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Familiengottesdienste

 

Vorbemerkung

Ein Gottesdienst wird nicht dadurch zu einem Familiengottesdienst, daß man die Kinder mit zum Gottesdienst der Erwachsenen einlädt und sie dort ein Lied singen läßt. Die Kinder gehören die ganze Zeit dazu (allenfalls bei der Predigt könnte man sie extra nehmen). Aber dann muß der Gottesdienst auch so gestaltet werden, daß er für Erwachsene und Kinder gleich ansprechend aufschlußreich ist. Man muß also eine Idee haben, die den ganzen Gottesdienst bestimmt. Erst nachträglich sucht man sich einen Bibeltext dazu. Der Einstieg kann auch ruhig überraschend sein. Die Gottesdienstbesucher sollen immer mit einer Überraschung rechnen können. Selbstverständlich sind die Kinder möglichst viel zu beteiligen. Möglich sind Anspiele, Zeichenhandlungen, Bildbetrachtung auch einmal ein Lied. Natürlich müssen die nun folgenden Beispiele individuell ausgestaltet und ausgeweitet werden. Auch ich habe mir für diese Gottesdienste viele Anregungen von anderen geholt. Man kann die Vorschläge also nicht direkt übernehmen

 

Gliederung:

Schulanfängergottesdienste (hierzu Religionslehrer heranziehen)

Kirchenjahr

Bibelstellen

Sonstiges

 

 

S c h u l a n f a n g

 

Allgemein:

Beim ersten Läuten: Probe des Liedes mit den Kindergottesdienstkindern

Gottesdienst: Sonntagsgottesdienst für die ganze Gemeinde, besonders aber für Schulanfänger, ihr Eltern, Paten und Geschwister sowie für den Kindergottesdienst.

 

Eingangslied und Liturgie wie üblich bis zum Kollektengebet.

Erzählung zum Predigttext.

Lied der Kindergottesdienstkinder (Einsatz geben)

Predigt (vom Lesepult aus)

Chor: Mehrstimmiges Lied mit Sologesang

Abkündigungen mit Verlesung der Namen der Schulanfänger

(auch wenn sie nicht alle da sind).

 

Lied. „Steht auf ihr lieben Kinderlein“

Bei diesen Worten kommen die Kinder mit ihren Eltern und Paten (oder auch allein) noch vorne und stellen sich im Halbkreis um den Altar, die Kinder in der vordersten Reihe.

 

Gebet für die Kinder, Eltern, Geschwister, Paten, Lehrer……

Laßt uns in der Stille unsere Sorgen und Nöte im Gebet vor Gott bringen….

Laßt uns mit der ganzen Gemeinde über diesen Kindern das Vaterunser beten……

Segen (zu den Kindern gewandt, die Hände über sie erhoben):

Der allmächtige Gott, der auch euch berufen hat zu einer lebendigen Hoffnung, der segne euren Eingang und Ausgang von nun an bis in Ewigkeit. Amen! (Kreuz).

 

 

Ton in der Hand des Schöpfers: Jer 18 - 19  

In der Töpferwerkstatt (Bericht):

In der Töpferwerkstatt kann man sehen, wie Blumenvasen unterschiedlichster Form und Größe auf der Töpferscheibe gedreht werden. Zuerst kommt nur ein Klumpen rötlicher Ton auf die Scheibe, die sich ständig dreht. Unter den geschickten Händen der Frauen und Männer entstehen dann wunderbar geformte Gefäße. Es klappt nicht jedesmal gleich, dann muß ein neuer Versuch begonnen werden. Manche Töpfer machen kleine dicke Vasen, andere hohe und enge, mit oder ohne Henkel. Manche werden hinterher mit Blumenmustern bemalt, andere nur glasiert. Im Brennofen werden sie dann hart gebrannt. Manche mißlingen auch oder gehen beim Brennen kaputt. Dann werden sie als Abfall fortgeworfen. Es werden dort auch noch andere Dinge als die Vasen hergestellt: Teller, Aschenbecher, große Blumenkübel und Ähnliches. Den Kindern gefallen wohl besonders die großen Teddybären und Elefanten, die für Kinderspielplätze bestimmt sind (eventuell einen Krug vorzeigen).

 

Biblische Geschichte:

In der Bibel ist öfter vom Töpfer und vom Ton die Rede. Meist soll dabei deutlich gemacht werden: Gott kann mit uns umgehen wie der Töpfer mit dem Ton. Er hat uns erst das Leben gegeben, er formt uns auch nach seinem Bild. Er schafft den Menschen so, wie er ihn haben möchte: als Junge oder Mädchen, als Weißer oder Schwarzer, als Gesunder oder Kranker, als Deutscher oder Pole. Wir wollen heute einmal hören, wie der Prophet Jeremia zu einem Töpfer in die Werkstatt ging und wie ihm dabei deutlich wurde: Gott kann sogar ein ganzes Volk wegwerfen, wenn es nicht nach seinem Willen handelt.

 

Erzählung: Jer 18,1-6; 19,1-5 und10-11

In der Stadt Jerusalem lebt ein Gottesmann, ein Prophet. Gott hat ihm der Auftrag gegeben, seinem Volk den Willen Gottes zu sagen. Er soll sie mahnen, ja nie etwas anderes zu tun, als Gott es will. Ein Prophet ist also so etwas wie heute ein Pfarrer.

Eines Tages kommt der Prophet Jeremia in die Werkstatt eines Töpfers. Gern sieht er ihm bei der Arbeit zu. Er hat einer Klumpen nassen Ton vor sich auf der Töpferscheibe. Er stößt sie mit dem Fuß an, so daß sie sich schnell dreht. Mit der Hand formt er sorgfältig den Ton, so daß eine Schüssel oder ein Teller oder ein Milchkrug daraus entstehen.

Doch heute scheint der Meister einen schlechten Tag zu haben. Wenn er einen Topf betrachtet, dann ist er nicht damit zufrieden und knetet ihn noch einmal neu. Immer wieder mißrät ihm das Werkstück, bis er dann endlich einigermaßen zufrieden damit ist.

Aber niemals gibt er auf. Er wirft den Tor nicht einfach weg, sondern versucht es immer wieder neu. Er formt den Ton, wie es ihm gefällt: rund oder schmal, mit breitem oder mit schmalem Rand. Er kann das machen, wie er will, er ist sehr beweglich in seinem Planen und Arbeiten. Aber er treibt kein sinnloses Spiel, sondern er arbeitet ernsthaft. Und am Ende wird dann doch immer etwas daraus.

Als Jeremia noch so zusieht, da weiß er plötzlich, was Gott ihm damit sagen will: Sowie der Töpfer über der Ton, so hat auch Gott uneingeschränkte Macht über sein Volk. Es ist wie Ton in seiner Hand. Er kann damit machen, was er will. Und wenn das Volk urgehorsam gegenüber Gott ist, dann kann er es nicht mehr gebrauchen, dann muß er es vernichten; er kann höchstens aus dem Material etwas anderes machen.

Jeremia kauft einen Krug beim Töpfer. Er braucht ihn nicht für seinen Haushalt, sondern er will damit seinem Volk den Willen Gottes deutlich machen. Unter den Leitern des Volkes und den Priestern hat er noch einige Freunde. Die nimmt er mit, als er ins Tal Hinnom im Süden der Stadt geht. Dort ist ein schrecklicher Ort, denn hier hat man kleine Kinder umgebracht und sie dem Gott Moloch geopfert. Der Gott Israels kann sein Volk nur für diese Greueltaten bestrafen.

Jeremia muß nun seinem Volk die Strafe Gottes ankündigen .Er sagt: „So spricht Gott, der Herr: Ich will solches Unheil über diese Stätte bringen, daß jedem die Ohren gellen sollen, der es hören wird. Ihr habt den wahren Gottesdienst mit dem Götzendienst vertauscht. Wahrer Gottesdienst und Gehorsam gegen Gott zeigt sich im Halten seiner Gebote. Ihr aber habt kleine Kinder, die Geschöpfe Gottes, getötet. Deshalb wird Gott ein Gericht über euch halten. Dann wird dieses Tal hier sogar ‚Mordtal‘ heißen, weil so viele Leute aus dem Volk durch das Schwert umkommen werden. Es wird so viele Tote geben, daß man sie sogar an dem Ort begraben muß, wo die Kinder geopfert wurden. Dann wird dort nie mehr eine heilige Stätte für den falschen Gott sein können!“

Dann zerbricht Jeremia den Krug in tausend Stücke. Damit will er zeigen: So vollständig wird auch die Stadt Jerusalem und der Tempel zerstört werden. Nichts wird wieder ganz werden. Die Schuld wird immer über der Stadt bleiben, weil man Gott den Gehorsam verweigert hat!“

Das Volk wird nur dann der Strafe noch entgehen können, wenn es sich auf der Stelle ändert. Es kann sich ja frei entscheiden, kann auf Gott hören oder etwas tun, was ihm nicht gefällt. Der Ton kann das nicht, er wird allein vom Töpfer geformt. Die Men­schen aber können ihre Schuld einsehen und sich wieder Gott zuwenden. Wenn er ihnen droht, will er sie nur auf den richtigen Weg zurückführen. Wenn sie zu ihm kommen, wird er sie bewahren und seine Hand über ihnen halten.

 

Lied:

„Wer hat uns denn aus Ton gedreht“ (von Hans Kurt Ebert): Das Lied wird zunächst eingeübt, mindestens der erste und zweite Vers und dazu der Refrain. Dann werden die Fotografien gezeigt (siehe unten) und dazu die einzelnen Strophen des Liedes gesungen; zum Schluß kann noch einmal das ganze Lied gesungen werden.

 

Bilder:

(1) Menschlicher Körper mit seinen inneren Organen:

Man könnte den Menschen vergleichen mit einer großen Fabrik, in der Pumpen und Kessel, Mischmaschinen und Förderbänder stehen. Und doch ist unser Körper sehr viel komplizierter und viel mehr als alle Technik. Allein wenn wir das menschliche Auge nachbauen wollten, hätten wir ungeheure Schwierigkeiten. Das wird ja auch deutlich, wenn einmal ein Körperteil oder Organ ersetzt werden soll. Es stimmt schon, was hier auf diesem Blatt steht: „Das größte Wunder ist der Mensch“."

(2) Bauern auf einem Mähdrescher:

Unsre Erde dreht sich seit vielen Millionen Jahren. Wir erleben Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Wir erleben, wie es draußen auf den Feldern wächst und jetzt in dieser Jahreszeit nacheinander geerntet werden kann. Der Mensch hat die Fähig­keiten, die Gaben der Erde für seine Zwecke zu nutzen. Er ist selber ein Stück Erde und lebt von dem, was auf der Erde wächst. Wer groß ist, hat schon viele Nährstoffe der Erde in sich angesammelt, die anderen werden schon noch so weit kommen (Wir stellen fest, wer der leichteste und der schwerste ist bzw. einige Kinder nennen einfach ihr Gewicht, eventuell Personenwaage mitbringen und an Ort und Stelle wiegen).

(3) Mann und Frau:

Wer hat uns denn aus Ton gedreht? Diese Frage können wir sicher beantworten: Gott hat uns gemacht, so wie wir sind. Er hat die Eltern dazu als Helfer genommen, aber letztlich ist er doch der Schöpfer. Er hat auch gewollt, daß ein Mensch zur Frau oder zum Mann, zum Mädchen oder zum Jungen wird (auf dem sind Bild auch Schwarz und Weiß zu sehen).

(4) Testpilot und Holzwerkstatt:

Es ist nicht leicht einzusehen, weshalb Gott unser Schöpfer sein soll. Das will nicht so leicht in den Kopf hinein. Aber wir gebrauchen unser Gehirn doch auch sonst, um in der Schule zu lernen, um uns ein Handwerk anzueignen oder gar mit modernsten Maschinen umzugehen wie dieser Flieger. Unser Verstand ist auch in der Lage, Gott als unsrer Herrn und Schöpfer zu erkennen.

(5) Kleinkind mit Brause am Ohr:

Gott läßt uns entstehen und heranwachsen. Nicht nur unser Körper wird größer, auch der Verstand soll ja mitwachsen. Wir sollen größer und klüger werden. Aber auch im Glauben sollen wir vorankommen, immer mehr und besser erkennen, wer unser Schöpfer ist

(6) Kellergang, der zum Licht führt:

Einmal wird unser Leben auch wieder ein Ende haben. Gott hat es uns gegeben, er kann es uns auch wieder nehmen. Aber wenn unser Leben einmal endet, dann ist nicht alles aus, sondern wir gehen dem Licht Gottes entgegen. Er hat eine neue Welt und ein neues Leben für uns bereit.

(7) Kinderschwester:

Mancher meint, er habe alles und er brauche die anderen nicht. Aber die anderen, brauchen uns. Es genügt nicht, wenn wir einen vollen Bauch haben. Gott hat uns unseren Kopf, die Arme und die Beine dazu gegeben, daß wir sie für andere Menschen einsetzen. Wenn wir uns anderen Menschen zu wenden, um ihnen zu helfen, erfüllen wir Gottes Gebot. So hat er uns haben wollen, zu diesem Zweck hat er uns erschaffen.

Wir wollen unseren Dark an Gott zum Ausdruck bringen, indem wir in gewohnter Weise Gott preisen mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:

 

Predigt:

Manchem wird der Vergleich mit dem Töpfer gar nicht gefallen haben. Er möchte nicht Ton in der Hand irgendeines Töpfers sein, sondern sein Leben selbst gestalten. Er möchte den Beruf ausüben, der ihm Spaß macht. Er möchte hinreisen körnen, wohin er will. Er möchte den Ehepartner haben, wie er ihr sich vorgestellt hat. Die Kinder möchten sich vielleicht den Freund oder die Freundin aussuchen, sie möchten selber entscheiden, ob sie zur Schule gehen und wie lange sie abends aufbleibe- dürfen und welche Fernsehsendungen sie sehen dürfen.

Aber stattdessen erleben wir immer wieder, wie sehr wir unter bestimmten Zwängen stehen. Ob man zur Schule gehen will oder nicht, danach wird man gar nicht gefragt. Eine Arbeit muß auch jeder haben, sonst verdient man kein Geld. Und das brauchen wir wiederum, daß wir alles kaufen können, was das Herz begehrt. Wer ein Auto fahren will, muß erst eine Fahrerlaubnis haben. Und wer mit der Eisenbahn fahren will, muß erst eine Fahrkarte kaufen.

Bei manchen Dingen sehen wir ja noch ein, daß sie sein müssen. Aber wir stöhnen unter denen, die nach unserer Meinung nicht sein müssen. Es ist ja auch nicht schön, wenn wir mit bestimmten Leuten keine Verbindung haben sollen, obwohl uns doch so sehr an ihnen liegt. Wir wollen reden können, was wir denken, und uns von niemand einen Maulkorb umhängen lassen.

Wie ist das nur mit Gott? Engt er unser Leben auch unnötig ein oder gehört er einfach mit zu unserem Leben dazu? Viele sind der Meinung, Gott sei so ein völlig willkürlicher Diktator oder wie ein Marionettenspieler, der die Puppen tanzen läßt. Deshalb unterstellen sie sich ihm gar nicht erst, sondern tun so, als existiere er überhaupt nicht, jedenfalls nicht für sie.

So war es schon zur Zeit des Propheten Jeremia. Er muß seinem Volk deswegen die Strafe Gottes ankündigen: Gott wird sie zerschmettern, so wie man einen Krug am Boden zerknallt. Allerdings hat er auch gute Gründe dafür, denn sie haben nicht auf seine Gebote gehört und nicht nach seinem Willen gefragt. Sie haben versucht, sich nicht von ihrem Schöpfer formen zu lassen, sondern wollten ihr Leben nach eigenem Gutdünken gestalten.

Aber ist es denn wirklich so schlimm, wenn wir uns unter den Schutz Gottes stellen und unser Leber vor ihm formen lassen? Fahren wir denn schlecht damit, wenn wir auf Gott hören? Ist es nicht auch schön, wenn man sein Leben nicht allein verantworten muß, sondern einen starken Helfer dabei hat?

Wer ein Kunstwerk schaffen will, muß dazu Talent und auch handwerkliches Geschick haben. In der Regel braucht man dazu auch eine Ausbildung und Hand­werks­zeug. Es kann also nicht jeder Beliebige an eine solche Aufgabe gehen. Der Mensch aber ist bestimmt so Kunstwerk. Gott hat ihn geschaffen, so wie ein Künstler aus Ton

eine Figur formt und dann die Einzelzüge noch herausarbeitet.

In jener alten Geschichte am Anfang der Bibel wird ja versucht, diesen Vorgang bildhaft darzustellen. Wenn Gott unser Schöpfer ist, dann ist er aber auch unser Er­hal­ter. Mit der Schöpfung hat er bewiesen, daß er etwas von seinem Handwerk versteht. Da kann man ihm auch den Kundendienst und die weitere Pflege seines Werk­stücks an­vertrauen. Das Beste ist für den Menschen gerade gut genug. Man geht doch nicht zu irgendeinem Angelernten, der behauptet, etwas von der Sache zu verstehen, son­dern man geht doch zum Meister selber, wenn man ihn haben kann.

Gott bietet sich uns ja an, er will sich ja gern um uns kümmern. Er möchte doch nicht, daß sein Werk durch andere vermurkst wird. Immer wieder ruft er uns, doch ihm zu folgen. Die Taufe war der Vertrag, durch den er sich an uns gebunden hat; da hat er erklärt, daß er auch in Zukunft für uns sorgen will. Es liegt nun an uns, ob wir uns ihm anvertrauen und uns von ihm formen lassen.

Aber wenn wir uns als seine Geschöpfe verstehen, dann will er auch unser ganzes Leben haben. Er will bei uns sein bei allem, was wir tun. Er hat ja den Plan schon im Kopf, wie alles mit uns werden soll. Er will nicht zulassen, daß andere uns verplanen, denn er weiß allein, was für uns gut und nichtig ist. Manchmal wird ihm sein Werk auch nicht gefallen und er wird noch einmal von vorne anfangen. Das kann sehr schmerzlich für uns sein, wenn ein verheißungsvoller Anfang wieder zunichte­ge­macht wird und wir noch einmal an den Ausgangspunkt zurückgeworfen werden. Wir hatten gedacht, so sei es nichtig, und dann war es doch ein Irrweg. Mancher wäre auch zufrieden gewesen mit dem, was erreicht wurde. Aber Gott will immer das Beste für uns, er gibt sich nicht mit Halbheiten zufrieden.

Wir müssen aber damit rechnen, daß nicht alles so läuft, wie wir es uns vielleicht wünschen. Das sei vor allem auch den Eltern gesagt, deren Kinder jetzt in die Schule gekommen sind und für die der Religionsunterricht nun neu beginnt: Nicht sie können etwas aus den Kindern machen, sondern Gott formt den Menschen nach seinem Bilde und macht etwas Ordentliches aus ihnen. Wer schon ältere Kinder hat und wer

sein eigenes Leben vorurteilslos ansieht, der wird das vielleicht bestätigen können.

Alle, die vielleicht enttäuscht sind über sich oder ihre Kinder, denen sei zum Schluß noch eine Geschichte erzählen aus einen tschechischer Kinderbuch. Sie handelt vor einer Giraffenfamilie:

Als die Giraffe noch in die Schule ging, hatte sie in Rechnen und Lesen immer eine Eins, nur in Turnen hatte sie immer eine Fünf, weil sie keinen Purzelbaum schaffte: Sie konnte machen, was sie wollte, ein Purzelbaum gelang ihr nicht, denn der Hals war zu lang. Sie war ganz unglücklich darüber. Man riet ihr: „Das mußt du so und so machen. Sieh nur, wie einfach es ist!“ Aber der Giraffe wollte und wollte es nicht glücken, sie wußte nicht, was sie mit dem Hals anfangen sollte.

Und die Frau Lehrerin sagte: „Giraffe, Giraffe, was bist du nur für ein Tolpatsch. Das wird ein hübsches Zeugnis geben. Was werden der Herr Vater und die Frau Mutter dazu sagen?“ Und die Giraffe weinte viele Tränen; und wer zufällig da vorbeiging, dachte, es regnete.

Und als das Schuljahr um war und es Zensuren gab, hatte die Giraffe in Turnen tatsächlich eine Fünf; und sie weinte noch mehr als im Jahr zuvor. Als sie nach Hause kam, fragten der Vater und die Mutter, was sie denn habe. Die Giraffe gestand, daß sie in Turnen eine Fünf habe. Die Mutter und der Vater sagten kein Wort, gingen nach nebenan und hatten eine lange Unterredung. Und als sie wieder kamen, brachten sie ihre alten Schulzeugnisse mit. Und wie die kleine Giraffe da draufschaute, entdeckte sie in Turnen lauter Fünfen!

Auch wenn einer in der einen oder anderen Hinsicht nicht so zurechtkommt, so hat sein Leben doch einen Sinn. Gott hat etwas mit uns vor und wird uns schon zu etwas machen. Er formt uns aber nach seinem Bild. Aber wir sind auch in seiner Hand, da kann uns nichts passieren. Was auch geschieht, bei ihm sind wir gut aufgehoben.

 

Lied von den Händen                                                                                    Gerhard Valentin

Chor:

Der Hand, der Gottes Hand begegnet, ist nichts zu groß und nichts zu klein,

und wenn er Werk der Hände segnet, dann soll es gutes Handwerk sein.

 

Einer:

Laßt uns doch einmal überlegen, um uns vorwärts zu bewegen,

brauchen wir die Haxen. Meisten vier hat das Tier,

zweie sind des Menschen Zier.

Aber warum und weswegen

sind uns dann zu Fluch und Segen

Hände angewachsen.

 

Chor:

Der Hand, der Gottes Hand begegnet, ist nichts zu groß und nichts zu klein,

und wenn er Werk der Hände segnet, dann soll es gutes Handwerk sein.

 

Einer:

Mit den Händen kann man fassen,

kann sich selber fassen lassen von geliebten Händen.

Man gewinnt Frau und Kind,

Hände die uns freundlich sind

Andre Hände muß man hassen,

weil sie nicht zu denen passen,

die uns gerne fänden.

Chor:

Der Hand, der Gottes Hand begegnet, ist nichts zu groß und nichts zu klein,

und wenn er Werk der Hände segnet, dann soll es gutes Handwerk sein.

Einer:

Hände lassen sich auch falten oder wie Gefäße halten

Und die dütftig waren, sind getränkt und beschenkt,

denn die Bettlerhand empfängt.

Doch wir wollen selbst gestalten und am eigenen Leib

die alten Sprüche erst erfahren.

 

Chor:

Der Hand, der Gottes Hand begegnet, ist nichts zu groß und nichts zu klein,

und wenn er Werk der Hände segnet, dann soll es gutes Handwerk sein.

 

Einer.

Mit den Händen kannst du schlagen oder auch den Schlag ertragen.

Stillesein und Rache, Widerstand, Mord und Brand

liegen ganz in der Hand.

Was du willst, das mußt du wagen,

aber vorher sollst du fragen:

Ist das meine Sache?

 

Chor:

Der Hand, der Gottes Hand begegnet, ist nichts zu groß und nichts zu klein,

und wenn er Werk der Hände segnet, dann soll es gutes Handwerk sein.

 

Einer:

Schaffen sollen deine Hände, keine, die ihr Werk nicht fände.

Das mußt du verwalten.

Du zerschlägst oder pflegst, was du in den Händen trägst,

und stehst immer in der Wende.

Gottes Frage steht am Ende: Hast du hausgehalten?

 

Chor:

Der Hand, der Gottes Hand begegnet, ist nichts zu groß und nichts zu klein,

und wenn er Werk der Hände segnet, dann soll es gutes Handwerk sein.

 

 

 

Gott weiß einen Weg: Daniel 6 

Peter sitzt bei den Hausaufgaben.

Rolf: Tag, Peter, wie weit bist du mit Mathe?

Peter: Ich bin gleich so weit. Gehen wir dann zum Training? Wie war übrigens gestern das Fußballspiel? Schade, daß ich nicht dabei sein konnte!

Rolf: Es war ganz nett!

Peter: Was ist denn mit dir? Bist du krank?

Rolf: Sag mal, bist du mein Freund?

Petr: Was ist mit dir? Klar bin ich dein Freund! Was du was angestellt?

Rolf: Eigentlich nichts. Es ist nur etwas Dummes passiert. - Kannst du den Mund halten?

Peter: Ich schwöre, daß ich nichts sage. Aber schieß doch los.

Rolf: Du kennst doch die großen Jungen aus unserer Straße, die waren auch beim Fußball. Vorher haben wir uns ausgedacht: Der Jörg wird Blitzknaller besorgen und die werfen wir dann am Eingang zwischen die Leute. Jeder mußte einen Euro dazu geben...Ich hab auch...

Rolf. Na, und weiter?

Rolf: Ich glaube, da ist nicht alles gut gegangen Wir sind ja weggerannt, aber mir ist so komisch.

Peter: Was soll schon passiert sein. Aber auf jeden Fall bleibt es geheim, daß du auch mit dabei warst.

 

Peter liest abends die Zeitung.

Peter: Haben die denn nichts über das Fußballspiel geschrieben? Doch, hier….Das kann doch nicht wahr sein!

 „Einige Jungen haben gestern am Eingang des Stadions Knallkörper geworfen. Ein kleines Kind wurde dabei schwer verletzt. Bis jetzt fehlt von den Jungen jede Spur. Die Bevölkerung wird gebeten, bei der Suche mitzuhelfen“

 

Die Spielszene wird unterbrochen. Frage: Was ist nun zu tun? Was würdet ihr dem Peter raten? Soll er Rolf anzeigen? Wir wollen nun die Antwort spielen.

 

Vater kommt herein.

Vater: Du liest ja heute so lange die Zeitung. Gibt es was Besonderes?

Peter: Nöö! Aber lies doch bitte mal diesen Artikel, Vater

Vater:(beginnt zu lesen): Ja, und?

Peter: Würdest du zur Polizei gehen, wenn du einen kenntest, der dabei war?

Vater (nachdenklich): Hm, das ist schwer. D e r müßte selbst hingehen, denn es hängt ja ziemlich viel davon ab, daß der Täter gefunden wird.

Peter: Das verstehe ich nicht. Was soll davon abhängen?

Vater: Vielleicht sind die Eltern versichert. Dann bekommt das verletzte Kind Geld. Aber warum interessiert dich das so?

Peter: Ich muß es dir wohl sagen. Rolf war auch dabei. Er hat mir davon erzählt. Aber ich habe ihm mein Ehrenwort gegeben, daß ich nicht petze.

Vater: Ein schwieriger Fall.

Peter: Was kann man da tun?

Vater: Vielleicht sprechen wir einmal ganz offen mit Rolf über die Sache. Sicher ist ihm auch nicht wohl, weil er keinen Ausweg findet.

Peter: Können wir da gleich noch gehen?

 

Predigt:

Wir haben gesehen, wie Peter ratlos war, was er tun sollte. Durfte er seinen Freund Rolf verraten? Durfte er stille sein, wo doch so etwas Schlimmes passiert war? Vielleicht würde doch wenigstens die Versicherung dem Kind etwas zahlen?

Peters Vater weiß einen Ausweg. Sie verraten Rolf nicht. Aber Rolf geht von sich aus zur Polizei. Damit ist allen geholfen, nicht zuletzt auch Rolf seiber; denn er hätte es sicher doch nicht ausgehalten, immer mit seiner Schuld herumzulaufen. Peters Vater hat ihm den einzig möglichen Weg gezeigt, aus allem wieder heraus zu kommen und ein froher Mensch zu werden.

Nun heißt unser Thema aber: „Gott weiß einen Weg!“ Was hat diese Geschichte denn mit Gott zu tun? Nun, sehr viel! Denn wenn ein Mensch einem anderen hilft, dann handelt Gott an diesem Menschen. Gott hilft uns immer durch andere Menschen. Und wenn wir keinen Weg mehr wissen, dann schickt er uns einen Menschen, der uns den Weg zeigt.

 

Mancher unter uns wird sich fragen: Welches ist denn der richtige Weg für mich? Manche Eltern, deren Kind gerade in die Schule gekommen ist, machen sich schon Sorgen: Wird mein Kind einmal studieren können? Für dieses Ziel sind sie bereit, alles zu opfern.

 

[Wir zeigen das Bild „Daniel in der Löwengrube“, siehe Religionsunterricht, Altes Testament, Daniel. Dort findet sich auch die Erzählung zu der Geschichte]

 

Daniel wird von der Hand Gottes geschützt. Wenn diese nicht mehr da ist, dann ist man wehrlos dem Löwen ausgeliefert. Dann wirft man ihm vielleicht einen Fleischbrocken nach dem anderen hin und wird am Ende doch noch mit Haut und Haaren gefressen. Wer heute Karriere machen will, der muß ein Opfer nach dem anderen bringen und sich am En de ganz aufgeben. Er darf keinen eigenen Willen mehr haben, sondern muß das Gesetz bis zur letzten Konsequenz erfüllen.

Es ist keine Schande, wenn man einmal Angst hat. Das kommt bei jedem einmal. Es ist auch nicht falsch, wenn man sich Sorgen macht um eine Entwicklung seiner Kinder. Hier gibt es doch sehr vieles zu bedenken und zu regeln. Aber die Teilnahme am kirchlichen Leben kann nur eine Hilfe sein, mit all diesen Sorgen und Ärgsten besser fertig zu werden. Hier wird uns gesagt: „Gott weiß einen Weg! Nicht was die Leute so sagen oder was die Nachbarin meint ist entscheidend, sondern was Gott uns zu sagen hat.

Wer das erkannt hat, der wird sich dann auch nicht mehr so sehr vor den Menschen fürchten. Er wird sich mehr auf Gott verlassen, der bisher noch immer seine Leute erhalten hat. Er will sie einen geraden und ehrlichen Weg führen, wo man nicht ein Stück nach dem anderen vor seiner Persönlichkeit hergeben muß. Wer mit Gott geht, der wird auch glücklich und zufrieden sein, auch wenn er vielleicht nicht alles hat, was einem in dieser Welt geboten werden könnte.

Daniel hatte etwas erreicht im Leben. Er war ganz nach oben gekommen und er war doch ein ehrlicher Mann geblieben. Nun soll er sogar Stellvertreter des Königs werden. Das macht natürlich die anderen neidisch. Sie versuchen, etwas Negatives an Daniel zu finden .Das ist schwer, denn er ist ja gerade deshalb hochgekommen, weil er so ehrlich war.

Da verfallen seine Gegner auf seiner Glauben. Sie setzen ein Gesetz durch, nach dem nur noch eine Weltanschauung im Reich gelten soll. Urd wer nicht das Staatsoberhaupt anbetet, der kommt zu den Löwen. Wer nicht für den König ist, hat in diesem Land keine Existenzberechtigung. Und das wird so gesetzlich verankert, daß auch der König nicht daran vorbeikommt. Was einmal beschlossen ist, das muß auch durchgeführt werden, selbst wenn es hundertmal falsch ist. Die geschichtliche Ent­wicklung kann sich nicht irren: „Das Gesetz der Meder und Perser ist unaufhebbar!“ hieß es bei Daniel.

Aber auch wenn sie mit den Löwen drohen, dann braucht niemand Angst zu haben. Wo die Löwen sind, da ist Gott auch ganz in der Nähe. Da hält er schützend seine Hand vor den, der an ihn glaubt. Und er zeigt ihm einen Weg, wie er unbeschadet aus dem allen wieder herauskommen kann.

Natürlich wird heute niemand im wörtlichen Sinne den Löwen vorgeworfen. Es geht uns nicht so wie der Juden zur Zeit der Naziherrschaft. Aber es gibt andere Mittel, um einen Christen in die Enge zu treiben so wie den Daniel: Berufliche Kaltstellung und Nichtbeachtung bei Auszeichnungen brauchen wir wohl kaum zu fürchten. Aber es kommt schon zu Verdächtigungen, Verleumdungen und Spott.

Liebe Kinder (Schulanfänger)! Laßt es euch nicht verdrießen, wenn euch einmal so etwas widerfährt. Gott zeigt euch schon einen Weg, wie ihr das alles an euch abprallen lassen könnt.

Liebe Eltern! Lassen Sie sich nicht unnötige Angst einjagen wegen des Weges Ihrer Kinder. Die werden ihrer Weg durchs Leben schon machen, wahrscheinlich viel besser, als Sie jetzt denken.

Der Glaube an Gott soll Sie dabei begleiten und Ihnen ein Schutz sein für Seele und Geist. Es stürmt sehr vieles auf die Kinder ein und sie haben Manches zu verdauen. Die Kinder werden nicht alles tun können, was man von ihnen verlangt, sie werden auswählen müssen. Wer sich seinen festen Standpunkt bei Gott sucht, der wird

es leichter haben mit seinen Entscheidungen. Wenn es um Glaubensdinge geht, wird er sofort wissen: Ich gehöre auf die Seite Gottes! Urd wenn ich bei ihm bleibe, bin ich auf dem richtigen Weg und es kann mir nichts passieren.

Das Reich der Meder und Perser ist vergangen und mit ihm alle Reiche dieser Welt. Das Volk der Juden aber besteht weiter. Und Christen wird es auch geben bis ans Ende der Welt. Wir brauchen uns keine Sorgen um die Zukunft zu machen, denn Gott weiß einen Weg, auch für uns!

[In dieser Predigt ist an sich die Situation in der damaligen DDR vorausgesetzt, an einer Stelle war die Aussage sogar noch schärfer: Heute heißt es: „Die Partei hat immer recht!“ Das mag in den meisten Fällen stimmen. Aber es stimmt nicht, wenn es um den Glauben geht. Und wenn sie hundertmal sagen: Wer im Gruppenrat ist oder zur Jugendweihe geht oder beim Armeesportklub trainiert, darf nicht zur Kirche - darauf braucht kein Christenkind zu hören!“ Aber in gewissem Maße kann die Predigt auch heute noch angebracht sein].

 

 

Weise mir Herr, deine Weg: Ps 86,11                                

Auf dem Weg zur Kirche stehen Kinder mit selbstgemachten Wegweisern, die aber keine Aufschrift tragen, sondern nur auf die Kirche zeigen. Besonders viele Kinder stehen in unmittelbarer Nähe des Eingangs zur Kirche. Dort liegt ein großes weißes Bettuch. Bei trockenem Wetter liegt davor noch ein nasser Scheuerlappen, damit sich der Straßenschmutz auch gut auf dem Bettuch niederschlägt.

 

Begrüßung: Herzlich willkommen die Alten und die Jungen. Der Weg in die Kirche war nicht schwer zu finden. Wichtig ist aber, daß es auch ein Weg zu Gott ist. Wie viele heute zu Gott kommen wollten, das zeigen die Fußtritte auf dem Bettuch (wird vorgezeigt!). Unterdessen heften die Kinder ihre Wegweiser so an die Bänke, daß sie zum Altar zeigen. Immer wieder wird uns der Weg zu Gott gezeigt, besonders hier in der Kirche. Wir wollen heute überlegen, wie wir den nichtigen Weg finden und wie dieser Weg verlaufen könnte.

 

Kollektengebet:

Lieber Vater im Himmel. Du schenkst uns viel Gutes und machst uns zu deinen Kindern. Wir bitten dich: Laß uns auf dein Wort hören, damit wir den nichtigen Weg in unserem Leben finden und gehen. Durch unsern Herrn Jesus Christus, Amen.

 

Gespräch mit den Kindern     (mit Flanellbildern):

Lied: „Befiehl du deine Wege“

In dem eben gesungenen Lied kommen die Wörter vor: „Weg, Lauf und Bahn“. Unser Leben wird dabei mit einem Weg verglichen. Wir sprechen ja auch vom Lebensweg, vom Lebenslauf und der Lebensbahn. Und die miteinander unterwegs sind auf dem Weg durchs Leben nennen wir „Lebensgefährten: Mann und Frau, Vater und Mutter und die Kinder machen ihren Weg durchs Leben gemeinsam und helfen sich gegenseitig auf ihrem Weg.

Ehe man sich jedoch auf eine Reise begibt, muß man sich einiges überlegen. Zunächst einmal muß man ein Ziel haben. Wohin möchtet ihr denn gern einmal verreisen? Es gibt ja kaum Menschen, die nicht Sehnsucht haben, einmal auf Reisen zu gehen. Man hat schon vorher Reisefieber und freut sich, wenn es endlich losgeht. Doch man nimmt nichts Unnötiges und Überflüssiges mit (kein Klavier!) und man sieht sich rechtzeitig nach Reisegefährten um.

Unser Leben ist auch so etwas wie eine Landstraße, auf die sich die Kinder freuen und auf der sie nicht schnell genug vorankommen können (Auf der Flanellwand markieren zwei Streifen die Straße, dazu kommen Bäume, Autos, einige Menschen). Auf der Straße kann man in beiden Richtungen gehen oder fahren. Unser Lebensweg aber ist eine Einbahnstraße, wenn wir einen Fehler gemacht haben oder etwas vergessen haben, dann können wir nicht mehr zurück und noch einmal von vorne

anfangen. Deshalb ist es so wichtig, daß wir vorher alles überlegen und den nichtigen Weg gehen.

So wie es auf der Landstraße Kilometersteine gibt, so wird auch unser Leben eingeteilt durch die Lebensjahre und Geburtstage. Ihr seid jetzt 6 bis 7 Jahre oder 13Jahre oder auch 40 oder 80 Jahre (hier feststellen lassen, wer der jüngste und der älteste Gottesdienstbesucher ist). Aber keiner weiß, wie viele Jahre er noch hat. Wir nehmen alle an, daß wir noch viele Jahre leben werden, wir hoffen es, aber sicher wissen kann es keiner. Deshalb ist es so wichtig, daß wir unsre Zeit gut und nichtig ausnutzen. An der Flanellwand werden neben der Straße die Kilometersteine angeheftet).

Einige Stationen auf dem Weg sind besonders hervorgehoben:

Am Anfang steht unsere Geburt und das Elternhaus (Haus anheften). Am dritten Stein steht der Kindergarten (Symbole: Bauklötze, Ball) (Wer war im Kindergarten?), am sechsten Stein die Schule (Symbol: Schultasche, Buch). Spätestens jetzt kommt auch die Kirche ins Blickfeld (Symbol anheften), sie lädt ein zum Religionsunterricht und Kindergottesdienst (hier wird man auf Kindergottesdienst noch einmal besonders hinweisen).

Aber das Leben geht ja noch weiter. Oft kommt man an Weggabelungen und Kreu­zungen und muß sich entscheiden, wie man weitergehen soll. Manche Wege könnten ja in eine Sackgasse führen (anheften!) oder einen Umweg darstellen (anheften!) oder gar ganz vom Wege abführen (anheften!). Da brauchen wir Wegweiser, die uns auf den nichtigen Weg führen.

Gott aber gibt uns diese Wegweiser, indem er uns sein Wort sagt und seine Gebote mitgibt. Sie warnen uns vor den vielen Gefahren an unsrem Lebensweg (Verkehrsschilder anheften, die eine Warnung enthalten).

Sie zeigen uns aber auch, welches das nichtige Ziel in unserem Leben ist. Viele Menschen sagen ja: „Ich will etwas vom Leben haben!“ Sie meinen, wenn sie sich alles leisten können, dann würden sie auch glücklich sein. Und dann stecken sie sich ein Ziel nach dem anderen: Auto, Haus, Kleidung, Möbel, Reisen, gute Freunde, Lebensversicherung, usw. (Symbole jeweils anheften).

Wenn wir aber bitten: „Weise mir, Herr, deinen Weg!“, dann möchten wir, daß Gott am Ende unsres Lebensweges steht (Trinitätssymbol anheften). Unser Leben hat nur dann einen Sinn gehabt, wenn es zu Gott führt.

Das Hören auf sein Wort, der Religionsunterricht der Gottesdienst, will uns dazu helfen, den nichtiger Weg zu Gott zu finden.

 

Predigt:

Sehr schnell haben wir im Leben einmal den falschen Weg eingeschlagen. Dann merken wir mit Erschrecken, daß uns der Weg von Gott wegführt. Der falsche Weg ist eben bequemer, unsere Füße finden ihn ohne große Mühe. Auf diesem Weg sind zum Beispiel Schönfärberei und das Rechnen zu den eigenen Gunsten erlaubt. Auf dem Weg Gottes dagegen hat man es eventuell mit schwierigen Nachbarn und lauten Kindern zu tun. Da kann man die Verantwortung für andere Menschen und ihre Probleme nicht einfach abschütteln.

Was sollen wir aber tun, wenn wir unsren Irrtum erkennen, daß wir auf dem falschen Weg sind? Zum Glück müssen wir diesen Weg nicht bis zum Ende gehen. Gott führt uns immer wieder zu neuen Wegkreuzungen und Gabelungen. Dann ist noch eine Kurskorrektur möglich, die auf den nichtigen Weg zurückführt. Unter Umständen muß man allerdings auch umkehren und von vorne anfangen. Besser ist es natürlich, man

macht öfter einmal halt, um sich auf den rechten Weg zu besinnen und um Gott zu bitten: „"Weise mir, Herr, deinen Weg!“

Unser Vertrauen auf Gott kann uns Mut geben, eingefahrene Gleise zu verlassen und Neues aufzubauen. Gott gibt uns auch Kraft, wenn wir nicht mehr weiter wissen und unser Weg in einer Sackgasse zu münden scheint. Jeden Tag neu ist Zeit und Gelegenheit zu einem neuen Anfang.

Wie erkennen wir aber von vornherein den Weg, den Gott uns führen will? Zunächst gilt es, auf das Zeugnis unsrer Vorfahrer zu hören und mit ihren Erfahrungen sich auseinanderzusetzen. Wir sind ja nicht die ersten, die sich auf Gott einlassen. Vielfach genügt es einfach den Weg zu gehen, den schon unsre Eltern und Großeltern gegangen sind.

Auch der Verfasser des 86.Psalms hat viele Zitate aus anderen Psalmen zunächst einmal übernommen und sich damit in die Tradition des Glaubens seines Volkes gestellt. So könnten auch wir in der Vergangenheit die Größe und Güte Gottes erkennen, trotz aller verschlungenen und seltsamen Wege, die er manchmal mit den Menschen geht.

Zum anderen wird es gut sein, einmal sich Zeit zu nehmen zu einem persönlichen Gebet. Wenn man einmal stille hält, dann kommen auch Hinweise und Einfälle. Es kommt nicht auf die Masse der Gebete an, sondern auf die nichtige Gebetshaltung. Wer von Gott alles erwartet, dem wird er auch den nichtigen Weg zeigen.

Es gibt viele Wege, und es gibt auch viele Ziele, die man sich stecken kann. Aber einem Christen geht es um das Ziel, das mit dem Willen Gottes übereinstimmt. Dieses Ziel zu erkennen, dazu helfen Religionsunterricht und Gottesdienst. Und es wäre schön, wenn wir dann sagen könnten: „Dein Weg, Gott, soll auch mein Weg sein!“

 

Gebet: (nach Ps 86)

Ich habe viele Möglichkeiten. Mir stehen alle Wege offen. Täglich muß ich mich entscheiden. Welcher Weg ist der nichtige? Herr, zeige mir deinen Weg, auf dem du mich sehen möchtest. Ich möchte versuchen, mein Leben von dir bestimmen zu lassen. Mir wird vieles angeboten als Maßstab für mein Leben. Viele Meinungen stürmen auf mich ein, die von sich selbst behaupten, daß sie die einzig nichtigen sind. Laß mich in allem deinen Willen erkennen. Gib, daß ich immer nur nach dir frage und nur dich als Maßstab meines Lebens erkenne.

Viele Menschen leben in den Tag hinein. Sie haben dich vergessen. Sie haben vergessen, daß du alles gibst. Ich möchte versuchen, mein ganzes Leben dankbar aus deiner Hand zu nehmen. Ich möchte versuchen, dir immer wieder neu Dank zu sagen. Dir, Gott, kann man in jeder Lage des Lebens vertrauen. Auf dich kann man sich verlassen. Du wirst mich nicht im Stich lassen. Gib, daß ich den Weg, auf den du mich stellst, auch unbeirrt gehe.            Vaterunser.    

 

 

Wir pflanzen einen Baum

Psalm (nach Psalm 148):

Lobet, ihr Himmel, den Herrn!

Lobet der Herrn in der Höhe, lobet ihn alle seine Engel!

Lobet ihn alle, sein Heer!

Lobet ihn Sonne und Mond, lobet ihn, alle Planeten!

Lobet ihn ihr leuchtenden Sterne, lob ihn unendlicher Raum!

Lobe ihn Erde, auch du! Lobt ihn ihr eisigen Höhen!

Lobt ihn ihr lieblichen Hügel, lobet ihn Ströme und Seen.

Lob ihn, du weites Meer, lobet ihn, Urwald und Wüste,

Lobet ihn fruchtbare Felder, lobet ihn Regen und Wind.

Lobet ihn alle Geister, lobet ihn Fische und Vögel:

Lobet ihn Schafe und Wölfe, lobet ihn Amöbe und Wal.

Lobet ihr Menschen, den Herrn!

Lobet ihn Starke und Schwache. Lobet ihn Schwarze und Weiße!

Lobet ihn Jung und Alt.

Lobet ihn im Spiel und im Lied, lobt ihn im Werk eurer Hände.

Lobt ihn in Liebe und Leiden.

Lobt ihn, er ist euer Gott!

 

Sprecher: In dem Psalm haben wir gehört: Alle Geschöpfe loben Gott. Bei einem Kindertag wurde ein Wandfries angefertigt, der heute gezeigt wird. Er zeigt vieles von dem, was Gott geschaffen hat.

Die Kinder haben auch Blumen mitgebracht und bringen sie nach vorne, damit die Kirche noch damit geschmückt werden kann.

Jetzt wollen wir aber auch einmal in einem Spiel zeigen, wie man oftmals mit den Geschöpfen Gottes umgeht.

 

Spiel: Wir pflanzen einen Baum

(Im Vordergrund steht ein mit Erde gefüllter Eimer, ein Mädchen sitzt, ein Junge kommt dazu)

Junge: Kommst du mit, einen Baum holen. Den pflanzen wir dann hier vor dem Wohnblock. Da ist es so kahl. Da können wir uns dann verstecken.

Mädchen: Und wenn er groß ist, können wir in dem Baum herumklettern und haben schönen Schatten. Da freuen sich sicherlich alle darüber.

Opa: Da können wir noch eine Bank drunterstellen und wir Rentner können drauf sitzen. Das wird bestimmt schön. Das ist eine gute Idee. Ich helfe euch.

Frau (kehrt): Hier macht das Kehren Spaß. Alles mit Betonplatten ausgelegt. Kein Dreck vor dem Haus, kein Dreck in der Wohnung. Man ist schnell fertig. Kein Laub liegt herum, keine Hunde, die etwas fallen lassen, keine Kinder, die herumtoben.

[Die Kinder kommen zurück mit dem Opa, bringen einen Baum undpflanzen ihn mit der Schaufel in den Eimer].

Junge: Ich grab das Loch. Du hältst der Baum (zum Mädchen:) Du machst die Erde wieder drum. (Zur Gemeinde:) Gell, ihr freut euch auch, daß hier jetzt der Baum ist.

Gott hat uns die Bäume und Blumen gegeben, damit wir uns daran freuen können, daß die Welt so wunderbar und schön gemacht ist.

 

[Zwei Jungen kommen, einer reißt einen Zweig ab]

1. Junge: Jetzt hab ich ein Schwert, jetzt können wir kämpfen. Nimm dir auch einen    [Sie reißen die kleinen Zweige und Blätter von dem Ast ab und lassen sie liegen].

2. Junge (zur Gemeinde): Macht auch mit, jetzt können wir wenigstens schön spielen [Sie laufen davon].

3. Junge (kommt auf dem Fahrrad gefahren]: Jetzt habe ich endlich etwas, wo ich mein Fahrrad dran lehnen kann. Ich schreib gleich meinen Namen in die Rinde [stellt Fahrrad an Baum und schnitzt]. Wozu ein Baum doch alles gut ist!

Frau (mit Besen): So, für heute alles geschafft. Jetzt kann ich wenigstens rein zum Fernsehen. (Entdeckt den Baum:) Was ist denn das hier, da hört sich doch alles auf! So ein Dreck! Und dieses Gerippe von Baum, was soll der denn hier? Und überhaupt: Laubbäume, die machen so viel Dreck, was soll denn das im Herbst werden?

Der muß weg!            [Kinder kommen mit der Gießkanne]

Mädchen: So, jetzt wollen wir unseren Baum noch gießen, da kann er schön wachsen.

Junge [ist entsetzt]: Ach, unser Baum. Wer hat denn das gemacht?

Frau: So, i h r seid das gewesen! Fort mit dem Ding! Das wäre ja noch schöner, ein Baum hier vor dem Haus.

Mädchen: Wir wollten doch nur Gutes tun und eine Freude machen.

Opa: Geht nur ruhig. Der kann wieder ausschlagen .Gott kann es doch noch machen, daß er groß und schön wird und die Menschen sich daran freuen können.

 

Pfarrer:

Demnächst werden wir einen Baum pflanzen und danach sehen, ob etwas daraus wird. Er soll uns daran erinnern: „Auch wir sollen gute Früchte bringen!“ Manchmal dauert es lange. Deshalb muß man Geduld haben und einen Baum gut pflegen.

 

Predigt:

Ein Mensch braucht so wie ein Baum einen Lebensraum und gute Pflege, damit er sich entwickeln kann. Schon beim Pflanzen kann alles verdorben werden. Der Boden muß furchtbar sein. Nicht zuviel und nicht zu wenig Sonne und Regen sind nötig. Pflanzen sind oftmals empfindlich. Und der Mensch ist es auch.

Nun können wir allerdings froh sein, daß unsre Kinder unter doch ganz guten Verhältnissen heranwachsen können. Für Essen und Trinken ist gesorgt. Auch Kleider und Schuhe sind da. Und was vielleicht noch fehlt, besorgt der Onkel. Es gibt den Kindergarten und die Schule, es gibt Ärzte und Trainer. Der Frieden ist uns erhalten geblieben, wenn er auch bedroht ist.

Aber an sich können unsere Kinder doch unter guten Voraussetzungen aufwachsen. Sie waren Wunschkinder und kommen in eine Umwelt, wo Kinder doch im Großen und Ganzen gelitten werden. Es gibt Ausnahmen wie die Frau, die den Baum nicht haben will. Sicherlich will sie auch die Kinder nicht haben, die immer neue Einfälle haben und die Ordnung stören. Aber letztlich haben Kinder doch ihren Platz und Aussicht auf eine gute Zukunft.

Weshalb geraten manche da doch nicht so? Wenn einem Kind nur mittelmäßige Gaben mitgegeben wurden, dann muß man sich eben damit abfinden. Aber wenn das Kind frech und faul ist und den Lehrern und Eltern nur Kummer bereitet, dann fragt man sich doch: Was habe ich falsch gemacht? Trotz allen Bemühens der Eltern mit Liebe und Strenge sind sie doch Nichtstuer und Trinker geworden.

Manchmal mag das auch an der Umgebung liegen, an der schlechten Gesellschaft, aber auch an den Menschen, die die Zweige abbrechen und durch ihr gedankenloses Handeln eine gute Entwicklung verhindern. Kinder müssen auch leiden unter dem Druck der Erwachsenen, unter dem Kampf um ihre Seele. Gott hat den Menschen zum Guten angelegt; er hat gewollt, daß seine ganze Schöpfung sich vereint zu seinem Lob.

Aber die Menschen machen auch manches kaputte, nicht nur Bäume, sondern auch Menschen. Wenn einer immer nur geschlagen wurde - im wörtlichen oder auch übertragenen Sinne - dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn er um sich beißt und auch zum Schläger wird. Das ist dann schwer für die Eltern, besonders auch, wenn sie einsehen müssen, daß sie daran nicht so ganz unschuldig waren. Da bleibt oft nur das Gebet zu Gott, daß doch noch alles anders werden möge.

Auch der Glaube kann an sich gut wachsen und Früchte bringen. Das zarte Pflänz­chen des Glaubens wird in einen guten Grund gesetzt, den Gott selber bereitet hat. Von Gott her sind alle Voraussetzungen gegeben, damit der Glaube wachsen kann. An ihm liegt es bestimmt nicht.

Er hat auch Leute eingesetzt, die den Baum sozusagen begießen: Da sind die Eltern und Paten, die den Kindern erste Zeugen des Glaubens werden. Da sind dann auch die Mitarbeiter der Kirche, die systematisch und sachkundig den Glauben zu vermitteln versuchen. Und schließlich gibt es Großeltern oder andere Verwandte, ja sogar Freunde und Bekannte, die da mithelfen. Es sind an sich viele Menschen, die zum Weg des Glaubens verhelfen wollen.

Aber es sind da auch die anderen, die Zweige herausbrechen wollen oder gar den ganzen Baum herausreißen wollen, damit keine Früchte des Glaubens wachsen können. Es wird ja keiner gehindert, in die Kirche oder in den Religionsunterricht zu gehen. Diese sind dazu da, den Baum des Glaubens zu begießen und zu pflegen, damit er Früchte hervorbringen kann.

Die Warnung des Matthäusevangeliums ist schon berechtigt: „Es werden nicht alle, die ‚Herr, Herr‘ sagen, ins Himmelreich kommen, sondern die den Willen Gottes tun!“„ Danach wollen wir immer wieder fragen in unserem Leben: „Was ist Gottes Wille?“ In der Kirche werden uns Hinreise dazu gegeben.ber entscheiden müssen wir uns immer wieder selber.

Gott läßt uns diese Freiheit. Bei ihm heißt es nicht immer wieder: „Du mußt! „ Wir dürfen ihn im Gebet bitten, daß er uns immer wieder hilft zum Glauben, alle Gefahren abwendet und uns Freude erfahren läßt in der Gemeinschaft mit ihm und seiner Kirche.

 

 

Jesus lädt alle ein - Berufung des Matthäus Mt 9, 9 - 13

Die Kirche ruft heute ihre getauften Glieder, damit sie an einer geregelten kirchlichen

Unterweisung teilnehmen. Damit wird ein Teil des Versprechens eingelöst, das die Eltern und Paten bei der Taufe gegeben haben. Hoffentlich sind diese Kinder heute nicht zum ersten Mal mit Gott in Berührung gekommen. Die Eltern sind hier in erster Linie verantwortlich. Die Kirche kann ihnen hier nur zur Hilfe kommen und bietet ihnen deshalb den Religionsunterricht an. Genauso wie die Schule auf dem Gebiet der Erziehung den Eltern vieles abnehmen bzw. sie unterstützen muß, so will auch auf dem Gebiet des Glaubens die Kirche einige Hilfestellungen geben. Aber Eltern und Paten sollen dieses Tun weiter begleiten bzw. sie sind auch weiterhin letztlich ver­antwortlich.

Wir wollen nun alle gemeinsam diesen Weg begleiten. Auch die ganze Gemeinde ist für diese Kinder mit verantwortlich. Es kann uns allen nicht gleichgültig sein, welchen Weg unsere getauften Gemeindeglieder gehen. Viele sagen ja: „Was nie nachher machen, kann uns egal sein!“ Aber das kann nicht egal sein. Wir sind alle für diese Kinder verantwortlich, vor allem die Eltern, aber auch alle anderen Gemeindeglieder. Wir sollen Gott einmal Rechenschaft geben über das, was wir diesen Kindern vermittelt haben. Wir können diesen Kindern helfen, indem wir ihnen ein gutes Vorbild geben. Das wiederum geschieht, wenn wir uns am Gottesdienst oder sonst am Ge­meindeleben beteiligen. Die Eltern können ihre Kinder nach dem fragen, was im Religionsunterricht drankam und mit ihnen darüber sprechen. Die Kinder nehmen eine schlichte Aussage der Eltern und Paten eher an als eine theologisch exakte Belehrung der Lehrerin oder des Pfarrers.

Manchmal haben Eltern Bedenken, daß die Kinder durch die zusätzliche Religionsstunde belastet werden. Aber die wenige Zeit ist gut genutzt. „Religion“ ist zwar ein Schulfach, aber es steht längst nicht so unter dem Leistungsdruck wie andere Fächer. Und es gibt auch keinen Widerspruch zu dem, was sonst in der Schule gelehrt wird. Auf dem Gebiet des Wissens und der Bildung wird von der Kirche nichts anderes gesagt als von der Schule auch. Der Glaube ist nur eine zusätzliche Aussage, die aber eine Frage der persönliche Entscheidung ist.

Unsere Welt ist voll von Konflikten. Aber gerade der Glaube soll helfen, mit diesen Dingen fertig zu werden. Wer Gott als Herrn hat, braucht sich um die Anfeindungen der Menschen nicht mehr zu kümmern. Wir wollen deshalb heute diese Kinder dem Schutz Gottes anbefehlen. Wir wollen für sie beten und ihnen erneut den Segen Gottes zusprechen. Und wir wollen darauf vertrauen, daß Gott alles zu einem guten Ende führen wird.

 

Erzählung: (mit Spiel ohne Worte)

Wer getauft ist, gehört zu Jesus. Er darf ganz sicher wissen, daß er zu den Christen gehört. Gibt es vielleicht auch Menschen, die Jesus nicht bei sich haben will?

 

Am Stadttor von Kapernaum sitzt der Zöllner Matthäus. Von seinem Zollhäuschen aus beobachtet er jeden, der in die Stadt hineinwill. Kurz vor der Stadt ist ja die Gren­ze. Und wer dort drüber will, muß eben Zoll bezahlen (Der Chorraum der Kirche steilt die Stadt dar, zwischen den beiden vorderen Bankreihen ist das Stadttor; auf einem Stuhl sitzt der Zöllner).

Vor allen Dingen hat es Matthäus auf die Kaufleute abgesehen. Wenn eine hoch beladene Karawane kommt oder auch nur ein Mann mit einem bepackten Esel, dann müssen sie anhalten. Matthäus überprüft das Gepäck. Für jedes Stück Gepäck müssen die Kaufleute erst Geld bezahlen (Ein Junge kommt mit einem Spielzeugesel an und wird vom Zöllner angehalten. Er läßt sich das Geld geben).

Einmal hat ein Kaufmann nicht die verlangte Gebühr bezahlen wollen. Da hat Matthäus schnell die römischen Soldaten aus der Stadt geholt. Als der Kaufmann sie nur kommen sieht, bezahlt er schnell. Die Römer haben nämlich das Land erobert und haben nun alle Macht. Matthäus arbeitet in ihrem Auftrag. Abends liefert er immer die Kasse an die Römer ab (Die Soldaten stehen immer drohend im Hintergrund, treten zwei Schritte vor, als der Kaufmann nicht zahlen will. Nachher nehmen sie sie Kasse mit).

Jeder kann sich denken, daß Matthäus nicht sehr beliebt ist. Er hilft ja mit, sein eigenes Volk auszubeuten. Deshalb will man möglichst wenig mit ihm zu tun haben. Am Zoll kann man ihm ja nicht ausweichen. Aber im Gottesdienst, da setzt sich keiner in der Bank neben ihn und keiner redet ein Wort mit ihm. So ist Matthäus dann gar nicht mehr zum Gottesdienst hingegangen.

Aber da ist noch ein Grund, weshalb die Leute den Matthäus nicht leiden können: Er verlangt immer zu viel Geld und steckt dann einen Teil davon in die eigene Tasche (Einige Kinder kommen durch den Mittelgang, auch die Schulanfänger dürfen mit machen. Jedes Kind sagt, was es mit in die Stadt nehmen will, um es dort zu verkaufen. Matthäus nennt die Zollgebühr und jedes Kind muß von der für den Gottesdienst mitgebrachten Kollekte bezahlen).

Matthäus aber hat vor sich zwei Kassen stehen: die Zollkasse und seine eigene Kasse. Jedesmal steckt er eine Münze auch in die eigene Kasse. Die Kaufleute können es deutlich sehen. Sie drohen ihm hinter dem Rücken. Aber wenn er sich umdreht, sind sie still, denn sonst kommen ja die Soldaten.

So nimmt der Zöllner Matthäus ganz schön viel Geld ein. Aber er hat keine Freunde.

Deshalb ist sein Leben gar nicht schön. Ob vielleicht einmal einer kommt, der dem Matthäus wieder einmal etwas Gutes sagt, der ihn liebhat und ihm auch wieder einmal etwas von Gott erzählt, damit das Leben des armen Matthäus wieder in Ordnung kommen kann?

Eines Tages kommt Jesus mit seinen Freunden vorbei. Er sieht auch, wie Matthäus die Leute betrügt. Er weiß auch, was die Leute über die Zöllner erzählen, besonders aber Matthäus. Jesus bleibt bei ihm stehen, sieht ihn an. Was will er nur?     Er ist doch kein Kaufmann, er hat doch nichts zu verzollen!

Jesus sagt: „Ich bin dein Freund! Gott hat mich zu dir geschickt. Du gehörst auch zu Gott. Ich will dich anders machen. Denn er hat dich auch lieb! Deshalb will ich dich auch besuchen. Ich will mit dir in dein Haus gehen. Und ich will dort sogar zusammen mit dir zu Abend essen!“ Da wird der Zöllner wieder froh. Auf einmal hat er einen Freund gefunden. Schnell führt er Jesus in sein Haus. Viele andere

Zöllner kommen gelaufen. Alle versammeln sich im Haus des Matthäus und essen zusammen mit Jesus und seien Freunden. Eine solch fröhliche Mahlzeit hat es bei den Zöllnern noch nie gegeben. Jetzt wissen sie ja: „Gott hat uns lieb! Und Jesus ist unser Freund!“

 

Predigt:

Michael ein Junge, mit dem in der Schule keiner spielt. In der Pause ist er immer allein. Er stellt sich irgendwo in eine Ecke und sieht den anderen zu. Einmal ist er sogar während der Pause in der Klasse geblieben. Aber die Lehrerin hat ihn dort entdeckt und nach draußen geschickt.

Michael aber möchte gern so sein wie die anderen Jungen und immer mit ihnen zusammen sein. Vor allen Dingen bewundert er immer einen Jungen, der der Stärkste in der Klasse ist und der viele Freunde hat. So wie dieser Junge möchte Michael gern sein und er möchte ihn zum Freund haben. Aber der andere kümmert sich gar nicht um ihn.

Eines Tages aber ist etwas los auf dem Schulhof: Es sind drei Männer in bunten Kleidern gekommen und rufen den Kindern etwas zu. Michael rennt auch hin. Einer der Männer ruft: „Der Zirkus ist da! Kommt alle heute Nachmittag zur Vorstellung. Einer von euch soll eine Freikarte kriegen!“ Dabei blickt er sich prüfend auf dem Schulhof um.

„Komm doch einmal her, du da hinten!“ sagt er schließlich und deutet in Richtung Michaels. Der kann es erst gar nicht fassen: ich soll die Freikarte kriegen, ausgerechnet ich! Aber da hat der Mann sie ihm schon in die Hand gedrückt. Michael wird bestimmt kommen. Er freut sich so auf den Zirkus.

Auf dem Heimweg trifft er einen Jungen aus seiner Klasse. Der war schnell nach Hause gerannt und hatte seinen Hund geholt. Er trägt ihn auf dem Arm. Michael fragt, was denn mit ihm los sei. „Er ist krank", sagt der Junge, „aber meine Eltern geben mir kein Geld für den Tierarzt. Sie sagen, für einen Hund hätten sie nichts übrig!“

Michael überlegt. Er möchte dem Hund und dem Jungen helfen. Schließlich sagt er: „Ich weiß, wie wir zu Geld kommen können!“ Schon ist er auf eine Frau zugelaufen und fragt. „Möchten Sie nicht gern eine Karte für den Zirkus haben? Ich kann eine verkaufen!“ Die Frau überlegt nicht lange: „Das wäre etwas für meine Tochter!“ sagt

sie und kauft Michael die Karte ab.

Jetzt haben sie Geld und rennen schnell mit dem Hund zum Tierarzt, damit der ihn wieder gesund macht. Michael kann jetzt zwar nicht in den Zirkus gehen, auf den er sich so gefreut hatte. Aber er hat jetzt einen Freund gefunden, der ihn nie wieder allein lassen wird. Auch auf dem Schulhof ist Michael nicht mehr allein.

An diesem Beispiel aus unserem Lebensbereich können wir uns deutlich machen, wie Jesus damals gehandelt hat und wie wir heute handeln sollen. Ein Zöllner damals hatte es schwer. Teilweise mußte er schon vorher das Geld an die Römer abliefern: Er mußte es aus eigener Tasche bezahlen, um es dann aus den Leuten wieder herauszupressen, er mußte sehen, wie er wieder zu seinem Geld kam.

So wird es auch heute in manchen Berufen schwer sein, immer nach dem Gesetz und den Vorschriften zu handeln. Manche Dinge muß man sich eben auf krummen Weger besorgen oder man muß seine Beziehungen ausnutzen oder Bestechungsgeld zahlen oder auch noch einmal außerhalb der Arbeitszeit etwas leisten. Man muß ja geradezu sagen: Ohne solche Dinge außerhalb der Ordnung würde nichts mehr funktionieren. Unsre heutige komplizierte Welt macht einfach solche Grenzüberschreitungen nötig.

Wir finden auch meist nichts mehr dabei, und das ist unser Fehler. Damals aber hat man die Menschen, die so etwas taten, in Grund und Boden verdammt - das war damals der Fehler. Die frommen Pharisäer hatten es zum Teil leichter. Sie haben solche Arbeiten einfach nicht angenommen. Da konnten sie die Gebote einhalten

und das Unangenehme den anderen überlassen.

Jesus aber sieht die Not der anderen, der Ausgestoßenen und Verachteten. Sie wollen auch jemanden als Freund haben, damit sie wieder leichter an Gott glauben können, Irgendwie hängt das doch miteinander zusammen: unser Verhältnis zu den Mitmenschen und unser Verhältnis zu Gott. Wer keinen Menschen zum Freund hat, der kann auch nur schwer daran glauben, daß Gott sein Freund ist.

Jesus aber macht deutlich: Gott kümmert sich auch um euch. Auch ihr seid ihm wichtig. Er will auf keinen verzichten! Weil Gott diese Menschen liebhat, muß auch Jesus sie liebhaben. Jesus macht an seinem Verhalten deutlich, wie Gott zu den Menschen ist. Er redet aber nicht nur davon, sondern handelt auch danach.

Das kommt unter uns Menschen auch manchmal vor. Das zeigt ja die Geschichte von den Zirkusmännern. Ausgerechnet der erhält die Freikarte, den die anderen gar nicht gesehen haben und der es selber auch gar nicht erwartet hätte. Aber er sollte auch einmal eine Freude haben. Die anderen konnten sich ja über viele andere Dinge freuen. Hier aber war es einmal umgekehrt.

Der Mann vom Zirkus hat zum Glück bemerkt, wem er hier die Karte geben mußte und wer es am nötigsten hatte. Nicht die Großen und Starken, die sich immer nach vorn drängen, sondern der von allen in die Ecke Gedrängte. Bei Gott aber ist das immer so. Er sieht immer, wer seine Liebe besonders nötig hat und gibt sich deshalb ganz besonders mit ihm ab.

Viele Menschen könne so etwas nicht verstehen. Sie meinen: Wenn einer sich ehrlich abgemüht hat, muß er auch einen Lohn dafür haben, da kann doch nicht plötzlich ein anderer vorgezogen werden. Gott aber ist so. Er will schon, daß wir uns abmühen. Aber er hilft auch dem, der zu schwach ist.

Die Frommen im Lande aber sagen: Wer sich mit den Sündern abgibt, ist selber ein Sünder! Der hat auch selber Lust an der Sünde, denn Gleich und Gleich gesellt sich gern. So denken wir doch auch: Wenn einer in schlechter Gesellschaft ist ‚ dann muß er selber auch schlecht sein.

Jesus aber sieht in der Zöllnern nur Kranke, die dringend einen Arzt brauchen. Vielleicht kann ihnen sehr schnell geholfen werden, wenn nur einer da ist, der wieder Vertrauen zu diesen Menschen hat. Jesus ist dieser eine. Er stellt sich schützend vor die, die mit ihrer Schuld nicht allein fertig werden können.

Unser Verhältnis zu Gott hängt davon ab, ob wir auch so handeln können wie Jesus. Sind wir wirklich bereit, mit allen Menschen gut zusammenzuleben? Sind wir bereit zur Vergebung und zu einem Neuanfang? Kümmern wir uns um die, die im Leben immer wieder zu kurz kommen?

Die frommen Pharisäer sagten: „Du darfst dich nicht mit einem Gottlosen abgeben, auch nicht, um ihm den Glauben und die Gebote beizubringen!“ Sie erklärten die Menschen für Gott verloren, ehe sie sich noch um sie gemüht hatten.

Jesus aber weiß, daß es sich hier nicht um eine ansteckende Krankheit    handelt, sondern um eine seelische Krankheit; und diese kann man heilen, indem man wieder Zutrauen zu dem Gestrauchelten hat. Dadurch faßt er selber wieder Vertrauen und kann wieder gesund werden.

Jesus macht seine Haltung deutlich, indem er sich mit den sogenannten „Sündern“ an einen Tisch setzt. Die Tischgemeinschaft war damals von noch größerer Bedeutung als heute. Durch das Tischgebet war man als guter Freund mit allen verbunden, die mit am Tisch saß. Man suchte sich aber seine Freunde in der Regel vorher aus. Jesus aber lädt gerade die ein, die keinen Freund haben. Damit macht er ihnen deutlich, wie Gott zu den Menschen steht. Sie gewinnen dadurch wieder Zutrauen zu Gott und zu sich selber und können wieder frohe Menschen werden.

Aber damit ist noch nicht alles getan. Jesus ruft diese Menschen nicht nur an seinen Tisch, sondern er will sie auch gleich als seine Mitarbeiter und Boten für die Menschen haben. Wem viel geschenkt wurde, der soll auch bereit sein, an andere weiter zu schenken.

Das zeigt auch die Geschichte mit Michael: Als ihm einer eine große Freude macht, ist er auch bereit, einem anderen eine Freude zu machen. Und dadurch erst gewinnt er einen Freund, der immer mit ihm zusammenbleibt. Wir dürfen nicht immer nur erwarten, daß die anderen uns entgegenkommen. Einfacher ist es, wenn w i r ent­gegenkommen und dadurch unter Umständen eine ganze Kettenreaktion auslösen. Es kommt nur darauf an, daß einer damit anfängt.

Jesus hat diesen Schritt ganz entschlossen getan. Er hat nicht erst vorsichtig den Boden für Matthäus vorbereitet, er hat ihm nicht erst seinen Zöllnerberuf fragwürdig gemacht, sondern er hat nur gesagt: „Folge mir nach!“ Da gibt es keine große Diskussion, sondern nur ein „Ja“ oder „Nein“.

Das ist Glaube. Da gibt es kein langes Hin und Her, kein Abwägen oder Nachfragen, sondern sofort die Entscheidung. Hinterher geht das Gespräch weiter, da muß man näher in die Einzelheiten eindringen; aber im Augenblick der Entscheidung ist dafür keine Zeit.

Matthäus aber wird nicht ein Jünger wie viele andere. Er wird einer der Zwölf und damit ein Apostel. Er ist nicht nur ein Mitläufer, den man wohl oder übel mit durch­schleppen muß, sondern er wird zu einer großen Stütze für Jesus und den Jünger­kreis. Offenbar war er so wichtig, daß man nachher in späterer Zeit sogar ein Evangelium nach ihm benannt hat.

Niemand steht zu weit abseits, als daß Jesus ihn nicht gebrauchen könnte. Niemand ist zu schlecht, als daß man nicht doch etwas mit ihm machen könnte. Gerade wer in den Augen der Menschen      ein Versager ist, kann unter Umständen von Jesus sehr gut gebraucht werden. Dort gelten andere Maßstäbe.

Das ist die Chance auch für uns. Es ist keiner zu klein und keiner zu alt ‚ keiner zu schwach und keiner zu dumm, keiner zu gut und keiner zu schlecht, um für Gott tätig zu werden. Er kann uns alle gebrauchen, so wie er den Matthäus brauchte und den

Michael. Wir müssen nur bereit sein zum Mitmachen; dann werden wir auch die Kräfte erhalten, damit es uns gelingt.

 

 

Der zwölfjährige Jesus im Tempel : Lk 2, 41- 52                           

Erzählung:

Jesus wuchs bei seinen Eltern in der kleinen Stadt Nazareth im Norden Palästinas auf. Die Mutter lehrt ihn das Beten und erzählt im biblische Geschichten. Aber er geht auch schon bald ins jüdische Gemeindehaus und hört den Schriftgelehrten zu. Sie erzählen auch von Gott, vom Tempel in Jerusalem, von den gottesdienstlichen Gebräuchen. Sie bringen dem Jungen das Lesen und Schreiben bei, er lernt die Gebote aus der Bibel und auch die hebräische Sprache, wie sie in den Gottesdiensten verwendet wurde. Aber der Tempel war ihre eigentliche Kirche, das Gemeindehaus in Nazareth nur ein Ersatz. Der Gottesdienst in Jerusalem war so der Höhepunkt im Jahr.

Jedes Jahr zum Osterfest gingen Vater und Mutter nach Jerusalem. Das war immer ein großes Ereignis. Die Erwachsenen aus dem Dorf reisten zusammen dorthin. Die Jungen durften mit, wenn sie zwölf Jahre alt waren. Wie sehr wartete Jesus darauf, daß er auch groß genug sein würde, um mitgehen zu dürfen. Endlich war es soweit. Er durfte seinen besten Anzug anziehen und bekam ein Paar neue Sandalen. Die Mutter ritt auf einem Esel. Die Männer aber gingen zu Fuß.

Abends wurden Zelte aufgestellt und große Feuer angezündet. Vor dem Schlafengehen saß noch alle um das Feuer und sangen die alten Psalmen, die der König David gedichtet hatte. Jesus kannte sie alle auswendig. Einen hatte er besonders gern (Im Wechsel mit den Konfirmanden wird der Psalm 84 aus dem Gesangbuch gelesen).

Unterwegs schlossen sich ihren immer mehr Reisende an.

Endlich sahen sie Jerusalem in der Ferne. Maria zeigte Jesus den Tempel mit dem goldener Dach. Die Leute sangen. Jesus hat diesen Augenblick nie wieder vergessen. Am Schönsten aber war es, als er mit Vater und Mutter in den Tempel ging, um das Osterfest zu feiern. Es war viel Betrieb dort. Die Leute drängten sich um die Männer, die ihre Fragen beantworteten. Jesus wollte auch gern zuhören. Aber er wurde immer wieder weggeschoben, er war ja nur ein kleines Kind, er hatte nichts bei den gelehrten Leuten zu suchen.

Schon war der Tag gekommen, an dem sie wieder den Heimweg antreten mußten. Und noch immer hatte Jesus Fragen auf dem Herzen. Mittags sollten sie aufbrechen. Zum letzten Mal durfte er in den Tempel. Jetzt war es nicht mehr so voll. So gelang es Jesus, mit den gelehrten Männern zu sprechen. Er stellte eine Frage. Überrascht blickten ihn die Männer an. „War das ein Kind, das so fragte?“ dachten sie. Noch nie hatte ein Kind solche verständigen Fragen gestellt. Sie gaben ihm Antwort. Aber Jesus fragte weiter, immer und immer wieder.

Inzwischen. waren Joseph und Maria aufgebrochen mit den anderen. Jesus sahen sie nicht. Aber sie dachten: Er wird wohl mit seinen Freunden zusammen vorne im Zug mitgehen. Aber am Abend suchten sie ihn. Er war nirgends zu finden. Wen sie auch fragten: niemand hatte ihr gesehen. Sie machen sich Sorgen und wohl auch Vorwürfe, weil sie nicht besser aufgepaßt haben. Es bleibt ihnen nichts übrig, als wieder nach Jerusalem zurückzukehren. Drei Tage lang suchten sie ihn. Aber es war kein Jesus zu finden. Endlich sagte Maria: „Wir wollen doch noch einmal im Tempel nachsehen!“

Und dort saß er! Mitten unter der Gelehrten! Wie kann ihr Junge es wagen, so mit den Schriftgelehrten zu reden? Wie kann er sich so in den Mittelpunkt spielen und die gelehrtesten Männer seines Volkes ausfragen und mit ihnen diskutieren? Jesus hörte den Gelehrten andächtig zu. Immer wieder fragte er etwas. Jesus weiß sehr gut in der Geschichte und im Gesetz seines Volkes Bescheid. Die Schriftgelehrter und die Zuhörer wundern sich über seinen Verstand und seine Antworten.

Da wurde Maria doch etwas böse. Sie ging zu ihm hin und sagte: „Wie konntest du uns das nur antun? Wir suchen dich schon drei Tage und haben uns solche Sorgen gemacht!“ Jesus sah sie erstaunt an. Er sagte: „Habt ihr denn nicht gewußt, daß ich nur im Haus meines Vaters sein kann?“ Aber sie verstanden nicht, was er meinte. Ihr Haus stand doch in Nazareth. Daß er noch einen himmlischen Vater hat, der im Tempel vor Jerusalem angebetet wird, kam ihnen nicht in den Sinn.

Die Eltern schütteln nur mit dem Kopf. Maria aber behält das Wort Jesu im Kopf und denkt darüber nach: „Wißt ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist!“

Jesus ist aber schon aufgestanden. Er geht mit seinen Eltern wieder nach Nazareth. Noch ist es nicht Zeit, sich ganz aus dem Elternhaus zu lösen. Jesus hält sich an das vierte Gebot, das den Gehorsam gegenüber den Eltern vorschreibt. Gott freut sich über Jesus, und die Nachbarn in Nazareth haben ihn lieb. Er bleibt ein aufgeweckter Junge und hilft seinem Vater in der Zimmermannswerkstatt. Er hat nicht nur Verstand und Geschick, sondern er ist auch fromm und hält sich zu Gottes Wort und zu seiner Gemeinde.

 

Predigt:

Schon wenn ein Kind geboren werden soll, haben die Eltern gewisse Ängste: Wird bei der Geburt alles gut gehen? Wird das Kind gesund sein? Werden wir ihm gute Eltern sein können? Wenn das Kind dann da ist und alles in Ordnung ist, dann ist die Freude groß. Die Eltern haben ihr Kind noch ganz für sich, es ist auf die Eltern angewiesen und freut sich über jede liebevolle Zuwendung.

Aber dann kommt der Tag, an dem das Kind auch in die Hände anderer Menschen gegeben werden muß. Manche kommen schon nach wenigen Wochen in die Krippe. Besser ist es aber, wenn das Kind bis zum Kindergartenalter zu Hause bleiben kann. Aber dann kommt der Augenblick, der für Eltern und Kind gleichermaßen schmerzhaft ist: Das Kind muß sich zum ersten Mal für mehrere Stunden von den Eltern lösen. Andere Menschen erlangen eine gewisse Bedeutung für das Kind. Die Eltern ahnen, daß das Kind sich einmal ganz von ihnen lösen wird. Und das Kind muß erfahren, daß es sich nicht immer an Mutters Rockzipfel festhalten kann.

Noch schwieriger wird es zum Schulanfang. Wieder kommen die Fragen: Wird unser Kind die Anforderungen der Schule körperlich und geistig schaffen? Wird es verständnisvolle Lehrer finden und nette Klassenkameraden? Mancher wird sich auch noch andere Sorgen machen und fragen: Werden meinem Kind nicht manche Schwie­rigkeiten gemacht werden?

Die Eltern müssen immer mehr erkennen: Da gibt es Dinge, die das Kind allein ausfechten muß. Sie können nicht immer neben ihrem Kind stehen und ihm helfen. Sie müssen mehr im Hintergrund bleiben, können Rückenstärkung geben und nur notfalls selber einmal mit eingreifen.

Andererseits gehen die Kinder auch immer mehr eigene Wege. Sie kommen nicht gleich von der Schule heim, sie suchen sich ihre Freunde aus, sie tun Dinge und geben Antworten, die gar nicht so im Sinne der Eltern sind. Und je älter die Kinder werden, desto mehr verstärkt sich das.

Das muß die Mutter Jesu auch erkennen, als der zwölfjährige Sohn auf einmal verschwunden ist. Er macht schon auf eigene Faust seine Erfahrungen. Besonders rätselhaft wird der Eltern sein, daß er noch von einem anderen Vater spricht, in dessen Haus er sein muß. Offenbar gibt es für ihn noch eine andere Autorität als nur die seiner irdischen Eltern. Über diesen Konflikt zwischen Gott und der Menschen wollen wir jetzt noch etwas nachdenken, denn er kommt heute vielfach vor.

Den Schulanfang haben die Kinder der ersten Klasse nun schon hinter sich gebracht. Sie können schon die Zahlen und einige Buchstaben schreiben und lesen. Bald werden sie von sich aus Bücher zur Hand nehmen und darin lesen. Einige Anfänge haben diese Kinder schon hinter sich. Wir müssen aber immer wieder einmal anfangen. Und meist geht das nicht ohne Beklemmungen ab.

Der Anfang im Religionsunterricht aber braucht ihnen keine Angst einzujagen. Er ist etwas Schönes, das Freude macht und mit dazu hilft, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Niemand wird gezwungen, den Religionsunterricht zu besuchen. Zur Schule muß man, zum Religionsunterricht nicht unbedingt.

Gewiß werden die ganz Kleinen noch nicht so recht begreifen, weshalb die Eltern sie auch in den Religionsuntereicht schicken. Zunächst werden die Eltern hier noch die Entscheidung zu verantworten haben. Aber ich hoffe, daß die Kinder sehr bald be­greifen, weshalb der Religionsunterricht notwendig ist, zumindest für Christen. Es gibt aber auch Kinder, die dann wieder wegbleiben, auch gegen den Willen ihrer Eltern.

[Predigt in der Situation der damaligen DDR: Aber heute will ich mal mehr von dem umgedrehten Fall sprechen. Da gibt es nämlich Kinder, die möchten gern zum Religionsunterricht kommen, aber die Eltern lassen sie nicht.

Meist liegt es dann am Vater. Sein beruflicher Aufstieg wird verhindert, wenn er sein Kind zum Religionsunterricht läßt - sagt man jedenfalls. Die ganze Familie soll sich dann nach ihm richten. Dabei hat doch die Frau zumindest des gleiche Recht. Aber sie soll sich dann immer dem Mann unterordnen und wird somit unterdrückt wie eh und je. Sonst kümmern sich die Väter meist nicht um die Erziehung der Kinder, das überlassen sie der Mutter. Aber wenn es dann um den Glauben geht, dann machen sie Erziehungsrechte geltend.

Dann sagt ein Vater etwa: „Solange das Kind noch von mir versorgt wird, muß es das tun, was ich will!“ Er erkennt also nicht an, daß das Kind auch ein Recht hat. Das Kind wollte gern kommen, denn es hatte ja dem Pfarrer ausnichten lassen, er möge deswegen doch einmal mit dem Vater reden.

Das gibt es also auch bei uns heute, daß ein Kind gewissermaßen zu seinen Eltern sagt: „Muß ich nicht sein in dem, das meines Vaters ist?“ Und es ist dann ganz schlimm, wenn der Wille des himmlischen Vaters und des irdischen Vaters auseinanderklaffen. Hier versündigen sich die Eltern unheimlich an ihren Kindern. Man kann nur hoffen, daß die Kinder dann als Erwachsene der Weg zur Kirche finden.

Es ist auch schon vorgekommen, daß sich die Kinder gegen ihre Eltern durchgesetzt haben .Ein Mädchen hat ihrem Vater rundweg erklärt: „Ich bin 14 Jahre alt und damit religionsmündig. Wenn ich konfirmiert werde will, dann kannst du nichts daran ändern, und deine Partei auch nichts!“

Einem anderer Mädchen hatten die Eltern auch vom Religionsunterricht abgeraten. Sie sagte: „Verboten haben sie es mir nicht. Aber selbst wenn sie es mir verbieten wollten, würde ich noch lange nicht darauf hören!“

Hier haben wir tatsächlich der einzigen Fall, wo ein Kind auch einmal gegen das vierte Gebot handeln darf. Dort heißt es ja: „Du sollst deiner Vater und deine Mutter ehren!“ Und zum „ehren“ gehört eben, daß man den Eltern gehorsam ist und das tut, was sie sagen. Dabei ist aber vorausgesetzt, daß die Eltern auch das tun und wollen, was Gott will. Wenn die Eltern aber gegen Gott stehen, dann ist das erste Gebot wichtiger: „Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen!“].

Wir wollen nicht hoffen, daß heute Eltern hier sind, die ihre Kinder in Konflikte wegen des Glaubens bringen. Die Kindern wollen ja ihren Eltern gehorchen, so wie ja auch Jesus das vierte Gebot einhielt und seinen Eltern untertan war. Aber die Kinder wollen auch Gott gehorchen. Daran sollte man sie nicht hindern, sondern sollte ihnen erst recht dazu helfen.

Die Kinder brauchen in allen Dingen die Rückenstärkung ihrer Eltern, besonders aber, wenn es um den Glauben geht. Ihr Glaube ist noch eine zarte Pflanze, die manchen heftigen Sturm und manchen eisigen Frost aushalten muß. Da ist noch Schutz nötig, ehe sich eine Pflanze herausbildet, die sich selbst behaupten kann. Auch der Religionsunterricht will dazu helfen. Die Eltern müssen pflanzen. Im Unterricht kann nur gegossen und gedüngt werden. Und ernten wird Gott einmal.

Wenn die Zeit der Ernte da ist, dann will Gott auch Früchte sehen. Aber die werden da sein, wenn ein Kind bald sprechen lernt: „Muß ich nicht sein in dem, das meines Vaters ist!“ Sie werden erst recht da sein, wenn ein Kind das nicht gegen seine Eltern sagen muß, sondern wenn die Eltern mitsprechen: „Ja, du darfst dort sein, wo dein himmlischer Vater auch ist. Er ist ja auch unser Vater, und wir möchten, daß du möglichst bald erkennst: Er ist auch dein Vater. Er hilft dir gerade, wenn dir ein neuer schwerer Anfang bevorsteht. Er will dich führen und begleiten in deinem Leben und in deinem Glauben. Er hilft dir heute und alle Zeit!“

 

 

 

Die zehn Aussätzigen: Lk 17, 11 - 19

Einstiegszenen:

I.) Eine Mutter berichtet:      

Unser Kind hatte schon zwei Tage über Bauchschmerzen geklagt. Plötzlich, in der Nacht, wurde es ganz schlimm. Der Junge klammerte sich an mich und schrie, daß es zum Herzzerbrechen war. Da haben wir den Doktor geholt. Er drückt auf dem Bauch herum winkelte das Bein an und sagte dann: „Blinddarmentzündung! Sofort ins Krankenhaus!“ Das Krankenauto

kam. Mit Blaulicht ging es ins Krankenhaus. Da habe ich zu Gott gebetet, daß es nicht zu spät ist und die Operation gelingt. Nur dies eine Mal hilf mir noch Gott, habe ich gebetet.

Pfarrer: Und er hat er geholfen?

Mutter: Sie sehen es doch mein Kind ist quicklebendig und sitzt hier mit unter den Kindern in der Kirche. Dabei war es damals höchste Zeit gewesen. Der Blinddarm war schon geplatzt. Der Arzt sagte, bis zum nächsten Morgen hätte das Kind tot sein können. So aber ging noch einmal alles gut.

Pfarrer: Und haben Sie sich nun bedankt dafür, daß Gott ihr Gebet erhört und Ihnen geholfen hat.

Mutter: Eigentlich nicht! Das ist dann sicher vergessen gegangen vor lauter Freude. Aber bedanken hätte man sich müssen, da haben Sie recht!

Pfarrer: Wir können es ja vielleicht heute im Gottesdienst nachholen.

 

II.) Ein Ehepaar berichtet:

Frau: Wir hatten uns immer schon Kinder gewünscht. Wir waren fünf Jahre verheiratet und hatten immer noch kein Kind. Da gaben wir die Hoffnung auf, noch jemals eigene Kinder zu haben.

Mann: Aber ich habe zu meiner Frau gesagt:

„Du, wir nehmen uns ein Kind an. In den Heimen müssen so viele Kinder ohne Eltern aufwachsen, da körnten wir doch einem Kind zum Vater und zur Mutter werden!“

Frau: Erst hatten wir zu Gott gebetet, er möchte uns eigene Kinder geben. Aber jetzt ist uns das adoptierte Kind wie ein eigenes. Wir sind jetzt der Meinung: Vater und Mutter wird man nicht allein dadurch, daß man ein Kind in die Welt setzt, sondern dadurch, daß man sich um ein Kind kümmert, das ist entscheidend.

Mann: Auch mit den Jugendamt und so ging alles klar. Es ist alles nach unseren Wünschen gelaufen. Wir sind richtig dankbar.

Pfarrer: Aber Sie sich auch bei Gott bedankt?

Frau: Ja, das haben wir nicht vergessen. Aber wir tun es immer wieder und könnten es auch in dieses Gottesdienet wieder tun.

 

III.) Ein Mädchen berichtet:

Als im Winter so schlimmes Eis war, habe ich einer Frau immer eingekauft, weil sie so schlecht laufen kann. Nach der Schule bin ich immer gleich hin und habe gefragt, was nötig ist Die Frau hat sich ja so gefreut. Sie wüßte sonst keinen, der die Wege hätte machen können. Sie war schon ganz verzweifelt.

Pfarrer. Ja, ich hatte dir damals ja Bescheid gesagt, daß du helfen solltest. Hat sich denn die Frau darüber gefreut?

Mädchen: Sie können sie ja selber fragen, sie ist heute mit im Gottesdienst dabei. Sie glauben ja war nicht, wieviel Freude man mit ganz wenig Aufwand erreichen kann.

Pfarrer: Dann wäre das doch auch etwas, wofür wir hier in diesem Gottesdienst noch einmal danken könnten.

 

Erzählung:

In der Nähe eines Dorfes im Lande Jesu lebten zehn Männer. Sie sind krank, sie haben den Aussatz. Das ist eine sehr schlimme Krankheit, bei der man große Geschwüre kriegt und die Finger und Zehen nacheinander abfallen. Die Krankheit ist ansteckend. Deshalb durften die Männer nicht bei ihrer Familie leben. Man hatte sie aus dem Dorf verjagt und sie mußten außerhalb in einer Bretterbude leben

Die Leute sagten: „Das ist die Strafe Gottes für ihre bösen Taten!“ Deshalb durften Aussätzige auch nicht am Gottesdienst teilnehmen. Sie waren nicht nur wegen ihrer Krankheit „unrein“, sondern sie galten auch als Sünder und ein frommer Mensch mußte sich von ihnen fernhalten.

Neun von den kranken Männern gehörten zur Gemeinde der Juden; einer war ein Samariter. Er stammte aus einem Dorf in Samarien, der Landschaft zwischen der Heimat Jesu und der Stadt Jerusalem. Dort lebten Menschen, die zwar auch an den Gott der Väter Israels glaubten und die fünf Bücher Mose lasen. Aber sie hatten auch viel von anderen Religionen übernommen und wurden von den frommen Juden nicht mit zum Gottesvolk gezählt.

Aber ihre Krankheit, der Aussatz, machte sie alle gleich. Alle Feindschaft hat ja keinen Sinn mehr, wenn man so schwer krank ist. Deshalb leben die Juden auch mit dem Samariter zusammen. Sie sind allesamt Ausgestoßene und für die anderen keine richtigen Menschen mehr

Doch da kommt einer vorbei, der ihnen helfen könnte: Es ist Jesus mit seinen Jüngern. Sie wollen nach Jerusalem. Die Aussätzigen müssen Abstand halten. Aber sie rufen nicht: „Unrein, unrein!“ wie das eigentlich Vorschrift ist, sondern sie schreien: „Jesus, Meister, erbarme dich unser! Jesus, Meister, erbarme dich unser!“

Jesus weiß, wie schwer das Schicksal dieser Männer ist. Er möchte ihnen helfen. Aber er sagt nur zu ihnen: „Geht hin und zeigt euch den Priestern! Die kennen sich aus mit dieser Krankheit. Die allein dürfen entscheiden, ob ihr wieder gesund geworden seid und wieder in die Gemeinde Gottes aufgenommen werdet!“

Die zehn Männer laufen auch gleich los. Als der Priester sie kommen sieht, hebt er abwehrend die Hände und ruft: „Ihr seid doch die zehn Aussätzigen! Was wollt ihr hier? Macht, daß ihr fortkommt!“ Aber die Männer sagen voller Freude: „Wir sind rein! Jesus hat es uns gesagt! Seht doch selbst, untersucht uns doch!“ Tatsächlich - sie sind frei von Aussatz .Froh gehen sie heim in ihre Dörfer

Aber einer von ihnen geht zurück zu Jesus. Er lobt Gott mit lauter Stimme. Und als er zu Jesus kommt, wirft er sich vor ihm auf die Füße. Er dankt ihm, weil er ihm so viel geholfen hat.

Wer ist dieser Mann? Es ist der Samariter. Ausgerechnet einer, den die Juden hassen, der einen anderen Glauben hat, ein Fremder, ein Feind! Er allein hat das Danken nicht vergessen.

Jesus fragt: „Sind nicht alle zehn gesund geworden? Wo sind denn die anderen neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott zu loben und zu preisen? Nur dieser Fremde“ Die anderen neun sind zwar auch gesund geworden, aber sie gehören nicht mehr zu Gott. Nur der Samariter hat sich mehr gewünscht als gesund zu werden. Er hat Gott gesucht und hat ihn gefunden in Jesus, der ihn heilte. Jesus sagt: „Stehe auf, gehe hin. Du hast geglaubt, das hat dir geholfen!“ Der Samariter geht in sein Dorf zurück. Aber von nun an wird er zu Jesus gehören. Sein Leben ist neu geworden, es ist nun ein Leben mit Gott.

 

Predigt:

Kleinen Kindern bringt man frühzeitig bei, daß sie immer „Dankeschön“ zu sagen haben. Sie müssen manchmal sogar noch Händchen geben und einen Knicks machen und dann freuen sich alle und sagen: „Welch ein wohlerzogenes Kind!“Aber wie steht es denn bei den Erwachsenen mit der Dankbarkeit? Vergessen die nicht auch manchmal den Dank, wenn sie eine Freude erfahren haben?

Viele Dinge sind uns doch so selbstverständlich geworden, daß uns gar nicht mehr der Gedanke kommt, wir könnten uns ja auch einmal dafür bedanken. Wieviel tut etwa die Mutter für die Familie. Sie hat ihren Beruf, aber sie versorgt auch fast den ganzen Haushalt, kocht Essen, hält die Wohnung sauber, wäscht die Kleider.

Der Vater geht auch Geldverdienen, hilft im Haushalt, repariert alles, läuft viele Wege. Und außerdem haben die Eltern noch Zeit für die Kinder, sehen nach den Hausaufgaben, spielen mit ihnen, beantworten ihre Fragen. Wenn die Eltern sich so um die Kinder kümmern, dann haben wir doch allen Grund zur Dankbarkeit.

Oder denken wir daran, daß wir alle ausreichend und gut zu essen haben. Viele Menschen aber bleiben Zeit ihre Lebens hungrig, darunter auch besonders viele Kinder. Wir aber schimpfen gleich, wenn das Brot einmal nicht so schmeckt oder wenn es abends ausverkauft ist. Sollten wir nicht schon dankbar dafür sein, daß es überhaupt Brot gibt?

Viele von uns haben einen schönen Urlaub verlebt, die Kinder haben mit Begeisterung die Kirmes mitgemacht, wir leben mit so vielen Menschen zusammen, die uns helfen und denen wir helfen können.

Daß die Schule wieder begonnen hat, wird den Kindern vielleicht nicht so schmecken. Aber daß sie dabei viel lernen können und in der Regel klüger werden als ihre Eltern, ist doch auch etwas Schönes.

Oder wir haben vorhin schon einige Beispiele gehört, wie Menschen eine große Freude erlebt haben und voller Dankbarkeit anderen davon erzählten: Die Mutter des Kindes, das im Krankenhaus war, das Ehepaar, das ein Kind adoptiert hat, das Mädchen, das für eine Frau einkaufte. Das sind alles Dinge, die jeder von uns jeden Tag erleben kann und die uns dankbar stimmen können.

Als Pfarrer will ich noch Gott danken, daß Kinder zum Kindergottesdienst und zum Religionsunterricht (und …) kommen. Das ist ja nicht allein ihre Leistung, sondern erst einmal sollten wir Gott danken, der den Kindern so das Herz geöffnet hat, daß sie gerne kommen.

 

Das wollte uns ja auch die Geschichte von den zehn aussätzigen Männern deutlich machen: Wenn wir eine Freude erlebt haben, dann sollten wir dafür danken. Aber unser Dank gilt in erster Linie Gott, der uns das alles gegeben hat. Nicht nur wenn wir gerade noch einmal am Tod vorbeigekommen sind, ist Grund zum Danken, sondern auch schon bei den ganz alltäglichen Dingen: Für die Arbeit und den Urlaub, für die Feste und die Mittmenschen.

Doch schon Jesus mußte die schmerzliche Erfahrung machen: Da kommen Menschen und suchen Hilfe in ihrer Not, aber sie bleiben Gott den Dank schuldig. Ihm persönlich sollen sie ja gar nicht danken. Aber es ist ihm nicht gleichgültig, ob sie seinem Vater danken oder nicht. Er will ihnen ja einen Weg bahnen zu Gott. Aber die meisten bleiben auf halbem Weg stehen, nämlich bei der Hilfe in äußerer Not.

Dabei hatten sie anfangs durchaus das getan, was Gott will: Sie haben Jesus in der Not angerufen! Aber dann gehen sie zurück in ihr altes Leben, zu ihrer Arbeit, ihrer Familie und zu den üblichen Gottesdiensten. Der eine hat sich vielleicht schon mit seiner Frau gestritten. Der andere hat wieder keine Zeit für die Kinder gehabt. Der Dritte hat vielleicht schon wieder über die schweren Zeiten geklagt. Sie waren froh gewesen, daß Jesus ihnen geholfen hatte. Aber dann war doch alles beim Alten geblieben. Sie begreifen gar nicht, daß Gott nicht nur einmal im Leben mit ihnen in Kontakt kommen will, sondern sie an jedem Tag begleiten will. Gott wollte durch die Heilung ihren Glauben wecken und in alle Zukunft mit ihnen in Verbindung bleiben.

Aber das geschieht nur bei dem einen, der erst noch einmal zu Jesus zurückkehrt. Er suchte nur nach einem Helfer, egal wer es war. Dann aber erkennt er, wer wirklich vor ihm steht. Schließlich hält er die Hand fest, die ihm geholfen hat, und will sie nicht mehr loslassen.

Nur für ihn wird die Heilung zum persönlichen Weg zu Gott, er allein ihn wirklich gerettet und geheilt hat, weil nur er hören kann, wie Jesus ihm persönlich das Heil zuspricht. Nur er wird Gott nie mehr verlieren.

Nachher geht er auch wieder an seine Arbeit, zu seiner Familie und zu den üblichen Gottesdienste. Aber er sieht das jetzt alles mit anderen Augen. Er weiß: Gesundheit, Erfolg und Besitz sind umsonst, wenn man dadurch nicht zum Lob Gottes geführt wird. Jetzt aber lebt er als ein neuer Mensch, der ganz zu Christus gehört, auch wenn er noch in seiner alten Umgebung ist. Aber er ist reicher und glücklicher, weil er dankbar lebt.

Im Psalm 50 heißt es: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen!“ Neun Männer wollten nur gesund werden, aber mit Gott wollten sie nichts zu tun haben (oder zumindest doch mit Jesus, der ihnen Gott bringt): Sie sahen nur das Geschenk, aber den, der es ihnen gegeben hatte. Nach der Heilung ging es nicht neu los, sondern es war wieder alles beim Alten. Dadurch war letztlich alles vergeblich.

Dabei hätten sie als fromme Glieder des Gottesvolkes am ehesten verstehen müssen, was Gott hier an ihnen tat. Aber ausgerechnet der verachtete Samariter tut das Richtige. Bei dem Wort „Samariter“ sollten wir nichtgleich an den „barmherziger Samariter“ denken, von dem Lukas auch erzählt. Ein Samariter war damals wie einer, der aus der Kirche ausgetreten ist. Aber vielleicht hat er gerade deshalb begriffen, wieviel Ihm geholfen wurde, während die anderen alles als selbstverständlich hinnehmen.

Im Grunde ist aber nichts selbstverständlich und danken kann man nie genug. Eine Religionslehrerin war einmal krank. Als sie wieder zum Unterricht kam, sagte ein Mädchen aus der ersten Klasse zu ihr: „Ich habe für dich gebetet, daß du wieder gesund wirst. Aber jetzt mußt du dich auch bedanken!“ Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Und sie sind oft auch die Dankbarsten, weil sie so sehr auf die Hilfe der anderen angewiesen sind. Sie wissen oft besser als die Erwachsenen, was zu tun ist. So sind sie manchmal ein Vorbild, so wie jener Samariter den anderen ein Vorbild war.

Wie macht man das aber nun mit dem Danken? Nun, abends vor dem Einschlafen hat jeder sicher einige Sekunden Zeit, um den Tag noch einmal zu überdenken. Da gibt es bestimmt sehr Vieles, wofür man dankbar sein kann. Wenn man das Gott im Gebet sagt und ihn dafür lobt und preist, dann war es sicher kein verlorener Tag gewesen. Und dann kann man auch guten Gewissens für den nächsten Tag bitten, damit der auch gelingen möge.

 

Gebet:

Herr, unser Gott, wir haben alle Grund zum Danken:

Die Eltern machen sich soviel Mühe mit den Kindern.

Wir alle haben ausreichend und gut zu essen.

Wir haben einer schönen Urlaub erlebt und

können jetzt wieder in der Schule viel lernen.

Wir danken dir für unsre Gesundheit.

Viele kranke Kinder sind wieder gesund geworden.

Viele Kinder helfen anderen Leuten, die nicht wehr so können.

Viele Menschen sind für uns da und wir dürfen für andere da sein.

Wir danken dir auch, daß wir Religionsunterricht und Gottesdienst haben

 und immer wieder dein Wort hören.

Wir bitten für die Schulanfänger, daß sie viel Spaß haben

und alles verstehen, was sie lernen.

Laß uns alles mit Dankbarkeit annehmen,

und hilf uns auch weiterhin bei allen Schwierigkeiten.

Gib den Kranken Mut und Hoffnung, hilf ihnen gesund zu werden.

Laß alle so glücklich und in Frieden leben wie wir jetzt.

Herr, wir wollen dir noch - jeder für sich in der Stille - sagen,

wofür wir dir danken wollen und worum wir dich bitten…….         

Vaterunser

 

Predigt:

Wir haben gesehen, wie Peter ratlos war, was er tun sollte. Durfte er seinen Freund Rolf verraten? Durfte er stille sein, wo doch so etwas Schlimmes passiert war? Vielleicht würde doch wenigstens die Versicherung dem Kind etwas zahlen?

Peters Vater weiß einen Ausweg. Sie verraten Rolf nicht. Aber Rolf geht von sich aus zur Polizei. Damit ist allen geholfen, nicht zuletzt auch Rolf seiber; denn er hätte es sicher doch nicht ausgehalten, immer mit seiner Schuld herumzulaufen. Peters Vater hat ihm den einzig möglichen Weg gezeigt, aus allem wieder heraus zu kommen und ein froher Mensch zu werden.

Nun heißt unser Thema aber: „Gott weiß einen Weg!“ Was hat diese Geschichte denn mit Gott zu tun? Nun, sehr viel! Denn wenn ein Mensch einem anderen hilft, dann handelt Gott an diesem Menschen. Gott hilft uns immer durch andere Menschen. Und wenn wir keinen Weg mehr wissen, dann schickt er uns einen Menschen, der uns den Weg zeigt.

Mancher unter uns wird sich fragen: Welches ist denn der richtige Weg für mich? Manche Eltern, deren Kind gerade in die Schule gekommen ist, machen sich schon Sorgen: Wird mein Kind einmal studieren können? Für dieses Ziel sind sie bereit, alles zu opfern.

 

 

Die erste christliche Gemeinde: Apg 2,42 

Einstieg:

Als die Glocken ausläuten, fängt es nicht wie gewohnt mit einem Lied an, sondern es entsteht eine Pause. Eine Gruppe sich laut unterhaltender junger Leute betritt die Kirche. Ein „Fremdenführer“ (Gästeführer) beginnt, einer „Reisegesellschaft“ die Kirche zu erklären: „Meine verehrten Damen und Herren! Wir befinden uns hier in der …..Kirche von ……... Diese Kirche ist über …. Jahre alt. Beachten Sie die prächtige Kanzel aus Sandstein…. Währenddessen geht einer auf die Kanzel und untersucht das Parament, einer fingert und klopft am Kanzelfuß herum, die anderen tun interessiert. Und wenn Sie sich nun herumdrehen.... (drehen sich herum).

Doch nacheinander stehen Leute aus der Gemeinde auf und protestieren:

Gemeindeglied: Hören Sie mal, wir sind doch hier nicht im Museum, das ist doch eine Kirche!

 Besucher: Na und, was ist denn da weiter dabei. Wir wollen uns doch nur die Arbeit der Künstler anschauen.

Gemeindeglied: Darum geht es doch gar nicht! Hier ist jetzt Gottesdienst. Wissen Sie denn nicht, was das ist?

 Besucher: Na ja, da wird man angepredigt, und dann geht man wieder nach Hause. Und bei den meisten bleibt alles beim alten (Gruppe stimmt zu).

Gemeindeglied: Passen Sie mal auf, vielleicht haben Sie etwas Zeit. Bleiben Sie doch die Stunde einmal hier. Setzen Sie sich mit zu uns. Hören Sie zu. Und wenn Sie Fragen haben, dann reden Sie einfach mit (setzen sich).

Eingangslied: Tut mir auf die schöne Pforte

 

Erzählung: Aus dem Leben der Urgemeinde:

Frau Esther wundert sich. Sie steht in der Tür und sieht hinüber zum Haus des Nachbarn. Simeon, der Tischlermeister, hat seine Arbeit für heute beendet. Es dämmert ja auch schon. Drüben im Haus des Tischlers wird die Nachbarin bald Öl auf die Lampe gießen und sie auf den Tisch stellen. Frau Esther ist ein bißchen neugierig. Werden ihre Nachbarn heute wieder Gäste haben? Sie haben drüben oft Besuch, fast jeden Tag. Keine Verwandten. Nein, andere Besucher. Fremde.

Da kamen der reiche Schmied und die arme Mirjam. Wirklich, auch heute wieder, drüben kommt der erste Gast. Die arme Rahel, die Witwe. Und jetzt kommt der reiche Schmied. Frau Esther staunt. Sie winkt schnell ihre Tochter herbei. Schnell, Ruth, komm her, sieh nur, der reiche Schmied beachtet die Witwe. Das ist sonst nicht üblich, daß ein Mann eine Frau beachtet und sie so freundlich grüßt. Beide gehen ins Haus. Und hast du gesehen, Mutter?

Die arme Rahel hatte ein anderes Tuch um, nicht mehr das alte, gestopfte. Ein großes, schönes, warmes Tuch. Woher hat sie das? Ich wundere mich, daß sie noch nicht betteln gehen muß. Die paar Pfennige, die ihr Mann ihr bei seinem Tod hinterlassen hat, müßten doch schon längst aufgebraucht sein. Denk nur, Ruth, ich hörte, daß der Schmied und der Tischler und noch andere sich um die Rahel kümmern und für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Sie kümmern sich um sie, als wäre es ihre eigene Mutter. Das ist sonderbar.

Sieh, jetzt kommt wieder jemand, eine Frau, ich habe sie nicht erkannt. Und dort ein Mann. Er ist ärmlich gekleidet. Und, sieh nur, der Daniel, der lesen und schreiben kann, kommt auch. Eine sonderbare Abendgesellschaft: Männer und Frauen, Reiche und Arme, Kluge und Unwissende.

Und manchmal, Mutter, darf Johanna, die Tochter des Tischlers, sogar aufbleiben und sich zu den Erwachsenen setzen. Johanna sagte mir, daß die Geschichten, die in ihrem Elternhaus erzählt werden, auch für die Kinder wichtig sind. Und was Johanna nicht versteht, erklärt ihr ihre Mutter am nächsten Tag. Aber auch die Erwachsenen verstehen nicht immer gleich alles. Manches ist ihnen neu und ganz anders, als sie es bisher gewöhnt sind. Jesus stellt alles auf den Kopf, sagt Johanna. Die Erwachsenen fragen dann und sprechen darüber, und der, der die Geschichte erzählt hat, erzählt sie noch einmal.

Jesus stellt alles auf den Kopf? fragt Frau Esther ihre Tochter. Johanna sagte mir,

antwortete Ruth, daß sie drüben abends über Jesus erzählen. Erinnerst du dich an Jesus von Nazareth, Mutter? Er wurde doch schon vor Jahren hingerichtet, und noch immer hat er Freunde. Die dort drüben gehören auch dazu, und es werden immer mehr.

Frau Esther schweigt eine Weile. Dann führt sie das Gespräch weiter. Unsere Nachbarn sind gütige Menschen, und während der Arbeit pfeift oder summt der Tischler vor sich hin, und auch seinen Lehrling behandelt er freundlich. Ich möchte schon gern einmal abends drüben mit dabei sein. Aber ich weiß nicht, ob es der Vater erlauben würde. Zuerst müßte ich ihn fragen.

Drüben haben sich Gäste versammelt. Die Tischlersfrau hat die Öllampe auf den Tisch gestellt. Alle Besucher sitzen am Tisch. Jeder hat sein Abendbrot mitgebracht: selbstgebackenes Brot und etwas dazu. Nein, doch nicht alle. Die arme Rahel und eine andere Frau haben nichts auf die Platte in die Mitte des Tisches gelegt. Alle Speisen liegen nun auf dem Tisch, aber keiner langt zu.

Da steht der Tischler auf, nimmt ein selbstgebackenes Brot, spricht das Dankgebet und sagt dann: „Der Herr Jesus, in der Nacht, in der er verraten wurde, nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach es und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben ist. Das tut zur Erinnerung an mich!“

Der Tischler ißt ein Stück Brot, das andere reicht er dem weiter, der neben ihm sitzt. Dieser tut es ebenso, bis alle reihum Brot gegessen haben. An jedem Abend, wenn sich Christen treffen, beginnt die Mahlzeit mit diesem Brotbrechen. An jedem Abend sagt der Tischler dazu dieselben Worte. Dann langen alle tüchtig zu, auch die alte Rahel und die andere Frau, die nichts mitbringen konnten. Alle essen sich satt. Dabei erzählen sie, was sie am Tag erlebt haben. Am Schluß der Mahlzeit nimmt der Tischler den Becher mit Wein in seine Hände und sagt: „Jesus nahm den Becher Wein nach der Mahlzeit und sagte: Dieser Becher ist der neue Bund kraft meines Blutes. Das tut, so oft ihr trinkt, zur Erinnerung an mich!“

Der Tischler trinkt und reicht den Becher mit Wein weiter an den, der neben ihm sitzt. Dieser trinkt und gibt ihn weiter an seinen Tischnachbarn. Der Becher wird von einem zum andern weitergereicht. Alle trinken daraus. So wird die Mahlzeit immer beschlos­sen, Abend für Abend, mit denselben Worten. Die Mutter hat das Johanna erklärt: Der neue Bund bedeutet die neue Gemeinschaft, die Jesus schenkt. Wir gehören zueinander. Keiner ist mehr einsam und allein.

Und dann nach der Mahlzeit, sie können es schon fast nicht erwarten, erzählt einer von ihnen von Jesus. Alle hängen an seinen Lippen. Manchmal muß er ihnen am nächsten Abend dieselbe Geschichte noch einmal erzählen, so aufregend ist sie. Die Geschichte mit dem Oberzöllner Zachäus zum Beispiel hat sie sehr bewegt. Jesus geht zu dem Betrüger, dem Gottlosen ins Haus. Das hat vorher kein Frommer getan. Jesus stellt wirklich alles auf den Kopf. Dann müssen wir unser Verhalten zu solchen Menschen ändern, denken sie. Und sie sprechen darüber.

Manchmal lernen sie auch einen Satz, den Jesus gesagt hat, auswendig. Und die Geschichten über Jesus merken sie sich gut. Wort für Wort werden sie eingeprägt,

damit sie zu Hause ihren Familien alles genau nacherzählen können. Dann singen sie Lieder, alte Psalmen und neue Lieder über Jesus. Sie brauchen keine Noten, keinen Text. Viele von ihnen können ja auch nicht lesen.

Sie überlegen, wem sie helfen können. Sie bitten Gott, daß er ihnen die Augen öffnet, damit sie sehen, wo Hilfe nötig ist. Sie danken Gott, daß keiner von ihnen Not zu leiden braucht, wenn sich einer um den andern kümmert. Das macht sie froh und glücklich.

Die Frau des Tischlers erzählt, daß Johanna das junge körperbehinderte Mädchen eingeladen hat. Aber es traut sich nicht zu kommen. Zu oft hat sie gehört, daß ihre Behinderung eine Strafe Gottes ist. Könnte jemand von euch zu ihr hingehen und mit ihr sprechen? Sofort übernimmt jemand diese Aufgabe. Alle bitten Gott, daß er die nichtigen Worte schenkt und dem Mädchen Mut gibt, seine Hemmungen zu überwinden. Sie bitten Gott, daß es sich bei ihnen wohl fühlt und froh wird.

 

Der Abend ist schnell vergangen. Sie sind müde. Sie müssen wieder nach Hause gehen. Sie freuen sich schon auf den nächsten Abend. Morgen wird ihnen die Arbeit gut von der Hand gehen, denn sie wissen, keiner von ihnen ist allein. Sie gehören alle zusammen. Morgen Abend werden sie sich wieder treffen. Ihre Augen strahlen. Auf ihren Gesichtern ist die Freude zu sehen, obwohl sie müde sind Morgen werden sie wieder zusammensein, von Jesus hören, Fragen stellen, miteinander essen, das Brot brechen, den Becher Wein herumreichen, sich gemeinsam beraten, singen und beten. So feierten die Christen in Jerusalem ihren Gottesdienst.

 

Sprecher:

Liebe Gemeinde, wir wollen in diesem Gottesdienst gemeinsam darüber nachdenken, was eigentlich Gottesdienst ist und welches die Kennzeichen einer christlichen Gemeinde sind: Über diese Frage wollen wir uns Auskunft holen in der Bibel. Ich habe hier einmal unsere große alte Altarbibel aus dem Jahre …. mitgebracht und will daraus einen Vers vorlesen: „Die ersten Christen in Jerusalem blieben beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet!“(Apg. 2,42)(Text mit Schreibmaschine geschrieben in die große Bibel hineinlegen, weil der Anfang etwas verändert ist). Über diesen Satz wollen wir noch etwas nachdenken.

 

I.) „Sie blieben beständig in der Apostel Lehre“:

Die Apostel waren die Jünger Jesu, die nach seinem Tod die Sache Jesu weiterführten. Sie haben die Worte Jesu gut im Gedächtnis aufbewahrt und aus seinem Leben erzählt. Später haben dann andere diese Worte und Erzählungen aufgeschrieben. So entstand das dicke Bibelbuch, aus dem wir heute noch in der Kirche vorlesen. Viele haben auch eine kleine Bibel zu Hause und lesen darin.

Das will ich vor allem denen sagen, die jetzt mit der Schule und dem Religionsunterricht beginnen und heute vielleicht zum ersten Mal hier mit im Gottesdienst dabei sind. Aus der Bibel wird im Religionsunterricht erzählt, all die spannenden Geschichten aus dem Gottesvolk und die Erzählungen von Jesus und den Aposteln. Bald werdet ihr aus der ersten Klasse auch lesen können und dann auch das Religionsbuch zur Hand nehmen und daraus lesen und die Bilder betrachten.

Es ist auch schön, wenn euch dabei die Eltern, Großeltern und Paten helfen. Wenn ihr etwas nicht versteht, dann könnt ihr sie fragen. Und wenn sie es auch nicht wissen, dann können sie den Pfarrer oder Lehrerin fragen. Alle Erwachsenen in der Gemeinde wollen euch helfen über den Glauben noch mehr Beschied zu erhalten, auf den ihr getauft worden seid.

Auch größere Kinder sind da, die zum Teil schon jahrelang zum Religionsunterricht gehen. Sie alle bemühen sich, die Lehre der Apostel immer noch näher kennenzulernen. Es ist ja in Wirklichkeit die Lehre Jesu, die die Apostel nur weiter überliefert haben. Und diese Lehre ist wichtig für unser Leben, wenn wir mit Gott und der Kirche leben wollen und einen Sinn in unserem Leben sehen wellen(Bei diesen Ausführungen immer wieder auf die Bibel verweisen).

 

II .) „Sie blieben beständig in der Gemeinschaft“:

Viele können sich unter dem Wort „Gemeinschaft“ nicht so recht etwas vorstellen. Ja, die Familie ist eine Gemeinschaft oder sollte es zumindest sein. Aber alles was darüber hinausgeht, das sind schon die „Anderer“ oder die „Fremden“ oder gar die „Feinde“.

Jesus aber hat deutlich gemacht, daß alle Menschen doch Kinder Gottes sind. Er hat auch die Fremden und die sogenannten Feinde in seine Nähe geholt, hat sie lieb gehabt und hat ihnen geholfen, im Leben zurechtzukommen.

Auch in seiner Gemeinde hat man sich immer bemüht, eine gute Gemeinschaft zu halten. Eine Gruppe kirchlicher Kinder ist zum Beispiel eine Gemeinschaft, die auch in der Schule zusammenhält. Christen stehen auch im Betrieb zusammen. Sie treffen sich ja bei vielen Gelegenheiten auch außerhalb des Gottesdienstes. Da sollte man auch merken, daß sie den gleichen Gott haben und eine Gemeinschaft sind. Allerdings ist es nicht immer leicht, mit der anderen in der Gemeinde auszukommen. Manchen kann man doch nicht so gut leiden, es gibt auch einmal Gegensätze und Streit. Deswegen gilt es, über alle Gegensätze hinweg immer wieder zueinander zu finden.

Wir wollen einmal ganz äußerlich deutlich machen, daß wir alle zusammengehören. Dazu fassen wir uns einmal alle an den Händen und bilden eine ganz lange Kette, die durch die ganze Kirche reicht. Wer keinen Nebenmann hat, der sucht sich einen und geht die paar Schritte auf ihn zu (nur zu den Emporen hin wird es etwas schwierig sein) Ist auch keiner vergessen gegangen (auch der Pfarrer wird natürlich einbezogen). So, wenn jetzt wieder Leute hereinkämen, die die Kirche nur besichtigen wollen, dann würden die sicher merken, daß wir hier alle eine große Gemeinschaft sind, vielleicht sogar eine wie schon die ersten Christen in Jerusalem.

 

III.) „Sie blieben beständig im Brotbrechen“:

Damit eine christliche Gemeinde wirklich eine Gemeinschaft wird, haben wir auch das Abendmahl. Ich habe hier einmal den Teller und den Kelch mitgebracht, wie er beim Abendmahl benutzt wird. Davon kann man nichtig essen und daraus kann man nichtig trinken. Wer miteinander ißt, der will ein Freund des anderen sein. In der -Familie sitzt man an einem Tisch und ißt gemeinsam. Und wenn man Geburtstag feiert mit seinen Freunden, dann gehören diese auch zur Familiengemeinschaft.

Und so feiert auch die christliche Gemeinde das Abendmahl, bei dem alle miteinander essen und trinken. Da fühlt man sich besonders miteinander verbunden. Und Jesus selber will unsichtbar mit dabei sein, will seiner Gemeinde von heute nahe sein und mit ihr Gemeinschaft haben. Er hat selber gewollt, daß wir nach seinem Tode

noch so zusammenkommen, wie die er mit den Jüngern und vielen anderen Leuten. Deswegen gibt es bis heute das Abendmahl in der Kirche.

Nun dürfen allerdings die Kinder noch nicht am Abendmahl teilnehmen, weil man da erst noch etwas besser verstehen muß, worum es geht. Aber ich habe mir etwas anderes ausgedacht: Der Bäcker hat lange dünne Weißbrote gebacken, die wir jetzt miteinander essen wollen. Die können wir leicht auseinanderbrechen. Jeder nimmt sich ein Stück, etwa so groß wie ein halbes Brötchen, und dann essen wir es alle hier an Ort und Stelle. Die Orgel spielt dazu Musik. Das ist dann ein Gemeinschaftsmahl, wie es schon die ersten Christen gefeiert haben. So wie sie wollen wir das Brot brechen und uns dabei als eine große Gemeinschaft verstehen.

 

IV Sie blieben beständig im Gebet“:

Zu diesem Punkt will ich nun nicht so viel erzählen, sondern wir wollen gemeinsam versuchen, ein Gebet zusammenzustellen. Im Gebet reden wir mit Gott. Wir danken ihm für alles, was er uns getan hat. Und wir bitten ihn um Hilfe bei den Schwierigkeiten, die wir haben. Aber wir wollen dabei auch nicht vergessen, daß noch andere Menschen da sind, die auch die Hilfe Gottes brauchen. Wenn wir beten, wollen wir auch sie in die Fürbitte einschließen (Gebetsanliegen werden gesammelt. Fürbitte für Religionsunterricht und Kindergottesdienst nicht vergessen, besonders nicht die Schulanfänger)

 

Fremdenführer: So mein Herrschaften, jetzt wollen wir weitergehen. Üblicherweise gibt man nach so einem Gottesdienst eine Spende am Ausgang der Kirche. Wofür ist sie denn heute bestimmt? (Pfarrer gibt Auskunft). Dann wollen wir also am Ausgang unseren Dank abstatten, indem wir etwas für die Durchführung solcher Gottesdienste geben. Dann also „Auf Wiedersehen“ und weiterhin „Gute Gemeinschaft“.

 

Auf das Liedblatt kann man das Bild von Helmut Uhrig zu Apg 2,42 abzeichnen und am Schluß des Teiles IV noch als Zusammenfassung besprechen. Dann hat jeder noch ein Andenken (eventuell auch Großbild in der Kirche).

 

 

 

Talente: 1. Kor 12, 1 2- 27

Anspiel (Darstellung der Lesung und des Predigttextes)

Mitwirkende: Drei Personen: „Hand“, „Fuß“, „Auge“, Jeder hat ein gut sichtbares Zeichen für seinen Körperteil umgehängt.

Hand (spielt mit einem Ball und legt ihn dann weg): Ist das heute wieder langweilig. Ball spielen macht auch keinen Spaß mehr. Was könnte man nur machen? (Pause). Ich hab es: Ich werde mir jetzt eine schöne Kuh auf einer grünen Wiese malen (malt auf eine Tafel, aber mit falschen Farben und alles verzerrt).

Fuß (stolpert herein und fällt, das Auge erschrickt): Auaaaah, schon wieder gestolpert (rappelt sich auf)

Hand (in falsche Richtung): Wer ist da?

Fuß (ebenfalls falsche Richtung): Ach Hand, du bist es sicher. Kennst du mich denn nicht mehr?

Hand: Du bist doch der Fuß.

Fuß: Ja, der arme Fuß

Hand: Wieso ‚armer Fuß‘? Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als Fuß zu sein und in der Welt spazierengehen zu körnen.

Fuß: Und immer wieder hinfallen! Neulich bin ich sogar in eine Pfütze gestolpert. Du hättest mich mal sehen können: von oben bis unten voll von Schmutz.

Hand: Wenn man dafür in der Stadt einen Einkaufsbummel machen kann! Oder auf die grünen Wiese gehen. Ich würde meine Kuh gern malen, wenn ich direkt auf der Wiese bin, nicht nur aus dem Gedächtnis.

Fuß: Das möchte ich ja auch gerne. Aber wie kann ich als Fuß malen? Das kannst nur du.

Hand: Das ist aber auch das Einzige. Ich glaube, daß ich sehr schön male. Wie findest du das Bild hier?

Fuß: Woher soll ich wissen, ob dein Bild gut oder schlecht ist oder ob du überhaupt eins gezeichnet hast? Ich bin doch nicht das Auge.

Auge: Aber ich! Es hat mir großen Spaß gemacht, dir zuzusehen, wie du die lila Kuh auf der roten Wiese gemalt hast. Aber als dann der Fuß hinfiel, habe ich doch einen ganz schönen Schreck bekommen. Fuß, du hättest ja brechen können. Als Fuß allein…..

Fuß: Ich könnte in einen Fluß fallen. Allein kann ich auch nicht schwimmen. Ich möchte lieber Auge sein, da sieht man wenigsten, wo man hingeht

Auge: Womit wolltest du denn als Auge gehen? Mit den Augenwimpern?

Hand: Am besten wäre, wir gehörten alle zu e i n e m Körper, wie die Kinder einen haben: Beine, Arme, Augen, alle auf einander angewiesen.

Fuß: Das hatte mir aber nicht gefallen. Wenn ich gern laufen wollte, mußte ich sitzen. Aber wenn ich meine Ruhe haben wollte, hieß es: Die Hände müssen noch arbeiten. Halte durch! Renne hin und her!

Auge: Damals wolltest du nicht mehr auf die anderen hören.

Fuß: Aber jetzt das ist viel schlimmer. Ich weiß nicht mehr, wozu ich laufe. Keiner freut sich‚ keinem nutzt es, auch wenn ich noch so trainiert bin.

Hand: Ich möchte daß wir wieder ein Körper werden. Dann können wir wieder alles

zusammen tun, jeder hätte eine Aufgabe.

Fuß: Kommt mit! (faßt die anderen an): Wir werden die anderen fragen. Es muß doch möglich sein, daß wir alle zusammen leben können: Nur gemeinsam sind wir ein lebendiger Körper!

 

Besprechung:

Der Körper eines Menschen besteht aus vielen Teilen. Kein Teil kann für sich allein leben, alle sind sie aufeinander angewiesen, jeder hat seine besondere Aufgabe.

Die Geschichte vom Körper und seinen Teilen steht in der Bibel. Paulus schreibt davon in einem Brief an die Gemeinde in Korinth. Er redet zwar von einem menschlichen Körper, meint aber eigentlich die christliche Gemeinde. Die Gemeinde besteht nämlich aus vielen Menschen, von denen jeder auf den anderen angewiesen ist und jeder seine besondere Aufgabe hat.

 

Tafelbild: (in der Mitte Platz lassen für ein Kreuz)

 

Ein Körper besteht aus            G                               Die Gemeinde besteht aus

vielen Teilen                            a                               aus vielen Menschen

                                                 b

  G e m e i n s c h a f t

Jeder Teil hat seine                  n                               Jeder Christ hat seine

besondere Aufgabe                                                   besonderen Gaben

 

Glaubensbekenntnis: (Einleitung)

Daß wir alle Arme und Beine ‚ Augen und Mund haben, das verdanken wir Gott, unserem Schöpfer. Er hat uns so geschaffen und will, daß wir unsere Körperteile gut und sinnvoll einsetzen. Er hat uns auch zur christlichen Gemeinde zusammengeführt und möchte, daß wir in der Gemeinde eine gute Gemeinschaft bilden. Wir wollen ihm danken und uns zu ihm bekennen mit einem Bekenntnis aus unserer Zeit:   

 

Predigt:

Die Gemeinde besteht aus vielen Menschen. Aber sie bleiben zusammen, weil sie Jesu Freunde sind. Alle sind sie „Leib Christi“. Christus hat keine Hände; er braucht unsere Hände‚ damit wir tun, was er getan haben will.

Wo Christen zusammenleben, soll es nicht wie in dem Spiel vorhin aussehen. Da war jeder für sich allein und keiner kam zurecht. Christus möchte, daß einer für den anderen da ist, so wie er seine Gaben ganz in den Dienst der Menschen gestellt hat.

Gott hat uns allen Gaben mitgegeben. Wir sollen sie nicht für uns selbst behalten, sondern anderen damit helfen und sie froh machen. Wenn wir zusammenstehen und jeder seine Gaben in die Gemeinschaft einbringt, dann leben wir im Sinne Jesu Christi.

(Tafelbild ergänzen durch die Worte „Gaben“ und „Gemeinschaft' kreuzweise zwischen die anderen vier Aussagen geschrieben).

 

Welche Gaben haben wir, die wir zum Wohle der Menschen und der Kirche einsetzen können? Wer hat alles mitgeholfen, diesen Gottesdienst zu gestalten?

Man muß nicht ein besonderes Talent haben, keine besonders herausragenden Fähigkeiten. Jeder kann irgendetwas. Und sei es noch so wenig. Und gering, es dient dem Ganzen.

Jeder fragt seinen Nachbarn, welche Gaben er hat. Dann werden Einzelne gefragt, was dabei herausgekommen ist.

Wo können wir außerhalb der Kirche unsere Gaben einsetzen? Christen helfen sich nicht nur untereinander. Jesus möchte, daß seine Freunde ihre Gaben dort nutzen, wo immer sie gebraucht werden. Wer von ihm Gaben bekommen hat, der hat damit auch eine Aufgabe.

 

Gebet:

Lieber Gott, lieber Herr Jesus Christus: Wir haben gehört, daß wir alle Gaben haben. Dafür danken wir dir! Wir wollen unsere Gaben so gebrauchen, daß es für uns und andere gut ist. Wir wollen zu keinem sagen: „Das kannst du nicht, du bist zu dumm!“ Laß uns merken: „Keiner ist überflüssig, jeder wird gebraucht. Wir wollen aber auch nicht neidisch sein, wenn wir sehen, was andere können. Laß uns trotzdem bereit sein, allen Menschen zu helfen. So hast du es uns ja vorgemacht.

Wir bitten dich für alle Kinder im Religionsunterricht, daß sie weiter vor dir lernen können und gerne kommen. Wir danken dir auch, daß wir in der Schule etwas lernen können. Sei doch auch bei denen, die Angst haben vor der Schule, daß sie doch alles schaffen.

Behüte vor allem die Kinder in der ersten Klasse, daß sie lernen können für ihr Leben und für ihren Glauben. Laß sie Gemeinschaft finden in deiner Gemeinde und Freude am gemeinsamer Tun. Sei bei Eltern und Geschwistern und bei uns allen, die wir von dir alles Gute erwarten.

 

Segen für die Schulanfänger: „Der Segen Gottes komme über euch und bleibe bei euch jetzt und immerdar!“

Vaterunser

 

Sendung und Segen für alle:

Wenn wir nach Hause gehen wollen wir drei Dinge nicht vergessen: Jeder von uns hat bestimmte Gaben und Möglichkeiten.

Gott hat sie uns geschenkt, damit wir anderen helfen und sie froh machen. Die Menschen, die Jesu Freunde sind, gehören zusammen; er selbst ist bei ihnen. Darauf können wir uns verlassen. Es segne und behüte euch Gott, der Allmächtige und Barmherzige, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

 

 

„Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt“: 1. Joh 3,1

Hinführung:

Zunächst wird ein „Wohnblock“ in der Kirche aufgebaut: Einige Bänke werden umgelegt und übereinandergesetzt. Aus Papier werden Fenster ausgeschnitten und angeheftet. Zwischenwände werden angedeutet (Trennwände). In dem so entstandenen Haus stellen sich die Spieler auf: Kind, Ehepaar, Großmutter.

Mar kann auch einzelne Häuser aus Karton basteln: Aus großen Kartons (sehr günstig sind Kühlschrankverpackungen oder ähnliches) werden Häuser gebaut, in die man hineinschlüpfen kann. Von außen werden sie schön mit Plakatfarbe angestrichen und mit Tür und Fenster, Dach und Schornstein versehen. Mit einem scharfen Messer wird ein Fenster so ausgeschnitten, daß ein Spieler bequem mit seinem Kopf hindurch paßt. Der Spieler wird also aus seinem Haus herausschauen und mit dem Haus laufen können. Von innen müssen Tragegriffe angebracht werden, damit der Spieler ungehindert sein Haus bewegen kann.

Für unsere Einleitungsszenen brauchen wir drei Häuser und vier Spieler. Daher muß ein Haus für zwei Spieler eingerichtet werden.

 

Spielszene:

Kind (zeigt auf seine Wohnung) Hier wohne ich mit meinen Eltern. Um halb sieben Uhr morgens stehe ich auf, damit ich pünktlich zur Schule komme. Mittag esse ich in der Schule, und anschließend geht es in der Schule weiter. Wenn ich nach Hause komme, dann sehe ich fern oder helfe meiner Mutter in der Küche. Oft gehe ich natürlich auch zu meiner Freundin (meinem Freund).       

 

Oma: Vierzig Jahre wohne ich jetzt in diesem Haus. Was ich da alles erlebt habe, gute und schlechte Zeiten. Was war das für ein Leben, als die Kinder noch klein waren. Jetzt sind sie alle verheiratet, und nur ganz selten kommen sie zu Besuch.

Besonders wohl fühle ich mich im Altenklub, da ist man nie allein. Alleinsein, das ist eine schlimme Sache. Aber wenn ich einmal länger fortgewesen bin, dann bin ich auch wieder gerne in meinen eigenen vier Wänden. (Zu dem Kind): Wenn du Zeit hast, kannst du mich ja einmal besuchen.

 

Kind: Ich weiß noch nicht, wir haben so viele Hausaufgaben. Und am Wochen­ende fahre ich doch immer mit meinen Eltern weg.

 

Oma: Da drüben das, das sind die Müllers. Die sind auch immer unterwegs. Morgens gehen beide zur Arbeit. Da sehe ich sie immer am Bus stehen. Und abends sind sie auch nie da. Ich möchte nur wissen, was die zu tun haben. Manchmal habe ich schon gedacht: Eigentlich könnten sie mich auch einmal mitnehmen. Aber die denken

Bestimmt. Was sollen wir mit dieser Alten?

Paar: „Jetzt waren wir fast jeden Abend zu Hause. Das habe ich langsam satt. Der Fernseher ist auch nicht in Ordnung. Das halte ich bald nicht mehr aus!“ - „Wenn du mir im Haushalt hilfst, dann haben wir es bald geschafft!“ - „Das könnte dir so passen (Das Haus gerät ins Wanken!).

 

Oma: Aua, da scheint ja Gewitterstimmung aufzukommen. Die sind zwar zu Hause; aber mir scheint, die sind doch nicht ganz zu Hause. Irgendetwas fehlt denen wohl. Ach, ich hätte fast vergessen: Heute ist der Altenklub ja zu, da werd ich mal zur Kirche gehen. Ich bin gespannt, wer sich da zu Hause fühlt (zu den Gottesdienstbesuchern) Ihr etwa, fühlt ihr euch hier wohl wie zu Hause?

 

Pfarrer: Die Frage ist ernsthaft gemeint: Fühlen Sie sich heute und hier zu Hause? Verstehen wir uns untereinander so, wie es unter Verwandten und Nachbarn üblich sein sollte? Fühlen wir uns wirklich als die Familie Gottes, wo einer die Gemeinschaft

des anderen sucht, wo man sich verträgt und für den anderen Zeit hat? Können wir gar nicht erwarten, bis wir die anderen wieder einmal sehen und mit ihnen den Gottesdienst feiern können? Ich jedenfalls freue mich, daß Sie zu diesem Familien­gottesdienst gekommen sind, und heiße Sie herzlich willkommen.

Hier in der Kirche wird uns ja immer wieder gesagt: „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater gezeigt, daß wir Gottes Kinder heißen sollen und es auch sind!“ Fühlen wir uns aber wirklich bei Gott zu Hause? Wissen wir überhaupt, daß er unser himmlischer Vater ist? Haben wir seine Liebe schon in unserem Leben verspürt? Fühlen

wir uns zu Hause wohl, fühlen wir uns in der Kirche wohl? Sind wir vielleicht in beiden Häusern zu Hause oder sind wir in keinem von beiden zu Hause?

Diesen Fragen wollen wir heute einmal nachgehen. Doch zunächst einmal wollen wir miteinander die Hände falten und…..beten:

 

Predigt:

Wir machen hier einer Familiengottesdienst. Aber sind wir wirklich eine Familie? Gewiß es sind viele einzelne Familien hierher gekommen. Und eine Familie pflegt ja zusammenzuhalten. Viele igeln sich einfach in ihrer Wohnung ein und sagen: Wir sind nur noch für uns da, die anderen gehen uns nichts an!

Aber hier in der Kirche sind wir doch - oder sollten es sein - eine große Familie, die sich aus vielen einzelnen Familien zusammensetzt. Wir wollen heute einmal unseren kleinen häuslichen Horizont verlassen und uns hineinstellen lassen in die große Gemeinde Gottes, die es nicht nur hier am Ort gibt, aber auch fast überall sonst in der Welt.

Eine Familie hat traditioneller Weise ein Oberhaupt, den Vater oder die Mutter oder beide. So ist auch Gott das Oberhaupt der christlichen Gemeinde. Er ist unser himmlischer Vater, der seine Menschenkinder so lieb hat, wie Eltern ihre Kinder lieb haben. Heutzutage spricht man allerdings auch von Partnerschaft in der Familie. Man bespricht die notwendigen Dinge gemeinsam und einigte sich über das Erforderliche. So sind wir als Menschen auch in gewisser Weise die Partner Gottes, wenn er auch immer das Oberhaupt bleibt und derjenige ist, dem wir alles verdanken.

Eine Familie hat eine Wohnung, wo sie mit einander lebt, wo man es sich gemütlich macht und wo man auch zum Teil miteinander arbeitet. Unsere Kirche ist so etwas wie die Wohnung der Gemeinde, wo man sich wohlfühlt, wo man miteinander spricht und singt, wo man sich auch gemeinsam im Gebet an Gott wendet. s ist gut, daß wir dieses Haus haben (und vielleicht noch ein Gemeindehaus dazu).

Eine Familie braucht Aufgaben. Wir denken dabei zunächst an die vielen Arbeiten innerhalb der Familie: Vater und Mutter verdienen das Geld für die Familie, es muß Essen und Kleidung herbeigeschafft werden, die Wohnung muß geheizt und saubergemacht werden. Auch die Kinder werden nach Kräften zu bestimmten Leistungen herangezogen, das ist ja ganz in Ordnung.

Aber es ist auch gut, wenn eine Familie für andere da ist: für Verwandte, für Bekannte, für Nachbarn, für Leute, mit denen man zufällig zu tun kriegt. Im 1. Johannesbrief steht: „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater gezeigt, daß wir Gottes Kinder sollen heißen und es auch sind!“ Wer die Liebe Gottes verspürt hat, der möchte auch, daß andere etwas davon abkriegen. Er wird nicht nur an sich selber denken, sondern auch andere in seinen Gesichtskreis mit einbeziehen.

Wer aber für andere da sein will, der muß sich erst selber einmal Kräfte schenken lassen. Deswegen blieb der zwölfjährige Jesus [Hier Erzählung, aber später noch einmal eigenes Thema] im Tempel; er wollte die einmalige Gelegenheit nutzen, gewissermaßen an der Quelle mit Gottes Wort vertraut gemacht zu werden. Er wollte ergründen, wie das mit der Liebe Gottes ist, von der die Schriftgelehrter damals nur wenig sprachen und die doch für die Verkündigung Jesu so wichtig werden sollte.

Auch heute noch nehmen viele Christen ihre Kraft aus der Tatsache, daß sie von Gott geliebt sind. So wie sich ein Kind zu Hause in der Familie wohl fühlt, so dürfen wir uns bei Gott geborgen wissen. Dadurch wird vieles im Leben leichter.

Als ein Pfarrer bei einer alten Frau war, um ihr das Abendmahl zu bringen, da sagte sie: „Ich will mich vorbereiten!“ In diesen Worten lag sehr viel Ruhe und Geborgenheit, keine Angst war zu spüren. Sie wußte sich getragen von der Liebe Gottes. Ihre Kräfte hatten nachgelassen, sie mußte im Bett liegen, ohne direkt krank zu sein. Aber sie wußte sich geborgen in Gott.

Oder da kommt ein Kind nach Hause und sagt: „Mutter, der Uwe und der Heiko haben gesagt, sie glauben nicht an Gott. Gell, wir glauben aber an Gott!“ Hinter dieser etwas bangen Frage steht die Erkenntnis, daß man einer Halt im Leben braucht. Und der Glaube an Gott gibt diesen Halt. Man spürt so ein leises Zittern heraus: Was wäre, wenn wir das nicht mehr haben. Und wieviel ist dem Kind geholfen, wenn die Mutter ruhig und bestimmt sagt: „Ja, wir glauben an Gott. Wir halten nicht nur als Familie zusammen, sondern wir sind hineingestellt in die große Familie Gottes!“

Daß das auch unsere Schulanfänger erfahren, darum können wir nur immer wieder bitter. Sie sind in eine größere Gemeinschaft gestellt, auch wenn sie in ihrer Schulklasse vielleicht ziemlich allein stehen. Wir alle dürfen immer wieder erfahren, daß Gott uns lieb hat. Für uns wird es darauf ankommen, in dieser Liebe drin zu bleiben. Das geschieht, indem wir zusammenkommen, indem wir Frieden untereinander halten, indem wir uns gegenseitig unterstützen. Die paar Minuten, die wir in der Woche für Gott aufwenden, nehmen uns nicht viel Zeit. Aber sie helfen uns, die andere Zeit besser zu nutzen. Man kommt mit seinem Leben besser zurecht, wenn man sich geborgen weiß bei Gott, wenn man sich wohl fühlt in der Gemeinschaft mit anderen Christen, wenn man anderen Menschen mit Liebe begegnet, die im Sinne Gottes ist. Heute am Beginn eines neuen Schuljahres wäre es gut, wenn wir uns so nichtig Lust machen ließen zum Besuch des Religionsunterrichtes und des Gottesdienstes.

 

 

Kind im Straßenverkehr                                                                            

Zum Beginn des neuen Schuljahres findet man in der Zeitung eine Reihe von Nachnichten, daß Kinder bei Verkehrsunfällen zu Schaden kamen. Das ist ein Anlaß, um auch hier im Gottesdienst auf dieses Thema einzugehen. [Aktuelle Beispiele nennen].

Diese Unfälle sollten erneut Veranlassung sein, daß die Eltern, und Erzieher entsprechenden verkehrserzieherischen Einfluß auf ihre Kinder ausüben. Dies ist umso notwendiger, als das neue Schuljahr unmittelbar bevorsteht und insbesondere die Schulanfänger hohen Anforderungen ausgesetzt sein werden. Aber auch die Erwachsene sollten aus den Unfällen entsprechende Lehren ziehen und auf nichtige Verhaltensweisen achten.

Wir aber wollen uns überlegen, wie wir es besser machen können. Und wir wollen in diesem Gottesdienst Gott bitten, daß er uns behütet und bewahrt, wo wir trotz aller Aufmerksamkeit doch in Gefahr geraten.

 

Zunächst wollen wir uns einige Verkehrsschilder ansehen [Eventuell Originalschilder vom Bauhof der Gemeinde besorgen]. Wir wollen die Bedeutung dieser Schilder angeben, darauf hinweisen, wo solche Schilder in unser Stadt stehen, und schließlich noch einen Spruch hören, der die Schilder als Hinweis auf Dinge unseres Glaubens auslegt:

 

1. Schild „Allgemeine Gefahrenstelle“: Dieses Schild mahnt die Kraftfahrer und Fußgänger zu besonderer Vorsicht. Hier handelt es sich meist um unübersichtliche Stellen, wo sich schon viele Unfälle ereignet haben.

 

2. Schild „Querrinne“: Dieses Schild weist auf eire Querrinne auf der Fahrbahn hin, ist also wichtig für Kraftfahrer und Radfahrer. Das Schild weist uns aber auch darauf hin, daß unser Weg durchs Leben nicht immer schön glatt und eben ist und daß wir auch im Straßenverkehr mit Schwierigkeiten rechnen müssen. Unser Gott will uns aber gerade dann beschützen und bewahren:

Ist der Weg schön glatt und eben,

fährt es sich gar leicht dahin.

Doch wenn Rinnen, Steine kommen,

geh' dies Wort uns durch den Sinn,

daß auch auf dem rauhen Pfad

Gott, der Herr, sein Kind bewahrt.

3. Schild „Vorfahrt auf der Hauptstraße beachten“:

Möchten wir auch überflügeln

manchen andern Wandersmann,

hält ein warnend Wort von oben

uns im Laufe gnädig an,

ruft uns freundlich mahnend zu:

Erst kommt er .. . und dann kommst du.

Vieles passiert im Verkehr, weil wir es zu eilig haben. Dabei ist durch die Zeichen genau geregelt, wer zuerst kommt und wer noch warten muß.

 

4. Schild „Stop! Anhalten! Hauptstraße hat Vorfahrt“ [Das beigefügte Bild zeigt noch das alte Schild, heute ist es ersetzt durch das Stopschild]. Noch dringlicher schärft uns das nächste Schild ein, daß der andere die Vorfahrt hat. Wo dieses Schild steht, muß jeder Kraftfahrer anhalten und der Radfahrer vom Fahrrad absteigen, auch wenn überhaupt kein anderer Verkehrsteilnehmer zu sehen ist. - So wie diese Schilder ruft uns auch manchmal Gottes Wort zu: „Halt, hier darfst du nicht weiter, sonst handelst du gegen Gottes Willen und schadest dir selber und deinen Mitmenschen:

Auf des Lebens Wanderstraße

droh'n Gefahren mancherlei.

Selig, wer das „Wort des Lebens“

als den Führer hat dabei!

Oft ruft es uns kräftig zu:

„Halte ein! Hier irrest du!“

 

5. Schild „Fußgängerüberweg“: Fußgänger sollten nur an dieser Stelle die Straße überqueren, vor allem die Kinder. Es ist besser, man läuft ein Stückchen weiter als daß man irgendwo schnell über die Straße rennt. Die Kraftfahrer müssen hier vorsichtig fahren, die Geschwindigkeit herabsetzen und notfalls anhalten.

Wenn nur das Schild vorhanden ist, haben die Kraftfahrer die Vorfahrt. Ein Fußgänger muß erst alle Autos vorbeilassen, ehe er hier die Straße überquert. Wenn aber eine ganze Gruppe die Straße überquert und es kommt inzwischen ein Auto an, dann muß es warten, bis alle über die Straße sind. Bei einem Zebrasteifen aber muß der Kraftfahrer auf jeden Fall anhalten, wenn sich ein Fußgänger dem Streifen nähert.

Kreuzen Menschen deine Pfade,

halten dich im Laufe auf,

lasse dich ja nicht beirren,

Wandrer, heb den Blick hinauf!

Nicht das Fleisch, der Geist allein

soll in uns der Herrscher sein.

Im Verkehr kommt es nicht auf Schnelligkeit und Kraft an, sondern auf die Überlegung und Ruhe. Ein Auto ist immer stärker als ein Kind. Aber es wird dann nicht gefährlich, wenn das Kind sich an die Spielregeln des Verkehrs hält und auch der Kraftfahrer in der Nähe der Kinder vorsichtig ist.

 

 

Wir wollen jetzt einmal in der Kirche über, wie man sich nichtig am Fußgängerüberweg und beim Überqueren der Straße überhaupt verhält. Der Quergang der Kirche ist die Straße, auf der ein Rollerfahrer kommt. In Höhe des Mittelganges steht das Schild „Fußgängerüberweg“. Dort überquert ein Kind die Straße. Es bleibt erst stehen, sieht dann nach links, schließlich nach rechts. Erst wenn aus beiden Kinderungen kein Fahrzeug kommt, geht das Kind über die Straße. Auch der Rollerfahrer wird über sein Verhalten am Überweg befragt.

Dann stehen zwei Geschwister am Überweg. Einer will losrennen, der andere hält ihn zurück. Schließlich wird nichtiges Überqueren gezeigt

Dann wird roch einmal die Aufgabe der Vorfahrtsschilder demonstriert. Der Unterschied zwischen Vorfahrtschild und Stopschild wird deutlich. Dabei wird der Mittelgang als Nebenstraße angenommen.

 

Erzählung: Apg 27

Paulus war erst ein scharfer Gegner der Christen gewesen. Dann aber hatte ihn Jesus Christus zu seinem Prediger und Gesandten gemacht. Paulus war ein Christ geworden und hatte nun selber manche Verfolgung seiner ehemaligen Freunde auszustehen. Schließlich hatte ihn die römische Polizei verhaftet. Er sollte nach Rom gebracht werden und dort vor ein Gericht gestellt werden. Mit einem Getreideschiff geht die Reise los. Viele Gefangene und ihre Bewacher sind mit auf dem Schiff.

Es geht schon auf den Winter zu. Da ist das Meer oft stürmisch und die Fahrt mit dem Schiff gefährlich. Als sie in einem Hafen auf der Insel Kreta liegen, warnt Paulus vor einer Weiterfahrt. Aber der Kapitän und der Schiffseigentümer hören nicht auf ihn. Doch kaum sind sie aus dem sicheren Hafen ausgelaufen, da bricht ein gewaltiger Stumm los, der sie von der Insel wegtreibt. Im Schutz einer kleinen Insel ist der Sturm etwas weniger heftig. Sie holen das Rettungsboot an Bord und. binden große Stricke um das ganze Schiff, damit es mehr Halt hat.

Doch bald darauf bricht der Sturm wieder los. Am nächsten Tag werfen die Seeleute einen Teil der Ladung über Bord, am Tag darauf die ganze Ausrüstung. Tagelang zeigen sich weder Sonne noch Sterne am Himmel. Der Sturm läßt nicht nach. Schon verlieren die Seereisenden alle Hoffnung. Niemand will mehr etwas essen.

Da erhebt sich Paulus und sagt: „Ihr hättet auf meine Warnung hören und in Kreta bleiben sollen. Dann wäre uns dies erspart geblieben. Aber jetzt bitte ich euch: Laßt den Mut nicht sinken, wir werden am Leben bleiben, nur das Schiff geht verloren. In der vergangenen Nacht erschien mir ein Bote des Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene. Er sagte mir: Habe keine Angst, Paulus, du wirst nach Rom kommen. Um deinetwillen wird Gott auch alle anderen retten, die mit dir auf dem Schiff sind! Also seid mutig, Männer! Ich vertraue auf Gott. Es wird schon alles so kommen, wie er es zu mir gesagt hat!“

Nach vierzehn Tagen stellen die Seeleute fest, daß das Meer flacher wird. Es scheint eine Insel in der Nähe zu sein. Um nicht an einen unterirdischen Felsen zu stoßen, werfen die Seeleute vier Anker aus. Dann gehen sie zum vorderen Ende des Schiffes. Dort aber wollen sie das Rettungsboot zu Wasser lassen und das Schiff heimlich verlassen. Paulus bemerkt es und macht die Soldaten darauf aufmerksam. Da hauen sie die Stricke durch und das Rettungsboot schwimmt davon. Jetzt müssen alle zusammenbleiben.

Dann sagt Paulus: „Ihr wartet jetzt schon vierzehn Tage auf Rettung und habt die ganze Zeit nichts gegessen. Eßt jetzt wenigstens etwas, denn das ist nötig, wenn ihr überleben wollt. Aber keiner von euch wird auch nur ein Haar von seinem Kopf verlieren!“ Dann nimmt Paulus selber das Brot, spricht ein Dankgebet vor allen Leuten und beginnt zu essen. Da bekommen auch die anderer wieder Mut und essen mit. Anschließend werfen sie das restliche Getreide über Bord, um das Schiff leichter zu machen.

Als es hell wird, sehen sie eine Bucht mit einem flachen Strand vor sich. Die Seeleute wollen das Schiff dort auf Grund setzen: Se schneiden die Ankertaue durch und setzen ein kleines Segel. Das Schiff fährt auf die Küste zu, die Spitze rammt sich in einer Sandbank fest und das hintere Ende bricht ab.

Die Soldaten wollen die Gefangenen töten, damit keiner entkommen kann. Aber der römische Hauptmann verhindert es, weil er Paulus retten will. Einige springen ins Wasser und schwimmen an Land. Die anderen suchen sich einige Bretter zusammen und paddeln auf ihren ans Ufer. So werden alle gerettet. Sie sind auf der Insel Malta angekommen und werden von den Bewohnern dort freundlich aufgenommen. Paulus wird nun doch nach Rom kommen können.

 

Predigt:

1.Wir sind nicht allein, wenn wir uns in den Straßenverkehr begeben. Dieser Verkehr wird immer dichter, immer mehr Autos und andere Kraftfahrzeuge werden zugelassen. Aber die Straßen werden nicht breiter oder besser gesichert. Bis überall Ampeln, Fußgängerschutzwege oder Brücken angebracht sind, wird schon noch einige Zeit vergehen.

Aber jeden Morgen müssen unsere Kinder über die Straße, oftmals auch über gefährliche Straßen. In einem großen Teil des Jahres ist es dabei noch dunkel und die Kinder sind leicht noch verschlafen. Die Kinder der ersten Klasse sind da besonders gefährdet. Sie können den Verkehr noch nicht so nichtig einschätzen, sind oft unaufmerksam           und lassen sich leicht anstecken von dem, was andere tun.

Dennoch müssen die Eltern sie gehen lassen. Sie können nicht jeden Morgen mit den Kindern gehen. Der Schutz der Eltern muß aufhören und die Kinder müssen selbständig werden. Aber die Kinder sollen wissen: Gott geht mit ihnen! Er will sie behüten und bewahren auf den Wegen ihres Lebens, auch im Straßenverkehr.

Früher hatte man dazu die Vorstellung vom Schutzengel, der über dem Kind wacht. Aber wer ist damit anders gemeint als Gott, der seine Hand schützend über unsere Kinder hält? Gewiß kommen viele Kinder im Verkehr zu Schaden. Wenn von Verkehrsunfällen die Rede ist, dann handelt es sich dabei ja nicht nur um Autofahrer, sondern auch um eine große Zahl Fußgänger und darunter wieder besonders viele Kinder.

Aber wir sollten auch sehen, wie viele Kinder doch vor einem ernsthaften Verkehrsunfall bewahrt worden sind. Oder wenn sie zu Schaden gekommen sind, dann ging es doch noch einigermaßen glimpflich ab. Wenn ein Autofahrer noch rechtzeitig bremsen konnte, als ein Kind plötzlich über die Straße lief, hat der Junge nur Glück gehabt oder hat nicht Gott seine Hand schützend über ihn gehalten?

Unsere Kinder sollen sich ohne Hast und im Vertrauen auf Gottes Schutz auf den Straßen bewegen können. Die Eltern dürfen ihre Kinder der Hilfe Gottes anvertrauen. Und sie dürfen auch einmal mit ihren Kindern dafür beten, daß alles gut geht und dem Kind nichts passiert.

 

2. Wir sind nicht allein, wenn wir in der Schule lernen. Mit dem Beginn der Schule beginnt der Ernst des Lebens, sagt man. Nicht jedes Kind ist den Anforderungen der Schule gleich gewachsen. Gott hat jedem Menschen andere Gaben mitgegeben. Bei dem einen sind sie gut entwickelt, bei anderen müßten sie noch viel mehr gefördert werden.

Wir sollten uns darüber im Klaren sein, daß nicht jedes Kind ein Mathematikprofessor oder Schriftsteller werden kann. Aber jedes Kind wird schon seinen Platz in der Welt finden. Jeder Beruf und jede Tätigkeit dient dem Wohl der Menschen. Es gibt keine besseren und schlechteren Berufe. Wie die Lage heute aussieht, so werden in Zukunft wieder mehr Arbeiter in der Produktion gebraucht. Also sollte niemand meinen, diese Arbeit sei minderwertig und sein Kind müsse unbedingt etwas Besseres werden.

Gott hat jedem bestimmte Gaben mitgegeben und jedem seine Aufgabe zugedacht. Er begleitet auch das Leben unserer Kinder in der Schule. Er möchte, daß sie bestmöglich gefördert werden. Aber sie wollen nicht zu Lernmaschinen werden und aus falsch verstandenem Ehrgeiz der Eltern innerlich ins Unglück getrieben werden. Wer Vertrauen zu Gott hat, der weiß auch, daß er seinen Weg durchs Leben mit der Hilfe Gottes gehen wird.

 

3. Wir sind nicht allein, wenn wir wegen unsres Glaubens Schwierigkeiten haben.

[Predigt aus der Situation der damaligen DDR heraus: Die Eltern der Schulanfänger sagen oft: „Mein Kind soll zwar zum kirchlichen Unterricht gehen. Aber ich möchte auch nicht, daß ihm deswegen ein Stein in den Weg gelegt wird! Mit anderen Worten: Wenn es Schwierigkeiten geben sollte, dann soll das Kind nicht mehr dorthin gehen. Diese Angst der Eltern ist natürlich eine Folge des seit 1971 immer mehr verschärften Kampfes der Schule gegen den kirchlichen Unterricht. Doch diese Angst ist sicher übertrieben. Bekanntlich sind seit 1974 einige Dinge wieder zurückgeschraubt und zurechtgebogen worden. Von Vertretern des Staates wird uns immer wieder versichert: „Es gibt keinen Kirchenkampf. Staat und Kirche sind getrennt. Es darf in der Schule nicht nach dem religiöser Bekenntnis gefragt werden und spielt auch keine Rolle!“

Allerdings ist diese Grundlinie nicht immer von allen strikt eingehalten worden. Dann werden Auseinandersetzungen nötig, vor denen wir uns nicht scheuen sollten. Dabei sind wir nicht allein. Die Kirche tut, was sie kann. Es sind andere Eltern da, die das Gleiche wollen; und wir haben unseren Gott, der uns in den Nöten unseres Glaubens beschützen will].

Es ist heute nicht mehr so leicht, sich zu Gott und zu Jesus Christus zu bekennen. Früher war das einfacher, als alle zur Kirche gehörten und der Staat der Kirche freundlich gesinnt war. Aber schon der Apostel Paulus hat es nicht leicht gehabt. Erst war er ein erbitterter Verfolger der Christen gewesen. Aber dann hatte ihn Jesus zu seinem Boten gemacht, er war selber ein Christ geworden und zog als Abgesandter seiner Gemeinde durch die Lande. Nun gehörte er zu der Verfolgten und Angefeindeten.

Dennoch wollte er unbedingt nach Rom kommen, in die Hauptstadt des Reiches, um auch dort von Christus zu predigen. Als Gefangener wird er auf die gefährliche Seereise geschickt und wäre beinahe vor der Küste der Insel Malta umgekommen. Aber Gott hat ihn und die anderen gerettet, weil er ihn noch in Rom braucht. Gott verläßt keinen, der sich zu ihm hält.

Paulus tut alles Menschenmögliche, um sich und die anderen zu retten. Er verhindert, daß die Seeleute mit dem Rettungsboot das Schiff verlassen. Er redet auf die Mitreisenden ein, daß sie nicht den Mut verlieren und besonnen bleiben. Aber er weiß auch, daß er die Rettung allein Gott verdankt. Deshalb ist er von vornherein guter Zuversicht und dankt Gott im Gebet, ehe er etwas zu essen zu sich nimmt.

Das gilt aber nun auch für die Nöte und Sorgen, die wir uns heute machen. Wir können unsere Kinder noch so sehr zur Vorsicht im Straßenverkehr ermahnen und alles mit ihnen üben. Aber letztlich beschützen muß sie Gott allein. Wir können noch so sehr mit unsren Kindern für die Schule üben und sie zur Aufmerksamkeit auffordern: In der Schule sind sie dann auf sich allein gestellt und brauchen auch für ihre Leistungen der Beistand Gottes. Und wir können uns in Glaubensdingen noch so sehr unserer Haut wehren und auf unsere Rechte pochen: Daß wir im Glauben fest bleiben können, ist ein Geschenk Gottes.

Der kirchliche Unterricht soll eine Hilfe sein, dieses Geschenk immer mehr zu erkennen. Unser unerschrockener Einsatz ist auf allen Lebensgebieten notwendig. Aber das Gelingen muß Gott dazu geben. Er aber hat uns versprochen, daß er uns helfen will. Seit unserer Taufe dürfen wir das ganz sicher wissen. Deshalb sollten wir auch

auf diese Zusage Gottes vertrauen und ohne Angst unseren Weg gehen: auf der Straße, in der Schule, im Beruf, in der Kirche und überhaupt in unserem ganzen Leben.

 

Schluß:

Nach den Abkündigungen wird das Verkehrsspiel noch einmal aufgenommen. Jetzt sollen die Kinder das gruppenweise Überqueren der Straße üben. Alle Kinder einer Klasse versammeln sich im Mittelgang und kommen in den Altarraum. Eine Mutter führt sie über der Überweg. Alle bleiben schön zusammen und überqueren rasch die Straße. Dies sollte auch geübt werden, weil die Kinder von der Schule zu einem Kindernachmittag in das Gemeindehaus abgeholt werden sollten.

Als sie aber über die Straße sind, rennen einige schon los in Richtung Gemeindehaus. Sie werden zurückgerufen, alle müssen zusammen bleiben, weil nachher noch eine andere Straße kommt. Einige haben sich auch verspätet. Die größere Gruppe ist schon drüber, die anderen wollen schnell hinterherrennen. Sie werden angehalten. Sie müssen erst links und rechts schauen und wenn nichts kommt, dürfen sie gehen.

Danach werden die Kinder der ersten Klasse herausgerufen, die alle einzeln zu dem Kindernachmittag im Gemeindehaus kommen sollen. Sie müssen alle zeigen, daß sie die Straße nichtig überqueren können.

Wenn alle Kinder sich im Altarraum versammelt haben, werden auch die Eltern nach vorne gebeten. Es folgen eine kurze Ansprache, Gebet und Einsegnung.

Die Kinder erhalten das Heftchen „Biblisches ABC“ und eine Karte zum Schulanfang, die Kinder beim Überqueren der Straße zeigt; auf der Rückseite steht ein Gebet, das von der Taufe ausgeht und vom Schutz Gottes für die Kinder spricht.

Ich bin getauft auf deinen Namen

Wie alle Kinder, die zu dir kamen,

bei dir bin ich geborgen

am Abend und am Morgen.

Bei dir laß mich nun bleiben.

Es soll mich nichts vertreiben.

Lieber Gott, mit deiner Kraft

hast du mir diesen Tag gebracht.

 

Zusatzmaterial:

Christenpflicht im Verkehr

Verantwortung für den Nächsten.

Gott schuf die Menschen zu seinem Ebenbild. Er gab uns die Erde, daß wir sie uns untertan machen dürfen. Und dazu gehört auch die Straße, die Autobahn, der Verkehr auf denselben. Dieses Untertanmachen gilt aber nicht nur mir. Nicht ich allein bin der Beherrscher der Straße. In all diesen Bereichen sollte ich niemals den Nächsten, den anderen übersehen. Wir sind uns nicht selbst überlassen. Auch im Straßenverkehr gilt die uralte Gottesfrage: „Mensch, wo bist du, wie und wo bewegst du dich. Wie fährst du? Wo ist dein Bruder?“

Und die Antwort? Gas geben, weg, was interessiert mich der andere - oder herabbeugen. aufmerksam und rücksichtsvoll herabbeugen zu dem, der vielleicht unter die Räder kam?

Unsere Verantwortung gilt der Welt und der Gesellschaft. in der wir leben. Trotz aller modernen Straßen, Hinweise, Verkehrsanlagen und Sicherheiten und der gegebenen Freiheit, die ein Motor uns schenkt, steht für Christen die Aufforderung: „Du sollst Deinen Nächsten lieben, wie dich selbst!“

Dieser Anruf ist eine Verantwortung vor Gott, eine Verpflichtung gegenüber dem Nächsten, für mein Verhalten in dieser modernen Welt und Gesellschaft. Die Straßen, unser Fahrzeug, sind Mittel und Teil der Beherrschung des Lebens und der Welt. Ob dies zum Segen, zum Frieden und zur Freiheit auf der Straße wird. liegt an uns. Straßen und Fahrzeuge können dazu dienen, Entfernungen schnell zu überwinden, können aber auch zum Chaos werden.

Unsere Verantwortung im Straßenverkehr - Ort der Bewährung unseres Glaubens.

Straßen und Autobahnen sind heute weithin die Lebenslinien einer modernen Welt, zugleich aber auch ihre Todeslinien. Jährlich gibt es über 3.000 Verkehrstote. Der Motor, die Straßen vermitteln schnelle Eindrücke, oft leider voller Unruhe und Hast, verbunden mit einer Kontaktlosigkeit gegenüber der Umwelt. Wir fahren, wohnen, leben isoliert in einem Raum über dem Motor. Anonym durch eine Nummer am Fahrzeug gezeichnet. Und oft wird diese „Nummer“ nach der Stärke des Motors begutachtet und die Vorfahrt dementsprechend beurteilt. Diese oft üble Tatsache sollte Christen zu denken .geben. Trotz Mobilität und Anonymität auf der Straße und im Fahrzeug, hier ist das Übungsfeld des Glaubens. Statt Chaos - Ordnung! Statt Krieg auf der Straße - Friede und Freude! Echter Verkehrssinn sollte zur verantwortlichen Verkehrsgesinnung führen. Es fährt neben uns nicht nur eine unbekannte „Nummer“, sondern ein Mensch wie du und ich. Und diese „Nummer“ ist wie du, bekannt bei Gott!

Dies alles möchte uns helfen, gerade in den Sommermonaten und in der Urlaubszeit zu erreichen, daß diese Monate eine schöne und dankbare Erinnerung bleiben.

Wir sollten nicht nur am Wochenende und im Urlaub „Kilometer fressen“, sondern einmal stoppen vor einer Kirche und hineingehen und nachdenken über das Geschenk des Motors, der guten Straßen, des schönen Wochenendes und des schönen Urlaubs. Sollen Gott danken und ihn bitten um unfallfreies Fahren und Bewegen auf den modernen Lebenslinien des Alltages. Und wenn wir das Schild lesen an den Straßen: „Aufmerksam und rücksichtsvoll“ bedenken: „Ich bin dabei!“ Gott ist es auf alle Fälle. am Tage, in der Nacht, am Wochenende und auch im schönen Urlaub.

 

Der zunehmende Verkehr, besonders an den Wochenenden und in der Urlaubszeit, sollte uns Christen besonders die Verantwortung erkennen lassen: Vorfahrt beachten, aber das Leben hat stets Vorrang! Ein christlicher Verkehrsteilnehmer hat einmal erklärt: Ich frage mich oft, ob wir das Jesuswort heute nicht auch so zu hören haben: „Ich bin euch im Straßenverkehr begegnet, und ihr habt mich nicht gesehen“ (Matt. 25,31 ff.). Wenn man dieses Wort einmal so bedenkt, dann kommen nicht nur die Autotypen an uns vorbei: im anderen Wagen sitzt auch ein Mensch mit dem Gesicht unseres Bruders oder unserer Schwester!

 

Aufmerksam und rücksichtsvoll

Wie man hört, haben die Engländer einen wesentlich stärkeren Autoverkehr als wir, dafür haben sie weniger Verkehrsregeln, zumindest handhaben sie ihre Regeln anders als wir. Das erstaunliche Ergebnis: Die Zahl der Unfälle ist dortzulande relativ gering. Was ein echter Gentleman ist, für den versteht sich eben von selbst. Aufmerksam und rücksichtsvoll - ich bin dabei!“

Wir sind keine Engländer, also auch keine Gentlemen. Wir sind oft Ellenbogenmenschen mit Stoßstangengesinnung, „My car is my castle“ (mein Auto ist meine Burg), das Recht ist auf meiner Seite und die Hupe in einer Hand. Wenn wir Vorfahrt haben, dann fahren wir auch vor, mag da vorbeifahren, wer da will. Und wenn uns einer in die Quere kommt, wer einen Fehler macht, dem zeigen er mal ordentlich den Vogel, dem Dussel, soll doch zu Hause bleiben, der Sonntagsfahrer. Nur wenn wir aber mal, ganz aus Versehen, zu weit vorgefahren sind und die Kreuzung blockieren, wenn wir der Pechvogel sind, dem der Vogel gezeigt wird, dann brummeln wir: „Kann doch jedem einmal passieren, muß der mir deswegen gleich den Vogel zeigen, der Dussel?“ Der Dussel ist jedenfalls immer der andere.

Anders wird die Sache nur, wenn wir uns ändern. Nicht auf Rücksichtnahme pochen, wenn wir der Verkehrssünder sind, und ansonsten rücksichtslos Gas geben, wenn wir im Recht sind. Was heißt überhaupt: Recht? Der andere hat auch ein Recht, ein Recht auf unsere Rücksichtnahme. Das aber läßt sich nicht in Paragraphen formulieren.

Fingerspitzengefühl ist Herzenssache, und egal, ob Sie einen Drei- oder Viertakter fahren: Wenn Sie nicht mit Herzenstakt fahren, sind Sie kein guter Autofahrer, sondern ein moderner Kain. Kain besitzt heute einen Führerschein. Und wenn Sie schon nicht rücksichtsvoll gegen Ihren Bruder Abel im Polo oder Corsa sein wollen, dann seien Sie es wenigstens gegen sich selbst, gegen Ihre eigenen Nerven, Ihre eigene Gesundheit.

Überlegen Sie mal: Jeder erzwungene Vorteil (selbst wenn Sie im Recht sind), jedes gewagte Überholmanöver bringt Ihnen einige Sekunden, bei längeren Strecken und längerer Fahrzeit einige Minuten Vorsprung ein. Wenn Sie wieder hinter dem nächsten Laster herschleichen, hat Sie meistens der, den Sie eben noch riskant überholt haben, auch schon wieder eingeholt. Ihr Vordermann ist jetzt Ihr Hintermann, das ist das einzig Neue an der Situation, ansonsten sind Sie aber auch nicht weiter. Der Kampf geht oft wirklich nur um eine Autolänge, ein paar Minuten.

Und jetzt meine Frage: Was machen Sie eigentlich mit den so zäh, schwer und riskant erkämpften Minuten? Sie hängen schlaff im Sessel, schlagen die Beine über­einander und die Zeit mit belanglosen Gesprächen tot und warten, bis der Kaffee kommt. Sie wären bestimmt nicht gerade vor Durst gestorben, wenn Sie Ihren Kaffee zehn Minuten später getrunken hätten. Aber Sie wären gerade fast gestorben, als Sie in letzter Sekunde vor dem Umschalten der Ampel noch schnappab über die Kreuzung zischten. Sie haben Ihr Leben aufs Spiel gesetzt, als Sie trotz Gegenverkehr den lahmen Polo überholten. Lohnt sich das?

Die Spielerei mit dem Gaspedal kann Mord oder Selbstmord oder beides bedeuten. Kain erschlug seinen Bruder mit der Keule. Der moderne Autofahrer tötet seinen Bruder mit der Fußspitze - ein bißchen zuviel Druck aufs Gaspedal, und schon gibt's einen Verkehrsunfall. Ladies and Gentlemen. Fußspitzengefühl ist Herzenssache. Der beste Autofahrer ist nicht der, der am schnellsten vom Fleck kommt. sondern der, der das Herz am rechten Fleck hat. Und das ist eben nicht immer dort, wo ich im Recht bin, sondern wo ich rücksichtsvoll bin (Theo Lehmann).

 

Gebet beim Verkehrsunfall

Herr, gerade habe ich gesehen, wie wieder die Straße ein Opfer forderte. Immer schlimmer wird das. Herr, ich bitte dich für den Menschen, der verunglückt ist, für das Kind, den Jugendlichen, die Frau, den Mann oder die alte Frau. Herr, ich bitte dich für die vielen Menschen, die um die Unfallstelle herumstanden und hinsahen. Laß sie doch erkennen, daß wir nicht dafür auf der Welt sind, nur das Böse zu betrachten,

sondern auch dem Bösen zu wehren. Amen.

 

Gebet im Auto

Mit dir, Herr, will ich mich jetzt in den Wagen setzen, du kennst die Straßen und Wege, die ich zu fahren habe, du kennst die Kilometersteine der Fahrtroute. Du weißt auch, daß viele Leute unvernünftig fahren. Laß mich nicht unvernünftig sein, laß mich höflich sein den Fußgängern und Radfahrern gegenüber. Laß mich nicht zum Mörder werden. Ich möchte gesund das Ziel meiner Fahrt erreichen und gesund wieder zurückkehren. Dein Wille, Herr, geschehe auf meiner Fahrt. Amen (Gottfried Hänisch).

 

Herr, wer ist mein Nächster?

Eine wahre Begebenheit, berichtet von Reinhold Fritz Grosser

An sich ist das, was da bei einem kleinen Ort geschehen war, nichts anderes als das. was man Tag für Tag in den Zeitungen lesen kann: ein Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang. Also etwas, was man - leider, leider! - längst zu den Alltäglichkeiten zu rechnen gewöhnt ist.

Es hatte sich um einen Zusammenprall zwischen einem schweren Lastwagen und einem Personenauto gehandelt. Obwohl der Fahrer des Lastwagens sofort mit aller Kraft bremste, war das Unheil nicht aufhalten. Der Zusammenstoß war so heftig, daß der Fahrer des Personenautos auf der Stelle tot war.

Dann wickelte sich alles ab, wie in solch traurigen Fällen üblich: die Verkehrspolizei sperrte die Unfallstelle ab und sicherte die Spuren. Eine Verhandlung wird folgen vor Gericht, um die Schuldfrage zu klären. Nur so viel ließ sich feststellen, daß den Fahrer des Lastwagens an dem tragischen Unfall keine Schuld traf - aber wie das Unglück zustande kam, wie es möglich war, das blieb ein Rätsel. Und es erscheint auch zweifelhaft, daß da dem Gericht eine Klärung gelingt.

Aus dem nahen Dorf war auf die Kunde von dem Unfall auch der Pfarrer gekommen. Er sprach ein kurzes Gebet für den Toten. Das war alles, was er noch tun konnte. Sehr nachdenklich trat er den Heimweg an. Das Bild der traurigen Trümmerstätte und des schlimm zu gerichteten Toten war noch vor seinen Augen. Und auch das Bild des Lastwagenfahrers, den auch die eindeutigen polizeilichen Feststellungen, daß ihn an dem Unfall nicht die geringste Schuld treffe, nicht zu trösten vermochten.

 

Die Polizei war, nachdem sie ihre Aufgaben erfüllt hatte, wieder abgerückt. Aber der Lastwagenfahrer irrte immer noch verstört in der Gegend umher. Ob Schuld oder nicht - er kam nicht über die Tatsache hinweg, daß er an einem Unglück beteiligt war, durch das ein Menschenleben jäh ausgelöscht wurde.

Und da er, im Leben ein herzhafter, fast schon ein rauher Mann. dennoch eine em­pfindsame Seele hat und wahrhaft gläubig ist, wurde er sich in diesen Stunden bewußt, daß die Last dieses Todesfalles, so schuldlos er daran auch war, zeitlebens auf ihm lasten würde.

Ein paar Stunden später klopfte es an die Tür des Pfarrers des nahen Dorfes. Ein Mann stand draußen und bat, den Pfarrer sprechen zu dürfen. Als sich die beiden Männer gegenüberstanden, bedurfte es keiner Vorstellung mehr; sie hatten sich vor ein paar Stunden erstmals gesehen, doch unter Umständen, die man niemals vergißt. Freundlich bot der Pfarrer seinem Besucher einen Platz an

 Aber der blieb Stehen. „Herr Pfarrer, das ist doch alles so furchtbar, so entsetzlich: Der Mann ist tot - und ich war beteiligt. Das ist so schwer für mich“, stieß der Lastwagenfahrer hervor. Der Geistliche suchte ihn zu beruhigen7 „Aber Sie können doch wirklich nichts dafür, Sie sind vorschriftsmäßig gefahren, das hat ja auch die Polizei bereits festgestellt.“ Aber die Worte wirkten nicht. „Dennoch, ich muß etwas tun, Herr Pfarrer, bitte nehmen Sie diesen Geldbetrag für die Hinterbliebenen des Toten!“

 

Mir scheint, daß diese wahre Begebenheit wert ist, geschrieben - und gelesen zu werden. Hier hat einmal ein Mensch bei einem „alltäglichen“ Geschehen anders gehandelt, als es ansonsten in solchen Fällen üblich ist. Das Wissen um seine eindeutige Schuldlosigkeit an dem tragischen Unfall genügte dem Lastwagenfahrer nicht: der Tote, ihm völlig unbekannt, war gleich ihm selbst ein Kind Gottes, und darum fühlte er die innere Verpflichtung, Gutes zu tun. „Herr, wer Ist mein Nächster?“ Der Lastwagenfahrer hat mit seiner Handlung bewiesen, daß er die Antwort wußte. Er kann vielen ein Vorbild sein ...

 

Bewährung des Christseins im Straßenverkehr als Thema des Religionsunterrichts

Was im Straßenverkehr täglich und stündlich geschieht, wird von vielen immer noch nicht wichtig genug genommen. Mancher meint, die Fragen des Verkehrs gehörten in eine banale und profane Sphäre und gingen daher den Verkündiger des Evangeliums und damit auch den Religionslehrer verhältnismäßig wenig an. Eine solche Auffassung ist kaum zu begreifen. Wo es um das Leben des Mitmenschen geht, da darf der Christ nicht unbeteiligt bleiben.

In unserer Zeit vollzieht sich das große Sterben auf den Straßen. Krieg, Naturkatastrophen, Seuchen - das sind mögliche Gefahren, denen es nach menschlichem Ermessen zu begegnen gilt. Das Sterben auf den Straßen aber ist furchtbare gegenwärtige Wirklichkeit. Es ist brennender als alles andere. Mehr als 40 Menschen finden täglich auf den Straßen der Bundesrepublik den Tod [aktuelle Zahlen?]. Viele Hunderttausende werden in jedem Jahr verletzt ein großer Teil von ihnen verkrüppelt und bleibt für immer arbeitsunfähig. Das bedeutet Schmerzen, Not und Trauer für weitere Hunderttausende, ja für Millionen. Denn bei allen Unfällen sind ja immer auch die Angehörigen betroffen. Das geht jeden Christen etwas an!

Wer am Steuer eines Autos sitzt, verfügt über Gewalt. Solange er diese Gewalt seiner Führung unterzuordnen vermag, wird sich kein Unheil zutragen. Wenn er aber die Gewalt nicht mehr beherrscht, bringt sie ihm und anderen Verderben und Tod.

Der Mensch am Steuer eines Autos hat Macht. Macht übt auf den Menschen einen gefährlichen Reiz aus. Es drängt ihn, seine Macht zu beweisen, zu steigern, zu mißbrauchen. Die Versuchung ist groß, weil er sich in der Anonymität befindet. Er ist dem Mitmenschen auf der Straße gegenüber nicht Fritz Müller oder wie er sonst heißen mag, sondern er ist „der blaue Mercedes“, der „den roten VW“ in unsinnigem Tempo überholt, weil er es „dem mal zeigen will“. Wären die beiden Menschen am Steuer der beteiligten Wagen einander namentlich bekannt oder könnten sie sich nur in Ruhe in die Augen sehen, hätte also einer vor dem anderen ein Ansehen zu verlieren, so würden beide sich wahrscheinlich sehr viel vernünftiger benehmen. Aber die Anonymität des Steuers beseitigt die heilsame Hemmung, die sich aus der Frage ergibt, was der andere wohl dazu sagen werde. Die Macht kann sich frei austoben; und während der Mann am Steuer seinen Machtrausch noch genießt, ist ihm unmerklich schon die Macht entglitten, die unheimliche Gewalt der todbringenden Maschine hat sich seiner Beherrschung entzogen und rast mit ihm dem Verderben entgegen. Macht wird dem Menschen immer dann zum Verhängnis, wenn sie nicht mit Verantwortungsbewußtsein verbunden ist. Je größer, je gefährlicher die Macht ist, die ihm in die Hand gegeben ist, um so klarer, um so tiefer gegründet müßte sein Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem Mitmenschen und der Gemeinschaft sein.

Alle Sachverständigen sind sich darüber einig, daß dem Unheil auf der Straße durch technische Verbesserungen - Einbau von Sicherungen an den Wagen selbst, Ausbau des Straßennetzes und ähnliche vorbeugende Maßnahmen - oder durch verschärfte Strafandrohungen nur unzureichend zu begegnen ist. Wirklich besser werden kann es nur durch eine andere Verkehrsgesinnung“, durch eine Vertiefung des Verantwortungsbewußtseins und des mitmenschlichen Empfindens.

In der irdischen Rechtsprechung geht es um den Tatbestand, vor Gott geht es immer um die innere und äußere Haltung, die möglicherweise einen bestimmten Tatbestand zur Folge haben kann. Nicht erst daß ich einen Menschen überfahre, wiegt vor Gott, sondern daß ich mich gedankenlos und leichtsinnig genug verhalte, und dadurch möglicherweise' den Tod eines Mitmenschen zu verursachen. Ich werde vor Gott schuldig durch meinen Mangel an mitmenschlicher Verantwortung, durch das zu geringe Ernstnehmen des Lebensrechtes meiner Mitmenschen, durch meinen Mangel an Nächstenliebe.

Die todernste Frage aus der uralten biblischen Geschichte von Kain und Abel ist heute an jeden leichtsinnigen Verkehrsteilnehmer Gerichtet, die Frage Gottes: „Wo ist dein Bruder Abel?“ Wo ist der Mitmensch, für den du mir verantwortlich bist? Die Ausrede Kains, er sei ja nicht dazu da, seines Bruders Hüter zu sein, gilt nicht vor Gott. Sie gilt für uns alle nicht.

Daß beispielsweise die Verkehrsteilnehmer zwischen 16 und 22 Jahren mehr Unfälle verursachen als alle Jahrgänge über 22 zusammen, ist ein Tatsache, die dem Jugendlichen klarmachen kann, wie sehr es hier gerade um seine Sache geht. Das Wort ,,Verkehrsunfall“ ruft in den jungen Menschen meist einseitig die Vorstellung verunglückter Kraftfahrer hervor; demgegenüber ist es ungemein wichtig, daß unter insgesamt 4262 Toten 562 Motorradfahrer, 357 Mopedfahrer und 397 Radfahrer, vor allem aber auch 1596 Fußgänger waren! Zu dieser Sparte von Verkehrsteilnehmern gehören unsere Jugendlichen selbst. Daß der Zahl der Toten die zehnfache Zahl von Schwerverletzten gegenübersteht u n d die dreißigfache Zahl an Verletzten überhaupt macht erst das ganze Ausmaß des Unheils auf den Straßen deutlich.

Häufig neigen leichtsinnige junge Verkehrsteilnehmer irrtümlicherweise dazu, die Hauptursache der vielen Unfälle in der Beschaffenheit unserer Straßen und ähn­lichem zu suchen und sich selbst so von der Verantwortung zu entlasten. Demgegenüber muß betont werden, nur 4 Prozent der Unfälle auf unzureichende Straßenverhältnisse, 3 Prozent auf technische Fehler an Fahrzeugen und 1 Prozent auf Witterungserscheinungen zurückzuführen waren, alle übrigen auf rnenschliches Versagen, in erster Linie auf überhöhte Geschwindigkeit und sonstiges verantwortungsloses Verhalten.

Eindringlich ist aber auch die Mitteilung, daß alle vier Minuten ein Mensch in der Bundesrepublik auf der Straße zu Tode kommt und alle paar Sekunden einer verletzt oder verkrüppelt wird. Dadurch entsteht im Hörenden der Eindruck: „Jetzt, während ich hier in der Schule sitze. stirbt irgendwo einer durch einen Verkehrsunfall.“ Die Zahl wird aktuell, sie wird gegenwärtig.

Da wäre etwa die Erzählung von dem Allzueiligen, der jemanden, den er gern hat, von der Bahn abholen will. Er hat sich verspätet, mit oder ohne Schuld. Er muß sich zuhause noch schnell umziehen, die Zeit wird immer knapper. Er will den erwarteten Besuch nicht enttäuschen. über einen Menschen, an dem ihm gelegen ist, vergißt er die anderen, die ihn auch etwas angehen. Er fährt zu schnell um eine Kurve, will einem unerwartet entgegenkommenden Lastwagen ausweichen, verliert die Gewalt über sein Fahrzeug und gerät auf den Bürgersteig. Wenige Minuten später blickt er auf zwei Tote, die er überfahren hat; er sieht sie jetzt und wird sie immer sehen, solange er lebt: eine Frau und ein Kind, blutig, entstellt.

Ein anderes Beispiel erzählt von einem Lehrling, der bei seinem Ausbildungsleiter eine „schlechte Nummer“ hat, weil er ihm mehrfach in ungeschickter Form widersprochen hat und außerdem schon zweimal zu spät zur Arbeit gekommen ist. Da hat er wieder den Wecker überhört. Der Ausbildungsleiter hat ihm angedroht, daß er bei der nächsten Verspätung für eine schwere Bestrafung sorgen werde, möglicherweise für die Lösung des Lehrverhältnisses. Seine Zukunft steht auf dem Spiel. Er hat nur noch wenige Minuten Zeit. In wenigen Augenblicken ist er angezogen. Zum Frühstücken bleibt keine Zeit.

Das Fahrrad wird aus dem Schuppen gerissen. Dann rast er los. Er sieht nicht mehr rechts noch links. Er fährt bei Rot über die Kreuzung, da hat er noch Glück. Aber wenige Augenblicke später kommt aus der Nebenstraße von rechts ein Lieferwagen, er hat keine Zeit, auf Vorfahrt zu achten, er rast weiter, er muß es schaffen, es geht um seine Zukunft. Aber er rast nur noch eine Sekunde. Der Lieferwagen streift ihn am Hinterrad, er stürzt und reißt im Fallen eine andere Radfahrerin mit zu Boden, die mit dem Kopf auf den Bordstein schlägt. Ihm selbst ist nicht viel geschehen, aber die andere liegt regungslos am Straßenrand. Kann man ihm einen Vorwurf machen? Ging es nicht um seine Zukunft? Konnte er hier noch Rücksicht nehmen? Daß er es mußte und warum er es mußte, warum er selbst unter diesen Umständen die Verantwortung für den Mitmenschen nicht außer acht lassen durfte, ist den jungen Menschen klarzumachen.

Es ließen sich manche ähnliche Beispiele anführen, etwa auch das Beispiel von dem jungen Mann am Steuer, der nach einer Tanzerei in einem Waldlokal ein Mädchen neben sich hat, das sich zu seiner maßlosen Freude von ihm und nicht von einem anderen, dessen ständiges Werben er seit Monaten beobachtet hat, nach Hause fahren läßt. Während der Fahrt durch die Nacht beginnt das Mädchen mit leisen Zärt­lichkeiten und wartet offenbar darauf, daß sie erwidert werden. Als dies nicht geschieht, macht das Mädchen in seiner unbedachten Enttäuschung einige spöttische Bemerkungen. Der Junge am Steuer sagt, daß er jetzt aufpassen muß, es kommen Wagen entgegen, es sind Radfahrer auf der Straße. Die Antwort ist ein Lachen. Und endlich der aufreizende Satz, sie hätte wohl doch lieber mit dem anderen fahren sollen, der sei wenigstens ein Kerl, und ähnliches mehr. Wird er fest bleiben? Wird er begreifen, daß er mit diesem Mädchen nichts verliert?

Das Entscheidende ist die rechte Verkehrsgesinnung, das rechte, unbeirrbare Verantwortungsbewußtsein für den Mitmenschen. Wichtiger als alles andere ist das Ernstnehmen der Situation im Straßenverkehr. Im Ernstfall der Straße gilt es zu bewähren, daß man Mensch ist, ja: daß man Christ ist. Daß auch wichtigste eigene Anliegen, daß auch die Zukunft. die auf dem Spiel stehen mag, oder die Zuneigung eines anderen Menschen nicht vom Ernstnehmen des Mitmenschen auf der Straße und der Verantwortung für ihn und sein Leben entbinden können, das muß mit aller Eindringlichkeit gesagt werden.

 

Furcht begegnet im Straßenverkehr in verschiedenen Formen:

1. Da ist zunächst die Furcht vor der äußeren Gefahr. Sie tritt am deutlichsten bei al­­ten Menschen in Erscheinung. Viele alte Menschen haben Angst vor der Straße. Es kostet sie einen Entschluß, sie zu überqueren. Daß solche Angst nicht grundlos ist, braucht kaum mehr besonders deutlich gemacht zu werden. Die Angst macht den Menschen unsicher und erhöht die Gefahr. Das gilt nicht nur für alte Menschen. Es sitzt mancher am Steuer eines Wagens, der unsicher ist, weil er sich vor der Fülle der Fahrzeuge, die ihn umflutet, und vor dem Wirbel der Geschwindigkeit ängstet. Er gibt es nur nicht gern zu, auch vor sich selbst nicht. Er ist aber unsicher, denn er hat Furcht; und damit erhöht sich die Gefahr.

2. Die zweite Form, in der Furcht auf der Straße eine Rolle spielt, ist die Sorge um die eigene Geltung. Man hat Angst, nicht als „Kerl“ angesehen zu werden. Es könnte geschehen, daß andere über einen lachen, wenn man sich weigert, die Geschwindigkeit zu steigern, wenn man vorsichtig und rücksichtsvoll fährt. Man hat Angst, als ängstlich zu gelten. Diese Furcht wird vom jungen Menschen im Allgemeinen nicht als solche erkannt; es ist aber besonders wichtig, ihm die Angst vor dem Urteil der anderen als Schwäche einsichtig zu machen. Der Angeber handelt aus Furcht, das kann der Jugendliche begreifen. Wer auf der Straße rast, wer sich über bestehende Vorschriften hinwegsetzt, wer gewagte Überholungen riskiert oder wer als Fußgänger in Sekundenschnelle zwischen zwei Autos über die Straße läuft, um auf solche Weise anderen zu imponieren, der handelt aus Furcht. Wer in sich sicher ist, der wird sich auch nichtig und verantwortungsvoll verhalten.

3. Die dritte Äußerung der Furcht ist die Angst vor Strafe. Wieweit ist dem Sterben auf der Straße durch verschärfte Strafbestimmungen beizukommen? Werden die Menschen rücksichtsvoller, vernünftiger fahren, wenn sie für schuldhaft verursachte Unfälle einige Monate länger ins Gefängnis kommen? Ist der drohende Entzug des Führerscheins eine hemmende Sicherung gegen leichtsinniges Fahren? Kann Furcht vor der Strafe das Unheil bannen? Es darf nicht geleugnet werden, daß der Strafandrohung tatsächlich Bedeutung beizumessen ist. Umso eindringlicher ist zu sagen, daß man mit Strafen allein das Unheil von unseren Straßen nicht beseitigen kann. Der Furcht vor der Strafe steht immer die optimistische Erwartung entgegen, nicht „erwischt“ zu werden. Wie viele entgehen immer wieder einer Anzeige, die sie verdient hätten!

Wer sich Gott anvertraut, der hat die Angst überwunden. Anstelle der Furcht wird ihn umso stärker und bestimmender die Liebe erfüllen, das mitmenschliche Empfinden, das Bewußtsein der Verantwortung für den Nächsten. Wer Jesus wirklich begegnet ist, der kann nicht mehr ohne Liebe sein. Wo einer im krassen Egoismus beharrt, da kann er noch so oft den Namen Jesu im Munde führen, er ist ihm dennoch fern, er kennt ihn nicht. Er hat von seinem Geiste keinen Hauch verspürt. Christsein heißt Bruder, heißt Mitmensch sein. Es kommt also darauf an, daß wir uns von der

mitmenschlichen Liebe Jesu, von seinem Geist der Liebe erfüllen und bestimmen lassen. Es kommt an auf die echte, wirkliche Begegnung mit ihm und seinem Wesen. Es kommt an auf die Bereitschaft, seinen Geist in uns wirken zu lassen.

Vielleicht wird hier ein Einwand laut werden. Die jungen Menschen könnten sagen, es nütze doch wenig, wenn sich einige von diesem Geist erfassen und bestimmen lassen, während die große Mehrheit der Menschen und damit auch der Verkehrsteilnehmer so bleibt wie sie ist. Darauf läßt sich erwidern, daß man nur bei sich selber anfangen kann, daß es viel bedeutet, wenn eine Minderheit eine bestimmte Haltung unbeirrt vorlebt. Außerdem dürfen wir sagen, daß der Geist aus eigener Kraft vom einen zum anderen weiterwirkt, daß eine Gesinnung ansteckend ist - im Guten wie im Bösen - und daß Gott mit seinem Geist nicht nur an uns, sondern durch uns an anderen wirken will. Ist es uns doch aufgetragen, „Licht der Welt“ zu sein und „unsere guten Werke“ - in diesem Falle: unser verantwortungsbewußtes, mitmenschliches Verhalten auf der Straße - „leuchten zu lassen vor den Menschen“, damit sie „unsere guten Werke sehen“ und „unseren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16).

 

 

Die Bibel - Das Buch der Bücher                            

Einstieg:

Eie Lehrerin kommt mit einem Schulranzen voller Schulbücher in die Kirche. Sie beginnt auszupacken, die Bücher vorzustellen und sich auf die Schule zu freuen. Auch ein Religionsbuch ist dabei: „Ach ja, Religionsunterricht ist ja auch wieder!“

Der Pfarrer kommt dazu und interessiert sich auch für die Bücher: „Seid froh, daß ihr Bücher haben könnt!“ Er hat ein ganz kleines Buch mitgebracht und ein ganz großes, eine alte Altarbibel: „In der Bibel stehen die Geschichten‚ die in der Kirche und im Religionsunterricht erzählt werden!“

Im Altarraum ist eine Bilderbibel aufgebaut, das heißt einzelne Bilder zu biblischen Geschichten. Sie werden nacheinander besprochen und dabei wie eine Buchseite herumgeklappt. Die Bilder im Einzelnen:

1. Die Sintflut: Bild beschreiben, Geschichte kurz erzählen.

2. Abraham und Isaak: Gott kann manchmal auch Schweres von den Menschen verlangen, aber er hilft dann auch wieder.

3. Durchzug durchs Meer: Ausführliche Erzählung durch eine Kindergottesdiensthelferin

4. David. und Goliath: Der Kleine steht dem Großen gegenüber.

 

Erzählung zu 2. Mose 13 - 17 (i.A.):

In der Bibel steht im ersten Teil die Geschichte des Volkes Israel, was dieses Volk alles mit seinem Gott erlebt hat. Besonders spannend und beeindruckend ist ein Ereignis, bei dem das Volk ganz besonders die Hilfe seines Gottes erfahren hat. Das wer, als sie Sklaven in Ägypten waren und ausbrechen wollten, um die Freiheit zu erlangen. Der ägyptische König wollte sie immer wieder nicht abziehen lassen. Aber schließlich war es ihnen doch gelungen, über die Grenze zu kommen, ein ganzes Volk, mit Frauen und Kindern, mit Zelten und Lebensmitteln.

Es ist eine beschwerliche Reise, denn zunächst geht es nach Osten durch die Wüste. Vor ihnen ist ein Meeresarm. Das 7asser ist sicher nicht so besonders tief, aber mit den Kindern und dem Gepäck kommen sie nicht hindurch. Sie ziehen am Ufer entlang, immer mehr nach Südosten, aber nirgends ist ein geeigneter Übergang zu finden. Was sollen sie nur machen?

Aber Gott ist dennoch bei ihnen. Den Israeliten kommt es so vor, als ginge er direkt vor ihnen her: Tagsüber verhüllt von einer Wolke und nachts in einer Feuersäule. Der Weg erscheint ihnen rätselhaft, den sie geführt werden. Aber sie gehen ihn doch und schauen zu Gott auf, der in ihrer Nähe ist.

Doch inzwischen ärgert sich der ägyptische König schon wieder, daß er die Israeliten hat fortziehen lassen. Er ruft seine Berater zusammen und sagt: „Warum haben wir das zugelassen? Jetzt werden sie uns nicht mehr dienen!“ Es wird beschlossen, die Israeliten zu verfolgen. Eine ansehnliche Streitwagenabteilung wird losgeschickt, der König selber aber ist nicht dabei.

Als die Israeliten sich gerade lagern wollen, um sich einmal auszuruhen, da ertönen gellende Schreie: „Die Ägypter; da hinten die Staubwolke, sie kommt näher und näher!“ Sofort Ist wieder alle Zuversicht dahin. Nun sehen sie nur noch auf die Feinde und nicht mehr auf Gott. Und da kommt auch gleich die Angst. Sie sind ja machtlos. Was können sie schon gegen das wohlgerüstete Heer des Königs?

Aber Gott ist bei ihnen, deshalb werden sie nicht untergehen. Deswegen sagt Mose zu ihnen: „Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was Gott jetzt tun wird. Gott wird euch helfen. So wie ihr die Ägypter jetzt seht, so werdet ihr sie nicht wiedersehen. Gott wird für euch streiten. Ihr aber könnt gar nichts dazu tun, ihr könnt nur stille sein!“

Inzwischen ist es Nacht geworden. Die Wolke tritt zwischen die Israeliten und die Ägypter. Die Feuersäule ist in dieser Nacht nicht zu sehen. Es ist unheimlich dunkel. Keiner wagt, durch das Dunkel zwischen den Lagern hindurchzureiten.

 Am Morgen aber erschreckt Gott die Ägypter aus der Wolke heraus. Es ist, als ob er sie aus der Wolken- und Feuersäule anblickt, o daß sie ganz verwirrt werden. Plötzlich ist auch das Feuer wieder da. Die Ägypter wissen gar nicht, was sie tun sollen. Sie rufen voller Angst: „Laßt uns fliehen vor Israel, denn ihr Gott streitet für sie gegen uns!“

Doch sie laufen nach der falschen Richtung, mitten ins Meer hinein. Gott der Herr „schüttelt“ sie ins Wasser - heißt es - und sie müssen alle umkommen. Israel konnte gar nicht so schnell begreifen, was geschehen war: Sie sehen nur, wie die toten Ägypter ans Meer gespült werden. Sie erkennen sofort: Das war eine Machttat unseres Gottes. Nur schweigend und erschrocken können sie das alles über sich ergehen lassen.

Auf einmal entdecken sie auch eine Stelle, wo das Wasser nicht so tief ist. Voller Freude können sie ans andere Ufer ziehen. Miriam, eine der Frauen, nimmt eine Pauke, die anderen Frauen folgen ihr und tanzen und singen das Siegeslied: „Laßt uns dem Herrn singen, denn er hat eine herrliche Tat getan. Roß und Mann hat er ins Meer gestürzt!“

 

Predigt: (dabei die beiden letzen Bilder sichtbar lassen)

Ein Gefühl wie der kleine David wird vielleicht mancher Schüler haben, wenn die Schule wieder losgeht oder die Schule erst für die Schulanfänger beginnt. Doch ein Lehrer oder eine Lehrerin ist nicht wie ein Riese, der den Kleinen nur Angst einflößt. Die Lehrer bemühen sich, den Kindern etwas beizubringen, damit sie die Welt besser verstehen und in Gebrauch nehmen können.

Wie schön ist es für die Kinder in der ersten Klasse, wenn sie zu Weihnachten schon manche Bücher wenigstens stellenweise lesen können?! Wie schön ist es, wenn man Singen und Malen kann, wenn man Sprachen lernen kann und etwas erfährt über der Himmel, die Tiere und Pflanzen, über technische Geräte.

Schlimm ist es jedoch, wenn ein Lehrer sowie der Riese Goliath unseren Gott zu verhöhnen beginnt oder einem Schüler Schwierigkeiten macht ‚ weil er zum Beispiel ein Kreuz um den Hals trägt oder ein christliches Buch dabei hat. Der Lehrer ist ja immer überlegen und kann einem Schüler sehr schaden.

Dann ist es gut ‚ wenn wir im Vertrauen auf Gott so wie David auftreten, uns nicht einschüchtern lassen und auf unserem Glauben beharren.

Gott wird uns helfen, so wie er den Israeliten am Meer geholfen hat. Es ist nicht mehr selbstverständlich, ein Christ zu sein und zu Religionsunterricht zu gehen. Aber verbieten kann es uns niemand.

Im Gegenteil: Wir müßten erst einmal all die Möglichkeiten ausnutzen, die wir haben. Nicht alle Kinder kommen zum Religionsunterricht oder zum Kindergottesdienst, längst nicht alle Erwachsenen nehmen die Angebote der Kirche wahr.

Deshalb laden wir immer wieder ein, weil Gott ja einlädt. Er hat sich sogar zu den Menschen aufgemacht in seinem Sohn Jesus. Von ihm erzählt das letzte Drittel der Bibel, das Neue Testament. Dazu sehen wir noch die letzte Seite in unserer Bilderbibel:

5. Die Weisen aus dem Morgenland: Sie lassen sich rufen, um das Jesuskind zu sehen und anzubeten.

Machen wir es ihnen doch nach, lassen wir uns erzählen von Gott und von Jesus, beten wir zu ihm und lassen uns helfen, so wie er vielen Menschen vorher geholfen hat.

 

 

 

 

K i r c h e n j a h r

 

Macht auf die Tür: Joh 10,9                                                                                               Advent

Vorarbeit:

Den Kindern wurden Postkarten ohne Briefmarken mitgegeben. Sie werden gebeten, auf die urbedruckte Seite ihre Haustüre aufzumalen und die Karte zum Gottesdienst mitzubringen. Im Gottesdienst werden Sie dann aufgefordert, die Karte noch mit

einer Anschrift und Einladung zu versehen und irgendjemand zu den Gottesdiensten an Heiligabend einzuladen.

 

Beginn:

An diesem Sonntag ist die Kirchentüre lange verschlossen. Die Glocken läuten schon, aber immer noch nicht ist aufgeschlossen. Einige versuchen es an der Emporentüre und an der Seitentüre. Schließlich kommt der Pfarrer mit dem Schlüssel und schließt auf. Endlich können alle in die Kirche. Sie ist hell erleuchtet und schön warm. Die Orgel erklingt mit einem festlichen Vorspiel.

Der Pfarrer merkt sich einige Leute, die draußen haben warten müssen, um sie nachher zu befragen. Es wird dann gewartet bis 10 Uhr, bis alle da sind, und der Gottesdienst beginnt mit dem Eingangslied.

 

Einleitung:

Einige sind heute nicht gleich in die Kirche hineingekommen, weil die Tür noch verschlossen war. Sie werden sich geärgert haben. Draußen ist es kalt und windig. Endlich wurde aufgemacht. In der Kirche war es warm und hell, der Adventskranz brannte, der Altar war festlich geschmückt, die Orgel hat gespielt.

So ist Advent: Eine Tür tut sich auf, man kommt nach Hause, man kann feiern. Gerade wenn man erst einmal draußen gestanden hat, dann weiß man, wie schön es ist, hineinzukommen. In dem eben gesungen Lied „Lobt Gott ihr Christen“ wird auch deutlich, was es bedeutet, wenn Gott die Türen aufmacht und uns wieder nach Hause kommen läßt. Mit einem Gebet wollen wir Gott danken, daß er sich zu uns aufgemacht hat und immer wieder zu uns kommen will:

 

Gebet:

Herr, unser Gott! Es ist Advent! Draußen ist es dunkel, finster und kalt.

Danke für das Licht, für die Wärme, für die Menschen, die uns gern haben.

Danke, Herr, daß du in unsere dunkle und kalte Welt gekommen bist. Amen.

 

 Draußen:

Von draußen klopft einer laut an die Seitentür der Kirche. Wer ist das?

Jemand der zu spät kommt! 

Der Nikolaus? Das Christkind?

Jemand der Hilfe braucht!

Vielleicht brennt es irgendwo.

Jemand der mitfeiern will.   

Jemand der stören will.

Jemand der mithören will, was wir hier sagen.

Macht einer die Türe auf oder haben wir Hemmungen?

Mancher sitzt mitten in der Bark und kommt schlecht raus.

Man weiß ja nie, was der da draußen will:

Vielleicht will er nur unsere schöre Stimmung stören.

Wenn ich ihm nun aufmache, bin ich es gewesen der an allem schuld war.

Aber der da draußen friert vielleicht. Oder er braucht uns dringend.

Oder er möchte einfach nur dabei sein und mit uns feiern.

Wenn wir Jesus nichtig verstanden haben, dann werden wir jedem die Tür öffnen, ganz gleich in welcher Absicht er kommt. Der verspätete Besucher wird hereingelassen und gibt eine kurze Erklärung ab, vielleicht ein kleineres Kind, das die Tür nicht allein aufgekriegt hat. Es kann auch noch einmal deutlich machen, wie schlimm es ist, wenn man draußen stehen muß.

 

Bildbetrachtung: Herbert Seidel: Der Prediger in der Wüste (1953)

Herbert Seidel wurde 1906 geboren und war zunächst als Modelltischler tätig. Aber er benutzte alle freie Zeit, um sich als Maler zu betätigen. Er gestaltete Landschaftsbilder von starkem farbigem Ausdruck.

Während der Kriegsgefangenschaft malte er die Lagerkapelle aus. In dieser Zeit vollzog sich seine Wandlung zu biblischen Stoffen. Seither bemüht er sich um sie, vor allem mit Mitteln der Graphik. Er will dem modernen Menschen deutlich machen, daß die Botschaft der Bibel uns Heutigen gilt. Er sucht seinen Linien Spannung und Dynamik mitzugeben, die im Wort der Schrift lebendig sind. Nie ist eine Linie zu viel vorhanden. Nur die Botschaft soll hervortreten, ihr wird alles untergeordnet. Damit hängt die starke Aussagekraft der Bilder Herbert Seidels zusammen, der heute als freischaffender Künstler in Berlin lebt.

 

Die Umgebung:

Wir blicken in eine enge Gasse, die leicht gebogen ist und sich nach vorne leicht senkt. Von ober fällt Licht hinein. Aber doch bleiben die Häuser tief dunkel. Nur durch einige weiße Striche sind Fenster und Türen und Hausabsätze angedeutet. Die Haus­wand rechts ist zerborsten und das Dach zersplittert - ein Hinweis auf Bomben­schäden (das Bild entstand 1953). Und doch recken sich die Splitter des Daches wie eire Hand in das Licht hinein, als riefen sie zum Himmel. Es herrscht höchste Einsamkeit, nichts bewegt sich, kein Lebewesen ist zu sehen die Häuser scheinen ausgestorben zu sein, alles ist kalt und tot. Gibt es denn kein Leben in dieser Stadt?

 

Die einsame Gestalt:

Eine helle Gestalt kommt einsam durch die Gasse geschritten. Hat man Türen und Fenster eilig vor ihr verschlossen? Aber es müssen doch Menschen hinter den Fenstern sein! Vor einer winkligen Haustür hält die Gestalt im Schreiten inne und bleibt stehen. Sie hebt sich in ihrer Helligkeit leuchtend vor der dunklen Hauswand ab. Das zeitlose Gewand ist betont schlicht gehalten. Der Körper erscheint schmal und abgezehrt. Der Gesichtsausdruck ist nicht erkennbar. Aber er ist uns zugewandt bzw. der Tür. Er scheint an der Tür geklopft zu haben. Seine Hand liegt auf der Klinke Seine Gestalt drückt gespannte Erwartung aus. Er ist bereit hineinzugehen. Er will sich den Menschen zuwenden, ganz für sie da sein und sie mit seiner Gegenwart beschenken. Er klopft nicht energisch, wird nicht nervös, ist nicht zornig, weil man nicht öffnet. So ist nur einer den Menschen zugewandt: Jesus Christus!

 

Das Verhalten der Menschen:

Jesus ist das Licht, das in die Finsternis scheint. Die Menschen in den Häusern aber haben ihn kommen sehen und Türen und Fenster vor ihm verschlossen. Er will etwas von ihnen, aber sie wollen nichts mit ihm zu tun haben .Er verlangt, daß wir uns ändern sollen, aber wir wollen uns nicht in unserer Ruhe stören lassen. Ehe sie ihn einlassen, beschimpfen sie ihn eher und bewerfen ihn mit Schmutz (darauf deutet das Abwasserrohr rechts vorne). Die unregelmäßigen Linien des Kopfsteinpflasters wirken wie ein Netz, das das Weitergehen verhindert. Jesus geht den schweren Weg hinab, den Weg zum Leiden, das schon damit begann, daß er nicht aufgenommen wurde. Hier bleibt wirklich einer „Draußen vor der Tür“ (so ein anderer Titel dieses Bildes). Er ist der verlorene und ausgestoßene Mensch, der äußerlich und. innerlich eingeklemmt ist zwischen den hohen Wänden, die auf ihn zu stürzen drohen .Die Äußerlichkeiten spiegeln den inneren Zustand des Mannes, der Symbol ist, für viele Menschen in den großen Städten, aber auch für den Menschen schlechthin.

 

Aber auch die Steinwüsten der Städte sollen nicht ohne die frohe Botschaft bleiben. Auch die hier lebenden Menschen werden von Gott angerufen. Der Trost in dieser kahlen Straße liegt in der Gestalt des Rufers, der die Freudenbotschaft von Gott bringt. Seine Stimme ertönt unaufhörlich an allen Orten, auch heute. „Das Licht scheint in der Finsternis“.

Aber das Bild enthält auch eine Mahnung. Die Gasse öffnet sich nach dem Vordergrund zu, sie kommt auf uns zu. Jesus wird weiterschreiten und auch uns erreichen. Vor unsrer Tür wird er warten, daß ihm aufgetan wird. „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an!“ Werden auch wir seine Stimme überhören wie die Menschen auf diesem Bild? Die Entscheidung liegt bei uns. Er drängt sich nicht auf. Seine Stimme ruft uns heraus aus Bequemlichkeit, Eigensucht, Schläfrigkeit. Sie ruft uns zum Heil: „So jemand meire Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir!“

Er begegnet uns auch heute in Mitmenschen, die sind oftmals so unscheinbar sind, daß wir sie nicht bemerken und auch ihn nicht:

Er ist in dem Mitschüler, der um Hilfe bei den Hausaufgaben bittet.

Er ist in dem Kind in unserer Straße, das einen zum Spielen braucht.

Er ist in dem Jugendlichen, der auf der Straße herumgammelt oder in den Kneipen nach einem Sinn für das Leben sucht

Er ist in dem Ehepartner, der auf Zeit für ein gutes Gespräch wartet.

Er ist in dem alten Menschen, der jemand braucht, der ihm zuhört.

 

Erste Spielszene:

In der Kirche ist eine nichtige Tür mit Rahmen aufgebaut. Einer läutet bei seinem Nachbarn, der den Fernseher zu laut laufen läßt (echtes Fernsehgerät hinstellen und laufen lassen):

A.: Entschuldigen Sie, könnten Sie nicht Ihren Fernseher etwas leiser machen. Unsere Kleine schläft schon.

B.: Leiser machen? Er ist nicht laut!

A.: Man hört es aber durch die Wand!

B.: Bei uns läuft der Fernseher nie laut! Ganz im Gegensatz zu anderen Leuten!

A.: Meinen Sie etwa uns?

B.: Wenn Sie sich betroffen fühlen, habe ich nichts dagegen.

A.: Das ist unverschämt!

B.: Unverschämt? Und wer ist unverschämt, daß er seine Kinder am Sonntag in aller Herrgottsfrühe schon Krach machen läßt? Und wer rennt mit Gebrüll die Treppen hinunter? Und Sie sagen „unverschämt“! (knallt die Tür zu)

Die Orgel intoniert: „Macht hoch die Tür...“

 

Zweite Spielszene:

Ein Spendensammler klingelt an der Tür:

A.: Guten Tag, ich möchte um eine Spende für die Kirche bitten!

B.: Was, Sie sind schon wieder da?! Immer diese Bettelei!

A.: Aber Sie gehören doch zur Kirche und sollten auch mit zu ihren Unkosten beitragen.

B.: Das Leben ist so teuer geworden. Überall kostet es etwas: Steuer, Sozialversicherung, Gewerkschaft, Verein - und dann auch noch die Kirche. Was soll ich denn alles noch zahlen?

A.: Die Kirche ist immer noch das Billigste. Aber Ihr kleiner Beitrag hilft eben doch viel.

B.: Ja, wenn es für die Sozialstation wäre oder für die Heime, das wäre noch etwas anderes. Man kann ja auch einmal krank werden und die Pflegerinnen oder so ein Heim brauchen. Aber für die Kirche sollen diejenigen zahlen, die sie dreckig machen.

A.: Das Geld wird aber gebraucht!

B.: Ja, daß die Pfarrer Auto fahren können! Wer bezahlt mir denn ein Auto?

A.: Es wird bei jeder Ausgabe sehr sorgfältig überlegt, ob sie notwendig ist. Es müssen auch Zwecke unterstützt werden, die nicht so im Licht der Öffentlichkeit sind, zum Beispiel die Entwicklungshilfe.

B.: Die Kaffern sollten erst einmal so arbeiten wie wir, dann ginge es ihnen längst besser. Aber von dem Geld goldene Himmelbetten kaufen für ihre Weiber, das können sie. Also von mir kriegen Sie nichts, heute nicht und in Zukunft auch nicht. Ich habe es jetzt satt! (knallt die Tür zu)

Die Orgel intoniert: „Macht hoch die Tür“.

 

Pfarrer:

Immer wieder werfen Menschen die Tür zu. Sie wollen sich dadurch von dem anderer abgrenzen, wollen in Ruhe gelassen werden, wollen bestimmten Anforderungen ausweichen .Aber eine Tür, die einmal zugeworfen wurde, läßt sich nur schwer wieder öffnen.

Die Adventszeit aber macht uns darauf aufmerksam, daß Gott die Tür zu den Menschen weit aufgestoßen hat. Er möchte, daß auch wir die Tür zu anderen Menschen aufmachen. Die Adventszeit ist eine Zeit der Besinnung und der rechten Vorbereitung auf Weihnachten. Da könnten wir überlegen, wo noch Türen zu anderen Menschen verschlossen sind, die wir unbedingt öffnen müßten. Davon handelt auch das bekannte Lied: „Macht hoch die Tür!“

 

Sprecher (stellen sich in die Tür und sprechen zur Gemeinde):

(1) Es gibt Türen, die kenne ich gut. Hinter ihnen wohnen Menschen, die ich gern habe. Sie sind meine Freunde und freuen sich, wenn ich komme. An diesen Türen möchte ich oft klingeln, an ihnen klopfe ich immer wieder und besuche meine Freunde.

(2) Vor manchen Türen zögere ich, ehe ich auf den Klingelkropf drücke. Hinter einer solchen Tür wohnt der körperbehinderte Jörg, den ich schon sechs Wochen nicht mehr besucht habe. Hinter einer anderen solchen Tür wohnt meine alte Tante, der ich zu helfen versprochen habe, aber meist bin ich zu faul dazu.

(3) Vor einigen Türen stehe ich immer wieder und getraue mich nicht hineinzugehen. Dort sind Menschen, von denen ich etwas will. Aber Bitten ist gar nicht so leicht. Aber wenn ich es dann doch gewagt habe, waren sie oft ganz freundlich und hilfsbereit.

(4) Einige Türen haben mir andere Menschen geöffnet. Meine Eltern haben mich die ersten Schritte in die Welt begleitet: Sie haben mich das Laufen und Sprechen gelehrt, aber auch das Beten. Heute helfen mir die Lehrer, die Welt zu verstehen und mich in ihr zurechtzufinden. Manches kann ich nicht allein. Es ist gut, daß Menschen mir geholfen haben, eine Tür zu öffnen.

           

Predigt:

Auf den Einladungen haben wir vier verschiedene Haustüren gesehen, solche Türen, wie wir sie vielleicht auch selber haben. Darüber aber war noch eine große Tür gemalt, die wie die Tür zu einer Kirche aussieht. Durch dieses Tor geht ein Mensch. Sind wir das, die in die Kirche gehen? Oder ist das Jesus, der durch unsere Haustür gehen will?

Jedenfalls sollte bei Christen immer die Tür aufgemacht werden, wenn einer kommt. Das kann ein Mensch sein, der uns besuchen will oder der etwas vor uns haben will. Das kann aber auch Jesus sein, der mit bei unserem Leben dabei sein will. Denn heute begegnet uns Jesus unter anderem in anderen Menschen. Er schickt sie uns, damit wir für sie da sind.

Deshalb kann es für uns nur heißen: „Macht auf die Tür“, wie wir das Thema dieses Gottesdienstes genannt haben in Anlehnung an das bekannte Adventslied aus dem Gesangbuch. Wenn Türen erst einmal zugeworfen sind, dann dauert es oft lange, bis man wieder zusammenkommen kann. Die Adventszeit wäre ein Anlaß, solche Türen wieder zu öffnen.

Wenn wir unsere Tür nicht für den Mitmenschen aufmachen, dann kann ja auch Christus nicht zu uns kommen. Er könnte unsere Tür zwar mit Gewalt einrennen. Aber das tut er nicht, denn er kommt nicht wie ein Herrscher. Er möchte, daß wir ihm von uns aus öffnen.

Wenn aber die Tür einmal auf ist, dann müssen wir auch andere Leute mit herein lassen‚ die Nachbarn, die Spendensammler und manch anderen noch. Um eine Tür zu öffnen, braucht man oft einen Schlüssel. Ein solcher Schlüssel zu den Menschen kann ein Brief sein oder ein kleines Geschenk oder ein freundliches Wort. Manchmal ist gar nicht viel nötig, um einen von draußen wieder hereinzuholen.

 

Wir wollen auch nicht vergessen, daß andere uns schon hereingeholt haben. Sie haben uns eingeladen zu einem netten Abend. Sie haben uns vielleicht aber auch einmal zur Kirche eingeladen. Vielleicht sind wir erst nach vielen Bemühungen mitge­gangen. Aber heute können wir uns ein Leben ohne Gott und Kirche gar nicht mehr vorstellen. Menschen können für uns die Tür zu Jesus werden. Und Jesus wieder ist die Tür zu Gott, dem Vater.

Aber auch wir können für andere zur Tür werden, können sie zu uns und zum Gottesdienst einladen. Mit ihnen und mit Jesus zusammen dürfen wir sogar ein Fest feiern, dürfen beim Abendmahl mit Jesus zusammen sein, dürfen uns zu Hause wissen. Wer das aber erfahren hat, wird immer wieder seine Tür aufmachen.

 

Abendmahl:

Im Abendmahl will Jesus heute zu uns kommen. Er möchte uns durch das Essen und Trinken neue Kraft geben, verschlossene Türen zu anderen Menschen wieder zu öffnen. Er lädt uns ein an seinen Tisch und macht die Tür dazu weit auf. So können wir auch hier in der Kirche durch die offene Tür zum Altar gehen.

Auch heute am Beginn des neuen Kirchenjahres sind wir herzlich zu ihm eingeladen.

Da wir heute einen Familiengottesdienst haben, sind auch die Kinder dabei einbe­zogen. [Wenn sie in der Gemeinde noch nicht zum Abendmahl zugelassen sind, sagt man: Am Abendmahl können sie noch nicht teilnehmen, weil man erst über den Sinn dieses Mahls Bescheid wissen muß, und darüber wird erst im Konfirmandenunterricht gesprochen. Aber die Kinder dürfen heute mit ihren Eltern nach vorne zum Altar kommen ‚dürfen sich alles ansehen und aus der Nähe miterleben und erhalten auch eine Kleinigkeit geschenkt].

 

Sendung:

Wir gehen nun wieder hinaus in unsere Häuser und in unseren Alltag. Aber wir wollen in diese erste Adventswoche gehen in der Gewißheit, daß Jesus bei uns ist. Wir wollen ihn suchen in den Menschen, die uns begegnen. Wir wollen ihnen helfen, Türen zu öffnen, auch die Türen zum Glauben. Unsere Postkarten mit der Tür nehmen wir mit, schreiben eine Adresse drauf und laden ein zu den Gottesdiensten an Heiligabend um 16 und um 19 Uhr. Es wird schon jeder einen wissen, dem er diese Karte geben kann. Und wir dürfen selber auch immer wiederkommen. Jesus hat die Tür zu sich und dem Vater weit aufgemacht. Er ist die Tür zum Vater und er öffnet die Tür zum Vater, auch für uns. Das wollen wir jetzt im Gedächtnis behalten und mit dem Segen heimgehen.

 

 

Advent: Das Licht darf nicht verlöschen: Jes 42, 1 - 7

 

 

Begrüßung:

Im Advent werden viele Lichter angezündet. In fast allen Häusern brennt ein Adventskranz. Das ist ein schöner Brauch, bei dem wir allerdings meist wenig über den Sinn nachdenken.

Es wird viel gefeiert: in Firmen, Schulen, in der Kirche und zu Hause. Heute wollen wir hier in der Kirche feiern. Wir wollen uns gemeinsam darüber freuen, daß Gott bei uns ist. Er ist in unsere schuldbeladene und erneuerungsbedürftige Welt gekommen. Wir dürfen uns gemeinsam freuen, daß er bei uns ist. Wir wollen auch darüber nachdenken, was er uns durch seine gute Nachricht sagen will. Zu diesem Mitdenken und Mitfeiern begrüße ich alle herzlich und wünsche uns allen, daß uns in dieser gemeinsamen Stunde wirklich ein Licht aufgeht.

Es gefällt uns, vier Kerzen anzuzünden. Aber genügt das? Heute wollen wir über die vier Lichter nachdenken. Vier Kinder mit Kerzen ziehen und stellen sich im Halbkreis auf. Zu den einzelnen Beiträgen tritt jeweils ein Kind mit der betreffenden Kerze vor.

 

1. Kerze: „Vertrauen“:

Das erste Licht heißt „Vertrauen“. Es brennt, weil es schön ist, wenn zwischen Eltern und Kindern, zwischen Mensch und Mensch und zwischen den Völkern Vertrauen herrscht. -

Halt! Da hat ein Kind seine Eltern belogen. Es hat gesagt: „Ich brauche ein Heft für die Schule“ - und dann hat es mit dem Geld Süßigkeiten gekauft. Die Mutter hat es aber gemerkt.

Es war schon das dritte Mal so. Nun kann die Mutter dem Kind nicht mehr glauben. Das Vertrauen ist ausgegangen wie eine Kerze, die verlöscht

Da leben Leute in einer Wohnung, aber sie sprechen nicht mehr miteinander, weil sie mißtrauisch und argwöhnisch geworden sind. Da hat ein reiches Volk ein ärmeres in seine Abhängigkeit gebracht. Da müssen die einen machen, was die anderen von ihnen verlangen. Das Vertrauen zwischen den Völkern ging verloren. Dieses Licht muß gelöscht werden! [Löscht die Kerze aus]

 

2. Kerze: „Freude“

Das zweite Licht heißt „Freude“. Es brennt, weil bei uns Kinder lachen, spielen und singen können, weil Menschen singen und lachen und Völker sich gegenseitig achten. -

Halt! Das Licht darf nicht weiter brennen! Lest ihr keine Zeitungen, seht ihr kein Fernsehen? Viele Kinder in der Welt haben nichts zu lachen. Sie haben Hunger. Viele von ihnen werden an Weihnachten nicht mehr leben. Lösch das Licht aus!

Da weinen Kinder, weil Eltern keine Zeit für sie haben, weil Kinder allein gelassen oder abgeschoben werden, denn den Eltern ist Geldverdienen wichtiger als die Fürsorge für ihre Kinder. Wo gibt es noch Freude zwischen Eltern und Kindern? Da hat kaum jemand Zeit, seinen Nachbarn zu helfen und ihnen eine Gefälligkeit zu erweisen. Überall in der Welt wird Haß gesät. Gewaltanwendung wird in den Filmen verherrlicht. Sogar Kinder spielen Überfall und Totschlag, Mord und Krieg. Dieses Licht muß gelöscht werden!       [Kerze aus]

 

3. Kerze: „Frieden“:

Das dritte Licht heißt „Frieden“. Es brennt, weil es schön ist, wenn in den Familien Eintracht herrscht, wenn alle Menschen gleichberechtigt sind und die Völker in Frieden miteinander leben.

Halt! Wo ist denn Frieden? Wo haben die Menschen Zeit füreinander? Da reden die Heranwachsenden nicht mehr mit ihren Eltern, da verstehen Eltern ihre Kinder nicht mehr. Es gibt Streit unter Geschwistern. Da begegnen sich Nachbarn in offenem Haß, weil sie neidisch und mißgünstig sind. Da wird von Staatsmännern behauptet, daß das eine Volk das andere mit Krieg überziehen will. Da werden immer entsetzlichere Waffen ersonnen und hergestellt, um Menschen zu vernichten und Leben auslöschen zu können.

Es ist ja kein Friede! Dieses Licht muß gelöscht werden     [Kerze aus]

 

4. Kerze „Hoffnung“;

Das vierte Licht heißt „Hoffnung“. Das darf niemand auslöschen. Es brennt, weil die Mutter immer noch hofft, daß ihr Kind nicht mehr lügt und sie ihm wieder vertrauen kann. Es brennt, weil Menschen immer noch hoffen, daß alle Kinder in der Welt wieder lachen und sich freuen können. Es brennt, weil Menschen immer noch hoffen, daß alles wieder gut wird.

Halt! Was kann das kleine Licht gegen tausend Panzer und gegen            die Mächtigen in den Regierungen? Was bleibt von deiner Hoffnung auf ein schöneres Leben? Unter den Men­schen gibt es viel Eigensucht, Verständnislosigkeit, Gleichgültigkeit. Wer kann es heute noch wagen, auf die Güte der Menschen zu hoffen? Nein, auch dieses Licht muß ausgelöscht werden!

Es darf nicht verlöschen! Wenigstens für ein paar Menschen muß es brennen!

Es ist ein schwaches Licht, lösch es aus! Es darf aber nicht! Wer rettet dieses Licht?

[Kerze aus]

 

Nun sind die Kerzen ausgelöscht. Können wir da noch Advent feiern? Vorhin hieß es: Advent ist Gottes Ankunft in der schuldbeladenen Welt! Gott selbst gibt uns die Zusage, daß sein Licht nicht verlöschen wird. Er läßt sein Licht in die dunkle Welt scheinen. Und er gibt den Auftrag, dieses Licht in die Welt hineinzutragen.

 

Predigt über Mt 5, 14 - 15: „Ihr seid des Licht der Welt

Oma Müller trifft Frau Vogel und bedankt sich für den hübschen Adventsgruß, den Bettina gebracht hat. Frau Vogel weiß gar nicht, was das sein soll, was ihre Tochter da zu Oma Müller gebracht hat. Zuhause fragt sie Bettina, warum sie nichts davon erzählt hat. Bettina sagt: „Du hättest es doch nicht geglaubt. Ich habe dich doch schon so oft angelogen und gesagt, ich ginge zu Oma Müller und bin doch nicht dagewesen. Nun wollte ich es wieder

gut machen!“

Die Mutter freut sich und fragt: „Was wer das denn für ein Adventsgruß7“ Bettina erzählt: „Das war eine Sternenkette. Da habe ich so Papiersterne auf ein rotes Band genäht. Das soll Oma Müller ins Fenster hängen, wenn sie einmal etwas braucht. Dann weiß ich es und kann hingehen und fragen und es besorgen!“

Jetzt weiß Frau Vogel, daß sie ihrer Bettina wieder vertrauen kann. Alle sind erleichtert und Oma Müller freut sich. Mißtrauen macht dunkel, Vertrauen aber schafft Licht. Deshalb zünden wir auch wieder die erste Kerze an.

Aber Licht soll auch in die ganze Welt kommen: Während wir ruhig in unseren warmen Betten liegen, sterben in Südamerika in einer Nacht 600 Kinder, weil sie verhungert sind. Das sind soviel Kinder, wie bei uns etwa in einer Schule sind.

Ein Inder kann pro Tag im Durchschnitt nur zwei Gramm Fleisch verbrauchen. Wenn wir also ein Schnitzel von 120 Gramm essen, dann verbrauchen wir die Fleischmenge, die ein Inder in zwei Monaten zur Verfügung hat. Wir aber machen uns Sorgen, ob wir zu Weihnachten wohl eine Gans haben werden.

Wenn Jesus sagt: „Ihr seid das Licht der Welt!“dann will er uns damit sagen: Wir sind auch für die Hungernden in der Welt verantwortlich. Trotz all unserer Hilflosigkeit können wir doch etwas tun. An Weihnachten wird wieder gesammelt für die Aktion „Brot für die Welt“. Da können wir denen ein wenig helfen, die im Dunkel leben. Für alle, die in der Welt hungern, zünden wir die zweite Kerze an.

 

Auch bei uns gibt es allerhand zu tun. An sich sollten die Christen alle eine große Familie sein und Frieden untereinander haben. Aber leider ist das nicht so. Es wird Kritik geübt an der Kirche, an anderen Christen und vielleicht sogar Christus selbst. - Immer wieder ein Licht anzünden bedeutet dann: Vorurteile abbauen, indem man fragt und miteinander spricht. Dann kann man auch Verständnis füreinander finden und Frieden haben. Wir zünden die dritte Kerze an und lassen uns von ihrem Licht zum Frieden mahnen.

 

Die vierte Kerze sprach von der Hoffnung Wer Licht der Welt sein will, wird auch Licht in die Familie bringen wollen. Daß es dort gut gehen kann, das dürfen wir hoffen, gerade jetzt in der Adventszeit und an Weihnachten, dem Fest des Friedens.

Helga und Klaus haben sich oft über Kleinigkeiten gestritten, wie das unter Geschwistern oft verkommt. Als Helga mit den Hausaufgaben anfangen will, liegt auf ihrem Tisch ein Buch von Klaus Sie fegt das Buch mit einem lauten Knall vom Tisch. Als Klaus kommt, erwartet Helga natürlich, daß er losschimpft; dann wird sie ihm aber die Meinung sagen. Klaus aber bleibt ruhig. Er hebt das Buch auf, streicht es glatt und geht in die Küche. Vorher dreht er sich aber an der Tür noch um und sagt: „Entschuldige bitte, daß ich das Buch vorhin habe liegenlassen!“ Helga ist sprachlos. Aber wenn man so handelt, kann man auch die Hoffnung haben, daß alles noch besser wird. Zum Zeichen für diese Hoffnung zünden wir auch noch die vierte Kerze wieder an. Wir dürfen Licht der Welt sein, in unserem persönlichen Umkreis wie auch in der großen Welt.

 

Sendung:

In unserem Gottesdienst haben wir zunächst die vier Kerzen gelöscht. Aber Gottes Wort hat uns wieder Mut gemacht, die Kerzen doch wieder anzuzünden. In unserer Welt scheint Gottes Licht. Und wir haben dieses Licht an unsere Umgebung weiterzugeben.

Deshalb wollen wir am Schluß des Gottesdienstes unsere Kerzen an den vier großen Kerzen anzünden und dann mit dem Licht nach draußen gehen. Irgendwann wird dann einmal unsere Kerze ausgehen. Aber Gottes Licht in uns darf nicht verlöschen. Es soll uns und alle Menschen erfüllen.

Wo Licht ist, da ist auch Wärme. Wärme aber schafft Vertrauen. Dieses Licht brauchen wir für unsre Häuser und Herzen, Licht für unser Leben. Wenn wir zu Hause die Kerzen am Adventskranz anzünden, dann können wir ja noch einmal über das nachdenken, was wir heute gehört haben.

 

Lieder:

Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein.

Eine Kindergruppe übt das Lied „Wir sagen euch an den lieben Advent“

 

Segen:

Wir wollen nach Hause gehen mit der Freude darüber, daß Jesus Christus Licht in unser Leben geben will. Wir gehen nach Hause in der Gewißheit, daß unser Leben durch ihn sinnvoll wird. Wir gehen nach Hause mit der Erwartung, daß er durch uns anderen Menschen Licht und Leben schenkt.

Der Herr segne dich und behüte, er lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!

 

 

 

Fastnacht: Kleider machen Leute                                                             

Nach dem Kollektengebet, als eigentlich die Lesung beginnen soll, unterbricht der Pfarrer (möglichst im Mainzer Dialekt): „Draußen sind sechs verkleidete Kinder. Wollen wir sie hereinlassen?“ Konfirmanden im Sprechchor: „Ja!“

Sechs Kinder kommen in selbstgewählten Verkleidungen und mit einer Maske oder mindestens Augenbinde vor dem Gesicht. Sie stellen sich im Chorraum auf, mit dem Gesicht zur Gemeinde. Während sie hereinziehen, intoniert die Orgel den „Narhalla-Marsch“. Der Pfarrer interviewt nun die Kinder der Reihe nach:

(1) „Warum verkleidest du dich, wenn Fastnacht ist?“ - „Es macht mir einfach Spaß! Ich finde es einfach schön, einmal jemand ganz anders zu sein. Mit dem Kostüm und der Maske erkennt mich ja keiner. Und wenn wir in der Schule Fastnacht feiere, da raten erst einmal alle herum, bis sie herausfinden, wer unter der Maske steckt. Das finde ich schön!“

(2) (Ein Mann, dargestellt von einem Jungen, unterbricht): „Für uns Erwachsene ist das noch viel reizvoller. Ich gehe immer ohne meire Frau zum Maskenball. Da kann ich es dann nach Herzenslust treiben. All das, was das ganze Jahr über verboten ist, das ist bei der Fastnacht erlaubt. Und das Schöne ist: Hinter der Maske kennt einen ja keiner! Und ehe die Demaskierung ist, verschwinde ich immer!“ - „Aber haben Sie denn kein schlechtes Gewissen gegenüber Ihrer Frau und den Kinder und auch gegenüber Gott?“

 

Anderer Mann oder Frau: „Warum soll er das denn haben? Dazu ist die närrische Zeit doch da! Pünktlich am 11.11. um 11.11 Uhr geht es los und findet in den drei tollen Tagen seinen Höhepunkt. Nachher kann man ja wieder vernünftig sein. Ist das denn etwas Schlechtes, Herr Pfarrer?“

Pfarrer: Sicherlich ist es nicht schlecht, wenn man sich einmal freut und auch einmal ganz ausgelassen freut. Das gehört mit zu unserem Leben dazu und ist auch einem Christen nicht verboten. Vielleicht ist es sogar ganz gut, wenn die Kinder hier einmal zum Spielen kommen, wozu sonst doch immer nur wenig Zeit bleibt.

Aber Vergnügtsein bedeutet doch nicht, daß man sich dabei so benimmt, daß man sich am anderen Tag dafür schämen muß. Fröhliche Höhepunkte brauchen keinen bitteren Nachgeschmack zu haben. Auch unter der Maske bleibt man ein Mensch, der für sich und seine Mitmenschen verantwortlich ist. Und nur wer sich auch ohne Alkohol wirklich echt freuen kann, hat meiner Meinung nach das Recht zu solcher Freude.

In unserem Leben wechseln ja immer wieder Arbeit und Spiel, Sonntag und Alltag, fröhliche und ernste Zeiten ab. Auch im Kirchenjahr gibt es stille Wochen und festliche Zeiten. Am Aschermittwoch beginnt zum Beispiel die Fastenzeit, in der wir an das Leiden und Sterben Jesu denken und auf allen lauten Betrieb verzichten.

Aber danach kommt wieder das strahlende und fröhliche Osterfest.

 

Wieder anderer Mann: „Deshalb gehört auch in die Zeit vorher etwas Fröhliches. Wenn man 40 Tage lang ganz ernsthaft sein soll und womöglich noch auf bestimmte Speisen und 'Getränke verzichten soll, dann muß man doch vorher noch einmal besonders lustig und ausgelassen sein!“

Pfarrer: Ob das eire geeignete Vorbereitung auf die Fastenzeit ist, möchte ich noch bezweifeln. Fasten bedeutet den freiwilligen Verzicht um einer Sache willen, die wichtiger ist als der augenblickliche Genuß. Ein erzwungener Verzicht, bei dem man sich noch vorher schadlos für alles halten muß, ist nicht das Rechte. -

Aber vielleicht wäre es doch einmal gut, an dieser Stelle auf die Geschichte der Fastnacht einzugehen. Der Ursprung liegt in den heidnischen Religionen, wo man auf diese Art den Frühling begrüßte. In Griechenland machte man da Umzüge, bei denen sich Männer als Dämonen verkleideten und zu den schrillen Tönen von Flöten, Zymbeln und Handpauken sich in wildem Tanz drehten. Um diese bösen Geister zu täuschen, verkleidete und bemalte man sich, man lärmte und tobte selber, man setzte sich eine Maske auf. Besonders in der Zeit des Frühlingsanfangs hat man Angst vor Geistern. Deshalb versteckte man sich vor ihnen hinter einer Maske oder versuchte sie durch allerhand Krach zu vertreiben.

Die christliche Kirche hat lange Zeit nichts von diesem Treiben wissen wollen, hat es aber auch nicht unterdrücken können. Dann hat sie es etwa um das Jähr 1000 in das Kirchenjahr mit eingebaut. Jetzt füllte man damit die Zeit vor der Fastenzeit und machte pünktlich am Fastnachtsdienstag um 24 Uhr damit Schluß.

Nach der Reformation hat man in den Evangelischen Gebieten die Fastnacht von oben her verboten. Erst in unseren Tagen wird dort, wo man seit Jahrhunderten nichts mehr von Fastnacht wußte, mühsam wieder so ein Brauch hochgezüchtet.

Letztlich zeigt sich hier aber ein Heidentum, das in unserer ach so wissenschaftlichen Zeit wieder hochkommt.

Anderer Mann oder Frau: „Sie haben uns doch einmal erklärt, daß Fastnacht nichts mit Fasten zu tun hat, sondern mit ‚faseln‘, das heißt ‚Dummheiten treiben‘. Man sagt ja heute noch in manchen Gegenden ‚Foaselnoacht‘. Und das Wort ‚Nacht‘ meint soviel wie ‚Tag‘. Fastnacht ist also der ‚Tag der Dummheiten‘.

Pfarrer: Leider machen zu viele Leute in diesen Tagen tatsächlich Dummheiten. Sie tun ja so, als seien sie jemand anders. Und für diesen anderen wollen sie nicht die Verantwortung übernehmen. Die Maske verführt einfach zur Verantwortungslosigkeit und daß man es nicht mehr so genau nimmt. Wir dürfen uns schon freuen, aber wir dürfen unsere Verantwortung dabei nicht aufgeben. Es wäre schlimm, wenn unser Leben zu einer Fastnacht ohne Erde würde. Deshalb tut auch die katholische Kirche gut daran, am Aschermittwoch mit einem Bußgottesdienst einzusetzen.

Mann: „Ich bin katholisch. Bei uns weist der Bischof jedes Jahr zum Aschermittwoch in einem Fastenbrief darauf hin, wie wir es mit dem Fasten halten sollen, was bei den Mahlzeiten zu beachten sind, wann die Fastengottesdienste sind und so weiter. Der Pfarrer macht mit geweihter Asche einem jeden ein Kreuz auf die Stirn und sagt dazu die Worte: „Bedenke, o Mensch, daß du Staub bist und zum Staube zurückkehren wirst!“

Anderer Mann: „Ich bin zwar evangelisch. Aber uns täte es sicherlich auch ganz gut, wenn wir uns mit einem solchen Kreuz öffentlich zu Jesus und zu Gott bekennten. Das Kreuz erinnert uns an unsre Taufe und steht uns viel besser zu Gesicht als eire Maske. Wir sollten uns niemals schämen, uns mit diesem Kreuz zu unsrem Glauben zu bekennen!“

 

Alternative Predigt über Psalm 139: Gott sieht hinter die Maske

1.Wir brauchen vor der anderer unsrer Glauben nicht hinter einer Maske zu verbergen

Kleine Kinder halten sich die Hände vor's Gesicht. wenn sie sich vor jemand verbergen wollen. Sie meinen: Wenn sie selber nichts sehen, dann können sie auch nicht gesehen werden. Und die Erwachsenen sind oftmals auch nicht besser: Da fährt ein Lastwagen das kleine Stückchen Einbahnstraße in der verkehrten Richtung befuhr; sicher dachte der Fahrer: „Es ist ja kein Polizist in der Nähe, da kann mir auch nichts passieren!“ Man meint eben auch zu leicht: Wenn kein Aufpasser da ist, dann hat es auch niemand gesehen, jedenfalls niemand von Belang.

Aber einer ist immer dabei, selbst wenn wir ganz allein zu sein scheinen. Davon erzählt der 139.Psalm. Dort sagt ein Mensch von Gott: „Von aller Seiten umgibst du mich!“ Wo wir auch hingehen: Gott ist dabei. Gott ist im Himmel und auf der Erde, er ist am äußersten Meer und in der Dunkelheit der Nacht. Nirgendwo sind wir allein für uns.

Das könnte uns Angst einjagen. Nirgendwo sind wir ja ohne einen Aufpasser. Gott sieht auch unsre geheimen Untaten und wird uns dafür zur Verantwortung ziehen. Eigentlich ein bestürzender Gedanke, daß wir nirgendwo einen stillen Winkel haben, wo wir einmal ganz allein sein können. Gott kennt sogar unsere innersten Gedanken;

ehe wir sie ausgesprochen haben, weiß er sie schon.

Doch bei wem alles in Ordnung ist, der braucht sich davor nicht zu fürchten. Wer in einem guten Verhältnis zu Gott steht, der ist im Gegenteil dankbar für die Nähe Gottes. Er darf wissen: Wenn    mich die Menschen allein lassen, dann ist Gott doch immer bei mir. Kleine Kinder haben ja manchmal Angst, wenn die Eltern sie abends allein lassen. Das geht oft nicht anders, Eltern können nicht immer bei ihren Kinder sein.

Aber die Kinder dürfen doch wissen: Selbst wenn die Eltern jetzt einmal nicht da sind, so wacht doch Gott über uns. An ihn dürfen wir uns im Gebet wenden, wenn wir Angst haben, er hört uns und es ist alles nur noch halb so schlimm.

Wenn die Erwachsenen sich doch nur auch so helfen ließen, dann wäre ihnen sicher vieles leichter! Sie haben doch auch ihre Nöte und Probleme. Das ist keine Schande. Aber es ist betrüblich, wenn sie nicht wissen wollen, woher ihnen Hilfe kommen kann. Die Bibel sagt von Gott: „Von allen Seiten umgibst du mich!“

 

2. Wir können vor Gott unser wahres Gesicht nicht hinter einer Maske verbergen.

Wir müssen dabei auch bedenken, daß Gott uns so sieht, wie wir wirklich sind, ohne Maske und ohne Verkleidung. Viele verkleiden sich ja nur deshalb zur Fastnacht, weil sie einmal aus ihrer alten Haut herauswollen. Sie wollen gern einmal jemand anders sein und all das tun können, wovor sie sich sonst doch scheuen.

Aber Gott sieht auch hinter die Maske. Er sieht, wie wir wirklich sind, und vor ihm können wir uns nicht verstellen. Genauso wie die Eltern meist sofort ihren Kindern ansehen, wenn sie etwas Urrechtes getan haben, so weiß auch Gott um unsere innere Bosheit.

Aber das Wunderbare ist: Gott hat uns trotz allem lieb. So wie die Eltern ihr Kind nicht gleich verstoßen, so hält auch Gott an uns fest, wenn wir einmal gegen seinen Willen gehandelt haben. Gott reißt uns zwar die Maske vom Gesicht, aber er hat uns lieb, so wie wir sind. Eine Maske würde uns vor Gott nichts nützen. Aber wir brauchen auch keine, weil wir vor Gott immer nur der sind, der wir wirklich sind.

Deshalb haben wir es auch nicht nötig, vor anderen Menschen eine Maske aufzu­setzen. Wenn Gott uns so nimmt wie wir sind, brauchen wir uns auch vor den anderen nicht zu verstecken. Wir brauchen nicht den Eindruck zu erwecken, als seien wir besser als andere Leute. Wenn wir einen falschen Schein erwecken wollen, geht das sowieso immer schief.

Aber es sollte eben doch deutlich werden, daß wir noch unfertige Menschen sind, noch auf dem Weg und auf die Hilfe Gottes angewiesen. Es ist keine Schande, wenn man etwas nicht alleine schafft. Aber es ist eine Schande, wenn man sich nicht helfen lassen will. Wir als Christer dürfen dankbar sein, daß wir Gott in unserer Nähe

haben.

Wir können das auch gut und gern anderer weitersagen. Wir brauchen unser Christsein nicht hinter einer Maske zu verstecken. Zeichen der Christen ist nicht die Maske, sondern das Kreuz. Wir dürfen uns zu unserer eigenen Schwachheit und zur Hilfe Gottes bekennen. Unsere Schwachheit ist gerade unsere Stärke, denn sie treibt uns in die starken Arme dessen, der der Größte ist.

Wenn ein Kind nicht mehr weiter weiß, dann flüchtet es sich in die starken Arme der Eltern. Da macht es ihm auch nichts aus, wenn die anderen lachen und es als Feigling bezeichnen. Hauptsache, es wird geholfen.

So dürfen wir auch sicher sein: „Von allen Seiten umgibst du mich. Du kennst meine Gedanken von ferne!“ Das ist nicht ein lästiger Zwang für uns, sondern ein dankbares Bekenntnis zu unserem Herrn und Schöpfer der Welt.

 

 

 

Ostern - Christus lebt: Ps 118, 15 - 17

Erzählung:

Es gibt Menschen, die können Ostern nicht fröhlich mitfeiern. Es kann daran liegen, daß sie krank sind und nicht rausgehen können. Es kann aber auch sein, daß sie nichts von Gott und von Jesus wissen wollen und deshalb auch nicht die Osterfreude erfahren können. Manchmal kann man ja helfen, zum Beispiel, indem man einen Kranken besucht. Aber manchmal können wir auch nicht zur Freude verhelfen, das kann nur Gott allein.

Das hat auch ein Mann gewußt, von dem uns in unserer Bibel ein Psalmgebet überliefert ist, das am Osterfest zum Gottesdienst gebetet wird. Er war im Krieg in eine hoffnungslose Situation geraten. Er hatte schon alle Hoffnungen fahren lassen und meinte, er würde umkommen. Doch da hatte Gott doch dem Volk Israel den Sieg gegeben und diesem Mann das Leben geschenkt.

Nun kommt er zum Laubhüttenfest in den Tempel, um Gott ein Brandopfer für die Rettung aus Todesgefahr zu bringen: Er will ein Tier schlachten lassen und auf dem Brandopferaltar verbrennen lassen. Einige andere haben sich ihm angeschlossen. Sie stehen vor dem „Tor der Gerechtigkeit“ und wollen eingelassen werden. Zunächst fordern sie die ganze Gemeinde auf, mit einzustimmen in den Lobpreis der Liebe Gottes. Dann tritt der Gerettete in den Vordergrund und berichtet von Gottes Rettungstat.

Die Gruppe macht das Danklied zu ihrem eigenen Bekenntnis. Damit erfüllt sie die Einlaßbedingungen, die von der Torwache genannt worden sind: Nur wer sich auf Gottes Hilfe verläßt, darf in den Tempel. Nun wird die Tür geöffnet, die Priester begrüßen die Einziehenden und fordern sie zum Reigentanz rund um den Altar auf. Das Opfertier wird auf den Altar gelegt in das brennende Feuer. Die Gruppe stimmt noch einmal in den Dank des Einzelnen ein:

Man singt mit Freuden vom Sieg

in den Hütten der Gerechten.

Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Die Rechte des Herrn ist erhöht,

die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben

und des Herrn Werke verkündigen! (Vers 15-17).

 

So ein Danklied hört man immer gern. Es gibt aber auch schlechte und traurige Nachnichten, die einen Menschen fast zum Verzweifeln bringen können. Das war so, als Jesus am Kreuz gestorben war und die Jünger sich ängstlich und traurig in Jerusalem versteckt hielten. Sie hatten geglaubt: Gott und Jesus sind eins. Wer Jesu Wort hört, der hört Gott. Jesus wird mit unserem Leid, mit unserer Krankheit und mit allen finsteren Mächten in unserem Leben fertig. Aber nun war Jesus tot. Sollte der Tod etwa stärker sein als Gott? Dann wäre doch keiner da, der helfen könnte?

 

Wenn solche Fragen aufkommen, dann kann so ein Wort wie der Psalm 118 eine Hilfe sein. Nur die Rettungstat aus diesem Psalm ist für uns ein für allemal überboten durch die größere Tat: Durch das Sterben Jesu und sein Auferstehen hat Gott für uns den Sieg über den Tod und alle finsteren Mächte errungen. Weil Christus alle, die an ihn glauben, mit gerettet hat aus der Macht des Todes, deshalb kann auch die christliche Gemeinde eine Hoffnung haben, wie sie am Schluß des Dankliedes ausgesprochen sind: „Ich werde nicht sterben, sondern leben!“

Deshalb beten wir an Ostern diesen Psalm, in dem wir vor Gott und vor den Menschen von unserer Osterfreude erzählen. Jetzt kann alles wieder in Ordnung kommen. Jesus Christus wird auch mit allen schlimmen Sachen fertig, auch wenn er es manchmal ein bißchen anders macht, als wir es uns gedacht haben. Das ist die gute Nachricht, die wir auch heute zu sagen haben.

 

Predigt mit Bildbetrachtung:

Frans Masereel „Das Kind“, Holzschnitt 1920.

Im Hintergrund sehen wir - dicht gedrängt - Männer auf der Straße. Sie gehen mit weit ausholenden Schritten auf einem Bürgersteig. Die Füße sind fest auf dem Boden und lassen kaum Platz. Am linken Bildrand eine Hand, die zupacken kann, fast gewalttätig.

Im Vordergrund - im Rinnsteig - ein Kind. Das Kopfsteinpflaster wird von einem Gullydeckel unterbrochen. Die Bordsteinkante trennt nicht nur Gehweg und Straße, sondern auch die Menschen voneinander.

Die weiße Gestalt eines Kindes hebt sich fast abstoßend kraß vom schwarzen Hintergrund ab. Es ist wie aus dem Schlaf aufgeschreckt und nur mit einem Nachthemd bekleidet. Die Füße - in viel zu großen Schuhen - stehen unsicher und allein auf der Straße. Große Augen scheinen in die Weite zu sehen. Hilflos wie die Füße sind auch die hängenden Hände und die Haltung des Kopfes.

Auf dem Gehweg ist kein Platz mehr. Große und mächtige Männer stampfen vorüber. Ihre Köpfe passen nicht mehr auf das Bild (das ist die Perspektive des Kindes). Ihre Hände schwingen weit aus oder stecken tief vergraben in den Hosentaschen. Drei Gestalten hasten in Blickrichtung des Kindes, ein Mann eilt entgegengesetzt nach rechts. Im Hintergrund sieht man Sicherheit, Zielstrebigkeit, Aktivität, Gemeinsamkeit und gewohnheitsmäßigen Trott - im Vordergrund das genaue Gegenteil: Unsicherheit, Richtungslosigkeit, Einsamkeit, Irren im Alleingang.

Der Arm des Kindes hat die gleiche Haltung wie der des Mannes ganz rechts. Hat der Erwachsene doch auch etwas von den Sorgen d es Kindes? Oder soll das Kind aufgefordert werden, im gleichen Marschtritt mit zu marschieren? (Haltung wie beim Marschieren). Sollen das Kind und der Erwachsene nicht doch lieber Haltung bewahren und im Trott bleiben?

Die Vorübereilenden nehmen von dem Kind keine Notiz. Der Mann mit der Hand in der Hosentasche hat wohl ein Gesicht, an dem deutlich wird: Ich lasse mich durch nichts von meinem Ziel ablenken. Es ist genug, wenn man sich um sich selbst kümmert, nur nicht weich werden und an andere denken.

Warum bleibt er nicht einmal stehen und nimmt die Hände aus der Tasche, um sie dem Kind zu reichen? Er könnte Platz auf dem Gehweg schaffen, dem Kind eine Jacke überhängen, mit ihm gehen, Wärme geben und Vertrauen wecken.

Das Kind ist ein Bild des Menschen überhaupt. Wir sind voller Angst, hilflos, setzen nur tastend einen Fuß vor den anderen. Das Kind kann seine Angst noch zum Ausdruck bringen. Aber bei den Erwachsenen ist es vielfach nicht anders. Jesus aber stellt mich auf die Seite der Schwachen. Er ist selber ein schwacher Mensch geworden, um die Schwachen aus ihrer Schwachheit zu befreien.

Er erwartet, daß wir uns auch auf die Seite der Schwachen stellen und sie nicht durch unsere Stärke erdrücken, sondern ihnen helfen. So werden wir dem anderen ein Christus und können helfen, daß der andere wieder Hoffnung schöpft.

Wer aber Hoffnung haben kann, der besiegt mit Gottes Hilfe alle finsteren Mächte, der wird zum wahren Leben hinfinden. Jesus steht uns auch heute bei, weil er auferstanden ist. Er läßt uns nie verlorengehen.

Das werden wir auch erfahren, wenn der letzte Tag unseres Lebens kommt. Auch da wir der Auferstandene uns nahe sein, auch im Tod wird er uns nicht verlorengehen lassen. Jesus ist stärker als der Tod. Deshalb können wir schon heute froh sein.

 

 

 

Pfingsten

Die Elemente „Wind“ und „Feuer“ sind in der Pfingsterzählung des Lukas von zentraler Bedeutung. Dazu kommen die Entfaltungsbereiche „Tür“ und „Haus - Kirche“, die für eine Darstellung in der Kirche geeignet sind.

 

Entfaltungsbereich TÜR

Mit Hilfe einer selbstgebauten Spieltür aus Pappe werden kleine Szenen gespielt. Dabei können etwa folgende Erlebnisse gestaltet werden: verstecken. lauschen, Überraschung vorbereiten, aber auch Furcht haben, allein sein, herein- oder hinauswollen, klopfen, rufen ... Daran sollten sich Spiele mit offener Tür anschließen, etwa Klingeln und Öffnen der Tür, freudige Begrüßung, zu Hause sein, aus- und eingehen können.

In einem nächsten Schritt geht es um die Erfahrungen der Jünger Jesu mit Türen. „Die Schar der Freunde Jesu ist klein nach Ostern. Ihr Mut ist nicht sehr groß. Zwar zieht die Botschaft vom lebendigen Christus Kreise ... aber der große Durchbruch steht noch bevor. Noch lebt man zurückgezogen; die Freunde Jesu feiern und beten in ihren Häusern: man hält die Türen verschlossen ‚aus Furcht vor den Juden' (Johannes 20,19). Daß Jesus alle Menschen einladen will. seine Gemeinde grenzenlos weit bauen will, begreifen sie erst langsam. Die Situation der Jünger kann erzählerisch dargestellt werden.

Auch Jesus hat in seinem Leben verschlossene Türen und Ablehnung erfahren. „Als Hinführung zum Pfingstgeschehen ist darum auch die Perikope von den ungastlichen Samaritern sehr hilfreich (Lukas 9,51-56). Jesus ... erlebt hier, daß sich die Türen heim Wandern durch dieses Land vor ihm und seinen Jüngern verschließen. Die Jünger fordern in ihrem Zorn ein Strafgericht des Himmels ... aber Jesus ermahnt sie. Seine Liebe hat langen Atem und viel Geduld; er fragt: „Wißt ihr nicht, wes Geistes Kind ihr seid?“ Von seinem Geist der Liebe haben die ihn begleitenden Jünger noch nicht viel begriffen, er ist ihnen im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht geschenkt. Aber am fünfzigsten Tag nach Ostern widerfährt ihnen dieses Geschenk.

Die Pfingstgeschichte des Lukas wird nun auf dem Hintergrund der erfahrenen Türerlebnisse erzählt. Unter dem Gesichtspunkt der verschlossenen und sich öffnenden Türen wird ein wichtiger Aspekt der Pfingstgeschichte deutlich werden. Will man miteinander feiern, ist das Öffnen von Türen notwendig. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf die Begeisterung der Menschen gelegt. Hier kann nun das Erfahrbarmachen von Begeisterung hinzutreten. Dazu legen die Kinder Wollfadenbilder. Auf einem Flanelltuch oder einem Teppich können mit angefeuchteten bunten Wollfäden Gesichter gelegt werden. Wenn sich Menschen freuen, kann man das an ihren Gesichtern ablesen. Die Wollfadenbilder gestatten ein ständiges Verändern des Gesichtsausdrucks. So kann von der kleinen Freude bis zum übergroßen Jubel gesteigert werden. Dem Singen und der Freude muß nach diesen Erlebnissen genügend Raum gegeben werden.

 

Entfaltungsbereich HAUS - KIRCHE

Auf die Beziehung zwischen der Geschichte vom Turmbau zu Babel (1. Mose 11) und der Pfingstgeschichte (Apostelgeschichte z) ist häufig hingewiesen worden. In der Geschichte vom Turmbau zu Babel wird erzählt, wie die Menschen zur Demonstration ihrer Macht einen Turm bauen wollen, der bis an den Himmel reicht. Gott schreitet ein und zerstreut die Menschen. Sie sprechen verschiedene Sprachen. Sie verstehen sich nicht mehr. In der Pfingstgeschichte begegnet uns die Vielfalt der Sprachen wieder. Diese Vielfalt wird hier nicht aufgehoben, wohl aber gibt es jetzt nach der Ausgießung des Geistes ein Verstehen der Christen über all die Sprachgrenzen hinweg.

Ein Konkurrenzspiel mit Bausteinen oder Kartons eröffnet die erste Phase dieses Entfaltungsbereiches. Jede Gruppe der zwei Gruppen bemüht sich nun, einen Turm zu bauen, der höher ist als der der anderen. Dabei kann es geschehen, daß die Kinder zu verschiedenen Techniken greifen, um den höchsten Turm zu bauen (auf dem Tisch beginnen oder Stühle stapeln). Wenn Kartons verwendet werden, kann jedes Kind vorher von sich etwas darauf malen, so daß dieser Karton zu „seinem“ Baustein wird. Während des Bauens kann ein Streit ausbrechen über „erlaubte und unerlaubte“ Hilfsmittel. Von einer gewissen Höhe an werden die Bauwerke umkippen. In einem auswertenden Gespräch wird erarbeitet, warum die Türme eingestürzt sind. Falls die Türme noch stehen, kann über die Probleme während des Bauens (Streit, Konkurrenz) gesprochen werden. Auch ein friedliches Bauen kann eine gute Kon­trastmöglichkeit ergeben zu dem nun folgenden Schritt:

Die Kinder bauen jetzt zusammen ein Haus, in dem für alle Platz ist, wo jeder hineindarf. Das Haus erhält den Namen Kirche. Die vorhandenen Kartons werden nun für den neuen Bau verwendet. Um das Haus für alle groß genug zu hauen, kann es sein, daß wir mit einem Grundriß eine Begrenzung schaffen und uns mit einer niedrigen Höhe zufriedengeben müssen. Manche Kinder werden das Haus als „nicht fertig“ bezeichnen. Kirche ist ja wohl auch nie ganz fertig. Der Geburtstag der Kirche kann trotzdem darin recht fröhlich gefeiert werden.

 

Entfaltungsbereich FEUER

Es kommt immer wieder einmal vor, daß ganze Gruppen für eine Sache Feuer und Flamme sind. Mit Feuereifer beginnen sie dann ihr Tun. Es geschieht aber nicht selten, daß Erwachsene dem Feuer- und Flamme-Sein der Kinder Einhalt gebieten. Ihre Erfahrungen haben sie gelehrt, daß am Ende das Verlöschen und Erkalten steht. Um die Erlebnisfähigkeit der Kinder zu erhalten und zu fördern, kann eine Imaginationsübung zum Element Feuer am Anfang stehen.

Zur Einstimmung auf das Thema sitzen die Kinder im Kreis auf Stühlen oder auf dem Boden. Nun stellen sie sich in der Kreismitte ein Feuer vor. Dazu können sie die Augen schließen. Um die Phantasie der Kinder anzuregen, können Impulse gegeben werden (Welche Farbe haben die Flammen, wie sieht es in der Mitte aus, gibt es Geräusche?) Mit geöffneten Augen berichten die Kinder von „ihrem“ Feuer. Dabei werden die Erfahrungen der Kinder mit Feuer zur Sprache kommen. Feuer ist schön und gefährlich, reizvoll und bedrohlich zugleich. Um die Faszination des Feuers gemeinsam zu erleben, sollte, wo das möglich ist, ein kleines Lagerfeuer stattfinden (Sicherheitsbestimmungen beachten!); andernfalls können auch zur Betrachtung eines Kerzenlichtes die nötigen Impulse gegeben werden.

Feuer und Licht sind Urelemente der Schöpfung. Ohne sie herrschten Finsternis und Kälte. Neben den Feuerenergien im Erdkern, denen wir etwa bei Vulkanausbrüchen begegnen, neben der Sonnenenergie, die sich noch weitgehend unserer Verfügbarkeit entzieht ... ist uns auch manche Feuer- und Lichtquelle anvertraut. Der verantwortbare Umgang damit ist ein Stück Schöpfungsauftrag.

Kleine Feuer können zu großen werden. Unter diesem Aspekt können die Kinder aus rotem, gelbem und orangefarbenem Papier eine Reißarbeit anfertigen. Auch jüngere Kinder können sich beteiligen. Züngelnde Flammen, Funken, Bewegung des Feuers, Ausbreiten oder Abklingen, Übergreifen zum Nachbarn, alles kann mit dieser Methode ausprobiert werden. Auch ist denkbar, daß die Kinder einzelne kleine Feuer zu einem einzigen großen werden lassen. Eine weitere Möglichkeit bietet sich mit Plakatfarbe oder Fingermalfarbe an. Auch ein dunkler Untergrund ergibt einen guten Kontrast zu den aufgetragenen Farben.

 

Entfaltungsbereich WIND

Ähnlich wie bei dem Element Feuer, so ist auch zum Thema Wind eine Imaginationsübung möglich. Mit geschlossenen Augen stellen wir uns eine Situation vor, in der wir den Wind sehr bewußt wahrgenommen haben. Danach, wieder mit geöffneten Augen, schildern wir unsere „Erlebnisse“. Die Kraft des Windes wird von den Kindern unterschiedlich erlebt worden sein. Hier einige Beispiele: Drachensteigen, Segeln, Windmühlen, aber auch Sturm, der Dächer beschädigt, Bäume knickt, oder Bilder aus Zeitungen und Fernsehen über verheerende Seestürme oder Sturmfluten. Wind zerstreut, wirbelt auf, trägt davon, erfrischt, verändert. Bilder aus Bilderbüchern und Lieder vom Löwenzahn, dessen Samen schon vom leisesten Windhauch davongetragen werden, sind geeignet, Kinder sensibel zu machen für die Bewegung, die der Wind schafft.

Um die Freude am Weitertragen des Windes zu erleben, können wir mit den Kindern Windbälle basteln: Aus festem Papier oder Karton schneiden wir drei gleich große Kreise, deren Durchmesser etwa 100 Millimeter beträgt. Gemäß der Abbildung werden die Einschnitte ausgeführt. Teil 1 wird nun etwas zusammengebogen, aber nicht gefaltet. und durch den Mittelschlitz von Teil 2 geschoben. Beide Teile zusammen werden nun durch die gekreuzten Mittelschlitze von Teil 3 gesteckt. Danach brauchen die gebogenen Ecken nur noch geglättet zu werden, und der Windball kann ausprobiert werden.        

Wer die Kraft des Windes bildnerisch gestalten will, findet dafür ein reiches Themenangebot (Wellen, Bäume im Wind, Blütenregen, Gräser u.a.m.). Erzählvorschlag zur Pfingstgeschichte unter dem Aspekt: Wie Wind den Samen treibt, werden Gottes Boten nun getrieben.

Erzählung:

Die kleine Schar der Freunde Jesu fand sich täglich zusammen. Man ließ einander nicht allein. Es war eine Gemeinde, die jeden Tag nichts Wichtigeres zu tun hatte als zu beten und zu warten auf das, was Jesus versprochen hatte. Sie übten Gemeinschaft: einer stand für den anderen ein. Petrus ermutigte sie alle durch seine Predigt. Unter Gebet verteilten sie ihre Dienst- und Apostelämter.          

So waren sie auch am fünfzigsten Tag nach Ostern, am Tag des jüdischen Erntedankfestes, dem Tag der Pfingsten, wieder beieinander. Plötzlich glaubten sie das Wehen eines Windes zu verspüren. Es kam ihnen fast wie ein Brausen vor, das immer stärker wurde. So etwas hatten ihre Ohren noch nie vernommen. Der Raum, in dem sie gerade gebetet hatten, schien ganz von einem Wind erfüllt zu sein! Weil sie sich hinter verschlossenen Türen und Fenstern versammelt hatten, erschien ihnen das unerklärlich. Auch glaubten sie, die Wärme von Feuer zu verspüren, und eine unbändige Freude erfüllte sie. Da wußten sie es: Jetzt spüren wir die Nähe und Kraft Gottes!

Niemand hielt es mehr im Raum: jetzt hatten sie Mut, von ihrer Freude weiterzusagen; alle sollten hören, was sie von Jesus zu erzählen hatten: Er, der Gekreuzigte und Auferstandene ist lebendig. Er lädt alle zu seiner Gemeinde ein! Um Petrus scharten sich besonders viele Zuhörer. Er predigte mit einer geradezu flammenden Begeisterung. Da ging eine Bewegung durch die Menschen; die Begeisterung sprang über wie ein Funken. Von allen Seiten hörte man Menschen den Namen Jesu rufen. Die Apostel verkündeten mit großer Freude und Mut das Evangelium vom einladenden Jesus, der keinen ausschließen will ...

Manche aber in den Straßen Jerusalems schüttelten die Köpfe über soviel Begeisterung und Freude der Apostel. Sie hielten die Prediger für Betrunkene: aber nicht das Trinken von Wein, sondern der Geist Gottes hatte die Menschen hier verwandelt.

An diesem großen Tag wuchs die Gemeinde Jesu. Mehr als tausend Menschen ließen sich taufen. Menschen aus den verschiedensten Nationen wollten nun zur Gemeinde Jesu gehören. Jetzt hatte sich der kleine Kreis der Freunde Jesu geöffnet zu einer großen, weltweiten Gemeinde. Wie der Wind den Samen treibt, so trieb sie jetzt der Geist der Freude, daß sie Boten Jesu sein konnten. Alle spürten: Dieses Pfingst­fest ist der Anfang einer weltweiten Gemeinde.

 

 

 

Vor den Sommerferien: Dankbarkeit für Arbeit und Lernen: Ps 104,23 

Einführung:

Bald beginnen die großen Ferien. Wir kommen einmal heraus aus der Arbeit und dem Lernen. Wir freuen uns, daß wir in den hinter uns liegenden Zeitabschnitt

Bewältigt haben. Wir haben wirklich Grund, Gott dafür zu danken, daß wir schaffen und lernen konnten. Nun aber wird Pause gemacht.

Jeden Tag brauchen wir kleine Pausen, einmal im Jahr aber eine große Pause. Da braucht mal nicht so früh aufzustehen wie sonst. Man kann einmal machen, was besonders Spaß macht. Man kann auch einmal etwas anderes sehen. Urlaubszeit ist Reisezeit. Überall können wir Neues entdecken, ob in der Ferne oder in der Nähe, überall ist es interessant.

Wir betrachten eine Karte unsres Landes (Atlas!) und wollen herausfinden, was wir auf den ersten Blick wiederentdecken von dem, was in Psalm 104 genannt wird: Wir finden Berge, Flüsse und das Meer. Wir finden weite fruchtbare Gebiete, die für die Landwirtschaft genutzt werden. Wir finden große Waldflächen. Und es gibt schöne Landstriche, in denen sich im Sommer die Menschen besonders gern erholen.

Aber die Karte zeigt auch die Städte, die Menschen in die Landschaft hinein gebaut haben. Dort wohnen und leben und arbeiten Menschen. Die Städte haben auch viel Schönes zu bieten [Beispiele aus der eigenen Stadt und der Umgebung].

Wir können uns auch darüber freuen, was in unserer Zeit geschaffen wurde auf dem Gebiet der Technik, des Sports und der Kultur. Auch dadurch wird unser Leben bereichert. Wie leben von dem, was das Land uns bietet. Unsere Lebenszeit können wir dazu nutzen, unsere Welt besser und schöner zu machen

In dem Lied aus der Bibel heißt es immer wieder ganz betont: DU läßt es quellen,

DU läßt es wachsen, DU hast es gemacht. Gott hat die Welt für die Menschen geschaffen, damit sie dort ihre Lebenszeit verbringen und in dieser Zeit etwas schaffen können. Wir gehören zu dieser Welt, aber wir gehören auch zu Gott. Er vertraut uns ein Stück Welt an. Ihm sind wir verantwortlich für das, was wir in dieser Welt tun.

 

Predigt:

Was bietet unsere Gegend an Wertvollem für unser Leben? Was haben wir für Naturschönheiten? Wofür können wir besonders dankbar sein? Wir leben in einer landschaftlich schönen Gegend. Es gibt viel Wald, liebliche Täler und saubere Dörfer. Die Luft bei uns ist noch viel sauberer als in den Industriegebieten, das Wasser ist sauberer, viele besondere Pflanzen und Tiere sind hier noch zu finden [in einer Industriegegend wird man herausstreichen, was es dennoch an Schönem gibt].. Wir finden auch Feste aus der Vergangenheit, die uns vom Tun unsrer Vorfahren berichten.

Gott hat günstige Voraussetzungen für unser Leben geben. Wir haben eine Heimat, in der man nicht zu hungern braucht. Wir haben ein Elternhaus, in dem wir geborgen sein Können. Gott hat uns aber auch Zeit gegeben zum Lernen und Arbeiten.

Aber er will euch, daß wir ausruhen. Wir brauchen eine Pause zum Ausruhen und Nachdenken. Dann können wir noch mehr Erfreuliches entdecken, als wir auf den ersten Blick sehen. Dann können wir auch neue Kräfte gewinnen für die Arbeit und zum Lernen.

Erntedanktag

Anspiel:

Nachdem der Pfarrer den Predigttext verlesen hat, dringt plötzlich ein junger Mann in die Kirche ein, in Arbeitskleidung und mit erbostem Gesicht:

„Ich habe gehört, Sie feiern hier Erntedankfest. Ist das denn auch eine Art, bei schönstem Wetter hier in der Kirche zu sitzen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen, anstatt ordentlich zu arbeiten wie ich, damit die Ernte auch rein kommt. Sie feiern schon Erntedankfest, als wäre es schon Zeit, die Hände in den Schoß zu legen. Ich habe das ganze Jahr zu tun!“

Gabi: „In unserer Agrargenossenschaft haben wir unsere Endabrechnung erst Anfang Januar. Das ist unser Erntedankfest. Da zeigt sich, wieviel Geld wir geerntet haben. Bückt euch nur erst einmal ein Jahr lang! Ich geh gleich wieder. Gerade sonntags gibt es noch Sonderzulage, das muß man ausnutzen. Im Januar soll die Abrechnung stimmen!“

Strauß: „Halten Sie es denn für gut, wenn jeden Sonntag gearbeitet wird? Ich bin Student und nur den Sommer über hier im Praktikum. Einen Sommer hält man das schon einmal aus!“

Gunter: „Ich hab da einmal ein interessantes Experiment gemacht: Im Frühjahr habe ich jeden Sonntag gesät, anstatt in die Kirche zu gehen. Im Sommer habe ich jeden Sonntag auf dem Feld gearbeitet und im Herbst jetzt jeden Sonntag geerntet. Meine Ernte ist wesentlicher besser als die Ernte meiner Nachbarn, die jeden Sonntag in die Kirche gelaufen sind. Was sagen Sie nun dazu?“

Margot: „Unerhört!“

Gunter: „Aber die dicksten Kartoffeln ernten halt die klügsten Bauern, die ihre Zeit gut ausnutzen und auch sonntags arbeiten!“

 Marlis: „Das finde ich beleidigend!“

Strauß: „Wieso ist das beleidigend?“

Marlis: „Gott macht seine Rechnung nicht schon im Oktober!“

Uta: „Ich mache mir doch keine Sorgen um die Ernte und all den Kram. In unsrer Schule gibt es eine Küche und da kommt für mich immer das Essen her!“ „Strauß: "Und woher kriegt die Küche das Essen?“

Uta: „Vom Großhandel!“

Strauß: „Und der Großhandel?“

Uta: „Von der Landwirtschaft!“

Strauß: „Und wenn die Bauern nichts leisten und sonntags sogar noch daheim bleiben?“

Margitta: „Es ist eine Schande, daß wir hier beim schönsten Wetter auf den weichen Kissen in der Kirchenbank sitzen!“ (hebt Kissen hoch).

Strauß: „Unser Ziel ist es, jedes Jahr mehr zu ernten. Deshalb die Düngemittel, die Vollerntemaschinen, der Staudamm und die höheren Anforderungen an die Arbeitskraft der Menschen!“

Dorothea: „Ihr redet hier andauernd von der Landwirtschaft. Ich steh den ganzen Tag hinter dem Ladentisch, mich geht dieses Fest heute doch nichts an!“

Margot: „Wenn es wenigstens ein Fest wäre, mit Essen und zu Trinken und nachher Tanz"“

Strauß (zu Dorothea): „Was verkaufen Sie denn auf Ihrem Ladentisch?“

Dorothea: „Brötchen, Torten, Stückchen, Eclairs!“

Strauß: „Und wo kommt das Mehl dazu her? Aha!“

Lehmann: „Aber ich habe damit doch nichts zu tun. Ich arbeite in der Fabrik und ziehe an den Straßenbahnwagen immer nur eine Schraube fest. Die Leute müßten m i r dankbar sein, daß bei mir keine Schraube locker bleibt und ein Unglück passiert!“ Strauß: „Aber Sie haben doch die Ziele der Firma erreicht!“

Lehmann: „Übererfüllt!“ (mit stolzgeschwellter Brust)

Strauß: „Können Sie da nicht auch dankbar sein, daß Sie immer so kräftig arbeiten konnten und nicht krank wurden?“

Ursel: „Gesundheit ist auch ein Geschenk Gottes, für das wir dankbar sein können!“

Strauß: „Aber Gesundheit nutzt uns nichts, wenn wir nichts zu essen haben. Erst muß einmal etwas geschafft werden, dann können wir uns vielleicht auch einmal bedanken. Meiner Meinung nach ist es der beste Dank, wenn wir am Erntedankfest kräftig bei der Ernte mithelfen, denn die Kartoffeln und Rüben gehören schließlich auch zur Ernte!“

Margot: „Beinahe wäre das Erntedankfest dieses Jahr ja buchstäblich ins Wasser gefallen. Das hat einmal viel geregnet, fast jeden Tag kam etwas, monatelang. Dafür brauchen wir uns ja nicht zu bedanken!“

Gunter: „Aber meine Kartoffeln sind dadurch prima geworden. Gerade als ich sie rausholen wollte, setzte dann das schöne Wetter ein. Glück muß der Mensch haben!“

Uta: „War das nur Glück?“

Strauß: „Und die Getreideernte ist schließlich auch noch unter Dach und Fach gebracht worden, wenn es auch viel Arbeit gemacht hat!“

Gabi: „Sollen wir also doch dankbar sein und das Erntedankfest wie jedes Jahr feiern?“

Strauß: „Ich bin mal gespannt, was der Pfarrer jetzt dazu zu sagen hat. Sollen wir sagen: Hilf dir selbst, so hilft dir Gott! oder sollen wir auch einmal einen lag im Jahr einhalten und dem Schöpfer danken für alle seine Gaben!“

 

Predigt:

Was hat Gott mit der Ernte zu tun? Wachsen die Früchte des Feldes nicht ganz von allein? Hat nicht die Großwetterlage mehr Einfluß auf die Ernte als unsere Gebete? Sorgen nicht die Bauern und der Handel für unser tägliches Brot?

Manche Christen sagen: Ihr habt zwar den Mähdrescher, den Kunstdünger und die Tiefkühltruhe erfunden. Aber das Wetter könnt ihr nicht machen! Da müßt ihr euch doch nach dem Willen des Schöpfers richten, sonst wird es nichts!

Aber eine solche Polemik verfängt heute nicht mehr, und zwar aus zwei Gründen: Einmal können die Menschen tatsächlich Wetter machen, entweder indem sie es beeinflussen oder unabhängig davon werden. Man kann heutzutage zum Beispiel Wolken dazu bringen, daß sie sich ausregnen. Oder es gibt Treibhäuser, in denen die Erbsen ohne Sonnenlicht bis zur fertigen Konserve „produziert“ werden. Technisch ist es heute möglich, die Ernte ohne Sonnenschein einzubringen oder durch die Bewässerung selber „Regen“ zu machen.

Aber auch vom Glauben her müssen wir es ablehnen, Gott einfach zum Wettermacher zu machen. Hinter Erntebittgottesdienste ist deshalb ein großes Fragezeichen zu setzen. Gott wird da zu leicht als einer angesehen, der auch in das kleinste Geschehen eingreift. Wenn man ihn aber um gutes Wetter bittet, dann verfällt man leicht in ein magisches Denken und in Primitivaberglauben.

Auch in der Bibel heißt es: „Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut“ oder „Solange die Erde steht soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht!“ Diese Vorgänge haben offenbar mit dem Glauben des Menschen gar nichts zu tun. Gott läßt die Sonne auch aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. Ob christlich oder atheistisch- es wächst doch.

Man kann keinen Menschen zwingen zu erkennen, daß Gottes Wille hinter allem Wachsen und Gedeihen steht. Das erkennen wir erst, wenn Gott uns die Augen öffnet. Die Reihenfolge ist nicht: „Wir haben Brot - Es erhält uns am Leben -Gott sei Lob und Dank“, sondern es ist umgedreht: „Lob und Dank! Wir haben ja Gott. -Er erhält uns am Leben - Er gibt uns auch Brot!“ Wenn man eine Beziehung zu Gott hat,

dankt man ihm auch.

Jede Ernte verführt dazu, daß man sich auf die eigene Leistung verläßt. Das Danken aber will uns frei davon machen. Jede Ernte kann uns zum Anlaß werden, im Wachsen und Reifen ein Erkennungszeichen der göttlichen Schöpfung und Erhaltung zu sehen. Das Wachsen und Reifen ist ein Wunder, auch wenn es einmal Mißerfolge gibt. Es ist nicht alle Tage Sonnenschein, weder für die Ernte noch für unser Leben. Aber wir können Gott auch dafür danken, wenn die Ernte etwas mager ausgefallen ist.

Wir werden zwar vielleicht nicht mehr für das danken, was der Mensch prinzipiell selber „machen“ kann. Aber wir bitten darum, daß kein Mensch mehr zu verhungern braucht. Und wer darüber nachdenkt, wie mühsam das Brot von anderen erarbeitet wurde und wie groß das Risiko dabei ist, der kommt einfach zum Danken. Wenn uns einer etwas heimlich geschenkt hat, dann können wir uns erst so nichtig freuen, wenn wir wissen, von wem das alles kam.

So wächst zwar die Ernte wie von selbst. Nicht aber der Dank der Menschen. Wer aber nichtig froh über alles werden will, der dankt Gott für alle gute Gabe. Auch im scheinbar Selbstverständlichen können wir das Wunder erkennen. Deshalb feiern wir auch heute noch Erntedankfest.

 

 

 

Erntedanktag: Gottes Liebe ist wie die Sonne

Text zum Einstieg:

Heute ist Erntedankfest und wir sind alle in die Kirche gekommen, um „danke“ zu sogen. Dabei wissen wir gar nicht mehr, wo wir uns bedanken sollen.

Wir müssen doch selber für uns sorgen:

auf dem Feld.

im Stall,

im Büro,

auf dem Wasser, unter der Erde,

im Institut

und in der Fabrik.

Aber heute ist Erntedankfest, und wir sind alle in die Kirche gekommen. um „danke“ zu sagen. Dabei wissen wir gar nicht, warum wir uns bedanken sollen, denn wir müssen das Geld verdienen:

mit der Schaufel,

mit dem Zirkel,

am Steuer,

hinter Büchern,

mit dem Reagenzglas,

auf dem Traktor,

an der Maschine und

am Mikroskop.

Doch heute ist Erntedankfest, und wir sind alle in die Kirche gekommen, um „danke“ zu sagen. Dabei wissen wir gar nicht, wie wir uns bedanken sollen. Ob wir etwas von unserem Arbeitsplatz mitbringen?

Tiere,

Feldfrüchte,

Kleider und Schuhe,

Kohle und Eisen,

Geräte und Maschinen,

Lebensmittel

und Bücher?

Wir wissen nicht, was wir tun sollen!

 

Meditation und Gespräch:

Ein Bild „Sonne“ hängt vorn im Raum (mit Signierstiften auf Zeichenkarton A2 oder mit anderem Farbmaterial leicht zu malen: ein großer feuriger Ball etwa wie bei einem Sonnenaufgang) oder ein Farbdia „Sonnenaufgang“ wird auf eine Leinwand projiziert.

Das ist die Sonne. Ein feuriger Ball. Wundervolles Licht. So geht die Sonne auf. Es wird hell. Leuchtende Strahlen. Wärme. Leben erwacht. Leben pulsiert. Jubilierende Vogelstimmen. Blumen öffnen sich der Sonne. Sie trinken ihre Strahlen. Sie verwandeln sie in Schönheit. Sonne bräunt die Haut. Sonne malt Äpfeln rote Wangen. Sonne reift das Korn. Sonne ist Leben. Sonne ist Freude. Sonne ist Licht. Wie gut, daß uns die Sonne scheint. Jeden Tag. Auch wenn Wolken ihr Angesicht verhüllen. Wir danken Gott für die Sonne. Was nur die Sonne alles für uns hervorbringt!

Die kurze Meditation mündet in ein Gespräch über alles, was wir der Sonne zu verdanken haben: Licht, Wärme, Kraft, Energie, Reife, Wachstum, Frucht, Ernte, Lebensmittel usw. Wir danken Gott, daß uns seine Sonne scheint. So erhält Gott unser Leben. Seine Liebe begegnet uns auch im Sonnenschein. Noch mehr: „Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da“. Es wäre nun nach anderen Zeichen der Liebe Gottes und ihren Erfahrungsbereichen zu fragen und nach Antworten im Gespräch zu suchen.

 

Was die Sonne hervorbringt:

Wir haben ernten können, weil uns wieder ein Jahr die Sonne geschienen hat. Ohne

Sonnenschein bringen wir keine Ernte ein. Was die Sonne hervorbringt, soll von Kindern dargestellt und gestaltet werden. Sie haben bereits im Unterricht Blütenblätter vorbereitet. Zu Stichworten zum Thema „Was wir zum Leben brauchen“ haben sie auf die Blütenblätter gemalt:

Nahrung -  Brot, Apfel, Mohrrübe, Korn, Mehltüte

Kleidung -  Schuhe, Decke, Kleid, Mütze, Handschuhe

Technik -  Hammer, Zange, Bohrmaschine, Auto, Traktor

Wohnung - Haus, Bett, Schrank, Tisch, Stuhl, usw.

Diese Blütenblätter sollen zu Blumen zusammengesteckt werden. Dazu sind Stiele vorbereitet. Je fünf Blätter kommen an einen Stiel und bilden eine Blume. Diese Blütenblätter tragen dieselbe Farbe. Die Blumen werden zu einem „Blumenbeet“ zu­sammengestellt.

Und so wird es gemacht: Die Blütenblätter werden aus fester Pappe gefertigt. Der „Blütenboden“ wird aus zwei Pappscheiben gebildet, die auf eine dünne Leiste genagelt werden. Zwischen die beiden Scheiben werden dann die Blütenblätter gesteckt. Die Leisten werden an eine entsprechend starke Holzbohle genagelt, und fertig ist das „Blumenbeet“. Ein darüber angebrachtes Bild von der Sonne kann nun anschaulich machen: Soviel hat die Sonne hervorgebracht! Daß auch technische Dinge auf den Blütenblättern erscheinen, macht deutlich, daß eigentlich alles direkt oder indirekt ein Produkt der Sonne ist.

 

Gedanken zur Verkündigung:

Unter dem Bild der Sonne erinnern wir uns an ein Jahr, in dem der Sonnenschein wieder in Gärten und auf den Feldern eine reiche Ernte wachsen ließ. Alles Gewordene ist ein Produkt der Sonne. Unter den Strahlen der Sonne wachsen: Blumen, Gemüse, Obst, Kartoffeln, Korn usw. - alles, was wir zum Leben brauchen. Das sind auch die technischen Dinge, mit denen wir arbeiten oder die uns das Leben leichter machen, auch Kleidung und Wohnung (Hier bringen die Kinder die von ihnen gefertigten Blütenblätter und lassen unter dem Bild der Sonne das bunte Blumenbeet erstehen. Sie sagen, was sie jeweils zu einer Blume zusammenfügen).

Wir haben sicherlich auch unseren Teil dazu beigetragen, damit eine gute Ernte heranwachsen konnte. Nur, ohne Sonne hätten wir nichts tun können. Hier mag deutlich werden, wie unser Leben eingebunden ist in die Zusammenhänge der Natur. Auch dies zeigt: Wir verdanken unser Leben nicht uns selber. Die Sonne aber ist Gottes Geschöpf. Gott läßt seine Sonne scheinen über allen Menschen, damit alle leben können. Gottes Liebe verdanken wir unser Leben. Sie selber ist Urgrund des Lebens. So können wir singen: „Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da!“ (Hier kann in das Bild von der Sonne dieser Text geschrieben werden: „Gottes Liebe ist wie die Sonne“, oder ein zweites Bild mit dem Text wird einfach darüber gehängt.)

Nun fragen wir, wie diese Liebe Gottes erfahrbar wird. Wir können sie erfahren in dem, was die Sonne hervorbringt, vor allem aber durch das Wort Gottes, durch das er uns wissen läßt: „Ich bin bei dir. Ich führe dich. Ich helfe dir!“ Und wenn wir Freude empfangen und Angst überwinden und Geborgenheit erfahren, wenn wir geliebt werden und Liebe weitergeben - da begegnet uns Gottes Liebe und macht unser Leben warm und hell. Durch Jesus Christus erfahren wir, daß Gottes Liebe immer für uns da ist. Er sagt: „Ich bin das Licht der Welt!“ Wie Blumen sich der Sonne entgegenstrecken, können wir uns diesem Licht der Liebe Gottes zuwenden. Von diesem

Licht belebt, können wir selber Gottes Liebe in die Welt tragen (Kinder oder Glieder der Jungen Gemeinde haben Karten gestaltet mit dem Text „Gottes Liebe ist wie die Sonne“ und tragen sie zu den Gottesdienstbesuchern. Jeder soll eine Karte bekommen und als Zeichen der auch ihm geltenden Gottesliebe mitnehmen oder auch bei einem Krankenbesuch weiter schenken.

Gebet:

Herr, unser Gott. Du hast deine Sonne wieder über uns scheinen lassen. Ihre wärmenden Strahlen, ihr helles Licht, ihre lebenspendende Kraft hast du uns geschenkt. Wir freuen uns über die Sonne, die jeden Tag über uns aufgeht. Wir danken dir für deine Liebe.

Herr, unser Gott. Deine Sonne hat uns das tägliche Brot wachsen lassen. Wir haben empfangen, was wir zum Leben brauchen. Wir freuen uns über die vielen Gaben, die uns das Leben schön machen. Wir danken dir für deine Liebe.

Herr, unser Gott. Deine Liebe ist wie die Sonne. In deiner Gemeinde haben wir deine Liebe erfahren und Geborgenheit gefunden. Durch dein Wort hast du uns Leben, Freude und Hoffnung geschenkt. Wir danken dir für deine Liebe.

Herr, unser Gott. Laß die Sonne deiner Liebe allen Menschen in der Welt leuchten, damit Hungernde das tägliche Brot, Unterdrückte ihre Freiheit und Traurige wieder Freude empfangen. Wir bitten dich um deine Liebe.

Herr, unser Gott. In deiner Welt sind Menschen von Krieg, Gewalt und atomarer Rüstung bedroht. Gib allen, die für andere Verantwortung tragen, Gedanken des Friedens, damit die Gefahren gebannt werden. Wir bitten dich um deine Liebe.

Herr, unser Gott. Laß uns deine Liebe weitertragen zu den Alten und Kranken, zu den Behinderten und Einsamen, zu den Nachbarn und Freunden und zu denen, die niemand lieb hat. Wir bitten dich um deine Liebe.

 

 

 

Erntedanktag (Bausteine)

Einstieg:

1          Heute ist Erntedankfest und wir sind alle in die Kirche gekommen, um „danke“ zu sagen         

2          Dabei wissen wir gar nicht mehr, wo wir uns bedanken sollen

3          Wir müssen doch selber für uns sorgen

1          auf dem Feld

2          im Büro

3          in der Fabrik

4          im Institut

5          unter der Erde

6          in der Werkstatt

7          im Laden

 

4          Aber heute ist Erntedankfest und wir sind alle in die Kirche gekommen, um „danke“ zu sagen.

5          Dabei wissen wir gar nicht, warum wir uns bedanken sollen,

6          sondern wir müssen Geld verdienen:

1          mit der Schaufel

2          mit dem Zirkel

3          am Steuer

4          hinter Büchern

5          an der Maschine

6          auf dem Traktor

7          am Mikroskop

 

1          Doch heute ist Erntedankfest und wir sind alle in die Kirche gekommen, um „danke“ zu sagen.

2          Dabei wissen wir gar nicht, wie wir uns bedanken sollen.

7          Ob wir etwas von unserem Arbeitsplatz mitbringen?

1          Tiere

2          Feldfrüchte

3          Kleider und Schuhe

4          Kohle und Eisen

5          Geräte und Maschinen

6          Lebensmittel

7          Bücher

 

 

Bänkellied vom Brot:

Sprecher: „Brot für die Welt“ heißt unsere Überschrift. Wer ist es überhaupt, den sie betrifft? Wer braucht denn Brot in unserer Welt von heute? Gibt es denn nicht genug für alle Leute?

Vorsänger: Einer, der in Madras war, machte es uns einmal klar,

daß mehr als die halbe Stadt niemals satt zu essen hat.

Chor:   Niemals satt - denkt daran: ob man dabei leben kann?

Vorsänger: Einer war in Afrika und erzählte,

wie sich da manches Kind zu Tode quälte,

 weil der Nahrung Eiweiß fehlt.

Chor:   Niemals satt - Eiweiß fehlt - denkt daran:

ob man dabei leben kann!

Vorsänger: Wieder einer war am Nil, als der Wasserspiegel fiel:

Dürre hat das ganze Land

vor der Ernte leer gebrannt

Chor:   Niemals satt - Eiweiß fehlt - dürres Land - denkt daran:

ob man dabei leben kann?

Vorsänger: Einer sah, in China war's, wie die Ernte eines Jahr's

über Nacht vernichtet ist, wenn der gelbe Strom sie frißt.

Chor:   Niemals satt - Eiweiß fehlt - dürres Land - Wasser frißt -

denkt daran; ob man dabei leben kann?

Sprecher: „Brot für die Welt“ heißt unsere Überschrift.

Meinst du nicht, daß sie auch dich selbst betrifft?

Hast du nicht mehr als alle die besessen,

die heut' nicht wissen, was sie morgen essen?

Vorsänger: Die Statistik hat gezeigt, daß der Lebensstandard steigt;

keiner wird des Lebens froh ohne Kofferradio.

Chor:   Radio - sieh mal an, wie man das gebrauchen kann!

Vorsänger: Sagt im Radio ein Mann die genaue Uhrzeit an,

ist mir recht und billig nur eine neue Armbanduhr.

Chor:   Radio - Armbanduhr - sieh mal an,

wie man das gebrauchen kann!

Vorsänger: Für die Uhr, die man jetzt trägt,

ist die Haut zu ungepflegt,

deshalb macht sie angenehm mit Balsamo-Vitakrem.

Chor:   Radio - Armbanduhr - Vitakrem - sieh mal an,

wie man das gebrauchen kann.

Vorsänger: Für die schöngepflegte Haut ist mein Hemd zu aufgerauht,

deshalb muß, um Fleisch und Bein, Nylon oder Perlon sein.

Chor: Armbanduhr - Radio - Vitakrem - Perlon fein -

n sieh mal an, wie man das gebrauchen kann!

Sprecher: „Brot für die Welt“ heißt unsere Überschrift,

die jeden in der Welt betrifft.

Daß sie uns heute trifft, bleibt nur zu hoffen,

denn noch vor kurzem hat sie uns betroffen:

Vorsänger: Als der Krieg zu Ende war, war auch unser Futter rar,

und mit Geld, das man gespart, ging man auf die Hamsterfahrt.

Chor:   Geld gespart - seht euch an, was man noch entbehren kann!

Vorsänger: Doch auch Geld war nicht viel wert und der Vorrat rasch verzehrt,

denn Kartoffeln ließ man knapp gegen Tafelsilber ab.

Chor:   Geld gespart - Silber ab - seht euch an, was man noch entbehren kann.

 

Großer Jubel um den ersten Erntewagen

Wenn sich in diesen Wochen unsere Bauern anschicken, die Früchte ihres Fleißes, ihrer Mühe zu bergen, dann eilen wohl unsere Gedanken zurück in jene Erntetage, da es in Kriegszeiten an Arbeitskräften mangelte, da die Früchte der Äcker und Felder „erfaßt“ wurden, da man dem berüchtigten „Kohlrübenwinter“ (1916) entgegenging und täglich Tausende von Städtern auf die kaum abgeernteten Felder eilten, um Ähren zu lesen und Kartoffeln zu stoppeln. Wohl selten aber hat man in unserer Heimat der Ernte mit solchen Ängsten und Sorgen entgegen gebangt wie in den Jahren 1816 und 1817.

Auf die Kriegsereignisse der vorangegangenen Jahre und die langjährige Fremdherrschaft, die Felder und Fluren verwüstet und die Einwohner bis zum letzten Sack Getreide und zum letzten Stück Vieh ausgepreßt hatten, war „in dem bösen und traurigen Jahr 1816“ durch Mißwuchs und Überschwemmungen eine drückende Teuerung und Hungersnot entstanden, die „in die meisten Haushaltungen, besonders der ärmeren Volksklassen, viel Kummer und Elend brachte.“

Am deutlichsten wird diese, Notzeit gekennzeichnet durch die Gedenkmünze, die man aus diesem Anlaß prägte. Sie trägt auf der Vorderseite die Inschrift: „Im Jahre 1816 und 17 war die Theuerung so gros, daß in Thüringen ein Mhr. Weitzen 100 u. 10 Rl. Kost., Korn 86, 1 Pfd. Brot 2 gr., Gerste 69, 1 Pfd. Butter 11 gr., Hafer 26, 1 Kanne Bier 2 gr. 8 Pf.“. Die Rückseite der Medaille zeigt die Worte: „Nach Regen folgt Sonnenschein“, und an den Seiten „Leiden und Freuden kommt vom Herrn“.

Zum Vergleich seien die Getreidepreise in unserer Heimat in den letzten Jahren vor der Franzosenzeit angeführt, die freilich damals im letzten Jahrhundert auch bereits um das Dreifache gestiegen waren. Im Jahre 1802 zum Beispiel stand der Weizen auf 43 Talern, der Roggen auf 36 Talern, die Gerste auf 24 Talern je Malter (1 Malter etwa 8-10 Zentner).

Mit welcher Erlösung man den Sonnenschein nach dem Regen, die Freuden nach den Leiden begrüßte, das geht aus der zeitgenössischen „kurzgefaßten Beschreibung des zu Erfurt gefeyerten Dankfestes, als die ersten Aerntewagen zur Stadt gebracht wurden“, hervor. Zu Tausenden hatte sich am 30. Juli 1817 eine Volksmenge vor dem Johannestor gelagert, um den ersten kornbeladenen Wagen im Jubelzug in die Stadt zu geleiten. Mit Freudentränen in den Augen wurde das mit frischem Grün geschmückte Gespann von der jauchzenden Menge umringt, und als gar das junge Töchterlein des Landwirts Winne verkündete, daß ihr Vater die ersten Garben dieser Ernte den Ärmsten der Stadt zum Geschenk überlassen wolle, kannte der Jubel keine Grenzen. In einem feierlichen Festzug wurde der Wagen in die Stadt eingefahren, zunächst bis zur Kaufmannskirche, wo ein Dank- und Festgottesdienst abgehalten wurde, dann zur Kartäuser Mühle, wo das Korn umsonst gemahlen wurde. Und schon drei Tage später konnten die ersten 470 Brote mit dem Stempel „Gottesgabe“ unter die Ärmsten der notleidenden Bevölkerung verteilt werden. Eine zweite Fuhre ergab nochmals über 250 Freibrote, und mehr als 100 Sechspfünder konnten aus Dankspenden in der Kaufmannskirche verteilt werden.

Noch nach Jahren erzählten die Alten den Kindern von diesem Erntedankfest nach schwerer Notzeit, und es ist gut, sich auch heute dann und wann solcher Folgen von „Krieg und Kriegsgeschrei“ zu erinnern.

 

„Das Brot“ von Wolfgang Borchert (1945/46)

Plötzlich wachte sie auf. Es war halb drei. Sie überlegte, warum sie aufgewacht war. Ach so! In der Küche hatte jemand gegen einen Stuhl gestoßen. Sie horchte nach der Küche. Es war still. Es war zu still, und als sie mit der Hand über das Bett neben sich fuhr, fand sie es leer. Das war es, was es so besonders still gemacht hatte: sein Atem fehlte. Sie stand auf und tappte durch die dunkle Wohnung zur Küche. In der Küche trafen sie sich. Die Uhr war halb drei. Sie sah etwas Weißes am Küchenschrank stehen. Sie machte Licht. Sie standen sich im Hemd gegenüber. Nachts. Um halb drei. In der Küche.

Auf dem Küchentisch stand der Brotteller. Sie sah, daß er sich Brot abgeschnitten hatte. Das Messer lag noch neben dem Teller. Und auf der Decke lagen Brotkrümel. Wenn sie abends zu Bett gingen, machte sie immer das Tischtuch sauber. Jeden Abend. Aber nun lagen Krümel auf dem Tuch. Und das Messer lag da. Sie fühlte, wie die Kälte der Fliesen langsam an ihr hochkroch. Und sie sah von dem Teller weg.

„Ich dachte, hier wäre was“, sagte er und sah in der Küche umher.

„Ich habe auch was gehört“, antwortete sie und dabei fand sie, daß er nachts im Hemd doch schon recht alt aussah. So alt wie er war. Dreiundsechzig. Tagsüber sah er manchmal jünger aus. Sie sieht doch schon alt aus, dachte er, im Hemd sieht sie doch ziemlich alt aus. Aber das liegt vielleicht an den Haaren. Bei den Frauen liegt das nachts immer an den Haaren. Die machen dann auf einmal so alt.

„Du hättest Schuhe anziehen sollen. So barfuß auf den kalten Fliesen. Du erkältest dich noch.“ Sie sah ihn nicht an, weil sie nicht ertragen konnte, daß er log. Daß er log, nachdem sie neununddreißig Jahre verheiratet waren.

„Ich dachte, hier wäre wer“, sagte er noch einmal und sah wieder so sinnlos von einer Ecke in die andere, „ich hörte hier etwas. Da dachte ich, hier wäre etwas!“

„Ich hab' auch was gehört. Aber es war wohl nichts!“ Sie stellte den Teller vom Tisch und schnippte die Krümel von der Decke. „Nein, es war wohl nichts“, echote er unsicher. Sie kam ihm zu Hilfe: "Komm man. Das war wohl draußen. Komm man zu Bett. Du erkältest dich noch. Auf den kalten Fliesen!“ Er sah zum Fenster hin. „Ja, das muß wohl draußen gewesen sein. Ich dachte, es wäre hier!“

Sie hob die Hand zum Lichtschalter. Ich muß das Licht jetzt ausmachen, sonst muß ich nach dem Teller sehen, dachte sie. Ich darf doch nicht nach dem Teller sehen. „Komm man“, sagte sie und machte das Licht aus, „das war wohl draußen. Die Dachrinne schlägt immer bei Wind gegen die Wand. Es war sicher die Dachrinne. Bei Wind klappert sie immer!“ Sie tappten sich beide über den dunklen Korridor zum Schlafzimmer. Ihre nackten Füße platschten auf den Fußboden. „Wind ist ja“, meinte er. „Wind war schon die ganze Nacht!“

Als sie im Bett lagen, sagte sie: „Ja, Wind war schon die ganze Nacht. Es war wohl die Dachrinne!“ „Ja, ich dachte, es wäre in der Küche. Es war wohl die Dachrinne!“" Er sagte das, als ob er schon halb im Schlaf wäre.

Aber sie merkte, wie unecht seine Stimme klang, wenn er log. „Es ist kalt“, sagte sie und gähnte leise, „ich krieche unter die Decke. Gute Nacht.“ „Nacht“, antwortete er und noch: „Ja, kalt ist es schon ganz schön!“

Dann war es still. Nach vielen Minuten hörte sie, daß er leise und vorsichtig kaute. Sie atmete absichtlich tief und gleichmäßig, damit er nicht merken sollte, daß sie noch wach war. Aber sein Kauen war so regelmäßig, daß sie davon langsam einschlief.

Als er am nächsten Abend nach Hause kam, schob sie ihm vier Scheiben Brot hin. Sonst hatte er immer nur drei essen können. „Du kannst ruhig vier essen“, sagte sie und ging von der Lampe weg. „Ich kann dieses Brot nicht so recht vertragen. Iß du man eine mehr. Ich vertrag es nicht so gut!“

Sie sah, wie er sich tief über den Teller beugte. Er sah nicht auf. In diesem Augenblick tat er ihr leid. „Du kannst doch nicht nur zwei Scheiben essen“, sagte er auf seinen Teller. „Doch. Abends vertrag ich das Brot nicht gut. Iß man. Iß man!“ Erst nach einer Weile setzte sie sich unter die Lampe am Tisch.

 

Der Gotteskläger: (Version 1)

Es ging ein Bauer über das Land

segnend fuhr seine säende Hand

über den Acker jahraus, jahrein

im Morgenglanz im Abendschein.

Die Lerchen sangen im hellen Licht

der Bauer schritt mit frohem Gesicht

Und wenn die Abendglocke klang

hielt betend er inne auf seinem Gang.

Kam er dann heim zum häuslichen Herd

mit Knecht und Magd und seinem Pferd

stand grüßend unterm Tore schon

sein liebes Weib mit seinem Sohn.

Die frohen Tage sind längst vorbei.

Im Ohr noch liegt mir des Bauers Schrei:

Ich klag wider Gott und seinen Sohn,

bin Kläger wider Gottes Thron!

Das schrie der Bauer tagaus, tagein.

Er grub den Schrei in den Acker hinein.

Dornen und Distel trug bald das Feld

in der Hütte wohnte das Elend der Welt.

Er säte Flüche in den Acker hinein.

Im nächsten Jahr lag Stein an Stein.

Keuchend und Fluchend stand er am Rain,

grub seine Hände in den Acker ein,

fluchte, grub und fluchte, schrie:

Acker mein Brot ! Den Lohn meiner Müh!

Der Acker versagt uns das liebe Brot.

Jahre schon plagt uns die Not.

 

Der Gotteskläger: (Version 2)

Vater, ein Bauer ging übers Land,

segnend fuhr seine säende Hand

über den Acker, der tat sich auf,

da kamen viel tausend Halme herauf.

Und nächtens im hellen Mondenlicht

stand der Bauer mit frohem Gesicht

gefaltet die Hände betend davor

- da öffnete sich das himmlische Tor

und fruchtbarer Tau fiel leis und sacht

in der stillen sternhellen Nacht.

Und morgens gingen von Rain zu Rain

die Engel und gruben Unkraut und Stein

aus dem gesegneten Ackerland:

Der Bauer stand in Gottes Hand.

Der Bauer, Vater, der bist du:

der offne Himmel Schloß sich zu,

der Acker verdarb, das gute Land.

Du bist gefallen aus Gottes Hand.

 

Spielszene zum „Reichen Kornbauern“:

Käte: Sag mal, Jochen, wieviel hast du denn in diesem Monat verdient?

Jochen: Daß ihr Frauen das immer wissen müßt! Also: brutto 2.600 Euro, also knapp 2.000 Euro auf die Hand.

Käte: Dann müssen wir aber noch ganz schön lange warten, bis wir unser Wochen­end­grundstück kaufen können.

Jochen: Erst müssen wir in unserer Neubauwohnung sein und das Auto haben. Das heißt: Wenn Oma stirbt, dann erben wir sicher ihr ganzes Vermöge, und dann bauen wir unsere Hütte. Was Müllers können, das können wir schon lange!

Käte: Weißt du, Jochen, eigentlich könnte ich ja Samstag und Sonntag auch noch

arbeiten und nebenbei was verdienen.

Jochen: Vielleicht als Aushilfsschwester im Krankenhaus!

Käte : Was, als Schwester? Da denke ich aber gar nicht dran! Was

verdient man denn da! Nein, das ist unter dem Strich, das kommt überhaupt nicht in Frage!

Jochen: War je auch nur ein Vorschlag. Oder willst du als Kellnerin gehen? Die gehen meist mit einem guten Trinkgeld nach Hause.

Käte: Du willst mich wohl aufziehen: Schwester, Kellnerin? Das mache ich nicht mit, das lohnt sich doch nicht!

Ein Jahr später

Käte: Langweilig ist das hier. Seit einem halber Jahr arbeite ich nicht mehr. Diese schreckliche Wohnung! Mir fällt bald die Decke auf den Kopf! Immer dieser schreckliche Krach! Aber in drei Monaten ist alles vorbei. Das Häuschen auf dem Wochend­grundstück ist fertig. Das Geld von der Oma haben wir natürlich total verbuttert. Und gearbeitet haben wir fast Tag und Nacht...  (Es klingelt)

Bote Ich komme aus dem Krankenhaus. Sind Sie Frau Käte Spärlich?

Käte: Um Himmels willen, ist was passiert? Mein Mann? Jochen? O Gott, ist er tot?

Bote: Nein, regen Sie sich nicht auf. Sie sollen nur gleich ins Krankenhaus kommen.

Käte: O Gott, was ziehe ich nur an? So kann ich doch nicht losrennen! Was soll ich nur machen?!

Bote: Bitte Frau Spärlich, kommen Sie, ich habe keine Zeit.

Im Krankenhaus

Doktor: Ihr Mann hatte einen Verkehrsunfall, er ist sehr schwer verletzt. Sie können leider nicht zu ihm.

Käte: Herr Doktor, mein Mann hat sonst niemand als mich. Wir haben keine Kinder, keine Verwandten, keine Freunde, keine Nachbarn. Sie dürfen meinen Mann nicht allein lassen!

Doktor: Er ist nicht allein, eine Schwester halt bei ihm Wache. Es wird einige Wochen dauern, bis ihr Mann wieder gesund ist. Aber er braucht dringend Ruhe. Es wird gut für ihn sein, einmal Zeit zum Nachdenken zu haben. Und vielleicht tut Ihnen, Frau Spärlich, die Ruhe im Hause auch einmal gut.

Käte: Wie soll ich so lange ohne meinen Mann auskommen? Das kann ich nicht! Darum geht es gerade uns so? Jetzt, wo wir am Ziel waren, da geht es uns so dreckig. Warum bloß?

Doktor: Vier bis sechs Wochen haben Sie Zeit. Versuchen sie etwas Vernünftiges daraus zu machen. Chancen, die man hat, sollte man nützen.

 

Fürbittengebet:

(1) Herr, du beschenkst uns reichlich. Du gibst uns Essen und Trinken, Wohnung und Kleidung

(2) Du gibst uns Gesundheit und Leben

(3) Dafür danken wir dir und sprechen:

(A) Danket dem Herrn, denn er ist freundlich‚ und seine Güte währet ewiglich.  .

(1) Du läßt die Menschen forscher und erfinden

(2) Du gibst uns in Kindergärten und Schulen, zu Hause und in der Firma Menschen, die uns zur Seite stehen und uns helfen.

(3) Dafür danken wir dir und sprechen:

(A) Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich!

(1) Du gibst uns in deiner Gemeinde dein Wort und die Gemeinschaft in deinem Mahl.

2) Du sagst es uns immer wieder, daß du es gut mit uns meinst.

3) Dafür danken wir dir und sprechen:

A) Herr, wir zweifeln nicht, daß du so gerne gibst und allen mit Güte begegnest.

(1) Viele Menschen auf der Erde haben keine Wohnung und keine Kleidung.

2) Viele Menschen haben keine Arbeit und nicht genug zu essen

3) An sie denken wir alle und sprechen:

A) Herr, wir zweifeln nicht, daß du so gerne gibst und allen mit Güte begegnest!

(1) Viele Menschen auf Erden leben nicht in Frieden. Viele Menschen leiden unter Krieg und Streit.

(2) Viele Menschen sind krank. Viele alte Menschen sind gebrechlich und leiden Schmerzen

(3) An sie denken wir alle und rufen zu dir:

(A) Herr, wir bitten, hilf!

(1) Dein Versprechen bleibt: Solange die Erde steht soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Darauf verlassen wir uns jetzt und allezeit. Vater unser im Himmel .....

 

Deklamatorium zum Erntedankfest

Pfarrer zieht mit den Kindern, die die Erntegaben tragen, in die Kirche ein. Sie nehmen im Altarraum Aufstellung. Orgelvorspiel.

Pfarrer:

Hebet, ihr Kinder, die Gaben der Ernte,

legt sie an den geschmückten Altar;

daß nun kein Hungriger im Lande darbe,

stellt sie zum Zeichen des Dankes im Heiligtum dar!

 

Aller Augen warten auf dich, Herr.

und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit.

Du tust deine milde Hand auf

und erfüllest alles, was lebt, mit Wohlgefallen!

 

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser!

 

Herr, wie sind deine Werke so groß und viel!

Du hast sie alle weißlich geordnet,

und die Erde ist voll deiner Güter.

 

Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist!

Ziert die Altäre. Bringt ihm zur Ehre

Liebliche Opfer des Dankes herbei!

 

Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen

und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben!

 

Orgel: Ehr sei dem Vater und dem Sohn....

 

Wer wärmet uns in Kält und Frost?

Wer schützt uns vor dem Wind?

Wer macht es, daß man Öl und Most

Zu seinen Zeiten findt?

Zwei Dinge, Herr, sind not,

die gib nach deiner Huld:

Gib uns das täglich Brot

Vergib uns unsre Schuld!

 

Wir bitten dich auch für die Armen

du wollst dich ihrer, Herr, erbarmen.

Speis‘ alle Hungrigen und Kranken.

Ewig wollen wir dir danken.

 

Orgel: Herre Gott, erbarme dich...

 

Pfarrer:

Danket dem Schöpfer und preiset den Vater,

dessen Barmherzigkeit immer noch neu ist.

Er gab uns wieder das tägliche Brot,

um abzutun jegliche Leibesnot.

 

Er hat noch niemals was versehen

in seinem Regiment,

nein, was er tut und läßt geschehn,

das nimmt ein gutes End.     

 

Was unser Gott erschaffen hat, das will er auch erhalten.

Darüber will er früh und spat mit seiner Güte walten.

In seinem ganzen Königreich ist alles recht, ist alles gleich.

Gebt unserm Gott die Ehre! 

 

Lobe der Herren, meine Seele,

und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!

 

Ich selber kann und mag nicht ruhn,

des großen Gottes großes Tun

erweckt mir alle Sinne.

Ich singe mit, wenn alles singt,

und lasse, was dem Höchsten klingt

aus meinem Herzen rinnen.

 

Orgel. Allein Gott in der Höh sei Ehr…

 

Dein ist das Leben, dein ist der Tod,

du mußt uns geben das tägliche Brot

Wir danken dir, Vater, für deine Gnad,

bleib Schützer und Rater uns früh und spat.

 

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich

und seine Güte währet ewiglich.

 

Alle gute Gabe, alles was wir haben,

kommt, o Gott, von dir! Wir danken dir dafür!       

 

 

Herr hab Dank für Speis und Trank,

für alle diese Gaben, die wir von dir empfangen haben.

 

Segne, Vater, diese Speise,

uns zur Kraft und dir zum Preise!

 

Orgel: Amen…

 

Pfarrer:

Gebt doch, ihr Kinder, die nährenden Knollen,

große und kleine in Körben gehäuft!

Unter des Ackers bedeckenden Schollen

Sind uns die Kartoffeln zur Freude gereift.

 

Der Weizen wächset mit Gewalt,

darüber jauchzet jung und alt

und rühmt die große Güte

des, der so überflüssig labt

und mit so manchem Gut begabt

das menschliche Gemüte.

 

Speis uns, Herr, du treuer Gott,

gib uns unser Stücklein Brot,

segne uns und deine Gaben,

 die wir vor deiner Güte haben.

 

Er segnet deiner Bäume Frucht

Dein Kind, dein Land, dein Vieh.

Er segnet, was den Segen sucht.

Die Gnade schlummert nie!

 

Herr Gott, du Herrscher aller Welt,

gut Wetter du bescherst.

Du macht mit Früchten reich das Feld,

dadurch du uns ernährst.

 

Du gibst uns Obst, Getreid und Wein

dazu Tier, Fisch und Vögelein,

erhältst uns Leib und Leben!

 

Jedes Tierlein hat sein Essen,

jedes Blümlein trinkt von dir.

Hast auch unser nicht vergessen,

lieber Gott, wir danken dir!   I

 

Die unverdrossne Bienenschar fliegt hin und her,

sucht hier und da ihr edle Honigspeise.

Des süßen Weinstocks starker Saft

Bringt täglich neue Stärk und Kraft

in seinem schwachen Reise. 

 

 

Was sind wir doch, was haben wir auf dieser ganzen Erd,

das uns, o Vater, nicht vor dir allein gegeben werd?

 

Er gibet Speise, reichlich und überall, ´

nach Vaters Weise sättigt er allzumal.        

Er schaffet früh‘n und späten Regen,

füllet uns alle mit seinem Segen.     

 

Er segnet dich in Dorf und Stadt,

in Keller, Kammer, Feld;       

was dir der Herr gesegnet hat,

bleibt fortan wohl bestelltl   

 

Er segnet, wenn du kommst und gehst,

er segnet, was du pflanzt. Er weiß auch,

daß du’s nicht verstehst und oft nicht einmal ahnst!

 

Aus deinen Händen nehmen wir, was wir zur Nahrung haben.

Und danken, lieber Vater, dir für deine gutenGaben.

Doch niemand lebt vom Brot allein!

Damit wir nicht verderben, mußt du das Brot des Lebens sein

Zum Leben und zum Sterben.

 

Orgel: Halleluja, Halleluja, Halleluja!

 

 

Die Kinder bringen Erntegaben:

Was uns die Erde dargebracht, hast du, mein lieber Gott gemacht.

Du segnest Feld und Weiden, daß wir nicht Hunger leiden.

Drum bring ich dir zum Erntefest von allen Gaben hier das Best':

das Korn, die goldnen Ähren, dir deinen Ruhm zu mehren!

 

Wär nicht das Korn von Gott gegeben, so hätten wir kein Brot zum Leben.

Dies Brot, das ich hier mitgebracht, das hat der Bäcker mir gemacht;

Der Müller tat sein Teil dazu, doch, der's gegeben, Gott, bist du.

 

Auf jedem Tisch beim Mittagsmahl 

gibt es Kartoffeln ohne Zahl;

so bring ich hier mit Huckepack

als Gabe den Kartoffelsack.  

 

Ich bringe Kohl und feines Kraut,

das im Garten wir gebaut;

bring es voller Dankbarkeit,

Gott, dem Herrn, sei es geweiht.

 

Viele Möhren wuchsen dies Jahr wieder,

ich lege sie am Altar nieder,

und bringe sie von Herzen gern       

als kleinen Dank dem großen Herrn.           

 

Selbst die allerkleinste Rübe kündet uns von Gottes Liebe!

 

Und ich bring saftige Tomaten,

sie sind im Garten gut geraten.

Schaut nur, sie leuchten frisch und rot,

wir essen sie so gern zum Brot.

 

Die große Gurke, schaut euch an,

bring ich, der kleine Gärtnersmann.

Sie wuchs auf unserm Beet im Garten,

ich mußte lange darauf warten;

auch sie ist uns von Gott gegeben,

versüßt, versauert unser Leben!

 

Seht nur, sogar auf unserm Mist

der Kürbis hier gewachsen ist.

Ich holte ihn vom großen Haufen

und kam damit hierher gelaufen.

Er ist fast größer noch als ich,

ich glaub, Gott freut sich sicherlich!

 

Was wir an Gemüse haben,

sei mit allen guten Gaben,

lieber Gott, dir dargebracht,

du hast alles wohl gemacht!

 

Und diese Früchte! Diese Pracht,

die Gott im Garten hat gemacht!

Ich bring sie dar zu seiner Ehr‘:

Wie bist du gütig, lieber Herr!

 

Die letzten Blumen hierzuland,

die ich in unserm Garten fand,

soll Gott, der Herr, mit allen Gaben

auf seinem reichen Tische haben.

Herr Gott, hab Dank! Nimm diesen Strauß

zum Schmuck für dein geweihtes Haus!

 

 

 

Kirmes: „Dank“

Spielszene:

1. Kind: Gehst du morgen noch einmal mit zur Kirmes?

2. Kind: Ich kann nicht, ich habe kein Geld mehr!

1. Kind: Da mußt du dir etwas einfallen lassen. Irgendwie kommt man doch immer zu Geld. Und wenn du dazu die Leute auf der Straße anbettelst. (1.Kind ab)

 

2. Kind: Was mache ich nur? Es ist so schönes Wetter und doch nur einmal im Jahr Kirmes. ich will mal meine große Schwester fragen.       (Schwester kommt)

2. Kind: Kannst du mir nicht etwas Geld für die Kirmes leihen?

Schwester: Das hast du dir so gedacht. Du hättest dir dein Geld doch einteilen können.

2. Kind: Es kam doch meine Freundin dazu, da sind wir eben immerzu Riesenrad gefahren, bis das Geld alle war.

Schwester: Frag doch noch einmal die Mutter. Vielleicht gibt sie dir noch etwas.

2. Kind: Jetzt habe ich eine Idee. Ich werde nicht bitten, sondern eine Rechnung schreiben. So ist das bei den Großen doch auch: Wenn man etwas getan hat, kann man Geld dafür verlangen. Sie schreibt:

 

Rechnung an meine Mutter:

Kleine Schwester vom Kindergarten holen   1 Euro

Einkaufen und Flaschen fortschaffen                        2 Euro

Briefe zur Post schaffen                                1 Euro

Holz holen                                                      2 Euro

macht zusammen                  6 Euro

Die Rechnung lege ich meiner Mutter unter den Teller beim Abendbrot, mal sehen, was sie tun wird.

 

Mutter: (liest den Brief, sagt zunächst nichts, legt dann zwei Briefe unter die Tasse der Tochter, die sie am nächsten Morgen findet)

So ist das also: Jetzt werden sogar schon Rechnungen geschrieben. Da will ich nur auch einmal meine Gegenrechnung aufmachen:

 

Rechnung an meine Tochter:

Für Essen und Trinken                                   0,00 Euro

Für Waschen und Bügeln                              0,00 Euro       

Für Saubermachen                                        0,00 Euro

Fürs Helfen bei den Schularbeiten                0,00 Euro

Fürs Liebhaben                                              0,00 Euro

macht zusammen                  0,00 Euro

 

2.Kind: (findet die Umschläge unter der Tasse)

Oh, mein Trick hat gewirkt! Sogar zwei Briefe. Hier ist ja das Geld drin. Jetzt kann ich doch auf die Kirmes. - Und was ist hier drin? (Liest halblaut) Daran habe ich ja gar nicht gedacht: Die Mutter tut ja auch alles für mich und kriegt kein Geld dafür. Da hat sie wirklich recht. Ich gebe ihr das Geld lieber wieder zurück. (gibt es hin). Das Schönste, was du geschrieben hast, steht am Schluß: „Fürs Liebhaben“.

 

 

 

Reformationsfest: Der Schlüssel zum Leben

Einstieg:

Vor dem Gottesdienst wurden in der Kirche sieben Schlüssel versteckt: Die etwa 30 Zentimeter langen Pappschlüssel hatten waren beiderseitig mit farbigem Velourpapier beklebt. Auf den angebundenen Schlüsselanhängern stand jeweils beiderseitig ein Begriff: Wachsen - gute Zensuren - Ansehen - Leistung - aktiv bleiben - gute Werke - berühmt sein.

Zwischen Altar und Gemeinde, für alle gut sichtbar, ist ein Tischchen aufgestellt. Darauf steht eine „Schatztruhe“. Davor, vom Tisch herab, hängt ein Plakat. Darauf steht mit großen Buchstaben: „LEBEN“.

In der Truhe lagen ebenfalls sieben Schlüssel (ohne Anhänger, aber ebenfalls in den verwendeten sieben Farben, auf diesen Schlüsseln waren die Fürbittengebete geheftet.

 

Anspiel:

Ein Sprecher, der Martin Luther darstellt, sagt (auf der linken Seite):

„ Ich bin Martin Luther. Ich wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Bald nach meiner Geburt zog unsere Familie nach Mansfeld um. Hier wollte mein Vater als Bergmann sein Glück versuchen. Meine Eltern waren sehr streng. Oft gab es Schläge!“

Neben ihn stellt sich „das kleine Kind“ und sagt:

Ich bin ein kleines Kind.

Ich will leben.

Ich muß groß werden.

Wenn ich groß bin,

kann ich machen, was ich will.

Der Sprecher sagt die „Schlüsselwörter“ und: „Wachsen! Das ist der Schlüssel zum Leben!“

 

Neben das kleine Kind stellt sich ein „Schüler“:

Als ich 5 Jahre alt war, kam ich in die Schule. Lesen, Schreiben, Singen und Latein sollte ich lernen. Dann schickte mich mein Vater auf eine bessere Schule nach Magdeburg. Auch hier mußte ich viel pauken und es gab oft Schläge mit der Rute. Das Geld mußte ich mir mit Singen vor den Häusern verdienen. Als ich 15 war, kam ich nach Eisenach in die Schule. Hier hatte ich es besser. Ein eigenes Zimmer. Genug zu essen und freundliche Leute. In Eisenach habe ich sehr gut Latein gelernt.

Ich bin ein Schüler.

Ich will leben.

Ich muß viel lernen.

Wenn ich fleißig bin, habe ich einen guten Durchschnitt.

Der Sprecher sagt die „Schlüsselwörter“ und: „Gute Zensuren sind der Schlüssel zum Leben!“

 

Neben den „Schüler" stellt sich ein Student:

 Schon mit 17 Jahren konnte ich in Erfurt ein Studium beginnen. Mein Vater wollte, daß ich vorwärts komme. Ich habe eine sehr gute Prüfung gemacht und schon nach zwei Jahren durfte ich selbst unterrichten. Mein Vater redete mich jetzt mit „Sie“ an. Er war sehr stolz auf mich.

Ich bin ein Student. Ich will leben. Ich muß einen guten Abschluß haben, damit ich es zu etwas bringe.

Der Sprecher sagt die „Schlüsselwörter“ und: Ansehen ist der Schlüssel zum Leben!“

 

Neben den „Studenten“ stellt sich ein Arbeiter:

Mein Vater hatte sich emporgearbeitet. Aus dem armen Bergmann war ein angesehener Grubenbesitzer geworden. Er konnte sich jetzt mehr leisten als mancher andere. Er wollte, daß ich es einmal besser habe.

Ich bin ein Arbeiter. Ich will leben. Ich leiste etwas, denn ich will mir etwas leisten.

Der Sprecher sagt die „Schlüsselwörter“ und: „Leistung. Das ist der Schlüssel zum Leben!“

 

Neben den „Arbeiter“ stellt sich ein Rentner:

Ich hatte alle Aussichten, ein reicher, angesehener Rechtsanwalt zu werden. Man muß nur immer dran bleiben. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, sagte mein Vater. Hoffentlich lebst Du lange, kriegst eine reiche Frau und bleibst gesund.

Ich bin ein Rentner. Ich will leben. Ich muß fit bleiben. Wenn ich aktiv bin, kann ich länger mithalten.

Der Sprecher sagt die „Schlüsselwörter“ und: „Aktiv bleiben ist der Schlüssel zum Leben!“

 

 Neben den „Rentner“ stellt sich ein Christ:

Vater war mit mir zufrieden. Aber mich quälte die Frage: Ist Gott mit mir zufrieden? Was kann ich tun, damit ich Gott gefalle? Am 17. Juni 1505 trat ich in ein Kloster ein. Von der Welt weg, wollte ich nur noch für Gott dasein.

Ich bin ein Christ. Ich will leben. Ich muß Gutes tun, damit ich Gott gefalle.

Der Sprecher sagt die „Schlüsselwörter“ und: Gute Werke sind der Schlüssel zum Leben!“

 

Neben den „Christen“ stellt sich ein weiterer Sprecher:

Sie wissen, vieles ist anders gekommen. Ich bin nicht im Kloster geblieben. Durch mich hat sich in der Welt viel verändert. Ich bin der große Reformator. Viele Kirchen tragen meinen Namen.

Martin Luther. Nach über 500 Jahren reden noch viele von ihm. Er hat einen Namen.

Der Sprecher sagt die „Schlüsselwörter“ und: „Berühmt sein. Das ist der Schlüssel zum Leben!“

Alle: Aber wo ist der Schlüssel? Helft uns suchen!

Die Sprecher gehen auf die Gemeinde zu und fordern auf, die Schlüssel zu suchen und ihnen dann zu geben. Wenn alle endlich ihren Schlüssel haben, gehen die Sprecher gemeinsam vor zur Truhe und bilden eine Traube. Dann gehen sie einzeln auf ihre Plätze in der Gemeinde und sagen beim Weggehen:

„Mein Schlüssel paßt nicht!“ oder: „Meiner schließt nicht ...!“

 

Meditationsimpulse zu einer Predigt:

Haben Sie Ihren Schlüssel wiedererkannt? Es kann auch sein, Ihr Schlüssel war gar nicht dabei. Aber ich hin sicher, daß jeder von uns seinen Schlüssel hat ... Auch die Schlüssel, die wir hier gesucht haben, sind im Leben wichtig. Aber es haben sich im Laufe der Zeit Gerüchte an die Schlüssel gehängt. Man sagt, es sind die Schlüssel zum Leben. Irgendetwas Wahres ist schon dran. Aber es ist gefährlich - lebensgefährlich, wenn Halbwahrheiten zum Richtmaß werden. Die Gerüchte von den Schlüsseln zum Leben sind solche Halbwahrheiten.

Wo erleben wir das, daß uns solche Gerüchte in die Ohren geflüstert werden? Luther hörte das Gerücht vom Ablaß als dem Schlüssel zum Leben. Aber Luther war einer, der sich nicht mit Gerüchten zufrieden geben wollte. Er hatte Angst. Er hat gefragt: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Welchen Schlüssel muß ich bringen, um wirklich froh zu werden? ... um geliebt zu sein?

Und die Antwort? Gott schenkt das Leben. Die Truhe (der Prediger geht zur Truhe und öffnet sie) ist schon offen. Diese Botschaft hat Paulus in biblische Worte gefaßt (Epistel Röm. 1,16-17). ). Die Theologen haben diese Botschaft in Dogmen sichergestellt. Wir können das auch ganz einfach singen. So einfach, daß es fast zu simpel klingt.

 

Fürbittengebet:

Die Sprecher des Anspieles gehen zu der Truhe und holen sich jeder einen Schlüssel heraus. Darauf sind folgende Gebetstexte befestigt:

I. Herr, wir bitten Dich für die Kinder. Schenke ihnen, daß sie sich als Kinder wohlfühlen können. Laß Menschen um sie sein, die sie als Kinder ernst nehmen, achten und lieben, damit sie erfahren, daß sie nicht erst erwachsen werden müssen, um ganze Menschen zu sein.

2. Wir bitten Dich für die Schüler. Schenke ihnen Lehrer, denen sie vertrauen können. Laß sie die Freude am Lernen nicht verlieren. Gib ihnen Menschen zur Seite, die nicht zuerst nach ihren Zensuren fragen. Schenke den Eltern die Kraft, Begleiter ihrer Kinder zu sein.

3. Wir bitten Dich für die Studenten. Daß es für sie Menschen gibt, bei denen sie Zuflucht finden können. Hilf, daß sie nicht alle guten Ideale aufgeben, wenn sie Entscheidungen treffen müssen. Bewahre sie davor, Zugeständnisse zu machen, bei denen sie sich selber verlieren.

4. Wir bitten Dich für die Arbeiter. Daß sie Kraft haben für die täglichen Anforderungen. Gib ihnen Kollegen, mit denen es Freude macht zu arbeiten und die sich nicht jede Gefälligkeit bezahlen lassen.

5. Wir bitten Dich für die Rentner. Du weißt, wie schwer es oft ist, Arbeit abzugeben. Zeige Möglichkeiten, mit freigewordener Zeit zu leben, Hilf ihnen, nachlassende Kräfte zu akzeptieren. Schenke uns allen, daß wir lernen, den Wert des Menschen nicht an seinem Können zu messen.

6. Wir bitten Dich für alle Christen. Daß wir Wege finden, Spaltungen zu überwinden. Schenke, daß wir nicht den Mut verlieren, Gutes zu tun. Laß uns immer wieder erfahren, daß du uns liebst, wie wir sind.

7. Herr, wir alle brauchen den Frieden - den äußeren und den inneren. Frieden fließt uns aus Deiner Liebe. Mach uns offen für Deine Liebe. Laß sie uns so bedingungslos weitergeben, wie wir sie von Dir empfangen, damit der Frieden eine Chance hat.

Vater unser...... (Nach einem Vorschlag der Andreasgemeinde in Leipzig).

 

 

Martinstag

Spiel:

Einst saß an einem Wintertag

ein Mönch ein Pult, und vor ihm lag

ein Blatt von feinstem Pergament

wie man es heute selten fänd.

Er schreibt, er spitzt die Feder an,

schaut mal zum Fenster, dann und wann

summt er ein Lied, und .schon beizeiten

hört hungrig er aufs Mittagsläuten.

So schreibt er fleißig und behende

mit seiner Federn folgende Legende.

 

Vor Jahr und Tag und viele Jahre mehr

da zog durchs Fankenreich ein großes Heer.

Das kam vom Kaiser Julius aus Rom.

Der wollte zu seinem goldenen Thron

und seinem Lande noch ein Königreich,

im Norden lag es. Er rief sogleich

die Ritter aus dem ganzen Land

und sagte zu   ihnen: „Es ist bekannt,

daß Beutestücke euch erfreuen.

zieht los, der Sieg wird unser sein!“

 

Da wurden seine Ritter munter.

Im Feldzug ist das Leben bunter

als auf der kalten Burg daheim,

er braucht ja nicht so lang zu sein.

So geht es los in schnellem Schritt.

Des Kaisers Fahne nimmt man mit,

ihn selber lassen sie zu Haus,

sonst wird am End nichts Rechtes draus.

 

Die Sonne scheint, die Helme blitzen,

die Ritter. hoch zu Pferde sitzen.

Vorn schmettert fröhlich die Trompete

voran, daß niemand sich verspäte.

„Dem Kaiser Vivat Gloria!“

Noch vor dem Winter sind wir wieder da,

wir ziehn nachNorden, bis ans Meer,

macht Platz für Kaiser Julius‘ Heer.

 

Die Ritter ziehn zum Kriege wie zum Spiel,

in Wirklichkeit ist Raub und Mord ihr Ziel.

Noch liegt das fremde Land in Frieden,

doch welches Leid ist ihm beschieden!

 

 

Schnell zieht das Heer, die Grenze ist jetzt nah,

in wenig Tagen sind sie da.

Von der andern Seite hat der Wächter es erspäht,

Er meldet es dem König: „Kommt und seht,

ein Heer so groß, wie ich es nicht beschreiben kann

zieht da von Süden her heran!“

 

Da packt die Angst das kleine Königreich.

Die Männer sammeln sich sogleich,

und ziehen hinaus, dem Feind entgegen,

doch ist das geradezu verwegen:

Der Feind ist stark, sie sind nur wenig,

der Kampf beginnt, am Abend fällt der König.

 

Die Menschen schließen Tür und Tor

und schieben feste Riegel vor.

Doch geht es hier wie überall,

die Ritter kommen, öffnen Haus und Stall

und nehmen Geld und Korn und Vieh.

So schlecht erging's dem Lande nie.

 

Bald werden dort die Kinder nicht mehr satt,

viele sind schon krank und matt.

Die Bauern sind in großen Nöten,

die Wintersaat ist ganz zertreten.

Und wenn sich jemand auch beschwert,

wird er gewiß nicht angehört.

 

Die Ritter leiden keine Not.

Sie haben Wein und Fleisch und Brot,

und leben wirklich königlich

und sind vor Hochmut lächerlich.

Die Nase voller Stolz erhoben,

 die Ritterrüstung zwar verbogen,

 ist ihre Burg zu Hause auch sehr klein

hier ziehen sie als große Herren ein.

 

So leben sie. Nur einer ist dabei

dem ist die Not ringsum nicht einerlei.

Hört, was er tat; und was geschehen,

könnt ihr noch heut auf manchen Bildern sehen.

Längst war es tiefe Winterzeit

und weiß die Erde weit und breit.

Der Wind, er pfeift und treibt daher

Schneewolken, dunkelgrau und schwer.

 

Der Ritter Martin, ein junger Mann

hat einen warmen Mantel an.

Er reitet zur Stadt, vergnügt und geschwind,

er lacht und ruft: „He, alter Wind,

blase du nur immerzu,

ich bin beinah so schnell wie du!“

 

Er kommt ans Tor und reitet ein.

Da sieht er im Laternenschein,

dort, wo der Wind um alle Ecken weht,

daß da ein armer Mann, ein Bettler steht.

Der Mann hat keinen Mantel an,

blaß ist er, so als wär er krank

 

Dem Ritter; der das Elend täglich sah,

dem ging die Not noch nie so nah.

So springt er jetzt von seinem Pferd,

wirft seinen Mantel   ab, und mit dem Schwert

teilt er den schweren Stoff, so gut er kann.

 

Dann geht er schnell zu jenem armen Mann

und legt ihm eine Mantelhälfte um

groß war der Mantel, groß und rund,

und Ritter Martin sieht zu seiner Freude,

 der Mantel reicht für alle beide.

 

Dies alles war geschwind geschehn,

doch die römischen Wachen haben’s gesehn.

Sie melden dem Hauptmann, der kommt zum Tor,

daß ein Ritter aus Rom seinen Stolz verlor.

Denn einem Ritter muß es doch zur Schand gereichen,

mit solchem Mantelstück dem Feind zu gleichen!

 

„Seid ihr denn blind; seht ihr die Not denn nicht?“

ruft Martin. Da hören alle, wie der Bettler spricht:

„Habt Dank? Der Herr, er mög euch geben

ein glückliches und langes Leben!“

 „Was ist das für ein Herr?“ fragt Martin gleich.

Da schaut der Bettler auf: „In seinem Königreich

werd es nur Freunde, keine Feinde geben,

und wie ein Fest ist dort das Leben!“

 

„Genug!“ fällt ihm der Hauptmann da ins Wort.

„Geh du nach Haus, ihr Wächter geht auch fort

an euren Platz. Ihr, Ritter, meldet euch bei mir,

kommt morgen früh in mein Quartier.

 

Der Hauptmann geht, und Martin läuft vom Tor hinab

die schmale Straße    in die Stadt.

Weit vor ihm biegt der Bettler jetzt in eine Gasse ein

Hier sind die Häuser schmal und klein

 

Still ist es hier, niemand ist mehr wach,

nur Martin eilt dem Bettler nach,

klopft an die Tür und geht hinein,

sieht dort den Mann im Kerzenschein

und sagt: „Verzeiht, ich folgte Euch und bitt Euch sehr,

sagt mir von jenem Königreich noch mehr!“

 

Der Bettler blickt ihn freundlich an:

„Kommt nur herein, hier ist es warm.

Die Kinder schlafen, ganz zufrieden sehn sie aus,

denn über ihnen breitet sich des Ritters Mantel aus.

 

Der Bettler hält ein Licht heran,

und leise fängt er zu erzählen an:

„Jesus, ein Mann aus einem Land am Mittelmeer,

besaß kein Königreich, doch führte er

die Menschen wie ein König, und sie folgen ihm.

Er führte sie zu Gott, gab ihrem Leben neuen Sinn:

„Liebt euren Feind und geht den Armen

Habt mir Verstoßenen Erbarmen.

Der Frieden ist darin verborgen,

daß Menschen füreinander sorgen!“

Der Ritter hört und fragt Er wird des Bettlers Freund

und war am selben Tage noch sein Feind.

 

Am nächsten Morgen gegen neun

stellt er sich dann beim Hauptmann ein.

Hier hört er, was er lange weiß,

Feind bliebe Feind, dies sei mit Fleiß

stets zu befolgen und des Ritters Pflicht,

denn dem Besiegten gilt das Mitleid nicht.

 

Doch Martin wagt zu widersprechen:

„Wird sich nicht eines Tages rächen,

was wir hier tun, seht Euch im Lande um

gereicht und solche Not zum Ruhm?“

 

Der Hauptmann schweigt, besinnt sich gut

und sagt zu Martin: „Du hast Mut,

hier so zu reden. Doch du hast auch recht

den Leuten geht es wirklich schlecht.

Gut, daß du nicht geschwiegen hast.

Du wirst von heute an die Last

des Lebens hier ein wenig lindern,

und niemand soll dich daran hindern!“

 

Und so geschah es. Neue Saat wird ausgegeben,

der Handel darf sich wiederum beleben,

und auf den Markt gibt's jeden Tag

ein warmes Essen, wenn man mag.

Für alle Kinder gibt es feste Schuh

und einen warmen Schal dazu.

 

Auch fängt die Schule wieder an,

zu Kranken kommt der Arzt sodann.

Weil dieser Winter schrecklich kalt.

wird Holz geholt aus einem Wald.

 

Zwar sind die Römer noch im Land

und Not gibt es nicht wenig insgesamt

doch dieses weiß hier jedermann:

Viel Gutes hat der Martin uns getan.

Und weil man gern erzählt zu allen Zeiten,

so konnte sich sein Lob ausbreiten.

 

Doch Ritter Martin will noch einmal neu beginnen,

und ohne lang sich zu besinnen,

beschließt er eines Tages kurzerhand:

„Ich häng die Rüstung an die Wand!“

Der Hauptmann will ihn nicht verlieren.

Doch Martin sagt: „Ich muß studieren,

ich will in aller Ruhe lesen

wie es zu Jesu Zeit gewesen.

Ich werde in ein Kloster gehen

Gott schütze euch, auf Wiedersehen!“

 

Nachdem er einmal so entschieden,

genießt er nun den Klosterfrieden.

Acht Jahre gehn vorbei; doch ist er nicht vergessen.

Denn in der Stadt stirbt unterdessen

der Bischof, er war alt und krank.

Und alle sagen: „Gott sei Dank,

daß wir den Martin haben, der soll Bischof sein!“

Als man ihn fragt, sagt Martin: „Nein,

ich bin jetzt grad beim Bücherschreiben,

ich möchte gern im Kloster bleiben.“

 

Jedoch ist kein anderer nichtig,

und dieses Amt ist schließlich wichtig.

So schickt man Boten, um vor allen Dingen

Den Bruder Martin in die Stadt zu bringen.

Doch Martin sieht die Boten, ahnt auch ihren Zweck

und sucht sich hastig ein Versteck.

Läuft in den Klosterhof, sucht überall

und zwängt sich schließlich in den Gänsestall.

 

Zwölf Gänse hat das Kloster dieses Jahr.

Jetzt sind sie fett und weiß, fürwahr

zwölf schöne Tiere! Doch ihr Wesen

scheint Martin wirklich nicht erlesen!

Die Gänse laufen lächerlich erregt

Im Stall herum. Und Martin legt

Beschwichtigend den Finger auf den Mund

zum Schreien sei hier gar kein Grund.

Die Gänse hören aber nicht,

und ihr Geschrei ist fürchterlich.

 

Im Kloster sucht man hin und her,

denn Martins Zelle fand man leer.

Und nirgends ist er, auch im Garten nicht,

im Hof bekam ihn niemand zu Gesicht,

doch eben da hört man Krawall,

und der kommt geradenwegs vom Gänsestall.

 

Ein Mönch voran, danach die Delegierten,

dann noch drei Mönche, so marschierten

sie nun sofort zum Stallgebäude.

Als sie es öffnen, welche Freude!

Da mittendrin in Gänsedreck und Heu,

- kaum glaubt man, daß er’s wirklich sei -

der Bruder Martin.

Er kommt heraus, so gut es geht.

Und als er auf der Schwelle steht,

sagt er: „Dies Gänsevolk hat mich verraten.

Laßt uns bei einem Gänsebraten

zusammensitzen und beraten.

Fällt uns dann niemand andres ein

So will ich euer Bischof sein!“

 

Wie es dann kam - ihr wißt es schon.

Bald saß er auf dem Bischofsthron

sorgt dort von früh bis spät,

daß Gottes Liebe nicht verloren geht.

Sie macht - auch wo es schwierig scheint -

aus einem Feind den besten Freund.

 

Jetzt lehnt sich unser Mönch zurück.

Das letzte Wort, was für ein Glück!

Und keine Fehler, was nun kommt, ist Spaß.

Aufs Fensterbrett stellt er das Tintenfaß

und holt die Farben und das Malgerät.

Das Licht ist gut, es ist noch nicht zu spät,

ja, grad im Abendsonnenschein,

da setzt der Mönch ein Bild hinein

ins große „M“, und dort, auf goldnem Glanz,

steht neben einem Bischof eine weiße Gans.

[Die Reime sind etwas sehr holprig. Aber den einen oder anderen Abschnitt kann man wohl doch verwenden].

 

 

Martinstag: Das Haus

Einleitung:

Gottesdienst zu Luthers Geburtstag - da denkt man an den großen Reformator unserer Kirche. Martinstag, da denkt man an den Bischof Martin von Tours, der als Soldat seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Viele denken aber auch an die Laternen. So ist dieser Gottesdienst mit Umzug auch zu einem „Laternenfest“ geworden.

Wir wollen deshalb erst einmal alle unsere Laternen schwenken.

Die Laternen machen hell, die Laterne machen froh. Licht und Freude - das gehört zusammen. Jeder von euch möchte am liebsten dort leben, wo es immer hell, froh und friedlich ist.

Aber es gibt auch viele Dunkelheiten in der Welt:

wo Menschen einsam und verlassen sind,

wo sie mit ihren Schwierigkeiten nicht fertig werden,

wo Zank und Streit herrschen,

wo jemand trostlos weint,

wo Liebe fehlt -

da sind Finsternis und Traurigkeit.

 

Können wir das nicht ändern? Martin von Tours und Martin Luther haben es versucht: Sie haben durch ihre helfende Tat und ihr gutes Wort das Licht gebracht, wo sie Finsternis fanden. Sie taten das, weil sie die Menschen liebten und ihr Leben hell und froh machen wollten.

Aber sie hatten noch einen anderen Grund, so zu handeln: Sie hatten d e n kennengelernt, der sagte: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in Finsternis gehen, sondern er wird das Licht des Lebens haben!“

Das war Jesus, der im Auftrag Gottes in seiner großen Liebe auf jeden Einzelnen von uns wartet. Bischof Martin und Martin Luther folgten ihm und seinem Wort. So wurden sie Licht für andere.

 

Das Haus:

Hier vorne steht ein Haus, wie es in jeder Straße und in jedem Ort oder gar in einem anderen Land stehen könnte. Die Fenster des Hauses sind dunkel. Die Tür ist geschlossen. Dem Haus und seinen Bewohnern fehlt das Licht, es fehlt die Freude. Zum Glück gibt es Menschen, die wie Martin von Tours und Martin Luther helfen wollen, die Finsternis zu vertreiben. Sie haben erkannt: Wer Gutes tut, bringt Licht ins Dunkel!

 

Altes Ehepaar: In unserem Haus wohnen viele Leute. In der ersten Wohnung lebt seit Jahren ein Ehepaar. Die beiden sind alt geworden und können nicht mehr nichtig laufen. Sie können zu niemand mehr gehen. Darum kommt auch keiner zu ihnen. Draußen gehen Menschen vorüber. Sie haben fast vergessen, wer das ist, der hinter diesem Fenster wohnt. Ein Kind aber denkt: „Ich könnte sie heute einmal besuchen. Dann will ich auch fragen, ob ich für sie einkaufen kann!“ Wer Gutes tut, bringt Licht ins Dunkel!

 

Drei Kinder: In der zweiten Wohnung geht es lebhaft zu. Im Zimmer toben drei Kinder und werfen das Spielzeug umher. Die Mutter ist am Verzweifeln. Der Vater hat Spätschicht. Sie hatte sich so viel vorgenommen. Sie schimpft, sie wird ungerecht, schreit die Kinder an. Draußen gehen Menschen vorüber. „Was für eine Familie“, sagen sie, „was für ungezogene Kinder!“

Ein Kind aber denkt: „Ich werde Frau Müller fragen, ob ich mit der kleiner Elke spazierengehen darf. Oder ich nehme Ilona mit zu uns, da kann sie in Ruhe die Schulaufgaben machen!“ Wer Gutes tut, bringt Licht ins Dunkel!

 

Streit: Familie Meyer aus der dritten Wohnung und Familie Fischer von nebenan hatten einen Streit. Nun sprechen sie nicht mehr miteinander. Wenn sie sich begegnen, grüßen sie sich nicht einmal. Sie sagen voneinander: „Mit denen wollen wir nichts mehr zu tun haben!“ Draußen gehen Menschen vorüber. Sie denken: „Was geht uns das an?“

Die kleine Barbara Meyer aber denkt: „Früher haben wir einfach miteinander gespielt und gelacht. Das war schön. Ob ich einfach an der Nebentür läute und die anderen zum Spielen abhole? Vielleicht vertragen sich dann auch unsre Eltern wieder. Ja, das

mache ich! Gleich jetzt!“ Wer Gutes tut, bringt Licht ins Dunkel! (Zwei Fenster beleuchten)

 

Geschiedene Frau: In einer Wohnung ist es sehr still. Frau Lehmann ist meist traurig, sie weint oft. Ihr Mann hat sich von ihr getrennt, sie kann sich nicht damit abfinden. Sie schließt die Türe ab, sie will niemanden sehen. Ihr kleiner Sohn Michael drückt traurig die Nase gegen die Fensterscheiben: Er hat in der neuen Wohnung

noch keinen Spielkameraden gefunden. Wie gerne würde er mit anderen Kindern spielen! Draußen gehen Menschen vorüber. „Es wird schon seinen Grund haben, daß ihr Mann sie verlassen hat“, sagen sie und denken nicht weiter darüber nach.

Ein Kind aber denkt: „Die neuen Mieter mag ich eigentlich gar nicht. Die Frau guckt so böse. Was sie bloß hat? Vielleicht sollte ich sie doch freundlich grüßen. Und den kleinen Jungen werde ich morgen mit auf den Spielplatz nehmen!“ Wer Gutes tut, bringt Licht ins Dunkel!

 

Sechste Wohnung: Ich weiß ja nicht, wer in der sechsten Wohnung zu Hause ist. Vielleicht ist es eine Familie mit einem behinderten Kind, ein Polizist mit ganz unregelmäßigem Dienst, vielleicht ein junges Paar, das nicht verheiratet ist. Draußen gehen Menschen vorüber. Draußen gehen auch einige von den Menschen vorüber, auf die sie drinnen gewartet haben. Nun wird es erst recht dunkel bei diesen Menschen.

Ein Kind geht zu ihnen. Vielleicht bringt es Blumen oder die Milch, die es besorgt hat.

Vielleicht will es in Zukunft nicht mehr über einen, der anders ist, lachen und Witze machen - oder auch einfach morgen mit ihnen so gut auskommen wie heute. Wer Gutes tut, bringt Licht ins Dunkel!

 

Unbekannter Mieter: Und dann ist da noch eine Wohnung. Im Haus weiß niemand etwas von den Bewohnern. Man kennt nur den Namen. Der steht nur an der Tür: „Pinkus, zweimal läuten!“ Aber niemand geht hin und niemand läutet. Die Menschen gehen vorüber. Wo niemand Gutes tut, kann auch kein Licht ins Dunkel kommen. Und so kann auch dieses Fenster nicht hell werden.

 

Wir Menschen können zwar dafür sorgen, daß die Welt schöner und heller wird. Aber alle Dunkelheiten vertreiben - das können wir nicht. Doch schauen wir noch einmal genau hin: Bei dem Haus steht das Kreuz, das Zeichen für Jesus Christus. Wir haben es beleuchtet. Denn wir erinnern uns, daß Jesus gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt!“ Er allein kann auch die letzten Dunkelheiten vertreiben - bei allen Menschen, in allen Häusern, die es auf der Welt gibt, auch in unserem Haus. Er hat uns eine Welt versprochen, in der sein Licht alle unsere dunklen Fenster erleuchten will.

Dann werden die Alten und die Jungen mit Freude beieinander wohnen. Die Last schwerer Lebensaufgaben werden sie einander tragen helfen. Die in Streit leben, werden sich versöhnen lassen. Und die Tränen derer, die untröstlich leiden, sollen getrocknet werden.

Sie werden seit wie eine große Familie und erkennen: Gott ist unser Vater! Bei ihm sind wir zu Haus in einer Welt des Lichtes und der Freude. Es wird sein wie ein großes Fest, viel schöner als unsere Feier hier.

In der Freude auf dieses Fest, das nie enden wird, und in der Freude des Martinstages wollen wir Gott ein Loblied singen: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren!

 

Gebet:

Vater im Himmel, du liebst alle Menschen und willst unser Leben hell und froh machen. Hilf uns, Gutes zu tun, damit Licht zu denen gebracht wird, die im Dunkeln leben: zu den Einsamen und Verlassenen, zu denen, die mit ihren Schwierigkeiten nicht fertig werden, zu denen, die in Zank und Streit leben, zu denen, die trostlos weinen, zu allen, denen die Liebe fehlt.

Ergänze in deiner Güte das, was wir nicht können. Führe uns eines Tages zusammen in einer Welt des Lichtes und der Freude, in der alle erkennen, daß du unser Vater bist! Daß dein Reich komme, darum bitten wir dich gemeinsam: Vaterunser....

 

Segen :

Schaut noch einmal auf das Haus. Viele Fenster sind hell geworden. Wir denken an das Haus, in dem w i r wohnen. Vielleicht warten dort Menschen auf Licht in ihrer Dunkelheit.

Unsre Laternen erinnern uns: Bringt wie Bischof Martin und Martin Luther Licht, Friede und Freude zu den Menschen! Fangt gleich heute damit an! So feiert ihr nichtig Martinstag und Luthers Geburtstag.

Dazu segne und behüte Euch Gott, der Allmächtige und Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

 

Martinstag: Glaube - Liebe - Hoffnung

 

Einleitung:

Wir betrachten das Bild einer Familie: Vater, Mutter und zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen. In der Familie haben sich alle untereinander lieb: Die Eltern haben sich lieb, die Geschwister haben sich untereinander lieb

Und selbst wenn es doch einmal Krach geben sollte, dann versucht man doch mit­einander auszukommen. Das ist möglich, weil man sich einander letztlich doch lieb hat. Liebe ist, wenn Vater und Mutter, Eltern und Kinder, Bruder und Schwester zusammenhalten.

Doch wirkliche Liebe beschränkt sich nicht nur auf die Familie, sondern gilt allen Menschen. Das hatte der Heilige Martin begriffen, dessen .Geburtstag wir heute feiern. An sich war er ein römischer Soldat, der im kalten Winter auf einen hungrigen und frierenden Bettler traf. Kurz entschlossen teilte er seinen Mantel mit dem Schwert auseinander und gab dem Bettler die eine Hälfte, damit er wenigstens nicht mehr so frieren mußte.

Wir erfahren alle die Liebe anderer Menschen und vor allem auch die Liebe Gottes. Er sorgt für uns und hilft anderen Menschen, uns zu helfen. Wir haben Essen und Trinken, Wohnung und Kleidung, Familie und Freunde, Kindergarten und Schule, Glück und Freude. Wir machen uns das noch einmal deutlich an den Blumen, die wir schon zum Erntedankfest gesehen haben (Blumen zeigen). Die Blumen erinnern uns an die Sonne, denn ohne Sonne gibt es keine Blumen. Die Sonne ist Zeichen für die Liebe Gottes zu allen Menschen.

Dazu singen wir ein Lied: Gottes Liebe ist wie die Sonne

 

Wenn wir einem anderen ein Paket schenken, wird er sich darüber freuen. Freudig

streckt er schon die Hände dem Geschenk entgegen. Ich habe auch ein Geschenk mitgebracht, und das Geburtstagskind des heutigen Tages (oder der vergangenen Tage) soll es auspacken dürfen (auspacken lassen, in dem Paket eine Tafel Schokolade o.ä.).

Das größte Geschenk aber macht uns Gott, der uns den Glauben gegeben hat. Ihn müssen wir auch erst auspacken, müssen ihn ausprobieren und für unser Leben anwenden. Dann merken wir: Er ist wie ein Felsen, auf dem wir sicher stehen. Der Glaube ist fest und hält etwas aus.

 

Einer, der das auch in seinem Leben erfahren hat, war Martin Luther. Am 10. November 1483 wurde er in Eisleben geboren. In Erfurt wunde er zum Pfarrer ausgebildet und in Wittenberg war er Professor für die Auslegung der Bibel. Dabei kam er zu der Erkenntnis, daß Gott uns den Glauben schenken muß, daß seine Liebe uns umgibt wie die Wärme der Sonne und daß wir eine Hoffnung brauchen, die über unser Leben hinausreicht.

Er hat sieh durch Anfeindungen und Drohungen nicht davon abbringen lassen, den wahren Glauben an Gott festzuhalten. Selbst unsre katholischen Mitchristen haben vieles von ihm gelernt und ihre Kirche in seinem Sinne reformiert.

Die drei wichtigsten Gaben Gottes sind: Das Kreuz steht für den Glauben, das Herz für die Liebe und der Anker für die Hoffnung. Wir hören, was Paulus über diese drei Gaben Gottes sagt: (1. Kor 13).

 

Der Anker sieht auch manchmal aus wie ein Kreuz. Man könnte sich auch vorstellen, daß da ein Kreuz in einem Boot steht. Dadurch wird darauf hingewiesen, daß Jesus unsere Hoffnung Wir sind mit ihm unterwegs wie in einem Schiff. Die Gemeinde ist wie ein Schiff, das sicher über den Wellen durch die Stürme des Lebens fährt, weil Jesus mit dabei ist. Daß wir Jesus für unser Leben brauchen, darauf hat Martin Luther hingewiesen. Dafür wollen wir ihm dankbar sein.     

 

Gebet:

Herr, unser Gott, wir bitten dich für unsere Kirche, daß sie sicher durch die Stürme des Lebens kommt. Wir danken dir, daß du uns den Glauben geschenkt hast, daß wir jeden Tag neu deine Liebe spüren dürfen und daß wir eine Hoffnung haben, die bis in die Ewigkeit reicht. Laß uns das doch auch alle Tage erfahren, im Kindergarten, in der Schule, in der Familie, bei der Arbeit, auf der Straße. Herr hilf uns, daß wir so wie der Heilige Martin und wie Martin Luther an dich glauben können und dir allezeit vertrauen.            Vaterunser im Himmel....

 

 

 

Martinstag: Gedenken an die Pogromnacht

Eingangsgebet:

Herr, unser Gott! Wir denken heute an den Jahrestage der Nacht, in der so viel Schreckliches und Grauenvolles an unseren jüdischen Einwohnern geschah. Wir bekennen, daß auch Christen damals viel schwere Schuld auf sich geladen haben. Wir bitten dich, Herr, vergib allen, die damals schuldig geworden sind, und hilf uns allen, daß wir nicht von neuem an unseren jüdischen Brüdern und Schwestern schuldig werden. Laß uns wachsam sein dafür, wo heute unter uns Menschen wieder Opfer von Vorurteilen werden und wo ihre Würde verletzt wird. Schenke uns durch diesen Gottesdienst den Mut und die Kraft, uns zum Fürsprecher aller benachteiligten Menschen zu machen. Amen.

 

Kinderbriefe:

(1) Hallo, liebe Freunde in Deutschland! Ich heiße Judy und wohne Soweto, einem Vorort von Johannesburg in Südafrika. Es gibt zwar offiziell keine Rassentrennung mehr wie zur Zeit der Alleinherrschaft der Weißen. Immer noch dürfen wie so Vieles nicht, weil wir schwarz sind. Die Erwachsenen kriegen immer noch die schlechteren Arbeitsstellen. Wir wohnen in einem eigenen Viertel. Und wir gehen auch in eine andere Kirche als die weißen Christen. Wie denkt ihr darüber? Sind weiße Christen wirklich besser als schwarze Christen? Dürfen bei euch alle Menschen am Gottesdienst teilnehmen oder treffen sich da immer dieselben Menschen?

(2) Liebe Kinder in [Name des Ortes]! Mein Name ist Halina. Mein Vater arbeitet hier bei euch in der Fabrik. Ich möchte so gern eine Freundin haben, um noch besser die deutsche Sprache zu lernen. Ich möchte sie so gut lernen, daß keiner von den Kindern hier mehr flüstert: „Die da, die kommen aus Polen!“ Und dann laufen sie weg. Lauft ihr auch weg? Oder lacht ihr mich aus‚ wenn ich mit Euch spielen will?

(3) Liebe Freunde! ich sitze im Rollstuhl und heiße Ruth. Meine Krankheit zwingt mich dazu. Ich sehe immer zu, wenn die anderen Kinder herumtollen. Keiner hat dann Zeit für mich. Ich glaube, die denken, daß ich nicht einmal sprechen kann - bloß weil ich im Rollstuhl sitze. ich möchte spielen können wie die anderen Kinder und hätte gern auch viele Freundinnen. Aber jetzt kümmert sich keiner um mich. Schade!

 

Schluß des Gottesdienstes:

Laß}t uns gehen mit der Einsicht, daß wir nicht schweigen dürfen, wo das Leid und Unglück der Juden und anderer Völker vom Vergessen bedroht ist. Laßt uns gehen mit der Absicht, uns einzusetzen gegen Mutlosigkeit, gegen Vorurteile und Überheblichkeit. Laßt uns gehen mit der Aussicht, daß Gott unser Eintreten für Liebe und Gerechtigkeit mit seiner Verheißung begleitet. Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht zu dir und schenke dir Heil. Friede sei mit euch. Schalom chaverim!

 

Predigt:

Jeden Tag werden Menschen verachtet, weil sie schwarz sind oder gelb. Kinder werden ausgelacht, weil sie rote Haare haben oder nicht so gut im Sport sind. Urteile werden über Menschen gefällt, die wir gar nicht kennen. Mauern werden aufgerichtet zwischen Christen und Christen, zwischen Alten und Jungen, zwischen Lehrern und Schülern. Überall reden wir uns damit heraus, daß m a n eben so etwas sagt oder so etwas tut - man muß es eben.

Vorurteile sind gefährlich und können tödlich sein. Das haben wir schon einmal in Deutschland erlebt. Vor der Naziherrschaft lebten in Deutschland noch viele Juden. In unsrer Gegend wohnten sie vor allem in [………………]. Aber auch durch unseren Ort kamen sie gelegentlich, um mit Vieh oder anderem zu handeln oder um Geld zu verleihen.

Die Juden waren und sind Menschen wie wir. Sie sprechen Deutsch, leben in der Familie zusammen wie wir, gehen in die Schule und an die Arbeit. Aber sie sind die Nachkommen des Volkes Israel, von dem wir in unsrer Bibel im Alten Testament hören. Sie glauben wir an den gleichen Gott. Aber sie glauben nicht an Jesus, sie wollen nicht einsehen, daß er Gottes Sohn ist.

Deshalb haben viele Christen die Juden verachtet. Ja sie haben sogar gesagt: „Die Juden haben dafür gesorgt, daß Jesus gekreuzigt wurde; sie sind schuld am Tod Jesu. Dafür müssen sie bestraft werden!“ Doch es waren ja nicht „die Juden“, sondern nur einige wenige unter ihnen.

Leider hat auch Martin Luther, an dessen Tauftag wir heute denken‚ viel Schlimmes über die Juden geschrieben. Wir verdanken Martin Luther sehr viel, weil er die Bibel wieder nichtig ausgelegt hat und der Begründer unserer Kirche ist. Aber was die Juden angeht, da ist er voll und ganz den Vorurteilen seiner Zeit gefolgt.

Deshalb hat man sich auch auf Luther berufen, als man nach 1938 massiv gegen die Juden in Deutschland vorging. Schon vorher waren sie aus dem Staatsdienst und auch dem kirchlichen Dienst entlassen worden. Sie durften keine Staatsbürger mehr sein und durften nur noch untereinander heiraten. Im Jahre 1938 wunden alle jüdischen Geschäfte gekennzeichnet und eine „Kennkarte“ für Juden eingeführt. Sie durften bestimmte Bezirke nicht mehr betreten und nicht in Theater, Kinos, Konzerte, Vorträge und Ausstellungen gehen, schließlich auch nicht mehr auf Sportplätze und in Schwimmbäder.

Ab März 1942 wunden dann über 6 Millionen jüdischer Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern umgebracht. Nur wenige haben die Vernichtungslager überlebt. Heute gibt es vergleichsweise nur noch wenige Juden in Deutschland.

Die meisten Menschen bei uns haben zur Verfolgung der Juden geschwiegen. Es war ja auch schwer, etwas dagegen zu unternehmen, denn dann war man am Ende selber dran. Deshalb haben viele stumm zugesehen, als in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 die jüdischen Gotteshäuser zerstört oder abgebrannt wurden. Ebenso wurden auch die Geschäfte der Juden zerstört.

In Deutschland wurden 267 jüdische Bethäuser in Brand gesteckt, weitere wunden verwüstet. Auch 7.500 jüdische Geschäfte wunden geplündert, zahllose Wohnungen zerstört und jüdisches Eigentum beschlagnahmt, Friedhöfe wurden geschändet. Über 20.000 jüdische Menschen wurden festgenommen und kamen in Konzentrationslager. Und für die Schäden in dieser Nacht mußten die Juden noch 1 Million Mark aufbringen und an den Staat zahlen.

Am Abend des 10. oder des 11.November 1938 wunde an vielen Orten der Martinstag gefeiert. Zu den Vorgängen der Nacht hat man geschwiegen‚ man hat gefeiert, als sei nichts gewesen. Deshalb wollen wir heute wieder daran erinnern. Wir wollen des Unrechts gedenken und des Leides der in den Tod getriebenen Juden.

Und wir wollen bedenken, was wir heute tun müssen, wenn sich Ähnliches zu widerholen droht. Wir sollten jede aufkeimende Feindschaft unterdrücken, die sich gegen Menschen richtet, die anders sind, anders denken und anders glauben. Vielmehr sollten wir immer das Gemeinsame und Verbindende herausstellen. Wir können nur staunen über Gottes Barmherzigkeit, der nach dunkler Zeit einen Neuanfang ermöglicht hat. Und wir dürfen Gott bitten, daß wir es besser machen und uns all derer annehmen, die es besonders schwer im Leben haben.

 

Gebet:

[Bei entsprechender Aufforderung wird gemeinsam gesprochen: „Herr, erbarme dich!“]

Herr, es ist in unserem Volk und durch unser Volk geschehen: Die Gotteshäuser der Juden gingen in Flammen auf, Geschäfte wunden zertrümmert, Wohnungen geplündert, Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Darum rufen wir: Herr, erbarme dich!

Herr, es ist in unserem Volk und durch unser Volk geschehen: Christen aller Kirchen sahen zu, Christen schauten beiseite. Viele schämten sich, doch nur die wenigsten taten etwas dagegen. Und die, die handgreiflich Unrecht taten, glaubten oft noch selber daran, sie würden Gott einen Dienst erweisen. Darum rufen wir: Herr, erbarme dich!

Herr, dieses Unrecht ist bis heute nicht ungeschehen zu machen: Dieses Verbrechen ist zum Zeichen geworden für noch größeres Unheil im Namen unsres Volkes, für den kommenden Krieg mit Millionen Toten, für das Unheil, das wir auch über uns selbst brachten. Darum rufen wir: Herr, erbarme dich!

Herr, wo keine Entschuldigungen oder gar Ausreden verfangen, da rufen wir zu dir: Von deiner unverdienten Barmherzigkeit erhoffen wir neue Orientierung, neuen Beginn bei uns selbst und mit denen, die durch unser Volk gelitten haben. Darum rufen wir: Herr, erbarme dich!

Herr Jesus Christus, der du für Räuber und Mörder und auch für schweigende Mehrheiten gestorben bist, gib uns die klare Einsicht, daß nur deine Vergebung die Einzelnen und die Gemeinschaft unseres Volkes in eine bessere Zukunft führen kann.

Zieh uns hinein in deine Heilsgeschichte für Juden und Christen, für Israel und die Völker. Darum rufen wir: Herr, erbarme dich! Vaterunser ...

 

 

 

 

B i b e l s t e l l e n

 

Der Turmbau zu Babel: 1. Mose 11, 1 - 9

Spiel:

Die Kinder haben alle einen Bauklotz aus Holz mitgebracht, sicherlich in verschiedener Größe und verschiedener Art. Sie erhalten nun die Aufgabe, mit diesen Bausteinen einen Turm zu bauen. Die Kleinen versuchen es auf den Steinplatten neben dem Altar, die anderen in Mittelgang der Kirche. Sie erhalten keinerlei Anweisung, wie sie vorgehen sollen. Es wird ihre Aufgabe sein, sich selber zu einigen.

Hoffentlich kommt dabei heraus, daß ihr Werk nicht gelingt. Oder der Turm wird so hoch, daß er schließlich einfällt. Vielleicht kann man auch einige Kinder vorher instruieren, daß sie absichtlich Streit stiften. Auf dem Höhepunkt werden den Kindern dann die Klötze weggenommen mit den Worten: „Wenn ihr euch nicht einigen könnt, dann gar nicht!

 

Wenn man etwas gemeinsam schaffen will, muß man sich einig sein. Sonst wird es nichts und es bleibt nur eine halbfertige Sache liegen. Das gilt nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Erwachsenen. Auch sie können sich nicht einigen und deshalb gibt es Streit in der Welt, gibt es Haß und Krieg.

In der Bibel heißt es: „Der Streit kommt daher, daß die Menschen nicht mehr auf Gott hören. Wenn wir Gott beiseite schieben wollen, wird es nur immer schlimmer auf der Erde zugehen. Wenn die Menschen nicht mehr auf Gott vertrauen, dann beginnen sie auch einander zu mißtrauen, dann körnen sie sich nicht verstehen.

Gott muß dann die Menschen manchmal strafen, um sie wieder auf den nichtigen Weg zurückzuführen. So machen es ja auch die Eltern, wenn die Kinder sich nicht einigen können: Wenn die Kinder sich streiten, räumen sie des Spielzeug weg, damit endlich Ruhe ist.

Gott hat nichts dagegen, wenn wir heute Türme bauen oder Denkmäler errichten oder Raketen zum Mond schicken. Nur sind diese Dinge nicht dazu da, um den Namen der Menschen groß zu machen. Wir sollten nie vergessen, daß Gott uns erst die Kräfte gibt, solche Leistungen zu vollbringen, und daß er immer der Größte bleibt.

Wie diese Erkenntnis in der Bibel ausgedrückt ist, wollen wir nun in einer Geschichte aus dem Mosebuch, Kapitel 11, hören.

 

Erzählung:

Vor alten Zeiten lebten die Menschen zusammen wie ein einziger großer

Nomadenstamm. Sie lebten in Zelten, zogen umher von Weideplatz zu Weideplatz und hatten die gleiche Sprache. Aber eines Tages brechen sie ihre Zelte im Gebirge

Des Ostens ab und ziehen nach Westen. Dort finden sie eine große, fruchtbare Ebene - das Land Sinear im heutigen Irak. Weil es so ein fruchtbares Land ist, wollen sie dort auch wohnen bleiben. Sie wollen sich feste Häuser bauen.

Aber in der Ebene gibt es keine Steine. Da sagen sie: „Laßt uns Ziegel streichen aus Lehm und sie an der Sonne trocknen!“ Doch einer hat noch eine bessere Idee: Wenn wir die Lehmsteine im Brennofen erhitzen, werden sie noch fester und wir können noch bessere Häuser bauen!“ Ein anderer entdeckt an einer Stelle im Boden das „Erdharz“', eine Art Teer, mit dem man gut die Steine miteinander verbinden kann.

Die Leute sind stolz auf ihre Erfindung. Sie sagen: „Wir schaffen alles, wenn wir nur zusammenhalten. Keine Macht der Welt ist stärker als wir. Wir werden uns eine große Stadt bauen. Von der aus regieren wir die Welt. Noch in den fernsten Zeiten wird man von uns reden. Nun sind wir so groß wie Gott!“

Aber schließlich genügt ihnen die Stadt allein noch nicht. Sie soll einen Mittelpunkt haben, der alles andere überbietet. Sie sagen: „Auf, wir wollen einen Turm bauen mitten in der Stadt, der bis an den Himmel reicht. Damit wollen wir uns einen Namen machen in der ganzen Welt, damit man überall von uns erzählt!“

Nach der Meinung dieser Menschen besteht die Welt aus drei Stockwerken: Unten ist die Totenwelt, in der Mitte wohnen die Menschen und oben ist der Wohnort Gottes. Nun wollen sie die Grenze ihrer Welt nach oben hin durchstoßen und in den Bereich Gottes hineinkommen. Viele tausend Arbeiter sind nötig, um einen solchen Turm zu errichten. Sein unterstes Stockwerk ist 90 Meter lang und 90 Meter breit

und er soll euch 90 Meter hoch werden, noch höher als die meisten Kirchtürme bei uns.

Ein nichtiger Berg entsteht. Und obendrauf steht ein Tempel für ihren Stadtgott. Der soll jetzt bei ihnen sein. Aber Gott, den Schöpfer Himmels und der Erde, haben sie vergessen.

Sie bilden sich sogar ein, jetzt hätten sie eine Verbindung zu ihrem selbstgemachten Gott hergestellt: Jetzt haben wir eine Treppe gebaut - denken sie - auf der unser Gott zu uns herabsteigen kann. Ja, er m u ß es sogar, wenn wir es wollen. Und dann muß er auch tun, was wir wollen.

Aber Gott, der Herr Himmels und der Erde sieht dieses Treiben der Menschen

nicht tatenlos zu. Er kommt zu ihnen, um den Turm und die Stadt sich einmal anzusehen. Die Menschen dachten, sie hätten den Turm bis in den Himmel gebaut. Aber in Wirklichkeit ist er so klein, daß Gott erst herabkommen muß, um ihn

überhaupt erkennen zu können. Die Menschen können sich gar nicht zu Gott aufmachen, sondern er muß von sich aus zu ihnen kommen.

Gott will aber die Menschen nicht bestrafen, sondern er will das Gute für sie. Er weiß genau, wie das einmal alles enden wird: Die Menschen werden in ihrem Größenwahn immer neue Dinge in Angriff nehmen. Sie werden ihre Kräfte in immer neuen Bauten verzehren und schließlich zu nichts mehr kommen. Deshalb beschließt Gott: „Ich will ihre Sprache verwirren, damit keiner mehr die Sprache des anderen versteht!“

Wer nicht mehr miteinander sprechen kann, der kann auch nicht mehr miteinander arbeiten. So bleiben sie auch nicht mehr beisammen, sondern zerstreuen sich in alle Länder. Ihr großer Turm und ihre herrliche Stadt zerfallen und wurden vom Staub der Jahrhunderte begraben. Erst in unserer Zeit hat man die Stadt Babel mit ihrem Turm wieder ausgegraben. Die Leute von Babel haben sich der Tat einen Namen in der Welt gemacht, aber im schlechten Sinn.

Sie sind ein Beispiel dafür, wohin der Größenwahn die Menschen führt, nämlich zu Streit und Zank und schließlich zum Krieg. Gott aber will, daß die Menschen einig sind und sich verstehen.

 

 

David und Goliath: 1. Sam 17

Erzählung:

Die Philister hatten einen Krieg mit dem Volk Israel angefangen. Saul, der König Israels, sammelte schnell seine Soldaten und zog den Feinden entgegen. Die Philister waren ein großes und mächtiges Volk und glaubten nicht an Gott. Die Israeliten und ihr König Saul hatten etwas Angst vor ihnen. Aber sie glaubten an Gott.

Zu den Soldaten Sauls gehörten auch die drei ältesten Söhne des Bauern Isai aus Bethlehem. Der jüngste Sohn David war zu Hause geblieben und hütete die Schafe.

Doch heute schickte ihn der Vater los, um den Brüdern etwas zu Essen zu bringen. Und dem Hauptmann nahm er auch ein Geschenk mit: Schnell gibt er den Korb beim Koch ab und läuft zu seinen Brüdern, um ihnen ‚Guten Tag‘ zu sagen Die ganze Armee ist schon in Aufregung. Auch die Philister greifen zu den Waffen. Plötzlich geht wieder der stärkste Philister auf die Israeliten zu, ganz allein. Es ist der Riese Goliath, mehr als drei Meter groß und schwer bewaffnet. Alle Israeliten erschrecken und weichen zurück, auch der König

 

Liedgruppe:

War einst ein Riese Goliath               / gar ein gefährlich Mann.

Er hatte Tressen auf dem Hut                       / mit einem Klunker dran,    

und einen Rock von Gelde schwer    / wer zählt die Dinge alle her?

Er hatte Knochen wie ein Gaul                      / und eine freche Stirn,

und ein entsetzlich großes Maul                   / doch nur ein kleines Hirn,

gab jedem einen Rippenstoß n                     / und flunkerte und prahlte groß.

 

(Der Riese macht zwei entsprechende Gesten: Er zeigt auf seine Ausrüstungsgegen­stände, zeigt seine Beinknochen, fährt sich über die Stirn, reißt das Maul auf, gibt einen Rippenstoß und zeigt seine Muskeln).

 

David: Wer ist das? Wag will er?

Saul:  Der kommt jeden Tag so auf uns zu und will einen Zweikampf machen mit dem Stärksten von uns. Und wer gewinnt, dessen Volk soll den ganzen Krieg gewonnen haben und. die anderen sollen ihm dienen.

Goliath: Kommt doch her, ihr Feiglinge! Euer Gott wird euch schon helfen, wenn er nicht selber feige ist!

 

Liedgruppe:

So kam er alle Tage her                                / und sprach Israel Hohn:

Wer ist der Mann, wer wagt's mit mir?       / Sei's Vater oder Sohn!

Er komme her, der Lumpenhund                  / ich box ihn nieder auf den Grund.

 

David (in Wut): Wie darf dieser Gottlose unseren Gott verhöhnen? König Saul, hab keine Angst. I c h will gegen diesen Philister kämpfen!

Saul: Aber David, du bist doch noch ein kleiner Junge und kannst unmöglich gegen diesen ausgewachsenen Krieger kämpfen!

David: Als ich einmal die Schafe hütete, kam ein Löwe und holte mir ein Schaf weg.

 

Da lief ich hinter ihm her und schlug mit dem Stock auf ihn ein, bis er das Schaf losließ. Und als er dann über m i c h herfiel, habe ich ihn am Bart festgehalten und erschlagen. Diesem Philister da soll es auch nicht besser ergehen! Gott, der mich vor dem Löwen errettete, wird mich auch über diesen Gottlosen siegen lassen!

Saul: Dann geh hin! Gott sei mit dir! Hier hast du wenigstens meinen Helm, meine Rüstung und mein Schwert.

David: Das nützt mir nichts, denn ich bin nicht gewohnt, damit umzugehen.

Ich will nur meinen Hirtenstab, meine Steinschleuder und diese fünf glatten Steine mitnehmen.

 

Liedgruppe:

Da kam in seinem Schäferrock                       / ein Jüngling zart und fein.

er hatte nichts als seinen Rock,                      / als Schleuder und den Stein.

Und sprach: „Du hast viel Stolz und Wehr / ich komm im Namen Gottes her!

 

 

Goliath. Bin ich denn ein Hund, daß du mit einem Stecken zu mir kommst? Komm nur näher, ich werde dich mit zwei Fingern zerquetschen wie eine Fliege und dein Fleisch den Vögeln und wilden Tieren zu fressen geben.

David: Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Schild. Ich aber komme im Namen des Gottes, den du verspottet hast. Heute wird dich dieser Gott in meine Hand geben, damit alle Menschen denken, daß Israel einen Gott hat. Dieser Herr hilft nicht

mit Schwert und Spieß der Menschen, sondern er hilft selbst!

 

Liedgruppe:

Und damit schleudert er auf ihn                   / und traf die Stirne gar;

da fiel der große Esel hin,                             / so lang und dick er war.

Und David haut in guter Ruh             / ihm nun den Kopf noch ab dazu.

 

Erzähler: David hatte nicht einmal ein Schwert mitgenommen. Als der Riese betäubt da lag, muß ihm David erst noch das Schwert abnehmen, ehe er ihm den Kopf abschlagen konnte. Nun kriegen die Philister Angst und fliehen vor dieser großen Tat des Gottes Israels.

 

Liedgruppe:

Trau nicht auf deinen Tressenhut     / nicht auf den Klunker dran.

Ein großes Maul es auch nicht tut;    / das lern vom langen Mann!

Und von dem kleinen lerne wohl,     / wie man mit Ehren fechten soll!

(Text des Liedes von Matthias Claudius).

 

Predigt:

Das erlebt man immer wieder einmal, daß so ein Großmaul reinfällt. In jeder Schulklasse gibt es diese Angeber, die vor Kraft nicht laufen können und denen man nur ein Bein zustellen braucht und schon liegen sie da. Auch die Erwachsenen kennen das aus ihrem Leben: In der Firma gibt es immer welche, die noch ein bißchen mehr sein wollen als die anderen, alles besser wissen und die anderen kommandieren wollen. Bis einmal einer kommt und sie durchschaut und sie mit einer geschickten Frage bloßstellt. Oder es gibt diese studierten Leute, die noch keine Erfahrung in der Praxis der Landwirtschaft haben, aber alles anders machen wollen, weil sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben; bis sich dann herausstellt, daß sie nicht einmal eine Kuh melken können oder ein Fahrrad flicken.

Aber schlimmer ist es halt, wenn einer so wie Goliath große Körperkräfte hat, doch nur ein kleines Hirn. Da saß einmal ein Student aus Berlin zusammen mit einem Bayern in einem Eisenbahnabteil. Es ist ziemlich heiß und der junge Mann möchte das Fenster öffnen, um frische Luft zu schnappen. Aber das Fenster klemmt, und er schafft es nicht (Damals konnte man noch die Fenster im Zug öffnen). Da springt der Bayer ihm zu Hilfe: Ruck-zuck ist das Fenster unten. Und der Kraftprotz lächelt dazu, tippt sich an die Stirn und sagt: „Hier hoams, aber hier hoams nicht!“ und zeigt auf seine Muskeln. Na warte, denkt der Student, dich krieg ich schon noch. Nach einer Weile steht er auf und sagt, er wolle auch noch die Luftklappe oben an der Decke aufmachen.

Doch wieder zerrt und zerrt er an dem Hebel und kriegt ihn nicht herunter. Da greift der Bayer wieder ein, reißt den Hebel fast aus der Decke - und die Bremsen quietschen und der Zug steht: Es war die Notbremse gewesen! Und unser Student sagt lächelnd zu dem Bayern, indem er seine Muskeln zeigt: „Hie hoams, aber hier hoams

nicht!“ und tippt an seine Stirn.

Noch schlimmer aber ist es, wenn so ein Großer und Starker auch noch Waffen und Rüstung hat. Wir erleben das ja immer wieder, daß so ein Starker einen Schwachen überfällt, ihm den Hals zudrückt und sagt: „So jetzt wollen wir verhandeln!“

 

Heute gibt es ja viel schlimmere Waffen als in der Zeit Goliaths. Wenn da nicht das Gehirn, die Vernunft, mitwächst, kann es ein großes Unglück geben. Die alten Griechen forderten von einem Olympiakämpfer, daß er nicht nur schnell laufen konnte, sondern auch Gedichte vortragen und ein Instrument spielen konnte. Die geistigen Kräfte müssen mit den körperlichen wachsen, sonst entsteht so ein Tolpatsch wie der Goliath, der so dumm und unbeweglich ist, daß er nicht einmal dem heranfliegenden Stein ausweichen kann. Wer sich nur auf seine Kraft und seine Macht verläßt, wer nur ein großes Maul und große Waffen mitbringt, der fällt irgendwann einmal herein. Dann stellt es sich heraus, daß das alles gar nichts war.

Sehen wir uns aber nun einmal den David an. Der geht nicht dem Goliath entgegen, weil er sich gern einmal mit jemand schlagen möchte. Rauflustig ist dieser David nicht. Aber er ist empört darüber, daß man seinen Gott beleidigt hat. Hier m u ß man doch eingreifen, um Gottes Ehre wiederherzustellen. Wer nicht gegen diesen Spott vorgeht, glaubt nicht an Gott. Hier muß etwas geschehen, und wenn auch mit den untauglichsten Mitteln.

Natürlich würde jeder sagen: „Dazu brauchst du aber eine Rüstung: Ehe du in den Kampf gehst, mußt du erst gerüstet sein!“ Das weiß David auch. Aber er versteht unter der Rüstung nicht die von Menschenhänden gemachten Waffen, sondern er sagt: „Ich komm im Namen Gottes her!“ Nur weil er auf Gott vertraut, hat er keine Angst.

Sehen wir uns nun den König Saul an. Dem rutscht das Herz gleich in die Hose, wenn er den Riesen nur sieht. Eigentlich müßte er ihm ja entgegentreten, als der stärkste Mann in Israel und dazu noch König. Aber Saul rechnet. Er überschlägt die Chancen eines möglichen Sieges und kommt zu dem Ergebnis: „Der andere ist stärker, es hat keinen Zweck!“

Saul ist ein Vernunftmensch, er handelt nach dem gesunden Menschenverstand. Und da muß er sich sagen: „Ich habe nicht genug Kraft!“ Und dann hat er in der Tat keine Kraft mehr, weil er vor Angst gelähmt ist.

Und doch können wir gerade diesen Saul verstehen, er verkörpert unsere eigene Glaubenshaltung. Wir sind keine Gotteslästerer wie Goliath, aber wir haben auch nicht solches Gottvertrauen wie David. Wir sind vorsichtig und denken: „Abwarten, vielleicht findet sich noch eine Lösung, die nicht so kostspielig ist!“ Unser Herz erzittert genauso wie das des Saul, wenn wir unsere Feinde nur sehen.

Heute kommen sie allerdings nicht mehr mit dem blanken Schwert, sie haben da feinere Methoden. Aber wir möchten ihnen weder im Dunkeln noch im Hellen begegnen. Wer hätte denn nicht irgendwelche persönlichen Feinde oder Menschen, die er fürchten müßte? Wie sollen wir ihnen begegnen?

 

Aus der Geschichte von David und Goliath können wir da manches lernen. Der Riese Goliath zeigt uns: Wer nur auf seine eigene Kraft vertraut und sonst wenig auf dem Kasten hat, der findet schon einmal seinen Meister. Und wer dazu noch Gott verspottet und sein Volk verhöhnt, der wird von Gott gerichtet.

Der König Saul zeigt uns: Wenn man nur mit dem Verstand urteilt, wird man nur Angst haben können. Und wenn man dieser Angst mit menschlichen Mitteln begegnen will, wird es nur schlimmer damit und man ist wie gelähmt. Damit hat aber der andere sein Ziel erreicht.        

Und schließlich David: Ist er nicht leichtsinnig? Wie kann er sich so unnötig in Gefahr begeben, wo er es doch gar nicht nötig hat?! Doch selbst Saul muß erkennen, daß in David ein Größerer wirkt. David ist gar nicht schwach und ohne Vernunft. Er handelt in der Kraft Gottes und folgt einer Vernunft, die höher ist als alle menschliche Vernunft.

Doch er geht nicht aus selbstsüchtigen Gründen in den Kampf, etwa um Ruhm zu erlangen oder seine Kraft zu erproben. David streitet allein für die Ehre Gottes! Und das sollten wir uns merken, wenn uns in unserem Leben wieder einmal so eine furchteinflößende Gestalt gegenübertritt: Wenn wir etwas angestellt haben und der andere uns bestrafen will, dann hat er recht. Wenn er ein Amt hat und darin Be­fehls­gewalt ausübt, dann darf er über uns bestimmen. Aber wenn er unseren Glauben verspottet, dann sind wir zum Widerstand bis aufs Messer herausgefordert. Und dann hilft uns Gott auch, ja im Grunde streitet er a l l e i n für uns.

Wenn wir aber etwas Persönliches mit einem anderen abzumachen haben, dann brauchen wir dabei gar nicht auf die Hilfe Gottes zu hoffen. Man kann bei rein menschlichen Absichten nicht Gott vor die Lücke schieben. Die Kirche setzt sich nur für die ein, die in ihrem Glauben angegriffen sind. Und sie hat sich zum Beispiel auch für die eingesetzt, die aus Glaubensgründen den Wehrdienst mit der Waffe in der Hand ablehnen, um wenigsten für i h r e Person ernst zu machen mit dem Gebot Gottes: „Du sollst nicht töten, liebet eure Feinde!“ Aber die Kirche kann keinen schützen, der sich nur vor etwas drücken will.

Das ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr man sich hüten muß, Menschliches und Göttliches zu vermengen. Für David war genau der Zeitpunkt zu einem Glaubensbekenntnis. Und da durfte er sich auch auf die Hilfe Gottes verlassen. Als es vorbei war,

sah man, daß er damit recht getan hatte. Aber er hat auch schon von vornherein auf Gott vertraut. So sollen und dürfen auch wir zuversichtlich in den Kampf gehen, wenn wir in unserem Glauben angegriffen werden. Gott hat noch allemal gesiegt!

 

Gebet:

Lieber himmlischer Vater, wir bitten dich heute besonders für diese Kinder, ihre Eltern und Geschwister und für ihre Lehrer. Gib, daß Geist und Herz ausgebildet werden, daß sie allen Anforderungen genügen können. Gib ihnen Erzieher, die mit ihnen umzugehen wissen. Laß sie recht unterwiesen werden im Glauben, damit sie nicht nur ein nützliches Glied der Gesellschaft werden, sondern auch ein lebendiges Glied deiner Gemeinde. Vergib uns, was wir an ihnen versäumen.

 

 

 

Geborgen bei Gott: Jes 43,1-3a und 4a

Einstieg:

Die Melodie des Liedes „By the rivers of Babylon“ wird eingespielt. Dann geht es weiter mit der Erläuterung: Nach Babylon war das Volk der Juden in die Gefangenschaft weggeführt worden. Sie saßen zwar nicht gerade hinter Gittern, sie konnten sich Häuser bauen und normal arbeiten. Aber sie durften nicht wieder zurück in die Heimat. Wir wollen einmal einen Augenblick auf die Klagen der gefangenen Juden hören, wie sie auch in dem Lied von „Boney M“ aus unserer Zeit zum Ausdruck kommen:

 

Sprechmotette:

(1) Es hat keinen Zweck mehr, noch länger an den Gott unserer Väter zu glauben!

(2) Warum hat er zugelassen, daß unser Volk besiegt wurde?

(3) Warum sind wir aus der Heimat vertrieben worden?

(4) Warum hat es gerade uns getroffen?

Alle): Gott hat uns vergessen!

(1) Wer weiß, ob es überhaupt einen Gott gibt!

(2) Früher hat es vielleicht einmal einen gegeben, aber heute?

(3) Der Glaube ist etwas für Kinder, aber nicht für uns!

(4) Und wenn es Gott gibt, warum hilft er nicht?

(Alle): Gott hat uns vergessen!

(1) Gott hat keine Kraft, uns hier zu befreien!

(2) In Jerusalem mag er ja noch wohnen, aber nicht bei uns!

(3) Hier herrschen andere Götter, die Götter der Babylonier!

(4) Warum sind wir nur in dieses fremde Land gekommen?

(Alle): Gott hat uns vergessen!

 

Solche Gedanken kommen auch uns gelegentlich. Wir wollen einmal hören, wie das so in den verschiedenen Altersstufen aussieht:

Kindergartenkind: Ich habe immer dafür gebetet, daß ich zu Weihnachten ein Paar Langlaufskier kriege. Aber dann war es doch nur ein Anzug für die Schule, wenn ich da mal hingehe.

Schulkind: Die anderer wollen immer nicht mit mir spielen. Sie necken mich und lachen immer über mich. Auch andere Kinder aus dem Religionsunterricht machen da mit. Gott hat mir da noch nicht geholfen!

Jugendlicher: Ich interessiere mich ganz stark für ein Mädchen. Aber sie beachtet mich gar nicht. Ich bin sogar extra wegen ihr auch in die Kirche gegangen. Aber auch dort hat sie so getan, als sei ich Luft.

Mutter: Mein Kind ist plötzlich blind geworden und mußte in ein Heim. Anderen geht es gut, denen gelingt immer alles. Weshalb hat es gerade uns getroffen?

Arbeiter: Ich komme nicht mehr so recht mit, die Anforderungen sind zu hoch für mich. Aber mit einer anderen Arbeitsstelle hat es auch nicht geklappt. Was soll ich nur machen?

Rentnerin: Zu mir kommt ganz selten einmal jemand zu Besuch. Dabei habe ich doch so viel Zeit. In die Kirche kann ich nicht mehr. Hat Gott mich vergessen?

 

Der Prophet Jesaja tritt auf mit einer großen Kerze in der Hand als Zeichen der Hoffnung, die er zu bringen hat: Er sagt: „So spricht der Herr: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, daß dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen. Denn ich bin der Herr dein Gott, der heilige Israels, dein Heiland, weil du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich bist und weil ich dich lieb habe!“

 

Predigt:

Das ist gut gesagt: „Fürchte dich nicht!“ Die Furcht kommt doch so einfachüber einen, da kann man doch gar nichts dagegen machen. Auch wer immer so überlegen und sicher tut, kennt die Furcht. Nicht nur die Kinder sind furchtsam, sondern oftmals auch die Erwachsenen. Die machen sich Sorgen um ihre Gesundheit oder um das Vorankommen der Kinder. Wenn sie an Krieg und Naturkatastrophen denken, wird ihren beklommen ums Herz. Manchmal ist es nur eine unbestimmte Angst vor einer unbekannten Gefahr, die einem Menschen zu schaffen macht. Und sehr leicht kann man denn auch den Eindruck haben: Gott hat mich verlassen, er hilft mir auch nicht mehr!

Wenn wir uns ganz fest auf Gott verließen, dürfte das ja nicht so sein. Aber leider fürchten wir auch, einmal etwas Unrechtes zu sagen oder unangenehm aufzufallen. Wir sind oft unangenehmen Fragen ausgesetzt, gerade wenn es um Glaubensdinge geht. Manchmal werden wir aufgefordert, zu einem heiklen Problem öffentlich Stellung zu nehmen. Da kann es schon sein, als stünde uns das Wasser bis zum Hals oder wir müßten durchs Feuer gehen. (Bilder für Wasser und Feuer).

„Wasser“ und „Feuer“ können für uns ganz unterschiedlich aussehen. Für die Juden war es die Gefangenschaft in Babylon. Für die ersten Christen war es die Verfolgung ihres Glaubers, die sie auch oft ins Gefängnis brachte (Bild für Gefängnis anheften). Wir denken vielleicht an eine Krankheit eines Verwandten oder Bekannten. Er hat ein unbeschwertes und begehrenswertes Leben geführt; aber nun ist seine Erfolgskurve plötzlich abgebrochen und er muß leiden und vielleicht sterben. Wir aber können nicht helfen, so wie wir oft auch keine Hilfe erfahren, wenn wir selber krank sind (Bild für Krankheit anheften).

Genauso schlimm ist aber, wenn man alleingelassen wird und von niemandem verstanden wird. Kleine Kinder sind sofort ängstlich, wenn sie einmal für kurze Zeit allein im Zimmer gelassen werden. Und ganz schlimm ist es für viele, wenn sie zum ersten Mal ganz allein im Kindergarten bleiben sollen. Die Mutter redet dann ihrem Kind gut zu: „Fürchte dich doch nicht, ich komme ja bald wieder!“ Aber durchstehen muß das Kind ja doch alles alleine.

Jeder Mensch muß das aber einmal lernen, ohne die Eltern auszukommen. Es geht nicht ohne Belastungen und Gefährdungen in unserem Leben ab. Wer sich schonen will und allem nur aus dem Weg gehen will, der verpaßt sein Leben. Auch Erwachsene sind oft auf sich allein gestellt und wissen keinen Rat und Ausweg.

Aber die Bibel sagt uns: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Auch wenn die Eltern nicht bei ihrem Kind sind, dann ist es doch nicht allein. Es hat einen himmlischen Vater, der über ihm wacht und der die Hände schützend über alle seine Kinder hält. Das gilt auch für die Großen, die schon erwachsen sind und allein im Leben zurechtkommen müssen: Auch sie dürfen sich behütet wissen von den großen Händen Gottes, sie dürfen sich sicher fühlen unter Gottes Schutz (Hände Gottes anheften).

Gott kann unser Unglück nicht lange ansehen. Er will uns loskaufen, so wie die Verwandten einen auslösen, der wegen Schulden ins Gefängnis gekommen ist. Dann muß allerdings ein anderer die Schuld bezahlen. Jesus Christus hat diesen Preis bezahlt, als er sein Leben für die Menschen gab; er ist unser Heiland und Erlöser. Deswegen brauchen wir keine Angst mehr zu haben, denn er hat alle Mächte besiegt, die uns nach dem Leben trachten. Auch wenn diese Mächte noch nach uns greifen wollen und wir unter ihnen zu leiden haben: Gott spricht so, als seien wir schon aus allem heraus, so sicher ist die Rettung, da kann nichts mehr dazwischen­kommen.

Dieses Wort an das Volk Israel darf jeder Christ auch auf sich beziehen. Durch die Taufe gehört er zu Gott. Da hat Gott ihn beim Namen gerufen und gesagt: „Du bist mein!“ Vielleicht ist ja jemand hier, der diesen Bibelvers als Taufspruch hat. Es könnte ja jeder einmal seinen Taufspruch daraufhin überprüfen, ob in ihm nicht auch etwas von der Hilfe und dem Schutz Gottes zum Ausdruck kommt.

Weil Gott uns mit Namen kennt, ruft er uns auch beim Namen. Er möchte, daß wir seinem Ruf folgen und auch tatsächlich kommen. Wenn Eltern ihr Kind von der Straße hereinrufen, dann rufen sie das Kind beim Namen, damit es genau weiß: „Jetzt bin ich gemeint!“ So ruft Gott uns beim Namen. Wir sind nicht nur eine Nummer,

sondern ein jeweils eigener Mensch, mit dem sich Gott eine ganz spezielle Mühe macht. Er ruft uns mit Namen, damit wir merken: „Jetzt bist du gemeint!“

Niemand kann uns die Taufe und das Versprechen Gottes wieder nehmen. Darauf können wir uns ein Leben lang verlassen. Gott hält seine Hände über uns. Und wenn, wir auch seine Hände nicht direkt spüren können, so sind doch andere Menschen da, die im Auftrag Gottes für uns eintreten und uns so gut beschützen, wie sie können. Aber letztlich ist es doch immer Gott, der unser Leben erhält. Er hat gesagt: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

 

Wachsen wie ein Baum: Jer 17, 7 - 8

Betrachtung eines Baumes:

In die Kirche wird ein echter Baum gebracht, etwa mannsgroß, mit ausladenden Ästen, mit den Wurzeln ausgegraben. Wir überlegen, was so ein Baum zum Leben braucht: Luft, Wasser, Nährstoffe. Diese Begriffe sind vorher auf große Blätter geschrieben worden und werden an die Äste gehängt. Der Baum bekommt diese lebenswichtigen Dinge durch die Blätter und vor allem auch die Wurzeln.

Ohne Wasser kann kein Baum leben. Das sehen wir, wenn wir zu Hause vergessen haben, die Blumen zu gießen: Sie werden gelb und trocken. Alle Pflanzen brauchen unsere Fürsorge. Bekommt ein Baum jedoch genug Wasser, kann er viele Früchte tragen: An dem Baum werden Äpfel angebracht (eventuell echte Äpfel).

Jetzt wollen wir überlegen, was ein Mensch zum Leben braucht. Wir nehmen ein (großgewachsenes) Kind und hängen ihm Schilder mit folgenden Begriffen an: Luft, Nahrungsmittel, Eltern, Liebe, Geborgenheit (eventuell die Kinder durch Impulse darauf lenken).

Wir überlegen wieder, wie ein Mensch diese Dinge bekommt: durch andere Menschen! Die Menschen brauchen zum Leben halt Liebe und Geborgenheit. Die können uns andere Menschen geben, zum Beispiel die Eltern den Kindern, aber auch die Kinder den altgewordenen Eltern.

Aber Liebe und Geborgenheit finden wir auch, wenn wir uns unter den Schutz Gottes stellen und auf seinen Sohn Jesus Christus hören. In ihm können wir verwurzelt sein wie ein Baum, der seine Wurzeln zum Wasser hinstreckt. Für das Leben der Christen ist Gott, ist Jesus, so wichtig wie das Wasser für den Baum: Wir hängen noch ein Kreuz an das Kind!

Zu allen Zeiten haben Menschen gemerkt, daß sie neue Kraft bekommen, wenn sie sich auf Gott verlassen. Der Prophet Jeremia, der lange vor Jesus lebte, hat seine Glaubenserfahrung so ausgedrückt:

„Freuen kann sich der Mann, der sich auf Gott verläßt,

und dessen Hoffnung Gott ist.

Er ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt,

der seine Wurzeln zum Bach hinstreckt.

Er braucht nichts zu fürchten, wenn die Hitze kommt,

sein Laub bleibt immer grün.

In einem trockenen Jahr macht er sich keine Sorgen,

ohne Unterlaß bringt er Frucht.“

 

Menschen, die neue Kraft von Gott bekamen, haben versucht, ihr Leben nach dem Vorbild Jesu zu führen. Eine von ihnen war die Engländerin Florence Nightingale, die von 1820 bis 1910 lebte.

 

Lebenslauf Florence Nightingale (vorgetragen von einer Kindergottesdiensthelferin):

Florence [ausgesprochen: Florenz Naitingäl] stammte aus einer reichen Familie und hätte ein Leben ohne jede Arbeit führen können. Die Familie hatte ein solches Leben für sie geplant. Aber sie suchte nach einer Aufgabe, die Gott für sie bereithielt. Zuerst leitete sie ein Krankenhaus für Erzieherinnen in London.

Doch im Jahre 1854 hörte sie von den unmöglichen Zuständen in den Kriegslazaretten auf der Halbinsel Krim im südlichen Rußland. Damals gab es Krieg zwischen England und Rußland. Florence beschloß, dorthin zu gehen und zu helfen. Mit ihr gingen zunächst 38 andere Frauen.

Die Verhältnisse in den überfüllten Lazaretten waren in der Tat katastrophal. Die Soldaten starben gar nicht so sehr an den Verwundungen, sondern vielmehr durch Ratten, Dreck und schlechtes Wasser.

Die Ärzte hatten zunächst kein Vertrauen zu den Frauen. Erst nach vielen Schwierigkeiten ließen sie sie an die Arbeit. Zusammen mit ihren Frauen ging Florence an die Beseitigung des Drecks. Mit unendlicher Zähigkeit errang sie die Achtung der meisten Ärzte und die Liebe der Soldaten.

„Engel der Barmherzigkeit“ wurde sie genannt. Oder auch „die Dame mit der Lampe“, weil sie oft noch um Mitternacht durch die langen Reihen der Betten ging, um nach den Kranken zu sehen. Sie sprach ihnen Mut zu oder strich ihnen tröstend über die Stirn.

Mit der Pflege der Verwundeten gab sie sich aber nicht zufrieden. Sie versuchte, das Los der Soldaten zu verbessern, indem sie Lese-Säle und ein Cafe für sie einrichtete. Außerdem schuf sie eine Möglichkeit, daß sie ihr Geld nach Hause zu ihren Familien schicken konnten; dadurch wollte sie verhindern, daß sie Schnaps dafür kauften. Ihre größte Hoffnung aber war, da es bald zu einem Friedensschluß käme und ihre ganze Arbeit damit überflüssig würde.

Als sie selbst lebensgefährlich an Fieber erkrankte, zitterten die Soldaten und viele Menschen in England um sie. Doch sie wurde wieder gesund und konnte über zwei Jahre lang die anstrengende Arbeit tun, die oft bis an die Grenzen ihrer Kraft ging. Kraft gaben ihr immer wieder die Liebe zu den Verwundeten und das Vertrauen zu Gott. Das waren die Wurzeln, aus denen sie immer wieder Kraft und Hoffnung schöpfte.

Als der Krieg zuende war, sollte sie glanzvoll mit einem Kriegsschiff nach England zurückgeholt werden. Aber sie zog es vor, unerkannt nach Hause zu reisen. Dort arbeitete sie bis zu ihrem Tode weiter an der Verbesserung des Krankenpflegewesens.

 

Gebet:                                                            (unter Mithilfe der Kinder entworfen)

Lieber Gott, wir danken dir, daß du bei uns sein willst. Wir bitten dich: Laß alle in unserer Familie gesund bleiben und daß wir alles in der Schule schaffen. Laß morgen schönes Wetter sein, damit wir schön spielen können. Schenke uns Mut, wenn wir Angst haben. Gib uns Hoffnung, wenn wir verzweifelt sind. Gib uns Kraft, wenn wir schwach werden. Hilf uns, daß wir gute Menschen sein können und vergib uns alle unsere Sünden. Amen.

 

Predigt über Jer 17,7-8:

Bei der Taufe wird als Ziel der christlichen Erziehung genannt: das Kind soll es lernen; „Gott und die Menschen zu lieben“. Es soll also nicht nur die Menschen lieben; das sagen die Sozialisten wohl auch. Zur Erziehung gehört auch dazu, daß das Kind etwas von Gott erfährt, von dem wir alle herkommen und der unser Leben hält und trägt. Aber natürlich darf man auch das andere nicht vergessen: Wer Gott liebt, der wird auch die Menschen lieben, das Eine ergibt sich aus dem anderen.

Eltern wollen ja alles für ihre Kinder tun, damit diese in Ruhe und Sicherheit heranwachsen können, daß sie etwas lernen und es zu etwas bringen. Aber dabei sollte man das nicht vergessen, was Nahrung für ihre Seele ist, nämlich der Glaube an Gott. Der Mensch ist erst dann vollständig entwickelt, wenn er auch eine Beziehung zu Gott hat.

Wer nur so heranwächst - ohne Gott und die Gemeinschaft der Kirche - der kann zwar auch als Mensch existieren. Er hat auch ein Leben und kann etwas leisten. Manchmal werden wir sogar den Eindruck haben, daß es solchen Leuten sogar ganz gut geht. Aber in Wirklichkeit sind sie wie ein Baum, der auf dem Trocknen steht. Äußerlich mag er zwar noch grün sein. Aber wer genauer hinsieht, der bemerkt schon, daß es ihm an der richtigen Nahrung fehlt und daß er schon geschädigt ist.

Doch unsre Aufgabe kann es nicht sein, den anderen nachzuweisen, daß bei ihnen doch etwas faul ist. Wir dürfen uns vielmehr freuen, daß wir schon den richtigen Standort gefunden haben.

Als Christen stellen wir uns an den Ort, an den Gott uns gestellt hat. Da können wir sicher sein, daß wir einen guten Standort gefunden haben. Das Bild mit dem Baum dürfte ja deutlich sein: In einem heißen Land wie Palästina ist besonders wichtig, daß

ein Baum auch Feuchtigkeit hat. Besonders günstig ist es, wenn in der Nähe eines Baches steht. Da kann der Bach auch einmal im Sommer austrocknen, aber in seinem Untergrund findet sich noch am ehesten Feuchtigkeit. Dorthin kann er seine Wurzeln ausstrecken und wird die trockene Zeit überstehen.

Denn damit muß man immer rechnen im Leben, ob es sich nun um Pflanzen oder Tiere oder Menschen handelt: Es kommen auch einmal schwierige Abschnitte. Die Durststrecken, unsres Lebens können unterschiedlich aussehen. Es kann eine Krankheit des Leibes sein. Da war ein Mädchen längere Zeit im Krankenhaus. Sie war von den Eltern getrennt, sie mußte die Schule versäumen, das Konzert, für das sie sehr geübt hatte, fand ohne sie statt. Endlich konnte sie wieder heim, war aber noch stark gehbehindert.

Aber einer ihrer ersten Wege führte in den Kindergottesdienst. Sie ließ sich von den Eltern hinfahren. Nach so einer schweren Zeit, da braucht man eben das Wort Gottes, da braucht man wieder neue Nahrung und Kraft.

Durststrecke kann aber auch eine Krankheit der Seele sein. Da ist eine alte Frau, die auf die 90 zugeht. Sie hört schlecht und sieht kaum noch etwas. Die Kinder sehen nicht nach ihr. Von Nachbarn wird sie betreut. Sie wartet nur noch auf den Tod und spricht immer wieder von ihrer Beerdigung. Da ist es schwer, ihr noch einen Sinn des Lebens zu vermitteln. Aber auch sie braucht das Wort Gottes und das Gebet, um mit ihrer Lage innerlich fertig zu werden.

Wer sich aber von Gott immer wieder stärken läßt, der wird auch Früchte bringen. Der Sinn eines Baumes ist es doch, Früchte zu bringen. Auch ein Christ soll gute Werke hervorbringen. Dafür erhält er ja die Kraft von Gott, damit er fähig wird, anderen zu helfen. Wir dürfen darauf vertrauen, daß Gott uns immer wieder stärkt. Auf ihn dürfen wir uns verlassen, auf ihn immer wieder unsere Zuversicht setzen. Da können wir uns auch entfalten und zum Segen für andere werden.

 

 

Ich will dem Herrn danken: Ps 104,1-2.5.10.14-15.20.22-24.35) (Version 1)

Wir stellen uns in einem Kreis auf. Dieser Kreis soll die Welt sein, die Gott geschaffen hat. Wir halten die Arme nach vorn, die Hände nach oben, als wollten wir gerade ein großes Geschenk entgegennehmen. Wir sprechen gemeinsam: „Herr, mein Gott, wie bist du so groß!“

Wir heben die Arme über den Kopf, die Fingerspitzen zusammen, die Ellenbogen auseinander. Wie aus einem gemütlichen Zelt gucken wir durch unsere Arme. Wir sprechen: „Wie ein Zeltdach spannst du dem Himmel aus!“

Jetzt stellen wir die Beine auseinander und treten ganz fest auf den Boden. Die Arme nehmen wir dabei wieder herunter. Dann sagen wir: „Du hast die Erde auf Pfeilern erbaut!“

Einer geht jetzt im Innenkreis entlang. Er spielt die Quelle, die entspringt. Aber es bleibt nicht bei einer Quelle, viele Rinnsale kommen zusammen und bilden einen Bach. Ein zweites und drittes Kind gehen hinter dem ersten Kind her. Sie laufen etwas schneller. Wir sagen: „Zwischen den Bergen suchen sie ihren Weg!“ Die anderen wiegen sich im Kreis langsam hin und her.

Dann gehen alle in die Hocke und machen sich klein wie Samenkörner. Die eine Hälfte reckt sich langsam in die Höhe und streckt die Arme immer höher und richtet sich steil auf. Wir sagen: „Du läßt Gras wachsen für das Vieh!“ Dann richten sich die anderen auf und alle sprechen wieder gemeinsam: „…und Pflanzen, die der Mensch für sich anbaut!“

Nun heben wir die Arme seitlich vom Körper hoch und kreuzen sie vor dem Gesicht und senken den Kopf. Es wird Nacht. Aber die Tiere im Dickicht werden lebendig. Drei Kinder schleichen um die anderen herum und spielen eine Katze oder ein Reh. Dann aber strecken wir die Arme wieder aus wie die Strahlen der Sonne. Die Tiere ziehen sich wieder zurück und ruhen sich in ihren Schlupfwinkeln aus.

Nun erwacht der Mensch und geht an seine Arbeit. Vier Kinder treten in die Mitte und stellen dar, wie einer Sand schaufelt, mit dem Hammer klopft, eine Maschine bedient und Fenster putzt.

Dann kommt der Sonntag. Wir überprüfen, ob unser Kreis noch nichtig rund ist. Wir strecken die Arme nach vorn, die Hände offen, als wollten sie ein großes Geschenk empfangen. Wir sprechen gemeinsam: „Herr, was für ein Wunder hast du vollbracht. Alles hast du weise geordnet!“

Jedes dritte Kind geht nach innen und sagt dabei: „Ich will dem Herrn danken!“ Es entsteht ein kleiner Innenkreis. Alle fassen sich an den Händen wie die beiden Kreise bewegen sich in entgegengesetzter Richtung. Dazu singen sie: „Geh aus mein Herz und suche Freud!“ [Man wird den Ablauf mit einer Gruppe von Kindern üben müssen. Die gesprochenen Sätze werden zunächst vom Leiter vorgelesen und dann von allen wiederholt].

 

Predigt:

Viele Leute haben heute erkannt, daß etwas zum Schutz der Umwelt getan werden muß. Zu sehr sind Luft und Wasser verschmutzt, sind Ackerboden und Wälder geschädigt, sterben Tiere und Pflanzen aus. Doch es geht nicht nur um Aktionen zur Rettung der Umwelt, sondern zuerst einmal kommt die Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer der Welt und Geber des Lebens. Mit Dankbarkeit sollten wir die Ferien beginnen und sie nutzen für Beobachtungen und Entdeckungen, damit wir noch besser Gottes Spuren in der Natur finden. Mit dem Beter des Psalms wollen wir das Danken üben: „Ich will dem Herrn singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin!“

 

 

Staunen über Gottes Welt: Ps 104 (in Auswahl) (Version 2)

Betrachtung:

Wir betrachten eine Blume, die mit der Wurzel ausgegraben wurde. Mit den kleinen Wurzeln ißt und trinkt die Blume. Die Erde muß dazu naß sein, deshalb gießen wir die Blume. In der Erde sind alle Nährstoffe drin, die die Blume braucht. Das Wasser löst sie auf. Wir können das nicht sehen. Aber die Blume findet die Nährstoffe und nimmt sie durch die Wurzeln auf.

Dann werden sie durch den Stengel zu den Blättern und Blüten transportiert. Auf dem Blatt kann man die Adern sehen, in denen die Nahrung transportiert wird. Beim Menschen ist es ja ganz ähnlich, nur daß wir die Nahrung durch Mund und Magen aufnehmen und die Nährstoffe durch das Blut transportiert werden. Jede Pflanze hat andere Blätter. Man kann an den Blättern erkennen, wie die Pflanze heißt. Weiß einer, wie unsre Blume heißt?

Am schönsten ist immer die Blüte. Sie strahlt meist in leuchtenden Farben. Die Blü­tenblätter sind weich und dünn, man spürt sie kaum, wenn man sie anfaßt. Und doch halten die Blüten manchmal schlimme Unwetter aus.

An den schönen Blüten haben nicht nur die Menschen ihre Freude. Auch Bienen und andere Insekten kommen angeflogen. Sie riechen in die Blüte hinein und holen den Honig heraus. Dabei kommen sie aber auch an die Staubblätter, aus denen der Blütenstaub herausfällt und von den Bienen mit zur nächsten Blüte genommen wird. Dort bleibt der Staub kleben, und es kann daraus Samen entstehen. Und wenn dieser dann in die Erde kommt, kann daraus wieder eine neue Blume entstehen, die genauso aussieht wie die erste.

Ist es nicht wunderbar, wie Gott das so eingerichtet hat?! Wir haben nur eine Blume betrachtet. Aber Entsprechendes könnte man sagen von Bäumen, Vögeln, Käfern… Aber auch Bäche, Sonne, Mond und Sterne sind von Gott.

In einem Gebet aus der Bibel hat einer aufgeschrieben, worüber er alles gestaunt hat. Er hat eine Wanderung in die Berge gemacht und dabei allerhand entdeckt und erlebt. Wieder unten im Tal angekommen hat er Gott gelobt und gepriesen. Sein Bekenntnis lautet: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel. Alles hast du weise geordnet und die Erde ist voll deiner Geschöpfe!“

 

Predigt:

Man kann die Natur betrachten und doch nichts von Gott in ihr entdecken. Manche gehen nicht zum Gottesdienst, sondern machen einen Spaziergang durch die Natur. Doch dann sehen sie nur die Geschöpfe, aber nicht den Schöpfer, der das alles gemacht hat. Von ihm hören wir aber hier in der Kirche. Da wird uns gesagt, daß nicht t alles von selber geworden ist, sondern daß Gott es so geschaffen hat. Wenn wir das wissen, dann finden wir Gottes Handeln auch in der Natur wieder.

Einer hat einmal ein Bild zu diesem Gebet aus der Bibel gemalt. Auf ihm waren viele Tiere und Pflanzen und auch Menschen zu sehen. Dazu hat er aber noch eine große freundliche Hand gemalt, die sich von oben der Natur entgegenstreckt. Diese Hand Gottes kann man nicht in Wirklichkeit sehen. Aber von ihr ist im Gottesdienst und im Religionsunterricht die Rede Da werden wir aufgefordert, Gott zu loben, der uns das alles gegeben hat und es noch erhält.

 

 

Den Einsatz wagen: Mt 13, 44 - 46 (Schatz im Acker und kostbare Perle)

Einstieg:

Lied „Die Legende von Babylon" (entweder die Originalversion der Gruppe Boney M oder die Schallplatte von Bruce Low mit deutschenText). In dem heutigen Gottesdienst wollen wir auch einen Turm bauen. Wir denken dabei an die „Bausteine“, aus derer wir Menschen unser Leben meist aufbauen wollen.

Jeder will es doch im Leben zu etwas bringen. Mancher setzt sehr viel ein, um es im Leben zu etwas zu bringen. Jeder will sich durchsetzen, vor allem auf Kosten der anderen. Schon den Kindern in der Schule wird eine bestimmte Leistung abverlangt, die Lehrer fordern sie, die Eltern treiben sie an. Immer soll noch mehr erreicht werden als früher. Und mancher will sich ja auch selber einsetzen. Er gebraucht die Ellbogen, macht nach oben einen Katzenbuckel und nach unten tritt er. Eines Tages, so hofft er, wird er dann ganz oben sein. Gibt es aber nicht auch noch etwas anderes, was im Leben wichtig ist?

Wir wollen einmal zusammenstellen, was man sich zum Ziel seines Lebens setzen kann. Was will man im Leben erreichen? Die Gemeinde soll entsprechende Begriffe nennen. Diese werden dann auf Zeichenkarton geschrieben und mit Reißzwecken auf Kisten unterschiedlicher Größe geheftet werden. Aus den Kisten werden dann zwei Türme gebaut. Stichworte: Geld, Erfolg, Aufstieg, Anpassung, „Dickes Fell“, Ruhe haben, Gleichgültigkeit, Ruhe. Es werden jeweils zwei gleichgroße Kisten mit dem gleichen Stichwort versehen. Die Stichworte der Jugendlichen haben Vorrang! Nur wenn wenig kommt, treten diese Stichworte in Aktion.

Aus den Kisten werden dann von zwei Jugendlichen zwei Türme gebaut, denn aus diesen Dingen wollen wir unser Leben aufbauen, aus den Bausteinen…... (aufzählen). Und schließlich sind wir ganz oben und meinen, wir hätten es geschafft. Zwei Jungen klettern auf die Türme, setzen sich oben drauf und lassen die Beine baumeln.

Kann man auf so einem Turm leben? Man hat dort zwar einen guten Überblick und kann auf die anderen herabsehen. Aber man steht nicht mehr mit den Beinen auf dem Boden, hat keine Verbindung mehr mit der Basis. Wer sich durchsetzen will und dabei nur an sich selber denkt, schadet der Gemeinschaft. Deshalb wollen wir uns überlegen, ob man diese Türme nicht so umbauen kann, daß etwas entsteht; was unser Leben bereichert, wo wir nicht nur an uns selber denken, sondern die anderen mit einbeziehen.

 

Überlegung:

Das Durchsetzen ist an sich nötig. Jeder soll etwas leisten, denn er kann nicht nur auf Kosten der anderen leben. Wir brauchen nur in die Zeitung zu sehen, dann wird uns gesagt, was von uns erwartet wird in Familie, Schule, Nachbarschaft und Firma. Selbst die Kirche will etwas von uns und erwartet, daß wir unsre Fähigkeiten einsetzen.

Wenn sich aber nun jeder durchsetzen will und keine Rücksicht auf die anderen nimmt? Und was ist mit denen, die sich nicht durchsetzen können, weil sie nicht so klug sind oder krank oder behindert sind'? Ist derjenige stark, der die beste Lehrstelle erwischt hat, unter Umständen durch gute Beziehungen? Geht es im Leben darum, das lauteste Moped, die genaueste Uhr, die schönsten Möbel zu haben? Ist derjenige der „stärkste Lehrling“, der das meiste Geld auf den Tisch hauen kann? Soll das unser Ziel sein: Möglichst viel Geld, aber möglichst wenig dafür tun?

Wer sich aber allein durchsetzen will, schließt sich immer mehr von den anderen ab. Er will sich dann auch nicht mehr helfen lassen, auch nicht von Gott, von dem es in der Bibel heißt „Gott will, daß allen Menschen geholfen wird Doch gibt es nicht auch etwas, wofür sich der Einsatz lohnt, wo man sich und anderen hilft?

Es gilt, sich auch einzusetzen für Dinge, die nicht im Blick der Mehrheit sind. „Durchsetzen“ heißt im Grunde: sich einsetzen für andere. Unser Ziel liegt nicht nur in der „Höhe“, sondern vielleicht auch in der „Tiefe“, in Schwachheit, Verzicht und Leidens­bereitschaft.

Gehört dazu nicht auch Mut, Verantwortung und Einsatz? (Kisten umdrehen, auf der Rückseite stehen diese Begriffe). Der Abbau der Türme verlangt wohl einen größeren Einsatz als der Aufbau!

 

Arbeitsgruppen bei einem Jugendnachmittag:

Ist das Bild von den Türmen jedoch realistisch? Wollen wir das wirklich nach oben kommen und dabei alle anderen vergessen? Mit dieser Frage wollen wir nun in die Arbeitsgruppen gehen. Dabei können wir uns auch überlegen, wie man diesen Turm umbauen könnte, damit er eine sinnvolle Funktion erhält.

 

1. Das Durchsetzen ist an sich nötig. Jeder soll etwas leisten, kann nicht nur auf Kosten anderer Leben und soll seine Fähigkeiten einsetzen. Das gilt für den Kreis der Familie, für Schule bzw. Lehre, für den Kreis der Kameraden und Partner und auch für die Kirche.

2. Was passiert aber, wenn sich jeder nur durchsetzen will und dabei keine Rücksicht auf andere nimmt? Verwildert das Durchsetzen dann nicht zu einem Kampf aller gegen alle? Sind nicht auch Verzicht und Rücksichtnahme nötig?

3. Was ist mit denen, die sich nicht durchsetzen können, die eben nicht so klug sind oder krank sind oder behindert? Sind nicht gerade auch die Erwachsenen gar nicht so stark, weil sie die Kranken und Behinderten nicht sehen wollen?

4. Ist derjenige stark, der die beste Lehrstelle erwischt (eventuell durch Beziehungen), der das lauteste Moped hat, die genaueste Uhr, die meisten Konsumgüter? Ist der der „stärkste Lehrling“, der am meisten Geld auf den Tisch hauen dann?

5. Die Meisten wollen aber möglichst viel Geld haben, aber möglichst wenig dafür tun. Keiner will wirkliche Verantwortung übernehmen. Man schwimmt im großen Strom mit, will nicht anecken, aber doch möglichst sein Schäfchen ins Trockne bringen.

6. Je mehr man leisten will, desto weniger hat man Zeit für Gespräche. Wer sich durchsetzen will, isoliert sich immer mehr. Mancher will sich auch gar nicht mehr helfen lassen, sondern alles allein schaffen. Doch es ist gut, wenn man sich helfen läßt.

7. Zur Lebensbewältigung gehört auch, sich einzusetzen für Dinge, die nicht im Blick der Mehrheit sind. „Durchsetzen“ heißt im Grunde: Sich einsetzen für andere! So hat Jesus gehandelt, aber er mußte dafür selber daran glauben. Aber wer so handelt, der schafft anderen Lebensraum. Bei Paulus heißt es: „Meire Kraft ist in den Schwachen mächtig!“ Wie können die Christen neue Akzente setzen?

8. Wir suchen immer ein Ziel in der Höhe. Aber liegt das Wichtige nicht vielleicht eher in der „Tiefe", in der Schwachheit, im Verzicht und in der Leidensbereitschaft? Wir mei­nen, der Bau eines Turmes erfordere einen großen Einsatz. Aber würde der Auf­bau eines solchen Turmes nicht einen viel größeren Einsatz erfordern?

9. Wie kann man die Türme umbauen, daß die Steine noch verwendet werden, aber nun einen neuen Sinn haben? Die Türme müßten umgebaut werden zu einer Brücke. Wer die Steine für die Brücke nimmt, hat keine mehr für einen Turm. Aber nun hat er etwas, das ihm die Verbindung zu anderen ermöglicht und damit neue Lebensräume erschließt. Wer etwas einsetzt, wer der Einsatz wagt, gewinnt auch etwas (Dieses Ergebnis sollen die Jugendlichen selber finden. Ist dies nicht der Fall, dann verweist man sie auf den Gottesdienst).

 

Gottesdienst:

Während der Predigt über die Gleichrisse vom Schatz im Acker und von der kostbaren Perle (Mt 13) werden die einzelnen Bausteine heruntergenommen und umgedreht. Auf der Rückseite stehen andere Begriffe, aus denen die Brücke dann gebaut wird. Die neuen Stichworte sind: Mut, Freude, Verzicht, Verantwortung, Leidensbereitschaft, auf der größten Kiste: Einsatz!

Die Türme werden umgebaut, so daß sie nicht nur den Einzelnen dienen, sondern vielen. Wie könnte man das machen? Die Bausteine sollen dabei verwendet werden, aber einen neuen Sinn und eine neue Funktion bekommen: Man könnte zum Beispiel eine Burg daraus bauen, hinter der man sich gemeinsam verschanzen kann.

Besser wäre, eine Brücke zu bauen. Dabei kommen die positiven Begriffe nach vorne und werden als Pfeiler verwendet, über die einige Bretter gelegt werden. Wer die Steine für die Brücke nimmt, hat keine mehr für einen Turm. Aber er hat etwas, das ihm die Verbindung zu anderen Menschen ermöglicht und damit neue Lebensräume erschließt. Wer den Einsatz wagt, gewirrt auch etwas.

 

Predigt:

Immer wieder werden in der Erde kostbare Schätze entdeckt [Beispiel aus der Umgebung anführen]. Wer vor uns würde sich nicht wünschen, auch einmal einen solchen Schatz zu finden? Sicher würde er alles stehen und liegen lassen und sich auf den Fund stürzen. Allerdings darf man so etwas nicht behalten, sondern muß es einem Museum abliefern.

Wer heute zu einem Schatz kommen will, den er behalten darf, der spielt im Lotto oder Toto. Manchen hat schon sehr viel Geld als Einsatz verspielt, aber wenig oder gar nichts gewonnen. Dennoch gehen jede Woche Millionen von Menschen zu der Annahmestelle in der Hoffnung, daß doch einmal der große Wurf gelingt. Doch der Erfolg ist eben sehr zweifelhaft.

Anders ist das, wenn man den Schatz und die Perle sucht, von denen Jesus in seinem Gleichnis spricht. Er meint damit ein Leben mit Gott und ein Leben im Sinne Gottes. Wer dieses gefunden hat, der wird alles andere fahren lassen und all seine Möglichkeiten nur noch auf Gott konzentrieren.

Doch Gott ist oft verborgen und liegt nicht so einfach auf der Straße. Er will kein Pauschalchristentum mit großen Menschenmassen, sondern er will ganz schlicht jedem Einzelnen von uns begegnen: Deshalb kann man ihn leicht übersehen. Der Schatz liegt nicht oben auf dem Acker und die Perle liegt nicht in einer goldenen Fassung in einem Schaufenster. Dort wäre sie ja doch nur für die Reichen erhältlich. Gott aber ist zu finden von jedem, der über den Acker geht.

Die jungen Leute haben sicher geschwitzt und gestöhnt, als sie einen Weg anlegen sollten. Daß sie dabei einen großartigen Fund machen würden, konnten sie ja nicht vorher wissen. Aber wer nicht damit rechnet und sich doch die Mühe macht, der wird unverhofft belohnt. Der erste, der auf das Hindernis gehackt hat, wird vielleicht zunächst geschimpft haben, weil wieder so ein Brocken im Weg war. Aber nachher sah alles ganz anders aus.

So schimpfen wir auch oft und schimpfen über unser Schicksal, über manchen sinnlosen Klotz, der uns zwischen die Beine geworfen wird. Aber in Wirklichkeit ist das die Perle, die auf uns wartet. Nur ist sie eben oft verhüllt in einen Schmerz, der unser Leben trifft, etwa wenn wir am Grab eines geliebten Menschen stehen oder wenn eine Ehe zerbricht oder wenn uns von Menschen Unrecht getan wird.

Gott wird einem nicht nachgeworfen, sondern er kostet etwas. Erst muß man den Acker oder die Perle kaufen. Man wird vielleicht von anderen dafür verlacht und für verrückt gehalten. Aber man gewinnt etwas, das unvergleichlich wertvoller ist. Die Männer im Gleichnis haben gerne alles hergegeben. Sie wußten eben: Was ich gewinne, das wiegt alles andere auf, alle Verluste, allen Spott, alle Einschränkungen. Wenn man etwas Kostbares gefunden hat, einen Lebensgefährten, einen Freund, einen schönen Beruf, dann rückt alles andere in die zweite Linie.

Wenn man Gott gefunden hat, dann sieht auf einmal auch der Mitmensch anders aus. Er ist nicht mehr nur der Mensch, der uns nützt und schadet, der uns sympathisch oder unsympathisch ist. Auf einmal wird er zum Träger der kostbaren Perle, auf dem das Auge Gottes ruht. Wenn wir uns für ihn einsetzen, werden wir Gott damit gewinnen.

So wird uns durch diese Gleichnisse eine neue Sicht des Lebens gelehrt. Nicht daß wir nach oben kommen ist wichtig, sondern daß wir uns zu anderen begeben, die uns brauchen. Nicht unser Erfolg in der Schule und im Leben ist entscheidend, sondern wie wir mit unseren Gaben anderen Menschen geholfen haben. Wenn wir das tun, handeln wir nach dem Willen Gottes und werden den kostbaren Schatz und die köstliche Perle finden.

 

Erzählung: Die Schwelle

Seit Tagen arbeiten sie an der Schienenverbesserung. Die alten Holzschwellen werden ausgewechselt, schwere Betonschwellen kommen an deren Stolle. Die Strecke bleibt         weiter in Betrieb. Die wichtige Fernverbindung mit Paris darf keinen Tag unterbrochen sein. Unter der sengenden Sonne schaffen die Arbeiter verbissen im Akkord. Die wenigen Stunden zwischen den schnellen Zügen müssen genügen. Sie sind an scharfen und anstrengenden Arbeitsrhythmus gebunden, wenn die Zeiten eingehalten werden sollen. Das Auswechseln muß planmäßig erfolgen. Fast ist das schlimmste Stück geschafft. Nun gilt es, die Befestigungsschrauben anzubringen. Dann können die Schnellzüge auf Jahre hinaus die erneuerte Strecke sicher befahren, Beton überdauert Generationen.

Der Aufsichtsführer mit der schwarzen Baskenmütze versieht den verantwortungsvollen Warndienst. Wenn er versagt, ist das Leben der Arbeiter in Gefahr. Eben bespricht Antoine den morgigen Arbeitsplan mit dem Aufsichtsführer. Der hält das Signalhorn griffbereit in der Hand. Der Zug Lyon-Paris muß gleich am Horizont auftauchen. Auch Antoine schaut unruhig auf die Armbanduhr. Die Zeit ist um mehr als eine Minute überschritten.

Als die beiden Männer, für Sekunden ins Gespräch vertieft, einander anschauen, schreit plötzlich hinter ihnen auf der Baustelle jemand erregt: „Attention! Achtung!“

Im Bruchteil einer Sekunde reißt der Aufsichtsführer das Horn hoch. Scharf gellt das Signal durch die schwüle Mittagsstille. Da ist der Zug schon heran. Mit rasender Geschwindigkeit springen die Männer vom Bahndamm herunter. Das Signal kam um ein weniges zu spät. Gleich wird der Zug die Baustelle passiert haben. Die Männer sind

in Sicherheit.

Doch da entdeckt Maurice, der junge Hilfsarbeiter, die quer über einen Schienenstrang liegengebliebene Betonschwelle. Und in Gedankenschnelle weiß er: Die Schwelle legten zwei Arbeitskameraden vor kurzem dort ab, in der Absicht, sie mit Hilfe eines Dritten beiseite zu räumen. Allein es war dabei geblieben. Im gleichen Moment weiß Maurice: Das gibt eine Katastrophe! Die Lokomotive wird unweigerlich aus den Schienen springen und den Zug mit sich reißen!

 

Maurice schreit laut auf. Die Arbeitskollegen haben die Lage bereits erfaßt. Nur eine kurze Strecke trennt den Zug noch von der Schwelle. Maurice will dem Lokführer winken. Unsinn! Die beiden Schuldigen erkennen das verhängnisvolle Versäumnis, stürzen auf die Betonschwelle zu. Während sich ihre Muskeln bis zum Zerreißen spannen, ist Maurice zur Stelle. Er springt blitzschnell zwischen die Schienen, achtet nicht auf die heranrasende Gefahr, drückt, stemmt sich unter Aufbietung aller Kräfte gegen den Betonklotz. Der rutscht.

Da ist der Leib der Lokomotive ins Riesenhafte angewachsen und braust mit unverminderter Geschwindigkeit über den wehrlosen menschlichen Körper hinweg, während der Block den Abhang hinabrutscht, sich einmal überschlägt und schließlich liegenbleibt,

Bremsen kreischen irr auf. Der Lokführer hatte das Geschehene in sich aufgenommen, aber es war zu spät gewesen. Nun steht der Zug. Fenster gehen herunter, Passagiere rufen und schreien durcheinander. Türen werden geöffnet.

An der Strecke stehen zwei Bauarbeiter, deren Vorschulden der junge Hilfsarbeiter Maurice auf sich nahm, damit zwei Väter ihren Familien erhalten blieben; damit Hunderte von Reisenden wenige Minuten später unversehrt die Fahrt im Fernzug fortsetzen können.

Wer war schuldig? Der Aufsichtsführer, der den Zug um weniges zu spät erkannte? Der Vorarbeiter, der den Warner ins Gespräch zog, Die beiden Männer, die die Schwelle auf den Schienen liegenließen? Die anderen Arbeiter, die durch den Alarmruf erschreckt, nahezu panisch die Böschung hinabsprangen, ohne die Strecke vorher mit sorgsamen Blicken zu überschauen?

Jeder trägt Schuld. Keiner kann sich ihr entziehen. Einer aber opferte sich, um das Leben der anderen dem Tode zu entreißen.

 

 

Einzug in Jerusalem: Mt 21,1 - 11

Einleitungsszenen:

Eine Mutter gibt einem Kind ein Spielzeug, zum Beispiel. einen Hampelmann. Das Kind versucht, damit zu spielen. Es geht aber nicht. Da wird das Kind immer zorniger und wirft das Spielzeug weg.

Ein Mann bekommt einen Brief, den er erst interessiert, dann aber enttäuscht liest und schließlich wütend zerreißt. Ein Sprecher erklärt: „Dieser Vater hat einen Brief aus dem Internat bekommen, wo sein Sohn zur Berufsausbildung ist. In dem Brief steht, daß er dort nicht nichtig mitarbeitet; wenn es nicht besser mit ihm wird, muß er das Internat wieder verlassen. Dabei hatten sich die Eltern solche Mühe gegeben, dort einen Platz zu erhalten. Nun soll alles wieder dahin sein. Auch jenes Kind hatte sich so sehr auf den Hampelmann gefreut. Aber dann hat es ihn zornig weggeworfen!“

So geht es oft: Da freut man sich auf etwas - und dann ist es nichts. Was machen wir aber, wenn uns nicht Menschen, sondern Gott enttäuscht haben? Viele Menschen erwarten nur Gutes von ihm. Aber was ist, wenn er unsre Gebete nicht zu erhören scheint? Wenn es uns schlecht geht, obwohl wir doch nach unserer Meinung gute Christen sind? Was machen wir dann mit Gott? Wir wollen einmal hören, wie es Jesus erging, als er nach Jerusalem kam. Manche sahen ihm mit großen Erwartungen entgegen. Aber würden ihre Erwartungen auch erfüllt werden?

 

Erzählung mit Begleitung durch Orff'sche Instrumente. Unbedingt darauf achten, daß auch die Gemeinde einbezogen wird!

Es war an dem Sonntag vor dem großen Fest.                                (Klangstab)

Es begann alles sehr harmlos                                                                      (Klangstab)

Ein paar Menschen waren unterwegs nach Jerusalem, der großen Stadt. Es waren Jesus und seine Jünger                                                     (Flöte spielt Jesusmotiv)

Still gingen sie ihre- Weg. Niemand wagte Jesus zu fragen: „Gehst du nun nach Jerusalem um dort der König zu werden“ Alle hofften es, denn es waren Feinde im Land. Das waren die Römer                          (Römermotiv: leises Trommeln)

Seit Jahren hielten sie das Land besetzt und quälten die Leute. Die Juden haßten sie, denn sie wollten frei sein. Immer wieder versuchten sie, in kleinen Kämpfen die Römer zu besiegen. Vor allem bei den Festen war die Gelegenheit günstig, da konnte man sich stark fühlen, weil so viele tausend Menschen nach Jerusalem kamen.

Aber die Römer waren eisern                                                          (alle Instrumente)

Vor ein paar Tagen waren sie wieder gekommen                           (Trommel)

mit Reitern und Soldaten                                                                 (Xylophon, Lyra)

mit Spießen und mit Schwertern                                                      (Becken, Trommel)

mit klingendem Spiel                                                            (Einmarschmotiv, Flöte, Lyra).

Wehe denen, die aufmuckten                                              (kurzer Paukenschlag)!

 

Daran denken die Jünger. Sie hoffen, daß Jesus nun Jerusalem befreien wird. Auf einmal bleibt Jesus stehen. Er ruft zwei Jünger zu sich und sagt zu ihnen: „Seht ihr das Dorf das vor uns? Geht hin und nehmt den Esel, der an einem Haus angebunden ist. Bringt ihn her zu mir. Und wenn euch jemand fragt, was ihr da macht, dann sagt: „Der Herr braucht ihn!“

Die Jünger denken: „Was will er nur mit dem Esel? Will er doch wie ein König in Jerusalem einreiten? Schnell laufen sie den Weg voraus ins Dorf. Sie finden tatsächlich einen Esel, der vor einer Tür festgebunden ist. Als sie ihn losbinden wollen, rufen einige Männer: „Halt, was wollt ihr mit dem Esel?“ Die Jünger artworten: „Der Herr braucht ihn!“

Da denken sie alle: „Nun wissen wir es: Er will doch der König sein!“ Da werden die Jünger plötzlich fröhlich. Sie ziehen ihre Mäntel aus und werfen sie auf den Esel. Sie heben Jesus auf das Tier und ziehen glücklich weiter nach Jerusalem      

(Flöte spielt Jesusmotiv)

Nun liegt sie vor ihnen, die große Stadt. Sie blicken hinüber und sehen die weißen Mauern und Zinnen, das große Tor, durch das die Menschen sich drängen. Und da ist der Tempel, der heilige Tempel Jerusalems

                                                           (Orgel: Jerusalem, du hochgebaute Stadt, drei Takte)

Auf einmal bricht es aus ihnen heraus. Die Kinder sind die ersten, die rufen: „Hosianna!"                                                         (Alle Mitspieler rufen es).

So grüßte man früher den König, als das Volk noch frei war. Aber bald wird es wieder so sein; das hoffen sie jedenfalls. Sie reißen Zweige von den Bäumen und schwenken sie wie Fahnen. Dazu schreien sie wieder, noch lauter: „Ho-si-an-na!“

Nun packt es auch die anderen. Die Menschen sind nicht mehr zu halten. Sie reißen sich die Obergewänder vom Leib. Sie werfen die Kleider auf den Weg. So soll der König empfangen werden. Wie auf Teppichen soll er reiten.

Sie rufen es sich zu, von Mann zu Mann, von Kind zu Kind, von einem zum anderen. Sie singen und tanzen: „Hosianna!“ Sie sind gespannt, wohin der König nun ziehen wird. Was wird er tun? Was wird er befehlen?

Inzwischen ist der Zug durch das Stadttor in die engen Straßen gekommen. Immer lauter wird das Geschrei, immer erwartungsvoller sind die Menschen. Nun muß es kommen, denken alle, nun muß er die Burg der Römer stürmen            (Römermotiv).

Aber Jesus reitet an der Burg vorbei zum Tempel                          (Klangstab)

Dort steigt er vom Esel herab und geht in den Vorhof                    (Klangstab).

Er sagt kein Wort. Er schreitet durch den Vorhof des Tempels, stumm und ohne auf die Menschen zu achten                                                                        (Klangstab)

Da ist es vorbei - der Traum ist ausgeträumt. Die Leute laufen auseinander. Die Jünger sind tief enttäuscht. Jesus reitet stumm der gleichen Weg zurück

                                                                                                          (Flöte spielt Jesusmotiv)

Haben die Menschen denn nicht begriffen? Er ist doch kein Krieger! Mit einem Esel kann man doch keinen Krieg führen! Nein, sie haben ihn nicht verstanden! In ein paar Tagen werden die gleichen Leute rufen: „Weg mit ihm, weg mit ihm!“            (Kinder rufen es).

 

Der Gegensatz zwischen dem Einzug der Römer und dem Zug Jesu muß gut herausgearbeitet werden. Die einen kommen mit klingendem Spiel, während bei Jesus weiche Instrumente die Gewaltlosigkeit des Einzugs Jesu verdeutlichen. Die anderen Kinder in der Kirche kann man mit einbeziehen, indem man sie das „Hosianna“ usw. mit rufen läßt.

 

Predigt:

Wir sind auch manchmal von Jesus enttäuscht. Häufig erinnern wir uns ja an ihn, wenn wir ihn gerade einmal brauchen könnten. Dann soll er aber auch gleich helfen. Häufig sind es aber Wünsche, die nur unserer Bequemlichkeit dienen, die unser persönliches Fortkommen oder unseren Lebensstandard fördern sollen.

Ein Kind steht mit seinen Noten in der Schule auf der Kippe: wird es die bessere oder die schlechtere Note auf dem Zeugnis erhalten? Die nächste Arbeit wird alles entscheiden. Da kommt es schon einmal vor, daß man sich von einem Gebet Hilfe erhofft. Aber was ist, wenn es doch schief geht? Wird man da nicht beim nächsten Mal ganz auf das Gebet verzichten?

Oder eine Familie hat sich sehr auf die Urlaubsreise gefreut. Nun wird jemand von der Familie krank und alle müssen daheim bleiben. Werden sie da nicht enttäuscht sein? Werden sie sich nicht fragen: Warum muß es gerade uns treffen?

Oder man hat einen Platz in einem Feierabendheim der Kirche beantragt. Die Oma kann nicht mehr allein in ihrer Wohnung bleiben. Aber zu den Kindern kann sie auch nicht, weil da zu wenig Platz ist und nicht einmal ein Bett zusätzlich aufzustellen ist.

Wer soll da dieser Familie helfen? Wie soll geholfen werden? Sie erhoffen sich Unterstützung von der Kirche, denn dazu ist die Kirche ja immer noch gut. Aber auch dort sind eben die Möglichkeiten begrenzt. Schnell macht sich da Enttäuschung breit. Und man sieht dabei dann nicht die Tatsachen, sondern ist auch von Jesus enttäuscht, weil er anscheinend nicht gleich helfen kann.

Wir rufen dann zwar nicht gleich: „Kreuzige ihn!“ Aber wir bleiben einfach weg, erwarten nichts mehr von Jesus und wenden uns nicht mehr an ihn. So lassen wir ihn am Kreuz allein und stellen uns zu den Leuten, die über Jesus spotten. Das ist schade, wenn wir bedenken, was Jesus uns doch hat bringen wollen und was er für uns getan hat.

Er will doch, daß wir bei ihm bleiben, auch wenn nicht alles so läuft, wie wir es uns erhofft haben. Kinder sind manchmal auch von Eltern enttäuscht. Manchmal können

sie ja wirklich die Wünsche ihrer Kinder nicht erfüllen, entweder weil kein Mensch sie erfüllen kann oder weil eben diese Eltern nicht das bieten können, was vielleicht andere ihren Kindern bieten. Manchmal wollen die Eltern auch nicht, brauchen ihre Ruhe oder sind zu bequem. Die Eltern könnten mit in den Wald gehen ‚ um Pilze zu suchen. Aber daß man auch tatsächlich welche findet, das können sie nicht machen. Kinder sind da schnell enttäuscht und wollen alles nicht einsehen. Aber die Eltern bleiben deswegen doch die Eltern. Das nächste Mal können sie dann auch wieder einen Wunsch erfüllen.

Vielleicht liegt es auch an der Art der Wünsche. Wir erhoffen manchmal etwas, das sich eben nicht verwirklichen läßt. Bei Jesus ist das allerdings noch einmal anders. Der kann uns auch Wünsche erfüllen, die wir zu groß ansehen. Aber wir können nicht von ihm fordern, daß er uns prompt alles erfüllt. Sicherlich könnte er es. Aber er weiß eben auch besser, was für uns gut ist. Manchen Wunsch erfüllt er uns nicht, weil uns das nur schaden würde. Deshalb ist es gut, die Hoffnungen nicht zu hoch zu schrauben, denn dann könnte die Enttäuschung umso größer sein. Wir dürfen uns schon viel wünschen. Aber wir sollten hinterher immer sagen: „Dein Wille geschehe!“

 

Jesus wirft uns nicht weg, wenn er an sich Grund hätte, über uns enttäuscht zu sein. Ein Kind wirft sein Spielzeug schnell enttäuscht weg. Und die Erwachsenen lehnen schnell andere Menschen ab, die sie enttäuscht haben, Jesus fängt noch einmal neu mit uns an. Er sagt nicht: „Sie haben mich abgelehnt, da will ich auch nicht hören, wenn sie mich wieder rufen!“Jesus rechnet mit unserer Enttäuschung und hat uns dennoch lieb. Das gibt uns immer wieder Mut, auf Jesus zu hoffen.

Wir sollten in gleicher Weise mit anderen Menschen Geduld haben, auch wenn sie uns enttäuscht haben. Das gilt auch für das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Oft sind die Kinder nicht so, wie die Eltern es sich gewünscht haben. Aber vielleicht liegt das auch daran, daß sich die Eltern von den Kindern ein Bild gemacht haben, das diese gar nicht erfüllen können. Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes gemacht.

.Er ist also nicht nach dem Bilde der Eltern zu formen. Die Eltern werden natürlich ihre Vorstellungen haben, werden ihre Wertmaßstäbe den Kindern vermitteln wollen. Aber sie werden immer mehr erkennen müssen, daß die Kinder sich selbständig entwickeln und eigene Wege gehen.

Wer selber von der Vergebung Gottes lebt, wird auch seine Kinder besser verstehen können. Der Glaube hilft, Kinder so zu sehen ‚ wie sie sind. Bilder und Hoffnungen machen leicht blind. Wer aber sachlich und nüchtern bleibt, der wird die wirklichen Begabungen der Kinder erkennen. Jesus öffnet uns dafür die Augen. Er möchte nicht, daß wir über ihn oder einen Menschen unserer Umgebung enttäuscht sind.

Aber er will zu uns kommen und bei uns sein. Was Gott ihm aufgetragen hat, das wird er bringen. Er stirbt für uns und nimmt unsere Schuld von uns. Das ist das größte Geschenk, das er uns geben konnte. Es wird nur noch überboten durch das Geschenk, das Gott uns allen gemacht hat, als er nämlich seinen Sohn Jesus von den Toten auferweckte. Seitdem dürfen wir wissen, daß Jesus als der lebendige Herr bei

uns ist. Seitdem dürfen wir wieder unsere Hoffnung auf ihn setzen und brauchen uns auch durch kleinere oder größere Enttäuschungen nicht davon abbringen lassen.

 

 

 

Das Gleichnis von der königlichen Hochzeit: Mt 22, 1 - 14         

Spielszene:

Mutter und Tochter am Sonntagmorgen.

Mutter:  Los, aufstehen!

Tochter: Ich hab heute aber keine Lust!

Mutter:  Es ist schon neun Uhr!

Tochter: Mir tut der Bauch so weh!

Mutter:  Stell dich nicht so an. Du bist doch Konfirmandin, da gehst du am Sonntag          auch zum Gottesdienst.

Tochter: Aber ich war letzten Sonntag erst. Und da hat der Pfarrer schon so lange  gepredigt!

Mutter:  Aber ihr werdet doch gebraucht zur Psalmlesung!

Tochter: Es sind doch genug andere da!

Mutter.  Jeder Einzelne ist zum Gottesdienst eingeladen: Es geht nicht darum, was die anderen machen!

Tochter: Mutter, gehst du denn hin?

 

Erzählung:

Wenn jemand heute eine Hochzeit plant, dann kümmert er sich um einen Raum für die Feier, um Essen und Trinken, um Kleid und Strauß für die Braut und noch manches andere mehr. Aber er lädt auch gleichzeitig die Gäste dazu ein, damit Sie sich darauf einrichten und auch alle kommen können.

Besonders wichtig ist das aber, wenn etwa ein König für seinen Sohn eine Hochzeit ausrichtet. Dann ist ja eine besondere Ehre, zu dieser Hochzeit eingeladen zu werden. Und jeder wünscht sich nur, daß er auch dabei sein darf.

Aber heute hören wir von Hochzeitsgästen, die nicht erfreut waren, als man sie zur Hochzeit einlud. Der König hatte sie durch seine Leute einladen lassen. Aber sie hatten keine Lust zu kommen und legten sich schon eine Ausrede zurecht.

Als nun der Tag des Festes gekommen ist, sagt der König zu seinen Leuten: „Geht hin zu den eingeladenen Gästen und richtet ihnen aus: Die Mahlzeit ist zubereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet und alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!“ So geschieht es dann auch, die Einladung erfolgt.

Doch die Eingeladenen können den König nicht leiden und verachten ihn. Sie gehen einfach ohne ein Wort zu sagen davon: Einer geht auf seinen Acker, der andere in seine Werkstatt zu seiner Hantierung.

Die Boten berichten das dem König wieder. Doch der läßt sich dadurch nicht erschüttern. Es ist nun alles für die Hochzeit vorbereitet, da soll sie auch stattfinden. Aber Gäste müssen dabei sein, sonst ist es keine nichtige Hochzeit.

Da sagt der König seinen Männern: „Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren es nicht wert. Darum geht hin auf die Straßen. Ladet zur Hochzeit, wen ihr findet!“

Nun haben es die Boten nicht mehr so schwer. Sie gehen einfach vors Haus und halten jeden an, der dort vorbeikommt. Sie sagen: „Komm nur mit, hier ist eine Hochzeit und du bist als Gast eingeladen. Du erhältst auch vom Gastgeber ein Festkleid zum Geschenk. Es wird sicher ein schönes Fest!“

Jetzt geht es auf einmal sehr schnell mit den Gästen: Einer nach dem anderen kommt ins Haus. Es sind viele gute Menschen dabei, die man bedenkenlos zu einer Hochzeit einladen kann. Aber es sind auch Diebe und Betrüger und Gottlose dabei, auch einige Kranke und Bettler. Doch alle dürfen sie kommen und die Tische sind bald alle voll.

Als der König aber in den Festsaal kommt, ist da ein Mann, der hat kein Festkleid an.

Er hat sich kein Kleid schenken lassen wollen, sondern hat sich in seinen Alltags­kleidern an den Tisch gesetzt. Der König fragt ihn „Wie bist du denn überhaupt hereingekommen?“ Der Mann weiß nichts zu sagen.

Da befiehlt der König. „Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn aus dem Haus hinaus. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt!“

Dieses Gleichnis hat uns Jesus erzählt. Er will damit nicht von einer Hochzeit berichten, bei der der Gastgeber seine Schwierigkeiten mit den Gästen hatte, sondern er will uns damit etwas deutlich machen vom Handeln Gottes: Gott lädt uns alle ein, zu ihm zu kommen. Aber wenn wir nicht kommen wollen, holt er sich andere, sein Haus wird auf jeden Fall voll.

 

Kinder tun nur das, was die Eltern ihnen vormachen.

Erwachsene haben auch wie zur Zeit Jesu ihre Entschuldigungen:

Ausschlafen, Mittagessen, Sport, Waschen, Fernsehen.

„In der Kirche sind doch nur Heuchler, die am Werktag nicht so leben, wie sie am Sonntag sich den Anschein geben. Mit denen setze ich mich nicht in eine Bank!“

 

Predigt:

Wenn ein Kind getauft werden soll, braucht man dazu Paten. Die Eltern überlegen sich sorgfältig, wen sie für dieses Amt bitten körnen. Meist sagt der Betreffende auch gerne zu. Aber manchmal erhält man auch eine Ablehnung, oft mit einer ganz fadenscheinigen Begründung. Da müssen dann die Eitern einen anderen bitten In manchen Gemeinden ist auch schon vom Pfarrer ein Pate aus der Gemeine vermittelt worden.

Aber es ist doch furchtbar, wenn man zu so einer wichtigen Sache einlädt und erhält eine Ablehnung. Doch wir erleben das immer wieder einmal, auch wenn es sich um eine weniger wichtige Einladung handelt. Meist freuen sich ja die Verwandten und Freunde über eine Einladung. Manche werden auch stöhnen, weil ihnen der Zeitpunkt ungelegen ist, aber sie kommen doch, um den Gastgeber nicht zu beileidigen. Wieder andere entschuldigen sich wegen dringender Verpflichtungen. Wer aber eine Einladung ausschlägt, ist selber schuld daran, er versäumt etwas, das das Leben schön macht.

Natürlich ist auch anderes wichtig. Es gibt Pflichten, an denen kommt keiner vorbei. Man kann nicht immer nur Feste feiern, man muß auch seine übliche Arbeit machen. Ud wenn die Mutter im Krankenhaus liegt und man sie nur am Sonntag besuchen darf, da wird man nicht lieber zur Hochzeit gehen, dort kann man auch noch später hingehen.

Wenn Jesus von einer Hochzeit erzählt, die ein König für seinen Sohn ausrichtet, dann geht es ihm um mehr als eine Familienfeier. Er spricht ja in Gleichnissen und will dabei etwas deutlich machen vom Reich Gottes. Hochzeit ist ein Sich-finden in engster und bleibender Gemeinschaft. Da will keins mehr ohne das andere sein. So könnte aber auch die Gemeinschaft sein, die wir mit Gott haben.

Wir gehören alle zur großen Familie Gottes. Wir haben unsren Stammplatz nicht nur in der Kirche, sondern auch bei Gott. Hier wieder werden wir eingeladen, nun auch tatsächlich zu kommen und mitzufeiern. Schon die Propheten haben grundsätzlich eingeladen, zur Zeit des Neuen Testaments war es dann soweit. Und schließlich ging man hinaus in die ganze Welt, um einzuladen, wen man findet. So ist das Evangelium auch zu uns gekommen. Aber wir stehen vielfach immer noch am Rand, obwohl wir getauft sind. Keiner kann sagen, ihn brauche Gott nicht einzuladen und zu rufen. Gottes Einladung wird immer dringlicher. Er läßt auch uns ausrichten: „Aus der Küche riecht es schon nach Bratenduft, das Essen steht schon auf dem Tisch, nun kommt doch auch!“

Aber schon immer gab es Menschen, die verachteten die Einladung Gottes. Sie dachten sich wohl: „Was der da auf den Tisch bringt, das können wir uns alle Tage leisten. Wir stellen doch selber etwas dar und sind nicht auf die Gnade und Barmherzigkeit eines anderen angewiesen!“ Sie wollen es sich leisten können, die Einladung abzulehnen. Sie sehen aber nicht, welchen Wert diese Einladung für sie hat. Sie meinen, sie brauchten Gott und sein Heil nicht.

Aber auch wenn viele nicht wollen, dann gibt Gott es trotzdem nicht gleich auf. Die Ablehnung steigert nur noch seinen Eifer und seine Güte. Auch wenn die Eingeladenen demonstrativ auf den Acker gehen oder zu ihrer Hantierung: die Einladung wird weiter ausgesprochen, Gottes Ruf gilt allen. Gottes Liebe läßt nicht nach. Er müht sich auch um die Menschen, die sich von ihm lossagen.

Vor allem müht er sich auf um uns. Wenn die Glocken läuten‚ dann wissen wir genau, was gemeint ist: Diese Einladung gilt jedem von uns persönlich. Ein Pfarrer ließ sich einmal am Sonntag vertreten und ging dann zur Gottesdienstzeit in die Häuser, um zu sehen, was die Leute so treiben. Sie waren erst verdutzt, dann entschuldigten sie sich: Wir haben große Wäsche, wir haben die Handwerker, wir wollen doch wenigstens einmal in der Woche alle zusammen essen, und so weiter.

Es sind die ehrenwerten Verrichtungen des täglichen Lebens in Beruf und Familie, die am Besuch des Gottesdienstes hindern. Aber es sind auch manche Betätigungen in Staat und Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur, Sport und Hobby. Dort will man Gutes tun und sich nützlich erweisen, aber dann bleibt keine Zeit für Gott. Man sagt auch Ich bin doch bisher auch ohne Gott ganz gut hingekommen. Ein anständiger Mensch kann ich auch so sein, und darauf kommt es doch letztlich an. Wenn sie alle so wären wie ich, dann brauchte sich Gott um die Welt keine Sorgen zu machen!“

Ja man meint sogar: „Für die anderen mußte Christus sterben. Aber wäre es nur um mich gegangen, dann wäre das nicht nötig gewesen. Ich habe mit niemand Streit angefangen, ich habe lieber auf mein Recht verzichtet. So brauche ich mir nichts vorzuwerfen. Fehler macht jeder einmal‚ kleine Patzer passieren jedem. Aber im Großen und Ganzen habe ich mir nichts vorzuwerfen, da kommt Gott schon bei mir zu seinem Recht!“

Aber wer so denkt, der läßt Gott vor lauter Korrektheit nicht an sich heran. Er meint im Grunde auch, die Einladung Gottes gehe ihr nichts an. Die Sünde der Selbstgerechtigkeit ist aber die Sünde aller Sünden, weil sie uns vom Gott lostrennt. Und Gott wollte uns doch bei seinem Fest dabei haben!

Wir wären doch auch beleidigt, wenn wir zu einem Fest einlüden und die Einladung würde abgelehnt. Nach damaliger Sitte wurde beim ersten Mal nur allgemein zur Hochzeit eingeladen und noch kein genauer Termin genannt. Aber jeder wußte, daß er sich bereithalten sollte. Da mußte er nicht ausgerechnet für diesen Tag des Festes sich noch Arbeit aufheben.

Wenn aber eine Absage nach der anderen kommt, überlegt man sich schnell, wenn man sich schnell, wen man noch einladen kann; es soll doch kein Stuhl an der Tafel frei bleiben. So macht Gott es aber auch: Wenn w i r nicht wollen, dann lädt er andere ein. Gott findet schon seine Leute und ist nicht angewiesen auf die, die er zuerst eingeladen hat.

Wenn fließendes Wasser auf Widerstand stößt, sucht es sich einen neuen Weg. So hat sich Gott den Heiden zugewandt, als Israel nicht wollte. Das war keine Verlegenheit, weil er mit Israel kein Glück hatte. Gott hat von vornerein alle Menschen geliebt. Er ist auch an denen brennend interessiert, die dies nicht für möglich halten, die meinen, in ihrem Leben und Denken sei für Gott kein Platz.

Mancher meint eben, das Frommsein setzte einen bestimmten Grad an Rechtschaffenheit und christlicher Lebensart voraus. Und vielleicht sind wir Kirchenleute auch der Meinung und haben manchen zurückgestoßen, den Gott wollte. Vielleicht haben wir anderen den Zugang verwehrt‚ weil wir ihnen deutlich machten: „So einer wie du kommt gar nicht in Frage, es fehlt dir an der Kinderstube und dein Leben ist zu ungeordnet, du sprichst eine unmögliche Sprache und du hast viel zu lange Haare!“

Aber täuschen wir uns nicht: Vielleicht verschließen wir uns gerade dadurch der Einladung Gottes. Und wenn wir in Deutschland nicht mehr auf ihn hören wollen, dann lädt er vielleicht die Menschen in Afrika und Asien ein. Und wenn niemand mehr zum Gotteshaus kommt, dann gehen die Boten vielleicht auf die Straßen oder in die Gaststätten oder in die Krankenhäuser. Es gibt bei uns zum Beispiel einen Pfarrer, der kümmert sich nur um die Landfahrer und Zirkusleute. Und ein bayrischer Bischof ging sogar in die Nachtbars von München, um Gottes Wort weiterzusagen. Go.tt hat viele Wege, die Menschen zu erreichen.           

Deshalb erreicht er auch uns ganz bestimmt. Für jeden von uns hält er einen Stuhl an seinem Tisch bereit. Sein Tisch, das ist auch der Altar in unserer Kirche, an dem wir das Abendmahl feiern. Dorthin lädt Gott uns ein, daß wir sein Wort hören und mit ihm an seinem Tisch ein Fest feiern.

Doch wir stehen auch in der Versuchung, die Einladung Gottes abzulehnen. Es sind ja so viele, die auch nicht hingehen. Aber Gott macht uns frei von allen falschen Bindungen. Wir brauchen uns nicht nach der Menge zu richten und nach unserem Vorteil zu schielen. Gott sucht sich seine Leute nicht aus, er ist nicht wählerisch. Gott nimmt uns so, wie wir sind.

Aber es sollte keiner meinen: „Wenn Gott mich auf alle Fälle nimmt, dann kann ich auch so bleiben, wie ich bin!“ Wir gehen ja auch nicht in unserer Arbeitskleidung zur Hochzeit, das wäre eine Beleidigung für den Gastgeber. Es gibt auch heute wieder Gaststätten, in die man nur mit gutem Anzug hineinkommt. Und zum Tanzstundenball wird festliche Kleidung erbeten. Auch zum Gottesdienst ziehen wir uns sonntagsmäßig an.

Wenn wir zu Gott kommen wollen, gehört schon eine entsprechende Vorbereitung dazu. Wir dürfen zwar zu Gott kommen, wie wir sind; aber: „Wir dürfen nicht so bleiben, wie wir waren!“ „Wir dürfen zwar zu Gott kommen, wie wir sind; aber wir dürfen nicht so bleiben, wie wir waren!“ [absichtlich wiederholt!]. Gott will veränderte Menschen und verzichtet nicht auf den Gehorsam und die Umkehr seiner Menschen

Doch zuerst erfolgt immer die Einladung. Der Ernst der Forderung Gottes ist nur der Hintergrund für seine Einladung. Und wer diese Einladung ernst nimmt, der sorgt ganz von selber dafür, daß bei ihm alles in Ordnung kommt. Dann kann er auch wohl vorbereitet zum Festmahl des Herrn gehen. Dort steht die Tür weit offen, der Tisch ist gedeckt. Alles ist bereit für die Gäste. Wir sind die Gäste, ja sogar die Familie Gottes. Es kommt nur darauf an, ob wir uns einladen lassen und dann auch wirklich hingehen.

 

 

 

Der barmherzigen Samariter: Lk 10, 25 - 37                     

Erzählung mit verschiedenen Rollen:

Der Überfallene:

Da gehe ich doch eines Tages von Jerusalem nach Jericho. Keine bequeme Straße, sondern ein steiniger Weg, links und rechts Felsen, sehr einsam. Es ist ein gefährlicher Weg, weil dort oft Menschen überfallen und beraubt werden. Hoffentlich komme ich gut nach Jericho! - Doch was ist das? Da kommen Männer! Sie sehen so finster aus. Was soll ich tun? Wegrennen ist sinnlos. Und schon stürzen sie sich auf mich. Ich spüre die Schläge und stürze zu Boden. Dann ist alles dunkel um mich. Als ich aus meiner Bewußtlosigkeit erwache, merke ich, daß meine Kleider, mein Geld, mein Gepäck weg sind. Und die Wunden schmerzen so sehr! Die Sonne brennt so heiß! Wenn doch jemand vorbeikäme! - Hat Gott meine Gedanken erhört? Ich sehe von ferne einen Menschen. Es ist ein Priester. Er wird mir helfen! Er kommt näher, ist dicht bei mir. - Aber er geht vorüber. Warum? Ich möchte rufen, aber ich kann nicht. Er muß mich doch gesehen haben! Hat er denn kein Herz? Warum ist der Priester vorbeigegangen?

Der Priester:

Nun ist wieder eine Woche vorbei. Mein Dienst im Tempel von Jerusalem beginnt wieder. Gut die Hälfte des Weges habe ich schon hinter mir. Wenn es doch nur schneller ginge! Die Sonne brennt so erbarmungslos nieder. - Was ist denn das für ein merkwürdiger Gegenstand da vorn? Das sieht ja aus wie ein Mensch. Niedergeschlagen - er ist bestimmt tot. Er bewegt sich nicht mehr. Dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Und außerdem würde ich mich verunreinigen. Das Gesetz verbietet es mir, einen Toten zu berühren. Ich dürfte den Gottesdienst nicht halten.- Wenn er aber doch noch lebt? Ach, ich könnte ihm doch nicht helfen. Nur weiter, damit dieser anstrengende Marsch bald ein Ende hat!

Der Überfallene:

Ich bin verloren - die Schmerzen - ich kann mich nicht mehr bewegen. Und dann noch diese furchtbare Hitze! - Doch kommt da nicht noch ein Mensch? Ja, ein Kirchendiener, auch ein Diener Gottes! Jetzt wird mir doch noch geholfen. Ich werde am Leben bleiben.

Der Kirchendiener:

Ist das ein anstrengender Weg! Gut fünfzehn Kilometer werde ich wohl schon gelaufen sein. - Was ist denn das da? Ein Mensch - ein Toter? Bestimmt niedergeschlagen und beraubt. Vielleicht sind die Räuber noch in der Nähe. Nur schnell weg von hier!

Der Überfallene:

Was ist mit mir? Wo ist der Kirchendiener? Er hat mich auch liegengelassen, hat mir auch nicht geholfen! Jetzt gibt es keine Rettung mehr für mich. Meine Schmerzen werden immer größer. Wenn nicht bald Hilfe kommt, ist es zu spät für mich. - Aber ist

das möglich? Da kommt ja doch noch ein Mensch. Der Kleidung nach ein Fremder. Ach, ein Samariter. Der wird mir nicht helfen. Wir Juden verachten die Samariter. Er geht bestimmt an mir vorüber. Wenn sogar der Priester und der Kirchendiener mir nicht helfen, wird der Samariter bestimmt nichts für mich tun!

Der Samariter:

Die Sonne steht noch immer so hoch! Hoffentlich gibt es bald eine Möglichkeit zum Rasten. - Aber was ist das? Da liegt ein Mensch am Wege. Er bewegt sich nicht. Wie lange mag er hier schon liegen? Ich muß ihm helfen! Ja, er lebt noch! Die Wunder sehen schlimm aus. Ich werde sie mit Öl und Wein auswaschen und notdürftig verbinden. Warum sind die Menschen so grausam? Ich muß ihm weiterhelfen. Ich

werde versuchen, ihn auf meinen Esel zu setzen. Vielleicht finde ich bald eine Herberge.

Der Überfallene:

Ich muß noch einmal reden; denn es geht noch weiter. Als ich wieder einigermaßen klar denken konnte, war ich in einer Herberge. Es wurde gut für mich gesorgt. Ich bekam Kleider, Essen und Trinken, gute Pflege, bis ich wieder gesund war. Der Samariter hatte dem Wirt zwei Silbergroschen gegeben. Er hat sehr viel für mich getan.

Dieser Samariter hat mir das Leben gerettet.

 

Sprechmotette:

A Es lag ein Mann am Wege

1 geschlagen

2 besiegt

3 beraubt

4 am Ende seiner Kraft.

B Er war unter die Räuber gefallen.

 

A Sind nicht auch Räuber in unserem Leben?

1 Sie überfallen uns

2 Sie schlagen uns

3 Sie berauben uns

4 Sie besiegen uns

5 Sie lassen uns halbtot liegen

1 Die Räuber Hast und Eile                                       Alle: halbtot!

2 Die Räuber Neid und Mißgunst                                         Alle: halbtot!

3 Die Räuber Geld und Macht                                              Alle: halbtot!

4 Die Räuber Lüge und Aufschneiderei                                Alle: halbtot!

5 Die Räuber Angst und Sorge                                              Alle: halbtot!

B Sie lassen uns halbtot liegen.

 

A Der Mann lag halbtot am Weg

B Ein Priester und ein Kirchendiener gingen vorbei und…

 Alle: - ließen ihn liegen.

 

A Sie kamen vom Tempel, vom Gottesdienst.

1 Sie hatten Gottes Wort -                                        Alle: aber keine Liebe

2 Sie hatten die Gebote -                                          Alle: aber keine Liebe

3 Sie hatten das Opfer -                                            Alle: aber keine Liebe

4 Sie hatten fromme Sitten -                                     Alle: aber keine Liebe

5 Sie hatten das Gebet. -       aber keine Liebe.

B Sie gingen vorbei und ließen ihn liegen;

Alle: - denn sie hatten keine Liebe.

A Sind wir anders als der Priester und der Kirchendiener?

B Gehen wir nicht auch vorbei an unserem Nächsten?

1 Wir haben keine Zeit!

2 Wir haben kein Geld!

3 Wir haben keinen Mut!

4 Wir haben keine Lust!

5 Wir haben keine Liebe!

B Wir gehen an unserem Nächsten vorbei;

Alle: - denn uns fehlt die Liebe.

A Ein Samariter reiste und kam vorbei.

B Ein Samariter - ein Fremder.

A Wird er stehenbleiben oder auch vorübergehen?

B Ja, er bleibt stehen;

Alle: - denn er hat Liebe!

 1 Er hat Zeit zum Verbinden-                       Alle: denn er hat Liebe

 2 Er hat Öl und Wein zum Heilen -              Alle: denn er hat Liebe

 3 Er hat Kraft zum Tragen-                           Alle: denn er hat Liebe

 4 Er hat nicht Angst vor Räubern-                Alle: denn er hat Liebe

 5 Er hat ein Dach und ein Lager-                 Alle: denn er hat Liebe

A Er hat Geld und Zeit

B denn er hat Liebe, dieser Samariter.

 

A Haben wir auch solche Liebe?

B Nein, wir haben sie nicht!

Alle: Jesus allein ist die wahre Liebe.          

1 Er liebt uns

2 Er kennt uns

3 Er sieht uns

4 Er ruft uns,

5 Er ruft uns.

Alle: Er hilft uns.

A Er ist allein die wahre Liebe

B Er macht uns fähig zu solcher Liebe;

Alle: denn ohne Liebe geht es nicht!

 

Glaubensbekenntnis

Der Pfarrer zunächst ein Glaubensbekenntnis, zu dem die Konfirmanden die Stichpunkte geliefert haben. Dann sprechen alle gemeinsam das übliche apostolische Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, der uns und die Welt geschaffen hat. Er hilft uns auch heute, indem er uns Menschen schickt, die für uns da sind, wie zum Beispiel die Eltern, der Pfarrer und der Arzt. Gott schützt uns vor der Angst und hilft uns, nicht zu hassen.

Ich glaube an Jesus, den Sohn Gottes. Er ist für uns gestorben und macht unser Leben heil. Ich glaube an den Heiligen Geist. Er hält die Gemeinde zusammen. Er gibt uns nicht nur den Verstand, sondern auch den Glauben und den Mut, ihn zu bekennen. Nicht einmal vor dem Sterben brauchen wir Angst zu haben.

 

Predigt:

Da kann ein Junge einen anderen nicht leiden. Was macht er? Er holt sich noch einen anderen und dann geht es auf dem Heimweg von der Schule auf das arme Opfer los. Der Überfallene weiß gar nicht, was die beiden gegen ihn haben. Er wehrt sich nach Kräften. Aber gegen zwei Mann ist er eben machtlos.

Da sieht er einen kommen, der sonntags immer mit zum Kindergottesdienst geht. „Der wird mir helfen“, denkt er, „denn der Pfarrer sagt doch immer, wir sollen zusammenhalten!“ Aber der Junge tut so, als habe er nichts gesehen. Interessiert sieht er in die entgegengesetzte Kinderung, als ob es dort etwas zu sehen gäbe.

Jetzt aber kommt der Sohn des Pfarrers. „Der wird es anders machen!“ denkt der Überfallene. „Der wird auch nach dem handeln, was er gehört hat!“ Aber er hat sich wiederum getäuscht. Der andere sieht zwar, was los ist. Aber er biegt vorher schnell in eine Seitenstraße ab, auch wenn das ein Umweg für ihn bedeutet. Sicher hat er Angst, er könnte auch mit verhauen werden. Er will sich da heraushalten, es geht ihn ja auch nichts an.

Wer wird nun dem armen Jungen helfen, den zwei Stärkere in die Klemme genommen haben? Die seine Freunde hätten sein müssen, haben ihn im Stich gelassen. Allein aber schafft er es nicht, sich von seinen Gegnern zu befreien. Wer wird ihm helfen, wer wird ihm zum Nächsten werden?

Zur Zeit Jesu sagte man: „Man braucht nur dem zu helfen, der zum gleichen Volk und zur gleichen Kirche gehört!“ Der Priester und der Kirchendiener waren also verpflichtet zum helfen, der Samariter nach ihrer Meinung nicht. Aber dieser Fremde hat mehr von Gottes Geboten verstanden als die frommen Leute. Er

hilft dem Überfallenen.

Und er fragt nicht erst: „Gehörst du auch zur gleichen Kirche wie ich? Gehörst du überhaupt zur Kirche? Bist du vielleicht ein Ausländer oder auch nur aus einem fremden Ort?“ Jesus verbietet uns, so zu denken. Er will deutlich machen: Wer mein Nächster ist, das kann man nicht vorher bestimmen. Wenn einer in Not ist und Hilfe braucht, dann ist er mein Nächster. Und ich bin ihm ein Nächster, d.h. ich bin der Nächste für ihn, der ihm helfen kann.

Aber oftmals helfen wir ja nicht einmal denen, die zu uns gehören, geschweige denn Fremden. Doch wir brauchen uns ja nur einmal vorzustellen, wir wären selber auf Hilfe angewiesen. Die am Anfang geschilderte Situation hat sicher schon jedes Kind kennengelernt. Und auch die Erwachsenen werden ja oftmals in die Zange genommen.

Oder stellen wir uns vor, wir sind krank und wünschen uns, daß einmal einer nach uns sieht. Aber sie haben alle keine Zeit oder sie fürchten sich vor Ansteckung und keiner kommt. Wir haben zwar heute Ärzte und Krankenhäuser und den Krankentransport. Aber dennoch braucht ein Kranker viel persönliche Zuwendung. So wie der Samariter mit dem Überfallenen Mitleid hat und mehr tut, als es seine Pflicht ist, so braucht auch ein Kranker mehr als eine medizinische Pflege. Und da können wir nicht sagen: „Warum soll gerade ich gehen? Soll er es doch die anderen aus der Klasse oder aus der Arbeitsgruppe tun?

Wer so denkt, hat Jesus noch nicht verstanden. Jesus sagt: „Es gibt keine Gemeinschaft mit Gott, wenn ihr eurem Mitmenschen nicht helfen wollt. Der Weg zu Gott macht keinen Umweg um den Mitmenschen herum, sondern führt genau an ihm vorbei und zu ihm hin. Selbst wenn einer auf dem Weg zum Gottesdienst ist, geht das Gebot vor: „Liebe deinen Nächsten!“ Wenn man ihm hilft, dann ist das auch Gottesdienst, nämlich ein Dienst für Gott.

Damit soll nicht gesagt sein, daß man nicht zum Gottesdienst zu gehen braucht, wenn man nur ein anständiger und hilfsbereiter Mensch ist. Aber damit ist jener furchtbare Satz verurteilt: „Jeder ist sich selbst der Nächste!“ Wenn wir wirklich danach handeln wollten, dann wäre die Menschheit bald untergegangen. Nichtig muß es heißen: „Jeder ist jedem der Nächste!“

Allerdings sollten wir auch daran denken, daß Vorbeugen besser ist als Heilen. Darauf hat der ermordete amerikanische Schwarzenführer Martin Luther King in einer Auslegung unserer Geschichte hingewiesen. Er sagte: „Die Christen haben immer gewartet, bis einer unter die Räuber fiel; und dann sind sie hingegangen und haben ihn verbunden und gepflegt. Heute aber kommt es darauf an, die Straßen so sicher zu machen, daß es keine Räuber mehr gibt!“

Aber das eine schließt das andere ja nicht aus. Wenn man die Gefahr vorher abwehren kann, ist das natürlich besser. Aber man wird nicht alle Unfälle und Überfälle und Zwischenfälle ganz ausschalten können. Wenn etwas passiert ist, dann gilt es zu helfen. Man muß nur die Augen offenhalten und vielleicht auch sich rechtzeitig für die eine oder andere Hilfeleistung ausbilden lassen.

Die Kraft dazu wird uns Jesus geben. Im Grunde ist er ja der barmherzige Samariter, der den Menschen hilft. Er kann auch uns helfen, wenn wir in Not sind, zum Beispiel, indem er uns andere Menschen zu Hilfe schickt. Aber er braucht auch uns, damit wir anderen helfen. Und wenn wir helfen, dann tun wir etwas für Jesus

 

Fürbittengebet

Lieber Gott, die Schule und hat wieder begonnen. Da bitten wir dich besonders darum, daß die Lehrer Verständnis haben für die Kinder, die an Gott glauben. Laß uns in Konflikten fest bleiben. Gib, daß sich die Eltern darin einig sind. Wir bitten dich für die kranken Kinder und die Kinder, die unsicher sind im Glauben, Zweifel und Fragen haben. Laß die Eltern Vorbild und Helfer für ihre Kinder sein.

Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens.... Vaterunser im Himmel....

 

 

 

Pharisäer und Zöllner: Lk 18, 9 - 16

In [Name des eigenen Ortes einfügen] gingen einmal zwei Menschen in die Kirche zum Gottesdienst [Aus dem hinteren Teil der Kirche kommen zwei Jungen oder auch zwei Erwachsene: Der eine stellt sich vorne neben den Altar, der andere bleibt ziemlich hinten stehen].

Der eine war ein angesehener Mann aus einer alteingesessenen Familie. Sein Vater war schon im Kirchenvorstand gewesen, und alle Leute hielten ihn für einen anständigen und frommen Menschen. Er hatte eine kleine Firma und behandelte seine Leute gut: Jedes Jahr zu Weihnachten erhielten sie ein Weihnachtsgeld. Weihnachten und Ostern, zur Goldenen Konfirmation und zum Erntedankfest ging er auch jedesmal zum Gottesdienst, und ab und zu sah man ihn bei einer Beerdigung.

Der andere Mann war ein einfacher Transportarbeiter in einer großen Fabrik. Er war irgendwie in den Ort verschlagen worden: Er hatte nichts gelernt und hatte es auch inzwischen zu nichts gebracht. Er wohnte allein in einem Dachzimmer und hatte weder Verwandte noch Freunde. Aber er war bereit, für Geld und gute Worte aus der Firma Betrieb allerhand Dinge mitzunehmen, die andere Leute brauchten. Das Geld setzte er dann nachher in Bier und Schnaps um. Er hatte auch schon einmal wegen seiner Diebstähle im Gefängnis gesessen. Aber nichtsdestotrotz stand er sich jetzt auch mit der Polizei gut. Alle brauchten ihn, aber sie fürchteten ihn auch. Natürlich war er getauft und konfirmiert. Aber die Kirche kannte er nur von außen. Wie hätte er sich auch unter die feinen und anständigen Leute wagen können. Ihm stand das Verbrechen ins Gesicht geschrieben.

Aber heute gehen beide Männer zum Gottesdienst. Den Firmeninhaber haben alle kommen sehen. Breitbeinig steht er vorne am Altar und hat die Hände zum Gebet gefaltet. Er strahlt Zuversicht und Würde aus [der Junge am Altar faltet zunächst die Hände, dann hebt er sogar die Hände zum Himmel]. Im Stillen betet er vor hin: „Ich danke dir

Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Diebe, Ausbeuter, Ehebrecher, oder auch wie dieser Gauner, der hinter mir hereingekommen ist [Er deutet mit der Hand über die Schulter zu dem anderen]. Ich verzichte zwar nicht gern auf Auto, Fernseher und Wochenendhaus, und Essen und Trinken schmeckt mir auch gut. Aber ich zahle doch pünktlich meine Kirchensteuer und gebe jedesmal 20 Euro in den Klingelbeutel. Und wenn sonst einmal etwas in der Kirche gebraucht wird, dann bin ich auch nicht kleinlich!“ [Gut wäre es natürlich, wenn der Junge dieses Gebet selber sprechen würde]

Der Arbeiter aber, den man für einen Gauner hält, wagt sich nicht nach vorne. Plötzlich fallen ihm all seine Untaten ein. Was würde Gott wohl zu seinem Leben sagen? Er möchte doch wieder alles in Ordnung bringen und auch zu Gott gehören dürfen. So kann er nur aus tiefstem Herzen bitten: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“

An diesem Sonntag wird im Gottesdienst eine Geschichte verlesen und ausgelegt, die Jesus einmal den stolzen Leuten seiner Zeit erzählt hatte. Sie bildeten sich ein, zu den Frommen zu gehören und verachteten die anderen Leute wegen ihres angeblichen Unglaubens.

 

Frage an die Kinder: Wer weiß, wie diese Geschichte in der Bibel heißt? Der möge bitte nach vorne kommen und es mir ins Ohr sagen! Das älteste Kind darf dann den Bibeltext nach der Lutherbibel noch einmal vorlesen, die anderen erhalten ein Bild als Belohnung.

Jesus meint also zu dieser Geschichte: Gott erhört das Gebet des Sünders und spricht ihn frei. Er darf gerechtfertigt heimgehen, weil Gott ihn wieder richtig gemacht hat. An diesen Sonntag ging auch in [Name des eigenen Ortes] der verachtete Arbeiter getröstet heim, denn er durfte wieder zu Gott gehören.

 

Lied: „Paß auf kleines Auge, was du siehst…“ (mit den entsprechenden Bewegungen).

 

 

 

Verleugnung des Petrus: Lk 22, 31 - 34 und 54 - 62

Anspiel:

Mutter: Vergiß nicht, zum Kindergottesdienst zu gehen!

Junge:. Da brauchst du mich nicht daran zu erinnern.

Mutter: Hier hast du das Gesangbuch.

[Draußen trifft der Junge eine Gruppe Mitschüler. Er steckt das Gesangbuch schnell in die Tasche].

1. Kind. Habt ihr schon gehört: Heute gibt es „Asterix“ in einer Frühvorstellung!

2. Die aus dem Nachbardorf wollen auch kommen!

3. Kind. Hoffentlich ist keiner von den Lehrern mit drin!

4. Kind: [zu den Jungen]: Wir gehen jetzt in „Asterix“, gehst du mit?

1. Kind. Was hast du denn da in der Tasche?

Junge: Ach, weiter nichts, laß mich in Ruhe!

2. Kind: Laß mal sehen!

[Es gibt ein Gerangel. Sie ziehen ihm das Gesangbuch heraus]

Junge: Ach, das hat weiter nichts zu bedeuten!

4. Kind: Du wolltest wohl in die Kirche. Du bist doch einer von denen!

1. Kind: Klar, der will in die Kirche!

Junge: Ich gehe doch nicht zu so etwas!

2. Kind. Ich habe dich aber schon dabei gesehen

Junge: Das alte Gesangbuch habe ich nur dabei, weil ich damit Briefmarken pressen wollte. Aber wenn ihr mir nicht glaubt, dann kann ich es ja auch wegwerfen [Wirft es weg).

3. Kind: So ist es richtig. Wer geht denn noch in die Kirche!

 

Erzählung:

Jesus wußte, wie schwer es ist, am Glauben festzuhalten, wenn Verfolgung und Nachteile drohen. Er wußte, daß er bald würde sterben müssen und der Druck auf die Jünger dann zunehmen würde. Deshalb hat er sie alle noch einmal versammelt, um sie innerlich auf die kommende Zeit vorzubereiten.

Zu Petrus sagt er: „Simon, Simon, der Satan hat euer begehrt, daß er euch möchte sieben wie den Weizen!“ Er spricht ihn nicht mit seinem anderen Namen „Petrus“ an, was ja „Fels“ bedeutet, sondern er will ihn daran erinnern: „Du bist ja nur ein schwacher Mensch!“ Der Satan hat euch von Gott heraus verlangt, um euch auf die Probe stellen zu können. Er wird euch schütteln wie wenn man den Weizen in die Luft wirft, damit die Spreu davonfliegt. So will er auch all die ausscheiden, die nicht echte Jünger Jesu sind.

Jesus hat nicht darum gebeten, daß die Jünger vor dieser Gefahr bewahrt werden. Aber er bittet darum, daß der Glaube des Petrus nicht aufhört, denn aus eigener Kraft wird er nicht bestehen können. Erst wenn er erkennt, daß; erst die Fürbitte Jesu ihn vor dem Untergang bewahrt hat, wird er auch die anderen im Glauben stärken können. Dann wird er ihnen durch Stunden der Anfechtung hindurch helfen können und ihnen das Wort sagen können, das sie in ihrem Kampf stärkt.

Petrus hat sich die Sache gut überlegt. Er rechnet damit, auch verhaftet und vielleicht getötet zu werden. Er will trotzdem bei Jesus bleiben und das Gleiche leiden wie er. Feierlich sagt er: „Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen!“ Daß er auch versagen kann, daran denkt er nicht. Er ist sich seiner Sache sicher, denn er weiß noch nicht, was es heißt, wenn der Satan erst einmal einen Menschen versucht. Doch Jesus sagt zu ihm: „Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, daß du mich kennst!“

Es kommt, wie Jesus es vorausgesehen hatte: Er wird gefangengenommen und in den Palast des Hohenpriesters gebracht. Petrus ist auch tatsächlich mutig und folgt der Gruppe mit einigem Abstand. Er will sehen, was jetzt mit seinem Herrn geschieht. So setzt er sich zu den Soldaten, die im Hof ein Feuer angezündet haben. Er tut so, als sei er nur irgendein Neugieriger.

Da kommt eine Frau vorbei und sieht Petrus an Feuer sitzen. Sie bleibt stehen, kommt ganz nahe an Petrus heran, sieht ihm genau ins Gesicht und sagt dann: „Du gehörst doch auch zu diesem Jesus, du bist doch auch mit ihm zusammengewesen!“ Petrus aber schüttelt mit dem Kopf und sagt: „Frau, ich kenne ihn nicht!“

Kurz darauf Kommt ein Mann und sagt: „Du bist euch einer von denen!“ Petrus aber antwortet wieder: „Mensch, ich bin es nicht!“ Etwa nach einer Stunde kommt wieder einer und bekräftigt noch einmal das, was alle schon wußten: „Wahrlich, dieser war auch mit ihm, denn er ist ein Galiläer, seine Sprache verrät ihn!“ Petrus aber schreit ihn an: „Mensch, ich weiß nicht, was du sagst!“

Aber als er noch redet, kräht der Hahn. Es ist so gekommen, wie Jesus es vorausgesagt hatte. Petrus wollte so stark sein. Aber nun hat er wegen so einer geringen Sache seinen Herrn verleugnet, hat geleugnet, zu ihm zu gehören.

Da dreht sieh Jesus um und seht Petrus an. Er hat drinnen im Haus bemerkt, was draußen geschehen ist. Petrus fühlt die Augen Jesu auf sich gerichtet. Wie ein Blitz durchzuckt es ihn. Und ihm fällt das Wort Jesu ein: „Ehe der Hahn heute kräht, wirst du mich dreimal verleugnen!“ Da geht Petrus hinaus und weint bitterlich.

[Ein Bild zur Verleugnung des Petrus von Hans-Georg Annies findet sich in der Datei Religionsunterricht NT II, Leiden und Auferstehung].

 

Was soll der Hahn dort auf dem Turme?                                        

Diese Frage wird immer wieder gestellt und meist mit dem Hinweis auf Petrus beantwortet. Der Hahn bezieht sich aber nicht auf einen Menschen, sondern auf Gott.

Er ist in der Symbolsprache der Sieger über die Dunkelheit, der die Gemeinde weckt, lenkt und hütet, der sie ruft, ihr predigt. Wenn die ersten Strahlen der Morgensonne die Spitze des Turmes erreichen, unter der noch alles im Dunkel liegt, leuchtet er als der Überwinder der Nacht, als Wächter, Hüter und Rufer.

Im Ambrosianischen Morgenhymnus erscheint der Hahn schon im symbolischen Gewand der späteren Zeit als Prediger, „der die Darniederliegenden aufweckt, dessen Ruf Hoffnung kündet, Heil...“. Von solchen Turmhähnen hören wir bereits im 9. Jahrhundert und im 11. Jahrhundert wird ein „vergoldeter Han“ erwähnt, ein Zeichen hoher Verehrung.

Daß der Hahn - wie viele meinen - ein Zeichen katholischen Glaubens wäre, ist nicht auf die Häufigkeit seines Vorkommens in solchen Gegenden zurückzuführen. Auf vielen evangelischen Kirchtürmen thront er als Wahrzeichen des Glaubens, entstanden in barocker oder nachbarocker Zeit, und es gibt auch moderne Gestaltungen, die diese reiche Symbolkraft Christi tragen.

Es gibt bedeutende Kirchen und Dome, die vor der Reformation gebaut sind und auf den Türmen Kreuze tragen aus Metall oder aus Stein (zum Beispiel die Kreuzblumen auf den Türmen des Magdeburger Domes). Es gibt auch evangelische Kirchen, die einen Turmhahn haben (einen solchen besang der evangelische Pfarrer und Dichter Eduard Mörike in einem bekannten Gedicht). Die Auswahl der schmückenden Symbole hing wohl stets von den Künstlern und Gestaltern ab, die verschiedene Vorstellungen und Visionen hatten; je nach ihrem Geschmack oder ihren Lehrmeistern. Infolgedessen finden wir in und an Kirchen verschiedener Konfessionen die gleichen Symbole.

Unter den christlichen Symbolen tauchte der Hahn schon auf, bevor man ihn zur Wetterfahne machte. Das Tier galt als Symbol der Auferstehung: „Wie dieser Vogel einen neuen Tag ankündigt, so leben auch die Gläubigen in der Erwartung des neuen Tages, an dem Christus wiederkommen wird. Als es schien, daß seine Rückkehr wohl nicht in nächster Zukunft erfolgen würde, machten sie aus dem Hahn zunächst das Symbol des kommenden Himmelreiches, dann der Hoffnung auf neue Zeiten.

 

Predigt:

„Wer dreimal lügt, dem glaubt man nicht!“ Das könnte man auch über Petrus sagen: Dreimal wurde er gefragt, wie er zu Jesus steht; und dreimal hat er gesagt: „Den kenne ich nicht!“ Nachdem er das erstemal gelogen hatte, mußte er immer weiter lügen, immer heftiger und immer furchtbarer. Und so war es auch mit dem Kind in dem Spiel: Wenn man sich nicht gleich zu Jesus bekennt, kommt man nachher nicht mehr dazu.

Dabei hatte Petrus tapfer sein wollen. Er war es ja auch, als Jesus verhaftet werden sollte. Da hat er das Schwert gezogen und zugeschlagen. Erst Jesus hat ihn von weiterer Gewalt abbringen können. Ja, wenn man die Gefahr deutlich vor Augen sieht, kann man sich darauf einstellen und sich dagegen wappnen.

Aber nachher im Hof des Hohenpriesters, in der Dunkelheit, da kam es nicht so darauf an, meinte Petrus. Was sollte er sich unnötig in Gefahr begeben? Er war doch niemandem Rechenschaft schuldig, schon gar nicht irgendeiner jungen Frau, die nur neugierig war. Petrus hatte nicht mit einer solchen Frage gerechnet; er war nicht darauf eingestellt und ließ sich überraschen.

Aber es ist nun einmal so, daß man jederzeit zum Bekenntnis zu Jesus bereit sein muß. Wir können uns nicht aussuchen, ob und wann unser Glaube in Frage gestellt wird. Auf dem Weg oder bei der Arbeit kann man schnell einmal gefragt werden. Und da kann man es nicht so machen wie in dem Spiel oder wie es auf einem Bild für die Christenlehre zu sehen ist: Da deutet auch einer auf einer anderen und sagt zu ihm: Du warst doch auch mit diesem Jesus! Der aber versteckt schnell das Kreuz hinter dem Rücken. Wir brauchen nichts zu verstecken, sondern können unseren Glauben frei und offen zeigen.

Auf der Spitzen der Kirchtürme befindet sich ein Kreuz oder ein Hahn, um allen deutlich zu machen: Hier befindet sich ein Gotteshaus. Die Kirche versteckt sich nicht. Und die Christen sollten sich auch nicht verstecken. Der Hahn auf dem Kirchturmdach kann uns dabei erinnern, wie es dem Petrus gegangen war. Der Hahn wird von jedem Wind hin und her bewegt. Er dreht und wendet sich, mal hier hin, mal dort hin. So kann ein Christ es nicht tun, sondern er hat sich immer auf Christus auszurichten.

[Einige Kinder dürfen nach vorne kommen und einen beweglichen Hahn mit der Hand drehen oder durch Pusten so Wind machen, daß er sich dreht. Am besten ist er natürlich, wenn man anläßlich einer Kirchturmreparatur den echten Hahn in der Kirche hat. Zuletzt wird der Hahn auf den Altar ausgerichtet, um zu zeigen, auf wen wir uns alle ausrichten sollen].

Ein Christ fragt nur nach Christus und nicht nach dem, was die Leute so sagen. Was die Lehrer den Kindern beibringen, ist ja ganz gut. Aber wenn einer sagt: „Gott gibt es doch gar nicht!“ dann brauchen wir nicht darauf zu hören. Wenn den Soldaten gesagt wird: „Du mußt es lernen, andere Menschen totzuschießen!“ dann braucht ein Christ da lange noch nicht mitzumachen. Und wenn in der Firma alle während der Arbeitszeit etwas anderes machen, hat ein Christ von seinem Herrn noch lange keine Erlaubnis dazu.

Ein Christ fragt nicht, was alle machen, sondern was sein Herr von ihm verlangt.

Der Hahn auf dem Kirchturm kann uns daran erinnern. Er gilt schon seit der alten Kirche als Symbol für den Sieg über die Dunkelheit. Er weckt die Gemeinde aus dem Schlaf und der Gleichgültigkeit, er ruft und predigt ihr. Wenn über der Stadt noch die Dunkelheit liegt, dann erreichen die ersten Strahlen der Morgensonne schon

die Kirchturmspitze. Der Hahn dort ist ein Hinweis auf Christus, der die Geister der Dunkelheit überwindet und zu einem lichtvollen Tagewerk ruft.

Der Hahn erinnert also nicht nur an Petrus und warnt dadurch davor, nicht wetterwendisch zu werden. Er erinnert aber auch an Jesus, der der Sieger über Finsternis und Tod ist und auf den wir uns alle fest ausrichten sollen. Petrus hat das gewollt, und es ist ihm auch zu einem guten Stück gelungen. Er wurde der Freund Jesu und hat dafür seinen Beruf und sein Einkommen und seine Heimat aufgegeben.

Wir brauchen einen Freund in guten wie in bösen Zeiten. Wenn einer keinen Freund oder keine Freundin hat, dann ist er traurig. Jesus will gern unser Freund sein. Nur manche sind da mehr für eine heimliche Freundschaft. Es muß ja nicht jeder gleich merken, daß ich auch zur Kirche gehöre; die anderen geht das ja auch überhaupt nichts an.

Jesus aber ist traurig, wenn wir uns nicht zu ihm bekennen. Schon sein eifrigster Jünger Petrus hat versagt, weil er Angst hatte. Petrus hat das nachher bitter bereut. Es heißt am Schluß: „Er weinte bitterlich!“ Wann weint schon einmal ein Mann?! Da muß es ihm doch wirklich an Herz und Nieren gegangen sein. Wenn die Freundschaft nur von ihm abhinge, dann wäre sie in diesem Augenblick zerbrochen. Aber Jesus schaut Petrus an und macht ihm damit deutlich: „Ich bleibe dein Freund, ich bekenne mich zu dir, ich halte an dir fest!“ Das gilt auch für uns: Jesus bleibt unser Freund, auch wenn wir einmal versagt haben. Wenn wir ihn vielleicht auch einmal verleugnet haben, so können wir es doch beim nächsten Mal besser machen.

 

 

Der gute Hirte: Joh 10,1 - 6 und 14 - 16

Groß-Leporellos von Hans-Georg Annies: „Jesus, unser guter Hirte“."

Bild 1: Auf einer sattgrünen Wiese steht im gelben Feld der Hirte im braunen Umhang. Er wacht über die Herde, die unter seinem Blick vor ihm weidet. Die linke Hand umfaßt fest den Hirtenstab, der ein Schaf abschirmt von der sich von rechts nähernden Gefahr in Gestalt eines grauen Wolfes. Die Herde ahnt nichts von der Gefahr, am wenigsten das Lamm, das der Hirte im Arm hält. Vielleicht ist es krank oder verletzt oder noch zu schwach; der Hirte jedenfalls faßt es behutsam an und hält es fest. Ein Schaf schaut zu dem Hirten auf, vielleicht das Muttertier des Lammes auf dem Arm des Hirten. Und auch ein kleines Lämmchen in der Mitte der Herde springt fröhlich in Richtung auf den Hirten hin. Keiner hat Angst, sie fürchten keine Gefahr, auch die anderen Schafe grasen friedlich, es ist genug zu fressen da und auch reichlich Wasser. Sie wissen alle: Wir haben einen guten Hirten, der für seine Herde sorgt, sie bewacht und beschützt.

Bild 2: Nun wissen wir, wer mit dem guten Hirten gemeint ist, von dem wir vorhin aus der Bibel gehört haben. Im gelben Feld steht jetzt in der Form eines Kreuzes und im weißen Gewand - Jesus! Auch seine Augensind weit und wachsam geöffnet, die Arme schützend und segnend ausgebreitet. Er ist schützend und helfend unsichtbar am Werke beim Mittagstisch, am Krankenbett, beim Spielen (dreifach), in der Schule. Überall ist Jesus mit dabei, vor uns oder hinter uns.

Bild 3: Nun sitzt Jesus und hat auf dem Schoß ein kleines Kind. Zwei größere Kinder, ein Junge und ein Mädchen, treten zu Jesus heran und begeben sich in den Schutz seiner Liebe. Sein einer Arm umfängt aber auch die Taufe eines Kindes (Taufstein, Kind, Pfarrer, Eltern, Paten). Jesus hat alle Kinder lieb und will sie bei sich haben. Das wurde den Eltern und Paten bei der Taufe gesagt. Nun sollen die inzwischen herangewachsenen Kinder etwas Näheres darüber im Religionsunterricht erfahren.

Bild 4: Jesus steht immer noch im gelben Feld. Aber von links nähert sich ein schwarzes Ungeheuer, dessen Ober- und Unterkiefer aus Lanzen bestehen, die gegen Jesus gerichtet sind. Da kommen Menschen, die den guten Hirten Jesus verhaften wollen. Er streckt ihnen auch willig seine rechte Hand hin und läßt es geschehen.

Den linken Arm aber hält er weiter schützend über die Kinder, die zum Gottesdienst kommen. Er scheint ohne Macht zu sein, und hat doch alle Macht, die Seinen zu bewahren(diese Liedstrophe wurde dazu gedichtet).

Bild 5:  Das gelbe Feld ist gezackt, Jesus ist am Kreuz (Haupt geneigt, Nägel). Zwei Jungen umarmen sich als gute Freunde, ein Mädchen zeigt dem Geschwisterchen den Gekreuzigten, ein Junge hilft einer alten Frau einen Wagen schieben. Daß wir das können, hat Jesus durch seinen Tod erreicht. Doch zwei Jungen prügeln sich immer noch (Fußtritt, Faust); sie benehmen sich nicht so, wie es nach Jesus möglich und gefordert ist.

Bild. 6: Jesus sitzt als der Auferstandene vor dem gelben Kreuz, die Schrift auf den Knien und die Augen auf den Beschauer gerichtet. Unsichtbar ist er immer da, lehrend und hörend, wenn wir bei Tisch oder vor dem Zubettgehen beten, wenn wir aufmerksam im Religionsunterricht hören, wenn wir uns die Worte Jesu einprägen und lernen, wenn die Mutter uns vorliest aus einem christlichen Buch, wenn der Vater im Garten uns die Blumen als wunderbare Gabe Gottes zeigt, wenn wir zum

Kindergottesdienst gehen.

Zwischen den einzelnen Bildern wird jeweils eine Liedstrophe gesungen, nach der Predigt wird noch einmal das ganze Lied gesungen.

Bei der Erläuterung der Bildtafeln dürfen einzelne Kinder vorkommen, sich die kleinen Bilder ansehen und sagen, was dargestellt ist. Dabei soll deutlich werden, daß diese Alltagswelt der Kinder etwas mit Jesus und mit dem Glauben zu tun hat.

 

Predigt:

Wir haben gesagt: Jesus ist unser guter Hirte! Aber wie zeigt sich das nun in unserem Leben? Jesus kommt doch nicht mit einem großen Stock zu uns und wehrt alle bösen Feinde ab! Er hilft uns heute eben auf andere Art und Weise.

In einem Laden kann es oft passieren, daß die Kinder beiseite geschoben werden. Viele Erwachsene sagen: „Die Kinder haben doch Zeit, die können warten!“ Dabei haben sie genauso wenig Zeit wie die anderen auch: Sie haben Schule, müssen Hausaufgaben machen, wollen zu Hause helfen und wollen natürlich auch noch einmal spielen können. Wer aber steht so einem Kind bei, wenn es von den Erwachsenen verdrängt wird? Vielleicht sagt die Verkäuferin: „Nein, bei mir geht es der Reihe nach; auch die Kinder kommen dran, wenn sie an der Reihe sind!“ Dann ist die Verkäuferin der gute Hirte für das Kind. Vielleicht weiß sie gar nichts von Jesus und geht nicht zur Kirche. Aber sie hat gehandelt, wie Jesus auch gehandelt hätte. Jesus hilft uns nicht mehr selber, sondern durch andere Menschen.

Das bedeutet zweierlei: Einmal dürfen die Kinder wissen, daß sie nicht in dieser oft kinderfeindlichen Welt verlassen sind. Es gibt immer Menschen, die etwas von dem begriffen haben, was Jesus wollte und die dann zum Helfer und Beschützer der Schwachen werden. Kein Kind braucht sich in dieser Welt einsam und allein zu fühlen Zweitens aber bedeutet das eine Aufforderung an die Erwachsenen, zu solchen guten Hirten zu werden. Es ist gar nicht so schwer, im Sinne Jesu und als sein Jünger zu leben. Das eben erwähnte kleine Beispiel macht es deutlich. Wir brauchen eben solche erwachsenen Christen, die ihre Aufgabe heute erkennen und mit kleinen Schritten sie zu verwirklichen beginnen.

Wie können wir nun den guten Hirten vom bösen Wolf unterscheiden? Im Johannesevangelium haben wir gehört: Der wahre Hirte kommt nicht auf Schleichwegen, sondern durch die Vordertür. Wer uns frei und offen begegnet, der kann keine bösen Absichten haben. Wer aber hinterhältig ist, hinter unserem Rücken redet und uns nicht offen in die Augen sehen kann, der verdient unser Vertrauen nicht. An unsrem Lebensweg und an dem unsrer Kinder werden immer wieder solche Wölfe auftreten, die sie aus der schützenden Herde rausreißen wollen.

[Erläuterungen aus der Zeit der DDR: Man hört zur Zeit wieder von verschiedenen Orten, daß die Kinder in der Schule wegen ihres Glaubens und wegen ihrer Teilnahme an Christenlehre und Konfirmation regelrechten Verhören ausgesetzt sind. Das ist zwar ungesetzlich, aber es soll damit erreicht werden, das eine oder andere Glied aus der Herde herauszubrechen.

Man sagt dabei sogar ganz offen: „Wir wollen nur prüfen, wie weit es mit dem Glauben der Betreffenden bestellt ist. Ob sie nur deshalb an der Konfirmation teilnehmen, weil die Oma ihnen ein Fahrrad als Geschenk versprochen hat oder ob es ihnen Ernst mit dem Glauben ist!“ Das ist eine schwerwiegende Verleumdung, die Kinder nähmen nur wegen solcher Geschenke an der Konfirmation teil.

Dabei ist es doch eher umgekehrt: Sie nehmen doch nur an anderen Dingen wie der Jugendweihe teil, weil ihnen sonst schwere Nachteile angedroht worden sind. Christenlehre und Konfirmation dagegen sind völlig freiwillig. Kein Kind kann dazu gezwungen werden, selbst wenn Eltern und Großeltern auf es einreden. Wir erleben es ja immer wieder einmal, daß es die Eltern sehr gern sähen, aber das Kind eben doch nicht mitmacht.

Sie, liebe Eltern, und ihr, liebe Kinder, seid natürlich durch solche            Angriffe und Vorwürfe herausgefordert. Beweist durch eure Worte und euer Verhalten, daß ihr es ernst meint. Haltet fest zusammen, laßt keinen weggehen, und haltet euch zu dem guten Hirten Jesus Christus]

Unter der Stadt Rom gibt es seit dem Altertum unterirdische Gänge, in denen die Christen sich versteckt haben, als sie noch vom Staat verfolgt wurden. Dort haben sie sehr oft ihren Herrn Jesus Christus als einen kräftigen jungen Hirten dargestellt, der ein Schaf auf den Schultern trägt. Damit haben sie allen immer wieder gesagt: „Wir brauchen uns vor nichts zu fürchten, denn wir haben einen guten Hirten, der uns beschützt!“

Ich will damit nicht sagen, daß wir schon wieder in einer Zeit der Christenverfolgung leben. Ihr Kinder tut nichts Unrechtes und nichts Verbotenes, wenn ihr zur Christenlehre kommt. Die freie Religionsausübung ist jedermann zugesichert. Ihr braucht euch nicht zu schämen und nicht zu verstecken mit eurem Glauben. Aber es wird alles darauf ankommen, ob ihr euch zu dem guten Hirten Jesus Christus haltet. Seit der Taufe gehört ihr zu ihm. Damals hat er euch mit eurem Namen gerufen und ihr kennt nun seine Stimme. Sie kann euch heute nun so vertraut werden, wie die Stimme eurer Eltern. Die würdet ihr ja auch aus allen anderen Stimmen heraushören und würdet ihr folgen. Die Eltern warnen ja nicht nur oder geben gute Ratschläge, sie fordern auch einmal etwas. In jedem Fall muß man auf sie hören.

So will auch Jesus etwas von uns, wenn er uns ruft. Es wird alles darauf ankommen, daß auch wir seine Stimme hören und kennen. Religionsunterricht und Konfirmandenunterricht wollen dabei helfen.

Aber auch als Erwachsener lernt man ja nie aus. Alle, die Großen und die Kleinen, sind zu dem guten Hirten Jesus Christus gerufen, der uns vor Gefahren schützt und uns das gibt, was wir zum Leben brauchen.

 

 

Ananias und Saphira: Apg 4, 32 - 5, 11     

Anspiel:          

Im Altarraum ist die Staffelei für die Tafel aufgebaut. Eine kleine Tafel ist raufgesetzt, auf der mit Kreide die Rippen eines Menschen angedeutet sind. Oben dran steht ein Schild „Röntgen“. Zunächst wird erklärt, wozu ein Röntgenapparat da ist und wie er funktioniert (Krankheiten rechtzeitig erkennen. Strahlen gehen durch den Körper, Knochen, Organe und Unregelmäßigkeiten sind nachher auf dem Bildschirm zu erkennen).

Einige Leute (Kinder) werden vor die Platte gestellt. Kommandos: „Stillstehen - Luftanhalten - Danke! - Der Nächste bitte!“ Es werden auch einige nach vorne gerufen, die nicht darauf vorbereitet sind (für den Notfall kann man doch jemanden dafür einteilen). Einer sträubt sich und will sich nicht in den Apparat stellen.

Erwägungen: Warum haben viele Leute Angst, zum Röntgen zu gehen? Sie wollen ihr Inneres nicht fotografieren lassen, weil sie befürchten, es könnte sich dabei eine schlimme Krankheit in ihrem Inneren zeigen. Dabei wäre es doch nur gut, wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt würde, denn nur so kann sie geheilt werden. Aber so sind wir Menschen eben: Wir wollen niemanden an unser Inneres heranlassen.

 

Gibt es denn nun einen Apparat, der auch unsre Gedanken lesen kann? Ein kleineres Kind wird geholt und der Kopf „geröngt“. Aber es zeigt sich kein Ergebnis (Leere Tafelseite nach vorne drehen). Es gibt zwar Lügendetektor und Wahrheitspillen, aber im Grunde kann niemand in einen anderen Menschen hineinsehen.

Nur Gott kennt unser Herz. „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an!“ heißt es einmal in der Bibel. Gott sieht auch all das Böse, das wir denken und vorhaben. Er sieht es, wenn wir uns oder anderen etwas vormachen. Wenn wir die Mutter belügen, dann belügen wir auch Gott. Aber Gott will, daß wir ehrlich sind.

Sonst deckt er unsere Schuld auf wie mit einem Röntgenapparat.

Wir wollen nun sehen, wie die Lüge auch in die erste christliche Gemeinde einbrechen will, wie Gott sie aber rechtzeitig erkannt hat und die Gemeinde wieder geheilt hat:

 

Spielsszene: (A = Ananias, S = Saphira, P = Petrus)

A.: Saphira, hast du gesehen, wie sie alle Augen machten, als Barnabas das Geld brachte?

S.: Ja, Ananias. Und Petrus hat ihn vor allen Leuten gelobt, weil er das fertiggebracht hat.

A.: Dabei war es sein einziger Acker: Er hat ihn verkauft und das Geld der Gemeinde gespendet, damit die Armen davon unterstützt werden.

S.: Und sicherlich denken alle: Das ist aber ein frommer Mann!

A.: Wir haben doch auch noch einen Acker draußen vor der Stadt. Den könnten wir doch auch verkaufen und das Geld spenden.

S.: Aber wovon sollen wir leben, wenn einmal schlechte Zeiten kommen? Wir brauchen doch wenigstens noch einen Rückhalt für alle Fälle.

A.: Ach, kommt Zeit, kommt Rat. Schlimmstenfalls wird uns die Gemeinde dann auch unterstützen.

S.: Ich habe eine andere Idee: Wir machen Halbe -Halbe!

Die eine Hälfte behalten wir einfach für uns. Es merkt ja keiner, wieviel Geld der Acker in Wirklichkeit eingebracht hat.

A.: So könnten wir doch wenigstens vor den Leuten glänzen und hätten auch noch etwas für uns.

(Orgelzwischenspiel)

A. Petrus, hier bringe ich das Geld, mit dem du die Armen in der Gemeinde unterstützen kannst. Wir haben einen Acker verkauft und wollen das ganze Geld der Gemeinde spenden.

P.: Ananias, warum hat das Böse so dein Herz erfüllt, daß du Gott zu belügen versuchst und einen Teil des Geldes beiseite geschafft hast? Du hättest doch den Acker behalten können. Keiner hat dich zu dem Verkauf gezwungen. Du kannst natürlich mit dem Geld machen, was du willst. Wir hätten uns auch gefreut, wenn du gesagt hättest: Hier bringe ich die Hälfte! Wie ist das bloß alles in dein Herz gekommen? Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott.

A.: (bricht mit einem Schrei zusammen und wird nach draußen getragen).

(Orgelzwischenspiel)

S.: Ich will doch einmal sehen, wo mein Mann so lange bleibt. Ob sie ihn wohl auch so gelobt haben wie vor einer Woche den Barnabas? n (kommt zu Petrus:) Guten Tag, ist mein Mann noch hier?

P.: Saphira, sag mir, habt ihr den Acker wirklich nur für die 200 Euro verkauft, die dein Mann gebracht hat?

S.: Natürlich mehr haben wir nicht gekriegt!

P.: Warum habt ihr euch nur verabredet, den Geist des Herrn zu prüfen? Die Männer, die deinen Mann begraben haben, stehen noch vor der Tür. Sie werden auch dich tot hinaustragen (stürzt nieder, wird hinausgetragen).

P.: Gott ist bei uns. Er will seine Gemeinde rein halten von solchen Leuten:

Predigt:

„Wenn ein Kind gelogen hat, dann erscheint ein schwarzer Fleck auf der Stirn oder es wachsen ihm Hörner aus dem Kopf!“So sagen die Erwachsenen immer, aber selber gesehen hat man es noch nicht. Es ist eher so, daß das Kind dann im Gesicht rot wird und aufgeregt und daß man ihm auf die Art die Lüge ansieht. Kinder können sich ja zum Glück nicht so leicht verstellen und sind deshalb auch schlechte Lügner.

Ihr Kinder habt auch längst gemerkt, daß sich lügen nicht lohnt. Die Eltern und die Lehrer kriegen es irgendwann doch einmal heraus. Es ist schon so, wie es im Sprichwort heißt: „Lügen haben kurze Beine!“ - man kommt nicht weit damit.

Aber vielleicht habt ihr auch schon gemerkt, daß die Erwachsenen ja manchmal selber lügen. Und sie sind manchmal so kaltblütig, daß man es nicht merkt. Da wird dann keiner rot oder aufgeregt, sondern sie tun so, als sei das die reine Wahrheit.

Vor allen Dingen ist es schlimm, wenn Eltern ihre Kinder anlügen. Wenn sie etwa sagen: „Wir gehen heute abend nicht fort!“ und dann gehen sie doch. Daraus ist oft schon schweres Unheil entstanden. Oder sie sagen nicht nichtig, wie das mit Geburt und Tod ist oder auch, was es mit Weihnachten und Ostern auf sich hat.

Gott aber kennt alles, was wir tun und sagen. Er durchschaut uns oft besser, als wir es selber können. Vor ihm können wir nichts verbergen, er sieht auch in den letzten Winkel unseres Inneren hinein. Auch wenn wir ganz allein zu sein meinen, ist er doch mit dabei.

Das wird uns ja auch an der Geschichte von Ananias und Saphira deutlich. Viele Gemeindeglieder werden den Betrug gar nicht durchschaut haben. Sie werden das Ehepaar gelobt haben und gedacht haben: „Das sind aber fromme und hilfsbereite Leute. Ja, so schnell kann man einen falschen Schein erwecken!“

Nur Petrus durchschaut die ganze Heuchelei. Doch das liegt nicht daran, daß er etwa besser beobachtet hätte, vielleicht doch eine leichte Röte im Gesicht der beiden oder eine Unruhe in den Augen bemerkt hätte. In Petrus ist vielmehr der Geist Gottes, der Heilige Geist, lebendig.

Der öffnet ihm auch die Augen für die falschen Beweggründe dieses Ehepaares. Aus eigener Kraft hätte Petrus nichts merken können. Da wäre es ihm so gegangen, wie den anderen auch. Da hätte er sich täuschen lassen. Nur mit Gottes Hilfe kommt er dahinter.

Was ist das für eine geheimnisvolle Kraft, die einem Menschen solche Möglichkeiten gibt? Mit Zauberei hat es jedenfalls nichts zu tun. Und ein besonderer Scharfsinn steckt auch nicht dahinter. Aber hier ist Gott selber am Werk. Die ganze Apostelgeschichte handelt vom Wirken des Geistes Gottes.

Er hat die Gemeinde gesammelt und gegründet und hält sie zusammen. Er bewirkt Krankenheilungen in ihr und verhindert, daß sie unterdrückt wird. Er ist in den Gottesdiensten lebendig und wirkt sich bei der Arbeit der Christen aus. Und nun zeigt sich an dieser Geschichte, daß er auch fähig ist, die Gemeinde Gottes rein zu

halten von unsauberen Elementen.

Was war denn das Schlimme, das Ananias und Saphira getan haben? Nun, sie haben nicht nur gelogen, sondern sie haben auch ihr Herz geteilt: die eine Hälfte sollte Gott gehören, über die andere wollten sie allein verfügen. Deutlich wird das am Geld: Den einen Geldbeutel behalten sie für sich, den anderen wollen sie großherzig spenden.

Damit haben sie aber gegen das erste Gebot verstoßen, in dem es heißt: „Du sollst nicht andere Götter haben neben mir!“ Luther hat das erläutert mit dem Satz: „Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen!“ Dieses Ehepaar aber hat nicht genügend Vertrauen zu Gott. Es vertraut auch noch auf sein Geld.

Natürlich muß man auch einmal mit schlechten Zeiten rechnen. Man kann auch nicht so einfach in den Tag hinein leben. An sich sind die zwei nach menschlichen Maßstäben betrachtet gar nicht so dumm, wenn sie für die Zukunft vorsorgen.

Aber sie vergessen dabei, daß Gott es ist, der jeden erhält. Kein Mensch kann sein Leben sichern, und schon gar nicht mit Geld. Ananias aber und Saphira mißtrauen der Macht Gottes. Sie meinen, er könnte im entscheidenden Augenblick doch versagen und sie allein lassen. Deshalb wollen sie noch eine andere Sicherheit behalten. Sie bringen es nicht fertig, sich ganz auf Gott zu verlassen und allein an ihn zu glauben.

Dazu kommt als Zweites ihre Heuchelei. Sie haben kein Gottvertrauen, wollen aber den Anschein erwecken, als hätten sie es. Sie tun so, als stünden sie jetzt mittellos da und seien auf die Gnade und Barmherzigkeit Gottes und der Gemeinde angewiesen, und dabei haben sie zu Hause ihr Geld liegen, das ihr Gott ist. Und so haben sie ihr Herz geteilt und dabei beides verloren: Gott und das Geld!

Gott kann solche Leute in seiner Gemeinde nicht gebrauchen. Er erkennt sofort, was faul ist und was die ganze Gemeinde verseuchen würde. Deshalb muß er gleich von Anfang an hart durchgreifen und diesen Krankheitsherd ausscheiden, sonst könnte es zu spät sein. Um zwei Dinge geht es also: erst erkennen und dann ausscheiden. Das aber ist nur Gott möglich.

Denken wir wieder an den Röntgenapparat: Er durchleuchtet einmal den Menschen und erkennt so die Krankheit. Aber zum anderen können die Röntgenstrahlen auch in vielen Fällen dann Heilung bringen, indem sie das kranke Gewebe verbrennen, damit das gesunde wieder die Oberhand gewinnen kann.

Dieser Vorgang vollzieht sich sicherlich auch noch heute in der christlichen Gemeinde, wenn auch wohl kaum noch unter so dramatischen Umständen wie bei Ananias und Saphira. Auch heute noch gibt es Vieles Kranke in der Gemeinde, das ausge­schieden werden muß, damit sie eine Gemeinde nach dem Willen Gottes ist.

Doch vergessen wir nicht: Nicht wir sind die Richter, sondern allein Gott. Wir brauchen ihm nicht nachzuhelfen, er schafft es schon alleine. Deshalb sollten wir uns über keinen unserer Mitchristen überheben und ihm vorwerfen, was er falsch gemacht hat. Wir sollten aber auch keinen zu sehr bewundern. Es macht jeder einmal Fehler, auch einer, der in den Augen der anderen vielleicht ein hundertprozentiger Christ ist.

Wir sollten uns aber auch freuen, wenn wir mit gutem Gewissen zu dieser Gemeinde gehören dürfen. Gott will uns ja in der Gemeinde behalten, in die wir durch die Taufe gekommen sind. Er will nicht, daß wir absterben, sondern ein lebendiges Glied in dieser Gemeinde sind. Deshalb wollen wir ihn immer wieder bitten, daß wir so leben können, wie es sich in seiner Gemeinde gehört. Wir wollen ihn bitten, daß wir unsre Fehler rechtzeitig erkennen und abstellen können, und daß er uns erhalten möge, auch wenn einmal etwas schief gelaufen ist.

 

 

 

Die Einsetzung der sieben Armenpfleger: Apg 6,1 - 7 (Version 1)

Einstieg:

Von den Glocken läutet eine noch etwas länger, die Orgel schweigt noch:

Einzelner: Die Glocke ruft: Kommt alle her,

   wir brauchen eure Hilfe sehr!

   Kommt, kommt! Helft alle mit! Kommt, kommt helft alle mit!

Chor    :   Was sollen wir denn tun?

Einzelner: Der Altar soll geschmückt sein! (einer stellt Blumen auf den Altar)

Chor    :   Ist das wohl schon alles?

Einzelner: Zündet auch die Kerzen an, die Lichter sollen brennen.

Chor    :   Ist das wohl schon alles?

Einzelner: Was werden wir heut singen,

   die Lieder müssen klingen,

   steckt drum jetzt die Nummern an,

   daß es jeder sehen kann.

Chor    :   Ist das wohl schon alles?

Einzelner: Die Bibel legt auf den Altar,

   so wie es doch schon immer war.

Chor    :   Ist das wohl schon alles?

Einzelner: Die Agende tut auch noch dazu

    und dann beginnen wir im Nu.

Chor    :   Ist das wohl schon alles?

Einzelner: Kommt, laßt uns fröhlich loben Gott und den Herren Christ,

    daß er für uns auf Erden der Heiland worden ist.

   Lobet Gott, lobet Gott, der uns hilft aus aller Not.

Eingangslied: Lobe den Herren        

 

Überlegung:

Wir stellen uns einmal vor: Was würde daraus werden, wenn unsre Arme und Beine zum Magen sagten: „Wir machen das nicht mehr mit. W i r müssen arbeiten und d u bekommst das ganze Essen! Wir tun nichts mehr für dich!“ Das ginge nicht lange gut und der ganze Körper würde schwach und krank. Denn der Magen könnte nun den anderen keine Kraft mehr zuführen, die Beine würden den Körper nicht mehr tragen, die Hände könnten nicht mehr schaffen und der Kopf nicht mehr denken. Nur weil sie sich nicht einig sind, käme eine große Unordnung und alle hätten den Schaden davon.

Wenn aber ein Glied für das andere arbeitet, wenn die Hände den Magen ordentlich füttern und der Magen die Hände mit Kraft versorgt, dann ist allen geholfen und alles funktioniert wunderbar, dann kann der ganze Leib gesund sein und wachsen. So ist das auch bei einer christlichen Gemeinde: Sie ist wie ein Leib. Sie kann nur leben, wenn alle Gemeindeglieder füreinander da sind. Entweder werden sie miteinander leben oder sie werden miteinander sterben.

Doch in der Gemeinde in Jerusalem war auch etwas nicht in Ordnung. Die allein­ste­henden Frauen, deren Mann gestorben war, beschwerten sich. Es gab also Span­nungen unter den Christen in Jerusalem, so wie es in jeder Familie einmal zu Schwie­rigkeiten kommt.

Streitigkeiten sind nicht schlimm; es kommt nur darauf an, wie und wie schnell man sie aus der Welt schafft. Wenn ein Kind böse war und die Mutter geschimpft hat, dann wünscht es sich doch nur eins: die Mutter möge bald wieder gut sein.

So wollten auch diese Frauen in Jerusalem, daß möglichst bald wieder alles gut wird. Sie verzichteten nicht stillschweigend, sondern sagten schon, wo ihnen der Schuh drückt: „Warum werden wir nicht besucht, warum kommen wir zu kurz?“

Es war nur gut, daß sie sich meldeten (so wie unsere Priska in der Szene vorhin), denn nur so konnte es anders werden. Schließlich ließen sich solche Mißstände ja abstellen, die Apostel mußten es nur erst wissen. Die Frauen haben nicht hintenherum böse Dinge geredet - wie das bei uns so oft ist - sondern sie haben sich gleich an die nichtige Stelle gewandt.

Die Apostel handelten auch gleich. Der Riß in der Gemeinde ist bald wieder geheilt worden. Man hat keine große Gerichtsverhandlung veranstaltet und gefragt: „Wer ist schuld daran?“ Nein, alle stellten sie sich unter das Gebot Jesu: „Du sollst Gott deinen Herrn lieben, und deinen Nächsten wie dich selbst!“

Sie sagten aber auch sehr nichtig: „Gottesdienste und Gemeindeabende, Unterricht und Jugendarbeit, Taufe und Abendmahl müssen unter allen Umständen weitergehen!“ Denn ohne Gebet und Gottes Wort geht die Gemeinde kaputt. Man kann nicht sagen:“Eine Predigt hält für eine Weile vor. So ab und zu einmal Gottesdienst, das genügt!“ Wir sagen ja auch sonst nicht: „Wenn ich alle paar Wochen oder Monate esse und trinke, dann genügt das!“ Da hätten wir bald einen ganz schönen Hunger und müßten verkümmern, wenn wir nichts äßen.

Man kann auch nicht auf Vorschuß beten und sagen: „Nun hat es wieder eine Weile Zeit!“ Es kommt ja auch sonst keiner auf den Gedanken, den Strom für ein Vierteljahr abzustellen. Es will doch jeder an jedem Tag Licht haben. So braucht auch jeder in jeder Woche Gottes Wort und Gebet. Das wußten die Apostel und deshalb handelten sie rasch.

Andererseits wußten sie aber auch: „Genauso nötig ist die Liebe zu den Menschen, die Hilfe für die notleidenden Gemeindeglieder. Diese tätige Liebe ist der Motor, der die Kirche in Bewegung hält. Ohne diese Liebe, ohne Besuche der Kranken, Alten und Einsamen, und ohne Unterstützung der Armen bleibt die Kirche stehen wie ein abgehängter Anhänger: Er kann höchstens bergab rollen, aber nie bergauf! Aber wir sollen und wollen doch hinaufkommen.

Auch heute kann man die Klage hören: „Mich besucht keiner, ich weiß nie etwas!“ Ja, wer soll denn so einen Menschen besuchen? Ach, wir haben doch den Pfarrer! Gewiß, der tut sicher manches. Aber er kann auch nicht sagen: „Heute kann ich einmal keinen Gottesdienst halten, ich muß erst drei alte Leute besuchen, die heute Geburtstag haben!“ Der Gottesdienst muß sein. Und so gibt es vieles, die ganze Woche über, das unbedingt getan werden muß, aber die Alten kommen dann zu kurz. Mit anderen Worten: Der Pfarrer schafft auch nicht alles!

In Jerusalem haben sie damals einen Ausweg gefunden: Sie haben einfach mehr Leute angestellt. Sieben Männer erhielten den Spezialauftrag, für die armen Witwen zu sorgen. So wurde der Leib der Gemeinde wieder gesund und konnte wachsen. Gott gibt seinen Segen zu der Entscheidung der Gemeinde, denn immer mehr Menschen kommen zu ihr, um zu Jesus zu gehören. Damals haben sie wenigstens Leute gefunden, die bereit waren mitzuhelfen. Ob wir heute wohl sieben Männer oder Frauen fänden, die zu solch einer Aufgabe bereit wären?

Bei so einer Sache gibt es keine Ehren einzuheimsen. Man sieht auch keine großartigen Leistungen und Erfolge, sondern vieles geschieht im Verborgenen, wo es nur Gott sieht. Manchmal gibt es auch eine Enttäuschung neben so mancher Freude, die man haben kann

Doch es muß keiner ins tiefe Wasser gehen, ehe er schwimmen kann. Wer Kranke pflegen will, der kann das zum Beispiel in einer Krankenpflegeschule lernen. Wer sich gern um Kinder oder Jugendliche kümmern möchte, der kann dazu ausgebildet werden. Aber neben den Krankenschwestern und Katecheten usw. braucht die Gemeinde auch noch solche Leute, die Aufgaben übernehmen, die außerdem noch zu bewältigen sind.

Natürlich kann man dazu auch nicht jeden nehmen. Als Voraussetzungen für ein solches Amt werden hier genannt: Ein guter Ruf in der Gemeinde und ein ordentliches Leben; außerdem muß es ein Mensch sein, der auf Gott hört und zu ihm betet; und schließlich soll er voll Weisheit und Gehorsam sein, etwa so wie Salomo.

Nicht nötig ist aber, daß man dazu erst ein alter Mann werden muß. Es geht nicht darum, wie alt man ist. Auch ein kleines Kind kann schon ein Helfer in der Gemeinde sein, indem es etwa andere zum Gottesdienst einlädt oder schriftliche Einladungen austrägt oder hier im Gottesdienst mitwirkt.

Wir wollen zum Schluß noch einmal eine kleine Spielszene hören, in der deutlich wird, wie auch schon ein kleines Kind den anderen helfen kann. Wir wollen dazu gleich unser Gesangbuch aufschlagen und den Text des Wochenliedes mitlesen, das wir dann gleich singen wollen:

Kleine Spielszene: Am Montagmorgen in der Schule:

„Was habt ihr gestern gemacht?“- „Baden! Kino! Fernsehen!“

„Ich war auch zum Kindergottesdienst!“

„Da gehe ich nicht gern hin; ich kann die Schrift im Gesangbuch nicht lesen!“

„Komm, da üben wir das einmal. Ich lese vor und du probierst es dann auch einmal. So mache ich es auch immer mit meinem kleinen Bruder (Sie lesen den Text des Wochenliedes, das dann gesungen wird)

 

 

Die Einsetzung der sieben Armenpfleger: Apg 6,1 - 7 (Version 2)

Anspiel:

Zwei der späteren Armenfürsorger untersuchen die Frage mit den Witwen. Personen: Timon und Prochor, zwei griechisch sprechende Christen, und die Witwe Priska.

 

Prochor: Friede sei mit dir, Timon! Schön, daß ich dich wieder einmal treffe. Wo kommst du denn her?

Timon: Der Herr sei mit dir, Bruder Prochor! Ich war bei der alten Julia. Du weißt doch, sie ist krank. Das eine Bein will nicht mehr so recht. Sie ist auch jetzt schon über siebzig!

Prochor: Ja, sie war schon lange nicht mehr zum Gottesdienst. Sonst kam sie doch jedesmal.

Timon: Ja, die gute Julia war auch etwas verärgert. Und ihre Klage stimmt genau mit der von Diana überein: Es bringt ihnen keiner mehr aus der Gemeinde einmal eine Kleinigkeit zum Essen. Dabei ist es doch immer so gewesen, daß wir gerade die Witwen fast täglich mit kleinen Unterstützungen bedacht haben!

Prochor: Aber ich war doch gestern bei Salome. Die wohnt in der gleichen Straße wie Julia. Sie bedankte sich überschwenglich, denn man habe ihr wieder Brot und Feigen geschickt!

Timon: Sollte man denn die anderen vergessen haben? Wir fragen am besten noch einmal bei Priska nach, die wohnt doch gleich hier in der Nähe! (Sie gehen ein Stück).

Prochor: Friede sei mit dir, Priska! Wie geht es dir denn?

Priska: Ach danke, ganz gut. Man kommt so durch. Freue mich ja, daß gleich zwei von der Gemeinde mich besuchen. Da kann ich auch gleich einmal etwas fragen: Sagt mal: Wann gibt es denn wieder einmal etwas? Ihr wißt schon, was ich meine. Wir Witwen kriegten doch immer einmal etwas von der Gemeinde!

Timon: Wie, hast du denn in der letzten Zeit auch nichts mehr bekommen. Wir haben das schon wiederholt gehört!

Priska: Ja, sie geben die guten Sachen nämlich nur noch ihren Witwen, den Einheimischen. Aber wir Zugezogenen kriegen nichts mehr. Das ist nicht recht, meine ich. Das ist nicht gut!

Prochor: Da hast du recht. So geht das nicht! Wir werden mit den Aposteln darüber reden

Priska: Aber ob es etwas hilft, das weiß ich nicht. Wir sprechen eben Griechisch und werden niemals Einheimische!

Timon: Wir sind alle Schwestern und Brüder, Priska. Das hat Jesus gesagt, erzählt Petrus doch immer. Einer ist euer Meister, ihr aber seid alle Brüder, hat er gesagt. Gott will bestimmt nicht, daß ein Unterschied in der Gemeinde gemacht wird. Wir werden einmal in der Gemeindeversammlung darüber sprechen!

 

Lesung:

Die Kinder stellen dazu das Geschehen dar:

Als die erste Christengemeinde                    Zwei Gruppen von Kindern kommen in

in Jerusalem rasch wuchs                             den Altarraum, einige drohen,

 

da entstand eine Spannung zwischen           Zwei Gruppen bilden sich, die sich

den griechisch und den jüdisch                     voneinander abwenden

sprechenden Gliedern der Gemeinde

 

Die griechisch sprechenden                          Eine Gruppe hält leere Schalen hoch

Gemeindeglieder warfen den                                   (bzw. Teller und Schüsseln), zum Teil

jüdisch sprechenden vor,                              halten sie sich den Magen

ihre Witwen würden bei der            

täglichen Verteilung der

Lebensmittel an die Bedürftigen

übergangen

 

Da beriefen die zwölf Apostel                       Zwei Apostel auf der Altarstufe winken       

eine Versammlung der ganzen                     die anderen heran.

Gemeinde ein und sagten:                            Alle kommen.

 

Es ist nicht in Ordnung, wenn                       Ein Apostel hält die Bibel vom Altar hoch

wir Gottesdienst und Predigt                       

vernachlässigen und für die                          Der zweite Apostel hält eine Schale hoch

Verteilung der Lebensmittel sorgen                                               

 

Seht doch zu, Brüder, daß ihr                                   Die Apostel wenden sich zum Altar

sieben Männer aus eurer Mitte                    (Bibel und Schale auf den Altar)

bestimmt, die in gutem Ansehen

stehen, denen man anmerkt, daß

sie Christen sind, und die

einen nüchternen Sinn haben

für das Rechte und Notwendige.

Die wollen wir mit dieser Aufgabe

betrauen, wir aber wollen uns

ungeteilt mit den Gottesdiensten

und der Auslegung des Wortes

Gottes befassen

 

Der Vorschlag wurde von der                       Sie gehen zu den Sieben und holen

ganzen Gemeinde einmütig                          sie vor den Altar

angenommen, und man wählte

Stephanus, einen Mann mit

festem Glauben, einen mit göttlichem

Geist erfüllten Christen,

ferner Philippus, Nikanor, Parmenas,

Prochor, und Nikolaus, der kein geborener

Jude war, aber in Antiochien zum

 jüdischen Glauben übergetreten war.

 

Diese Sieben schlug die Gemeinde               Der zweite Apostel gibt einige

den Aposteln vor.                                          gefüllte Brotkörbe in die Hände

der Armenfürsorger

sie legten ihnen unter Gebet die Hände                  

auf zum Zeichen der Einsetzung in ihr Amt

 

Das Wort Gottes aber breitete                     Die Apostel legen die Bibel zurück

sieh aus.                                                         auf den Altar

 

Die Gemeinde in Jerusalem wuchs               Dann gehen die Armenpfleger zurück

schnell ‚ und auch viele Priester                   auf ihre Plätze.

nahmen den christlichen Glauben an           Es folgen Gemeinde und Apostel.

 

Predigt:

a) Inder Gemeinde ist etwas nicht in Ordnung Grund damals: Die Witwen wurden vernachlässigt

Grundheute: Mich besucht keiner, ich weiß nie etwas

b) Was taten die Apostel? Wie wird. Wieder Ordnung?

Entscheidung: Bibel - Brotkorb. Die Gemeinde ist einverstanden

c) Wer kann ein Helfer in der Gemeinde sein?

Voraussetzung: Gutes Zeugnis (guter Ruf, ordentliches Leben).

 Voll Geist:(hört gut zu und betet zu Gott)

 Voll Weisheit (Gehorsam wie zum Beispiel Salomo).

Folge: Es kommen mehr Menschen zur Gemeinde, die zu Jesus gehören, ihm gehorchen und ihn bezeugen.

d) Das Alter eines Helfers ist nicht entscheidend!

 

 

Hoch auf dem gelben Wagen: Apg 8, 26 - 40

Psalm 68: „Der Sieg Gottes" in Auswahl:

Gott steht auf; so werden seine Feinde zerstreut,

und die ihn hassen, fliehen vor ihm.

Die Gerechten aber freuen sich und sind fröhlich vor Gott

und freuen sich von Herzen.

Singet Gott, lobsinget seinem Namen!

Macht Bahn dem, der durch die Wüste einherfährt;

er heißt Herr.

Freuet euch vor ihm!

Gottes Wagen sind vieltausendmal tausend;

der Herr zieht ein ins Heiligtum vom Sinai her.

Du bist aufgefahren zur Höhe

und führtest Gefangene gefangen;

du hast Gaben empfangen unter den Menschen;

auch die Abtrünnigen müssen sich, Gott, vor dir bücken.

Gelobt sei der Herr täglich.

Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.

Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet.

Aus Ägypten werden Gesandte kommen;

Mohrenland wird seine Hände ausstrecken zu Gott.

Ihr Königreiche auf Erden, singet Gott, lobsinget dem Herrn!

Er fährt einher durch die Himmel, die von Anbeginn sind.

Gebt Gott die Macht! Seine Herrlichkeit ist über Israel

und seine Macht in den Wolken.

Wundersam ist Gott in seinem Heiligtum; er ist Israels Gott.

Er wird dem Volke Macht und Kraft geben. Gelobt sei Gott!

 

Lied: „Hoch auf dem gelben Wagen“. Zunächst von der Orgel intoniert, dann wird der Text von verschiedenen Kindern erläutert:

(1.) Früher wurde der Personenverkehr nur mit Postkutschen durchgeführt. Zwei oder vier Pferde zogen eine gelbe Kutsche über Stock und Stein. Vorne auf dem Kutschbock saß der Kutscher, der auch als „Schwager“ bezeichnet wurde. Er trieb die Pferde zur Eile an und blies in jedem Ort auf seinem Horn, um seine Ankunft anzukündigen. In der Kabine hatten vier oder sechs Personen Platz. Das Gepäck wurde hinten auf dem Dach untergebracht. Das Lied, das wir jetzt singen wollen, beschreibt eine solche Reise mit der Postkutsche, durch die Felder und Wiesen, durch die grünen Ebenen und durch die goldenen Getreidefelder. Der Dichter des Liedes sitzt neben dem Kutscher und bedauert, daß er nicht länger bleiben kann, weil der Wagen immer weiter rollt.

(2.) Sie kommen in ein Dorf, wo gerade junge Leute um eine Linde herum tanzen. Musikanten sind dabei mit Flöte, Geige und der großen Baßgeige. Die jungen Leute lachen und freuen sich. Aber auch bei der Linde kann der Dichter nicht bleiben, denn die Kutsche rollt weiter.

(3.) Poststation war oft eine Gaststätte. Dort wurden die Pferde gefüttert. Und auch der Postillion, der Kutscher, konnte sich stärken. Aber bei der Postkutsche muß alles schnell gehen. In der „Schenke“, in der Gaststätte, werden die Pferde wie im Flug gefüttert. Der Dichter erhält vom Wirt einen Krug mit schäumendem Bier, das aus

guter Gerste gebraut ist. Hinter den Fensterscheiben sieht ein junges Mädchen hervor und lacht ihn an. Er wäre gerne noch geblieben. Aber die Kutsche rollt gleich wieder weiter.

(4) Zum Schluß denkt er daran, daß auch einmal die Reise durchs Leben zuende gehen wird. Dann wird statt des Kutschers der Tod in Gestalt eines Gerippes auf dem Kutschbock sitzen. Statt einer Peitsche wird er eine Sense in der Hand halten, statt des Posthorns eine Uhr,

ein Stundenglas wie eine Eieruhr, bei der der Sand vom oberen in den unteren Teil läuft. Und wenn der Sand ganz nach unter durchgerieselt ist, dann ist die Zeit abgelaufen. Dann bleibt nichts anderes übrig, als den Lieben „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Sie w o l l e n nicht mitfahren, sie k ö n n e n auch nicht mitfahren: Wenn einer sterben muß, dann geht er diesen Weg allein. Er wäre gerne noch geblieben, aber der Wagen der rollt.

 

Das Lied wird ohne Vorspiel gemeinsam gesungen, die Texte wurden vorher verteilt. Dabei wird ein großes hölzernes Wagenrad in die Kirche gerollt. Es wird an ein Podest gelehnt, auf dem ein Stuhl steht (dadurch soll die Kutsche in der nachfolgenden Erzählung angedeutet werden).

 

Deutung des Radsymbols:

Der rollende Wagen war uns Symbol für den Ablauf unsres Lebens, das unaufhörlich weitergeht, ob wir wollen oder nicht. Es kann ein Leben ohne Christus sein (und in dem Lied war ja von Christus nicht die Rede). Wer aber Christus als seinen Herrn gefunden hat, der hat ein geistliches Leben, weil Christus die Antriebskraft in ihm ist. Das können wir uns am Symbol des Rades deutlich machen.

Das Rad erhält seine Antriebskraft von der Nabe her. In unserem Leben ist Christus wie die Nabe eines Rades: er ist die Quelle der Kraft für das Leben eines Christen, er gestaltet das ganze Leben. Wenn der Mittelpunkt sich dreht, dann dreht sich auch das ganze Rad, dann kommt auch die Lauffläche in Bewegung. Mit dieser Lauffläche können wir einen Christen vergleichen, der seinem Herrn gehorsam ist und sich von ihm in Bewegung setzen läßt.

Die Speichen zeigen die Wege, auf denen die Kraft Christi das Leben eines Christen erreicht. Wir wollen hier nur einmal vier Speichen betrachten, die ein Kreuz bilden und die älteste Form des Rades darstellen. Die senkrechten Speichen betreffen unser Verhältnis zu Gott, die waagerechten das Verhältnis zu den Mitmenschen. Das Rad kann nur funktionieren, wenn alle Speichen vorhanden sind und sich an der richtigen Stelle befinden. Aber auch Lauffläche und Nabe müssen in Ordnung sein. In der Mitte des Rades ist übrigens ein Loch, in das die Achse des Wagens hineingesteckt wird. Es kann uns Hinweis darauf sein, daß wir Christus nicht sehen können. Aber soll auch für uns Geheimnis bleiben. Aber ohne ihn könnte das Rad nicht seine Aufgabe erfüllen.

Betrachten wir nun noch einmal die Speichen: Grundlage des Christenlebens ist das Wort, wie es in der Bibel geschrieben steht und uns von anderen Menschen erzählt wird. Das Wort Gottes hilft uns, so zu leben, wie es vor Gott recht ist, unser Leben unter seiner Leitung zu führen. Die Verbindung zu Gott hält das Gebet. Mit ihm dürfen wir uns immer wieder an Gott wenden, gerade auch in Zeiten der Not. Durch das Gebet erhalten wir Kraft, mit Gott in Verbindung zu bleiben.

Ein gehorsamer Christ sucht aber auch die Gemeinschaft mit anderen Christen. Er geht zum Gottesdienst und zum Religionsunterricht. Wir brauchen die gegenseitige Ermutigung und Ermahnung. Wer aber zur Gemeinde Christi gehört, der wird seinen Herrn auch gegenüber anderen Menschen bezeugen. Er möchte auch die Menschen erreichen, die Christus noch nicht kennen, sie mit in die Gemeinde ziehen und dann auch in Bewegung setzen [Der Wagen wird ein Stück durch die Kirche (auf der „Straße des Kämmerers“) gefahren].

 

 

Spiel zum Kämmerer: (Variante 1)

Einleitung (vom Altarplatz aus):

In ferner Zeit, in fremdem Land,

wo mittags hoch die Sonne stand,

da ließ ein Mann von seinem Wagen

sich weiter nach dem Süden tragen,

von Juda nach dem Mohrenland -

Äthiopien wird es heut genannt.

Seht hier die Straße, die er fährt,

und hört, wie der Fremde fröhlich wird!

 

1. Szene (im Mittelgang relativ hinten, Wagen wird ein Stück nach vorn gezogen, Kämmerer liest halblaut, stöhnt etwas)

Kämmerer:

Vom Land der reichen Königin

bis zu der Juden Tempel hin,

zurück dann die Straße durch Wüste und Sonne,

solch' Reise ist mühsam, fürwahr keine Wonne.

Zu Hause hab' ich viel Arbeit im Sinn,

weil ich Minister der Königin bin.

Ich sorge dafür, daß der nubische Staat

genügend Geld für seine Aufgaben hat.

Ich bin ein Kämmerer, ein mächtiger Mann,

auch meinem Wagen sieht man das an.

 

2. Szene (auf der Empore):

Philippus:

Ich heiße Philippus, bin führender Christ,

Apostel, reis' viel, weil das notwendig ist.

Ich erzähle den Leuten von Jesus, dem Herrn.

Ich möchte, daß alle recht viel von ihm hör'n.

Gott gibt mir Weisung, wohin ich mich wende.

Ein Engel sprach eben, ich möchte behende

zur Straße von Jerusalem nach Gaza gehn,

dort würde ich dann schon weitersehn.

Am Rande der Wüste, wer soll denn dort sein?

Doch ich gehe schnell los, denn was sein muß, muß sein.

 

3. Szene (Mittelgang, Wagen wird ein wenig nach vorn geschoben)

Kämmerer (liest flüsternd):

Wenn ich so fahre in meinem Wagen,

dann komm' ich ins Grübeln, Denken und Fragen.

Der Tempel der Juden, ihr Gott und ihr Buch -

ist das die Antwort, lohnt' mein Besuch?

 Ich bin unterwegs nach dem Sinn unsers Lebens,

nach wahrem Glauben, der nicht vergebens,

nach Werten, die ewig dauerhaft tragen,

nach Hoffnung, mit der man ein Leben kann wagen.

Ich habe im Tempel geopfert, gebetet,

ich habe mit vielen Juden geredet,

ich habe gespürt, daß dieses Volk

wohl zu Recht glaubt, daß Gott es erwählen wollt.

Ich denke, daß ich im jüdischen Land

gültiges Zeichen Gottes fand.

 

4. Szene (Mittelgang, ziemlich vorn, Wagen wird weiter nach vorn geschoben,

Kämmerer liest wieder leise, Philippus kommt von hinten, sieht sich um, entdeckt den Wagen, geht von hinten an ihn heran)

Kämmerer (liest jetzt laut):

„Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, ist er,

er öffnet auch seinen Mund nicht mehr.

Er wurde erniedrigt, erlitt das Gericht,

erhielt neues Leben - fern unserm Gesicht.“

Ich lese die Worte und kann nicht verstehen,

auf wen oder was sie sich könnten beziehn.

 

Kämmerer (nach hinten, relativ leise):

Der fremde Mann auf seinem Wagen

scheint mit dem Buch sich recht zu plagen.

Er liest in der Bibel aus alten Propheten.

Hier ist ganz sicher Erklärung vonnöten.

Gott schickt mich, daß ich dem fremden Mann

die Bibel verständlich machen kann.

 

5. Szene

Philippus:

Ich grüße dich, fremder und mächtiger Mann!

Sieh mich bitte nicht als zu aufdringlich an,

wenn ich dich frage, ob du verstehst,

was der Prophet schreibt, in dem du da liest.

 

Kämmerer:

Ich danke dir, Fremder, für deine Frage.

Ich kann's nicht verstehen, so sehr ich mich plage.

Ich brauch einen Helfer, der leitet und klärt,

was es bedeutet und wie es zusammengehört.

Steig herauf auf den Wagen, so bitte ich dich,

schau mit in das Buch, setz' dich hier neben mich!

Philippus steigt auf den Wagen)

 

Kämmerer:

Sag mir zunächst: Von wem spricht der Prophet,

von sich selbst und wie es mit ihm weitergeht?

Oder meint er einen anderen Mann?

Komm, fang mit deiner Erklärung an!

 

Philippus

Jesaja redet von Jesus Christ,

der als Mensch unter Menschen geboren ist,

und doch Gottes Sohn war, mit ihm ganz verbündet,

in Taten und Worten Gottes Nähe er kündet.

Er lebte die Liebe, die Gott nur kann geben,

erlitt bittren Tod und fand ewiges Leben.

Wir glauben als Christen an Jesus, den Herrn,

vertraun uns ihm an, hören sehr gern,

was er selbst uns an ewiger Wahrheit verkündet.

Die Taufe hat uns mit ihm eng verbündet.

 

6. Szene:

Kämmerer:

Ich hab schon so vieles gehört und gelesen -

und doch ist mir's bei deiner Rede gewesen,

als gäbst du die Antwort, die Gott nur kann geben.

Nun tut sich der Weg auf zum gültigen Leben!

Auch ich möchte Christ sein, und Jesus, dem Herrn

und seiner Gemeinde bald angehör'n.

Sieh, da ist Wasser, taufe mich dort,

daß ich nun ein Christ bin an meinem Ort!

 

Philippus:

Daß du meine Worte so schnell konntest verstehn,

das will ich als Zeichen von Gott her ansehn:

Er nimmt dich fremden und mächtigen Mann

als sein Kind und als Bruder von Jesus an.

(Beide steigen ab, gehen zum Taufstein. Beide sprechen ein stilles Gebet.)

Du bist nun getauft in des Herrn Jesu Namen.

Kämmerer:

Ihm sei Ehre und Dank in Ewigkeit. Amen.

(Kämmerer steigt auf den Wagen, der zur Seite bzw. nach hinten gezogen wird; Philippus geht weg).

 

Schlußworte

Schnell war der Kämmerer wieder allein.

Philippus mußte bald anderswo sein.

Doch so heiß auch die Sonne, so lang der Weg schien -

der Kämmerer hatte viel Freude im Sinn.

Er war nun ein Christ durch Glauben und Taufe.

So zog er die Straße fröhlich nach Hause.

 

Abschließende Worte nach dem Spiel (Stichworte):

Hinweis auf unsere eigene Taufe. Zeigen der Taufschale und Taufkanne, des Taufbuches. Aber meist denken wir nicht an unsere Taufe. Viele haben den Tauftag vergessen.

Ich wünsche uns, daß wir uns von der Tauffreude des Kämmerers anstecken lassen. Vielleicht kommen wir nicht zu dieser Freude, weil wir nicht richtig verstehen können. Und wir verstehen nicht, weil wir nicht richtig sehen können: Wir sehen nur ein bißchen Wasser... Philippus und der Kämmerer sehen und verstehen mehr: „Mir ist es bei deiner Rede gewesen...“.

Vielleicht hilft uns ein Beispiel: Hier ist der Mittelgang der Kirche - und doch war er eben die Straße von Jerusalem nach Gaza...... Gott können wir nie direkt fassen. Er braucht „Instrumente“. Im Wasser der Taufe, in den Worten von Menschen kommt er zu uns, berührt er uns... So können wir unsere Straße fröhlich ziehen... Heiße, wüstenreiche Strecken gibt es überall... Vielleicht erinnern wir uns dann an den Mann auf dem Wagen.

 

Erzählung:  (Variante 2)

Der Kämmerer aus dem Mohrenland (mit Anspiel)

Unter den Predigern der ersten christlichen Gemeinde war auch einer mit dem Namen Phil­ippus. Er hatte schon vielen Menschen seines Volkes von Jesus Christus erzählt und sie getauft. Eines Tages aber bekommt er von Gott einen seltsamen Auftrag: „Gehe nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt!“ [Philippus kommt aus dem Hintergrund der Kirche]: Philippus „Was soll ich nur dort? Das ist doch eine ganz öde Gegend, da gibt es doch kaum Menschen. Hier, in den Städten Samarias, hätte ich doch noch so viel zu tun! Aber wenn Gott es gesagt hat, dann will ich ihm gehorchen und auf die Straße nach Gaza gehen!“

Auf der einsamen Straße nach Gaza fährt ein Reisewagen. Ein altmodischer Wagen ist es, über den wir vielleicht heute lachen würden. Langsam geht die Fahrt auf der staubigen Landstraße. Die Sonne des Südens brennt heiß hernieder. Mit gesenkten Köpfen trotten die Pferde ihres Weges und ziehen geduldig den Wagen [Kämmerer nimmt Platz].

In dem Wagen sitzt ein fremdländischer Mann. Er hat eine braune Hautfarbe und stammt aus Nubien, einem afrikanischen Land am Oberlauf des Nil, im heutigen Äthiopien. Es ist der Finanzminister der dortigen Königin und verwaltet die Schatzkammer des Landes.

Er ist wohl ein vermögender Mann, denn sonst hätte er sich nicht einen solchen Reisewagen und so gute Kleider leisten können. Außerdem hat er eine kostbare Buchrolle auf den Knien liegen. Für viel Geld hatte er sie in Jerusalem erstanden. Denn die Juden gaben ihre heiligen Schritten an sich nicht in die Hände Andersgläubiger.

Wenn der Mann aufschaut von seiner Buchrolle, so kann er noch die Stadt Jerusalem in der Ferne sehen. Und der schöne Tempel mit seinen Türmen grüßt ihn zum Abschied. Lange hatte er sich auf die Reise nach Jerusalem gefreut. Keine Kosten hatte er gescheut. Er war zu dem prächtigen Tempel gekommen, von dem er in seiner Heimat gehört hatte. Aber er durfte nur bis in den Vorhof der Heiden. Dann hatte er die großen Schilder gelesen, die jeden Fremden mit dem Tod bedrohten, wenn er hier weiterging. Er hatte zu dem Gott der Juden beten können. Aber letztlich blieb er doch ein Ausgeschlossener, zum eigentlichen Gottesvolk gehörte er nicht. Dieser Gott der Juden war wohl doch kein Gott für ihn, den Afrikaner und Heiden. Traurig fuhr er wieder in seine Heimat. Er fragt sich:

Kämmerer: „Hat Gott mich denn nicht lieb? Nun muß ich wieder heimfahren ohne Trost und Hoffnung. Nur eins kann ich mitbringen: Die Buchrolle mit den Worten des Propheten Jesaja! Viel Geld hat er dafür ausgegeben. Doch was kümmert ihn das Geld? Daran fehlt es bei ihm ja nicht. Sollte ihm dieses Buch nun nicht doch noch weiterhelfen können?

Vielleicht steht in diesem Buch, wer alles zu dem lebendigen Gott gehören darf! Der Prophet spricht vor einem Retter und Helfer, der alle Menschen zu Gott führen will. Eines Tages würde es so weit sein. Aber wann wird das wohl sein? Werde ich es noch erleben?“

So ist ein Mensch ganz allein mit einem Buch der Bibel auf einer einsamen menschenleeren Landstraße. Er liest die Worte immer wieder und weiß doch nicht, was sie bedeuten. Obwohl die Sonne hell vom Himmel scheint, ist es noch eine Fahrt im Dunkeln. Denn die eigentliche Dunkelheit ist die Not und Hoffnungslosigkeit in seinem Herzen. Es ist wirklich keine fröhliche Heimfahrt für ihn!

Einer aber ist auf aller Straßen der Welt und läßt keinen allein, auch den Mann aus dem fernen afrikanischen Land nicht. Und was er sagt, das geschieht, und so wird überhaupt erst Geschichte.

Philippus kommt, der Prediger der christlichen Gemeinde [Philippus tritt an den Wagen]. Jetzt weiß er, weshalb er nach Gaza gehen sollte.

Philippus fragt: „Verstehst du auch, was du liest?“ Der Afrikaner sieht erstaunt hoch: „Wie kann ich das, wenn mich niemand anleitet? Aber du bist doch ein Jude, du hast das doch das alles gelernt. Steig doch zu mir auf den Wagen und fahre ein Stück­chen mit mir. Da kannst du mir etwas erklären!“

Nun lesen sie gemeinsam aus der Buchrolle: „Er ist wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird. Wie ein Lamm still ist vor seinem Scherer, so hat er seinen Mund nicht aufgetan. Sein Leben wird von der Erde weggenommen!“ Der Finanzminister sieht Philippus ratlos an: „Von wem redet der Prophet hier, von sich selber oder vor einem anderen!“

Philippus denkt: „Gott hat mich zur rechten Zeit zu diesem Mann geschickt. Jetzt kann ich versuchen, ihm die toten Buchstaben dieser Schrift aufzuschließen, jetzt kann ich ihm die frohe Botschaft von Jesus sagen. Denn wo auch nur zwei Menschen versammelt sind in Jesu Namen, da ist er mitten unter ihnen!"

Denn Philippus fängt an dieser Stelle der Schrift an und predigt das Evangelium von Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Der merkwürdige Reisewagen wird zur Kirche, denn wo das Evangelium von Jesus Christus verkündigt wird, da ist Kirche. Und wo zwei oder drei versammelt sind in seinem Namen, da ist er mitten unter ihnen.

Philippus sagt: „Für dich ist Jesus, der Gottessohn, gestorben, für dich ist er auferstanden. Dich hat Gott lieb! Und wer an den Namen Jesu glaubt und getauft wird, dem kann keine andere Macht mehr schaden, auch der Tod nicht.

Laut sagt er: „Mit dem Lamm ist Jesus Christus gemeint. Er wurde von seinem Volk ans Kreuz gebracht. Aber Gott hat ihn wieder von den Toten auferweckt. Er ist der Herr der Christen, und du kannst auch einer werden. Auch für dich ist er auferstanden, auch dich hat er lieb. Und wer an Jesus glaubt und getauft wird, dem kann keine Macht der Welt mehr schaden, auch nicht der Tod!“

Da wird der Afrikaner froh. Diese Predigt hat alle Finsternis bei ihm vertrieben. Ein unbegreifliches Wunder: Das Wort vertreibt alle Finsternis! Der Kämmerer aus dem Mohrenland hat gehört, nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen.

Sie kommen zu einem Wasser. Der Afrikaner fragt: „Kann ich nicht getauft werden?“ Philippus antwortet: „Warum nicht?“ Sie halten an und steigen vom Wagen. Der Afrikaner wird getauft [Sie sind an den Taufstein getreten, die Taufe wird angedeutet].

Als die Taufe beendet ist, hat auch Philippus seinen Auftrag erfüllt. Der Afrikaner braucht ihn nun nicht mehr. Er wird nun nie mehr allein sein. Einer wird bei ihm sein auf der ganzen Lebensfahrt: Jesus Christus! Deshalb heißt es von ihm: „Er zog seine Straße fröhlich!“ Alles Weitere liegt nun in Gottes Hand.

Sicher hat er seine Freude nicht für sich allein behalten, sondern die frohe Botschaft von Jesus weitergesagt: In seinem Heimatland entstehen Christengemeinden, die bis zur Gegenwart bestehen und somit zu den ältesten Christengemeinden gehören.

 

Predigt:

Das Lied „Hoch auf dem gelben Wagen“ hat zwar eine schöne Melodie, aber es ist im Grunde doch ein trauriges Lied. Es beschreibt, wie schön die Welt ist; aber es bringt auch das Bedauern zum Ausdruck, daß nichts bleibt. Wenn man irgendwo etwas Schönes gefunden hat, dann muß man bald wieder weiter und man kann nichts festhalten. Menschen ziehen an uns vorüber und entschwinden wieder unserem Gesichtskreis. Ein Ereignis löst das andere ab. Für die Kinder werden vielleicht nur die Ferien so schnell herumgehen. Aber die Erwachsenen spüren, daß es im Grunde so mit dem ganzen Leben ist.

Aber als Christen dürfen wir unser Leben ganz anders sehen. Da entschwindet uns nicht immer mehr in unserem Leben, sondern wir gehen auf ein Ziel zu. Unser Leben hat den Sinn, auf Gott hinzuführen. Er hat uns ins Leben gerufen, er wird uns auch wieder abberufen. Aber wir dürfen uns auf ein Leben mit ihm freuen. An Ostern hat er seinen Sohn Jesus Christus von den Toten auferweckt. Da wird er auch uns einst von den Toten auferwecken. Das kann unserem Leben Ruhe und Sicherheit geben. Wir können getrost durchs Leben gehen, weil wir Gott auf unserer Seite haben.

Aber davon hat der Minister aus Äthiopien nichts gewußt. Was hat er doch für Mühen unternommen, um einen Sinn in seinem Leben zu finden. Er wollte wissen, welcher Gott der richtige ist und wo der Retter für alle Menschen zu finden ist. Aber bei den Juden konnte er nicht finden, was er suchte.

Es geht ja auch gar nicht darum, daß wir Gott suchen, sondern Gott sucht uns. Er schickt dem suchenden Minister einen christlichen Prediger, der ihm alles erklären kann. Wenn man nur allein in der Bibel liest, dann bleibt sie oft unverständlich. Wir brauchen auch andere Menschen, die sie uns erklären. Das geschieht im Religions­unterricht und im Gottesdienst und an vielen anderen Stellen. Vielleicht waren die Eltern oder die Paten die Ersten, die uns von Gott erzählt haben. Oder es war ein Freund oder eine Freundin, durch die wir zum ersten mit der Kirche in Berührung kamen.

Es ist immer besser, wenn wir uns nicht mit den toten Buchstaben einer Schrift abzumühen brauchen, sondern wenn uns ein anderer mit seinen eigenen Worten, erklärt, was gemeint ist. Mi der Zeit wird man dann auch selber ein Verständnis gewinnen, nicht mehr so sehr auf andere angewiesen sein, sondern im Gegenteil wiederum anderen helfen können.

Aber dazu ist es nötig, daß man die Gemeinschaft mit anderen Christen sucht. Es brauchen gar nicht viele zu sein. Wo sich zwei Menschen treffen, um über Gottes Wort zu reden, da ist dort schon ein Stück Kirche lebendig. Man braucht dazu kein großes Kirchengebäude, keine Glocken und keine Orgel. Auch wenn auf dem Schulhof ein Kind das andere an den Religionsunterricht erinnert, dann geschieht dort Kirche.

Und wenn die Oma früh die tägliche Losung liest oder der Vater den Arbeitskollegen gegenüber die Notwendigkeit der Kirchensteuer verteidigt, dann ist dort Kirche. Aber es gibt halt doch einige Dinge, die zum Christsein dazugehören. Das haben wir uns an dem Symbol des Rades deutlich zu machen versucht. Das Wichtigste ist die Kraft, die aus dem Zentrum kommt, der Schwung, den Christus uns gibt. Durch sein Wort und unser Gebet, durch die Gemeinschaft mit anderen und unser Zeugnis kommt die Kraft Christi zu uns.

Wir sind so etwas wie die Lauffläche des Rades, die Felgen am Rad. Wenn, die Nabe sich dreht, müssen sich auch die Felgen drehen. Andernfalls wäre das Rad kaputt. Der Sinn eines Rades ist es aber, daß es sich dreht. Da aber Christus nie stillsteht, können wir als Christen auch nicht still sein. Ein Christ ist immer in Bewegung. Philippus mußte zu dem einsamen Mann im Reisewagen auf der Straße nach Gaza. Sein Schwung hat auch den Minister in Schwung gebracht. Der brauchte den Helfer nun nicht mehr, sondern konnte fröhlich seine Straße weiterziehen und nun seinerseits Bote Jesu Christi in seinem Land werden.

Wir sind auch getauft worden, die Meisten wohl hier an diesem Taufstein. Auch durch uns will Gott Menschen erreichen, die ihn noch nicht kennen. Wir haben eine gute Botschaft zu bringen: Nicht die Botschaft vom Werden und Vergehen, von der Vergänglichkeit der Zeit und der Welt. Wir dürfen erzählen vom Sieg Gottes über den Tod, von dem Rad unseres Lebens, das auf Gott zuläuft. Keiner ist zu klein, um Gottes Bote zu sein.

Wenn wir zu dieser Aufgabe bereit sind, dann kann auch bei anderen Menschen das geschehen, was mit dem Finanzminister aus Äthiopien passiert ist: Erst kam er voller Hoffnung, dann wurde er schwer enttäuscht, aber schließlich konnte er mit großer Freude wieder heimwärts ziehen. [Drei stilisierte Gesichter machen uns das deutlich, Tafeln vorzeigen]

.Auch wir haben unsre Aufgabe an den Hoffnungsvollen und Enttäuschten. Sie sollen auch die frohe Botschaft erfahren, die seit Ostern in der Welt weitergesagt wird: Christ ist erstanden, jetzt könnt ihr alle eure Straße fröhlich ziehen.

 

Lieder:

All Morgen ist ganz frisch und neu

Mit Freuden zart zu dieser Fahrt

Wir wollen alle fröhlich sein

Weiterer Gesichtspunkt:

Ist die Kirche nur für bestimmte Menschen da? Jesus wird meist als Weißer dargestellt! Aber einer der Weisen an der Krippe wird meist als Schwarzer dargestellt! Wir können das nicht machen, daß wir einen Menschen nicht zu Jesus heranlassen. Wir können nicht sagen: Nur weil du arm bist oder noch jung bist, darfst du nicht zum Gottesdienst. Gerausowenig können wir sagen: Weil du eine andere Hautfarbe bist (schwarz, braun, gelb, rot), darfst du nicht kommen. Das sind nur Äußerlichkeiten. Aber alle Menschen sind Kinder Gottes, die er bei sich haben will. Das zeigt auch die Geschichte von dem Kämmerer aus dem Mohrenland, der als ein Mensch mit schwarzer Hautfarbe schon in den Anfangszeiten der Kirche ein Christ wurde.

Wir handeln ja auch oft so wie die Juden von damals, wenn einer neu in die Klasse kommt oder im Haus zuzieht. Manche könne ihn nicht so recht leider kann. Er soll erst so werden wie sie. Nur kann ein Farbiger natürlich nicht seine Hautfarbe wechseln. Deshalb müssen die Weißen ihre Einstellung zu den Menschen anderer Hautfarbe wechseln. Wir müssen einsehen, daß Gott nicht auf die Hautfarbe sieht, wenn er mit einem Menschen zu tun haben will. Nur die Menschen machen solche Unterschiede: Die Weißen denken, sie seien bessere Menschen und die Schwarzen seien nichts anderes als Tiere.

Stellt euch vor, wir würden hier in [Name des Ortes] sagen: Alle die rechts der Hauptstraße wohnen, dürfen nicht mehr in die Kirche. Die Kirche steht auf der linken Seiten und ist deshalb nur für die, die dort wohnen und die sagen: „Baut ihr euch nur eine eigene!“ Genauso willkürlich ist aber auch die Einteilung in Schwarze und Weiße. Es darf keine Unterschiede geben zwischen den Christen: Gott hat sie alle gleich lieb und will, daß sie sich auch untereinander lieb haben.

Deshalb gehören auch die zu unserer Gemeinde, die vielleicht erst kürzlich zugezogen sind, die vielleicht in der Kreisstadt zur Sonderschule gehen, die vielleicht nicht solche schönen Kleider haben oder die in der Schule nicht so mitkommen. Die Hauptsache ist, daß sie zu Gott gehören wollen; dann gehören sie aber auch zu uns.

Heute ist das vielen Menschen selbstverständlich, daß Christen aus allen Völkern, Sprachen, Hautfarben und Rassen zusammenkommen können. Fast jedes Jahr sind weltweite Konferenzen, wo sie einträchtig zusammenarbeiten und beraten. Oftmals besuchen uns auch Christen

aus Afrika hier in Deutschland, erzählen von zu Hause und wollen wissen, wie die Christen hier bei uns leben.

In der ersten christlichen Gemeinde war man noch nicht so fortschrittlich. Für sie war ein gewaltige Umstellung nötig, bis sie begriffen haben: Auch die Menschen, die keine Juden sind, dürfen zu Gott kommen, selbst solch ein Afrikaner, der eine schwarze Hautfarbe hat. Sie

mußte erst erkennen, daß Gott nur die zehn Gebote von den Menschen fordert und nicht die vielen unsinnigen Vorschriften, die die Juden noch dazu gemacht hatten und die sich kaum ein Mensch merken konnte und die für einen Afrikaner unverständlich waren.

Nur durch die Führung des Geistes Gottes war es möglich, daß die Gemeinde das Umdenken lernte. Sie begriffen auf einmal: In dem Gespräch des Philippus mit dem Finanzminister ist Christus am Werk. Er sprengt die Grenzen des jüdischen Volkes und beruft einen Menschen aus einem fremden Volk durch die Taufe in seine Gemeinde. Der Fremde brauchte aber einen Mitbruder, der ihm alles erklärte und der ihn schließlich taufte, sonst konnte er kein Christ werden.

Ins Südafrika gab es früher unter der Herrschaft der Weißen eine Rassentrennung, bei der Schwarzen schwer benachteiligt wurden: Sie mußten zwar für die Weißen arbeiten und in besonderen Wohngebieten leben, hatten aber keine Rechte. Deshalb brauchten die Christen in Südafrika uns deutsche Christen, damit sie wieder eine Gemeinde werden.

Den weißen Christen dort mußten wir sagen: „Nehmt die schwarzen Brüder mit in die Gemeinde hinein. Sorgt dafür, daß die Gesetze des Staates geändert werden, damit alle Bürger gleichberechtigt miteinander leben können. Nur so erfüllt ihr den Willen Gottes!“ Und den schwarzen Christen dort durften wir sagen: „Wir verstehen euch in eurer Lage. Wir wollen mithelfen, daß ihr eure Rechte erhaltet. Wir beten für euch!“ Aber wir haben auch über die Aktion „Brot für die Welt“ durch unsere Spenden den Menschen dort geholfen. Wir konnten mithelfen, daß auch die schwarzen Christen in Südafrika so fröhlich sein können, wie es am Schluß von dem Mann aus Äthiopien gesagt wird. Allerdings muß man sagen, daß auch viele Christen weißer Hautfarbe gegen die offizielle Politik ihrer Regierung eingestellt waren. Sie kämpften gegen die Rassentrennung

 

 

 

Der Kerkermeister von Philippi: Apg 18, 16 - 34

Erzählung: Vertrauen gibt neue Hoffnung:

Der Apostel Paulus ist mit seinem Mitarbeiter Silas auf seinen Reisen nach Europa gekommen. Auch in der Stadt Philippi in Griechenland erzählen sie von Jesus Christus. Paulus sagt: „Gott allein lenkt euer Leben und hat auch eure Zukunft in der Hand. Haltet euch an seinen Sohn JesusChristus, dann seid ihr gerettet!“

Nun gab es aber in jener Stadt Leute, die verdienten ihr Geld mit Wahrsagerei. Sie behaupteten, sie könnten die Zukunft voraussagen und vor allen Gefahren warnen. Viele Menschen gehen deshalb zu den Wahrsagern und fragen: „Wie wird mein Leben weitergehen? Werde ich gesund bleiben? Werde ich heiraten und Kinder haben?“ Die Wahrsager verdienen ganz gut dabei, denn sie lassen sich alles gut bezahlen.

Besonders berühmt ist eine Sklavin, die aber das Geld nicht behalten darf, denn ihre Besitzer nehmen es ihr immer wieder ab. Die Männer sind dabei reich geworden. Doch sie haben die Frau nur ausgenutzt. Sie war im Grunde krank und brauchte Hilfe Paulus hat sie im Namen Jesu gesund gemacht. Aber jetzt kann sie nicht mehr wahrsagen und bringt ihren Besitzern kein Geld mehr ein.

Sie gehen deshalb zu den Ältesten der Stadt und sagen: „Der Paulus und der Silas stiften Unruhe unter dem Volk. Ihr müßt sie festnehmen!“ Das geschieht auch sofort. Aber es kommt dabei zu einem Tumult. Paulus und Silas werden geschlagen und zum Gefängnis gebracht. Dort werden sie zusätzlich noch ausgepeitscht und in die Dunkelzelle unten im Keller gebracht. Ihre Füße werden fest zwischen zwei Balken eingeklemmt, ihre Hände in Ketten gelegt.

Gegen Mitternacht aber beginnen Paulus und Silas laut zu beten und zu singen. Die Mitgefangenen trauen ihren Ohren kaum: Die zwei singen Lob- und Danklieder. Sie singen von ihrem Gott, der sie nicht allein läßt. Sie denken an Jesus, der genau wie sie geschlagen, verspottet und gequält wurde. Er ist auch jetzt in der dunklen Nacht bei ihnen und hat ihre Zukunft in der Hand.

Plötzlich erschüttert ein heftiges Erdbeben die ganze Stadt. Im Gefängnis springen die Türen auf und die Ketten werden aus den Mauern gerissen. Die Gefangenen könnten alle fliehen. Doch Paulus und Silas bleiben da. Auch die anderen Gefangenen rühren sich nicht vom Fleck: Sie sind vom Gesang der beiden Männer so beeindruckt, daß sie dem Gefängnisdirektor keinen Schaden zufügen wollen, denn er müßte mit seinem Leben für jeden Gefangenen haften.

Der Gefängnisdirektor ist aus dem Schlaf hochgeschreckt. Er sieht, daß die Türen des Gefängnisses alle offen sind. Sofort denkt er: „Jetzt ist alles aus, jetzt bist du selber dran!“ Er nimmt sein Schwert und will sich selber umbringen. Da aber rufen Paulus und Silas: „Tu dir nichts an, wir sind doch alle hier!"l

Der Gefängnisdirektor holt schnell ein Licht. Er stürzt in die Zelle und sieht, daß die Gefangenen tatsächlich noch da sind. Was sind das für Menschen? Warum laufen sie nicht weg? Er nimmt Paulus und Silas mit in sein Haus. Er entschuldigt sich bei ihnen, denn er weiß: Das sind keine Übeltäter, die gehören nicht ins Gefängnis! Die helfen im Gegenteil ja noch anderen Leuten!

Er fragt Paulus: „Was soll ich denn tun, damit ich auch innerlich froh werden kann und so ohne Angst wie ihr!“ Paulus antwortet: „Vertraue auf Jesus! Verlaß dich auf ihn, dann wirst du mit deiner ganzen Familie froh und glücklich sein!“ Paulus und Silas erzählen nun von Jesus.

Da läßt sich der Gefängnisdirektor mit seiner ganzen Familie taufen. Er kümmert sich um die Wunden der beiden Prediger und verbindet sie. Dann wird ein Fest gefeiert. Der Tisch wir gedeckt und das Abendmahl gefeiert. Sie freuen sich alle, daß sie nun zu Jesus und zur Gemeinde der Christen gehören. Nun werden auch sie in großer Not ihren Gott loben können. Das Vertrauen auf ihn wird ihnen immer wieder neue Hoffnung geben.

 

Reportage:

1. Paulus und Silas:

Reporter: Wir hörten, daß Sie gestern nach Ihrer Auspeitschung und Inhaftierung im Gefängnis gesungen haben sollen. Stimmt das?

Silas: Ja, das stimmt. Da haben Sie richtig gehört!

Reporter: Das ist aber doch ganz ungewöhnlich. Wie kommen Sie dazu, trotz Folter und Schmerzen zu singen?

Paulus: Wir Christen loben Gott mit unseren Liedern und mit unserem Tun. Wir wollen allen Menschen von Jesus Christus erzählen. Ihm dienen wir. Für ihn leiden wir auch. Wir wissen, daß uns nichts von ihm trennen kann - auch keine Schmerzen, kein Unrecht, keine Ablehnung. Deshalb können wir Gott auch im Gefängnis loben.

Reporter: ?

Silas: Nein, da haben sie uns mißverstanden. Wir würden Gott auch loben, wenn er uns nicht befreit hätte.

 

2. Pfarrer:

Reporter: Herr Pfarrer, man hat sie gestern zusammen mit mehreren hundert Bürger­rechtskämpfern nach einer friedlichen Demonstration von der Straße weg verhaftet - nur weil sie für die Rechte aller Bürger der Stadt eintreten. Sie wurden mit Schlag­stöcken und Wasserwerfern wie Vieh zusammengetrieben und unmenschlich behandelt. Stimmt es, daß sich keiner gewehrt hat? So wurde erzählt, daß man Gesang gehört hat aus den Autos, die die Gefangenen abtransportierten.

Pfarrer: Sie haben recht, wir haben laut gesungen. Keiner unserer Leute hat zurück­geschlagen. Aber das geschah nicht, weil wir feige und schwach sind.

Reporter: Wie meinen Sie das, Herr Pfarrer? Das müssen Sie unseren Hörern erklären.

Pfarrer. Unser Lied „Wir werden überwinden“ sagt eigentlich alles. Wir wissen, daß Gott der Sieg gehört. Gott sieht das Unrecht, das uns geschieht. Er wird es nicht dulden, daß es uns böse macht. Weil Gott uns achtet und liebt, können wir auch die lieben, die uns verhaften und verfolgen, beleidigen und schlagen. Wir lassen uns vom Haß nicht anstecken, wir leben in der Liebe Gottes. Deshalb singen wir und fluchen nicht.

 

3. Behinderter:

Reporter. Sie feiern heute hier in der Gemeinde ein Fest. Es sollen vor allem Kranke und Behinderte eingeladen worden sein. Stimmt das?

Behinderter: Ja, es sind Blinde, vor allem aber Schwerhörige und fast Taube, Gelähmte und manch andere Kranke hier. Ich selber bin schwer gehbehindert. Einige sind im Rollstuhl gekommen, andere wurden von Gemeindegliedern im Auto gebracht.

Reporter: Ich hörte Sie vorhin so fröhlich singen. Eigentlich gibt es aber doch für Sie alle wenig Grund zum Singen und Feiern?

Behinderter: Wir sind froh, weil wir Menschen haben, die sich um uns kümmern. Wir haben begriffen: Gott läßt uns nicht allein. Hier brauchen wir nicht mehr mißtrauisch zu sein wie viele Schwerhörige, die glauben, daß man heimlich über sie herzieht. Wir müssen nicht ständig denken, daß wir zu kurz kommen und die anderen uns nicht genügend achten. Wir können auch lachen. Wir haben begriffen, Gott ist auch für uns da, nicht nur für die Gesunden und Starken.

 

Bilder aus der Mappe von Karl Kaufmann: Die Apostelgeschichte“

[Nur das zweite Bild findet sich in der Datei Religionsunterricht, Urgemeinde und Paulus, zu Apg 18,16-34)

 

1. Was zeigt das erste Bild?

Die Boten des Evangeliums scheinen ausgeschaltet zu sein. Ihre Füße stecken im Block, der hier aussieht wie ein Untier, wie eine Macht, die sie zu verschlingen droht. Ihre Lage erscheint hoffnungslos, ihr Werk scheint gescheitert zu sein.

Aber auch hier im Gefängnis bleiben sie im Kraftfeld Gottes. Diese geht von einem bestimmten Punkt aus und dringt sogar durch Gefängnismauern, denn sie ist nicht von dieser Welt. Sie ist wie die Magnetkraft, die ja auch durch Winde hindurchgehen

kann.

Die Kraft Gottes erreicht die beiden, weil sie zu Gott beten. Sie können nicht dafür danken, daß sie ins Gefängnis gekommen sind - das macht ihnen schon zu schaffen. Aber sie loben Gott, auch wenn sie im Gefängnis stecken.

Das Gebet hilft bei der Auseinandersetzung zwischen dem Reich Gottes und den Mächten dieser Welt. Diese wollen das Reich Gottes auslöschen, indem sie die Boten dieses Reiches vernichten. Sie stützen sich dabei auf ihr Schwert, auf ihre Macht: Drohend stehen die Wächter über dem Gefängnis.

 

2. Welche Veränderungen zeigt das andere Bild?

Gott greift auch tatsächlich ein, aber nur durch ganz natürliche Vorgänge. Das Wunder ist nur, daß sich das Erdbeben gerade jetzt ereignet. Gott nimmt den Lobpreis seiner Apostel an und verwandelt ihn in ein Zeichen seiner Macht: Das Gefängnis ist leer, das Gitter ist zerrissen, die Untiere haben ihre Opfer freigeben müssen.

Gott benutzt die völlig ausweglose Situation seiner Boten, um auch die in sein Kraftfeld mit hineinzunehmen, die draußen standen und von der Kraft des Evangeliums noch nichts wußten. Der Kerkermeister vermutete, daß solche Menschen nur von Gott kommen können. Deshalb fragte er: „Was soll ich tun?“ Da wird er mit seiner ganzen Familie getauft. Die eine Hand des Paulus legt sich segnend auf die Täuflinge, die andere weist auf Gott, um anzudeuten, daß er die Kraft Gottes auch erst empfangen muß.

Einige Soldaten allerdings sind nicht mitgekommen. Sie blicken zwar hin zu dem Geschehen, aber sie bleiben gleichgültig. Das Schwert liegt außerhalb des Kraftfelds Gottes. Der Kirche sind alle Machtmittel genommen, sie kann nur noch sagen: „Dein Reich komme!“

Der Kerkermeister aber erfährt etwas von der überwältigenden Macht der vergebenden Liebe. Paulus und Silas haben sich nicht an dem Kerkermeister gerächt, der sie geschlagen und in den Block gelegt hatte. Sie haben sich nicht froh die Hände gerieben, sondern an das Wort Jesu gedacht: „Liebet eure Feinde!“ Allerdings heißt das nicht, daß sie sich alles gefallen lassen: Als sie am nächsten Tag still und heimlich aus der Stadt abgeschoben werden sollen, da verlangen sie, unter ehrenvollem Geleit der Stadtoberen bis an die Grenze der Stadt gebracht zu werden, damit alle sehen können: Sie sind zu Unrecht ins Gefängnis geworfen worden.

 

Predigt:

Wir sagen: „Not lehrt beten!“ Vielleicht lernt man es erst in einer solchen Lage richtig. Aber Paulus und Silas beten nicht nur, sondern sie loben Gott, obwohl ihre Füße in den Block gelegt sind und sie vielleicht zum Tode verurteilt werden. Außenstehende mußten wohl denken: Dieser Christus läßt seine Leute im Stich, die Sache wird sich nicht lange halten können.

So geht es Kindern, die wegen des Besuchs des Religionsunterrichts oder des Kindergottesdienstes ausgelacht werden. Da sagen die anderen in der Klasse: „Wer da hingeht, der ist doch dumm!“ Wer ein bißchen empfindlich ist, wird sich das nicht gern sagen lassen wollen. Man läßt sich nicht so gern auf eine Sache ein, von der man vielleicht Nachteile haben könnte. Auch die Erwachsenen rechnen sich aus: „Du könntest Nachteile im Beruf haben. Zumindest könntest du Vorteile haben, wenn du dich von der Kirche trennst. Wenn du mit dem Strom schwimmst, dann gewinnst du vielleicht einflußreiche Freunde und es klappt mit der Beförderung oder sonst etwas besser!“

Die Geschichte vom Beten und Singen der Apostel will uns helfen, nicht immer nur auf die Not des Augenblicks zu starren. Paulus und Silas jammern nicht und machen Gott keine Vorwürfe. Gerade in Verfolgungszeiten ist das Gottvertrauen in der Kirche oft gewachsen. Wir singen heute nach dem Vaterunser den Lobpreis: „….denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit!“ Dieses Bekenntnis hat sich gerade in einer Zeit in der Kirche durchgesetzt, als die Verfolgungen begannen und immer ärger wurden. Man hat damit sagen wollen: „Trotz allem - unserm Gott ist das Reich in alle Ewigkeit!“

Eine solche Gewißheit werden wir aber nur erlangen, wenn wir fest am Gebet festhalten. Das tägliche Gebetsläuten will uns daran erinnern. Das regelmäßige Gebet ist keine Last. Je mehr wir daran festhalten, desto mehr wird es uns auch helfen. Wer nur auf den Augenblick wartet, wo er einmal Lust zum Beten hat, der lernt es wohl nie.

Durch das Gebet hatten die beiden Apostel den Punkt außerhalb, an den sie sich halten konnten. Von Gott her reichten die Kräfte bis ins Gefängnis hinein. Sie wußten auch das augenblickliche Leid, alle Demütigungen und Schmerzen, allen Jammer und alle Not, gehören mit zu der Führung Gottes. Sie sind nicht unabänderlich, sondern werden überboten durch eine große Hoffnung.

Für Paulus und Silas tun sich im Gefängnis Türen auf, nicht nur im wörtlichen Sinne, sondern auch die Türen zu den Herzen der Menschen. Der Erste, bei dem das deutlich wird, ist der Gefängnisaufseher. Der möchte auf einmal auch zu diesen Männern gehören, die im Gefängnis ihren Gott loben und auch noch die anderen Gefangenen von der Flucht abhalten.

Das Erdbeben war nur das kleine Wunder. Das große Wunder aber war die Taufe einer ganzen Familie. Es sieht so aus, als habe Gott das alles nur inszeniert, weil er am Ende mit dieser Familie ans Ziel kommt. Es war ein ziemlich umständliches Vorspiel, aber billiger ging es offenbar nicht.

Vielleicht könnten wir auch einmal voller Dankbarkeit erkennen, was Gott alles aufgeboten hat, um u n s zu gewinnen. Dazu waren sicherlich viele Menschen nötig und er hat uns viele Umwege dabei führen müssen. Wir sind doch nicht einfach in den Glauben hineingewachsen. Einmal hat sich jeder entscheiden müssen, ob er dabei

bleibt und ob der Glaube ihm etwas bedeutet. Mancher hat sicherlich geschwankt und im ersten Augenblick noch nicht gewußt, wie es weitergehen wird. Und auch später kommen immer wieder einmal Zeiten, wo es auf der Kippe steht.

Da ist es wichtig, daß man in einer Familie und in einer Gemeinde steht, die Rückhalt geben können. Dem Einzelnen wird die Entscheidung dadurch nicht abgenommen. Auch bei dem Gefängnisaufseher mußte es erst einmal gezündet haben. Aber dann hat er seine ganze Familie hinter sich und sie sind eine richtige kleine Gemeinde.

Nach der Taufe setzen sie sich an den gedeckten Tisch und haben vielleicht bei dieser Gelegenheit auch das Abendmahl miteinander gefeiert. Mit dem Lobgesang der Gefangenen hatte die Geschichte begonnen, nun endet sie mit dem Jubel des Gefängnisaufsehers und seiner Familie.

Aber auch wenn man ganz allein ist, darf man wissen: Gottes Kraftfeld umgibt uns und reicht sogar durch Gefängnismauern hindurch.

Als der Pfarrer Paul Schneider in der Dunkelzelle des Konzentrationslagers Buchenwald saß, hat er den Mitgefangenen draußen auf dem Hof laut zugerufen:“Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis!“ Das hörte ein Mitgefangener, der sich schon aus lauter Verzweiflung das Leben nehmen wollte, indem er in den Elektrozaun gehen wollte.

Wer auf Gott vertraut, darf immer noch hoffen. Gott freut sich aber auch über uns, wenn wir ihm ein Loblied singen, auch wenn wir uns verlassen fühlen und Angst haben. Gott meint es gut mit uns, was auch immer geschieht, auf ihn können wir uns verlassen!

 

 

Wir sind alle Glieder am Leib Christi: 1. Kor 12, 21 - 27

Einstieg: Puzzle

Teile eines vorbereiteten Puzzles werden gezeigt: Arm, Fuß, Teile des Kopfes und Rumpfs. Das sind Teile eines Ganzen, sie gehören zusammen, sie sind Teil eines Menschen.

Wir nennen weitere Teile, die ein Mensch hat. Wir nennen die Aufgaben, die sie erfüllen. Es ist sehr gut, daß wir viele verschiedene Teile am Körper haben. Jedes Teil kann etwas anderes, deshalb können wir auch so viel: laufen, arbeiten, sehen, hören, sprechen, riechen. Das macht unser Leben reich und schön. Das Puzzle wird zusammengesetzt zu einer Figur.

 

Überlegung:

 Welcher Teil unseres Körpers ist wohl der wichtigste? Kopf, Herz, Bein?

Was geschieht, wenn einer der Teile einmal ausfällt, zum Bespiel bei Krankheit?

Einem Kind werden die Augen verbunden, einem der Mund, einem werden mit einem Tuch die Hände gefesselt, einem anderen die Beine. Jetzt wird ein Gegenstand gezeigt (Osterhase). Doch das Kind mit den verbundenen Augen kann ihn nicht sehen. Die Kinder sollen sagen, was das ist; doch das Kind mit dem zugebundenen Mund kann es nicht.

 Man reicht den Gegenstand dem Kind, das die Hände zusammengebunden hat: Es kann ihn nicht nehmen. Dann soll das Kind, dem die Beine zusammengebunden sind, den Gegenstand zu den Eltern bringen, aber es geht nicht. Wir sehen daran: Alle Teile unseres Körpers sind gleich wichtig.

Wenn ein Teil nicht mitmachen kann, leiden alle darunter, dann ist der ganze Leib behindert. Wenn wir die Tücher nun wieder lösen, dann freuen wir uns, daß wir gesund sind und alles bewegen und gebrauchen können.

 

Gebet:

Herr, allmächtiger Gott, wir danken dir, daß du uns geschaffen hast mit allen Teilen unseres Körpers. Wir bitten dich: Laß uns Leib und Glieder gebrauchen zu deiner Ehre und zum Wohle unserer Mitmenschen. Durch Jesus Christus, unserem Herrn.

 

Lesung: Text 1. Kor 12, 21-27 übertragen auf eine Fußballmannschaft:

Der Apostel Paulus schreibt vor der christlichen Gemeinde, sie sei wie der Körper eines Menschen. Wir haben das einmal übertragen auf eine Fußballmannschaft und wollen es nun einmal vorlesen:

Wie die Mannschaft e i n e ist und viele Spieler hat, alle diese vielen Spieler der Mannschaft aber eine Mannschaft bilden, so ist auch der Christus..Denn in einem Geiste sind wir alle zu einer Mannschaft getauft worden, ob Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie; und alle sind wir mit e i n e m Geist getränkt worden.

Denn auch die Mannschaft besteht ja nicht aus einem einzigen Spieler, sondern aus vielen. Wenn nun der Mittelstürmer sagt: „Weil ich nicht Verteidiger bin, gehöre ich nicht zur Mannschaft!“ so gehört er deswegen doch zur Mannschaft. Und wenn der Trainer sagte: „Weil ich nicht Torwart bin, gehöre ich nicht zur Mannschaft!“ so gehört er deswegen doch zur Mannschaft. Wenn die ganze Mannschaft nur Torwart wäre, wo blieben da die Stürmer? Wenn sie ganz aus Stürmern bestünde, wo bliebe da der Libero?

Nun hat Gott die Spieler eingesetzt, jeden einzelnen in der Mannschaft, wie er wollte. Wenn das Ganze nur e i n Spieler wäre, wo bliebe da die Mannschaft? So aber sind zwar viele Spieler, aber doch nur e i n e Mannschaft.

Der Torwart kann nicht zum Verteidiger sagen: „Ich habe dich nicht nötig!“ Ebensowenig der Mittelstürmer zu den Außenstürmern: „Ich habe euch nicht nötig!“ Nein, vielmehr sind gerade die Spieler der Mannschaft, die wir für schwächer halten, notwendig; und die Spieler der Mannschaft, die wir für weniger edel halten, umgeben wir mit besonderer Ehre. Gott hat die Mannschaft zusammengesetzt und den zurückstehenden Spielern besondere Ehre gegeben, damit keine Spaltung in der Mannschaft entstehe, sondern die Spieler einträchtig füreinander sorgen.

Wenn e i n Spieler leidet, leiden alle Spieler mit, und wenn e i n Spieler geehrt wird, dann freuen sich alle Spieler mit. Ihr aber seid die Mannschaft Christi und seine Spieler, jeder an seinem Teil.

 

Auslegung (mit Flanellbild):

Wir überlegen, wer denn alles so zur Kirche gehört, wer alles hingeht zum Gottesdienst. Wir nennen besonders die Leute, die eine besondere Aufgabe haben. Wichtig sind dabei nicht nur die hauptamtlichen Mitarbeiter, sondern auch die, die Blumen besorgen, Licht anmachen, kehren. Darüber hinaus brauchen wir Leute für Schreibarbeiten, die mit der Büchse sammeln, Plakate aushängen, usw. Jedenfalls können wir nicht genug Leute haben, die in der Kirche mitarbeiten.

Könnte da nicht einmal einer fehlen? Das wäre schlecht, weil dann eine wichtige Arbeit liegenbleibt und das Ganze dann Schaden nimmt. Auch die ganz kleinen Kinder können schon etwas für die Kirche tun: Sie nehmen. in der Brottasche eine Einladung für die Eltern mit. Sie singen im Gottesdienst Lieder.

Sie haben Figuren ausgeschnitten für das Flanellbild, das wir jetzt zusammenbauen wollen: Aus einer Modezeitschrift wurden ausgeschnitten: Männer, Frauen, Kinder, Alte, Junge; hinzugefügt werden aber auch Behinderte und Benachteiligte. Sie sind lustig oder traurig, geschickt oder schwerfällig, sportlich oder ungeschickt, musikalisch, hilfsbereit.

Doch sie alle gehören zusammen in der Kirche. Gott hat sie zur christlichen Gemeinde zusammengeschlossen. Diese ganz verschiedenen Menschen gehören zu einem Ganzen wie die Teile eines Körpers.

Wir heften die Bilder an die Flanellwand, und zwar in Kreuzform, durch einen darumgelegten Faden noch extra als Kreuz deutlich gemacht.

So bunt und vielfältig ist die Gemeinde Gottes, die Kirche Jesu Christi. Jeder ist dabei wichtig, alle werden gebraucht. Nur so ist die Gemeinde vollständig. Zusammengehalten aber werden sie alle durch Jesus Christus - deshalb ist das Kreuz drumherum gelegt worden.

Deshalb wollen wir uns alle bemühen, unseren Platz in der Gemeinde auszufüllen. Keiner sollte sich überflüssig vorkommen und sich nicht dazugehörig fühlen. Oft sehen wir aber nur die Gaben, die die anderen haben, und übersehen dabei die eigenen.

Es sollte aber auch keiner meinen, es käme nur auf ihn an und ohne ihn ginge nichts. Keiner sollte sich etwas einbilden, keiner sollte sich aber auch zu wenig zutrauen. Die Gemeinde besteht nicht aus lauter gleichen „Typen“, sondern die einzelnen Menschen sind ja gerade so unterschiedlich, damit jeder sein Teil zum Ganzen beitragen kann.

 

 

Einer trage des anderen Last: Gal 6, 1 - 2

Erzählung:

„Im Viertelland“

Das Land ist rund wie ein Pfannkuchen. Und weil es aus vier verschiedenen Vierteln besteht, heißt es das „Viertelland“.

1. In einem Viertel ist alles grün: Die Häuser, die Straßen, die Autos, die Telefone, die Erwachsenen und auch die Kinder.

2.  Im zweiten Vierteil ist alles rot: die Bäume, die Badewanne, die Eisenbahnen, die Zigaretten, die Erwachsenen und die Kinder.

3. Im dritten Viertel ist alles gelb: Die Besen, die Krankenhäuser, die Blumen, die Baugerüste, die Erwachsene und die Kinder.

4. Im vierten Viertel ist alles blau: die Verkehrsampeln, die Möbel, die Brücken, die Zahnbürsten, die Fahrräder, die Erwachsenen und die Kinder.

Wenn die Kinder geboren werden, sind die bunt. Im ganzen Land ist das so. Aber die Erwachsenen schauen sie aus ihren grünen, roten, gelben oder blauen Augen an und streicheln sie mit ihren grünen, roten, gelben oder blauen Händen, bis sie endlich auch nur noch eine Farbe haben. Die richtige Farbe. Und das geht meistens sehr schnell.

1. Einmal kam in Grün ein kleiner Junge zur Welt, den sie „Erbs“ nannten. Er war mit einem Jahr immer noch ein bißchen bunt. Es war beunruhigend. Aber schließlich wurde er doch noch richtig grün. In Grün lernen die Kinder, daß grün richtig ist, in Rot, daß Rot richtig ist, in Gelb, daß gelb, in Blau, daß blau richtig ist,

 

3. „Gelben Tag“, begrüßen die Kinder einander in Gelb, denn gelb heißt ja gut. Dann spielen sie Melonenrollen und lassen Kanarienvögel fliegen und singen den Zitronenblues. Manchmal sitzen sie auch und träumen, natürlich gelb, denn etwas anderes wissen sie ja nicht. Löwenzahn träumen sie, Strohhut, Aprikosengelee, Postauto und Glühwürmchen. Und wenn sie ihre gelben Augen wieder öffnen, sind sie immer ein bißchen unzufrieden. Aber sie können nicht herausfinden warum.

 

2. In Rot spielen die Kinder das große Rot-Spiel: Sie werfen Tomaten in den Sonnenuntergang und sie singen das Erdbeermarmeladenlied. Manchmal ist ihnen, als fehle ihnen etwas.

4. In Blau machen sie es so: „Himmel“, sagt ein Kind, und die anderen rufen „blau“ - „Tinte“ - „blau“ - „Vergißmeinnicht“ - „blau“! Und immer so weiter, bis sie müde werden. Oft tanzen sie auch den Pflaumentango.

1. In Grün freuen sich die Kinder am meisten über das Kaktusspringen. Denn wenn eines nicht hoch genug springen kann, hat es die Stacheln im Po. Froschhüpfen ist auch ganz nett. Aber Graszählen ist langweilig.

3. „Lieber gelber Gott“, so beten die Kinder in Gelb, wir danken dir, daß wir gelb sind. Beschütze uns! Und in Rot und Grünt und Blau beten sie zum roten, grünen und blauen Gott. Und alle beten nur für sich selbst.

 

Eines Tages geschieht etwas Überraschendes: Mitten in Grün wächst eine gelbe Rose. Es ist eine schöne Rose, aber die Erwachsenen verziehen so angeekelt das Gesicht, als sei sie ein Mistkäfer. Es dauert nicht lange, da hat einer sie mit seinem Spaten niedergeschlagen.

1. Das ist der Tag, an dem Erbs seinen Löffel voller Wut in den Spinat fallen läßt, so daß der Teller zerspringt und der Spinat an die grüne Wand spritzt. Plötzlich sind alle Kinder von Viertelland in großer Unruhe. Die Kinder aus Rot laufen zum Mittelpunkt

 des Landes, wo sich die Kreidestriche, die einen Teil vom anderen trennen, treffen. Die Kinder aus Blau gehen dahin, die aus Gelb und die aus Grün.

2. Auf einmal tritt Erbs vor, er spuckt auf den Kreidestrich, dann scharrt er ein bißchen mit dem Fuß und die Kreide ist weg. Sofort machen alle Kinder mit. Sie spucken und scharren, bis es keine Trennungsstriche mehr gibt.

Dann lachen sie und fassen einander vorsichtig an. Die Grünen die Gelben, die Gelben die Blauen, die Blauen die Roten, die Grünen die Blauen, und immer so weiter, bis jedes Jeden angefaßt hat.

Sie fangen an, miteinander zu spielen, und ganz langsam werden die Kinder bunt. Nachdem jedes Kind jede Farbe hat, kann es auch in jeder Farbe denken, fühlen, träumen und wünschen. Jedes versteht das andere, allen gehört das ganze Land. Nie zuvor waren sie so fröhlich. Sie singen nun gemeinsam ihre Lieder und freuen sich an den vielen bunten Dingen (gekürzt nach Gina Ruch -Pauquet).

 

Besprechung:

So wie im Viertelland lebten die Christen in Galatien, an die der Apostel Paulas einen Brief geschrieben hat, aus dem wir nachher ein Stück hören wollen. Die Gemeinden waren sich nicht einig, sondern es gab in ihnen verschiedene Gruppierungen. Und jede Gruppe dachte: „Wir sind besser als die anderen, die sollen erst einmal so werden wie wir, dann körnen wir sie auch als Christen anerkennen!“

Aber bei uns heute ist es vielfach auch nicht anders. Da gibt es auch Menschen, mit deren wollen wir nichts zu tun haben‚ die halten wir für untragbar. Wer könnte das wohl sein? (von den Gottesdienstteilnehmern nennen lassen und die Kartons damit beschriften. Beispiele: Angeber, Versager, Streithammel, Alkoholiker).

Auf einen großen Kanton mit der Aufschrift „ICH“ werden die anderen Kartons gestapelt, die die unerträglichen Menschen symbolisieren sollen. Einer (der das „Ich“ re­prä­sentiert) wirft sie aber immer wieder herunter mit den Worten:

„Du bist mir unerträglich, fort mit dir!“

„Du bist mir nur ein Klotz am Bein!“

„Ich will dich nicht auch noch auf dem Hals haben!“

„Das ist ein Kreuz mit dem!“

„Ich habe mit mir genug zu tun!“

 

Spiel

Lesung: Galater 6,1- 2: Liebe Brüder, wenn einmal jemand bei einer Verfehlung ertappt wird, so helft ihm wieder zurecht im Geist der Sanftmut; und achte auf dich selbst, daß du nicht auch versucht wirst. Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen!

Stimme: „Das ist doch eine Zumutung, was Paulus da schreibt! Wir haben doch mit uns selber gerade genug zu tun! Wie kommt er nur zu dieser Forderung!“

Stimme: „Er weiß halt ‚ daß wir nur zu oft selber der anderen unerträglich sind. Und an sich wären wir auch Gott unerträglich.

Wir wollen nur einige Stichpunkte nennen:

„Ich habe keine Zeit, heute paßt es mir nicht!“

„Wie es den anderen geht, ist mir gleichgültig, Hauptsache: I c h habe!“

„Weshalb soll ich mich noch bedanken, ich hatte doch einen Anspruch!“

„Die anderen fangen immer Streit an, ich bin nicht schuld!“

„Ich kann nichts dafür, daß das schief gelaufen ist!“

Die Stichworte „Keine Zeit, Habgier, Undankbarkeit, Streit, Versagen“, die auf weiteren Kartons stehen, werden auf dem „Ich“-Karton aufgebaut.

Aus den Kartons wird nach und nach ein Kreuz aufgebaut. Als Querholz dient ein Brett, auf das auch Kartons gelegt werden. Auch die noch auf dem Boden liegenden Kartons werden in das Kreuz eingebaut, natürlich auch der „Ich“-Karton. Der unterste Karton trägt die Aufschrift „Christus“.

Sprecher: Wir alle werden mit unserer Last vor Christus getragen. Alle werden von Christus getragen, auch die für uns Unerträglichen. Auf einmal gehören wir zusammen in dieses Kreuz. Das Kreuz Christi erreicht auch den Letzten. Deshalb sollten wir nicht zu schnell sagen: Untragbar! Wenn wir das Kreuz sehen, sollen wir daran denken: „Christus trägt uns. Für ihn ist keiner untragbar!“

 

Wir wollen einmal die unterschiedlichen Lasten sichtbar machen. Das soll so geschehen, daß Pakete geschnürt werden, die aus lauter kleineren Päckchen zusammengesetzt sind. Die Mutter wird drei große Pakete tragen: „Haushalt“, „Erziehung“ und „Schule“. Sie bestehen aus den kleineren Päck­chen, die die in die großen Pakete einzuordnenden Einzellasten darstellen. Die Päckchen sollen entsprechen- de Aufschriften tragen. Der Vater hat die Pakete „Beruf“ und „Familie“, jedes der beiden Kinder die Pakete „Schule“ und „zu Haus“ zu tragen. Die Pakete der einzelnen Familienmitglieder sollen sich farblich \en- einander unterscheiden.

Ein Mitglied des Vorbereitungsteams ruft ihnen nach: „Halt, geht doch nicht weg!“

Das Teammitglied sagt zu allen: „So mag es oft im Gottesdienst sein, daß man hinausgeht, wie man hereingekommen ist. Aber heute nicht. Heute soll das einmal wörtlich verstanden werden, was wir eben gehört haben: „Einer trage des andern Last!“ Die Familie packt ihre Lasten ab und stapelt sie auf einem für alle sichtbaren Tisch auf. Dabei stellt sie sich vor und erzählt, was sie belastet.

Ein Teammitglied übernimmt die Rolle eines Moderators bei einem Gespräch zwischen der Familie und der Gemeinde, in dem etwa folgende Gedanken geäußert werden:

Wie soll man das nun verstehen: Einer trage des andern Last? Was will es nicht heißen?

1. Jeder trägt unter Selbstmitleid seine ganze Last allein.

2. Jeder lädt dem andern auf, was er nicht tragen will. Es wird demonstriert: Mutter als Lastesel.

3. Der Vater geht in die Schule, der Sohn ins Büro.

Was heißt es denn?

Im Gespräch ergibt sich, daß sich Lasten verteilen lassen innerhalb der Familie, aber auch so, daß bestimmte Lasten - zum Beispiel sich mal um die kleine Tochter kümmern - von der Gemeinde übernommen werden können. Die Päckchen werden entsprechend umgepackt oder in die Gemeinde gegeben.

Es kommen aber auch Ängste und Sorgen zur Sprache, die sich nicht verteilen lassen. Solche Päckchen werden beiseite gelegt. Am Ende des Gesprächs sind nur noch diese Päckchen übrig.

 

Pfarrer: Wir hoben miteinander versucht zu verstehen, was es heißt: „Einer trage des anderen Last!“ Einen großen Teil unserer Lasten können wir untereinander verteilen, so daß wir sie leichter tragen können. Aber manches ist noch übriggeblieben. Die Mutter belastet die Sorge um die Kinder. Sie hat Angst vor dem Altwerden. Kinder belastet es, wenn Eltern miteinander streiten. Wir können uns wohl manche Sorge abnehmen, aber es gibt Lasten. die man keinem anderen abgeben kann.

Doch einen gibt es, der uns einlädt, mit unseren Lasten zu ihm zu kommen. (Er schlägt die Bibel auf und liest:) „Christus spricht: Kommt her zu mir alle, die ihr müh- selig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ (Matth 11,23). An einer anderen Stelle steht in der Bibel: „Alle eure Sorge werfet auf Gott, denn er sorgt für euch (1. Petr. 5,7). Das ist ein Angebot, aber wie nutzen wir es? Wir können aus jeder Last ein Gebet machen. Gott ermuntert uns dazu.

Beim Orgelnachspiel verläßt die Familie die Kirche zuerst. Alle können sehen, daß sie weniger zu tragen haben. An den verschiedenen Farben in den Netzen ist zu erkennen, daß einige Lasten neu aufgeteilt sind. Die zurückgebliebenen Lasten auf dem Altar erinnern daran, daß hier auch in Zukunft Last abgeladen werden kann.

 

Gebet:

Herr, unser Gott, es ist nicht immer leicht, mit anderen Menschen auszukommen. Wir ärgern uns, wenn sie nicht das tun, was wir wollen. Sie erwarten etwas von uns, möchten, daß wir sie besuchen und uns mit ihnen abgeben, sie erzählen uns ihre Probleme und möchten Hilfe. Wir aber sind oft zu sehr mit uns selber beschäftigt und beachten sie nicht. Laß uns doch aufmerksamer sein und ihnen zum Helfer werden. Wir sind ja selber oft anderen lästig und beschweren sie unnötig. Herr, vergib uns doch alle Schuld und stärke uns, daß wir die Last anderer mittragen können. Du selbst hast ja alles auf dich genommen, was Menschen an Lasten verursacht haben. Du trägst auch unsre Last. Deshalb wollen wir dir danken.

 

 

 

Wo ist Gott? 1. Johannes 4,12 und 20                                [Noch nicht erprobt]

 

Eltern und Kinder sollten folgende Aufgaben lösen:

1. Aus bereitgestelltem Pappkarton sind fünfzehn bis zwanzig Häuser zu bauen, die den Häusern gleichen sollen, in denen die Bastler selbst wohnen.

2. Eine Schar älterer Kinder bereitet sich (unter Beteiligung von Erwachsenen) darauf vor, während des Gottesdienstes vor der Gemeinde ein möglichst lebensnahes und wirklichkeitsgetreues Gespräch „Was sich Kinder von Jesus sagen“ zu führen.

3. Mehrere jüngere Kinder überlegen, wie sie einen Spielverderber in ihre Mitte zurückholen würden; auch das soll der Gemeinde im Gottesdienst gezeigt werden.

4. Eine letzte Gruppe, die sich zweckmäßigerweise teilt, verfertigt mit tatsächlich lesbaren Buchstaben Schrifttafeln (eventuell nur einzelne Textzeilen); geschickte Hände könnten vielleicht sogar passende, sachbezogene Bildzeichen („Piktogramme“) herstellen. Die Text- bzw. Bildtafeln sollen der Gemeinde den Fortgang der Überlegungen zum Thema versinnbildlichen; sie sollen helfen, die Verkündigung zu behalten. Die jeweils zueinander gehörigen Teile sind gegenübergesteilt aufzuhängen. Nach Abschluß jeden Verkündigungsabschnittes sind die Texte von der gesamten Gemeinde zu wiederholen (sprechen oder singen):

Wo bist du, Gott?                                                      Da ist unser Gott!

 

1. (a) Niemand kann dich sehen,                              1. (b) wir wollen zu Jesus gehen

2. (a) Sie lachen voller Spott.                                                2. (b) Doch lest das Bibelwort!

3. (a) Den Nächsten seh' ich an,                               3 (b) ob ich ihm helfen kann.

4. (a) Höre unsre Bitte:                                             4. (b) Bleib in unsrer Mitte!

 

Verkündigung

1. „Wir bauen mit unseren Häusern eine neue Straße“:

Es bleibt den Kindern und einigen mitspielenden Erwachsenen überlassen, wie sie sich nach Bekanntgabe des Spielauftrags zusammenstellen. Man achte lediglich darauf, daß sie gegenübertreten und so eine Gasse, eine gedachte Straße bilden. Jeder hält ein Haus („sein“ Haus!) und gibt ihm eine funktionale Bezeichnung (Gasthaus, Wohnhaus, Kindergarten, Hochhaus, Polizei, Wohnblock u. ä.) nach eigener Wahl.

Impuls (aus dem Kreis der mitspielenden Erwachsenen): Die Menschen - Große und Kleine - die in dieser Straße wohnen, sollen auch von Gott und Jesus hören können. Brauchen wir dazu nicht auch eine Kirche? Antwort (geplante Richtung des Gesprächs): Recht betrachtet, können sich die Menschen überall versammeln, um von Jesus zu sprechen und zu hören: jedes Haus, jede Werkstatt, jede Stube und jede Straße kann solch ein Ort sein!

Abschluß (durch einen Erwachsenen): „Überall, wo von Jesus erzählt wird, da ist Gott nahe und da ist Gott bei uns!“

Einprägung (alle): Niemand kann dich sehen - wir woll'n zu Jesus gehen!

 

2. „Was Kinder von Jesus sagen“:

Bohrende Fragen, kritische Einwände (vielleicht sogar aus einem Schrifttum, das Kinder schon verstehen), eigene engagierte Bekenntnisse und vorhandenes biblisches Wissen sollen vorgebracht werden.

Impuls (Erwachsener): Wer sagt uns eigentlich, wer Jesus wirklich war? Antwort (geplante Richtung): Wir müssen alle die befragen, die sich Jesus anschlossen, weil sie in seinem Reden und Handeln die Kraft Gottes erkannten. Was sie bezeugt haben, wird zur Grundlage unseres Glaubens und unserer Kenntnis.

Abschluß (Erwachsener): „Wenn ein Mensch an Jesus glaubt, so erwartet er, Gott zu begegnen. Gott ist uns also im Glauben an Jesus nahe!“

Einprägung (alle): „Sie lachen voller Spott - Doch lest das Bibelwort!“

 

3. „Bleib nicht dort allein“:

Das „gespielte“ Spiel der Kinder, an dem auch ein oder zwei Erwachsene teilnehmen sollten, darf mit Rücksicht auf das einzubauende Gespräch nicht so unterkühlt ablaufen, daß es als Spiel unglaubhaft wirkt. Natürlich soll auch nicht so übertrieben gespielt werden, als ob das Austoben die Absicht wäre. Der in den Kreis der Kinder Hineinzuholende könnte ebensogut ein Fremder wie eine Spielverderberin. Der augenblicklichen Eingebung dieses Kindes sollte es auch überlassen bleiben, ob es schließlich mitspielt. Das Gespräch der Kinder wird gewiß erst einmal all die Gründe zusammentragen, die gegen eine Gemeinsamkeit mit dem Außenseiter sprechen.

Impuls (Erwachsener): Vergleicht. eure Meinung mit der Meinung der Pharisäer über die Zöllner. Und dann besprecht, warum Jesus kein Pharisäer werden wollte!

Antwort (geplante Richtung): Jesus hat dafür gelebt, daß sich die Menschen besser verstehen. Wo sie im Frieden leben, da kann auch der Friede Gottes sein.

Abschluß (Erwachsener): „Gott nimmt jeden, der kommt, in seine Gemeinschaft auf. Machen wir es wie Gott, dann ist er bei uns."

Ei n p r ä g u n g (alle): Den Nächsten seh' ich an - ob ich ihm helfen kann.

 

4. „Hier sind wir“:

Die Predigt versucht eine Zusammenfassung des Voraufgegangenen. Sie erinnert nochmals daran, wie und wo wir Gott finden.

„Wo ist Gott?“ So werden wir gefragt und so haben wir auch selbst schon gefragt. Darauf wurde uns geantwortet: Gott ist dort, wo von Jesus berichtet wird; das kann in der Kirche geschehen, es kann auch auf der Straße passieren. Gott ist dort, wo sich Menschen als „Kinder Gottes“ versammeln. Diese Antwort wollen wir uns merken und weitersagen! (Abschnitt 1)

„Wo ist Gott, wenn er nicht einmal im Himmel zu finden ist und auf der Erde sich nicht einmal hören läßt?“ Dazu muß gesagt werden: Gott ist über Himmel und Erde erhaben. Für uns Menschen gibt es nun aber nichts Höheres als den Himmel. Und so wählen wir den Ausdruck „Himmel“, um eine Vorstellung von Gottes Größe anzudeuten. Diesen gewaltigen, mächtigen Gott können wir nicht mit Augen und Ohren, oder gar mit unseren Händen fassen. Er wird uns aber anschaulich in Jesus, er redet zu uns durch Jesu Mund. Und darum finden wir Gott heute in Jesu Wort, in unserer Bibel. Auch das wollen wir uns merken. (Abschnitt 2)

„Wo ist Gott?“ Unser Spiel hat gezeigt: Er ist bei jedem oder will doch bei jedem sein. Sein Ziel ist die Gemeinschaft aller; und dazu gehören die Traurigen ebenso wie die Fröhlichen, die Verachteten in gleicher Weise wie die Geachteten. Gott liebt sie alle, und wir sollen uns so zueinander verhalten, daß das alle spüren! (Abschnitt 3)

„Wo ist Gott?“ Er ist da, wo wir sind. Er sucht uns, um uns zu begleiten. Wir hatten eine neue Straße gebaut. Sie wird ganz sicher veralten, wenn nicht erneuerte Menschen darin wohnen. Eine alte Straße aber muß nicht alt bleiben. Sie kann verändert werden durch unser verändertes Verhalten.

„Wo ist Gott?“ Er ist da, wo wir sind. Er sucht uns, um uns zu begleiten. Die Fragen um Gott und um Jesus werden wohl niemals aufhören. Sie machen uns nicht nervös. Solange wir tatsächlich eine Antwort suchen, hat dos Fragen einen Sinn. Denn dann werden wir in der Bibel die gute Botschaft entdecken können, daß Gott seinen Sohn Jesus zu unserer Hilfe in die Welt gesandt hat.

„Wo ist Gott?“ Er ist da, wo wir sind. Er sucht uns, um uns zu begleiten. Ein großer Teil der Menschen meint, ohne Gottes Hilfe und Beistand auskommen zu können. Wo aber finden die Tausende eine Hoffnung und einen Halt, die bei Sorgen oder Leid, bei Überlastung oder Schwierigkeiten Hilfe brauchen? Sie warten auf ein gutes Wort, auf eine kleine Unterstützung, auf ein liebevolles Gedenken. Wir würden an Gott vorübersehen, an ihm vorbeigehen, wenn wir die Verbindung mit diesen Menschen verlieren. Wir alle aber brauchen Gottes Liebe.

Einprägung (alle): „Höre unsre Bitte - Bleib in unsrer Mitte!“

 

 

 

 

 

 

 

V e r s c h i e d e n e s

 

Elisabeth von Thüringen

Einleitung:

Viele werden schon auf der Wartburg bei Eisenach gewesen sein, wo Elisabeth von Thüringen gewohnt hat. Sie werden sich vielleicht auch an die schönen Mosaikbilder in der sogenannten „Elisabethkemenate“ erinnern oder an die auf den Putz gemalten Bilder aus dem Leben der Elisabeth in einem Gang des Palastes. Zwischen diesen Bildern sind noch kleine Medaillons gemalt ‚ auf denen die „Sieben Werke der Barmherzigkeit“ dargestellt werden. Gemeint sind damit: Hungernde speisen, Dürstende tränken, Heimatlose beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote begraben. Diese Werke der Barmherzigkeit beziehen sich auf eine Geschichte, die Jesus erzählt hat und die wir nachher noch hören wollen.

 

Zunächst aber wollen wir einige Szenen aus dem Leben der Elisabeth sehen und uns noch Einiges erzählen lassen. Wir haben uns dabei bemüht, die Personen in dem Alter auftreten zu lassen, das sie tatsächlich hatte ‚ also von 4 bis 24 Jahren. Als erstes sehen wir, wie Elisabeth als kleines Kind auf die Wartburg kommt. Dann erleben

wir Elisabeth als junges Mädchen im Kreise der Familie des Landgrafs. Das Dritte ist ein Gespräch mit ihrem Mann und als Letztes der Bericht der Elisabeth, als sie als Witwe in Marburg lebte.

 

Anspiel:

Elisabeth kommt auf die Wartburg:

(Prinz Hermann 12 Jahre, Prinz Ludwig 10 Jahre, Elisabeth 4 Jahre)

H.: Ob wir wohl auskommen werden mit dem kleinen Mädchen, das zu uns auf die Wartburg kommen soll? Bis jetzt haben wir doch immer gut miteinander gespielt. Aber bei Mädchen weiß man nie, die sind manchmal so komisch. Und wer ich groß bin, soll ich sie auch noch heiraten, das kann ja heiter werden!

L.: Das ist aber so üblich in den Fürstenfamilien. Die Eltern wollen gern mit dem ungarischen Königshaus und den Fürsten von Meran verwandt sein. Da haben sie neue Verbündete gewonnen. Aber ich weiß nicht einmal, wo dieses Ungarn liegt, oder Tirol.

H.: Sicher denken sie auch: Wenn die Kinder gemeinsam erzogen werden, dann können sie sich auch nachher besser verstehen. Hoffentlich ist sie nicht so eine dumme Ziege.

L.: Jetzt kommt die Kutsche (Sie laufen zum Fenster). Sechs Pferde sind davor.

R.: Und dahinter ein großes Gefolge von Reitern und Wagen. Sieh mal, was sie alles mitbringt: Goldene und silberne Kannen und Schüsseln, eine silberne Wiege mit Decken und Kissen aus purpurroter Seide, ein Elferbeinkästchen mit Edelsteinen. Alles bringen sie in die Burg hinein.

L.: Ob wir das Mädchen überhaupt verstehen? Sie kommt doch aus Ungarn. Ob sie überhaupt die deutsche Sprache kann. Aber vielleicht hat sie ja von ihrer Mutter unsere Sprache gelernt. (Elisabeth kommt herein, fremdländisch angezogen, von einer Frau geführt)

E.: Guten Tag, ich bin Elisabeth. Wer seid ihr? Wie heißt ihr?

H.: Ich bin Hermann, der ältere Sohn des Landgrafen.

L.: Und ich bin Ludwig, auch ein Sohn. Dazu haben wir noch eine Jutta und Heinrich Raspe. Wir freuen uns, daß du da bist. Jetzt haben wir noch jemanden zum Spielen.

Orgelzwischenspiel

 

Elisabeth auf der Wartburg:

(Elisabeth 10 Jahre, Hermann 18 Jahre, Ludwig 16 Jahre)

H.: Gestern war ja wieder etwas los auf der Wartburg. Unser Vater hat wieder eine Menge fahrender Dichter und Sänger eingeladen. Mit ihnen feiert er jetzt schon tagelang sein Fest. Da wird wieder einmal an nichts gespart.

L.: Dabei geht es den Leuten im Land so schlecht, der Krieg ist noch nicht überwunden. Neulich sah ich Bauern, die teilnahmslos auf der Asche ihrer abgebrannten Häuser saßen. Überall belagern hungernde Frauen und hilflose Kinder die Tore der Städte und Burgen. Dazu noch überall die vielen Kranken.

H. Aber bei uns leben sie, als gäbe es das alles gar nicht. Doch wie Elisabeth es macht, das finde ich auch nicht nichtig. Sie geht vor das Tor, unterhält sich mit den armen Leuten, gibt ihnen Geschenke und Essen, verbindet ihre Wunden und will ihre Lumpen zusammennähen.

L.: Ach laß sie nur. Sie nimmt eben das ernst, was der Pfarrer uns neulich erzählt hat: Speist die Hungrigen, tränkt die Durstigen, beherbergt die Fremder, bekleidet die Nackten, besucht die Kranken, geht zu den Gefangenen. So hat das schon unser Herr Jesus Christus gewollt.

E.: Kommt ihr mit in die Burgkapelle?

H.: Du willst wohl wieder in das fromme Buch sehen ‚ wo du doch noch gar nicht lesen kannst? Stell dir vor, neulich hat sie den halben Tag in der Kapelle gesessen und in das Buch gestarrt.

S.: Ich will meinen Schmuck und meine Krone vor dem Altar niederlegen. Wo Jesus die Dornenkrone aufhat, da will ich nicht mit einer weltlichen Krone erscheinen (geht zum Altar und tut es).

H.: Sie verhält sich so ganz und gar nicht wie eine künftige Landgräfin. Sie müßte doch langsam begreifen, daß sie eine Fürstin ist. Aber sie streut immer wieder unsere Reichtümer bedenkenlos unter die Leute.

L.: Ich weiß, daß unser Vater sie wieder hat heimschicken wollen. Aber ich habe ihn solange gebettelt, bis sie bleiben durfte. Es ist schon recht, was sie tut.

Orgelzwischenspiel

 

Sprecher:

Der Landgraf starb und auch sein ältester Sohn, der einmal Elisabeths Mann hatte werden sollen. So wurde sie an Pfingsten des Jahres 1221 mit Ludwig vermählt, den sie sowieso besser leiden konnte und dem sie echt zugeneigt war. Niemand hat ihre Sehnsucht, vor allem Gott zu gefallen, so gut verstanden wie er. Mit ihm erlebte sie eine kurze Sonnenzeit: Sie begleitete ihn tagelang auf Reisen. Wenn er allein fort war, legte sie Witwerkleider an und freute sich unbändig auf seine Rückkehr. Zu hohen Festen aber legte sie prächtige Kleider an, weil er das gern hatte. Drei Kinder hatten sie: Hermann, der spätere Landgraf vor Thüringen, Sophie, die Gründerin des Landes Hessen, und schließlich noch Gertrud.

Ludwig der Vierte war in der Reihe der Landgrafen ein Außenseiter. Er stand treu zum Kaiser und gab das verschwenderische Leben des Vaters auf. Seine Frau verteidigte er gegen alle Angriffe der Verwandten und duldete ihre Freigiebigkeit gegen die Armen. Das Jahr 1225 brachte einen überaus harten Winter. Dazu kamen viele Tiere durch eine Seuche um. Alles wurde entsetzlich teuer: ein Maß Korn kostete so viel wie ein Pferd. Auch vor der Toren der Wartburg reckten sich Kinderarme nach Essen‚ Mütter baten um alte Kleider und Schuhe. Da ließ Elisabeth die Speicher und Scheunen öffnen und Getreide verteilen. Am nördlichen Abhang des Burgfelsens entstand ein Hospital für Kranke. Morgens und abends ging Elisabeth selber zum Krankenhaus hinunter und pflegte die Patienten. Sie verkaufte ihren Schmuck,

um den Notleidenden helfen zu können. Vor ihrem Pfarrer Rüdiger hatte sie gelernt, Armut auch mit fröhlichem Gesicht zu üben. Er gehörte zum Mönchsorden der Franziskaner, die dem Vorbild des Franz von Assisi nachfolgen wollten. Ihr Leben wurde auch für Elisabeth richtungweisend. Aber bald erlitt sie einen schweren Schlag:

 

Ludwigs Tod:

E.: Schön, daß du wieder von der Jagd zurückkommst. Gib mir deinen Gürtel mit dem Dolch!

L.: Ja, es war wieder einmal eine tolle Jagd. Wenn es doch immer so sein könnte.

E.: Was hast du denn hier? (holt ein Tuch mit einem roten Kreuz aus dem Gürtel). Du hast das Kreuz genommen? Du willst mich verlassen?

L.: Ich habe ein heiliges Gelübde getan‚ mit anderen Rittern zusammen das Land Jesu zu befreien. Das muß ich halten, ich gehe mit auf den Kreuzzug.

E.: Gegen Gottes Gebot will ich nicht ankämpfen. Aber bis nach Schmalkalden, der südlichsten Stadt unseres Landes, darf ich dich doch noch begleiten. Wenn du nur wieder kommst. Ich habe so eine böse Ahnung, daß wir uns nicht wiedersehen werden.

Orgelzwischenspiel

 

Elisabeth in Marburg:

E.: Mein Mann ist tatsächlich nicht vom Kreuzzug zurückgekommen. Schon in Süditalien ist er an einem Fieber gestorben. Schon mit 20 Jahren war ich Witwe. Meine Kinder wurden unter die Vormundschaft ihres Onkels Heinrich Raspe gestellt. Er wollte sie in seinem Sirre erziehen. Ich lehnte mich dagegen auf. Da sperrte er mir meine Einkünfte aus dem Witwengut.

Schließlich verließ ich mit zwei Freundinnen die Burg. Wir irrten durch die Straßen von Eisenach. Aber keiner wollte uns aufnehmen, der neue Landgraf hatte es streng verboten‚ weil er mich zwingen wollte, auf die Burg zurückzukehren. Eine ganze Zeit verbarg ich mich in einem Schweinestall. Eine Bettlerin‚ die früher viel von mir erhalten hatte, stieß mich in die Straßenrinne.

Doch schließlich verkaufte ich meinen Besitz und ging nach Marburg, wo das Schloß an sich mein Witwersitz werden sollte. Aber ich baute dort ein Krankenhaus wo ich die Kranken eigenhändig zu pflegen begann. Ganz in der Nähe ließ ich mir eine kleine Hütte bauen. So lebte ich wie eine Nonne, verzichtete auf Besitz, Ehe und Familie und auch auf meinen eigenen Willen. Ich wollte nur noch Christus gehorsam sein. Besonders schwer fiel mir der Abschied vor meinen Kindern. Aber ich durfte dann die Pflegemutter vieler armer und verwaister Kinder werden.

 

Sprecher:

Doch der harte Dienst an den Kraken zehrte ihre Kräfte bald auf. Wenige Tage nach ihrem 24.Geburtstag starb sie am 19. November 1231. In der Franziskuskapelle des Hospitals wurde sie begraben. Schon 1235 wurde sie heiliggesprochen und ihre Gebeine wurden in den kostbaren Elisabethschrein gelegt. Er steht noch heute in der Elisabethkirche in Marburg, die in den Jahren 1235 bis 1289 als Grab- und Wallfahrtskirche gebaute wurde.

Doch für uns ist wichtig das Vorbild dieser frommen Frau, die mit ihrer Menschlichkeit ein Zeugnis gab vor der Liebe Gottes zu den Menschen. Evangelische und katholische Christen erinnern immer wieder Jahr an die große Liebende Elisabeth vor Thüringen, die uns auffordert, es ihr nachzutun.

 

Predigt:

Auch bei uns werden viele sagen: „Ich habe noch niemanden hungern sehen, dem ich hätte helfen können. In südlichen Ländern mag es so etwas geben‚ aber doch bei uns nicht. Höchstens mein Schulbrot habe ich einmal mit meiner Freundin geteilt, als die ihr Brotvergessen hatte!" Wir kennen auch keine Heimatlosen und keine Gefan­genen, also ist diese Sache für uns erledigt.

Jesus aber fordert uns auf‚ mit wachen Augen durch die Welt zu gehen und auf die Not der Mitmenschen zu achten. Unsere Hilfe wird auch heute und bei uns gebraucht. Das fängt schon an, wenn so ein Erstklässler von den Großen auf die Seite geschubst wird. Da braucht er jemanden, der ihm beisteht. Die Eltern oder die größeren Geschwister werden ihm sicher helfen. Aber die sind nicht immer da. Wie gut ist

es da, wenn auch andere Menschen helfen. Vor allem von Christer sollte man es erwarten dürfen.

Jesus sagt: „Was ihr getan habt einem unter den geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan!“ Jeder Mensch ist ein Abbild Gottes und aus jedem sehen uns die Augen Jesu Christi an und fragen uns: „Hilfst du mir?“ Wer einen echten Glauben hat, der wird ganz von selbst dazu gedrängt, auch anderen Menschen zu helfen und seinen Glauben in die Tat umzusetzen.

Es könnte sonst sein, daß Nichtchristen uns den Rang ablaufen und so handeln, wie wir eigentlich handeln müßten. Sie hatten sich keine gute Taten vorgenommen. Aber als Not am Mann war, haben sie ganz selbstverständlich getan, was nötig - „notwendig“ - war und was Gott erwartet hat. Jesus sagt: „Solche guter Taten können ihnen einmal von Gott angerechnet werden, wenn über das Leben abgerechnet wird. Es muß nicht so sein, aber es könnte so sein', daß sie besser dabei wegkommen als diejenigen, die gemeint haben: „Wir gehören ja zu Jesus, uns kann nichts passieren, auch wenn wir uns nicht so um die anderen Menschen kümmern.

Damit soll aber nicht gesagt sein: „Man kann auch ein anständiger Mensch sein, wenn man nicht in die Kirche geht. Hauptsache, ich tue meire Pflicht und tue niemandem etwas zuleide und lebe ehrlich von meiner Hände Arbeit. Wahres Christentum zeigt sich in der Tat! Und anstatt Kirchen zu bauen oder zu erneuern, sollten sie lieber Wohnungen bauen, damit wäre uns mehr gedient!“ So kann man immer

wieder einmal hören. Sicher werden auch mache Eltern solche Gedanken als Ziel ihnen Erziehung ansehen.

Daß man die Hungrigen gespeist hat, bringt einen noch nicht in den Himmel, auch nicht, daß man zur Kirche gehört oder gar einen kirchlichen Beruf hat. Krankenhäuser und Wohnungen können natürlich auch Menschen bauen, die nicht glauben - und es ist gut, wenn sie es tun. Wir dürfen froh sein, wenn Vieles von dem, was Jesus gewollt hat, in unserer heutigen Welt verwirklicht wird, auch von Nichtchristen.

Aber Elisabeth von Thüringen hat sich nicht um die Armen und Kranken gekümmert, um dem Fortschritt der Menschheit zu dienen, sondern um einen Auftrag Gottes auszuführen. Sie tat es als Antwort auf die Liebe Gottes, die sie selber erfahren hatte. Von dieser Liebe hören wir hier in der Kirche. All unsere guten Taten machen den Gottesdienst nicht überflüssig. Im Gegenteil: Hier werden wir ja gerade immer wieder darauf hingewiesen, Gutes zu tun.

Aber wenn wir die Kirche verlassen, beginnt der zweite Teil des Gottesdienstes. Dann zeigt sich erst, ob wir Gott nichtig verstanden haben und ihm dienen wollen (Durch gute Taten am Mitmenschen wird der Gottesdienst am Sonntag nicht überflüssig, beides gehört nach Gottes Willer zusammen. Jesus möchte nicht, daß wir eins von beiden vernachlässigen, denn er möchte doch, daß wir am Ende zu der Gesegneten gehören.

Direkte äußere Not gibt es ja bei uns kaum noch. Aber die innere Not ist vielleicht umso größer geworden. Heute wird vor allem der Besuch bei den Kranken wichtig sein. Ein kranker und auch ein alter Mensch werden oft links liegengelassen und vereinsamen. Wie froh ist er aber, wenn einmal jemand kommt, vor allem auch Kinder. Es ist ja gar nicht viel zu tun, es ist nicht jeder gleich eine Heilige Elisabeth

oder ein Albert Schweitzer oder eine Mutter Theresa. Aber einer Mutter mit einem Beinleiden kann man vielleicht den täglichen Weg zur Kinderkrippe abnehmen. Oder man kann einmal für jemanden mit kochen oder etwas einkaufen.

Noch wichtiger als solche praktische Hilfsbereitschaft ist aber der Trost in der inneren Not. Mancher Kranke wird undankbar oder hat Fragen und ist auch mit Gott uneins. Darüber sollten wir mit ihm sprechen und ihm wieder zurecht helfen, ihm auch Trost und Mut geben, mit seinem Schicksal fertig zu werden.

So wird jeder gebraucht, die Großen und die Kleinen. Jeder vor uns kann so barmherzig sein, wie Elisabeth von Thüringen es war und wie es uns schon Jesus vorgelebt hat.

 

 

Wer ist hier behindert - du oder ich?

Spiele:

1. Im Mittelgang der Kirche sind verschiedene Hindernisse aufgebaut. Einer kriegt die Augen verbunden und soll sich zwischen den Gegenständen zurechtfinden. Die anderen rufen ihm (nichtig oder falsch) zu, wie er gehen soll.

2.Mit verbundenen Augen soll einer verschiedene Geräusche deuten

(Papierreißen, Flasche öffnen, Buch schließen, Streichholz anzünden)

3. Einer muß nach draußen gehen. Ein anderer versteckt sich unter

einer Decke. Dann soll der andere raten, wer unter der Decke steckt. Notfalls muß der Versteckte einen Ton von sich geben oder etwas sagen (darauf achten, daß die beider sich auch tatsächlich kennen).

 

Diese Spiele machen uns deutlich (in etwa), wie schwierig es wird, wenn einer behindert ist. Dabei geht es nur um diese eine Behinderung, nämlich die Blindheit. Es gibt aber eine Menge anderer Behinderungen körperlicher oder geistiger Art. Manche bestehen von Geburt oder von Kindheit an, andere sind erst durch eine Krankheit oder einen Unfall dazugekommen. Das heißt: Auch jeder vor uns kann zum Beispiel querschnittsgelähmt werden und ständig an den Rollstuhl gebunden

sein.

 

Information:

In Deutschland gibt es hunderttausende geistig behinderter Kindern und Jugendliche unter 18 Jahren. Das bedeutet: In all diesen Familien gibt es die ausgesprochene oder unausgesprochene Spannung: „Wer ist schuld?“ Warum mußte gerade uns das passieren?" Manche meinen ja auch, diese Schäden kämen von Trunksucht und einem unsoliden Leben.

In diesen Familien können die Mütter nicht berufstätig sein und sind ständig an ihre vier Wände gefesselt. Sie haben nicht so viel Geld zur Verfügung und können nicht in Urlaub fahren. Sie scheuen sich, zusammen mit ihrem Kind in die Öffentlichkeit zu treten, ein Besuch in Kino und Theater, in Schwimmbad oder Gaststätte ist nicht möglich. Die Hoffnungslosigkeit in diesen Familien wird oft zur Verbitterung, die sie mit ihrem Leben nur schwer fertig werden läßt.

Die Kirche versucht, diesen Familien zu helfen. Es gibt Heime für geistig und körperlich Behinderte und Sondertagesstätten für geistig behinderte Kinder. Viele Behinderte können aber keinen Heimplatz erhalten, sondern leben zusammen mit den Gesunden in unseren Städten und Dörfern. Oft ist eine Heimeinweisung auch gar nicht erforderlich. Aber dann ist es umso notwendiger, daß man ihnen mit Verständnis und Hilfsbereitschaft begegnet.      

 

Fragen:

Welche Behinderte gibt es in unserer Gemeinde? (vor allem Jugendliche)

Welche Heime für Behinderte gibt es in der Umgebung?

 

Predigt:

„Seht die Leute an, liebe Brüder, die zu euch gehören. Es sind nicht viele geistig Bedeutende unter ihnen, nicht viele Mächtige, nicht viele aus den alten und edlen Familien. Wen hat Gott ausgesucht? Ungebildete Leute! Denn es ist Gottes Absicht, den Klugen zu zeigen, wie wenig ihre Weisheit vermag. Wen hat Gott ausgesucht? Leute ohne Einfluß! Denn er wollte zeigen, daß mit menschlicher Macht bei ihm nichts zu erreichen ist. Unedle hat Gott erwählt, Menschen, die unter den anderen nichts gelten. Er hat die zu sich gerufen, die nichts sind; aber er hat die ausgeschlossen, die meinen, etwas zu sein. Denn alles wäre falsch, wenn ein Mensch vor Gott treten und sagen wollte: Ich bin etwas! Mich kannst du brauchen! Gott ist es, der euch mit Christus verbunden hat. Was wir von Gott wissen, liegt in seinem Wort. Weil er uns rein macht, sind wir mit Gott im Reinen. Well er uns einläßt, haben wir Zugang zu Gottes Haus. Weil er uns frei macht, sind wir unsere Fesseln los. So sagt die Schrift, und so soll es gelten: Wer etwas Gutes an sich entdeckt, soll sagen: Ich habe es nicht von mir. Der Herr hat es mir gegeben!“

 

Neulich sagte ein junger Mann: „Mein einziger Gedanke von früh bis spät ist: Wie kann ich zu möglichst viel Geld kommen?“ Geld braucht man, oder das, was man zu Geld machen kann. Oder auch eine gute Ausbildung, die einem nachher einen guten Verdienst ermöglicht. Oder auch einfach nur Beziehungen. Aber jedenfalls will es doch jeder zu etwas bringen und sich einmal etwas leisten können.

Paulus aber will uns eine neue Sicht des Lebens zeigen. Er macht deutlich: Gott kümmert sich auch um die, die all das nicht erreichen können. Menschen, die unter anderen nichts gelten, die sucht er!

Dazu gehören diejenigen, über die die ganze Klasse lacht. Dazu gehören die Auszu­bildenden, die für die anderen springen müssen. Dazu gehören die Schüler, die vor den Lehrern immer wieder ungerecht beurteilt werden.

Dazu gehören auch die körperlich und geistig Behinderten. Sie sollen in der christlichen Gemeinde ihren Platz finden. Einer hat es einmal so ausgedrückt: „Eine Gemeinde ohne Behinderte ist selber behindert!“ Sicherlich gibt es in jedem Ort irgendwelche Behinderte. Aber ob die christliche Gemeinde auf sie aufmerksam geworden ist und sie in ihre Mitte hinein holt, ist noch eine andere Frage. Wenn sie das aber nicht tut, dann ist sie selber irgendwie „behindert“, dann tut sie nicht das, was ihre Aufgabe wäre, dann fehlt ihr eine wichtige Seite ihres Lebens.

Es ist dabei ja nicht so, daß wir der Behinderten eire große Grade gewähren würden. Sie geben uns ja auch etwas, wir können ja auch vor ihnen lernen. Sie machen uns zum Beispiel deutlich: Unsere Möglichkeiten und Fähigkeiten sind ein Geschenk Gottes. Sie gehören nicht uns, sondern denen, die diese Gaben nicht haben.

Durch sie werden wir auch daran erinnert, daß wir selbst auf andere angewiesen sind. Dieses Angewiesensein kann durchaus schön sein. Man wird dadurch ja auch bereichert, schmort nicht nur im eigenen Saft, sondern kann sich von anderen helfen lassen.

Die Behinderten haben davon schon mehr begriffen als wir. Sie „kleben“ förmlich an einem anderen und brauchen ihn als Bezugsperson. Manchmal wird das dem anderen schon zuviel. Wir denken oft anders. Wir wollen unabhängig sein und nicht auf jemanden angewiesen sein. Aber dadurch wird man auch leicht einsam und damit verbittert und ohne Humor. Wer aber auf andere angewiesen ist, der wird dankbar. Dankbarkeit ruft Liebe hervor. Wer niemand braucht, wird auch von niemand geliebt. Seine menschlichen Beziehungen werden verkümmern und er wird im Grunde ein sehr armer Mann sein.

Auch ein Behinderter wird natürlich alles tun, was in seinen Kräften steht. Wir können manchen nur bewundern, wie der mit seinem Schicksal fertig wird: ein Blinder bewältigt ein Studium, ein Querschnittsgelähmter treibt Sport, ein geistig Behinderter leistet in einer beschützten Werkstätte nützliche Arbeit. Aber es bleibt doch immer ein Rest, wo die Hilfe anderer nötig ist, wo der Betreffende nicht allein zurecht kommt.

Darin ist er uns aber Vorbild in unserem Verhältnis zu Gott: Er weiß, daß er es allein nicht schafft. Nur ist es so, daß man Gott gegenüber gar nichts vorweisen kann, sondern alles geschenkt bekommt. Er lehrt uns: Wir können nicht 80 Prozent selber leisten und Gott legt dann noch 20 Prozent hinzu, sondern Gott muß uns alles geben: daß wir Eltern und Freunde haben, daß wir gesund sind und etwas leisten können,

daß wir manche Dinge besitzen und uns manche Freude leisten können, das alles und noch mehr ist ein Geschenk Gottes.

Mancher Behinderte könnte uns sicher fragen: „Wer ist hier behindert: Du oder ich?“ Du hältst mich für behindert. Aber vielleicht bist du viel stärker behindert, weil du alles allein schaffen willst, weil du die Not der anderen nicht zur Kenntnis nehmen willst, weil du nicht zur Hilfe bereit bist.

Der 1.Korirtherbrief weist uns somit auf ein Problem hin, das sehr leicht vergessen geht. Wir sollten nicht meinen, wir würden die Kirche erhalten. Gott allein sorgt für alles. Und dabei nimmt er auch Menschen in seinen Dienst, denen wir es gar nicht zugetraut hätten. Aber er will natürlich auch uns alle in seinen Dienst nehmen. Deswegen sind wir ja gesund, damit wir uns umso besser einsetzen können. Gott selber hat keine Hände und Füße. Er will unsere Hände und Füße nehmen, damit anderen geholfen wird.

 

Fürbittengebet:

I.) „Was geht mich das an?“ fragen wir bewußt oder unbewußt jeden Tag. Wir bitten dich jetzt, Herr: Vergib uns diese Frage. Immer sind wir in Gefahr, dich und deine Sache mit unseren Maßstäben zu messen. Wir wollen Ansehen und Einfluß für unsere Kirche. Wir reden von der armseligen Krippe und von der Schande des Kreuzes, aber wir übersehen, daß diese Zeichen auch heute noch Gültigkeit haben. Wir wenden uns ab, wenn du uns begegnest in Armut, Krankheit und Hilflosigkeit. Herr, vergib uns das.

II.) Wir danken dir, Herr, daß du uns täglich begegnen willst. Du wohnst nicht in Bezirken, zu denen wir keinen Zutritt haben. Du bist nicht so entfernt, daß wir Mühe haben, dich zu erreichen. Du kommst zu uns in allen Menschen, die der Hilfe bedürfen. Durch jeden Kranken, jeden Süchtigen, jeden Elenden redest du uns an. Wir haben jeden Tag Gelegenheit, dir nahe zu sein. Dafür danken wir dir, Herr.

I.) „Was geht mich das an?“ fragen wir bewußt oder unbewußt jeden Tag. Wir bitten dich jetzt, Herr: Vergib uns diese Frage. Immer wieder sind wir in Gefahr, unsere Ver­antwortung abzuschieben an Berufszweige und Institutionen. Wir glauben, es genügt, wenn wir einen Beitrag an das Diakonische Werk oder zu einer Sammlung geben. Wir verstecken uns hinter Zeitmangel und Unfähigkeit, mit Kranken und Behinderten umzugehen. Wir sehen auf unsere Probleme, unseren selbstverständlichen Lebensstandard und setzen die Betroffenen der Isolierung aus. Bestenfalls haben wir Mitleid mit ihnen. Herr, vergib uns das.

II.) Wir danken dir, Herr, daß du uns täglich begegnen willst. Immer wieder machst du Menschen willig, den Dienst aufzunehmen an denen, die sich selbst nicht helfen können. Du gibst neue Erkenntnisse in Medizin und Wissenschaft und dadurch neue Möglichkeiten der Hilfe. Auch in unserer Gemeinde sind Menschen bereit, sich um die geistig Behinderten und ihre Familien zu kümmern und zu fragen, was sie tun können. Dafür danken wir dir, Herr.

I.) „Was geht mich das an?“ fragen wir bewußt oder unbewußt jeden Tag. Wir bitten dich jetzt, Herr, vergib uns diese Frage. Wir fürchten uns vor den Konsequenzen, die es mit sich bringt, wenn wir uns auf diese Frage einlassen. Wir haben Angst, von den Forderungen aufgefressen zu werden. Wir resignieren, wenn wir die Größe der Aufgabe und die Geringfügigkeit unserer Möglichkeiten sehen. Wir trauen uns nichts zu, und wir trauen dir nicht zu, daß du uns helfen wirst von Schritt zu Schritt, wenn wir dir gehorsam sind. Herr, vergib uns das.

II.) Wir danken dir, daß du uns hilfst, wo unsere Kraft zu Ende ist. In deine Hände legen wir alle Arbeit des Diakonischen Werks, alles Bemühen der unzähliger Hilfsbereiten, aber auch alle Resignation und Ausweglosigkeit. Wir vertrauen darauf, daß du uns nicht verläßt. Dafür danken wir dir, Herr…..    Vater unser im Himmel....

 

Die Deklaration der Rechte der geistig Behinderten:

Die Deklaration wunde 1968 von der Internationalen Liga auf ihrem Kongreß in Jerusalem einstimmig angenommen. Nach drei Jahren stellte sich die Vollversammlung der Vereinten Nationen in ihnen Sitzung in Genf (20. Dezember 1971) voll und ganz hinter diese Erklärung und ergänzte den ursprünglichen Wortlaut mit folgender Präambel:

- Eingedenk der Verpflichtung der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, wie sie in der Charta festgelegt ist, sich gemeinsam und auch einzeln in Zusammenarbeit mit der Organisation für einen höheren Lebensstandard, für die Vollbeschäftigung, für den sozialen Fortschritt und bessere Lebensbedingungen einzusetzen.

- unter erneuter Bekräftigung der Anerkennung der in der Charta proklamierten Menschenrechte und Grundfreiheiten, der Grundsätze des Friedens, der Würde und des Wertes des Menschen und der sozialen Gerechtigkeit.

- unter besonderen Betonung, daß die Deklaration über den sozialen Fortschritt die Notwendigkeit proklamiert hat, die Rechte der körperlich und geistig Behinderten zu schützen und ihr Wohlergehen und ihre Rehabilitation zu sichern,

- im Bewußtsein der Notwendigkeit, den geistig Behinderten zu helfen, ihre Fähigkeiten in möglichst vielen Bereichen zu entfalten und ihre Integration in das normale Leben so weit wie möglich zu erreichen, ……..

proklamiert die Vollversammlung diese Deklaration der Rechte der geistig Behinderten und ruft zu nationalen und internationalen Anstrengungen auf, um sicherzustellen, daß diese Deklaration als Grundlage und Nichtschnur für die Wahrung dieser Rechte dient.

 

Artikel I:

Der geistig Behinderte hat die gleichen Grundrechte wie jeder andere Bürger seines Landes und seines Alters.

Artikel II:

Der geistig Behinderte hat ein Recht auf angemessene ärztliche Hilfe und körperliche Behandlung und auf Erziehung, Schulung, Eingliederung und Anleitung, die es ihm ermöglichen, seine Fähigkeiten und Gaben so weit wie möglich zu entwickeln - ohne Berücksichtigung, wie schwer der Grad seiner Behinderung ist. Kein geistig Behinderter sollte von solchen Möglichkeiten wegen der entstehenden Kosten ausgeschlossen werden.

Artikel III:

Der geistig Behinderte hat ein Recht auf wirtschaftliche Sicherheit und auf einen angemessenen Lebensstandard. Er hat ein Recht auf produktive Arbeit oder auf eine andere sinnvolle Beschäftigung.

Artikel IV:

Der geistig Behinderte hat ein Recht darauf, in seiner eigenen Familie oder bei Pflegeeltern zu leben und in jeder Hinsicht am Leben der Gemeinschaft teilzunehmen. Für Möglichkeiten zu geeigneter Freizeitbeschäftigung sollte gesorgt werden. Wenn Pflege in einem Heim notwendig wird, sollte die Unterbringung in der näheren Umgebung erfolgen und unter Umständen geschehen, die dem normalen Leben möglichst nahekommen.

Artikel V:

Der geistig Behinderte hat ein Recht auf einen geeigneten Pfleger oder Vormund...

Artikel VI:

Der geistig Behinderte hat ein Recht darauf, vor Ausnützung, Mißhandlung und entwürdigender Behandlung geschützt zu werden...

Artikel VII:

Einige der geistig Behinderten mögen aufgrund der Schwere ihnen Behinderung unfähig sein, alle ihre Rechte auf sinnvolle Art selbst wahrzunehmen. Für andere ist eine Änderung einiger oder aller dieser Rechte angebracht. Das Verfahren zur Änderung oder Aberkennung von Rechten muß geeignete gesetzliche Sicherheitsklauseln enthalten, die jede Form von Mißbrauch ausschließen.

Vor allem hat der geistig Behinderte ein Anrecht darauf, als Mensch geachtet zu werden.

 

 

Alle Kinder - Gottes Kinder

Schild: „Lärmen und Spielen auf dem Kirchplatz verboten. Der Kirchenvorstand“.

Weshalb ist ein solches Schild wohl angebracht worden? Wem könnte oder sollte ein solches Schild helfen? Was kann man gegen ein solches Schild unternehmen? Würde jemand zusätzlich etwas auf das Schild schreiben?

 

Spielszene: Tik - tak

Zwei Frauen unterhalten sich: „Bei uns geht alles nach der Uhr. Ab zwei Uhr arbeiten die Kinder an den Schularbeiten. Von 4 bis 5 dürfen sie spielen. Um halb Sechs gibt es Abendbrot. Dann lernt die Oma noch mit ihnen. Dann noch etwas Fernsehen, und von 8 Uhr abends bis 6 Uhr früh wird geschlafen. Um halb Acht sind sie in der Schule und um 13.30 Uhr sind sie wieder zu Haus!" -

„Da bin ich aber gespannt, wie lange es dauert, bis Ihre Kinder nur noch „tik-tak“ sagen. Ein Dichter hat einmal gesagt: „Kinder und Uhren soll man nicht nur aufziehen, man soll sie auch gehen lassen!“ (Jean Paul).

 

Befragung: Im Religionsunterricht wurde vorher schon gefragt:

„Was würdet ihr morgen tun, wenn ihr den ganzen Tag machen könntet, was ihr wollt?“

Antworten von mehreren Kindern aufsagen lassen (eventuell vorher erst die anwesenden Kinder fragen, was ihnen gerade einfällt): Die schönsten Sachen anziehen, in der Gaststätte frühstücken, mit dem Flugzeug fliegen, alle Berufe spielen, ins Kino gehen, schon lange Gewünschtes einkaufen, Freunde besuchen, Gesicht schminken.

 

Information (von verschiedenen Kindern vorgetragen):

Bei uns geht es den Kindern noch längst nicht so schlecht wie in anderen Ländern der Welt.

Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung sind Kinder. Es gibt etwa 1,4 Milliarden Kinder auf der Erde. Doch zwei Drittel dieser Kinder hungern, haben nicht genug zu essen und müssen sterben. Wegen mangelhafter ärztlicher Versorgung sterben jährlich etwa 16 Millionen Kinder. In Brasilien stirbt fast jede Minute ein Kind an einer Krankheit, die heilbar wäre.

 

Erklärung der Rechte des Kindes:

Schon am 20.N'ovember 1959 hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Erklärung der Rechte des Kindes angenommen. In ihr heißt es unter anderem:

1. Das Kind genießt besonderer Schutz. Ihm wird Gelegenheit gegeben, sich gesund und natürlich in Freiheit und Würde zu entwickeln. Das Beste des Kindes ist für die Gesetzgebung bestimmend.

2. Das Kind hat das Recht, in Gesundheit heranzuwachsen. Deshalb werden ihm und seiner Mutter besondere Fürsorge und Schutz gewährt, einschließlich angemessener Pflege vor und nach der Geburt. Das Kind hat das Recht auf ausreichende Ernährung, Wohnung, Erholung und ärztliche Betreuung.

3. Das Kind bedarf zur vollen Entwicklung seiner Person der Liebe und des Verständnisses. Es wächst in der Obhut und Verantwortung seiner Eltern auf.

4. Das Kind wird vor Handlungen bewahrt, die rassische, religiöse oder andere Herabsetzung fördern. Es wird erzogen in einem Geist des Verstehens, der Duldsamkeit, der Freundschaft zwischen den Völkern und in der Vorstellung, daß seine Kraft und Fähigkeiten dem Dienst an seinen Mitmenschen gewidmet sind.

 

Verteilbildbogen: Die Vereinten Nationen haben auf Anregung katholischer Christen das Jahr 1979 zum „Weltjahr des Kindes“ erklärt. Sie wollten damit möglichst viele Menschen anregen, sich Gedanken darüber zu machen: Was müssen wir tun, damit es den Kindern besser geht? Als Christen wissen wir aber schon lange, daß alle Kinder Gottes Kinder sind. Sie stehen unter dem besonderen Schutz Gottes und verdienen auch die besondere Fürsorge und Liebe der Kirche und der Christen.

 

Wir betrachten den Verteilbildbogen (Aurig KG 374I) in der Reihenfolge:

(02) Kirchliches Symbol in Anlehnung an das UNO-Symbol

(03) Jesus sagt: „Laßt die Kinder zu mir kommen“, Kindersegnung

(06) Kinder bei uns, in heißen und in kalten Ländern

(05) Schwarze, weiße, braune, gelbe Kinder - alle Kinder Gottes

(04) Verschiedene Kirchen, verschiedene Gottesdienste - Gott hat alle lieb

(08) Kinder sind unterschiedlich: Älter, größer, klüger, gesünder

(11) Alt und Jung leben zusammen und verstehen sich

(01) Viele Kinder hungern und sind krank - Menschen helfen ihnen

(07) In Warschau wurde ein Kinderkrankenhaus für alle Kinder gebaut

(10) Kranke Kinder freuen sich, wenn jemand sie besucht

(09) Überall gibt es Kinder, die an Gott glauben: Indien

(12) Beim Kinderkirchentag treffen wir andere Christenkinder

 

Bibellesung:

Was Jesus über die Kinder sagt, hören wir aus Matthäus 18:

Die Jünger fragten Jesus: „Wer wird in der neuen Welt Gottes der Größte sein?“ Da rief Jesus ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: „Ich versichere euch, wenn ihr euch nicht ändert und den Kindern gleich werdet, dann körnt ihr in Gottes neuer Welt überhaupt nicht hineinkommen. Wer so wenig aus sich macht wie dieses Kind, der wird in der neuen WeltGottes der Größte sein. Und wer in meinem Namen solch ein Kind aufnimmt, der nimmt mich auf!“

 

Predigt:

Viele Eltern werden ja denken: „Wir tun doch alles für unsre Kinder. Sie haben zu essen, sehr gut zu essen sogar. Sie kriegen Süßigkeiten und Spielzeug. Sie haben ein Dach über dem Kopf und ein Bett zum Schlafen. Wenn sie krank sind, gehen wir sofort zum Arzt. Sie gehen zur Schule und kriegen sogar die Schulbücher umsonst. Und Urlaub machen wir auch immer und sonntags nehmen wir sie ihm Auto mit. Wir tun alles für unsere Kinder. Wir schuften und rackern uns ab, nur damit es die Kinder einmal besser haben.

Aber auch in wohlhabenden Ländern müssen Kinder leiden, werden sie gefühlsmäßig vernachlässigt und schädlichen Einflüssen ausgesetzt. Wo Männer und Frauen zur Arbeit gehen - am Ende noch auswärts - dann werden Kinder eine Last. Wo wirtschaftlicher Erfolg und Wohlstand hochgeschätzt werden, sind Kinder unbequem.

Dafür gibt es dann Krippen und Kindergärten. Diese haben sehr dazu geholfen, daß die Frauen gleichberechtigt sein können. Aber eine Massenerziehung kann nie das geben, was die Familie gibt. Krippe und Ganztagskindergarten und später Schulhort sind immer nur eine Notlösung. Vor allen Dingen kommen die Kinder dort gefühlsmäßig zu kurz, es fehlt ihnen die Liebe und menschliche Zuwendung.

Viele Ehen werden geschieden, die Leidtragenden sind immer die Kinder. Es kommt zu brutalen Kindesmißhandlungen und zu seelischen Grausamkeiten an Kindern, durch die eigenen Eltern oder durch andere Erzieher und sonstige Erwachsene. Film und Fernsehen üben oft einen unguten Einfluß auf die Kinder aus, ihre Wertvorstellungen und ihr Verhalten gegenüber anderen. Wir dürfen ja auch nicht übersehen, daß die Ruppigkeiten und Grausamkeiten der Kinder untereinander zugenommen haben.

Mangelnde Liebe ist aber ebenso zerstörerisch wie materielle Not. Sie läßt sich nicht durch teure Geschenke ersetzen. Gefühlsmäßig verhungerte Kinder sind für ihr ganzes Leben verkrüppelt. Wem bestimmte Chancen versagt geblieben sind, weil er zufällig in eine bestimmte Familie oder Gesellschaftsschicht hineingeboren wurde, ist davon beeinflußt ungestempelt für den Rest seines Lebens. Was ein Kind gelernt hat, kann ihm niemand mehr abnehmen; aber das gilt nicht nur für das Glücklichsein, sondern auch für das Leiden.

Auch in der Kirche haben die Erwachsenen das Sagen. Der Gottesdienst ist auf sie abgestimmt, selbst ein Familiengottesdienst wie dieser Vom Abendmahl werden die Kinder - auch die größeren - noch ausgeschlossen. Für die Kinder ist schwerer Geld locker zu machen als für den Kauf einer neuen Glocke. Kinder machen nur Lärm und Dreck und kosten nur. Erwachsene aber sind anständig und bringen wenigstens Geld - so ist das vielfach die Denkweise.

Aber Kinder sind die Zukunft der Kirche. Sie sind außer der Botschaft Gottes das kostbarste Gut, das uns anvertraut ist. Ihnen sollte unsere besondere Liebe und unser einfühlsames Verständnis gelten. Sie sollten noch nicht von einer vollen Mitgliedschaft in der Kirche ausgeschlossen werden, auch wenn sie ihren Glauben noch nicht so gut mit Worten ausdrücken können.

Kinder haben natürlich auch einen Glauben, oft sogar einen festeren Glauben als mancher Erwachsene. Deshalb stellt Jesus ja auch ein Kind als Vorbild im Glauben hin. Es ist schwach und hilflos und in den Augen vieler Leute noch unbedeutend. Aber gleichzeitig ist es voller Vertrauen und Hoffnung. Es weiß, daß es noch auf die Hilfe der Eltern und anderer Erwachsener, besonders aber auch auf die Hilfe Gottes angewiesen ist. Deshalb wird es zum Beispiel und Muster für alle Glaubenden. Und wer so einem schwachen Kind dient, begegnet dabei dem unsichtbaren Christus.

Jesus hat sich ja gerade um die Schwachen und Benachteiligten gekümmert. Dazu gehörte- schon damals die Kinder, und dazu gehören sie auch heute noch, trotz Jahr des Kindes. Wir in der Kirche aber wollen uns bemühen, die eigener Kinder und die anderer Leute als Kinder Gottes zu sehen. Alle Kinder sind Gottes Kinder. Wir selber sind es ja auch. Wir gehören alle zur Familie Gottes, in der einer für den anderen einsteht und für ihn Verständnis und Liebe hat.

 

Großfotos: Zum Schluß wollen wir uns noch einmal Fotos ansehen

Mit Kindern umgehen: Haben wir uns schon einmal überlegt, daß die Kinder unsere „Partner“ sind? Wir haben überall mit ihnen zu tun: im Verkehr auf der Straße, in den Geschäften, in der Familie, usw. Wir haben unsere Pflicht noch nicht getan, wenn wir sie vor dem

Fernsehapparat sitzen lassen. Aber es geht auch nicht, daß immer nur über die Köpfe der Kinder hinweg bestimmt wird und sie nach der Uhr leben müssen.

Für Kinder eintreten: Ein Kind leidet unter den Folgen des Krieges.

Im üblichen Gottesdienst ist es für Kinder langweilig (nur für sie?),

 Behinderte Kinder brauchen besonders viel Verständnis.

Von Kindern lernen: Für viele wird der Gedanke ungewohnt sein, daß man auch von Kindern lernen kann. Wie Kinder sich freuen können. Wie Kinder feiern können.

Jesus jedenfalls hat uns die Kinder sogar als Vorbild hingestellt. Vor allem in Glaubensdingen körnen sie Partner der Erwachsenen sein. Schließlich sind wir ja alle unterwegs zu Gott und wollen uns bemühen, in seinem Sinne zu leben.

 

Arbeitsgruppen bei einem Gemeindetag 1979

Es ist schön, ein Kind zu sein, weil....

  • man nicht berufstätig sein muß und viel spielen kann
  • man mehr Zeit hat als Erwachsene
  • man sich keine Sorgen zu machen braucht
  • man viele Geschenke bekommt
  • für Kinder gesorgt wird
  • Kinder nicht so viele Pflichten haben
  • Kinder sich „nur so“ die Zeit vertreiben können

Es ist schlecht, ein Kind zu sein, weil,....

  • man hören muß und nicht machen darf, was man will
  • man nicht selbständig ist
  • man zur Schule muß
  • man nicht selber ein Auto fahren darf
  • man nicht so viel Taschengeld hat wie die Großen
  • man in der Schule Einträge erhält
  • man sich keinen Hund halten darf
  • nicht lange Fernsehen sehen darf
  • man geschlagen wird (Erwachsene werden nie geschlagen, wenn

      sie Böses getan haben)

  • Kinder können den Erwachsenen beibringen:
  • Hört auch einmal auf die Kinder!
  • Schimpft nicht immer so toll mit den Kindern!
  • Trinkt nicht so viel Alkohol und raucht nicht so viel!
  • Geht besser mit der Oma um und versucht sie zu verstehen!
  • Lernt es wieder, wie ein Kind zu spielen!
  • Versucht nicht immer, Recht zu behalten!
  • Drängelt euch im Laden nicht vor!
  • Nörgelt nicht so viel an den Kindern herum!
  • Seid ehrlich, so wie ihr es von uns verlangt!
  • Geht mit uns zum Gottesdienst und sagt nicht: Geh alleine!
  • Laßt euch etwas aus dem Religionsunterricht erzählen!
  • Laßt euch mit in die Kirche schleppen!

 

Was können die Kinder den Eltern beibringen?

Was können die Eltern in Glaubensdingen von den Kindern lernen?

Worin liegt die Vorbildwirkung? Vertrauen, Abhängigkeit

Dürfen Kinder in der Gemeinde mitreden?

 

Aus dem Tagebuch eines Zweijährigen:

Donnerstag, 8.10 Uhr: Kölnisch Wasser auf Teppich gespritzt. Mama böse. Kölnisch Wasser ist verboten.

8.45 Uhr: Feuerzeug in Kaffee geworfen, Haue gekriegt.

9.00 Uhr: In Küche gewesen, 'rausgeflogen. Küche ist verboten.

9.15 Uhr: In Papas Arbeitszimmer gewesen. 'rausgeflogen. Arbeitszimmer auch verboten.

9.30 Uhr: Schrankschlüssel abgezogen. Damit gespielt. Mama wußte nicht, wo er war. Ich auch nicht. Mama geschimpft.

10.00 Uhr: Rotstift gefunden. Tapete bemalt. Ist verboten.

10.20 Uhr: Stricknadel aus Strickzeug gezogen und krumm gebogen. Zweite Stricknadel in Sofa gesteckt. Stricknadeln sind verboten.

11.00 Uhr: Sollte Milch trinken. Wollte aber Wasser! Wutgebrüll ausgestoßen. Haue gekriegt.

11.10 Uhr: Hose naß gemacht. Haue gekriegt. Naßmachen verboten.

11.30 Uhr: Zigarette zerbrochen. Tabak drin. Schmeckt nicht gut.

11.45 Uhr: Tausendfüßler bis unter Mauer verfolgt. Dort Mauerassel gefunden. Sehr interessant, aber verboten.

12.15 Uhr: Dreck gegessen. Aparter Geschmack, aber verboten.

12.30 Uhr: Salat ausgespuckt. Ungenießbar. Ausspucken dennoch verboten.

13.15 Uhr:. Mittagsruhe im Bett. Nicht geschlafen. Aufgestanden und auf Deckbett gesessen. Gefroren. Frieren ist verboten.

14.00 Uhr:. Nachgedacht. Festgestellt, daß alles verboten ist. Wozu ist überhaupt auf der Welt?

 

Holzschnitt von Ernst Barlach:

Von allen Seiten drängen Menschen. Aus dem Dunkel kommen sie herbeigeeilt. Erhobene Stöcke und geballte Fäuste, mit denen sich diese Erwachsenen durchs Leben schlagen, sinken. Eine stoßende, schiebende Menschenflut scheint am Ziel zu sein: Alle umstehen das Licht, und das Licht ist ein Kind.

Obwohl in Gesellschaft und Kirche versucht wird, daß sich die Botschaft dieses Bildes und die gesellschaftliche Wirklichkeit decken, beobachten wir zum Beispiel in unseren Familien vielfach anderes. Solchen Erfahrungen stellt sich dieses Bild entgegen. Ein neues Ziel wird unseren Beobachtungen entgegengestellt.

Vielfach beobachten wir - auch in der christlichen Gemeinde:

„Nur der Stärkere setzt sich durch!“

„Macht hat, wer ‚schlagende Argumente' besitzt!“

„Kannst du was, dann bist du was...!“

Kinder können hier nicht mithalten. Hier hat der Mensch nur als Erwachsener Chancen. Kindsein gilt hier nur als Vorstufe von Menschsein. Hier werden Kinder lediglich in Kauf genommen; Kinder werden geliebt - häufig als „Gegenstand“ zum Vorzeigen, als Prestige-Artikel, als Lebewesen, durch das sich Erwachsene nostalgisch zurückträumen in ihr eigenes Kinderland. Erwachsene bedienen sich so des Kindes zur egoistischen Sicherung ihrer Bedürfnisse. Im Übrigen stören Kinder, sie sind überall im Weg. Kinder sind bedrohlich: Ihre Jugend zeigt den Erwachsenen ihr Altern. Kinder machen so den Erwachsenen Angst, sie werden zur psychischen Belastung. Außerdem geht angesichts der Kinder die „Weltanschauung“ der Erwachsenen nicht auf, die den Wert von Menschsein und Leben nach materieller Leistung und Verwertbarkeit der Dinge bemißt. Kindsein ist Erwachsenen ärgerlich. Kindheit ist deshalb etwas, das zu verlassen, das zu verabschieden ist. Kindsein - das bezeichnet Herkunft, nicht Ziel.

Hier aber im Holzschnitt wird unsere Erfahrung ins Gegenbild gewendet: Kindsein - das bezeichnet Ziel, nicht Herkunft. Das erhobene Kind, leuchtend vor menschlich- unmenschlichem Dunkel, ein Fragezeichen-Bild an die Zeit. Der Bildhauer, Grafiker und Dramatiker Ernst Barlach bezeichnet in diesem Holzschnitt, was er seiner Zeit entgegenzusetzen hatte.

 

Lebensbild: Janusz Korczak

Im Jahre 1940 ließen deutsche Soldaten um einen Warschauer Stadtteil eine Mauer ziehen. Der Stadtbezirk war etwa 4 Kilometer lang und 2,5 Kilometer breit. Normalerweise wohnten dort 160.000 Menschen. Nun mußten alle Polen ihre Wohnungen räumen. Nur Juden sollten hier wohnen. Nach und nach wurden in diesem Ghetto 430.000 Juden zusammengepfercht. Im November wurden alle Straßenzugänge gesperrt und bewacht. Die Juden durften das Ghetto nicht mehr verlassen. Aber es gab keine Arbeit für so viele Menschen. Seuchen brachen aus, die Menschen hungerten. Wer außerhalb der Mauern entdeckt wurde, konnte sofort erschossen werden.

Viele Juden wurden in die Vernichtungslager abtransportiert. Aber immer wieder wurden aus ganz Polen neue Transporte im Ghetto eingeliefert. Die Lebensmittel wurden so knapp, daß Kinder auf der Straße verhungert zusammenbrachen. So grauenhaftes Unrecht geschah hier, daß wir es uns nicht mehr vorstellen können.

Aber es lebten auch sehr tapfere Menschen im Ghetto. Ein Denkmal erinnert an sie. Sie versuchten, mit allen ihren Kräften gegen das Unglück anzukämpfen. Dabei waren sie bereit, ihr Leben zu opfern.

Janusz Korczak aber hat nicht mit Waffen gekämpft. Er war Arzt, Lehrer und Schrift­steller. Viele Bücher über Kinder hat er geschrieben. Korczak ist einer der Vorkämpfer für eine Erziehung, die dem Kind gerecht wird. Sein Buch „Wie man ein Kind lieben soll“ ist eine Absage an jede fertige Theorie der Kindererziehung und eine nüchterne Analyse des Verhältnisses der Erwachsenen zu den Kindern.

Eine Zeitlang lehrte er in Warschau Pädagogik und gab die Wochenzeitung „Kleine Rundschau“ heraus. Und schließlich gab er sein berühmtes Kinderbuch heraus „König Hänschen“. Es schildert keine heile Kinderwelt, sondern die Welt des Kindes, die an denselben Problemen scheitert wie die Welt der Erwachsenen.

Über dreißig Jahre leitete er in Warschau ein Waisenhaus. Wie ein Vater lebte er mit etwa hundert Kindern dort seit dem Herbst 1911. Mit seinen Mitarbeitern versuchte er den Kindern die Eltern zu ersetzen. Jedes Kind konnte mit allen Sorgen zu ihm kommen.

Hanka, eine polnische Krankenschwester, erinnert sich noch gut an ihn. Sie hat sechs Jahre in seinem Waisenhaus gelebt. Sie erzählt: „Pan Doktor konnte uns alles von den Augen lesen. Ich weiß, daß ich damals sehr bedrückt war, weil ich so klein war. Aber ich sagte nichts. Und er: ‚Weißt du, wir haben eine Medizin fürs Wachsen!‘ Wirklich tropfte er mir etwas auf die Zunge. ‚So, jetzt mußt du auf den Ofen zum Wachsen!‘ Da erst merkte ich, daß er Spaß machte. Wir lachten zusammen und seitdem zeigte er mir immer wieder, daß die Körpergröße nicht den Menschen ausmacht!“

Korczak mußte mit seinen Kindern auch ins Ghetto umsiedeln. Mit zweihundert Kindern wohnte er in einem Haus in der Sienastraße. Korczak bat um Lebensmittel, er bettelte um Geld. Es war wie ein Wunder, er bekam Essen für die Kinder. Sie wurden gewaschen, sauber gekleidet und schliefen in sauberen Betten. Einige Krankenschwestern halfen ihm. Auch die Lehrerin Stefania Wilczynska.

Als Warschau eingekreist ist und die Granaten überall einschlagen, läuft er mit einem Sanitätskarton durch die Stadt und sammelt verirrte Kinder. Er weigert sich, die gelbe Armbinde der Juden zu tragen. Er wird verprügelt, eingesperrt und wieder verprügelt. Schließlich wird er gezwungen, mit seinem Waisenhaus in das Ghetto umzuziehen.

Aus Heu kochte er Suppen. Mit den Kindern fertigte er eine grüne Fahne, die Fahne der Hoffnung, eine Kastanienblüte auf der einen Seite, eine Davidsstern auf der anderen (als Erinnerung an David, der dem Riesen die Stirn bot). Er erzählte Märchen im Schlafsaal und versuchte, die Zuversicht zu retten. In den letzten Tagen brachte ihm ein Freund einen gefälschten Paß. Er hätte ausreisen können. Korczak war traurig, daß ein Freund ihm zutraute, er werde seine Kinder verlassen.

Am 5. August 1942 war morgens ein Gebrüll vor dem Waisenhaus: „Alle Juden raus!“ Zweihundert Kinder, die noch kein Frühstück genossen haben, ziehen geordnet die Treppe hinunter. Die Hausmutter und der alte Doktor gehen mit und beruhigen sie: Es gäbe eine Ausflug! Die grüne Fahne gibt Korczak einem Jungen in die Hand.

Zweihundert Kinder stehen voller Angst. Und dann geschieht das Außergewöhnliche. Nicht eins der zweihundert Kinder schreit. Keins weint. Sie schmiegen sich wie kranke Schwalben an ihren Lehrer, an ihren Vater Janusz Korczak. Er würde sie behüten. Er steht in der ersten Reihe, mit seinem mageren, schwachen Körper will er sie beschützen. Die Deutschen brüllen: Marsch!

Janusz Korczak hält das jüngste Kind an der Hand. Er geht voraus. Die Krankenschwestern mit ihren weißen Schürzen, die zweihundert Kinder - führt sie zum Verladeplatz, Polizisten rechts und links. Das Bild hat sich in der Welt eingeprägt: Ein hagerer Mann, etwa 60 Jahre alt, ein kleines Mädchen auf dem Arm, einen Jungen an der Hand, wandert mit zweihundert Kindern aus dem Warschauer Ghetto auf einen Bahnhof.

Da möchte die jüdische Leitung des Ghettos, der sogenannte Judenrat, eingreifen.

Aber sie wollen nicht die zweihundert Kinder retten, sondern den Arzt Janusz Korczak. Aber er verzichtet. Ein SS-Mann öffnet die Türen zu den Waggons und bedeutet dem Mann an der Spitze, er dürfe nach Hause gehen. Der schüttelt den Kopf und geht mit den Kindern in die Waggons. Ziel Treblinka, die Gaskammer.

Es geht zum Danziger Bahnhof, von wo die Züge nach Treblinka abfahren. Als der Arzt mit dem jüngsten Kind auf dem Arm an den Viehwagen kam, macht ihm noch einmal ein SS-Mann das Angebot der Freiheit. Einige Tage später wurden die Kinder mit der Hausmutter und ihrem Waisenvater in den Gaskammern umgebracht. Obwohl der Arzt kein Christ war und er nur wenig von Gott sprach, war sein Weg im Grunde eine Nachfolge hinter Jesus von Nazareth her.

Janusz Korczak blieb bei seinen Kindern. Er lief nicht fort wie andere Heimleiter. Einen Tag vor dem Transport sagte er den Kindern, sie sollten sich waschen und saubere Wäsche anziehen. Jedes Kind bekam einen Beutel mit Brot und eine Flasche Wasser für die Reise. Ob er den Kindern sagte, wohin die Fahrt ging? Wir wissen es nicht.

 

Erklärung der Rechte des Kindes

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat am 20. November 1959 die nachfolgende Erklärung der Rechte des Kindes einstimmig angenommen.

Präambel

Nachdem die Völker der Vereinten Nationen in der Charta ihr Bekenntnis zu den grundlegenden Menschenrechten und zur Dignität und Würde des einzelnen Menschen erneuert und sich für die Förderung sozialen Fortschrittes und eines verbesserten Lebensstandards in größerer Freiheit entschieden haben,

- nachdem die Vereinten Nationen in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verkündet haben, daß ein jeder zu allen darin enthaltenen Rechten und Freiheiten Zugang haben soll ohne Ansehen von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer und anderer Überzeugung, nationalen oder sozialen Ursprungs, Eigentum, Geburtsrechten oder sonstiger Vorteile,

- angesichts der Tatsache, daß das Kind, weil körperlich und geistig noch nicht voll ausgereift, besonderen Schutz und besondere Sorge, einschließlich eines besonderen Rechtsschutzes sowohl von der Geburt als auch vom Zeitpunkt der Geburt an, bedarf,

- eingedenk der Tatsache, daß die Notwendigkeit solcher besonderen beschützenden Maßnahmen auch in der Genfer Erklärung der Rechte des Kindes von 1924 festgestellt und durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sowie in den Statuten besonderer Verbände und internationaler Organisationen, die sich um die Wohlfahrt der Kinder bemühen, bestätigt worden ist,

- und angesichts der Tatsache, daß die Menschheit dem Kind das Beste schuldet, was sie zu geben hat,

verkündet nunmehr die Generalversammlung diese Erklärung der Rechte des Kindes, auf daß jedes Kind eine glückliche Kindheit habe und sowohl zu seinem eigenen Nutzen als auch zum Besten der Gesellschaft die Rechte und Freiheiten, die hierin festgestellt werden, genießen möge - wobei gleichzeitig Eltern, einzelne Männer und Frauen wie Organisationen, die auf

freiwilliger Basis mitarbeiten, Behörden am Ort und nationale Regierungen dazu aufgerufen werden, diese Rechte anzuerkennen und durch legislative sowie andere, Schritt für Schritt zu verwirklichende Maßnahmen in Übereinstimmung mit den folgenden Grundsätzen für sie einzutreten:

 

Grundsatz 1

Das Kind erfreut sich aller in dieser Erklärung enthaltenen Rechte. Ohne jede Ausnahme und ohne Unterscheidung oder Benachteiligung durch Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politische oder sonstige Überzeugung, nationale oder soziale Herkunft, Eigentum, Geburt oder sonstige Umstände, sowohl hinsichtlich seiner selbst wie seiner Familie, hat das Kind auf diese Rechte Anspruch.

Grundsatz 2

Das Kind genießt besonderen Schutz; ihm werden Gelegenheiten und Erleichterungen durch Gesetz und auf andere Weise gegeben, sich gesund, und natürlich in Freiheit und Würde körperlich, geistig, moralisch, seelisch und sozial zu entwickeln. Das Beste des Kindes ist für diese Gesetzgebung bestimmend.

Grundsatz 3

Das Kind hat Anspruch auf einen Namen und eine Staatsangehörigkeit von Geburt an.

Grundsatz 4

Das Kind erfreut sich der Wohltaten der sozialen Sicherheit. Es ist berechtigt, in Gesundheit

heranzuwachsen und zu reifen; deshalb werden ihm und seiner Mutter besondere Fürsorge und Schutz gewährt, einschließlich angemessener Pflege vor und nach der Geburt. Das Kind hat das Recht auf ausreichende Ernährung, Wohnung, Erholung und ärztliche Betreuung.

Grundsatz 5

Das Kind, das körperlich, geistig oder sozial behindert ist, erhält diejenige besondere Behandlung, Erziehung und Fürsorge, die sein Zustand und seine Lage erfordern.

Grundsatz 6

Das Kind bedarf zur vollen und harmonischen Entwicklung seiner Person der Liebe und des Verständnisses. Es wächst, soweit irgend möglich, in der Obhut und der Verantwortung seiner Eltern, immer aber in einer Umgebung der Zuneigung und moralischer und materieller Sicher­heit auf; in zartem Alter soll das Kind nicht von seiner Mutter getrennt werden, außer durch ungewöhnliche Umstände. Gesellschaft und öffentliche Stellen haben die Pflicht, alleinstehenden und mittellosen Kindern verstärkte Fürsorge angedeihen zu lassen. Staatliche und anderweitige finanzielle Unterstützung kinderreicher Familien ist wünschenswert.

Grundsatz 7

Das Kind hat Anspruch auf unentgeltlichen Pflichtunterricht, wenigstens in der Volksschule. Ihm wird eine Erziehung zuteil, die seine allgemeine Bildung fördert und es auf der Grundlage gleicher Möglichkeiten in den Stand setzt, seine Anlagen, seine Urteilskraft, sein Verständnis für moralische und soziale Verantwortung zu entwickeln und zu einem nützlichen Glied der menschlichen Gemeinschaft zu werden. Das

Beste des Kindes ist der Leitgedanke für alle, die für seine Erziehung und Führung Verantwortung tragen; diese liegt zuallererst bei den Eltern.

Das Kind hat volle Gelegenheit zu Spiel und Erholung, die den gleichen Erziehungszielen dienen sollen; Gesellschaft und Behörden fördern die Durchsetzung dieses Rechtes.

Grundsatz 8

Das Kind ist in allen Notlagen bei den Ersten, die Schutz und Hilfe erhalten.

Grundsatz 9

Das Kind wird vor Vernachlässigung, Grausamkeit und Ausnutzung jeder Art geschützt. Es ist in keinem Fall Gegenstand eines Handels. Das Kind wird erst nach Erreichung eines geeigneten Mindestalters zur Arbeit zugelassen; nie wird es gezwungen oder wird ihm erlaubt, einen Beruf oder eine Tätigkeit auszuüben, die seiner Gesundheit oder Erziehung schaden oder seine körperliche, geistige und moralische Entwicklung hemmen.

Grundsatz 10

Das Kind wird vor Handlungen bewahrt, die rassische, religiöse oder andere Herabsetzung fördern. Es wird erzogen in einem Geist des Verstehens, der Duldsamkeit, der Freundschaft zwischen den Völkern, des Friedens, weltumspanneder Brüderlichkeit und in der Vorstellung, daß seine Kraft und Fähigkeiten dem Dienst an seinen Mitmenschen zu widmen sind.

 

Von Kindern lernen!

Das Kind spielt in den Reden Jesu eine ganz bedeutende Rolle. Und damit brach das Ärgernis an ihm in aller Schärfe auf. Als Jesus von seinen Jüngern gefragt wurde: „Wer ist der Größte im Himmelreich?“ rief Jesus ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: „Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen!“(Matth. 18, 1-3).

Ist das in der Tat nicht ärgerlich? Ein Kind, ein kleines Kind, erwählt Jesus, um uns zu zeigen, worauf es in unserem Menschsein ankommt! Was hat ein Kind denn schon geleistet in seinem Leben? Ist es nicht gerade unsere Leistung, durch die unser Leben bestimmt wird? „Leiste erst einmal etwas in deinem Leben, dann kannst du mitreden!“

Damit aber fängt alle Not im Leben des Kindes an, daß wir unser Leistungsdenken auf die Kinder übertragen. Wo das aber geschieht, da nimmt man die Kinder nicht ernst, sondern nimmt ihnen ihr Recht.

Die Befreiung des Kindes von der Willkür der Erwachsenen hielt Janusz Korczak - nach der Befreiung der Neger und Bauern und nach der Erringung der Gleichberechtigung der Arbeiter, Juden und Frauen - für die nächste Phase der Entwicklung der Menschheit. Die Kinder seien das älteste Proletariat der Welt, meinte er, erst Christus hat gesagt: „Lasset die Kindlein zu mir kommen.“

Wie ist das Wort vom „Proletariat der Kinder“ zu verstehen? Hier taucht die Frage nach dem Recht des Kindes auf. Worauf haben Kinder ein Recht? Um darauf eine Antwort zu finden, bedarf es wahrlich keiner großen Anstrengung; sie lautet ganz schlicht und einfach: Das Kind hat ein Recht darauf, Kind sein zu dürfen!

Diese Forderung nach dem Recht des Kindes kann man 'immer wieder in Korczaks pädagogischen Schritten finden. Das Kind wird für vollwertig erklärt, nicht weil es künftig ein Erwachsener sein wird, sondern weil es gegenwärtig Kind ist.

Wir Erwachsenenkönnen um unsere Lebensrechte kämpfen und tun es auch, wie uns die Geschichte lehrt. Kinder aber können das nicht. Sie sind ganz auf unser Geschenk angewiesen, und es gehört zu ihrem Kindsein, daß sie sich bereitwillig beschenken lassen. Je kleiner sie sind, umso leichter ist es, sie zu beschenken.

Wir Erwachsenen haben durch den Leistungs- und Erfolgszwang, durch unseren rechnenden und berechnenden Verstand weitgehend die Fähigkeit verloren, zu schenken und uns beschenken zu lassen. Hier wird nun offenbar, warum Jesus ein kleines Kind vor die Erwachsenen stellte mit den Worten: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen!“ Das heißt doch nichts anderes als: Niemand kann sich vor Gott etwas verdienen. Alle Leistungen und Erfolge - mögen sie noch so imponierend und für diese Welt auch von größter Bedeutung sein - reichen da nicht aus. Letztlich sind wir auf Gottes Geschenk angewiesen. Und der ist „reines Herzens“ der es annimmt wie ein Kind.

Aber gerade darin werden die Kinder uns zu unentbehrlichen Gehilfen. Das mag zwar in den Ohren von Erwachsenen vermessen klingen, aber es ist die Wahrheit. Kinder können zuweilen unter Schuldgefühlen entsetzlich leiden. Sie halten einen solchen Zustand nicht lange aus, ohne Schaden an ihrer Gesundheit zu nehmen. Es kann für sie nichts Schlimmeres geben, als die Liebe der Menschen zu verlieren, auf die sie total angewiesen sind. Erst wenn ihnen diese Liebe durch Wort und Zeichen der Vergebung aller Schuld zugesprochen wird, haben sie wieder ihren Frieden, ihr Leben.

Ein Erlebnisbericht aus einem Kinderheim soll uns das deutlich machen. Da lesen wir im Bericht eines Erziehers: „Ich denke da an ein Heimkind, das den Eltern Kummer gemacht hatte und dann einige Wochen nach der Aufnahme ins Heim von den Eltern ein Paket erhielt. Der Junge packte die Sendung hastig aus, warf die schönen Sachen, die ihm geschickt worden waren, mehr und mehr wie besessen durcheinander. Er suchte mit zitternden Händen, durchwühlte den Karton, um schluchzend alles fortzustoßen. Er hatte etwas gesucht, was das Paket nicht enthielt: den Brief der Eltern mit den Worten der Vergebung. Er hat von den Leckereien nichts angerührt, weil ihn nach anderem begehrte und hungerte: nach dem Aufhören der körperlich-seelischen Qual.“

War es nun zuviel behauptet: Wir sollen von den Kindern lernen, wenn wir wissen wollen, wovon der Mensch lebt? Wir brauchen sie! Ohne sie würde unser Hochmut, unser Aberglaube an die Machbarkeit aller Dinge grenzenlos werden. „Laßt euch die Kindheit nicht austreiben! Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch!“ sagt Erich Kästner in seiner „Ansprache zum Schulbeginn“.

Warum fällt es uns oft so schwer zuzugeben, daß selbst die Kleinen, die Unmündigen uns unentbehrliche Dienste erweisen, daß wir ohne sie unsere menschliche Bestimmung verfehlen würden? „Du erziehst dein Kind allenfalls für die Welt, aber

dein Kind erzieht doch für das Reich Gottes“, sagte einmal einer, der tief über diese

Dinge nachgedacht hat (Karl Kaufmann).

 

Wir und unsere Kinder

Die Kinder wurden jedenfalls nicht gefragt, bevor sie zur Welt kamen. Und auch wir wurden nicht gefragt, ob wir sie so oder anders haben wollten: gesund oder behindert, begabt oder belastet - wir sind in jedem Fall mit gemeint und gefragt, wenn es um unsere Kinder geht. Darum von vornherein: „Wir und unsere Kinder!"

Mit Hilfe der Wissenschaften werden wir die ganze Wirklichkeit menschlicher Existenz nicht erfassen. Hier stehen wir immer wieder vor ungelösten und vielleicht auch unlösbaren Fragen nach dem Wesen des Menschen. Wir tun gut daran, die Aussage der Bibel: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde“ bei allen weiteren Überlegungen nicht zu überhören.

Wir gehen von der Frage aus: „Wovon lebt der Mensch?" Das ist doch keine Frage, möchten wir darauf wohl gern antworten; das weiß doch jedes Kind! Von den Lebensmitteln natürlich. Fehlen sie, so hungert der Mensch, und was Hunger und Hungertod in der Welt bedeuten, sollten wir wohl alle wissen.

Es gibt Erfahrungen und Erlebnisberichte, die uns bei der Beantwortung dieser Frage hilfreich sein können.

In der Geschichte finden sich so zahlreiche Beispiele von verwilderten Kindern und Erwachsenen, daß ihnen der große Naturforscher Linné einen eigenen Platz in seinem Natursystem einräumte. Unter einem Rudel Wölfe wird 1341 von Jägern des Landgrafen von Hessen ein Siebenjähriger verwildert eingefangen. Seine Zähmung, wie der Chronist den Versuch seiner Erziehung nannte, mißlingt. Der Junge läuft zuweilen auf allen vieren und vermag übernatürliche Sprünge durchzuführen. Er ist bald gestorben.

Diese Nachricht, die so unwahrscheinlich klingt, erfährt durch einen Bericht aus Indien eine unerwartete Bekräftigung. Im Dschungel findet der Missionar J. A. Singh in einem Wolfsbau zwei Mädchen von zwei und neun Jahren. Die Kinder benehmen sich wie ihre tierischen Zieheltern, bei denen sie aufgewachsen sind und mit denen sie sich wie mit ihren anderen wölfischen „Verwandten“ mittels Tierstimme und Gebärden ohne Schwierigkeiten verständigen. Tagsüber rollen sie sich nach Wolfsart in einem Winkel zusammen, um sich einem flüchtigen Schlummer hinzugeben. Nachts heulen sie den Mond an. Sie zerreißen das rohe Fleisch, das ihnen als Nahrung dient, mit den Zähnen und schlappen das Wasser mit hechelnder Zunge. Gern balgen sie sich mit Hunden. Von Kindern wollen sie jedoch nichts wissen. Das Zweijährige stirbt früh. Das andere Mädchen bleibt neun Jahre im Hause des Missionars. In dieser Zeit lernt es die Sprache nur mangelhaft und das menschliche Verhalten macht ihm stets allergrößte Schwierigkeiten.

Der Amsterdamer Arzt Dr. Tulp hat die Schilderung eines irischen Jungen veröffentlicht, der unter wilden Schafen aufgewachsen war, deren Wesen er völlig angenommen hatte. Er verweigerte menschliche Speisen und Getränke und verzehrte nur Gras und Heu, das er schnüffelnd sorgfältig prüfte. Er besaß keine menschliche Stimme, sondern blökte wie ein Hammel, als er in die Netze seiner Verfolger geriet. Fast sah er mehr einem Tier als einem Menschen ähnlich. Der Geist der Wildheit verlor sich nur allmählich bei ihm.

Es wird auch von einem Experiment berichtet, das der mittelalterliche Kaiser Friedrich II. einmal unternahm, als er wissen wollte, welche Sprache Kinder sprechen würden, wenn sie nie ein menschliches Wort gehört haben. Er ließ Kleinkinder in ein Heim bringen, ließ sie von Ammen gut ernähren und versorgen, verbot aber streng, jemals zu ihnen oder in ihrer Gegenwart zu sprechen. Die Chronik schließt mit der Mitteilung, daß alle diese Kinder noch im zweiten Lebensjahr starben.

Wovon lebt der Mensch? Das war unsere Frage. Wir werden uns nun wohl hüten, voreilig zu antworten: Vom Brot, von den Lebensmitteln! Die Versuchung liegt ja nahe, so zu antworten. Und als Jesus in Versuchung geführt wurde, da stellte ihm der Versucher zuerst diese Frage: „Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden! Und er antwortete und sprach: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht!“ (Matthäus 4, 3- 4)

Nicht vom Brot allein! Damit kommen wir der Wirklichkeit des Menschen schon sehr nahe.

Die soeben angeführten Beispiele haben gezeigt, daß ein Kind ohne das Wort nicht leben kann, daß es trotz aller liebevollen materiellen Versorgung „verhungert“, daß es stirbt, zumindest aber nie ein „Mensch“ wird. Zu keiner anderen Zeit ist der Mensch so auf das Wort angewiesen wie in der frühen Kindheit. Ob ein Neugeborener Mensch wird, ist also ganz in unsere Hände gelegt. Jede Mutter weiß das oder - besser gesagt - sie tut unbewußt das, was unser Verstand nur schwer begreifen kann: Vom ersten Tage an redet sie mit ihrem Kind. Was die Mutter da tut, scheint unvernünftig und sinnlos zu sein; denn das Kind - so meinen wir - versteht doch noch gar nicht, was zu ihm gesagt wird. Und was für Worte sind es mitunter, die eine Mutter spricht! Sie sind in keinem Wörterbuch zu finden - aber sie sind dennoch „Wort“, von dem das Kind leben kann. Denn sie sind das „Ja“ der Mutter zu ihrem Kind. Keine noch so gute leibliche Nahrung und Pflege kann dieses „Ja“ ersetzen.

Im Grunde stehen wir hier vor dem Geheimnis der Schöpfung. Wodurch und wie Kinder zur Welt kommen, das wissen wir, und wir wissen auch, daß wir uns darin grundsätzlich nicht vom Tier unterscheiden. Aber wir sollten bedenken, daß Gott den Menschen „zu seinem Bilde“ schuf, wobei zu fragen wäre, ob damit ein historisches Ereignis gemeint ist oder ob die Allgegenwart des Schöpfers uns nicht dazu zwingt zu sagen: Gott schafft den Menschen zu seinem Bilde. Dann aber sollten wir auch erkennen, daß wir als Gesprächspartner Gottes zu seinen Mitarbeitern in der Schöpfung bestimmt sind.

Wer diese Aufgabe erkannt hat, weiß auch um seine hohe Verantwortung. Wir antworten und wir dienen Gott, indem wir nach seinem Willen Menschen sind, die aus dem Wort leben, „aus einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.“. Was für ein Wort ist das? Es ist das „Ja“ Gottes zum Menschen, das uns verbürgt ist aus dem Menschenmunde Jesu. Durch ihn wurden wir „Kinder Gottes“, und durch ihn wird die Frage nach dem Kind und nach Kindschaft in ein ganz neues Licht gerückt.

 

 

Entstehung der Farbenbibel

Der berühmte Reiseschriftsteller Friedrich Baedecker wurde 1823 in Witten geboren

Er war erst Kaufmann, ging später nach England und gründet dort eine Privatschule. Im Jahre 1866 kam er in England zu Glauben an Jesus Christus. Mit 54 Jahren begann er eine Tätigkeit als Missionar im damaligen Rußland. Er bekommt die Erlaubnis, jedes Gefängnis in Rußland zu besuchen. Ganze 18 Jahre ist er unterwegs von Finnland bis zum Kaukasus und über den Ural bis zu den Strafkolonien der Insel Sachalin. Er besucht über 40.000 Strafgefangene und verteilt Neue Testamente, damit sie darin alles über Gott und Jesus lernen konnten. Als er aber nach Jahren wieder in diese Gegend kam und nach den Bibeln fragte, da wußten ihm die Leute nichts darüber zu sagen. Da merkte Baedecker erst, daß die ja gar nicht lesen konnten und mit den Bibeln gar nichts anfangen konnten.

Da kommt er auf den Gedanken der Farbenbibel - eine Bibel mit den vier Farben: Schwarz, Rot, Weiß und Gold. Und zu jeder Farbe hat er ihnen einen Hauptabschnitt der biblischen Botschaft erklärt: (Tafeln mit den Farben hoch halten).

 

1.) Schwarz: Die schwarze Farbe ist das Zeichen für alles Böse. Wie böse die Menschen und auch die kleinen Kinder schon sind, zeigt eine Spielszene: Drei Kinder sitzen am Tisch und spielen. Doch bald kommt es zum Streit über das Spielzeug. Einer will das Auto des anderen haben, der gibt es nicht her, das Auto geht dabei kaputt; da schimpft wieder der dritte, denn dem gehört es eigentlich, da verhauen die zwei ihn usw. - Immer wieder versuchen wir unsere eigenen Wege zu gehen. Wir trennen uns von Gott. Die Bibel nennt dies „Sünde“. Welt ohne Gott heißt - eine Welt voll Lüge, Haß, Krieg, Einsamkeit - voll Dunkelheit.

 

2.) Rot: Die rote Farbe ist das Zeichen für die Liebe Gottes. Anhand von Flanellbildern wird die Geschichte vom verlorenen Sohn erzählt. Dabei wird deutlich, daß eigentlich alle beide Söhne „verloren“ sind und daß es eigentlich um den barmherzigen Vater geht. Wir sind alle solche verlorenen Söhne. Aber Gott schickt seinen Sohn Jesus Christus in diese Welt, weil er die Menschen liebhat. Mit dieser Liebe will er die Welt verändern. Jesus stirbt unschuldig für uns am Kreuz

 

3.) Weiß: Die weiße Farbe ist das Zeichen für die Botschaft. Die Kinder singen ein Lied, das zum Weitersagen der Botschaft vom Barmherzigen Vater auffordert. Als Lieder eignen sich: „Mein Herz ist froh in dem Herrn“ oder „Komm, sag es allen weiter“. Der Tod Jesu überbrückt die Trennung zwischen Gott und uns Menschen - macht uns frei von der Sünde.

 

4.) Gold (gelb): Die goldene Farbe ist das Zeichen für die Erlösung. Die Menschen können nicht von sich aus den Streit in der Welt überwinden. So wie beim Spiel der Kinder oft der Vater eingreifen muß, so greift auch Gott in den Streit der Menschen ein: Er schickt seinen Sohn, der ihnen vorlebt, wie man als ein Kind Gottes lebt. Doch die Menschen wollten nicht auf ihn hören und haben ihn deshalb umgebracht, indem sie ihn ans Kreuz nagelten. Anhand des Kruzifixes auf dem Altar wird dieses Ereignis nun beschrieben. Aber Jesus ist für uns alle gestorben, damit wir nicht als Strafe für unsre Schlechtigkeiten sterben müssen. Er hatte alle Schuld auf sich genommen und dafür gebüßt. Deshalb steht heute noch auf dem Altar in der Kirche das Kreuz.

 

Merkvers: Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater gezeigt, daß wir Gottes Kinder sollen heißen.

 

Reformationsfest:

Eine Zeitlang haben die Menschen vergessen, daß uns nur Jesus Christus die Schuld abnehmen kann; sie meinten, sie könnten aus eigener Kraft wieder in das Haus ihres himmlischen Vaters zurückkommen, wenn sie nur anständig leben und sich tüchtig anstrengen. Sie hatten vergessen, daß Gott uns dazu einladen muß und uns nur deshalb holt, weil er uns liebhat, nicht weil wir uns angestrengt haben. Erst Martin Luther, ein Pfarrer der Kirche, hat uns das wieder deutlich gemacht, daß Gott ein barmherziger Vater ist, der alle Kinder bei sich haben will, auch die unartigen. Alle dürfen sie zur Kirche und zu Gott kommen. Deshalb denken wir noch heute voller Dankbarkeit an diesen Mann, den uns Gott vor vielen Jahren geschickt hat, damit wir die Bibel wieder nichtig verstehen (eventuell noch eine große Bibel zeigen).

 

 

Nachbarschaft

Anspiel:

Sprecher:

Liebe Leut', ihr sollt jetzt sehn, wie hier zwei zu Werke gehn.

Es sind die Nachbarn Lehmann und Krause.

Sie wohnen beide in einem Hause.

Und teilen Hausflur, Keller und Garten.

Und haben sie Wäsche, dann müssen sie warten,

bis die eine oder andere Partei

gibt endlich die Waschküche wieder frei.

Wehe aber, wenn Frau Krause sieht, daß dem Kessel noch ein Tropfen entflieht.

„Diese alte Schlampe Lehmann! Immer sieht man’s allem an,

daß sie lieber als zu putzen, ihre Zeit tun dazu nutzen,

über andre Leut' zu reden! Warte nur, dir will ich’s geben!

Und aus Rache stürzt die Frau wutentbrannt aus ihrem Bau,

greift den Teppich, greift den Klopfer und umschleicht ihr armes Opfer.

 

Lehmann:

Morgen, Frau Krause, jetzt wollen Sie Ihren Läufer klopfen? Nee, das geht ja nun wirklich nicht. Ich habe mich beeilt, daß ich die Wäsche rauskriege. Komischerweise kommen Sie jedesmal mit ihren Läufern an, gerad wie mit Absicht.

Krause:

Na hören Sie mal! I c h nehme doch wohl Rücksicht genug. Aber S i e sollten mal lieber die Waschküche wieder so sauber machen, wie Sie sie vorgefunden haben.

Lehmann:

Wollen Sie etwa behaupten, ich mache die Waschküche nicht sauber? Habe ich mich vielleicht beschwert über den Dreck, den Ihre Kinder ins Treppenhaus bringen?

Krause:

Fangen Sie bloß nicht von den Kindern an. Ich halte mir jedesmal die Ohren zu, wenn Ihre Jungens über uns rumtrampeln. Das ist nicht mehr zum Aushalten, immer mit den schweren Schuhen. Andere Kinder haben doch Hausschuhe an. Ich schweige schon zu vielem still.

Lehmann:

Das sagen Sie, und woher kommt das Gerede über uns und die Kinder? Ihr Mann sagt nicht einmal „Guten Tag“, auch auf der Straße nicht. Da haben sich schon manche darüber gewundert.

Krause:

Meinen Mann lassen Sie aus dem Spiel. Passen Sie man lieber auf, wo ihre Tochter abends immer rumläuft.

Lehmann:

Das geht Sie gar nichts an. Hüten Sie sich bloß mit Ihrem Klatsch! Unverschämtheit! Hat ja keine Zweck mit der Frau.

Sprecher:

Teppichstaub im Kampf mit Seife und dazu ein klaut Gekeife.

Ob das wohl dem Frieden dient und die beiden je versöhnt?

Ach, wir gehn mit Trauer fort. Dieses ist der falsche Ort,

über Nachbarschaft zu reden. Denn, was diese beiden leben,

kann für uns kein Vorbild sein. Nein, ich lade alle ein,

neue Wege auszudenken, wie man Fehler einzurenken

besser sich bemühen kann. Achtung jetzt: Wir fangen an!

 

Erzählung:

Abraham war in das Land gekommen, das Gott ihm verheißen hatte. Mit ihm waren seine Frau gekommen und sein Neffe Lot. Dazu die vielen Leute, die das Vieh zu versorgen hatten. Abraham und Lot waren ja beide Besitzer            großer Viehherden: Schafe, Rinder und Kamele gehörten ihnen. Dazu besaßen sie Silber und Gold und viele Zelte.

Nur mit den Weideplätzen für die großen Herden war es schwierig. Sie mußten sich immer auch erst mit der Bevölkerung des Landes einig werden, um Futter und Wasser für ihre Tiere zu erhalten. So zogen sie von einem Weideplatz zum anderen, bauten ihre Zelte auf und wieder ab, bis sie schließlich nach Bethel kamen, wo Abraham zuerst zu Gott gebetet hatte

Doch es gab bald Streit zwischen den Hirten Abrahams und den Hirten Lots. Die Weide bei Bethel reichte eben nicht für so viele Tiere und die Wasserbrunnen waren auch zu selten. Abends gab es immer Streit: „Wir waren zuerst da, unsere Tiere kommen zuerst dran!“

 

„Nein, ihr wart gestern schon die ersten. Nun laßt uns auch einmal ans frische Wasser kommen!“ - „Euer Vieh zertrampelt nur alles!“ Bald wurden die Fäuste gereckt und Knüppel geschwungen.

Und am Morgen war es ähnlich: „Uns gehört der Weideplatz", riefen die einen. „Nein, wir waren eher da!“ - „Immer sollen wir das schlechtere Land nehmen!“ - „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!“- „Aber unser Abraham ist älter als euer Lot! Uns gebührt der Vorrang!“

Der Zank wird immer schlimmer. Abraham und Lot erfahren davon. Was sollen sie nur tun? Abraham hätte sagen können: „Mir allein hat Gott das Land versprochen. Ich habe dich nur mitgenommen, weil du mein Neffe bist und keinen Vater mehr hast. Aber ich bist der Ältere und du mußt mir gehorchen.

Doch Abraham spricht anders zu Lot: „Laß doch keinen Streit sein zwischen mir und dir, zwischen deinen Hirten und meinen Hirten. Wir sind doch ganz nahe Verwandte und wollen uns miteinander vertragen. Sieh dir doch einmal das Land an, das vor uns liegt. Wir wollen es unter uns aufteilen. Such dir aus, was du willst, ich nehme dann die andere Hälfte!“

Abraham will allen Streit vermeiden. Deshalb ist er mit dem zufrieden, was übrig bleibt. Lot ist auch einverstanden. Er prüft das Land genau. Am besten gefällt ihm die Gegend um den Jordanfluß, wo es viel Wassergibt. Die ganze Gegend liegt dort wie ein schöner großer Garten. Es wohnen zwar schon viele Menschen dort, aber er wird schon noch zwischen ihnen Platz finden.

Deshalb sagt er zu Abraham: „Ich möchte gern das Jordantal nehmen!“ Abraham antwortet: „Es ist gut‚ ich bin damit einverstanden!“ Sie teilen ihren Beschluß den Hirten mit. Die begrüßen auch eine solche vernünftige Lösung. So trennen sich Abraham und Lot voneinander. Lot wohnt in einer fruchtbaren Landschaft. Abraham ist mit dem schlechteren Boden zufrieden.

Wir werden vielleicht meinen, Abraham sei doch schön dumm gewesen. Aber er weiß, daß Gott bei ihm ist. Er wird ihm schon genug Land geben, daß er mit seinen Leuten und Herden nicht verhungern braucht. Gott hat ihm versprochen, daß er viele Nachkommen haben wird. Sie werden zu einem großen Volk werden und einmal das ganze Land besitzen. Abraham vertraut darauf, daß Gott dieses Wort wahr machen wird. Deshalb kann er hier getrost nachgeben. Gott wird es schon nichtig mit ihm machen.

 

Predigt:

Haben wir uns in dieser Spielszene wiedererkennen können? Oder geht es bei uns noch schlimmer zu? Oder gibt es so etwas bei uns so etwas niemals? Ist hier nicht doch etwas übertrieben? Oder handelt es sich nicht vielmehr um einen typischen Vorgang, wie er sich so oder ähnlich alle Tage zutragen kann?

Wie geht es denn bei kleinen Kindern zu? Da spielt der kleine Bruder mit einem Auto. Er ist still und zufrieden und läßt sich durch nichts stören. Da kommt der Bruder dazu. Er nimmt ihm das Auto weg. Dabei hat er selber genügend Autos, mit denen er spielen könnte. Aber immer was der andere hat, ist ja interessant. Wenn man ihm das Ding erst einmal abgejagt und in sicherem Besitz hat, kann man es ja wieder stehenlassen, dann ist es uninteressant geworden.

Kinder bringen es meist nicht fertig, sich aus eigener Kraft wieder zu einigen. Meist greifen die Erwachsenen ein und setzen dem Streit mit Gewalt ein Ende. Die Kinder beugen sich letztlich auch ihrem Schiedsspruch. Was ist aber, wenn sich Erwachsene untereinander streiten? Wer soll dann der Schiedsrichter sein?

Andere Menschen? Gott? Schiedsmann? Gericht?).

Da ist   Mann lange Zeit krank gewesen. Ein anderer hat inzwischen seine Arbeit übernommen. Es ist relativ leichte Arbeit, die doch ganz gutes Geld einbringt. Nun kommt der Kollege zurück. Aber sein Vertreter will den Platz nicht räumen. Es ist klar, wer hier Recht hat. Aber es gibt doch Streit und ungute Worte. Dabei gibt es doch für jeden etwas zu tun und Geld zu verdienen.

Ganz ohne Spannungen im Zusammenleben der Menschen werden wir nicht auskommen. Es liegt einfach im Wesen des Menschen drin, daß er nicht gern nachgibt und deshalb oft mit anderen aneckt. Die Frage ist nur, wie man mit solchen Schwierigkeiten fertig. Wird: Ob man sie mit Gewalt bis zum letzten austrägt oder doch wieder eine Einigung findet.

Unsere Geschichte aus der Bibel zeigt uns, wie man mit Schwierigkeiten fertigwerden kann. Abraham und Lot sind beides Menschen, die an Gott glauben. Vor allem Abraham will nicht, daß es zum Streit kommt. Deshalb sucht er eine Einigung herbei­zuführen, ehe es noch schlimmer wird. Auch wir wollen versuchen, die Lehren aus dieser Geschichte für uns zu ziehen.

 

(1) Einer muß der Erste sein, der nach einer Einigung sucht. Oft ist es so, daß im Grunde bei zur Versöhnung bereit sind. Aber keiner traut sich so recht, den Anfang zu machen. Es könnte ja so aussehen, als würde man damit seine Schuld eingestehen. Keiner will aber sein Gesicht verlieren. Deshalb wird die Beendigung eines Streits oft ungebührlich lang hinausgeschoben.

Hier sind dann meist Menschen als Vermittler nötig. Siekönnen als Unparteiische am ehesten dafür sorgen, da keiner zuviel und keiner zu wenig nachgibt. Sie werden auch von beiden Seiten anerkannt, weil man nicht annimmt, der Vermittler denke nur an seinen eigenen Vorteil.

Es wäre gut, wenn sich immer wieder Menschen zu solchen Vermittlerdiensten bereit fänden. Bei Kindern sind es - wie gesagt - meist die Eltern oder andere Erwachsene. Bei Erwachsenen können vielleicht Verwandte, Freunde oder Nachbarn helfen. Gerade die Christen sind hier aufgerufen, sich mit Phantasie und Liebe dafür einzusetzen, damit das Zusammenleben der Menschen besser klappt. Hier kann man am ehesten im Sinne Gottes wirken.

Besser ist es natürlich, die beiden Gegner einigen sich untereinander. Dazu gehört mehr Mut. Aber Abraham hat ihn offenbar, weil er sich fest mit Gott verbunden weiß, der schon niemanden zu kurz kommen läßt. Abraham riskiert es‚ dabei schlechter abzuschneiden. Aber auf Dauer ist damit mehr erreicht.

(2) Abraham redet in ruhigem Ton mit Lot. Meist geht es ja bei Auseinandersetzungen sehr heftig zu. Und je länger ein Streit dauert, desto heftiger wird auch in der Regel der Ton. Das ist auch wieder nur natürlich und menschlich verständlich, wenn es auch nicht sehr schön ist.

Manchmal ist ein reinigendes Gewitter auch gar nicht so schlecht. Da kann man sich allen Ärger einmal von der Seele reden und hinterher ist man wieder erleichtert und kann eher weder aufeinander zugehen. Wenn man allen Ärger nur in sich hineinfrißt, wird ja auch nichts besser; dann wird der Knall nachher nur noch umso stärker.

Besser ist es natürlich, wenn eine Entspannung in Ruhe zustande kommt. Dabei wird oft noch mehr erreicht als durch eine gewaltsame Entladung. Vor allen Dingen muß die Sache dann aber auch völlig bereinigt sein und darf nicht wieder an anderer Stelle auftauchen. Abraham jedenfalls versucht das. Er erscheint als der Besonnenere und damit letztlich als der Überlegenere. Man kann leichter nachgeben, weil eben der Klügere nachgibt.

 (3) Genaue vertragliche Regelungen sind hilfreich. Man kann natürlich auch der Meinung sein, das sei kleinlich, wenn man alles genau aufschreibt. Man müsse lieber alles dem Lauf der Zeit überlassen und die Dinge regeln, wenn sie sich ergeben. Aber die Erfahrung zeigt, daß das auch unter Christen nicht immer so

möglich ist. Es ist besser, man hat sich vorher schon alle möglichen Fälle überlegt und sie in Ruhe regelt. Wenn erst einmal Zeitdruck herrscht ‚ greift man oft nach der nächstbesten Lösung, die sich dann nicht immer als die beste herausstellt. Und dann gibt es Ärger und Reibereien und man sagt: „Ach hätten wir doch damals!“

Natürlich muß unter guten Freunden oder Verwandten nicht alles mit Unterschrift und Stempel abgemacht werden. Zum Glück gibt es auch immer noch Menschen, denen man bedingungslos vertrauen kann. Aber dann muß wenigstens vorher alles geklärt und genau abgesprochen werden. Und wer Angst hat, es könnte etwas wieder vergessen gehen, der schreibt lieber alles auf.

(4) Gott gibt jedem genug zum Leben. Abraham handelt ja nicht nur nach dem Grund­satz: „Der Klügere gibt nach!“ Er handelt vielmehr nach den Geboten Gottes. Gott will nicht, daß Streit zwischen Menschen herrscht, und schon gar nicht zwischen Verwandten oder zwischen Menschen, die an den gleichen Gott glauben. Weil Abraham das weiß, gibt er nach.

Er hätte ja auch sagenkönnen: „Ich bin der Ältere, du mußt dich mir unterordnen!“ Abraham hätte auf sein Recht pochen können. Aber dann hätte es vielleicht Streit gegeben. So verzichtet er lieber auf sein Recht, auch wenn er dabei vielleicht den Kürzeren hätte ziehen können.

In Wirklichkeit aber wird Abraham von Gott reich beschenkt. Gott sagt ihm: „Deinen Nachkommen wird dieses ganze Land gehören, weil du jetzt gehorsam gewesen bist!“ Was man auf der einen Seite um des lieben Friedens willen aufgibt, das erhält man auf der anderen Seite doppelt wieder.

Das gilt auch für unser persönliches Leben. Wenn wir uns bemühen, mit anderen Menschen auszukommen, werden wir den Segen spüren, der auf solchem Handeln liegt. Das gilt für die Mieter in einem Haus, für die Schüler in einer Klasse, für die Menschen in der Firma. Überall, wo Menschen zusammenkommen, müsse einige da sein, die Frieden stiften oder bereit sind zum Nachgeben. Wir wollen Gott bitten, daß er uns zu Friedensstiftern mache. Und wir wollen darauf vertrauen, daß er dabei schon keinen zu kurz kommen läßt.