Religionsunterricht als Christenlehre

 

Vorwort und Anfangsunterricht

 

 

Inhaltsverzeichnis (vorwiegend auf den Unterseiten):

Anfang

Urgeschichte

Erzväter

Joseph

Auszug (Mose)

Könige und Propheten

Psalmen 104 + 118

Geburt Jesu

Wirken Jesu

Verkündigung Jesu

Leiden und Auferstehung

Urgemeinde und Paulus

Luther, Gebote, Kirchenjahr, Christusbild

Weihnachten

Quiz

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Diese Ausarbeitung widme ich meiner Frau Ursula, die auf dem Katechetenseminar in Eisenach gelernt hat und mit der ich 25 Jahre im Pfarramt zusammenarbeiten konnte in Christenlehre und Kindergottesdienst. Sie hat eine besondere Gabe, mit Kindern umzugehen und ihnen die biblischen Geschichten zu vermitteln und sie zu besprechen, von der diese Ausarbeitung kaum etwas wiedergeben kann. Sie stellt nur die Theorie dar- wie man es machen könnte - aber die Praxis war dann bei meiner Frau noch einmal ganz anders. Sie hat auch später noch Religionsunterricht in der Schule gehalten. Da haben die Kinder hinterher oft gesagt: „Wir haben gespielt!“ Sie haben gar nicht gemerkt, daß sie ja im „Unterricht“ waren.



Vorwort

 

Natürlich weiß ich auch, daß Religionsunterricht heute anders gemacht wird. Nur sind die Methoden meist an den anderen schulischen Untereicht angepaßt. Der Religionsunterricht sollte sich jedoch vom anderen Unterricht unterscheiden. Vor allem in der Unterstufe und Mittelstufe sollte er kein Lernfach sein, sondern auch einmal so etwas wie ein Ruhepunkt im harten Schulalltag. Deshalb beginnt die Stunde nicht dem Austeilen von Arbeitsblättern, sondern zum Beispiel mit einem Lied.

Im Mittelpunkt der Stunde aber steht die Erzählung einer biblischen Geschichte. Man könnte sie natürlich auch aus der Bibel oder einem Buch lesen. Abe r hier ist der Lehrer besonders gefordert, ganz frei zu erzählen. Dabei wird nicht unnötig ausgeschmückt oder gar psychologisiert, aber die Erzählung soll spannend sein und auf die Fortsetzung warten lassen. Vor die Erzählung gehört ein Einstieg, der auf das Thema hinführt und die Kinder in ihrer Welt abholt. Nach der Erzählung folgt das „Antwortgespräch“, in dem das Gehörte noch einmal vertieft wird.

Vorbild sind die Lehrpläne und Methoden der Christenlehre in der damaligen DDR. Im Osten Deutschlands gibt es ja heute noch weitgehend diese Christenlehre in alleiniger Verantwortung der Kirche, die sich natürlich vom Schulunterricht absetzen muß. Aber auch der schulische Religionsunterricht steht immer mehr unter dem Zwang, die Kinder durch eine lebendige und lebensnahe Gestaltung zu gewinnen. Gelungen ist das, wenn die Kinder hinterher sagen: „Wir haben gespielt!“ Dabei wurde nur die Wiederholung spielerisch gemacht (zum Beispiel „Ja-Nein-Stuhl“ in zwei Gruppen)

 

Die Reihenfolge dieser Ausarbeitung richtet sich nach der Bibel.

Aber selbstverständlich sind die Bibelabschnitte den jeweiligen Lehrplänen zuzuordnen

 

 

 

 

 

Anfangsunterricht in der Unterstufe

 

 

Orientierungshilfe 1: Große und Kleine gehören zu Jesus Christus.

 

A. Wir machen uns vertraut mit der neuen Umgebung:

Die Katechetin versucht, anhand ihrer Liste die Namen der Kinder zu raten (nicht von vornherein eine Vorstellung, manche Kinder machen das nicht gern). Das Raten ist nicht einfach. Aber das ist der Übergang zum ersten Thema:

Es gibt jemand, der weiß euren Namen schon von klein an: Vater, Mutter, Verwandte, Geschwister (wer hat Geschwister?). Besonders Vater und Mutter haben euch lieb. Sie sorgen für euch, vom Morgen bis spät in den Abend.

Wenn aber einer keine Eltern hat, wen hat der denn da? Es sin andere Menschen da. Aber vor allem ist auch Gott da, der auf uns alle aufpaßt. Er hat uns lieb, auch wenn wir ihn nicht sehen können. Hier im kirchlichen Unterricht erzählen von Gott und von Jesus Christus, seinem Sohn. Wir wollen erfahren, wie er uns hilft. Dazu will ich euch einmal von einer Familie erzählen:

Zu der Familie gehören Marlies und Markus‚ dazu Vater und Mutter. Morgens um halb sieben sitzen sie alle am Frühstückstisch. Als sie mit dem Essen fertig sind, falten sie die Hände und beten zu Gott: „Wo ich gehe, wo ich stehe, bist du lieber Gott bei mir. Wenn ich dich auch nirgends sehe, glaub ich dennoch: Du bist hier!“

Dann gehen Vater und Markus. Vater muß zur Arbeit und Markus in die Schule. Marlies und Mutter bleiben zu Hause. Marlies hat ein Meerschweinchen. Die Mutter hat es ihr geschenkt, weil sie jetzt oft allein spielen muß, denn Markus ist ja jetzt vormittags in der Schule. Bisher hat es aber immer geregnet, Marlies konnte nur im Zimmer mit dem Meerschweinchen spielen. Aber heute scheint die Sonne. Da möchte sie gern mit ihrem neuen Spielgefährten nach unten.

Mutter erlaubt es auch, sagt aber: „Geh aber nicht auf die Fahrbahn!“ Marlies läßt das Meerschwein erst im Garten laufen. Es sieht sich alles an, frißt von dem Gras und fühlt sich wohl. Doch dann läuft es auch hinaus auf den Bürgersteig. Marlies geht hinterher und paßt gut auf, damit es nicht auf die Fahrbahn gerät. Dort ist es zu gefährlich, dort kommen fast immerzu Autos vorbei.

Doch wie Marlies sich noch über ihr Meerschwein freut, taucht eine viel größere Gefahr auf. Dort kommt Uwe, der immer die Mädchen boxt und die Kleinen haut. Niemand kann ihn richtig leiden. Marlies will schnell mit ihrem Meerschwein zurück in den Garten. Aber da erhält sie schon einen Schubs und fallt hin. Und Uwe nimmt das Meerschwein und rennt auf die andere Straßenseite.

„Komm doch“, ruft er, „hol dir doch dein Meerschwein wieder!“Aber Marlies darf doch nicht alleine auf die Fahrbahn! Sie steht da und weint. Uwe aber lacht sie aus. Mit seinen dreckigen Händen hat er das Meerschwein gepackt und stubst es in eine Pfütze: „Trink doch, du Biest!“ ruft er.

In diesem Augenblick kommt Markus aus der Schule. „Markus“, ruft Marlies, „Uwe hat mein Meerschwein!“ Sofort hat Markus den Ranzen in eine Ecke gefeuert und geht auf Uwe los. Der ist an sich stärker, aber Markus kann gut ringen. Uwe muß das Meerschwein loslassen.

Markus nimmt es, sieht nach links und nach rechts und kommt über die Fahrbahn gerannt. „Du bist ein prima Bruder", sagt Marlies. „Wie gut, daß du gerade kamst!“

 

Jesus ist so ein guter Bruder wie Markus. Er ist uns ganz nahe und steht uns bei und macht uns wieder froh. Er kann uns noch viel besser beistehen, als Markus das konnte. Er ist überall da: In der Schule, wo wir lernen, beim Vater in der Firma, bei der Mutter zu Hause. Wir brauchen seine Hilfe ja auch. „Ohne Jesus möchte ich gar nicht leben!“sagt der Vater.

 

Zum Schluß der Stunde wird das Gebet gelernt: „Wo ich gehe, wo ich stehe, bist du lieber Gott bei mir. Wenn ich dich auch nirgends sehe, glaub ich dennoch: Du bist hier!“

 

 

B. Wir hören: Jesus will die Kinder bei sich haben und hat sie lieb (Mt 19,13-15)

Einstieg:

Es gibt einen Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern:

Die Großen vollbringen große Leistungen, sie können überall mitreden.

Die Kleinen müssen sich beschenken lassen (von Eltern und anderen Erwachsenen). Es gibt viele Erwachsene, die drängen die Kinder beiseite, zum Beispiel wenn man im Laden anstehen muß. Sie sagen dann: „Ihr habt doch Zeit, ihr könnt doch warten!“

Auch in der Zeit, in der Jesus lebte, hielt man nicht viel von den Kindern: Man hielt sie für dumm undunartig, sie stellten wenig dar und waren ganz von den Erwachsenen abhängig. Vor allen aber meinte man: Die Kinder verstehen nichts von Gott! Ja, man sagte sogar: „Wer Gott gefallen will, der darf sich nicht mit Kindern abgeben!“ Jesus aber dachte da ganz anders. Und wir heute machen es auch anders. Um euch das deutlich zu machen, will ich euch noch einmal von Marlies und Markus erzählen:

 

Es ist Sonntag. Die Glocken läuten. Heute gehen alle zur Kirche: Vater, Mutter, Markus, Marlies. Auf dem Wege treffen sie noch andere Leute, die auch in die Kirche gehen. Markus trägt Vaters Gesangbuch. Er geht schon in die zweite Klasse und singt schon mit dem Vater aus dem Buch. Marlies hat ein Kindergesangbuch. Lesen kann sie noch nicht. Aber sie sieht sich die Bilder an.

Frau Schneider vom Nachbarhaus grüßt die Eltern. Sie fragt: „Die Kinder gehen ja auch mit in die Kirche: Die sind doch noch zu klein!“ Der Vater sagt jedoch: „Sie gehen aber gern mit, und singen können sie auch schon! Und beim Beten wissen sie, daß sie an Jesus denken sollen!“

So kommen sie alle zur Kirche und setzen sich zusammen auf eine Bank. Die Oma, die im Haus unter ihnen wohnt, nickt ihnen zu. Sie freut sich, daß alle zusammen da sind. Nach dem Gottesdienst ißt die Familie zu Mittag. Mutter sagt: „Die Kleine hat heute im Gottesdienst aber gezappelt, sie ist vielleicht doch noch zu klein!“ Doch Marlies antwortet: „Aber ich habe doch beim Beten die Hände gefaltet und mitgesungen!“ Und Vater meint: „Das ist ja auch schön. Das ist die Hauptsache im Gottesdienst, daß du beten und singen kannst. Aber der Gottesdienst ist doch zu lang für dich. Du gehst lieber in den Kindergottesdienst. Da betet und singt ihr auch. Du erzählst uns dann, was du von Jesus gehört hast. Da freuen wir uns dann alle. Du bist nicht zu klein, um von Jesus zu hören und zu beten!”

Der Vater hatte aber den Kindern^ auch verspochen, ihnen die Geschichte von Jesus zu erzählen, der die Kinder bei sich haben will. So erzählt er ihnen nach dem Abendbrot:

Jesus ist unterwegs mit seinen Freunden, den zwölf Jüngern. Sie unterhalten sich auf dem Weg. Die Jünger sagen: „Vielen Menschen hast du gesagt, daß Gott sie liebhat. Alle müßten sich eigentlich freuen. Aber manche wollen es gar nicht hören. Es ist schade, daß gerade viele große und kluge Leute davon nichts hören wollen!“

Inzwischen sind sie in ein Dorf gekommen. Einige Leute sehen ihn und wollen ihn hören. Auch sie dürfen erfahren: Gott hat alle Menschen lieb! Darüber freuen sich manche und bringen auch ihre Kinder zu Jesus. Die Mütter haben ihre Kinder an der Hand und manchmal auch noch ein Kleines auf dem Arm. Auch größere Kinder sind dabei, die ihre kleineren Geschwister mitbringen.

Sie wollen Jesus bitten: „Bete für unsere Kinder zu Gott und lege deine Hände auf sie. Sie sollen auch merken: Gott hat sie lieb, und Jesus hat sie auch lieb! So kannten es die Leute von den Schriftgelehrten, die legten auch an einem bestimmten Tag im Jahr die Hände auf die Kinder und beteten für sie. Und Jesus halten sie auch für einen solchen Lehrer.

Aber die Leute kommen gar nicht an Jesus heran. Seine Freunde stehen im Weg und lassen sie nicht durch. Sie sagen: „Ihr sollt nicht mit den Kindern zu Jesus gehen. Kinder sind zu klein für Jesus. Was können sie schon verstehen? Jesus ist nur für die Erwachsenen da, die ihn richtig verstehen und ihm helfen können!“ Die Jünger schimpfen sogar mit den Leuten und fahren sie sogar an.

Da bemerkt Jesus, was los ist. Seine Jünger machen ja alles falsch. Das will er doch nicht. Alle dürfen sie zu ihm kommen. Jesus ärgert sich richtig über seine Jünger. Er ruft ihnen zu: „Laßt die Kinder zu mir kommen! Schickt sie nicht weg! Stellt euch nicht in den Weg, wenn sie zu mir kommen wollen! Euch aber habe ich etwas sehr Wichtiges zu sagen: Gott schenkt allen Menschen seine Liebe! Und er schenkt sie umsonst. Ihr könnt sie nicht kaufen oder verdienen. Ihr müßt sie euch schenken lassen wie die Kinder!“

 

Und weiter sagt er: „Die Kinder sind nicht zu klein, als daß Gott ihnen nicht seine Liebe schenken könnte. Gott liebt die Großen und die Kleinen. Ich freue mich auch, wenn sie zu mir kommen, ich möchte sie bei mir haben. Laßt die Kinder zu mir kommen!“

Da gehen die Jünger aus dem Weg. Die Kinder d dürfen kommen. Die Mütter bitten: „Lege doch die Hände auf sie und bete für sie!“ Das tut Jesus. Sie merken alle: Jesus will auch die Kinder bei sich haben! Da werden sie alle froh. Jesus aber geht mit seinen Jüngern in ein anderes Dorf.

(Anmerkung: Es geht nicht um die Unschuld der Kinder, sondern bestenfalls um ihre Unverbildetheit im Gegensatz zu den Erwachsenen. Es geht auch nicht um eine Segnung, denn Jesus erteilt den Segen nicht, sondern er bittet Gott um den Segen. Es ist nicht gesagt, Jesus sei zu müde gewesen‚ um sich mit den Kindern zu befassen. Es ist vielmehr so, daß seine Jünger eben auch der gleichen Meinung über die Kinder sind wie die ganze Umwelt).

Jesus weist hier seine Gemeinde an, auch die Kinder mit in die Gemeinde zu nehmen. Er will zugleich deutlich machen, daß Eltern u n d Kinder in einer größeren Geborgenheit stehen, daß beide von der Liebe Gottes umfangen sind und auf die angewiesen sin.

 

C. Wir erzählen von unserer Kirche:

Wir betrachten die „Kinderkirche“, eine auf Pappe aufgemalte Kirche, deren Fenster und Türen usw. man herausnehmen kann, so daß an dahinter die Einrichtungsgegenstände der Kirche und die Menschen sehen kann, die die Kirche besuchen.

Seid ihr einmal in der Kirche gewesen? Seid ihr mit der ganzen Familie hingegangen? Wen habt ihr dort getroffen? Was wurde dort gemacht? Weshalb läuten die Glocken?

 

Was Margret alles in der Kirche sieht:

Margret geht gerne einmal in der Stadt spazieren. Da gibt es so viele Häuser und Geschäfte zu sehen, immer wieder andere Menschen, auch Autos und Maschinen in den Werkstätten. Eines Tages steht sie vor einem Haus, das ganz anders aussieht als die anderen (wir zeigen ein Bild - am besten die örtliche Kirche - die Kinder sollen sagen, was es darstellt: die Kirche).

Die große Eingangstür scheint offen zu sein, der eine Flügel steht etwas vor. Margret will die Tür öffnen. Häh, geht das schwer (wir machen gemeinsam die Bewegung). Jetzt hat Margret es geschafft. Erst guckt sie sich einmal um. Ist das merkwürdig hier! Da stehen ja so viele Bänke! Ob man sich einmal auf eine draufsetzen kann. Sie probiert es.

Plötzlich steht hinter ihr jemand: „Na, kleines Fräulein, was machst du denn hier? Du hast mir ja ganz schön Schmutz hereingetreten!“ Erschrocken dreht Margret sich um. Da steht eine Frau mit Eimer und Scheuertuch und sieht ordentlich böse aus. Margret hat tatsächlich vorhin nicht die Schuhe abgeputzt. Jetzt sind lauter schmutzige Stellen auf den hellen Sandstein-Platten.

Margret schämt sich sehr und sagt leise: „Entschuldigen Sie bitte, daß ich Ihr Haus so schmutzig gemacht habe!“ Da lacht die Frau und sieht auf einmal ganz lieb aus. Sie sagt: „Mein Haus ist das doch nicht. Die Kirche ist doch Gottes Haus. Ich bin nur die Frau, die hier saubermacht, damit am Sonntag alles schön frisch ist, wenn die vielen Leute kommen!“

 

Margret staunt: „Warum kommen denn so viele Leute hierher?“ Die Frau antwortet: „Die wollen hören, wie der Pfarrer von Gott erzählt“ Nun weiß es Margret, auch wenn sie sich nicht so recht etwas darunter vorstellen kann. Aber jetzt hat sie einen schönen Tisch entdeckt, auf dem Kerzen und Blumen stehen: „Ist das ein Geburtstagstisch?“ Doch die Frau erklärt ihr: „Das ist ein Altartisch. Der gehört Gott. Die Kerzen und Blumen stellen wir hin, weil wir Gott eine Freude machen wollen!“

Doch Margret hat schon etwas Neues entdeckt: „Da ist ja auch ein Buch. Sind da viele Bilder drin? Bilderbücher mag ich nämlich gerne!“ - „Nein, Bilder sind in dem Bibelbuch nicht, aber viele schöne Geschichten von Gott. Aus diesem Bibelbuch erzählt der Pfarrer jeden Sonntag etwas!“- „Darf ich da auch sonntags einmal herkommen?“- „Sicherlich, frag nur einmal deine Eltern, ob sie mitkommen. Nur mußt du schön stillsitzen und gut zuhören!“

„Aber ich weiß doch nicht, wann wir kommen sollen?“ - „Das ist doch ganz einfach, denn oben im Turm hängen große Glocken, die werden dann geläutet. Erst die ganz große, schon eine Stunde vorher, damit man sich schon darauf einrichten kann. Wenn es dann richtig losgehen soll, dann läuten alle Glocken, entweder drei oder an Festtagen sogar alle vier!“

Da macht es auf einmal ganz laut über ihnen: „Dong!“ - „Das ist die Uhr. Die sagt uns jetzt, wie spät es ist!“ Margret zählt mit (alle zählen mit, bis sechs). „Was, schon 6 Uhr!“ erschrickt Margret. „Da muß ich aber schnell heim. Die Mutter wird schon warten!“Sie verabschiedet sich schnell vor der Frau und denkt: „Ob die Eltern wohl einmal am Sonntag mit zur Kirche gehen?“

 

Margret begleitet ihre Mutter zum ersten Mal zum Gottesdienst:

Margret und ihre Mutter haben ihre Sonntagssachen angezogen. Heute wollen sie in die Kirche zum Gotteedienst. Ehe sie losgehen, steckt Margret noch schnell zwei Geldstücke ein.

Die will sie in der Kirche in die Opferbüchse tun. Sie darf auch Muttis großes Gesangbuch tragen, darauf ist sie sehr stolz.

Die Glocken läuten schon. Die Mutter fragt: „Kannst du denn verstehen, was die Glocken rufen?“ Das kann Margret: „Die Glocken rufen alle Menschen in die Kirche: „Komm, komm, komm!“ (Wir üben dem Glockenruf gemeinsam).

Vor der Kirchentür putzt sich Margret sorgfältig die Füße ab. Es sind schon viele Leute da. Auf dem Altar stehen frische Blumen und die Kerzen brennen. Margret will sich gerade auf eine Bank setzen, da sieht sie dort einen Mann stehen: Er hat die Augen geschlossen und den Hut in der Händen. Davor ist auch eine Frau angekommen, die bleibt jetzt auch still stehen. Margret will gerade ihre Mutter am Ärmel zupfen und fragen, da sieht sie, daß die Mutter auch so still dasteht: Sie hat die Hände gefaltet und betet. Beim Beten darf man nicht stören, das weiß Margret.

Aber als sie sich hinsetzen, fragt sie schnell: „Warum betet ihr denn alle, es ist doch noch gar nicht Abend?“ Die Mutter ermahnt sie erst: „Du darfst doch in der Kirche nicht so laut sein! Wir wollen doch Gott danken, daß wir in sein Haus kommen dürfen. Und wir wollen ihn bitten, daß das jetzt eine schöne Stunde wird, über die wir uns noch lange freuen können, weil uns von Gott erzählt wurde!“

Plötzlich ertönt ganz laute Musik. Margret dreht den Kopf herum. „Mutter, wo ist denn hier das Radio?“ Die Mutter flüstert: „Kind, das ist doch die Orgel. An ihr sitzt jetzt der Organist und spielt die Lieder vor und wir dürfen dann alle mitsingen!“ Doch Margret hat schon wieder etwas anderes entdeckt: „Was ist denn das da vorne, das wie ein großes Weinglas aussieht und so groß wie ich ist?“ Die Mutter flüstert wieder: „Das ist der Taufstein. Da werden die kleinen Kinder getauft, damit sie auch zu Gott gehören. Du bist dort auch einmal getauft worden!“

Inzwischen ist der Pfarrer an den Altartisch getreten. Margret wird ganz aufgeregt: „Warum hat der denn ein Kleid an?“ Die Mutter antwortet: „Das ist kein Kleid, sondern der Talar. Daran erkennt man, daß er der Pfarrer ist. Jetzt spricht er noch am Altar, aber nachher geht er auf die Kanzel, damit ihn alle gut verstehen können bei der Predigt. Ich will es dir nur schon gleich sagen, damit du nicht nachher wieder störst!“ Jetzt ist Margret still‚ auch wenn alles so schrecklich lange dauert.

Sie hat nichts verstanden von dem, was der Pfarrer den großen Leuten erzählt hat. Aber am Ausgang der Kirche hätte sie beinahe die Opferbüchse übersehen. Mutter erinnert sie daran. So wandern die Geldstücke doch noch in die Büchse. Von dem Geld soll die Kirche repariert werden, wenn einmal etwas dran kaputt ist. Weil so etwas aber sehr teuer ist, muß man lange darauf sparen.

 

In der nächsten Stunde besichtigen wir die Kirche und sehen uns alles genau an. Wir treten uns genau die Füße ab, ehe wir hineingehen. Und wir bringen alle ein Staubtuch mit, damit wir die Bänke einmal abstauben können, damit sich niemand am Sonntag dreckig macht.

 

D. Große und Kleine werden getauft!

Wir betrachten ein Bild des Taufsteins (möglichst aus der örtlichen Kirche) und erzählen, wozu er da ist. Wir spielen: Die Mutter meldet beim Pfarrer die Taufe des kleinen Geschwisterchens an. Wir erzählen, was dann bei der Taufe alles gemacht wurde.

Wir erzählen: Die Christen, die an einem Ort zusammenwohnen, gehören zu einer Kirchengemeinde. Unsere Kirchengemeinde heißt: „Evangelische Kirchengemeinde …!“ Dazu gehören die evangelischen Christen in unserem Ort, aber auch in den Dörfern ….

Sie helfen einander, Gott zu gehorchen. Sie gehen gemeinsam zum Gottesdienst und beerdigen gemeinsam ihre Toten. Sie haben einen …. (Kindergarten) und eine … (Diakoniestation) eingerichtet. Sie halten Gottesdienste und kirchlichen Unterricht, sie haben einen ……(Chor) und einen …..(Posaunenschor) und einen Kirchenvorstand „Gemeindekirchenrat“). Sie erhalten die Kirche und das Gemeindehaus und das Pfarrhaus.

Die Kirchengemeinde hat aber auch viele Mitarbeiter. Ihr kennt den Pfarrer und die … (Kindergärtnerinnen). Aber wir haben noch mehr Leute, die wir in der Kirche brauchen: ….. (Hausmeister, Küchenfrauen, Chorleiter).

Alle können mithelfen in der Kirche auch die sonst einen anderen Beruf haben. Auch ihr könnt schon mithelfen oder habt schon mitgeholfen beim Erntedankfest, Krippenspiel, Bänke saubermachen, usw. In der Bibel heißt es dazu einmal: „Dienet einander mit der Gabe, die er empfangen hat!“ (1. Petr 4,10).

Wir lernen einen Mitarbeiter aus der Kirchengemeinde kennen, der uns von seinem Dienst erzählt (evtl. Arbeitsort besichtigen).

Wir erzählen von einem Kind, das ein anderes zum Kindergottesdienst abholt und beim Adventssingen mitwirkt und für einen bestimmten Menschen betet.

 

 

E. Jesus Christus kennt unseren Namen, unsere Familie, unser Zuhause:

Namen kennenlernen: Gesellschaftspiel „Feierliche Begrüßung“: Einer fängt an, gibt dem anderen die Hand und sagt seine Namen. Darauf gehen beide los und suchen sich einen neuen Partner und begrüßen ihn. Oder Gesellschaftspiel „Namenskette“: Einer sagt seinen Namen, der Nächste fügt seinen Namen hinzu, jeder sagt immer die ganze Kette der Namen und fügt am Schluß seinen hinzu.

Aussage: Auch Jesus kennt unseren Namen. Wir sagen etwas über die Bedeutung der Vornamen (laut Vornamenbuch) und verweisen besonders auf die christlichen Namen. Jesus kennt auch uns und unsere Familie.

 

Zeichnung: Wir malen unsere Familie oder unsere Wohnung oder den Kindergarten

oder die Schule.

Wir lernen den Bibelspruch: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“ (Jes 43,1 b).

Wir erzählen von einer Taufe: Gott hat uns beim Namen gerufen bei der Taufe. Seitdem kennt er uns und wir gehören zu ihm. Jetzt brauchen wir uns nicht mehr zu fürchten.

Wer kann von der Geburt und der Taufe eines Geschwisterchens erzählen?

 

Lied: Ich bin getauft auf deinen Namen

 

 

 

Orientierungshilfe 2: Jesus Christus sagt: Gott der Vater gibt uns, was wir brauchen.

 

A. Wir erzählen, was um uns herum wächst und lebt:

Wir sehen unsere Stadt: An der Flanellwand wird eine Ansichtskarte der Stadt angebracht und darunter einzelne wichtige Gebäude der Stadt: Kirche‚ Rathaus‚ Schule‚ Gemeindehaus, Fabrik, Schwimmbad - aber auch Gärten, Felder, Wiesen, Wege, Wald, Berge - schließlich auch noch Sonne, Mond und Sterne (zum Teil gezeichnet).

Wem gehört das Alles? Die Häuser und Gärten gehören Privatleuten, die Felder gehören den Landwirten, die Wälder der Forstwirtschaft, die Bäche und Berge dem Staat. Wem gehören die Gestirne? Gehört der Mond dem, der zuerst dort gelandet ist?

Wir Christen wissen mehr. Uns sagt Jesus der Herr: „Alles gehört meinem Vater, alles gehört Gott!“ Wir legen einen großen Kreis um unsere „Welt“ und sagen: Das alles gehört Gott. Wir lernen das Lied: „Meinem Gott gehört die Welt!“ (Vers 1).

Wir sagen: „Gott gehört der Raum, die Zeit“. Wir müßten einmal in ein Flugzeug steigen und über die ganze Welt fliegen können. Da könnten wir vieles sehen: Fremde Länder und Menschen, die Gebirge und das Meer, die Tiere und die Pflanzen, die Städte und Dörfer. Und immer müßten wir sagen: „Das gehört Gott!“

Gott gehört aber auch die Zeit. Wir zeigen eine Spielzeuguhr und stellen die Zeit ein. Mit Flanellbildern werden die jeweiligen Tätigkeiten dargestellt (im Uhrzeigersinn anordnen), die zu der eingestellten Zeit von Kindern oder Eltern ausgeübt werden. Um den „Tageslauf“ legen wir wieder einer großen Kreis und sagen: „Die Zeit gehört Gott!“ Und zwar die Zeit, die schon war ,die Zeit, die heute ist - auch die Zeit, die noch kommt.

Zu jeder Zeit wissen wir: Gott ist bei uns und hat uns lieb. Auch wenn wir einmal keine Zeit mehr haben, wenn wir sterben, ist er bei uns und wir sind bei ihm. „...sein ist auch die Ewigkeit!“ heißt es in dem Lied.

Wenn uns etwas gehört, dann behalten wir es am liebsten auch. Wir schenken unsere Puppen oder unsren Roller nicht gern weg und verborgen sie auch nicht gern. Gott aber macht das ganz anders als wir Menschen. Er verborgt und verschenkt immerzu, was ihm gehört. Wir dürfen es gebrauchen. Aber wir sollen wissen: Es kommt von Gott! Wir sehen: Jesus Christus sagt uns: „Alles kommt von Gott, dem Herrn!“

 

Wir malen an die Tafel einen großen Kreis. Jedes Kind darf hinein malen, was Gott uns schenkt. Die anderen Kinder müssen raten, was dort dargestellt ist: Menschen, Tiere, Pflanzen, Essen, Trinken, Kleidung, Wohnung, Werkzeuge‚ Autos, usw.

 

Wieso hat Gott uns das gegeben? Essen und Trinken kriegen wir doch aus dem Laden? Und die Werkzeuge werden in der Fabrik gemacht!

Die Kinder (oder die Lehrerin haben einige Werkzeuge mitgebracht und erzählen, welcher Handwerker dieses Werkzeug braucht. Vielleicht kann auch das Kind etwas von der Arbeit von Vater und Mutter erzählen (Zange, Zollstock, Fieberthermometer, Gabel, Federhalter, Stecknadel usw.). Wir singen: „Wer will fleißige Handwerker sehn!“ Wir überlegen miteinander, wozu diese Berufe nötig sind. Gott hat all diesen Menschen die Fähigkeit gegeben, für uns tätig zu sein. Gott gibt uns Menschen die für uns sorgen und für uns arbeiten.

Dazu gehören auch die Eltern. Wir zeigen das Bild einer Mutter mi ihrem Säugling. Wie sorgt die Mutter für ihr hilfloses Kind? Wer hilft ihr dabei? (Vater, Großmutter, Nachbarin, Krippe, Mütterberatung).

Jeden Tag erleben wir viel Schönes, über das wir uns freuen können. Die Kinder nennen Beispiele, sie werden an die Tafel geschrieben (Den Kindern werden ihre Gaben und Fähigkeiten bewußt, so daß sie froh und zuversichtlich aufwachsen können; dadurch werden sie ansprechbarer für den Ruf zum Glauben).

Wir zählen auf‚ was wir mit unseren Augen im Zimmer sehen können (im Unterrichtsraum). Es gibt aber auch Menschen‚ die haben keine gesunden Augen‚ die müssen eine Brille tragen oder werden operiert. Manche haben aber auch so kranke Augen, daß kein Arzt ihnen mehr helfen kann, sie sind blind. Wir überlegen, was diese Menschen alles n i c h t sehen können.

Aber zunächst erst einmal haben wir Grund, Gott zu danken. Er gibt uns Vater und Mutter, den Bauern und den Kaufmann, die uns mit allem notwendigen versorgen. Aber letztlich ist es Gott selber, der uns alles gibt: Kleider, Schuhe, Brot, Butter, Wasser, Milch; Vater und Mutter, Bruder und Schwester, Oma und Opa; Bett, Schulranzen, Hände, Gesundheit.

Gott hat auch die Sonne gemacht, damit wir etwas sehen können und die Pflanzen schön wachsen und es schön warm haben. Auch den Mond und die Sterne hat Gott gemacht, und die Wolken und den Wolkenhimmel. Wir überlegen einmal‚ über welche Pflanzen und Bäume wir uns besonders freuen: Apfelbaum, Flieder, Stiefmütterchen‚ Maiglöckchen, frisches Gras, Sumpfdotterblume‚ Gänseblümchen‚ Löwenzahn‚ Ginster (möglichst Beispiele mitbringen).

Möglichst werden nun Blumen oder Tiere betrachtet: ein Schneeglöckchen, eine Vogelfeder, ein aufgeschnittener Samenkern‚ ein aufgeschnittener Apfel, ein Haustier (Wellensittich, Fische, Schildkröte). Eventuell kann man auch ein Samenkorn in einen Blumentopf stecken und warten, bis ein Keimling sichtbar ist.

Gott hat uns die Gaben nicht nur für uns selbst gegeben. Wenn wir merken, daß jemand krank ist zum Beispiel der Briefträger, dann können wir ihr besuchen und ihm eine Freude machen (Faltkarte mit Korkdruck verzieren, Lied bei Alten singen).

 

Weil Gott für uns sorgt und uns so viele Menschen schickt, die uns helfen, wollen wir uns auch bei ihm dafür bedanken. Wir zeigen in der Bibel den Psalm 136 und lesen und lernen den ersten Vers: „Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, denn seine Güte währet ewiglich!“ (auch als Kanon gesungen).

 

Wir feiern jetzt in der Kirche ein Fest, an dem unser Dank an Gott besondere deutlich werden soll: das Erntedankfest. Wir betrachten in Schulbuch für die erste Klasse oder einem anderen Buch die Bilder zu den vier Jahreszeiten (und vielleicht noch einige andere Bilder) und machen dabei noch einmal deutlich, was Gott uns alles gibt. Die Ordnung der Jahreszeiten ist Gottes Werk. Er hat das alles so eingerichtet.

Er läßt auch jedes Jahr wieder etwas für uns auf den Feldern wachsen. Deshalb halten wir jetzt in der Erntezeit den Dankgottesdienst, für die Großen und auch für die Kinder extra im Kindergottesdienst (bitte Körbchen mit Früchten mitbringen).

Nicht alle Kinder in der Welt haben satt zu essen. Nicht alle haben eine schöne Wohnung und schöne Kleider. Wir wollen versuchen, ihnen zu helfen. Und wir wollen Gott danken, daß es uns so gut geht. Wir danken für Essen und Trinken, aber auch für die Arbeit in der Fabrik, für

die Schule und für das Schwimmbad.

Gott hat uns die Gaben aber nicht nur für uns selber gegeben. Wir können sie auch an andere weitergeben. Für die Mutter malen wir eine schöne Karte zum Erntedankfest. Einer alten Oma bringen wir etwas Gutes zum Essen.

 

B. Wir hören: Jesus Christus lehrt uns beten zu Gott dem Vater.

Wir erzählen von zwei Kindern: Wenn die abends in ihrem Bettchen liegen, dann falten sie die Hände und beten zu Gott dem Herrn: „Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe meine Äuglein zu, Vater laß die Augen dein über meinem Bettchen sein. Lieber Gott wir danken dir, daß heute so ein schöner Tag war, daß....(Kinder aufzählen lassen). Wir bitten dich: Behüte die Mutter....(Kinder aufzählen lassen). Laß uns gut schlafen und schenke uns morgen wieder einen schönen Tag!“ So ähnlich beten erwachsene Christen mit ihren Kindern.

 

Jesus Christus hat uns gesagt, daß wir so zu Gott beten dürfen. Jesus hat selber ja auch zu Gott gebetet. Er gehört ganz eng zu Gott. Deshalb sagt er: „Lieber Vater im Himmel!“ Gott ist sein Vater, so wie jeder Mensch einen Vater hat. Und Jesus weiß: Der Vater im Himmel hört ihn, wenn er zu ihm betet.

Doch eines Tages kommen seine Jünger zu ihm und bitten ihn: „Herr, lehre uns beten! Wir wollen auch so mit Gott sprechen lernen wie du!“ Jesus sagt ihnen: „Wenn ihr betet, dann sagt auch: Vater unser im Himmel!“ Und dann spricht er ihnen das Vaterunser vor, das wir bis heute im Gottesdienst beten.

Jesus will uns damit deutlich sagen: „Ihr dürft auch Vater zu meinem Vater sagen, denn ihr seid seine Kinder. Mein Vater hat euch sehr lieb. Er gibt euch, was ihr braucht. Er will euer Vater sein und ihr sollt seine Kinder sein. Alle Menschen sollen seine Kinder sein!“ Wir wollen aus diesem Vaterunser nur die Anrede und die vierte Bitte lernen: „Vater unser im Himmel. Unser tägliches Brot gib es heute. Amen!“ Wir sehen ein Brot auf dem Tisch und ein Messer dazu. Und wir beten dazu: „Vater, unser im Himmel. Unser tägliches Brot gib uns heute!“

Es gibt auch noch andere Gebete, in denen wir Gott danken und ihr bitten; wenn Markus und Hosea früh aufgestanden sind und am Kaffeetisch sitzen, dann beten sie: „Komm Herr Jesus, sei unser Gast, und segne, was du uns bescheret hast. Amen!“ Nach dem Essen beten wir dann: „Herr wir danken dir, denn du bist freundlich und deine Güte währet ewiglich!“ Dann wird noch die Losung für den Tag vorgelesen und ein Abschnitt aus der Bibel. So dürfen wir alle zu Gott dem Vater beten und alles von ihm erwarten.

 

C. Wir hören: Jesus Christus zeigt: Gott will, daß unser Leben heil wird:

Wir haben gehört, was Gott alles an sichtbaren Gaben gegeben hat. Wenn wir beten, dann bedanken wir uns für diese Gaben. Aber das größte Geschenk Gottes ist doch, daß er Jesus Christus zu den Menschen geschickt hat. Wir dürfen zu ihm gehören (Orientierungshilfe 1). Gibt es vielleicht auch Menschen, die Jesus nicht bei sich haben?

 

a. Jesus lädt alle an seinen Tisch (Mk 2,13-15)

Wir bilden mit den Stühlen einen Kreis, der an einer Stelle offen ist. Das ist das Stadttor. Dort sitzt der Zöllner Levi auf dem Stuhl, die Lehrerin auf der anderen Seite. Sie erzählt von der Arbeit des Zöllners Levi, der in Kapernaum Dienst tut. Er sitzt in seinem Zollhäuschen und beobachtet jeden, der in die Stadt hinein will. Vor allen Dingen auf die Kaufleute hat er es abgesehen. Kommt zum Beispiel eine hochbeladene Kamelkarawane, dann müssen alle Tiere erst anhalten und Levi überprüft das Gepäck. Die Kaufleute müssen nämlich für jedes Stück Gepäck eine bestimmte Zollgebühr bezahlen. Levi kassiert das Geld und bringt es in das Häuschen.

Einmal hat ein Kaufmann nicht die verlangte Gebühr bezahlen wollen. Da hat Levi schnell die römischen Soldaten aus der Stadt geholt. Als der Kaufmann die nur kommen sah, hat er aber schnell bezahlt. Die Römer hatten nämlich das Land erobert und hatten nun alle Macht. Abends kamen immer die Soldaten und nahmen die Zollkasse mit.

Jeder kann sich denken, daß Levi nicht sehr beliebt war. Er hielt es ja mit den verhaßten Römern, er half ja mit, sein eigenes Volk auszubeuten. Deshalb wollten sie möglichst wenig mit ihm zu tun haben. Am Zoll konnte man ihm ja nicht ausweichen. Aber im Gottesdienst zum Beispiel, da setzte sich keiner in der Bank neben ihn, keiner sah ihn an oder redete ein Wort mit ihm. So war Levi dann schließlich gar nicht mehr hingegangen.

Aber es gab noch einen Grund, weshalb die Leute Levi nicht leiden konnte: Er verlangte immer zu viel Geld und steckte dann einen Teil davon ins eine eigene Tasche. Wir wollen das jetzt einmal spielen, wie es bei Levi am Zoll zuging. Alle Kinder stellen sich außerhalb des Kreises auf. Jeder sagt am Zollhaus, was er in die Stadt bringen möchte, um es dort zu verkaufen.

Levi nennt die Zollgebühr und jedes Kind muß mit Münzen bezahlen; erst dann darf es in die Stadt. Levi aber hat in seinem Haus zwei Kassen stehen: die Zollkasse und seine eigene Kasse. Jedesmal steckt er eine Münze auch in die eigene Kasse. Die Kaufleute können das deutlich sehen. Sie drohen ihm hinter seinem Rücken. Aber wenn er sich umdreht, sind sie still, denn sonst kommen ja die Soldaten. So nimmt der Zöllner Levi ganz schön Geld ein. Aber er hat keine Freunde. Sein Leben ist gar nicht schön. Wir können uns das alle vorstellen, wie das ist, wenn einen niemand liebhat.

Jesus aber kommt auch am Zoll in Kapernaum vorbei. Er begegnet dort auch dem Zöllner Levi. Er hat auch ihm etwas Gutes von Gott zu sagen. Er will auch ihm helfen, daß sein Leben heil wird. Als Jesus mit seinen Freunden am Stadttor von Kapernaum vorbeikommt, sieht er natürlich auch, wie Levi die Leute betrügt. Er weiß auch, was die Menschen über die Zöllner sagen, besonders aber über diesen Zöllner Levi.

Jesus bleibt bei hm stehen und sieht ihn an. Was will er wohl? Jesus ist doch kein Kaufmann, er hat doch gar nichts zu verzollen. Aber er gibt dem Zöllner etwas anderes.

 

Jesus sagt zu ihm: „Ich bin dein Freund! Gott hat mich zu dir geschickt. Du gehörst nämlich auch zu Gott. Er will dich anders machen, denn er hat dich lieb! Deshalb will ich dich auch besuchen. Ich will mit dir in dein Haus gehen. Und ich will dort sogar mit dir zusammen essen!“

Da wird der Zöllner Levi sehr froh. Er denkt nicht: „Der ist aber unhöflich, lädt sich selber bei mir ein und will noch zu essen haben!“ Nein, Levi freut sich, weil er einen Freund gefunden hat! Schnellführt er Jesus in sein Haus. Es ist sowieso Abendbrotzeit und viele andere Zöllner sind gekommen, um mit Levi zusammen zu Abend zu essen. Für alle ist der Tisch gedeckt. Und mitten unter ihnen sitzt Jesus. Keiner mag sie. Aber Jesus ist ihr Freund, er sitzt mit ihnen an einemTisch. Eine solch fröhliche Mahlzeit hat es bei dem Zöllner noch nie gegeben. Jetzt wissen alle: Jesus will unser Freund sein!

 

b. Jesus heilt einen Aussätzigen (Mt 8,1-3)

Wir haben es gut. Wir haben alles, was wir zum Leben brauchen. Und wir haben Menschen, die sich um uns kümmern, auch wenn wir krank sind, sind die Mutter da und bringt uns etwas zu essen und hilft beim Waschen oder erzählt eine Geschichte.

Aber es gibt bis heute im Land Jesu doch Menschen, für die niemand so richtig sorgt. Keiner will sie haben, denn sie sind schlimm krank. „Aussatz“ oder „Lepra“ nennt man die Krankheit, bei der sich überall am Körper schlimme Flecke und Wunden bilden. Schließlich fault das Fleisch am lebendigen Leib und fäll ab. Stück für Stück wird der Mensch weniger, wenn ihm nicht geholfen wird: erst die Finger und Zehen, dann die Hände und Füße, schließlich der Arm. Am Ende muß ein solcher Mensch sterben.

Die Krankheit ist ansteckend. Deshalb wollen die anderen nicht mit einem solchen Menschen zu tun haben. Außerdem sieht er so unrein aus und ist kein schöner Anblick. Deshalb haben die Menschen die Aussätzigen aus ihren Dörfern vertrieben. Sie lebten dann allein oder mit anderen Kranken in einer Höhle. Ab und zu stellte jemand in der Nähe etwas zu Essen ab, das sie sich dann holen konnten. Aber sie mußten zerrissene Kleider tragen und laut rufen „unrein, unrein“, wenn ein Gesunder in die Nähe kam. Dann wußte jeder: „Das sind Kranke“, und ist schnell weggegangen. Ob Jesus das auch tun wird.

Jesus kommt mit vielen Menschen. Er hat ihnen gerade gesagt: „Gott hat alle Menschen lieb!“ Da kommt ein Aussätziger auf sie zu. Das darf er doch nicht! Aber er kniet vor Jesus nieder und ruft um Hilfe. Warum ruft er nicht „unrein, unrein“? Die Krankheit ist doch gefährlich. Viele denken: Wer so eine schwere Krankheit hat, den will Gott nicht haben.

Aber Jesus hat doch gesagt: Gott hat alle Menschen lieb! Wie wird er nun handeln? Hat er das nur so dahingesagt oder wird er jetzt auch nach dem tun, was er gesagt hat? So ein Aussätziger hat ja in der Tat ein trauriges Leben. Wenn andere fröhlich sind, muß er allein mit seiner Krankheit dasitzen. So ist es dunkel in seinem Herzen. Nie darf er zum Gottesdienst. Und er kann auch nicht glauben, daß Gott ihn liebhat.

Aber wenn Jesus ihm nicht hilft, wer soll ihm denn dann sagen, daß Gott auch ihn liebhat? So ruft der Aussätzige nach Jesus, so wie wir zu ihm beten: „Herr, zeige mir, daß Gott mich liebhat. Du kannst mir doch helfen. Sage, daß ich rein werde. Mache mich gesund!“

Jesus faßt ihn an und sagt: „Ja, ich will dir helfen. Sei wieder rein! Jetzt kennst du auch wieder zu den anderen Menschen gehen. Jetzt darfst du auch wieder zum Gottesdienst gehen und mit all den anderen zusammen Gott danken. Du brauchst niemand zu sagen, daß ich dich gesund gemacht habe, sonst denken sie noch, ich sei ein Zauberer. Aber es werden doch alle sehen: Gott hat auch dich lieb!“

So hört Jesus den Hilferuf eines Aussätzigen. Er1äßt keinen allein, der ihn bittet, er hilft ihm, damit er mit anderen Menschen Gott danken kann. Er zeigt ihm, wie lieb Gott ihn hat. Jesus hört auch unser Gebet und hat uns lieb.

Zum Abschluß schildern wir, wie der Aussätzige seinen Familienangehörigen berichtet, als er wieder daheim ist.

 

 

Orientierungshilfe 3: Jesus Christus ist immer bei uns.

A. Wir erzählen von einem Kind, das allein ist:

Ein fünfjähriger Junge geht vom Kindergarten allein nach Hause. Manchmal wird er aber auch doch abgeholt. Doch vom Kindergarten zum Haus gibt es zwei Wege. Eines Tages wollte die Mutter ihn abholen, war aber noch zum Einkaufen. Der Laden war voll und es dauerte doch ziemlich lange.

Der Junge hatte sich inzwischen allein im Kindergarten angezogen und war schon losgegangen. Er hatte es nämlich besonders eilig: Im Kindergarten hatten sie ein Bild gemalt und das durften sie mit nach Hause nehmen. Nun wollte er es der Mutter zeigen. Schnell rennt er durch die eine Straße heim.

Aber als er zu Hause ankommt, ist niemand da. Die Mutter ist ja durch die andere Straße gegangen und sucht ihr nun im Kindergarten. Der Junge läuft die Treppe hoch, er rennt durch alle Zimmer, er ruft - aber niemand ist da. Vielleicht ist die Mutter im Garten? Er läuft in die Waschküche, den Holzstall, zu den Johannisbeerbüschen, zum Wäscheplatz - keiner ist da. Er läuft noch einmal zur Straße. Aber auch da ist niemand zu sehen. Er ist ganz allein.

Fast kommen ihm schon die Tränen. Doch da kommt die Mutter. Er rennt auf mich zu und ruft: „Mutter, Mutter, wo warst du denn? Ich habe dich überall gesucht! Ich war so allein!“ Da hat die Mutter ihn erst einmal gedrückt und ihm mit der Hand über den Kopf gestrichen. Dann hat sie ihm erst einmal die Nase geputzt und gesagt: „Ich bin wohl den anderen Weg gegangen. Und beim Einkaufen mußte ich so lange warten. Aber deshalb brauchst du doch nicht zu weinen. Ich komme doch immer wieder. Ich habe dich doch lieb. Ich lasse dich nicht allein!“ Seitdem ist ausgemacht, daß jeder durch die eine Straße zum Kindergarten geht oder von dort nach Hause kommt. Da kann man sich nicht mehr verfehlen.

Am Abend haben sie noch einmal über dieses Erlebnis gesprochen. Die Mutter sagte zu dem Sohn: „Auch wenn Vater oder Mutter einmal nicht da sind, bist du doch nicht allein. Unser Herr Jesus Christus sieht uns und hört uns. Er hilft uns auch, wenn wir nicht weiterwissen. Denn er hat zu der Menschen gesagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ (Mt 28.20b)

Dann haben sie versucht, diesen Satz Jesu einmal zu singen. Sie haben dazu selber eine Melodie erfunden. Wollen wir es nicht auch einmal versuchen? Wir probieren es einmal (Dadurch soll sich der Spruch besser einprägen).

 

B. Wir erzählen von einem Kind, das sich fürchtet.

Heute will ich euch einmal von Margret erzählen. Sie wohnt mit ihrem Bruder Thomas und ihren Eltern in einem hübschen kleinen Haus mit einem Garten drumherum. Am Morgen geht der Vater zur Arbeit und Thomas in die Schule, denn er ist schon in der dritten Klasse. Margret aber ist erst fünf Jahre alt und bleibt bei der Mutter zu Hause.

Eines Tages nun sagt die Mutter: „Spiel schön, Margret, ich geh nur schnell mal ins Geschäft und Gemüse holen. Bald bin ich wieder zurück!“ Margret ist es zufrieden so. Sie geht zum Schrank und räumt die Bausteine hervor. Aber warum ist es denn plötzlich so dunkel im Zimmer? Eben war es doch noch ganz hell! Sie läuft ins Schlafzimmer, um ihren Teddy zu holen, damit er bei ihr ist.

Aber als sie im Schlafzimmer aus dem Fenster sieht, bemerkt sie dort große dunkle Wolken am Himmel. Plötzlich klatschen dicke Regentropfen an die Fensterscheiben. Es werden mehr und immer mehr. Dann rauscht der Regen vom Himmel herunter. Auf der Straße gibt es große Pfützen. Margret läuft ins Wohnzimmer zurück. Doch da ist es so hell, daß sie die Augen schließen muß. Doch als sie die Augen wieder öffnet, ist es so finster wie zuvor. Dafür gibt es plötzlich einen lauten Krach und noch einen - ein Gewitter! Es blitzt und donnert und der Regen klatscht laut an die Fenster.

Ach, wenn doch die Mutter da wäre. Margret hat auf einmal keine Lust mehr zum Spielen. Sie geht in die Ecke und hockt sich neben dem Schrank auf den Teppich. Sie legt Ihren Kopf auf die Arme und macht sich ganz klein. Sie fürchtet sich.

Doch da geht die Wohnungstür auf und die Mutter sagt: „Huh, was ist das für ein Wetter. Ganz naß bin ich geworden!“ Margret steht schnell auf und läuft zur Mutter und drückt sich an sie. Wie gut, daß sie nun wieder da ist. Die Mutter nimmt ihr Mädchen in die Arme und fragt: „Du hast wohl geweint?“ -„Ja, Mutti, weil ich so allein war!“

Aber da sagt die Mutter etwas sehr Schönes? „Weißt du auch, Margret, daß wir niemals ganz allein sind? Immer ist Gott da. Er ist bei dir und bei Thomas in der Schule, bei Vater in der Firma und auch bei mir. Manchmal vergessen wir das, weil wir Gott nicht sehen können. Aber

er ist immer da, gerade auch dann, wenn man Angst hat!“

Und am Abend betet die Mutter mit Margret:

Wo ich gehe, wo ich stehe,

bist du, lieber Gott, bei mir.

wenn ich dich auch nirgends sehe,

glaub ich dennoch: Du bist hier! Amen.

 

C. Wir hören: Jesus Christus ist bei uns, auch wenn wir Angst haben:

Jesus, der Herr, hilft uns, wenn wir Angst haben. Er hat der Margret die Mutter geschickt, damit sie nicht allein ist. Ein Mann, der das auch von Jesus wußte, ist Markus. Er hat uns viele Geschichten von Jesus aufgeschrieben. Es steht heute in der Bibel. Vieles hat er von Petrus gehört, den er gut kannte.

Petrus ist ein Fischer. Er weiß auf dem großen See Genezareth gut Bescheid. Er weiß, wie man die Netze ins Wasser legen muß und wo man Fische findet. Er kennt sich mit dem Rudern aus und weiß, wann es auf dem See gefährlich ist. Manchmal kommt von den Bergen ein starker Wind und macht hohe Wellen. Wer schon einmal an der Ostsee war, wird vielleicht wissen, wie hoch die Wellen dort sein können.

Oft hat Petrus auch Jesus über den See gerudert. Am anderen Ufer hat Jesus dann zu der Bauern und Fischern gesprochen. Petrus sitzt dann im Boot und hört Jesus zu. Er sagt: „Freut euch, Gott ist gut zu euch! Vertraut ihm nur!“

Am Abend will Jesus wieder über der See. Petrus und andere Männer wollen ihn mit dem Boot hinüberbringen. Er ist müde und legt sich hinten in das Boot, wo es etwas höher ist. Er kann ruhig schlafen, denn Gott ist sein Beschützer.

Doch plötzlich kommt von den Bergen ein starker und macht ganz hohe Wellen. Das Boot ist nur klein und wird von den Wellen hin und her geworfen. Es wird so schlimm, daß selbst der Fischer Petrus nicht mehr weiß, was er machen soll. Es ist so gefährlich, daß selbst Petrus .Angst bekommt.

Die Männer im Boot merken: „Wir schaffen es nicht. Das Wasser tobt, der Wind faucht und die Männer haben Angst. Aber Jesus schläft ruhig im Boot. Still liegt er auf seinem Kissen. „Jesus Meister!“ rufen sie, „Jesus, wir gehen unter! Macht dir das gar nichts aus?“ Jesus wird wach. Er sagt nichts. Er steht nur auf.

Jesus sieht den Wind und die Wellen an und sagt: „Schweig und sei still!“ Da ist alle Not weg. Die Angst ist verjagt .Jesus ist da und hat keine Angst. Da brauchen auch die Menschen keine Angst mehr zu haben. Da hört auch auf einmal der Wind auf und das Wasser ist still. Der Sturm und das Meer sind besiegt und der Frieden wieder­hergestellt. Auch Petrus hat nun keine Angst mehr.

Doch ehe er etwas sagen kann, fragt ihr Jesus „Warum habt ihr solche Angst? Denkt ihr vielleicht, Gott hilft nicht? Habt ihr gar keinen Glauben?“ Doch die Jünger verstehen ihn nicht. Dabei geht es hier gerade um das Entscheidende. Das mit dem Seesturm ist gar nicht so wichtig. Für Jesus kommt es darauf an, daß die Jünger ihm vertrauen. Sie sollen wissen: „Wenn Jesus da ist, hilft Gott. Dann braucht niemand Angst zu haben!“ Jetzt erst erkennen die Männer richtig, wer Jesus ist: Er hilft wie Gott! Wo er ist, da ist alle Angst weg!

Wir malen: Schlafender Jesus und tosende Wellen.

Wir falten Boote und malen Petrus und Jesus und schneiden sie aus.

 

D. Wir erzählen von einem Kind, das Unrecht getan hat:

Jesus Christus hilft, daß alles wieder gut wird (Jes 43,1)

Als Hans aus der Schule kommt, sagt die Mutter zu ihm: „Sieh mal, was ich für dich habe. Es ist ein Päckchen gekommen von der Tante und da waren Filzstifte drin!“ Markus macht einen Luftsprung. Filzstifte hat er sich schon lange gewünscht. Da kann er endlich sein Fotoalbum schön beschriften. Er will es gleich seiner Schwester Marlies erzählen. Es ist sowieso Zeit, sie vom Kindergarten abzuholen. Er platzt auch gleich mit der Neuigkeit heraus: „Marlies, ich habe Filzstifte gekriegt. Ist das nicht toll?“

„Und ich?“ fragt Marlies. „Du? Vielleicht hat Mutter auch welche für dich!" Zuhause ruft Marlies gleich: „Mutter, bekomme ich auch Filzstifte?“- „Diesmal nicht“, sagt die Mutter, „es waren nur einmal Filzstifte im Päckchen!“

Da rennt Marlies ins Kinderzimmer. Sie ist wütend. Immer Hans! Er kriegt alles und sie nichts. Vater und Mutter haben mich gar nicht lieb, denkt sie. Als sie noch so wütend ist, sieht sie die Uhr ihres Bruders oben auf der Bettkante liegen. Die Mutter hat schon oft gesagt: „Hans, leg die Uhr nicht dahin. Sie fällt noch einmal herunter und ist kaputt!“ Da nimmt Marlies die Uhr und knallt sie auf den Boden.

Kurz darauf kommt die Mutter ins Zimmer. Sie sieht die Uhr dort liegen und ruft: „Hans, hast du die Uhr wieder auf die Bettkante gelegt?“- „Ja, ich habe doch nur …!“ Schon hat er einen Klaps auf den Hintern weg. Marlies aber denkt: „Das geschieht ihm recht!“ Nun ist Mutter auf Hans böse, Hans ist auf Mutter böse und Marlies ist sowieso auf Hans böse. Als der Vater abends heimkommt, findet er wahrlich keine fröhliche Familie vor. Dabei haben sie doch so ein schönes Päckchen gekriegt! Was ist nur los? denkt er.

Am nächsten Tag gehen die Kinder mit der Mutter zum Uhrmacher. Der sagt zu Hans: „Du hast die Uhr aber tüchtig runterfallen lassen. Das wird einiges kosten!“ Die Mutter sagt: „Er muß es aus seiner Sparbüchse bezahlen!“ Hans kommen die Tränen in die Augen. Er wollte sich doch gern ein paar richtige Fußballschuhe davon kaufen. Nun wird es nicht mehr gehen. Das hat Marlies doch auch nicht gewollt.

 

Am Abend schmeckt Marlies das Essen nicht. Sogar den Pudding läßt sie stehen. „Ich glaube, unsere Marlies wird krank“, sagt Vater. Hans möchte seiner Schwester etwas Liebes tun und bringt ihr die Filzstifte: „Hier hast du meine Stifte, du darfst ein bißchen damit malen!“ Da heult Marlies los: „Ich bin nicht krank. Aber ich habe die Uhr kaputtgemacht. Ich habe sie absichtlich runter geworfen, weil Hans die Stifte bekommen hat und ich nicht!“

Da nimmt die Mutter ihre Tochter auf den Schoß und sagt: „Marlies, wir haben dich doch genauso lieb wie Hans. Aber wir haben alle etwas falsch gemacht, wir und du auch!“ Marlies rutscht vom Schoß herunter und holt die Sparbüchse: „Ich bezahle die Uhr, weil ich sie doch kaputtgemacht habe!“ Da ist Hans sehr froh.

Plötzlich fällt Hans ein, was er schon längst hätte tun können: Er nimmt die Filzstifte und teilt die Farben auf. Marlies strahlt: „Nun ist alles wieder gut. Jetzt schmeckt ihr auch der Pudding wie!“ Und nachher spielen sie alle zusammen „Mensch ärgere dich nicht“.

Abends betet die Mutter mit den Kindern: „Herr Jesus Christus, danke, daß nun bei uns wieder alles schön ist“ Hans betet „Danke, daß Marlies die Uhr bezahlt!“ Marlies betet: „Danke, daß Hans mir die Filzstifte bezahlt hat!“ Und der Vater betet: „Herr Jesus, hilf doch, daß wir das nächste Mal alle besser überlegen!“ So hat ihnen der Glaube an Jesus geholfen, daß das Unrecht wieder gut gemacht wurde. Jesus wird auch weiter bei ihnen sein und ihnen helfen. Er hat alle Menschen lieb, auch wenn sie einmal Unrecht getan haben.

 

E. Wir wissen: Jesus Christus ruft uns, er sorgt für uns (Joh 10,14.27)

Wir vergleichen: Jesus Christus ist der gute Hirte, der für uns da ist.

           

Es ist schön, wenn Menschen da sind, die uns liebhaben und für uns sorgen. Wir haben von Zöllnern und Aussätzigen gehört, die niemanden hatten. Aber Jesus hat sich um sie gekümmert. Er ist für alle Menschen der Helfer.

 

Wir bauen einen Hirten mit seiner Herde auf (Bausteine oder Figuren). Jesus hat solche Hirten in seinem Land gesehen. Wir sprechen über die Aufgaben eines Hirten bei uns und in Palästina (Räuber, Raubtiere).

 

Vielleicht habt ihr schon einmal einen Schäfer mit seiner Herde gesehen. Er führt die Schafe früh aus dem Stall und bringt sie auf die Weide, wo sie fressen können. Der Hirte kennt seine Schafe alle, die großen und die kleinen. Der Hund hilft ihm, die Herde zusammenzuhalten. Am Abend werden die Tiere wieder in den Stall gebracht.

Auch im Lande Jesu konnte man auf den Straßen und Bergen große Schafherden treffen. Auch dort ging der Hirte seiner Herde voran und die Schafe folgten ihm. Der Hirte lockte sie mit einem bestimmten Ruf‚ der den Tieren vertraut war. So war es schon immer und so ist es zum Teil auch heute noch.

Der Hirte führt die Schafe zu den guten Wiesen, wo saftiges grünes Gras steht, das sie fressen können. Wenn sie Durst haben, dann führt er sie zum frischen Wasser, an einen Bach oder sonst eine Wasserstelle. Manchmal läßt er sie auch ausruhen.

Im Lande Jesu aber haben die Hirten schon immer eine schwere und gefährliche Aufgabe gehabt. Tag und Nacht muß der Hirte bei seiner Herde sein. Am Tage mußte er für seine Tiere Wasser und Futter suchen. Das macht in einem heißen Land viel Mühe. Im Sommer ist das Gras dort braun und versengt. Die kleinen Wasserläufe und Bäche sind eingetrocknet. Deshalb freuen sich die Tiere immer, wenn sie einmal einen Weideplatz mit frischem Gras finden oder sogar am Wasser ruhen können.

 

Ein guter Hirte ist ganz für seine Schafe da. Wenn die Schafe frühmorgens in ihrer Umzäunung auf dem Feld aufwachen, ist der Hirte längst wach. Er öffnet den Zaun und ruft die Schafe. Sie folgen ihm, denn sie kennen seine Stimme. Die Schafe wissen, daß er sie auf einen guten Weg führt, damit sie Futter und Wasser finden. Wenn ein anderer kommt und sagt: „Ich will doch einmal probieren, ob mir die Schafe auch folgen!“ dann kann er das ruhig tun.

Die Schafe wissen genau: „Das ist der Falsche, dem folgen wir nicht. Wer weiß, wo der uns hinführt. Der gute Hirte läßt sich kein Schaf aus der Herde rauben. Manchmal kommen ja auch Raubtiere, zum Beispiel ein Wolf, der die Herde auseinandertreiben will, um ein Schaf rauben zu können. Der gute Hirte 1äßt das nicht zu. Er kämpft mit dem bösen Tier. Lieber läßt er sich selber töten, als daß ihm ein Schaf verlorengeht. Er ist wirklich ein guter Hirte.

Ein solcher guter Hirte ist aber auch Jesus. Er ist der gute Hirte für alle Menschen. Er ist der Helfer für Zöllner und Aussätzige, die keinen Menschen haben, der sie liebhat. Er ist aber auch der Helfer für uns, wenn wir den guter Hirten brauchen. Er sagt (Joh 10,14.27):

„Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und bin bekannt den Meinen.

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir!“

 

 (Wir sehen Bilder von Hans Georg Anniès und singen das Lied: „Wirr haben einer Hirten“).    

 

F. Wir hören: Nichts kann uns von Jesus Christus trennen, auch nicht der Tod:

Bildbetrachtung: Christus - Johannes - Gruppe (aus: Oskar Thulin: „Die Sprache der Christusbilder“, Berlin EVA, o.J., Seite 75 )

Woran sieht man: Der eine meint es gut mit dem anderen? Johannes legt den Kopf auf die Schulter Jesu, er streckt seine Hand nach ihm aus und die Hand greift nicht ins Leere. Er hat die Augen geschlossen. Aber die Augen des Herrn wachen. So gut hat es Johannes bei Jesus Christus. Jesus ist für Johannes da!

Johannes konnte seinen Kopf aber nicht immer auf die Schulter Jesu legen. Jesus konnte die Hand des Johannes nicht immer so festhalten. Er ist ja nicht für kurze Zeit weggegangen, sondern für lange.

Doch damit Johannes und alle anderen Freunde nicht erschrecken, hat er ihren doch zum Abschied gesagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Erde!!“ Ich bin bei euch, auch wenn ihr mich nicht festhalten könnt. Ich sehe euch, besonders wenn ihr Angst habt! Ich helfe euch! Ruft mich nur! Betet zu mir!

So ist Jesus auch für uns heute der gute Hirte. Er hat gesagt: (Joh 10,28): „Ich gebe ihnen das ewige Leben. Sie werden nie mehr umkommen und niemand wird sie aus meiner Hand reißen!“ Er ist auch der gute Hirte für die, die längst gestorben sind.

Wir erzählen von einem Gang über den Friedhof. Auch der Tod kann uns nicht von dem guten Hirten Jesus trennen.

 

G. Wir wissen: Jesus Christus ist unser guter Hirte (Joh 10,11-12):

Eines Tages sieht Annett ein Bild von einem Hirten und seinen Schafen. Sie fragt die Mutter: „Mutti, wer hat denn das Bild gemalt?“ Die sagt: „Das hat doch ein Mann namens Hans- Georg Anniès gemalt!“ Annett: „Das ist aber ein schwerer   Name! Kann Jesus sich den denn merken?“ Mutter: „Ganz bestimmt. Jesus kennt auch den Maler Anniès!“ Aber nun f ragt Annett umgedreht: „Kennt der Mann mit dem schweren Namen auch den Herrn Jesus?“ Die Mutter weiß die Antwort: „Ganz bestimmt kennt er den Herrn Jesus. Er hat doch auf die andere Seite des Bildes geschrieben: Der Herr Jesus ist unser guter Hirte!“

Aber Annett ist immer noch nicht zufrieden: „Woher weiß denn der Maler das?“ Die Mutter antwortet: „Das steht in der Bibel. Und der der Maler liest die Bibel so wie wir auch!“ Annett möchte wissen: „Zeig mal, Mutti, wo das steht!“ Da geht die Mutter zu ihrem Nachttisch und holt die Bibel. Das ist ein dickes Buch mit vielen Blättern. Die Mutter hat sich den Satz vom guten Hirten sogar unterstrichen, weil er so wichtig ist.

Die Mutter sagt: „Johannes hat den schönen Satz in seinem Evangelium Kapitel 10 Vers 14 aufgeschrieben, den Satz. Den Jesus einmal von sich gesagt hat: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und bin bekannt den Meinen!“

Schon Johannes hatte gemerkt: Jesu ist bei mir, er kennt mich, er sorgt für mich, er läßt mich nie allein, auch wenn es ganz gefährlich wird. Deswegern hat er davon erzählen wollen und sein Evangelium aufgeschrieben. Das ist ein ganzes Buch, das nur von Jesus handelt und heute in unserer Bibel zu finden ist. Das Buch ist allerdings für große Leute eschrieben. Aber diesen einen Satz können auch schon die Kleinen verstehen. Er gilt für Johannes, für den Maler Anniès, für die Mutter, für Annett und für alle Menschen, die Jesus liebhaben. Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und bin bekannt den Meinen!“

Er ist also nicht nur oberflächlich mit uns bekannt, er kennt uns nicht nur „dem Namen nach“, sondern erkennt uns genau. In der Bibel bedeutet „kennen“ ein enges Vertrautsein und Verbundensein, die innigste Gemeinschaft, so wie sie Jesus mit seinem himmlischen Vater hat.

Jesus ist nicht so etwas wie ein gut Hirte, sondern er i s t der gute Hirte. Er ist anders als der Kaiser Augustus, der den Menschen den Frieden versprochen hatte. Alle Kaiser und Könige dieser Erde sollten sich Jesus zum Vorbild nehmen und so handeln wie er.

 

Bildbetrachtung: Hans-Georg Anniès „Ich bin der gute Hirte“:

Die Schafe haben es gut: Sie fressen und können trinken. Ein Schaf springt, eins ruht mit seinem Kind. Ein Schaf ist auf dem Arm des Hirten, weil es ermüdet oder krank ist. Der Wolf schleicht sich an, er will den Schafen schaden, er ist gefährlich. Der Hirte jagt den Wolf weg, er wacht und beschützt die Herde, er sieht ernst und gut aus.

Die dunkle Grundfläche wird von einem breiten hellen Streifen senkrecht durchschnitten: Das ist der helle gute Weg Gottes. In dem Dunkel weidet einsam ein Schaf, das ganz mit sich selbst und der Befriedigung seines Hungers beschäftigt ist. Es ahnt nicht, wie verlassen es ist abseits vom rechten Weg.

Auf diese Wege steht der Hirte. In der linken Hand hat er den Stab, Zeichen seiner Würde und Waffe gegen den Wolf. Er beugt sich herab zu dem einzelnen Schaf. Seine Augen sind voller Erbarmen. Mit dem rechten Arm und der rechten Hand langt er weit in den Raum der Finsternis hinein. Ein großer Doppelbogen wölbt sich über dem verlorenen Tier, der Bogen der Güte und Treue Gottes, die durch Jesus das Verlorene retten will. Hände und Füße lassen die Nägelmale Jesu sichtbar werden Er ist auch gegenwärtig der gute Hirte.

 

Jesus ist unser guter Hirte:

Einstieg: Manche Menschen sagen, es lohne sich nicht, in den Religionsunterricht zu gehen und sich zur Kirche zu halten. Sie sagen: Da wird viel gelernt und viel vergessen, das ist unmodern und paßt nicht in unsere Zeit, man hat nichts davon, sondern man hat eher noch Nachteile. Manche meinen auch, die Geschichten seien zwar ganz schön, aber es gäbe viel spannendere in Büchern und im Fernsehen. Wenn wir anders darüber denken, dann müssen wir aber auch sagen gönnen, was wir an Jesus haben. Das ist möglich, wenn wir über das Wort Jesu nachdenken: „Ich bin der gute Hirte!“

 

Erzählung:

Doch oft gehörten die Schafe gar nicht dem, der sie hütete. Viele Hirten waren nur für Geld gemietet. Die wagten natürlich nicht ihr Leben, wenn der Herde einmal Gefahr drohte. Man konnte es ihnen auch nicht verdenken, sie waren ja nur angemietet, ihnen gehörten die Schafe ja nicht. Das konnte man ihnen nicht übelnehmen, wenn sie in der Stunde der Gefahr ihren Dienst aufsagten und davon liefen. Ein Lohnverhältnis kann man ja jederzeit lösen.           

In der Stunde der Gefahr zeigt sich eben, wer ein guter Hirte ist und wer nur ein Mietling. Es gab natürlich auch Ausnahmen, es gab auch gute Miet-Arbeiter, die nicht davonliefen. Aber wirklich verlassen kann man sich nur auf den guten Hirten. Er wird in jedem Fall bleiben und für seine Schafe eintreten.

Der gute Hirte setzt sich mit seiner ganzen Person für seine Herde ein. Dadurch entsteht oft eine innige Verbundenheit zwischen Hirt und Herde, die durch nichts und niemand erschüttert werden kann.

Jesus hat auch oft Schafherden gesehen, wenn er durch sein Land zog. Dabei fiel ihm sicher auch jenes Psalmgebet aus der Bibel ein, in dem es am Anfang heißt: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln!“ Jeder wußte, daß Gott damit gemeint war, denn er sorgte für sein Volk wie der Hirte für seine Herde.

Er hatte andere Hirten eingesetzt, die sein Volk Israel führen sollten: Priester und Könige, Pharisäer und Schriftgelehrte. Aber waren sie wirklich gute Hirten? Führten sie die Menschen zu Gott? Und mancher seufzte und dachte: „Wenn wir doch nur richtige Hirten über unser Volk hätten!“ Und mancher dachte dann wohl auch an das Wort aus dem Propheten Hesekiel: „Einmal wird Gott seinem Volk einen rechten Hirten geben!“ Und sie sehnten die Zeit herbei, in der es endlich soweit sein würde.

Eines Tages steht Jesus im Tempel vor Jerusalem und sagt: „Ich bin der gute Hirte. Weil Gott euch liebhat, hat er mich zu euch geschickt. Ich will euch helfen und vor allem Bösen schützen. Ich werde sogar für euch sterben. Der gute Hirte 1äßt sein Leben für die Schafe. Anders macht es der Mietling. Dem gehören die Schafe nicht. Wenn der den Wolf kommen sieht, dann läßt er die Schafe im Stich und läuft davon. Der Wolf kann in die Herde einbrechen und sie zerstreuen. Dann laufen sie auseinander und haben keinen Hirten mehr. Der Mietling flieht und kümmert sich nicht um die Schafe!“

Die frommen Leute, die Pharisäer, merken natürlich gleich, daß sie mit dem Mietling gemeint sind. Jesus will ihnen sagen: „Ihr seid nur schlechte Hirten!“ Aber Jesus wiederholt noch einmal seine Worte: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und bin bekannt den Meinen, wie mich mein Vater kennt. Und ich kenne der Vater!“ Damit will er sagen „Ich kenne euch so gut, wie ein Vater sein Kind kennt. Er, der himmlische Vater, hat mich zu euch in die Welt geschickt!“ Ja, Jesus fährt sogar noch fort: „Ich habe auch noch andere Schafe, die gehören nicht zum jüdischen Volk. Die muß ich auch noch herführen. Sie werden meine Stimme hören Und es wird dann eine Herde und ein Hirte werden!” Heute leben in vielen Ländern Menschen, die die Stimme des guten Hirten gehört haben. Auch wir hören sie heute aus der Bibel.

 

Antwortgespräch:

Wer andere dazu bringt, auch mit Überredung und Zwang, vom Herrn Jesus fortzulaufen, der stiehlt ein Schaf aus der Herde des guten Hirten. Aber Jesus als unser guter Hirte will‚ daß wir bei ihm bleiben. Er hat versprochen, solche Diebe zu vertreiben. Wir dürfen ihn bitten, uns zu helfen, wenn wir einmal in eine solche Notlage kommen.

 

Zur Zeit der Juden galten die Hirten als Räuber und Betrüger, weil sie oft auch selber ein Tier aus der Herde nahmen und auf eigene Rechnung verkauften. Deshalb war ihnen so wie den Zöllnern die bürgerlicher Ehrenrechte abgesprochen. Nur in der Bibel sprach man in gutem Sinne von den Hirten. Und wenn Jesus vom guten Hirten spricht, dann hat er natürlich einen Hirten im Auge, wie er ursprünglich gewesen ist, nämlich einen guten Hirten.

Jesus hat letztlich durch seinen Tod am Kreuz, der für alle Menschen geschah, deutlich gezeigt, daß er wirklich ein guter Hirte ist. Er bietet den Seinen eine Sicherheit, die kein anderer bieten kann. Allerdings ist diese Sicherheit an die Zugehörigkeit zur Herde des guten Hirten gebunden. Wer aber der guten Hirten kennt, der wird ihm auch gehorchen und wird ihm gerne folgen, weil er dann weiß: „Bei diesem Hirten hat man es gut!“

 

 

Orientierungshilfe 4: Jesus Christus liebt alle Menschen der ganzen Welt

A. Wir erzählen, wie wir Weihnachten feiern:

Wir packen weihnachtlichen Zimmerschmuck aus (selbstgebastelt?). Das gibt Anlaß zum Gespräch über solches Schmücken in der Kirche und daheim, über weihnachtliche Feiern daheim, über Geschenke und Verschenken. Wir singen ein Weihnachtslied. Die Kinder schmücken den Raum aus mit dem mitgebrachten Schmuck.

 

Die Kinder malen: „So möchte ich Weihnachten feiern!“ Wir hören dazu zwei oder drei christliche Weihnachtslieder von der Kompaktdisk. Die Bilder werden zum Teil zuhause fertiggemalt und in der nächsten Stunde noch einmal aufgegriffen. Jeder „Künstler“ darf erzählen, was er dargestellt hat. Wir erzählen, wie eine Familie Weihnachten feiert.

 

Weichenstellung: Wir haben bisher immer von „Weihnachten“ geredet. Aber hier in meinem Kalender steht ein ganz anderer Name „Christfest“ (christlichen Kalender vorzeigen). Die Kinder werden schon wissen, Jesus Christus ist an Weihnachten geboren, an diesem Tag feiern wir seinen Geburtstag.

Am Christfest freuen wir uns besonders darüber, daß Jesus Christus uns so lieb hat. Davon steht in der Bibel eine schöne Geschichte. Der Christ Lukas hat sie uns erzählt, damit wir verstehen: Jesus Christus ist für alle Menschen da. Daß Gott uns liebhat, wißt ihr ja schon. Lukas aber will uns mit seiner Geschichte helfen, daß wir diese Wahrheit besser verstehen. Er erzählt davon, wie Jesus geboren wurde, wie er Mensch wurde, damit er den Menschen erklären konnte, wie sie Gott kennenlernen und mit ihm leben können.

Ihr kennt diese Geschichte vielleicht schon vom Krippenspiel, von Büchern, Bildern oder Liedern. Aber wir wollen uns erst einmal die äußeren Verhältnisse der damaligen Zeit deutlich machen.

Im Sandkasten bauen wir den Weg von Nazareth nach Bethlehem auf (auch mit Bausteinen und Kreide auf dem Fußboden). Auf diesem Weg sind viele Menschen unterwegs. Sie werden nicht so schnell wieder nach Hause zurückkommen. Sie gehen der Berg hinauf und der Berg hinunter und dann kommt schon wieder der nächste Berg. Es wird Abend. Sie müssen unterwegs schlafen. Am nächsten Tag geht es wieder weiter.

Endlich sehen sie die Stadt vor sich, die ihr Ziel ist. „Bethlehem“; rufen sie erleichtert. „Wir sind da!“ Andere aber sagen: „Wir müssen noch weiter in die nächste Stadt!“ Aber weit ist es nun auch nicht mehr!

 

Das Kind in der Krippe (Lk 2,1-7):

Warum wandern eigentlich die vielen Leute so viele Tage auf der Straße nach Bethlehem? Sie müssen alle einem Mann gehorchen, der über sie bestimmt. Es ist der Kaiser Augustus in der großen Stadt Rom, der alle seine Feinde besiegt hat, alle Kriege beendet hat und der deshalb als der „Friedensbringer“ bezeichnet wird. Aber nun hat er uns befohlen: Alle Menschen müssen in die Stadt gehen, in die sie gehören, wo ihre Väter und Großväter gewohnt haben. Dort ist ein Büro, in dem ein Angestellter des Kaisers alle aufschreiben wird. Er wird sie fragen, wieviel Geld sie verdienen und wie viele .Äcker sie besitzen. Dann wird er ihnen sagen, wie viele Steuern sie zu bezahlen haben. Und die Männer wird er in eine extra Liste eintragen, damit der Kaiser weiß, wie viele Soldaten er hat, wenn er wieder einmal einen Krieg führen will.

Die Leute stöhnen, weil sie so viele Tage laufen mußten. Sie waren umgezogen und mußten nun wieder in ihre Heimatstadt. Und dann sollten sie auch noch mehr Steu­ern bezahlen. „Der Kaiser macht es uns schwer“, sagen sie, „er weiß nicht, wie es uns geht!“ Aber nun sind sie froh, in Bethlehem angekommen zu sein.

Wir spielen das Wandern der Leute. Alle machen mit. Joseph und Maria werden nicht besonders herausgehoben, vielmehr soll die Plage und Last für alle deutlich werden. Am Büro wird eine kleine Stegreifszene gespielt.

Besonders müde ist wohl eine junge Frau, die mit ihrem Mann von Nazareth nach Bethlehem gereist ist. Die Frau würde bald ein Kind bekommen, Es war eine große Aufregung für sie gewesen, als der kaiserliche Bote in Nazareth die Aufforderung bekanntmachte, jeder müsse sich im Heimatort einschreiben lassen. Aber was half‘s, sie mußten dem Kaiser gehorchen. Sie gehörten ja zu den Nachkommen des großen Königs David, der aus Bethlehem stammte. Aber man sieht ihnen nicht an, daß sie aus der Königsfamilie stammen, sie sind ganz gewöhnliche Leute.

Deshalb haben sie es genauso schwer wie die anderen, ein Nachtquartier zu finden. Viele Menschen sind schon in Bethlehem angekommen, die Häuser sind voll. Sie gehen von einer Tür zur anderen (im Raum vormachen‚ an Schrank, Tafel, Tisch klopfen, um das Abgewiesenwerden deutlich zu machen).

Endlich zeigt ihnen ein mitleidiger Wirt seinen Viehstall: Dort haben sie wenigstens ein Dach über dem Kopf. Etwas Heu und Stroh ist auch da. Hier im Stall kommt das Christuskind zur Welt. Maria wickelt das Kind in Windeln und legt es in die Futterkrippe. So arm war der Herr über die ganze Welt, als er geboren wurde. Arm und hilflos lag er in der Krippe, aus der sonst die Tiere fraßen. Maria und Josef aber wußten, daß er der Retter der Menschen sein würde.

 

Die Kinder bilden mit ihren Stühlen einen Kreis, in dessen Mitte eine Krippe mit einer Kerze drin gestellt wird. Das Buch von Reinhard Herrmann: „Die Weihnachtsgeschichte aus dem Evangelium des Lukas“, Bln 1964, wird betrachtet (gerade weil die Bilder so märchenhaft aussehen wird deutlich, daß es sich hier nicht um Tatsachenberichte handelt, sondern um Erzählungen, Glaubensgeschichten). Die Krippe mit den brennenden Kerzen bleibt auch bei dem Folgenden stehen. Die Kinder können mach mit Knet die Krippenszene gestalten und ihr Werk entweder verschenken oder im Unterrichtsraum in der Kirche ausstellen.

 

Flanellbild: In einem offenen Kreis legen wir Figuren, die wir aus den früheren Erzählungen schon kennen: Margret und Hans, Levi und Johannes, weitere Menschen. Alle diese Menschen hat Jesus lieb. Aber der Kreis bleibt noch offen. Es gibt noch viel mehr Menschen, die Jesus liebhat. Davon wollen wir jetzt hören:

 

Die Hirten in Bethlehem (Lk 2, 8-21):

Auf dem Weg nach Bethlehem haben die Leute aus Nazareth auch Hirten mit ihren Schafen gesehen. Auch nachts sind sie draußen, denn der Weg nach Hause ist zu weit. Das ist ein schweres Leben für die Hirten, denn von März bis November sind sie draußen. Es ist auch nicht ganz ungefährlich. Sie haben zwar einen Zaun aus Dorngestrüpp angelegt. Aber es kommen doch einmal wilde Tiere oder Räuber, gegen die sie ihre Tiere verteidigen müssen.

Das Schlimmste aber ist, daß die anderen Leute die Hirten verachten. Viel Geld verdienen sie ja nicht. Da nehmen sie manchmal ein kleines Schaf für sich oder etwas Wolle oder Milch. Deshalb reden die Leute nicht gut von den Hirten: „Die sind nicht ehrlich, mit denen ist nicht viel los, zum Gottesdienst kommen sie auch nicht!“ Ob Jesus wohl auch für diese Hirten geboren ist? Ob die Hirten wohl zu dem Kind in der Krippe kommen dürfen?“Aber zunächst einmal wiesen sie ja noch gar nichts von dem, was in der Stadt geschehen ist. Es ist Nacht, die Hirten sind müde, einige schlafen‚ andere müssen wachen und aufpassen. Da wird es plötzlich ganz strahlend hell, mitten in der Nacht. Sie werfen sich auf den Boden, sie sind voller Angst.

Gottes Bote, sein Engel, ist zu den Hirten getreten. Er sagt: „Fürchtet euch nicht! Ich bringe euch eine große Freude, die für alle Menschen bestimmt ist. Für euch ist heute der Heiland geboren, Christus, der Herr. In Bethlehem werdet ihr ihn finden als kleines Kind. Es ist in Windeln gewickelt und liegt in einer Futterkrippe!“

Plötzlich kommen immer noch mehr Gottesboten herbei. Sie loben Gott und sprechen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden den Menschen, an denen er Wohlgefallen hat!“ Die Hirten dürfen die frohe Botschaft vor dem Retter der Menschen als erste hören. Dann hat Gott sie wohl doch nicht vergessen, dann hat er wohl doch Wohlgefallen an ihnen?

Die Hirten machen sich auf den Weg, um das Kind zu finden. Jetzt haben sie es auf einmal alle sehr eilig. Ihre Tiere lassen sie allein, sie wollen nur zu diesem Kind. Sie finden auch Josef und Maria und das Kind in der Krippe. Sie knien nieder und beten das Kind an und überreichen den Eltern kleine Geschenke. Sie erzählen, was ihnen die Gottesboten gesagt haben. Sie freuen sich darüber, daß sie auch bei dem Jesuskind sein dürfen (an der Flanellwand die Hirten in den Kreis einfügen).

Nun wollen sie aber auch diese große Freude den anderen Menschen bringen. Allen Leuten erzählen sie: „Der Heiland ist geboren, als ein kleines Kind liegt er in der Krippe in Bethlehem!“ Die Hirten loben Gott und danken ihm für alles, was sie gehört und gesehen haben.

 

Wir lassen noch einmal die Hirten zur Krippe wandern (auch mit Figuren auf dem Tisch oder Boden) und schließlich zur Begegnung mit Leuten aus Bethlehem: Levi, die anderen Jünger Jesu, Weihnachtsliederdichter, Menschen‚ die heute zur Christvesper kommen. Wir zünden die Kerze in der Krippe an.

Wir überlegen‚ wie wir zu Hause eine Krippe aufstellen können (aus Knet). Wir basteln ein einfaches Weihnachtsgeschenk und überlegen, wem wir es schenken können. Wir schenken zum Christfest, weil Gott uns in Jesus beschenkt hat. Wir überlegen‚ wie wir Menschen eine Freude machen können‚ die an Weihnachten nicht beschenkt werden. Wir können eine kleine Feierstunde in einem Heim halten. Auch das Mitwirken beim Krippenspiel oder im Kindergottesdienst gehört mit zum Weitersagen. Wir könnten auch jemand mit zum Religionsunterricht bringen oder den daran erinnern, der oft gefehlt hat,

 

Erzählung: Die Weisen aus dem Morgenland (Mt 2,1-12):

Wenn die Leute im Lande Jesu früh die Sonne aufgehen sahen, dann sagten sie: „Jetzt steht sie über dem Morgenland!“ In jenem weit entfernten Land wohnten Leute, die kannten den Gott der Bibel nicht. Sie waren aber gelehrte Leute und beobachteten oft den Lauf der Sterne. Sie dachten: Der Himmel mit Sonne, Mond. und Sternen ist wie ein Bilderbuch, aus dem man etwas lernen kann für das Leben der Menschen. Jedesmal wenn ein besonders heller Stern zu sehen war, dann sagten sie: „Jetzt ist ein bedeutender Mann geboren worden!“ Aus der Stellung der Sterne zueinander wollten sie dann herausfinden, in welchem Land er wohl geboren worden wäre.

Eines Tages entdecken sie einen besonders hellen Stern am Himmel. Den haben sie noch nie gesehen. Er muß neu sein. Ob aber nur zwei Sterne ganz nahe zusammen gekommen sind? Oder ob es ein Komet ist? Oder gar ein Wunderstern, dessen Herkunft man sich nicht erklären kann.

Er steht in der Richtung des Landes der Juden. „Dort ist ein neuer König geboren!“ ruft einer von ihnen. „Sicherlich in der Hauptstadt Jerusalem, im Königspalast!“ meint der andere. Wieder ein anderer meint: „Ob das wohl der König ist, von dem die alten Schriften der Juden sagen, er werde den Menschen alle Schuld nehmen und sie wieder zu frohen und zuversichtlichen Menschen machen?“ Alle denken sie: Wir müssen es nachprüfen, wir müssen sehen, ob das der angekündigte Retter für alle Menschen ist.

Sie beschließen, die beschwerliche Reise nach dem Land der Juden zu unternehmen. Mehr als tausend Kilometer mußten sie zu Fuß oder mit dem Maultier zurücklegen. Sie packen ihre Reisesachen zusammen, genügend zu essen und zu trinken, und auch ihr Fernrohr, mit dem sie immer die Sterne beobachten.

Zur Vorsicht nehmen sie aber auch noch kostbare Geschenke mit, wie man sie sonst nur Königskindern: ein Kästchen mit glänzendem Schmuck aus Gold, ein Gefäß mit wohlriechendem Weihrauch, eine Dose mit kostbarer Salbe aus Myrrhe. Die weisen Männer lassen es sich also etwas kosten, um das Königskind sehen zu können. Aber wenn das wirklich der Retter ist, dann lohnen sich die Reise und alle Mühe.

Nach vielen Tagen und einer beschwerlichen Reise kommen sie endlich nach Jerusalem. Sie gehen sofort zum Palast des Königs Herodes. Dieser hatte Angst, er könnte einmal wieder fortgejagt werden. Er war nämlich ein Ausländer, den die Römer auf den Thron gesetzt hatten. Jeden möglichen Gegner ließ er deswegen umbringen. Sogar seine eigenen Söhne hat er getötet. Er war ein ganz schlimmer König.

Wir können uns vorstellen, wie erschrocken alle im Königspalast sind, als die fremden Männer kommen und fragen: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ Im Königspalast ist kein Kind geboren worden. Man kann es den Herodes nicht verheimlichen. Der erschrickt auch, als er die Nachricht hört. Da kann doch nur irgendwo im Land ein Kind geboren sein, das ihn einmal vom Thron verdrängen wird. Sicher wird es aus der Familie des früheren Königs David sein. Vielleicht wird es der Heiland sein, von dem die heiligen Schriften der Juden reden.

Aber Herodes kennt sich in diesen Schriften nicht so aus. Aber er weiß, wie man Politik macht. Er ist verschlagen und listig und weiß sich schon zu helfen. Er hat schon oft mit den Schriftgelehrten über die Königsworte des Alten Testaments gesprochen. Nun wird gar eine Sitzung des hohen Rates einberufen, der obersten Behörde in Glaubenssachen.

Die gelehrten Männer wissen auch Rat: Der neue König soll in Bethlehem geboren werden. So hat es schon vor 700 Jahren der Prophet Micha vorhergesagt! Die gelehrten Leute haben das alles gut im Kopf. Aber ins Herz ist ihnen diese Frage nicht gekommen.

Keiner denkt darüber nach: „Weshalb fragt uns denn plötzlich der König danach?“ Stolz tragen sie die Schriftrollen wieder nach Hause: Sie haben die Frage beantworten können. Aber sie interessieren sich nicht weiter für die Sache.

 

Bildbetrachtung: Anbetung der Weisen (Kaufmann: Wort im Bild, Nr. 2):

Der Stern über dem Stall ist der Wegweiser zur Krippe und damit zum Heil. Ein neues Licht ist über der ganzen Welt aufgegangen. Die drei Weisen schreiten anbetend auf die Krippe zu. Sie bringen keine Geschenke, sondern sich selbst zu dem Kind, das durch die Krone als ein König gekennzeichnet ist. Sie sind selber Beschenkte.

Unten ist die Gegengewalt dargestellt. Herodes trägt Krone und Schwert als Zeichen seiner Macht. Heuchlerisch hat er die Hände über dem Schwert gefaltet. Die Schriftgelehrten weisen zwar auf Bethlehem hin, gehen aber nicht selber hin (Nur als Glaubender gebraucht man die Schrift recht). Rechts sehen wir auch noch einmal die Weisen, die offenbar ahnen, welch böses Spiel mit ihnen getrieben werden sollte.

 

Bildbetrachtung: Weise aus der er Ferne finden Jesus:

 

Bildbetrachtung: Graphik „Anbetung der Weisen von Peter Muzenik:

Drei Männer stehen oder knien vor der Krippe. Sie haben merkwürdige Gaben in den Händen. Vorne kniet ein anderer Wissenschaftler (Ingenieur, Forscher, Techniker). Symbol: Zirkel und Zahnrad, dazu Rakete. Der Mann rechts ist ein Bauer (oder auch Arbeiter)‚ denn er bringt nicht nur Brot als Zeichen für die mit den Hinden geleistete Arbeit. Von links tritt ein Künstler heran, mit Pinsel und Notenschlüssel,

Alle diese Gegenstände legen sie vor dem Kind in der Krippe nieder. Jesus Christus soll der Herr sein über alles, was sie erfinden, produzieren und schaffen. Zu diesen Jesus wollen sie gehen. In seinen Dienst wollen sie ihre Gaben und ihr Können stellen. Sowird ein neues Licht von Krippe und Kreuz her auf ihr Lehen und ihre Arbeit fallen. Auch bei uns gehören Wissenschaftler, Arbeiter und Künstler zur Kirche und gehen zum Beispiel an Heiligabend zur Christvesper. Kennt ihr vielleicht jemand aus unserem Ort? (auch Lehrer).

Schon in der Bibel wird erzählt, daß Wissenschaftler an Jesus glauben und zur Krippe kommen. Nicht nur die armen und verachteten Hirten erfahren etwas von Jesus, sondern auch berühmte Männer in einem fernen Land. Sie sind Leute, die sich am Himmel auskennen. Sie beobachten genau den Lauf der Gestirne, besonders der Planeten. Sie meinen aber auch: Die Sterne künden schon vorher an, was in der Zukunft geschehen wird. Aber sie machten sich auch Gedanken darüber, weshalb man überhaupt lebt und weshalb die Menschen wieder sterben müssen. Ja, wenn man wenigstens mit gutem Gewissen sterben könnte! Aber welcher Mensch hat in seinem Leben nicht Böses getan?

Die Wissenschaftler in dem fernen Land haben aber von einem König gehört, auf dessen Geburt die Juden warten. Dieser König soll alles wieder gut machen können. Er soll frei machen vor aller Angst und Schuld. Wenn er geboren wird, soll man das am Himmel an der Stellung der Sterne sehen können.

Deswegen beobachten sie jeden Tag den Himmel, ob es nicht bald soweit ist. Weil sie wirklich frei werden wollen von Angst und Schuld, lassen sie sich auch viel Zeit und Kraft kosten. Man wird ihre Mühe endlich belohnt werden?

Die fremden Gelehrten aber können es gar nicht erwarten, bis sie eine Antwort von Herodes bekommen. Sie erwarten, daß er sie alle gleich in ein prächtiges Zimmer führen wird, um ihnen den neugeborenen König zu zeigen. Doch Herodes läßt sie in ein kleines Zimmerchen rufen, wo er ganz allein mit ihren sprechen will.

Er redet ganz freundlich zu ihnen: „Erzählt mir doch einmal genau, wie das mit dem Stern war! Wann habt ihr ihn zuerst gesehen?“ Sie erzählen es ihm genau, und er denkt natürlich: „Aha, das wird der Geburtstag des Kindes sein!“ Nun weiß er Bescheid.

Den Gelehrten aber sagt er: „In Bethlehem ist das Kind geboren worden. Geht nur hin und fragt nach, in welchem Haus das ist. Und wenn ihr es gefunden bat, dann kommt wieder zu mir zurück. Ich will dann auch hingehen und Geschenke bringen und es anbeten!“ Doch das war alles gelogen, was Herodes sagte. Er hat das Kind gar nicht lieb, sondern will es umbringen lassen.

Die gelehrten Männer wundern sich, daß das Kind nicht in Jerusalem geboren ist. Aber sie denken: „In Bethlehem wird wohl noch ein Königsschloß stehen!“ Und als sie sich noch am Abend nach Bethlehem aufmachen, sehen sie auch wieder den Stern über sich am Himmel stehen. So wird es wohl doch stimmen, daß der neugeborene König in Bethlehem zu finden ist.

Doch als sie in Bethlehem ankommen, scheint der Stern über einem Haus stehen zu bleiben, das gar nicht wie Schloß aussieht. Dort steht nur ein armseliger kleiner Stall. Einem jungen König in Glanz und Reichtum wollten sie huldigen. Aber jetzt stoßen sie sich auch nicht an dem armseligen Äußeren. Sie gehen in die Hütte hinein und finden auch tatsächlich ein kleines Kind in der Krippe liegen. Maria und Joseph stehen daneben und freuen sich über das Kind.

Sie fallen vor dem Kind auf die Knie und beten froh und dankbar. Sie wissen: Das wird einmal ein anderer König werden als der gewalttätige Herodes. Er wird nicht in einem goldenen Schloß wohnen und keine funkelnde Krone aufhaben. Aber er wird die Leute 1iebhaben, auch die Armen und Kranken. Und sie, fremde Männer aus einem fernen Land, dürfen auch zu Gott gehören, der sie zu seinem Sohn geschickt hat.

Voller Dankbarkeit breiten sie ihre kostbaren Geschenke vor dem Kind in der ärmlichen Hütte aus: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und am nächsten Tag verließen sie froh die Stadt Bethlehem. Die gelehrten Männer in Jerusalem wußten nicht, was ganz in ihrer Nähe geschehen war. Die Fremden aber durften wieder in ihre Heimat mit der frohen Gewißheit: „Uns ist heute der Heiland geboren!“

Herodes aber wartet vergeblich in seinem Palast auf die Gelehrten aus dem Morgenland. Gott 1äßt nicht zu, daß sein Kind umgebracht wird. In der Nacht hat er den Sterndeutern nämlich im Traum gesagt: „Geht nicht wieder nach Jerusalem. Herodes will das Jesuskind töten!“ Da gehen sie auf einem anderen Weg zurück nach Hause.

 

Antwortgespräch:

Wir stellen in einem Tafelbild zusammen, welche Menschen an die Krippe kommen und welche nicht; In der Mitte Krippe und Kreuz. Es kommen: Hirten, Künstler, Wissenschaftler, Bauern, Arbeiter. Nicht kommen: Könige (Herodes, Mächtige (Hohepriester), Hochmütige (Schriftgelehrte).

Wo gehören wir denn hin? An die Krippe! Wir sind getauft und. gehören seitdem zu Christus. Er wartet auch auf unsere Anbetung. Er will und doch auf den richtigen Weg führen, sowie er das bei den Gelehrten aus dem Morgenland tat.

Wir sollten nicht meinen: „Ach Jesus, den brauchen wir doch nicht!“ Wir brauchen ihn schon, nicht nur wenn es uns schlecht geht, sondern auch in guten Zeiten kommt es darauf an, bei Jesus zu bleiben.

Auf vielen Bildern sind Könige an der Krippe dargestellt. In der Bibel steht nichts davon, daß es Könige waren und daß es drei waren. Das hat man nur vermutet, weil sie drei kostbare („königliche“) Geschenke bringen.

An sich ist aber von gelehrten Männern die Rede. Aber natürlich können auch Könige zur Krippe kommen, wenn sie nur wollen.

Alle dürfen einen Höheren über sich anerkennen und dann ihre Macht nur noch zum Wohle anderer Menschen gebrauchen. Wer Macht hat, der steht immer in der Gefahr, sie zur Unterdrückung anderer Menschen zu mißbrauchen. Das ist schon bei Kindern so. Wenn wir aber Jesus über uns anerkennen, dann tun wir niemand etwas zuleide.

 

Erzählung: Flucht nach Ägypten (Mt 2,13-15):

Die Nachricht der Weisen hatte Maria und Josef in Angst versetzt: Was würden sie schon gegen eine, mächtigen König ausrichten können? Er würde sicher seine Knie nicht vor dem Gottessohn beugen‚ sondern im Gegenteil ihm nach dem Leben trachten.

In der Tat erscheint dem Joseph ein Engel im Traum. Er spricht: "Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und fliehe nach Ägypten. Bleibe dort, bis ich es dir sagen werde. Denn Herodes will das Kind umbringen!"

Plötzlich ist Joseph hell wach. Hastig weckt er Maria auf. Es geht nun alles in Eile. Schnell wurde das Nötigste zusammengepackt. Dann geht es los. Es ist eine weite und gefährliche Reise bis nach Ägypten: Da gibt es Räuber, da ist die Wüste, vielleicht wird man hungern müssen. Aber Maria und Joseph vertrauen auf Gottes Wort und gehen unter Gottes Schutz.

Herodes wartet noch immer auf die Weisen. Sollten sie etwa dem Befehl eines Königs nicht folgen? Langsam wird er unruhig. Es darf keinen König außer mir geben! Er wartet noch einen Tag. Aber die Weisen kommen nicht. Herodes hat große Angst um seinen Thron. Er betrachtet alle Menschen als Feinde. Alle sollten sie vor ihm zittern. und ihm gehorchen.

Die Weisen aber befolgen nur den Rat Gottes, sie gehen einen anderen Weg, nicht über Jerusalem. Da ersinnt Herodes einen teuflischen Plan: Er schickt seine Soldaten nach Bethlehem, damit sie dort alle Jungen unter zwei Jahren umbringen. Sicher wird darunter auch der neue König sein, denkt Herodes.

Großes Leid kommt über die Eltern. Aber danach fragt der König nicht. Auch von Gott will er nichts wissen. Er will nur sein Ziel erreichen: Kein neuer König, er will allein König bleiben. Gott aber hat seinen Plan längst durchkreuzt. Jesus ist nicht mehr in Bethlehem.

Noch vier Jahre hatte Herodes zu leben. Dann starb er an einer qualvollen Krankheit. Da erschien den Joseph wieder im Traum ein Engel und sprach: „Nimm die Mutter und das Kind und mache dich auf und ziehe wieder in das Land Israel. Der Herodes, der dem Kind nach dem Leben trachtete, ist gestorben. Da nimmt Joseph Frau und Kind und zieht mit ihnen in das Land Israel in seine Heimatstadt Nazareth, wo Jesus aufwächst.

 

Bildbetrachtung: Flucht nach Ägypten(Karl Kaufmann, Handreichung zur Unterweisung im NT, Nr. 3).:

Kaum ist das Licht in der Welt da, das die Herzen der Menschen erwärmen kann, da erhebt sich schon die Finsternis dagegen. Unbarmherzig plant Herodes der Mord an dem Jesuskind. Seine Hand greift nach dem Kind, um es zu vernichten. Sie ist wie der Rachen eines Ungeheuers, ein Werkzeug satanischer Macht.

Aber diese Hand reicht nicht weit, sie reicht nicht bis zum Jesuskind. In dem hellen Lieht ist eine andere Hand zu sehen, die sich schirmend und bewahrend auf das Kind und seine Eitern herabneigt.

Die Familie schreitet aus dem Bereich der Finsternis und des Todes heraus. Keine Macht kann das Licht auslöschen‚ das Gott selber angezündet hat. Der Lichtkegel symbolisiert die Hilfe Gottes.

Auch Maria birgt das Kind in den Armen, Joseph ist der schützende Begleiter. So kann die Klaue des Herodes das Handeln Gottes nicht hindern. Sie kann nur eins: unschuldige Kinder umbringen! Stellvertretend sehen wir zwei weinende Mütter an den Gräbern ihrer Kinder. Doch Gott ist an ihrem Leid nicht schuld, sondern hier haben sich Menschen gegen den Plan Gottes erhoben. Gott will, da allen geholfen wird. Wenn Menschen dagegen handeln, ist es ihre Schuld.

Letztlich aber durchkreuzt Gott immer den Plan der Menschen. Nicht was Herodes will geschieht, sondern was Gott will. Er ist sogar noch zum Handlanger Gottes geworden, denn Gott wollte ja, daß der Heiland aus Ägypten geholt wird, so wie er einst das Volk Israel von dort zurückgeholt hatte. Auch uns will Gott führen und leiten. Er hat uns dazu Vater und Mutter und manch anderen Menschen gegeben, die für das Kind sorgen und auch für uns.

 

C. Wir erzählen von Menschen in einem anderen Land (Ps 102,1+2):

An Weihnachten haben wir gehört, daß Jesus für alle Menschen geboren wurde: Hirten aus der Nähe und Weise aus der Ferne finden ihn (nur Herodes will nicht zu ihm gehören). Jesus ist nicht nur für die Menschen in Palästina gekommen, sondern alle Menschen in der ganzen Welt sollen zu ihm gehören.

Was wißt ihr von Menschen in anderen Ländern? Habt ihr schon einmal einen Menschen mit einer dunklen Hautfarbe gesehen? Beim Internationalen Kindertag wird vom Leben der Kinder in anderen Ländern und Erdteilen erzählt. Durch das Fernsehen hören und sehen wir von Kindern ferner Länder, manchmal kann man auch bei uns solche Menschen sehen.

Aus Bilderbüchern erfahren wir etwas über ferne Länder und Menschen. Viele wissen auch durch das Briefmarkensammeln von fernen Ländern (wir können auch selber Briefmarken sammeln und sie an die Leipziger Mission oder nach Bethel schicken).

Wir zeigen Fotografien von Menschen verschiedenen Aussehens und in verschiedenen Situationen, auf denen aber sichtbar wird, daß sie Christen sind: in oder vor einer Kirche, bei einer Predigt oder bei einem Gebet, bei einer Taufe usw.

Überall gibt es Menschen, die zu Jesus gehören. Sie können ganz verschieden sein und in ganz verschiedenen Ländern wohnen.

Sie haben eine schwarze, braune, gelbe, rote oder weiße Hautfarbe. Sie sprechen ganz unterschiedliche Sprachen. Aber eines haben sie doch gemeinsam: Sie glauben alle an Jesus. Sie wissen: Jesus ist auch für uns gekommen. Wir dürfen alle zu ihm gehören. Gott hat uns alle lieb. Darüber sind sie froh.

Das Erkennungszeichen der Christen in aller Welt ist das Kreuz. Flanellbild: Erdkugel mit Menschen verschiedener Farbe , darüber das Kreuz. Ihnen allen gilt die Aufforderung der Bibel in Ps 100,Vers 1: „Jauchzet dem Herrn alle Welt, dienet dem Herrn mit Freuden!“

Sie hören Gottes Wort, sie beten zu ihm, sie singen Lieder - so wie wir. Sie versuchen auch, das weiterzusagen, was sie von Gott und Jesus wissen. Wir sind mit für sie verantwortlich, und sie wissen auch von uns. Manche von ihnen haben schon unsere Gemeinde besucht. Sie helfen uns, und wir sollten ihnen helfen, wo wir nur können.

 

Es gibt ein Gebet, das kennen Christen in der ganzer Welt, wenn auch in verschiedenen Sprachen: das Vaterunser. Alle Christen dürfen Gott „Vater“ nennen. Das verbindet uns besonders mit den Menschen in anderen Ländern. Zusammen mit uns loben sie den Herrn aller Menschen.

Wir beten; „Lieber Herr, zeige uns immer wieder neu, was wir tun können, damit andere fröhlich werden!“ und schließen das Vaterunser an.

 

 

D. Wir hören: Es gibt Menschen, die Jesus Christus folgen:

Fischzug des Petrus (Mk 1,16-20):

Erzählung :

Eines Tages merkte Jesus: Jetzt ist die Zeit gekommen, daß du mit deinem eigentlichen Auftrag begingen sollst. Gott will doch, daß du zu den Menschen sprichst und ihnen den Willen Gottes klar machst. Doch Jesus beginnt seine Tätigkeit nicht in Jerusalem und im Tempel. Dort sind die Priester und Schriftgelehrten seines Volkes, denen nur die Gesetze wichtig sind, und zwar nicht nur die aus der Bibel, sondern vor allem auch die selbstgemachten Vorschriften.

Jesus aber hat den Menschen etwas anderes zu bringen. Deshalb geht er nach Galiläa, in seine Heimat. Dort leben viele Menschen, die von den frommen Leuten in Jerusalem als ungläubig angesehen werden. So ganz unrecht haben sie damit nicht. In Galiläa gibt es tatsächlich viele Menschen, die sich vorkommen, als säßen sie in der Finsternis. Sie fühlen sich verachtet und bedroht wie Schafe, die keinen Hirten haben.

Aber gerade ihnen wendet sich Jesus zu. Durch ihn kommt Gott zu den Menschen und bringt gerade denen Hilfe, die sie besonders nötig haben. Auf sie bezieht sich das Wort des Propheten Jesaja: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht!“ Jesus beginnt zu predigen. Er hat eine gute Botschaft, die die Menschen froh machen soll. Er kündigt einen neuen Abschnitt in der Geschichte der Welt an. Jetzt geht die Weltgeschichte auf ein Ziel zu, das heißt: „Herrschaft Gottes über die ganze Welt!“

Diesem Ziel will Jesus dienen. Er sagt: „Die Zeit ist erfüllt!“ Sie ist wie ein Gefäß, das bis zum Rand gefüllt ist mit der Schuld der Menschen. Nun aber beginnt die Zeit des Heils und der Vergebung. Gott wird beginnen, sein Reich in der Welt aufzurichten. Deshalb ändert euren Sinn und tut Buße und vollzieht eine völlige Hinwendung zu Gott! Gerade weil Gott jetzt zu euch kommt, solltet ihr von selber wissen, was noch anders werden muß. Vor allem aber glaubet an das Evangelium, glaubt durch das Evangelium an Gott!“

Doch Jesus redet nicht nur, sondern er schreitet auch gleich zur Tat. Als Erstes braucht er Mitarbeiter und Helfer. Als Jesus am Westufer des Sees Genezareth entlang geht, sieht er dort zwei Brüder, die Fischer sind und gerade ihre Netze auswerfen. Sie sind ins Wasser gewatet und werfen von dort aus ihre kreisrunden Netze in das flache Wasser. Wie im Vorübergehen spricht Jesus sie an und sagt kurz und knapp: „Auf, mir nach! Ich werde machen, daß ihr Menschenfischer werdet!“ Die beiden Brüder merken sofort: So kann nur einer reden‚ der von Gott kommt, in diesem Mann handelt Gott an der Menschen.

Sie lassen ihre Netze liegen und folgen Jesus. Dadurch werden sie aus ihrem vertrauten Beruf herausgenommen. Sie sollen eine fremde Aufgabe übernehmen, für die sie nicht ausgebildet worden sind.

 

Der Vergleich mit den Menschenfischern hatte auch keinen guten Klang: So sprach man, wenn man das Gericht Gottes über seine Feinde meinte. Man dachte an ein Einfangen der Menschen mit List und Tücke. Aber weil Jesus ihnen den Auftrag gegeben hat und sie dabei nicht allein lassen will, gehen sie mit. Sie waren nicht darauf vorbereitet gewesen, sie hatten niemals gedacht, daß so etwas möglich sein könnte. Aber als Jesus sie rief‚ da hat er sie auch berufen zu ihrer neuen Aufgabe. Nun wollen sie auch gehorchen. Sie haben gehört, nun wollen sie auch zu Jesus gehören.

 

E. Wir hören: Es gibt Menschen, die zu Feinden Jesu werden (Lk 15,2):

Die Schriftgelehrten ärgern sich‚ daß Jesus auch Verachtete ruft (Mk 2,13-17.

Seine Feinde beschließen, Jesus zu töten: Mk 3,6

 

Wir sehen Jesus vorwiegend in der Gestalt eines ans Kreuz genagelten Toten, vor allem in der Kirche. Jesus ist also von den Menschen umgebracht worden und wurde ans Kreuz genagelt. Wir können das vielleicht nicht so recht verstehen, weil er doch alle Menschen zu sich ruft und ihnen helfen will. Aber nicht alle wollen seinem Ruf folgen. Nicht alle wollen zum Beispiel zum Religionsunterricht kommen. Was wir tun, das tun nicht alle.

Schon in der Weihnachtsgeschichte haben wir gehört, daß der König Herodes und die gelehrten Männern in Jerusalem nichts von Jesus wissen wollten. Aber viel wichtiger sind doch die vielen Menschen, die zu Jesus gehören wollen und die sich freuen, daß er nun endlich gekommen ist: Maria und Joseph, die Hirten, die Weisen. Von einigen anderen werden wir später noch hören.

Die Armseligkeit der Geburt Jesu hat die Größe des Geschehens und die Freude nicht beeinträchtigt oder gar überschattet. Wenn sich auch nur wenige freuen, so ist das doch etwas Schönes, an Jesus glauben zu dürfen und von ihm hören zu können, das ist eine Auszeichnung, für die man nicht genug dankbar sein kann.

Vor allem kümmert sich Jesus auch um die Menschen, die von der anderen verachtet werden; ja er stellt sie sogar in seinen Dienst und macht sie zu seiner Jüngern. Fischer wurden damals von den anderen Leuten verachtet. Und Zöllner wie der Zöllner Levi gar wurden von den Leuten gehaßt. Aber Jesus ruft sie aus ihrem gelernten Beruf heraus, sie folgen ihm und dürfen ihm helfen. Er setzt sich mit ihnen an einen Tisch, ißt und trinkt mit ihnen und ist fröhlich mit ihnen.

Gerade deswegen aber werden andere Menschen zu seinen Feinden. Es sind die gelehrten Männer des jüdischen Volkes, die in den heiligen Schriften doch so gut Bescheid zu wissen meinen. Sie denken: In den Schriften steht doch geschrieben, wie der Retter Gottes sein muß. Er muß doch die Bösen bestrafen und nur mit den Guten zusammenarbeiten.

Wenn sich aber dieser Jesus mit den Sündern an einen Tisch setzt, dann kann er nicht Gottes Sohn sein! So lesen wir etwa in der Bibel: „Die frommer Leute und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen!“ (Lk 15,2). Sie sprachen zu seinen Jüngern: „Warum ißt und trinkt er mit dem Zöllnern und Sündern?“ Jesus aber antwortet: „Ich bin gekommen, die Sünder zum Umkehr zu rufen!“ (Mk 2,16 b + 17 b).

Deswegen aber sagen die anderen: „Ein solcher Mensch kann nicht unser Freund sein. Wir wollen nichts von ihm wissen. Er ist unser Feind!“ Sie sind schließlich so böse auf Jesus, daß sie sogar zum König gehen und mit ihm zusammen überlegen, wie sie Jesus töten können (Mk 3,6).

 

Ährenausraufen am Sabbat (Mt 12,1-8):

Einstieg:

Was tut ihr alles so am Sonntag? (Schlafen, lesen, spazierengehen, fernsehen, Gottesdienst). Was ist denn das Schöne am Sonntag? (Es ist alles andere als am Werktag, zum Beispiel keine Schule). Wir freuen uns, daß es einen Sonntag gibt, er ist ein Geschenk.

Seit wann gibt es denn den Sonntag? Seit Jesus (Auferstehungstag!). Die Juden hatten einen anderen Feiertag, den Sabbat, der unserem Samstag entspricht; bis heute feiern die Juden am Samstag.

Gott hatte dem Volk Israel den Sabbat als ein Zeichen seines Bundes mit diesem Volk geschenkt. Er wollte ihnen damit sagen: „In diese Welt ist zwar das Böse hineingebrochen, aber einmal wird er sie wieder heil und schön werden; der Feiertag ist schon eine Vorabbildung dieses zukünftigen Zustandes!“

Um den Sabbat aber nun vor Entheiligung zu schützen, hat man viele Einzelvorschriften aufgestellt, die man peinlich genau einhalten mußte. So waren zum Beispiel ausdrücklich verboten das Säen, Ackern, Ernten, Dreschen, Schlachten, Schreiben, Reiten, Schwimmen, Tanzen, Gerichthalten. Man durfte nur 1 000 Schritte gehen und man durfte kein Feuer anzünden, um zu kochen.

Der Sabbat wurde schließlich zu einer schweren, unerträglichen Last. Man hoffte, durch das Einhalten der Einzelvorschriften zur Ruhe Gottes zu kommen, zur Vollkommenheit. Durch die eigene Leistung wollte man vor Gott Verdienste erwerben. Der Sabbat war nicht mehr Gottes gute Gabe, sondern ein hartes Gesetz. Der Feiertag war kein Tag der Freude mehr. Das Geschenk Gottes war zu einer Belastung für den Menschen geworden.

Was ist schöner, wenn wir uns vom eigenen Geld etwas kaufen können oder wenn wir darauf angewiesen sind, uns alles schenken zu lassen? (Wahrscheinlich kommt die Antwort: alles selber kaufen können). - Zielangabe: Wir wollen heute hören, wie Jesus über ein besonderes Geschenk, über den Feiertag, den Sabbat, denkt.

 

Erzählung:

An einem heißen Sommertag geht Jesus mit seinen Jüngern über Land. Links und rechts vom Wege stehen hohe Getreidefelder. Die Saat ist reif zur Ernte und die schweren Halme wiegen sich im leichten Wind. Die Jünger haben Hunger, denn sie sind schon lange unterwegs. Im Vorbeigehen reißen sie einige Ähren aus, reiben sie zwischen den Handflächen, damit die Körner herausgehen und essen die Körner. Jesus sagt nichts dazu. Denn wenn man schlimmen Hunger hat, ist das ja nach dem jüdischen Gesetz erlaubt.

Doch da kommen ihnen einige Männer entgegen. Pharisäer sind es, wie man gleich an den Abzeichen an ihrer Kleidung erkennt. Diese Leute haben Jesus immer schon Schwierigkeiten gemacht. Wo er hinkommt, versuchen sie gegen ihn zu arbeiten. Ob sie wohl diesmal auch wieder etwas auszusetzen haben?

Richtig, sie bleiben stehen und halten Jesus an: „Guck mal, deine Jünger tun etwas, was man am Sabbat nicht tun darf!“ Das Ährenausraufen ist zwar am Werktag erlaubt, aber nicht am Sabbat, denn es ist Arbeit. Hunger hat man allerdings am Sonntag wie am Werktag, der Hunger kümmert sich nicht um den Feiertag.

Jesus antwortet mit einer Geschichte: Als David noch nicht König war, sondern vor dem König Saul fliehen mußte, da hatten er und seine Soldaten auch großen Hunger und nichts zu essen. Da geht er in die nächste Stadt in den Tempel und fragt den Priester, ob er nicht ein Brot für ihn habe. Der Priester sagt: „Ich habe kein Brot da. Hier sind nur die Brote, die für den Tempel und für Gott gespendet wurden!“

Es sind heilige Brote, für Gott bestimmt. Aber David ist doch der Gesalbte Gottes, der zukünftige König. Soll er etwa hier vor Hunger um kommen? Das kann doch nicht Gottes Wille sein. Und so gibt ihm der Priester die Brote zu essen, damit er und seine Leute durchkommen. Es geht um den Menschen und nicht darum, daß eine Gesetzesvorschrift engherzig ausgelegt und befolgt wird.

Aber Jesus weiß noch ein anderes Beispiel. Er sagt: „Was tun denn die Priester im Tempel? Die arbeiten doch auch am Sabbat und sind doch ohne Schuld!“ Daran haben die Pharisäer nicht gedacht. Ihnen war nur ihr Gesetz wichtig und nicht Gottes Wille.

Jesus aber sagt ihnen: „Der hier vor euch steht, der ist noch größer und wichtiger als der Tempel. Euch geht es nur um euer Gesetz und um den Tempel. Ich aber frage nach dem, was Gott gemeint hat. Ihr hättet meine unschuldigen Jünger nicht verdammt, wenn ihr wirklich begriffen hättet, was im Alten Testament beim Propheten Hosea (6,6) steht: „Ich habe Wohlgefallen an der Barmherzigkeit und nicht am Opfer!“ Es genügt nicht, immer nur im Tempel die Gottesdienste zu halten. Man darf darüber auch nicht den Mitmenschen und seine Not vergessen!“

Der Tempel konnte den Menschen viel geben. Aber Jesus gibt uns allen viel mehr. Die Pharisäer aber wollen nichts geschenkt haben, sie wollen sich alles selbst verdienen. „Wie soll denn Gott etwas ändern in der Welt, wenn wir es nicht verdienen und selber etwas dazu beitragen?“ denken die Pharisäer. Aber Jesus sagt ihnen: „Wer sich nichts schenken lassen will, der wird eines Tages ganz herzlos. Jesus aber will es uns schenken, daß wir zur Ruhe kommen können.

An einigen Zeichnungen machen wir uns das Gehörte noch einmal deutlich:

   Die Pharisäer halten Jesus das Gesetz vor

   Jesus verweist auf das Beispiel des Königs David

Jesus‚ der Weltenrichter, fragt nicht nach kleinen Sabbatvorschriften, sondern ob wir ihn als den Herrn anerkennen

  

Antwortgespräch:

Gott hat uns im dritten Gebot gesagt: „Du sollst den Feiertag heiligen“. Er will uns damit helfen, daß wir auch einmal zur Ruhe kommen und uns nicht immer abhetzen müssen. Luther sagt dazu in seiner Erklärung: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern dieselben heilig halten, gerne hören und lernen!“ Luther spricht hier nicht ausdrücklich von der Feiertagsruhe bzw. dem Verbot der Arbeit. Aber das war ihm zu seiner Zeit selbstverständlich. Er sagt nur darüber hinaus: Die Ruhe ist uns dazu geschenkt, daß wir auf Gottes Wort hören.

Wir leben heute in einer Zeit, die durch ständig gesteigerte Arbeit zum Sinn des Lebens finden will. Kinder lernen im Religionsunterricht das dritte Gebot. Aber sie sehen nur zu oft, daß die Eltern oder andere Erwachsene sich nicht darum kümmern: die Mutter hängt, weil sie gutes Trockenwetter hast, die Wäsche auf, während es zum Gottesdienst läutet. Sie hat nicht nur keine Zeit, sondern auch oft keine Lust, die Predigt zu hören. Viele Erwachsene rechnen mit Gott nicht ernsthaft, auch wenn sie nicht darüber spotten.

Viele sind gleichgültig und handeln nur nach dem natürlich vernünftigen Denken. Das drückt sich etwa in dem Wort aus, das man immer wieder hören kann: „Wir können nicht zum Gottesdienst, wir müssen arbeiten. Denn von Nichts raucht kein Schornstein!“ Andere allerdings sagen wieder: „Früher hat sich jeder an den Sonntag gehalten und es wurden auch alle fertig bzw. sogar noch besser fertig!“

 

Wer natürlich an nichts glaubt, der muß sich pausenlos abrackern, bis er zusammenbricht. Um dieser Not der Menschen willen sind wir in der Frage der Sonntagsheiligung zu einem anderen Wort gerufen als die Reformatoren wie Martin Luther. Wir haben den Sonntag als eine gute Gabe Gottes hinzustellen. Mancher Vater und manche Mutter greift aber nicht danach, wenn das Vertrauen zu Gott fehlt.

Jesus aber hält sich nicht bei der Frage auf: „Darf man am Sabbat das und das tun?“ sondern er ruft zum Vertrauen zu dem Herrn des Sabbats. Weil e r der Herr des Sabbats, feiern wir nicht mehr den Samstag, sondern den Tag seiner Auferstehung, den Sonntag. Aber wir feiern den Sonntag nur richtig, wenn wir uns an diesem Tag durch Jesus zu Gott und droh Gottes Wort zu Jesus führen lassen.

Das Leben wird nicht schöner durch die Pharisäer, die sich nichts schenken lassen wollen. Gott w i 1 uns doch etwas schenken und lädt uns zu seiner Gnade ein. Mit drei Sätzen können wir das Geschenk des Sonntags umschreiben:

1.) Gottes väterliche Fürsorge macht es möglich, am Sonntag auszuruhen.

2.) Gott will, daß wir an diesem Tag auf sein Wort hören und danach handeln.

3.) In Jesus haben wir das, was sonst nur Gott hat: Ruhe und Frieden, der höher ist als alle Vernunft.

 

 

Die Heilung am Sabbat (Mt 12, 9-14):

Einstieg:

Ich zeichne eine Ohrmuschel an die Tafel. Mit einem Lappen wische Ich das halbe Ohr weg. Wer hat schon einmal etwas von einem halben gehört? Wir sagen doch: „Er hört nur mit halbem Ohr hin!“ Wir wollen nun einen Satz lernen, in dem vom Hören mit ganzem Ohr die Rede ist: Drittes Gebot mit Erklärung! Es gibt Menschen, die hören nur mit halbem Ohr hin, wenn Gott redet. Und es gibt Menachem, die hören dabei mit ganzem Ohr hin.

Zielangabe: Wir wollen bei der nun folgenden Geschichte darauf achten, wer hier mit ganzem und wer mit halbem Ohr hinhört!

 

Erzählung:

An einem Sabbat geht Jesus mit seinen Jüngern wie so oft in eine Synagoge, das jüdische Gotteshaus. Unter den Leuten sitzt auch ein Mann mit einer verdorrten Hand: Sie war gelähmt und die Muskeln wurden immer schwacher und nahmen ab.

Es waren viele Menschen in der Synagoge. Unter ihnen auch wieder einige von den Pharisäern, die Jesus schon von früher her kannten. Sie wußten, daß er Kranke heilen konnte. Sie hatten auch schon oft seiner Predigt zugehört. Aber sie waren nie froh von diesem Jesus weggegangen. Sie wollten es nicht glauben, daß er der Sohn Gottes ist. Im Gegenteil: Sie ärgerten sich darüber, daß das Volk diesem Jesus nachrief und ihm zuhörte. Deshalb wollen sie ihm heute eine Falle stellen: Sie wollen ihn fragen, und wenn er nicht entsprechend dem Gesetz der Juden antwortet, wird er vor den Menschen bloßgestellt sein und muß sogar angeklagt werden.

Sie zeigen auf den Mann mit der verdorrten Hand und fragen Jesus: „Sag mal: Ist es recht, am Sabbat zu heilen?“ Alle schauen sie gespannt auf Jesus. Was wird er sagen, was wird er tun? Jesus hat Mitleid mit dem Mann, der nicht mehr arbeiten kann und auf die Hilfe und die Spenden anderer Menschen angewiesen ist. Aber er will auch den Pharisäern helfen. Deshalb fragt er sie nun: „Wenn euch ein Schaf am Sabbat in eine Grube fällt, wer ist da unter euch, der es nicht aufhebt und wieder aus der Grube herausholt? Wieviel besser ist aber nun ein Mensch als ein Schaf! Deshalb darf man schon am Sabbat Gutes tun!“

Jesus wußte genau: Jeder Pharisäer würde sein Schaf retten, denn es stellte ja einen Wert dar, den niemand verlieren wollte. Ein Tier würde man also vor Schaden bewahren. Aber für den Menschen hat man ein Gesetz gemacht, daß eine Hilfe am Sabbat als Arbeit bezeichnet und deshalb verboten ist. Jesus aber will sagen: „Wenn einer am Sabbat Gutes tut, dann ist das jedenfalls besser, als wenn er Böses tut!“ Das machen die Pharisäer, die Jesus in eine Falle locken wollen. Sie benutzen einen Kranken, um ein böses Ziel zu erreichen! Jesus aber will ihm helfen. Jesu Feinde sind gekommen, um Böses zu tun! Er aber ist gekommen, um Gutes zu tun!

Jesus wendet sich von den Pharisäern ab und schaut den Menschen mit der kranken Hand an. Er spricht zu ihm: „Strecke deine Hand aus!“ Plötzlich kann es der Mann wieder: Er streckt seine Hand aus, die Muskeln gehorchen ihm wieder und er ist gesund. Er kann wieder beide Hände benutzen. Jesus hat am Sabbat Gutes getan. Er hat den Sinn des Sabbats erfüllt, als er die Hand mit neuem Leben erfüllte. Denn am Sabbat dachte der fromme Jude daran, daß Gott die Welt wieder einmal heil und gesund machen würde.

Nicht Jesus entheiligt den Sabbat, sondern die fanatischen Pharisäer, die am Sabbat Böses tun. Sie gehen aber noch befriedigt hinaus. Für sie hatte Jesus den Sabbat gebrochen und die Todesstrafe verdient. Ja, er hatte ja noch sogar einen anderen Menschen dazu verführt, den Sabbat zu brechen. Deshalb beraten sie nun, wie sie Jesus ins Verderben stürzen können.

Dabei hatten sie sehr genau begriffen, was Jesus meinte. Aber sie wollten ihr Leben nicht ändern. Ihnen war ihr Gesetz lieber als Gott. Sie hatten ein hartes Herz. Aber Gott hat den Menschen lieb und kümmert sich nicht um menschliche Gesetze. In seinem Auftrag redet Jesus nicht nur von der Liebe, sondern zeigt sie am praktischen Beispiel, indem er diesem kranken Menschen heilt.

 

Antwortgespräch:

Die Pharisäer verachten Gottes Wort. Aber der Kranke hört gern auf Jesus und tut, was er ihm sagt. Er erfährt, wie es hilft, wenn wir auf Gottes Wort hören. Er macht darum auch ein fröhliches Gesicht, als er weggeht. Die Pharisäer aber blicken finster, als sie gehen. Der Mann wurde fröhlich, weil er nicht halb, sondern ganz hingehört hat. Wer heute keine Zeit mehr hat, auf Gottes Wort zu hören, der wird auch nicht froh werden.

Jesus will den Sabbat nicht madig machen. Aber er darf nicht höher stehen als Gottes Wille. Uns heute würde er vielleicht sagen: „Ihr stellt die Arbeit höher als alles andere!“ Jesus sieht schon unsere Arbeit. Aber er sagt uns auch: „Gutes sollt ihr an so einem Tag tun (Gottesdienst besuchen, anderen Menschen helfen; Beispiele!).

 

Der Philosoph Feuerbach hat in Heidelberg seine Studenten aufgefordert, aus Gottesfreunden zu Menschenfreunden zu werden. Er hat bewußt auf die Gottesliebe zugunsten der Menschenliebe verzichtet. Doch eine Bruderliebe ohne Gottesliebe gibt es auf die Dauer nicht. Gott fordert Gottesliebe u n d Bruderliebe. Die Juden waren scheinbar fromm, aber ihnen fehlte die Bruderliebe. Feuerbach lehnte die Gottesliebe ab und warf dabei auch die Bruderliebe über Bord. Bis heute ist das zum Teil so geblieben. Zwar leben wir scheinbar in einer humanen Welt; aber es fehlt die Gottesliebe, und deshalb werden die Menschen auch oft so lieblos behandelt.

 

F. Jesus setzt sich für seine Feinde ein (Lk 22,2-6.39.47-51.54a):

Wir wissen: Jesus Christus ist unser guter Hirte (Joh 10,11-12). Wir betrachten die Schautafeln vor Hans-Georg Anniès (schon vorher verwendet) und singen dazu das Lied von Heinrich Vogel: „Wir haben einen Hirten“.

Wir lernen daraus: Jesus setzt sein Leben für uns ein! Wenn auch viele Menschen zu Feinden Jesu werden, so möchte er doch, daß seinen Feinden nichts Böses geschieht. Das sehen wir zum Beispiel, als sie ihn gefangennehmen.

 

Erzählung:

Jesu Feinde überlegten ständig, wie sie ihn umbringen könnten, ohne daß es groß auffiel. Bei jeder Beratung fragten sie wieder: „Wie könnten wir es nur machen? Die Leute laufen diesem Jesus nach, wir kommen gar nicht an ihn ran, ohne daß es jemand merkt!“ Sie wollen ihn in ihre Gewalt bekommen‚ aber niemand soll es merken, es muß alles ganz heimlich geschehen.

Da kommt ihnen der Zufall zu Hilfe. Eines Tages erscheint einer der Jünger Jesu bei ihnen. Es ist Judas, der mit seinem Herrn nicht mehr zufrieden ist: Hatte er ihnen nicht versprochen, die fremden Soldaten bald aus dem Land zu treiben? Deswegen war Judas ihm gefolgt. Aber nichts geschah.

Jesus hatte es ja auch nicht versprochen, Judas bildete sich das nur ein. Aber nun hat er sich überlegt: „Wenn ich zu seinen Feinden gehe und ihnen helfen, Jesu gefangenzunehmen, dann wird er sich wehren müssen, dann wird er endlich seine wahre Macht zeigen!“

Judas sagt: „Ich weiß, wo Jesus immer ist, ich will euch helfen, ihn ohne viel Aufhebens gefangenzunehmen!“ Da freuen sich die Feinde Jesu aber sehr. So ein Mann hat ihren gerade noch gefehlt, der ihnen freiwillig seinen Herrn verraten will. Sie versprechen ihm sogar: „Wir werden dir Geld geben, wenn wir ihn durch deine Hilfe fangen!“ Judas aber verspricht ihnen: „Ich mache es, ihr körnt euch auf mich verlassen!“ Von da an sucht er nach einer gängigen Gelegenheit, Jesus ohne viel Lärmen an seine Feinde aus zuliefern.

Nun hatte Jesus die Gewohnheit, abends immer nach draußen vor die Stadt zu gehen und in einem Garten am Ölberg zu übernachten. Es war ja warm dort, das machten auch andere Leute. Seine Jünger sind bei ihm.

Aber eines Abends - sie sind gerade erst eine Woche in Jerusalem - da hört man auf einmal Waffengeklirr in dem sonst so stillen Garten. Menschen laufen hin und her, aber es ist nichts rechtes zu erkennen, denn es ist eine ziemlich dunkle Nacht.

Da kommt einer mit schnellen Schritten auf Jesus zu. Hinter ihm dringen andere heran. Es ist Judas, der Jünger Jesu. Jetzt erst fällt den anderen auf, daß er ja heute nicht mit ihnen in den Garten gekommen ist. Jetzt aber kommt er ganz scheinheilig und tut so, als wolle er Jesus zur Begrüßung küssen.

Doch Jesus weiß, was Judas in Wirtlichkeit im Sinn hat. Er sagt: „Judas, verrätst du mich mit einem Kuß?“ Der Kuß war das vereinbarte Zeichen, denn Judas hatte der Soldaten hinter ihm gesagt „Wen ich küssen werde, der ist es!“

Die anderen Jünger erkennen natürlich auch, weshalb die Soldaten gekommen sind. Sie fragen: „Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?“ Und ehe Jesus antworten kann, da hat einer schon sein Schwert gezogen und einem Soldaten das rechte Ohr abgehauen. Jesus aber antwortet: „Laßt sie doch machen!“ und er nimmt das Ohr und heilt den Mann wieder.

Zu seinen Feinden aber, die mitgekommen sind, sagt her: „Weshalb kommt ihr jetzt bei Nacht? Ich bin doch die ganze Zeit in der Stadt gewesen. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis!“ Sie ergreifen ihn aber und zerren ihn fort. Jetzt endlich ist es ihnen gelungen, ihn unbemerkt gefangenzunehmen.

 

Bildbetrachtung: „Der Judaskuß“ von Giotto (geboren 1266 in Padua):

Jesus und Judas sind der Mittelpunkt dieses großen Freskos. Um sie herum schließt sich die Menge der Hohenpriester, Ältesten und Krieger zu einem Ring, der nach vorne durch den Mantel des Judas fortgesetzt wird.

Jesus ist edel und hoheitsvoll dargestellt. Hier stehen allein in der Gestaltung des Kopfes zwei Wachen gegenüber, die ganz gegensätzlich sind: der eine im Augenblick des bezahlten Verrats, der andere in der Gewißheit dessen, was nun kommen wird.

Bei Jesus sehen wir eine klare Stirn und Nasenlinie. Die Augen blicken ruhig geradeaus. Er sieht gewissermaßen durch Judas und die anderen hindurch in der Gewißheit‚ daß nun alles erfüllt werden muß, was Gott will.

Judas dagegen hat eine niedrige, fliehende Stirn, vorgeschobene Augenbrauen einen weit zurückgezogenen Nasenansatz, eine weit vorspringende Mundpartie, eine gebogene Nase. Er hat den unsteten und unfreien Blick des Verräters, in dem schon etwas von der Verzweiflung steht, die ihn zu einem gnadenlosen Ende treibt. Man weiß fast nicht, wen man mehr bedauern soll: Jesus oder diesen Judas.

 

Erzählung: Jesus bittet am Kreuz für seine Feinde (Lk 23,32-38.44.46):

Die Juden haben es erreicht, daß der römische Befehlshaber Jesus zum Tode verurteilt hat. Jetzt wird er zusammen mit zwei Verbrechern zur Hinrichtungsstätte geführt. Jesus muß sich mit dem Rücken auf den Boden legen und die Arme ausbreiten. Sie nageln seine Hände auf einen Balken und ziehen diesen über einen Pfahl, der in die Erde eingegraben ist. Jesus wird gekreuzigt.

Sicherlich hat es ihm sehr weh getan. Er weiß auch, daß er daran wird sterben müssen, wenn auch erst nach vielen Stunden und unter schlimmen Schmerzen. Aber dennoch bittet er für seine Feinde, für diejenigen, die ihn hierher gebracht haben, und für die Soldaten, nie den Befehl ausführen. Jesus betet zu Gott, seinem himmlischen Vater, und bittet ihn: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Viele Leute stehen dabei und spotten über Jesus: „Anderen hat er geholfen. Jetzt helfe er sich selber, wenn er der Christus ist, der Auserwählte Gottes!“ Auch die Soldaten kommen und spotten über ihn. Sie bringen ihm Essig und sagen: „Bist du der Juden König, so hilf dir selber!“

Oben an dem Kreuz war nämlich eine Tafel angebracht, auf der stand in drei Sprachen: „Dies ist der König der Juden!“ Auch damit wollte man über Jesus spotten und hat doch dabei nur die Wahrheit gesagt.

Zur Mittagsstunde wird es plötzlich ganz dunkel. Bis nachmittags drei Uhr dauert diese urheimliche Finsternis, so als wollte die ganze Welt mittrauern, weil der Gottessohn sterben muß. Dann ruft Jesus mit lauter Stimme: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ Dann stirbt er.

Es sieht so aus, als sei nun alles zu Ende mit Jesus. Aber schon bald danach wird es anders kommen. Schon einige Wochen später erzählt Simon Petrus allen Leuten in Jerusalem: „Gott hat diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zu einem Herrn und Christus gemacht!“

 

 

G. Paulus erzählt von Jesus (Apg 2,36):

Wir betrachten einen Brief. Es gibt Briefe,  die man nach dem Lesen gleich wieder wegwirft. Aber es gibt auch solche, die man aufhebt. Ganz berühmte Briefe werden sogar gedruckt. Sie sind schon fast 2000 Jahre alt und werden heute noch gedruckt und gelesen:

Wir betrachten das Inhaltsverzeichnis des Neuen Testaments. Wir suchen die Briefe. Wir können auch lesen wer die Briefe geschrieben hat. Einer von ihnen heißt Paulus. Er hat viele Briefe geschrieben. In einem seiner Briefe schreibt er (2. Kor 11,21b -32):

 

Ich habe mehr Mühe gehabt als irgendein anderer Helfer Jesu. Ich bin unzählige Male im Gefängnis gewesen. Ich bin mit Lederriemen ausgepeitscht worden und in Todesnot gekommen. Dreimal bin ich mit Stöcken geschlagen worden und einmal gesteinigt worden. Dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, Nacht und Tag habe ich in den Wellen zugebracht.

Viele mühselige Reisen habe ich hinter mich gebracht. Auf Flüssen bin ich in Gefahr gewesen, in Gefahr durch Räuber, durch mein eigenes Volk und durch fremde Menschen, in Städten und auf einsamen Wegen. Immer wieder war ich in Gefahr durch falsche Brüder Mühe undArbeit habe ich gehabt Schlaflosigkeit, Hunger und Durst, Frost und Hitze waren meine Begleiter. In Damaskus verschloß man die Tore der Stadt, damit ich nicht fliehen konnte. Man wollte mich verhaften. Da ließ man mich von einem Fenster in einem Korb hinaus und ich konnte entfliehen.

Paulus war also viel unterwegs im Auftrag des Herrn Jesus, obwohl er diesen nie gesehen hatte. Aber so ist es bei ihm nicht immer gewesen. Als junger Mann hatte er Jesus gar nicht lieb. Da hat er gesagt: Jesus von Nazareth hat alles falsch gemacht, er hat gelogen und gehört nicht zu Gott. Damals meinte er noch: Das war gut, daß Jesus am Kreuz gestorben ist. Alle Menschen sind Lügner, die sagen: Jesus 1ebt und wir beten auch heute noch zu ihm!“ Aber nachher kam Paulus zu einer ganz anderen Erkenntnis.

Paulus war in der Stadt Tarsus bei seinen Eltern aufgewachsen. Weil er aber viel lernen sollte, schickten ihn seine Eltern nach Jerusalem zu den klugen Männern im Tempel. Bei den Schriftgelehrten lernte er viel und las viel in den alten Schriften. Er lernte alle Gebote und Gesetze und gab sich große Mühe, alles so zu machen, wie es den Juden in den Gesetzen befohlen ist.

In Jerusalem aber erlebte er auch immer wieder die Männer, die von Jesus von Nazareth erzählten: „Jesus von Nazareth ist für uns gestorben. Ihr Leute in Jerusalem habt versucht, ihn auszuradieren, indem ihr ihn umgebracht habt. Aber Gott hat ihn vom Tod auferweckt und hat ihn zu einem Herrn und Christus gemacht. Er ist nun der Herr der Welt und steht gleich neben Gott. Schon in den alten Schriften ist das angekündigt worden. Petrus hat ihn als den Lebendigen gesehen und danach alle seine zwölf Freunde!“

Paulus hatte gefragt: „Wer ist denn dieser Jesus von Nazareth?“ Da haben sie ihm geantwortet: „Er hat sich um alle die gekümmert, die allein sind. Er ist zu den Kranken gegangen und hat die Kinder liebgehabt. Allen hat er gesagt: „Gott hat euch lieb!“ Aber die Priester und Schriftgelehrten hat das aufgeregt. Sie sagten: „Solche Leute kann Gott doch nicht liebhaben, die Bösen und die Kranken hat Gott nicht lieb!” Darm meinten sie: „Jesus ist ein Lügner, Jesus muß weg!“ Sie haben solange gehetzt, bis Jesus zum Tode verurteilt wurde und am Kreuz sterben mußte.

Paulus dachte zunächst auch: „Das war gut und richtig. Wer sich zu bösen Menschen setzt, muß selber böse sein!“ Jesu Freunde aber sagten: „Jesus ging zu denen, die einen brauchten, um wieder gut und heil zu werden. Wie ein Arzt zu den Kranken, so ist Jesus zu den bösen Menschen gegangen. Er hat ihnen sogar das Wertvollste geschenkt, was er hatte, nämlich sein Leben!“

Über solche Reden hat sich der Schriftgelehrte Paulus immer sehr geärgert. Er sagte: „Die Männer, die solche Reden halten, müssen ins Gefängnis. Was sie sagen ist verkehrt und gefährlich!“

Er schreibt so später selber einmal in einem Brief: „Ich habe meine ganze Kraft eingesetzt, die christliche Gemeinde zu verfolgen!“ Aber dann war alles anders gekommen. Paulus erlebte: „Jesus lebt! Ich habe mich geirrt! Jesus ist viel stärker als ich! Er ist auch stärker als der Tod!“ Nun sagte er: „Es gibt für mich nur einen Reichtum, nur eine Freude, nämlich Jesus Christus zu kennen!“(Phil 3,6-8). Von da an konnte Paulus nicht mehr ohne Jesus leben.

Nun hat er nur noch ein Ziel: Alle Menschen sollen erfahren: „Jesus ist zu uns gekommen. Er hat uns gezeigt, wie das Liebehaben aussieht. Jesus ist für uns gestorben. Jesus lebt und ist immer bei uns!“ So wurde Paulus zu einem Botschafter Jesu.

So hat Paulus in vielen Städten und Dörfern von Jesus erzählt. Aber er konnte immer nur kurz bleiben, manchmal nur einige Tage, dann ging es weiter, denn er wollte es ja noch vielen Menschen sagen.

Doch in so kurzer Zeit konnte man nicht alles lernen. Die neugewonnenen Christen hatten noch viele Fragen. Deshalb schickten sie einen Mann oder eine Frau hinter Paulus her. Er überbrachte einen Brief mit den Fragen der Christen. Und Paulus schrieb seine Antworten auch in einem Brief. Einige dieser Briefe sind noch heute erhalten. Wir finden sie in unserer Bibel abgedruckt. So können auch wir erfahren: „Gott hat diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht!“

 

Bildbetrachtung: „Die Paulusbriefe“ von Vaquero Turcios.

 

 

Orientierungshilfe 5 : Jesus Christus ist unser Herr, darum gehören wir zusammen und helfen einander

A. Wir erzählen von einem Ostergotteedienst und singen Osterlieder:

Am Morgen des ersten Ostertages versammeln sich in vielen Gemeinden die Christen auf dem Friedhof in der Nähe des Brunnens. Meist ist es noch sehr kalt. Die Sonne kommt gerade hinter den Bergen hervor. Der Posaunenchor ist auch gekommen und hat sich im Halbkreis beim Brunnen aufgestellt.

Viele Menschen sind gekommen. In der Hand haben sie ein Gesangbuch, denn es sollen viele Lieder gesungen werden. Manche der Menschen mähen ein etwas trauriges Gesicht. Sie haben sich an das Grab eines ihrer Angehörigen gestellt. Sie müssen daran denken, daß er jetzt nicht mehr bei ihnen ist.

Aber sie sind auch wieder froh und zuversichtlich. Sie wissen ja: „Die Oma oder der Opa, die sind jetzt bei Gott. Wir können sie nicht mehr sehen, aber Gott kennt sie. Sie dürfen bei Gott sein und dürfen sich freuen. Wenn ein Mensah gestorben ist und ins Grab gelegt wird, dann ist es nicht für ewig mit ihm aus, sondern Gott wird ihn auferwecken von den Toten und ihm ein neues Leben geben.

Das wissen wir Christen, und davon erzählt auch der Pfarrer am Ostermorgen auf dem Friedhof. Er sagt: „Gott hat diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zu einem Herrn und Christus gemacht!“ (Apg 2,36). Die Juden hatten Jesus ans Kreuz gebracht. Aber Gott hat es nicht dabei belassen.

Jesus Christus war der erste, der von Gott von der Toten auferweckt wurde. Er lebt und ist jetzt bei Gott. Das gibt auch uns die Gewißheit, daß wir nach dem Tode bei Gott sein werden. Deshalb können wir auch am Ostermorgen fröhlich sein. Da denken wir daran, dass Jesus nicht im Tode geblieben ist. Wir wissen: Auch unsere Toten leben noch bei Gott. Und wenn wir einmal gestorben sein werden, dann werden wir auch bei Gott sein.

Deshalb beten wir gerade am Ostermorgen zu Gott und bitten ihm, daß er uns auch einmal zu sich nehmen wird. Und wir singen viele der schönen Osterlieder aus unserem Gesangbuch, die vom Sieg Gottes über den Tod erzählen.

Wir betrachten Osterbilder und zeigen eine Osterkerze.

 

Orientierungshilfe 6: Menschen begegnen Jesus Christus. Durch ihn hilft uns Gott der Vater

Spiel:

Wenn wir in das Land reisen wollen, in dem Jesus lebte, dann müssen wir vorher unseren Koffer packen. Wir wollen einmal aufzählen, was alles in den Koffer kommt: Einer nennt einen Gegenstand, der nächste widerholt ihn und fügt einen hin zu, usw. Wer etwas falsch macht, scheidet aus.

Wir wandern durch das Land, in dem Jesus lebte, indem wir uns Bilder von Palästina ansehen (eventuell am Computer oder von einer CD). Die Verhältnisse im Lande Jesu lernen wir auch kennen durch die Erzählung von dem jüdischen Junge Ari:

 

Erzählung:

Ari reckt sich, blinzelt, die Sonne scheint. Er springt auf und rollt seine Matte zusammen und stellt sie an die Wand. Heute ist Sabbat, heute ist Feiertag. Heute braucht er nicht auf das Feld. Heute muß er nicht die Ziegen auf die Berge treiben. Heute darf er mit dem Vater zum Gotteshaus gehen. Heute darf er die guten Geschichten hören, die er immer so gern hört.

Er springt zur Türe hinaus. Die Mutter ist schon lange auf. Aber sie arbeitet heute nicht. Das Mehl hat Ari gestern schon auf der Handmühle gemahlen. Die Brotfladen hat sie gestern gebacken.

Jetzt sitzt sie mit dem Vater und Mirjam auf dem Dach des Hauses. „Schalom Sabbat“ ruft Mirjam, „Wir wollen essen!" Ari springt die Stufen hoch. Da steht der Vater auf, hebt die Hände, sieht zum Himmel und steht ganz still. Ari stellt sich auch so hin, hebt die Hände, sieht zum Himmel und steht ganz still. Auch Mutter und Mirjam tun so. Es ist ganz still. Vater betet (Hier kann ein Psalmwort eingefügt werden, zum Beispiel Ps 145,15)

Nun können sie essen! Wie das schmeckt. Ari reißt ein Stück vom Fladen ab, taucht es in Olivenöl und steckt es in den Mund. So machen es alle. Dann greift er nach einer Orange. Wie gut, daß er gestern noch einen Korb mit dem Esel geholt hat.

Der Vater ist schon fertig und steigt langsam die Stufen herab. Da wirft Ari die Orange in den Korb zur zurück. Der Vater darf nicht warten! Aber Mirjam bittet: „Warte, ich will mit!“-

„Nein“, ruft Ari, „Mädchen dürfen nicht in das Gotteshaus, die ist nur für Männer!“

Nun ist er beim Vater. Schweigend gehen sie zusammen Jetzt sind sie am See. Still und leer liegen die Fischerboote am Strand. Heute arbeitet kein Fischer auf dem See. Heute ist Sabbat. Heute ist Feiertag!

Aber wer sitzt denn da am Weg? Ist das nicht Josef, der Stumme? Vor ihm steht eine Schale aus Holz. In der Schale liegen Geldstücke. Auch der Vater legt ein Geldstück dazu. Er sagt: „Du sollst Gott und deinen Nächsten lieben!“

Josef bettelt. Ari fragt: „Vater, warum kommt Josef nicht in das Gotteshaus?“ Der Vater antwortet: „Josef hört nicht. Er hört nicht die Vögel und nicht die Menschen. Er hört auch nicht das Wort Gottes aus der heiligen Thora! Er ist auch stumm und kann nicht reden. Er kann Gott nicht loben. Gott hat ihn gestraft. Deshalb ist er ausgeschlossen von der Feier, jetzt und immer! (eventuell Bilder zu der Erzählung zeigen und Bilder und Erzählung miteinander verbinden).

 

Maria und Martha (Lk 10,38-42):

Einstieg:

Wenn einmal unerwartet Besuch kommt, dann kann unter Umständen die ganze Familie in Aufregung geraten. Vielleicht ist nicht richtig aufgeräumt. Man war gerade bei einer Arbeit und nun platzt der Besuch da mitten hinein. Schnell muß etwas zu essen und zu trinken

beschafft werden. Wenn nichts im Kühlschrank und in der Speisekammer ist, dann werden die Kinder geschickt, um etwas zu holen. Wenn die Geschäfte schon geschlossen sind, muß man bei Nachbarn oder Verwandten etwas ausleihen. Aber dann wird auch der Tisch besonders sorgfältig gedeckt, vielleicht auch besonders festlich hergerichtet. Man will alles für die Gäste tun, damit sie sich auch wohl fühlen. Man möchte ihnen zeigen, wie man sich über ihren Besuch freut und sie gern bei sich sieht.

Vor allem im Lande Jesu galt die Gastfreundschaft viel. Da war es eine selbstverständliche Pflicht‚ Gäste aufzunehmen, auch wenn das ganz fremde Leute waren, die man noch nie vorher gesehen hatte. Dort gab es nämlich keine Hotels und Gaststätten, wo man hatte übernachten können. Man mußte zu Fuß gehen, unter der glühenden Sonne auf staubigen Wegen. Da freute sich sicher jeder, wenn er irgendwo gastfreundlich aufgenommen wurde und sich nach all den Anstrengungen wieder erholen konnte. So erging es auch Jesus, als er einmal nach einem längeren Fußmarsch bei guten Bekannten einkehrte, bei zwei Frauen, die Maria und Martha hießen. Man nimmt an, daß sie die Schwestern seines Freundes Lazarus waren und also in dem Dorf Bethanien in der Nähe von Jerusalem wohnten. Lazarus erzählte später davon:

 

Erzählung:

Meine Schwester Martha war heute ganz schön durcheinander. Wenn sie nicht meine Schwester wäre, würde mir das egal sein. Aber so gibt mir doch alles zu denken. Sie hat doch alles gut gemeint, unsere Martha. Jesus sah so erschöpft aus, als er plötzlich vor ihr stand. Der lange Weg, die staubigen Straßen, die vielen Menschen: da werden Füße wund und die Kehle trocken.

Es ist doch selbstverständlich, daß man einen solchen Gast bei sich aufnimmt. Und wenn es noch dazu so ein lieber Besuch ist wie Jesus, dann tut man es mit noch mehr Freude. Wenn Jesus kommt, wird man ihn doch nicht abweisen. Andere mache das‚ aber nicht Martha und ihre Geschwister. Bei uns im Haus ist er immer willkommen.

Deshalb hat Martha auch gleich das Wasser gebracht, mit dem man die Füße waschen kann. Dazu eine Schale Milch und auch eine Kleinigkeit zu essen. Und von der Nachbarin hat sie noch etwas frischen Ziegenkäse gekriegt. Da gab es sicherlich viel Rennerei und eine ziemliche Hetze.

Aber Martha war ja nicht allein zu Hause. Da war ja auch noch unsere Schwester Maria. Aber was machte die: Sie hat sich gar nicht groß darum gekümmert, daß der Gast auch gut versorgt wird. An den Vorbereitungen für das Essen hat sie sich überhaupt nicht beteiligt. Vielmehr hat sie sich nur zu Jesus gesetzt und ihm zugehört. Kein 'Wunder, daß sich Martha darüber ärgerte. Schließlich sind sie ja z w e i Schwestern! Und Frauen gehören in die Küche und haben überhaupt gar nicht das Recht, das Wort Gottes zu studieren.

Gefreut haben sich alle, daß Jesus bei so geringen Leuten einkehren wollte. Gern haben sie ihn aufgenommen, beide Schwestern. Martha hat gemeint, so wie sie es macht, sei es richtig. Und auch Maria dachte, sie habe ihn richtig empfangen: Sie hat sich neben ihn gesetzt und ihm still zugehört, so wie ein Schäler dem Lehrer zuhört. Sie reagiert auf den Besuch des Herrn, indem sie sich zu seinen Füßen niederläßt und auf sein Wort hört. Martha aber wurmt es, daß sich Maria zu Jesus setzt und ihr allein die Arbeit überläßt. Eine Weile sieht sie sich alles stillschweigend an. Maria wird es schon nicht auf die Spitze treiben mit ihrer Untätigkeit, denkt Martha. Und wenn doch, dann würde gewiß Jesus dieses rücksichtslose Verhalten nicht durchgehen lassen. Aber weder Maria noch Jesus reagieren.

Da geht Martha kurz entschlossen zu ihrem Gast und fragt ihn nicht ohne Vorwurf: „Herr, macht es dir denn gar nichts aus, daß meine Schwester es mir allein überläßt, dich zu bedienen? Sage ihr doch, daß sie mir helfen soll!“ Sie sagt es nicht respektlos, aber doch so wie eine Hausfrau, der auch der Gast einen gewissen Respekt schuldig ist. Jetzt soll also Jesus entscheiden. Schließlich ist Marias Verhalten ja auch dem Gast gegenüber ungehörig, denn er hat doch Anspruch auf Bedienung und Bewirtung. Aber Maria läßt ihre Schwester im Stich und soll nun zurechtgewiesen werden.

Jesus aber sagt zu Martha: „Martha, Martha, du hast Sorge und Mühe um mancherlei. Aber nur weniges, ja nur eins ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werde!“ Durch sein mahnendes Wort will er Martha zur Besinnung rufen, damit sie nicht auf ihren falschen Weg beharrt.

Sie tut viel, um ihr Leben zu sichern. Aber es ist nur eins nötig: daß für uns gesorgt und daß uns gedient wird. Diese beiden Haltungen schließen sich gegenseitig aus: Martha bleibt in ihrer Welt und sucht Jesus da hineinzuziehen. Maria aber läßt sich von Jesus in seine Welt hineinziehen. So muß man es wohl sehen, wenn man als ziemlich unbeteiligter Bruder die Sache so mitgekriegt hat.

Manchmal habe ich den Eindruck, als zähle Jesus seine Worte. Es sind immer letztgültige Worte. Er beansprucht immer Gehör. Sie redet nur, um sich selbst zu bestätigen oder um den Leuten nach dem Munde zu reden. Er ist immer ganz auf den bezogen, mit dem er gerade spricht, nicht nur aus Höflichkeit, sondern immer so, als wollte er ihn retten. Ja, er will jeden retten. Und ich muß zugeben, daß mir jedes Wort von ihm innerlich ein gutes Stück weitergeholfen hat. Ich bin viel freier geworden, seit ich Jesus zuhöre. Ich fürchte mich weniger. Ich freue mich mehr und tiefer! Ich komme mit den Leuten im Dorf besser zurecht. Überhaupt geht alles viel friedlicher zu. Vielleicht ist es wirklich vernünftig, was Maria getan hat.

 

Gespräch:

In zwei Gruppen versuchen wir, die Motive der beiden Schwestern festzuhalten.

Die „Martha-Gruppe“ könnte folgende Fragen beantworten:

Aus welchem Grund hast du dich so geplagt?

Warum hat dich das Verhalten Marias so aufgeregt?

Was hast du vom Jesus erwartet?

Wie hast du die Antwort Jesu aufgenommen?

Hat Jesu Wort dein Verhalten geändert?

Welche Lehren hast du daraus gezogen?

 

Die „Maria-Gruppe“ könnte folgende Fragen beantworten:

Was hast du empfunden, als Jesus kam?

Wovon hat er zu dir gesprochen?

Hast du gemerkt, daß Martha nicht einverstanden war?

Warst du nicht erschrocken über Marthas Vorwurf?

Kannst du deine Schwester verstehen?

Wie würdest du dich verhalten, wenn Jesus wieder käme?

Hättest du bei einem anderen Gast auch so gehandelt?

Soll die Mühe Marthas auf einmal nichts mehr gelten? Jesus wertet ihren Dienst nicht ab, sondern erkennt ihn voll ab. Hier sollen nicht zwei verschiedene Charaktere gegenübergestellt werden. Der stille und beschauliche Charakter ist nicht wohlgefälliger für Gott als der tätige und betriebsame (vita contemplativa, vita aktiva). Es soll auch nicht gesagt werden, daß auch Maria sonst ein stiller und Martha ein etwas lauter Mensch gewesen sei. Es geht nicht um den Gegensatz von „praktischem Christentum“ und „Andachtschristentum“.

Vielmehr werden Maria und Martha beide Jesus gegenübergestellt. Und da fällt das ganze Licht des Urteils Jesu letztlich doch auf Maria. Sie hat die gute Rolle gewählt. Aber es steht jedem frei, richtig zu wählen. Jesus will sagen: „Ihr könnt mir nichts Lieberes tun als meinem Wort zuzuhören!“Er selber ist ja der, der den Menschen gedient hat bis in den Tod (Mt 20,28). Wir lassen uns seinen Dienst gefallen, indem wir auf sein Wort hören. Wer auf ihn hört‚ wird Anteil haben am Reich Gottes (das ist das „bessere Teil“).

Wir hören Jesu Wort vor allem im Gottesdienst und im Religionsunterricht. Aber man kann in der Kirche sitzen und doch an etwas ganz anderes denken als das, was dort gesprochen wird. Man denkt vielleicht an ein neues Kleid oder an das Spielen am Nachmittag. Wenn wir richtig hinhören wollen, müssen unsere Gedanken aber stille sein.

Aber richtig hören kann man auch nicht, wenn man im Stillen denkt: „Ich bin wenigstens hierher gekommen und bin nicht so schlecht wie die anderen. Ich gehöre zu dem guten Menschen, die an Gott glauben. Ich will recht lieb sein und überall helfen, wo meine Hilfe gebraucht wird!“ Wenn wir immer nur an unsre Tüchtigkeit und unser Liebsein denken, können wir nicht auf das hören, was Gott von uns will.

Maria aber war mit dem ganzen Herzen bei dem Wort, das Jesus sagte. Darüber hat sie sogar die Arbeit vergessen. Wenn wir wirklich Zeit haben wollen für Gott, müssen wir von Maria lernen.

Eine solche Haltung nimmt auch der „Betende Bettler“ in der Plastik von Michael Hinz ein: leere Hände, aufwärts gerichteter Blick, bereit alles aus Gottes Hand zu empfangen.

Hilfen sind uns auch das dritte Gebot (mit der Erklärung Luthers) und eine feste Ordnung des Tages, in der das Wort Gottes und das Gebet einen festen Platz haben.

Man ehr+ einen Gast; indem man ihm stilles zuliebe tut

 

 

Des Scherflein der Witwe (Mk 12 ,41-44):

Einstieg:

Wir stellen neben einander ein Bild der Kirche des Ortes und ein Bild des Tempels in Jerusalem. Was geschieht in diesen beiden Gotteshäusern? Was ist ähnlich? (Gottesdienst, Beten, Wort Gottes, Kollekte). Was ist anders? (Im Tempel kennt man Jesus nicht bzw. erkennt ihn nicht an).

Als Jesus zum ersten Mal in den Tempel kam, da war er entsetzt über die Zustände, die dort herrschten. Viele Kaufleute und Händler hatten sich dort breit gemacht und verkauften ihre Waren an die vielen Tempelbesucher. Es war gar kein Platz mehr, um in Ruhe zu Gott zu beten. Deshalb hat Jesus die Händler verjagt und die Verantwortlichen scharf kritisiert.

Aber Jesus hat nicht alles abgelehnt, was im Tempel geschah. Er ist ja selber mit seinen Jüngern hingegangen, um auf Gottes Wort zu hören und selber dieses Wort auszulegen. Eines Tages macht er dabei auch eine interessante Beobachtung.

 

Erzählung:

In dem einen Vorhof des Tempels, in dem sich die Frauen aufhalten dürfen ist die Schatzkammer des Tempels gebaut. Dort stehen auch die 13 Opferstöcke, die wie große Trompeten aussehen. Dort kann man die festgesetzten Abgaben für den Tempel einlegen, dort kann man aber auch freiwillige Gaben spenden, so wie bei uns die Kollekte im Gottesdienst.

Dorthin geht Jesus, um die Leute zu beobachten. Gegenü.ber den Opferstöcken setzt er sich hin und vergleicht, was die einzelnen so geben. Der aufsichtsführende Priester schreibt ja jedesmal die Summe auf. Immer wieder kommen Menschen, die den Tempel besucht haben und nun etwas für die Gemeinde spenden wollen.

Gewiß sind es fromme Leute, die einen Teil ihres Vermögens dem Tempel geben wollen. Auch mehrere Schriftgelehrte kann er entdeckt. Sie alle wollen, daß es mit den Gottesdiensten im Tempel weitergeht, daß die Priester ausgebildet und bezahlt werden können, die

Gebäude erhalten bleiben und auch den Armen besser gegeben werden kann

Mancher reiche Mann ist auch unter den Spendern. Sie haben viel und sie geben viel. Sie wollen ihren Reichtum nicht nur für sich haben, sondern wenigstens etwas davon den anderen abgeben. Jesus mag sich wohl über diese reichen Leute gefreut haben. zumindest haben andere aus seinem Volk nicht ohne Stolz von denen gesprochen, die viel gegeben haben. Wer viel hat, soll auch mehr zu den Unkosten beitragen als die anderen. So dachte man schon damals und so stellte man es in der Tat auch mit Freude und voller Anerkennung fest.

 

Dann aber kommt eine Witwe, die durch ihre dürftige Kleidung unter all den reichen Leuten richtig auffällt. Man merkt sofort, daß sie arm ist. Sie hat keine Angehörigen mehr und ist auf die Unterstützung anderer Leute angewiesen. Sie kann sich selber kein Geld verdienen und ist jedem schutzlos ausgeliefert.

Die Witwe schämt sich fast, als sie an einen der Opferstöcke herantritt. Sie hat nicht viel Geld dabei, gerade so viel, wie die Priester noch als Spende für den Tempel gelten lassen. Sie hat sich das Geld von ihrer wenigen Witwenunterstützung abgespart. Es ist alles, was sie noch hat, und sie weiß nicht, wann sie wieder einmal etwas kriegen wird. Aber sie möchte doch auch etwas für den Tempel geben, möchte doch auch mit zur Gemeinde gehören und Gott eine Freude bereiten. So nennt sie des Priester schnell die Summe und legt das Geld in den Kasten: zwei halbe Pfennige sind es. Aber das ist alles‚ was sie hat.

Für Jesus aber hat diese Spende eine besondere Bedeutung. Er verläßt die Schatzkammer und ruft seine Jünger herbei, um ihnen etwas Wichtiges zu sagen. Er beschreibt ihnen zunächst, was er beobachtet hat und was wahrscheinlieh nur die wenigsten bemerkt haben. Dann sagt er: „Ich sage euch: diese Witwe hat mehr eingelegt als alle anderen. Diese haben doch nur von ihrem Überfluß etwas abgegeben, aber sie haben immer noch genügend für sich behalten. Die Witwe aber hat alles gegeben, wovon sie lebt. Diese Frau gefällt Gott. Wenn' einer so denkt, dann ist das Gott recht!“

So haben es die Jünger noch gar nicht betrachtet Sie haben immer gemeint: Die Reichen geben aber viel! Doch Jesus macht ihnen nun deutlich: Eigentlich haben die Reichen nur wenig abgegeben von dem, was sie haben. Die Witwe aber hatte gegeben, was sie hatte, Sie hat im Grunde mehr gegeben als die Reichen. Sie hat damit Gott ihr ganzes Leben hingegeben. Er soll nun für sie sorgen, so wie er für die Blumen auf dem Feld und für die Vögel unter dem Himmel sogt. Solchem hingebenden Glauben stimmt Jesus zu. Wo solcher Glaube ist, da ist der wahre Tempel Gottes.

Diese Frau lebt nicht aus ihrer Erfahrung, denn in der Vergangenheit hat sie nur Schlimmes erlebt: Gott hat ihr dem Mann und den Verdienst der Familie genommen. Nun aber lebt sie von der Hoffnung, von dem Vertrauen auf die Versprechungen Gottes. Dafür hat sie mehr für den Glauben getan als all die anderen mit ihren Geldbeträgen.

 

Gespräch:

Jesus lenkt unseren Blick weg von dem Geld auf die Menschen, die das Geld geben. Und da kann Vieles doch wenig sein und Wenig kann sehr viel sein. Die reichen Leute haben natürlich auch etwas gegeben, sie haben schon ein Opfer gebracht. Auch im alten Israel gab es fromme Leute. Es war nicht umsonst, was im Tempel geschah.

Aber Jesus lobt an der Witwe ihr Vertrauen‚ das sie dazu bringt, alles zu geben. Sie weist damit auf das Opfer hin, das Jesus am Kreuz gebracht hat. Die Jünger und alle Christen nach ihnen sollen eine ähnliche Hingabe zeigen. Dadurch können wir Gott danken für seinen Sohn, den er für die Menschen geopfert hat.

Oft aber sagen wir: „Ich habe keine Zeit!“ Keine Zeit für die Geschwister, für die Oma, für die Eltern, auch keine Zeit für Gott. Und entsprechend sagen wir auch: „Ich habe kein Geld, jedenfalls nicht für die Kirche!“ Dabei haben wir alle viel Zeit und manchmal auch viel Geld. Es kommt nur darauf an, wofür wir es einsetzen, was uns wichtig erscheint und wem wir den Vorzug geben. Dia arme Witwe will uns dafür den richtigen Weg zeigen.

 

 

Das kanaanäische Weib (Mt 15,21-28):

Hinführung:

In einem Heim leben nur Kinder, die nie wieder gesund werden. Sie sind so alt wie ihr und sehen so aus wie ihr und können auch zum Teil so laufen wie ihr - und doch sind sie krank. Sie haben eine schlimme Krankheit, die man ihnen aber äußerlich gar nicht ansieht.

Da ist ein Junge, der bekommt schlimme Anfälle, bei denen sich die Muskeln verkrampfen und zucken; er beißt sich dann, bis er blutet. Man kann ihm nicht helfen, sondern man muß warten, bis es vorübergeht. Der Junge kann nicht sprechen, sitzt meist zusammengekauert in einer Ecke und spielt mit einem Schuhriemen.

Manche dieser Kinder haben schon ganze Möbelstücke demoliert oder den Fußboden aufgerissen. Einer wollte immer aus dem Fenster springen. Jeden Morgen müssen sie alle angezogen werden, viele muß man beim Essen füttern und ein ganzer Teil wird abends gewindelt wie kleine Babies.

Diese Kinder können nichts dafür, daß sie so sind. Sie sind äußerlich gesehen schon groß, aber geistig sind sie noch wie ein kleines Kind. Wir sagen: „Sie sind geisteskrank!“ Früher sagte man: „Es steckt ein böser Geist in ihnen!“Aber heute wissen wir, daß es sich um eine schwere Krankheit handelt, für die der Betreffende nichts kann.

Heute will ich euch von einer Frau erzählen, die so ein geisteskrankes Kind hat und die Jesus bittet, daß er es wieder gesund macht. Sie bittet Jesus dabei so eindrücklich, wie ein Kind, das etwas von seinen Eltern erreichen will.

 

Erzählung:

Die Pharisäer, die besonders frommen Leute in Palästina, wollen sich nicht von Jesus helfen lassen. Sie sehen in ihm einen gefährlichen Konkurrenten. Ihre Feindschaft wird für Jesus immer gefährlicher. Noch ist es aber nicht Zeit, daß er sein Leben lassen soll. Deshalb weicht er für einige Zeit nach dem Norden aus, in die Gegend von Tyrus und Sidon, in das Land der Heiden.

Diese Geschichte fängt also eigentlich sehr traurig an: Jesus geht fort! Und die Leute in seinem Volk haben ihn fortgehen lassen. Sie haben nicht gesagt: „Bleibe bei uns!“ Und manche haben vielleicht auch gewünscht, daß er nie mehr wiederkommen möchte. Sie mochten ihn eben nicht; und was er ihnen sagte, ärgerte sie.

Da geht Jesus nun mit seinen Jüngern über die Grenze hinüber in ein anderes Land, in dem auch andere Menschen wohnen. Die kennen ihn nicht und wissen wahrscheinlich auch nichts von ihm. Hier kann er unerkannt bleiben und seine Ruhe haben. Ruhe und Stille braucht er auch jetzt, um mit seinem Vater im Himmel reden zu können.

Die Juden bezeichneten die Heiden als unrein und sagten „Hunde“ zu ihnen und behandelten sie auch wie Hunde. Wenn der Messias kommen sollte, würde es den Heiden übel ergehen, sagten sie. Deshalb wollten auch die Heiden mit den Juden nichts zu tun haben. Hier wird Jesus also Ruhe haben.

Unter den Juden haben ja auch nur wenige seinem Wort geglaubt. Die meisten wollten nur große Taten von Jesus sehen, Wunder und Krankenheilungen. Aber was er ihnen von Gott erzählte, war bald wieder vergessen. Jesus wußte, daß er zuerst einmal zu seinem eigenen Volk gesandt war. Aber jetzt wollte er auch einmal allein sein und ging deshalb ins Ausland.

Er will wieder zurückkehren zu seinen Volk n ganz gewiß. Er wird nicht aufhören zu predigen und wird die Menschen seines Volkes einladen, wie ein guter Hausvater seine Kinder zu Tische ruft, um sie alle zu sättigen. Ob sie dann wohl kommen werden und sich von Jesus durch sein Wort helfen lassen? Seine Jünger gehen mit ihm. Aber ob sie begreifen können, wie schwer der Weg Jesu ist? Es ist der Weg des Leidens, den Jesus geht, weil niemand erkennt, wie lieb er die Menschen hat. Es ist, als wären die Augen der Menschen blind und ihre Ohren taub.

Doch im fremden Land läßt Gott nun etwas geschehen, was Jesus und uns alle überrascht. Als sie durch ein Dorf gehen, läuft ihnen plötzlich eine Frau nach. Was ist das für eine Frau, daß sie so etwas tut? Was soll man bloß von ihr denken? Sie kommt herbeigestürzt wie eine, die gejagt wird und Rettung sucht.

Ihre Augen sind voller Angst, ihr Gesicht ist vom Schmerz verzerrt, sie hat die Arme zu Jesus hin erhoben und schreit ihm nach: „Herr‚ du Sohn Davids‚ erbarme dich über mich! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt!“ So sieht eine Mutter aus, der das Herz zerbrechen will, weil ihr Kind entsetzlich leiden muß. Wahrscheinlich hat sie schon alles versucht bei den Ärzten und Zauberern und hat auch Opfergaben in ihrem heidnischen Tempel gebracht. Aber es war alles umsonst!

 

Und dann hat sie von Jesus gehört, von seinen Wundertaten. Sie hat nicht daran gezweifelt, daß er der Messias ist, der die Kranken gesund macht. Ach, die Menschen in Galiläa haben es gut, sie haben Jesus bei sich.

Doch da kommt die Nachricht: Jesus ist hier in der Gegend! Jesus ist ihre letzte Hoffnung. Ihre Not ist stärker als alle Bedenken. Mögen die anderen den Messias der Juden verachten, s i e will ihn um Hilfe anflehen. Eine größere Not kann es für eine Mutter nicht geben. Angst und Verzweiflung haben sie gepackt und drohen sie zu verschlingen. Aus der tiefsten Herzensnot kommt dieser Ruf: „Jesus, erbarm dich über mich!“

Doch Jesus schweigt und geht weiter, als hätte er die Frau gar nicht bemerkt. Er dreht sich nicht um und antwortet auch nicht ein einziges Wort. Wie schrecklich! Den Jüngern wird es langsam peinlich. Schon bleiben die Leute stehen und sehen zu. Warum hört Jesus nicht auf das Rufen der Frau?

Sie ahnen nicht, daß Jesus eine ganz andere Stimme hört: Sie flüstert ihm zu: „Jetzt hättest du eine gute Gelegenheit, die Heiden zu gewinnen. Laß doch Israel im Stich. Dieses Volk will ja doch nichts von dir wissen und wird dich doch nur ans Kreuz bringen. Aber die Menschen hier werden dich gern annehmen, wenn du dich von Israel trennst!“

Das ist die Stimme des Versuchers, der Jesus von seinem Weg abbringen will. Deshalb geht Jesus weiter. Kehr um, du arme Frau! Jesus wird dir nicht helfen; er geht fort und schweigt. Doch die Frau kommt näher und ruft wieder: „Herr, du Sohn Davids, erbarme dich mein!“ Doch Jesus geht weiter.

Die Jünger werden langsam ungeduldig. Wer soll denn dieses entsetzliche Schreien aushalten! Hier muß etwas geschehen. Sie sagen: „Hilf ihr doch und schick sie weg, sonst gibt sie doch keine Ruhe!“. „Nein", sagt Jesus, „ich habe mit dieser Frau nichts zu schaffen, denn sie ist eine Heidin. Mein Vater hat mich nur zu den Menschen seines Volkes gesandt! Erst muß ich dort mein Werk vollenden, eher darf ich nicht zu den Heiden gehen! Wenn ich aber zuerst zu den Heiden gehe, dann wird mein Volk erst recht nicht auf mich hören!“

Wird diese Frau nun ihre Angst behalten? Wird sie enttäuscht umkehren? Aber wohin soll sie sich wenden? Um sie herum sind nur Schrecken, angst und Not. Nur noch zu Jesus hin! Das ist ihr einziger Gedanke. Sie eilt ihm nach und wirft sich vor ihm nieder, sie legt sich ihm in den Weg und bittet: „Herr, hilf mir!“ Will sie Jesus zur Hilfe zwingen? Aber Jesus sagt ihr ganz unwillig: „Es ist nicht fein, wenn man den Kindern das Brot nimmt und wirft es vor die Hunde!“

Jetzt hat er die Frau auch noch beleidigt und sie mit dem Schimpfwort der Juden für die Heiden bezeichnet. Nun wird sie doch endlich abziehen. Ja, die Frau ist schwer getroffen. Es ist ihr, als müsse sie sich in einen tiefen Abgrund fallenlassen, wo man nichts mehr sehen und begreifen kann, wo man nur noch vertrauen kann, daß Jesus allein alles tut.

 

Die Frau antwortet Jesus: „Ja Herr, du hast recht! Und doch essen die Hunde von den Brotkrumen, die von ihrer Herren Tische fallen!“ Da ist es ja wieder, dieses Bild von dem Hausvater, der seine Kinder zu Tisch einlädt. Die Kinder Gottes lassen in der Tat manches

vom Tisch fallen und werfen es weg. Mehr aber als den Abfall will die Frau gar nicht, nur das, was übrigbleibt. Aber das ist schon so viel, daß es für sie reicht. Sie weiß, daß sie kein Recht auf Hilfe hat, wie die Kinder Israel. Aber wenn sie schon ein Hund ist, dann will sie auch das bekommen, was die Hunde erhalten.

Wer so zu Jesus kommt, der geht nicht verloren. Jesus freut es sich, daß er einen Menschen gefunden hat, der so beten kann. Gott hat ein großes Wunder an dieser heidnischen Frau getan: Er hat ihr seinen Geist gegeben. Ihr Glaube ist für Jesus das Zeichen von Gott, daß er ihr helfen darf ‚weil Gott selber diese Frau an Kindes Statt angenommen hat. Die Schranke, die ihn von ihr trennte, ist beseitigt.

Jesus sagt zu dieser Frau: „Weib, dein Glaube ist groß! Dir geschehe, wie du willst!“ Nun vertreibt sein Wort alle Finsternis. Die bösen Mächte müssen fliehen. Friede kehrt ein, wo zuvor Angst, Not und Verzweiflung die Menschenherzen quälten. Was die Ärzte nicht gekonnt haben, das hat Jesus dieser Frau geschenkt. Sie geht wieder nach Hause im Vertrauen auf Jesu Wort. Und sie findet tatsächlich ihr Kind erlöst von allen Plagen: die Tochter ist wieder gesund.

Meint ihr nicht auch, daß diese Mutter ihrem Kind erzählen mußte von dem, der ihren Haus Heil und Leben schenkte? Wir aber sehen an dieser Geschichte: Gottes Gnade ist so reich, daß er Israel seine Verheißung hält und die Heiden auch erlöst. Von seinem Brot werden die Kinder und die Hunde satt!

Jesus aber geht wieder zu seinem Volk. Dort soll er ja wirken. Die Hilfe für die heidnische Frau war nur ein einmaliges Zeichen.

 

Kaufmann - Bilder „ Wort im Bild“, Nr. 9 und 10:

(I) Es ist eigentlich ein schreckliches Bild. Diese Frau steckt tief in Not und Angst, sie ist von satanischen Schlangen fest umschlossen. Man körnte denken, daß sie in einen mächtigen Strudel hineingeraten ist. Wird sie darin untergehen wie ein Ertrinkender in den Meeresfluten? Alle Verkehrtheiten des menschlichen Lebens können mit diesem Strudel gemeint sein: Krankheit, Sünde, Schuld, Angst, Verzweiflung. Aus der Geschichte hier hörten wir die besondere Not: Die Tochter ist krank.

Die Mutter leidet mit. Sie nimmt auf sich, was der Tochter begegnet ist. Auch sie droht unterzugehen, denn sie wird von einem bösen Geist übel geplagt. Aber sie will sich nicht von den Schlangen einschließen lassen. Nur ein Ausweg bleibt ihr noch: Sie streckt ihre Arme weit über den Teufelskreis hinaus und schreit um Hilfe. Wenn doch jetzt jemand käme und ihr helfen könnte!

Aber das ist gerade das Erschütternde an diesem Bild: Die den Hilfeschrei gehört haben, gehen weg. Sie sind nur noch ganz wenig zu sehen und werden bald ganz verschwunden sein. Wie kann man nur so hartherzig und lieblos sein?!

Nun wissen. wir ja, daß es Jesus mit seinen Jüngern ist, die da weggehen. Erst hört er gar nicht auf die Frau und dann weist er sie ab. Wenn aber Jesus nicht hilft, dann ist sie verloren. Deshalb nimmt die Frau ihre vorgestreckten Arme nicht zurück. Täte sie das, würden die finsteren Gewalten ganz über ihr zusammenschlagen. So aber bleibt sie dicht an Jesus. Sie gibt ihm sogar recht und sagt: „Ja, Herr!“ Hier geschieht schon das Wunder des Glaubens. Glauben heißt ja: zu allem Ja sagen, was der Herr tut, auch wenn wir ihn nicht verstehen. „Dennoch bleibe ich stets an dir!“ - „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!“ - „Von Gott will ich nicht lassen!“

Es geht hier also um den Glauben. Wenn man gesund ist, dann ist es leicht, an Gott zu glauben. Wenn Gott uns aber Krankheit und Unglück schickt? Dann zeigt sich erst, was wahrer Glaube ist. Die Frau hält sich durch ihr Gebet den Ausweg aus dem Teufelskreis offen.

Viele Menschen sehen Gott wie einen Automaten an: oben steckt man das Geld hinein und unten kommt das Gewünschte heraus. Man betet - aber wehe, wenn der Wunsch nicht erfüllt wird; dann gibt es angeblich keinen Gott mehr. Gott k a n n jeden Wunsch erfüllen. Aber er tut es nicht, denn er weiß‚ was für uns Menschen gut ist. Oft läßt er uns auch mehrmals bitten, um zu sehen, ob unser Bitten echt ist, ob wir alles in seine Hände legen und auf ihn vertrauen.

 

(II) Von dem Schrecklichen des ersten Bildes ist kaum noch etwas zu sehen. Die Frau ist aus der Umkreisung heraus, denn sie wurde durch ihren großen Glauben herausgerissen. Die Mächte, die sie bedroht haben, müssen fliehen. Nun aber ist sie wirklich eingeschlossen. Fast könnte man meinen, sie sei da hineingesprungen. Aber nun ist sie in den Bereich des hellen Lichtes gelangt. Das Licht aber hat eine Gestalt, die nur auf Jesus hindeuten kann. Jesus nimmt die Frau, die er zunächst abgewiesen hat, nun ganz bei sich auf. Er neigt sich erbarmend zu ihr herab und schließt sie in Liebe ein. Nun ist sie „in Jesus“ geborgen und gerettet.

 

Sie hat unbeirrbar auf die Macht und das Erbarmen Jesu vertraut und Jesus nicht losgelassen. Sie hat Jesus beim Wort genommen, auch wenn es ein hartes und verletzendes Wort war. Mit leeren Händen kniet sie vor Jesus (sie hätte sich selber nicht erlösen können). Aber der Herr füllt diese Glaubenshände mit reichem Segen. Wer sich so wie diese Frau bei Jesus geborgen weiß, der kann sicher sein, daß auch seine äußere Not in Ordnung kommt.

Wo richten wir heute Schranken gegenüber anderen Menschen auf?

 

Der sinkende Petrus (Mt 14, 22 -33):           

Hinführung:

Wer schon einmal am Meer war, der ist vielleicht auch einmal mit einem kleinen Schiff auf das Meer hinausgefahren. Manchmal kann es dann auch in der Ostsee ganz schön schaukeln, weil die Wellen so ein kleines Schiff ganz schön hin und her schaukeln. Dann sehen alle gespannt auf den Kapitän, wie der wohl mit dieser Gefahr fertig wird.

Im Bus oder im Zug vertrauen wir auch unser Leben allein einem Manne an: dem Busfahrer oder Lokführer. Er ist dafür verantwortlich, daß alles gut geht und den Fahrgästen nichts passiert. Oft ist uns das so selbstverständlich, daß wir gar nicht mehr darauf achten. Erst wenn etwas passiert ist, fragen alle: Wer ist daran schuld?

Mit Gott aber machen wir es oft genauso: Uns ist alles selbstverständlich, wir erwarten seine Hilfe und nehmen sie hin. Aber wenn er nicht mehr da ist, dann beschweren wir uns. Wenn es uns aber gut geht und wir „Glück“ gehabt haben, dann ist nicht mehr die Rede von Gott.

Viele sind noch bereit, an Naturwunder zu glauben. Aber wenn Gott einmal etwas Außergewöhnliches tut, dann vermuten sie Zauberei. Aber Gott hat andere Maßstäbe, er ist nicht an Gesetze gebunden und handelt, wie er will. Deshalb kann er auch helfen, wenn menschlich gesehen die Lage aussichtslos ist. - Zielangabe: Wir wollen heute hören, wie Jesus seinen Junger Petrus aus einer verzweifelten Lage rettete.

Erzählung:

Jesus hat oft unter freiem Himmel zu den Menschen gesprochen. Eines Tages war er am Ostufer des Sees Genezareth gewesen. Viele tausend Menschen waren beim ihm und hörten ihn. Darüber war es Abend geworden. Nun müssen Jesus und seien Jünger noch im Dunkeln zurück über den See nach Kapernaum, wo sie wohnen. Jesus treibt seine Jünger an, daß sie ins Boot steigen und allein zurückfahren: „Fahrt voraus!“ sagt er, „ich komme schon nach!“

Die Jünger wollen erst nicht allein los. Doch Jesus sagt ihnen: „Ich will erst noch zum Abschluß das Volk segnen und sie entlassen!“ Da gehorchen sie ihm rudern los.

Doch also sie ein Stück weg sind‚ geht Jesus auf einen Berg und betet zu Gott. Er möchte einmal mit Gott allein sein. Aber er hat sich auch bewußt von seinen Jüngern getrennt, um ihnen zeigen zu können, welche Macht er hat.

Eigentlich hätten die Jünger bald am anderen Ufer des Sees sein müssen. Auch bei ungünstigen Windverhältnissen hat man das in 6 - 8 Stunden schaffen können. Doch als sie mitten auf dem See sind, bricht ein gewaltiger Sturm los, der von den Bergen herab wie so oft über sie hereinbricht.

Die Wellen werfen das Boot hin und her. Die Jünger ziehen schnell das eine Segel ein. Sie müssen das ins Boot gespritzte Wasser wieder herausschöpfen. Doch immer wieder überspülen die Wellen das Boot, die Jünger können sich kaum helfen. Sie schreien sich voller Angst zu, was der andere tun soll. Sie sind aufgeregt und wissen nicht mehr, was sie noch tun sollen. „Wenn nur Jesus bei uns wäre!“ denken sie.

Damals, als wir auch in Seenot waren, hat er uns wenigstens beruhigt und dann war der See ja auch plötzlich ganz ruhig geworden.

Aber jetzt waren sie allein und mußten allein mit allem fertigwerden. Warum hat er sie allein gelassen? Nur einmal hatten sie sich bisher von ihm getrennt, als er sie in alle Richtungen fortgeschickt hatte, damit sie von ihm erzählen. Was soll das nur bedeuten?

Es muß so zwischen 3 und 6 Uhr morgens gewesen sein und sie kämpfen immer noch mit den Wellen, da taucht auf einmal ganz in ihrer Nähe eine Gestalt auf dem Wasser auf. Sie scheint auf den Wellen zu gehen und der Sturm kann ihr nichts anhaben. „Da, ein Gespenst!“ schreit einer. Alle sehen hin. „Wahrhaftig: eine Geistergestalt!“ Jetzt ist es aus, denken sie. Jetzt sind wir ganz verloren, denn jetzt wird uns dieser böse Geist ganz in die Tiefe stoßen. Vor lauter Angst und Entsetzen schreien sie erneut auf.

Doch da hören sie eine vertraute Stimme: „Seid getrost, ich bin es: Fürchtet euch nicht!“ Jesus ist auf dem Wasser zu ihnen gekommen. Er findet sie, wo immer sie auch sind. Er zeigt den Jüngern schon hier, daß er bei ihnen ist, auch wenn sie ihn nicht sehen können. Er bereitet sie schon jetzt auf die Zeit nach einem Tod und seiner Auferstehung vor.

Petrus hat sich als erster von dem großen Schreck erholt. Er will sicher gehen und nicht Opfer einer Täuschung werden. Er will sich nicht auf bloße Gefühle verlassen, denn vielleicht sind ihre Nerven alle nur durch die großen Strapazen überreizt und sie meinen, schon Gespenster zu sehen.

Vielleicht hat er auch Angst, Jesus könnte an ihnen vorübergehen und sie entweder nicht in ihrer Not bemerken oder ihnen nicht helfen. Jesus tadelt seine Jünger nicht wegen solcher Gedanken, sondern er spricht zu ihnen und tröstet sie. Weil er da ist, hört auch ihre Furcht auf. Der Sturm tobt zwar noch weiter, äußerlich ist gar nichts anders. Aber jetzt wissen die Jünger: „Jesus ist da, jetzt kann uns nichts mehr passieren!“

Petrus ruft in seiner großen Freude: „Herr, bist du es, so heiß mich zu dir kommen auf dem Wasser!“ Er vertraut auf Jesus und weiß, daß ihm dann alles möglich ist, wenn Jesus es zu ihm sagt. Petrus ist nicht vorwitzig, sondern vertraut auf das Wort Jesu. Und er möchte noch einmal die Stimme des Meisters hören, um ganz sicher zu sein, daß er es ist.

Jesus sagt zu ihm: „Komm her!“ Auf sein Wort hin tritt Petrus aus dem Boot und geht auf dem Wasser zu Jesus hin. Er erhält Anteil an der Macht Jesu und soll sich neben Jesus stellen dürfen. Und Jesus freut sich über das Vertrauen und den Glauben den Petrus zu ihm hat. Petrus hat den Sturm ganz vergessen und sieht nur noch Jesus.

Doch plötzlich fällt ihm alles wieder ein. Er sieht eine große Welle auf sich zukommen. Einen Augenblick sieht er von Jesus weg und schon ist es passiert: Petrus bekommt Angst und beginnt zu sinken. Sein Glaube ist doch nicht so gro0, wie er erst gedacht hat. Die Furcht, die er erst schon überwunden glaubte, überfällt ihn noch einmal.

Doch auch im Augenblick des Zweifels kann er Jesus noch um Rettung anrufen: „Herr, hilf mir!“ schreit er zu ihm hinüber. Jetzt erst ist er zum ganzen Glauben gelangt. Denn jetzt erst erkennt er ganz seine ausweglose Lage und verläßt sich nur auf Jesus, jetzt kann nur e r ihn noch retten, ihm das Leben neu schenken.      

Jesus streckt seine Hand aus. Zum Glück war Petrus schon fast bei ihm. Jesus hält ihn fest und sagt: „Du Ungläubiger, warum zweifelst du?“

Jesus weiß, daß Petrus einen starken Glauben hat, so daß er auch auf dem Wasser zu Jesus hingehen kann. Und doch tadelt er ihn leicht, wie er für einen Augenblick wankend geworden ist, so wie das bei uns Menschen doch gar manchmal geschieht.

Es fehlt dem Petrus nicht an Selbstvertrauen, aber an Gottvertrauen. Erst in seinem Hilferuf bricht der wahre Glaube hervor, wie Jesu ihn erwartet,

Jesus und Petrus treten nun in das Schiff und der Sturm legt sich auf einmal, die Gefahr ist vorüber. Die anderen Jünger aber fallen vor Jesus nieder und rufen aus: „Du bist wahrlich Gottes Sohn!“ Sie fallen vor ihm nieder wie vor einem König, weil sie an seinem Wort und an seiner Tat erkannt haben, daß er von Gott kommt. Kurz darauf kommen sie in Kapernaum am Ufer an und gehen an Land.

 

Vergleich:

In einer buddhistischen Legende heißt es ähnlich: Ein Schüler Buddhas kam eines Abends an einen Fluß. Der Fährmann war schon weggegangen. Doch im freudigen Gedanken an Buddha versunken trat er auf den Fluß. Seine Füße sanken im Wasser nicht ein, er ging wie auf festem Boden. Als er aber in der Mitte angelangt war, sah er die Wellen. Da wurden seine freudigen Gedanken an Buddha schwächer und seine Füße begannen einzusinken. Doch er erweckte wieder stärkere freudige Gedanken an Buddha in sich und ging weiter auf der Oberfläche des Wassers.

 

Der Mönch tritt aufs Wasser kraft eigener Versenkung -Petrus aber tut es auf das Wort des Herrn hin.

Der Mönch sinkt, weil die Konzentration nachläßt - Petrus sinkt, weil er am Wort des Herrn zweifelt.

Der Mönch rettet sich durch eigenes Sich-aufraffen - Petrus aber wird in letzter Not vom Herrn gerettet.

Am Ende der Legende steht das Lob menschlicher Frömmigkeit - am Ende des neutestamentlichen Berichts steht das Bekenntnis zum Sohn Gottes.

Hier wird uns Christus als der Auferstandene bezeugt (wahrscheinlich handelt es sich um eine Erkenntnis noch dem Tode Jesu, die hier in das Leben Jesu zurückverlegt wurde). Es geht um den Glauben und die Nachfolge: Der bedrohten Gemeinde wird gesagt, daß Christus ihrem Kleinglauben immer wieder zu Hilfe kommt (Wenn Wind und Wellen und die Angst groß sind, dann ist Christus klein wenn Wind und Wellen und die Angst klein sind, dann ist Christus groß).

 

Bildbetrachtung: Kaufmann Nr. 7: „Petrus auf dem Meer“

 

Wir sind alle unterwegs. Aber auf dem Meer des Lebens gibt es Stürme, in denen wir untergehen können. Wir haben Angst vor dem Ungewissen, vor Unglück, Gefahr, Schuld, Haß. Wir versinken in qualvolle Verzweiflung unter der Gewalt des Bösen, das hier in Form von Schlangen dargestellt ist (1.Mose 3). Wer nur auf seine Glaubenskraft vertraut, wird scheitern, denn Zweifel und Angst sind mächtiger.

Kein Mensch geht den Weg zu Jesus über unbekannte und gefährliche Tiefen aus eigener Kraft bis zu Ende. Nur Jesus kann helfen. Aber er ist nahe und läßt uns nicht in Zweifel und Unglauben versinken, wenn wir ihn in der Not anrufen. Aber wir müssen diese Hand auch ergreifen, es gibt keine automatische Rettung, sie wird nur angeboten. Auch heute gibt es Wundertaten Gottes (Kind aus dem dritten Stockwerk gestürzt, Auto überschlagen, aber nichts passiert). Doch dann haben wir nicht „Schwein“ gehabt, sondern wir wollen Gott dafür danken und sagen: „Gott sei Dank!“

 

 

 

 

 

 

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