe nur als eine Formsache an‚ jeder kann auch weiterhin seiner Wege gehen, und mit der Treue nehmen wir es nicht so ernst!“ Das würde nicht nur gegen den Geist einer Ehe verstoßen‚ sondern vor allem auch gegen den Willen Gottes. Gott weiß, weshalb er uns vor solchen Experimenten warnt. Dadurch würden wir uns selbst zerstören und das Geschenk Gottes miß­achten. Besser ist es, wenn wir uns die Bitte des Psalms zu eigen machen: „Erhalte mein Herz bei dem einen!“

Wer im Sinne Gottes leben will, der richtet sich nach Gottes Willen. Damit wird er gut fahren in seinem Leben und in seiner Ehe. Und wenn es einmal schwierig wird, dann dürfen wir Gott anrufen und ihn um Hilfe bitten. Wenn man einen Höheren über sich weiß, wird man die Ichsucht leichter überwinden können und auch einmal auf einen anderen eingehen.    

Gottes Namen fürchten wir dann, wenn wir ihm danken für all das Gute in unserem Leben‚ aber auch wenn wir ihm unsere Probleme vorlegen im Gebet und ihm die Zukunft anbefehlen. Gott freut sich sicher, wenn Menschen da sind, die nach ihm fragen und sich von ihm helfen lassen wollen.       

Im Vertrauen auf diesen Gott dürfen auch Sie Ihren Weg gehen. Er wird Ihnen den richtigen Weg zeigen, der zur Wahrheit führt. Mit Gott wird Vieles leichter gehen. Gewiß wird er nicht alle Steine aus dem Weg räumen. Aber er wird über manche Berge hinweghelfen. Auf diesen Gott können wir uns verlassen, auf ihn dürfen wir vertrauen

 

„Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich und seine Wahrheit verkündigen mit meinem Munde für und für!“                                                                                                                                                                        (Ps 89,2)

Es ist schon eine Gnade des Herrn, wenn man hier vor den Altar treten darf, um auf Gottes Wort zu hören, um zu beten und um den Segen Gottes für seine Ehe zu empfangen. Den an­deren, die nicht getraut werden, entgeht da wirklich etwas, das eine Hilfe für ihre Ehe sein kann.

Aber allein das ist schon eine Gnade, daß man überhaupt einen Menschen finden darf, der zu einem hält. Natürlich kam mal sich auch all ein durchs Leben schlagen. Viele müssen es ja. Aber sie werden sicher davon erzählen können, wie schwer das ist. Man braucht doch einen Menschen, mit dem man sich aussprechen kann, den man um Rat fragen kann und der einem in schwierigen Fällen zur Seite steht.

Wie schlimm muß das für einen alleinstehenden Menschen sein, wenn er abends nach Hause kommt und die Wohnung ist leer und kein Mensch da, mit dem man einmal reden könnte. Dann ist das Leben doch so öde, daß man beinahe keinen Sinn mehr darin sieht.

Doch Sie haben die Ehe geschlossen und damit öffentlich kundgetan: Wir wollen immer beieinander bleiben! Und in der Trauung wird nun noch gesagt: „Der Ehepartner ist dir von Gott armvertraut!“ Man muß sich einmal überlegen, was das bedeutet: Diese ganz persönliche menschliche Entscheidung soll aus dem Willen Gottes kommen!? Doch das muß sich nicht widersprechen: Wir können unsere persönliche Wahl ja als ein, Handeln Gottes verstehen, zumindest nachträglich.

Wenn wir aber anerkennen, daß Gott im Hintergrund steht, dann haben wir auch Grund, ihm zu danken. Zunächst einmal dafür, daß er uns den Richtigen und die Richtige hat finden lassen. Aber dann auch für die Hilfe und das Geleit; das er uns bei der Trauung anbietet. Gott gibt Ihnen heute aus freien Stücken sein Versprechen, daß er Sie an jedem Tag Ihrer Ehe unterstützen will.

Wo gibt es das denn sonst noch in der Welt, daß einer etwas gibt, ohne etwas dafür zu verlangen? Unter uns Menschen heißt es: Gleiche Ware, gleiches Geld. Aber wir wissen ja: Schon unter Partnern kann man nicht so denken und sich gegenseitig die Verdienste aufrechnen.

Wieviel mehr wird das dann bei Gott so sein, dem wir nichts bieten können und der uns doch alles schenken will, gerade für ein so schwieriges Unternehmen wie eine Ehe.

Deshalb werden Sie nun aufgefordert, von der Gnade des Herrn, zu singen und zu sagen. Und das nicht nur an einem Tag, wie heute, an dem man frohgestimmt ist und an dem einem zum Singen zumute ist, sondern an jedem Tag Ihrer Ehe. Es können ja auch einmal schwere Tage kommen, wo man nicht mehr singen möchte.

Aber irgendwo ist dann immer noch etwas Erfreuliches. Grund zum Danken hat man trotz allem an jedem Tag. Wenn wir nur die Augen aufmachen und nicht alles als selbstverständlich hinnehmen‚ werden wir vieles entdecken, was uns Mut zum Singen macht.

Das ist die Wahrheit, die wir jeden Tag zu verkündigen haben: Gott ist ein gnädiger Gott, der uns bewahren will vor dem Argen und der uns auf den richtigen Weg führen will. Wenn wir um seine Hilfe bitten und seinen Segen erflehen‚ dann läßt er uns nicht im Stich.

Wer das in seinem Leben erfahren hat, der hat dann aber auch die Pflicht anderen davon weiterzuerzählen. Noch wichtiger ist aber, daß wir mit unserem ganzen Lebenswandel deutlich machen, zu wem wir gehören und wem wir alles verdanken. Das wirkt mehr als alle Predigt und ist anschaulicher als alle blassen Worte.

Sie müssen damit rechnen, daß andere Menschen Sie danach beurteilen, wie Sie Ihre Ehe führen: ob es nur ein Leben zu zweit ist, wie es auch Ungläubige miteinander haben, oder ob Gott mit dabei ist und erst allem die Richtung gibt. Wer hier getraut ist, an den werden ganz andere Maßstäbe angelegt: Er wird gefragt, ob er seinen Glauben nicht nur äußerlich demonstriert, sondern ob er ihn auch lebt. Erst in unserem Alltagsleben wird das ja konkret und anschaulich, was wir sonst nur reden oder hören.

Ein berühmter Theologe hat einmal gesagt: „Die Ehe ist das erste Spielfeld der Mitmensch­lichkeit!“ Hier kann man denn nicht mehr nur von Mitmenschlichkeit reden, sondern man muß sie auch leben. Hier kann man auch üben, wie man dann mit anderen Menschen auskommen will.

Aber hier kann man auch üben, wie man nun gemeinsam Gott loben kann. Wenn Ihnen Ihre Trauung etwas bedeutet, dann machen Sie Ihr ganzes Leben zu einem einzigen Lob Gottes. Gerade in kleinen Dingen zeigt sich, wie ernst wir Gott nehmen.

Auf der anderen Seite aber dürfen wir wissen: Gott gibt uns Grund zum Loben. Seine Treue und Hilfe will uns zu dem Bekenntnis führen: „Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich!“

 

„Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem chatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe!“                                                                                                       (Ps 91,1-2)

Gott hatte schon längst mit uns zu tun, ehe wir etwas davon wußten. Er hat uns ins Leben gerufen er hat uns in der Taufe zu seinem Kind angenommen. Wir können deshalb mit den Worten dieses Psalms sagen, daß wir unter dem Schirm des Höchsten sitzen. Ein Schirm behütet uns vor den Unannehmlichkeiten der Witterung, vor Wind und Regen. Und so will Gott uns auch vielfach vor den Stürmen des Lebens schützen, will seine Hand schützend über uns halten wie ein Schirm, damit uns nichts zustößt.

Der zweite Satz sagt noch einmal das Gleiche aus: „Wer unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt!“ Aber hier ist nun das Bleiben bei Gott betont. Es nutzt uns ja nichts, wenn wir einmal mit Gott in Berührung gekommen sind und nachher passiert lange nichts mehr; dann war ja eigentlich auch der Anfang vergeblich gewesen. Es kommt auch darauf an, daß wir an Gott dranbleiben.

Die Trauung ist eine Gelegenheit, wieder einmal mit Gott in Berührung zu kommen. Hier hören wir Gottes Wort und beten zu ihm; hier wird uns auch ganz persönlich sein Segen zugesprochen. Die Trauung ist deshalb ein Bekenntnis zu dem Gott‚ der unser Leben schon immer begleitet hat und noch erhält.

Wenn wir bei ihm bleiben, dann bleibt er auch bei uns. Ja, selbst wenn wir einmal von ihm weggegangen sind, dann geht er uns doch nach und will uns wieder für sich gewinnen. Gottes Schirm bleibt immer bestehen; nur wenn wir von ihm fortlaufen werden wir nicht mehr von ihm beschützt werden.

Deshalb ist es gut, wenn man sich bei einem so wichtigen Ereignis wie der Hochzeit dorthin begibt, wo Gott sicher zu finden ist. Wer hier im Gotteshaus ist, der möchte auch unter der Hand Gottes bleiben. Mit der Trauung ist man auf dem richtigen Weg, das fortzuführen, was mit der Taufe begonnen hat.

Wer sein Leben in diesem Sinne einrichtet, der kann dann auch sagen: „Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe!“ Hier haben wir nun ein drittes Bild, um zu beschreiben‚ was Gott für uns bedeutet: Gott ist wie eine Burg, hinter deren starken Mauern man bei Gefahr Zuflucht finden kann.

Es gibt auch Kirchen, die gleichzeitig Wehrburgen waren. Daran kann man sich noch deutlicher machen, daß Gott ein Schutz ist gegen die äußeren und inneren Gefahren die unser Leben bedrohen.

Doch wir wollen das nicht verstehen im Sinne des Satzes „Mein Haus ist meine Burg!“ Es wäre schlecht, wenn man sich als Ehepaar einigelte und nur noch die privaten Interessen im Auge hätte. Wir leben zusammen mit anderen Menschen, mit der Verwandtschaft, Nachbarschaft, mit Freunden und Kollegen. Ein christlich getrautes Ehepaar ist auch immer Teil einer christlichen Gemeinde und darf sich eingebettet wissen in die Gemeinschaft derer, die auch schon an diesem Altar gestanden haben und den Segen Gottes für ihre Ehe empfangen haben.

In der christlichen Gemeinde wird auch vieles von dem konkret, was Gott Ihnen heute verspricht. Dort kann man Gottes Wort hören, das doch vielfach schon Wegweisung und Hilfe gibt. Dort kann man aber unter Umständen auch Menschen finden, die aus ihrem Glauben heraus einmal einen persönlichen Rat geben können. In der Kirche geht es um Vergebung und Neuanfang - al es Dinge, die man auch für das Zusammenleben in der Ehe braucht.

Es ist nicht immer einfach im Leben. Aber im Glauben hat man einen festen Halt, eine Zufluchtsstätte, wo man sich wieder erholen und aufrichten kann. Auf andere Dinge und Menschen kann man sich oft nicht verlassen. Gott aber bleibt immer derselbe. Mit seiner Güte und Treue bleibt er immer den Menschen zugewandt. Gerade auch wenn man so etwas Neues beginnt wie eine Ehe will Gott mit seinem Beistand nahe sein. Wie eine Burg will er das gemeinsame Leben zweier Menschen umschließen und gegen Angriffe von außen schützen.

Wer seine Zuversicht auf diesen Gott setzt‚ der wird es gut bei ihm haben. Er kann ohne Angst der Zukunft entgegensehen und darf sein Leben und seine Ehe in der Hand Gottes geborgen wissen. Heute beginnt ein neuer Abschnitt in ihrem Leben. Möge es auch ein Leben mit Gott sein!

 

 

„Herr, mich verlangt nach deinem Heil, und ich habe Lust an deinem Gesetz. La0 meine Seele leben, daß sie dich lobe und deine Rechte mir helfe!“                                                                                                                                            (Ps 119,174-175)

 Sicherlich freut Gott sich darüber, wenn einer nach seinem Heil fragt. Und sicherlich freut er sich auch darüber, wenn jemand getraut werden möchte. Man kann ja auch ohne Gott eine Ehe führen und muß sich dabei nicht einmal unbedingt daneben benehmen. Viele gehen diesen Weg und sind doch von den anderen geachtet.

Wer aber getraut wird, fragt nach Gott und nach dem Heil Gottes. Ja, der braucht es sogar zum Leben wie das tägliche Brot. Es sind so viele Dinge, nach denen wir verlangen: Glück und Zufriedenheit, Ruhe und Wohlstand. Alles ist gut und nützlich für unser Leben. Aber was nützt es uns, wenn wir an dem Heil Gottes vorübergehen? Doch umgedreht läßt sich auch sagen: Wer nach dem Heil Gottes verlangt, dem wird all das andere auch zuteil.

All das andere kann uns ja doch nicht helfen. Wir sagen zwar: Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt! Doch Sicherheit Kann es uns nicht geben. Das Gleiche gilt vom Besitz oder von der Gesundheit. Sehr schnell kann alles dahin sein und dann zählt nur noch das, was wir an Gott haben.

Gott verspricht uns seinen Beistand in den Gefahren des Lebens. Man weiß ja nie, was der nächste Tag bringen wird Aber wir dürfen nimmer wissen, daß Gott dann da ist und uns begleiten will und uns durch sein Wort dann Rat und Weisung geben will. Besonders deutlich wird das ja am Beispiel der Ehe und dem, was am Anfang der Bibel darüber gesagt ist. Dort heißt es: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei! Gott gibt uns den Gefährten, damit wir nicht so einsam sind und auch immer einen menschlichen Helfer haben.

Aber Gott gibt den Menschen auch seine Gebote. Er gibt ihnen sogar speziell ein Gebot für die Ehe. Diese Weisungen sind nicht harte Vorschriften, sondern zu unserem eigenen Schutz eingerichtet: sie sollen uns vor anderen und vor uns selber schützen.

Wir haben sie dann richtig verstanden, wenn wir wie hier in diesem Psalm sagen können: „Ich habe Lust an deinem Gesetz!“' Meist verstehen wir es doch umgekehrt: daß das Gesetz etwas Starres und Totes ist und unser Leben nur behindert. Aber der Beter dieses Psalms sieht es anders: Das Gesetz ermöglicht uns ein menschenwürdiges Leben, das außerdem auch noch Gott wohlgefällt. Wenn wir uns an diese Richtschnur halten, dann wird unser Weg auch richtig verlaufen, weil er ein Weg mit Gott ist.

Wenn wir in diesen Sinne uns verhalten, dann werden wir auch leben können. Dann wird sich auch dieser Wunsch erfüllen: „Laß meine Seele leben, daß sie dich lobe!“ Keiner weiß, wie lange er noch zu leben nat. Aber wenn das so ist, dann kommt es umso mehr darauf an, daß es ein Leben mit Gott war und dem Lob Gottes diente.

Man kann Gott loben mit Worten, mit Liedern, mit Bildern und mit vielem anderen Man kann ihn aber auch loben mit seinem ganzen Leben. Man kann ihn zum Beispiel loben mit seinem Verhalten in der Ehe. Wer hier in der Kirche getraut wurde, der muß damit rechnen, daß viele Leute ihn kritisch unter die Lupe nehmen. Wer sich hier öffentlich zu Gott bekannt hat, den wird man dann auch nachher danach fragen, ob er im Sinne Gottes gelebt hat oder ob er sich nachher nichts mehr daraus machte.

Umgedreht kann ein gottesfürchtiges Leben auch andere von der Wahrheit der göttlichen Botschaft überzeugen. Vielleicht .haben wir aber manchmal den Eindruck, als hätten wir bisher noch nicht sehr viel auf diesem Gebiet geleistet. Dann ist jetzt Zeit und Gelegenheit zu einem Neuanfang.

Der Beter des Psalms jedenfalls bittet darum, daß Gott ihm noch viele Jahre geben möge, damit er das Lob Gottes verwirklichen kann. Alle unsre Jahre nehmen wir als ein Geschenk von Gott in Empfang. Mögen sie nur alle erfüllt sein vom Lob Gottes, dann haben sie Sinn gehabt; andernfalls hat es sich nicht gelohnt, so lange zu leben.     

Der Beter des Psalms weiß aber auch, daß Gott dazu helfen muß. Er will sich ja gern an das Wort Gottes halten. Aber er bittet auch darum, daß das Recht Gottes ihm hilft und ihm Gerechtigkeit widerfährt. Wir als Christen wissen heute besser, was Recht und Gerechtigkeit bedeutet. Dazu gehört nicht nur der strafende Zorn Gottes, sondern vor allem auch seine nicht endende Liebe. Gott läßt uns Gerechtigkeit widerfahren, indem er uns von sich aus zu Gerechtfertigten macht.

Wenn wir das wissen, können wir ihn auch loben und mit ruhigem Gewissen unser Leben führen. Gott vernichtet uns nicht und gibt uns nicht dem Tode preis, sondern er läßt uns leben, wie es seinem Willen und meist auch unsren Wünschen entspricht. Gott will uns nicht kleinliche Vorschriften machen, sondern er will uns frei machen. Die Ehe aber ist das Spielfeld, wo wir diese Freiheit im Angesicht Gottes leben dürfen.

 

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt vor dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!“                                                                                                                                                 (Ps 121,1-2)

„Wozu braucht man die Hilfe anderer, wenn man heiratet?“ wird sich mancher fragen. Das ist doch ganz und gar eine Privatsache, die man auch ganz allein bewältigen kann. Da braucht man keinen anderen Menschen dazu, da braucht man auch Gott nicht dazu. So denken sicher viele und handeln auch danach.

Sicherlich beruht eine Eheschließung zunächst einmal auf dem Willen zweier Menschen. Sie haben sich gefunden und haben beschlossen: Wir wollen zusammenbleiben! Und doch kann man diese höchst persönliche Entscheidung nachher als eine Fügung Gottes verstehen und glauben: Gott hat es so gewollt, daß gerade diese zwei sie gefunden haben.

Aber mit der Hochzeit ist es ja nicht getan, sondern da geht es erst richtig los. Sehr schnell wird man spüren, daß man hier Hilfe gebrauchen kann. Es wird noch einmal alles anders als in der Zeit vorher. Dann ist wieder Alltag. Das Hochzeitsfest geht bald vorüber. Aber der Alltag ist erst das Schöne in der Ehe, weil sie hier erst ihre Kraft beweisen muß.

Die Bewährung zeigt sich in dem kleinen Freuden und Laste n eines jeden Tages. Aber gerade bei dem täglichen Kleinkram kann man erst langsam zusammenwachsen und immer wieder Neues an dem anderen entdecken. Gerade wenn es anfangs noch schwer ist, wird man viel von dem anderen kennenlernen. Vielleicht sind noch große Anschaffungen zu machen (Wohnung), so Vieles ist erst noch zu erringen, was eben zu einer Ehe gehört. Trotzdem sollte keiner Angst haben vor diesem Schritt. Manchmal ist es ganz gut, wenn einem die gebratenen Tauben nicht gleich in den Mund fliegen, sondern man sich alles erst erringen muß. Das schweißt zusammen für die Zeit danach. Das zeigt erst, wo die Vorteile einer Ehe liegen, nämlich im gemeinsamen Bewältigen die Schwierigkeiten und Aufgaben.

Es werden auch einmal harte Tage kommen, vielleicht Krankheit oder wirtschaftliche Not. Man muß erst noch seinen Platz finden, an den man gehört: den Platz im Verhältnis der Ehepartner untereinander, aber auch den gemeinsamen Platz der Eheleute in der Verwandtschaft und Gesellschaft. Das wird sich erst langsam alles einspielen.

Dann ist es vielleicht verständlich, daß man sehr wohl die Hilfe Gottes zu seiner Ehe brauchen kann. Wenn man vielleicht auch am Anfang meinen könnte, er sei nicht so nötig, so wird er doch sehr bald nötig werden. Und deshalb ist es gut, die Ehe gleich von Anfang an unter den Schutz Gottes zu stellen.

Es braucht keiner zu schwarz zu sehen. Es mag manche Stürme im Leben geben. Aber Gott steht auf unsrer Seite. Der erste Satz dieses Bibelspruches, der Ihr Trauspruch sein soll, lautet ja: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt!“Gemeint ist damit: „Ich halte Ausschau nach Gott, denn nur von dort her kann mir entscheidende Hilfe kommen!“

Man kann diesen Satz auch anders übersetzen, nämlich: „Woher kommt mir Hilfe?“ Es mag wirklich für manchen noch unklar sein, woher ihm Hilfe kommen könnte und wer das ist, der uns in unserer Ehe und in unserem ganzen Leben helfen könnte. Sicherlich bietet Ihnen auch mancher seine Hilfe an. Es ist auch schön, wenn man Eltern und Schwiegereltern hat, die mit ihrem Rat und ihrer Erfahrung helfen können. Es ist schön, wenn man sich. Im Kreis von Freunden wohlfühlen darf, wenn man Menschen hat, den mag und vertrauen kann und die manchem wichtigen Hinweis geben.

Aber wir wissen doch alle, daß man sich im Gespräch von Mensch zu Mensch unter vier Augen am ehesten für alles öffnen kann, was einen selber und was den anderen bedrückt. Deshalb hat Gott ja die Ehe eingesetzt, damit man vor e i n e m Menschen keine Geheimnisse zu haben braucht und damit man wenigstens von einem Menschen immer Hilfe durch Rat und Tat erfahren wird.

Sie können sich aber nur wirklich untereinander helfen, wenn Sie sich von Gott helfen lassen. Der zweite Satz dieses Spruches lautet ja: „Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!“ Das ist das Bekenntnis eines Menschen, der solche Hilfe wirklich erfahren hat. Er weiß genau: Hilfe kommt nicht von irgendeinem, der sich als unser Herr aufspielt, sondern von Gott, der nicht nur Himmel und Erde, sondern auch uns gemacht hat und erhält. Versuchen Sie es doch einmal auch in Ihrer Ehe mit diesem Gott, der Ihnen Kraft und Hilfe geben kann. Bringen Sie Ihre Bitten im Gebet vor ihn und danken Sie ihm für alles, was er Ihnen täglich schenken wird.

 

„Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!“       (Ps 124,8)

Wenn man eine Ehe eingeht, dann beruht das zunächst einmal auf einem ganz persönlichen Entschluß der Ehepartner. Sie haben sich eben gefunden und mit Gott scheint das überhaupt nichts zu tun zu haben. Also könnte man auch die Ehe beginnen, ohne daß man nach Gott fragt. Selbst Luther hat ja einmal gesagt: „Die Ehe ist ein weltliches Geschäft!“

Dennoch begehen wir diesen Tag auch in der Kirche. Bei der Trauung wird eine schon be­stehende Ehe - auch wenn sie erst einige Stunden alt ist - dem besonderen Schutz Gottes unterstellt. Man kann natürlich auch ohne Gott seine Ehe führen und es kann durchaus auch eine gute Ehe sein. Aber wenn man getraut wird, hat man eine zusätzliche Hilfe. Das ist einmal ein großes Geschenk, das Ihnen da am Anfang Ihrer Ehe gemacht wird, mehr als alle Hochzeitsgeschenke, die man an so einem Tag kriegt. Gott stellt sich aus freien Stücken hinter Sie und will Ihrer Ehe Halt und Freude geben. Wir können uns das nicht selber verdienen; aber Gott handelt eben so, daß er sich für uns erklärt und uns beistehen will.

Zum anderen bringt das aber auch eine Verpflichtung mit sich. Wer hier getraut wird, legt damit indirekt ein offenes Bekenntnis ab zu dem Gott, der Himmel und Erde gemacht hat und der unser aller Gott ist. Er bring damit zum Ausdruck: Wir sehen unsre Ehe nicht allein als eine menschliche Privatangelegenheit an, sondern wir wollen sie gleich von Anfang an im Namen Gottes beginnen.       

Natürlich kann man auch anderswo Anlehnung und Hilfe suchen. Da sind zunächst einmal die Eltern und Schwiegereltern. Auch wenn die natürlich nicht in die Ehe hineinregieren wollen und dürfen wird man doch ihren Rat gern annehmen. Dann hat aber auch jeder gute Freunde und Bekannte, an die man sich wenden kann. Schließlich gibt es sogar staatliche und kirchliche Eheberatungsstellen, wo man sich notwendige Fachkenntnisse holen kann.

Viele Dinge muß man aber auch mit            sich selber abmachen, weil sie so privat sind, daß niemand anders sie erfahren darf. Das gibt es natürlich auch und das muß so sein. Es gehört ja gerade mit zum Leben der Ehe, daß man zwar Geheimnisse gegenüber anderen hat, aber keine Geheimnisse untereinander.

Nur vor Gott können und sollen wir keine Geheimnisse haben. Vor ihn gehört aller Dank, den wir in schönen Stunden empfinden. Vor ihn gehört aber auch alle Sorge, die uns .manchmal das Herz schwer macht. Hier ist noch ein Dritter mit im Bunde, der uns über unsre begrenzte persönliche Sicht hinweghilft.  

Eigentlich ist es verwunderlich, daß ausgerechnet Gott sich um die kleinen Probleme der Menschen kümmern soll. Aber es ist nun einmal so: Der Herr, der Himmel und Erde gemacht hat, kommt sich nicht zu groß vor, als daß. er sich nicht um jeden einzelnen Menschen kümmern könnte. Im Gegenteil: Wer so etwas Großes geschaffen. hat, der müßte doch auch mit den kleinen Dingen unseres Alltags fertigwerden. So einen Gott haben wir eben, dem das Große nicht zu groß und das Kleine nicht zu klein ist.

Diesem Gott wollen Sie sich nun anvertrauen. Vielleicht kann dieser Psalmvers auch zu ihrem persönlichen .Bekenntnis werden: „Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!“ Andere mögen sich. anderswo Hilfe holen. Aber die letzte und sicherste Hilfe kommt von Gott.

Wir wissen ja nicht, was einmal alles über diese Ehe kommen wird. Auf jeden Fall werden auch einmal trübe Tage kommen und Schwierigkeiten auftauchen. Dann aber dürfen Sie ihre Sorgen ganz unbekümmert vor Gott bringen - er wird Ihnen schon weiterhelfen.

Heute aber wollen wir .zunächst einmal danken für all das, was so einem jungen Ehepaar alles von Gott versprochen wird. Sie dürfen dafür danken, daß Gott Sie zusammengeführt hat und Sie nun zu einem Ehepaar zusammenwachsen dürfen. Sie haben nun die Möglichkeit, einander zu helfen ihre starken Seiten dem anderen zur Verfügung zu stellen und an schwachen Stellen sich vom anderen helfen zu lassen. Aber außerdem wird auch Gott .bei Ihnen sein in allem, was Sie tun.

Auf den Namen dieses Gottes sind Sie getauft worden. In seinem Namen sind Sie konfirmiert worden. Nun soll auch Ihre Ehe unter seine gnädige Hand gestellt werden. Deshalb dürfen Sie auch getrost und mit Zuversicht in die Zukunft schauen. Der Gott, der sich heute an Sie bindet, der wird Sie auch begleiten ein Leben lang. Ihm dürfen Sie sich anvertrauen und alles unterstellen. Er wird es schon richtig machen.

 

„Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen!“         (Ps 127,1)

Sie haben vor, ein Haus zu bauen und sich somit eine Wohnung zu schaffen. Wir wissen alle, wie schwierig ein solches Unternehmen ist. Aber wenn es notwendig ist, hilft ja alles nichts, dann muß man diese Mühen eben auf sich nehmen.

Wir wissen aber nun alle: Ein Haus braucht ein gutes Fundament. Wenn man da nicht sorgfältig genug ist, nutzt der ganze Hausbau nichts. Wenn man da schnell machen und Geld sparen will, wird nachher nur alles umzog komplizierter. Erst muß ein richtiger Grund gelegt werden. dann wird auch das andere etwas.

Das Gleiche gilt aber nun auch für eine Ehe: Sie muß von Anfang an das richtige Fundament haben, sonst läuft alles schief. Wenn man den richtigen Anfang verfehlt hat, kann auch das Ende nicht gut werden.

Es gibt ja Vieles, was man zur Grundlage für eine Ehe machen kann. Immer wieder werden empfohlen: Gegenseitige Liebe, Achtung und Treue. Oder: Übereinstimmung in den Lebensansichten. Oder: Gleiche Meinung über Ehe und Familie, über Verwandtschaft und Kinder.

Oder es heißt: Nicht zu große, aber auch nicht zu kleine Spannung der Temperamente. Früher war auch oft das Geld die Grundlage für eine Ehe oder eben der Wille der jeweiligen Eltern. Heute ist das zum Glück nicht mehr so. Aber umzog notwendiger ist es, sich nach neuen und tragfähigen Grundlagen umzusehen.

Die Bibel empfiehlt uns da, auch den Glauben mit in die Ehe einzubeziehen. In dem Psalmvers heißt es: „Wenn der Herr nicht das Haus mit baut, dann ist alle Arbeit der Menschen umsonst!“ Wir können viel tun für eine Ehe, daß sie gut und harmonisch verläuft. Und es gibt ja auch viele gute Ehen von Menschen, die nichts von Gott wissen wollen. Aber so richtig rund wird die Sache doch erst, wenn Gott mit dabei ist.

Wenn man früher ein Haus baute, dann gehörte zur Grundsteinlegung und zum Richtfest ein Gebet dazu. Und in manchen Häusern hängt bis heute ein Bibelspruch an der Wand. Oftmals mag es nur eine schöne alte Sitte sein, bei der man sich weiter nichts denkt. Aber es wird hier doch etwas davon deutlich, daß das ganze Haus unter dem Segen Gottes stehen soll, daß Gott in diesem Haus ein und aus gehen kann.

Das Wort „Haus“ hat ja in der Bibel eine doppelte Bedeutung: Einmal ist das Gebäude damit gemeint, zum anderen aber auch die Bewohner des Hauses, die Familie. Auch beim Zusam­men­wachsen einer Familie will Gott einen Halt geben und Hilfestellung leisten. Sie dürfen ab heute als ein christliches „Haus“, als eine christliche Familie, zur Gemeinde Gottes gehören und von dieser Gemeinde auch Hilfe und Unterstützung erwarten.

Man steht ja als Ehepaar nie ganz allein. Da sind die Verwandten, die Freunde, die Bekannten. Da sind andere Ehepaare, die in der gleicher Lage sind und mit denen man sich vielleicht gut versteht. Da sind auch die anderen Christen, die an dem Geschick so einer Ehe mittragen.

Niemand fängt ganz neu an, sondern wir leben immer auch von dem Erbe unsrer Vorfahren. Kein Mensch fängt ganz von vorne an, sondern er übernimmt zunächst einmal nur. Zunächst richtet er sich nach der Erfahrungen der Vorfahren. Erst allmählich macht er dann auch eigene Erfahrungen

Das Wichtigste aber, das wir vor unseren Vätern übernehmen können, ist der Glaube. Sie sind gut damit gefahren. Und was sich bewährt hat, ist es wert, auch in die Zukunft hinein zu dauern. So wie Sie sind ja schon viele Ehepaare hier an diesem Altar getraut worden und haben den Segen Gottes für ihre Ehe empfangen. Sie hätten das bestimmt nicht getan, wenn nicht doch etwas dran wäre an dem Glauben an Gott.

Sie können es jetzt ja gemeinsam ausprobieren und nachprüfen, ob der Glaube eine Hilfe für das Zusammenleben ist. Die Bibel jedenfalls meint: Man braucht Gott zum Leben. Wenn er nicht mit dabei ist, ist alles andere umsonst; es entsteht dann vielleicht auch ein glänzender Bau, aber in Wirklichkeit ist er hohl und brüchig, seine Benutzung gefährlich.

Deshalb werden Sie heute bei Ihrer Trauung aufgefordert: Fangen Sie ihre Ehe im Namen Gottes an! Werden Sie zu einem „christlichen Haus“, zu einer christlichen Familie. Setzen Sie Ihr Vertrauen ganz auf den Herrn, der zu allem guten Werk seinen Segen geben will! Lassen Sie sich von ihm fördern und leiten, dann wird Ihr Weg auch richtig. Gott jedenfalls macht Ihnen heute die Zusage, daß er mit an Ihrem Leben bauen will. Sie brauchen diese Verheißung nur zu ergreifen und in Ihrem Leben wirken zu lassen.

 

„Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen. Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren. Der Herr behütet alle, die ihn lieben!“                                                                                                                         (Ps 145,18a.19a.20a)

Solange man Kind ist, steht man unter dem Schutz der Eltern. Sie haben die Verantwortung, haben für die. Kinder zu sorgen und setzen Manches ein und bringen viele Opfer. Aber die Kinder wachsen auch heran, können sich selber helfen und machen sich immer mehr selbständig. Das ist nun einmal der Lauf der Welt und auch ganz natürlich und auch von Gott gewollt.

Umso wichtiger aber ist es dann, daß man noch einen Höheren über sich weiß. Daß man nicht mehr unter der Gewalt der Eltern steht heißt ja nicht, daß man nun tun und lassen könnte, was man wollte. Gott als unser himmlischer Vater nimmt uns ja noch mehr in Pflicht. Er möchte, daß wir ihm gehorsam sind und seine Gebote einhalten, nicht nur sein Gebot über die Ehe, sondern auch das Gebot: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!“

Wer Gott ehrt der wird auch seinen Ehepartner und seine Eltern und überhaupt alle Menschen ehren. Die Liebe zu Gott zeigt sich auch darin, wie wir uns anderen Menschen gegenüber verhalten. Man kann ja Gott nicht direkt etwas Liebes tun. Aber im Verhalten zu den Menschen wird anschaulich, wie wir zu Gott stehen. Wenn wir zu ihm gut stehen, dann werden wir uns auch zu den Menschen gut stellen wollen und ihnen Liebes erweisen.

Die Liebe zweier Menschen zueinander kann für uns Sinnbild für die Liebe Gottes zu den Menschen sein. Oder sagen wir es anders: Weil Gott die Menschen liebhat, ist auch menschliche Liebe möglich. Gott hat uns gezeigt, wie man Menschen liebhaben kann: mit ihren Vorzügen und Fehlern, mit ihren starken und schwachen Seiten. Gott kennt uns so, wie wir wirklich sind, ungeschminkt und wahrhaftig.

So sollten sich auch Ehepartner gegenseitig sehen. Ihre Liebe wird auch die kleinen Schwächen des anderen ertragen können und die guten Seiten zu fördern versuchen. Sie wird bereit sein zur Vergebung und zum Mutmachen, zu gemeinsamer Arbeit und gemeinsamer Freude. Sie wird auch helfen zu einem festen Glauben an Gott und zur gegenseitigen Förderung in Glaubensdingen.

Denn darüber sollten wir uns im Klaren sein: Die menschliche Liebe erhält ihre Kraft aus der Liebe Gottes. Unsere Liebe ist umfangen von der Zuwendung Gottes zu uns. Er möchte uns das Vorbild geben und auch Rückenstärkung. Er will jetzt der Hüter über uns sein, wenn die Eltern es nicht mehr tun können.

Allerdings sollten wir nicht meinen, es könne uns gar nichts passieren. Wenn Gott uns auch behütet, so baut er uns doch nicht eine Autobahn durchs Leben, auf der es schnell und bequem vorangehen kann. Gott räumt uns nicht alle Hindernisse aus dem Weg. Wir müssen auch an Krankheit und Enttäuschungen und eigene Fehler denke n. Auch ein Mensch, der es mit Gott hält‚ bleibt vor Unglück und Widerwärtigkeiten nicht versschont.

Aber er wird von Gott Hilfe erfahren, um alles bewältigen zu können. Deshalb hat Gott ja zum Beispiel die Ehe eingerichtet, daß einer dem anderen helfen kann. Der Mensch soll nicht allein sein, sondern mit einem Partner durchs Leben gehen. Aber manchmal reicht menschliche Hilfe auch nicht aus. Dann dürfen wir besonders den Beistand Gottes spüren.        

Gott will ihren heute seinen Segen mitgeben. Sie dürfen sich darauf verlassen, daß das nicht eine Formsache ist, sondern wirklich eine Kraft dahinter steht. Das werden Sie sicher im Laufe der Zeit immer mehr spüren können. Gott hält, was er verspricht. Er erfüllt nicht immer all unsre Wünsche, aber alle seine Verheißungen. Heute verheißt er Ihnen, daß er Ihre Ehe mit seinem Segen begleiten will.

Allerdings wird auch eine Bedingung gemacht: Nur wer Gott liebt, wird auch von ihm behütet werden! Wer sich nicht um Gott kümmert, braucht auch nicht auf Hilfe zu warten, wenn er sie- einmal nötig hätte und ihm dann Gott einfällt. Gott möchte, daß wir ständig mit ihm zu tun haben und in guten und in bösen Tagen alles von ihm erwarten. Er will uns Mut machen, uns an ihn zu wenden und ihn zu bitten.

Er will Ihnen auch Mut machen zu Ihrer Ehe. Sie betreten hier ja Neuland, das sicher noch viele Überraschungen und schöne Seiten mit sich bringen. wird. Vielleicht ist Ihnen auch etwas bange davor. Da sollen Sie sich aufrichten können an diesem Bibelwort: „Der Herr behütet alle, die ihn lieben!“

Wenn wir uns von diesem Wort leiten lassen, werden wir unser Leben leichter bewältigen können mit Gottes Hilfe. Es wird nun an Ihnen liegen, wieviel Sie von dem Angebot Gottes in Anspruch nehmen. Heute ist ein erster Schritt dazu gemacht. Gott möchte Sie ja gerne behüten. Und er wird es tun, wenn Sie ihn lieben und ehren.

 

 

„Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt seinen Schritt!“  (Spr 16,19)                                                                              

Wenn ein Mensch ins Leben tritt dann haben die Eltern so ihre Pläne mit ihm. Das Kind soll es einmal besser haben und möglichst mehr erreichen als die Eltern. Nachher, wenn der Mensch heranwächst, hat er seine eigenen Pläne. Er denkt sich aus, wie alles einmal werde- soll. Meist will er es dann ganz anders machen als die Eltern‚ will einen eigenen Weg gehen.

Das ist auch sicher notwendig für die Selbstfindung.

Für die Eltern ist das nicht immer leicht, ihr Kind innerlich loszulassen. Man fragt sich je doch immer: „Werden die Kinder auch den richtigen Weg finden!“ Man hat ja schließlich allerhand Lebenserfahrung, die man weitergeben möchte. Aber in Grunde muß doch jeder selbst seinen Weg finden.

Doch da geschieht es dann auch, daß sich zwei Lebenswege kreuzen und aus dem Alleinsein eine Ehe wird. Man kann das als eine rein persönliche Entscheidung ansehen: Man hat sich eben kennengelernt, hat sich zunächst nur sympathisch gefunden, dann ist Liebe daraus geworden und der Wunsch, für immer beisammen zu bleiben.

Man kann aber auch sagen: „Gott hat uns den Weg geführt!“ Sicher denkt man bei seiner Wahl zunächst nicht an Gott. Aber zumindest nachträglich kann man es doch-so verstehen: Gott hat es so gewollt, daß wir uns gefunden haben. Wir brauchen uns ja nicht vorzustellen, als greife Gott immer wieder mit großen Aktionen in unser Leben ein. In der Regel wirkt er

in den ganz alltäglichen Vorgängen.

Man denkt vielleicht zunächst gar nicht daran, daß das auch etwas mit Gott zu tun habe könnte. Aber in unsren menschlichen Entscheidungen wirkt Gott mit. Deshalb ist auch heute Grund, ihm zu danken für seine Führung und um weitere Hilfe zu bitten.

Sicher sind auch unsere Phantasie und unser Einsatz nötig. Wir können nicht die Hände in den Schoß legen und sagen: „Der Herr wird' s schon machen!“ Wir sollen, schondenken und unseren Weg plane denn dazu hat uns Gott ja unseren Verstand gegeben. Aber wir werden auch merken, daß wir auch den Beistand eines Größeren brauchen. Wozu sollen wir uns auch allein durchs Leben schlagen, wenn wir doch mit der Hilfe Gottes rechnen können. Er will uns ja gern helfen und bei unserem Leben mit dabei sein.

„Der Herr allein lenkt seinen Schritt!“ Was sich von unseren Plänen verwirklichen läßt, das bestimmt allein Gott. Kleine Kinder wollen ja auch manchmal wohin, wo es für sie gar nicht gut ist. Dann lenken die Eltern sie behutsam um, damit ihnen nichts passiert.

So ist es auch mit den Erwachsenen. Sie wollen auch manchmal einen Weg gehen, den sie zwar für richtig halten, der aber doch irgendwann einmal zum Schaden gereichen würde. Gott sieht schon weiter voraus und kann uns deshalb besser vor Fehltritten bewahren. Auch wenn es manchmal schwer für uns ist‚ alle Führungen Gottes zu verstehen: Wir dürfen doch darauf vertrauen, daß er uns den richtigen Weg führt.

Deshalb dürfen Sie auch entschlossen Ihre Ehe und das Leben in der Familie in die Hand nehmen. Sie dürfen- darauf vertrauen, daß Gott die Ehe will und auch Ihre Ehe will. Ein wenig Ungewißheit ist immer dabei, wenn man so einen Schritt tut. Die Zukunft liegt ja für uns im Dunkel. Man kann sich schon fragen: „Werden wir alles bewältigen, Freude und Leid, Erfolge und Mißerfolge, Neues und Altes?

Aber Gott will unseren Weg erhellen. Sein Wort gibt uns Wegweisung, die Gemeinschaft seiner Kirche stärkt uns, wir erlangen immer wieder Vergebung und die Chance zu einem neuen Anfang. Dadurch wird unser Leben immer wieder befreit und froh und zuversichtlich.

Wenn sich einmal ein Plan nicht hat verwirklichen lassen, dann soll uns das nicht gleich aus der Bahn werfen. Gott wird schon wissen‚ weshalb das alles so ist. Man muß nur darauf vertrauen, daß er das Beste für uns will.

Deshalb können Sie auch unbekümmert in den Alltag Ihrer Ehe hineingehen Mit Gott wird es sicher ein gutes Leben. Viele Einzelheiten werden Sie erst noch miteinander absprechen müssen. Gott schreibt uns ja nicht jeden einzelnen Schritt vor, sondern gibt uns auch viel Freiheit. Aber die große Linie und das Ziel soll und muß er schon bestimmen dürfen.

Wenn wir das anerkennen, wird auch unser Weg gesegnet sein. Dann werden unsere Pläne auch immer mehr in Übereinstimmung mit Gott kommen. Und wenn einmal etwas anders kommt, als wir es gewollt haben, dann werden wir uns auch dem Willen Gottes fügen und einsehen, daß es letztlich gut so für uns ist. Gott will das Beste für uns. Darauf dürfen wir vertrauen und sollten unsere Schritte von ihm lenken lassen.

 

„Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen“                                                                                                                                                        (Mt 6,33)

Sie kommen gerade vom Standesamt. Dort wurde etwas bestätigt, was eigentlich schon länger feststand. Kennengelernt haben Sie sich ja schon früher und haben dabei Ihren Partner fürs Leben gefunden. Das ist wie bei einer politischen Wahl: Das Eigentliche geschieht schon vorher, da fallen die Entscheidungen; der Wahlakt ist dann nur noch eine Formsache, aber er ist dennoch notwendig.

So ist auch der Akt der Erschließung nicht allein das Entscheidende, aber er ist erforderlich. Es wird dadurch ja auch etwas anders, und zwar nach zwei Seiten: Das gemeinsame Leben bringt gewiß viel Schönes mit sich; die gegenseitigen Gaben sollen sich ja ergänzen und so erst zu voller Blüte gebracht werden. Aber es werden auch gewiß viele neue Fragen und Probleme und Schwierigkeiten auftauchen.

Da ruft Ihnen Ihr Trauspruch zu: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen!“ Das hat Jesus gesagt, als es um die Frage ging: „Was werden wir essen, was werden wir anziehen?“ Und Jesus meint dazu: „Bemüht euch lieber in erster Linie darum, zum Reich Gottes zu gehören, dann wird sich das andere von selbst erledigen!“

Für uns heute sind diese äußerlichen Fragen des Lebens auch nicht mehr so wichtig, weil sie in der Regel so einigermaßen gelöst sind. Wir fragen eher: „Wie wird es mit der Aufgabenverteilung in der Ehe? Wie gestalten wir unsere Freizeit? Was wird, wenn wir einmal verschiedener Meinung sind oder uns verkrachen?“

Für solche Fälle gibt es ja sogar Ehe- und-Familienberatungsstellen. Aber auch Gott und Gottes Wort können helfen, die Freuden und Fragen einer Ehe zu bewältigen. Ein solcher Ratschlag ist zum Beispiel Ihr Trauspruch: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes!“ Wie er sich praktisch auswirken könnte, wollen wir uns einmal an einem Beispiel überlegen.    

In dem Spruch kommt das Wort „Gerechtigkeit“ vor. Das ist nicht dasselbe wie „Recht“. Wenn es nach dem Recht geht, dann geht es nach dem Buchstaben des Gesetzes: Wenn 100 Mark Geldstrafe vorgesehen sind, dann wird auch soviel verhängt; wenn einer den anderen umbringt, dann muß er wieder umgebracht werden.

Aber so denkt heute kein Gericht mehr. Es fragt vielmehr nach mildernden Umständen, es berücksichtigt Lebenslauf und Umwelt des Angeklagten, es fragt: „Wie können wir ihn am besten wieder auf den richtigen Weg bringen?“

Wenn es nach dem Gesetz geht, dann kann man fein säuberlich trennen zwischen Recht und Unrecht, zwischen verboten und erlaubt. Aber mit dem Gesetz kann man keine Ehe führen. Die Ehe ist doch auf Liebe aufgebaut. Und die Liebe spricht nicht Recht wie ein übergenauer Richter, sondern fragt: „Was ist hier gerecht? Wie müssen wir uns einigen, damit jede Seite gerecht behandelt wird?“

Mit einem Fremdwort nennen wir das „Kompromiß“. Meist haben wir dabei den Ausdruck „fauler Kompromiß“ im Ohr. Doch in Wirklichkeit geht es um eine lobenswerte Tugend, ohne die man auch in der Ehe nicht auskommen kann. Manchmal muß man zurückstecken, obwohl man im Recht ist. Nicht die Behauptung des eigenen Standpunkts ist die Aufgabe, sondern die Gerechtigkeit. Diese gilt es in der Ehe zu üben. Hier zeigt sich, ob man sich die Gerechtigkeit Gottes zum Vorbild nimmt und nach Gerechtigkeit trachtet oder nach dem vermeintlichen Recht.

Nach dem „Reich Gottes“ sollen wir trachten. Das ist nicht irgendein ferner Bezirk, in den wir hineingelangen müßten. Das Reich Gottes ist da, wo Gottes Liebe, Friede, Gerechtigkeit und Wahrheit unter den Menschen wirklich werden. Dabei können wir alle mithelfen.

Gerade im Alltag der Ehe fallen da die wichtigsten Entscheidungen. Man kann ja nach Vielem trachten: Geld, Lebensstandard, Berufszufriedenheit, Anerkennung, Vergnügen. Das ist alles wichtig, ohne das können wir nicht leben. Aber es muß alles eingeordnet sein in die Frage nach dem Sinn des Lebens und der Ehe.

Gott will uns keine harten Vorschriften machen. Das Gewicht liegt auf der. Fortsetzung des Spruches: „... so wird euch das alles zufallen!“ Dann wird sich alles bewältigen lassen, was an ungelösten Fragen und Problemen kommt. Wichtiger als Gottes Gebot ist seine Verheißung, auch in der Ehe. Was wir dann daraus machen, liegt in unserer Verantwortung. Gott macht ein Angebot: Ihre Liebe darf umschlossen sein von der Liebe Gottes, die sich in seiner Gerechtigkeit zeigt. Mögen auch Sie in Ihrer Ehe die Liebe Gottes spüren, die Ihrer Liebe immer neue Kraft und Zuversicht geben kann!

 

„Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen!“                                                                                                                                                                                        (Mt 18,20)

Der Tag der Hochzeit kann einem vorkommen wie der Gipfel eines Berges. Man ist nicht gleich oben, sondern es braucht alles seine Zeit und man muß schon Geduld haben. Es ist auch alles mit Mühen und Arbeit verbunden und es kostet schon allerhand Schweiß. Aber das läßt sich alles gut überstehen, weil man sich auf das Ziel freut.

Doch wenn man den Gipfel erreicht hat, dann ist damit noch längst nicht alles zuende. Im Gegenteil: Nun soll es doch erst richtig losgehen! Man klettert doch nicht auf der einen Seite einen Berg hoch und rast gleich wieder auf der anderen Seite hinunter. Man behauptet ja, daß das bei vielen so kommt, wenn erst einmal die Flitterwochen vorbei sind.

Wir wollen aber lieber unsren Blick nicht wieder zurück ins Tal lenken, sondern nach vorne in die Zukunft. Heute haben Sie nämlich erst einen ersten Gipfel erreicht. Aber danach kommen noch sehr viel mehr. Jeder Gipfel ist mit neuen Anstrengungen verbunden, aber auch mit neuen Freuden; denn je weiter und höher man kommt, desto besser wird die Aussicht.

Doch von einem Gipfel zum anderen führt nur ein schmaler Weg, ein scharfer Grat, auf dem man entlang balancieren muß. Leicht kann man daneben treten und abstürzen und alles war vergebens. Es ist nicht leicht, auf dem richtigen Weg zu bleiben, aber es ist notwendig und- hilfreich.

Doch was soll man tun, wenn nun doch einer abstürzt? Beide Wanderer sind ja durch ein Seil aneinander gekettet. Wenn einer fällt, droht er den anderen mitzureißen. Da hilft dann nur eins: Auf der anderen Seite hinunterzuspringen - und dann darauf zu vertrauen, daß das Seil hält.

Die Ehe können wir vergleichen mit einer Gratwanderung durchs Gebirge von einem Gipfel zum anderen. Sie stehen erst am Anfang dieser Wanderung. Aber Sie sind vom heutigen Tag an untrennbar miteinander verknüpft: Wenn dem einen etwas zustößt, betrifft es den anderen auch; und wenn der eine etwas Schönes erlebt, dann ist der andere mit dabei. Nun werden Freude und Leid geteilt, nun wird auch einer für den anderen einstehen und gerade das Schwere wird sich leichter bewältigen lassen. Jeder Mensch hat da seine eigenen Gaben. Wenn man die Fähigkeiten zweier Menschen zusammentut, dann erreicht man mehr, als wenn jeder nur für sich allein ist.

Doch eine Ehe ist nicht nur die Privatsache zweier Menschen. Gott will mit dabei sein, sonst brauchte man sich ja auch gar nicht trauen zu lassen. Er ruft Ihnen heute zu: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen!“ Gott ist bei uns, wenn wir hier den Gottesdienst feiern. Er will aber nicht nur am Anfang Ihrer Ehe mit dabei sein, sondern Sie auf Ihrem ganzen Weg begleiten.

Das Großartige daran ist: Gott kümmert sich auch dann um seine Leute, wenn es nur zwei sind. Gerade wenn es nur zwei sind, dann haben sie die Hilfe Gottes besonders nötig. Aber Gott sagt aus freien Stücken: „Ich bin mitten unter ihnen!“ Doch das gilt nicht für jede Ehe schlechthin. Es heißt hier ausdrücklich: „Nur wenn die zwei im Namen Gottes versammelt sind!“

Doch Sie haben heute damit einen Anfang gemacht. Nun können Sie auch auf diesem Wege weitergehen. Mit dem heutigen Tag sind Sie nicht nur eine Familie geworden, sondern auch eine christliche Familie. Nun erwartet man etwas von Ihnen und schätzt Sie entsprechend ein. Aber Sie dürfen auch die Verheißung Gottes hören, die allen gilt, die sich zu ihm halten: „Ich bin mitten unter euch!“

Sie sind auf Ihrer Gratwanderung durch das Leben nicht allein. Wenn es gefährlich wird, können Sie sich nicht nur auf die Unterstützung Ihres Ehepartners verlassen, sondern auch die Hilfe Gottes ist Ihnen sicher. Vielleicht wird er Sie sogar vor einem Stolpern und einem Absturz überhaupt bewahren.

Das Ziel, das auch Ihnen gesteckt ist, ist hoch. Wir wandern alle den gleichen Weg hin zur Ewigkeit Gottes. Der letzte Gipfel ist das Leben bei Gott. Sie stehen heute noch am Anfang Ihres Weges. Aber gerade an diesem wichtigen Punkt dürfen Sie die Verheißung Gottes hören: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen!“

Deshalb wird Ihnen auch heute die Frage gestellt: „Wollen Sie in diesem Namen Gottes bleiben und Ihr Leben und Ihre Ehe in seinem Namen führen, durch alle Höhen und Tiefen hindurch?“ Gott hat sein Wort schon gesprochen. Sie brauchen ihm nur Ihr Ja-Wort zu geben und seine Hilfe zu erbitten, dann werden Sie Schutz und Beistand erfahren.

 

„Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!“        (Mt 19,6)

Man wird nicht so leicht einsehen, daß Gott ein Ehepaar zusammengefügt hat. Man hat sich doch irgendwo kennengelernt, man fand sich nett und es ist Liebe daraus geworden. Und eines Tages hat man den Entschluß gefaßt, für immer beieinander zu bleiben und zu heiraten. An Gott denkt man dabei in der Regel nicht. Man entscheidet und handelt rein nach menschlichen Gesichtspunkten. Das soll ja auch zunächst so sein. Gott läßt uns die Freiheit, uns nach unseren menschlichen Wünschen zu entscheiden.

Eine Trauung ist nicht unbedingt notwendig. Sie ist kein Sakrament wie die Taufe oder das Abendmahl. Und wenn einer nicht in der Kirche getraut ist, dann wird seine Ehe doch kirchlich anerkannt. Man muß nicht getraut sein. Aber es ist doch gut, wenn man getraut worden ist.

Schließlich ist die Eheschließung ja doch ein wichtiger Schritt im Leben. Sie ist eine gute Sache, denn sie bringt viele Vorteile mit sich. Man gewinnt dadurch einen Partner fürs Leben, der versprochen hat, einem immer beizustehen. Es ist auch gut, wenn das alles eine offizielle und öffentliche Form erhält und man nach althergebrachter Weise die Ehe schließt. Zum Glück sind auch die jungen Leute von heute immer noch so altmodisch, richtig zu heiraten und nicht nur einfach zusammenzuziehen.

Leider ist man aber vielfach nicht so altmodisch, wenn man wieder auseinandergehen will. Das wird heute ja auch viel zu leicht gemacht. Das führt dann dazu, daß man sich gar nicht mehr ernsthaft genug prüft, sondern oftmals in eine sogenannte „Ehe“ hineinstolpert mit dem Gedanken: Notfalls gehen wir wieder auseinander.

Hier klaffen eben menschliches und göttliches Recht weit auseinander. Nach der Bibel gibt es keine Scheidung. Und dieses entschiedene Verbot ist sicherlich zu unserem Nutzen erlassen. Man kann zwar nicht sagen, daß Gott sich beim Zusammenfügen geirrt haben muß, denn eine Scheidung ist immer Schuld der Menschen. Aber man muß doch sagen, daß ein solcher Schritt dem Willen Gottes ins Gesicht schlägt. Gott läßt uns zwar die Freiheit, sein Geschenk auch auszuschlagen. Aber jeder muß sich dann darüber im Klaren sein, daß er dabei Schuld auf sich lädt und versucht, in den Willen Gottes einzugreifen.

Dem Willen Gottes entspricht es aber, wenn Eheleute versuchen, im Sinne Gottes zusammenzuleben. Dazu gehört als Erstes, daß man seine rein menschliche Entscheidung füreinander nachträglich als eine Tat Gottes versteht. Wir dürfen Gott ja nicht so verstehen, als würde er würfeln oder als hätte er einen Computer, mit dem er die Menschen zusammenfügt. Er legt vieles in die Hand der Menschen. Aber im Handeln der Menschen ist er oft unerkannt auch selbst am Werk.

Wenn man sich das klar macht, wird man nicht leichtfertig mit dem umgehen, was geworden ist. Wenn Gott hinter allem steht, wird man sich noch mehr seiner Verantwortung bewußt sein. Die Ehe ist eine gute Ordnung Gottes, ein Rahmen, den man sich nicht selber bauen muß, sondern der schon vorgegeben ist und in der man sich nur hineinzustellen braucht.

Wenn man dann drinsteht, wird man auch davon getragen. Man wird nicht jede Entscheidung nach Gutdünken neu fällen müssen, sondern nach den Willen Gottes fragen und entsprechend handeln. Es ist ein weiter Rahmen, in den Gott uns stellt. In ihm können wir uns frei bewegen. Einer hat einmal die Zehn Gebote Gottes als die „Zehn großen Freiheiten“ beschrieben; und da ist tatsächlich etwas Wahres dran.

Auch in der Ehe läßt er uns viel Freiheit, das Leben nach unseren Wünschen und Bedürfnissen einzurichten. Zuerst einmal sollten wir heute auf das sehen, was uns doch mit der Ehe geschenkt und ermöglicht ist. Aber irgendwo gibt es dann natürlich auch eire Grenze. Da ruft uns Gott ein „Halt“ zu und uns deutlich: Wenn ihr hier weitergeht, verspielt ihr alles, was euch bisher solche Freude gemacht hat.

Gottes Gebot ist eine Hilfe, eine Warnungstafel vor den Gefahren, die auch am Rande einer Ehe lauern. Wer aber nach Gott fragt und gleich den ersten Tag seiner Ehe in seinem Namen beginnt, der wird auch auf jene Hinweise Gottes achten und dadurch Hilfe erfahren. Wenn man sich immer vor Augen hält: Letztlieh ist Gott es doch, der uns zusammengeführt hat! dann wird man ganz anders zueinander stehen.

Heute am Tag Ihrer Trauung soll ihren das ganz deutlich vor Augen gestellt sein. Aber dieses Wissen soll Sie auch jeden Tag Ihrer Ehe begleiten. Dann werden Sie den Segen Gottes in Ihrer Ehe und in ihrem Leben verspüren können und durch Freude und Leid hindurch getragen werden zu Glück und einem guter Miteinander.

 

„Euer Vater weiß, was ihr braucht. Sorgt euch nur darum, daß ihr euch der Herrschaft Gottes unterstellt. Dann wird er euch mit allem versorgen, was ihr braucht!                                                                                                            (Lk 12,30-31)

Wir streben alle nach Glück und Erfolg im Leben. Jeder Mensch möchte etwas vom Leben haben, möchte sich etwas leisten können und es zu etwas bringen. Das ist durchaus menschlich, und auch Gott hat sicher Verständnis dafür. Gott hat ja dieses Streben erst in unser Inneres hineingelegt, er hat uns auch die Fähigkeiten gegeben, unsere Wünsche in die Tat umzusetzen.

Bei einer Hochzeit zum Beispiel wünscht man sich: Eine Wohnung, die man schön einrichten kann, gute Arbeit und guter Verdienst, Verständnis mit der Verwandtschaft, gute Freunde viele schöne Erlebnisse und immer wieder nur Freude und Wohlgefallen.

Aber wir wissen auch, daß nicht immer alles so läuft, wie wir es uns gedacht haben. Sehr schnell können uns die materiellen Güter dieser Welt wieder genommen werden. Sehr schnell kann das Glück unseres Lebens zerstört sein. Sehr schnell kommt man sich hilflos und verlassen vor.

Dann ist es gut, wenn man noch einen anderen Halt im Leben hat. Dann braucht man sich nicht nur um die äußeren Dinge des Lebens zu kümmern, sondern hat auch noch etwas, was über die Zeit dieser Welt hinausreicht. Davon spricht auch die Bibel und davon soll auch heute besonders die Rede sein.

Wir feiern heute eine Hochzeit. Aber es ist eben nicht nur ein Familienfest, bei dem man zusammenkommt, um zu essen und zu trinken und um fröhlich zu sein. Wir sind auch in der Kirche zusammengekommen, um diesen Tag mit einem Gottesdienst zu begehen. Dadurch wird schon rein äußerlich deutlich, was wir für unser Leben brauchen: nicht nur Essen und Trinken für unseren Leib, sondern auch die innere Nahrung, die Verbindung mit Gott und der Zuspruch aus seinem Wort.

Gott hat wohl Verständnis dafür, daß wir uns erst einmal um unser äußerliches Leben Sorgen machen und uns da sichern wollen. Ausdrücklich heißt es hier: „Euer Vater weiß, was ihr braucht!“ Aber er will uns auch darauf hinweisen, daß es noch anderes Wichtiges gibt, das wir auch nötig zum Leben brauchen, wenn es ein gelungenes Leben werden soll: die Verbindung mit Gott, das Gespräch mit ihm, das Vertrauen zu ihm in jeder Hinsicht.

Wer sich nur um Essen und Trinken sorgt, der ist nicht anders als einer, der nicht an Gott glaubt. Er wird es vielleicht in den Augen der Menschen zu etwas bringen. Aber er wird sich auch abhetzen und immer noch mehr haben wollen, und schließlich sein Leben vertan haben, weil er ja doch nichts von seinen Schätzen mitnehmen kann aus dieser Welt.

Wer sein Leben aber an Gott ausrichtet, der wird all diese Dinge in die richtige Rangordnung bringen können und sich fragen: „Wie lebe ich so, daß es Gott gefällt?“ Die Bibel drückt das aus mit der Aufforderung: „Sorgt euch nur darum, daß ihr euch der Herrschaft Gottes unterstellt!“ oder wie es bei Luther heißt: „Trachtet nach seinem Reich!“ Versucht also Gott in allen Dingen eures alltäglichen Lebens zur Richtschnur und zum Maßstab zu machen, dann wird euer Leben auch gut gelingen.

Gott läßt die nicht im Stich, die sich zu ihm halten. Wer sich einmal für ihn entschieden hat, der wird auch seinen Segen in seinem Leben verspüren können, auch bis in die kleinen Alltäglichkeiten hinein. Gewiß wird nicht alles so gehen, wie wir es uns vielleicht gewünscht haben. Man muß auch immer mit Schwerem im Leben rechnen. Aber im Lichte Gottes gesehen sieht doch manches anders aus und läßt sich von uns leichter bewältigen.

Heute aber wollen wir aus diesen Bibelversen besonders die Verheißung heraushören: Wer sich an Gott hält, dem wird all das zufallen, was er für sein Leben braucht. Gott ist nicht kleinlich und gönnt uns auch unser menschliches Glück. Er möchte, daß wir es gut haben und uns in unserem Leben wohl fühlen.

Dazu gehört auch, daß wir gelassen sein können. Wir sollten nicht meinen, wir könnten mit unseren Anstrengungen etwas erzwingen. Er schenkt uns alles, was wir brauchen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer das weiß, für den hat das Leben die richtige Ordnung. Der sieht auch jedem Tag wieder mit Freude entgegen, tut seine Arbeit im Vertrauen auf Gottes Beistand und sucht ein gutes Verhältnis zu seinen Mitmenschen.

Daß Sie das alles in Ihrer Ehe und in ihrem Leben erfahren mögen, das wünschen wir Ihnen heute alle. Dafür wollen wir auch zu Gott beten. Gott will Sie vom heutigen Tag an führen und leiten und ihnen beistehen in allen Wechselfällen des Lebens. Mit ihm werden Sie einen guten Weg gehen.

 

„Von seiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade!“                                                    (Joh 1 16)

Menschen aus der Wüste Marokkos kamen einmal an einen Wasserfall im Atlasgebirge. Staunend standen sie vor der Flut von Wasser. Soviel Wasser auf einmal hatten sie noch nicht gesehen. Sie konnten sich gar nicht mehr von diesem Anblick trennen. Immer wieder sagten sie: „Wir wollen warten, bis es aufhört!“

Von solcher Fülle ist auch die Gnade Gottes. Manchmal mag es uns so vorkommen, als sei diese Gnade nur wie eine unbedeutende Wasserstelle in der Wüste. Wir könnten meinen, daß wir meist ohne sie auskommen müßten. Nur wenn es ganz schlimm wird, sozusagen kurz vor dem Verdursten, da würde uns auch wieder einmal die Gnade Gottes zuteil.

Aber in Wirklichkeit ist das nicht so. Gott gibt uns nicht nur den Tropfen auf den heißen Stein, sondern bei ihm ist die Fülle. Bei Gott ist soviel Überfluß, daß er gar nicht alles für sich behalten kann. Er gibt uns ab von seiner Fülle und läßt uns teilhaben an seinem Segen. Vergegenwärtigen wir uns zunächst einmal in einer Rückschau, wo wir im Leben schon diese Gnade Gottes haben verspüren können.

Schon daß wir ins Leben traten, verdanken wir Gott. Er hat gewollt, daß wir leben. Er hat jeden Menschen geschaffen, mit all seinen äußeren Kennzeichen und Fähigkeiten, einmal            und unverwechselbar, ein Mensch, den er liebt und den er das ganze Leben über auch begleiten will.

In der Taufe hat er uns dann zu seinem Kind angenommen. Erst hat er den Eltern ein Kind geschenkt. Nun bringen sie es wieder zu ihm zurück und sagen: „Es soll auch dein Kind sein!“ Gott darf das Kind sozusagen adoptieren und ist nun auch mit dafür verantwortlich. Deshalb verspricht er auch für die Zeit des Lebens, daß er mit seiner Gnaden bei diesem Menschen sein will.

Gerade bei der Taufe eines Kindes wird deutlich, daß Gott hier alles tut. So ein Kind stellt in den Augen der Menschen doch noch nichts dar. Aber Gott achtet es so hoch, daß er sich schon um ein so unscheinbares Wesen kümmert und ihm seine ganze. Liebe und Fürsorge zuwendet, ehe das Kind es begreifen kann. Erst der heranwachsende Mensch kann verstehen, was Gott da an ihm getan hat. Er wird ja immer mehr mit den Problemen dieses Lebens belastet und muß seinen Mann im Leben stehen. Da ist zum Beispiel die Frage des Berufs .Nicht immer kann man das tun, was man sich gewünscht hat. Aber jeder hat doch seine Aufgabe.

Und schließlich ist eine der entscheidensten Fragen im Leben, ob man einen Lebenspartner findet, der zu einem paßt. Wie zufällig und wie verwickelt geht es doch manchmal zu, wenn man sich so kennenlernt. Und doch darf man nachträglich die Gnade und Führung Gottes dahinter sehen. Im Grunde ist nichts zufällig in unserem Leben, sondern nur Ausfluß der Gnade Gottes.

Diese kann sich nun an zwei Menschen gemeinsam auswirken. Gott sieht Sie seit Ihrer Eheschließung und Trauung nicht mehr als Einzelmenschen, sondern immer gleich als ein Ehepaar. Seine Gnade will sich nun auch darin zeigen, wie Sie als Eheleute miteinander umgehen und Ihr Leben gestalten.

Man muß ja auch damit rechnen, daß es einmal zu inneren Spannungen und zu äußerlichen Schwierigkeiten kommt. Aber gerade dann wird sich Gottes Gnade bewähren, dann erst zeigt sie ihre Kraft und Zuverlässigkeit. Gott hat noch nie versagt. Wenn wir uns an ihn halten, wird auch alles seinen guten Fortgang nehmen.

Wenn man doch schon so viele gute Erfahrungen mit Gott hat machen können, so darf man doch auch darauf vertrauen, daß es einen. guten Fortgang nehmen wird. Heute, am Tag Ihrer Trauung, dürfen Sie besonders hören, daß Gott es gut mit Ihren meint. Er ist noch nicht an das Ende seiner Möglichkeiten gekommen, sondern will sie jetzt gerade erweisen.

Wir sollten nicht meinen, Gottes Fülle könne sich eines Tages einmal erschöpfen, wenn er uns teilhaben läßt an seiner Fülle, dann verliert er selber nichts dabei. Das ist ja das Wunderbare an Gott: Er kann uns alle reich beschenken, und doch bleibt seine ganze Fülle für uns erhalten.

Doch es wäre falsch gedacht, wenn wir meinten, wir hätten einen Anspruch auf Gottes Hilfe. Die Formulierung dieses Bibelverses könnte ein solches Mißverständnis ja nahelegen. Aber in Wirklichkeit können wir von Gott ja gar nichts nehmen. Er ist es immer, der uns beschenkt, und wir sind nur die Empfangenden. Aber so wie die Kinder von ihrer Eltern immer nur Gutes empfangen, so dürfen wir auch als die Kinder Gottes seiner Gnade gewiß sein, heute und an allen Tagen unseres Lebens.

So dürfen Sie nun auch Ihre Ehe im Namen Gottes beginnen. Sie dürfen teilhaben an der Fülle der Gnade Gottes. Immer mehr werden Sie im Laufe Ihrer Ehe dieses Geschenk Gottes erfahren dürfen Niemals werden Sie fürchten müssen, daß es damit aufhört: Sie brauchen sich nur für das Tun Gottes offenhalten, dann werden Sie Gnade um Gnade aus seiner Fülle empfangen.

 

„Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!“                                           (Joh 6,68)

An einem wichtigen Punkt des Lebens überlegt man sich natürlich, wie es nun weitergehen soll. Man blickt zwar auch zurück, aber noch mehr denkt man auch an die Zukunft. Was wird alles noch kommen? Werden wir das Neue bestehen können? Werden wir viel Freude oder viel Leid erfahren müssen?

Die Hochzeit ist so ein Punkt, der einen tiefen Einschnitt im Leben bedeutet. Mit welchen Erwartungen geht man doch einem solchen Tag entgegen! Man empfindet Freude, aber auch ein wenig Angst vor dem Neuen und Unbekannten. Wird es wirklich so werden, wie wir es uns erhofft haben?

Sicher ist es da auch eine Hilfe, wenn man sich über diese Fragen nicht nur allein den Kopf zerbricht, sondern nach Gottes Wort fragt und von dort Hilfe und Antwort erhofft. Natürlich kann mal auch heiraten, ohne nach Gott zu fragen. Aber wer hier getraut wird, darf an diesem wichtigen Tag seines Lebens ganz besonders auf Gottes Wort hören und auch einen Bibelspruch mit auf den weiteren Weg nehmen.

Ja, unser Leben gleicht in der Tat einem langen Weg. Doch ehe man sich auf diesen Weg begibt, muß man schon erst einige Dinge überlegen. Zunächst einmal: Man nimmt nichts Unnötiges mit auf die Reise, sondern nur das, was man wirklich tragen kann. Es ist auch gut, wenn man ab und zu einmal überprüft, was man alles ablegen kann, weil es doch nur sinnlos belastet.

So sollte man auch in die Ehe nichts mitnehmen, was den weiteren Weg nur hindert. Gott eröffnet uns immer wieder die Möglichkeit der Vergebung. Und so sollen auch wir untereinander immer wieder vergeben. Und es wird auch in der Ehe immer wieder vorkommen, daß wir einmal abladen müssen, um wieder neu beginnen zu können. Es ist immer Gelegenheit dazu.

Zweitens überlegt man sich: Wen nimmt man mit auf die Reise? Natürlich kann man sich auch allein aufmachen. Aber schöner ist es, wenn man zu zweit ist. Dann kann man miteinander fröhlich sein und sich gegenseitig helfen: dann übersteht man Gefahren leichter und es wird nicht langweilig. Gott hat uns das Geschenk der Ehe gegeben, damit wir uns nicht allein durch die Welt kämpfen müssen, sondern einen Lebensgefährten und einen Gehilfen haben. Mann und Frau sind ja wie zur Ergänzung geschaffen und sind sich die idealen Helfer auf dem Weg durchs Leben.

Und drittens: Man muß auch ein Ziel für die gemeinsame Reise wissen. Es soll doch keine Fahrt ins Blaue werden, sondern man will doch wissen, wohin die Reise geht. - Ja, was ist nun das Ziel einer Ehe und eines Lebens? Luther hat einmal sehr schön gesagt: die Ehe ist dazu da, „daß eins das andere in der Himmel führe!“ Das Ziel der Ehe ist Gott. Er soll am Ende des gemeinsamen Weges durchs Leben stehen.

Aber da taucht nun die Schwierigkeit auf: Wie findet man den richtigen Weg zum Ziel? „Herr, wohin sollen wir gehen?“ fragen die. Jünger Jesu ihren Meister. Man kommt immer wieder einmal an Weggabelungen, wo man sich entscheiden muß: Willst du von Gott weggehen und willst du weiter auf dem Weg bleiben zu dem Ziel, das Gott dir zeigt.

An dieser Scheidepunkten stehen nämlich gewissermaßen Wegweiser: Worte, die zum ewigen Leben führen. Gott läßt uns nicht einfach erraten, welches denn nun der richtige Weg ist. Nein, er gibt uns sein Wort, das uns Wegweiser und Richtschnur sein will. Es gehört nur dazu, daß man immer an diesem Wort dranbleibt, sich immer wieder informiert und nach dem handelt, was dort geschrieben steht. Lesen können wir doch alle. Und es wäre doch sträflicher Leichtsinn, wenn man den Hinweisen eines Wegweisers nicht folgte.

An diesem Tag dürfen Sie Gott dankbar sein. Er gibt Ihnen die Möglichkeit, nur das weiterzutragen, was notwendig ist. Er gibt Ihnen einen Lebensgefährten mit auf die Bahn. Und er zeigt Ihnen auch, wohin dieser Weg führen soll. Gott läßt Sie nicht allein am Tage Ihrer Hochzeit, sondern er will Sie auf Ihrem ganzen Weg begleiten.

Wir, die Gemeinde, wollen für dieses Ehepaar beten. Und die zwei, die heute hier wie so viele vor ihnen um den Segen des Herrn bitten, dürfen ganz persönlich hören, daß Gottes Gnade Ihnen nahe ist. Gottes Wort möge Ihren Weg erleuchten.

Mögen Sie, die Sie heute hier am Beginn eines Weges stehen, doch am Ende sagen können: „Herr, wohin hätten wir denn sonst gehen sollen? Nur du hast Worte des ewigen Lebens!“

 

„Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben!“                                                                                                                                                                          (Joh 8,12)

Sie beginnen einen gemeinsamen Weg. Deshalb müssen Sie sich überlegen, wie Sie diesen Weg einrichten wollen. Man kann sich etwa die Vernunft und den gesunder Menschenverstand als Richtschnur wählen und versuchen, sein Leben streng nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu führen. Man kann aber auch mehr nach dem Gefühl gehen und alles mehr dem Zufall überlassen. Vielleicht fährt man dabei auch gar nicht mal so schlecht.

Uns Christen aber ist noch eine andere Möglichkeit gewiesen. Wir sind von vornherein auf den Weg Gottes gestellt. Die Taufe ist der Anfang des Weges mit Gott. Durch sie werden wir aufgefordert, im Sinne Jesu Christi zu leben. Und es wird uns versprochen: Wer diesen Weg geht, dessen Leben wird ein Ziel haben und er wird einen Sinn darin sehen. Wer aber einen anderen Weg gehen will, der wird durch die Finsternis stolpern und das Ziel seines Lebens verfehlen.

Diese Sicht mag uns vielleicht überraschend vorkommen. Viele Leute meinen doch, der Weg Gottes sei schwer zu gehen und anderswo könnte man es leichter haben. Gott würde nur harte Vorschriften geben, und wenn die nicht eingehalten werden, folgt die Strafe auf dem Fuß. Mancher erwartet auch von einer Trau-Ansprache, daß dort den Eheleuten tüchtig ins Gewissen geredet wird.

Doch in der Bibel wird ein anderer Weg versucht. Da wir erst einmal die Verheißung herausgestellt, das was Gott uns verspricht: „Wer mir nachfolgt, der wird das Licht des Lebens haben!“ Erst daraus ergibt sich dann, was von uns erwartet wird.

Überall im Leben geht es nicht ohne Spielregeln ab. Wenn man eine Ehe schließt, dann hat man dabei in erste Linie die Vorteile im Blick, die das gemeinsame Leben mit sich bringt. Man freut sich an dem, was die neue Gemeinschaft bringt. Aber es ergibt sich auch ganz von selbst die Verpflichtung, auf den Partner Rücksicht zu nehmen. Wer die Ehe ernst nimmt, der wird sich ganz von selbst so verhalten, wie es der Ehe gemäß ist.

So ist es aber auch mit Gott: Er ist nicht ein drohender und strafender Gott, sondern einer, der helfen und beschützen will. Erst einmal bietet er seine Hilfe an, danach erst ergibt sich von selbst die Verpflichtung für uns.

Die Bibel enthält viele solcher verheißungsvoller Sprüche, die wir alle auf uns beziehen dürfen. Ihnen soll heute besonders dieser Spruch gesagt sein, der von Gott als dem Licht des Lebens spricht. Er meint es gut mit jedem Ehepaar, das hier vor den Altar tritt. Er hat Mann und Frau ausdrücklich aneinander gewiesen‚ damit sie sich gegenseitig helfen und ergänzen, damit man mehr Freude im Leben hat und das Leben gemeinsam besser meistern kann.

So richtig deutlich wird das aber erst, wenn man einmal in eine schwierige Lage kommt. Es kommt ja doch vor, daß wir einmal in der Finsternis herumtappen, entweder durch eigene Schuld oder durch das Versagen anderer Menschen.

Gott will uns dann sein Licht leuchten lassen, damit wir wieder auf der richtigen Weg zurückfinden. Und sein Licht, das ist sein Wort, das er uns immer wieder sagt, wenn wir nur hören wollen.

Hier liegt der entscheidende Punkt, aus dem sich dann alles erst ergibt. Wenn wir zu Gott gehören wollen, dann werden wir alle ganz von selber spüren, wie wir unser Leben und unsere Ehe einzurichten haben. Dann wird uns das Licht Gottes ganz erfüllen und sogar noch auf andere weiterstrahlen.

Sie übernehmen eine große Verantwortung, wenn Sie sieh hier trauen lassen. Andere werden die Christen und den Sinn einer christlichen Ehe danach beurteilen, wie Sie in der Ehe miteinander leben. Doch vielleicht werden Sie ja in der Tat ein gutes Vorbild sein, ohne große

Worte zu machen.

Unser aller Vorbild aber ist Jesus Christus. Ihm gilt es nachzufolgen, was auch kommen mag. Er hat viele Menschen, die krank oder ausgestoßen waren, wieder in die menschliche Gemeinschaft zurückgeführt. Er hat denen, die verzweifelt. und in der Finsternis waren, wieder Freude geschenkt.

Auch heute können wir durch den Glauben an Jesus Christus wieder froh werden. Und wir können andere froh machen, die noch nichts von diesem Jesus wissen. Vielleicht ist das noch mit der beste Weg, um selber froh zu werden und selber das Licht Gottes zu empfinden. Wir wünschen Ihnen das und erbitten es von Gott, daß er Ihnen beistehe auf Ihrem Weg und Ihnen die Gewißheit schenke: „Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben?“

 

 

„Jesus spricht: Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!“                                                                                                                                                                                                   (Joh 8,32)

In einer Ehe geht es nicht ohne Wahrhaftigkeit ab. Wenn man schon eine so enge Lebensgemeinschaft eingeht, dann muß sie auch offen und ehrlich sein und sich über alle Bereiche des Lebens erstrecken. Man kann dann keine Geheimnisse mehr voreinander haben, sondern muß sieh dem anderen ganz und gar ausliefern.

Gewiß ist es nicht so, daß man nun jede Kleinigkeit miteinander austauschen kann. Mann und Frau sind an verschiedenen Orten berufstätig und erleben viele Dinge nur getrennt. Aber man wird das Wichtigste doch gegenseitig erzählen. Und wenn der andere nach einer bestimmten Sache fragt, wird er Antwort erhalten. Manche Dinge sind aber so unwichtig, daß man sie nicht berichten wird. Aber ansonsten ist alles gemeinsam. Gott will uns zu dieser Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit verhelfen. Sein Gebot zur Wahrheit gilt zwar in allen Fällen‚ aber besonders in der Ehe. Diese ist ja von Gott eingesetzt zur Hilfe für den Menschen. Er soll nicht allein sein, sondern noch einen Lebenspartner haben, der ihm in allen Lagen beisteht.

Wenn das aber gelingen soll, dann gehört dazu eine bedingungslose Offenheit zueinander. Schon am Anfang der Bibel ist sehr schön beschrieben, wie Gott sich das Verhältnis beider Ehepartner vorstellt. Da spürt man die Freude heraus, daß sich zwei gleichartige Wesen miteinander verbinden. Der Mann freut sich, daß er eine Partnerin hat, die Fleisch von seinem Fleisch ist.

Deshalb streben sie auch danach, immer mehr zu einer Einheit zu werden. Eine bedingungslose Offenheit zueinander gehört unbedingt als Voraussetzung mit dazu. Das Äußere wie das Innere liegen vor dem Ehepartner offen. Man liefert sieh ihm damit aus. Aber noch mehr gewinnt man dadurch. Man hat doch wenigsten einen Menschen, der einen versteht, dem man alles sagen kann und der auch am besten einen Rat geben kann.

Sicherlich fällt einem das nicht gleich alles in den Schoß. Wenn man noch am Beginn einer Ehe steht, werden sich noch manche Probleme ergeben. Man muß erst vieles im gegenseitigen Einvernehmen regeln, muß sich erst einigen auf bestimmte Gewohnheiten und so nach und nach sein gemeinsames Leben bewußt gestalten. Vergessen wir nicht, daß auch jeder ein Stück seines bisherigen Lebens aufgeben muß zugunsten der gemeinsamen Sache. Man kann sich nun nicht mehr so frei und ungezwungen sich entscheiden, sondern muß Rücksicht neh­­men.

Aber was man auf der einen Seite aufgibt, erhält man auf der anderen vielfach wieder: Freiheit bedeutet ja nicht, daß man tun und lassen kann, was man will. Damit würde man ja nur anderen und letztlich auch sich selber schaden. Gerade in der Ehe findet die eigene Freiheit ja ihre Grenze an dem Recht des anderen. Freiheit wird man nur haben können wenn, man freiwillig bereit ist, sich etwas einzuschränken.

Dennoch will Gott, daß wir frei sein können. Jesus verheißt uns ja hier die Freiheit, wenn wir die Wahrheit erkannt haben. „Wahrheit“ aber bedeutet in diesem Zusammenhang: die Liebe Gottes zu uns und seinen Willen zu erkennen. Nur wenn wir uns an Gott halten, werden wir recht frei werden.

Wer nichts von Gott hält, der wird sich zwar frei fühlen von Einfluß Gottes, wird aber sehr leicht unter den Einfluß anderer Mächte geraten. Gott aber möchte, daß wir auf ihn hören: denn er läßt uns Freiheit und beschränkt uns nur, wo es für uns gut ist und wo wir vor Schaden bewahrt werden müssen.

Gott öffnet uns die Augen für die Gefahren, die auf unsrem Weg lauern. Er möchte, daß wir uns nur an ihn binden und ihn den Herrn sein lassen. Dann zieht er uns mit sich hinauf, so daß wir über den Dingen stehen und uns von nichts mehr gefangennehmen lassen. Wir haben dann zwar noch einen Herrn über uns: aber der ist dann auch der einzige.

So will Gott auch der Herr Ihrer Ehe sein. Er bietet ihnen an, daß Sie bei ihm die Wahrheit erkennen: die Wahrheit über Gott, über die Welt und über sich selbst. Wer zu Gott gehört, kann sich erst richtig frei fühlen und sich seines Lebens freuen. Wir wünschen Ihnen‚ daß Sie diese Freiheit eines Christenmenschen und die Freude eines Lebens unter den Augen Gottes in Ihrer Ehe immer wieder erfahren mögen.

Dieser Vers aus dem Johannesevangelium: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen!“ war einmal die Losung unsrer Kirche für ein ganzes Jahr. Möge es auch zur Losung für Ihre Ehe werden und Sie Ihr ganzes Leben über begleiten.

 

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun!“                                                                                                                                                       (Joh 15,5)

Kein Mensch steht für sich allein. Ein jeder hat wenigstens seine Eltern oder Geschwister und sonstige Verwandte. Meist hat man dazu noch gute Nachbarn und Freunde, vielleicht auch Schulkameraden und Arbeitskollegen.

Man kann ja auch gar nicht für sich allein existieren. Der Mensch braucht einfach das Gespräch mit anderen und den lebendigen Gedankenaustausch. Das unterscheidet ihn ja von den Tieren, daß er in eine persönliche Beziehung zu anderen Menschen treten kann. Man hat des halb gesagt: Der Mensch ist ein soziales Wesen, er lebt immer in einer Gemeinschaft.

Aber zum Wesen des Menschen gehört eben auch seine Beziehung zu Gott. Das macht uns ja eigentlich erst zu Menschen, daß wir einen Gott haben, der mit uns in Gemeinschaft treten will. Wir Menschen können nicht immer nur in unserem kleinen Kreis bleiben, sondern haben es immer auch mit Gott zu tun.

Jesus macht uns das hier deutlich an dem Bild vom Weinstock: Wenn eine Rebe vom Weinstock abgeschnitten wird vertrocknet sie bald, ohne Frucht gebracht zu haben. Sie braucht immer neue Kraft aus dem Stamm, sonst kann sie sich nicht halten. Eine einzelne Rebe kann sich nicht selbständig machen, das wäre ihr Tod. Aber in Gemeinschaft mit anderen und mit dem Kraftquell ihres Lebens hat sie Bestand.

In der Ehe geht es ja nun auch ums Zusammenkommen und Zusammenbleiben. Jetzt muß man nicht mehr allein stehen, sondern gewinnt neue menschliche Verbindungen hinzu. Ein Ehepaar hat sogar den Vorteil, gleich zwei Verbindungen auf einmal aufzunehmen: Das eine ist die Gemeinschaft, die Mann und Frau miteinander haben; aber auch das Zusammenwachsen zweier Familien und Verwandtschaftsgruppen, die nun am gleichen Strang ziehen. Das andere ist die neue Beziehung zu Gott, der Sie nun als ein Ehepaar sieht und Ihnen in der Trauung ganz speziell seine Hilfe zusagt.

Es liegt nun an Ihnen, was Sie aus diesen Angeboten machen. Man kann sich natürlich auch von seiner Verwandtschaft und Bekanntschaft zurückziehen und ein Leben für sich führen. Aber das wäre sicher zum Schaden für die Ehe und für das Leben eines jeden Einzelnen. Man hat ja dem anderen nicht bloß zu geben, sondern man empfängt ja auch viel von ihm.

Auch in der Ehe kommt es auf ein wechselseitiges Geben und Nehmen an. Es hat doch jeder seine Vorzüge, aber auch seine Schwächen. Damit sich das etwas ausgleicht, hat Gott uns die Ehe geschenkt, damit einer dem anderen beistehen kann.

Aber auch er selber will mit seinem Schutz und Segen dabei sein. Es wäre doch unklug, wenn wir dieses Angebot ausschlagen würden. Gar mancher wird diesen Satz natürlich bestreiten“ „Ohne mich könnt ihr nichts tun!“ Natürlich kann man sehr viel tun ohne Gott, das beweisen ja all die, die nichts von Gott halten. Man kann auch eine Ehe schließen, ohne nach Gott zu fragen.

Aber es geht ja auch um das, was dabei herauskommt, um die „Frucht“, wie es bei Johannes heißt. Wer seine Ehe unter den Schutz Gottes stellt, der weiß: Wir sind umfangen von der größeren Ordnung Gottes. Wir sind eingefügt in die Gemeinde Gottes; und zwar nicht mehr als Einzelne, sondern als ein Paar.          

Wenn es auch einmal schwer wird, wenn man den Mut zu verlieren droht und es nicht mehr weiterzugehen scheint, dann steht man doch in dieser Ehe drin und wird von ihr getragen. In der Bibel wird gesagt, daß es die Ehe schon von Anfang an gab, daß sie also zur guten Schöpfungsordnung Gottes gehört. Und was Gott gut gemacht hat, das wird uns auch eine Hilfe sein.

Gott will uns ganz besonders eng aneinander ketten, damit nicht einer leichtsinnig vor dem anderen davonläuft. Wer einmal als Rebe an dem Weinstock dran ist, kann sich nicht wie­der von ihm trennen, es sei denn, er wolle sich selber aufgeben. Wer einmal in dieser lebendigen Verbindung gestanden hat, kommt nicht wieder ohne Schaden aus ihr heraus.

So geht es aber auch mit Gott: Wer sich wieder von ihm losreißen möchte, wird großen Schaden an seiner Seele nehmen. Wer einmal zu Gott gehört hat, der ist auch immer auf ihn angewiesen. Und das ist nur gut so! Gott will uns ja helfen und auch bei einer solchen Ehe dabei sein. Er will väterlich über diesen Bund zweier Menschen wachen und der Dritte mit im Bunde sein.

Halten Sie sich nur an diesen Gott, und Sie werden gut mit ihm fahren. Von ihm kann Ihnen immer wieder neue Kraft zuströmen für Ihre Ehe und ihr ganzes Leben. Sie werden zur Hochzeit manches Geschenk erhalten. Aber das wichtigste Geschenk will Ihnen Gott geben: seine Hilfe und seinen Schutz!

 

„Es ist in keinem anderen Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden!“                                                                                                                                     (Apg 4,12)

Manche Eltern schließen für ihre Kinder schon bei der Geburt eine Heiratsversicherung ab. Damit ist nicht gemeint‚ daß die Versicherungssumme fällig wird, wenn es zu keiner Eheschließung kommt, sondern es handelt sich um eine Art Sparkasse. Wer so etwas für richtig hält, soll es ruhig machen. Schaden wird es bestimmt nichts. Ob es aber etwas nützt, ist noch die Frage. Es wäre nicht das erste Mal, daß alles gesparte Geld verloren war und mancher mit nichts dastand.

Man kann sein Leben nicht auf lange Zeit sichern und sagen: „So, nun kann mir nichts mehr passieren!“ Wir können unser Leben nicht durch materiellen Besitz sichern. Gott kann uns mit einem Schlag all diese Stützen wegnehmen und damit zeigen: Ihr könnt euch selbst nicht erhalten! Wenn ihr euer Heil in den Dingen dieser Weit sucht, dann werdet ihr bitter enttäuscht werden und alles verlieren. Es ist in keinem anderen das Heil als in Gott.

Natürlich sorgen wir auch für die Zukunft vor. Man kann auch heute keine Ehe beginnen, oh­ne nicht wenigstens eine gewisse materielle Grundlage zu haben. Man kann nicht von vornherein mit großen äußerlichen Schwierigkeiten seine Ehe belasten. Man muß nicht immer alles gleich vollständig haben. Es ist auch gut, wenn man sich erst gemeinsam etwas erringen kann. Aber man muß wenigstens eine Möglichkeit haben‚ schon ein Ziel vor sich sehen.

Aber in all dem liegt noch nicht das Heil für uns. Niemand kann sich für alle Zeiten sichern,

so daß ihm nichts mehr passieren kann. Eine Ehe besteht auch nicht darin, daß man eine gemeinsame Wohnung und eine gemeinsame Kasse hat.

Eine Ehe ist aufgebaut auf gegenseitiger Liebe, Achtung und Treue, wie es manchmal auf dem Standesamt so schön heißt. Dazu kommt eine gewisse Übereinstimmung in den Ansichten, im Temperament und in der Lebensart. So, weit so gut, eigentlich ganz vernünftige Aussagen. Aber eben alles nur Dinge, die man vom gesunden Menschenverstand her sagt und die mit dem Glauben noch nichts zu tun haben.

Wem der Glaube aber etwas bedeutet, der fragt nach dem Heil, der fragt nach Gott. Das ist der Gesichtspunkt, um den es uns ja hier bei der Trauung geht. Die beste Grundlage für eine Ehe ist die Beziehung zu Gott. Aber dieser Grund ist wenigstens auch zuverlässig und tragfähig.        

Man kann natürlich an vielen Stellen sein Heil versuchen. Dem einen ist es das Geld, das ihm Sicherheit geben soll. Ein anderer erwartet alles von seinem Beruf und den Leistungen, die er darin bringt. Ein anderer wieder vertraut auf seine Verwandten und Bekannten, daß die ihm im Notfall helfen.

Aber wer sicher gehen will, der verläßt sich nur auf Gott. Sie müssen sich ja jetzt entscheiden, unter welchen Gesichtspunkten Sie Ihre Ehe führen wollen und welche Rolle Gott dabei spielen soll. Dieser Gott droht nicht und zwingt niemanden auf seinen Weg. Aber er macht Ihnen mit dem heutigen Tag ein Angebot. Er sagt: „Wenn euer Leben wirklich einen Sinn haben soll und ihr nach der ewigen Seligkeit fragt, dann sucht euer Heil nicht irgendwo in der Fremde, sondern kommt zu mir. Ich will euch helfen und beschützen, vor allem vor den Gefahren, die eure Seele bedrohen!“

Unser Leben kann durch viele Dinge verdorben werden. Denken wir nur an die Unzufrie­denheit und Undankbarkeit, an die Sucht nach immer neuen Sensationen und Aufregungen, an das Zutrauen und die Uneinigkeit. Dagegen gibt es keine Versicherung, damit muß jeder selber fertigwerden. Aber Gott will dabei helfen.

Er kann uns das unvergängliche Heil schenken. Und wenn wir das haben‚ dann kommen auch all die anderen Dinge in Ordnung, die unser Leben oft so vergiften. Wer von Gott alles erwartet, der darf auch seinen Beistand in den ganz äußerlichen und praktischen Dingen des Alltags erwarten.

Als Eheleute sollen Sie einander helfen‚ das Vertrauen auf' Gott zu stärken. Wenn Sie sich auf Gott verlassen, werden Sie an seinem Heil im äußerlichen und im inneren Sinne nicht vorbeigehen. Gott macht Ihnen heute das Angebot, Ihr Helfer und Beschützer zu sein. Wenn er sagt: „Es ist in keinem andern das Heil!“ dann bedeutet das: Niemand muß erst noch anderswo suchen, Gottes Heil genügt für eine Ehe und für ein ganzes Leben.

 

„Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!“                                                          (Apg 16,31)

Heute ist es nicht mehr so einfach, an den Herrn Jesus zu glauben. Unsere Welt ist in einem raschen Umbruch begriffen. Das naturwissenschaftliche und technische Denken ist auf dem Vormarsch. Das ist ja auch nur gut so, denn schließlich verdanken wir ihm viel. Aber es kann eine Gefahr für den Glauben mit sich bringen und manchen von Gott wegziehen.

In der Wissenschaft muß man nämlich ohne Gott denken, als ob es Gott nicht gäbe. Anders könnte man gar keine Wissenschaft treiben. Das verführt natürlich dazu, Gott auch auf den Gebieten auszuklammern, wo er mit uns zu tun haben will. Wie wir zum Beispiel unser persönliches Leben führen, das ist Gott durchaus nicht gleichgültig, da können wir ihn auch nicht beiseiteschieben.

Aber die Menschen sind eigentlich dumm, die meinen, das wissenschaftliche Weltbild habe den Glauben überflüssig gemacht oder ein Wissenschaftler könne kein gläubiger Christ sein. Wer erst einmal tief in die Geheimnisse der Wissenschaft eingedrungen ist, der wird umso mehr die Größe Gottes erkennen können. Und umgedreht sollte sich ein Christ bei seiner Arbeit um ein klares wissenschaftliches Denken bemühen, aber den nicht vergessen, der über allem steht.

Anderen wieder macht es Schwierigkeiten, daß es in der Welt oft sehr trübe aussieht. Da gibt es Kriege und Gewaltherrschaft, Naturkatastrophen und schwere Unglücksfälle. Und oft trifft es dabei noch völlig Unschuldige. Da taucht dann die Frage auf: Wie kann Gott das zulassen? Wenn er allmächtig ist, warum greift er nicht ein? Das sind Dinge, die uns schon zu schaffen machen, und Fragen, die wir nicht so einfach beantworten können, die wir nur im Glauben überwinden können.

Aber mit diesen mehr verstandesmäßigen Zweifeln kann man noch fertigwerden. Schwerwiegender ist es schon, wenn man nicht auf Gott vertrauen kann Man erkennt zwar an, daß es Gott geben muß. Aber man kann nicht glauben, daß er sich gerade mit einem einzelnen Menschen und seinen Fragen und Problemen abgeben wird. Gott schon - aber nicht ein Gott für mich.

Doch Sie haben den Vorteil, es ganz genau wissen zu können. In der Trauung sagt Ihnen Gott nämlich zu, daß er sich ganz persönlich um Sie kümmern will. Heute wird allein für Sie gebetet, Ihnen allein wird die Verheißung Gottes zugesagt und es wird ein eigener Gottesdienst aus Anlaß Ihrer Hochzeit gehalten. So wichtig ist für Gott dieses Ereignis, daß er sich Ihnen heute ganz besonders zuwenden will.

Doch das bedeutet nun nicht: Einmal und nicht wieder! Die ganze Ehe über will Gott Sie begleiten. Sie sollen nach seinem Wort fragen, auf seinen Willen hören und an ihn glauben. Dann wird er Ihnen auch nahe sein. Genausowenig wie man ohne weiteres aus einer Ehe entfliehen kann, genausowenig kann man sich auch aus der Beziehung zu Gott zurückziehen. Es ist schon gut, daß es die Ehe gibt, daß die Beziehung zwischen Mann und Frau eine feste Form hat, die man nicht so leicht umstoßen kann. Ebenso ist es gut, daß wir auch in einer festen Beziehung zu Gott stehen. In der Taufe hat er sich an uns gebunden. Und nun dürfen Sie in der Trauung erneut die Bestätigung dieses Bundes erfahren.

Er verheißt Ihnen die Seligkeit, wenn Sie sich zu ihm halten. Damit ist nicht ein Schlaraffenland gemeint oder so etwas wie eine stille Insel der Seligen, sondern ein Leben in Gemeinschaft mit Gott. Etwas von dieser Seligkeit kann sich auch schon in Ihrer Ehe darstellen, denn das Glück zweier Menschen kann für manchen schon die höchste Seligkeit sein.

Aber Gott will noch mehr dazugeben. Sie dürfen Ihre Gemeinschaft umschlossen wissen von der Hilfe und dem Beistand Gottes. Es wird nicht immer alles nur Zuckerlecken geben. Aber Gott wird Ihnen in allen Schwierigkeiten nahe sein. Glück und Zufriedenheit werden sich nur einstellen, wenn man sich das Entscheidende in der Ehe von Gott schenken läßt.

Die Zusage Gottesgilt aber nun nicht nur Ihnen, sondern auch Ihrer Familie dem „Haus“). Mit dem heutigen Tag stehen Sie ja nicht mehr nur als Einzelne in der Welt, sondern werden immer als ein Paar zusammengesehen. Alle Freuden werden ihnen nun gemeinsam gelten, aber auch alle Aufgaben und Schwierigkeiten werden nun auf Sie beide und die Ihren zukommen.

Von Ihnen kann der Segen Gottes auf Ihre ganze Umgebung ausstrahlen. Gott hat von seiner Seite her alles getan, um Sie zu einem „seligen Haus“ zu machen, zu einer Familie, die in der Verantwortung vor Gott lebt. Sie sind aufgefordert, sich dieses Vertrauens als würdig zu erweisen und Ihre Ehe im Sinne Gottes zu führen. Dann wird niemand Sie erschrecken können und Sie werden den Beistand Gottes erfahren.

 

 „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet!“                                (Röm 12,12)

Fröhlich kann man an einem solchen Tag schon sein. Was vor einiger Zeit mehr zufällig begonnen hat, ist heute zu einem vorläufigen Abschluß gekommen, ein neuer Abschnitt beginnt. Da ist es gut, wenn man sich einen Augenblick der Besinnung gönnt und über sein Leben und die Beziehung zu Gott nachdenkt.

Wenn Hochzeit ist, dann freuen sich alle. Nicht nur Sie, die Sie sich vor dem Standesamt in der Öffentlichkeit ihr Jawort gegeben haben. Auch die Eltern und Geschwister freuen sich mit - und sicherlich auch viele ihrer Freunde und Bekannten und Nachbarn. Ganz sicher freut sich auch Gott mit, weil sich zwei Menschen gefunden haben, die er füreinander bestimmt hat.

Natürlich wird mancher sagen: „Das ist doch allein meine Sache, wen ich mir zum Ehepartner aussuche!“ Das stimmt schon in gewisser Hinsicht: Sie haben Ihr Geschick in die eigene Hand genommen und dürfen auch stolz darauf sein. Aber eine Ehe ist nicht nur gegründet

auf gegenseitige Liebe, Achtung und Treue, wie das auf dem Standesamt heißt. Die Ehe steht nicht allein unter dem Schutz des Staates, sondern vor allen Dingen unter der Verheißung unseres Gottes.

Es könnte ja doch sein, daß man da doch etwas unsicher wird, weil man sich auf etwas Neues eingelassen hat. Doch dann ruft uns Gott in seinen Wort zu: „Seid fröhlich in Hoffnung! Nun laßt einmal eure Bedenken fallen und hofft auf das, was Gott euch versprochen hat!“

Viele Hoffnungen werden sich an diesen Tag knüpfen: die Hoffnung auf ein ständiges Zusammensein, auf ein glückliches Miteinanderleben im Austausch der Gedanken und Erlebnisse, die Hoffnung auf gute Freunde. Jetzt soll das Leben erst seinen richtigen Sinn erhalten, erst noch einmal losgehen.

Gott will Ihnen dazu Mut machen. Von der Hoffnung kann man 1ange leben. Von der Hilfe Gottes aber kann man noch länger leben. Weil Gott die Macht hat, all unsere Hoffnungen zu erfüllen, können wir erst richtig fröhlich sein. Wenn Hochzeit ist, dann gibt es ein Fest. Aber der tiefste Grund aller Festfreude ist Gott, der uns alle so reich beschenkt hat.

Es ist immer wieder ein Wunder, wenn aus den vielen Menschen sich gerade zwei finden und beieinander bleiben wollen. Dafür kann man nur Gott danken und seinen Segen für die Zukunft erbitten.

Wir wissen heute nicht, was noch alles auf Sie zukommen kann. Einige Dinge sind geklärt, andere stehen noch aus. Familie und Beruf werden sicherlich gerade in der erste Zeit ihre Anforderungen stellen. Aber warum sollte man es nicht wagen, wo Gott seine Verheißung dazu gibt? Man muß auch einmal im Vertrauen auf Gott so einen Schritt tun. Gott wird schon helfen.

Vielleicht kommt auch einmal Schweres über Sie. Aber da sagt der zweite Teil des Spruches: „Seid geduldig in Trübsal“. Es kann auch manche Trübsal über Sie kommen. Denken Sie nur daran, was frühere Generationen mitgemacht haben. Da mahnt der Spruch zur Geduld. Alles Schwere hat einmal ein Ende.

Ein bestimmter Teil Gottvertrauen gehört schon dazu, wenn man sich für sein ganzes Leben das Jawort gibt. Aber man sollte auch nicht zu zaghaft sein und einmal entschlossen etwas wagen. Sie haben es gewagt! Und Gott will Ihnen eine Hilfe dabei anbieten:

Der dritte Teil des Spruches lautet ja: „Haltet an am Gebet!“ Es ist heute auch unter Christen nicht mehr selbstverständlich, daß sie zu Gott beten und ihn bitten. Natürlich, im Gottesdienst kommt das Gebet dran. Doch unsere persönlichen Sorgen soll Gott doch auch erfahren, denn nur so kann er helfen.

So ist das Gebet eine gute Lebenshilfe in der Ehe. Hier dürfen wir unsere Freude und Hoffnung, unsere Geduld und Trübsal vor Gott bringen. Hier erst beginnt die tiefste Gemeinsamkeit in der Ehe, über die gemeinsamen Interessen in Beruf und Freizeit hinaus. Hier erst liegen die innere Mitte und auch der Punkt außerhalb, auf den wir uns alle beziehen.

Gott bietet Ihnen heute und hier seine Hilfe an. Sie können sie ausschlagen. Aber Sie können sie auch freudig und dankbar annehmen. Sie werden dann schon erfahren, wie Gott Ihnen in allen Dingen zur Seite steht. Heute, wo sie voller Hoffnung sind, sollen Sie die Gewißheit mitnehmen: Auch Trübsal kann uns nicht umwerfen, wenn wir uns im Gebet auf Gott verlassen. Heute und alle Zeit gilt die Aufforderung: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet!“

 

„Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung!“                                                                                                                                                                              (Röm 13,10)

Man kann versuchen, sein Leben nach strengen Regeln einzurichten. Menschen, die in ihren Auffassungen unsicher sind, machen das gern. Sie brauchen Gesetze und Regeln, an denen sie sich wie an einem Geländer festhalten können. Weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen, werden sie dann kleinlich und kommen erst recht nicht mehr mit anderen zurecht.

So braucht es unter Christen nicht zu sein. Wir sind von Gott zur Freiheit berufen. Alle Gesetze sind damit für uns abgetan. Wir haben nur noch eine Richtschnur: Die Liebe zu den Menschen und zu Gott! Ganz ohne Regeln kann man nicht leben. Aber es dürfen keine starren Gesetze sein, die stur durchgesetzt werden. Gott will, daß wir uns anpassen und auf die Umstände achthaben und alle Regeln sinngemäß anwenden.

Meist wird man ja sagen: Mann und Frau haben in der Ehe die gleichen Rechte und Pflichten. Wenn nun aber zum Beispiel die Frau krank wird, kann man ja nicht das Gleiche von ihr erwarten wie vorher. Ihr Mann wird aus Liebe besondere Rücksicht nehmen und alle Pflichten selber übernehmen. Am besten ist es natürlich, man hat gleich von vornherein alle Pflichten geteilt, so daß es nicht so schwer ist, dem Teil des anderen mit zu übernehmen.

Ähnlich ist es auch mit den Rechten. In einer Ehe kann keiner mehr auf sein „Recht“ pochen. Wer mit Gewalt sein vermeintliches Recht durchsetzen will, der wird bald scheitern. Wer aber auf sein Recht verzichten kann, dem wird alles zufallen, was er gerne haben möchte. Nur wenn man sich untereinander einig ist, kommt jeder zu seinem Recht.

Es ist selbstverständlich in einer Ehe, daß keiner dem anderen Böses tut. Wenn es nach dem Gesetz geht, dann kommt so etwas schon einmal vor. Im Namen des Gesetzes ist schon manches Unrecht verübt worden, auch wenn das Gesetz natürlich dazu da ist, das Böse im Prinzip zu verhindern.        

Das Gesetz will das Beste für den Menschen erreichen. Aber es kann nur das Zweitbeste bieten. Es behandelt zwar jeden gleich, aber es kann nicht auf den Einzelfall eingehen. Das aber tut die Liebe. Sie sieht auch die Schwächen des anderen und hat Verständnis und hilft, wo es nur geht. So ist die Liebe eben mehr als das Gesetz.

Diese Liebe kommt vor Gott. Jesus Christus hat sie uns vorgelebt. Und wir sind aufgefordert, ihr nachzueifern, gerade in der Ehe. Hier können wir am ehesten zeigen, ob wir Gottes Willen begriffen haben und bereit sind, ihn in die Tat umzusetzen. Es ist nicht immer leicht, Gottes Willen zu tun. Es ist ja auch nicht immer leicht den anderen Menschen zu lieben. Manchmal ärgert man sich auch über ihn, oder man ist mit etwas nicht zufrieden.

Wer sich aber nach Gott richtet, der wird auch Gottes Segen im Leben verspüren können. Dann wird auch manches im Leben wieder ins Reine kommen, was man sonst nur schwer würde überwinden können. Wer sich von Gott gehalten weiß, wird auch seine menschlichen Dinge in Ordnung bringen können.

Gott hat sich von Anfang der Welt an den Menschen in Liebe zugewandt. Er hat auch gewollt, daß Mann und Frau in der Ehe zusammenleben. Er will auch heute unser Leben führen und leiten. Wir dürfen uns vertrauensvoll ihn wenden und Hilfe von ihm erwarten. Er wird auch in Zukunft unser Herr und Helfer sein.

Viele Hoffnungen verbinden sich mit einem Tag wie heute. Wir hoffen auf äußeres Wohlergehen, auf Zufriedenheit im Beruf, auf ein gutes Verständnis mit Verwandten und Freunden und noch auf viele Dinge mehr. Niemals aber können wir wissen, ob all diese Hoffnungen in Erfüllung gehen.

Eins aber ist uns sicher: Auf Gott dürfen wir unsre Hoffnung setzen, und er wird uns nicht enttäuschen. Er wird auch bei ihrer Ehe mit dabei sein, und Ihnen durch sein Wort auch Hilfe und Trost geben. Es werden nicht alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt. Aber mit Gottes Hilfe werden Sie doch alle Gefahren bestehen können.

Vor allem aber dürfen Sie der Liebe Gottes gewiß sein. Sie will Ihre Liebe umschließen und sie erst zur Vollendung führen. Gottes Liebe bleibt auch, wenn wir ihn einmal enttäuscht haben. Wir können daraus lernen, daß auch menschliche Liebe nicht zu zerbrechen braucht, wenn einmal etwas schief gelaufen ist. Gott will, daß auch unsere menschliche Liebe bleibt.

Das wird am ehesten gelingen, wenn wir nichts Böses tun, sondern dem Ehepartner und überhaupt allen Menschen mit Liebe begegnen. Gott will uns zu solcher Liebe anleiten. Im Vertrauen auf ihn dürfen Sie ihren weiteren Weg gemeinsam gehen.

 

„Nehmt einander an, wie Christus uns angenommen hat zu Gottes Lob!“                                         (Röm 15,7)

Dieses Bibelwort war einmal die Losung unserer Kirche für ein Jahr. Es läßt sich auf sehr vieles im Leben beziehen: auf das Verhältnis zwischen Christen und Nichtchristen, zwischen Handarbeitern und Geistesarbeitern, Einheimischen und Fremden, Alten und Jungen. Aber vor allem läßt es sich auch beziehen auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau in der Ehe: Eheleute müssen ja besonders aufeinander zugehen und den anderen einfach so annehmen, wie er ist.

An diesem Tag nun ist es soweit. Zwei Menschen haben sich das Jawort für ihr ganzes Leben gegeben, nun kann ein Neuanfang gesetzt werden. Vielleicht hat man sich vorher noch gefragt: „Ist das nun wirklich der richtige Partner für mich? Werde ich ein ganzes Leben mit ihm auskommen können? Werden wir auch solche Belastungen wie Krankheitszeiten durchstehen können?“

Doch Sie haben solche Fragen entschlossen beiseite geschoben. Sie wollen es nun einfach wagen und in eigener Tat und Verantwortung ein Neuland für ihr Leben erobern. So dürfen Sie nur stolz sein, daß Sie das Steuer Ihres Lebens in die Hand genommen haben und Ihres eigenen Glückes Schmied werden wollen.

Glücklich ist man schon an so einem Tag. Aber Sie tragen jetzt auch allein die Verantwortung für Ihr Glück und Ihre Zukunft. Morgen oder übermorgen aber beginnt wieder der Alltag. Da muß sich dann die Liebe, die Sie heute füreinander empfinden, umsetzen in die kleine Münze der täglichen Sorgen und Freuden; dann muß sich bewähren, was in den vergangenen Jahren und in der Verlobungszeit gewachsen ist.

Ihr Trauspruch ruft ihnen da zu: „Nehmt einander an!“ Nehmen Sie den anderen an und auf, wie er ist. Sie haben sich ja. gegenseitig genügend geprüft und sind dabei geblieben: „Wir gehören, zusammen!“ Diese Feststellung können Sie nicht mehr rückgängig machen, auch wenn Sie einmal eine kleine oder große Enttäuschung mit dem anderen erleben sollten: Sie haben nun einmal „Ja“ gesagt, da müssen Sie den anderer auch so annehmen, wie er ist, nicht nur mit seinen guten Seiten und Vorzügen, sondern auch mit seiner Schwächer und seiner ärgerlichen Seiten.

Auch Gott hat „Ja“ gesagt zu ihrer Verbindung. Gott will aus der Liebe eine Ehe schaffen. Sie werden bald merken, daß nun manches anders wird als in der Verlobungszeit. Sie werden viel mehr Freude aneinander finden‚ sie werden viel mehr zusammen sein können. Auch vor den anderen gehören Sie jetzt zusammen. Das festigt auch das Verhältnis zueinander.

Aber manches wird vielleicht auch schwerer werden. Es kann auch sein, daß sie dem Menschen sehr weh tut, den man am meisten liebt. Gott sagt Ihnen da: „Nehmt einander aus, so wie ihr seid mit allen Vorzügen und Nachteilen. „Nehmt den einen unverwechselbaren Menschen an, dem Ihr nun einmal das Jawort gegeben habt!“

Gott bietet Ihnen dazu auch seine Hilfe an: „Nehmt einander an, wie uns Christus hat angenommen!“ Wir stehen ja immer wieder in der Gefahr, uns von Christus abzuwenden. Aber wir dürfen doch immer wieder zu ihm gehören‚ weil Christus uns wieder in die Gemeinschaft Gottes aufgenommen hat.

Weil Sie nun beide wissen, daß Sie die Vergebung Gottes nötig haben, sollen Sie sich auch untereinander vergeben, wenn einmal etwas schief gelaufen ist, wenn Sie sich über den anderen geärgert haben oder Ihre Pläne nicht verwirklichen konnten: Weil Gott uns angenommen hat, dürfen Sie auch immer wieder einander annehmen.

Am Schluß dieses Spruches stehen noch drei Worte: „zu Gottes Lob“. Alles, was die ganzen Monate schon zwischen Ihnen geschehen ist - aber noch mehr: was nun geschehen soll, das geschieht zu Gottes Lob. Mit ihrer Liebe standen Sie allein, das war nur Ihre Privatsache. Durch die Ehe aber sind Sie ein Glied in der Kette von Familien, die auch vor Gott gestanden

haben, um seinen Segen zu erbitten.

Sie sollen nun eine christliche Familie werden, wo man Zuflucht vor den Stürmen dieser Zeit finden kann. Hier soll die Frau Geborgenheit und Schutz und Entspannung und Erfüllung finden und natürlich umgekehrt. Ihre Familie ist eine Gründung Gottes in der Welt, auf der Gottes Segen ruht und auf die die anderen sehen „Darum nehmt einander an, wie uns Christus hat angenommen zu Gottes Lob!“

 

„Der Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des Heiligen Geistes!“                                                                                                                                             (Röm 15,13)

Viele Hoffnungen verbinden sich mit einem solchen Tag. Ein gemeinsames Leben beginnt, das alles bringen soll, was das Herz begehrt. Was dem einen noch fehlt, soll der andere ergänzen. Jeder soll an den guten Gaben des anderen teilhaben. Viel Gemeinsames wartet auf Sie, nachdem Sie nun die Ehe geschlossen haben.

Eigentlich kann doch alles nur besser werden. Aus diesem Grunde haben Sie ja geheiratet. Jeder Mensch hat auch sein Recht auf solche Hoffnungen. Das liebt in jedem Menschen drin und ist nur ganz natürlich. Ohne Hoffnung könnten wir gar nicht leben. Man muß doch immer ein Ziel vor Augen haben und um den Sinn seines Lebens und seiner Zukunft wissen.

Nun steht hier in Römer 15,13: „.Der Gott der Hoffnung!“ Wir hören daraus: Nur Gott kann Hoffnung geben und Mut zur Zukunft machen. Wie viele Menschen haben den anderen Hoffnungen machen wollen. Vor allem in schlechten Zeiten blühen solche Hoffnungen auf und fallen wieder in sich zusammen.

Versprechungen hat man schnell gemacht; aber das          Erfüllen steht auf einem anderen Blatt. Das gilt nicht nur zum Beispiel für die Politiker, sondern auch für unser persönliches Leben. Auch Sie werden in Ihrer Ehe gar manches Mal zurückstecken müssen und Hoffnungen begraben müssen. Auf Gott aber können wir immer unsere Hoffnung setzen, denn er wird sie erfüllen.

Er kann vor allem zwei Dinge schenken: „Freude und Frieden“! Freude gehört doch mit zu einem solchen Tag wie heute. Aber unser Leben wird nicht eitel Freude und Wonne sein. Es kommen auch einmal schlimme Zeiten, die man gemeinsam meistern muß.

Denken wir nur an das nächste Stichwort: „Friede!“ Es ist kein Friede unter den Völkern und unter den Menschen. Auch in unserem kleinen, begrenzten Lebenskreis ist es oft schwer, Frieden mit den Menschen in der Verwandtschaft und Nachbarschaft zu halten. Manchmal tut

man sogar dem Menschen am meisten weh, den man am meisten liebt und den man gar nicht weh tun möchte.

Am schwersten ist es aber vielleicht noch, Frieden mit Gott zu haben. Unser Verhältnis ist noch nicht in Ordnung, wenn wir sagen: „Ich lasse ihn in Ruhe, dann habe ich Frieden mit Gott!“ Wer einmal getauft ist, den beansprucht Gott sein ganzes Leben. Auch Sie will er nun als ein Ehepaar in seinen Dienst stellen.

Gott rechnet damit, daß Sie als eine christliche Familie Ihren Glauber so in die Tat umsetzen, daß auch andere an Gott glauben können. Der Segenswunsch, den Paulus hier ausspricht‚ wird sich ja nur an deren erfüllen, die an Gott glauben: „Der Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben!“ Daß Gott Hoffnung schenkt, daß er Freude und Frieden gibt, das weiß nur der, der an ihn glaubt. Aber er darf dann auch völlige Hoffnung haben, Hoffnung die mehr ist als unsre rein menschliche Hoffnung und auch erfüllt wird.

Wir wissen doch alle, wie oft unsere menschlichen Hoffnungen auf Sand gebaut waren und wie ein Kartenhaus zerfielen. Wer auf Gott vertraut, der hat auf keinen Sand gebaut, denn hinter ihm steht die Kraft des Heiligen Geistes. Gottes Kraft kann alle Wünsche erfüllen, die wir heute haben. Vielleicht wird er uns nicht gleich alle äußeren Dinge in den Schoß fallenlassen. Aber er kann uns Freude und Frieden geben, wenn wir an ihn glauben.

Ohne den festen Glauben an Gott kann man niemals eine Hoffnung haben, ohne Glauben an den Gott der Hoffnung kann man keine Kraft empfangen, ohne Glauber an die Kraft des Heiligen Geistes ist unser Leben einfach sinnlos.

In einer Ehe braucht man viel Kraft. Deshalb sollte man gleich am Anfang viel mitnehmen. Aber man muß auch zwischendurch immer wieder einmal auftanken, im Gottesdienst und im Gebet. Man braucht auch Zeiten der Besinnung, Zeit für sich selbst und Zeit für Gott, sonst hat alles keinen Sinn.

Arbeit ist nur das halbe Leben, und bald ist das Leben um. Dann soll es doch viel Freude und Frieden gebracht haben. Deshalb kommt es jetzt darauf an, daß Sie sich auf Ihrem weiteren Lebensweg besinnen. Sie können viel für das Gelingen ihres Weges tun. Aber Sie brauchen dazu auch den Segen Gottes.

Der aber wird ihrer heute verheißen mit den Worten: „Der Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des Heiligen Geistes!“

 

„Alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes!“                                      ( 1. Kor 3,22 - 23 )

Gott hat den Menschen eine große Freiheit gegeben. Welche Regierung würde ihren Untertanen wohl sagen: „Alles ist euer, ihr dürft alles tun und dürft alles benutzen, was euch unter die Finger kommt!?“ Welche E1tern würden ihren kleinen Kindern alles erlauben und ihnen sagen: „Ihr könnt über alles im Haus frei verfügen!?“ Oder welcher Meister fordert seine Lehrlinge auf: „Nehmt nur ruhig soviel Werkzeug und Material mit, wie ihr braucht!?“ Das tut kein Mensch.

Gott aber ist so großzügig. Er hat den Menschen auf die Erde gesetzt und gesagt: „Das alles schenke ich euch! Macht damit, was ihr wollt. Macht euch die Erde untertan. Tut alles dafür, daß. es schöner und besser wird und die Erde euch zu einer Heimat wird. Nutzt dazu alle eure Fähigkeiten aus und benutzt alle technischen Mittel, denn ich habe sie euch gegeben!“

Gott hat auch ausdrücklich Mann und Frau zusammengefügt, damit sie gemeinsam an diese Aufgabe gehen. Gott hat nicht nur den Mann erschaffen, sondern den Menschen, der aus Mann und .Frau besteht. Und er hat absichtlich jedem unterschiedliche Gaben mitgegeben, damit sie sich gegenseitig ergänzen können.

 

Auch die Ehe hat Gott den Menschen gegeben, damit sie sie zu ihrem Vorteil gebrauchen. Er hat diese Ehe in die Hände der Menschen gegeben und gesagt: „So, nun seht zu, was ihr daraus macht! Es liegt alles bei euch, etwas Gutes oder etwas Böses daraus zu machen!“

Die Ehe ist also zunächst einmal ein sehr weltliches Geschäft und sie läuft auch in vielen Dingen nach rein weltlichen Regeln. Gott traut einfach jedem Menschen so viel zu, daß er diese Sache in die eigene Hand nehmen kann. Aber er hält schützend die Hand darüber und will helfen, wo es nötig ist.

Man hat ja behauptet, der christliche Glaube mache unfrei. Gott habe alles zu bestimmen und zu lenken, er mache seinen Leuten nur Vorschriften und enge sie ein. Er verlange nur, aber er habe nichts zu bieten.

Paulus denkt offensichtlich anders. „Alles ist euer!“ Das ist die groß Vorleistung, die Gott erst einmal bringt. Bei einer Trauung wollen wir vor allem erst einmal auf die Verheißung Gottes hören, die er mit seinem Segen verbunden hat .Zuerst will die Trauung eine Hilfe sein, die Zusage Gottes, daß er über der Ehe wacht und daß man seine Schwierigkeiten vor ihm ausbreiten darf. Er wird schon Rat und Hilfe schicken.

Mit einem Geschenk geht man nun aber in der Regel gut um. Man tritt es nicht gleich in den Dreck, sondern schont es: Man versieht doch, es gut zu nutzen und es zu vermehren. Jedem Ehepaar ist dieses Geschenk anvertraut, damit sie es behüten und bewahren, sich immer mehr hineinleben und dadurch eine Hilfe für ihr Leben erfahren.

Der zweite Teil des Satzes stellt schon sicher, da die Freiheit Gottes nicht mißverstanden wird: „Ihr aber seid Christi!“ Wer zu diesem Christus gehört, der verhält sich schon so, wie es sich im Bereich dieses Christus gehört.

Kein Kind will seinen Eltern Schande bereiten. Da wird auch kein Christ seinen Herrn verleugnen. Wer hier getraut wird, der legt damit ganz gewiß ein Bekenntnis zu Christus ab. Er stellt seine Ehe unter den Schutz Gottes. Aber er verspricht auch, sie im Sinne Christi zu führen.

Und drittens heißt es nun: „Christus aber ist Gottes!“ Wenn wir an das denken, was uns geschenkt ist, dann werden wir auf Christus verwiesen, zu dem wir gehören und der für uns sorgt. Und von dort geht der Weg dann weiter zu Gott. Dort endet die Kette dann, denn das Ziel der Ehe ist Gott.

Wir wünschen jedem Ehepaar, daß es recht lange zusammenbleiben darf, daß es die silberne und die goldene Hochzeit und noch mehr erleben darf. Aber am Ende steht dann auch die Frage: „War es ein Weg zu Gott?“

Luther hat den Sinn der Ehe einmal so umschrieben: „Eins soll das andere in den Himmel führen!“ Wer die Verbindung zu Christus hält, der kommt auch zu Gott.

Das ist doch eine schöne Aufgabe, die ihnen da gestellt ist: Sie beginnen nicht nur ihren gemeinsamen Lebensweg, sondern es soll auch ein Weg zu Gott werden. Alle Voraussetzungen dazu sind erfüllt. Es liegt nun an Ihnen, was sie daraus machen!

 

„Die Liebe verträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles!“                                (1. Kor 13,7)

Wenn man heiratet, gehört Liebe dazu, Wenn das nicht der Fall ist, kann man es auch gleich sein lassen. Möglichst viel Verbindendes und Geneinsames sollte man doch haben. Aber die Liebe ist die Grundvoraussetzung.

Heiraten bedeutet nicht, daß man zwei Haushalte zusammenlegt. Das wäre etwas wenig und wäre zu nüchtern und zu sachlich. Heiraten bedeutet aber auch nicht automatisch den Himmel auf Erden und die Lösung aller Probleme. Das wäre romantisch und weltfremd.

In der Mitte zwischen beiden wird die Wahrheit liegen. Und am besten drückt das Wort „Liebe“ aus, wie Mann und Frau in der Ehe zueinander stehen. Liebe macht sich keine Illusionen. Aber sie schenkt auch die Freude aneinander und am gemeinsamen Leben. Die Liebe ist

schon vor der Ehe da, sie erfüllt diese und hört hoffentlich nie auf.

Die Bibel sagt auch etwas zum Thema „Liebe“. Allerdings meint Paulus in diesem 13. Kapitel des 1.Korintherbriefs die Liebe zu Gott bzw. die Liebe, die Gott gegenüber uns zeigt. Aber empfängt die menschliche Liebe nicht ihre Kraft vor der Liebe Gottes zu den Menschen? Ist Gottes Liebe nicht das Urbild aller menschlichen Liebe?

Sicher wird es erlaubt sein, Aussagen über die Liebe Gottes auch einmal auf die Liebe zwischen zwei Menschen anzuwenden. Als erstes steht da: „Die Liebe verträgt alles!“ Wer weiß denn heute, was das Leben alles einmal bringen wird?

Vielleicht werden Sie Vieles zu schlucken und zu verdauen haben, woran heute noch keiner denkt: Es kann Krankheit kommen und persönliches Leid. Es kann einmal Mißverständnisse geben, mit anderen oder auch untereinander. Trotzdem muß man sich immer wieder vertragen und miteinander auskommen. Es soll hier ja nicht schwarzgemalt werden. Wenn man heiratet, dann ist man fröhlich und macht sich weiter keine Gedanken darüber, daß auch einmal etwas Schweres kommen könnte.

Vor allen Dingen haben wir auch keinen Grund zur Schwarzmalerei, weil Gott Ihnen doch gerade in der Trauung seine Hilfe zusagt. Wir müssen zwar realistisch sein und mit allem Möglichen rechnen. Aber genauso wissen wir auch mit Gott rechnen, der uns über alle Schwierigkeiten hinweghelfen will. Das ist ja sein großes Geschenk zur Trauung: Er verspricht uns aus freien Stücken seine Unterstützung.

Gott verträgt sich mit uns, auch wenn wir Manches getan haben, was ihm nicht so paßt. Er hofft auf uns, wenn wir ihn auch enttäuscht haben. Er vertraut auf uns, auch wenn wir einmal wankend werden. Dieses Vorbild unseres Gottes sollte uns Kraft geben, daß wir uns auch untereinander vertragen und vertrauen. Gott macht es uns vor. Jesus Christus hat es uns anschaulich vor Augen gestellt, wie man als Mensch mit Menschen umgeht. Es gibt diese Möglichkeit, Jesus hat es bewiesen. Da sollten wir doch auch fähig sein, wenigstens zu einem Teil ähnlich zu leben und zu handeln.

Gerade in der Ehe kommt man doch nicht ohne Verträglichkeit und Vertrauen aus. Was gäbe es denn, wenn man sich nicht einmal alles glauben kann? Paulus sagt: „Die Liebe glaubt alles!“ In dieser Welt gibt es viel Mißtrauen und Betrug. Aber wenigstens in einer so engen

Gemeinschaft wie zwischen Mann und Frau sollte es anders zugehen, sonst wird das die Hölle auf Erden. Wir sind alle aufgefordert, an unserem Ort ein Stück dieses Vertrauens zu verwirklichen, blind zu vertrauen, auch wenn wir es nicht nachprüfen können.

Ma sagt ja: „Liebe macht blind!“Aber das stimmt ja nicht, es gehen einem eher die Augen auf, wie groß dieses Geschenk der Gemeinschaft zwischen Mann und Frau ist. Aber zur Liebe gehört einfach, daß man blind vertraut und nicht nach Beweisen fragt. Es ist doch eigentlich schön, wenn man wenigstens einem Menschen vertrauen darf und weiß: Auf den kann man sich ganz bestimmt verlassen.

Dann heilt es hier: „Die Liebe hofft alles!“ Sie dürfen sich heute wirklich große Hoffnungen machen, für ihre Ehe und für Ihr ganzes weiteres Lehen. Wir leben oftmals nur davon, daß wir uns Hoffnungen machen und uns auf ein Ziel ausrichten. Wer ein Ziel vor Augen sieht, der strengt sich dann auch an, dieses Ziel zu erreichen. Dazu werden Sie heute auch aufgefordert, sich ein Ziel zu setzen und es anzustreben. Und Ziel könnte unter anderem sein, so zu leben, wie Gott es von uns erwartet.

Das Letzte schließlich: „Die Liebe duldet alles!“ Wer liebt, der ist bereit, auch einmal etwas hinzunehmen, Opfer zu bringen und zu verzeihen. Gott schenkt und allen seine Vergebung, da können wir auch dazu bereit sein. Er möge Ihnen die Kraft geben, das zu verwirklichen, was Ihnen im Trauspruch gesagt ist: „Die Liebe verträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles!“

 

„Sorget nichts, sondern in allen Dingen laßt eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden!“                                                                                                                                           (Phil 4,6)

Eine Hochzeit ist ein freudiger Anlaß. Man hat lange darauf gewartet und den Tag herbeigesehnt. Nun wird öffentlich kundgetan, was schon in langer Gemeinsamkeit gewachsen ist: Wir wollen auch in Zukunft zueinander gehören und für immer beieinander bleiben.

An so einem Tag hat man nur freudige Gedanken und macht sich weiter keine Sorgen, was die Zukunft angeht. Warum auch Sorgen machen, wenn doch die Sonne scheint und alles in guter Ordnung ist

Aber wir wissen alle, daß nicht immer die Sonne scheinen kann, sondern auch einmal trübe Tage kommen. Auch in einer Ehe bleibt das nicht aus. Schon morgen oder übermorgen beginnt der Alltag wieder und dann tun sich ganz neue Fragen und Aufgaben auf. Es kann ja auch nicht immer Festtag sein. Erst durch den Unterschied zum Alltag wird ja deutlich, wie schön der Festtag ist. Und daß man auch im Alltag zusammenhalten darf und die Aufgaben gemeinsam angehen kann, das macht erst die richtige Freude.

Wenn dann auch einmal Sorgen und Mühen kommen, dann fordert Gottes Wort auf: „Sorget nichts!“ Mit dem Sorgen kommt man ja doch nicht weiter, sondern nur wenn man Vertrauen auf Gott hat. Wer sich auf Gott verläßt, der braucht sich keine Sorgen zu machen, weil Gott stärker ist als all unsre Sorgen.

Welche Sorgen könnten denn über ein Ehepaar kommen? Zunächst denken wir doch dabei an Krankheit und Schmerzen, wie sie über jeden Menschen kommen können. Kein Mensch ist sicher davor, auch wenn er sich heute noch so wohl fühlt. Aber eine Ehe geht auch dann weiter, wenn einer der beiden Ehepartner krank wird. Ja, erst dann wird sie ihre Festigkeit beweisen. Dazu hat Gott ja die Ehe eingerichtet, daß einer dem anderen auch in einer schweren Zeit helfen kann.

Man könnte auch an wirtschaftliche Not denken, vielleicht auch wieder hervorgerufen durch Krankheit oder besondere äußere Umstände. Oder denken wir an Krieg oder Naturkatastrophen, die auch schon viel Leid über die Menschen und über manches Ehepaar gebracht haben. Denken wir auch an berufliche Schwierigkeiten oder sonstige Mißerfolge im Leben. Es ist vieles, was einem am Beginn einer Ehe doch schon Sorgen machen könnte.

Doch Gott ruft Ihnen heute zu: „Sorget nichts!“ Macht euch keine Sorgen um all diese Dinge, so schwerwiegend sie vielleicht auch erscheinen könnten. Weil Sie um den Segen Gottes für Ihre Ehe gebeten haben, dürfen Sie dieses Segens auch sicher sein. Gott will Sie behüten und bewahren in all diesen Gefahren, heute und an jedem Tag Ihrer Ehe.

Es heißt ausdrücklich: „In allen Dingen laßt eure Bitten vor Gott kund werden!“ Diese Fragen des äußeren Lebens sind bei Gott nicht zweitrangig, so daß wir ihn damit nicht belästigen dürften. Nein, Gott will, daß wir alle Dinge vor ihn bringen und unser ganzes Leben ihm unterstellen. Gott nimmt uns ernst, auch mit unsren kleinen Sorgen, die wir haben. Gerade in Kleinigkeiten bewährt Gott seine Treue.

Aber Gott muß natürlich auch Bescheid wissen über das, was uns bedrückt. Deshalb müssen ihm unsere Bitten erst einmal im Gebet und Flehen kund werden. Nur wer betet, wird keine Sorgen mehr haben, denn er hat dann all seine Sorgen bei Gott abgeladen und ihm anvertraut. Dann ist Gott mit dafür verantwortlich - und er hat zugesagt, daß er dann auch helfen wird.

Doch auch den letzten Punkt in diesem Bibelwort wollen wir nicht vergessen: die Danksagung. Man darf gerade in einer Ehe viel Schönes erleben. Gar manches Mal kann man die Durchhilfe Gottes sehr deutlich spüren. Da sollte man dann auch den Dank nicht auslassen. Schon unter Menschen ist das so üblich; wieviel mehr haben wir da Grund, auch Gott Dank zu sagen.

Ein Gebet sollte eigentlich immer mit dem Dank beginnen. Jeder Mensch hat etwas, wofür er danken kann, auch wenn es ihm noch so schlecht zu gehen scheint. Wer gedankt hat, darf dann auch bitten und flehen und wird dann Gehör finden.

Paulus schreibt dieses Wort aus dem Gefängnis. Er ist also auch nicht gerade in einer erfreulichen Lage. Aber dennoch kann er die anderen trösten und ihnen Mut zusprechen. Gerade wenn es ihm schlecht geht, wachsen ihm Kräfte zu, noch für andere da zu sein.

So soll es aber in der Ehe auch sein: Wenn einer einmal mutlos und verzagt ist, dann hat er den anderen, der ihm weiterhelfen kann. Und über beiden steht Gott, der helfen will und gesagt hat: „Sorget nichts, sondern in allen Dingen laßt eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden!“

 

„Über alles ziehet aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit; und der Friede Christi regiere in euren Herzen!“                                                                                                                                                   (Kol 3,14-15)

Bei einer Hochzeit stehen die Braut und das Brautkleid meist im Mittelpunkt des Interesses. Man spricht ja vom „Brautpaar“, so als ob es nur um die Braut ginge und der Bräutigam nur ein Anhängsel wäre. Für viele Bräute sind auch weißes Kleid und Schleier - vielfach auch der Gang zur Kirche unter Glockengeläut und Orgelklang - der Inbegriff des Schönen.

Der Kolosserbrief aber weist uns darauf hin, daß es noch einen schöneren Schmuck für ein Ehepaar gibt: „Ziehet an die Liebe“. Diese kann man zwar nicht sehen, aber sie ist viel wichtiger als das, was den neugierigen Zuschauern ins Auge fällt. Man kann sie auch nicht anziehen (oder wieder ausziehen), wie man das mit einen Kleid tun kann; sie wächst unsichtbar, sie ist einfach da und verschwindet hoffentlich nicht wieder.

Die Liebe ist auch nichts für die Öffentlichkeit. Wie zwei Menschen zueinander stehen, geht nur sie etwas an - und Gott, der die Herzen der Menschen kennt. Er möchte, daß die Menschen in Liebe miteinander verbunden sind: Alle Menschen in der Welt sollen sich mit Liebe begegnen, besonders aber ein Ehepaar.

In der Ehe als der kleinsten Keimzelle der menschlichen Gemeinschaft kann beispielhaft deutlich werden, was Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe ist. Davon kann eine Vorbildwirkung ausgehen, so daß auch die anderen Lust bekommen, dem nachzueifern und ebenso zu werden. Wenn es aber schon im kleinen Bereich nicht klappt, wie soll es da zu einem guten Miteinander mit anderen Menschen kommen?

An Ihnen wird es liegen, ob Sie zu einem Vorbild einer christlichen Ehe werden. Wenn Sie sich bemühen, nach dem Wort und Willen Gottes zu leben, dann werden Sie einen großen Gewinn für Ihr Leben und Ihre Ehe haben. Nur muß man sicher dann auch mit seinem ganzen Leben hinter allem stehen.

Dann wird auch die Liebe zweier Menschen nach außen sichtbar. Wenn man sie anzieht wie ein Kleid, dann wird man gewissermaßen ein neuer Mensch. Mann und Frau erscheinen dann als eine neue Einheit, auch wenn jeder für sich noch eine Einzelpersönlichkeit bleibt. Aber wenn man von einem redet, wird man auch gleich den anderen mitdenken.

Noch schöner aber ist es, wenn auch gleich die Beziehung zu Gott mit deutlich wird. Die menschliche Liebe ist doch umschlossen von der Liebe Gottes. Diese ist Richtschnur und Vorbild, sie erst gibt der menschlichen Liebe Kraft und Ausdauer. Weil Gott uns liebt, können wir uns auch untereinander lieben.

Wieder im Bild gesprochen: Das Kleid der Liebe brauchen wir uns nicht selbst zu schneidern, sondern es wird uns von Gott geschenkt. Wir brauchen es nur anzuziehen und es gebrauchen, dann können wir uns auch daran freuen und unseren Anteil davon haben.

So wird die Liebe zu einem Band der Vollkommenheit, zu einem festen Band, das Mann und Frau miteinander verbindet, so daß sie weitgehend eins werden. Die Liebe bindet aber auch all die anderen Vorzüge und Stärken eines Menschen zusammen, sie ist gewissermaßen die höchste Tugend, die das Bild abrundet und alles zur Vollkommenheit emporhebt.

Ähnliches gilt aber auch von dem Frieden Gottes, der in unseren Herzen regieren soll. Daß Mann und Frau auch Frieden miteinander halten, dürfte ja wohl selbstverständlich sein. Zwar lassen sich Spannungen und Meinungsverschiedenheiten nicht ganz ausschließen, dazu ist je­der doch ein sehr eigen geprägter Mensch. Aber zu einem Kleinkrieg darf es deswegen dann nicht kommen.

Gott will Frieden unter den Menschen haben. Wer sich von ihm leiten läßt, wird Frieden haben. Wenn Gott im Herzen eines jeden Menschen regiert, dann werden sie auch ihre Probleme friedlich lösen und gut miteinander leben.

Das gilt im Großen wie im Kleinen. Ihre Aufgabe wird es sein, andere zum Frieden anzuleiten, indem sie ein gutes Vorbild abgeben und auch direkt zum Frieden mahnen. Es wäre schön, wenn Sie eine Atmosphäre des Friedens in ihrem Heim schaffen könnten, die auch auf andere ausstrahlt.

Gott will Ihren dazu helfen, mit sich selber und mit Ihren Beziehungen zu anderen Marschen zurechtzukommen. Heute will er Ihnen seinen Segen zur Stärkung mit auf den Weg geben. Die Kraft dieses Segens werden Sie erfahren, wenn Sie ihn an sich wirken lassen. Gott will uns allen helfen auf dem Weg durchs Leben. Wir brauchen uns ihm nur anzuvertrauen.

 

„Lasset uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus!“                                                                                                                                                               (Eph 4,15)

Wenn man sich heiratet, dann liebt man sich. Das dürfte doch wohl selbstverständlich sein. Zwei Menschen haben sich gegenseitig anziehend gefunden, sie sind öfter zusammengewesen, es ist Liebe daraus geworden. .Jetzt soll das durch die Hochzeit öffentlich gezeigt und auf eine dauerhafte Grundlage gestellt werden.

Man kann das nicht erklären, wie Liebe zustande kommt. Wer sich liebt, der weiß eben, was das ist. Aber auf jeden Fall ist Liebe die Voraussetzung für das Leben in der Ehe. Mit der gegenseitigen Zuneigung fängt es an. Ohne sie kann man es gleich sein lassen.

In der Ehe kann man lernen, wie ein Mensch mit dem anderen umgeht. Auf dieser kleinsten Zelle der menschlichen Gemeinschaft baut sich die ganze Gesellschaft auf. Wenn es hier nicht klappt, wie soll es da im Großen und Ganzen klappen?

Hier kann man üben, was Mitmenschlichkeit ist. Jeder muß seine Wünsche ein wenig zurückstecken, wenn sie nicht mit den Wünschen des anderen übereinstimmen. Damit muß man ja rechnen, auch wenn man sich liebt. Es sind und bleiben ja doch zwei unterschiedliche Menschen, die sich heiraten. Sie können gar nicht in allen Dingen übereinstimmen.

Aber da kommt es darauf an, daß man sich einigt und Kompromisse findet. Wenn man sich liebt, sollte das am besten möglich sein. Da ist man am ehesten bereit, auch einmal nachzugeben um der gemeinsamen Sache willen, da findet man schon wieder eine neue Basis.

Es geht nicht, daß einer das Haupt in der Ehe sein will. Früher war das automatisch der Mann. Als der Ernährer der Familie und oftmals auch als der Hausbesitzer war er von vornherein im Vorteil, seine führende Rolle wurde unbestritten anerkannt.

Heute geht es aber nur in einer Partnerschaft. Mann und Frau sind schon von Gott gleichwertig geschaffen. Erst beide zusammen ergeben den Menschen. Nicht der Mann ist die Krone der Schöpfung, sondern erst Mann und Frau zusammen. Das soll auch in der Ehe deutlich werden, indem sich beide gegenseitig ergänzen und ihre starken Seiten auch dem anderen zugutekommen lassen und ihre schwachen Seiten etwas zurückdrängen.

Damit es aber zu einer echten Partnerschaft kommen kann gehört auch der Glaube dazu, die Beziehung zu Christus. Er ist das Haupt der Gemeinde, er sollte auch das Haupt in der Ehe sein.

Die christliche Gemeinde wird hier verglichen mit dem menschlichen Körper, wo jeder Teil seine Funktionen hat und jeder irgendwie wichtig ist. Das Zusammenspiel muß klappen, sonst wird es nichts. Aber gelenkt wird das alles vom Haupt. Aber nicht der Pfarrer ist das Haupt der Gemeinde, sondern Christus. Er allein hat das Sagen.

So kann auch in der Ehe weder der Mann noch die Frau das Haupt sein, sondern beide haben sich unterzuordnen unter Christus. Wenn er das Haupt ist, der gemeinsame Herr, dann wird auch das Verhältnis der Eheleute untereinander ins rechte Lot kommen.

Deshalb ist der Glaube eine wichtige Komponente im Leben und in der Ehe. Im Epheserbrief heißt es sogar: „Lasset uns wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist!“ Das bedeutet doch: Man kann sich immer noch qualifizieren, immer noch dazulernen. Auch in der Liebe kann man sich immer noch vervollkommnen. Die Hochzeit ist nur ein Anfang. Danach soll es mit der Liebe nicht immer mehr bergab gehen. Vielmehr ist sie immer noch entwicklungsfähig.

Deshalb sollten wir uns nicht zufrieden geben mit dem Erreichten, sondern immer noch nach mehr streben. Die Liebe ist wie eine Pflanze, die Nährstoffe und Wasser und Sonne braucht. So muß auch die Liebe gepflegt werden damit sie wachsen kann. Dann wird sie sich immer mehr entfalten und ihre Kraft erweisen.

Gott verheißt Ihnen jedenfalls heute seinen Segen, wenn Sie es mit ihm wagen. Er will Ihnen helfen, mit sich selber, mit Ihrem Leben und mit anderen Menschen zurechtzukommen. Mit ihm haben Sie einen guten Anfang gemacht, Nun wird er Ihnen auch helfen, immer weiter zu wachsen, aneinander und miteinander zu wachsen und ihn das Haupt sein zu lassen.

 

„Wandelt in der Liebe, wie Christus euch hat geliebt!“                                                                            (Eph 5,2)

Wenn man heiratet, dann ist es klar, daß man sich immer lieben wird. An so einem Tag hängt der Himmel voller Geigen und alles ist in ein rosiges Lieht getaucht. Warum auch nicht?! Hochzeit ist nur einmal, und da darf man ruhig das Beste erhoffen. Warum sollte die Liebe nicht alles überbrücken, was an Schwierigkeiten einmal kommen könnte?

„Wieso Schwierigkeiten?“ wird mancher fragen. Wer denkt denn in diesem Augenblick daran? Aber wir brauchen ja nur an die vorhergehenden Generationen zu denken. Sie sind ja nicht die ersten, die hier getraut werden. Vor ihnen haben andere hier gestanden, die genauso freudig ihre Ehe begonnen haben. Aber viele haben Krieg und Not und Elend mitmachen müssen und dabei auch sehr schwere Zeiten für ihre Ehe erlebt.

Wir hoffen alle, daß Ihnen und uns ein Neuanfang am Nullpunkt erspart bleibt. Sie haben eine Wohnung, ihre berufliche Existenz ist gesichert, es wurde alles getan, was den Menschen möglich ist. Aber man muß auch nüchtern mit schwereren Zeiten rechnen. Umgedreht: Wenn alles gut geht, hat man umzog mehr Grund, dankbar zu sein.

Aber Sie werden sich heute vielleicht doch fragen: Wie finden wir den richtigen Weg? Wie soll es weitergehen? Wo sind unsere Vorbilder. und wer kann uns unter Umständen helfen? Vielleicht ist man in einem solchen Augenblick doch noch etwas zaghaft und kann erst einmal nur unsichere Schritte tun.

Es wird jetzt sicher anders sein als in der Verlobungszeit, weil Sie nun genau wissen, daß Sie für immer zueinander gehören. Das kann Ihnen einen noch engeren Zusammenhalt nach innen und nach außen geben. Sie gehören jetzt stärker zusammen als das alle Bindungen vorher ausdrücken konnten. Ihre Liebe ist das Bindemittel, das sie gegen alle Spaltungsversuche widerstandsfähig macht.

All das ist im Blick, wenn es hier heißt: „Wandelt in der Liebe!“ Gewiß ist das zunächst einmal allen Christen gesagt. Aber für ein christliches Ehepaar gilt es ganz besonders. In der Ehe kann man nämlich noch am besten üben, wie man in Liebe miteinander umgeht. Wenn es in diesem kleinen Rahmen gut geht, dann wird es auch leichter sein, mit anderen Menschen auszukommen. Wer Liebe von klein auf gelernt hat, wird sie dann auch im großen Rahmen üben können.

Die Ehe ist ja nicht nur eine Privatsache. Staat und Gesellschaft wollen alles richtig geordnet wissen. Ihre Angehörigen nehmen großen Anteil daran. Bekannte und Schulkameraden befassen sich damit. Man wird einfach in einen weiteren Kreis hineingestellt. Manchem mag es lästig sein, aber es hat auch wieder seine gewissen Vorteile.

Vor allen Dingen hat die Eheschließung auch etwas mit Gott zu tun. Das haben Sie ja dadurch zum Ausdruck gebracht, daß Sie hier zur Kirche gekommen sind, um getraut zu werden. Es wird sicher eine große Hilfe sein, wenn man bei einem solchen wichtigen Schritt um den Segen Gottes bittet. Man kann nur dann echt in der Liebe wandeln, wenn man sich von der Liebe Gottes umschlossen weiß und sich von ihr tragen läßt.

Deshalb heißt es ja auch in dem Bibelspruch: „Wandelt in der Liebe, wie Christus euch hat geliebt!“ Es gibt noch mehr als die Liebe von Mensch zu Mensch, nämlich die Liebe zu Christus. Aber er hat uns zuerst geliebt, um uns zur Liebe anzureizen.

Daß Sie beide die Liebe Christi jeden Tag neu erfahren mögen, wünschen wir Ihnen von ganzem Herzen. Daß Gott Ihnen der Bezugspunkt Ihrer Ehe werden möge, dafür wollen wir alle beten. In Ihrer menschlichen Liebe mag es auch einmal Eintrübungen geben. Die Beziehungen zu anderen Menschen mögen kurz vor dem Abbruch stehen, trotz aller Belastungen von unserer Seite.

Wir treten ja doch oftmals die Liebe Gottes mit Füßen. Manchmal tut man dem am meisten weh, den man am meisten lieb hat oder von dem man an meisten geliebt wird. Dann sind wir alle nur Menschen und sind auf die Vergebung Gottes und die gegenseitige Verzeihung angewiesen.

Weil Christus uns zuerst geliebt hat, können und dürfen wir auch die anderen lieben und etwas von unserer Liebe an sie weitergeben. Etwas von Ihrer Liebe, die Sie als Eheleute füreinander empfinden, soll auch auf Ihre Angehörigen und Bekannten ausstrahlen, damit sich alle wie eine große Familie fühlen können.

Auch in der christlichen Gemeinde können Sie eine besondere Heimat finden. Sie stehen nicht allein, sondern sind mitgetragen von einer großen Schar von Menschen, die Ihnen auch einmal mit äußerem und innerem Rat zur Hilfe stehen können. Aber das Entscheidende, worauf Sie Ihre Ehe gründen können ist allein die Liebe füreinander und die Liebe Christi zu Ihnen.

„Wandelt in der Liebe, wie Christus euch hat geliebt!“

 

„Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Argen!“                                    (2. Thess 3,3)

„Hab ich nur deine Liebe, nach Treue frag ich nicht!“ heißt es in einem Lied. Aber wenn man einmal heute Eheleute fragen würde, die wären wahrscheinlich nicht mit diesem Satz einverstanden. Zur Liebe gehört euch unbedingt Treue dazu. Alles andre ist nur Liebelei, etwas

Unverbindliches, das man jeden Tag wieder rückgängig machen kann.

Liebe und Treue muß einfach auf Dauer angelegt sein, man muß sich einfach dem anderen bedingungslos hingeben, sonst kann man es nicht ehrlich meinen. Wenn man das eben nicht kann, sollte man auch nicht von Liebe sprechen.

Nun heißt es aber hier in diesem Spruch: „Der Herr ist treu!“ Das bedeutet doch wohl: Mit unserer menschlichen Treue ist es manchmal nicht so sehr weit her, da gibt es manche Enttäuschungen trotz aller gegenteiligen Beteuerungen. Wie mancher hat schon ewige Treue

Geschworen und vierzehn Tage später war alles vergessen. Aber Gott läßt uns nicht sitzen, und was er einmal versprochen hat, das wird er auch halten.

Ihnen will er heute bei Ihrer Trauung ganz besonders seinen Segen und seine Treue versprechen. Gleich zu Beginn Ihrer Ehe dürfen Sie hören: Gott will Sie auch weiter auf Ihrem gemeinsamenWeg begleiten. Das ist ein großes Geschenk, das Ihnen da gemacht wird. An Ihnen wird es jetzt liegen, was Sie daraus machen.

Gott gibt sein Versprechen ja, ohne vorher Gegenleistungen zu verlangen. Aber dann ist es doch eigentlich für uns selbstverständlich, daß wir uns dieser Treue als würdig erweisen und so leben, wie er es eigentlich von uns erwartet. Gott stellt heute seine Forderungen an Sie. Aber wer sein Handeln begriffen hat, der weiß, was er jetzt zu tun hat.

Überlegen Sie doch einmal, worin diese Treue Gottes besteht? Hier in unsrem Vers steht: „Der wird euch stärken uni bewahren vor dem Argen!" Sicherlich wird auch manches Arge in ihrer Ehe kommen. Denken wir vielleicht an eine lange und schwere Krankheit. Vielleicht verspüren Sie Neid der Nachbarn oder kommen im Beruf in Schwierigkeiten. Vielleicht kommt einmal wirtschaftliche Not oder das Leben wird aus sonst einem Grunde unruhig. Wir müssen einfach damit rechnen, daß nicht alle Tage Sonnenschein ist.

Natürlich werden wir an so einem Tag nicht schwarzmalen. Es gibt ja auch viel Schönes, das man in einer Ehe erleben darf. Und hoffentlich können Sie dann zur Goldenen Hochzeit sagen: „Das Schöne hat doch überwogen!“ Aber man muß auch nüchtern sein und sich recht zeitig auf alles einstellen, das kommen kann.

Sie haben von nun an den Vorteil, alles gemeinsam erleben zu dürfen, Freude und Leid. Ihre beiderseitigen Gaben können sich ergänzen und die jeweiligen Schwächen können von dem anderen ausgeglichen werden. Das ist die erste Gabe, die Gott Ihnen mit der Ehe schenkt: gegenseitige Unterstützung.

Aber wir wissen alle, daß Menschen mit ihren Möglichkeiten an eine Grenze kommen, so daß höchstens Gott noch helfen kann. Aber es ist nun euch nicht so, daß Gott uns alle Hindernisse aus dem Weg räumt. Es heißt hier zunächst nur: „Er wird euch stärken!“ Ihr werdet

eine Kraft von Gott empfangen, damit ihr das Schwere durchstehen könnt; aber ihr müßt es selber durchstehen.

Es steht aber auch dann da: „Er wird euch bewahren!“ Also Manches wird Gott in der Tat fernhalten, weil es zu viel für uns würde. Aber die Entscheidung darüber liegt bei ihm, er weiß ja besser als wir, was er uns zumuten kann und was nicht.

Wir können Gott immer wieder bitten, daß er das Arge von uns nimmt oder uns Kraft gibt, es zu bestehen. Auch darauf will die Trauung hinweisen: Wir haben einen Herrn, der über allem steht und an den wir uns immer wenden können: einmal um uns für die erfahrene Hilfe zu bedanken, aber auch, um ihn für die Zukunft zu bitten. Gott hat immer ein Ohr für uns, das sagt er Ihnen heute ganz persönlich zu.

Auf diesen Gott können wir uns verlassen. Daran will Sie Ihr Trauspruch immer wieder erinnern. Er soll eine Hilfe sein in schweren Tagen, aber auch darauf hinweisen, wieviel wir unserem Gott zu verdanken haben. „Gott ist treu, der wird euch stärken und bewahren vor dem Argen!“

 

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht!“                                                                                                                                                                                (2. Tim 1 7)

Auch der stärkste Mann empfindet irgendwann im Leben einmal Furcht. E i n e schwache Seite hat jeder, wo man ihn angreifen und in die Enge treiben kann. Vielleicht sonnt er sich im Augenblick noch im Gefühl seiner Stärke, aber im nächsten Augenblick ist er schon klein und hilflos.

Manchmal ist es die Furcht vor einer deutlich sichtbaren Gefahr. Manchmal aber auch ist es eine untergründige Angst, deren Ursache man nicht kennt. Man ahnt nur: Da ist etwas, das mich in Schwierigkeiten bringen kann, aber ich weiß nicht, wie ich ihm begegnen soll oder könnte.

Mit solchen Dingen müssen Sie auch in Ihrer Ehe rechnen. Es wird keinem Menschen leichtgemacht im Leben, jeder hat seine Hindernisse zu überwinden. Denken Sie nur daran, was frühere Generationen alles haben durchmachen müssen, vor allem in den Kriegen. Da dürfen wir froh sein, wenn wir jetzt ruhigere Zeiten haben und nicht gleich mit großen Sorgen und Belastungen in eine Ehe zu gehen brauchen.

Doch erspart wird auch heute niemandem etwas. Natürlich können wir nicht in die Zukunft schauen. Aber man muß auch ganz nüchtern mit allem Möglichen rechnen. Selbstverständlich wollen wir an einem Tag wie heute nicht schwarz malen. Aber es wird sicher nicht nur eitel Freude und Sonnenschein geben.

Deshalb wird uns in diesem Bibelspruch auch gesagt: „Laßt euch nicht von der Furcht überwältigen .Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht. Gott will nicht, daß auch nur eins seiner Menschenkinder Angst haben müßte!“

Doch wer solche Zuversicht von uns verlangt, der muß auch die Macht haben, uns im entscheidenden Augenblick zu beschützen. Man hat gut reden: „Seid nicht furchtsam!“ wenn man selber im ruhigen Hafen sitzt und einem niemand etwas anhaben kann.

Aber Gott k a n n uns beschützen in den mannigfachen Gefahren dieses Lebens. Er hat sich nicht einfach in einen stillen Winkel zurückgezogen, um von dort aus das Weltgeschehen und das Ergehen der Menschen zu beobachten. Er ist vielmehr mitten unter uns und bei den Entscheidungen unseres Lebens mit dabei. Er kann uns auch helfen, wenn wir einmal aus Furcht vor einer Gefahr zurückweichen wollen. Er stärkt uns dann den Rücken und gibt uns einen unbeschwerten Geist.

Dazu gehören nun aber auch drei Dinge von unsrer Seite, die hier aufgezählt werden: Kraft, Liebe und Zucht! All das ist auch für eine Ehe notwendig und hilft mit dazu, alle Furcht und Zaghaftigkeit zu überwinden und zuversichtlich in die Zukunft zu sehen.

Zunächst das Stichwort „Kraft“. Wenn zwei Menschen sich zusammentun, dann haben sie mehr Kraft als je einer allein. Das ist ja das große Geschenk, das Ihnen in der Ehe mitgegeben wird: Sie können sich gegenseitig unterstützen und helfen. Und Sie werden auch viel Kraft brauchen, um mit allen Schwierigkeiten fertig zu werden. Dazu gehört ein unermüdliches Training, um den immer neuen Anforderungen gerecht zu werden.

Dazu gehört aber auch die Unterstützung Gottes, der erst die letzte Sicherheit des Sieges geben kann. Um zusammenstehen zu können zum gemeinsamen Werk braucht man aber auch viel Liebe. Bei Eheleuten sollte das je auch wohl die erste Voraussetzung sein. Die Liebe bringt es fertig, auch einmal über die Fehler des anderen hinwegzusehen und ihm im Versagen wieder aufzuhelfen. Die Liebe freut sich aber auch mit den Erfolgen des anderen und bestärkt ihn noch in allen Fortschritten. Und schließlich kann sie auch trösten, wenn einmal etwas schief gelaufen ist. Vielleicht kann auch die Liebe noch am ehesten alle Furcht überwinden. In der Bibel heißt es einmal: „Völlige Liebe treibt die Furcht aus!“

Das Dritte schließlich wäre das Wort „Zucht“. Wir hören es vielleicht nicht gern. Wir wollen lieber tun und lassen können, was wir wollen, anstatt uns in Zucht zu nehmen. Aber Verzicht und Beherrschung sind eben auch nötig, wenn es gut gehen soll. Wer trainiert, muß auf manches verzichten; aber er wird dann auch umso eher den Sieg erringen. Wer etwas haben will, muß auch etwas geben. Auch das Glück in der Ehe muß man sich erst erringen. Aber verheißen ist es eben jedem.

Wenn Sie sich jetzt auf den Weg machen in Ihre Ehe, dann denken Sie immer an dieses Wort Gottes: „Keine Furcht, sondern Kraft, Liebe und Zucht“. Wer so lebt, dem ist Gottes Hilfe sicher. Lassen Sie sich deshalb in diesem Sinne von Gott führen. Das wird dann ihrem Leben Richtung und Sinn geben.

 

Dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat!                             (1. Petr. 4,10)

Dieser Spruch war einmal die Losung unsrer Kirche für ein Jahr. Er kann aber auch zur Losung für eine Ehe werden. An so wichtigen Punkten des Lebens sucht man ja manchmal nach einem Bibelwort, das einem Weisung und Hilfe geben kann.

Zunächst klingt es allerdings so wie ein Befehl, dieses: „Dienet einander!“ Wir denken dann an „Diener“ und „Dienstmann“ und verstehen darunter: nichts zu sagen haben, untergeordnet sein, tun müssen, was andere einem vorschreiben.

So wollen wir aber die Ehe nicht verstehen, daß einer dem anderen etwas vorschreibt. Es geht doch nicht, daß sich einer immer nur bedienen läßt und den anderen nach seiner Pfeife tanzen läßt. Wir sprechen doch heute von Partnerschaft, vom gegenseitigen Einsatz füreinander und von gegenseitiger Hilfe, von gleichberechtigten Mitbestimmung beider Partner.

Die Ehe ist doch das erste Spielfeld der Mitmenschlichkeit. Dort können wir üben, was Partnerschaft und Nächstenliebe ist. Wo zwei Menschen in Liebe miteinander leben, da werden sie auch mit anderen Menschen gut auskommen. Wenn es aber schon zu zweit nicht klappt, wie werden sie da mit anderen in Frieden leben können?

Deshalb ist jeder aufgefordert, seine Vorzüge und Stärken in die Ehe mit einzubringen. Das ist ja mit ein Sinn der Ehe: Zwei Menschen tun sich zusammen, um zu zweit besser durchs Leben zu kommen, um sich gegenseitig zu helfen und um sich ergänzen zu können.

Nur wer bereit ist, auch selber etwas zu tun, wird etwas empfangen. Wer viel leistet, kann auch vielerwarten. Deshalb geht es in der Ehe nicht ums Bedienen. Man muß sich die Ehe erst verdienen. Das ist schon ein ganzes Stück Arbeit: Wer sich immer nur bedienen läßt, wird nichts vom Segen der Ehe verspüren.

Einem jeden sind Gaben mitgegeben, die er als Anteil in die Ehe einbringt. Bei aller Gleich­berechtigung gibt es doch nach traditioneller Weise bestimmte Aufgaben, die mehr dem Mann oder mehr der Frau zukommen. Der eine ist vielleicht mehr der Steuermann der dafür verantwortlich ist, daß das Schiff der Ehe auf dem richtigen Kurs bleibt. Und der andere sorgt mehr dafür, daß es eine angenehme Fahrt ist, die man gern mitmacht.

Jeder wird schon selber seine Gaben und Vorzüge kennen. Er wird auch die guten Seiten des anderen kennen, denn die haben ihn ja so anziehend gemacht. So kann einer dem anderen helfen. Der Mann ist vielleicht ein bißchen ruhig und kann ab und zu einmal einen Rippenstoß gebrauchen. Die Frau aber ist vielleicht etwas zu lebendig und aufgeregt, da tut ihr die besonnene Art des Mannes ganz gut. Und selbstverständlich kann es auch genau umgedreht sein. Aber wenn nun beide allein geblieben wären, hätten sich die Anlagen des Einzelnen einseitig weiterentwickelt. So aber können sich die Ecken und Kanten des Einzelnen mit der Zeit abschleifen, zum eigenen Vorteil und zum Wohl der Umwelt.

Wir wollen aus diesem Spruch: „Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!“ nicht einen harten Befehl heraushören. Wir wollen vielmehr die Verheißung begreifen lernen: Gott hat uns viele Gaben mitgegeben, die wir zum Wohle für den anderen und damit auch zum eigenen Nutzen anwenden dürfen. Wir brauchen uns nicht allein durch die Welt zu schlagen, sondern wir dürfen die Hilfe des Ehepartners erfahren.

Doch das ist noch nicht alles. Es gibt natürlich auch Dinge, wo Menschen nicht wehr weiterhelfen können. Da sind wir dann auf den Beistand Gottes angewiesen. Die Ehe ist natürlich erst einmal ein sehr weltliches und menschliches Geschäft. Aber wer darum bittet, der darf den Segen Gates für diese Aufgabe mitnehmen.

In der Fortsetzung des Spruches heißt es dann: „Dienet einander als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes!“ Gott hat uns manche Gnadengabe mitgegeben. Wir sollen sieverwalten und weitergeben. Auch die Ehe ist solch ein Geschenk, das Gott in unsere Hände gelegt hat. Er will es uns dadurch leichter machen. Er will aber auch als der Dritte mit dabei sein, wenn wir nur seine Hilfe annehmen.

Sie sind heute gefragt, ob Sie dieses Geschenk der Ehe recht verwalten wollen. Sie können das Beste daraus machen. Sie können aber auch den Auftrag Gottes verfehlen. Nur eins steht fest: Wer sich auf Gott verläßt, der wird vielfältige Hilfe von Gott erfahren. Im Vertrauen darauf dürfen Sie Ihren Weg beginnen!

 

„Alle eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorgt für euch!“                                                            (1.Petr 5,7)

Jeder Mensch hat seine Sorgen im Leben: Das fängt an bei den kleinen Kindern, die Hunger haben und versorgt werden wollen von der Mutter, und die heulen, wenn man ihnen Unrecht getan hat oder sie in die Ecke gedrückt hat. Es ist durchaus nicht so, daß die Kinder nur froh und glücklich wären, sie haben auch schon ihre Sorgen und Probleme.

Bei Erwachsenen sieht die Sorge dann meist etwas anders aus: Er hat viel mit seinem Beruf zu tun, muß seinen Mann im Leben stehen und wird von vielen Seiten gefordert und bean­sprucht. Ein erwachsener Mensch weiß auch um sein Versagen, seine Fehler und seine Schwächen. Er spürt sein Unvermögen und ist darüber beunruhigt und sucht immer nach besseren Wegen.

Und ein alter Mensch hat dann auch wieder seine Sorge: Er fühlt sich oftmals überflüssig und nicht mehr geachtet. Die körperlichen Kräfte lassen nach, und auch die Gedenken sind nicht mehr so vorwärtsstrebend wie früher. Man überlegt sich, wie alles weitergehen wird, ob das eigene Leben nicht vergeblich gewesen ist und ob man auch den letzten Gang seines Lebens wird bestehen können.

Kein Lebensalter ist von Sorgen ausgeschlossen. Und selbst bei einem so freudigen Anlaß wie einer Hochzeit bleibt doch noch ein bißchen Ungewißheit. Man macht sich doch immer seine Pläne und möchte, daß alles möglichst schön wird.

Aber wir wissen doch alle, daß wir unser Leben nicht in der Hand haben. Sicherlich können wir viel zu unserem Glück beitragen und manches selber regeln. Aber das letzte Gelingen steht nicht zu unsrer Verfügung. Deshalb sind wir unsicher und blicken oft auch mit Sorgen in die Zukunft.

Doch Gott ruft Ihnen da heute zu; „Alle eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorget für euch!“ Wir dürfen alles, was uns belastet, bei Gott abladen und sind es damit ein für allemal los. Deshalb ist ja Jesus für uns gestorben, damit nicht wir alle Last tragen müssen, sondern frei und unbeschwert unser Leben führen können. Wir brauchen auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn wir Gott unsere Sorgen vortragen .Dafür ist er ja da, er will uns ja gerne helfen und bietet uns seine Hilfe extra an.

Eine Hilfe ist natürlich auch‚ daß: Gott Mann und Frau füreinander geschaffen hat. Sie sollen nun in der Ehe einander helfen und beistehen in allen Dingen dieses Lebens. Wir müssen in unserem Leben nicht allein bleiben‚ sondern haben immer einen Menschen bei uns, der uns die Last des Lebens tragen hilft und uns Freude-und Vertrauen schenkt.

Gott will aber auch, daß in der Ehe einer den anderen achtet und ehrt, trägt und duldet. Wir erfüllen dann Gottes Willen, wenn wir in guten und schweren Tagen zusammenstehen und Freude und Leid, Erfolg und Enttäuschung miteinander teilen. Wir können dann auch Gefahren und Versuchungen gemeinsam bestehen und aller Uneinigkeit wehren. Gott fordert auch, daß wir einander vergeben, wenn das nötig ist.

Die Ehe gilt für die Zeit des Lebens. Deshalb will Gott auch, daß die Eheleute Liebe und Treue zueinander haben. Er verspricht Ihnen seine Treue für Ihr ganzes Leben. Deshalb erwartet er auch, daß Sie ihm Treue halten und auch untereinander treu sind.

Gott hat zuerst für uns gesorgt. Deshalb sollen wir auch füreinander sorgen, nicht nur die Eheleute füreinander, sondern auch für andere. Eine Ehe hat noch nicht ihren Sinn erfüllt, wenn sich zwei Menschen miteinander abkapseln‚ sondern nur wenn sie offen sind für andere und ihnen zu Hilfe kommen.

Dazu sind wir am ehesten in der Lage‚ wenn wir uns gemeinsam an Gottes Wort halten und am Gemeindeleben teilnehmen und wenn wir anderen Menschen in der Gemeinde und in der Welt dienen, je nach den Fähigkeiten, die man hat, als Einzelner oder auch gemeinsam als Ehepaar. Wer das beherzigt, braucht nicht sorgenvoll in die Zukunft zu sehen. Gewiß, Gott räumt uns nicht alle Steine aus dem Weg. Er ist nicht dazu da um es uns nur leicht und bequem zu machen. Aber wenn wir auf ihn vertrauen, werden wir es mit seiner Hilfe schon schaffen.

Wir als            christliche Gemeinde wollen für Sie, das Ehepaar, beten. Wir wissen, daß Sie keinen leichten Weg gehen. Aber wir vertrauen darauf, daß Sie die Gnade Gottes nicht verspielen und daß Sie den Weg finden, der Ihnen nach Gottes Willen vorbestimmt ist. Nur mit Gott wird es ein guter Weg sein. Aber wenn Sie sich zu ihm halten, dann dürfen Sie gewiß sein, daß sich dieser Bibelspruch bewahrheitet und eine Hilfe sein wird: „Alle eure Sorge werfet auf ihn‚ denn er sorget für euch!“

 

„Hat uns Gott geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben!“                                       (1. Joh 4,11 )

„Warum geht es in der Welt denn so zu?“ fragen wir uns doch oft. „Warum muß es Krieg geben zwischen den Völkern und Streit zwischen den Menschen? Warum machen wir uns denn das Leben gegenseitig so schwer? Es könnte doch auch anders gehen, mit etwas mehr Verständnis und Zuvorkommenheit?

Woran liegt es wohl, daß kein Friede auf Erden ist? Weil die wenigstens Menschen begriffen haben, daß Gott schon Frieden mit uns geschlossen hat. Weil er aber keinen Streit mit uns sucht, sollten wir uns auch untereinander vertragen können. Gott will nicht, daß es Streit unter den Menschen gibt, weil er uns liebhat: „Hat uns Gott geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben!“

Unsere menschliche Liebe steht also nicht im luftleeren Raum, sondern sie ist umschlossen von der Liebe Gottes. Wir können nicht sagen: „Liebe ist unsre Privatsache und unsere eigene Erfindung!“ Sondern nur weil Gott uns geliebt hat, können wir uns auch untereinander lieben.

Wenn wir im Winter eine feurige Kohle in den Schnee werfen, dann ist sie bald verglüht, die Kälte bringt sie schnell zum Verlöschen. Wenn sie weiterbrennen soll, braucht sie andere glühende Kohlen. Aber allein ist sie verloren.

So ist es auch mit unserer menschlichen Liebe: Sie muß sich an der Liebe anderer Menschen erwärmen können, und sie muß immer wieder neue Nahrung von Gott her erhalten, sonst verkümmert sie und erlöscht. Gerade in einer Ehe wird das ja deutlich: zwei Menschen tun sich zusammen, um sich gegenseitig helfen zu können und um gegenseitig diese Liebe üben zu können. Die Ehe ist das erste Spielfeld der Mitmenschlichkeit. Das ist eben die Verheißung, die einer Ehe mitgegeben wird: Gott hat das von Anfang an so eingerichtet, damit niemand allein in der Welt zu stehen braucht. In der Ehe dürfen wir die Fürsorge Gottes ganz besonders erfahren.

Aber dann wollen wir dieses Geschenk Gottes auch achten und bewahren und nicht mutwillig Wasser auf die Glut schütten. Gott hat uns mit der Ehe auch eine große Verantwortung auferlegt, die wir nicht von uns aus abschieben können.

Aber auch rein aus Vernunftgründen wäre das dumm: Unsere Welt ist kalt und frostig genug. Da sollten wir es nicht von uns aus noch schlimmer machen, sondern uns über die warmen Feuerstellen freuen und über sie wachen. Mit einem Geschenk geht man sorgfältig um - oder man wird es wieder verlieren.

Gottes größtes Geschenk haben wir an Weihnachten erhalten: Die Geburt seines Sohnes. Hier hat Gott seine ganze Liebe gezeigt, als er sich diese kalte Welt hineinbegab, um den Menschen wieder Wärme und Geborgenheit zu bringen.

Er kam aber auch, um uns die Vergebung Gottes zu übereignen. Deshalb sollen auch wir Vergebung untereinander üben. Gerade in einer Ehe ist das immer wieder notwendig. Aber wenn Gott den ersten Schritt getan hat, dann können wir auch den zweiten tun.

Drei Dinge haben wir nun bedacht, die Gott uns Menschen schenkt, die er gerade auch Ihnen für Ihre Ehe schenken will: seinen Frieden, seine Liebe und seine Vergebung. Jedem Ehepaar gibt er diese Verheißung mit. Das ist sein Kapital, das er für die Ehe einzahlt. Darauf können Sie sich ganz fest verlassen, das steht Ihnen zur Verfügung. Gott hat seinen Teil dazu beigetragen. Nun sind Sie gefragt, ob Sie sich in diese gute Ordnung Gottes hineinstellen wollen und sich auch von ihr tragen leasen wollen.

Ihnen gilt heute die Zusage: „Gott hat uns geliebt und liebt uns auch jetzt noch!“ Gott will bei dieser Ehe dabei sein. Seine Liebe soll Ihnen helfen, Ihre menschliche Liebe zu festigen und zu bewähren. Ohne ihn wird alles nur schwerer, aber mit ihm haben Sie eine große Hilfe. So möge Sie denn dieser Trauspruch ihre ganze Ehe über begleiten: „Hat uns Gott geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben!“

 

„Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat!“                                           (Hebr.10,35)

Im Zusammenleben der Menschen geht es nicht ohne Vertrauen ab. Man kann ja nicht alles kontrollieren, man kann nicht hinter jeden noch einen Polizisten stellen. Jeder Vorgesetzte muß einfach Vertrauen zu seinen Angestellten haben. Gewiß kann er manches auch kontrollieren und er kann Stichproben machen .Aber er muß doch auch das Zutrauen haben, daß es auch so ehrlich und zu vierlässig zugeht.

Ebenso müssen die Eltern ihren Kindern Vertrauen schenken. Schon in der Schule hat man sie nicht mehr unter den Augen. Je größer die Kinder werden desto mehr sind sie auf sich selbst gestellt und müssen in die Freiheit entlassen werden. Die ganze Erziehung hat ja eigentlich nur die Aufgabe, heranwachsende Menschen zu verantwortungsbewußten und selbständigen Gliedern der Gesellschaft machen. Das geht aber nur, wenn sie es lernen, sich des Vertrauens der Eltern als würdig zu erweisen.

Erst recht ist das Vertrauen aber nötig in der Ehe. Da kann ein Ehepartner unmöglich den anderen mit Hilfe eines Detektivs überwachen. Wenn das geschieht, dann ist die Ehe zerbrochen. Wenn man schon heiratet‚ dann muß man sich bedingungslos einander anvertrauen, sonst läßt man es lieber sein.

Sicherlich wird sich im Laufe einer Ehe manches ändern. Aber das dürfte sich nicht auf das Vertrauen erstrecken, das soll doch immer gleich bleiben. Es kann sein, daß man seine Ansicht ändert, daß man immer noch viel Neues entdeckt und die guten und die schlechten Seiten des Ehepartners immer besser erkennt. Aber das Vertrauen bleibt sich immer gleich.

Die heutige Zeit bringt es nun einmal mit sich, daß Mann und Frau öfters getrennt sind. Meist haben sie getrennte Arbeitsstätten und oftmals muß einer aus beruflichen Gründen ganz außerhalb sein. Dort kommt er dann auch mit anderen Menschen zusammen und stellt vielleicht Vergleiche an. Aber dennoch muß sich hier einer auf den anderen verlassen können. Er muß ganz sicher wissen: er (oder sie) bleibt mir treu! Wenn dieses Vertrauen nicht da ist oder nicht mehr da ist, dann ist die Ehe praktisch zerbrochen.

Aber genauso wichtig ist, daß wir auch Vertrauen zu Gott haben. Er wirbt um unsere Zuneigung und verspricht uns dazu seine Hilfe. Vielleicht ist ein Vertrauen in der Ehe nur möglich, wenn man auch Vertrauen zu Gott hat. Oder vielleicht muß man es auch umgedreht sagen: Nur wer im menschlichen Bereich Vertrauen erfahren hat, wird auch Vertrauen zu Gott fassen können.

Beides hängt wahrscheinlich doch miteinander zusammen und bedingt einander. Aber sicherlich ist es eine große Hilfe für unsre menschlichen Probleme, wenn diese Beziehung zu Gott mit da ist. Man bleibt dann nicht nur im kleinen eigenen Bereich stecken‚ sondern weiß sich umfangen von der größeren Ordnung Gottes.

Gott hat auch Sie in Ihre Ehe hineingestellt und will Ihnen für Ihr Unternehmen seine Hilfe zusagen. Es ist sicherlich nicht immer einfach in einer Ehe. Es kommen auch einmal schwere Stunden, wo man Belastungen und Schwierigkeit er ausgesetzt ist. Diese muß man dann gemeinsam bewältigen.

Aber sicherlich wird vieles leichter, wenn man dann noch einen Dritten dazu hat, den man gemeinsam ins Vertrauen ziehen kann .Das ist schon so, wenn Sie einen Menschen aus Ihrer Verwandtschaft oder Bekanntschaft finden, der diese Aufgabe mit übernehmen kann. Aber vor allen Dingen können Sie immer auf Gott rechnen. Wir dürfen ihm unsere Fragen und Anliegen im Gebet unterbreiten, und er wird sie hören.

„Werfet euer Vertrauen nicht weg!“ Das heißt doch, daß wir immer auf Gott vertrauen dürfen. Wer an seiner Zuverlässigkeit zweifelt, der wirft sein Vertrauen weg, so wie man eine leere Pappschachtel achtlos auf den Müll wirft.

Aber umgedreht gilt auch: Wer sein Leben von Gott bestimmt sein läßt, der wird auch eine große Belohnung dafür erhalten. Sicher hat ein Ehepaar, das in der Kirche getraut wurde, keine materiellen Vorteile. Aber es hat eine Richtschnur für sein Leben und die Ehe. Man muß nicht blindlings in der Welt herumtapsen, sondern darf im Vertrauen auf Gott seinen Weg gehen. Gott vertraut darauf, daß Sie sich als Ehepaar seiner würdig erweisen. Und wenn Sie das tun, dann wird vielleicht auch ganz äußerlich sichtbar der Segen Gottes auf Ihnen ruhen.

 

„Es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade!“                                                                                                                                                                                                       (Heb. 13,9)

Es ist nicht gut, wenn man ein zu weiches Herz hat, denn dann wird man leicht von den anderen ausgenutzt. Wer immer nur nachgibt und alles duldet oder erduldet, der vernachlässigt seine Aufgaben. Liebe ist nicht, daß man alles auf sich nimmt und zu allem still ist, sondern wenn man gemeinsam das Richtige sucht.

Man kann nicht mit dem Mantel der christlichen Liebe das zudecken wollen, was eigentlich durchgestanden werden muß. Wenn einer sich etwas hat zuschulden kommen lassen, dann kann man nicht stillschweigend darüber hinweggehen. Damit wäre den Betreffenden ja nicht geholfen und es würde beim nächsten Mal nur schlimmer. Man muß auch einmal etwas sagen können und darf nicht zu weich sein.

Umgedreht ist es aber auch nicht gut, wenn man ein hartes Herz hat. Manche Menschen weiden sich gerade daran, wenn sie einen anderen quälen können. Sie haben kein Erbarmen mit der Not und den Schwierigkeiten der anderen und gehen rücksichtslos vor. Hart ist auch der, der gleichgültig geworden ist gegenüber dem Menschen neben sich, der alles zu selbstverständlich hinnimmt und keine Dankbarkeit und keine Gegenleistung zeigt. Manchen ist auch gar nicht bewußt, wie sehr er einem anderen auf die Nerven fällt oder Druck auf ihn ausübt. Er meint es ja nur gut ist aber in Wirklichkeit ein schlimmer Tyrann.

Diese Erscheinungen kennt man auch von der Ehe, daß einer ein zu weiches oder ein hartes Herz hat. Dadurch wird aber das Zusammenleben sehr erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht. Deshalb lohnt es sich sicher, an Beginn einer Ehe über diese Fragen nachzudenken.

Der Hebräerbrief empfiehlt ein festes Herz. Wer ein festes Herz hat, der geht die notwendigen Kompromisse ein und sucht einen gesunden Mittelweg. Gerade in einer Ehe hat man Zeit und Gelegenheit, gewissermaßen spielerisch herauszufinden, was sachgemäß ist. In vielen Fällen wird man aber erst noch das richtige Gespür für die besten Möglichkeiten finden.

Wer ein festes Herz hat, der nimmt einen sicheren Standpunkt ein. Er läßt sich nicht gleich von jeder Schwierigkeit umwerfen oder von einem anderen beeinflussen. Da gilt es fest zu bleiben gegenüber Einmischungsversuchen von außen und die eigenen Pläne fest verfolgen.

Sicher werden wir aus besserer Einsicht heraus dann doch manche Abstriche machen müssen. Wir werden auch auf den Rat anderer hören. Aber die Entscheidung wird niemandem ab­genommen.

Natürlich will jeder auch immer ein wenig seinen eigenen Standpunkt behaupten. Das ist auch bei Eheleuten so. Jeder Mensch ist doch einmalig und unverwechselbar, er kann gar nicht so werden wie der andere oder in allen Dingen mit ihm übereinstimmen. Aber das ist ja auch gar nicht nötig. Sie sollen nur aufeinander zugehen, sich gegenseitig beeinflussen, das Für und Wider gegeneinander abwägen und dann am Ende auch zu einer gemeinsamen Entscheidung finden.

Es ist auch schön, wenn man an dem anderen immer noch Neues entdecken kann, wenn er nie langweilig wird, sondern immer noch überraschend ist. Hoffentlich bleibt der andere immer noch das unbekannte Wesen, auch wenn man soviel von ihm kennt wie kein anderer Mensch. Man darf vieles gemeinsam haben in der Ehe. Aber man muß doch immer die eigene Persönlichkeit des anderen achten.

Wenn Sie nach dieser Regel verfahren -fest, aber nicht hart, Verständnis und nicht Rechthaberei - werden Sie es gut im Leben haben. Das verheißt Ihnen heute der, der der Herr alles Lebens und aller Menschen ist. Er will bei Ihrer Ehe mit dabei sein und will Ihnen dieses feste Herz geben.

Nicht ohne Grund heißt es am Schluß des Verses: "welches geschieht durch Gnade!“ Wenn wir aus eigener Vollmacht unser Herz fest machen wollen, dann wird es sich verhärten und zu nichts mehr taugen. Diese rechte Einstellung muß uns schon von Gott geschenkt werden, sonst werden wir sie nicht erlangen. Gott steht über den Dingen. Wir stecken zu sehr mitten­drin, daß es uns an dem rechten Überblick fehlt und wir leicht einseitig werden.

Gott aber will uns davor bewahren. Das ist das Schöne, das Sie heute erfahren: Gott verspricht Ihnen seine Hilfe, weil er weiß, daß man das nicht allein schaffen kann. Es wird Ihnen heute also ein Angebot gemacht. Wenn Sie leichtfertig daran vorbeigehen, werden Sie es schwerer haben.

Sie werden aber seinen Segen spüren dürfen. Ihr Leben lang, wenn Sie sich diesem Gott anvertrauen. Er hat schon vielen vor Ihnen geholfen. Seine Gnade hat auch heute noch kein Ende. Er will Sie immer aufs Neue in seine Gemeinschaft rufen. Unter seinem Schutz werden Sie sicher gehen bis an Ihr Lebensende.

 

 

„Der Gott des Friedens mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was vor ihm gefällig ist durch Jesus Christus!“                                                                                                                                              (Hebr. 13,21)

Tun wir den Willen Gottes wenn wir eine Ehe schließen? Ja, sagt die Bibel: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, ich will ihm eine Gehilfin machen!“ Aber mit dieser Tatsache allein ist es noch nicht getan. Gott hat zwar eine äußere Ordnung aufgerichtet und gesagt:" „Es war sehr gut so!“ Aber dieses Gehäuse muß erst noch mit Leben erfüllt werden; die Menschen, die in dieser Ehe stehen, müssen sie erst nach dem Willen Gottes ausgestalten Wie sieht dieser Wille Gottes aus? Vielleicht kann uns dieser Vers aus dem Hebräerbrief einen Hinweis dazu geben.

Es geht zunächst um zwei Begriffe: „Frieden“ und „das Gute“. Gott ist ein Gott des Friedens. Er will Frieden haben zwischen den Völkern, Kollegen, Verwandten und auch zwischen Eheleuten. Sie haben jetzt als Eheleute die große Möglichkeit, den Frieden Gottes in ihrer Ehe beispielhaft darzustellen. Wenn das im kleinen Raum der Ehe nicht gelingt. Wie soll es dann im größeren Rahmen klappen?! Umgekehrt werden von einem guter Zusammenleben in der -Ehe starke Kräfte in die Umwelt ausstrahlen.

„Der Weg zu Gottes Frieden fängt mit kleinen Schritten an!“" heißt es in einem Lied. Sie haben jetzt die Möglichkeit, einige Schritte auf diesem Weg zu gehen. Eheleute kennen sich gut, sie wissen am ehesten, was der andere braucht und was er nicht leiden kann. Deshalb können sie auch am ehesten das Gute tun.

Gott will das Gute von uns. Er hat dem Menschen viele gute Kräfte gegeben, damit er für sich und für andere das Gute tue. Er hat uns die Augen gegeben, damit wir uns an dem anderen freuen, aber auch seine Not erkennen. Er hat uns die Hände gegeben, damit wir uns selber helfen können, aber auch dem anderen in Schwierigkeiten beistehen können. Er hat uns die Füße gegeben, damit sie uns tragen, wohin wir wollen, aber auch um für andere einen Weg zu erledigen.

Gott hat uns aber auch ein liebendes Herz gegeben, damit wir überhaupt erst einmal fähig sind zum Frieden und zum Guten. Das liegt nicht von Anfang an im Menschen drin. In der Bibel heißt es im Gegenteil: „Das Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend an!“ Gott aber will, daß wir das Böse in uns überwinden. Und er gibt uns auch die Möglichkeit und die Kraft dazu. Ja, er gibt uns sogar noch einen zweiten Menschen dazu, damit er helfen kann bei dieser gemeinsamen Aufgabe. Eine Ehe hat viele Aufgaben; aber diese ist eine besonders wichtige.

Allerdings muß Gott uns erst tüchtig dazu machen. Aus eigener Macht würden wir gar nichts erreichen. Im Gegenteil: dann verrennt man sich nur immer mehr. Eine Ehe kann man deshalb immer nur beginnen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Sie ist nicht nur eine Privatabmachung zwischen zwei Menschen, sondern sie vollzieht sich unter de- Augen Gottes. Er hat seine Vorstellungen und Forderungen, aber er will Sie auch, auf Ihrem Weg begleiten, wenn Sie sich von ihm führen lassen.

Wenn Sie den Schutz Gottes begehren, dann wird er auch mit seinem Segen bei Ihnen sein. Wer seinen Willen tut, der wird dann auch tüchtig sein in allem Guten. Die Möglichkeiten dafür liegen für uns offen, man braucht sie nur zu ergreifen. Gott hat das Seine getan. Der nächste Schritt liegt nun auf Ihrer Seite.

Aber dann kann auch in der Ehe entstehen, was vor Gott wohlgefällig ist. Gott will, daß Sie einander lieben, daß Sie sich beistehen in aller Not und Gefahr. Er will, daß Sie ein Vorbild sind für andere als christliche Eheleute so leben, daß andere dadurch gestärkt und vor einer solchen Lebensweise angezogen werden.

Natürlich ist das nicht immer leicht. Wir sind alle nur schwache Menschen, die mit Fehlern belastet sind. Manches gelingt auch bei allem guten Willen nicht. Damit muß man rechnen,

darf sich aber dadurch nicht dadurch aus der Bahn werfen lassen. Gottes Güte reicht weiter als unsere Schuld und unser Versagen.

Es gibt auch viele Menschen, die ein solches Ehepaar mit ihrer Fürbitte geleiten. Sehr oft wird im Gottesdienst für die Eheleute gebetet und zu deren dürfen Sie sich ja nun auch rechnen. Vielleicht schließt auch der eine oder andere aus der Verwandtschaft Sie ins Gebet mit ein.

Jedenfalls rechnen wir alle, die wir hier aus Anlaß ihrer Eheschließung zu einem Gottesdienst versammelt sind, daß sich dieses Wort aus dem Hebräerbrief an ihnen und in Ihrer Ehe erfülle: „Der Gott des Friedens mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was vor ihm gefällig ist durch Jesus Christus!“

 

 

 

Predigten zu Ehejubiläen

 

„Bis hierher hat der Herr uns geholfen!“   (1. Sam 7, 12)

Natürlich halten wir an einem solchen Tag Rückschau auf ein halbes Jahrhundert einer Ehe. Nicht alle von denen, die damals getraut wurden, dürfen diesen Tag erleben. Es war damals sicher keine leichte Zeit.... und die Zukunft war ungewiß.

Aber aus einer solchen Lage heraus wurde dieses Bibelwort gesprochen: „Bis hierher hat der Herr uns geholfen!“ Die Israeliten sind von ihren Nachbarn überfallen worden; sie sind verloren, wenn Gott ihnen nicht hilft. Da bitten sie den Propheten Samuel: „Bete zu Gott, schreie zu ihm, daß er uns helfe aus der Hand der Feinde!“ Und nun hatte Gott geholfen, Israel hatte gesiegt. Zum Dank stellt Samuel den „Stein der Hilfe“ auf und sagt: „Bis hierher hat der Herr uns geholfen!“

Zweierlei können wir aus diesem Vorgang lernen: Wenn man in Not ist, dann hilft nichts anderes als beten. Gott muß die Not kennen, dann kann er sie auch wenden. Natürlich heißt das nicht, daß wir die Hände in den Schoß legen sollen und gar nichts tun. Das haben Sie sicher auch nicht getan, wenn es einmal Schwierigkeiten zu meistern gab.

Aber vielleicht haben Sie dabei doch auch gespürt: Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren!“ Wir können uns noch so mühen und abplagen - wenn Gott seinen Segen nicht dazu gibt, ist alles vergeblich.

Nach 50 Jahren zieht man Bilanz und fragt sich: „Was habe ich erreicht im Leben? Kann ich zufrieden sein?“ Man nimmt sich doch manches vor, wenn man jung ist. Aber vieles läßt sich dann eben nicht verwirklichen. Von hinten her sieht manches anders aus, da muß man das Scheitern mancher Pläne zugeben.

Aber man hat auch manches erreichen können, wenn auch oft nur noch großem Kampf und vielen Mühen. Vielleicht wäre es auch gar nicht so schön, wenn einem alles in den Schoß fiele. Aber am Ende darf man dann dankbar bekennen: Mit Gottes Hilfe haben wir den heutigen Tag erreicht. Wir wollen das nicht als selbstverständlich hinnehmen, sondern sagen: „Bis hierher hat der Herr uns geholfen!“

Sicher hat jeder sich auch selber viel helfen können. Bei anderen Dingen hat der Ehepartner und nachher die Kinder helfen können. Dazu ist die Familie ja da, daß man sich gegenseitig hilft. Manchmal hat man auch getreue Nachbarn und Freunde, die mit einspringen, wenn einmal Not am Mann ist. Aber man darf sich glücklich schätzen, wenn man Gott zum Beistand hat und dankbar bekennen kann: „Er hat mir auch geholfen!“Dann hat man eigentlich die richtige Hilfe erfahren.

Wenn man aber solche guten Erfahrungen gemacht hat, dann wird man sich auch weiter auf diesen Herrn verlassen. Dann wird man gleich vor vornherein die eigene Schwäche erkennen und einsehen und sich von Anfang an auf Gott verlassen.

Doch auch der Dank nach der geschehenen Hilfe sollte man nicht vergessen. Viele lassen sich ja gerne helfen. Aber sie nehmen die Hilfe als selbstverständlich hin und begreifen gar nicht, daß sie ein unverdientes Geschenk ist. Dankbarkeit ist aber nicht nur eine Sache der Höflichkeit, sondern ein inneres Bedürfnis, wenn man die Hilfe Gottes erfahren hat.

Vielleicht könnten Sie jetzt manches erzählen von den Schwierigkeiten, in denen Sie gestanden haben, seien sie wirtschaftlicher, beruflicher oder familiärer Art.

Vielleicht könnten Sie aber auch erzählen, wie oft Gott Ihnen durch alle Nöte und Schwierigkeiten hindurchgeholfen hat.

Und vielleicht könnten Sie davon auch weitersagen an Ihre Kinder und Enkel. Die ältere Generation hat ja vor allem die Aufgabe‚ ihre guten und schlechten Erfahrungen auch Jüngeren weiterzugeben, damit diese dann eines Tages auch einmal das Gleiche sagen können.

Damit sind wir bei einem dritten Punkt. Zuerst hatten wir gesagt: „In Not kann uns nur Gott helfen“ und „Wir sollen ihm dafür danken!“ Aber er verspricht uns auch für die Zukunft seine Begleitung. An so einem Tag wie heute wollen wir auch den Blick nach vorne richten und unsre Zuversicht weiter auf den Herrn setzen.        

Der Gott, der Sie 50 Jahre lang durch die Ehe begleitet hat, der wird Sie auch weiter führen. Heute erneuert er mit ihnen den Bund, den er Ihnen vor einem halben Jahrhundert zugesagt hat. Was sich bewährt hat, sollte man auch weiter beibehalten. Gott jedenfalls möchte weiter ihr Gott sein. Er möchte mit Ihnen zu tun haben und Ihnen nahe sein. An Ihnen liegt es, ob Sie in seinem Bund bleiben wollen und was sie aus dieser Zusage machen. Eins steht fest: Mit diesen Gott können Sie es wagen!

 

„Wer bin ich, Herr, und was ist mein Haus, daß du mich bis hierher gebracht hast!“ (2. Sam 7,18)                                                                                 

Wenn man heiratet, dann wünscht mach sich natürlich, daß man möglichst lange beisammen bleiben kann. Das ist ja eigentlich der Hauptsinn der Ehe: Man ist nicht mehr allein, sondern darf mit einem anderen zusammen alle Probleme angehen. Und eigentlich soll das doch

nie ein Ende nehmen.

Dennoch wagt bei der Hochzeit kaum einer schon an die Goldene Hochzeit zu denken. Wir wissen ja auch, daß es nur verhältnismäßig wenigen vergönnt ist, ein halbes Jahrhundert in der Ehe zusammenzuleben. Zuviele Lücken werden durch den Tod gerissen. Keiner kann sicher sein, ob er das Alter von 70 oder 80 Jahren erreicht.

Deshalb darf man Gott umso dankbarer sein, wenn man dieses Fest der Goldenen Hochzeit erleben darf. Und man kann sich schon fragen: „Wer bin ich, Herr, und was ist mein Haus, daß du mich bis hierher gebracht hast!“

Man kann nur staunen, wenn man so sehr die Gnade Gottes verspürt hat. Verdient hat es nämlich keiner, im Gegenteil: Manchmal wäre es vielleicht besser, wenn unserem Leben ein Ende gesetzt würde, damit sich nicht noch mehr Böses bei uns aufhäuft.

Wenn uns aber trotzdem noch Zeit gelassen wird, dann sollten wir das ausnutzen. Und so ein Tag zum Gedächtnis der Trauung ist auch mit dazu da, daß man seinen vergangenen und seinen künftigen Lebensweg überdenkt und in Zukunft vielleicht doch noch manches anders macht als bisher. Gott gibt uns jedenfalls die Möglichkeit, immer noch einmal alles zu überprüfen.

Für jeden sind dabei die Chancen gleich. Gott behandelt nicht alle Menschen gleich, wenn es um die Zahl der Lebensjahre geht. Da gibt es Unterschiede, die wir nicht erklären können und die ihren Grund in einem Beschluß Gottes haben. Aber gleich ist für jeden die Möglichkeit, in jedem Augenblick seines Lebens neu mit Gott anzufangen. Dazu ist keiner zu jung und keiner zu alt.

Gott führt uns manchmal sonderbare Wege. Manchmal macht er solche Umwege, daß man meint, er komme nie an sein Ziel. Aber eines Tages hat er den Menschen doch eingeholt und nimmt ihn in seinen' Dienst. Umgedreht kann er einen Menschen auch verschlungene Wege führen und am Ende sagt der Betreffende doch: „ Es war richtig so!“

Sie, liebes Jubelpaar, haben neben vieler Freude sicher auch manches Leid erfahren. Wir staunen oft darüber, wo Gott uns in unserem Leben hinbringt. Zunächst mag manches wie ein Nachteil aussehen. Aber dann spüren wir doch, welch großes Geschenk uns da gemacht wird. Und wir wundern uns darüber, daß wir für würdig gefunden wurden, dieses Geschenk zu empfangen.

Wir können ja nichts dazu tun. Wir können unser Glück nicht sichern und wir können unser Leben nicht sichern. Wir können uns höchstens so verhalten, daß wir dem Handeln Gottes nicht entgegenarbeiten. Dann wird uns Gott schon dahin bringen, wo er uns hinhaben will und wo es am besten für uns ist.

Gott will aber nicht nur mit einem Einzelnen zu tun haben, sondern mit dem ganzen „Haus“, d.h. mit der ganzen Familie. Er sieht uns immer in der Verbindung zu anderen Menschen. Gerade bei der Goldenen Hochzeit wird das ja deutlich, wie Gott immer z w e i Menschen durchs Leben geführt hat.

Wir dürfen froh sein, daß wir einen solchen Gott haben, der nicht nach unseren Verdiensten und Leistungen fragt, sondern uns so nimmt, wie wir sind. Das wollen wir ihm nie vergessen.

Heute erneuert er den Bund, den er vor 50 Jahren mit Ihnen geschlossen hat. Aber auch Sie sollen ihm wieder ihr Jawort geben. Wenn man begriffen hat, was Gott für uns tut, dann sollte das doch nicht zu schwer fallen.

Wir wissen nicht, was die nächsten Jahre bringen werden. Aber eins wissen wir: Es können Jahre mit Gotte sein, wenn wir uns jetzt wieder seines Beistandes versichern. Gott will uns helfen, er will uns und alle unsre Lieben führen und geleiten. Er streckt uns immer wieder seine Hand entgegen und wir brauchen sie nur zu ergreifen und uns führen lassen.

Wir sind schon etwas bei Gott. Wir sind nicht nur eine Nummer, sondern von ihm geliebte Menschen. Er denkt groß von uns. Da sollten wir uns auch dieses Vertrauens als würdig erweisen und uns zu ihm halten. Es wird uns nicht schlecht dabei ergehen.

 

 „Unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen. Von dir ist alles gekommen und von deiner Hand haben wir dir's gegeben!“                                                                                                 (1. Chron 29,13-14)

Vielleicht sieht nicht jeder ein, daß man nach 50jähriger Ehe auch Grund hat zum danken. Mancher wird sagen: „Was ich mir im Leben geschaffen habe, das ist doch alles mein Werk. Da hat mir kein Gott und kein Mensch geholfen! Ich werde auch weiterhin alles allein schaffen!“

Doch Sie sind hierher zum Gotteshaus gekommen, um Gott zu danken für alle seine Wohltaten. Sie sind ja in einer Zeit getraut worden‚ als es nicht leicht war. „Wie gewonnen, so zerronnen!“ konnte man sicher manches Mal von den Dingen sagen, die man sich erworben hatte. Aber irgendwie ist es doch immer wieder weitergegangen, hat sich doch noch ein Weg gefunden.

Das war auch ein Werk unsres Gottes, der keinen allein läßt, der ihn braucht. Er hat doch immer wieder weitergeholfen und alles noch zu einem guten Ende geführt. Heute hat er Ihnen nun diesen Tag beschert.

In der heutigen Zeit ist ein solches Fest nicht mehr ganz so selten wie früher. Aber es ist doch immer ein ganz großes Geschenk der Gnade Gottes, wenn man einen solchen Tag erleben darf. Sehr viele Ehepaare sind längst auseinandergerissen worden. Sie aber dürfen im Kreise Ihrer Lieben und hier im Gotteshaus ein solches Jubelfest begehen.

Allerdings wollen wir auch nicht die schweren Tage vergessen. Keiner hat es nur leicht gehabt im Leben. Aber heute haben doch immerhin den Vorteil, daß sie alles gemeinsam tragen und bewältigen können. Und schließlich ist ja auch Gott da, der Hilfe und Stärkung in den schweren Zeiten gibt. Auch wenn sich natürlich das Alter bemerkbar macht und die Gesundheit nicht mehr ganz so ist wie früher, so dürfen Sie dennoch dankbar sein, auch für all die anderen Dinge, die in Ordnung sind; alles auf einmal kann man eben selten haben.

Diese Bibelworte aus dem 1. Chronikbuch: „Unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen. Von dir ist alles gekommen und von deiner Hand haben wir dir's gegeben!“ stehen in einem Dankgebet des Königs David. Er hatte zu Spenden aufgerufen für den Bau eines Tempels. Die Gemeinde hatte tüchtig gegeben. Der König bedankt sich aber nicht nur bei den einzelnen Spendern, sondern bei Gott, der ihnen erst die Möglichkeit zum Opfer gegeben hat.

Das eine schließt also das andere nicht aus. Wenn wir etwas geleistet haben im Leben können wir uns für uns selber freuen. Aber wir sollten auch dem Dank an Gott nicht vergessen, der uns das erst alles ermöglicht hat.

Gott verurteilt uns nicht zur Untätigkeit. Er will unseren Einsatz und unser Bemühen. Aber letztlich müssen wir wie David sagen: „Was bin ich schon? Von dir ist alles gekommen! Und was wir dir geben, das haben wir doch alles nur von dir empfangen!“ Alles, was wir sind und haben‚ kommt doch von Gott. Wir geben nur weiter, was er uns zuvor gegeben hat.

Das ist wie bei einem Kind, das seinen Eltern etwas schenkt. Die Mittel dafür hat es doch vorher von den Eltern erhalten. Nun verzichtet es auf einen Teil davon und gibt ihn voller Dankbarkeit zurück. Die Eltern freuen sich sehr darüber, obwohl sie doch im Grunde nur das Eigene wieder erhalten. Aber inzwischen ist es eben doch durch die Liebe des Kindes angereichert worden und zu einem echten Geschenk geworden.

So freut sich auch Gott über jeden kleinsten Dank, den wir ihm aussprechen. Schon dieser Gottesdienst zum Gedächtnis der Trauung ist ein solches Zeichen des Dankes. Aber auch sonst haben wir sicher im Leben vielfach Gelegenheit, unseren Dank zum Ausdruck zu bringen: in Gesprächen, in unserem Handeln, in unserem Denken - alles kann zum Zeichen des Dankes werden.

Der Dank ist auch nicht nur eine bloße Höflichkeit, sondern ein Herzensbedürfnis, jedenfalls wenn er ernst gemeint ist. Gerade wenn man sich schwach und hilflos vorkommt, wird man das so empfinden, wird man sich zum Dank gedrängt fühlen. Aber in Wahrheit sind wir ja gar nicht schwach. Gott steht ja auf unserer Seite und will uns von Tag zu Tag geleiten und helfen.

Ohne diesen Gott wären wir tatsächlich nichts. Unser Leben wäre nur ein flüchtiger Augenblick im Ablauf der Weltgeschichte, auch wenn es noch so lange dauerte. Aber ehe wir da waren, kannte er uns schon; und er wird auch dann noch bei uns sein, wenn wir nicht mehr auf dieser Erde sind.

So wie wir täglich etwas essen müssen, so brauchen wir auch Gott an jedem Tag für unser Leben. Er gibt uns aber auch alles, was wir brauchen. Wenn unser Leben auch in Ewigkeit gesichert sein soll, dann gilt es, sich zu diesem Gott zu halten. Er hat noch viel mit Ihnen und mit uns allen vor, wenn wir Menschen sind, die dankbar alles aus seiner Hand nehmen und seinen Namen rühmen.

 

„Die auf der Herrn harren‚ kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden!“                                                                                                            (Jes 40,31)

Wen man älter wird, dann lassen die Kräfte nach Und man kann nicht mehr so wie früher. Das ist der Lauf der Welt, daran läßt sich nichts ändern. Am besten schickt man sich in diese- Entwicklung hinein und trauert nicht lange der Vergangenheit nach.

Im Gegenteil: An einem solchen Tag wie heute denkt man voll Dankbarkeit zurück auf das, was gewesen ist. Fünfzig Jahre lang haben Sie sich in der Ehe helfen können, haben Freude und Leid miteinander geteilt und sind miteinander älter geworden. Da gibt es dann auch von vielem Schönen und Guten zu berichten, hinter dem man doch die gnädige Hand Gottes spüren kann.

Es wäre schade, wenn man sein ganzes Leben nur als reiner Abstieg betrachten wollte. Jedes Lebensalter hat seine guten Seiten, es hat seinen Sinn und seine Aufgaben. Wenn man eine Stufe erreicht hat, dann kann man nicht so tun, als sei man noch in einer früheren Stufe. Man kann nur froh sein‚ daß man weitergekommen ist, und dankbar auf die Vergangenheit schauen.

„Die auf der Herrn harren, kriegen neue Kraft!“ rief der-Prophet Jesaja seinem Volk zu, das in der Gefangenschaft war und nicht mehr an eine gute Zukunft glaubte. Viele hatten sich schon innerlich aufgegeben und mit ihrem Schicksal abgefunden. Aber Gott hat immer noch Wege, wo wir keine Auswege sehen.

Wenn man älter wird, dann wird die zur Verfügung stehende Zeit zwar knapp, aber das heißt nicht, daß man keine Zukunft mehr hätte. Gott hat noch seine Pläne mit uns, bis ins hohe Alter hinein, er gibt uns noch die Zukunft, die wir brauchen.

Mit den körperlichen Kräften wird es zwar weniger werden. Aber es kommt beim Menschen ja nicht darauf an, daß er ein Kraftprotz ist, sondern daß er auch in seinem Inneren heranwächst und eine in sich gereifte Persönlichkeit wird. Für einen Christen wird es darauf ankommen, auch im Glauben heranzureifen, wenn er das Ziel seines Lebens erreichen will.

Wer von Gott alles erwartet hat und sich auch in Zukunft auf ihn verlassen will, der wird dann auch neue Kraft von Gott erhalten. Nicht eine Kraft, mit der man dann Bäume ausreißen kann, aber eine innere Kraft, die hilft, das Leben zu bewältigen.

Gerade wenn es einmal schwerer wird und Probleme im Leben auftauchen, dann braucht man diese Kraft von Gott, um mit allem fertig zu werden. Es ist etwas Schönes um Menschen, die im Laufe ihres Lebens an Weisheit gewonnen haben und im Glauben gereift sind. Die haben viel gewonnen und können glücklicher sein als einer, der nur das Äußere sieht. Sie sind dann auch mit einer Kraft erfüllt, die wieder mitreißen kann und somit segensreich für die ganze Umgebung wirkt.

Der Prophet spricht davon, daß man mit einer solchen Kraft hochfliegen kann wie ein Adler und daß man damit laufen kann und doch nicht müde wird. Hieran sieht man schon, daß es sich nicht um eine körperliche Kraft handelt, sondern um eine Gabe Gottes für das innere Leben, die man sich immer wieder erbitten muß.        

So ist auch der Glaube an Gott etwas, das unser Leben beflügelt. Wer an Gott glaubt, der zweifelt nicht am Sinn des Lebens, sondern wird zuversichtlich durchs Leben gehen. Er wird sich nicht durch Schwierigkeiten aus der Bahn werfen lassen, sondern auf Gottes Hilfe vertrauen. Er wird die freudige Stunde dankbar aus Gottes Hand nehmen und wissen, daß alles nur Gnade ist.

Sie‚ liebes goldenes Hochzeitspaar, haben vielleicht auch manchmal eine solche Stunde des Gottvertrauens gehabt. Vielleicht empfinden Sie auch den heutigen Tag als einen solchen Augenblick, wo ihnen neue Kraft geschenkt wird.

Gott möchte Ihnen gerne helfen. Wer in Verbindung mit ihm bleibt, der wird auch immer wieder seine Hilfe erfahren. Gott möchte ja so gerne einem jeden helfen. Wer bereit ist, die ausgestreckte Hand Gottes zu ergreifen, den wird er auch halten und führen von einem Tag zum anderen.           

Wenn wir heute dankbar zurückschauen in die Vergangenheit, so wollen wir doch auch den Blick nach vorne richten. Wir wollen auf das hoffen, was Gott noch mit uns vorhat. Wir wollen ihm vertrauen, daß er es richtig mit uns macht. Und wir wollen uns täglich neu wieder die Kraft von ihm schenken lassen.

 

„Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott!“                          (Jes 41,10)

Es gibt viele Dinge, die man im Leben fürchten wird. Auch am Beginn einer Ehe hat man vielleicht noch Angst vor dem Neuen. Das ist ganz natürlich und niemand findet etwas dabei. Zwei Menschen stehen am Ufer und blicken hinüber auf die andere Seite, zu neuen Ufern. Dort drüben ist Neuland, das man sich erst erobern muß, das man erst kennenlernen muß und das man erst liebgewinnen wird.

Allerdings: So ganz neu wird es auch nicht sein. Man hat sich ja schon vorher gekannt und Pläne gemacht. Aber wenn es dann ernst wird, sieht alles noch einmal ganz anders aus. Wenn man erst einmal im richtigen Wasser schwimmen muß, dann ist das etwas anderes als alle Trockenschwimmübungen vorher. Deshalb darf sich jeder freuen, der sich in das neue Element gestürzt hat.

Das Schöne dabei ist: Es geht nicht allein! Sicher hat es auch seine Vorteile, wenn man allein und ungebunden ist und auf niemanden Rücksicht zu nehmen braucht.

Aber dann ist man halt auch allein, wenn man einmal einen anderen Menschen braucht; dann ist man eben einsam und hat niemanden, mit dem man sich über alles aussprechen kann.

Mancher wird das sehr oft spüren und deshalb Ergänzung und Austausch mit einem Partner suchen. Ein anderer dagegen meint, er begehe einen Fehler, wenn er eine Ehe eingeht, weil er dann sein Ungebundensein aufgibt.

Ein Glück nur, daß doch immer wieder Menschen diesen Fehler machen und schließlich doch in den Hafen der Ehe einlaufen. Denn in der Ehe werden sie schon bald eines Besseren belehrt: Es läßt sich doch alles besser durchstehen‚ wenn man zu zweit ist, sowohl in Freude

wie in Leid.

Doch das ist noch nicht alles. Eine Ehe ist nicht nur eine Privatangelegenheit zweier Menschen .Gott will mit dabei sein in Freude und Leid: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir!“ sagt er uns hier: Er will sich damit nic.ht aufdrängen .Aber er bietet seine Hilfe denen an, die darauf warten. Gott steht uns bei, wenn wir nicht mehr weiter wissen; er will uns helfen, gerade die schwierigen Situationen zu meistern.

Diese Hilfe kann sicher jeder für seine Ehe gebrauchen. Es ist nicht leicht, in der Welt von heute zu bestehen. Vom Beruf her kommen starke Anforderungen, die Beziehungen zu anderen Menschen und zur Gesellschaft müssen            ausgewogen sein, man möchte etwas Vergnügen und Erholung    finden. Unser Glaube ist da ein Angebot, mit all diesen Fragen fertig zu werden.       

Keiner braucht sich zu fürchten vor den Anforderungen, die auch in der Ehe auf ihn einstürmen. Gott steht denen zur Seite, die auf ihn vertrauen. Wir dürfen uns im Gebet mit allen Dingen an ihr wenden. Wenn wir selbst nicht mehr weiterkönnen, dann dürfen wir uns doch bei ihm neue Kraft holen.           

Er fordert uns auf: „Weiche nicht, denn ich bin dein Gott!“ Man kann manchen Schwierigkeiten aus dem Weg gehen, indem man ihnen ausweicht. Gott aber sagt: „Bleib stehen, ich helfe dir schon!“ Auf Gott können        wir uns verlassen.

Aber auf der anderen Seite wird uns damit auch gesagt: Gott kannst du nicht entweichen! Du bist ihm verantwortlich für alles, was du tust in deinem Leben. Jeder Ehepartner ist für den anderen verantwortlich vor Gott. Luther hat es so ausgedrückt: „Eins soll das andere in den Himmel bringen!“Das gilt in guten wie in bösen Tagen, in Freude und Leid. Da gibt es keine Ausreden: „Der andre war schuld!“ Jeder muß seinen Teil an Verantwortung selber übernehmen.

Sie aber haben Ihre Ehe unter den Schutz Gottes gestellt. Sie sind hierher gekommen, um sich trauen zu lassen und den Segen Gottes für Ihre Ehe zu empfangen. Nun erwartet          man auch etwas von Ihnen. Wer sich auf die Seite Gottes stellt, der muß auch so leben, wie es sich bei Gott gehört, das ist ganz selbstverständlich. Sie sind von heute an nicht nur irgendeine Familie, sondern eine christliche Familie, über der als Verheißung und Auftrag stehen soll: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott!“  

Vor allem die Verheißung wollen wir heute hören. Wir brauchen immer wieder viel Schwung, schon für den Anfang, aber auch für das Durchstehen. Gott kann Ihnen diese Kraft schenken. Wir wollen ihn in unserem Gebet immer wieder darum bitten.

 

 

„Ich will euch tragen. bis ins Alter und bis ihr grau werdet. Ich will es tun, ich will heben und tragen und erretten!"                                                                                                              (Jes 46,4)

Als wir klein waren, hat uns die Mutter auf den Armen getragen. Wir waren noch ganz auf die Pflege der Eltern angewiesen und waren völlig von ihnen abhängig. Ohne Eltern kann kein kleiner Mensch existieren. Er braucht einfach jemanden, der sich um ihn kümmert. Dazu gehören nicht nur Essen und Trinken, Wohnung und Kleidung, sondern zum Leben brauchen wir ja noch mehr.

Überlegen wir uns doch einmal, wann eine Mutter ihr Kind auf die Arme nimmt? Sie tut es, wenn sie dem Kind ihre Liebe zeigen will, wenn sie zum Ausdruck bringen will: „Du gehörst zu mir und ich würde dich niemals hergeben!“

Aber sie nimmt das Kind auch, wenn es getröstet werden muß. Die Mutter soll helfen, über alles hinwegzukommen. Dazu trägt sie das Kind auf den Armen, um es wieder zu beruhigen.

Später ist man dann selber Vater und Mutter geworden und hat die eigenen Kinder auf den Armen getragen. Und mancher darf auch noch Enkelkinder auf dem Arm haben. Und immer geht es dabei um die gleiche Aufgabe: beschützen und bewahren, trösten und wieder aufrichten.

Und nun sagt uns die Bibel: „Gott will uns so tragen, wie die Eltern ihr Kind tragen!“ Es ist sogar ein ganzes Volk, das von Gott getragen wird. Als die Israeliten aus Ägypten befreit sind, sagt Gott zu ihnen: „Ich habe euch getragen auf Adlersflügeln und habe euch zu mir gebracht!“ Und als das Volk erneut in Babylon in der Gefangenschaft sitzt, heißt es wieder: „Ich will euch tragen bis ins Alter!“ Das Volk wird nicht ein unrühmliches Ende fern von der Heimat finden, sondern Gott wird es weiter erhalten, so wie er das bisher getan hat und in alle Zeit weiter tun wird.

Diese Verheißung gilt aber auch für das Leben des einzelnen Menschen oder auch eines Ehepaares: Sie gilt auch für unsere Zeit. Wer einmal mit diesem Gott in Verbindung getreten ist, der bleibt auch für immer mit ihm verbunden. In der Taufe wurde dieser Bund geschlossen. In der Trauung wurde er bestätigt. Und bewähren können hat er sich nun schon ein ganzes Leben lang.

Sicher haben Sie in diesen ….. .Jahren öfter die Hilfe Gottes verspüren dürfen. Gewiß, manchmal ist einem nicht gleich so deutlich. Manchmal erkennt man erst in der Rückschau, wie Gott aus allem herausgeholfen hat.

Gerede wenn man älter wird, erkennt man immer mehr, wie sehr Gott geholfen hat. Aber man erkennt auch, was man alles falsch gemacht hat im Leben, was man versäumt hat und wo man in manchen Dingen zu voreilig gewesen ist. Es mag sein, daß einem das auch an so einem Tag vor Augen steht und man daß man denkt: „Das könnte sich zwischen mich und Gott schieben!“

Aber solche Gedanken sollen uns nicht irre machen können an Gott. Er hat .gesagt: „Ich will euch tragen bis ins Alter!“ Gott hört nicht mittendrin wieder auf und läßt uns einfach fallen. Er wirft uns nicht gleich weg, wenn wir versagt haben. Im Gegenteil: Wenn wir gefallen sind, dann' hilft er uns wieder auf und trägt uns und errettet uns.

Gott zeigt uns immer wieder seine Liebe, auch wenn wir sie nicht verdient hätten. Eltern ärgern sich ja auch manchmal über ihre Kinder. Und doch haben sie sie lieb und verzeihen ihnen wieder. Wenn das Kind in Not ist, dann helfen die Eltern, ganz gleich, was vorher gewesen ist. So hilft uns aber auch Gott, wenn wir ihr brauchen und uns an ihn wenden. Er weist uns dann nicht ab, denn er hat uns versprochen, uns zu retten.

Bis ins Alter und bis wir grau werden will Gott unser Gott sein. Ja, man müßte sagen: Gerade dann will er es sein. Gerade wenn die Kräfte abnehmen, wenn wir auf Hilfe angewiesen sind, dann haben wir auch einen Helfer. Wen wir jung sind, fühlen wir uns oft noch stark und fragen nicht immer gleich nach Gott. Aber wenn wir grau werden, dann ist es uns lieb, wenn er an uns festgehalten hat. Heute dürfen Sie erneut hören, daß Gott ihnen beistehen will. Am Gedenktag Ihrer Trauung verheißt er Ihnen /erneut auch für die Zukunft seinen Beistand. Keiner weiß wie viele Jahre seines Lebens ihm noch geschenkt sind. Aber jeder darf wissen, daß es Jahre mit Gott sein können.

Es liegt an uns, ob wir dieses Angebot Gottes annehmen. Entscheiden müssen wir uns immer wieder für ihn, genauso wie am ersten Tag. Aber er hilft uns dann auch wie am ersten Tag. Auch wenn unsere Tage jetzt vielleicht beschwerlicher werden, wenn uns das Alter Mühe macht, dann bleibt Gott doch ewig jung und kräftig genug, um uns zu tragen.

Wir waren nicht immer auf Rosen gebettet. Aber er hat uns doch immer auf Händen getragen. Es gab schwere Stunden, aber auch viel Schönes. Für beides wollen wir dankbar sein und uns erneut unserem Gott zuwenden .Er hat alles in den Händen, die Welt, die Menschen und uns.

Was er mit uns vorhat, das führt er zum guten Ende.

 

„Suchet mich, so werdet ihr leben“                                                                      (Am 5,4)

Wir suchen so vieles in unserem Leben: Anerkennung durch die Menschen, Erfolg im Beruf, eine gute Familiengemeinschaft, ein bißchen Glück und Freude. Das ist ganz natürlich so, und das ist bei jedem Menschen so. Immer wieder sind wir auf der Suche.

Am heutigen Tag werden Sie sich erinnern an den Tag Ihrer Hochzeit. Mit großen Hoffnungen geht man in die Ehe. Es soll gut und immer noch besser werden. Man sucht nach neuen Wegen, sucht Verbündete und Helfer, sucht das Glück.

Aber eigentlich hat unser Leben nur dann einen Sinn gehabt, wenn wir nach Gott suchen. Gott hat uns seit unserer Taufe dazu aufgefordert, hat uns eingeladen, ihn zu suchen. Er ist auch nicht schwer zu finden. Gott versteckt sich nicht vor uns, sondern er will sich finden lassen.

Immer wieder stoßen wir auf ihn. Durch Gottesdienst und Gemeindeabende, durch Rundfunk und Zeitung begegnet uns sein Wort. Manches wird auch von Mund zu Mund weitergesagt. Auch das Gedächtnis der Trauung ist so eine Gelegenheit, wieder intensiv mit ihm in Berührung zu kommen. Keiner kann heute sagen, er wüßte nichts von Gott, nicht einmal die, die nichts mit ihm zu tun haben wollen.

Gott fordert auch uns auf, daß wir ihn wirklich suchen. Er weiß, daß wir nicht unbedingt von ganz alleine kommen. Aber er sagt es uns, weil er uns auf sein Geschenk hinweisen will. Gott hat ja etwas zu bieten? Er gibt uns seine Verheißung mit, er bietet uns seine Hilfe und seinen Beistand an. Damit wir nicht aus Unachtsamkeit daran vorbeigehen, weist er uns extra noch einmal darauf hin.

Gott will uns das Leben schenken! Wir möchten doch alle leben und haben direkt einen Hunger nach Leben. Was tun wir nicht alles, um etwas vom Leben zu haben, um das Leben zu genießen und um das Leben noch etwas zu verlängern. Wir meinen, der Herr unseres Lebens zu sein und darüber frei zu verfügen. Und doch können wir das wahre Leben nirgends anders finden als bei Gott, vor allem das Leben, das den Zeitraum unsres irdischen Lebens überdauern soll.

Mancher sucht erst noch etwas anderes, das vermeintlich besser ist. So wie man in der Ehe erst seinen Weg suchen und finden muß, so wird man vielleicht auch zunächst nicht so besonders mit Gott zurechtkommen. Aber wenn dann die Stürme des Lebens kommen, wenn Angst und Leid kommen, dann ist man doch froh, wenn man sich zu Gott flüchten kann. Dann macht man die Erfahrungen, die dann für das ganze Leben Bestand haben.

Wenn wir einen falschen Weg zu gehen drohen, dann sucht und findet Gott u n s und nimmt uns sogar in seinen Dienst. Gott geht uns nach und läßt uns nicht verkommen. Wir bleiben immer seine Kinder, die er liebt und die er bei sich haben möchte.

Nur Gott gibt uns das Leben, das lebenswert ist. Vielleicht haben Sie in den 50 Jahren ihrer Ehe viel davon gespürt. Sie haben sicher viele schöne Tage gehabt, sind glücklich und zufrieden gewesen, durften dankbar und hilfsbereit sein.

Aber Sie haben sicher auch Tage gehabt, an denen Sie verzweifelt waren und keinen Ausweg mehr sahen. Manche Hoffnungen haben sich zerschlagen, Pläne ließen sich nicht verwirklichen, manches ist schiefgelaufen.          

Aber heute am Tag Ihrer Goldenen Hochzeit dürfen Sie sicher auch mit Dankbarkeit zurückschauen und Ihr Versprechen von damals erneuern. Heute ist Gelegenheit, erneut auf Gottes Wort zu hören‚ miteinander zu beten und erneut den Segen Gottes zu empfangen.

Gott will Sie auch weiter auf Ihrem Lebensweg begleiten. Der Sie bisher geleitet hat, wird auch in Zukunft bei Ihnen sein. Gottes Geschichte mit Ihnen geht noch weiter. Sie dürfen noch viel von ihm erhoffen. Und dieser Spruch aus dem Amosbuch kann auch in Zukunft über Ihnen stehen: „Suchet mich, so werdet ihr leben!“

 

„Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen und erzähle alle deine Wunder. Ich freue mich und bin fröhlich in dir und lobe deinen Namen, du Allerhöchster!                                                                                                (Ps 9, 2-3)

Warum begehen wir den 50. Hochzeitstag mit einem Gottesdienst in der Kirche? Soll das nur der feierliche Auftakt zu einem Familienfest sein? Ist es nur eine alte Tradition, die man halt so mitmacht? Oder verbinden wir nicht doch höhere Erwartungen mit einem solchen Tag?

Dieser Gottesdienst soll unseren Dank gegenüber Gott ausdrücken, der Sie 50 Jahre lang in der Ehe behütet und begleitet hat.

Schon alleine, daß man einen solchen Gottesdienst wünscht, ist doch ein Bekenntnis zu Gott, dem Schöpfer und Erhalter. Wenn man ins Gotteshaus geht, dann macht man damit ja schon deutlich, daß ein solcher Tag mit Gott zu tun hat. Wenn wir einen Gottesdienst halten, dann tun wir damit ja nicht Gott einen Dienst. Er kann auch ohne unseren Dank und unsere Anbetung auskommen. Wenn wir ins Gotteshaus kommen, dann tut uns Gott damit einen Dienst. Er läßt uns erkennen, was wir ihm verdanken, und er will uns aufs Neue seine Hilfe versichern.

Wir können ja Gott nichts bieten. Das merkt man sicher, je älter man wird. Wenn die Kräfte nachlassen und sich allerhand Beschwerden einstellen, dann ist man doch auf die Hilfe anderer Menschen und den Trost und den Beistand Gottes angewiesen.

Gott aber begleitet uns ein ganzes Leben hindurch, in guten wie in bösen Tagen. Sie haben ja auf sicherlich viele gute und schöne Tage erleben dürfen. Gott hilft aber gerade auch in den schwe­ren Zeiten und gibt die Kraft, mit allem fertig zu werden, was einem so zustößt. Wenn es einmal schwer wird, dann hilft nicht das Wehklagen und die Niedergeschlagenheit, sondern nur der Dank an Gott. Es mag widersprüchlich klingen, aber es ist tatsächlich gemeint, daß der Dank dann noch am bester hilft. Beim Danken erinnert man sich an die Wohltaten Gottes in der Vergangenheit. So heißt es ja auch in dem Psalmvers: „Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen und erzähle alle deine Wunder!“

Aus diesem Dank heraus wächst dann auch die Zuversicht, daß es auch in Zukunft gut weitergehen wird. Wer danken kann, für den ist die Welt kein Jammertal, sondern der Ort, wo er die Hilfe Gottes erfahren hat und auch in Zukunft erfahren wird. Dann kann man sogar anderen davon erzählen und auch ihnen Mut zum Leben machen. Wenn man sich von den eigenen Schwierigkeiten wegwendet und seine Aufgabe gegenüber anderen Menschen erkennt, dann wird man noch am ehesten mit allem fertig.

Wenn Sie sich heute freuen und glücklich sind, dann liegt das ja nicht allein daran, daß Sie diesen seltenen Tag der Goldenen Hochzeit erleben durften. In dieser Freude kommt vielmehr der Dank an Gott zum Ausdruck; denn ihm allein verdanken wir es, daß wir heute diesen Tag begehen können. Keiner von uns hat es in der Hand, wen er zum Ehepartner kriegt. Wir können viel dazu tun, daß die Ehe gelingt. Aber ob sie wirklich der „Himmel auf Erden“ wird, das liegt auch mit am Segen Gottes.

Dieser Segen ist Ihnen bei der Trauung zugesprochen worden. Er soll Ihnen auch heute erneut wieder zugesagt werden. Gott ist noch nicht am Ende seiner Wege mit Ihnen. Deshalb können Sie auch am heutigen Tage fröhlich sein und Gott loben. Wir hoffen noch auf viele gemeinsame Jahre. Ob alles gut gehen wird, wissen wir nicht. Aber Sie können sicher sein, daß Gott auch weiterhin mit dabei sein wird. Wenn Sie weiterhin dankbar sind, dann werden Sie auch fröhlich sein können. Gott wird Sie führen und leiten zu dem Ziel, das er uns bestimmt hat.

 

 

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser!“                                                                                                                      (Ps 23,1-2)

Wir können uns heute kaum noch vorstellen, was ein guter Hirte ist. Den Beruf gibt es kaum noch, aber auch die Sache, die in diesem Psalm damit gemeint ist. Gedacht ist an einen Menschen, der sich ganz gar einsetzt sowie ein Hirte für seine Schafe.

Ein Hirte hatte früher einen gefährlichen Beruf. Er mußte nicht nur seine Herde zusammenhalten, sondern mußte sie auch gegen wilde Tiere und Räber verteidigen, d.h. er mußte oft seine eigene Sicherheit und Bequemlichkeit zurückstellen und für die ihm anvertrauten Schafe kämpfen.

Heute gibt es eine solche Einstellung nur noch selten unter den Menschen. Doch in dem Psalm heißt es: „Gott ist mein Hirte“ in dem guten alten Sinne des Wortes „Hirte“. Was wir vielleicht bei den Menschen nicht mehr finden, das ist bei Gott noch ganz da: Er verteidigt uns gegen die Gefahren des Lebens und sieht zu, daß uns nichts Böses widerfahren kann. Wenn wir schon keinen Menschen zum Beistand haben, dann dürfen wir uns doch auf Gott verlassen.

Bei diesem Gott wird es uns an nichts mangeln. Überlegen wir uns doch einmal, was Gott uns im Laufe eines langen Lebens schenkt: Dazu gehören doch nicht nur Essen und Trinken, Wohnung und Kleidung, sondern auch ein bißchen Freude im Leben, Glück und Gesundheit. Das brauchen wir doch auch unbedingt zu unserem Leben dazu. Sicher hat auch jeder einmal schöne Stunden in seinem Leben gehabt, wenn auch sonst vielleicht manches Schwere auf

ihn zugekommen ist.

Denken wir nur an den Anfang dieser Ehe. Es war eine schlechte Zeit und sicherlich äußerlich gesehen kein guter Start. Aber auch die Jahre danach waren von Sorgen erfüllt, bis eigentlich fast zur Silberhochzeit. Dazu kommt all das, was so das Leben eines Menschen ausmacht: die Sorgen um das tägliche Brot, um die Kinder, um die Gesundheit.

Da ist es gut, wenn man nicht allein ist, wenn man noch einen Ehepartner hat, der einem beisteht. Auch Mann und Frau können einander so etwas wie ein guter Hirte sein. Das ist ja mit ein Sinn der Ehe, daß man nicht allein steht, sondern wenigstens noch einen Menschen an seiner Seite hat.

Es gibt sehr viele Anlässe, bei denen man den anderen braucht: Das fängt an bei kleinen Handgriffen, die der andere vielleicht besser ausführen kann oder wo man von vornherein zwei Leute dazu braucht. Einmal übernimmt der eine bestimmte Aufgabe, dann wieder

der andere, je nachdem, wer besser geeignet ist. Vor allem aber kommt es auch auf den inneren Beistand an. Man kann sich besser freuen, wenn der andere sich mitfreut. Aber man kann auch Sorgen leichter tragen, wenn man sie mit einem anderen teilt. Im tagtäglichen Mit­einan­der geschieht hier viel Hilfe, ohne daß man viele Worte darum machen müßte. Dafür dürfen sie nur dankbar sein.           

Aber Gott gehört auch mit zu unsrem Leben dazu. Auf ihn können wir uns verlassen und nachsprechen: „Der Herr ist mein Hirte!“ Gerade wenn man es schwer hat, darf man die Führung und die Hilfe Gottes verspüren. Er führt uns zu den frischen Weiden‚ die wir für unser Leben brauchen.

Das soll nicht heißen, daß er uns alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumt. Gott ist nicht nur dazu da, uns das Leben bequem zu machen. Unser Einsatz ist schon auch gefordert. Aber wir sollen dabei auch erkennen, daß wir nicht allein hinkommen, sondern Gott als den guten Hirten brauchen.    

Mit dem „frischen Wasser“ sind wiederum nicht nur Essen und Trinken gemeint und all das, was wir zum äußeren Leben brauchen. Auch unser innerer Mensch braucht Nahrung und eine frische Quelle. Zum rechten Leben gehört auch das Wort Gottes, das unserem Leben erst die richtige Richtung gibt.

Gott läßt es uns daran nicht mangeln. Er bietet uns sein Wort immer wieder an. Ein ganzes langes Leben lang haben wir Gelegenheit, uns von diesem frischen Wasser stärken zu lassen. Heute ist wieder Gelegenheit dazu.

Es ist recht, wenn man an einem solchen Tag in die Kirche kommt und Gott dankt für viele Jahre gnädiger Bewahrung. So wie sie unseren Gott bisher als den guten Hirten erfahren haben, so wird er auch in Zukunft bleiben. Er erneuert Ihnen das Versprechen, das er Ihnen vor

50 Jahren gegeben hat. Im Vertrauen auf ihn dürfen Sie Ihren Weg weitergehen.

 

„Du aber, Herr, wollest deine Barmherzigkeit vor mir nicht wenden; laß deine Güte und Treue allewege mich behüten!“                                                                                                                     (Ps 40,12)

Natürlich halten wir an einem solchen Tag Rückschau. Wir denken an die vielen Jahrzehnte einer Ehe, die nun vergangen sind. Man könnte manchmal neidisch werden, wenn man sieht, wie lange doch ein Ehepaar zusammen sein darf. Es weiß ja keiner von uns, ob er einmal ein solches Fest erleben wird.

Doch leicht haben Sie es sicher auch nicht gehabt. Denken wir nur einmal an den Anfang Ihrer Ehe. Das war eine schlechte Zeit mit wirtschaftlicher Not und manchem Elend. Da gehörte nicht nur Mut dazu, sondern auch Gottvertrauen, um eine Ehe zu schließen. Sie haben es gewagt und haben dabei die Barmherzigkeit Gottes erfahren dürfen. Sie waren nicht die einziger in jener Zeit und haben so wie viele andere immer wieder die Durchhilfe Gottes verspüren dürfen. Gerade wenn unsere menschliche Kraft nicht mehr ausreicht, dürfen wir die Hilfe Gottes besonders erfahren und werden sie auch zu würdigen wissen.

Voller Dankbarkeit dürfen Sie auf die Vergangenheit zurückschauen. Neben all den Schweren (…….) hat Gott Ihnen doch auch viel Schönes geschickt. Je älter man wird, desto mehr verblassen doch die schlimmen Eindrücke und vorwiegend das Schöne bleibt im Gedächtnis. So soll es ja sein, und so ist es sicherlich auch eine Hilfe Gottes, daß man vieles einfach vergißt.

Aber der Blick in die Vergangenheit soll uns nicht nur eine schöne Erinnerung sein, sondern auch ein Anlaß zur Freude und zur Dankbarkeit gegenüber Gott. Keiner hat sich das Schöne allein errungen, sondern es ist ihm von Gott geschenkt worden. Seine Barmherzigkeit ist jeden Morgen neu und Sie haben sie sicher oft spüren können.

Der Beter dieses Psalms darf dankbar bekennen: Gottes Barmherzigkeit war oft in meinem Leben zu spüren. Es waren Höhen und Tiefen da. Aber immer ist es wieder weiter gegangen. Manchmal hat man sich gefreut und gemeint, es müsse immer so weitergehen. Aber dann kam wieder ein Schlag und man war am Boden zerstört. Aber auch das ging mit Gottes Hilfe vorbei. Letztlieh bin ich doch gut gefahren unter dem Schutz Gottes. Nun blicke ich voller Dankbarkeit zurück und bitte Gott: „Bleibe nur weiter bei mir und wende dich nicht ab!“

Aber sein Blick geht auch in die Zukunft. Er denkt an die Gefahren und Nöte, die noch kommen können. Deshalb bittet er: „Laß deine Güte und Treue allewege mich behüten!“ Er denkt an seinen weiteren Lebensweg und fragt sich: „Wie wird er wohl aussehen? Werde ich alles bestehen könnten? Muß Ich ihm vielleicht allein gehen? Was wird noch alles kommen?“

Mancher Weg ist ja in der Tat steinig und holprig. Er läßt sich nicht nur schwer gehen, sondern er ist auch gefährlich. Leicht kann man in ein Loch treten oder in einen Graben fallen. Manchmal tauchen auch Feinde an diesem Weg auf, die einem schon das Leben ganz schön schwer machen können.

Es könnte aber auch sein, daß man ganz auf dem falschen Weg ist, ohne es zunächst zu merken. Am Ende kommt man ganz woanders hin oder man endet in einer Sackgasse. Wievielmal muß man doch im Leben erkennen, daß man etwas falsch gemacht hat! Man möchte umkehren und wieder von vorne anfangen. Aber dann erkennt man, daß es zu spät ist.

Deshalb steht in diesem Psalm die Bitte um Schutz und Bewahrung auf dem Lebensweg. Die Güte und Treue Gottes sind wie zwei Mauern, die links und rechts von unserem Weg stehen. Sie zeigen uns den richtigen Weg, sie schützen uns vor Gefahren und behüten und vor einem Fehltritt. Wenn wir uns auf die Güte und Treue Gottes verlassen, verläuft unser Weg auch richtig.

Allerdings werden die Gefahren damit nicht weggenommen. Sowie man sich nicht mehr innerhalb der Güte und Treue Gottes bewegt, gerät man sofort in den Bereich der Gefahr. Die Aufgabe in der Ehe ist es deshalb, daß einer den anderen warnt, damit er die Grenze nicht überschreitet. Wenn man seinen Weg auf diese Weise gemeinsam geht und ihn unter den Schutz Gottes stellt, wird er sicherlich auch gut verlaufen.

Mögen Sie deshalb auch sicher unter dem Schutz Gottes auf Ihrem Lebensweg weitergehen. So wie Gott Sie bisher geleitet hat, so will er Sie auch weiter führen. Heute erneuert er sein Versprechen, das er Ihnen vor …....Jahren gegeben hat. Und Sie sollen ihm auch erneut Ihr Jawort geben, damit Ihr Weg tatsächlich gesegnet sein möge. So dürfen Sie im Vertrauen auf Gott weitermachen.

 

 

„Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder“                                                                                                                                                                           (Ps 71 ,17)

Die meisten unsrer älteren Gemeindeglieder können noch viele Dinge auswendig hersagen, die sie einmal in der Schule oder im Konfirmandenunterricht über den christlichen Glauben gelernt haben. All die Lieder, Bibelsprüche und Katechismusstücke sind für viele ein unverlierbares Gut und Trost und Stärkung in vielen Wechselfällen des Lebens.

Aber vielleicht haben Sie, liebes Goldenes Hochzeitspaar, doch auch im Laufe ihres Lebens gemerkt, daß das Auswendiglernen allein noch nichts nützt. In zunehmendem Maße kommt es heute vor, daß man gefragt wird und über seinen Glauben Auskunft geben soll. Da genügt es nicht mehr, wenn man einige auswendig gelernte Sätze hersagt, sondern man muß es mit den Worten unsrer Zeit sagen können und vor allem auch selber dahinter stehen.

Aber das, was wir in der Jugend gelernt haben, das kann uns eine Hilfe für das ganze Leben sein. Viele schöpfen noch heute aus dem Schatz dessen, was sie einst gelernt haben, und verkünden auch heute noch die Wunder Gottes. Doch mit dem Reden allein ist es auch nicht getan. Man muß heute auch mit seinem ganzen Leben dahinterstehen.

Das haben Sie selber in vieler Hinsicht zeigen können. Vor 50 Jahren war es noch nichts besonderes‚ wenn man in der Kirche getraut wurde. Heute kommt es schon einem Bekenntnis gleich, wenn man aus einem solchen Anlaß auch in die Kirche geht. Heute haben Sie nun den Gang von damals wiederholt. Ein halbes Jahrhundert sind Sie in Treue als Eheleute miteinander verbunden gewesen, in guten und in schweren Zeiten.

Schon allein diese Tatsache der langen Verbundenheit miteinander kann vielen jungen Leuten von heute ein Vorbild sein. Aber Vorbild ist noch mehr, vor allem geht es auch darum, Vorbild im Glauben zu sein. Es genügt nicht, nur einmal bei der Trauung in die Kirche zu gehen, sondern es kommt darauf an, ständig in Verbindung mit Gott und seiner Kirche zu bleiben, bis hin zum tatkräftigen Einsatz für Gottes Sache. Der Besuch des Gottesdienstes ist sicher eine Hilfe für die Ehe und das Leben. Aus Gottes Wort kommen doch erst die Kräfte, die uns helfen, unser Leben zu meistern. Da wird vieles abgehalten, was einem sonst Schwierigkeiten macht.

Vielleicht ist es nicht jedermanns Sache, Gottes Wort selber weiterzusagen. Doch auch das stille Vorbild ist eine deutliche Verkündigung und heute nötiger denn je. Wir brauchen heute gerade Leute, die nicht nur Worte machen, sondern auch mit der Tat hinter allem stehen und die Worte dadurch unterstreichen.

Man kann nur dankbar sein, wenn man mit seinen bescheidenen Kräften hier etwas hat tun können für die Sache Gottes in der Welt. Aber man kann sich natürlich auch freuen, daß man einen solchen Ehrentag hat erleben dürfen, und kann nur dankbar dafür sein. Es ist nicht selbstverständlich, daß man einen solchen Tag erleben darf. Deshalb ist heute eine gute Gelegenheit, im Kreise der Verwandten in großer Dankbarkeit miteinander zu feiern und Gottes Wunder weiterzusagen.

Aber Gott schickt uns nicht nur Schönes, sondern auch schwere Dinge, an denen wir hart zu tragen haben. Auch das kann man im Grunde nur im Glauben an Gott aushalten. Doch auch davon könnte man berichten, wie man schwere Zeiten mit der Hilfe Gottes durchgestanden hat. Es ist immer ein Wunder, wenn wir trotz allem haben weiterleben dürfen und vorangekommen sind und nun Gelegenheit haben, Gottes Taten weiterzusagen.

Unser Blick sollte mehr auf die schönen Stunden unseres Lebens ausgerichtet sein. Dadurch kann all das andere in den Hintergrund treten und uns Mut für die Zukunft geben: Wir brauchen solche schönen Stunden und solche Festtage wie heute, um über alles andere hinwegzukommen. Wir sollten aber immer wissen, daß wir all das Schöne nur Gott zu verdanken haben.         

Dafür wollen wir immer danken und Kraft daraus schöpfen für unsere Zukunft. Gott will Sie auch weiter begleiten auf Ihrem Lebensweg. Vielleicht hat er noch viel mit Ihnen vor und braucht Sie noch für manches. Seine Gnade, die er Ihnen vor 50 Jahren zugesagt hat, gilt Ihnen auch heute noch. Dieser Gott, der Sie durch lange Jahre geführt und begleitet hat, der wird auch in Zukunft bei Ihnen sein und wird Ihnen helfen, daß Sie jenen Bibelspruch nur noch immer fester bejahen können: „Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder!“

 

„Verlaß mich nicht, Gott, im Alter, wenn ich grau werde, bis ich deinen Arm verkündige Kindeskindern und deine Kraft allen, die noch kommen sollen!“                                                                                                                                     (Ps 71,18)

Wenn man.....Jahre verheiratet ist und seine ....... Hochzeit feiern kann, dann ist das zunächst einmal Grund zur Freude und zur Dankbarkeit. Die Gedanken gehen zurück auf das, was gewesen ist. Es sind nicht immer gute Zeiten gewesen. Es gab persönliches Leid in der Familie.

Wenn man so lange hat zusammensein dürfen, dann hat man auch viel miteinander durchgemacht .Doch Sie haben sich dabei auch gegenseitig eine Hilfe sein können. Das ist ja mit der Segen, der über einer Ehe liegt: Man muß nicht allein durchs Leben gehen, sondern hat mindestens noch einen Menschen, der mit Rat und Tat zur Seite steht.

Aber noch wichtiger ist eigentlich der Beistand Gottes. Sie haben ihn damals vor .....Jahren um seine Hilfe und seinen Segen gebeten. Heute könnten Sie sicher manches erzählen von dem, was Sie mit diesem Gott erlebt haben. Ja, es ist sogar Ihre Aufgabe, immer wieder davon zu erzählen.

Vielleicht hat Gott Sie nur so alt werden lassen und diesen seltenen Tag erleben lassen, weil er Sie noch braucht und ihnen ein, Aufgabe zugedacht hat. Hier in dem Psalmvers heißt es: „Bis ich deinen Arm verkündige Kindeskindern und deine Kraft allen, die noch kommen sollen!“ Ein, alter Mensch ist zwar körperlich vielleicht schwach. Aber er ist deshalb noch nicht nutzlos und nur noch gut für den Schrottplatz.

In unsrer heutigen Leistungsgesellschaft besteht natürlich sehr schnell die Gefahr, alte Menschen abzuschreiben. Wer nicht mehr produktiv tätig ist, wird leicht als nutzlos und überflüssig betrachtet. Gott aber denkt nicht so. Er hat jedem von uns seine Aufgabe zugedacht, auch einem alten und selbst einem kranken Menschen. Niemand ist so alt und schwach, daß er nicht doch noch von der Güte Gottes weitersagen könnte.

Gottes Macht und Kraft soll auch den nachfolgenden Generationen deutlich werden, die vielleicht noch nicht solche Erfahrungen mit Gott gemacht haben. Solange man jung ist, verläßt man sich noch gern auf die eigene Kraft. Aber wenn man älter wird, braucht man immer mehr die Macht Gottes.

Diese Erkenntnis sollen Sie noch weitergeben. Gott braucht Sie noch, damit sein Reich wachsen kann. Der Glaube der kommenden Generationen lebt immer von den Traditionen der Vorfahren, von dem, was sie an ihre Kinder und Enkel weitergegeben haben. Es kann uns sicher nicht gleichgültig sein, wie die junge Generation einmal über den Glauben denkt. Es genügt nicht, wenn wir vielleicht das Heil gewinnen‚ aber die anderen gehen daran vorbei. Deshalb hat jeder von uns die Aufgabe, von den großen Taten Gottes zu erzählen, die er in seinem Leben erfahren hat.

Aber an so einer Tag richten wir natürlich auch den Blick nach vorne. Wir wissen, daß wir auch dann noch die Hilfe Gottes noch brauchen werden. Deshalb heißt es ja auch hier in diesem Psalmvers: „Verlaß mich nicht, Gott, im Alter, wenn ich grau werde!“ Wer sein Leben über gut mit Gott gefahren ist, der möchte ihn auch weiterhin bei sich haben. Es könnte ja sein, daß uns die Menschen im Alter verlassen. Einmal müssen wir manchen lieben Verwandten oder Bekannten hergeben an den Tod. Andere können uns vielleicht nicht mehr besuchen wegen körperlicher Gebrechen oder aus anderen Gründen. Da kann es leicht einsam werden. Nur wird man dann umso dankbarer sein, wenn man wenigstens einige der nächsten Angehörigen noch mit im Haus oder in der Nähe haben darf. Und man darf vor allem dankbar sein, daß Gott uns nie und nimmer allein läßt.

Heute am Gedenktag Ihrer Trauung, sagt er ihnen das erneut zu. Er will sein Versprechen von damals bestätigen und erneuern. Er sagt: „Ich verlasse Euch nicht im Alter!“ Wir sprechen ja nicht umsonst von einem Ehebund; es ist der Bund, den Gott mit einem Ehepaar schließt. Dieser Bund wurde nun jahrzehntelang praktiziert, und es könnte ja stillschweigend alles so weiterlaufen. Aber es ist doch gut, wenn man an solch einem Jubiläumstag wieder einmal zusammenkommt und seine Zufriedenheit mit diesem Bund zum Ausdruck bringt: einmal in der Form des Dankes, zum anderen auch als Bitte für die Zukunft.

Sie werden Gott auch in Ihrem weiteren Leben brauchen. Vor allem werden Sie einen Beistand brauchen‚ wenn dieses Leben einmal ein Ende hat. Aber auch dann will er Sie nicht verlassen, sondern erst recht Ihr Helfer und Beschützer sein. Zu ihm dürfen Sie sich flüchten, so wie ein Kind sich in die Arme der Mutter oder des Vaters flüchtet. Er wird Sie nicht abweisen, sondern sagen: „Komm her, mein Kind, ich verlaß dich nicht!“

 

„Er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen!“      (Ps 91,11)

Die Hochzeit ist ein wichtiger Schritt in unserem Leben, neben der Berufswahl vielleicht der entscheidenste Punkt. Dabei legt man sich ja nicht nur für ein paar Tage fest, sondern für das ganze Leben. Deswegen muß man sich das gut überlegen. Eine falsche Berufswahl kann man immer noch einmal korrigieren, eine fasche Ehe - jedenfalls nach Gottes Willen - nicht mehr. Leider nimmt man es heute damit nicht mehr so genau. Bei manchen hat man den Eindruck, sie heiraten erst einmal „ins Unreine“. Früher hatte man darüber andere Ansichten, und viele haben sie auch heute noch.

Wenn wir heute das 50jährige Gedächtnis der Trauung begehen dürfen, dann ist das doch auch ein Zeichen der Liebe und Treue zweier Eheleute zueinander. Sie haben gezeigt, daß man so lange miteinander leben und gut zusammenleben kann. Insofern werden Sie ein Vorbild sein für viele jüngere Leute.

Vielleicht hat eine Ehe aber gerade dann Bestand, wenn man manches in ihr durchzumachen

hat. Das klingt widersprüchlich. Aber gemeinsam getragenes Leid und gemeinsam erlebte Freude verbindet doch und festigen das Band der Ehe. Deswegen hat man ja geheiratet, daß man leichter durchs Leben kommt. Man hat wenigstens einen Menschen, der einem beistehen will, komme was da wolle. Es sind oftmals hohe Belastungen, denen ein Ehepaar von außen her ausgesetzt ist. Krankheit und Tod greifen in das Leben ein, es gibt Sorgen um das tägliche Brot und Auseinandersetzungen mit anderen Menschen. Da ist es gut, wenn man zusammensteht und bei solchen Ereignissen auch immer mehr zusammenwächst. Das Schwere im Leben hat dann durchaus auch seine guten Seiten.

Aber die Goldene Hochzeit ist auch ein Zeichen für die Liebe und Treue Gottes zu uns. Er ist unser Schöpfer und Erhalter, er hat auch Sie diesen Tag erleben lassen. Es ist ja nicht selbst­verständlich, wenn man ein solches Alter und einen solchen Tag erreicht. Alles, was wir sind und haben, verdanken wir ja doch nur letztlich diesem Gott. Deswegen soll unser Dank am heutigen Tag vor allem ihm gelten. Und wie könnte man diesen Dank besser zum Ausdruck bringen als durch einen Gottesdienst in der Kirche?

Heute will Gott noch einmal bestätigen, daß er Sie mit seinem Segen begleiten will. In dem Psalmwort ist die Rede von den Engeln, die uns behüte sollen. Das ist eine Ausdrucksweise der damaligen Zeit. Gemeint ist aber doch, daß er selber uns auf unserem Lebensweg begleitet. Er selber ist ja unser wahrer Schutzengel, der uns warnt vor manchen Gefahren des Lebens und der uns wieder zurechtbringt, wenn wir uns verlaufen haben.

Gott hat alle Fäden in der Hand. Allerdings nicht so wie ein Marionettenspieler, der die Puppen tanzen läßt. Gott gibt den Menschen auch Freiheit. Wir können uns auch gegen seinen Willen entscheiden. Allerdings müssen wir dann auch die Folgen tragen. Das kann man auch in vielfältiger Hinsicht im Leben feststellen. Sie werden heute vielleicht auch an manches Versagen und manchen Fehlschlag zurückdenken.

Aber wir haben ja auch einen Gott, der uns vergeben will. Er streicht immer wieder unsere Schuld durch und ermöglicht uns einen neuen Anfang. Dessen dürfen wir uns immer wieder versichern, wenn wir nur auf Gottes Wort hören. Auch heute ist so ein Tag, an dem wir besonders mit Gott in Berührung kommen sollen.

Das Schönste wäre doch, wenn Sie heute bekennen könnten: „Ja, er hat uns behütet auf allen unseren Wegen!“ Gottes Wege mit uns sind manchmal verschlungen, so wie das Leben überhaupt kompliziert ist. Aber wenn wir dann an einem Ziel angekommen sind, dann erkennen wir: Gott hat uns doch den richtigen Weg geführt!

Sie haben heute einen Abschnitt auf ihrem Lebensweg erreicht. Aber es wird ja noch weitergehen. Deshalb können Sie im Vertrauen auf Gott in die Zukunft blicken. Gott, der Sie bis hierher geführt hat, wird auch weiter bei Ihnen sein, so wie er mit uns allen ist. Er wird nicht alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen. Da bleiben manche Steine liegen, an denen wir unseren Fuß stoßen können. Da bleiben Löcher und Gräben. Aber Gott wird uns durch alles gut hindurchführen.

Heute haben Sie erst einmal Grund zur Dankbarkeit. Diese wird Ihnen Kraft geben, auch weiterhin auf Gott zu vertrauen. Er freut sich darüber, wenn er jemand auf seinem Weg behüten kann, wenn Menschen da sind, die auf ihr hören wollen. Wenn Sie sich ihm anvertrauen, wird er auch weiter bei ihnen sein und sie auch in Zukunft führen und leiten.

 

„Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!“                                                                                                                                     (Ps 103,1-2)

Ein solcher Bibelspruch hört sich bei einer Goldenen Hochzeit anders an als zur Trauung. Damals wäre er eine Aufforderung gewesen, die Dankbarkeit nicht zu vergessen. Heute aber dürfen Sie voller Dankbarkeit zurückschauen auf einen gemeinsamen langen Weg. Heute brauchen Sie nicht mehr dazu aufgefordert werden, sondern da kommt der Gedanke an die Dankbarkeit ganz von selber.

Nicht viele dürfen diesen Tag der Goldenen Hochzeit erleben. Zwar ist die Lebenserwartung gegen früher gestiegen und das Fest der Goldenen Hochzeit häufiger als früher. Aber es sind doch immer noch wenige, die so lange zusammenbleiben dürfen. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, wenn man gemeinsam ein solches Alter erreichen darf und voller Dankbarkeit zurückschauen kann.

Wofür können wir nun dankbar sein? Viele würden als erstes sagen: „Für die Gesundheit!“ Jeder ist in seinem Leben einmal krank gewesen‚ vielleicht auch schwer krank. Jede Krankheit macht uns Mühe, weil sie uns am ruhigen Leben hindert, und uns Schmerzen und Sorgen bereitet. Deshalb sind wir froh und dankbar, wenn es vorüber ist. Wir erkennen dann erst richtig, wie wichtig dieses Gut der Gesundheit doch ist.

Ein anderer wieder ist dankbar für die Kinder und Enkel, die ihm geschenkt wurden. Es ist doch schön, wenn man auf seine alten Tage nicht allein sein muß, sondern im Rahmen der Familie etwas Abwechslung und auch noch eine Aufgabe hat. Es ist ja auch nicht selbstverständlich, daß man Kinder haben darf und sich an Enkeln erfreuen kann. Manche Ehe bleibt ja kinderlos; und dann empfindet man vor allem im Alter doch einen Mangel. Wenn man aber Kinder haben darf, dann ist das über die Gemeinschaft von Mann und trau hinaus doch ein zusätzliches Geschenk, für das man dankbar sein darf.

Man könnte auch dankbar sein, wenn es in wirtschaftlicher Hinsicht einigermaßen gegangen ist. Sicherlich waren auch schwere Zeiten in diesen fünfzig Jahren dabei, wo man sich sogar Sorgen um das tägliche Brot machen mußte, um den Arbeitsplatz und um Wohnung und Kleidung. Doch verhungert ist Keiner. Auch diese Zeit ist vorübergegangen und wir können uns heute doch eines gesicherten Lebens erfreuen, was so die äußeren Dinge des Lebens angeht.

„Vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!“ Dazu gehören auch diese ganz äußerlichen Dinge des Lebens. Wir sollten sie nicht zweitrangig ansehen oder meinen, das hätte doch nichts mit Gott zu tun. Gott will, daß wir ihm auch dafür danken und nicht alles als selbstverständlich hinnehmen. Oft ist es doch so: Wenn wir in Not sind und uns etwas fehlt, dann denken wir an Gott, dann bitten wir ihn auch, dann erwarten wir etwas von ihm. Wenn es aber dann eingetroffen ist, vergessen wir leicht, wie es gewesen ist. Und oft vergessen wir dann auch das Danken.

Sie, liebes Goldenes Hochzeitspaar, wollen es anders machen. Dieser Gottesdienst ist ja ein Dankgottesdienst für all das Gute, das Sie in Ihrem bisherigen Leben von Gott empfangen haben. Sie erfüllen den Willen Gottes, wenn Sie ihm hier danken wollen. Sie bekennen sich damit zu dem Gott, in dessen Namen Sie damals eingesegnet worden sind und der Ihren Lebensweg mit seinem Segen und seiner Hilfe begleitet hat.

Das wäre nun ein weiterer Punkt, für den Sie dankbar sein können. Ja, ich denke, hier kommen wir an den entscheidenden Punkt: Vor allem dürfen wir auch dankbar dafür sein, daß Gott uns im. Glauben erhalten hat. Auch der Glaube ist ein Geschenk Gottes, das wir gebrauchen und anwenden sollen. Sehr oft wäre, die Gelegenheit, von Gott wegzugehen und eigene Wege zu suchen. Wer aber dankbar ist, der kehrt immer wieder zu Gott zurück. Die Dankbarkeit ist das beste Mittel, um bei Gott bleiben zu können.

Gerade wenn man älter und wieder schwächer wird, erkennt man doch, wie sehr man Grund zur Dankbarkeit hat. Und dabei sind wirklich alle Dinge zur Dankbarkeit geeignet, sowohl die ganz äußerliche als auch die zutiefst persönlichen Fragen wie zum Beispiel alles, was mit dem Glauben zusammenhängt. Gott klammert kein Gebiet aus, er ist für alles zuständig. Deshalb sollten wir auch nichts beim Danken auslassen.

Der heutige Gottesdienst aus Anlaß der Goldenen Hochzeit soll dazu wieder einmal Gelegenheit geben. Nutzen Sie diese Möglichkeit aus, danken Sie mit uns unserem Gott, der schon so vielen Menschen geholfen hat und der auch Ihnen beigestanden hat - und Ihnen beistehen wird. Dann werden Sie erneut auch für die Zukunft seinen Segen verspüren können.

 

 „Lobe den Herrn, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit!“                                                                                                                                                            (Ps 103,4)

Über einen Tag wie den heutigen kann man sich nur freuen. Es ist nicht selbstverständlich, daß man die Goldene Hochzeit erleben darf. Fünf Jahrzehnte haben Sie zusammen bleiben dürfen, haben Freude und Leid miteinander geteilt und vieles gemeinsam erlebt. Sie haben die Kinder großgezogen und dürfen sich nun an den Enkeln freuen. Sie haben Befriedigung und Freude in Ihrem Beruf finden können und eine geachtete Stellung erworben. All das kann dazu beitragen, heute einen schönen Tag zu verleben.

Aber es geht ja dicht nur darum, heute ein menschliches Jubiläum zu begehen. Wir wollen vor allem auch den Dank an Gott aussprechen, der das letztlich alles geschenkt hat. Deshalb ist es gut‚ wenn man an einem solchen Tag ins Gotteshaus geht, um auf Gottes Wort zu hören, mit­einander zu beten und den Segen Gottes zu empfangen, so wie vor 50 Jahren.

Als Sie damals eingesegnet wurden, da blickten Sie noch vorwiegend in die Zukunft, wie in ein neues unbekanntes Land. Heute haben Sie dieses Land zu einem großen Teil durchschritten und können schon Rückschau halten. Nicht alles wird so gewesen sein, wie Sie es sich gewünscht haben. Nicht alle Pläne haben sich verwirklicht und manches ist auch direkt mißlungen.    

Aber sicherlich werden Sie auch von viel-Schönem berichten können, von Erfolgen und guten Erfahrungen, von freudigen Ereignissen und glücklichen Stunden. Dafür können Sie nur dankbar sein. Manches werden Sie sich auch selber zu verdanken haben. Aber letztlich gebührt aller Dank doch Gott, der uns das Leben gegeben hat, der uns die Ehe als Ort gemeinsamen Lebens gegeben hat, der uns jeden Tag neu beschützt und erhält.

Wir können ihn nur loben, weil er sich um unser Geschick kümmert und uns persönlich seine Liebe und Fürsorge zuwendet. Er ist der große Gott und wir, sind nur kleine Menschen. Er braucht uns nicht aber wir brauchen ihn. Er läßt uns nicht alleine dahin wursteln, sondern er gibt uns sein Wort als Hilfe mit auf den Weg, wir dürfen uns im Gebet an ihn wenden, wir können (manchmal offen, manchmal verdeckt) seine Hilfe erfahren.

Sicherlich gibt es auch manche Beispiele in Ihrem Leben, die das belegen könnten. Wenn man so lange hat zusammen sein dürfen, da hat man manches mitgemacht und da kann man was erzählen.

In dem Psalm heißt es: „Der dein Leben vom Verderben erlöst!“ Sicher stehen wir oftmals in der Gefahr, ins Verderben zu laufen oder von einem Verderben überfallen zu werden. Gott aber will uns davor bewahren bzw. wieder daraus befreien. „Erlösen“ heißt ja: einen Gebundenen wieder losmachen? Wenn wir schon Schweres durchmachen mußten, dann will Gott uns doch immer wieder daraus befreien.

Andere Menschen. kommen uns dabei zu Hilfe. Deswegen stellt er uns ja den Ehepartner zur Seite, damit immer wenigstens einer in der Nähe ist, der helfen kann. Unter diesem Gesichts­punkt könnte man die Ehe auch einmal sehen. Sie ist eine gute Ordnung Gottes, nicht nur ein menschlicher Vertrag; sie .ist eine Art und Weise, wie Gott uns hilft.

Gott braucht uns Menschen ja als seine Helfer. Der Ehepartner ist vorzüglich dazu geeignet, ein solcher Helfer zu werden. Wir sollten die Ehe auch einmal unter diesem Blickwinkel sehen: Alles, was wir dem anderen an Gutem und Liebem tun, das geschieht auch im Auftrag Gottes.

Er will daß wir selber Hilfe erfahren, aber auch umgedreht bereit sind, anderen zu helfen und so seine Diener werden. Dadurch wird das Verderben in der Welt zurückgedrängt und ein Stück vom Himmel auf Erden sichtbar.

Dadurch wird auch deutlich, daß Gott uns krönt mit Gnade und Barmherzigkeit. Zur Goldenen Hochzeit trägt man oft ein Kränzchen im Haar. Das könnte auch Hinweis sein auf den, der uns eine unsichtbare Krone aufsetzt. Es ist ja nicht unser Verdienst, wenn wir einen solchen Tag erleben dürfen .Wir können nur immer wieder darauf hinweisen: Gott ist es, der das alles vollbracht hat. Seine Gnade und Barmherzigkeit haben wir viele Tage erfahren dürfen und erfahren sie alle Tage wieder neu.

Wir werden sie auch in Zukunft brauchen. Gottes Werk ist ja noch nicht zu Ende. Es soll ja noch weitergehen und auch in Zukunft an den Eheleute und ihrer Familie sich wirksam erweisen. Gott sagt Ihnen heute erneut seine Hilfe zu. Er will Sie auch weiter begleiten mit seiner Gnade und Barmherzigkeit. Auf ihn dürfen Sie vertrauen, was auch noch kommen mag.

So wünschen wir Ihre heute ein schönes Fest im Kreise Ihrer Lieben. Aber vor allem wünschen wir Ihnen die Gnade und Barmherzigkeit des Herrn‚ der unser Leben vom Verderben erlöst und dem wir darum nur immer wieder danken können und den wir loben sollen unser Leben lang

 

„Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohltat, die er an mir tut? Ich will den Kelch des Heils nehme und des Herrn Nahmen anrufen. Ich will meine Gelübde dem Herrn erfüllen vor all seinem Volk!“                                                          (Ps 116,12-14)

Gott tut an jedem Menschen Wohltaten. Sicherlich, keinem fliegen die gebratenen Tauben in den Mund. Jeder hat einmal klein anfangen müssen, jeder hat einmal schwere Zeiten durch­gemacht, jeder war einmal verzweifelt. Das bleibt keinem Menschen erspart und das gehört einfach mit zum Leben dazu.

Aber wir haben auch immer wieder Gelegenheit, die Wohltaten Gottes zu erfahren. Gerade wenn es einem schlecht geht, wird man umso mehr erkennen, daß nur noch Gott helfen kann. Manche sagen: „Du hast halt noch einmal Glück gehabt!“ Aber wer an Gott glaubt, der erkennt hier die schützende und wieder aufhelfende Hand Gottes. Wenn man nur darauf achtet, wird man viele Hilfestellungen Gottes bemerken können.

Wenn nun hier gefragt wird: „Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohltat, die er an mir tut?“ dann ist die Antwort eigentlich sehr einfach: „Gar nicht sollen wir vergelten! Wir können es ja auch gar nicht!“

Wie sollten wir Gott etwas anbieten können? Er braucht doch gar nichts, und schon gar nicht von uns, die wir doch selber nichts haben, sondern auf seine Hilfe angewiesen sind. Bei Gott geht es nicht nach dem Grundsatz: „Gibst du mir, geb ich dir!“ sondern es ist alles nur Gnade und Geschenk.

Zwischen Gott und den Menschen geht es nicht zu wie zwischen Geschäftspartnern, sondern wie zwischen Eltern und Kindern. Wie könnten denn Kinder jemals das wieder gutmachen, was die Eitern an ihnen getan haben? Gewiß, sie werden für die Eltern sorgen, wenn diese

alt geworden sind. Aber es bleibt doch immer ein Rest, der sich nicht aufrechnen läßt und der immer als eine Wohltat im Gedächtnis haften bleibt. Entscheidend wird nur sein, daß wir die Wohltat auch als Wohltat erkennen. Mancher ist ja nachher undankbar und hat schon wieder alles vergessen. Er schreibt die Erfolge sich selber zu und schiebt die Mißerfolge am Ende noch Gott in die Schuhe.

Sie aber wollen es nicht so machen. Sie wollen Ihren Ehrentag als einen Tag der Freude und des Dankes hier in der Kirche begehen. Man kann natürlich solch einen Tag auch sang- und klanglos vorübergehen lassen.

Aber wer die Zusammenhänge durchschaut, der begreift auch, daß man an einem solchen Tag durchaus Grund hat, Gott zu loben und zu preisen für seine Wohltaten. Deshalb geht man an einem solchen Tag in die Kirche und bringt damit zum Ausdruck: Wir wollen Gott heute danken.

Sie dürfen auch in Zukunft auf diesen Gott vertrauen. Wenn man Gott seine Wohltaten vergelten will, dann nur so, wie es in diesem Psalm heißt „Ich will den Kelch des Heils nehmen und des Herrn Namen anrufen!“ Sie können Ihre Dankbarkeit am Besten zeigen, indem Sie Gott auch weiterhin Ihre Bitten vortragen und den Kelch des Abendmahls nehmen. Gott immer wieder um dasselbe zu bitten, das heißt, ihm die schuldige Ehre antun.

Sie haben heute Gelegenheit‚ Ihr Versprechen von vor 50 Jahren zu bestätigen und zu erneu­ern. In dem Psalm heißt es ja: „Ich will meine Gelübde dem Herrn erfüllen vor all seinem Volk!“ Damals haben Sie sich nicht nur einander das Versprechen gegeben, immer beieinander bleiben zu wollen. Sie haben auch Gott versprochen, als ein Ehepaar bei ihm zu bleiben.

Heute zeigt sich nun, daß Sie sich daran gehalten haben. Sie zeigen es hier vor Ihren Angehörigen und vor der Gemeinde, daß Ihnen am Segen Gottes durchaus etwas liegt und daß Sie ein einmal gegebenes Versprechen halten wollen.

Allerdings müßte man auch hier wieder sagen: Es geht ja gar nicht um ein Gelübde, das wir Gott gegenüber leisten könnten. Luther hat einmal gesagt: „Wenn du etwas geloben willst, dann versprich, dir nicht die Nase abzubeißen, denn das kannst du halten!“ Er hat damit sagen wollen: Man darf von keinem Menschen ein wirkliches Gelübde verlangen, denn keiner könnte es hundertprozentig halten. Es soll nur jeder seinen ehrlichen Wille erklären, aber auch damit rechnen, daß er einmal versagen wird.

Luther betont demgegenüber: „In Wirklichkeit gelobt Gott sich uns an. Er leistet ein Gelübde, daß er uns auch halten wird. Er allein bindet sich an uns!“ Das dürfen Sie auch heute wieder hören, wo Sie hier am Altar stehen. Gott verspricht Ihnen erneut, daß er Sie führen wird bis an Ihr Lebensende. Das Entscheidende ist nicht so sehr der Bund zwischen zwei Menschen, sondern der Bund Gottes mit Ihnen.

 

„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege!“                                  (Ps 119, 105)

Früher gab es keine Straßenbeleuchtung und es war nachts völlig dunkel auf den Straßen. Man war daran gewöhnt, es ging auch ohne. Aber es war eben doch sehr schwierig, besonders für ältere Menschen. Als dann die Beleuchtung eingeführt wurde, war das doch eine große Erleichterung und rief große Freude hervor.

So ist es auch in unserem Leben, ein Unterschied, ob wir eine hell erleuchtete Straße zu gehen haben oder durch ein dunkles Tal. Wenn man einen fragte, dann würde er sicher sagen „Ich gehe lieber auf der hellen Straße!“ Aber in Wirklichkeit suchen viele auch die dunklen Ecken und tun Dinge in ihrem Leben, die das Licht zu scheuen haben.

Man kann es natürlich auch auf dunklem Weg versuchen. Aber dabei macht man es sich unnötig schwer. Und man geht das Risiko ein, den richtigen Weg verfehlen zu können. Manchmal scheint der dunkle Weg der kürzere zu sein. Aber am Ende ist er dann doch oft der beschwerlichere gewesen.

Gott will es uns leichter machen im Leben. Er gibt uns sein Wort, damit wir uns zurechtfinden. In seinen Verheißungen stellt er uns vor Augen, was er uns schenken will. In seinen Geboten gibt er uns Hinweise, wie wir es machen müssen, daß wir auf seinem Weg bleiben.

Beides gehört zusammen: Gottes Gabe und Gottes Forderung. Erst sollten wir uns aber klar machen, was Gott uns schenkt. Und wenn wir das begriffen haben, dann wird uns ganz von selber deutlich, was Gott von uns dann auch erwartet.

Gerade in einer Ehe kann man das erleben. Ihnen, liebes Jubelpaar wurde sicher vor …..Jahren die Gnade Gottes vor Augen gestellt. Gerade dieser Psalmvers macht ja deutlich, daß Gott uns auf unserem Weg durchs Leben und in der Ehe begleiten will. Gott mutet uns ja gar nicht zu, daß wir uns alleine durchkämpfen, sondern er bietet uns seine Hilfe an.

Heute könnten Sie in der Rückschau sicher manches erzählen, was die Führung und das Geleit Gottes deutlich macht. Dem soll ja besonders dieser Tag und diese Feier dienen: Wir wollen unseren Dank ausdrücken für viele Jahre gemeinsamen Lebens, für manche gnädige Bewahrung und für manchen schönen Erfolg. Wenn wir es recht überlegen, ist sicherlich viel Grund zum Danken.

Aber es könnte auch sein, daß wir einmal eine dunkle Straße geführt wurden und nichts vom Licht Gottes zu erkennen meinten. Es geht nicht immer alles so glatt im Leben so wie wir uns das vorgestellt und eingeplant haben. Manchmal kann uns dann sogar Gott dunkel werden und sein Wille unverständlich.     

Dann kann uns nur eins helfen: Das Hören aufn Gottes Wort, das uns immer wieder seinen guten und gnädigen Willen deutlich machen will. Gott will immer das Beste für uns. Nur erkennen wir es nicht gleich immer, sondern halten etwas anderes für besser. So werden wir oft einen Weg geführt, den wir zunächst für einen Umweg oder gar für falsch halten, der sich dann aber doch als der Weg Gottes herausstellt.

Bei einer (goldenen) Hochzeit kann man sicher schon ganz gut seinen bisherigen Lebensweg beurteilen. Und es wäre doch schön, wenn man sagen könnte: „So, wie mein Leben verlaufen ist, mußte es verlaufen, ich hätte es nicht anders haben wollen!“ Damit sagt man dann auch aus: Gott hat es gut gemacht mit uns, wir können ihm nur danken und um weiteren Beistand bitten.

Heute wollen wir auch den Blick nach vorne richten, auf das, was noch kommen soll. Unser künftiger Lebensweg liegt im Dunkel. Nur die nächsten Schritte sind vielleicht schon teilweise erleuchtet. Aber wir dürfen sicher sein: Gott geht mit uns, er erleuchtet immer wieder das nächste Stück Wegs vor uns. Wo das alles am Ende noch einmal hinführen wird, brauchen wir nicht unbedingt zu wissen. Nur das Grundsätzliche steht fest, daß Gott uns nämlich ans richtige Ziel bringt. Und eben die nächsten Schritte möchten wir schon wissen können.

Aber das genügt ja auch für uns. Im Vertrauen auf Gott dürfen wir so unseren Weg gehen. Heute erneuert er sein Versprechen, daß er Sie auch weiterhin begleiten will. Wenn Sie mit ihm in Verbindung bleiben und sich durch sein Wort bestimmen lassen, dann wird Ihr Weg auch weiterhin gesegnet sein.

 

 „Ihr seid teuer erkauft; darum preiset Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes!“                                                                                                                                                                                                                                                     (1. Kor 6, 20)

Als erstes dürfen Sie heute hören‚ was Gott für Sie und für uns alle getan hat. „Ihr seid teuer erkauft!“ Es ist gar nicht so selbstverständlich, daß wir zu Gott gehören dürfen. Es ist gar nicht selbstverständlich, daß nach der Eheschließung noch die Trauung kommt und man an einem solchen Tag auch mit Gott zu tun bekommt.

Gott hat es sich schon etwas kosten lassen, daß wir zu ihrs gehören dürfen. Er hat seinen eigenen Sohn in den Tod gegeben, damit wir gerettet würden So hat er uns von allen bösen Mächten freigekauft. Nun kann niemand mehr über uns verfügen als Gott allein. Deshalb-steht auch die Ehe zweier Menschen ganz unter dem Schutz und der Hilfe Gottes.

Wenn wir uns in der Bäckerei ein Brot kaufen, dann dürfen wir damit machen, was wir wollen. Dann kann der Bäcker nicht noch nachträglich kommen und sagen: „Ich will das Brot selber essen!“ Verkauft ist eben verkauft So hat uns auch Gott gekauft, und wir sind voll und ganz sein Eigentum.

Auch auf eine Ehe kann kein anderer Anspruch erheben. Da darf sich kein Dritter hin eindrängen. Da darf auch keiner diesen zwei Menschen Böses zufügen. Sie stehen ja unter dem Schutz Gottes, der Ihre Ehe sichern will nach innen und außen. Er hilft bei dem menschlichen Zusammenhalt und wehrt Gefahren von außen ab, die kommen könnten.         

Wer seine Ehe unter den Schutz Gottes stellt und ihm alles zutraut, der wird auch seinen Segen erfahren. Wir sind ihm ja so ans Herz gewachsen, daß er uns nicht wieder hergeben will. So wie sich zwei Leute lieben, so liebt er uns auch. Man muß das nur erst einmal ausprobiert haben, wie das ist, wenn man sich auf Gott verläßt und ihm allein vertraut.        

Der Spruch geht dann weiter mit der Aufforderung: „Darum preiset Gott an eurem Leibe!“ Weil Gott. Uns hilft, sollen wir ihn preisen. Es mag für uns überraschend sein, wenn es hier heißt: Auch unser Leib dient dem Lobpreis Gottes! Viele sehen darin doch nur etwas, was auf die weltliche Seite unsres Lebens gehört, aber nichts mit Gott zu tun hat.

Gott hat auch unsren Leib gekauft, und wir sollen ihn nun zu seinem Ruhm einsetzen. Unsere Hände sind zum Beispiel dazu da, anderen Menschen viel Gutes zu tun. Das fängt an beim Kohlenholen für die Frau und beim Knopfannnähen für den Mann. All unsere Berufsarbeit dient dem Wohl anderer Menschen. Mancher kann sogar durch seine Freizeitbetätigung noch anderen Freude bereiten.

Wir dürfen Gott aber auch danken, daß er den anderen Menschen so schön geschaffen hat zu unserer Freude. Wir dürfen uns zu ihm hingezogen fühlen und eng mit ihm zusammensein. Auch dabei können wir Gott preisen, der dem Menschen soviel Schönes schenkt. Aber wir müssen auch mit Krankheit und Not rechnen. Auch dann sind unsre Hände dazu da, um zu helfen und zu bewahren und zu stärken.

Paulus redet hier sehr nüchtern von ganz menschlichen Dingen. Er bringt sie aber alle in Verbindung mit Gott. Ein späterer Leser seines Briefes dachte dann: Das ist doch etwas wenig, wenn wir Gott nur mit unserem Leib preisen sollen. Deshalb hat er noch hinzugefügt: „Preiset Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes!“ So steht es noch in der alten Lutherbibel! Heute ist dieser Zusatz weggelassen, um den ursprünglichen Text herzustellen.

Dennoch lohnt es sich auch-heute noch, den Sinn dieses Zusatzes zu überdenken: Auch unsre Gedanken gehören Gott. Wieviel schlechte Gedanken kommen doch in uns auf, wenn wir so unseren Tageslauf bedenken. Aber wir könnten Gott auch auf diesem Gebiet loben und preisen: durch ein liebes Wort an den anderen, durch tröstenden Zuspruch, durch ein offenes Bekenntnis zu Gott, der uns Gutes getan-hat.

Unser Leib und unser Geist gehören beide Gott. Mit der Trauung unterstellen wir sie ihm. Er soll sie unter seine Verantwortung nehmen, und seinen Segen auf uns wenden. Wir dürfen darauf vertrauen, daß Gott mit uns geht durchs Leben und uns hilft, den richtigen Weg zu finden .Dann werden wir auch Gott mit großer Freude loben können in dem Bewußtsein: „Ihr seid teuer erkauft, darum preiset Gott an eurem Leibe und an eurem Geiste, welche sind Gottes!“

 

„Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist!“                                                                   (1. Kor 15,10)

Ein Mensch stellt doch vieles dar. Was hat man doch alles geleistet in einem langen Leben. Viele Menschen haben den Nutzen und die Freude davon gehabt. Auch was die Frau zuhause geleistet hat, ist doch der ganzen Familie zugutegekommen. Und man darf sicher dankbar sein für alle diese Jahre.

Man kann überhaupt nur dankbar sein, wenn man ein solches Fest erleben darf. Nur wenigen Eheleuten ist es ja vergönnt, bis ins Alter zusammenzubleiben. Sehr oft ist es anders gekommen, als man es sich bei der Hochzeit gewünscht hat.

Sie aber dürfen heute am Tag des Gedächtnisses Ihrer Trauung sagen: „Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin!“ Keiner von uns kann sein Leben sichern oder verlängern. Alle Mittel der ärztlichen Kunst helfen nicht, wenn Gott es anders bestimmt hat.

Wir verdanken es aber auch der Gnade Gottes, wenn wir Kinder haben dürfen, wenn wir ein Haus haben, wenn wir Freunde haben. Wir wissen ja auch, wie schnell alles einmal wieder genommen werden kann, so daß man wieder vor dem Nichts steht.

 

Mancher versucht ja mit Gewalt etwas im Leben zu erreichen. Er vertraut auf seine Kraft und auf seine guten Beziehungen. Vielleicht kann man damit auch Augenblickserfolge erringen. Aber letztlich ist man doch zum Scheitern verurteilt, wenn der Segen Gottes fehlt.

Auch im Glauben haben wir alles unsrem Gott zu verdanken. Von uns aus sind wir ja denkbar schlecht zum Glauben geeignet. Es liegt uns eher, ohne Gott zu leben und unser Leben nach eigenem Gutdünken zu führen. Gott müßte uns eigentlich bestrafen, weil wir nicht so sind, wie er es von uns erwartet. Er müßte uns s gen: „Du bist untauglich, ich will nichts mehr mit dir zu tun haben!“

Aber Gott ist nicht so. Es geschieht das Unfaßbare, das keiner erwarten konnte: Gott erkennt uns trotzdem als seine geliebten Kinder an! Er läßt uns alle Rechte und wendet uns ganz seine Liebe zu. Das ist so, wie wenn einer dauernd in seinem Beruf versagt hat und dann doch noch einen findet, der ihn nimmt und wo es dann auch gut geht.

Vielleicht haben Sie, liebes Goldenes Hochzeitspaar, auch manchmal in ihrem Leben diese Gnade Gottes verspüren können. Gerade wenn man ganz am Ende ist und nicht mehr weiterkann, zeigt er doch immer wieder einen Ausweg. Gottes Wege sind zahlreicher, als wir es uns denken können.

Wenn man das begriffen hat, ist die Gnade Gottes nicht vergeblich gewesen. Er wendet sie allen Menschen zu. Aber nicht alle nehmen sie an. Dann war sie eben vergeblich für diese Menschen. Wenn sie aber ein offenes Tor bei den Menschen findet, dann kann sie auch ihren Segen auswirken. Es kommt also für uns nur darauf an, dieser Gnade Gottes nicht entgegenzuwirken.

Es ist doch schön, wenn man sagen kamen: „Ich habe nichts allein erreicht in meinem Leben. Es war nur möglich durch die Gnade Gottes, die mit mir war und mit mir ist!“ Paulus konnte von sich selber mit Recht sagen: „Ich habe mehr gearbeitet als sie alle!“ Aber er schreibt das nicht seinen eigenen Fähigkeiten zu, sondern der Hilfe Gottes. In den Augen der Menschen mögen wir schon viel geleistet haben; aber in Wahrheit zeigt sich hier nur das Wirken Gottes an uns.

Diese Gnade Gottes soll Sie auch weiterhin auf ihrem gemeinsamen Weg geleiten. Ein großes Stück dieses Weges haben Sie nun schon hinter sich. Aber das ist längst nicht alles, was Gott mit Ihnen vorhat. Heute soll ihnen erneut zugesagt werden, daß Gottes Gnade Sie begleiten will.

An sich ist uns das ja sowieso sicher. Seit der Taufe hat Gott uns dies Versprechen gegeben. Aber es ist doch sicher auch gut, wenn uns dies hin und wieder an besonderen Punkten des Lebens ganz persönlich gesagt wird. Gott will an diesem Tag in ganz besonderer Weise mit Ihnen in Berührung kommen.

Das geschieht, wenn wir ihm dankbar sind für die Vergangenheit und wenn wir ihn bitten für die Zukunft. Wir dürfen ihm auch bitten; er wartet ja direkt darauf. Er hat einen solchen Reichtum an Gnade, daß er ihn gern loswerden möchte.

Heute ist Gelegenheit, viel davon mitzunehmen für den weiteren Weg. Dann wird das eine gute Sache sein. Dann wird sich auch dieser Spruch noch mehr bewahrheiten: „Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin!“

 

 „Seid dankbar in allen Dingen; denn' das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch!“      (1. Thess 5,18)                                                            

Ein solcher Spruch hört sich anders an, wenn man ihn mehr am Anfang des Lebens hört; dann ist er eine Aufforderung, die Dankbarkeit nicht zu vergessen. Etwas anders wird man ihn sehen an einem Tag wie heute, wo man Voller Dankbarkeit zurückschauen darf auf einen gemeinsamen Weg. Sie brauchen gar nicht erst aufgefordert zu werden, denn der Gedanke an die Dankbarkeit kommt ganz von selber.

Nicht viele dürfen diesen Tag der Goldenen Hochzeit erleben. Zwar ist die Lebenserwartung gegenüber früher gestiegen und so ein Fest häufiger als früher. Aber es sind doch immer noch wenige, die solange zusammenbleiben dürfen. Gar mancher stirbt schon im frühen Alter. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, wenn man gemeinsam ein solches Alter erreichen darf und voller Dankbarkeit zurückschauen kann.

Wofür wollen wir nun dankbar sein? Viele würden als erstes sagen: „Für die Gesundheit!“ Jeder ist in seinem Leben einmal krank gewesen, vielleicht auch schwerer krank. Jede Krankheit macht uns Unruhe, weil sie uns am ruhigen Leben hindert und uns Schmerzen und Sorgen bereitet. Deshalb sind wir froh und dankbar, wenn es vorüber ist. Wir erkennen dann erst richtig, wie wichtig dieses Gut der Gesundheit doch ist.

Ein anderer wieder ist dankbar für die Kinder und Enkel, die ihm geschenkt wurden. Es ist doch schön, wenn man auf seine alten Tage nicht allein sein muß, sondern im Rahmen der Familie etwas Abwechslung und auch noch eine Aufgabe hat. Manche Ehe bleibt ja auch kinderlos, und das empfindet man besonders im Alter als Mangel. Aber wenn man Nachkommen hat, dann ist das über die Gemeinschaft zwischen Mann und Frau hinaus doch ein zusätzliches Geschenk, für das man dankbar sein darf.

Man könnte auch dankbar sein, wenn es in wirtschaftlicher Hinsicht einigermaßen gegangen ist. Sicherlich waren auch schwere Zeiten in diesen 50 Jahren dabei, wo man sich Sorgen um das tägliche Brot machten mußte, Sorgen um den Arbeitsplatz und um die Wohnung und Kleidung. Doch verhungert ist keiner. Auch diese Zeit ist vorübergegangen und wir können uns heute doch eines gesicherten Lebens erfreuen‚ was so die äußeren Dinge des Lebens angeht.

„Seid dankbar in allen Dingen!“ sagt das Bibelwort. Dazu gehören auch die ganz äußerlichen Dinge des Lebens. Wir sollten sie nicht zweitrangig ansehen oder meinen, das hätte doch nichts mit Gott zu tun. Gott will, daß wir ihm auch dafür danken und nicht alles als selbstverständlich hinnehmen. Oft ist es doch so: Wenn wir in Not sind und uns etwas fehlt, dann denken wir an Gott, dann bitten wir ihn auch, dann erwarten wir etwas von ihm. Wenn es aber dann eingetroffen ist, vergessen wir leicht, wie es gewesen ist. Und oft vergessen wir dann auch das Danken.

Sie, liebes goldenes Hochzeitspaar, wollen es anders machen. Dieser Gottesdienst ist ja ein Dankgottesdienst für all das Gute, das Sie in ihrem bisherigen Leben von Gott empfangen haben. Sie erfüllen den Willen Gottes, wenn Sie ihm hier danken wollen. Sie bekennen sich damit zu dem Gott, in dessen Namen Sie damals eingesegnet wurden und wer Ihren Lebensweg mit seinem Segen und seiner Hilfe begleitet hat.

Das wäre ein weiterer Punkt, für den Sie dankbar sein können. Hier kommen wir an den entscheidenden Punkt: Vor allem dürfen wir auch dankbar dafür sein, daß Gott uns im Glauben erhalten hat. Auch der Glaube ist ein Geschenk Gottes, das wir gebrauchen und anwenden sollen. Sehr oft wäre die Gelegenheit, von Gott wegzugehen und eigene Wege zu suchen. Wer aber dankbar ist‚ der kehrt immer wieder zu Gott zurück. Die Dankbarkeit ist das beste Mittel, um bei Gott bleiben zu können.

Gerade wenn man älter wird, erkennt man doch, wie sehr man Grund zur Dankbarkeit hat. Und dabei sind wirklich a 1 1 e Dingen zur Dankbarkeit geeignet, sowohl die ganz äußerlichen als auch die zutiefst persönlichen Fragen wie zum Beispiel alles‚ was mit dem Glaube zusam­men­hängt. Gott klammert kein Gebiet aus, er ist für alles zuständig. Deshalb sollten wir auch nichts beim Danken auslassen.

Der heutige Gottesdienst aus Anlaß der Goldenen Hochzeit soll dazu wieder einmal Gelegenheit geben. Nutzen Sie diese Möglichkeit aus, danken Sie mit uns unserem Gott, der schon so vielen Menschen geholfen hat und der auch Ihnen beigestanden hat und Ihren auch weiter beistehen wird. Dann werden Sie erneut auch für die Zukunft seinen Segen verspüren können.

 

 

 

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