Geschichte Hochstadts in neuerer Zeit 1956 bis 1965 (Materialammlung)

außerdem Querschnitte aus der Chronik zu einezelnen Jahren

 

1926

 

Bauvorhaben:

Der Bahnhofsweg wird 1926 ausgebaut und mit einem erhöhten Fußweg versehen.

Da die Springbrunnen und die Ziehbrunnen in Hochstadt versiegen, plant man eine Wasserleitung mit Pumpstation und Hochbehälter. Der Bau der Leitung von den Brunnen am heutigen Sportplatz zum alten Hochbehälter am Schützenhäuschen (östlich der zwei Birken) beginnt 1924. Der Hochdruckbehälter faßt 150 Kubikmeter, der Niederdruckbehälter 24 Kubikmeter. Elektrische Pumpen springen bei Bedarf automatisch an. Am 1. Januar 1926 geht die Anlage in Betrieb. Die Firma Pons aus Frankfurt bekommt 140.410 Mark, der Hochbehälter kostet 75.000 Mark. Folgerichtig muß 1926 Wassergeld eingeführt werden.

 

Das Haus Hauptstraße 26, ein Wohn- und Geschäftshaus mit Torbogen, Erker und Zwerchgiebel, wurde erbaut, ist aber im Kern älter.

 

Im Zusammenhang mit dem Umlegungsverfahren versucht man, eine etwa 25 Hektar große Wiesenfläche zu entwässern. Doch das gelingt nur mangelhaft, weil die Braubach in der Gemarkung Dörnigheim völlig verwachsen und verschlammt ist. Nachdem aber auch Dörnigheim das Umlegungsverfahren eingeleitet hat, wird auch die Braubach ausgebaut und ein Entwässerungsgraben in dem Wiesengebiet an der Wieblos gebaut. Zwischen den Gemeinden wird ein Vertrag über die Unterhaltung der 1926 ausgeführten Entwässerungsgräben geschlos­sen, wonach man die Kosten aufteilen will.

 

Jagdpächter ist in diesen Jahren unter anderen Georg Rauch, der Wirt der Gaststätte „Zur goldenen Krone“, genannt „Löwenschorsch“, der Gründer des Versandgeschäfts für Apfelwein.

Weitere Jagdpächter sind der Landgraf von Hessen (1890. 1896. 1899. 1905), ein Herr Rother aus Frankfurt (1891) und schließlich Dr. Hoffmann, Direktor der Casella in Fechenheim (ab 1918). Der Preis beträgt 3.600 Mark im Jahr, aber 1924 nur noch 1.800 Mark. Und 1926 geht die Jagd für 1.250 Mark an einen Frankfurter Pächter.

 

Vereine:

Der Ziegenzuchtverein mit etwa 60 Züchtern und rund 250 Ziegen hält am 26. April 1926 bei der Schützenhalle eine große Verbandsziegenschau ab. „Athletiksportverein“ besteht der von 1908 bis 1926.

 

Am 23. Mai 1923 wird eine Handballabteilung gegründet unter Leitung von Kaspar Lenz, die schon nach einigen Wochen drei Mannschaften aufstellen kann. Nachdem Kaspar Lenz 1924 zum Vorsitzenden gewählt wird, geht die Leitung der Handballabteilung 1924 an Kaspar Koch über. Im Jahre 1926 kann sie in Dörnigheim als 1. Pokalsieger hervorgehen. Auch in den folgenden Jahren finden Werbeveranstaltungen statt. Ein Handballpokalspiel findet 1926 in Hochstadt statt, bei dem die Turn- und Sportgemeinde Frankfurt als Sieger hervorgeht.

 

Der Fußballclub macht sich noch einmal an die Arbeit und erstellt 1926 in mühsamer Arbeit noch ein zweites Sportfeld im Wald.

 

Im Jahre 1926 findet in Hochstadt eine Tagung des „Ländlichen Hausfrauenvereins für den Kreis Hanau“ statt. Also gibt es auch in Hochstadt eine aktive Gruppe dieses in Ostpreußen gegründeten Vereins.

Die Frauen unterstützen sich gegenseitig in Notsituationen und betätigen sich in der Armenfürsorge oder betreuen Wöchnerinnen. Es existiert noch ein Wimpel dieses Vereins, der eine fleißige Biene mit dem Hessenlöwen auf dem Rücken zeigt.

 

Kirche:

Im Jahre 1926 wird innerhalb des Kirchenvorstandes ein Ältestenausschuss mit vier Mitgliedern gebildet. Vorsitzender des Kirchenvorstandes ist der Pfarrer. Aber jetzt wird mit Peter Strohl erstmals ein Stellvertreter gewählt.

Am 30. August 1926 kommt es erstmals zu sechs Austritten aus der Kirche. Pfarrer Reich schiebt das auf die sozialdemokratische oder kommunistische Verseuchung und Kirchenfeindschaft und deutet auch an, daß es sich vorwiegend um Zugezogene handelt.

Am 9. Februar 1926 gratuliert das Presbyterium durch die Lehrerin Lorey dem Pfarrer zu seinem 25jährigen Ortsjubiläum und Peter Strohl I. überreicht zwei schöne Geschenke.

An die langjährige Putzfrau, die Witwe Katharina Wiegel, wird am 13. Dezember 1926 in der Sitzung des Presbyteriums eine Ehrenurkunde unter Glas und mit einer Ehrengabe von zehn Mark überreicht. Sie hat über 53 Jahre den Dienst der Putzfrau in der Kirche treu versehen, aber muß nun krankheitshalber ausscheiden.

Wilhelm Burger ist von 1918 bis 1926 Kirchendiener. Er ist ein Spengler und übernimmt auch die Aufgabe des Bälgetreters. Der Lohn des Kirchendieners wird im Juni 1921 auf 220 Mark und der des Bälgetreters auf 50 Mark erhöht. Im Juni 1926 wird Jakob Koch als Kirchendiener eingestellt und sein Sohn Hermann als Bälgetreter. Er wohnt Schützenstraße 6 und Bogenstraße 10 und ist ein invalider Schlosser. Im Oktober 1926 beklagt der Pfarrer das schlechte Betragen der Läutejungen, es soll ein Mann gefunden werden, der sie beaufsichtigt. Die Aufsicht über die Läutejungen wird dem Kirchendiener Jakob Koch übertragen gegen eine Bezahlung von 30 Mark.

Im Februar 1926 wird eingeführt, daß Grabeinfassungen bei Erwachsenen 20 Mark und bei den Kindern 10 Mark kosten sollen (wenn sowohl Grabdenkmal als auch Grabeinfassung errichtet werden, noch einmal 5 Mark) und reservierte Grabstätten 20 Mark bei Erwachsenen und 10 Mark bei Kindern. Im Juni 1926 stellt der Pfarrer aber fest, daß mehrere Gräber mit dauerhaften Einfassungen versehen wurden, die Gebühr dafür aber nicht bezahlt ist, sie muß noch erhoben werden.

 

Einzelne Personen:

Wilhelm Krapf, geboren 1903 in Rumpenheim, heiratet 1926 Margarethe Elisabeth Koch. Sie haben zwei Kinder und wohnen Ringstraße 3. Vom gleichen Jahr an gehört der „Turnvater Hochstadts“dem Turnverein an. Der gelernte Sattler hatte eine Lederwarenhandlung und war im Verein aktiver Turner, Übungsleiter und Vorsitzender.

Magdalene Rauch, geboren 1902, heiratet 1926 Wilhelm Höhl, der die Kelterei übernimmt und zu einem Großbetrieb ausbaut.

Philipp Schlegel, Am Kirchberg 4, Füselier im Pommerschen Füselier-Regiment Nr. 34, in der 1. Kompanie stirbt am 15. April 1926 als letzter Veteran des Krieges 1870/71.

Karl Wilhelm Rohrbach, geboren am 22. Mai 1926, war Sturmpionier in einem Pionier-Batail­lon. Er ist gefallen durch Nierenschuß (Granatsplitter) am 29. Januar 1945 bei Gleba bei Scharfenwiesen. Beerdigt wurde er am 29. Januar in einem Einzelgrab bei Gleba neben einem Brunnen.

Wilhelm M. stirbt am 30. Juni 1926, weil er überfahren wurde „durch einen Anhänger eines Autos“.

           

 

1938

 

Brandgräber aus der Hallstattzeit wurden 1931 bis 1938 in der Gemeindesandgrube nördlich der Straße nach Hanau gefunden. Sie enthielten eine Koberstädter Urne und einen Spitzbecher; und in der Nähe fanden sich noch drei Schalen. Aus der Hallstattzeit ist auch der Grabfund im Flurstück Burgheege mit einer Urne und Resten von Bechern und Schalen sowie der Fund eines Bronzerings, der „an einem alten Weg in Hochstadt“ gefunden wurde.

 

Das Haus Felsenkeller 11 gehört seit 1907 Philipp Klees. Im Jahre 1938 legt man in dem Haus die Stelle frei, wo ein Einstieg in das Kalkhöhlensystem nördlich von Hochstadt ist. Dabei nimmt Otto Gerlach zwei Bilder auf, die in der Stadtbibliothek Hanau aufbewahrt werden heute Bildstelle der Stadt Hanau). Man dringt damals etwa 30 bis 40 Meter in die Tunnelanlage ein. Mit langen Stablampen werden die Gänge ausgeleuchtet. Gerätschaften werden aber nicht gefunden.

 

Durch die neue Friedhofsordnung erfolgt ab 1. April 1938 eine Trennung der Friedhofsverwaltung von der Kirchenverwaltung. Neben dem Pfarrer gehört Philipp Schmidt der Friedhofsverwaltung an. Als drittes Mitglied kommt der Bürgermeister dazu, der auch ein viertes Mitglied zu bestimmen hat.

 

Philipp Weber von der SPD wird 1938 als Angestellter in das Rathaus übernommen. Er beginnt 1897 eine Schlosserlehre in Fechenheim und ist von 1928 bis 1937 Ortspolizist. Die Angestelltenstelle hat er bis 1946, obwohl er sich mit den damaligen Machthabern nicht solidarisch erklärt. Seit dem 31. März 1946 ist er ehrenamtlicher Bürgermeister mit einem Gehalt von 338,45 Reichsmark im Monat. Als 1948 die CDU die Mehrheit erreicht, wirkt er weiter als Standesbeamter und Ortsgerichtsvorsteher. Im Jahre 1956 wird er zum Ehrenbürger ernannt. Im Alter von fast 83 Jahren wird ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen.

 

Am 11. Juni 1938 wird ein Kartoffelkäfer gefunden. Die Schüler müssen alle Kartoffelfelder durchsuchen. Es wird aber kein weiterer Käfer entdeckt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg müssen die Schüler wieder massenweise auf die Felder und finden nun auch Massen von Käfern.

 

Der Humor- und Musikverein ist wie die von ihm herausgegebene Kreppelzeitung oftmals auch in politischen Fragen sehr kritisch. In der Nazizeit wird aufgrund der politischen Verhältnisse die Vereinstätigkeit sehr eingeschränkt. Im Jahre 1938 wird der Verein verboten. Am 15. Februar 1948 gründet der Verein sich wieder, seit 1949 gibt es am Fastnachtssamstag wieder die Kreppelzeitung.

Die Käwern können 1938 noch einen Familienabend abhalten, als zu vorgerückter Stunde ein Vereinsmitglied auf einem Esel in den Saal reitet und einige Kabinettstückchen zum Besten gibt.

 

Die Synagoge, das jüdische Bethaus, stand bis 1938 auf dem Grundstück Hauptstraße Nr. 43. Das heutige Wohnhaus mit einem Gewölbekeller unter dem nördlichen Teil war die jüdische Schule und wurde 1868 erbaut. Am 10. November 1938 erfolgt auch in Hochstadt die Zerstörung der Synagoge. Die Fanatiker kommen jedoch nicht (oder nicht nur) von außerhalb, sondern es sind junge Leute aus Hochstadt dabei. Erst wollen sie die Synagoge anzünden. Doch der Bürgermeister läßt das nicht zu, weil dadurch die unmittelbar angrenzenden Scheunen mit gefährdet würden. So wird das Synagogengrundstück samt dem Anwesen der Schwestern Strauß schwer verwüstet und später werden bis auf die Schule und einen Stall alle Gebäude abgerissen.

 

Am 15. November 1938 trägt Leopold Katz in das Andachtsbuch der Familie ein: „Unser Söhnchen Leopold ist geboren am 15. Mai 1928 (es folgt die Jahreszahl nach dem jüdischen Kalender). Ausgewandert am 15. November 1938“. Während die Eltern ermordet werden, überlebt Leopold im Versteck in Holland, heiratet und hat vier Kinder und zieht als Rentner nach Jerusalem. Im Jahre 1997 wird ihm in Hochstadt das Andachtsbuch seiner Familie übergeben, das ein Hochstädter Einwohner aufbewahrt hatte.

 

Theodor Ausäderer, ein Einwohner mit jüdischer Religion, der sich vor seiner Hochzeit hat taufen lassen, kommt 1938 wegen seiner jüdischen Abstammung dreimal ins Gefängnis. Er wird aber wieder freigelassen, weil er Teilnehmer am Ersten Weltkrieg war und dabei auch verletzt wurde. Doch im Februar 1945 werden auch die Männer aus sogenannten „Mischehen“ abgeholt. Er kehrt aber aus dem Konzentrationslager Theresienstadt nach Hochstadt zurück.

 

Hermann Goldschmidt, ein Einwohner jüdischen Glaubens aus der Hauptstraße 36, wandert 1938 nach Buenos Aires aus. Seit etwa 1950 ist er zusammen mit seinem ältesten Sohn an einer Werkzeugfabrik beteiligt. Sein zweiter Sohn ist Theologieprofessor an einer amerikanischen Universität. Der dritte Sohn ist Rabbiner in Bogota (Kolumbien). Er besucht 1985 mit seinem Vater die Stadt Frankfurt (auf deren Einladung) und aus diesem Anlaß kommt auch nach Hochstadt. Der älteste Sohn kommt 2006 mit Frau nach Hochstadt.

 

 

1941

 

Hochstadt hat vor dem Zweiten Weltkrieg 1.734 Einwohner. Die 147 Schüler von 1940 in der Hochstädter Schule sind die niedrigste Zahl seit 1890 (der Geburtsjahrgang 1940 aber hatte 47 Schüler).

Die Raiffeisenkasse erwirbt im Jahre 1939 das Grundstück Bischofsheimer Strasse Nr. 2 und errichtet auf ihm eine Lagerhalle. Nach dem Krieg erwirbt die Genossenschaft einen Mähbinder und einen Traktor (Holzvergaser). Der Rechner höchstpersönlich mäht damit die Getreidefelder der Mitglieder, die Kasse ist nur abends geöffnet. Nach der Währungs­reform wird das Wohnhaus 1954 für die Abwicklung der Geschäfte umgebaut und Frau Theresia Fischer wird als Halbtagskraft eingestellt.

 

Die Fußballabteilung der „Turn- und Sportgemeinde 87/11 Hochstadt“ erringt 1939 die Kreismeisterschaft in der A- Klasse. Aber im Krieg verkauft die Gemeinde das Sportplatzgelände an eine Firma. Nach Kriegsende wird der Spielbetrieb von einigen älteren Mitgliedern wieder aufgenommen und der neue Name „Sportgemeinschaft“ eingeführt. Der Erste Vorsitzende Wilhelm Fischer schafft dann in Zusammenarbeit mit Bürgermeister Fritz Schäfer den ersten Teil der heutigen Sportanlage.

 

Ende 1938 und Anfang 1939 ziehen immer mehr Juden weg. Es wird schwierig, das Haus zu verkaufen und Außenstände einzutreiben. Man stellt Kindertransporte zusammen, die vor allem nach England gehen sollen; so können noch 10.000 Kinder aus Deutschland gerettet werden. Bei der Volkszählung am 17. Mai 1939 gibt es in Bischofsheim, Dörnigheim und Hochstadt je sechs Juden, in Wachenbuchen sind es 13, insgesamt also 31 Personen (während es 1933 noch etwa 150 sind).

 

Anfang 1939 wird den Juden ein zweiter Zwangsvorname gegeben: bei den Männern „Israel“ und bei den Frauen „Sara“. Einkäufe dürfen nur zwischen 16 und 17 Uhr und nur in zuverlässigen Geschäften getätigt werden. Radio und Schmuck müssen abgegeben werden. Im Mai 1939 wird der Mieterschutz für Juden aufgehoben. Die Ernährungslage wird immer schwieriger, auch wenn manchmal Nachbarn mit Lebensmitteln aushelfen. Ab September 1940 gibt es keine Kleiderkarten mehr für Juden. Seit September 1941 muß der Judenstern getragen werden und Haustiere müssen abgegeben werden. Schließlich müssen 1942 alle überflüssigen Kleidungsstücke bei der Gestapo abgegeben werden.

 

Im Jahre 1939 heiratet Pfarrer Georg Lindenberger seien Frau Maria geborene Sert. Er ist geboren am 12. Juni 1909 in Flörsbach als Sohn eines Lehrers. Er ist vom 1. Januar1952 bis 30. November 1966 Pfarrer in Hochstadt. Danach ist er Pfarrer an der Kreuzkirche in Hanau und Dekan des Kirchenkreises Hanau-Stadt. Im Jahr 1939 wird einstimmig beschlossen, die Orgel doch wieder auf die westliche Empore zu verlegen.

 

Im Jahre 1940/41 wird der Felsenkeller überprüft, ob er sich als Luftschutzkeller eigne. Es wird eine Wendeltreppe freigelegt. Man kommt bis zur 96. Treppenstufe, wo man auf Wasser stößt. Eine große Motorpumpe wird herbeigeschafft, um das Wasser abzupumpen. Dabei nutzt man auch einen weiteren Zugang vom Garten her, der als Bierfaßschacht der Brauerei Kaiser genutzt wurde. Aber das Wasser sickert so schnell nach, daß die Aktion abgebrochen werden muß. Unmittelbar neben dem Grundstück Felsenkeller Nr. 9 befand sich eine Wendeltreppe. Sie wurde bis zu einer Tiefe von etwa vier Metern freigelegt, aber wegen Einsturzgefahr im Jahre 1940 wieder mit Bauschutt verfüllt.

 

 

Am 18. Juli 1940 kündigen die Organisten Wilhelm Möbus und Ernst Röder auf Druck der Nazis ihren Dienst. Der Chordirigent Walzer soll zum Organisten ausgebildet werden.

Der Klingelbeutel wird am 21. September 1940 abgeschafft. Ein Kirchenältester soll beim Eingang in die Kirche den Kollektenteller halten, der Klingelbeutelbetrag soll beim Ausgang in den Opferstock gelegt werden.

 

Im Jahre 1942 wird die Feuerwehr aus Beständen des Kriegsministeriums mit einer Tragkraftspritze TS 8 ausgerüstet und erhält 1944 zwei Personenkraftwagen zur Beförderung der Motorspritze und der Feuerwehrleute.

 

Ab Mai 1940 besteht ein Ausgehverbot für Juden im Sommer von 21 bis 5 Uhr und im Winter von 20 bis 6 Uhr. Im Jahre 1941 wird dann die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen: Die Juden werden in den Osten verschleppt und grausam ermordet. Ab 15. März 1940 müssen die Auswanderungslisten alle zwei Wochen eingereicht werden.

Die jüdische Fastenspeise Mazzen kann 1940 nur noch durch die jüdischen Gemeinden gegen Abgabe von Brotmarken verteilt werden. Aus Hochstadt werden 30 Pfund Mazzen und 7,5 Pfund Mehl bestellt für 13 Personen (einschließlich Bischofsheim).

Nathan und Hannchen Appel aus der Bogenstraße 6 werden am 5. September 1942 von Hanau aus ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Salomon und Recha Katz, Nordstraße 7 (heute: Ritterstraße 11) werden 1942 deportiert und vermutlich im Konzentrationslager Lublin ermordet.  

 

1955

 

Am 26. September 1953 wird durch Bürgermeister Mankel der Grundstein für einen Schulneubau an der Sandgasse gelegt (heute: Bauamt). Richtfest ist am 14. November, die Einweihung am 11. Dezember 1954, allerdings unter geringer Beteiligung der Bevölkerung. Bei der Besichtigung der Schule aber reißt der Strom der Besucher nicht ab. Die Kosten belaufen sich auf rund 250.000 Mark.

 

Auf Initiative von Wilhelm Huhn wird der Turnverein 1954 neu gegründet mit Turnabteilung und Spielmannszug. Die 1955 gegründete Tischtennisabteilung wandert zum 1. FC 1911 ab, kehrt aber 1974 wieder zurück. Der Verein nimmt einen dauernden Aufschwung. Im Jahre 1961 hat er 220 Mitglieder. Im Jahre 1955 sind es 17 Vereine in Hochstadt.

 

Die Feuerwehr erwirbt 1955 ein Transportfahrzeug der Frankfurter Flughafenfeuerwehr, ein Löschfahrzeug mit Vorbaupumpe kommt 1966 dazu. Einen der größten Einsätze hat die Wehr am 23. Mai 1964, als der Dachstuhl des Historischen Rathauses abbrennt.

 

In Dörnigheim wird 1955 ein eigener Seelsorger für die Katholiken eingesetzt, der auch für die Katholiken in Hochstadt zuständig ist. Im Jahre 1958 wird die Gemeinde von der Pfarrkuratie Kesselstadt getrennt. In Hochstadt findet alle 14 Tage ein Gottesdienst in der Schule statt. Die Gemeinde wird durch Pfarrkurat Rudolf Golbach aus Fulda betreut.

 

Im Jahr 1955 wird die Elternspende in der Schule eingeführt. Eine Volkshochschule wird 1956 eingerichtet. Referenten sind die Lehrer Henkel, Keim und Polke. Im Jahr 1958 wird der Unterricht in Säuglingspflege eingeführt und aus Mitteln der Elternspende bezahlt.

 

 

(Ab 1952 aus dem Archiv von Thomas Witholz, Sammlung von Zeitungsausschnitten)

 

1952

 

Der Ebbelwei gärt in den Fässern                                                                          30.09.1952

Kleine Spritztour nach Hochstadt

Bald füllen die bauchigen Bembel und gerippten Gläser in den Apfelweinwirtschaften sich mit dem neuen Jahrgang, der jetzt in den Keltereien des Frankfurter Gebietes zubereitet wird. Noch ehe die Traubenernte beginnt, gärt er bereits in den Fässern. Um dieses süffige Frankfurter Nationalgetränk der Gartenfeste und Kirchweihen, des Wäldchestags und der Spezialkneipen gibt es freilich nicht die alchimistischen Geheimnisse, wie sie bei anstrengenden Weinproben gelüftet werden. Aber es lohnt sich doch, der Herkunft des Erzeugers deftiger Volksfröhlichkeit einmal nachzugehen.

Da liegt ein paar Kilometer von der Stadt entfernt in östlicher Richtung, hinter Fechenheim und Dörnigheim, die Apfelwein-Oase des Kreises Hanau. Wenn der Name Hochstadt fällt, wissen die passionierten Apfelweintrinker Bescheid. Dann schmunzeln sie, als würde man Nierstein oder Oppenheim sagen.

Hoch in die Hunderttausende gehen die Literzahlen der Kellereien dieses Ortes, der 2.500 Einwohner zählt. Dicke Steinmauern und Tore, Kirche und Fachwerkhäuser aus sagenhaften Zeiten sitzen hier unterm Himmel wie die Küchlein unter der Henne. Die Geschichte ist in den schmucken Bauernhäusern Dauermieter.

 

Äpfel rollen heran

Mit der Obsternte von Hochstadt sieht es diesmal mau aus. Auf Lastwagen und Eisenbahnwaggons rollen aus Oberhessen, Württemberg, vom Bodensee und aus Holland die Äpfel an. Zu großen Bergen türmen sie sich in den Höfen der Keltereien auf. Nicht lange, denn jetzt ist Hochbetrieb bei Tag und Nacht. Seitdem die Packpressen die handwerkliche Zubereitung abgelöst haben, ist die Produktion sprunghaft gestiegen.

 

Direkt ins Faß

Nach der Waschung zieht ein Baggerwerk mit Bechern die Äpfel zur Mühle hinauf, das Mahlgut rutscht auf zwei Bahnen in ein Bassin. Was früher sehr umständlich war, erledigt jetzt die Wasserdruckpresse (Druck von 25 Kilogramm auf 1 Quadratzentimeter) automatisch: das eigentliche Auspressen der Maische. Die Breimasse kommt auf Roste, auf die Roste wiederum ein Rahmen, damit nichts entweichen kann, und darüber wird ein grobmaschiges Spezialtuch aus italienischem Langhanf gespannt. Fünfzehn, zwanzig und mehr Roste können blockartig aufeinandergetürmt werden. Der Preßvorgang läßt sich stärker und schwächer regulieren. Der Saft läuft in schmale lange Bütten hinein, die auf dem Boden stehen, von dort durch Löcher direkt in die Fässer unter der Erde.

 

Kuchen, nicht als Kuchen

Große Sensationen sind dabei nicht zu erleben. Hat die Presse die Maische etwa eine halbe Stunde bis zum letzten Tropfen ausgequetscht, bleibt ein Kuchen übrig, der so trocken ist, daß man ihn wie Keks auseinanderbrechen kann. Vielleicht ist aber dies erstaunlich, daß die Kuchenteppiche nicht etwa den Schweinen vorgeworfen werden, sondern für Pralinenfüllungen, Arzneimittel und Pektinstoffe nützlich sind. Der Fachmann erzählt, daß die Obstspäternte ergiebiger ist. Um hundert Liter Apfelwein zu gewinnen, braucht man etwa 2,8 Zentner Äpfel.

 

Vorsicht geboten

In den Keltereien kennt man keine Hatz. Eine Handvoll Männer bewältigt mit hohen Gummistiefeln und Schürzen die Arbeit. Noch stiller geht es unter Tage zu. Die Keller liegen nicht sehr tief, aber man wandert durch richtige Faßstraßen, die Spaliere der dickleibigen Gesellen nötigen jedem Eindringling Respekt ab.

Zuzeiten ist es sogar gefährlich, ihre Gesellschaft zu suchen. Wo es gärt, muß man auf der Hut sein. Da die Gärgase nicht explosiv sind, sondern den Erstickungstod hervorrufen können, wird eine brennende Stearinkerze als Warnsignal mitgenommen. Erlischt sie, dann heißt es. den Rückzug antreten.

 

Im Fasse steht ein Mann

Die Tagesüberraschung folgte, als wir hörten, daß die Hefe, die nach der Leerung eines Fasses sich im Innern absetzt, abgebürstet und abgespritzt werde. „Da muß einer ins Faß klettern“, sagte der Begleiter. Verdutzte Gesichter. „Hier unten am Spundloch hält ein Faßriegel dieses Türchen“, wurden wir belehrt. Aha, durch die Öffnung von vielleicht 20 mal 30 Zentimeter im Geviert soll einer durchkriechen.

Wie gut, daß die Wette unterblieb! Ohne Pullover zwängte sich wirklich ein ausgewachsener Mann durch die Öffnung und ließ sich Bürste und Kerze nachreichen. Aufrecht stand er im Faß aus Eichenholz. Den Wahrheitsbeweis (für den Eingeweihten sicher gar nichts Neues) treten wir im Bilde an. Ein Dreitausend-Liter-Faß kostet übrigens 1.200 bis 1l400 Mark. Und da sind sie reihenweise bis zu den ganz großen, die das Zehnfache aufnehmen.

Der Apfelwein will schnell unter die Leute. Er lagert nur zwischen zwei bis fünf Monaten. Natürlich braucht er einen gewissen Hundertsatz Zuckergehalt, sonst wäre er ein Getränk ohne Alkohol. Doch ist es nicht üblich, ihn gegen den Rebensaft durch lange Lagerzeiten konkurrieren zu lassen. Er würde schlecht dabei abschneiden.

 

Die Sache mit dem Speierlingsapfel

Während die erste Kostprobe des neuen Jahrgangs abgeschmeckt wurde, ein golden schimmernder, spritzig mundender Saft, den hauptsächlich die Frankfurter verbrauchen, wie wir vernahmen, steckte man mir eine kleine Frucht zu. Ich tippte auf Zwergbirne, Wildwuchs. „Bitte kosten Sie mal!“

Zum Ergötzen aller schnitt ich ein Gesicht mit hundert Grimassen. „Der Speierlingsapfel“, sagte der Keltereibesitzer trocken, „entwickelt eine starke Gerbsäure; braucht 25 Jahre so ein Baum, bis er Früchte trägt, würzt den Apfelwein sehr gut. Ergebnis: der Speierling, Sie kennen ihn wohl.“

„Jetzt kenne ich ihn“, sagte ich und stieß die Zunge an die stumpf gewordenen Zähne. (Man sollte nur noch Speierling trinken, dachte ich, als ich ihn später probierte).

Das sind die Frankfurter: allein aus den Fässern dieser Keltereien trinken sie weit über eine halbe Million Liter ihres vielgerühmten, viel verkannten Ebbelwei. Handkäs, Rippchen oder Bratwurst dazu: da läßt sich dem Leben wieder besser ins Auge sehen.

NB: Wie manches hübsche Fleckchen in der Umgebung ist auch Hochstadt für Familienbesuch aus der großen Nachbarstadt gut eingerichtet. Und wer den vergangenen Zeiten nachspüren will - denn seit 846 ist der Boden hier besiedelt - findet in Bürgermeister Wilhelm Mankel einen kenntnisreichen Gesprächspartner.

 

 

1956

 

Silberne Hochzeit                                                                                                               1956

Die Eheleute Andreas Keller und Frau Margarethe, geb. Kraft, Inhaber der Gaststätte „Zum Tiger“ in Hochstadt feiern heute, am 3. September, das Fest ihrer Silbernen Hochzeit. Bereits am Sonntagabend überreichte der 1. FC Hochstadt durch seinen Vorsitzenden dem Jubelpaar ein Blumengebinde in den Vereinsfarben und eine elektrische Uhr als Geschenk. Anschließend saßen die Fußballer noch lange mit ihrem Vereinswirt und seiner Gattin bis in den frühen Morgen zusammen. Heute Abend wollen andere Vereine, denen Herr Keller angehört, dem Jubelpaar ihre Glückwünsche darbringen.

 

Schwere Verfehlung eines Vaters                                      Donnerstag, den 25. Oktober 1956

Milde war hier nicht am Platze: Wegen Unzucht und Blutschande zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt

Ein ungewöhnlicher Fall stand gestern vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Hanau zur Verhandlung. Nach gut zweistündiger Verhandlungsdauer konnte das Gericht schon das Urteil fällen. Wegen fortgesetzter Unzucht mit einem Kinde in Tateinheit mit Blutschande wurde der 38jährige Automateneinrichter Rudolf Schimpf aus Hochstadt zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden dem Angeklagten auf die Dauer von drei Jahren abgesprochen.           

Die Anklage warf Schimpf schwere Verfehlungen gegenüber seiner nun vierzehnjährigen Tochter vor. Schimpf hatte das Mädchen, das für sein Alter körperlich schon weit entwickelt war, im Frühjahr 1955 zu unzüchtigen Handlungen mißbraucht. Der unverantwortliche Vater trieb es schließlich so weit, daß er zu dem Kind schließlich auch engere Beziehungen unterhielt, die im letzten Sommer dazu führten, daß die Vierzehnjährige in einigen Monaten Mutter werden wird.        

Für das Gericht galt es, in der unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfindenden Verhandlung vor allem zu klären, wie es zu diesen Entgleisungen kommen konnte. Schimpf ist Vater von vier Kindern, von denen das unglückliche Mädchen das Älteste ist. Wie der Angeklagte den Richtern erklärte, sei es so ganz allmählich zu dem Vater-Tochter-Verhältnis gekommen. Er habe zwar versucht, dagegen anzukämpfen, doch habe er dazu die Kraft nicht gefunden. Schimpf mußte zugeben, daß er sich durchaus über die Tragweite seines Tuns im Klaren war. Da er seinerzeit aber auch an Stelle seiner Frau die Aufgabe übernommen habe, das Mädchen aufzuklären und die Kleine in ihm mit der Zeit wohl immer mehr den Freund als den Vater gesehen habe, hätten sich diese Dinge so allmählich entwickelt.          

Die Frau des Angeklagten, die mit ihm fünfzehn Jahre lang eine gute Ehe führte, hatte von dem Treiben des Mannes keine Ahnung. Sie wurde erst - wie sie dem Gericht bekundete - stutzig, als mit ihrer Tochter plötzlich unerklärliche Veränderungen vorgingen. Sie habe daraufhin mit dem Mädchen einen Arzt aufgesucht, so daß die Wahrheit ans Tageslicht kam. Dem Arzt gab der Angeklagte dann bei einer Unterredung auch alles zu. Ebenso legte er nun in der Verhandlung ein volles Geständnis ab, so daß die näheren Umstände nicht im Einzelnen erörtert zu werden brauchten. Zu seiner Entschuldigung führte der Angeklagte lediglich an, daß er infolge eines dreijährigen Aufenthaltes in Sibirien gesundheitliche Störungen davongetragen habe. Der Sachverständige betonte jedoch, daß die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten dadurch keinesfalls eingeschränkt worden sei. Der Staatsanwalt beantragte in Anbetracht der Schwere des Falles eine Zuchthausstrafe von dreieinhalb Jahren. während der Verteidiger um die Gewährung mildernder Umstände und eine dementsprechend geringere, den Umständen angemessene Strafe bat.

Der Landgerichtsdirektor Ronimi geißelte in seiner Urteilsbegründung das Verhalten des Angeklagten als besonders verwerflich, weil er ein ihm zur Erziehung anvertrautes Kind schmählich mißbraucht habe. Das Mädchen sei nun für sein Leben lang geschädigt, moralisch aber habe sich das Geschehen tief in seine Seele eingebrannt. Das Gesetz verlange hier eine em­pfindliche Zuchthausstrafe. Die Mindeststrafe von einem Jahr sei jedoch zu gering, weil sich das Treiben des Angeklagten über einen längeren Zeitraum erstreckt habe. Ebenso habe das Gericht jedoch berücksichtigen müssen, daß Schimpf bisher nicht vorbestraft sei, beruflich immer seinen Mann gestanden und auch stets für seine Familie gut gesorgt habe Bei Abwägen von allem Für und Wider sei die Kammer zu der Überzeugung gelangt, daß zwei Jahre Zuchthaus eine ausreichende Sühne seien. Den Antrag des Staatsanwaltes Dr. Steinbacher, Haftbefehl zu erlassen, lehnte das Gericht ab, weil bei dem Angeklagten kein Fluchtverdacht bestünde.

 

Zwei Jahre Zuchthaus für einen Vater

Hochstädter vor Gericht

Die Hochstädter Bevölkerung diskutierte gestern das am Mittwoch gegen den 38-jährigen Automateneinrichter Rudolf ergangene Urteil, der von der Großen Strafkammer des Landgerichts Hanau unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Ronimi wegen fortgesetzter Unzucht in Tateinheit mit Blutschande zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, -

Der Fall hatte Hochstadt bereits in Aufregung versetzt, als die Verfehlungen des Vaters an seinem vierzehnjährigen Mädchen ans Tageslicht gekommen waren, das jetzt ein Kind von ihm erwartet. In der Verhandlung kam zum Ausdruck, daß der Angeklagte fünfzehn Jahre lang eine gute Ehe geführt. hatte. Die Frau hatte von' den Vorgängen keine Ahnung, bis ihr auffiel, daß mit ihrer ältesten Tochter eine merkwürdige Veränderung 'vorging. Bei der Konsultation eines Arztes offenbarte sich das schreckliche Vater-Tochter-Verhältnis, zu dem es - wie der Angeklagte aussagte - ganz allmählich gekommen sei, nachdem er es übernommen hatte, das Mädchen aufzuklären.

Bei dem Strafmaß habe berücksichtigt werden müssen, so heißt es in der Urteilsbegründung, daß S. seine Familie stets gut versorgt habe und ohne Vorstrafen sei.

 

Tochter fürs ganze Leben geschädigt

Zwei Jahre Zuchthaus wegen Blutschande

Zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren verurteilte die Große Strafkammer des Landgerichts Hanau den 38jährigen Automateneinrichter Rudolf Schimpf aus Hochstadt. Der Angeklagte wurde der fortgesetzten Unzucht mit einem Kinde in Tateinheit mit Blut­schan­de für schuldig befunden. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm für die Dauer von drei Jahren aberkannt.

Schimpf, gegen den das Gericht unter Ausschluß der Öffentlichkeit verhandelte, hatte im vergangenen Jahr seine damals 13jährige Tochter mehrmals mißbraucht. Die Verfehlungen des Vaters kamen heraus, als die Frau des Angeklagten mit ihrer Tochter einen Arzt aufsuchte, der Schwangerschaft feststellte.

Vor Gericht legte der Angeklagte ein volles Geständnis ab, so daß darauf verzichtet werden konnte, in der Verhandlung Einzelheiten zu erörtern. Zu seiner Verteidigung führte Schimpf an, er habe von seiner dreijährigen Gefangenschaft in Sibirien gesundheitliche Schäden da­von­getragen. Nach seiner Aussage war er sich allerdings der Tragweite seines Tuns durchaus bewußt. Die Ehefrau, die mit dem Angeklagten 15 Jahre lang gut zusammenlebte, hatte von dem Treiben ihres Mannes nicht die geringste Ahnung.

Nachdem der medizinische Sachverständige die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten bestätigt hatte, beantragte der Staatsanwalt eine Zuchthausstrafe von dreieinhalb Jahren, während die Verteidigung um mildernde Umstände bat.

Landgerichtsdirektor Ronimi betonte in seiner Urteilsbegründung, daß das Mädchen für sein ganzes Leben geschädigt worden sei. Da das verwerfliche Treiben des Angeklagten sich über einen längeren Zeitraum erstreckt habe, halte das Gericht die Mindeststrafe von einem Jahr Zuchthaus für unzureichend. Auf der anderen Seite habe man aber berücksichtigen müssen, daß Schimpf nicht vorbestraft sei und beruflich immer seinen Mann gestanden habe. Der Antrag des Staatsanwalts, Haftbefehl zu erlassen, wurde vom Gericht mit der Begründung abgelehnt, daß bei dem Angeklagten kein Fluchtverdacht vorliege.

 

An der 14jährigen Tochter vergangen

Die Staatliche Kriminalpolizei Hanau nahm am Donnerstag einen 36jährigen Mann in Hochstadt fest, der sich mehrfach an seiner 14jährigen Tochter vergangen hatte. Die Beziehungen zu dem Kind blieben nicht ohne Folgen. Der Festgenommene ist Vater von vier Kindern.

                                                                      

Auch in Hochstadt entbrannte der Wahlkampf                                                              1956

In einer gut besuchten Wählerversammlung gaben die Gemeindevertreter der SPD im Saale bei Gastwirt Keller einen Rückblick über die abgelaufene Legislaturperiode 1952 - 1956 und einen Ausblick auf die kommenden Jahre 1956 - 1960. Zu Beginn gab Vorsitzender Philipp Ziegler einen kurzen Rückblick über die Entwicklung von 1948 bis 1952. Mit der Annahme der Magistratsverfassung in der ersten Sitzung der jetzt abgelaufenen Amtsperiode habe in Hochstadt eine neue Epoche eingesetzt, da die vorherige Bürgermeisterverfassung dem Bürgermeister eine zu große Macht eingeräumt hatte.

Wenn es in Hochstadt in den vergangenen 4 ½ Jahren gelungen war, viele Probleme zu lösen, so haben die SPD-Vertreter mit den größten Anteil, so stellte Ziegler fest. Eine neue Schule wurde erbaut; von den 270.000. DM habe die Gemeinde etwa 120.000 DM aufgebracht. Für den sozialen Wohnungsbau seien ebenfalls über 100.000 Mark bereitgestellt worden, wovon das Sechs-Familienhaus und die Reihenhäuser sowie der private Wohnungsbau finanziert wurden. Aber auch bei den Verhandlungen und Vorbereitungen der Kanalisation, der Schaffung der Bürgersteige, des Straßenbaues usw. waren stets die Vertreter der Partei maßgebend beteiligt gewesen.

Die Eröffnung des Kindergartens, der durch den Bau der neuen Schule ermöglicht wurde, sei ein Hauptanliegen der SPD gewesen. Vieles sei wahrhaftig in den vergangenen 4 ½ Jahren geschaffen worden; nur hätte noch weit mehr geleistet werden können, wenn in der Zeit von 1948 - 1952 für manches Problem die Vorbereitungen getroffen worden wären, wie z. B. die Erstellung der Ortsbebauungspläne usw., der für alle erforderlichen Pläne, wie z. B. Kanalisation, Wasserversorgungsplan erforderlich ist. Alle diese Unterlagen wurden erst in den vergangenen vier Jahren beschafft bzw. sind in Auftrag. Wären diese Pläne rechtzeitig vorhanden gewesen, so hätte die Gemeinde beispielsweise noch vor Jahresfrist erhebliche langfristige Darlehen bzw. Hypotheken für die Kanalisation und Wasserversorgung erhalten.

Für die kommenden vier Jahre stehen noch große und dringende Probleme an, voran die Was­serversorgung, als weiteres die Kanalisation. Die Bischofsheimer- und Weinbergstraße sind bereits kanalisiert und teilweise die Hauptstraße, so daß in den kommenden Jahren je nach den finanziellen Verhältnissen die Seitenstraßen angeschlossen werden können. Mit der Kanalisation wird auch der Straßenbau ermöglicht, dies gilt insbesondere für die Siedlung. Aber noch viele Probleme harren ihrer Erledigung. Eine starke SPD-Vertretung im Gemeindeparlament sichere die Verwirklichung.

Werner Lotz behandelte sodann die finanziellen, wirtschaftlichen und Verwaltungsprobleme der Gemeinde. Er führte unter anderem aus: Die Gestaltung der Gemeinde ist in erster Linie eine Frage der Finanzen. Hierzu gehöre die rechtzeitige Verabschiedung des Haushaltsplanes, damit eine Planung möglich ist. In diesem Jahr sei der Haushaltsplan erstmals zum 1. April fertiggestellt gewesen.

Die Schaffung neuer Einnahmequellen sei stets eine Forderung der SPD gewesen, hierbei sei vor allem an die Ansiedlung von Industriebetrieben gedacht. In den vergangenen 4 Jahren wurde so manches von bestimmten Kräften vereitelt; die kommenden vier Jahre müßten ausgenutzt werden, wenn noch etwas gerettet werden solle. Die Lage Hochstadt zwischen Hanau und Frankfurt biete die Voraussetzungen für die Ansiedlung. Die Gestaltung der Gemeinde hänge nun einmal von der finanziellen Lage ab, und es dürfte eigentlich niemand geben, der sich der Ansiedlung entgegenstelle.

Eine weitere Belastung der Steuerzahler,. insbesondere der Grund- und Gewerbesteuerzahler, ist nicht zu vertreten. Leider sei es in unserer Bundesrepublik so, daß die Gemeinden und Städte, wo noch ungeheure Probleme zum Teil als Kriegsfolgen und zum Teil der Nachholbedarf anstehen, verschuldet sind, während der Bund Milliarden hortet. Daher fordert die SPD den Steuerverband von Bund, Ländern und Gemeinden. Gemeindevertreter Philipp Weber, der die Versammlung leitete, gab die Versicherung, daß sich die kommenden Vertreter der Partei im Gemeindeparlament genau wie in den vergangenen Jahren stets mit aller Kraft für das Gemeindewohl einsetzen werden.

 

Gemeindewahlen Gemeinde Hochstadt 1956:

SPD: 791 Stimmen

CDU: 355 Stimmen

EHE: 78 Stimmen.

Freie Wählergemeinschaft: 271 Stimmen

 

Kreistagswahlen (in Klammern die bisherige Aufteilung):

SPD: 280 — CDU: 360 — FDP: 85 — EHE: 89 und UWG: 109.

 

Mandate der Gemeindevertretung:

SPD: 7 (5)

CDU: 3 (4)

FWG: 2 (3)

Wahlberechtigt waren 1.743 Personen, von denen 1.537 ihre Stimmen abgaben. Ungültig blieben 74 Stimmen zur Kreistags- und 45 Stimmen zur Gemeindewahl.

 

 

Jubiläen:

28. Oktober: Ihr 78. Lebensjahr kann heute Frau Marie Eibelshäuser geb. Huhn, Hauptstraße 6, vollenden.

28. Oktober: Am Mittwoch begehen die Eheleute Fritz Kegelmann und Frau Käthe geborene Daubert, Hauptstraße 57, das Fest der silbernen Hochzeit.

4. November: Das Fest der silbernen Hochzeit feiern heute die Eheleute Valentin Eibelshäuser und Frau Marie geb. Meffert, Bleichstraße 4.

4. November: Ihr 79. Lebensjahr kann heute Frau Magdalene Strohl geb. Strohl, Trinkbrunnenstraße 3, vollenden.

18. November: Das Fest der silbernen Hochzeit feiern heute die Eheleute Fritz Hofacker und Frau Margarete geb. Müller, Kirchberg 7.

22. November. Seinen 73. Geburtstag begeht heute Johannes Bechert, Rohrbachstraße.

2. Dezember. Seinen 72. Geburtstag begeht heute der Altlandwirt PhilippSchmidt, Hauptstraße 42.

Frau Maria Koch, Ringstraße 3, feiert am 14. Dezember 1959 ihren 75. Geburtstag.

18. Dezember 1959: Ihr 78. Lebensjahr kann heute Frau Katharina Keller geb. Krebs, Trinkbrunnenstraße 6, vollenden.

 

Neues Prinzenpaar wird eingeführt                                                                                  1956

Hochstadt, 14. November. Als Auftakt der Karnevalsaison 1958/59 veranstaltet die Karnevalgesellschaft „Käwern“ am Samstag ihre Eröffnungssitzung mit Einführung des neuen Prinzenpaares und Übergabe des Stadtschlüssels durch Bürgermeister Ziegler.

           

 

 

1958

 

Durst war schlimmer als Heimweh                                                            06.02.1958

Drei junge Männer randalierten / Die Polizei rief: „Hände hoch!“

Außer Rand und Band war an einem Februartag des vergangenen Jahres ein 28jähriger Post-

angestellter aus Hochstadt, der allgemein als ruhiger und besonnener Mensch gilt. Jetzt stand

er vor dem Hanauer Schöffengericht und machte ein betroffenes Gesicht. Widerstand und

Körperverletzung warf ihm die Anklage vor.

Zusammen mit zwei Bekannten entschloß sich der Angeklagte an jenem Tag, eine Geburtstagsfeier in mehrere Frankfurter Gastwirtschaften zu verlegen. Als er fünfzehn Bier getrunken hatte, wurde er lustig. Zu allem Überfluß machte die fröhliche Gesellschaft auf dem Rückweg noch in Dörnigheim Station, um den Tag „würdig“ zu beschließen. Der junge Mann und seine Bekannten tranken noch einige Biere, nachdem man zu der Überzeugung gelangt war, daß Durst schlimmer als Heimweh sei. Wieder in der freien Natur, taumelten die Männer von einer Straßenseite zur anderen. Passanten blieben stehen und schüttelten den Kopf.

Mitten auf der Straße nach Hochstadt zwang der völlig bezechte Angeklagte ein Auto zum Anhalten. Aus unerforschlichen Gründen schlug er auf das Zeltdach des kleinen Wagens. Die Frau des Fahrers bekam von dem Schlag, auf ihrem Kopf etwas zu spüren, so daß sich ihr Mann veranlaßt sah, den Betrunkenen zur Rede zu stellen. Dabei stellte er fest, daß der Angeklagte aus der Nachbarschaft seiner Wohnung war. Der Betrunkene erkannte den Autofahrer jedenfalls nicht und schrie ihn an: „Gehen Sie schleunigst weiter, bei uns gibt es keine Widerrede.“ Ein Begleiter zog eine Shagpfeife und richtete sie wie eine Pistole gegen den Autofahrer. „Ein Wort noch, und es knallt!“ rief der Begleiter mit todernster Miene. Daraufhin stieg der Autofahrer in den Wagen und fuhr davon.

Inzwischen hatte die Polizei von dem Zwischenfall erfahren. Da die Beamten annahmen, daß der Zecher bewaffnet war, forderten sie mit der Schußwaffe in der Hand die „Kapitulation“. Jetzt verlor der 28jäluige den Rest von Beherrschung. Er schlug wild um sich und traf einen Polizeibeamten mit einem Faustschlag auf dem Kopf. „Soll das die Freiheit der Bürger sein?“ und ähnliche Fragen stellte der junge Mann im Stile eines Volksredners. Die Polizisten blieben unbeeindruckt und fesselten die Ruhestörer.

Am nächsten Tag kam der Postangestellte zur Besinnung und entschuldigte sich bei seinem Nachbarn und der Polizei. Trotzdem mußte er sich jetzt - fast ein Jahr später - vor Gericht verantworten. Der Angeklagte machte in der Verhandlung einen guten Eindruck und versprach, in Zukunft keine Dummheiten mehr zu begehen. Der Staatsanwalt beantragte einen Monat Gefängnis. Das Gericht erkannte wegen Widerstandes auf eine Geldstrafe von 150 Mark.

 

Hohe Zuchthausstrafen für jugendliche Rohlinge                                                           1958

Drei junge Männer, die am Abend des 26. Juli in einer hell erleuchteten Dorfstraße in Hochstadt ein siebzehn Jahre altes Mädchen in einem Auto entführt hatten, sind am Mittwoch zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt worden. Der 22 Jahre alte Chemiearbeiter Arnold Schlett erhielt wegen Entführung und Unzucht vier Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Zu je einem Jahr und zwei Monaten Zuchthaus wurden der 22 Jahre alte Maschinenschlosser Rudolf Flick und der 20 Jahre alte Schriftsetzer Günter Raab verurteilt. Alle drei stammen aus Bischofsheim.

Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Götz, sagte zur Begründung der harten Strafen, die Bevölkerung sei durch die sich in der letzten Zeit häufenden Überfälle in der Umgebung von Hanau stark beunruhigt. Erst vor zwei Wochen haben zwei junge Männer in Wolfgang ein junges Mädchen niedergeschlagen und, vergewaltigt. Gegen „derartige Gangster“ werde die Justiz mit aller I Schärfe vorgehen.

 

 

Aussprache über Rundfunk und Film                                                        18. Dezember 1958

Der letzte Diskussionsabend der Volkshochschulreihe „Was ist öffentliche Meinung“ mußte wegen einer dringenden anderweitigen Inanspruchnahme des Vortragenden (Diskussionsleiters) vom Montag, den 15. Dezember auf Freitag, den 19. Dezember verlegt werden. Wer die wirklich sehr aufschlußreichen und interessanten ersten Abende über Zeitungswesen und öffentliche Meinung miterlebt hat, wird sicher nicht verfehlen, auch an dem letzten dieser Reihe über Rundfunk und Film teilzunehmen.

 

Adventliche Feierstunde                                                                            18. Dezember 1958

Für Freitag hat die Evangelische Frauenhilfe wie alljährlich alle über 72 Jahre alten Einwohner von Hochstadt um 14.30 Uhr zu einer adventlichen Feierstunde im Saal des Jugendheims eingeladen.

 

Vorweihnachtliche Feierstunde                                                     22. Dezember 1958

Auch in diesem Jahre hatte die Außenstelle der Volkshochschule Hanau ihren Hörerkreis zu einem besinnlichen Abend eingeladen. Im Feierraum der neuen Schule erklang Musik von Beethoven und Mozart bei Kerzenlicht und Tannengrün und führte die Menschen aus der geschäftlichen Hetze des Alltags zu Stille und Sammlung. Dasselbe wollte auch das dichterische Wort: „Weihnachtsbetrachtung“ von A. Martina Gottschick, „Heimweg“ von Anton Coolen und „Der Brunnen der weisen Männe“ von Selma Lagerlöf, gelesen von Ernst Polke. Der musikalische Teil, ohne den ein festlicher Abend nicht zu denken wäre, wurde in dankenswerter Weise wieder von Paul Henkel (Klavier) und seinen Freunden Gries und Eckerling (Geige) gestaltet.

           

Neue Wohnblocks in Hochstadt                                                                                       1958

Gemeindevertreter stimmten der Ausweitung des Baugebietes zu.

Im östlichen Ortsteil von Hochstadt sollen dreigeschossige Wohnblocks entstehen. Die Gemeindevertreter haben in ihrer letzten Sitzung bereits der Ausweitung des Baugebietes im

Anschluß an die Wachenbuchener Straße zugestimmt. Bürgermeister Ziegler hob hervor,

mit den dreigeschossigen Häusern wolle man der immer noch herrschenden Wohnungsnot

begegnen.

Der Bürgermeister zählte eine Reihe schlimmer Wohnungsnotstände auf. Wegen der verkehrsgünstigen Lage im engeren Rhein-Main‚ Industriegebiet könne nicht mit einer Abnahme der Bevölkerungszahl gerechnet werden. Es sei bezeichnend, daß auch in der Nachbargemeinde Dörnigheim mit ähnlicher Bedeutung als Arbeiterwohnsitz der Bau mehrerer Wohn­blocks geplant ist.

Einen Überblick über die. Haushaltsentwicklung gab Vorsteher Lotz in der letzten Gemeindevertretersitzung. Er hob hervor, daß der Holzeinschlag nicht ganz die erwarteten Einnahmen bringen werde. Unter dem .Planansatz dürften auch die Einnahmen aus dem Kanalbenutzungsgebührenhaushalt bleiben. Im Ausgabenetat werde man sich zu Einsparungen entschließen müssen, um den Ausgleich sicherzustellen.

Zum Kanalbau bemerkte Lotz, der dritte Abschnitt umfasse die Bahnhofstraße; Jägerstraße, Lindenstraße, einen Teil der Bleichstraße, die nördliche Ringstraße und einen Teil der Dor­felder Straße. Beachtlich seien die Fortschritte im Straßenbau. Befestigt wurde die Hofgerichtsstraße, vollständig neu ausgebaut die Weinbergstraße. Die: Schulstraße hat zum zweiten Mal eine Teerdecke erhalten. Im nächsten Jahr will man den Bürgersteig in der Bahnhofstraße, der in die Jägerstraße einmündet, mit einer festen Decke versehen.

Lotz kündigte weiter die Verbesserung der Straßenbeleuchtung an. In der Schule konnten wieder für eine Klasse neue .Möbel .angeschafft werden. Abschließend erklärte der Vorsteher, bei „Halbzeit“ der vierjährigen Legislaturperiode könne man in Hochstadt mit den erreichten Aufbauleistungen zufrieden sein.

 

31. Dezember. Am Neujahrstag kann Frau Elisabeth Hohmann geb. Müller ihren 72. Geburtstag feiern.

 

Polizei behielt klaren Kopf7                                                                                     1957/58

„Dummer-jungen-Streich“ eines erwachsenen Mannes hatte böse Folgen.

Immer war der 28jährige Postangestellte P. aus Hochstadt als ruhiger und besonnener Mensch bekannt gewesen, so daß er sich allgemeiner Achtung und Beliebtheit erfreuen durfte. Umso unerklärlicher waren die Vorfälle, die ihn nun vor die Schranken des Hanauer Sehöffen­gerichtes brachten.

Es geschah am 26. Februar des vergangenen Jahres, daß der Angeklagte zusammen mit zwei Bekannten eine Geburtstagsvorfeier zum Anlaß nahm, eine Zechtour durch verschiedene Frankfurter Lokale zu wagen. Nachdem P. schätzungsweise fünfzehn Bier und seine Kumpane sicherlich nicht weniger getrunken hatten, wandte sich die fröhliche Gesellschaft heimatlichen Gefilden zu. In Dörnigheim wurde daher noch einmal Station gemacht, wo aber nicht mehr als zwei oder drei Gläser verkonsumiert wurden.

Dann begaben sich die Zecher auf den Heimweg gen Hochstadt. Wahrscheinlich lag es daran, daß der Angeklagte nicht sehr oft mit dem Alkohol in diesen Mengen Bekanntschaft machte. Jedenfalls war er völlig ausgelassen und benahm sich mit seinen Begleitern derart ungebärdig, daß sämtliche Passanten aufmerksam wurden. Wie kleine Jungen taumelten sie auf der Straße hin und her und waren dabei zu allerlei derbem Unfug aufgelegt. Das Verhängnis nahte dann in der Gestalt eines Kleinwagens, den der Angeklagte mitten auf der Straße zum Anhalten zwang. Ohne jeden Grund schlug P. sodann auf das Zeltdach des kleinen Fahrzeuges, daß die im Innern sitzende Frau den Schlag noch auf ihrem Kopf zu spüren bekam.

Der Fahrer stieg daraufhin aus, ging auf den Angeklagten zu und wollte ihn zur Rede stellen. Er erkannte dabei, daß es sich bei dem Angeklagten um einen Mann aus der Nachbarschaft handelte, der seinerseits in seinem angetrunkenen Zustand den Nachbar offensichtlich aber nicht erkannte. Er rief ihm nämlich gebieterisch zu: „Gehen Sie weiter, bei mir gibt es keine Widerrede!“ Der Begleiter des Angeklagten tat noch ein Übriges, indem er eine Shagpfeife zog, sie umgekehrt wie eine Pistole auf den Autofahrer hielt und rief: „Noch ein Wort und es

knallt!“ Als der Mann sah, daß er Betrunkene vor sich hatte, tat er das Klügste was er tun konnte: Er stieg in seinen Wagen und fuhr davon.

Inzwischen hatte jedoch auch die Polizei Wind von der Sache bekommen, die nach Lage der Dinge annehmen mußte, daß die drei Zecher bewaffnet waren. Die auf einer Streifenfahrt befindlichen Beamten hielten die Betrunkenen an und forderten sie mit der Schußwaffe in der Hand auf die Hände hochzunehmen. Da sah der Angeklagte rot. „Ist das die Freiheit des Bürgers?“ rief er. „So werden wir von der Polizei geknechtet!“ Während er theatralische Reden hielt und die Beamten beleidigte, schlug er wild um sich, wobei er einen der Polizisten mit einem Faustschlag am Kopf traf, daß dieser noch einige Zeit Schmerzen spürte. Trotzdem behielten die Beamten in vorbildlicher Weise ihre Ruhe. Sie fesselten die Ruhestörer und zwangen sie so zur Kapitulation. Der inzwischen wieder hinzugekommene Fahrer von vordem mußte vorher aber auch noch einige Beschimpfungen wie Gauner“ und „Lump“ über sich ergehen lassen.

Am nächsten Tag erst, als er wieder einen klaren Kopf hatte; merkte der Angeklagte, was

angerichtet hatte. Er ging sowohl zu dem Nachbar als auch zu den Polizeibeamten und entschuldigte sich in aller Form. Um eine Anklage wegen Widerstandes und Körperverletzung kam P. allerdings nicht herum. Er hatte jedoch Glück, daß sowohl sein einsichtiger Nachbar als auch die gutmütigen Polizisten keinen Wert auf eine Bestrafung legten und ihre Strafanträge zurücknahmen. So wurde der Angeklagte lediglich wegen Widerstandes zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Staatsanwalt hatte dagegen einen Monat Gefängnis beantragt

 

Der Vorsitzende machte dem Angeklagt zum Schluß noch einmal klar, wie froh er sein könne, daß die Zeugen ihn sonst als einen ruhigen und ordentlichen Menschen kannten und ihm daher großmütig verziehen. Er hätte sonst mit einer Freiheitsstrafe rechnen müssen, was ihn vermutlich die Stellung gekostet hätte.

 

 

Vor den Augen des Vaters: Mädchen überfahren                                   August 1958

Vor den Augen ihres Vaters starb am Dienstagmorgen die 14jährige Elise Eibelshäuser aus Hochstadt auf der Hanauer Umgehungsstraße. Das Mädchen, das mit seinem Vater um 6,30 Uhr zur Arbeitsstelle fuhr, wurde beim Überqueren der Fahrbahn in der Nähe der Einmündung der Hochstädter Landstraße von einem Lastkraftwagen erfaßt und zu Boden geschleudert. Der Vater war mit seinem Fahrrad am Stopschild der in die Umgehungsstraße einmündenden Fahrbahn stehengeblieben, während seine Tochter offenbar die Geschwindigkeit des sich aus Richtung Fulda nähernden Lastwagens falsch eingeschätzt hatte und weitergefahren war. Eine Minute nach dem Zusammenstoß erlag das Mädchen seinen schweren Verletzungen

[Die Familie wohnt Rosenstraße 8].

 

Jubiläen

Hochstadt, 29. September. Am Dienstag können die Eheleute Baumwart Philipp Reichert und Frau das Fest der silbernen Hochzeit feiern.

Das Fest der Silberhochzeit können heute die Eheleute Friedrich Karl Kegelmann und Frau Käthe, geb. Daubert, Hochstadt, Hauptstraße 57, feiern.

Seinen 83. Geburtstag feiert' am 1. November Herr Johannes- Kraft, Hochstadt, Weinbergstraße 1.

 

Sängervereinigung stellt sich vor                                                                          04.10.1958

Zu einem volkstümlichen Liederabend hatte die Sängervereinigung Hochstadt eingeladen, der in vielfältigem Wechsel Männerchöre und bekannte Sologesänge darbot. Dirigent Sendlbeck ist es gelungen, aus den guten Einzelstimmen einen Chor von bemerkenswerten Könnern zu schaffen. Der Schlußchor „Suliko“ mußte wiederholt werden.

 

Tolles Gangsterstück mitten auf der Dorfstraße                          11. Dezember 1958

Drei junge Männer wegen Entführung und Notzucht zu Zuchthausstrafen verurteilt. „Ein so schwerer Notzuchtfall ist mir in meiner langjährigen Praxis als Richter bisher kaum begegnet“, sagte der Vorsitzende der Großen Strafkammer des Landgerichts Hanau, Landgerichtsdirektor Dr. Götz, gestern in einem Prozeß gegen vier junge Männer, die sich wegen Entführung und Notzucht zu verantworten hatten. Die Angeklagten hatten im letzten Sommer nachts ein junges Mädchen mitten auf der Hauptstraße in Hochstadt in ein Auto gezerrt und waren mit ihm aufs freie Feld gefahren, wo sich einer der Täter an dem Mädchen verging.

Ihre unmenschliche Tat fand nun eine gerechte Sühne. Drei von ihnen wurden zu empfindlichen Zuchthausstrafen verurteilt. Der Kommentar des Vorsitzenden zu dieser Tat: „Wenn diese Gangstermethoden in Deutschland Schule machen sollten, kann sich bald kein anständiger Mensch mehr nachts auf die Straße wagen“.

Der Hauptangeklagte, gelernter Bäcker, zuletzt Chemiearbeiter, der 29jährige Arnold Schlette aus Bischofsheim, mehrfach vorbestraft, verheiratet und Vater von zwei Kindern, wurde wegen Entführung und Notzucht zu einer Zuchthausstrafe von vier Jahren und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Wegen Entführung und Beihilfe zur Notzucht erhielten die bisher strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getretenen und aus ordentlichen Familienverhältnissen stammenden Rudi Flick, Maschinenschlosser, 22 Jahre alt, und der 21jährige Schriftsetzer. Günter Raab, beide in Bischofsheim wohnhaft, eine Zuchthausstrafe von je einem Jahr und zwei Monaten. Den drei Verurteilten wurde die Untersuchungshaft von fünf Monaten auf die Strafe angerechnet. Außerdem ordnete das Gericht an, daß der Personenwagen von Raab eingezogen wird. Der vierte Angeklagte, der 25jährige Kraftfahrer Willi K. aus Bischofsheim wurde mangels Beweises freigesprochen.

 

Auf Abenteuer aus

Im Wagen von Raab besuchten die Angeklagten am Abend des 26. Juli dieses Jahres mehrere

Gaststätten in Orten der näheren und weiteren Umgebung. Unterwegs montierten sie von einem parkenden Personenkraftwagen eine Nebellampe ab. Wegen dieses Falles hatte die Staatsanwaltschaft zusätzlich Anklage wegen Diebstahls erhoben. Weil das gegenüber der Hauptanklage jedoch nicht ins Gewicht fiel, wurde das Verfahren vorläufig eingestellt. Für die Unternehmungslust des Quartetts spricht aber auch daß sie nachts auf einer Landstraße eine Frau ansprachen, sie jedoch wieder in Ruhe ließen, nachdem Schlett festgestellt hatte, daß sie zu alt sei. Schletts Absichten gingen eindeutig aus seinen von den Mitangeklagten

bestätigten Äußerungen hervor: „Wenn unterwegs was Schönes gefunden wird, dann wird es mitgenommen!“

 

Verfolgung im Auto

Nachts gegen 0.30 Uhr landeten die vier noch einmal in einer Gaststätte in Hochstadt. Dort sahen sie die 21 jährige kaufmännische Angestellte erstmals, die dann das Opfer der Täter wurde. Die junge Dame war gerade von einem Besuch bei ihrem Bräutigam in Frankfurt auf dem Bahnhof Hochstadt angekommen und war in die Gaststätte gegangen, um eine Sonnenbrille abzuholen, die ihr Bräutigam am Vortag dort liegengelassen hatte. Die Angeklagten folgten dem Mädchen, als es die Gaststätte verließ. Sie setzten sich ins Auto und fuhren mindestens 100 Meter neben ihr her. Flick versuchte, sie in ein Gespräch zu verwickeln und lud sie zu einer Autofahrt ein. Sie lehnte jedoch ab und drohte schließlich, als es ihr zu dumm wurde, die Polizei zu holen.

 

Laute Radiomusik

Jetzt wurden die Angeklagten rabiat. Raab, der Fahrer des Wagens, fuhr so dicht an die Verängstigte heran, daß sie schließlich vor einer Treppe eingezwängt und an die Wand gedrückt wurde. Flick verließ den Wagen, packte das um Hilfe schreiende Mädchen und zog es, unter-

stützt von Raab und Schlette, in den Wagen hinein. Dieser Vorfall spielte sich mitten in der hell erleuchteten und noch etwas belebten Ortsdurchfahrt von Hochstadt ab. Einige Passanten wurden auch aufmerksam. Die Angeklagten fuhren jedoch so schnell wie möglich davon. Das Autoradio war auf volle Lautstärke gestellt worden, damit die Musik die Hilferufe des Mädchens übertönen sollte. Im Wagen flehte die Entführte die Entführer mehrmals weinend an, sie freizulassen. Diese hatten jedoch kein Gehör für ihr Bitten.

 

Schreie aus dem Dunkel

In der Nähe des Hochstädter Berges veranlaßte Schlette den Raab, links in einen Feldweg einzubiegen. Inmitten eines Wiesengeländes, ein ganzes Stück seitab von der Straße, hielt der Wagen an. Mit den Worten; „Ich bringe sie jetzt nach Hause“ verließ Schlette den Wagen mit dem Mädchen. Nach kurzer Zeit hörten die drei Zurückgebliebenen aus dem Dunkel Schreie. Als sich in diesem Augenblick aber ein Motorradfahrer. näherte, stieg K. aus dem Wagen und lief davon. Raab und Flick dagegen fuhren mit ausgeschaltetem Licht davon, weil sie annahmen, der näherkommende Motorradfahrer könne ein Polizeibeamter sein.

Schlette hatte inzwischen auf dem Feld das flüchtende Mädchen eingeholt. Er preßte es gegen einen Baum und würgte es. Als das Mädchen einen Augenblick Luft bekam, zog es die Schuhe aus und rannte davon. Schlette nahm wieder die Verfolgung auf und riß das Mädchen zu Boden. Insgesamt dreimal versuchte das verzweifelte Mädchen vergeblich eine Flucht. Beim letztenmal schließlich war es zu erschöpft, um sich weiter ernsthaft zur Wehr setzen zu können. Während sich Schlette über sie warf, drohte er ihr, sie solle sich nicht weiter wehren, sonst würde er die anderen drei auch noch herbeiholen. Dann würgte er sie von neuem und

sagte: „Wenn ich fester zudrücke, bist du fertig!“

Nachdem sich Schlette die Wehrlose gefügig gemacht hatte, konnte sie sich aber erneut freimachen und davonlaufen. In einem Kornfeld versteckte sie sich so lange, bis auf der Straße ein Motorradfahrer nahte und sie mitnahm.

Beim Sturz verletzt

Die Angeklagten, die sich ihrer Schuld offen sichtlich voll, bewußt waren, fanden in der Nacht keine rechte Ruhe. Sie trafen sich noch einmal, wobei Schlette feststellte, daß er sich bei einem Sturz während der Verfolgung des Mädchens verletzt hatte. Raab fuhr Schlette in ein Frankfurter Krankenhaus, wo eine Knochenverletzung am Oberarm bei ihm festgestellt würde. Nachdem er ärztlich behandelt worden war, konnte er am nächsten Morgen entlassen werden. Die Täter wurden noch am gleichen Tag ermittelt und festgenommen. Schlette hatte vorher noch versucht, in die Sowjetzone zu fliehen.

 

Schlette war der Anführer

Flick und Raab gaben bei ihrer Vernehmung im Großen und Ganzen zu, was ihnen zur Last gelegt wurde. Aus ihren Aussagen ging hervor, daß Schlette der Anführer gewesen war und daß: sie seinen Anordnungen bei der Entführung bedenkenlos Folge geleistet hatten. Sie erklärten jedoch, sie hätten nicht gedacht, daß Schlette später auf der Wiese gegenüber dem Mädchen Gewalt anwenden würde. K. dagegen will mit der Tat nicht einverstanden gewesen sein und seine Freunde im Auto sogar aufgefordert haben, das Mädchen wieder loszulassen. Er war jedenfalls der einzige, der bei der Entführung nicht mit angepackt hatte. Er mußte sich jedoch vom Vorsitzenden sagen lassen, daß er nichts getan hatte, um das Mädchen zu schützen.

 

Angeblich angetrunken

Schlette dagegen leugnete, obwohl er in der Voruntersuchung ein Geständnis abgelegt hatte. Trotz dringender Ermahnungen blieb er dabei, er habe dem Mädchen gegenüber keine Gewalt angewendet. Vor allem versuchte er sich in der Verhandlung damit herauszureden, daß er große Mengen Alkohol zu sich genommen habe. .Das Gericht rechnete ihm jedoch vor, daß er vier bis fünf Promille Blutalkoholgehalt hätte haben müssen, wenn er wirklich soviel Bier, Kognak, Sekt und Wermut getrunken hätte, wie er es wahrhaben wollte. Bei diesen Mengen, meinte der Vorsitzende, wäre der Angeklagte infolge von Alkoholvergiftung längst nicht mehr lebensfähig gewesen. Die zugleich als Nebenklägerin auftretende Kronzeugin schilderte die Vorfälle jedoch bei ihrer Vernehmung so klar und eindeutig, daß Schlette der Tat damit einwandfrei überführt wurde.

 

Vorsitzender: Wie Gangster

Staatsanwalt Oesterlein hatte gegen Schlette] vier Jahre, gegen Flick und Raab je ein Jahr

und vier Monate und gegen K. ein Jahr und zwei Monate Zuchthaus beantragt. Der Rechtsvertreter der Nebenklägerin schloß sich diesem Antrag in vollem Umfang an und verwies auf das kürzlich in Wolfgang verübte Notzuchtverbrechen, als er scharfe und abschreckende Strafen verlangte. Die Verteidiger von Raab und K. forderten für ihre Mandanten Freispruch.

Bei der Begründung des Urteils sagte Landgerichtsdirektor Dr. Götz, daß die Angeklagten mit einer unglaublichen Brutalität vorgegangen seien und sich wie Gangster benommen hätten. Wie leicht hätte es passieren können, daß Schlette fester zugepackt und dem Mädchen die Kehle zugedrückt hätte. Es liege im Interesse aller Menschen, die Töchter haben, daß bei solchen Fällen rücksichtslos durchgegriffen und erhebliche Strafen verhängt werden. Schlette als Haupttäter und Anführer habe die höchste Strafe erhalten müssen. Flick und Raab sei zugute gehalten worden, daß sie noch sehr jung seien und unter dem Einfluß Schlettes standen. K. dagegen habe, obwohl noch Verdachtsmomente bestünden, nicht einwandfrei nachgewiesen werden können, daß er sich an der Entführung aktiv beteiligt habe.

Nachdem Schlette erklärt hatte, das Urteil annehmen zu wollen, teilten auch die Verteidiger von. Flick und Raab im Anschluß an eine kurze Beratung mit den Angeklagten und deren Eltern mit, daß sie das Urteil als rechtsgültig anerkennen.

 

 

Notzuchtverbrechen fand seine Sühne

In Hanau verhandelt / Opfer im Auto entführt / Ein Angeklagter freigesprochen

Ein an einer 21jährigen kaufmännischen Angestellten aus Hochstadt in einer Julinacht vergangenen Jahres begangenes Notzuchtverbrechen fand gestern vor der Großen Hanauer Strafhammer seine Sühne. Nach ganztägiger Verhandlung unter Vorsitz von Landgerichtsdirek­tor Dr. Götz wurde der 29 Jahre alte Chemiearbeiter Arnold Schlette wegen Entführung und Notzucht zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden dem Hauptangeklagten für fünf Jahre aberkannt.

Zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr und zwei Monaten wurden: jeweils die Angeklagten Rudi Flick, ein 22jähriger Maschinenschlossergeselle, und der 20jährige Schriftsetzer Günter Raab verurteilt. Das Auto des Angeklagten Raab wurde eingezogen. Der vierte Angeklagte, ein 25jähriger Kraftfahrer, wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Sämtliche Angeklagten wohnen in Bischofsheim und stammen aus geordneten häuslichen Verhältnissen.

 

Unter Ausschluß der Öffentlichkeit schilderte das 21jährige Mädchen den Hergang des Verbrechens, das nach den Worten des Staatsanwalts Oesterlein an „Gangstergeschichten aus dem Wilden Westen“ erinnert. In der Nacht zum 27. Juli suchte das Mädchen in seinem Wohnort eine Gaststätte auf, um eine von seinem Verlobten liegengelassene Sonnenbrille abzuholen. In der Gaststatte zechten die vier Angeklagten nach einer Vergnügungsfahrt mit dem Auto des Schriftsetzers Raab. Nachdem das Mädchen das Lokal verlassen hatte, wurde es von den jungen Männern verfolgt.

Auf einer hell beleuchteten Dorfstraße zerrte der Maschinenschlossergeselle Flick das laut um Hilfe schreiende Mädchen mit brutaler Gewalt ins Auto. Hilfe leisteten dabei, die Angeklagten Schlette und Raab. Die Hilferufe waren so laut, daß ein in der Nähe wohnender Bader aus dem Schlaf geweckt wurde. Mit erheblicher Geschwindigkeit steuerte Raab den Wagen auf einen Feldweg abseits von der Hauptstraße.

Am Ziel angekommen, preßte der Chemiearbeiter Schlette, ein seit 1950 verheirateter Mann, das Mädchen so energisch gegen einen Baum, daß ihm für Augenblicke die Luft wegblieb. Die 21jährige verstand es; sich in einem günstigen Augenblick loszureißen. Der Hauptangeklagte holte das in Strümpfen flüchtende Mädchen jedoch wieder ein, und es kam zu einem Handgemenge. Abermals gelang es der 21jährigen, sich der Gewalt des Täters vorübergehend zu entziehen. Nachdem er ihrer wieder habhaft geworden war, warf der vorbestrafte Angeklagte das Opfer zu Boden und mißhandelte es. „Das ist das Ende“, schrie er dem verängstigten Mädchen ins Gesicht. „Wenn du nicht mitmachst, dann kommen auch noch die drei anderen“, sagte er, während die Mitangeklagten tatenlos im Auto verharrten. Raab hatte das Auto unbeleuchtet abgestellt. Der aus Mangel an Beweisen freigesprochene Angeklagte bekam es mit der Angst zu tun und entfernte sich vom Tatort. Im Verlaufe der Verfolgungsjagd nach dem fliehenden Mädchen verletzte sich der Hauptangeklagte Schlette. In den frühen Morgenstunden fuhr ihn Raab in ein Krankenhaus.

Staatsanwalt Oesterlein beantragte für den Haupttäter vier Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Die Angeklagten Flick und Raab hielt er der Entführung und der Beihilfe zur Notzucht für schuldig. Für sie beantragte er jeweils ein Jahr und vier Monate Zuchthaus. Gegen den vierten Angeklagten beantragte der Staatsanwalt ein Jahr und zwei Monate Zuchthaus.

In der Urteilsbegründung betonte Landgerichtsdirektor Dr. Götz, daß die Aussagen des 21jährigen Mädchens unanfechtbar seien. Schlette sei als ein Gangsterboß zu bezeichnen, der die anderen Angeklagten unter seine Fuchtel genommen habe. Dem vierten Angeklagten habe das Gericht keine Mittäterschaft nachweisen können. Die drei verurteilten Angeklagten nahmen die Strafen noch im Gerichtssaal an.

 

1959

 

Jubiläen

13. Januar. Sein 79. Lebensjahr kann heute Nikolaus Weigand, Dorfelder Straße 10, vollenden.

13. Januar. Das Fest der silbernen Hochzeit feiern heute die Eheleute Johannes Scharf und Frau Elise geb. Jung, Bogenstraße.

15. Januar. Sein 75. Lebensjahr kann heute Wilhelm Seibel, Rohrbachstraße, vollenden.

17. Januar. Ihr 7G. Lebensjahr kann heute Frau Elisabeth Höhl, Ringstraße Süd, vollenden.

23. Januar. Seinen 72. Geburtstag begeht heute der Spenglermeister Jean Lotz, Hanauer Straße 12.

19. Januar. Ihr 73. Lebensjahr vollendet heule Frau Margarete Stein geb. Strohl, und seinen 71. Geburtstag beging am Samstag Philipp Mankel, Lutherstraße.

3. Februar. Seinen 74. Geburtstag kann heute Wilhelm Hohmann, Lutherstraße, begehen,

17. Februar. Heute, Dienstag, kann Frau Marie Schäfer geb. Ulrich, ihren 83. Geburtstag feiern.

26. Februar. Heute, Donnerstag, kann der Weißbindermeister Johannes Mankel, Wellenpfad, seinen 81. Geburtstag feiern.

2. März. Sein 78. Lebensjahr kann heute der Rentner Wilhelm Kraft, Nordstraße 5, vollenden.

17. März. Heute kann der Landwirt Peter Heckert, Hauptstraße 13. seinen 82. Geburtstag feiern. Frau Margarete Mankel geb. Hensel, Wellenpfad 4, wird heute 75 Jahre alt.

, 14. April. Das hohe Alter von 85 Jahren kann heute der Postaufseher i. R. Konrad Höhl, Wachenbucher Straße 8, erreichen.

 

Erfolgreiche Ausstellung des Hochstädter Geflügelzuchtvereins                       Januar 1959

Tauben und Hühner auf dem Laufsteg

Hühner gackerten, Tauben gurrten am Sonntag im Saal des Gasthauses Eibelshäuser in Hochstadt, wo der Geflügelzuchtverein zu Beginn der Ausstellungszeit eine Junggeflügelschan veranstaltete. Sechs Preisrichter bewerteten die über hundert Tauben und Hühner. Der Kreisverband Hanau der Rassegeflügelzüchter hatte mit der Ausstellung eine Kreisversammlung verbunden, die am Nachmittag im Hof des Gasthauses stattfand.

Die Preisrichter Wienhold, Bad Homburg, Be3ck, Sprendlingen, August Adam, Mühlheim- Dietesheim, Peter Diefenbach, Königstein, Adam Daum, Darmstadt; und Fritz Wohlfahrt, Vockenhausen (Taunus), vergaben insgesamt 26 Ehrenpreise, 50 erste und 40 zweite Preise. Sie entfielen in der Hauptsache auf die Züchter Heinrich und Wilhelm Mankel, Philipp Schmidt, Rudolf Schäfer, Karl Krämer, Hans Rohrbach, Günther Schöpel und Rudolf Kistritz.

  

Wie Zuchtwart und, Ausstellungsleiter Wilhelm Mankel berichtete, hat sich der Hochstädter Geflügelzuchtverein in den letzen Jahren mehr und mehr auf die Taubenzucht spezialisiert. Deshalb wurde auch eine Jugendgruppe ins Leben gerufen, sodaß der Verein jetzt über fünfzig Mitglieder zählt.

Die vielgenutzte Seltenheit der Ausstellung: der „Eierwipp“, ein Getränk, das aus Apfelwein, Zucker und Schlagsahne zubereitet wird und vorzüglich schmeckt. Hans Rohrbach und Heinrich Mankel besorgten den „Vertrieb“ des Hochstädter „Züchtergetränks“, das alljährlich nur bei Ausstellungen angeboten wird.

Die Kreisversammlung der Rassegeflügelzüchter im Landkreis Hanau unter Vorsitz von Heinrich Ruth, Langendiebach, behandelte in der Kreisversammlung Züchterfragen und die Kreisausstellung, die am 20. November in Langendiebach stattfinden soll.

 

 

Auch Hanauer Prinzenpaar kommt                                                                      17.01.1959

Am heutigen Samstag steigt im Käwernbau die große Fremdensitzung, bei der drei Frankfurter Karnevalsvereine sowie Abordnungen von Großkrotzenburg, Großauheim, Biebrich und Hanau mitwirken. Für einen kurzen Besuch wird sich auch das Hanauer Prinzenpaar bei den Hochstädter Käwern vorstellen.

 

Fremdensitzung Käwernbau                                                                                  Januar 1959

Im „Käwernbau“ ging es am Samstagabend hoch her. Der festlich geschmückte Saal war brechend voll. Das vielstimmige „Hochstadt-Helau“ war bis auf die Straße zu hören. Das heimische Prinzenpaar, Wilhelm von Metzgeranien und Annemarie von Bäckeranien, und das Großauheimer Prinzenpaar, Günther II.. zu Fittigheim und Inge II. geborene Freifrau von der Klausenburg, wurden vom närrischen Volk stürmisch gefeiert. Ministerpräsident Albert Geis freute sich über die Zärtlichkeiten der beiden Prinzessinnen. In die Bütt stiegen Hans Rauch und Manfred Wex. Sie nahmen das. Mondraketenzeitalter, die kalten Krieger und lokale Begebenheiten aufs Korn. Vielbelacht wurde auch ein Zwiegespräch zwischen Margarete Stetzkowsky und Helmut Dalek. Die beiden Karnevalisten Valentin Wachendörfer aus Hanau und Werner Lösch aus Großauheim wurden mit dein Prinzenorden der „Käwern“ ausgezeichnet. Dieser Prinzenorden war nicht zu verachten, denn an dem Blech hing ein Kranz frischer Wurst.

 

Am Sonntag Lokallgeflügelschau                                                                          23.01.1959

Am Sonntag hält der Geflügelzuchtverein Hochstadt traditionsmäßig wie jedes Jahr am letzten Januar-Sonntag im Saale Eibelshäuser seine Lokalschau ab, die sich von jeher allgemeiner Beliebtheit bei den Züchtern des ganzen Kreises erfreute, da sich auf ihr zahlreiche bei allen großen deutschen Schauen und Ausstellungen prämiierte Tiere ein Stelldichein geben. Auch diesmal sollte sich ein Besuch der Schau in der „Hochburg der Geflügelzucht“ lohnen, wobei besonders auf die in Hochstadt in großer Zahl und auserlesener Schönheit vorhandenen Farbtauben hingewiesen sei.

In der dieser Tage stattgefundenen Jahreshauptversammlung des Vereins, bei der eine zufriedenstellende Finanzlage festgestellt wurde und der bisherige Vorstand geschlossen für ein weiteres Jahr mit der Führung beauftragt wurde, kamen die im abgelaufenen Jahr erzielten schönen Erfolge bei großen und kleinen Schauen noch einmal 'zum Ausdruck. Nicht zuletzt waren auch zahlreiche Sonderschauen höchst erfolgreich beschickt.

 

Hauptamtlicher Bürgermeister

Mit sieben Stimmen der SPD gegen fünf der CDU und der Wählergemeinschaft wurde in der Gemeindevertretung beschlossen, den ehrenamtlichen Bürgermeisterposten in eine hauptamtliche Stelle umzuwandeln. In der nächsten öffentlichen Sitzung des Gemeindeparlaments soll der ehrenamtliche Bürgermeister Philipp Ziegler zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt werden. Die hauptamtliche Stelle wird nicht öffentlich ausgeschrieben. Von den Sprechern der SPD, Lotz und Seibel jun., wurde darauf hingewiesen, daß die weitere Aufwärtsentwicklung in Hochstadt entscheidend von dem Wirken eines erfahrenen Kommunalpolitikers an der Spitze der Verwaltung abhänge. Dagegen meinten die Gemeindevertreter Blum und Schmidt für die CDU und die Wählergemeinschaft, daß die .Mehrbelastung durch eine hauptamtliche Stelle angesichts der gegenwärtig sehr angespannten Finanzlage nicht vertretbar sei.

 

Hauptamtlicher Bürgermeister

In geheimer Abstimmung wählten die Gemeindevertreter Philipp Ziegler auf sechs Jahre zum hauptamtlichen Bürgermeister. Bürgermeister Ziegler übte das Amt bisher ehrenamtlich

aus. Der Wahl, zum hauptamtlichen Gemeindeoberhaupt stimmten sieben Gemeindevertreter zu. Vier Gemeindevertreter enthielten sich der Stimme. Philipp Ziegler ist seit 1945 kommunalpolitisch tätig. Von 1948 bis 1952 gehörte er dem Gemeindevorstand an. Nach den letzten Kommunalwahlen im Herbst 1956 wählte ihn die Gemeindevertretung zum ehrenamtlichen Bürgermeister. Ziegler gehört der SPD an. Gemeindevorsteher Werner Lotz überreichte dem Bürgermeister die Urkunde und verpflichtete ihn zur gewissenhaften Arbeit. Der Bischofsheimer Bürgermeister Georg Krieger überbrachte die Glückwünsche der sozialdemokratischen Kreisorganisation. Im Auftrag des Kreisausschusses wünschte Beigeordneter Ludwig Sorg dem Bürgermeister viel Erfolg bei seiner weiteren Arbeit.

 

Hundert Jahre deutsches Lied

Die Sängervereinigung Hochstadt, die in diesem Jahr das hundertjährige Jubiläum des ältesten der in ihr zusammengeschlossenen Vereine feiert, ist bereits eifrig mit den organisatorischen

 Vorbereitungen zu den aus diesem Anlaß geplanten Festlichkeiten beschäftigt. Bereits im vergangenen Jahr wurde auf einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen, kein Fest im großen Stil, d. h. mit Festplatz und Zelt zu feiern, sondern die verschiedenen Veranstaltungen im Saale abzuhalten.

Auf der diesjährigen Hauptversammlung wurden folgende Veranstaltungen festgelegt: Festlicher Kommers, Totenehrung, Freundschaftssingen, Jubiläumsball und Jubiläumskonzert. Alle Veranstaltungen außer dem Jubiläumskonzert werden in der ersten Hälfte des Monats Mai stattfinden. Zu dem Freundschaftssingen wurden zahlreiche befreundete Vereine der näheren und weiteren Umgebung Hochstadts eingeladen. Für den Festkommers wurde bereits der Musikverein Bergen mit seinem beliebten Blasorchester gewonnen, während zum Jubiläumshall die bekannte Tanzkapelle des gleichen Vereins aufspielen wird.

 

 

Anastasius Dronzek

Die grüngestrichene Holztür knarrt ein wenig beim Öffnen. Von der Straße fegt ein kalter Luftzug in die kleine Stube. An der Stirnseite des Raumes steht ein Herd, an der Längsseite daneben ein altes Sofa, davor ein Tisch und ein Stuhl. Eine Kindermütze hängt an der Innenseite der Holztür. Der Raum ist peinlich sauber. Das Reich einer Musterhausfrau, denkt man unwillkürlich. Aber dieses Haus hat keine Hausfrau. Hier wohnt ein alter Mann. Und sein 13jähriger Enkel. Für zwei Menschen ist dieser Raum in einem Haus in Hochstadt zur Zuflucht geworden, zu einer neuen Heimat.

Der Mann mit den weißen Haaren und dem abgetragenen schwarzen Wollpullover sitzt neben dem Herd. Der Mann heißt Anastasius Dronzek, Jahrgang 1883, geboren in Westpreußen, von Beruf Ziegelbrenner. Mit leiser Stimme erzählt der Mann sein Schicksal. Dronzek lebte in der Nähe von Landsberg. „Wir hatten uns etwas zusammengespart“, sagt er leise, „wir haben Tag und Nacht gearbeitet, meine Frau und ich.“

Die Dronzeks hatten ein Häuschen. Und einen Stall. „Und 85 Obstbäume“ sagt der Mann, „gute Obstbäume. Das war mein Alles. Und dann kam der Krieg. Und dann kamen die Polen. In zehn Minuten mußten wir unser Eigentum verlassen. In zehn Minuten ...“ Der Mann schweigt einen Augenblick. Dann spricht er leise weiter „Wir wohnten nur 18 Kilometer entfernt von unserem Häuschen. Ich habe dann wieder als Ziegeleiarbeiter geschafft.

Bis 1953. Dann hat mir der Arzt die Arbeit in der Ziegelei verboten. Herz und Lungen waren schon zu sehr kaputt. Ich habe dann Rente bekommen. Aber wissen Sie, das polnische Geld -- na, zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Dann ist meine Frau gestorben und ich war mit meiner Tochter und dem Enkel allein. 1957 sind wir dann in den Westen gekommen, der Junge und ich. Und seit März 1958 sind wir nun hier in Hochstadt.“

Die Not der anderen

Der Bürgermeister hat getan, was er konnte. Er hat dem Anastasius Dronzek und dem kleinen Siegfried Wohnraum verschafft. Er hat sich um sie gekümmert. Das Landratsamt hat mit Möbeln geholfen. Aber auch den Hilfsmöglichkeiten dieser Beamten und des Bürgermeisters sind Grenzen gesetzt. Sie dürfen über der Not des einzelnen nicht die Not der anderen vergessen. Sie können nicht mehr für Anastasius Dronzek und seinen kleinen Enkel tun.

 

Er lebt für das Kind

„Meine Tochter ist noch drüben in Polen“, sagt der Mann. Sie sehnt sich nach dem Jungen. Das schreibt sie in jedem Brief. Das Kind muß hier ohne die Pflege einer Mutter aufwachsen. Nur der alte Mann sorgt für den Jungen. Er kocht für ihn, er kümmert sich um ihn, er lebt nur für das Kind. Es ist kein leichtes Leben, das Anastasius Dronzek führt. „Meine Hauptrente ist noch nicht durch“, sagt er. 119 Mark Kriegsschadenrente bekommt er. Und 50 Mark bekommt der Junge. Das ist nicht viel für zwei Personen. Aber der alte Mann klagt nicht. Er wird auch nicht klagen, wenn am Heiligen Abend in den Wohnungen der deutschen Wirtschaftswunderkinder die Fernsehapparate abgedreht und die Kerzen an den Weihnachtsbäumen angezündet werden. Auch wenn in seiner Stube nichts von diesem Glanz zu sehen ist. Dieser Mann hat das Klagen verlernt. Er hat in seinem Leben schon zu viel verloren.

 

 „Käwernbau“ war wieder rappelvoll                                                                   22.01.1959

Auch zwei Prinzenpaare fehlten nicht bei der stimmungsvollen Fremdensitzung

Als Höhepunkt der diesjährigen Saison veranstalteten die Hochstädter „Käwern“ am vergangenen Samstag ihre alljährliche große Fremdensitzung, bei der Ministerpräsident Albert Geis im restlos besetztem Käwernbau die Abordnungen der Sachsenhäuser Karnevalsgesellschaft, des Hanauer Carnevalzugsvereins, des Ersten Großauheimer Karnevalvereins, der Biebricher Meckes, der Frankfurter Karnevalsgesellschaft, die „Nordender“, den Hochstädter Bruderverein „Humoristen“ und die Vertreter der Gemeindekörperschaften mit Bürgermeister Ziegler an der Spitze begrüßen konnte.

Erfreulicherweise zugegen war aber auch das Großauheimer Prinzenpaar das vom Ministerpräsidenten dem närrischen Volk der Käwern vorgestellt und lebhaft begrüßt wurde. Das Hochstädter Prinzenpaar hatte, getreu seiner Zunft, sich für dieses Jahr einen besonderen Orden ausgedacht. Prinz Wilhelm I. von Metzgeranien hatte als Embleme zwei Rindswürstchen und Prinzessin Irmgard von Bäckershausen ein Brötchen, natürlich fein säuberlich in einer Zellophantüte gehüllt.

Als erster stieg selbstverständlich der Protokoller H. Rauch in die Bütt, der wie immer sehr gut die große Politik glossierte. Aber auch die örtlichen Ereignisse kamen dabei nicht zu kurz. So wußte er von einem Schwiegersohn zu berichten, der sich als Zahnarzt bei seiner zukünftigen Schwiegermutter bewähren wollte, sowie von den zwei Hochstädtern, die auf Grund einer Wette einen Hasenschmaus im Telefonhäuschen veranstalteten. Aber auch von einem Altfußballer, der ausging, um Hühnerdiebe aufzuspüren und schließlich feststellen mußte, daß das gesuchte Huhn schon seit einiger Zeit im Stall zum ewigen Schlaf „übergegangen“ war. Schließlich auch noch von einem Wellensittich, der aus übertriebener Freude an seiner sonst so begrenzten Freiheit im Kochtopf landete und gerade noch durch ein schnelles kaltes Bad der besorgten Besitzerin gerettet werden konnte.

Kappenbruder K. H. Jäckel von den Biebricher Meckes war sowohl mit seinem sehr geistreichen Vortrag Ost-West wie auch in seinem zweiten Vortrag als Winnetou, der ebenfalls die große Politik als Zielscheibe hatte, unübertroffen.

Albert Boos vom HKZ als August ist in Hochstadt ebenfalls kein Fremder mehr und gefiel wie schon bei der Eröffnungssitzung auch neuerlich. Margarethe Stetzkowski und Helmut Dalek von den Hochstädter Käwern brachten einen musikalischen Vortrag „Schwarze Werbung“. Aber auch M. Wex von den Hochstädter Käwern als „Erster Urlauber der Bundeswehr“ gefiel sehr gut. Die Großauheimer Karnevalgesellschaft wartete ebenfalls mit zwei Vorträgen auf und zwar das Zwiegespräch „Der Rübezahl als Flüchtling“ (August Schuler) und der „Altbürger“ (K. H. Doll). Sie kamen mit diesen Vorträgen genauso gut an, wie die im Käwernbau schon altbekannte Lieselotte Scherer mit ihrem „Eheglück“.

Kappenbruder Wieswässer von den Frankfurter „Weiße Mützen“, der jahrelang als die „Putzfrau vom Bundeshaus“ in die Bütt stieg, bewährte sich diesmal als „Evakuierter“. Er schilderte sehr gut das Los der alten Frankfurter, denen es noch nicht vergönnt ist, wieder in ihrer Heimatstadt zu wohnen. Auch die Sachsenhäuser waren mit zwei Vorträgen aktiv. Fritz Hornö als „Gondoliere“ schilderte die Verbundenheit der Bundesrepublik und Italien, insbesondere durch die Urlauber. Gretel Horn und H. Pless illustrierten den „Sportler des Jahres“. Beide Vorträge bewiesen das Format der Sachsenhäuser.

Erstmals im Käwernbau stand Charly Klein vom Frankfurter Karnevalclub „Nordende“ in Hochstadt mit seinem Vortrag „Wärn wir lieber dahaam gebliwwe“ in der Bütt. Der begeisterte Empfang bei seinem zweiten Vortrag mit G. Pfaller als „Charly und Dodo“ zeigten deutlich, daß er die Käwernschar zu begeistern wußte, was auch das folgende Zwiegespräch unterstrich. Ebenfalls wieder in die Bütt stiegen die altbekanten H. Langener von dem 1. Frankfurter Karnevalclub 1888 und H. Flohr vorn Frankfurter KC „Spinner“. Den Abschluß machte Helmut Christe mit seinen Liedern zur Gitarre. Ministerpräsident A. Geis aber konnte am Schluß der Sitzung mit Recht feststellen, daß nach der Stimmung im Käwernbau auch diese 1roße Fremdensitzung wiederum gehalten hat, was man von ihr erwartete.

 

Hochstädter Jungsozialisten fahren nach Berlin                                                 10.01.1959

Vor der hiesigen Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten sprach Unterbezirksvorsitzender Sepp Sigulla, Bischofsheim, über die Jugendarbeit in der SPD. Die jungen Mitglieder müssen sich durch intensive Schulungsarbeit darauf vorbereiten, eines Tages einmal Verantwortung zu übernehmen Sie sollen auch in noch stärkerem Maße als bisher bei der Meinungsbildung in der Partei mitwirken und zu wichtigen aktuellen Fragen Stellung nehmen.

Ganz entschieden lehnte der Redner jede Spaltung der Gewerkschaften ab, die die Kampfkraft der Arbeitnehmer nur schwächen würde. Heute sei es wichtiger als je zuvor, daß alle Arbeitnehmer solidarisch zusammenstehen und die ständigen Angriffe auf die sozialen Errungenschaften gemeinsam abwehren. Man denke nur an die vom Bundesarbeitsminister vorgeschlagene Selbstbeteiligung der Versicherten an den Kosten der Krankenbehandlung. Den Eifer, den man hier an den Tag legt, sollte die Bundesregierung in Fragen der deutschen Einheit endlich entwickeln. Man kann die russischen Vorschläge nicht nur ablehnen, sondern man muß von deutscher Seite geeignete Gegenvorschläge machen und darüber mit den Westmächten und mit der Sowjet­union verhandeln.

Abschließend berichtete Sepp Sigulla noch über das Juso-Camp, das vom 1. bis 10. Juli in Berlin stattfindet. An diesem Internationalen Zeltlager werden sich auch die Hochstädter Jungsozialisten beteiligen.

 

Aufnahme gut bestanden                                                                                      02.03.1959

Von zwölf Schülern und Schülerinnen, die sich aus der Volksschule Hochstadt an weiterführende Schulen zum Probeunterricht gemeldet hatten, sind elf aufgenommen worden. Ebenso sind alle acht Kinder, die sich aus der 8. Klasse um Aufnahme in die Städtischen Handelsschulen der Stadt Hanau beworben hatten, nach bestandener Prüfung angenommen worden.

 

 

Verwirklichung des Dichterischen

Der junge Hanauer Dichtet Horst Bingel geht seinen Weg

Eine Insel

auf der Tapete.

Sie ist so groß,

daß ich dort leben könnte.

 Eine Lampe

auf der Tapete

gibt das Licht

meiner Insel.

Ich lasse die Insel,

so wie sie ist.

Ein Fleck

in einer grauen

Tapete.

Der dies schrieb, Horst Bingel, ist ein Dichter der jungen Generation. Die Lyrik hat's ihm angetan, seine Gedichte, seine Erzählungen, sie tragen alle den Hauch des Lyrischen. Fein, voller Hingabe an die kleinen Freuden des Alltags ist die Feder, wenn Gedichte aus ihr fließen; spitz und streitbar kann sie werden, wenn sie in der Hand des Kritikers Horst Bingel liegt. Ein Junger noch, dieser Horst Bingel, aber einer von jenen, die ihren Weg kennen, weil er ihnen vorgezeichnet ist von unsichtbarer Hand.

Mit Hanau ist der junge Lyriker besonders verbunden. Hier unterrichtet sein Vater, der Lehrer, in der Brüder-Grimm-Schule; hier besuchte er selbst die Hohe Landesschule, den Grundstock legend für das Wissen, das ihn zu einem hochgeschätzten und gefürchteten Kritiker machte. Es brach schon früh aus ihm heraus. Von der Schulbank weg, auf der er seine ersten Gedichte geschrieben hatte, gab er sich der schriftstellerischen Tätigkeit hin, scheute sich nicht, ganz klein zu beginnen.

Dann, 1956/57 redigierte er seine erste Zeitschrift, den „Büchermarkt“ in Frankfurt. Bald holte ihn V.O. Stomps, Inhaber des Verlages Eremiten-Presse, aus dem beschaulichen Hochstadt, wo er zehn Jahre gewohnt hatte, nach Stierstadt im Taunus. Die Streit-Zeit-Schrift wurde sein Metier. Durch ihn wurde sie zu einer vielbeachteten Literaturschrift, durch sie wurde Horst Bingel zum bekannten Dichter und anerkannten Kritiker. Jetzt zahlte es sich aus, daß er zwei Jahre lang in der Zeichenakademie Malerei und Bildhauerei studiert hatte, Kunstformen, deren Kenntnis für den Kritiker von unschätzbarem Wert ist.

Immer wieder legte der Redakteur Bingel die spitze, streitbare Feder zur Seite, um zu der feinen zu greifen. Gedichten entstanden, ein Bändchen erschien, „Kleiner Napoleon“ genannt. Was der junge, heute 25jährige Dichter nicht zu hoffen gewagt hatte, trat ein: seine Gedichte wurden gelesen, das Bändchen gekauft. Eine zweite Auflage folgte ihm nach. Wieder „Kleiner Napoleon“, wieder lyrische Gedichte, doch schon anders, reifer. Große Kulturzeitschriften meldeten sich, Rundfunkanstalten sendeten seine Gedichte, seine Erzählungen. Horst Bingel begann sich durchzusetzen.

Er spricht nicht davon, aber ganz unbekannt ist es dennoch nicht geblieben. In seiner Schreibtischschublade liegt das halbfertige Manuskript eines Romans. Der Dichter stöhnt, wenn er daran denkt. Er möchte das Werk so sehr gerne beenden. möchte auch als Romancier an die

Öffentlichkeit treten. Aber kann man drei Seelen gleichzeitig in seiner Brust haben, kann man gleichzeitig Gedichte, Erzählungen und Kritiken schreiben und dann noch an einem Roman arbeiten? Er will versuchen, sich ein wenig freier, zu machen, um sich mehr diesem schon beinahe vergessenen Manuskript widmen zu können. Vielleicht ...

Er sitzt an der anderen Seite des Schreibtisches und erzählt, oder er hört zu. Das Gespräch plätschert dahin wie ein munteres Wiesenbächlein. Doch dann wird es plötzlich still dort drüben, und man spürt, daß ihn irgendetwas bewegt, daß ihn ein Gedanke gepackt hat. Vielleicht ist es ein neues Gedicht, das wir bald von ihm lesen werden, vielleicht eine Erzählung. Oder denkt er gar darüber nach. wie er demnächst in einer Kulturzeitschrift dies oder jenes beurteilen wird. Man weiß es nie genau bei diesem jungen Dichter, der beharrlich seinen Weg gegangen ist und heute auf einer sicheren Plattform steht, die getragen wird von seiner Lyrik.

Dunkel ist der Tag,

an dem die Schwäne nach Süden fliegen

- die Wolken ihren Flug begleiten -

und sie die Schwingung ihrer Flügel

in den Himmel schreiben.

Das Bild verschluckt die Nacht,

wenn öd die Sonne untergeht,

der Abend sich hernieder neigt

und Reif die Gräser

früh zur Erde beugt.  

 

 

Übler Scherz mit den Eltern                                                                       4. Februar 1959

Er wollte ihnen „nur ein bißchen Angst“ mähen.

Sohn erfand die „Serafino-Bande" / Die Idee stammt aus einem Roman.

Einen üblen Scherz leistete sich ein 21jähriger als Absender eines Erpresserbriefes an die

Adresse seiner in Hochstadt lebenden Eltern. Das Hanauer Schöffengericht las dem immer

schon zu Streichen aufgelegten Sprößling gehörig die Leviten, ließ ihn aber sonst ungeschoren. Von der Anklage der Erpressung wurde der junge Mann angesichts der besonderen

Umstände freigesprochen.

Der Schreck fuhr der Mutter des Angeklagten in die Glieder, als ihr der Postbote einen unfrankierten Brief mit sehr merkwürdigem Inhalt überreichte. Auf dem Umschlag stand geschrieben: „Gebühr zahlt Empfänger“ Gleich zweimal las die bestürzte Frau die auf ein Schulheftblatt gekritzelten Zeilen: „Betrifft: Warnung! Wenn Sie noch eine Zeitlang auf der Erde herumlaufen wollen, dann folgen Sie meiner Anweisung. Wie bekannt, sind Sie eine überdurchschnittlich gut gestellte Familie. Wir erwarten Sie am 8. Dezember 1958, um 20 Uhr, am Hochstädter Sportplatz mit 400 Mark in bar. Kommen Sie allein und lassen Sie die Polizei aus dem Spiel, sonst könnte Ihnen und Ihrer Familie etwas Übles zustoßen!"

Selbstverständlich waren der auf das Blatt gemalte Totenkopf und die Unterschrift „Serafino-Bande“ nicht geeignet, die Empfängerin des Drohbriefes zu beruhigen. Verängstigt suchte die Frau den Bürgermeister auf. Sie verdächtigte einen Nachbarn, den Drohbrief geschrieben zu haben. Die Vermutung erwies sich jedoch als haltlos.

Noch am nächsten Tag gestand der 21jährige, geistiger Urheber des Schreckensbriefes gewesen zu sein. Sofort eilten Vater und Sohn zur Polizei, um den Sachverhalt aufzuklären. Inzwi­schen war allerdings die Maschine der Justiz schon in Gang gekommen. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage 'wegen versuchter Erpressung.

Bei dem Freispruch berücksichtigte das Schöffengericht, daß der Angeklagte in den letzten Jahren immer fleißig in der Landwirtschaft tätig war und noch nicht mit den Gesetzen in Konflikt geraten war. Der junge Mann gab zu, es sei nur seine Absicht gewesen, die Eltern hereinzulegen und ihnen „ein bißchen Angst“ einzujagen. Die Idee des Drohbriefes stamme aus einem Roman.

 

Der Brief der Serafino-Bande

Ein „Scherz“ mit üblen Folgen. Die Mutter bekam einen Schock /„Erpressung“, sagte der Staatsanwalt

„Unser Sohn hat sich schon immer Streiche geleistet", sagte die Mutter als Zeugin vor dem Hanauer Schöffengericht. Der hoffnungsvolle Sprößling von 21 Jahren hatte sich wegen Erpressung zu verantworten und bezeichnete seine Tat als einen Scherz, mit dem er seinen Eltern einen gehörigen Schreck einjagen wollte. Das ist ihm in der Tat gelungen.

Als die in Hochstadt wohnende Mutter des Angeklagten eines Morgens vom Postboten einen unfrankierten Brief erhielt, auf dessen Umschlag geschrieben stand „Gebühr zahlt Empfänger“, ahnte sie zunächst nichts Böses. Doch als sie ihren Obulus entrichtet und das Schreiben geöffnet hatte, erbleichte sie. Die biedere Frau hätte es nie für möglich gehalten, daß sie als harmlose Erdenbürgerin einmal in einen Kriminalfall verstrickt werden würde, der so manchem aufregenden Ereignis aus Schundromanen und Sensationsblättern sehr ähnlich sah.

 

Sie nahm das aus einem Schulheft herausgerissene Blatt noch einmal zur Hand und las ein zweites Mal, was ihr da angedroht wurde: „Betrifft Warnung! Wenn Sie noch eine Zeitlang auf der Erde herumlaufen wollen, dann folgen Sie meiner Anweisung. Wie bekannt, sind Sie eine überdurchschnittlich gut gestellte Familie Wir erwarten Sie am 8. Dezember 1958 um 20 Uhr am Hochstädter Sportplatz mit 400 Mark in bar. Kommen Sie allein und lassen Sie die Polizei aus dem Spiel, sonst könnte Ihnen und Ihrer Familie etwas Übles zustoßen.“ Auf das Blatt war als Signum ein Totenkopf mit der Unterzeile „Serafino-Bande“ gemalt. Das Schreiben trug die Unterschrift „Serafino Spang, Stuttgart, Heinerweg.“

In ihrer Angst rannte die gute Frau sofort zum Bürgermeister, der sie zunächst einmal beschwichtigen mußte. In ihrem so urplötzlich geweckten Wahn glaubte sich die Frau überdies

von einem Manne verfolgt, dessen angeblich eigenartiges Verhalten ihr erst nachträglich wieder zum Bewußtsein kam. Sie war daher der festen Überzeugung, daß dieser Mann den Droh-

Brief geschrieben habe, um sie und ihre Familie ins Unglück zu stürzen. Nach einer aufregenden Nacht mußte sie schließlich ihren Irrtum einsehen und sich davon überzeugen lassen, daß der Verdächtigte ein harmloser Mitbürger und ein nur etwas sonderbarer Nachbar war.

Inzwischen war der Frau aber auch schon der Gedanke gekommen, ob nicht etwa ihr eigener Sohn den Brief geschrieben haben könnte. Ihre Kalkulation erwies sich als richtig. Der junge -Mann gestand ihr noch am nächsten Morgen, daß er der geistige Vater der nur in seiner Phantasie existierenden Serafino-Bande sei. Er ging dann spornstreichs zusammen mit seinem Vater zur Polizei und klärte den Sachverhalt auf, bevor die Hüter des Gesetzes die bereits aufgenommene Spur bis zum Ende weiter verfolgt hatten. Dort sah man die Angelegenheit aber nicht als harmlosen Streich an, sondern gab sie an die nächst höhere Behörde weiter. Und der Staatsanwalt meinte: Klarer Fall von Erpressung.

Ganz dieser Ansicht war das Schöffengericht am Ende aber doch nicht. Es urteilte milde und

berücksichtigte, daß der Angeklagte eifrig und fleißig in der Landwirtschaft seine Arbeit verrichtet und bisher noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Außerdem wurde ihm zu

gute gehalten, daß er sich bald nach dem Vorfall als Briefschreiber zu erkennen gegeben

hatte. Daß er schon früher oft zu Streichen aufgelegt war. Sie berichtete, daß er beispielsweise die Sicherung herausgedreht habe, als sie mit ihrem Mann abends noch Arbeiten in Haus und Hof verrichten wollte. Der Angeklagte selbst, dem es offensichtlich an Achtung vor seinen Eltern und älteren Leuten überhaupt mangelt, wußte keine andere Erklärung für seine Tat als die, er habe eine ähnliche Geschichte im Fortsetzungsroman einer Zehnpfennigzeitung gelesen und habe nach diesem Muster seine Eltern hereinlegen wollen..

Obwohl das Gericht für diese Art Scherze wenig Verständnis aufbringen konnte, sprach es

den jungen Mann frei und schickte ihn nach einer gehörigen Standpauke ungerupft nach Hause.

 

Zeugnisse früher Schaffensfreude                                                                         26.02.1959

Hochstädter Schülerarbeiten konnten sich mehr als bloß sehen lassen

Am vergangenen Wochenende waren im Feierraum der neuen Volksschule in Hochstadt die Handarbeiten der Mädchen und handwerkliche Arbeiten der Jungen ausgestellt. Die 19 Tische des Raumes reichten nicht aus, es mußten noch andere Möbelstücke und die Tafelflächen zu Hilfe genommen werden, um Eltern und Freunden der Schule einen Überblick über die handwerkliche Jahresarbeit der Kinder zu ermöglichen.

Es war eine reichhaltige Schau und ein erfreulicher Anblick. Die Mädchen, unter Anleitung von Frau Dilling, hatten in allen Klassen beachtliche Leistungen vorzuweisen. In der Oberstufe hatten sie Blusen, Röcke, lustig-bunte Wäschestücke, Kopfkissenbezüge und Schürzen, alle exakt gearbeitet und geschmackvoll verziert, ausgestellt. Die Arbeiten der Grundschule - 3. und 4. Schuljahr - bestanden aus reizenden Häkel- und Strickarbeiten, wie Puppenkleidchen und -jäckchen, Serviettentaschen und Nadelbüchern. Ein Tisch mit lecker aussehendem Back­werk bewies den Erfolg des Kochunterrichts der Mädchen, und die lebensgroße Babypuppe mit handgearbeiteter Wäsche ringsumher zeugte von der eifrigen Beschäftigung mit der für künftige Mütter so wichtigen Säuglingspflege.

Nicht weniger reichhaltig war die Ausstellung der handwerklichen Arbeiten der Jungen (Leitung Lehrer Keim). Es muß dabei berücksichtigt werden, daß sie zwar in der neuen Schule einen schönen Werkraum, aber noch sehr wenig Werkzeug und keinerlei Maschinen besitzen. Umso mehr erfreuten alle Besucher die hübschen Holzarbeiten, Schalen in den verschiedensten Formen, Holzbestecke und Untersetzer oder die aus vielen Sperrholzbrettchen zusammen geleimten und dann ausmodellierten Vögel, die sauber gearbeiteten Mappen und Photoalben mit den zum Teil sehr geschmackvoll selbstgefertigten Vorsatzpapieren, die Linolschnitte und Linoldrucke in vielfältigen Motiven und Farben, ferner die auch recht einfallsreich gestalteten Ritzarbeiten auf Glas sowie viele recht gut gelungene Kratz- und Putzarbeiten in Gips. Einigen Jungen waren auch Halbreliefs und Sgraffitos in Gips gut gelungen. Nicht zuletzt der Tisch mit den ebenso hübschen wie praktischen Flechtarbeiten aus Peddigrohr, aus dem geschickte Bubenhände Brotkörbe, kleine Schwingen, Untersetzer und sogar ein Puppenwägelchen geschaffen hatten, fand allerseits freudigen Beifall.

Als freiwillige Jahresarbeiten von Jungen und Mädchen der 8. Klasse lagen, zum Teil sehr hübsch und sorgfältig eingebunden, acht große Mappen auf einem besonderen Tisch, alle bebildert, mit Handzeichnungen versehen und sehr sauber geschrieben, Die Entlaßschüler schließlich hatten ganz verschiedene Themen gewählt: „Chronik von Hochstadt“ „Hanau“, „Fußball- Sport“, Vorgeschichtliche Tierwelt“, „Das Brot“, „Die Entwicklung der USA“, „Die Götter Griechenlands“ und „Friedrich Schiller“. Ein erfreuliches Zeichen jugendlicher Schaffensfreude!

 

Partei und Staat in der Sowjetunion                                                                    02.03.1959

Sachliche Information durch einen Vortrag der Volkshochschule Hanau

Den dritten Vortrag in der Reihe „Rußland und Deutschland“ hielt Diplomvolkswirt Neugebauer in Hochstadt über das Verhältnis von Partei und Staat in der Sowjetunion. Er bewies, daß man, auch ohne in der Sowjetunion gewesen zu sein, tiefschürfende und umfassende Kenntnis über den inneren Aufbau und die politische Entwicklung dieser Weltmacht gewinnen kann. Die lebhafte und ungewöhnlich lange Aussprache bewies, wie zeitnahe dieses Thema ist, und daß es in einem halbjährigen Kursus oder Seminar leichter zu bewältigen gewesen wäre als in einem einzigen Vortrag. Neugeheuer schöpfte aus der Fülle der nur irgend

erreichbaren wissenschaftlichen Literatur, der einschlägigen Zeitschriften und der russischen Zeitungen sein umfangreiches Material.

So wurde den Zuhörern klar, wie durch die unvorstellbar schroffen Gegensätze zwischen einer sehr reichen dünnen Oberschicht und der in fast mittelalterlichen Verhältnissen lebenden Masse der armen Landbevölkerung sozialistische Ideen überhaupt Boden gewinnen und schließlich zu einer organisierten Partei werden konnten. Sowohl Referat als Aussprache waren so interessant und dabei von so vorbildlicher Sachlichkeit, daß man sich einen größeren Zuhörerkreis gewünscht hätte.

 

 

Enthüllung des Mahnmals verzögert                                                          6. März 1959

Jetzt für Sommer im Rahmen des Vdk-Jubiläums geplant.

In diesem Jahr begeht die VdK-Ortsgruppe Hochstadt ihr 10jähriges Bestehen. An ihrer Spitze steht immer noch der Mitbegründer Heinz Dalek, der die Ortsgruppe schon ununterbrochen seit ihrer Gründung als 1. Vorsitzender leitet. Aber noch weitere Mitbegründer wie Frau Margrete Ziegler, die Kameradin K. Zwicker, Hermann Heinbuch u. a. m. stehen nach wie vor mit an der Spitze. Die Neuwahl für die kommenden zwei Jahre ergab kaum Veränderungen: H. Dalek wurde wieder 1. Vorsitzender, sein Vertreter wiederum Heinrich Rinkenberger und Frau K. Zwicker wieder Schriftführerin. Die Kasse wird künftig Frau Lehmann verwalten. Als Beisitzer gehören auch dem neuen Vorstand wieder Frau Ludwig, Frau Hock, Wilhelm Eibelshäuser und Herrmann Heinbuch an, ebenso wie auch die Ehrenvorsitzende Frau Marg. Ziegler es sich nicht nehmen lassen wird, sich auch in den kommenden Jahren wiederum für die aktive Arbeit einzusetzen.

In seinem Rechenschaftsbericht gab der Vorsitzende H. Dalek einen Überblick über die geleistete Arbeit in den vergangenen zwei Jahren. Mit den Monatsversammlungen, Vorstandssitzungen und vor allem den Beratungsstunden, die alle zwei Wochen abgehalten werden, wird es heute genau noch so ernst und intensiv gehandhabt, wie in den vergangenen zehn Jahren seit Bestehen der Ortsgruppe. Alle Mitarbeiter aber können stolz auf die Erfolge sein, die sie für ihre Leidensgefährten errungen haben, wenn auch noch lange nicht das erreicht werden konnte, was den Hinterbliebenen der Kriegsbeschädigten usw. zusteht. Nur die Gemeinschaft aller Betroffenen kann auch in Zukunft dafür erfolgreich kämpfen.

Dalek ging sodann auf das im Bau befindliche Mahnmal ein. Es sei dies der letzte Dienst, den man den gefallenen Kameraden, den Opfern einer Diktatur und den Vertriebenen leisten könne. Den Lebenden und vor allem der Jugend aber sollte es als stete Mahnung zurufen, daß es nie mehr so kommen möge. Dalek dankte in diesem Zusammenhang allen denen, die sich aktiv für das Gelingen der Errichtung dieses Mahnmales einsetzten und noch einsetzen, den Sammlern, den Vertretern der Vereine und den Gemeindekörperschaften mit Bürgermeister Ziegler an der Spitze: Vor allem galt sein Dank aber den Spendern.

Leider haben das Wetter und die Bauarbeiten einen Strich durch das Vorhaben gemacht, das Mahnmal am Volkstrauertag zu enthüllen. Die Enthüllung soll nun sehr wahrscheinlich im Sommer dieses Jahres aus Anlaß des 10jährigen Bestehens der Ortsgruppe erfolgen.

Der Kreisvorsitzende Ferdinand Becker gab der Versammlung anschließend einen Überblick über den Stand der Verhandlungen mit dem Bundesarbeitsminister Blank, die seit dem Sommer 1957 völlig negativ verliefen. Becker vertrat sogar die Auffassung, daß die Kriegsopfer nach dem Stand der Dinge mit Kürzungen und wesentlichen Verschlechterungen nach den Plänen des Bundesarbeitsministers zu rechnen hätten. Die Bundes- und Landesorganisationen hätten jetzt bald drei Jahre vergeblich versucht, durch sachliche Verhandlungen die berechtigten Forderungen der Hinterbliebenen, Kriegsbeschädigten, Sozialrentner usw. zu erreichen, nun sei aber ihre Geduld zu Ende. Wenn der VdK in Zukunft zu Kampfmaßnahmen zu schreiten gezwungen sei, so hoffe er, daß auch die Mitglieder der Hochstädter Ortsgruppe bereitstehen werden, denn nur die gesamte Mitgliedschaft sei in der Lage, diesen Kampf zu gewinnen. Im anderen Falle aber seien die Erfolge der letzten zehn Jahre ernstlich in Frage gestellt.

Bürgermeister Ziegler brachte abschließend seine Verbundenheit mit dem VdK zum Ausdruck und versicherte, daß nicht nur er, sondern auch der Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung den VdK stets unterstützen und fördern werden.

 

Verdienste fanden ihren Lohn                                                                   7. März 1959

Ab 1. März ist Philipp Ziegler hauptamtlicher Bürgermeister

Hochstadt hat seit dem I. März einen hauptamtlichen Bürgermeister. In der letzten Gemeindevertretersitzung wurde der seitherige ehrenamtliche Bürgermeister Philipp Ziegler (SPD) in geheimer Wahl mit sieben Stimmen bei vier Enthaltungen auf sechs Jahre zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt.

Philipp Ziegler ist seit dem Jahre 1945 ohne Unterbrechung kommunalpolitisch tätig. Er hat sich nach dem großen Zusammenbruch sofort zur Verfügung gestellt, um das allgemeine Chaos überwinden zu helfen und die Verwaltung wieder in Gang zu bringen. Alle die Leistungen der vergangenen Jahre, so zum Beispiel den Bau der neuen Schule, die Förderung des sozialen Wohnungsbaus, der Straßenbau, die Kanalisation, die Verbesserung der Wasserversorgung, der Ausbau der Feldwege und vieles andere mehr sind eng mit seinem Namen verbunden.

Von 1946-1948 und von 1952-1956 war Ziegler Mitglied der Gemeindevertretung. In der Legislaturperiode von 1948-1952 gehörte er auch dem Gemeindevorstand an.

Nach den Kommunalwahlen im Herbst 1956 wurde er zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt. In seiner mehr als zweijährigen Tätigkeit hat er bewiesen, daß er allen Einwohnergruppen gerecht zu werden versucht, was ihm auch zum großen Teil gelungen ist. Wenn bei der Wahl in der letzten Sitzung von elf anwesenden Gemeindevertretern sich vier der Stimme lediglich enthalten haben, so dürfte dies beweisen, daß auch diese Vertreter hinsichtlich der Verwaltungsführung des Bürgermeisters keine grundsätzlichen Bedenken haben.

Gemeindevertreter H. Seibel jun. gab als Vorsitzender des Wahlvorbereitungsausschusses vor dem Wahlakt den Tätigkeitsbericht des Ausschusses und einen Bericht über die Eignung des zu wählenden Kandidaten. Nach der geheimen Wahl verpflichtete der Vorsitzende der Gemeindevertretung, W. Lotz, dann den neuen hauptamtlichen Bürgermeister, überreichte ihm die Urkunde und wünschte auch für die nächsten Jahre eine gemeinsame Zusammenarbeit zum Wohle der Bürgerschaft. Bürgermeister Krieger, Bischofsheim, überbrachte die Grüße der SPD und der Nachbargemeinde, während L. Sorg als 1. Kreisbeigeordneter die Glückwünsche des Kreisausschusses übermittelte.

 

Abschluß des Wintersemesters                                                                             16.03.1959

In der Außenstelle Hochstadt war es üblich, auf eine Reihe von Lichtbildervorträgen und Arbeitsgemeinschaften jeweils zum Abschluß eines Trimesters der Volkshochschule einen musischen Abend folgen zu lassen. So wurde auch diesmal kurz vor Semesterschluß ein Abend geboten. Die vier jungen Lehrer und Musiker (Hauptlehrer Henkel, die Lehrer Groes, Krauskopf und Eckerlin, die schon immer, trotz vielfältiger Inanspruchnahme, bereit waren, den musikalischen Teil zu übernehmen, spielten diesmal Corelli, Haydn und Mozart. Es war eine ebenso gekonnte wie innerlich ansprechende und schöne Darbietung, ein kleines Kammerorchester, das sich hören lassen konnte und dem man eine größere Zuhörerschaft gewünscht hätte. Auch die Lesungen (Hauptlehrer Polke) waren auf den besinnlichen Ton gestimmt und gewannen durch den verinnerlichten Vortrag Zugang zu den Herzen der Hörer. Es waren einige zur Zeit nicht mehr oft gehörte Märchen „Himmel und Hölle“, „Heine im Sumpf“ und „Der kleine Vogel“ von Richard von Volkmann Leander. Am heutigen Montag wird ein Lichtbildervortrag von Dipl.-Volkswirt Neugebauer den Abschluß der dreijährigen Volkshochschularbeit bilden. Der Vortrag ist der letzte aus der Reihe „Deutsche Landschaften“ und bringt Farblichtbilder aus dem lieblichen Weserbergland.

 

Abschied von der Schule                                                                                       24.03.1959

Wieder einmal war der Tag gekommen, an dem eine große Schar von Mädeln und Jungen im festlich geschmückten Feierraum der neuen Schule im Beisein ihrer Eltern, des Lehrerkollegiums und der Oberstufe von der Schule Abschied nahm. Nach einem sehr ansprechenden Klaviervortrag einer Entlaßschülerin (Brigitte Seitz) und dem gut vorgetragenen „Herr gib uns helle Augen“ (Christa Buchmann) sang der Schulchor „Heut noch sind wir hier zuhaus“ und „Lebewohl“ (Leitung Lehrer Woerner). Es folgten Hermann Hesses „Jeden Abende sollst Du ..,“ und der letzte Vortrag der kleinen Flötengruppe der 8. Klasse mit Mozarts „Andante grazioso“. In seiner anschließenden Ansprache wies Schulleiter Ernst Polke auf die besondere Bedeutung hin, die es für die scheidenden Kinder seiner 8. Klasse haben könnte, daß sich das Tor zum Leben für sie gerade im Schillergedenkjahr 1959 öffne. „Sei frei - und diene“, diese Leitworte gab der Lehrer seiner 8. Klasse mit auf den ferneren Lebensweg. Der vorgesehene große Entlassungselternabend mußte wegen zahlreicher Grippeerkrankungen der. jungen Spieler leider ausfallen.

 

Zwei Tote - zwei Schwerverletzte

Zwei Tote und zwei Schwerverletzte forderten Verkehrsunfälle in der Nacht zum Samstag im Landkreis Hanau. Kurz vor Mitternacht verunglückte ein 19 Jahre alter Mopedfahrer auf der Straße zwischen Hochstadt und Bischofsheim. Der Mopedfahrer wollte die 16jährige Helene Loos aus Bischofsheim nach Hause bringen. Das Mädchen saß auf dem Gepäckträger. Auf der abschüssigen Straße wurde das Moped aus einer Kurve getragen und stürzte eine zehn Meter hohe Böschung hinunter. Noch am Unfallort erlag das Mädchen seinen schweren Verletzungen. Der 19jährige wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht.

 

Ein 19 Jahre alter Bursche aus Hochstadt (Landkreis Hanau), wollte mit seinem Moped die 16 Jahre alte Else Helene Loos aus Bischofsheim nach Hause bringen. Das Mädchen saß auf dem Gepäckträger des für zwei Personen nicht zugelassenen Fahrzeuges. Auf der abschüssigen Straße wurde das Moped aus einer Rechtskurve getragen. Der Fahrer steuerte die Maschine noch ein Stück auf dem Grünstreifen zwischen der Fahrbahn und einer steilen Böschung, ehe er zusammen mit dem Mädchen zehn Meter tief abstürzte. Die Sechzehnjährige starb noch vor dem Eintreffen der Polizei an der Unfallstelle. Ihr Begleiter mußte mit Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden.

 

Zehn Jahre VdK

Die VdK-Ortsgruppe wählte Heinz Dalek erneut zum Vorsitzenden. Dalek leitet damit die Gruppe seit ihrer Gründung vor zehn Jahren. Der Vorsitzende kündigte die Einweihung des Mahnmals für den nächsten Sommer an. Mit dem Mal erweise man den gefallenen Kameraden, den Opfern der Diktatur und der Vertreibung den letzten Dienst. Kreisvorsitzender Ferdinand Becker stellte in seinem Referat fest, die Kriegsopfer wehrten sich gegen die Pläne des Bundesarbeitsministeriums, ihre wirtschaftliche Lage zu verschlechtern. Bürgermeister Ziegler unterstrich die Bereitschaft der Gemeindekörperschaften, den VdK nach besten Kräften zu unterstützen.

 

Jubiläen

6. April. Sein 76. Lebensjahr kann heute der Landwirt Philipp Brosch, Lutherstr. 11, vollenden.

18. April. Das schöne Fest der goldenen Hochzeit feiern heute die Eheleute Philipp Brosch und Frau Marie geb. Koch, Wellenpfad 1.

27, April. Am heutigen Montag kann der Ehrenbürger unserer Gemeinde, Philipp Weber, Hanauer Straße 20, seinen 76. Geburtstag feiern.

 

Wahl bei der SPD

Bürgermeister Philipp Ziegler wurde in der Jahreshauptversammlung des SPD-Ortsvereins erneut zum Vorsitzenden gewählt. Sein Stellvertreter bleibt Gemeindevorsteher Willi Lotz.

 

Verkehrsunfall

Ein Mopedfahrer beachtete die Vorfahrtsregel nicht und stieß auf der nach Bischofsheim führenden Straße mit einem Motorradfahrer zusammen. Beide stürzten und zogen sich Verletzungen zu. Beim Mopedfahrer waren sie so ernst, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte.

 

 

Jubiläen:

Am 23. Mai kann Michael Hohn, Bleichstraße 2, seinen 77. Geburtstag feiern.

Am 2. Juni können die Eheleute Heinrich Weber und Frau Anna geborene Huhn, Röderbergweg 10, das Fest der silbernen Hochzeit feiern.

Herr Jakob Pistor, Hochstadt, Hauptstraße 29, feierte seinen 82. Geburtstag.

Am 22. Juli kann der Rentner Wilhelm Fischer, Dorfelder Str. 12, seinen 76. Geburtstag feiern.

Am 30. Juli kann Frau Margarete Eibelshäuser geb. Burger, Hanauer Straße, ihren 70. Geburtstag feiern.

Herr Heinrich Fitzenberger. Hochstadt (Kr. Hanau), beging sein 25. Arbeitsjubiläum bei der Firma Wilhelm Höhl, Großkelterei und Kellerei, Hochstadt. Der Jubilar erfreut sich bei Geschäftsleitung und Belegschaft großer Beliebtheit.

Am 14. Oktober können der Maurermeister Fritz Burger und Frau Katharina geb. Strohl, Trinkbrunnenstraße 5, das Fest der silbernen Hochzeit feiern.

Am 21. November wurde Frau Dorothea Huhn geb. Koch, Dorfelder Straße, 75. Jahre, und seinen 74. Geburtstag feierte am Sonntag Johannes Bechert, Rohrbachstraße.

Das Fest der silbernen Hochzeit feiern am 17. November die Eheleute Heinrich Fitzenberger und Frau Elise geb. Weigand, Dorfelder Straße 10, sowie die Eheleute Valentin Fischer und Frau Liesel geb. Koch, Weiherstraße.

Seinen 73. Geburtstag begeht am 2. Dezember Altlandwirt Philipp Schmidt, Hauptstraße 40.

Ihr 79. Lebensjahr kann am 18. Dezember Frau Katharina Keller geb. Krebs, Trinkbrunnenstraße 6, vollenden.

 

 

Entwässerung verhindert Seuchen                                                                                   April 1959

Hochstadt bereitet vierten Kanalbauabschnitt vor / Etat verabschiedet.

Die Gemeinde Hochstadt hat sich den vierten Kanalbauabschnitt als dringlichsten Programm-

punkt im neuen Haushaltsjahr vorgenommen. Finanziert soll dieses Vorhaben über den

außerordentlichen Etat werden, der in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen mit 200.000

Mark abschließt. Der ordentliche Haushalt weist Einnahmen und Ausgaben von jeweils

345.820 Mark auf. In ihrer letzten Sitzung billigte die Gemeindevertretung den Etat ohne

Gegenstimmen.

Der Sprecher des Haupt- und Finanzausschusses machte darauf aufmerksam, daß sich die Einnahmen auch in den beiden letzten Rechnungsjahren in der jetzt kalkulierten Höbe bewegten. Immer enger wird indessen der Spielraum für freiwillige Aufgaben. Diese Entwicklung hängt damit zusammen, daß den Gemeinden immer neue Aufgaben übertragen werden.

Mit ordentlichen Haushaltsmitteln will man in diesem Haushaltsjahr den Räderberg von der Kreuzung Sandstraße bis zur Einmündung Schulstraße herrichten. Standleuchter sollen in der Bahnhofsfraße aufgestellt werden. Auch in der Siedlung „Im Niederfeld“ soll es heller werden. Die Haushaltsplanung berücksichtigt diesmal die Forderung der Feuerwehr, eine elektrische Sirene anzuschaffen. Für neue Anschlüsse an das Wasserversorgungsnetz will man 10.000 Mark ausgeben. Etwa 6.000 Mark sind für die Unterhaltung von Gemeindehäusem und Reparaturarbeiten am Obertor vorgesehen.

Bürgermeister Ziegler unterrichtete die Gemeindevertretung, daß im Zuge des vierten Abschnitts der Rest der Bahnhofstraße bis zur Gemarkungsgrenze kanalisiert werden soll. Zu diesem Abschnitt gehören auch der restliche Abschnitt der Dorfelder Straße, der Bücherweg und die Siedlung „Im Niederfeld“. Heute sind die Siedler des Niederfeldes auf Pumpen angewiesen. Bürgermeister Ziegler sagte, im Siedlungsgebiet müsse bald für eine ordentliche Wasserversorgung und Entwässerung gesorgt werden, damit keine Seuchengefahr aufkomme. Zustimmung fand bei den Gemeindevertretern der geplante Anschluß an die Kläranlagen der Stadt Hanau. Die Gemeinde Dörnigheim hatte sich schon vor einigen Wochen für den Anschluß an das Hanauer Netz entschieden.

 

                                                          

Haushalt wird verabschiedet                                                                     27.04.1959

Die 30. öffentliche Gemeindevertretersitzung findet am Dienstag um 20.30 Uhr in der Gastwirtschaft Keller statt. Die Tagesordnung sieht folgende Punkte vor: Verabschiedung des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1959, Festlegung der im IV. Bauabschnitt zu kanalisierenden Straßenzüge, Beratung über den II. Bauabschnitt der Wasserversorgungsanlagen und Aussprache.

 

SPD bleibt bei altem Vorstand                                                                  27.04.1959

Die kürzlich stattgefundene Jahreshauptversammlung des Ortsvereins der SPD brachte im Vorstand kaum Veränderungen. Philipp Ziegler ist wiederum 1. Vorsitzender und ebenfalls wie bisher 2. Vorsitzender W. Lotz, Weiterhin gehören dem Vorstand an H. Cordes, Philipp Eibelshäuser als Schriftführer, Heinrich Brescher als Kassierer und als Beisitzer wie schon in den vergangenen Jahren Heinrich Seibel sen., Heinrich Seibel jun., Hans Dom und Heinrich Burkhardt. Vorsitzender Ziegler ging im Einzelnen auf die Tätigkeit im abgelaufenen Jahr in der Parteiarbeit und der Kommunalpolitik ein. Der Ortsverein war bei allen Veranstaltungen auf Kreisebene vertreten. Im letzten Wahlkampf zur Landtagswahl war der Ortsverein sehr aktiv und man war mit dem hohen Stimmenanteil der Partei in Hochstadt sehr zufrieden. Auch der Zugang an neuen Mitgliedern ist sehr zufriedenstellend. Weiterhin konnte Ziegler berichten, daß der Ortsverein seit über einem halben Jahr über eine aktive Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten verfügt.

Auf die kommunalpolitische Tätigkeit übergehend gab Ziegler einen umfassenden Bericht über die geleistete Arbeit der Gemeindekörperschaften und der Verwaltung, um sodann noch über die Probleme der nächsten Zukunft zu sprechen. Als Abschluß wurde noch die diesjährige Maifeier erwähnt, die wiederum bereits am 30. April unter Mitwirkung der „Hardig­drosseln“ von der Sängervereinigung Hochstadt und des Arbeiter-Radvereins „Solidarität“ stattfindet.

 

Alte Kastanie erhielt „Nachfolger“                                                            27.04.1959

Es war für fast alle Einwohner Hochstadts schmerzlich, daß die mächtige, über 200 Jahre alte Kastanie am Friedhofseingang vor dem Obertor in Hochstadt gefällt werden mußte. Am „Tag des Baumes“ hatte Bürgermeister Ziegler eine junge Linde dazu usersehen, den verwaisten Platz einzunehmen Er übergab sie der Schuljugend des Ortes, die sie nach einer kurzen Feierstunde einpflanzte. Nach den beiden Eingangsliedern des Schulchors (Lehrer Woerner) wies der Leiter der Volksschule auf die besondere Verbundenheit unseres Volkes mit dem Walde und dem Baum hin. Nachdem Kinder aller Klassen Erde aus allen Teilen des Ortes in die Pflanzgrube des neuen Baumes geschüttet und in Versen ihre guten Wünsche ausgesprochen hatten, halfen sie dem Bürgermeister beim Einpflanzen des jungen Baumes.

 

Brunnenwasser birgt Gefahren                              ^                                             April 1959

Wasserleitung zur Siedlung Niederfeld in Hochstadt beschlossen

Kurz vor Mitternacht beschlossen die Gemeindevertreter am Dienstag nach teilweise lebhafter Debatte die Entwässerung der Siedlung Niederfeld. Ehe die Entscheidung fiel, erklärte Bürgermeister Ziegler, falls die Gemeindevertretung nicht mit einer Kanalisation und dem Bau

eines Hochbehälters einverstanden sei, müsse er jede Verantwortung ablehnen. Fachleute

hätten ihm versichert, daß die Verseuchungsgefahr im Siedlungsgebiet sehr groß sei.

Im Zuge des beschlossenen Bauabschnittes soll der Hauptsammler von der Bahnhofstraße über die Dörnigheimer Landstraße bis zur Grenze der Nachbargemeinde geführt werden. Bürgermeister Ziegler trug die Meinung der Fachleute vor, wonach das Siedlungsgebiet Niederfeld an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen werden müsse. In dieser Siedlung schöpfen die Bewohner ihr Wasser noch aus Flachbrunnen. Ein beratender Ingenieur habe die Ansicht vertreten, daß dieser Zustand keine Stunde länger aufrechterhalten werden dürfe.

Gemeindevertreter S c h ö p e l (CDU) meinte, man solle die Sache nicht dramatisieren. Er verwies auf die beträchtlichen Kosten, die mit den geplanten Projekten verbunden seien. Die Kosten des Hochbehälters und der Erweiterung des Rohrnetzes wurden vorn Gemeindevorstand mit etwa 350.000 Mark angegeben.

Es handele sich nicht uns eine Kostenfrage, sondern um eine Lebensfrage, erklärte Gemeindevorsteher Letz (SPD). Die Hausversorgungsbrunnen im Niederfeld dürften nicht mehr geduldet werden. Noch niemals sei der Zeitpunkt für die Aufnahme von Darlehen zur Finanzierung größerer Vorhaben so günstig gewesen. „Krankheiten und mögliche Todesfälle können wir vermeiden, wenn jetzt das Projekt energisch angepackt wird.“ Nach einer Diskussion beschloß die Gemeindevertretung bei Stimmenthaltung zweier CDU-Gemeindevertreter und eines Angehörigen der Wählergemeinschaft, der Forderung des Bürgermeisters nachzukommen und in eine Abschaffung der rückständigen Brunnenanlagen im Niederfeld einzuwilligen.

 

 

In Hochstadt wurde man sich einig                                                                      April 1959

Siedlung Niederfeld wird an das Wasserleitungsnetz angeschlossen

Auf Antrag des Sprechers der Freien Wählergemeinschaft, Günther Schöpel, trat die

Gemeindevertretung von Hochstadt dieser Tage zur ersten Dringlichkeitssitzung der gegenwärtigen Legislaturperiode zusammen. Als einziger Punkt stand die Verbesserung der Wasserversorgung auf der Tagesordnung. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Gemeindevertretung bei drei Stimmenthaltungen beschlossen, den Bau eines Hochbehälters und den

Anschluß der Siedlung Niederfeld an das zentrale Wasserversorgungsnetz vorzusehen. In der

Dringlichkeitssitzung ging es darum, in dieser Frage einen einstimmigen Beschluß zustande

zu bringen.

Gemeindevorsteher Werner Lotz sagte zu Beginn der Sitzung, ein einmütiger Beschluß mache einen optisch besseren Eindruck. Man wolle den drei Gemeindevertretern, die sich in der letzten ordentlichen Parlamentssitzung der Stimme enthalten hatten, die Möglichkeit geben, ihre Haltung zu überprüfen. „Wir wollen niemand an die Wand drücken.“

In der Debatte erklärte Günter Schöpel, er und zwei der CDU angehörende Gemeindevertreter seien sich von Anfang an darüber klargewesen, daß der Hochbehälter gebaut werden müsse. „Da dieses Projekt immerhin 250.000 Mark kostet, bezweifelten wir die Möglichkeit, auch noch das Geld für den Anschluß des Niederfeldes an die Wasserleitung zu beschaffen.“ Man sei auch heute noch der Auffassung, daß sich die Gemeinde in finanzieller Hinsicht nicht übernehmen sollte.

Nachdrücklich unterstützt wurde der Bau der Wasserleitung in der Siedlung durch den Sprecher der SPD-Fraktion, Heinrich Seibel. Die von den Fachleuten erarbeiteten Unterlagen und Gutachten zeigten eindeutig, daß die Hausbrunnen im Niederfeld die Gesundheit der Siedlungsbewohner gefährdeten. „Jedes Zögern wäre verantwortungslos.“

Bürgermeister Philipp Ziegler schaltete sich mit der Feststellung in die Debatte ein, zu keiner Zeit könnten die Aussichten, das erforderliche Geld zu tragbaren Bedingungen zu beschaffen, günstiger sein als jetzt. Man könne darauf vertrauen, daß das Land Hessen eine wesentliche Schuldendiensthilfe gewähre. Schließlich nahmen die Gemeindevertreter einstimmig eine Vorlage an, die neben dem Bau des Hochbehälters auch noch den Anschluß der Siedlung Niederfeld an das Wasserversorgungsnetz für 100.000 Mark vorsieht

[Die Amerikaner hatten nach dem Krieg schon eine Wasserleitung von der Jägerstraße / Kreuzung Am Pfarrhof zur „Villa Rocholl“ gelegt. Aber es könnte sein, daß sie diese Leitung nachher wieder ausgegraben haben).

 

Frederic Ribell                                                                                                         April 1959

schriftstellernder Schauspieler, gastiert augenblicklich unter der Regie Fred Beneds mit der „Jungen Bühne“ im Frankfurter Kleinen Haus. Die Frankfurter Backfische werden sich allerdings nicht allzulange an dem attraktiven Frederico erfreuen können - im Juni beginnt Ribell nämlich in Hersfeld schon mit den Proben für die „Räuber“ und für den „Urfaust“. Im August ist er dann auf einer Passauer Freilichtbühne ebenfalls in den „Räubern“ und im „Urfaust“ zu sehen. Anschließend will sich Frederic dann wieder der Schriftstellerei widmen. Er hat übrigens bereits einige Stücke geschrieben, von denen eines - „Kain und Kain“ - vor einiger Zeit im Frankfurter „Taschentheater“ aufgeführt worden ist.

[Sein Geburtsname war Riebel, seine Mutter hatte einen kleinen Milchladen in der Ringstraße Süd, wo jetzt der Parkplatz des Hauses Hauptstraße 53 ist. Sein Bruder war Walter Riebel].

 

Freundschaftssingen als Höhepunkt

Beim 100jährigen Bestehen der Sängervereinigung Hochstadt

Die Veranstaltungen zum 100jährigen Bestehen der Sängervereinigung Hochstadt erreichten am Samstagabend mit einem großen Freundschaftssingen ihren chorischen Höhepunkt. Das Singen der vierzehn Chöre, die alle bestrebt waren, ihr Bestes zu dem Jubelfest der Sängervereinigung beizusteuern, dauerte, bei vorbildlicher Organisation, über drei Stunden.

Es war dies immerhin eine ausgiebige Zeit, die von den gegen Ende des Singens auftreten- den Chören und auch von den treu ausharren- den Zuhörern letzte Konzentration erforderte und dies umso mehr, als die Schwüle im Saale mehr sind mehr belastend wirkte. Wenn trotz- dein ein Singen zustande kam, das auf erfreulich hoher Leistungsstufe stand, so ist das ein gutes Zeugnis für das Können der Chöre und ihren anerkannt tüchtigen Chormeister.

Bei Auswahl der Literatur bei einem Freundschaftssingen kann naturgegeben nicht allein der musikalische Wert der Chorlieder maßgebend sein, wie man es bei einem Konzert erwarten darf; hier bildet sich aus der Fülle des Gebotenen ein farbiger Blütenstrauß, dem alles angehört, was auf dem Gebiet der Chorliteratur in Erscheinung tritt. Das ist angebracht und bringt willkommenen Wechsel in den Ablauf. Doch eines wäre den Chorleitern zu empfehlen: bei diesem Singen Abstand zu nehmen von übermäßig schweren, oft von den kleinen Stimmenbestand eines Chores nicht voll zur Wirkung gebrachten Chorsätzen.

Der gastgebende Chor eröffnete mit stimmlichem Wohlklang den Abend mit Paul Zolls Satz „O Lied“. Als erster Gastchor trat der Gemischte Chor „Vorwärts“ Wachenbuchen (Chorleiter Schwachhöfer) mit dem Madrigal „Süßes Lieb“ und dem sauberen Satz „Wenn alle Brünnlein fließen“ auf. Das vornehm gestaltete Singen und die gelockerte Rhythmik sind die Annehmlichkeiten dieses kleinen Chores.

„Germania“ Dörnigheim (Flösser) gab ihr Möglichstes mit Brückners „Trösterin Musik“ und zeigte im Schluß von Zolls „Glöcklein“ ein sehr anständiges Ausklingen im Pianosingen.

„Eintracht“ Bischofsheim mit gesundem Material (Daus) zeigte in der zuerst gesungenen Motette geschultes, einwandfreies Singen; der gut differenziert angelegte zweite Chor war eine saubere Arbeit, schien jedoch im Forte zu forciert.

 Das „Ruthsche Doppelquartett“ Wachenbuchen bewies auch hier seine gepflegte Chorarbeit; eine leichte Intonationsschwankung in Zolls „Fuhrmannslied“ wurde geschickt redigiert und das Lied erfolgreich zu Ende geführt.

„Eintracht“ Hainhausen (Sendlbeck) sang zuerst das lustig gackernde „Huhn und Karpfen“ und dann in inniger Auswirkung das elegisch-religiöse „Im Dorf da geht die Glocke“. Es wäre doch wohl besser gewesen, die beiden Lieder in umgekehrter Folge singen zu lassen.

„Polyhymnia“ Lämmerspiel (Sendlbeck) hat gut verteiltes Material und singt sich zu großer Begeisterung empor (Schluß des Lendvaisatzes!). Berechtigter Beifall für die gut gelöste, schwere Aufgabe.

Der Volkschor Dörnigheim (Daus) sang im Gemischten, im Männer- und Frauenchorsatz. Auch hier saubere Durchbildung der Stimmen. „Leise tönt“ könnte noch einen Hauch duftiger Lyrik vertragen. Der kleine Frauenchor ersang sich mit dem Gebet aus „Freischütz“ herzliche Zustimmung.

„Sängerlust“ Rückingen (Schulz) sang zwei gemischte Sätze, von denen das „Mädel flink auf“ besonders gut ankam. Die Frauen griffen auf ein, einst im hohen Kurs stehendes Heimatlied zurück und gaben ihm viel Herz und Gemüt mit.

„Eintracht“ Großauheim (Sendlbeck) hat einen klangschönen Bariton. Auch die anderen Stim­men gleichen sich geschickt an. Auffallend war das schöne Piano in „Rose weiß“ und die gut rhythmische Wiedergabe von Lißmanns „Timokwein“.

 Das „Walzer'sche Doppelquartett“ Hochstadt (Röll) brachte mit fleißigem Einsatz die bekannte „Maiennacht“ von Seiffert und Lißmanns „Aus der Traube“ Zu bewundern die große Hingabe der wenigen Sänger an die gestellte Aufgabe.

„Tonblüte" Albstadt (Sendlbeck), ein zwar kleiner, aber klangschöner Chor, brachte zuerst einen uralten Aßmannchor und dann das freudig begrüßte „Der Schäfer“ von Heuken.

„Concordia“ Wachenbuchen, von Dirigent Maier vertretungsweise geleitet, brachte im gemischten Chor Kreutzers „Forschen nach Gott“ und Schumanns Lyrisme „Schön Blümelein“. Unter ungewohnter Führung wurde recht liebe- voll und gut gelockert gesungen.

Mit „Liederlust“ Bischofsheim (Maier) stand ein gut beschlagener, leistungsfähiger Chor auf dem Podium. Die zahlreichen Männerstimmen schienen manchmal dem gut besetzen Frauenchor das Letzte abfordern zu wollen. Man sang zuerst einen überholten Uthmann und dann in außerordentlicher Frische und wechselvoller Rhythmik ein köstliches Jagdlied. Das war des starken Beifalls wert.

Abschließend sang noch die Sport- und Kulturgemeinschaft Offenbach - Rumpenheims (Remle) zwei anständig gebotene Heimatlieder, die starken Zuspruch fanden.

Das große Freundschaftssingen, dem auch der singbegeisterte Landrat Voller von Anfang bis Ende beiwohnte, war alles in allem für die Sängervereinigung Hochstadt ohne jeden Zweifel ein großer Erfolg.

 

Viel Freude im Altersheim bereitet                                                                       14.05.1959

Zitherverein „Alpenrose“ Hochstadt war in Bruchköbel zu Gast

Besser und harmonischer im Zusammenspiel bei der Wiedergabe des glücklich ausgewählten Programms, war der Hochstädter Zitherverein „Alpenrose“ unter Dirigent Eibelshäuser wohl selten zu hören, als am letzten Sonntag im großen Saal des schönen Altersheimes in Bruchköbel.

Der gefühlvoll-lyrische Ton der ersten und dritten Darbietung wurde genauso glücklich getroffen, wie der beschwingte, fröhliche der Walzermelodien und des heiteren Marschliedes am

Schluß des Konzertes. Nur, wer mit der Zither vertraut ist, kann ermessen, wieviel Fleiß und Mühe es erfordert, um ein solches Zusammenspiel mit mehreren anderen Instrumenten (zwei Geigen, Cello, Baßgeige, Guitarre, Akkordeon und Xylophon) zu erreichen.

Nach der musikalischen Eingangsdarbietung: „In stiller Abendstunde“ (Johannes Gärtner), richtete der Vorsitzende des Zithervereins, Philipp Weber, herzliche, warm empfundene Worte an die Zuhörer. In ihnen kam nicht zuletzt auch die Hoffnung zum Ausdruck, daß diese kleine Feier ihnen echte, tiefe Freude vermitteln möge.

 Nach einer anschließend erfolgten Ehrung des alten Vereinsmitgliedes Jean Blum erklang die „Hymne an die Musik“ von Hans Ludwig, bei der Geigen und Cello besonders wirkungsvoll zur Geltung kamen. Als in den „Liederperlen“ alle schönen alten Volkslieder aufklangen, sah man den Widerschein alter Erinnerungen und stiller Freude auf manchem lieben alten Gesicht.

 Mit dem Zithersolo aus dem Film „Der dritte Mann“ kam dann durch den fleißigen jungen Spieler Winfried Kegelmann die Gegenwart und Jugend zu den Alten. Das letzte Stück vollends, der Marsch „Voller Freud", der zündend, rhythmisch straff und flott gespielt wurde, riß viele der betagten Zuhörer zu fröhlichem Mittun hin. So bekam der Zitherverein auch sichtbar zu spüren, daß sein Vorhaben, den Hochbetagten eine Freude zu machen, ein voller Erfolg geworden war. Trotz Rundfunk und Fernsehen ist nun einmal der Kontakt von Mensch zu Mensch durch nichts zu ersetzen. So möchte man denn nur hoffen, daß das gute Beispiel weitere Nachahmung findet (Ernst Polke)

 

Der Fahrer war bewußtlos                                                                                     Juli 1959

Mit dem Personenwagen gegen einen Baum

In den heutigen frühen Morgenstunden, um 4.45 Uhr, kam es auf der Landstraße zwischen Hochstadt und Bischofsheim zu einem Verkehrsunfall, als aus bisher noch ungeklärten Gründen ein in Richtung Bischofsheim fahrender Personenwagen von der Fahrbahn abkam und gegen einen Baum prallte. Der Fahrer wurde verletzt und in bewußtlosem Zustand in ein Hanauer Krankenhaus eingeliefert. Nach den ärztlichen Feststellungen stand der Fahrer nicht - wie zunächst vermutet - unter Alkoholeinfluß.

 

Mit dem Auto verunglückt: Im Krankenhaus gestorben

Im Krankenhaus ist in der Nacht zum Freitag der 27jährige Karl Nau aus Frankfurt gestorben, der am frühen Donnerstagmorgen auf der Landstraße zwischen Hochstadt und Bischofsheim mit seinem Personenwagen schwer verunglückt war. Das Auto kam ins Schleudern und prallte gegen einen Baum. Bewußtlos wurde Nau ins Krankenhaus gebracht. Dort starb der Verunglückte, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben.

 

Seinen Verletzungen erlegen

Der Autofahrer, der - wie schon berichtet am gestrigen Donnerstagmorgen zwischen Hochstadt und Bischofsheim verunglückt ist und in bewußtlosem Zustand in ein Hanauer Krankenhaus eingeliefert wurde, ist in der vergangenen Nacht seinen Verletzungen erlegen, ohne das Bewußtsein noch einmal wieder erlangt zu haben. Bei dem Verunglückten handelt es sich um den 27jährigen Karl Nau aus Frankfurt. Der junge Mann war aus bisher noch ungeklärten Gründen mit seinem Wagen von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt.

 

Fahrt in den Tod

Frankfurter Autofahrer verunglückt

Seinen schweren Verletzungen erlegen ist in der Nacht zum Freitag in einem Krankenhaus der 27jährige Karl Nau aus Frankfurt, der am Donnerstagmorgen auf der Landstraße zwischen Hochstadt und Bischofsheim verunglückt war. Nau kam mit seinem Personenwagen aus ungeklärten Gründen von der Fahrbahn ab und fuhr gegen einen Baum. Bewußtlos wurde er ins Krankenhaus gebracht. Er starb, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben.

 

Hochstadts Fußballer nahmen Abschied von Karlheinz Peter Nau.

Am Dienstag fand die Beerdigung in Fechenheim statt. Trotz der Gluthitze des Dienstags hatten sich die Mannschaftskameraden und zahlreiche Mitglieder des FC Hochstadt auf dem Friedhof eingefunden, um von ihrem toten Kameraden Karlheinz Peter Nau in einer ergreifenden Trauerfeier Abschied zu nehmen. Der erst 26jährige war in der Nacht zum Donnerstag der vergangenen Woche nach einem Zusammensein mit seinen Fußballkameraden auf dem Heimweg von Hochstadt nach Fechenheim mit seinem Personenwagen schwer verunglückt und in der ersten Morgenstunde des Freitags seinen Verletzungen erlegen.

Eine große Trauergemeinde begleitete Peter Nau auf seinem letzten Weg. Sechs Mannschaftsgefährten des Verstorbenen hielten während der Beerdigung die Ehrenwache am Sarg und verabschiedeten sich von dem beliebten Sportler mit einem Blumengruß Der Vorstand und der Mannschaftsführer legten mit tiefbewegten Worten Kränze nieder.

Für die Sportvereinigung 03 Fechenheim, der Peter Nau noch angehörte und in der er sich als ehemaliger Spieler großer Wertschätzung erfreute, legte Helmut Beul namens des Vorstandes einen Kranz nieder. Zahlreiche weitere Kranzspenden wurden dem Verstorbenen von seinen Arbeits- und seinen Schulkameraden, dem Verein „Fechemer Dutte“ und vielen persönlichen Freunden und Bekannten gewidmet. Herr Pfarrer Lerch versuchte mit trostreichen Worten den Angehörigen die schwere Stunde des Abschieds zu erleichtern.

 

 

 

59 Diamanten zurückgeschickt                                                                              August 1959

Prozeß gegen Diamantschleifer wurde bis Montag vertagt

Vor dem Schöffengericht Hanau begann der Prozeß gegen einen selbständigen Diamantschleifer aus Hochstadt. Die Anklage hatte ihm Unterschlagung von 61 Rohdiamanten im Gesamtwert von etwa 15.000 Mark vorgeworfen. Inzwischen hat der Staatsanwalt seine Anklage auf Betrug abgeändert.

Bis jetzt hat die Beweisaufnahme ergeben, daß der 55 Jahre alte Diamantschleifer von Vertretern der Antwerpener Lieferfirma 61 Rohdiamanten im Wert von insgesamt 15.000 Mark erhalten hat. Der Beklagte hatte sich zur Zahlung der ersten Hälfte des Kostenbetrages nach drei Wochen und zur Zahlung des Restes nach sieben Wochen bereit erklärt. Anklage wurde erhoben, nachdem sich die Zahlungsunfähigkeit des Diamantschleifers herausgestellt hatte. Inzwischen hat der Angeklagte der Lieferfirma 59 Diamanten zurückgeschickt.

Der Angeklagte stellte vor dem Gericht fest, er habe die Vertreter der Lieferfirma nicht über seine wirtschaftlichen Verhältnisse in Unkenntnis gelassen. Einige Vertreter erklärten gegenüber den Schöffen, sie seien an „dieser Art von Geschäften mit dem Diamantschleifer nicht interessiert“. Als. der Angeklagte seine Tochter und seinen Sohn als Zeugen benannte, vertagte sich das Gericht auf nächsten Montag. Entlastungszeugen sollen bekunden, daß der Diamantschleifer den Auftrag hatte, die Rohdiamanten zu schleifen und dann an Kundschaft abzusetzen. Mit dieser Darstellung soll der Eindruck verstärkt werden, daß auch die Vertreter der ausländischen Lieferfirma großes Interesse an Geschäften mit dem Diamantschleifer aus Hochstadt hatten.

 

4540 Mark für Grabenarbeiten                                                                             August 1959

Bürgermeister Ziegler berichtete in der letzten Gemeindevertretersitzung von den Grabenarbeiten in der Gemarkung Hochstadt, die das Wasserwirtschaftsamt gewünscht habe. Besonderes Augenmerk habe man auf die Bereinigung des Grenzgrabens zwischen Hochstadt und Wachenbuchen gelegt, nachdem die Gemeinde Wachenbuchen die Arbeiten für ihren Teil bereits erledigt habe. Auch der Graben „Im Biblis“ bedürfe dringend einer Reinigung. Ziegler wies die Vorwürfe zurück, die die Landwirtschaftsschule gegen die Gemeinde erhoben habe, der „Biblis“-Graben sei seit Jahren nicht gereinigt worden. „Das ist falsch. Wir haben den Graben im Rahmen der Möglichkeiten unterhalten“, erklärte Ziegler. 4.540 Mark kosten die Grabenarbeiten. Obwohl im Haushaltsplan dafür nur 1.500 Mark eingesetzt seien, sagte der Bürgermeister, könnte man nicht von einem „echten Defizit“ sprechen, da die Gemeindeverwaltung mit zusätzlichen Aufwendungen gerechnet und dementsprechende Maßnahmen getroffen habe.

 

Unfälle

Nach dem Besuch einer Gaststätte fuhr ein Bollerfahrer auf der nach Wachenbuchen führenden Straße gegen einen Telefonmast. Fahrer und Soziusfahrer erlitten Verletzungen.

 

Aus der Kurve getragen

Infolge zu hoher Geschwindigkeit wurde gestern Nachmittag auf der Straße Hochstadt /Hohe Tanne ein Kleinbus aus einer scharfen Rechtskurve getragen. Der Wagen geriet über die Böschung, überschlug sich und wurde erheblich beschädigt. Die vier Insassen, junge Sportler, wurden verletzt.

 

Jungtierschau in Hochstadt                                                                                   20.09.1959

Am Sonntag, den 20. September, eröffnen die hiesigen Geflügelzüchter ihre diesjährige Ausstellungssaison mit einer Jungtierschau. Ungefähr 300 Tiere der verschiedensten und seltensten Rassen werden gezeigt. Da die Hochstädter Geflügelzüchter in den letzten Jahren auf vielen Ausstellungen Deutschlands äußerst erfolgreich waren, verspricht man sich in Züchterkreisen auch diesmal wieder besondere Zuchtleistungen und gute Ergebnisse.

 

Kanalisationsarbeiten Ringstraße Süd

Wegen Kanalisationsarbeiten ist die Ringstraße Süd für den gesamten Fahrzeugverkehr gesperrt.

 

Zwei neue Abgeordnete

Seit Freitagabend ist Heinrich Brescher als Beigeordneter neues Mitglied des Hochstädter Gemeindevorstandes. Vorsitzender Lotz verpflichtete ihn durch Handschlag, ebenso den nachrückenden Gemeindevertreter Philipp Gebelhard (SPD). Fritz Weber hatte aus gesundheitlichen Gründen ein Mandat als SPD-Gemeindevertreter abgelehnt. Zu Beginn der Sitzung gedachten die Gemeindevertreter des, am 13. August verstorbenen Abgeordneten Eduard Sterlicke.

 

Viele Fässer bleiben leer: Wenig Äpfel - wenig Stöffche                                                 1959

Betrachtungen zum Thema 1 der hessischen Nation.

Bei diesem Anblick würde einem Herrn namens Falstaff vor Freude das Herz im Leib zersprungen sein. Weit hinten im düsteren Gewölbe verlieren sich die Konturen der dickbauchigen Fässer. Kellermeister Wilhelm Brosch füllt aus der Kanne die dunklen Holzbehälter nach. „Den müssen Sie versuchen“, sagt Jakob Jost und öffnet das Spundloch. Schnell plätschert das gerippte Glas randvoll. Von dem, was nach dem „Prosit“ folgt, wäre Herr Falstaff weniger begeistert. Das dickflüssige Getränk schnürt dem Durstigen die Kehle zu und macht die Zähne stumpf wie Küchenmesser, die der Junggeselle zum Säubern seiner Schuhsohlen benutzt. „Versuchen“ hatte der schadenfrohe Spender gesagt. Ungestraft trank noch kein blutiger Laie ein Glas naturreinen Speierlingsaftes aus.

In den Hochstädter Keltereien hat die Saison begonnen. Die Apfelmühlen quietschen, aus ächzenden 'Pressen quillt der Süße in die Abfüllbottiche. Der betäubende Duft des Tresters steigt verlockend in die Nase. Aber eine reine Freude ist das Keltern im Herbst des Jahres 1959 nicht. Die Apfelernte war ausgesprochen schlecht, und so konnte Jakob Jost, Schwiegersohn in der renommierten Apfelwein-Dynastie Strohl in der Weinbergstraße, erst am letzten Wochenende seinen Betrieb zum ersten Male auf Hochtouren schalten. Das Keltergut hatte am Tag zuvor ein Lastzug aus Württemberg gebracht.

Zum letztenmal waren die Äpfel vor zwei Jahren derart knapp. Damals schnellte der Preis für das Stöffche von 25 auf 35 und 40 Pfennig hinauf. Wie wird es diesmal? Jakob Jost wiegt bedenklich den Kopf. „Billiger geht's sicherlich nicht. Wir wollen jedoch versuchen, den Preis zu halten.“

Im Rhein-Main-Gebiet ist die Apfelernte gleich Null. Aus dem übrigen Deutschland haben die Keltereien zu halbwegs annehmbaren Preisen nur geringe Käufe in Württemberg und aus dem sogenannten Altenland zwischen Hamburg und Cuxhaven in Aussicht. Einfuhren aus Holland, Belgien und Dänemark werden sich nicht umgehen lassen. Aus diesen Ländern wird von einer mittleren Apfelernte berichtet. In den Strohl‘schen Kellern in Hochstadt wartet rund 150.000 Liter Faßraum auf Füllung. Ausschließlich Holzfässer, von kundigen Küferhänden zusammengefügt, in denen sich der Apfelwein - wie der Fachmann sagt - besser aufbaut als in den modernen Leichtmetallbehältern. Nur ein Drittel bis zur Hälfte seiner Fässer wird Jakob Jost in diesem schlechten Apfelweinjahr füllen können.

So gesucht wie Weinäpfel sind heuer auch Speierlingäpfel. Die kleinen, birnenförmigen Früch­te gedeihen im Hanauer Land nur in Hochstadt auf schlanken, eschenähnlichen Bäumen. Sie erreichen bei hohem Gerbsäuregehalt ein Mostgewicht von 90 Grad Öchsle, während normale Äpfel in guten Jahren nur auf ein solches von 50 bis 55 Grad kommen. Der dem Süßen vor der Gärung in kleinen Mengen zugesetzte Speierlingssaft läßt ein Getränk heranreifen, das sich kaum von Traubenwein unterscheidet. Nach dem Zusatz nennt es der Kenner kurz „Speierling“.

In der Strohl‘schen Kelterei besteht die Produktion alljährlich zu etwa einem Drittel aus Speierling. Die kleinen Äpfel dafür müssen diesmal in Rheinhessen eingekauft werden. Trotz des schlechten Erntejahres läßt sich auf den „König des Apfelweines“ nicht verzichten. Er hat Freunde in ganz Deutschland, die ihn bei Besuchen in der Frankfurter Gegend kennengelernt haben und nicht mehr auf ihn verzichten möchten. Von Hochstadt aus schickt man den Speierling bis hin nach Hamburg, Köln und Düsseldorf.

Viele Keltereien haben mangels der erforderlichen Äpfel ihren Betrieb in diesem Jahr überhaupt noch nicht aufgenommen. Vor allem die vielen privaten Keltern im Hanauer Land stehen einstweilen still. Zu Jakob Jost nach Hochstadt kam am ersten Keltertag das Ehepaar Schmitt aus dem benachbarten Bischofsheim und brachte vier Säcke Äpfel, auf dem eigenen Baumstück zusammengestoppelt. Mit rund 100 Liter süßen Saftes in den beiden Korbflaschen auf seinem zweirädrigen Karren wandert das Paar zufrieden die vier Kilometer nach Bischofsheim zurück. „Bei uns hat noch keiner gekeltert“, begründen die Schmitts ihren Ausflug mit dem Karren bis nach Hochstadt. Vor dem. Rückmarsch rasten sie in der gemütlichen Gaststube mit den blankgescheuerten Holztischen. Der Wirt bringt Handkäs mit Musik und langt hinauf zu dem Regal mit den Bembeln. Das Stöffchen, das er in diesen Tagen kredenzt, stammt noch aus dem Vorjahr. Der Neue wird erst im Januar so weit sein. Bis dahin reicht - zum alten Preis - der alte Vorrat. Wie es nachher wird. fragt sich der Mann mit der blütenweißen Schürze ebenso wie sein Lieferant und Hausherr Jakob Jost. „Es hängt alles davon ab, was die Ausländer für ihre Äpfel haben wollen“, fachsimpeln die Kenner. am Stammtisch. Ein paar Metes unter ihren Füßen setzt im wohltemperierten Keller der Neue zum Aufbau an: Der Neue, von dem heute noch niemand sagen kann, was er einmal pro Glas und Flasche kosten wird

 

Werbeabend der Radfahrer                                                                                   26.09.1959

Zu einem Werbeabend lädt der Hochstädter Radfahrverein „Solidarität“ für den kommenden Samstag, 26. September, 20 Uhr, in den Saal Strohl ein. Die Radfahrvereine von Langenselbold, Frankfurt-Fechenheim, Groß-Zimmern und Hochstadt gestalten das Programm.

 

 

Kleinbus überschlug sich

Mit hoher Geschwindigkeit wurde auf der Straße nach der Siedlung Hohe Tanne ein Kleinbus aus einer Rechtskurve getragen. Das Fahrzeug geriet über die Böschung und überschlug sich. Alle vier Insassen wurden verletzt

 

Goldene Hochzeit feiern am 18. September Herr Wilhelm Hohmann und Frau Elisabeth, geb. Müller, Hochstadt, Lutherstraße 7.

 

 

Diamantenprozeß erneut vertagt                                                             September 1959

Widerspruch in der Aussage der beiden neuen Entlastungszeugen

Wir berichteten bereits über die ersten Verhandlungsphasen des Prozesses vor dem Hanauer Schöffengericht gegen den Diamantschleifer Karl D. aus Hochstadt, dem vorgeworfen wurde, von einer Diamantenfirma aus Amsterdam Rohdiamanten im Werte von rund 15.000 Mark erhalten zu haben. Diese Steine hat er inzwischen wegen Zahlungsunfähigkeit wieder zurückgehen lassen, er hatte jedoch allem Anschein nach größere Diamanten gegen kleinere ausgetauscht, was man im Fach als „Diamantenwachsen“ bezeichnet. Die Anklage lautete auf Betrug.

Zur ersten Vertagung kam es, als die vereinbarte Zahlungsweise zwischen D. und dem holländischen Vertreter in zweierlei Version vor Gericht dargelegt worden war. Die Diamantenvertreter behaupteten, ihre Firma bestehe immer auf einer kurzfristigen und globalen Bezahlung. Jede andere angebliche Ratenzahlung entspreche nicht den Gepflogenheiten ihres Hauses. Der Angeklagte jedoch hatte behauptet, die Vertreter hätten ihm eine Sondervereinbarung gestattet, wonach er die Diamanten erst hätte bezahlen können, nachdem er sie selbst wieder weiterverkauft habe. Nach diesem Verkauf hätten sich vereinbarungsgemäß die entsprechenden Ratenzahlungen richten sollen. Als Zeugen dieser Absprache, welche die Vertreter als entschieden unwahr bezeichneten, nannte der Angeklagte seine Frau und seinen Sohn.

Diese neuen Entlastungszeugen wurden nun zum zweiten Termin geladen. Die beiden entlasteten denn auch den Vater insoweit, als sie bezeugten, einwandfrei gehört zu haben, daß die Vertreter bei dem Angeklagten eine Ausnahme in bezug auf die Bezahlung gemacht hätten, indem sie ihm gestattet hätten, die Steine in Raten jeweils dann zu bezahlen, wenn er einen oder mehrere davon verkauft habe. Soweit schien also alles ganz glatt aufzugehen, doch da konkretisierte der Richter seine Fragen etwas mehr. Er fragte zunächst die Ehefrau um die näheren Umstände dieser Absprache. Sie gab an, es sei morgens gewesen. Ihr Mann habe mit den beiden Vertretern in der Küche verhandelt. Durch eine Glastür habe sie sehr genau die angegebenen Zahlungsvereinbarungen mithören können. Das Resultat allerdings habe sie nicht mehr gehört, da sie einkaufen gehen mußte.

Nun war der Sohn des Angeklagten an der Reihe. Er gab jedoch an, die von ihm mitgehörten Verhandlungen hätten abends in der Werkstatt seines Vaters stattgefunden. Das war nun etwas sehr peinlich, denn einer von beiden hatte sich offenbar falsch erinnert. Da die Aussage des Sohnes hinsichtlich der Zeit mit der der zwei Vertreter übereinstimmte, erwog das Gericht nun eine Gegenüberstellung der Zeugen und der Diamantenhändler und vertagte erneut die Verhandlung. Wegen der Schadensersatzansprüche der Edelsteinfirma ist es aber auch durchaus möglich, daß die Sache vor dem Zivilrichter zu Ende verhandelt wird.

 

 

Der Tod einer Fünfzehnjährigen                                                                September 1959

Alkohol oder Reifenpanne? Der Sachverständige bescheinigte dem Angeklagten Fahruntüchtigkeit

Über eine Stunde lang lag ein 15jähriges Mädchen auf der Straße zwischen Hochstadt und Bischofsheim Als Hilfe kam, war die Verunglückte bereits tot. Das Jugendschöffengericht (Vorsitzender: Amtsgerichtsrat Müller) bemüht sich, die Hintergründe dieses tragischen Unfalls zu klären.

Der Freund des Mädchens, der nun auf der Anklagebank sitzt, hatte in Hochstadt ein Lokal besucht und wollte dann mit seinem Moped zurück nach Bischofsheim fahren. Seine Freundin saß im Damenreitsitz auf dem Gepäckträger. Nach Angaben des jungen Mannes verspürte er auf der Straße in einer S-Kurve plötzlich einen Schlag gegen sein Fahrzeug, gleichzeitig sei das Vorderrad platt geworden. Was dann weiter geschah, wußte der Angeklagte nicht mehr. Er könne sich nur noch an starke Erschütterungen erinnern Nach einer Stunde etwa sei er wie­der zu sich gekommen. Er habe versucht das beschädigte Moped in Gang zu setzen und es dann, da dies nicht glückte, nach Bischofsheim geschoben. Erst dort will ihm seine Begleiterin eingefallen sein, Als man zurückkehrte, lag das Mädchen tot auf der Straße.

Ein Vertreter des Jugendamtes nannte den Angeklagten einen strebsamen jungen Mann. Am Unglückstag aber ließ er es zweifelsohne an Verantwortungsbewußtsein fehlen. Dies ging aus den Darlegungen eines medizinischen Sachverständigen hervor, der für den Mopedfahrer für die Zeit des Unfalls (etwa 23,40 Uhr) einen Blutalkoholspiegel von 1,41 Promille errechnete. Wie der Sachverständige sagte, liegt biologisch der oberste Grenzwert bei 1,2 Promille; der Angeklagte sei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fahruntüchtig gewesen. Seine alkoholbedingte Sorglosigkeit, die sich darin zeigte, daß er das Mädchen auf dem Moped mitnahm, unterstütze diese Feststellung.

Ein Verkehrssachverständiger verneinte die Möglichkeit einer plötzlichen Reifenpanne. Die vom Angeklagten genannte Geschwindigkeit (30 Kilometer in der Stunde) sei für die Straßenverhältnisse am Unfallort erheblich. Hinzu komme, daß das Mädchen im Reitsitz nicht über den erforderlichen Halt verfügte.

Der Verteidiger jedoch war der Ansicht, die Unfallursache sei weniger in der alkoholbedingten Fahruntüchtigkeit seines Mandanten als in der Reifenpanne zu suchen und erhielt sich das Recht vor, einen Obergutachter zu beantragen. Der Vorsitzende vertagte die Verhandlung, da das Gericht noch einen Zeugen hören will. Außerdem soll ein Lokaltermin abgehalten werden.

 

Auszug aus dem Gemeindeparlament                                                                  24.09.1959

In Hochstadt gab es einen kommunalpolitischen „Höhepunkt“

Die 33. öffentliche Gemeindevertretersitzung sollte auf ihre Art ein „Höhepunkt“ in der kommunalen Geschichte Hochstadts seit 1945 werden. Ein von der SPD-Fraktion gestellter Antrag auf Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 300.000 Mark wurde nämlich Gegenstand einer sehr heftigen Debatte und löste als Folge den Auszug der Vertreter von CDU und Wählergemeinschaft aus dem Beratungssaal aus.

 

Der Sprecher der beiden Gruppen, Günther Schöpel, erklärte zu dem strittigen Tagesordnungspunkt (Aufnahme des Darlehens), dieser sei vorher im Gemeindevorstand nicht behandelt worden und könne aus diesem Grunde auch nicht Gegenstand der heutigen Tagesordnung sein. Er verwies hierbei auf die hessische Gemeindeordnung. Weiterhin vertrat Schöpel im Namen der Vertreter von CDU und Wählergemeinschaft die Auffassung, der Antrag der SPD-Fraktion sei nicht an den Vorsitz2nden der Gemeindevertretung zu richten, sondern an den Bürgermeister als Vorsitzenden des Gemeindevorstandes.

 

Meinungen prallten aufeinander

Gemeindevertreter H. Seibel (SPD) erklärte hierzu, daß der angeführte § 58 eindeutig besage, daß für die Tagesordnung der Gemeindevertretung nur der Vorsitzende zuständig sei. Der Gemeindevertretervorsitzende solle sich wohl mit dem Gemeindevorstand bzw. Bürgermeister ins Benehmen setzen, dies bedeute aber nicht, daß zwingendes Einvernehmen zwischen Vorstand und Vorsitzenden der Gemeindevertretung bestehen müsse. Jede Fraktion könne Anträge für die Tagesordnung an den Vorsitzenden stellen, die nicht erst Gegenstand von Beratungen im Gemeindevorstand sein müßten, erklärte W. Lotz als Gemeindevertretervorsitzender. Er führte weiter aus, das Vorgehen der CDU und der Wählergemeinschaft beruhe auf einer Verkennung der Gewaltenteilung zwischen Legislative (Gemeindevertretung) und Exekutive (Gemeindevorstand). Die Tagesordnung sei jedem Gemeindevertreter fristgemäß nach § 58 zugestellt worden, so daß eine Absetzung nicht mehr erfolgen könne.

Beigeordneter Doll brachte dagegen zum Ausdruck, daß es bedenklich sei, wenn die Tagesordnung nur von einer Fraktion erstellt würde. Hierauf entgegnete ihm der Fraktionsführer der SPD, Seibel, daß auf Grund des Wahlergebnisses von 1956 die SPD als stärkste Partei aus den Wahlen hervorgegangen sei und somit den Vorsitzenden stelle, der nun einmal für die Belange der Gemeindevertretung zuständig ist.

 

Letzte Mahnung zur Vernunft

Vorsitzender Lotz gab abschließend noch bekannt, daß die übrigen Tagesordnungspunkte vorher mit dem Gemeindevorstand besprochen wurden, wohingegen der Antrag der SPD-Fraktion kurzfristig bei ihm einging, da die vorbereitenden Verhandlungen erst sehr spät abgeschlossen werden konnten. Bevor über den gestellten Antrag der Vertreter von CDU und Wählergemeinschaft auf Absetzung des Tagesordnungspunktes abgestimmt wurde, versuchte Bürgermeister Ziegler nochmals zu vermitteln. Ziegler bedauerte, daß seit einiger Zeit ein so kritischer Kampf im Gemeindeparlament entbrannt sei. Man solle sich doch zur positiven Zusammenarbeit finclen, so wie er es in seiner Zeit als Gemeindevertreter zehn Jahre lang mit seiner Fraktion getan habe.

Der von dem Sprecher der Wählergemeinschaft und CDU, Günther Schöpel, gestellte Antrag auf Absetzung des Tagesordnungspunktes wurde mit sieben gegen fünf Stimmen abgelehnt. Zuvor hatte Gemeindevertreter Wilhelm Schmidt (CDU) in der Diskussion die Meinung vertreten, man könne ja über den Punkt erst beraten und dann den Antrag behandeln. Nach einer Unterbrechung der Sitzung für fünf Minuten gab der Sprecher der CDU/WG bekannt, daß sie die Sitzung für die Zeit der Behandlung des Antrages der SPD über die Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 300.000 Mark verlassen würden und zogen daraufhin aus dem Sitzungssaal aus.

 

390.000-Mark-Darlehen für Kanalisation

Ohne die Vertreter von CDU und Wählergemeinschaft wurde dann über die Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 300.000 Mark für die Fortführung der Kanalisation entschieden. Der SPD-Fraktionsführer Heinrich Seibel jr. brachte die Gründe zur Darlehensaufnahme nochmals vor. Er ging davon aus, daß nunmehr schon seit fünf Jahren die Kanalisation in Hochstadt betrieben wird. Mit dem in diesem Jahre geplanten Abschnitt seien - ohne die 300.000 Mark - etwa 60 bis 65 Prozent des Ortsgebietes kanalisiert. Mit dem aufzunehmenden Darlehen könne in etwa 90 Prozent der Kanalisation erreicht und somit ein gewisser Abschluß erzielt werden.

Die Erschließung von Baugebiet für Wohnblocks, die im Laufe des nächsten Jahres zu erwarten sei, sowie die Tatsache, daß der Straßenbau in unserer Gemeinde mit zu den vordringlichsten Aufgaben gehöre, sei mit einer der Hauptgründe für eine zügige Kanalisation. Aber auch die Aufnahme des Kanalbaues in die Schuldendiensthilfe des Landes Hessen erfordere die Initiative durch die Gemeindevertretung und den Gemeindevorstand. Der schließlich mit den sieben SPD-Stimmen beschlossenen Darlehensaufnahme seien Besprechungen bei der Aufsichtsbehörde vorausgegangen, die positiv verlaufen sind. Somit steht von dieser Seite nichts im Wege. Wie Seibel weiter ausführte, wird das Geldinstitut das Darlehen erst dann freigeben, wenn die Zinsverbilligung durch den Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gewährt ist.

Bürgermeister Ziegler gab bei dieser Gelegenheit nochmals bekannt, daß das Darlehensangebot erst am Tage zuvor eingegangen ist, so daß eine Verhandlung im Gemeindevorstand nicht möglich war, andererseits aber die Bank in knapp fünf Tagen einen endgültigen Bescheid über die Aufnahme haben wollte.

 

Gedenken an Eduard Sterlike

Diesem sehr stürmischen Sitzungsverlauf war ein stilles Gedenken für den am 13. August verstorbenen 1. Beigeordneten Eduard Sterlike vorausgegangen. Vorsitzender Lotz führte zu seinem ehrenden Gedenken aus, daß die Gemeindekörperschaften mit Eduard Sterlike einen Mann verloren haben, der nicht nur das Ansehen aller Vertreter genoß, sondern sich auch seit seiner Vertreibung in seiner zweiten Heimat Hochstadt vom Anbeginn stets für seine Landsleute und darüber hinaus für die gesamte Einwohnerschaft eingesetzt habe. Das Amt des 1. Beigeordneten wird nunmehr von Heinrich Selbe] sen. wahrgenommen, während der seitherige Gemeindevertreter Heinrich Brescher den Gemeindevorstand als Beigeordneter ergänzen wird. Neuer Gemeindevertreter für die SPD ist Philipp Gebelhardt, der vom Vorsitzenden eingeführt und verpflichtet wurde.

 

Fünf zogen aus

Hochstadts Gemeindevertreter billigten Aufnahme eines Darlehens

Die Hochstädter Gemeindevertretersitzung begann mit einer Überraschung. Namens der CDU und Wählergemeinschaft erklärte Gemeindevertreter Schöpel, mit einem Antrag der SPD, Beschluß über die Aufnahme eines Darlehens von 300.000 Mark zur Fortführung der Kanalisation zu fassen, seien die CDU und die WG nicht einverstanden. Das Plenum sei sich vor einiger Zeit einig gewesen, erst dann einen Punkt auf die Tagesordnung zu setzen, wenn auch der Gemeindevorstand davon unterrichtet sei.

Der Fraktionssprecher der SPD, Gemeindevertreter Seipel, sagte, die SPD habe mit ihrem Antrag nicht gegen die Gemeindeordnung verstoßen. Es sei bedauerlich, wenn man einen alten Streit wieder in „aktuelles Licht rücke§“. Als Wählergemeinschafts-Abgeordneter unterstrich Beigeordneter Doll, man habe den Eindruck, daß die Tagesordnung von einer Fraktion allein bestimmt werde.

Gemeindevertretervorsitzender Lotz (SPD) verteidigte seine Befugnisse mit der Feststellung: „Wenn einzig und allein der Gemeindevorstand für die Tagesordnung einer Sitzung zuständig sein sollte, dann ist eine Sitzung sinnlos.“ Nach der Gemeindeordnung stelle der Vorsitzende die Tagesordnung „im Einvernehmen mit dem Gemeindevorstand“ auf. Lotz wies darauf hin, daß die Darlehensaufnahme erst an dritter Stelle stünde.

Schöpel glaubte, der Gemeindevorstand setze sich mit den Problemen auseinander und sollte deshalb informiert sein, welche Punkte auf der Tagesordnung erscheinen. Er könne sich nicht des Eindrucks erwehren, daß die Angelegenheit nach außen hin als „politische Agitation“ deklariert werde.

Vorsitzender Lotz versuchte zu erklären, wie der SPD-Antrag entstanden sei. Kurzfristig habe man über die Darlehensaufnahme entscheiden müssen, weil erst am Donnerstagmorgen beim Bürgermeisteramt die Unterlagen von der Hessischen Landesbank eingingen. Darin hieß es, daß die Hochstädter Verwaltung bis zum 23. September über die Genehmigung des Darlehens durch die Gemeindevertreter Mitteilung zu machen habe. „Von diesem Termin ist die Gewährung des Darlehens und damit die Fortführung unserer Kanalisation abhängig“, betonte Lotz. Zur CDU-Wählergemeinschaft gewandt: „Sie degradieren Ihre Stellung als Gemeindevertreter nur deshalb, weil es Ihnen in den Laden paßt.“

Gemeindevertreter Seipel: „Der Vorsitzende der Gemeindevertretung setzt die Tagesordnung fest, gleich welcher Fraktion er angehört. Wir können halt nichts daran ändern, daß er in Hochstadt von der SPD gestellt wurde. Wir vergeuden aber die Zeit mit nichtigen Dingen.“ Gemeindevertreter Schmidt (CDU): Ihr Sozialdemokraten seid doch alte Demokraten. Wir aber wissen in diesem Falle nicht, worum es geht. Wenn wir nicht überzeugt werden können, ob die Darlehensaufnahme von 300.000 Mark richtig ist, dann sollte man über den SPD-Antrag abstimmen, noch ehe er behandelt wird.“ Das bekräftigte auch Lind (CDU): „Wir hatten nicht die Zeit über diesen Punkt zu beraten“ Vorsitzender Lotz: „Stimmen wir also ab.“

Vorher jedoch bedauerte Bürgermeister Ziegler (SPD) die Einstellung von CDU und Wählergemeinschaft. Diese sollten persönliche Interessen zurückstellen und nur für die Belange der Einwohner eintreten,

In der Abstimmung waren die fünf Vertreter von CDU und Wählergemeinschaft für die Absetzung des SPD-Antrages. Gemeindevorsteher Lotz gab dem Antrag von Schöpel (WG) statt und unterbrach die Sitzung für drei Minuten. Dann sagte Schöpel: „Wir sehen uns aus den bereits erwähnten Gründen außerstande, an der Beratung und Beschlußfassung über die Darlehensaufnahme teilzunehmen. Wir ziehen aus!“

Damit blieb den sieben SPD-Abgeordneten die Entscheidung über die Weiterführung der Hochstädter Kanalisation überlassen. Das Darlehen wurde genehmigt. Die CDU- Wählergemeinschaft zog wieder ein, um den Bericht von Bürgermeister Ziegler über die derzeitige kommunalpolitische Situation zu hören.

 

 

Hundert Mark Belohnung                                                                          7. Oktober

In der Nacht zum Samstag hielt hinter einem parkenden Wagen in Hochstadt ein unbekanntes Fahrzeug, und die Insassen machten sich daran, den rückwärtigen Zubehör des Wagens, Stoßstange, Schlußlicht und dergleichen, abzumontieren. Der Besitzer des Wagens hat für Mitteilungen, die-zur Ergreifung der Täter führen, eine Belohnung von hundert Mark ausgesetzt.

 

Gute Bücher werden gezeigt                                                                                  18.10.1959

Am Sonntagnachmittag, 18. Oktober, findet in der Schule eine Buchausstellung statt. Sie verfolgt das Ziel, Eltern,- Jugendliche und Kinder über Schundliteratur aufzuklären und ihnen den Weg zum guten Buch zu zeigen

 

Mahnmal wird eingeweiht

Am Sonntag wird das Mahnmal enthüllt, das auf Wunsch des VdK-Ortsverbandes errichtet wurde. Das Mal trägt die Inschrift „Den Toten der Weltkriege - den Opfern der Vertreibung“. Die Einweihungsfeierlichkeiten beginnen mit einem gemeinsamen Kirchgang der Einwohner um 9.30 Uhr. Nach dem Gottesdienst ist um 11 Uhr die feierliche Enthüllung des Mals auf dem Friedhof vorgesehen. Landrat Wilhelm Voller hält die Einweihungsrede. Der Kreisvorsitzende des VdK, Ferdinand Becker, enthüllt das Mal. VdK-Ortsvorsitzender Heinz Dalek übergibt das Mahnmal an Bürgermeister Gerhard Ziegler und Pfarrer Lindenberger. Die Einsegnung nehmen Geistliche beider Konfessionen vor. Umrahmt wird die Feier vom Bläserchor Bergen und der Sängervereinigung Hochstadt.

 Für die Planung und die Bauleitung zeichnete Wilhelm Schäfer, Bischofsheim, vom Landeskonservatorium Wiesbaden verantwortlich. Die Kosten in Höhe von 9.000 Mark wurden durch eine Ortssammlung und durch Zuschüsse der Gemeinde sowie des VdK aufgebracht.

 

Für die Kriegsopfer: Ehrenmal enthüllt                                                                            1959

Für die Kriegsopfer wurde jetzt auf dem Hochstädter Friedhof ein Ehrenmal enthüllt. Zahlreiche Einwohner, Schulkinder mit Kränzen und Blumensträußen nahmen neben Landrat Voller, Bürgermeister Zieger, VdK-Abordnungen und Vertretern der Gemeindeverwaltung an der schlichten Feierstunde teil.

Ein gemeinsamer Kirchgang beider Konfessionen leitete die Feierlichkeiten ein. Landrat Voller ging in seiner Rede auf das tragische politische Geschehen der vergangenen Jahrzehnte ein und hob hervor, gerade der letzte Krieg habe weder Frauen, Kinder noch Greise verschont. „Die Opfer des zweiten Weltkrieges müssen die letzten sein“, rief der Landrat aus. Auch für die Flüchtlinge sei das Hochstädter Ehrenmal errichtet worden. „Wir appellieren an alle Politiker, uns Frieden und Freiheit zu erhalten“, so schloß Landrat Voller.

VdK-Kreisvorsitzender Becker sprach die Hoffnung aus, daß die Leiden des letzten Krieges niemals vergessen und kein Volk wieder zu den Waffen greifen werde. Der VdK- Ortsvorsitzende von Hochstadt, Dalek, übergab anschließend das enthüllte Ehrenmal in die Obhut von Bürgermeister Ziegler und seiner Gemeindeverwaltung. „Es ist unsere vornehmste Pflicht, diese Stätte der Millionen Toten zu pflegen“, versicherte der Bürgermeister.

Der katholische Pfarrer Goldbach, Dörnigheim, und der evangelische Geistliche Lindenberger sprachen gleichfalls an der Gedenkstätte. Der Bläserchor Bergen-Enkheim und die Sängervereinigung Hochstadt umrahmten die Feierstunde.

 

Mahnmal wird enthüllt                                                                                          23.10.1959

In diesem Jahr kann den Ortsverband des VdK auf sein zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Bereits im Juni dieses Jahres fand im Saalbau der Gaststätte Strohl eine Jubiläumsveranstaltung statt, in der besonders der Kreisvorsitzende Ferdinand Becker die Verdienste der Ortsgruppe in dem zehnjährigen Kampf für die berechtigten Ansprüche der Kriegsopfer und Sozialrentner würdigte. Die Ortsgruppe wird seit ihrer Gründung ohne Unterbrechung von Kamerad Heinz Dalek geführt und kann sich seit Bestehen auf bewährte Helfer und Helferinnen stützen.

Jahre hindurch wurden an jedem Montag Sprechstunden für die hilfesuchenden Kriegs­be­schädigten, Hinterbliebenen und Zivilbeschädigten sowie Sozialrentner abgehalten. Die Stärke der Ortsgruppe, 140 Mitglieder, spricht bestens für das Vertrauen und die erfolgreiche Arbeit ihres Verbandes. Bei allem Einsatz für die lebenden Kriegsopfer will man aber auch die Gefallenen beider Weltkriege und auch die Opfer der Vertreibung nicht vergessen.

Die Ortsgruppe hat sich so denn auch bereits vor einigen Jahren für die Errichtung eines Mahnmales eingesetzt. In vorbildlicher Zusammenarbeit mit den Gemeindekörperschaften und den örtlichen Vereinen ist es nunmehr gelungen, eine würdige Gedenkstätte auf dem hiesigen Friedhof zu errichten. Am kommenden Sonntag wird das Mahnmal enthüllt und von dem VdK in die Obhut der Gemeinde übergeben. Der Enthüllung um 11 Uhr geht ein Kirchgang um 9.30 Uhr voraus. Als Vertreter der hessischen Landesregierung und der Kreisverwaltung wird Landrat W. Voller die Weiherede halten.

 

Jubiläen

27. Oktober. Sein 78. Lebensjahr kann heute der Rentner Philipp Heckert, Bogenstraße 78, vollenden und gleichfalls 78 Jahre alt wurde gestern Frau Katharina Lenz geb. Hensel, Hauptstraße 15 [richtig ist Bogenstraße 24]..

28. Oktober. Ihr 79. Lebensjahr kann heute Frau Marie Eibelshäuser geb. Huhn, Hauptstraße 6, vollenden.

29. Oktober. Der Lademeister i. R. Heinrich Fieres, Schulstraße 20, kann heute seinen 79. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische feiern.

 4. November. Ihr 80. Lebensjahr kann heute Frau Magdalene Strohl, geb. Strohl, Trinkbrunnenstraße 3, vollenden.

 

Aus Ärger Schäferei angesteckt                                                                             02.11.1959

Der 29 Jahre alte Berufsschäfer Otto Schäfer aus Ravolzhausen hat gestanden, am Freitagmorgen die Scheune und den Schafstall des Schäfereibesitzers Ernst Kießling in Hochstadt angezündet zu haben. Die Scheune und der Stall brannten bis auf die Grundmauern nieder. Der Schaden wird auf rund 20.000 Mark geschätzt. Als Grund für die Brandstiftung gab Schäfer an, er sei über den Besitzer verärgert gewesen. Der Brandstifter hatte längere Zeit bei diesem gearbeitet und war vor einigen Tagen nach einer Auseinandersetzung entlassen worden. Daraufhin trank er sich Mut an, schlief in der Scheune und steckte sie anschließend in Brand. Bei einem Arbeitskollegen, wo er eine Unterkunft für die Nacht zum Sonntag gesucht hatte, konnte er festgenommen werden.

 

Hochstadt kanalisiert weiter                                                                     Oktober 1959

Bisher drei Bauabschnitte fertig! 203 Wohngrundstücke mit Kanalanschluß.

Der dritte Bauabschnitt der Hochstädter Kanalisation ist vollendet. Am 3. November ist die Abnahme durch das Wasserwirtschaftsamt und den Regierungsstellen vorgesehen. Damit haben 203 Wohngrundstücke Kanalanschluß. Die Gesamtkosten dieser drei Abschnitte belaufen sich auf 425.00 Mark.

Die Entwicklung der Gemeinde Hochstadt machte eine umfangreiche Abwasseranlage erforderlich. Im Jahre 1955 wurde mit diesen Arbeiten begonnen. Rund 2.600 Einwohner zählte Hochstadt damals. Inzwischen ist ihre Zahl auf rund 3.000 gestiegen. Die Kanalisation trägt dazu bei, daß die Ansiedlungsmöglichkeiten noch besser werden. Bürgermeister Ziegler, sein Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung unterstützen alle Bestrebungen, Hochstadt zu vergrößern und „der Zeit anzupassen“, wie Bürgermeister Ziegler meinte.

Aus Eigenmitteln finanzierte die Gemeinde die Kanalisation des Röder Berges (7.800 Mark) und der Schulstraße (20.550 Mark). Im ersten Bauabschnitt wurden dann die Bischofsheimer Straße, Weinberg- und Hauptstraße, Bahnhofstraße bis zur Kreuzung mit der Ringstraße für 86.000 Mark angeschlossen.

Wesentlich höher waren die Kosten für den zweiten Abschnitt (108.000 Mark). Die Hauptstraße von der Bahnhofstraße bis zur Guldnergasse, die Nordstraße bis Trinkbrunnenstraße am Rathaus, der Wellenpfad, die Sand- und Forstgasse, die Rüstergasse und der Rest der Bischofsheimer Straße erhielten Abwasserrohre.

Die Kosten des dritten Bauabschnittes betrugen 200.000 Mark. Die Gemeinde war gezwungen durch den Umbau der Landstraße I. Ordnung (Bahnhofstraße bis Jägerstraße) innerhalb des Ortsgebietes diesen dritten Abschnitt in Angriff zu nehmen. Erstmals war auch ein Regenauslaufbauwerk erforderlich. Das überschüssige Wasser wird von hier aus in einen Graben geleitet, der in das Biblis-Gebiet mündet. Der Kanal wurde weitergeführt durch die gesamte Jägerstraße bis zur Ecke Hanauer Straße, durch die Sudetenstraße, Lindenstraße, den östlichen Teil der Ringstraße bis zur Einmündung der Dorfelder Straße und durch die Bleichstraße bis zum Schacht 119.

„Wir kanalisieren weiter“, sagte Bürgermeister Ziegler. 40 Prozent der Rohre liegen bereits unter den Straßen. Global umfaßt der vierte Abschnitt folgende Züge: Die Verbindung von der Bahnhofstraße und Ringstraße bis zur Einmündung in die Jägerstraße, vom ersten Regenauslaß bis Ortsgrenze Hochstadt-Dörnigheim einschließlich des gesamten „Niederfeldes“ (Niederfelder Straße).

Die Verwaltung hofft, daß die Arbeiten bis Jahresende abgeschlossen sind. Ein fünfter und letzter Bauabschnitt soll dann folgen. Der Rest des Thingstraße und Schmalhornstraße [Niederfeldstraße?].

 

 

Bundesbahn fordert höhere Fahrpreise                                                  November 1959

Für die Bahnstrecke Hochstadt-Hanau

Bischofsheimer Omnibusunternehmen wächst / Vorteile für die Fahrgäste

Die Fahrpreise auf der Omnibusstrecke Hochstadt-Hanau haben sich erhöht. Wie bereits berichtet, hat die Bundesbahn auf dieser Strecke seit Montag die Personenbeförderung übernommen. Das Bischofsheimer Omnibusunternehmen ist nunmehr nur noch für die Strecke von Frankfurt-Mainkur bis Hochstadt zuständig, erhält die alten Preise aufrecht und will seine Fahrgäste bis Ende November mit einigen Vorteilen überraschen.

Bürgermeister Krieger von Bischofsheim berichtete, das Unternehmen werde voraussichtlich in vierzehn Tagen einen neuen Omnibus mit Falttüren in Betrieb nehmen. Erst um 20.20 Uhr wird täglich der letzte Bus Mainkur verlassen. Auch samstags wird ein Omnibus nach 14 Uhr eingesetzt. Wöchentlich verkehren über dreißigmal die Busse zwischen Mainkur und Hochstadt.

Warum die Gemeinde Bischofsheim die Strecke Hochstadt-Hanau abgab? „Wir waren zwar seit Jahren bestrebt, die Verbindung mit der Kreisstadt Hanau aufrechtzuerhalten, aber nachdem sich das Bischofsheimer Verkehrsinteresse ausschließlich nach Frankfurt verlagerte, waren wir gezwungen, die Teilstrecke in andere Hände zu übergeben“, erklärte Bürgermeister Krieger. „Das war auf die Dauer untragbar.“ Kaufmännische Gesichtspunkte seien ausschlaggebend gewesen, daß nun die Bundesbahn die Strecke befährt. Weil aber das Staatsunternehmen nach anderen Tarifen ausgerichtet sei, bleibe den Benutzern eine Fahrpreiserhöhung nicht erspart.

Entgegenkommend zeigte sich die Bundesbahn der Forderung gegenüber, genügend Anschlüsse für die Omnibusse des Bischofsheimer Unternehmens in Hochstadt herzustellen. Das unbequeme Warten in den Wintermonaten lasse sich jedoch kaum vermeiden. Die Fahrt der Bischofsheimer Omnibusse endet an der Haltestelle Gartenstraße / Jägerstraße. Endstation für die Busse aus Richtung Hanau ist vor dem Anwesen Lutz in der Hauptstraße von Hochstadt.

Seit 1954 war die Gemeinde Bischofsheim, Pächter der Strecke von Hochstadt nach Hanau. Nach fünf Jahren ist sie jetzt wieder in den Besitz der Bundesbahn übergegangen - leider mit Fahrpreiserhöhungen.

 

Sardinien-Farblichtbilder von künstlerischer Ausdruckskraft                            01.12.1959

Der zweite Vortrag der Reihe „Inseln im Mittelmeer“ ragte in der einzigartigen Schönheit des vorgeführten Farblichtbildes über alles, was bisher in der Außenstelle der VHS in Hochstadt gezeigt wurde, weit hinaus. Vortragende war die bekannte junge Hanauer Photographin Marianne Pfältzer, deren große Ausstellung kostbaren Zierats aus Sardinien schon von allen, die sie damals im Goldschmiedehaus sehen konnten, als einmalige Sehenswürdigkeit empfunden wurde. Auch diesen herrlichen Farblichtbildern spürt man es an, daß hier ein hohes künstlerisches Einfühlungsvermögen Menschen, Landschaften und Dingen ihr tiefstes Geheimnis und ihre ganze verborgene Schönheit abgelauscht hat, um sie dann in Bildern von einmaliger Aussagekraft wiederzugeben. Freilich erschließt sich das nicht so ohne weiteres dem flüchtigen Blick des weitereilenden Touristen. Die junge Künstlerin aber war lange und oft im Ganzen siebzehnmal auf dieser fremdartig schönen Insel. So kam sie Menschen und Dingen liebevoll nahe und wurde in bestem Sinne des Wortes vertraut mit Sardinien, das wir jetzt durch sie und mit ihr erleben dürfen, wofür ihr herzlichster Dank gebührt.

 

„Harmloser" Klub mit Brecheisen                                                              November 1959

Drei, junge Männer wegen Diebstahls vor dem Hanauer Schöffengericht. Vor dem Jugendschöffengericht in Hanau standen am Donnerstag drei junge Männer aus Hochstadt, die einem Klub angehört hatten. „Es handelte sich um einen ganz harmlosen Klub“, verteidigten sich die drei jungen Männer. Der Staatsanwalt legte dem 2ljährigen Hauptangeklagten vollendeten Diebstahl in einem Fall und versuchten Diebstahl in einem anderen Fall zur Last. Den beiden Mitangeklagten wurde versuchter Diebstahl vorgeworfen.

Aus der Beweisaufnahme ergab sich, daß aus nicht geklärten Gründen ein Mitglied sich eines Tages von dem Klub trennte und bei der Polizei Angaben über beabsichtigte strafbare Handlungen machte. „Wir haben hier dicke Akten“, sagte Amtsgerichtsrat Müller. Er sei davon überzeugt, daß der Klub schon allerlei Unsinn getrieben habe. Der Amtsgerichtsrat erwähnte das Einwerfen von Fensterscheiben und die Belästigung von Passanten. Zur Debatte stehe in der Hauptverhandlung aber nur der Versuch, in der Siedlung Hohe Tanne einen Automaten aufzubrechen. Im Sommer 1957 zogen die drei Angeklagten, mit einem Brecheisen ausgerüstet, in das Siedlungsgebiet. „Wir hatten zwar die Absicht, etwas zu drehen, haben aber dann doch nichts gemacht“, sagte einer der Angeklagten. In der Tat konnte das Gericht den drei jungen Leuten keinen vollendeten Diebstahl nachweisen.

Überführt wurde der Hauptangeklagte des Diebstahls in einem anderen Fall. Er hatte einem Gast in einem Lokal in Hochstadt einen Zehn-Mark-Schein aus der Hosentasche weggenommen. Die zehn Mark verbrauchte der Angeklagte für sich. „Ich hatte dem Gast früher einmal eine Zeche bezahlt und wollte jetzt die Dinge selbst in Ordnung bringen.“ Staatsanwalt Reichwein machte darauf aufmerksam, daß es nichts an der Rechtswidrigkeit der Handlung ändere, wenn der Angeklagte tatsächlich von dem Gast Geld zu bekommen hatte.

Das Jugendschöffengericht verurteilte den Hauptangeklagten zu 78 Mark Geldstrafe. Die beiden Mitangeklagten wurden freigesprochen. Amtsgerichtsrat Müller betonte, der Freispruch müsse nicht bedeuten, daß die Mitangeklagten frei von jeder Schuld seien. Die Schwierigkeit des Verfahrens habe sich ergeben, weil keine Tatzeugen vorhanden seien.

 

9Ser Schützen nach Hochstadt                                                                              08.12.1959

Der Schützenclub 1895 fährt am Mittwoch zu seinem fälligen Pokal- und Rundenkampf zu den Hochstädter Schützen und trifft sich geschlossen zur Abfahrt um 19.45 Uhr bei Schützenbruder Karl Weber, Hanauer Landstraße 3. Der sonst übliche Abend fällt aus, so daß alle Schützen an der Fahrt teilnehmen können.

 

Gegen Auto gefahren                                                                                                         1959

Auf der Straße zwischen Dörnigheim und Hochstadt fuhr am Samstag gegen 13.40 Uhr ein Rollerfahrer gegen einen Personenwagen, der entgegenkam und nach links abbiegen wollte. Der Rollerfahrer und sein Mitfahrer stürzten und zogen sich Verletzungen zu. Sie wurden ins Krankenhaus gebracht.

 

Endstation Krankenhaus

Auf der nach Hochstadt .führenden Straße stieß ein Rollerfahrer gegen einen entgegenkommenden Personenwagen, der nach links abbiegen wollte. Der Rollerfahrer und sein Mitfahrer stürzten und zogen sich Verletzungen zu. Beide mußten ins Krankenhaus gebracht werden.

 

Bezirksübung der Feuerwehr                                                                                            1959

Am Sonntag findet in Hochstadt eine Bezirksübung der Freiwilligen Feuerwehren statt, an der sich auch die Bischofsheimer Aktiven beteiligen. Sie treffen sich um 8 Uhr am Gerätehaus in der Berger Straße.

 

Umgehungsstraße „Rhein-Main-Schnellweg“                                                                  1959

Zur Entlastung der Bundesstraße 8 / 40 zwischen Frankfurt-Fechenheim und Hanau wird absehbarer Zeit der Kleine Rhein-Main-Schnellweg gebaut. Heute. Vormittag treten die Bürgermeister der Gemeinden Bischofsheim, Dörnigheim und Hochstadt in Dörnigheim zusammen, um die vom Landesstraßenbauamt ausgearbeitete Vorplanung zu beraten. Die Gemeindekörperschaften von Hochstadt haben sich bereits zustimmend geäußert. Bedenken. meldete dagegen der Gemeindevorstand von Dörnigheim in der letzten Gemeindevertretersitzung an. In Dörnigheim befürchtet man, daß durch die Straßenführung, zu große Waldgebiete verlorengehen. 'Außerdem ist man nicht damit einverstanden, daß der geplante Schnellweg das Industriegebiet durchschneiden soll. Unsere Skizze zeigt den geplanten Verlauf des Kleinen Schnellweges nördlich der Bundesstraße 8 / 40. Dieser Schnellweg verlängert den großen Rhein-Main-Schnellweg, der von Wiesbaden nach Frankfurt führt. Zwischen Frankfurt-Bornheim und -Seckbach soll der Kleine Schnellweg seinen Anfang nehmen und dann nordwestlich von Hanau in die Umgehungsstraße einmünden. Westlich einer geplanten Landstraße zwischen Bischofsheim und der Bundesstraße beabsichtigt man die Anlage eines großen Erholungsgebietes mit Schwimmbad für die Bevölkerung der östlichen Stadtteile von Frankfurt und der Gemeinden westlich von Hanau [Die Straße sollte etwas weiter von Bischofsheim, aber nahe an Hochstadt vorbeiführen und in Höhe des späteren Industriegebiets-Ost auf die Hanauer Umgehungsstraße – heute verlängerte Kennedystraße – einmünden].

 

Reh lief in PKW                                                                                           Dezember 1959

Auf der nach Wachenbuchen führenden Straße verursachte ein Reh einen Verkehrsunfall. Das Tier lief gegen einen Personenwagen. Es entstand Sachschaden. Das verletzte Tier wurde dem Jagdpächter übergeben.

 

Sorgen um neues Wohnbaugebiet

Wie Bürgermeister Ziegler zur Kanalisation weiter berichtete, hoffe er, bis zur nächsten Sitzung die geplanten Straßenzüge der Vertretung nach Fertigstellung des Kostenvoranschlages durch das Ingenieurbüro vorlegen zu 'können. Es sei damit zu rechnen, daß der nächste Abschnitt folgende Straßenzüge vorsehe: Ringstraße-Süd, Lindenstraße, Kirchberg, Bogenstraße, Trinkbrunnenstraße, Hofgerichtsstraße, Schillerstraße (Riederhohl) und vor allem der Graben mit den Regendurchlässen hinter der Ringmauer Nord.

Die Reinigung der Wasserläufe ist ebenfalls im vollen Gang. Leider muß sie bei einem Teil der Gräben bis zur Regenperiode zurückgestellt werden, da hier die Trockenheit die Arbeiten unmöglich macht. Bürgermeister Ziegler berichtete weiter über den baldigen Ausbau sowie Verbreiterung und Begradigung der Chaussee zwischen Bischofsheim und Hochstadt. Auch über den Stand der Planungen des kleinen Rhein-Main-Schnellweges, der für die Gemeinde von besonderer Bedeutung ist, wurde berichtet.

Zum Abschluß seines Berichtes ging Bürgermeister Ziegler nochmals auf die Situation des Baugeländes, besonders des neuausgewiesenen Geländes für die Wohnblocks im örtlichen Ortsteil näher ein. Das gesamte Gelände wurde von der Gemeindevertretung vor fast einem Jahr in das Baugebiet genommen, um hier sechs neue Wohnblocks im Rahmen des sozialen Wohnungsbaues errichten zu lassen. Hierbei ist der Hauptgedanke eine Auflockerung der örtlichen Wohnungsnot zu schaffen. Ziegler berichtete, daß er hierfür auch Interessenten gefunden habe. Leider hätten sich dabei auch solche Bauinteressenten eingestellt, die hier freifinanzierte Wohnungen bauen wollen, daß heißt solche, die pro Quadratmeter 2,20 - 2,50 DM kosten würden. Wohnungen mit solchen Preisen aber seien von der letztgenannten Interessengruppe auf keine Weise zur Behebung der Wohnungsnot geeignet. Es sei bereits versucht worden, die Grundstückseigentümer rum Verkauf zu bewegen. In diesem Falle müsse die Gemeinde mit allen Mitteln einschreiten.

Vorsitzender Lotz gab hierzu bekannt, daß laut Protokoll dieses Gelände nur für Wohnblocks, die im Rahmen des sozialen Wohnungsbaues gebaut werden, in das Baugebiet aufgenommen wurde. Erst mit der letztgenannten Maßnahme sei der Wert für die- Grundstückseigentümer gestiegen, was aber keineswegs bedeuten könne, daß nun die Eigentümer tun und lassen dürften, was sie wollten. Wenn sich der Preis durch den Beschluß der Gemeindevertretung eventuell verzehn- bis verzwanzigfacht, so sei dies doch wirklich genug, denn man dürfe doch nicht den sozialen Zweck außer acht lassen. Schließlich müsse die Gemeinde und damit die gesamte Einwohnerschaft die Erschließungskosten aufbringen. Der Hauptgrund der Erweiterung des Baugebietes sei gewesen, die Wohnungsnot zu lindern. Erst später könne man auch an die anderen Interessenten denken. Im Interesse einer gerechten Behandlung der Besitzer dieses Baugeländes aber könne keine Ausnahme gemacht werden.

Die nachfolgende Aussprache zeigte, daß fast alle Gemeindevertreter sich diesem Gesichtspunkt anschlossen. Ob es allerdings die letzte! Diskussion über dieses leidige Problem war, bleibt abzuwarten.

 

                                  

VdK-Familie beim Kerzenschein                                                                             17.12.1959

An weihnachtlich geschmückter Tafel in froher Feier vereint

Auch in diesem Jahre hatte der Vorsitzende H. Dalek die Ortsgruppe Hochstadt des VdK zu einem familiären Beisammensein in der Vorweihnachtszeit aufgerufen, um alle Mitglieder an weihnachtlich geschmückten langen Tafeln zu vereinen.

 Nach einem Eingangsspiel des Zithervereins „In stiller Abendstunde“ ergriff der 1. Vorsitzende H. Dalek das Wort, um alle, die sich zur großen VdK-Familie zählen, herzlich zu begrüßen. Mit seinem Rückblick auf die Feierstunden der vergangenen Jahre, in denen es noch eine große Schar von Waisen gab, die man beschenken konnte - inzwischen sind sie junge Damen und Herren geworden - verband H. Dalek zugleich einen Rechenschaftsbericht über die Leistungen des Verbandes in diesem Jahre. Er hob hervor, daß im Mittelpunkt die Errichtung des großen Mahnmals und seine feierliche Einweihung am Volkstrauertag stand und brachte seine große Freude über die Unterstützung des Bürgermeisters Ziegler bei diesem großen Werk zum Ausdruck.

Nach einem Lied: „Maria saß im Rosenhag“ von Maria Freiberger, die ihre zarte, helle Sopranstimme am Flügel selbst begleitete, sprach Bürgermeister Ziegler einen warm empfundenen Dank für diese vorweihnachtliche Veranstaltung aus, zu deren Gelingen so viele freundliche Helfer, allen voran der Zither-Verein „Alpenrose“ sowie Frau Freiberger und Frau Ludwig, die mit den Kindern manche Stunde geübt haben mußte, beigetragen hätten. Der Bürgermeister sicherte dem VdK in seinem Kampf um die finanzielle Besserstellung seiner Mitglieder jede nur mögliche Unterstützung von seiten des Gemeindevorstandes zu und wünschte abschließend allen Anwesenden ein frohes Weihnachtsfest.

Nachdem sein zehnjähriger Sohn, Reinhard Ziegler, sicher und unbefangen, mit bemerkenswert gutem Ausdruck ein Weihnachtsgedicht gesprochen hatte, wechselten Vorträge des Zithervereins, in straffem Rhythmus und klanglich gutem Zusammenspiel wie immer, mit Sologesangsvorträgen (M. Freiberger), Gedichten und fröhlichen Spielen der Kinder. Es war eine reichhaltige und bunte Vortragsfolge - der Prolog der kleinen Mechthild Dorn sei ebenso ver­merkt wie die von Frau Ludwig mit viel Sorgfalt eingeübten Spiele -, bei denen jeder der kleinen Spieler sein Bestes bot, wie auch das sicher gekonnte, hübsche Zithersolo von Will­fried Kegelmann, „Der Weg zum Herzen“ von Freundörfer ausnehmend gefiel,

 Nach der Kaffeetafel gab es noch für alle Kinder eine kleine, süße Bescherung vom freundlichen Nikolaus und damit fand die interne Familienfeierstunde des VdK einen harmonischen Abschluß.

 

Es war eine besinnliche Feierstunde                                                                     19.12.1959

Weihnachtliche Vorfreude für die alten Gemeindemitglieder

Wie nun schon seit sechs Jahren hatte auch diesmal die Evangelische Frauenhilfe alle alten Gemeindemitglieder von Hochstadt an den weihnachtlich geschmückten Tafeln des Gemeindesaales zu einer besinnlichen Feierstunde eingeladen.

Nach der Begrüßung durch Pfarrer Lindenberger und dem gemeinsam gesungenen Adventslied sprachen große Schülerinnen aus der Evangelischen Jugendgruppe und dem Turnverein (einstudiert von Kathi Eibelshäuser) einige sehr innige Gedenkverse für die Mütter, die Kinder, die noch immer Gefangenen, die Heimatvertriebenen, die Gefallenen, für unser noch immer zertrenntes Vaterland und zuletzt einen Dankesgruß an Gott den Herrn, der wieder Frieden einkehren ließ in unsere dunkle Welt. Jedesmal stellte die junge Sprecherin ihre brennende Kerze des herzlichen Gedenkens um den Adventskranz.

Vor und nach der reichbestellten und sehr gemütlichen Kaffeetafel erfreute die Jugendleiterin Fräulein Drumm mit weihnachtlichen Liedern ihrer kleinen Flötengruppe. Den Höhepunkt des Nachmittags aber bildete das von Bert v. Heiseles dramatisierte Märchen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“, das auch Kati Eibelshäuser eingeübt hatte und in dem alle jungen Darsteller ihr Bestes gaben.

Pfarrer Lindenberger stellte seine Ansprache unter das Jesaiawort „Ich will euch tragen bis ins Alter“ und sprach in zu Herzen gehenden Worten von der Last aber auch der Aufgabe des Alters, die darin bestehe, daß man nun Vielem entsagen und das eigene Ich immer mehr zurücktreten lassen müsse, um den Jüngeren und zumeist der dritten Generation, in selbstloser Liebe und Hingabe Halt und Hilfe zu gewähren. Wer es so gelernt habe, sich von sich weg zu den Nächsten und anderen Menschen zu wenden, für den gelte das Wort: „Es ist die größte Kunst auf Erden, mit frohem Herzen alt zu werden.“ Für die jüngere Generation aber, die noch mitten im Leben stehe, gelte vor allem das Gebot: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren“, womit nicht zuletzt die alten Eltern gemeint sind.

Den Dank der frohgestimmten alten Gemeindeglieder an die Frauenhilfe überbrachte auch diesmal Peter Heckert, der im zu Ende gehenden Jahr das seltene Fest der diamantenen Hochzeit in bewundernswerter körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische feiern durfte. Das spürte man auch wieder an seinen beredten Worten und dem schönen Vorschlag, den er machte [Peter Heckert, Hauptstraße 13].

 Am Abend vereinigten sich noch die Frauenhilfe, der Kirchenvorstand und der Kirchenchor. Der letztere verschönte das vorweihnachtliche Beisammensein mit schönen Adventliedern und Klaviervorträgen von Haydn, Schumann und Schubert, seines an dieser Stelle schon so oft mit wohlverdientem Lobe bedachten Dirigenten Hauptlehrer Paul Henkel.

 

Märchenspiel zur Weihnachtsfeier                                                              Dezember 1959

 Zu einer Weihnachtsfeier lud die Evangelische Frauenhilfe die alten Mitglieder der Gemeinde ein. Die Alten und Einsamen wurden mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Sie sahen ein von den jungen Mitgliedern aufgeführtes Märchenspiel. Kati Eibelshäuser hatte das Spiel „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ eingeübt. Pfarrer Lindenberger sagte in einer Ansprache, die Alten hätten nicht nur eine Lest zu tragen. Sie hätten auch eine Aufgabe, die darin bestehe, den Jungen Hilfe und Halt zu geben.

 

Tierseuche im Landkreis Hanau

In Gehöften der Gemeinde Hochstadt wurde amtsärztlich die Maul- und Klauenseuche festgestellt. Außerdem fand man Spuren der Seuche in der Gemeinde Niederdorfelden. Wie das Landratsamt bekannt gibt, wurden die Nachbargemeinden Dörnigheim, Bischofsheim, Wachenbuchen, Oberdorfelden, Kilianstädten und Gronau zum Beobachtungsgebiet erklärt. Angesichts der in Heldebergen aufgetretenen Seuche sind auch Eichen und Windecken zum Beobachtungsgebiet erklärt worden.

 

1960

 

Jubiläen

Ihren 80. Geburtstag begeht am 28. Oktober Frau Marie Eibelshäuser geborene Huhn, Hauptstraße 6.

Ihr 76. Lebensjahr kann am 21. November Frau Dorothea Huhn geborene Koch, Dorfelder Straße, vollenden.

Ihr 79. Lebensjahr kann am 12. November Frau Katharine Schöner geborene Burger, Dorfelder Straße 8, vollenden und ihren 78. Geburtstag Frau Marie Hohn geborene Hartmann, Bleichstraße 2, begehen.

Am Donnerstag, dem 3. November, feiern die Eheleute Karl Krämer und Frau Maria, geborene Brosch, Hauptstraße 5, das Fest der silbernen Hochzeit.

Das hohe Alter von 85 Jahren konnte Johannes Kraft, Weinbergstraße 1, erreichen.

Sein 75. Lebensjahr kann am 2. November Johannes Bechert, Rohrbachstraße Nr. 1, vollenden

Sein 25jähriges Arbeitsjubiläum kann heute der Glasbläser Jakob Eibelshäuser, Hochstadt, Gartenstraße 8, bei der Quarzlampengesellschaft begehen.

Im goldenen Hochzeitkranz: Das schöne Fest der goldenen Hochzeit können am 9. Dezember die Eheleute Wilhelm Eibelshäuser und Frau Margarete geborene Burger, Hanauer Straße, feiern.

Ihr 80. Lebensjahr kann am 23. Dezember Frau Veronika Mandel geborene Gerlach, Ringstraße-Süd, vollenden.

Hochstadt: Herr Wilhelm Huhn, Nordstraße 9 (71 Jahre). (Bild: Privat)(Dezember 1960).

 

Neubaugebiet                                                                                                                                 1960

Alt und neu liegen in der Hanauer Landkreisgemeinde Hochstadt dicht beieinander. Im Zentrum des Dorfes stehen die alten Fachwerkbauten, die immer wieder viele Ausflügler aus Hanau anziehen. Im Süden des Gemarkungsgebietes entstehen seit Monaten neue Siedlungshäuser, die das Charakterbild der Gemeinde verändern. Links auf unserem Bild ist das Neubaugebiet zu erkennen [Brunnenstraße]. Dort werden jetzt Kanalrohre verlegt. Gegenwärtig sind Arbeiter mit dem fünften Kanalbauabschnitt beschäftigt. Das Geld für das Vorhaben hat man sich auf dem Kapitalmarkt beschafft. Rechts im Bild sieht man einige Fachwerkhäuser, die unser Fotograf vom Rathaus aus aufnahm [Rathaus hier: Hauptstraße 9].

 

Zwei Projekte warten in Hochstadt auf Verwirklichung             Januar 1960

Schnellweg und 5. Kanalbauabschnitt im Mittelpunkt des Interesses

In Hochstadt stehen jetzt zwei Projekte im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses: der kleine

Rhein-Main-Schnellweg und der 5. Kanalbauabschnitt. Bürgermeister Ziegler gab am Donnerstag bekannt, sobald der Frost abklinge, werde man mit dem fünften Kanalbauabschnitt

beginnen. Zu dem Projekt des Schnellweges sagte er, am 22. Januar würden Vertreter des

Hanauer Kreisbauamtes sowie der Gemeinden Dörnigheim, Bischofsheim und Hochstadt

darüber beraten.

Hochstadts Gemeindekörperschaften haben die von dem Landesstraßenbauamt Hessen-Süd ausgearbeiteten Pläne für den kleinen Schnellweg gebilligt. Die Wünsche des Bürgermeisters, die er bei einem Besuch im Landesstraßenbauamt vortrug, sind weitgehend berücksichtigt worden. Aus der Gemeinde Bischofsheim kommend, soll der Schnellweg am „Krümling“ in die Gemarkung Hochstadt eintreten. Dann soll der Schnellweg die Gemarkungsteile „Unter dem Hahnes“ und „Wiebliecher Wäldchen“ (!) schneiden, wo die erste kreuzungsfreie Auf- und Abfahrt geplant ist.

Bürgermeister Ziegler begrüßte vor allem, daß beabsichtigt sei, die Schulstraße und die Bahnhofstraße zu überführen. In südöstlicher Richtung will man den Schnellweg dann am Sportplatz und an der Pumpstation vorbeiführen. In der Nähe der Pumpstation wird der Schnellweg in die Gemarkung Dörnigheim eintreten.

Aus den Planungen des Landesstraßenbauamtes geht hervor, daß auch die Bahnstrecke zwischen dem Frankfurter Ostbahnhof und dem Hanauer Westbahnhof überführt werden soll. Bürgermeister Ziegler sagte, man erwarte von dem Schnellweg eine wesentliche Entlastung der Landstraße zwischen Dörnigheim und Hochstadt. Dort wird der Verkehr durch den schienengleichen Bahnübergang am Bahnhof stark behindert. Bürgermeister Ziegler und Gemeindevorsteher Lotz äußerten übereinstimmend die Ansicht, daß der Bau des Schnellweges eine wirtschaftliche Belebung der Gemeinde Hochstadt im Gefolge haben werde.

Der von der Gemeindevertretung gebilligte Nachtragsetat weitet die außerordentlichen Ausgaben beträchtlich aus. Das Volumen des außerordentlichen Etats steigt von 200.000 auf 540.000 Mark. „Die gesamten außerordentlichen Haushaltsausgaben sind für den Kanalbau bestimmt“, betonte Bürgermeister Ziegler. Gegenwärtig sei man dabei, den vierten Abschnitt zu vollenden. Ob der stärker werdende Frost die Arbeiten unterbrechen werde, lasse sich jetzt noch nicht übersehen. Der geplante fünfte Abschnitt schließt die Hofgerichtsstraße, die Wachenbucher Straße und die Lindenstraße ein. Außerdem sollen Kanalrohre am Kirchberg, in der Ringstraße und in der Bleichstraße verlegt werden. Einen Abschnitt des Hauptsammlers hat man bereits verlegt. Der Hauptsammler soll noch bis an die Gemarkungsgrenze weitergeführt werden. Dort wird man Anschluß an das Dörnigheimer Kanalnetz suchen. Gemeinsam mit Dörnigheim will man dann den Anschluß an das Hanauer Entwässerungssystem betreiben.

 

 

Zuchthühner gestohlen                                                                                         Januar 1960

Mehrere Zuchthühner wurden in der Nacht zum Sonntag von unbekannten Tätern aus einem Stall gestohlen. Nach Mitteilung der Landespolizeistation Dörnigheim handelt es sich in zwei Fällen um Ausstellungsstücke. Möglicherweise handelt es sich bei dem Täter um einen Liebhaber von Zuchthühnern.

 

Gewitzter Wirt fing den Gauner                                                                            Januar 1960

Ein seit einem halben Jahr von der Staatsanwaltschaft Hanau wegen Scheckbetrugs gesuchter Kaufmann (39) aus Hochstadt (Kreis Hanau) ist an einem Lorcher Gastwirt gescheitert. Der Mann versuchte (wie die Polizei am Dienstag bekanntgegeben hat) von dem Gastwirt 200 Mark zu erschwindeln. Unter dem Namen seines Vaters bat er ihn zunächst telefonisch, „seinem Sohn“ behilflich zu sein und stellte sich eine halbe Stunde später mit einem Scheck ein, den er in Bargeld umgewechselt haben wollte.

Der Gastwirt ließ, obwohl er den Vater seines Besuchers kannte, sofort über die Lorcher Volksbank bei der Bank in Hanau nachforschen und wußte Minuten später Bescheid. An Stelle der 290 Mark „servierte“ er dem einigermaßen erstaunten Schwindler einen Polizeibeamten.

 

Scheckbetrüger gefaßt: An Stelle Bargeld die Polizei „serviert“

Ein seit einem halben Jahr von der Staatsanwaltschaft Hanau wegen Scheckbetrugs gesuchter 39jähriger Kaufmann aus Hochstadt (Kreis Hanau) ist an einem Lorcher Gastwirt gescheitert. Der 39jährige versuchte, wie die Polizei am Dienstag bekanntgab, von dem Gastwirt 200 Mark zu erschwindeln. Unter dem Namen seines Vaters bat er ihn zunächst telefonisch, „seinem Sohn“ behilflich zu sein und stellte sich eine halbe Stunde später mit einem Scheck ein, den er in Bargeld umgewechselt haben wollte. Der Gastwirt ließ, obwohl er den Vater seines Besuchers kannte, sofort über die Lorcher Volksbank bei der Bank in Hanau nachforschen und wußte Minuten später, daß der Scheck ungedeckt und der Aussteller ein Betrüger war. Anstelle der 200 Mark „servierte“ er daraufhin dem einigermaßen erstaunten Schwindler einen Polizeibeamten.

 

Scheckbetrüger scheiterte an gewittern Gastwirt

Ein seit einem halben Jahr von der Staatsanwaltschaft Hanau wegen Scheckbetrugs gesuch­ter 39jähriger Kaufmann aus Hochstadt ist an einem Lorcher Gastwirt gescheitert. Der 39- jährige versuchte, wie die Polizei bekanntgab, von dem Gastwirt 200 Mark zu erschwindeln. Unter dem Namen seines Vaters bat er ihn zunächst telefonisch, „seinem Sohn“ behilflich zu sein und stellte sich eine halbe Stunde später mit einem Scheck ein, den er in Bargeld umgewech­selt haben wollte. Der Gastwirt ließ, obwohl er den Vater seines Besuchers kannte, sofort über die Lorcher Volksbank bei der Bank in Hanau nachforschen und wußte Minuten später, daß der Scheck ungedeckt und der Aussteller ein Betrüger war. Anstelle der 200 Mark „servierte“ er daraufhin dem einigermaßen erstaunten Schwindler einen Polizeibeamten,

 

Tanz-Tee der Jugend                                                                                   16.01.1960

Im Rahmen des Winterprogrammes des Kreisjugendamtes findet am morgigen Sonntag im Saale des Gasthauses Strohl in Hochstadt ein Tanz-Tee für alle Jugendlichen statt. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr Wut: Wird gegen 19 Uhr beendet sein, Jugendliche von 14 bis 25 Jahren haben freien Eintritt. Mit dieser Tanzveranstaltung wird die Serie des Freizeitprogram­mes für die Jugend fortgesetzt. Den Eltern kann auf diesem Wege nur empfohlen werden, ihre Kinder auf diese Veranstaltung aufmerksam zu machen. Auch die Jugend der Gemeinden Dörnigheim, Bischofsheim und Wachenbuchen wird zu dieser Veranstaltung eingeladen. Die nächsten Tanz-Nachmittage werden dann auch in diesen Gemeinde abgehalten.

 

Jubiläen

Herr Wilhelm Huhn, Hochstadt, Nordstraße 9, feierte am 3. Januar seinen 70. Geburtstag.

Am 6. Januar kann Frau Karoline Krämer geb. Schwind ihr 74. Lebensjahr vollenden.

Herr Nikolaus Weigand, Dorfelder Straße, wird am 13. Januar 80 Jahre alt.       

Am 14. Januar wird Wilhelm Seibel, Rohrbachstraße, 76 Jahre alt.

Am Sonntag, dem 16. Januar. kann Frau Elisabeth Höhl geborene Gerlach, Ringstraße 32 (Süd), ihren 77. Geburtstag feiern. Am gleichen Tage wird Philipp Mankel, Lutherstraße 11, 72 Jahre alt.

Am 9. Januar kann Frau Margarete Stein geborene Strohl, Schützenstraße 3, ihren 74. Geburtstag feiern.

Am 1. Februar kann Frau Katharina Müller geborene Wiegel, Hanauer Straße 22, ihren 73. Geburtstag feiern. Am Dienstag wird Fräulein Margarete Waidenschlager 79 Jahre alt.

Sein 79. Lebensjahr kann am 2. März Wilhelm Kraft, Nordstraße 5, vollenden und 77 Jahre alt wurde gestern Fräulein Emma Höhne, Röderberg 10.

Sein 80. Lebensjahr kann am 26. Februar der Weißbindermeister Johannes Mankel, Im Wellenpfad 4, vollenden, und ihren 77. Geburtstag beging gestern Frau Eva Koch geborene Schwarz.

Am 12. März kann Elisabeth Heckert geborene Lind, Hauptstraße 13 ihr 79. Lebensjahr

vollenden.

Ihr 80. Lebensjahr kann am 16. März Frau Sophie Eibelshäuser, Gartenstraße 8, vollenden und seinen 77. Geburtstag konnte gestern Philipp Brosch, Am Wellenpfad, begehen.

Ihren 71. Geburtstag begeht am 5. April Frau Margarete Ziegler geborene Weber, Hanauer Straße 7.

Sein 83. Lebensjahr kann am 17. März der Altlandwirt Peter Heckert, Hauptstraße 13, vollenden und ihren 76. Geburtstag Frau Margarete Mankel geborene Hensel, Im Wellenpfad 4, begehen.

Am Sonntag, dem 2. April, kann Frau Katharina Brosch geborene Bornkessel, Lutherstraße, ihren 70. Geburtstag feiern.

 

 

Kleiner Rhein-Main-Schnellweg                                                                 Januar 1960

Air Entlastung der Bundesstraße 8 / 40 zwischen Frankfurt-Fechenheim und Hanau wird in absehbarer Zeit der Kleine Rhein-Main-Schnellweg gebaut. Heute- vormittag treten die Bürgermeister der Gemeinden Bischofsheim, Dörnigheim und Hochstadt in Dörnigheim zusammen, um die vom Landesstraßenbauamt ausgearbeitete Vorplanung zu beraten. Die Gemeindekörperschaften von Hochstadt haben sich bereits zustimmend geäußert. Bedenken. meldete dagegen der Gemeindevorstand von Dörnigheim in der letzten Gemeindevertretersitzung an. In Dörnigheim befürchtet man, daß durch die Straßenführung zu große Waldgebiete verlorengehen. Außerdem ist man nicht damit einverstanden, daß der geplante Schnellweg das Indus­triegebiet durchschneiden soll. Unsere Skizze zeigt den geplanten Verlauf des Kleinen Schnell­wegs nördlich der Bundesstraße 8 /40. Dieser Schnellweg verlängert den großen Rhein-Main-Schnellweg, der von Wiesbaden nach Frankfurt führt. Zwischen Frankfurt-Bornheim und -Seckbach soll der Kleine Schnellweg seinen Anfang nehmen und dann nordwestlich von Hanau. in die Umgehungsstraße einmünden. Westlich einer geplanten Landstraße zwischen Bischofsheim und der Bundesstraße beabsichtigt man die Anlage eines großen Erholungsgebietes mit Schwimmbad für die Bevölkerung der östlichen Stadtteile von Frankfurt und der Gemeinden westlich von Hanau.

 

Gefährlicher Autodieb gesucht                                                                  Januar 1960

Ein ebenso dreister wie rücksichtsloser Autodieb wird von der Staatsanwaltschaft Wiesbaden und dem Staatlichen Kriminalkommissariat Hanau gesucht. Der 26jährige Karl- Heinz Goedicke, der zuletzt seinen Unterschlupf in Obertshausen im Landkreis Offenbach hatte, wird des mehrfachen Autodiebstahls, der dreifachen Fahrerflucht, des Widerstandes gegen Polizeibeamte verdächtigt. Nach den Angaben der Staatlichen Kriminalpolizei Hanau wechselt der Gesuchte ständig die Fahrzeuge und versieht sie mit falschen Kennzeichen. Im Landkreis Hanau schleifte der junge Mann einen Polizeibeamten, der sich an der Wagentür festgeklammert hatte, mehrere Meter über die Straße. Immer wieder gelang es ihm, sich der Festnahme zu entziehen.

Die Polizei nimmt an, daß der 26jährige gegenwärtig einen Mercedes 180 D mit dem falschen Kennzeichen WI - NU 22 oder einen Ford- Kombi 17 M mit dem falschen Kennzeichen F -AX 84 benutzt. Möglicherweise fährt der Autodieb auch Leihwagen Frankfurter oder Wiesbadener Firmen.

Am Neujahrstag tauchte der Autodieb im Landkreis Hanau auf. In offenbar angetrunkenem Zustand fuhr er bei Wachenbuchen auf einer Landstraße in eine Fußgängergruppe. Mehrere junge Männer wurden verletzt. Der Mann beging Unfallflucht.

In Obertshausen, wo er seit April 1959 eine Unterschlupf hatte, wechselte der junge Mann das Fahrzeug. Er fuhr mit dem Mercedes 180 D in Richtung Eichhorn. Auf dem Wege verursachte er, einen Unfall. Wieder entzog sich der 26jährige durch die Flucht der Festnahme: Nach erneutem Wechsel des Fahrzeugs in Obertshausen wurde Goedicke in einem Fordwagen in Erbstadt im Landkreis Hanau gestellt. Rücksichtslos rammte der junge Mann den Streifenwagen. Er schleifte einen Beamten, der den Autodieb zur Rede stellte, mehrere Meter über die Straße.

Von Erbstadt aus fuhr der 26jährige wieder in den Offenbacher Landkreis. In einem Waldstück bei Langen versteckte er das Auto. Am 2. Januar wurde es von der Polizei gefunden und in einem offenen Schuppen untergestellt. Goedicke war dreist genug, den in dem Schuppen untergestellten Wagen in der Nacht zum 3.Janaur wieder zu stehlen. Am 8. Januar stellte die Landespolizei Rüdesheim in Assmannshausen einen weiteren Wagen sicher, der von Goe­dicke gestohlen worden war. Ein anderes Fahrzeug, das Goedicke benutzt hatte, ist in Leonberg in Württemberg beschlagnahmt worden.

Zwei ausgeschlachtete Personenwagen der Marke Ford aus den Baujahren 1958 und 1959 fand die Polizei in' einer von Goedicke gemieteten Scheune in Obertshausen. Außerdem waren in der Scheune eine Kofferschreibmaschine, Werkzeuge, Plattenspieler und Spielautomaten verborgen.

Wie der Chef der Staatlichen Kriminalpolizei Hanau, Heinz Gutedel, berichtete, bestreitet Goedicke seinen Lebensunterhalt aus Straftaten und den Einnahmen von mehreren Spiel- und Musikautomaten. Die Automaten stellte der junge Mann, der aus Nieder-Mockstadt gebürtig ist, in Gaststätten im Rhein-Main-Gebiet und in Rheinland Pfalz auf. Eine Automatenfirma in Karlsruhe hat an Goedicke Forderungen in Höhe von 36.000 Mark. Vorübergehend wohnte der junge Mann, der verheiratet ist, in Offenbach, Buchschlag, Frankfurt, Wiesbaden und Idstein (Taunus). Die Polizei vermutet, daß er sich jetzt in Hotels oder Gasthöfen verborgen hält.

Der gesuchte Mann ist 1,75 Meter groß und von schlanker Gestalt. Er hat dunkelblondes Haar und blaugraue Augen. Bei früheren Straftaten trat der 26jährige in Düsseldorf unter den falschen Namen Kurt Günther und Werner Lesser auf.

 

Vor der Hoteltür standen Polizisten

Kraftfahrer atmen auf: 26jähriger Autoräuber festgenommen

Die Autobesitzer im Rhein-Main-Gebiet können aufatmen. Unter dramatischen Umständen hat die Kriminalpolizei am Sonntagnachmittag in einem Hotel im Frankfurter Bahnhofsviertel den 26jährigen Techniker Karl Heinz Gödicke aus Wiesbaden festgenommen, gegen den das Staatliche Kriminalkommissariat Hanau bereits eine Großfahndung eingeleitet hatte.

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden suchte ihn außerdem wegen mehrfachen Autodiebstahls (es werden Zahlen bis zu 100 gestohlenen Personenwagen genannt), dreifacher Fahrerflucht, Widerstands gegen die Staatsgewalt und wegen Betrugs.

Gödicke hatte sich den Verfolgungen zunächst dadurch entzogen, da er sich unter dem Decknamen Erwin Kampe in das Hotel einmietete. Er rechnete jedoch nicht mit der Aufmerksamkeit des Portiers, der den Verbrecher nach einem Fahndungsbild wiedererkannte und sofort die Polizei alarmierte. Beamte des Überfallkommandos sperrten den Hof des Hotels ab. Zwei Polizisten postierten sich vor dem Zimmer von Gödicke und forderten ihn auf, mit erhobenen Händen auf den Flur zu kommen. Gödicke ließ sich dann widerstandslos festnehmen.

Der Techniker hat bisher zugegeben, in Frankfurt vier und in Wiesbaden einen Personenwagen gestohlen und in einer Feldscheune bei Obertshausen im Kreis Offenbach umgebaut zu haben.

Nach Mitteilung der Hanauer Polizei fuhr der junge Mann am 1. Januar bei Wachenbuchen in eine Fußgängergruppe, verletzte mehrere Personen und floh. In Obertshausen, wo er seit April 1959 einen Unterschlupf hatte, wechselte er den Wagen. In Erbstadt konnte er von einer Funkstreife gestellt werden, rammte jedoch rücksichtslos den Polizeiwagen und schleifte einen Polizeibeamten, der sich an seine Wagentür geklammert hatte, mehrere Meter mit. In der Scheune bei Obertshausen fand die Polizei zwei ausgeschlachtete Personenautos.

 

Karneval in Großauheim                                                                            Februar 1960

Hoch her ging es im Sternsaal zu Großauheim. Dort waren die Karnevalisten aus der Gemeinde Hochstadt zu Besuch gekommen. Viel belacht wurden die gleichzeitig auftretenden Büttenredner Konrad Rümmler als Zar und Erich Müller als Zimmermann. Der Zimmermann unterstellte dem Bundesverteidigungsminister, er habe eine Rakete in Auftrag gegeben, mit der die SPD auf den Mond geschossen werden könne.

 

Noch zweimal die „Käwwern“                                                                               25.02.1960

Nach ihrer großen Gala-Fremdensitzung im überfüllten Käwwernbau, über die an dieser Stelle bereits ausführlich berichtet wurde, veranstalten die wirkungsvoll verjüngten Hochstädter „Käwwern“- so stellte sich unter anderem erstmals die Kappenschwester Friedel Stoß mit einem Vortrag über die Männer in der Bütt vor - am Sonntag mit ihrem alljährlichen Kinderkostümfest und am Fastnachtsdienstag mit dem gewohnten Kehraus noch zweimal in ihrem Bau vor.

 

Rentenzahlung

KB-Rente, 27. Februar: Angestellten- und Invalidenrente bis Nr. 10 000, 1. März: Invalidenrente bis Nr. 26000, Unfallrente und Kindergeld. Am Samstag, 27. Februar ist der Postschalter nur noch für [KB= Kriegsbeschädigten-Rente].

 

Für den Straßenbau: Investitionsbedarf: eine Million Mark                  Februar 1960

Für den Straßenbau wird die Gemeinde in den nächsten Jahren rund eine Million Mark ausgeben müssen. Der Gemeindevorstand ist der Ansicht, daß sich die Straßenbaupläne nur auf lange Sicht verwirklichen lassen. Vor allem die Verbindungen in das Neubaugebiet sind in einem sehr schlechten Zustand. Am schlimmsten sieht es am Dorfelder Weg aus, wo auch ein Hochbehälter gebaut werden muß.

 

Prügel in einer Gastwirtschaft

Drei 19jährige brachen sie von Zaun

Eine Schlägerei, die drei junge Burschen in einer Wirtschaft in Hochstadt anzettelten, beschäftigte das unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Müller tagende Jugendschöffengericht. Der Haupttäter, ein 19jähriger, wurde zu zwei Wochen Jugendarrest verurteilt. Seine beiden gleichaltrigen Freunde erhielten je eine Woche Arrest. Außerdem muß jeder eine Spende von 80 Mark an das Hanauer Rote Kreuz zahlen.

Die Angeklagten waren im Sommer vergangenen Jahres in die Wirtschaft gegangen und hatten jeder sechs bis acht Glas Bier getrunken. In einem Nebenzimmer saßen zwei Ehepaare. Als sie sahen, daß ihnen der eine Mann körperlich unterlegen war, wählten sie ihn als Zielscheibe ihres Spottes. Die Gäste jedoch reagierten kaum auf die Belästigungen. Erst als sich der Mann von einer Bekannten an der Theke verabschieden wollte, es war mittlerweile 1 Uhr geworden, provozierten die Angeklagten die Schlägerei.

Wie sie vor Gericht sagten, habe der Mann einen von ihnen leicht angerempelt. Sie begannen ihn daraufhin zwischen sich hin und her zu zerren. Der andere Ehemann griff ein, um seinen Freund zu schützen. Es kam zu einer Rauferei, die der Wirt vorläufig dadurch beendete, daß er die Streitenden zur Tür hinausdrängte. Nur der zuerst Angegriffene blieb im Schankzimmer. Von dort aus sah er, wie die Jugendlichen seinen „Retter“ draußen jämmerlich verprügelten. Er ging daraufhin ebenfalls vor die Tür und versuchte die Angeklagten abzudrängen. Mit dem Ergebnis, daß auch er von ihnen geschlagen wurde. Anschließend zogen alle wieder ins Schankzimmer. Hier meldete der Wirt seine Forderungen an. Bei der anfänglichen Rauferei nämlich waren ein Bratrost und eine Glasglocke mit Erdnüssen auf den Boden geflogen. Er erklärte, er werde die Polizei rufen und ließ, um die Streitenden bis zu deren Eintreffen in Gewahrsam zu halten, den Rolladen vor der Eingangstür herunter.

Einer der Burschen versetzte daraufhin dem Wirt einen Schlag ins Gesicht. Um eine erneute Prügelei zu vermeiden, öffnete dieser die Eingangstür wieder. Voller Stolz über ihre „Erfolge“ machten sich die Angeklagten davon.

Recht kleinlaut aber standen sie nunmehr vor ihren Richtern. Sie hätten auch Hiebe bekommen, meinten sie, und nur Gleiches mit Gleichem vergolten. Daß dem nicht so war, hatte die Beweisaufnahme ergeben. „Es steht fest, daß die anderen Gäste keinen Streit wollten, die Schuld liegt einzig und allein bei Ihnen“, erklärte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung. Deshalb habe den Angeklagten, von denen einer schon einmal vor Gericht stand, ein kräftiger Denkzettel erteilt werden müssen.


Hochstadt erhält Industrieviertel                                                                          26. 02.1960

„Auf dem Niederfeld“ wurde bereits mit seiner Errichtung begonnen

Die ersten Industriebetriebe haben sich bereits auf dem sechs Hektar großen ausgewiesenen Gebiet südlich der Ortslage bis zur Gemarkungsgrenze Dörnigheim angesiedelt. „Auf dem Niederfeld“, wie sich das Gelände nennt, will Hochstadt sein Industrieviertel eröffnen. Die Suche des Bürgermeisters nach Industrie in den vergangenen Jahren war von Erfolg. Das erfreuliche Ergebnis sind steigende Gewerbesteuereinnahmen, die ja das Herz einer jeden Gemeinde ausmachen.

Bürgermeister Philipp Ziegler verspricht sich weiter durch den geplanten Bau des „Kleinen Rhein-Main-Schnellweges“ eine merkliche Belebung für Hochstadts Wirtschaftsleben. Schon heute liegt die Gemeinde im Zentrum des Verkehrs zwischen Frankfurt und Hanau. Auch ist der Anschluß zu der Bundesbahn vom Industriegebiet nicht weit. Mit dem Bau des Schnellweges, den die Gemeindevertreter in der letzten Sitzung einstimmig für gut hießen, dürfte das Industriegebiet noch eine weitere Anziehungskraft erhalten, zumal direkt dort kreuzungsfreie Auf- und Abfahrten eingeplant sind. Der Schnellweg wird die Wohngemeinde von dem Industriegebiet trennen. Die jetzige Schulstraße soll dann in der Verlängerung verbreitert und weitergeführt werden. Sie soll nach den Plänen hinter dem Dörnigheimer Bahnhof in Richtung Bischofsheim die Bahnlinie Frankfurt-Ost - Hanau überführen und vor der Braubachbrücke auf die heutige Bundesstraße 8 / 40 einmünden.

Gegenwärtig siedelt sich ein technisches Marmorwerk aus Frankfurt an der Dörnigheimer Straße an. Schon heute hat man, wenn auch nicht zu direkt einladenden Bedingungen, dort 20 Mann beschäftigt. Das Werk hat schon Erweiterungswünsche bei der Gemeinde geltend gemacht. Auch ein Werk für Zubehörteile ist in die Hochstädter Gemarkung eingezogen. Es will sich in nächster Zeit gleichfalls erweitern und seine Kapazität verdoppeln.

Eine Schweizer Firma für Personen- und Lastenaufzüge hat gleichfalls einen Antrag auf Überlassung von Industriegelände gestellt. Hierüber werden die Gemeindevertreter in einer ihrer nächsten Sitzungen zu entscheiden .haben. Wie Bürgermeister Philipp Ziegler mitteilte, gilt auch diese Ansiedlung schon so gut wie gesichert. Mit weiteren Industriebetrieben, die ihre Zweigwerke aus der Stadt heraus auf das Land verlegen oder gar in der Gemarkung Hochstadt ein neues Werk errichten wollen, da sie in der Stadt keine oder nur beschränkte Ausdehnungsmöglichkeiten haben, führt das Gemeindeoberhaupt noch Verhandlungen.

 

Über die Ausweisung des Industriegebiets will die Gemeinde jedoch keinesfalls die Ortslage vergessen. Der vierte Bauabschnitt der Ortsentwässerung geht in diesen Tagen seinem Ende entgegen. Schon eine Million Mark hat man dann unter Hochstadts Straßen verbaut. Mit dem fünften Bauabschnitt soll bereits am 1 .März begonnen werden. 300.000 Mark stehen schon aus einem Darlehen dafür bereit. Die weitere Finanzierung will man nach Möglichkeit noch im Rumpfhaushaltsplan mit „durchziehen“, meinte Ziegler. Dann sind etwa 80 Prozent der gesamten Ortslage einer Entwässerungsleitung angeschlossen. Der Hauptsammler ist mit der Kanalisierung des „Niederfeldes“ bis zur Gemarkungsgrenze nach Dörnigheim verlegt. Man wartet dort nur noch auf die Zuleitung von Dörnigheim, dann ist die Hochstädter Kanalisation dem Hanauer Klärbecken an der Kesselstädter Straße zusammen mit der von Dörnigheim angeschlossen.

In nächster Zeit sollen darüber hinaus alle bebauten Grundstücke an das Wasserleitungsnetz angeschlossen werden. Weiter ist der Bau eines neuen Hochbehälters am Dorfelder Weg erforderlich. Die Pumpstation für die Trinkwasserversorgung „Im Niederfeld“, die sich am Sportplatzgelände an der Hanauer Straße befindet, soll gleichfalls umgebaut und erneuert werden. Auch ist an die Verlegung einer Ringleitung für die Wasserversorgung im alten Ortsteil gedacht. Nach einem Plan der beratenden Ingenieurbüros werden etwa 570.00 Mark hierfür benötigt.

 

 

Hochstadt zieht Industrie an                                                                                 März 1960

Immer häufiger wird jetzt die Gewerbesteuer auch im Hanauer Landkreis zu einer begehrten

Einnahmequelle. In vielen Dörfern macht die Industrieansiedlung ansehnliche Fortschritte.

Zu ihnen gehört Hochstadt, wo die Bemühungen des Bürgermeisters Philipp Ziegler ihren

Lohn gefunden haben. Noch in diesem Jahr werden drei Industriebetriebe ihre volle Produktion aufgenommen haben, Im Frühjahr wird eine größere Montagehalle entstehen, die dem neuen Gesicht der Gemeinde in ihrem südlichen Ortsteil Ausdruck verleihen dürfte.

Bürgermeister Ziegler erklärte am Mittwoch, das Industriegelände im Süden der Gemeinde sei sehr geeignet. Er verwies auf den günstigen Bahnanschluß und die guten Straßenverbindungen. Mit dem Bau des kleinen Rhein-Main-Schnellweges würden sich die Verkehrsverbindungen weiter bessern. Wie ein Sprecher der Gemeindeverwaltung mitteilte, ist in einem Marmorwerk bereits die Arbeit aufgenommen worden. In der Nachbarschaft dieses Werkes siedelt sich ein Werk für Zubehörteile an. Auch mit einer Schweizer Firma ist man im Gespräch.

Neben der Industrieansiedlung spielt der Kanalbau in der Kommunalpolitik der Gemeinde Hochstadt eine bedeutende Rolle. Gestern wurde der fünfte Bauabschnitt begonnen. Er umfaßt die Trinkbrunnenstraße, Rathausstraße, Bogenstraße, den Kirchberg, die südliche Lindenstraße, die Ringstraße, Kalkhausstraße, Wachenbucher Straße, Hofgerichtsstraße, den Schlesierweg, die verlängerte Schulstraße und den südlichen Abschnitt der Bleichstraße. Kostenpunkt des fünften Kanalbauabschnitts: 400.000 Mark. Das Geld hat man sich auf dem Kapitalmarkt beschafft.

Es ist das Ziel der Kommunalpolitik in Hochstadt, in zwei Jahren alle bebauten Grundstücke an das Kanalnetz angeschlossen zu haben. Mit dem fünften Abschnitt werden bereits vier Fünftel der Straßen kanalisiert sein. Es liegt auch schon die Leitung des Hauptsammlers bis zur Dörnigheimer Gemarkungsgrenze. Von dort aus soll sich der Hauptsammler in Richtung auf die in der letzten Zeit modernisierte Kläranlage der Stadt Hanau am Kesselstädter Weg fortsetzen. Die Gemeindekörperschaften von Hochstadt und Dörnigheim haben übereinstimmend den Anschluß an die Hanauer Kläranlage beschlossen.

Beträchtliche Kosten wird in den nächsten Jahren der Umbau der Pumpstation für die Trinkwasserversorgung der Siedlung „Am Niederfeld“ verursachen. Zudem will man am Dorfelder Weg einen Hochbehälter bauen. Schließlich ist noch an eine Ringleitung gedacht. Eine sechs­stellige Summe wird man für diese Vorhaben aufwenden müssen.

 

Die Diebstähle zugegeben                                                                          März 1960

Unter dem dringenden Verdacht, mehrere Gelddiebstähle verübt zu haben, war in der vergangenen Woche in Hochstadt ein junger Mann von der Polizei festgenommen worden. Unter der Last des Beweismaterials, das ihm die Polizeibeamten vorlegten, hat der Dieb die Straftaten zugegeben. Er wurde dem Haftrichter zugeführt.

 

Richtfest für Wohnhochhaus                                                                               17.03.1960

Ein zweites, von privater Hand gebautes Wohnhochhaus an der Wachenbucher Straße konnte jetzt gerichtet werden. Der Bau bietet nach Fertigstellung 17 Familien eine neue helle Wohnung am Hochstädter Hang. Vor einem Jahr konnte bereits der erste Bau vom gleichen Unternehmer mit sechs großen Wohnungen fertiggestellt werden. Damit hat auch Hochstadt seine ersten Wohnblöcke erhalten.

 

Alt und neu                                                                                       Februar 1960

Alt und neu liegen in der Hanauer Landkreisgemeinde Hochstadt dicht beieinander. Im Zentrum des Dorfes stehen die alten Fachwerkbauten, die immer wieder viele Ausflügler aus Hanau anziehen. Im Süden des Gemarkungsgebietes entstehen seit Monaten neue Siedlungshäuser, die das Charakterbild der Gemeinde verändern. Links auf unserem Bild ist das Neubaugebiet zu erkennen. Dort werden jetzt Kanalrohre verlegt. Gegenwärtig sind Arbeiter mit dem fünften Kanalbauabschnitt beschäftigt. Das Geld für das Vorhaben hat man sich auf dem Kapitalmarkt beschafft. Rechts im Bild sieht man einige Fachwerkhäuser, die unser Fotograf vom Rathaus aus aufnahm.

 

Hochstadt erhält Industrieviertel

Die ersten Industriebetriebe haben sich bereits auf dem sechs Hektar großen ausgewiesenen Gebiet südlich der Ortslage bis zur Gemarkungsgrenze Dörnigheim angesiedelt. „Auf dem Niederfeld“, wie sich das Gelände nennt, will Hochstadt sein Industrieviertel eröffnen. Die Suche des Bürgermeisters nach Industrie in den vergangenen Jahren war von Erfolg. Das erfreuliche Ergebnis sind steigende Gewerbesteuereinnahmen, die ja das Herz einer jeden Gemeinde ausmachen.

Bürgermeister Philipp Ziegler verspricht sich weiter durch den geplanten Bau des „Kleinen Rhein-Main-Schnellweges“ eine merkliche Belebung für Hochstadts Wirtschaftsleben. Schon heute liegt die Gemeinde im Zentrum des Verkehrs zwischen Frankfurt und Hanau. Auch ist der Anschluß zu der Bundesbahn vom Industriegebiet nicht weit. Mit dem Bau des Schnellweges, den die Gemeindevertreter in der letzten Sitzung einstimmig für gut hießen, dürfte das Industriegebiet noch eine weitere Anziehungskraft erhalten, zumal direkt dort kreuzungs- freie Auf- und Abfahrten eingeplant sind. Der Schnellweg wird die Wohngemeinde von dem Industriegebiet trennen. Die jetzige Schulstraße soll dann in der Verlängerung verbreitert und weitergeführt werden. Sie soll nach den Plänen hinter dem Dörnigheimer Bahnhof in Richtung Bischofsheim die Bahnlinie Frankfurt-Ost - Hanau überführen und vor der Braubachbrücke auf die heutige Bundesstraße 8 / 40 einmünden.

Gegenwärtig siedelt sich ein technisches Marmorwerk aus Frankfurt an der Dörnigheimer Straße an. Schon heute hat man, wenn auch nicht zu direkt einladenden Bedingungen, dort 20 Mann beschäftigt. Das Werk hat schon Erweiterungswünsche bei der Gemeinde geltend gemacht. Auch ein Werk für Zubehörteile ist in die Hochstädter Gemarkung eingezogen. Es will sieh in nächster Zeit gleichfalls erweitern und seine Kapazität verdoppeln.

Eine Schweizer Firma für Personen- und Lastenaufzüge hat gleichfalls einen Antrag auf Überlassung von Industriegelände gestellt. Hierüber werden die Gemeindevertreter in einer ihrer nächsten Sitzungen zu entscheiden haben. Wie Bürgermeister Philipp Ziegler mitteilte, gilt auch diese Ansiedlung schon so gut wie gesichert. Mit weiteren Industriebetrieben, die ihre Zweigwerke aus der Stadt heraus auf das Land verlegen oder gar in der Gemarkung Hochstadt ein neues Werk errichten wollen, da sie in der Stadt keine oder nur beschränkte Ausdehnungsmöglichkeiten haben, führt das Gemeindeoberhaupt noch Verhandlungen.

Über die Ausweisung des Industriegebiets will die Gemeinde jedoch keinesfalls die Ortslage vergessen. Der vierte Bauabschnitt der Ortsentwässerung geht in diesen Tagen seinem Ende entgegen. Schon eine Million Mark hat man dann unter Hochstadts Straßen verbaut. Mit dem fünften Bauabschnitt soll bereits am 1 .März begonnen werden. Es stehen schon 300 000 Mark aus einem Darlehen dafür bereit. Die weitere Finanzierung will man nach Möglichkeit noch im Rumpfhaushaltsplan mit „durchziehen“, meinte Ziegler. Dann sind etwa 80 Prozent der gesamten Ortslage einer Entwässerungsleitung angeschlossen. Der Hauptsammler ist mit der Kanalisierung des „Niederfeldes“ bis zur Gemarkungsgrenze nach Dörnigheim verlegt. Man wartet dort nur noch auf die Zuleitung von Dörnigheim, dann ist die Hochstädter Kanalisation dem Hanauer Klärbecken an der Kesselstädter Straße zusammen mit der von Dörnigheim angeschlossen.

In nächster Zeit sollen darüber hinaus alle bebauten Grundstücke an das Wasserleitungsnetz angeschlossen werden. Weiter ist der Bau eines neuen Hochbehälters am Dorfelder Weg erforderlich. Die Pumpstation für die Trinkwasserversorgung „Im Niederfeld“, die sich am Sportplatzgelände an der Hanauer Straße befindet, soll gleichfalls umgebaut und erneuert werden. Auch ist an die Verlegung einer Ringleitung für die Wasserversorgung im alten Ortsteil gedacht. Nach einem Plan der beratenden Ingenieurbüros werden etwa 570.000 Mark hierfür benötigt.

 

Es gab sehr viel Schönes zu sehen                                                                         12.03.1960

In der Handarbeits- und Werkausstellung der Volksschule Hochstadt

Den zahlreichen Besuchern der reichbeschickten Werk- und Handarbeitenausstellung der hiesigen Volksschule - der Schulrat des Kreises Hanau, Fett, war einer ihrer ersten - bot sich auf fast zwanzig dichtbelegten, weißgedeckten Tischen ein erfreuliches Bild vielfältiger kindlicher Arbeits- und Schaffensfreude.

Von dem Tisch mit den Glasarbeiten (Putz- und Kratztechnik) und den Sgraffitos, bei denen sich die kindliche Phantasie am meisten frei gestaltend auswirken kann, kam man zu dem zweiten mit sehr hübschen Flechtarbeiten aus Peddigrohr. Auf dem Tisch mit den Holzarbeiten konnte man ein großes Schiff, verschiedene Tiere, Teller, Federschalen, bei den Papp­arbeiten Bucheinbände, Einschlagmappen, Photoalben, alle mit selbstgefertigten schönen Vorsatzpapieren hergestellt, bewundern.

Viele besonders hübsche Stücke waren auch in die Tombola gewandert, um Mittel für den künftigen Handarbeits- und Werkunterricht zu beschaffen. Hier war von all den hübschen Dingen, die auch im Ausstellungsraum lagen, etwas zu gewinnen, vom Blumenhalter und Ständer aus Bambusrohr bis zum selbstgefertigten Hausschuh, Wollschal oder Puppenkleidchen, an denen die Mädchen ihre Phantasie und Handfertigkeit beweisen konnten. All ihre Handarbeiten wurden von erfahrenen Hausfrauen und Müttern beurteilt und die saubere, korrekte und wirklich gekonnte Ausführung ihrer Arbeiten erregte allgemeine Bewunderung. Alles hielt der kritischen Prüfung stand, die tadellose Weißnäherei ebenso wie die reizenden Kleider, Schürzen, Röckchen und die sehr sauber gestrickten Pullover, Stricklacken und Röcke oder die geschmackvoll verzierten Kissenplatten.

Die Mitte und rechte Ecke des Ausstellungsklassenraumes war einem besonders wichtigen Zweig der weiblichen „Hand“-Arbeit, dem Koch- und Hauswirtschaftsunterricht und der Säuglingspflege vorbehalten. Da prangte das Puppenbaby „Peter“ in allerliebster Wollkleidung, natürlich handgestrickt im vorbildlich ausgestatteten Stubenwagen, da standen auf dem Teenager-Geburtstagstisch Torte und anderes leckeres Gebäck und von der großen dreiteiligen Wandtafel konnte man in lustigen, von den Schülerinnen angefertigten Bildtexten die Grundlagen der modernen Ernährungslehre ablesen.

Auf dem Tisch unter der Tafel lagen Mappen mit freiwilligen Jahresarbeiten der 7. Klasse (Frau Glinder), alle sehr sauber geschrieben, zum Teil mit Bildern und Zeichnungen versehen, die von einer liebevollen Beschäftigung mit dem ausgewählten Stoff zeugen. Die Themen waren ganz verschieden, wie etwa: „Schiller“, „Schiller und Goethe“, „John Maynard“, „Die Erde“, „Afrika“ u. a. m.

Die drei Lehrkräfte, durch deren Arbeit diese Ausstellung zustande kam, Frau Glinder, Frau Küttner und Herr Keim, aber fanden ebenso wie die beteiligten Kinder durch einen ungewöhnlichen zahlreichen Besuch und das starke Interesse der Eltern ihre Mühe reichlich belohnt.

 

Schulkinder stellten aus

Schulrat Erwin Fett besuchte eine Ausstellung der Schulkinder. Er lobte die zur Schau gestellten Arbeiten und verknüpfte damit den Dank an die drei Lehrkräfte der Volksschule. Der Werk- und Handarbeitsunterricht habe Früchte getragen. Der kindlichen Phantasie wurde bei der Herstellung der Ausstellungsstücke ein weiter Spielraum gelassen. Vom Glas über das Holz bis zur Pappe reichte die Skala des verwendeten Materials. Viele Jungen bastelten Schiffe; Tiere und Teller. Besonders gefielen Blumenständer aus Bambusrohr, die von Mädchen hergestellt worden waren. Andere Mädchen hatten Kleider und Schürzen genäht. Wieder andere Arbeitsgemeinschaften traten mit ihren Leistungen in der Hauswirtschaft an die Öffentlichkeit.

 

Am Donnerstag Verkehrsbelehrung                                                         16.03.1960

Die Rollschuhgruppe des Radfahrervereins „Solidarität“ lädt für Donnerstag um 20 Uhr zu einem Elternabend im Anschluß an die Rollschuhübungsstunde ein. Ein Beamter der Landespolizeistation Hanau wird hier unter anderem eine Verkehrsbelehrung geben und die Anwesenden mit den neuen Verkehrszeichen bekannt machen. Auch werden Lehrfilme gezeigt, wie man sich im Straßenverkehr verhalten soll und was falsch ist. Gruppenleiter Philipp Eibelshäuser lädt dazu auch alle Jugendlichen der Gemeinde ein, die nicht dem Verein angehören. Die Veranstaltung ist im Strohlschen Saal.

 

Holzeinschlag beendet                                                                               16.03.1960

Der Holzeinschlag im 93 Hektar großen Gemeindewald wurde jetzt beendet. Es wurden etwa 100 Festmeter Nutz- und Brennholz eingeschlagen. Wie Bürgermeister Philipp Ziegler mitteilt, sind dies etwa ein Drittel über das vorgesehene Soll. Er wies darauf hin, daß der Nutzholzbestand den erhöhten Einschlag dringend erforderte. Der Bürgermeister rechnet an Mehreinnahmen von 30 Prozent in dem Ansatz im Haushaltsplan.

 

Weitere Industriebetriebe interessiert                                                     17.03.1960

Wie der Bürgermeister mitteilte, haben sich weitere Industriebetriebe in der letzten Woche für das ausgewiesene Industriegebiet unterhalb der Gemeinde in südlicher Richtung an der Dörnigheimer Gemarkungsgrenze interessiert. Bis zur nächsten Sitzung der Gemeindevertreter mußte er die Verhandlungen mit den interessierten Betrieben jedoch verschieben.

 

 

Jahresabschluß der Gemeindekasse                                                          17.03.1960

In einer Bekanntmachung weist Bürgermeister Ziegler auf den Jahresabschluß der Gemeindekasse hin und erinnert nochmals alle säumigen Steuerzahler um Begleichung ihrer Schuld aus dem vergangenen Jahr. Es wird gebeten, die Veranlagungsbescheide mitzubringen, die nach der Anschaffung eines neuen Buchungsautomaten als Quittung dienen. Die bisher üblichen Quittungsbücher sind somit ungültig geworden.

 

Vier Meistertitel für „Solidarität“                                                             17.03.1960

Bei den Kreis- und Bezirksmeisterschaften in Wächtersbach holte sich die hiesige Ortsgruppe des Arbeiter Rad- und Kraftfahrerbundes „Solidarität“ Hochstadt vier Meistertitel. Im Zweier-Kunstfahren siegten die Mannschaften Kaiser / Rippert und die Gebrüder Lichtenfels. Im Vierer-Einradreigen war die Gruppe Fischer, Daubenthaler, Rippert und Lichtenfels erfolgreich. Den Vierer-Schulreigen der Schüler entschieden die Hochstädter Krecmar, Seibel, Domogalla und Nicht für sich. Die vier erfolgreichsten Mannschaften werden auch an den Landesmeisterschaften teilnehmen. Der Ort der Austragung ist noch nicht bekannt.

 

Drei Fahrräder gefunden                                                                            17.03.1960

Zahlreiche Fundsachen haben sich bereits in den ersten Wochen des neuen Jahres bei der Gemeindeverwaltung angehäuft. So warten unter anderem drei Fahrräder, Schirme, Schlüssel, Strickjacken und Geldbörsen mit Inhalt auf ihre Besitzer. Gegen Eigentumsnachweis können die Gegenstände im Rathaus entgegengenommen werden.

 

Steinheims „Heiner“ schoß Vogel ab                                                        19.03.1960

Einen durchschlagenden Erfolg hatte der im besten Sinne des Wortes volkstümliche Obst- und Gartenbauverein mit seinen unterhaltsamen Familienabend in bis auf den letzten Platz besetzten Strohlschen Saale zu verzeichnen. Dafür sorgte neben der flotten Tanzkapelle Kuderna in erster Linie der bekannte „Heiner aus Steinheim“. Mit ihm hatte man einen besonders guten Griff getan, denn er hatte für alle Freunde des Kabaretts in immer wechselnden Kostümen ein abwechslungsreiches Programm zu bieten, in dem er bekannte Stars der leichten Muse, sogar weibliche, wie Bibi Jones oder Lys Assia, ebenso stimmbegabt wie humorvoll imitierte. Da er nicht nur vor dem Mikrofon von der Bühne aus, sondern auch im Saal selbst mit dem Publikum einen guten Kontakt herzustellen verstand, durfte sich der „Kleine Heiner“ aus Steinheim nach dem letzten Song und Höhepunkt seiner Darbietungen mit „O mein Papa“ nochmals einen stürmischen Abschiedsapplaus holen. Wie man darüber hinaus hören konnte, wurde der fröhliche Abend nicht nur von der tanzlustigen Jugend, sondern auch von der älteren Generation als richtiges Familienfest der Obst- und Gartenbaufreunde noch ziemlich lange ausgiebig gefeiert.

 

„Gestaltete Landschaft“                                                                                         21.03.1960

. Der dritte und letzte Vortrag der Reihe „Deutsche Landschaften“ war dem Thema gewidmet, inwiefern und wie weit der Mensch im Laufe der Zeiten, besonders aber in den letzten 50 - 60 Jahren gestaltend und verwandelnd auf das Antlitz der Erde eingewirkt habe. Erschöpfend behandelt und mit zahlreichen Farblichtbildern illustriert wurde das interessante Thema von Dipl.-Volkswirt P. Neugebauer, Hanau. Die lange und lebhafte Aussprache zeigte, daß mit diesem Vortrag wesentliche Forderungen der Erwachsenenbildung erfüllt wurden. Auf den für heute, Montag, angesetzten letzten Vortrag des Wintertrimesters über „Segelfliegen“ im Rahmen der Reihe „Der moderne Mensch und der Sport“ wird noch einmal besonders hingewiesen.

 

Am Sonntag 29 Konfirmanden                                                                              24.03.1960

In der evangelischen Pfarrkirche werden am Sonntagmorgen 15 Jungen und 14 Mädchen konfirmiert. Es sind dies: Ernst Mankel, Eberhard Maienschein, Dieter Goldammer, Reinhard Bärrnann Manfred Heckert, Manfred Mankel, Reinhard Uhl, Heinz Lohr, Gerhard Brosch, Heinz Betke, Reinhard Zählek, Hans Lapp, Peter Huhn, Manfred Rippert und Dietmar Amrn, sowie Gundula Hormann, Christa Sternicke, Christa Schales, Alwine Weber, Gisela Handlos, Christa Pistor, Heidemarie Hohmann, Erika Huhn, Inge Mankel, Margit Holende, Margit Schmidt, Eva Pischke, Hildrut Weißenstein und Helga Löchert.

 

Entlassungsfeier der Volksschule                                                                           21.03.1960

Wieder einmal war die Stunde gekommen, in der eine große Schar von jungen Menschen sich anschickt, den Weg von der Schule in das Leben anzutreten. Nach einem Vorspruch und zwei ernsten Chorliedern nahm Schulleiter Polke das Wort, um nach dem schönen Gedicht von Christian Morgenstern: „Wer das Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht wissen“, besinnliche Worte der inneren Ausrichtung und Wegweisung an die scheidenden Schüler zu richten, in denen er auf die besondere Bedeutung ihrer Entlassung in der Woche der Brüderlichkeit hinwies. Nach einem weiteren Gedicht von Morgenstern „Brüder“, das wie auch die anderen Gedichte von Schülern der 7. Klasse sehr gut vorgetragen wurde, gab Lehrer Keim den Scheidenden die ewig gültigen Worte von Mathias Claudius: „An meinen Sohn Johannes“ mit auf den Weg. Die feierliche Abschiedsstunde, die auch den an weiterführenden Schulen abgehenden Schülern der 4. Klasse galt, schloß mit der Ausgabe der Zeugnisse und Prämien sowie dem Dank der Kinder an ihre Lehrer, besonders ihrem Klassenlehrer Glinder, der mit dem Schluß des Schuljahres nach Erreichen des Pensionsalters auch von der Schule scheiden wird. Auch Bürgermeister Ziegler hatte es sich dankenswerter Weise nicht nehmen lassen der Feier beizuwohnen.

 

Schützenkönig wurde ermittelt                                                                24.03.1960

Unter Leitung eines Unparteiischen von der Ersten Dörnigheimer Schützengesellschaft führte der Schützenverein „Tell“ Hochstadt seine Vereinsmeisterschaft durch, an der alle aktiven Schützen des Vereins teilnahmen. Von dem jungen Verein wurden allgemein beachtliche Ergebnisse herausgeschossen. Vereinsmeister wurde Schützenbruder Daubenthaler mit 134 Ringen. Als Meister der B-Klasse ging Schützenbruder Jost mit 128 Ringen hervor. Steinbrecher und Gerd Geißler erzielten zwar ebenfalls 129 Ringe, kamen jedoch an die „Zehner“ von Jost nicht heran. Sieger in der C-Klasse wurde Heinrich Heß mit 124 Ringen.

 

Wassergebühren geändert                                                                                    31.03.1960

Schwierigkeiten sind in den letzten Jahren bei der Veranlagung der Einwohner mit den Gebühren zur Wasserversorgungsanlage aufgetreten. Von jedem Haushalt, zu dem bisher auch die Eltern und Einzelpersonen zählten, wurden bisher nur 15 Mark erhoben. Hierbei schnitten nach Ansicht des Bürgermeisters manche Familien äußerst günstig ab. Dem will man nun einen Riegel vorschieben. In der neuen Fassung der Satzung heißt es nämlich, daß je Ehepaar 15,- DM Grundgebühr erhoben werden. Einzelpersonen haben 9,- DM zu bezahlen. Weiter wird die Wassergebühr auf 3,- DM je Einwohner jährlich festgesetzt.

 

Tüchtige Jugendturnerinnen                                                                                 31.03.1960

Bei den diesjährigen Jugendbestkämpfen des Turngaues Offenbach-Hanau am vergangenen Sonntag in Offenbach waren die acht Jugendturnerinnen des Turnvereins Hochstadt vom Glück begünstigt. Im Mannschaftskampf der Mädchenklasse C holte sich die Hochstädter Mannschaft Sarzo, Taubert, Bingemer, Hohn und Pistor einen immerhin beachtlichen achten Sieg. Im Einzelkampf der B-Klasse errangen die Jugendturnerinnen Irmgard Schmidt den vierten Platz, Gisela Beilstein den sechsten und Rita Burger den siebten Platz.

 

Hochstädter Wasser immer noch billig                                                                02.04.1960

Heue Friedhofssatzung erlassen - Zuweisung für das Mahnmal

Gegen drei Stimmen beschlossen die Gemeindevertreter in ihrer letzten Sitzung eine Änderung der Satzung und Gebührenordnung für die örtliche Wasserversorgung, nachdem wie bereits kurz berichtet wurde, bei der Veranlagung der Einwohner Unstimmigkeiten wegen der Aufteilung der Haushalte aufgetreten waren.

Ein Teil der Zahlungspflichtigen war bisher nämlich der Ansicht, daß zu einem Haushalt auch die Eltern und Schwiegereltern zählen. Die Gemeindevertreter haben aber in der neuen Satzung nunmehr klar herausgestellt, daß je Ehepaar oder Familie 15 Mark Grundgebühr zu zahlen sind. Einzelpersonen zahlen 9 Mark. Das Wassergeld beträgt 3 Mark jährlich, Bürgermeister Philipp Ziegler unterrichtet die Gemeindevertreter in einer teils sehr erregten Debatte davon, daß mit dieser Festsetzung ein Kubikmeterpreis von etwa 45 Pfennig für das Wasser angesetzt sei. Dieser Betrag läge weit unter den Landesdurchschnitt.

Weiter erließen die Gemeinde eine neue Friedhofsatzung. Der Friedhof ist nach einem früheren Beschluß von der Kirchengemeinde in die Verwaltung der politischen Gemeinde über- gegangen. Auch war die bisherige Satzung dringend revisionsbedürftig. Gleichzeitig damit verabschiedeten die Gemeindevertreter auch eine neue Gebührenordnung zum Friedhof. Ein Einzelgrab kostet jetzt 60 DM und das Familiengrab 120 Mark.

Weiterhin wurden überplanmäßige Ausgaben in Höhe von rund 6.000 Mark, die durch gleich- hohe Einnahmen gedeckt wurden, von den Gemeindevertretern einstimmig für gut gehalten. Die Einnahmen beruhen auf einen Zuschuß des Kreises zur Erhaltung von historischen Bauten in der Gemeinde, aus Mehreinnahmen aus dem Holzverkauf und kleineren Ansatzüberschreitungen. Größere Ausgaben gab es für Holzhauerlöhne durch Mehreinschlag. Gleichzeitig stellte man die Buchhaltung bei der Gemeindekasse und in der Verwaltung um. Auch wurde eine Zuweisung an die VdK-Ortsgruppe zur Errichtung des Mahnmals auf dem Friedhof abgezweigt.

Gemeindevertreter-Vorsteher Werner Lotz (SPD) bemerkte hierzu, daß zu diesem Werk auch ansehnliche Spenden aus Kreisen der Bevölkerung und der Industrie eingegangen seien. Bürgermeister Philipp Ziegler stellte unter anderem hierfür sein Urlaubsgeld zur Verfügung. Auch haben sich Landrat Voller mit dem Kreisausschuß sowie Oberbürgermeister Fischer, Hanau, in seiner Eigenschaft als Landtagsabgeordneter dabei sehr erkenntlich gezeigt.

Weiter stimmte das Parlament einer Vorlage des Gemeindevorstandes zu, wonach die Kosten der Vatertierhaltung für die Rinderzucht und Ziegenbockhaltung umgelegt werden. Je Kuh und Rind sind 12 Mark zu zahlen sowie je Ziege 7,50 Mark. Der Ziegenbockhaltung wird die Gemeinde einen Differenzbetrag von 112 Mark zuschießen. Bürgermeister Ziegler berichtete abschließend noch über den Stand der Planungen zum Bau des „Kleinen Rhein-Main-Schnellweges“ durch die Gemarkung. Die Straße wird, wie bereits festgelegt, durch die Gemarkung verlaufen. Eine Änderung, wie sie von der Nachbargemeinde Dörnigheim angestrebt wurde, hat das Straßenbauamt Hessen-Süd in Darmstadt abgelehnt.

Die nächste Gemeindevertretersitzung soll am Freitag, dem 8. April um 20.15 Uhr im Gasthaus Keller mit dem Hauptpunkt Beratung und Beschließung des Haushaltsplanes und der Haushaltssatzung für das Rumpfetatjahr 1960, die eine noch nie dagewesene Höhe erreichen werden.

 

Abschied von der Schule genommen                                                                   30.03.1960

In der Entlassungsfeier für Lehrer Glinder, die am Wochenende in der Volksschule Hochstadt stattfand, ergriff nach der Einleitung durch den Schulchor (Leitung Lehrer Wörner) und festlicher Musik (Hauptlehrer Henkel und Lehrer Gries) Schulrat Fett als erster das Wort. Er wies darauf hin, daß die Schule nicht nur eine staatliche Einrichtung, sondern ein lebendiger Organismus sei, der sich verändern, ja Wendepunkte erleben könne, zu denen auch der Eintritt neuer und der Abschied alter Lehrkräfte gehöre. Mit Lehrer Glinder scheide ein Mann aus der Schule, der in seiner menschlichen Haltung, seiner Pflichterfüllung und Berufstreue Eigenschaften verkörpere, die heute nicht mehr allzu häufig anzutreffen seien. Er habe wahrhaft „getan, was er tun sollte“, und deswegen verdiene er am Tage seiner Dienstentlassung aufrichtigen Dank.

Auch Bürgermeister Ziegler, der dann zu dem scheidenden Lehrer sprach, fand warmherzige Abschieds- und Dankesworte, in denen er auf die besondere Verbindung zu seinem einstigen Lehrer hinwies, der auf so viele Menschen, Bürger dieses Ortes, formend und bildend eingewirkt habe. Als Zeichen ihrer Dankbarkeit überreichte er Lehrer Glinder im Namen des Gemeindevorstandes ein Geschenk.

Pfarrer Lindenberger, der wie sein katholischer Amtsbruder auch an der Feierstunde teil- nahm, überbrachte Dank und Gruß der Kirchengemeinde und des Kirchenvorstandes an dem langjährigen Vorsitzenden des Kirchenchores. Zuletzt rief noch Hauptlehrer Polke dem scheidenden Kollegen herzliche Dankesworte zu, in denen er besonders seine zuchtvolle Haltung, seine im menschlichen Umgang immer gütige, vermittelnde und ausgleichende Art und seine Liebe zu den Kindern würdigte. Er schloß mit dem bekannten Goethewort vom Sämann, das Lehrer Glinder auf sich beziehen könne, in der Hoffnung, daß auch die Saat seines fast 35jährigen Wirkens als Lehrer hier reiche Frucht tragen werde.

Nachdem abschließend auch noch der Vorsitzende des Elternbeirats, Philipp Mankel, im Namen der Elternschaft Dankesgruß und Abschiedsgabe übermittelt hatte, schloß die offizielle Feierstunde, die in geselligem Beisammensein harmonisch ausklang.

 

Manöverübung der US-Panzer                                                                  30.03.1960

Eine Manöverübung der dritten US-Panzerdivision ist vom 1. bis 30. April nördlich der Gemeinde. Kleinere Einheiten sollen nach Mitteilung Bürgermeister Zieglers eine taktische Übung abhalten. Die Einheiten sind jedoch angewiesen worden, sich nach Möglichkeit nur auf den Straßen und bestimmten Wegen zu bewegen. Eventuelle Schäden sollen sofort nach Feststellung bei der Gemeindeverwaltung gemeldet werden.

 

Sitzung der Gemeindevertreter                                                                 30.03.1960

Die nächste öffentliche Gemeindevertretersitzung findet heute Mittwoch um 20 Uhr im Gasthaus Keller, Hauptstraße statt.

 

Zwölfjähriger gewann Jugend-Championat von Hessen                         04.04.1960

Mit zwölf Siegen auf „Asso“, geboren und gezogen auf dem Jehner'schen Hof in Dortelweil, Kreis Friedberg, holte sich die erst 12jährige Springreiterhoffnung Rudolf Seibel aus Hochstadt das Jugend-Championat 1959 von Hessen. Im Rahmen der Jahresveranstaltung der Reit- und Fahrvereine Hessen und Nassau wurde dem tüchtigen jungen Reitersmann, der durch Reitlehrer Major a. D. Hoppe, Dörnigheim, ausgebildet wurde und Mitglied des Reit- und Fahrvereins „Maintal“ Mühlheim ist, jetzt die Championats-Nadel überreicht. Ein ungewöhnlicher Erfolg, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt.

 

Ärztliche Vertretung

Für Dörnigheim, Hochstadt und Bischofsheim ist am Sonntag, falls der Hausarzt nicht erreichbar ist, Dr. Rudolph, Hochstadt, Jägerstraße 27, Telefon 2 24 96, dienstbereit. Apothekendienst hat die Apotheke Hochstadt.

 

Wachenbucher Straße
An der Wachenbucher Straße wurde ein Haus mit 17 Wohnungen gerichtet. Bauherr ist ein Privatmann, der in der Gemeinde bereits im Vorjahr ein Wohnhaus errichtete.

Am 12. April konnte Valentin Fischer, Wachenbucherstraße 11, sein 81. Lebensjahr vollenden.

Seinen 72. Geburtstag begeht am 13. April Wilhelm: Lohr, Am Kirchberg 9.

Das gesegnete Alter von 86 Jahren kann am 14. April der Forstaufseher i. R. Konrad Höhl, Wachenbucher Straße 8, erreichen.

 

Frecher Griff in das Einkaufsnetz                                                                           11.04.1960

Wegen einer von seltener Dreistigkeit zeugenden Tat hatte sich ein 21jähriger junger Mann vor dem Einzelrichter des Hanauer Amtsgerichts zu verantworten. Der Bursche hatte am hellichten Tage einem sieben Jahre alten Mädchen auf offener Straße die Geldbörse aus dem Einkaufsnetz gestohlen, den Betrag von 85 Mark herausgeholt und das Portemonnaie dann wieder in das Netz zurückgesteckt.

Der Vorfall spielte sich am 5. März dieses Jahres in der Dorfelder Straße in Hochstadt ab. Der junge Mann, der am 28. Februar 21 Jahre geworden ist, beobachtete das kleine Mädchen, das von seiner Mutter zum Einkaufen weggeschickt worden war, in einer Metzgerei. Dort sah der Bursche auch, daß das Kind eine Geldbörse mit einem hohen Barbetrag mit sich führte.

Als das Mädchen das Geschäft verlassen hatte, folgte der Angeklagte der Kleinen, sprach sie an und bat sie als Vorwand um die Zeitung, die im Einkaufsnetz steckte. Das Mädchen lief aber davon zu ein paar Freundinnen, die sich in der Nähe aufhielten. Abermals kam der Angeklagte nach. Diesmal jedoch fackelte er nicht lange, griff in das Netz der verdutzten und verängstigten Siebenjährigen, holte die Zeitung samt der Geldbörse heraus, entnahm ihr den Betrag von 85 Mark, steckte die Börse wieder ins Netz zurück und machte sich schleunigst von dannen. Weinend lief die Kleine zu ihrer Mutter und erzählte ihr den Vorfall. Die Polizei schaltete sich ein und konnte den Täter dank der genauen Personenbeschreibung der anderen Mädchen, die den Diebstahl aus nächster Nähe mit angesehen hatten, schon kurze Zeit später ermitteln.

Mit dem Geld war der Bursche schnurstracks nach Hanau gefahren, um in einer Werkstatt die 50 Mark hohen Reparaturen an seinem Motorroller zu bezahlen. Von dem übrigen Geld war kein Pfennig mehr vorhanden, als die Polizei den Dieb festnahm. In der gestrigen Verhandlung sagte er, er habe das restliche Geld weggeworfen. Der Bursche ist kein unbeschriebenes Blatt mehr. Er stand bereits mehrfach vor dem Jugendrichter. Im Jahre 1957 wurde er wegen groben Unfugs verurteilt, im vergangenen Jahr erhielt er wegen versuchten Diebstahls einen Wochenendarrest und jüngst im Januar verurteilte ihn das Jugendschöffengericht zu drei Wochen Jugendarrest.

Nun wurde der junge Mann erstmals nach dem Erwachsenenstrafrecht behandelt. Oberamtsanwalt Fischer beantragte vier Monate Gefängnis und wies darauf hin, daß der Diebstahl hart an einem Raub vorbeigehe. Der Einzelrichter, Amtsgerichtsrat Rienesl, entschied auf drei Monate Gefängnis. Er redete dem Burschen gehörig ins Gewissen und warnte ihn, noch einmal Dummheiten zu machen, weil er sonst auf dem besten Weg sei, zu einem Kriminellen zu werden.

 

 

 

Auf dem Wege zum Rekordetat                                                                April 1960

Satzung und Gebührenordnung für die Wasserversorgung geändert

In Hochstadt steuert man auf einen Rekordetat zu. Bürgermeister Philipp Ziegler erklärte

am Montag, die Verwaltung werde noch Mitte dieser Woche den Haushaltsplan für das

Rumpfetatjahr 1960 fertigstellen. Schon jetzt lasse sich sagen, daß der Etat nahe an die

Millionengrenze kommen werde.

Der Haupt- und Finanzausschuß tritt heute zusammen, um dem Etat das endgültige Gesicht zu geben. Im ordentlichen Teil werden Einnahmen und Ausgaben voraussichtlich jeweils 420.000 Mark betragen. Im außerordentlichen Etat rechnet man mit Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 550.000 Mark. Kleinere Verschiebungen sind aber äußerst wahrscheinlich.

Bürgermeister Ziegler machte darauf aufmerksam, daß die steigenden Haushaltsausgaben insofern bemerkenswert seien, als es sich diesmal nur um ein Rechnungsjahr handele, das neun Monate umfasse. Der Bürgermeister führte die Entwicklung darauf zurück, daß man jetzt im Kanalbau und bei der Instandsetzung von Straßen ein großes Stück weiterkommen wolle. Kanalarbeiten sind im neuen Siedlungsgebiet schon jetzt im Gange. Auf dem Kapitalmarkt wurden 300.000 Mark beschafft, um die Tiefbauarbeiten zu finanzieren. In Vorbereitung ist auch der Bau einer Turnhalle für die Schuljugend. Kommenden Freitag um 20.15 Uhr werden die Gemeindevertreter im Gasthaus Keller zusammentreten, um über den Haushaltsplan 1960 zu beschließen.

Geändert wurde von den Gemeindekörperschaften inzwischen die Satzung und Gebührenordnung für die örtliche Wasserversorgung. Die Grundgebühr je Ehepaar öder Familie beträgt jetzt 15 Mark. Einzelpersonen zahlen neun Mark. Als Wassergeldbetrag hat man drei Mark jährlich festgesetzt.

Zu der Änderung der Gebührenordnung sah man sich gezwungen, weil unter den Zahlungspflichtigen Mißverständnisse aufgekommen waren. Ein Teil der Verbraucher vertrat die Ansicht, daß zu einem Haushalt auch Eltern oder Schwiegereltern zählten. Diese Interpretation ist nach der neuen Gebührenordnung nicht .mehr möglich.

 

Auch Hochstadt hat „Rekordhaushalt“                                                                11.04.1960

Aber das „goldene Zeitalter“ liegt noch immer in weiter Ferne

Wie auch schon in anderen Gemeinden des Kreises Hanau ist der Etat der Gemeinde Hochstadt trotz des Rumpfhaushaltsjahres zu einem Rekordhaushalt geworden. Die Einnahmen im ordentlichen Teil liegen schon um 150.000 Mark höher bei den kommenden neun Monaten gegenüber dem vergangenen Etat 1959 von zwölf Monaten. „Das bedeutet jedoch nicht, daß wir in Hochstadt mit dem Etat nun in das goldene Zeitalter gerückt sind“, sagte Gemeindevertreter-Vorsteher Werner Lotz (SPD) vor dem Parlament. „Von einem Wohlstand ist vorerst noch nicht zu sprechen. Der neue Haushalt erfordert vielmehr ein strenges und gewissenhaftes rechnen.“

Der einstimmig genehmigte Haushalt schließt im ordentlichen Teil in Einnahmen und Aus- gaben mit 426.255 Mark ausgeglichen ab. Den außerordentlichen Haushalt konnte man mit 551.000 Mark gleichfalls ausgleichen. Die Grundsteuern A und B wurden bei 160 Prozent belassen. Die Gewerbesteuer beträgt 260 Prozent. Weiter wurde eine Mindestgewerbesteuer von zwölf Mark und eine Hausgewerbesteuer von sechs Mark festgesetzt. Die Aufnahme von Kassenkrediten wurde mit 50.000 Mark begrenzt. Die Höhe der Darlehen beträgt 450 000 Mark, wovon 300 000 Mark für den fünften Kanalbauabschnitt und 150.000 Mark für den ersten Abschnitt des Straßenbauprogramms bestimmt sind.

Zur Erläuterung sagte Gemeindevertreter -Vorsteher Lotz in seiner einstündigen Etatrede, daß die 150.000 Mark Mehreinnahmen im ordentlichen Haushalt hauptsächlich auf Anschlußgebühren und Beiträgen der Anlieger nach den Ortssatzungen für Entwässerung und Straßenbau beruhen. Es seien durchaus alles reale Mittel mit denen die Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem Gemeindevorstand und dem Haupt- und Finanzausschuß den Haushalt aufgestellt habe. Jedoch habe man die Ansätze nicht über das Äußerste hinaus absichtlich hochgeschraubt, sondern nur nach den tatsächlichen Aufkommen an Gelder veranschlagt. Er berichtete in diesem Zusammenhang, daß die Bemühungen nach einer weiteren Industrieansiedlung auch Erfolg gehabt habe. Hochstadt liege einmal im Einzugsgebiet des Rhein-Main-Gebiets und das müsse man im gegebenen Moment auszunutzen verstehen.

Im neuen Haushalt erwartet man alleine 40.000 Mark an Anliegerbeiträgen für den Straßenbau, der als Anteilsbeitrag an den außerordentlichen Etat verbucht wird. Für die Unterhaltung und Ausbau der Feldwege mit dem Aushub der Wasserläufe stellten die Gemeindevertreter 10. 000 Mark bereit. Zum Kanalbau erwartet man neben einen namhaften Zuschuß seitens des Kreises noch eine Zuweisung des Landes Hessens von 30.000 Mark aus dem Schuldendienst. 10.000 Mark wird weiter das Landesstraßenbauamt zur Kanalisierung der Landstraßen erster Ordnung beitragen. 14.000 Mark werden an Kanalanschlußgebühren aus dem fünften Bauabschnitt und 1.000 Mark an Kanalbenutzungsgebühren erwartet.

Von den Einnahmen werden etwa 60.000 Mark an den außerordentlichen Haushalt als Anteilbetrag überwiesen. 30.300 Mark wird man zur Tilgung und 28.200 Mark an Zinsen für früher schon aufgenommenen Darlehen für die Ortsentwässerung aufbringen müssen. An Wassergeldeinnahmen erwartet man 28.000 Mark und an Anschlußgebühren 4.000 Mark Einnahmen im neuen Etat. Die Erweiterung der Wasserversorgungsleitungen und die restlichen Grundstücksanschlüsse zu unbebauten Plätzen an den ausgebauten Stoßen wird etwa 7.000 Mark kosten. Zur Erweiterung der Ortsbeleuchtung hat man 5.000 Mark bereitgestellt. Im oberen Schulsaal hat sich die Decke gesenkt. Nach einer Untersuchung durch die Kreisbaubehörde muß dort eine neue Denke eingezogen werden. Die Gemeindevertreter stellten hierfür 3.000 Mark bereit. Weitere 1.500 Mark sind für die Einrichtung des Werkraums gedacht.

Die Gewerbesteuer wird im neuen Haushalt der Gemeinde fast 100.000 Mark einbringen. An

Einnahmen aus de3nm Grundsteuern erwartet man 34 000 Mark. Der Gewerbesteuerausgleich ist mit 33.000 Mark angesetzt. Etwa 18.000 Mark werden an Schlüsselzuweisungen des Kreises und des Landes erwartet, die durch das Ansteigen der Gewerbesteuer leider gesunken sind. Weiter wird man noch auf der Einnahmenseite einen Sollüberschuß aus dem vergangenen Jahr in Höhe von 3.500 Mark mit verbuchen können. An Kreisumlage hat die Gemeinde in diesem Jahr 51.000 Mark zu zahlen. Weiter hat man 11.000 Mark für den Grunderwerb eines geeigneten Geländes für eine Mehrzweckhalle mit Nebenanlagen im Zuge der „Sozialen Aufrüstung des Dorfes“ eingesetzt.

Im weiteren Verlauf seiner Etatrede beschäftigte sich der Gemeindevertretervorsteher Lotz (SPD) mit dem außerordentlichen Haushalt, dessen Hauptbetrag ein Darlehen von 300.000 DM für den fünften Bauabschnitt der Ortsentwässerung ausmacht. Im vergangenen Jahr hatten die Gemeindevertreter bereits schon einmal der Aufnahme eines Darlehens von 240.000 DM für diesen Zweck zugestimmt. „Ohne Fremdmittel wäre uns die Durchführung des Entwässerungsprogramms kaum möglich“, sagte Lotz dazu.it dem fünften Bauabschnitt sind rund 80 Prozent der gesamten Ortslage kanalisiert.

Ein weiteres Darlehen von 150.000 DM hat man für den ersten Abschnitt des Straßenbauprogramms vorgesehen. Hier ist vor allem an den Ausbau der Bahnhofstraße, Sudetenstraße und Dorfelder Straße gedacht. Ein Bürgersteig soll von der Jägerstraße bis zur Bahnhofstraße angelegt werden. In den vergangenen Jahren habe man für den Straßenbau so gut wie nichts getan, sagte Lotz zu dem ersten Abschnitt des Straßenbauprogramms. Zur Finanzierung der Maßnahme wird man außer dem Darlehen noch die Anliegerbeiträge in Höhe von 40.000 DM heranziehen.

In der anschließenden Debatte um den neuen Haushalt machte der CDU-Sprecher Wilhelm Schmidt geltend, daß es nun im neuen Haushalt heiße, streng den Plan einzuhalten und mit jeden einzelnen Pfennig genauestens zu kalkulieren. Als Vertreter der Hochstädter Bauernschaft begrüße er es, daß die Gemeinde runde 10. 000DM für reine Belange der Landwirtschaft zum Ausbau der Feldwege und Aushub der Gräben bereitgestellt habe. Er machte gleichzeitig darauf aufmerksam, daß die Gemeinde in den nächsten Jahren nicht umhin komme, weitere namhafte Beträge für die Förderung der Landwirtschaft bereitzustellen. Bisher habe man immer erst auf die vordringlichsten Aufgaben in der Gemeinde Rücksicht genommen. Jedoch müsse die Gemeinde und die Landwirtschaft jetzt die günstige Gelegenheit am Schopfe fassen und mit Unterstützung des „Grünen Planes“ die Feldwege herstellen. Er wies auf die großzügigen Zuschußbeihilfen und zinsverbilligten Darlehen hin.

SPD-Sprecher Heinrich Seibel begrüßte den neuen Etat, in dem sich alle Maßnahmen ohne Steuererhöhungen ansetzen ließen. Schon seit acht Jahren sind die Steuern trotz des steigenden Preisindexes unverändert geblieben. Ein Beweis für die gute Haushaltsführung und die gute Zusammenarbeit im Parlament sei das Ausbleiben eines Nachtragsetats gewesen. Kaum eine Gemeinde im weiteren Umkreis brauchte im vergangenen Jahr auf den Erlaß eines Nachtrags zu verzichten, worauf man in Hochstadt äußerst stolz sein dürfe.

Bedenken gegen den neuen Rekordhaushalt äußerte dagegen der Sprecher der Wählergemeinschaft, Günther Schöpel. Es sei wohl nicht zu leugnen, daß man in der letzten Jahren in der Gemeinde viel geleistet habe, jedoch müsse man den Haushalt im Rahmen des Erträglichen lassen.

„Wir wollen mit den Füßen lieber auf Erden bleiben und auf einen Rekordhaushalt verzichten“, sagte Schöpel. Er warnte die Gemeindekörperschaft vor einer zu hohen Verschuldung. Nach dem neuen Haushalt kämen auf den Kopf des Einwohners etwa 250 DM Schulden, was beträchtlich hoch sei und wohl mit an der Spitze im Kreis liege. Zu der Straßenbausatzung und dem Programm sagte er, daß man die Satzung vor der Inangriffnahme des Programms erst nochmals genauestens durcharbeiten müsse, um den Anliegern, die ja beträchtliche Beiträge zahlen müßten, keine sozialen Härten aufzuerlegen. Bei der Abstimmung lenkte er jedoch dann auch zu dem Plan ein.

Vorsteher Lotz (SPD) versicherte auf die Bedenken seines Vorredners hin, daß man

den Haushalt nicht künstlich in die Höhe getrieben, sondern nur die Gelder eingesetzt habe, die auch tatsächlich eingingen. Weiter habe die Gemeinde in diesem Jahr erstmals mit der Schuldendiensthilfe des Landes Hessen zu rechnen. Zuschüsse des Landes und des Kreises zu den anstehenden Projekten habe man der Gemeinde auch schon zugesichert. Zur Verschuldung der Gemeinde sagte er, daß mit der Erweiterung und dem Ausbau der Versorgungsanlagen auch das Vermögen der Gemeinde wachsen und hierfür dann ja auch der reale Gegenwert da sei.

Abschließend sagte Bürgermeister Philipp Ziegler (SPD), daß die Aufstellung des Etats nicht leicht gewesen sei. So einen schwierigen Etat habe man in seiner jahrelangen Praxis noch nicht aufgestellt und ausgeglichen. Vielerlei Überlegungen waren hierzu nötig, um den Belangen der Einwohner wenigstens in geringem Maße gerecht zu werden. Die Gemeinde habe

auf Jahre hinaus noch einen erheblichen Investitionsbedarf, der einige Millionen ausmache.

Schon auf 1961 hinweisend, hielt er abschließend vor Augen, daß dann mit dem Ausbau der Wasserversorgungsanlage begonnen werden müsse. Als ersten Schritt müsse man einen neuen Hochbehälter und Pumpstation bauen.

 

Siebenjährige bestohlen                                                                                        April 1960

Das Zollamt wußte nichts / Geschäfte mit amerikanischen Zigaretten

Zu drei Monaten Gefängnis verurteilte der Einzelrichter einen 21jährigen, der am hellichten

Tage ein siebenjähriges Mädchen auf der Straße gemein bestohlen hatte. Der Dieb erbeutete

85 Mark. Mit dem Geld fuhr er nach Hanau, um die Reparaturkosten für seinen Motorroller

zu begleichen. Erstmalig wurde der junge Mann, der schon einige Male unangenehm aufgefallen war, nach dem Erwachsenenstrafrecht behandelt.

Der junge Mann sah das Mädchen, das von seiner Mutter zum Einkaufen weggeschickt worden war, in einer Metzgerei in Hochstadt. Er bemerkte, daß das Kind einen größeren Geldbetrag mit sich führte. Nachdem das Mädchen das Geschäft verlassen hatte, folgte der junge Mann ihm. In der Dorfelder Straße hielt er es an. „Kannst du mir mal die Zeitung geben?" fragte er scheinheilig das Kind. Es bekam Angst und lief &von. Der 21jährige holte das Kind aber ein und stahl ihm das Geld.

Oberamtsanwalt Fischer rechnete dem Burschen vor, daß ihm schon einige Male die Leviten gelesen wurden. Wegen groben Unfugs hatte man ihn 1957 verurteilen müssen. Im vergangenen Jahr verhängte der Jugendrichter einen Wochenendarrest wegen versuchten Diebstahls. Im Januar stand er vor dem Jugendschöffengericht. Auf drei Wochen Jugendarrest lautete diesmal die Strafe. Amtsgerichtsrat Rienesl sagte in der Begründung des dreimonatigen Gefängnisurteils, der 21jährige sei auf dem besten Wege, ein Krimineller zu werden.

 

Verantwortungslos

Der dreiste Diebstahl, der in strafrechtlichem Sinne am Rande des Straßenraubes liegt soll mit keinem Wort entschuldigt werden. Wenn ein junger Mann kein Geld hat, um einen Motorroller zu unterhalte soll er gefälligst mit dem Fahrrad fahren. Dennoch scheint es geboten, das sorglose - um nicht zu sagen verantwortungslose - Verhalten der Mutter zu kritisieren, ist doch keine Art, sein siebenjähriges Töchterchen mit 100 DM zum Einkauf zu schicken. Ganz abgesehen von gemeinen Dieben - nehmen wir nur an, das Kind hätte das Geld verloren, was gar nicht so ungewöhnlich bei einem siebenjährigen Kind ist, dann wären ja auch unnötige Aufregung, Tränen und Vorwürfe - wenn nicht sogar Schläge für das Kind - die Folge gewesen.

 

Er bestreitet alles: Junger Mann erneut vor Gericht                                                          April 1960

Dabei hat er eine dreimonatige Gefängnisstrafe noch nicht verbüßt

Im April stand ein 21jähriger vor dem Einzelrichter wegen eines Delikts, das an Straßenraub grenzte. Obwohl er die damals verhängte Strafe (drei Monate Gefängnis) noch nicht verbüßt hat, mußte er sich nunmehr erneut vor Gericht - diesmal vor dem Jugendrichter - verantworten.

Wie an dieser Stelle schon zu lesen war, hatte er im April von sich reden gemacht, als er auf offener Straße in einem Ort im Landkreis einen siebenjährigen Mädchen 85 Mark aus der Geldbörse stahl. Dies, nachdem ihm in einer Metzgerei aufgefallen war, daß das Kind einen größeren Betrag in der Geldbörse hatte. Er folgte ihm daraufhin auf die Straße und bat es um eine Zeitung, die in einem Einkaufsnetz steckte. Als das Mädchen, ohne sich um ihn zu kümmern, zu Freundinnen lief, folgte er, nahm die Zeitung und die Geldbörse aus dem Netz und entwendete die 85 Mark. Das leere Portemonnaie gab er anschließend wieder zurück. Weinend lief die Kleine nach Hause. Dort erzählte sie ihrer Mutter von dem Vorfall, die sofort die Polizei verständigte. Da ein anderes Mädchen eine gute Personalbeschreibung des Diebes gab, konnte er schon kurze Zeit später gefaßt werden. Oberstaatsanwalt Fischer hatte in der Verhandlung von einem Verhalten gesprochen, das an Straßenraub grenze.

Dieser Verhandlung war im Januar eine vor dem Jugendschöffengericht vorausgegangen. Der junge Mann wurde wegen Hehlerei zu drei Wochen Jugendarrest verurteilt. Diese Verfahren jedoch machten auf ihn wenig Eindruck. Er stand nunmehr vor dem Jugendrichter, weil er ohne Führerschein auf einem Motorroller gefahren war. Gegenstand der Anklage waren zwei Fälle, in denen sich jedoch der 21jährige für schuldlos erklärte, obwohl ihm in einem Fall ein Polizeibeamter gefolgt war und den noch warmen Motorroller vor der Tür des Angeklagten hatte stehen sehen. Kaltblütig erklärte er dem Beamten, er sei die ganze Zeit über zu Hause gewesen und könne sich die Sache nur so erklären, daß ein Fremder seinen Motorroller widerrechtlich benutzt habe.

Zur allgemeinen Überraschung stellte sich in der Hauptverhandlung heraus, daß gegen den jungen Mann noch drei weitere Ermittlungsverfahren wegen Fahrens ohne Führerschein laufen. Der Jugendrichter vertagte daraufhin die Verhandlung, da alle Fälle gemeinsam abgeurteilt werden sollen.

 

Rote Rosen als Eintritt                                                                                            27.04.1960

Zur Ausgestaltung der Maifeier des SPD-Ortsvereins am 30. April werden die Sängervereinigung, das Doppelquartett, der Arbeiter Rad- und Kraftfahrverein „Solidarität“ und die Rollschuhgruppe beitragen. Man hat beschlossen, als Unkostenbeitrag rote Rosen zum Preise von 1,25 DM zu verkaufen. Die Mairede wird voraussichtlich der Vorsitzende der Ortsgruppe, Werner Lotz, halten.

 

Gaststätte                                                                                                                14.04.1960

Wir haben die Gaststätte „Dorfschenke“ in Hochstadt Hauptstraße 25 pachtweise übernommen und erlauben uns, alle Freunde und Bekannte zu der am morgigen Donnerstag, dem 14. April 1960, stattfindenden Eröffnung herzlichst einzuladen. Bis 3 Uhr geöffnet.

Spezialitäten: Schaschlik, gebratene Hähnchen. Um freundlichen Zuspruch bitten:

Ernst Stock und Frau. Am Ausschank die vorzüglichen NICOLAY-Biere.

 

Ehrenbürger feiert Geburtstag                                                                              27.04.1960

Heute kann der Ehrenbürger der Gemeinde Hochstadt, Philipp Weber, Hanauer Straße, seinen 77. Geburtstag feiern.

 

Neuer Vorsitzender des SPD-Ortsvereins                                                             26.04.1960

Einstimmig wählten die Mitglieder der SPD-Ortsgruppe Hochstadt in der Jahreshauptversammlung in der Gaststätte Strohl den Gemeindevertreter-Vorsitzenden Werner Lotz zu ihrem neuen Vorsitzenden. Der bisherige Vorsitzende, Bürgermeister Philipp Ziegler, bat von einer Wiederwahl seiner Person wegen Arbeitsüberlastung Abstand zu nehmen. Er wurde ebenfalls einstimmig zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Das kommunalpolitische Referat des SPD-Unterbezirkssekretärs Jean Ruth (Langendiebach) mußte auf eine spätere Versammlung verschoben werden, da er durch andere kommunale Arbeiten verhindert war.

 

Wie Lotz im Rahmen der Versammlung mitteilte, haben die gemeinsamen fraktionellen Sitzungen mit den Nachbargemeinden Dörnigheim und Bischofsheim zu einer guten Verständigung in der Lösung gemeinsamer Probleme geführt. Das Schwerpunktprogramm wird die Fraktion nach Abschluß der Kanalbauarbeiten in Hochstadt in nächster Zeit auf den Straßenbau legen müssen. Weiter gelte es, die Straßenbeleuchtung auszubauen. Auch werde man sich in nächster Zeit mit dem Bau einer Turn- oder Mehrzweckhalle zu befassen haben. Zu diesem Zweck ist beabsichtigt, Regierungsrat Kuhnmünsch vom Hessischen Innenministerium zu einer Einwohnerversammlung einzuladen, der dann Stellung dazu nehmen wird, wieweit sich das Projekt mit im Plan der Regierung zur sozialen Aufrüstung des Dorfes durchführen läßt und was man an Beihilfen von Land und Bund zu erwarten habe.

 

Jubiläen

Das schöne Fest der goldenen Hochzeit konnten am 26, April die Eheleute Philipp Eibelshäuser und Frau Elisabeth geb. Mohr, Schulstraße 21, feiern.

Das Fest der silbernen Hochzeit konnten am 23. April die Eheleute Jacob Vetter und Frau Margarete geb. Lind, Lindenstraße 1, feiern.

Ihren 73. Geburtstag begeht am 2. Mai Frau J. Tischer, Thingstraße.

Seinen 83. Geburtstag kann am 10. Mai Herr Jakob Pistor, Hauptstraße 24, begehen.

Am 14. Mai kann Frau Auguste Hahn geb. Hainbach, Hauptstraße 36, ihren 75. Geburtstag feiern.

Sein 78 Lebensjahr kann am 24. Mai der Rentner Michael Holm, Bleichstr. 2, I vollenden.

Am 18. Juni konnten Karl Mayer und Frau Lenchen geborene Eibelshäuser, Am Röderberg 9, das Fest der silbernen Hochzeit, feiern.

Am 9. Juli konnte Frau Elisabeth Bechert geborene Seibel, Rohrbachstraße 1, ihr 70. Lebensjahr vollenden.

Am Sonntag, dem 29. Oktober, kann Frau Elisabeth Koch geborene Rohn, Schulstraße, ihren 76. Geburtstag begehen. Sein 79. Lebensjahr konnte Philipp Heckert, Bogenstraße 24, vollenden.

Am 10. August kann Frau Maria Brosch, geborene Koch, Wellenpfad 1, ihren 74. Geburtstag begehen.

Sein 80. Lebensjahr kann am 29. Oktober der Lademeister i. R. Heinrich Fieres, Schulstraße 20, vollenden.

Silberne Hochzeit: Eheleute Adolf Fassing und Frau Clementine, geborene Ermet, Ringstraße 2.

 

Jahreshauptversammlung des TV Hochstadt

Hochstadt, 7. Mai. Die Jahreshauptversammlung des Turnvereins 1887 findet heute um 20.30 Uhr im Vereinslokal Eibelshäuser (Colleg) statt.

 

Maifeier fand starken Anklang                                                                             Mai.1960

Überfüllt war am Wochenende der Strohlsche Saal bei der Maifeier der SPD, in der der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Werner Lotz, sprach. Als recht erfreulich bezeichnete er es, daß sich besonders die Jugend für die Maifeier stark interessiert habe. In seiner fast einstündigen Rede kam er auf das Selbstbestimmungsrecht und die Bedeutung des ersten Mai zu sprechen. Er wandte sich dabei nicht zuletzt gegen die irrige Auffassung verschiedener Ostblockstaaten, den „Tag der Arbeit“ mit Truppen und Panzeraufmärschen feiern zu müssen. Der 1. Mai soll vielmehr ein Tag des Friedens und der Freiheit sein und bleiben rief er unter lautem Beifall in den Saal. Auf den sozialen Errungenschaften aber dürfe man nicht ausruhen, sondern man müsse heute darauf achten, daß sie noch weiter ausgebaut würden. Ein Tanz in den Mai schloß sich an, der trotz regnerischen Wetters die Wogen der Stimmung hoch schlagen ließ.

 

Entscheidungsspiel in Hochstadt

In der Fußball-B-Kl. Hanau kommt es am Sonntag auf dem neutralen Platz in Hochstadt (15.00) zu dem wegen Punktgleichheit erforderlichen Entscheidungsspiel um die Meisterschaft zwischen Bischofsheim und Niederdorfelden. Einen Favoriten gibt es dabei nicht. Wenn alles nach Wunsch läuft, dann wird Bischofsheim mit Hofmann; Burger, Walzer; Rosenberger, Fischer, M. Zell; Henkel, Schilde, Rotsch, Rakow, Gärtner um die Rückkehr in die A-Klasse kämpfen. Niederdorfelden plant die Besetzung Krock; Umlauf, Gans; Kroh, Kauer, R. Bauscher (Hofmann); Jäger, Issing, W. Bauscher, H. und W. Schott. Dem Spiel voraus geht (13.15 Uhr) das Entscheidungsspiel um die Meisterschaft bei den zweiten Mannschaften mit Wachenbuchen und Bischofsheim als Partnern.

 

Niederdorfelden steigt auf

In der Fußball-B-Klasse Hanau wurde Niederdorfelden auf dem neutralen Platz in Hochstadt vor mehr als 2.000 Zuschauern im Entscheidungsspiel 2:0-Sieger und steigt damit in die A-Klasse auf. In dem tempogeladenen Spiel bot Bischofsheim die reifere Leistung. Insbesondere die Seitenläufer Rosenberger und M. Zell beeindruckten. Torhüter Kroch, Stopper Kauer und Mittelstürmer W. Bauscher verdankte Niederdorfelden in erster Linie den Sieg. Durch W. Bauscher ging Niederdorfelden in der 33. Minute in Führung und erhöhte Mitte der zweiten Halbzeit durch R. Bauscher auf 2:0 Die Anschlußchance für Bischofsheim vergab in der 84. Minute Rakow, als er sich mit einem Foulelfmeter gegen den Niederdorfeldener Torwart Kroch nicht durchsetzen konnte.

 

Gewerbesteuer - Stütze der Finanzen

Neuer Etat einstimmig verabschiedet / Kanalbauten an erster Stelle

Das außerordentliche Haushaltsvolumen der Gemeinde Hochstadt übertrifft im Rumpfetatjahr 1960 Einnahmen und Ausgaben im ordentlichen Teil. Am Dienstagabend verabschiedeten die Gemeindevertreter einstimmig den neuen Etat, der im ordentlichen Teil ausgeglichen mit 431.000 Mark und im außerordentlichen Teil mit 550.000 Mark abschließt. Im Vordergrund der kommunalen Anstrengungen in den nächsten Monaten werden die Kanalbauten stehen.

Für die Ortsentwässerung hat die Gemeinde ein Darlehen von 300.000 Mark in Anspruch genommen. Dieses Darlehen dient der Finanzierung des fünften Kanalbauabschnitts. Wenn dieser Abschnitt beendet ist, dann sind vier Fünftel der Ortsstraßen von Hochstadt kanalisiert. Im außerordentlichen Haushalt ist außerdem ein Darlehen von 150.000 Mark für den Straßenbau eingeplant. Wie ein Sprecher des Gemeindevorstandes bekanntgab, sollen zunächst die Bahnhofstraße, die Sudetenstraße und die Dorfelder Straße instandgesetzt werden.

In spätestens zwei Jahren sollen in Hochstadt alle bebauten Grundstücke an das Kanalnetz angeschlossen sein. Bereits jetzt würde die Leitung des Hauptsammlers bis zur Dörnigheimer Gemarkungsgrenze verlegt. Von dort aus soll sich der Hauptsammler in Richtung auf die in der letzten Zeit modernisierten Kläranlagen der Stadt Hanau am Kesselstädter Weg fortsetzen. Übereinstimmend haben die Gemeindekörperschaften von Hochstadt und Dörnigheim vor längerer Zeit den Anschluß an das Hanauer Entwässerungsnetz beschlossen. Auch die Hanauer Stadtentwässerung hat sich bereits auf die „neuen Kunden“ eingestellt.

Immer deutlicher wird das Gewerbesteueraufkommen zu einer Stütze der Gemeindefinanzen von Hochstadt. Im neuen Haushaltsplan sind 95.000 Mark vorgesehen, die in der Form der Gewerbesteuer der Gemeindekasse zufließen sollen. Die Grundsteuern A und B werden dagegen zusammen nur 33.900 Mark erbringen.

Erhebliche Kosten dürfte in den nächsten Jahren der Umbau der Pumpstation für die Trinkwasserversorgung der Siedlung „Am Niederfeld“ verursachen. Außerdem beabsichtigt die Gemeinde am Dorfelder Weg den Bau eines Hochbehälters. Schließlich denkt man auch an eine Ringleitung. Im Rathaus ist man sich darüber klar, daß für diese Vorhaben eine sechssteilige Summe aufzuwenden sein wird.

 

Rekordhaushalt in Hochstadt

Steuerhebesätze unverändert / Kassenkredite auf 50.000 Mark begrenzt

Einstimmig verabschiedeten die Gemeindevertreter von Hochstadt den Haushaltsplan für das Rumpfetatjahr 1960, der im ordentlichen Teil ausgeglichen mit 426.000 Mark abschließt. Ebenfalls ausgeglichen ist der außerordentliche Etat. Sein Volumen beläuft sich auf 551.000 Mark. „Wir verabschieden in diesem Jahr einen Rekordhaushalt“, betonte Bürgermeister Philipp Ziegler.

 

Hochstadt nahe am Millionen-Etat                                                                       07.05.1960

Haushalt 1960 einstimmig verabschiedet - Gelände für eine Mehrzweckhalle

Einstimmig verabschiedeten die Gemeindevertreter den Haushalt für das Rumpfjahr 1960. Trotz der nur neun Monate haben sich beide Teile des Etats je um rund 150.000 Mark erhöht. Der ordentliche Teil schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 426.255 Mark ausgeglichen ab, der außerordentliche Haushalt mit 551.000 Mark. Die Grundsteuern A und B wurden bei 160 Prozent belassen. Die Gewerbesteuer beträgt 260 Prozent. Von der Erhebung einer Mindestgewerbesteuer und Hausgewerbesteuer sieht die Gemeinde ab. Kassenkredite dürfen bis zu 50.000 Mark verwendet werden, die Höhe der Darlehen beträgt 450.000 Mark, wovon 300.000 Mark für den fünften Kanalbauabschnitt und 150.000 Mark für den ersten Kanalbauabschnitt bestimmt sind.

Eine Änderung des Haushalts gegenüber der Beratung vor drei Wochen hatte die Kreisaufsichtsbehörde empfohlen. Die Gemeindevertreter hatten nur 7.000 Mark für die Erweiterung der Wasserleitung und für die restlichen Anschlüsse zu unbebauten Grundstücken an jetzt fertigzustellenden Straßen eingesetzt. Auf Empfehlung des Kreises wurde der Ansatz um 5.000 Mark erhöht. Der Fehlbetrag wurde auf der Einnahmeseite bei der Gewerbesteuer mehr veranschlagt.

Die Gemeinde erwartet im neuen Haushalt1 etwa 40.000 Mark aus Anliegerbeiträgen für den Straßenbau, die dem außerordentlichen Etat überwiesen werden. 10.000 Mark sind für die Unterhaltung der Feldwege und den Aushub der Gräben in der Gemarkung bereitgestellt. Zum Kanalbau erwartet man neben einem namhaften Betrag des Kreises eine Zuweisung von 30.000 Mark aus der Schuldendiensthilfe des Landes Hessen. 10.000 DM wird das Landesstraßenbauamt für Straßen erster Ordnung dazugeben. Etwa 14.000 DM betragen im neuen Haushalt die Anschlußgebühren für den fünften Kanalbauabschnitt und 11.000 Mark sollen an Benutzungsgebühren eingehen. Im Ansatz für den Kanal- bau wurden 60 000 Mark an den außerordentlichen Etat überwiesen. Runde 30 300 Mark wird man zur Tilgung und 28.200 Mark als Zinsen für frühere Darlehen aufbringen müssen. An Wassergeld werden etwa 28.000 Mark und an Anschlußgebühren rund 4000 Mark eingehen. Zur Erweiterung der Ortsbeleuchtung haben die Gemeindevertreter 5.000 Mark bereitgestellt.

Die Gewerbesteuer wird über 100.000 Mark bringen. Die Grundsteuer hat man mit 34.000 Mark in Ansatz gebracht. Der Gewerbesteuerausgleich ist mit 33.000 Mark angesetzt. 18.000 Mark erwartet man an Schlüsselzuweisungen. Die Kreisumlage beträgt im Rumpfhaushaltsjahr 51.000 Mark. Für den Erwerb des Geländes für eine Turn- oder Mehrzweckhalle haben die Gemeindevertreter 11. 000 Mark bereitgestellt.

Recht lebhaft gestaltete sich die Diskussion um die Auswahl eines Platzes für die geplante Mehrzweckhalle. Vom Gemeindevorstand war ein Geländestück am Wellenpfad und an der Bahnhofstraße vorgeschlagen worden. Dem Gelände an der Bahnhofstraße wird aber aus verkehrstechnischen Gründen der Vorzug gegeben.

Außerdem liegen dort schon sämtliche Versorgungsleitungen und der Gemeinde blieben somit hohe Erschließungskosten erspart. Hiergegen wandte sich jedoch Gemeindevertreter Schöpel (Freie Wählergemeinschaft) energisch. Man bringe dort einen Grundstückseigentümer um etwa 80 Prozent seines gesamten Landbesitzes. Außerdem eile die Bereitstellung eines Platzes für die Mehrzweckhalle noch nicht, da man ja noch keine Pläne vorliegen habe. Diese Meinung konnten Gemeindevertreter-Vorsteher Werner Lotz (SPD) und Heinrich Seibel als Sprecher der Sozialdemokratischen Fraktion nicht teilen. Um einen Architekten mit den Vorplanungen zu beauftragen, müsse man wissen, wie groß das Gelände sei und danach könne man dann auch planen. Weiter müsse bei der Beantragung von Zuschüssen bei der hessischen Landesregierung der Nachweis gebracht werden, daß man einen entsprechenden Platz für die öffentliche Einrichtung habe, zumal man das Projekt mit im Zuge der „Sozialen Aufrüstung des Dorfes“ durchziehen wolle. Die Mittel, die 1961 zur Ausschüttung kommen, müßten jetzt schon beantragt werden.

Einstimmig genehmigten die Gemeindevertreter ferner die Aufnahme eines Darlehens von 150.000 Mark zu sieben Prozent Zinsen bei 99- prozentiger Auszahlung von der örtlichen Raiffeisenkasse. Das Geld soll für das jetzt anlaufende Straßenausbauprogramm der Gemeinde verwendet werden. Hier ist insbesondere an die Bahnhofstraße, Sudetenstraße und den Dorfelder Weg gedacht.

Die Beratung über die Stellungnahme der Gemeinde zu Differenzen zwischen ihr und einem Berliner Architekten als Bauherrn von zwei Wohnblöcken in der Gemeinde wurde später auf Antrag des Sprechers der Freien Wählergemeinschaft und der CDU-Fraktion, Günther Schöpel, in einem nichtöffentlichen Teil der Sitzung bis eineinhalb Stunden nach Mitternacht beraten. Gemeindevertretervorsteher Werner Lotz (SPD) hatte sich gegen die Beratung in einem nicht- öffentlichen Teil ausgesprochen, da man ausnahmsweise sehr viele Zuhörer habe und die Öffentlichkeit ein Recht habe, etwas über die Sache zu hören. In der kommenden Woche wird das Parlament nun nochmals vor der Öffentlichkeit beraten und über den Stand der Vergleichsverhandlungen berichten.

 

Reisende Automatendiebe                                                                                    Mai 1960

Gestern Morgen gegen 3 Uhr wurde in Hochstadt ein Automat aufgebrochen. Den Tätern fielen Zigaretten im Werte von 70 Mark in die Hände. Ein Nachbar beobachtete, daß zwei Männer

Unbekannte brachen einen Automaten auf, der in der Bischofsheimer Straße an einer Hauswand hängt. Die Diebe erbeuteten Zigaretten und Süßigkeiten im Wert von etwa 150 Mark.

 

Unholde treiben ihr Unwesen: Frauen überfallen und mißhandelt                      Mai 1960

Notzuchtverbrechen im Wald bei Hochstadt und in Gelnhausen

Am Wochenende kam es im Gebiet von Hanau-Gelnhausen zu zwei Notzuchtfällen, bei denen jeweils Frauen in bejahrtem Alter die Opfer waren. Wie die Staatliche Kriminalpolizei in Hanau mittelt, handelt es sich in beiden Fällen um noch junge Täter, die unerkannt entkommen konnten. Die Bevölkerung wird dringend um Mitfahndung gebeten.

Am Samstagmittag gegen 13.45 Uhr wurde im Wald zwischen Hochstadt und Wachenbuchen eine 66 Jahre alte Frau, die Maiglöckchen suchte, von einem jungen Mann angefallen und zu Boden geworfen. Der Täter versuchte, ihr die Kleider vom Leib zu reißen und sich an ihr zu vergehen. Die Frau wehrte sich jedoch heftig, schlug auch mit einem Schirm um sich und konnte durch laute Hilferufe den Täter zur Flucht veranlassen. Er fuhr mit einem schwarzen Fahrrad in Richtung Wilhelmsbad davon. Der Bursche wird wie folgt beschrieben: 19 bis 21 Jahre alt, etwa 1,75 m groß, schlank, rötlich-blondes, gelocktes, nach hinten gekämmtes Haar, frische Gesichtsfarbe. Kleidung: guter blaugrauer Anzug in hellen Tönen, hellbraune Halbschuhe, weißes Hemd. Einigen Äußerungen während des Vorfalls nach zu urteilen, muß der Täter aus Hanau stammen.

 

Frauen wurden überfallen                                                                                     Mai 1960

Das erste Opfer des Unbekannten war ein16jäihriges Mädchen

Während gestern die Große Strafkammer des Hanauer Landgerichts zwei Notzuchtverbrecher aburteilte, häuften sich am selben Tag bei der Staatlichen Kriminalpolizei die Meldungen über neue Sittendelikte.

Gestern Mittag wurde ein junger Mann in der Nähe des Neuwirtshauses unweit der Bundesstraße 8 von Beamten der Landespolizeistation und der Staatlichen Kriminalpolizei festgenommen. Der junge Mann hatte sich unsittlich gezeigt.

Auf der Suche ist man noch nach einem jungen Mann, der in der Nacht zum Samstag nacheinander drei Frauen in der Nähe des Bahnhofs Hochstadt-Dörnigheim überfallen hatte. Der Unbekannte - er soll 1,70 bis 1,75 groß und von schlanker Gestalt sein - riß die Frauen zu Boden und versuchte ihnen Gewalt anzutun. Er lauerte den Frauen auf, die mit dem Eisenbahnzug auf dem Bahnhof ankamen und nach Hochstadt heimwärts gingen. Sein erstes Opfer war ein 16jähriges Mädchen. Später versuchte der Sittenstrolch einer 49jährigen Frau Gewalt anzutun. Schließlich belästigte er noch eine Frau von 20 Jahren. In allen Fällen setzten sich die Überfallenen so energisch zur Wehr, daß der Täter von seinem Vorhaben abließ und flüchtete. Nach den übereinstimmenden Angaben der Frauen verschwand der Unbekannte in einem Waldstück neben dem Furnierwerk zwischen Dörnigheim und Hochstadt.

 

Junger Wegelagerer: Drei Notzuchtversuche gescheitert

In der Nacht zum Samstag von 21.45-22.30 Uhr wurden auf der Straße vom Bahnhof Dörnigheim nach Hochstadt drei weibliche Passanten von einem unbekannten Täter überfallen, der sie zu Boden riß und sie zu notzüchtigen versuchte. Der Täter lauerte Frauen auf, die mit dem Zug auf dem Bahnhof ankamen und dann nach Hochstadt gingen. Sein erstes Opfer war ein 16jähriges Mädchen. Später versuchte er sein Heil bei einer 49jährigen Frau und zum drittenmal bei einer jungen Frau von 20 Jahren. In allen Fällen setzten die überfallenen dem Täter einen solchen Widerstand entgegen, daß er sein Vorhaben aufgeben und die Flucht ergreifen mußte. Er flüchtete dabei in das Waldstück neben dem Furnierwerk. Der Täter soll jung und 1,70 - 1,75 Meter groß sein, schlanke Figur haben und mit einer braunen Cordjacke mit durchgehendem Reißverschluß bekleidet gewesen sein.

 

Platzkonzert des Spielmannszuges                                                                        28.05.1960

Der Spielmannszug des Turnvereins 1887 hält am Sonntag eine Werbeveranstaltung ab Zusammen mit den Spielmannszügen von Niederdorfelden und Okarben ziehen die Züge ab 14 Uhr vom Vereinslokal Eibelshäuser durch die Ortsstraßen und geben anschließend auf dem Platz neben dem alten Rathaus ein Platzkonzert, das unter Leitung von Spielmannszugführer Pracht bei allen Freunden guter Turnermusik einen guten Anklang finden sollte.

 

 

Unfall

Etwa 3.000 Mark Sachschaden gab es auf der Bundesstraße 8 / 40 nördlich von Hanau, als ein Personenwagen gegen einen Baum fuhr. Der Fahrer erlitt Gesichts- und Handverletzungen. Die Polizei ordnete eine Blutprobe an. Vorläufig wurde der Führerschein des Verunglückten eingezogen.

 

Trink Krystalla Marken-Fruchtsaftgetränk.

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So natürlich - und wirklich gut!

Wilhelm Höhl Hochstadt.

 

 

Betrunkener Autofahrer                                                                                        11.06.1960

Heute Morgen um 4.10 Uhr kam auf der Bundesstraße 8 / 40 bei Dörnigheim ein Personenwagen von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum. Der Wagen wurde erheblich beschädigt. Der Fahrer erlitt Verletzungen. Da er angetrunken war, wurde Blutprobe entnommen und der Führerschein einbehalten.

 

Brandstiftung aus seelischer Depression?                                                            Mai 1960

Angeklagter widerrief seine Geständnisse - Prozeß wird morgen fortgesetzt.

Aus der Untersuchungshaft wurde gestern den Richtern der Großen Strafkammer der 29 Jahre alte Otto Wilhelm Schäfer aus Hochstadt vorgeführt. Dem jungen Mann wirft die Anklage vor, am 30. Oktober vorigen Jahres die Scheune seines früheren Arbeitgebers Ernst Kiesling in der Nähe von Hochstadt angezündet zu haben. Nach der Anklageschrift handelt es sich um vorsätzliche Brandstiftung. In der Hauptverhandlung bestritt der 29jährige energisch, das Feuer vorsätzlich gelegt zu haben. Nach fast vierstündiger Verhandlung entschied das Gericht unter Vorsitz von Landgerichtsrat Dr. Hambeck, den Prozeß am Donnerstag fortzuführen.

 

Anklage: Brandstiftung: „Die Nerven verloren“

Aus der Untersuchungshaft wurde der 29jährige Otto Wilhelm Schäfer aus Hochstadt gestern vor der Hanauer Großen Strafkammer geführt. Dem Angeklagten wurde vorsätzliche Brandstiftung zur Last gelegt. Er soll am 30. Oktober vorigen Jahres die Scheune seines früheren Arbeitgebers bei Hochstadt in Brand gesteckt haben. Der Angeklagte bestritt energisch, das Feuer vorsätzlich gelegt zu haben. Der Prozeß wird am Donnerstag fortgeführt.

Der aus Ravolzhausen gebürtige Angeklagte berichtete, er habe am Vortag des Brandes Gast- wirtschaften in Hochstadt und Frankfurt besucht. Am frühen Morgen des 30. Oktober fand man den 29jährigen in der Scheune seines früheren Arbeitgebers, bei dem er mehrere Jahre lang als Schäfer tätig war. „Es ist mir ein Rätsel, wie ich in die Scheune kam“, sagte der 29jährige vor der Strafkammer. Er könne sich nur noch erinnern, im Schafstall des Anwesens eine Zigarette mit einem Streichholz angezündet zu haben. „Als ich merkte, daß es zu knistern anfing, habe ich die Nerven verloren, und ich bin davongelaufen.“

Landgerichtsrat Dr. Hambeck hielt dem Angeklagten seine früheren Geständnisse vor dem Untersuchungsrichter und der Polizei vor. „Was ich damals gesagt habe, stimmt nicht“ bemerkte der Angeklagte dazu. Er erzählte, der vernehmende Kriminalbeamte habe dreimal gedroht, ihn mit der offenen Hand zu schlagen. - Nach etwa vierstündiger Verhandlung entschied das Gericht, daß der Prozeß am Donnerstag fortgesetzt werde. Der Kriminalbeamte, der bis Ende Oktober vorigen Jahres die Vernehmung leitete, soll am Donnerstag als Zeuge gehört werden.

 

Zwei Jahre Gefängnis für Brandstifter: Scheune des Arbeitgebers angezündet     Mai 1960

Zu zwei Jahren Gefängnis wegen einfacher Brandstiftung verurteilte die Große Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtsrat Dr. Hambeck den 29 Jahre alten Berufsschäfer Otto Wilhelm Schäfer aus dem Landkreis. Der in Ravolzhausen gebürtige junge Mann hatte am 30. Oktober in der Scheune seines früheren Arbeitgebers aus Hochstadt einen Brand gelegt. Es entstand ein Schaden von 50.000 Mark. Von der Versicherung erhielt der Geschädigte 20.000 Mark

Erster Staatsanwalt Karow und die Strafkammer folgten der Auffassung des medizinischen

Sachverständigen, Dr. Meusert, daß Schäfer im vergangenen Jahr in eine „abnorme seelische

Krise“ geraten sei. Wie die Beweisaufnahme ergab, hing diese Krise damit zusammen, daß

eine enge Freundschaft mit einem Mädchen in die Brüche gegangen war. Mit der Brandstiftung wollte der Angeklagte die unselige Erinnerung an das Scheitern seiner großen Liebe

verwischen. Den Schaden aber hatte ein Landwirt, der jahrelang dem Angeklagten ein guter Arbeitgeber gewesen war.

Schäfer ist vorbestraft. Im Jahre 1957 mußte man ihn wegen Vollrausches zu drei Monaten Gefängnis mit fünf Jahren Bewährung verurteilen. Später lernte er das Mädchen kennen, mit

dem ihn längere Zeit eine innige Freundschaft verband. Wiederholt trafen sich die jungen Leute in der Scheune bei Hochstadt. Am Morgen des 30. Oktober stand die Scheune durch die Schuld des Angeklagten in Flammen. „Es ist in der Kriminalgeschichte nichts Neues“, sagte Staatsanwalt Karow, „daß jemand den ‚geliebten Raum' anzündet.“

Wie der Staatsanwalt hervorhob, habe sich Schäfer in die Zügellosigkeit treiben lassen. Den

Vorsatz der Brandstiftung könne er nicht glaubhaft abstreiten. Man dürfe nicht vergessen, daß er kurz nach der Brandstiftung die Hunde losgemacht habe. Bezeichnend sei die Erklärung des Angeklagten, daß „die Hunde ja nichts dafür könnten“. Die in der Hauptverhandlung gegebene Version sei nichts anderes als ein Märchen. Wie bereits berichtet widerrief der Angeklagte in der Hauptverhandlung die bereits am Dienstag begonnen hatte, die vor der Polizei und dem Haftrichter abgelegten Geständnisse. Schäfer gab an, die Geständnisse seien unter Druck zustande gekommen. „Ich war so fertig, daß mir alles egal war“, sagte er immer wieder.

 

Staatsanwalt Karow verwies in seinem Plädoyer auf das medizinische Gutachten, in dem die strafrechtliche Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten bejaht wurde. Strafmildernd sei zu berücksichtigen, daß der Angeklagte in der Tat in eine Krise geraten sei. Straferschwerend falle aber seine Uneinsichtigkeit ins Gewicht. „Der Angeklagte zeigt keine Spur von Reue!“ Mit jedem dritten Wort bemitleide sich der 29jährige nur selbst. „Er offenbart eine Ungerührtheit, die schon an Arroganz grenzt.“

In der Urteilsbegründung ging Landgerichtsrat Dr. Hambeck noch einmal auf die Vorge­schich­te der Brandstiftung ein. Am 29. Oktober hatte der Angeklagte Lohn erhalten. Er setzte sich in ein Café in Hochstadt und hielt einige Gäste frei. „Heute nacht brennt es noch irgendwo“, kündigte der niedergeschlagen wirkende Angeklagte gegenüber einem Gast an. Am späten Abend ließ sich der Angeklagte mit dem Taxi nach Frankfurt bringen. In der Großstadt besuchte er einige Gastwirtschaften. Im Nu war der gesamte Wochenlohn ausgegeben. Mit einer einzigen Mark in der Tasche kehrte er in den frühen Morgenstunden nach Hochstadt zurück. Kurze Zeit nach der Rückkehr des Angeklagten ging die Scheune in Flammen auf.

 

Schäfer bestritt in der Hauptverhandlung nicht, am Morgen des 30. Oktober in die Scheune seines früheren Arbeitsgebers gegangen zu sein. „Ich wollte wohl schlafen“. Er berichtete den

Richtern, er habe sich im Schafstall, der mit der Scheune verbunden war, mit einem Streichholz eine Zigarette angezündet. „Vielleicht habe ich das Streichholz achtlos weggeworfen.“

Das Gericht nahm dem Angeklagten die Darstellung über die Brandstiftung nicht ab.

Zwei Jahre und sechs Monate Gefängnis beantragte Erster Staatsanwalt Karow. Die unglückliche Liebe könne nicht als Entschuldigung gelten. „Wo kämen wir denn hin, wenn wir das Scheitern einer Freundschaft - so etwas passiert ja jeden Tag - als Entschuldigung für strafbare Handlungen gelten ließen?“ fragte der Staatsanwalt. Die Strafe müsse in einem angemessenen Verhältnis zu der Schwere der Tat stehen. Auch das Gericht war der Meinung, daß der Angeklagte vorsätzlich ein Großfeuer legte und deshalb hart zu bestrafen sei. Es blieb allerdings unter dem Strafantrag des Anklagevertreters. Antragsgemäß wurde der Haftbefehl aufrechterhalten.

Dr. Hambeck fragte den Angeklagten nach der Urteilsverkündung, ob er eine Erklärung abgeben wolle. „Wollen Sie das Urteil annehmen?“ Etwas barsch kam die Antwort: „Das werden Sie im Laufe des Tages noch von mir hören.“ Dann wechselte Schäfer mit seinem Verteidiger, der in seinem Plädoyer auf den Willen des Angeklagten, den Schaden wieder gut zu machen, hingewiesen hatte, einige Worte. Das Gespräch bestimmte den Angeklagten, noch im Gerichtssaal eine Erklärung abzugeben. „Ich erkläre Rechtsmittelverzicht“, sagte der Ange- klagte, dem die seit 30. Oktober erlittene Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet wird. Da auch Staatsanwalt Karow Rechtsmittelverzicht erklärte, wurde das Urteil rechtskräftig.

Heiße Liebe

Aus Kummer, daß er von seiner Freundin versetzt worden war, hat der 29jährige Otto Schäfer aus Ravolzhausen (Landkreis Hanau) im Oktober vorigen Jahres die Scheune seines früheren Arbeitgebers in Hochstadt bei Hanau angezündet. Die Große Hanauer Strafkammer verurteilte deshalb den Angeklagten, der nicht nur Schäfer heißt, sondern auch Schäfer ist, am Donnerstag wegen Brandstiftung zu zwei Jahren Gefängnis. Nach seinem Geständnis vor der Kriminalpolizei begann der Schäfer im Sommer vorigen Jahres maßlos zu trinken, nachdem sich seine Freundin anderen Männern zugewandt hatte. Doch fühlte er sich bei diesem Lebenswandel nicht wohl und beschloß nach seinen Angaben, sich auf dem Umweg über eine Straftat Gelegenheit zur Besinnung im Gefängnis zu verschaffen. Nach einer erneuten Zechtour übernachtete Schäfer in der Scheune seines ehemaligen Chefs und zündete das mit Heu und Stroh gefüllte Gebäude an.

 

Wasserverbrauch sprunghaft angestiegen                                                          28.06.1960

Wassernotstand jetzt auch in Hochstadt - Appell an die Verbraucher

In einer Dringlichkeitssitzung am Montagabend beauftragten die Gemeindevertreter Bürgermeister Philipp Ziegler, am Dienstagmorgen bei der Hanauer Kreisaufsichtsbehörde die Verkündung des Wassernotstandes in der Gemeinde zu beantragen. Wie kurz vor Redaktionsschluß zu erfahren war, haben diesem Wunsche Regierungsamtmann Rehm und Landrat Voller stattgegeben. Hochstadt ist damit die 17. Gemeinde im Hanauer Kreisgebiet, in der der Wassernotstand verkündet wurde. Auch die Gemeinde Bischofsheim griff am Montagmittag zu dieser Maßnahme, da bereits seit Tagen in manchen Häusern kein Tropfen mehr aus der Leitung kam.

Nach Mitteilung des Bürgermeisters hat der Wasserverbrauch in den letzten Tagen und besonders am Wochenende Formen angenommen, die der Gemeindekörperschaft äußerst bedenklich erschienen. Während der Durchschnitt in der vergangenen Woche noch bei einem Verbrauch von 500 Kubikmeter lag, ist er in den letzten Tagen bis auf 900 Kubikmeter gestiegen. Dieser Wasseranforderungen können die gemeindeeigenen Wasserwerke nicht mehr nachkommen. Während der Wasserverbrauch 1954 und 1955 jährlich bei 140.000 Kubikmeter lag und danach auch die Wassergebühren berechnet wurden die etwa 33.000 Mark einbringen, lag der Verbrauch im vergangenen Jahr schon bei 950.000 Kubikmeter bei gleichen Gebühren.

In diesem Jahr wird der Verbrauch nach dem heutigen Stand die Kubikmeter-Millionengrenze erreichen, falls der Verbrauch so anhält. Einmütig sprachen sich die Gemeindevertreter für die Empfehlung des Bürgermeisters aus, in einer der nächsten Sitzungen den Einbau von Wasserzählern für das nächste Rechnungsjahr zu beschließen. Die Erfahrungen in anderen Gemeinden habe gezeigt, daß bei kontrollierten Wasserverbrauch der Bedarf um rund die Hälfte niedriger liegt als vorher: Dann sei auch der Gebührenhaushalt für die Wasserversorgung in Ordnung und die Gemeinde könne ohne Zögern an weitere Aufbauprojekte der Versorgungs­leitung und ihrer Anlagen, wie den geplanten Bau eines neuen Hochbehälters, denken.

Zu den großen Schwierigkeiten der Wasserversorgung trugen der trockene Sommer des Jahres 1959 und die geringen Niederschläge in den letzten Monaten wesentlich bei. Der Grundwasserspiegel ist nach Angaben des Bürgermeisters wesentlich gesunken. Ein vor einiger Zeit an die Bürger der 4.000 Einwohner zählenden Gemeinde gerichteter Appell habe nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Nur ein kleiner Teil habe Einsicht gezeigt. Den Uneinsichtigen gibt der Bürgermeister die Schuld, daß die Lage nun so ernst geworden ist.

Bürgermeister Ziegler kritisierte, daß verschiedene Verbraucher dazu übergegangen sind, sich große Wasserreserven nutzlos zu schaffen. In einigen Fällen habe er selbst beobachtet, wie Badewannen bis zum Rande mit Wasser gefüllt und zwei Tage später wieder geleert wurden, ohne daß das Wasser benötigt worden sei. Reserven seien in bescheidenem Maße schon wünschenswert. Man dürfe es jedoch nicht übertreiben. Hier wirke sich das Fehlen der Wasserzähler äußerst nachteilig aus.

Die Fünftagewoche, die weitgehend schon verwirklicht sei, trage auch zu der Wasserknappheit am Wochenende bei. An den freien Samstagen würden viele Einwohner ihre Autos waschen. Die ganz Unvernünftigen gingen auch noch her und würden ihren Rasen vorm Haus bespritzen. Abgesehen davon, setzen Bürger Tag und Nacht ihre Berieselungsanlagen in Gärten und Feldern in Betrieb. Kein Wunder, daß die Wasserversorgung bei solch einem Raubbau zusammenbreche. Völlig zwecklos seien die Telefonanrufe im Rathaus, wenn das Wasser in den Haushaltungen ausbleibt.

Nach der durch die Kreisbehörde herausgegebene Polizeiordnung zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung in Hochstadt ist während des Wassernotstandes für alle Verbraucher der Gemeinde die Entnahme von Wasser aus dem öffentlichen Leitungsnetz für Kühlzwecke, zur Besprengung von Straßen, Höfen, Häuserfronten , Rasenflächen, zur Berieselung von Dächern und zum Speisen von Brunnen sowie zum Abspritzen von Kraftfahrzeugen verboten. Untersagt ist ferner das Reinigen von Gegenständen unter fließendem Wasserstrahl.

Der Bürgermeister bittet in dem Aufruf von heute morgen, diese Bestimmung unbedingt einzuhalten, um nicht noch tägliche Sperrzeiten in der Wasserversorgung einlegen zu müssen. Die Ortspolizeibehörde hat Aufsichtspersonen bestellt, die die Einhaltung der Notverordnung kontrollieren sollen. Bei Verstößen können Geldstrafen bis zu 500 Mark verhängt werden.

 

Weitere Wassernotstände verkündet

In den Nachbargemeinden Bischofsheim und Hochstadt wurde der Wassernotstand verkündet. Regierungsamtmann Rehm bestätigte gestern mittag auf Anfrage, daß die Gemeindeeigenen Wasserwerke von Bischofsheim und Hochstadt dem Landratsamt mitgeteilt hätten, sie seien nicht mehr in der Lage, die Trinkwasserversorgung ohne Anwendung der Polizeiverordnung vom 24. Oktober 1958 zu gewährleisten. Landrat Wilhelm Voller verfügte aus diesem Grund, daß für beide Gemeinden der Wassernotstand verkündet wird.

 

Rudi Seibel dreifacher Sieger                                                                                18.06.1960

Bei der Pferdeleistungsschau des Reit- und Fahrvereins Roßdorf wurde der vielversprechende junge Hochstädter Rudi Seibel auf „Vroni“ Doppelsieger in der Dressurprüfung Klasse A I und A II sowie Sieger im Glücksspringen der Klasse A.

 

 

Schöffen und Geschworene                                                                                              02.06.1960

Zu Schöffen und Geschworenen für das Hanauer Amts- und Landgericht wählten die Gemein­devertreter Wilhelm Löffert, Wilhelm Schmidt, Jakob Schäfer, Wilhelm Bauch, Wilhelm Eckert, Philipp Koch, Philipp Stumpf, Philipp Rauch, Wilhelm Schöner, Karl Blum, Fritz Walzer, Gustav Vonderk, Heinrich Jäger, Philipp Schäfer, Karl Glinder, Jean Kaiser und Valentin Ohl.

 

Zwei Einbrecher verurteilt

Zu jeweils sechs Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilte das Schöffengericht einen 21jährigen und einen 55jährigen Mann aus dem Landkreis. Nach einer Bierreise stiegen die beiden in die Konsumfiliale in Hochstadt ein [Rosenstraße 4]. Sie stahlen 150 Packungen Zigaretten, etliche Würste und einige Flaschen Schnaps. Acht Tage nach dem Einbruchsdiebstahl begab sich das Gespann auf die Wanderschaft. Zunächst tippelte man nach Aschaffenburg. Von dort wollten die beiden mit dem Zug nach München fahren. In der Bahnhofsgaststätte wollte man schnell noch ein Bierchen trinken. Den Kellner überraschten die Diebe mit dem Angebot, die Zeche mit Zigaretten bezahlen zu wollen. Der Kellner nahm die Bestellung auf und benachrichtigte die Polizei.

 

Raiffeisenkasse mit neuem Statut                                                                         12.06.1960

Umsatz und Einlagen erhöht - Kleinspareinrichtungen haben sich bewährt

Ein guter Besuch, ein erfreulicher Jahresabschluß und die Umwandlung der Haftform in die „beschränkte Haftpflicht“ waren die wichtigsten Ergebnisse der diesjährigen ordentlichen Generalversammlung der Raiffeisenkasse Hochstadt. Als Gäste nahmen Bürgermeister Ziegler und von der Raiffeisenorganisation Unterverbandsdirektor Göbel und die Herren Czech und Markgraf teil.

In dem würdig hergerichteten Saal der Gastwirtschaft Rauch erstattete zunächst H. Czech im Auftrag des Versammlungsleiters W. Schöner den Jahresabschluß und Geschäftsbericht 1959. Die Ausführungen bestätigten die Erwartung. Das abgelaufene Geschäftsjahr war erfolgreich für die Genossenschaft. Es erhöhten sich Umsatz- und Bilanzsumme, die Einlagen stiegen um 200.000 DM auf 773.000 DM. Die Kleinspareinrichtungen, wie das erzieherisch so wertvolle Schulsparen und die bewährte und moderne Form des Abhol- und Gewinnsparens haben sich hervorragend bewährt. Von den 332 Mitgliedern sind mehr als die Hälfte Arbeiter, Angestellte und Beamte, Handwerk, Gewerbe und Landwirtschaft sind ebenfalls zahlreich vertreten.

Der Gewinn von 4.000 DM wurde den Reserven zugewiesen, dem Vorstand, Aufsichtsrat und Rechner einstimmig Entlastung erteilt. Für die turnusgemäß aus der Verwaltung ausscheidenden Herren kamen die Mitglieder Jakob Schäfer, Rudolf Knapp und Reinhard Wollermann in den Vorstand und Aufsichtsrat.

Nach der Erhöhung der Passivkreditgrenze auf eine Million DM sprach Verbandsprüfer

Markgraf zu der Einführung des neuen Musterstatuts. Er erläuterte die Notwendigkeiten und die Möglichkeiten, die sich aus einer Umwandlung der Haftform für die Raiffeisenkasse und die Mitglieder ergeben. Die Generalversammlung beschloß darauf einstimmig die Annahme des neuen Statuts und die Änderung der Rechtsform in die „beschränkte Haftpflicht“.

Unterverbandsdirektor Göbel überbrachte die Grüße der Organisation und wünschte der Kasse Erfolg zu den beschlossenen Maßnahmen, die sich zum Nutzen des einzelnen und zum Wohl der großen Raiffeisenfamilie in Hochstadt auswirken mögen.

Den Abschluß dieser wichtigen Generalversammlung bildete das Referat des Verbandsprüfers. Markgraf betonte unter anderem, daß es bei der Raiffeisenarbeit um das Vertrauen des ländlichen Menschen gehe, der sich sein sehr ursprüngliches Gefühl für echtes und unechtes erhalten hat. Es könne daher keinen Zweifel geben, daß die Raiffeisenkassen Kraft des Auftrages ihrer Mitglieder und Geschäftsfreunde in den Gemeinden die geld- und warenwirtschaftlichen Mittelpunkte sind.

 

Siege für die TV-Turner                                                                                          07.07.1960

Bei dem diesjährigen Gaukinderturnfest des Turngaues Offenbach- Hanau in Meerholz konnte der TV Hochstadt mit 50 Kindern, Jungen und Mädchen, recht schöne Erfolge erzielen. Die 1. Mannschaft der Jungen (Jahrgang 1950) konnte bei etwa 60 teilnehmenden Mannschaften einen beachtlichen 2. Sieg erringen. Die anderen beiden Mannschaften kamen auf den 25. und 32. Platz. Bei einer noch höheren Anzahl von Mannschaften konnten die Mädchen unter anderem den 34., 48. 50. und den 60. Sieg erringen. Am Sonntag vorher, bei dem Gauturnfest, konnten folgende Turner und Turnerinnen ihren Verein erfolgreich vertreten: Friedel Seng, Manfred Mankel, Ernst Mankel, Heinz Lohr, Kathi Eibelshäuser, Annemarie Eibelshäuser, Christel Krapf, Marie Eibelshäuser, Margit Schmidt, Rita Burger, Inge Mankel und Irmgard Schmidt, die im Geräte-Sechskampf den 2. Sieg errang.

 

Kanal in der Hauptstraße                                                                                       Juli 1960

In Hochstadt sind die Tiefbauarbeiten noch nicht abgeschlossen. Mit dem Kanalbau ist es aber in dem neuen Siedlungsgebiet in der letzten Zeit rasch vorangegangen. Jetzt ist die Hauptstraße (unser Bild) an der Reihe. Dort mußte in den letzten Tagen abschnittsweise die Straßendecke aufgerissen werden.

 

Wer sah den Wagen?                                                                                             Juli 1960

In der Jägerstraße in Hochstadt stieß gestern Abend gegen 19.45 Uhr ein mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Dörnigheim fahrender Motorradfahrer mit einem amerikanischen Personenwagen zusammen, der auf der Straße wenden wollte. Der Kradfahrer wurde verletzt, während der Personenwagen, an dessen Steuer eine Frau saß, Fahrerflucht beging. Es handelt sich um einen grauen Volkswagen. Personen, die diesen Wagen gesehen haben, werden gebeten, sich mit der Landespolizeistation in Hanau in Verbindung zu setzen.

 

Straßenbau kostet 180.000 Mark                                                                          Juli 1960

Am Montag wurde mit der Instandsetzung der Lindenstraße begonnen. Die Arbeiten kosten knapp 25.000 Mark. Einen neuen Unterbau erhält die Sudetenstraße. Insgesamt sollen in diesem Jahr für den Straßenbau 180. 00 Mark ausgegeben werden.

 

Betrunkener Autofahrer                                                                                        Juli 1960

Heute Nacht gegen 4.55 Uhr raste in der Jägerstraße in Hochstadt ein Personenwagen gegen eine Hauseinfriedung. Der Fahrer des Wagens stand unter Alkoholeinfluß, und der Beifahrer wurde verletzt. Von dem Fahrer wurde Blutprobe entnommen. Es handelt sich bei ihm um einen Mann, der kürzlich wegen zahlreicher Automatendiebstähle festgenommen wurde.

 

Flüchtiger Fahrer                                                                                                     Juli 1960

In Hochstadt fuhr gestern Abend um 23.10 Uhr ein amerikanischer Soldat mit seinem Personenwagen gegen einen Gartenzaun und fuhr dann fort. Als er ermittelt wurde, beschimpfte er die Anwesenden in gemeiner Weise. Die Militärpolizei nahm ihn fest.

 

 

Ausreißen kostete 100 DM                                                                                    22.07.1960

In alkoholbeschwingter Stimmung fuhr ein Maschinenschlosser aus Hochstadt in Langendiebach unbekümmert mit seiner neu erworbenen Maschine über eine Kreuzung, obwohl er hätte halten müssen. Die Folge war ein Zusammenstoß mit einem Personenkraftwagen. Da die Maschine noch nicht abgenommen war, suchte der leichtfertige Fahrer sein Heil in der Flucht, was ihm aber übel aufstoßen sollte. Mit 100 Mark Geldstrafe kam er vor dem hiesigen Amtsgericht noch einmal ziemlich gnädig davon.

 

Halteverbotsschilder aufgestellt                                                                           28.07.1960     

Halteverbotsschilder wurden jetzt auf der rechten Seite in der Kurve in der Bischofsheimer Straße aufgestellt. Bisher war der Verkehr, besonders der Omnibusse, durch parkende Personen- und Lastwagen an dieser Stelle immer stark behindert.                                

 

Zwei Autos prallten zusammen                                                                             01.08.1960

Es gab drei Verletzte und über 8.000 Mark Sachschaden

Drei Verletzte und über 8000 Mark Sachschaden gab es am

Samstagnachmittag gegen 16.20 Uhr bei einem Verkehrsunfall am Ortsausgang der Gemeinde in Richtung Fechenheim. Ein aus Richtung Frankfurt kommender Hochstädter Kombiwagen prallte frontal mit einem Personenwagen aus Heusenstamm (Kreis Offenbach) zusammen, dessen Fahrer betrunken war und infolge zu hoher Geschwindigkeit aus einer leichten Kurve getragen wurde.

Nach dem Zusammenprall landete der in Offenbach zugelassene Wagen über einen Graben auf einem Acker neben der Straße und ging in Flammen auf. Der verletzte Fahrer konnte sich noch aus einer aufgesprungenen Tür retten. Mit Hilfe von Straßenpassanten wurden seine Kleider, die schon Feuer gefangen hatten, gelöscht.

Übrig blieben ein Autowrack, das die Freiwillige Feuerwehr Bischofsheim löschte, und ein weiterer schwer beschädigter Wagen, der sich am Waldrand „umlegte“ (unser Bild). Er wurde von dem Stiefsohn des Bürgermeisters von Hochstadt gesteuert, der gleich seiner neben ihm sitzenden Mutter ebenfalls verletzt wurde. Die Polizei ordnete von dem in das Hanauer Stadt­krankenhaus gekommenen Fahrer aus Heusenstamm eine Blutprobe an. Nach Mitteilung der Polizei dürfte die Schuld an dem Unfall allein bei ihm zu suchen sein.

Der Unfall ereignete sich in der Kurve an der Stadtgärtnerei. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der erfaßte Hochstädter Wagen herumgeschleudert und schlug um. Der Wagen aus Heusenstamm brannte fast völlig aus. Zum Glück konnte die schnell an der Unfallstelle eingetroffene Bischofsheimer Feuerwehr dafür sorgen, daß der volle Brennstofftank nicht explodierte und weiteres Unheil anrichtete. Unter den sichergestellten Teilen des ausgebrannten Wagens fand man auch zwei Pistolen (?), deren Herkunft noch zu klären übrig bleibt.

 

Ausgebrannt ist auf der Straße zwischen Bischofsheim und Frankfurt-Fechenheim der Personenwagen eines jungen Mannes aus Heusenstamm. Das Auto war frontal mit einem Personenwagen aus Hochstadt zusammengestoßen. Bei dem Unfall entstand ein Sachschaden von 8.000 Mark. Der Fahrer aus Heusenstamm - er soll angetrunken gewesen sein - und zwei Insassen des anderen Wagens wurden verletzt. Der Fahrer aus Heusenstamm wurde zur Blutprobe ins Krankenhaus gebracht.

 

Aus der evangelischen Gemeinde                                                                         22.08.1960

Die evangelische Kirchengemeinde gibt bekannt, daß Dienstag um 17.30 Uhr Jugendscharstunde für Knaben ist. Abends um 20 Uhr trifft sich der Jugendkreis. Am Donnerstag um 20.30 Uhr ist Übungsstunde für den Kirchenchor. Am Freitag um 17 Uhr findet Jungscharstunde für Mädchen bis 12 Jahre und um 18.30 Uhr für Mädchen zwischen 12 und 14 Jahren statt. Abends um 20 Uhr trifft sich der Mädchenkreis.

 

Unfall

In Hochstadt wurde gestern Nachmittag ein amerikanischer Jeep aus der Kurve getragen und fuhr gegen einen Gartenzaun. Es entstand Sachschaden.

 

Aus der Gemeinde Hochstadt                                                                                29.08.1960

Die Auszahlung der September-Renten erfolgt für die Angestellten- und Invalidenrenten (alt) am Dienstag und für die Invalidenrenten (neu), Unfallrente und Kindergeld am 1. September jeweils von 11.30-13.30 Uhr.

 

Bau einer Mehrzweckhalle geplant                                                                      29.08.1960

In der 40. öffentlichen Gemeindevertretersitzung am Mittwoch um 20.30 Uhr im Hinterzimmer des Gasthauses Keller wird Gemeindevertreter-Vorsteher Werner Lotz der Öffentlichkeit von der Beratung und Beschlußfassung aus einem nichtöffentlichen Teil der Gemeindevertretersitzung vom 3. Mai Kenntnis geben. Es handelte sich dabei um die Rechtsstreitigkeiten zwischen der Gemeinde und einem aus Berlin stammenden Architekten, der am Ortsrand zwei Wohnblöcke erstellt hat. Weiterhin werden die Gemeindevertreter zu einer Satzung über die Umlage der Straßenbaukosten nach dem Kommunalabgabegesetz Stellung nehmen. Seitens des Gemeindevorstandes wurden 90 Prozent vorgeschlagen. Auch werden die Gemeindevertreter über den Ankauf eines Grundstückes an der Bahnhofstraße zur Errichtung einer Mehrzweckhalle beschließen. Außerdem soll der Sportplatz am Wald nunmehr fertig eingezäunt werden. Etwa 9.000 Mark sind dafür erforderlich. Bürgermeister Philipp Ziegler wird abschließend noch einen Bericht über den Stand der Kanal- und Straßenbauarbeiten vor dem Gemeindeparlament abgeben.

 

Fundsachen suchen ihre Herren                                                                            31.08.1960

Beim Fundbüro im Rathaus häufen sich in den letzten Wochen die Fundsachen. Abgegeben wurden so erst wieder in diesen Tagen eine Herrenarmbanduhr, ein Herrenmantel (Trenchcoat), vier Schlüsselbunde, eine Knabenstrickjacke, eine Kinderstrickhose, ein Campingbeutel sowie je zwei Aktentaschen und Geldbörsen. Sie können im Rathaus gegen Eigentumsnachweis wieder in Empfang genommen werden.

                                  

21 jähriger klagte vor Gericht: „Ich war lange genug eingesperrt“   September 1960

Sieben Zeugen sollten ihn überführen - aber er legte Geständnisse ab

Zum fünften Male bereits mußte sich ein 21jähriger aus dem Landkreis vor dem Jugend­gericht verantworten. Ein Vertreter des Jugendamtes nannte ihn einen Gewohnheitsrechtsbrecher und Oberamtsanwalt Fischer stellte fest: „Es ist erstaunlich, welche Mühe sich manche Leute geben, um einen schlechten Eindruck zu machen.“ Das bezog sich auch auf das Verhalten des Angeklagten in der Strafhaft. Schon kurz nach Strafantritt begann er, ein Gnadengesuch nach dem anderen einzureichen.

Um Gnade bat er unter Tränen auch in der Hauptverhandlung, nachdem der Vertreter der Anklagebehörde ihn wegen fortgesetzten Fahrens ohne Führerschein mit fünf Wochen Gefängnis bestraft wissen wollte. Außerdem sollte ihm vor Erreichung des 24. Lebensjahres kein Führerschein ausgestellt werden dürfen. Man darf annehmen, daß die Erschütterung, die der 21jährige danach zeigte, echt war. „Ich war jetzt lange genug eingesperrt, ich habe mir alles genau überlegt und in der Verhandlung bewiesen, daß ich mich bessern will.“ Der Jugendrichter, Amtsgerichtsrat Müller, gab ihm noch eine Chance und blieb unter dem Antrag. Das Urteil lautete demgemäß auf drei Wochen Gefängnis. Erst nach zwei Jahren darf ihm ein Führerschein ausgestellt werden. „Sie sind gut bedient“, meinte der Richter, „jetzt können Sie beweisen, daß es mit Ihren Vorsätzen ernst ist“.

Die Akten reichen zurück bis ins Jahr 1956. Damals mußte gegen den jungen Mann eine Straf­verfügung wegen groben Unfugs erlassen werden. Er hatte an die Haustür eines Lehrers einen Stein geworfen. Am 12. Dezember 1957 gab es erstmals Wochenendarrest wegen Diebstahls, am 21. Januar 1960 wurde er für eine Hehlerei mit vier Wochen Jugendarrest bestraft. Er hatte nachts von einem Unbekannten einen gestohlenen Motorroller - mindestens noch 1.500 Mark wert für rund 300 Mark gekauft. Am 8. April dieses Jahres schließlich leistete er sich sein tollstes Stück. Er stahl einem siebenjährigen Mädchen auf offener Straße aus der Geldbörse 85 Mark. Ein Vorfall, der, wie der Richter damals betonte, an Straßenraub grenzte und dem 21jährigen drei Monate Gefängnis einbrachte, die er jetzt verbüßt.

Vor zwei Monaten bereits wurde wieder eine Hauptverhandlung vor dem Jugendrichter gegen ihn anberaumt, weil er mit einem Motorroller, den er sich gekauft hat ohne einen Führerschein zu besitzen, im Januar mehrmals gefahren war. Obwohl sich die Anklage auf mehrere Zeugen stützte, stritt er alles ab. In der damaligen Verhandlung ergab sich zudem, daß er auch im April gefahren war. Die Verhandlung wurde daraufhin vertagt und jetzt, nach Erweiterung der Anklageschrift, neu angesetzt.

Sieben Zeugen waren geladen worden, um ihn zu überführen, denn noch konnte niemand wissen, daß er unter dem Eindruck der Strafhaft in sich gehen und alles eingestehen würde. Vielleicht aber war der Grund für seine Geständnisfreudigkeit auch nur darin zu suchen, daß ihn ein Polizeibeamter auf frischer Tat erwischte. Wie es sich wirklich verhält, wird er in den kommenden Monaten, in denen ihn allerdings noch ein Verfahren wegen Widerstandes gegen den Staatsanwalt erwartet, beweisen können. „Bitten Sie Gott“, riet ihm der Ankläger, „daß aus Ihnen kein Verbrecher wird“.

 

184000 Mark - am Telefon                                                                          September 1960

Karl Schäfer wurde zu 21 Monaten Gefängnis verurteilt

Zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilte die Große Hanauer Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Götz am Mittwoch den 39jährigen Karl Schäfer aus Hochstadt bei Hanau. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre und neun Monate Gefängnis beantragt.

Schäfer hatte unter anderem ohne Berechtigung Anzahlungen kassiert und eine Versandfirma geschädigt. Mit einem falschen Berechtigungsschein ließ er bei einer Hanauer Versandfirma Kleidungsstücke im Wert von 477 Mark abholen. Oft handelte es sich bei den Betrügereien um kleinere Beträge. Schwerer ins Gewicht fiel ein Fall in Großauheim. Der Angeklagte schädigte einen Gastwirt um 770 Mark. Zunächst machte er eine Zechschuld von 250 Mark. Um den Wirt in seinem Vertrauen zu bestärken, fingierte er einen Telefonanruf von einem Auftraggeber. Dabei war von einem Auftrag der Bundeswehr über 184.000 Mark die Rede. Dies veranlaßte den Wirt, dem Gast weiteren Kredit einzuräumen. Eines Tages verschwand der Angeklagte.

Der Angeklagte war voll geständig. Landgerichtsdirektor Dr. Götz stellte fest, es sei unverständlich, daß manche Käufer herumreisenden Vertretern grenzenloses Vertrauen entgegen- brächten. „Es ist doch töricht, Anzahlungen zu gewähren, ohne die Ware auch nur gesehen zu haben.“

 

Besichtigungsausflug der Obstanbauer                                                                20.09.1960

Das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und damit seinen Mitgliedern viel zu bieten, war von jeher das Bestreben des Vorstandes des Hochstädter Obst- und Gartenbauver­eins. Diesmal war das Ziel des Halbtagsausfluges im September die Besichtigung des Geländes der großen Obstbaugenossenschaft in Nordenstadt. Was der winterliche Vortrag und Lehrfilm gezeigt hatte, konnte nun hier in der Natur auf einem 45 Morgen großen Gelände mit über 400 Buschobstpflanzen besichtigt werden. Für den verhinderten Baumwart gab der Ortslandwirt bereitwillig auf alle Fragen der wißbegierigen Besucher Antwort, sowohl hinsichtlich der Finanzierung als auch der Bodenbearbeitung und Sortenwahl, der Pflege, der

Düngung, Spritzung und des Schnittes. Nach dem fachlichen entwickelte sich der unterhaltsame Teil des Ausflugs bei herrlichem Spätsommerwetter zu einem ebenso freudigen Erlebnis. Nach der Kaffeepause in Schierstein führte der Weg zu dem bekannten Kloster Eberbach, das unter dem an schönen alten Baudenkmälern in landschaftlich idealer Lage so reichen Rheingau mit Recht einen bevorzugten Platz einnimmt. Die Besichtigung dieser aus dem 12. Jahrhundert stammenden großen Abtei war für manche der Höhepunkt der Fahrt, für andere vielleicht das gemeinsame Abendessen im nahegelegenen Kiedrich, bei dem die fröhliche Stimmung nach dem reichlich genossenen guten Rheinwein ihren Höhepunkt erreichte.

 

Eine Mehrzweckhalle für Hochstadt                                                                     03.09.1960

Waldsportplatz der Fußballer soll eine Einfriedigung erhalten

Zu Beginn der Gemeindevertretersitzung gab Vorsteher Werner Lotz (SPD) der Öffentlichkeit einen Bericht aus einer nichtöffentlichen Sitzung des Parlaments vom 3. Mai, in der über den Rechtsstreit zwischen der Gemeinde und einem Berliner Architekten beraten wurde, der am Ortsausgang oberhalb der Wachenbuchener Straße zwei Wohnblöcke erstellt hat. Trotz mehrerer Verhandlungen sei man noch zu keinem Abschluß gekommen, obwohl schon die Wohnungen vermietet sind.

Wie bereits berichtet, hatte der Architekt, der auch Bauherr zugleich ist, von der Gemeinde Bauplätze zu einem sehr niedrigen Quadratmeterpreis mit dem Vorbehalt erworben, daß mit dem Bau der beiden Wohnblöcke zugleich zehn Wohnungsnotstände in der Gemeinde beseitigt werden. Die Mieten sollten die des sozialen Wohnungsbaues sein. Beantragte öffentliche Gelder blieben jedoch aus, so daß die vom Architekten geforderten Mieten nicht den Richtlinien entsprachen und die Gemeinde wegen der erhöhten Mieten ihre Notstände nicht los wurde.

Nach mehreren Vergleichsverhandlungen einigte man sich schließlich für die zehn vertraglichen Wohnungen auf einen Quadratmeterpreis von 1,60 Mark. Dieser Preis liegt bereits über dem Stoppreis für den sozialen Wohnungsbau. Dem Verhandlungspartner wurde von der Gemeinde gestattet, bei einer zweiten Vermietung der zehn Wohnungen den Mietpreis nach seinem Ermessen festzulegen. Ein endgültiger Vertragsabschluß steht jedoch noch aus.

 

Ferner gaben die Gemeindevertreter ihre Zustimmung zum Ankauf eines 2200 Quadratmeter großen Geländes an der Bahnhofstraße zum Bau der schon in Planung genommenen Mehrzweckhalle im Rahmen des Programms zur sozialen Aufrüstung des Dorfes. Bürgermeister Philipp Ziegler (Sozialdemokratische Partei) berichtete, daß man mit dem Eigentümer übereingekommen sei. Außerdem soll bei der Kreisplanungsbehörde in Hanau beantragt werden, daß ein aus drei Bauplätzen bestehendes, in südlicher Richtung zur Ringstraße hin liegendes Gelände im Anschluß an das Grundstück für die Mehrzweckhalle ausgewiesen wird. Eine der drei dort liegenden Bauplätze will die Gemeinde zu dem Bau der Halle noch erwerben, um Parkplätze und eine kleine Reserve zu haben. Bürgermeister Philipp Ziegler wies dabei darauf hin, daß man in zwei bis drei Jahren bei der gegenwärtigen Entwicklung der Gemeinde damit rechnen müsse, daß die Schule und der Kindergarten zu klein geworden seien.

Nach einer vom Parlament gebilligten Satzung zur Umlage der Straßenbaukosten nach dem Kommunalabgabengesetz können die Anlieger zu Straßenbeiträgen bis zu 90 Prozent herangezogen werden, wie es auch das neue Baugesetz vorsieht. Die prozentuale Höhe des zu zahlenden Straßenbeitrags werden die Hochstädter Gemeindevertreter noch je nach Lage der Straße und den Kosten entscheiden.

Die Einfriedigung des Waldsportplatzes wurde gleichfalls ausgiebig debattiert. Etwa 950 Mark sind dafür erforderlich. Die Mittel stehen nach Auskunft des Bürgermeisters in dem demnächst zur Vorlage kommenden Nachtragshaushaltsplan zur Verfügung. Gemeindevertreter-Vorsteher Werner Lotz berichtete, daß der Fußballklub die Gemeinde in einem Antrag nur angehalten habe, die Materialkosten für die restliche Einzäunung zu übernehmen Anfahrt und Arbeiten wollen die Mitglieder in Selbsthilfe übernehmen. Lotz verwies darauf, daß der Sportplatz der Gemeinde gehöre und der Verein die Unterhaltung und einen Teil der Einfriedigung bereits selbst ausgeführt und finanziert habe. Der Verein sei mit seinen Geldern jedoch nicht auf Rosen gebettet. Im Hinblick auf das nächstjährige 50. Stiftungsfest des Fußballklubs, einer der größten Vereine im Ort, habe die Gemeinde schon eine gewisse Verpflichtung, diesem Antrag zuzustimmen. Gemeindevertreter Schmidt (CDU) und Schöpel (Freie Wählergemeinschaft) begrüßten die Initiative des Vereins.

Nach zwei Dringlichkeitsanträgen, die Bürgermeister Philipp Ziegler zu Beginn der Sitzung eingebracht hatte, soll im Schmalhorn in der Siedlung „Im Niederfeld“ vor dem Straßenbau erst die Wasserleitung verlegt werden. Er bezeichnete es als Unsinn, wenn man erst die Straße ausbauen wolle und sie später für das Legen der Versorgungsleitung wieder aufreiße. Ferner soll die Gartenstraße nach Aufhebung der Umleitung ausgebessert werden und eine neue Teereinstreudecke erhalten.

SPD nominierte ihre Kandidaten                                                                          16.09.1960

In einer Versammlung des SPD-Ortsvereins wurden die Kandidaten für die Liste zur Gemeinde- und Kreistagswahl am 23. Oktober nominiert. Gemeindevertreter Heinrich Seibel in seiner Eigenschaft als Fraktionssprecher der SPD gab bei dieser Gelegenheit einen Überblick aus der Tätigkeit der Fraktion in den letzten vier Jahren im Parlament. Ein Merkmal für die gute Zusammenarbeit aller drei Fraktionen im Gemeindeparlament, der SPD, CDU und der Freien Wählergemeinschaft, sei es, daß fast alle Beschlüsse einstimmig gefaßt wurden. Die SPD nahm von den zwölf Sitzen im Parlament sieben ein. Bürgermeister Ziegler sprach anschließend noch über „Vier Jahre sozialdemokratische Kommunalpolitik in Hochstadt“. Als Kandidaten nominiert wurden folgende Mitglieder: Bürgermeister Philipp Ziegler, kaufmännischer Angestellter und Gemeindevertreter-Vorsteher Werner Lotz, Angestellter Heinrich Seibel jun., Rentner Weber, Schneider Roman Riebschläger, Mechaniker Heinrich Burkhardt, Gemeinderechner R. Daubenthaler, Ingenieur W. Schomburger, Schreiner Philipp Gebelhardt, Kontrolleur R. Rinkenberger, Maschinenarbeiter Heinrich Brescher, Arbeiter Heinrich Stoppel, Schlosser H. Schulz, Schleifer F. Weber, Werkmeister Georg Kraft, Maschinenschlosser Karl-Heinz Reuß, Maschinenschlosser P. Birkenstock, Angestellter W. Lotz und Rentner Heinrich. Seibel sen. Die Wahl erfolgte einstimmig.

 

Jetzt auch Gartenstrate gesperrt                                                                          16.09.1960

Zwei Hauptverkehrsstraßen sind gegenwärtig in Hochstadt gesperrt. In der Hauptstraße in unmittelbarer Nähe des Hochstädter Tores gehen die letzten Kanalbauarbeiten ihrem Ende entgegen. Die Straße wird aller Wahrscheinlichkeit nach schon in der kommenden Woche wieder dem Verkehr übergeben. Jetzt wurde auch die Gartenstraße gesperrt, die durch die Umleitungen von besonderer Bedeutung für den Durchgangsverkehr war. Sie soll eine neue Teereinstreudecke bekommen. Weiter werden dort neue Bordsteine, Kanteln und Abflußrinnen verlegt. Nun müssen sich die Fahrzeuge, die durch die Sperrung der Hauptstraße die Gartenstraße benutzen, durch schmale Gassen der Gemeinde zwängen. Hiervon sind besonders hart die Lastkraftwagenfahrer mit ihren Aufbauten betroffen. Ihre Sperrung wegen den Bauarbeiten war jedoch unumgänglich. Die Straßenbauarbeiten in den anderen Nebenstraßen der Gemeinde sind soweit abgeschlossen. Die Gartenstraße selbst ist durch den Umleitungsverkehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Gelder für den Ausbau der Straße sollen im Nachtragshaushaltsplan, der in der nächsten Gemeindevertretersitzung zur Verabschiedung kommt, bereitgestellt werden.

 

In Hochstadt zielte man gut                                                                                  11.10.1960

Zum fälligen Rundenkampf weilte der Schützenverein Niederrodenbach in Hochstadt und traf dort einen Gegner an, der sich in Hochform befand. Gegen ihn hätte Niederrodenbach auch in kompletter Besetzung nicht annähernd bestehen können. Mit Ersatz für den erkrankten Helmut Nolte schossen die Vertreter der 1. Mannschaft 495 Ringe, denen Hochstadts 1. Mannschaft 526 entgegensetzte. Bei den 2. Mannschaften lautete das Ergebnis 506 : 465 für Hochstadt und auch die Pokalmannschaften trennten sich mit 1046 : 964 Ringen ganz überlegen für Hochstadt, von dessen Schützen nicht weniger als sechs mehr als 130 Ringe schossen. Beste Schützen des Abends waren auf Seiten Hochstadts: Jost (133), Beul und Edel (je 132) sowie Kolodnicki und Hell mit je 131 Ringen. Niederrodenbach hatte in Schaack (128), Auerham­mer (125) und Weisst (124) seine Besten.

Landwirte fordern Wegeausbau                                                                           27.09.1960

Antrag auf Ausbau einer Ringverbindung - Schon Pläne entwickelt

In einer allgemeinen „Aussprache“, wie der letzte Punkt der Tagesordnung der Gemeindevertreter hieß, forderte Gemeindevertreter Schöpel als Sprecher der CDU und der Wählergemeinschaft den Ausbau einer Ringverbindung von Feldwegen in der Gemarkung. Auf 252.000 Mark bezifferte er die Kosten. Zu der Begründung seines Antrages sagte Schöpel, daß man seitens der Gemeindeverwaltung nun die Ortsstraßen ausbaue und die Landwirte immer noch über grundlose Feldwege in der Gemarkung herumfahren müßten.

Den Ausbau der Ringverbindung möchte Schöpel mit Hilfe des Grünen Planes finanzieren. Der Bund wird sich bei der Finanzierung aus diesem Fond nach seiner Aufstellung mit etwa 35 Prozent beteiligen. Seitens des Landes Hessens hofft Schöpel, daß dieses 21 Prozent der Kosten übernimmt. Etwa 16 Prozent des Betrages müsse die Gemeinde aus eignen ordentlichen Haushaltsmitteln finanzieren. Das wären dann etwa 40.320 Mark, die die Gemeinde dann auf zwei Haushaltsjahre verteilt aufbringen müßte. Die restlichen 28 Prozent der Kosten hofft der Antragsteller, mit einem zinsverbilligten Bundesdarlehen decken zu können, In der nächsten und letzten Gemeindevertretersitzung der Legislaturperiode, die nach Mitteilung des Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Werner Lotz (SPD) wahrscheinlich kurz vor den Wahlen sein wird, soll der Antrag der in Opposition stehenden beiden Fraktionen beraten werden.

 

In der Diskussion sagte Vorsteher Werner Lotz namens der SPD-Fraktion, daß man sich

im Rathaus keinesfalls den Bedürfnissen der Landwirtschaft verschließen wolle. Jedoch habe

man die Kanalisierung und dann den Ausbau der Ortsstraßen als vordringlicher angesehen.

Einen Vergleich zwischen den Ortsstraßen und den Feldwegen sei falsch. Den größten Teil

der Straßenbaukosten in der Gemeinde haben nämlich die Anlieger aufgebracht, während für den Ausbau der Feldwege bis jetzt noch keine Satzung im Anliegerverfahren in Hochstadt er-

lassen ist. Außerdem habe der Bürger, der am Rande der Gemeinde ein Grundstück bebaut, auch ein Anrecht auf eine Straße zu seinem Haus.

Der Ausbau der Wasserversorgungsleitungen und der Kanalisation ist nach Mitteilung von Lotz in Hochstadt jetzt zu etwa 80 Prozent abgeschlossen. Außerdem wird jetzt in den nächsten Wochen der Ausbau der Lindenstraße, Bahnhofstraße, Gartenstraße und des Dorfelder Wegs beendet. Bei der Motorisierung und der Modernisierung der Landwirtschaft, womit sich schon eine ganze Generation beschäftige, könne die Gemeinde den Ausbau der Feldwege jetzt nicht innerhalb einer Frist von ein bis zwei Jah­ren erledigen, stellte Lotz abschließend fest.

 

Bürgermeister Philipp Ziegler (SPD) erklärte in seiner Stellungnahme zu dem Antrag der

beiden Fraktionen, daß er über das Vorbringen des Anliegens in der Sitzung sehr überrascht

sei. Schon mit dem Ortslandwirt Hans Strohl habe er den Ausbau der Feldwege besprochen

und Pläne für die kommenden Jahre entwickelt. Bis zur nächsten Sitzung des Parlaments er-

fordere der Antrag eine reifliche Überlegung. Bei der gegenwärtigen Hochkonjunktur in der

Wirtschaft sei es schwer, so ein Projekt innerhalb kurzer Zeit zu verwirklichen. In einem im

weiteren Tagesordnungspunkt beschlossen die Gemeindevertreter, für rund 4.000 Mark eine

neue Uhr an dem Turm der evangelischen Kirche anbringen zu lassen

Zum Wahlleiter wählte das Parlament Willi der Bingemer (Ringstraße 7), sein Stellvertreter

der Verwaltungsangestellte Philipp Eibelshäuser. In den Wahlausschuß wurden folgende

Personen berufen: Bürgermeister Philipp Ziegler (Hanauer Landstraße 7), Gemeindevertreter-

Vorsteher Werner Lotz (Hauptstraße 9), Heinrich Seibel jun. (Dorfelderstraße 1), Heinrich Burkhardt (Ringstraße 10), Günther Schöpel (Bücherweg 1), Valentin Lind (Bischofsheimer Straße 9), Wilhelm Schmidt (Am Rathaus 9), Philipp Schmidt (Hauptstraße 11 ?).

 

Fachleute vom Landesstraßenbauamt sowie die Bürgermeister der Gemeinden Bischofsheim und Hochstadt versammelten sich am Dienstagvormittag auf der zu schmalen Fahrbahn am Hochstädter Berg. Die Verkehrsfalle soll jetzt entschärft werden. Mit dem Entwurzeln der Bäume am Rande der Fahrbahn (unser Bild) wurde bereits begonnen. Es ist daran gedacht, die Fahrbahn auf eine Breite von sechseinhalb Metern zu bringen. Zusätzlich sind Radfahrwege vorgesehen.    

 

Kirchenchor gab Volksliederabend                                                                       06.10.1960

Der Volksliederabend, zu dem der Kirchenchor Hochstadt am Sonntagabend alle Freunde des Chorgesanges eingeladen hatte, führte in allen seinen Chorgesängen noch einmal durch den Jahreslauf vom Frühling bis zur Erntezeit. Dabei zeigte es sich, daß es auch im Zeitalter des Radios sowie der Schallplatten- und Fernsehgeräte noch zahlreiche Freunde des Volksliedes gibt. Freilich wissen auch alle Hörer, die eine Veranstaltung des Hochstädter Kirchenchores besuchen, daß sie immer eine sehr erfreuliche musikalische Darbietung erwarten dürfen. Man spürte es auch diesmal förmlich, wie sich der Chor in seiner Leistung von Lied zu Lied steigerte. Vor allem „Herzlich tut mich erfreuen“, „Kuckuck ruft im Tannenwald“ und „Es flog ein klein Waldvögelein“ hätten alle Zuhörer am liebsten noch einmal gehört. Alles in allem, ein schöner Erfolg für den Chorleiter Paul Henkel. Auch die Klaviervorträge von Eduard Grieg und Beethoven (gespielt von Paul Henkel, Rudolf Keim und der jungen Gerlinde Heckert) paßten sich dem Rahmen der Veranstaltung, die mit dem geistlichen Abendlied „Nun ruhen alle Wälder“ beschlossen wurde, bestens an.

 

Neues aus Hochstadt                                                                                              17.10.1960

In der Gastwirtschaft Keller findet heute Montag um 20 Uhr eine letzte öffentliche Gemeindevertretersitzung vor der Gemeindewahl am 23. Oktober statt. - In einer öffentlichen Bürgerversammlung wird am Dienstag um 20 Uhr Bürgermeister Philipp Ziegler einen durch Farbfilm und Lichtbilder illustrierten Rückblick über die Parlamentsarbeit in den letzten vier Jahren geben.

 

Zwei Listen für Gemeindewahl                                                                              18.10.1960

Zwei Listen wurden in der Wahlausschußsitzung unter Vorsitz von Wahlleiter Bingemer einstimmig zugelassen. Es sind dies die Wahlvorschläge, der SPD und der des „Hochstädter Bürgerblocks“. Spitzenkandidaten der Liste der SPD sind: Bürgermeister Philipp Ziegler. Angestellter Werner Lotz, Verwaltungsangestellter Heinrich Seibel, Rentner Philipp Weber, Schneider R. Riebschäger, Mechaniker Heinrich Burkhard, Kassenverwalter R. Daubenthaler, Ingenieur W. Schaumburg, Schreiner Philipp Gebelhardt und Kontrolleur H. Rinkenberger. Auf der Liste des „Hochstädter Bürgerblocks“ kandidieren auf den ersten Plätzen, Landwirt Philipp Schmidt (Hauptstraße), Jurist Günter Schöpel, Beamter H. Kemler, Landwirt Wilhelm Schmidt (Am Rathaus), Angestellter E. Dworschak, Mechaniker H. Brosch, Ingenieur Valtin Lind, Angestellter J. Achtner, Schmiedemeister Valtin Huhn und Geigenbauer W. Hoyer.

 

Obertor

Auf eigene Gefahr fährt man jetzt durch das Hochstädter Tor auf der Hauptstraße. Die Gemeinde ließ ein Hinweisschild anbringen. Die Geschwindigkeit in der Hauptstraße der Gemeinde Hochstadt wurde für einen Teil der Hauptstraße auf 30 Stundenkilometer begrenzt.

 

Lichtbildervortrag                                                                                                  02.11.1960

Prinzessin Margarete von Isenburg sprach im Rahmen der Volkshochschule, Außenstelle Hochstadt, über „Kirchen unserer Heimat“. In ihrem Eröffnungsvortrag der Reihe „Die Kunst unserer Heimat“ zeigte die Vortragende, wie unendlich reich unsere Heimat doch an wertvollsten Kunstschätzen ist, die den meisten Menschen kaum bekannt sein dürften.

Die Referentin konnte an Hand schöner Lichtbilder in einem Vortrag, der nicht nur aus einer schier unerschöpflichen Fülle des Wissens, sondern auch aus liebevoller Vertiefung in die künstlerischen Zeugnisse unserer geschichtlichen Vergangenheit schöpfte, ein sehr lebendiges und farbiges Bild aus vergangenen Tagen heraufbeschwören.

 

Schützen im Nachbarkampf                                                                                   18.11.1960

Am Mittwoch trafen sich in Hochstadt die Schützenvereine beider Nachbargemeinden zu einem Freundschaftskampf. Die Leistungen beider Vereine waren zwar nicht die besten, aber trotzdem wurden die gut nachbarlichen Beziehungen weiterhin aufgefrischt und der Abend war auch von der kameradschaftlichen Seite gesehen ein voller Erfolg. Nach dem eigentlichen Mannschaftskampf wurde noch eine Ehrenscheibe, die der Gastgeber gestiftet hatte, ausgeschossen. Die Scheibe, auf die jeder Schütze beider Vereine schießen konnte, errang Horst Stange (Dörnigheim). Im Freundschaftskampf siegten die erste Mannschaft von Hochstadt ganz knapp mit 509 : 508 Ringen und die zweite Mannschaft mit 508 : 481 Ringen. Beste Schützen des Abends waren: Edel (Hochstadt) und Rühle (Dörnigheim) mit jeweils 134 Ringen.

 

Bunter Abend bei der „Solidarität“                                                                      08.11.1960

Saalrad- und Rollschuhsport bricht sich in Hochstadt Bahn

In einem aus 17 Darbietungen bestehenden bunten Programm stellte der Arbeiter Rad- und Kraftfahrerbund „Solidarität“ Hochstadt am Samstag im Saalbau Strohl den deutschen Meister im Einer-Kunstfahren, den 27jährigen Winfried Abel aus Lauzbach, und die deutsche Vizemeisterin im Einer-Kunstfahren, die 17jährige Helga Martin aus Langenselbold, vor. Als Gast waren ferner die deutschen Jugendmeisterinnen im Rollschuhpaarlauf, Schanz und Köbel, aus Groß-Zimmern gekommen.

Vorsitzender Heinrich Brescher sagte bei seiner Begrüßung, daß man mit diesem Abend der Jugend einen Ansporn für die Winterarbeit geben und gleichzeitig auch Zeugnis ablegen wolle, was man in den Sommermonaten bei den Kämpfen um Titel und Rang geleistet habe. Bisher konnten die Hochstädter Kunst- und Reigenfahrer auf Landes- oder gar Bundesebene weiter noch nicht in Erscheinung treten. Brescher versicherte aber, daß man vornehmlich junge Talente in dem Verein habe, die sicherlich, wenn nicht heute, dann morgen oder übermorgen, auch einmal einen Titel mit in die Gemeinde bringen werden. Er wies nicht zuletzt auch daraufhin, daß man dem Radfahrverein im letzten Jahr auch noch eine Rollschuhgruppe angegliedert habe, in der vornehmlich die Schüler und Schülerinnen vertreten sind.

Das Programm des Abends in dem überfüllten Saal wurde hauptsächlich von den Hochstädter Kunst- und Reigenfahrern sowie Reigenfahrerinnen bestritten. Der Ansager Heinrich Seibel konnte zunächst einen Vierer-Schulreigen der Hochstädter vorstellen, die mit ihren Saal­maschinen eine prächtige Kür zeigten. Es folgte ein Zweier-Kunstfahren der kleinen Helga und Rosi vom heimischen Verein. Einen flotten Rollschuhlauf legte des weiteren der „weibliche Star“ Skomburg aufs Parkett. Die Kunst, sich nur mit einem Rad fortzubewegen, zeigten ebenfalls vier Hochstädter. Eine lustige Zwischeneinlage gaben die beiden „halbstarken Sänger“ Bert und Bill mit ihrer Gitarre.

Mit einem gemischten Vierer-Schulreigen wurde der zweite Teil des bunten Programms eingeleitet. Bevor dann die Dörnigheimer Turnermädel mit einem bunten Tanz in ihren kurzen Röckchen aufwarteten, zeigte sich nochmals eine Hochstädter Rollschuhgruppe mit einer Kür. Es folgte später noch ein Rollschuhpaarlauf Viel Beifall galt nicht zuletzt auch dem heimischen Kunstfahrer Erwin.

Vollen Applaus schon während ihrer Kür bekam die deutsche Vizemeisterin im Einer-Kunst­fahren, die junge Helga Martin aus Langenselbold, die so recht zeigte, daß zu ihrer schwierigen Übung nicht nur Geschicklichkeit und äußerste Körperbeherrschung gehört, sondern auch Mut und etwas Glück. Ungeteilt war auch der Beifall für die beiden Mädel aus Groß-Zim­mern, Schanz und Kübel, die sich mit ihrer Kür in diesem Jahr den Titel des deutschen Jugendmeisters im Rollschuhpaarlauf holen konnten.

Höhepunkt und Abschluß zugleich war der deutsche Meister im Einer-Kunstfahren, Winfried Abel aus Lauzbach. Seine Kür imponierte am meisten. In sauberer Haltung trug er ohne jede Fehlerpunkte seine Übung einem aufgeschlossenen Publikum vor, womit er sich im Spätsommer den Meistertitel erwarb. Zuvor traten nochmals die beiden Sänger Bert und Bill mit ihrer Gitarre und in einer komischen Nummer ein Clown auf. Im Anschluß an das Zweieinhalbstundenprogramm wurde zum Tanz eingeladen. Eine Tombola mit vielen Gebrauchsgegenständen erfreute ebenfalls noch die Radkunstbegeisterten.

 

Bei den „Käwwern“ fiel der Startschuß                                                                17.11.1960

In Hochstadt empfing man begeistert sein neues Prinzenpaar

Das närrische Zepter wurde am vergangenen Samstag im Strohlschen Saalbau erstmals kräftig geschwungen, als die „Käwwern“ ihr neues Prinzenpaar vorstellten. Auf die Minute genau um 22.11 zog der Elf errat mit Präsident Manfred Wex an der Spitze und dem alten sowie neuen Prinzenpaar in die Narrhalla ein, wo sie nach der alten Karnevalsmelodie „Ritz am Baa“ und einem herzhaften „Helau“ - die Hochstädter müssen für die kommende Karnevalskampagne ihre Stimmen allerdings noch etwas ölen - gebührend empfangen wurden. Prinz Karl der I. vom Untertor, Fürst zum Amboß und seine hübsch-gelockte Prinzessin Irma die I. von der Riederhohl, so heißt das neue Prinzenpaar.

Mit bürgerlichem Namen ist der muskulöse Prinz als der 25jährige Schmied Karl Huhn in den Mauern Hochstadts bekannt. Seine attraktive, immerzu lächelnde Prinzessin zählt erst 18 Lenze und heißt Irmgard Heckert. Ihr Papa saß zusammen mit der Mama unten bei dem närrischen Völkchen und wachte darüber, daß auch Irmgardchen alles richtig machte [Name richtig: Irma Heck, Sandgasse].

Vor der Proklamierung des neuen Prinzenpaares verabschiedete Präsident Wex das alte Prinzenpaar, das bis zum 2. März des Jahres freudig das Zepter in Hochstadt schwang. Der Prinz galt mehr als Äppelwoi-König, denn er stammt aus einer großen Kelterei Hochstadts. Sein Name Prinz Kurt der II. von der Saftenburg, Fürst zu Jungfernheim, verriet es ja auch schon. Im Hochstadt ist er sonst als der drei Jahrzehnte zählende Kurt Skraps bekannt. Seine ehemalige Throngefährtin, die 18 Jahre junge Christa Heckert, nannte sich zur närrischen Zeit Prinzessin Christa die I. von der Wachenburg. Auch sie war nicht direkt aus Hochstadt. Dank verwandtschaftlicher Beziehungen bestens bekannt, hatten sie die „Käwwern“ und der Prinz aus der Nachbargemeinde Wachenbuchen „angeworben“. Heute sitzen nun beide wieder unter dem jubelnden Volk auf den Zuschauerbänken.

Zu Beginn der pünktlich um 20 Uhr gestarteten Veranstaltung wies Vorsitzender Heinrich Jost darauf hin, daß die „Käwwern“ nun schon 53 Jahre das närrische Leben in der Hochburg des Äppelwois bestimmen. Bis zur närrischen Minute um 22.11 Uhr hatte ein Frankfurter Humorist zu einigen Tanzpartien das närrische Volk bestens unterhalten. Mit einer Fremdensitzung am 21. Januar um 20.11 Uhr setzen die „Käwwern“ die Reihe ihrer Karnevalsveranstaltungen fort.

 

Farblichtbildervortrag der SPD                                                                             15.11.1960

„Hochstadt - wie es war, wie es ist und wie es werden soll“, hieß ein Farblichtbildervortrag, der eine Woche vor der Kommunalwahl im überfüllten Strohl'schen Saal vom SPD-Orts­verein gezeigt wurde. Er fand so großen Anklang unter den Bürgern, daß er heute, Dienstag, um 20 Uhr, auf vielseitigen Wunsch wiederholt wird.

 

 

 

Gemeindevertreter tagen erstmals                                                                                  18.11.1960

Zur ersten, konstituierenden Sitzung in der neuen Legislaturperiode treten heute, Freitag, um 20. 30 Uhr, im Gasthaus Keller die neugewählten Gemeindevertreter zusammen, und zwar neun von der SPD und drei vom Hochstädter Bürgerblock. Auf der Tagesordnung steht nach der Begrüßung durch den Bürgermeister zunächst die Feststellung des Altersvorsitzenden. Philipp Weber, der mit 77 Jahren nochmals als Gemeindevertreter einzieht, wird dieses Amt bekleiden. Kandidat für den Vorsteherposten ist wiederum der bisherige Vorsteher, Verwaltungsangestellter Werner Lotz. Weitere Tagesordnungspunkte sind unter anderem die Bestellung eines Protokollführers und seines Stellvertreters, die Wahl der vier Beigeordneten und ihre Verpflichtung, die Wahl der Mitglieder für den Finanz- und Hauptausschuß, Bau- und Siedlungsausschuß und Kulturausschuß sowie der Vertreter für den Gemeindeschulvorstand. Weiter stehen unter anderem noch die Wahl von zwei Stellvertretern des Gemeindevertretervorsitzenden, die Änderung bzw. Neuaufstellung von Fluchtlinienplänen, die Beratung und Beschlußfassung über Erweiterung des Baugebietes im östlichen Ortsteil (Wachenbuchener Straße) für Bauvorhaben im Rahmen des sozialen Wohnungsbaues sowie der Vertrag der Stadt Hanau mit den Gemeinden Hochstadt und Dörnigheim betreffs der Kläranlage auf der Tagesordnung.

 

Strafe Bischofsheim-Hochstadt ab Montag für jeden Verkehr gesperrt  19.11.1960

Die Einwohnerschaft wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Landstraße zwischen Bischofsheim und Hochstadt ab Montag, den 21. November, für jeden Verkehr gesperrt wird. Die schon seit Mitte dieses Jahres geplante Baumaßnahme zum völligen Neubau der Straße Bischofsheim - Hochstadt wird noch vor Einbruch des Winterwetters in Angriff genommen. Da die Straße teilweise eine andere Linienführung erhält und bei der Auffahrt zur Hauptgefahrenstelle des Hochstädter Berges durch eine allmähliche Auffüllung des Geländes eine erhebliche Minderung des Gefälles herbeigeführt wird, ist es leider nicht möglich, die Straße während der Bauzeit, die bis voraussichtlich April 1961 andauert, einseitig für den Verkehr freizugeben. Die vorgesehene Umleitung über die Bahnhofstraße in Bischofsheim zur Bundesstraße 8/ 40 Dörnigheim - Hochstadt ist gegenwärtig noch nicht möglich, da die Bahnhofstraße gegenwärtig eine neue Straßendecke erhält und die Bauarbeiten dort erst gegen Mitte Dezember abgeschlossen sein werden. Bis zu diesem Zeitpunkt ist eine Umleitung des gesamten Verkehrs über die Straße Bischofsheim -Fechenheim zur Bundesstraße 8 / 40 erforderlich.

 

Tatenlos mußten gestern Mittag die Arbeiter zusehen, wie auf der Baustelle zwischen Hochstadt und Bischofsheim ein schwerer Erdschieber im Schlamm versank. Die Straßenbauarbeiten werden auf dem tiefen Boden immer wieder durch ähnliche Zwischenfälle behindert (Bild links). Die Landstraße zwischen den Nachbargemeinden wird ausgebaut und an einigen Stellen begradigt, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Auch eine Verbreiterung der Fahrbahn ist auf einigen Abschnitten vorgesehen. Das Straßenbauamt des Landes in Hanau rechnet mit einer fünfmonatigen Bauzeit. Während dieser Zeit muß der Verkehr über die Bundesstraße 8 / 40 umgeleitet werden (Bild rechts).

 

Hochstadt plant eine Mehrzweckhalle                                                                 08.12.1960

Anschluß an die Kläranlage der Stadt Hanau gesichert

Zum Gemeindevertreter-Vorsteher wählten die Gemeindevertreter erneut den 36jährigen Verwaltungsangestellten Werner Lotz (SPD). Bis zur Wiederwahl des Vorsitzenden leitete Alterspräsident Philipp Weber (78 Jahre) die Sitzung. Vor Eintritt in die eigentliche Tagesordnung gab Bürgermeister Ziegler einen Bericht über die künftige Arbeit des Parlaments.

Das Hauptaugenmerk wird die Gemeinde auch künftig noch auf die Beseitigung der Woh­nungsnotstände legen müssen. Noch etwa 30 bis 40 Wohnungen seien für diesen Zweck nötig. Gegenwärtig laufen noch Verhandlungen mit siedlungswilligen Unternehmen und einer Baugesellschaft. Der Straßenausbau und die Beleuchtung sind zwei weitere Hauptfaktoren. Darüber hinaus soll für die Landwirtschaft eine Ringverbindung für die Feldwege geschaffen werden. Der Plan einer Mehrzweckhalle soll ebenfalls verwirklicht werden. Bürgermeister Ziegler rechnet, daß er mit in das Programm der hessischen Landesregierung zur sozialen Aufrüstung des Dorfes aufgenommen wird. Schon im kommenden Jahr soll der erste Spatenstich getan werden. Darüber hinaus soll die Ortskanalisation abgeschlossen werden. Gegenwärtig werden noch Reststücke kanalisiert. Mit auf dem „Katalog“ des Bürgermeisters steht auch die Erweiterung der Wasserversorgungsanlage. Es ist dabei an die Errichtung eines Hochbehälters und den Umbau der Pumpstation gedacht.

Das Sitzungsprotokoll werden in den nächsten vier Jahren die Angestellten Eibelshäuser und Jäger führen. Zum stellvertretenden Bürgermeister wählten die Gemeindevertreter (neun der SPD und drei des Bürgerblocks) den seitherigen SPD-Sprecher Seibel jun. Weitere Beigeordnete sind die Gemeindevertreter Riebschläger, Brescher und Schöpel. Ferner wurde ein Haupt- und Finanzausschuß gebildet, dem die .Gemeindevertreter Daubenthaler, Schomburg, Burkhhardt und Schöpel angehören, ein Bau- und Siedlungsausschuß mit den Gemeindevertretern Schomburg, Brescher, Gebelhardt und Kemmler sowie ein Kulturausschuß mit Seibel jun., Riebschläger, Brescher und Schöpel. Für den Gemeindeschulvorstancl wurden Vorsteher Lotz, Seibel jun. und WilhelmSchmidt genannt. Stellvertreter des Gemeindevertreter-Vorstehers sind Daubentaihler und Burkhardt.

Wohnblocks und eineinhalbstöckige Häuser sollen im östlichen Ortsteil an der Wachenbucher Straße errichtet werden. Etwa 100 Wohneinheiten werden dort entstehen. Die Gemeindevertreter gaben zur Änderung, dies Fluchtlinienplanes wie auch Fluchtlinienplan am Wellenpfad ihre Zustimmung. Dort sollen 30 weitere Bauplätze erschlossen werden. In die Grundsteuer C der Gemeinde werden nach Genehmigung der Fluchtlinienpläne etwa 100 Bauplätze aufgenommen werden, wofür die Eigentümer dann die erhöhte Grundsteuer an die Gemeindekasse zu zahlen hätten.

Bürgermeister Ziegler legte dem Parlament weiter noch einen Vertragsentwurf über die Mitbenutzung der Kläranlage der Stadt Hanau zusammen mit der Nachbargemeinde Dörnigheim vor, den mit zehn Stimmen bei einer Enthaltung zugestimmt wurde. Damit dürfte der Anschluß an die Kläranlage gesichert sein. Für das Absatzbecken hat Hochstadt dann zusammen mit Dörnigheim 39.900 Mark zu zahlen. Für das Klärwerk an sich ist darüber hinaus ein verlorener Zuschuß von 40.700 Mark zu leisten, der wiederum mit Dörnigheim aufgeteilt wird. Für einen Kubikmeter Abwasser hat die Gemeinde 0,63 Pfennig an Benutzungsgebühr zu zahlen.

 

Unzucht mit Kindern                                                                         Dezember 1960

Die Große Strafkammer verurteilte einen 2ljährigen aus Hochstadt wegen Unzucht mit einem Kind zu zehn Monaten Gefängnis. In der Beweisaufnahme ergab sich, daß der junge Mann während der Urlaubszeit als Bundeswehrangehöriger ein dreizehnjähriges Mädchen aus Bischofsheim mißbrauchte. Strafmildernd wurde berücksichtigt, daß das Mädchen schon im Alter von elf Jahren zu einem amerikanischen Soldaten intime Beziehungen unterhalten hatte. Das Mädchen ist jetzt in einem Heim und erwartet ein Kind. Es behauptet, der junge Bundeswehrsoldat sei der Vater.

 

Weihnachtliche Abendmusik                                                                                15.12.1960

Am vierten Adventssonntag, dem 18. Dezember, werden um 17 Uhr in der Kirche in Bischofsheim und um 20 Uhr in der Kirche von Hochstadt Advents- und Weihnachtslieder, Orgelwerke und Kantaten alter Meister, wie Buxtehude, Bach und Prätorius, aber auch zwei Sopransoli von Friedrich. Zipp dargeboten. Die Auswahl des Programms, an dem bekannte Solisten, wie Gisela Röder, Hanau (Sopran), und H. Kohlhaußen (Hanau), Bariton, sowie die beiden Kirchenchöre von Bischofsheim (Leitung Rudolf Keim) und Hochstadt (Leitung Hauptlehrer Paul Henkel) mit dem hier wohlbekannten Streichertrio der Lehrer Gries, Krauskopf und Eckerlin teilhaben werden, verspricht eine echte adventliche Feierstunde und besinnliche Einstellung auf das hohe Fest.

 

Burgen unserer Heimat stellen sich vor                                                               10.12.1960

Erlebt und beschaut mit Prinzessin Margarete von Isenburg

Der zweite Vortrag der Reihe „Die Kunst unserer Heimat“, den Prinzessin Margarete von Isenburg in der Außenstelle Hochstadt der Volkshochschule Hanau hielt, führte Von der Ruine Niederdorfelden, der Wiege der späteren Grafen von Hanau, über die Kaiserpfalz Barba­rossas in Gelnhausen zu den romantischen Burgen Münzenberg, Ronneburg, Büdingen und Birstein. Mit der Erwähnung des 1170 erbauten Schlosses Birstein mit dem sehenswerten alten Berg­fried schloß der Vortrag, der seinen besonderen Reiz durch das künstlerische Einfühlungs- und Darstellungsvermögen und die ganz persönliche Note der Vortragenden hatte.

 

„Eins zu Null für Weiße Katz!“ rollte ab                                                               21.12.1960

Beim Abend der Volksschule Hochstadt gab es viel Spaß.,

In seiner Begrüßungsansprache dankte der Schulleiter, Rektor Polke, den zahlreich erschienenen Eltern, Bürgermeister Ziegler und dem Vorsitzenden des Elternbeirats, Kurt Schäfer, für ihr Kommen. Er wies darauf hin, daß die Schule keine Vorweihnachtsfeier veranstalte, um das schöne Fest nicht durch zu viele Feiern seines Glanzes zu berauben, sondern daß sie den Eltern mit dem Spiel ihrer Kinder einige frohe Stunden bereiten wolle.

Nach dem Chorgesang „Wer sich die Musik erkiest“ erschien die 4. Klasse (Fräulein Walter) mit dem fröhlichen Spiel „Der Kalendermann“ auf der Bühne. Darin stellten sich die Kinder als Monate in charakteristischen Kostümen und mit hübsch gemalten Bildern vor, die Herr Wörner gemalt hatte. Die lustigen Winde tanzten dazwischen ihren Reigen. Es wurde frisch und lebendig gespielt. Das Jahr mit seinen zwölf Monaten zog vorüber, die Kinder hatten ihre Freude daran und die Eltern wahrscheinlich auch, aber manchen stimmte es wohl doch etwas nachdenklich.

Nach der Pause rollte dann das fast abendfüllende Spiel „Eins zu Null für Weiße Katz!“ ab, dem man es so richtig anmerkte, daß es ein Schulmeister verfaßt hat, der nicht nur Liebe zu Kindern, sondern auch eine glückliche Hand hat, den natürlichen jugendlichen Tatendrang einfallsreich und humorvoll in die rechten Bahnen zu lenken. Vom Inhalt des Spieles soll hier nicht zuviel verraten werden, damit recht viele Erzieher oder Jugendgruppenleiter neugierig werden und diese heiter-turbulente Begebenheit um die beiden Banden, die Schwarze und die Weiße Katz, einmal selbst für den ihnen anvertrauten jungen Kreis in Szene setzen. Nur soviel sei verraten, daß nicht nur eine jugendliche Bande und stadtbekannte Klatschbasen auftreten, sondern auch ein richtiger Kinderzirkus mit zwei Clowns, Boxern, Zauberern und Ballerinen auf der Bühne erscheint.

Es war schwer zu sagen, bei wem das Vergnügen größer war, bei den jungen Spielerinnen und Spielern der 8. Klasse, deren Lehrerin, Frau Glinder, es mit ihnen eingeübt hatte, oder bei den Zuschauern, die den großen Strohlschen Saal bis auf den letzten Platz gefüllt hatten.

 

Öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung                                                     28.12.1960

Am Mittwoch, den 28. Dezember 1960 findet bei Gastwirt Keller die letzte Gemeindevertreter- Sitzung in diesem Jahre statt. Auf der Tagesordnung steht die Beratung und Beschlußfassung des Nachtragshaushaltes für das Rechnungsjahr 1960.                        

                                              

als verlobte grüßen                          

annemarie koch

klaus günther 

19. dezember 1960                           

hochstadt / hanau      bad dürkheim (rhld.-pfalz)    

hauptstraße 11                       weinstraße nord 42                          

 

„Hochstädter Berg“ verliert Schrecken                                                    31.12.1960     

Straßenbauer hoffen ihr Werk bis April beenden zu können

Bis in den Monat April wird sich die Straßensperrung von Hochstadt nach Bischofsheim noch hinziehen. Die Straßenbauer hoffen, bis zu diesem Zeitpunkt, falls starker Frost und ein allzu strenger Winter die Rechnung nicht verderben, mit der Verbreiterung und Begradigung der Straße fertig zu sein. Nach seiner Fertigstellung wird dieses etwa zwei Kilometer lange Straßenstück zwischen den beiden Gemeinden dann seinesgleichen im ganzen Kreis suchen können.

Nur mit einer leichten Krümmung wird man dann den Hochstädter Berg, der in den letzten Jahren schon so viele Unfälle verschuldete, mit dem Wagen oder Rad nehmen können. Die Steigung ist dann nur noch allmählich. Die scharfe Krümmung der alten Straße aber wird ein Parkplatz für die Modellflugsportler aus Frankfurt, Offenbach und Hanau geben. Auf einer Grünfläche zwischen der alten Straße und der neuen Trasse wird man Ruhebänke aufstellen.

Darüber hinaus soll die Straße gegenüber heute abgesonderte Fußgänger- und Radfahrerwege bekommen. Grünstreifen werden sie jeweils mit Leitstreifen trennen. Inwieweit man dort wieder Bäume entlang der Straße anpflanzen wird, ist noch unbekannt. Die Bäume entlang der alten Straße mit Ausnahme des künftigen Parkplatzes wurden alle gefällt. Sie standen der Verbreiterung der Straße im Wege. Den landwirtschaftlichen Fuhrwerksverkehr will man auch von der neuen Straße nach Möglichkeit fern halten. Neben der neuen Trasse sollen für die Landwirte befestigte Feldwege angelegt werden. Die neue Straße wird man von Bischofsheim her zum Hochstädter Berg hin auch auf einen langsam ansteigenden Damm legen und den Hochstädter Berg mit einer kleinen Schlucht durchschneiden.

Altes Hochstädter Tor als „Verkehrswächter“ Knapp 100 Meter vor dem alten Hochstädter Tor steht das Umleitungsschild, daß auf den Straßenbau in Richtung Bischofsheim hinweist. Die Umleitung erfolgt über Dörnigheim und Frankfurt-Fechenheim nach Bischofsheim.

 

Torbogen

Altes Hochstädter Tor als „Verkehrswächter" Knapp 100 Meter vor dem alten Hochstädter Tor steht das Umleitungsschild, daß auf den Straßenbau in Richtung Bischofsheim hinweist. Die Umleitung erfolgt über Dörnigheim und Frankfurt-Fechenheim nach Bischofshelm.

 

 

 

1961

 

Jubiläen:                                                                                                                              1961

Goldene Hochzeiten: Eheleute Friedrich Wilhelm Seibel und Frau Elisabeth, geb. Weigand, Rohrbachstraße 6.

Frau Antonie Förster, Ringstraße 11 (72 Jahre).

Herr Heinrich Richter, Bleichstraße 5 (70 Jahre).

Frau Katharina Schöner, Dorfelder Straße 8 (80 Jahre).

Herr Johannes Rohn, Schulstraße 13 (72 Jahre).

Frau Marie Lutz, Wellenpfad Nr. 12 (82 Jahre);.

Frau Dorothea Huhn, geb. Koch, Dorfelder. Straße (77 Jahre).

Frau Marie Klees, Schulstr. 11 (76 Jahre).

Herr Philipp Schmidt, Hauptstraße 42 (75 Jahre).   

Frau Elisabeth Eibelshäuser, geb. Mohr, Schulstraße (72 Jahre).

Frau Margarete Knapp, Hauptstraße (76 Jahre)

Frau Katharina Keller, Schulstraße 11I (81 Jahre).

Frau Karoline Krämer, Haupstraße 5 (75 Jahre).

Herr Johannes Trepte, Röderberg 11 (75 Jahre).

Gestern wurde Frau Elisabeth Hohmann, geb. Müller, Lutherstraße 17, 75 Jahre alt.

 

Sein 25jähriges Arbeitsjubiläum als technischer Angestellter bei der Firma W. C. Heraeus GmbH, Hanau, kann dieser Tage (17. Januar) Valentin Fischer, Weiherstraße 16, begehen.

Am 23. Dezember ist Herr Wilhelm Burger 25 Jahre als Rohrmeister bei der Gemeinde Hochstadt beschäftigt. In einer kleinen Feier würdigte Bürgermeister Ziegler die Verdienste des Jubilars und überreichte ihm ein Geschenk mit der Hoffnung, daß es Herrn Burger noch lange vergönnt sein möge, zum Wohle der Gesamtgemeinde zu wirken.                      

Am 8. Februar kann Heinrich Jost, Hainstraße 2, seinen 80. Geburtstag feiern.

Seinen 70. Geburtstag begeht am 13. Februar der Bäckermeister Heinrich Koch, Bogenstraße 16.

Ihr 80. Lebensjahr kann am 16. Februar Frau Gertrud Schlegel, geborene Ickler, Wachenbuchener Straße 27, vollenden und das hohe Alter von 85 Jahren am Freitag Frau Marie Schäfer, geborene Ulrich, Rohrbachstraße 3, erreichen.

Das Fest der silbernen Hochzeit können am 23. Februar der Gemeindediener Heinrich Böhm und Frau Marie geborene Heckert, Trinkbrunnenstraße 3, feiern,

Ihr 78. Lebensjahr kann am 25. Februar Frau Eva Koch geborene Schwarz, Lutherstraße 5 vollenden,

Und das hohe Alter von 83 Jahren kann am Sonntag Weißbindermeister Johannes Mankel, Im Wellenpfad 4, erreichen.

Silberne Hochzeiten:

Eheleute Wilhelm Schöner und Frau Mariechen, geborene Scharf, Ringstraße 23.

Ihr 78. Lebensjahr kann am 1. März Fräulein Emma Höhne, Röderberg, vollenden.

 Sein 80. Lebensjahr kann am 2. März Wilhelm Kraft, Nordstraße 5, vollenden.

Am 11. März kann Frau Elisabeth Heckert geborene Lind, Hauptstraße 13, ihren 80. Geburtstag feiern.

Sein 78. Lebensjahr kann am 15. März Philipp Brosch, Wellenpfad 1, vollenden; und seinen 74. Geburtstag Friedrich Weber, Hanauer Straße 5, begehen.

Das hohe Alter von 84 Jahren kann am 17. März Landwirt Peter Heckert, Hauptstraße 13, erreichen und ihr 77. Lebensjahr Frau Margarete Mankel geborene Hensel, Wellenpfad 4, vollenden.

Herr Valentin Fischer, Wachenbuchener Straße 11 (82 Jahre).     

Frau Katharina Brosch, geborene Bornkessel, Lutherstraße 9 (71 Jahre).

 

 

 

Von der Todesstrecke zur modernen Rollbahn                                                               1961

Landstraße erster Ordnung zwischen Bischofsheim und Hochstadt wurde für den Verkehr freigegeben. Das einstige Sorgenkind vieler Verkehrsteilnehmer und der Gemeindeväter von Bischofsheim und Hochstadt, die Landstraße erster Ordnung zwischen Bischofsheim und Hochstadt, wurde gestern durch Oberbaurat Noll vom Hessischen Straßenbauamt in Hanau dem Verkehr übergeben. Mit diesem Schlußakt hat ein 800.000 DM-Projekt seinen Abschluß gefunden, für das dem Hessischen Straßenbauamt und allen am Bau Beteiligten ein besonderer Dank gebührt. Oberbaurat Noll erläutert den Vertretern der beiden Gemeinden Bischofsheim und Hochstadt die neue Straße zwischen den beiden Orten, die nach einer grundlegenden Umgestaltung gestern offiziell dem Verkehre übergeben wurde. Am Montag um 15 Uhr wird die Landstraße 1. Ordnung von Hochstadt nach Bischofsheim offiziell für den Verkehr freigegeben.

 

                                  

Geflügelzüchter stellen aus                                                                                    Januar 1961

Zum Abschluß der Ausstellungssaison zeigt der Geflügelzuchtverein 1900 Hochstadt am kommenden Sonntag, dem 29. Januar, seine Geflügel-Schau. Die Farbenpracht der zur Ausstellung kommenden über 300 Tiere, besonders die farbliche Vielfalt bei den Tauben, sollte auch dieses Mal alle Zuchtfreunde von nah und fern anlocken, zumal die Hochstädter Lokalschau allen eine letzte Möglichkeit bietet, vor der schweren Zuchtsaison sich mit den populärsten Züchtern unserer Umgebung zu treffen.

 

Aus dem Hochstädter Vereinsleben                                                                     3.02.1961

Im Gasthaus Strohl treffen sich heute, Donnerstag, um 20 Uhr die Ortsgruppe des Arbeiter Rad- und Kraftfahrerbundes „Solidarität“ und am Freitag der SPD- Ortsverein zu ihrer Jahreshauptversammlung, während der 1. FC 1911 mit seiner Jahresversammlung erst am Samstag um 20 Uhr in der Gaststätte Keller an der Reihe ist, nachdem diese im Hinblick auf das Jubiläum im Sommer doppelt wichtige Versammlung ursprünglich bereits für Freitag angekündigt war.

 

 

Humor „Rund um die Saftenburg“                                                          09.02.1961
Zahlreiche Abordnungen bei der Karnevalssitzung in Hochstadt

Mit elf Paukenschlägen pünktlich um 20.11 Uhr zog unter den Klängen des Narrhalla­marsches der Präsident mit seinem Elferrat und dem Prinzenpaar der „Käwwern“ in die bis auf den letzten Platz gefüllte Narrhalla des Strohl'schen Saales ein. Präsident Menne Wex gab bekannt, „um alle Unklarheiten von vornherein auszuschließen, daß nur der mitregieren kann, der Spaß verstehen kann.“ Als Prinzenpaar stellte Wex Prinz Karl I. vom Untertor, Fürst zum Amboß, und seine Lieblichkeit Prinzessin Irma I. von der Riederhohl vor. Mit lautem „Hochstadt Hellau“ begrüßten „Käwwern" und Anhang den Elferrat des Frankfurter Karnevalclubs „Die Nordendler“ mit Präsident Behrendsen an der Spitze, eine Abordnung des Karnevalzug­vereins aus „Hagenovien“ und die erste Großauheimer Karnevalsgesellschaft.

Als erster Narr ging Protokoller Hans Rauch in die Bütt. Mit spitzer Zunge nahm er das örtliche und außerörtliche Geschehen um die „Saftenburg“ Hochstadt herum aufs Korn. Keiner, der sich seit Aschermittwoch etwas hat zuschulden kommen lassen, blieb ungeschoren.

In bunter Reihenfolge wechselten sich die Büttenredner dann ab. Über den Winterschlußverkauf wußte aus Großauheim Günter Hosemann zu berichten. Den Komischen spielte der Hochstädter Ferdi Röll. Der Nordendler Franz Kaufunger schilderte, wie es ihm als Wohnungssuchender ergangen ist. Aus Großauheim kam Lisbeth Scherer in die Bütt und gab sich als ent­täuschte Ehefrau. Einen ganz Blöden wußte Charly Klein zu spielen, der wiederum von den Narren der Nordendler stammte.

Als Sänger aus dem dunklen Wald stellten sich aus der Nachbargemeinde Bischofsheim Erhardt Ausäderer und Fritz Nohr mit ihren Gitarren vor.

Das originelle Zwiegespräch zwischen Ast und Fraa Buckel brachte keiner so gut fertig wie die Käwwern Rümmler und Pistor. Einen verpatzten Theaterbesuch schilderte der Nordendler Relling, dem als Polizeibeamter Karl-Heinz Jäckel aus Wiesbaden-Biebrich folgte. „August, wo sind deine Haare“, mußte sich Albert Boos vom Karnevalszugverein Hanau in der Hochstädter Bütt fragen. Ein mit Lachsalven umgebenes Zwiegespräch lieferten sich noch Charly und Dodo von den Nordendlern. Mit Schlagern von den Bischofsheimern Nohr und Ausäderer schloß die erste Hochstädter Fremdensitzung.

In Hochstadt regiert eine fesche Prinzessin: Irma I. von der Riederhohl. Ihr zur Seite steht Prinz Karl I. vom Untertor, Fürst zum Amboß. Mit bürgerlichen Namen sind sie auf der „Saftenburg“ als Irma Heck (19 Lenze) und Karl Huhn (25 Jahre) bekannt.

 

Hochstadt steht vor großen Aufgaben                                                        08.02.1961

1,5 Millionen-Etat einstimmig verabschiedet – Hilfe von Kreis und Land.

Einen Rekordetat. der ein Gesamtvolumen von über 1,5 Millionen Mark aufweist, verabschiedeten die Gemeindevertreter am Montagabend einstimmig. Die Einwohnerschaft zeigte an der Sitzung reges Interesse. Deshalb warnte als Sitzungslokal auch die Aula der Volksschule gewählt. Auch die beiden oberen Klassen der Volksschule nahmen mit Rektor Polke an der Sitzung teil, die für die kommenden Jahre für Hochstadt wohl von grundlegender Bedeutung war.

Der ordentliche Haushalt schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 651.300 Mark ausgeglichen ab. Der außerordentliche Haushalt weist 938.400 Mark auf. Wie Gemeindevertreter Daubenthaler in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses berichtete, liegt der Personalaufwand mit 22,4 Prozent der Ausgaben des ordentlichen Haushalts noch unter dem Kreisdurchschnitt. Stark strapaziert wird der Etat durch die Fürsorge mit 11.000 Mark und durch die Kreisumlage, die 83.200 Mark beträgt. Für die Renovierung der Volksschule haben die Gemeindevertreter 20.000 Mark in Ansatz gebracht. Knapp 200.000 Mark haben die Gemeindevertreter in dem Haushalt als Anteilsbeiträge für den Straßenbau und die Kanalisation bereitgestellt. Für Zinsen und Tilgung der Darlehen muß die Gemeinde 105.000 Mark aufbringen.

Die Schlüsselzuweisung vom Kreis für 1961 ist mit 14.200 Mark in Ansatz gebracht worden. An Kanalgebühren werden 104.000 Mark erwartet. Weitere 83.000 Mark werden aus dem Verkauf von Holz aus dem Gemeindewald, Pachten und dem Wasserverkauf erwartet. Haupteinnahme ist nach wie vor in Hochstadt die Gewerbesteuer. Sie wird 141.000 Mark bringen. An Grundsteuern werden 50.000 Mark und an Gewerbesteuerausgleichsbeträgen 52.000 Mark erwartet. Erhöht haben die Gemeindevertreter die Grundsteuer A von 160 auf 190 Prozent. Die Grundsteuer B sowie die Gewerbesteuer wurden bei 160 und 260 Prozent belassen.

Im Vordergrund des außerordentlichen Haushalts steht der sechste und letzte Kanalbau- schnitt mit der Verlegung eines Hauptsammlers als Anschlußleitung an das Kanalnetz von Dörnigheim, womit dann auch der Anschluß an die Kläranlage in Hanau-Kesselstadt hergestellt ist. Es sind 514.000 Mark hierfür in Ansatz gebracht. Für den Ausbau der Ortsstraßen sind 198.000 Mark vorgesehen. Weitgehendste Unterstützung erwartet man seitens des Bundes durch den „Grünen Plan“ mit der Schaffung einer Ringverbindung von Feldwegen in der Gemarkung. Die Gemeindevertreter 110.000 Mark als außerordentliche Maßnahme bereitgestellt.

Noch in diesem Jahr sollen in Hochstadt Wasserzähler gesetzt werden, um - wie Bürgermeister Ziegler sagte - den Verbrauch in tragbaren Grenzen zu halten. Für diese Maßnahme sind 20.000 Mark vorgesehen. Weitere 60.000 Mark sind für die Erweiterung der Wasserleitung mit dem Bau eines neuen Hochbehälters gedacht. Für Planung und Grundstücksankäufe für den Bau einer Kultur- und Mehrzweckhalle haben die Gemeindevertreter 35.000 Mark in Ansatz gebracht. Im Jahre 1962 soll der Spatenstich erfolgen.

Gemeindevertreter Seibel (SPD) warnte, sich von dem gewaltigen Zahlenmaterial des Haushalts, der eine Höhe erreicht habe, wie sie noch nie in der Geschichte Hochstadts da war, blenden zu lassen. Ungeheure Aufgaben auf dem Gebiet des kommunalen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens seien noch zu erfüllen.

In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Bau- und Siedlungsausschusses befaßte sich Gemeindevertreter Schomburg mit den Aufbaumaßnahmen der nächsten Jahre, die mit diesem Haushalt nun ihren Anfang nahmen. In das Straßenbauprogramm mit dem gleichzeitigen Ausbau der Wasserleitung sollen zunächst die Bleichstraße, Hofgerichtstraße, der Wellenpfad, die Schillerstraße, der Röderbergweg, das Schmalhorn und die Weiherstraße aufgenommen werden. Zu dem Ausbau der Ortsstraßen sagte der Sprecher, daß das, was dem Menschen in der Stadt schon Jahrzehnte eine Selbstverständlichkeit sei, nun auch für Hochstadt zur Selbstverständlichkeit werden soll. Große finanzielle Opfer müssen da gebracht werden. Jedoch sei der Gemeinde im Augenblick die Chance gegeben, die sie mit Hilfe des Kreises und des Landes wahrnehmen müsse. Auch von seiten des Sprechers des Bürgerblocks, des Gemeindevertreters Schöpel, fand der Rekordetat von Hochstadt seine Zustimmung.

 

Zweihundert Mark Belohnung                                                                              11.02.1961

Bürgermeister Philipp Ziegler hat zur Ergreifung der Täter, die am vergangenen Wochenende mehrere Pilzaufsatzleuchten in der Bahnhofstraße mit Steinen zertrümmerten und demolierten, eine Belohnung von 200 Mark ausgesetzt.

 

Kappenabend der Fußballer                                                                                  11.02.1961

Zur Tradition werden lassen wollen es die Mitglieder des 1. Hochstädter Fußballclubs einen Kappenabend, den man erstmals am Fastnachtsonntag ab 20 Uhr im Saal der Gaststätte Rauch veranstaltet. „Narr und Sportler unter einem Hut“ ist das Motto des närrischen Treibens.

 

Strukturelle Wandlung in Hochstadt                                                                   11.02.1961

Fast 3.000 Einwohner - Nur noch 27 rein landwirtschaftliche Betriebe

Bürgermeister Philipp Ziegler gab in der letzten Gemeindevertretersitzung einen Bericht über die Wandlung der Struktur der Gemeinde. Vom 31. Dezember 1959 bis zum 31. Dezember 1960 ist die Einwohnerzahl von 2.805 auf 2.935 Einwohner angestiegen. Den Zuwachs im letzten Jahr mit insgesamt 130 Personen führte Bürgermeister Ziegler auf die rege Bautätigkeit zurück.

An Geburten wurden im vergangenen Jahr insgesamt 41 registriert. Sterbefälle hatte man demgegenüber 25 zu verzeichnen. An Neuanmeldungen von Zuzüglern von außerhalb wurden 114 Personen gezählt. Der Geburtenüberschuß betrug 16 Personen. Der Zuwachs von Geburten betrug auf 1.000 Einwohnern nur knapp 14. Diese Zahl liegt unter dem Bundesdurchschnitt.

Hochstadt hat gegenwärtig 290 Haushaltungen. Auf einen Haushalt entfallen drei Personen. Diese Zahl liegt ebenfalls unter dem Bundesdurchschnitt, der mit vier Personen angegeben ist. Zur Hochstädter Volksschule gehen 290 schulpflichtige Kinder. Die Gemeinde ist 723 Hektar groß.

Unter den 95 Gewerbebetrieben befinden sich ein Industriebetrieb, sieben größere Gewerbebetriebe und 87 kleinere Gewerbetreibende. Stark gesunken ist in den letzten Jahren die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe. Heute ernähren sich noch 27 Familien davon. Bürgermeister Ziegler betonte, daß man gerade an diesem Zahlenspiegel erblicken könne, wie schnell sich Hochstadt von einer Agrargemeinde in eine Arbeiterwohnsitzgemeinde mit industriellen und gewerblichen Einschlag gewandelt hat.

 

Haushaltsvolumen von fast einer Million                                                            23.12.1961

In Hochstadt wurde ein neuer Rekord aufgestellt

Das diesjährige Bauprogramm übertrifft alle bisher dagewesenen Baumaßnahmen in der 2.950 Einwohner zählenden Gemeinde. Mit einem außerordentlichen Haushalt von fast einer Million Mark hat man ein Haushaltsvolumen erreicht, wie es in der Geschichte der Gemeinde noch nicht da war, konnte jetzt Bürgermeister Philipp Ziegler bekanntgeben. Man solle sich von den Zahlen aber auch wiederum nicht täuschen lassen. Wichtiger sei es vielmehr, daß Hochstadt so gestaltet wird, daß seine Bewohner mit ihren Ansprüchen hinter denen eines Bürgers der Stadt nicht zurückstehen brauchen. „Jeder Bürger hat das Recht, genau wie in der Stadt saubere Straßen, Abwässeranlagen und eine geregelte Wasserversorgung zu haben“, betonte Ziegler.

Der Straßenbau steht an erster Stelle im Hinblick auf dieses Ziel. Die Bleichstraße soll als erste Straße ausgebaut werden. Sie ist bereits völlig bebaut sowie mit Kanalisation und Wasserversorgungsleitung versehen. Jetzt sollen die Hofgerichtstraße, die Schillerstraße, die Röderbergstraße und der Wellenpfad an die Reihe kommen. Auch diese Straßen sind fast durch- weg schon bebaut. Einige Straßen müssen jedoch zuvor noch mit einer Kanalisationsleitung versehen werden. Das Straßenbauprogramm ist mit rund 200.000 Mark im neuen Haushalt in Ansatz gebracht worden.

Bürgersteige haben in Hochstadt noch Seltenheitswert Für sie hat man ein langjähriges Bauprogramm zusammengestellt. Sie sollen Jahr für Jahr folgen. Selbstverständlich werden die jetzt zum Ausbau kommenden Straßen gleich mit Fußgängerwegen versehen. Bürgersteige sind darüber hinaus für die Hanauer Landstraße, Ringstraße und Wachenbucher Straße vorgesehen.

Viel diskutiert wurde in Hochstadt schon die Schaffung einer Ringverbindung von Feld-

wegen in der Gemarkung. Mehrere Bauabschnitte, auf einige Jahre verteilt, sind da vorgesehen. Mit dem ersten Bauabschnitt wird man schon in den nächsten Wochen beginnen, für ihn sind 110.000 Mark vorgesehen. Die Feldwege sollen eine drei Meter breite Betondecke erhalten. Rechts und links wird außerdem noch je ein halber Meter mit Bruchsteinen angestückt. Bei der Finanzierung kommen das Land und der Bund der Gemeinde mit Mitteln und zinsverbilligten Darlehen aus dem sogenannten „Grünen Plan“ zur Hilfe.

Abschließen wird man in diesem Jahr das Kanalisationsprogramm. Für dieses Vorhaben sind 540.000 Mark vorgesehen. Alle noch nicht entwässerten Straßen sollen Zug um Zug mit einer Kanalleitung versehen werden, Hiernach wird der Gemeinde nur noch eine Zuleitung zur Kläranlage der Stadt Hanau bei Kesselstadt vorbehalten bleiben, die man jedoch zusammen mit der Gemeinde Dörnigheim, die ebenfalls ihr Kanalnetz dort anschließt, verlegen wird, Hochstadt muß praktisch nur einen Hauptsammler bis zum Kanalnetz der Nachbargemeinde Dörnigheim verlegen.

Eine der schon seit Jahren dringendsten Aufgaben ist die Sicherstellung der Wasserversorgung in Hochstadt. In den vergangenen Jahren haperte es bedenklich damit und in den letzten zwei Jahren mußte sogar der Wassernotstand in den Sommermonaten verkündet werden. Zu- nächst will man vor jedes Haus einen Wasserzähler setzen. Bürgermeister Ziegler hofft, da- mit schon den Wasserverbrauch auch in den Sommermonaten in normalen Bahnen zu halten. Die Gebühren wurden bisher nach Größe der Familie und der Gewerbe- oder Landwirtschaftsbetriebe und Anzahl des Viehbestandes erhoben. Für Wasserzähler sind 20.000 Mark in Ansatz gebracht.

Ferner wird das Rohrnetz der Wasserversorgungsleitungen erneuert und umgebaut. Hierfür wurden weitere 60.000 Mark bereitgestellt. Später sollen noch eine neue Pumpstation in unmittelbarer Nähe des alten Pumpwerkes am Sportplatz und ein neuer Wasserhochbehälter in der Nähe des Schützenhäuschens dazu kommen.

 

Den ersten Schritt für die Erstellung einer Mehrzweckhalle tut man in diesem Jahr mit dem Baulanderwerb an der Bahnhofstraße, Die Planung dieser sozialen Einrichtung wurde bereits einem Architekturbüro übertragen. Für den Grundstückserwerb hat man 35.000 Mark bereitgestellt. Schon 1962 möchte man den ersten Spatenstich für das Werk tun, hinter dem alle Hochstädter Vereine und auch die Schule stehen. Bürgermeister Ziegler hofft, mit diesem Bau in das Programm der Hessischen Landesregierung „Zur sozialen Aufrüstung des Dorfes“ zu kommen.

 

Schrammelabend der Heimatvertriebenen                                                         03.02.1961

Die Ortsgruppe der Heimatvertriebenen hält am morgigen Samstag, 20 Uhr, im Saal „Zur Krone“ (Rauch) einen geselligen Abend mit den bekannten „Böhmerwald-Schrammeln“ ab. Der Vorstand lädt hierzu die Bevölkerung herzlichst ein.

 

Kinder-Kostümfest                                                                                                  08.02.1961

Ein Kinder-Kostümfest des Hochstädter Karnevalsvereins „Die Käwwern“ ist Sonntag ab 14.30 Uhr im Strohlschen Saalbau. Dort findet auch am Fastnachts-Dienstag ein großer Fastnachts-Kehraus statt.

 

Zehn Wohnblocks geplant                                                

In absehbarer Zeit wird die Gemeinde Hochstadt die Zahl von 3.000 Einwohnern überschreiten. Bürgermeister Philipp Ziegler kündigte am Dienstag eine Erweiterung des Baugebietes an. In der Wachenbucher Straße sollen zehn Wohnblocks entstehen. Die örtliche Wohnungs­baugesellschaft wird sich in das Programm einschalten. Außerdem ist die Hilfe großer Siedlungsgesellsehaften vorgesehen. Wann mit dem Wohnungsbauprogramm begonnen werden kann, steht jetzt noch nicht fest. „Mit den entscheidenden Verhandlungen wird jedenfalls in naher Zukunft begonnen“, sagte der Bürgermeister. In den nächsten Monaten werde aber vorerst der Kanalbau im Vordergrund der kommunalen Aufbauarbeit stehen.

Rund 540.000 Mark werden im neuen Haushaltsplan für den Kanalbau bereitgestellt. Insgesamt sieht der außerordentliche Haushaltsplan, der seine Vorgänger weit in den Schatten stellt, Ausgaben in Höhe von fast einer Million Mark vor. Es ist geplant, die Kanäle an das Entwässerungsnetz der Stadt Hanau anzuschließen. Am gleichen Strang wird die Nachbargemeinde Dörnigheim ziehen: Dadurch verringern sich die Kosten der Gemeinde Hochstadt für die Zuleitung.

 

Neue Lampen zertrümmert                                                                                   07.02.1961

Wie Bürgermeister Philipp Ziegler am Montag mitteilte, haben wahrscheinlich jugendliche wiederum drei der Pilzaufsatzleuchten in der Bahnhofstraße demoliert und mit Steinen beworfen. Vor einigen Wochen waren schon drei Lampen Opfer unbekannter Rowdies geworden. Damals mußte die Gemeinde für die Instandsetzung der Lampen über 200 Mark ausgeben. Mit der Ermittlung der Täter werden sich nun die Beamten der Landespolizeistation beschäftigen. In einer Bekanntmachung bittet der Bürgermeister die Eltern, ihre Kinder anzuhalten, solchen Unfug zu unterlassen. Darüber hinaus bittet der Bürgermeister Anlieger der Bahnhofstraße, die Angaben über die Täter machen können, sich bei der Gemeindeverwaltung oder der Polizei zu melden. Die Angaben werden vertraulich behandelt.

 

Hochstadt hatte bessere Nerven                                                                          28.02.1961

Zum Rundenkampf empfing der Schützenverein Niederrodenbach die führende Mannschaft der 2. Kreisklasse, den Schützenverein „Tell“ Hochstadt. Die Hochstädter, die mit ihrer wohl stärksten Mannschaft diesen für sie äußerst wichtigen Kampf bestritten, konnten am Schluß auch dank ihrer besseren Nerven und Kondition einen sicheren Sieg herausschießen, der allerdings lange auf des Messers Schneide stand. Die noch fehlende Standerfahrung des Neulings Niederrodenbach, dessen Leistungen auch in diesem Kampfe recht ansprechend waren, ließ es nicht zu, eine Mannschaft mit dem Kreisbesten Edel & Co. auf die Knie zu zwingen. Mit 511 : 501 Ringen konnte die 1. Mannschaft von Hochstadt die Punkte gewinnen und sich durch diesen Erfolg wieder unangefochten an die Spitze der Tabelle setzen. Auch die 2. Mannschaft Hochstadts, die mit 497 : 477 die Oberhand behielt, konnte sich sehen lassen. Im Pokalwettbewerb siegte Hochstadt ebenfalls mit 1029 : 989 Ringen. Niederrodenbach hatte seinen besten Schützen in Jos. Waschinger mit 129 Ringen, während Hochstadts Schütze Geißler mit 133 Ringen am meisten imponierte.

 

Hochstadt verbessert Bürgersteige                                                                                  11.03.1961

Die Gemeinde läßt gegenwärtig die Bürgersteige in der Wachenbuchener Straße und Hanauer Landstraße begradigen und ausbauen. Etwa 1.000 Meter Bürgersteig werden durch die Firma Kaiser (Hanau) mit Zementplatten ausgelegt.

 

Alter SPD-Vorstand blieb                                                                                       14.03.1961

In der gutbesuchten Jahreshauptversammlung des SPD- Ortsvereins wurde Gemeindevertretervorsteher Werner Lotz erneut zum Vorsitzenden gewählt. Sein Stellvertreter ist Bürgermeister Philipp Ziegler. Beide führen schon seit einigen Jahren die Ortsgruppe an, die bei der letzten Kommunalwahl im Herbst des vergangenen Jahres einen durchschlagenden Erfolg zu verzeichnen hatte, indem sie von den zwölf Sitzen im Gemeindeparlament nicht weniger als neun erringen konnte. Zuvor hatte man nur sieben Sitze inne. Dank und Anerkennung sprach die Versammlung auch dem umsichtigen Kassierer Heinrich Brescher aus, der für ein weiteres Jahr wieder in seinem Amt bestätigt wurde. Seit 1945 versieht er schon ununterbrochen die Kassengeschäfte des Ortsvereins. Sein Stellvertreter ist Heinrich Stoppel.

Zum Schriftführer wählte die Versammlung den Verwaltungsangestellten Philipp Eibelshäuser. Beisitzer wurden Gemeinderechner Richard Daubenthaler, Heinrich Cordes, Wolfgang Schomburg, Heinrich Seibel sen., Heinrich Burkhardt und Friedrich Weber. Das Amt des Revisors übernahm Heinrich Seibel jun. Die Maifeier wurde für Sonntag, 30. April, im Saale Strohl anberaumt.

Zur Bundestagswahlkreiskonferenz am kommenden Wochenende in der Hanauer Stadthalle wurden als Delegierte Werner Lotz, Heinrich Seibel und Bürgermeister Philipp Ziegler benannt. Delegierte bei der Jahreskreiskonferenz der SPD am 25. März im Kammermusiksaal der Hanauer Stadthalle sind Bürgermeister Philipp Ziegler, Heinrich Seibel sen. und Jean Koch. Vorsitzender Lotz gab ferner bekannt, daß vom 24. bis 29. April ein kommunalpolitischer Kursus in Oberreifenberg abgehalten wird, zu dem sich noch Mitglieder bei ihm melden können.

 

Familienabend der SPD                                                                              18.03.1961     

Ein Familienabend der SPD-Ortsgruppe findet heute, Samstag, ab 20 Uhr im Saal des Gasthauses Strohl statt. Die Mitglieder haben ein buntes Programm mit allerlei Überraschungen zusammengestellt. Freunde und Anhänger der Partei sind dazu gleichfalls herzlich eingeladen.

 

Fußballfahrt nach Erbstadt                                                                        18.03.1961

Zwei Omnibusse läßt der 1. FC 1911 Hochstadt am Sonntag nach Erbstadt zu dem fälligen Verbandsspiel laufen. Sollte die Hochstädter Elf in Erbstadt gewinnen, dann dürfte sie der Meisterschaft ein ganz beträchtliches Stück näher gerückt sein. Der Fahrpreis beträgt nur 1.- Mark. Abfahrt ist um 13 Uhr am Vereinslokal Keller, Hauptstraße.

 

 

 

 

 

Hochbehälter                                                                                                                      1961

Innerhalb von sechs Wochen wuchs der Rohbau des Hochstädter Hochbehälters aus dem

Boden. In einem Monat wird die Anlage fertig sein.

 

Feuerwehren bewährten sich                                                                                           1961

Pünktlich 8.30 Uhr heulte am Sonntagmorgen die Feuerwehrsirene zu einem blinden Alarm, der eine Feuerwehrübung ankündigte. Außer Hochstadt beteiligten sich die Wehren aus Dörnigheim, Bischofsheim, Enkheim und Bergen an der Übung. Aufgaben dieser Wehren aus dem Löschbezirk 1 war es, die Wasserförderung auf einer langen Wegstrecke zu erproben. Es war ein Scheunenbrand inmitten dichtaneinander hängender landwirtschaftlicher Gehöfte und Wohnhäuser angenommen worden.

Bezirksbrandmeister Frischkorn aus Bischofsheim, der die Leitung dieser Übung übernommen hatte, wollte prüfen, in welcher Zeit 1200 Meter Schläuche von der Wasserentnahme­stelle des Furnierwerkes Kling bis zur Brandstelle am Kirchberg gelegt werden. Die direkte Wasserentnahme aus dem Teich der Firma Kling übernahm die Wehr aus Dörnigheim. In Höhe der Bahnhofstraße war Bischofsheim mit der Wasserübernahme beauftragt, das sie in der Jägerstraße an Enkheim weitergab. Die Wehr aus Bergen schloß sich in der Ringstraße an und übernahm am Brandherd mit einem B- und zwei C-Rohren den Angriff. Die Hochstädter Wehr hatte einmal die Aufgabe der Menschen- und Viehrettung, zum anderen den Anschluß des Hydrantenwagens an die Wasserleitung zu besorgen.

Die Wehren benötigten von der Wasserentnahmestelle bis zum Brandherd 25 Minuten. Das Auswechseln einiger beschädigter Schläuche nahm zehn Minuten in Anspruch, das heißt, daß in knapp 15 Minuten das Wasser von der Entnahmestelle bis Brandherd mitten im alten Ortskern gebracht werden kann.

 

Karte für Grundstücke für Grundsteuer C liegt aus                                                        1961

Im Zimmer 1 der Gemeindeverwaltung liegt eine Karte aus, in der alle Grundstücke, die rückwirkend ab 1. Januar 1961 mit der Grundsteuer C (300 Prozent), veranlagt werden, festgestellt sind. Eingezeichnet sind alle Grundstücke, die innerhalb des genehmigten Bebauungs­planes liegen und baureif sind. Alle Anlieger der in Frage kommenden Grundstücke steht der Widerspruch gegen eine Veranlagung der Grundsteuer C offen. Die Karte liegt 14 Tage zu jedermanns Einsicht aus [Die Steuer wurde wieder fallengelassen weil die Eigentümer beim Verkauf die Steuer auf den Preis draufschlugen].

 

15jähriger Autodieb                                                                                                           1961

In Wachenbuchen gegen Hoftor gerast

Ein 15jähriger betätigte sich in der letzten Nacht in Hochstadt als Autodieb. Dabei ging er wie ein alter, routinierter Autoknacker ans Werk. Vor einer Gastwirtschaft in Hochstadt schloß der 15jährige einen PK'W mit einem Nachschlüssel auf und setzte den Wagen in Gang. Mit dem Fahrzeug kam er jedoch nur wenige Kilometer weit. Auf der Hanauer Landstraße in Wachenbuchen verlor er die Gewalt über das Fahrzeug, kam auf die linke Straßenseite und prallte gegen ein Hoftor. Nach diesem Unfall, bei dem der Wagen stark beschädigt wurde, ergriff der 15jährige die Flucht. Die sofort alarmierte Landespolizei konnte den Autodieb gegen Mitternacht auf der Landstraße zwischen Wachenbuchen und Hochstadt aufgreifen und festnehmen.

 

Ortsschelle nur noch einmal wöchentlich                                                                       1961

Durch die ständig wachsenden Aufgaben der Gemeindeverwaltung sieht sich der Gemeindevorstand gezwungen, die amtliche Bekanntmachungen durch die Ortsschelle nur noch einmal in der Woche ausrufen zu lassen. Die Bekanntmachung soll jeweils nur noch am Freitag mitgeteilt werden. Die jeweiligen Bekanntmachungen müssen bis spätestens Donnerstagvormittag im Bürgermeisteramt gemeldet sein. Die Rentenzahlungen der Post werden nur noch durch die Presse, so durch den Hanauer Anzeiger, bekanntgemacht.

 

Bahnhof                                                                                                                               1961

Ein Dach wird gegenwärtig im Bahnhof Hochstadt-Dörnigheim über dem Bahnsteig gebaut.

Schon vor drei Jahren erhoben die Gemeindekörperschaften die Forderung nach einem überdachten Bahnsteig. Der Gemeindevorstand bot der Bundesbahn die Vorfinanzierung aus Haus­haltsmitteln an. Von der Bundesbahn wurde dieses Angebot abgelehnt. Jetzt ist die Bahn dabei, aus eigenen Mitteln das Projekt auszuführen [Die Überdachung war auf der Hochstädter Seite – im Hintergrund ist das Gebäude der Firma Mettenheimer zu sehen – und wurde wohl beim Bau der Unterführung wieder abgerissen].

 

Umbau der Wasserleitung                                                                                                 1961

Gegenwärtig wird in der Jägerstraße die alte Wasserleitung ausgebaut. Neue und stärkere Leitungen werden verlegt. Die Arbeiten werden von der Gemeinde in eigener Regie durchgeführt. Nur die Baggerarbeiten werden von einem Hanauer Unternehmen ausgeführt. Bedingt durch diese Arbeiten sind in der Jägerstraße für die Verkehrsregelung zwei Ampeln aufgestellt, die sich automatisch umschalten.

 

Programm der Narretei                                                                                                      1961

Am 11. November eröffnen die „Käwwern“ die Karnevalsaison. Eine Fremdensitzung veranstaltet man am 27. Januar und am 10. Februar ist ein Maskenball auf dem Programm. Am 24. Februar ist der zweite Maskenball. Ein Kostümfest für die Kinder ist am 4. März und der Schlußmaskenball am 6. März. Der Musikverein hat für den 5. März eine Rosemnontags­redoute angekündigt.

 

An alle Empfänger von Steuerbescheiden                                                                                  1961

Ab sofort werden von der Gemeindeverwaltung die Steuerbescheide für das Rechnungsjahr 1962 den Zahlungspflichtigen zugestellt. Dazu richtet die Gemeindeverwaltung folgende Aufforderung an die Steuerzahler: „Bitte, achten Sie darauf, daß diese. Bescheide nicht geknickt und verunreinigt werden. Die im vorigen Jahr ausgegebenen Steuertaschen wollen Sie auch bitte für dieses Jahr verwenden. Heften Sie also den 61er Bescheid nach vollständiger Bezahlung zu Ihren Akten und verwenden Sie bitte die leer gewordene Steuertasche für den zugestellten Bescheid des Rechnungsjahres 1962.

 

 

Seinen 73. Geburtstag begeht am 13. April Wilhelm Lohr, Kirchberg 9,

In Hochstadt: Herr Peter Müller, Am Kirchberg (60 Jahre).

Sein 82. Lebensjahr kann am 11. April Valentin Fischer, Wachenbucher Straße 11, vollenden.

Arbeitsjubiläum:

In Hochstadt: Herr Rudolf Seitz, Am Röderberg 7, 25 Jahre als kaufmännischer Angestellter bei der Firma Continental Elektroindustrie AC, Eisengießerei Wilhelma, Hanau).

In Hochstadt: Bei der Raiffeisenkasse feiert Herr Wilhelm Heckert sein 25. Arbeitsjubiläum.

Sein 78. Lebensjahr kann am 6. April Philipp Brosch, Lutherstraße 9, vollenden, und ihren 72. Geburtstag konnte Frau Margarete Ziegler geborene Weber, Hanauer Straße 8, begehen.

Am 2. Mai konnte Frau S. Tischer, Thingstraße, ihren 73. Geburtstag feiern. Am 3. Mai kann Frau Wilhelmine Lotz geborene Dauert, Ringstraße Süd 6, ihren 74. Geburtstag begehen. Gleichfalls wird Frau Marie März geborene Schröder, Bischofsheimer Straße, 70 Jahre alt.

In Hochstadt: Herr Adam Böhm, Friedberger Straße (78 Jahre).

Am 28.06. wurde Frau Katharina Seibel, geborene Strohl, Weinbergstraße 6, 70 Jahre alt. Am 29. Juni kann Frau Katharina Schüßler geborene Schlemmer, Bogenstraße 6, ihren 75. Geburtstag begehen. Am 30. Juni können Frau Katharina Mankel geborene Weckmann, Lutherstraße 11, Frau Lieschen Blum geborene Höhn, Am Kirchberg 3, und Frau Marie Feitig, Weiherstraße, ihren 71. Geburtstag feiern.

Am 10. Juni kann der Landwirt Johannes Strohl, Nordstraße 2, seinen 73. Geburtstag feiern.

In Hochstadt: Frau Wilhelmine Böhm, geborene Seibel, Hauptstraße 6 (72 Jahre).

Am Samstag, de, 23. Juli, feiert Frau Pauline Focke, Hofgerichtsstraße 5, ihren 75. Geburtstag

scher. Dorfelder Straße 12, 78 Jahre alt.

Am 22. Juli wird Herr Wilhelm Fischer Dorfelder Straße 12, 78 Jahre alt.

Am 13. September, Mittwoch, feiern die Eheleute Heinrich Lichtenfels und Frau Luise, geborene Seng, Schulstraße 10, das Fest der goldenen Hochzeit. Am gleichen Tage begehen die Eheleute Richard Becker und Frau Hanna, geborene Eibelshäuser, Rüsterstraße 3, ihre silberne Hochzeit.

Am Montag, dem 17. September wird der Oberstellwerksmeister i. R. Wilhelm Eibelshäuser, Kalkhausstraße 1, 75 Jahre alt.

Am morgigen Samstag wird Frau Anna Achtner, Niederfeldstraße, 80 Jahre alt.

Am 2. September wird Frau Maria Sauer geborene Seibel, Kirchberg 9, 82 Jahre alt.

In Hochstadt im September 1961:

: Frau Katharina Strohl, Hauptstraße 16 (73 Jahre)

Herr Philipp Stein, Hauptstraße 53 (80 Jahre).                    1

In Hochstadt : Herr Johannes Kraft, Weinbergstraße 1 (86 Jahre).            

 

 

Tausender fiel nach Hochstadt                                                                              20.02.1961

Bei der letzten Gewinnsparziehung der Raiffeisenorganisation in Kassel fiel auch ein Hauptgewinn in Höhe von 1.000 DM nach Hochstadt. Glückliche Gewinnerin war ein 17jähriges Mädchen, das bei der frohen Botschaft wie aus den Wolken stürzte.

 

Schmerz und Schmerzbekämpfung                                                                       20.03.1961

Heute, Montag, wird Dr. Fritsch, Hanau, in der Reihe „Vorbeugen, lindern, heilen“ über Schmerz und Schmerzbekämpfungsmittel sprechen.

 

 Gefallenen-Gedenkstunde in Hochstadt                                                             21.03.1961

Der Gemeindevorstand der Gemeinde Hochstadt hatte zu einer Gefallenen-Erinnerungsstunde im Saal der Gastwirtschaft Strohl aufgerufen. Sie leitete nach den ernsten und herzlichen Begrüßungsworten von Bürgermeister Ziegler und dem Eingangschorals des Kirchenchors zu dem im Mittelpunkt des Abends stehenden großen Lichtbildervortrag „Kriegsgräber in aller Welt“ über. In diesem Vortrag wies der Redner Zwehl vom Landesverband Hessen des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, darauf hin, daß es wenig wäre, wenn man der Kriegstoten nicht nur einmal im Jahre, am Volkstrauertag, gedächte. So hat sich die Jugend über Gräbern die Hände zu friedlicher Zusammenarbeit gereicht, und er wäre gut, wenn ihr Beispiel auch bei der älteren Generation Nachahmung fände. In einem Tonfilm wurde die Fahrt von Angehörigen der gefallenen deutschen Soldaten des Afrikakorps zur Einweihung des eindrucksvollen Grabdenkmals von Tobruk gezeigt. Am Schluß der Veranstaltung dankte der Vortragende dem Kreisvorsitzenden, Landrat Voller, sowie Amtmann Rehm für ihre Unterstützung der Arbeit des Volksbundes.

 

Straße nach Bischofsheim                                                                                      April 1961

Eine breite Straße wird zwischen Bischofsheim und Hochstadt gebaut, die in etwa drei Monaten fertig sein soll. Die Linienführung der Straße wird im Interesse der Verkehrssicherheit beträchtlich geändert. Vorgesehen sind am Rand der Straße zudem 50 Parkplätze für Autos.

 

Familienabend der „Käwern“                                                                                 06.04.1961

Hochstadt, 6. April. Am Samstag um 20 Uhr findet im Saale Strohl der diesjährige Familienabend der Karnevalsgesellschaft „Käwer" statt. Alle Mitglieder und Freunde sind recht herzlich eingeladen.

 

Umgang mit Fundsachen                                                                                       11.04.1961

Bürgermeister Philipp Ziegler erinnert in einer Bekanntmachung die Einwohner Hochstadts daran, daß Fundsachen nach den gesetzlichen Regelungen bei dem örtlichen Fundbüro - in diesem Fall bei der Gemeindeverwaltung - abgegeben werden müssen. Als eine Unsitte habe es sich in letzter Zeit immer wieder erwiesen, daß Fundgegenstände einfach nicht abgegeben werden, sondern von den Findern kurzerhand einbehalten werden. Daß dies verboten ist, sollte jeden Finder von Gegenständen oder sonstigen Sachen klar sein. Die gefundenen Gegenstände werden, wenn sie bei der Gemeindeverwaltung abgegeben werden, von Zeit zu Zeit öffentlich bekanntgegeben. Sollten gefundene Gegenstände innerhalb eines Jahres nach dem Fund nicht abgeholt worden sein, so stehen sie dem ehrlichen Finder zur Verfügung.

 

Jahresversammlung der „Käwer“                                                                          11.04.1961

Am heutigen Dienstag um 20 Uhr findet bei Gastwirt Steffens die diesjährige Jahreshauptversammlung der „Karnevalsgesellschaft Käwer“ statt. In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Versammlung wird um möglichst vollständiges Erscheinen der Mitglieder gebeten.

 

Unsaubere Straßen                                                                                                 April 1961

Hochstadt. Die Gemeindeverwaltung hat festgestellt, daß die Anlieger teilweise die Straßen mangelhaft reinigen. Sogar in den Neubaugebieten liegt stellenweise der Unrat in den Gossen tagelang herum. Bürgermeister Philipp Ziegler kündigte an, man werde die nachlässigen Grundstücksbesitzer eindringlich ermahnen, ihren Pflichten-nachzukommen. Man könne nicht dulden, daß das Ortsbild durch die Versäumnisse einiger Anlieger beeinträchtigt werde. Durch den Unrat würde zudem die Kanalisation in Mitleidenschaft gezogen. Als letztes Mittel müsse der Gemeindevorstand gegen die säumigen Anlieger Bußgelder verhängen.

 

Rollerfahrer stürzte

In Hochstadt stießen am Samstag um 15 Uhr ein Personenwagen und ein Rollerfahrer zusammen. Der Rollerfahrer stürzte und zog sich dabei Verletzungen zu, während die beiden Fahrzeuge beschädigt wurden.

 

Aus der Gemeindeverwaltung                                                                               25.04.1961

Bei der Gemeindeverwaltung ist eine Änderung eingetreten. Das Einwohnermeldeamt wurde von Zimmer eins nach Zimmer drei verlegt. Das Einwohner-Meldeamt ist täglich außer samstags von 8.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die Sprechstunden des Bürgermeisters bleiben unverändert, jeweils montags, mittwochs und freitags von 8 bis 13 Uhr.

Steuerkarten und Bundespersonalausweisen werden ebenfalls auf Zimmer 1 eins ausgestellt. Für die Volks-, Berufs- und Arbeitsstättenzählung sucht Bürgermeister Ziegler noch Zähler. Stichtag ist der Juni. Personen, die bereit sind, einen Zählbezirk, der durchschnittlich 30 Haushaltungen umfaßt, zu übernehmen, wollen sich im Rathaus melden.

 

Wasserversorgung wird ausgebaut                                                                      19.04.1961

Jährlich gehen rund 70.000 Kubikmeter Wasser verloren

Einstimmig genehmigten die Gemeindevertreter in ihrer letzten Sitzung die Aufnahme eines Darlehens von 275.000 Mark für den Ausbau der örtlichen Wasserversorgung. Hochbehälter, Pumpstation und die Zuleitung müssen überholt und erneuert werden, um allen Bürgern eine geregelte Wasserversorgung zu garantieren. Die Kosten berechnete Bürgermeister Philipp Ziegler mit 380.000 bis 400.000 Mark.

Bei der örtlichen Wasserversorgung hat man jährlich einen Verlust von rund 70.000 Kubikmeter zu verzeichnen, denn die Wasserversorgungsanlagen sind zum Teil veraltet und undicht. Die Gemeinde erwartet bei dem Ausbau der Trinkwasserversorgungsanlagen neben der Schuldendiensthilfe des Landes Hessen auch noch Zuschüsse aus Mitteln des Kreises. Die Erneuerung des Hochbehälters, der Pumpstation und der Zuleitung soll nach Möglichkeit in einem Bauabschnitt erfolgen, um die Arbeiten zügig zu gestalten. Das Grundstück für einen neuen Hochbehälter muß die Gemeinde noch aus privater Hand erwerben. Bürgermeister Ziegler rechnet jedoch mit keinen Schwierigkeiten.

Gemeindevertreter-Vorsteher Werner Lotz (SPD) nannte es kein Risiko, das die Gemeinde mit der Aufnahme eines Darlehens von 275.000 Mark eingehe. Obwohl der Zinssatz bei sechseinhalb Prozent liege, brauche die Gemeinde bei hundertprozentiger Auszahlung nur viereinhalb Prozent Zinsen zu bezahlen, da der Bund mit der Zinsbeihilfe zwei Prozent der Zinsen übernimmt. Auch Gemeindevertreter Günter Schöpel (Hochstädter Bürgerblock) war der Meinung, daß die Gemeinde bei dem günstigen Darlehen und der Schuldendiensthilfe des Landes Hessen nicht schlecht fahre.

Vertagt bis auf eine spätere Sitzung haben die Gemeindevertreter ihre Stellungnahme zur Bebauung des östlichen Ortsteils durch die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Frankfurt, die Wohnblocks an der Wachenbucher Straße erstellen möchte. Übernehmen wird die Gemeinde die Kosten für die Instandsetzung des Kirchendaches der evangelischen Kirchengemeinde in Höhe von 1.760 Mark. Die Kosten für die Vatertierhaltung setzten die Gemeindevertreter je deckfähige Kuh auf 16 Mark und je Ziege auf 7,50 Mark fest. Die Kosten für die Vatertierhaltung der Ziegenzucht werden anteilsmäßig mit auf die Nachbargemeinden Dörnigheim und Bischofsheim verteilt.

 

Fast zehn Millionen DM Umsatz erreicht                                                              25.04.1961

Erfreulicher Aufschwung bei der Raiffeisenkasse Hochstadt

Über einen erfreulichen Aufschwung bei der örtlichen Raiffeisenkasse konnte sich Unterverbandsprüfer Rohder in seinem Geschäftsbericht für 1960 auslassen. Der Umsatz hat sich von 7,5 Millionen Mark auf fast 10 Millionen Mark erhöht. Zu Beginn der Jahresgeneralversammlung, der auch der Werbeleiter des Raiffeisenzentralverbandes Kassel, Markgraf, Unterverbandsdirektor Göbel (Langendiebach), der Leiter des Kornhauses Hanau, Gerhardt, und Werbeinspektor Petzold von der Bausparkasse Schwäbisch Hall - beiwohnten. Wie aus dem Geschäftsbericht und der Vorlage der Gewinn- und Verlustrechnung ergab, zählt die Raiffeisenkasse Hochstadt heute 347 Mitglieder. Davon sind 195 Mitglieder Arbeiter, Angestellte und Beamte, 41 Bauern und Landwirte, 32 Handel- und Gewerbetreibende, zwölf Handwerker und 65 Mitglieder gehören sonstigen Berufen an.

Der Gesamtumsatz im Jahre 1960 betrug genau 9.810.562 Mark gegenüber 1959 nur 7.577.127 Mark. Die Kasse erfuhr demnach eine Umsatzsteigerung von 29,1 Prozent. Die Barreserven betragen heute 12.148 Mark gegenüber 9.631 Mark im Jahre 1959. Bei Kreditinstituten hat man außerdem ein Guthaben von 525.708 Mark. Der Jahresgewinn hat sich von 3.800 Mark auf 3.976,25 Mark gesteigert. Den Mitgliedern wird eine vierprozentige Dividende ausgezahlt, die 678,05 Mark ausmacht. 1.500 Mark werden dem Reservefonds und die restlichen 1.798,20 Mark der Betriebsmittelrücklage zugeführt.

Erhöht hat sich auch der Warenumsatz von 4.117 Doppelzentnern auf 4.375 Doppelzentner. Verringert haben sich dabei jedoch die Einnahmen von 89.229 Mark auf 77.516 Mark, was auf sinkende Preise zurückzuführen sein dürfte. Zum Abschluß des Geschäftsjahres hatte man einen Warenbestand im Wert von 13.872 Mark, der 18 Prozent des Gesamtumsatzes entspricht. Im Vorjahr waren es Werte von 18.888 Mark, was rund 21 Prozent des Gesamt-Warenumsatzes ausmachte. Wie Aufsichtsratsvorsitzender Heinrich Jost den Mitgliedern mitteilen konnte, haben die Prüfungen des Jahresabschlusses und des Geschäftsberichts zu keinen Beanstandungen geführt, worauf dieser einstimmig genehmigt wurde und dem Vorstand, Aufsichtsrat und Rechner Entlastung erteilt wurde.

Von der Versammlung wurde Heinrich Stumpf wieder einstimmig in den Vorstand gewählt. Ebenfalls in ihrem Amt bestätigt wurden die Aufsichtsratsmitglieder Philipp Bauer und Heinrich Jost. Zum Abschluß der Versammlung nahm Werbeleiter Markgraf vom Raiffeisenzentralverband Kassel noch zu aktuellen politischen und wirtschaftlichen Tagesfragen Stellung. Auch kam er auf den überhand nehmenden Arbeitsplatzwechsel zu sprechen, wovon die Raiffeisenkassen jedoch ausgeschlossen seien. Werbeleiter Petzold von der Bausparkasse Schwäbisch Hall zeigte zum Abschluß noch Farbbilder über fortschrittliche Planung und Bauen von Eigenheimen auf dem Land. Darunter waren auch einige Neubauten aus Hochstadt zu sehen.

 

25 Jahre bei der Raiffeisenkasse                                                                            25.04.1961

Für 25jährige Tätigkeit als Raiffeisenkassenrechner wurde in der Jahres-Generalversamm­lung der Kasse am vergangenen Wochenende Raiffeisenkassen-Rechner Wilhelm Heckert geehrt. Unterverbandsdirektor Göbel (Langendiebach) nannte Heckert einen der zuverlässigsten Rechner in seinem Unterverbandsbezirk. „Mit dem Rechner steht und fällt eine Kasse“, sagte Göbel. Treu, gewissenhaft und zuverlässig habe Heckert in den langen Jahren stets zum Wohl der Kasse und ihrer Mitglieder gearbeitet. Eigennutz stand bei ihm immer hinten an. Er habe bestimmt ersprießliche Arbeit geleistet, sonst könnte die kleine Kasse im Landkreis heute in der angestrengten Wirtschaftslage nicht einen Umsatz von zehn Millionen Mark vorlegen. Der Jubilar sei allen Anforderungen stets gewachsen gewesen. Auch nach dem verlorenen Krieg sei er der Initiator gewesen, als Deutschland darniederlag. Unablässig sei er bereit gewesen, der Kasse und damit der Wirtschaft im Ort wieder zu neuem Aufschwung zu verhelfen.

Im Auf trag des Verbandsanwaltes der Raiffeisenkassen, Jacob, der zur Zeit auf einer Studienreise in Amerika ist, überreichte Göbel dem Jubilar anschließend eine Ehrenurkunde und steckte ihm die silberne Ehrennadel des Raiffeisenverbandes an. Namens der Rechner aus dem Unterverband konnte er des weiteren eine große Vase überreichen. Die gute Zusammenarbeit mit der Raiffeisenkasse Hochstadt unterstrich auch der Leiter des Kornhauses Hanau, Gerhardt. Aus engstem Raum habe sich die Kasse emporgearbeitet. Silberjubilar Wilhelm Heckert stellte in seinen Dankesworten fest, daß es recht bewegte Jahre im letzten Vierteljahr- hundert waren. Er versicherte, daß er auch weiterhin seine ganze Kraft zum Wohle der Kassen und ihrer Mitglieder zur Verfügung stellen wird.

 

Hochstadt will keinen Wald mehr opfern                                                           

Gemeindevertreter gegen die geplante Trassenführung der Hochspannungsleitung

Nicht einverstanden sind Hochstadts Gemeindevertreter mit der Trassenführung der Hochspannungsleitung der Preußischen Elektrizitäts-Aktiengesellschaft. Sie will eine 220-KV-Hochspannungsleitung durch einen Teil des Landkreises Offenbach her von ihrem im Bau befindlichen Kraftwerk bei Großkrotzenburg und bei den Schleusenhäusern bei Dörnigheim wieder über dem Main durch den Kreis Hanau bis an die Stadtgrenze von Frankfurt in der Nähe von Bergen-Enkheim verlegen. Hochstadts Gemeindevertreter wandten sich vor allen Dingen gegen eine weitere Schändung ihres Gemeindewaldes.

Bei der Verlegung der Hochspannungsleitung muß durch den Hochstädter Gemeindewald eine etwa 70 Meter breite Schneise gehauen werden. Dies durfte nach Ansicht von Gemeindevertreter-Vorsteher Werner Lotz und Bürgermeister Philipp Ziegler den Wald in seiner Entwicklung merklich beeinflussen. Der Wind hat neue Angriffsflächen gefunden und kann nur so durch den Wald fegen und Sturmschäden anrichten. Bürgermeister Philipp Ziegler konnte den Gemeindevertretern nun einen anderen Vorschlag unterbreiten, den er auch bei der nächsten Ortsbesichtigung weiter vertreten will. Er schlug die Trassenführung für die Hochspannungsleitung entlang der Gemarkungsgrenze zwischen Hochstadt und Wachen- buchen vor. Beide Gemeinden werden dabei gleichzeitig von dem Holzeinschlag getroffen und eine Gemeinde habe den Schaden nicht allein zu tragen.

Die Leitung wird dann ober halb von Hochstadt, Bischofsheim und Bergen-Enkheim hindurch führen. Damit könnte man gleichzeitig einer Beeinträchtigung des Baugebiets Einhalt bieten. Wachenbuchens Gemeindevertreter haben jedoch zu dem Vorschlag aus Hochstadt noch nicht ihr „Ja-Wort“ gegeben.

Mit einstimmigem Beschluß haben sich die Gemeindevertreter nun hinter den Vorschlag des Bürgermeisters gestellt. Ferner wurde eine Resolution verfaßt, in der gegen die vorgesehene Trasse protestiert wird. In ihr wird die Beeinträchtigung des Erholungsgebiets für Hochstadt hingewiesen und auf die entstehenden Waldschäden bei den Sturmböen aufmerksam gemacht.

werden.

Als niedrigstes Angebot haben die Gemeindevertreter bei einem Kostenvoranschlag von 185.000 Mark den Bau eines neuen Wasserhochbehälters an eine Hofheimer Firma vergeben. Bürgermeister Ziegler ging in diesem Zusammenhang auf das Wasserleitungsprojekt in der Gemeinde ein. Man will eine Ringversorgung von der Bogenstraße aus durch die Hauptstraße zum Niederfeld schaffen. Außerdem müssen neue Wasserleitungsrohre in der Bleichstraße, Friedrich-Ebert-Straße, Ringstraße, Jägerstraße und Lindenstraße verlegt werden. Außerdem liegen in der Hanauer Landstraße unterschiedliche Leitungen. Für den Wasserleitungsausbau sind insgesamt noch 400.000 Mark erforderlich.

Vom Hanauer Straßenbauamt hat Regierungsoberbaurat Noll bei Bürgermeister Ziegler angekündigt, 1962 die Hauptstraße ähnlich der in Bischofsheim ausbauen zu lassen. Falls die Straße jetzt aber noch durch den Wasserleitungsumbau aufgerissen werden müsse, werde man vor zwei Jahren nicht an den Ausbau der Straße denken können, da man erst warten muß, bis sich das gesamte Erdreich gesetzt hat.

Schließlich wurde eine Satzung über Erschließungsbeiträge erlassen. Zehn Prozent der Kosten wird künftig die Gemeinde tragen, während 90 Prozent auf die Anlieger umgelegt werden. Genehmigt wurde ferner der Teilbebauungsplan für das Neubaugebiet „Am Kalkhaus“. Eine Frankfurter Baugesellschaft will dort mehrgeschossige Wohnhäuser errichten. Auf dem 15.000 Quadratmeter großen Gelände sollen insgesamt 172 Wohnungen erstellt werden.

 

Mit dem Auto überschlagen

In der Bahnhofstraße in Hochstadt kam gestern Abend kurz nach 22 Uhr ein Personenkraftwagen infolge hoher Geschwindigkeit von der Fahrbahn ab und streifte einen Straßenbegrenzungsstein. Der Wagen überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Der Fahrer erlitt  leichte Verletzungen. Es handelt sich um einen 23jährigen aus Bergen-Enkheim, der keinen Führerschein besitzt. Da Alkoholverdacht bestand, wurde eine Blutprobe vorgenommen.

 

Beim Überholen tödlich verletzt                                                                           05.07.1961

Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich am 5. Juli nachmittags gegen 17 Uhr auf der Bundesstraße 40 an dem Waldstück „Abtshecke“, bei dem der Metzgermeister Wilhelm Lenz aus Hochstadt tödlich verunglückte. Mit seinem Mercedes-Personenkraftwagen befuhr er, von Langenselbold kommend die Bundesstraße in Richtung Gelnhausen. An dem Waldstück überholte er einen Lastzug beim Gegenverkehr und stieß mit einem entgegenkommenden amerikanischen Personenkraftwagen frontal zusammen. Durch den sehr heftigen Zusammenstoß wurde Lenz durch die Windschutzscheibe auf die Fahrbahn geschleudert und so schwer verletzt, daß er kurz nach dem Zusammenstoß an der Unfallstelle verstarb. Der Fahrer des amerikanischen Fahrzeuges wurde nur leicht und seine Beifahrerin kaum verletzt. Beide Fahrzeuge wurden total beschädigt und mußten abgeschleppt werden.

 

Heute verschied plötzlich und völlig unerwartet, durch einen tragischen Verkehrsunfall mein lieber Mann Herr Wilhelm Lenz, Metzgermeister, im Alter von 43 Jahren.

In stiller Trauer im Namen aller Angehörigen: Helmi Lenz geborene Seibel

Hochstadt, den 5. Juli 1961

Die Beerdigung findet am Samstag, dem 8. Juli, um 16.30 Uhr von der Kirche aus statt.

 

Treffen der Radfahrerjugend                                                                                 Juli 1961

Heute Abend treffen sich um 18 Uhr bei Gastwirt Steffens alle Jugendlichen des Radfahr-Vereins „Solidarität2 zu einer Aussprache über eine 14tägige Fahrt ins Zeltlager der Solidaritätsjugend Hessen.

 

Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr                                                Juli 1961

Heute Abend findet bei Gastwirt Steffens eine wichtige Mitgliederversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Hochstadt statt. Zur Debatte stehen drei wichtige Tagesordnungspunkte, unter anderem die Übung am Kerb- Mittwoch. Beginn der Versammlung um 20.30 Uhr.

 

Abgaben                                                                                                                  Juli 1961

Die Gemeindekasse weist darauf hin, daß sämtliche rückständigen Steuern und Abgaben (Grundsteuer, Kanalgebühr, Gewerbesteuer usw.) bei der Gemeindekasse eingezahlt werden müssen. Alle Zahlungsrückstände des ersten Halbjahres 1961 werden ohne nochmalige Aufforderung sofort kostenpflichtig eingetrieben.

 

Neue Debatten um Starkstromleitung                                                                 Juli 1961

Hochstadt will bis zur letzten Konsequenz gehen - Außerordentliche Härte.

In der öffentlichen Gemeindevertreter-Sitzung die als Dringlichkeitssitzung anberaumt war, ging es um die Trassenführung der Preußischen Elektrizitäts-Gesellschaft durch die Gemarkung Hochstadt, Die Versorgungsleitung soll von Großkrotzenburg kommend durch die Gemarkung Hochstadts führen. Diese 220-KV-Leitung wird auf Masten von etwa 30 Meter Höhe verlegt, die einen Abstand von etwa 300 Meter haben.

Bürgermeister Ziegler, der die Verhandlungen mit der „PREAG“ und den staatlichen Stellen geführt hatte, sah es als seine Pflicht an, die Gemeindevertretung von dem Vorhaben der Gesellschaft zu unterrichten. Gleich zu Beginn ging Bürgermeister Ziegler auf die Planung ein. Er gab bekannt, daß die Verhandlungen bereits im Januar dieses Jahres begonnen haben, und er schon damals seine Bedenken gegen eine Trassenführung entlang des ebenfalls geplanten Rhein-Main-Schnellweges zum Ausdruck gebracht habe. Auf ein Schreiben an den Kreisausschuß Hanau und den Regierungspräsidenten sei bis heute keine Stellungnahme erfolgt. Auf Grund der Ablehnung der geplanten Trassenführung südlich von Hochstadt durch die Gemeindevertretung in der vergangenen Woche, wurde nunmehr eine neue Planung von der Unteren Naturschutzbehörde sowie Forstbehörde vorgenommen.

Die Planung erfolgte anschließend an eine Ortsbegehung und sieht die Trassenführung vom Gemeindewald Dörnigheim kommend über die neuangelegte Schonung, dem Parallelweg östlich des Sportplatzes in Richtung Wilhelm-Mankel-Eiche nach Norden entlang vor. Ober- halb der Hartig soll die Hochspannungsleitung nach der Gemarkung Bischofsheim führen.

Dadurch werde nicht nur der Wald, wo eine Schneise von etwa 70 Meter Breite eingeschlagen werden müßte, verschandelt, sondern auch das östliche Baugebiet, das Hochbauten vorsieht, gab Bürgermeister Ziegler zu verstehen. All diese Argumente, die der Bürgermeister bereits bei der Begehung zum Ausdruck brachte, wurden damit beantwortet, daß das Erholungsgebiet im Westen Hanaus, also hauptsächlich Wilhelmsbad, nicht für die Leitungsführung geeignet sei.

Nach diesen Ausführungen kam es zu einer regen Debatte beider Fraktionen. Beide Fraktionen blieben bei der vom Gemeindevorstand vorgeschlagene Leitungsführung, die vorsieht, daß die Trasse genau auf der Gemarkungsgrenze Hochstadt/Wachenbuchen verlaufen soll. Beide Gemeinden hätten die gleichen Lasten zu tragen. Die jetzige geplante Trassenführung lehnt die Gemeindevertretung einstimmig ab.

Als Begründung wurden folgende Gründe angegeben: Da die Leitungsführung von der Gemarkung Dörnigheim / Hochstadt bis zur Gemarkungsgrenze Bischofsheim / Hochstadt zu 99 Prozent innerhalb der Gemarkung verlegt werden soll, bedeutet dies für die Gemeinde Hochstadt eine außerordentliche Härte; die Gemeindevertretung fühlt sich verpflichtet, den ortsnahen Wald in seiner Gesamtheit zu erhalten. Für die Ausdehnung des Baugebietes in Richtung Osten wurde mit diesem Plan keine Gelegenheit mehr sein.

Auf Grund all dieser Punkte, sprach sich die Gemeindevertretung einstimmig gegen diesen und alle weiteren Vorschläge aus und will nur einer Trassenführung entlang der Gemarkungs- grenze Hochstadt / Wachenbuchen ihre Zustimmung geben.

 

Heute Gemeindevertretersitzung                                                                            Juli 1961

Heute, 21.00 Uhr, findet im Gasthaus Keller die 9. öffentliche Gemeindevertreter-Sitzung statt. Zur Diskussion stehen zwei Tagesordnungspunkte. 1. Vorlage und Beschlußfassung über die Leitungsführung der PREAG durch den gemeindeeigenen Wald an der Gemarkungsgrenze Dörnigheim Hochstadt - Wachenbuchen in nördlicher Richtung. 2. Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 250.000 DM bei der Hessischen Landesbank für den Straßenbau.

 

Beitragserhebung 1961 für die Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft   Juli 1961

Zur Zeit werden durch die Gemeindekasse Hochstadt die Beiträge für die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft erhoben. Die Beitragspflichtigen werden gebeten, sofort nach Zustellung des Bescheides die fälligen Beträge an die Gemeindekasse einzuzahlen. Eine nochmalige Zahlungsaufforderung erfolgt nicht mehr.

 

Wasseruhren müssen zugänglich sein                                                                  Juli 1961

Beim Ablesen der Wasserzähler durch die Gemeindearbeiter in der vergangenen Woche wurden wieder erhebliche Schwierigkeiten angetroffen. Die Uhren, die vierteljährlich (jeweils am Ende der Monate März, Juni, September und Dezember) abgelesen werden, müssen dem Zähler ohne Schwierigkeiten zugängig sein. Es wurde festgestellt, daß manche Uhren regelrecht zugebaut waren, so daß der Zähler den Stand nicht feststellen konnte. Da die Uhren innerhalb drei Tagen abgelesen werden, fordert hiermit die Gemeindeverwaltung alle Hauseigentümer auf, in Zukunft diese Mängel zu beseitigen.

                                  

Bürgermeister geht in Urlaub                                                                                Juli 1961

Für 14 Tage geht ab kommenden Montag Bürgermeister Phillip Ziegler in Urlaub. Die Vertretung übernimmt für diese Zeit der I. Beigeordnete Heinrich Seibel. Sprechstunden sind weiter-hin wie bisher montags, mittwochs und freitags in der Zeit von 9 bis 12 Uhr.

 

Hochstadt feiert seine ,,,Kerb“                                                                              Juli 1961

Hochstadt feiert in den nächsten Tagen seine traditionelle „Kerb“. Sie beginnt am Sonntag, wird am Mittwoch (12. 7.) fortgesetzt und erlebt ihren Kehraus am 16. Juli. Wie alljährlich am „Kerbmittwoch“ wird die Hochstädter Feuerwehr bei einer Einsatzübung ihr Können unter Beweis stellen. Auf dem Festplatz wird ein großer Vergnügungspark mit Karussells und Schiffsschaukeln aufgebaut. In drei Lokalen werden Kapellen zum Tanz aufspielen, u. a. die so beliebten „Böhmerwald-Schrammeln“ im Gasthaus „Zur Krone", Hauptstraße.

 

Fußball-Ferien enden am 27. Juli                                                                           Juli 1961

Wie überall, so herrschen auch in Hochstadt derzeit Fußball-Ferien. Das Training wird am 27. Juli wieder aufgenommen. Während der Sommerpause werden die Mitglieder des 1. FC gebeten, beim Sportplatzausbau mitzuhelfen. Die freiwilligen Arbeitsstunden sind jeweils für den Samstag angesetzt.

 

Gemeinden im Spiegelbild ihrer Entwicklung                                                      Juli 1961

Hochstadt: Apfelwein, Holzwaren und Hochhäuser

Großes Bauprogramm am Rande des Dorfes - Neuer Hochbehälter -

Kanalisations- und Wasserleitungsnetz wird ausgebaut                                                    

Romantiker nennen Hochstadt das Rothenburg am Main. Wenn man durch die winkligen Gassen und Straßen streicht, wird dieser Eindruck bestätigt. Aber dies ist nur eine Seite des aufstrebenden Ortes. Am Ostrand schießen neue Viertel aus dem Boden, und in nicht allzu­ ferner Zukunft wird man von den Hochhäusern dieses Ortes sprechen. Eine neue Zeit ist eingekehrt. Wir saßen im Arbeitszimmer des Bürgermeisters.

Dem Raum fehlt jeder Charakter der Residenz eines Dorfpatriarchen. Moderne Stühle stehen rund um den wuchtigen Schreibtisch, an dem die Verhandlungen geführt wurden, die die Zukunft des Ortes bestimmen. Ein frischer Wind weht überall durch die alten Mauern. Wir liefen über Grasland, wo einmal wuchtige Bauten sich erheben sollen, wir schauten hinaus in die Mainebene, wo der kleine Rhein-Main-Schnellweg verlaufen wird, und wir sahen die Kinder, die draußen vor dem Ort in freundlicher Umgebung spielten. Für diese Kinder wird der Ort ausgebaut.

Der I. Beigeordnete Hochstadts, Heinrich Seibel, war mit uns hinausgegangen an die Brennpunkte des Aus- und Aufbaus des Ortes. Hinter der gepolsterten Tür des Bürgermeisteramtes wurde das einmal gewonnene Bild im Gespräch abgerundet.

 

Ein Trabantendorf an der Wachenbucher Straße

Nur noch wenige Monate werden bis zum Bau des Trabantendorfes von Hochstadt zwischen der Wachenbucher- und der Kalkhausstraße verstreichen. An die letzten Häuser des Ortes schließt sich das Trabantendorf an. Bis zu neun Geschosse werden die Häuser aufweisen. Im Herbst wollen hier ein Frankfurter Siedlungs- und ein Hanauer Bauunternehmen mit der Errichtung von 228 Wohnungen beginnen. Rechnet man eine durchschnittliche Belegung von drei Personen pro Wohnung, dann wird Hochstadts Bevölkerung um fast 700 Personen anwachsen. Mit den Wohnhäusern warfen sich für die Gemeinde neue Probleme auf. Neue Straßen, so die Spessartstraße und der Schlesier-Weg, müssen gebaut werden, die Kinder benötigen Spielplätze, Kanalisation und Wasserleitungen müssen gelegt werden. Weit über die Vor­planungsarbeiten ist dieses Projekt hinaus.

Noch im „Puppenstadium“ ist dagegen der Plan, den Ort nach Westen hin zu erweitern. Die Gemeinde erwägt eine Gesamtprojektierung, um eine geschlossene Bauweise zu erreichen.

In der Jäger-, Wiesen-. Vogelwaid- und Waldstraße sind seit 1955 herrliche Bauten durch Privatinitiative entstanden. Inmitten einer nahezu paradiesischen Stille ist hier der rechte Platz für ein erholsames Wohnen.

 

Wasserversorgung wird ausgebaut

Durch die zu erwartende gewaltige Vergrößerung des Ortes ist ein Ausbau der Wasserversorgung notwendig. Der alte Hochbehälter, der rund 150 Kubikmeter faßt, ist zu klein geworden. Für eine Bevölkerungszahl von 4.500 wird jetzt ein neuer Hochbehälter hinter der Kirche am Schützenhäuschen mit einem Fassungsvermögen von 800 Kubikmeter gebaut. Auch die Wasserleitung, deren Querschnitt zu klein ist, soll ausgebaut werden. Zusammen mit Hochbehälter werden für diese Maßnahmen rund 740.000 Mark auf den Tisch zu blättern sein.

Seit jeher ist die Wasserversorgung im Niederfeld ein Sorgenkind der Gemeindevertreter. Die Brunnen sind hygienisch nicht völlig einwandfrei. Im zweiten Bauabschnitt wird nun die Wasserleitung auch in das Niederfeld verlegt.

 

Kanalisation vor dem Abschluß

Seit 1955 sind in Hochstadt fast vier Kilometer Kanalisationsleitungen gelegt worden. Zu 90 Prozent ist das Dorf jetzt an das Abwassernetz angeschlossen. Die Arbeiten gehen ihrem Ende entgegen. Am Röderberg werden derzeit die Rohre verlegt, die Eugen-Kaiser-, die Weiher-, Friedrich-Ebert-, Wiesen- und Vogelwaidstraße werden ebenfalls an die Kanalisation angeschlossen. Für Kanalisation und Wasserversorgung stellte die Gemeinde insgesamt rund drei Millionen Mark zur Verfügung, eine tüchtige Stange Geld bei einem ordentlichen Haushalt von 750.000 Mark, einem außerordentlichen Haushalt von 940.000 Mark, und einer Verschuldung, die nicht das Mittelmaß überschreitet.

 

Bürgersteige Mangelware

Auch den Straßenbau haben die Gemeindevertreter nicht vergessen. Hauptsächlich Bürgersteige werden in der nächsten Zeit gebaut. Bleich-, Weiher-, Hofkirchstraße, die Straße am Röderberg und die Schillerstraße stehen noch auf der Dringlichkeitsliste beim Straßenbau. Für rund 300.000 Mark sollen die Straßen ausgebaut werden.

 

Sorgenkind Kindergarten

Zählen wir weiter auf, was in Hochstadt noch geschaffen werden muß: Ein Sorgenkind ist der Kindergarten. Fünfzig der jüngsten Hochstädter haben ihr Domizil in einem Raum der alten Schule aufgeschlagen. Wenn es das Wetter erlaubt wird draußen - aber hinter einem Drahtzaun - gespielt, der den Schulhof abgrenzt. Wenn die neuen Häuser stehen, muß an einen Kindergartenneubau gedacht werden. Der Platz steht schon zur Verfügung. Eine Erweiterung der 1953 errichteten Schule wird dann erst aktuell, wenn das Gebiet im Westen des Ortes bebaut wird.

 

800 Plätze in der Mehrzweckhalle

Durch den Bau einer Mehrzweckhalle, für die die Pläne bereits fix und fertig sind, wird endlich die Saalnot in Hochstadt beendet. Der massive Bau soll auf einem Grundstück an der Ecke der Bahnhofstraße und der Ringstraße erstellt werden. Als Baubeginn faßt man das Frühjahr 1962 ins Auge. 800 Menschen werden in der Halle Platz finden, wenn zu Versammlungen oder Vorführungen eingeladen wird. Bei geselligen Veranstaltungen, bei denen Tische aufgestellt werden, kann die Halle bis zu 400 Menschen aufnehmen. Mit ihren Nebengebäuden, in denen unter anderem eine Kegelbahn untergebracht werden wird, sollte sie ein Schmuckstück für den Ort und Mittelpunkt zahlreicher Vereinsveranstaltungen werden. Durch die Unterteilung der Halle sind auch Familienfeiern möglich.

 

Peitschenleuchten an der Bischofsheimer Straße

Ein weiteres Projekt, das die. Hochstädter Gemeindevertretung beschäftigte, war die Straßenbeleuchtung. Als nächste Maßnahme ist die Aufstellung von Peitschenleuchten an der Bischofsheimer Straße vorgesehen.

 

Nicht nur Apfelwein ...

Nur die ganz großen Probleme Hochstadts ließen sich hier anschneiden. Waren es vor dem Kriege noch knapp 1.800 Einwohner, die der Ort zählte, so ist heute die Zahl auf fast 3.000 hochgeschnellt. Schon aus diesem enormen Wachstum heraus lassen sich die einzelnen Probleme ableiten, die der Ort zu bewältigen hat.                                

 

Eine Holzwarenfabrik hilft mit, durch ihr Steueraufkommen, die Projekte zu verwirklichen, und die Hochhäuser werden einmal hinüber zu der neuen Straße grüßen und dokumentieren, daß das Rothenburg am Main Schritt hält mit der Gegenwart.

Eine drangvolle Enge herrscht auf dem Spielplatz des Kindergartens von Hochstadt. Die Schaffung eines neuen Kindergartens und eines neuen Spielplatzes für den Nachwuchs ist eine wichtige Aufgabe der Gemeindevertreter.

Die Kanalbauarbeiten am Röderberg gehen ihrem Ende entgegen.

Ein kleiner Vorgeschmack wie Hochstadt von der Wachenbucher Straße her einmal aussehen wird, bieten diese Hochhäuser.

 

Innerhalb von sechs Wochen wuchs der Rohbau des Hochstädter Hochbehälters aus dem

Boden. In einem Monat wird die Anlage fertig sein. — Unser Bild zeigt einen Blick auf

einen der beiden Hochbehälter

 

Karte für Grundstücke für Grundsteuer C liegt aus                                            August 1961

Im Zimmer 1 der Gemeindeverwaltung liegt eine Karte aus, in der alle Grundstücke, die rückwirkend ab 1. Januar 1961 mit der Grundsteuer C (300 Prozent), veranlagt werden, festgestellt sind. Eingezeichnet sind alle Grundstücke, die innerhalb des genehmigten Bebauungs­planes liegen und baureif sind. Alle Anlieger der in Frage kommenden Grundstücke steht der Widerspruch gegen eine Veranlagung der Grundsteuer C offen. Die Karte liegt 14 Tage zu jedermanns Einsicht aus.

 

Unfall mit gestohlenem Wagen                                                                 August 1961

Ein 15jähriger Bursche verursachte mit einem Personenwagen, den er vor einer Gastwirtschaft mit einem Nachschlüssel aufgeschlossen hafte, einen Verkehrsunfall. Das Auto prallte gegen ein Hoftor. Nach dem Unfall, bei dem der Personenwagen stark beschädigt wurde, ergriff der 15jährige die Flucht. Auf der Landstraße zwischen Wachenbuchen und Hochstadt wurde der Autodieb von einer Polizeistreife aufgegriffen und .festgehalten.

 

Und Baby trug es mit Fassung

Hochstadt begrüßte den 3000. Einwohner Ruth Breuer                         August 1961

Der lang ersehnte 3000. Einwohner der Gemeinde erblickte in der Schillerstraße 4 das Licht der Welt. Es handelt sich um Ruth Breuer, die zweite Tochter des Elternpaares Helmut Breuer und Elisabeth, geborene Siederer. Beide Elternteile sind Heimatvertriebene aus dem Sudetenland und seit 1945 in Westdeutschland wohnhaft. In Hochstadt hat sich der Handelsvertreter Helmut Breuer zusammen mit seiner Ehefrau und seiner Mutter im Jahre 1957 ein schmuckes Einfamilienhaus erbaut, in dem die Familie Breuer ihre zweite Heimat gefunden hat.

Bürgermeister Ziegler ließ es sich nicht nehmen, den 3000. Einwohner seiner Gemeinde persönlich zu begrüßen. Für Vater Breuer war es eine große Überraschung, als Bürgermeister Ziegler plötzlich an der Haustür stand und dem Vater diese Botschaft überbrachte. Zuerst wollte der glückliche Vater nicht daran glauben, denn er war der Meinung, daß die Einwohnerzahl die Dreitausendgrenze schon längst überschritten habe. Bürgermeister Ziegler konnte Vater Breuer aber alsbald von der Richtigkeit überzeugen. Die Mutter von Ruth war gerade dabei, ihr Baby zu verköstigen, als der Bürgermeister im Auftrage des Gemeindevorstandes die Glückwünsche der Gemeinde Hochstadt. überbrachte. Für die Mutter hatte der Bürgermeister einen Strauß Nelken bereit und für Klein-Ruth ein Sparbuch mit einem Guthaben von 50 Mark sowie für die erste Ausfahrt eine komplette Babyausstattung. Tochter Ruth nahm dies alles gelassen zur Kenntnis und dankte anschließend mit einem müden Gähnen. Frau Breuer war ebenso überrascht wie ihr Ehemann. Bürgermeister Ziegler wünschte Klein-Ruth einen frohen und gesunden Lebensweg und sprach die Hoffnung aus, daß die Gemeinde Hochstadt eine dauernde Heimat werde und das Kind nicht das Schicksal der Eltern erlebe, die Heimat einmal unter Zwang verlassen zu müssen.

 

Hochstadts Wasserversorgung gesichert                                                             August 1961

Richtfest am neuen Hochbehälter In vier Wochen fertiggesteilt

Bereits sechs Wochen nach Beginn der Bauarbeiten am neuen Hochbehälter konnte jetzt das Richtfest gefeiert werden. Mit der endgültigen Fertigstellung wird bereits in vier Wochen gerechnet. Ein Beweis dafür, daß mit den heutigen technischen Mitteln die größten Projekte in ganz kurzer Zeit erstellt werden können.

Bekanntlich ist die Errichtung dieses Hochbehälters durch das ständige Anwachsen der Bevölkerung in der Gemeinde Hochstadt erforderlich geworden. Der bisherige Hochbehälter, der im Jahre 1923 errichtet wurde und nur 150 Kubikmeter faßte, wird den heutigen Ansprüchen nicht mehr gerecht. In den heißen Sommermonaten hatte fast das ganze Oberdorf Wasser- mangel. Aber auch bei Bränden war keine ausreichende Wasserreserve für die Bekämpfung vorhanden. Auch technisch entsprach das alte Wasserreservoir nicht mehr den Ansprüchen. Jährlich gingen 20.000 bis 30.000 Kubikmeter Wasser durch die Undichtigkeit des Behälters verloren, so daß für die Gemeinde ein erheblicher Verlust entstand.

Durch die beiden Pumpen und das verfügbare Wasser ist die Rentabilität des neu erstellten Hochbehälters gesichert. Das Ziel von Bürgermeister Ziegler, die Wasserversorgung der Gemeinde Hochstadt für lange Zeit zu sichern, ist nunmehr erreicht. Ziegler, der immer wieder die Gemeindevertretung besonders vor der Ausweisung neuer Baugebiete an die mißliche Lage bei der Wasserversorgung erinnerte und eindringlich warnte, kann nun der kommenden Entwicklung der Bautätigkeit mit mehr Optimismus entgegensehen.

Mit dem Bau des Wasserbehälters ist auch die Möglichkeit gegeben, die Siedlung „Niederfeld“ an das Ortsnetz anzuschließen. Das gesamte Projekt, Hochbehälter und Erweiterung des Ortsnetzes, ist mit über 740.000 Mark veranschlagt. Diese Mittel sind bereits im diesjährigen

Haushaltsplan veranschlagt. Allerdings ist im Moment diese Erweiterung davon abhängig, ob sich eine Firma findet, die bei der gegenwärtigen Lage auf dem Arbeitskräftemarkt in der Lage ist, diese Arbeiten auszuführen.

Der Hochbehälter ist mit 186.000 Mark veranschlagt. Die Ausführungen der Arbeiten hat ein Unternehmen aus Hofheim am Taunus übernommen.

Zwei Behälter mit je 400 Kubikmeter Inhalt - also 800 Kubikmeter - wird der Hochbehälter enthalten. Hiervon sind 600 Kubikmeter für Trink- und Gebrauchswasser vorgesehen. 200 Kubikmeter stehen als Brandreserve zur Verfügung.

Wenn man bedenkt, daß das Unternehmen innerhalb von sechs Wochen mit nur durchschnittlich zehn Arbeitern dieses Bauwerk im Rohbau errichtet hat, ist eine besondere Anerkennung angebracht. Beide Behälter mit je einem Durchmesser von 12,35 Meter und einer Höhe von fast 5 Meter werden nach Fertigstellung mit der ausgehobenen Erde angefüllt, so daß nur noch der Verbindungsraum mit den Schiebern und Schaltanlagen zwischen beiden Behältern freiliegt.

Bürgermeister Ziegler, der bei dem Richtfest Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes, den Bauleiter und Vertreter der Baufirma begrüßen konnte, dankte für die gute Zusammenarbeit aller am Bau Beteiligten und äußerte die Hoffnung, daß in den nächsten 30 Jahren die Wasserversorgung für die Gemeinde Hochstadt gesichert sei.

 

Bei Flugzeugunglück getötet: Opfer der Katastrophe                             September 1961

Zu den Opfern der schweren Flugzeugkatastrophe, die sich an der irischen Küste ereignete, gehört der 47jährige Landwirt Wilhelm Schmidt. Ein tragischer Zufall ließ ihn zum Opfer der schwersten Luftkatastrophe dieses Jahres werden. Wilhelm Schmidt wurde im letzten Augenblick Teilnehmer der Landwirtschaftsdelegation, die auf dem Flug von Düsseldorf nach Chicago im dichten Nebel verunglückte. Er sprang als Vertreter für einen Gutsbesitzer ein, der verhindert war.

Wilhelm Schmidt zählte zu den Landwirten, die sich niemals dem Fortschritt verschlossen. Als einer der ersten Bauern im Landkreis Hanau übernahm er einen modernen Aussiedlerhof. Für ihn war es selbstverständlich, das Angebot, eine Reise nach den USA mitzumachen, unter dem Gesichtswinkel der beruflichen Weiterbildung. In den Vereinigten Staaten wollten die Fluggäste der von einer Düsseldorfer Firma gecharterten Maschine die Fortschritte bei der Mechanisierung der nord-amerikanischen Landwirtschaft kennenlernen. Wilhelm Schmidt ist verheiratet und hinterläßt fünf Kinder, darunter einen vier Wochen alten Säugling.

 

Bei dem Flugzeugabsturz am 10. September in Shannon / Irland ist mein lieber Mann, unser guter Vater, lieber Sohn, Schwiegervater, Schwiegersohn, Bruder, Schwager, Onkel und Opa

Herr Wilhelm Schmidt, Landwirt, im Alter von 47 Jahren tödlich verunglückt.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Margarethe Schmidt, geborene Bauer

Hochstadt, den 16. September 1961

Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 19. September 1961, um 14 Uhr von der Kirche in Hochstadt aus statt.

 

Einsichtnahme in die Wahlkartei                                                              September 1961

Ab kommenden Sonntag ist das Wählerverzeichnis zu jedermanns Einsichtnahme offen­gelegt. Die Auslegung erfolgt bis einschließlich 3. September. Jeder Wahlberechtigte bekommt im Laufe dieser Woche seine Wahlbenachrichtigungskarte zugestellt. Sollte ein Wahl- berechtigter diese Karte nicht bekommen, wird er gebeten, sich unverzüglich im Bürgermeisteramt, Zimmer 1, zu melden, um in das Wählerverzeichnis nachgetragen zu werden. Nach dem 3. September können keine Einsprüche gegen das Wählerverzeichnis mehr erhoben werden.

 

Anträge werden abgeholt                                                              September 1961

Anträge für die Lohnsteuerkarten und Beschäftigungsnachweise müssen ab sofort zur Abholung bereitliegen. Die Anträge die von den Arbeitnehmern bestätigt sein müssen, werden bis spätestens Samstag von den Bediensteten der Gemeindeverwaltung abgeholt.

 

Wahlkreis 139 (Landkreis Hanau) Erst- und Zweitstimmen

Gemeinde

CDU

SPD

FDP

GDP

DFU

DRP

Bergen-Enkheim

1 764  

1 724

3 061  

2 9 94

690     

720

295     

253

209

207

88

93

Bischofsheim

  819

  812

1 5291 1 524

263

252

 87

 88

128

123

28

28

Bruchköbel

  707

  689

1 370 326

235

248

214

220

120

122

 9

13

Butterstadt

 55

 56

  4

  4

 1

 1

 

 

 

Dörnigheim

1 294  

1 234

1 867

1 811

479

504

256

268

232

230

25

23

Eichen

257

235

411

403

100

101

15

16

5

5

 9

 9

Erbstadt

173

176

321

323

29

28

2

2

8

9

 2

 2

Gronau

189

180

165

166

66

64

26

28

3

4

15

11

Großauheim, Stadt

2 535  

2 464

2 969

2 891

479

501

138

137     

399

402

24

26

Großkrotzenburg

1 087  

1 059

1 040

1 052

126

122

54

62

111

115

10

 9

Hochstadt

538

524

1 016

973

144

153

49

49

38

43

17

17

 

Schwarzer Regen über Hochstadt: Asche im Briefumschlag                   Oktober 1961

Rauchwolken ziehen über eine Siedlung / Auch Opernsänger belästigt

Im Siedlungsgebiet „Niederfeld“ in Hochstadt klagen die Bürger über einen schwarzen Regen, der sieh nicht nach den Jahreszeiten richtet, aber auch nicht durch den am Barometer ablesbaren tiefen Luftdruck angekündigt wird. Seit Jahr und Tag regnet es Asche auf die Siedlung.

Am 31. August platzte einem der Siedler, dem Polizeibeamten Ferdinand Formhals, der be­rühm­te Kragen: Er richtete einen Beschwerdebrief an das Hanauer Landratsamt und schickte eine Abschrift an den Regierungspräsidenten.

Die Familie Formhals bewohnt an der unwegsamen Niederfelder Straße eines der Häuser, die in den letzten Jahren in der Nähe des Waldes am Ortsrand von Hochstadt gebaut wurden. In der unmittelbaren Nachbarschaft ragt der Schornstein eines Furnierwerkes in die Höhe. Schwarze Rauchwolken ziehen fast an jedem Arbeitstag über das Grenzgebiet der Gemarkungen Hochstadt und Dörnigheim. Aus ihnen regnet es Verbrennungsrückstände des holzverarbeitenden Betriebes.

Wenn der Wind aus südlichen Richtungen weht, haben die Niederfeld-Siedler regelmäßig unter dem Aschenregen zu leiden. „Meine Frau rennt nur noch mit dem Putzlumpen herum“ berichtet der Polizeibeamte Formhals. „Ein Fenster kann man fast nicht mehr aufmachen.“ Die Vorwürfe der Frau des Polizeibeamten klingen wie ein Klagelied: „Die Wäsche wird schmutzig, im Freien kann man nicht sitzen, das Gemüse im Garten wird grau ...“.

Der Beschwerdebrief des Polizeibeamten wurde am 22. September vorigen Jahres beantwortet. Die Landkreisbehörde kündigte die Einschaltung des Gewerbeaufsichtsamtes Frankfurt an. ,;Sobald Feststellungen des Gewerbeaufsichtsamtes vorliegen, werde ich Sie unterrichten“, hieß es in dem Brief der Kreisbehörde. Am 23. März fragte das Landratsamt an, ob die Belästigung inzwischen nachgelassen habe. Bald darauf schickte der Polizeibeamte, der bei seinen Aktionen von 31 Familien unterstützt wird, einen Briefumschlag ins Landratsamt. Der Umschlag enthielt an einem Tag vor der Haustür auf einer Fläche von vier Quadratmetern zusammengekehrte Asche.

Man fragt sich in den Siedlerfamilien, warum die Nachbargrundstücke des Furnierwerkes als Bauland ausgewiesen wurden. „Wenn wir das geahnt hätten, wären wir in Frankfurt geblieben“, sagt der Opernsänger Willy Müller. Er hat sein Häuschen im Dezember vorigen Jahres bezogen. Der Aschenregen vergällt ihm und seiner Frau die Freude daran [Haus an der Bahnhofstraße].

Fast machtlos steht man im Landratsamt den Dingen gegenüber. „Wenn man weiß, wie die Belästigung abgestellt werden kann, dann werden der Firma die entsprechenden Auflagen erteilt“, sagt ein Sprecher des Landratsamtes. Ein Hoffnungsschimmer steckt hinter der Feststellung: „Gegenwärtig wird mit der Firma verhandelt, und bald werden wir wissen, ob ein befriedigendes Ergebnis dabei herauskommt.“.

 

Naturschutzgebiete und Naturdenkmäler                                                 Oktober 1961

Mit Farblichtbildern berichtet heute Abend um 20 Uhr in der Volkshochschulaußenstelle Hochstadt B. Malende, Hanau, über Naturschutzgebiete und Naturdenkmäler im Kreise Hanau. Diese Vortragsreihe unter dem Thema „Naturschutz und Pflanzenwelt“ wird am 23. Januar mit einem Bericht des gleichen Referenten über die Naturschutzgebiete an Rhein und Nahe fortgesetzt.

 

Mehrzweckhalle in Hochstadt schon im Projekt: Saal mit Bühne geplant

Wasserversorgung soll durch Hochbehälter gesichert werden    November 1961

Seit vielen Jahren beklagt man in Hochstadt den Mangel an geeigneten Sälen für Kultur und

Sport treibende Vereine. Bürgermeister Philipp Ziegler kündigte den Bau einer Mehrzweck-

halle an, mit dem man dem Mangel abhelfen wolle. Wahrscheinlich wird die Halle spätestens

1963 fertig sein. Die Planungsarbeiten werden schon jetzt ausgeführt. Mit ihnen wurde ein

Architekt aus Ostheim bei. Butzbach beauftragt.

Die Mehrzweckhalle soll an der Ecke Ringstraße -Bahnhofstraße gebaut werden. Ein 2.370 Quadratmeter großes Gelände ist bereits in Gemeindebesitz. Vorgesehen sind ein Saal mit Bühne, zwei Vereinsräume, ein Sanitätsraum, Kegelbahnen, Wasch- und Duschräume sowie eine Bücherei. Außerdem soll eine Gastwirtschaft in einem Anbau errichtet werden.

Rund 1,12 Millionen Mark wird voraussichtlich die Mehrzweckhalle kosten. Das Land Hessen dürfte die Hälfte der Kosten übernehmen. Im nächsten Jahr soll der Grundstein gelegt werden. Bürgermeister Ziegler erklärte zur Finanzierung, vermutlich werde die Gemeinde ein Darlehen von 250.000 Mark aufnehmen müssen. „Wir werden aber bestrebt sein, mit einem geringeren Darlehensbetrag auszukommen“, sagte der Bürgermeister. Nach seinen Angaben soll der große Saal der Mehrzweckhalle rund 700 Sitzplätze bieten.

Vordringlich erscheint dem Bürgermeister der Abschluß der Kanalisation. In dem jetzt von der Verwaltung fertiggestellten Etatentwurf sind 550.000 Mark für den siebten und letzten Kanalbauabschnitt eingeplant. Die Kanalhauptleitung bis zur Dörnigheimer Gemarkungsgrenze liegt bereits. Bürgermeister Ziegler kündigte an, die Nachbargemeinden Hochstadts und Dörnigheim würden an die Hanauer Kläranlage in Kesselstadt angeschlossen.

Um die Wasserversorgung sicherzustellen, sollen im kommenden Etatjahr 418.000 Mark bereitgestellt werden. Der Hochbehälter wird im Februar nächsten Jahres in Betrieb genommen werden können. Hausanschlüsse müssen noch in der Siedlung Am Niederfeld geschaffen werden. Für die Wasserversorgung wird man wahrscheinlich ein Darlehen von 400.000 Mark aufnehmen müssen. Die Feuerwehr hat den Mangel an Hydranten kritisiert. Bürgermeister Ziegler bemerkte, den Wünschen der Feuerwehr solle im nächsten Jahr entsprochen werden.

Insgesamt will Hochstadt im nächsten Jahr Darlehen über 1,4 Millionen Mark aufnehmen. Von diesem Betrag sind 245.000 Mark für den Straßenbau vorgesehen. Aus außerordentlichen Haushaltsmitteln will man für den Straßenbau 75.000 Mark bereitstellen. Bürgermeister Ziegler gab bekannt, daß im nächsten Jahr die Schillerstraße, der Wellenpfad, die Hofgerichtstraße und die Bleichstraße Teerdecken erhalten werden. In der Hanauer Straße und in der Jägerstraße will man Bürgersteige anlegen. Auch die Straßenbeleuchtung soll wesentlich durch Aufsatzleuchten und Peitschenmasten verbessert werden.

Besonders am Herzen des Bürgermeisters liegt seit längerer Zeit der Feldwegebau. „Wir werden auf jeden Fall im kommenden Jahr für den Feldwegebau 20.000 Mark Eigenkapital zur Verfügung stellen“, sagte der Bürgermeister. Gleichzeitig wolle man sich um Mittel aus dem Grünen Plan bemühen. Nach den Angaben des Bürgermeisters benötigt man noch 150.000 Mark, um die Feldwege in der Gemarkung restlos in Ordnung zu bringen.

Ein Betrieb der Metallindustrie wird sich im nächsten Jahr in der Dörnigheimer Straße unweit des Bahnhofs ansiedeln. Der Betrieb wird 50 bis 100 Arbeitskräfte beschäftigen. Wie der Bürgermeister mitteilte, dürfte sich das Gewerbesteueraufkommen im bevorstehenden Etatjahr 1962 auf rund 150.000 Mark belaufen. Der Gewerbesteuerausgleich wird der Gemeindekasse 75.000 Mark erbringen. Man wird 1962 einen Rekordhaushalt zu verabschieden haben. Im ordentlichen Teil schließt der Etatentwurf mit 758.000 Mark ab. Das außerordentliche Haushaltsvolumen beläuft sich auf über 1,44 Millionen Mark

 

Gemeinde Hochstadt hat einen neuen Rekordhaushalt                                      Dezember 1961

Keine Steuererhöhungen - Straßen- und Kanalbau, Mehrzweckhalle und die Erweiterung der Wasserversorgung größte Projekte

Einstimmig wurde Hochstadts Haushaltssatzung mit dem Haushaltplan für 1962 in der letzten öffentlichen Gemeindevertretersitzung angenommen. Insgesamt schließen ordentlicher und außerordentlicher Haushalt mit der Rekordsumme von rund 3,2 Millionen Mark ab. Zum Vergleich ist hierbei zu erwähnen, daß der Planansatz des Rechnungsjahres 1959, also vor drei Jahren, rund 850.000 Mark betrug. Das Volumen des ordentlichen Haushaltes im Rechnungsjahr 1962 beträgt 758.150 Mark. Tier außerordentliche Haushalt ist mit insgesamt

2.477.850 Mark in Einnahmen und Ausgaben veranschlagt.

Vorsitzender Werner Lotz, der den Gemeindevertretern, sowie den zahlreichen Zuhörern den Haushaltsplan erläuterte, konnte befriedigt feststellen, daß trotz des erhöhten Planansatzes keine Steuererhöhungen vorgenommen werden. Die Grundsteuer A (Landwirtschaftliche Betriebe) beträgt 190 Prozent, Grundsteuer B 160 Prozent und Grundsteuer C (baureife Baugrundstücke) 300 Prozent. Der Gewerbesteuerhebesatz wurde ebenfalls mit 260 Prozent unverändert gelassen.

In der Haushaltssatzung wurde der Höchstbetrag der Kassenkredite auf 50 000 Mark fest- gesetzt. Der Gesamtbetrag der Darlehen, die ausschließlich bei der Hessischen Landesbank aufgenommen werden sollen, beträgt 1.445 000 Mark. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus 245.000 Mark für den Straßenbau (2. Bauabschnitt), 550.000 Mark für den Kanalbau, 250.000 Mark für den Bau der Mehrzweckhalle, 400.000 Mark für den Neubau und Erweiterung der Wasserversorgung. Die Maßnahmen sind alle im außerordentlichen Haushalt vorgesehen und verplant.

Lotz erwähnte zu Beginn seiner Ausführungen, daß sich Hochstadt im Jahre 1962 in seiner

Struktur erheblich ändern würde. Er brachte hierbei zum Ausdruck, daß sich alleine die Einwohnerzahl um rund 100 Personen im Jahre 1961 erhöht habe. Sollte sich die vorgesehene

Maßnahme im Wohnungsbau mit 110 Wohnungen im Jahre 1962 verwirklichen, so würde das bedeuten, daß rund 300 Personen eine neue Heimat in Hochstadt finden würden und die Einwohnerzahl auf fast 3.500 ansteigt.

Lohnsteuerkarten wurden für 1962 insgesamt 1.400 ausgestellt. Die rein landwirtschaftlichen

Betriebe gab Lotz mit insgesamt 26 an. Somit dürfte sich Hochstadt durch die enorme Wohnungsbautätigkeit in den letzten Jahren nun endgültig von der ländlichen Gemeinde zu einer

reinen Arbeiterwohnsitzgemeinde gewandelt haben.

Im Einzelplan 0 (Allgemeine Verwaltung) sind in Einnahmen 4900 Mark veranschlagt. Die

Ausgaben, die hauptsächlichen Kosten der Personal- und Verwaltungsausgaben, betragen ins-

gesamt 89 180 Mark. Unwesentlich nannte Lotz den Einzelplan 1 (öffentliche Sicherheit und Ordnung) und der in Einnahmen mit 50 Mark und Ausgaben mit 3.800 Mark abschließt

 

Wesentlich höhere Ausgaben sind im Einzelplan 2 (Schulen) veranschlagt. Hier wurden für Reinigung. Heizung und Beleuchtung 6.000 Mark eingesetzt. Für Lehr-, Lern- und Unterrichtsmittel sind 2000 Mark vorgesehen. Die Lohnkosten des Hausmeisters und Reinigungspersonal betragen 11 400 Mark Die Einnahmen betragen 1100 Mark.

Im Einzelplan 3 (Kultur) stehen den Ausgaben von 1.240 Mark keine Einnahmen gegenüber. Hier sind überwiegend Mittel für Unterhaltung des Kirchturmes sowie Wartungskosten

der Kirchturmuhr eingesetzt.

Enorm in den Steuersäckel muß im Einzelplan 4 gegriffen werden. Hier stehen den Einnahmen der Benutzungsgebühren des Kindergartens mit 2.500 Mark Ausgaben für Vergütungen des Personals und Unterhaltungskosten in Höhe von rund 14 000 Mark gegenüber. Vorsitzender Lotz bat hierbei alle Gemeindevertreter, zu überlegen, was in der Zukunft mit dem Kindergarten geschehen soll, da dieser kaum von der Schule für das 9. Schuljahr benötigt wird. Die Gemeindevertretung müsse bemüht sein, ein geeignetes Gelände für eine neu zu errichtende Kindertagesstätte zu finden, damit auch Hochstadt den sozialen Anforderungen gerecht werde. Den Kosten für die Gemeindeschwester steht eine Mindereinnahme von 3.500 Mark gegengenüber.

Die Einnahmen im Einzelplan 6 betragen insgesamt 88.500 Mark. Hiervon sind 50.000 Mark an Straßenanliegerbeiträgen eingesetzt. Lotz gab hierzu bekannt, daß die Veranlagungsbescheide noch im Laufe des Monats Januar 1962 den Anliegern zugestellt werden und mit dem

 eingesetzten Betrag auch unbedingt zu rechnen sei, da sich die Gesamtbaumaßnahme im Straßenbau bereits im 1. Bauabschnitt auf 280.000 Mark belief. Als Zuschuß des Landes sind

25.000 Mark in Ansatz gestellt. Die Ausgaben im und Einzelplan 6 betragen 132.200 Mark, Hiervon sind 75.000 Mark als Zuführung zum außerordentlichen Haushalt für den Straßenbau eingesetzt.

Für den landwirtschaftlichen Wegebau sind 20.000 Mark eingesetzt, und der Feldwegebau im Rahmen des Grünen Planes kann somit erheblich angekurbelt werden. Knapp 15.000 Mark

sind für Löhne für Gemeindearbeiter eingesetzt und die Zinsen und Tilgungsbeträge für aufgenommene Darlehen betragen 18.000 Mark.

Einen Rekordansatz von 101.220 Mark in Einnahmen und 222.850 Mark in Ausgaben hat der

Einzelplan 7 aufzuweisen. Hier sind in Einnahmen erstmalig die Kanalbenutzungsgebühren

 nach dem Wasserverbrauch ermittelt. Wie ja bereits bekannt werden die Kanalgebühren ab

1. Januar nach dem Wasserverbrauch errechnet. Pro Kubikmeter Abwasser beträgt die Gebühr

-,45 Mark, und sie wird monatlich durch die Erheberin des Wassergeldes und der Müllgebühren mit erhoben. An Anschlußgebühren wurden 25.000 Mark eingesetzt. Hierbei ist zu merken, daß sämtliche Anliegerbescheide für Kanalanschlüsse, ob bebaute oder unbebaute

Grund­stücke, in den nächsten Tagen den Anliegern zugestellt werden. Diese Bescheide sind

einheitlich auf 150 Mark festgesetzt und sind erstellt mit der Begründung, daß ab Januar eine neue Gebührenordnung in Kraft in getreten ist; die wesentliche Erhöhungen der Anschlußgebühren vorsieht. Es erscheint also ratsam, diese 150 Mark baldigst an die Gemeinde zu entrichten.

Wesentlich größere Zahlen erscheinen in der Ausgabespalte. Hier sind allein 112.000 Mark als Anteilbetrag für den Bau der Mehrzweckhalle vorgesehen. An Zinsen und Tilgungen von Darlehen für den Kanalbau sind im Rechnungsjahr insgesamt 78.000 Mark zu leisten. Die Stromkosten für die Straßenbeleuchtung sind mit 4.000 Mark veranschlagt.

Die Kosten der Müllabfuhr betragen 7.700 Mark. Der Feuerwehr stehen in diesem Jahr über 2.500 Mark zur Verfügung.

Im Einzelplan 8 wurde das Wassergeld mit 42.000 Mark veranschlagt. An Anschlußkosten und Gebühren sind insgesamt 39.000 Mark verplant. Ebenfalls wurde ein Zuschuß des Kreises mit 25.000 Mark eingeplant. Aus dem Holzeinschlag werden 1962 insgesamt 49.000 DM erwartet. Diese Summe ist durch die geplante Trassenführung der Preag und somit einem erhöhten Holzeinschlag entstanden.

Die Löhne im Einzelplan 8 betragen 24.000 Mark. Die Zinsen und Tilgungsleistung betragen ebenfalls 28.000 Mark. Zuführungen zum außerordentlichen Haushalt sind mit 17.850 Mark vorgesehen. Die Bewirtschaftungs- und Unterhaltungskosten der Anlagen sind auf 9.000 Mark festgesetzt worden. Auf 18.800 Mark sind Holzwerbungskosten und Kulturkosten veranschlagt und für Rücklagen sind 10.000 Mark vorgesehen.

Am günstigsten von allen Einzelplänen ist der Einzelplan 9 (Finanzen und Steuern). Hier stehen den Ausgaben mit 140.630 Mark Einnahmen von 398.530 Mark gegenüber. Der Höchst­betrag der Ausgaben im Einzelplan 9 ist der an den Kreis zu zahlende Betrag der Kreisumlage von 103.000 Mark, An Gewerbesteuerausgleichszuschüssen muß die Gemeinde 12.000 Mark an verschiedene Wohnsitzgemeinden zahlen. Für Bewirtschaftungskosten für Wohngrundstück sind 4000 Mark vorgesehen.

Am günstigsten wirken sich dagegen die Einnahmen des Einzelplanes 9 aus. Hier sind aus Mieten der Gemeindehäuser 14.000 Mark verplant. Aus Grundsteuer A werden 23.000 Mark und aus Grundsteuer B 27.500 Mark erwartet.

Beachtlich sind die Einnahmen aus der Gewerbesteuer, sie betragen 151.130 Mark. An Gewerbesteuerausgleichszuschüssen werden 75.000 Mark erwartet. Aus der Schlüsselzuweisung

konnten nach bereits eingegangenem Bescheid 93.000 Mark verplant werden. Aus Kino- und Vergnügungssteuer werden etwa 5.000 Mark erwartet. So verspricht dieser Haushaltplan des Rechnungsjahres 1962 ein wirklich interessanter Plan zu werden, da sich die kommenden und anstehenden Probleme bereits abzeichnen.

 

Der erste Schnee ist gefallen, dünn zwar nur, aber freudig begrüßt von den Menschen allerorts, die ihn eigentlich einige Tage vorher erwartet hatten. Hier in Hochstadt hat er wie überall im Landkreis Hanau Straßen und Häusern ein neues Gesicht gegeben. Der Schnee verändert die Landschaft, die weichen Flocken nehmen den Konturen die Schärfe. Der Schnee mag, auch die Menschen verändern, die jetzt, wenn auch nur optisch, etwas „winterlicher" denken als. vorher.

 

Solidaritätsjugend unter dem Weihnachtsbaum                                     Dezember 1961

In den Mittagsstunden des Sonnabends fand im Vereinslokal der Gaststätte Keller die Weihnachtsfeier der „Solidaritätsjugend“ Hochstadt statt. Zweiter. Vorsitzender Sauermilch konnte im Auftrag des Vorstandes die Jugendlichen begrüßen. Nachdem ein Weihnachtsgedicht der Rollschuhläuferin Brigitte Schomburg den Beifall aller gefunden hatte, hieß Jugendleiter Walter Riebel die Jugendlichen auf das herzlichste willkommen. Riebel dankte dem Vorstand für den für diese Feier zur Verfügung gestellten Betrag. Da die Jugendlichen als Aktiven des Vereins das Vereinsgeschehen bestimmen, sei es unbedingt angebracht, auch bei einer solchen Feier den Betreffenden etwas zu bieten. Nach

Vorsitzender Eibelshäuser hieß alle Jugendlichen willkommen. Er äußerte die Hoffnung, daß nun die Aktivität im neuen Vereinslokal wieder ansteigen würde, damit der Verein auf kommende Meisterschaften ebenfalls vertreten sei. Hiernach folgte ein Quizspiel für alle Jugendlichen. Nachdem die Sieger der drei Gruppen ermittelt waren, kamen diese in den Endkampf. Zu beantworten waren Fragen des Allgemeinwissens, des Sports, der Erdkunde und der Politik. Festzustellen war, daß dieses Quizspiel bei allen Jugendlichen großen Anklang fand. Im Endkampf konnte die Rollschuhläuferin Gisela Kohlhepp als Siegerin hervorgehen. Im Auftrag des Vorstandes gingen dann alle Rollschuhläuferinnen geschlossen zu der seit zwölf Wochen erkrankten Rollschuhläuferin Lydia Weber. Ihr wurden die besten Wünsche überbracht [Es handelt sich wohl um den Radfahrverein „Solidarität].

 

 

1962

 

Jubiläen

Der Rentner Johannes Lotz, Hanauer Straße 12, feiert am Dienstag, dem 23.01.1962, seinen 75. Geburtstag.

76 Jahre alt wird am morgigen Freitag Frau Margarete Stein, Schützenstraße 3.

Der Rentner Karl Osigus Nordstraße 2, wird morgen, Samstag,. 80 Jahre alt.

Der Landwirt Philipp Mankel, Lutherstraße 11, wird am 17.01.1888 (Mittwoch) 74 Jahre alt.

 

Der Rentner Jakob Seng, Am Rathaus, feiert am morgigen Samstag, dem 27.01. seinen 84. Geburtstag: Am gleichen Tag wird der Rentner Joseph Modschiedler, Wachenbucher Straße 11, 75 Jahre alt.

Der Landwirt Philipp-Peter Seibel, Schützenstraße 2, wird am morgigen Sonntag 73 Jahre alt,.

74 Jahre alt wird Frau Margarete Strahl, Wellenpfad 3, am morgigen Mittwoch. Am gleichen Tage feiert Frau Herta Koch, Bahnhofstraße 25, ihren 73. Geburtstag.

Die Eheleute Fritz und Margarete Stumpf geborene Huhn. Eugen-Kaiser-Straße 7, feiern morgen, Dienstag, ihre silberne Hochzeit.

Herr Jakob Seng, Am Rathaus (84 Jahre); Herr Joseph Modschiedler, Wachenbucher Straße 11 (75 Jahre).     

Frau Käthe Kraft, geborene Seibel, Bogenstraße 20 (70 Jahre); Frau Eva Koch, Lutherstraße 5 (79 Jahre); Herr Johannes Mankel, Wellenpfad 4 (83 Jahre).

Frau Karoline Schäfer; Nordstraße 1 (77 Jahre).

Frau Margaretha Schneider geborene Lotz, Wachenbucher Straße 13 (80 Jahre).

Herr Fritz Weber, Hanauer Landstraße 7 (75 Jahre).

Herr Heinrich Jost 1, Hainstraße 2 (81 Jahre).

Frau Marie Schäfer, geborene Ulrich, Rohrbachstraße 3 (86 Jahre).

Frau Elisabeth Weifenbach, Hauptstraße 37 (84 Jahre).

Herr Philipp Brosch, Wellenpfad 1 (79 Jahre).-

Herr Fritz Weber, Hanauer Straße 7 (75 Jahre).

Frau Margarete Mankel, Wellenpfad 4, wird morgen, Samstag, 78 Jahre alt.

Gemeinsam Geburtstag feiern am 16.März die Eheleute Weißbindermeister Wilhelm Strohl, 71 Jahre und Frau Katharina, geborene Seibel, 70 Jahre.

Seinen 71. Geburtstag konnte Wilhelm Mankel, Bischofsheimer Straße 17, feiern.

Vier Hochbetagte feiern am 4.April (Donnerstag) Geburtstag:

Johann Schickling, Thingstraße 1, 71 Jahre,

Peter Rohrbach, Gartenstraße 6, 71 Jahre.

Frau Martha König, Schlesierweg 71 Jahre.

Frau Margarete Ziegler, Hanauer Straße 7, 73 Jahre.

Gestern, am 3. April, wurde Frau Katharina Brosch geb. Bornkessel, Lutherstraße 9, 72 Jahre alt.

Silberne Hochzeit: Eheleute Jakob Eibelshäuser und Frau Katharina, geborene Kranzer, Gartenstr. 8.                                                  Geburtstage:

In Hochstadt: Herr Konrad Disser, Hauptstraße 39 (90 Jahre);

Herr Valentin Fischer, Wachenbuchener Straße 11 (83 Jahre);

Herr Fritz Schürhoff, Bischofsheimer Straße 8 (71 Jahre).

Frau Maria Metz, Bischofsheimer Straße 27 (73 Jahre);:

Herr Wilhelm Huhn, Am Röderberg 12 (71. Jahre);

Herr Adolf Schröder, Am Räderberg 18 (72 Jahre);

Frau Wilhelmine Lotz, Ringstraße 8 (75 Jahre),

Frau Maria Gramsch, Jägerstraße 11 (81 Jahre).

Herr Wilhelm Flöter, Hanauer Straße 13 (74 Jahre);

Herr Wilhelm Lohr, Lindenstraße 8 (81 Jahre)

Ihren 80. Geburtstag begeht morgen Frau Katharine Stein, Wachenbuchener Straße 2. Am gleichen Tag wird Frau Magdalena Fischer 86 Jahre alt.

Morgen, Sonntag, dem 6. Mai, wird Kaspar Dorn, Wachenbucher Straße 19, 81 Jahre alt.

Heute können die Eheleute Johannes Bechert und Frau Elisabeth geborene Seibel, Rohrbachstraße 3, ihre goldene Hochzeit feiern.

Zwei Hochbetagte feiern am morgigen Donnerstag Geburtstag: Philipp Seibel, Bischofsheimer Straße 3, 80 Jahre, und Frau Anna Platzer, Schillerstraße, 73 Jahre.

 

Drei Hochbetagte feiern am morgigen Freitag Geburtstag: Frau Auguste Widmaier, Bahnhofstraße 34, 84 Jahre,

Frau Elisabeth Elsässer, Schulstraße 16, 76 Jahre, und Frau Marie Lukas, Friedrich-Ebert-Straße, 90 Jahre.

Morgen, Donnerstag, feiert Frau Anna Hofacker, Am Kirchberg 7, ihren 80. Geburtstag.

Frau Katharina Strohl, Hauptstraße 26 (77 Jahre) (im August)

Herr Hans Cordes, Thing- Straße 16 (70 Jahre).

Diamantene Hochzeit: Eheleute Johann Mankel und Frau Margarete, geborene Hensel, Wellenpfad 4.

Goldene Hochzeit: Eheleute Wilhelm Lohr und Frau Susanne, geborene Leonhardt, Ans Kirchberg 9.

Drei Hochbetagte feiern am kommenden Montag Geburtstag: Frau Minna Huhn, Hauptstraße 40, 74 Jahre, Frau Maria Hohn, Bleichstraße 2, 80 Jahre, und Frau Katharina Schöner, Dorfelder Straße, 81 Jahre.          

Heute feiern die Eheleute Peter Heckert und Frau Lenchen, geborene Lind, Jägerstraße 2, ihre silberne Hochzeit.           

Herr Jakob Seng, Am Rathaus 2 (85 Jahre);

Herr Joseph Modschiedler, Wachenbucher Straße 11 (74 Jahre);

 Frau Margarete Höhne, Am Röderberg 14 (81 Jahre);

Frau Agnes Pensel, Wachenbuchener Straße 6 (75 Jahre).            

Heute feiern die Eheleute Heinrich Ruhr und Frau Marie, geborene Walzer, Am Kirchberg 2, ihre silberne Hochzeit.

Arbeitsjubiläum: Herr Josef Heidenreich, Bischofsheimer Straße 8, feiert als Werkmeister bei der Firma FMA Pokorny, Werk Mayfarth, sein 40. Arbeitsjubiläum.

                                  

 

 

Eine neue Straße für 800.000 Mark                                                                                  1962

Ausbau auf 6,50 Meter Breite- Nach dem Vorbild Hochstadt-Bischofsheim

Für viele Autofahrer, die die überlastete Bundesstraße 8 / 40 bei ihrer

Fahrt von oder nach Frankfurt scheuen, ist die Landstraße zwischen Hanau und Bi­schofs­heim ein beliebter Weg. Im vergangenen Jahr wurde nun das Teilstück dieser Straße zwischen Hochstadt und Bischofsheim ausgebaut und damit die Straße wesentlich verbessert. Jetzt werden die ersten Arbeiten zum Ausbau des Teilstücks zwischen dem Wachenbuchener Ortsteil Hohe Tanne und Hochstadt vorgenommen.

Rechts und links der Straße fielen winterdürre Bäume. Sie werden bis Mitte der kommenden Woche weggeräumt sein. Dann wird die Straße noch einmal freigemacht, bevor dann im Frühsommer die eigentlichen Bauarbeiten beginnen werden. Mit einem Kostenaufwand von 800.000 Mark soll die Straße eine 6,50 Meter breite Fahrbahn, Betonrandstreifen und Fahrradweg erhalten und damit dem Teilstück zwischen Hochstadt und Bischofsheim gleichen. Außerdem ist geplant, die Kurve kurz vor Hochstadt zu begradigen. Auf dem verbleibenden Stück der alten Straße will die Gemeinde Hochstadt Parkplätze für die Sportplatzbesucher schaffen. Noch im Jahre 1962 will man mit dieser Straßenbaumaßnahme fertig werden.

Später ist eine Weiterführung dieser Straße bis zur Hanauer Burgallee geplant. Auch bei dieser Baumaßnahme werden die vorhandenen Kurven begradigt, so daß diese Landstraße der Bundesstraße 8 / 40 einmal eine wirkliche Entlastung bringen kann.

 

Hochstadts Spitzenzüchter hielten Position                                            Januar 1962

Siebenmal die Idealnote vorzüglich

Nach einem erfolgreichen Zuchtjahr konnten sich die Hochstädter Rassegeflügelzüchter während der Ausstellungssaison wie schon oft auf sämtlichen Großschauendes Bundesgebiets als Spitzenzüchter behaupten.

Anläßlich der 43. Nationalen Rassegeflügelschau in Frankfurt konnten die Züchter Heinrich Mankel auf Zwerg-Silber-Wyandotten, Thüringer Kröpfer und Forellentauben, Wilhelm Mankel auf Lahore schwarz und blau, Wilhelm Mankel und Sohn auf Hessenkröpfer blau und gelercht, Rudolf Schäfer auf Sächsische Weißschwänze, Süddeutsche Mohrenköpfe, Süddeutsche Blassen und Thüringer Mäusertauben, Karl-Heinz Schoder auf Eistauben belatscht und Sächsische Pfaffen blau, Günther Schöpel auf Zwerg-Wyandotten schwarz und Nürnberger Samtschwalben schwarz und rot, Hans Rohrbach auf schwarze Italiener und Deutsche Zwerge orangefarbig sowie Philipp Schmidt auf Deutsche Zwerge gold farbig und Thüringer Flügeltauben aller Farben einmal die Note vorzüglich, ein Siegerband, drei Bundesehrenpreise, 17 Ehrenpreise, 25mal Zuschlagehrenpreisen und weitere Klassenpreise erringen.

Auf der 10. Deutschen Taubenschau in Wanne-Eickel konnten die Züchter Karl-Heinz Scho­der mit Eistauben und Sächsische Pfaffen, Rudolf Schäfer mit Thüringer Mäusertauben, Süddeutsche Mohrenköpfe, Süddeutsche Blassen und Sächsischen Weißschwänze rot und gelb mit der Note vorzüglich, fünf Ehrenpreisen, vier Zuschlagsehrenpreisen und mehreren Klassenpreisen hervortreten.

Bei der Bayerischen Landes-Geflügelausstellung in München konnten die Züchter Rudolf Schäfer auf Sächsische Weißschwänze, Karl-Heinz Schoder auf Eistauben und Pfaffen sowie Günther Schöpel auf Nürnberger Samtschwalben acht Ehrenpreise und fünf Zuschlagsehrenpreise mit nach Hause bringen.

Auch auf mehreren Sonderschauen machten Hochstadts Züchter ihrem Namen alle Ehre. So errang der 1. Vorsitzende des Vereins, Philipp Schmidt, in Weinheim (Bergstraße) mit seinen goldfarbigen Deutschen Zwergen das Zweibürgener Siegerband und fünfmal sg.

Auf der 2. Odenwälder Taubenschau in Zeilhard konnte derselbe Züchter auf seine Thüringer Flügeltauben das „Odenwaldsiegerband“, die Note vorzüglich und mehrere Ehrenpreise erringen. So errang auch Hans Rohrbach in Weinheim auf orangefarbige Deutsche Zwerge zweimal sgE und zweimal sgZ.

Auf der Sonderschau der Lahorezüchter in Bürstadt errang Wilhelm Mankel einmal vorzüglich und zwei Ehrenpreise. In Großen-Linden auf der Sonderschau der Eistauben brachte es die Zucht von Karl-Heinz Schoder auf sgE und viermal sgZ. Auf der 1. Stamm-Siegerschau am vergangenen Sonntag in Essen errang Heinrich Mankel auf Thüringer Kröpfer und Forellentauben einen Ehrenpreis und zwei Zuschlagsehrenpreise.

Das größte Fest der Rassegeflügelzüchter im Kreise Hanau war wie alljährlich die Kreisschau, die diesmal vom Geflügelzuchtverein Dörnigheim durchgeführt wurde. Dreimal vorzüglich errangen dort Wilhelm Mankel auf Lahore und Rudolf Schäfer auf Sächsische Weißschwänze und Süddeutsche Mohrenköpfe, Philipp Schmidt erhielt für seine Thüringer Flügeltauben als beste Gesamtleistung den „Leistungspreis auf Tauben“.

Außer diesen errangen Konrad Seibel auf Sächsische Mönchtauben, Johannes Koch auf Zwerg-Langschan und Fränkische Samtschilder, Helmut Krebs mit Nürnberger Samtschwalben, Alfred Reichert auf Hochbrutflugenten und Süddeutsche Brüster und Hans Schröder auf seine Norwigkröpfer insgesamt 14 Ehrenpreise, 12 Zusatzpreise und viele Klassenpreise. Ins­gesamt errangen die Züchter des Geflügelzuchtvereins Hochstadt während der diesjährigen Ausstellungssaison siebenmal die Note vorzüglich, drei Siegerbänder, über 60 Ehrenpreise und 57 sg-Zuschlagsehrenpreise.

Zum letzten Male in dieser Ausstellungsperiode werden sich nun am nächsten Samstag und Sonntag bei der Lokalschau des Geflügel-Zucht-Vereins Hochstadt in der Gastwirtschaft Rauch alle diese prämiierten Tiere zum Stelldichein zusammenfinden. Insgesamt kommen 355 Tiere, darunter 120 Hühner und 235 Tauben zur Ausstellung. Der Verein wird keine Mühe scheuen, allen Züchtern mit dieser letzten Schau der diesjährigen Saison eine wahre Delikatesse der Geflügelzucht zu bereiten.

 

Ein Wanderpokal für die Geflügelzüchter                                                Januar 1962

Einen Wanderpokal für insgesamt sechs Jahre hat Bürgermeister Ziegler anläßlich der Geflügelausstellung am heutigen Samstag und am Sonntag in der Gastwirtschaft Rauch für das beste Tier bzw. den erfolgreichsten Züchter gestiftet. Auf dieser Ausstellung, in der insgesamt 355 Tiere zur Schau stehen, werden sich nur die besten Tiere ein Stelldichein geben. Die Ausstellung beginnt heute um 15 Uhr und wird bereits am Sonntag um 8.30 Uhr wieder eröffnet. Eine reichhaltige Tombola ist vorgesehen. Außerdem wird der schon traditionelle Eierwipp zum Ausschank kommen.

 

Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr                                       Januar 1962

Am heutigen Samstag findet in der Gastwirtschaft Rauch die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Hochstadt statt. Der Wichtigkeit der Tagesordnung entsprechend werden alle Mitglieder um vollzähliges und pünktliches Erscheinen gebeten. Beginn pünktlich 20.30 Uhr.

 

Eintrittskarten bei den Mitgliedern                                                           Januar 1962

Am Samstag findet im Saal Strahl die erste große Fremdensitzung statt. Narren aus Frankfurt, Wiesbaden-Biebrich, Großauheim und Hanau werden mit ihren Vorträgen wie schon so oft diesen Abend verschönern. Beginn der Sitzung pünktlich 20.11 Uhr, Saalöffnung bereits ab 19 Uhr. Eintrittskarten können bereits im Vorverkauf bei den einzelnen Mitgliedern gekauft werden.

 

Versammlung bei der SPD                                                                                     Januar 1962

Am Freitag findet bei Gastwirt Steffens eine wichtige Versammlung des SPD- Ortsvereins Hochstadt statt. Auf der Tagesordnung stehen gegenwärtig wichtige Probleme, die in dieser Sitzung zur Diskussion stehen. Der Wichtigkeit der Tagesordnung entsprechend bittet Vorsitzender W. Lotz um pünktliches und vollzähliges Erscheinen. Beginn 20 Uhr.

 

Vorstandssitzung der „Solidarität“                                                                       Januar 1962

Heute findet im Vereinslokal, der Gaststätte Keller, eine wichtige Vorstandssitzung des Radfahrer-Vereins „Solidarität“ Hochstadt statt. Um pünktliches und vollzähliges Erscheinen wird dringend gebeten. Beginn 20.30 Uhr.

 

Größte Lokalschau im Rhein-Main-Gebiet                                                           Januar 1962

In Hochstadt wurde sechsmal die Note „vorzüglich“ vergeben

Nach einem erfolgreichen Zuchtjahr richtete der Hochstädter Geflügelzuchtverein 1900 jetzt seine diesjährige Lokalschau im Saale „Zur Goldenen Krone“ aus. In gut belichteten Käfigreihen präsentierten sich über 360 Hühner, Zwerghühner und Tauben. Es war somit die größte Lokalschau, die im Rhein-Main-Gebiet gezeigt wurde. Die vier erfolgreichsten Züchter bei der Lokalschau in Hochstadt waren Günther Schöbel, Vorsitzender Philipp Schmidt, Rudolf Schäfer und Karl Krämer.

In über 100 verschiedenen Rassen und Farbenschlägen stellten sich die bereits auf den größten Schauen bestens prämiierten Tiere den Preisrichtern Friedmann (Seligenstadt), Wohlfahrt (Vockenhausen) und Bender (Bad Homburg) vor. Den von dem Bürgermeister Philipp Ziegler gestiftete Wanderpreis errang für beste Gesamtleistung Heinrich Mankel auf seine Silberwyandotten.

Bei der Eröffnungsfeier hob der 1. Vorsitzende Philipp Schmidt besonders den Wert der Rassegeflügelzucht hervor. Er wies darauf hin, daß bei fortschreitender Industrialisierung und

Mechanisierung die Geflügelzucht geeignet ist, die Menschen, insbesondere die Jugend, an die Natur heranzuführen. Der Name des Hochstädter Geflügelzuchtvereins hat in der weiteren Umgebung einen derartig guten Ruf, daß mehrere hundert Züchter aus den Kreisen Friedberg, Gelnhausen, Dieburg, Offenbach, Darmstadt und dem Tabus diese einmalige Schau besuchten. Bei dem traditionellen Getränk des Vereins, dem „Eierwipp“, blieben die Züchter bis in die späten Abendstunden in angeregten Fachgesprächen zusammen.

 

Prösterchen mit Eierwipp!                                                                                     Januar 1962

In Hochstadt kennt jedes Kind das Geheimrezept des gelben Saftes

Der „Eierwipp“ und die Geflügelzucht gehören in Hochstadt zusammen wie der Sand und das Meer. Auch am letzten Sonntag machten bei der Bezirksgeflügelschau die mit dem köstlich-gefährlichen Getränk gefüllten Gläser die Runde. Schon das dritte oder vierte Glas löst die Zunge. So kann es leicht zu einem Wettstreit zwischen „schnatternden“ Eierwipp-Trinkern und gackernden Hühnern kommen.

Längst ist das Geheimrezept der Eierwipp-Brauer kein Geheimnis mehr. In Hochstadt weiß jedes Kind, daß das fast wie Eierlikör aussehende Getränk, das schon dem Großvater mundete, aus Apfelwein, Eiern und Zucker gequirlt wird. Natürlich wird der Eierwipp nicht aus Likörgläschen getrunken. Man schenkt dieses Getränk - das auch von den Damen nicht verachtet wird - in gerippten Apfelweingläsern aus.

Freilich ist das Eierwipp-Trinken bei der Geflügelschau in Hochstadt nicht die Hauptsache, sondern nur eine, wenn auch angenehme Randerscheinung. Im Vordergrund des Interesses stehen die Zuchterfolge, die sehr sachverständig unter die Lupe genommen werden. Über 350 Tiere wurden diesmal gezeigt. Voll des Lobes waren die Preisrichter, die nicht weniger als sechsmal die Note „Vorzüglich“ vergaben.

Daß sich Hochstadt zu den Hochburgen der Geflügelzucht zählen kann, bewies die große Zahl der Besucher der Ausstellung. Viele Freunde der Geflügelzucht waren aus Nachbarkreisen und aus dein Fränkischen gekommen. Die wohlgeformten Tauben und Hühner wurden von den Besuchern stark beachtet. Fachleute äußerten die Ansicht, daß die Hochstädter Züchter Spitzentiere hervorbringen, die sich auf allen Ausstellungen in der Bundesrepublik sehen lassen können. Wie Vorsitzender Philipp Schmidt berichtete, waren die Hochstädter Geflügelzüchter in den letzten Monaten in der Tat bei großen Ausstellungen in Hannover, Frankfurt, Wanne-Eickel und München vertreten.

 

Kanalgebühren berechnen sich nach dem Wasserverbrauch

Durch die von der Gemeindevertretung neu beschlossene Gebührenordnung über die Kanalbenutzungsgebühren ergibt sich die Berechnung der Gebühren ab 1. Januar 1962 nach dem Wasserverbrauch. Der Preis pro Kubikmeter Abwasser beträgt 0,45 DM. Die seitherige Veranlagung und Bezahlung mit den Grundsteuern entfällt somit. Die Berechnung erfolgt zusammen mit dem Wassergeld auf den Wassergeldrechnungen und wird ebenfalls von der Erheberin monatlich mit einkassiert. Die Zahlungspflichtigen, die durch Daueraufträge bei ihrer Sparkasse überweisen, werden gebeten, ihren Dauerauftrag zu berichtigen und nur den Betrag zu überweisen, mit dem sie auf dem Steuerbescheid für das Jahr 1962 veranlagt sind.

 

ABC-Schützen anmelden

Alle Kinder des Geburtsjahrganges 1955 (1. 1. bis 31. 12), die ab Ostern 1962 die Schule besuchen, werden am kommenden Mittwoch und Donnerstag im Lehrerzimmer der neuen Schule aufgenommen. Am Mittwoch ab 15 Uhr sind die Kinder mit dem Anfangsbuchstaben A-L (Familienname), am Donnerstag, ebenfalls ab 15 Uhr, die Kinder mit dem Anfangsbuchstaben M -Z an der Reihe. Mitzubringen sind Geburtsurkunde und Impfschein der Pockenschutzimpfung. Alle Kinder, die in der Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1956 geboren sind, können ebenfalls aufgenommen werden. Allerdings hängt die Aufnahme dieser Kinder von dem Gutachten des Kreisarztes ab.

 

Bebauungsplan liegt aus

 Ab heute liegt im Zimmer 1 der Gemeindeverwaltung der vom Kreisbauamt erstellte Bebauungsplan des Geländes südlich und nördlich der Wachenbuchener Straße vier Wochen aus. Betroffen werden die Flurstücke 6 und 13. Die Flurbezeichnung dieses Gebietes sind südlich der Wachenbuchener Straße „Kalkhaus“ und nördlich der Wachenbucher Straße „Im Kleeberger", „Oberer Bücherweg" und „Kerker“.

 

Heute in der Volkshochschule: Naturschutzgebiete an Rhein und Nahe

Im zweiten Vortrag der Reihe „Naturschutz und Pflanzenwelt“ berichtet heute abend um 20 Uhr in der von Rektor Polke geleiteten Volkshochschulaußenstelle Hochstadt B. Malende, Hanau, über die Naturschutzgebiete an Rhein und Nahe. Der Vortrag wird mit Farblichtbildern ergänzt.

 

Am Mittwoch Probelarm

Die Einwohnerschaft der Gemeinde Hochstadt wird darauf hingewiesen, daß am kommenden Mittwoch, 12 Uhr, der erste Probealarm der neuen Feuersirene am Bürgermeisteramt vorgenommen wird. Es wird weiterhin darauf aufmerksam gemacht, daß laut Alarmplan an jedem ersten Mittwoch im Monat ebenfalls um 12 Uhr ein Probealarm stattfindet. Der Probealarm ist jeweils ein Dauerton von fünf Sekunden Länge. Bei Feueralarm ist der am Bürgermeisteramt angebrachte Feuermelder zu benutzen. Nach Einschlagen der Scheibe des Feuermelders ist der beleuchtete Knopf zu drücken, um die Sirene in Tätigkeit zu setzen. Durch das Drücken des Knopfes wird die Sirene mit drei langgezogenen Tönen in jeweiligem Abstand von etwa 12 Sekunden in ganz Hochstadt hörbar. Durch diese neue Sirene, die gleichzeitig für den Luftschutzalarm aus Mitteln des Bundes angebracht wurde, kommt somit die seitherige handbetriebene Feueralarmsirene in Wegfall. Somit dürfte sich der schon seit langem gehegte Wunsch der Hochstädter Feuerwehrleute endlich erfüllt haben.

 

Jugendversammlung der „Solidarität“

Am Sonntag findet im Vereinslokal Gasthaus Keller eine wichtige Jugendversammlung der Jugendgruppe des Rad- und Kraftfahrvereins „Solidarität“ Hochstadt statt. Außer der Besprechung über die in diesem Jahr geplanten Fahrten stehen weitere wichtige Punkte auf der Tagesordnung. Beginn pünktlich 10 Uhr.

 

Einbruch im Clubhaus

In der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch brachen unbekannte Täter in das Clubhaus des 1. Fußballclubs Hochstadt ein. Die Täter versuchten zuerst, durch das Dach einzudringen. Als dies offenbar zu schwierig wurde, brachen sie gewaltsam den Fensterladen des Umkleideraums auf, zertrümmerten die Scheibe und stiegen ein. Offenbar suchten die Einbrecher nach Wertgegenständen. Zum Glück fiel den Unbekannten außer einigem Kleingeld aus der Jugendkasse kein weiteres Geld in die Finger. Daneben entwendeten die Täter noch etwa 20 Flaschen Bier. Der angerichtete Schaden beläuft sich auf ungefähr 200 Mark. Es wird vermutet, daß der Einbruch erst in den frühen Morgenstunden des Mittwochs geschehen ist. Bereits in der Nacht des vergangenen Mittwochs war versucht worden, in das Clubhaus einzudringen, Sachdienliche Hinweise nimmt die Landespolizei entgegen.

 

Am Sonntag Fastnachtsfußball

Am Sonntagmittag um 13,30 Uhr erleben die drei tollen Tage in Hochstadt mit einem Fastnachtsfußballspiel ihren Höhepunkt. Auf dem Platz des 1. FC. stehen sich Mitglieder der Gemeindevertretung, des Gemeindevorstands und der Gemeindeverwaltung und die Altfußballer des FC Hochstadt, kombiniert mit Käwern-Karnevalisten, gegenüber. Der Reinerlös dieses Spieles dient zum Bau der Mehrzweckhalle.

 

Fotografien: Der Schnee und die Nacht haben etwas gemeinsam.

Mit weißem, launigem Wirbel decken die nassen Flocken einen weichen Schleier auf Häuser und Menschen, Tieren und Bäume. Der Schnee verwischt die Konturen, alles wirkt weicher, unwirklicher, beinahe verzaubert. Auch die Nacht breitet gütig ihre Dunkelheit über so manches, was tagsüber so hart und unfreundlich scheint. Man kommt etwas ins Grübeln, ins Nachdenken und Forschen, wenn draußen die Flocken tanzen. Erinnerungen steigen auf, leise, und fallen in den Schnee. Unsere Bilder entstanden in Hochstadt, in dem Horst Winkler die Häuser und Burgmauern, bedeckt mit dem Zuckerguß des Winters, auf den Film bannte.

 

Prunksitzung der „Käwern“

„Hochstadt Helau“ hieß es am Wochenende bei der ersten Prunksitzung des Karnevalvereins „Die Käwwern". Ausverkauft war die Narrenhalle, als der Elferrat mit seinem Präsidenten Menne Wex an der Spitze und dem närrischen Herrscherpaar Prinz Winfried I. von der Lutherburg und Prinzessin Hella I. von der Kraftenburg einzogen. Mit bürgerlichen .Namen ist das närrische Herrscherpaar als Winfried Demuth (26 Jahre) und Helga Kraft (18 Lenze) in der Apfelweinhochburg bekannt. Hoch thronte es am Wochenende während der über vier Stunden dauernden Sitzung über dem Elferrat (unser Bild). Zu der Sitzung waren Büttenredner aus Hanau, Frankfurt, Stierstadt und Dietzenbach gekommen.

In Strömen floß der Äppelwei bei der Prunksitzung des Hochstädter Karnevalsvereins. Hoch über dem Elferrat thronte das Hochstädter Prinzenpaart Rechts Prinz Winfried I. von der Lutherburg, und links Ihre Lieblichkeit Prinzessin Helga I. zur Kraftenburg. Hans Rauch mit seinem närrischen Protokoll darf bei keiner Prunksitzung der „Käwwern" fehlen.

 

Angetrunkener Autofahrer

Angetrunken war der Autofahrer, der gestern Abend um 22 Uhr in Hochstadt beim Wenden auf der Bischofsheimer Straße sich mit seinem Wagen in einem Garten verirrte, den Gartenzaun und einen Obstbaum beschädigt. Die Landespolizei veranlaßte die Entnahme einer Blutprobe und nahm dein Fahrer den Führerschein ab.

 

Vollgestopft wie eine Heringstonne: Im Käwernbau war große Fastnachtsschau

Gäste aus nah und fern stiegen in die „Bütt“ - Fast alles Volltreffer - Die leidige Saalfrage.

Im Hochstädter „Käwernbau“ war am Samstag Fastnachtsschau. Die Fremdensitzung hatte so viele angelockt, daß man die Tische im Saal der Gaststätte Strohl wegräumte und durch Stuhlreihen Platz machte. Und von 20.11 Uhr bis um Mitternacht jagten die Lachsalven durch den Raum, denn fast alle Büttenredner waren Volltreffer. Aus Nah und Fern waren sie nach Hochstadt gekommen, um beim Äppelwoi sich ein Stelldichein zu geben.

Das Handicap bei dieser Veranstaltung war wieder einmal die Saalfrage, unter der in vielen Gemeinden das Vereinsleben leidet. So bedurfte es einiger Mühen, bis man dem Chronisten einen Platz verschafft hatte. Der Chronist war aber noch besser dran als viele andere Hochstädter, die gerne an dieser Sitzung teilgenommen hätten, aber keine Karten mehr bekamen, denn diese Papiere hatte man zugeteilt und später sogar rationiert.

So war der Saal wie eine Heringstonne vollgestopft, und die „Käwern“-Freunde zehrten von der Hoffnung, bald in einer großen Mehrzweckhalle ihre gelungenen Sitzungen aufzuziehen.

Man begann pünktlich. Das war das erste Plus dieser Veranstaltung. Das närrische Ministerium unter dem Ministerpräsidenten Manfred Wex marschierte zum Narhalla-Marsch ein. Es folgten die Tollitäten, Prinz Winfried I. und die charmante Prinzessin Hella I. Gäste waren aus Hanau vom Karnevalszugverein, aus Großauheim, aus Frankfurt (die „Nordendler“, aus Dörnigheim und aus Wiesbaden-Biebrich gekommen.

Mit einem würzigen Protokoll, aus dem viel Lokalkolorit schimmerte, wartete Hans Rauch auf, der einfach alles, angefangen von Nikita über den „Halstuchborsche“ bis hin zu Hochstädter Schrulligkeiten mit spitzer Feder und noch spitzer Zunge aufgespießt hatte. Die erste Großauheimer Karnevalsgesellschaft hatte Tünnes und Scheel geschickt, die als alkoholisierte Autofahrer eine Moritat zu berichten wußten. Wie immer war Erich Debus vom Hanauer Carnevalszugverein wieder der Knüller des Abends, da sich hier Idee, Mimik und Ausdrucks­weise zu einer grotesken Spitzenleistung paaren. Die zweiten Vertreter des HCV waren das Gesangsduo Heublein / Wolter mit den Liedchen vom Petticoat und dem Eisverkäufer vom anderen Stern. Bernd Pistor nahm den Luftschutz unter die Lupe und Margarete Stetzkowski verriet Mittel, wie man die Männer ohne Pardon unter den Pantoffel zwingt. Diese beiden Trümpfe der „Käwern“ stachen. Mit einem gekonnt zusammengesetzten Liederstrauß stellten sich die fröhlichen Sänger aus Frankfurt vor, vier Karnevalisten der Nordendler, die sich überall sehen lassen können.

Der zweite Teil dieses Programms, das niemals Längen aufkommen ließ, begann mit der Vorstellung des Dörnigheimer Blau-Weiß-Präsidenten Walter Blay, der die Verbrüderung mit den Worten: „Ich trink auf gute Nachbarschaft den ausgegor'nen Äppelsaft“, unterstrich. Der Präsident der Frankfurter Nordendler, Peter Berendsen, machte sich zum Fürsprecher der „Kä­wern“. Als er an die Schaffung eines Gemeindehauses erinnerte, jubelte das närrische Volk. Und als „Käwern“-Präsident Wex meinte, daß die Pläne dafür in Wiesbaden liegen würden, konterte Berendsen trocken: „Da liegen sie gut.“

Ein gutes Zeugnis stellte der Vortrag des 18-jährigen Gerhard Rauch der Nachwuchspflege der „Käwern“ aus, denn der junge Mann zog mit sauberem Sprechen und völlig ungehemmter Gestik die Zuhörer in seinen Bann, obwohl er ihnen starken Tobak servierte. Und dann waren die Nordendler wieder an der Reihe. Joe Reling berichtete von seinen Abenteuern als Babysitter und als Bajazzo kam Oskar Werb, der Typ eines Alleinunterhalters mit einer sauberen Stimme. Helmut Bender von den „Käwern“ als Landrat, die beiden Nordendler Achmed und Abdullah mit einigen deftigen Pointen und Helmut Flor aus Stierstadt als jugendlicher Herzensbrecher waren ebenso Volltreffer, wie der Marsmensch Karlheinz Jäckel von den Biebricher „Meckes“, der seinen staunenden Zuhörern erzählte, wie rückständig doch die Erde ist. Zum Schluß kamen noch einmal die fröhlichen Sänger aus Frankfurt.

Das mehr als dreistündige Programm schenkte viel Freude und verschaffte den „Käwern“ ein Lob, die mit sicherer Hand das Narrenschiff an lapidaren Untiefen vorbei steuerten. Bei Tanz und froher Unterhaltung blieb später noch Gelegenheit, sich auf jene Tage vorzubereiten, die nun gemeinhin die tollen Tage nennt.

 

Kampf den „wilden Gerüchten“

Regierung will das Hochstädter Millionenprojekt unterstützen

Die Fortführung der Straßenbauarbeiten in Hochstadt erscheint gesichert. Gemeindevorsteher Werner Lotz äußerte vor der Gemeindevertretung, man werde noch in diesem Jahr mit dem zweiten Straßenbauabschnitt beginnen. Die Kosten des zweiten Abschnitts werden sich nach Darstellung des Vorsitzenden der Gemeindevertretung auf 300 000 Mark belaufen.

Geplant ist der Ausbau des hinteren Teiles des Wellenpfades. Auch die Schillerstraße, Hofgerichtstraße und die Weiherstraße sollen instandgesetzt werden. Schließlich stehen noch die Bleichstraße, der vordere Teil der Kalkhausstraße sowie der Schlesierweg bis zur Wachenbucher Straße auf dem Programm.

Gegen „wilde Gerüchte“ zog der Sprecher der SPD-Fraktion, Heinrich Seibel zu Felde. Der Gemeindevertreter kritisierte, daß immer wieder Gerüchte ausgestreut würden, um das Ansehen der Gemeindeverwaltung herabzusetzen. Insbesondere werde das Gerücht verbreitet, daß die Gemeindeverwaltung bei der Stundung von Straßenbeiträgen ein „Geschäft“ mache. „Die Forderung nach sechs Prozent Zinsen bei Stundungen ist gerechtfertigt“, sagte der SPD-Sprecher. Er wies darauf hin, daß für ein Darlehen von 250.000 Mark ebenfalls sechs Prozent Zinsen zu zahlen seien. Das Darlehen habe man aufgenommen, um den ersten Straßenabschnitt finanzieren zu können. Man dürfe nicht vergessen, daß für dieses Darlehen keine Zinsbeihilfen gewährt worden seien.

Bürgermeister Philipp Ziegler erklärte, es stehe jedem frei, die Abrechnungsunterlagen für die ausgebauten Straßen einzusehen. „Uns liegt sehr viel an einem Vertrauensverhältnis zwischen der Gemeindeverwaltung und der Bevölkerung“, sagte der Bürgermeister. Aus diesem Grunde wolle man alles tun, um den Gerüchten die Wahrheit entgegenzusetzen.

Vom Vorsitzenden der Gemeindevertretung wurde die Bewilligungsurkunde des hessischen Innenministers zum Bau eines Bürgerhauses verlesen. Aus dem Text ging hervor, daß die Regierung bereit ist, das Millionenprojekt zu unterstützen. Hessen will die Hälfte der mit über 1,26 Millionen Mark angegebenen Kosten übernehmen. Vom Hanauer Landkreis erwartet man einen Zuschuß von 110.000 Mark. Vorsitzender Lotz trat dafür ein, mit dem Bau des Bürgerhauses noch in diesem Jahr zu beginnen. „Wir sollten bedenken, daß eine mögliche weitere Verteuerung auf dem Baumarkt durch einen rechtzeitigen Beginn der Arbeiten umgangen werden könnte“, sagte Lotz. Auf jeden Fall solle man noch in diesem Jahr 200.000 Mark für Rohbauarbeiten ausgeben.

 

Jahreshauptversammlung der TV Hochstadt

Am kommenden Dienstag findet um 20.30 Uhr im Vereinslokal Gaststätte Eibelshäuser die Jahreshauptversammlung des Turnvereins Hochstadt statt. Der Verein, der in diesem Jahr sein 75jähriges Jubiläum begeht, bittet alle Mitglieder um pünktliches und vollzähliges Erscheinen. In der Versammlung sollen die letzten Vorbereitungen für den Festablauf am 28. und 29. Juli 1962 getroffen werden. Wie Vorsitzender Skrabs mitteilte, hat Landrat Voller sein Erscheinen zu dem Kommers bereits zugesagt.

 

Hoffnungsvoller Rollsportnachwuchs

Bei der in Kassel ausgetragenen Hessenmeisterschaft errangen die beiden Rollschuhläuferinnen Heidi Lotz und Renate Weber von der „Solidarität“ Hochstadt unter starker Konkurrenz den beachtlichen 4. Platz. Die beiden Läuferinnen, die in der Schülerklasse von 10 bis 14 Jahren gestartet waren, liefen eine ausgezeichnete Kür. Leider war es durch schlechte Witterungsverhältnisse nicht möglich, die vom Oberbürgermeister der Stadt Kassel übergebene neu errichtete Rollschuhbahn zu benutzen. So mußte die gesamte Meisterschaft in einer Turnhalle der Stadt Kassel durchgeführt werden. Es bleibt für die Zukunft zu hoffen, daß beide Läuferinnen weiterhin eifrig bei der Sache sind und dem Radfahrverein „Solidarität“ Hochstadt bald einen Meistertitel mit nach Hause bringen.

 

Dort wo der Schuh drückt

SPD-Jahreshauptversammlung in Hochstadt / Wird eine Schule gebaut?

Der Ortsverein der SPD in Hochstadt ging in der Jahreshauptversammlung neue Wege, um

das Interesse der Mitglieder zu wecken. Es gab keine festen Tagesordnungspunkte und keine

langatmigen Vorträge, bei denen couragierte Zuhörer „Endlich!“ rufen, wenn der Redner mit

den Worten „Und jetzt komme ich zum Schluß“ das langersehnte Finale ankündigt (und wo-

möglich doch nicht „zum Schluß kommt“). Im Vordergrund der diesjährigen Hauptversammlung standen für jedes Mitglied überschaubare Fragen.

Ortsvereinsvorsitzender Werner Lotz, der auch Vorsteher des Gemeindeparlaments ist, und Bürgermeister Philipp Ziegler beantworteten eine Reihe von Fragen, die von den Mitgliedern in aller Offenheit gestellt wurden. Bald merkte man, wo der Schuh am meisten drückt. Viele Fragen befaßten sich mit den mißlichen Straßenverhältnissen in mehreren Ortsteilen. „Ich kenne den Zustand unserer Straßen“, sagte der Bürgermeister und führte die Gründe der Misere an.

In erster Linie gehen die Mängel nach der Darstellung des Bürgermeisters auf Versäumnisse aus früherer Zeit zurück. „Wir hinken hinter mehreren Gemeinden des Hanauer Landkreises her“ sagte der Bürgermeister. Es gelte jetzt, Fehler. auszubügeln, die vor seiner Amtszeit begangen. worden seien. In vielen Straßen seien beispielsweise ungeeignete Wasserrohre verlegt worden. „Wir kommen in diesen Fällen nicht darum herum, Rohre zu verlegen.“ Kein Anlieger würde für einen provisorischen Straßenausbau Verständnis aufbringen, betonte Bürgermeister Ziegler. „Mit dem Ausbau der Fahrbahn beginnt man erst dann, wenn unter der Straßendecke alles in Ordnung ist.“

Reif für einen Ausbau der Fahrbahn sind nach den Angaben des Bürgermeisters im Augenblick nur die Schillerstraße und die Bleichstraße. Die anderen, noch nicht instandgesetzten Straßen müßten erst Kanalrohre oder stärkere Wasserleitungsrohre erhalten. „Oberster Grundsatz muß sein, überflüssige Ausgaben, die letztlich den Bürger belasten, auf jeden Fall zu vermeiden.“

„Wie steht es um unsere Wasserversorgung?“ lautete eine Frage. Bürgermeister Ziegler fiel es nicht schwer, diese Frage ohne Zögern zu beantworten. „Wir haben, einen Hochbehälter mit einem Fassungsvermögen von 800 Kubikmetern gebaut und können, was die Wasserversorgung anlangt, ohne Sorge in die Zukunft blicken.“ Von einigen Mitgliedern wurde der Bau einer Kindertagesstätte für besonders dringend gehalten. Bürgermeister Ziegler kündigte an, man werde dieses Projekt im nächsten Jahr in Angriff nehmen.

Für 1963 hat sich die Gemeinde Hochstadt überhaupt sehr viel vorgenommen. Man will für 1,1 Millionen Mark eine Mehrzweckhalle bauen und erwägt den Bau einer neuen Schule. Modernisieren und vervollständigen will man die Beleuchtung der Straßen, sobald deren Ausbau überall beendet ist.

Es wurden auch einige Fragen zur Bundespolitik gestellt. Ortsvereinsvorsitzender Lotz hob in seiner Antwort hervor, die SPD unterscheide sich von den konservativen Parteien dadurch, daß sie dem kleinen Mann einen größeren Anteil am gesamtwirtschaftlichen Ertrag sichern wolle und ein gerechtes und weniger kompliziertes Steuersystem anstrebe. Das Ergebnis der letzten Bundestagswahl zeige, daß die SPD mit ihrer Politik auf dem richtigen Wege sei. Starken Beifall fand der Diskussionsbeitrag des Mitglieds Wilhelm Cordes. Der Diskussionsredner, der schon über vierzig Jahre der SPD angehört, äußerte zu der Neuorientierung der Sozialdemokraten durch das Bad Godesberger Programm: „Auch als alter Sozialist muß ich mit der Zeit gehen, deshalb entspricht die heutige Politik der SPD auch meinen Vorstellungen.“

 

Fußballspiel für die Mehrzweckhalle

Für die Mehrzweckhalle spielten gestern in Hochstadt die Gemeindeväter gegen die Altfußballer des 1. FC Hochstadt, die sich durch Käwern-Karnevalisten verstärkt hatten. Unser Bild zeigt den Anstoß durch das Hochstädter Prinzenpaar.

 

Arbeitsplatz bei der Gemeinde

Die Gemeindeverwaltung der Gemeinde Hochstadt sucht zum sofortigen Eintritt einen weiblichen oder männlichen Lehrling oder Anlernling. Bewerbungsschreiben mit handgeschriebenen Lebenslauf und Zeugnisabschriften sind an den Gemeindevorstand einzureichen.

 

Fußballspiel für einen guten Zweck                                                          Februar 1962

Gemeindekörperschaften gegen die Atlfußballer des 1. FC Hochstadt

Am morgigen Sonntag findet auf dem hiesigen Sportplatz ein Fastnachtsfußballspiel zwischen den Vertretern der Gemeindekörperschaften (Gemeindevertretung, Gemeindevorstand und Gemeindeverwaltung) und den Altfußballern des 1. FC Hochstadt, gemischt mit Mitgliedern der „Käwern“, statt.

Wie in der am Donnerstag stattgefundenen Sitzung bekannt wurde, sollte ursprünglich mit allen Ortsvereinen ein Zug aufgestellt werden, der dann beide Mannschaften zum Sportplatz begleiten sollte. Aber mit Rücksicht auf, die Hochwasserkatastrophe in Norddeutschland ist dieser Zug kurzfristig abgesetzt worden. Lediglich der Turnverein Hochstadt wird mit seinem Spielmannszug auf dem Sportplatz einige Ständchen und Einlagen bringen,

Von seiten der Gemeinde werden folgende „Spieler“ zum Einsatz kommen: Heinz Kemler; Wolfgang Schomburg, Benno Wenzl; Heinrich Burkhardt, Philipp Eibelshäuser, Günter Schöpel; Bürgermeister Philipp Ziegler, Heinrich Seibel, Georg Kraft, Otto Heinz und Fritz Fischer. Die Mannschaft des 1. FCH wird aus taktischen Gründen erst zu Beginn des Spiels bekanntgegeben. Spielbeginn ist pünktlich 13.30 Uhr. Im Anschluß an dieses Spiel ist ein weiteres Spiel der Betriebsmannschaft der Firma Heinrich Kling gegen eine Sondermannschaft des 1. FC.

Der Reinerlös ist für den Bau der Mehrzweckhalle geplant. Am Abend des Fastnachtsonntag findet im Saale Strohl ein Kappenabend des 1. FCH statt. Freunde und Gönner sind zum mittäglichen Großkampf sowie zum abendlichen Kappenabend recht herzlich eingeladen.

 

Wo parkt man an der Halle?

Die Gemeindevertreter von Hochstadt tagten bis nach Mitternacht

In Hochstadt ist es in der Gemeindevertretung zu Auseinandersetzungen über den Plan gekommen, eine Mehrzweckhalle zu bauen. Der Bürgerblock, der in der Gemeindevertretung drei Mitglieder hat, kritisierte den Plan aus mehreren Gründen. Gemeindevertreter Kemmler bemängelte, daß die Halle für den kleinen Bauplatz viel zu groß projektiert sei. Man habe auch die Anlage von ausreichenden Parkplätzen unberücksichtigt gelassen.

In der lebhaften Gemeindevertretersitzung, die bis zur Mitternachtsstunde dauerte, erklärte Beigeordneter Schmidt (Bürgerblock), die geänderten Pläne für den Bau der Mehrzweckhalle seien ihm völlig neu. Schmidt regte an, die neue Planung in einer Sondersitzung zu beraten. Man könne die Pläne auch in einer nicht-öffentlichen Sitzung zur Diskussion stellen. Dazu bemerkte Gemeindevertreter-Vorsitzender Lotz (SPD), es liege kein Grund vor, die Pläne hinter verschlossenen Türen zu beraten.

Mehrere Sprecher des Bürgerblocks waren der Meinung, daß die Planung für die Mehrzweckhalle über das Ziel hinausschieße. Dagegen stellte ein Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion, die im Gemeindeparlament die Mehrheit hat, nachdrücklich fest, man habe die Bedürfnisse(der Ortsvereine in Rechnung gestellt.

Nach Mitteilung des Vorsitzenden der Gemeindevertretung wird die Mehrzweckhalle etwa 1,2 Millionen DM kosten. Bei der Planung hat man eine Einwohnerzahl von 4.500 bis 5.000 zugrunde gelegt. Gegenwärtig zählt Hochstadt rund 3.100 Einwohner. Bürgermeister Ziegler kündigte an, Hochstadt werde in wenigen Jahren eine Einwohnerzahl von 5.000 erreichen. Er machte darauf aufmerksam, daß große Siedlungsprojekte in Vorbereitung seien.

Mit den Stimmen der sozialdemokratischen Fraktion wurde der geänderten Planung für die Mehrzweckhalle zugestimmt.

 

Sitzung der Gemeindevertretung

Heute Abend findet bei Gastwirt Andreas Keller die 14. öffentliche Gemeindevertretersitzung statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: Beschlußfassung über die Veranlagung der Vatertierhaltungskosten für das Rechnungsjahr 1961,; Beschlußfassung über Genehmigung von Haushaltsüberschreitungen; Beschlußfassung über die Kanalbaukosten bei der Veranlagung der Straßenanliegerbeiträgen; Festsetzung der Straßenanliegerbeiträge für die Anlieger der Dorfelder Straße (Empfehlung des Haupt- und Finanzausschusses: 75 Prozent); Beratung und Beschlußfassung über die zwei Vorschläge (Pläne) zum Bau der Mehrzweckhalle in der Bahnhofstraße; Beratung und Abstimmung über die Festsetzung der ruhegehaltsfähigen Dienstzeit des hauptamtlichen Bürgermeisters; Bericht des Haupt- und Finanzausschusses zur Beratung des Paragraphen 8 der Gebührenordnung zur Satzung über die Entwässerung der Grundstücke in Hochstadt; Vorlage und Beschlußfassung des Bebauungsplanes „Hochstadt Ost“, Flur 7 und 13; Verschiedenes. Beginn der Sitzung um 20.30 Uhr.

 

Donnerstag Anturnen

Am Donnerstag findet im Saale Eibelshäuser das Anturnen der Schüler bis 14 Jahre statt. Beginn pünktlich 19 Uhr. Um 20.30 Uhr treffen sich dann alle jugendlichen Turner unter der Leitung von Turnwart Frühwacht ebenfalls zum traditionellen Anturnen. Um Erscheinen eines jeden aktiven Turners wird dringend gebeten.

 

Sie plünderten die Musikbox

Die Landespolizeistation hat zwei jugendliche Einbrecher ermittelt. Die Täter brachen in einer Gaststätte in Hochstadt eine Musikbox auf und plünderten einen Zigarettenautomaten. Aus den Schubladen der Theke nahmen sie Wechselgeld mit. Wie die Landespolizei mitteilt, handelt es sich bei den Festgenommenen um zwei 15jährige Burschen aus Dörnigheim. Das Diebesgut wurde größtenteils sichergestellt. Gegenwärtig prüft die Polizei, ob den jungen Dieben weitere Straftaten nachgewiesen werden können.

 

Vorsitzender der Sänger

Otto Schäfer wurde erneut zum Vorsitzenden der Sängervereinigung gewählt. Sein Stellvertreter wurde Reinhard Brosch. Die Kassengeschäfte übernahmen Emil Dworschak und Josef Heidenreich. Für den Schriftverkehr sind künftig Ernst Reimuth und Erich Keim zuständig. Den Vorstand ergänzen Hans Röder, Hans Berchner und Philipp Huhn. Dem Jahresbericht zufolge hat der Verein 120 Mitglieder. Er zählt zu den stärksten Vereinen in Hochstadt. Im Chor stehen 50 aktive Sänger. Bei der Werbung will man sich künftig vor, allem um junge Männer zwischen 20 und 35 Jahren bemühen. Neun Zehntel der aktiven Sänger sind über 35 Jahre alt.

 

Boxer brachten viele Preise

Philipp Ziegler aus Hochstadt arbeitet am Feierabend gern im Garten

Bürgermeister Philipp Ziegler ist gelernter Elektrofacharbeiter. Bereits 1930 trat er der Sozialdemokratischen Partei bei. Als Fraktionsmitglied wurde er 1956 zum ehrenamtlichen Bürgermeister der Gemeinde gewählt. Im Jahre 1958 wurde er hauptamtlich bestätigt. Seine besten Freunde, die seine Freizeit wohl am meisten in Anspruch nehmen, sind seine Boxerhunde. Als Mitglied des Internationalen Boxer Clubs hat Philipp Ziegler schon manche Preise für seine Tiere erworben.

Am Wochenende stehen Wanderungen durch die Gemarkung seiner Gemeinde auf dem Programm. Seine Literatur beschränkt sich meist auf kommunale Schriften und die leichte Muse. Die Arbeit im Garten ist der Ausgleich für arbeitsreiche Stunden.

Sein Anliegen ist, den Nachholbedarf in seiner Gemeinde auszugleichen. Die Kanalanlagen, der Straßenbau und die Verbesserung der Beleuchtung sind dringende Aufgaben. Das Dorf soll schöner werden. Eine neue Grünanlage wird an der Ringmauer entstehen, und der Neubau einer Volksschule und einer Kindertagesstätte stehen für die Zukunft auf der Wunschliste des unternehmungslustigen Bürgermeisters. Trotz aller Amtsgeschäfte bleibt jedoch immer der Mensch im Vordergrund. Der Mensch, der mit seinem Geist über Paragraphen und Verordnungen herrscht. Und das macht Philipp Ziegler so sympathisch.

 

Eine „Zigarre“ für die Vorstandsmitglieder

Im Vereinslokal, Gaststätte Eibelshäuser, fand jetzt die Jahreshauptversammlung des Turnvereins Hochstadt statt. Vorsitzender Wilhelm Hoyer gab gleichzeitig dem Bedauern Ausdruck, daß von den über 100 Mitgliedern nur ein geringer Teil anwesend war. Leider seien im vergangenen Jahr nicht alle vorgesehenen Pläne verwirklicht worden. Dies sei aber einzig und allein auf das mangelnde Interesse verschiedener Vorstandsmitglieder zurückzuführen.

Als erfreulich bezeichnete es der Sprecher aber, daß unter der Leitung von Wilhelm Bauer der Spielmannszug wieder aktiv bei der Sache sei und auch in der Öffentlichkeit auftreten könne. Ebenfalls hätten die Turnerinnen und Turner des Vereins im abgelaufenen Jahr bei verschiedenen Wettkämpfen schöne und beachtliche Erfolge erzielt. Besonders bei dem in Isenburg stattgefundenen Gauturnfest habe sich der Verein durch mehrere errungene Siege mit in den Vordergrund schieben können.

Im Bericht der Übungsleiterin Kathi Eibelshäuser kam zum Ausdruck, daß die Aktivität sämtlicher Turnerinnen und Turner sehr lobenswert sei. Die Zahl der aktiven Turnerinnen und Turner von Jugend und Schülern belaufe sich gegenwärtig auf etwa 45.

In dem weiteren Punkt der Tagesordnung erfolgte eine wichtige Aussprache über das geplante 70jährige Jubiläum des Vereins. Hier war man allgemein der Meinung, daß ein Fest im großen Rahmen nicht abgehalten werden könne, denn hierzu fehlten dem Verein die nötigen Leute. Ein Fest mit Festzelt und einem Festprogramm von zwei bis drei Tagen erfordere das hundertprozentige Mitwirken sämtlicher Mitglieder.

In der Folge sprach man sich lediglich dafür aus, nur einen Kommers im Saale Strohl abzuhalten. An diesem Abend soll das Jubiläum in einem würdigen Rahmen gefeiert und Ehrungen verdienter Mitglieder vorgenommen werden. Hierfür ist der 28. Juli vorgesehen. Am 29. Juli (sonntags) ist geplant, auf dem hiesigen Sportplatz ein Turnfest abzuhalten. Mitwirken sollen hierbei sämtliche Nachbarvereine wie Dörnigheim, Bischofsheim und Kesselstadt. Auch der Spielmannszug soll hierbei sein Können unter Beweis stellen. Am Abend ist dann im Saale der Gaststätte Eibelshäuser ein großer Tanzabend vorgesehen, wofür eine namhafte Kapelle verpflichtet werden soll.

Nach dieser Diskussion erfolgte die Wahl des neuen Vorstandes. 1. Vorsitzender wurde Kurt Skrabs, 2. Vorsitzender Heinrich Demuth. Schriftführer Wilhelm Bechert, Kassierer Wilhelm Hoyer, 1. Turnwartin Kathi Eibelshäuser, 2. Turnwartin Annemarie Eibelshäuser.

Der erstmals gewählte neue Vorsitzende Kurt Skrabs dankte der Versammlung für das in ihn gesetzte Vertrauen und bat alle mit ihm gewählten Vorstandsmitglieder um volle Mitarbeit, um auch das in diesem Jahr geplante 70jährige Jubiläum zur Ehre des Vereins durchzuführen.

 

Sechs Richtige im Lotto! Was tun?

Diese Frage kam für Philipp Eibelshäuser, 25 Jahre, Verwaltungsangestellter in Ostheim, etwas plötzlich. Doch ohne langes Überlegen meint er: „Das wären 500.000 Mark. Mein Haus könnte ohne fremde Hilfe fertig werden. Mein Wunsch nach einer luxuriösen Einrichtung ginge in Erfüllung. Auch eine Ölheizung könnte ich dann einbauen. Natürlich würde ich dann weiter arbeiten, aber seine Frau könnte endlich zu Hause bleiben. Der Gemeinde würde ich ein Darlehen geben, damit die Mehrzweckhalle endlich gebaut werden kann. Eine sechswöchige Reise würde ich noch machen und das restliche Geld aufsparen.“ Doch sicher wird Philipp Eibelshäuser auch ohne die sechs richtigen Tips weiterhin glücklich bleiben, denn alles Geld der Welt kann nicht getauscht werden gegen die Zufriedenheit, die im Menschen selbst liegt.

 

Am Mittwoch Pockenschutzimpfung                                                                   März 1962

Am Mittwoch, 15.30 Uhr, findet in der neuen Schule die erste Pockenschutzimpfung der im Jahre 1961 geborenen Kinder und derjenigen Kinder, die bisher ohne Erfolg geimpft wurden, statt. Die vom Gemeindeboten zugestellten Impfscheine sind von den Sorgeberechtigten un­bedingt zu unterschreiben. Diejenigen Kinder, deren Impfschein nicht unterschrieben ist, werden nicht geimpft.

 

 

Versammlung der Feuerwehr

Eine wichtige Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr Hochstadt findet am kommenden Dienstag um 20 Uhr bei Gastwirt Steffens statt. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Aussprache über den am 31. März 1962 geplanten Familienabend im Saale Rauch. Um pünktliches und vollzähliges Erscheinen wird dringend gebeten.

 

Montag Holzversteigerung

Am kommenden Montag findet im Gasthaus Rauch die Holzversteigerung statt. Zum Verkauf kommen 70 Festmeter Brennholz (davon 33 Festmeter Kiefer und 37 Festmeter Eiche).

 

 

Regierung will das Hochstädter Millionenprojekt unterstützen

Die Fortführung der Straßenbauarbeiten in Hochstadt erscheint gesichert. Gemeindevorsteher Werner Lotz äußerte vor der Gemeindevertretung, man werde noch in diesem Jahr mit dem zweiten Straßenbauabschnitt beginnen. Die Kosten des zweiten Abschnitts werden sich nach Darstellung des Vorsitzenden der Gemeindevertretung auf 300 000 Mark belaufen.

Geplant ist der Ausbau des hinteren Teiles des Wellenpfades. Auch die Schillerstraße, Hofgerichtstraße und die Weiherstraße sollen instandgesetzt werden. Schließlich stehen noch die Bleichstraße, der vordere Teil der Kalkhausstraße sowie der Schlesierweg bis zur Wachenbucher Straße auf dem Programm.

Gegen „wilde Gerüchte“ zog der Sprecher der SPD-Fraktion, Heinrich Seibel zu Felde. Der Gemeindevertreter kritisierte, daß immer wieder Gerüchte ausgestreut würden, um das Ansehen der Gemeindeverwaltung herabzusetzen. Insbesondere werde das Gerücht verbreitet, daß die Gemeindeverwaltung bei der Stundung von Straßenbeiträgen ein „Geschäft“ mache. „Die Forderung nach sechs Prozent Zinsen bei Stundungen ist gerechtfertigt“, sagte der SPD-Sprecher. Er wies darauf hin, daß für ein Darlehen von 250.000 Mark ebenfalls sechs Prozent Zinsen zu zahlen seien. Das Darlehen habe man aufgenommen, um den ersten Straßenabschnitt finanzieren zu können. Man dürfe nicht vergessen, daß für dieses Darlehen keine Zinsbeihilfen gewährt worden seien.

Bürgermeister Philipp Ziegler erklärte, es stehe jedem frei, die Abrechnungsunterlagen für die ausgebauten Straßen einzusehen. „Uns liegt sehr viel an einem Vertrauensverhältnis zwischen der Gemeindeverwaltung und der Bevölkerung“, sagte der Bürgermeister. Aus diesem Grunde wolle man alles tun, um den Gerüchten die Wahrheit entgegenzusetzen.

Vom Vorsitzenden der Gemeindevertretung wurde die Bewilligungsurkunde des hessischen Innenministers zum Bau eines Bürgerhauses verlesen. Aus dem Text ging hervor, daß die Regierung bereit ist, das Millionenprojekt zu unterstützen. Hessen will die Hälfte der mit über 1,26 Millionen Mark angegebenen Kosten übernehmen. Vom Hanauer Landkreis erwartet man einen Zuschuß von 110.000 Mark. Vorsitzender Lotz trat dafür ein, mit dem Bau des Bürgerhauses noch in diesem Jahr zu beginnen. „Wir sollten bedenken, daß eine mögliche weitere Verteuerung auf dem Baumarkt durch einen rechtzeitigen Beginn der Arbeiten umgangen werden könnte“, sagte Lotz. Auf jeden Fall solle man noch in diesem Jahr 200.000 Mark für Rohbauarbeiten ausgeben.

 

Jahreshauptversammlung der TV Hochstadt

Am kommenden Dienstag findet um 20.30 Uhr im Vereinslokal Gaststätte Eibelshäuser die Jahreshauptversammlung des Turnvereins Hochstadt statt. Der Verein, der in diesem Jahr sein 75jähriges Jubiläum begeht, bittet alle Mitglieder um pünktliches und vollzähliges Erscheinen. In der Versammlung sollen die letzten Vorbereitungen für den Festablauf am 28. und 29. Juli 1962 getroffen werden. Wie Vorsitzender Skrabs mitteilte, hat Landrat Voller sein Erscheinen zu dem Kommers bereits zugesagt.

 

Hoffnungsvoller Rollsportnachwuchs

Bei der in Kassel ausgetragenen Hessenmeisterschaft errangen die beiden Rollschuhläuferinnen Heidi Lotz und Renate Weber von der „Solidarität“ Hochstadt unter starker Konkurrenz den beachtlichen 4. Platz. Die beiden Läuferinnen, die in der Schülerklasse von 10 bis 14 Jahren gestartet waren, liefen eine ausgezeichnete Kür. Leider war es durch schlechte Witterungsverhältnisse nicht möglich, die vom Oberbürgermeister der Stadt Kassel übergebene neuerrichtete Rollschuhbahn zu benutzen. So mußte die gesamte Meisterschaft in einer Turnhalle der Stadt Kassel durchgeführt werden. Es bleibt für die Zukunft zu hoffen, daß beide Läuferinnen weiterhin eifrig bei der Sache sind und dem Radfahrverein „Solidarität“ Hochstadt bald einen Meistertitel mit nach Hause bringen.

 

Hochstadts Fußballbuben sind auf der Höhe

Nach dem großen Siegeszug jetzt der Meistertitel / Eine prächtige Einheit

Mit dem am vergangenen Sonnabend errungenen 4:0-Sieg gegen Langenselbold konnte die  C 2-Jugend des 1. FC Hochstadt die Kreismeisterschaft erringen. Dieses Spiel war bereits das letzte der Schülermannschaft in dieser Saison. In den insgesamt zehn Spielen konnten die Hochstädter Jungen 20 : 0 Punkte erzielen,

Die Zahl der eingesetzten Spieler betrug in der ganzen Saison nur 12 Jungen. Dies ist ein Beweis für das große Interesse und die vorhandene Disziplin sämtlicher Jugendlicher. Seit langer Zeit gibt es wieder eine Mannschaft, die eine Meisterschaft für Hochstadt erringen konnte.

Dieser stolze Erfolg ist ein schöner Verdienst des Jugendausschusses. Der Ausschuß unter der Leitung von Jugendleiter Ausäderer scheute weder Mühe noch Zeit, um aus den 12 Jugendspielern eine wirkliche Einheit zu schmieden. Die Trainingsstunden wurden von verschiedenen Aktiven und Jugendausschußmitgliedern geleitet. Hierbei konnte man immer wieder feststellen, daß sämtliche Spieler im Training anwesend waren.

Bei der an jedem Freitag im Vereinslokal stattfindenden Spielersitzung werden nicht nur die Spiele analysiert sondern es wurden auch Filme und interessante Vorträge dargeboten. Daß dies eine Mannschaft zusammenschweißt, beweist gerade jetzt diese Meisterschaft.

Es wäre falsch, an dieser Stelle Namen von erfolgreichen Spielern in dieser Mannschaft zu nennen. Gesagt werden kann und muß, daß alle zwölf eingesetzten Spieler fußballerisches Talent besitzen. Sollten diese Jungen eifrig bei der Sache bleiben, kann die Mannschaft bei den kommenden Meisterschaftsspielen auf Bezirksebene ein ernstes Wörtchen mitreden.

Als Anerkennung für diese errungene Meisterschaft hat der Vorstand beschlossen, die gesamte Meistermannschaft und die Eltern zu einem gemütlichen Abend einzuladen. Den Eltern soll gleichzeitig an diesem Abend gezeigt werden, daß ihre Jungen beim 1. FCH außer dem Fußballspielen auch Disziplin und gute Erziehung gelehrt bekommen.

Neben der C 2-Jugend hat die C 1-Jugend zur Zeit einen beachtlichen zweiten Tabellenplatz inne. Erst bei den kommenden zwei Spielen wird es sich zeigen, ob noch berechtigte Aussichten auf den 1. Tabellenplatz bestehen.

Die A-Jugend steht zur Zeit auf Platz 6 in der Tabelle und konnte aus 16 Spielen 17 Punkte erringen. Mit insgesamt 42 geschossenen Toren konnte bis jetzt ein beachtliches Ergebnis erzielt werden.

Zu hoffen bleibt, daß alle jugendlichen Spieler den bis jetzt gezeigten Geist und die sportliche Disziplin behalten. Dann dürfte es am Nachwuchs in den kommenden Jahren im 1. Fußball-Club Hochstadt nicht mangeln,

Hochstadts clevere Fußballbuben, stehend: Jugendleiter Ausäderer, Lauble, Trepte, Hundt, Vog, Rauch, Puth; Mitte: Jordan, Ziegler, Huhn; Kniend: Bechert, Stoppel und Kröller.

 

Eine neue Straße für 800.000 Mark

Ausbau auf 6,5 Meter Breite -- Nach dem Vorbild Hochstadt-Bischofsheim

Für viele Autofahrer, die die überlastete Bundesstraße 8 / 40 bei ihrer Fahrt von oder nach Frankfurt scheuen, ist die Landstraße zwischen Hanau und Bischofsheim ein beliebter Weg. Im vergangenen Jahr wurde nun das Teilstück dieser Straße zwischen Hochstadt und Bischofsheim ausgebaut und damit die Straße wesentlich verbessert. Jetzt werden die ersten Arbeiten zum Ausbau des Teilstücks zwischen dem Wachenbuchener Ortsteil Hohe Tanne und Hochstadt vorgenommen.

Wesentlich abgeflacht wird beim Ausbau der Landstraße zwischen der Hohen Tanne und

Hochstadt die Kurve kurz vor Hochstadt. Für die neue Straßenführung hat man bereits

diese Schneise geschlagen (Foto)

Rechts und links der Straße fielen winterdürre Bäume. Sie werden bis Mitte der kommenden Woche weggeräumt sein. Dann wird die Straße noch einmal freigemacht, bevor dann im Frühsommer die eigentlichen Bauarbeiten beginnen werden. Mit einem Kostenaufwand von 800.000 Mark soll die Straße eine 6,50 Meter breite Fahrbahn, Betonrandstreifen und Fahrradweg erhalten und damit dem Teilstück zwischen Hochstadt und Bischofsheim gleichen.

Außerdem ist geplant, die Kurve vor Hochstadt zu begradigen. Auf dem verbleibenden Stück der alten Straße will die Gemeinde Hochstadt Parkplätze für die Sportplatzbesucher schaffen. Noch im Jahre 1962 will man mit dieser Straßenbaumaßnahme fertig werden.

Später ist eine Weiterführung dieser Straße bis zur Hanauer Burgallee geplant. Auch bei dieser Baumaßnahme werden die vorhandenen! Kurven begradigt, so daß diese Landstraße der

Bundesstraße 8 / 40 einmal eine wirkliche Entlastung bringen kann.       

 

Erhöhte Steuer soll retten

Millionenprojekte in Hochstadt / Entlastung für Bürgermeister und Rechner

Die Gemeinde Hochstadt wird voraussichtlich die Hebesätze der Grundsteuern A und B erhöhen. Bürgermeister Philipp Ziegler erklärte in der Gemeindevertretersitzung, angesichts der bevorstehenden Millionenprojekte sei eine Erhöhung der Hebesätze der Grundsteuern nicht zu vermeiden.

Der Bürgermeister verwies auf den letzten Bericht des Kreisrechnungsprüfungsamtes, aus dem hervorging, daß die Anhebung der Steuersätze als gerechtfertigt erscheinen würde.

Dem Bürgermeister und Gemeinderechner wurde von den Gemeindevertretern für die Haushaltsrechnung des Wirtschaftsjahres 1960 einstimmig Entlastung erteilt. Das Hanauer Kreisrechnungsprüfungsamt stellte fest, daß keine Hinweise auf eine Schädigung der Gemeinde gefunden worden seien. Das Prüfungsamt empfahl allerdings der Gemeinde, eine Mindestgewerbesteuer und eine Zweigstellensteuer zur Verbesserung der Einnahmen einzuführen. Die jetzt noch gültigen Sätze bei den Grundsteuern wurden als zu niedrig bezeichnet.

Zugestimmt wurde von den Gemeindevertretern der Aufnahme eines Darlehens von 208.000

Mark. Die Fremdmittel sind für die Erweiterung und die Verbesserung des Wasserleitungsnetzes bestimmt. Bürgermeister Ziegler gab bekannt, daß der Ausbau und die Erweiterung der Wasserleitung etwa 740.000 Mark kosten. „Wir wollen die Wasserversorgung für die nächsten Jahrzehnte sicherstellen“, sagte der Bürgermeister. Oberhalb der Gemeinde wird ein Wasserhochbehälter errichtet. Eine neue Quelle wird man in der Nähe des Waldsportplatzes einfassen. Außerdem ist eine Ringleitung vorgesehen.

Lebhaft diskutiert wurde über Straßenanliegerkosten. Ein Sprecher der Fraktion der Bürgergemeinschaft meinte, die Anliegerbeiträge seien in einigen Fällen zu hoch. „Vor allem sollten die Beiträge für Anlieger, die in Straßen von örtlicher Bedeutung wohnen, niedriger sein.“

Festgelegt wurden die Anliegerbeiträge für die Bewohner der Sudetenstraße, Gartenstraße und Lindenstraße. In der Sudetenstraße werden 112 Mark, in der Gartenstraße 69,50 Mark und in der Lindenstraße 97 Mark je laufender Meter erhoben. Die Beitragsberechnung für die Anlieger der Bahnhofstraße soll vom Haupt- und Finanzausschuß überprüft werden. Vorgeschlagen hatte man für die Bahnhofstraße einen Beitragssatz von 115 Mark.

 

Sprechstunden müssen eingehalten werden

Gerade in den letzten Wochen kam es immer häufiger vor, daß Einwohner außerhalb der Sprechzeiten mit Anliegen im Bürgermeisteramt vorsprechen. Bürgermeister Philipp Ziegler appelliert an alle, die Sprechstunden, die montags, mittwochs und freitags in der Zeit von 8 - 12 Uhr stattfinden, einzuhalten. Ziegler bezeichnete es als unmöglich, bei ständiger Störung außerhalb der Sprechstunden die anfallenden Arbeiten zu erledigen. Durch Personalmangel sei es nicht mehr möglich die Arbeiten termingerecht zu erledigen. Nur für polizeiliche An- und Abmeldungen sei das Einwohnermeldeamt täglich in der Zeit von 8 - 12 Uhr geöffnet. Bürgermeister Ziegler gab Anweisung, außerhalb der Sprechstunden vorgebrachte Wünsche abzulehnen. Für Berufstätige ist freitags in der Zeit von 20 bis 21 Uhr die Möglichkeit gegeben, ihre Anliegen vorzubringen.

 

Rückvergütung wird ausgezahlt

Der Konsum zahlt ab kommenden Montag, 9. April, die Rückvergütung für 1961 aus. Montag Anfangsbuchstaben des Familiennamens A-G, Dienstag H-L, Mittwoch M-S und Donnerstag T-Z.

 

Heute abend Filmvortrag

Der Obst- und Gartenbauverein Hochstadt veranstaltet am heutigen Samstag, 20 Uhr, in der Gastwirtschaft Rauch einen Filmvortrag über Vorgartengestaltung. Die Einwohnerschaft ist hierzu herzlich eingeladen.

 

Familienabend der Käwern

Am heutigen Samstag 20 Uhr findet im Saale Strahl der diesjährige Familienabend der Karnevals-Gesellschaft „Käwern“ statt. Nach Ablauf eines Programmes wird eine Kapelle zum Tanz aufspielen. Mitglieder und deren Angehörige werden hierzu recht herzlich eingeladen.

 

Meldestelle in neuen Händen                                                                               April 1962

Ab 1. April befindet sich die Meldestelle Hochstadt der AOK Hanau in neuen Händen. Aus gesundheitlichen Gründen kann der seitherige Meldestelleninhaber Fritz Weber dieselbe nicht mehr leiten. Jeden Dienstag in der Zeit von 10-12. Uhr und samstags von 14-16 Uhr wird nun der neue Meldestelleninhaber, Hans Dorn, Wachenbucher Straße 6, die Krankenscheine der Versicherten ausgeben und sonstige Wünsche der Mitglieder erledigen.

 

Turnerjugend gefiel

Bei den Jugendbestenkämpfen des Turngaues Offenbach-Hanau konnte der Turnverein Hochstadt mit insgesamt fünf Jugendturnerinnen schöne Erfolge erzielen. Im Geräte-Vierkampf der Klasse C gefiel besonders Ursula Schick. Nachdem sie vor kurzem bei den Stadtmeisterschaften in Frankfurt als Dritte hervortrat, konnte sie jetzt in Offenbach wiederum einen sehr beachtlichen 7. Platz erringen. Inge Mankel konnte unter der starken Konkurrenz den 14. und Ursula Beilstein den 17. Platz erringen.

 

Darlehen soll aufgenommen werden

Am Dienstag findet bei Gastwirt Keller die 15. öffentliche Gemeindevertreter- Sitzung statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 208.000 Mark für Neubau und Erweiterung der Wasserversorgung; Beschlußfassung über Feststellung der Straßenanliegerkosten über folgende Straßen: Dorfelder Straße, Bahnhofstraße, Lindenstraße, Sudetenstraße, Gartenstraße und Klingstraße; Beschlußfassung über die Kostenspaltung für Lindenstraße, Bahnhofstraße und Dorfelder Straße; Festsetzung des Zinssatzes bei Stundungsbewilligungen für Anliegerkosten; Nachträgliche Genehmigungen von Haushaltüberschreitungen im Rechnungsjahr 1960; Entlastungserteilung des Bürgermeisters und des Gemeinderechners für das Rechnungsjahr 1960; Aussprache.

 

Ortsbild

Ein Hauch der Vergangenheit weht durch das Ortszentrums der Gemeinde Hochstadt. Fachwerkbauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert geben dem alten Ortsteil das Gepräge (Foto rechts). Die neue Zeit verkörpert sich architektonisch in den Ortsrandsiedlungen die Jahr um Jahr wachsen Hochstadts Einwohnerzahl ist stetig, im Steigen, weil die verkehrsgünstige Lage der Gemeinde Voraussetzung dafür bietet. Das linke Bild zeigt einen Neubau in der Nähe des Friedhofes. Bürgermeister Philipp Ziegler ist davon überzeugt, daß in den nächsten Jahren weitere große Wohnsiedlungen entstehen.

 

Heute SPD-Versammlung

Heute findet bei Gastwirt Keller die diesjährige Jahreshauptversammlung des SPD-Ortsvereins Hochstadt statt. Beginn der Versammlung pünktlich 20.30 Uhr.

 

Satzungen liegen aus

Die genehmigten Gebührenordnungen zu den Satzungen über Wasserversorgung und Entwässerungsanlage liegen in der Zeit bis einschließlich 25. Mai im Zimmer 1 der Gemeindeverwaltung zu jedermanns Einsichtnahme offen. Ferner liegen die Hauptsatzung der Gemeinde Hochstadt sowie die Satzung über Erschließungsbeiträge offen.

 

Altbürgermeister Weber 79 Jahre                                                                         April 1962

Philipp Weber, Hanauer Straße 20a, feiert am 27.April seinen 79. Geburtstag. Philipp Weber, der die ehrenamtliche Tätigkeit des Standesbeamten ausführt und die Geschäfte des Ortsgerichtsvorstehers wahrnimmt, führte von 1945 - 1948 die Geschäfte des Bürgermeisters in Hochstadt. Er gehört noch heute als Vertreter der SPD der Gemeindevertretung an.

 

 

 

Achtung Impftermine!                                                                                           Mai 1962

Die Schluckimpfung in Hochstadt und Wachenbuchen findet am Mittwoch, in Bruchköbel am Donnerstag statt.

 

Volksschule im nächsten Jahr

Die Gemeindevertretung hat beschlossen, im nächsten Jahr oberhalb der Wachenbucher Straße eine zehnklassige Volksschule mit einer kleinen Turnhalle zu bauen, Gemeindevorsteher Werner Lotz gab bekannt, daß der Neubau etwa 1,5 Millionen Mark kosten werde. Die Finanzierung des Projekts werde sich mindestens auf drei Jahre erstrecken. Wahrscheinlich werde man das Bauvorhaben in drei Abschnitten verwirklichen.

 

Abschied von verdienten Pädagogen

Rektor Polke und Lehrerin Frau Glinder schieden aus dem Schuldienst aus

In der neuen Schule wurden in einer Feierstunde der Rektor der Volksschule Hochstadt, Polke, sowie die Lehrerin Frau Glinder verabschiedet.

Unter den zahlreichen Gästen waren Bürgermeister Ziegler, Schulrat Fett, die Mitglieder des Elternbeirates, Vertreter der Kirche, der Gemeindevertretung und des Gemeindevorstandes. Die Feier wurde mit einem Musikstück des ehemals an der Volksschule Hochstadt tätigen Lehrers Und jetzigen Schulleiters der Volksschule Roßdorf, Henkel, und eines Kollegen eröffnet. Hiernach fand die Begrüßung des stellvertretenden Schulleiters Keim statt. Dieser würdigte die Verdienste Rektor Polkes und Frau Glinders und stellte die besonderen Fähigkeiten der aus dem Dienst der Volksschule scheidenden Lehrkräfte heraus. Er stellte unter anderem die Kollegialität und gute Zusammenarbeit zwischen dem Rektor und seinen Lehrerkollegen heraus. Wer so lange im Dienst gestanden und mit Erfolgen gesegnet aus der Pädagogik ausscheide, habe die nunmehrige Zur-Ruhesetzung bestimmt verdient. In den zehn Jahren, die Rektor Polke an der Volksschule Hochstadt tätig war, sei manche schwierige Aufgabe von dem weitschauenden und umsichtigen Pädagogen gemeistert worden. Mit der ebenfalls in den Ruhestand tretenden Frau Glinder verliere die Volksschule eine Lehrkraft, die es verstanden habe, die Schüler zu anständigen Menschen zu erziehen. Nach diesen herzlichen Worten des Abschiedes folgte ein Gedichtvortrag von Schülerinnen der achten Klasse.

Schulrat Fett würdigte die Erfolge der beiden Jubilare. Der Sprecher äußerte die Hoffnung, daß Rektor Polke sowie Frau Glinder die Kenntnisse und Erfahrungen auch bei Bedarf weiterhin zum Wohle und Gedeihen der Volksschule Hochstadt zur Verfügung stellen. Hiernach überreichte Schulrat Fett beiden eine Urkunde des Regierungspräsidenten Wiesbaden.

Bürgermeister Ziegler überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Gemeindegremien und ging auf die aufopferungsvolle Tätigkeit der in den Ruhestand tretenden Pädagogen ein. Bürgermeister Ziegler äußerte die Hoffnung, daß es beiden vergönnt sei, noch lange mit Rat und Tat bei der Lösung kommender Probleme mitzuwirken. Bürgermeister Ziegler überreichte hiernach im Auftrage des Gemeindevorstandes den Ausscheidenden ein Geschenk.

Bei der Verabschiedung durch den Elternbeirat überbrachte Vorsitzender Willi Ebert die Grüße der gesamten Elternschaft. Als Anerkennung für die vorzügliche Zusammenarbeit überreichte er den Jubilaren ein Geschenk.

Rektor Polke ging hiernach in seinen Abschiedsworten auf seine über zehnjährige Tätigkeit bei der Volksschule Hochstadt ein. Rektor Polke erklärte, daß seine Tätigkeit als Pädagoge ihn sein ganzes Leben hindurch viel Freude und volle Befriedigung bereitet habe und er selbst keine bessere Lebensaufgabe als die eines Lehrers sich vorstellen könne.

Der Sprecher dankte den Vertretern der einzelnen Gremien für die gute Zusammenarbeit und erklärte sich selbstverständlich bereit, bei der Lösung noch kommender Probleme mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

 

Solidaritätsjugend geht wieder auf Fahrt

Auch in diesem Jahre geht die Jugend des Radfahrvereins „Solidarität“ Hochstadt wieder ins Zeltlager nach Wiesental (Taunus). Bereits im vergangenen Jahr, in dem das Lager erstmals durchgeführt wurde, nahmen zwölf Jugendliche teil. Das Zeltlager beginnt bereits am 16. Juli und dauert bis einschließlich 28. Juli. Neben einer ausreichenden Freizeit für alle Jugendliche werden den Teilnehmern auch interessante Besichtigungen und Fahrten in den Taunus und in die Umgebung geboten. Ebenfalls ist für eine ausreichende Aufsicht gesorgt. Die Jugendlichen, die sich noch nicht beim Jugendleiter des Vereins angemeldet haben, werden gebeten, dieses umgehend nachzuholen.

 

Fundsachen können abgeholt werden

Im Zimmer 1 der Gemeindeverwaltung Hochstadt können nachfolgende Fundgegenstände abgeholt werden: eine gelbe Kinderstrickjacke, eine graue Kindertrachtenweste für Knaben, eine graue Stoff-Mädchenjacke, eine Damenarmbanduhr, ein Bund Schlüssel, ein einzelner Schlüssel, ein goldener Trauring, ein Herrentrenchcoat, ein Weißbinderanzug, eine Herrenmütze, ein Herrenfahrrad, ein Paar schwarze Damenhandschuhe und ein Paar graue Herrenhandschuhe.

 

„Grünes Licht“ für Hochstadt und Wachenbuchen:

Mittel für Bürgerhaus und Mehrzweckhalle

Bewilligungsurkunde des Landes überreicht / Schöneres Ortsbild

Grünes Licht für den Bau von Gemeinschaftseinrichtungen in Hochstadt und Wachenbuchen

gab Oberregierungsrat Kuhnmünch vom Hessischen Innenministerium am Donnerstagabend. Er überreichte im Beisein des Landtagsabgeordneten Heinrich Fischer dem Bürgermeister von Hochstadt, Philipp Ziegler, und dem stellvertretenden Bürgermeister von Wachenbuchen, Gerhard Roth, die Bewilligungsurkunden des Landes Hessen. Hochstadt will mit einem Kostenaufwand von über 1,26 Millionen Mark ein Bürgerhaus bauen. In Wachenbuchen ist der Bau einer Mehrzweckhalle geplant.

Oberregierungsrat Kuhnmünch erinnerte daran, daß das hessische Programm zur sozialen Aufrüstung des Dorfes jetzt zehn Jahre alt sei. „Über die Kosten des Programms macht man sich manchmal falsche Vorstellungen“, sagte der Regierungssprecher. Er machte darauf aufmerksam, daß man für die soziale Aufrüstung nicht mehr Geld ausgegeben habe, als die vier Düsenjäger gekostet hätten, die kürzlich bei einem Kunstflug zusammengestoßen und zerstört worden seien.

„Bis heute sind zehn Prozent der Gemeinden in Hessen in das Programm der sozialen Aufrüstung einbezogen worden“, sagte Kuhnmünch. Er sei glücklich darüber, daß jetzt auch im Landkreis Hanau die Anstrengungen für den Bau sozialer Gemeinschaftseinrichtungen verdoppelt würden.

Nach den Worten des Oberregierungsrats soll mehr geschehen, um Hochstadt als Wochenendausflugsziel attraktiver zu gestalten. Man werde im Bürgerhaus eine vollautomatische Kegelbahn einrichten. Ende nächsten Jahres werde das Bürgerhaus voraussichtlich stehen. Kuhn­münch gab bekannt, daß das Land Hessen eine Beihilfe in Höhe von 50 Prozent der Kosten beisteuern werde. Auch die Verschönerung des Ortsbildes von Hochstadt wolle man tatkräftig fördern.

Bürgermeister Ziegler dankte dem Regierungssprecher dafür, daß dem Antrag der Gemeinde Hochstadt so rasch stattgegeben worden sei. „Unsere Gemeinde wächst in einem fast atemberaubenden Tempo“, sagte der Bürgermeister. In den letzten Jahren habe sich immer wieder gezeigt, daß die Gasthaussäle für das kulturelle und sportliche Leben nicht ausreichten. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung von Hochstadt, Walter Lotz, fügte hinzu, Hochstadt werde schon in wenigen Jahren etwa 5.000 Einwohner zählen. „Wenn wir ein Bürgerhaus bauen, planen wir für die Zukunft“, sagte Lotz.

 

Hochstadts Schützen feierten Geburtstag

„65 Jahre „Tell“ - Goldenes Landesehrenzeichen für den Verein - Jubilare geehrt

Der 1. Vorsitzende des Schützenclubs „Tell“ Hochstadt konnte eine stattliche Festversammlung im Saale des Vereinslokales „Strohl“ zur akademischen Feierstunde anläßlich des 65. Geburtstages des Vereines begrüßen, Sein besonderer Gruß galt dem Bürgermeister und dem Gemeindevorstand sowie den Offiziellen des Hessischen Schützenverbandes, des Schützenkreises 34 Hanau und der Kreis- und Ortsvereine.

In einer kurzen Ansprache ging der 1. Vorsitzende auf die wechselvolle Geschichte des Schützenclubs „Tell“ ein und stellte fest, daß dieser im Jahre 1959 wiedererstandene Schützenverein auf eine stattliche Zahl von treuen Mitgliedern bauen konnte. Gleichzeitig ermahnte

die Jugend, sich an diesen Männern, die in all den vielen Jahren den Verein gesellschaftlich und sportlich gehalten und getragen haben, ein Vorbild zu nehmen und dafür zu sorgen, daß

Schießsport und damit der Schützenclub „Tell“ auch in Hochstadt Beständigkeit haben möge.

 

Im Auftrage des verhinderten Landesoberschützenmeisters R. K. Frey (Frankfurt) sprach

Landessportwart Ruth aus Hanau dem Jubiläumsverein die Glückwünsche aus. Nach der Übergabe einer großen Ehrenscheibe konnte der Landessportwart eine Reihe verdienter Mitglieder für langjährige Mitgliedschaft im Deutschen Schützenbund ehren. Zuvor aber überreichte er dem Vorsitzenden Johannes Koch im Auftrage des Hessischen Landesverbandes das goldene Landesehrenzeichen.

Für 40- bis 65jährige Mitgliedschaft wurden Valentin Fischer (Gründer des Clubs), Johannes Rohn, Johannes Strahl, Wilhelm Mankel und Jakob Kraft mit der goldenen Ehrennadel des Deutschen Schützenbundes ausgezeichnet. Das silberne Ehrenzeichen des Deutschen Schützenbundes erhielten für 25jährige Mitgliedschaft Fritz Burger, Johannes Koch, Wilhelm Schmidt und Andreas Seibel. Die Genannten erhielten das vom Verein geschaffene silberne bzw. goldene Ehrenzeichen, das außer- dem noch an Walter Lotz verliehen wurde. Der von Hochstadt scheidende Friedrich Wilhelm Schulz wurde zum Ehrenmitglied ernannt.       

Nach diesen Ehrungen sprach als Vertreter für den verhinderten Kreisschützenmeister Weber der Schriftführer des Kreises 34 Hanau, Helmut Hauck aus Großauheim. In seiner Festansprache erinnerte der Kreisvorstandsvertreter Hauck an das vor einem Jahr in München gefeierte 100jährige Jubiläum des Deutschen Schützenbundes. Er führte aus, daß diese 100 Jahre deutsches Schützenwesen nur ein zeitlicher Bruchteil dessen sei, was die Schützen an Tradition aufzuweisen haben. Wörtlich sagte er: „Die Schützen und ihre Vereine waren zu allen Zeiten Träger eines hohen Kulturgutes und ständige Wegbereiter einer guten gesitteten gesellschaftlichen Ordnung.“ Das Schießen als der Sport habe ebenso seine Berechtigung wie jede andere Sportart auch. An die Rede folgte die Gratulation und Beglückwünschung durch den Kreis mit Übergabe einer Ehrenplakette.

Bürgermeister Ziegler, der anschließend das Wort ergriff, gratulierte und beglückwünschte den Jubilar und sagte zu, daß die Gemeinde Hochstadt auch in Zukunft die Schützen nach

besten Kräften unterstützen werde. Für den begonnenen Schießstandbau überreichte er einen

Baustein, und als persönliches Geschenk einen Wanderpreis.

Praktisch alle Vereine Hochstadts hatten Vertreter entsandt, die auf die Verbindungen untereinander eingingen und durch Ehrengeschenke und weitere Bausteine ihre Glückwünsche unterstrichen Aus dem Schützenkreis 34 waren die Vereine' Schützenclub 1895 Großauheim,

„Gut-Ziel“ Großauheim, „Tell“ Großauheim, „Hubertus“ Mittelbuchen, Schützengilde Wachenbuchen, 1. Schützengesellschaft Dörnigheim, „Tell“ Rückingen und Bischofs heim als Gratulanten erschienen.

Die in jeder Phase gut gelungene Feierstunde wurde von musikalischen Darbietungen der Ka-

pelle Stock (Mittelbuchen) umrahmt. Liedbeiträge, teils mit Orchesterbegleitung, brachten

die Sängervereinigung Hochstadt mit dem Zitherverein „Alpenrose“ Hochstadt.

 

Bürgermeister Ziegler in Urlaub                                                                            Juli 1962

Bürgermeister Ziegler befindet sich zur Zeit bis einschließlich 24. Juli 1962 in Urlaub. Die Vertretung hat der 1. Beigeordnete Heinrich Seibel.

 

Vorschlagsliste liegt aus

Die Vorschlagsliste der Schöffen und Geschworenen für das Amtsgericht Hanau liegt gegenwärtig zu jedermanns Einsichtnahme im Zimmer 1 der Gemeindeverwaltung offen. Ebenfalls ist die Vorschlagsliste am Aushängekasten am Bürgermeisteramt angebracht.

 

Vorstandssitzung der Solidarität

Am morgigen Dienstag findet im Vereinslokal der Gaststätte Keller eine wichtige Vorstandssitzung des Radfahrvereins „Solidarität“ Hochstadt statt. Beginn pünktlich 20.30 Uhr.

 

 

Heinrich Fischer spricht                                                                                          03.08.1962

Am kommenden Freitag, 3. August, findet bei Gastwirt Steffens eine Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins Hochstadt statt. Landtagsabgeordneter Heinrich Fischer spricht an diesem Abend über die bevorstehende Landtagswahl. Beginn pünktlich 20.15 Uhr. Sämtliche Mitglieder und deren Angehörige sind herzlich eingeladen.

 

Einigkeit war stets oberstes Gebot

Turnverein Hochstadt feierte seinen 75. „Geburtstag“ - Gelungener Kommers

Am Wochenende beging der Turnverein 1887 Hochstadt sein 75jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlaß fand bereits am vergangenen Sonntag zu Ehren der Gefallenen und Verstorbenen am Ehrenmahl auf dem Friedhof eine Gedenkfeier statt, an der die Mitglieder des Vereins zahlreich teilnahmen Ebenfalls wurde hierbei ein Kranz niedergelegt. Am Abend des letzten Samstags fand dann im Saale der Gaststätte Strohl der Kommers statt. Vor vollbesetztem Saale konnte Vorsitzender Kurt Skrabs pünktlich die zahlreich erschienenen Gäste und Ehrengäste begrüßen. So waren auch Landrat Wilhelm Voller, Bürgermeister Philipp Zieg1er, der Vorsitzende des Sportkreises Hanau, Jupp Sütter, sowie der Gauvorsitzende des Turngaues Offenbach-Hanau, Peter Barth, der Einladung des Vereins gefolgt.

Vorsitzender Skrabs äußerte in seiner Ansprache den Wunsch, daß ein Geist, wie er vor den beiden Kriegen im Verein geherrscht habe, in den kommenden Jahren wieder einkehren werde. Nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden ging der Schriftführer des Vereins, Friedel Seng, auf die Vereinsgeschichte ein. Hierbei streifte der Sprecher das gesamte Vereinsbestehen seit der Gründung im Jahre 1887. Am 13. August des Jahres 1887 taten sich 17 mutige Männer zusammen und gründeten in der Gastwirtschaft Rauch den Turnverein Hochstadt. Daß es zur damaligen Zeit für diese Männer nicht leicht war, versteht sich deshalb, daß nur 27 Jahre vorher, also im Jahre 1860, am 4. August sich 700 Turner aus Hanau und Offenbach am nahgelegenen Felsenkeller trafen und es wegen der ablehnenden Haltung der damaligen Hochstädter Bürger zu einem erbittertem Kampf gekommen war.

Einer der aktivsten Turner war der damalige 1. Vorsitzende Philipp Weifenbach. Leider aber griff der Tod zu früh nach diesem ehrgeizigen Mann, so daß andere beherzte Männer das Ver­einsschifflein durch alle Klippen weiterführen mußten. Durch die vorbildliche Vereinsführung, sowie die Einigkeit, Ordnung und Geselligkeit innerhalb des Vereins wurde der unter den Bürgern noch immer herrschende Argwohn langsam verdrängt, und so konnte im Jahre 1893 als äußeres Vereinssymbol die Bannerweihe in feierlicher Weise vorgenommen werden. Leider aber wurde der Festzug durch ein gerade herrschendes Unwetter stark beeinträchtigt, so daß der Zug dem ebenfalls bereits schon ein Spielmannszug mit 11 Trommlern angehörte, nicht voll zur Wirkung kam.

Im Jahre 1912 konnte das 25jährige Jubiläum des Vereins gefeiert werden. Das Bemühen der damaligen Verantwortlichen, das Gauturnfest in Hochstadt durchzuführen, wurde durch Los- entscheid für Mühlheim unterbunden. Im selben Jahre aber konnten die Hochstädter Musterriege beim mittelrheinischen Turnfest in Aschaffenburg siegreich nach Hause zurück kehren. In dieser Zeit verdienten sich verschiedene Männer durch ihre vorbildliche und aufopfernde Bereitschaft für den Verein ein besonderes Lob. Hierbei sind folgende Männer zu nennen: Wilhelm Bauer, Heinrich Bauer (Schlossermeister) und Wilhelm Kaiser.

Leider schlug der 1. Weltkrieg auch große Lücken in den Turnverein Hochstadt. So riß der Soldatentod elf der treuesten Mitglieder aus den Vereinsreihen. Erst im Jahre 1927 war es der Turner Wilhelm Hensel, der es durch seinen Eifer verstanden hat, Mitglieder für den Verein zu werben und auf turnerischer Basis wieder große Erfolge für Hochstadt zu erringen. Der vor kurzem verstorbene Bäckermeister Kaspar Koch war es, der ebenfalls im Jahre 1923 dem Verein eine Handballabteilung angliederte, die von Kaspar Lenz vorbildlich aufgebaut und geleitet wurde.

Mit dem 40jährigen Jubiläum im Jahre 1927 war das 53. Maingauturnfest verbunden. Es war für den Verein eines der größten Ereignisse der Vereinsgeschichte. Im Jahre 1933 war der Turnverein dann gezwungen, sich dem 1. Fußball- Club Hochstadt anzuschließen. Hiernach ebbte der Turnbetrieb stark ab und kam erst im Jahre 1954 nach der Selbständigmachung wieder an die Öffentlichkeit. So wurden wieder Siege von Turnfesten mit nach Hause gebracht und selbst das Deutsche Turnfest in München wurde von fünf Teilnehmern besucht. Mit den Schlußworten: „Was tüchtig war im Alten, im Neuen leb es fort. Treu soll zusammen halten, Gedanke, Tat und Wort“, schloß Friedel Seng seinen Überblick über das Vereinsgeschehen.

Hiernach ergriff Bürgermeister Ziegler das Wort und hieß alle Anwesenden im Namen des Gemeindevorstandes auf das herzlichste Willkommen und äußerte die Hoffnung, daß es auch bald für den Turnverein eine bessere Übungsstätte geben werde und zwar dann, wenn das geplante Bürgerhaus erstellt sei.

Landrat Voller der bis zu diesem Zeitpunkt von dem Ablauf und Gebotenem angenehm überrascht war, gab seine Bereitwilligkeit darüber zum Ausdruck, daß er alles versuchen werde, der Gemeinde zum Bau des Bürgerhauses finanzielle Zuschüsse zu gewähren, damit auch dem Turnverein und allen übrigen Vereinen eine ihren Erfordernissen entsprechende Übungsstätte zur Verfügung gestellt werden könne.

Die Grüße und Glückwünsche des Sportkreises Hanau überbrachte Jupp Sütter. Er wünschte dem Verein für die kommenden Jahre viel Erfolg. Vom Gauvorsitzenden Peter Barth wurden die Glückwünsche des Turngaues Hanau-Offenbach übermittelt.

Hiernach boten alle Turnerinnen des Vereins den von der Turnwartin Kathi Eibelshäuser eingeübten Festtanz. Bei der Jubilarenehrung wurden die beiden Turner Georg Damann und Otto Thielemann für ihre 25jährige Vereinszugehörigkeit ausgezeichnet. Für ihre aufopfernde Bereitschaft und Tätigkeit wurden Turnwartin Kathi Eibelshäuser sowie Turnwart Artur Frühwacht und dessen Frau ausgezeichnet.

Zwischendurch umrahmten die Sängervereinigung das Walzer‘sche Doppelquartett das Programm. Großen Applaus ernteten auch die ebenfalls mitwirkenden Kunstfahrer des Radfahrvereins „Solidarität“ Hochstadt. Nach der Geschenküberreichung fast aller Ortsvereine und Turnvorführungen der Turnerinnen und Turner beschloß der Spielmannszug das von allen Besuchern begeistert aufgenommene Programm. Der Sonntag stand im Zeichen der Wettkämpfe, des Schauturnens und des Festzuges.

 

75 Jahre Turnverein: Das ganze Dorf feierte mit

Wettkämpfe und Umzüge - Bau der Mehrzweckhalle noch in diesem Jahr

Ein Dreivierteljahrhundert alt wurde der Turnverein 1887 Hochstadt am Wochenende. Mit einer akademischen Feier nahm das Jubelfest seinen Auftakt, Am Sonntag fanden leichtathletische Wettkämpfe, am Mittag ein Umzug und am Nachmittag ein Schauturnen auf dem Waldsportplatz statt, an dem sich die Turner aus Bischofsheim, die Akrobaten der Freien Turnerschaft aus Dörnigheim und die Riegen des Turnvereins Hanau-Kesselstadt beteiligten.

Vorsitzender Skrabs betonte bei seiner Begrüßung, daß sich mit den Turnern auch die gesamten Einwohner freuten. „Was Jahn gelehrt, den Turner ehrt“, rief er in den besetzten Strohl‘ schen Saalbau. Der Gruß des Vorsitzenden galt allen Freunden und Förderern des Vereins. 75 Jahre Vereinsgeschichte seien eine lange Zeit. An manchen schweren Tagen sei um die Ehre gekämpft worden, aber auch schöne Zeiten und frohe Stunden hätten die Turner bewogen, an dem festzuhalten, was Jahn gelehrt habe.

Blick in die Vereinschronik: Einen Auszug aus der Vereinsgeschichte gab Festredner Friedel Seng vor .der Festversammlung. Getreu dem Ausspruch Jahns „Mein Schild trägt die Farben Schwarz, Rot, Gold, Und darin steht geschrieben Einheit-Freiheit-Vaterland“ sei man in Hochstadt gefolgt.

Bürgermeister Ziegler wartete vor der Festversammlung mit einer erfreulichen Nachricht auf. „Noch in diesem Jahr wollen wir mit dem Bau einer Mehrzweckhalle beginnen, die allen Vereinen zur Verfügung stehen soll“, sagte das Ortsoberhaupt.

Auch bei den Turnern habe es in den letzten Jahren immer wieder an einer geeigneten Trainingsstätte gefehlt. „Wenn unsere Bürger, besonders in den jüngst vergangenen Jahrzehnten, in ihrer Mehrheit eine selbstbewußte, freiheitliche Geisteshaltung zeigten und den Idealen der Demokratie wie des friedlichen Fortschrittes aufgeschlossen waren, so mag dies nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen sein, daß die Turner seit ihrer Gründung nicht nur die Leibeserziehung pflegten, sondern daneben eine systematische kulturelle Betreuung ihrer Mitglieder betrieben“, sagte Ziegler.

Eine Tafel Schokolade: Landrat Wilhelm Voller zeigte sich sehr erfreut über den Tanz einer Gruppe von sieben Jahre alten Mädchen. Jede der kleinen Tänzerinnen erhielt eine Tafel Schokolade. Die Gemeinde beglückwünschte der Landrat zum baldigen Bau der Mehrzweckhalle.

Die Grüße des Sportkreises Hanau überbrachte Kreisvorsitzender Jupp Sütter (Hanau). Dem Vorsitzenden Skraps überreichte er ein Ehrendiplom. Für langjährige Zugehörigkeit zum Verein wurden Georg Damann, Otto Tillmann und Gerd Wusiclow mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet. Für besondere Verdienste wurden Turnwart Frühwacht und seine Frau Inge ausgezeichnet. Als Leiterin der Schüler- und Jugendgruppe erhielt Kathi Eibelshäuser eine Ehrenurkunde. Glückwünsche überbrachten ferner der Vorsitzende des Turngaues Offenbach-Hanau, Barth (Offenbach-Bieber), sowie die örtlichen Vereine und Verbände und die befreundeten Nachbarvereine.

Die akademische Feier am Samstag war mit Darbietungen des Spielmannszuges, der Sängervereinigung, des Walzerschen Doppelquartetts und der Kunstfahrer des Radfahrervereins „Solidarität“ und der Turner und Turnerinnen des Jubelvereins umrahmt,

Am Sonntagmorgen fanden auf dem Waldsportplatz an der Hanauer Straße leichtathletische Wettkämpfe unter Teilnahme verschiedener befreundeter Vereine aus der näheren Umgebung statt. Nach einem Festumzug am Sonntagmittag fanden am Nachmittag noch akrobatische Vorführungen der Freien Turnerschaft Dörnigheim und der Riegen des Turnvereins Hanau-Kesselstadt statt. Am Abend schloß sich ein Jubiläumstanz an.

 

Feiern wurden in Hochstadt großgeschrieben. Der Turnverein wurde 75 Jahre alt. Das Jubelfest brachte leichtathletische Wettkämpfe, einen Umzug durch die Straßen (unsere Bilder) und ein Schauturnen auf dem Waldsportplatz an der Hanauer Straße. An den Vorführungen beteiligten sich Turner aus Bischofsheim, Dörnigheim und aus Hanau-Kesselstadt neben Vertretern des Jubelvereins. Landrat Wilhelm Voller zählte zu den prominenten Besuchern des Festes. Er überreichte einer Gruppe von sieben Jahren alten Mädchen als Geschenk für gut angekommene Tanzvorführungen Süßigkeiten. Beim Jubiläum des Turnvereins Hochstadt wurden verdiente Mitglieder geehrt

Die Kurntturnriege des TV Kesselstadt half bei der Jubiläumsveranstaltung des Turnvereins Hochstadt mit, der Veranstaltung einen werbenden Charakter zu geben

 

Hemmungsloser Autofahrer

Fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung und Unfallflucht brachten einen Mann aus Hochstadt vor das Hanauer Schöffengericht. Der Angeklagte wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Erst nach Ablauf eines Jahres darf er wieder einen Führerschein erwerben.

Es war Ende März, als der Angeklagte in Frankfurt in fröhlicher Runde saß. Man feierte die Geburt eines Kindes und das Ausscheiden eines Arbeitskollegen aus der Frankfurter Firma. „Ich habe zwei Glas Bier und zwei Schnäpse getrunken“, bekannte der Angeklagte vor dem Schöffengericht.

Der Alkohol tat offensichtlich bei dem Ange klagten eine lebensgefährliche Wirkung. Der Hochstädter setzte sich nach der feuchtfröhlichen Feier an das Steuer seines Kleinwagens und brauste mit der Höchstgeschwindigkeit über die Straßen. Vor der Braubachkurve überholte er einen schweren Personenwagen, dessen Fahrer mit 100 Stundenkilometer über den Asphalt zischte. Beim Überholen streifte der Kleinwagen das schwere Personenauto. Der Hochstädter fuhr ungeniert weiter. Aber der Fahrer des Wagens, der überholt worden war, hatte sich die Nummer des Sünders gemerkt. Kurze Zeit später hatte die Polizei den Angeklagten ermittelt.

 

Nach dem Unfall nach Hause gegangen

Seelenruhig nach Hause marschierte in der letzten Nacht gegen 22.20 Uhr ein Autofahrer, der in der Jägerstraße in Hochstadt mit dem Wagen einen Salto geschlagen hatte. Der mit hoher Geschwindigkeit fahrende Wagen kam auf der nassen Straße ins Schleudern, überschlug sich und landete schließlich in einer Tankstelle. Dort ließ der Fahrer das Auto stehen. Die an die Unfallstelle alarmierte Polizei fand kurze Zeit später den Autofahrer. Da der Verdacht der Trunkenheit bestand, wurde eine Blutprobe angeordnet. Der Führerschein wurde vorläufig eingezogen.

 

14 Räume für Hochstadts Schuljugend                                                                

Gemeindevertreter akzeptieren den Plan für die neue Schule

In der letzten öffentlichen Gemeindevertretersitzung hatten die verantwortlichen Herren der Gemeindevertretung insgesamt neun Tagesordnungspunkte zu erledigen. Daß es in den kommenden Jahren gilt, außerordentlich große und schwierige Aufgaben und Probleme zu lösen, war schon aus den einzelnen Punkten der Tagesordnung zu ersehen. Nachdem Vorsitzender Werner Lotz Bürgermeister Philipp Ziegler das Wort erteilt hatte, begrüßte dieser den vom Gemeindevorstand für die Vorplanung der neuen Schule beauftragten Architekten H. Klinger.

Architekt Klinger, der der Einladung der Gemeindevertretung Folge geleistet hatte, ging dann zur Erläuterung des von ihm erstellten Vorentwurfs für die neue Schule über.

Insgesamt beläuft sich das Projekt mit dem 1. und 2. Bauabschnitt auf über 2,3 Millionen Mark. Für das gesamte Vorhaben muß die Gemeinde rund 25.000 Quadratmeter Gelände erwerben. Vorgesehen hierfür ist das Gelände oberhalb des verlängerten Bücherweges und nördlich des jetzt ausgewiesenen Baugebietes „Hochstadt-Ost“. Aus dem Bericht Klingers war zu entnehmen, daß man heute für Schulhausneubauten Gelände bevorzuge, das fern von jeglichem Verkehr und in „der freien Natur“ liege. Man habe besonders in Hessen gute Erfahrungen auf dem Gebiet der schulischen Bildung sammeln können und bringe diese jetzt zur Anwendung.

Der Schulhausneubau, der im Jahre 1963 mit dem 1. Bauabschnitt begonnen werden soll, umfaßt insgesamt 14 Klassenräume und ist unterteilt in zwei verschiedene Bauwerke. Es ist vorgesehen, für die Oberstufe ein Gebäude zu errichten und ein weiteres Gebäude für die Unterstufe. Beide Gebäude sind voneinander getrennt und haben ebenfalls einen getrennten Pausenhof.

Besonderen Wert wird bei der Oberstufe auf die Fachklasse gelegt. Vorgesehen sind unter anderem je ein Naturkunderaum, Werkraum, Physikraum, eine Lehrküche, ein Gemeinschafts­raum sowie eine komplett eingerichtete Schulbücherei. Weiterhin sind ein Arztzimmer, ein Rektorzimmer sowie ein Lehrerzimmer und drei getrennte Umkleideräume in dem Entwurf mit eingeplant. Im 2. Bauabschnitt ist der Bau einer Schulturnhalle eingeplant. Diese soll in der Größe von 12 auf 24 Meter errichtet werden. Zu dieser Halle sind außerdem ein Gymnastikraum, ein Geräteraum sowie getrennte Duschen und Umkleideräume für Mädchen und Jungen vorgesehen.

Auf dem gleichen Gelände ist ebenfalls eine Sportstätte mit sämtlichen Anlagen geplant. So sollen außer einem Spielfeld von 20 auf 40 Meter eine Hochsprung-, eine Kugelstoß-, eine Weitsprunganlage, ein Gymnastikrasen sowie eine 70-Meter-Laufbahn angelegt und errichtet werden.

Vorgesehen ist für das gesamte Projekt eine zentral gelegene Ölheizung. Am südlichen Eingang zu dem gesamten Gelände ist der Bau eines Hauses für den Hausmeister vorgesehen, der somit auch das gesamte Geschehen auf dem Gelände überblicken kann.

Nach diesen von der Gemeindevertretung beifällig aufgenommenen Erläuterungen des Architekten Klinger ging Bürgermeister Philipp Ziegler nochmals auf die Dringlichkeit des Objekts ein. Es gehe nicht mehr an, daß bei den heutigen Verhältnissen schulpflichtige Kinder in den alten Klassenräumen unterrichtet würden. Sorge mache aber bei der gesamten Angelegenheit das finanzielle Problem. Wenn nicht Kreis und Land einen beachtlichen Anteil der Kosten tragen würden, sei dieses Projekt nicht durchführbar. Bürgermeister Ziegler äußerte hierbei die Hoffnung, daß ein neuer Fabrikationsbetrieb jetzt bald nach Hochstadt übersiedeln werde und somit der Gemeinde neue Einnahmen aus der Gewerbesteuer zufließen.

Das Projekt in seiner jetzigen Vorlage wurde von den Gemeindevertretern einstimmig akzeptiert, Verbesserungsvorschläge nicht gemacht. Somit kann das Projekt zur Stellungnahme beim Kultusministerium in Wiesbaden vorgelegt werden.

 

Junger Mann stellte altem Rentner das Bein                                                       Juli 1962

Für zehn Mark zwei Jahre ins Gefängnis Angeklagter legte Geständnis ab

Karl Schröder stammte aus einem ungünstigen Familienmilieu In der Jugend kümmerten sich nur wenige Menschen ehrlich um ihn. Bald geriet er auf die schiefe Bahn. Er mußte wegen Diebstahls verurteilt werden. In der Nacht zum 7. April stellte der Angeklagte in der Ringstraße in Hochstadt einem Rentner das Bein, so daß dieser stürzte. Während er am Boden lag, nahm der Angeklagte die Brieftasche des Überfallenen an sich. Die Beute von zehn Mark verbrauchte der 23jährige am Tag nach dem Überfall für sich.

Strafmildernd wurde das freimütige Geständnis des Angeklagten berücksichtigt. Eine em­pfindliche Gefängnisstrafe mußte dennoch verhängt werden, weil es sich um eine besonders rohe und verwerfliche Tat handelte. Das Gericht erkannte auf Haftfortdauer.

 

Heinrich Seibel jun. wurde 1.Beigeordneter

Hochhausbau beeinträchtigt Ortsbild nicht - Großes Programm erledigt. In der letzten Gemeindevertretersitzung hatten Hochstadts Gemeindeväter wieder ein umfangreiches Programm zu erledigen. Zur Diskussion standen insgesamt zehn Tagesordnungspunkte. Wie bei den meisten Gemeindevertretersitzungen herrschte auch diesmal wieder in allen Punkten Übereinstimmung, und so konnten sämtliche Beschlüsse einstimmig gefaßt werden.

Vorsitzender Werner Lotz verlas den Gemeindevertretern die Rücktrittserklärung des 1. Beigeordneten Heinrich Seibel (SPD). Seibel, der seit über vier Jahren die ehrenamtliche Tätigkeit des 1. Beigeordneten ausübte, nun im Alter von 66 Jahren aus Gesundheitsgründen sein Amt zur Verfügung. Vorsitzender Lotz würdigte an dieser Stelle die Verdienste des Vizebürgermeisters. Er stellte den selbstlosen, zum Wohle der Allgemeinheit dienenden Einsatz des Scheidenden heraus. Er würdigte weiterhin die Tätigkeit, die Seibel seit dem Jahre 1946 als Gemeindevertreter und später als Gemeindevorstandsmitglied ausübte. Lotz bedauerte, daß dieser hilfsbereite und für das Wohl der Allgemeinheit kämpfende Mann durch seinen Gesundheitszustand sein Amt zur Verfügung stellen mußte.

Im Namen der Gemeindevertretung sowie des Gemeindevorstandes wünschte Lotz dem Scheidenden baldige Besserung seines Gesundheitszustandes und gab der Hoffnung Ausdruck, daß er noch mit Rat den Gremien zur Verfügung stehe.

Hiernach folgte die Wahl des nachrückenden 1. Beigeordneten. Auf Vorschlag der SPD-Fraktion sollte Heinrich Seibel jun. dieses Amt übernehmen. Die Einverständniserklärungen wurden eingeholt und in geheimer Wahl der seitherige Gemeindevertreter und Fraktionssprecher der SPD-Fraktion, Heinrich Seibel jun., einstimmig zum 1. Beigeordneten gewählt. Seibel dankte anschließend für das in ihn gesetzte Vertrauen und versprach, daß er seine ganze Kraft einsetzen werde, um dem Wohl der Allgemeinheit in Hochstadt zu dienen.

An Stelle des jetzt ausgeschiedenen Gemeindevertreters Seibel wurde das Nachrücken eines weiteren Mandatsträgers der SPD-Fraktion erforderlich. Nachdem drei Bewerber der Wahlvorschlagsliste der SPD auf das ihnen zustehende Mandat verzichteten, rückte der nächstfolgende der Liste nach. Es ist dies der Werkmeister Georg Kraft. Kraft wurde sodann von dem Gemeindevertreter-Vorsitzenden Lotz in sein Amt als Gemeindevertreter eingeführt.

Nächster Punkt der Tagesordnung war die Beschlußfassung zur Aufstellung des Bebauungsplanes „Hochstadt-Ost“. Dieser Beschluß wurde bereits in einer früheren Sitzung gefaßt und nur in seinem Wortlaut etwas geändert. Einstimmig wurde ebenfalls der Bebauungsplan für das Baugebiet Hochstadt-Ost als Satzung beschlossen. Dieser Beschluß bewirkt, daß der Bebauungsplan Ortsrecht wird und von Betroffenen nun vor einem Verwaltungsgericht angefochten werden kann.

Ebenfalls das Baugebiet Hochstadt-Ost behandelten die beiden nachfolgenden Punkte. Die Bedenken des Landeskonservators, durch den geplanten zehngeschossigen Wohnblock links der Wachenbucher Straße sei der Blick zum Kirchturm und Obertor versperrt, konnten die Gemeindevertreter nicht teilen, und beließen den beabsichtigten Bau in seiner ursprünglichen Planung.

Die Begründung über die Ausweisung des Baugebietes gab Vorsitzender Werner Lotz. Durch zahlreiche Angebote von Wohnungsbaugesellschaften für die Errichtung von Wohnblocks wurde es dringend erforderlich, ein Gebiet auszuweisen. Die Gemeindevertretung sowie der Gemeindevorstand ließen sich bei der Ausweisung davon leiten, daß zehn Prozent der Wohnungen der Gemeinde zur Beseitigung örtlicher Wohnungsnotstände zugesagt wurden. Bekanntlich bestehen zur Zeit in Hochstadt noch über 40 Wohnungsnotstandsfälle. Die Baugesellschaft für Wohnheime und Arbeiterwohnungen in Frankfurt, die das Bauvorhaben durchführt, erstellt in zwei Bauabschnitten insgesamt 176 Wohnungen, die vorwiegend mit Angestellten und Beamten der Stadt Frankfurt belegt werden sollen. Die Baugesellschaft beabsichtigt, noch in diesem Jahr mit dem ersten Bauabschnitt zu beginnen, so daß mit der Fertigstellung im Herbst nächsten Jahres zu rechnen ist.

Im nächsten Punkt der Tagesordnung befaßte sich die Gemeindevertretung mit dem 3. Abschnitt des Ausbaus der Straßen. Die eingeholten Kostenvoranschläge ergaben, daß ein Hanauer Unternehmen am preisgünstigsten arbeiten kann. Es wurde beschlossen, dieser Firma den Auftrag zu erteilen. An erster Stelle sollen der Wellenpfad von Kreuzung Sandgasse bis Riederhohl sowie die Schillerstraße ausgebaut werden. Die Straßenbeleuchtung wird zur Zeit bereits in den genannten Straßen erstellt. Als weitere Straßen werden dann die Hofgerichtstraße, Weiherstraße, Bleichstraße, der Schlesierweg und die Kalkhausstraße ausgebaut. Es wurde beschlossen, die Straßen mit einer wassergebundenen Teerdecke herzustellen, sowie die Bürgersteige mit Platten zu belegen. Als letzter Punkt der Tagesordnung stand die Änderung des Bebauungsplanes (Flur 6) von der eingeschossigen Bauweise in zweigeschossiger Bauweise zur Beschlußfassung. Die Änderung wurde einstimmig akzeptiert.

Abschließend wurde dem Gemeindevorstand aufgetragen, über das Aufstellen von Verkehrsschildern sowie Verkehrsspiegeln eine Empfehlung auszuarbeiten, die in der nächsten Sitzung vorgelegt werden soll.

 

Beim Treffen der Altersturner in Göttingen war jetzt auch der Turngau Hanau-Offenbach

vertreten. Die aus Hanan, Hochstadt und Dörnigheim stammenden Turner (von links)

W. Schuhmann, E. Hill, H. Gunkel, Fr. Georgi, R. Nietzschke, W. Krapf und A. Bauer

konnten als Sieger nach Hause zurückkehren

 

Landstraße nach Hanau

Völlig neue Perspektiven eröffnet die umgestaltete Linienführung der Landstraße zwischen

Hochstadt und der Hohen Tanne. Vor Hochstadt wurde eine Schneise geschlagen, durch

die einmal die ausgebaute Straße führen soll. Durch die Schneise hat man diesen Blick

auf den Ort

 

 

Brunnen weicht Wasserhahn

Das Versorgungsnetz von Hochstadt hat bald keine Lücken mehr

Ende September wird es im Wasserversorgungsnetz der Gemeinde Hochstadt keine Lücken mehr geben. Bürgermeister Philipp Ziegler teilte mit, daß die Hauptleitung für die Wasserversorgung des Siedlungsgebietes „Im Niederfeld“ bereits gelegt worden sei. „Jetzt gehen wir daran, die Wasserleitungsrohre in den Seitenstraßen zu legen“, sagte der Bürgermeister.

Hausbrunnen passen nicht in unsere Zeit. Im Rathaus von Hochstadt ist es seit langem beschlossene Sache, daß die Brunnen in der Siedlung „Im Niederfeld“ verschwinden müssen. Bald wird man auch auf sie verzichten können. Die Arbeiten zur Ausdehnung des Wasserversorgungsnetzes sind in der letzten Zeit gut vorangekommen. In der Bahnhofstraße hat man bis zur Dörnigheimer Gemarkungsgrenze eine Hauptleitung gelegt. „In wenigen Wochen werden wir die bange Sorge los sein, daß Hausbrunnen verseucht werden könnten“, sagte Bürgermeister Ziegler.

„Eine gute Wasserversorgung ist eine der Hauptaufgaben der Kommunalpolitik“, bemerkte der Bürgermeister. Daß hinter diesen Worten Taten stehen, ergibt sich daraus, daß in diesem Jahr knapp eine halbe Million Mark für neue Wasserleitungsrohre ausgegeben werden. Die vor gut vier Jahrzehnten gelegten Wasserleitungen können heute nicht mehr verwendet werden. Die Rohre hatten einen Durchmesser von 80 und 100 Millimeter. Diese Rohre wurden an vielen Stellen gegen 200-Millimeter-Rohre ausgetauscht. Mit einem zinsverbilligten Darlehen der Hessischen Landesbank gelang es, eine Finanzierungslücke zu schließen, die bei diesen großen Vorhaben entstanden war.

Seit mehreren Wochen schon in Betrieb ist das Wasserwerk am Schützenhäuschen. Im Mai wurde das 800 Kubikmeter fassende Wasserwerk fertiggestellt. Das alte Wasserwerk hatte nur 200 Kubikmeter fassen können. „Die Gefahren eines drückenden Wassernotstandes sollten für die nächsten Jahre gebannt sein“, meinte der Bürgermeister. Nur ein ungewöhnliches Absinken des Grundwasserspiegels werde künftig Notstandsmaßnahmen auslösen. Die Wasserversorgung der Gemeinde Hochstadt stehe heute auf gesunden Grundlagen.

Zu dem vom Innenministerium genehmigten Plan, eine Mehrzweckhalle zu bauen, äußerte Bürgermeister Ziegler, es könne im Augenblick noch nicht gesagt werden, wann der erste Spatenstich fällig werde. Die Arbeiten werde man aber möglichst noch in diesem Jahr ausschreiben. „Ob im Winter mit dem Bau begonnen wird, dürfte in erster Linie vom Wetter abhängen“, sagte der Bürgermeister. Ein milder Winter werde jedenfalls ein baldiges Verwirklichen der Pläne begünstigen.

 

Unfall

Sachschaden gab es bei einem Unfall in einer Ortsstraße. Ein anfahrender Personenwagen hatte ein überholendes Auto gestreift.

 

Zum Amtmann befördert

Beim Amtsgericht in Hanau ist der Justizoberinspektor Heinrich Demuth zum Justizamtmann ernannt worden. Er übernimmt beim Grundbuchamt das Arbeitsgebiet des in den Ruhestand getretenen Justizamtmanns Schell.

 

Mehrere Bauern gemeinsam

Maschinen für die Kartoffelernte wollen die Bauern von Hochstadt kaufen. Weil die Anschaffung der Maschinen teuer ist, will man Maschinengemeinschaften bilden. In der Bauern­versammlung wurde die diesjährige Kartoffelernte als verhältnismäßig gut bezeichnet. Die Qualität der Speisekartoffeln sei sogar vorzüglich. Der Zentner mit der Hand ausgelesener Kartoffeln aus Hochstadt kostet in diesem Herbst etwa zehn Mark. In der Versammlung machten mehrere Sprecher darauf aufmerksam, daß es ungewöhnlich schwer gewesen sei, die für die Ernte benötigten Arbeitskräfte zu finden.

 

Fünf Männer seit 50 Jahren dabei

Jubiläumsfeier der Raiffeisenkasse in Hochstadt - Enormer Aufschwung

Am letzten Wochenende fand im Saale Eibelshäuser die Feier des 50jährigen Bestehens der Raiffeisenkasse in Hochstadt statt. Im festlich geschmückten Saal begrüßte an Stelle des verhinderten Vorstehers Wilhelm Schöner das Vorstandsmitglied Jakob Schäfer eine erfreulich große Zahl von Mitgliedern und Freunden der Jubilarin, insbesondere auch einige Gäste, und unter Beifall fünf der insgesamt sechs heute noch lebenden Gründer der Genossenschaft: Kaspar Dorn, Heinrich Jost, Jean Lotz, Heinrich Mankel, Johannes Mankel und Philipp Weber. Er wies darauf hin, daß am 28. Juni 1912 im gleichen Hause von 77 verantwortungsbewußten und tatkräftigen Männern die „Spar- und Darlehenskasse“ gegründet wurde, deren erster Vorsteher der Reichstagsabgeordnete Philipp Stein XII war.

In dem von Friedel Seng verfaßten und vorgetragenen geschichtlichen Rückblick spiegelte sich das Auf und Ab der wirtschaftlichen Entwicklung des seit der Gründung vergangenen halben Jahrhunderts. Wenn vor der Währungsreform die wirtschaftliche Bedeutung und der geschäftliche Umfang der Genossenschaft gering waren, so änderten sich nach 1948 die Verhältnisse grundlegend. Vor allem nach dem Um- bzw. Anbau der Geschäfts-. und Lagerräume in der Bischofsheimer Straße im Jahre 1953 stiegen die Einlagen und Umsätze sprunghaft, auch wenn die allgemeine wirtschaftliche Lage dabei berücksichtigt wird. So betrugen die Geldumsätze in 1950 rund 1 Million Mark, in 1960 rund 10 Millionen Mark und in 1961 rund 12 Millionen Mark. Die Genossenschaft zählt heute 367 Mitglieder und hat eine Bilanzsumme von 1,5 Millionen Mark.

Die Ehrung der noch lebenden Gründer nahm Unterverbandsdirektor Göbel (Langendiebach) vor. Er überreichte ihnen Ehrenurkunden und Präsente der Genossenschaft. In sehr netten Worten dankte im Namen der Gründer Philipp Weber und ermahnte die Jugend, ganz besonders das Vermächtnis der älteren Generation durch Sparfleiß zu erhalten.

Die Glückwünsche zum Jubiläum überbrachten für den Unterverband Hanau dessen Unterverbandsdirektor Göbel, für das Kornhaus Hanau und die Warenzentrale Hessenland Kornhausdirektor Gerhardt und für den Raiffeisenverband und die Zentralkasse Werbeleiter Markgraf.

 

Baulücken sollen geschlossen werden

Maulbeerweg wird Einbahnstrake - Gemeindevertreter bewältigten grobes Programm

Außer den bereits erläuterten Beratungen über den Schulhausneubau in unserer Samstagausgabe standen acht weitere Tagesordnungspunkte auf dem Programm der letzten Gemeindevertretersitzung. Die vom Gemeindevorstand aufgestellte Vorschlagsliste der. Schöffen und Geschworenen für das Amtsgericht in Hanau wurde auf Antrag der Fraktion der Wählergemeinschaft mit fünf weiteren Personen ergänzt. Dieselbe wurde dann einstimmig angenommen und liegt noch gegenwärtig zu jedermanns Einsichtnahme im Zimmer 1 der Gemeindeverwaltung offen.

In den weiteren Punkten hatten die Gemeindevertreter über die Umlegung von verschiedenen Grundstücken zu entscheiden. Dieser von den Gemeindevertretern zu fassende Umlegungsbeschluß soll erreichen, daß auf Antrag verschiedener Grundstückseigentümer Teilparzellen neu vermessen werden und somit bebaubar sind. Aus den Ausführungen von Bürgermeister Ziegler war zu entnehmen, daß die genannten Grundstücke alle im gültigen und rechtskräftigen Bebauungsplan erfaßt sind und zur Umlegung somit die Rechtskräftigkeit gegeben ist. Der Beschluß der Gemeindevertretung soll erreichen, daß endlich einmal die Baulücken innerhalb des Ortes bebaut werden. Nach Paragraph 47 des Bundesbaugesetzes sei die Gemeinde in der Lage, die Vermessung und somit Baureifmachung von Teilparzellen durchzuführen. Zu sämtlichen drei Anträgen wurden einstimmige Beschlüsse gefaßt.

Über die Ausweisung des Maulbeerweges in eine Einbahnstraße berichtete Bürgermeister Ziegler. Ziegler gab der Gemeindevertretung zur Kenntnis, daß diese Maßnahme eine Auflage des Hessischen Straßenbauamtes sei. Er gab bekannt, daß durch die Bebauung der Grundstücke im Maulbeerweg der Anliegerverkehr erheblich wachse. Durch den ebenfalls geplanten Ausbau der Hauptstraße und der Jägerstraße im kommenden Frühjahr und den Ausbau der Hanauer Straße, die bereits angefangen ist, sei ein verstärkter Durchgangsverkehr an der Kreuzung Hanauer Straße / Wachenbucher Straße zu erwarten. Um somit für den Anliegerverkehr eine Sicherheit zu schaffen, müsse der Maulbeerweg in nördlicher Richtung zur Einbahnstraße erklärt und ausgewiesen werden. Die Gemeindevertretung faßte den Beschluß einstimmig.

In einem weiteren Punkt der Tagesordnung ging Vorsitzender Lotz auf die Fortführung des' bereits im Jahre 1960 begonnenen 1. Straßenbauabschnittes ein. Lotz gab bekannt, daß der Straßenbau jetzt fortgeführt werden könne, da die Kanal- und Wasserleitungen in den vorgesehenen und noch auszubauenden Straßen verlegt seien.

Der 2. Straßenbauabschnitt erfordere eine Summe von 300.000 Mark. Da mit dem Ausbau noch in diesem Jahr begonnen werden solle, müsse schon jetzt mit den Vorbereitungen begonnen werden. Geplant ist der Ausbau folgender Straßen: Wellenpfad (hinterer Teil), Schillerstraße, Hofgerichtstraße, Weiherstraße, Bleichstraße, Kalkhausstraße (vorderer Teil) und Schlesierweg bis Wachenbucher Straße.

Zu dem Punkt „Gemeinde macht kein Geschäft“:ergriff SPD-Fraktionssprecher Heinrich Seibel das Wort. Seibel ging auf die unbedingte Notwendigkeit des Ausbaus dieser Straßen ein. Er erklärte, daß seine Fraktion vor Beginn der jetzigen Legislaturperiode das Straßenbauprogramm mit an vorderster Stelle der durchzuführenden Maßnahme gestellt habe.

Daß diese Vorhaben allerdings für die Anlieger auch mit finanziellen Belastungen verbunden seien, solle von jedem Bürger auch eingesehen werden. Der Sprecher gab an dieser Stelle seinen Mißmut darüber zum Ausdruck, daß man offenbar von verschiedenen Seiten das Gerücht verbreite, daß bei den 6 Prozent Zinsen bei Stundung der Straßenbeiträge von seiten der Gemeinde ein Geschäft gemacht werden solle. Er könne nicht verstehen, daß sich solche Vorstellungen verbreiten könnten, zumal jedem bekannt sein sollte, daß das aufgenommene Darlehen in Höhe von 250.000 Mai für den 1. Bauabschnitt bei der Hessischen Landesbank ebenfalls 6 Prozent Zinsen koste. Es sei weiterhin nicht der Wahrheit entsprechend, daß für dieses Darlehen Zinsbeihilfen gewährt werden. Der Straßenbau sei nun einmal eine Maßnahme, die nicht von Steuergeldern gezahlt werden könnte. Die Gemeinde habe mit dem Ausbau von Straßen außer dem zehnprozentigen Anteil noch erhebliche Mehrbelastungen zu tragen. So seien allein von dem 1. Bauabschnitt über 70.000 Mark zu tragen.

Bürgermeister Ziegler teilte hierzu ergänzend mit, daß es jedem freistünde, in die Abrechnungsunterlagen der ausgebauten Straßen Einsicht zu nehmen und sieh von der Wahrheit zu überzeugen. Die anschließende Abstimmung über Ausschreibung und Einholung von Angeboten erbrachte einstimmiges Ergebnis.

Im vorletzten Punkt der Tagesordnung verlas Vorsitzender Lotz die Bewilligungsurkunde des Hessischen Ministers des Innern zum Bau des geplanten Bürgerhauses (Mehrzweckhalle). Von der Regierung ist die Maßnahme nun genehmigt und die Bezuschussung zugebilligt. Der Kostenvoranschlag des Projektes beläuft sich auf 1.265.000 Mark. Das Land Hessen gewährt hierfür einen Zuschuß in Höhe von 50 Prozent. Der Zuschuß des Kreises von 110.000 Mark ist bereits verplant und dem Bau zugesichert. Wie Vorsitzender Lotz weiter ausführte, solle man sich reiflich überlegen, ob man nicht wegen der fortdauernden Verteuerung auf dem Bausektor schon in diesem Jahr mit dem Bau beginnen solle, um wenigstens noch den Rohbau zu errichten. Die 200.000 Mark, die im diesjährigen Haushaltplan für den Bau des Bürgerhauses verplant seien, könne man für den Rohbau verwenden. Der beauftragte Architekt könne nun den Auftrag erhalten, die Planung abzuschließen und unverzüglich den Baubeginn vorzubereiten. Abschließend äußerte Lotz den Wunsch, daß die für Hochstadt unbedingt erforderliche Kulturstätte bald ihrer Bestimmung übergeben und außerdem den sporttreibenden Vereinen endlich eine ordnungsgemäße Übungsstätte geboten werden könne.

 

Sängervereinigung konzertierte

Im Strohlschen Saale veranstaltete die Sängervereinigung Hochstadt jetzt ein sehr gut besuchtes Chorkonzert. Zur Aufführung kamen Werke klassischer und zeitgenössischer Komponisten. Mitwirkende waren N. Sendlbeck (Bariton), die vier Geschwister Sendlbeck und Frau Winkler (Klavier). Sowohl die Vorträge der Solisten, als auch des Vereins fanden beim Publikum begeisterte Aufnahme. Die Geschwister Sendlbeck trugen verschiedene Volkslieder vor. Der Solo-Vortrag von N. Sendlbeck „Der Wanderer“ und die „Cavatine des Figaro“ fanden beim Publikum ebenfalls großen Anklang. Die geschickt zusammengestellte Vortragsfolge und die gebotene Leistung der Sängervereinigung führten den Abend zu einem vollen Erfolg.

Lehren aus einem Großbrand gezogen

Herbsttagung des Kreisfeuerwehrverbandes - Jubilare aus Hochstadt geehrt

In Hochstadt fand jetzt anläßlich des 40jährigen Bestehens der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr die Herbsttagung der Ortsbrandmeister aus dem Kreisverband Hanau-Stadt und -Land statt. Diese ereignisreiche Tagung war von 28 Ortsbrandmeistern und 60 aktiven Wehrmännern gut besucht. Vermißt wurden freilich die Ortsbrandmeister aus Oberdorfelden, Ober­issigheim und Ostheim.

Im Mittelpunkt dieser Tagung stand die Ehrung von 20 verdienten Feuerwehrleuten aus Hochstadt, die 50 und 40 Jahre ehrenamtlich sich für den Brandschutz einsetzten. Landrat Wilhelm Voller konnte für 50jährige Mitgliedschaft Heinrich Peter Seibel, Wilhelm Mankel und Valentin Bauer auszeichnen. Diese drei „alten Recken“ gehörten schon der Feuerwehr an, als man die jungen Leute noch zum Dienst in der Feuerlöschtruppe zwingen mußte und in Hochstadt eine Pflichtfeuerwehr bestand.

Seit 40 Jahren sind in Hochstadt bei der Feuerwehr: Ortsbrandmeister Fritz Hensel, Heinrich Valentin Huhn, Philipp Rauch, Jakob Eibelshäuser, Fritz Baiser und Karl Fliedner. Diese sechs sind heute noch aktiv. Als heute passive Mitglieder wurden Heinrich Jost, Wilhelm Mankel, Wilhelm Hergert, Wilhelm Huhn, Johannes Blum, Wilhelm Rauch, Philipp Weber, Johannes Krebs, Jakob Eibelshäuser, Klaus Schäfer und Heinrich Bauer ebenfalls mit Diplom und Ehrennadel geehrt. Ein Buchgeschenk werden die Jubilare noch erhalten.

Landrat Voller wertete es als ein gutes Zeichen, daß eine so große Zahl von Jubilaren in den Reihen der Hochstädter Feuerwehr stehe. Diese Männer seien ein Beispiel für die Jugend. Und dieser Jugend rief Voller zu, sich in die Reihen der Feuerwehren zu stellen, denn es sei eine wichtige Lebensaufgabe, Hab und Gut des Nächsten zu schützen.

Die Tagung der Ortsbrandmeister war durch Liedvorträge der Sängervereinigung Hochstadt eingeleitet worden. Nach den Begrüßungsworten durch den Bürgermeister, der der örtlichen Wehr versicherte, daß sie jederzeit das Vertrauen der Gemeindekörperschaften besessen habe und auch weiterhin auf die Hilfe durch die Gemeinde rechnen könne, referierte der Geschäftsführer des Kreisfeuerwehrverbandes, Oberbrandmeister Staudt (Niederrodenbach) über Sinn und Zweck des von Ministerpräsident Dr. Zinn herausgegebene Brandschutzehrenzeichen soll den Männern verliehen werden, die sich um das Feuerwehrwesen große Verdienste erworben haben.

Wichtig: Vorbeugender Brandschutz

Anschließend berichtete Staudt über Atemschutzlehrgänge und Atemschutzgeräten. Einen

breiten Raum nahmen Hinweise zum vorbeugenden Brandschutz ein. Nicht nur der Feuerwehrmann, sondern jeder Bürger sollte darauf achten, daß Brennstellen so abgesichert werden, daß keine Gefährdung entstehen kann. Streichhölzer müßten so aufbewahrt werden, daß sie Kinder nicht erreichen können. Gefährlich ist stets das blinde Wegwerfen von Zigaretten- und Zigarrenresten; weit verbreitet ist die Unsitte, Aschenreste aus Ofen und Herden in Pappschachteln zu beseitigen, anstatt die vorgeschriebenen feuerfesten Blechgefäße zu verwenden. Noch glimmende Aschenreste dürfen ebenfalls nicht auf die Abfallhaufen geworfen werden. Beim Auftauen von Wasserleitungen ist besonders darauf zu achten, daß keine brennbaren Gegenstände in unmittelbarer Umgebung liegen. Wenn jedermann auf den vorbeugenden Brandschutz achte, dann werde die Feuerwehr längst nicht so oft eingreifen müssen wie bisher, meinte Staudt abschließend.

Eine lebhafte Diskussion wurde ausgelöst, als die Ortsbrandmeister über die Lehren aus dem Großbrand in Langenselbold berieten, wo vor einigen Wochen ein Möbellager abbrannte und Millionenschaden entstand. Damals war auch Kritik an der Feuerwehr laut geworden. Kreisbrandinspektor Lukas wies in diesem Zusammenhang besonders auf die Bedeutung der Brandbekämpfungspläne hin, die von jeder Gemeinde aufzustellen sind und die der Kreisbrandinspektor in den Händen haben muß. Jede Veränderung an Bauten oder die Schaffung von neuen Häusern müssen nachgemeldet werden.

Besonders gefährdete Stellen, so zum Beispiel Lagerplätze für Öl, Benzin und feuergefährliche Stoffe, sind in den Brandbekämpfungsplänen besonders zu markieren, so daß der Kreisbrandinspektor und der Ortsbrandmeister sofort in der Lage sind, die Löscharbeiten bei zusammenhängenden Häuserblocks zweckdienlich einzuleiten. Kummer bereitet auch die Alarmierung bei nächtlichen Bränden. Kreisbrandinspektor Lukas führte darüber Klage, daß nur wenige Ortsbrandmeister einen Telefonanschluß haben. Es müsse erreicht werden, daß der Ortsbrandmeister oder ein Nachbar im Ernstfall telefonisch alarmiert werden können.

Abschließend sprach der Kassierer des Kreisfeuerwehrverbandes, Oberbrandmeister Ermold, noch über den Fahrzeugrechtschutz.

 

Hochhaus mit viel Komfort: Im Fahrstuhl zum Feierabend

In Hochstadt wachsen Häuser in den Himmel. Hochstadt wird in den nächsten Jahren vermutlich einen großen Aufschwung erleben. Die Gemeinnützige Gesellschaft für Wohnheime und Arbeiterwohnungen will in der Gemeinde mehrere Häuser errichten. Bereits im ersten Abschnitt sollen 178 Wohnungen entstehen.

Der erste Spatenstich für die neue Siedlung ist bereits getan. Geplant sind zehn Einzimmerwohnungen, 60 Wohnungen mit zwei Zimmern, 95 Wohnungen mit drei Zimmern und 13 Wohnungen mit vier Zimmern. Mit Zentralheizung will man 130 dieser Wohnungen ausstatten. Die übrigen Wohnungen sollen mit Mehrraumöfen ausgestattet werden. Bauträger ist die Nassauische Heimstätte in Frankfurt.

Im dritten Quartal des Jahres 1963 will man den ersten Spatenstich für den zweiten Bauabschnitt tun. Im zweiten Abschnitt sollen Zweizimmerwohnungen, Dreizimmerwohnungen und Vierzimmerwohnungen gebaut werden. Das Übergewicht wird auf dem Bau von Dreizimmerwohnungen liegen.

Schon jetzt hat man die durchschnittlichen Kosten je Wohnung für den ersten Bauabschnitt ermittelt. Eine Wohnung mit Zentralheizung wird 38.900 Mark kosten. Für die Wohnungen mit Mehrraumöfen wird man vermutlich jeweils 33.400 Mark aufbringen müssen. Die durchschnittliche Größe einer Wohnung soll 63 Quadratmeter betragen. Für den ersten Abschnitt wird man insgesamt 6,66 Millionen Mark aufzuwenden haben.

Zum ersten Abschnitt wird auch ein Hochhaus gehören. Dr. Wendett gab im Auftrag des Bauträgers bekannt, daß das Hochhaus einen Fahrstuhl erhalten soll. Selbstverständlich sollen alle Wohnungen Bäder bekommen. Vorgesehen sind als Neuheit für Hochstadt zentrale Elektro­waschküchen. Freuen wird sich die Hausfrau darüber, daß sie in der Küche einen Elektroherd mit drei Platten, ein Doppelspülbecken und einen Speisekammerschrank vorfinden wird.

Hochstadts romantischer Dorfkern im Licht der herbstlichen Sonne

 

Rodelbahnen

Überall haben die Kinder im Kreise Hanau sich ihre Rodelbahnen geschaffen, denn die frühzeitig von Petrus spendierten Winterfreuden wollen ausgiebig genutzt werden. Unsere Bilder aus Hochstadt (links) und Mittelbuchen (rechts) zeigen muntere Scharen rotgefrorener Kinder. An die Eltern ergeht an dieser Stelle die Bitte, darauf zu achten, daß die Sprößlinge nicht in der Nähe von Autostraßen oder Flußläufen rodeln, denn hier lauern große Gefahren.

 

Landrat und Bürgermeister Seite an Seite

Erster Spatenstich für 178 Wohnungen in Hochstadt - Mittel gegen Wohnungsnot

Mit zwei Erdschiebern nahmen gestern Nachmittag am Ortsrand von Hochstadt Landrat Voller und Bürgermeister Ziegler Seite an Seite den symbolisch ersten Spatenstich für ein großes Wohnungsbauprogramm vor, das die Gemeinnützige Gesellschaft für Wohnheime und Arbeiterwohnungen in Frankfurt unter der Regie der Nassauischen Heimstätte verwirklicht. Mit einem Kostenaufwand von rund 6,6 Millionen Mark entstehen hier am Ortsausgang nach Wachenbuchen insgesamt 274 Wohnungen. Der gestern vorgenommene erste Spatenstich galt dem ersten Bauabschnitt, der 178 Wohnungen und ein Verkaufskiosk vorsieht.

An der zukünftigen Baustelle hatte sich eine große Zahl von Ehrengästen eingefunden, als Hochstädter Schulkinder mit einem Lied die Feierstunde eröffneten. Direktor Dr. Wendt von der Gemeinnützigen Gesellschaft für Wohnheime und Arbeiterwohnungen hieß Landrat Voller, Bürgermeister Ziegler und den Landtagsabgeordneten Heinrich Fischer willkommen. Dr. Wendt erinnerte daran, daß. es Heinrich Fischer war, auf dessen Initiative als Hessischer Minister vor elf Jahren diese Wohnungsbaugesellschaft gegründet worden sei. Die Gesellschaft bemühe sich seit elf Jahren, in Stadt und Land die Wohnungsnot zu lindern und für die großstadtmüden Mitmenschen luftige Wohnungen auf dem Lande zu bauen. Durch das jetzt begonnene Bauvorhaben sollte das Leben der Gemeinde Hochstadt aktiviert werden. Schon heute wünsche er, daß dann, wenn in diesen Häusern Menschen leben, der Kontakt zwischen Alt- und Neubürgern gut sein werde.

Landrat Voller rief die enorme Bevölkerungsentwicklung des Landkreises Hanau in die Erinnerung zurück. Seit dem Zusammenbruch sei die Einwohnerzahl des Landkreises von einmal 60.000 auf 100.000 emporgeschnellt. Noch Jahre habe der Kreis Arbeit, bis alle Einrichtungen dieser gestiegenen Bevölkerung angepaßt seien. „Ich hoffe, daß hier Wohnstätten geschaf­fen werden, die dem Frieden dienen und immer erhalten bleiben“, sagte Landrat Voller abschließend.

Hochstadts Bürgermeister Ziegler meinte: „Wenn wir uns heute zum ersten Spatenstich zu­sammengefunden haben, dann ist dies für unsere Gemeinde ein Erlebnis.“ Schon seit Jahren habe sich die Gemeinde um den sozialen Wohnungsbau bemüht. Landtagsabgeordneter Heinrich Fischer freute sich über die Initiative der Gemeinde Hochstadt, die erst dieses große Bauprojekt möglich gemacht habe. Süßer Lohn gab es zum Abschluß für die fleißig singenden und mit Gedichten aufwartenden Kinder: Jedes erhielt eine Tafel Schokolade und für die Schulturnstunden stiftete die Nassauische Heimstätte Hochsprungständer.

Von den 178 Wohnungen, die jetzt entstehen werden, sind 10 Einzimmer-Appartements, 60 Zweizimmer-Wohnungen, 95 Dreizimmer-Wohnungen und 13 Vierzimmer-Wohnungen. Von diesen werden 130 Wohneinheiten zentral beheizt. Jede Wohnung mit Zentralheizung wird 38. 900 Mark, jede Wohnung mit Ofenheizung 33.400 Mark kosten. Die durchschnittliche Größe der Wohnungen beträgt 63 Quadratmeter. Die 178 Wohnungen teilen sich in folgende Wohnungsbauprogramme: 6 Wohnungen werden im Wohnungsnotstandsprogramm gebaut, 96 Wohnungen im kommunalen Programm der Stadt Frankfurt und 76 Wohnungen für Bedienstete der Stadt. Neun Wohnungen sind für Schwerbeschädigte vorgesehen. Ausgestattet werden die Küchen mit einem Elektroherd mit drei Platten, einem Doppelspülbecken und einem Speisekammer-Schrank. Die Bäder erhalten eine Einbaubadewanne, einen elektrischen Durchlauferhitzer und einen Elektrostrahler, wenn sie mit Ofen beheizt werden. In allen Wohnungen sind Loggien vorgesehen. Die zentralen Waschküchen werden mit elektrischen Waschmaschinen ausgestattet. In dem zehngeschossigen Hochhaus, das den Mittelpunkt dieser Siedlung bildet, ist selbstverständlich auch ein Fahrstuhl vorgesehen.

 

Rektor steht an der Spitze                                                                                                 1962

Hauptversammlung der SPD in Hochstadt / Wahlen in der Ortsgruppe

Seit zwölf Jahren war die Zusammensetzung des Vorstandes der SPD Ortsgruppe in Hochstadt gleich geblieben. In der Jahreshauptversammlung gab es nun die ersten großen Veränderungen. Neuer Erster Vorsitzender wurde Rektor Karl Schmidt. Der neue Chef ist erst seit etwa einem Jahr in Hochstadt. Seit er aus der Limburger Gegend, wo er auf Kreisebene sehr aktiv war, als Schulrektor in die Gemeinde berufen wurde, hat sich Karl Schmidt in der SPD-Ortsgruppe so hervorgetan, daß ihn alle Mitglieder einhellig zum Vorsitzenden bestellten.

Bürgermeister Philipp Ziegler bleibt weiterhin Zweiter Vorsitzender.

Außerdem wurden gewählt: zum Kassierer Heinrich Brecher, als erster Schriftführer Wilfried Lang, als zweiter Schriftführer Philipp Eibelshäuser. Zu Beisitzern wurden bestimmt: Heinrich Seibel jr., Hans Dorn, Heinrich Burkhardt, Wolfgang Schomburg, Werner Lotz und Benno Wenzel.

Der bisherige Vorsitzende Werner Lotz hob die Beteiligung vor allem der jüngeren Generation in der Parteiarbeit des vergangenen Jahres hervor. In seinem Jahresbericht konnte er einen Mitgliederzuwachs von annähernd zehn Prozent melden. Drei Mitgliederversammlungen sowie eine gut besuchte öffentliche Wahlversammlung mit Landrat Wilhelm Voller waren die Hauptveranstaltungen. Die letzte Maifeier brachte wie immer einen überfüllten Saal. Er schloß mit einem Bericht über die Landtagswahl, die in Hochstadt 65 Prozent der Stimmen für die SPD ergab.

Im Vorstandsbericht kamen dann die wichtigsten kommunalen Aufgaben zur Sprache. Bürgerhaus, Kindergarten, Volksschule, sechs bis acht Straßen sollen alle noch in diesem Jahr gebaut oder zumindest in der Planung abgeschlossen werden.

Beim politischen Teil gab es heftige Diskussionen. Bei der Besprechung des Berliner Wahlergebnisses kam man über Herbert Wehners Koalitionspläne hart aneinander. Ebenso umstritten waren Notstandsgesetz und Sozialpaket, wobei sich besonders die Gewerkschaftsvertreter innerhalb der Partei recht kritisch äußerten.

Für die Kreiskonferenz am 2. März wurden als Delegierte bestimmt: Karl Schmidt, Philipp Ziegler, Gerhard Koch und Heinrich Seibel. An den Schulungsveranstaltungen will man in verstärktem Maß auch die jüngeren Parteimitglieder beteiligen. Außerdem ist ein Besuch der Akademie für kommunale Politik vorgesehen. Schließlich wurde schon für die Maifeier am 30. April vorgeplant, zu der wahrscheinlich wieder ein Referent der Gewerkschaft gewonnen wird.

 

Treppenaufgang                                                                                                                 1962

Grotesk ist dieser Treppenaufgang, der an der geschlossenen Hauswand endet. Die Bewohner dieses Hauses in Hochstadt im Landkreis Hanau erwarten nicht von ihren Besuchern, daß sie durch das Fenster einsteigen. Das unbenutzbare Gemäuer ragt in die vielbefahrene Ortsdurchfahrt. Im Zuge des Ausbaus der Straße sollte dieses Hindernis beseitigt werden. Der Landeskonservator hält aber seine Hand darüber. Wahrscheinlich ist diese Kuriosität der nirgendwo-

hin führenden Treppe größer als ihr Altertumswert [Haus Hauptstraße 6].

 

Obstbaumpflege                                                                                                                 1962

Viel später als in anderen Jahren kann mit der Winterspritzung. begonnen werden. Wilhelm Krapf aus Hochstadt pflegt seine Obstbaumbestände als Freizeitbeschäftigung. Als Hobby und Körperertüchtigung mixt er selbst aus großen Kannen das Vertilgungsmittel und sprüht es aus einem Druckbehälter auf die noch knospenlosen Äste.

 

1963

 

Als man den Rhabarberwein noch mit der Suppenkelle kredenzte                   02.02.1963

In der „Geisbockbar“ entstand die erste Chronik der Hochstädter „Käwwern“.

Hochstadts „Geschichte“ wirkt am plastischsten, wenn man 3000 Millimeter unter den Erdboden wandert und sich vor dem knisternden Ofen der „Geisbockbar“ versammelt. Aber kein Kummer bitte: Hier soll keine Schleichwerbung für ein Dolce-Vita-Etablissement getrieben werden. Dort, zwischen zahllosen Bierdeckeln und Pilsgläsern sammelte sich dieser Tage ein „Gehirntrust“ zur Fertigung der ersten offiziellen Chronik der fünfmal elf Jahre alten „Käwern!“ Hochstadts alteingesessenem Karnevalsverein. Die nun folgende Geschichte erhebt freilich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine Zeitungsseite hatte nur eine bestimmte Zahl von Zeilen. Deshalb seien hier viele Glossen verschwiegen, von denen man

heute noch unter den Alten munkelt.

3. März 1908 in Hochstadt: In einer Zeit, in der man Hochhäuser noch als Utopie bezeichnete, wurden die „Käwern“ aus der Taufe gehoben. 20 politisch interessierte Bürger schufen ihren sonstigen Gedankenspielereien ein Gegengewicht: Sie gründeten einen Karnevalverein, obwohl es weit und breit noch keine Vorbilder für ähnliche Zusammenschlüsse gab. Von diesen „Urkäwern“ leben heute noch zwei: Hermann Brenneis und der derzeitige Alterspräsident Heinrich Jost (82 Jahre).

Exklusive Gesellschaft

Wie jeder Kegelklub und Geflügelzuchtverein gaben sich die „Urkäwern“ eine Satzung, die fein säuberlich in 40 Paragraphen geordnet war. Berühmtheit erwarb sich bald der Paragraph 40, der klipp und klar besagte, daß der Verein niemals mehr als 40 Mitglieder haben sollte. Erstes Inventarstück war ein Grammophon, das sich bald amortisiert hatte, denn bei den Tanzveranstaltungen, zu denen die „Käwern“ bald einluden, mußte pro Grammophon-Platten-Tanz fünf Pfennige auf den Tisch des Hauses gelegt werden. Dem Vorstand gehörte selbstverständlich Heinrich Jost an, während Philipp Eibelshäuser (heute noch als „Balwierer“ bekannt) präsidierte.

 

Rindswurstessen und Äppelwoi

Nach vier Jahren humoristischer Zwangspause durch den ersten Weltkrieg kamen die „Käwern bald nach 1918 wieder: Ein weiterer Eibelshäuser, dieses Mal mit dem Vornamen Konrad, übernahm die Regie. Wieder rollten Tanzveranstaltungen und Maskenbälle ab und der Paragraph 40 hielt vorerst eisern stand. Zum Höhepunkt wurde dann das Rindswurstessen,

wo hausgemachte Cervelatswurst und natürlich „Äppelwoi" verzehrt wurden. Die erste karnevalistische Sitzung ging 30 Jahre nach der Gründung über die Bühne. Unter der Regie des Frankfurter närrischen Präsidenten Raschenbach wurde lokales Geschehen glossiert. Der Startschuß war gefallen, und 1939 wiederholte sich das bunte Spiel auf der Bühne. Überhaupt waren die Jahre kurz vor dem Krieg von großen Veränderungen bestimmt: Jener legendenumwobene Paragraph 40 wurde 1936 gebrochen, als der Andrang zu den „Käwern“ immer größer wurde. Freilich: Vereinsgeselligkeit und viele Veranstaltungen wurden ausgesetzt, als der Kanonendonner über Europa dröhnte.

Wer wirklich Humor hat, läßt sich auch in Notzeiten nicht von seiner Bahn werfen. Nach dem Zusammenbruch streckten die „Käwern“ wieder ihre Glieder und begannen bald ein emsiges Leben. So geschah es einen Neubürger, daß er bei einem Waldfest der Sänger und Radfahrer quasi gekapert wurde, auf dem Rücksitz eines Uralt-Autos verfrachtet wurde und so zu den „Käwern“ kam. Man brauchte neue Kräfte, damit der Verein wieder flottkam. Konrad Eibelshäuser war zusammen mit Wilhelm Hensel und Peter Daubert der Motor zur Wiedererweckung des Vereins. Wieder gab es das Rindswurstessen, der Paragraph 40 blieb ausgelöscht. Auf dem Präsidentenstuhl saß wie vor dem Kriege wieder Obernarr Raschenbach.

Tief griff man in die Taschen, um die Kostüme für 600 Mark beim Theaterverleih zu erhalten. Es waren die Jahre, als man in Hochstadt den Gedanken schmiedete, die Veranstaltungen billiger mit eigenen Kräften aufzuziehen. 1948 kam dann P. P. (Peter Pistorius) als Flüchtling aus der Ostzone, heiratete die Tochter eines alten Hochstädter Karnevalisten und war fortan Präsident. Beim 40. Geburtstag des Vereins, im Jahre 1948, feierte man in Hochstadt nicht nur rheinischen Karneval, sondern auch acht Tage nach der Währungsreform ein großes Fest mit Juxplatz und Umzug.

 

Glanzvolle Jubiläumssitzung

Nach P. P. übernahm Albert Geis 1953 das Ministerpräsidentenamt, während Heinrich Jost mit zweijähriger Unterbrechung durch Erich Müller und Toni Röll seit 1951 den Vorsitz führt Die echte Kappenbrüderschaft mit der Ersten Großauheimer Karnevalgesellschaft nahm ihren Anfang. In diesem Jahr begeht man das einmal elfjährige Jubiläum dieser fairen Partnerschaft.

 

Die Jubiläumssitzung im Jahre 1958, als die „Käwern“ bereits 50 Jahre bestanden, war an Glanz kaum zu überbieten: Sachsenhausen schickte das Prinzenpaar mit Schottengarde, Prinzengarde, Elferrat und Fanfarenzug, Abordnungen kamen von den Frankfurter „Weißen Mützen“, dem Carnevalclub von 1888, den Biebricher „Meckes“, der Großauheimer Karneval­gesellschaft, den Lämmerspieler Narren, dem HCV und aus Großkrotzenburg.

 

Ministerium der Jungen

Seit 1959 schwingt „Menne“ Wex seinen Taktstock über die Sitzungen. Er gehörte dem Kabinett der Jungen in Hochstadt an. Als er erstmals den Ehrentrunk zuteilte, zählte er 27 Lenze. Ihm ist es zu verdanken, daß die „Käwern“ weitere Vereine fanden, mit denen sie heute freundliche Beziehungen pflegen, darunter auch die Niederräder „Stichlinge“. Alljährlich gibt es viele Gegenbesuche, darunter auch einen in Dörnigheim bei der Karnevalabteilung der Freien Turnerschaft.

In den letzten Jahren ist man von den Eröffnungssitzungen abgekommen und startet lediglich einen Ball mit der Kürung des Prinzenpaares. Dabei ist man bemüht, ein Niveau zu halten. Sämtliche Vorträge einheimischer Büttenredner gehen durch eine Zensur, die Gastredner werden nach ihrem Ruf beurteilt. So kann es auch geschehen, daß ein Vortrag abgeklingelt wird, wenn er sich in Zweideutigkeiten erschöpft. Nach wie vor ist das gesellige Leben bei den „Käwern“ Trumpf: Neben den Veranstaltungen in der Kampagne, die keinem der Büttenasse einen freien Samstagabend gönnen, gibt es dann noch ein Ordenskapitel und jene drei Ausflüge, die das Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein verstärken.

So wurde es uns in der „Geisbockbar“ des „Käwern“-Regisseurs Albert Geis berichtet. Wichtig war noch die Feststellung. warum die „Käwern" ausgerechnet „Käwern“ heißen. Die. Erklärung ist leicht: Ein quietschvergnügter Mensch ist eben „käwerig“. Und da bei den „Kä­wern“ nur quietschvergnügte Menschen sind, heißen sie eben „Käwern“,

 

Schon 1946 wieder Maskenball

Bereits 1946 hatte man zum ersten Maskenball in Hochstadt gerüstet, als den Strohl‘schen Saal die dort residierenden Yankees geräumt hatten. Freilich: Die Getränke mußten von zu Hause mitgebracht werden und in der Likörstube gab es Rhabarberwein, der mit einer Suppenkelle ausgeschenkt wurde. Statt Rumpsteak und Kottelets mußten Maismehlplätzchen die nötige Unterlage schaffen. Unter den Tischen standen Milchkannen mit echtem Hochstädter „Hohenastheimer“ und heimlich gebranntem Zuckerrübenschnaps. Mit einem gesunden Optimismus kam man über die schweren Tage. Wenn dann noch ein Faß Bier aufgelegt wurde, dann hatte der edle Spender plötzlich eine stattliche Schar von Freunden und Bekannten, die er vorher noch nicht gesehen hatte und die jetzt mit anstießen.

1948 lud man erstmals am 11. 11. zur Eröffnungssitzung ein. Otto Endress (genannt Tull) und Wilhelm Kaiser halfen die „Käwern“ steuern, Wilhelm Mankel rettete über manches Magenknurren hinweg.

 

Kappenbrüderschaften

Langsam aber sicher erholte man sich auch in Hochstadt von den Nachwirkungen des Krieges. Der „Käwer“ wurde wieder richtig munter und schloß mit den „Gelnhäuser Schelmen“, den „Sachsenhäusern“, den „Kamerunern“ und den „Weißen Mützen“ aus Frankfurt Kappenbrüderschaften und leistete dann bei der. Gründung neuer Karnevalsvereine Geburtshilfe. Bis 1953 hatte P. P. dem Verein zum Wohlergehen verholfen. Man hatte einen geselligen Rhythmus gefunden. Einer der Höhepunkte war das Oktoberfest 1950 in der Schafhalle im Feld, um die sich ein Vergnügungspark gliederte. Überall tauchten während der Kampagne im Kreise Hanau die „Käwern“- Büttenredner auf, und in Hochstadt liefen die Prunkfremdensitzungen ab. Dabei waren die von Richard Knapp geschneiderten Kostüme im Landsknechtstil für Prinzenpaar, Page, Kellermeister und die Zeremonienmeister ein besonderer Clou.

 

 

Nie Krach in hoheitlichen Gemächern                                                                              1963

Hochstadts „Käwern" stellen Prinz Georg I. und Prinzessin Ellen I. vor

Die Hochstädter „Käwern haben wieder ein Oberhaupt. Der Präsident des Elferrates, Manfred Wex, stellte am Wochenende das neue Hochstädter Prinzenpaar vor. Zu der feierlichen Proklamation hatte der Karnevalverein „Käwern“ in den Saal der Gastwirtschaft Stroh! eingeladen.

Zahlreiche Besucher aus Hochstadt und Umgebung waren der Einladung gefolgt. Prinz Klaus I und Prinzessin Hella II, das närrische Regentenpaar aus dem vorigen Jahr, nahm noch einmal die Huldigungen der „Untertanen“ entgegen, um dann den Platz für ihre Nachfolger freizumachen. Nach einer Grußansprache von Präsident Wex wurden die neuen Tollitäten vorgestellt. Prinz Georg I, Fürst Hildebrand von Rahnhauseck, und Prinzessin Ellen vom Schäferland zu Lotzeronen wurden hereingeleitet. Unter brausenden Helau-Rufen führte der strahlende Prinz seine ein wenig verlegen lächelnde Prinzessin zum Regentenstuhl.

Prinz Georg I. hieß, bevor er geadelt wurde, Georg Hildebrand. Er ist 22 Jahre alt und hat den bürgerlichen Beruf eines Drehers erlernt. Ihre Lieblichkeit, Prinzessin Ellen I., kommt ebenfalls aus dem bürgerlichen Stand und führte vordem den schlichten Namen Ellen Schäfer.

Sie ist einige Jahre jünger als der Prinz. Ihre „traumhafte“ Karriere begann als Näherin.

Beide geben sie als ihr Hobby das Sammeln von Schallplatten an. Der Prinz spielt außerdem aktiv Fußball. Ihre Lieblichkeit äußert dagegen öfters den Wunsch, ins Kino zu gehen. So wird es also nie Krach in den „hoheitlichen Gemächern“ geben. Der Prinz verteidigt am Sonntagnachmittag die Farben seiner Heimatgemeinde auf dem Fußballplatz und die Lieblichkeit hört indes Freddy zu, der ihr von fernen Ländern und von dem schweren Beruf des Seemanns zu berichten weiß (Da Hildebrand im Februar 1941 geboren wurde, ist der Artikel aus dem Jahr 1963).

Narren schwangen Zepter:

In .Hochstadt wurde das neue Prinzenpaar proklamiert. Die Regentschaft für die närrische Zeit hat Prinz Georg I. und Prinzessin Ellen I. übernommen. Der Prinz ist 22 Jahre alt und wohnt gleichfalls im Ort.

 

 

Geflügelzüchter

Zum Abschluß seiner Ausstellungssaison vergab der Geflügelzuchtverein 1900 Hochstadt Ehrenpreise für die besten züchterischen Leistungen. Junglandwirt Rudolf Schäfer (Mitte) bekam seine Urkunde von Bürgermeister Philipp Ziegler. Links der Vorsitzende des Vereins, Philipp Schmidt.

 

Die Lokalschau des Geflügelzuchtvereins Hochstadt 1900 am vergangenen Wochenende lockte viele Besucher an. Es wurden rund 350 Hühner und Tauben 69 verschiedener Rassen gezeigt. Für die Lokalschau hatten 500 Anmeldungen vorgelegen. Die Saalverhältnisse ließen jedoch eine derart große Ausstellung nicht zu. Die Note „Vorzüglich“ wurde von dem dreiköpfigen Preisrichterkollegium insgesamt sechsmal vergeben. Je zweimal schnitten die Züchter Philipp Schmidt und Rudolf Schäfer mit der besten Note ab. Außerdem zählten Wilhelm Mankel und Karl Krämer zu den erfolgreichsten Züchtern. Um die Unkosten der sorgfältig vorbereiteten Ausstellung zu decken, veranstaltete der Verein eine Tombola, bei der allerlei Nützliches von Hustenbonbons über Tierfutter bis zu Haushaltswaren zu gewinnen war.

 

Vogelschutz mit einfachen Mitteln

Im dritten und letzten Vortrag der Reihe „Vögel in unserer Landschaft“ zeigt heute abend Förster Hans Stierhoff (Steinheim): „Wege zum Vogelschutz mit einfachen Mitteln“. Der Vortrag, der um 20 Uhr in der örtlichen Volkshochschulaußenstelle beginnt, wird mit Farblichtbildern illustriert.

 

Dichter und Bauer

Man mag gegen die Anhalterei einwenden, was man will, mancher Mitgenommene hat so seine eigenartige Geschichte zu bieten. In diesem polaren Winter ist es noch einmal anders. Wo die Bus- und Zugverbindungen spärlich sind, haben die Bewohner der Landgemeinden einen gefährlichen Weg auf vereister Straße von Ort zu Ort. Da hält man denn schon öfters einmal an und teilt sich den Weg mit einem unfreiwilligen Fußgänger. Haben sich erst die unausweichlichen Bemerkungen über das Wetter erschöpft, drängt es den Weggenossen, von sich selbst zu erzählen. Ist der gemeinsame Weg auch kurz, man nimmt doch jedesmal Bruchstücke eines fremden Lebens auf, die einen oft noch lange beschäftigen.

So auch gestern zwischen Hochstadt und Wachenbuchen. Ein älterer Mann steigt ein, sagt, sein Sohn habe ihn mit dem Wagen verfehlt. Dann erzählt er: „Ich bin Bauer, habe siebeneinhalb Jahre die Volksschule besucht. Aber ich hatte nur gute Noten.“ Er öffnet seine abgegriffene Aktenmappe, zieht einige Bündel zusammengehefteter Papiere heraus. Als Fahrer muß man halt auf die Straße achten, deshalb ist nicht zu lesen, was in kunstvollen Buchstaben auf den verschiedenen Titelblättern aufgemalt steht. „Ich dichte“, sagt er, so wie jemand sagen würde, „ich repariere meine Wasserhähne selber“, ganz ohne Geheimnis.

Am liebsten schreibe er Kirchenchöre, bemerkt er, indem er liebevoll durch ein Heft voller Liederstrophen blättert. Auch einen Roman habe er geschrieben, einhundertdreiundsiebzig Seiten lang. Die Straße ist glatt und erfordert volle Aufmerksamkeit. Bei der Gastwirtschaft im Ort steigt der Mann aus, er habe dort noch etwas zu erledigen. Und noch einmal betont er, er sei Bauer. Offenbar ist es ihm wichtig, daß man das im Auge behält.

Wieder allein auf der Straße, kommen all die Fragen, die man ihn hätte fragen sollen. Hat jemals ein Chor seine Kirchenlieder gesungen? Ob er immer die langsam vergilbenden Manuskripte mit sich herumträgt? Eine Begegnung, die nachdenklich macht, dieser Bauer, der dichtet und so unbedingt ein Bauer sein will.

 

Cäsars Worte verpufften am Bürgermeister

Ortsoberhaupt wurde lieber Verwaltungsangestellter / Bessere Bezahlung lockte

Beim Anblick eines elenden alten Städtchens hat Gajus Julius Cäsar seinen Begleitern zugerufen: „Lieber der Erste hier als der Zweite in Rom!“ Dieser zum geflügelten Wort geworfene Ausspruch des römischen Feldherrn und Imperators will Heinrich Störkel aus Erbstadt nicht beherzigen. Er verließ das Bürgermeisteramt in Erbstadt, um in der größeren Gemeinde Hochstadt der Zweite der Verwaltung zu werden. „Wenn man sich im Leben verbessern kann, dann soll man es wohl tun“, meinte der 42jährige Heinrich Störkel gestern Vormittag, als wir ihn in seiner neuen Amtsstube in Hochstadt anriefen.

Seit Beginn des neuen Jahres ist Erbstadt ohne Bürgermeister. Zweimal war Heinrich Störkel in den zurückliegenden Jahren zum ehrenamtlichen Bürgermeister der kleinen Gemeinde gewählt worden. „Ich stehe mich in Hochstadt als Verwaltungsangestellter finanziell besser“, berichtete er jetzt. „Allein diese Tatsache hat meine Entscheidung beeinflußt.“ Heute zählt Erbstadt 970 Einwohner. Hinzu kommen die über 100 Insassen eines Altersheimes. Erbstadt hat keine Aussicht, sich in absehbarer Zeit wesentlich zu vergrößern. Ausgeschlossen erscheint vor allem, daß die ehrenamtliche Bürgermeisterstelle in eine hauptamtliche umgewandelt wird.

 

Kälte schleicht um Pumpen

Viele Ansätze im Etat von Hochstadt blieben Wunschträume

Auf dem Papier blieben einige Zahlen des Haushaltsplanes 1962 der Gemeinde Hochstadt stehen. Jetzt hat die Gemeindevertretung den Nachtragsetat einstimmig verabschiedet, mit dem mehrere Veränderungen verbunden sind. Das auffallendste Ergebnis der Beratungen des Nachtrags besteht darin, daß das außerordentliche Haushaltsvolumen beträchtlich absinkt.

Mehrere Ansätze im Etat 1962 erwiesen sich als reine Wunschträume. Vor allem konnte das Straßenbauprogramm nicht im erhofften Ausmaß abgewickelt werden. Ursprünglich wollte man 320.000 Mark für den Straßenbau ausgeben. Diese Summe wurde bei weitem nicht gebraucht. Ebenfalls unnötig war der hohe Ansatz für den Kanalbau.

Gestrichen wurde der Ansatz für den Bau des Bürgerhauses. Erst 1963 wird man an die Errichtung des Bürgerhauses gehen. Für dieses Projekt benötigt man etwa 1,1 Millionen Mark. Der starke Kälteeinbruch zwang dazu, die Arbeiten zur Verbesserung der Wasserversorgung zu unterbrechen. An der Pumpstation wird schon seit einigen Wochen nicht mehr gearbeitet. Im außerordentlichen Teil schließt der Haushaltsplan jetzt mit 621.000 Mark in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen ab.

Erhöht hat sich um 62.000 Mark die ordentliche Haushaltssumme. Jetzt sind Einnahmen und Ausgaben mit 820.000 Mark veranschlagt worden. An Straßenanliegerbeiträgen erwartet man 10.000 Mark mehr; erhöht haben sich auch die Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Aus dem Kreisausgleichsstock vereinnahmte man 30.000 Mark. Verzichten mußte man auf eine erwartete Zuweisung des Kreises in Höhe von 25.000 Mark. Zurückgegangen ist das Aufkommen der Gebühren für Wasserleitungsanschlüsse. Die Mindereinnahme beläuft sich auf 20.000 Mark. Diese Entwicklung hängt in erster Linie damit zusammen, daß der vorgesehene Bau mehrerer Wohnungen im Jahr 1962 nicht Wirklichkeit geworden ist. Rückläufig ist der Wald-Etat. So wird damit gerechnet, daß man auf eine Einnahme von 10.000 Mark verzichten muß.

Mehrausgaben brachte der Einzelplan der allgemeinen Verwaltung. Die Personalkosten sind gestiegen. Für die Instandsetzung der Heizungsanlagen der Schule benötigte man 8.500 Mark. Hinzu kamen Ausgaben für die Reinigung der Heizung und die Beleuchtung. Für Dachdeckerarbeiten an der Kirche mußten 2.000 Mark aufgebracht werden.

 

Das fünfmal elfte Jubiläum                                                                                                1963

Tolle Stimmung bei den Hochstädter „Käwern“

 „Ritz am Baa“ ertönte es lautstark durch den vollbesetzten Käwern-Bau, als der Elferrat mit dem Prinzenpaar einzog. Während einem halben Dutzend närrischer Stunden schlugen die Stimmungswogen hoch. Der Fremdensitzung 1963 des Karnevalsvereins „Die Käwern“ war ein voller Erfolg beschieden. In diesem Jahr konnte man auch das fünfmal elfte Jubiläum feiern, denn der Karnevalsverein wurde 1908 gegründet. Mit viel Geschick und voll äpfelweinseligen Humors schwang Ministerpräsident Menne Wex die große Glocke. Bei jeder der 35 Programmnummern wurden die Lachmuskeln strapaziert.

Elf Paukenschläge gingen dem Einmarsch des Elferrates mit Menne Wex an der Spitze voraus. Ihm folgten die Garde der Großauheimer Karnevalsgesellschaft und die Tollitäten aus Hochstadt, Prinz Klaus I., von der Berliner Bärenburg und Hella II. von der Kraftenburg von Lotto- und Totoranien. Mit im Prinzensessel weilte unter dem Hochstädter Wahrzeichen, dem alten Wehrturm mit dem Apfelweinbembel das Prinzenpaar aus Großauheim.

„Berlin und Hochstadt Hand in Hand, woll'n feiern hier die Käwern-Fassenacht“, rief der Prinz den Narren zu. Der Prinz, der mit bürgerlichem Namen als Klaus Regel bekannt ist, lebt seit August 1960 in Hochstadt und ist für eine Berliner Firma im Rhein-MainGebiet tätig.

Prinzessin Hella hat bereits im letzten Jahr Erfahrungen für die fünfmal elfte Hochstädter Fassenacht sammeln können, denn auch vor 55 närrischen Wochen hatte man sie zur Prinzessin gekürt. „Jubelt und singt, seid lustig und lacht“, rief sie diesmal ihren Mitbürgern zu. Prinzessin Hella ist 19 Lenze jung und bei der Bundesbahnhauptverwaltung in Frankfurt tätig.

 

Altem Brauch gemäß stand als erster wieder der beliebte Käwern-Protokoller Hans Rauch in der Bütt. Ortsgeschehen glossierte er auch diesmal wieder in seiner witzigen Art, und so manches Geheimnis kam dabei zutage. Auch die große Politik, die an diesem Abend mehrmals Angriffspunkt anderer Büttenredner war, ließ er nicht ungeschoren.

Von trüben Erfahrungen wußte als dreisprachiges Zimmermädchen Olga, die bei der Frankfurter Stadtverwaltung tätige Marlene Eibenshäuser, zu berichten. Den Reigen setzten als humorige Sänger August und Philipp aus Großauheim fort, als Frau Werbe und Herr Funk verkleidet fanden stets das Richtige. Bernd Pistor und Karlheinz Seibel vom Käwern-Rat. Als Spiegel-Redakteur kam ein Biebricher Meckes, die Lämmerspieler Nudeln brachten einige Schlager aus dem bundesdeutschen Verkehrsgeschehen.

Viel umjubelt wurde später der diesmal zum erstenmal auftretende Käwern-Bajazzo: Mini­sterpräsident Menne Wex. Die Stichlinger aus Frankfurt hatten ein Dienstmädchen in die Bütt geschickt, die nicht allen Narren gefiel. Als energische Jungfrau heimste dagegen Margarete Stetzkowski von den Käwern mehr Sympathien ein, als überfressener Kurgast kam von den Weißen Eulen aus Frankfurt ein Narr in die Bütt, die Nordendler aus Frankfurt hatten trotz 15 Grad und mehr unter Null eine Badenixe geschickt. Gut verstanden es auch Herbert Brendel und Otto Schmidt von den Stichlingern die Bedauernswerten zu spielen, bevor die Lämmerspieler Nudeln gegen Mitternacht den Reigen beendeten.

 

Rektor steht an der Spitze

Hauptversammlung der SPD in Hochstadt / Wahlen in der Ortsgruppe

Seit zwölf Jahren war die Zusammensetzung des Vorstandes der SPD Ortsgruppe in Hochstadt gleich geblieben. In der Jahreshauptversammlung gab es nun die ersten großen Veränderungen. Neuer Erster Vorsitzender wurde Rektor Karl Schmidt.

Der neue Chef ist erst seit etwa einem Jahr in Hochstadt. Seit er aus der Limburger Gegend, wo er auf Kreisebene sehr aktiv war, als Schulrektor in die Gemeinde berufen wurde, hat sich Karl Schmidt in der SPD-Ortsgruppe so hervorgetan, daß ihn alle Mitglieder einhellig zum Vorsitzenden bestellten. Bürgermeister Philipp Ziegler bleibt weiterhin Zweiter Vorsitzender. Außerdem wurden gewählt: zum Kassierer Heinrich Brecher, als erster Schriftführer Wilfried Lang, als zweiter Schriftführer Philipp Eibelshäuser. Zu Beisitzern wurden bestimmt: Heinrich Seibel jr., Hans Dorn, Heinrich Burkhardt, Wolfgang Schomburg, Werner Lotz und Benno Wenzel.

Der bisherige Vorsitzende Werner Letz hob die Beteiligung vor allem der jüngeren Generation in der Parteiarbeit des vergangenen Jahres hervor. In seinem Jahresbericht konnte er einen Mitgliederzuwachs von annähernd zehn Prozent melden. Drei Mitgliederversammlungen sowie eine gut besuchte öffentliche Wahlversammlung mit Landrat Wilhelm Voller waren die Hauptveranstaltungen. Die letzte Maifeier brachte wie immer einen überfüllten Saal. Er schloß mit einem Bericht über die Landtagswahl, die in Hochstadt 65 Prozent der Stimmen für die SPD ergab.

Im Vorstandsbericht kamen dann die wichtigsten kommunalen Aufgaben zur Sprache. Bürgerhaus, Kindergarten, Volksschule, sechs bis acht Straßen sollen alle noch in diesem Jahr gebaut oder zumindest in der Planung abgeschlossen werden. Beim politischen Teil gab es heftige Diskussionen. Bei der Besprechung des Berliner Wahlergebnisses kam man über Herbert Wehners Koalitionspläne hart aneinander. Ebenso umstritten waren Notstandsgesetz und Sozialpaket, wobei sich besonders die Gewerkschaftsvertreter innerhalb der Partei recht kritisch äußerten.

Für die Kreiskonferenz am 2. März wurden als Delegierte bestimmt: Karl Schmidt, Philipp Ziegler, Gerhard Koch und Heinrich Seibel. An den Schulungsveranstaltungen will man in verstärktem Maß auch die jüngeren Parteimitglieder beteiligen. Außerdem ist ein Besuch der Akademie für kommunale Politik vorgesehen. Schließlich wurde schon für die Maifeier am 30. April vorgeplant, zu der wahrscheinlich wieder ein Referent der Gewerkschaft gewonnen wird. dem

 

Treppenaufgang Hauptstraße

Grotesk ist dieser Treppenaufgang, der an der geschlossenen Hauswand endet. Die Bewohner dieses Hauses in Hochstadt im Landkreis Hanau erwarten nicht von ihren Besuchern, daß sie durch das Fenster einsteigen. Das unbenutzbare Gemäuer ragt in die vielbefahrene Ortsdurchfahrt. Im Zuge des Ausbaus der Straße sollte dieses Hindernis beseitigt werden. Der Landeskonservator hält aber seine Hand darüber. Wahrscheinlich ist diese Kuriosität der nirgendwohin führenden Treppe größer als ihr Altertumswert.

 

Obstbaumspritzung

Viel später als in anderen Jahren kann mit der Winterspritzung begonnen werden. Wilhelm Krapf aus Hochstadt pflegt seine Obstbaumbestände als Freizeitbeschäftigung. Als Hobby und Körperertüchtigung mixt er selbst aus großen Kannen das Vertilgungsmittel und sprüht es aus einem Druckbehälter auf die noch knospenlosen Äste.

 

Straße nach Hanau                                                                                                 März 1963

In weitem Bogen, mit genau abgestimmter Überhöhung der Kurve, führt die neue Musterstraße von Hanau nach Hochstadt. So sehr die im linken Bild gezeigte Fahrbahnführung einen flotten Verkehr zuläßt, so beschwerlich muß er sich an der eigentlichen Ortseinfahrt von Hochstadt einfädeln (rechts). Dieser Torbogen ist das reinste Nadelöhr und läßt einen Wagen gerade noch mit seitlicher Tuchfühlung hindurch. Das Haus links im Bild muß abgerissen werden, damit eine Fahrspur um den Turm herumgeführt werden kann.

 

                       

                       

Ehrung für Mitglieder des 1. FC Hochstadt                                                                     

Mit der goldenen Ehrennadel wurde in der Jahreshauptversammlung des 1. FC Hochstadt Otto Holzbrecher ausgezeichnet. Der Jubilar gehört seit einem halben Jahrhundert dem Verein an. Silberne Ehrennadeln erhielten für 25jährige Vereinszugehörigkeit Karlheinz Eibelshäuser, Hans Jungmann, Hans Hofacker, Heinrich Stoppel und Philipp Ziegler. Die silberne Jubiläumsnadel wurde den Mitgliedern Philipp Böhm, Paul Karrasch, Willi Schell, Heinz Fieres, Peter Heckert und Fritz Hohmann an den Rockaufschlag geheftet. Neuer Vereinsvorsitzender wurde Benno Wenzl. Das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden übernahm Karlheinz Glinder, der wegen beruflicher Überlastung nicht mehr für den Posten des ersten Vorsitzenden kandidierte.     

 

                                                          

Staatsanwalt beantragte Zuchthaus: Angeklagt wegen schwerer Kuppelei

Schöffengericht verurteilte Eltern zu Gefängnis mit Bewährung                           02.05.1963

Als am späten Nachmittag des Dienstag Amtsgerichtsrat Gatzsche noch ein paar Minuten im Sitzungssaal des Schöffengerichts verweilte, um dem nach Fulda versetzten Staatsanwalt Ihringer Glück für die Zukunft zu wünschen, öffnete sich zaghaft die Flurtür. Eine Frau, die wenige Minuten zuvor wegen schwerer Kuppelei verurteilt worden war, betrat den Saal und fragte schüchtern, ob sie noch eine Erklärung abgeben dürfe. Da die Gerichtsstenografin noch anwesend war, durfte sie. „Ich möchte nur sagen, daß ich das Urteil annehme.“ Auch der ebenfalls wegen desselben Deliktes verurteilte Ehemann kam hinzu und verzichtete auf Rechtsmittel gegen das Urteil.

Das in einem Ort des Kreises Hanau eine Gastwirtschaft besitzende Ehepaar brauchte sich über Mangel an Verständnis und Milde seitens des Gerichts nicht zu beklagen. Denn die von Staatsanwalt Ihringer für Mann und Frau beantragte Freiheitsstrafe von je 13 Monaten Zuchthaus hatte das Schöffengericht für die 40jährige Ehefrau auf neun Monate Gefängnis und 150 Mark Geldstrafe und für den 48jährigen Ehemann auf sieben Monate Gefängnis und 150 Mark Geldstrafe reduziert. Nicht zuletzt haben die Eheleute das milde Urteil ihrer bisherigen Unbescholtenheit und der Tatsache zu verdanken, daß sie ihren beiden 13 und 14 Jahre alten Töchter nicht mit beliebig vielen Männern intime Liebesbeziehungen ermöglichten.

 

Die Geschichte begann damit, daß im Februar 1961 die Gastwirtschaft in Flammen aufging und teilweise abbrannte. Natürlich waren die Wirtsleute daran interessiert, möglichst schnell wieder aufzubauen. Sie fanden auch zwei Maurer in jugendlichem Alter, die gegen freie Wohnung und Verköstigung, sowie ein paar zusätzlichen Markstücken gern am Wiederaufbau des Asyls durstiger Kehlen mithelfen wollten. Die Jugendlichen arbeiteten um so lieber, als sie merkten, daß die Töchter ihrer Bauherrschaft sich als reizende Wesen entpuppten, die zwar noch reichlich jung, aber dennoch nicht abgeneigt waren, der Lolita umstrittenes Treiben praktisch zu erproben.

Die Eltern, die zunächst nichts ahnten, duldeten dann aber das Fortbestehen der Liebesverhältnisse ihrer Töchter mit den inländischen Gastarbeitern. Sie gaben den Pärchen gleichsam die Gelegenheit zum außerehelichen Beischlaf. Bei der 14jährigen blieben die Beziehungen nicht ohne Folgen; zwar wurde eine großartige Verlobung gefeiert, doch die Versuche, eine Ausnahmegenehmigung für die Ehemündigkeitserklärung zu erhalten, schlugen fehl. Das Vormundschaftsgericht verweigerte mit Rücksicht auf das Alter der Braut die Erlaubnis. Statt ins eheliche Schlafgemach zog die junge Braut unfreiwillig in die sauber-sachliche Umgebung eines Fürsorgeerziehungsheimes um.

Bereits vor einiger Zeit war der Freund des 13jährigen Mädchens wegen Unzucht mit einem Kind zu sieben Monaten Gefängnis mit Bewährung verurteilt worden. Beide jungen Männer bekennen sich auch heute noch zu ihren Freundinnen und wollen nicht von ihnen lassen.

In der Verhandlung wurde dem Vater durch den psychiatrischen Gutachter eine labile Haltung innerhalb der Familie bescheinigt. Er könne sich gegenüber seiner Frau und den Töchtern nicht durchsetzen. Diese charakterliche Schwäche des Mannes wurde denn auch vom Gericht als besonders strafmildernd berücksichtigt, wie Amtsgerichtsrat Gatzsche in der Urteils­begründung betonte. Dagegen, so sagte der Richter, hätte die resolute Mutter das Treiben von Töchtern und den beiden deutschen Gastarbeitern unterbinden und damit ihren Willen durchsetzen müssen, selbst auf die Gefahr hin, die arbeitswilligen Maurer zu verlieren.                      

 

 

Kindestagesstätte geplant                                                                                     1963/ 1964

Eine Kindertagesstätte will die Gemeinde Hochstadt bauen. Noch in diesem Winterhalbjahr soll mit den Rohbauarbeiten begonnen werden. Die Baukosten schätzt Bürgermeister Philipp Ziegler auf etwa 120.000 Mark. Die neue Kindertagesstätte soll 100 Kinder aufnehmen. „Für eine solche Einrichtung besteht in unserer Gemeinde ein Bedürfnis“ sagte Ziegler. Im Pavillonstil soll der Bau in der Gemarkung „Im Jäger“ an der südlichen Ortsgrenze erstellt werden. Philipp Ziegler hofft, daß im Herbst nächsten Jahres die Kindertagesstätte ihrer Bestimmung übergeben werden kann.

Enorme Mittel wurden in den letzten Monaten für die Sicherstellung der Wasserversorgung ausgegeben. Mit einem Aufwand von 1,3 Millionen Mark wurde eine neue Hauptversorgungsleitung gelegt und eine Pumpstation ausgebaut. Zur besseren Versorgung der Gemeinde mit Trinkwasser wird eine Ringleitung gebaut. Bis zum Jahre 1968 sollen alle Straßen in Hochstadt ausgebaut sein. Etwa zwei Drittel der Straßen haben heute schon eine Teerdecke. In vier Jahren soll das Kopfsteinpflaster überall verschwunden sein. Für die restliche Kanalisation und den Anschluß an das Kanalnetz der Stadt Dörnigheim, womit man einen Anschluß an das Klärwerk der Stadt Hanau gefunden hat, wird Hochstadt noch 1,8 Millionen Mark ausgeben müssen. Das Ortsentwässerungsnetz ist fast vollständig (FR)

 

1964

 

Richtfeier der neuen Volksschule                                                                                     1964

Seit dem vergangenen Wochenende hängt über dem Rohbau der neuen Volksschule oberhalb der Wachenbucher Landstraße der Richtkranz. Die vor zehn Jahren errichtete Volksschule im Dorfinneren genügt nicht mehr den Anforderungen. „Unsere Schülerzahl steigt von Jahr zu Jahr", sagte Bürgermeister Philipp Ziegler während der Richtfeier.

Die Kosten für die neue Schule sind mit 1,28 Millionen Mark veranschlagt. Darüber hinaus mußte die Gemeinde rund 350.000 Mark für den Kauf von Bauland ausgeben. Zu den Baukosten hat das Land Hessen der finanzschwachen Gemeinde eine Beihilfe von 640.000 Mark gewährt. Vom Kreis Hanau hat Hochstadt einen Zuschuß von 240.000 Mark erhalten. Die restlichen Kosten für den Neubau deckt die Gemeinde überwiegend mit Fremdmitteln.

Im Mai 1966 soll die neue Volksschule mit ihren Nebeneinrichtungen ihrer Bestimmung übergeben werden. Der Rohbau sieht zwölf Normalklassen, zwei Großklassen, einen Mehrzweckraum, sowie eine Lehrküche, einen Werkraum, einen Naturlehreraum und einen Gemeinschaftsraum vor, der auch als Nadelarbeitszimmer für die Mädchen dienen soll. Für die Schulleitung ist ein Geschäftszimmer, für die Lehrerschaft ein Konferenzzimmer und ein Schulleiterzimmer neben einer Bücherei und einem Lehrmittelzimmer eingeplant. Der neuen Schule soll eine Turnhalle, ein Kleinsportfeld, ein Hausmeisterhaus mit Lehrerdienstwohnungen und ein Arztraum, in dem auch Reihenuntersuchungen und Impfungen vorgenommen werden können, angeschlossen werden

 

Historischer Bau in Flammen                                                                                             1964

300 Jahre alter Fachwerkbau in Hochstadt teilweise zerstört

Die Rathausbewohner sahen im Fernsehen „Das Rathaus“.

Die Bürger von Hochstadt im Kreis Hanau wurden recht unsanft aus ihrer Samstagnachmittag-Ruhe gerissen. Das alte historische Rathaus in der Hauptstraße stand in hellen Flammen.

Sechs Feuerwehren mußten eingesetzt werden, um den Brand zu löschen. Den entstandenen Sachschaden schätzt man auf über 70.000 Mark.

Gerade war Hauptwachtmeister Jacob von der Hanauer Landespolizei mit dem Streifenwagen an dem Rathaus vorbeigefahren, als die Feuersirenen losheulten. Das Dach des über 300 Jahre alten Rathauses stand in Flammen. Die Menschen, die in dem Haus wohnten, sahen sich derweil im Fernsehen „Das Rathaus“ an. Ihres hatte angefangen, sich über ihren Köpfen langsam aufzulösen. Erst als der Polizeibeamte an die Tür pochte, bemerkten sie den „roten Hahn“.

In der Zwischenzeit hatte man noch zusätzlich die Feuerwehren von Bischofsheim, Dörnigheim, Wachenbuchen und Hanau alarmiert. Auch die amerikanische Feuerwehr aus Hanau rückte mit Schaumlöschfahrzeugen an.

Die erste Schwierigkeit, die die Feuerwehrmänner zu überwinden hatten, waren die Hochstädter. Gleich nach Bekanntwerden hatten sich hunderte von Schaulustigen angesammelt und versperrten selbst der Feuerwehr den Weg. Erst mit Hilfe weiterer Beamten von der Landespolizeistation konnte mühsam eine Absperrung errichtet werden.

Durch das Feuer, das in dem Fachwerk reichlich Nahrung fand, wurden auch die benachbarten Häuser gefährdet. und mußten teilweise geräumt werden. Erst nach über einer Stunde gelang es, den Brand zu löschen.

Das alte Rathaus, das nach dem Kriege als Notunterkunft eingerichtet wurde und in dem

noch bis zu dem Feuer drei Familien lebten, steht unter Denkmalschutz. Bürgermeister Ziegler meinte, daß sich erst die Gemeindekörperschaften und der Landeskonservator mit der Frage beschäftigen müssen ob das Haus wieder aufgebaut wird. Das alte Rathaus hatte zwar historische Bedeutung, es war aber auch ein Verkehrshindernis, da es weit in die Straße hineinragt. Die Ursache des Feuers ist noch nicht geklärt (FR).

 

Tagung des Obst- und Gartenbauvereins

Im Mittelpunkt einer Herbsttagung der Obst- und Gartenbauvereine des Kreises Hanau in Hochstadt standen zwei Fachvorträge. An Hand von Farblichtbildern sprach der Leiter des Pflanzenschutzamtes der Land- und Forstwirtschaftskammer, Dr. Weber (Frankfurt), über die Schädlinge im Obst- und Gartenbau. Über verschiedene Pflanzenschutzgeräte und ihre Einsatzmöglichkeiten sprach Gartenbauinspektor Prechler von der Abteilung Gartenbau der Land- und Forstwirtschaftskammer Frankfurt. Dem Hanauer Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine sind mehr als 1.500 Mitglieder angeschlossen. Die Kreistagung hatten die Sänger der Sängervereinigung Hochstadt und Bürgermeister Philipp Ziegler mit einem kurzen Grußwort eröffnet.

 

Bessere Straßenbeleuchtung

Die Ortsbeleuchtung soll verbessert werden. Bürgermeister Ziegler berichtete, daß über die Ausleuchtung der Straßen bei Dunkelheit in den letzten Wochen oftmals Kritik geübt wurde. „Wir werden uns intensiv um eine Verbesserung der Ortsbeleuchtung bemühen“, betonte er. Bisher habe es immer wieder Schwierigkeiten bei der Verkabelung der Straßen gegeben. Verbessert werden soll auch die Außenbeleuchtung am Bürgerhaus.

 

Kind schwer verletzt

Ohne auf den Verkehr zu achten, überquerte ein vierjähriges Mädchen die Hauptstraße. Sie wurde von einem Personenwagen erfaßt und zu Boden geschleudert. Das Kind wurde schwer verletzt.

 

Verkehrsspiegel und Parkplätze

. Zur besseren Verkehrsübersicht hat die Kreisverkehrsbehörde in Hanau an der Ortsdurchfahrt die Aufstellung von zwei Verkehrsspiegeln gefordert. Die Verkehrsspiegel sollen in einer scharfen Kurve der Bischofsheimer Straße und an der Kreuzung Ringstraße / Hauptstraße angebracht werden. Von der Kreisverkehrsbehörde wurde außerdem gefordert, daß die Gemeinde in der Nähe des neuen Bürgerhauses mit Mehrzweckhalle Parkplätze schafft. Bei Veranstaltungen sind die Straßen oft verstopft und der Verkehr gefährdet.

 

 

Bürgermeisterwahl                                                                                                             1964

Montag, 30. November, 20.30 Uhr, werden die Gemeindevertreter von Hochstadt im Bürgerhaus den Bürgermeister wählen. Die SPD, die die absolute Mehrheit im Gemeindeparlament hat, wird den seitherigen Bürgermeister Philipp Ziegler zur Wiederwahl vorschlagen. Seitens der zweiten Fraktion im Ortsparlament, der CDU, wurde noch kein Gegenvorschlag genannt. Die Wiederwahl von Bürgermeister Ziegler dürfte daher so gut wie sicher sein. Auf der Tagesordnung der Sitzung steht ferner die Wahl der Mitglieder für den Haupt- und Finanzausschuß, den Bau- und Siedlungsausschuß, den Jugend-, Kultur- und Wohlfahrtsausschuß und den Bürgerausschuß.

 

 

Einführung und Verpflichtung

Um dem Wählerwillen gerecht zu werden mehr Ausschuß-Mitglieder

In Hochstadt werden am 30. November die 15 Gemeindevertreter zur Wahlurne schreiten, um den Bürgermeister zu wählen. Wahrscheinlich ist, daß der derzeitige hauptamtliche Bürgermeister Philipp Ziegler für weitere zwölf Jahre im Amt bestätigt wird. Bürgermeister Philipp Ziegler wurde 1956 zunächst für zwei Jahre zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt. 1958 wählten die Gemeindevertreter Philipp Ziegler für weitere sechs Jahre zum hauptamtlichen Ortsoberhaupt der heute rund 4.000 Einwohner großen Gemeinde.

In ihrer ersten konstituierenden Sitzung wählten die Gemeindevertreter den seitherigen Vorsteher Werner Lotz wiederum zum Gemeindevertretervorsitzenden. Seine Stellvertreter sind Wilhelm Schmidt (CDU) und Hans Rauch (SPD). Die Sitzungsprotokolle wird in den nächsten vier Jahren Verwaltungsangestellter Philipp Eibelshäuser schreiben. Sein Vertreter ist Horst Holzmann.

Zum Bürgermeisterstellvertreter wählte das Gemeindeparlament Lehrer Helmut Hi1big (SPD). Weitere Beigeordnete der SPD sind Benno Wenzl, Jean Koch und Horst Holzmann. Die CDU wird durch Philipp Schmidt und Karl-Heinrich Burbach im Gemeindevorstand vertreten sein.

Auf der Tagesordnung der Gemeindevertretersitzung am Montag, 30. November, steht neben der Wahl des Bürgermeisters auch die Einführung und Verpflichtung der Beigeordneten. Das Gemeindeparlament soll außerdem die Mitglieder für den Haupt- und Finanzausschuß, für den Bau- und Siedlungsausschuß, den Jugend- und Kulturausschuß sowie den Ausschuß für das neugebaute Bürgerhaus wählen. Außerdem sollen Mitglieder für die Friedhofskommission und die Schuldeputation benannt werden. Die einzelnen Ausschüsse werden von vier SPD-Vertretern und zwei CDU-Gemeindevertretern besetzt. Wie Bürgermeister Philipp Ziegler berichtete, habe man beschlossen, die Zahl der Ausschußmitglieder von seither vier auf sechs zu erhöhen, um damit dem Votum der Wähler gerecht zu werden.

 

 

Richtkranz auf dem Bürgerhaus

Heute wird in Hochstadt gefeiert / Land Hessen gab viel Geld

In Hochstadt feiert man heute Richtfest für ein Bürgerhaus. Rund 1,41 Millionen Mark kostete das Projekt, das vom Land Hessen großzügig unterstützt wird. Wie Staatssekretär Dr. Walter Schubert vom hessischen Innenministerium am Donnerstag mitteilte, gewährt das Land Hessen - einen Zuschuß von 855.000 Mark.

Auch der Landkreis Hanau beteiligt sich an .der Finanzierung des Bauvorhabens in Hochstadt. Von ihm wurden 150.000 Mark in Aussicht gestellt. Für 200.000 Mark stehen der Gemeinde Rücklagen zur Verfügung. Die restliche Finanzierung wird man über Darlehen und mit ordentlichen Haushaltsmitteln besorgen.

Gemeinschaftseinrichtungen gibt es jetzt im Landkreis Hanau in Mittelbuchen - dort steht das älteste Dorfgemeinschaftshaus Hessens - .Bischofsheim und Bergen-Enkheim. In Wachen- buchen ist eine Mehrzweckhalle im Bau. Die ehemalige Rektoratsschule in Großauheim wird zu einem Bürgerhaus umgebaut.

Lebhaft begrüßt wurde von Staatssekretär Schubert das Vorhaben einer gemeinsamen Müll Verbrennungsanlage für den Stadt- und Landkreis Hanau. Dr. Schubert machte darauf aufmerksam, daß die Müllverbrennung aus städtehygienischen Gründen Vorrang haben müsse. Wie er mitteilte, habe das Land Hessen die Müllverbrennung in die Haushaltsplanung einbezogen.

Nachdrücklich warnte er die Gemeinden davor, bei der Auswahl der Firmen, die Müllverbrennungsanlagen anbieten, sorglos zu verfahren. „Die Gemeinden müssen sich darüber klar sein, daß es Firmen gibt, die ihre Entwicklungskosten durch die öffentliche Hand bezahlen lassen wollen.“ In einem Umkreis von 15 bis 20 Kilometern seien Müllverbrennungsanlagen rationell zu betreiben, sagte Dr. Schubert. Die Transportwege für den. Müll dürften nicht zu lang sein. Klar sei nach den bisherigen Erfahrungen, daß man mit der Müllverbrennung kein „Geschäft“ machen könne. „Man muß schon froh sein, wenn die Betriebskosten erwirtschaftet werden können.“

 

„…und wir stehen trocken hier unten“

Größte Mehrzweckhalle des Kreises Hanau in Hochstadt.

Die größte und modernste Mehrzweckhalle im Kreis Hanau wird zur Zeit in Hochstadt gebaut. Über 1,4 Millionen Mark wird der Bau dieser Halle kosten. Als man das Richtfest feierte, ließ es sich auch Landrat Wilhelm Voller nicht nehmen, bei der kleinen Feierstunde dabeizusein. Darüber hinaus waren noch der Vorsteher des Kreistages, Bürgermeister Fritz Schubert on Bergen-Enkheim, und Kreisoberbaurat Röder als Ehrengäste erschienen.

Bürgermeister Philipp Ziegler richtete seinen Dank an die Arbeiter und lobte die gute und saubere Arbeit. „Diese Räume müssen mit Leben erfüllt sein“ meinte Landrat Wilhelm Voller zu Anfang seiner kleinen Ansprache. Er appellierte an die Vereine und Verbände, nach Fertigstellung der Halle auch für regen Besuch zu sorgen. „Ich hoffe, daß nun auch das kulturelle Legen in Hochstadt einen Aufschwung erleben wird.“ Der Landrat spendete der Gemeinde für ihre Aufbauarbeit in den letzten Jahren ein Lob. Dabei hob er besonders die Baumaßnahmen hervor, die eine überwiegende kommunale Bedeutung haben.

Hell hallte die Stimme des Zimmermanns vom Gerüst, als er den Richtspruch sprach. Dem alten Brauch zufolge, leerten Polier und Zimmermann nach jedem Vers ein Glas Sekt. Da der Richtspruch viele Verse hat, wurde es den beiden nicht langweilig. Nur den Zuhörern, die unten in der Halle standen, schmerzte allmählich das Genick und ihre Kehlen wurden trocken. Und resigniert kam es aus dem Munde des Landrats: „ ... und wir stehen trocken hier unten.“

 

Neben dem großen Saal, der über 550 Menschen Platz bietet, wird die Mehrzweckhalle noch zwei kleinere Versammlungsräume erhalten, die durch eine verschiebbare Tür zu einem großen Raum gestaltet werden können. Die Heiratslustigen von Hochstadt wird es interessieren, daß sich gleich dahinter eine vollkommen eingerichtete Küche befindet, so daß auch Hochzeiten und andere Gesellschaften künftig in der Mehrzweckhalle gefeiert werden können.

Im Untergeschoß befinden sich die Räume und Einrichtungen für die Vereine. Die Tischtennisspieler bekommen ihren Raum. Auch für Schützen wird ein Schießstand eingerichtet. Für diejenigen, die gerne eine „ruhige Kugel" schieben, werden zwei vollautomatische Kegelbahnen eingebaut. An der Südseite der Mehrzweck wird ein Ärzteraum und ein Schwesternzimmer eingerichtet. Die Gemeindearbeiter bekommen ihren Werkstattraum und eine Lagerhalle. Darüber hinaus wird der Mehrzweckhalle eine Gaststätte und eine Pächterwohnung angegliedert. Vor dem Haupteingang wird ein sogenannter „Biergarten“ angelegt

 

Hochstädter Bürgerhaus wird übergeben                                                            08.08.1964

Prunkstück mit allen technischen Raffinessen

Kegelbahn und Sozialstation / Großküche für Hungrige / Bücherei für Bildungshungrige.

Ab heute hat die Gemeinde Hochstadt einen kulturellen Mittelpunkt. Um 15 Uhr übergibt Regierungspräsident Karl Wittrock das Hochstädter Bürgerhaus mit Mehrzweckhalle seiner Bestimmung. Damit ist in dem Dorfleben der Gemeinde eine Lücke geschlossen, die jahrelang vielen Bürgern und insbesondere den zahlreichen Vereinen große Sorgen machte. Lange mußten die Hochstädter auf diesen Tag warten. Heute ist es soweit.

„Wir hoffen, daß wir mit dieser Halle dem Gemeinschaftsleben in unserer Gemeinde neue Impulse geben“, sagte Vizebürgermeister Heinrich Seibel bei einem letzten Rundgang durch das neue Haus. Die Hochstädter haben lange mit dem Bau dieses Bürgerhauses gezögert. Ins­gesamt haben die Planungen über fünf Jahre gedauert. „Was lange währt, währt endlich gut“, meinte Gemeindevertretervor sitzender Lotz nicht zu unrecht.

Das neue Bürgerhaus in der Äppelwoi-Gemeinde ist wirklich zu einem Mittelpunkt geworden, auch im baulichen Sinne. Dem Architekten gelang es, die gegebenen Verhältnisse so auszunutzen, daß das Haus im Innere wesentlich größer ist als es von außen scheint. Obgleich es im Flachstil erbaut ist, hat das Haus drei Geschosse.

 

Schießstand neben der Kegelbahn

Schon das Foyer macht einen guten Eindruck. Die Decke ist vollständig mit Holz ausgelegt. Überhaupt hat man bei dem Bau sei viel Holz verwendet, so daß eine harmonische Verbindung zwischen Holz, Stein und Glas entstand. In der Mitte des Foyers führt eine Art Freitreppe in das erste untere Geschoß. Dort ist die vollautomatische zweibahnige Kegelbahn untergebracht. Auch die Schützen haben hier einen modernen Schießstand in einem Nebenraum erhalten. Dann folgen die Geräteräume für Turn- und Radfahrerverein. Auf der anderen Seite befindet sich ein großer Tischtennisraum.

Im zweiten Untergeschoß haben die Hochstädter einen Raum untergebracht, auf den sie ganz besonders stolz sein können. Eine vollkommen eingerichtete Sozialstation mit einem Ärztesprechzimmer. Weiter hinten rechts liegen noch einige Räume, die den Bastlern in der Gemeinde zur Verfügung stehen werden.

Im Erdgeschoß befindet sich dann das Prunkstück des Hochstädter Bürgerhauses: der große Saal. Über 600 Personen finden in diesem Saalbau Platz. Die großen Turngeräte sind so plaziert, daß sie ohne viel Mühe in die Nebenräume geschoben werden können. Die Reckanlage ist versenkbar. Die große Bühne ist mit allen Raffinessen ausgestattet. Allerdings hätte man an der Seite noch einen kleinen Regieraum schaffen können. Vielleicht läßt sich das noch nachholen. Damit wäre auch für größere Theaterveranstaltungen der richtige Rahmen geschaffen.

Seitlich neben dem großen Saal ist noch ein kleiner Saal mit etwa 120 Plätzen. Dieser Raum ist vorwiegend für private Feste gedacht. Er läßt sich durch eine Falttür unterteilen. In dem kleinen Teil sollen künftig auch die Gemeindevertreter tagen. Sie werden allerdings kaum Gebrauch von der modernen Großküche machen.

 

Reißfeste Bilderbücher

Sport und Spiel macht hungrig. Eine Gaststätte, die von dem Hausmeister geführt wird, ist zur Ringstraße hin angegliedert. Für die Bildungshungrigen steht eine große Bücherei zur Verfügung. „Wir haben allein für 35.000 Mark Bücher eingekauft“, berichtet stolz Gemeindevertretervorsitzender Lotz. Für jeden Geschmack etwas. Die Kleinsten finden reißfeste Bilderbücher.

Die Gesamtkosten für das Bürgerhaus belaufen sich auf 1,6 Millionen Mark. Das Land hat der Gemeinde einen Zuschuß in. Höhe von rund einer Million Mark gewährt. Der Kreis beteiligte sich mit 175.000 Mark. Den Rest mußte die Gemeinde aus eigenen Mitteln aufbringen, wobei man ein Darlehen in Höhe von 75.000 Mark aufnehmen mußte.

 

Eine „trockene Taufe“ .

Am späten Freitagnachmittag machte der Gemeindevorstand einen letzten Inspektionsrundgang durch das neue Hochstädter Haus. An der Kegelbahn kamen die Gemeindechefs nicht vorbei. Altbürgermeister und Ehrenbürger Fritz Weber zeigte seinen jüngeren Kollegen wie man noch mit 84 Jahren eine „ruhige Kugel schiebt“. Den Männern des Gemeindevorstandes jedoch gefiel das Kegeln und flugs wurde ein neuer Kegelklub in Hochstadt aus der Taufe gehoben. Es war eine trockene Taufe - der Schweiß hingegen floß in Strömen.

Heute Nachmittag wird das Haus der gesamten Bevölkerung zur Verfügung stehen. Rund 170 Gäste sind zu der Feier eingeladen, darunter zahlreiche Ehrengäste. Man hofft, daß auch der hessische Innenminister Heinrich Schneider kommen wird. Damit genügend Parkmöglichkeiten vorhanden sind, wird die Bahnhofstraße am Nachmittag gesperrt. Heute und morgen Abend werden in dem Bürgerhaus große Tanzveranstaltungen stattfinden. Damit ergreifen die Bürger endgültig von ihrem Haus Besitz. (Der Altbürgermeister war Philipp Weber).

 

 

 

Bürgerhaus in Hochstadt seiner Bestimmung übergehen

Ein aus für die ganze Gemeinde. Jetzt verfügen sechs Gemeinden über einen kulturellen Mittelpunkt

Die Hauptaufgabe eines jeden Bürgerhauses sei es, das gemeinschaftliche Dorfleben in den Gemeinden zu aktivieren. Dies erklärte Regierungsvizepräsident Dr. MüIler am Samstag bei der Übergabe des Bürgerhauses mit Mehrzweckhalle in Hochstadt. Zu der Einweihungsfeier waren zahlreiche Ehrengäste erschienen. Neben Bundestagsabgeordnetem Gerhard Flämig sah man den Landtagsabgeordneten Heinrich Fischer, den Hanauer Oberbürgermeister Herbert Dröse, den Präsidenten des Hessischen Gemeindetages, Bürgermeister Schubert, Landrat Wilhelm Voller und als Vertreter des hessischen Innenministers Oberregierungsrat Kurt Kuhnmünch.

Regierungsvizepräsident Dr. Müller führte in seiner kurzen Ansprache aus, daß das Land nur den Rahmen bei dem Bau eines Bürgerhauses gebe. Es liege dann an den Gemeinden selbst, etwas daraus zu machen. Es sei auch nicht die Aufgabe des Landes, die Funktion des Bürgerhauses zu kontrollieren. Dr. Müller betonte, daß bei dem Bau von Bürgerhäusern ein Einheitstyp vermieden werden soll. Das Bürger- oder Dorfgemeinschaftshaus solle ganz auf die Belange und Bedürfnisse der Gemeinde zugeschnitten sein.

Dr. Müller lobte dann die moderne Konzeption in der Bauweise des Hochstädter Bürgerhauses. Diese sei, so meinte er weiter, nötig gewesen, um einen betonten Kontrapunkt gegenüber den Angeboten der nahen Städte Frankfurt, Offenbach und Hanau zu bilden. „Junge Leute fühlen sich nun einmal in einem alten Rahmen nicht mehr wohl. Warum sollte man da versuchen, die Uhr zurückzudrehen?“ meinte der Regierungsvizepräsident.

Anschließend ging Dr. Müller noch kurz auf die Geschichte der Bürgerhäuser ein. Er erklärte, daß ein einmaliges Programm seit 13 Jahren in Hessen verwirklicht wird. Das Land habe in dieser Zeit 77 Millionen Mark für den Bau solcher Einrichtungen ausgegeben.

Der Wert der Bauten betrage jedoch über 150 Millionen Mark. Daraus lasse sich ersehen, daß sich die Kreise und auch die Gemeinden selbst sehr aktiv an der Schaffung dieser kulturell äußerst wichtigen Einrichtungen beteiligen. Dr. Müller gab abschließend seiner Hoffnung Ausdruck, daß im Landkreis Hanau bald weitere Bürgerhäuser entstehen werden. Bisher gibt es nur sechs solcher Häuser. Das erste Dorfgemeinschaftshaus wurde vor über zehn Jahren in Mittelbuchen erbaut. In der Zwischenzeit haben Bergen-Enkheim, Bischofsheim, Wachenbuchen, Großauheim und jetzt Hochstadt einen solchen Mittelpunkt geschaffen.

Landrat Wilhelm Voller bemängelte, daß bisher nur wenige Bürgermeister in seinem Kreis den Mut gefunden haben, ein Bürgerhaus zu erstellen. Er meinte, daß in dem Bau eines solchen Hauses, das in erster Linie für die Jugend gedacht ist, das Kapital am besten angelegt sei. Allerdings, so sagte er weiter, müsse die Jugend auch erkennen, was für sie getan wird. Abschließend appellierte der Landrat noch einmal an die Ortsoberhäupter in seinen Gemeinden, dort wo „Not am Manne“ sei, die Initiative zu ergreifen. „Die Vereine in unseren Gemeinden sind die wichtigsten Kulturträger. Man darf sie auf keinen Fall verstoßen. Im Gegenteil, man sollte bestrebt sein, ihnen ein Heim zu schaffen, damit sie ihre volle Kraft entfalten können“, mahnte der Landrat abschließend.

Landtagsabgeordneter Fischer, den man als den Vater der Dorfgemeinschaftshäuser bezeichnet, holte in seiner Ansprache sehr weit aus. Der Hauptteil seiner Rede beschäftigte sich mit dem Krieg. Sein mahnendes Wort: „Die Bürgerhäuser sollen Burgen des Friedens werden“, steht zu recht. Nach der Schlüsselübergabe durch Architekt Baumgart1 an Bürgermeister Ziegler brachten auch die anderen Ehrengäste ihre Grußworte dar. Ein gemeinsamer Rundgang durch das neue Haus beschloß die Eröffnungsfeier. Mit einem großen Tanzabend nahmen dann später die Bürger von ihrem neuen Mittelpunkt Besitz.

 

Termine der Sportler und Sänger (im Bürgerhaus)                                                         1964

Hochstadt. Die Radsportler des Radfahrervereins „Solidarität“ trainieren am Mittwoch von 19 bis 22 Uhr in der Halle des Bürgerhauses. Am Donnerstag um 18 Uhr treffen sich dort die Jugendspieler und um 19 Uhr die aktiven der ersten und zweiten Mannschaft des Ersten Fußballclubs 1911 zum Training. Die Gymnastikgruppe der Frauen übt um 20.30 Uhr im Bürgerhaus. Am Freitag um 20 Uhr ist eine Chorprobe der Sänger des Gesangvereins „Sängervereinigung im Kolleg des Bürgerhauses. Am gleichen Tag um 20 Uhr versammeln sich auch die Mitglieder des Karnevalsvereins „Käwer" im Bürgerhaus.

 

Reges Vereinsleben                                                                                                            1964

Hochstadt. In den 20 Vereinen und Verbänden der knapp 4.000 Einwohner großen Gemeinde sind aus jeder Hochstädter Familie zwei Personen Mitglied in einem der Vereine oder Verbände. Daß das Vereinsleben in der Gemeinde so rege ist, darf man auf das Bürgerhaus zurückzuführen, das zu einem Mittelpunkt geworden ist. Auch über Nachwuchssorgen brauchen sich daher die Vereine nicht zu beklagen.

 

Ausrufer stellt die Arbeit ein

Bergen-Enkheim schafft seinen Müll nach Hochstadt / Silhouette gestört

Keine Einigung erzielten die Hochstädter Gemeindeväter über eine gemeinsame Müllablagerung mit der Nachbargemeinde Bergen-Enkheim. Eine entsprechende Vorlage, die auch die Kostenverteilung regeln sollte, wurde an den Gemeindevorstand zurücküberwiesen. Der ursprüngliche Plan, im historischen Straßenbild „Hochhausakzente“ mit zehngeschossigen Wohnungsbauten zu setzen, scheiterte am Einspruch des hessischen Landeskonservators, Nach Mitteilung von Bürgermeister Philipp Ziegler soll noch im August der Richtkranz über der Mehrzweckhalle mit ihren vielfältigen Gemeinschaftseinrichtungen hochgezogen werden.

 

Die bisher zum altertümlichen Bild des Ortes recht unpassende Bestimmung der Hauptsatzung, daß der Gemeindediener die Mitteilungen der Gemeindeverwaltung nach historischer Art mit Schellengeläut ausrufen müsse, wurde jetzt geändert. Da in Hochstadt die Einrichtung der vielerorts üblichen Lautsprecheranlage vorläufig nicht in Frage kommt, will man die Bevölkerung mittels vermehrter Anschlagtafeln unterrichten. Mit der aus Rationalisierungsgründen beschlossenen Abschaffung des Neuigkeitenbringers mit der Schelle in der Hand verschwindet jedenfalls wieder ein Stück alter Romantik - aus dem traditionsreichen Ort.

 

Als zu scharfer Gegensatz zur traditionellen Ortssilhouette wird von der Wiesbadener Regierung die bisherige Fassung des Bebauungsplanes Hochstadt-Ost empfunden. Statt der geplanten zehngeschossigen Bauweise wurden vom Regierungspräsidenten auf Intervention von Landeskonservator Feldtkeller nur siebenstöckige Bauten genehmigt. Die Gemeindevertretung änderte daraufhin in diesem Sinne die Auflagen für die in diesem Siedlungsgebiet bauende Frankfurter Baugesellschaft.

Ein von der Gemeinde vor Jahren erworbenes Grundstück, auf dem ein Kindergarten nebst Spielplatz angelegt werden sollte, ist inzwischen für diesen Zweck nicht mehr geeignet. Der Verkehr auf der vorbeiführenden Hauptstraße stellt eine zu große Gefährdung der Kinder dar, Die Gemeindeväter wußten keinen anderen Rat, als die Rückgabe des nicht mehr brauchbaren Grundes an seinen früheren Eigentümer zu verfügen und den Ankauf eines geeigneteren Geländes zu empfehlen.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt beschäftigte sich ebenfalls mit Schwierigkeiten, die sich aus Grundstücksverkäufen ergeben haben. Für neue Straßenzüge will die Gemeinde Straßenland erwerben, für das ein einheitlicher Quadratmeterpreis von 20 Mark festgelegt wurde.

 

Obwohl eine Anlehnung Bergen-Enkheims an Frankfurt in Sachen Müllbeseitigung als die natürlichste Lösung erscheinen würde, soll doch deren Abfall vorläufig auf Hochstädter Gebiet abgelagert werden, bis die zentrale Frankfurter Müllverbrennungsanlage in zwei Jahren fertiggestellt ist, will sich Bergen-Enkheim verpflichten, eine zweite Hochstädter Müllgrube als Gegenleistung für die Mitbenutzung zu finanzieren. Die SPD-Fraktion möchte sich der Empfehlung des Gemeindevorstandes anschließen, und das Bergen-Enkheimer Angebot vor allem im Hinblick auf die Übernahme der Unkosten von annähernd 30.000 Mark annehmen, Der Widerspruch der Bürgerlichen Wählergemeinschaft machte aber eine erneute Verhandlung dieses Themas im Gemeindevorstand notwendig.

 

Ein Schlammbad vor der eigenen Haustür

Hochstadts Einwohnerzahl steigt ständig / Dorfbrunnen hilft Feuerwehr.

Zu den aufstrebenden Gemeinden im Kreise Hanau gehört auch Hochstadt. Sprunghaft stieg in den letzten Jahren die Einwohnerzahl. An allen Enden des verträumten Ortes werden gebaut. Doch die Gemeindevertreter behielten einen kühlen Kopf. Pläne wurden über Kanalisation, die Wasserversorgung und den Straßenbau entwickelt. Schrittweise ging man voran, und heute steht man fast vor der Vollendung des großen Projektes.

Eine Hauptsorge waren für. die Hochstädter die Straßen. Katzenköpfe und Schlaglöcher prägten kein schönes Bild. An anderen Stellen wieder waren es Feldwege, die den Bewohnern der neuen Häuser besonders im Herbst und Winter das Leben schwermachten. Viele hatten sich extra für die Straßenüberquerung ein Paar Gummistiefel angeschafft. Besonders die Bewohner der Niederfeld-Siedlung sahen jedesmal mit Schrecken dem Regen entgegen. Wenn es gar zu lange regnete, dann halfen ihnen auch keine Gummistiefel mehr.

Dies alles wird bald in Hochstadt nur noch den Geschichtsschreiber interessieren. In den letzten drei Jahren wurden mehrere Straßen vollkommen neu angelegt. Andere wiederum bekamen eine feste Betondecke. Erst jüngst wurden die Weiher- und die Bleichstraße fertiggestellt. Nun ist man dabei, Siedlern im Niederfeld ihren Kummer zu zerstreuen. Über 30.000 Mark wird die Gemeinde für die neue Straße in der Niederfeld- Siedlung ausgeben, so daß die Bewohner im Herbst nicht mehr ihre Stiefel auspacken müssen.

 

Heimatliches Schaukeln

In absehbarer Zeit wird man auch die gefährliche Kurve in der Jägerstraße entschärfen. Sobald die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern abgeschlossen sind, wird die Jägerstraße direkt auf die Hanauer Straße durchgeführt. Die Hanauer Straße wurde bereits vor einem Jahr vom Land bis vor die Tore von Hochstadt ausgebaut. Dann fing der Wagen wieder urplötzlich an zu schaukeln und zu holpern, so daß der ortskundige Fahrer wußte: „Jetzt bin ich auf der Hochstädter Hauptstraße.“

Die Schlaglöcher der Hauptstraße sind jedoch zu zählen. Sobald die letzten Hausanschlüsse an das Wassernetz ausgeführt sind, werden die Straßenbauer ihr Werk beginnen. Mit einer Breit von sieben Metern wird sich die Straße an den alten Fachwerkhäusern, vorbei an dem historischen Dorfbrunnen, entlangziehen. Der Brunnen sowie das alte Obertor werden dem Straßenbau nicht zum Opfer fallen. Erst vor kurzem hat man festgestellt, daß der Dorfbrunnen noch immer Grundwasser hat, so daß er als Feuerschutz seinen Platz behalten darf. Auch das alte Obertor wird sich behaupten. Der Abriß würde zuviel Geld kosten, so daß man beschloß, die Straße wie seit her durchzuführen. Die Autofahrer werden gern diesen Engpaß in Kauf nehmen, wissen sie doch, daß sie ihrem Auto nicht mehr weh tun, wen sie über die Hochstädter Hauptstraße fahren.

 

Schule geplant

Seit Kriegsende hat sich die Einwohnerzahl von Hochstadt mehr als verdoppelt. Man rechnet für die nächsten zwei Jahre mit einem weiteren Ansteigen auf 6.000 Einwohner. Dies mache es nötig, daß man eine neue Schule baue. Sie wird dem neuen Ortsteil Hochstadt-Ost entstehen und 15 Klassen haben. Neben einer Lehrküche und einem Handarbeitszimmer für die Mäd­chen ist an einen Werkraum für die Jungen gedacht. Ein Natur- und ein Chemieraum sowie eine große Aula vervollständigen das Bild der modernen Schule. Den sportlich begeisterten Kindern wird das Herz höher schlagen, wenn sie hören, daß eine Turnhalle und ein eigenes Sportgelände angegliedert werden sollen. Die Kostet des gesamten Projektes werden sich auf 1,5 Millionen Mark belaufen, von denen das Land 60 Prozent übernimmt. Der Kreis hat eine-Beihilfe von 250.000 Mark zugesagt. Trotzdem wird noch ein großer Rest von der Gemeindekasse zu zahlen sein, und die Gemeindeväter sind sich heute noch nicht einig, wie sie das Loch in der. Gemeindesäckel wieder stopfen sollen.

 

Hilfe von Land und Kreis

Auch die Jüngsten werden nicht vergessen: Sobald die Gemeinde alle Abschlüsse mit den Grundstückseigentümern unter Dach und Fad gebracht hat, wird sie mit dem Bau eines Kindergartens beginnen. Er wird hinter der Apotheke an der Jägerstraße entstehen und 100 Kindern Platz bieten. Die Kosten- und Finanzierungsfrage ist noch nicht restlos geklärt. Doch rechne man mit Baukosten in Höhe von 250.000 Mark. Das Land und der Kreis werden auch hierbei ihr Hilfe nicht versagen.

Manche Hochstädter, die vor Jahren in die Fremde zogen, werden bei ihrer Rückkehr nur schwer ihr Dorf wiedererkennen. Nur der Kirchturm, der schon mehrere Jahrhuderte alt ist, wird sie unverändert begrüßen. Ein anschließender Rundgang durch das Dorf wird sie überzeugen, daß kaum noch etwas übriggeblieben ist von dem Hochstadt, in dem man noch im vorigen Jahrhundert bei Einbruch der Dunkelheit die Tors verschloß, um sich vor unliebsamen Besuchern zu schützen.          

 

Kein Trinkwasser vergeuden!

In Hochstadt, wo bereits vor zwei Wochen der Wassernotstand ausgerufen worden ist, hat sich die Wasserlage weiter zugespitzt. Wie ein Sprecher der Gemeindeverwaltung mitteilte, mußte man weiterhin die Maßnahmen innerhalb des Wassernotstandes verschärfen. Man wird jetzt auch in den Abendstunden Streifengänge durch die Ortschaft unternehmen, um eventuell Bürger dabei zu ertappen, die im Schutz der Dunkelheit das Trinkwasser für ihre Gärten verwenden, Diese Einwohner werden mit harten Strafen zu rechnen haben.

 

Ausgeplündert

Wie Barbaren hausten unbekannte Einbrecher in der Nacht zum Montag in einem verlassenen Haus an der Landstraße Hochstadt und Hohe Tanne, in dem eine Gaststätte untergebracht ist. Die Unbekannten zertrümmerten in der renovierten Gaststätte alle 26 Fenster und rissen sämtliche Wasseranschlüsse und Becken aus der Wand. Wie die polizeilichen Ermittlungen bisher weiter ergaben, fehlten außerdem fünf nagelneue Türen. Außerdem wurde das frischverlegte Linoleum vom Fußboden abgerissen und mitgenommen. Die elektrischen Leitungen riß man gleichfalls brutal aus der Wand. Wie ein Sprecher der Hanauer Landespolizei dazu mitteilte, machte das gesamte Haus am Montagmorgen den Eindruck eines verlassenen Schlachtfeldes. Den Gesamtschaden beziffert man auf über 8.000 Mark. In die Ermittlungen wurde die Staatliche Kriminalpolizei in Hanau eingeschaltet.

 

Erntedankfest

Der Hanauer Kreisbauernverband feiert am 4. Oktober in Hochstadt das Erntedankfest. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht eine Ansprache des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers des Hessischen Bauernverbandes, Diplom-Volkswirt Jäger. Mit einem Festgottesdienst um 10 Uhr wird das Programm eröffnet. Um 13 Uhr formiert sich in den Straßen der Gemeinde ein Festzug. An ihm beteiligen sich der Ortsbauernverband Hochstadt, die örtlichen Vereine, der Reit- und Fahrverein Roßdorf sowie der Verein „Hubertus" aus Dörnigheim. Der Festzug soll die vielseitige Arbeit des Bauern und den mühevollen Weg von der Saat bis zur Ernte symbolisieren. Um 14.30 Uhr wird im Saal des Bürgerhauses die Kundgebung eröffnet. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Konrad Wilhelm Adam (Eichen), hält die Begrüssungsansprache. Aus den Händen der Landjugend erhält Landrat Wilhelm Voller die Erntekrone. Umrahmt wird die Kundgebung von einer Tanzgruppe der Landjugend, einer Musikkapelle und dem örtlichen Gesangverein.

 

Erster Taubenmarkt gut besucht

Der erste Taubenmarkt des Rhein-Main-Gebietes fand am Wochenende in Hochstadt statt. Auf dem Platz vor dem historischen Rathaus boten Taubenzüchter und -liebhaber viele Hundert Tiere zum Verkauf an. Die Preise bewegten sich zwischen drei und 30 Mark pro Taube. Interessenten aus dem gesamten Rhein-Maingebiet pilgerten an den Ausstellungskäfigen vorbei und sorgten durch den Kauf für Blutauffrischung in ihren Schlägen.

 

Orden für Putzfrau und Frostmännchen

Hochstadts „Käwwer" trainierten die Lachmuskeln / Lehrer in der Bütt

 „Seid herzlich willkommen, ihr Narren, in Hochstadt bei Hanau am Main“ lautet die erste Zeile der „Nationalhymne“ der Karneval-Gesellschaft „Käwwer“. Protokoller Hans Rauch schien lieber Werbefunk zu hören als sich politische Spitzfindigkeiten zu notieren, die doch nun mal die Tinte für die spitze Feder eines Protokollers sein sollten. Das lokale Geschehen wurde ebenfalls nicht sehr berücksichtigt, so daß Hochstadts Bürgermeister beruhigt an der Zigarre ziehen konnte.

Ein Höhepunkt war dagegen, der Putzfrau aus dem Bundeshaus zuzuhören. Die 19jährige Marlene Eibelshäuser wußte so manches zu erzählen. Bäuerchen Heinz Jost machte es sich dagegen leicht und hatte für seinen Vortrag das altgewohnte Thema vom Urlaub genommen. Der „geplagte Urlauber“ aus Frankfurt erzählte es dann gleich noch einmal. Lediglich mit einer anderen Verpackung.

Alsdann marschierten ein Hochstädter Lehrer und ein Schulbub in die Bütt. Lehrer Karlheinz Seibel dachte, daß man schon mit einer Glatzenperücke Heiterkeit erzeugen kann. Weil er versuchte, den Schulbub Hans Beck zu belehren, sei ihm geraten, sich etwas von dem Schulbub an karnevalistischem Witz beibringen zu lassen.

Vor der Pause sang Gerhard Rauch noch schnell zwei Schlager, um dann nach der Pause zu versuchen, die noch immer nicht geschmeidigen Lachmuskeln der Zuhörer als Bajazzo zu lösen. Es blieb bei dem Versuch. Auch Schaffnerin Elfriede Stoß gelang es nicht, ihre humorvollen Pfeile in die Herzen der Narren zu schießen.

Volltreffer gab es erst wieder bei „Schampes und Balzer“, die gekonnt eine Viertelstunde regelrechten Blödsinn erzählten. Soll volkstümlicher Karneval eine Mischung aus echtem Blödsinn und messerscharfen Zutaten ergeben, so steuerten Ch. Klein und Erwin Frank von den „Isenburger Watzen“ ihr Teil dazu bei. Frostmännchen Bernd Pistor bot zwar reichlich Zutaten, die jedoch bei den Zuhörern nicht in die richtige Kehle kamen. Auch die Schlußfolgerung von Theo Ehatt aus Großanheim, daß es meistens stinkt wenn's kracht, bot wenig Hintergründe. Der „Dumme August“ Albert Boos, schwappte ein bißchen über, was jedoch schnell wieder von dem etwas dämlichen Ehepaar aus Sachsenhausen weggewischt wurde. Orden gab es in Hülle und Fülle.       

 

Tot aufgefunden

Erhängt aufgefunden wurde in Hochstadt ein 41ähriger Landwirt. Wie die Kriminalpolizei dazu mitteilt, liegt einwandfrei Freitod vor. Der Mann litt unter Depressionen.

 

Stars steilen sieh vor

Die Geflügelzüchter blicken auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Gefiederte Vertreter Hochstadts konnte man auf der 45. Nationalen Geflügelschau auf dem Stuttgarter Killesberg, auf der Junggeflügelschau in Hannover, bei der Großen Allgemeinen Rassegeflügelschau in Frankfurt sowie auf der Colonia-Schau in Köln finden. Dabei gelang es den Hochstädter Züchtern, eine ganze Reihe von Preisen zu erringen: viermal die Note „Vorzüglich“, drei Siegerplaketten, sieben Siegerbänder, acht Landesverbandsehrenpreise, 79 Ehrenpreise, einen Landesverbands-Zuschlagsehrenpreis, 87mal die Note „Sehr gut Zuschlag“ und über 150mal die Note „Sehr gut“.

Um nun auch den Hochstädter Mitbürgern Gelegenheit zu geben, die „Stars“ zu sehen, findet an diesem Wochenende in der Gastwirtschaft Rauch eine letzte Schau der diesjährigen Saison statt. In der Ausstellung werden über 350 Tiere, darunter 100 Hühner und über 250 Tauben zu sehen sein.

 

Polizei: „Abreißen“

Einstimmig beschloß die Gemeindevertretung von Hochstadt den Wiederaufbau des am 23. Mai bei einem Großfeuer schwer beschädigten alten Fachwerkrathauses der Gemeinde. Auch der Landeskonservator ist für die Wiederherstellung. Straßenverkehrsbehörde und Polizei hatten sich dafür eingesetzt, die Rathausruine abzureißen, da sie ein Verkehrshindernis sei. Bei dem Großfeuer am 23. Mai war der gesamte Dachstuhl zusammengebrochen und ein Teil der Außenwände eingestürzt. Die Höhe der Kosten für den Wiederaufbau des aus dem 16. Jahrhundert stammenden Rathauses steht noch nicht fest.

 

Keine Notstandswohnungen

Das historische Rathaus in Hochstadt wird wiederaufgebaut / Finanzierung gesichert.

Der Wiederaufbau des historischen Rathauses in Hochstadt ist beschlossene Sache. Die Gemeindevertreter befürworteten einstimmig den Wiederaufbau des Hauses, das am 23. Mai von einem Feuer heimgesucht wurde. Bürgermeister Philipp Ziegler erklärte, das Gebäude sei bei der Hessischen Brandversicherungsanstalt mit 80.000 Mark versichert gewesen.

Die Finanzierung gilt allgemein als gesichert. Auch der hessische Landeskonservator hat Mittel in Aussicht gestellt. An dem Bauwerk ist der Landeskonservator sehr interessiert. Der Fachwerkbau ist über 500 Jahre alt. Vor Einbruch des Winters soll er wieder überdacht sein.

Gemeindevertreter Schöbel (Hochstädter Bürgerblock) sagte, weite Kreise der Bevölkerung

befürworteten einen vollständigen Abbruch des ausgebrannten Hauses. Diese Kreise verwiesen auf die Parkplatznot. Dazu muß jedoch gesagt werden, daß auf dem Gelände, auf dem jetzt die Ruine steht, allenfalls acht Personenwagen untergebracht werden könnten.

Schöbel betonte, der Wiederaufbau des Rathauses könne zur Ortsverschönerung beitragen. Allerdings dürfe man nicht wieder aus dem Haus ein Obdachlosenasyl machen. Der Gemeindevertreter bezog sich darauf, daß vor dem Feuer drei Familien in Notstandswohnungen des alten Rathauses untergebracht waren. Dieser Ansicht schloß sich als Sprecher der SPD Gemeindevertretervorsteher Werner Lotz an. Das alte Rathaus sei nicht als Verkehrshindernis anzusehen. Lotz argumentierte, die Hindernisse für den Verkehr entstünden durch in der engen Straße parkende Fahrzeuge. „Ein Halteverbot in der Nähe des alten Rathauses ist zu erwägen“, meinte Lotz.

 

Besserer Feuerschutz

Die Freiwillige Feuerwehr von Hochstadt wird Mitte nächsten Jahres ein neues Einsatzfahrzeug in Betrieb nehmen können. Wie Bürgermeister Ziegler berichtete, wurde ein solches Fahrzeug jetzt zum Preis von 38.000 Mark in Auftrag gegeben. Das alte Fahrzeug aus dem Jahre 1953, das die Gemeinde für Zwecke der Wehr umbauen ließ, reicht nicht mehr aus. „Der Feuerschutz in unserer Gemeinde ist zwar noch gewährleistet, jedoch wird unsere Feuerwehr mit dem neuen Einsatzfahrzeug schlagkräftiger sein“, meinte Ziegler.

 

 

Verdienstvolle Sangesbrüder

Die Sängervereinigung Hochstadt konnte während einer vorweihnachtlichen Feier 53 langjährige Mitglieder ehren. Ältestes Mitglied ist Ehrenbürger Philipp Weber, der schon seit 62 Jahren jede Woche in den Reihen der Sänger anzutreffen ist. Ein weiterer alter Sänger ist Theo Ausäderer. Kreisvorsitzender Salzmann vom Deutschen Allgemeinen Sängerbund hob hervor, daß die Sängervereinigung auf eine stolze Vergangenheit zurückblicken könne. Seit mehr als 100 Jahren pflege man schon in den Mauern Hochstadts den Chorgesang. Jüngstes aktives Mitglied in den Reihen der Sängervereinigung ist Wilfried Schimpf. Im Vorstand der Sänger vertritt Schimpf die Interessen der Jungsänger.

 

Hochstadt wollte hoch hinaus

Landeskonservator erhob Einspruch gegen Zehn-Etagen-Häuser

Revidieren mußte die Gemeinde Hochstadt in Zusammenarbeit mit dem Kreisbauamt Hanau die Bebauungspläne für das Gebiet „Hochstadt. Ost“. Zehngeschossige Bauten hatte man vor gesehen. Der Landeskonservator hatte gegen diese Pläne beim Regierungspräsidenten Einspruch erhoben. Er befürchtete dadurch ein Entstellung des historischen Ortsbildes von Hochstadt. Die Wohnblocks dürfen nur bis zu sieben Geschosse hoch sein. Die Gemeindevertreter stimmten dem Ansinnen zu,

Eine Veränderungssperre haben die Gemeindevertreter zusammen mit der Genehmigung des Bebauungsplanes erlassen, um eine ordnungsgemäße Planung und Bebauung durchführen zu können. In diesem Gebiet dürfen nun keine erheblichen oder wesentlichen wertsteigernde Veränderungen. vorgenommen und nicht genehmigungsbedürftige bauliche Anlagen errichtet werden. Eine gleiche Veränderungssperre wurde für das Gewerbegebiet „Süd-Niederfeld“ erlassen.

Noch nicht einigen konnte man sich über einen Beschluß für die Mitbenutzung des Müllabladeplatzes durch die Gemeinde Bergen-Enkheim. Bergen-Enkheim verfügt gegenwärtig über keinen Abladeplatz und weiß auch nicht wohin mit dem Müll. Bergen-Enkheim ist bereit, den Zufahrtsweg vom derzeitigen Müllplatz zu dem späteren Abladeplatz in der Lehmkaute instand zu setzen und die Kosten von 28.000 Mark zu tragen. Außerdem will Bergen-Enkheim Hecken und Sträucher kostenlos beseitigen und während der Müllanfuhr einen Mann anstellen, der den Müll einplanieren soll.

Zurückgegeben an den Eigentümer wird das vor einigen Jahren von der Gemeinde angekaufte Gelände von einem Hochstädter Bürger für den beabsichtigten Bau eines Kindergartens. Bürgermeister Ziegler berichtete, daß sich .der Bauplatz nicht mehr für die Anlage eines Kindergartens eigne, da durch die Vorbeiführung der Hauptstraße erhebliche Gefahren für die kleinen Bürger heraufbeschworen würden. Ein anderes, etwas abseits vom Verkehr liegendes Grundstück, will man für den Kindergarten ankaufen. Einen einheitlichen Quadratmeterpreis von 20 Mark hat man für den künftigen Ankauf von Straßenland festgesetzt.

 

Besucher aus der DDR                                                                                                        1964

Je 60 Mark zahlte die Gemeinde in den letzten drei Wochen an Rentner aus der DDR, die in Hochstadt bei Verwandten zu Besuch weilten. Bisher wurden im Rathaus 15 Besucher von jenseits Stacheldraht und Mauer gezählt. In Hochstadt haben die Besucher aus Mitteldeutschland zu allen Veranstaltungen freien Eintritt. –

 

 

Wahlergebnis vom 25.10.1964

Gemeinde

SPD     

CDU

FDP

GDP

DFU

Bergen-Enkheim

3296

3149

1459

1395

678

438

369

520

211

 -

Bischofsheim

1661

1634

1043

737

136

105

98

147

70

 -

Bruchköbel

1708

1579

931

521

148

137

417

341

113

Butterstadt

2

6

52

53

4

 

 

Dörnigheim

2585

2057

1377

772

316

322

426.

505

349

Eichen

421

419

168

195

112

118

12

45

21

Erbstadt

359

394

212

258

29

11

4

6

5

Gronau

253

216

162

129

51

66

19

41

1

Großauheim

3261

3312   

2147

1999

331

307

167

389

379

Großkrotzenburg

1447

1424

884

806

84

57

73

124

65

 

 

 

 

 

 

Hochstadt

1102

1076

546

380

83

77

89

125

37

Hüttengesäß

623

615

195

214

71

38

26

54

28

Kilianstädten

1274

1187

281

224

147

150

118

144

69

Langendiebach

1823

1749

433

405

116

103

30

100

63

Langenseibold           

 

2768

2931

762

736

535

449

162

337

611

Marköbel

535

552

149

242

187

59

24

33

28

                                              

Hochstädter Schülerinnen auf guten Plätzen

Im athletischen Dreikampf bei den Schülerwettkämpfen im Stadion Wilhelmsbad kamen die Schülerinnen des Turnvereins 1887 mit Waltraud Hahn, Karin Hoyer, Heidi Huhn, Margitta Kröller und Waltraud Schimpf auf den zweiten Platz. Rudolf Hesse, Norbert Huhn, Helmut Rauch und Hans Schimpf erreichten den fünften Platz.

 

Versammlung des Turnvereins

Am Dienstag, dem 17. November 1964, findet im Biirgerhaus um 20 Uhr eine Mitgliederversammlung des Turnvereins 1887 statt. Da die Ausgestaltung des Familienabends am 5. Dezember und der Nikolausfeier der Kinder am 6. Dezember sowie die Tombola besprochen werden soll, ist die Anwesenheit sämtlicher Mitglieder dringend erforderlich.

 

Adventsspiel des Turnvereins 1887                                                                                  1964

In den Räumen des Bürgerhauses findet heute, Samstag, den 5. Dezember, um 20 Uhr, der Familienabend, und am Sonntag, 6. Dezember, um 14.30 Uhr, die Nikolausfeier des Turnvereins 1887 statt. Bei beiden Veranstaltungen werden Ausschnitte aus dem Turnbetrieb gezeigt. Ein Humorist und eine Kapelle werden den Familienabend verschönern. Bei der Nikolausfeier werden Schülerinnen ein Adventsspiel zeigen (Das Jahr ergibt sich aus „Samstag, 5. Dezember“).

 

Gratulation mit zwölf Nelken und einem Bembel                                               03.12.1964

In Hochstadt wurde Bürgermeister Philipp Ziegler für zwölf Jahre wiedergewählt         

In Hochstadt wurde der 54 Jahre alte Bürgermeister Philipp Ziegler in geheimer Wahl für weitere zwölf Jahre im Amt bestätigt. Die Abgeordneten der SPD und der CDU bescheinigten dem seit acht Jahren im Rathaus tätigen Ortsoberhaupt damit wieder ihr Vertrauen. Erster Beigeordneter und Bürgermeisterstellvertreter wurde Lehrer Helmut Hilbig.

„Ich danke für Ihr Vertrauen“ sagte Bürgermeister Philipp Ziegler nach der einstimmigen Wiederwahl. Er wies auf die großen kommunalen Aufbauleistungen der vergangenen acht Jahre hin, die in der Geschichte der Gemeinde einmalig seien, so der Bau der zentralen Wasserversorgungsanlagen und die Ortsentwässerung, die man sich 1,6 Millionen Mark kosten ließ. Eine knappe Million Mark kostete die Erschließung der Neubaugebiete und der Straßenbau. Ferner wurde ein Bürgerhaus mit Mehrzweckhalle gebaut, in deren Räumen Ziegler jetzt in der zweiten Sitzung der Gemeindekörperschaften wiedergewählt wurde. Zur Überraschung vieler Bürger konnte er bekanntgeben, daß am Donnerstag der Richtkranz auf den Rohbau einer neuen Volksschule gesetzt werde. Die Volksschule, die vor einem Jahrzehnt gebaut worden war, ist schon wieder zu klein.

Aber die aufstrebende Arbeiterwohnsitzgemeinde an der Peripherie der Stadt Frankfurt hat auch ihre landwirtschaftlichen Betriebe nicht vergessen. Etwa eine Viertelmillion Mark gab man für den Ausbau der Feldwege in der großen Gemarkung aus. Ein Hauptsorgenkind für die Gemeinde ist die Wohnungsnot. Obwohl durch die Erschließung des Baugebiets Hochstadt-Ost und den Bau von Wohnungen durch große Siedlungsgesellschaften neben vielen Bürgern aus dem Rhein-Main-Zentrum auch Hochstädter Familien eine neue Wohnung fanden, sind im Rathaus immer noch 76 Wohnungssuchende registriert, die eine neue Bleibe dringend benötigen. Auch ihnen will Bürgermeister Ziegler - soweit er es kann - noch in den nächsten Jahren helfen. „Ich will auch in Zukunft alle meine Kraft zum Wohle der Bürger und ihrer Gemeinde einsetzen“ sagte Bürgermeister Ziegler unter großem Beifall im gut besetzten Saal des Bürgerhauses.

Mit einem Strauß zwölf roter Nelken und einem Bembel Berger Apfelwein gratulierte der Präsident des Hessischen Gemeindetages, Kreistagsvorsteher und Bürgermeister Fritz Schubert aus Bergen-Enkheim Bürgermeister Ziegler zur Wiederwahl. Die Glückwünsche der Bürgermeister der Kreisversammlung des Landkreises Hanau überbrachte Bürgermeister Jakob Burkhardt aus Niederdorfelden. Aus der Nachbarstadt Dörnigheim kamen als Gratulanten Bürgermeister Franz Fleck und sein Stellvertreter, Magistratsrat Jakob Lapp. Die Glückwünsche des Kreisverbandes der SPD sprach der Bischofsheimer Bürgermeister Georg Krieger dem wiedergewählten Bürgermeister seiner Nachbargemeinde aus.

Der Wiederwahl des Bürgermeisters ging die Wahl der Mitglieder für die verschiedenen Ausschüsse der Gemeindekörperschaften voraus. Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses wurden Wolfgang Schomburg, Hans Rauch, Horst Hauser (alle SPD), Heinz Kemler und Günther Schöpel (beide CDU). Dem Bau- und Siedlungsausschuß gehören an Wolfgang Schomburg, Georg Kraft, Heinrich Burkhardt, Heinrich Brescher (alle SPD) und Hans Brosch und Heinz Kemler (beide CDU). In den Jugend-, Kultur- und Wohlfahrtsausschuß wurden gewählt Werner Lotz, Heinrich Seibel, Heinrich Brescher, Roman Riebschläger (alle SPD) und Wilhelm Schmidt und Philipp Koch (beide CDU). Der Bürgerhausausschuß setzt sich zusammen aus den vier SPD-Abgeordneten Heinrich Seibel, Werner Lotz, Hans Rauch und Georg Kraft und den CDU-Vertretern Heinz Kemmler und Günther Schöpel.

 

Einwohnerzahl 1964                                                                                                          1964

Am Jahresende 1964 zählte Hochstadt 3.373 Einwohner, geht aus der Statistik des neuen Haushaltsplanes hervor. Im Jahre 1939 zählte Hochstadt noch 1.720 Bürger, im Jahre 1961 waren es 2.972 Einwohner. Die statistischen Unterlagen des neuen Etats besagen, daß Hochstadt 335 schulpflichtige Kinder hat und 1100 Haushaltungen gemeldet sind. Die Gemarkung Hochstadt ist 723 Hektar groß. Davon sind 80 Hektar bebautes Gebiet.

 

1965

 

Die Millionen-Grenze überschritten                                                                                 1965

Hochstadts Gemeindevertreter verabschiedeten den Haushalt für 1965

Einstimmig verabschiedet haben die Gemeindevertreter von Hochstadt in ihrer Sitzung im Bürgerhaus den Haushalt für 1965. Erstmals in der Geschichte der Gemeinde übersteigt der ordentliche Etat die Millionen-Grenze, hob Gemeindevertretervorsteher Werner Lotz (SPD) bei den Etatberatungen hervor. Der ordentliche Etat schließt mit 1.171.000 Mark, der außerordentliche mit 2.219.300 Mark ausgeglichen ab. Darlehen sollen in Höhe von 1.368.000 Mark in diesem Jahr aufgenommen werden. Die Fremdgelder sind für den zweiten Bauabschnitt der Volksschule, den Bau einer Kindertagesstätte, den weiteren Straßen-. und Kanalbau und für die restliche Finanzierung des Bürgerhauses vorgesehen.

Vorsteher Lotz wies vor dem Parlament auf die enorm schnelle Entwicklung der Gemeinde­finanzen in den letzten vier Jahren hin. „Vor drei Jahren hatten wir noch einen ordentlichen Etat von 250.000 bis 300.000 Mark zu verabschieden. In diesem Jahr werden es mit dem Nachtrag eineinviertel Million sein.“ Das Anwachsen des Etats führte Lotz unter anderem auch auf die vielseitige soziale Gestaltung in der Gemeinde und die weitere Industrieansiedlung zurück. Als Sprecher des Haupt- und Finanzausschusses sagte Gemeindevertreter Kemler, daß alle Steuergelder der Gemeinde nutzbringend angelegt und verplant seien.

 

Das Gemeindeparlament beschloß ferner, einen Flächennutzungsplan für das gesamte Orts- und Gemarkungsgebiet durch ein Ingenieurbüro aufstellen zu lassen. Da der Ortsbebauungsplan nicht mehr rechtsgültig ist, herrscht nach den Worten von Lotz zur Zeit ein gesetzloser Zustand auf dem Gebiet der Ortsplanung und Bebauung. Das Kreisplanungsamt ist zur Zeit mit der Aufstellung von Flächennutzungsplänen der einzelnen Gemeinden überlastet. Um lange Wartezeiten zu überbrücken, soll daher eine private Planungsstelle eingeschaltet werden. Geändert wurde ein Bebauungsplan für das Siedlungsgebiet „Hochstadt-Ost“, wo die Baufluchtgrenze zur Straße hin auf zehn, fünfzehn und zwanzig Meter gestaffelt wurde.

Verabschiedet hat das Parlament weiter eine Satzung über die Lagerung von Autowracks und anderen Altmaterialien. Bürgermeister Philipp Ziegler (SPD) beschwerte sich vor den Abgeordneten, daß die Hochstädter Gemarkung an manchen Plätzen eher einem Schuttabladeplatz gleiche, als einem Stück Feld: „Diesen Ausschreitungen müssen wir unbedingt Einhalt bieten", sagte Ziegler. Er forderte die Bürger Hochstadts zur Mithilfe auf bei der Suche nach den wilden Schuttabladern. Verschiedentlich mußte die Gemeinde schon alte Autokarossen und unbrauchbare Motoren abtransportieren lassen. Nach der neuen Satzung ist die Gemeinde nun berechtigt, gegen die „Sünder“ ein Bußgeld bis zu 1.000 Mark zu verhängen.

 

Höhere Gewerbesteuereinnahmen

Sehr erfreulich bei den wachsenden Aufgaben der Gemeinde nannte Bürgermeister Ziegler das Ansteigen der Gewerbesteuereinnahmen. 285.000 Mark will man in diesem Jahr einnehmen. Im letzten Jahr betrugen die Gewerbesteuereinnahmen etwas mehr als 200.000 Mark. Ansteigen werden außerdem die Gewerbesteuerausgleichszuschüsse aus den Industriestädten, in denen Hochstädter Arbeitnehmer ihrem Erwerb nachgehen. Von 83.700 Mark hat sich dieser Ansatz auf 115.000 in diesem Jahr erhöht. Die Schlüsselzuweisungen wurden mit 163.480 Mark angesetzt. Im letzten Jahr waren es rund 50.000 Mark weniger.

 

Darlehen in Höhe von 1,36 Millionen Mark                                                         1965 (?)

In etwa zwei Wochen wird Bürgermeister Philipp Ziegler dem Gemeindeparlament den neuen Haushaltsplan zur Beratung vorlegen, der im ordentlichen Teil mit 1,17 Millionen und im außerordentlichen Teil mit 2,22 Millionen Mark ausgeglichen abschließen wird. Im Vordergrund des neuen Haushalts steht der zweite Bauabschnitt der neuen Schule, die Errichtung einer Kindertagesstätte, die Restfinanzierung für das Bürgerhaus sowie der restliche Straßen- und Kanalbau.

Unverändert bleiben trotz des großen kommunalen Aufbauprogramms in Hochstadt die Steuerhebesätze. Die Grundsteuer A wurde mit 190 Prozent, die Grundsteuer B mit 160

Prozent und die Gewerbesteuer mit 275 Prozent im neuen Etatentwurf verankert. An Kassenkrediten sollen bis zu 175.000 Mark in Anspruch genommen werden. Den Gesamtbetrag der Darlehen hat man auf 1,36 Millionen Mark festgesetzt.

Der zweite Bauabschnitt der Volksschule am Südhang der Wachenbucher Straße wird rund 700.000 Mark kosten. 263.000 Mark der Kosten sollen mit einem Darlehen gedeckt werden. Vom Land Hessen erwartet Hochstadt in diesem Jahr für den Schulhausneubau eine Beihilfe von 340.000 Mark. Außerdem hat der Landkreis Hanau einen Zuschuß von 17.000 Mark zugesagt. An ordentlichen Haushaltsmitteln will die Gemeinde 80.000 Mark auf- bringen.

 

Reiche Auswahl

Die Lokalschau der Geflügelzüchter brachte eine reiche Auswahl von schon mehrmals ausgezeichneten Tieren. Die Hochstädter Züchter waren mit diesen Tieren schon auf zwölf Ausstellungen und Schauen in Hessen vertreten. Das Ergebnis war die stolze Bilanz von 318 Preisen. Dreimal erreichte Philipp Schmidt auf der Allgemeinen Nordbadischen Junggeflügelschau in Weinheim an der Bergstraße die Note „Sehr gut“. Zusammen mit Hans Rohrbach war Philipp Schmidt auf der Sonderschau des Vereins der Züchter des Deutschen Zwerghuhns in Süddeutschland erfolgreich. Das begehrte Odenwald-Band holte sich Rudolf Schäfer auf der fünften Odenwälder Taubenschau. Vorzügliche Ergebnisse erzielten im Odenwald außerdem Alfred Reichert, Friedel Seng, Philipp Schmidt und Jakob Stein.

Sieben Züchter aus Hochstadt beteiligten sich an der zweiten Kinzigtaler Rasse-Taubenschau in Ravolzhausen. Allein Friedel Seng nahm zehn Tiere auf die Reise mit. Nicht nur er, sondern auch Wilhelm Burkhardt und Helmut Sperzel errangen Preise.

Dörnigheim war der Schauplatz für ein Kreisverbandstreffen. Mit 91 Tieren waren 16 Hochstädter Züchter an dieser Kreisverbandsschau beteiligt. Wiederum glänzten Philipp Schmidt und Jakob Stein mit bemerkenswerten Erfolgen. Zur Deutschen Taubenschau in Stuttgart schickten fünf Züchter insgesamt 36 Tiere. Hochstadt war gleichfalls in Echzell, Lichtenfels, Bad Homburg, Langenselbold und Gießen mit von der Partie. Lorbeeren ernteten dabei vor allem Karl Krämer, Wilhelm Mankel und dessen Sohn. Ein Siegerband für ihre Taubenrassen nahmen Jakob Stein, Rudolf Schäfer und Karl Krämer bei der Nationalen Rasse-Geflügel­schau in Frankfurt mit.

 

Verdienter Pädagoge verabschiedet

In einer kleinen Feierstunde wurde Lehrer August Keim aus dem Schuldienst verabschiedet. Schulleiter Bernius umriß Lebenslauf und Wirkungsbereich des verdienten Pädagogen. Schulrat Heinrich Estler überreichte dem scheidenden Schulmann die Pensionsurkunde und dankte ihm für die wertvolle erzieherische Arbeit an Generationen in weiten Gebieten Hessens und im Landkreis Hanau. Der Schulrat wies in seinen weiteren Ausführungen auf die Förderung des Lehrernachwuchses in Hessen hin, für den sich der jetzt aus dem Schuldienst scheidende Mann ebenfalls eingesetzt habe. Den Dank der Gemeindekörperschaften sprach Bürgermeister Philipp Ziegler dem verdienten Schulmann aus. Es folgten weitere Dankesworte von Pfarrer 'Lindenberger für die evangelische Kirchengemeinde, des Vorsitzenden des Elternbeirats und der Schüler und Schülerinnen. Mit Vorträgen des Schülerchors und der Flötenspielergruppe und einigen Gedichtsvorträgen wurde die Feierstunde begonnen und beendet.

 

Die „Knollensau“ wird gemästet                                                                                       1965

Prall gefüllt sein soll die „Knollensau“ - ein großes Glücksschwein aus Kunststoff - bis zum Fastnachtsumzug in Hanau. Die lustigen „Käwern“ aus Hochstadt wollen mit dem Inhalt dieses Glücksschweins soviel „Knollen“ (Bonbons) kaufen, damit jeder Zuschauer zumindest einen Knollen aus Hochstadt erhaschen kann. Das Schlachtfest der „Knollensau“ dürfte bald stattfinden. Ihr In halt wird schon heute auf einige hundert Mark geschätzt. Die Hochstädter „Käwern“ wollen sich diesmal „nicht lumpen lassen“ und die „Leckermäuler“ in Hagenoviens Reich können sich heute schon freuen.

Die Karnevalisten aus Hochstadt werden am Samstag, 20. Februar, bei einer Sitzung der Nordendler in Frankfurt mitwirken. Am 27. Februar wird bei der Sachsenhäuser Karnevalsgesellschaft ein Gastspiel gegeben. Außerdem laden die „Käwern“ am kommenden Samstag, 20. Februar, zu einem Maskenball in das Bürgerhaus ein. Dort findet auch am 28, Februar ein Kinderkostümfest und am 2. März der beliebte Fastnachts-Kehraus statt (Das Datum ergibt sich aus der Angabe Samstag, 20. Februar)

 

Hauptstraße gesperrt

Wegen des Ausbaues der Ortsdurchfahrt in Hochstadt muß die gesamte Hauptstraße von der Einmündung Bischofsheimer Straße ab für den Durchgangsverkehr auf etwa vier Wochen von heute an gesperrt werden. Der Anliegerverkehr ist bis zur Baustelle beiderseits frei. Die Umleitung erfolgt von Bischofsheim aus über Kreuzstein - Bahnhof - Bundesstraße 8/40 nach Dörnigheim und weiter nach Hochstadt. Die Bushaltestelle der Linie Hochstadt –Bischofs­heim - Mainkur ist für die Sperrzeit vor dem Gasthaus Strohl-Steffen.

 

 „Käwern“ in der Mauser                                                                                       25.01.1965

Minikinis, Beatles und der „Zahn“. Fremdensitzung im Hochstädter Bürgerhaus. Warum denn nur die „doofe Welle"!

Hochstadts „Käwern“ sind in der Mauser. Jahrelang mußten sie in engen Sälen improvisieren und viele Unzulänglichkeiten in Kauf nehmen, wenn sie das närrische Volk zu ihren gern besuchten Sitzungen einluden. In diesem. Jahr konnte nun der traditionsreiche Karnevalverein (Jahrgang 1908) in das Bürgerhaus einziehen. Mit einiger „Bängnis“ erwarteten die Verantwortlichen die erste Sitzung vor einem großen Haus und in einem großen Saal. Nun, nicht jeder „Käwer“ kann sich mit einem Schlag mausern. Der Start war aber hoffnungsvoll. Die Standardthemen der diesjährigen Protokolle und Büttenreden sind schnell umrissen: Der Minikini wurde ebenso mehrfach angesprochen wie die Beatles und der „Zahn“ der Kilius.

Unangenehme Dinge sollte man zuerst sagen: Der Chronist versteht nicht, warum alljährlich in den Sitzungen die „doofe Welle“ so vehement an die Lachmuskeln der Narren und Närrinnen schwappt. Am Samstagabend hatte das närrische Volk das leicht „bedepperte“ Geburtstagskind Ferdi Röll von den „Käwern“, den dummen August Albert Boos vom HCV, einen „doofen“ Hans Beck von den „Käwern“ und schließlich zum Abschluß den „Blödel“ Charly Klein von den Frankfurter „Nordendlern“ zu verdauen. Vielleicht sollte man hier ein wenig Psychologie treiben: Der „homo sapiens“ hat durch die Bank die Angewohnheit vom „Schick­sal“ stiefmütterlich behandelte Menschen zu belächeln. Sollte man diesem Lehrsatz einer noch jungen Wissenschaft auch in Hochstadt gefolgt sein?

Ein leicht tragischer Fall war hier zum Beispiel Albert Boos. Mit seiner bekannt näselnden Stimme begann er im Clownkostüm als Beamter und hatte einige prächtige Pointen parat, die gut einschlugen. Der Chronist wollte schon meckern, daß dieses Clownkostüm in einem urkomischen Beamtenvortrag deplaciert sei, als er sich dann überraschen lassen mußte, denn der „Dumme August“ war nicht lange Beamter, sondern pilgerte kreuz und quer durch den deutschen Witzgarten. Schade für den Vortrag, der zu einem Knüller hätte werden können.

 

Daß es auch anders geht, bewiesen einige Vorträge, die zwar nicht immer derartige Lachsalven erhielten, aber gut ankamen. So Friedel Helmstädter als Gast von „Narrhalla“ Frankfurt mit ihrem gut aufgebauten Vortrag „Die Ungerechte“, Theo Ehatt aus Großauheim als „Reporter“, wobei der Chronist die Sachkenntnis nicht auf die Waagschale legen will, oder Marlene Eibelshäuser von den „Käwern“ als Krankenschwester. Der Vollständigkeit halber seien noch Karlheinz Seibel und Harald Mankel von den „Käwern“ als Lehrer und Schulbub und Fritz Hornö aus Sachsenhausen genannt.

Den Jubelsturm der Narren und Närrinnen entfachten die in dieser Halle angebrachten „Massendarbietungen“. So zuerst der Gardetanz der Hochstädter Mädchen, der eine gute Premiere hatte, dann die prächtige Musketiergarde der Sachsenhäuser Karnevalgesellschaft, das urkomische Männerballett der Großauheimer Karnevalgesellschaft und schließlich die Bergspatzen der Sachsenhäuser Karnevalgesellschaft, denen man sogar verzieh, daß sie zeitweise Frankfurter Lokalpolitik machten. Viel Beifall holten sich Hiltrud und Christa, die „Singing Sisters“ aus Schafheim im Odenwald.

Rund um die Sitzung rankten sich die üblichen Ordensaustausche, ein geschliffenes Protokoll von Hans Rauch, die Begrüßung der Gäste aus Großauheim, Hanau, Sachsenhausen und von den Frankfurter Karnevalvereinen „Die Nordendler“ und „Narrhalla“ und Pausenmusik des Hochstädter Spielmannszuges. Man vermißte aber die lokal aufgeputzten Schunkellieder und saß eine Stunde länger als vorgesehen. Daß die Sitzung über vier Stunden dauerte, war nicht die Schuld von Präsident Wex, denn das närrische Volk verlangte manche Zugabe.

Allerdings: Die Devise, die Präsident „Menne“ Wex zu Beginn der Sitzung verkündet hatte („Dem Frohsinn, nicht dem Unsinn Achtung zollen“), bewahrheitete sich nicht völlig, denn „froh“ war der Unsinn in der „doofen“ Abteilung nur bei Betrachtung durch eine rosarote Brille. Deshalb der Wunsch für 1966: Nicht ganz so viel „Doofheit“. Sonst stimmte alles: Ein schönes Bühnenbild, ein strahlendes Prinzenpaar, eine prächtig mitmachende Garde und vermutlich auch die Kasse.

 

Im „Käwernbau“ ging es gar lustig her                                                                 18.11.1965

Närrisches Ministerium wurde vorgestellt und Prinzenpaar eingeholt

Mit viel Helau startete die Karnevalsaison im „Käwernbau“. Mit Richard Knapp als Ministerpräsident marschierte unter großem „Hochstadt Helau“ das närrische Kabinett ein. Nach Begrüßung stellte der Ministerpräsident seine Minister vor. Stellvertretender Ministerpräsident und Stußminister ist Wilhelm Kaiser, Toni Röll ist Minister für Buch und andere Druckereien, Wilhelm Brosch Minister für Getränkeverschneidung, Forst- und Wildschweinverwertungsminister Wilhelm Lenz, Minister für Anmut und Schönheit K. H. Glinder, Stoffverschneidungsminister Reinhold Fischer, Holzwurmenttrümmerungsminister Kurt Hensel, Minister für närrische Haarkulturen Manfred Wex, Trümmerschrottbewegungsminister Paul Niewerth und Marschall für Bau- und Plattenzunft Fritz Goldammer.

Unter stürmischen Ovationen des närrischen Volkes geleiteten sodann die Zeremonienmeister August Schmidt und Fritz Quanz das Prinzenpaar Prinz Reinhard I., Fürst von der Jägerburg, und Ihre Tollität Prinzessin Elvira von der Felsenhöhle in den „Käwernbau“. Das Prinzenpaar versprach seinem närrischen Volke tolle Tage bis zum Aschermittwoch. Bei der Übergabe des Stadtschlüssels und der Regierungsgewalt an den Prinzen betonte der amtierende Bürgermeister Wilhelm Rauch, daß es das Prinzenpaar mit seinen Ministern besser habe als seine Vorgänger, da sie dem Volke keine Sorgen, sondern nur Frohsinn und Heiterkeit bringen, da sie weder Steuern noch Sprunggelder und ganz besonders keine Kanalbenutzungsgebühren erheben.

In dem Protokoll des Protokollers Philipp Seibel kamen als erstes die Ereignisse der Weltpolitik und im zweiten Teil die wichtigsten Vorkommnisse in der Gemeinde des letzten Jahres an die Reihe. Vom letzten Teil seien hier nur erwähnt, daß ein Landwirt seine frischgesteckten Kartoffeln irrtümlich wieder umgezackert hatte, und weiterhin, daß in den Mauern Hochstadts ein „Großwildjäger“ beheimatet ist, der den wildgewordenen Gemeindebullen erlegt hat.

 

Mit H. Rinkenberger als geplagtem Ehemann begann sodann der Reigen der Büttenredner. Als nächster stieg der jüngste Hochstädter Karnevalist H. Wex als Hüter der Gesetze und Ordnung in die Bütt. K. H. Jöckel von den „Biebricher Mäkkes“ hielt auch diesmal, was man von ihm erwartete. Sein erster Vortrag behandelte das Zeitgeschehen, wobei auch die Liebesromanze der englischen Prinzessin Margret und die Aufrüstung nicht zu kurz kamen. Der zweite Vortrag behandelte das tägliche Leben mit seinen Schwierigkeiten. Der erste Teil schloß mit einem Streitgespräch zwischen A. Geis als großer wohlhabender Vater Rhein und R. Knapp als kleiner armer Bruder Main. Dieser Vortrag gehörte zu den besten des Abends.

 

Als zwei Originale stellten sich nach der Pause K. und H. Kuhn vor. Mit diesem Vortrag kamen die beiden wieder an ihre Leistungen vor zwei Jahren als Besatzungssoldaten heran. Heinrich Röll in Damenkleidern erntete als Frankfurter Mädchen, das aus seinem Leben plauderte, reichen Beifall und viel Heiterkeit. Auch Kapellmeister R. Gärtner stieg wieder als urgelungener Clown in die Bütt. Zum Abschluß brachten Erhard Ausäderer und H. Schneeweis als Piecelos mit ihren Gitarren noch einige Lieder zu Gehör, die ebenfalls sehr gut aufgenommen wurden. Alles in allem haben die „Käwern“ auch in diesem Jahr gehalten, was man seit einigen Jahren von ihnen gewohnt ist. Ein guter Start in die Karnevalsaison 1956!

 

Kindertagesstätte in der Nähe der Bahnhofstraße                                                         1965

Dringend nötig ist nach Mitteilung von Bürgermeister Ziegler der Bau einer Kindertagesstätte, die unterhalb der Gemeinde in der Nähe der Bahnhofstraße errichtet werden soll. Die Baukosten sind mit 402.000 Mark veranschlagt worden. 300.000 Mark der Kosten sollen mit Fremdgeldern gedeckt werden. Vom Kreis erwartet man eine Beihilfe von 82.000 Mark. Noch rund 255.000 Mark sind für das Bürgerhaus aufzuwenden. Das Land Hessen wird Hochstadt dazu nochmals eine Beihilfe von 45.000 Mark zahlen. Die restlichen Gelder sollen mit einer Rücklage und mit einem Darlehen aufgebracht werden. Der Straßenbau verschlingt in diesem Jahr 620.000 Mark. Für die Ortsentwässerung sind 209.000 Mark im außerordentlichen Etat vorgesehen. Darüber hinaus sind nochmals 15.000 Mark für die Verbesserung der Trinkwasserversorgungsanlagen bereitgestellt worden. Der Wiederaufbau des im Mai vergangenen Jahres abgebrannten historischen Rathauses wird 26.500 Mark kosten. Die Hessische Brandversicherungsanstalt in Kassel hat sich bereit erklärt, diesen Betrag der Gemeinde zu erstatten.

(Das Rathaus ist 1964 abgebrannt)

 

Neues Schulhaus mit zwölf Klassen

Vorbildliche Räume / Übergabe im Herbst / Finanzierung gesichert

Nach den Herbstferien wird Hochstadts neue Schule ihrer Bestimmung übergeben, teilte Bürgermeister Philipp Ziegler mit. Rund 1,7 Millionen Mark wird das neue Schulhaus am Südhang an der Wachenbucher Landstraße kosten. Die alte Schule, vor zwölf Jahren errichtet, ist inzwischen schon zu klein geworden. „Die Klassen sind überbesetzt“, berichtete der Bürgermeister. Mehr als 50 Kinder werden in einem Klassenraum unterrichtet.

Die Finanzierung des Schulbaues hat man auf zwei Jahre verteilt. Im letzten Jahr wurden 970.000 Mark bereitgestellt. In diesem Jahr ist der Rest im neuen Etat veranschlagt worden. Etwa ein Drittel der Kosten werden mit einem Darlehen gedeckt. Das Land Hessen zahlte der Gemeinde eine Beihilfe von etwa 350.000 Mark, der Kreis Hanau einen Zuschuß von 17.000 Mark. Aus Steuermitteln wurde die Restfinanzierung bereitgestellt.

Das neue Schulhaus hat zwölf Klassen mit je 60 Quadratmetern und zwei Großraumklassen von je 72 Quadratmetern, sowie einen Mehrzweckraum. Neidisch wird jeder Heimbastler einmal in den Werkraum der Schule sehen, der etwa 60 Quadratmeter groß ist und mit viel Komfort für die kleinen Bastler und Handwerker von morgen ausgestattet wird. Im Schulhaus befindet sich noch eine Fachklasse für Biologie und ein Nadelarbeitsraum und Lehrküche für die künftigen Hausfrauen und Mütter. Den Lehrern wird ein etwa 45 Quadratmeter großer Raum zur Verfügung stehen.

In einem späteren zweiten Bauabschnitt besteht die Möglichkeit, noch einen zweiten Klassentrakt anzubauen. Im Rahmen dieses Bauabschnitts soll dann noch eine Turnhalle und ein Kleinsportplatz angelegt werden.

Ungeklärt ist noch die Frage, wie das vor zwölf Jahren gebaute und noch sehr gut erhaltene alte Schulhaus in Hochstadt am Westrand der Gemeinde genutzt werden kann. In Hochstadt wird erwogen, das alte Schulhaus an den Landkreis Hanau zu verkaufen, der beabsichtigt, dort eine Sonderschule einzurichten. Wie Landrat Voller schon bei den Etatberatungen in Hanau sagte, ist eine dritte Sonderschule für den Kreis Hanau dringend nötig. Gegenwärtig besteht eine Sonderschule in Langenselbold und in Hanau.

 

Mit Zigarette eingeschlafen

Nach einem Umtrunk legte sich in Hochstadt ein 54jähriger Mann in sein Bett, ohne die brennende Zigarette aus der Hand zu legen. Vermutlich ist der Mann eingeschlafen. Die heruntergefallenen Aschenreste entzündeten das Bett. Das sich schnell ausbreitende Feuer griff auch auf die übrige Zimmereinrichtung über. Schließlich konnte der Mann mit Hilfe der Nachbarn den Brand löschen. Wie die Landespolizei in Hanau dazu mitteilt, wurde der Mann von dem zuständigen Amtsarzt untersucht und dann vom Richter in Hanau in eine Trinkerheilanstalt eingewiesen.

 

Hei, die Käwern brummen aber gut                                                                                 1965

Notizen von der großen Fremdensitzung in Hochstadt

Die „Käwern“ können brummen. Diesen Beweis erbrachten sie mit ihrer großen Fremdensitzung am Samstag im neuen Bürgerhaus. Ein übervoller Saal war die Belohnung für die viele Mühe, die sich die Mitglieder der „Käwern bei den Vorbereitungen zur Sitzung gegeben haben. Zahlreiche Abordnungen befreundeter Vereine aus Frankfurt, Hanau und Großauheim halfen mit, das umfangreiche Programm zu gestalten. Als närrische Ehrengäste begrüßte Ministerpräsident Menne Wex das Prinzenpaar aus Großauheim.

Der Tanz der Musketiergarde aus Sachsenhausen war einer der Höhepunkte der großen Fremdensitzung der Hochstädter „Käwern“. Stürmischer Beifall des Narrenvolkes verlangte von den Mädchen eine Zugabe. Im Hintergrund freuen sich die Mitglieder des Elferrats bereits auf ihre obligatorischen Küßchen.

Bis auf den letzten Platz waren der große Saal und die Nebenräume im Bürgerhaus besetzt. Mit ein wenig Verspätung zog der Elferrat ein. Orden und Begrüßungsworte mit den Abordnungen wurden getauscht, und dann wurden Gerlinde I. und Heinz I. unter dem Jubel des Narrenvolkes hereingeführt. In ihrem Gefolge sah man die sieben Gardemädchen, die sich erst vor wenigen Monaten zusammengefunden hatten und, angeleitet von Frau Bühler, einen schwungvollen Tanz einstudiert hatten.

Mit ihm wurde das närrische Programm eröffnet. Hans Rauch verlas dann sein Protokoll, in dem er die Geschehnisse der letzten Zeit kritisch beleuchtet hatte. Er teilte munter nach allen Seiten Hiebe aus und verschonte auch die Dörnigheimer nicht: „Die Maahinkel denken, weil sie Stadt geworden sind, können sie von oben auf uns gucken.“ Dann äußert er sich lobend darüber, daß die Hochstädter Feuerwehr für ihre Oberspritzer einen neuen Flitzer bekommen wird. Im Gegensatz zu seinen Kollegen wagte Rauch eine Prognose, wonach auch Hochstadt bald mit dem Bau einer U-Bahn beginnen wird. Man denke auch an den Bau einer Seilbahn, um die Höhenunterschiede zu überwinden. Bürgermeister Ziegler machte sich während dieses Vortrags eifrig Notizen. Hoffentlich hat der Protokoller keine Geheimnisse ausgeplaudert und muß nun mit einem Verfahren wegen Gemeindeverrats rechnen. Schließlich könnten die „Maahinkel“ den Hochstädtern dann zuvorkommen.

Von den Ungerechtigkeiten im Eheleben berichtete Frieda Helmstädter von der Frankfurter Karnevalsgesellschaft „Narhalla“. Das Hochstädter Gespann Seibel-Mankel wartete wieder als Lehrer und Schulbub auf, wobei der Bub eine wissenschaftlich hochinteressante Definition über Zwillinge von sich gab: „Zwillinge sind Menschen, die Angst hatten, allein auf diese Welt zu kommen.“ Ein Höhepunkt war ohne Zweifel der Tanz der Musketiergarde aus Sachsenhausen. Die ausnahmslos hübschen Mädchen kamen um eine Zugabe nicht herum. Käwernbruder Ferdi Röll berichtete dann von seinen Erlebnissen an seinem letzten Geburtstag. Schließlich kam der dumme August aus Hanau und plauderte manches aus dem schweren Leben eines Beamten aus. Albert Boos hat allerdings auch Gelegenheit, das ganze Jahr über Anschauungsunterricht zu nehmen: er ist nämlich Beamter.

Nach der Pause kam ein Mann vom Fach: Theo Ehatt aus Großauheim erzählte als Reporter, wie man Zeitungen macht. Die Journalisten schrieben eifrig mit, vielleicht konnte mancher von ihnen da noch etwas lernen. Hans Beck aus Hochstadt machte ganz auf doof und Charlie Klein von den Frankfurter „Nordendlern“ wenig später ganz auf blöd. Fritz Hornö, Präsident der Sachsenhäuser Karnevalsgesellschaft, war „nie dabei“, wenn es galt. Marlen Eibelshäuser hatte sich aus einer „Putzfrau“ in eine Krankenschwester verwandelt, doch auch in einem Krankenhaus erlebt man so manche erstaunliche Dinge.

Ein Erlebnis waren die „Triller Girls“ aus Großauheim. Vier Männer mit großen und kleinen Wirtschaftswunderbäuchen hüpften als Ballett über die Bühne und ernteten tosenden Beifall. Den Abschluß bildeten die „Bergspatzen“ aus Sachsenhausen, die frei nach den Mainzer Hofsängern im vielstimmigen Chor Welt- und Lokalgeschehen kritisierten. Mit dem Ausmarsch des Elferrates ging eine vierstündige Sitzung zu Ende, in der fast nie Langeweile aufkam. Die Höhepunkte waren gut verteilt, und nicht nur der Kassierer der „Käwern“ darf mit dieser Sitzung zufrieden sein.

Für die Tanzlustigen war dann die Stunde gekommen. In der Kellerbar ward manches Geständnis geflüstert, und die harten Nüsse ließen sich selbst von Gardemädchen nicht knacken. Als die Letzten nach Hause gingen, krähten die ersten Frühaufsteher unter den Hähnen, doch die Narren hatten für diesen romantischen Augenblick kein Gespür. in ihren Köpfen summten und brummten ganze Schwärme von „Käwern“.

 

Obstbaum-Sehnittkursus                                                                                                   1965

Im Gasthaus Rauch findet heute, Samstag, 13. Februar, 20 Uhr, Jahreshauptversammlung des Obst- und Gartenbauvereins statt. Wie ein Vorstandssprecher mitteilt, findet am 27. Februar ein Obstbaum-Schnittkursus mit Kreisobstbauinspektor Grotemeyer statt. Interessenten treffen sich um 9.30 Uhr im Vereinslokal Rauch.

 

Neue Industriebetriebe für Hochstadt                                                                             1965

Bürgermeister Philipp Ziegler wiedergewählt / Großes Programm

Bürgermeister Philipp Ziegler ist auf die Dauer von zwölf Jahren wiederum zum Ortsoberhaupt der fast 4.000 Bürger großen Ortschaft gewählt worden und sogar einstimmig. Welche Leistungen Hochstadt beim Aufbau auf dem kommunalen Sektor vollbracht hat, bescheinigt auch der Etat, der demnächst im Parlament beraten wird.

Die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung stand in den letzten drei Jahren im Vordergrund der Bemühungen. Zug um Zug wurde aber auch die weitere Ortsentwässerung vorangetrieben und ein Bürgerhaus mit Mehrzweckhalle im letzten Jahr seiner Bestimmung übergeben.

Im Juni vergangenen Jahres tat Bürgermeister Ziegler auch den ersten Spatenstich für einen Schulneubau oberhalb der Wachenbucher Straße am Südhang. Der erste Bauabschnitt der achtklassigen Volksschule mit Nebenräumen, Rektor- und Lehrerzimmer soll noch in diesem Jahr fertig werden, während schon der zweite Bauabschnitt und die Errichtung einer Schulturnhalle geplant ist. Hochstadts Volksschule an der Schulstraße, die erst vor zehn Jahren errichtet wurde, ist schon seit Jahren wieder zu klein. „Das enorme Wachstum unserer Gemeinde konnten wir 1953 noch nicht voraussehen“, sagte Ziegler dazu.

Einen Schicksalstag für Hochstadt nannte der Bürgermeister den Maisamstag im vergangenen Jahr, als das historische Rathaus brannte. Im nächsten Jahr soll das Rathaus innen ausgebaut werden. „Mir schwebt vor, im Rathaus das Heimatmuseum und das Gemeindearchiv einzurichten“, erklärte der Bürgermeister.

Zu den Plänen des neuen Jahres gehört neben der Fertigstellung der Volksschule die Errichtung eines Kindergartens unterhalb der Jägerstraße. Sobald wie möglich soll mit den Erdarbeiten begonnen werden. Der Bürgermeister will sich weiter bemühen, die Feuerwehr schlagkräftiger zu machen. Im Frühjahr soll der Wehr ein neues Löschgruppen-Einsatzfahrzeug übergeben werden.

Das kommunale Aufbauprogramm für die nächsten Monate sieht außerdem den Ausbau der Siedlungsstraßen vor. Ziegler versprach dazu: „In den Neubaugebieten der Gemeinde werden wir ebenso moderne und saubere Straßen bauen, wie sie unsere Bewohner heute im hektischen Verkehr in unserer Ortsmitte finden.“ Um das Steueraufkommen der Gemeinde, dessen Rückgrat die Gewerbesteuereinnahmen sind, zu steigern, bemüht sich Bürgermeister Ziegler, weitere Industriebetriebe in Hochstadt anzusiedeln. Um die Trinkwasserversorgung für alle Zukunft zu sichern, soll noch ein neuer Brunnen erschlossen und dem Ortsnetz angeschlossen werden.

 

Heute wird der Haushaltsplan beraten

Den Haushaltsplan für 1965 werden die Gemeindevertreter in ihrer Sitzung am heutigen Dienstag um 20 Uhr im Bürgerhaus beraten. Auf der Tagesordnung steht ferner die Aufnahme eines Darlehens von einer halben Million Mark für den Straßenbau, die Beschlußfassung über die Aufstellung eines Flächennutzungsplanes, die Umbenennung verschiedener Straßen, der Erlaß einer Satzung zur Beseitigung von Autowracks, die Festlegung der Kosten für die Vatertierhaltung und die Ergänzung der Haus- und Gebührenordnung für das Bürgerhaus der Gemeinde.

 

Straßenbauprogramm verabschiedet

Verabschiedet haben die Gemeindevertreter das Straßenbauprogramm für 1965. Gleichzeitig wurde damit beschlossen, ein Darlehen von einer halben Million bei der Hessischen Landesbank in Frankfurt aufzunehmen. Die Bedingungen zu 6,25 Prozent Zinsen, ein Prozent Tilgung bei 95prozentiger Auszahlung wurden zwar nicht sehr erfreut vom Parlament zur Kenntnis genommen, jedoch akzeptiert. Das Straßenbauprogramm sieht neben dem Ausbau der Spessartstraße noch den Neubau der Vogelweidstraße (32.000 Mark), Wiesenstraße (26.800 Mark), Waldstraße (23.000 Mark), Thingstraße (52.000 Mark), Friedrich-Ebert-Straße (67.600 Mark), Floßgrabenstraße (25.200 Mark), Eugen-Kaiser-Straße (21.100 Mark), Rüsterstraße (25.900 Mark), Forststraße (29.100 Mark), Kalkhausstraße (50.800 Mark), restlicher Wellenpfad (11.000 Mark), Sandstraße (30.000 Mark) und restlicher Maulbeerweg (28.900 Mark) vor. Mit den Bauarbeiten soll schon im März begonnen werden, sobald der Frost abgeklungen ist.

 

Käwer ziehen alle Register des Humors                                                                            1965

Hochstadts Karnevalisten: Toller als toll und närrischer als närrisch!

Alles was bisher an Narretei und Ausgelassenheit in Hochstadt geboten wurde, will die Karnevalsgesellschaft „Käwer“ in den nächsten närrischen Wochen übertreffen. Im Bürgerhaus ließen sich die Karnevalisten mit ihrem Ministerpräsidenten Menne Wex an der Spitze einmal in die Karten, in ihren prall gefüllten Terminkalender für Frohsinn und Freude blicken. In der Fremdensitzung am 23. Januar um 20.11 Uhr werden Vollblutnarren aus Hanau und Frankfurt aufmarschieren. Selbstverständlich werden auch die Garden hübscher Mädchen dabei nicht fehlen. Erstmals wird die Hochstädter Karnevalsgesellschaft an diesem Tag ihre Prinzengarde vorstellen.

Gegenwärtig absolvieren die Mädchen der Garde ein hartes Training. Zweimal in der Woche treffen sie sich zusammen mit Sportlehrerin Ingrid Bühler, um in den nächsten Wochen exakte Märsche auf das Parkett legen zu können. Die neun junge Damen zählende Garde wird von Kommandeuse Margit Schmitt angeführt. Im Verlauf der nächsten Jahre soll die Garde auf die närrisch runde Zahl elf ergänzt werden, erzählte uns Menne Wex.

Die Mehrzahl der Narren, die am 23. Februar während der Fremdensitzung von zwei jungen Zeremonienmeisterinnen in die Bütt geleitet werden, kommt aus den linksmainisehen närrischen Hochburgen. So werden sich Narren aus Großauheim, Sachsenhausen, von den Biebricher Meckes, aber auch aus Hanau vom HCV und von den Frankfurter Nordendlern vorstellen. Der närrische Protokoller stammt aber aus Hochstadts Mauern. Ihm werden noch fünf andere Hochstädter Glossisten und Narren folgen, darunter wird auch ein herzerquickendes Zwiegespräch in echt Hochstädter Mundart zu finden sein.

Für die Bühnendekoration scheut man keine Kosten, erzählte uns Ältestenrats-Mitglied Albert Geis. Schon seit Wochen bastelt er mit seinen Karnevalskollegen am Aufbau. Das Prinzenpaar wird eine gesonderte Loge bekommen. Über dem Elf errat wird die Garde thronen, wenn ihnen ihre Kommandeuse Margit Schmitt eine Verschnaufpause einräumt. Das närrische Paar, Heinz Jost (21 Jahre) und seine Lieblichkeit Gerlinde Müller (21 Jahre), werden sich als Prinz Heinz der I. von Strippenziehershausen, Fürst von der Ankerwickelburg, und Prinzessin Gerlinde die I., Gräfin von Bergen zu Enkheim, vorstellen. Das Geheimnis ihrer närrischen Namen ist: Heinz Jost ist Elektriker und versteht sich gut im Ankerwickeln. Prinzessin Gerlinde ist kein Hochstädter Mädel, sondern kommt aus dem benachbarten Bergen-Enkheim, um in Hochstadt die närrischen Männerherzen zu betören.

Zu dem Terminkalender der Hochstädter Narren: Schon am 9. Januar werden sie mit von der Partie sein bei einer närrischen Veranstaltung des Hanauer Carnevalzugvereins in der Hanauer Dunlophalle. Eine Woche später, am 16. Januar, wird man beim Sturm auf das Rathaus in Großauheim mitwirken. Eine Woche nach ihrer Sitzung laden die „Käwern“ am 30. Januar zu einem Maskenball im Bürgerhaus ein. Gleichzeitig wird eine Abordnung des Vereins in Sachsenhausen bei einer närrischen Sitzung vertreten sein.

Eine Ruhepause wollen sich die Narren am 6. Februar gönnen. Eine Woche später wird man aber wieder alle Register des Humors ziehen und zwar bei der Fremdensitzung ihres befreundeten Vereins in Großauheim. Am 20. Februar werden die Hochstädter auf zwei Veranstaltungen tanzen müssen. Einmal bei ihrem eigenen närrischen Treiben und zum gleichen Zeitpunkt bei den Nordendlern im Zoogesellschaftshaus in Frankfurt. Die Karnevalssaison schließt in Hochstadt mit einem Kinderkostümfest am 28. Februar und dem Kehraus am Abend des 2. März. Am Nachmittag dieses Tages wird man sich am närrischen Zug in Hanau beteiligen. Hoffentlich haben sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht die Narren heiser gerufen. Das helle „Helau“ soll nämlich die Stimmbänder arg strapazieren.

 

Aus Gassen wurden Straßen

In der Sitzung am Dienstagabend benannten die Gemeindevertreter mit einstimmigem Beschluß die Rüstergasse in Rüsterstraße, die Forstgasse in Forststraße und die Floßgrabengasse in Floßgrabenstraße um. Gemindevertretervorsteher Lotz: „Diese Gassen werden in diesem Jahr zu sauberen Straßen ausgebaut. Für eine Gasse sind diese Straßen zu breit.“ Die Gemeindevertreter setzten außerdem die Umlage für die Vatertierhaltung fest. Den Einnahmen von 4.728,50 Mark stehen Ausgaben von 5.197,30 Mark gegenüber. Die Rindviehzüchter sollen je Tier eine Umlage von 19 Mark für das vergangene Jahr zahlen.

 

Hochstadts Rathaus ersteht neu                                                                                       1965

Der Haushaltsplan 1965 einstimmig verabschiedet

Über eine erfreuliche Entwicklung der Gewerbesteuereinnahmen berichtete Bürgermeister Philipp Ziegler in der letzten Sitzung des Jahres 1964 vor dem Hochstädter Gemeindeparlament. Mehreinnahmen von 61.436 Mark gab der Bürgermeister bei den Beratungen um den Nachtragshaushaltsplan beim Ansatz der Gewerbesteuer bekannt. Ziegler stellte auch für das Jahr 1965 eine weitere Steigerung der Gewerbesteuereinnahmen in Aussicht.

Um mehr als 7.000 Mark sind auch die Einnahmen aus der Grundsteuer B angestiegen. Der Bürgermeister begründete dies mit dem Ablauf der zehnjährigen Grundsteuerbefreiung von Neubauten in der Gemeinde. Vom Land Hessen wurden zusätzliche Beihilfen von 15.000 Mark eingenommen. Eine weitere Beihilfe von 20.000 Mark wird noch im Frühjahr aus Wies­baden eingehen. Ausgeglichen schließt der Etat des Gemeindewaldes ab. Durch Mehreinschlag und bei guten Holzqualitäten wurden 12.000 Mark beim Verkauf mehr erzielt als im Etat eingeplant. Andererseits sind aber auch die Kosten im Gemeindewald für die Aufforstung gestiegen. Die steigende Einwohnerzahl in den letzten Monaten in Hochstadt brachte für die Gemeinde auch erhöhte Einnahmen an Kanalbenutzungsgebühren von rund 6.000 Mark.

 

Auf der Ausgabenseite des ordentlichen Etats haben sich nach Mitteilung von Bürgermeister Ziegler durch Lohn- und Gehaltserhöhungen und Einstellung von zwei Arbeitskräften bei den Gemeindewerken die Aufwendungen für die Gemeindeverwaltung beträchtlich erhöht. Ferner muß die Gemeinde knapp 10.000 Mark mehr an Kreisumlage zahlen, als im Etat zunächst angesetzt waren. Der Bürgermeister hob hervor, daß sich die günstige Entwicklung der Gewerbesteuer hier wiederum für die Gemeinde ungünstig auswirke. Zu den nicht eingeplanten Ausgaben zählt auch der Ankauf eines Flügels für das Bürgerhaus, die Anschaffung eines Streugerätes für ein Allzweckfahrzeug und verschiedene Anschaffungen für den Kindergarten.

Im Rahmen des außerordentlichen Haushalts konnte Hochstadt 120.000 Mark an verlorenen Zuschüssen aus der Schuldendiensthilfe für die weitere Kanalisation einnehmen und verplanen. Die Mehrausgaben im Straßenbau von 78.475 Mark wurden mit Beihilfen und ordentlichen Haushaltsmitteln gedeckt. Für den Schulneubau wurden noch 50.000 Mark an Fremdgeldern in Reserve gehalten, die man im kommenden Jahr für einen weiteren Grundstücksankauf benötigen wird. Mit einem Darlehen wurden die Kosten für den Grundstückserwerb zum Bau einer Kindertagesstätte gedeckt, die im Frühjahr südlich Hochstadts errichtet werden soll.

Rund 18.000 Mark kostete bisher der Wiederaufbau des historischen Rathauses in der Ortsmitte. Im Sommer dieses Jahres brannte das jahrhundertealte Fachwerkbauwerk nieder. Bisher wurden für die neue Dachstuhlkonstruktion mit Schindeln 18.000 Mark ausgegeben. Wie Bürgermeister Ziegler vor dem Gemeindeparlament sagte, hat die Hessische Brandversicherungsanstalt 44.500 Mark zum Wiederaufbau bewilligt. Mit eine Aufwand von etwa 7.000 Mark wurde das Versorgungsnetz der Trinkwasserleitungen erweitert.

Der vom Gemeindeparlament einstimmig verabschiedete Haushaltsplan schließt im ordentlichen Teil mit 994.886 Mark ausgeglichen ab. Der außerordentliche Etat nennt Einnahmen und Ausgaben von je 2. 065.400 Mark. Der Nachtrag liegt im Rathaus zur Einsichtnahme aus.

 

 

 

 

 

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Geschichte Hochstadts in neuerer Zeit  2010 bis 2016 (Materialsammlung)

 

 

Ab 1974 liegt eine „Geschichte der Stadt Maintal“ vor (unter „peterheckert.de“).

Von 1991 bis 2009 liegt eine Sammlung sämtlicher Zeitungsartikel vor.

 

2010

 

Stadt wartet auf die Fördermittel des Landes                                                     07.05.2010

Weiterführung des Radwegs unterhalb des Höhl-Geländes

Nicht zuletzt durch die Erarbeitung eines Fuß- und Radwegekonzepts im Rahmen des Stadtleitbild-Prozesses sind die Zustände und Streckenführungen der Radwege in Maintal Gesprächsthema. Auch der Tagesanzeiger wurde kürzlich auf die nicht ganz ungefährliche Verkehrssituation im Zusammenhang mit dem Radweg zwischen Hochstadt und Wachenbuchen aufmerksam gemacht. Denn dieser mündet unterhalb des Neubaugebiets des ehemaligen Höhl-Geländes direkt auf die Straße. Gerade für Fahrradfahrer, die in Richtung Wachenbuchen unterwegs sind, kann es kritisch werden, wenn diese auf Höhe der Verkehrsinsel zwei Fahrspuren kreuzen müssen, um von der Straße auf den Radweg zu wechseln.

Auch bei der Stadt ist diese unhaltbare Situation längst bekannt, gibt es konkrete Planungen, um den Zustand zu beheben: Der Radweg soll künftig unterhalb des Neubaugebiets weiterführt werden. „Dies soll im Zusammenhang mit der Verlagerung der Bushaltestelle geschehen, für die derzeit ein Provisorium in der KonradHöhl-Straße eingerichtet ist“, berichtet Erster Stadtrat Ralf Sachtleber. Die Haltestelle für die Linien 22 und 25 soll dann in der Wachenbucher Straße unterhalb des Neubaugebiets eingerichtet werden. „Wir haben für diese Maßnahme bereits Fördermittel über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz beantragt, aber zunächst einen abschlägigen Bescheid erhalten“, so der Erste Stadtrat weiter.

In dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) ist geregelt, dass vom Bund über die Länder an die Gemeinden und Verkehrsbetriebe jene Projekte förderfähig sind, die der Verbesserung der Verkehrssituation dienen. „Wir stehen weiterhin auf der Warteliste, weil erwartungsgemäß Mittel zurückkommen“, ergänzt Sachtleber. Eine Realisierung der Planungen ist allein mit dem Zuschuss möglich, der rund 60 Prozent der förderfähigen Kosten umfasst.

 

Breites musikalisches Spektrum                                                                           10.07.2010

Dr. Rudolf Keim ist seit 28 Jahren als Chorleiter der Sängervereinigung Hochstadt aktiv

Dass Dr. Rudolf Keim in diesem Jahr bereits seinen 80. Geburtstag feiert, sieht man dem Chorleiter der Sängervereinigung Hochstadt wahrlich nicht an. Zweifellos trifft auf den aus der Wetterau stammenden Doktor der Chemie, der am Max- Planck-Institut in Frankfurt tätig war, der Satz „Musik hält jung“ zu. Rudolf Keim leistet seit nunmehr 28 Jahren mit seiner Sängerschar hervorragende Arbeit. Das unterstrich der Chor der Sängervereinigung zuletzt beim Maintaler Liederabend im vergangenen April im Dörnigheimer EGZ.

Musik hat in Rudolf Keims Leben schön immer eine wichtige Rolle gespielt. Er wuchs im heutigen Nidderauer Stadtteil Erbstadt auf. Zur Schule ging er in Friedberg, wo er auch sein Abitur absolvierte. Bereits in jungen Jahren lernte er das Klavierspielen.

 

Nach 1945 erlebte der Schlager im Nachkriegsdeutschland langsam seine Blütezeit, da die Menschen nach den Jahren der Entbehrung „geradezu vergnügungssüchtig waren“, wie sich Rudolf Keim erinnert. Und er selbst hatte auch ein besonderes Faible für diese Musik. Oft ging er in ein Lokal in Erbstadt, das auch über einen Saal verfügte. „Und dort stand ein Klavier, an das ich mich eines Tages setzte und Schlager spielte wie zum Beispiel ,Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt' oder auch ‚Du bist die Rose vom Wörthersee‘,“ erzählt Keim durchaus mit ein wenig Nostalgie in der Stimme.

Das hat die Besucher des Saals so begeistert, dass sie Rudolf Keim baten, dort regelmäßig zu spielen. So konnte er sich mit 16, 17 Jahren auch ein wenig Geld verdienen. Die Begeisterung bei seinen Zuhörern war einmal sogar so groß, dass sie ihn versehentlich mit Bier überschütteten. Rudolf Keim ist auf dem musikalischen Sektor stets ein Autodidakt gewesen, brachte er sich zum Beispiel die Harmonielehre selbst bei. Und auch das Leiten eines Chores lernte Keim vor allem in der Praxis, ohne größere Kurse besucht zu haben. Allerdings profitierte er auch viel von dem Hochstädter Lehrer Paul Henkel, der neben seiner Tätigkeit in der Schule die Orgel in der evangelischen Kirche spielte und Rudolf Mut machte, die andere Hälfte des Orgeldienstes zu übernehmen. Rudolf Keim sagte zu und spielt nun bereits seit über 50 Jahren die Orgel in der evangelischen Kirche Hochstadt.

Sein musikalisches Interesse war schon immer breitgefächert. Neben den Schlagern entdeckte er in den vierziger Jahren bald Jazz und Dixieland für sich, die in Fried berg durch die stationierten US-amerikanischen Soldaten eine Hochburg hatten. „Boogie-Woogie“ und Gersh­wins „Rhapsodie in Blue“ hatten es dem jungen Schüler ebenfalls besonders angetan. Und auch Gospelsongs und Spirituals fanden sein Interesse, denn das Singen war neben dem Klavierspielen für den jungen Rudolf besonders wichtig. Da ihm außerdem die klassische Musik nicht verschlossen blieb, entwickelte sich eine bemerkenswert breite musikalische Basis, von der die Sängervereinigung Hochstadt bis heute sehr profitiert.

 

Kirchenchor in Bischofsheim geleitet

In das damals eigenständige Hochstadt zog die Familie Keim 1949, weil Rudolfs Vater August Keim als Lehrer dorthin versetzt wurde. Bis 1965 lehrte er in der damaligen Volksschule. Sein Sohn Rudolf Keim schloss sich im Jahr 1956 der Sängervereinigung an, die damals noch ein reiner Männerchor gewesen ist. Dann kam Anfang der sechziger Jahre die Anfrage, ob er den Kirchenchor der evangelischen Kirchengemeinde Bischofsheim leiten könnte. Rudolf Keim sagte zu und hatte an dieser Aufgabe sehr viel Freude. Doch dachte er damals in keiner Sekunde daran, dass er einmal die Sängervereinigung als Chorleiter übernehmen würde.

Beiden Bassisten des Hochstädter Chores war Rudolf Keim eine wichtige Unterstützung, und er fühlte sich in dem Verein schnell sehr wohl. Da er als Leiter des Kirchenchores in Bischofsheim Erfahrungen als Dirigent hatte, sprang er auch in Hochstadt ab und an ein, wenn der etatmäßige Chorleiter verhindert war. Als dieser dann Ende 1981 aufhörte, fiel die Wahl der Nachfolge auf Rudolf Keim. „Zunächst war dies aber nur übergangsweise vorgesehen. Dann jedoch lief es so gut, dass ich dieses Amt nun schon seit über 28 Jahren ausübe. Die Arbeit mit den Sängerinnen und Sängern hat mir immer viel Freude bereitet“, ist Rudolf Keim für die vergangenen Jahre sehr dankbar.

 

Da er nun in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, möchte er das Amt des Chorleiters an einen jüngeren Dirigenten übergeben. Wenn ein Nachfolger gefunden ist, will der Hochstädter seine Sängervereinigung wieder gesanglich unterstützen. Man kann sich also schon auf den Bassisten Rudolf Keim freuen.

Für seine Frau Burglind und ihn ist die Sängervereinigung Hochstadt wie eine große Familie. Geselligkeit und schöne Ausflüge gehören zu diesem Vereinsleben genauso dazu wie die Chorproben und die Auftritte. Mit Freuden blickt Rudolf Keim dabei auch auf das vergangene Jahr zurück, als der Verein sein 150-jähriges Bestehen feierte. Im Jubiläumskonzert im November 2009 begeisterte der Chor wieder mit einem mitreißenden Konzert. Dr. Rudolf Keim bewies dabei erneut, dass er ein „Händchen“ dafür hat, die Kompositionen dem Können seiner Sänger entsprechend auszusuchen. „Es hat doch keinen Sinn. einen Chor mit zu schweren Werken zu überfordern. Wer singt, muss daran doch vor allem Freude haben“, ist Rudolf Keim überzeugt. Zugleich weiß er, wie schwierig es heute ist, jüngere Menschen für den Chorgesang zu begeistern. Dennoch ist er sicher, dass es immer Menschen geben wird, für die Musik und Singen ganz wichtig sind. So wie für ihn selbst.    

Die Sängervereinigung, die morgen um 10 Uhr den Gottesdienst in der evangelischen Kirche Hochstadt musikalisch gestaltet,  hat ihre Chorproben donnerstags ab 20 Uhr im Bürgertreff Moosburger Weg 12 (neben der Kita).

 

Stabwechsel beim Posaunenchor                                                                         12.07.2010

Der langjährige Leiter Hermann Langheinrich wurde gestern feierlich verabschiedet

Eine Ära geht zu Ende: Nach 43 Jahren als Leiter des Hochstädter Posaunenchores verlässt Hermann Langheinrich die Bühne und übergibt die Leitung in die Hände von Moritz Mainusch.

Mit einem zweieinhalbstündigen Festakt hat der Evangelische Posaunenchor Hochstadt gestern Vormittag auf der Kerb seinen Gründer und Dirigenten Hermann Langheinrich feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Zum Abschied flossen nicht nur bei Langheinrich selbst die Tränen, sondern auch bei zahlreichen langjährigen Weggefährten. Der ehemalige Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde übergab den Dirigentenstab nach 43 Jahren in die jüngeren Hände von Moritz Mainusch, der den Bläserchor in die Zukunft führen wird.

 

„Die Kerb in Hochstadt ist in diesem Jahr einer ganz besonderen Person gewidmet - nämlich dem Gründer, Leiter und Macher dieses Vereins, begrüßte Moderator Willi Strohl das Publikum im Festzelt. Unter den Gästen waren Erster Stadtrat Ralf Sachtleber und Musiker des Kreisverbandes der Posaunenchöre, die Langheinrich zum letzten Auftritt die Ehre gaben. Doch so ganz wegblasen konnte der Posaunenchor die Probleme, die es im Vorfeld um seinen Dirigenten gegeben hatte, nicht. Durch den Abschied von Langheinrich wurde zum ersten Mal nach 36 Jahren auf einen Zeltgottesdienst verzichtet. „Gerne hätte der Posaunenchor noch einen Kerbgottesdienst mitgestaltet“, sagte Strohl mit Blick auf die Verantwortlichen der Kirchengemeinde.

Erster Stadtrat Ralf Sachtleber blickte zurück: Angefangen mit acht Bläsern, die zunächst als Un­ter­stützung für die Kirchenmusik dienten, habe sich der Posaunenchor Hochstadt mit mehr als 100 aktiven Bläsern bis heute zu einem der größten Hessens entwickelt. Sachtleber betonte, dass der Posaunenchor aus Maintal nicht mehr wegzudenken sei. „Sie haben viele Hochstädter für das gemeinsame Musizieren begeistert. Der Posaunenchor hat das kulturelle Leben in Hochstadt und in Maintal geprägt. Vielen Dank für das, was Sie geschaffen haben“, so Sachtleber.

Der ehemalige Pfarrer und Festredner Klaus Arnold aus Schlüchtern unterstreicht die Bedeutung und Nachhaltigkeit der Bläsermusik. Schon im Alten Testament habe das Volk Israel mit Posaunen und Trompeten Stadtmauern zum Einsturz gebracht, erinnerte Arnold. „Die Blasmusik hat eine grenzüberschreitende und umwerfende Wirkung“, sagte der Pfarrer. Im Orchester sitze der Landwirt neben dem Professor oder der Schüler neben dem Rentner. Die Rücksicht und das Miteinander sei das Entscheidende, um in einem Orchester ein gutes Ergebnis zu erzielen. Diese Prägung sei in Hochstadt besonders zu verspüren, so Arnold.

 

Ernennung zum Ehrenpräsidenten

Auf Gemeinschaft legte Langheinrich während seiner 43-jährigen Tätigkeit auch viel Wert. Er organisierte Chorfahrten bis nach Kroatien, Skifreizeiten nach Südtirol und veranstaltete jährlich eine Chorfreizeit für Jugendliche. „Die Bläserarbeit ist die vitalste Arbeit im Gemeindeleben, die auch junge Menschen begeistert. Unterstützen Sie wo immer Sie können. die Bläsermusik“, schloss Arnold seine Festrede. Gründungsmitglied Stroh erinnerte noch einmal

an die Verdienste Langheinrichs. Mehr als 1000 Jugendliche habe Langheinrich während seiner aktiven Zeit an Instrumenten ausgebildet. Den damaligen Kirchenvorstand musste er erst überreden, für 5.000 Mark acht Instrumente zu kaufen. „Wer schon nicht singen kann, der soll wenigstens ein Instrument lernen“, war Langheinrichs Überzeugung. Und sehr schnell fanden sich auch Hochstädter Jugendliche, die Spaß am Blasen hatten. Nach festlichen Klängen und seinem letzten Auftritt als Chorleiter übergab Hermann Langheinrich den Dirigentenstab offiziell an seinen Nachfolger Moritz Mainusch.

Der erste Vorsitzende des Posaunenchores Hochstadt, René Kröller, dankte seinem Chorleiter für sein jahrzehntelanges Engagement und überreichte ihm zwei Karten für die Oper Nabucco von Giuseppe Verdi. Außerdem erhielt er einen Präsentkorb und ein Gruppenbild der Nachwuchsbläser. Der neue Vorstand des Posaunenchors ernannte Langheinrich zum Ehrenpräsidenten. „Andere bauen das Fundament, was du gelegt hast, jetzt weiter“, sagte Kröller. Geschenke brachte auch der Kreisverband der Posaunenchöre mit. Sie dankten Langheinrich für seine Arbeit mit einer Plakette, einem Schild und einem Bembel mit zwölf Bechern. Jeder Becher stand symbolisch für einen Bläserchor aus dem Kreisvorstand und war mit dem entsprechenden Schriftzug gekennzeichnet. Langheinrich selbst verabschiedete sich mit knappen Worten und Tränen in den Augen: „Ich habe immer nur meine Pflicht getan und wünsche dem Verein alles erdenklich Gute.“ Die musikalische Bühne hat Langheinrich mit dem gestrigen Tag allerdings nicht ganz verlassen. Er bleibt dem Orchester weiter als Trompeter erhalten. „Wenn Not am Mann ist, springt er auch mal als Dirigent ein“, so der erste Vorsitzende René Kröller.

 

Aus für die Westernranch                                                                                      02.08.2010

Klaus Karau verlässt nach 50 Jahren Hochstadt - Ärger mit der Stadt

Hunderte von Fotos und Zeitungsartikeln zupft Klaus Karau aus einem Aktenkoffer. Seine letzte Erinnerung an den Stadtteil, der 50 Jahre seine Heimat war. Klaus Karau ist bekannt und die Hochstädter kennen ihn: als Weihnachtsmann mit dem Esel „Emil“, der auf dem Hochstädter Weihnachtsmarkt für glänzende Kinderaugen sorgte, als Kutscher bei Kindergeburtstagen und Hochzeiten, als Cowboy mit eigener Ranch und als jemand, der sich mit Leidenschaft für Kinder und den Stadtteil eingesetzt hat. Tränen kommen ihm in die Augen, wenn er von den vergangenen Jahrzehnten erzählt. Jetzt muss er sich von den Hochstädtern verabschieden. Zum 1. September verlässt Karau seine Wahlheimat und zieht nach Bad Soden- Salmünster. Sein idyllisches Anwesen in der Schützenstraße an der alten Stadtmauer hat er aus Frust verkauft. Verbittert sagt er: „Die Stadt hat mich weggejagt!“

Hintergrund sind Auseinandersetzungen um Karaus „Happy Horse Ranch“ in der Nähe der Ringmauer, die der Stadt seit Jahren ein Dorn im Auge ist. Im jahre 1970 hat er dort einen Western- und Country Club errichtet. Eine Ranch mit Saloon, Tieren und dem klassischen Westernambiente. Rund 40 Jahre lang war sie ein bebeliebter Treffpunkt für Western- und Countryfreunde aus der Region, in Ausflugsbroschüren als Tipp empfohlen. Zu Hochzeiten war die Ranch Heimat für 15 Ponys, zehn Pferde, einen Esel, Hühner, Lama, Ziegen und Affen.

Vor zwei Jahren wollte er seine Ranch nahe der Ringmauer noch einmal sanieren. Doch das Bauamt stoppte das Vorhaben und erließ zuletzt sogar eine Abrissverfügung. Karau versteht die Welt nicht mehr: Fast 40 Jahre wurde sein Anwesen geduldet, ohne dass die Behörden einschritten. „Die jetzige Behörde ist nicht mehr bürgernah. Das ist alles unpersönlich geworden“, wirft er der Stadt vor. Zuviel werde vom Schreibtisch entschieden, ohne das Gespräch mit den Betroffenen zu suchen, meint Karau.

Maintals Erster Stadtrat Ralf Sachtleber bestätigt die Abrissverfügung gegen Karaus Ranch. Sachtleber argumentiert, dass die Hütte nicht nur saniert, sondern erweitert worden sei. Außerdem sei die Anlage kein Ort für Vereinsveranstaltungen. „Das ist an dieser Stelle nicht erlaubt“, so Sachtleber. Akzeptiert werden nur Gartenhütten. Allerdings gibt es für das Gebiet auch keinen Bebauungsplan. Die Abrissverfügung verteidigt er: „Wenn wir bei Herrn Karau nicht so genau hinschauen, müssen wir bei anderen auch Ausnahmen machen. Wir wollen in das Gebiet einen roten Faden reinbekommen“, so Sachtleber.

Karau beruft sich dagegen auf das Gewohnheitsrecht. „Dann hätte die Stadt nicht 40 Jahre die Ranch dulden dürfen“, sagt er. Von seinen Veranstaltungen und von der Ranch profitierte aber auch die Stadt Maintal. Vielen Hochstädtern ist die Western- und Countrykerb 1987 als beste Kerb aller Zeiten in Erinnerung geblieben. Unvergessen ist in Maintal auch das große „Truck & Country-Festival 89“ auf dem Dörnigheimer Festplatz am Bahnhof. Die besten der Countryszene, wie Gunther Gabriel, Truck Stop und Tom Astor spielten dort. „Auf der einen Seite waren meine Aktionen die Highlights von Hochstadt, auf der anderen Seite werden mit Knüppel zwischen die Beine geworfen“, so Karau.

Mit dem Weggang von Klaus Karau verliert Hochstadt eine Persönlichkeit und einen Höhepunkt auf dem Weihnachtsmarkt. Denn den Weihnachtsmann mit der liebevoll geschmückten Kutsche wird es nicht mehr geben. Ebenso den Western- und Country-Club. Der Saloon nahe der alten Ringmauer wird abgerissen. Rund 20.000 Euro muss Klaus Karau dafür nochmal aufbringen. Die Hochstädter Bürger und vor allem die Kinder sind ihm aber so ans Herz gewachsen, dass der 69-Jährige doch nicht ganz „tschüss“ sagen kann: Karau wird weiterhin mit Esel „Emil“ als Weihnachtsmann Kinder in Hochstadt glücklich machen [Man muß objektiv sagen, daß die Ranch nicht nur optisch wenig anziehend war, sondern daß auch die Tiere dort auf engstemRaum nicht artgerecht gehalten wurden].

 

Außenfassade in cremeweiß und rot                                                        19.08.2010

Neue Farbgebung für das Bürgerhaus in Hochstadt

Das Bürgerhaus in Hochstadt hat in den vergangenen Tagen seinen finalen Anstrich erhalten. Die Außenfassade strahlt in der neuen Farbgebung cremeweiß und rot. Das Gebäude wird nun noch einen großen Schriftzug „Bürgerhaus Hochstadt“  auf der Parkplatzseite und eine kleinere Variante am Eingang erhalten, um die Orientierung für Auswärtige zu erleichtern sowie die Fassadengestaltung aufzulockern. Gleichzeitig laufen noch Arbeiten im Foyer. darunter der Einbau einer behindertengerechten WC-Anlage.

Rund 1,4 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket des Landes Hessen haben der Stadt Maintal die Sanierung des Bürgerhauses Hochstadt ermöglicht. Errichtet wurde das Gebäude in den sechziger Jahren. Nicht nur energetisch war die Einrichtung sanierungsbedürftig, auch die technische Ausstattung war überholt. Die beauftragten Firmen nutzten die Sommerferien, in denen das Haus komplett geschlossen blieb, und gestalteten unter anderem die Außenfassade neu und sorgten für eine insgesamt moderne Dachfläche.

In vollem Gange sind die Arbeiten am Bürgerhaus Hochstadt auch im Inneren. Der Eingangsbereich des Gebäudes hat bereits - ähnlich wie in der Bücherei Dörnigheim und im Maintalbad - anstelle der bisherigen Flügeltüren eine Automatiktür erhalten. „Die Barrierefreiheit war einer der wichtigsten Punkte bei den Umbauten“, erklärt Herbert Begemann, Geschäftsführer der Stadthallen GmbH. Künftig können also auch Rollstuhlfahrer ohne Hilfe den Eingang zum Bürgerhaus benutzen. Dies war bisher nicht möglich. Der Saal und andere innen liegende Räume wurden - bis auf die Fensterfronten - nicht verändert.

Die Maintaler Vereine können mittlerweile Zug um Zug das Bürgerhaus wieder für ihre Aktivitäten nutzen. Daher wird es eine Neueröffnung zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht geben. „Bis alle Arbeiten abgeschlossen sind, wird es Oktober werden. Das entspricht auch dem ursprünglichen Zeitplan“, so Begemann, der sich mit dem Verlauf der Arbeiten zufrieden zeigt. Bis Oktober sei allerdings auch noch viel zu tun.

Im Anschluss an die Arbeiten am Bürgerhaus Hochstadt gehe es in ähnlichem Umfang an das Bürgerhaus in Wachenbuchen, teilt Herbert Begemann mit. Dort sollen vergleichbare Maßnahmen erfolgen, allerdings in kleinerem Umfang. Das Dach des Gebäudes wurde bereits in den vergangenen Jahren saniert, auch die Fenster im Saal wurden schon ausgetauscht. Nun sollen die übrigen Räume ebenfalls neue Scheiben erhalten. Die Fensterfront in den Lagerräumen soll komplett entfallen und durch Oberlichter ersetzt werden. Die auffälligste Veränderung dürfte der Anbau eines Umkleide- und Sanitärtraktes an der Westseite des Bürgerhauses sein. Die Kegelbahn im Keller wird dagegen ersatzlos abgebrochen. Weil die Kosten von rund 1,2 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket kommen, müssen die Arbeiten bis Oktober 2011 abgeschlossen sein.

 

Hessischer Verdienstorden für Kurt Denk                                                            20.08.2010

Ungewöhnliches Engagement kann auch eine außergewöhnliche Ehrung beinhalten. „Unser Land und unsere Gesellschaft brauchen Menschen, die ihr Wissen, ihr Können und ihr Tun zum Wohle der Allgemeinheit einsetzen2, leitete Ministerpräsident Roland Koch (CDU) gestern in der Staatskanzlei zu Wiesbaden eine festliche Feierstunde ein, in deren Mittelpunkt acht Persönlichkeiten aus den verschiedensten Bereichen standen, die mit dem Hessischen Verdienstorden die höchste Auszeichnung des heimischen Bundeslandes ausgehändigt bekamen. Unter ihnen befand sich auch der Maintaler Unternehmer und ehemalige deutsche Ironman-Präsident Kurt Denk (rechts), dem Roland Koch auch für seinen entschiedenen Kampf gegen das Doping im Sport dankte. Die Frankfurter Sparkasse Ironman Europameisterschaft bezeichnete der Ministerpräsident als „unverrückbares Markenzeichen für die Mainmetropole und die Region“, Denks Aufbauarbeit hob er als „gigantische unternehmerische Leistung“ hervor Ein ausführlicher Bericht folgt in der Samstagsausgabe.

Als Roland Koch auf Kurt Denk zu sprechen kam, rief er die erste persönliche Begegnung in lebhafte Erinnerung. „Es war während einer Klausurtagung in Hanau. Ich war zwar vorgewarnt, hatte aber keine Ahnung.“ Was sich ändern sollte. Denn nachdem ihm Denk seine Vorstellungen vorgetragen und damit einhergehende Probleme erörtert hatte, schloss sich der Ministerpräsident mit Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth kurz und segnete die Sache schließlich ab. Längst ist aus dem Laien Roland Koch ein Ironman-Fan und Startschuss-Experte geworden, längst haben Hochachtung und Respekt eine distanzierte Haltung abgelöst. Was auch die schriftliche Einladung in die Staatskanzlei verdeutlichte: „Es ist Ministerpräsident Roland Koch ein besonderes Anliegen, Ihnen die Auszeichnung persönlich zu überreichen.“

In seiner Laudatio bezeichnete Roland Koch den in Dörnigheim geborenen und in Hochstadt wohnenden Kurt Denk als „Vater und Gestalter eines unverrückbaren Markenzeichens für Frankfurt und die Region.“ Auch würdigte er eine „gigantische unternehmerische Leistung“, vergaß in diesem Zusammenhang nicht, den im Hintergrund wirkenden Mitstreitern und Helfern zu danken. Die höchste Auszeichnung des Landes gelte ihnen daher ebenso wie Familie und Freunden.

Der Ministerpräsident weiter: „Sie haben es vom ersten Moment an verstanden, mit viel Weit­blick und logistischem Verständnis eine zukunftsfähige Großveranstaltung mit vielen Sponsoren und Helfern zu konzipieren, die im Ergebnis das Rhein-Main-Gebiet nicht nur sportlich und wirtschaftlich bereichert, sondern auch einen Großteil der Einwohner mit einbezieht.“ Sowohl der Ironman in Frankfurt als auch jener in Wiesbaden hätten längst nicht nur einen nationalen, sondern auch einen internationalen Stellenwert erreicht.

Auch auf das soziale Engagement des ehemaligen Ironman-Präsidenten kam Roland Koch zu sprechen. So spende Denk aus weiteren Wettbewerben wie „Ironkids“ oder „NightRun“ die Erlöse aus den Startgeldern für karitative Zwecke, insbesondere für die Sporthilfe Hessen. Nicht vergessen wurde die geradlinige Haltung im Anti-Doping-Kampf:  „Er ist zu einem Schwerpunkt in Ihrem Handeln geworden.“ Denk habe sich als Organisator einer Privatveranstaltung stets für einen sauberen Sport eingesetzt und die Richtlinien der Nationalen Anti-Doping-Agentur für „seine“ Wettkämpfe als verbindlich angesehen. So seien entsprechende Erklärungen der Wettkämpfer und stichprobenhafte Doping-Tests Voraussetzungen für eine Teilnahme.

Ehe die Feierstunde in der Staatskanzlei mit einem Empfang des Ministerpräsidenten ausklang, richtete Roland Koch eine Bitte an die Geehrten. „Tragen sie den Hessischen Verdienstorden bei jeder passenden Gelegenheit, um ihren Mitmenschen aufzuzeigen, dass es lohnt, Außergewöhnliches zu leisten.“ So könne die höchste Auszeichnung des Landes auch als Motivationshilfe dienen.         

 

 

Hochstadts Nachwuchs freut sich über Außensportanlage                               28.08.2010

Grundlegende Sanierung des Geländes an den beiden Schulen

Der Regenguss, der die Gäste der Einweihungsfeier an der Außensportanlage von Fritz-Schubert- und Adolph-Diesterweg-Schule gestern Morgen gegen 9.30 Uhr begrüßte, passte überhaupt nicht zum Anlass. Denn die grundlegend sanierte Anlage sorgte sowohl bei Schülern, Lehrern als auch Eltern für strahlende Gesichter.

Aus dem Investitionsprogramm des Landes Hessen hatte der Main-Kinzig-Kreis 300.000 Euro verwendet, um die Anlage zu erneuern. Erster Kreisbeigeordneter Günter Frenz (CDU) zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Saniert wurden die 75 Meter-Laufbahn, die Weitsprunggrube und das Kleinspielfeld mit Kunststoffbelag. Außerdem erfolgte eine Teileinzäunung des Sportgeländes mittels Stabgitterzaun. Da es in den vergangenen Monaten immer wieder spät abends oder nachts zu Vandalismus auf dem Gelände der beiden Schulen gekommen ist, ist nun auch geplant, das Gelände komplett einzuzäunen. Über die Form der Einzäunung diskutierte gestern bei der Einweihungsfeier Günter Frenz mit Altlandrat Karl Eyerkaufer (SPD), Bürgermeister Erhard Rohrbach (CDU), zuständigen Fachleuten des Landratsamtes und mit den Schulleitern Maria Schlör-Konken (Schubertschule) und Werner Brodt (Diesterwegschule).

Ansonsten herrschte aber trotz des wolkenverhangenen Himmels eitel Sonnenschein bei allen Beteiligten. Günter Frenz verwies darauf, dass an den beiden Schulen neben der Sportanlage unter anderem auch die Toilettenanlage der Schubertschule und das Dach der Diester­weg­schule saniert wurden beziehungsweise werden. Für die Baumaßnahmen an der Schubertschule wurden laut Frenz 364.000 Euro aufgewendet. „Jene an der Diester­wegschule belaufen sich auf rund 450.000 Euro“, so der für Schulen und Finanzen zuständige Kreisdezernent. In diesen Summen sind auch die 300.000 Euro für die Sportanlage enthalten, erläuterte der Kreisbeigeordnete. Noch größere Instandsetzungsarbeiten dürfte es an beiden Schulen vermutlich 2012 geben - wenn die Landesmittel fließen. Denn an beiden Schulen sind auf Dauer umfangreiche Brandschutzsanierungen unumgänglich.

Von der Außensportanlage sollen übrigens nicht nur die Schüler profitieren, sondern auch die Hochstädter Vereine, allen voran der Turnverein und der 1. FC Hochstadt. Die Kinder der Schubertschule zeigten ihre Freude gestern unter anderem mit dem tollen Bewegungslied „Theo, Theo“. Die Mädchen stellten außerdem in Sachen Fußball ihr Können auf der erneuerten Anlage unter Beweis. Und die Diesterwegschüler demonstrierten, dass sie beim Baseballspielen einiges drauf haben.

 

Publikum erliegt Zauber der Poesie                                                                      30.089.2010

Erste Hochstädter Lyriknacht fasziniert die Zuhörer

Die Erste Hochstädter Lyriknacht. Sie ist Teil des literarischen Vermächtnisses von Horst Bingel. Der 2008 verstorbene Schriftsteller, der einst sein erstes Gedicht an die Tapete seiner Hochstädter Mansarde schrieb, engagierte sich zeitlebens für das Zusammentreffen von Autoren sowie von Autoren und Lesern. Die Horst Bingel-Stiftung, von seiner Witwe Barbara Bingel ins Leben gerufen, setzt dieses Anliegen fort. Die Erste Hochstädter Lyriknacht, die am Freitagabend in der evangelischen Kirche Hochstadt stattfand, bot sowohl etablierten als auch jungen Autoren die Möglichkeit, ihre Gedichte einem Publikum vorzustellen.

Es waren große Namen der deutschen Literaturszene, wie Wulf Kirsten, aber auch junge Autoren, die noch am Anfang ihres Weges stehen, die federleichte, verspielte, bedeutungs­schwere und anrührende Worte in die Stille der Kirche trugen. Für die musikalische Begleitung sorgte das formidable Duo Waldemar Szymanski (Violine) und Vitali Barna (Klavier) aus Offenbach. Die Moderation lag bei Ernst Buchholz, dem ehemaligen Leiter der Offenbacher Stadtbücherei.

Es war ein schillerndes Spektrum, das die Autoren mit ihren lyrischen Naturbetrachtungen, Landschaftsbeschreibungen, kritischen Zeitreflexionen und tiefen Einblicken in die Gefühlswelt boten. Umrahmt wurde der Abend dabei von den Worten Horst Bingels, gelesen von Wulf Kirsten und Harry Oberländer.

 

„Erdlebenbilder“ titelt die Sammlung von Gedichten von Wulf Kirsten, aus welcher der 1934 in Sachsen geborene Autor und ehemalige Stadtschreiber von Bergen (1999 / 2000) vorlas. Er selbst bezeichnet sich als „Protokollant“, ist ein aufmerksamer Naturbeobachter, der in seinen Gedichten eine Idylle einfängt, die in der Moderne verloren scheint. „Starenwolke“, „Fledermausabend“ oder „Die Fähre“ waren einige der Gedichte, die er am Freitagabend vortrug. „Das Drehkreuz“ kann dabei beispielhaft für die Vergänglichkeit der ländlichen Idylle verstanden werden, die Kirsten in seinen reichen Worten noch einmal auffängt.

Ein Dichter, der sich ebenfalls durch die Landschaft bewegt und in atmosphärisch dichten Bildern die Naturverbundenheit beschwört, ist Olaf Velte. Dabei fließen in seine Betrachtungen unverkennbar seine Erfahrungen als Schafzüchter, die Nähe zu den Tieren, der Landschaft und den Lebenszyklen ein sowie die Erlebnisse bei Wind und Wetter, wenn „Regen gießt, wie aus zerschlagenen Fässern“. Bei Moritz Anton Gause gerät bei den Landschaftsbeschreibungen zusätzlich ein Gegenüber in den Blick, greift der junge Autor das Miteinander, Begegnungen und Abschiedsszenen einer jungen Liebe auf. Dabei haben moderne Begrifflichkeiten wie der Wackeldackel oder die Kurzmitteilung „sms" in die Sprache des Dichters ganz selbstverständlich längst Einzug gehalten.

Die jüngste Autorengeneration war mit der Abiturientin Jana Freund sowie den Schülern Faruk Hogic und Amanda King vom Albert-Einstein-Gymnasium vertreten. Dem Mut, den die jungen Erwachsenen aufbrachten, indem sie ihre Gedichte einem Publikum vorstellten und da

mit einen Blick in ihre Seele erlaubten, gebührt große Achtung. Inhaltlich widmeten sich die drei jungen Schriftsteller ganz unterschiedlichen Themen, reflektierten ernst und nachdenklich über Krieg, Leiden und Tod, fassten den Trennungsschmerz nach einer unglücklichen Liebe oder das Glücksgefühl der Zweisamkeit in Worte.

So genannte „Dinggedichte“ präsentierte Carolin Dabrowsky. Die gelernte Verlagsbuchhändlerin und freie Schriftstellerin geht in ihren poetischen Werke assoziativ vor, umreißt Eindrücke schlaglichtartig und schafft dadurch Raum zwischen den Worten, Raum, in dem sich neue Bilder und Vorstellungen entwickeln können. Mit einer fesselnden Vortragsweise, die das Publikum förmlich an den Lippen von Safiye Can hängen ließen, stellte die Autorin eigene Übersetzungen türkischer Schriftsteller vor, deren Gedichte mal wortgewaltig, mal amüsant-verspielt daherkamen.

Es waren die Worte des Schriftstellers und freien Journalisten Harry Oberländer. der Gedichte aus seinem Zyklus „Chronos Krumau“ vorstellte und auch den Werken Horst Bingels noch einmal Raum gab, weiche die grandiose Erste Hochstädter Lyriknacht beschlossen. Im Anschluss bot sich dann noch die Möglichkeit für einen Gedankenaustausch.

 

An zwei Tagen das Angebot ausgebaut                                                               31.08.2010

Diesterwegschule startet pädagogische Mittagsbetreuung

Der Antrag der Adolph-Diesterweg-Schule in Hochstadt auf pädagogische Mittagsbetreuung ist vom Kultusministerium genehmigt worden und wird in Kürze umgesetzt. „Wir starten am 8. September mit dem neuen Angebot, können allerdings nicht ganz so viel anbieten, wie zunächst gedacht, weil wir nur eine halbe statt einer ganzen zusätzlichen Lehrstelle zugeteilt bekamen“, erklärt Schulleiter Werner Brodt.

Die pädagogische Mittagsbetreuung gehört zu einer von drei Stufen, die zur Ganztagsschule führen. Sie ist die Vorform der offenen Ganztagsschule und macht den Schülern Angebote für den Mittag und Nachmittag. Während die offene Ganztagsschule nach dem Unterricht ein zusätzliches, freiwilliges Nachmittagsprogramm anbietet, bilden Freizeit und Unterricht bei der gebundenen Ganztagsschule eine Einheit und sind verpflichtend.

Seit Juni hat das Lehrerkollegium der Adolph-Diesterweg-Schule zusammen mit Schulleiter Werner Brodt die pädagogische Mittagsbetreuung vorbereitet und bekam hierfür für das neue Schuljahr 2010 / 2011 eine halbe zusätzliche Lehrerstelle genehmigt. „Wir haben die Zusage, dass wir im Schuljahr 2011 / 2012 eine weitere halbe Stelle bekommen“, erklärt Brodt, der eigentlich schon jetzt mit einer ganzen Stelle gerechnet hatte.

Betreuung findet an zwei Tagen statt

Entsprechend musste das Konzept der Schule für die pädagogische Mittagsbetreuung überdacht werden. „Wir haben unser Angebot halbiert, empfinden das jedoch nicht als Nachteil. So haben wir die Möglichkeit, zu schauen, was ankommt und was nicht“, erklärt der Schulleiter. Statt an vier Tagen findet die pädagogische Mittagsbetreuung nun an zwei Tagen immer mittwochs und donnerstags statt. „Wir haben im Vorfeld die Eltern befragt, um zu erfahren, wie die Resonanz sein wird. Mittlerweile gibt es 41 Anmeldungen, insgesamt haben wir 79 Schüler“, zeigt sich Brodt erstaunt und zufrieden über die zahlreichen Anmeldungen.

Die pädagogische Mittagsbetreuung beginnt um 12.40 Uhr mit einem gemeinsamen Mittagessen, es folgen eine freiwillige Entspannungsphase, Hausaufgabenhilfe, die Arbeitsgemeinschaften und Förderkurse. Schulende ist um 14.55 Uhr. Während der Betreuungszeit kümmern sich immer drei Lehrer um die Schüler.

Das Mittagessen bezieht die Schule über einen Caterer. „Wir haben erst Probe gegessen und uns dann entschieden“, so Brodt. Momentan seien die Räumlichkeiten, in denen das Essen eingenommen wer de, noch nicht optimal. „Wir müssen zunächst in der Lehrküche unterkommen, planen aber mit dem Nebenraum, der Cafeteria, die zur Zeit aber noch anderweitig belegt ist“, informiert der Schulleiter. Gegessen werden soll in mindestens zwei Schichten. „Wir werden sehen, wie es funktioniert“, so Brodt. Nicht optimal sei auch die Ausstattung der Küche. „Uns wurde eine Komplettausstattung für die Cafeteria vom Kreis zugesagt. Das klappt in diesem Jahr jedoch nicht mehr, so dass der Schule nichts anderes übrig bleibt, als zu improvisieren.“

Dem Mittagessen schließt sich eine Entspannungsphase an. In dieser Pause wird es Angebote von den Lehrern geben, die Schüler sind jedoch nicht gezwungen, daran teilzunehmen. Danach folgt die Hausaufgabenhilfe. Für Schüler der Klassen eins bis vier sind 20 bis 30 Minuten angedacht, ältere Mädchen und Jungen haben 40 Minuten Zeit. Für Kinder, die keine Hausaufgaben zu erledigen haben, werden Beschäftigungsangebote bereit gehalten. Zu den Nachmittagsangeboten in Arbeitsgruppen und Förderkursen gehören viele sportliche Möglichkeiten, aber auch Kreativangebote wie Töpfern und Theater. Ab Klasse fünf gibt es die Möglichkeit, ein spezielles Englisch-Angebot zu besuchen.

Generell haben ältere Schüler die Gelegenheit, ein Angebot der beruflichen Orientierung wahrzunehmen. Hier erhalten sie Tips für Bewerbungen. Unterstützung erhält die Schule von der Agentur für Arbeit, die einen Mitarbeiter vorbeischickt. Wer sein Kind bei der pädagogischen Mittagsbetreuung der Adolph-Diesterweg-Schule anmelden möchte, kann dies zunächst monatlich tun. „So können wir besser planen“, erklärt Brodt. Die Kosten betragen pro Essen drei Euro, belaufen sich in der Woche also auf sechs Euro pro Kind.

 

Hinter 400 Jahre alten Mauern                             

Immer häufiger übernachten Feriengäste im Hochstädter Obertor

„Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter“, lautet ein bekannter Satz in einem Märchen der Brüder Grimm. Zwar ist das Märchen französischen Ursprungs, hätte aber genausogut im Obertor in Hochstadt stattfinden können. Dieser Turm ist schon über 400 Jahre alt. Er war früher Teil der Befestigungsanlage. doch einen Pförtner gibt es dort schon lange nicht mehr. Seit Sommer 2009 dient er als Ferienwohnung der etwas spezielleren Art.

Das Obertor in Hochstadt soll 1589  errichtet worden sein. Damals wurde das Tor durch den Schweinehirten auf- und zugeschlossen, der im Haus neben dem Tor wohnte (Hirtenhaus).

Später wurde ein Pförtner bestellt, der das doppelflüglige Holztor öffnete und schloß. „Die Angeln des Tores und die Löcher für den Sperrbalken sind noch heute zu sehen, ebenso eine Öffnung in der Decke des Torbogens, durch die man Steine, Pech oder heißes Wasser auf mögliche Feinde schütten konnte“, informiert Heimatchronist Peter Heckert.

Übernachtung der besonderen Art

Eine Übernachtung im Wahrzeichen des Stadtteils Hochstadt, dem Obertor, das Teil der mittelalterlichen, noch weitgehend erhaltenen Ringmauer ist, ist sicherlich etwas Besonderes. Doch dieser Gedanke war nicht vorherrschend, als sich die Eigentümerin Ursula Kromat dazu entschloss, das Obertor an Touristen zu vermieten. „Wir haben die Räumlichkeiten im August 2008 gekauft. Im Februar 2009 sind wir in das sich an den Turm anschließende Hirtenhaus gezogen. Das Obertor sollte als Gästezimmer für unsere Verwandten und Freunde dienen“ so Kromat.

Weil die Räumlichkeiten jedoch immer wieder über einen längeren Zeitraum leer standen, entschied sich Ursula Kromat dazu, das Obertor zur Ferienwohnung umzugestalten. Im Turm gibt es zwei Zimmer, die übereinander liegen. Unten, direkt über dem Torbogen, befindet sich das Wohnzimmer, im Obergeschoss das Schlafzimmer. Bad und Küche wurden im angrenzenden Hirtenhaus eingerichtet.

Die Idee vom Wohnen im Turm kam schnell gut bei den Gästen an. Zu Beginn waren es hauptsächlich Angehörige von Hochstädtern, die bei einem Besuch ihrer Verwandtschaft im Obertor Unterschlupf suchten. „Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass sich im Turm eine Ferienwohnung befindet“, erklärt Ursula Kromat, die immer häufiger Gäste im Obertor begrüßen darf. Sogar aus Amerika gab es schon Gäste. Ein Vater mit seinen zwei Kindern sei im Internet auf das Hochstädter Wahrzeichen aufmerksam geworden und habe dort genächtigt. Des Weiteren gebe es ein älteres italienisches Ehepaar, das einmal im Jahr seine Enkel in Hochstadt besuchen komme. Gerne würden auch Geschäftsleute die Turm-Wohnung anmieten.

Die Entscheidung, das Obertor in eine Ferienwohnung umzuwandeln, bereut die Eigentümerin keinesfalls. „Es macht großen Spaß, wenn Gäste vor Ort sind. Ich beantworte gerne alle Fragen und habe auch meistens eine Antwort parat. Häufig gibt es Fragen zu Wandermöglichkeiten in der Umgebung. Der ungewöhnlichste Wunsch war ein Oliven-Entkerner, doch auch hier konnte ich weiter- helfen“, freut sich Kromat.

Die Ferienwohnung im Obertor ist voll ausgestattet. Es gibt einen eigenen Zugang über eine mehr als 400 Jahre alte steile Treppe, für deren Erklimmen die Gäste gut zu Fuß sein sollten. Ansonsten ist alles da, was in einem gepflegten Wohnraum vorhanden sein sollte. Sogar der Blick auf die Frankfurter Skyline ist inklusive. Allerdings müssen sich die Gäste selbst verpflegen, was in Hochstadt kein Problem ist. Supermarkt und Bäcker sind gut erreichbar.

Das Obertor wird in Maintal zahlreichen Bürgern bekannt sein. Dass es mittlerweile möglich ist, dort ein romantisches Wochenende zu verbringen, das wussten jedoch vermutlich nur Wenige [Frau Kromat ist mit ihrem Lebensgefährten Bockstahler bald darauf in eine Wohnung in der Wachenbucher Straße 18 gezogen, weil ihnen das Treppensteigen in  dem Haus zu mühselig war. Auch wurde die Frage gestellt, ob nicht eine gewerbliche Nutzung vorliege].

 

Unter der neuen Leitung  geht es nun schwungvoll voran                                16.10.2010.

Vokalchor TonArt wird jetzt von Damian H. Siegmund instudiert -

Der Hochstädter Vokalchor TonArt war über viele Jahre hinweg eng mit dem Namen Andrea Tetens verbunden. Die Bischofsheimer Kantorin hat mit den Sängern zahlreiche Konzerte ein- studiert und präsentiert, die beim Publikum weit über Maintals Grenzen hinweg für Begeisterung sorgten. Nachdem sie nach ihrem Mutterschaftsurlaub im Frühjahr des vergangenen Jahres ihre Kantorenstelle wieder übernommen hatte, war es zeitlich so eng geworden, dass sie die Leitung der TonArt abgeben musste.

Zunächst übernahm Rainer Wahl die Leitung der Maintaler Gesangsformation. Da es aber auch bei ihm Terminprobleme gegeben hat, trennten sich die Wege nach gut einem Jahr bereits wieder. Durch einen Aushang an einer Frankfurter Hochschule wurde nun Damian H. Siegmund auf den Hochstädter Chor aufmerksam und nahm mit ihm Kontakt auf. „Die ersten Gespräche und dann auch die Proben verliefen gut, so dass ich seit Mai in Amt und Würden bin, mich sehr über das gemeinsame Arbeiten mit den Damen und Herren der TonArt freue“, so der studierte und examinierte Chorleiter, der in Dorn-Assenheim in der Wetterau lebt.

Sein Studium hat der 1956 geborene Siegmund an der Mainzer Johannes Gutenberg-Univer­sität absolviert, unter anderem bei dem Komponisten und Professor Rudolf Desch. Bei ihm studierte er auch Komposition. Ab 1986 war Damian H. Siegmund überwiegend pianistisch tätig. An der Frankfurter Waldorfschule wirkt er so auch als Klavierbegleiter für Eurythmie. Als Chorleiter war er bei einigen renommierten Formationen tätig. „Wir freuen uns sehr darüber, dass wir Damian H. Siegmund als neuen Leiter Unseres Chors gewinnen konnten. Die Zusammenarbeit macht sehr viel Spaß und wir blicken nun zuversichtlich auf unsere kommenden Konzertprojekte“, zeigte sich Sänger Gerhard Rauch im Tagesanzeiger-Gespräch für die nähere Zukunft optimistisch.

In den Proben werden neue Lieder einstudiert, an der musikalischen Grundrichtung der TonArt soll sich aber nichts ändern. Schwungvolle Songs aus den Bereichen Pop. Rock 'n'Roll, Gospels, aber auch gewitzte deutsche Titel zählen zum Repertoire der momentan neun Frauen und sechs Männer, die sich immer freitags ab 21 Uhr zu den Proben im evangelischen Gemeindehaus Hochstadt treffen. Dort werden Ende März kommenden Jahres auch zwei große Konzerte stattfinden, auf die sich die vielen Anhänger der Hochstädter Sänger schon freuen können.

Der nächste größere Auftritt der TonAr