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Turm der Kirche

Rundblick, Kirchhof

Äußeres, Kirchenpatrone, vorreformatorische Zeit

Inneres, Malereien im MIttelschiff

Malereien im Seitenschiff und Chorbogen und Chorraum 

Malereien im Chorraum und Sakristei

Baugeschichte, Pfarrhaus, Gemeindehaus, lutherische Kirche

 

 

Die evangelische Kirche in Hochstadt

 

Ganz gleich von welcher Seite man sich Hochstadt nähert, der Kirchturm und die Kirche fallen immer in den Blick und sind das Wahrzeichen des Ortes. Ein Zeichner hat sich ausgedacht, wie Hochstadt - nach den Angaben des früheren Heimatforschers Wilhelm Mankel - in alten Zeiten ausgesehen haben könnte (Zeichnung von Professor Noelpp 1935: Das alte Hochstadt). Zu sehen ist die Ringmauer mit ihren Türmen. Sie umschloß den Ort mit seinen rund 140 Grundstücken. Ein Zugang war nur möglich über das heute noch vorhandene Obertor und das 1874 abgerissene Untertor, das zwischen den Häusern Hauptstraße 36 und 38 stand. Der Siedlungskern war rund um die Kirche mit ihrer Kirchhofsmauer. Das Oberdorf ging bis zur Höhe der heutigen Brunnenstraße. Später kam das Unterdorf hinzu und im 13. Jahrhundert wurde die rund 980 Meter lange Ringmauer gebaut.

Die Häuser werden überragt von Kirchturm und Kirche und dem Obertor. In der Mitte des Ortes kann man die lutherische Kirche erkennen, die bis 1820 bestand und von der die Südwand noch bis in die 70iger Jahre des 20. Jahrhunderts als Teil der Ringmauer zu sehen war.

Im Westen steht das Untertor mit dem Beginn des Weges nach Dörnigheim und Bischofsheim. Im Hintergrund kann man das Schützenhäuschen bzw. die Hartig sehen. Auch die Weinberge sind gut zu erkennen.

 

Die älteste Fotografie der Kirche ist wahrscheinlich ein Bild, das etwa im Jahr 1890 entstanden ist. Es zeigt einige Männer vor der Gaststätte „Zur goldenen Krone“ und den Blick die Hauptstraße hinauf zum Kirchturm. Ganz links steht der Wirt Georg Rauch.

Immer wieder beherrscht der Kirchturm das Bild Hochstadts, wenn man von Süden kommt (Südliche Ringmauer mit dem Blick zur Kirche, Original Friedrich Vetter, Masurenstraße 1) oder mehr von Norden oder Nordosten.

 

Im Vorgarten rechts vom Turm steht ein GEDENKSTEIN an den Krieg von 1870/71 mit den Namen der „Kombattanten“ und der „Nicht-Kombattanten“ aus Hochstadt. Der heute noch vorhandene Gedenkstein widerspricht zwar der heutigen deutsch-französischen Freundschaft, sollte aber als geschichtliches Zeugnis stehen bleiben.

Der Text lautet:

Zur Erinnerung an die glorreichen Siege der Deutschen über die Franzosen

im Jahr 1870-71.

Des Mannes Tugend erprobt allein die Stunde der Gefahr

Wo sie dem Menschen seinen Kampf bereitet

Da bricht die Kraft die unversuchte Bahn

Da knüpft der Ruhm die Namen an die Sterne.

Gewidmet von der dankbaren Gemeinde ihren Kriegern.“

Nicht-Combattanten: J. Schäfer, H. Habermann, W. Weber (, C. Kraft, A. Krebs, J. Bauer, B. Goldschmidt, J. Stiebel, A. Schales (, W. Strohl, J. Bechert.

Combattanten: C. Hensel (gest. 8.9.70), M. Fischer, J. Fischer, J. Bechert (verw. 6.8.70), P. Koch, D. Koch, Ph. Stein, P. Stumpf, W. Schäfer, J. Huhn (verw. 1.9.70), Ph. Burger, W. Lind (verw. 1.9.70), C. Fischer, Ph. Schlegel, J. Weber, W. Huhn (, J. Fischer, Ph. Lind, P. Stein. Gott war mit uns, Ihm sei die Ehre.“

Auf einem zeitgenössischen Gedenkblatt wird noch angegeben, daß Andreas Schales (ein Nicht-Combattant) am 29. Juni 1871 in Mainz gestorben ist. Es erscheinen auch noch weitere Namen auf diesem Gedenkblatt: Combattanten: Georg Stahl, Wilhelm Kuhn, Adam Kübler, Adolph Krämer, Johannes Jost. Nicht-Combattanten: Valentin Köhl. Man beachte, daß unter den „Kämpfern“ auch die Juden Baruch Goldschmidt und Jesel Stiebel sind.

 

Der Kirchturm

Der KIRCHTURM war ursprünglich ein Torturm des befestigten Kirchhofs. Mit Wegfall des ursprünglichen Kirchturms an der Kirche wurde der weithin sichtbare mächtige quadratische Turm zum Kirchturm umgebaut.

Außen zieht sich am Sockel des Turms ein Gesims entlang. An der Nord- und Ostseite ist es wegen der unterschiedlichen Geländehöhe in der Höhe versetzt. Es besteht aus einer breiten Platte, deren obere Kante durch einen Viertelrundstab gebildet wird und zuoberst einem schmalen Absatz zeigt. Diese Zierform ist ebenso als nachmittelalterlich einzuordnen wie das rundbogige Portal zum Kirchhof, das noch an den Ecken abgeschrägt ist. In halber Höhe läuft rings um den Turm ein schräg abgedachtes Gesims mit nach unten zeigender Hohlkehle, ein noch gotisch wirkendes Kaffgesims.

Von seinen vier Geschossen besitzt das unterste eine Längstonne (mitten im Scheitel eine rechteckige Öffnung). Leider ist die alte Eingangstüre auf der Westseite ausgebrochen: Nach der Beschreibung von Dehn-Rothfelser von 1870 könnten wir vermuten, daß sie spitzbogig war.

Das Kirchturmtor war ursprünglich ein geschlossenes Holztor. Im März 1853 wird ein neues Bohlentor zum Kirchhof angefertigt und der Schmied macht zwei Schlüssel dafür. Die kleinen Rechteckfenster kommen zwischen dem 14./16. Jahrhundert vor. Die Fenster im Norden und Süden sitzen tiefer als die im Osten und Westen. Die profilierten, großen Rundbogenfenster des Glockengeschosses und der gemauerte Steinhelm deuten auf das 16. Jahrhundert.

Dazu paßt die außen am ersten Geschoß angebrachte Sandsteinplatte von 1554. Die Platte zeigt außerdem drei Wappen. Zwei Wappen bezeichnen die Hanauer Grafen als Bauherren:

Damals regierte Philipp III. (1529-1561), der verheiratet war mit Helene von Pfalz-Simmern. Das Wappen von Kurpfalz und auch das von Pfalz-Simmern zeigt links oben und rechts unten einen nach links gewendeten Löwen und rechts oben und links unten weißblaue Rauten. Das Wappen findet sich auch (stark verwittert) über dem Haupteingang der Marienkirche in Hanau und auch an der Decke der Kirche. Auch im Rathaus Wachenbuchen findet sich da Wappen von 1555.

Unter den Wappen sieht man die Hochstädter Winzersichel, das „Wingertkneip“. Dieses ist auch wesentlicher Bestandteil des Ortswappens, aber das „H“ war entweder nicht vorhanden oder es ist verwittert. Die Platte ist durch Gewehrschüsse beschädigt.

Aus dieser Jahreszahl kann man nicht auf die Erbauungszeit der gesamten Kirche schließen. Zimmermann will ihr überhaupt keine Bedeutung zumessen, da es sich um den Nachfolger einer frei stehenden Warte gehandelt habe. Doch entstanden ähnliche Bauten gleichzeitig in der Rhön und in Mainfranken in ähnlicher Formenmischung von Gotik und Renaissance. Vielleicht lassen sich hieraus zwei Bauabschnitte des Turms ableiten, der untere Teil wäre mehr romanisch und der obere mehr gotisch. Insgesamt ist der Turm kaum als wehrhaft zu bewerten, da er vom Erdboden aus bequem zugänglich ist und keine Verteidigungseinrichtungen wie Pechnasen oder Schießscharten zeigt.

 

Conrad Appel schreibt dazu: „Im Jahre 1554 ist der hiesige Glockenturm von Meister Barthel aus Hanau errichtet worden für 500 Gulden“. Der Turm ist also in einem Zug errichtet worden, aber wohl anstelle eines früheren Turms, denn der Kirchhof muß ja einen Eingang gehabt haben).

 

Kaum jemand würde vermuten, daß sich unter dem Schieferdach ein achteckiger Steinhelm über Trichternischen in den Ecken („Trompen“) befindet. Dieser Helm läßt einen Umgang frei, der außen über einem Kehlgesims ein wenig ausspringt. Der Zugang unter einem spitzen Giebel liegt in der Längsrichtung auf der Ostseite.

Zwei Modelle zeigen, wie der Kirchturm mit Steindach und Schieferdach aussah: Über die steinerne Spitze des Turmes wurde später ein Schieferdach gesetzt, wahrscheinlich als man den Turm als Kirchturm nutzen wollte. Die schlanke Schieferhaube steigt jetzt steil achtfach gebrochen über einem flacheren Pyramidenstumpf auf. Man hat gesagt, man habe dem Turm eine „Tarnkappe aus Schiefer“ aufgesetzt, um seinen eigentlichen Charakter zu verschleiern.

Weil das Schieferdach des Turms um 1950 sehr beschädigt ist, hat Pfarrer Gerlach schon seit Jahren den Vorschlag gemacht, es ganz abzutragen und den ursprünglichen Zustand mit Steinspitze, Rundgang und Mauerzinnen wieder herzustellen. Das Landeskirchenamt und der Landeskonservator haben zugestimmt.

Am 4. Juli 1951 beschließt die Gemeindevertretung, die „Schieferkappe“ abzureißen, um Kosten zu sparen. Der Kirchenvorstand ist aber strikt dagegen, und er allein kann damals bestimmen über die Form der Unterhaltung kirchlicher Gebäude.

Er lehnt am 17. September 1950 den Vorschlag einstimmig ab, so daß die Wiederherstellung der Turmbeschieferung beschlossen wird. Auch am 19. Juli 1951 beharrt der Kirchenvorstand auf seinem Beschluß, das Schieferdach des Kirchturms wieder herzustellen. Im September 1951 wird ein Betrag von 1.000 Mark bewilligt, um die bürgerliche Gemeinde in ihrer angespannten Finanzlage zu unterstützen.

Im November 1951 wird mit der Reparatur des Schieferdaches begonnen. Ende Februar 1952 wird das Richtfest gefeiert. Dabei gehen die Zimmerleute von Haus zu Haus und sammeln Speck, Eier, Würste und Schinken für ein zünftiges Richtfest. Mit sich führen sie einen verkupferten Hahn, wohl eine Neuanfertigung des 1776 erstmals erwähnten Turmhahns (Bild:

Reparaturarbeiten am Kirchturm 1951).

Im Jahre 1972 wird der Kirchturm erneut repariert. Der Architekt Winfried Demuth soll 1971 die Schallöcher am Kirchturm ausmessen und einen Kostenvoranschlag für deren Gestaltung und die Reparatur der Treppen aufstellen. Nach Genehmigung durch den Landeskonservator soll die bürgerliche Gemeinde die Kosten übernehmen. Am 12. April 1972 kommt Herr Schäfer aus Wiesbaden zu einer Besichtigung des Turms nach Hochstadt. Mitte des Jahres sollen auf dem Kirchenboden durch die Firma Walzer sichere Laufstege und Treppen eingebaut werden. Das Kreisbauamt soll noch prüfen, ob die Treppen des Kirchturms für die bisherigen Zwecke verkehrssicher sind.

Die bürgerliche Gemeinde erklärt sich im Oktober bereit, die Kosten für die Renovierung des Kirchturms zu übernehmen. Deshalb wird beschlossen, den Turm neu zu verputzen. Es wird ein Nachtrag zum ordentlichen Haushalt in Höhe von 16.320 Mark beschlossen, dazu ein Nachtrag zum außerordentlichen Haushalt in Höhe von 3.000 Mark.

Die Firma Julius Hembus aus Frankfurt erhält den Auftrag, den Kirchturm für über 30.000 Mark zu verputzen. Die Firma Umscheid aus Dorfprozelten wird das Gesims am Kirchturm erneuern. Die Firma Schmitz wird vier neue Jalousien an den Schallöchern und vier Fenster im Turm anfertigen. Die Firma Walzer wird zwei neue Treppen im Turm einbauen. Beim Landeskirchenamt wird Ende des Jahres ein Darlehen von 25.000 Mark für die Renovierung des Kirchturms beantragt, das der bürgerlichen Gemeinde zur Verfügung gestellt werden soll, die den Schuldendienst übernimmt. Die letzte Renovierung wird in den Jahren 1999 - 2000 vorgenommen (Fertigstellung im April 2000) und letztmals von der Stadt Maintal bezahlt.

 

Das „KIRCHENHÄUSCHEN“ stand wahrscheinlich auch beim Turm. Es dürfte der Fachwerkbau sein, den man auf älteren Bildern an der Nordseite des Turms noch innerhalb der Kirchhofsmauer sehen kann. Das Haus wurde 1608 ausgebessert, gleichzeitig mit dem Pflaster vor der Mauer. Vor der Kirche ist offenbar auch schon früher Pflaster gewesen, denn sieben Gulden für den Kirchenbau werden zur Ausbesserung des Pflasters verwendet und am 30. April 1683 an den Maurer und Ziegler Hans Jörg Weber gezahlt.

 

Am 14. August 1606 hat Graf Philipp Ludwig von Hanau einen Kornspeicher an der Kirche zu Hochstadt machen lassen (Der Ausdruck „auf die Kirche“ kann wohl nicht den Dachboden der Kirche meinen, dort wurde höchstens Erbsen- und Bohnenstroh gelagert; außerdem brauchte der Dachboden nicht gemacht zu werden, sondern er war schon vorhanden. Es kann sich nur um ein Gebäude auf dem Kirchhof handeln, das für den Verteidigungsfall gedacht war. Vielleicht war es das Gebäude, das an die Nordseite des Kirchturms angelehnt war) (Chronik Appel).

 

Ende 2010 kam im Kirchenvorstand der Plan auf, an der Nordseite des Kirchturms ein Schuppen zur Aufbewahrung von allerhand Material für die Kirche zu errichten. Vorbild dafür hätte das kleine Fachwerkhaus mit 16 Quadratmeter Grundfläche und einem Pultdach sein können, das an den Kirchturm angelehnt war (ein Bild liegt vor), wenn auch nicht unbedingt so hoch wie das Original. Aber dann wurde dort einfach eine Gartenhütte aus dem Baumarkt hingestellt, nur etwas mit Putz getarnt.

 

Von diesem Haus zu unterscheiden ist ein weiterer Fachwerkbau, der in Nord-Süd-Richtung außerhalb der Kirchhofsmauer auf der Straße zu stand. Hier hatte man die Kirchhofsmauer abgebrochen und ein Haus in die Lücke gebaut. So konnte man Platz für ein Stallgebäude gewinnen, das die Lehrer in der gegenüberliegenden Schule nutzten. Bei der Wiederherstellung der Mauer entlang der Straße „Am Kirchberg“ wurden beide Gebäude abgerissen und das fehlende Stück Mauer wieder ergänzt.

 

Fünf TAFELN mit den Namen der Gefallenen der Weltkriege befinden sich im Turmdurchgang. Schon im Jahre 1934 faßt man den Plan, die Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu sammeln und auf einer Tafel festzuhalten. Schon am 15. Juli 1934 findet der vom Vertreter des Regierungspräsidenten in Kassel gemachte Vorschlag, den Durchgang durch den Kirchturm zu einer kapellenartig wirkenden Gedächtnishalle für die Kriegsgefallenen auszugestalten, den meisten Anklang.

Am 5. Januar 1947 regt der Kirchenvorsteher Philipp Schmidt (Hauptstraße 42) an, die Gedenktafeln für die Gefallenen bald anzubringen. Er hat auch schon seinen Neffen, Bau-Ingenieur Willi Schäfer aus Bischofsheim, mitgebracht. Die Kirche wird gemeinsam besichtigt.

Für die Gedenktafeln für die Gefallenen liegt im September 1947 ein günstiges Angebot der Firma E. G. Zimmermann aus Hanau (am Westbahnhof) vor: Vier Marmortafeln sollen 900 Mark kosten, dazu vier Kranzhalter für 112 Mark und Befestigungshaken für 48 Mark. Für die Aufstellung von Blumen sollen noch Konsolen mit Marmorvasen angebracht werden. Zunächst war vorgesehen, alle Platten auf einer Seite anzubringen. Aber dann werden doch die Platten auf beiden Seiten angebracht. Hergestellt wurden dann fünf Platten aus Muschelkalk. Die mittlere Platte auf der Nordseite ist aber wohl von anderer Hand, denn die Buchstaben sind viel tiefer eingegraben und die Befestigung ist auch anders.

Auf der fünften Platte, deren Material stellenweise etwas dunkler ist, wurden noch einige Namen nachgetragen (früheres Todesdatum), weil die Nachricht vom Tod erst später kam.

Bei dieser Gelegenheit wird das hintere Lattentor entfernt. Das Wasser vom Kirchhof wird durch einen mit einem Eisengitter überdeckten Graben abgefangen und durch einen Kanal unterirdisch durch den Torbogen abgeleitet. Statt des scheunentorartigen Holztors wird ein schmiedeeisernes Tor eingesetzt, entworfen von Architekt Schäfer aus Bischofsheim. Am Kirchturm soll im September 1949 noch eine schmiedeeiserne Lampe nach den Entwürfen des Architekten Schäfer angebracht werden, aber wegen der Kosten wird die Ausführung noch zurückgestellt; die Lampe ist aber inzwischen vorhanden.

Der eiserne Rost kostet 82,70 Mark beim Schmied Huhn. Der Architekt Schäfer erhält 104,46 Mark. Das Kleinpflaster wird von der bürgerlichen Gemeinde gestiftet (221 Mark). Der Restbetrag für das Gedächtnismal der Gefallenen in Höhe von 200 Mark wird im Juli 1950 aus der Kirchenkasse bezahlt. Bis zum 10. September 1967 ist die letzte Gelegenheit, die Namen auf den Gedenktafeln zu vervollständigen. Im November 2009 wurden die Tafeln überarbeitet.

Auf diesen Tafeln sind alle bekannten Gefallenen aufgeführt, auch wenn keine Trauerfeier in der Kirche stattgefunden hat (zehn Kriegsteilnehmer, darunter auch zwei Bürgermeister). Es handelt sich hier also um die Gedenktafeln der bürgerlichen Gemeinde, für die die Kirche nur den Platz zur Verfügung gestellt hat. Aber trotz mehrfacher Aufforderung in den Jahren 2007 bis 2009 hatte der Bürgermeister zunächst eine Beteiligung an den Kosten der Restaurierung im Jahr 2009 abgelehnt. Die Initiative ging von der Kirchengemeinde und der Kirchenbaustiftung aus. Schließlich hat sich die Stadt Maintal doch noch an den Kosten beteiligt (für die Gedenktafeln in den anderen Stadteilen ist sie ja auch allein verantwortlich).

Hinter diesen Namen stehen Menschen. Von der Familie Bürthel ist ein Angehöriger im Ersten Weltkrieg gefallen und der Sohn im Zweiten Weltkrieg, so daß die Familie ausgelöscht ist. Unter den Gefallenen sind zwei Pfarrerssöhne und zwei Bürgermeister. Außerdem sind Brüder darunter. Einige sind erst nach Kriegsende umgekommen oder gestorben. Nähere Angaben zu dem Schicksal der Gefallenen finden sich in dem Buch von Peter Heckert „Hochstädter Familien“.

Die Namen der Gefallenen der beiden Weltkriege sind:

 

1914 - 1918

 

Wilhelm Rocholl 2.10.90 21.8.14

Jakob Stein 18.5.83 23.8.14

Wilhelm Weckmann 24.5.92 29.9.14

Heinrich Koch 7.2.81 30.9.14

August Schales 31.8.92 4.10.14

Georg Eibelshäuser 18.3.91 11.10.14

Hermann Bürtel 18.12.90 19.11.14

Karl Reich 22.11.90 3.12.14

Heinrich Wandmacher 9.12.94 12.14

Kaspar Schäfer 15.8.92 2.1.15

Wilhelm Emmel 14.5.86 3.2.15

Johannes Höhn 10.11.93 7.2.15

Philipp Rohn 20.1.86 25.2.15

Wilhelm Stein 21.2.94 19.3.15

Georg Lotz 1.4.94 15.3.15

Johannes Koch 8.9.93 19.4.15

Peter Stumpf 5.6.90 5.5.15

Jakob Emmel 21.12.88 9.5.15

Philipp Koch 5.12.98 5.15

Karl Reuss 11.10.94 22.6.15

Peter Daubert 7.12.79 9.9.15

Heinrich Kaufeld 19.9.79 9.9.15

Karl Huhn 12.10.83 25.9.15

 

Philipp Burger 9.4.78 23.2.16

Wilhelm Ebert 20.2.93 3.3.16

Valentin Ziegle 24.1.85 18.4.16

Wilhelm Strohl 7.9.84 4.5.16

Konrad Dornemann 17.12.88 31.5.16

Georg Gebelhardt 25.2.80 2.7.16

Jakob Bauer 8.6.88 1.8.16

Heinrich Bauer 28.1.93 1.8.16

Wilhelm Seibel 26.4.88 1.8.16

Johannes Kohlhepp 1.8.91 9.4.17

Andreas Schmidt 15.2.89 18. 4.17

Wilhelm Heckert 11.7.81 26.7.17

Philipp Schales 13.10.91 4.8.17

Wilhelm Strohl 17.8.98 6.8.17

Justus Hartmann 27.6.73 7.10.17

Hermann Merz 31.3.82 0.11.17

Johannes Hensel 13.4.98 10.1.18

Johannes Heck 27.5.94 12.1.18

Johannes Seibel 1.7.96 23.1.18

Wilhelm Seng 6.11.98 13.5.18

Wilh. Phil. Burger 26.4.90 14.5.18

Wilhelm Seibel 14.2.80 11.10.18

Andreas Daubert 2.10.87 10.18

 

1939 - 1945

 

Friedrich Herbert 6.7.16 27.5.40

Philipp Seng 30.5.06 16.11.40

Otto Gerlach 24.6.13 5.7.41

Philipp Strohl 2.8.20 24.7.41

Georg Burger 13.5.20 25.8.41

Wilhelm Gebelhardt 11.10.13 14.9.41

Ernst Meggle 15.2.14 22..9.41

Hans Mankel 24.9.21 12.2.42

Philipp Mankel 7.12.20 11.3.42

Karl Bechert 9.2.15 1.4.42

Wilhelm Heckert 14.12.09 6.6.42

Jakob Giessel 31.3.10 2.7.42

Wilhelm Pistor 11.7.08 27.7.42

Heinrich Huhn 26.1.11 15.11.42

Wilhelm Huhn 15.12.13 27.12.42

Justus Christ 18.5.21 16.12.42

Philipp Strohl 5.12.16 15.1.43

Heinrich Schwarz 24.7.12 20.2.43

Valentin Weifenbach 3.6.04 7.5.43

Wilhelm Krebs 7.4.11 8.7.43

Philipp Hildebrand 25.4.11 26.9.43

Wilhelm Bürthel 5.10.21 3.10.43

Wilhelm Schäfer 28.6.06 18.10.43

August Seibel 25.2.06 21.10.43

Richard Trimbach 16.3.20 26.10.43

Philipp Koller 23.11.13 14.11.43

Hermann Koch 14.7.12 9.3.44

Peter Stier 28.5.16 16.3.44

Ludwig Liebler 4.11.14 31.3.44

 

DEMUETIGET EUCH UNTER DIE

GEWALTIGE HAND GOTTES

 

Günter Drews 8.5.20 7.11.41

Heinrich Fischer 17.9.98 2.6.40

Bernhard Ebert 9.9.01 8.4.45

Heinrich Fischer 4.8.06 4.45

Kurt Zwicker 20.3.18 27.2.45

Hans Gerstung 19.5.21 26.9.48

Heinrich Hock 24.12.18 fehlt

Valentin Burger 20.10.14 24.2.42

Herbert Dalek 10.4.19 5.3.42

Otto Lehmann 22.1.04 1.6.42

Wilhelm Seng 10.3.12 28.1.43

Andreas Schäfer 22.11.21 21.3.44

Walter Körner 21.12.19 16.6.44

Joachim Christ 16.7.25 18.8.44

Wilhelm Mankel 15.6.17 20.8.44

Phil. Eibelshäuser 7.10.13 23.8.44

Wilhelm Seibel 5.2.12 1.45

Wilhelm Stein 2.6.08 2.45

Wilhelm Damm 11.3.15 2.45

Wilhelm Klöss 20.9.07 3.45

Helmut Rauch 6.3.25 1.45

Fritz Drews 8.3.25 3.45

Walter Fritsche 15.2.03 3.45

 

Karl Eibelshäuser 9.1.04 27.11.44

Wilhelm Weber 22.11.12 28.6.44

Wilhelm Frischkorn 12.4.16 5.7.44

Heinrich Obmann 4.9.08 8.7.44

Wilhelm Hensel 19.2.14 29.7.44

Karl Wenzel 29.8.22 5. 8.44

Hans Burger 19.1.25 17.9.44

Fritz Hensel 3.3.29 14.10.44

Georg Lotz 5.4.11 7.10.44

Jean Schales 24.8.22 7.10.44

Wilhelm Burkhardt 12.5.24 13.10.44

Wilhelm Seibel 6.8.18 1.1.45

Jakob Mankel 22.6.21 17.1.45

Heinrich Muller 16.6.11 19.1.45

Karl Rohrbach 22.5.26 29.1.45

Karl Meffert 9.8.08 5.2.45

Kaspar Lenz 6.3.03 23.7.45

Karl Grossmann 14.9.02 25.3.45

Ernst Seibel 24.3.17 12.4.45

Heinrich Völker 20.8.10 27.4.45

Johannes Mankel 6.8.11 4.6.45

Heinrich Diehl 30.5.15 15.8.45

Justus Koch 12.12.13 11.12.45

Philipp Eibelshäuser 17.8.11 22.11.45

Philipp Heckert 10.12.03 10.10.45

Heinrich Giehsel 6.3.10 2.45

Hans Jung 29.1.15 2.42

Wilhelm Schmidt 4.7.16 1.3.44

Peter Hohmann 3.5.13 3.4.44

Heinrich Fieres 7.8.09 1.9.43

Bei Andreas Schäfer stand ursprünglich das Geburtsdatum 22.11.27 da, er ist aber 1921 geboren. Rudolf Helmut Rauch, geboren am 6. März 1925, gefallen im Januar 1945. Er steht im Totenbuch der Kirche ohne nähere Angaben. Er ist ein Schulkamerad von Ernst Volk. Er gehört auf der Gedenktafel unter Helmut Rauch.

 

Die Tafeln sind frei von allem Pathos. Steht auf dem Denkmal vor dem Kirchturm noch etwas von den „glorreichen Siegen über die Franzosen“, so ist hier nur ein Bibelspruch zitiert. Es ist auch recht, daß der Staat nicht mehr einen „Heldengedenktag“ feiert, sondern diesen Tag als „Volkstrauertag“ bezeichnet hat. Ein Held wird man in der Regel erst, wenn man tot ist. Die Gefallenen waren keine Helden, sondern arme Opfer eines verbrecherischen Systems. Wenn wir diese Tafeln heute sehen, dann helfen sie zu einem liebenden Gedenken an die Angehörigen, aber sie mahnen auch, daß der Krieg nicht ein Mittel der Politik sein kann und wir zu einem friedlichen Miteinanderleben auf gerufen sind. Durch die Anbringung im Kirchturm wird deutlich: Die Gefallenen sind nicht vergessen, sie gehören mit zur Gemeinde der Lebenden, die sich bei jedem Vorbeigehen an sie erinnert.

 

Eine TAFEL befindet sich noch links an der Rückseite des Turms, die an den Besuch der „Kaiserin Friedrich“ erinnert. Gemeint ist Viktoria, die Tochter der Königin Viktoria von England, die Frau des deutschen Kaisers Friedrich III., der 1888 nur 99 Tage regierte. Die Frau des Kaisers wohnte im heutigen „Schloßhotel“ in Kronberg. Eigentlich „Schloß Friedrichshof“ wurde das Gebäude im englischen Stil als Witwensitz der beliebten Kaiserin Fried­rich gebaut.

„Kaiserin Friedrich“ besuchte Ende des 19. Jahrhunderts regelmäßig ihre Tochter Margarethe, die mit ihrem Mann Prinz Friedrich Karl von Hessen und ihrer Familie im Rumpenheimer Schloß lebte. Von dort unternahm „Kaiserin Friedrich“ auch Ausflüge über den Main nach Hochstadt. . Sie wird aber erst von Einwohnern erkannt, als die Dienerschaft das Publikum aufklärt. Die Kaiserin ist eine gute Hobbymalerin und zeichnet am 26. April und 2. Mai 1898 den altertümlichen Eingang der Kirche. Das Bild ist allerdings verschollen.

Im August 1913 werden für eine Tafel zum Andenken an den Aufenthalt der Kaiserin Friedrich 20 Mark aus der Kirchenkasse bewilligt, wenn die bürgerliche Gemeinde das Gleiche tut. Die Gedenktafel zum Preis von 40,50 Mark wird 1914 angebracht und stammt aus der Werkstatt Jörg in Hanau (Weiteres Chronik, Hochstadt, Ergänzungen).

Eine Abbildung von Viktoria von Preußen, genannt „Kaiserin Friedrich“, der Mutter des deutschen Kaisers Wilhelm II., erschien im Maintal-Kalenders 2014. Zu der 33 mal 45 Zentimeter großen Zeichnung „Erinnerung an hohen Besuch in Hochstadt“ wurde Tatiana Bermant im Zusammenhang mit dem aktuellen Maintal-Kalender angeregt.

Rechts am Eingang zum Kirchhof war 1936 noch eine Marke zu sehen mit der Inschrift „Ein Halmen Korn“ mit einer nicht mehr lesbaren Jahreszahl. Die Marke gab die Größe einer Getreideähre in einem Rekordjahr an.

 

Im TURMINNEREN ist im Mauerwerk der Südwand die Stiege aus Stein an der Längstonne vorbei geführt, während die oberen Geschosse über hölzerne Treppen und Leitern zugänglich sind. Einfache, unten abgeschrägte Konsolen tragen die Balkenlagen. Im dritten Geschoß stand einst das Uhrwerk. Über dem Glockenstuhl befindet sich seit 1955 eine Bretterdecke, durch die der klangverschlingende Hohlraum in der Turmspitze abgeschlossen wird. Sie wurde vom Zimmermann Walzer hergestellt. Über eine Leiter kommt man aber in den Raum darüber, in dem noch der Zinnenkranz des Turms zu sehen ist.

 

Eine SONNENUHR am Kirchturm wird 1596 erstmals erwähnt, als ein Weißbinder aus Bergen für zwei Gulden einen „Sonnenzeiger“ an den Turm malt. Um 1900 sind am Turm noch zwei Sonnenuhren zu sehen: Der südliche Teil der Uhr zeigt dabei noch die alte Zeit an, der westliche Teil die mitteleuropäische Zeit. Wegen der sehr genauen Zeitangabe wird die erneuerte Uhr allgemein bestaunt.

 

Eine UHR hat der Turm aber auch schon früh. Sie wird von dem Glöckner gestellt und aufgezogen. Er erhält jährlich dafür drei Gulden. Um 1765 wartet der Hofuhrmacher Mittly aus Offenbach die Uhr. Doch sie ist in einem sehr schlechten Zustand. Der Uhrmacher meint, sie müßte in einen geschlossenen Kasten gebracht werden und von einem gewissenhaften Mann gepflegt werden, sie darf nicht einem Schulbub überlassen bleiben.

Am 24. Februar 1773 sagt der Schultheiß, daß die Uhr gänzlich verderbt ist und durch einen geschickten Mann repariert werden müßte oder eine neue gekauft werden müßte. Die bürgerliche Gemeinde sei aber durch die Erneuerung der Kirche finanziell erschöpft, so daß die Kirchenbaukasse einen merklichen Beitrag dazu leisten müßte. Der Pfarrer ist nicht abgeneigt, fordert aber, daß man die Uhr samt Turm künftig nicht mehr den Schulbuben überläßt. Die Uhr müsse einem gewissenhaften Mann übergeben werden, der sie täglich zur festgesetzten Stunde aufzieht, so daß sie niemals stille steht. Auch darf die Uhr nicht nach Belieben gestellt werden. Sie muß auch regelmäßig gepflegt und in gutem Stand gehalten werden. Dafür muß auch ein gewisses Geld aufgewendet werden. Die Gemeinde soll einen geschickten Meister aussuchen und vom Konsistorium bestätigen lassen.

Nachdem 1798 das Zifferblatt vergoldet wurde, soll eine neue Uhr beschafft werden. Die alte Uhr war seit zehn Jahren unbrauchbar. Weil aber Krieg war, konnte sie nicht erneuert werden. Sie soll durch den Schlosser und Großuhrmacher Georg Friedrich Kraus aus Alt-Hanau für 455 Gulden angefertigt werden. Sie soll so groß werden wie die Uhr in Kleestadt (ein Gutachten aus Kleestadt liegt bei den Akten). Im Jahre 1801 kann die neue Uhr gekauft werden.

Das Konsistorium sagt zunächst, die bürgerliche Gemeinde habe allein zu zahlen. Aber dann soll die Kirche doch zunächst 75 Gulden, dann 100 Gulden und dann doch 150 Gulden aus der Kirchenkasse geben.

Im Mai 1802 bewilligt das Konsistorium der Gemeinde, daß die Kirche 150 Gulden zur Anschaffung einer neuen Kirchenuhr gibt, allerdings ohne daß das für die Zukunft Folgen haben soll. Das Presbyterium will den Betrag in Raten zahlen, der Schultheiß ist damit zufrieden.

Aber schon im Oktober 1804 geht die neue Uhr auf dem Kirchturm sehr unregelmäßig und steht öfters still. Der Pfarrer hält deswegen Rücksprache mit dem Lehrer. Dabei ergibt es sich, daß nicht er, sondern sein Sohn von 14 Jahren die Uhr aufzieht. Es lägen aber auch Fehler vor, die dem Uhrmacher Krauß zur Last fallen.

Dem Lehrer wird gesagt, daß er selber die Uhr aufziehen soll, damit die Absicht der neu angeschafften Uhr erreicht wird. Er verspricht auch, die Uhr in einem guten Zustand zu erhalten, wenn erst noch einige Fehler abgestellt sind.

Der Schulmeister bringt die Uhr zwar wieder in Ordnung, aber die Absicht wird nur eine kurze Zeit erreicht. Deshalb nimmt der Schultheiß dem Lehrer das Amt ab und überträgt es an Christoph Fix. Am 31. Dezember 1804 wird festgestellt, daß Christoph Fix ein natürliche Anlage hat und in mehreren Künsten geschickt ist, so daß die Uhr ordentlich aufgezogen wird, der Gang der Räder wird gut beaufsichtigt und bemerkte Fehler werden behoben. Die Uhr geht besser als vorher und es ist zu hoffen, daß in Zukunft mehr bezweckt wird als bisher.

Doch schon 1828 will die Gemeinde eine neue Uhr kaufen, die Kirche soll einen Zuschuß dazu geben. Anfang 1831 fragt das Konsistorium an, ob die Kirchenkasse nicht einen Beitrag leisten könne zur Reparatur der Kirchturmuhr. Das Presbyterium betont, daß es nicht verpflichtet sei, einen Beitrag zu leisten. Vor allem möchte es nicht, daß aus einer Zahlung eine Verpflichtung entsteht.

Aber es verweist auch darauf, daß die Kirchenkasse sich schon an der Anschaffung der Uhr beteiligt hat, als die Kasse noch nicht so gut da stand wie jetzt. Im Jahre 1801 hat sie 150 Gulden beigetragen. Jetzt aber wieder einen solchen Betrag zu geben, würde sehr schwer fallen. Die Gemeinde wird auch mit einem verhältnismäßigen Beitrag zufrieden sein. Das Konsistorium soll über den Beitrag entscheiden, damit das gute Verhältnis zwischen Kirche und Gemeinde nicht gestört wird. Doch grundsätzlich ist man zur Beitragsleistung bereit.

Auch 1920 soll eine neue Turmuhr gekauft werden. Die Turmuhr wird im Lagerbuch der Gemeinde Hochstadt von vor 1929 als Eigentum der (bürgerlichen) Gemeinde aufgeführt.

Die heutige Kirchturmuhr ist von 1960 und für 4.000 Mark von der bürgerlichen Gemeinde gekauft worden. Sie ist noch voll mechanisch. Auch das Auslösen des Uhrenschlags konnte 2016 wieder instandgesetzt werden. Nur die genaue Uhrzeit wird mit Funk gesteuert.

Früher gab es in dem Turm auch noch Eulen. Abends zogen sie ihre Runden über die Höfe. Doch Vogelkundler hatten im Turm Drähte gespannt und eine automatische Fotografieranlage eingebaut. Das wiederholte Blitzlicht hat die Eulen dann vertrieben. Heute nisten Steinkäuze und Turmfalken im Turm.

 

Die älteste Nachricht von einer GLOCKE ist aus dem Jahre 1585, in dem ein Glockenturm mit zwei Glocken erwähnt wird. Conrad Appel gibt ohne Nennung einer Jahreszahl an: „Die große Glocke wiegt 48 Zentner, habe ich von Velten Bul gehört“.

Dann wird behauptet, daß 1627 eine kleine Glocke von den Spaniern vom Turm geworfen worden sei und beide Glocken von den Soldaten samt Seilen mitgenommen wurden. Die Gemeinde habe bei einem Glockengießer in Frankfurt eine neue kleine Glocke bestellt. Dazu könnte passen ein Schreiben der Gemeinde Hochstadt an den Oberschultheiß in Hanau aus dem Jahre 1629, das im Staatsarchiv Marburg vorhanden ist. Darin wird beschrieben, wie am 25. Juli 1629 die Hochstädter Rechnungsführer die Kriegssteuer abgeliefert haben und ihnen dabei eröffnet wurde, daß die Hochstädter Glocke - die offenbar schon einige Zeit in Hanau steht - für den Glockenguß in Hanau verwendet werden soll.

Als die Rechnungsführer wieder nach Hochstadt kommen, machen sie natürlich gleich dem Schultheiß Meldung. Der ruft sogleich alle Einwohner („Nachbarn“) zusammen und legt ihnen die Sache vor. Es wird sofort einstimmig beschlossen, daß niemand damit einverstanden ist, daß ihnen die Glocke entzogen wird, es sei denn mit Gewalt. Sie verweisen darauf, daß die Gemeinde jährlich fünfhundertfünfzig Reichstaler Steuern nach Hanau zahlen muß und wöchentlich mit einer großen Kriegssteuer belastet wird. Sie wollen, daß die Glocke an ihrem jetzigen Platz bleibt

Im Jahre 1636 sind es wohl schon wieder mindestens zwei Glocken, denn es wird berichtet, daß die Glocken vom Turm geholt werden, um Kriegsmaterial zu gewinnen. Dazu paßt eine Sage über eine Glocke aus Hochstadt: Im Dreißigjährigen Krieg richteten die Belagerer von Hanau in der Hochstädter Kirche ein Lazarett ein. Die Soldaten zertrümmerten die Inneneinrichtung der Kirche, rissen die Turmuhr herunter und entfernten die Glocken vom Turm. Als der Krieg längst zu Ende war, erschien ein Mann aus Harheim in Hochstadt und erzählte, daß eine Glocke im Teufelsee im Gemeinde-Eichwald versenkt sei. Im Sommer war der See trocken. Man grub nach und förderte eine Glocke zutage. Sie wurde im Triumphzug nach Hochstadt gebracht. Dem Mann gab man eine Belohnung von drei Gulden elf Schilling. Die Glocke hat man später nach Fechenheim verkauft

[Der Teufelsee lag nördlich der heutigen Thingstraße und ist auch auf den Flurkarten eingezeichnet, ist aber heut längst trocken gefallen und mit Bäumen bepflanzt].

Nun hat Fechenheim im Foyer der Melanchthonkirche eine Glocke vom 10. November 1390 stehen, die die älteste Glocke auf dem Frankfurter Stadt­gebiet ist. Diese Glocke ist allerdings 9 Zentner schwer, so daß man sich kaum vorstellen kann, daß sie leicht in einem See versenkt werden konnte. Heute hat die mittlere Glocke 7 Zentner Gewicht, die kleine Glocke 4 Zentner. Doch in dem Bericht über die von den Spaniern herabgestürzte Glocke heißt es ausdrücklich, es sei eine kleine Glocke gewesen.

 

Die Gemeinde Hochstadt kauft sich dann 1657 zwei neue Glocken für 54 und 255 Gulden. Sie werden gegossen von dem Glockengießer und Uhrmacher Schmidt aus Aßlar (Kreis Limburg-Weilburg). Der Glöckner erhält drei Gulden für das Läuten der „großen Glocke“ und der „Weinglocke“. Geläutet wird im Sommer um 21 Uhr und sonst um 20 Uhr, um zum Schließen der Gaststätten zu mahnen (dann wurde wohl mit der „Weinglocke“ geläutet).

Eine dritte Glocke kommt 1687 hinzu. Diese Glocke mit dem Ton g hängt heute noch im Turm. Sie trägt die Inschrift:

Zu Gottes Ehr bin ich bereit

der Kirch zu dienen, meld die Zeit,

hörest du mich leuten, woles tu lauffen

ins Gottes Haus mit hellen Haufen.

Philipp Ludwig Böhm Pfarrer 1687.

In Gottes Namen floß ich,

Dilman Schmid,

Adoni Fei zu Aslar goß mich.

Caspar Schmid, Schultheis, Hans Georg Weber, Johannes Reich, Bürger, Daniel Krebs, Kirchbaumeister, Hochstadt“ (das Wort „Bürger“ meint den Bürgermeister, also den Rechnungsführer der Gemeinde).

Auf dieser Glocke findet sich eine der ältesten Darstellungen des traditionellen Hochstädter Wappens mit der Hacke in dem Buchstaben „H“.

 

Mitte 1707 ist die mittlere Glocke zersprungen und man muß wieder eine gießen lassen. Die bürgerliche Gemeinde kann aber das Geld für das zusätzlich benötigte Metall nicht aufbringen. Deshalb leiht ihr die Kirchenbaukasse mit Billigung der Kirchenältesten 100 Gulden, die bei nächster Gelegenheit zu ersetzen sind. Es unterschreiben die Bürgermeister (=Rechnungsführer) Peter Schröder und Johann Trapp. Das Geld wird im gleichen Jahr wieder zurückgezahlt.

Die neue Glocke trägt die Inschrift:

Hr. Henrich Daniel Bender, Pfarrer, Caspar Schmid, Schultheiß, Peter Schröter und Johann Rap, Bürgermeister, Hans Joerg Stein, Kirchenbaum(eister).

Die Suender schreck ich

Die Schlafende Weck ich,

Die Toden bewein ich,

Des jüngsten Gerichts erinnere

ich dich,

In Gottes Namen flos ich. 1707

Tilman Schmid von Aslar gos mich.“

In der Mitte trug die Glocke eine girlandenartige Verzierung und darunter das Hochstädter Wappen, links und rechts unten eine Ähre. Sie war 88 Zentimeter weit und 90 Zentimeter hoch.

Im Jahre 1751 werden neue Glocken gekauft von dem Glockengießer Bach in Windecken. Die Kinder bekommen zur Erinnerung an diesen Tag einen Weck (Brötchen). Die eine Glocke trug die Inschrift: „In Gottes Nahmen Floß ich, Johann Peter Bach in Windecken goß mich. 1751“.

Diese Glocke war 80 Zentimeter weit und 74 Zentimeter hoch und war mit Girlanden und freien Verzierungen versehen. Am 22. März 1828 fragt das Konsistorium, ob der Glockengießer Bach die Glocke bezahlt hat, die er im Oktober 1826 von der Kirchengemeinde Hochstadt gekauft hat. Er hat am 16. März 120 Gulden von den ausstehenden 235 Gulden bezahlt.

Um 1900 wird geläutet um 11 Uhr, um 20 Uhr und bei Einbruch der Dunkelheit. Das 11-Uhr-Läuten stammt aus der Zeit, als die Türken Europa bedrohen. Aber die Bauern nehmen dieses Läuten als Zeichen, vom Feld nach Hause aufzubrechen, um Mittagspause zu machen und das Vieh zu füttern. Der Pfarrer vermerkt dies doch mit etwas Verbitterung, weil das Läuten ja an sich an das Gebet erinnern soll.

 

Weil ein Glockenjoch schadhaft geworden ist, will der Bürgermeister es im August 1901 wieder herstellen lassen, um einen Unfall zu vermeiden. Im November soll das Abendläuten von Martini bis Ostern um 8 Uhr und von Ostern bis Martini um 9 Uhr stattfinden. Außerdem wird das ganze Jahr über beim Eintritt der Dunkelheit geläutet.

 

Im September 1904 untersucht der Pfarrer mit dem Schmied Krebs den Glockenstuhl, er ist aber in Ordnung. Doch das Joch der zweiten Glocke ist schief und das Eisen, welches das Joch mit der Glocke verbindet, ist durchgescheuert. Wegen der Reparatur soll mit dem Bürgermeister gesprochen werden. Der Bürgermeister verspricht im Oktober, die Arbeit an der zweiten Glocke dem Schmied Krebs zu übertragen. Ende November ist die Glocke dann repariert.

 

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs müssen die zwei Glocken und die Prospektpfeifen der Orgel für Kriegszwecke abgeliefert werden. Am 17. Juni 1917 wird dem Presbyterium mitgeteilt, daß zwei Kirchenglocken und die Orgelpfeifen abgeliefert werden müssen. Der Maurermeister Heinrich Bauer soll die Glocken herab nehmen, nur wenn er das nicht kann, soll das der Glockengießer Ulrich aus Apolda machen. Die Firma Rincker in Sinn schafft die vielen Aufträge aber nicht. So baut die Glockengießerei Ulrich aus Apolda die 420 und 310 Kilogramm schweren Glocken am 12. August 1917 aus (nach anderer Angabe sind es der Maurermeister Heinrich Bauer und der Zimmermann Johannes Hensel am 25. Juni 1917).

Die eine Glocke ist von 1751, also von dem Glockengießer Bach in Windecken gegossen. Die andere Glocke ist etwa 84 Zentimeter weit und 78 Zentimeter hoch und trägt die Inschrift: „Mich goß And. Hamm in Frankenthal, Giesser der Kölner Kaiserglocke im Jahre 1885 für die Gemeinde Doernigheim“. Am 12. August 1917 berichtet der Pfarrer über die vom Turm herab genommenen Glocken und über die aus der Orgel entfernten Prospektpfeifen. Am 7. November werden sie auf dem Nordbahnhof in Hanau verladen. Sie tauchen nicht wieder auf, auch nicht nach dem Krieg.

Am 6. Juli 1919 wird mitgeteilt, daß keine Hoffnung besteht, daß die abgelieferten Glocken nicht eingeschmolzen worden wären. Deshalb muß man mit der Anschaffung neuer Glocken rechnen. Doch der Erlös für die abgelieferten Glocken wird nur für die Anschaffung einer neuen Glocke reichen. Am 1. August 1920 wird angeregt, freiwillige Gaben für die Anschaffung von zwei neuen Glocken zu sammeln.

Man will zunächst versuchen, einige wohlhabende Gemeindeglieder dafür zu gewinnen. Mit dem Einsammeln von Geldern für neue Glocken beginnt man dann im August 1920. Zunächst bemüht man sich bei anderen Gemeinden, ob diese nicht passende Glocken verkaufen. Es gehen auch mehrere Angebote ein. Am 23. September 1920 teilt der Pfarrer mit, daß Kirchengemeinden Glocken mit den Tönen „fis“ und „cis“ verkaufen wollten, er wolle die nötigen Schritte in die Wege leiten.

 

Anfang 1921 will der Kirchenvorstand, daß der Glockengießer Rincker aus Sinn kommt, damit mit ihm persönlich verhandelt werden kann. Am 29. Januar 1921 verhandelt man mit einem Vertreter der Glockengießerfirma. Der Kostenvoranschlag für zwei Glocken in den Tönen „ais“ und „cis“ und mit einem Durchmesser von 82 und 69 Zentimetern beläuft sich mit allen Nebenarbeiten auf 29.010 Mark. Die Firma will zuerst eine Vorauszahlung, ist dann aber doch mit einer Zahlung nach Lieferung einverstanden.

Daraufhin wird die Bestellung der Glocken beschlossen. Die Inschriften auf den Glocken soll das kleine Presbyterium bestimmen. Am 6. März 1921 wird eine Haussammlung für die neuen Glocken beschlossen. Ab Mittwoch, dem 9. März, soll die erste Gruppe des Presbyteriums sammeln, ab Donnerstag die nächste und so weiter.

Doch schließlich werden dann für 29.010 Mark zwei neue Glocken bei der Firma Rincker in Sinn bestellt: eine zu 320 Kilogramm mit dem Ton a-is und eine zu 210 Kilogramm mit dem Ton e-is. Eine Arbeitsgruppe für die Haussammlung von Spenden wird gebildet. Am 24. April 1921 sind die Glocken fertig. Sie werden durch die Kirchenvorsteher am 30. April abgeholt. Am 24. April 1921 wird festgelegt, daß die neuen Glocken am Bahnhof vom „Großen Presbyterium“ (dem erweiterten Kirchenvorstand) abgeholt werden sollen und auch der Bürgermeister soll dazu eingeladen werden. Am Kirchturm soll dann eine Empfangsfeier stattfinden (Aufnahme mit Pfarrer Reich).

 

Am 9. Mai werden die Glocken aufgezogen und am 16. Mai (zweiter Pfingsttag) eingeweiht. Am 20. Mai wird zum ersten Mal mit der Schulglocke geläutet. Die Rechnung für die Glocken über 25.90410 Mark ist im Juni 1921 schon vollständig bezahlt. Beim Aufhängen der Glocken haben die Zimmerleute Johannes Hensel und Wilhelm Walzer geholfen und erhalten im Juni 1921 dafür 258 Mark (Hensel soll allerdings seine Rechnung herabsetzen).

Weil jetzt die neuen Glocken da sind, soll im Juni 1921 das Abendläuten wieder eingeführt werden, und zwar ein Läuten bei Einbruch der Dämmerung und ein Neun-Uhr-Läuten von Ostern bis zum 15. August und ein Acht-Uhr-Läuten vom 16. August bis Ostern, wie es vor dem Krieg üblich war. Da aber die bürgerliche Gemeinde hier der Arbeitgeber ist, soll die Sache dem Bürgermeister vorgetragen werden. Der Bürgermeister teilt im Juli 1921 mit, daß nur dem Läuten bei Eintritt der Dämmerung zugestimmt wurde. Jetzt soll der Kuhhirte Wilhelm Koch mit dem Läuten beauftragt werden. Im Oktober 1924 wird ein neues Seil für die große Glocke bei dem Seiler Kerber in Alzenau bestellt.

Das Presbyterium bittet den Bürgermeister, daß wieder tagsüber geläutet wird. Am 18. Juli erklärt es sich aber bereit, „im Anbetracht der besonderen Zeitverhältnisse“ auf das Morgenläuten zu verzichten. Es ist kein Geld da für die Bezahlung des Läuters. So wird nur noch abends bei Einbruch der Dämmerung geläutet.

Zum Gottesdienst läuten die Konfirmanden. Doch dieses Läuten wird immer erbärmlicher, das Vaterunserläuten fällt manchmal aus. Nach dem ersten Läuten gehen die Konfirmanden nämlich manchmal vom Turm fort, ohne den Gottesdienst zu besuchen. Man sucht zunächst einen Mann zur Beaufsichtigung der Läutejungen. Dann soll eine erwachsene Person, möglichst der Kirchendiener, das Läuten besorgen. Schließlich kommt eine elektrische Läuteanlage ins Gespräch.

Ein Neujahrsläuten findet erstmals 1929 statt: Um Mitternacht wird fünf Minuten geläutet. Der Pfarrer will, daß dabei kein Lärm auf den Straßen herrscht, nur der Glöckner darf auf den Turm. Aber sicherlich wird es auch damals nicht nur ruhig zugegangen sein in der Silvesternacht.

 

Auch im Zweiten Weltkrieg müssen die Glocken wieder bis auf die große Glocke abgeliefert werden. Die Beschaffung neuer Glocken war bis März 1949 nicht möglich, weil die Firma Rincker den Guß neuer Glocken von der Beschaffung des Materials (sechs Zentner Bronze) abhängig machte. Nun bietet die Firma Grüninger aus Neu-Ulm Glocken aus Weiß-Bronze an (die der Rot-Bronze nicht nachstehen soll), aber um ein Drittel billiger sind und in künftigen Kriegen nicht wieder abgeliefert werden müßten. Über die Qualität will man nähere Erkundigungen einziehen.

Nach der Ernte soll von den Kirchenvorstehern für die Beschaffung zweier neuer Glocken gesammelt werden. Ein Aufruf soll gedruckt und an alle Haushalte verteilt werden. Für die neuen Glocken sind Ende Dezember 1949 bereits 2.500 Mark eingegangen.

Das ist ein befriedigendes Ergebnis. Der Bürgermeister will extra die Fabrikanten in Hochstadt ansprechen: Spinnereibesitzer Eckhardt und Vater, Sperrholzplattenfabrikant Kling, Nährmittelfabrikant Achenbach. Der Pfarrer macht aber darauf aufmerksam, daß an sich die bürgerliche Gemeinde zur Beschaffung der Glocken verpflichtet ist, so daß auch von ihr eine entsprechende Beihilfe erwartet wird. Die Glocken werden etwa 4.500 Mark kosten.

Da es sich bei der Firma Grüninger aber um eine katholische Firma handelt, sollen auch noch Angebote bei der Firma Rincker in Sinn und der Firma Schilling in Apolda bzw. Heidelberg eingeholt werden. Erst jetzt wird festgestellt, daß die große Glocke in den Ton „g“ hat (nicht „fis“), so daß jetzt der Dreiklang g-a-c- (Gloria-Motiv) geschaffen werden soll.

Das Angebot der Firma Rincker erscheint Anfang 1950 am klarsten und vertrauenswürdigsten. Bei Grüninger ist nicht klar, ob Kugellager und ein neues Joch für die alte Glocke geliefert werden sollen. Schilling will weniger Material verwenden und hat hohe Nebenkosten.

Für den Glockenguß entscheidet man sich am 1. Februar 1950 endgültig für die Firma Rincker, die aber schriftlich erklären soll, daß sie keine Nachforderungen stellen wird. Das Landeskirchenamt genehmigt den Kostenvoranschlag im März 1950 (Einholung der neuen Glocken).

Als Inschrift schlägt der Pfarrer vor für die mittlere Glocke „Ehre sei Gott in der Höhe“ und für die kleine „Friede auf Erden“. Der Kirchenvorstand ist aber nicht mit dem Vorschlag des Pfarrers einverstanden, keine weiteren Inschriften auf die Glocken zu setzen. Er wünscht, daß die Namen des Pfarrers, des Bürgermeister und der Kirchenvorsteher darauf kommen sollen, wie das früher der Fall war. Damals bestand der Kirchenvorstand aber noch nicht aus 13 Mitgliedern. Man einigt sich schließlich auf den Vorschlag von Wilhelm Seibel, daß außer „Hochstadt 1950“ noch die Namen des Pfarrers und des Bürgermeisters auf die Glocken kommen.

Doch die Firma Rincker schreibt im Juni 1950, daß Namensnennungen auf den Glocken nicht mehr üblich sind, weil zu viel Schrift die Tongebung beeinflußt. Deshalb schließt sich der Kirchenvorstand dieser Meinung an. Philipp Schmidt schlägt schließlich vor, daß die Glocken „gekröpft“ aufgehängt werden, damit der Schwerpunkt tiefer liegt und das Läuten erleichtert wird. Der Pfarrer bittet die Kirchenvorsteher dringend, die zugesagten Beträge für die Glocken einzuziehen, weil das Geld für die vertragsmäßige Zahlung dringend benötigt wird (Mit Bürgermeister Mankel (links) und Pfarrer Gerlach (rechts).

 

Im Jahre 1950 werden zwei kleinere Bronze-Glocken mit dem Tönen a und c beschafft, die gegossen wurden von der Firma Rincker in Sinn. Im August wird aber festgestellt, daß die beiden neuen Glocken um 37 Kilogramm und 34 Kilogramm schwerer ausgefallen sind. Dadurch erhöht sich der Preis um 169,25 Mark. Außerdem kommen noch hinzu: Für Inschriften 7 Mark und für zwei neue Klöppel 64 Mark. Die bürgerliche Gemeinde hat noch 63 Mark zu zahlen für drei Drahtseile mit Hanfenden und 11,25 Mark für drei Porzellan-Seilführungen.

 

Für das Läuten der Glocken wird am 19. Juli 1950 folgende Norm aufgestellt: Mittags wird täglich mit der großen Glocke um 11 Uhr geläutet (bürgerliche Gemeinde). Täglich wird morgens 6.45 Uhr oder 7.45 Uhr mit der kleinen Glocke geläutet, abends kurz vor der Dämmerung mit der kleinen Glocke (durch den Kirchendiener). Der Sonntag wird mit drei Glocken eingeläutet und am Abend mit drei Glocken ausgeläutet. Am Sonntag läutet um 9 Uhr die große Glocke, um 9.30 Uhr die mittlere Glocke. Um 10 Uhr läuten am Sonn- und Feiertag alle Glocken zusammen zum Gottesdienst.

Zum Vaterunserläuten wird die kleine Glocke gezogen. Bei Beerdigungen läutet morgens früh die große Glocke vor und die anderen fallen ein. Bei Kindern bis zu einem Jahr wird bei Beerdigungen nur die zweite Glocke geläutet. Bei der Beerdigung selber wird wie beim Sonntagsgottesdienst geläutet.

 

Nach dem Vorschlag des Glockensachverständigen Pfarrer Dr. Lauer wird im Oktober 1957 eine e-Glocke bei der Firma Rincker bestellt zum Preis von 6.264,04 Mark (zum Metallpreis von 4.059,04 Mark). Die dazu passenden Läutemaschinen werden bei der Firma Bockelmann bestellt. Im Jahre 1958 kommt die große Glocke mit dem Ton e dazu.

Das Landeskirchenamt fragt im November 1957 an, weshalb man zur Beschaffung der vierten Glocke nicht die bürgerliche Gemeinde herangezogen hat. Der Kirchenvorstand ist aber der Meinung, daß man das nicht tun könne, weil bürgerliche Gemeinde und Kirchengemeinde nicht mehr den gleichen Personenkreis umfassen und weil Hochstadt immer nur drei Glocken gehabt hat, und nur für diese hat auch die bürgerliche Gemeinde gesorgt.

Die neue große Glocke von 1957/1958 wiegt zwanzig Zentner und trägt den Spruch: „Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren“. Die mittlere Glocke ist sieben Zentner schwer und verkündet: „Ehre sei Gott in der Höhe“. Die kleinste Glocke mit ihren vier Zentnern setzt das Bibelwort aus der Weihnachtsgeschichte fort mit den Worten „Friede auf Erden“. Aber die alte Glocke von 1687 mit dem Gewicht von zwölf Zentnern gehört auch noch mit zum Geläut. Dieses besteht also aus vier Glocken mit den Tönen e g a c (Die neue große Glocke auf dem Schulhof).

Die bürgerliche Gemeinde übernimmt im April 1958 durch Vertrag die Wartung der Glok­kenläuteanlage. Anfang 1977 wird die Firma Rincker beauftragt, ein Glockenjoch zu reparieren. Die Firma Reider wird im März 1970 beauftragt, die dritte Glocke zu reparieren (etwa 950 Mark).

 

 

Rundblick vom Kirchturm:

Nach Osten, Nach Süden, Nach Westen, Am Pfarrhof 2 früher, Am Pfarrhof 2 heute,

Obere Hauptstraße, Das Rathaus im Mittelpunkt der Hauptstraße, Bis zur Skyline von Frankfurt, Nach Nordwesten, Nach Norden, Blick auf den Kirchberg und zur Hartig, Das Fachwerkhaus des Zimmermanns Hensel am Kirchberg 7 (Rechts ist die Westwand der Kirche mit der Westwand des alten Kirchturms zu sehen. Im Hintergrund das Haus des Peter Schmidt und des Johan Jacob Heckert, Am Kirchberg 11. Ganz in Hintergrund die Hartig), Blick in den Kirchhof.

Zum Schluß noch einige Luftbilder: Von Norden, im Hintergrund Hanauer Straße und Am Pfarrhof.

 

 

Der Kirchhof

Wie an anderen Orten auch lag der Friedhof rund um die Kirche. Dadurch sollte zum Ausdruck kommen, daß die Gemeinde der Lebenden sich mitten unter der Gemeinde der Verstorbenen zum Gottesdienst versammelt. Im Jahre 1765 erwägt man die Verlegung des Friedhofs.

Superintendent Schiede regt anläßlich der Visitation am 30. August 1765 und im Zusammenhang mit der Renovierung der Kirche an, einen Garten für den Totenhof herzugeben. Der Totenhof rund um die Kirche ist zu klein und das Wasser dringt aus dem höher gelegenen Teil in die Kirche. Man sollte am Untertor einen Gemeindegarten zum Friedhof nehmen.

Die durch Geläut zusammengerufenen Gemeindeglieder meinen aber, der Friedhof sei ausreichend. Die Erwachsenen wollten bisher meist am Eingang der Kirche beerdigt werden. Aber man könne für sie doch auch den Platz nehmen, wo bisher fast nur Kinder beerdigt wurden. Das Wasser könnte man durch eine Rinne ableiten. Der Platz am Untertor ist zu abgelegen, aber ein wertvoller Obstgarten. Philipp Meyer bietet gleich an, seinen 8 Ruthen großen Garten zur Verfügung zu stellen, allerdings zum überhöhten Preis von 130 Gulden, obwohl der Wert nur 30 - 40 Gulden beträgt.

Solange der Kirchhof noch als Friedhof genutzt wurde, war er nicht mit Grabdenkmälern und Einfassungen vollgestopft, sondern es gab nur schlichte Holzkreuze und später gußeiserne Kreuze. Auf den Grabstellen weidete das Vieh des Lehrers. Auch nach der Verlegung des Friedhofs standen auf dem Kirchhof viele Bäume. Der Lehrer Henning soll im August 1850 auf die Nutzung des großen Nußbaum an der Kirche verzichten gegen die Überlassung des halben Holzes, wenn der Baum gefällt wird. Aber Anfang 1852 erlaubt er sich, ohne Erlaubnis einige Obstbäume an der Kirchhofsmauer abzusägen. Das Presbyterium will gegen ihn eine gerichtliche Klage auf Schadensersatz erheben. Dafür soll ein Anwalt genommen werden, der Kirchenbaumeister soll diesen bestellen.

Im März 1903 plant man zunächst, die Mauer des alten Kirchhofs auszubessern. Aber im November heißt es dann, daß der Schlosser Johannes Bauer auf der Kirchhofsmauer nur einen Drahtzaun nach dem Anwesen des Waldhüters Schlegel zu anbringen soll (Grundstück Ringstraße Nord 1) (Lageplan des Kirchhofs von 1775).

Anfang 1904 wird gefordert, daß die Kirchenkasse die fünf Mark für die Instandhaltung des Buschwerks auf dem Kirchhof nicht mehr bezahlt, weil die Unterhaltung der Kirchhofs Sache der bürgerlichen Gemeinde ist. Der Bürgermeister weist aber darauf hin, daß die Nutzung des Kirchhofs dem Inhaber der Ersten Schulstelle nur deshalb kostenlos überlassen wurde, wenn er den Kirchhof auch instand hält. Vor der Kirche ist 1927 eine Buchsbaumeinfassung, die beschnitten werden soll.

Heute wird gern der Begriff „Kirchgarten“ für den Kirchhof verwendet. Das soll an den Paradiesgarten erinnern, den Ausgangspunkt der Schöpfung. Der Garten ist aber auch ein Bild für die künftige Welt Gottes. Deshalb paßt der Ausdruck gut zu einem früheren Ruheplatz der Toten.

 

Bei einem Rundgang um den Kirchhof sieht man rechts noch eine Reihe alter Grabsteine. Sie gehören zu folgenden Personen (Die vollständigen Inschriften sind in Abschrift von Pfarrer Reich im Pfarrarchiv vorhanden):

 

1. Tobias Stein, geboren 1542, gestorben am 17. August 1617, 75 Jahr („im Alter von 75 Jahren“). Die Buchstaben sind sehr groß.

 

2. Hans Schwarz, geboren 1504, gestorben am 11. März 1580, 76 Jahre alt, von 1550 bis 1580 Schultheiß (mit Wappen).

 

3. Wilhelm von Speckhan: Der Stein erinnert an den Kornett von Speckhan, der in einem lüneburgischen Reiterregiment diente. Er kämpft in spanischen Erbfolgekrieg am 13. August 1704 in der Schlacht bei Höchstädt an der Donau im Amt Dillingen auf Seiten der Österreicher und Engländer, wo diese unter Prinz Eugen gegen die Bayern und Franzosen unter Marschall Tallard siegten. Auf Seiten der Österreicher kämpfen auch die Hannoveraner, bei denen Wilhelm von Speckhan als „Kornett“ (Reiterfähnrich und Standartenträger) dient.

Anfang 1706 liegt das Regiment in Wachenbuchen, wo den Standartenträger ein Schlaganfall trifft, dem er dann am 7. Februar 1706 im Alter von kaum 26 Jahren erliegt. Weil die Wachenbucher Kirche aber reformiert ist, setzt man den Toten in der lutherischen Kirche in Hochstadt bei. Als diese aber nach der Hanauer Union 1818 aufgegeben wird, setzt man 1836 die Gebeine in einem Behälter auf dem reformierten Kirchhof bei und stellt den Deckel über der Gruft als Grabstein auf.

Der Stein aus dem Jahre 1706 zeigt das Wappen der Herren von Speckhan, das zwei Hähne mit Speck im Schnabel darstellt. Der Text berichtet: Statius Wilhelm Speckhan wurde 1680 geboren als Sohn des Wilhelm von Speckhan, Regierungsrat der Königlichen Majestät von Schweden, und seiner Frau Sophie von Hohenassenberg.

Er stammt aus Elßen im Stift Bremen und war Kornett unter der Kurfürstlichen Durchlaucht von Hannover in der Kompanie des Herrn von Bülau. Als Besonderheit wird vermerkt, daß Speckhan in Höchstädt damals mit gesiegt hat und nun in einem Hochstadt beerdigt liegt. Er ist am 7. Februar 1706 in Wachenbuchen gestorben und ist laut Kirchenbuch am 10. Februar „zwar in aller Stille, doch mit christlichen Zeremonien, als mit Fackeln und etlichen Gesängen, wie auch mit einer gehaltenen Abdankung, abends um 7 Uhr, in unsrer Ev.-Lutherischen Kirche beigesetzt worden“.

 

4. Johann Adam Heckert: Johann Adam Heckert, geboren am 30. Dezember 1666, gestorben am 18. Januar 1713, im Alter von 46 Jahren und 18 Tagen, und seine Frau Anne Margretha geborene Stein, geboren am 14. November 1652, gestorben am 22. Februar 1712, im Alter von 59 Jahren und 3 Monaten, verheiratet am 12. März 1691. Weiter ist erwähnt der Sohn Johann Georg, geboren am 7. Mai 1693, gestorben am 27. März 1713 (der Tag des Begräbnisses ist laut Kirchenbuch der 29. März, der Todestag müßte also der 27. März sein, nicht der 20. März, wie es Reich gelesen hat, aber heute ist die Zahl nicht mehr zu erkennen, die Altersangabe „und 10 Tage“ paßt aber wieder besser zum 20. März), alt 19 Jahre 10 Monate 10 Tage. Die Umschrift lautet: „Hier ist eine schöne Blumen in einem Gottesgarten eingesetzt samt Stamm und Wurzel“. Hier ist also ein Ehepaar kurz nacheinander gestorben und der Sohn dann innerhalb eines Jahres. Sie erhielten einen gemeinsamen Grabstein. Die Eltern haben aber noch zwei weitere Söhne, von denen der älteste, Andreas, verheiratet war und Nachkommen hatte. Heutiger Nachkomme ist unter anderem Alfred Huhn, Felsenkeller 16.

 

5. Catharina Sebastian geborene Bechtoldt (Geburtsname laut Chronik Heckert und Lutherischem Kirchenbuch, auf dem Grabstein ist „Sommer“ angegeben), Frau des lutherischen Pfarrers Johann Georg Sebastian. Sie ist geboren am 28. Mai 1681 in Frankfurt, erzogen und verehelicht in Hanau am 31. Januar 1701. Sie hat drei Kinder geboren, einen Sohn und zwei Töchter (Nur die Tochter Johanna Maria ist 1714 in Hochstadt geboren). Sie stirbt am 11. September 1729, im Alter von 48 Jahren 3 Monaten und 11 Wochen. Am oberen Rand des Grabsteins ist eine Kanne dargestellt, die Schrift ist noch gut zu lesen. Der Stein stand früher an der nördlichen Kirchhofsmauer.

Ihr Mann Johann Georg Sebastian ist von 1713 bis 1733 lutherischer Pfarrer in Hochstadt. Er ist am 7. Januar 1677 in Weimar geboren als Sohn eines Schuhmachers. Zunächst ist er Lehrer und Kantor in Hanau und von 1704 bis 1711 Pfarrer in Rodheim vor der Höhe. Von 1713 bis 1733 ist er Pfarrer in Hochstadt. Am 16. Mai 1730 wird er in zweiter Ehe in Hochstadt getraut mit Johanna Maria Justina Rommel, Tochter des Dietrich Rommel, Lehrer in Rüdigheim. Danach ist er noch Pfarrer in Seckbach (1733 bis 1742) und Babenhausen (1742 bis 1766), wo er am 10. Juli 1766 stirbt.

 

6. Johann Heinrich Weber, Ziegler, geboren am 6. Januar 1652 in Hanau, verheiratet laut Kirchenbuch am 25. Oktober 1677 mit Amali Elisabetha Schüler (Schiller) aus Bönstadt (Böhstadt). Sie hat sechs Kinder geboren (drei Söhne und drei Töchter) und gestorben am 9. Dezember 1700, 49 Jahre und 7 Tage alt.

Die Frau ist eine Tochter des Hochstädter Lehrers Conrad Schüler, aber demnach schon in Bönstadt geboren (in Hochstadt nur Sterbe-Eintrag mit Altersangabe). Der Stein zeigt am oberen Rand ein Wappen mit Helmzier. Er stand früher an der nördlichen Kirchhofsmauer. Pfarrer Reich hat hier falsch gelesen: Die Hochzeit war nicht am 10. Oktober 1686, denn von der Jahreszahl 1677 ist nur die letzte Ziffer nicht mehr sicher zu lesen. Das Sterbejahr ist nicht 1709 und das Alter nicht 45 Jahre. Nachkommen sind zum Beispiel Ellen Rohn, Hauptstraße 51, und Marie Erdmann, Hauptstraße 19.

 

7. Anna Catharina Weber geborene Meth (der Geburtsname der Frau wird sonst „Meed“ geschrieben.). Sie ist Frau des Zieglermeisters Johannes Weber, geboren am 10. Februar 1694, verheiratet am 16. März 1713 (der nicht mehr lesbare Monat konnte durch das Kirchenbuch geklärt werden), gestorben am 6. September 1728, im Alter von 34 Jahren und 7 Monaten, gestorben an einer hitzigen Krankheit zugleich mit einem Kind im Mutterleib. Die Ehezeit betrug 15 Jahre 6 Monate. Der Stein stand früher an der nördlichen Kirchhofsmauer. Der Mann hat 1729 wieder geheiratet. Der Stein zeigt am oberen Rand eine Blumenvase. Sie hatte sieben Kinder, von denen drei Kinder zusammen mit ihr begraben wurden. Nachkommen hat nur Johann Georg Weber, geboren 1719. Heutige Nachkommen sind zum Beispiel Ellen Rohn, geboren 1937, und ihre Geschwister (Die „Weber“- Steine).

 

8. Johann Georg Mehling, geboren am 26. Dezember 1716, getauft am 1. Januar 1717, gestorben am 10. März 1723, 6 Jahre 2 Monate 14 Tage alt. Er ist viertes und letztes Kind des Maurers Hans Caspar Mehling und seiner Frau Anna Margaretha geborene Roth. Nachkommen der Familie sind nicht bekannt.

 

9. Johann Caspar Heckert, Sohn des Johannes Heckert und Maria Elisabetha geborene Burger (Geburtsdaten der Eltern nicht bekannt, geboren etwa 1630). Er ist erstes Kind der Eheleute, die insgesamt sechs Kinder haben. Er ist geboren am 1. April 1658, gestorben am 10. Januar 1675 im Alter von 16 Jahren 9 Monaten 10 Tagen. Beim Nachnamen fehlt der Buchstabe „R“. Heutiger Nachkomme ist unter anderen Peter Heckert, geboren 1940, Hauptstraße 13.

 

10. Anna Maria Schwartz, Tochter des Schmieds Johann Georg (Jörg) Schwartz, Geschworener und Beisitzer beim Landgericht. Sie stammt aus der Schmiedefamilie Schwartz (oder Schwarz), die lange Zeit in Hochstadt tätig war. Sie wird geboren im März 1718 (laut Taufregister), gestorben ist sie am 26. April 1738. Ihr Stein trägt den Spruch:

Alle die ihr lebet eure Zeit

Lernt allhier die Sterblichkeit.

Eine Jungfrau in ihrem Leben

Geblühet wie Rosen eben

Auch noch jung von 20 Jahren

Doch mußt sie bald erfahren

Daß sie wie alle Menschen

Gewiß sterblich war.

Ihr Name Anna Maria ist.

Sie schloß ins Herz Jesus Christ

Der wie ihr Leben in der Zeit

Also ist auch in Ewigkeit.

Von den vier Kindern hat nur die erste Tochter Maria Magdalena (geboren 1715) geheiratet. Einer ihrer Nachkommen ist Rudolf Rauch, geboren 1923, Hauptstraße 32, und seine Geschwister.

 

11. Hans Strohl, oben mit Engelskopf, unten Rankenwerk. Reich konnte hier noch lesen: „Hier liegt begraben Philipp Strol, gebohren 1649 den 5. Martius, selig gestorben den 6. September 1693, gelebt in der Ehe beynahe 17 Jahr, darin er zeugte 6 Kinder, Gott erfreue indessen seine Seel“. Pfarrer Reich macht folgende Anmerkung zu diesem Grabstein: „Philipp Strohl hat einen Grabstein an der Mauer gegenüber dem Haus des Schreiners Valentin Burger. Dieser Stein war tief hinab gesunken. Ich habe ihn aber am 26.03.1915 durch Konfirmanden heben lassen. [Valentin Burger wohnte Am Kirchberg 1].

12. Kleiner Stein, oben Engelskopf, unten Rankenwerk. Er beginnt mit „Allhier“.

13. Großer Stein, oben rund und mit Weinlaub und Weinreben, an beiden Seiten Rankenwerk. Er beginnt mit „Allhier ruht“,

14. Schöner, großer Giebelstein mit Scherenwappen (oder Handwerkzeuge wie Spaten oder Schaufel), oben geschwungen, rahmende Pilaster (halbe Säulen), unten Totenschädel (Memento mori). Aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

 

Nicht mehr vorhanden sind folgende Grabsteine:

1. Ein kleiner Stein in der Südmauer: 12.04.1639 (nicht zu identifizieren).

2. Schmaler Stein im Westen: Jeremias Schäfer, Sohn des Barthel Schäfer, geboren 23.01.1670, gestorben 18.11.1691, 21 Jahr 10 Monat 20 Tage (drittes Kind).

3. Ludwig Heynemann, Sohn des lutherischen Pfarrers Johann Gottlieb Heinemann (Heynemann) und dessen Frau Margarethe geborene Brenner, Tochter des gräflichen Rentmeisters Daniel Albrecht Brenner, die er am 25. Februar 1798 in Bergen heiratete. Der Sohn Ludwig wurde geboren am 05.10.1801 und starb am 05.05.1803.

Heineman war von 1801 bis 1808 lutherischer Pfarrer in Hochstadt. Er ist geboren am 20. April 1770 in Hanau als Sohn des Hofschneiders Johann Gottlieb Heinemann. Nach dem Studium in Marburg wird er zunächst Pfarrer in Bergen. Von 1801 bis 1808 ist er Pfarrer in Hochstadt. Danach wird er Dritter Lutherischer Pfarrer und Direktor der Bürger- und Realschule in Hanau. Dort starb er am 1. Dezember 1813.

 

Noch älter als die Ringmauer ist die KIRCHHOFSMAUER, die in Teilen noch original erhalten ist. Sie ist das älteste Bauwerk in Hochstadt (und Maintal), denn sie stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert und zeigt noch Spuren eines alten Wehrgangs (laut Zimmermann).

Rechts in der Mauer sieht man noch einen zugemauerten alten Durchgang, der zu dem Eingang in die Kalksteinhöhlen beim Haus Nordstraße 2 geführt haben könnte. Nach der Restaurierung im Jahr 2004 ist in einem Bereich noch fast die ursprüngliche Höhe der Mauer erhalten, weil sie lange als Giebelwand für eine Scheune diente. Leider hat man aber das Kellerloch nicht auch mit geschlossen.

Die schräg geschichteten Steine, das sogenannte „Fischgrätwerk“, sind ein Merkmal romanischer Architektur und deuten auf ein sehr hohes Alter: Schon die Römer haben so gebaut. Doch original ist dieser Fischgrätverband nur noch an der Ostseite erhalten, wo die Mauer noch fast die ursprüngliche Höhe hat. An der West- und Nordseite ist die Mauer vom Fuß an neu aufgebaut worden. Im Westen sind der nach außen geneigten Mauer einige Strebepfeiler vorgesetzt. Zum Teil hat man dabei das Fischgrätmuster nachgeahmt. Man hat die Mauer spitz zulaufen lassen, so daß man keine Abdeckung braucht (Fischgrätmuster in der Kirchhofsmauer).

Nach Aussage von Herrn Langheinrich wurde die ganze Westseite neu aufgeführt (mit Betonsockel), das Fischgrätmuster ist hier also nicht original. Das Muster ist auch sehr regelmäßig, jedenfalls regelmäßiger an der Ostseite, die sicher noch alt ist (Schellmann II, Seite 137).

Dieses Stück Mauer mit Fischgrätmsuter ist zwar das älteste sichtbare Bauwerk in Maintal. : Aber noch älter sind die Grundmauern der ersten Kirche in Dörnigheim, die 793 oder früher gebaut wurde. Diese Grundmauer hat man bei Ausschachtungsarbeiten an der Ostseite der Kirche gefunden, etwas von der heutigen Mauer entfernt.

Die Mauer verläuft unregelmäßig und stumpfwinklig gebrochen um die höchste Stelle des Ortes. Solche befestigten Kirchhöfe dienten als Zufluchtsort in Kriegszeiten. Dorthin flüchteten sich die Menschen mit Vieh und Habe. Diese Aufgabe wird der befestigte Kirchhof auch in Hochstadt vor der Erbauung der Ringmauer gehabt haben. Bei der Anlegung eines Löschwasserbeckens nördlich des Kirchhofs wurde ein unterirdischer Gang zum Kirchhof festgestellt, der vielleicht zu dem System der Kalksteinhöhlen nördlich von Hochstadt führte und eine gute Fluchtmöglichkeit bot.

Der im jetzigen Zustand recht enge Durchgang zwischen Kirche und Mauer im Nordwesten und die späte Chorverlängerung im Osten sprechen jedoch ebenso wie die späte Einfügung des frei stehenden Torturms im Südwesten gegen eine ursprüngliche Planung als Kirchenburg, zumal sonstige Wehreinrichtungen fehlen (Türme, Brunnen, Vorratsgebäude).

 

 

Das Äußere der Kirche

 

BAUGESCHICHTE:

Das Äußere der Kirche stellt sich dar als ein dreischiffiger spätgotischer Bau. Der Hochstädter Architekturstudent Lars Nüthen (Luisantring 90) hat dazu im Jahr 2008 einen Aufriß angefertigt, der jetzt auch hinten in der Kirche aufgehängt ist. Er meint, zunächst sei im 10. Jahrhundert eine romanische Kirche erbaut worden. Der stärkste Hinweis darauf ist der 25 mal 25 Zentimeter große Balken im Chorbogen, der auf eine Balkendecke in der ganzen Kirche hindeutet. Dieser Balken läßt sich auf dem Dachboden über den Gewölben der niedrigeren Seitenschiffe genauer betrachten. Im Westen ist der Balken heute von der Orgel ziemlich verdeckt, er scheint tiefer zu liegen als der Balken über dem Chorbogen. Im 13. Jahrhundert sei die Kirche dann als spätgotischer, dreischiffiger Bau vollendet worden. Im Grunde geht es um die Frage, ob es eine Vorgängerkirche gegeben hat oder ob die Kirche mehr oder weniger schon in der heutigen Gestalt gebaut wurde.

Beim Einbau der Warmluftheizung im Jahre 1969 ließ der Architekt Karlheinz Doll die drei Heizungsschächte fotografieren, durch die verschiedene alte Mauern angeschnitten wurden. Leider wurde seinerzeit eine Gesamtaufnahme versäumt, so daß die Grabungsfotos nicht leicht zuzuordnen sind. Jedoch hat Dr. Peter Feldmann aus Bad Homburg diese Aufgabe übernommen und eine umfangreiche Baubeschreibung der Kirche vorgelegt.

Nach Meinung des Architekten Doll wurde die Kreuzform eines früheren Gebäudes sichtbar, die der Zeit Ottos I. zuzuordnen ist, also aus der Zeit vor der Jahrtausendwende stammt. Er dachte also an eine Basilika des 10. Jahrhunderts mit ausladendem Querhaus und drei Apsiden und mit zwei Westtürmen mit ausspringender Vorhalle. Die Fundamente ließen aber darauf schließen, daß die Mauern des alten Gotteshauses in den Bau der heutigen Kirche einbezogen wurden.

Dieses könnte im 13./14. Jahrhundert auf die heutige Form erweitert worden sein. Aber für eine Dorfkirche erscheint das doch als etwas zu hoch gegriffen. In der Wetterau besitzen die bescheidene Kirche in Trais-Münzenberg nur ein Nordseitenschiff und die Stadtkirche in Münzenberg nur ein Südseitenschiff, die Hochstädter Kirche hat jedoch zwei Seitenschiffe.

 

Alte Fundamente:

Der Befund unter dem Fußboden der Kirche ist wie folgt: Neben den Bruchsteinsockeln von Chorbogen („Triumphbogen“) und östlichem Wandpfeiler der Südseite wurde an der Ostwand ein fast ein Meter breiter Mauerabsatz festgestellt, wahrscheinlich ein altes Altarfundament. Es reichte nicht bis zur südlichen Außenwand und übersetzte einen dünnen Längsmauerzug etwa in der Mitte des Südseitenschiffs. Neben diesem Schacht läuft ein anderer Schacht im südlichen Seitenschiff bis fast zur Westwand und biegt dann ebenfalls nach Norden in das Mittelschiff um.

An der Südwand auf der Grenze zwischen erstem und zweitem Joch kann man den heute noch sichtbaren Rücksprung im Mauerwerk verfolgen, der nach Osten hin schmaler wird. Für Doll ist dies der nach außen umbiegende Quer-Arm der Vorgängerkirche. Diese Mauer wäre dann in schwächerer Stärke gebaut worden, als man den Querarm beseitigte. Aber von außen ist keine Baunaht zu erkennen, zumal hier der Strebepfeiler vorgebaut ist.

Unter dem Fußbodenniveau zweigte von der stärkeren, westlichen Wand eine Quermauer ab. Sie war etwa 80 Zentimeter breit und zog sich ehemals bis zur gegenüberliegenden Nordseite hin. Dieses Fundament passierte den Nordostpfeiler, der es teilweise übersetzte.

Zur Außenwand hin schob sich neben dem Pfeiler ein ostwestlich laufender Mauerzug darüber, für Architekt Doll die ehemalige nördliche Hochschiffswand. Dann gibt es noch einen fast sechs Meter langen Mauerzug, eine derart großen Strecke, daß dafür nur zwei Stellen in Frage kommen, nämlich auf der Südseite in Joch 2 oder im Mittelschiff bei Joch 3 in Querrichtung.

Innen vor der Westtüre und unter der Emporentreppe fanden sich Reste eines vermutlich spät­mittelalterlichen Fußbodens (etwa 15 Zentimeter unter der Oberkante des Bruchsteinsockels des achteckigen Emporenpfeilers). Die quadratischen Platten waren diagonal zur Kirchenachse verlegt (Seitenlänge etwa 18 Zentimeter). Unter dem Treppenaufgang zweigte von einer Nord-Süd-Mauer ein Ansatz nach Westen ab.

All diese Befunde lassen sich jedoch nicht zu einem verläßlichen Bild zusammenstellen. Wie ein Vorgängerbau ausgesehen haben könnte, ob er größer oder kleiner war, läßt sich heute nicht mehr klären. Dazu müßte wohl auch erst der ganze Fußboden unter der Kirche freigelegt werden. Letztendlich wird an vielen Stellen der Kirche deutlich, daß sie durch zwei Baustile geprägt ist und durch die Umbauten keiner klaren architektonischen Linie unterliegt. Durch die Ausmalung und die hervorgehobenen Merkmale wirkt sie im Inneren wie eine Kirche aus der gotischen Zeit (Lars Nüthen).

 

Die Abfolge der Kirchenbauten:

Diese könnten wie folgt ausgesehen haben:

1.) Ursprünglich stand in Hochstadt nur eine kleine Kirche, von der der Chorraum in der heutigen Sakristei erhalten ist. Dafür spricht, daß die Sakristei zwei Stufen höher liegt als die Kirche, daß sie mit allem ausgerüstet ist, was eine Kirche braucht (zum Beispiel eine Sakramentsnische) und anders als die Kirche ein Tonnengewölbe hat. Dafür sprechen aber vor allem die Weihekreuze an den Wänden, die bei der Weihe einer Kirche angebracht wurden. Üblicherweise sind das zwölf Kreuze, während man in der Sakristei nur sieben findet. Die anderen Kreuze müßten also im restlichen Kirchenraum angebracht worden sein, der sich dann westlich der Sakristei erstreckt hätte. Dagegen spricht aber wieder, daß ein solches Weihekreuz auch an der Westseite der Sakristei zu finden ist, wo man sich ja den Durchgang zur eigentlichen Kirche vorstellen müßte. Oder hat man das Weihekreuz erst später dort aufgemalt, als der Durchgang geschlossen wurde? Oder lag der Boden der Sakristei tiefer, so daß das Weihekreuz über dem Durchgang Platz hatte? Diese erste Kirche müßte aber breiter gewesen sein als das heutige Seitenschiff, d.h. mehr nach Norden erweitert, wo ja noch heute eine ebene Fläche ist.

Feldmann meint dagegen, Sakristei und Kirchenschiff seien ein einheitlicher Bau, weil die Sakristei im Verband mit der übrigen Kirche stehe und mit ihr ein übereinstimmendes Fenstermaßwerk habe. Doch das Fenstermaßwerk der Sakristei stimmt nicht mit dem Maßwerk des Chors überein. Es stimmt auch nur anscheinend mit dem Maßwerk des Kirchenschiffs überein, denn aus den Fenstern im Kirchenschiff hat man das ursprüngliche Maßwerk herausgeschlagen hat (siehe unten). Zustimmen wird man Feldmann, daß der Westturm nicht zu dieser Kirche gehört haben könne. Aber widersprechen kann man seiner Meinung, man könne sich einen solchen Turm nicht frei stehend vorstellen: Schon bei der Mittelbucher Kirche gab es in einer früheren Bauphase einen frei stehenden Turm.

 

2.) Eine zweite Kirche könnte sich zwischen den Grundmauern befunden haben, die man in Ost-West-Richtung im südlichen und nördlichen Seitenschiff gefunden hat. Der Abschluß nach Westen wäre die lange Mauer am Westrand des dritten Joches. Daran hätte sich dann der alte Kirchturm angeschlossen (Warum ist er eigentlich an der Nordwestseite gewesen und nicht an der Südwestseite, wo der Weg zum heutigen Eingang durch die Kirchhofsmauer doch kürzer war. Gab es vielleicht doch zwei Türme an der Westseite der Kirche?).

Wenn man von dieser Vermutung ausgeht, muß man allerdings erklären, wie die Mauer in Nord-Süd-Richtung in Höhe der ersten Pfeilerreihe einzuordnen ist. War sie schon das Ende der Kirche, die dann fast breiter als lang gewesen wäre? Wenn die Kirche aber schon bis zum heutigen Chorraum reichte, dann bleibt die Aufgabe dieser Mauer fraglich.

 

3.) Die dritte Baustufe wäre dann eine Kirche mit einer flachen Balkendecke, die die heutigen Seitenwände gehabt hätte und auch nach Westen erweitert worden wäre unter Einbeziehung des alten Kirchturms. Doch diese war keine Basilika im romanischen Baustil, wie man immer wieder geschrieben hat (das trifft höchstens für die zweite Bauphase zu). Bei einer Basilika

ist das Mittelschiff doppelt so hoch wie die Seitenschiffe und die oberen Teile des Mittelschiffs von außen sichtbar. Die Dächer der Seitenschiffe lehnen sich in halber Höhe an den Mittelbau an. Innen sind in allen Teilen flache Balkendecken (ein Beispiel aus unserer Nähe

ist die Kirche von Ilbenstadt aus dem 12. Jahrhundert).

 

5.) Die heutige Kirche:

Die heutige Kirche ist auch keine „Pseudobasilika“, denn sie gibt gar nicht vor, eine Basilika zu sein. Treffender ist die Bezeichnung „Hallenkirche“ oder „Stufenhalle“. Nach außen sieht sie gotisch aus, aber im Inneren ist sie noch teilweise romanisch: Das Mittelschiff ist doppelt so hoch wie die Seitenschiffe, hat aber oben keine (runden) Fenster wie in der Romanik. Es wird aber durch die schmaleren und etwas niedrigeren Seitenschiffe abgestützt.

Begonnen hat man den Bau wie üblich mit einem neuen Chorraum. Dieser ist etwa 35 Zentimeter breiter ist als das Mittelschiff. Das deutet wohl darauf hin, daß man ursprünglich einen größeren Kirchenbau geplant hatte. Der Chor hat als Neubau gleich die gotischen Gewölbe gehabt. Er hat keine Strebepfeiler, wie sie an sich für ein Gewölbe nötig sind, um den Druck auf die Außenwände abzufangen (aber es gibt auch Chöre mit gleichzeitigen Gewölben ohne solche Strebepfeiler).

Aber dann hat man den Plan einer größeren Kirche wohl aufgegeben und sich darauf besonnen, daß man ja schon einen großen Kirchenraum hatte. Nur sollte diese Kirche auch mit Gewölben versehen sehen. Also mußte man die flache Kirchendecke abbrechen und die Gewölbe hineinbauen. Die ursprüngliche Balkendecke wurde durch Kreuzrippengewölbe ersetzt. Diesen Vorgang kann man sich verdeutlichen, wenn man auf den Dachboden der Kirche steigt.

 

Das Alter der Kirche: Neue Deutung der Wappen in der Kirche in Hochstadt

Es war damals üblich, daß man das Wappen des Auftraggebers in der Kirche anbrachte. Sicher­lich hat der Landesherr einen großem Teil der Kosten übernommen. Das erste Wappen der Herrschaft und der Grafschaft Hanau war seit Reinhard I. ein steigender Löwe, wahrscheinlich mit roter Zunge und nach links gewandt. Ein solcher Löwe findet sich heute noch auf dem Wappen der Stadt Hanau, allerdings seitenverdreht und von sieben Kreuzchen umgeben (rechts sind dann die roten Sparren auf goldenem Grund - die Darstellung im Scheibler­schen Wappenbuch „goldene Sparren auf rotem Grund“ ist falsch).

Das Wappen der Stadt ist zu unterscheiden von dem Wappen der Grafschaft. Nachdem aber Ulrich I. im Jahre 1271 Elisabeth von Rieneck geheiratet hatte, fühlte man sich aufgewertet und übernahm etwa 1276 von den Rieneckern das rot-goldene Wappen. Die Rienecker hatten je fünf (!) rote und fünf goldene Balken in ihrem Wappen. Die Grafschaft Hanau ging allerdings von der Balkenform ab und verwendete die Sparrenform. So jedenfalls die eine Lesart. Es gibt aber auch die Angabe, daß es das Sparrenwappen schon früher gegeben habe (Wikipedia: Liste der Wappen mit hanauischen Sparren). Neben dem Sparrenwappen führte Ulrich I. aber auch noch das „Sekretsiegel“ mit demnach rechts gewandtem Löwen auf der linken Seite und drei Sparren auf der rechten Seite. Unter Ulrich II. (1306–1346) kam noch die Rienecker Helmzier mit dem wachsenden halben Schwan zum Wappen der Grafschaft Hanau hinzu. Auch unter Philipp I. (1452-1500) gab es zunächst gab es nur das Wappen mit den Sparren.

Bei der Teilung der Grafschaft Hanau im Jahre 1496 wurde aber das geteilte Wappen von Münzenberg aufgenommen: ein breiter roter und ein breiter goldener Balken.

Nach dem Tod Reinhards III. von Rieneck führte Hanau-Münzenberg ab 1559 das viergeteilte Wappen mit den Hanauer Sparren links oben und rechts unten sowie je fünf roten und fünf goldenen Balken der Rienecker rechts oben und links unten. Das Münzenberger Wappen fand sich nur noch klein in der Mitte des Schildes (Abbildung in: Hanau, Stadt und Land, Seite 82).

 

Die Hanauer Grafen:

(nach Wikipedia „Hanau Adelsgeschlecht“, nur Regierungszeiten, nur Auszug):

Reinhard I. 1225 – 1281, heiratet vor 1250 Adelheid von Münzenberg

Ulrich I. 1281 – 1306, heiratet 1271 Elisabeth von Rieneck

Ulrich II. 1306 - 1346

Reinhard II. 1404 – 1451, der erste Graf von Hanau, verheiratet seit 1407 mit

Katharina von Nassau-Beilstein

Reinhard III. 1451 – 1452

Philipp I. der Jüngere 1452 - 1458

Danach Teilung des Landes:

Philipp I. der Ältere heiratet 1458 Anna von Babenhausen und wird Graf von Hanau-Babenhausen (später Hanau-Lichtenberg), getrennt von Hanau-Münzenberg

Er wird Vormund von Philipp I. dem Jüngeren bis zu dessen Volljährigkeit im Jahre 1467.

Philipp I. der Jüngere regierte als Graf in Hanau weiter und nannte sich ab 1496 „von Hanau-Münzenberg“.

Philipp I. der Jüngere 1458 - 1500, seit 1468 verheiratet mit Adriana von Nassau –

Dillenburg

Reinhard IV. 1496 - 1512 (Mitregent 1496 – 1500)

Philipp II. 1512 - 1529 verheiratet seit 1523 mit Juliane von Stolberg

Philipp III. (der Ältere) 1529 - 1561 verheiratet mit Helene von Pfalz-Simmern

Philipp Ludwig I. 1561 - 1580, verheiratet mit Magdalene von Waldeck

Philipp Ludwig II. 1580 - 1612

Philipp Ludwig III. 1638 - 1641

 

In der Hochstädter Kirche gibt es zwei Wappendarstellungen: Das eine Wappen ist das Hanauer Wappen mit den Hanauer Sparren. Es findet sich im Schlußstein des Chorraums, in den Schlußsteinen des Mittelschiffs und in einem Schlußstein des nördlichen Seitenschiffs und in der einen Hand des Engels an der Wand hinter dem Altar. Das andere Wappen ist das Nassauer Wappen in der anderen Hand des Engels hinter dem Altar. Das ist wohl ein Zeichen dafür, daß das Hanauer Grafenpaar den Bau der Kirche unterstützt hat.

Das rechte Wappen in der Hand des Engels zeigt einem Löwen, der nach links gewendet ist und von zehn Schindeln (Rechtecken, Rauten) umgeben ist. Hier kann es sich also nicht um das alte Hanauer Wappen handeln, denn darauf sieht der Löwe nach rechts und ist von sieben Sternen umgeben (wie heute im Hanauer Stadtwappen). Hier handelt es sich um ein Nassauer Wappen.

Das Haus Nassau trennte sich unter anderem in die Linien Nassau-Beilstein (ältere Linie), die bis 1561 bestand, und in die Linie Nassau-Dillenburg (ältere Linie), die von 1341 – 1606 bestand. Beide gehören sie aber zur ottonischen Linie des Hauses Nassau (zu der auch das niederländische Königshaus gehört, dessen Wappen auch von zehn Schindeln umgeben ist).

Für die Zuordnung des Wappens in der Hochstädter Kirche kommen nur diese beiden Linien in Frage.

 

Als Bauherren der Kirche in Hochstadt hat man bisher vermutet:

1. Reinhard II. von Hanau (1404 bis 1451), verheiratet am 18. Januar 1407 mit Katharina von Nassau Beilstein (Annahme von Feldmann).

2. Philipp Ludwig III. (1410 bis 1450) (Annahme von Elbwart und Heckert)

[Diese Angabe ist völlig falsch, einen Philipp Ludwig II. gibt es erst 1638- 1641 und die angegebene Zeit deckt sich fast mit der von Reinhard II.]

3. Philipp I., der Jüngere (1452 bis 1500) verheiratet 1467 mit Adriane von Nassau Dillen­burg (Annahme von Zimmermann und Lindenberger) [Es ist Philipp I. und nicht Philipp II. der Jüngere, der Graf von Babenhausen war, geboren 1462, verheiratet mit Anna von Isen­burg].

Nicht in Frage kommt die Meinung von Pfarrer Reich, daß hier Juliane von Stolberg als Witwe Philipps II. gemeint sei (gestorben 1500). Sie war verheiratet in zweiter Ehe im Jahre 1529 mit Wilhelm von Nassau-Dillenburg, der bis 1551 als Vormund regierte. Das Sparrenwappen wurde nämlich nach 1496 mit dem Münzenberger vereint und geviertelt, vgl. Wappen am Turm).

 

Es hängt alles an der Frage, welchem Hanauer Grafenpaar das Nassauer Wappen zuzuordnen ist. In Frage käme Reinhard II., der von 1404 bis 1451 regierte und der erste Graf (!) von Hanau war. Er war seit 1407 verheiratet mit Katharina von Nassau-Beilstein und starb 1451. Aus diesen beiden Eckdaten kam man auf eine Bauzeit um 1430.

Nun gibt es unterschiedliche Darstellungen des Wappens von Nassau-Beilstein ältere Linie (nördlich von Wetzlar im Lahn-Dill-Kreis, sogenannte „Kalenberger Zent“, heute Ortsteil von Greifenstein). Einmal heißt es, Beilstein habe von 1341 bis 1561 das ottonische Wappen der Nassauer geführt (als es an Nassau-Dillenburg fiel), nämlich das mit den zehn Schindeln um den Löwen herum.

Es handelt sich um goldene aufgerichtete Schindeln, die in Form und Anzahl variieren und in der Form rechteckig-senkrecht, aber auch rautenförmig oder schräggestellt sein können. Sie sind frei in die Lücke zwischen Löwe und Schildrand eingefügt, nie verschwindet eine Schindel halb am Schildrand. Offenbar wurde mit jedem Gebietszuwachs eine neue Schindel hinzugefügt. Eine Nachfrage in Greifenstein ergab aber, daß rechts oben im Ortswappen das Wappen von Beilstein zu sehen ist, das aber nur sieben Schindeln hat. Also kann der Chorraum der Hochstädter Kirche nicht in der Zeit gebaut worden sein, als eine Prinzessin aus Beilstein die Hanauer Gräfin war.

In der Hochstädter Kirche sind zehn Schindeln rund um den Löwen zu sehen. Eine Schindel allerdings ist schwer zu erkennen: Sie befindet sich rechts oben an dem Schwanz des Löwen. Dort ist nicht ein Haarbüschel des Löwen, sondern eine weitere Schindel, wie der Vergleich mit dem offiziellen Wappen zeigt, bei dem an dieser Stelle auch eine Schindel ist.

Das Wappen ist dann das Wappen von Nassau-Dillenburg mit den zehn Schindeln. Es weist auf Adriana von Nassau-Dillenburg (nicht: Adriane), die seit 1468 verheiratet war mit dem Hanauer Grafen Philipp I. der Jüngere (1458 – 1500) (Die Grabplatte der Gräfin in der Hanauer Marienkirche hat allerdings keine Schindeln rund um den Löwen). Also muß der Chorraum der Hochstädter Kirche nach 1470 erbaut worden sein.

Das Datum läßt sich aber noch weiter eingrenzen:

1. Nach einem dendrochronologischen Gutachten (Vergleich der Jahresringe) stammt ein Balken aus der Decke des Chorraums aus der Zeit nach 1480. Angeblich soll dieser Balken schon einmal ausgewechselt worden sein. Aber vielleicht wird das nur behauptet, weil das Datum 1430 stimmen soll. Es ist kaum vorstellbar, daß man nach relativ wenigen Jahren eine Balken wieder ausgewechselt hat (Weshalb hat man ausgerechnet diesen Balken bestimmen lassen und nicht einen, der nicht ausgewechselt wurde?).

2. Aus dem Jahre 1489 wird berichtet, daß es in die Kirche hineinregnete. Damals waren die Gewölbe wohl noch nicht eingebaut, denn bei einem Gewölbe wäre das Regenwasser eher nach außen abgelaufen (obwohl natürlich auch zwischen den Gewölben sich das Wasser einen Weg hätte suchen können). Es könnte sein, daß die Wölbung erst unmittelbar vor der Ausmalung erfolgte, die durch die Jahreszahl 1490 über dem Chorbogen festgehalten ist. Allerdings hört sich die Anweisung des Erzbistums Mainz vom 14. August 1489 so an, als seien die Gewölbe schon vorhanden, denn es wird nur die Ausmalung verlangt.

Damit kommt man bei der Frage nach dem Alter des Chors und der Kirche sehr nahe heran an den Zeitpunkt der Ausmalung der Kirche im Jahre 1490. Meine frühere zeitliche Einordnung – die ja nur auf den Angaben der Literatur beruhte- muß ich also ändern und mich der Meinung von Zimmermann, Lindenberger und Schellmann (2013) anschließen: Der Chor der Kirche dürfte um 1485 entstanden sein, der Umbau der Kirchenschiffe bald danach: Jedenfalls sind die Malereien in der gesamten Kirche aus einem Guß und von den gleichen Malern in den Jahren 1489 bis 1490 vorgenommen worden.

 

Das Dachgebälk der Kirche:

In der Sakristei ist eine Klappe in der Decke (neuerdings mit einer ausziehbaren Faltleiter aus Metall versehen), durch die man auf den Kirchenboden kommt. Zunächst kommt man auf die Außenmauer des Chorraums und über eine kleine Treppe dann in den Raum über dem Chorraum. Einige Balken liegen über die kleinen Gewölben. Die Tonne der Sakristei kann man nicht sehen, denn diese liegt ja tiefer neben dem Chorraum.

Nach rechts geht es dann einige Stufen höher in Richtung Kirchenschiff. Hier sieht man links schon das mächtige Gewölbe neben dem Chorbogen. Über eine weitere kleine Treppe kommt man dann auf die Ebene über den Gewölben. Ein Brettersteg mit Geländer ermöglicht ein sicheres Gehen. Man sieht eine Lage von weit auseinanderliegenden Balken, die in der Mitte von zwei Balken gehalten werden, die am First der Kirche verankert sind. So muß man sich wohl auch die Aufhängung der früheren alten Decke vorstellen, deren Niveau man am Fuß der Gewölbe sehen kann.

Die alte Decke ist aber auch erkennbar an den noch erhaltenen alten Balken: An der Südseite gehen die Balken noch über das südliche Seitenschiff hinweg bis an das Gewölbe heran. An diesen alten Balken hängt über dem südlichen Seitenschiff noch die alte Decke (man sollte sich deshalb hüten, diese Decke zu betreten!). Deshalb hat man in die Gewölbe des südlichen Seitenschiffs zwischen die Gemälde zwei Luftlöcher gebohrt, um die Gemälde zu hinterlüften. Über dem nördlichen Seitenschiff sind die Balken direkt an der Außenmauer abgesägt, vielleicht weil das Gewölbe des Seitenschiffes hier doch zu hoch war. Hier befinden sich auch keine Luftlöcher zwischen den Gemälden.

Aber das Dach der Kirche liegt auf den Außenwänden auf. Die Zeichnung von Nüthen täuscht etwas, denn sie sieht so aus, als sei das Dach erst über den Gewölben aufgesetzt. Aber das war nicht anders zu zeichnen, weil er die Gewölbe darstellen wollte. Das Dach ist jedenfalls aus einem Guß und besteht nicht aus drei Dächern wie bei einer Basilika.

Man sieht auch, daß in die Kirche kein Dachstuhl eingebaut wurde, wie er in Fachwerkhäusern üblich ist (ein Viereck aus Balken, auf dem die Sparren aufliegen). Vielmehr verlaufen die Balken parallel zur Neigung des Daches, um den First zu stärken, der ja die ganze Last der Decke mitzutragen hatte. Auch sind die Sparren, auf denen die Ziegel aufliegen, durch Querverstrebungen verstärkt.

Am Giebel der Westseite sieht man noch geringe Reste des alten Turms. Beim Rückweg kann man sich noch einmal den Balken ansehen, der auch im Inneren der Kirche in der Chorwand zu sehen ist. Dieser setzt sich im Dachraum auf beiden Seiten fort und ist wohl die 13 Meter Breite der Kirche durchgehend, denn er hatte in der Mitte eine Auflage auf der Chorwand. Lars Nüthen meint, in der Höhe der Orgel sei auch ein solcher Balken gewesen, allerdings etwas tiefer, so daß die alte Kirchendecke eine leichte Steigung nach vorne gehabt hätte.

Beim Durchgang durch die Tür nach unten bemerkt man noch eine farbige Umrandung der Tür. Aber man kann nicht sagen, daß sich die Malereien an der Chorwand noch im Dachraum fortsetzen. Hier geht es nur um die Tür, der Chorbogen ist ein ganzes Stück weiter rechts, dort lassen sich keine Malereien feststellen. Diese Tür muß aber erst im Zusammenhang mit dem Bau der Gewölbe geschaffen worden sein, denn vorher konnte man vom Raum über dem Chor direkt auf den Dachboden gehen (vielleicht sogar in der Mitte der Wand, nicht wie jetzt auf der Seite).

Auf jeden Fall zeigt ein Besuch das Dachbodens, daß der Fuß des Daches auf den heutigen Außenmauern aufsetzt, die auch schon die Außenmauern der Vorgängerkirche waren. Weil man aber die Gewölbe einbauen wollte, hat man die Balken der alten Decke einfach heraus­gesägt, soweit das nötig war. Man konnte diese Balken aber nicht ganz herausziehen, weil auf ihnen ja der unterste Balken des Daches lag.

Es kann also nicht stimmen, wenn es 1768 heißt, das ganze Kirchendach sei erneuert worden, das können höchstens einige Teile gewesen sein und wohl die Dachlatten und Ziegel. Auch ist seltsam, daß man erst jetzt die vier Strebepfeiler angebracht hat, damit das Dach die Außenmauern nicht auseinanderdrückt. Dann hätte man erst nach fast 300 Jahren bemerkt, daß die Wände auseinandergedrückt werden und erst dann die Stützpfeiler angesetzt. Aber das Dach wurde auch schon vorher durch die Seitenschiffe gehalten.

Im Jahr 1768 werden je zwei dicke Strebepfeiler an beiden Längsseiten der Kirche aufgemau­ert, als man der Kirche angeblich einen Dachstuhl aufsetzte. Es ist schon denkbar, daß durch den Wegfall der Deckenbalken die Stabilität des Kirchendachs beein­träch­tigt wurde, denn nun drückte das Dach die Außenwände nach außen (wie das bei vielen Kirchen der Fall ist). Dann hätte man erst nach fast 300 Jahren etwas gegen das Auseinanderdrücken der Außenwände unternommen.

Das heutige Dach ist noch aus der Zeit von vor 1480. Man hätte doch nicht ein neues Dach aufgesetzt und unter den untersten Balken, auf dem die Sparren aufliegen, wieder Reste von Balken eingefügt, wie man sie heute noch sehen kann. Man kann also 1768 nur Balken ausgewechselt bzw. Latten und Ziegel erneuert haben.

Es sind umfangreiche Sanierungsarbeiten am Kirchengebälk geplant. Da sollte man die Gelegenheit nutzen, von einigen unterschiedlichen Balken gut erhaltene Scheiben (möglichst mit einer kleinen Rundung, damit man bis an den Rand des ursprünglichen Stammes herankommt) abzuschneiden, damit man ihr Alter dendrochronologisch feststellen kann.

Die Gewölbe sind vielleicht erst kurz vor der Ausmalung eingebaut worden, obwohl die Gewölbe in dem Auftrag an Pfarrer Gensler mit erwähnt werden. In den Jahren 1489 und 1490 wurden die Malereien in einem Zug von den gleichen Malern angefertigt. Die Jahreszahl findet sich (nur schwach lesbar) über dem Chorbogen.

 

Die Pfeiler und Bögen:

Eine Frage bleibt noch offen: Waren die Pfeiler und Bögen in der Kirche von vor 1490 schon vorhanden oder wurden sie im Zusammenhang mit dem Bau der Gewölbe neu errichtet? Es ist denkbar, daß die ganze Kirche aus einer großen Halle ohne abgeteilte Seitenschiffe bestand. Die Decke hätte dann aus zwei je 6,50 Meter langen Balken bestanden, die in der Mitte auf einem Balken auflagen, der am First aufgehängt war.

Wahrscheinlicher ist aber, daß das Mittelschiff gegenüber den Seitenschiffen abgeteilt war.
Dazu genügten ja schon einige hölzerne Säulen. Die Deckenbalken hätten dann auf den Außenwänden und diesen Säulen aufgelegen. Man hätte sie sogar nach der Mitte überragen lassen können, denn die Holzdecke war ja nicht so schwer. Aber sinnvoller ist natürlich, die Mitte der Decke durch Balken zu überdecken, die auf den Holzsäulen aufliegen.

Wenn die heutigen Pfeiler und Bögen aus Stein schon vorher dagewesen wären, dann hätten sie gerade noch so unter die flache Decken gepaßt. Aber das wäre wohl doch ein nicht sehr maßstabgerechter Anblick gewesen. Deshalb kann man annehmen, daß auch die Pfeiler und Bögen vor dem Bau der Gewölbe neu gebaut wurden. Wahrscheinlich blieben nur noch die Außenwände der Vorgängerkirche stehen.

Die Pfeiler auf der Seite des Nord-Seiten­schiffes basieren auf einem rechteckigen Grundriß und laufen erst über den Ecken durch Eckausläufe in achteckige Pfeiler über. Die Pfeiler auf der Seite des Süd-Seitenschiffes stehen hingegen auf einem Sockel, der auf einem achteckigen Grundriß basiert. Die Scheidbögen zwischen dem Mittel- und Süd-Seitenschiff sind auf der Nordseite rund, so daß sie älter sind als die Bögen auf der Südseite, die schon eine kleine Andeutung eines gotischen Spitzbogens haben (Es ist kaum vorstellbar, daß einer der großen Bögen erst später noch gotisch umgearbeitet wurde).

Die Kreuzrippengewölbe des Langhauses stützen sich auch auf vier Pfeiler, die durch weiße Fu­gen­malerei auf rotem Grund hervorgehoben werden. Die Dienste des Gewölbes sind nur schwach ausge­prägt und enden schon kurz vor den Pfeilern. Es liegt kein gebundenes System vor, einem Joch des Mittelschiffs wird jeweils ein Joch der Seitenschiffe zugeordnet. Die anderen zwei Joche sind größer als das letzte Joch, da sich dieses an der Form des ehemaligen Turms orientiert (Die hinteren Joche sind kürzer, weil dort der Turm der Vorgängerkirche stand, über den man nicht hinausgehen konnte).

Ein Architekt aus Bergen-Enkheim meint übrigens, die Hochstädter Kirche sei nach dem Vorbild einer Mainzer Kirche gebaut. Immerhin war Mainz für die Kirche zuständig.

 

 

ÄUSSERER ZUSTAND:

Das mit Schiefern gedeckte Dach basiert auf einem Pfettendach mit Strebehängwerkkon­struk­tion. Den größeren Anteil an der Fassade bilden die massiven Wandteile. An der ehemals verputzten Fassade ist das Mauerwerk noch deutlich erkennbar.

Die Kanten an Langhaus, Sakristei (Verband mit dem Langhaus) und Chor sind mit Eckquadern (gelegentlich hochkant) verstärkt. Allerdings liegen keinerlei Verzierungen vor, die eine Horizontalgliederung unterstützen würden. Der Haupteingang der Kirche befindet sich an der Südseite, ein weiterer an der Westseite. Die Strebepfeiler sorgen für eine vertikale Gliederung der Fassade. Die Fenster sind gotisch spitzbögig.

 

KIRCHENDACH:

Das Dach war früher mit „Dachsteinen“ gedeckt. Im Jahre 1603 wird das ganze Kirchendach „überstrichen“. Auch 1630 wird das Dach ausgebessert. Das Konsistorium genehmigt im Dezember 1743, daß das Kirchendach und die Fenster aus Mitteln der Kirchenbaukasse repariert werden, ohne daß dadurch ein Vorwand geschaffen wird, daß die Verpflichtung der Gemeinde aufhört, die Kirche in Dach und Fach zu unterhalten. Deshalb gibt man der Gemeinde auch nur zwei Darlehen: 116 Gulden 40 Kreuzer für den Steindecker und 27 Gulden 26 Kreuzer für den Maurer.

Am 17. Februar 1745 erhalten die beiden Bürgermeister (= Rechnungsführer) über 141 Gulden aus den Zinsen, die die Kirchengemeinde im Vorjahr eingenommen hat, damit sie die Reparatur des Kirchendachs und der Fenster bezahlen können.

Den Bürgermeistern (= Rechnungsführern der Gemeinde) Wilhelm Heckerth und Johann Henrich Dietz wird am 7. März 1746 die dritte und letzte bewilligte Bausteuer für den Kirchenbau im Jahre 1745 bezahlt in Höhe von über 134 Gulden (Es ist nicht deutlich, wer die Reparatur nun tatsächlich bezahlt, ob es die Gemeinde ist und die Kirche nur ein Darlehen dafür gibt oder ob die Kirche selber den von der Gemeinde ausgelegten Betrag ersetzen muß).

Der Schultheiß legt am 24. November 1748 eine Aufstellung der Kosten für die Reparatur des Kirchendaches vor. Sie hat über 221 Gulden gekostet. Die Kirchenältesten sind der Meinung, daß man die Hälfte der Kosten übernehmen sollte, ohne damit die Verpflichtung der Gemeinde aufzuheben. Das Konsistorium bewilligt den freiwilligen Beitrag. Der Baumeister des Vorjahres Matthäus Bornkessel übergibt am 31. Januar 1749 dem Bürgermeister (= Rechnungsführer) Johann Caspar Rohrbach den Beitrag der Kirchengemeinde zur Reparatur des Kirchendachs in Höhe von 110 Gulden 49 Kreuzer.

 

Im Jahr 1768 werden je zwei dicke Strebepfeiler an beiden Längsseiten der Kirche aufgemau­ert, als man der Kirche angeblich einen Dachstuhl aufsetzte. Doch der Dachstuhl ist aus der Zeit von vor 1490, weshalb hätte man sonst die Balken in der Decke herausgesägt und den Rest unter den senkrechten Stützen gelassen? Der Druck des Daches wurde ja auch durch die Seitenschiffe abgefangen. Man kann also 1768 nur Balken ausgewechselt haben bzw. Latten und Ziegel erneuert.

Bei den Ausgrabungen für diese Pfeiler legen die Einwohner tüchtig mit Hand an, bekommen dafür aber auch reichlich Getränke für über 13 Gulden. Für das Mauern braucht man 49 Bütten Kalk. Alle vier Strebepfeiler sind bereits im Pfarreikataster von 1775 abgebildet („Lagerbuch“ des Pfarrarchivs). Merkwürdigerweise sind die Pfeiler an der Bergseite oben breit, während die südlichen Pfeiler an der Wand auslaufen. Die unregelmäßigen Abstände ergeben sich durch die Südtüre, ebenso wie die Sandsteinkantenquader eine späte Entstehung verraten.

 

Der südwestliche Strebepfeiler trägt nach Westen zu knapp über dem Boden eine Inschrift: „Ch... Chr/ m[achte oder mauerte] m[ich] 1802“. Der nordwestliche hat die Inschrift: „Philipp Fix/den 13 Mai/1807“. So konnte es noch Pfarrer Reich lesen, der außerdem an der Sakristeiwand noch „EBS 1805“ las bzw. auf der Nordseite der Kirche „KD 1822“. Allerdings beziehen sich diese Daten auf eine Wiederherstellung der Pfeiler bzw. der Wände.

Mit Maurer- und Weißbinderarbeiten außen und innen geht es dann 1769 weiter. Die Kosten belaufen sich auf 900 Gulden. Im August 1771 bringt Frau Amhäuser (es handelt sich wohl nicht um die im Juli 1771 ausgewiesene Frau des Paul Ammenhäuser, sondern um eine ganz andere Frau, die nur einen Botengang macht) zwei „Knöpfe“, die auf die Kirche gestellt werden sollen und die der Schultheiß bestellt hat. Sie sind aus Zinn und kosten 20 Gulden. Sie werden am 13. Oktober 1771 auf die First-Ecken gestellt. Der westliche ist noch erhalten, der östliche mußte dem Schornstein weichen.

 

SÜDLICHER EINGANG:

Dieser Haupteingang ist im Renaissance-Stil erbaut und er besteht aus einem Vordach und der eigentlichen Tür. Die spätgotisch profilierte Tür zeigt von außen unter einem flacheren Spitzbogen zwischen Hohlkehlen überkreuzte Birnstäbe. Sie setzen in Kniehöhe über zwei breiteren seitlichen Sockelchen an, die kanneliert sind   wovon aber das linke verdreht ist. Leider ist das etwas erhabene Wappen in Tartschenform über dem Scheitel ehemals bloß bemalt gewesen und heute leer. Diese reiche Gliederung und die Wappenform sind wohl ein Zeichen dafür, daß man diese reichen Formen ins Ende des 15. Jahrhunderts einordnen kann (im Gegensatz zum schlichteren, großen Westportal).

Auf dem Stein links neben der Tür steht allerdings die Jahreszahl 1681. In diesem Jahr ist auch in der Kirchenrechnung von Steinen für das Portal und der Neueindeckung des Portals die Rede (es muß also damals schon ein Vordach gegeben haben). Im Frühjahr 1717 läßt man zwei runde, strenge toskanische Säulen für eine kleine Halle vor der Kirchentür machen. Der Steinhauer erhält dafür am 24. April sechs Gulden (so auch in der Kirchenrechnung). Am 11. November 1717 wird dem Steindecker Eller die Deckung des Portals über der Kirchentür mit über 17 Gulden bezahlt. Es besteht also kein Anlaß zu der Vermutung, daß auch nur Teile des Portals vom Hanauer Renaissanceschloß stammen. Stilistisch gehören die Säulen ins Umfeld der Frankfurter Katharinenkirche (1677 82).

Die vorderen Säulen wurden 2009 erneuert. Die zwei Sandsteinpilaster (halbe Säulen) an der Kirchenwand - vorne mit Schuppen und seitlich mit Rankenwerk verziert - wurden 1981 erneuert. Darüber tragen zwei ausladende Kapitelle (nicht „Voluten“) - vorne mit einem Löwenkopf geschmückt - den S förmig geschweiften Dachstuhl. Der linke Löwenkopf soll noch erneuert werden.

Für den Einbau einer Doppeltüre in die Kirche geben die Schreiner Seng und Burger im April 1901 einen gleich hohen Kostenvoranschlag ab. Zunächst will man neu ausschreiben, aber im Oktober 1901 beschließt man dann, daß an der Südseite der Schreiner Seng die Tür machen soll (allerdings nur einflügelig) und an der Westseite der Schreiner Burger. Für die Bezahlung der inneren Glastüren in der Kirche werden Anleihen über 400 Mark verkauft.

 

Rechts vom Südportal sind noch zwei Erinnerungsplatten zu sehen: Peter Schmidt der Junge, gestorben am 12. Juni 1569 (nicht „1562“, wie Reich wiedergibt), der 14 Jahre lahm und krank gelegen hat. Die andere Platte erinnert an einen Hans, dessen Familienname und Sterbejahr allerdings heute unleserlich ist, er soll 72 Jahre alt geworden sein. Bekannt ist, daß es in den Jahren 1562/63 ein großes Sterben in Hochstadt gab, aber auch in Hanau, Wachenbuchen, Mittelbuchen, Rüdigheim und Dorfelden. Die Orte werden abgesperrt, die Hanauer Kanzlei wird nach Steinau verlegt. Doch die Seuche hält mehrere Jahre an. In Hochstadt müssen angeblich 500 Menschen begraben werden.

 

Am Stützpfeiler ist der Stein der SIAMESISCHEN ZWILLINGE. Er war so verwittert, daß er 1993 erneuert wurde.

 

Die Geschichte ist uns überliefert im vierten Band des „Theatrum Europaeum“ das Matthäus Merian in Frankfurt herausgegeben hat. Danach wurden dem Schneider und Weingärtner Johann Scher­ninck und dessen Ehefrau Elisabeth am 10. März 1642 gegen 21 Uhr zwei Kinder geboren, die am Unterleib zusammengewachsen waren. Beide waren voll ausgebildet mit Armen und Beinen, aber mit nur einem Bauch und einem relativ großen Nabel. Die Länge betrug etwa 50 Zentimeter, zusammen waren sie etwa 80 Zentimeter lang (zweieinhalb Spannen). Das eine Kind sieht der Mutter ähnlich, ist jedoch bleich und am rechten Arm und Hals und um die Brust etwas blau. Es lebt etwa 10 Stunden und stirbt am 11. März so zwischen 6 und 7 Uhr. Das andere Kind hat seine natürliche rote Farbe. Es ist dem Vater ähnlich und lebt etwa 24 Stunden, es stirbt gegen 21 Uhr.

Beide Kinder schrien die ganze Zeit mit schwacher Stimme. Das bleiche starb am 11. März zwischen 6 und 7 Uhr, das andere um 21 Uhr. Interessant ist, daß man anfangs versuchte, die Kinder mit saurem Wein zu laben, der am Ort gewachsen war. Hat man dem Wein damals heilende Kräfte zugeschrie­ben? Oder wollte man die Kinder nur damit betäu­ben? Auf alle Fälle haben wir hier die erste Nach­richt über medizinische Maßnahmen in Hochstadt.

Der erschrockene Vater holte noch in der gleichen Nacht den Pfarrer und später auch den Schultheiß, weil man damals eine solche Mißgeburt als eine Strafe für ein schweres Vergehen ansah. Beide versuchten, die Eltern mit Gebet und Sprüchen aus der Heiligen Schrift zu trösten.

 

Doch vielen Zeitgenossen ging es nur um die Sensation: Von nah und fern strömten bald die Neugierigen herbei. Der Torwächter zählte zwischen dem 11. und 15. März über 1.000 Besucher. Am 12. März wurden die Zwillinge in das Hanauer Schloß ge­bracht und dort von vielen Schaulustigen besichtigt. Bald werden überall die wildesten Gerüchte über die Mißgeburt von Hochstadt erzählt: In Hanau heißt es, die Kinder hätten vier Köpfe und wären am Rücken zusammengewachsen und eins der Kinder hätte sogar gesprochen. In Frankfurt sagt man, eins der Kinder habe einen Totenschädel. Die Eltern lehnten den Vorschlag ab, die Leichen durch Einbalsamierung zu erhalten. Am 15. März wurden die Kinder gegen 15 Uhr auf dem Hochstäd­ter Kirchhof beigesetzt. Aus Spenden werden die Kosten für den Stein bestritten, der die Zwillinge auf dem Rücken liegend zeigt. Der heutige Stein ist nach einer Abbildung aus Matthäus Merians „Theatrum Europaeum“ gestaltet und vermerkt auch wieder, wie lange jedes Kind gelebt hat.

 

SÜDLICHER ANBAU:

An der Südseite des Chors ist ein niedrigerer Raum mit einem Pultdach und einer Fuge nach Westen. Hier sind die Kanten nicht mit Eckquadern verstärkt, ein Zeichen dafür, daß dieser Gebäudeteil neu aufgeführt worden ist. Feldmann sieht in dem südlichen Anbau nur eine Art Abstellraum, wahrscheinlich für den Friedhofsbetrieb, oder einen Kohlenkeller, der erst beim Bau der Heizung hinzugefügt worden sein soll. Die spitzbogige Tür scheint aber alt zu sein und im Inneren des Raumes waren zur Zeit Pfarrer Reichs noch Reste gotischer Gewölbe zu sehen. Der Raum diente also ursprünglich wohl gottesdienstlichen Zwecken.

Aber als man aber eine Heizung in die Kirche einbaut, erweitert man diesen Raum nach Süden und bringt ihn in eine Flucht mit der Kirchenwand. Der alte Türbogen wird dabei wieder verwendet und in die neue Wand eingesetzt. Das Tor besitzt an der Außenseite abgeschrägte Kanten mit einem Übergang zum Sockel in Form einer Halbpyramide aus zwei spitzwinkligen Dreiecken.

Über dem Heizungsraum sieht man in der Wand ein ovales Fenster: Als man den Chor besser beleuchten wollte, war dort gerade noch für dieses Fenster Platz. Feldmann vermutet eine Entstehung in der Barockzeit. Es ist aber erst von 1820, wie aus einer Anmerkung im Kirchenbuch bei einer Taufe in diesem Jahr hervorgeht, denn bei einer Taufe am 14. Dezember 1820 heißt es: „Das Kind konnte, weil gerade ein Fenster dem Altar gegenüber gebrochen wurde, nicht in der Kirche getauft werden“. Heute ist das Fenster von innen vermauert, aber von außen ist die Sandsteinfassung noch zu sehen. Das südliche Fenster des Chores hebt sich besonders hervor, da es dreibahnig ist und in drei Nasen endet.

 

Wenn man um die Kirche herum geht, sieht man an der Nordseite des Chorraums der Kirche die heutige Sakristei. In der Wand ist noch der Auslauf des Handwaschbeckens aus dem Inneren der Sakristei zu sehen. Das kleine Fenster an der Nordseite der Sakristei läuft in einer Nase aus.

Bei diesen Anbauten links und rechts des Chors könnte es sich um zwei Seitenkapellen handeln in denen die Seitenaltäre der Kirche standen, wie es ihn vielen Kirchen üblich ist: im nördlichen Raum (Sakristei) der Nikolaus-Altar, in der Mitte der Heiligkreuz-Altar und im südlichen Raum der Anna-Magdalena-Altar. Dann wären diese Seitenschiffe nach der Kirche hin offen gewesen.

Wenn die Seitenkapellen aber nicht offen gewesen sind, dann hätten diese Altäre an den Ostwänden der Seitenschiffe gestanden (wie Feldmann richtig bemerkt. Er wirft noch die Frage auf, ob es einen vierten Altar im tiefen Chor gab, der Kilian, dem „eigentlichen“ Patron der Kirche, geweiht war).

An dem nordwestlichen Pfeiler waren früher noch Inschriften von Handwerkern wie die Inschrift „Philipp Fix, den 13. Mai 1807, die aber heute abgeblättert sind.

 

 

NORDSEITE:

Die Nordseite der Kirche wurde 1743 im Zusammenhang mit der Neudeckung des Daches verändert. Der eine Kostenvoranschlag für ein Schieferdach, die notwendigen Maurerarbeiten und für neue Fenster beläuft sich auf sich auf 612 Gulden. Einen zweiten Vorschlag macht Baudirektor Hermann, der auf 599 Gulden kommt.

Er macht längere Ausführungen: Noch brauchbare Schiefer sollen wieder zurecht gehauen werden. Zwei Dachfenster müssen erneuert werden. Einer der Schieferdecker schlägt vor, aus den fünf (ohne das heutige Fenster im alten Turm) Fenstern das Maßwerk herauszubrechen und die Fenster nach unten zu vergrößern, damit die doppelte Menge Licht in die Kirche fällt. Der hohe Giebel muß mit Steinen ausgeflickt werden, der tiefe Giebel mit Kalk verputzt werden.

Heute noch ist an der Nordwestecke der Kirche an zwei Seiten der alte Turm zu erkennen. Hier wurde der Verputz extra ausgespart, um das Bruchsteinmauerwerk mit Eckverstärkung hervorzuheben. Dieser Turm ist nicht im Dreißigjährigen Krieg abgebrannt, wie behauptet wurde, sondern er ist wegen Baufälligkeit abgetragen worden. Der alte Turm war so baufällig, daß sich kein Schieferdecker mehr hinauf traut, so daß er auf alle Fälle abgetragen werden müßte.

Für die Umbauarbeiten im Jahr 1743 fügt der Baudirektor Hermann aus Hanau eine Skizze bei, die im Staatsarchiv Marburg vorhanden ist. Im Kirchendach war damals nur ein größeres Dachfenster (heute sind es drei kleinere). Die Spitze des Turms war nur so hoch wie der First des Kirchendaches, höchstens 13 Meter Höhe. Knapp unter der Traufe des Turms waren zwei längliche Fenster mit runden Bögen. Auf der Skizze fehlen das große Fenster im Turm (das erst jetzt ausgebrochen wurde) und die Stützpfeiler (Bild: Staatsarchiv Marburg STA MR, Bestand 83 Konsistorium Hanau, Nr. 2582).

Der Abbruch würde nur 20 Gulden kosten, aber man könnte das Kirchendach dort ohne Kehle schließen und hätte auf Dauer seine Ruhe. Der alte Turm soll bis zur rot punktierten Linie abgebrochen werden und nur bis zur Oberkante der Fenster bleiben. Er wird nicht mehr gebraucht, weil die Glocken in dem anderen Turm hängen.

Aber dieser Plan ist in der Gemeinde noch umstritten. Schließlich wird doch der ganze Turm abgerissen. Aber im Dachstuhl befinden sich noch Reste der vier abgebrochenen Turmwände und auch im Inneren der Kirche kann man noch die Absätze in der Wand sehen.

Interessant ist dabei auch die Darstellung der Fenster: Bei Buchstabe A. ist das damalige Fenster und bei Buchstabe C. das zukünftige Fenster zu sehen. Statt des breiten Stegs aus Stein und der Verzierung im oberen Teil („die uhralten Zierrathen in denen Bögen aushauen“) soll das Fenster dann nur noch ein Kreuz aus Eisen haben mit rechteckigen Scheiben. Das ursprüngliche Maßwerk der großen Fenster unterscheidet sich von dem Maßwerk in dem dreigeteilten Fenster im Chorraum und auch von den einfachen Bögen in den anderen Fenstern des Chorraums.

Auf der Skizze ist deutlich zu sehen, um wieviel die Fenster nach unten vergrößert wurden. Auch heute noch kann man am Gewände von außen erkennen, daß jeweils unten ein Sandsteinstück angefügt wurde: Auf der Nordseite sind das etwa 50 Zentimeter, im Süden etwa 90 Zentimeter (auch im Inneren sieht man, daß die Fensterbänke unterschiedlich hoch sind). Nur bei dem neuen Fenster im alten Turm geht das Gewände von unten durch und es wird erst oben neu angesetzt.

Am 24. April 1743 schreibt das Konsistorium, die Zinsen der letzten drei Jahre dürften für den Umbau genommen werden. Aber am 22. Mai 1743 wird doch wieder eine Kollekte vorgeschlagen. In einem gesonderten Schreiben vom gleichen Tag (von anderer Hand) wird bestimmt, den Vorschlag Hermann zu verwirklichen, aber noch einmal mit den Handwerkern zu reden, denn das Behauen der Schiefersteine dürfe nur 4 Albus kosten.

Anhand der Baunähte kann man heute noch sehen, daß der Turm eine Seitenlänge von 4,5 mal 6 Meter hatte. Der wieder zugeschüttete Sockel des alten Turmes soll auch Fischgrätmuster gehabt haben.

 

 

WESTWAND UND ALTER TURM:

Den alten Turm an der Nordwestecke kann man auch heute noch von außen an den Baunähten und auch an den Absätzen im Inneren erkennen. Vom Dachstuhl aus kann man nur den oberen Teil des Turms sehen (im Inneren der Kirche ist er ja abgerissen). Es läßt sich allerdings nicht feststellen, wie hoch der Turm einmal war, denn der obere Teil ist auch abgerissen (er war wohl am meisten baufällig). Er war der eigentliche Kirchturm. Erst als er baufällig geworden war, hat man den Wehrturm zum Kirchturm umgebaut (Schieferhaube) und die Glocken dort aufgehängt. Auf dem Dachboden ist ein Laufsteg. Von ihm aus kann man die Kuppeln des Kirchengewölbes von oben sehen (Schellmann I, Seite 233).

Der Turm hatte von Westen einen Eingang in das Erdgeschoß. Außerdem sieht man noch eine frühere Öffnung im ersten Stockwerk. Dies war wohl ein Fenster, denn beim Abbruch des Turms wird das Vermauern eines Fensters in Auftrag gegeben. Es war wohl nicht eine Tür, wie Feldmann vermutet, denn diese wäre mit etwa 1,60 Meter doch sehr niedrig und schmal gewesen. Es wurden aber beiderseits eines in Ziegel gemauerten Sockels (des ehemaligen Wasserzählers an der Außenwand) noch Bruchsteinfundamente festgestellt, von denen aus eine Holztreppe zu dieser Öffnung geführt haben könnte.

Die Wand ist leicht schief verzogen. Sie ist weitgehend verputzt, weil die dort verwendeten Kalksteine sehr gebröckelt haben. Der Weißbinder hatte an sich den Auftrag, nur die schadhaften Stellen in der Wand zu verputzen. Aber er hat das offenbar nicht richtig verstanden und hat die ganze Wand verputzt und nur einzelne Stellen freigelassen. Aber dadurch ist wenigstens die Wetterseite der Kirche extra geschützt.

In der Westwand sind zwei zugemauerte Öffnungen und vier Fensteröffnungen: Links im Bereich des alten Turms unten die zugemauerte Türöffnung und oben eine zugemauerte Fensteröffnung, die nach Norden herausgerückt ist (wegen der Treppe im alten Turm?).

In der Mitte ein rechteckiges Fenster und darüber ein oben abgerundetes mannshohes Fenster, das schon auf den Dachboden geht und eine Aufzugsöffnung war, weil man den Dachboden auch als Lagerraum für Bohnenkraut und Stangen nutzte. Im Zusammenhang mit der Brandversicherung für die Kirche verlangt der Pfarrer nämlich 1828, daß das Kartoffelkraut, die Bohnenstangen und was sonst noch so herumliegt, sofort entfernt werden. Rechts ist dann ein breites und niedriges Fenster mit einem Bogen, das innen unter der Empore ist, und darüber ein schmales Fenster auf der Höhe der Empore und der Orgel.

Die westliche Eingangstüre ist einfacher gestaltet als das Südportal, besitzt aber auf der Außenseite abgeschrägte Kanten mit einer abgesetzten, schräg geführten Kurve am Übergang zum Sockel.

Rechts vom Westausgang der Kirche ist die Grabplatte für Margreta Lommel eingelassen. Sie war laut Inschrift eine Pfarrfrau, die am 17. April 1580 gestorben ist. Ihr Mann war aber nicht in Hochstadt Pfarrer, sie hat wohl als Pfarrwitwe hier gewohnt. Der Name „Lommel“ kommt auch in einem Weinbergregister aus der Zeit vor den Kirchenbüchern vor.

 

In der Kirchhofsmauer rechts vom Turm finden sich noch zwei Platten:

Erste Platte: Astinus Deinges, gestorben am 23. Juni 1571, 64 Jahre alt. Ein Hans Deinges ist später Gemeindewirt. Zweite Platte: Peter Bricks (Brixius), Pfarrer in Hochstadt, gestorben am 2. Juni 1571, 41 Jahre alt, „ein Liebhaber christlicher Zucht und Wahrheit“.

 

Gegenüber dem Westausgang der Kirche (hinter dem Busch versteckt) befindet sich noch eine Grabplatte in der Mauer: Karl Valentin Müller, Sohn des Schulmeisters Philipp Jacob Müller und seiner Frau Magdalena geborene Caspari (erste Ehe), geboren am 20. Dezember 1782, gestorben am 21. April 1786 im Alter von 31 Jahren 4 Monate. Der Vater heißt in der Chronik Heckert „Johann Jacob Müller“, aber laut Kirchenbuch muß es „Philipp Jacob Müller“ heißen.

Vor diesem Stein liegt noch ein Sandstein auf dem Boden, der früher der Ableitung des Regenwassers aus den Abfallrohren der Kirche diente. In diesen Stein hat ein Soldat seinen Namen „Fehse“ und die Jahreszahl „1941“ eingeritzt, als Soldaten die Platten vor der Kirche ausbesserten.

 

Zuletzt noch zwei Außenansichten der Kirche vom Kirchberg her, auf denen man sowohl die Kirche als auch den Kirchturm sehen kann.

 

KIRCHENPATRONE:

In vorreformatorischer Zeit hatte in der Regel jede Kirche einen Patron, einen Heiligen oder eine Heilige, dem oder der die Kirche geweiht war. Daraus leiten sich Namen wie „Marienkirche“ oder „Johanneskirche“ ab. Die Hochstädter Kirche wurde in diesem Sinne zeitweise als „Kilianskirche“ bezeichnet. In einer Urkunde im Staatsarchiv Marburg vom 29. Oktober 1499 wird gesagt, daß Heinrich Genseler von Helfferich für die „ecclesia sancti Kiliani martyris“ (die Kirche des heiligen Märtyrers Kilian) in Hochstadt ein ewiges Stiftungsgeld aussetzt hat. Auf dem Altar der Maria Magdalena sollen in Zukunft drei Messen gelesen werden, die mit Häusern, Einkünften und Grundstücken zu Hochstadt, Dörnigheim, Mittelbuchen und anderen ausgestattet werden.

Die Kirche ist aber nicht in diesem Jahr dem heiligen Kilian geweiht worden, denn geweiht wurde sie ja schon bei ihrer Fertigstellung. Schon gar nicht ist die Kirche in Hochstadt von Kilian gegründet worden. Diese Namensgebung ist nur ein Versuch des Bistums Würzburg (das die Tradition des heiligen Kilian weiterführt), diese Kirche als seine Kirche zu beanspruchen (so wie auch den Ort Kilianstädten), auch wenn kein Rechtsanspruch darauf bestand. Das Kilianspatronat ist also erst zweitrangig. Der Kilianstag am 8. Juli paßt allerdings zu dieser Namensgebung, denn um diese Zeit findet das Kirchweihfest statt. Es wird allerdings noch unten gezeigt, daß der ursprüngliche Name wohl ein anderer war.

Daß die Einweihung der Kirche am St. Kilianstag gewesen sein soll, ist ein interessanter Gedanke. Die Kirchweih wird am zweiten Sonntag im Juli gefeiert. Dazu scheint der 8. Juli als der Kilianstag zu passen, denn zumindest wenn der 1. Juli ein Sonntag war. Bei der Einweihung der Kirche galt aber noch der julianische Kalender und der Kilianstag war am 21. Juli. Dieser kann aber niemals der zweite Sonntag im Juli sein.

Andererseits gibt es die Vermutung des Restaurators der Kirche, die Kirche sei den „Zehntausend Märtyrern“ geweiht, die ihn der Sakristei dargestellt sind. Diese Geschichte von den Märtyrern ist nicht historisch, sondern in der Zeit der Kreuzzüge entstanden zur inneren Stärkung der Kreuzritter.

So richtig populär wurde die Geschichte erst um 1500, also in der Zeit, als die Kirche ausgemalt wurde (dann wären die Malereien in der Sakristei gleich alt wie die in der Kirche, könnten aber auch früher entstanden sein). Der Gedenktag der Zehntausend Märtyrer ist aber der 8. Juli bzw. nach dem julianischen Kalender der 22. Juli.

Die Schwierigkeit bleibt damit. Es ist sowieso schwierig, einen datumsmäßig festgelegten Gedenktag mit der Angabe in Einklang zu bringen „zweiter Sonntag im Juli“, denn der muß immer vor oder nach dem eigentlichen Gedenktag liegen.

 

Von diesem Patronat für den Namen der Kirche sind zu unterscheiden die Kirchenpatrone, die zum Unterhalt der Kirche verpflichtet waren. Der Patron der Kirche in Hochstadt war an sich das Erzbistum Mainz, genauer gesagt das Mariagredenstift in Mainz („Maria ad gradus“). Dieses hatte jedoch das Patronatsrecht - sicherlich gegen eine Geldzahlung - als Lehen an verschiedene Adlige weiter gegeben.

Nach Kleinfeldt - Weirich (Seite 39) hatte die Kirche folgende Patrone: Im 13. Jahrhundert die von Wertheim, die es zu Lehen gegeben haben an die von Eppstein. Wohl schon im 14. Jahrhundert wurde das Patronat als „Afterlehen“ gegeben an die von Karben. Schon 1336 war ein Herr von Karben Pastor in Hochstadt, ebenso 1352 (was nicht heißen muß, daß sie dort auch Pfarrdienst getan haben). Im Jahre 1510 wurde die Kirche der Burgpfarrei Friedberg zugeordnet, doch wurde dieses Verhältnis in der Reformationszeit gelöst. Im Jahre1543 haben die von Karben das Patronat als stolberg-königsteinsches Lehen. Im Jahre 1587 haben die Karbener die Kirche als Lehen von Mainz, doch wird das Lehen hier als stolbergisches Lehen bezeichnet.

 

Das bedeutete: Die Junker von Carben (Karben) hatten in Hochstadt außer ihren eigenen Weinbergen auch noch Rechte an weiteren Weinbergen und anderen Grundstücken. Auf denen lag der sogenannte „Zehnte“, eine Art Einkommenssteuer auf den Ertrag von landwirtschaftlichen Einnahmen. Dieser Zehnte wurde aber nicht in Geld einkassiert, sondern die Junker erhielten ein Zehntel des Weins und der Feldfrüchte bei der Ernte abgezweigt. Dafür hatten sie die Verpflichtung, den Chor der Kirche und das Pfarrhaus zu unterhalten. Daß es nur der Chor war, könnte ein Hinweis darauf sein, daß dieser Teil der Kirche der älteste ist und vielleicht einen kleineren Vorgängerbau ersetzt hat.

Gelegentlich wird auch gesagt, die Herren von Carben hätten die ganze Kirche „in Dach und Fach“ zu unterhalten. Aber das muß man kritisch sehen, denn in späterer Zeit ist meist nur die Rede davon, daß sie den Chor der Kirche zu unterhalten hatten. Die Erhaltung des Kirchenschiffs war aber eher Aufgabe der bürgerlichen Gemeinde.

Es versteht sich von selber, daß die Patrone die Einnahmen immer gern in Anspruch nahmen, bei den Leistungen aber sehr zögernd waren. Als der Pfarrer Filber 1677 neu in die Gemeinde kommt, möchte er gleich bauliche Veränderungen an der Kirche und am Pfarrhaus vornehmen. Deshalb sollen die Herren von Carben unterrichtet werden, damit sie die Reparatur vornehmen lassen.

Diese zögern jedoch und nehmen die angeblich fehlenden Einnahmen aus Hochstadt zum Vorwand. Das Konsistorium führt eine Untersuchung durch und befragt den Schultheiß, die Geschworenen und Ältesten und richtet am 17. Februar 1679 ein Schreiben an die Regierung in Hanau und deren Kanzler:

Die Herren von Carben erheben Anspruch auf alle möglichen Arten von Zehntzahlungen, von denen man in Hochstadt nichts weiß (halber Weinzehnte, „Acht-Wein“, 26 Morgen Weingarten. „Geleuchtzehnte“ für die Wachslichter in der Kirche, Fruchtzehnte). Die Hochstädter weisen auch den Vorwurf zurück, bei der Ernte werde betrogen: Mit der Erhebung des Zehnten hat man es so gemacht, daß alle Zehnter zusammen an jedem Tag den Zehnten abgeteilt haben und das Amt Büchertal dann den Herren von Carben ihren Anteil gegeben hat. Die Träger werden sofort für jede Bütte extra bezahlt, auch wenn man zugeben muß, daß es da schon Mißbrauch gegeben hat.

Es wird nicht jeder Weinberg für sich verzehntet, sondern alle Weingärten eines Eigentümers zusammen. Daß viele Weingärten in Ackerland umgewandelt wurden, liegt daran, daß es nach dem Dreißigjährigen Krieg an Menschen fehlte und viele Weinberge wüst liegenblieben. Die Regierung in Hanau hat dann veranlaßt, daß hundert Morgen wieder urbar gemacht wurden, aber davon erhalten die Herren von Carben auch den Fruchtzehnten.

Man versichert den Herren von Carben, sie würden Amtshilfe erhalten gegen jeden, der ihnen den Zehnten schuldig ist. Nur müssen sie erst nachweisen, wer diese Personen sind. Sie können ja ihr Ackerbuch oder sonst ein Dokument vorlegen, um zu beweisen, wo ihre angeblichen Äcker liegen.

Umgedreht machen ihnen die Hochstädter den Vorwurf, daß sie den Zehnten und die anderen Abgaben ohne jede Einbuße die ganze Zeit über genossen haben, aber 40 Jahre lang nichts für den Erhalt des Pfarrhauses getan haben. Ihnen ist bestimmt nicht viel verloren gegangen, wohl aber dem Pfarrer. Den haben sie mit einem geringen Hauszins abgespeist (also nur den angeblichen Mietwert der Wohnung bezahlt). Aber er kann zur Schande der Gemeinde nicht im baufälligen Pfarrhaus wohnen und erhält aber auch nicht genug Geld, um sich eine Wohnung mieten zu können. Die Gemeinde bittet deshalb darum, daß die Herren von Carben so lange keinen Zehnten mehr erhalten, bis sie das Pfarrhaus in einen guten Zustand gebracht haben.

Im Jahre 1681 versprechen die Herren von Carben dann der Hanauer Regierung, noch vor der Ernte die Scheune und den Stall des Pfarrgehöfts instand zu setzen. Weil sie aber dazu keine Anstalten machen, wird am 6. März 1681 beschlossen, zwei Vertreter des Kirchenvorstands zur Regierung zu schicken. Zunächst geht der Pfarrer mit dem Kirchenältesten Nikolaus Emmel zur Kanzlei, am nächsten Tag noch einmal Nikolaus Emmel und mit dem Bürgermeister (nicht der Schultheiß!) Barthel Schäfer. Es wird ihnen aber gesagt, sie sollten von sich aus nichts unternehmen, wenn sie nicht etwas Schriftliches von den Junkern in Händen hätten, damit man nicht Gefahr läuft, daß die Junker in Zukunft ihren Verpflichtungen überhaupt nicht mehr nachkommen.

 

Es gibt im Staatsarchiv Marburg ein Aktenstück von Beschwerden der Herren von Carben gegen die Kirchengemeinde (Zehnt) 1697-1714

 

Im Jahre 1702 kommt es erneut zu Verhandlungen: Am 18. September kommen nachmittags um zwei Uhr auf dem Rathaus in Hochstadt die beiden Seiten zu einer Konferenz zusammen, bei der die Räte aus Hanau an der oberen Seite des länglichen Tisches sitzen und die Vertreter der Herren von Carben an der unteren Seite. Die Beschwerden werden nacheinander vorgelesen und jeder sagt seine Meinung dazu.

 

Die Hanauer können einen Vertrag von 1540 vorlegen, in dem das Kloster Thron und der Pfarrer in Hochstadt in Übereinstimmung mit der denen von Carben für 1000 Gulden ein Viertel des Zehntweins in Hochstadt an die Herrschaft in Hanau verkauft. Wenn davon noch der Achtwein abgezogen würde, dann erhielten sie ja nicht das vereinbarte Viertel. Alte Leute sagen aus, der „Achtwein“ sei nur ein Fäßchen Wein gewesen, das beim Abschluß der Weinlese von den Herren von Carben und ihren Leute vertrunken worden ist.

Es mag zwar so gewesen sein, daß den Herren von Carben einmal zwei Drittel des Fruchtzehnten zustand. Aber sie hätten ein Drittel getauscht gegen ein Viertel vom Weinzehnten. Die Herrschaft hat schon immer ein Sechstel des Fruchtzehnten gehabt und ein weiteres Sechstel von Hans Gebauer gekauft. Ein weiteres Drittel haben Privatleute.

Die Hochstädter versichern auch, daß man Mißbräuche abgestellt habe: Witwen und Waisen dürfen nicht schon vorab Trauben lesen. Auch der Geleuchtzehnte darf nicht vorher gelesen werden. Es dürfen nicht ganze Schürzen und Körbe mit Trauben heimgetragen werden. Die Zehntschreiber und die Büttenträger werden zwar allein von Hanau gestellt. Aber den Zehntschreibern steht es frei, die erste, zweite oder dritte Bütte zum Verzehnten zu nehmen, es kann kein Betrug vorkommen.

 

Am 5. Juni 1715 schreibt der Pfarrer an das Konsistorium: Die Stühle im Chor der Kirche sind schadhaft und müßten durch die Herren von Carben repariert werden. Diese lehnen jedoch ab, weil sie nur zum Unterhalt des Chorraums verpflichtet sind, aber nicht für die Stühle zuständig sind. Eine Reparatur der Stühle hätten sie in ihren Rechnungen nicht finden können.

Im Presbyterialprokoll von 1715 wird jedoch festgehalten, daß ein alter Mann namens Johannes Burger ausgesagt habe, die Herren von Carben hätten früher die Bänke bezahlt. Auch hätten sie damals einen geschlossenen Kirchenstuhl für sich machen lassen, den sie benutzen, wenn sie zur Weinlese nach Hochstadt kommen. Aber es wurde ihnen nicht gestattet, daß der Stuhl immer frei bleiben müsse: Nur wenn sie wirklich anwesend wären, sollten diejenigen weichen, die ihn sonst benutzen.

Am 27. Mai 1716 schreiben der Pfarrer und die Ältesten erneut: Die Kirche muß unbedingt repariert werden. Der Weißbinder ist für 85 Gulden schon bestellt. Auch Bänke („Stühle“) müssen repariert werden. Weil aber größere Reparaturen genehmigt werden müssen, bittet man das Konsistorium um diese Genehmigung. Das Konsistorium empfiehlt 27. Mai 1716 den Hanauer Weißbinder Bachmann (?). Die Ölfarbe müßten allerdings die Gemeindeglieder unabhängig von der Kirchenbaukasse bezahlen. Auch soll erkundet werden, was die Herren von Carben zur Reparatur des Chors zahlen wollen.

Auch am 21. Februar 1722 werden die Herren von Carben aufgefordert, den Chor der Kirche reparieren zu lassen, weil das Gewölbe bereits einen Schaden erlitten hat. Auch muß unbedingt das Pfarrhaus repariert werden, für das auch die Herren von Carben zuständig sind. Die Herren von Carben haben aber immer anerkannt, daß sie den Chor der Kirche zu unterhalten haben, weil sie ja das entsprechende Lehen in Hochstadt nutzen. Vielleicht hatte sie nur den Chor zu unterhalten, weil die Verpflichtung sich ursprünglich auf eine kleinere Kapelle bezog. Aber für die Bänke seien sie nicht zuständig, sagen sie. Noch in späteren Jahren wird aber darauf verwiesen, daß die Herren von Carben bei der Renovierung im Jahre 1716 zehn Gulden zur Reparatur der Kirche gegeben haben, indem sie die Kosten für zehn Sitzplätze übernommen haben. Das hätten sie wohl nicht getan, wenn sie gar nichts damit zu tun gehabt hätten.

Aber erst am 12. März 1725 wollen die Herren von Carben nach einer Besichtigung der Gebäude den Chor der Kirche und das Pfarrhaus in einen besseren Stand versetzen lassen. Sie sind aber der Meinung, daß der Schulmeister durch das Aufhängen seines Tabaks das Chor­dach beschädigt hat und für diesen Schaden aufkommen sollte.

Am 22. März 1725 schreiben Pfarrer Bender und das Presbyteriums: Die Herren von Carben werden die Reparatur vornehmen lassen. Dem Schulmeister ist schon gesagt worden, daß er in Zukunft den Tabak nicht mehr unter dem Chordach aufhängen darf. Die Herren von Carben werden dann noch einmal vom Konsistorium zur Reparatur aufgefordert. Aber 1729 sterben die Herren von Carben im Mannesstamm aus. Die nächsten Schreiben ist erst von 1732 und 1733. Danach ist am Chor der Kirche ist etwas gemacht worden

 

Mitte 1729 stirbt das adlige Haus Carben aus. Das Lehen fällt wieder an das Erzbistum Mainz. Der Kurfürst teilt sofort mit, daß er hinfort der Patron der Kirche ist und über die Lehnstücke verfügen kann, aber auch für Erhaltung des Pfarrhauses und des Chors der Kirche zuständig ist.

Als 1732 einige Bänke im Chorraum neu zu machen sind, beschließt man, dafür erst einmal Mittel des Kirchenbaus zu nehmen und sich dann an höheren Orten zu erkundigen, wie zu verfahren sei. Pfarrer Eberhard schreibt am 26. August 1732 an das Konsistorium: Die Inhaber des Lehens der Herren von Carben (also Kurmainz) bestätigen, daß sie den Chor der Kirche zu unterhalten haben, weil sie ja das entsprechende Lehen in Hochstadt nutzen. Aber für die Bänke seien sie nicht zuständig, das habe auch ein Mainzer Kammerrat ihnen bestätigt. Am 16. Juli 1733 schreibt Kurmainz:

Da nach dem Aussterben der Herren von Carben das Patronat (und der Zehnte) wieder an Mainz zurückgefallen ist, muß jetzt erst wieder eine Bestandsaufnahme gemacht werden. Man will auch nur die Bausubstanz des Chors erhalten und nicht auch Reparaturen vornehmen, und die Zuständigkeit für das Pfarrhaus lehnt man ganz ab. Zunächst bittet man darum, nähere Angaben zu den nötigen Reparaturen zu machen.

Im Jahre 1738 geht es wieder um die Kosten für den Chorraum der Kirche. Das Konsistorium schreibt am 5. November 1738, daß man erst noch drei oder vier Wochen warten soll, ob Mainz nicht doch noch zahlt. Wenn aber nichts geschieht, dann soll das ans Konsistorium gemeldet werden, damit dieses das Geld für den Mainzer Zehnten einbehält.

 

Eine erneute Auseinandersetzung gibt es 1740. Pfarrer Eberhard schreibt am 11. Mai 1740 an das Konsistorium: Die Gänge in der Kirche sind sehr ausgetreten. Die Reparatur wird etwa 30 Gulden kosten. Der Pfarrer und die Ältesten bitten um Genehmigung. Die Bänke im Chorraum wurden zwar auf Kosten der Kirche erneuert. Aber im Mai hat man ein Protokoll vom 23. August 1633 gefunden, aus dem hervorgeht, daß die Patrone damals sowohl die Fenster als auch die Bänke haben machen lassen (Fenster und Bänke sind „auf Bewilligung der Herren Kollatoren gemacht wurden“.

Am 17. August 1740 wird Pfarrer Eberhard aufgefordert, den Kostenvoranschlag für die Bänke einreichen. Die Reparaturen an den Bänken sind aber bereits am 22. September 1739 vom Konsistorium genehmigt worden. Am 18. Mai wurde die Reparatur der Gänge genehmigt. Der Pfarrer übergibt eine Aufstellung der Kosten für die Reparatur der Gänge in Kirche und Chor (300 Platten) für rund 18 Gulden, die Reparatur der Bänke und der Täfelung kostete etwa 10 Gulden.

 

Am 12. August 1770 liest der Pfarrer im Kirchenvorstand ein Schreiben über den Chorraum der Kirche vor. Die Kirchenältesten erklären, daß sie alle wissen, daß der Patron denselben bauen und erhalten muß. Die Einzelheiten würden sicher die Schriftstücke näher ausweisen. Der Pfarrer will sie durchsuchen und über das Ergebnis berichten.

In den Jahren 1772 bis 1783 kommt es zum Verkauf des kurmainzer Hofguts, das es offenbar auch in Hochstadt gab. Es war vielleicht kein wirklicher Hof. Aber es gab einen „Hofmann“, der die Äcker verwaltet (zum Beispiel Alban Dietz, Bogenstraße 8).

Im April 1792 wird über die Reparatur des Chors der Kirche gesprochen. Besonders das Dach verfällt immer mehr, das Holz droht in Fäulnis überzugehen. Man will wieder beim Konsistorium vorstellig werden, weil Kurmainz für die Reparatur zuständig ist. In einem Nachtrag heißt es: Noch 1792 wird das Dach des Chors auf Mainzer Rechnung durch den Maurer Dimer aus Kesselstadt umgedeckt und frisch mit Kalk verstrichen. Bis 1792 erhält Mainz auch noch einen Anteil am Zehnten. Die „Herbstkosten“ (= Erntekosten bzw. Einzugskosten) des kurmainzer Anteils am Zehnten aus den Jahren 1782 bis 1792 sind im Staatsarchiv Marburg festgehalten.

Am 12. Juli 1800 findet ein Gefecht zwischen den kurmainzer und den französischen Truppen statt. Als die Mainzer sich zurückziehen, werden die Fenster am Chorraum der Kirche sehr zerschossen. Die Sache wird dem Konsistorium gemeldet. Dieses antwortet, die Fenster sollen repariert werden und einstweilen soll das Geld aus der Kirchenbaukasse bezahlt werden. Aber der kurmainzer Behörde wird Nachricht gegeben. Wenn diese nicht zahlt, dann soll der Ertrag des kommenden Jahres aus den Mainzer Gütern beschlagnahmt werden. Mainz soll nicht deshalb zahlen, weil Mainzer Truppen beteiligt waren, sondern weil das Erzbistum Mainz die Pflicht hat, den Chorraum zu unterhalten. Beschlagnahmt werden soll der Pachtertrag (bzw. der Zehnte) von Gütern, die Kurmainz weiterhin nutzt.

Während der Franzosenzeit kommt es in den Jahren 1802 bis 1816 zur Einziehung des bei dem Erzstift Mainz liegenden Patronatsrechts und zur Besitzergreifung des damit verbundenen Hofes, Pfarrhauses und Zehnten durch den Staat (die „Gnädigste Herrschaft“). (Staatsarchiv Marburg Verzeichnis E, Fach 9 a).

Aber immerhin hat bis in diese Zeit das katholische Erzbistum Mainz zum Erhalt der protestantischen Kirche in Hochstadt beigetragen. Aber diese Baulastverpflichtung hatte den konkreten Hintergrund, daß die Nutzung der Weinberge mit der Verpflichtung zum Erhalt der Kirche verbunden war. Mainz hat das wohl nur anerkannt, weil es einen größeren Nutzen aus dem Zehnten hatte.

 

Zur vorreformatorischen Zeit siehe „Chronik, Ergänzungen“)“

 

 

Das Innere der Kirche

Die geschlossen erhaltene Kirche bietet mit ihrer freundlichen weißen Fugenmalerei auf hellrotem Grund, den hellen Wandflächen mit den abwechslungsreichen Malereiresten einen guten Eindruck einer stattlichen, spätmittelalterlichen Dorfkirche. Die Reste der barocken Ausstattung runden das Bild ebenso ab wie die schöne Lage hoch über dem Maintal. Vor allem die freigelegten Malereien beeindrucken.

 

KIRCHENSCHIFF:

 

Opferstock:

An beiden Eingängen der Kirche steht je ein Opferstock, in den die Gaben der Gemeindeglieder eingelegt werden. Ursprünglich gab es wohl nur einen Opferstock, der nur alle Vierteljahr geleert wurde. Anfang 1724 wird vom Konsistorium angeordnet, daß nichts in der Kirche bleiben darf, das man stehlen könnte, nachdem an verschiedenen Orten die Kirchen aufgebrochen wurden. Vor allem sollen die Almosen nicht mehr in den Almosenstock kommen, sondern in einen Kasten, zu dem der Pfarrer und der Kirchenbaumeister je einen Schlüssel haben. Auch nachdem im Jahre 1753 in Eckenheim und Enkheim verschiedene Sachen aus den Kirchen gestohlen wurden, wir den Pfarrern auf dem Land noch einmal eingeschärft, daß alle Kirchengeräte und alles, was entwendet werden könnte, in Verwahrung zu bringen ist, am Besten im Pfarrhaus (Opferstock am Südportal, Opferstock am Westportal).

Pfeiler:

Die Kreuzrippengewölbe des Langhauses stützen sich auf vier Pfeiler. Die Scheidbögen nach dem nördlichen Seitenschiff sind rund, die Scheidbögen nach dem südlichen Seitenschiff zu sind spitzbögig. Die Pfeiler nach dem nördlichen Seitenschiff zu ruhen auf einem rechteckigen Grundriß und laufen erst über den Ecken durch Eckausläufe in achteckige Pfeiler über. Die Pfeiler nach dem südlichen Seitenschiff zu stehen hingegen auf einem Sockel, der auf einem achteckigen Grundriß beruht. Durch Abschrägung der Kanten sind auch die Pfeiler gewissermaßen achteckig.

Die Pfeiler sind nicht ganz im gleichen Abstand errichtet und vor allem nicht gleich breit, sondern an der Nordseite sind die (vom Mittelgang gesehen) nach Westen verbreitert. Die Bögen weichen also leicht voneinander ab. An der Südseite kann der dritte Bogen problemlos angeschlossen werden, ist allerdings nicht so weit wie die anderen beiden. An der Nordseite hat dieser dritte Bogen ursprünglich gar nicht bestanden. Er wurde erst beim Abbruch des alten Turms neu aus der Wand des alten Turms herausgebrochen und ist deshalb schmaler und etwas nach Norden versetzt.

Bei drei Pfeilern endet die Rippe schon oben am Pfeiler in einer sogenannten „Rippenkonsole“. Der Nordostpfeiler dagegen hat eine wohl ehemals bis auf den Erdboden heruntergezogene Pfeilervorlage (für eine Heiligenfigur?), die aber wohl (für das heutige Gestühl?) unten abgearbeitet ist. Die Dienste des Gewölbes sind nur schwach ausgeprägt und enden schon kurz vor den Pfeilern. Es liegt kein gebundenes System vor, einem Joch des Mittelschiffs wird jeweils ein Joch der Seitenschiffe zugeordnet. Nur das breitere Mittelschiff besitzt auch zu den Seitenschiffen hin Schildrippen. Im Nordseitenschiff sind die Rippen an der ersten Jochgrenze von Osten, im Südschiff in der ersten von Westen „verschnitten“, das heißt: Die Rippen treffen nicht genau in einem Punkt zusammen.

 

Der spitze Chorbogen („Triumphbogen“) zeigt vom Fußboden an aufwärts eine breitere Eckabschrägung („Fasen“) zum Chor hin. Zum Schiff hin aber ist diese Eckabschrägung nur im Bogenbereich breiter ausgeführt, auf der Kanzelseite ist sie noch etwas weiter nach unten geführt. Das ist die spätgotische Eigenart der Kantenbrechung. Die jeweils drei Gewölbejoche sind nicht gleich groß: nach jeweils zwei längsrechteckigen Jochen folgt im Westen ein quadratisches (weil hier die Breite des alten Turmes den Platz begrenzte). Die einfache Rippenform entsteht durch seitliche Auskehlung, so daß eine dünne Stirnfläche frei bleibt. Auch das deutet auf eine späte Bauzeit. Vom Dachboden aus sieht man, daß die Mittelgrate der Gewölbekappen eine winkelförmige Anordnung haben und aus regelmäßigen 31 mal 5 Zentimeter langen Steinen bestehen.

 

Langhausfenster:

Die heutigen sechs Fenster sind hoch, oben abgerundet und nur leicht spitzbogig geschlossen, aber trotz ihrer Größe ganz ohne Maßwerk. Das liegt daran, daß man bei dem Umbau von 1743 die Mittelstege und das Maßwerk herausgeschlagen hat und die Fenster nach unten verlängert hat, um mehr Licht in die Kirche zu lassen.

Nur das südliche Fenster am Chor ist dreibahnig und entsprechend breiter. Sonst ist es wie die übrigen Chorfenster oben ganz schlicht mit „Nasen“ geschlossen (die von links und rechts unter dem oberen Kreis in das Fenster hineinragen), was vielleicht auf eine Entstehung im 14. Jahrhundert hindeutet.

 

Fußboden:

Das Innere der Kirche war mit Platten belegt. Am 29. Juli 1740 wird mit dem Maurermeister Felix Häuser aus Marköbel ein Vertrag gemacht über das Belegen der Kirche mit Platten mit Ausnahme des Stücks im hintersten Gang, das gegenwärtig mit gebrannten Steinen belegt ist (falls dort doch noch Platten hinkommen sollten, dann ist ein Zusatzvertrag zu machen).

Auch der ganze Chorraum soll mit Platten belegt werden. Als Preis werden 16 Gulden vereinbart. Der Gerichtsmann Peter Schröder vereinbart in Vertretung des Schultheißen oder der Bürgermeister mit dem gleichen Maurer, daß die Wege auf dem Kirchhof und neuen Treppen an den Türen und am Kirchturm mit Platten belegt werden. Die bürgerliche Gemeinde wird den Preis von zwölf Gulden zahlen.

Am 14. Oktober 1740 erhält der Maurermeister Felix Häuser noch 6 Gulden für die Gänge in der Kirche, im Chor und auch in der hintersten Reihe der Kirche und für das Aushauen des Pfarrsitzes. Der Steinhauer erhält für 1000 „Schuplatten“ (Platten in Größe eines Schuhs?) für die Gänge in der Kirche über 34 Gulden. Der Kalk wird dem hiesigen Ziegler bezahlt. Im März 1741 zahlt Johann Jakob Heckerth vier Gulden für die alten Platten aus der Kirche. Andreas Heckerth zahlt 10 Albus für den alten Tritt zum Pfarrersitz. Der Schreiner erhält für den Pfarrersitz und das Anbringen einiger Bänke 4 Gulden.

Früher waren in den Fußboden Inschriften und Grabsteine eingelassen. Im Boden an der südlichen Tür befand sich eine Inschrift und in der Nähe die Jahreszahl 1681 (Einbau der südlichen Kirchentür).

Ein Grabstein befand sich auch vor dem Platz der Kirchenältesten rechts in der Kirche. Vor dem Altar lag die ganz unkenntlich gewordene Grabplatte der Tochter des Pfarrers Jakob Filber, die 1678 an der roten Ruhr gestorben ist. Im April 1680 mahnt der Kirchenvorstand den früheren Pfarrer Filber, der vor zwei Jahren versprochen hat, eine Grabplatte für das Grab seiner Tochter in der Kirche herstellen zu lassen. Er sagt schriftlich zu, bis in vier Tagen die Stelle mit dem Grabstein und Platten verschließen zu lassen. Wenn es nicht geschehen würde, will der Kirchenvorstand die Arbeit auf seine Kosten vornehmen lassen. Diese ganz unkenntlich gewordene Platte wurde beim Neubelegen des Chors herausgenommen (laut Feldmann).

Die erste hölzerne Emporensäule in der Nordwestecke ist auf einen alten Grabstein aufgesetzt, an dem man noch Reste einer Inschrift erkennen kann. Die Säule wurde errichtet, als der alte Turm in der Nordwestecke abgerissen wurde. Im Fußboden dieses alten Turms befand sich eine Platte mit der Inschrift „17 MBKm 40“. Pfarrer Reich hielt das für den Namen des Kirchenbaumeisters MB (für diese Zeit ist allerdings kein Kirchenbaumeister dieses Namens bezeugt).

 

Alter Turm:

Im Vertrag vom 26. September 1743 wird festgelegt: Der Turm ist schon halb abgebrochen (also der Teil, der oben aus dem Dach herausragte). Jetzt soll der Maurer Weber nur noch die zwei Innenwände in der Kirche abreißen. Für ein Fenster soll ein Loch gebrochen werden, damit vor allem die Pfarrsitze mehr Licht erhalten. Die alte Turmtür soll zugemauert werden, auch das Fenster darüber (Die Stellen sind von außen im Mauerwerk an der Westseite des Turms noch heute zu sehen). Die Säule, an der die beiden Wände zusammenstoßen, darf nicht beschädigt werden. Der Bogen soll im Lot stehen. Genaue Maße werden angegeben. Die Kosten sollen 55 Gulden betragen.

Am 18. Dezember 1743 schreibt Pfarrer Eberhard: An der Stelle des abgebrochenen Turms (offenbar hat man ihn doch bis ganz unten abgebrochen) sind noch Kirchenbänke für 50 (!) Personen neu zu bauen. Heute sind dort 12 bis 16 Plätze. Die Zahl 50 ist also so zu verstehen, daß auch die Plätze auf der Empore hinzugerechnet werden. Das macht auch klar, daß das Stück Empore an der Nordwand erst jetzt hinzugefügt werden konnte.

Auch ist eine (Holz-) Säule ist nötig, um die Orgel zu tragen (denn bisher war hier ja die Wand des Turms. Diese hat man wohl so ausgebrochen, daß der jetzige hintere Bogen stehen blieb, der sich von den anderen Bögen in der Kirche ja deutlich unterscheidet). Das soll insgesamt 16 Gulden kosten. Er bittet das Konsistorium um Genehmigung. Das Konsistorium stimmt noch am gleichen Tag zu.

Doch dann stellt sich heraus, daß der Schultheiß Johann Wilhelm Meerbott und sein Schwiegersohn Hans Jakob Stein eigenmächtig gehandelt haben und eine Vertrag mit dem Maurer Weppler in Hanau gemacht haben (Schultheiß Johann Wilhelm Meerbott heiratet 1707 Anna Catharina Will. Die Jahreszahl verweist darauf, daß er doch länger als 1733 im Amt war).

Der Abbruch erfolgt im Zuge der Renovierung seit 1743. Nach dem Vertrag vom 26. September 1743 ist der Turm ist schon halb abgebrochen. Jetzt soll Weber die zwei Innenwände der Kirche abreißen. Für eins Fenster soll ein Loch gebrochen werden, damit vor allem die Pfarrsitze mehr Licht erhalten. Die alte Turmtür soll zugemauert werden, auch das Fenster darüber. Die Säule darf nicht beschädigt werden. Der Bogen soll im Lot stehen. Genaue Maße werden angegeben. Die Kosten sollen 55 Gulden betragen.

Einige Bürger beschweren sich am 14. Dezember 1744, man hätte die Mauern auch stehen lassen können. Doch der Fuß des alten Kirchturms wird abgebrochen. Man kann die Größe des Turms noch heute an den Mauervorsprüngen erkennen.

Am 6. Januar 1744 wurde mit dem Zimmermann vereinbart, daß er für 2 Gulden 40 Kreuzer eine kleine Säule und einen Querbalken oben an der Orgel anfertigt, damit die Orgel abgestützt wird, deren Boden vorher auf dem alten Turm aufgelegen hat. Mit dem Schreiner Schott wird am 13. Januar 1744 ein Vertrag gemacht, daß er die Bänke für den Platz anfertigt, wo der alte Turm gestanden hat. Auch soll er die Bänke reparieren, die beim Abbruch des Turms beschädigt wurden (Aktenstück im Staatsarchiv Marburg).

 

Mit zu den Arbeiten gehören das Streichen der Bänke und ein Geländer an der Orgel. Der Schreiner erhält 4 Gulden für das Material und 4 Gulden 30 Kreuzer für die Arbeit (Hier ist einmal gesagt, daß es sich um Bänke handelt, obwohl nachher gleich wieder von den „Weiberstühlen“ die Rede ist). Am 9. Februar 1744 erhält der Baumeister 20 Gulden, um die neuen Bänke bezahlen zu können.

Durch den Abbruch des Turms sollten 50 Sitzplätze gewonnen werden. Heute sind dort maximal 20 Sitzplätze. Die Zahl 50 kann also nur so gemeint sein, daß auch die Plätze auf der Empore oben drüber mit gezählt werden bzw. daß diese erst bei dieser Gelegenheit in der jetzigen Form erweitert wurde. Die Kirche hat heute 341 Sitzplätze, davon 107 auf der Empore. Inspektor Grimm urteilt 1744 bei der Visitation: Die Kirche ist nach Abbruch des Turms hell und schön! Aber der Maurer Conrad Weber beschwert sich am 31. März 1745 beim Amt, daß ihm das Geld noch nicht gezahlt wurde.

 

Orgel:

Die erste Orgel, von der man weiß, kommt 1697 auf die neu eingebaute Empore im westlichen Teil des Mittelschiffs. Sie wird hergestellt von Orgelmacher Valentin Margart, der 1699 dafür 314 Gulden erhält. Das Geld kommt aus Mitteln des Kirchenbaus und aus Kollekten. Zur Taufe von Johanna Koch am 22. August 1697 wird die Orgel zum ersten Mal gespielt.

Noch am gleichen Tag schließt das Presbyterium nach dem Nachmittagsgottesdienst mit Herrn Spieß einen Vertrag, wonach dieser bis zum Ende des Jahres 1698 für seine Mühe, die Orgel zu spielen („schlagen“) acht Gulden erhält.

Am 14. November wird beschlossen, an einem bestimmten Tag für die Orgel sammeln, der Schultheiß soll den Termin für die Sammlung festlegen. Am 13. Februar 1698 wird beschlossen, daß Johann Philipp in Zukunft die Orgel spielen und 20 Gulden im Jahr dafür erhalten soll. Es wird sich dabei wohl um einen Sohn von Wilhelm Philipp handeln, der von 1686 bis 1702 lutherischer Lehrer ist: Entweder ist es der 1669 geborene Sohn Johann Philipp oder gar der erst 1684 geboren Sohn gleichen Namens. Im Oktober wird die Bezahlung bei Amtshandlungen geregelt: Der Lehrer und Organist soll für das Orgelspielen jeweils einen halben Gulden haben, wenn ihm jemand mehr gibt, soll es nicht verboten sein

Bei der Übergabe des Heberegisters von 1699 am 23. August 1700 werden dem Kirchenverwalter Schmidt in Hanau zwei Quittungen vorgelegt, mit denen man die 350 Gulden für die Orgel teilweise abgezahlt hat. Die erste Quittung ist vom 1. Juli 1699 und beläuft sich auf 200 Gulden, die zweite vom 26. April 1700 beläuft sich auf 100 Gulden. Es bleibt noch ein Rest von 50 Gulden und 16 Gulden Zinsen.

Im April 1702 erhält der Orgelmacher Wilcke (?) 20 Reichstaler (das entspricht 30 Gulden) für die Reparatur der Orgel. Jesaja Ermentraut erhält 1702 zwei Gulden im Jahr für das Balgtreten bei der Orgel. Er wird auch für das kommende Jahr wieder als Bälgetreter angenommen. Wenn er bei einer Hochzeit den Balg tritt, erhält er vier Albus.

Ein Aktenstück aus dem Jahren 1705-1760 über die Orgel in der reformierten Kirche in Hochstadt ist nur im Findbuch des Stadtarchivs Hanau erwähnt, aber nicht im Staatsarchiv Marburg vorhanden.

Im Jahr 1706 macht der Orgelmacher Schäfer zwei neue Blasebälge und erhält dafür 35 Gulden. Er hat verspricht, dafür auch noch den Tremulant (Möglichkeit zum tremulieren der Orgel) zu machen und die Orgel zu überprüfen und zu stimmen.

Eine Reparatur im Jahre 1721 geht nur aus einem Schreiben des Pfarrers Sebastian vom 11. November 1721 an das Lutherische Konsistorium hervor: An der reformierten Kirche ist gerade ein berühmter Orgelbauer tätig. Diesen möchte der lutherische Pfarrer verpflichten, für seine Kirche eine Orgel mit sechs Registern zu bauen.

An dem Aufgang zur Orgel soll im Juli 1724 ein Riegel angebracht werden, damit die Leute nicht den Lehrer beim Orgelspielen stören. Am 4. Januar 1733 bringt

 

Johann Caspar Meerbott zwei Schlösser mit, die der Baumeister gekauft hat. Sie sollen angebracht werden an der kleinen Türe an der Kirche und an der Tür der Kammer im Chorraum, und der Pfarrer erhält die Schlüssel dazu. Eine Reparatur der Orgel und des Blasebalgs wird 1759 bis 1761 durchgeführt.

Doch 1793 werden Gesimse und Gitter auf der Orgelempore wieder entfernt, weil man sich nur dahinter versteckte und während des Gottesdienstes plauderte oder schlief. Die Jugend hat offenbar wegen der Entfernung des Geländers gehörigen Krach gemacht, denn sie war es ja, die sich hinter dem Gitter ungestört unterhalten wollte.

Im folgenden Jahr muß die Orgel von Orgelmacher Petter in Hanau auf Kosten der bürgerlichen Gemeinde wieder einmal repariert werden.

Für 350 Gulden wird 1797 die Orgel aus der Marienkirche gekauft. Doch Pfarrer Theobald verfolgt seit 1819 wieder den Plan, die Orgel ausbessern zu lassen. Ein Kostenvoranschlag für die elf Register beläuft sich auf 425 Gulden. Vor allem aber will der Pfarrer die Orgel in den Chorraum verlegen, um der Kirche mehr Luft und Raum zu geben. Außerdem muß man Platz für die ehemaligen Lutheraner schaffen, die ja seit der Hanauer Union von 1818 mit in die Kirche kamen. Das Konsistorium gibt die Erlaubnis, Kollekten zu sammeln und den Auftrag an den Orgelmacher Burg (oder Burgy) aus Homburg vor der Höhe zu vergeben.

Es genehmigt 1820 auch die Versetzung der Orgel in den Chorraum. Das Holz dazu könne aus der Lutherischen Kirche genommen werden. Am 5. April 1820 wird dann der Vertrag geschlossen. Er lautet auf 440 Gulden einschließlich Umsetzung. Am 12. März 1821 nimmt der Organist Försch die überholte Orgel ab. An den Orgelbauer müssen schließlich 540 Gulden gezahlt werden. Doch schon 1830 müssen nach einer Durchsicht für über 30 Gulden die beiden Blasebälge erneuert und ein Register geändert werden.

Aber schon 1848 kommt wieder die Meinung auf, die Orgel in das Kirchenschiff zu verlegen, und das heißt doch wohl, wieder auf die Empore. Doch erst einmal werden 1851 für 177 Gulden zwei Register und zwei Blasebälge erneuert und die Orgel überholt. Auch 1857 wird bemängelt, daß der Ton der Orgel durch die Versetzung in den Chor entgegen den Erwartungen geringer geworden ist. Auch seien der Chor und der Altar sehr eingeschränkt.

Der Kirchenvorstand hat aber Bedenken, daß durch eine Verlegung der Orgel auf die Empore der Platz für die Jugend zu sehr eingeschränkt wird. Doch dem Pfarrer ist die Versetzung der Orgel ein Herzensbedürfnis. So wird die Orgel von Orgelbauer Hedwig aus Hanau 1857 wieder einmal auf die Empore versetzt.

Doch 1858 geben dann 71 Einwohner über 61 Gulden für eine neuerliche Umsetzung der Orgel. Ein Vertrag mit dem Orgelbauer Degenhardt in Hanau wird gemacht, für 70 Gulden will er die Arbeit übernehmen. Das Konsistorium stimmt schließlich zu, damit Friede in der Gemeinde wird. So kommt die Orgel im September 1858 wieder in den Chorraum, weil sonst auf der Empore 50 Plätze verlorengegangen wären.

Bei der Visitation am 10. Juli 1901 bezeichnet der Organist Paulstich die Klangwirkung der aus elf Registern bestehenden Orgel als kläglich. Die Firma Ratzmann aus Gelnhausen baut für knapp 4.000 Mark eine pneumatische Orgel (bei der die Ventile durch Druckluft bewegt werden). Im Jahre 1901 wird der Kauf einer neuen Orgel beschlossen.

Eine Zeichnung des Orgelprospekts befindet sich bei den Pfarramtsakten, auch die Disposition der elf Register (der Charakter der Register):

Wieder setzt sich der Pfarrer - jetzt Pfarrer Reich - leidenschaftlich für die Verlegung der Orgel auf die Empore ein. Aber alle zwölf Presbyter stimmen gegen den Vorschlag. Auch das Konsistorium ist für den Chorraum, auch wenn dieser Platz an sich ungeeignet ist. Im Jahre 1901 wird der Kauf einer neuen Orgel für 4.000 Mark beschlossen. Der Vertrag wird am 22. Juli 1901 abgeschlossen. Die Orgel steht aber zunächst im Chorraum.

Eine Zeichnung aus dem Jahre 1916 zeigt die Orgel, die den ganzen Chorraum ausfüllt. Der Mittelgang der Kirche erscheint hier sehr breit. Über dem Chorbogen ist ein transparentartiges Schriftband zu sehen. Links ist noch die Ecke der Empore zu erkennen. Das Fenster ist an dieser Stelle nicht so vorhanden, sondern von der Südseite des Chorraums übernommen.

 

Wegen des Verkaufs der Pfeifen der alten Orgel kommt es noch einmal zu einer gewissen Unruhe, weil ein Hochstädter Spengler sich übergangen fühlt und sogar von Betrug spricht. Doch es hat niemand etwas von dem großen Interesse des Spenglers gewußt, der Verkauf war also völlig korrekt.

 

Am 8. August 1917 müssen die Prospektpfeifen für die Zwecke des Krieges abgeliefert werden, obwohl der Pfarrer den doppelten Betrag an Zinn zur Verfügung stellen will. Sie werden aber 1920 durch die Firma Ratzmann wieder erneuert. Ein elektrischer Winderzeuger für 420 Mark kommt 1929 hinzu. Schließlich wird 1939 einstimmig beschlossen, die Orgel doch wieder auf die westliche Empore zu verlegen.

Die heutige mechanische Orgel wird im Jahre 1966 von der Firma Peter in Köln erbaut und hat 19 Register.

 

Emporen:

Es wird gesagt, schon nach der Vertreibung des Pfarrers Gereum (1578 - 1596) seien die Altäre in der Kirche abgebrochen und der Taufstein und die Bilder entfernt bzw. überstrichen worden. Falls das aber noch nicht der Fall war, ist es spätestens im Jahre 1697 geschehen, als die Kirche nach den Vorstellungen der reformierten Kirche umgestaltet wurde. Dann wurden damals die Malereien übertüncht (und dadurch bis in unsre Zeit erhalten). Vor allem wurden die Emporen eingezogen, um eine Predigtkirche zu schaffen, denn nun war nicht mehr der Altar mit der Feier der Messe die Mitte, sondern es ging um die Verkündigung des Wortes Gottes. Durch die an der Westseite eingebaute Empore wurde auch Platz für die Orgel geschaffen. Das Stück Empore an der Nordseite wurde erst nach dem Abriß des alten Turms möglich. Die Empore vor der Orgel wurde 1956 verbreitert, um Platz für den Chor zu schaffen.

Die Jahreszahl der Errichtung der Empore findet sich an der Säule vorne rechts. Die vollständige Inschrift lautete: „Sub pastore Phil. Lud. Böhm, praetore Casp. Schmidt, senioribus Nic. Emmel, And. Schmidt, Phil. Burger, Joh. Schwarz, Mich. Pudel, aedili Joh. Georg Weber, in anno 1697.“ („Zur Zeit des Pfarrers Philipp Ludwig Böhm, das Schultheißen Caspar Schmidt, der Kirchenältesten Nicolaus Emmel, Andreas Schmidt, Philipp Burger, Johannes Schwarz, Michael Püdel und des Kirchenbaumeisters Johann Georg Weber, im Jahre 1697“).

 

Caspar Schmidt war mindestens seit 1683 Schultheiß, wahrscheinlich bis 1719; seine Anfangsbuchstaben finden sich auch auf dem Brunnen vor dem Haus Hauptstraße 19.

Niclas Emmel als Kirchenältester erwähnt 1698, gestorben ist er 1713.

Andreas Schmidt als Kirchenältester erwähnt 1693 bis 1702, gestorben 1715.

Philipp Burger als Kirchenältester erwähnt 1699 und 1701, gestorben 1701.

Johannes Schwartz erwähnt 1697 bis 1731, „der Ältere“, gestorben 1731.

Michael Püdel (nicht „Buddel“) ist nicht als Kirchenältester bezeugt. Er hat 1671 geheiratet und ist 1703 gestorben.

Bei der Renovierung im 20. Jahrhundert wurden die Säulen von der alten Empore übernommen. Sie haben zwei Farbfassungen unter der Standölfarbe. Das Erscheinungsbild der Erstfassung läßt eine Marmorierung vermuten. Bei der Einpassung in die neue Empore wurden die Säulen aber oben gekürzt. Dadurch ist die Inschrift an der vorderen Säule nur noch teilweise erhalten.

 

Am 12. April 1901 erwägt man, die Empore für die Männer zu verbreitern, so daß man vier Sitzreihen gewinnen könnte. Dann wäre auch eine Verlängerung der Empore für die Burschen nicht nötig, die Licht weggenommen hätte. Im April 1902 fertigt Baurat Becker eine Zeichnung zur Verbreiterung der Emporen an. Diese müßten dann bis zu den Säulen gegangen sein.

Zur Abgabe eines Angebots werden aufgefordert die Schreiner Valentin Burger, Seng und Daubert und die Zimmerleute Johannes Hensel III. und Johannes Hensel IV. Einen Voranschlag reichen aber nur Burger und Seng ein. Der Zuschlag wird dann Burger erteilt, der 1.200 Mark gefordert hat. Die Arbeit soll nach Pfingsten begonnen werden und nach drei Wochen beendet sein.

Es sind aber noch weitere Arbeiten erforderlich: Der Zimmermann Johannes Hensel IV. verlangt im Mai 1902 für eine Treppe aus Eichenholz und Erweiterung der Orgelempore im Chorraum der Kirche 359 Mark. Der Schreiner Seng verlangt für das Abbrechen der alten Orgelemporenbrüstung und Errichtung einer neuen Brüstung 240 Mark. Beide werden aufgefordert, ein neues Angebot abzugeben, weil der Preis zu hoch erscheint.

Im Mai 1902 erklärt sich der Zimmermann Johannes Hensel III. bereit, die Treppe zur Orgelempore zu bauen. Auf einen Kostenvoranschlag wird verzichtet, weil man ihm vertraut, daß er richtig abrechnet. Auf Johannes Hensel IV. wird verzichtet. Nachdem im Juni die Emporenerweiterung fast vollendet ist, sollen die die Kinderlehre besuchenden Jungen nicht mehr unter der Orgel sitzen, sondern die vordersten Bänke auf der Empore für die Burschen einnehmen, die jüngsten Jahrgänge ganz vorne, die anderen dahinter.

Für die Bezahlung des Schreiners Valentin Burger soll der Pfarrer im Juli 1902 eine Anleihe über 600 Mark dem Pfarreiklassenschrank in Bergen entnehmen und verkaufen. An den Rechnungen der Schreiner Burger und Seng werden im September 3 bzw. 4 Mark abgezogen, aber sonst sind sie in Ordnung. Für die Reinigung der Kirche während der Bauarbeiten erhält der Kirchendiener Caspar Burger pro Stunde 35 Pfennig, seine Frau und die Witwe Weigel erhalten nur 20 Pfennig.

Zur Bezahlung der Baurechnungen werden Ende 1902 noch einmal Anleihen in Höhe von 500 Mark verkauft. Das alte Holz aus der Kirche wird auf drei Mark geschätzt und an den Pfarrer verkauft. Die Rechnung des Zimmermanns Hensel senior war um mehr als 100 Mark geringer als der junior verlangt hatte. Sie wird für richtig befunden. Die Rechnungen des Spenglers Bauer und des Schlossers Bauer werden geprüft und angenommen.

Die alte Orgeltreppe wird im November 1903 an Wilhelm Fischer verkauft, für zwölf oder allenfalls zehn Mark. Eine Leiter von der Sakristei zum Kirchenboden soll angeschafft werden.

Ende der 30iger Jahre des 20.Jahrhunderts soll die Empore im südlichen Kirchenschiff zwecks Freistellung der Säulen wieder zurückverlegt werden. Auch die neue Orgelempore soll um 1,25 Meter zurückverlegt werden.

 

Nummerntafeln:

Im September 1912 möchte der Pfarrer gern Nummerntafeln für die Kirchenlieder anschaffen. Doch das Presbyterium will erst Zeichnungen und Preise sehen. Am 3. November wird ein Katalog für Liedertafeln vorgezeigt, es sollen aber noch bei zwei Firmen angefragt werden. Anfang 1913 wird wegen der Anfertigung von Liedertafeln mit dem Schreiner Valentin Burger verhandelt. Für eine Liedertafel aus Kiefernholz will er im Februar 12,50 Mark haben, das Presbyterium will den Preis aber auf 10 Mark drücken. Man einigt sich dann auf 10,50 Mark. Das Aufhängen der Tafeln soll so bezahlt werden wie das Aufhängen der Lampen durch den Schmied Carl Huhn. Ein Nummerntäfelchen (auf beiden Seiten mit einer Ziffer versehen) kostet 20 Pfennig. Im August 1914 wünschen die alten Männer eine besondere Tafel für die Nummern der Kirchenlieder.

 

Taufstein:

Die Angabe 14. - 15. Jahrhundert für den Taufstein ist aus dem Buch von Hermann Langheinrich, beruht aber nicht auf Urkunden, sondern auf einer kunstgeschichtlichen Einschätzung (Schellmann I, Seite 2414).

Der alte Taufstein wurde vielleicht 1596 bei der Umgestaltung der Kirche mit entfernt und fand seinen Platz in der 1686 errichteten lutherischen Kirche. Mit der Vereinigung der beiden Kirchen im Jahre 1818 wurde diese Kirche aber nicht mehr genutzt. Der Taufstein stand dann noch weiter auf dem Hof herum und diente als Blumenkübel. Später stand er im Garten des Gehöfts vor der Ringmauer. Dort entdeckt ihn 1904 ein Antiquitätenhändler und nahm ihn für 500 Mark mit. Er verkaufte ihn an das Historische Museum in Frankfurt, wo er rund hundert Jahre zur ständigen Ausstellung gehörte, aber wenig beachtet wurde.

Im Jahre 1986 kehrt er noch einmal an seinen ursprünglichen Ort zurück und wurde zunächst im Rathaus Bischofsheim und dann in der Hochstädter Kirche ausgestellt. Nach langen Verhandlungen erklärte sich das Historische Museum bereit, den Taufstein der Hochstädter Kirchengemeinde als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen.

Von dem mächtigen Taufstein in Kelchform aus rotem Sandstein ist nur die Schale erhalten: Aber nach den Ansätzen im Stein war auch der Schaft in etwa zu ergänzen. Bemerkenswert erscheinen die runde (nicht etwa mehreckig gebrochene) Schale und die Verzierung aus fünfzehn runden Blendbögen (Der Steinmetz hat allerdings gegen Ende seiner Arbeit gemerkt, daß er mit dem Maß nicht auskommt und hat deshalb drei Bögen - heute an der Vorderseite - etwas schmaler gemacht). Zusammen mit dem Schaft gesehen, deutet das auf die spätgotische Zeit, als auch Bogenfriese an Türmen wieder rundbogig ausgebildet wurden.

Der schöne, schlichte Taufstein könnte nach der Meinung Feldmanns gleichzeitig mit einem Ausbau der jetzigen Kirche im 15. Jahrhundert entstanden sein. Nach Meinung anderer ist er aus dem 13. bis 14. Jahrhundert, laut Aussagen des Historischen Museums Frankfurt wahrscheinlich aus dem 12. Jahrhundert. Vielleicht stand er ursprünglich entweder vor oder hinter dem Altar oder dort, wo er jetzt auch wieder steht, nämlich unter dem Chorbogen an der Südseite.

Der Taufstein hat allerdings einiges abbekommen. Man sieht ihm den Zahn der Zeit an. Von der Steinmetzfirma Hennrich ist er restauriert worden und hat einen neuen Sockel bekommen. Drei Fehlstellen wurden ausgebessert: Hier saßen die Eisen auf, die über dem Taufbecken einen Dreibock bildeten oder auch einen Deckel. Ein Bogen an der Seite ist etwas schmaler, da ist der Steinmetz am Ende wohl nicht ganz ausgekommen. Hier wurden die Kinder bei der Taufe noch richtig untergetaucht.

Im Advent 2000 konnte er wieder in der Kirche aufgestellt und neu in Gebrauch genommen werden. Pfarrer Rau sagt bei der Wiederaufstellung: „Jetzt ist der Taufstein wieder zu Hause. Er hat seinen Platz gefunden. Er bildet nun einen neuen Eckpunkt. Ein Dreieck von Altar, Kanzel und Taufstein ist entstanden. Könnte er reden, ich glaube, er würde uns sagen wie sehr er sich freut, daß er jetzt endlich wieder seinen eigentlichen Sinn und Auftrag erfüllen darf: Mit Wasser gefüllt zu werden. Er darf ein Gefäß sein, an dem Menschen getauft werden, kleine und große Menschen. Er umfaßt das Wasser und erinnert uns an das Wasser, mit dem in den vergangenen Jahrhunderten unsere Vorfahren im Namen des dreieinigen Gottes getauft wurden und neue Menschen geworden sind, wie es im Taufritus der Christenheit seit 2000 Jahren heißt. Da wird Gottes Bund sichtbar, den er mit uns Menschen schließt!“

Der Stein wurde bei der Wiedereinweihung mit Wasser gefüllt. Das Wasser wurde aus allen vier Himmelsrichtungen gebracht, verbunden mit Lebensworten aus der Bibel: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er läßt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zu frischem Wasser“ (Psalm 23, 2), „Gesegnet ist der Mensch, dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt“ (Jeremia 17, 7 – 8), „Wie der Hirsch verlangt nach frischem Wasser, so verlangt meine Seele, Gott nach dir“ (Psalm 42, 2), „Wen dürstet, der komme. Und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst“ (Offenbarung 22, 17b).

 

Kanzel:

Die heutige Kanzel wurde wahrscheinlich 1681 gefertigt oder erneuert, denn aus diesem Jahr ist der Kanzeldeckel. Er ist allerdings heute nicht mehr erhalten, nur die Aufhängungen sind noch zu erkennen. Eine Sanduhr auf der Kanzel wird 1628, 1677 und 1766 erwähnt; sie sollte allzulange Predigten der Pfarrer verhindern. Im Juli 1680 wird aus dem Almosenkasten eine neue Kanzelbibel für sieben Gulden beschafft. Eine Tür auf der Kanzel und eine Tür rechts neben der Kanzel werden 1724 erwähnt. Im Jahre 1731 soll der Pfarrer eine neue Bibel für die Kirche anschaffen. Im August 1850 wird die Anschaffung einer neuen Bibel auf der Kanzel beschlossen. Von einem schwarzen Tuch mit Fransen ist im Jahre 1851 die Rede. Die Kanzel war dunkelbraun übermalt und wurde bei der Renovierung 1967 in ihrer Farbigkeit wieder hergestellt.

Die Angabe 17. Jahrhundert für die Kanzel ist aus dem Buch von Hermann Langhein­rich, beruht aber nicht auf Urkunden, sondern auf einer kunstgeschichtlichen Einschätzung.

(Schellmann I, Seite 245).

 

Neben der Kanzel steht an der Ostwand des nördlichen Seitenschiffes ein GRABSTEIN für die Söhne des Landgerichtsschöffen Philipp Hatzmann und seiner Frau Anna Margaretha geborene Krebs von 1794/95. Der Mann ist der jüngste Bruder der Anna Maria Hatzmann, deren Grabstein im Chor der Kirche rechts steht. Die beiden Steine stimmen weitgehend in ihrer Gestaltung überein, der Stein im Chor hat nur oben noch einen Aufsatz.

Der Grabstein bezieht sich auf das zweite und dritte Kind von vier Kindern der Familie:

1. Philipp Hatzmann, geboren 3. Mai 1791, gestorben 14. August 1794 an Blattern, im Alter von 3 Jahren 3 Monaten und 11 Tagen.

2. Peter Hatzmann, geboren am 19. Juli 1795, gestorben 25. Juli 1795, 6 Tage alt.

Heute lebende Nachkommen sind nicht bekannt. Beide Familien Hatzmann sind Nachkommen des Pfarrers Hatzmann. Er war von 1661 bis 1677 Pfarrer in Hochstadt war. Er wurde 1638 in Birlenbach in Nassau geboren. Seit 1659 ist er Gehilfe („Adjunkt“) des Pfarrers Cress in Hochstadt. Er heiratet eine der Töchter des Pfarrers, aus der Ehe entstammen zehn Kinder. Am 16. September 1689 stirbt er in Bischofsheim.

 

Die Malereien im Mittelschiff

Grundsätzliches von Loeki Häger-Hogerland (Hochstadt, Luisantring 44), überarbeitetet:

Von den ersten Anfängen im frühen Mittelalter an waren Kirchengebäude nicht nur Zweckbauten. Sie waren nicht nur mit Symbolen geschmückt, die mehr verhüllten als offenbarten, sondern sie waren auch immer Trägerin pflanzlichen Schmucks. Die Frühzeit der mittelalterlichen Baukunst wird von stilisierten Pflanzen beherrscht. Aber es wird nicht ein „Garten Eden“ dargestellt, sondern ein botanischer Garten voll herrlicher Pflanzen aus Gottes Schöpfung, die Mann, Frau, Kind und Vieh gesund erhielten.

Die Malereien in der Hochstädter Kirche sind im Jahre 1490 angebracht worden, wahrscheinlich von den gleichen Malern, die vorher in der Marienkirche in Hanau tätig waren. Sie sind aber schon ein Zeugnis einer neuen Zeit, die ihre Kraft nicht mehr nur aus den Verheißungen des Glaubens zog. An die Stelle phantastischer Figuren traten Früchte, naturgetreue Blätter, Zweige und Äste, also botanisch genau bestimmbare Pflanzen. Sie dürfen sich wie in der Natur spielerisch ausbreiten. Die Pflanzen mußten aber nicht naturgetreu ausgeführt werden (nur Weinranken und Weinblätter wurden genau nach der Natur wiedergegeben).

Die farbenfrohe Blumendekore haben eine lange mystisch-religiöse Vorgeschichte: Rot, die Farbe des Lebens, der Liebe, der Leidenschaft und des Feuers, wurde mit dem Blut christlicher Glaubenshelden verbunden. Die weiße Farbe ist ein Symbol für Reinheit und Unschuld. Goldgelb oder Ocker ist die Farbe der Sonne, des Reichtums und der Freude. Grün ist die Farbe der Unreife, der Hoffnung und der Frühlingsfreude. Schwarz in Kombination mit Gelb oder Schwarz mit Rot sind die kräftigen Farben des Teufels.

Ihren eigentlichen Symbolwert erlangten die an die Kirchen gebundenen Gewächse im Bereich der Volksmedizin. Es sind auch zum größten Teil Heilkräuter, die in Kirchen abgebildet wurden. Körperliche Gebrechen hinderten die volle Entfaltung des Gotteslobes, und man meinte damals, vor allem Dämonen brächten Krankheit und körperliche Gebrechen.

Nur das getreue Bild der gegen sie gewachsenen Pflanzenwelt trieb die Dämonen wirklich zur Flucht. Bäume und Sträucher, die trotz der winterlichen Kälte nicht ihre Blätter verloren, waren wichtige Mittel im Kampf gegen die Dämonen. Ihr winterliches Grün wies nicht an erster Stelle hin auf das Paradies, sondern auf die unerschöpfliche Lebenskraft der Natur, die man damals gegen Krankheit und Not zur Hilfe rief.

Der Maler war kein Biologe. Als Künstler nahm er sich die Freiheit, die Pflanzen zu malen, wie er sie sah. Besonders die Blätter hatten es ihm angetan. Er mußte auch seine Pflanzen um ein Vielfaches vergrößern und durfte sich nicht in Einzelheiten verlieren, damit sie noch sichtbar waren. Die Besucher der Kirche haben die Pflanzen bestimmt wiedererkannt und sich an den Wandmalereien erfreut. An wissenschaftlichen Feinheiten aber waren sie nicht besonders interessiert, denn Pflanzen waren für sie ein Teil der Schöpfung Gottes.

So ist diese Kirche überreich ausgestattet mit verschiedenen Blumen. Im Chorraum sieht man an der Decke Pfingstrosen rund um die Schlußsteine. In der Mitte des Blumenkranzes sollte eigentlich Christus stehen. Aber hier in Hochstadt finden wir auf den Schlußsteinen das Wappen der Grafen von Hanau und das Wappen des Pfarrers Gensler, der damals die Ausmalung im Auftrag des Erzbischofs vom Mainz in die Wege leiten mußte. Es war damals so etwas wie eine Pflicht, daß man die zeitgenössischen Amtspersonen wie Graf, Landrat, Bürgermeister und Pfarrer in Kirchen verewigte. Auch das war Zeichen eines neuen demokratischen Gemeinschaftsgefühls in der Zeit der „frühbürgerlichen Revolution“ an der Schwelle der Neuzeit. Die kostbaren Ziergewölbe um 1500 bekunden die besondere geistige und gesellschaftliche Stellung der Bauherren, sagt ein Kunsthistoriker.

In den Zwickeln zwischen den Rippenbbögen sieht man bittersüßen Nachtschatten, Kornrade, Liebstöckel und echte Kamille. Das Wappen des Hanauer Grafenpaares und der mehrfach gezeigte Schwan als das Hanauer Wappentier zeigen die Verbundenheit zum Landkreis. Über dem Chorbogen ist das Schöllkraut gemalt. Das eigentliche Bild zeigt Christus auf dem Regenbogen, flankiert von Maria Johannes, beim letzten Gericht: Links sieht man die Gerechten, rechts werden die Verdammten in die Hölle gestürzt.

Im Mittelschiff ist zunächst die Akelei dargestellt, einmal mehr stilisiert und nach Westen zu mehr nach der Natur; es folgen dann der Schlafmohn. Der große Leuchter ist vom Ruprechts­kraut umgeben. Ganz hinten dann noch der Löwenzahn. Das nördliche Seitenschiff zeigt wilden Majoran und bittersüßen Nachtschatten, das südliche Seitenschiff Weinstock, Seifenkraut und Löwenzahn, Sauerklee und Sumpfdotterblume.

An den Sandsteinbögen findet sich eine typische Frankenstreifenmalerei mit Streifen und Punkten. Diese gibt es in ganz Deutschland in verschiedenen Farbkombinationen. In Norddeutschland sind die Kombinationen gelb-rot und blau-grün-grau üblich, in Franken rot-weiß-blau, in der Oberpfalz blau-weiß-gelb und in Ostdeutschland grün, rot und schwarz-weiß und ocker. Da in Hochstadt die letzte Kombination vorherrscht, könnte man vermuten, daß der Wandmaler aus Ostdeutschland stammte oder von dort aus beeinflußt wurde oder dort sein Fach gelernt hat.

In der ganzen Kirche finden sich Ornamente, die gewöhnlich als Feuerflammen gedeutet werden. Doch eher handelt es sich hier um eine Darstellung der Sonne und ihrer Strahlen, denn im Mittelschiff wechseln die Sonnenstrahlen sich ab mit Regentropfen. Die geraden oder geschlängelten „Flammen“ sind also in Wirklichkeit Sonnenstrahlen mit Regentropfen.

 

Von den ersten Anfängen im frühen Mittelalter an waren Kirchengebäude nicht nur Zweckbauten. Sie waren nicht nur von Symbolen geschmückt, die mehr verhüllten als offenbarten, sondern sie waren auch immer Trägerin pflanzlichen Schmucks. Die Frühzeit der mittelalterlichen Baukunst wird von stilisierten Pflanzen beherrscht. Aber es wird nicht ein „Garten Eden“ dargestellt, sondern ein botanischer Garten voll herrlicher Pflanzen aus Gottes Schöpfung, die Mann, Frau, Kind und Vieh gesund erhielten.

Die Malereien in der Hochstädter Kirche sind im Jahre 1490 angebracht worden, wahrscheinlich von den gleichen Malern, die vorher in der Marienkirche in Hanau tätig waren. Sie sind aber schon ein Zeugnis einer neuen Zeit, die ihre Kraft nicht mehr nur aus den Verheißungen.

An die Stelle phantastischer Figuren traten Früchte, naturgetreue Blätter, Zweige und Äste, also botanisch genau bestimmbare Pflanzen. Sie dürfen sich wie in der Natur spielerisch ausbreiten. Die Pflanzen mußten nicht naturgetreu ausgeführt werden (nur Weinranken und Weinblätter wurden genau nach der Natur wiedergegeben).

Die farbenfrohe Blumendekore haben eine lange mystisch-religiöse Vorgeschichte haben. Rot, die Farbe des Lebens, der Liebe, der Leidenschaft und des Feuers, wurde mit dem Blut christlicher Glaubenshelden verbunden. Die weiße Farbe ist ein Symbol für Reinheit und Unschuld. Goldgelb oder Ocker ist die Farbe der Sonne, des Reichtums und der Freude. Grün die Farbe der Unreife, der Hoffnung und der Frühlingsfreude. Schwarz in Kombination mit Gelb oder Schwarz mit Rot sind die kräftigen Farben des Teufels.

Ihren eigentlichen Symbolwert erlangten die an die Kirchen gebundenen Gewächse aus dem Bereich der Volksmedizin. Es sind auch zum größten Teil Heilkräuter, die in Kirchen abgebildet wurden. Körperliche Gebrechen hinderten die volle Entfaltung des Gotteslobes, und man meinte damals, vor allem Dämonen brächten Krankheit und körperliche Gebrechen.

Nur das getreue Bild der gegen sie gewachsenen Pflanzenwelt trieb die Dämonen wirklich zur Flucht. Bäume und Sträucher, die trotz der winterlichen Kälte nicht ihre Blätter verloren, waren wichtige Mittel im Kampf gegen die Dämonen. Ihr winterliches Grün wies nicht an erster Stelle hin auf das Paradies, sondern auf die unerschöpfliche Lebenskraft der Natur, die man damals gegen Krankheit und Not zur Hilfe rief.

Der Maler war kein Biologe. Als Künstler nahm er sich die Freiheit, die Pflanzen zu malen, wie er sie sah. Besonders die Blätter hatten es ihm angetan. Er mußte auch seine Pflanzen um ein Vielfaches vergrößern und durfte sich nicht in Einzelheiten verlieren, damit sie noch sichtbar waren. Die Besucher der Kirche haben die Pflanzen bestimmt wiedererkannt und sich an den Wandmalereien erfreut. An wissenschaftlichen Feinheiten aber waren sie nicht besonders interessiert, denn Pflanzen waren für sie ein Teil der Schöpfung Gottes.

Im Chorraum sieht man bittersüßer Nachtschatten, Kornrade, Liebstöckel und echte Kamille

Über dem Chorbogen ist das Schöllkraut gemalt. Das eigentliche Bild zeigt Christus auf dem Regenbogen, flankiert von Maria Johannes, beim letzten Gericht: Links sieht man die Gerechten, rechts werden die Verdammten in die Hölle gestürzt.

Im Mittelschiff ist zunächst die Akelei dargestellt, einmal mehr stilisiert und nach Westen zu mehr nach der Natur; es folgen dann der Schlafmohn. Der große Leuchter ist vom Ruprechts­kraut umgeben. Es folgt dann noch der Löwenzahn. Das nördliche Seitenschiff zeigt wilden Majoran und bittersüßen Nachtschatten, das südliche Seitenschiff Weinstock, Seifenkraut und Löwenzahn, Sauerklee und Sumpfdotterblume

An den Sandsteinbögen finden wir eine typische Frankenstreifenmalerei mit Streifen und Punkten. Diese gibt es in ganz Deutschland in verschiedenen Farbkombinationen. In Norddeutschland sind die Kombinationen gelb-rot und blau-grün-grau üblich, in Franken rot-weiß-blau, in der Oberpfalz blau-weiß-gelb und in Ostdeutschland grün, rot und schwarz-weiß und ocker. Da in Hochstadt die letzte Kombination vorherrscht, könnte man vermuten, daß der Wandmaler aus Ostdeutschland stammte oder von dort aus beeinflußt wurde oder dort sein Fach gelernt hat.

In der ganzen Kirche finden sich Ornamente, die gewöhnlich als Feuerflammen gedeutet werden. Doch eher handelt es sich hier um eine Darstellung der Sonne und ihrer Strahlen, denn im Mittelschiff wechseln die Sonnenstrahlen sich ab mit Regentropfen. Die geraden oder geschlängelten „Flammen“ sind also in Wirklichkeit Sonnenstrahlen mit Regentropfen.

Die Rosen um die Schlußsteine im Chorraum sind nicht Dornenkronen, die an die Kreuzigung Jesu erinnern, sondern Pfingstrosen, eine Heilpflanze gegen Rücken­schmerzen. In der Mitte des Blumenkranzes sollte eigentlich Christus stehen. Aber hier in Hochstadt finden wir auf den Schlußsteinen das Wappen der Grafen von Hanau und das Wappen des Pfarrers Gensler, der damals die Ausmalung im Auftrag des Erzbischofs vom Mainz in die Wege leiten mußte. Es war damals so etwas wie eine Pflicht, daß man die zeitgenössischen Amtspersonen wie Bürgermeister und Pfarrer in Kirchen verewigte. Auch das war Zeichen eines neuen demokratischen Gemeinschaftsgefühls in der Zeit der „frühbürgerlichen Revolution“ an der Schwelle der Neuzeit. Die kostbaren Ziergewölbe um 1500 bekunden die besondere geistige und gesellschaftliche Stellung der Bauherren, sagt ein Kunsthistoriker (gekürzt nach Loeki Häger-Hogerland, Hochstadt).

 

 

MALEREIEN IM MITTELSCHIFF

 

Erstes Joch: Akelei

Im Schlußstein des ersten Jochs findet sich das Wappen von Hanau, umgeben von Pflanzen.

Hier ist die AKELEI (aquilegia vulgaris) dargestellt, ein Hahnenfußgewächs. Die 30 bis 60 Zentimeter hohe Staude ist verzweigt. Die obersten Blätter sind dreilappig und sitzend, die unteren sind doppelt dreiteilig gefiedert und haben lange Stiele. Die Blüte ist nickend und hat blumenblattartig entwickelte Nektarblätter, deren fünf Sporne bogig verlaufen und an der Spitze hakenförmig gekrümmt sind. Die Pflanze blüht in den Monaten Juni bis August. Die Farbe der Blüte ist violett, rosa oder weiß. Akelei kommt auf Kalk vor und wächst in lichten Laubwäldern, am Waldrand, an steinigen Hängen, auch auf Wiesen. In Hochstadt findet sie sich nicht mehr wild, die Art steht auf der „roten Liste“. Bei den Germanen war die Heilpflanze der Göttermutter Frigga geweiht. Sie erscheint häufig auf Bildern des Christgeburts-Zyklus und weist auf Maria als Gottesmutter hin.

 

Auch am Übergang zum zweiten Joch ist die Akelei dargestellt, und zwar auf der Seite nach dem Chorraum zu stilisiert, nach der Orgel hin mehr nach der Natur: Die Blüte hat eine nickende Form und die Blätter sind nach drei Seiten ausgebreitet. Die vier grünen Blätter unter dem Blütenkelch sind schmal und spitz.

Auf der anderen Seite des Jochs dagegen in Richtung Chorraum hat der Maler seine Phantasie walten lassen. Es könnte sogar sein, daß er hier und am Schlußstein den Schlafmohn hat darstellen wollen (papaver somniferum), dessen Blüten zu einer Frucht mit einer sehr große Porenkapsel wird, die eiförmig, kugelig oder lang und schmal ist und die sich an der Spitze mit Löchern öffnet, aber oft auch geschlossen bleibt. Der Same ist ohne Anhängsel, weiß bis schwarz.

Es handelt sich hier aber nicht um die Rote Heckenkirsche (lonicera xylosteum), wie Feldmann angibt. Diese ist ein Geißblattgewächs, mit breiten, elliptisch, spitz und kurz gestielten Blättern (nicht stengelumfassend). Es hat röhrenförmige und zweilippige Blüten, die aus der Röhre wachsen, die auf dem Stengel aufsitzt. Dieser ein bis zwei Meter hohe Strauch findet sich zum Beispiel am Rand der Hartig.

In den Scheidbögen zu den Seitenschiffen hin sind Sonnenstrahlen dargestellt.

 

Zweites Joch: Ruprechtskraut

Das Mitteljoch zeigt einen mäßig weiten, zu öffnenden Ringschlußstein mit 70 Zentimeter Durchmesser. In ihm befindet sich eine Öffnung, die vielleicht zum Hochziehen einer „himmelfahrenden“ Christusstatue diente. Im Jahre 1994 wurde hier ein Kronleuchter aufgehängt, der die Malerei erst richtig ausleuchtet.

 

Dargestellt ist hier das RUPRECHTSKRAUT (geranium robertianum). Die Pflanze ist ein Storchschnabelgewächs. Sie ist einjährig und wird 20 bis 50 Zentimeter hoch. Sie gilt als „unausrottbares Unkraut“, riecht unangenehm, wird aber dennoch auch „Gottesgnadenkraut“ genannt.

Die Blätter sind tiefhandförmig Blättern, gelappt oder geteilt und haben Nebenblätter; im Herbst verfärben sie sich rot. Die Blüten sind fünfzählig mit borstiger Spitze. Die Frucht hat meist einen langen geraden oder gedrehten Schnabel, es handelt sich um Schleuderfrüchte.

In der Kirche ist die Pflanze im Wesentlichen richtig wiedergegeben, nur die Schleuderfrüchte sind eher wie „Engelsflügel“ dargestellt. Die Pflanze wächst im Wald und an schattigen Stellen an Mauern und Felsen, auch in Hochstadt. Die Heilpflanze enthält ätherische Öle, Gerb- und Bitterstoffe. Sie hilft als Tee bei Durchfall und Ohrenschmerzen, bei Magen- und Darmkatarrh und Gicht.

In den Scheidbögen zu den Seitenschiffen hin sind Sonnenstrahlen mit Regentropfen dargestellt

 

An der Westseite des zweiten Jochs ist WIESEN-LÖWENZAHN (taraxacum officinale) gemalt. Der Löwenzahn ist eine 5 bis 40 Zentimeter hohe formenreiche Staude. Die Blätter sind länglich bis verkehrt-lanzettlich, grob gezähnt und buchtig eingeschnitten und stehen in einer Grundrosette. Die Blüten stehen einzeln auf einem hohlen Stengel, der Pappus ist schirmförmig. Löwenzahn findet sich auf Grünland und auf Unkrautfluren. Als Heilpflanze wurde er verwendet bei Augenentzündungen, unreiner Haut, Gallenleiden, Nierenleiden, Hämorrhoiden und Zuckerkrankheit. Die Löwenzahnwurzeln dienten als Kaffee-Ersatz. Der Löwenzahn hat blutreinigende Wirkung. Er wurde auch gern in der Küche verwendet und mit ausgebackenem Speck gegessen (Löwenzahn in der Natur).

 

Drittes Joch:

Das östliche Joch hat einen Schlußstein mit Flammenornamenten, aber ein Wappen fehlt. Hier wurden auch nicht alle Bereiche der Decke freigelegt, weil der Blick von unten wegen der Orgel sowieso nicht die gesamte Fläche erfassen kann.

 

 

 

MALEREIEN IN DEN SEITENSCHIFFEN

 

Nördliches Seitenschiff:

Im Nordschiff sind das erste und das zweite Schiff ähnlich gestaltet: An der Decke ist jeweils ein Schlußstein mit dem Hanauer Sparrenwappen (ohne den rahmenden Dreipaß mit Eckspornen) und mit Strahlen umgeben.

Im Zwickel des ersten Jochs sieht man DOST (origanum vulgare), auch „Wilder Majoran“ oder „Oregano“ genannt. Die 20 bis 60 Zentimeter hohe Staude wird als Küchengewürz geschätzt und ist vor allem als Gewürz auf der Pizza bekannt. Er blüht in den Monaten Juli bis September. Die Pflanze ist dank des hohen Gehalts an ätherischen Ölen würzig und aromatisch duftend. Der Stengel wächst aufrecht. Wenn die Pflanze genügend Platz hat, bilden sich an Blattachseln zahlreiche Seitentriebe. Die Blütenstände der rosa- bis weinroten oder braunroten Lippenblüten stehen in lockeren Scheindolden oder in endständigen oder seitenständigen Rispen. Die Blätter sind spitz-eiförmig, nicht gezahnt oder nur fein gekerbt gezähnt, ganzrandig und gestielt.

Dost kommt in ganz Mittel- und Osteuropa auf Kalkboden vor, auf Trockenrasen, im lichten Gebüsch, am Wald- oder Heckenrand und an Böschungen. In Hochstadt kommt er häufig vor auf den Wiesen unterhalb der Hartig und westlich davon.

Die Heilpflanze wurde in der Volksheilkunde gegen Durchfallerkrankungen und Blähungen angewendet, auch zur Behandlung von Entzündungen im Mund- und Rachenraum und bei Katarrhen und bei Wunden und Ekzemen. Verwendet werden das blühende Kraut und die Blätter, hauptsächlich als Tee oder als Tinktur (Hustentropfen).

In der Kirche ist diese Pflanze sehr naturgetreu wiedergegeben, nur die Blätter sind nicht kerbzähnig. Es handelt sich hier nicht um die Wasserminze, denn diese hat gesägt gekerbte Blätter und sie ist auch keine Heilpflanze. Es handelt sich auch nicht um Wasserdost, denn diese Pflanze hat handförmige Blätter.

 

Am Übergang vom ersten zum zweiten Joch ist BITTERSÜSSER NACHTSCHATTEN (solanum dulcamara) dargestellt. Die Pflanze ist ein Nachtschattengewächs. Sie kommt vor in feuchten Gebüschen, Auwälder, Bruchwäldern, Hecken und Röhrichten und auf feuchten Böden. Der Halbstrauch oder die Staude ist kletternd oder niederliegend, meist behaart, oft mit Stacheln. Er wird 30 bis 250 Zentimeter hoch. Die länglichen Blätter sind eiförmig oder herzförmig und stehen wechselständig oder paarweise, sie sind einfach bis gefiedert, die obersten Blätter sind spießförmig bis ohrförmig, ungeteilt oder am Grund mit ein bis vier gefiederten Lappen. Die Stengel sind am Grund verholzt und mit kriechendem Wurzelwerk. Die Blütezeit reicht von Juni bis August.

Die Blüten sind violett, die fünf Kronblätter sind zurückgeschlagen, die Staubbeutel sind gelb und säulenförmig vereint. Die Beeren sind scharlachrot, eiförmig uns bis 1,5 Zentimeter lang. In der Kirche sind immer nur vier Kronblätter gezeichnet.

Die Pflanze kommt an nassen und feuchten Stellen, im Gebüsch und in Bruchwäldern vor. In Hochstadt ist sie selten. In unserer Gegend findet man Standorte am Obermooser See und in Büdingen-Dudenrod. Auch im Kräutergarten des Klosters Seligenstadt ist sie zweimal vertreten. Die Hauptwirkstoffe dieser giftigen Heilpflanze sind Solanin, Bitter- und Gerbstoff. Sie wurde angewendet bei Hautkrankheiten, Muskel- und Gelenkrheumatismus, Blasenkatarrh und Lippenbläschen. Die Pflanze findet sich auch im Chorraum links (Bittersüßer Nachtschatten im Kräutergarten im Kloster Seligenstadt).

Im Zwickel des zweiten Jochs ist wieder der Dost dargestellt, aber nur als Kopie der Pflanze im ersten Joch. Es könnte auch sein, daß die Decke des zweiten Jochs eine Kopie des ersten Jochs ist, aber beim Dost ist sicher. Das zeigt eine Wiedergabe der Kopie aus der Zeit kurz nach der Restaurierung (Nach der Restaurierung - Heutiger Zustand).

Das nordwestliche Gewölbe zeigt einen abweichenden quadratischen Schlußstein unserer Zeit mit der Inschrift „HV 1957“, eine Erinnerung an die Renovierung von 1957. Es ist kaum vorzustellen, daß sich hier der Malermeister verewigt hat. Das Gewölbe wurde auch nicht ganz neu aufgeführt oder grundlegend hergestellt, wie Feldmann meint.

 

Südliches Seitenschiff:

Die Schlußsteine des südlichen Seitenschiffs bestehen alle aus einem rahmenden Dreipaß mit Eckspornen. Der östliche Schlußstein zeigt eine Wingerthacke auf Silber (oder einen schwarzen Mauerhaken), der zweite zeigt ein Wingertmesser (oder eine Sichel) und der Schlußstein im Westen ist leer.

 

Erstes Joch: Weinstock

Hier ist der echte WEINSTOCK (vitis vinifera) dargestellt. Der Kletterstrauch hat drei- bis fünflappige Blätter und bringt Beeren hervor. Die Weinrebe gehört zu den ältesten Kulturpflanzen und gedeiht vor allem in Ländern mit gemäßigt warmem Klima mit schneller Bodenerwärmung. Der wirkstoffhaltige Traubensaft bietet zahlreiche gesundheitsfördernde Möglichkeiten. Er hilft bei schlechter Verdauung, nervösem Magen und wetterbedingter Müdigkeit und Erkältungen. Bei starker Schweißabsonderung helfen Hautwaschungen. Bei Schienbeinverletzungen helfen Weinessig-Umschläge.

Das Weindestillat „Franzbranntwein“ ist ein Universalmittel. Gemischt mit Honig und Eigelb ist der Wein auch ein Kräftigungsmittel für alte Menschen (Wein in der Natur: „Roter Hochstädter“ aus dem Wingert des Winzervereins).

Die Weintrauben sind an dieser Stelle überraschend. Vielleicht wurde der Wein unter die Heilpflanzen gerechnet. Aber eher handelt es sich um einen Hinweis auf den Weinbau, der früher in Hochstadt und Umgebung verbreitet war. Man muß damit rechnen, daß die Themen der Malerei in der Tradition vorgegeben waren. Der Chor der Marienkirche in Hanau ist ähnlich ausgemalt. Ja man kann sogar annehmen, daß die in Hanau tätigen Maler nach Vollendung ihrer Arbeit in Hanau im Jahre 1489 noch anschließend in Hochstadt tätig wurden. Während die anderen Motive in der Kirche vielleicht eher traditionell sind, könnte hier an einer wichtigen Stelle eine lokale Besonderheit eingefügt worden sein, hier könnten die Maler seine eigenen Vorstellungen verwirklicht haben.

 

Zweites Joch: Seifenkraut und Löwenzahn

Östlich und westlich des Schlußsteins sieht man GEMEINES SEIFENKRAUT (saponaris officinalis). Die schwach giftige Pflanze gehört zu den Nelkengewächsen. Die 30 bis 70 Zentimeter hohe kahle Staude ist eine kriechende Pflanze, die auch als „Waschkraut“ bezeichnet wird. Die Blätter sind länglich-lanzettlich. Die Blüten haben Kronblätter, die nicht ausgerandet sind und aus dem Kelch herausragen. Das Echte Seifenkraut ist eine ausdauernde, krautige Staude mit einer rübenartigen Hauptwurzel und zahlreichen Ausläufern. Die Stengel werden 40 bis 80 Zentimeter hoch und treiben gedrängt stehende weiße bis rosafarbene Blüten.

Die Frucht ist eine Kapsel, die in der Reife aufspringt und kleine schwarzbraune Samen enthält. Die Pflanze findet sich in Unkrautfluren, am Wegrand, auf Schuttplätzen, an Böschungen und auf Bahnhöfen. Die Hauptwurzel enthält Saponine. Zerriebene Blätter waren früher Seifenersatz, da sie Wasser zum Schäumen bringen. Aber die Saponine aus der Wurzel bewährten sich auch auswurffördernd und harntreibend. Man benutzte die Wirkstoffe auch gegen Gicht, Rheuma, Husten und Wassersucht (Ostseite: Seifenkraut).

Nördlich und südlich des Schlußsteins sieht man Löwenzahn (Beschreibung siehe Mittelschiff). Feldmann vermutet, daß es sich hier um Nelken- und Distelgewächse handelt (caryophyllacee oder cirsium bzw. carduus).

 

Drittes Joch: Wald-Sauerklee und Sumpfdotterblume

Der WALD-SAUERKLEE (oxalis acetosella) ist ein Sauerkleegewächs, das 8 bis 15 Zentimeter hoch wird. Die Blätter sind dreizählig gefiedert, die Blättchen sind bei Lichtmangel herabhängend. Die Blüte ist fünfzählig. Sauerklee wächst im Wald an schattigen Stellen. Die Heilpflanze wurde angewendet bei Fettleibigkeit, Entzündungen und früher vor allem bei Fieber. Die zerstoßenen Blätter dienten als äußere Auflage bei Entzündungen. Der Tee diente zur Nierenanregung und als Erfrischung bei Fieber. Der Saft aus frischen Blättern sollte bei Vitaminmangel helfen. Feldmann vermutet hier auch die Pflanze „Bittersüßer Nachtschatten“ (solanum dulcumara) (Südseite, Detail - Nordseite, Detail).

 

Sumpfdotterblume:

An der Westseite findet sich die SUMPFDOTTERBLUME (caltha palustris). Sie ist ein Hahnenfußgewächs, sehr formenreich, kräftig und kahl. In der Ebene steht sie aufrecht, in Berggebieten ist sie niederliegend. Die Blätter sind groß und kreisrund bis herz- und nierenförmig und dunkelgrün glänzend. Die Blüte ist gelb und hat ein rundes Köpfchen. Die Sumpfdotterblume findet sich auf nassen Wiesen, in Hochstadt auf der nassen Kratzdistelwiese zwischen Südumgehung und Autobahn und in der Langen Weid. Sie steht auf der „roten Liste“.

Die Heilpflanze ist ein schweiß- und harntreibendes Mittel und soll helfen bei Ekzemen, Gürtelrose, Bronchitis, Regelstörungen und Migräne. In der Kirche ist die Pflanze mit nierenförmigen Blättern dargestellt.

Es handelt sich nicht um die Trollblume, denn diese hat handförmige Blätter. Es handelt sich auch nicht um die gelbe Teichrose (nuphar lutea), auch „große Mummel“ genannt, die zu den Seerosengewächsen gehört. Die ist zwar auch eine Heilpflanze, findet sich aber in langsam fließenden Gewässern und Teichen unter der Wasseroberfläche und hat keinen verzweigten Stengel und runde Blätter.

 

Wegen der vielen Heilpflanzen in der Kirche hat der Restaurator Pracher aus Würzburg die Theorie entwickelt, daß es in Hochstadt ein Hospiz gegeben haben könnte, in dem Reisende untergebracht und verpflegt wurden. Unter Umständen hätten sie auch gepflegt werden können, wenn sie erkrankt waren. Dieses Hospiz wäre dann in dem Hof neben der Kirche untergebracht gewesen. Aber das ist reine Spekulation. Der Hof Hauptstraße 2 war der sicher kein Kloster oder Hospiz, könnte aber ein Klosterhof gewesen sein, wo man die Früchte für ein Kloster einsammelte. Außerdem waren Heilpflanzen ein gängiges Motiv in vielen Kirchen, ohne daß auch ein Hospiz dabei war (Der Hof Hauptstraße, gesehen vom Obertor aus und vom Kirchturm aus).

 

DIE MALEREIEN IM CHORBOGEN

 

Im Chorbogen sind dargestellt Christus als Weltenrichter in der „Mandorla“, auf einem Regenbogen sitzend, flankiert von Maria links und Johannes rechts und weiteren Engeln und Heiligen.

An der linken Seite muß sich ein Durchbruch in der Mauer befunden haben, da sich hier eine sauber verputzte Eckkante befindet. Die Malerei reicht jedoch über diese Ecke hinweg. Zur Deckenfläche hin wird die Malerei von einem breiten Band (15 Zentimeter) rot-braun-violetter Farbe mit schwarzen Begleitern begrenzt (Maria - Johannes).

Unterhalb des Balkens ist eine Darstellung von Himmel und Hölle zu vermuten. Die linke Seite des Chorbogens ist der Bereich des Himmels mit Figuren von Heiligen (mit Nimbus) und Engeln. Rechts ist der Bereich der Hölle (Figuren und Fabeltiere), ganz unten ein Höllenschlund mit Feuerzungen und Fabeltieren (Himmel - Hölle).

Bei der Nachreinigung mit destilliertem Wasser zeigt sich direkt über dem Chorbogen unter dem Balken, unter einer hauchdünnen Kalkschicht verdeckt, die Jahreszahl 1490. Die Zahlen sind 17 bis 22 Zentimeter groß, zumindest die 1 und die 9 kann man gut erkennen. Hier dürfte es sich aber nicht - wie der Restaurator vermutet - um die Jahreszahl der Erbauung der Kirche handeln, sondern um den Zeitpunkt der Ausmalung bzw. der neuen Weihe.

 

Über dem Chorbogen ist das SCHÖLLKRAUT (chelidonium majus) dargestellt. Die Pflanze ist sehr naturgetreu dargestellt (nur die Blüten sind etwas groß). Die Pflanze gehört zu den Mohngewächsen. Die Staude ist fast kahl, der Stengel ist verzweigt. Die Blätter sind stumpfgrün und fiederspaltig bis gefiedert. Die Blüte ist gelb. Beim Zerreiben sondert die Pflanze einen orangefarbenen Milchsaft ab.

Das Schöllkraut findet sich in Unkrautfluren, an Wegrändern und an schattigen Stellen und ist sehr häufig in Hochstadt. Es ist ein alter Kulturbegleiter und Siedlungsanzeiger und ein Zeigerpflanze für Stickstoff. Der giftige Milchsaft wird verwendet als Mittel gegen Hühneraugen und Warzen. Schöllkraut stand aber auch in dem Ruf, den grauen Star heilen zu können, und wurde so zum Symbol des Heilmittels gegen geistliche Blindheit. Man nahm auch an, die Schwalbe könnten ihren Jungen durch den Saft des Schöllkrauts („Schwalbenkraut“) das Augenlicht zu geben (Schöllkraut an der Hochstädter Kirche - Zeichnung).

Es handelt sich bei den Malereien am Chorbogen um Darstellungen des Jüngsten Gerichts: Jesus sitzt auf einem Regenbogen. Unter ihm ist als runde Scheibe die Erde zu sehen. Links von Jesus kniet Maria, rechts steht Johannes, der „Lieblingsjünger“. Unterhalb des Querbalkens sieht man oben einen Engel, etwas weiter unten und etwas nach links eine Heiligengestalt. Sie deuten stellvertretend die Heiligen an, die zu Gott kommen. Rechts dagegen werden die Sünder in den Rachen der Hölle geworfen.

 

Feldmann meint, es handele sich um Anagallis (Gauchheil) oder Veronica (Ehrenpreis). Aber Ehrenpreis ist ein Rachenblütler. Nur der Wald-Ehrenpreis ist eine Heilpflanze, während Gamander-Ehrenpreis und Persischer Ehrenpreis keine Heilpflanzen sind. Typisch für Ehrenpreis sind die Blüten in Traubenform. Das ist aber bei der Darstellung in der Kirche nicht der Fall, auch das Blatt ist nicht typisch für Ehrenpreis.

 

 

 

CHORRAUM

 

Altar:

Der Altar in der Kirche war nicht dem heiligen Kilian geweiht, der am 29. Oktober 1499 als angeblicher Patron der Kirche genannt wird. Im Jahre 1498 werden als Altäre genannt der Frühmeßaltar St. Nikolaus, der Altar St. Maria Magdalena und der „neue“ Heilig-Kreuz-Altar. Dieser war wohl der Hauptaltar, der Nikolausaltar stand in der heutigen Sakristei bzw. an der Wand vor ihr, der Maria-Magdalenen-Altar im heutigen Heizungsraum bzw. an der Wand vor ihm.

Wahrscheinlich zusammen mit dem Einbau der Emporen kam ein neuer Altar in die Kirche. Nach Tradition der reformieren Kirche ist das nur ein Tisch „aus vier Brettern“, man sagt auch „ein aus Dielen gemachtes Viereck“, also entweder ein Tisch oder ein mit Tüchern zugehängter Kasten. Im Jahre 1681 kommt ein Geländer um den Altar, und der Altar wird mit einem schwarzen Tuch versehen: Hans Strohls Erben geben am 16. März 1681 fünf rheinische Gulden für ein Tuch „auf den Tisch im Chorraum“. Bei der Visitation 1765 wird ein neues schwarzes Tuch für den Altar verlangt und 1766 auch angeschafft.

Diesen Altar ersetzt Pfarrer Hoene 1818 durch einen neuen Altar, ohne vorher den Kirchenvorstand zu fragen. Das Konsistorium rügt ihn deswegen und bemängelt auch, daß der Altar zu teuer sei. Das Konsistorium fragt am 4. Oktober 1819 bei dem neuen Pfarrer an, welche Bewandtnis es mit dem im vorigen Jahr in der Kirche aufgestellten Altar habe. Ob die Rechnung nicht überhöht sei? Wozu der alte Altar verwendet wurde? Der Kirchenvorstand antwortet am 22. Oktober 1819, daß Pfarrer Hoene alles veranlaßt hat, ohne den Kirchenvorstand zu fragen. Allerdings sei der alte Altar zu schlecht gewesen. Aber man wisse nicht, ob mit den Handwerkern ein Vertrag abgeschlossen wurde. Der Baurat Heerwagen habe aber den alten Altar gesehen, er sei nur aus altem, unbrauchbarem Holz gewesen. Hoenes Erben zahlen 1820 noch über 361 Gulden für diesen Altar.

Im Juni 1830 berichtet der Pfarrer über die Bezahlung der Bronzierung des Altars. Neue Altarbehänge wurden 1901 angeschafft. Die Zeichnung des heutigen Sandsteinaltars stammt von dem Architekten Schäfer, der beim Landeskonservator angestellt ist. Im April 1955 soll ein neuer Altar nach der Zeichnung des Architekten Schäfer in Eschwege bestellt und auf einem Podest im Altarraum aufgestellt werden.

 

Engel:

An der Ostseite des Chorraums befindet sich ein kleiner, kniender Engel mit großen, eingeknickten Flügeln. Er hält zwei gegeneinander geneigte Wappen, unten recht flach abgerundet. Sein volles Lockenhaar wird von einem Stirnband mit Rosette zurückgehalten, seine Gesichtszüge sind voll. Ein Knopf mit Rosette hält sein Gewand auf der Brust zusammen; die unteren Mantelfalten laufen gegen drei Rosetten. Die beiden Wappen in seinen Händen wurden schon oben beschrieben.

 

Grabsteine:

Zwei besonders schöne Grabsteine sind an der Ostseite des Chorraums aufgestellt. Sie standen früher auf dem Kirchhof und wurden wahrscheinlich 1841 bei der Auflösung des Friedhofs in die Kirche gebracht. Ursprünglich standen sie auf einer Höhe mit dem Fußboden der Kirche, bei der Renovierung wurden sie etwas höher gesetzt.

Links steht ein Stein mit zwei Wappen unter dem Helm und einem Engel, der einen Vorhang beiseite rafft, seitlich der Inschrift sind Ranken zu sehen. Es ist der Grabstein von Andreas Meerbott, Sohn des Schultheißen Meerbott (1738) und der Anna Catharina Will, viertes von sieben Kindern. Er war von Beruf Bender, geboren am 29. Mai 1716, getauft am 2. Juni 1716, gestorben am 16. Mai 1738, im Alter von 21 Jahren 11 Monaten 17 Tagen. Zwei Schwestern waren verheiratet, aber es sind keine noch heute lebenden Nachkommen festzustellen (Grabstein Meerbott).

Der rechte Stein zeigt zwei Engel, die eine Krone über Blumen tragen. Der Stein stimmt mit dem Grabstein im nördlichen Seitenschiff überein, er hat nur noch zusätzlich eine Bekrönung.

Es ist der Grabstein für Anna Maria Hatzmann, Tochter Peter Hatzmanns und seiner Frau Anna Maria Heckert, sechstes Kind von acht Kindern. Sie ist geboren am 9. Juni 1763, gestorben am 18. Dezember 1777, im Alter von 14 Jahren 6 Monaten 9 Tagen.

Auf dem Stein steht ein schöner Spruch:

Was an mir Erde war, das hat die Erde hier,

was himmlisch war, hat zu sich der Himmel aufgenommen,

bald werden Seel und Leib zusammen wieder kommen

wann die Posaun erschallt ob meiner Grabes Tür.

Drum wischt die Tränen ab, ihr Eltern, Freund und Lieben,

laßt mich in guter Ruh im Schoße Abrahams.

Warum wollt ihr euch doch noch länger so betrüben,

indem ich auch dereinst hier wieder aufersteh.

 

Chorwand:

An der Chorwand sieht man in Übermannshöhe zwischen den Fenstern wiederum sieben Medaillons, dazwischen jeweils eine Engelhalbfigur. Die Schwurhand (nicht: lehrende oder segnende Hand) wurde im Mittelalter häufig dargestellt: Die erhobene rechte Hand mit drei ausgestreckten Fingern (Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger) ruft Gott zum Zeugen für das Ausgesagte auf.

Die rotbraune Sockelzone darunter ist durch Rankenmalerei belebt und zeigt ausgesparte Tartschenwappen: die Hanauer rot gelben Sparren bzw. schwarz weiß gevierteilt. Diese Wappen sind also aus einer späteren Zeit als der wappenhaltende Engel im Chor.

An der Nordseite gibt es in dem umlaufenden grünlichen Band einen Absatz. Doch hierbei dürfte es sich nur um einen Fehler eines Malers oder zweier Maler handeln, die getrennt angefangen haben, aber nachher nicht übereinkamen.

Diese ganze Chorwand ist allerdings von dem Restaurator Wölfel in großen Teilen nachgemalt worden. Einigermaßen original ist nur der Engel links neben der Sakristeitür, nach dessen Vorbild die anderen Engel rekonstruiert wurden.

Das Motiv mit den Schwänen über dem Hanauer Wappen wiederholt sich mehrfach. Auch die Schwäne und die Helmzier mit dem auf dem Hanauer Wappen sind heute mehr Werk des Restaurators als ursprüngliche Substanz.

In die Chorwand ist auf der Südseite unter dem Maßwerkfenster eine Nische (für die Hostie?) eingelassen. Die weißen Felder im unteren Teil der Wand könnten den Platz für Stühle andeuten.

 

Conrad Appel schreibt: „Im August 1613 wurden in dem Chorraum der Kirche einige neue Stühle an der Mauer herum gemacht. Der Baumeister ist der junge Peter Schmied gewesen“ und „Am 6. Mai 1616 sind in der Kirche drei neue Kirchenstühle neben der Bibliothek und mitten durch einen Gang gemacht worden; der Baumeister war Konrad Spilmann (Die „Kirchenstühle“ sind abgeteilte Kirchenbänke, an sich nur für jeweils eine der Frauen, die allesamt im Kirchenschiff saßen. Wenn hier von Kirchenstühlen im Chorraum die Rede ist, so sind diese für den Kirchenpatron und die Amtspersonen im Ort. „Neben der Bibliothek könnte die Sakristei meinen).

 

Schlußsteine:

Die Schlußsteine an der Decke des Chorraums sind typisch für das 15. Jahrhundert und bestehen aus nach Westen zeigenden Dreiecken mit vor jede Seite gelegten kleineren Halbkreisen. Sie sind mit Wappen gefüllt.

Auf dem hinteren Schlußstein ist das Hanauer Wappen abgebildet, sechsfach gesparrt und gold rot. Hier handelt es sich wohl um einen Hinweis auf die Zugehörigkeit Hochstadts zu den Grafen von Hanau.

In dem anderen Schlußstein ist ein Gänsekopf dargestellt: Hier hat sich nämlich der Pfarrer Genseler (oder: Gänsler) verewigen lassen, als „Pfarrer inmitten der gläubigen Gemeinde“. Er wird 1487 und 1489 erwähnt. Er war allerdings nur der Pfarrstelleninhaber und gehörte zum Leonhardstift in Frankfurt, die Arbeit vor Ort überließ er einem Vikar.

Am 14. August 1489 werden der Pfarrer Heinrich Genseler, der Ritter Emmerich von Carben und seine Neffen, die Edelknechte Hermann und Carl von Carben, sowie auch alle Zehntherren von „Hoenstadt“ (entweder alle Grundsteuerpflichtigen oder nur diejenigen, die der Kirche zehntpflichtig waren) verurteilt, den Chor der Kirche ausmalen zu lassen.

Die Anweisung kommt vom Erzbischof in Mainz, denn in vorreformatorischer Zeit gehörten Bischofsheim, Hochstadt, Groschlag, Dörnigheim, Kesselstadt und Roßdorf zum Archidiakonat St. Maria ad Gradus in Mainz („Mariengredenstift“). Der Brief über die Ausmalung des Chorraums liegt im Staatsarchiv in Marburg. Er ist versehen mit einem Siegel des Pfarrers Genseler, von dem ein Abdruck im Pfarramt erhalten ist.

Es zeigt, daß hier das Wappen des Pfarrers dargestellt ist und nicht der Schwan als Hanauer Wappentier. Über dem Gänsehals steht der Buchstabe „M“, links ein „D“ und rechts ein „A“. Die Deutung ist unsicher. Es gibt verschiedene Deutungsmöglichkeiten. Wenn man die Buchstaben als römische Zahlen liest und statt „A“ ein „X“ liest, ergibt sich im Uhrzeigersinn die Zahl 1490, das Jahr der Ausmalung der Kirche. Gegen der Uhrzeigersinn gelesen ergibt sich die Lesart „AMD“, die vielleicht „ad maiorem dei gloriam“ (zur größeren Ehre Gottes) bedeuten könnte (aber dabei fehlt das G). Wenn man die Buchstaben „MD“ als „minister dei“ (Diener Gottes) deutet, dann paßt das „A“ nicht: Es kann nicht der Vorname des Pfarrers sein, denn der hieß Heinrich. Das „A“ könnte aber auch eine Abkürzung sein für „a canonibus est“ (er ist ein Prediger). „MVD“ wiederum würde heißen „minister verbi divini“ (Diener am Wort Gottes).

Daß der Pfarrer sein Wappen mit in der Kirche verewigte, sollte man ihm nicht übelnehmen. Er hatte sicher bei der Organisation die meiste Arbeit und den meisten Ärger. Auch später haben sich gern Gemeindevorsteher, Bürgermeister und Pfarrer auf Gedenktafeln, Glocken, usw. verewigt. Es war sogar so etwas wie eine Pflicht, daß man die zeitgenössischen Amtspersonen aufführte. In der Mitte des Blumenkranzes sollte aber eigentlich Christus stehen und nicht ein Pfarrer oder ein Graf. Wenn in der Hochstädter Kirche die Menschen im Mittelpunkt des Blumenkranzes stehen, so hat das nichts mit „Gotteslästerung“ zu tun, denn der Raum einer Hallenkirche war damals auch Symbol eines neuen demokratischen Gemeinschaftsgefühls. Man spricht heute von einer „frühbürgerlichen Revolution“. Hermann Meuche sagt: „Die kostbaren Ziergewölbe um 1500 bekunden die besondere geistige und gesellschaftliche Stellung der Bauherren“.

Die dekorative Ausstattung der Decke scheint damals von den Interessen der Auftraggeber bestimmt gewesen zu sein. Das Symbol des Lebensbaumes entsprach der fröhlichen Festlichkeit und gelösten Weite dieser Kirchenräume.

Für die Bauherren hatte die Lebensbaumvorstellung eine etwas andere Bedeutung als für die Menschen, die diesen Raum für den Gottesdienst benutzten. Für diese hatte sich nämlich das bürgerliche Element in der Architektur durchgesetzt. Die Hallenkirchen vom Anfang des 16. Jahrhunderts sind - vor allem im Obersächsischen und Böhmen - Ausdruck eines neuen Erlebnisgefühls für Schönheit und nicht für Frömmigkeit.

 

Um beide Schlußsteine ranken sich Blumenkreise in Form einer Krone. Auf dem ersten Blick erwartet man in einer Kirche eine Dornenkrone als Hinweis auf die Leidensgeschichte Christi. Eine solche Dornenkrone ist jedoch geflochten aus drei Ranken, die auf die drei Stufen der Buße hinweisen: Zerknirschung (contritio), Beichte (confessio) und Wiedergutmachung durch die Tat (satisfactio). Rosensträucher haben aber stachelige Zweige, die Blätter sind ungefiedert und es stehen immer fünf Blätter beisammen. Es handelt sich auch nicht um die Hundsrose (rosa canina), denn in der Hochstädter Kirche sind immer sieben Blätter gezeichnet.

Hier windet sich nicht eine Dornenkrone, sondern ein runder Kranz aus Laub- und Blumengewinde ohne Dornen um die Schlußsteine, so daß hier eine GARTEN-PFINGSTROSE dargestellt ist, eine Heilpflanze gegen Rückenschmerzen. Aus den Knollen wurde früher in der Volksmedizin eine Essenz zubereitet und dem Badewasser zugegossen.

Mit der „Rose ohne Dornen“ ist in der christlichen Symbolik immer die Pfingstrose als Mariensymbol oder als Christussymbol gemeint. Albrecht Dürer hat die Pfingstrose oft auf seinen Gemälden abgebildet.

Im Alten Testament ist der Blumenkranz ein Zeichen der Freude. Im Neuen Testament ist die Rede von der „Krone der Gerechtigkeit“ (2 Tim 4,8: „...die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage der gerechte Richter geben wird“), von der „Krone des Lebens“ (Jakobus 1,12: „Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn liebhaben“) und von „dem unverwelkten Kranz der Herrlichkeit“ für die Gemeindevorsteher, wenn sie ihre Pflichten erfüllen werden (Petrus 5,4).

 

Weitere Pflanzen im Chorraum:

 

Zwickel links: BITTERSÜSSER NACHTSCHATTEN (solanum dulcamara).

Die Pflanze ist ein Nachtschattengewächs. Sie kommt vor in feuchten Gebüschen, Auwälder, Bruchwäldern, Hecken und Röhrichten und auf feuchten Böden. Der Halbstrauch oder die Staude ist kletternd oder niederliegend, meist behaart, oft mit Stacheln. Er wird 30 bis 250 Zentimeter hoch. Die länglichen Blätter sind eiförmig oder herzförmig und stehen wechselständig oder paarweise, sie sind einfach bis gefiedert, die obersten Blätter sind spießförmig bis ohrförmig, ungeteilt oder am Grund mit ein bis vier gefiederten Lappen. Die Stengel sind am Grund verholzt und mit kriechendem Wurzelwerk.

Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Die Blüten sind violett, die fünf Kronblätter sind zurückgeschlagen, die Staubbeutel sind gelb und säulenförmig vereint. Die Beeren sind scharlachrot, eiförmig uns bis 1,5 Zentimeter lang. In der Kirche sind immer nur vier Kronblätter gezeichnet (Bittersüßer Nachtschatten im Kräutergarten des Klosters Seligenstadt).

Die Pflanze kommt an nassen und feuchten Stellen, im Gebüsch und in Bruchwäldern vor. In Hochstadt ist sie selten. In unserer Gegend findet man Standorte am Obermooser See und in Büdingen-Dudenrod. Auch im Kräutergarten des Klosters Seligenstadt ist sie zweimal vertreten. Die Hauptwirkstoffe dieser giftigen Heilpflanze sind Solanin, Bitter- und Gerbstoff. Sie wurde angewendet bei Hautkrankheiten, Muskel- und Gelenkrheumatismus, Blasenkatarrh und Lippenbläschen. Die Pflanze findet sich auch im nördlichen Seitenschiff (doppelt).

Zwickel halb-links: KORNRADE (agrostemma githago).

Die Abbildung in der Kirche stellt auf jeden Fall ein Nelkengewächs dar. Es kann sich jedoch nicht um Leimkraut handeln, denn dieses hat spitze, elliptische und tief gespaltene Blätter. Es handelt sich auch nicht um die Lichtnelke, denn diese hat eiförmige Blätter. Die einzige Heilpflanze unter den Nelkengewächsen ist die 30 - 100 Zentimeter hohe Kornrade, die in den Monaten Juni bis September blüht. Sie ist einjährig und keimt oft schon im Herbst. Sie ist in allen Teilen filzig-grau behaart, meist unverzweigt oder mit wenigen Seitentrieben. Die Blätter sind schmal und ganzrandig.

Die Blüten haben meist fünf Kelchblätter, die nicht gespalten sind wie sonst bei den Nelkengewächsen. Die Kelchblätter laufen spitz zu und überragen die purpurvioletten Kronblätter.

Die auffallende Blüte wird etwa zwei Zentimeter groß und zeigt sich von Juni bis August. Insbesondere Falter (besonders Tagfalter, weniger Bienen) suchen hier Nahrung, oft findet aber Selbstbestäubung statt. Die Kapsel ist eiförmig, der Samen nierenförmig und schwarz und verhältnismäßig groß (3-4 Millimeter).

In der Kirche sind die Blätter zu stark gezähnt wiedergegeben, die Spitzen an den Früchten sind zu lang (vielleicht liegt eine Verwechslung mit dem Ruprechtskraut vor). Die Pflanze stammt aus dem Mittelmeer. In unserem Gebiet ist sie besonders gut an die Kultur von Wintergetreide angepaßt. Mit ihren tiefen Keimtemperaturen paßte sie sich perfekt den Wuchsbedingungen der Wintergetreidefelder an. Der Samen der Kornrade enthält allerdings einen giftigen Inhaltsstoff (Saponin) und war früher ein gefürchtetes Unkraut im Kornfeld, daß den Bauern das Wintergetreidekorn verderben (vergiften) konnte, weil der Same noch nicht ausgesiebt werden konnte. Der reife Samen der Heilpflanze wurde zur Tinktur gegen Gelbsucht, Magenentzündung und schmerzhaften Stuhl verwende (Bild: Stiftung Naturschutz Hamburg).

Die Kornrade stammt wahrscheinlich aus dem Vorderen Orient und gilt in Zentraleuropa als Archäophyt, die mit der Einführung des Ackerbaus hier Fuß fassen konnte. Seit dem frühen Mittelalter ist die Kornrade eine der häufigsten Segetalpflanzen (Ackerwildkräuter). Die Licht liebende Art ist anspruchslos gegenüber dem Basenhaushalt oder Feuchtigkeitsgrad der Böden. Sie benötigt jedoch nährstoffreiche und regelmäßig (im Herbst) bearbeitete oder gepflügte Standorte, um vegetationsfreie Stellen zum Aufkeimen der Saat zu finden.

Als Kaltkeimer ist die Kornrade auf eine Herbstaussaat angewiesen bzw. muß spätestens im zeitigen Frühjahr ausgebracht werden, damit das Samenkorn Minustemperaturen ausgesetzt ist und so zum Wachstum angespornt wird.

Da ihr Samen im Boden nur wenige Monate keimfähig bleibt, muß er bei den heutigen Anbaumethoden jedes Jahr wieder neu ausgesät werden. Die Kornrade gehört zu der sogenannten Ackerbegleitflora und war bis in die 60er Jahre neben vielen anderen Wildkräutern eine häufige Pflanze im Wintergetreide. Infolge moderner Anbaumethoden innerhalb der Landwirtschaft (insbesondere Saatgutreinigung und Herbizidspritzungen) ist die Kornrade heute ausgestorben oder zählt zu den stark gefährdeten Arten (sogenannte „Rote-Liste-Arten“). Mit der Wahl zur Blume des Jahres 2003 soll für den Erhalt der Kornrade geworben werden, stellvertretend für alle Ackerwildkräuter und für eine historische Nutzungsweise der Ackerflächen und Ackerraine.

 

Zwickel halb-rechts: LIEBSTÖCKEL (levisticum officinale):

Es handelt sich hier in der Kirche nicht um die Kleine Bibernelle (pimpinella saxifraga), die weiße Dolden und rundovale Früchte hat. Vielmehr ist hier das Liebstöckel dargestellt, im Volksmund auch „Maggikraut“ genannt (Nach der Restaurierung - Heutiger Zustand).

Die Pflanze liebt nährstoffreiche und frische Böden. Der 100 - 200 Zentimeter große Doldenblütler blüht im Juli und August und duftet stark aromatisch. Das Blatt ist zwei- bis dreifach gefiedert, die Abschnitte sind breit gezähnt, die Hüllblätter sind zahlreich, am Grund sind sie verbunden. Die rückständigen Rippen sind etwas klaffend. Die Blüten sind blaßgelb und dienen als Bienenweide. Die Frucht ist elliptisch, gelb oder braun.

Die Heilpflanze wächst wild in Italien, Frankreich und Süddeutschland. Aber sie wird auch kultiviert. Der Erdstock ist bis zu 40 Zentimeter lang, mehrköpfig und nach unten verzweigt. Die Wurzeln wurden im Frühjahr von den zwei- bis vierjährigen Pflanzen gesammelt. Sie wurden der Länge nach gespalten und zum Trocknen aufgehängt. Die Rinde besitzt zahlreiche gelbliche Balsambehälter, die beim Drücken ihren Inhalt abgeben. In der Medizin wurde Liebstöckel angewendet bei Halsschmerzen.

 

Zwickel ganz rechts: ECHTE KAMILLE (matricaria chamomilla):

Die aufrechte Pflanze ist ein Korbblütler. Die Blätter sind zwei- bis dreifach gefiedert. Die Blüten stehen einzeln, sie sind weiß, die Blütenblätter sind zurückgeschlagen, die Köpfchen sind hohl und duftend. Die Kamille bevorzugt kalkhaltige Böden und findet sich gerne auf Äckern.

Die aromatische Heilpflanze ist die „Pflanze der Mutter“ und ein Universalheilmittel. Sie gehört zu den heilkräftigsten Pflanzen, die die Natur bietet. Kamillentee wirkt krampflindernd und schmerzstillend. Er hilft bei Erkrankungen im Magen- und Darmbereich und sorgt für einen ruhigen Schlaf. Als Wickel, Kompresse oder als Zusatz zu von Bädern und Dämpfen hat die Kamille eine entzündungshemmende Wirkung.

 

Wie schwer die Bestimmung der Pflanzen ist, zeigt sich darin, daß Frau Häger-Hogerland von ihrer bisherigen Meinung jetzt in einigen Punkten abweicht: Im Chor hält sie statt der Kamille auch eine Karthäuser-Nelke für möglich. Im Mittelschiff in Joch 1 nimmt sie jetzt doch eine rote Heckenkirsche an. Und im südlichen Seitenschiff in Joch 2 vermutet sie jetzt den doldentraubigen Milchstern.

 

 

MALEREIEN IN DER SAKRISTEI

 

Auf der Nordseite der Kirche liegt die Sakristei zwei Stufen höher (nicht eine, wie Feldmann schreibt). Die Tür zur Sakristei trägt an der Außenseite abgeschrägte Kanten mit einer abgesetzten, quer einschneidenden Kurve am Übergang zum Sockel. Innen ist sie von einem gemalten Kielbogen und vor  und zurückspringender Scheinquaderung eingerahmt. Der Raum ist in Längsrichtung tonnengewölbt (seit 1967 im Westen durchbrochen von der Treppe zum Dachboden).

An der Südwand ist eine vergitterte Wandnische für die Kirchengeräte vorhanden. Hier werden auch heute noch die Kirchengeräte aufbewahrt. Die beiden alten Abendmahlskelche sind erst in neuerer Zeit von Herrn Kania vergoldet worden

Zwei Fenster gehen nach Norden und Osten. Hier wird das östliche Fenster gezeigt. Das nördliche Fenster hat unter der Stichkappe auch Nasen.

Auf der Nordseite ist auch ein Ausguß zum Reinigen der Hände und der Heiligen Geräte bemerkenswert; der Auslauf ist außen an der Kirche zu sehen. Daneben befindet sich ein Wandschrank mit dem Hanauer Sparrenwappen (Altes Aussehen der Sakristei - Handwaschbecken heute).

 

In der Sakristei wurden die Wandbilder in Freskotechnik (also auf den noch feuchten Putz) gemalt. Die ganz bemalte Ostwand ist in vier Zonen aufgeteilt:

1. Zuoberst thront über dem Fenster Kaiser Hadrian (mit Pelzkappe und Stab) zwischen zwei Ratgebern.

2. Darunter ist dargestellt das Martyrium der Zehntausend um den Nothelfer Achaz, die zur Zeit des Kaisers Hadrian von einem hohen Felsen in die Dornen geworfen werden, weil sie dem Kaiser die Gefolgschaft versagten und Christen wurden. Beiderseits wirft jeweils ein Knecht einen ungehorsamen Soldaten über eine Brüstung. Im Hintergrund warten die übrigen gefesselt auf die Urteilsvollstreckung.

3. Die Märtyrer liegen links und rechts des kleinen Spitzbogenfensters in verrenkter Haltung jeweils zu zweien in den Dornen.

4. Unter diesem Bild sind dargestellt in einer Zone, die nicht thematisch zur oben erzählten Geschichte gehört (von links nach rechts): Johannes der Täufer (mit dem Lamm und dem großen Zeigefinger), Laurentius oder Lorenz (mit dem Bratrost), Georg (Ritter mit der Lanze und einem Rest des Drachenschwanzes) und Petrus (mit Kirche und Schlüssel, vielleicht in langem Bischofsgewand). Sie stehen auf einem Plattenboden, zwischen den Figuren befinden sich Ranken. Die unterste Zone dieser Wand ist bis in Brusthöhe dunkelrot (St. Georg, Detail)

 

Die Darstellung der Geschichte der Zehntausend Märtyrer legt eine Vermutung nahe: Der Tag der Zehntausend Märtyrer ist der 10. Juli, um den herum die Kirchweih gefeiert wird (es wird auch der 22. Juni angegeben). Die Kirche bzw. ihre Vorgängerkirche könnte diesen Märtyrern geweiht gewesen sein, nicht dem Heiligen Kilian.

In einer Hanauer Urkunde vom 20. April 1439 wird berichtet, daß in der Kirche in Hanau ein Altar zu Ehren des Heiligen Kreuzes, der Heiligen Maria, der 10.000 Märtyrer und des Heiligen Antonius eingerichtet wird. Auch dort gab es also die Verbindung von Heiligkreuz-Altar und den Zehntausend Märtyrern (Staatsarchiv Marburg).

 

An den Wänden der Sakristei finden sich noch sieben Weihekreuze mit den entsprechenden Marterwerkzeugen Christi. An sich hat eine Kirche zwölf Weihekreuze. Diese bezeichnen die Stellen, an denen der Bischof bei der Weihe der Kirche die Wände mit Öl (dem „Chrisam“) gesalbt hat. Die aufgemalten oder eingemeißelten oder vorgeblendeten Kreuze symbolisieren außerdem die Erbauung der Kirche auf dem Grund der Apostel (vergleiche Epheserbrief Kapitel 2, Vers 30).

Die Medaillons zeigen die Marterwerkzeuge Christi. An der Ostwand sieht man links im Medaillon ein „T“ (?), rechts ein „Andreaskreuz“ (oder „X“, gekreuzte Lanzen?). Auf der Südseite ist links eine Dornenkrone dargestellt, rechts ist ein ganz abgestoßenes Bild. Auch im Westen ist das Bild abgestoßen. An der Nordwand zeigt das Medaillon links ein Kreuz (oder eine Spitzhacke?), rechts einen klar erkennbaren Zimmermannshammer.

Daß sich in der Sakristei der Hochstädter Kirche nur noch sieben Kreuze finden, könnte wiederum darauf hindeuten, daß dieser Raum ein Teil einer größeren Kirche war, vielleicht einer Nikolauskapelle. Aber dann müßte das Kreuz an der Westseite erst wieder nachträglich dorthin kopiert worden sein. Letztlich wird man die Frage nach dem Aussehen von Vorgängerbauten nicht mehr entscheiden können (Urkunde über den St. Niklas-.Altar).

Am 5. Juli 1911 wird nach dem Bettagsgottesdienst die Sakristei besichtigt und am 16. Juli wird beschlossen, daß die beiden Wandschränke wieder mit Türen versehen werden. Im August 1913 wird für die Sakristei ein Lutherbild von Lukas Cranach angeschafft. Eine Vervielfältigung der Prachtadresse, die die Pfarrer der Generaldiözese Hanau an den in den Ruhestand getretenen Generalsuperintendenten Pfeiffer gerichtet haben, wird im November 1913 für die Sakristei angeschafft.

 

Die Restaurierungsarbeiten in der Hochstädter Kirche:

Die ursprüngliche Ausmalung der Kirche ist heute wieder sichtbar. Als man 1967 die Sakristei neu ausmalen will, entdeckt der Maler Robert Wölfel aus Langenselbold unter den Farbschichten alte Fresken. Zuerst wird über dem Fenster die Darstellung eines Kaisers mit zwei Ratgebern freigelegt (Altes Bild Emporensäule).

Daraufhin sucht man die ganze Kirche, auch Kanzel und Emporen, nach alten Ausmalungen ab. In den Jahren bis 1975 werden sie erst einmal in der Sakristei und im Chorraum freigelegt, im Jahre 1987 dann im Mittelschiff und 1991 in den Seitenschiffen. Seit 1596 waren diese Malereien unter bis zu sechzehn Farbschichten verborgen. Ein Beispiel für die früheren Farbgebungen ist eine Aufnahme der Emporensäule bei den Restaurierungsarbeiten.

Nach der Sakristei wird der Chor von Malermeister Wölfel ausgemalt, der auch Kirchenmaler ist. Er erneuert die gesamten Farbflächen in kräftigen Originalfarben. Man muß ja bedenken, daß die Kirche durch das getönte Glas und die fehlende Beleuchtung ziemlich dunkel war. Um etwas erkennen zu können, mußten die Farben schon kräftig sein. Der Maler hat die chemische Zusammensetzung der alten Farben ermitteln lassen und dann mit den alten Farben wie Grünspan, Kasein und Ochsenblut den ursprünglichen Zustand wieder hergestellt. Dazu hat er zum Beispiel jeden Tag eine Kupferplatte naß gemacht, um Grünspan zu gewinnen. Auch die Kanzel wurde 1983 von Malermeister Wölfel restauriert.

Die Freilegung der Malereien an der Decke des Kirchenschiffs erfolgt ab dem Jahre 1987 durch das Restaurierungsbüro Peter Pracher in Würzburg. Nun ging man aber wesentlich vorsichtiger bei der Restaurierung vor. Allerdings wurden auch im Kirchenschiff die Umrisse (Konturen) nachgezogen und einzelne Teile wurden auch retuschiert. Die üblichen Malerarbeiten führt dann die Firma Schäfer entsprechend dem alten Befund aus.

Im Fundbericht vom Juli 1986 heißt es: Die Malerei ist in Fresco-Secco-Technik ausgeführt und deshalb unterschiedlich gut erhalten. Die reine Fresco-Malerei (Malerei auf nassen Putz) ist sehr gut erhalten, zum Beispiel die braune Gestalt unter dem Balken im Chorbogen rechts unten. Die Secco-Malerei (Malerei auf trocknen Putz) ist durch mechanische Beschädigungen (abwaschen, abreiben) nur an geschützten Stellen gut erhalten und deshalb heute nur schwer zu deuten.

Die Freilegungsarbeiten beginnen am 26. Januar 1987. Die vorhandene Malerei im Bereich der Schlußsteine, Querrippen und Schildbögen der Langseite wird freigelegt. Eine sehr dicke und kompakte Deckschicht aus mehreren Kalkschichten ist zunächst mit kleinen Hämmerchen und Skalpellen abzutragen. Die Originalmalerei ist auf einer unregelmäßig, stark streifig geschlämmten Kalkmasse entworfen. Der Unterputz ist stark sandhaltig und schwach gebunden, weil man von vornherein wenig Kalk verwendet hat und der verwendete sich naturgemäß mit der Zeit abbaut.

 

Schon nach Ablauf einer Woche ergibt sich bei den Restaurierungsarbeiten eine weit aus­ladendere Form der Malerei als zunächst vermutet. Sie kann in ausgezeichnetem Zustand freigelegt werden, mit fast vollständiger ornamentaler Form. Nur die farbliche Festigkeit und die Kompaktheit der Farbgebung in sich ist durch die abgenommene Überkalkung verschieden stark gemindert.

Ein Zwickel des ersten Joches mit Ornamentmalerei und ein Zwickel mit Flamm-Malerei werden zunächst einmal retuschiert, um eine Teilfläche zeigen zu können. Dazu wird die gesamte Oberfläche (Malerei und Kalkhintergrund) gefestigt sowie die bei der Freilegung aufgebrochenen kleinen Putz-Fehlstellen, die wieder angekittet werden.

Als Festigungsmaterial wird Kasein in der Verdünnung 1 : 8 verwendet. Zur Putzfestigung und für die wenigen Hinterspritzungen nimmt man stark verdünntes Primal. Die Auskittung wird mit Kalk und Quarzmehl ausgeführt, bei grober Fläche unter Zusatz von Quarzsand.

Die Retuschierarbeiten werden zurückhaltend ausgeführt. Mit Kasein und trockenen Mischfarben werden die Linien zusammengeführt und so die Form der Ornamentik von Blumen und Flammen geschlossen.

Bei einem Termin am 19. Februar 1987 können die fertiggestellten Zwickel des ersten Joches vorgestellt werden sowie weitere inzwischen freigelegte Malerei. Es wird beschlossen, die Malerei der gesamten Deckenfläche freizulegen und nach den beiden schon erstellten Zwickeln zu retuschieren und einzustimmen. Das Landesamt für Denkmalpflege fordert daraufhin, die farbige Fassung an den Rippen der Manschetten zum Schlußstein für die gesamten Rippen zu übernehmen.

Bis 5. März 1987 wurde das erste Joch vollständig freigelegt, gefestigt und konserviert, die Malerei und der Hintergrund retuschiert. An der Chorwand werden am 23. März 1987 die Freilegungsarbeiten aufgenommen.

Leider zeigt diese Fläche nicht die Vielfalt und den Reichtum der Deckenpartien. Die Darstellungen sind nur andeutungsweise und schemenhaft zu erahnen, vor allem oberhalb des Balkens. Am 8. April 1987 werden die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen.

 

Das nördliche Seitenschiff wurde seit 1991 restauriert. Im dritten Joch gibt es keine Malerei, weil 1743 die restlichen Turmmauern in der Kirche eingerissen wurden. Der Erhaltungszustand der Farbe ist schlechter als im Mittelschiff. An verschiedenen Stellen schlug der Lehmputz bis zur Oberfläche durch. Das Original setzt sich aus zwei Schichten zusammen: als Untergrund ein hellgelblicher alter Kalk und dann die eigentliche Farbschicht. Fehlstellen werden bei der Retuschierung in dunkleren Farbtönen gestrichelt und damit besser sichtbar gemacht. Mit retuschiert wird dabei der schwarze Begleitstrich entlang der Rippen.

 

Die letzte Überarbeitung der Deckenmalerei erfolgte 1957, wie auf dem dritten Schlußstein festgehalten wurde. Auf der originalen Malschicht befanden sich sieben weitere Kalkanstriche. Der letzte weiße Anstrich war mit grauschwarzen und grauroten Flammenornamenten gefaßt. Die Schlußsteine werden jetzt in demselben Rot-Ton wie die Manschetten bemalt.

Im ersten Joch ist ein Entlüftungsloch, das die im Joch stehende Raumluft klimatisiert und Kondenswasser verhindert. Von dem 21-köpfigen „Rosenstock“ (in Wirklichkeit Dost) sind nicht mehr alle Teile erkennbar.

Zwischen dem ersten und dem zweiten Joch befindet sich das Blumenmotiv des „bittersüßen Nachtschattengewächses“, das auch schon im Chorraum zu finden ist. Die Pflanze im zweiten Joch wird nach der Vorlage im ersten Joch beinahe vollständig rekonstruiert. Die wappenförmigen Schlußsteine der ersten beiden Joche tragen das Hanauer Wappen, von Flammenmotiven umgeben.

Das südliche Seitenschiff wurde im Herbst 1991 restauriert. Die freigelegten ornamentalen Malereien sind in Fresko-Sech-Technik ausgeführt. Etwa 30 Zentimeter vom Schlußstein entfernt war die Spitz kappe mittig durchbrochen. Die Lüftungslöcher werden wieder geöffnet. Die Malschicht wird gefestigt und in Strichretusche retuschiert. Ein Buch über die Restaurierungsarbeiten an den Malereien gibt es im Pfarramt Ringstraße 13 (Pfarrer Rau), Telefon 06181 /431747, zum Preis von zehn Euro.

 

 

BAUARBEITEN IM KIRCHENINNEREN UND AM PFARRHAUS

 

Die Kirche mußte natürlich durch all die Jahrhunderte erhalten werden. Der Chorraum wurde ja vom Patron und später vom Staat instand gesetzt. Und die bürgerliche Gemeinde hatte die Kirche „in Dach und Fach“ zu erhalten. Die Kirchengemeinde trug vor allem die Reparaturen im Inneren.

Als der Pfarrer Filber 1677 neu in die Gemeinde kommt, möchte er gleich bauliche Veränderungen vornehmen. Die Sakristei bei dem Chor ist sehr verfallen. Den Kanzeldeckel empfindet er als zu schmal, um der besseren Verständlichkeit der Predigt willen sollte er breiter gemacht werden. Außerdem soll die Kanzel mit einem schwarzen Tuch bekleidet werden und eine neue Sanduhr muß angeschafft werden (Dazu vermerkt Pfarrer Böhm am Rand, daß das Tuch erst 1680 angeschafft wurde. Gleichzeitig wird das Gitter an der Kirchenältestenbank und ein Geländer angebracht).

Nach dem Dreißigjährigen Krieg und dem Abzug der Schweden wird ab 1650 die Kirche wiederhergestellt. Die Bänke („Stühle“) werden 1653 erneuert, ebenso die Dielen. Im Jahre 1682 wird über die Reparatur der Kirche gesprochen, die man nach der Ernte in Angriff nehmen will. Auch über die Sakristei wird gesprochen, aber sie wird erst 1685 repariert.

Ein „Pfarrstuhl“ wird aus den Mitteln einer Spende gebaut. Das ist ein abgeteilter und besonders gestalteter Sitzplatz für den Pfarrer und seine Familie: Hans Jörg Löbert überreicht dem Pfarrer am 13. November 1680 einen vom Landgericht bestätigten Kaufbrief, nach dem er nach seinem Tod ein Viertel Weinberg am obersten Bücherweg der Kirche vermachen will, wenn diese von dem erlösten Geld etwas in der Kirche zu seinem Gedächtnis bauen will. Nachdem er nun gestorben ist, wird der Weinberg im März 1684 für 18 Gulden an den Schneider Johannes Reich verkauft. Im Juni wird das Geld zum Bau eines Pfarrstuhls verwendet. Falls noch Geld übrigbleibt, soll es für die Kirchentüre verwendet werden. Auch 1691 wird wieder gesagt, daß 13 Gulden für den Kirchensitz der Pfarrfamilie (wohl eine Reparatur oder Ergänzung) und ein Wetterdach über der hinteren Kirchentür ausgegeben werden. Der Schlosser macht Beschläge an dem „Pfarrstuhl“, aber offenbar macht er auch noch andere Schlosserarbeiten in der Kirche.

 

Größere Bauarbeiten nimmt man ab dem Jahre 1715 in Angriff: Am 19. Mai 1715 wird darüber geklagt, daß die Bänke im Chorraum der Kirche zerbrochen sind und daß deswegen die jungen Burschen auf der Empore stehen. Am 5. Juni 1715 teilt der Pfarrer dem Konsistorium mit, daß die Stühle im Chor der Kirche schadhaft sind. Laut dem Protokoll des Kirchenvorstandes von 1715 haben die Herren von Carben früher die Bänke im Chor bezahlt und sich auch einen geschlossenen Kirchenstuhl machen lassen

Im Jahre 1716 fertigt der Schreiner Johann Martin Neumeyer aus Wachenbuchen neue Kirchenbänke für die Mädchen und erhält 4 ½ Gulden für eine Kanzelbekleidung. Die Herren von Carben übernehmen die Kosten für zehn Sitzplätze in Höhe von zehn Gulden. Es ist allerdings nicht so ganz deutlich, ob es Bänke in der Kirche oder im Chorraum waren, es wird nur später behauptet, es seien Bänke in der Kirche gewesen.

Im Sommer 1716 soll die Kirche auch insgesamt ausgemalt werden. Am 27. Mai 1716 ist schon der Weißbinder bestellt. Er will 85 Gulden haben. Das Konsistorium empfiehlt aber am 27. Mai 1716 den Hanauer Weißbinder Bachmann. Die Ölfarbe müßten allerdings die Gemeindeglieder unabhängig von der Kirchenbaukasse bezahlen.

Am 21. Februar 1722 fordert das Konsistorium wieder die Herren von Carben auf, den Chor der Kirche reparieren zu lassen, weil das Gewölbe bereits einen Schaden erlitten hat. Die Herren von Carben antworten erst am 12. März 1725: Nach einer Besichtigung der Gebäude wollen sie den Chor der Kirche und das Pfarrhaus in einen besseren Stand versetzen lassen. Sie sind aber der Meinung, daß der Schulmeister durch das Aufhängen seines Tabaks das Chordach beschädigt hat und für diesen Schaden aufkommen sollte. Pfarrers Bender teilt am 22. März 1725 mit, daß dem Schulmeister schon gesagt worden ist, daß er in Zukunft den Tabak nicht mehr unter dem Chordach aufhängen darf.

Die Herren von Carben werden dann noch einmal vom Konsistorium zur Reparatur aufgefordert, aber das nächste Schreiben ist erst von 1732. Da schreibt Pfarrer Eberhard am 26. August 1732 an das Konsistorium: Die Herren von Carben bestätigen, daß sie den Chor der Kirche zu unterhalten haben, weil sie ja das entsprechende Lehen in Hochstadt nutzen. Aber für die Bänke seien sie nicht zuständig. Deshalb soll der 1732 und 1733 eingezogene Zehnte für die Reparatur des Kirchenchors und der Pfarrgebäude verwendet werden.

Im Dezember 1733 werden an den Schreiner folgende Aufträge vergeben: Zwei Fensterläden („Schalen“) an die Fenster hinter der Orgel, eine andere Tür an dem Altar („Tisch im Chor“) und ein neues Gesims über dem Platz des Pfarrers (mit Streichen).

Der Schreinermeister Geier täfelt für 17 Gulden auch die Mauer, wo das noch nicht geschehen ist. Der Schultheiß sorgt dafür, daß das Holz durch Frondienste herbeigeschafft wird.

Am 25. August 1737 werden die Kirchensitze in der neu gemachten mittleren Reihe für je einen Gulden an acht Frauen vergeben. Die Frauensitze werden dazu an die Mauer herangerückt. Die Kirche hatte damals also keinen Mittelgang, sondern die Bänke waren im Schiff durchgehend,

Die Reparaturen an den Bänken sind bereits am 22. September 1739 vom Konsistorium genehmigt worden. Am 18. Mai 1740 wurde die Reparatur der Gänge genehmigt. Der Pfarrer übergibt am 21. September 1740 eine Aufstellung der Kosten für die Reparatur der Gänge in Kirche und Chor (300 Platten) für rund 18 Gulden, die Reparatur der Bänke und der Täfelung im Chorraum kostete etwa 10 Gulden.

Der alte Turm in der Nordwestecke kommt 1743 bis 1745 dran (siehe oben). Am 6. März 1743 schreibt der Schultheiß an das Konsistorium: Das Fach der Kirche in Hochstadt ist so verdorben, daß das Wasser bei stärkerem Regen bis in die Kirche durchdringt. Auch ist es wegen der kleinen Fenster besonders in der Winterzeit und bei trübem Wetter sehr dunkel, so daß viele gehindert werden, ihrem Gott nicht mit Gesang zu dienen. Die Fenster sind auch so verwittert, daß sie sowieso neu gemacht werden müssen. Die bürgerliche Gemeinde Hochstadt kann aber kein Geld geben, weil sie mit vielen Schulden beladen ist und eine Hungersnot war. Im Kirchenbaukasten ist aber ein Überschuß durch die erwirtschafteten Zinsen.

Es wird deshalb darum gebeten, die Kirchengelder für die Reparatur der Kirche nehmen zu dürfen, ohne künftigen Nachteil für die Kirche. Das Konsistorium stimmt am 27. März 1743 dem Vorschlag im Prinzip zu, aber die Verpflichtung der Gemeinde Hochstadt darf nicht aufgehoben werden und es wird nur ein Zuschuß gegeben. Es wird um einen Kostenvoranschlag gebeten.

Der Pfarrer schreibt am 17. April 1743: Für die Reparatur des Daches und der Fenster wird man mindestens 600 Gulden brauchen. Die bürgerliche Gemeinde hat aber schon 342 Gulden Schulden bei der Kirchenbaukasse. Wenn die Gemeinde etwas beitragen sollte, dann müßte eine Umlage unter den Einwohnern gemacht werden, die aber durch Mißernten beim Wein kaum Geld für ihr Brot haben. Die Kirchenbaukasse dagegen gibt kaum etwas aus und hat einen ansehnlichen Bestand. Andererseits trägt die bürgerliche Gemeinde ja auch zur Kirchenbaukasse bei durch die jährlichen Zinsen und die Almosensteuer. Der Pfarrer Eberhard bittet um Erlaubnis, daß die Zinserträge der vergangenen Jahre als freiwillige Gabe zur Bestreitung der Kirchenbaukosten gereicht werden dürfen. Falls die Weinernte gut sei, werde man den Betrag durch eine höhere Almosensteuer wieder ersetzen. Und die Leute würden lieber geben, wenn sie sehen, daß die Kirche etwas zu den Baukosten gibt.

 

Am 20. April 1746 schreibt Pfarrer Eberhard an das Konsistorium: Das durchlöcherte Leichentuch muß unbedingt ersetzt werden. Statt des kleinen hölzernen Kirchenbaukastens möchte man einen größeren eisernen nach Frankfurter Maß kaufen, zum Preis von etwa 30 Gulden. Die Anschaffungen werden noch am gleichen Tag vom Konsistorium genehmigt.

 

Ab dem Jahre 1766 erfolgt eine größere Reparatur der Kirche, die man offenbar seit 1760 geplant hat (Aktenstück von 1760 über die Reparatur der reformierten Kirche in Hochstadt ist im Staatsarchiv Marburg). Zum Beispiel fehlt am Dach oben ein ganzes Stück. Die Kosten werden auf über 1.000 Gulden geschätzt. Aber die Gemeinde Hochstadt will auf einmal nichts geben, die Kirche habe über 6.00 Gulden Rücklagen.

Das Konsistorium verweist aber am 2. Mai 1766 darauf hin, daß laut Konsistorialprotokoll die bürgerliche Gemeinde ein Drittel zu tragen hat. Am 14. Januar.1766 nimmt die bürgerliche Gemeinde 2.804 Gulden Kapital auf bei neun Gläubigern (unter anderem bei den Wirten Philipp Koch und Andreas Stein). Die Kirche soll zunächst 200 Gulden geben. Im Presbyterialprotokoll steht, die Kirchengemeinde zahle insgesamt 158 Gulden dazu. Aber die Regierung in Hanau hält fest, man habe dann doch 277 Gulden aus der Kirchenkasse genommen, 184 Gulden aus der Gemeindekasse. Der Rest von 92 ? Gulden soll geteilt werden.

Im Jahr 1768 zahlt die Kirche 50 Gulden an den Handelsmann Reiner, weil er das Eisen für die Erneuerung der Kirche geliefert hat. Im Juli 1768 fordert das Konsistorium einen Überschlag der Kosten für die Erneuerung der Kirche.

Am 30. Juli 1769 wird mitgeteilt, daß das Konsistorium Anweisung gegeben hat, mit den Kirchenältesten und der Gemeinde zu verhandeln wegen der Ausmalung und dem Anstreichen der Kirche. Das Presbyterium ist wohl damit zufrieden.

Der Schreinermeister Mohr reicht für die Ausbesserung der Bänke und Stühle und Anfertigung einiger Läden eine Rechnung von 18 Gulden ein. Das Presbyterium ist aber am 7. März 1770 der Meinung, er könnte mit 12 Gulden zufrieden sein. Am 5. Juli 1770 nimmt der Kirchenbaumeister 22 Gulden aus der Kirchenbaulade, um den Handelsmann Buchtal zu bezahlen.

In Anwesenheit des Rechnungsprüfers Gerstung, der Schultheiß Caspar Schales, des Kirchenältesten Philipp Schales, des Gerichtsmanns Peter Brosch, des Bürgermeisters (=Rechnungsführer) Kaspar Weber und des Pfarrers Kühn werden am 13. August 1771 die Kosten für die Kirchenerneuerung in den Jahren 1767 bis 1771 aufgestellt und mit Belegen bewiesen. Dabei wird unterschieden, was die Kirchenbaukasse bezahlt hat und was die Gemeinde. Der Rechnungsprüfer Gerstung nimmt die Unterlagen gleich mit nach Hanau.

 

Es folgt dann eine tabellarische Übersicht über die Kosten in Höhe von 892 Gulden 9 Albus 4 Pfennige. Die Gemeinde trägt davon 470 Gulden 23 Albus. Das Geld erhielten (die Handwerker müssen nicht alle aus Hochstadt sein) Ziegler Weber (zweimal), Handelsmann Reiner, Handelsmann Bechtel ( zweimal), Handelsmann Dietrich, Steindecker Eller (zweimal), Steinhauer Bauer, Maurer Becher, Zimmermann Hofmann, Zimmermann Lehr, Schmied Bornkessel (zweimal), Schmied Becker (zweimal), Bender Meerbott (zweimal), Kutscher Suppes (zweimal), Zinngießer, Spengler Schefler, Weißbinder Sauer (dreimal), Ziegler Koch, Glaser Geisel, Schlosser Muffay und Schreiner Mohr.

Dazu kommen Mauersteine für 47 Gulden. Um Platz zu gewinnen für die Stützpfeiler müssen Gräber ausgegraben werden; das kostet auch wieder 13 Gulden. Außerdem werden gezahlt an Lehrer Braun 5 Gulden 7 Albus und an den Rechnungsprüfer Gerstung 4 Gulden 10 Albus. Für drei Wege nach Hanau wird ein Gulden gezahlt, die Trinkgelder betragen immerhin 12 Gulden 28 Albus und die Unkosten beim Aufsetzen der Rechnung sogar 5 Gulden 5 Albus. Für den neuen Kirchensitz für Schultheiß Weber werden im April 1775 über 9 Gulden ausgegeben.

Am 14. März 1775 wird bekannt, daß das Konsistorium angeordnet hat, daß zwischen der bürgerlichen Gemeinde und der Kirchenbaukasse abgerechnet wird über die jeweiligen Kosten bei der Erneuerung der Kirche in den Jahren 1767 bis 1771. Die Schulden der Gemeinde werden (nachdem sie schon über 61 Gulden bezahlt hat) auf über 114 Gulden festgesetzt. Es unterschreiben der Schultheiß Johan Caspar Schales, die Gerichtsmänner (= Gemeindeverordneten) Daniel Burger und Peter Hatzmann und die Kirchenältesten Philipp Kauß und Andreas Burger sowie der Pfarrer.

 

Im April 1792 wird über die Reparatur des Chors der Kirche gesprochen. Besonders das Dach verfällt immer mehr, das Holz droht in Fäulnis überzugehen. Man will wieder beim Konsistorium vorstellig werden, weil Kurmainz für die Reparatur zuständig ist. In einem Nachtrag heißt es: Das Dach des Chors ist auf Mainzer Rechnung durch den Maurer Dimer aus Kesselstadt umgedeckt und frisch mit Kalk verstrichen worden.

 

Am 12. Juli 1800 findet ein Gefecht zwischen den kurmainzer und den französischen Truppen statt. Als die Mainzer sich zurückziehen, werden die Fenster am Chorraum der Kirche sehr zerschossen. Einstweilen soll das Geld aus der Kirchenbaukasse bezahlt werden. Aber wenn die kurmainzer Behörde nicht zahlt, dann soll der Ertrag des kommenden Jahres aus den Mainzer Gütern beschlagnahmt werden. Für die Fenster im Schiff der Kirche ist aber die Gemeinde zuständig. Sie werden im Oktober durch den Glasermeister Rommel aus Hanau repariert.

 

Im Jahre 1819 werden die reformierte und die lutherische Kirche im Bereich Hanau vereinigt. Dadurch kann die lutherische Kirche in Hochstadt verkauft werden. Die reformierte Kirche wird 1818 mittels des Inneren der lutherischen Kirche ausgebessert und verschönert. Aber man muß ja auch in der nun gemeinsamen Kirche die Empore erweitern, um Platz für die ehemaligen Lutheraner zu schaffen.

 

Im Juni 1819 wird von den Schreinern Stein und Alt aus Hochstadt und Fischer aus Wachenbuchen je ein Kostenvoranschlag eingereicht über die Erweiterung der Emporen, die an das Konsistorium weitergereicht werden. Am 24. Juli 1819 wird der Bauvertrag geschlossen zwischen den Schreinern Andreas Stein und Peter Alt und der Kirchenbaukasse: Die Schreiner führen die Arbeiten aus, die im Voranschlag genannt sind. Dazu kommen noch eine Orgeltreppe und Dielen. Der Lohn beträgt 270 Gulden.

Offenbar wird auch der Zimmermann Hensel beauftragt, denn am 12. August 1819 schreibt der Pfarrer an das Konsistorium: Die Schreinerarbeiten wurden den hiesigen Schreinern übertragen. Beim Abbrechen der alten Bänke ergab sich jedoch, daß die Unterlagen völlig verfault waren. Es waren aber nur fünf Floßtannen vorrätig („Floßtannen“ sind wohl mit einem Floß herbeigeführte Tannen), weitere zehn waren erforderlich. Sie sind durch den Zimmermann Hensel vom dem Handelsmann Deines für über 21 Gulden gekauft worden. Weil die Sache dringend ist, konnte die Genehmigung nicht vorher eingeholt werden. Die Späne hat der Lehrer für 2 Gulden 5 Albus gekauft, das alte Holz Daniel Wagner der Jüngere.

 

Mit dem Weißbinder Birr aus Hanau wird im Juni 1819 ein Vertrag geschlossen über das Weißen der Kirche und Streichen aller Holzteile mit Ölfarbe zum Preis von 300 Gulden. Die Schreinerarbeiten belaufen sich auf 270 Gulden, weil sich beim Abbruch der Bänke herausstellt, daß auch die Dielen erneuert werden müssen. Die Arbeiten von Schreiner, Zimmermann, Schlosser und Schmied kosten 490 Gulden. Am 19. September 1819 werden verschiedene Handwerker bezahlt: Schreiner Stein 124 Gulden, Maurer Bauer 23 Gulden 20 Kreuzer (von 1817), Zimmermann Hensel für die Unterlagen der Bänke 22 Gulden. Dem Maurer Bauer werden 1 Gulden 20 Kreuzer abgezogen, weil er für das Wegschaffen des Schutts („Kummer“) aus der Kirche zu viel angesetzt hat.

Es werden dann noch die Fenster ausgebessert und gereinigt. Nur den Chor spart man aus, weil den „die Herrschaft“ bezahlen soll (Patron ist jetzt nicht mehr Mainz, das als weltliche Macht nicht mehr existiert, sondern der Staat, vertreten durch die Hanauer Verwaltung). In einem Brief an das Konsistorium wird darum gebeten, daß die fürstliche Rentkammer die Kosten für die Ausbesserung der Fenster im Chorraum der Kirche übernimmt.

Ende Januar 1820 rügt das Konsistorium die 4 Gulden Zehrgeld bei der Abholung des Bauholzes. Es will wissen, wozu das Bauholz gebraucht wurde, wieviel Fronfuhren dazu gebraucht wurden und wie viele wirklich erforderlich waren. Wie die Kirchenältesten und der Zimmermann sich erinnern handelte es sich um die elf oder zwölf Stück Bauholz Floßtannen. Sie waren über den Main herbei geflößt und mit Pferdewagen nach Hochstadt gebracht worden. Zur Abholung waren zwei Wagen erforderlich, die aber noch zusammengespannt wurden. Auch der Zimmermann, der das Holz ausgesucht hat, hat etwas von der Verpflegung („Zehrung“) erhalten. Im Februar 1820 kauft Andreas Brosch für 2 Gulden die Abfälle von zwei Floßtannen. Ende Oktober bezahlt Lehrer Henning Holzspäne.

Die „Kastenzettel“ (= Kassenzettel) für die im Jahr 1819 vorgenommenen Bauarbeiten werden am 26. März 1820 vorgelegt. Am 28. Oktober 1820 werden die „Kastenzettel“ aus dem Jahre 1819 an das Konsistorium eingesandt. Es sind die Handwerkerrechnungen für die Erneuerung der Kirche. Das Konsistorium muß noch die Zahlungsverfügung geben. Wegen der hohen Ausgaben für die Reparatur der Kirche und der Orgel bittet das Presbyterium am 16. April 1820 das Konsistorium, ihm doch alle außerordentlichen Lasten zu erlassen.

 

Auf Tagelohn haben im Sommer 1820 an der Ausbesserung der Kirche gearbeitet: Zimmermeister Hensel an der neuen Orgelempore (zwei Tage mit vier Mann, einen halben Tag mit zwei Mann), Maurermeister Andreas Bauer beim Legen der Platten im hintersten Teil des Chorraums (eineinhalb Tage mit zwei Mann, am ersten Tag noch mit zwei Lehrlingen).

 

Maurermeister Bechert liefert die Platten für den vorderen Teil des Chorraums (ein halber Tag mit vier Mann), Schreinermeister Alt bessert die hinteren Bank im Chorraum aus (mit seinem Gesellen zwei Tage). Außerdem wurden noch gebraucht zwei starke Floßtannen und Bretter für die Orgelempore. Während der Bauarbeiten bis Herbst 1820 benutzt man die lutherische Kirche.

 

Ab 1828 diskutiert man über eine Brandversicherung für die Kirche. Der Pfarrer verlangt, daß das Kartoffelkraut (!), die Bohnenstangen und was sonst noch so herumliegt, sofort entfernt werden. Im Jahre 1838 wird dann der Chor der Kirche versichert. Eine Treppe wird 1843 in der Kirche hergestellt. Im Jahre 1846 wird die Kirche erneut mit Ölfarbe gestrichen. Am 25. August 1850 schlägt der Pfarrer das Weißen der Kirche vor und den Anstrich der Frauenbänke, der Emporen und der Kanzel mit Ölfarbe. Das Tünchen der schadhaften Stellen soll wegen der vorgerückten Jahreszeit sofort erfolgen. Auch 1851 gibt es für mehr als 236 Gulden einen Neuanstrich der Kirche, bei dem Altar, Kanzel und Orgel vergoldet werden. Am 8. Dezember 1885 kann man sich über die Erneuerung der Fundamente der Kirche nicht schlüssig werden. Aber eine Feuerversicherung für die Kirche wird weiter in Erwägung gezogen.

 

Am 9. Juni 1890 schlägt der Pfarrer vor, für die Kirchenvorsteher einen abgetrennten Kirchplatz einzurichten. Diese Bank war bis zur Erneuerung der Kirche im Jahre 1967 gleich rechts von der Seitentür. Sie war durch verschiebbare Gitter von der Kirche abgetrennt, so daß die Kirchenvorsteher zwar nach draußen sehen konnten, aber von draußen nur schwer erkannt werden konnten.

Am 9. Juni 1890 wird die Herstellung einer dritten Tür in der Kirche vorgeschlagen. Auf Antrag des Pfarrers werden am 21. August 1890 neue Kirchentüren bestellt. Am 23. Januar 1891 macht der Pfarrer den Vorschlag, statt einer dritten Kirchentüre die Treppe zum Ausgang so zu verbreitern, daß zwei bis drei Personen nebeneinander gehen können. Der Vorschlag des Pfarrers, eine breitere Treppe einzubauen, wird genehmigt. Also verbreitert man nur die Treppe an der Westseite und spart so die Tür.

Aber nun muß die westliche Kirchentür ein neues Gewände erhalten. Herr Baurat Arnold aus Hanau soll eine Skizze und einen Kostenvoranschlag anfertigen. Die Gemeinde soll die Maurerarbeiten bezahlen. Am 4. Februar 1892 werden die Zeichnung und der Kostenvoranschlag für bauliche Veränderungen an der Kirche, aufgestellt von Bauführer Müller, vorgelegt. Das große Presbyterium ist mit der Ausführung der Arbeiten einverstanden (ausgenommen die Anlegung von Schläuchen?).

Im März 1892 genehmigt das Konsistorium die Zeichnung, nur der Vorbau soll weggelassen werden und die Orgel soll aus dem Chorraum entfernt werden. Doch das große Presbyterium ist mit den Auflagen des Konsistoriums nicht zufrieden. Wenn auch die Ausführung des Kirchenumbaus wünschenswert wäre, so ist das Presbyterium doch bereit, auf sie zu verzichten. Es erklärt sich nicht bereit, die Orgel aus dem Chorraum der Kirche zu entfernen, weil dann (auf der Empore) kein Platz für die Burschen der Gemeinde wäre. Dennoch wird das Konsistorium noch einmal gebeten, einzelne Punkte des Plans zu genehmigen. Dafür wäre es auch bereit, auf andere Punkte zu verzichten.

 

Am 6. April 1892 schreibt das große Presbyterium an das Konsistorium: Die Entfernung der Orgel aus dem Chorraum ist wegen Mangels an Raum zur Unterbringung derselben nicht zu empfehlen. Wenn die Ausmalung der Kirche nur genehmigt wird, wenn auch die Orgel versetzt wird, verzichtet das Presbyterium auf die geplanten Arbeiten. Es bittet aber um Genehmigung der Punkte 17 und 22 und 27 bis 34 des Kostenvoranschlags.

 

 

Das Konsistorium genehmigt im Mai die Reparatur der Kirche. Die Farbmuster für Wände, Decken, Holz und Rippen werden am 4. Juli 1892 dem Presbyterium vorgelegt und dazu bemerkt, daß sie von der Behörde vorgeschrieben sind. Bauführer Müller soll über die auszuführenden Arbeiten zu Rate gezogen werden.

Am 15. August 1892 werden die Angebote der Handwerker geöffnet. Folgende Arbeiten werden vergeben: Abbruch der Bänke und des Fußbodens an Zimmermann Johannes Hensel III. für 10 Mark, die Maurerarbeiten wie Trittstufen und Platten an Maurer Jacob Bauer IV. für 77 Mark, Herstellung einer neuen Treppe zur Empore am Zimmermann Johannes Hensel III., für 320 Mark, die Dielung der nordwestlichen Ecke der Kirche und Herstellung einer neuen Lamberie zum Preis von 4,50 Mark pro Quadratmeter an Schreiner Valentin Burger. Die Weißbinderarbeiten werden an Johannes Bechert übertragen, der sie für 32 Prozent unter dem Kostenvoranschlag ausführen will, also zum Preis von 1.288 Mark. Wegen der Ausmalung des Chorraums soll aber noch der Rat eines Fachmanns eingeholt werden.

Am 25. September 1892 werden Einzelheiten der Ausmalung der Kirche besprochen, zum Beispiel die Vergoldung des Altars. Das alte Holz soll verkauft werden. Die Orgel soll durch Orgelbauer Ratzmann durchgesehen werden. Eine neue Kanzelbekleidung wird angeschafft. Auch die Anschaffung zweier neuer Altardecken und neuer Altarlichter wird erwogen. Eine neue Kniebank für die Konfirmation wird angeschafft. Die Kosten für die Erneuerung der Kirche werden durch den Verkauf preußischer Staatsanleihen bestritten. Die Rechnungen für die Erneuerung der Kirche belaufen sich im Februar 1893 auf: Weißbinder Johannes Bechert 1.398 Mark, Zimmermann Hensel 369 Mark, Maurer Jacob Bauer 100 Mark, Schreiner Valentin Burger 257 Mark.

Im Juli 1894 wird die bürgerliche Gemeinde zur Reparatur des nördlichen Kirchendachs und der Schutzdächer über den Kirchentüren aufgefordert. Auch wird ein Neu-Anstrich der Kirche von außen beantragt. Im September soll der Maurer Bauer einen Stein („Tonstein“?) an der Kirche herstellen

 

Man erwägt auch einen Vorbau für die Tür an der Westseite, baut dann aber 1901 die Doppeltüren mit Glas ein. Die Außentüre wird also auch erneuert. Die Zeichnung dafür macht Baurat Becker aus Hanau, gefertigt wird sie von Valentin Burger aus Hochstadt. Im gleichen Jahr wird auch erwogen, einen zweiten Ausgang aus dem Kirchhof zu brechen, damit die Kirchenbesucher nicht eingesperrt werden, falls einmal etwas mit dem Turm geschieht.

Durch den Einbau der inneren Glastüre am Westeingang sind die Plätze für die Lehrerfrauen weggefallen. Deshalb soll im November 1901 der Platz Nummer 26, der bisher der „Trau­ungs­sitz“ war, an die Lehrerfrauen überwiesen werden, weil er nur bei Trauungen benutzt wird. Allerdings heißt es im Januar 1902: Da man noch nicht weiß, ob nach Aufstellung eines zweiten Ofens noch ein Zugang zu den bisherigen Sitzen der Lehrerfrauen möglich ist, sollen die Sitze vorläufig ihnen noch nicht zugeschrieben werden (Kirchhof / Kirchgarten).

 

Ende 1904 hält man die Bänke für die alten Männer für zu eng. Sie sollen durch den Schreiner Burger erweitert werden. Diese Bänke waren wahrscheinlich unten im Schiff, weil doch die Bänke auf den Emporen erst erweitert worden waren. Am 15. Juni 1906 gibt der Pfarrer seinem Unwillen über den Diebstahl eines Huthakens auf der Männerempore vor dem hintersten Fenster Ausdruck.

 

Im März 1907 ist das Fenster im westlichen Giebel der Kirche zerbrochen. Der Bürgermeister wird einen eisernen Rahmen herstellen und mit neuen Scheiben versehen lassen, entsprechend den übrigen Fenstern. Im September ist das neue Kirchenfenster fertiggestellt. Im April 1907 soll noch das Altargeländer aufgebessert werden.

Entsprechend einem Erlaß im Amtsblatt vom November 1907 soll ein Maurer in jedem Frühjahr und Herbst den Zustand der kirchlichen Gebäude überprüfen. Im März 1908 überprüfen dann auch Maurermeister Bauer und Zimmermeister Walzer die kirchlichen Gebäude.

Der Bürgermeister überträgt dem Zimmermeister Walzer die Reparatur eines verfaulten Balkens am Kirchendach und die Anbringung von Leisten am Turmdach an der Westseite. Der Bürgermeister will auch noch zum Besteigen des Kirchenbodens eine Leiter in der Sakristei anbringen lassen.

Anfang 1908 möchte der Pfarrer unbedingt eine zweite Tür am Kirchhof haben, denn wenn durch ein Unglück am Turm der einzige Ausgang versperrt wäre, könnte die Gemeinde auf dem Kirchhof eingeschlossen sein.

Im Mai 1908 werden im großen Presbyterium die Ziegel, die für die Neudeckung des nördlichen Kirchendaches vorgesehen sind, vorgezeigt. Im August 1908 beschließt die Gemeindebehörde, daß das nördliche Kirchendach neu gedeckt werden soll. Baurat Becker soll den Kostenvoranschlag des Maurers Heinrich Bauer überprüfen. Im September wird gefordert, daß die Neudeckung des nördlichen Kirchendaches beschleunigt werden muß, weil der Regen schon geschadet hat.

Das Gitter im „Bräutigamsstuhl“ der Kirche und der hintere Teil des „Taufstuhls“ sollen im Juni 1908 herausgenommen werden, weil es dort so dunkel ist, daß man nicht lesen kann. Im Bräutigamsstuhl soll in Zukunft auch ein Teil der konfirmierten Jugendlichen bei der Kinderlehre stehen.

Im August 1913 wird festgestellt, daß das Dach über dem Südeingang der Kirche reparaturbedürftig ist. Die bürgerliche Gemeinde soll unterrichtet werden. Sie soll auch an ihre Baupflicht in Bezug auf den Chor der Kirche erinnert werden.

Im August 1913 soll ein Vorhang für das Fenster südlich des Altars angeschafft werden.

Am 28. September 1913 beklagt sich der Pfarrer darüber, daß bei dem Manöver ohne sein Wissen und seinen Willen Soldaten den Turm bestiegen hätten, um von dort aus abends Lichtsignale zu dem Kirchturm in Fechenheim zu geben; er betont, über die kirchlichen Gebäude habe nur der Kirchenvorstand und in Eilsachen der Pfarrer zu verfügen. Als aber an den Pfarrer der Wunsch herangetragen wurde, daß am 18. Oktober ein Chor vom Turm Choräle blasen solle, stimmt das Presbyterium am 28. September 1913 zu. Aber ein Kirchenältester soll die Aufsicht übernehmen und das Anschlagen der Glocken verhindern. Das Tor des Kirchhofs wird im Dezember 1925 durch Schreiner Klees repariert.

 

Wegen des Anstrichs des Inneren der Kirche sollen schon im August 1927 Vorverhandlungen geschehen. Von der politischen Gemeinde soll im April 1930 die Instandhaltung des Vordachs der Kirche gefordert werden. Im Jahr 1930 plant an, das Innere der Kirche im Jahre 1931 zu renovieren. Doch am 18. Mai 1931 muß die Innen-Erneuerung der Kirche wegen der wirtschaftlichen Notlage zurückgestellt werden.

Auf der Empore für die jungen Männer ist an der Nordseite eine Stelle, wo die Schutzbrüstung fehlt. Damit dort niemand hinunterstürzt, soll im Februar 1932 eine Brüstung angebracht werden. Die Mitteltür soll mit einem automatischen Türschließer versehen werden, die westliche Türe soll an kalten Tagen geschlossen bleiben.

Auf dem Kirchhof soll im Juli 1932 vom Kirchberg her nach dem Westausgang zu eine Wasserleitung mit Zapfstelle angelegt werden.

Obwohl das Landeskirchenamt eine Innenerneuerung der Kirchen anmahnt, bestätigt man am 10. Januar 1932 den Beschluß, sie in Hochstadt zunächst zurückzustellen. Zwar hat der Kirchenbaurat die Kirche besichtigt, um wegen der stilgerechten Ausführung der Arbeiten zu beraten. Dabei wurde manche Arbeit aber nur als wünschenswert empfohlen und viele nebensächliche Dinge erwähnt, die aber doch hohe Kosten verursachen. Deshalb will der Kirchenvorstand doch selber entscheiden, welche Arbeiten notwendig sind.

Der Ortsausschuß für Heimatpflege regt im April 1933 an, den Kirchhof und die Kirche tagsüber für Besucher offen zu lassen. Der Kirchenvorstand lehnt das aber ab, weil bei dem unübersichtlichen Kirchhof dem Unfug von Kindern Tür und Tor geöffnet würde. Eine Tafel am Kirchentor soll aber darauf hinweisen, daß der Schlüssel beim Kirchendiener zu haben ist.

Von der Notwendigkeit der Kirchenrenovierung ist der Kirchenvorstand auch im Oktober 1933 noch überzeugt, doch es kann nichts beschlossen werden, ehe nicht die Geldbeschaffung geklärt ist. Doch am 30. Oktober 1933 wird die Innenrenovierung der Kirche beschlossen, wenn die Kosten von 5.700 Mark sich nicht nachträglich erhöhen und ein Zuschuß oder ein Darlehen zu erhalten ist und wenn der Staat („Fiskus“) 3.100 Mark für den Chor übernimmt.

Im November 1936 will man noch einmal mit dem Regierungsbaurat Rücksprache nehmen, damit die Kirche im Jahre 1937 innen erneuert werden kann, nachdem bisher keine Antwort aus Kassel kam auf den Antrag aus Hochstadt.

Die Ausmalung des Inneren der Kirche ist im September 1937 genehmigt, jedoch müsse erst die äußere Instandsetzung durch die Gemeinde erfolgen. Diese könnte jedoch erst 1938 einen Betrag einplanen. Deshalb Regierungsbaurat Tuscek aus Hanau, der die Bauleitung übernommen hat, mit Bürgermeister Stein abgesprochen, daß aus dem Kirchenbaufonds eine Summe von 3.200 Mark zur Verfügung gestellt wird, die im nächsten Jahr zurückgezahlt wird.

Der Regierungspräsident hat im Juli 1938 auf den Antrag auf eine Beihilfe von 3.000 Mark für die Innenerneuerung der Kirche noch nicht geantwortet. Nach Beratung mit dem Landeskonservator wird am 3. September 1939 (nach Beginn des Krieges!) über das Innere der Kirche beschlossen:

1. Die Orgel wird aus dem Chorraum auf die westliche Empore im Mittelschiff versetzt

2. Die Empore im südlichen Kirchenschiff wird zwecks Freistellung der Säulen zurückverlegt

3. Die neue Orgelempore wird um 1,25 Meter zurückverlegt und verlängert bis zur nördlichen

Außenwand und dann umbiegend bis an das nördliche Mittelfenster.

4. Alle elektrischen Leitungen werden unter Putz gelegt.

5. Die Pfeiler und Bogen werden in Rot angestrichen, die Felder in Weiß.

6. Die Bänke des Gestühls werden um 7 bis 10 Zentimeter verbreitert.

Offenbar wird wenigstens die Orgel versetzt, denn am 4. Februar 1940 heißt es: Die Treppe zur alten Orgelempore soll verkauft werden

Unter der vordersten Bank der Empore sollen im September 1941 Bretter angebracht werden, damit man seinen Hut unter der Bank unterbringen kann. Auf den hinteren Bänken können keine Huthaken eingeschraubt werden, weil dort keine Sperrholzplatten, sondern massive Bretter verwendet wurden (?).

 

In der Kirche werden im September 1942 zum Luftschutz 20 Tüten mit Sand aufgestellt und eine Spritze und zwei Feuerpatschen wurden beschafft. Weiterhin sollen zwei Bottiche mit Wasser und zwei Eimer bereit gestellt werden.

Der Bürgermeister soll veranlaßt werden, die Kirche von der direkt neben der Kirche untergebrachten Brandwache betreuen zu lassen; dafür sollen die Kirchhofstüre und die Kirchentüre abends offen gehalten werden.

Am 5. Januar 1947 will man die im Jahre 1940 abgebrochenen Renovierungsarbeiten möglichst bald fortführen, auch wenn bei der bald zu erwartenden Währungsumstellung der Kirchenbaufonds sich verflüchtigen wird. Der Kirchenvorsteher Justus Hartmann regt an, in dem Beutelager am Bahnhof Metall zu kaufen zur Wiederbeschaffung der beiden im Krieg beschlagnahmten Kirchenglocken.

Weil man eine neue Geldentwertung befürchtet, will man im September 1950 die vorhandenen Gelder des Kirchbaufonds bald verwenden. Deshalb erscheint die Renovierung der Kirche im Inneren eine vordringliche Aufgabe zu sein. Es sind aber zur Zeit nur 4.000 Mark verfügbar.

Die Erneuerung des Gestühls wird nicht möglich sein, höchstens eine Verbreiterung der Sitzflächen und ein Neu-Anstrich. Im Chorraum sollte das Gestühl neu erstellt werden, auch der Einbau zweiter Register in der Orgel wäre noch in Erwägung zu ziehen.

Die Firma Hetterich in Gelnhausen soll im Juli 1955 die sechs großen Fenster in der Kirche erneuern. Dazu soll die sich mit dem Architekten Schäfer in Verbindung setzen und ein Probefeld liefern. Die 2.580 Mark für die sechs Fenster in der Kirche können im Oktober 1955 aus der Kirchenkasse bezahlt werden.

Im Jahr 1956 soll das Gestühl im Kirchenschiff erneuert werden. Dabei soll auch die Heizungsanlage überholt werden. Auf Wunsch des Landeskonservators soll eine neue Beleuchtungsanlage eingebaut werden, die auf 14.000 Mark geplant ist. Die Empore vor der Orgel soll verbreitert werden, damit der Kirchenchor dort Platz hat.

Anfang 1957 sind die neuen Bänke fertig und werden von Weißbindermeister Strohl geölt (gemeint ist wohl „mit Ölfarbe gestrichen’“). Im März werden Probelampen für die Kirche besichtigt. Nach den Ratschlägen des Landeskonservators und des Architekten Schäfer sollen sie vom Elektriker Maienschein eingebaut werden. Der Kirchenmaler Velte soll im Juni 1957 mit der Leitung der Malerarbeiten in der Kirche beauftragt werden. Die Weißbinder Strohl und Heckert sollen für fast 7.000 Mark die Malerarbeiten übernehmen.

Der Kirchenvorstand beschließt am 27. März 1957, die Baulastverpflichtung für den Chorraum der Kirche durch eine einmalige Zahlung von 7.440 Mark durch den Hessischen Staat ablösen zu lassen (Durch diese Ablösesummen hat die Kirchengemeinde wenigstens noch etwas davon gehabt, denn im Jahre 2004 hätte sie vertraglich sowieso auf all diese Rechte verzichten müssen).

 

Im Jahre 1961 wird das Kirchendach nach dem von kirchlichen Baupfleger Doll geprüften Voranschlag von der Firma Züngerle repariert. Im August 1962 wird eine Firma aus Lampertheim mit der Bekämpfung der Nagekäfer beauftragt (Preis: 8.000 Mark). Anfang 1962 werden für die Kirche 5 bis 6 neue Liedertafeln angeschafft. Auch 1968 werden wieder fünf neue Liedertafeln mit je sechs Zeilen angeschafft.

Anfang 1963 werden für 4.730 Mark die Sandsteinplatten vor der Kirche von der Firma Zeller verlegt. Staubsauger und Rasenmäher werden 1964 angeschafft. Auch wird eine zweite Altardecke angeschafft. Die Altarstufe in der Kirche erhält 1967 einen Teppich mit Schaumstoffunterlage.

Mit dem Bürgermeister wird 1967 über die Schaffung von Parkplätzen für die Kirchenbesucher verhandelt. Das Landeskirchenamt fordert einen Finanzierungsplan für Parkplätze für Kirchenbesucher. Es wird ein Endpreis der Firma Kellermann aus Hanau von 17.144,75 Mark genannt (Es handelt sich wohl um den Parkplatz südlich des ehemaligen Pfarrhauses). Das Landeskirchenamt wird um Genehmigung und Vertragsentwurf mit der bürgerlichen Gemeinde gebeten.

 

Mit dem Beginn der Amtszeit des Pfarrers Langheinrich 1967 geht man im großen Stil an eine Neugestaltung der Kirche. Er soll Vorschläge für die Gestaltung und Bestuhlung des Chorraums der Kirche einholen. Im Juni 1967 wird der Architekt Doll beauftragt, ein Angebot über Ausmalung, Heizung, Renovierung der Sakristei, Bestuhlung des Chorraums und Liedertafeln einzuholen. Im Juli 1967 werden verschiedene Angebote für eine Erneuerung der Heizungsanlage in der Kirche eingeholt. Der Bau der Kirchenheizung soll in zwei Abschnitte aufgeteilt werden. Die Firma Esch soll um eine Verkürzung der Lieferzeit gebeten werden. Gleichzeitig mit dem Einbau der Heizung soll der Schuppen am Kirchturm abgerissen werden, die Gemeinde Hochstadt wird deswegen verständigt.

 

 

Im September 1967 werden die Arbeiten in der Kirche vergeben: Die Heizung an die Firma Esch (Dannheim?), Maurerarbeiten Firma Kellermann (Hanau), Malerarbeiten Firma Wölfel (Langenselbold), Elektroarbeiten Firma Jost (Hochstadt), Sandsteinplatten Firma Umscheid (Dorfprozelten) und Asphaltarbeiten Firma Deutsche Asphalt (Frankfurt). Die Schreinerarbeiten und Parkettarbeiten werden neu ausgeschrieben. Am 3. Dezember 1967 werden die von Herrn Doll vorgelegten Türentwürfe für die Kirche gutgeheißen und sollen von der Firma Schmitz hergestellt werden. Die Westtüre öffnet sich nach außen, die Südtüre nach innen. Über die Windfangtüren wird an Ort und Stelle beraten. Für die Freilegung und Restaurierung der Malereien in der Sakristei soll die Firma Wölfel einen Kostenvoranschlag vorlegen.

Anfang 1968 soll Herr Doll eine Aufstellung der zusätzlichen Arbeiten in der Kirche machen, damit sie vom Landeskirchenamt genehmigt werden können. Im Februar besichtigen der Kirchenbaumeister Kehn (?) aus Kassel und Frau Lünenschloß vom Landesdenkmalamt in Wiesbaden die Kirche.

Im Mai 1968 sollen 40 Geflechtstühle mit Gesangbuchablage beschafft werden. Rechts neben der Orgel sollen neue Bänke aufgestellt werden, die möglicherweise transportabel sind. Über die Erneuerung des gesamten Gestühls auf der Empore soll später verhandelt werden. In der Sakristei soll eine Zugtreppe eingebaut werden.

Für den kleinen Wandschrank in der Sakristei soll Ende des Jahres ein Gitter angefertigt werden. Für 825 Mark soll die Firma Schmitz einen Wandschrank in der Kirche einbauen. Der von der Firma Umscheid ohne Auftrag gelieferte Opferstock wird behalten, aber erst im nächsten Rechnungsjahr bezahlt (daraus geht hervor, daß zumindest ein Opferstock erst neu ist).

Im Jahr 1970 werden in Kirche (und Jugendheim) insgesamt vier Feuerlöscher angebracht. Die Schäden an der Kirchenheizung werden von der Firma Hill beseitigt, mit Herrn Hill wird ein Wartungsvertrag über die Kirchenheizung abgeschlossen. Für die Anschaffung eines neuen Rasenmähers werden 1.100 Mark zur Verfügung gestellt.

 

In die Kirchenheizung wird im Mai 1971 ein Luftfilter eingebaut. Die Heizungsanlagen in der Kirche und im Pfarrhaus werden nicht dem Sammelvertrag des Kirchenkreises mit der Firma Braun (Großauheim) angeschlossen.

Im Jahr 1972 soll die Restaurierung des Chorraums der Kirche durch Maler Wölfel erfolgen.

Für die Innenrenovierung des Chorraums der Kirche soll Mitte 1973 ein neuer Kostenvoranschlag gemacht werden. Daraufhin erhält die Firma Wölfel für 5.425 Mark den Auftrag, den Chorraum der Kirche nach Malereien zu untersuchen. Ende des Jahres heißt es aber, die Restaurierungsarbeiten im Chorraum der Kirche sollen 14.019,30 Mark kosten. Dafür sollen Beihilfeanträge an die Gemeinde Hochstadt, das Landeskirchenamt und den Landeskonservator gestellt werden. Anfang 1974 wird für die Restaurierung des Chorraums der Kirche ein Finanzierungsplan aufgestellt. Zuschüsse geben die bürgerliche Gemeinde (3.000 Mark), das Landeskirchenamt (3.000 Mark), der Landeskonservator (4.000 Mark).

 

Ende 1972 wird für die Sakristei ein neuer Schrank zur Aufbewahrung der Einzelkelche angeschafft. Auflagen für die Sitzbänke werden 1972 und 1973 angeschafft. Im Jahre 1974 bauen die Firmen Kellermann und Schröder eine Wasserleitung in die Kirche. Mitte 1975 wird eine Leitungswasserversicherung für Kirche und Pfarrhaus und eine Sturmschadenversicherung abgeschlossen werden.

Die Firma Schönvandt erhält im September 1975 den Auftrag, für 646,20 Mark Lampen für den Chorraum der Kirche zu liefern. Die Firma Foto-Schneider wird im März 1977 beauftragt, tausend Fotografien des Chorraums der Kirche im Format 13 mal 18 Zentimeter zum Preis von 1.000 Mark zu liefern.

 

Im Haushaltsplan für 1977 werden für die Restaurierung der Kanzel 3.500 bis 4.000 Mark vorgesehen. Weiterhin wird vorgesehen eine Beihilfe für die Reparatur des an den Kirchhof angrenzenden Daches (2.000 bis 3.000 Mark). Aber im April 1978 muß die Familie Seibel, Hauptstraße 2, aufgefordert werden, den durch den Abbruch verursachten Schutt am Kirchhof zu entfernen.

Bei der Stadt Maintal wird die Außenrenovierung der Kirche für das Jahr 1979 beantragt, weil diese die Baulastverpflichtung hat. Der arbeitslose Heinz-Günther See wird Ende 1977 unter Inanspruchnahme von Arbeitsbeschaffungsmitteln für fünf Monate als Maler und Lackierer angestellt. Herrn Heinrich Leis aus Bischofsheim wird Ende 1977 gestattet, einen Nistkasten für Eulen im Kirchenboden aufzustellen. Der Kirchenvorstand beabsichtigt im Oktober 1978 nicht, eine Lautsprecheranlage für die Kirche anzuschaffen.

 

Heizung:

Anfang 1887 wird eine Heizung in die Kirche eingebaut. Diese besteht allerdings zunächst nur aus einem Kohleofen, den die Firma Wilhelm Bock aus Hanau für 182 Mark liefert und in die Kirche setzt. Der Ortsdiener Philipp Burger übernimmt die Bedienung des Ofens. Im Juni 1889 wird die Vergütung für die Heizung wird von 15 auf 20 Mark im Jahr erhöht.

Anfang 1901 soll alles unternommen werden, um die immer empfindlich kalte Kirche besser erwärmen zu können: Die zerbrochenen Fensterscheiben sollen ersetzt werden, die undichten Kirchentüren sollen repariert werden, eventuell Doppeltüren eingesetzt und ein zweiter Ofen beschafft werden.

Mit der Aufstellung eines zweiten Ofens in der Kirche will man im Oktober 1901 noch warten, weil die Anbringung eines Schornsteins am Westgiebel der Kirche nicht so leicht ist. Der Maurer Bauer soll einen Kostenvoranschlag einreichen wegen Schaffung eines Ausgangs aus dem Kirchhof gegenüber der westlichen Türe. Auch ein Hanauer Steinlieferant hat im November einen Entwurf für eine neue Türe und Treppe zum Kirchhof eingereicht. Wenn die Blasebälge aus der Sakristei entfernt sind, soll eine Treppe zum Dachraum der Kirche angeschafft werden.

Im Oktober 1904 muß ein neuer Kirchenofen angeschafft werden. Er soll aber nicht so groß sein, weil man ja vorhat, einen zweiten Ofen bei den Plätzen der alten Männer aufzustellen, wenn die Leitung des Rohrs durch ein Kirchenfenster möglich ist. Ende November wird aber doch ein größerer Ofen für die Kirche bestellt. Ende des Jahres entschließt man sich, doch zwei neue Kirchenöfen zu beschaffen, auch wenn dazu die Aufnahme eines Darlehens erforderlich ist. Ein Darlehen von 400 Mark soll bei der Landeskirchenkasse in Hanau aufgenommen werden. Im Juni 1905 liefert der Spenglers Bauer ein Rohr für den neuen Kirchenofen und zwei neue Ofenschirme für 83,60 Mark.

Der Kirchendiener Kaspar Burger erhält für die Bedienung des zweiten Ofens und für die Besorgung der Beleuchtung pro Winterhalbjahr 20 Mark. Am großen Kirchenofen müssen im Oktober 1924 die inneren Teile ersetzt werden, weil bei der Heizung der Kirchenraum von Rauch erfüllt ist.

Im April 1930 soll geprüft werden, welches System für eine Heizung der Kirche in Frage kommt. Die Heizung soll im Herbst eingebaut werden. Eine Gruppe des Kirchenvorstandes besichtigt im Juni 1930 die elektrische Kirchenheizung in Kilianstädten. Man hält auch in Hochstadt eine elektrische Fußbank-Heizung verbunden mit Fensterheizkörpern für das Praktischste, weil die Wärme dorthin kommt, wo sie gebraucht wird. Bei einer Ofenheizung müßten die Abzugsrohre in die Wände eingefügt werden. Auch eine Niederdruckdampfheizung würde wesentlich mehr kosten. Die Kilowattstunde bei einer elektrischen Heizung kostet 6 Pfennige, die Bänke können blockweise eingeschaltet werden. Man rechnet mit einem Kostenaufwand von 6.000 Mark.

 

Die Kirchengemeinde erhält aber keine Unterstützung für die geplanten Bauvorhaben. Sie hat noch ein Guthaben von 2.500 Mark. Der Rest der Kosten für die Heizung müßte durch eine Sammlung beschafft werden. Etwa 1.500 Mark sind im September 1930 bereits als Darlehen zugesagt. Oberingenieur Wild aus Frankfurt hält einen Vortrag über die elektrische Beheizung der Hochstädter Kirche. Er wird beauftragt, die Bedingungen für einen Vertrag mit einer Firma und eine Materialaufstellung zu machen.

Mit 5:4 Stimmen entscheidet sich der Kirchenvorstand am 8. Oktober 1930 für das Angebot der Firma O. Laakmann (Röhrenheizkörper) gegen die Firma Brown Boverie) (Fußbankflachheizkörper), weil das um 300 Mark billiger ist.

 

Beleuchtung:

Für eine ausreichende Beleuchtung der Kirche soll der Spengler Bauer im März 1901 die nötige Anzahl von Lampen liefern zum Preis von 11 Mark pro Stück; das Muster hat der Pfarrer bei Trapert in Hanau eingesehen.

Im November 1901 erhält der Spengler Bauer 138,62 Mark für die neuen Lampen in der Kirche. Im Jahre 1910 sollen von den gebrauchten Lampen in der Kirche zu Seckbach fünf Lampen für die Kirche in Hochstadt gekauft werden.

Die Kirche wurde ursprünglich mit Petroleum-Leuchten erhellt. Denn am 31. Januar 1915 heißt es, daß wegen Mangels an Petroleum die nächste Kriegsbetstunde vielleicht bei Kerzenschein wird stattfinden müssen. Der Pfarrer rügt, daß die früher benutzten hölzernen Wandarmleuchter spurlos verschwunden sind.

Wegen der elektrischen Kirchenbeleuchtung stellt der Pfarrer am 24. Oktober 1926 noch die Frage, ob die Herstellungskosten tragbar seien und ob bei den wenigen Abendgottesdiensten eine elektrische Beleuchtung den spärlichen Gottesdienstbesuch anheben würde.

Am 4. Juli 1928 wird eine Beleuchtung der Kirche erwogen. Die Leitungen würden 520,71 Mark kosten, die Armaturen 363,40 Mark und die Lampen etwa 50 Mark. Die Arbeiten sollen an den Elektriker Leis übertragen werden. Die Rechnung für die Kirchenbeleuchtung beläuft sich im März 1929 doch auf 1.261,46 Mark (Gottesdienstbesucher am 6. Juni 2010).

 

Der schönste Schmuck einer Kirche sind aber die Menschen, die dort zum Gottesdienst gehen. In der Regel ist in Hochstadt am Sonntag um 10 Uhr Gottesdienst und um 11 Uhr Kindergottesdienst. Lassen Sie sich einladen, nicht nur das Gotteshaus zu besuchen, sondern auch die lebendige Gemeinde von heute.

 

Pfarrhaus / Gemeindehaus

Das Grundstück Hauptstraße 9 war früher der Pfarrhof. Dort stand ein einstöckiger Fachwerkbau mit Stallungen, Scheune und Kel­terhaus. Diese Fachwerkbauten hatten die Kirchenpatrone - die Herren von Karben im Auftrag des Erzbistums Mainz - zu unterhalten. Doch sie waren meiste Zeit äußerst baufällig. Die Herren von Carben machten aber möglichst wenig daran machten. Im Jahre 1668 reisten die Kirchenältesten zum Konsistorium, um dort um ein neues Pfarrhaus zu bitten. Feldmann gibt 1683 als Baujahr des alten Pfarrhauses an, nennt aber keine Quelle. Der Eingang zum Gehöft war wahrscheinlich von Westen her (heute Straße „Am Pfarrhof

 

Schon 1722 muß unbedingt das Pfarrhaus repariert werden. Doch noch am 14. April 1733 klagt Pfarrer Eberhard: Das Haus ist so baufällig, daß der Pfarrer kaum weiß, welche Stube er mit seiner Familie bewohnen soll und wo er sein Vieh hintun soll. Das Fundament am Kelterhaus und die Mauer um den Hof verfallen immer mehr. Die Reparatur müßte unbedingt noch dieses Frühjahr erfolgen. Das Konsistorium bittet am 6. Mai 1733 die Regierung, eine Mahnung an die Kurmainzer Regierung zu schicken.

Die Antwort von Kurmainz kommt am 16. Juli 1733: Da nach dem Aussterben der Herren von Carben das Patronat (und der Zehnte) wieder an Mainz zurückgefallen ist, muß jetzt erst wieder eine Bestandsaufnahme gemacht werden. Die Zuständigkeit für das Pfarrhaus lehnt man ganz ab (Lageplan des Pfarrhauses von 1775).

Auch im Februar 1735 erinnert Pfarrer Eberhard an die Notwendigkeit der Reparatur des Pfarrhauses. Der Registrator Theobald übergibt am 28. September 1736 einen Kostenvoranschlag. Er soll an die Rentkammer weitergereicht werden. Am 28. November 1736 heißt es: Der Stadtbaumeister Löw hat mit dem Registrator Theobald das Pfarrhaus besichtigt.

Das Haus ist tatsächlich sehr baufällig: Die Fenster müssen verändert werden, ein Stück Wand ist am Wasserstein herauszubrechen, Schwellen sind zu erneuern, das Kellergestell ist zu machen, im Kelterhaus ist in der Stube ein Durchzug zu ziehen.

An der Scheune ist die Vorderwand und das Tor zu machen, mit Hebezeug anzuheben und der Schuppen neben der Scheune ist zu erneuern. Ebenso ist der Stall im Hof zu erneuern (7 Meter lang, 3 Meter breit und 2,70 Meter hoch) und in drei Ställe eingeteilt werden. Zum Garten und zum Nachbarn hin müssen Planken aufgestellt werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf über 88 Gulden. Das Holz einschließlich Fuhrlohn wird noch einmal über 9 Gulden kosten.

Im Kostenvoranschlag für die Maurerarbeiten vom 22. September werden weitere Punkte genannt: Die Brandmauer ausbessern, den Ofen abbrechen und zu erneuern, die hölzerne Kellertreppe durch ein steinerne ersetzen, in der hintersten Einfahrt ist das Tor zu erneuern. Die Mauer zum Nachbar Meerbott, wo das Kelterhaus steht, ist zu erneuern. Dazu kommen weitere Arbeiten an den Nebengebäuden. Insgesamt sind dafür über 102 Gulden anzusetzen. Die Mauer am Kelterhaus soll noch einmal 80 Gulden kosten.

Auch 1768 ist das Pfarrhaus in einem jammervollen Zustand: Das Dach ist schadhaft, die Fensterrahmen verfault, das Hoftor droht zusammenzufallen. Das Konsistorium gibt keine Antwort auf die Bitte um Genehmigung der Reparaturen. Unterhaltspflichtig sind die Herren von Karben bzw. der Erzbischof von Mainz. Steuern sind keine zu zahlen.

Auch 1770 werden viele Schäden am Pfarrhaus und an den Wirtschaftsgebäuden aufgezählt: Das Tor zur Straße und die Türen der Gebäude befinden sich in einem jammervollen Zustand und bilden eine Gefahr für die Vorübergehenden. Die Fenster sind schadhaft, vor die Gefache sind Bretter genagelt, der Zaun fällt um. Aus den Schilderungen geht hervor, daß Scheune, Schweinestall und Holzschuppen zu den Straßen hin standen.

Nach Mainz wird die flehentliche Bitte gerichtet, nun endlich etwas zu tun. Es kommt auch ein Kammer-Assessor und bestätigt die Angaben des Pfarrers. Zunächst soll alles erst einmal notdürftig ausgeflickt werden, die eigentliche Reparatur soll dann im nächsten Jahr erfolgen. Der Eingang zum Gehöft war wahrscheinlich damals von Westen her (heute Straße „Am Pfarrhof“).

Einen besseren Feuerschutz will der Pfarrer dann 1773 haben: An die Stelle der hölzernen Stangen im Schornstein sollen eiserne treten, ebenfalls eiserne Beschläge an den Türen, zwei Ledereimer und eine Feuerspritze. Außerdem will er eine Gesindestube haben, denn seine Familie müsse immer noch mit dem Gesinde an einem Tisch sitzen, das sei ihm peinlich.

Auch 1797 sind die Pfarrgebäude in einem schlechten Zustand. Im Jahre 1838 wird es samt Anbau, Scheune, Viehstall und Kelterhaus in die Brandkasse aufgenommen.

 

Deshalb baute man 1861 / 1862 das heutige Haus. Das einstöckige Fachwerkhaus wurde 1862 durch ein steinernes zweistöckiges Haus mit dem Eingang von der Hauptstraße her ersetzt. Das Haus ist sehr geräumig, weil es ja auch für eine große Pfarrfamilie samt Angestellten reichen sollte.

Die Einzäunung des Pfarrgartens wird 1916 erneuert. Wegen Geldmangels kann das Haus zunächst nicht an das elektrische Netz angeschlossen werden. Darum wird zunächst nur das halbe Haus beleuchtet, die übrigen vier Räume werden 1924 mit Leitungen versehen. Im Oktober 1924 wird beschlossen, das Haus an die Wasserleitung anzuschließen. Der Kreispfarrer verlangt 1926, daß Telefon in das Haus gelegt wird aber bis in die fünfziger Jahre hat das Haus noch kein Telefon, wie sich die Tochter des Pfarrers Gerlach erinnert.

Über die Errichtung eines Gemeindehauses mit Kleinkinderschule (Kindergarten) und Wohnung für die Kinderschwester und Diakonisse wird schon im November 1916 gesprochen. Ein Jugendheim wird 1919 vom Pfarrer eingerichtet. Wahrscheinlich ist das ein Raum im Pfarrhaus gewesen, denn der Pfarrer bekommt eine kleine Vergütung für Beleuchtung und Reinigung.

Nach dem Krieg wird 1952 die Pfarrscheune zum Jugendheim und Gemeindehaus ausgebaut. Im Erdgeschoß entstehen zwei Räume, im Dachgeschoß ist die Küsterwohnung

Im Jahre 1956 löst der Hessische Staat die Unterhaltspflicht am Pfarrhaus ab. Das alte Pfarrhaus wird an die bürgerliche Gemeinde verkauft und dort die Gemeindeverwaltung untergebracht. Aus dem Gesamterlös des alten Pfarrhauses wird 1957 ein zweckmäßiges Pfarrhaus in der Ringstraße Süd Nr. 13 erbaut

Als 1991 das neue Rathaus in der Klosterhofstraße fertig war, sollte laut Beschluß der Stadtverordnetenversammlung von 1992 in dem ganzen Haus das Heimatmuseum von Maintal eingerichtet werden. Man brachte dort aber zunächst Asylbewerber unter. Als das Haus 1996 wieder frei wurde, hat man im Unterstockwerk die Stadtteilbücherei untergebracht und für das Museum blieb nur das Oberstockwerk. Hier werden in sechs Räumen folgende Themen dargestellt: Handwerk (Diamantschleifer, Schuhmacher, Schreiner), Wein- und Apfelweinherstellung, Küche, Apfelweinwirtschaft, Kleidung und Schlafzimmer. Im Jahre 1997 wurde das Museum eröffnet. Es wird getragen vom Verein „Heimatmuseum Maintal“ (Auf dem Denkmalschild sieht es so aus, als sei nur das Wohnhaus ein Fachwerkbau gewesen. Doch der vorgeschlagene Text lautete: „Früherer Pfarrhof mit Pfarrhaus, Stallungen, Scheune und Kel­terhaus in Fachwerkbauweise“. Danach waren alle Gebäude in Fachwerkbauweise errichtet).

Nach dem Verkauf an die Gemeinde wird in den Nebengebäuden die Feuerwehr untergebracht. Im Jahre 2000 wird das Gelände an einen Einzelhändler verkauft.

 

Das Gemeindehaus am Wallgraben wird 1975 / 1976 gebaut. Es wird von verschiedenen kirchlichen Gruppen genutzt und enthält einen Jugendkeller, einen Raum für Mutter-und-Kind-Gruppen, einen Übungsraum für die Chöre und einen Raum für den Kirchenvorstand

 

 

Die lutherische Kirche

Über diese Kirche gibt es noch eine Menge Material im Staatsarchiv Marburg, das noch nicht ausgewertet wurde. Die wesentlichen Grundzüge der Geschichte dieser Kirche dürften aber aus den anderen Materialien erfaßt sein. Die Kirche stand auf dem Grundstück Lutherstraße 9. Ihre Südwand aus Basaltsteinen und mit Strebepfeilern war noch als Teil der Ringmauer bis in die 50iger Jahre zu sehen. Dann hat man auch diese Mauer abgerissen und dort einen Neubau erstellt. Das alte Gebäude an der Lutherstraße war die lutherische Schule.

Durch den Haupt-Rezeß vom 26. August 1670 werden den Reformierten und den Lutheranern die ungehinderte Ausübung der Religion zugestanden. Der rechtliche und tatsächliche Stand der reformierten Kirche muß „unverrückt“ bleiben. Aber auch die Lutheraner dürfen sich zu einer Gemeinde zusammenschließen, wenn mindestens acht Familien am Ort vorhanden sind. Sie dürfen Kirchen und Schulen bauen und Pfarrer und Lehrer anstellen, müssen aber alles aus ihren eigenen Mitteln unterhalten. In Hochstadt allerdings hat man das nicht unbedingt eingehalten.

Die lutherische Gemeinde Hochstadt wird 1686 gegründet. Zunächst hält man in einem Privathaus Gottesdienst. Die Kirche wird im Jahre 1687 erbaut auf dem Grundstück in der Lutherstraße Nr. 9 (Bornkessel/Brosch/Demuth). In dieser Kirche wird der Taufstein aus der reformierten Kirche aufgestellt, der heute wieder in der evangelischen Kirche steht. Den Gottesdienst hält zunächst ein Schulrektor aus Hanau. Wahrscheinlich handelt es sich um Johann Martin Junker, den späteren ersten lutherischen Pfarrer in Hochstadt.

 

Im Staatsarchiv Marburg sind unter anderem noch folgende Aktenstücke erhalten:

Einnahme und Ausgabe beim Bau der lutherischen Kirche Signatur 1689 (?)

Kirchensachen der lutherischen Gemeinde 1691-1807

Bestellung der Kirchenältesten und Baumeister 1704- 1814

Spende der Frau von Westerfeld für die lutherische Kirche 1731 (?)

Kirchenbaurechnungen 1739

Bestellung eines lutherischen Kirchenbaumeisters 1739

Schenkung des Michel Schröder an die lutherische Kirche 1740

Die beabsichtigte auswärtige Konfirmation einiger lutherischer Kinder 1752

Anschaffung eines Kastens für die Aufbewahrung der Akten 1758-1792

Der verstorbene Kirchenbaumeister Johannes Ebert hat Schulden hinterlassen 1773

Stück- und Lagerbuch der lutherischen Pfarreigüter 1776

Verkauf Solms-Rödelheimer Grundstücke an das lutherische Konsistorium 1784-1790

Reparaturen an der lutherischen Kirche 1792

Verkauf der lutherischen Kirche, des Pfarrhauses und der Glocken 1820-1821

 

Pfarrer Aumann (1761 – 1769) beschwert sich, daß die Gemeinde den Abendmahlswein und das Brot zwar an die Reformierten zahlt, aber nicht an die Lutherischen (1662-1764).

 

Orgelbau 1721:

Vom 11. November 1721 gibt es ein Schreiben des Pfarrers Sebastian an das Lutherische Konsistorium: An der reformierten Kirche ist gerade ein berühmter Orgelbauer tätig. Diesen möchte der lutherische Pfarrer verpflichten, für seine Kirche eine Orgel mit sechs Registern zu bauen. Das Konsistorium rügt zwar am 12. November 1721, daß der Vertrag schon ohne seine Zustimmung abgeschlossen wurde, es will sich jetzt aber nicht querlegen. Es gibt auch zu bedenken, daß man vielleicht nicht immer einen Lehrer haben wird, der auch Orgel spielen kann. Wenn es paßt wird noch einmal jemand vom Konsistorium nach Hochstadt hinauskommen, ansonsten erbittet man eine Bericht über die Fertigstellung des Werks.

Am 14. Januar 1722 schreibt das Konsistorium: Wegen der neu aufgestellten Orgel wird man nicht umhin können, den Altar zu versetzen oder ganz zu entfernen. Wieder wird der voreilige Vertrag gerügt und gesagt, daß man mit einer Versetzung des Altars nicht sehr glücklich wäre. Es soll berichtet werden, wo man die Orgel aufzustellen gedenke. Der Pfarrer soll in acht Tagen nach Hanau kommen und dort seine Meinung mündlich vortragen (Staatsarchiv Marburg)

 

Am 17. Juni 1759 wird vom Konsistorium genehmigt, daß Johannes Bechert die Orgelbälge (ohne Entgelt) treten darf. Er ist entsprechend einzuweisen. Im Jahre 1763 reichen die lutherischen Gemeinden in Hochstadt und Kesselstadt ein Gesuch ein, daß ihnen der Wein zum Abendmahl aus den Mitteln der (bürgerlichen) Gemeinde geliefert wird.

 

Anschaffung einer Glocke 1779:

Pfarrer Körber schreibt am 4. November 1779 an das Konsistorium: Schon beim Antritt der Pfarrstelle stellte Körber fest, daß die größere Glocke gesprungen war. Schulmeister Mohr teilte dazu mit, daß das schon zur Zeit des Pfarrers Kraus geschehen sei. Seitdem geht der Sprung immer weiter, so daß man die Glocke überhaupt nicht mehr läuten lassen kann. Der Glockengießer Bach aus Windecken behauptet, daß eine Reparatur nicht möglich sei. Nun haben sich die Gemeindeglieder in Hochstadt und den Filialen bereit erklärt, das nötige Geld für eine neue Glocke aufzubringen. Deshalb wird um Genehmigung gebeten.

Am 10. November verlangt das Konsistorium, daß für das Umgießen der Glocke ein Kostenvoranschlag eingereicht wird.

Am 30. November 1779 berichtet Pfarrer Körber, er möchte sich dem Spott und Hohn der Reformierten entziehen. Der Glockengießer Bach bittet um Lieferung der alten Glocke, weil ein Guß in der kalten Jahreszeit nicht möglich ist. Er bittet um Erlaubnis, den Auftrag vergeben zu dürfen. Das Schreiben des Glockengießers Bach und den Kostenvoranschlag fügt er bei. Dieses Schreiben vom 8. November ist dann auch bei den Akten. Die Glocke wiegt 324 Pfund. Und der Neuguß soll etwas über 73 Gulden kosten.

Der Pfarrer Körber schreibt am 7. Dezember 1779:an das Konsistorium: Die Sammlung ist nicht nach Wunsch verlaufen, weil der Pfarrer selbst in Dörnigheim nur acht Gulden zusammenbekommen hat und die vorher den größten Mund hatten, die zögen sich nun zurück. Aber das lag daran, daß keiner dem anderen vorgreifen wollte. Sie würden aber das Ihrige dazu beitragen, wenn das Konsistorium den Befehl dazu erteilt. Dann will er auch in Hochstadt und Kesselstadt sammeln. Das Konsistorium schreibt aber am 15. Dezember 1779: Das Konsistorium legt Wert darauf, daß der Pfarrer auch das Geld zusammenbringt.

Am 31. Januar 1780 teilt der Pfarrer mit, daß er schließlich etwas über 25 Gulden zusammengebracht hat. Da bittet er darum, noch 10 Gulden aus der Kirchenbaukassse von Kesselstadt nehmen zu dürfen, damit wenigstens die 40 Gulden für die Anzahlung zusammenkommen.

Das Konsistorium antwortet am 6. Februar 1780: In Kesselstadt müssen aber erst noch zwei neue Kirchenvorsteher berufen werden, damit man über den Antrag entscheiden kann.

Das Konsistorium schreibt am 26. Juli 1780: Die Kirche ist dem Glockengießer den Rest der Summe schuldig geblieben. Der Pfarrer soll jetzt eine genaue Abrechnung über die Spenden für die Glocke vorlegen. Wenn er das nicht umgehend macht, wird man ihm einen Warteboten schicken, der bis zur Erledigung wartet.

 

Der Pfarrer hat tatsächlich keinen Bericht gemacht und die Kollekte nicht abgeliefert. Deshalb wird ihm am 9. August 1780 angedroht, daß der Diener des Konsistoriums zu ihm geschickt wird und er muß die Kosten tragen muß.

Am 11. August 1780 wird dann festgestellt: Der Pfarrer hat endlich die Abrechnung über die eingegangenen Gelder vorgelegt und versprochen, die gut 10 Gulden Anfang nächster Woche zu entrichten. Von der Glocken­gießerrechnung sind noch über 68 Gulden zu zahlen. Jetzt bittet Registrator Blum aus Hanau (wahrscheinlich Rechner des Konsistoriums) um Auskunft, auf welche Weise die 58 restlichen Gulden bezahlt werden sollen. Er schlägt vor, 38 Gulden aus der „hiesigen“ Kirchenkasse zu nehmen und 10 aus der Hochstädter Kirchenkasse. Der Rest soll durch Spenden der Gemeindeglieder aufgebracht werden, vor allem von denen, die bisher noch nichts gegeben haben. Er rügt auch, daß die neue Glocke 38 Pfund schwerer geworden ist als die alte und deshalb auch die Rechnung höher ist.

Es folgt dann die Aufstellung über die Einnahmen und Ausgaben und die Spendenliste mit vielen Spenden aus Wachenbuchen und Dörnigheim, auch einschließlich 10 Gulden aus der Kesselstädter Kirchenklasse und eine Quittung über 20 Gulden von dem Glockengießer. Den Klöppel hat der Schmied in Wachenbuchen gemacht. Es folgt bei den Akten die Abrechnung des Glockengießers und eine Bescheinigung des Wiegemeisters (313 Pfund).

Am 16. August 1780 wird der Pfarrer Körber noch einmal gerügt, weil er voreilig den Neuguß der Glocke in Auftrag gegeben hat und nun die Bezahlung nicht gesichert ist. Er erhält sogar einen Verweis und ihm wird die Auflage erteilt, die fehlenden 10 Gulden bis zum 30. Des Monats beim Registrator Blum einzuzahlen, eine Anrechnung über die Kirchengelder vorzulegen und eine Vorschlag für die Bezahlung des Glockengießers zu machen.

Der Pfarrer hat am 8. November 1780 immer noch nicht berichtet, wie es mit der Sammlung für die Glocken steht. Auch am 29. November geht aus der Akte nicht hervor, daß der Pfarrer schon berichtet hat. Der Bericht hat bis zum nächsten Mittwoch zu erfolgen, sonst wird ein Wartebote auf Kosten des Pfarrers abgeschickt.

Am 13. Dezember 1780 sind etwas mehr als 30 Gulden Abschlag gezahlt werden. Der Pfarrer soll innerhalb von zwei Monaten das restliche Geld (38 Gulden) aufbringen und notfalls auch etwas aus der Kirchenkasse nehmen. Es folgt die Quittung über die 30 Gulden

Am 1. August 1781 erhält der Pfarrer erneut einen Verweis, weil er das Geld für die Glocke nicht abgeliefert hat. Außerdem fehlt jetzt auch noch die Kollekte für das Waisenhaus. Er soll sich jetzt in acht Tagen persönlich beim Konsistorium einfinden. Der Pfarrer bittet um eine Fristverlängerung von 14 Tagen gebeten, erhält aber nur eine bis zum nächsten Montag.

Am 13. August 1781 schreibt Pfarrer Körber: Die Kirche hat noch eine Darlehenszurückzahlung von gut 10 Gulden zu erwarten. Der Pfarrer hat aber nur weitere 4 Gulden auftreiben können. Es wird darum gebeten, daß dem Glockengießer gesagt wird, daß er sich mit dieser Zahlung erst einmal zufrieden geben muß.

Am 22. August 1781 heißt es: Der Pfarrer soll die in Aussicht gestellten 14 Gulden beim Konsistorium einzahlen, sobald die Rückzahlung eingeht. Die fehlenden 24 Gulden sind aus der Kirchenkasse zu nehmen, damit der Glockengießer bezahlt werden kann.

Aber am 5. Juni 1782 muß der Pfarrer zugeben, daß er das ausstehende Darlehen aus dem Amt Ortenberg nicht eintreiben kann. Er bittet darum, auch diese 14 Gulden aus der Kirchenkasse nehmen zu dürfen, bis das Geld eingeht.

 

Orgelbau 1801:

Am 1. September 1801 legt der Orgelbaumeisters Johann Heinrich Schmidt einen Kostenvoranschlag für die Reparatur der Orgel mit 24 Gulden vor. Es handelt sich um eine Durchsicht des ganzen Instruments. Der Kantor Luja soll den Kostenvoranschlag überprüfen und nach der Besichtigung darüber zu berichten. Dieser schreibt am 6. Oktober, daß er den Kostenvoranschlag für berechtigt halte.

Am 7. Oktober 1801 protokolliert das Konsistorium: Der Kantor Luja soll den Orgelmacher Schmidt beauftragen. Bei der eingereichten Reisekostenrechnung soll er aber erst begründen, weshalb er für die Prüfung sich einen Tag in Hochstadt aufgehalten hat und ob er ein Reitpferd benutzt hat. Dieser antwortet am 19. Oktober: Der Schulmeister sei an diesem Morgen im Wald gewesen und man habe erst am Nachmittag mit der Prüfung der Orgel beginnen können. Er habe zwar kein Pferd benutzt, aber seiner Kenntnis nach werde bei solchen Fällen immer ein Pferd in Rechnung gestellt. Die Reisekostenrechnung von über 4 Gulden wird am 21. Oktober 1801 anerkannt und ausgezahlt.

 

Glockenseile 1803:

Pfarrers Heinemann schreibt am 15. Februar 1803: Die Glockenseile sind sehr schadhaft. Das für die große Glocke ist schon gerissen. Bei dem für die kleine Glocke muß man jeden Tag das Gleiche befürchten. Es ist so oft zusammengeknüpft, daß man es nicht mehr verlängern kann. Für eine Neubeschaffung hat die arme Gemeinde kein Geld. Deshalb bittet der Pfarrer darum, daß das Konsistorium einmal in seinem Magazin nachsieht, ob dort noch alte Glockenseile sind, die man bekommen könnte. Der Pfarrer soll neue Glockenseile anschaffen und die Rechnung darüber beim Konsistorium einreichen.

 

Trotz mancher Anfeindungen hat sich die lutherische Gemeinde in Hochstadt behauptet. Im Jahre 1818 kommt es aber zur „Hanauer Union“, der Vereinigung der reformierten und lutherischen Gemeinde. Die lutherische Kirche war damit überflüssig geworden (Frühere lutherische Schule Lutherstraße 9).

 

Im Februar 1820 wird in Hochstadt bekannt, daß das Konsistorium die lutherische Kirche verkaufen und das Geld für sich behalten will. Die Hochstädter möchten aber nicht den sicheren Besitz von Liegenschaften gegen unsicheres Kapital eintauschen. Wenn aber doch verkauft werden sollte, müsse das Geld in die Hochstädter Kirchenkasse, um die Lehrerbesoldung zu verbessern.

Das Konsistorium fragt an, ob man nicht gleich auch das Pfarrhaus mit verkaufen wolle. Der lutherische Lehrer muß auch entschädigt werden; er wohnt mit Erlaubnis des Pfarrers Schulz im Pfarrhaus. Die Kirche ist allein schwer verkäuflich und hat nur einen gewinnbringenden Keller. Der Keller unter der lutherischen Kirche wird 1831 noch einmal auf drei Jahre verpachtet.

Die Angaben über den Verkauf der lutherischen Kirche sind etwas widersprüchlich. Zunächst wird gesagt, daß Schultheiß Weber am 28. März 1832 die Kirche für 400 Gulden gekauft habe und weitere 200 Gulden noch schuldig geblieben sei.

Aber am 12. April 1832 kauft dann angeblich die bürgerliche Gemeinde die Kirche für 200 Gulden, um sie abzubrechen und den Schulhof zu erweitern (Schule wurde ja zunächst weiter dort gehalten).

Am 6. Mai 1833 heißt es dann, die Kirche solle „auf Abbruch“ verkauft werden, also zur Gewinnung von Baumaterial. Sie bringt nunmehr 315 Gulden ein. Käufer ist Bürgermeister Johannes Weber. Die Kirche wird zu einer Scheune umgewandelt. Nur die Südwand bleibt noch stehen.

Der in der Kirche befindliche Grabstein des Herrn von Speckhan kommt auf den Kirchhof. Der große Taufstein bleibt zunächst noch im Garten stehen. Am 21. August findet man den Grundstein der lutherischen Kirche. Er soll in der Kirche aufbewahrt werden, die Münzen kommen in die Kirchenbaulade. Genutzt wird jetzt nur noch die reformierte Kirche.

 

Diese Ausarbeitung wurde nach alten Urkunden im Pfarrarchiv und im Staatsarchiv Marburg und unter Verwendung von Vorarbeiten zusammengestellt von Peter Heckert, Maulbeerweg 21 (Telefon 06181/9451936).

Verwendet wurden von Loki Häger-Hogerland (Luisantring 44) die Ausarbeitung zur Bestimmung der Pflanzen, von Dr. Peter Feldmann aus Bad Homburg die Beschreibung des Baus und der alten Fundamente, von Hermann Langheinrich die Beschreibung der Restaurierungsarbeiten und von Lars Nüthen (Luisantring 90) die Aufrisse. Die Bilder sind zu einem großen Teil von Walter Lenz, Luisantring 3.

Ihnen allen und manch anderen Hinweisgebern sei herzlich gedankt, daß sie ihre Ergebnisse bereitwillig zur Verfügung gestellt haben. Sie sollen hier einem weiteren Leserkreis bekannt gemacht werden. Kopien dürfen jederzeit gemacht werden, die Quellen werden vom Verfasser auf Wunsch gern bereitgestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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