Bischofsheim Rundgang und Chronik

 

 

RUNDGANG  DURCH  BISCHOFSHEIM

 

[Der Abschnitt über die Kirche wird demnächst noch überarbeitet]

 

Kirche:

Die Kirche war in früheren Zeiten der Mittelpunkt des Ortes und die Kirchturmspitze der höchste Punkt im Dorf. Von der Kirche gibt es naturgemäß die meisten alten Bilder. Die heutige alte Kirche ist in den Jahren zwischen 1538 und 1559 erbaut worden (Begründung unter „Geschichte der Kirche“ in „Chronik Erweiterung“).

 

Baugeschichte der Kirche:

Bei einer Reparatur der hölzernen Kirchturmspitze im Jahre 1718 fand man die eingehauene Jahreszahl 1565. Der Turm hatte also über 150 Jahre allen Stürmen standgehalten und auch den Dreißigjährigen Krieg überdauert.

Im Jahre 1565 wurde also0 die Kirchturmspitze neu errichtet. In einem Hanauer Regierungsprotokoll vom 12. November 1569 ist zu lesen, daß Erasmus Steindecker zur „Vollführung des Kirchturmes noch etwas Geld bedürfe“.

Eine Kirchenturmuhr wird schon im 13. Jahrhundert erwähnt. Sie hatte allerdings kein Zifferblatt, sondern wirkte nur akustisch. Heute hat die Kirche keine Uhr mehr.

Im Jahre 1684 wurde die Nordseite des Kirchenschiffs mit Schiefer gedeckt, die Südseite etwas später. Ein steinerner Opferstock aus dem Jahre 1686 ist heute noch vorhanden. Die Glocken von 1679 und 1714 wurden im Ersten Weltkrieg einschmolzen.

Am 11. Mai 1695, abends zwischen 8 und 9 Uhr, schlug der Blitz in den Turm, er verursachte aber nur Schaden am Gemäuer. Hier berichtet der Pfarrer, daß das Gewitter am folgenden Tage, dem Pfingstfest, wiederkam und 17 Stunden lang tobte. Gewaltige Wassermassen stürzten nieder, Kinzig und Main traten über die Ufer, das Dorf ersoff fast. Alle Zeitungen (!) hätten über das Unwetter berichtet.

Im Jahre 1740 hatte der Sturm ein Fenster im Chor eingeschlagen. Man wußte wohl, daß das Bartholomäusstift in Frankfurt unterhaltungspflichtig sei, hatte es jedoch seit Menschengedenken nicht mehr in Anspruch genommen und traute sich nicht so recht. Der Pfarrer entwarf ein äußerst geschickt abgefaßtes Schreiben und sandte den Schulmeister damit los. Die Herren in Frankfurt berieten lange und drückten dem Schulmeister die verlangten zwei Gulden in die Hand. In Bischofsheim freute man sich, das alte Recht bestätigt zu sehen.

Im Jahre 1730 wurde Leutnant von Knobloch im Chor der Kirche beigesetzt. Das Kirchenschiff erhielt 1832 einen neuen Anstrich, Kugel und Hahn wurden 1858 neu gefertigt.

Am 14. Juli 1884 schlägt der Blitz abermals in den Kirchturm, aber er richtet nur im Gebälk allerlei Verwüstungen an. Bei der Repara­tur entdeckte man, daß die 1858 über der Turmspitze aufgesetzte Kugel ein Loch hatte, Bienen und Vögel darin nisteten und von den darin aufbewahrten Urkunden keine Spur mehr vorhanden war. Kreuz, Kugel und Hahn wurden neu gefertigt und vergoldet, doch im Bombenkrieg 1944 wurde alles wieder vernichtet.

Im Jahre 1885 erkannte die Kirchengemeinde, daß trotz einiger ausgeliehener größerer Hypotheken das Geld für einen Kirchenanbau nicht ausreiche, man be­schränkte sich auf die Ausgestaltung des vorhandenen Raumes. Die neue Orgel, die bis 1967 ihren Dienst tun sollte und 3.300,- Mark kostete, kam nicht mehr in den Chor, sondern auf die Empore. Im Chor wurden hinter dem Altar aufsteigende Bänke angebracht, auch an die Nordseite kam eine neue Em­pore, die durch einen Treppenaufgang von außen erreicht wurde. Zudem bekam die Kirche einen neuen Außen- und Innenputz, Bibelzitate zierten die Innenwände. Die Gemeinde weigerte sich, für die Bauarbeiten Hand- und Spanndienste anzuordnen, aber die meisten Bauern machten freiwillig viele Fuhren. Die Malerarbeiten wurden durch auswärtige Handwerker ausgeführt, da die Bischofsheimer Weißbinder zu hohe Preise forderten.

Die Kirche erhielt einen neuen Außen- und Innenputz und Bibelzitate an den Innenwänden.

 

Seit 1893 hingen drei Glocken im Kirchturm. Zwei waren damals neu gegossen worden, dazu kam die alte Glocke von 1714. Die beiden neuen nahm der Krieg 1917 mit sich. Im Jahre 1925 entstanden ihnen Nachfolgerinnen, die aber 1942 das gleiche Schicksal erfuhren wie ihre Vorgängerinnen. So versah in ihrer einsamen Höhe die alte Glocke allein den Dienst.

 

Turm:

Der Turm im Westen hatte ursprüng­lich einen Zinnenkranz, der später durch eine Art Turmstube ersetzt wurde. Der geschieferte Turmhelm saß darauf auf und hatte an der Spitze noch eine Verdickung, ehe er in einer kleinen birnenförmigen Verdickung, der Kugel, dem Wind­spiel und einem Hahn auslief. An der nördlichen Außenwand war das sehr verwitterte Grab­mal des Pfarrers Henricus Heyn (gestorben 1582) und der Elisabeth Heyn (gestorben 1598) eingefügt, der sich heute im Inneren der Kirche an der Westwand befindet.

Am 4. Februar 1944 brannte der Kirchturm im oberen Teil aus. Die Kirche hat stark gelitten: Der Turmhahn schmolz, der Turmhelm verschwand ganz im Feuer, das Gebälk des Glockenstuhls brannte auch an, die Balken verkohlten zum Teil. Das Dach des Kirchenschiffs hatte ein Drittel seiner Schieferbedeckung verloren, so daß Regen und Schnee ungehindert ins Kircheninnere eindringen konnten.

Im Laufe des Sommers 1949 wurden verschiedene Reparaturarbeiten an der Kirche durchgeführt: Das Chordach wurde mit Dachpappe belegt, die durch Bomben und Granatsplittern beschädigte Südwand repariert und der Kirchturm mit einem Notdach versehen. Auch das Dach des Kirchenschiffs wurde an den beschädigten Stellen mit Dach­pappe belegt. Schiefer war damals sehr teuer und schlecht aus der französisch besetzten Zone zu erhalten. Ein neuer Ofen wurde links vorne gesetzt. Die Dachrinnen wurden repariert. Von 1945 bis 1952 war die Kirche ohne richtiges Turmdach. Das Dach des Kirchenschiffes wurde dann doch noch mit Schiefer ausgebessert, weil der Regen ständig ins Kirchenschiff drang.

Im Jahre 1953 wurde mit dem Ausbau des Turmes be­gonnen. Vom Zinnenkranz blieb nur der untere Rand erhalten. Auf den Turm wurde eine Betondecke gesetzt und darauf wieder ein schmalerer Turmaufsatz, so daß ein Umgang um den Turm entstand, von dem aus das Musikkorps blasen konnte. Aber leider zeigte sich sehr bald, daß die Abdichtung des Rundgangs nicht gut genug war und Wasser in den Turm eindrang. Die Turmmauern wurden langsam feucht. Vor allem im Herbst war der Kirchturm im oberen Teil seines Verputzes, also unterhalb des Schutzgitters, sehr feucht. So mußte nochmals an dem Turm herumgebaut werden, bis der Umgang dicht war.

Die Spitze des Turms besteht zunächst aus senkrechten, im Achteck angeordneten Mauern, ehe das spitze Turmdach beginnt. Es trägt auch wieder Knopf, Wind­spiel und Hahn. Diese Kirchrumspitze wurde von dem Bischofsheimer Schmiedemeister Fritz Kinkel geschmiedet und montiert.

Die Wiederherstellung erfolgte durch die politische Gemeinde, geldlich stark unterstützt durch die Kirchengemeinde und den Landeskonservator von Hessen. Lange war man sich über die Form des Turms nicht klar. Landeskonservator, Landeskirchenamt (soweit es überhaupt gefragt wurde) wollten nicht mehr die alte Form haben. Anders dagegen der Kirchenvorstand, der mehr am Althergebrachten hing. Endlich kam es zu der endgültigen Form. Landeskonservator und Landeskirchenamt stifteten einen vierstelligen Betrag.

 

Als vielerorts nach der Währungsreform neue Glocken beschafft wurden, regte sich auch in Bischofsheim der Wille zur Vervollständigung des Geläuts. Aber erst im Jahre 1953 konnte die Verwirklichung erfolgen. In einer Sammlung brachten 30 Männer und Frauen eine ansehnliche Summe zusammen. Denn fast überall hatten sie ein freundliches Gehör und gebefreudige Herzen und Hände gefunden. Im Oktober geschah der Guß dreier neuer Glocken, während sich die alte inzwischen in einer Glockenschweißerei einer „Operation“ unterziehen mußte, da sie sich einen gefährlichen Riß zugezogen hatte. Den Glockendienst versah in dieser Zeit eine kleine Leihglocke, die lustig und hell vom Turm herunterklang.

Bei prachtvollem Sommerwetter konnte unter starker Beteiligung der Gemeinde alle vier Glocken eingeholt werden. Ein Reitertrupp der Ortsbauernschaft, der Spielmannszug, der Kirchenchor, die beiden Gesangvereine „Eintracht“ und „Liederlust“, die Feuerwehr, Vertreter fast aller sonstigen Vereine und andere Gemeindeglieder geleiteten in langem Zuge durch die Hauptstraßen des Dorfes die Glocken auf geschmückten, von starken Rossen gezogenen Wagen vor den Kirchhof, wo dann eine kurze Feier stattfand, bei der die beiden Gesangvereine mitwirkten.

Der Vertreter der Gießerei Wilhelm Wörner übergab die Glocken an Pfarrer Burhenne, der allen Spendern für ihre Gaben herzlich dankte und die Hoffnung aussprach, daß die Glocken in Frieden ihre Stimmen Gottes zu Lob und Ehre erschallen lassen mögen. Bürgermeister Krieger betonte, die Glocken sollten niemals wieder für Zwecke des Unfriedens und der Vernichtung abmontiert werden.

An einem Sonntag im Herbst 1953 wurde dann die Glockenweihe gehalten im vollbesetzten Gotteshaus. Dabei half der Kirchenchor durch seine Lieder mit. Pfarrer Burhenne hielt die Liturgie, Propst Wibbeling die Festpredigt über Sacharja 3,14 b: „In Dank und Lob gegen Gott möchte die Gemeinde allezeit die Botschaft dessen hören und in Verantwortung annehmen, der da ist und kommen wird. Dazu rufen auch die Glocken die Gemeinde mit auf.“

Dekan Wessendorft nahm die Weihe der Glocken vor, bei der die jedes Mal aufgerufene Glocke ihre Stimme erhob, bis schließlich alle vier in Vollgeläut weithin über den das Dorf erschallten.

Zu der aus dem Jahre 1714 stammenden Glocke konnten 1953 wieder drei neue hinzu­gekauft werden, so daß vom Turm wieder das volle Geläut in den Tönen „f - as - b - des“ erschallen kann. Die große F-Glocke trägt als Zeichen zwischen Alpha und Omega das Monogramm Christi, dazu die Inschrift: „Gelobet sie der Herr täglich!“ Die As-Glocke (die alte) trägt das Lamm und Fahne und einen König (oder Wanderer). Die B-Glocke ist geschmückt mit betenden Händen und dem Spruch: „Tue das Gebet mit Freude!“ und die kleinste Des-Glocke hat die Taube über dem Kreuz und den Spruch: „Lasset die Kindlein zu mir kommen!“

Im Jahre 2015 konnte das Turmblasen an Silvester durch das Musik-Corps nur am Boden stattfinden, weil der Turm zu baufällig war. Im Jahr 2016 blies man von einem Balkon der neu errichteten Häuser aus. Aber 2017 soll die Renovierung des Turms in Angriff genommen werden.

 

Inneres der Kirche:

Zwei alte Aufnahmen zeigen das Innere der Kirche. Sie sollen von 1951 sein und den Zustand vor und nach der Renovierung zeigen. Auf dem älteren Bild (für das auch die Zeit um 1900 angegeben wird) hängt von der Decke ein größerer Kronleuchter und über dem Chorbogen ist ein Spruch angebracht. Rechts ist die Kanzel, links ein Ofen. Zwischen beiden steht der Altar und dahinter sind (leicht ansteigend) Bänke aufgestellt. Das Glasfenster ist auf der Aufnahme nicht zu sehen (aber sicher auch vorhanden), links steht in kunstvoller Schrift der Spruch „Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“. Rechts steht „Selig sind, die zum Abendmahl des Herrn …“.

Auf dem neueren Bild (das nach einer Angabe von 1953 sein soll) ist die Kirche einfacher gestaltet. Über dem Chorbogen war ein einfaches Kreuz angebracht. Etwas hinter dem Chorbogen steht der Altar, dahinter sieht man (leicht ansteigend) Bänke, links ist jetzt ein „Kirchenstand“ besser zu sehen, vielleicht für die Pfarrersfamilie. Hinten sieht man das Glasfenster, das auch heute noch im Chorraum ist, daneben links und rechts die zwei Sprüche. Auf dem Bild sieht man auch an beiden Seiten die Emporen, die am unteren Rand mit Sprüchen versehen waren.

 

Im Juli / August 1950 haben die Kirchenältesten und freiwillige Helfer eine Sammlung durchgeführt. Zuvor war ein Aufruf verteilt worden. Der Pfarrer hat dabei allein rund 100 Familien besucht. Überhaupt brachte die Arbeit in der Kirche für den Pfarrer viel Lauferei und Schreiberei. Am 3. September 1950 hielt man den ersten Gottesdienst in dem schönen Kirchlein.

 Am 26. Juni 1950 begann die Ausmalung des Kircheninneren. Die Aufsicht hatte Kirchenmaler Velte aus Darmstadt, die Arbeiten führten aus der Weißbindermeister Burger und Brüder Frischkorn mit ihren Arbeitsleuten. Die Fensterarbeiten macht Glasköhler aus Frankfurt, die. Holzarbeiten Wilhelm Stiz, die Schlosserarbeit der Schmied Heinrich Schäfer, die Maurerarbeiten Jakob Günther. Zwei neue Läufer für den Chorraum wurden in der Kunstwerkstätte Cornelius in Kassel gefertigt. Die elektrische Installation führt Herr Bauch durch. Bei der Beseitigung des alten Putzes kamen besonders um die Schlußsteine und auf diesen selbst schöne alte Blumenornamente und Bilder zum Vorschein.

 

Die Kirche ist eine zweijochige spätgotische Halle. Zwei starke Säulen tragen das ganze Kreuzgewölbe des Schiffes. Auffallend ist, daß der Chorraum gegen­über dem Kirchenschiff etwas groß ist. Aber das kam öfter bei Kirchen vor, weil man mit dem Chorraum zu bauen begann und dann doch nicht die Mittel hatte, um eine entsprechend große Kirche zu bauen.

Der Chorraum hat zwei unterschiedliche Kreuzrippengewölbe: Ein schmaleres nach dem Kirchenschiff zu (wollte man den Chorraum ursprünglich noch größer bauen?) und ein breiteres an der Ostseite. Die Decke ist ausgemalt mit Blumenornamenten und in den Heiligen Protus und Hyacinthus in den Schlußsteinen

Protus und Hyacinthus wurden im 2. Jahrhundert geboren und starben entweder 258 oder 262 oder um 305 in Rom. Sie waren frühchristliche Märtyrer aus der Zeit der Christenverfolgung unter Valerian um 258, gegebenenfalls aber auch erst in der Verfolgung unter Diokletian um 305. Sie werden in der katholischen, in der orthodoxen und in der koptischen Kirche als Heilige verehrt. Gedenktag ist in der römisch- katholischen Kirche der 11. September, in den orthodoxen und koptischen Kirchen der 24. Dezember. Als Gedenktag des Hyacinthus wird auch der 16.August angegeben. Kirchweihtag in Bischofsheim war der Sonntag nach dem 11. September.

 

Der lateinische Name Protus bedeutet „der Erste“. Er wird auch als Protatius, Proteus, Prothus, Prote und Proto erwähnt. Im Englischen wurde daraus Saint Pratt. Der lateinische Name Hyacinthus wurde im Französischen zu Hyacinthe, im Spanischen zu Jacinto und im Italienischen zu Giacinto.

Nach traditioneller Überlieferung des Römischen Martyrologiums waren Protus und Hyacin­thus Brüder, einige Quellen bezeichnen sie auch als Eunuchen. Deshalb werden sie auch immer zusammen dargestellt als junge Männer mit Märtyrerkrone oder –palme, zum Beispiel in einem Mosaik in San Apollinare Nuovo in Ravenna. Sie beschäftigten sich mit dem Studium alter Schriften und lebten als Eremiten. Als Hauslehrer wurden sie um 240 angestellt bei Philippus, dem Präfekten von Ägypten. Sie unterrichteten dessen Tochter Eugenia und bekehrten diese wohl zum Christentum. Gemeinsam mit ihr sollen sie sich einem Kloster angeschlossen haben und von Bischof Helenus von Heliopolis getauft worden sein.

Der Legende nach begleiteten sie Eugenia nach Rom, wo sie Basilla, eine Verwandte Kaiser Valerians bekehrten. Wegen ihres Glaubens angeklagt, wurden sie gemeinsam mit Eugenia und Basilla entweder um 258 in der Christenverfolgung unter Kaiser Valerian oder um 262 unter Kaiser Gallienus mit dem Schwert hingerichtet.

Die beiden Märtyrer sind Namenspatrone einiger Kirchen in Italien, Frankreich und im angelsächsischen Raum. Im spanischen und italienischen Sprachraum ist aufgrund der Verbreitung entsprechend abgeleiteter Vornamen von einer früher starken Verehrung vor allem des Hya­cinthus auszugehen. Ihre Reliquien werden verehrt in San Giovanni dei Fiorentini in Rom sowie im Palazzo di Propaganda Fide. Papst Damasus I. (366-384) ehrte beide Heilige als „Heilige Brüder“ mit einem Epitaph, welches teilweise noch existiert.

Papst Leo IV. (847–855) ließ zahlreiche Märtyrergräber öffnen und die Reliquien auf unzählige römische Kirchen verteilen. Im Zuge der vorgesehenen Verlagerung der Gebeine der Heiligen Protus und Hyacinthus mußte aber festgestellt werden, daß nur das Grab des Protus noch aufzufinden war. Anscheinend war die Grabanlage des Hyacinthus schon zuvor zerstört worden. Die Gebeine des heiligen Protus wurden daraufhin nach San Salvatore auf dem Palatin verbracht. Später wurden sie in die Kirche San Giovanni dei Fiorentini übertragen.

In einem frühchristlichen Martyrologium aus Rom wurde zum Gedenktag des 11. September vermerkt, die Begräbnisstätte der Märtyrer sei im Coemeterium Basillae, der heutigen Katakombe S. Hermes an der Via Salaria Vetere. Der italienische Archäologe Giuseppe Marchi SJ fand aufgrund dieses Hinweises am 21. März 1845 genau dort das Grab des heiligen Hyacin­thus. Das Grab, seine Verschlußplatte und die Inschrift darauf waren unversehrt. Im Grab selbst wurden Asche und Knochenreste einer eingeäscherten Leiche gefunden. Dies ließ darauf schließen, daß der Märtyrer den Feuertod erlitten hatte. Diese Entdeckung ist bis heute der einzige Fall eines unversehrt aufgefundenen Märtyrergrabes. Nachdem die Inschrift paläographisch ins 3. Jahrhundert datiert werden kann, dürfte die Gravur unmittelbar nach der Beisetzung beziehungsweise nach Verschluß des Grabes angebracht worden sein.

In derselben Grabkammer wurden auch Reste eines alten Architravs gefunden, der zu einer offenkundig später angebrachten Verzierung gehörte. Auf ihm war eine weitere Inschrift

„Grab des Märtyrers Protus“. Beide Märtyrer waren also ursprünglich in derselben Grabanlage beerdigt.

Nachdem die Gebeine des heiligen Protus schon Jahrhunderte zuvor an einen anderen Ort übertragen worden waren, wurden die erst von Marchi aufgefundenen Gebeine des heiligen Hyacinthus 1849 in die Hauskapelle des Palazzo di Congregatio de Propaganda Fide an der Piazza di Spagna übertragen.

 

Der Chorraum ist heute mit Stühlen ausgestattet und wird für kleinere Gottesdienste genutzt. Das Glasfenster an der Stirnseite mit der Christusfigur war schon vor der Renovierung in den fünfziger Jahren in der Kirche. Darunter steht ein ganz schmaler Altar. Ein abgemeißelter Sandstein an dieser Wand, auf dem vielleicht einmal eine Marienstatue stand, ist heute nicht mehr sichtbar. Links ist die Nische für das Sakramentshäuschen, in der heute ein Kelch und die Taufschale stehen.

Ganz links an der Nordwand des Chorraums wurde bei Renovierungsarbeiten im Jahr 2012 eine alte Tür freigelegt. Man hat den alten Betonputz aus den sechziger Jahren entfernt, der mit bis zu zehn Zentimetern deutlich dicker war als zuvor angenommen; nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sehr viel Zement und Beton bei Neubauten, aber ebenso bei Sanierungen verwendet. Diese Tür kann aber nicht aus der Kirche von 880 / 8832 stammen und auch nicht aus einer früheren Kirche aus dem 13. und 14. Jahrhundert, wie man damals bei den Reno­vierungsarbeiten annahm. Man hat sie aber unverputzt gelassen, damit man ein „Fenster“ zu der alten Kirche hat, wohl zu der Kirche von 1540 - 1550.

Links am Ausgang des Chorraums steht heute ein steinerner Opferstock aus dem Jahre 1686.

Rechts vom Altar steht der steinerne Fuß der ehemaligen Kanzel. rechts am Chorbogen stand früher die Kanzel (daneben noch ein Ofen). In den Feldern der Kanzel standen Schnitzfiguren, (die sich heute in einer Nische an der Westwand der Kirche befinden). Weshalb man die ansprechende Kanzel zerstörte, ist nicht recht verständlich.

 

Bei den Renovierungsarbeiten wurden im Chor auch fünf alte Weihekreuze sichtbar. Insgesamt hatten die Kirchen immer zwölf Weihekreuze, die die Stelle bezeichneten, wo der Bischof bei der Weihe die Kirche gesalbt hatte. Ein Weihekreuzüber dem Stuhl des Pfarrers wollte man sichtbar lassen, es wurde aber ebenso übermalt wie die anderen, weil ungleichmäßig verteilt waren (eine unregelmäßige Verteilung ist bei Weihekreuzen üblich!).

Bei der Renovierung von 1953 kamen um die Schlußsteine alte Blumenornamente zum Vorschein, auf den Schlußsteinen selbst Bilder von Heiligen und Szenen aus dem Leben Jesu. Die Schlußsteine im Chorraum zeigen im Osten (in dem größeren Kreuzgewölbe) den Heiligen Protus und im Westen den Heiligen Hyacinthus, denen die Kirche geweiht ist.

Ihre Märtyrerkennzeichen sind Palmzweig und Bibel, aber die kann man heute in der Kirche nicht mehr ausmachen. Überhaupt ist die Qualität der Bilder im Vergleich zur Zeit der Renovierung der Kirche schlechter geworden. Vielleicht hätte man doch besser daran getan, sie vorsichtig erneuern, wie man das im Chorraum der Hochstädter Kirche getan hat. Aber nur am Schlußstein an der Ostseite des Schiffs hat der Kirchenmaler behutsam und nur andeutend hier und da die Farben verstärkt und das „Soli Deo Gloria“ hinzugefügt.

 

An der Westseite des Mittelschiffs findet sich im Schlußstein das Wappen von Hanau-Münzenberg, das über das Alter der Kirche entscheidet. Es zeigt links oben und rechts unten die roten Hanauer Sparren auf goldenem Grund (richtig sind allerdings drei Sparren wie in Hochstadt), rechts oben und links unten sind die zwei Münzenberger Balken, oben rot und unten gold. Dies ist das Wappen von Philipp III. (dem Älteren), der von 1529 bis 1561 regierte (anders als in Hochstadt ist nicht auch das Wappen seiner Frau dargestellt). Da die Kirche erst nach dem Brand des alten Dorfes im Jahre 1538 gebaut sein kann, das Wappen von Hanau-Münzenberg aber 1559 geändert wurde in ein Wappen mit den fünf Rienecker Balken, muß die Kirche zwischen 1540 und 1550 erbaut worden sein. Sie ist auch deutlicher von gotischem Baustil geprägt als zum Beispiel die Hochstädter Kirche, die auch rund 100 Jahre älter ist.

Rechts und links des Mittelschiffes waren früher die Emporen. Über der Nordempore sind in den Schlußsteinen dargestellt auf der Westseite die Heilige Familie und auf der Ostseite die Heiligen drei Könige. Im südlichen Seitenschiff sind Märtyrer- oder auch Heiligenbilder zu finden.

 

Bei den Pflanzen hat man zum Beispiel des bittersüßen Nachtschatten oder Wein erkennen wollen. Aber man beläßt es wohl am ehesten dabei, daß es sich hier um Darstellungen von Pflanzen handelt, ohne sie einer bestimmten Gattung zuzuordnen. Frau Loeki Häger-Hoger­land hat dennoch eine Bestimmung versucht:

Protus                        : Rote Johannisbeere

Hyacinthus                 : Schwertlilie

Heilige Drei Könige   : Kratzdistel

Die Acker-Distel hat keine Dornen. Die Echte Kratzdistel ist aber  stark bedornt. Die Blätter sind tief fiederspaltig, manche buchtig, Die Blüten stehen einzeln.

Heilige Familie           : Sonnenröschen

Soli Deo Gloria           : Kreuzdorn mit Johannisbeere

Wappen                      : Ehrenpreis

Das Bild zeigt einige Blüten mit vier Kronblättern. In Betracht kämen auch  Wiesen-Schaumkraut und Nachtviole. Beide Pflanzen haben andere Blätter als auf dem Deckenbild. Die Erdbeere hat fünf Kronblätter. Die größte Ähnlichkeit der Blätter hat das Persische Ehrenpreis (Veronica persica).

Märtyrer 1                 : Tulpe

Ein deutliches Bild der einfachen und der mehrblütigen Tulpe.

Märtyrer 2                   : Pfingstrose

Die „Rose ohne Dorn“ ist in der christlichen Symbolik die Blume der Heiligen Maria. Rosen haben keine Dornen, sondern Stacheln und gehören zu den Rosengewächsen. Gemeint ist hier die Pfingstrose, die zu den Pfingstrosengewächsen gehört. Die Blätter in einem Blumenkrans brauchen in der künstlerischen Darstellung nicht naturgetreu wieder gegeben zu werden. Weinblätter jedoch müssen immer getreu nach der Natur gemalt werden.

An einer Säule hängt ein Bilderrahmen mit Fotografien der alten Kirche vor 1944 innen und außen und darüber die Bilder zweier Pfarrer, der rechte ist Pfarrer Wagner (1909- 1936), der andere könnte sein Vorgänger Gustav Gans (1899 – 1909) sein.

 

An der Rückwand der Kirche nach dem Turm zu ist eine Sandsteinplatte eingelassen, auf der die Familie des Pfarrers Henricus Heyn (gestorben 1582) und seiner Frau Elisabeth (gestorben 1598), zu sehen ist. Diese Tafel befand sich früher außen an der Nordwand der Kirche.

Rechts davon ist eine Nische in der Wand, die durch ein eisernes Gitter verschlossen ist. Hier war jedoch nicht das Sakramentshäuschen, denn dieses befand sich ja im Chorraum. Heute stehen in der Nische die Holzfiguren, die früher auf der Kanzel (Kanzeldeckel?) waren.

Eine Kanzel fehlt heute in der alten Kirche. Die Orgel wurde 1953 gereinigt und ein großer Teil umgebaut zum Preis von 4.000 Mark. Heute gibt es jedoch nur noch die Orgel in der neuen Kirche

 

Neue Kirche:

Der Zustand in der alten Kirche erwies sich als untragbar, und deshalb entschloß man sich zum Umbau und zur Erweiterung der Kirche. Da die vorhandene gotische Kirche in ihrem Bestand erhalten werden mußte, konnte die Erweiterung deshalb nur in Nord‑Süd‑Richtung erfolgen und die Verbindung mit der alten Kirche durch Öffnen einer Seitenwand des Kirchenschiffs hergestellt werden. Der Anbau erfolgte im Jahre 1967. Im Erweiterungsbau sind an der Ost‑ und Westseite Emporen eingebaut. Dabei nimmt die Westempore eine von der Firma Walcker-Murrhardt gebaute Orgel auf. Die neue Kirche wurde am 30. Juni 1968 in einem Festgottesdienst in Gebrauch genommen. Das Kriegerdenkmal an der Südseite wurde in diesem Zusammenhang beseitigt (die alte hölzerne Vorhalle an der Südseite des Gotteshauses war 1956 zu einer einfachen und würdigen Gedenkstätte für die Opfer der beiden Weltkriege ausgebaut worden).

 

 

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Pfarrhaus:

Ein neues Pfarrhaus wurde 1899 in der Obergasse 19 gegenüber der Kirche gebaut. Es trug das Bischofsheimer Storchennest, weil niemand sonst im Dorf die Verunreinigung des Daches durch die Störche haben wollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat man im Pfarrgarten ein neues Pfarrhaus mit Gemeindebüro gebaut. Ein weiteres Pfarrhaus ist in der Berger Straße. Ein Gemeindehaus wurde 1959 in der Rhönstraße 2 erbaut.

 

Kirchhof:

Rund um die Kirche sind heute noch Reste des Kirchhofs. Er erhielt 1666 zwei neue Tore, die Mauer ist von 1677. Im Jahre 1685 war er stark verwildert und wurde wieder instandgesetzt und die Tore erhielten neue Schlösser. An der Ostseite ist die alte Mauer noch erhalten, ebenso im Westen.

Vom Kirchhof zu unterscheiden ist der Friedhof: Im Jahre 1847 wurde hinter den Gebäuden auf dem Grundstück Alt Bischofsheim 28 der Friedhof errichtet und 1875 / 1876 bis zur Zwingerstraße erweitert. An der Ostseite ist die Mauer noch fast vollständig erhalten. Erhalten ist eine Zeichnung von Amtmann Usener aus Bergen, die den Eingang des alten Friedhofs zeigt. Der Friedhof wurde 1940 eingeebnet und nach dem Krieg wurden dort das Rathaus und die Häuser an der Zwingerstraße gebaut.

Der jetzige Friedhof in der Friedhofstraße wurde 1908 angelegt (mit einer Ruhefrist von 100 Jahren). Er hatte auch eine Leichenhalle, so daß es keine Beerdigungen vom Haus aus mehr gab. Eine neue Trauerhalle wurde 1967 gebaut und 1970 erweitert. Das Ehrenmal von 1925 wurde nach dem zweiten Weltkrieg erweitert.

 

In Bischofsheim gibt es in der Rhönstraße noch die katholische Kirche „St. Theresia vom Kinde Jesu“ aus dem Jahre 1960, mit Pfarrhaus und Gemeindehaus.

 

Pfarrhaus:

Das Storchennest auf dem Schornstein des Pfarrhauses ist altersschwach geworden, das Rad verfault, das ganze Nest hängt schief, also ist Ersatz zu schaffen. Die Störche verstopfen jährlich die Dachrinnen mit ihrem Kot. Aber niemand will das Nest auf seinem Haus haben. Also die gutmütige Kirchengemeinde läßt das Nest wieder aufbauen. Bauer Bernhard Reitz stiftet ein brauchbares Rad dazu.

 

Früheres Rathaus  (Alt-Bischofsheim 28):

Ab dem 15.Jahrhundert stand hier ein Fronhof. Dieser wurde 1845 für 6.000 Gulden von der Gemeinde gekauft und zum Schulhaus umgebaut. Von 1957 bis 1968 war hier die Gemeindeverwaltung untergebracht, bis dann an dieser Stelle das heutige Rathaus gebaut wurde. Es gibt eine Fotografie vom Zwinger aus auf das frühere Rathaus und das damalige Postgebäude, das früher auch eine Schule war.

Das Bischofsheimer Rathaus aus dem Jahre 1968 diente eine Zeit der Stadtverwaltung Maintal. Aber im Zuge von Sparmaßnahmen verlegte man die Verwaltung in das Rathaus in Hochstadt. Viele Bischofsheimer trauern diesem Rathaus nach, weil es für sie der Ausdruck dafür war, daß Bischofsheim einmal Stadt werden sollte.

 

Östlich des Friedhofs waren im alten Bischofsheim noch vier Grundstücke. Der Ortsrand war also zwischen Alt-Bischofsheim 58 und 40 und gegenüber an der Westseite des Parkplatzes westlich der Apotheke (Nr. 23).

Noch weiter östlich liegt die „Alte Dorfstraße“. Dieser Name erinnert an das alte Dorf Bischofsheim, das hier lag und 1558 abbrannte. Das Dorf wurde danach etwas weiter westlich aufgebaut. Es hatte allerdings nur einfache Befestigungsanlagen: einen inneren Dorfgraben, davor ein mit einer Dornenhecke bepflanzter Wall und davor im Norden und Westen der Stumpfgraben und der Haingraben. Zugang war nur möglich über zwei Tore (Breultor, Schäfertor) und zwei Pforten. Eine davon war die Katharinenpforte am Ende der Hintergasse (heute: Alt-Bischofsheim). Die Verbindung von der Hintergasse zum Kreuzstein wurde 1901 geschaffen, Hintergasse und Obergasse wurden 1905 gepflastert.

 

Post:

Seit 1857 kam die Post aus Bergen, seit 1869 gab es einen ersten Briefkasten. Seit 1895 kam die Post aus Fechenheim, 1907 gab es das erste Telefon. Die erste Postagentur war bei Johannes Wörn, im alten Backhaus, heute Alt-Bischofsheim Nr.16. Seit die Rentenzahlung durch die Post eingeführt wurde, befand sie sich in einem Anbau eines Hauses in der Zwingerstraße. Im Jahre 1958 wurde die alte Schule, Alt-Bischofsheim Nr. 30, gepachtet und umgebaut. Das Gebäude ist heute abgerissen, die Postagentur in einer Bank.

 

Friedhof:

Im Jahre 1847 wurde hinter den Gebäuden auf dem Grundstück Alt Bischofsheim 28 der Friedhof auf errichtet und 1875/76 bis zur Zwingerstraße erweitert. An der Ostseite ist die Mauer noch fast vollständig erhalten. Erhalten ist eine Zeichnung von Amtmann Usener aus Bergen, die den Eingang des alten Friedhofs zeigt. Der Friedhof wurde 1940 eingeebnet und nach dem Krieg dort das Rathaus und die Häuser an der Zwingerstraße gebaut.

Der jetzige Friedhof in der Friedhofstraße wurde 1908 angelegt (mit einer Ruhefrist von 100 Jahren). Er hatte auch eine Leichenhalle, so daß es keine Beerdigungen vom Haus aus mehr gab. Eine neue Trauerhalle wurde 1967 gebaut und 1970 erweitert. Das Ehrenmal von 1925 wurde nach dem zweiten Weltkrieg erweitert.

 

Schäfergasse:

Die Gaststätte „Schäferstube“ in der Schäfergasse 6 ist erst neu eingerichtet. Das Haus ist aber alt, von 1718, auch von hinten sehenswert; die Fenster sind allerdings zu wenig gegliedert und hinten mit Rolläden versehen.

Die Straße wurde 1900 gepflastert. Sie ging bis zum Schäfertor (Untertor), das 1695 neu gebaut wurde und mit einer Wohnung ver­sehen war. Es wurde 1854 abgebrochen. Es stand an der Einmündung von Zwingerstraße und Jahnstraße.

Das Haus an der westlichen Ecke war die Gaststätte  „Zum grünen Baum“. An diesem Haus hat man das Fachwerk zugekleistert, die Fenster mit Rolläden versehen, die Tür ist nicht original, der Sockel mit Platten belegt. Bemerkenswert sind drei Kastanien in der Jahnstraße am Schäfertor.

Die Häuserflucht in der Jahnstraße zeigt den Verlauf der alten Ortsbegrenzung. Diese knickte etwa beim Haus Nr.8 (gegenüber Leder Wörner) nach Nordwesten ab, verlief durch die heutigen Gärten und ist wieder zu erkennen am Verlauf der Grundstücksgrenze nördlich der Häuser Haingrabenstraße Nr. 40-56. Danach bilden Haingrabenstraße und Stumpfgrabenstraße (südlich der südlichen Häuserzeile) die Grenze.

Vorhanden ist noch ein Foto aus dem Jahre 1952, das den Blick vom Schäfertor in die Niedergasse zeigt. Ebenso ein Bild des ganz alten Rathauses.

 

Borngasse:

An der Einmündung der Obergasse stand der alte Dorf-Brunnen. Das Wasser wurde schon vor 1750 durch hölzerne Rohre von der Bornbergquelle durch das Pförtchen und die Borngasse zu diesem „Springbrunnen‘“ mit vier Rohren und zwei steinernen Trögen geleitet. Der Brunnen wurde 1856 völlig erneuert und war der Treffpunkt der Jugend. Als 1911 die Wasserleitung gebaut wurde, wurde auch der Brunnen abgebrochen (davon gibt es noch ein Bild). Der Brunnen stand zunächst in einem Garten am Bornberg, dann auf dem alten Friedhof und seit 1974 nördlich der Kirche. Aber auch dort wurde er wieder entfernt.

Am nördlichen Ende der Borngasse war die Pforte zwischen der Mitte des Hauses Nr. 10 und dem Schuppen auf dem Grundstück Nr.17. An der Straße „An der Pforte“ kann man im mittleren Teil an den Scheunen noch den Rand der alten Ortslage erkennen.

 

Ortsansicht von Norden: Handzeichnung von 1859

Das im Jahre 1841 abgerissene Pförtchen am Eingang der Borngasse ist nicht mehr vorhanden; es ist nur durch einen Schlagbaum an gedeutet, der Anfang des Jahrhunderts noch vorhanden war. Der Künstler stand am Bornberg ungefähr an der Stelle des Hauses Bergerstraße 59. Der Blick geht nach Süden und fällt in die Borngasse und die Schäfergasse. Das Schäfertor wurde allerdings schon 1854 abgebrochen. Der Brunnen am Ende der Borngasse ist genau eingezeichnet. Neben dem  Tor fehlt das 1668 erbaute und 1962 abgerissene alte Rathaus, das ja das größte und höchste Gebäude in der Gemeinde war.  Der Kirchturm ist mit fotografischer Treue gezeichnet. Das rechts von der Kirche liegende Gebäude mit dem Walmdach ist das Wohnhaus der Heß'schen Hofraite, das 1845 von der Gemeinde für 6.000 Gulden angekauft und zum Schulhaus umgebaut wurde und später Rathaus war.

Der Blick auf den Hang zeigt keine Weinreben mehr. Aber die malerische, etwas vernachlässigte Dornenhecke ist im Verlauf des Stumpfgrabens naturgetreu gezeichnet. Es ist ganz deutlich zusehen, daß das Breultor höher war als das Schäfertor, auch wenn es im Volksmund immer umgedreht behauptet wird. Außerhalb des Tors standen um diese Zeit nur einzelne Gebäude, eine größere Bautätigkeit trat erst nach 1870 ein.

 

Breulgasse:

An der Kreuzung von „An der Pforte“ und „Breulgasse“ blickt man auf die Hochhäuser im ehemaligen Hochstädter Ried. Bilder von Überschwemmungen in der Nachkriegszeit sind noch vorhanden (Blick von dieser Stelle in die obere Breulgasse). Ein Pflasterstein aus der oberen Breulgasse wurde 1975 in einem Ständer im Rathaus aufbewahrt. Probleme gibt es bis heute mit dem Durchgangsverkehr durch diese Straße.

Das Breultor (Obertor) stand in der Höhe der Ortsgrenze zwischen Haus Nr. 8 und dem 10 und dem gegenüberliegenden Hof. Es wurde wie das Untertor 1695 erbaut und enthielt eine Wohnung, die auch Armenstube und Hirtenhaus war. Im Jahre 1867 wurde das Tor abgerissen. Die Straße ist heute stark mit modernen Gebäuden durchsetzt, sogar mit einem Industriebetrieb. Neben dem Tor stand die Schule.

 

Schule:

Ein Lehrer („Schuldiener“) wird 1608 erstmals erwähnt. Die erste Schule stand auf dem Kirchhof, die zweite  auf dem Grundstück des Gemeindebackhauses Alt-Bischofsheim Nr. 16. Dann wurde 1665 ein Schulhaus am Ende der Breulgasse vor dem Breultor gebaut, von der noch ein Bild vorhanden ist. Allerdings ist das Haus 1776 abgebrannt und neu gebaut worden, der Neubau stand bis 1971 (Schmied Schäfer), er hatte eine Sonnenuhr. Im Jahre 1715 gab es (zusätzlich?) eine „Freyschule“, für die die Eltern außer den Schulscheiten keine Kosten zu tragen hatten. Und  1899 wurde noch ein Schulraum im Alten Rathaus eingerichtet. Weitere Schulen gab es in Alt-Bischofsheim Nr. 28 und 30.

Die Waldschule von 1907 ist noch heute in Betrieb. Auf dem Hof stehen noch drei Platanen aus dieser Zeit. Ein Bild zeigt die Schule mit dem seit 1914 geplanten und 1958 errichteten Erweiterungsbau und im Vordergrund mit dem Kindergarten, der von 1929 bis 1959 bestand. Heute befindet sich der Kindergarten im ehemaligen Dorfgemeinschaftshaus in der Gänsseestraße, weitere Kindergärten sind in der Schillerstraße und in der Uhlandstraße. Als Schulen gibt es die Erich-Kästner-Gesamtschule, die Villa Kunterbunt und das Albert-Einstein-Gymnasium.

 

Obergasse:

Der östliche Teil heißt „Ranzen“. Der Abschluß war an der Ostseite des Bauernhofs Nr. 26 und an der Ostseite des Hauses Nr. 25. Sie verlief dann südlich der Hochstädter Straße hinter der ersten Grundstücksreihe (diese Reihe wurde auf Wall und Graben gebaut, die Straße verlief schon immer dort).

Das Haus Nr.15 hat noch altes Fachwerk, Nr. 17 hat nachgemachtes Fachwerk, das Haus Nr. 19 ist das alte Pfarrhaus, das 1899 gebaut wurde.

Im westlichen Teil der Obergasse befinden sich einige bemerkenswerte Gebäude:

Nr.12:  Niedriges Unterstockwerk massiv, Oberstockwerk original, Giebel neu, Eisentor mit Löwenköpfen, alte Lampe, Handwerkerschild; die Hofseite des Hauses ist besser erhalten.

Nr. 9: Metzgerei Ebert, früher Gaststätte

Nr. 7: Dachausbau problematisch

Nr. 5: Unten massiv, Geschoßbalken neu, oben original, Weinstock (von dieser Stelle aus gibt es ein Foto in Richtung Westen).

Nr. 1: Inzwischen leider mit Eternit verkleidet. Das Eckhaus war eine Gaststätte

Die Zwerchgasse (diese Schreibweise ist an sich richtig) ist heute sehr stark verbaut. Auch ein Besuch der Niedergasse lohnt sich kaum, weil sie stark mit modernen Bauten durchsetzt ist (z.B. einer Autowerkstatt und einem Wohnblock). Nur hinten rechts am alten Ortsrand befindet sich noch ein kleines Haus mit teilweisem Fachwerk.

 

Gastwirtschaften:       (vor dem 1.Weltkrieg)

  1. Obergasse 7 : Gaststätte Ebert, „Bürgermeisters Fritz“.
  2. Obergasse/Ecke Borngasse: „Zur Krone“, Kellersche Wirtschaft, „Merdian“.
  3. Alt-Bischofsheim/Schäfergasse (heute Sparkasse): „Hessischer Hof“, „Bauers Peter“.
  4. Schäfergasse 16: „Zum grünen Baum“, Besitzer Heinrich Reuhl
  5. Fechenheimer Weg 11: „Kaiser Friedrich“, heute „Dorfschänke“.

Bild: Eine Bischofsheimer Gastwirtschaft um 1830 (von Anton Radl, Historisches Museum Frankfurt)

 

Alt-Bischofsheim:

Eckhaus zur Schäfergasse: Gut erhaltenes Fachwerk.

Nr. 6: Fachwerkhaus mit Backsteinen.

Nr. 9: Gutes Fachwerk.

Nr. 1: Modernisiertes Fachwerk, Bäckerei und Raiffeisenbank (Zeugen einer Zeit, in der man modernisieren wollte und Luft schaffen durch Abriß der Nebengebäude).

Nr. 16: Dieses Haus war das Backhaus. Es gehörte der Gemeinde, der Bäcker pachtete es und mußte dafür den Gemeinde-Eber halten. Alle zwei Jahre wurde ein neuer Backofen gebaut. Auf dem Grundstück waren Wohnhaus, Backhaus, Stall und Scheune. Man kaufte in der Regel zwei Brote für zwei Tage. Ab 1826 war das Haus an die Familie Wörn verpachtet, die es 1850 kaufte.

 

 

 

Chronik von Bischofsheim

 

Die Chronik Bischofsheim hat der frühere Schuldirektor Herbert Lippert im Jahre 1975 herausgegeben. Sie ist  (mit vielen Bildern) auch heute noch im Stadtladen der Stadt Maintal zu erhalten. Die Chronik von Herbert Lippert wurde hier zunächst gekürzt und vor allem die vielen Originaldokumente wurden weggelassen. Dann aber wurden Ergänzungen eingefügt. die gelb markiert sind. Weil jetzt viele Nachrichten aus der Bischofsheimer Geschichte in einer Datei vereinigt sind, läßt sich mit der Suchfunktion ein bestimmtes Thema schnell finden.

I n h a l t s v e r z e i c h n i s                                                                                    Seite im Buch

Vorwort              

Die Vorgeschichte unserer Heimat                                                              11

            Die Steinzeit                                                                                      11

            Die Bronzezeit                                                                                              12

            Die Urnenfelderzeit                                                                          12

            Die Hallstattzeit                                                                                13

            Die Latènezeit                                                                                              13

            Unser Land unter römischer Verwaltung                                         14

            Der Vorstoß der Germanen                                                              15

            Zur Vorgeschichte Bischofsheims                                                    15

            Die vorgeschichtlichen Funde in Bischofsheim                                16

            Aus der Jungsteinzeit                                                                        16

            Aus der Latènezeit                                                                            18

            Die geschichtliche Vergangenheit Bischofsheims                            19

            Die erste urkundliche Erwähnung                                                    19

            Der Zehnte in den karolingischen Schenkungsurkunden                 22

            Alte vorgeschichtliche Wege und Straßen                                       23

            Die Hohe Straße                                                                               24

            Die Gelnhäuser Poststraße                                                               24

            Römerstraßen                                                                                              25

            Der Name Bischofsheim                                                                   25

            Der Bannforst Dreieich                                                                    27

            Gebietsbewegungen in der Zent                                                      31

Die Zent „Bornheimer Berg“                                                                       32

Verwaltungs- und Gerichtsverhältnisse im Bornheimer Berg         34

            Heerfolgepflicht in der Zent                                                             35

            Holzfuhrpflicht in der Zent                                                               36

            Die Zentgrafen                                                                                 36

            Die Alte Rolle                                                                                    38

            Weisthum zu Bischofsheim (1460)                                                   40

            Weisthum zu Bischofsheim (1503)                                                   43

            Die isenburgischen Sonderrechte                                                    45

            Das Isenburgische Partikulargericht                                                46

            Der Vertrag von 1646                                                                                  48

            Ordensbesitz in Bischofsheim                                                          48

            Grenzbeschreibung von 1434                                                           49

            Bischofsheimer Landwehren                                                            50

Der Bischofsheimer Hexenprozeß von 1564                                                 51

Das Heu von der Breulwiese                                                            53

Der Weinbau in Bischofsheim im Jahre 1681                                  58

Weinleseordnung von 1681                                                             60

Salzhandel um 1760                                                                         62

Grenzstreit mit Hochstadt                                                                63

Landbeschreibung von 1720                                                            65

Vermögensrechtliche Beurkundungen 1755                                               65

Zusammenstoß am Riederwald                                                       68

Bischofsheim 1782                                                                           70

Bischofsheim 1810                                                                           70

Bischofsheim im Großherzogtum Frankfurt                                    70

Bischofsheim 1858                                                                           73

Aus der Geschichte der Mainkur                                                     73

Das Amt Bergen 1821                                                                                  76

 

Bischofsheim in Kriegszeiten

            Der Dreißigjährige Krieg                                                                  78

            Der Réunionskrieg                                                                            80

            Der Österreichische Erbfolgekrieg                                                  82

            Der Siebenjährige Krieg                                                                   83

            Das Jahr 1763                                                                                   90

            Die Französische Revolution                                                             91

            Kriegswirren im Jahre 1800                                                             92

            Der Französisch-Preußische Krieg                                                    93

            Die Befreiungskriege                                                                        96

            Die Kriege von 1866 - 1870/71                                                        97

            Landesausschuß und Militärpflicht                                                  98

 

Aus alten Urkunden

Alte Rezepte                                                                                     102

Bischofsheimer Namen 1555                                                                       103

Bischofsheimer Namen 1616                                                                       103

Bischofsheimer Namen 1719                                                                       105

Aus der Landwirtschaft

            Die Flurnamen der Gemeinde                                                          106

            Flurnamen aus dem 14. Jahrhundert                                                           107

            Flurnamen 1555 - 1616                                                                    108

            Flurnamen nach den Katastern von 1719                                        110

            Landwirtschaft in Bischofsheim                                                       114

            Das liebe Vieh                                                                                              118

            Die Schafhaltung                                                                              123

            Die Pferdeschwenk                                                                           125

            Das Gemeinde-Fischwasser                                                              126

            Die Wiesen und Weiden                                                                   126

            Der Obstbau in Bischofsheim                                                                       130

            Die Schädlingsbekämpfung                                                              131

            Die Feldschützen                                                                               133

Der Gemeindewald                                                                                      136

 

Das Ordnungswesen

            Die Nachtwacht                                                                                142

            Polizei und Polizeistrafen                                                                 145

            Die Feuerwehr                                                                                  147

 

Öffentliche Bauten

            Tore und Pforten                                                                              154

            Bischofsheimer Rathäuser                                                               159

 

Finanzielle Angelegenheiten der Gemeinde

            Die Verwaltung der Gemeinde mit Inventarverzeichnis von 1757  165

            Die Steuern                                                                                       184

            Der Isenburgische Hubzins                                                               193

            Steuern zur Hohen Landesschule                                                     195

Die Niederdorfelder Mühlfrond                                                                   196

            Der kleine Zehnte in der Berger Feldmark                                      198

 

Sozial- und Wirtschaftsangelegenheiten

 Die Beisassen                                                                                              199

 Die Bischofsheimer Juden                                                               200

 Das Gemeindebackhaus                                                                  202

 Die Bischofsheimer Gastwirtschaften                                             206

 Armenpflege und Wohltätigkeit                                                     210

 Das Trinkwasser                                                                              217

 Die Bischofsheimer Kerb                                                                 220

 Die Post                                                                                           223

Von den Bischofsheimer Vereinen                                                               225

 

Unglücksfälle                                                                                                230

 

Bemerkenswerte Ereignisse                                                                        231

 

Aus der Geschichte der Bischofsheimer Kirche                                           232

            Wiedertäufer                                                                                    235

            Kirchenvisitation von 1562                                                               236

            Register des Pfarreinkommens von 1562                                        237

            Reformierte und Lutheraner                                                            238

            Die Unterhaltung des Kirchengebäudes                                           239

            Die Kirchenglocken                                                                           244

            Die Bischofsheimer Friedhöfe                                                          246

            Die Besoldung der Pfarrer 1615 - 1685                                           251

            Aufstellung der Pfarreinkünfte von 1685                                         253

            Bischofsheimer Pfarrer seit der Reformation                                 265

            Das Presbyterium                                                                             266

            Die Kirchenrüger                                                                              271

            Die Baumeister                                                                                 272

Die Sabbatordnung                                                                           273

Die Predigten                                                                                   276

Die Taufe                                                                                          279

Das Heilige Abendmahl                                                                               280

Die Moral                                                                                         282

Die Kirchenbuße                                                                               288

Der Kampf um die Kirchenplätze                                                     289

Die Empore („Borbien“)                                                                   291

Die Kirche als Bankinstitut                                                               293

Münzen, Maße und Gewichte                                                          295

Zeitrechnung                                                                                    296

Finanzielle Leistungen der Gemeinde an der Kirche                                   298

Heutiger Aufgabenbereich eines evangelischen Pfarrers               302

Chronik der katholischen Kirchengemeinde                                    304

Heirat und Ehe                                                                                 310

Alkohol                                                                                                          313

 

Bischofsheimer Schulen                                                                               314

 

Verschiedene Beiträge         

Alte Berufe                                                                                       333

Erstmalige Erwähnungen                                                                             334

Eisgewinnung und Heusergraben                                                    336

 

Bischofsheim in der neueren Zeit

Der Ort im „Dritten Reich“                                                              338

Der Zweite Weltkrieg                                                                       341

Nach der totalen Niederlage                                                           346

Lage der Bevölkerung nach dem Kriege                                          348

Heimatvertriebene und Flüchtlinge                                                 354

Die Bautätigkeit                                                                               356

Die Baugenossenschaft                                                                    360

Die Albert-Schweitzer-Siedlung                                                       361  

Die Fluren 14, 15, 16                                                                        363

Die Kindergärten                                                                              365

Straßen- und Wegebau                                                                    369

Die Autobahn                                                                                    373

Der Sport in Bischofsheim                                                                374

Die Energieversorgung der Gemeinde                                            378

Die Müllbeseitigung                                                                         380

Gewerbe und Industrie                                                                                382

Die Gastarbeiter                                                                                          385

Die Schrebergärten                                                                          387

Bürgermeister Georg Krieger                                                          388

Maintal                                                                                             392

Der Grenzänderungsvertrag                                                            398

Literatur-Nachweis                                                                                       407

 

 

 

Die Vorgeschichte unserer Heimat

Die Steinzeit

Wann die erste Besiedlung unserer engeren Heimat einsetzte, ist unbekannt. Aus der älteren und mittleren Steinzeit sind bisher keine Funde nachgewiesen, die auf die Anwesenheit von Menschen in der damaligen Zeit schließen lassen. Sicher er­wiesen ist aber in der Bischofsheimer Gemarkung das Auftreten von Menschen in der jüngeren Steinzeit (2500 bis 1600 v.Chr.).

Die frühesten Siedler unserer Gegend sind Bauern gewesen. Sie wanderten vom Südosten aus dem Gebiet der mittleren Donau ein und brachten wesentliche und für die gesamte künftige Entwicklung entscheidende Kenntnisse mit. Die dem Kürbis nachgeformten Tongefäße tragen bandkeramische Verzierungen. Man bezeichnet die Siedler daher auch als Bandkeramiker. Zur Feldbestellung besaßen die Bandkeramiker Holzpflüge, die einen Steinkeil als Pflugschar hatten, und Flachhacken, deren einseitig gewölbte Steinklingen – „Schuhleistenkeil“ genannt - auch in Bischofsheim zutage gekommen sind.

In der Sandgrube Klobedanz nördlich der Bahnlinie Hanau-Frankfurt/Ost, Flur „Am Linnes“, fand sich unter anderem ein trapezförmiges Beilchen aus Kieselschiefer. Auf eine bandkeramische Siedlung im Gemeindewald lassen Scherben eines Kumpfes und Bruchstücke mit Schnürösen schließen, welche bei der Bergung von Gräbern aus der Latènezeit in einer Sanddüne gefunden wurden.

In der gleichen Sandgrube legte man am 24. April 1943 einen schnurkeramischen Becher frei. Er war bis auf ein fehlendes Randstück völlig erhalten.

Bei der Verbreiterung der Straße Bischofsheim-Niederdorfelden fand man 500 m südlich der Hohen Straße im westlichen Hang des Hohlweges eine etwa zehn Meter lange Grube der Bandkeramiker, in der glatte und verzierte Scherben sowie das Bruchstück einer parallel zur Schneide durchbohrten Steinaxt gefunden wurden. In einer Grube rechts der Straße nach Niederdorfelden fand man weitere Scherben und einen Schaber aus Quarzit.

 

Die Bronzezeit (1600 bis 1200 v. Chr.)

Nach der Zeit der Einwanderungen und Bewegungen herrschte um das 17. und 16. Jahrhundert v. Chr. eine Zeit der Ruhe. Die Bronze wurde Gebrauchsgut. Beerdigt wurde im Hügelgrab, daher wird diese Zeit auch die bronzezeitliche Hügelgräber­kultur genannt. Am Mainufer sind Reste von Siedlungen gefunden worden, die wahrscheinlich Fischerdörfer waren.

 

Die Urnenfelderzeit (1200 bis 800 v.Chr.)

Im 13. vorchristlichen Jahrhundert setzte wieder eine Zeit der Völkerwanderung ein, die Unruhe in das Land brachte. Nach der Bestattungsform nennt man die neue Kultur die Urnenfelderkultur. Aus der Urnenfelderzeit (1200 - 800 v. Chr.) stammen zahlreiche Funde. Die Scherben sind Überreste eines groben sandgelben Gebrauchsgeschirrs wie auch gelber, feiner, gut geglätteter Riefenware. Auch Schaber stammen aus den Funden, die 1929/30 in der Sandgrube im Gemeindewald, Jagen 13, geborgen wur­den.

Die Hallstattzeit (ältere Eisenzeit, 800 bis 500 v.Chr.)

Es war wieder eine Zeit der Unruhe, die durch östliche Reitervölker hervorgerufen wurde. In unsere Gegend kamen neue Menschen vom Südwesten her, vom Rhein. Ihrer Herkunft nach sind sie mit den Urnenfelderleuten verwandt, beide Gruppen lebten nebeneinander. Es trat eine neue politische Ordnung auf, denn die Ring­wälle wurden neu befestigt; die ausgedehnten Gräberfelder fehlen.

Aus der Hallstattzeit (800 - 500 v. Chr.) stammen die meisten Funde. In den Jagen 13 und 14 des Bischofsheimer Gemeindewaldes sowie in dem anschließenden Jagen 6 des Enkheimer Waldes liegt eine Gruppe von 30 Grabhügeln.

Sechs dieser Hügel wurden in den Jahren 1887 und 1911/12 angeschnitten und untersucht. Fünf enthielten Brandgräber der mittleren Hallstattzeit, einer war ein Grab aus der Spät­hallstattzeit. Im Juli 1912 wurden vier Hügel im Eichwald aufgenom­men. Einer dieser Hügel hatte eine beträchtliche Größe. Man stellte jedoch fest, daß er bereits vorher untersucht worden war.

Aus ihm stammen wahrscheinlich die Funde, die Amtsgerichtsrat Hille im Jahre 1873 dem Hanauer Geschichtsverein schickte. Es waren das Bruchstück eines Eisenschwertes, zwei Ringe aus Eisen, zwei Stücke eines Pferdegebisses aus Bronze und ein breiter Bronzering.

Sie wurden 1863 von dem Bischofs­heimer Bürgermeister gefunden.

 

Westlich des Halweges vom Jagen 13 bis in das Jagen 5 lag eine Sanddüne, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Baustoff abgetragen wurde und heute völlig verschwunden ist. Insgesamt konnten 18 Gräber festgestellt und ihr Inhalt geborgen werden. Aus einem Grab wurden Skelettknochen geborgen, die übrigen waren Brand­gräber.

Insgesamt wurden gefunden:

14 zum Teil oder ganz erhaltene Urnen

21 zum Teil oder ganz erhaltene Schalen, Näpfe oder Becher

14 Arm- oder Halsringe aus Bronze

2  Knochenringe

25 Bronzeteile eines Gürtels

1  Bronzeknopf als Gürtelverschluß

1  eisernes Schwert

1  eisernes Messer

und weitere Bronze- und Eisenstücke..

 

In der Klobedanz‘schen Sandgrube „Am Linnes“, Parzellen 50 – 53, und „Am Breiten Sand“, Parzelle 29 und 32, wurden 1934/35 fünf Brandgräber entdeckt und daraus von dem Lehrer Schomberg fünf Urnen und ein Spitzbecher der Hanauer Sammlung zugeführt.

Seit 1951 sind sechs weitere Gräber gefunden worden, aus denen sieben Urnen, elf Schalen, vier Spitzbecher, zwei Töpfe und zwei Bronzearmringe der Hanauer Sammlung zugeführt werden konnten.

In der Sandgrube des Landwirtes Peter See, die im Winkel der Straße Bischofsheim-Niederdorfelden und der Straße nach Bergen liegt, wurde ein Brandgrab gefunden. Weitere Scherben der Hallstattzeit entdeckte man bei Grabungen nach den römischen Gräbern auf dem Bornberg, Acker P. Reuhl, Parzelle 53.

 

Die Latènezeit (Jüngere Eisenzeit, 500 bis 50 v.Chr.)

Zu dieser Zeit hatte sich schon ein Fürstenstand herausgebildet, wie die gefundenen Fürstengräber beweisen. Die Drehscheibe - eine tech­nische Neuerung aus dem Süden - wurde mehr und mehr gebraucht, und ganz andere Formen bei Schmuck und Waffen traten auf. Die Träger dieser Kultur waren die Kelten. Kennzeichnend für die keltische Tracht ist der Halsring.

Armringe und Gewandnadeln (Fibeln) sind weiterhin typisch; der Mann trug ein zweischneidiges Eisenschwert und eine Lanze.

Im Herbst 1951 ließ die Leitung des Mörtelwerkes einige Probelöcher nördlich der Alten Gelnhäuser Poststraße, die die Grenze zwischen den Jagen 13 und 5 bildet, graben. Dabei stieß der Arbeiter auf vermutlich zwei Brandgräber. Im Mai 1952 fand eine große Anzahl von Scherben, die ver­mutlich zu acht Gefäßen gehörten, von denen fünf zusammengesetzt werden konn­ten. Außerdem fanden sich zwei eiserne Latènefibeln, ein eisernes Rasiermesser, ein Wetzstein, Reste einer feingliedrigen Bronzekette und viele Knochenreste. Spä­ter entdeckte man noch sieben weitere Gräber, aus denen Töpfe, Schüsseln, Fla­schen, eine Schale und Ringe aus Eisen geborgen wurden.

Im beginnenden 1. Jahrhundert v. Chr. wanderte ein Großteil der keltischen Be­völkerung, die am Untermain sitzenden Helvetier, nach Süden ab. In das entvöl­kerte Gebiet drangen aus Mitteldeutschland Germanen ein, die unter dem Sammel­namen Sueben bekannt sind. Die von den Germanen getragene Spätlatènekultur des letzten vorchristlichen Jahr­hunderts ist ihrer Herkunft nach keine rein germanische Kultur, sondern eng mit der keltischen Kultur verbunden.

Unser Gebiet war damals dicht besiedelt, Gräberfunde und Reste der Siedlungen sind vielfältig. Außer Talsiedlungen wurden zahlreiche Ringwälle angelegt, die zum Schutze der Bevölkerung gegen nachrückende Germanen und gegen Römer dienen sollten. Die übliche Bestattungsform ist jetzt das Brandgrab.

 

Unser Land unter römischer Verwaltung

Unter Kaiser Augustus (30 v. bis 14 nCh) begannen die Römer, vom linken Rheinufer durch die Wetterau und vom Niederrhein aus vorstoßend, das Land bis zur Elbe dem römischen Reich ein­zuverleiben. Im Jahre 9 n. Chr. wurden sie von Arminius im Teutoburger Wald geschlagen. Erst Domitian (81 bis 96 n. Chr.) kann die römischen Reichsgrenzen wieder bis in die Wetterau vorverlegen. Damit wurde auch unser Gebiet in das römische Reich eingegliedert. Der Limes, eine Grenzbefestigung aus Wall und Graben mit Wachtürmen und Kastellen, wurde zum Schutze des besetzten Ge­bietes angelegt.

 

Man hat überall verstreut in den Gebieten um Frankfurt, Höchst, Hanau und Friedberg Spuren von römischen Landgütern mit ihren Begräbnisplätzen gefunden. Die Keramik zeigt in deutlicher Form die Gefäße der letzten Jahrzehnte des ersten und der ersten Jahrzehnte des zweiten Jahrhun­derts. Die Linienführung des Limes beweist ganz deutlich das Bestreben der Römer, landwirtschaftlich gut nutzbare Ländereien in ihren Besitz zu bringen. Rechts der Straße nach Bergen etwa an der Stelle des neuen Pfarrhauses auf dem Bornberg hat wahrscheinlich eine römische Villa gestanden; denn auch dort fand man diese Ziegel und römische Vasen.

 

Die wenigen Scherbenfunde und die Bergung von römischen Vasen auf dem Gelände des Landwirtes P. Reuhl durch den Installateurmeister Bauch im Jahre 1943 lassen noch nicht unbedingt auf eine römische Siedlung an dieser Stelle schließen. Zwar stieß man bei dem Bau einer Scheinwerferstellung auch auf einige römische Gräber, aber weitere Forschungen durch drei Versuchsgrabungen im Jahre 1953 erbrachten keinen Nachweis von Fundamenten römischer Bauten. Demnach lag auf diesem Acker ein kleines Gräberfeld, der Gutshof ist wohl auf der leicht ansteigenden Höhe nordwestlich der Fundstelle zu suchen. Die Lage am Südhang mit Blick auf die Mainebene entspricht der Lage vieler römischer Gutshöfe in der Wetterau.

 

Alte vorgeschichtliche Wege und Straßen

Hessen ist schon in alten Zeiten ein wichtiges Durchgangsgebiet von Südwest- nach Nordostdeutschland gewesen. Schon in vorgeschichtlichen Zeiten waren Wege vorhanden, die ein Land mit dem anderen verbanden. Diese alten Heer- und Völkerwege folgten den Höhenzügen und umgingen Hindernisse, wo es möglich war; daher finden wir sie meist als Hochstraßen, die feuchten oder ver­sumpften Niederungen ebenso meidend wie das große Gebirge. Später legte man die Straßen an die Bach- und Flußläufe, ging aber den durch Wasser gefährdeten Stellen aus dem Weg.

Diese Straßen wurden auch von den Römern benutzt, als sie ihre Vorstöße in unser Land unternahmen. Die Römer besserten diese Straßen aus und verkürzten sie. Nach der Errichtung des Grenzwalles (Limes) und dem Bau der Kastelle legten sie zahlreiche neue Straßen an, auf denen so schnell wie möglich Truppen von einem Platz aus einen anderen erreichen konnten. Daher sind die römischen Straßen in großen Ab­schnitten ungeachtet der geographischen Beschaffenheit schnurgerade gezogen. An den Stellen der römischen Grenzbefestigungen, wo die alten Handelsstraßen in das unbesetzte Gebiet hinaustraten, befanden sich meistens Kastelle zur Bewachung. Die Straßen wurden zum Teil bis in das hohe Mittelalter oder sogar bis in die Neuzeit benutzt; an wichtigen Stellen dieser Straßen entstanden häufig Siedlungen, die sich oft zu Städten entwickelten.

 

Die Hohe Straße

Der Ausgangspunkt ist Höchst. Die Straße führt über Bockenheim geradlinig nach Bergen. Dort kreuzt sie die römische Straße von Bad Vilbel nach Mainkur und die von dem Kastell Heddernheim nach dem Kastell Kesselstadt. Östlich von Bergen ist die Hohe Straße an der Südgrenze der großen Lohe bis in die Ge­markung Kilianstädten vorhanden und bildet zwischen Niederdorfelden und Bi­schofsheim die Gemarkungsgrenze. Nach einer Ausbuchtung südlich von Kilianstädten erreicht sie über den Wartbaum südlich von Windecken dann Marköbel, wo sich ebenfalls ein Kastell befand. Durch den Büdinger Wald führt sie weiter bis nach Fulda und darüber hinaus.

 

Die Gelnhäuser Poststraße

Diese Straße führte, teils von Mainz und Höchst bis westlich Seckbach die Hohe Straße benutzend, teils von Frankfurt, wo alle Straßen sich in der Gegend des Doms schnitten, über Seckbach, Enkheim, Bischofsheim, Hochstadt an der Kinzig entlang.

In unserer Gegend zieht sie am Südrand des alten Mainarmes nach Osten, östlich der Straße Mainkur-Bergen ist sie heute noch als Feldweg an einer Sand­düne entlang in Richtung Bischofsheim zu erkennen. In Bischofsheim verlief sie im Zuge der Waldstraße und Zwingerstraße in Richtung Kreuzung unterhalb des Kochbergs bei Hochstadt. Am „Hanes“ zwischen Bischofsheim und Hochstadt muß sie die römischen Straßen von Kesselstadt nach Bergen und Bad Vilbel gekreuzt haben. Sie wird auch Kinzigstraße genannt, war bei Langendiebach durch ein Kastell gesperrt und entwickelte sich als eine Hauptverkehrsader nach Mitteldeutschland. Städtegründungen an ihr waren zum Beispiel Fulda, Erfurt, Halle und Magdeburg.

 

Römerstraßen

Die Römer legten auf beiden Seiten des Maines Straßen an. Die Straße am nörd­lichen Ufer hatte etwa die Linienführung der heutigen B 8/40 und führte nach dem Kastell Kesselstadt. Eine weitere Römerstraße durchzog von Heddernheim über Bergen kommend und ebenfalls nach Kesselstadt führend, unsere Gemarkung. Sie führte von Bergen auf unserer heutigen Straße bis zur Kreuzung mit der Nieder­dorfelder Straße, ging aber geradlinig weiter und traf am „Hanes“ auf die Straße von Bad Vilbel nach Kesselstadt, die an demselben Punkt die Gelnhäuser Poststraße kreuzte. Die Straße von der Saalburg bei Bad Homburg über Bad Vilbel nach Kesselstadt durchquerte unsere Gemarkung von Nordwesten nach Südosten im nördlichen Teil. Diese Straßen sind an ihrer Geradlinigkeit als reine Militärstraßen erkennbar.

 

Der Vorstoß der Germanen

Lange erfreuten sich die Römer ihrer Herrschaft über die germanische Provinz nicht. In der Zeit der Besatzung folgte ein Aufstand und Einfall der freien Ger­manen in das besetzte Gebiet nach dem anderen. Den Chatten (Hessen), Goten, Langobarden, Markomannen, Alemannen gelangen immer mehr Vorstöße. Um 260 n. Chr. war dann unser Land von den Römern geräumt, die Alemannen zogen in das Land ein und ließen sich hauptsächlich in den verlassenen Kastellen nieder.

Sie wurden im Jahre 496 von den Franken geschlagen und in den süd­lichen Schwarzwald und an den Alpenrand zurückgedrängt. Die Franken ließen die chattischen Siedlungen vorerst un­geschoren und gründeten in den Niederungen neue Siedlungen, deren Namen meistens mit der Silbe „-heim“ endeten. Die Grün­dung dieser Orte geschah wohl in der Zeit zwischen 500 und 600. Unser Gebiet kam zum Merowinger­-Reich und seit Karl Martell (714 - 741) und Pippin (741 - 768) zu dem Reich der Karolinger.

 

 

Zur Vorgeschichte Bischofsheims

Kaiser Karl der Große regierte von 768 - 814. In der Regierungszeit seines Enkels Ludwig des Deutschen (843 - 876) fand die Schenkung der Bischofs­heimer Kirche an die Frankfurter königliche Salvatorkapelle statt.

Am 1. September 852 heißt es, daß Ludwig der Deutsche unter anderem die Kapelle von Bischofsheim schenkt (Der Mönch von St. Gallen berichtet nach zeitgenössischen Quellen, daß Ludwig der Deutsche zu Frankfurt und Regensburg neue Kapellen errichten läßt). Die Urkunde über diese Schenkung von 852 ist aber nicht mehr vorhanden. Es gibt aber eine Bestätigung aus dem Jahre 880 von König Ludwig III., die hier in deutscher Übersetzung abgedruckt wird:

 

„Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreieinigkeit! Ludwig, durch die Gunst göttlicher Gnade König. Wenn wir den gottgeweihten Orten unserer königlichen Herrschaft einen Vorteil verschaffen, dann wird dies - das glauben wir gewiß - uns zur Ergreifung des ewigen Seelenheils von Nutzen sein. Deswegen sollen alle unsere Getreuen sowohl die gegenwärtigen wie die zukünftigen mit Eifer erfahren, wie unser sehr frommer Vater aus Liebe zum Herrn und zur Vermehrung seines ewigen Heils einige Dinge aus seinem Eigentum an das Stift zu Frankfurt, das gegründet ist zur Ehre des Heilandes, unseres Herrn Jesu Christi, übergeben und die Übergabe bestätigt hat.

Es ist dies: Die Kapelle zu Kostheim, das Kloster zu Ursel, die Kirche auf dem Gut, das Stetten genannt wird, die Kirche zu Florstadt, das Gut, das Bürgel genannt wird, mit der Kirche und dem zu ihr gehörigen Zehnten, wie es Ruotkerus zu Nießbrauch inne­gehabt hat, und die Kirche zu Sprendlingen mit der zu ihr gehörigen Hufe, die Kirche zu Bischofsheim mit allem Zehntgefälle, mit Hörigen und Ländereien, die zu ihr gehören, und was Ruotkerus in Seckbach besaß, die Kirche zu Schwanheim mit allem Zehntgefälle, mit Hörigen und Ländereien, die zu ihr gehören, und die drei Hufen zu Kelsterbach, die Kapelle zu Nierstein mit allem dazu gehörenden, wie sie Aaron dort zu Nießbrauch hatte, und das Gut, das Kelkheim genannt wird, mit allem, was zu ihm gehört, die Kapelle zu Bornheim und was Heinrich in Niederkirchen zum Nießbrauch innehatte und was Ruotlind an diese Kapelle übergeben hat, das hat er schriftlich bestätigt.

Diese vorbeschriebenen Dinge also in all ihrer Vollständigkeit, d.h. mit allen zu ihnen gehörigen Häusern, Gebäuden, Knechten, Feldern, Äckern, Wiesen, Weiden, Weingärten, Wäldern, gepflegt und ungepflegt, Wässern und Wasserläufen, beweglichen und unbeweglichen, hat unser frommer Vater an das schon genannte Stift übergeben, damit es fortan ewiglich zur Voll­bringung des Dienstes an Gott dort verbleibe ohne Hindernis oder Widerspruch.

Und er hat festgesetzt, daß an diesem Ort zwölf Geistliche verweilen sollen, um Gott zu dienen, ausgenommen die Priester, die an den dazu gehörigen Orten dienen. Und diese Menschen sollen von den vorgenannten Dingen ihren nötigen Unterhalt haben, und von dem Abte, dem dieses Stift übertragen sein wird, soll niemals die Heeresfolge verlangt werden. Dazu hat er auch verordnet, daß Abt Williherius, dem dieses Stift übertragen ist, es zu seinen Lebzeiten innehaben soll mit allem zu ihm gehörigen, und keiner möge ihm etwas davon zu entfremden wagen, wie er es königlicherseits damals zu Nießbrauch offenbar besessen hat mit allem vorher Beschriebenen und nach Fug und Rechts dazu gehörenden an Zehntgefällen oder anderen dazu gehörigen Dingen.

Der väterlichen Übergabe stimmen wir zu, und wir haben daher diese schriftliche Aufzeichnung unserer Zustimmung anfertigen lassen, durch welche wir verordnen, daß - wie unser frommer Vater alles Vorge­schriebene festgesetzt und bestätigt hat - es auch fortan bestätigt und befestigt bleibe ohne Widerspruch.

Und damit diese Beurkundung unserer Bestätigung eine unverletzliche Festigkeit bewahre und auch in zukünftigen Zeiten von unseren Getreuen bewahrt und be­achtet wird, haben wir sie mit eigener Hand unten bestätigt und mit unseres Ringes Aufdrückung zu besiegeln befohlen. Zeichen des Ludwig (M), des gestrengsten Königs. Ich, Arnolfus, Kanzler, habe es an Stelle Luitberts, des Erzkapellan, durchgesehen und gezeichnet.

Gegeben am 17. November 880 im Jahre der Menschwerdung des Herrn, in der Dreizehnten Indiktion, im fünften Jahre der Herrschaft des allerstrengsten Königs Ludwig.

Verhandelt zu Frankfurt. In Gottes Namen zum Heile. Amen.“  

 

„Indiktion“ ist die Kaiserzinszahl

„Luitbert“ wird gesprochen „Lütberg“.

 

Die Urkunde der ersten Erwähnung von Bischofsheim steht im Zusammenhang mit einer Schenkung an das Stift zu Frankfurt durch Kaiser Ludwig den Deutschen, der von 843 bis 876 lebte. In dem Dokument wird posthum, also nach seinem Tod, die Übergabe der „Kirche zu Bischofsheim“ und weiterer Kirchen, Gebäude und Grundstücke an das Stift zu Frankfurt bestätigt. „Der väterlichen Übergabe stimmen wir zu“, heißt die Formulierung. Das Original in lateinischer Sprache wurde durch den kaiserlichen Kanzler Arnolfus - an Stelle Luitberts, des „Erzkapellans“ - durchgesehen und gezeichnet.

Die Frankfurter Kapelle wurde 1240 durch die Bartholomäuskirche ersetzt und später zum Dom ausgebaut. Da Ludwig die Kapelle gestiftet hatte, blieb sie auch sein Eigentum, ebenso alles, was er den Kirchen und Klöstern schenkte. Die kirchlichen Einrichtungen waren also nur Nutznießer auf bestimmte Zeit. Bei der allgemeinen Rechtsunsicherheit, die damals herrschte, war eine solche Urkunde ein äußerst wichtiges Dokument, daher ist es verständlich, daß man sich die Urkunde nach dem Tode des Ausstellers wieder bestätigen ließ.

So liegt eine Bestätigung aus dem Jahre 881 vor, ausgestellt am 11.Dezember.881 in Frankfurt. Zu dieser Zeit befand sich aber der König in Rom, die Urkunde ist daher eine Fälschung: Man hatte auch den im Original nicht enthaltenen Namen des Dorfes Fechenheim in die Urkunde hineingeschmuggelt.

Aber Karl III. (der Dicke) bestätigt am 2. Dezember 882 nochmals die Schenkungsurkunde von 852, von der vier Ausferti­gungen gemacht wurden. Zwei blieben in Frankfurt (Urkunde aus dem Institut für Stadtgeschichte Frankfurt a. M. - ISG Ffm), zwei kamen nach Trier, von wo sie später durch die Revolutionswirren in die National-Bibliothek nach Paris gelangten.

 

Der lateinische Text der Urkunde ist identisch mit der Urkunde vom 17. November 880, bestätigt von Ludwig III., die sich in der Nationalbibliothek in Paris befindet. Von dieser Urkunde befinden sich zwei Fotokopien im Besitz der Gemeinde, eine dritte Ablichtung zeigt eine interessante Fälschung der Urkunde. In der Chronik Lippert ist eine Kopie von 882 abgebildet, die im Stadtarchiv Frankfurt vorhanden ist.

Im Stadtarchiv von Frankfurt am Main sind etwa 60 Urkunden, in denen Bischofsheim erwähnt wird; ebenfalls befinden sich Urkunden über Bischofsheim im Hes­sischen Staatsarchiv in Marburg. Auch im Archiv des Fürsten von Ysenburg in Birstein sind Urkunden aus der Bischofsheimer Vergangenheit. Im Kloster Arns­berg liegen ebenfalls den Ort betreffende Niederschriften.

Seit 2002 besitzt das Heimatmuseum Maintal die Urkunden (Repliken) der Ersterwähnung der Ortschaften Wachenbuchen, Dörnigheim und Hochstadt. Eine von Bischofsheim fehlte bislang. Im Stadtarchiv waren die Ablichtungen nicht mehr vorhanden. Aber aus dem Stadtarchiv Frankfurt konnte eine Replik dieser Urkunde erworben werden. Seit Oktober 2013 hängen die vier Urkunden der Ersterwähnung der vier Maintaler Stadtteile im Heimatmuseum und können dort besichtigt werden. In der Literatur werden immer wieder unterschiedliche zeitliche Angaben über die Ersterwähnung gemacht. Das hängt mit den unterschiedlichen Urkunden zusammen: Die Urkunde von Ludwig II. ist verschollen. Sein Sohn Ludwig III. bestätigte diese verschollene Urkunde seines Vaters am 17. November 880. Nach dem Tod seines Bruders bestätigte am 2. Dezember 882 Karl III. nochmals die Schenkung seines Vaters.

Nur ein Teil der Schenkung ist dem Stift zu Frankfurt geblieben, bald machten andere Herren ihre Ansprüche geltend. Über Bischofsheim hat allerdings das Stift zu Frankfurt bis zum Jahre 1803 Patronatsrecht ausgeübt, das heißt, daß unser Ort bis zu diesem Zeitpunkt kirchlich nach Frankfurt gehörte (Auszugsweise nach einem Beitrag von K. D. Burhenne)

 

Die Ersterwähnung bedeutet aber nicht, daß Bischofsheim zu der Zeit, in der die Urkunde ausgestellt wurde, erst entstanden ist; durch diese Urkunde erfährt man nur, daß Bischofsheim um diese Zeit schon bestand. Die erste urkundliche Erwähnung eines Ortes ist in der neueren Zeit immer ein besonders wahrgenommenes Datum. Fälschlicherweise wird manchmal so davon gesprochen, als sei der Ort genau so viele Jahre alt. Das ist in der Regel nicht so und gilt erst recht nicht für Bischofs­heim, weil die Besiedlung der flußnahen Gebiete in eine Zeit reicht, aus der wir zwar archäologische Funde, aber keine geschriebenen Nachrichten haben.

 

 

Man kann annehmen, daß um die in der Urkunde erwähnte Kapelle herum schon damals eine Siedlung war. Die Silbe „-heim“ bedeutet nicht nur das Haus, sondern wird in ihrer Bedeutung unserem Wort „Dorf“ gleichkommen. Ansiedlungen mit der Endung „-heim“ gehören zu der Gruppe von Ortsgründungen, die in die mero­wingische und karolingische Zeit bis zur Einführung des Christentums fallen, also in das fünfte bis achte Jahrhundert.

Es läßt sich aber mit Bestimmtheit sagen, daß eine Dorfanlage schon um 852 bestand, als die Salvator-­Kapelle in Frankfurt geweiht wurde. Bischofsheim liegt als einziges Dorf an dem Südufer des alten Flußlaufes. Vielleicht war es eine Reichsgründung zur Sperrung der alten vorgeschichtlichen Gelnhäuser Straße.

 

Der Name „BISCHOFSHEIM“

Wahrscheinlich hat das Dorf früher einmal einen anderen Namen gehabt. Auf eine vorchristliche Gründung weist jedenfalls die Endung „-heim“ hin. Nur bei Bischofsheim wurde die alte germanische Endung nicht mit dem Namen des Gründers, sondern mit der christlichen Amtsbezeichnung „Bischof“ verbunden. Bischofsheim steht also ganz allein unter den vielen Ortsnamen mit der Endung -heim.

Bischofsheim scheint jünger zu sein als die anderen Siedlungen an dem alten Mainlauf. Es ist der einzige Ort auf dem Süd­ufer, zudem in Schutzlage durch mancherlei feuchte Niederungen südlich des Dorfes. Vielleicht war es von Mainz aus ins Leben gerufen und trug den Namen des Gründers. Für die Umwohner war es das Heim, das ein Bischof gebaut hatte; der eigentliche Gründername verschwand mit dem Tode des Bischofs gänzlich.

Der Name „Bischofsheim“ ist der einzige im Kreis Hanau, der auf kirchliche Verhältnisse hinweist6 („des Bischofs Heim“). Aber das beweist immer noch nicht, daß der Ort gerade durch einen Bischof entstanden sein muß. Das Dorf kann sehr wohl einmal an einen verdienten Bischof - es muß nicht einmal ein Mainzer gewesen sein - verliehen worden sein. Er bezog dann auf Lebenszeit die Einkünfte. Nach seinem Ableben fiel die Leihe dann an das Reich zurück. Es scheint demnach erst in der Hausmeierzeit entstanden zu sein (714 - 751), denn damals begrub man die Toten nicht mehr an den Straßen, sondern auf dem Kirchhof.

Wir kennen ja auch nicht den alten Kirchenheiligen. Protus und Hyacinthus (die Schutzheiligen der Bischofsheimer Kirche) gehören bei uns frühestens ins 11. Jahrhundert. Die Bischofsheimer Kirche ist aber bereits in karolingischer Zeit vorhanden und war zudem Pfarrkirche.

Vergleicht man die Urkunden, so wird man feststellen, daß beinahe in jeder Ur­kunde eine andere Schreibweise auftritt. In 38 Urkunden aus der Zeit von 880 -1350, die unseren Ortsnamen enthalten, sind allein 28 Schreibweisen vorhanden.

 880 Biscofesheim                 1248 Bischoffesheim

 977 Piscofesheim                  1253 Bijscovisheim

 977 Biscovesheim                 1284 Byscovesheim

1222 Bisvovisheim                 1286 Biscofisheim

1222 Bischovesheim (heym) 1291 Bisscofesheim

1222 Biscovisseim                 1302 Byschovisheim (heym)

1223 Bissovesheim                1303 Byschofsheim

1223 Biscossheim                  1307 Bischenheim

1223 Biscofsheim                   1327 Bisshovesheim

1238 Bishovesheim                1332 Bischofsheim

1239 Bischvisheim                 1339 Byshofsheim

1239 Bischovisheim               1344 Bissehovenheim

1239 Bischoffsheim               1347 Bisvofhen

1239 Biscovesheim                1348 Byschovesheim

 

 

 

Der Bannforst Dreieich

Gegen Ende der Völkerwanderung, deren Auswirkungen in unserer Heimat etwa um 500 verebbten, war ein fast menschenleeres und völlig verwüstetes Gebiet zu­rückgeblieben. In den Bergen des Taunus, des Odenwaldes, des Spessarts und des Vogelsbergs hatten sich chattische Bevölkerungsreste erhalten, deren Siedlungen meistens die Endsilbe „-hain“ trugen.

Die Bewohner nannten sich die Märker, und Märker war jeder, der eigenen Rauch hatte, also Haus und Herd. Jede Gemeinde hatte ihre eigene Gemarkung, die aus Ackerland und Wiesen bestand. Der Wald dagegen gehörte allen Gemeinden gemeinsam, jeder Märker konnte dort Brenn- ­und Bauholz holen und sein Vieh weiden lassen. Auch jagen durften die Märker im Wald, der von Förstern überwacht wurde.

Als die fränkischen Sieger in unsere Heimat kamen, fanden sie ein unbewohntes riesiges Waldgebiet vor, das unter den Stürmen der Völkerwanderung nicht ge­litten hatte. Dieser Wald stand auf reinem Sand- und Kiesboden, Überreste der Meere in der Oberrheinischen Tiefebene und in der Wetterau, verstärkt durch die Anspülungen des Maines. Als der Vogelsberg sich empor faltete, traten die Meeresarme zurück, und der Main suchte sich seinen Weg durch das Sand- und Kiesgeröll.

Die ersten Menschen bevorzugten bei ihren Wanderungen und späteren Siedlungen die fruchtbaren Böden und kümmerten sich nicht um die Sandflächen. So konnte sich hier ungestört das größte Waldgebiet Südwestdeutschlands entwickeln, das die eigentliche Grenze zwischen Süd- und Mitteldeutschland bildete. Dieser Wald begann an der Mainmündung, ging dann mainaufwärts bis Griesheim­-Schwan­heim und folgte nach der Einmündung der Nidda deren Lauf bis Vilbel, ging dann bis vor Hochstadt den Braubach entlang bis zum Main und folgte dem Mainlauf bis Aschaffenburg, führte dann in fast gerader Linie über Großost­heim-Schaafheim-Niederklingen bis zum Grenzpunkt Westergiebel, von dort nach Pfungstadt -Stockstadt/Rhein und wieder zur Mainmündung.

Dieses riesige und wildreiche Waldgebiet sicherten sich die fränkischen Könige so­fort, zumal es das einzige Waldgebiet der Mainebene war. Die Taunuswälder waren nicht ohne weiteres zu haben, da die Reste der Chatten sich dort Wald und Jagd aufgeteilt hatten. Fast genau in der Mitte des ausgedehnten Waldgebietes wurde eine Siedlung gegründet, die „Im Hain“ hieß. Im Jahre 977 wird sie urkundlich zum erstenmal „Dreieich“ genannt. Dort setzte der Kaiser den Reichsvogt über den ganzen Wald ein. Als eine von insgesamt 36 Wildhuben gehört „Biuscovesheim“ zum königlichen Bannforst Dreieich.

 

Weiterhin schuf man zur besseren Überwachung des Waldes 36 Waldhubendörfer. Es waren echte fränkische Gründungen, deren Namen bekannt sind. In jedem dieser Dörfer wurde ein meist adliger Mann als Hübner eingesetzt, der eine Hube Land in der Größe von 30 Morgen bekam. Der Inhaber einer Hube hatte mancherlei Rechte und führte die Aufsicht über seinen Waldbezirk und über die Jagd, er schrieb Holz- und Wildfrevler auf, die dann auf dem Maygericht in Langen verurteilt wurden. Ihm unterstand die Aufsicht über das Weiderecht. Es war seine Pflicht, auf dem Maygericht als Schöffe zu fungieren.

Er hatte ferner die Pflicht, für die Instandhaltung der Räume für den Kaiser und dessen Jagdgefolge zu sorgen, die Ställe für die Pferde und die Zwinger für die Hunde bereitzustellen und den Teich zum Tränken und Baden der Pferde und Hunde in Ordnung zu hal­ten. Er konnte sich jede Woche einen Wagen dürres und einen Wagen grünes Holz aus dem Walde holen. Der Hübner mußte auch die Steuern einziehen. Die Bewoh­ner der Waldhubendörfer hatten allerdings nur die Beede, eine Art Grundsteuer an den Kaiser zu zahlen, sonst waren sie steuerfrei.

Alle Waldhubendörfer hatten ein Stück eigenen Wald. Mit dem Ansteigen der Bevölkerungszahl versuchten die Menschen, Waldstücke vom Kaiser als Lehen zu erhalten, um durch Rodungen neuen Siedlungs­boden zu gewinnen. Der Kaiser ging auf diese Wünsche ein, denn Holz gab es genug. So entstanden neue Dörfer auf den Rodungen, zum Beispiel Niederrad, Rodenbach, Oberroden usw.

Außer den Hübnern gab es in dem Reichsforst zahlreiche Förster, von denen einer auch wohl in Bischofsheim war. Die Förster führten einen Spieß bei sich, später auch ein Beil. Sie waren aber nicht jagdberechtigt.

Im Jahre 1452 nahm der Schultheiß von Frankfurt zum letzten Mal als Vertreter des Kaisers an einem May­gericht in Langen teil. Im Jahre 1556 wurde das letzte Maygericht abgehalten. Der damalige Reichsvogt, ein Herr von Isenburg betrachtete das Gebiet als sein Eigen­tum und regierte darüber wie ein Landesfürst.

Durch kaiserliche Schenkungen waren große Teile des Waldes in den Besitz des Deutsch-Ritterordens gelangt, der sie später an die Stadt Frankfurt verkaufte. Die Jagd gehörte aber weiter den Reichsvögten; daraus ergaben sich dauernde Streitig­keiten.

 

Gebietsbewegungen in der Cent

Von der Herrschaft Hagen oder Hain in der Dreieich erhielt Hanau 1/6 und Falken­stein 5/6. Die Orte der Herrschaft Hain in der Dreieich liegen bis auf das kurhessische Bischofsheim alle in der großherzoglich-hessischen Provinz Starkenburg im früheren Obermaingau und Rodgau

Die Herrschaft Hagen war ein uraltes Besitztum der Edelherren von Hagen, die danach den Namen führten.

Die Edelherren von Münzenberg haben diese Herr­schaft als der Hauptstamm der hagenschen Dynastie ganz oder teilweise besessen, oder Ulrich I. von Münzenberg hat dieselbe ganz oder teilweise durch seine erste Gemahlin Adelheid, Erbtochter Eberhards Waro von Hagen, erhalten, einen ande­ren Teil von hagenschen Miterben gekauft.

Bei der Teilung des münzenbergischen Erbes im Jahre 1275 teilte Philipp von Falkenstein mit seinem Bruder Werner die Gerichte und die Leute, die zur Burg Dreieichenhain gehören. Werner bekam das Dorf Bischofsheim bei Bergen. Philipp I. von Falkenstein kaufte außerdem 1283 Besitzrechte an Bischofsheim von den Herren von Hohenfels. Mitbesitzer des Dorfes Bischofsheim aber sind die Herren von Hanau.

König Ludwig der Bayer verpfändete 1320 den Bornheimerberg, d. h. die 19 zu dem Gericht gehörigen Orte an Ulrich II. von Hanau, darunter auch Bischofsheim. Hanau wurde durch die Verpfändung und Belehnung in jahrzehntelangen Zwist mit Frankfurt verwickelt. Bischofsheim, Fechenheim und Anteile an Seckbach Praunheim wurden erst in 15. Jahrhundert endgültig von Hanau erworben. Kaiser Karl IV. verpfändette1351Grafschaft und „Centgericht“ Bornheimer Berg an Graf Ulrich III. von Hanau. Graf Reinhard II. von Hanau bekam 1434 den Bornheimer Berg von Kaiser Sigismund als Reichslehen

Nach dem Vertrage von 1458 betreffs Erbteilung zwischen Philipp dem Jüngeren (Münzenberger) und Philipp dem Älteren (Lichtenberger) erhielt Philipp der Jün­gere unter anderem auch das Zentgericht des Bornheimer Berges. Die jetzigen Justizämter Bockenheim und Bergen (worüber mit Frankfurt noch Streit war) hatte Hanau seit 1320 in Besitz.

Von den Orten, über welche sich die Zentgerichtsbarkeit erstreckte, gehörten acht ganz zu Hanau, nämlich: Bergen, Berkersheim, Bockenheim, Eckenheim, Enkheim, Gronau, Massenheim, Preungesheim. Drei oder vier hatte es nur zur Hälfte: Vilbel, Seckbach, Praunheim und vielleicht auch Bischofsheim. Die übrigen sieben oder acht dagegen besaß es nicht, nämlich Bornheim, Hausen, Oberrad, Offenbach, Nied, Griesheim, Fechen­heim und vielleicht auch Bischofsheim („gehören“ = Grundbesitz und niedere Gerichtsbarkeit).

Das Zentgericht Bornheimer Berg hatte 1607 noch 17 Dörfer. Von den ehemals 19 dazu gehörigen Orten wurde das isenburgische Offenbach im Jahre 1500 und die drei Frankfurter Orte Bornheim, Hausen, Oberrad 1481 aus dem Zentverbande ent­lassen. Es blieben also nur noch 15 Zentgrafschaftsdörfer übrig. Hanau aber ver­einigte die 1478 angekauften Dörfer Eschersheim und Ginnheim mit dem Gerichte, so daß nun wieder 17 Dörfer zum Zentgericht Bornheimer Berg gehörten.

Frankfurt verzichtete 1481 auf seinen An­teil an der Zentgerichtsbarkeit, wodurch ein langjähriger Streit beendet wurde. Hanau erwarb das Eigentum und die niedere Gerichtsbarkeit in Fechenheim 1473 und 1484; in Bischofsheim 1500, in Seckbach 1503 und 1504, zu einem Viertel in Praunheim 1470. Es hatte nun außer der Zentgerichtsbarkeit über alle 17 Orte das Eigentum und die niedere Gerichtsbarkeit in 13 ganzen Dörfern, nämlich Bergen, Enkheim, Berkersheim, Gronau, Bischofsheim, Fechenheim, Massenheim, Preungesheim, Seckbach, Bockenheim, Eckenheim, Eschersheim und Ginnheim, dazu auch noch in der einen Hälfte von Vilbel und Praunheim. Eigentum und niedere Gerichtsbar­keit fehlte ihm aber in der anderen Hälfte der letztgenannten Dörfer und in den zwei mainzischen Dörfern Nied und Griesheim.

 

Die Zentgrafschaft (Cent) „Bornheimer Berg“

Die Zentgrafschaft Bornheimer Berg mit ihren 19 bzw. 20 Dörfern war von alters her königlicher Besitz. Die Verwaltung der Grafschaft erfolgte von der königlichen Pfalz in Frankfurt aus, wo die königlichen Beamten saßen. Das Gebiet der Zent bildete zusammen mit dem Frankfurter Territorium den Fiskus Frankfurt, es war für die Stadt im Hinblick auf die Ernährung der Bevölkerung sehr wertvoll.

 

Als die Stadt Frankfurt „Freie Reichsstadt“ wurde, ihre eigene Verwaltung bekam und die königlichen Beamten abzogen, wurde die Grafschaft Bornheimer Berg von Frank­furt abgetrennt, da sie weiter königlicher Besitz blieb. Von diesem Zeitpunkt an versuchten die Hanauer Grafen Einfluß auf das Gebiet der Cent zu bekommen, um ihre Macht nach Westen auszudehnen und wichtige, das Gebiet berührende, Han­delsstraßen zu sichern. Zu diesem Zeitpunkt begann auch der jahrhundertelange Kampf zwischen der Stadt Frankfurt und den Hanauer Grafen um die Grafschaft.

 

Die Kaiser waren aus finanziellen Gründen häufig gezwungen, Gerichte, Regalien (königliche Rechte), Städte und Landschaften zu verpfänden. So verpfändete Karl IV. im Jahre 1351 die Grafschaft Bornheimer Berg für 10.000 Goldgulden an den zahlungskräftigen Grafen Ulrich III. von Hanau. Nun suchte sich der Pfandinhaber an seinem Pfande schad­los zu halten und die verbrieften Rechte der Einwohner zu beschneiden, was zu vielen Beschwerden führte.

Der Stadt Frankfurt kam die neue Nachbarschaft recht ungelegen; Frankfurt machte dreimal einen vergeblichen Versuch, sich in den Be­sitz des Pfandes zu bringen. Die Situation wurde für Frankfurt aussichtslos, als die Hanauer Grafen Vögte der Wetterau wurden und damit Reichsgut zu verwalten hatten. Die Beziehungen zum Kaiser wurden so eng, daß sie im Jahre 1429 sogar Reichsgrafen wurden.

Im Jahre 1434 gab Kaiser Sigismund gegen eine weitere Zahlung von 1.000 Goldgulden dem Grafen Reinhard II. von Hanau die Grafschaft Bornheimer Berg als Mannlehen (erbliches Lehen). Damit waren die Hanauer Grafen endgültig mit der Grafschaft belehnt, aber der Streit mit Frankfurt ging weiter. Im Jahre 1481 bekam Frankfurt nach langwierigen Verhandlungen die Orte Bornheim, Hausen und Oberrad als Reichs­lehen und entsagte dafür allen weiteren Ansprüchen. Die wirkliche Aufteilung fand erst 1485 statt, die förmliche Belehnung 1494.

Die Zent Bornheimer Berg war von jeher ein freies Märkergericht, das später sogar die Bezeichnung Grafschaft führte. Es hatte seine Malstatt auf dem Galgenberg, einer Anhöhe dicht bei Bornheim; der Weg dorthin führt heute noch den Namen „Armsünderweg“. Zu diesem Gericht gehörten folgende Orte: Nied, Griesheim, Bockenheim, Hausen, Praunheim, Berkersheim, Massenheim, Vilbel, Bornheim, Seckbach, Bergen-Enkheim, Oberrad, Offenbach, Fechenheim, Bischofsheim, Gro­nau; auch Preungesheim, Ginnheim, Eschersheim und Eckenheim hatten früher dazu gehört, waren dann aber an das Kloster Seligenstadt gekommen, von dem sie Hanau im Jahre 1478, zugleich mit Nauheim, ankaufte und wieder in den Verband der Grafschaft zurückführte.

Im Jahre 1434 gab Kaiser Sigismund den Bornheimer Berg an Graf Reinhard II. von Hanau als Mannlehen. Die Stadt Frankfurt war mit der weiteren Machtzu­nahme der Hanauer in der Zent unzufrieden und wollte auch fernerhin ihren Schultheißen dort als Richter sehen. Der Kaiser beauftragte 1453 den Dynasten Frank von Kronberg mit der Schlichtung dieses Streites.

Die Einigung kam 1461 dahin zustande, daß Frankfurt noch 20 Jahre den Richter zu bestellen hatte. Im Jahre 1481 entsagten die Frankfurter allen Ansprüchen am Bornheimer Berg. Hanau gab dafür an Frankfurt die Gerichtsbarkeit über Bornheim, Hausen und Oberrad ab. Der Schöffenstuhl wurde nach Bergen verlegt (dort ist er als Amtsgericht bis zum 15. Juli 1943 verblieben und ist dann an das Amtsgericht Frankfurt gekommen).

Der Streit zwischen Frankfurt und Hanau ging aber weiter, der Zankapfel war nun Offenbach. Dieses gehörte den Isenburg-Büdingern, gerichtlich unterstand es aber als eines der neunzehn Dörfer des Bornheimer Berges der Zent. Den Isenburgern war das lästig. Gleichzeitig gab es zwischen den beiden Streit um Bischofsheim. Durch Vergleich trat im Jahre 1500 Graf Ludwig II. von Isenburg seine Vogtei - und obrigkeitlichen Rechte zu Bischofsheim an Hanau ab, wogegen Hanau dann Offenbach vom Gericht Bornheimer Berg freigab.

Im Jahre 1648 kamen Griesheim und Nied durch Vergleich von Hanau an Mainz. Somit besaß Hanau von den neunzehn Dörfern der Zent noch Bockenheim, Ginn­heim, Eschersheim, Preungesheim, Berkersheim, Massenheim, Seckbach, Bergen-­Enkheim, Fechenheim, Bischofsheim, Gronau, Vilbel zu ½, Praunheim zu ¼.

Die Ortsbehörden der Dörfer des Bornheimer Berg-Gerichtes waren: der „Heim­burge“ oder „Borgenmeister“, der Schultheiß und die Schöffen. Die Borgenmeister waren die Verwalter des Gemeindehaushaltes, entsprachen also den heutigen Ge­meinderechnern, da sie die Gemeindekasse verwalteten.

Neben diesen Behörden stand dann noch der Zentgraf. Über seine Amtskompetenz sagt ein den Born­heimer Berg betreffender, aus dem 15. Jahrhundert stammender Vertragsentwurf zwischen Frankfurt und Hanau folgendes: Holz ausgeben, Weide hegen, Hirten, Schützen, Wächter, Pförtner, Glöckner einsetzen, Gräben innen und um das Dorf machen. Zum Geschäftsbereich der Zentgrafen gehörte danach also alles, was den gemeinschaftlichen Verband der zur Grafschaft des Bornheimer Berges gehörigen Dorfschaften betraf.

Die Gemeindebehörden waren in wichtigen Sachen an die Zustimmung des Vogtes ge­bun­den- Dieser war andererseits nicht befugt, in Gemeindesachen ohne ihren Willen zu handeln. Zur Kompetenz der Ortsgerichte gehörten neben den Zivilsachen auch die Polizei- und Frevelsachen. Die Rechtsprechung in Rügegerichtssachen blieb ihnen bis auf die neuere Zeit erhalten.

Das Amt Bergen führte bis zu dessen von Kurfürst Wilhelm II. vorgenommenen Teilung in die Ämter Bergen und Bockenheim den Namen „Amt Bornheimer Berg“. In der neueren Zeit traten am ersten Dienstag jedes Monats morgens um 10 Uhr die Zentgrafen der Amtsortschaften zu Bergen auf dem Rathaus unter Vorsitz des Be­amten zur Hegung des Gerichtes zusammen. Dieses war eine Art Rügegericht für Vergehen. Es wurden jedoch seit Menschengedenken auch peinliche Halsgerichte zu Bergen unter ihrem Beisitz gehegt, wo für Verbrechen auch die Todesstrafe ver­hängt werden konnte. Die Zentgrafen erschienen zur Hegung des Gerichtes mit einem Hirschfänger bewaffnet. Auch die Schultheißen der Ortschaften, die erst in späterer Zeit in das Amt Bergen aufgenommen waren, nahmen an der Hegung die­ses Gerichtes teil; sie waren aber unbewaffnet.

Über die Verpflichtung der Zentgrafen, bei Römerzügen des Königs zu Pferde mit ihm zu ziehen, sagt eine Archivalnachricht des Stadtarchives Frankfurt vom Jahre 1428 folgendes: Wenn ein König des römischen Reiches deutscher Nation über die Alpen nach Rom ziehen will, sind die 19 Zentgrafen des Bornheimer Bergs verpflichtet, mit dem König zu ziehen. Der Zentgraf darf sich dann alle Pferde in seinem Dorf vorführen lassen und eins davon auswählen. Die Verpflegung der 19 Zentgrafen und die Entschädigung für die Pferde müssen die Dörfer übernehmen und eventuell auch einen Vertreter stellen, wenn der Zentgraf nicht mitreiten kann.

Die Verpflichtung, bei Reichstagen oder bei Anwesenheit des Kaisers in Frankfurt für das nötige Holz zu sorgen, ist in der „Landrechtserneuerung von 1435“ näher erläutert: Wenn ein Reichstag zu Frankfurt ist, so sollen dem Kaiser die neunzehn Dörfer auf dem Bornheimer Berg Brennholz genug in seinen Hof fahren aus des Reiches Wäldern. Diejenigen, die Fuhrwerke haben, sollen das Holz fahren, die aber nicht Fuhrwerke haben, die sollen mit ihren Äxten da sein und das Holz helfen hauen, laden, tragen und entladen.

 

Die Zentgrafen

Aus dem Jahre 1400 stammt die „Alte Beschreibung und Instrument über die Kaiserlichen Landgerichte und Zehnte Bornheimer Berg“. Diese Urkunde ist im Archiv der Gemeinde in Originalschreibart als Kopie vor­handen. Es ist ein umfangreiches Weisthum, das hier vorliegt.

Weisthümer wurden erstellt, als man die bisher mündlich überlieferten Grundsätze der Rechtsprechung schriftlich festlegte. Man berief eine Anzahl sachkundiger und gut beleumdeter Männer zusammen, die nach ihren Erinnerungen anzugeben hat­ten, was rechtens sei und wie in diesem oder jenem Falle früher geurteilt wurde. Weisthümer hatten keine allgemeine Rechtskraft, sie bezogen sich immer nur auf ein Amt oder einen Ort.

Dieser Urkunde sind die Aussagen der 19 Zentgrafen aus der Grafschaft Born­heimer Berg zugrunde gelegt, die unter dem Vorsitz des Obersten weltlichen Rich­ters von Frankfurt, Dilman Gast, und verschiedenen adligen Herren aus der Graf­schaft ihre Aussagen machten.

Neben vielen weitschweifigen Bestimmungen über die Formalitäten und die zu ver­hängenden Bußen und Strafen sind interessante Aussagen über Tätigkeit und Be­fugnisse der Zentgrafen niedergeschrieben.

Der Zentgraf hatte die Pflicht, alle gerichtlich zu ahnenden Vorkommnisse, deren Behandlung über die Zuständigkeit der dörflichen Schöffengerichte hinausging, vor dem Berggericht „anzubringen“. Es war ihm ausdrücklich auferlegt, am Abend vor dem Gerichtstag alle Leute zu fragen, ob sie etwas wüßten, das vor das Berg­gericht gehöre.

Zu dem regelmäßig jeden zweiten Donnerstag tagenden Gericht hatten die Zent­grafen zu erscheinen, sie bekamen dafür eine Gebühr von 20 Pfennigen. Falls ein Zentgraf aus seinem Dorf keine Klage vorzubringen hatte, konnte er zweimal dem Gericht fernbleiben, zum dritten Mal hatte er zu erscheinen.

Seine Gebühr stand ihm auch bei zweimaligem Fernbleiben zu, blieb er wieder fern, so fiel das Geld dem Richter zu. Wurde ein Zentgraf jedoch geladen, so hatte er zu erscheinen und konnte bei Fernbleiben in Strafe genommen werden. Diese Strafe erhöhte sich bei konstantem Nichterscheinen zweimal beträchtlich (der sogenannte „Rutscherzins“).

Vor Beginn der Gerichtsverhandlung mußten die Zentgrafen „den Eid staben“, das heißt den Richterstab berühren, um an ihren Eid erinnert zu werden. Der Zentgraf sollte ein „Gleichmann“ sein, den Armen und den Reichen, also ohne Ansehen der Person urteilen. Ein Zentgraf war nicht absetzbar, nur wenn sich seine Unfähigkeit herausstellen sollte, wenn er sich schuldig gemacht hatte oder wenn er freiwillig sein Amt nieder­legte. Bei seiner Entlassung mußte er schwören, niemals mehr im Bereiche des Ge­richtes ein öffentliches Amt anzunehmen.

Bei dem Tode eines Zentgrafen hatten sich die beiden Zentgrafen der nächstgelege­nen Nachbardörfer in den Ort zu begeben und ohne alle Geschenke den Mann zu wählen, der als der Beste erschiene; diese Wahl hatten sie auf ihren Eid zu nehmen. Am nächsten Gerichtstag hatten sie den Erwählten dem Gericht vorzustellen, worauf der neue Zentgraf vereidigt wurde.

Ein Zentgraf hatte bedeutende Rechte. Von seinem Besitz waren acht Huben Land völlig steuerfrei, auch die Schafe, die er auf diesen Huben halten konnte, wurden nicht besteuert. Er brauchte auch weder Hirten- noch Weidegeld zu zahlen.

Das Berggericht war auch Berufungsgericht für Entscheidungen vor den Dorfge­richten. Mußte der Zentgraf in einem Berufungsverfahren zum Gericht, so hatte ihm die Gemeinde einen Tournos (Geldmünze) zu geben. Diese Münze erhielten auch die Zeugen, die der Zentgraf mitnahm. Nach dem Urteil der Zentgrafen hatte der im Berufungsverfahren Verurteilte den Zentgrafen ein Viertel Wein zu zahlen von dem besten, den es in Frankfurt zu kaufen gab.

Bei der Ernte kam der Stöcker von Frankfurt in die Dörfer, um seine Sichlinge zu heischen. Diesem Stöcker hatte der Zentgraf den Dorfbüttel zur Verfügung zu stellen, wofür der Zentgraf eine „gewisse hube“ bekam, wahrschein­lich vier leichte Pfennige. Hatte ein Verurteilter seine Strafe nicht bezahlt, und hatte sich seine Strafe durch den Rutscherzins auf das Höchst­maß erhöht, so mußte der Zentgraf, ohne jemand zu fragen, die Pfändung vor­nehmen.

Die Zentgrafen hatten eine starke Stellung und waren oft gefürchtet. Sie haben sich häufig Übergriffe erlaubt und mußten von der Obrigkeit zurechtge­wiesen werden. Sie wurden nicht wie Bürgermeister, Schöffen und Presbyter demo­kratisch gewählt, sondern von der Obrigkeit bestimmt und waren somit ein Organ des Staates in der Gemeinde.

 

 

Weisthümer zu Bischofsheim

1303:

Im Weistum zum Bornheimer Berg, zu dem Bischofsheim gehört, werden die Landrechte der Grafschaft festgelegt, „mit denen Geistliche, Bürger und andere sich und ihre Landsiedel ungerechten Zwang und Dienst in den Dörfern erwehren sollen“. Das Weistum wird ausgefertigt „unter den edlen Ulrich von Hanau, dem Landvogt des Königs und Herrn Götz Beyer, Ritter und Schultheiß von Frankfurt“.

 

14. Januar 1460:

Im Namen des Herren. Im Jahr 1460, am Montag, dem 14. Januar um zehn Uhr vormittag, wurde das Ge­richt eröffnet unter der Linde, an der Stätte, da man das weltliche Gericht des Dorfes Bischofsheim im Bistum Mainz zu halten pflegt. Es kamen zusammen die verständigen und erfahrenen Männer mit Namen Henne Muss (Schultheiß), Konrad Schneider, Wigel Becker, Renne Crappeln, Clese Culmans, Konrad Fritze, Henne Becker und Clese Eypeln, sämtlich Schöffen des Gerichts zu Bischofsheim,

Vor dieses Gericht kam der Junker Ruprecht von Karben, im Auftrag Junkers Diether von Isenburg, Herrn zu Büdingen, setzte sich zu den Schultheißen am Gericht und ermahnte die genannten Schöffen an ihre Eide, die sie dem Schöffenstuhl und dem Gericht geleistet hätten: Sie sollten sich erkundigen und bereitwillig dem Junker von Isenburg seine Rechte in Gericht und Dorf zu Bischofsheim weisen. Nach einer längeren Beratung legte das Gericht durch den Mund des Schöffen Konrad Fritze das Nachgeschriebene fest:

Zum ersten sprach der obengenannte Konrad: Der Junker von Isenburg hat zu gebieten, zu verbieten, zu weisen und zu verweisen, Geleit zu ge­ben, wegen Schuld auf seinem Eigentum zu pfänden, und zwar soweit der Schutzbann reicht. Stürbe ein Fremder oder ein Einwohner auf dem Eigenbesitz des Jun­kers von Isenburg oder er habe so viel von des Junkers Besitz, daß er einen dreibeinigen Stuhl darauf stellen könnte, so hat er im Todesfall dem Junker das Besthaupt (das beste Stück Vieh im Stall) zu­ liefern. Der Junker geht mit seinem Anspruch in jedem Fall voran. Ist ein solcher Mann gestorben, sollen Schultheiß und Schöffen diesen begraben, danach in seinem Hof gehen und das Besthaupt auswählen.

Jeder abwesende Schöffe wird mit einem Viertel Wein gestraft, zugunsten des Schultheißen und der übrigen Schöffen. Von diesem Viertel soll der Schultheiß den Schöffen den vierten Teil geben. Jeglicher, der soviel Land besitzt, daß er einen dreibeinigen Stuhl darauf zu stellen vermag, soll die vier nicht verpflichtenden Gerichte besuchen. Wer dies unterläßt, zahlt den Hübnern zwanzig Pfennige als Strafe, ein Schöffe das Doppelte. Wer obengenanntes Eigen­tum innehat, soll niemanden vor das Geistliche Gericht laden, bei Strafe von fünf­zehn Tournosen, die je zur Hälfte dem Junker und den Hübnern fallen.

Zieht der König zur Krönung nach Rom, sind dem Junker 23 ½ Pferde (23 Pfer­de, 1 Maultier) in dem Fronhof bereitzustellen. Erscheint dieser, hat man ihm zu geben, was auf der Hube gewachsen ist: Geflügel, Schweine, Wein, Rauhfutter; damit soll er sich genügen lassen. Sein Aufenthalt soll auf einen Tag beschränkt sein. Will der Junker nun aufbrechen, soll man ihm ein Saumpferd zwischen 1½ und 3 Mark Wert stellen. Kehrt er vor Erreichen des Ziels zurück, soll das Pferd unversehrt dorthin zurückgegeben werden, woher es genommen ist.

Der Junker soll auf dem Fronhof ein Gefängnis haben dürfen, in dem derjenige zum Gehorsam gebracht wird, der den Geboten des Junkers, seiner Amtmänner oder des Gerichts zuwiderhandelt. Dem Junker stehen 23 ½ fuldischer Huben zu - wobei eine fuldische Hube doppelt zählt -; sie sind gelegen, soweit der Schutzbann reicht. Diese sind des Junkers Eigen und des Leibeigenen Lehen.

Jede Hube gibt zu Zins ein Malter Korn, zehn Ohm Wein, ein Huhn, zehn Eier und zehn Schillinge an vier Jahresterminen. Hinzu kommt ein halbes Achtel Hafer. Die Frucht ist nach dem Seligenstädter Maß gestrichen zu messen, jeder vierte Simmer nach dem Frankfurter gehäuft. Von den 23½ Hofreiten, genannt „Huphofreiten“ oder „Hofstätten“, fallen dem Junker je 13 Heller und ein Fastnachtshuhn zu. Von jeder Herdstatt fallen eine Meste (Getreidemaß) Hafer Seligenstädter Maßes, die Schöf­fen sind davon befreit. Jeder Untertan des Junkers gibt ein Fastnachtshuhn.

Aus allen diesen Abgaben erhält der Schultheiß ein Malter Korn und zehn Ohm Wein, der Büttel ein Malter Korn und ½ Achtel Hafer, sowie ein Eimer Weizen - der Eimer umfaßt fünf Viertel. Der Junker soll von dem Spitalgut den vierten Dienst und ein Viertel der Weide erhalten, von dem Brühlwiesen die Hälfte des alten Heus; wäh­rend der Pfarrer von allen Wiesen einen Wagen Heu erhält.

Der Besitzer der Brühlwiesen soll diese zwischen acht Tagen vor und nach St. Johann Geburt mähen, sodann dem Schultheiß davon Bescheid geben. Darauf gehen beide zum Pfarrer, daß er sein Heu einführen lasse. Der Pfarrer soll sich aus einem Stall des Junkers vier Pferde nehmen, wofür er dem Halter Sicherheit zu leisten hat. Mit diesen fährt er auf die Wiese und darf soviel Heu aufladen wie ihm beliebt. Dann soll der Schultheiß die Heugabel vor die vorderen Räder werfen und der Fuhrmann dreimal versuchen anzufahren. Gelingt ihm das nicht, sind Pferde mit Wagen und Ladung dem Junker verfallen, von dem sie aber wieder gelöst werden können.

Die obengenannten Gülten (Hauptabgabe von einem bäuerlichen Zinsgut) sollen die Hübner in die Kellerei des Junkers nach Bü­dingen oder Dreieichenhain liefern. Aus diesen Einkünften sollen höchstens drei Beamte des Junkers unterhalten werden, wenn sie nach Bischofsheim kommen, ohne Belastung der Einwohner.

Kämen aber mehr, sollen diese vom Schultheißen unterhalten werden; die Kosten sind von den Einwohnern zu ersetzen. Bleiben einer oder mehrere ihre Gültzahlung schuldig, mag sich der Junker an den Schuld­ner halten und solange Einlager auf der Hube vornehmen, bis er bezahlt ist.

Aus den dem Schultheißen zufallenden Einkünften soll dieser jährlich am Donnerstag vor oder nach St. Martin den Schöffen oder dem Gericht ein Essen geben oder dessen Kosten ersetzen. Will er eine Mahlzeit geben, sollen die Schöffen mit ihren Frauen und dem jüngsten Kind am Vortag durch den Büttel dazu geladen werden. Bliebe einer der Schöffen dann aus, hat er den übrigen ein Viertel Wein zur Buße zu geben.

Der Schultheiß soll den Schöffen zu der genannten Mahlzeit sieben Gerichte geben: zweierlei Gemüse und fünferlei Fleisch. Die Schöffen sollen bei rauchlosem Feuer warm sitzen. Nach der Mahlzeit hat der Schultheiß die Schöffen zu fragen, ob er das Essen nach altem Herkommen ausgerichtet habe. Darauf sollen sich die Schöf­fen untereinander beraten und der Älteste fragt den Jüngsten, ob ihm Genüge ge­schehen sei. Wird diese Frage beantwortet, soll das Gericht des Junkers dem Schultheißen und denen, die zur Tafel gedient haben, danken. Verneint jedoch der Jüngste, hat der Schultheiß die Bewirtung nachzuholen und die Schöffen mit ihren Frauen und Kindern in der oben beschriebenen Weise zufrieden zu stellen. Nach der Mahl­zeit gibt der Schultheiß ein Viertel Wein, der von einem Gut, genannt das „Fedengut“, anfällt.

Die Schöffen sollen denen, die aufgewartet haben, die Hälfte des Weins schen­ken. Wenn bei Mißwachs die Hube keinen Wein trägt, so fährt der Inhaber nach Frankfurt und kauft dort herben (guten), aber keinen faulen (sauren) Wein, mit dem der Junker bezahlt wird. Geschieht es, daß einem auf seiner Hube Wein wächst, dem anderen jedoch nicht, kaufen der Schultheiß und der Aufseher der Weinernte den fehlenden Wein bei dessen Nachbarn und bezahlen damit den Junker, darauf nehmen sie vom Schuldner Pfänder oder dessen Besitz zu Händen des Junkers.

Über diese beschriebenen Rechte hinaus soll der Junker die Hübner nicht beschwe­ren und höhere Abgaben fordern, sondern sie treulich schützen und schirmen.

Auch erklärten die Schöffen in ihrem und im Namen der ganzen Gemeinde, daß sie sowohl der Herrschaft von Falkenstein als auch dem Junker von Isenburg Dienste geleistet hätten, sie wüßten jedoch nicht, ob dieser Dienst aus einem Recht herrühre oder freiwillig geleistet wurde oder wird. In übereinstimmender Weise ist dies erkannt worden, als sich die Schöffen in Gegenwart der Beauftragten der Herren von Isen­burg und Hanau vormals im Hause des Pfarrers darüber erklärten.

Das Gericht erkannte auch für Recht, daß nach altem Herkommen die Überein­kunft die Dächer betreffend: Schultheiß und Schöffen sollen die Häuser besehen und mit einem Viertelskrug versuchen durch das Dach ins Freie zu stoßen. Berührt dabei kein Halm den Krug ist der Hausherr fünfzehn Tournosen zur Strafe verfallen, die je zur Hälfte dem Junker und den Hübnern fallen.

Errichtet man Befestigungen oder an­deres auf dem Eigentum des Junkers, hat der Schultheiß die Aufsicht. Dieser hat auch den Wein, der ausgeschenkt werden soll, nach St. Martin zu schätzen und nicht vorher.

In dem obengenannten Jahre am 11. Februar gegen Mittag, als die Schöffen in einer Scheune des Dorfes Bischofs­heim an gehegtem Gericht saßen um Urteil zu sprechen, sagte der Schult­heiß, in meiner, des genannten Notars und der unten verzeichneten Zeugen Gegenwart, mit lauter Stimme, diese oder jedenfalls der Bedeutung nach folgende Worte: „Da ihr hier vor Gericht steht und nach dem Eid verpflichtet seid, die Rechte unseres gnädigsten Herr Junker festzuhalten, wäre es ge­raten, die Dinge, die ihr vergessen habt, außerhalb der Sitzung zu bedenken“. Sie gingen also hinaus, berieten sich eine längere Zeit, und als sie sich wieder zu Gericht setzten, wiesen sie als Recht aus: Wenn jemand der Buße verfallen, habe er dem Junker 7½ Schilling Pfennige zu zahlen.

Über alle diese oben beschriebenen Urteile, Sachen, Punkte und Artikel ersuchten Junker Ruprecht von Karben und Schultheiß Henne Muss, mich, den Notar, da­rüber ein Notariats­instrument zu verfertigen, in dem alles niedergelegt ist.

Hierbei sind gewesen: Johann Symon, Pfarrer zu Bischofsheim, Caspar Ruprecht, Amtmann zu Büdingen, Bernhard von Schwalbach, Closs von Rumpenheim, Edelknechte, und Ludwig Schreiber des Junker Philipps von Hanau.

Bei der letzten Handlung in der Scheune sind gewesen: Johannes und Contz Beyer, Priester, Edelknechte und Laien des Mainzer Bistums, die zum Zeugnis dieser Dinge gebeten und geladen wurden.

Schließlich habe ich, Johannes Usungen, Kleriker des Mainzer Bistums, der bei allen vorgeschriebenen Dingen gegenwärtig war, diese gesehen und gehört und eigen­händig geschrieben in die Form des gegenwärtigen Instruments gebracht und mit meinem Namen und gewöhnlichen Notariatszeichen versehen.

 

29. Oktober 1503:

Das sind die Landrechte der Grafschaft zum Bornheimer Berg, mit denen sich Geist­liche, Bürger und andere sich und ihre Einwohner („Landsiedel“) ungerechtem Zwang und Dienst in den Dörfern erwehren sollen.

1. Von Geistlichen, Bürgern und anderen, die Güter in der Königsgrafschaft zum Bornheimer Berg liegen haben, wird geklagt, daß man ihre Einwohner in den Dörfern zu ungerechtem Dienst von Wasser und Weide zwinge. Diesen Dienst sind sie jedoch niemand anderem als dem König zu tun schuldig. Diese Klage wurde vor die Schöf­fen von Frankfurt und den dortigen Rat, sowie die Zentgrafen des Bornheimer Bergs gebracht.

Diese luden dazu die Ritter, die Amtsleute des Königs von alters her waren, und wurden miteinander einig und teilten einmütig mit, daß Wasser und Weide dem König zustehe und keinem anderen Herren, und daß man davon in den Dörfern nur diesem dienen soll und keinem anderen Herren. Wenn also ein Stift oder ein Ritter oder Edelknecht einen Hof in einem Dorf der Königsgrafschaft liegen hätten, darüber sie Vögte wären, so sollten sie ihr Vogtrecht über Hof und Gut nach dem Rechte wahrnehmen, dem die Leute unterliegen, die Gut des Hofes erblich besessen haben. Auch sollen in Zukunft Güter des Hofes mit mehr Diensten beschwert werden, wenn in dem Hof geteilt wird.

2. Die Vögte sollen außerhalb ihres Vogthofes und ihres Gutes niemandes Gut noch Einwohner zu einem Dienst drängen. Handelten die Vögte dem aber zuwider, sollte dies der Amtmann des Königs mit Hilfe der Stadt Frankfurt abstellen. Wenn der Amtmann ihres Hofes das Vogt­gut über die zustehenden Dienste hinaus ohne Erlaubnis der Vögte beschwert, ist dies nach Hofrecht zu büßen.

3. Wer Hofgut um die Hälfte des Er­trages verliehen hat, besitzt sein Gut nach Hofrecht. Sein Landsiedel soll dem König „von des Pfluges Diele“ dienen. Wenn aber der Lehns­herr des Land­siedels seinen Anteil verlangt, dann muß der Landsiedel den Vögten ihr Vogt­recht vom Hofgut leisten, dem König aber von Wasser und Weide dienen.

4. Von den Landleuten wurde ge­klagt, daß man sie zweifach um ihr Landrecht bringe. Darauf wurde von den Zentgrafen einstimmig gewiesen, daß man niemand zu Landrecht anderswohin als an das Königsgericht zum Bornheimer Berg laden soll, da der König über Hals und Haupt richten soll und über alles was klagbar ist im Land. Mit einer Einschränkung jedoch: Wenn jemand Schwert, Messer und Kolben zieht und noch keinen sichtbaren Schaden tut, soll dieser dem Zentgrafen in dem Dorf oder auf dem Felde, da das geschah, die Missetat nach dem Rechte büßen, das auf dem Bornheimer Berge gilt.

5. Niemand im Lande soll einen Frevel um Wunden und zerrissene Kleider büßen noch von solchen Dingen, die dazu gehören, als dem König allein. Geschehe es aber, daß wegen der vorgenannten Frevel jemand im Lande Geldbuße fordern will, soll dies vom König oder seinem Amtmann abgestellt werden, da niemand die Buße eines Frevels for­dern soll außer dem König.

6. In keinem Dorf der Königs­grafschaft soll jemand einen „Sonderhirten“ haben, außer mit Willen der Leute, die dem König in den Dörfern Wasser und Weide verzinsen sollen. Wollten die Leute nun jemand einen Sonderhirten in den Dörfern oder eine Schäferei erlauben, so soll ihnen der Schäfer seinen Teil des Königsdiensts beitragen, sie wollen es ihm denn erlassen.

7. Wenn jemand mit Gewalt und un­gerechten Forderungen die Leute in den Dörfern belaste durch hindern oder bedrängen, soll das vom königlichen Amtmann verurteilt und abgestellt werden.

8. Wenn jemand auf dem Land gegen den Willen des Dorfes Frucht auf die Almende säen würde, kann diese von einem Frankfurter Richter gemäht werden. Wollten die Leute eines Dorfes der genannten Grafschaft ihre Almende besehen, sollten Richter und Landleute dabei sein, damit die Almende nicht geschmälert werde. Der Amtmann des Königs und ein Richter von Frankfurt mögen in allen Dör­fern der Grafschaft die Almende verteilen und besehen, wann sie wollen, auch wenn sie vom Dorf nicht dazu gebeten werden.

9. Wenn der König fern ist soll die Grafschaft der Stadt Frankfurt mit aller Macht dienen, mit der Bedingung, daß die Stadt die Dörfer und ihre Bewohner befrieden und beschirmen soll, soweit es in ihrer Kraft steht.

10. Niemand am Land­gericht soll ein Sonderurteil sprechen, das in den Dörfern zustande gekommen ist. Wenn also Urteil im Dorfe gesucht wird, soll man zwei Einwohner des Dorfes mit dem Zentgrafen an das Landgericht vor die Zentgrafen schicken; die mögen richten nach bestem Vermögen, wie sie dem Lande geschworen haben. Das Urteil soll nach Zustimmung der Zentgrafen von den Dreien im Dorf bekanntgemacht und vollzogen werden.

11. Auch soll man am Landgericht niemand verklagen, dem der Amtmann des Königs wegen Landfolge oder anderer Sache geboten hat zu kom­men. Geschieht dies aber, so soll ihn das Königsgericht ledig machen, da es vordringlich ist, an das Landgericht zu kommen, wie es ein Amtmann des Königs oder ein Richter von Frankfurt gebieten.

12. Kein Dorf noch jemandes Gut sind gegen ihren Willen zu einem Sonderdienst verpflichtet; denn die Dienste für den König soll das Land gemeinsam tun und jeder nach seinem Vermögen, wie er in dem Dorfe sitzt und Wasser und Weide nutzt.

13. Jeder Hirte eines Dorfes darf das Vieh über die Gemarkung eines anderen Dorfes treiben, wo es ohne Schaden möglich ist. Auch der Gemeindehirte von Frankfurt hat das Recht zum Trieb. Ausgenommen ist jedoch, daß man Vieh in die Holzmark der Dörfer treibt.

14. Der Amtmann des Königs und ein Richter von Frankfurt haben Macht, den Dörfern zu gebieten an das Landgericht alles das zu bringen, was den Dörfern schädlich ist, wie auch den Leuten. Ebenso was dem Königsrecht Abtrag tut, sei es an Feld, Wasser und Weide, an rechtem Gericht und unrechtem Dienst sowie ungerechter Forderung. Alles dies sollen die Amtleute den Dörfern mit Hilfe der Stadt Frankfurt abstellen helfen.

15. Es haben die Zentgrafen das Recht, in den Dörfern keinen Dienst zu tun. Der Stadtknecht von Frankfurt soll ihnen in der Stadt unentgeltlich ihr Recht wei­sen und ihre Aufgaben. Sie sollen zur Ernte in den Dörfern Körbe oder ähnliches be­reitstellen, um ihre Garben (Sichlinge) zu erlangen. Sie sind dafür jedermann eine weiße Haube oder zum Ersatz vier leichte Pfennige schuldig.

Diese vorgenannten Sachen um die Drangsal des Landes und die Klage der Leute wurden vor dem Landgericht zum Bornheimer Berg ausgerichtet vor der Stadt Frankfurt und den Zentgrafen, am Dienstag vor dem Allerheiligentag unter dem edlen Ulrich von Hanau, dem Landvogt des Königs, und Herrn Götz Beyer, Ritter und Schultheiß von Frankfurt, 29. Oktober 1303.

 

Schiedsspruch über das Isenburgische Gericht zu Bischofsheim von 1535:

Das Weisthum von Bischofsheim aus dem Jahre 1503 ist weitgehend gleichlautend mit dem Weisthum des gleichen Ortes von 1460. Neu ist nur der Schiedsspruch:

§ 1: Es ist zunächst in diesem Vertrag festgelegt, daß Graf Ludwig von Isenburg und seine Erben ihr Gericht zu Bischofsheim haben und behalten sollen. Isenburg klagt, daß wenn Kläger oder Beklagter Zeugen vor das Isenburgische Gericht laden wol­len, der Hanauer Zentgraf diese laden will. Hanau gibt diesen Sachverhalt zu, meint auch, daß dies ihm und nicht Isenburg gebühre; seine Handlungsweise werde auch durch den vorigen Vertrag (Schiedsspruch von 1500) gestützt.

Es wird für Recht erklärt, daß der Isenburgische Schultheiß zu Bischofsheim die­jenigen Zeugen, die Isenburgische Güter innehaben, vor das Isenburgische Gericht laden soll. Wenn Kläger, Beklagte oder Zeugen keine Isenburgischen Güter be­sitzen, soll auf Ansuchen und Bitte des Isenburgischen Gerichts durch den Hanau­ischen Zentgrafen vorgeladen werden, oder die Obrigkeit, unter der die Zeugen sitzen,

§ 2: Zum zweiten klagt Isenburg, daß wenn über den Verkauf isenburgischer Güter gehandelt werde, sich der Zentgraf unterstehe, solches am hanauischen Gericht vor­zunehmen und in das Hanauer Gerichtsbuch zu schreiben. Hanau gibt zur Entschuldigung an, daß durch eine Registrierung dieser Käufe vor seinem Gericht niemand sowenig ein Abbruch oder Eintrag geschehe, als wenn die Parteien dies vor einem anderen Gericht oder dem Notar tun ließen, da es nicht um eine gerichtliche Handlung ginge.

Die Schiedsrichter erklären, daß die Bestätigung und Einschreibung von Kauf und Verkauf künftig auch vor dem isenburgischen Gericht geschehen soll.

§ 3: Zum dritten klagt Isenburg, daß in den Fällen, wo es sich um Auseinandersetzun­gen über das Vertreiben von Fremden aus der Gemarkung binnen Jahresfrist handelt, solches vor dem hanau­ischen Gericht entschieden werden soll. Hanau antwortet darauf, daß Isenburg dadurch an seinem Gericht kein Abbruch geschehe, denn Hanau wollte nicht unterlassen, diese Dinge auch vor seinem Gericht zu verhandeln, weil es sich nicht vornehmlich um isenburgische Güter handele, bei denen es landesüblich ist so zu handeln.

Der Schiedsspruch lautet: Wenn aus so gearteten Ursachen Beschlagnahme oder Pfändung entstehe, sind diese Dinge auch vor dem isenburgischen Gericht zu verhandeln.

§ 4: Zum vierten klagt Isenburg: Wenn jemand isenburgische Güter in Bischofsheim innehabe, die er versetzt, verpfändet oder mit Hypotheken belastet hat und diese später wieder entschulden will, ziehe der hanauische Zentgraf die Beurkundung der Ab­lösung vor das hanauische Gericht. Hanau entschuldigt sich damit, daß es hierbei nicht um isenburgische Güter oder Zins von diesen gehe, sondern allein um Zins, der von den Gütern der Bauern herrühre; weshalb diese Sachen nach dem Schieds­spruch von 1500 vor das hanauische Gericht gehörten.

Es wird für Recht erklärt, daß die Aufkündigung einer Ablösung des Zinses und daraus sich ergebender Streit durch den isenburgischen Schultheißen vor dem isenburgischen Gericht in Bischofsheim zu verhandeln ist.

§ 5: Zum fünften und letzten wird durch Isenburg geklagt: Der hanauische Zentgraf unterstehe sich, isenburgische Güter zu pfänden und mit Bußen zu belegen. Darauf antwortet Hanau, daß sich sein Zentgraf dessen nicht bewußt sei. Es räume jedoch ein, daß es durch seinen Zentgrafen die Ernte auf isenburgischen Gütern mitunter verboten habe, wozu es auch meine ein Recht zu haben, um die Parteien zu dem Ihren kommen zu lassen.

Es ist von den Schiedsrichtern für Recht erkannt worden, daß allein der isenburgische Schultheiß auf isenburgischen Gütern zu pfänden hat, solange die Ernte noch auf dem Halm steht; ist sie jedoch abgeschnitten, soll Hanau über diese Ernte den Parteien zu ihrem Recht verhelfen dürfen.

 

Die Entstehung der isenburgischen Sonderrechte in Bischofsheim 1443

Kaiser Karl IV. hat die Grafschaft oder auch das Zentgericht Bornheimer Berg mit seinen 19 Dörfern im Jahre 1351 an den Grafen Ulrich III. von Hanau verpfändet. Im Jahre 1434 erhält Graf Reinhard II. von Hanau die Grafschaft von dem Kaiser Sigismund sogar als Reichslehen zugesprochen. Man solle meinen, daß nun Bischofsheim völlig zu Hanau gehört habe. Woher stammen nun die isenburgischen Rechte?

Schon im 13. Jahrhundert sind außer den Hanauer Grafen auch die Herren von Hohenfels als Mitbesitzer des Dorfes und des Gerichtes Bischofsheim genannt. Es hat sich bisher nicht klären lassen, wie sie zu diesem Besitz gekommen sind. Simon (Geschichte des reichsständischen Hauses Ysenburg und Büdingen, 1. Bd. S.178 ff) vermutet, daß sie diesen Besitz durch eine hanauische Mutter bei einer Erbteilung erworben haben. Sie hatten ihre Besitzrechte an Bischofsheim aber nur bis zum Jahre 1283.

Jetzt gingen diese Rechte durch Kauf an den Grafen Philipp I. von Falkenstein über. Hanau und Falkenstein teilten sich nun gemeinschaftlich diesen Besitz. Mit Werner, dem Kurfürsten und Erzbischof zu Trier, starben die Falken­steiner im Jahre 1418 aus. Nun begann die Falkensteinische Erbteilung. Da schon damals die Herrscherhäuser weitgehend untereinander verwandt und versippt wa­ren, wurden an dieser Erbteilung die Geschlechter derer von Solms, Eppstein, Lich, Braunfels und Isenburg beteiligt.

Am 21. Mai 1419 hielt man in Butzbach den Familientag ab. Man teilte die Erbschaft erst einmal in drei Teile: 1. den Butzbacher Teil, 2. den Hainer (Dreieichenhainer) Teil, 3. den Licher Teil.

Von jedem dieser Teile erhielten die beiden Söhne der Luckarte von Eppstein, einer geborenen Falkenstein, ein Drittel. Die übrigen zwei Drittel kamen an die Kinder der Agnes von Falkenstein, die einen Grafen von Solms geheiratet hatte. Es waren fünf Erben, die zunächst einmal beschlossen, das Erbe gemeinsam zu ver­walten. Das stellte sich schon im ersten Jahr als unmöglich heraus, und so wurde auf Antrag des Dieter von Isenburg, der eine Gräfin Elisabeth von Solms geheiratet hatte, im Mai 1420 die Teilung des Erbes beschlossen und durchgeführt.

Dieter von Isenburg erhielt Burg und Stadt Assenheim, die Herrschaft Hayn in der Dreieich, Obererlenbach, Burg und Dorf Vilbel, den Zehnten in Nierstein, außerdem Steuerrechte in Petterweil, Strassheim, Niederroßbach, Bönstadt, Rodischen, 1/5 von Burg und Stadt Münzenberg, den Titel eines Vogtes daselbst und den Wildbann Drei­eich.

Dieser Teil gehörte ihm aber nicht allein, sondern er mußte ihn mit der verwit­weten Gräfin Anna von Sayn teilen. Diese heiratete dann wieder einen Grafen von Loen, und die Teilerei ging wieder los. Der Graf von Loen, der seine Frau vertrat, erhielt nun unter anderem die Hälfte vom Hayn in der Dreieich, von Langen, Offenbach, Petterweil und Assenheim, ferner ganz die Dörfer Sprendlingen, Mörfelden, Nauheim, Duden­hofen, Arheiligen und ein Viertel von Vilbel. Dieter von Isenburg erhielt die andere Hälfte der genannten Orte, ganz jedoch die Dörfer Götzenhain, Offenthal, Trebur, Bischofsheim bei Bergen, Königstädten, Geinsheim, Kelsterbach, Hechtsheim und Weisenau.

Die verzwickte Verteilung der Gerechtsame auf die einzelnen Erbenden wird nun dadurch noch schwerer zu durchblicken, daß Anna von Loen 1446 ihren An­teil an Dieter von Isenburg, Reinhard von Hanau und Frank von Kronberg verpfändet. Jedenfalls ist Dieter von Isenburg von 1443 an im Besitz der ehemals hohenfelsisch-­falkensteinischen Rechte in Bischofsheim.

Da sich aber Hanau von jeher bemühte, die einzelnen Dörfer des Gerichtes Bornheimer Berg ganz in seine Hand zu bekommen, ist es erklärlich, daß der Streit um das Dorf Bischofsheim nun zwischen Dieter von Isen­burg und Reinhard von Hanau weiterging.

 

So suchte man 1446 am Donnerstag nach Pfingsten in einem Übereinkommen in Bischofsheim die Gerechtsame abzugrenzen. Dieter von Isenburg war vertreten durch Ruprecht von Karben, Christian Gans von Büdingen und Philippus Henne; der Graf von Hanau hatte als seine Vertreter Henne von Prunheym, Dietherich Specht von Bubenheym und Petrus Kohlingen gesandt.

Bei dieser rechtlichen Auseinandersetzung legten die Isenburger Vertreter ein kurz vorher von ihnen in Bischofsheim unter Mitwirkung des Schultheißen und der Schöffen aufgenommenes Schriftstück vor, das die Rechte der Isenburger be­weisen sollte: Die „armen Leute“ zu Bischofsheim sollten von der Atzung befreit sein, aber 40 Gulden ( jedem Herrn 20) jährlich auf St. Martinstag geben, solange bis einer der beiden diese Übereinkommen wieder aufsagt.

Dieses Schriftstück ist unter dem Namen „Das Weisthum von Bischofsheim“ bekannt geworden.

 

Unter der Linde zu Bischofsheim werden im Jahr 1460 dem Grafen Diether zu Isenburg (Herrn zu Büdingen) seine „Rechte in Gericht und Dorfe zu Bischofsheim“ bestätigt; die Rechte gehen in Jahre 1500 auf Hanau über. Bischofsheim ist zu dieser Zeit mit einem Heggraben umgeben. Hanau-Münzenberg erwirbt 1500 Eigentum, niedere Gerichtsbarkeit und Vogtei von Graf Ludwig II. von Isenburg; Isenburg behält jedoch das Hübnerrecht. Durch die beiderseitigen Rechte der Grafen von Isenburg und Büdingen und der Grafen von Hanau in Bischofsheim. Hanau betonte immer, es habe die Oberherrschaft, Isenburg nur einzelne Rechte aus Gütern und Zinsen, aber Bischofsheim gehöre zum Gericht Bornheimer Berg.

Es wurde entschieden, daß Isenburg an Hanau die Obrigkeit zu Bischofsheim und den Wildbann daselbst abtrete. Ferner sollen die 20 Gulden, die Isenburg als Atzung erhalten hat, Hanau zufallen. Isenburg hat nur auf den Gütern Atzung zu beanspruchen, wo ein von ihm eingesetzter Schultheiß ist. Hanau gab dafür seine Gerechtsame, die geistliche und weltliche Jurisdiktion zu Offenbach, welcher Ort aus der Münzenberger Erbschaft an Isenburg gekommen war, an letzteres ab und löste das Centgerichtsverhältnis von Offenbach zum Bornheimer Berg (es ist also nicht so, daß Bischofsheim gegen Offenbach getauscht wurde, sondern nur einzelne Rechte und Einkommen wurden ausgetauscht.

Das Dorf bannte 1538 völlig nieder und wird an der heutigen Stelle (rund um die Kirche) neu aufgebaut. Die Herrschaft Hanau gab „den armen verbrannten Leuten“ Bauholz. Der neue Ort wurde mit primitiven Befestigungsanlagen leidlich geschützt. Diese Anlagen bestanden aus zwei Gräben, dem inneren Dorfgraben und dem äußeren Stumpf- und Haingraben. Dazu kam noch ein bepflanzter Wall mit Dornenhecken.

 Bei den alteingesessenen Bischofs­heimern hält sich hartnäckig die Kunde, daß das alte Dorf im Dreißigjährigen Krieg von den Spaniern abgebrannt wurde. Diese Überlieferung stimmt auf gar keinen Fall, denn es steht eindeutig fest, daß das alte Bischofsheim, etwa zwischen der heutigen Alten Dorfstraße, der verlängerten Zwingerstraße, dem Kreuzstein und der Hochstädter Straße gelegen, im Jahre 1538 völlig abbrannte. Auch dieses „Alte Dorf“ war durch Heeggraben und Hecke geschützt. Ebenfalls hatte es ein „Spielhaus“ (Rathaus). Alle Versuche, in Archiven Berichte über den Brand zu finden und die Gründe der Bewohner, ihr Dorf an anderer Stelle wieder aufzubauen, sind bisher erfolglos geblieben.

 

Das Isenburgische Partikular- oder Hubengericht zu Bischofsheim 1607

Die Rechtsverhältnisse in der Dreieich haben sich allmählich entwickelt. Neben den einzelnen (überlieferten) Märkergerichten entsteht oder wird eingesetzt das Hüb­nergericht des Gesamtwaldes. Außer dem Hübnergericht des Reiches werden unter­geordnete Hubgerichte und die Landgerichte gebildet. Während das Hübnergericht nur für den Wald zuständig war, hatten die Hubgerichte sich mit Rechtsfragen zu befassen, welche die Landhuben, also die zum Ackerbau freigegebenen Flächen, betrafen. Diese Flächen waren in der Regel auf Rodungen entstanden.

In den Akten „Frankfurt contra Ysenburg“ berichtet der Amtmann Weiss in Bischofsheim anno 1607: „Die Grafen zu Isenburg haben kraft eines uralten Weisthums (1446?) das Hübnergericht in Bischofsheim, weil die Herrschaft dort eigene Hubgüter hat. Sie hegen es durch sich oder die Ihrigen, besetzen es mit Schultheißen oder Schöffen zu, verkünden Urteile, büßen Ungehorsam, strafen, pfänden, legen Arrest und Strafen auf, sie richten alles, was Isenburgische Güter betrifft. Demnach hat den Isenburgern ein Hübnergericht zugestanden, wenn es auch der Bischofsheimer Pfarrer bei dem Prozeß des Niclas Gereum verneint.

Solche Hübnergerichte waren weitverbreitet und wurden als Partikulargerichte bezeichnet. Sie entstanden entweder aus dem Rechte der Oberherrschaft oder häufiger - wie hier in Bischofsheim - aus dem Rechte des Eigentums. Eigentum erstreckte sich damals nicht nur auf Sachen, sondern auch auf Personen. Die auf dem Rechte der Oberherrschaft beruhenden Gerichte nannte man auch Lehen- oder Manngerichte, die aus dem Rechte des Eigentums abgeleiteten Gerichte hießen Landsiedel- oder Hübnergerichte.

Die An­gelegenheiten der Leibeigenen gehörten, soweit sie nicht die Ruhe, Sicherheit oder Verfassung des Staates berührten, nur vor den Eigentumsherren. Der Leibeigene besaß kein Eigentum, jeder Streit um Sachen gehörte daher ohne weiteres vor dessen Herrn. Wer sein Gut mit Vorbehalt des Obereigentums einem anderen, Freien oder Leibeigenen, zur Benutzung übergab, hatte auch die Gerichtsbarkeit über diesen Empfänger (Lehnsmann, Pächter), soweit sie Sachen dieses Gutes berührte oder die zwischen dem Herrn und Empfänger deshalb entstehenden Ver­bindlichkeiten angingen.

Kein deutsches Gericht konnte ohne Schöffen bestehen. Der Gerichtsherr mußte so ­viele Schöffen zusammenbekommen, daß sein Gericht vollkommen besetzt war. Als Schöffen konnten jedoch nicht beliebige Leute berufen werden, sondern nur solche, die mit dem Empfänger (Pächter usw.) gleichen Standes waren, gleiche Güter hatten und in gleicher Verbindlichkeit zu dem Herren standen (pares curiae). Wer also nicht genug Güter verpachten konnte und eine hinlängliche Anzahl von Leuten, die in gleicher Verbindlichkeit zu ihrem Herrn standen nicht zusammenbrachte, hatte nicht die genügende Zahl der Schöffen für seine Hübnergerichte und ging seiner Gerichtsrechte verlustig.

Hatten die Besitzer der Güter Streit unter sich, so übte der Herr das Richteramt persönlich aus. Das konnte er auch tun, wenn die Sachlage des betreffenden Ge­richtsfalles so eindeutig war, daß es eines Schöffenspruches nicht bedurfte.

Wenn der Gerichtsherr aus allzu großer Ungleichheit seines Standes es für eine Schande hielt, unter den Schöffen zu sitzen, so konnte ein von ihm Beauftragter für ihn ein­treten, das war der Hochhubner oder Amtmann, auch Mannrichter. Dieser Ver­treter, der an der Herren Stelle zuweilen das Gericht hielt, auch Zinsen, Beede und Gebühren einzog, war der Vogt. Er war meist keine vornehme Person, sondern gewöhnlich gleichen Standes mit den Gutsleuten, denn ein Freier konnte mit Leibeigenen als Schöffen nicht zu Gericht sitzen.

Dieser älteste Zustand wurde bald geändert. Freie nahmen das Vogtsamt gegen einen Teil der gutsherrlichen Einkünfte an. Das Vogtsamt wurde häufig auch erb­lich. In Fehdezeiten übernahm der Vogt auch den Schutz der Zins- und Dienst­pflichtigen gegen fremde Gewalt. Diese Hübnergerichtsbarkeit, zumindest aber die Vogts- und Amtsmannsämter, wurden zuweilen auch verpachtet oder verkauft.

Da diese Gerichtsbarkeit ein einträgliches Geschäft war, ist es verständlich, daß die Landesherren des Bornheimer Berges, die Hanauer Grafen, sehr bestrebt waren, diese niedere Hübnergerichtsbarkeit anderer Dynasten in ihre Hand zu bekommen. Nun ist zwar Bischofsheim im Jahre 1500 durch Tausch gegen Offenbach an Hanau gekommen, aber der Amtmann Weiss schreibt 1607, daß in diesem Jahr noch das isenburgische Hübnergericht im Dorfe besteht. Isenburg mußte also noch min­destens fünf Höfe in Bischofsheim als Eigentum besitzen.

 

Der Hanauisch-Isenburgische Vertrag über die Rechte in Bischofsheim 1646

Durch die beiderseitigen Rechte der Isenburg-Büdinger und der Hanauer Herren in Bischofsheim entstanden öfter Streitigkeiten, so auch zwischen Graf Ludwig von Isenburg-Büdingen und den Grafen Philipp und Reinhard von Hanau, welche im Jahre 1500 durch Schiedsspruch beigelegt wurden.

Isenburg klagte: Der Graf hat im Dorf Bischofsheim in der Dreieich Gericht und alle Obrigkeit, welches sein Vorgänger und er stets und zu recht nach altem Herkommen ausge­übt. Diese Obrigkeit wolle Hanau schmälern, aber das sei unrecht. Hanau antwortete: Dem Herrn von Isenburg werde in Bischofsheim keinerlei Obrigkeit zugestanden. Er mag zwar einige Zinsen daselbst haben, aber die Obrigkeit stehe einer Herrschaft zu Hanau zu, denn Bischofsheim gehöre zu den 19 Dörfern am Bornheimerberg.

Es wurde entschieden, daß Isenburg die Obrigkeit in Bischofsheim und den Wildbann daselbst abtrete. Ferner sollen die 20 Gulden, die Isenburg als Atzung ge­nommen, Hanau zufallen. Isenburg soll nur von den Gütern Atzung zu nehmen haben, wo ein von ihm eingesetzter Schultheiß sei. Hanau hingegen gab seine Ge­rechtsame und weltliche Jurisdiktion zu Offenbach (welche aus der Münzenberger Erbschaft stammten) an Isenburg ab und löste im Jahre 1500 Offenbach aus dem Zentge­richtsverhältnis zum Bornheimer Berg. Später kam es nochmals zu einem Vertrag um das Atzungsgeld, das die Gemeinde für Besuche der hohen Herren zu zahlen hatte.

Im Jahre 1646, am Donnerstag nach Pfingsten, fand in Bischofsheim zwischen Henne von Prunheym, Dieterich Specht von Bubenheym und Petrus Hohlingen (Vertreter des Gra­fen von Hanau) und Ruprecht von Karben, Christian Gans von Büdingen und Philippus Henne (Jungherrn von Isenburg) ein Übereinkommen statt, dahin­gehend, daß die „armen Leute“ von Bischofsheim von der Zahlung der Atzung be­freit seien, hingegen 40 Gulden, jedem Herren 20, jährlich auf St. Martinstag geben sollen, so lange, bis einer der beiden Teile dieses Übereinkommen wieder aufsagt.

 

Besitz der Deutsch-Ordens-Commende Frankfurt-Sachsenhausen in Bischofsheim 1415

Wichtige Fälle und Beschwerden gegen die Dorfgerichte werden von den Zentgrafen auf dem Berggerichte unter Vorsitz des Reichsamtmannes entschieden.

Nicht alle Dorfbewohner saßen auf eigenem Grund und Boden. Viele auswärtige Stiftungen, adelige Herren, auch Frankfurter Bürger besaßen einzelne Güter in den Dörfern und gaben dieselben als sogenannte Lehnsherren an Zeitpächter aus. Außerdem gab es fast in jedem der 19 Dörfer einen Herren- oder Fronhof mit den zugehörigen Huben, die nach Erbrecht an die Hübner verliehen wurden.

So bezog im Jahre 1415 die Kommende in Bischofsheim 18 Pfennige Zins von einer Hofraithe, die gegenüber dem Spielhause (Rathaus) lag (Damit ist erwiesen, daß das 1538 abgebrannte „Alte Dorf“ schon ein Rathaus hatte!).

Der Deutsche Orden wurde 1192 von Papst Cölestin III. gegründet und 1198 von Innocenz III. bestätigt. Im Jahre 1182 hatte Kuno von Münzenberg in Sachsenhausen eine Kirche, ein Spital und ein Konvent (Versammlungssaal) erbauen lassen, die er später als eine Kommende (geistliche Pfründe) dem Orden übergab.

 

 

Eine genaue Beschreibung der Grenze zwischen Niddagau und der Wettereiba von 1434

Bei allen Unterteilungen der fränkischen Ge­biete trat immer wieder die Zahl „Drei“ auf. Der Unterrheingau bestand aus Unter­rheingau, Königshundrete und Niddagau. Der Maingau bestand aus Maingau, Rod­gau und Bachgau. Die Wettereiba aus Wetterau, Kinziggau und Vogelsberggau. Hanau lag mit Kesselstadt und Dörnigheim im Maingau, Hochstadt gehörte mit Büchertal (Wachenbuchen, Mittelbuchen, Lützelbuchen) zur Wettereiba, Bischofsheim zum Niddagau.

Die westliche Grenze gegen den Niddagau bildete der Braubach, es ist dieselbe Grenze, welche früher den Wildbann Dreieich von dem hanauischen Wildbann trennte.

Noch schärfer wird diese Grenze 1434 als die zwischen Hochstadt und Bischofsheim festgelegt. Dieselbe beginnt „an dem Kahlenberge und geht zum Ende der Äcker, die zum Hof Groschlag gehören. Von dort geht er zum dem Flecken, wo die alte hanauische Brücke vor Zeiten gestanden hat und die Gemarkung der zwei Dörfer geschieden hat. Von dort geht sie durch die Wiesen zum Flurstück Priesterrock.“ Es wird dabei noch ausdrücklich vermerkt, daß jene Brücke, welche schon seit länger als 50 Jahren verfallen sei, das hanauische Landgericht von dem Gericht des Born­heimer Berges geschieden habe.

 

 

Die Bischofsheimer Landwehren 1440

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts hatten ihre Kleinterritorien einen gewissen Grad von innerer Festigung und äußerlicher Abrundung erreicht. Gleichzeitig wurde das Unvermögen der Reichsgewalt immer offen­sichtlicher, den Landfrieden aufrecht zu erhalten. Die allgemeine Unsicherheit nahm immer stärker zu. So stellte sich bei den Landesherren mehr und mehr das Bedürfnis ein, ihr Gebiet gegen den Raubadel und beutegierige Standesgenossen zu schützen.

Wo die Natur durch Berge, Wälder, Wasserläufe oder sumpfige Niederungen natürliche Schutz­linien bot, wurden diese benutzt. Wo dies nicht der Fall war, half man durch den Bau der Landwehren nach.

Bei den eigentlichen Landwehren war der Hauptteil ein je nach den Umständen trockener oder nasser Graben, der mei­stens von Hecken und Baumreihen gesichert und an besonders gefährdeten Stellen durch Balkensperren verstärkt war. Die durchlaufenden Wege wurden beseitigt und auf einige wenige Durchgangsstellen zusammengezogen. Diese Durchgänge waren durch Schläge, Sperren oder Warten gesichert. So hatten Gerichtsgemeinschaften, wie zum Beispiel die Grafschaft Bornheimer Berg im Niedgau, schon lange selbständig ihre Gebiete abgeschirmt. Es entstanden in unserer engeren Heimat mainzische, isen­burgische und hanauische Landwehren.

An einem Punkt südlich der Autobahn, westlich des Anglersees, stoßen die Gemarkungen von Hochstadt, Bischofsheim und Dörnigheim zusammen. An die­ser Stelle stand bis zur Verkoppelung ein uralter, aus der Karolingerzeit stammen­der „Dreimärker“ (Grenzstein), der die Wappen der Dreieich, des Niedgaues und der Wetterau trug. An jedem dieser Gaue hatte Hanau einen Anteil. Dörnigheim gehörte früher zum Maingau, Hochstadt und das ganze spätere Amt Büchertal zur Wetterau, die Zent Bornheimer Berg und damit auch Bischofsheim zum Nied­gau.

Während die Grenzlandwehr die ganze Grenze des Gebietes umzog, durch­querten vier andere Landwehren die Landschaft von der Nidda zum Main: die Ginnheimer, die Eschersheimer, die Berger und die Bischofsheimer Landwehr. Während über den Bau der drei ersteren mit der Stadt Frankfurt verhandelt wurde, ist bei der Bischofsheimer Landwehr darüber nichts bekannt geworden.

Als längste der vier Zwerchlandwehren zog die Bischofsheimer Landwehr von der Nidder bei Niederdorfelden über Bischofsheim zum Main bei Dörnigheim. Über ihre Entstehungszeit ist nichts bekannt. An der Südseite des Niederdorfelder Dorf­haines entspringend, folgt ihr Graben zunächst auf 13/4 km einem Wasserlauf auf­wärts, dessen Tal nacheinander die Namen Gänseweide, Weide und Weichen führt.

Wo dieser Wasserlauf nach Westen abschwenkt, lief die Landwehr, wie sichere Spuren beweisen, zunächst durch Ackerland über die Höhe zu dem nach Bischofsheim hinabziehenden Taubengrund. In diesem Ackerland scheint sie zwei Gräben gehabt zu haben. Nun führte sie im Taubengrund hinab bis zu der Stelle, wo von Westen der Weg Bischofsheim-Gronau herkommt, der den Taubengrund auf ½ km begleitet. Der weitere Verlauf und der Anschluß an den Bischofsheimer Dorfhain war nicht feststellbar.

Auf der Höhe an der Südwestecke der Großen Lohe schneidet die Landwehr die Hohe Straße. Dort verzeichnet ein Riß vom Jahre 1599 zwei überbrückte Gräben und eine Warte in viereckigem Hofe. An diesen Schlag erinnern die Flurnamen „Am neuen Schlag“ und „Am Eisernen Schlag“.

Zwischen Bischofsheim und Hochstadt zog am Nordrande des Hochstädter Riedes die Landwehr entlang nach der Hochstädter Grabenbrücke unterhalb der Kreuzung mit der Querspange. Zwischen der Landwehr und dem Ried verlief ein Weg, der in der Bischofsheimer Gemarkung Hochstädter Riedweg in der Hochstädter Gemarkung aber Landwehr­weg hieß. An der Hochstädter Brücke sperrte die Landwehr die dicht südlich an Bischofsheim vorüberziehende Gelnhäuser Poststraße. Auch der erwähnte Landweg sowie die Wege von Rumpenheim und von der Brau­bachbrücke trafen vor der Hochstädter Brücke zusammen.

Die Flurbezeichnung „Am Wartbaum“ in der Bischofsheimer Gemarkung beweist, daß dort ohne Zu­sammenhang mit der Landwehr einmal eine Warte gestanden hat. Die Flurnamen „Im Lug“ und „Lugwiese“ nordöstlich vom Dorf können auf einen versteckten Beobachtungsposten hinweisen.

Von der Hochstädter Brücke an benutzte die Landwehr, die hier Landgraben heißt, ein von Norden kommendes Wasserläufchen bis zu dessen Einmündung in das Braubachknie. Nun übernimmt der Braubach den Schutz bis zur Straße Hochstadt-Dörnigheim. Das letzte Ende bis zum Main ist wieder eine künstliche Landwehr.

 

Der Bischofsheimer Hexenprozeß vom 9. März 1564

Etwa vom Jahre 1540 an war das Hanauer Landgericht wegen der großen Über­handnahme des Hexenunwesens in ein peinliches Halsgericht umgewandelt wor­den. Die erste Anklage wegen Hexerei vor diesem neuen Gericht erfolgte am 9. März 1564. Ein Einwohner von Bischofsheim zeigte damals an, daß ihm seine Milch durch eine Frau verzaubert worden, so daß ein seltsamer Käs, „wie ein Kröss“, daraus entstanden sei. Die Frau wurde sofort nach Bergen in Haft gebracht und eine umfangreiche Untersuchung in Bischofsheim angestellt. Man wol­lte gerne erfahren, ob es in Bischofsheim noch mehr solcher zaubrischer Weiber gebe. Ob­wohl man zunächst die Absicht gehabt hatte, den seltsamen verzauberten Käs in die Hanauer Gerichtskanzlei bringen zu lassen, nahm man nachher von dieser An­ordnung doch wieder Abstand.

Aus den Hanauer Regierungsakten geht nun nicht klar hervor, welches Ergebnis diese hoch­notpeinliche Untersuchung gehabt hat, und ob eine Verurteilung erfolgte. In denselben Akten lesen wir aber unter dem 24. Okto­ber desselben Jahres: „Die Aussage der zauberischen Weiber aus Bischofsheim, die hier in Haft liegen, ist der Länge nach verlesen worden. Es wurde gefunden, daß sie ihre Aussagen etwas ungleich machen, eine mehr Personen als die andere anzeigt, obgleich sie doch alle in einem Ort und Tanz beieinander gewesen sind. Da die Sache sehr wohl erwogen werden muß, hat man festgelegt, daß aus ihren Aussagen ordentliche Fragestücke formuliert werden, sie dann danach jeder Frau getrennt vorge­halten werden. Ihr Bericht und Anzeige sollen gehört und dazu aufgezeichnet wer­den. Danach ist zu entscheiden, ob jemand einzuziehen oder was gegen die Ver­hafteten vorzunehmen sei.“

Einige Wochen später, am 7. November, wurde proto­kolliert: „Über die Zauberischen ist entschieden worden, daß dieselbigen alle fünf - nämlich Brieckel Mergk, Liesch Anna, Gotts Else, Gerlachs Anna und Gotts Anna - vor das peinliche Halsgericht gestellt und angeklagt werden sollen. Alle wurden zunächst zum Tode ver­urteilt. Weil Gotts Anna aber noch jung war und durch ihre Mutter und Brieckel Mergk verführt wurde durch Eingebung eines Stückes Brodes, hat die Obrig­keit genehmigt, sie zu begnadigen und eine andere Strafe zu verhängen. Die anderen Zauberischen aber, da sie beständig auf ihre Aussage bleiben, wurden zum Tode verurteilt. Außerdem wurde verfügt, daß die weiter angegebenen Zaubrischen alsbald auch ergriffen und eingezogen werden sollen, um ihnen ihre rechtliche Strafe auch widerfahren zu lassen“.

Am 9. Februar 1565 sollten die genannten fünf Zaubrischen vor das peinliche Halsgericht gestellt werden. Das Urteil über die jüngste Zauberin, Gotts Anna, wurde den Schöffen von den Kammerräten im Namen der hanauischen Vormünder eben­falls vorgeschrieben. Sie sollte drei Sonntage nacheinander in der Kirche zu Hanau vorgestellt werden, „durch den Pfarrherrn der Gemein angezeiget“ und eine „christ­liche Vermahnung" erhalten, hiernach soll sie der Stadt Hanau verwiesen und „doch darauf wiederum in die Grafschaft Hanau verbannt werden“. Der Oberamt­mann solle dem Pfarrherrn und Kaplan befehlen, daß diese fleißig zu den armen Weibern gehen und sie fleißig mit Gottes Wort trösten und unterrichten, damit sie ihres begangenen Übels und ihrer Sünden halben Reue und Leid haben mögen.

Zwei andere der Zauberei verdächtigte Frauen, die Schwaben Barb und die Schweitzerin, sollen befragt und sofort ins Gefängnis gebracht werden, wenn sie verhext befunden und Indizien vor­handen sind. Über das für den 9. Februar fest­gesetzte Halsgericht und über die sofort zu erfolgende Hinrichtung der vier Unglück­lichen ist in den Hanauer Regierungsakten nichts mehr enthalten. Die Hinrichtung hat je­doch sicher zu der festgesetzten Zeit stattgefunden.

Von der jüngsten Zauberin, Gotts Anna, erfahren wir zwei Jahre später, am 1. Juli 1567, noch einiges: „Gotts Anna wurde wegen Zauberei in die Grafschaft verbannt. Sie sollte den Flecken anzeigen, darin sie wohnen wolle. Dem Schultheißen wollte man deswegen Befehl geben.

Darauf hat aber ihr Mann angezeigt, daß er und sein Weib nirgends aufgenommen werden, weil keine Dorfschaft sie in ihre Gemeinschaft annehme. So hätten sie sich auf den Höfen vor der Stadt Hanau nieder­gelassen. Er bittet ihnen zu erlauben, daselbst ein Häuslein zu kaufen und die Wohnung zu gestatten. Das wird ihnen erlaubt, jedoch den Förstern befohlen, ihr Augenmerk auf sie zu richten: Wenn die Personen den Wald be­treten und sich ungebührlich hielten, sind sie anzuzeigen, und aus dem Walde zu weisen“ (Quelle: Zimmermann, Hanau Stadt und Land, Seite 377/78).

 

Das Heu von der Breulwiese

Im Jahre 852 war die Kirche zu Bischofsheim mit allen Ländereien und Zehnten vom Kaiser dem Salvatorstift zu Frankfurt/M. zum Geschenk gemacht worden. Dadurch war ein großer Teil der Gemarkung dieses Dorfes in die Hände des Stiftes geraten. Weitere spätere Schenkungen von privater Seite vergrößerten diesen Besitz im Laufe der Jahrhunderte immer mehr. Aber auch auf dem Eigentum anderer Besitzer lagen Verpflichtungen zugunsten der Kirche. So gehörte zum Beispiel die Breul­wiese dem Grafen von Isenburg, aber dem Pfarrherren von Bischofsheim gehörte alljährlich von dieser Wiese ein Wagen voll Heu.

Das Bischofsheimer Weisthum von 1460 „Über die dem Grafen von Isenburg zustehenden Rechte“ meldet darüber: „Von der Breulwiese erhält der Pfarrer einen Wagen voll Heu. Der Besitzer der Wiese soll diese acht Tage vor oder acht Tage nach Sankt Johanns Tag mähen. Wenn dann das Heu gemacht ist, soll der Inhaber der Wiese dem Schultheißen sagen, das Heu sei gemacht, und dann sollen beide, der Schultheiß und der Inhaber der Wiesen zu dem Pfarrherren gehen und sagen, das Heu sei gemacht, daß er das Seinige lasse holen und einfahren. Dann soll der Pfarrer gehen in einen Stall des Herrn von Isenburg: Daraus soll er vier Pferde nehmen und bürgen bei dem Mann, dem sie gehören. Und dann soll er fahren auf die Wiese und so viel Heu laden, als er mag. Dann aber soll der Schultheiß die Heugabel vor die vordersten Räder legen, danach soll der Fuhrmann mit seiner Geisel anfahren, zum ersten, zum anderen und zum dritten Male. Bleibt er dann immer noch stehen, so sind Wagen und Pferde des Junkern Gnade verfallen und müssen an ihn fallen“.

Soweit das Weisthum: Jeder Bauer wird ermessen können, welche Sicherung gegen allzu großen Eigennutz diese quer vor die Vorderräder gelegte Heugabel auf einer ansteigenden Wiese bedeutete. Die Pfarrherren haben wohl für das Heu selbst oft gar keine Verwendung gehabt. Da sie aber den Geldwert nicht entbehren woll­ten, wurde das Heu verkauft. Aus einem solchen Verkauf entspann sich nach 1600 nun ein langwieriger Prozeß.

Der Bischofsheimer Pfarrer Jakobus Heußer (1602 - 1624) verkaufte 1604 sein Heu von der Breulwiese an Johann Windecker, Gastwirt zu Sachsenhausen und Frankfurter Untertan, für 14 Gulden. Dieser kam auch am nächsten Tage mit einem starken Straßengeschirr zu vier Pferden auf die Breulwiese, um sein Heu zu holen. Hier wurde er von den oben genannten Klauseln in Kenntnis gesetzt und ermahnt, sich vor Ungebühr zu hüten, wenn er keinen Schaden leiden wollte.

Trotzdem lud er seinen Wagen so voll, daß einige Nachbarn den Wagen auf 20 Gulden schätzten und er nicht durch das niedrige Breultor in das Dorf hinein konnte. Auf Umwegen gelangte er nach Hause, noch früh genug, um zu verhüten, daß der isenburgische Vogt in Bischofsheim, den man inzwischen in Kenntnis gesetzt hatte, ihm kraft seines Weis­thums Pferde und Wagen samt Ladung abnahm.

Im Jahre 1605 stirbt Windecker, und seine Witwe heiratet kurz darauf den Frankfurter Bürger Niclas Gereum. Doch die Isenburger vergaßen den Frevel nicht, und als Gereum am 19. April 1606 in die Dreieich fuhr, um Holz zu kaufen, nahm ihm der isenburgische Vogt in Sprendlingen seine vier Pferde samt Wagen und Geschirr ab, belegte sie mit Arrest und machte Gereum für den Schaden verantwortlich, den Windecker angerichtet hatte.

Für die Freigabe des Gespannes wurden von Isenburg 100 Taler Abtrag und 18½ Gulden für Atzung gefordert. Gereum tat nach damaliger Sitte ein Handgelübde, alles zu zahlen und bekam sein Eigentum frei. Er zahlte aber trotzdem nicht. Kein Wunder, daß der isenburgische Vogt in Sprendlingen ihm deshalb am 16. Januar 1607 in Sprendlingen abermals ein Fuhrwerk mit drei Pferden beschlagnahmte, das aber diesmal nicht gegen Handgelübde freigegeben wurde. Jetzt wendet sich Gereum an den Rat der Stadt Frank­furt, der für ihn beim Kammergericht vorstellig wird, und der langwierige Prozeß beginnt.

Das Kammergericht lädt nun den Rechtsvertreter Isenburgs vor. Dieser verliest, um den Tatbestand zu klären, das Weisthum von 1460 und erklärt: „Durch sein ungebührliches, eigennütziges Benehmen hat Windecker nicht allein kraft des ver­lesenen uralten Weisthums seine Pferde und den Wagen voll Heu mit Geschirr an den Grafen von Isenburg verloren. Er hat sich auch unterstanden, des Ortes uraltes Recht zu übertreten, und mehr Heu, als dem Pfarrer gebührt, abfahren wollen. Damit hat er einen sträflichen Mutwillen und Frevel begangen. Deswegen seien die Pferde dem Isenburger Grafen verfallen oder anstatt deren 100 Taler zum Ausgleich ge­fordert worden. Es ist nicht abwegig, wenn man jetzt Niclas Gereumen, den jetzigen Ehemann der Witwe des inzwischen verstorbenen Windecker, für diesen gut stehen lasse, da ja die Witwe und deren jetziger Mann verpflichtet sei, dessen Schulden einzulösen. So habe dann auch besagter Niclas Gereum, Gastwirt ‚Zum Rad‘ in Sachsenhausen, ungefähr vor einem Jahr in Sprendlingen und zu Offenbach ver­sprochen, für die geforderten 100 Taler geradezustehen, es in die Hand hineingelobt und es durch eine mit eigener Hand unterschriebene Verpflichtung be­glaubigt. Er habe sogar vorher noch um eine Nacht Bedenkzeit gebeten, um sich in der Stadt Frankfurt beraten zu lassen, und habe nach Rückkehr dann alles zu­gesagt und sich zur Bezahlung freiwillig erboten. Aber wahr gemacht und gehalten habe er das alles nicht. Und da er sein Versprechen nicht gehalten, sei der Isen­burger Graf berechtigt gewesen, sein Vermögen einzuziehen, und mit demselben als einem Ihrer Gnaden verfallenen Eigentum nach Belieben zu schalten.“

Als Niclas Gereum gebeten wird, sich zu der Sache zu äußern, sendet er ein Schriftstück ein, welches er unter den hinterlassenen Papieren des Windecker gefunden hat. Dieses lautet: „Der Pfarrherr zu Bischofsheim samt dem Organisten des Bartholomäusstiftes dahier haben mir den Wagen voll Heu dergestalt verkauft, daß ich, soviel ich mit vier Pferden fahren könne, laden, abholen und nach altem Gebrauch über eine Gabel fahren solle. Dies habe ich auch dem Isenburger Vogt, der mich darüber zur Rede stellte, mitgeteilt, der Pfarrherr hat es bejaht, und der Vogt hat nicht das Geringste dagegen erwidert. Ich habe auch erklärt, daß ich, falls es Streit geben sollte, das Heu nicht begehrte, sondern so wieder heimfahren wollte. Darauf habe ich den Pfarrherrn ausbezahlt und das Heu heimgeführt. Trotzdem bin ich auf der Heimfahrt von dem Isenburgischen Schultheißen in Sprendlingen samt Pferden und Geschirr angehalten worden, und dieser hat mir im Hain 100 Taler abgefordert. Da ich aber Pferde und Geschirr nicht im Stich lassen wollte, war ich gezwungen, ein Handgelübde zu tun, daß ich entweder die 100 Taler begleichen oder von dem Pfarrherrn deshalb einen Schuldschein bringen wolle. Eine Erstattung des Geldes sei von dem Pfarrherrn aber nicht zu erwarten, sie müßten dann schon durch die Beamten selbst beigetrieben werden. Ich bitte deshalb, der Rat meiner Stadt wolle mir behilflich sein, daß ich des Handgelübdes entlassen werde.“

Der Rat der Stadt Frankfurt hat daraufhin auch den Ratsherren Hieronymus Mengershausen zum Amtmann mach Dreieichenhain gesandt, um sich zu erkundigen. Un­verrichteter Sache kam derselbe zurück: Er hatte den Amtmann nicht angetroffen. Nun schickte man den Landbereiter Leydhecker zum Pfarrer nach Bischofsheim, um dort Nachricht einzuholen. Dieser erklärte dem Landbereiter: „Der eisenberg­sche Vogt hat mir nicht gestatten wollen, mein Heu durch fremde Fuhren abfahren zu lassen, ich sollte mir vielmehr vier Pferde aus einem isenburgischen Stalle in Bischofsheim nehmen. Weil aber die hiesigen Nachbarn sonst immer mit böser Absicht angespannt haben, habe ich mich bei dem Oberamtmann in Hanau beschweret. Dieser hat mir darauf durch zwei hanauische Gerichtspersonen und den hiesigen Zent­grafen den Befehl zugeschickt, ich solle mich nicht beirren lassen und mein Heu durch hanauische oder frankfurtische Bürger abfahren lassen und es denselben ver­kaufen und laden heißen. Ich will gerne nach Hanau berichten, kann mich aber der Sache ferner nicht annehmen.“ Der Vertreter des Rates der Stadt Frankfurt verlangt daraufhin vom Kammergericht, daß man eine Äußerung des Bischofsheimer Pfarrherrn in dieser Sache anfordere.

Der Pfarrer Jakob Heuser schreibt: „Ich bedaure, daß infolge des Heuverkaufes Unglück und Streit entstanden sind. Hierin geschieht nach meiner Meinung Gewalt. Meinem gnädigen Herrn zu Hanau steht allein die Obrigkeit, Gebot und Verbot in Bischofsheim zu; und sonst hat niemand in unserem Dorfe Rechte auch nur wie eine Linse groß. Auch die Herrschaft von Eisenberg ist gar nichts weiter als ein Zinsmann, dem etliches Korn, Wein, Hühner und Geld zufällt, und dem ein höfisches Gericht gestattet ist.

Auf Geheiß des hanauischen Amtmannes Johann von der Burgk ist das Heu verkauft worden. Es ist wahr, daß vor undenklichen Zeiten die Herrschaft von Isenburg 23½ Hubhofreiten hier gehabt hat, aber zu einer Zeit, als der jetzige Flecken Bischofsheim nicht an dem Ort, an dem er jetzt steht, stand, sondern daneben (der Ort, mit seinen alten Gräben umgeben, heißt jetzt „das alte Dorf“).

Daselbst liegen die oben genannten Hubhofstätten noch heute. Sie sind aber jetzt Gärten, welche der Herrschaft Isenburg noch heute Hubzinse geben. Diese Hubhofreiten hätten viele Pferde gehabt, und die Hübner oder Bauleut haben mit ihnen 47 Huben Feldes bebauen müssen, so der Herrschaft Isenburg heute noch zustehen. In eine dieser Hofreiten, welche ihm gerade die richtige schien, hat der Pfarrherr dieses Dorfes gehen müssen, und durfte vier Pferde, die ihm gerade gefielen, herausziehen, um sein Heu wegzuführen. Nachdem das alte Dorf aber abgebrannt sei, die Hubhofstätten dabei untergegangen und das ganze Dorf verlegt sei, könne der Herr von Isenburg nicht eine Hofraithe mehr aufweisen, die ihm zustehe. Noch viel weniger könne er einen Pfarrherr nötigen, auf sein Eigentum zu gehen und vier Pferde daselbst zu holen. Sein Eigentum sei im Dorf jetzt zur Feld und Gärten und es sei kein Pferd darauf zu finden.

Die Hübner in Bischofsheim und die Hofreiten sind nicht mehr isenburgisch, sie gehören dem Deutschen Orden zu Frankfurt, dem Brendel zu Homburg oder dem Spital zu Frankfurt. In keinem Stall oder Hof sind auch mehr als zwei Pferde zu finden. Aber der Isen­burger habe nicht gestatten wollen, daß man die vier Pferde zum Heufahren aus verschiedenen Ställen nehme. Da habe ich in Hanau Amtshilfe gesucht, und es ist mir bedeutet worden, daß ich mein Heu an Gasthalter oder Kutscher in Frankfurt oder Hanau verkaufen solle. Der Wagen voll Heu des Windecker ist auch nicht über­laden gewesen. Wenn auch etliche sagten, es sei ein stattlicher Wagen voll Heu gewesen, so sagten doch wieder andere, sie wollten sich trauen, den Wagen mit zwei Pferden abzufahren, wenn sie nicht über die Gabel müßten. Wenn schon zu klagen gewesen wäre, so hätten sich die Erben der Wiesen seiner Nachbarn mehr beklagen können als der Isenburger Graf“.

 

So lief der Prozeß um das Breulwiesenheu zwei Jahre beim Kammergericht, ohne daß es zu einer Entscheidung gekommen wäre. Aber die Angelegenheit kam nicht zur Ruhe. Am 17. April 1607 wendet sich Niclas Gereum wieder mit einem Schrei­ben an den Rat seiner Vaterstadt Frankfurt. Darin schreibt er: „Ich bin nun nach zwei Jahren hinausgefahren, um Heu zu kaufen. Da packten die von Sprendlingen zu, arrestierten mir vier Pferde samt dem Heu und Geschirr und verlangten, ich solle die 100 Taler Strafe bezahlen, dann würden sie mir mein Heu freigeben.“ Die Sprend­linger sagten weiter: „Weil die Herren zu Frankfurt sich jederzeit unfreundlich und unnachbarlich gegen die isenburgschen Untertanen gezeigt hätten, sei ihnen der Befehl geworden, sich Frankfurter Untertanen gegenüber ebenso zu verhalten. Es werden mir nun Heu, Geschirr und Rosse zum großen Schaden während der Messe aufgehalten und ich bitte den Rat der Stadt Frankfurt um Vermittlung“

Der Rat der Stadt Frankfurt/M. wandte sich daraufhin auch an die Gräflich Isenburgischen Herren und Räte zu Offenbach. Er konnte aber nichts erwirken. Man verlangte dort vielmehr, daß Gereum innerhalb von dreiviertel Jahr die Sache richtig zu machen habe. Fahrzeug und Heu wurden nicht freigegeben.

Am 22. Juli wendet sich Niclas Gereum wieder an den Rat der Stadt. Er schildert nochmals, wie sein Vorgänger über die Gabel gefahren sei und der Pfarrherr sich erboten habe, alle Gefahr auf sich zu nehmen. Er sei nicht Erbe seines Vorgängers, sei aber gezwungen gewesen, Bürgschaft zu leisten.

Der Rat der Stadt schickt nun abermals Boten zu Graf Ernst zu Isenburg und bittet, man möchte Gereum seiner Bürgschaft entledigen und sich rühmen, diesen einmal tüchtig in Angst versetzt zu haben. Die Boten brachten aber aus der Bir­steiner Kanzlei die Antwort mit, der Graf sei verreist.

 

Zwei Monate später teilt Gereum dem Rat seiner Vaterstadt mit: Er habe geglaubt, vor fernerem Kummer verschont zu bleiben, und sei in den Hain nach Sprendlingen gefahren, um sich nach seinem Eigentum zu erkundigen. Dort seien ihm abermals zwei Pferde und der Wagen festgehalten worden. Der Wirt zu Sprendlingen habe zehn Gulden gefordert für das, was Gereums Pferde bei dem ersten Zwischenfall an Futter verzehrt hatten. Er habe sich erboten, einen Bürgen zu stellen, oder auch vom Schultheißen zu Sprendlingen, welcher ihm noch Geld schuldig sei, einen Betrag zu übergeben, oder auch selbst zu bezahlen. Man sei aber auf nichts eingegangen, son­dern habe ihm Pferde und Wagen und Geschirr wieder mit Arrest belegt. Er habe das dem Bürgermeister zu Frankfurt alles genau erzählt, und die Stadträte Dr. Kel­ler und Dr. Schacher hätten sich auf des Bürgermeisters Befehl lange über den Fall unterredet.

Auf ein erneutes Schreiben des Rates erfolgte keine Antwort. Man forderte von Gereum im Hain jetzt aber nur noch die Atzung von dem ersten Arrest, die 100 Taler waren stillschweigend erlassen worden. Gereum scheint diese Verpflegungs­kosten auch richtig gezahlt zu haben, denn in den Prozeßakten findet sich eine Quittung von Ciliax Schickedanz, Gastwirt zu Sprendlingen, daß er von dem Wirt ‚Zum Rad‘ in Sachsenhausen 10 Gulden 11½ Batzen    1 Hel­ler für Atzung seiner Gäul erhalten habe.

 

Man sollte meinen, damit sei die Sache nun endlich erledigt gewesen. Aber am 18. Januar 1608 schreibt Gereum wieder an den Rat zu Frankfurt; am 16. Januar sei sein Geschirr nach der Koberstatt gegangen, um Holz abzuholen, das er den Egelsbachern abgekauft habe. Als er in den Flecken Sprendlingen gekommen sei, habe der jetzige isenburgische Amtmann im Hain der drei Eichen ohne eine Ursache Pferde, Geschirr und alles durch einen Büttel mit Arrest beschlagen und ins Wirts­haus ziehen heißen, was dann auch geschehen. Dann sei er, Gereum, zum Amtmann gegangen, und habe die Ursache des Arrestes zu wissen begehrt, und da habe ihm der Amtmann geantwortet: Seine Herren von Frankfurt seien die Ursache, denen habe er's zu danken. Hätte der Frankfurter Rat, auf eines losen Landsknechts Klage hin, nicht seines gnädigen Herren von Isenburg Untertanen in Frankfurt arretiert, so wäre auch der Arrest seiner Pferde unterblieben.

 

Derweil aber der Frankfurter Rat auf seine Privilegien hin so strenge verfahre, dünke er sich als Isenburgischer Amtmann wohl so gut wie ein Frankfurter Bürger­meister. Außerdem habe er auch Befehl, da einige mehrere Isenburgische Unter­tanen zu Frankfurt arrestiert werden sollen, in gleichen auf die Frankfurtischen auch zuzugreifen. Als Gereum fragt, warum er nicht andere Bürger Frankfurts auch hemme, habe der Amtmann geantwortet, er könne zugreifen, wo und wie es ihm gefiele.

 

Der Frankfurter Rat schickte dann wieder ein Schriftstück in den Hain und be­richtete über die Umstände, die zur Gefangennahme des Isenburger Soldaten Adam Seulacher geführt haben, auf die der Sprendlinger Amtmann hingedeutet hatte. Der Amtmann im Hain ließ einige Tage später den Frankfurter Rat wissen, daß er leider das Schreiben erst geöffnet und gelesen, als Der Bote schon wieder hin­weg gewesen. Ansonsten hätte er denselben in den tiefsten Turm des Ortes werfen lassen.

Nun wendet sich der Rat an den Grafen Ernst von Isenburg selbst, weil er, wie er schreibt, sich bei ihm eines besseren und vertraulicher Nachbarschaft versehe, und betont, der Arrest jenes Gereum sei sehr zu unrecht desselben vorgenommen worden. Vom Grafen wurde dem Rat ein Antwortschreiben zugeleitet, in dem dieser betont, er könne nicht ohne weiteres entscheiden und müsse erst Erkundigung einholen.

Daraufhin wurde von Rat zu Frankfurt die Sache wieder beim Kammergericht an­hängig gemacht. Ob dieser Prozeß um das Heu von der Breulwiese jemals entschieden worden ist, weiß man nicht. Gereum hat sein Ende jedenfalls nicht mehr erlebt. Aber die schlechte Vertretung seiner Interessen führte dazu, daß er gegen den Rat der Vaterstadt Stellung nahm und sich 1613 im Fettmilchaufstand an die Spitze der Aufrührer in Sachsenhausen stellte.

 

Aus der Chronik von Konrad Appel aus Hochstadt 1615

Am 10. Oktober 1615 ist Michael Burger in Bischofsheim wegen eines Ehebruchs, den er mit der Frau von Johann Fuchs begangen hat, in Bergen ins Gefängnis gekommen. Aber das ist eine falsche, nicht zu verstehende Verleumdung.

Am 7. Juni 1608 hat Graf Philipp Ludwig von Hanau auf der Bischofsheimer Leuchte ein Generalmusterung gehalten mit seinem ganzen Landvolk.

Am 6. Oktober 1617 hat sich der Schultheiß von Sprendlingen bei Bischofsheim selbst erstochen und ist in dem in dem Hangraben begraben worden (Graben am Hahnes?).

 

Der Weinbau in Bischofsheim im Jahre 1681

Die Römer brachten den Wein an den Rhein. Der Kaiser Domitian, unter dem der Bau des Limes begonnen wurde, hatte den Weinanbau in Germanien verboten, wahrscheinlich, um den Absatz des römischen Weines nicht zu gefährden. Aber die Alpen waren hoch, und Rom war weit. Man schmuggelte Weinstecklinge nach Germanien und baute Wein an. Die christliche Zeit zwang dazu, auch rechts des Rheines Versuche mit dem Anbau des Wein­stockes zu machen, da man den Wein für kirchliche Zwecke brauchte.

Zudem waren die Mönche, die ja manches entbehren mußten, immer Freunde des Weines ge­wesen. So legten fleißige Benediktinermönche Weinberge auf dem Petersberg bei Fulda an, allerdings mit nur mäßigem Erfolg, denn auch reichliche Honigbeigaben konnten die Säure des Trankes nicht vertreiben. So zogen die Fuldaer Mönche an den Rhein, um mit bestem Erfolg edle Tropfen für sich und die erlauchten Klostergäste, für Kaiser und Könige, für Fürsten und Prälaten zu züchten.

Auch unsere engere Heimat eignete sich vorzüglich zum Anbau der Rebe. Der Hang von Seckbach über Bergen, Bischofsheim und Hochstadt war bald ein einziger Weinberg geworden. In Urkunden von 880, 881 und 882 erscheinen Schenkungen auch von Weinbergen an das Salvatorstift in Frankfurt aus den Orten Bischofsheim, Bergen, Seckbach und Fechenheim.

In den Akten des Bartholomäusstiftes zu Frankfurt befindet sich ein auch für Bischofsheim interessanten Bericht aus dem Jahre 1676, den „Bericht wegen des Kirschaler Zehnten aus dem Bericht des gräflich hanauischen Schultheißen zu Dörnigheim 1676“: Kirschal ist ein Feld zwischen Fechenheim, Bischofsheim und Dörnigheim gelegen. Es umfaßt 300 Morgen Land. Dieses Land hat etwa 80 Jahr lang wüst gelegen und ist erst vor sieben Jahren auf gräflich Hanauischen Befehl ausgerodet und angebaut worden. Dort sind von alters her Weingärten gewesen. Diese Äcker, die jetzt durchgehend mit Korn besät und wohl bebaut sind, gehören in drei Gemarkungen, nämlich in die Fechenheimer, Bischofsheimer und Dörnigheimer Gemarkung. Das Gebiet ist mit gewissen Marksteinen abgeteilt. Es gibt auch drei Besitzer, nämlich, was in der Bischofsheimer Gemarkung liegt, gehört dem Kaiserlichen Stift Bartholomäus in Frankfurt, was in der Fechenheimer Gemarkung liegt, gehört dem Kloster Patershausen; und was in der Dörnigheimer Gemarkung liegt, ist dem Grafen zu Hanau zehnt­bar. In gleicher Weise soll es von alters mit dem Weinzehnt gehalten worden sein.

Im Mittelalter unterschied man drei Sorten Wein: Fränkischen Wein (vinum francum), Hunnischen Wein (vinum hunicum) und den Edelwein, den Riesling. In Bischofsheim wurde sowohl vinum francum als vinum hunicum angebaut.

Wein war im Mittelalter Volksgetränk. Zu seinen täglichen Lebensmitteln erhielten auch Knecht und höriger Bauer ihr Quantum Wein. Bei den Gerichtssitzungen er­hielten die Schöffen ihren Wein, wie es das alte Bischofsheimer Weisthum ausweist. Bei den vielen frommen Schenkungen und milden Stiftungen des Mittelalters und bei den Totengedenken wurde fast immer Wein verabreicht. So heißt es in einer Urkunde unter anderem: „Auf Gründonnerstag sollen der Pfarrer und die Altaristen zwölf arme Menschen suchen, und sollen sie heißen, sich nach der Messe auf das Grab des Heyderichs von Rolfhuß setzen. Sie sollen jedem geben

ein halbes Faß Wein für zwölf Heller und einen Weck für zwei Heller und einen Hering für zwei Heller. Der Pfarrer und der Altarist sollen ebenfalls ein halbes Faß Wein für zwölf Heller und einen Weck für zwei Heller erhalten. Ein Kindermeister, wenn er da ist, soll ein halbes Faß Wein für zwölf Heller erhalten. Falls der Wein mehr koste, so soll man entsprechend mehr abrechnen um Herrn Heydrichs und Frau Margretens Seele.

 

Weinlese-Ordnung für Bischofsheim von 1681

Ordnung, die die Herrschaft bei jeder Herbst- und Weinlese haben will:

  1. Den ersten Tag soll unserer Herrschaft eigens Ge­wächs gelesen werden, auch das derjenigen, die zu Hochstadt zehntbare Weingärten haben. Sodann soll den Schützen und „Vormunds-Kindern“ zu lesen erlaubt sein. Wer aber mit einem Vorwand oder falschen Schein sich untersteht, auch schon Wein zu lesen, ist einer Strafe von fünf Gulden verfallen.
  2. Am zweiten Tag sollen alle lesen, die den großen Zehnten zahlen und alle anderen Leute aus der Gemeinde
  3. Es sollen alle, die in den Weingärten der Herrschaft lesen helfen, treu und fleißig sein, damit nicht nur alles rein und wohl abgelesen, sondern auch keine Trauben versteckt oder zurückgehalten werden. Für jedes Vergehen in dieser Hinsicht wird eine Straße von einem Gulden angedroht.
  4. Sie sollen damit so sauber als immer möglich umgehen und keine Trauben auf den Boden, sondern in das Geschirr und Bütten geschüttet werden, damit nicht durch Liederlichkeit der Segen Gottes verderbt oder vernichtet wird. Bei Zuwiderhandlung gibt es eine Strafe von einem Gulden.
  5. Die Büttenträger sollen sich in acht nehmen, daß sie die edle Gabe nicht etwa mutwillig verschütten oder sonst so damit umgehen, daß es der Herr­schaft zum Schaden und Nachteil gereicht. Die Strafe beträgt in diesem Fall einen Gulden.
  6. Alle Untertanen, die die Fässer füllen und Fuhren machen, sollen sehr vorsichtig sein, damit nicht der geringste Abgang oder Schaden entsteht, damit die Strafe von einem Gulden vermieden wird.
  7. Es ist der Mißbrauch eingerissen, daß zum Nachteil des Eigentums des Zehntherren mit Körben, Zubern und anderen Geschirren - vor allem abends nach der Lese - einige sogenannte „Heyl - oder Heuck-Trauben“ heimgetragen werden. Dieses wird ausdrücklich verboten. Wer dagegen handelt, muß zwei Gulden Strafe zahlen und verliert die Trauben. Wenn aber einer aus seinem eigenen Gewächs - jedoch ohne daß der Zehnte leidet - einige wenige Trauben zum Aufheben oder für die Weinleser brechen lassen will, so soll er sich entweder bei den anwesenden herrschaftlichen Beamten oder deren Untergebenen deswegen gebührend an­melden und seinen Namen bei dem Torschreiber angeben. Wenn er das unterläßt, werden nicht allein die Trauben abgenommen, son­dern er wird auch mit der oben angedrohter Strafe bestraft.
  8. Es soll keinem erlaubt sein, mit Wagen oder Fässern in oder vor seine Weingärten zu fahren, sondern nur an die Tore, damit den Schreibern die Aufsicht und fleißige Aufzeichnung der Bütten nicht gesperrt und genommen wird oder sonst einige Verwirrung dadurch verursacht werden kann.
  9. Damit wegen des Zehnten kein Betrug unter den Toren gemacht wird, soll niemand, welcher Trau­ben entweder tragen oder fahren will, einen Nebenweg gebrauchen, außer diejenigen Wege, wo unsere hierzu verordneten Bediensteten oder Torschreiber bestellt sind und sitzen werden. Die Strafe bei Zuwiderhandlung sind fünf Gulden.
  10. Die herrschaftlichen Bediensteten oder die von demselben verordneten Schreiber sollen allenthalb genaue Aufsicht haben, damit jede strafbare Handlung gänzlichen vermieden wird oder die Verbrechen jedesmal gebührend bestraft werden. Außerdem werden sie wegen des Zehnten noch angewiesen, daß sie sich bei der Erhebung nicht die Bütte für den Zehnten anweisen lassen, sondern Macht haben, nach Belieben die Bütte für den Zehnten zu bestimmen.
  11. Wenn abends die Glocke gezogen und zur Heimkehr aus den Weingarten ein Zeichen gegeben wird, soll sich ein jeder ohne Aufenthalt aus dem Weingarten und in den Ort begeben. Wer aber noch im Weinberg angetroffen wird und von den Weinberghütern angegeben werden kann, ist einer willkürlichen Strafe der Herrschaft verfallen.
  12. An allen Orten soll das herrschaftliche Eigengewächs unter Angabe der Zahl der Morgen von dem Zehnten ordentlich getrennt und keines unter das andere gemengt werden
  13. An denjenigen Orten, wo die Herrschaft ihre eigenen Keltern hat, soll das eigenen Gewächs ebenso wie de Zehnte fleißig eingebracht werden und beides zusammen aufgeschüttet werden, jedes dabei aber getrennt notiert werden.
  14. Der Tret- und Kelterknecht soll nach der üblichen Formel vereidigt werden und gemäß dem Inhalt der Formel zu Treu und Fleiß angehalten werden.
  15. Aber ansonsten will die Herrschaft alle schwere Ungnade vermeiden und die angedrohte Bestrafung nicht vollziehen.                                    verfügt Hanau den 26. September 1681.

 

 

Salzhandel und Salzhändel um 1760                                

Das Dorf Nauheim mit seinen Salzquellen gehörte ehemals den Herren von Mün­zenberg. Nach dem Tode Ulrichs II. von Münzenberg, der 1255 kinderlos starb, setzte sich Hanau allmählich in den Besitz des Dorfes. Die ersten Erwerbungen kamen durch Erbschaft in seine Hand, denn die Schwester dieses Ulrich, Adelheid, war mit Reinhard I. von Hanau verheiratet. Aus den Salz­siedereien zogen die Hanauer Grafen erheblichen Gewinn; sie legten daher auf das Salzmonopol größten Wert. Um 1750 waren 24 Salzpfannen in Betrieb. Sie ver­sorgten nicht nur die eigenen Landeskinder mit Salz, sondern lieferten auch nach Franken, in die Schweiz und nach Holland.

In unsere engere Heimat wurde das Salz auf großen zweirädrigen Karren gebracht. Der Haupt­lagerplatz für das Salz im Amte Bergen war Fechenheim. Es war die größte Hanauische Salzniederlage überhaupt. Von hier aus wurde es an die kleine­ren Niederlagen im Amte abgegeben oder auf Mainschiffe verfrachtet. Hanau­ische Untertanen durften ihren Bedarf nur in diesen Magazinen decken, damit das Geld im Lande blieb. Man durfte Salz zum Beispiel nicht in Frankfurt einkaufen, auch wenn es dort billiger war.

Die Transporte von Nauheim nach Fechenheim liefen zumeist über Seckbach oder Bischofs­heim, nicht über Bergen-Enkheim, weil dort keine gute Straße für die großen, schweren Karren vorhanden war. Die Fuhrwerke gingen von Nauheim über Rendel nach Gronau und von dort über Vilbel nach Seckbach und weiter nach Fechenheim, oder aber von Gronau nach Niederdorfelden und dann über die Lohe und durch die Eselshohl nach Bischofsheim und weiter nach Fechenheim. Dies waren die uralten Sälzerwege.

Auf der Heimfahrt benutzten die Fuhrleute dann oft den kürzeren Weg über Bergen. Daß das Salz oft auch zu Streitigkeiten Anlaß gab, beweist ein Brief in den Berger Gemeindeakten, den der Nauheimer hanauische Obersalzgraf Langsdorf an den Berger Amtmann schrieb:

Nauheim, den 19. Januar 1764: Die Rentkammer hat uns durch Erlaß vom 10. September bekannt gemacht hat und Herr Kammerrat Stilchen hat eine entsprechende mündliche Versicherung gegeben, daß von den Fuhr­leuten, die Herrschaftliches Salz von hier nach Fechenheim transportieren, weder Wegegeld in Seckbach oder Bischofsheim oder wie sonst die Orte heißen noch Brückengeld in Gronau abgefordert werden soll. Doch die Untertanen fah­ren dennoch im Einfordern solcher Weg- und Brückengelder fort, so daß ich keine Fuhrleute mehr bekommen kann, die das nötige Salz nach Fechenheim fahren wollen. Die Halsstarrig­keit der Untertanen gereicht der Herrschaft zu großem Schaden, weil die Pflichtlieferung nach Fechenheim dadurch gehemmt wird. Dabei könnte die Lieferung jetzt in das Frankenland stark getrieben werden, weil der Main wieder schiffbar geworden ist; aber die Schiffer müssen wieder leer zurückgewiesen werden. So bitte ich Eure Hoheit ganz inständig, den Gemeinden noch einmal - im Interesse der Herrschaft - bei Androhung einer namhaften Strafe anzubefehlen, daß sie die von hier mit herrschaftlichem Salz nach Fechenheim abgeschickten Fuhrleute frei passieren lassen müssen. Sie sollen Frachtscheine vorlegen, worunter mein Name steht, entweder von mir selbst oder von meinem Schreiber geschriebener. In der Hoffnung, daß mein Wunsch erfüllt verbleibe ich ihr G. M. Langsdorf. (Die Unterschrift meines Namens ist ebensogut wie ein Paß. Man müßte hier einen besonderen Mann anstellen, der den Tag über die Frachtscheine kontrolliert).

Die Verfügung der Berger hanauischen Rentkammer hatte folgenden Wortlaut: „Das fürstliche Salzamt hat am 17. eigenhändig Beschwerde erhoben wegen des Wegegeldes, das in Bischofsheim bisher erhoben wurde von den fremden Fuhrleuten, welche herrschaftliches Salz in das Magazin nach Fechenheim fahren. Nach vorausgegangener Untersuchung haben wir als Antwort auf die Beschwerde beschlossen, daß in Zukunft die fremden Fuhrleute mit Pässen versehen werden sollen, die mit dem Salzsiegel versiegelt sind, damit diese bei Vorlage frei und ungehindert passieren können. Es bleibt also dieses Salz­amt zur Beachtung hierdurch angehalten. Erlaß Hanau, den 10. September 1765“.

Die Bischofsheimer sind also offenbar die Übeltäter gewesen. Der Berger Amtmann Burckhardt gab den Zentgrafen auf diese Beschwerde hin nachstehende Anweisung: „Den herrschaftlichen Zentgrafen wird die Anlage hierdurch mitgeteilt, daß sie eine Verfügung machen, damit in dieser Sache keine Klage erstehen möge.“ Nun konnten die Salzfuhrleute auch wieder ungehindert durch Bischofsheim fahren.

 

 

Der Grenzstreit zwischen Bischofsheim und Hochstadt

 

Zu Beginn des 15.Jahrhunderts gerieten die Gemeinden Bischofsheim und Hochstadt in einen heftigen Streit.um die Gemarkungsgrenze zwishen den beidene Dörfern. Diese Grenze trennte auch das Amt Bücherthal,zu dem Hochstadt gehörte, und das Amt Bornheimer Berg, in dem Bischofsheim lag. Es erscheint daher eigeartig, daß die Angelegenheit noicht von den beidne Ämtern bereingit wurde.

 

Wahrscheinlich stritt man sich um den beacht­lichen Streifen Landes, der einerseits von der alten Landwehr gebildet wurde, die über das Flurstück „Priesterrock“ und die alte Hanauer Brücke zu dem Hofe Großschlag führte und andererseits von der heutigen Ge­markungsgrenze zwischen den beiden Orten bestimmt ist, die einige hundert Meter westlich des alten Landgrabens liegt. Großschlag war eine unmittelbar im Süden von Hochstadt gelegene Siedlung. Die immer wieder erwähnte nicht mehr vorhandene alte Hanauer Brücke muß dort gewesen sein, wo das kleine vom Oberfeld kommende Bächlein am Fuße der heutigen Ampelkreuzung an der Querspange die Straße kreuzt.

Die Bischofsheimer hatten wohl doch so gewichtige Argumente vorzulegen, daß ein Prozeß in Gang gesetzt wurde, wenn es auch später heißt, daß sie bisher nichts Er­hebliches vorzubringen hätten. Der Prozeß dauerte von 1434 bis 1611 und wurde vom kaiserlichen Kammergericht als letzter Instanz zugunsten Hoch­stadts entschieden. Im Jahre 1434 trat erstmalig eine Kommission in Hochstadt zusammen. Man traf sich am 24. Juni in Hochstadt im Wohnhaus des Hochstädter Schultheißen Herte Schröder. Es wurde ein umständliches und umfangreiches Protokoll verfaßt, das im Archiv der Gemeinde Bischofsheim vorhanden ist. Der Schreiber war Johannes Buschen­heym, Kleriker des Mainzer Bistums und vom Kaiser berufener Schreiber.

Die Hochstädter hatten eine Reihe von Zeugen geladen. Außer dem Hochstädter Schultheißen Herte Schröder waren zugegen Konnehenne von Werheim, Fritz Henne vom Falltor in Groschlag, Peter Henne aus Hochstadt, Landvermesser Henn von Wachenbuchen, Priester Weschenn von Hochstadt, Herte Hartrat aus Groschlag und Clese Trapp von Hochstadt.

Alle Zeugen wurden vereidigt und schworen einen leiblichen Eid auf die Heiligen. Sie bezeugten übereinstimmend, daß die fraglichen Gewanne zum Hof in Großschlag und damit zur Hochstädter Gemarkung gehörten. Sie wüßten es durch ihre Grenzbegehungen, durch ihre Eltern und auch sonst.

Gewichtig war auch die Aussage, die der Priester Heinrich machte, der Mönch und Hofmeister (Wirtschaftsführer) des Wirtschaftshofes Uptha war, der dem Zisterzienserorden gehörte. Das Kloster Haina hatte einen Hof in Großschlag. Auch der Mönch Heinrich sagte aus, daß der strittige Landstreifen nach den Bü­chern des Ordens zur Gemarkung Hochstadt gehöre. Ebenso erklärten zwei Männer aus Dörnigheim und aus Frankfurt, die früher einmal als Hirten in Hochstädter Diensten gestanden hatten, daß nur Hochstädter Vieh auf den Gewannen gehütet werden durfte und die Bischofsheimer Hirten, wenn sie dort geweidet oder gekrautet hätten, stets zur Strafe herangezogen worden wären. Bedeutend war auch der Umstand, daß beim Bau der erwähnten Hanauer Brücke ein Mann totgeschlagen worden war und nicht das Amt Bornheimer Berg, sondern Hanauer Gerichte mit der Aufklärung der Mordtat beschäftigt waren.

So hatten die Hochstädter wohl die besseren Trümpfe in der Hand. Am 26. April 1611 kam von Hanau ein Schriftstück des Inhaltes, daß die bisher in dieser Sache ergangenen Bescheide gerichtlich bestätigt worden seien und das Land endgültig Hochstadt zugesprochen wäre. Am 15. September 1615 haben die Gemeinde-Landscheider zu Hochstadt und Bischofsheim gemeinsam die Gemarkungsgrenze ausgesteint. Beginnend am Kahlen Berge wurden 30 Steine gesetzt, deren Ort und Entfernung voneinander genau verzeichnet wurden. Am 14. März 1690 haben die beiden Landscheider der Nachbarorte zwei neue Steine miteinander gesetzt als der 19. und 20. Stein abhanden gekommen waren.

 

Bischofsheim nach der Hanau-Münzenbergischen Landbeschreibung von 1720

Das Haus Hanau hat in dem Flecken Bischofsheim viele Rechte an Zinsen, Besthaupten, leibeigenen Leuten und dergleichen. Diese hat es nach und nach erworben, nachdem andere Leute lange Zeit diese Rechte über den Bornheimer Berg gehabt hatten.

Hanau-Münzenbergische Landbeschreibung: Der Flecken Bischofsheim kam zu Hanau aus der Falkensteinischen Teilung vom Jahre 1419, folglich auch aus der Münzenbergischen Erbschaft her, und ist in dieser Falkensteinischen Teilung durch Losentscheid zu Licht gekommen und danach dem Haus Isenburg zuteil geworden, von dem dann das Haus Hanau verschiedene Rechte dort bekommen. Hanau hat sich im Jahre 1500 mit dem Haus Isenburg gründlich verglichen. Dennoch ergab sich über einige in diesem Vergleich ent­haltene Punkte später wiederum Streit, den man aber völlig zu beheben entschlossen ist. Übrigens steht aber doch dieser Ort unter dem Gericht des Bornheimerbergs, und man merkt gar deut­lich, daß die Dörfer selbst, deren Vogtverhältnisse oder Zivilrecht und die dahin gehörenden Rechte an Renten und Gefällen, von denen des ­Gerichts Bornheimerberg ganz unterschieden sind.

Verwaltungsanordnung über notarielle vermögensrechtliche Beurkundungen vom Jahre 1755

Die kriegerischen Zeiten um die Mitte des 18. Jahrhunderts brachten durch immer neue Einquartierungen und immer wieder erhöhte Steuern große Not. Weder die Gemeinden noch die Bürger hatten Geld und wurden doch immer wieder gezwungen, solches aufzubringen. Woll­te man nicht Acker oder Vieh verkaufen, mußte man Geld leihen, das man aber selten nur auf seinen guten Namen bekam. Der Besitz mußte dann beliehen, die Schuld als Hypothek eingetragen werden. Das ging nur auf dem Gericht, und die Gerichtskosten waren hoch, man suchte sie tunlichst zu umgehen.

Ähnlich verhielt es sich bei anderen vermögensrechtlichen Vorgängen, bei Ver­pfändungen, bei Schenkungen, Vererbungen und Vergabe des Nutzungsrechts (Nießbrauchs). Um die Gerichtskosten zu sparen, behalf man sich häufig mit Winkeladvokaten oder fertigte hausgemachte Verträge an, die sich dann später bei auftretenden Streitfällen als unvollkommen oder vieldeutig und nicht den gesetzlichen Vorschriften entsprechend erwiesen. Häufig erwuchsen daraus kostspielige Prozesse und finan­zielle Schädigungen der Gegner.

 

Diese unerfreulichen Erscheinungen bewogen den Landesherren einzugreifen. Am 24. September 1754 veröffentlichte der Hanauer Graf Wilhelm eine 13 Abschnitte umfassende umfangreiche Verordnung, die am 1. Januar 1755 in Kraft treten sollte. Darin wurde strikte angeordnet, daß alle Beleihun­gen oder Rechtsänderungen bei Immobilien bei den Hanauischen Gerichten angezeigt und eingetragen werden müssen, auch wenn sie von einem Notar formu­liert, niedergeschrieben und an und für sich vollkommen richtig seien. Ohne diese gerichtlichen Eintragungen sei keiner der Partner rechtlich an die Abmachungen gebunden. Es könne also geschehen, daß der Gläubiger seinen Anspruch verlöre, der Schuldner eine schon zurückgezahlte Schuld noch einmal zu entrichten habe.

Das Fürstliche Hofgericht in Hanau hatte ebenso wie die Stadtgerichte, die Gerichte der Ämter und der Gemeinden sofort gebundene Protokollbücher zu beschaffen, die umgehend mit Seitenzahlen zu versehen seien und stets unter festem Verschluß gehalten werden mußten. In das eine Buch sollten alle Pfandverschreibungen, in ein zweites Buch sämtliche obrigkeitlich bestätigten Kontrakte eingetragen werden. Auf den Rand oder zwischen die Zeilen durfte weder ein Zusatz noch eine Veränderung einge­tragen werden, auch Streichungen durften nicht vorgenommen werden. Irgend­welche Veränderungen erforderten die Niederschrift eines neuen Vertrages.

Alle in dem Hypothekenbuch eingetragenen Belastungen mußten Angaben über Laufzeit und Zinsfuß enthalten sowie die Angabe der Zahl der eingetragenen Hypotheken. In der Verfügung des Landesvaters war ferner angeordnet, daß für jede Belastung doppelte Sicherheit geboten werden müsse. Zentgraf und Gericht hatten sich vor dem Eintrag zu überzeugen, daß die als Sicherheit angegebenen Gebäude oder Grundstücke auch wirklich den doppelten Wert der aufgenommenen Summe darstellten. Bei falschen Schätzungen konnten die Herren schadenersatzpflichtig gemacht werden. Von der Stellung der doppelten Sicherheit konnte allerdings abgesehen werden, wenn der Gläubiger dies ausdrücklich gestattete. Etwaige Abzahlungen und Löschungen der aufgenommenen Summen hatten Zentgraf und Gerichtsleute sofort einzutragen und mit Siegel und Unterschrift versehen dem zuständigen Gericht mitzuteilen.

In der Verordnung des Landesfürsten wurden auch die Gebühren festgesetzt, um Überforderungen zu verhüten. Der Richter erhielt für einen gerichtlichen Eintrag einen Gulden, der Sekretär ebenfalls einen Gulden, für jede Abänderung 15 Albus. Auch das Dorfgericht ging nicht ganz leer aus: Es erhielt für die Beurkundung einer Hypothek bis zu 100 Gulden von jedem Gulden vier Pfennige. Bei mehr als 400 Gulden für jeden Gulden zwei Pfennige; bei noch höheren Beträgen durften keine weiteren Gebühren genom­men werden.

Der gnädigste Landesvater hat seine lange Verordnung nicht nur aus landesväterlichen Sorgen um das Wohlergehen seiner Untertanen erlassen. Die restlose Erfassung all dieser Rechtsvorgänge trug auch ihm sehr viel Geld ein, denn bei jedem Eintrag war ein festgesetzter Betrag für die Hohe Landesschule fällig.

Diese bis ins kleinste gehende Verordnung wurde sofort beachtet und sorgfältig nach ihr gehandelt. Man legte ein Buch von 426 Seiten an und notierte: Actum Bischofsheim, den 6. Januar 1755: Heute ist dieses Hypothekenbuch nach der ergangenen herrschaftlichen Verordnung zum ersten Mal angefangen worden. Damals waren Zentgraf und Gerichtsschöffen ......(Es folgen die Namen des Zentgrafen und der Gerichtsschöffen).

Und schon kommt der erste Eintrag: Actum Bischofsheim, den 6. Januar 1755. Es erscheint vor dem Zehntgrafen und Gericht Johann Just, Alt-Bäckermeister, Mitnachbar und Einwohner allhier, und dessen eheliche Hausfrau Anna Catharina und dessen Vater Johannes Urledig, Mitnachbar allhier. Sie verpfänden dem Evangelisch- Reformierten Kirchenbau (d.h. der Kirchengemeinde) dahier zu Bischofsheim gegen 70 Gulden (in Worten: siebzig Gulden) Kapital und fünf Prozent jährliche Zinsen die nachfolgenden in der hiesigen Gemarkung liegenden, ihnen gehörenden Güter: Meßbuch Seite 36, 2 Viertel 23 Ruthen Acker im Mainfeld, Im Krimling neben Johannes Assemer und Johannes Reich. Für die 70 Gulden wurden zehn Ackerstücke und vier Weinbergstücke verpfändet. Keines der verpfändeten Stücke hatte die Größe eines Morgens, die Feldstücke hatten nur 1 - 2 Viertelmorgen, die Weingärten erreichten nur die Größe von 20 Quadratruten (1 Rute = 14 Quadratmeter).

Am Ende des Eintrages wurde vorschriftsmäßig vermerkt: Diese Güter wurden für doppelt so viel wert wie die Hypothek eingeschätzt. Sie sind nicht versetzt oder verpfändet und das war auch nicht geplant, so daß es sich um die erste Hypothek handelt. Da wir sie jetzt gegen Gebühr in unser Tagebuch eingetragen haben, kann vom Amt darüber eine förmliche Urkunde ausgefertigt und bestätigt werden (es folgen die Unterschriften des Zentgrafen und der Schöffen).

Es ist bezeichnend für die Nöte der Zeiten und die Armut der Bevölkerung, daß die 426 Seiten bald voll geschrieben waren. Man könnte die Notlage der einzelnen alteingesessenen Familien durch die Seiten des Hypothekenbuches verfolgen. Es ist kein Jahr vergangen, in dem nicht mindestens vier Belastungen erfolgten, in manchen Jahren waren es Dutzende. Sehr häufig tritt der Evangelisch-Reformierte Kirchenbau (d.h. die evangelische Kirche) als Geldgeber auf. Die Kirche hat in der Tat damals auch die Funktion einer Bank gehabt.

Zentgraf und Gerichtsschöffen hatten peinlich genaue Arbeit zu leisten, der sie offensichtlich nicht immer gewachsen waren. So erteilte der gestrenge Amtmann Usener in Bergen 1795 den Bischofsheimer Herren einen Verweis und machte sie für alle den Parteien entstandenen Kosten schadensersatzpflichtig. Außerdem mußte jeder fünf Gulden Strafe bezahlen. Sollte die Angelegenheit nicht innerhalb von drei Tagen bereinigt sein, wurde jedem eine weitere Strafe von 20 Gulden angedroht.

 

Der Zusammenstoß am Riederwald am 4. Oktober 1773 zwischen Fechenheim und Frankfurt

Die Streitigkeiten zwischen der Stadt Frankfurt und den Hanauer Grafen sind uralt, die Prozesse vor dem Reichsgericht hörten nicht auf. Besonders die Unsicher­heit der Grenzlage zwischen beiden Gebieten im Riederwald war immer wieder Anlaß zum Streit. Hanau betrachtete die Landwehr als Grenze, während Frankfurt sich auf die alten Grenzsteine berief, die aber Hanau nicht anerkannte, weil die zweiseitige Bewappnung fehlte. So wurden die Jagdgerechtsame im Riederwald ein Hauptstreitpunkt. Wenn Hanau dort jagte, dann protestierte Frankfurt beim Reichsgericht und umgekehrt.

Bei einer solchen von Frankfurt im Riederwald unter militärischer Bedeckung an­gesetzten Treibjagd kam es am 4. Oktober 1773 zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Frankfurter Bürgern und Fechenheimern, die unter Führung ihres Zent­grafen Klee zum Schutze der bedrohten Landeshoheit, mit Gewehren und Gartengeräten bewaffnet, herbeigeeilt waren. Dieser Zusammenstoß kostete den Zent­grafen das Leben. Hilfe konnte in der damaligen Zeit nicht so schnell aus den um­liegenden Dörfern herbeigeholt werden, und so endete der Zusammenstoß mit einer schweren Niederlage der Fechenheimer.

Als Fechenheimer Holzhauer am 4. Oktober 1773 zum Holzhauen in den Riederwald kamen, bemerkten sie, daß eine Frankfurter Treibjagd im Gange war. Friedrich Puth meldete den Vorgang sofort seinem Zentgrafen. Dieser ließ Sturm läuten, sammelte etwa 20 Leute, die sich notdürftig mit allem Möglichen bewaffneten und zog mit ihnen in den Riederwald, wo sich andere Leute und die Holzhauer ihnen anschlossen. Klee überschaute die Lage und schickte Boten nach Seckbach, Bergen und Bischofsheim um Hilfe. Als aber diese Hilfe ankam, war die Schießerei schon zu Ende. Der Vorgang wurde nach den Aussagen der Teilnehmer rekonstruiert.

Die Aussagen der Frankfurter und Fechenheimer Zeugen widersprachen einander, besonders in der wichtigen Frage, wer zu schießen angefangen habe. Die Frank­furter behaupteten, die Fechenheimer hätten zuerst geschossen, sie konnten aber keine Person nennen oder beschreiben.

Auch der Führer der drei Militärkommandos erklärte in seinem Bericht, seine Leute hätten ihm versichert, Klee habe auf ihn geschossen. Er selbst könne nur sagen, daß Klee auf ihn gezielt habe. Daraufhin hätten seine Leute auch geschossen, und Klee sei getroffen und schwer verwundet worden. Sämtliche Fechenheimer Zeu­gen erklärten aber einstimmig, daß die Fechenheimer überhaupt nicht geschossen hätten, da es der Zentgraf ausdrücklich verboten hatte. In der Tat waren die fünf Ge­wehre, die den Frankfurtern in die Hände fielen, noch alle geladen. Auch Klees Flinte war nicht abgeschossen, nur die Flinte des Försters Grill, die nach Aussage des Försters mit Schrot geladen war. Der ganze Zusammenstoß verlief so schnell, daß zum Neuladen eines Gewehres keine Zeit blieb, denn die Fechenheimer er­griffen, als die ersten Schüsse fielen, sofort die Flucht.

Die Fechenheimer Verwundeten hatten nach amtlicher Feststellung auch alle ihre Einschüsse hinten, waren also erst auf der Flucht angeschossen worden. Aus den Akten geht hervor, daß die Aussagen der Fechenheimer mit großer Wahrschein­lichkeit auf Wahrheit beruhten, wenn auch mancher Frankfurter seine Aussage in gutem Glauben gemacht haben mag.

Die Hanauer Regierung schrieb: „Der Unterschied zwischen den zugegen gewesenen Fechen­heimer Untertanen und denen Frankfurtern ist ganz handgreiflich. Die ersteren sind bloße Unter­tanen und bei dem Jagdstreite selbst in keiner Weise interessiert. Was sie getan haben, ist lediglich aus Ihren Untertanenpflichten her geflossen, und alles auf des Fürsten Gebiet zu alleiniger Aufrechterhaltung der landesherrlichen Rechte geschehen, kein einziger derselben ist übriggeblieben, welcher nicht seine Aussage, und damit zugleich auch gegen nie­mand Hand angelegt zu haben, mit einem Eid nicht beschworen hätte. Der Frankfurter Teil hingegen besteht ohne Kommando und ein paar Stadt Bediensteten, aus dem Abschaum des dortigen Pöbels, und den der Wilddieberei wegen in der ganzen Nachbarschaft vorlängst berüchtigten Gärtnern, insgesamt ist ihnen an der Jagd vor ihre Person gar zu viel und vorzüglich gelegen, als daß ihr Zeugnis glaubwürdig sein könnte. Die reine Grundlage von bloßen Untertanen­-Pflichten wird also ganz vergeblich bei ihnen gesucht, und Schandtaten haben die­selben nicht auf dem eigenen, sondern auf fremdem Gebiet be­gangen, ohnedies sind auch deren lediglich auf die Bemäntelung dieser Schandtaten gerichtete offenbar parteiische Aussagen, in und unter sich selbst widersprechend, daß nichts als die handgreifliche Erdichtung dabei in die Augen fallen, und daß diese Leute nicht einmal mit gutem Gewissen zum Eidschwur haben gelassen werden können.“

Bischofsheim hat aber zwei Gulden zu der Entschädigung beigetragen für die zwei Fechenheimer, die bei der Affäre an der Rieder Spieß gefangengenommen und zu Frankfurt im Arrest gestorben sind.

 

Bischofsheim im Jahre 1782

Bischofsheim ist ein großes regelmäßig gebautes Dorf an der Grenze des Amtes Büchertal, zwei kleine Stunden von Hanau, eine von Bergen. Hier befindet sich eine reformierte Kirche, sie ist uralt, das Patronatsrecht steht dem St. Bartholo­mäusstift zu Frankfurt zu. Es wächst hier ein guter Wein, wovon - wie auch von dem besonders schmackhaften Obst - sich die Einwohner hauptsächlich nähren. Auch wird die zur hanauischen Porzellanfabrik erforderliche Erde oder Lettich hier gegraben. Von diesem Orte nach Frankfurt zu erstreckt sich ein breiter sumpfiger Graben, welcher das Ried und in alten Nachrichten der „Königsgraben“ oder die „Laierbach“ (heute: Tränkebach) genannt wird, und bei Frankfurt durch einen Teil des Stadtgrabens in den Main abfließt. Dieser ist auf landesherrliche Veranlassung in vorigem Jahre größtenteils ausgetrocknet und in den vortrefflichen Wiesengrund verwandelt worden. (Die hier erwähnten wertvollen Bischofsheimer Tongruben, aus denen das Roh­material für die berühmten Hanauer Fayencen kam, wurden 1787 an einen anderen Hanauer Besitzer verkauft).

 

 

Bischofsheim im Jahre 1810

Bischofsheim liegt eine kleine Stunde von Bergen anderthalb Stunden westlich von Hanau. Im Osten grenzt es mit der Grenze zu Hochstadt und Dörnigheim an das Distrik­t Büchertal, Nördlich stößt die Gemarkung an die Niederdorfelder Gemarkung im Distrikte Windecken. Der Ort hat 104 Feuerstellen, 647 Seelen, und eine refor­mierte Pfarrkirche. Die lutherischen Einwohner pfarren nach Hochstadt im Distrikte Büchertal. Patronatsrecht und Zehnten hat schon seit 882 das Bartholomäusstift zu Frankfurt am Main. Der Fürst von Isenburg hat daselbst aber ansehnlich Gefälle. Der dort gezogene Wein ist sehr gut, besonders aber das dortige Obst wird sehr ge­schätzt; daher auch die Einwohner gute Nahrung haben. Die Erde zur Hanauer Porzellanfabrik wird hier in Bischofsheim gegraben.

Westlich grenzt der Distrikt Büchertal an den Distrikt Bergen, von welchem sie durch einen kleinen Bach, die Braubach genannt, geschieden wird. Diese kommt hinter Bischofsheim her, vereinigt sich mit der von Hochstadt und von Wilhelmsbad kommenden Bach (die also nicht der echte Braubach ist) und geht dann zwischen Dörnigheim und Bischofsheim in den Main.

 

Bischofsheim gehört zum Großherzogtum Frankfurt

Im Jahre 1810 gründete Napoleon das Großherzogtum Frankfurt. Er unterstellte es Karl Theo­dor von Dalberg, dem letzten Kurfürsten von Mainz, der zugleich Erz­bischof war. Dieser nahm nun den Titel eines Fürstprimas an. Das Großherzogtum bestand aus den Städten Frankfurt und Wetzlar sowie den Fürstentümern Hanau, Aschaffenburg und Fulda. Einige verstreut liegende Hanauer Landesteile, zum Beispiel Babenhausen, fielen an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt.

Das Großherzogtum Frankfurt wurde ganz nach französischem Muster eingerichtet, das heißt in Departements, Distriktsmairien und Ortsmairien eingeteilt. Insgesamt gab es vier Departements, die von je einem Präfekten geleitet wurden. Alle ehemaligen Orte des Hanauer Fürstentums bildeten das Departement Hanau, das in neun Distrikte unterteilt war mit je einem Distriktsmaire. Es waren Hanau, Altengronau, Bieber, Büchertal, Gelnhausen, Schwarzenfels, Steinau, Windecken und Bergen. Somit gehörte auch Bischofsheim zum Großherzogtum Frankfurt.

Das Großherzogtum erhielt eine repräsentative Verfassung. Neben dem Mini­sterium stand ein Staatsrat, der auch mit den Aufgaben des Kassationsgerichtes betraut war. Außerdem gab es die Ständeverwaltung von 20 Mitgliedern. Zwölf Männer mußten Grundeigentümer, vier Kaufleute und vier Gelehrte sein. Sie wurden durch ein in jedem Departement bestehendes Wahlkollegium gewählt. Dieses bestand zu 2/3 aus Großgrundbesitzern, zu 1/6 aus reichen Kaufleuten und zu 1/6 aus Gelehrten. Das Amt des Wahlkollegiums galt auf Lebenszeit. Von der Ständeversammlung sollte alljährlich ein Drittel der Mitglieder austreten und neu gewählt werden.

Der Staatsrat legte die Gesetzesentwürfe vor und die Stände berieten sie. Abänderungsanträge der Stände zu den Gesetzesentwürfen wurden im Staatsrat unter Vor­sitz des Großherzogs beraten. Die Stände hatten auch die Rechnungen der Generalkasse und der Minister zu prüfen (allzuviel Demokratie hatte Napoleon demnach von der Französischen Revolution nicht übernommen).

Das Urteil über Dalberg ist schwankend. Er war wohl ein Franzosenfreund, an­scheinend auch ein gütiger Herr. Von vielen seiner Untertanen wurde er allerdings als Landesverräter angesehen. Als sein Freund und Gönner Napoleon nach der Schlacht bei Leipzig über Frankfurt floh, hatte Dalberg plötzlich dringend auf seinen Besitzungen am Bodensee zu tun und mußte verreisen. Nach Napoleons Willen sollte das Großherzogtum Frankfurt später mit Frankreich vereinigt werden.

 

Die Gemeinde Bischofsheim bildete innerhalb des Departements Hanau und des Distriktes Bergen eine Munizipalität. Jede Munizipalität wurde von einem Maire (Ortsbürgermeister) geleitet, dem nach den Größenverhältnissen ein oder mehrere Adjunkte für die Gemeinde beigegeben waren. Sodann bestand in jeder Gemein­de noch ein Munizipalrat. Die Verwaltung in den Gemeinden stand dem Maire jedoch allein zu. Die Adjunkte waren seine Ratgeber oder Vertreter im Falle ge­setzlicher Verhinderung, Krankheit oder Abwesenheit. Sie vollzogen dessen Auf­träge und vertraten in dieser Hinsicht die Stelle der Polizeikommissare in den Gemeinden, wo keine eigenen Polizeibehörden angeordnet waren.

Die Geschäfte des Maire zerfielen in zwei Hauptabteilungen, in jene der ökonomischen und in jene der Polizeiverwaltung. Um die letztere hatte er sich in den Gemeinden nicht zu kümmern, wo besondere Polizeikommissare angestellt waren. Diese befanden sich aber nur in den Departementshaupt­städten und in Wetzlar.

In allen Amtsverrichtungen war der Maire der Aufsicht des Präfekten vom De­partement und in den Distrikten auch jener der Distrikts-Maire als Mittelbehörde unterworfen. Er besorgte die Verwaltungsgeschäfte mit Genehmigung des Prä­fekten und erstattete in allen Amtshandlungen, welche dem Präfekten zur Kennt­nis kommen mußten, diesem Bericht. War ein Distrikt-Maire dazwischen geschal­tet, hatten die Berichte an den Präfekten über diesen zu gehen.

Der Maire sorgte für die Erhaltung des Gemeindevermögens und führte die Auf­sicht über des­sen Verwaltung nach den vom Präfekten genehmigten Beschlüssen des Munizipalrates. Er betrieb den Eingang aller zu den Gemeinde-Ausgaben be­stimmten Einnahmen und bestritt daraus die Ausgaben. Die Gelder nahm er nicht selbst ein, sondern erteilte nur die Anweisung zur Zahlung. Für die Einnahme selbst waren besondere Rechner, die Bürgermeister, angestellt.

Der Maire schloß die Verträge zur Vollziehung öffentlicher Arbeiten, diese mußten vom Muni­zipalrat vorgeschlagen und vom Präfekten genehmigt sein. Er sorgte ferner dafür, daß alle öffentlichen Arbeiten nach Vorschrift geschahen, so wie er für die Unter­haltung aller Gebäude der Gemeinde oder solcher öffentlicher Anstalten, die sei­ner Verwaltung anvertraut waren, verantwortlich blieb. Alle Zweige der Verwal­tung waren ihm übertragen. Er war ganz allein Verwalter; Personal für Registra­tur und Büro wurden ihm nach Bedarf gestellt.

Der Munizipalrat bestand in Gemeinden unter 2.500 Seelen aus acht Mitgliedern. Der Maire war von Rechts wegen dessen Mitglied und führte den Vorsitz. Der Munizipalrat ernannte eines seiner Mitglieder zum Sekretär, in kleinen Gemein­den in der Regel den Schulmeister. War der Maire an einer Sitzung verhindert, so vertrat das älteste Mitglied des Munizipalrates nach Ordnung der Ernennung seine Stelle.

Der Munizipalrat versammelte sich in der Regel zweimal im Jahr, vor und nach der Versamm­lung des Departementsrates. Die Zeit seiner Tagung dauerte nie­mals über zehn Tage. Der Munizipalrat hatte folgende Funktionen:

  • Abhörung der Gemeinderechnung über Einnahmen und Ausgaben, Einwendungen dagegen dem Präfekten vorzulegen
  • Beratschlagung über die Benutzung der vereinheitlichen Almenden und des Eigen­tums überhaupt
  • Sorge für die Bezahlung der Gemeindeschulden
  • Beratung über die Erhebung von Zulagen und Extrasteuern
  • Festsetzung und Verteilung der Arbeiten zur Erhaltung des Gemeindeeigentums
  • Beratung über Vergleiche und Prozesse der Gemeinde.

Bei der Rechnungslegung mußte der Maire anwesend sein.

 

 

Bischofsheim 1858

Dieses mit einem Heeggraben umgebene Dorf ist Pfarrdorf und hat 2.541 Morgen Ackerfeld und beträchtlichen Weinbau. An Gemeindeeigentum besitzt dasselbe gegen 100 Morgen Wiesen und ebensoviel Weidefläche; dann 382 Morgen Wald und ausgedehnte Obstpflanzungen. In der dem Staate gehörenden tiefen Seewiese, sowie in der der Gemeinde gehörenden Langenseewiese, befindet sich ein Torflager.

In einer Urkunde vom 17. November 880 bezeugt König Ludwig III., daß sein Vater, Ludwig der Deutsche, der Salvatorkapelle zu Frankfurt die Kapelle zu Bischofsheim mit dem Zehnten und den Zubehörungen geschenkt habe; diese Schen­kung wurde durch päpstliche Urkunden von 1223 und 1238 bestätigt. Dennoch be­stand später ein Streit über das dortige Patronatsrecht, welcher 1291 durch das Landkapitel in Köbel (später Roßdorf) entschieden wurde. Er fiel zugunsten des Salvator­stiftes aus. Dasselbe befindet sich noch gegenwärtig im Besitze des dortigen Patronatsrechtes, mit dem dortigen Zehnten. Während des 30jährigen Krieges wurde Bischofsheim im Jahre 1621 von den Spa­niern überfallen und ausgeplündert.

Merkwürdig ist in diesem Dorf das mit sehr großem Geschick ausgeführte Aus­stopfen der Tiere und Vögel für die naturwissenschaftlichen Sammlungen in Frankfurt und Hanau, welches früher durch den dortigen Bürgermeister Kühn geschah, und gegenwärtig durch den dortigen Lehrer Jäger ausgeübt wird. Letzterer gehört zugleich zu den kenntnisreichsten Ornithologen unserer Gegend.

Vom Jahre 1824 legte diese Gemeinde Steinbahnen an in ihre Wege nach Hochstadt, Bergen, Rumpenheim und Mainkur, und pflanzte an letzterem eine Apfelallee.

Die Bevölkerung betrug         1812:  647

                                               1820:   509

                                               1835:   715 Seelen,

worunter 4 Katholiken und 29 Juden waren, sie stieg bis 1855 auf 936 Seelen.

 

Zur Geschichte der Mainkur

Mainkur war weder ein Wahl- noch ein Kurort, und der alte, jetzt verschüttete Hollerborn ist nie eine Heilquelle gewesen. Es bleibt nur die dritte Ableitung übrig, nämlich von lateinisch „curva (linea)“, das heißt: gekrümmte Linie, Krüm­mung. Aus dem neuhochdeutschen „Kurve“ ist im Dialekt „Kore“ und „Kur“ geworden. Mainkur bedeutet also Mainkurve, Mainkrümmung. Das Wort ist daher weiblichen Geschlechts, es heißt „die Mainkur“. Mainkur ist kein Ort, „in Mainkur“ ist falsch, es muß heißen „an der Mainkur“.

Der erwähnte Hollerborn ist der Grund zur Entstehung einer Siedlung an dieser Stelle. Dort war ein beliebter Anlegeplatz der Mainschiffer, auch die Bischofsheimer haben hier häufig Erzeugnisse den Mainschiffern übergeben und von ihnen Waren, insbesondere Holz, übernommen. Die Landstraße nach Osten war die große Leip­ziger Straße. Sie hatte immer einen sehr starken Fuhrverkehr. An der klaren Quelle des Hollerborns vor den Toren Frankfurts tränkten die Fuhrleute noch einmal ihre Pferde, so daß sich hier gleichsam eine Tränkstation entwickelte.

Im Jahre 1768 kam ein Fechenheimer Bürger auf den Gedanken, an dieser Stelle eine Sommerwirtschaft zu errichten, damit auch die Fuhrleute, Leinreiter und Flößer hier Hunger und Durst stillen konnten. Der damalige Zentgraf Klee (1773 von den Frankfurtern erschossen) erstattete am 20. Oktober 1768 folgenden Bericht über diese Wirt­schaftsgründung an die Hanauer Regierung: Hiermit erstatte ich Bericht über den Antrag des Bürgers und Krämers Bernhard Elkar „wegen der Erlaubnis, eine Holzhütte aufzuschlagen und im Sommer Wirtschaft an der Main Cur darinnen zu treiben“. Der Zentgraf befürwortet den Antrag des Krämers, schlägt aber vor, anstelle der Holzhütte feste Gebäude für Mensch und Tier zu errichten, damit man vor Räubern geschützt sei. Er weist nach, daß anderen Wirten durch diese Gründung kein Schaden entstehen werde.

Den Anträgen wurde nicht entsprochen. Aber 20 Jahre später entsteht doch eine Wirtschaft unter dem Namen „Zum Mainanker an der Mainkur“. Der Erbauer stammte aus der Gegend von Ingelfingen und hatte es bis zum Kapitän gebracht. In hellgrüner Uniform mit Goldborde und vergoldeten Knöpfen war er der Typ des jovialen Wirtes und brachte seine Mainkur bald zu großer Beliebtheit. Kurz vor 1800 verkaufte er sein Anwesen an den Frankfurter Johann Philipp Petri. Dessen Nachfolger Schmidt errichtete in der Nähe des Hollerbrunnens eine neue Wirtschaft, die heute den irreführenden Namen „Alte Mainkur“ trägt.

Während des Rückzuges der Franzosen 1813 hatte die Mainkur schwer zu leiden. Napoleon kam auf der Flucht am 31. Oktober dort durch. Die Witwe Schmidt ließ ihm einen Sessel hinaustragen und reichte ihm Erfrischungen. Durch Kniefall bat sie den Kaiser, dem Plündern der Truppen Einhalt zu gebieten.

Der Sohn Schmidt übernahm dann die Petri‘sche Mainkur wieder und verkaufte sie 1826 an Justian Petermann. Dieser umgab sie mit einem schönen Garten und machte sie zu der schönsten Wirtschaft weit und breit.

Die regelmäßige Postverbindung, der Bau der Offenbacher Schiffsbrücke, der Offenbach-Vilbeler Straße im Jahre 1819, die Fahrgelegenheiten mit dem Ha­nauer und Aschaffenburger Marktschiff und die Veranstaltung besonderer Fest­lichkeiten bewirkten einen regen Zuspruch von Hanauer, Offenbacher und Frank­furter Bürgern, so daß manchmal bis zu 24 Kellnerinnen beschäftigt waren. Eines der schönsten Feste war das Rosenfest im Juni, an einem solchen wurden einmal an einem einzigen Tage 1.800 Gulden für Wein und Selterswasser eingenommen.

Petermann wurde im Jahre 1842 durch das Vertrauen seiner Mitbürger in das kurhessische Parlament als Vertreter Hanaus berufen. Sein Haus war Mittelpunkt einer von wissenschaftlichen und schöngeistigen Interessen bestimmten Gesellschaft. Auch Abgeordnete des Frankfurter Bundestages verkehrten bei ihm. Petermann selbst war Mitglied der Offenbacher Freimaurerloge.

Nach seinem Tode verkauften seine Erben das Besitztum für 85.000 Gulden an das Heilig-Geist-Hospital zu Frankfurt, das die Wirtschaftsgebäude mit den Äckern verpachtete und die   Gast­räume in ein Rekonvaleszentenheim für weibliche Pfleglinge umwandelte. Über 30 Jahre hat es diesem Zweck gedient, bis im Jahre 1902 die Firma Cassella den ganzen Besitz erwarb. Der schöne Platanenhain wurde eine Kohlenlagerstätte!

Im Jahre 1824 war dem Hotel schräg gegenüber eine Zollstation entstanden, in der alle ein- und ausgeführten Waren verzollt werden mußten. Hier erblühte ein leb­hafter Schmuggel. Am 24. und 30. September 1830 entlud sich der allgemeine Un­wille in einem Sturm auf das Zollhaus, dessen Möbel und Akten verbrannt wurden. Obgleich nun die Zollstation unter militärischen Schutz gestellt wurde, unternah­men die Bewohner von Bergen, Enkheim, Bischofsheim und Seckbach am 6. Ja­nuar 1832 einen neuen Angriff auf die Zollstation, bei dem es mehrere Verwundete und auch einige Tote gab.

Die Fechenheimer Bürger waren bei diesem Aufstand nicht beteiligt. Der Bürgermeister Ewald daselbst hatte auf Befehl des Hauptmanns die Glocke läuten lassen und den Einwohnern verboten, den Ort zu verlassen. Mit einem Holzscheit bewaffnet stand er am Ortsausgang, um seinem Befehl Nach­druck zu verschaffen.

Nach dem Abschluß des Deutschen Zollvereins im Jahre 1834 fiel die verhaßte Maut fort. Aus dem Zollhaus wurde ein Wirtshaus, die „Neue Mainkur“, die noch heute steht. Inzwischen war östlich der Wirtschaftsgebäude des Hotels noch eine Wirtschaft „Mainkur“ entstanden, die Ruppel‘sche Wirtschaft. Alle drei Wirtschaften bestehen heute noch. Die „Alte Mainkur“, in der Napoleon rastete, ist im Volksmund als „Knallhütt“ bekannt. Die „Neue Mainkur“, heute in der Mitte des Verkehrskreisels gelegen, heißt „die Hex“.

 

Das Amt Bergen im Jahre 1821

Im Jahre 1821 bestand noch das alte Amt Bergen, das immer noch „Bornheimer Berg“ genannt wurde. Allerdings war es schon lange nicht mehr wie ehedem ein freies Reichsgericht, sondern es bildete nur einen kleinen Verwaltungsbezirk des Fürstentums Hanau. Auch umfaßte es nicht mehr wie früher 19 Ortschaften, son­dern nur noch 13, nämlich:

 

Bergen-Enkheim        mit 245 Häusern und                         1.338 Einwohnern,

Berkersheim               mit 35 Häusern und                 178 Einwohnern,

Bischofsheim              mit 100 Häusern und                           509 Einwohnern,

Bockenheim               mit 154 Häusern und                         1.030 Einwohnern,

Eckenheim                  mit 57 Häusern und                 311 Einwohnern,     

Eschersheim               mit 56 Häusern und                 354 Einwohnern,

Fechenheim                mit 144 Häusern und                           777 Einwohnern,

Ginnheim                    mit 81 Häusern und                 430 Einwohnern,

Gronau                       mit 50 Häusern und                 360 Einwohnern,

Massenheim               mit 42 Häusern und                 218 Einwohnern,

Praunheim                  mit 79 Häusern und                 384 Einwohnern,

Preungesheim            mit 69 Häusern und                 393 Einwohnern,

Seckbach                    mit 190 Häusern und                         1.115 Einwohnern.

 

Die Bedeutung des Amtes für die Landesverwaltung war noch ungeschwächt, denn die Aufgaben der damaligen Ämter waren etwa mit denen der heu­tigen Kreise zu vergleichen. An der Spitze der Ämter standen die Amtmänner, die nicht nur die Verwaltung, sondern auch die Rechtspflege wahrzunehmen hatten. Die Ämter waren also gleichzeitig Verwaltungs- und Gerichtsbezirke und als solche nur der Landesregierung untergeordnet.

Der damalige Amtmann des Amtes Bergen hieß Justus Christian Cramer. Die Geschäfte des Amtsaktuars besorgte der Landschreiber Heinrich Baumann. Die Renterei verwaltete der Rentmeister Johannes Weber. Fronschreiber und Landbereiter war Friedrich Maisch. Die Stelle des Amtsphysikus bekleidete Hofrat Dr. Schunk in Hanau, die des Wundarztes Ignatz Ries zu Bockenheim. Der Wegebaukommissar Daniel Hassenpflug wohnte nicht im Amt, sondern in Hanau. Chausseegelderheber gab es mehrere im Amt, der zu Bischofsheim hieß Heinrich Grimm.

Mit Salz wurde das Amt von Nauheim aus versorgt, das Salzmagazin befand sich in Fechenheim. Es hatte einen Magazinverwalter und einen Kontrolleur. Der Forst Bergen wurde von Bergen aus durch einen Zeichförster verwaltet. Eine Poststelle gab es im Amte nicht, wer die Post in Anspruch nehmen wollte, mußte sich nach Hanau bemühen.

Im Jahre 1821 wurde allen diesen Ämtern und Gerichten in Kurhessen, besonders im Fürstentum Hanau, der Todesstoß versetzt. Der zur Regierung gekommene Kurfürst Wilhelm II. erließ am 29. Juni eine Verordnung, die man das Organi­sationsedikt nannte. Dieses Edikt griff tief in die innere Verwaltung ein und bildete die gesamte Staatsverwaltung um.

Zunächst wurde das gesamte Staatsgebiet in die vier Provinzen Oberhessen, Niederhessen, Fulda und Hanau eingeteilt. Die alten Gerichte und Ämter, die bisher die untersten Verwaltungseinheiten gebildet hatten, hörten auf zu bestehen, denn Justiz und Verwaltung wurden voneinander getrennt. Das Richteramt durfte hinfort nicht mehr mit einem administrativen oder finan­ziellen Amt verbunden sein. Für die Verwaltung wurden Kreisämter geschaffen, an deren Spitze der Kreisrat stand. Die Rechtspflege blieb im Allgemeinen bei den bisherigen Ämtern, an der Spitze eines Justizamtes stand ein Richter.

Die Provinz Hanau, die sich in der Hauptsache aus alt-hanauischen, isenburgischen mainzischen und fuldischen Gebietsteilen zusammensetzte, wurde nach der Ver­ordnung vom 30. August 1821 in die vier Kreise Hanau, Gelnhausen, Salmünster und Schlüchtern eingeteilt. Zum Kreis Hanau gehörten damals:

Stadt Hanau               mit      9.634 Einwohnern,    

Amt Windecken         mit      4.468 Einwohnern,

Amt Büchertal            mit      7.833 Einwohnern,    

Amt Dorheim                         mit      2.119 Einwohnern.

Amt Bergen                mit      7.397 Einwohnern,

Der neue Kreis zählte insgesamt 5.539 Wohnstätten mit 31.451 Seelen.

Allerdings gehörte damals noch das vormals isenburgische Langenselbold zum Kreis Gelnhausen und kam erst 1830 an den Kreis Hanau. Der erste Kreisrat wurde Georg Friedrich Christoph Cöster. Das alte Amt Bergen bestand nur noch als Justizamts­bezirk weiter, Justizbeamter, d.h. Richter, blieb der bisherige Amtmann Cramer.

 

Auf Grund der Verordnung vom 27. November 1821 wurde in Bergen eine Polizeikomm­ission errichtet. Sie bestand aus dem Kreisrat Cöster in Hanau, dem Justizbeam­ten Cramer in Bergen und dem Rentmeister Weber daselbst. Als außerordentliches Mitglied berief man auch den Berger Förster Lentulus. Das Bauwesen wurde einem Baurat als Landbaumeister unterstellt, der Wegebau einem Straßenbauin­genieur, die beide in Hanau wohnten.

Die Wälder des Justizamtes Bergen wurden der neugeschaffenen Forstinspektion Steinau zugeordnet und von der Oberförsterei Niederrodenbach aus verwaltet. Das Forstrevier des Berger Justizamtes versah der „Gehende Förster“ Lentulus mit zwei Forstläufern. Lentulus wurde zum Brigadier befördert.

Zehn Jahre später, also 1831, wurde durch die Zunahme der Bevölkerung die Tei­lung des Justizamtes notwendig. Es wurde ein eigenes Justizamt Bockenheim ge­bildet, zu dem noch die Orte Eckenheim, Eschersheim, Ginnheim und Praunheim gehörten. Im Justizamt Bergen verblieben demnach noch Bergen-Enkheim, Fechen­heim, Bischofsheim, Berkersheim, Gronau, Massenheim, Preungesheim und Seck­bach. Insgesamt waren es 969 Häuser mit 6.243 Einwohnern; Massenheim kam dann 1866 an Hessen-Darmstadt.

Seckbach wurde 1900 mit Frankfurt vereinigt. Im Jahre 1910 gingen Berkersheim und Preungesheim in Frankfurt auf. Der Amtsgerichtsbe­zirk Bergen umfaßte jetzt nur noch die Orte Bergen-Enkheim, Bischofsheim, Fe­chenheim und Gronau. Diese vier Orte hatten im Jahre 1900 zusammen 12.683 Ein­wohner. Im Jahre 1928 wurde Fechenheim nach Frankfurt eingemeindet.

Am 15. Juli 1943 wurde das Amtsgericht Bergen endgültig aufgelöst und mit dem Amtsgericht Frankfurt am Main vereinigt. Damit endete die Geschichte der uralten Graf­schaft Bornheimer Berg.

 

 

Bischofsheim im Dreißigjährigen Krieg

Im Dreißigjährigen Krieg hat Bischofsheim schwer gelitten. Als erste brandschatzten die Spanier im Frühjahr 1621 unter dem Marquis Spinola die Gemeinde. Am 22. Oktober desselben Jahres plünderten sie Niederdorfelden und steckten auch diesen Ort in Brand. Am ersten Novem­ber setzten sie ihre Tätigkeit in Rumpenheim fort und brannten auch diesen Ort nieder. Sicher werden sie auf dem Zuge von Niederdorfelden nach Rumpenheim nochmals kontrolliert haben, ob sie im Frühjahr in Bischofsheim auch nicht etwas übersehen hatten.

 

Aus dieser Zeit stammt auch der große Münzfund des Jahres 1929 in der Sand­grube, die unmittelbar im Norden unseres Ortes zwischen der Gabelung der Straße nach Niederdorfelden und Bergen lag. Dort hatte ein Bischofsheimer Einwohner in 60 Zentimeter Tiefe sein Geld in einem Topf vergraben. Sämtliche Münzen waren neu geprägt und befanden sich erst kurze Zeit im Umlauf. Sie stellten gleichsam metallenes Inflationsgeld dar, denn sie hatten nur einen geringen Bestand an Edel­metall. Die Geschichtsforschung nennt diese Münzen „Kipper- und Wippergeld“. Der Besitzer wurde sicherlich von den durchziehenden Truppen erschlagen, und erst 308 Jahre später wurden diese Münzen durch einen Zufall entdeckt.

Die schwerste Zeit für das Dorf waren die Jahre von 1631 bis 1641. Die alte Überlieferung, daß am Ende des unglückseligen Krieges nur noch sieben Menschen im Dorf lebten, dürfte falsch sein; es ist stets eine Reihe von Familien hier ge­wesen. Zwar zwangen immer wieder fremde Völker zu Fluchten nach Hanau, aber sobald wie möglich kehrten die mutigsten Einwohner wieder in das Dorf zurück. Außer Hanau waren auch Hochstadt und Frankfurt Fluchtorte. Die meisten Bischofsheimer scheinen Zuflucht in der Hugenottenstadt Neu-Hanau gefunden zu haben. Die Einwohner dieses Stadtteils hatten wohl noch in Erinne­rung, was Flucht und Vertreibung bedeuten und nahmen die bedauernswerten Bischofsheimer Flüchtlinge 1621 auf.

 

Der Einfall der Spanier und der Kaiserlichen im Jahre 1635 hatte für Bischofsheim verheerende Folgen. Der Pfarrer schreibt, daß sehr viele Bischofsheimer Einwohner in Hanau verstorben seien, er habe jedoch ihre Namen und Todestage nicht in Erfahrung bringen können. Später erfuhr er dann noch einige Namen. Die Altersangaben sind nur vage: „ohngefer 45, 50“.

Nach der Flucht vor den Spaniern kamen wieder einige Leute zurück, ihre Zahl wird mit 163 (136) angegeben. Im Jahre 1636 waren wieder nur 133 Einwohner hier. Der Zent­graf und der Lehrer starben in Hanau. Das gleiche Schicksal traf viele Frauen und Kinder. Dann und wann kam der Pfarrer auch einmal nach Bischofsheim, um den Hiergebliebenen zu predigen oder Tote zu beerdigen.

Von 1632 an sind die Kirchenbücher nur sporadisch geführt worden. Die Eintra­gungen erfolgten in flüchtiger und nur schwer lesbarer Schrift. Ab 1642 werden die Ein­tragungen wieder regelmäßiger. Die Mehrzahl der Taufen ist wieder in Bischofsheim; auch Ehen werden hier wieder geschlossen, während die Trauungen vorher nur in Hochstadt oder Hanau stattfanden.

 

Die Zurückkehrenden fanden eine verödete Gemeinde vor. Das Mainfeld war völlig verwildert und mit Hecken und Gestrüpp bewachsen. Die Häuser und Wirt­schaftsgebäude waren verfallen, das Rathaus und die Schule abgebrannt. Es war kein Vieh mehr da. Der Wald war verwüstet, das wenige Holz wurde wahrscheinlich als Bauholz geschlagen. Noch nach dem Jahre 1700 schreibt der Pfarrer Frey, daß nur noch 15 hohe Bäume im ganzen Wald zu finden seien.

Doch regte sich über allem Chaos bald neuer Lebensmut, der sich nicht nur in der Arbeit des Wiederaufbaues zeigte, sondern sich auch im Frohsinn und der Lust, Feste zu feiern, äußerte. Diese Lebensfreude erregte jedoch den lebhaften Unwillen der Herrschaft und der Kirche. Schon 1645 ermahnt die Herrschaft jedermann zu Gottesfurcht, Zucht und Ehrbarkeit und daß alle ein stilles, aber wohlgefälliges Leben und Wandel führen sollen. Dann werden harte Strafen verkündet für üppiges Tanzen, Fressen und Saufen. Auch am 26. Oktober 1650 ergeht ein entsprechender Erlaß.

 

Bischofsheim im Réunionskrieg 1667 - 1697

Die armen Bischofsheimer konnten sich auch nach dem Dreißigjährigen Krieg nicht ungestört dem friedlichen Aufbau widmen. Der Réunionskrieg Ludwigs XIV. von 1667 bis 1697 (also wieder einmal ein dreißigjähriger Krieg) war eine schwere Belastung für die Gemeinde, be­sonders in dem zweiten Teil des Krieges, dem sogenannten „Holländischen Krieg“ von 1672 bis 1678. Wieder und wie­der waren Fluchten nach Hanau notwendig, um Hab und Gut und Leib und Leben vor den fremden Völkern in Sicherheit zu bringen.

In den Jahren 1673, 1674 und 1676 mußten die Bischofsheimer fliehen, in manchen Jahren sogar mehrmals. Kaum war man zurück, kamen die „befreundeten“ Völker. Sie beschlagnahmten sämtliche Scheunen und Ställe für ihre Pferde, verlangten für sie Heu, Stroh und Hafer und für sich selbst Essen, Trinken und Unterkunft.

 

Auch der dritte Teil des Réunionskrieges, der „Pfälzerkrieg“, warf seine Wellen bis hier nach Bischofsheim. Vertriebene Pfarrer und verwundete und entlassene Soldaten kamen bettelnd an und wurden unterstützt. Wieder und wieder wurden Sammlun­gen zum Aufbau zerstörter Pfarr- und Schulhäuser durchgeführt.

Der Zentgraf hatte 1674 eine Magd, die schwanger war. Sie gab an, von zwei Reitern vergewaltigt worden zu sein. „Sie hat ihre Sünde bitterlich beweint und Gott um Verzeihung gebeten und ist nach langen ausgestandenen Schmerzen, als die Bischofsheimer wieder einmal vor den Völkern flüchten mußten, ganz von allen Menschen verlassen elendlich in des Zentgrafen Stall gestorben“.

Im Jahre 1679 waren die berüchtigten „Lüneburgischen Völker“ wieder einmal hier. Man war diesmal nicht geflohen; die Soldaten hinterließen eine ganze Anzahl von Frauen und Mädchen, die uneheliche Kinder erwarteten.

Der angesehene Mitnachbar Johann Velten Seipp brachte einem lüneburgischen Korporalsburschen Kost und Hafer auf den Nachbarhof. Der Korporalsbursche nahm eine neue scharfe Weinberghacke und schlug den Ahnungslosen von hinten nieder. Zwei Ärzte wurden eilends geholt, aber sie konnten nicht mehr helfen, der Mann starb. Der Soldat wurde verhaftet und nach Bergen in den Turm gebracht. Aber nachts kamen die Soldaten, brachen das Gefängnis auf und ver­halfen dem Burschen zur Flucht.

Im Jahre 1677 passierte eine schreckliche Geschichte, die die Gemeinde mit Gesprächsstoff versorgte und den Herrn Pfarrer in hellste Empörung versetzte. Drei volle eng beschriebene Seiten widmete er dem Vorfall in seinem Protokollbuch. Das Mädchen Catharina See hatte sich zu einer Soldatenhure von Format ent­wickelt. Sie ging ihrem Gewerbe zunächst in Hanau und Langenselbold nach. Der Vater wollte die Gerüchte nicht glauben und machte sich auf den Weg nach Langen­selbold; was er dort hörte und sah, ließ auch den letzten Zweifel schwinden.

Als Catharina wieder einmal nach Bischofsheim kam, gingen die Soldaten auf dem väterlichen Hofe des Mädchens ein und aus wie in einem Taubenschlag. Die Wellen der Empörung im Dorfe schlugen immer höher, und die Catharina hielt es für rat­sam, sich nach Worms abzusetzen, kam aber nur bis in den Enkheimer Wald. Dort traf sie drei Soldaten, denen sie ihre Gunst schenkte. Die Soldaten schickten aus Enkheim weitere vier Kameraden als Nachschub. Das Mädchen war danach wohl doch etwas erschöpft und gab die Reise nach Worms vorerst auf.

In der Dunkelheit schlich sie sich nach Bischofsheim zurück, ging aber nicht in ihr Eltern­haus, sondern kampierte in der Scheune eines Nachbarn. Ihre Anwesenheit ließ sich auf die Dauer aber nicht verheimlichen. Die Einwohner machten sich auf die Suche und fanden das Mädchen unter einem Heuhaufen versteckt. Nun wurde die lose Catharina, von der ganzen Gemeinde begleitet, in das Narrenhaus (Gefängnis im Rathaus) gebracht und wohl verwahrt. Ihre Einsamkeit dauerte jedoch nicht lange. In der Nacht kamen die Soldaten, brachen das Gefängnis auf und verhalfen dem Mädchen zur Flucht. Ihr weiterer Lebensweg ist genau bekannt. Über Offenbach landete sie schließlich in Mainz, und mit Genugtuung ist niedergeschrieben, daß sie dort die Köchin eines Pfaffen geworden sei.

 

Der Österreichische Erbfolgekrieg 1741 - 1748

Nun kamen ruhigere Zeiten. Aber 1734 waren wieder Soldaten hier. Im Lazarett starben ein Pfeifer und zwei Musketiere, 1736 wieder ein Soldat, der hier in Quartier gelegen hatte. Von 1741 bis 1748 war der Österreichische Erbfolgekrieg: Maria Theresia vertei­digte ihre Ansprüche auf den Kaiserthron gegen Preußen, Bayern und Frankreich. Auf ihrer Seite standen England und das mit ihm durch Personalunion verbundene Hannover sowie die Niederlande. Im Jahre 1743 kam es zur Schlacht bei Dettingen, die zur Folge hatte, daß in diesem Jahr 326 Menschen hier begraben wurden.

Pfarrer Frey berichtet in dem Sterberegister darüber: „Das ist daher gekommen, weil die gesamte österreichische Armee der Königin von Ungarn, die aus Engelländern, Österreichern, Hannoveranern und Hessen bestand, sechs Wochen von den Kesselstätter Weinbergen bis an den Fechenheimer Wald in zwei Linien standen. Deshalb war das hannoversche Hospital von Anfang Juni bis zum 5. September in Bischofsheim. Im Dorf waren auf einmal 1.700 Mann Hannoveraner, ein Laza­rettkommando von etwa 40 Mann, drei englische Generäle, zwei Brigadiere und verschiedene Oberste. Es sind viele hannoversche Truppen an der Verwundung gestorben, die sie bei Dettingen bekommen haben, weit mehr aber starben an der Haupt- und Brustschwachheit und der Roten Ruhr, welche unter den Einwohnern und Kriegsleuten allgemein war.

Im Jahre 1743 wird ein Hospital eingerichtet. Man hat schließlich die Soldaten, sowohl Hannoversche als auch Englische, auf dem oberen Breul, wo derselbe nach Hochstadt ziehet, wegen Mangel des Platzes begraben müssen. Vom 2. August bis 6. September wurden 172 Tote begraben, und zwar am 18. August 13 und am 22. noch einmal 19 auf einen Tag.

Überhaupt sind also hier dieses Jahr gestorben 326 Menschen.“ Von den Bischofsheimern starben an den Seuchen 63 Menschen. Viele Soldaten hatten ihre Familien mit in den Krieg genommen, denn es starben auch Soldatenfrauen und -kinder.

 

Der Siebenjährige Krieg 1756 - 1763

Im Siebenjährigen Krieg kamen die Franzosen als Freunde und Befreier. Sie hatten sich mit den Widersachern Friedrichs des Großen verbündet und drangen in Deutschland ein, besetzten Frankfurt und das Hanauer Land und machten dort Quartiere. Sie raubten das Land völlig aus. In Bischofsheim forder­ten sie erst einmal hohe Kontributionen und drohten bei nicht restloser Erfüllung ihrer Forderungen die Plünderung des Ortes an. Von den Kanzeln und durch Anschläge wurden die Nachbarn gewarnt, ein böses Wort über die „Gäste“ fallen zu lassen.

Im Jahre 1758 starben aus der Gemeinde 42 Menschen: 30 Reformierte, zwei Lutheraner, sechs Fremde und vier Juden. Der Pfarrer bemerkt dazu: „Dieses für den hiesigen Ort sehr starke Sterben ist durch die allzu starken Einquartierungen der französischen Truppen verursacht worden, welche im Juni und Juli sieben Wochen gedauert hat, als ein ganzes Bataillon vom Regiment Zwei­brücken 700 Mann stark hier gelegen. Selbst der ärmste Mann hat acht bis zehn Soldaten im Hause ge­habt, wodurch dann teils die Ruhr, teils hitzige Krankheiten verursacht wurden, weil die Einwohner bei der Hitze kein ordentliches und warmes Essen haben konnten“.

Die Bischofsheimer Bauern mußten mit ihren Kuh- und Ochsengespannen unzäh­lige Proviant- und Fouragefahrten machen, besonders nach Friedberg. wo die Franzosen ein großes Magazin angelegt hatten. Das Land litt und stöhnte unter der Besatzung.

Im Jahre 1759 rückte der französische Oberbefehlshaber Herzog von Broglie gegen Hessen-­Cassel vor, ebenfalls gegen Thüringen. Nun schickte Friedrich der Große den Fran­zosen und der mit ihnen verbündeten Reichsarmee ein Heer unter dem Herzog Ferdinand von Braunschweig entgegen, der die Franzosen bis in die Mainebene zurücktrieb. Schließlich bezogen die Franzosen mit der hauptsächlich aus Württem­bergern bestehenden Reichsarmee eine feste Stellung bei Bergen. Im Westen von Bergen errichteten sie ein festes Lager. Die Franzosen hatten etwa 35.000 Mann beisammen mit viel Artillerie, der Braunschweiger etwa 27.000 Mann aus Preußen, Braunschweigern, Hessen und Hannoveranern.

Am 13. April 1759 kam es bei Ber­gen zu einer ernsthaften Schlacht, in der beide Seiten schwere Verluste erlitten und die Franzosen schließlich den Platz behaupteten. Über den Verlauf der Schlacht liegen genaue zeitgenössische Berichte aus Bergen vor, aber auch in den Sterbe­registern der Bischofsheimer Kirche befindet sich ein Bericht des Pfarrers Johann Frey, in dem der Ablauf des Geschehens geschildert wird:

„Außer den aufgeführten Sterbefällen sind noch auf unserem Kirchhof dieses Jahr begraben worden ein französischer Soldat, der in des Wirt Kellers Haus den 13. April morgens erschos­sen wurde, und der Tambur von dem Hessischen Regiment Hanau, welcher an seinen in der Schlacht bei Bergen empfangenen Verwundungen die Nacht darauf verstorben ist.

Nachdem die französische Bedrückungen nun schon zwei Jahre gedauert hat und jedermann sich nach der Erlösung sehnte, so hörte man gleich anfangs des Monats März von dem Marsch eines Teils des Verbündeten englischen, preußischen, hessischen und braunschweigischen Kriegsheeres unter dem Befehl des Prinzen Ferdinand von Braunschweig.

Doch der Nachricht schenkte man nicht viel Glauben. Aber Anfang des Aprils wurde es Ernst, die schon gemeldete verbündeten Truppen besetzten das Fuldaer Land und drangen von da und durch den Vogelsberg ziemlich nahe in unsere Gegend.

Am 12. April morgens erhielt das hier zusammengezogene Regiment Ro­gafe Befehl, schleunigst aufzubrechen, weil der Feind anrücke. Die Be­stürzung und Verwirrung war allgemein. Sobald die Reiter gesattelt waren, so ritten sie auch fort und man erfuhr bald, daß es nach Bergen ginge und sich da die ganze französische Armee versammle. Mittags hörte man die Jäger und Husaren der Alliierten, die in Hochstatt und Dorfelden bereits eingetroffen waren, abends hörte man auch wirklich hin und wieder mit kleinem Gewehr schießen, jedermann aber hielt sie für Vorhuten und niemand vermutete die Armee und das den 13. erfolgte blutige Schauspiel so nahe.

Am 13., in der Karfreitagswoche morgens sechs Uhr, erhob sich ein Lärmen, die Schwarzen Husaren seien da und bereits im Dorf. Ich eilte an mein Tor und sah wirklich einen Trupp von ungefähr zehn Franzosen, welche sich hier verspätet hatten, vor den Husaren in das Haus des Wirts Keller fliehen. Dort ist es dann geschehen, daß einer in der Stube durch das Fenster erschossen wurde. Verschiedene wurden zuschanden gehauen und die Übrigen neben anderen in Johannes Bechten Hauß von den Preußischen Schwarzen Husa­ren gefangen wurden, ungefähr 18 an der Zahl, worauf die Husaren weiter gingen.

Man vermutete, nun sei es stille. Allein bald sah man den linken Flügel der verbündeten Armee durch den Kleinen Buchwald hervor und quer durch unser Oberfeld nach Bergen durchbrechen, auch fing das Schießen an. Gegen 10 Uhr nahm die Aktion den richtigen Anfang. sowohl mit den Kanonen als dem kleinen Gewehr, welches letztere recht fürchterlich bis ein Uhr anhielt.

Prinz Casi­mir von Isenburg. Fürstlich Hessischer Generalleutnant, führte die Grenadiere an durch die Baumstücker zum Sturm auf Bergen. Aber weil die feindlichen Posten gar zu sehr im Vorteil waren und der Prinz gleich nach zehn Uhr auf der sogenannten Wurmgasse totgeschossen wurde, so wurde der Posten nicht behauptet. Die linken Flügel zogen sich gegen zwölf bis in das sogenannten Pfaffental zurück. Jedermann wurde dadurch äußerst erschreckt und bildete sich ein, die Armee sei gänzlich geschlagen. Aber auf einmal setzte sich dieselbe in Gang und rückte von neuem an. Das kleine Feuer ließ um ein Uhr zwar ziemlich nach, aber das Kanonenfeuer blieb desto heftiger bis in die dunkle Nacht stehen.

Hier war alles voller Verletzter und Verwundeter, die zurückgelassen werden mußten, auch zwei Wachen von Infanterie und Kavallerie. Nachts um zwölf Uhr kam ein Befehl, wer fort könnte, der sollte sich fort machen zu dem Tannenbusch zwischen hier und Kilianstädten, weil die Armee sich zurückzöge. Da hat sich dann alles fortgemacht bis auf ungefähr 16 Mann, die zu hart verwundet waren und den Franzosen in die Hände fielen. So endete dieser Tag. an welchem wir unsere Befreiung erhofft hatten.

Den folgenden Morgen kam ein Kommando von den Freiwilligen aus dem Elsaß, auch Schweizer und aus dem Regiment Piemont, um Gefangene zumachen. Sie zogen aber vor den Husaren bald wieder aus. Die Husaren haben noch einen Marqueten­der und einige andere Personen hier gefangengenommen. Als diese sich aber wieder zurückzogen, wurden die Gräben um das Dorf von den Franzosen mit Infanterie besetzt. So konnten sie nicht mehr ankommen, bis diese gegen Abend auch wieder abgegangen waren.

Am Sonnabend mußte ich, da es schon finster war, einem schwarzen Husaren noch eine Flasche Wein für seinen Rittmeister geben, welcher auch der letzte gewesen ist, der in das Dorf gekommen ist. Den ersten Ostertag haben die Freiwilligen aus dem Elsaß den Ort besetzt. Die Vereinigte Armee aber hat bis zum zweiten Feiertag abends bei Windecken und Kilianstädten gelagert und sich so­dann zurückgezogen.“

Im Jahre 1758 lagen zeitweise ein französischer Leutnant und 35 Gendarmen hier in Quar­tier. Für ihre Pferde mußten 35 Raufen und 35 Krippen geliefert werden, die in den Stallungen des Heidelberger Konsistorialrats Bähr, der hier Besitzungen hatte, eingebaut werden mußten. Rund 30 Positionen von Lieferungen für die immer wieder wechselnden französischen Soldaten sind in diesem Jahr ver­zeichnet. Sämtliche Handwerker waren in Bewegung. um die Wünsche der Herren Soldaten zu erfüllen.

Besonders große Anforderungen stellten die unliebsamen Gäste bei der Unterbringung ihrer Pferde. Die Ställe mußten immer wieder mit neuen Einrichtungen versehen werden, die Wachen brauchten immer wieder Holz und Lichter, die Herren Offiziere besondere Betten, die bei den Einwohnern aus­geliehen wurden, oft verschwanden und von der Gemeinde bezahlt werden muß­ten. Auch Reitsättel wurden ausgeliehen und nicht zurückgebracht. Die Gemeinde zahlte. Oberstleutnant Colony vom Fischer-Corps machte mit zwei Offizieren hier zwei Tage Station und hinterließ der Gemeinde eine Zeche von 8 Gulden 15 Albus.

Ein Soldat vom Zweibrücker Regiment versuchte zu desertieren. Ihm wurde auf der Flucht ein Bein zerschossen. Jud Salmon mußte 8 Ellen Tuch liefern, auf dem der Soldat zum Kriegsgericht getragen wurde. Das Urteil lautete auf Tod durch den Strang. Er wurde hingerichtet und in dem Tuch begraben. Die Gemeinde be­zahlte es.

Auch 1760 haben die Kriegskosten einen erheblichen Umfang. Die Ställe und Scheunen waren leer, aber die Franzosen verlangen unerbittlich Fouragehafer und Fourageheu. Da nichts gegeben werden konnte, mußten die verzweifelten Bauern 133 Gulden aufbringen, damit das Pferdefutter gekauft werden konnte. Die Baulade (Kirchenkasse) war schon 1757 versiegelt mit allen Schätzen der Kirche nach Hanau in Sicherheit gebracht worden.

In dem Rathaus war ein Lazarett eingerichtet worden, ebenfalls eine Wachstube. Dauernd wurde neues Roggenstroh verlangt, neue Kochtöpfe, neue Kübel, neue Lichter. Französische Kuriere machten kurze Zeit Rast und ließen sich auf Kosten der Gemeinde verpflegen. Bei Michael Kaiser waren ein Jahr lang 42 Franzosen ein­quartiert. Dafür konnte der arme Mann vorerst nur mit 2 Gulden 28 Albus entschädigt wer­den, den Rest erhielt er erst sehr viel später.

Eine besondere Plage waren für die Gespannbesitzer die zahllosen Fouragefahrten. Es mußten Fahrten nach Hanau, nach Ziegenhain und nach Marburg geleistet werden. Da kaum noch Pferde im Ort waren, wurde mit Ochsen- oder Kuhgespannen gefahren. In Seckbach befand sich eine Ambulanz, die aufgelöst und nach Neustadt verlegt wurde. Mit sieben Kuhgespannen mußten die Bischofsheimer Bauern antreten und die Last fahren. Sie waren 24 Tage unterwegs. Sie erhielten an Verpflegungs-, Stall- und Futterkosten 65 Gulden.

Im Jahre 1761 hatte die Gemeinde für Kriegskosten 639 Gulden 5 Albus 5 Heller aufzubringen. Damit kam sie vergleichsweise noch gut weg. denn im Jahre 1758 mußte sie bei der Einnahme von 3.367 Gulden allein 2.009 Gulden für Kriegskosten aufbringen. In den dürren Zahlen der Rechnungsbücher ist nichts enthalten von der Not, der Angst, den Plünderungen und den Vergewaltigungen, die die Einquartierungen mit sich brachten.

Im Jahre 1762 waren in dem Rathaus fünf Wachstuben eingerichtet, für die unter anderem täglich 20 Lichter verlangt wurden. Bei der Überprüfung der Rechnung beanstandete das Amt diesen hohen Verbrauch an Kerzen, aber der Bischofsheimer Zentgraf berichtete, daß die Soldaten diese Mengen verlangten. Sie brauchten diese Kerzen zwar nicht alle zur Beleuchtung. aber die übrigen benötigten sie zum Einschmieren ihrer Haare; Beschwerden bei den zuständigen Offizieren seien erfolglos geblieben.

Am 3. Juli 1763 war ein Kapitän mit 65 Mann kaiserlicher Truppen hier einquar­tiert, am 8. August desselben Jahres kamen zwei Kapitäne mit 115 Soldaten ins Dorf, deren Gunst man sich mit erheblichen Weinlieferungen zu erkaufen versuchte.

Um einen Einblick in die Kriegslasten der Gemeinde zu erhalten, möge hier ein nicht vollständiger Auszug aus den Rechnungsbüchern des Jahres 1761 beigefügt sein.

Kriegslasten und Einquartierungen in der Gemeinde nach der Gemeinderechnung von 1761:

Dem Johannes Keller dahier, wegen Einquartierung der Kutsche des Generals Maliche und noch anderer Kriegstruppen, ist auf Genehmigung des Amts gezahlt worden     

13 Gulden 16 Albus

Einem Leutnant von den kursächsischen Truppen, welcher hier für 89 Kranke Quartier machen wollte, um ein Lazarett hier einzurichten, ist - um das Lazarett abzuwenden - mit Zustimmung des Amtes gezahlt worden                                        11 Gulden 2 Albus

Dem dahier einquartierten französischen Herrn Kommandanten und zwei Wachtmeistern vom Dragonerregiment Boffermont, welche die Fourage und Frucht aufnotiert hatten, um zu wissen, wie lange sich dieselben mit unserer Verpflegung halten könnten, um abzuwenden, daß sie die Fourage in dem Magazin nehmen, ist gezahlt worden            22 Gulden 4 Albus

Dem Schultheiß Schales zu Hochstadt ist wegen eines Geschenks an einen Offizier, als die   große Kutsche hier gelegen hat, auf Befehl des Amtes gezahlt worden

3 Gulden 20 Albus

Dem Johannes Becht dahier wegen zwei Exekutionssoldaten, sodann ein Rittmeister, zwei Leutnants und zwei Knechte von den Husaren Geld für die Zehrung      7 Gulden

Den 12. Januar haben Michael Kaysser, Johannes. Wilh. Reuhl und Helfer mit drei Wa­gen Mehl in Hanau geladen und nach Marburg gebracht und ist ihnen das gesetzte Taggeld auf sechs Tage zahlt worden                                                                          24 Gulden

Den 27. Januar haben Michael Kaysser und Johannes Wilhelm Reuhl und Helfer mit 3¼ Wagen Mehl zu Frankfurt geladen und nach Gießen gefahren. Ist denselben auf vier Tage zahlt worden                                                                                                   16 Gulden 10 Albus

Den 6. Februar haben Michael Kaysser und Hieronimus Bauscher mit 3½ Wagen Courage zu Hanau geladen und nach Marburg gefahren, ist für sechs Tage das gesetzte Taggeld zahlt worden                                                                                                 28 Gulden

Den 14. Februar haben Johannes Wilhelm Reuhl, Johannes Becht und Helfer mit 1½ Wa­gen Hospital-Sachen zu Frankfurt geladen und dort sechs Tage auf Befehle warten müs­sen und haben solche danach nach Friedberg gefahren                                            18 Gulden

Den 27. April, den 27. März, den 30. Juli, den 18. September und den 28. Oktober haben die sämtlichen Ackerleute mit 15¾ Wagen 119 Säcke Mehl zu Alsfeld und Ziegenhain und nach Kassel gefahren und ist denselben das Taggeld zahlt worden mit      252 Gulden

Dem Zentgrafen Kaiser für einen Knecht, der Vorspann für 24 Tage macht hat

8 Gulden.

Einem Wachtmeister mit 20 Husaren von dem Regiment Turbin, welche hier einquartiert waren und den Ort als Sammelplatz für die kranken und maroden Pferde haben wollten, ist - um dieses abzuwenden und sie von hier weg und nach Bürgel zu bringen - gezahlt worden                                                                                                                    14 Gulden 15 Albus

Dem Johann Friedrich Deines zu Hanau für eine Laterne für die Sächsische Wacht, des Nachts zum patroullieren zu gehen, ist gezahlt worden                             19 Albus

Dem Gemeindehirten Peter Heil hier, als er die kursächsische Wacht 12 Tage lang auf der Pforten gehabt hat, ist vor Holz zahlt worden                                               2 Gulden

Dem Chursächsischen Armee-Boot, welches zwölf Ordonnanzpferde aus dem Kurmainzischen für den Sächsischen Prinzen hierher gebracht hat, sodann einem Wachtmeister und drei Exekutionssoldaten                                                                                 5 Gulden 4 Albus 4 Heller

Für die Wacht auf dem Rathaus ist zur Wiedergutmachung. für Wasserkrüge und für zwei Kessel für den Sächsischen Prinzen, ist gezahlt worden                              2 Gulden 4 Heller

Dem Johann Heinrich Knoch, der drei Säcke der Gemeinde geliehen, damit die sächsischen Konstabler Munition hinein packen können, da dieselben mitgenom­men wurden, sind zahlt worden                                                                                                 2 Gulden 12 Albus

Dem Wirt Michael Kaysser für die Verköstigung eines Offiziers und 16 Reitern vom Regiment Derihzy, welche Wagen zum Vorspann verlangt haben                                 5 Gulden 15 Albus

Dem Gemeindehirt auf der Pforte ist wegen Anschaffungen für 16 Mann Wacht zwölf Tage lang in seiner Wohnung für Salz, Pfeffer, Kochfrücht, Kartoffel und Kraut gezahlt worden                                                                                                                   2 Gulden 20 Albus

 

Dem Johannes Jockel dahier für Heu, Gras und Hafer für die hier einquartierten Dragoner Royal und Reiter Kommissar                                                                            18 Gulden 25 Albus

Dem Johannes Greh für Heu für die hier einquartierten Reiter vom Regiment pur Bonbuhe bei dem Rückzug des Gepäcks geliefert                                                      8 Gulden 10 Albus

Dem Johannes Jakob See für Hafer, welcher bei dem Rückzug des Gepäcks ist gekauft worden                                                                                                          5 Gulden 10 Albus

Dem Johannes Reich für Hafer, welcher bei dem Rückzug des Gepäcks ist gekauft worden

5 Gulden 10 Albus

Dem Johannes Reich für Hafer, welcher bei dem Rückzug des Gepäcks ist gekauft und an

die Truppen geliefert worden                                                                      8 Gulden

Dem Johannes. Ludwig Kaysser vor Hafer, welcher bei der Einquartierung der Sachsen

gekauft und an die Offizier geliefert wurde                                                9 Gulden

Dem Michael Kaysser für Heu, das bei der sächsischen Einquartierung gekauft und an die Ordonnanz-Pferde geliefert wurde                                                                     12 Gulden

Dem Johannes Philipp Borckhard für Hafer, so dem Herrn General Solms hat geliefert werden müssen                                                                                                         15 Gulden 19 Albus

Dem Hyronmus Bauscher für Heu, Gerste und Hafer, so an den Herrn General Dieme hat geliefert werden müssen                                                                                  26 Gulden

Dem Johannes Rebschuck für Heu für die Dragoner Laferone ist gezahlt worden

                                                                                                                      21 Gulden

Dem Engelbert Kappes für 20 Gebund Roggenstroh für die hier einquartierten Sachsen zu backen                                                                                                                 1 Gulden 10 Albus

Dem Engelbert Jöckel ist gezahlt für Hafer, der an das hier einquartierte Bataillon Nassau ist geliefert worden                                                                                              6 Gulden 20 Albus

Dem Jud Affrom vor Gutlichter zu der hier einquartierten Grenadier-Wacht

1 Gulden 22 Albus

Dem Jud Affrom vor Gutlichter zu der hier einquartierten Grenadier-Wacht vom 12. Januar bis 12 März, als der Rückzug des Gepäcks war und als Kursachsen hier war, ist gezahlt worden                                                                                                                    29 Gulden

Dem Schreinermeister Puth zu Bergen vor ein französisches Kavallerie-Hafer Maß ist gezahlt worden                                                                                              10 Albus

Dem Polizei-Aufseher Murmann für die Feststellung des französischen Hafer-Maßes ist gezahlt worden                                                                                                       2 Albus

Dem Johannes Peter Ebert vor 317 Gebund Stroh zu schneiden für die hier einquartierte zweite Kompanie Dragoner                                                                               10 Gulden

Dem Johannes Jakob Assmer ist gezahlt worden für einen Kessel und zwei Zuber, welche er der Gemeinde für den Sächsischen Prinzen für zehn Tage in die Küche gegeben hat                                                                                                                               20 Albus

Dem Ausschuß-Fähnrich Johannes Kaysser für Holz und Dielen zu Brücken über die Gräben, als die neun Bataillone Sachsen hier einquartiert gewesen, ist gezahlt worden                                                                                                                                       51 Gulden 18 Albus

Dem Johannes Lauckert von Fechenheim, welcher hier als ein Dolmetsch ist gebraucht

worden                                                                                                         15 Albus

Demselben für einen Gang ist zahlt worden                                                           18 Albus

Dem Advokat Heleriegel für eine Schrift wegen des gestohlenen französischen Pferdes ist gezahlt worden                                                                                       20 Albus 4 Heller

Dem Johann Kaysser das Gemeinde Heu zu lagern in seiner Scheune, welches an die französischen Truppen in die Magazine hat geliefert werden müssen                  5 Gulden

Dem Jud Affrom desgleichen an Scheuerzins                                              1 Gulden 11 Albus

(Der Auszug ist nicht vollständig, viele Heu- und Haferlieferungen sind nicht er­wähnt).

 

Endlich kam das Jahr 1763. „Der König und die Kaiserin, des langen Haders müde, erweichten ihren harten Sinn und machten endlich Friede“. Man feierte ein großes Lob- und Dankfest. Sechs Musikanten spielten in und vor der Kirche zwei Tage lang und erhielten dafür 6 Gulden 6 Albus. Für die Übernachtung und Verpflegung der Musikanten während der zwei Tage und Nächte mußten 8 Gulden bezahlt werden, unter die Jugend des Ortes wurden für 4 Gulden Weck verteilt, alles zahlte die Gemeinde. Was jeder an Bier und Wein, Brot und Wurst brauchte, mußte er selber bezahlen.

Es dauerte noch lange, bis die finanziellen Auswirkungen des Krieges überwunden waren. Noch lange Zeit hatte die Gemeinde zum Beispiel viele hundert Gulden an die Wirte Brecht und Keller zu zahlen. Die Wirte hatten vor allem während der Schlacht bei Bergen den Franzosen umfangreiche Lieferungen an Brot, Wein, Bier, Branntwein, Fleisch, Käse und Fourage machen müssen.

 

Die Französische Revolution

Im Jahre 1786 ist in Frankreich die große Revolution ausgebrochen, und nun begann es auch hier zu kriseln. Das „Hochfürstliche Hessische Garde du Corps und Carbenier“ rückte in Bischofsheim ein. An sie wurden geliefert: 1.348 Rationen Hafer und 1.248 Rationen Heu. Die Kosten betrugen 964 Gulden 24 Albus. Auch die Preußische Artille­rie war zur Sicherung der Grenze hier und beschlagnahmte Heu. Sie zahlte für 786 Pfund Heu 13 Gulden. 6 Albus. Dann kam die Hessische Kavallerie, sie stellte in der Feldmark Wachen auf, Patrouillen kamen täglich durch das Dorf und ließen sich verpflegen.

Heu, Stroh, Hafer, Brot, Bier, Wein und Branntwein wurden immer wieder ange­fordert. Die von der Gemeinde aufzubringenden Kosten beliefen sich auf fast 1.300 Gulden. Die beiden Wirte im Ort machten glänzende Geschäfte, sie bekamen ihre Gelder aber erst nach Jahren. Die Soldaten, die doch als Beschützer kamen, stahlen wie die Raben. Die Gemeinde mußte alle Schäden ersetzen. Im Jahre 1793 sind alle Scheunen und Keller leer. Für die kaiserlichen (d.h. österreichischen) Truppen muß Verpflegung und Fourage gekauft werden. Da kein Geld vorhanden ist, pumpt man wieder einmal den Wirt Keller an und muß 4 Prozent Zinsen zahlen.

 

Dann kamen Hessische Dragoner und Sächsische Truppen. In Hanau wurde für sie alles Notwendige gekauft, die Gemeinde sank tief in Schulden, die Steuern wurden erhöht. Die Bauern waren für Fouragefahrten ständig unterwegs; viele Wagen, viele Geschirre, Seile und Zugketten gingen entzwei, alles wurde durch die Gemeinde ersetzt. Die Durchzüge der Truppen nahmen kein Ende. Der Preis für einen Zentner Roggen stieg auf 6 Gulden 4 Albus. Alle Handwerker des Ortes hatten Tag und Nacht zu tun, um die Wünsche der „Beschützer“ zu erfüllen. Besonders bösartig scheinen die preußischen Pferde gewesen zu sein, denn in den von ihnen benutzten Ställen traten immer wieder Schäden auf.

So ziemlich das gesamte Rathaus diente als Lazarett und Krankenhaus für Soldaten. Die Gemeinde stellte den Johann Peter Wörner als Aufseher ein, der das Feuer hütete und den Kranken das Essen warm machte. Für 90 Nächte zahlte ihm die Gemeinde 18 Gulden.

 

Im Jahre 1796 waren die Freunde und Beschützer verschwunden. Doch gingen sie nicht frei­willig, und die Bevölkerung hatte keinen Grund aufzuatmen. Nun kamen die Sieger, die Franzosen. Sie nahmen alles und zahlten nichts. Sie ließen Dreck und stinkende Eingeweide von geschlachtetem Vieh zurück. Die Gemeinde mußte sofort 2.000 Gulden aufbringen, um die größten Schäden zu beseitigen. Im folgenden Jahr wurden die Kosten noch höher, dauernd mußten neue fran­zösische Truppen aufgenommen werden.

Im Zweiten Koalitionskrieg waren die Franzosen wieder hier. Sie errichteten vom 6. bis 7. Juli ein Lager zwischen Bergen und Bischofsheim, aus beiden Orten wur­den Hafer, Gerste, Stroh und Heu geholt, in beiden Orten raubte man Schafe aus den Ställen, aus den Häusern besorgte man sich Frauen und Mädchen und schän­dete sie. Die Häuser wurden ausgeplündert und jedes gute Kleidungsstück mitgenommen, so daß die armen Menschen nicht einmal sonntags in die Kirche gehen konnten. Es war ein Heulen und Jammern in Bischofsheim. Es gab später auch eine Menge junger Franzosen.

 

Kriegswirren in und um Bischofsheim im Jahre 1800

„10. Juli 1800: Man erfuhr heute, daß ein starkes Korps deutscher Truppen bei Hanau den Main passierte habe, und von da in die Gegend Hochstadt, Windecken, Dorfelden und gegen Bischofsheim und Bergen hin vorgerückt sei, mit dem Gros aber noch in dem Lamboy-Walde bei Hanau stände. Morgen erwarten und vermuten wir ein Treffen. Da zugleich bekannt wurde, daß beim ersten Anbruch eines Treffens unsere (Frankfurter) Tore ganz fest verschlossen werden sollten, wurde von den Gartenbewohnern und den nahen Dorfleuten, was geflüchtet werden konnte, noch bis spät abends alles in die Stadt hineingeschafft.

11. Juli 1800: Heute geschah von Seiten der Deutschen in der Gegend von Bergen und seiner Anhöhen ein ziemlich lebhafter Angriff schon früh um 3 Uhr. Das Gleiche war auch auf der Seite von Offenbach der Fall. Das Gewehrfeuer war bis gegen 6 Uhr sehr lebhaft, und zuweilen hörte man auch Kanonenschüsse. Nach 6 Uhr wurde es aber wieder ruhig und blieb es auch den ganzen Tag. Die Deutschen hatten auf der Seite von Bischofsheim einiges Gelände gewonnen und die Franzosen sich mehr gegen Bergen hin konzentriert. Auf beiden Seiten soll ziemlicher Verlust gewesen sein, das Ganze scheint sich aber nur auf eine Erkundung beschränkt zu haben. Abends bezogen beide Teile ihre vorherigen Stellungen.

12. Juli 1800: Franzosen in Stärke von 7.000 - 8.000 Mann. Linker Flügel auf den Anhöhen von Bergen bis gegen Vilbel hin, hier durch Flankensoldaten gedeckt. Von Bergen zog sich das Zen­trum über Bischofsheim bis an den Main herunter, unterhielt hier die Verbindung mit dem Korps bei Offenbach, das den rechten Flügel formierte, sich von da durch die Waldungen von Heusenstamm hin bis Isenburg erstreckte, die Flanken bis gegen Sprendlingen. Reserven lagen bei Bornheim, Seckbach und Oberrad, in allen Waldungen näher bei Frankfurt. Deutsche, die seit einigen Tagen Verstärkungen erhalten haben, etwa 9.000 - 10.000 Mann. Der rechte Flügel bei Windecken und Hochstadt bis nach Dorfelden und Vilbel vorfühlend, senkte sich dann links an den Main, war dort mit dem Zentrum, das bei Bieber hinter Offen­bach stand, über Rumpenheim in Fühlung. Linker Flügel in den Isenburger Waldungen bei Heusenstamm bis Sprendlingen.

Am 12. Juli begann das Gefecht morgens um 4 Uhr bei Offenbach-Sprendlingen mit Kleingewehrfeuer, dauerte bis 6 Uhr. Eine Stunde ruhig. 7½ aufs neue an­fangend, 4 bis 5 Stunden allgemeines Gefecht, alle Truppen kamen ins Feuer, gegen Mittag Kanonenfeuer, nachmittags um 1 Uhr war bei Bergen und zwischen den Höhen und Wäldern von Hochstadt, Bischofsheim und Dorfelden die Kanonade und das Kleingewehrfeuer sehr stark, um 3 Uhr starkes Gefecht bei Isenburg. Dreimal dringen die Deutschen bis an die Sachsenhäuser Warte vor, immer wieder zurück, um 4 Uhr sind die Franzosen wieder im Besitz von Isenburg. um 5 Uhr überall ruhiger, um 7 Uhr neuer deutscher Angriff, um 8 Uhr müssen die Franzosen Offen­bach räumen, um 9 Uhr alles ruhig. Beide Teile nehmen ihre vorigen Stellungen wieder ein. Beide Seiten erleiden äußerst starke Verluste, die polnische Legion verlor allein bei Bergen und Bischofsheim 4.000 bis 5.000 Mann (es waren nur 1.500 Mann). Am 13. und 14. Juli ist es bis auf kleines Geplänkel fast ruhig. es wird auf beiden Seiten stark geplündert.

16. Juli 1800: Fortdauernd ruhig. Die Deutschen haben sich auf der Seite von Bergen etwas zu­rückgezogen, ihre Hauptmacht steht oberhalb Hanaus hinter der Kahl.

Auf der vor­her besetzten Linie lassen sie sehr starke Vorposten. Auf der linken Mainseite ist die Position noch wie bisher, die Franzosen verschanzen sich und schlagen viel Holz in den Wäldern.

18. Juli 1800: Waffenstillstand, das Hauptquartier des Generals Roland liegt in Bergen.

(aus dem Bericht eines Frankfurters).

 

Der Französisch-Preußische Krieg von 1806 - 1807

Gleich zu Anfang des Krieges lassen sich französische Patrouillen verköstigen, doch ging es vorerst noch gnädig ab. Immerhin: Zentgraf und Gerichtsschöffen bekom­men vorerst einmal eine Zulage von 24 Gulden 15 Kreuzer für die außerordentlichen Geschäfte durch die Unruhe des Krieges. Die Festung Hanau mußte auf Befehl Napoleons zerstört werden. Alle Bauern hatten mit Fuhrwerken zu erscheinen, die Handfröhner mit Spitz­hacke, Schippe und Spaten, ohne den geringsten Lohn zu erhalten. Damit sich diese armen Menschen - es waren aus Bischofsheim weit über hundert - wenigstens ein Stück Brot kaufen konnten, setzte die Gemeinde 8 Gulden 8 Kreuzer aus. In Dörnigheim hatten die Franzosen gefangene Preußen untergebracht. In Bischofsheim mußte auf Kosten der Gemeinde Brot gebacken werden, welches nach Dörnig­heim in das Lager der Preußen gebracht wurde.

Für die Versorgung französischer Soldaten waren Selterswasser, schwarzes Wachs für das Lederzeug und Schnupftabak zu bezahlen. Ein französischer Soldat ließ sich beim Schneidermeister Wilhelm Fritz zwei Paar Hosen machen, die von der Gemeinde bezahlt wurden. Dann treten wieder Rechnungen über Federmesser, Rauch- und Schnupftabak, Farbe, Wachs und Seile auf. Der Franzosenfeind Amt­mann Usener aus Bergen wies die Rechnung nicht an, sondern schrieb: Derjenige, der dies geliefert hat, muß selbst herkommen. Später wird die Rechnung mit dem Vermerk versehen „attestiert, kann passieren“.

Der Leutnant Sattler, der bei dem Dr. Wachs schon im Jahr 1805 ein­quartiert war, mußte alle Rechnungen für die französischen Truppen abzeichnen. Er tat das in französischer Sprache mit einer sehr eleganten Schrift. Er muß ein großer Weintrinker gewesen sein. Dr. Wachs stellt für die Zeit vom 3. bis 30. Oktober der Gemeinde 68 Flaschen Wein à 24 Kreuzer für den Leutnant in Rechnung, dazu noch 27 Flaschen à 12 Kreuzer. Dann kamen die Frau und drei Kinder des Leutnants zu Besuch. Sie waren 14 Tage bei Dr. Wachs einquartiert für 21 Gulden, danach forderte man nochmals 25 Gulden 30 an für Verpflegung und Unterbringung der französischen Familie. Es mußten wieder 64 Flaschen Wein an den Herrn geliefert werden, dann Rotwein für 28 Gulden.

Viele Bewohner mußten französische Soldaten in ihr Haus aufnehmen und pflegen. Alle stellten ihre Rechnungen an die Gemeinde. Es liegen auch mehrere Rechnungen einer Bischofsheimer Frau vor, die den französischen Soldaten die Wäsche besorgt hat. Auch Handwerker, wie Schuster, Schneider und Schmiede stellten ihre Forderungen. Der Schmied mußte allein 2.000 Hufnägel beim Abmarsch der Franzosen liefern.

Die Kriegskosten rissen nicht ab. Es wurde daher eine Bezirkskriegskasse eingerichtet, in die Bischofsheim erst einmal 280 Gulden und dann noch einmal 276 einzahlen mußte. Für die durchmarschierenden Franzosen waren von der Regierung genaue Verpflegungssätze festgelegt. Vom Feldwebel abwärts stand jedem Soldaten zu: täglich 2 Pfund Brot, 1 Suppe, ¾ Pfund gekochtes Fleisch einschließlich der Knochen, eine Portion gekochtes Gemüse, je nach Jahreszeit, ein Maß Bier oder Apfelwein oder ein Schoppen Wein.

Auch die Fouragefahrten wurden neu geregelt. Bei Fahrten mit einem ganzen Wagen, der mit 4 Pferden oder 6 Ochsen bespannt sein mußte und 20 Zentner geladen hatte, wurden täglich 3 Gulden bezahlt. Für einen halben Wagen, mit zwei Pferden und 10 Zentner Last wurden 1 Gulden 30 Kreuzer erstattet, die Abstellung eines Reitpferdes wurde täglich mit 45 Kreuzer vergütet.

Zum Kriegsvorspann forderten die Franzosen Pferde und lehnten Kühe ab, die Pferdebesitzer mußten daher die Last dies Fahrten allein tragen. Deshalb wurde angeordnet, daß die Rindviehbesitzer täglich zwei Gulden an die Pferdebesitzer zahlte, wenn diese ihre Fahrten übernahmen.

Zahllos waren die Anträge auf Befreiung von Kriegslasten und Vorspannverpflichtungen. Alle Anträge wurden abgewiesen, auch die Zentgrafen und Pfarrer, Besitzer von Freigütern und Domänen wurden ohne Ausnahme zur Ableistung der Fahrten herangezogen. Die Verordnungen jagen sich nur so: Das Amt Bergen (Bergen, Seckbach, Fechenheim, Bischofsheim, Gronau, Massenheim, Berkersheim, Preungesheim, Eckenheim, Eschersheim, Ginnheim, Bockenheim) mußte innerhalb von zwei Monaten 6.400 Gulden aufbringen, aus eigenen Mitteln oder aus Darlehen.

Die Ämter Büchertal, Bergen, Windecken und Babenhausen hatten im November 1805 je weitere 20.000 Gulden abzuliefern, im Februar und März 1806 abermals 16.400 und im April kam schon wieder eine Forderung von 3.200 Gulden an das Amt Bergen. Es war die Zeit der großen Not. Täglich mußte aufgeschrieben und gemeldet werden, wieviel Stabsoffiziere, wieviel Kapitaine, wieviel Leutnants im Ort gewesen waren, wieviel Wachtmeister, Unteroffiziere und Mannschaften, von wel­chen Regimentern die Soldaten waren, wieviel Futterrationen für Pferde ausgege­ben wurden. Die Arbeiten der Hufschmiede, Sattler, Schuster, Schneider usw. mußten täglich notiert werden, jede Rechnung über fünf Gulden mußte erst durch das Amt bestätigt werden.

Am 22. Mai 1807 kam schlimme Kunde aus Hanau: Seine Majestät der Kaiser der Franzosen und König von Italien hat dem Fürsten­tum auferlegt, eine Million an die kaiserliche Kriegskasse zu zahlen. Immerhin 400.000 Franken konnte die Landkassendirektion zusammenkratzen. Für 600.000 Franken wurde eine Zwangsanleihe auferlegt, dafür mußten die Gemeinden auf ihre Kassen die Hälfte aufbringen. Die restliche Hälfte wurde den Besitzern auferlegt, die beweg­liche und unbewegliche Vermögen im Werte von 6.000 Gulden und mehr besaßen. Neben Drohungen fand die Regierung zum ersten Male für ihre Untertanen Worte des Bedauerns und Versprechungen.

Bischofsheim hatte sofort 2.140 Gulden aufzubringen und brachte sie auf! Ein französischer Erlaß forderte „bei Eisenstrafe“, daß sämtliche Gewehre und Seitengewehre umgehend abgeliefert werden mußten. In Bischofsheim wurden die Anschläge der französischen Regierung bekritzelt, durchgestrichen und abgerissen. Das Amt Bergen bat flehentlich alle guten und einsichtigen Bürger aufzupassen, daß dies unterbleibe, sonst würden sich die Fran­zosen durch neue kostspielige Einquartierungen rächen.

Die Franzosen lassen sich von den Bauern den Mist ihrer einquartierten Pferde be­zahlen. Der rechtlich denkende Amtmann Usener schlägt vor, daß die Gemeinde den Pferdemist bezahlt und ihn den Bauern überläßt, da diese schon genug Schä­den an Krippen und Raufen haben und überdies noch das Stroh liefern müssen. Die Bischofsheimer sind diesem Rat aber wohl doch nicht gefolgt, denn in den Rechnungs­büchern sind keine derartigen Zahlungen verzeichnet.

Obwohl 1808 der Krieg vorbei war und obwohl die Hessen nicht gegen Napoleon gekämpft hatten, benahmen sich die freundlichen Nachbarn noch immer wie die Herren in einem er­oberten Land. Ein durchreisender französischer Arzt ließ sich beim Wirt Keller auf Kosten der Gemeinde 30 Flaschen Wein geben; für Heu und Hafer mußte die Gemeinde Vorzahlungen leisten. Insgesamt betrugen die Kriegskosten fast 2.000 Gulden.

Im Juni 1805 zogen die Getreidepreise stark an. Die Landgräflich-Hessische Regie­rung erließ eine Ausfuhrsperre für Getreide. Der Graf von Hanau befahl, daß auch kein Getreide mehr nach Hessen-Darmstadt verkauft werden durfte, weil dieses Land ein Getreideausfuhrverbot nach Hanau erlassen hatte. Das Hanauer Aus­fuhrverbot wurde später auch auf Kartoffeln ausgedehnt.

 

In den vom Krieg betroffenen Gebieten kostete ein Achtel Korn 66 Gulden, ein Achtel Kartoffel 19 Gulden, während im Hanauer Gebiet der Preis für Korn nur 17 Gulden betrug. „Niemand soll sich verführen lassen, wegen der hohen Preise an das Ausland Lebensmittel zu verkaufen. Kein Verkäufer soll sich darauf verlassen, daß er spä­ter aus den herrschaftlichen Magazinen Getreide erhalten werde.“

 

Bischofsheim gehörte im 19. Jahrhundert zum Großherzogtum Frankfurt. Im Jahre 1810 gründete Napoleon das Großherzogtum Frankfurt. Er unterstellte es Karl Theodor von Dalberg, dem letzten Kurfürsten von Mainz, der zugleich Erzbischof war. Dieser nahm nun den Titel eines Fürstprimas an. Das Großherzogtum bestand aus den Städten Frankfurt und Wetzlar sowie den Fürstentümern Hanau, Aschaffenburg und Fulda. Einige verstreut liegende Hanauer Landesteile, z. B. Babenhausen, fielen an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt.

Das Großherzogtum Frankfurt wurde ganz nach französischem Muster eingerichtet, d. h. in Departements, Distriktsmairien und Ortsmairien eingeteilt. Insgesamt gab es vier Departements, die von je einem Präfekten geleitet wurden. Alle ehemaligen Orte des Hanauer Fürstentums bildeten das Departement Hanau, das in neun Distrikte unterteilt war mit je einem Distriktsmaire. Es waren Hanau, Altengronau Bieber, Büchertal, Gelnhausen, Schwarzenfels, Steinau, Windecken und Bergen. Somit gehörte auch Bischofsheim zu Frankfurt.

Das Großherzogtum erhielt eine repräsentative Verfassung. Neben dem Ministerium stand ein Staatsrat, der auch mit den Aufgaben des Cassationsgerichtes betraut war. Außerdem gab es die Ständeverwaltung von 20 Mitgliedern. Zwölf Männer mußten Grundeigentümer; vier Kaufleute und vier Gelehrte sein. Sie wurden durch ein in jedem Departement bestehendes Wahlkollegium gewählt. Dieses bestand zu 2/3 aus Großgrundbesitzern, zu 1/6 aus reichen Kaufleuten und zu 1/6 aus Gelehrten. Das Amt des Wahlkollegiums galt auf Lebenszeit. Von der Ständeversammlung sollte alljährlich 1/3 der Mitglieder austreten und neu gewählt werden. Der Staatsrat legte die Gesetzesentwürfe vor und die Stände berieten sie. Abänderungsanträge der Stände zu den Gesetzesentwürfen wurden im Staatsrat unter Vorsitz des Großherzogs beraten. Die Stände hatten auch die Rechnungen der Generalkasse und der Minister zu prüfen.

Das Urteil über Dalberg ist schwankend. Er war wohl ein Franzosenfreund, anscheinend auch ein gütiger Herr. Von vielen seiner Untertanen wurde er allerdings als Landesverräter angesehen. Als sein Freund und Gönner Napoleon nach der Schlacht bei Leipzig über Frankfurt floh, hatte Dalberg plötzlich dringend auf seinen Besitzungen am Bodensee zu tun und mußte verreisen. Nach Napoleons Willen sollte das Großherzogtum Frankfurt später mit Frankreich vereinigt werden.

Die Gemeinde Bischofsheim bildete innerhalb des Departements Hanau und des Distriktes Bergen eine Munizipalität. Jede Munizipalität wurde von einem Maire (Ortsbürgermeister) geleitet, dem nach den Größenverhältnissen ein oder mehrere Adjunkte für die Gemeinde beigegeben waren. Sodann bestand in jeder Gemeinde noch ein Munizipalrat. Die Verwaltung in den Gemeinden stand dem Maire jedoch allein zu. Die Adjunkte waren seine Ratgeber oder Vertreter im Falle gesetzlicher Verhinderung, Krankheit oder Abwesenheit. Sie vollzogen dessen Aufträge und vertraten in dieser Hinsicht die Stelle der Polizeikommissare in den Gemeinden, wo keine eigenen Polizeibehörden angeordnet waren.

Die Geschäfte des Maire zerfielen in zwei Hauptabteilurgen, in jene der ökonomischen und in jene der Polizeiverwaltung. Um die letztere hatte er sich in den Gemeinden nicht zu kümmern, wo besondere Polizeikommissare angestellt waren. Diese befanden sich aber nur in den Departementshauptstädten und in Wetzlar. In allen Amtsverrichtungen war der Maire der Aufsicht des Präfekten vom Departement und in den Distrikten auch jener der Distrikts-Maire als Mittelbehörde unterworfen. Er besorgte die Verwaltungsgeschäfte mit Genehmigung des Präfekten und erstattete in allen Amtshandlungen, welche dem Präfekten zur Kenntnis kommen mußten, diesem Bericht. War ein Distrikt-Maire dazwischengeschaltet, hatten die Berichte an den Präfekten über diesen zu gehen.

Der Maire sorgte für die Erhaltung des Gemeindevermögens und führte die Aufsicht über dessen Verwaltung nach den vom Präfekten genehmigten Beschlüssen des Munizipalrates. Er betrieb den Eingang aller zu den Gemeinde-Ausgaben bestimmten Einnahmen und bestritt daraus die Ausgaben. Die Gelder nahm er nicht selbst ein, sondern erteilte nur die Anweisung zur Zahlung.

Für die Einnahme selbst waren besondere Verrechner, die Bürgermeister, angestellt. Der Malte Schloß die Akkorde zur Vollziehung öffentlicher Arbeiten, diese mußten vom Munizipalrat vorgeschlagen und vom Präfekten genehmigt sein. Er sorgte ferner dafür, daß alle öffentlichen Arbeiten nach Vorschrift geschahen, so wie er für die Unterhaltung aller Gebäude der Gemeinde oder solcher öffentlicher Anstalten, die seiner Verwaltung anvertraut waren, verantwortlich blieb. Alle Zweige der Verwaltung waren ihm übertragen. Er war ganz allein Verwalter; Personal für Registratur und Büro wurden ihm nach Bedarf gestellt.

Der Munizipalrat bestand in Gemeinden unter 2500 Seelen aus acht Mitgliedern. Der Maire war von Rechts wegen dessen Mitglied und führte den Vorsitz. Der Munizipalrat ernannte eines seiner Mitglieder zum Sekretär, in kleinen Gemeinden in der Regel den Schulmeister. War der Maire an einer Sitzung verhindert, so vertrat das älteste Mitglied des Munizipalrates nach Ordnung der Ernennung seine Stelle. Der Munizipalrat versammelte sich in der Regel zweimal im Jahr, vor und nach der Versammlung des Departementsrates. Der Munizipalrat hatte folgende Funktionen: Abhörung der Gemeinderechnung über Einnahmen und Ausgaben, Einwendungen dagegen dem Präfekten vorzulegen; Beratschlagung über die Benutzung der gemeinheitlichen Almenden und des Eigentums Oberhaupt; Sorge für die Bezahlung der Gemeindeschulden; Beratung über die Erhebung von Zulagen und Extrasteuern; Festsetzung und Verteilung der Arbeiten zur Erhaltung des Gemeindeeigentums; Beratung über Vergleiche und Prozesse der Gemeinde.

 

In den Jahren 1810 und 1811 kommen immer wieder kleinere französische Truppenverbände durch den Ort und verursachen Kosten. Im Jahre 1812 beginnt Napoleons Zug nach Ruß­land. Im Rathaus wird wieder ein Lazarett für kranke und verwundete Franzosen eingerichtet. Franzö­sische Patrouillen erhalten Brot, Käse, Butter, Wein und Branntwein. Die Franzosen hatten auf ihrem Durchzug die Bischofsheimer Weinberge völlig ver­wüstet, es gab daher keine Weinlese.

 

Die Befreiungskriege 1812 - 1815

Und dann kamen die Befreier; Preußen, Osterreicher und Russen waren im Dorf. Sie verlangten dieselben Lieferungen wie vorher ihre Gegner. Die Ein­quartierungen, die Plünderungen, die Jagd auf Frauen und Mädchen gingen in ge­wohnter Weise weiter. Es gab Truppen, die sich vorbildlich benahmen, aber auch solche, bei denen erlaubt war, was gefiel. Das war an keine bestimmte Nationalität gebunden. Die Offiziere der verbündeten Armeen wußten zu leben. Wein, Kaffee, Zucker, Tee und Schokolade mußten für sie in Offenbach gekauft werden.

Viele tote Franzosen wurden begraben, und die Totenfrau See machte ein glän­zendes Geschäft. Sie erhielt für die „Besichtigung“ von 75 toten Soldaten 12 Gulden 15 Kreuzer. Aus dem Volke wurde das Letzte herausgetrieben, auf die Steuern wurden 16 Sim­pla erhoben, sogar die sonst so geschonten Freigüter mußten 17 Simpla bezahlen, allerdings war ihr Grundbetrag sehr gering.

Vom 5. bis 15. November 1814 lag eine starke Einquartierung alliierter Truppen in Bischofsheim, es waren Österreicher und Russen. Für jeden Soldaten mußte die Gemeinde täglich 30 Kreuzer an die Quartiergeber zahlen. Da Lebensmittel nicht ausreichend vorhanden waren, kaufte man in anderen Orten ein. So erfahren wir etwas über die Preise: 1 Ei 3 Kreuzer,    1 Pfund Weißmehl 3 Kreuzer, 1 Pfund Butter 56 Kreuzer, 1 Flasche Wein 48 Kreuzer,    1 Flasche Branntwein 32 Kreuzer, 1 Pfund Schweizer Käse 32 Kreuzer, 1 Pfund Schweinebraten 14 Kreuzer, 1 Maß Bier 6 Kreuzer, 1 Schoppen Essig 4 Kreuzer.

Im Jahre 1815 lagen nochmals preußische und russische Truppen in Bischofsheim. Sie müs­sen sich wohl nicht gut aufgeführt haben, denn siebzehnmal mußten jede Nacht die Nachtwächter mit den sie begleitenden Husaren die Straßen abgehen.

Zum ersten Male wird 1814 in den Rechnungsbüchern ein Faß Steinkohlen er­wähnt. Die Schmiede benötigten die Kohlen für ihre Feuer, um die preußischen Artillerie- und Husarenpferde zu beschlagen. Beim Abmarsch nahmen die Reiter sämtliche Hufnägel und auch die Kohlen mit. Die Gemeinde zahlte alles, sie be­zahlte auch die von den Kosaken gestohlenen Dinge.

Mit den Preußen und den Kosaken verschwand auch der Krieg, um erst 1866 wiederzukommen, allerdings in erträglicherer Form. An den in den napoleonischen Kriegen aufgenommenen Darlehen hatte die Gemeinde jedoch noch viele Jahre abzuzahlen, und viele Jahre dauerte es auch, bis die Bischofsheimer Quartiergeber ihre letzten Entschädigungen erhielten.

 

Die Kriege von 1866 - 1870/71

Das Jahr 1866 scheint keine allzu große Unruhe in die Gemeinde gebracht zu haben, nur ein Hinweis auf die Preise erscheint in den Rechnungsbüchern, als die Zinsen des geborgten Kapitals an die Königliche Landeskreditkasse überwiesen werden. Die Renterei in Bergen ist eine königliche geworden.

Auch die preußischen Pferde benötigten Verpflegung. Die Gemeinde mußte 1.300 Gulden auslegen. Die Bauern hatten zahlreiche Militärfuhren zu leisten, mit 10 Pferden mußten sie nach Ofen bei Würzburg fahren; für jedes Pferd wurden 30 Gulden Fuhrlohn bezahlt. Im Ort waren Westfälische Kürassiere und das Rheinische Feldartillerie-Regiment Nr. 8 einquartiert. Sie haben sich gut betragen. In der Feldmark lag ein Großherzoglich-Hessischer Truppenverband. Ihnen mußte die Gemeinde Rohrgebunde für ihre Feldwachen liefern.

Ein Augenzeuge, der den Einmarsch der Preußen als sechsjähriger Junge miterlebte, war Bernhard Klees aus der Breulgasse. Er berichtete dem Chronisten, daß die Familie sich bei Erntearbeiten an einem schönen Sommertag oben am Buchwald auf dem Feld befand, als eine riesige Staubwolke und das Blitzen von Lanzenspitzen auf dem Wege von Hochstadt nach Bischofsheim die Ankunft der preußischen Kürassiere ankündigte. Furcht und Schrecken befiel die Familie. Man traute sich nicht nach Hause, bis man bei untergehender Sonne schließlich doch ins Dorf mußte. Auf dem Hof des väterlichen Grundstückes wimmelte es von Soldaten und Reitpferden. Ein großer Trompeter, der sich den Waffenrock aus­gezogen hatte, rieb gerade sein Pferd trocken. Er griff sofort nach dem schreienden Knaben, hob ihn in die Luft, spielte mit ihm und gab ihm Süßigkeiten. Da war bald gute Freundschaft geschlossen.

Ge­ändert hatte sich durch die Preußen vorerst nichts. Die Verwaltung lief weiter wie bisher. Die Rech­nungsbücher weisen wie immer Gulden, Kreuzer und Heller auf, die Endrechnungen werden jedoch nach Taler, Silbergroschen und Hel­ler berechnet.

Der Krieg von 1870/71 geht an den Rechnungsbüchern der Gemeinde fast spurlos vorüber. Nur eine Notiz weist auf ihn hin: Zur Unterstützung der zu den Fahnen einberufenen Mannschaft aus Bischofsheim werden 420 Gulden bezahlt. Es waren 42 Männer, die in den Krieg mußten, jeder bekam 5 Gulden Reisegeld. Im Jahre 1871 erhielten die zurückgekehrten Mannschaften ein Weih­nachtsgeschenk in Geld, auch an die Familien wurden weitere Unterstützungen gezahlt. Für den erheblichen Betrag von 35 Gulden wurde eine schwarz-weiß-rote Fahne gekauft.

Ein Vermerk eines Zeitgenossen: „Am 2. Mai 1872 wurde hier auf dem Kirchhof ein Stein eingeweiht, zum An­denken an die Siege, die Deutschland über Frankreich, den Erbfeind, davontrug“.

 

Landesausschuß und Militärpflicht

Die dauernden Wirren der vielen Kriege brachten es mit sich, daß immer wieder fremde Heere die Lande durchzogen und unerträgliche Lasten verursachten. Die Fürsten suchten durch eine immer bessere Verteidigung ihre Länder zu schützen und führten zum Teil die allgemeine Wehrpflicht ein oder bildeten halbmilitärische Verbände. So war in der Grafschaft Hanau ein Landesausschuß gebildet, der kurzweg „der Ausschuß“ genannt wurde.

Auch in Bischofsheim bestand eine beacht­liche Truppe dieser bürgermilizartigen Formation. Es wird niemals berichtet, daß sie irgendwo oder irgendwann eingesetzt worden ist oder sich jemals auch nur an der Verteidigung des Dorfes beteiligt hat. Mit ihrer primitiven Ausrüstung hätte sie wohl auch keine Chance gehabt, einer regulären Truppe ernsthaften Wider­stand leisten zu können.

Der Landesausschuß wird in Bischofsheim erstmalig 1676 erwähnt, als sich der Fähnrich im Landesausschuß Bornheimer Berg. aus Berkersheim stam­mend, eine Tochter des Bischofsheimer Nachbarn Assemer zur Frau holt. Die Bischofsheimer Mädchen scheinen hochbegehrt gewesen zu sein, denn drei Jahre später heiratet der Hochstädter Leutnant vom Landesausschuß Büchertal ebenfalls ein Mädchen aus Bischofsheim. Die Offiziere vom Landesausschuß standen in hohem Ansehen, sie wurden stets respektvoll als „Herr“ bezeichnet, eine Ehre, die man nicht einmal dem Zentgrafen zugestand.

 

Auch die zum Landesausschuß gemusterten jungen Männer („Haussöhne“) im Alter ab 16 Jahre fühlten sich ehrenvoll aus der Masse ihrer Altersgenossen herausge­hoben. Sie gingen zum Beispiel nicht mehr zum Katechismusunterricht in die Kirche und mußten von dem Landesherren erst durch einen scharfen Erlaß an diese ihre Pflicht erinnert werden. Sollten sie fernerhin dem Katechismusunterricht fernbleiben, so wurde ihnen Schanzarbeiten angedroht.

Am 15. Februar 1691, einem Bettage, saß man friedlich in der Kirche, als fünf junge Männer, die dem Landesausschuß angehörten, plötzlich den Gottesdienst verließen, ihre Trommel und ihre Gewehre holten und auf den Dorfstraßen Radau machten vor Freude, daß sie ihren Sold bekommen hatten. Die Missetäter wurden sofort vor die Presbyter zitiert und jeder zu 7½ Albus Strafe verurteilt. Die jungen Männer weigerten sich, den Betrag zu zahlen und beriefen sich auf den Befehl ihres Fähnrichs. Auch die Drohung, bei Gericht angezeigt zu werden, verschlug nicht, sie verlang­ten sogar, vor Gericht gestellt zu werden. Die Anzeige und Bestrafung unterblieb „aus besonderen Gründen“. Mit dem Landesausschuß band man sich eben nicht gerne an.

Als 1733 angezeigt wurde, daß in der Scheune des Landesausschußkapitäns Döhler bis kurz vor Beginn der ersten Predigt gedroschen worden sei, wurde nicht etwa der Herr Kapitän vor die Presbyter bestellt, sondern der Vorarbeiter. Er konnte aber nach­weisen, daß man nur bis morgens sechs Uhr die Nacht hindurch gedroschen habe. Eine Strafe wurde nicht ausgespro­chen, sondern nur angeordnet, daß vor Bettagen nur bis 11 Uhr nachts gedroschen werden dürfe.

Im Jahre 1725 war Johannes Ludwig Kreß, der Sohn des früheren Pfarrers, hier Leut­nant des Regulierten Ausschusses; er war ein hochangesehener Mann und Vater vieler Kinder. Im Jahre 1756 war der Ausschußfändrich Johann Kaiser Kommandeur der Bischofs­heimer Trup­pe. Auch er wird in den Rechnungsbüchern der Gemeinde immer als der „Herr Fänd­rich“ be­zeichnet. Er muß ein gewichtiger Mann gewesen sein, denn er pachtete das Gemeinde-Fisch­wasser, ersteigerte die Asche des Backhauses, ver­kaufte Dielen und Wein, mietete den Rathauskeller und war stets so gut bei Kasse, daß die Gemeinde häufig bei ihm erhebliche Beträge geliehen hat.

Im Jahre 1766 besichtigte der Graf die drei Kom­panien des Landesausschusses, der Fähnrich Kaiser wurde bei dieser Gelegenheit zum Leutnant befördert. Der Graf verursachte Kosten: Für 3 Gulden wurden für ihn bei einem auswärtigen Zuckerbäcker eine Brot-Torte ge­kauft, außerdem geruhte er, 4 Maß Muffelwein im Werte von 4 Gulden 21 Albus entgegenzunehmen.

Im Jahre 1798 taucht der inzwischen zum Kapitän beförderte Fähnrich in den Rechnungsbüchern nicht mehr auf. Aber der Jude Hirsch kauft 8 Paar alte Hosen des Landesausschusses von der Gemeinde. Damit war für Bischofsheim die Geschichte des Landesausschusses zu Ende.

 

Doch der Ernst des Lebens begann nun erst richtig: Es wurde die Wehrpflicht eingeführt. Im Jahre 1794 mußten allein 46 von der „jungen Mannschaft“ einrücken. Die Beschaffung der Uniformen aus „Weiß- und Schwarztuch“ überließ der Graf der Gemeinde, die für Tuche und Macherlohn 222 Gulden 9 Albus aufzubringen hatte.

Da kein Geld in der Kasse war, borgte die Gemeinde den Betrag gegen 5 % Zinsen von dem Untertanen Bernhard Kappes. Doch nur 40 der eingezogenen Soldaten wollten eine Uniform von der Stange, sechs ließen sie sich selber vom Schneider nach Maß machen und bekamen von der Gemeinde den Betrag zurückerstattet, der dem Hanauer Schnei­der für die Anfertigung der Uniform bezahlt wurde.

Nach den Militärgesetzen mußte die männliche Jugend vom 14. bis 30. Lebensjahr erfaßt werden. Diese Gesetze brachten für die Bevölkerung einschneidende Maß­nahmen, deren große Bedeutung allerdings aus den Rechnungsbüchern nicht her­vorgeht. Der Zentgraf von Bischofsheim setzte zum Beispiel in Rechnung: die gezogenen Rekruten nach Hanau geliefert 30 Kreuzer.

Der Zentgraf Ebert, der Gerichtsschöffe Kühn und der Schullehrer Wenzel hatten 14 Tage gearbeitet, um die Kantons­listen mit den Schadenstabellen aufzustellen. Die Festsetzung ihrer Entlohnung überließen sie untertänigst dem Justizamt. Aber das Amt macht einen Strich durch die Rechnung und zahlt nichts. Der Amtsrat Usener da­gegen schrieb die Liste ab und ließ sich dafür 3 Gulden 39 Kreuzer bezahlen. Die junge Mannschaft ist sicher nicht mit großer Freude dem Ruf des Landes­vaters gefolgt, denn die Kosten bei der Suche nach ausgerissenen Rekruten sind getreu in den Rechnungsbüchern verzeichnet.

 

Der Erlaß des Kurfürsten von Kurmainz vom 1. Juli 1773 wird sich kaum von den einschlägigen Gesetzen der Grafschaft Hanau unterschieden haben. Einige Auszüge aus diesem Gesetz mögen zur Verdeutlichung der damals getroffenen Maß­nahmen beitragen.

1. Jeglicher unserer Landesbotmäßigkeit unterworfene Untertanensohn soll von nun an schuldig und verbunden sein, in den kurfürstlichen Kriegsdiensten vier volle Jahre zuzubringen und sich dadurch einer der wichtigsten Pflichten gegen das Vaterland zu erledigen.

2. Keinem Sohn eines Untertanen soll eher, als er diese Pflicht erfüllt hat, zu heiraten erlaubt sein, und kein Pfarrer soll es in den kurfürstlichen Landen unternehmen, einen unter diese Pflicht fallenden Untergebenen zu verheiraten, es sei denn, daß er sich durch einen vom Regimentskommandanten ausge­stellten Bescheid zu ausweisen oder eine landesherrschaftliche Ausnahmeerlaubnis aufzuweisen vermöge. Derjenige aber, der sich ohne Erlaubnis auswärts verheiraten läßt, seines im Lande vorhandenen Vermögens verlustig gehen und ohne Hoffnung sein, jemals wieder als Untertan aufgenommen zu werden.

3. Die Landeskinder, welche diese bestimmte Zeit ausgehalten haben, bleiben auf immer von der ordentlichen Ziehung zu unseren Militärdiensten ver­schont, diejenigen aber, die sich ohne besondere Bewilligung in fremden Kriegsdiensten einstellen, sollen ihres Vermögens verlustig gehen und zu keiner Zeit mehr im Lande als Untertan aufgenommen werden.

4. Und so wollen wir, daß sämtliche junge Mannschaft ohne allen Unterschied und Ausnahme vom 14. bis 30. Lebensjahr in den Städten sowohl wie auf dem Lande durch die Beamten und Vorsteher alljährlich mit dem Anfang jeden Jahres auf das genaueste aufgenommen eines jeden Vor- und Zunamen, Alter, Geburtsort, Beruf, ob einer Witwe Sohn, ob und wieviel Brüder er habe, darauf aufgemerkt, und daraus eine ordentliche Liste verfaßt wird.

5. Die junge Mannschaft, welche in diese Liste eingeschrieben ist, soll zum Unterscheidungszeichen eine rote Binde am Halstuch tragen, ferner sollten sie die Haare ohne schneiden wachsen lassen und solche, in einen Zopf gefloch­ten, mit einem Kamm aufstecken.

6. Organisationsfragen

7. Durch den Offizier und den Beamten sind alle namentlich zu verlesen, die in den Listen vermerkten Umstände durch nochmaliges Befragen der anwesen­den Ortsvorsteher zu überprüfen, und es soll mit aller nur möglichen Sorg­falt darauf gesehen werden, daß niemand verfehlt oder durch sonstige Kunst­griffe der Auswahl entzogen wird. Offiziere oder Beamte, die nicht hinlänglich Aufmerksamkeit beweisen und dadurch Nachlässigkeit fördern, wie auch Ortsvorsteher, welche die Mannschaft nicht getreulich angeben, sollen unnach­sichtlich amtsentsetzt werden.

8. Sollte der eine oder andere der jungen Mannschaft sich zur Zeit der Ziehung entfernt haben, und unter irgendeinem Vorwand (Verdingung. Berufserlernung) auf die Seite gegangen sein, so soll er auch in diesem Falle seines Ver­mögens verlustig erklärt, in der Liste aber weitergeführt, und bei Betreten des Gebietes unter Meldung an die kurfürstliche Kriegskonferenz festgenom­men werden.

9. Die einzelnen Söhne unvermögender Eltern oder Witwen bleiben vom Militär­dienst verschont.

10. Die Kriegsdienstkonferenz kann die Dienstzeit von Untertanensöhnen er­mäßigen. Die eigene Güter besitzen, die nachweislich eine solche Heirat tun können, wodurch sie zum Besitz von Gütern gelangen, ferner bei denen, die ein Handwerk erlernt haben und es auch wirklich betreiben, sowie bei denen, bei denen ein Grund aus allgemeinem Wohle vorliegt. In diesen Familien ist entweder ein anderer Mann zu stellen, oder es ist Milizen-Geld zur Befreiung vom Militärdienst zu entrichten.

11. Es ist darauf zu achten, daß die zu ziehende Mannschaft aus lauter zu den Waffen tauglichen Leuten bestehe. So soll sie vor Abschickung in die Garnison durch einen Arzt untersucht und nach Ankunft durch den Garnisonsarzt nachuntersucht werden. Auch soll darauf geachtet werden, daß es an Leuten von hinlänglicher Größe und Ansehen nicht fehle, mit denen die Grenadierkom­panien besetzt werden sollen.“

 

Im Jahre 1814 wird in Bischofsheim wieder einmal ein wenig Soldat gespielt, es wird ein Landsturm aufgestellt. Da man nichts für seine Ausrüstung aufzuweisen hat, kauft man für 18 Gulden 12 Kreuzer erst einmal eine Trommel und einen Tragriemen. Diese Bewaffnung genügte anscheinend vorerst den bescheidenen Ansprüchen, bis man im Jahre 1833 die inzwischen in Bürgergarde umbenannte Truppe mit „50 Stück Piken“ ausrüstete, welche von dem Schmied Reitz und dem Schreiner Burghard zum Preise von 35 Gulden angefertigt wurden. Da man in Bischofsheim schon immer starke Sympathien für Musik hatte, kaufte man für 18 Gulden gleich zwei Hörner. Die Trommel von 1814 ist sicher längst nicht mehr vorhanden gewesen.

Im März 1848 werden nochmals 20 Piken für die Bürgergardisten beschafft. Wahr­scheinlich sind Neu-Eintritte zu verzeichnen gewesen. Am 4. April 1848 erhält die Bür­gergarde eine Riesenfahne, 5 Ellen schwarzes, 5 Ellen gelbes und 5 Ellen rotes Tuch wurden gekauft. Die Revolution ist in Bischofsheim.

Der Sturm richtet sich vor allem gegen den verhaßten Zehnten (darüber wird an anderer Stelle berichtet). In falsch verstandener Freiheit zogen die Bischofsheimer in den Wald und legten die schönsten Eichenbäume um. Nun griffen besonnene Bürger ein und gründeten die Bürgerwehr, die nach Anzahl der gekauften Uniformkittel aus 91 Mann, nach Anzahl der Bürgergardemützen aus 93 Mann bestand.

Da es auch hier nicht ohne Musik ging. wurden für sehr viel Geld Blasinstrumente gekauft, allein den Musikunterricht ließ man sich 90 Gulden kosten. Als die Reaktion die Macht zurückeroberte und die Frankfurter Nationalversammlung aufgelöst wurde, be­zogen wieder preußische Truppen in Bischofsheim Quartier. Trotzig schuf sich die Gemeinde eine neue Truppe, die Schutzwache. Sie wurde zum Unterschied gegen die Bürgerwehr mit grünen Filzhüten versehen, insgesamt wurden für die Schutzwache mehr als 600 Gulden ausgegeben.

 

Alte Rezepte

In dem Tauf-, Heirats- und Sterberegister des Jahres 1660 von Pfarrer Hatzmer finden sich folgende Rezepte:

Ein Rezept für den Fall, daß einem Kind etwas in den Augen gekommen ist:

1. aus drei frischen Eiern das Eiweiß

2. ein Löffel voll jungem Honig

3. ein kleines Maß Stücklein Saffran

Diese Drei Teile werden durcheinander gerührt, auf den Kohlen warm gemacht, mit einer kleinen sauberen Feder in das Auge gestrichen, wo das Augenfell ist. Öfters wiederholen.

 

Rezept gegen das Fieber:

1. für 2 Albus Pfeffer

2. ein Albus Nelken

3. 4 Albus Lorbeeren

4. 2 Albus Saffran

Alles wird durcheinander gerührt, in einem Viertel Maß Wein ein Tag stehen lassen, und wenn man merkt, daß das Fieber kommen will, wird das Gemisch durcheinander gerührt und ein genommen darauf. Darauf macht man einen Spaziergang. Wenn man matt werden sollte, darf man sich nicht niedersetzen oder schlafen legen.

 

Ein bewährtes Mittel gegen das kalte Fieber:

Nimm 21 Mausdreck, und für einen Kreuzer guten Brandwein in ein Glas. Den Mausdreck mit dem Finger zerreiben, wenn sie vorher in Brandwein ein wenig ge­legen haben und geweicht sind, muß eingenommen werden, wenn das Fieber kommen will. Wenigstens eine Stunde darf man nach gehabter Hitze nichts trinken.

 

Ein bewährtes Mittel gegen das Zahnweh:

Nimm vom weißen römischen Kohl die Wurzel, schabe sie sauber, schneide sie klein, zerstoße oder zerknirsche sie klein in einen Würfel, drücke sie oder winde sie durch ein sauberes Tüchlein, wische heraus ungefähr eine Nußschale voll, schnupfe ihn in die Nase. Es zieht alle Feuchtigkeit aus dem Kopf, lege aber den Kopf auf die Hände. Es verursacht Schläge und vertreibt die Schmerzen.

 

 

Bischofsheimer Namen aus der Liste der Steuern für die Pfarrei 1555

Konrad Rüeln, Pfarrer                        Gerlach u. Anna Reich

Gans, Schultheiß                                Henrich Jarge

Henrich Vulpius                                 Peter Scherring

Enders Kaiser                                     Bert Fischer

Michael Assemer                               Else Eygeln

Micael Assemer                                 Jacob Casper alias Pitzen C

Philipp Schmidt                                  Hansen Rademans (erben)

Rug Weißenstein                               Menchis clasen Jörge

Philipp Kaspen                                   Henrich Zimmermann

Andreas Caus                                     Hans Acker

Johan Kauß                                         Niclas Becker

Jacob Bersig                                       Clais Jörge

Andreas Schernick                             Hoppen Krein

Börg Schernick                                   Krem Wenzellers

Hans Wilhelm                                                Weigelt Wenzellers

Lienhart Schwinde                             Jacob Cassen

Lenhart Schmidt                                Selheun, Lenhart,

Peter Knoch                                       Dienhart Schwinck

Daniel Lörch                                      Anna Bartolomeus

Hensen Demut                                   Paulus Jost

Hans Jerkil                                         Hans Schwinde

Schalven Burgk                                  Pude Keiser

Hans Gude                                         Lorentz Guden

Gerk Klese                                          Bornhans

Cause Hansen gen Kirchenschneider Clais Crahl

Endreß Braun                                                Clas Bender

Peter Reich                                        Clais Schreiber

Peter Ruln                                          Grede Schreiber

Lenhart Schenne alias Schnude         Grede Clompe

Gens Schultens                                   Endrich Crassen

Hans Stroln                                        Ruly Clasen

 

Die Summe der ständigen Erbzinse macht drei Gulden 23 Schilling und zwei Pfennige Frankfurter Währung. den Gulden zu 24 Schilling oder 27 Albus gerechnet ein Schilling 9 Pfennig. ein Albus 8 Pfennig.

 

Bischofsheimer Namen aus den Pfarrakten 1616

Keiser, Endris             Hinckel, Jörg               Sturm, Hans

Rues, Hans                  Berdtes, Baltes           Bersich, Jacob

Eimer, Henrich           Schreiner, Hans          Rohrbach, Johan der Jung (1670)

Schemge (s), Clos       Weissert, Johann        Ruis (?) Hartmann

Götzen, Balthasar       Schlag. Best                Wursingk, Niclas

Bernhart, Klaus          Krebs, Hans                Müller, Michel

Schlag. Best                Assemer, Henrich       Heuserus, Jacobus (Pfr.)

Heck, Johann              Eron, Hans                  Fischer, Hans (Zentgr.)

Christ, Steffan            Sell, Hans                    Kaus, Velten (Baumeister)

Urig. Hans                  Vngmann, Vaatz         Jöckel, Johann (Büttel)          

Metze, Jörg                Schafen, Marx                        Schaff, Ularich

Köbel, Johann             Gottnig. Velten           Klauermann, Cuntz

Becker, Hans              Bieber, Cuntz              Külmann, Martha

Burg. Michel              Fischer, Tonges          Wiesig. Niclas

Seyp, Clos                   Gesten (?) Curt           Schaf, Marie

Klein, Clos                   Schremp (?) Hans       Grimm, Wörner

Cuntze, Adan              Gerlach, Liliar (?)       Schreng. Lorentz

Govin, Hans                Kause, Johan               Ebert, Peter

Reuhl, Johan               Wilhelm, Martha       Cappes, Conrad

Wirsig. Niclas                         Becker, Johann           Kaps, Henrich

Faust, Johan                Göbell, Engelbert       Craste, Madern

Diel, Cilian                  Ebolt, Hans                 Willem, Hans­

Kopf, Curt                   Kule, Klas                    Span, Peter

Voltz, Peter                 Schneider, Hans         Meyer, Matthias

Krabs, Hans                Brechtt, Peter             Cristen, Hans

Kuln, Clos                    Willu, Hans                Diehl, Kilian (Obergasse)

Eberhard, Peter          Diell, Kilian                 Kitzinger der Jung Heil

Jöckel, Jacob               Rupp, Klomp               Voltz, Heil

Hinckel, Jörg               Geile, Hans                 Rehe, Walter

Kitzinger, Heyl            Schlagg. Best (?)         Birken, Baltes

Nurs, Hans                  Henckell, Georg         Kause, Claus

Gerst, Curt u Baltes    Reich, Steffan             Strele, Hans

Bürger, Michael         Schmidt, Ebert            Groe, Hans                

Schnupp, Johann         Stoerle, Hans              Koch, Henning

Klump, Rupp               Schwenn, Hans           Bernhard, Hans

Klauermann, Dönges

 

Namen von 1655:

Jeckes, Hansen                       Hernich, Adami

Hens, Peter                            Schaan, Peter

Hirpen Metzelers Else           Reuln, Johann

Leuckeln, Hen                        Ruel, Jacob

 

 

Bischofsheimer Familiennamen 1719

Aus dem gewissenhaft geführten Kataster des Mainfeldes seien hier die Familien­namen der Besitzer von Ackern aus dem Jahr 1719 aufgeführt, wobei zu beachten ist, daß die Beisassen und Juden, die ja keine Liegenschaften besaßen, nicht ver­zeichnet sind. Die Liste dürfte vollständig sein, da aus den Katastern des Main-, des Unter- und kleinen Oberfeldes sowie des großen Oberfeldes hervorgeht, daß alle Bauern in allen Feldteilen Acker besaßen. Als Beispiel sind alle damals an­sässigen Familien Ebert aufgeführt, doch hätten ebenso die Familien Krebs oder Kayser angeführt werden können, die gleichfalls in zahlreichen Linien vorhanden waren.

 

 

Adam, Peter jun.                               

Adamy, Johann Peter                                     

Assemer (Aßemer)                           

Baer (Der Herr Rath)                        

Bauscher, Johann Georg                   

Becker, Johann Gebhard                  

Bernhard, Andreas                           

Beckt, Peter                                      

Borckhard, Ludwig                            

Borchardt                                          

Börtener (Börthner, Borthner)         

Brandt, Bürgermeister                                 

Brasche, Philipp                                

Brosch, Andreas                                

Burckhardt, Andres                           

Buß, Jeremias                                               

Cappes, Johann Philipp                     

Cauhl, Andreas                                 

Carrle, Johann Bernhard                  

Cauß, Johannes                                 

Cresse (Cressius) Johann Ludwig      

(der Herr Pfarrer)                             

Christ, Adam                                     

Christian, Johannes                           

Deckmann, Michael                         

Dittmer, Johann Wilhelm                 

Döhle (Döhl) Johann Bernhard         

Dürr, Andreas                                               

Eberhard, Isani Ebert, Andres          

Ebert, Hieronymus

Ebert, Johann Peter

Ebert, Johann Martin

Ebert, Johannes                                

Ebert, Johann Andreas, der jüngere

Ebert, Peter, der ältere                    

Ebert, Peter, der mittlere                 

Ebert, Peter, der jüngere                 

Engelhard, Philip

Ernstorf, Philip

Falck, Johann Heinrich

Fritz, Johann Peter

Greh, Johannes

Haag, Michel. Hartmann

Hahn, Johannes

Hainzinger, Martin

Hardmann, Conrad

Haube, Erhard

Heil, Peter

Heun, Peter

Heusser, Peter

Heß, Johann Adam

Hohmann, Johann Bernhard

Holtzmer, Johann

Hörner (in) , Eva

Hoffner, Johann Georg

Jöckel, Engelbörd

Jörner, Henrich

Jooer, Georg Wilhelm

Kappes, Johann II

Kappes- (in) Elisabeth

Kauß, Jeremias

Kasper, Johann Martin

Kayser, Michael

Kayser, Herrschaftlicher Leutnant

Kehr, Johann Daniel

Keller, Johann

Kleß, Johann Nicolaus                       

Knoch, Andreas         

Koch, Johannes Daniel                      

Kollmertz, Casper                             

Kuhn, Michael                                              

Kolb, Andreas                                    

Köhr, Daniel                                      

Köhler, Georg                                   

Körbs, Andreas                                  

Krebs, Elisabetha                              

Krebs, Andreas                                  

Kula, Michael                                    

Lappes, Hageberth                           

Lerch, Heinrich                                 

Lossen (Herrn Lossen guth)              

Maisch, Johannes                             

Menger, Michael                              

Müller (s) Friedrich Kindter erben   

Orf, Philip Ernst                                

Pippert, Casper                                 

Pohl, Valentin                                   

Pollmester, Johann Peter                 

Reich, Johannes Bernhard                

Reuhl, Wilhelm III.                            

Reulin, Elisabetha                             

Rohrbach, Johann Daniel

Rohr, Johann Daniel  

Schaff, Daniel

Schack, Peter

Schaub, Friedrich

Schenberger, Philip

Schesser, Johann Philip

Schmid, Dietrich

Schmiebe, Erhard

Schmit, Hans Casper (Centgraf)

Schide (Supredent)

See, Johann Jacob     

Seib, Bernhard                                  

Seibel, Andreas

Seip, Engelbert

Seipp, Johann Peter

Sof, Engelbert

Steinbring. Johann Georg

Stib, Engelbörd

Strohl, Philip

Stork, Andreas

Uhrig. Heinrich

Uhrlodig. Johannes (Urlettig)

Uhrlodig. Johannes (Urlettig)

Vollmert, Casper

Waltzer, Anna Maria

Walzer, Peter

Weber, Valentin

Weil, Johann Thomas

Weisenbach, Michael

Weißenstein, Johann Jost

Wentzel, Johann-Reinhart

Wessel, Johannes

Will, Johann Heinrich

Wörner, Engelbert    

Zippert, Casper

 

 

Außer diesen Bischofsheimer Namen sind noch neun Namen Auswärtiger verzeichnet, die in der Gemarkung Liegenschaften besaßen.

 

Die Flurnamen der Gemeinde

Zur genauen Lagebezeichnung der einzelnen Feldstücke haben sich unsere Vor­fahren eine Menge von Flurnamen einfallen lassen. Diese Flurnamen entbehren häufig nicht einer gewissen Poesie. Aber auch die Vielzahl dieser Flurnamen reichte nicht aus, um die einzelnen Besitztümer genau festzulegen. So griff man zu Hilfsmitteln, indem man schrieb: Über-, Unter-, Auf-, stößt auf-, ........ zieht über den Gronauer Weg. Oder: im obersten, im untersten, im vordersten, im mittelsten, im hintersten Rad.

Bei jedem Ackerstück war neben dem Namen des Besitzers auch angegeben, an wen von diesem Stück der Zehnte zu zahlen sei, zum Beispiel: „Der Gnädigsten Herrschaft 1/6, und dem Bartholomäusstift zu Frankfurth 5/6 zur zehnten Garbe zehntbar“. Manche Äcker waren nur der Gemeinde steuerpflichtig. Bei einigen Feld- und Weinbergstücken ist der Vermerk eingetragen „angeblich zehntfrei“.

 

 

Bischofsheimer Flurnamen im 14. Jahrhundert aus dem Archiv des Klosters Arnsburg:

Sadelhof                                 Drisch                                     Rudersried

Loch                                        Boxhard                                  Pettenweiler Gut

Caffinberg                              Fronbunde                              Rosental

Garten                                    Rudolfsried                             Wiese

Boden                                     Hanborn                                 Heuborngrund

Hansenschar                          Gere                                       Schild

Breiter See                             Hergersberg                           Rein

Querer Graben                      Wartbaum                              Alte Brücke

Brücke                                    Graben                                   Schlüsseliges Stück

Herzelbaum                           Crummelinch                         Erle

Am Sande                               Kalnberg                                 Gerecht Stück

Lychulz                                   Sandboel                                Wald

Irleh                                        Lindche                                   Posinrock

Kasshe                                    Betten                                    Hohenstedter Flurscheide

Niederfeld                              Kreuz                                      Wintsnorren

Dorfelder Bach                      Hanstuden                              Krahenborn

Lob                                          Lange Striche                         Schindekute

Heidolfisbaum                                    Widensee                               Kolnberg

Weingarten                            Klingen                                   Honstudin

Lochstück                               Laukarchen                            Lindehie

Oberfeld                                 Ortele                                     Schlüsseliger Anwender

Anzenborn                              Eppulsborner Feld                  Suffe

Wegscheide                           Hohle                                      Mühle

Eppelinsborn                          Droge

 

 

Wege:

Banegasse                              Vilbeler Weg                          Frankfurter Weg

Fechenheimer Weg               Berger Weg                           Wonnecker Weg

Straße                                     Dorfelder Weg                       Rumpenheimer Weg

Weg                                        Dörnigheimer Weg                Nonnenweg

Gronauer Weg                       Hochstädter Weg                   Mollenweg

 

Flurnamen 1555 – 1616

In dem Verzeichnis der Gülte (Steuern) der Pfarrer von Bischofsheim sind 1555 folgende Flurnamen und Hofreiten verzeichnet:

  • Hofreite hinter der Kirchen
  • Hofreite neben dem Spielhaus (neben der Gemeinde-Gasse)
  • die Weed
  • Hofreite bei der Unterpforte auf der rechten Hand, wenn man hinaus geht.

Danach folgen die jährlichen Geldzinsen des Kirchenbaus zu Bischofsheim, fällig an Martini:

  • Eine Hofreite jenseits der Kirche neben Haingraben
  • Hofreite genannt Wasserlach
  • Hofreite in der Untergasse (hat vor Zeiten der Kelterhof geheißen)
  • Im Loech und Luch
  • In dem Osterried (dann Oberwiese im Hochstädter Ried)
  • Im Weiden-Clawer (Acker?) im Hochstädter Ried
  • In den fünf Morgen (dort war Weinbau, Weinbau also nicht nur am Hang!)
  • Bei dem Bachsteg
  • Der heilige Wingert auf dem Gemeindefloß
  • In dem langen Stück (Wingert)
  • Mühlberg
  • Im Erwen
  • Hofreite an der Unterpforte (an einer Seite der Gemeindehain).

 

Im nächsten Absatz heißt es wieder:

Schäferpforte neben dem Hain

Garten im Breel (dieser Garten ist getauscht mit einem Garten im alten Dorf „hinter dem Hayn“)

Auf der kurzen Hohl

Im Nursenbusch neben dem Gemeindefloß

Ein Geheck stößt auf die Mönchwiese

Geisenhanswiese

Der Heilige Acker bei der Warte

Acker am Dörnigheimer Weg

Bei der Warte

Wingert im alten Dorf

Garten im alten Dorf

Angewand zum Hain

Wingert im Erkeln

Im Rosenbusch

Am Mühlgarten oder Bruch

Eine Viertel Hecke im Irleyer, Ein Ulorg acker (keine Flurbezeichnung)

Wingert im Eulner

Wingert im Langen Stück neben dem Fluß

Mühlgarten

Bei der Träncke

Hergers Rein

Ruders Ried

Auf der kurzen Hohl

Nannes Wingert

Weidenglauer auf der Buchweid

Plackengarten am Krelangesbaum

Am Landgraben

In dem Rosenbusch, neben dem Floß auf dem Rosenbusch

Im Fischer

In dem Götzen,

Mühlgarten bei der Tränke

Im Setzelinge

Glauer am Bachsteig

ein pläckte Garten

ein Vierthel getzisch (keine Flurbezeich­nung. Ackerart, Weideland, Koppel?)

Stößt vorne auf die Hintergasse

Niedergasse

Hans Sell von der Hofreite neben Matthias Meyer am Haingraben

Hinter der Mühle

Im Fuchsen

Der Breulgarten an der Tränke

Im Oster Riedt

Am Bachsteig.

Der Heilige Weinberg

Im Seypler

Bey der Brücke

Im Lach oder Banger

Vor dem alten Born

Der Gemeindeweg

Der Gemeindepfad

Im Schmiddenstück

An der Fechenheimer Hecke (Wingert)

Hofreite genannt Wasenloch

der Gemeindehain im alten Dorf

Galgacker am Buch­wald

Hofreite neben der Weed und Spielhaus.

 

Die Flurnamen der Gemeinde nach den Katasterbüchern von 1719

Flurnamen des Mainfeldes:

Auf die Dörnigheimer Terminey

Auf den Dörnigheimer Weg der Langen gewand

Auf den Dörnigheimer Weg

Am Kahlenberg

Unter dem Kimmerling

An der Hochstätter Terminey

Auf die Hochstätter Terminey am Kahlenberg

Im Krimling

Überm Dörnigheimer Weg

Auf das Hochstädter Feld am Großschlager Weg

Bei der Oberwiesen

In der Froschtränke

Am Hochstädter Ried

Am Dörnigheimer Weg

Am Steinernen Kreutz

Hinter dem alten Dorf

Rechterhand vom Dörnigheimer Weg auf deren terminey

Im Linnes

Unterm Linnes

Auf dem Nonnenweg

Überm Nonnenweg

In der nassen Gewann

Im Nonnenweg

Am Nonnenweg

Auf dem alten Rumpenheimerweg

Über dem alten Rumpenheimerweg

An Reichensänges Weidenbaum

Am kleinen Seif und überm alten Rumpenheimerweg

Am Wartbaum

Überm Dörnigheimerweg am Wartbaum

Zwischen dem großen und dem kleinen Seif

Auf dem großen Seif

Auf dem Wartbaum

An der Kies-Kaute

Daselbsten und überm Rumpenheimerweg

Im Langen Strichen

Im Kurtzen langen Strichen

Im Kurtzen Strichen Im Seif

Im Zimmersee oder Seif

Im Margen Zehenden

Auf dem Herren oder tiefen See

An der Kirschall

Auf der Kirschall Am Zimmersee

Auf dem Zimmersee

Im Hoch Eck

Im Hoch

Auf den großen Seif

Im Schoßgatter

Am Langen See

Am Lieben See (Löwensee)

Hinter der Bruchwiese.

 

Flurnamen im Unter- und kleinen Oberfeld:

Am Busch                                                       Im Mergenzehnten

Am Heusergraben                                         Im Judenstück

Am Wellenpfad                                             Das Esper

Der Herrensee (Tiefersee)                            Die Kirchahl

Der grasigte Weg                                          Auf der Samtkaute

Die Lettergass                                               In den bletten Weiden

Der lange See                                                            Am Gänssee

Das Leuchtholz (Leichholz)                            Zwischen den zwei Riethern

Der Eichwald                                                 Bei dem Erlengraben

Vor den Äsern                                                Bei den Erlen

Der mittelste Halgarten                                Bei der alten Brücken

Hinterm Hain                                                 Die Hohl

Im Zwinger                                                    Im Lug

Auf der Windschnur                                      Im fliegen ahl

Im hintersten Radt                                        Stößt auf die Lezgaß

Im Neuenberg (Naumberg)                           Auf dem rieth graben

Auf dem Hornberg                                        Am Hinterrath

Sussannsem Nußbaum                                  Am Roth

Obigem Horn                                                 Stößt auf die Fechenheimer Grenze

Der Wäldgesweg                                           Stößt auf die Enkheimer Grenze

Das Aspen                                                      Stößt auf das Leuchtholz

Der Hubweg                                                  Auf dem Honigberg

Der alte Brückenweg                                                Am Ellengraben

Im Priesterrock                                              Der Hub

 

Flurnamen im Großen Oberfeld:

Stößt auf den Buchwald                                Am Vilbeler Weg

Am Gronauer Weg                                        Im krummen Gewann

Im Taubengrund                                            Im Apfelsgrund

Der Oberste Schild                                        Im Geyersberg

Der Hergesrain                                              Am Landgraben

Die Dorfelder Bach                                       Am Sauborn

Der kleine Haingrund                                                Im Ammerich

Der Eselsweg                                                 Am Mainzerborn

Im Trag                                                          An der Horvenbrücken

Die kleine Ebenwiese                                                Im Bornberg

In den obersten Pflichten                              Die große Ebenwiese

Im obersten Haingrund                                 Reders (Roders) Ried

In der Leibsteg                                               Obig der großen Ebernwiese

Im Nauenbrunnen                                         Stößt auf den Berger Weg

Im Weidengarten                                          Im Götzen (Gozzin)

In der Eichsteg                                               Obig dem alten Baum

Bei dem Tannenbrunnen                               Der große Haingrund

Im nassen Gewann                                        Am steinern Creutz

Am Berger Feld                                             Am Nonnenweg

Im kleinen Sand                                             In der Kälberhohl

Die Gronauer Hohl                                        Auf dem Geiersraim

Die Vilbeler Hohl                                           Die Hohe Straße

Im Sand                                                          Die Landwehr

Am Rehborn                                                  Über der Wiese

In der Gans                                                    Im obersten See

In der Hundsrück                                           Am Rohrborn

Das andere Rieth                                           Im Weidenberg

 

Baum- und Grasgärten:

Im alten Dorf, An der Müntzbrücke, Im Schäfergarten, An der Mühlbrücke, Hinter der Mühl,

In der Luckweid (Lachweid), Im Haingarten.

 

Krautgärten:

Im alten Born, In der Rohrwiese, Am alten Brunnen, An der Lettkaut, Die Luckweide,

An der Blattkaut, Im verschlossenem Wäldchen.

 

Pflanzenland: Am Pförtchen.

 

Unbestimmte Lage:

Am eisernen Schlag. Auf der Beune, An der Geisspitze, Am Zehntplatz, Am Enkheimer Pfad, Am Wachthaus, Am Schützenhaus, Die Erlenspitze, Der Mittelgraben, Am Mühlteich,

Am Mühldamm, Bei der Mühl, Die Mühlwiese.

 

Weingärten:

Im Juncker                                                     Im Irrleger

Im Mainzer Born                                           Im Schlägel (Im Schlegel)

Im Mainzer Graben                                       Hinter der Mühl

Im Nauenberg                                                           Vor dem Hochstädter Ried

Im Geiersberg                                                           In den Gärthin

Im Diemes                                                     In den 5 Morgen

Im Frauenstück                                              Stößt auf die Stümpf

Im Erckel                                                       Im Bangert

Im Kissel                                                        Im halben Born

Im Lug                                                            In der Schasenbier

In den Rohrwiesen                                         Im Schmitten Stück

Im obersten Euler                                          Im obersten langen Stück

Im Rosenbusch                                              An der Ruhebank

Im Fischer                                                      Im Dünges

Im Americh                                                    Im Krug

Im Helgen Weingarten                                  Im Mainzer Born

Im Höllenberg                                                           Im Frohenweinberg

Böngesweingarten                                        An dem Brunnen

Im langen Stück                                             Im Berg

Im Knospenloch                                             In der langen Zeil

Im Euler                                                         Im Weitzenborn

Im Dachsloch                                                 Im Dachsberg

Im Erckin                                                       Im Binges (Benges) Weingarten

Im Herrenzehnten                                         Hinter dem Hirthin

Im Bergaben                                                  Im Freizehnten

Im Hermann (Herrmann)                              Im Erknig

Im breiten Weingarten

 

Wiesen:

In der Mühlwiese                                          Im Erler

Im Gärtin                                                       Im Halgarten

In der Oberwiese                                           Im langen See

Im Breuel                                                       Am Pörtgen

Die Tannenwiese                                           Im Streul

Die Niederweide                                           Im vordersten Rod

Im dürren See                                                Auf der Beune

In der Lauchwiese                                         Am Leuchholz

Im hintersten Wäldgen                                 Die Langenwiese

Das Wäldgen                                                 Auf dem Stümpf

Auf der Geisenhanswiese                              Das Gemeine (Gemeinde) Bruch

An der Dorfelder Bach                                  In der Lache

Hinterm Horn                                                Im Irrländer

Am Löwensee                                                Im alten Weg

Die kleine Ebenwiese                                    Im großen Seif

An dörren Seeahl                                           Vor der Höchster Ried

In der Spielwiese                                           In den Lauchhecken

Im obersten Breuel                                       In der Bachwiese

Im Rosenbusch

 

Die Bedeutung dieser Flurnamen ist in vielen Fällen nicht mehr erkenntlich, da sie durch laufende Veränderungen sinnentstellt wurden. An einigen Beispielen ist der Gang der Veränderung noch erkennbar:

Ein an der Hochstädter Grenze gelegenes Feldstück, das wegen seines Ackerbodens schwer zu bearbeiten war, hieß anfangs „bieser Rück“ (böser Rücken). Daraus wurden im Laufe der Zeit ein „bieser Röck“, dann ein „bieser Rock“, aus ihm wurde schließlich der „Priesterrock“. Ähnlich war es an einem Weinbergstück. Anfangs hieß er „der heilige Weinberg“, daraus wurde der „hellige Weinberg“, dann hieß er der „Helgen Berg“, aus ihm wurde der „Höllenberg“. So wurde aus einer heiligen Sache eine Höllenangelegenheit! Aus dem Liebensee wurde der Löwensee.

 

 

Die Landwirtschaft in Bischofsheim

Die Landwirtschaft war in Bischofsheim die Mutter aller Dinge. Neben dem Wein- und Obstbau war sie die Grundlage der Existenz fast aller hier ansässigen Fami­lien. Wer Land besaß, galt etwas, wer keines hatte, mußte sich sein kärgliches Brot als Tagelöhner oder Hirte verdienen. Alles war auf die Landwirtschaft ausgerichtet. Die Schule, die soziale Fürsorge, das Gesundheitswesen spielten neben der Land­wirtschaft und der Viehzucht eine völlig untergeordnete Rolle.

Die Feldmark der Gemeinde war schon seit uralter Zeit festumrissen und wurde durch Bodenerhebungen, Täler, markante Bäume, Quellen, Wasserläufe und andere natürliche Festpunkte markiert. Später wurden Grenzsteine gesetzt, deren Verrücken mit härtesten Strafen belegt wurde. Da es keine amtlichen Vermessungs­pläne gab, kam es immer wieder zu Streitigkeiten wegen wirklich oder angeblich versetzter Grenzmarkierungen.

Bis in das 18. Jahrhundert fanden regelmäßige Grenz­begehungen statt, zu denen auch Knaben und Jünglinge herangezogen wurden, um der nachkommenden Generation den genauen Verlauf der Grenzen zu übermitteln. Bei Streitigkeiten wurden vereidigte Landscheider zu Rate gezogen. In sieben dicken Katasterbüchern, von denen jedes etwa 1000 Seiten umfaßt, sind sämtliche Bischofsheimer Familien mit ihrem Landbesitz aufgeführt. Die Reihenfolge ihres Besitzes ist streng nach folgendem Schema niedergeschrie­ben:

  1. Haus und Hofraite
  2. Das Mainfeld
  3. Das Unter- und das kleine Oberfeld
  4. Das große Oberfeld
  5. Die Weingärten
  6. Die Wiesen
  7. Die Krautgärten
  8. Baum- und Grasgärten
  9. Das Pflanzenland

 

Die Zersplitterung der Feldmark in einzelne Ackerstücke ist unvorstellbar ge­wesen. Nach einer überschlägigen Berechnung müssen es etwa 30.000 einzelne Par­zellen gewesen sein. Selten ist ein Acker einen Morgen groß, meist sind es nur viertel Morgen, oft nur einige Quadratruten (eine Quadratrute etwa 14 Quadratmeter). Be­sonders die Wingerte waren in kleinste Landflächen zerlegt.

Diese Entwicklung ist unerklärlich, denn seit der Vernichtung und Entvölkerung des Ortes in dem Dreißigjährigen Krieg waren ja erst etwa 70 Jahre vergangen. Da müssen doch wohl eine Menge Leute diesen Krieg überlebt haben.

Das Mainfeld enthält 249 Morgen, 3 Viertel, 11 Ruthen, 5 Schuh. Es war eingeteilt in 1.715 Parzellen, die sich auf 59 Flurstücke (Gewandstücke) verteilten. Das Gewand- und Lagerbuch ist in sorgfältiger Schrift geschrieben, jede der zahllosen Parzellen ist in ihrer Lage genau festgelegt.

Von jedem Gewann ist eine Beurteilung des Bodens gegeben: „Gute Lage, mittlere Lage, schlechte Lage, gar schlechte Lage“.

Verkäufe kamen fast nie vor, alles wurde vererbt. Nur zweimal ist der Vermerk eingetragen „erkauft 1747“. Einige auswärtige Besitzer sind genannt. Sie saßen in Hochstadt, Roßdorf, Seck­bach, Fechenheim und Hanau. Bei Erb- oder Besitzerwechsel blieben die alten Namen lesbar. Bis auf wenige Aus­nahmen herrschte der Name des Mannes vor, zum Beispiel: „Johann Martin Reuhls Witwe Kinder Erben“.

Die Landwirtschaft wurde als Dreifelderwirtschaft geführt. In stetem Wechsel wurden ein Drittel der Feldmark mit Wintergetreide, ein Drittel mit Sommerge­treide genutzt, ein Drittel lag als Brache zur Anreicherung von Nährstoffen unbe­baut da und diente als Schafweide. Bei der äußerst starken Zersplitterung der Feldmark in einzelne Besitztümer ist es daher verständlich, daß Saat und Ernte von allen Besitzern nur zu gleicher Zeit erfolgen konnte. Wer trödelte und später mit Ackergeräten und Zugtieren über ein schon bestelltes Feld zog, mußte mit schwerer Strafe rechnen.

Im Jahre 1771 tauchten zum erstenmal die Kartoffeln auf. Das Amt Bergen mußte an die Fürstliche Rentkammer über den Stand des Kartoffelanbaues berichten. Der Herr Amtmann aus Bergen besichtigte die Bischofsheimer Kartoffelfelder und ließ sich seine Mühe mit neun Gulden bezahlen.

Der Anbau von Tabak ist unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg in Bischofsheim nachweisbar. Im Jahre 1778 versuchte man es mit dem feldmäßigen Tabakanbau, da in Hanau eine Tabak- und Zigarrenfabrikation entstanden war. Im Jahre 1811 verkaufte Bischofsheim sogar einmal 400 Zentner Tabak, aber die Qualität scheint nicht besonders gewesen zu sein, der Anbau lief aus.

Im Jahr 1793 muß ein sehr harter Winter gewesen sein, der Neujahrstag brachte besonders tiefe Temperaturen. Bei dem Wintergetreide waren schwere Schäden aufgetreten. Da auch eine sehr starke französische Einquartierung im Dorf lag. die alle Vor­räte aufgezehrt hatte, schickte das Amt Bergen drei Schultheißen aus anderen Dörfern nach Bischofsheim, um die Frostschäden feststellen zu lassen. An den Landesherrn wurden mehrere Bittschriften um Steuernachlaß ab­gesandt, der Erfolg war aber nur sehr gering. der Landesherr brauchte auch Geld.

Getreidearten, die hier um 1800 angebaut wurden, waren Roggen („Korn“), Weizen, Gerste, Hafer. Dazu kamen noch Erbsen, Linsen und Wicken. Auch Mais gab es schon. Zur Reinigung des gedroschenen Getreides hatte die Gemeinde eine „Wind­mühle“ gekauft, die anscheinend recht anfällig war, denn sie mußte immer wieder repariert werden.

Im Jahre 1826 wurde das Landgestüt in Hanau gegründet, an dessen Kasse die Gemeinde jährlich einen Betrag zu zahlen hatte. In diesem Jahr wurde auch die erste Fach­zeitschrift von der Gemeinde bezahlt: „Die Landwirtschaftliche Zeitung“.

Aus dem Jahr 1832 sind die Getreidepreise angegeben:

1 Malter Roggen kostete 7 Gulden,

1 Malter Gerste  kostete 4 Gulden,

1 Malter Wicken kostete 5 Gulden,

1 Malter Erbsen kostete 5 Gulden, 30 Albus

Die Erntearbeiten waren zu dieser Zeit anders verteilt, denn die Frauen mußten mähen und die Männer das Getreide binden. Drei Frauen bekamen für das Mähen von 16 Morgen Hafer 16 Groschen, für das Binden des Hafers erhielten die Männer 3 Groschen.

Im Jahre 1873 versuchte die Technik in die hiesige Landwirtschaft einzudringen, denn die Gemeinde kaufte eine Handdreschmaschine, die sich aber gar nicht bewährte und zurückgegeben wurde. Die Firma Mayfahrt lieferte eine eiserne Dreschmaschine, die mehr als 100 Taler kostete, aber sie taugte auch nichts und ging ebenfalls zurück. Man kaufte eine neue Handdreschmaschine eines anderen Fabrikats, die wohl zu­friedenstellend gearbeitet haben muß, denn sie wird nicht mehr erwähnt.

Im Allgemeinen blieb man jedoch bei dem urväterlichen Dreschflegel. In aller Frühe begann man bei dem trüben Schein einer Stallaterne mit dem Dreschen, und das anfangs dumpfe und später heller werdende taktmäßige Klopfen tönte aus allen Scheunen der bäuerlichen Anwesen bis tief in den Winter hinein. Oft wurde die ganze Nacht hindurch gedroschen. Regelmäßig kamen aus der armen Rhön die Dreschertrupps, die „Fulder“, die grob wie ihre Flegel waren. Sie begannen ihre Arbeit Anfang Oktober und waren meistens zu Weihnachten mit dem Drusch fertig. Sie erhielten als Lohn den zehnten Scheffel und waren so eine Art Vorläufer unserer heutigen Gastarbeiter. Mancher von ihnen blieb für immer hier, da die Nähe der Großstadt bessere Verdienstmöglichkeiten bot. Auch manche Magd aus der Rhön und dem Vogelsberg fand hier einen Ehemann und wurde Bischofs­heimerin.

Neuzeitliche Ackergeräte, neuzeitliche Düngemittel und die Erkenntnisse der mo­dernen Agrarchemie veränderten ab 1900 das Bild der Landwirtschaft mehr und mehr. Die Dreifelderwirtschaft war vergessen, die Stallfütterung des Rindviehs wurde eingeführt, die Hektarerträge wuchsen ständig. Der Flachsanbau hörte auf, das selbstgewebte Leinen, einst Schatz und Stolz jeder Bauersfrau, verlor seine Bedeutung. der Anbau von Weizen drängte den Roggen stetig zurück.

Nach dem zweiten Weltkrieg und den sich nach der Währungsreform vom 20. Juni 1948 normalisierenden Verhältnissen änderte sich die landwirtschaftliche Struktur vollkommen. Die Technik eroberte sich auch den Bauernhof und zwang die Land­wirte zu großen Investitionen. Das Pferd verschwand aus der Gemeinde, 1971 besaß nur noch ein einziger landwirtschaftlicher Kleinbetrieb zwei Ackerpferde, 1972 sind auch diese verschwunden. Um 1960 nahm, viel bewundert, der erste Mähdrescher seine Arbeit auf. Im Jahre 1973 gab es hier noch elf Bauernhöfe, von denen fünf in absehbarer Zeit wohl eben­falls aufgegeben werden, da Söhne und Töchter andere Berufe ergriffen haben.

 

Das Vieh

Im Jahre 1750 war Bischofsheim ein reines Bauerndorf. Zentgraf, Bürgermeister, Gerichtsschöffen und Wirte waren Bauern und stellten die Honoratioren der Ge­meinde dar. Wer kein Bauer war, gehörte zu den „geringen Leuten“. So ist es auch erklärlich, daß die Bauern in der „Dorfregierung“ saßen, und ver­ständlich, daß man ihrem Berufsstand aus öffentlichen Mitteln zuschanzte, was sich nur irgendwie vertreten ließ.

Auf keinem Sektor tritt dieser Umstand stärker in Erscheinung als bei der Vatertierhaltung. Hier sind die Leistungen der Vieh­halter nie kostendeckend gewesen, und wenn das Amt Bergen auch hin und wieder einmal mahnt, schimpft und droht, die Umlagen werden nicht erhöht, die Ge­meinde zahlt stets die Differenz.

Die Vatertierhaltung der Gemeinde bezog sich vorerst nur auf das Rindvieh, für das man „Faselochsen“ hielt. Nach 1830 wurden diese Tiere „Zuchtbullen“ genannt. Das Faselschwein (Zuchteber) berührte die Gemeinde nur mittelbar, denn es mußte vom Pächter der Gemeindebäckerei gestellt und gehalten werden, während die Anschaffung eines Ziegenbockes erst 1878 notwendig wurde. Im Mittelalter war es Aufgabe des Pfarrers, den Faselochsen zu halten. Erst nach langwierigen Verhandlungen wurde der Pfarrer von dieser Verpflichtung befreit.

Das Vieh war stets ein kostbarer Besitz, daher gab es eine Menge von Gesetzen und Verordnungen, die sich mit ihm befaßten. Im Jahre 1758 hatte Bischofsheim 132 Stück Rindvieh, an Hirtenlohn mußte für jede Kuh jährlich 2 Albus 4 Heller gezahlt werden (ein Tagelöhner verdiente damals täglich 3 Albus, ein Zentner Roggen kostete 3 Gulden 30 Albus).

Der erstmals namentlich aufgeführte Kuhhirt hieß Engelbörd Buß: Sein Jahres­gehalt betrug 22 Gulden. Dasselbe bekam auch der Schweinehirt Johannes Kolb, der etwa 250 Schweine zu betreuen hatte. Im Jahre 1847 war der Nachtwächter auch Schweinehirte.

Er hatte freie Wohnung auf dem Breultor und bekam als Lohn vier Malter Korn, vier Malter Gerste und 22 Gulden, die je zur Hälfte von den Bauern und von der Gemeinde aufgebracht wurden.

Die Faselochsen - 1758 waren es zwei, später auch drei - wurden öffentlich dem Mindestfordernden auf ein Jahr zur „Haltung“ anvertraut. In dem genannten Jahr zahlte die Gemeinde 27 Gulden an den Halter jedes Ochsen. Einer Einnahme von 11 Gulden stand eine Gesamtausgabe von 76 Gulden gegenüber, dazu zahlte die Gemeinde natürlich noch die Kosten des Tierarztes.

Aus dem Jahr 1824 ist eine Umlage über den Hirtenlohn erhalten, danach wurden für 123 Stück Rindvieh gezahlt:

In der ersten Pfründ à 1 Albus 3 Heller                                            5 Gulden. 19 Albus, 1 h

für 133 Stück Rindvieh in der zweiten Pfründ à 1 Albus. 1 Heller   5 Gulden. 16 Albus, 2 h

für 210 Schweine in der ersten Pfründ à 7 Heller                           6 Gulden, 3 Albus, 6h

für 208 Schweine in der zweiten Pfründ à 6 Heller                         5 Gulden, 6 Albus

das ergab einen Betrag von                                                 22 Gulden, 15 Albus, 1 h.

 

Dieser Betrag deckte noch nicht einmal den Lohn eines der beiden Hirten, von den übrigen Nebenkosten ganz zu schweigen. Nun gab es ernstlichen Arger mit dem Amt Bergen, das strikt eine kostendeckende Umlage verlangte. Da im nächsten Jahr der Schweinebestand stark stieg, gingen 45 Gulden ein, auch die Faselochsenumlage wurde auf 122 Gulden gesteigert, so daß die Kosten fast gedeckt waren. Dies änderte sich aber sehr bald wieder.

Die Hirten wurden vor Eintritt in ihr Amt über die wichtigsten Krankheiten des Rindviehs durch eine geeignete Person unterrichtet und erhielten auch Ratschläge über die erste Hilfe, die sie zu leisten hatten. Besondere Unterweisung erhielten sie über die Rettung der Tiere bei den so gefürchteten Blähungen, die oft nur durch einen Messerstich in den Magen des Tieres vollzogen werden konnte.

Im Jahre 1762 tritt das Amt des Viehbeschauers auf. Der erste Vertreter dieses Berufes hieß Johannes See. Seine Aufgabe war es, verendetes Vieh zu untersuchen, um die Krankheit festzustellen.

Als im Jahre 1763 französische Truppen im Ort einquartiert waren, machte ein Gemeindebulle sogar Politik. Ein französischer Metzgerknecht, in dem das kluge Tier wohl seinen natürlichen Feind erkannt hatte, wurde von einem Bullen so gestoßen, daß der Verwundete in das französische Hospital nach Frankfurt ge­bracht werden mußte. Vorher nahm die Gemeinde dem Verletzten noch seine Barschaft in Höhe von 3 Gulden 5 Albus 4 Heller ab. Das wurde ruchbar und beanstandet. Die Ge­meinde redete sich damit heraus, daß der Verwundete erst einige Tage in Bischofs­heim versorgt worden sei und dadurch Kosten entstanden seien. Als der Mann seinen Verletzungen erlag. mußte die Gemeinde abermals eine erhebliche Summe zahlen. Die abgängigen Faselochsen wurden im 18. Jahrhundert fast ausnahmslos an ortsansässige Juden verkauft, die sich als Viehhändler betätigten. Diese lieferten des öfteren die neuen Faselochsen und wurden auch als Berater beim Ankauf von neuen Tieren mitgenommen.

Im Jahre 1777 befand sich der Ort in hellster Aufregung: In Dörnigheim, Hochstadt und Rumpenheim grassierte die Viehseuche, wahrscheinlich handelte es sich um die Maul- und Klauenseuche. Nun wurden die Gemarkungsgrenzen an sämt­lichen Wegen gesperrt, Holzunterkünfte für die Wachen gebaut, mit Stroh ver­sehen und von den Wachen besetzt. Von den Mainschiffern wurden größere Mengen Holz für die Lagerfeuer gekauft. Niemand kam in das Dorf hinein, nie­mand durfte hinaus.

Das Amt Bergen schickte Johannes Michael Völp in den Ort, der wohl etwas von der Tierheilkunde verstand. Er hat dem Vieh Haarseile in das Maul gesteckt, als Medikamente verwendete er: Spanische-Fliegen-Pflaster, Schweineschmalz und Leinenschnüre für das Haarseil für das Rindvieh.

Drei Bischofsheimer Bauern wurden abgestellt, um die Tiere zu halten, dann mußte man den Kühen Pulver einblasen; mit Wacholderbeeren wurden die Ställe ausgeräuchert.

Um die Verbindung mit der Außenwelt aufrechtzuerhalten, wurde der Gemeinde­bote sechs Wochen lang in dem Gasthaus an der Mainkur einquartiert. Ausgehen­de und ankommende Schriftstücke wurden an einer bestimmten Stelle niederge­legt und von dort aus weiterbefördert. All diese Aufwendungen erforderten hohe Kosten, die von der Gemeinde getragen wurden. Geholfen hat alles nichts, denn die Seuche brach auch in Bischofsheim aus.

Ein tüchtiger Tierheilkundiger war damals ein Schmied aus Rendel, er hielt es mit dem Sauren: Erkrankte Faselochsen wurden von ihm mit 30 Pfund Sauerteig. die man dem armen Tier einstopfte, zu heilen versucht, ein andermal bekam der Bulle 14 halbe Maß Apfelwein verordnet, und schließlich wurde ein Tier mit Essig ge­tränkt.

Einige Jahre später kehrte die Seuche noch einmal nach Bischofsheim zurück, vier Tiere verendeten. Ein Waasenknecht aus Hanau kam und mußte die Kadaver aufbrechen. Er bekam dafür 5 Albus. (60 Pfennig). Die Gerichtsschöffen sahen in die Tierleiber hinein und bekamen als Lohn 1 Gulden (1,75 Mark).

Der Schmied Becker aus Bischofsheim löste nun seinen Kollegen aus Rendel ab. Er erhielt für die Behandlung der erkrankten Faselochsen 37 Gulden, dazu noch 8 Gulden für die Medizin.

Um 1800 gab es den Beruf des Viehkastrierers. Dieser wurde sorgfältig instruiert und hatte viele Auflagen zu beachten; das Schneiden eines zweijährigen oder älteren Pferdes kostete   1 Reichstaler, das Schneiden eines Ferkels 3 Albus. Im Jahre 1807 wurde ein Viehgeschwore­ner vereidigt. Für die Besichtigung eines gefallenen Stückes Vieh bekam er 4 Gulden. Im Jahre 1808 verendete viel Vieh an Milzbrand.

Das Zuchtvieh wurde stets auswärts gekauft. Im Jahre 1803 kaufte man einen Bullen von dem Schulmeister Truschel aus Massenheim. Bei dieser Gelegenheit wird zum er­sten Male ein neues Geldstück genannt: der Sohn des Schulmeisters erhielt als Trinkgeld einen „Kleinen Thaller“.

Während man für den Ankauf eines Faselochsen meistens 70 bis 80 Gulden anlegte, wurde im Jahr 1834 ein Tier aus Rumpenheim für 103 Gulden beschafft. Das war wohl ein Liebhaberpreis, dafür wird auch zum ersten Male der Begriff „Zuchtvieh“ an­gewandt. In demselben Jahr genehmigte das Kreisamt auf untertänige Bitte die Beschaffung einer Klistierspritze für das Vieh, im Jahre 1842 kam noch ein elastisches Viehentblähungsrohr dazu.

Die Preise steigen nun erheblich an, alte Bullen werden für 103 Gulden verkauft, neue kosten 119 bis 142 Gulden Die „Unterhaltung“ der Faselochsen kostete 1858 schon 350 Gulden, das ist eine sehr hohe Summe. Diese Beträge schwankten ganz erheblich und werden sich wahr­scheinlich nach der Futterlage gerichtet haben. Sicherlich unterlagen sie auch ge­wissen Absprachen unter den Bauern.

Eine frohe Wanderzeit begann jedes Jahr, wenn ein neuer Bulle gekauft werden mußte. So machte man sich meistens zu dritt auf den Weg und besuchte zum Beispiel im Jahr 1860 Niederwöllstadt, Windecken, Hanau, den Bruder-Diebacher-Hof und Kloppenheim, war auf dem Wagner-Hof in Oberrad, dann suchte man noch wei­tere vier nicht genannte Orte auf. Dafür erhielten die drei Herren an Tage- und Wegegeldern 32 Gulden, 25 Albus; der Bulle kostete 80 Gulden Später war viele Jahre hindurch Rodheim v.d.H. der bevorzugte Ort für den Bullen­kauf. In einem Jahr marschierte man sich beim Ankauf der Bullen sogar 54 Gulden zusammen, die wie immer die Ge­meindekasse zahlte.

Im Jahre 1875 mußte man schon 325 Mark für einen Bullen anlegen, aber der Bürgermeister läßt sich als „Halter“ der beiden Bullen jährlich 1.000,- Mark dafür auszah­len. Vier Jahre später findet sich ein anderer Bauer, der es für 300 Mark tut. Man sieht nun aber doch etwas mehr auf den Mann als auf den Preis, denn manche „Halter“ sparen an Futter und lassen die Bullen so herunterkommen, daß sie ihre Pflichten nicht mehr erfüllen können. Im Jahre 1894 erreichen die Kosten der Vatertierhaltung mehr als das zehnfache der Umlage.

Im Jahre 1857 wurde die Körungskommission eingeführt, auch der Kreistierarzt war dabei. Er behandelte das kranke Vieh und verschrieb als Medizin nicht mehr Sauerteig und Apfelwein, trotzdem starb ihm ein Bulle. Salomon Stern kaufte das Fell des gestorbenen Bullen für 22,50 Mark. Die bessergestellten Herren der Gemeinde, etwa Bürgermeister und Arzt, kauften große Fleischmengen für ihre Hunde.

Der Kauf eines Stückes Rindvieh war im 18. und 19. Jahrhundert eine ernste Angelegenheit. Käufer und Verkäufer erschienen vor dem Zentgraf, später vor dem Bürgermeister, wo unter genauer Angabe von Größe und Merkmalen des Tieres ein Protokoll aufgenommen wurde, in dem sowohl der Kaufpreis als auch die Zahlungsweise angegeben werden mußten. Infolge der allgemeinen Armut konnte der volle Kaufpreis in den meisten Fällen nicht bar übergeben werden, oft wurde die zweite Hälfte des Preises erst nach einem Jahr bezahlt. Häufig wurde auch der Zusatz verzeichnet, daß das erste Kalb gegen eine bestimmte Summe an den Verkäufer der Kuh abzuliefern sei.

In der größer gewordenen Gemeinde mit wachsender Steuerkraft verlor der Posten „Vatertierhaltung“ seine gravierende Bedeutung im Haushalt der Gemeinde, doch auch heute noch ist die Gemeinde aufgrund bestehender Gesetze genötigt, sich um die Vatertierhaltung zu kümmern.

 

 

Die Schafhaltung

Es gab in Bischofsheim stets Vieh- und Schweinehirten, es gab zeitweise auch eine Gänsehirtin, es gab aber niemals einen Schafhirten. Sicher hatte man aber auch Schafe, denn darauf weisen die Namen Schäfergasse, Schäfertor und die Flurbezeichnung Schäfergärten hin. Die jüdischen Metzger des Ortes schlachteten in erheblichem Umfang Schafe, für die sie Schlacht­­steuer bei der Gemeinde zahlen mußten. Auch steht regelmäßig in den Rechnungsbüchern unter dem Titel „Wollsteuer für außer Landes verkaufte Wolle: Nichts“, da die Wolle nach Hanau verkauft wurde.

Das Amt Bergen weist den Bischofsheimer Zentgrafen und die Gerichtsleute mit aller Strenge an, den Schäfer ständig zu kontrollieren, da landfremdes Gesindel bei den Schäfern gerne Unterschlupf suche.

Die Schäferei war Herrenrecht, die Pacht- und Weideverträge wurden durch das Amt Bergen mit dem „Schäfereibeständer“ abgeschlossen, das Pachtgeld durch das Amt an den Landesfürsten abgeführt. Die Bischofsheimer hatten nur zu dulden, daß auf ihren Ackern fremde Schafherden weideten.

Die eigentliche Weide war das Brachfeld, denn immer noch war die Dreifelder­wirtschaft die Grundlage der Landwirtschaft. Für eine größere Herde reichten diese Brachfelder aber nicht aus, und so wartete der Schäfer mit Ungeduld auf die Erntezeit, um seine Herde auf die abgeernteten Stoppelfelder zu treiben. So ganz glatt ging das jedoch nicht, denn die Besitzer der Acker hatten für eine bestimmte Anzahl von Tagen das Vor-Weiderecht. So trieben sie erst einmal das Vieh, die Schweine und die Gänse auf die Stoppelfelder, dann erst trat der Schäfer seine Herrschaft an.

Nach 1800 wurde ihm dieses Recht beschnitten, denn die moderner werdende und auf neue Futterquellen bedachte Landwirtschaft säte im Frühjahr Klee unter das Getreide, der keimte und nach der Ernte schnell emporschoß. Teil­weise pflügte man den Stoppelacker um und pflanzte Stoppelrüben darauf (ein­geschränkte Dreifelderwirtschaft). Diese Flächen gingen dem Schäfer als Weide ver­loren. Nun gab es Streit und Beschwerden, man einigte sich schließlich unter Ver­mittlung des Amtes Bergen dahingehend, daß höchstens 1/3 der Brache einer an­deren Benutzung zugeführt werden dürfe und daß der Schäfer das Recht habe, weitere Flächen ohne Rücksicht auf etwa angebaute Kulturpflanzen zu beweiden.

Die Frage nach der Weide der dorfeigenen Schafe ist weiter ungeklärt. Vielleicht hatten die Bischofsheimer ein vielerorts übliches Beitriebsrecht, das besagte, daß sie ihre eigenen Schafe dem herrschaftlichen Pferch einverleiben durften, um sie mithüten zu lassen. Dieses herrschaftliche Weiderecht war wenig beliebt und minderte den Wert der Acker, was sich besonders bei Verkäufen zeigte.

Das Schaffleisch scheint früher im Ort sehr beliebt gewesen zu sein. Im Jahre 1762 zum Beispiel schlachteten die beiden Judenmetzger Afron und Salomon einen Ochsen, neun Rinder, ein Kalb und 23 Hämmel, im Jahre 1775 waren es sogar 49 Hämmel. Im Jahre 1806 hieß der Pächter der Schafweide Perkmann. Ihm wurde eine Ziege von einem tollwütigen Hund gebissen. Die Ziege wurde sofort erschossen und der Schäfer bekam von der Gemeinde 4 Gulden Schadenersatz.

Sehr spät erst, im Jahre 1862, erhielt die Gemeinde das Recht auf die Schafweide und den Schafpferch. Eine Notiz aus dem Jahre 1864 besagt: „8 Morgen, 3 Viertel, 4 Ruten Wiese im Gänssee neben dem Viehtrieb und dem beschlossenen Wäldchen, Lugweid, Mühlwiese, Pragfeld wird von den Schafen abgehütet“. Die Gemeinde mußte das eingenommene Pachtgeld für die Weide an das Amt Bergen abliefern, behielt jedoch das Pferchgeld und hatte damit eine beachtliche Einnahmequelle.

Aus dem Jahre 1871 wurde eine Niederschrift über die Versteigerung des Schaf­pferches gefunden. Die Bauern waren an dem Pferch stark interessiert, denn sie wußten die Qualität des Schafmistes zu schätzen. Wer den Pferch für eine Nacht zugeteilt bekommen hatte, mußte die Hürden und den Schäferwagen auf seinen Acker fahren. Es waren etwa 350 Schafe auf der Weide, die Hut begann im März und endete im Dezember.

Anfangs zahlte man für eine Nacht 40 Kreuzer, je besser mit der Jahreszeit das Futter wurde, je höher wurde auch das Gebot für den Pferch nach dem Motto: Wer viel frißt, macht viel Mist! Zur besten Weidezeit kostete eine Nacht 4 Gulden, dann sank der Preis wieder ab und lag am Ende der Weidezeit wieder bei 40 Kreuzer Der Schäfer zahlte in der Regel für die ortsfremde Herde 80 Gulden Weidegeld an die Gemeinde (rund 136,- DM). Das Pferchgeld brachte 507 Gulden ein (rund 864,- DM). Dieses Geld verwandte die Gemeinde vollständig für die Ablö­sung des Zehnten, so daß der einzelne Besitzer nur ganz geringe Beträge für diesen Zweck aufzubringen hatte.

In der Notiz eines Privatmannes heißt es: „Am 20. Januar 1873 wurde dahier die Bischofsheimer Schäferei auf dem Rathause aufgelöst. Gehört der Gemeinde, die hierfür 1.200 Taler bekommt!“

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Schafe noch einmal Dorfgespräch, als etwa sechs Zentner Schaffleisch beschlagnahmt wurden. Ob die Schafe gestohlen waren oder der Schäfer in die Sache verwickelt war, konnte nicht fest­gestellt werden.

Auch heute noch weiden Schafherden in Bischofsheim. Die Weide wird auf sechs Jahre verpachtet und bringt jährlich 500,- DM. Der Schafpferch wird nicht mehr versteigert, niemand gibt dafür Geld aus. Der Pferch wird von den Landwirten nach nachbarlicher Aussprache übernommen. So ist wieder einmal ein früher hochbegehrtes und sorgfältig gehütetes Herrenrecht in der Neuzeit zur völligen Bedeutungslosigkeit abgesunken.

 

Die Pferdeschwenk

In dem Inventarverzeichnis von 1757 ist als Teil des „Springbrunnens“ auch auf­geführt „die Pferd Schwenk so mit Mauerwerk aufgeführt, neben Johannes Henrich Maysch in der Gemeinde-Gasse gelegen“.

Reparaturen an dem Brunnen und an der Pferdeschwenk werden oft zu gleicher Zeit und von demselben Handwerker vorgenommen. Wahrscheinlich war diese Pferdeschwenk ein ummauertes Gelände, das neben dem Brunnen lag und von die­sem mit Frischwasser versehen wurde. Die Instandhaltung dieser Mauern erfor­derte recht hohe Kosten, da sie wasserdicht sein mußten. Die Mauern wurden mit eisernen Klammern zusammengehalten, die Fugen mit Blei ausgegossen. In dieser Pferdeschwenk wurden die Pferde gewaschen.

Im Abstand von einigen Jahren wurde der mit dem Pferdedung vermischte Schmutz öffentlich meistbietend versteigert. Dieser Dung scheint recht begehrt gewesen zu sein, denn es werden manchmal mehr als 13 Gulden geboten.

Im Jahre 1844 wurde die Pferdeschwenk endgültig abgebrochen. Die alten Quadersteine der Mauern fanden für immerhin noch 13 Gulden und 25 Kreuzer einen Liebhaber. Aus dem Gedächtnis der heute lebenden Bischofsheimer ist die Pferdeschwenk vollkommen verschwunden.

 

Das Gemeinde-Fischwasser

Bischofsheim hatte auch einst eine eigene Fischerei. Die Fische fing man aber nicht im Waldsee oder im Gänssee, sondern, wie aus einer zufällig gefundenen Notiz hervorgeht, in den Wassergräben der Gemeinde, hauptsächlich im Tränkebach und im Stumpfgraben. Die Fischerei wurde immer auf drei Jahre verpachtet und erbrachte in den besten Jahren immerhin jährlich 5 Gulden Pächter waren immer prominente Einwohner wie Zentgrafen oder Bürgermeister, später auch der Wirt Keller.

Doch schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts war die Fischerei nicht mehr ergiebig, der Pacht­betrag ging auf einen Gulden zurück und hörte dann ganz auf. Erst 150 Jahre später konnten in der Bischofsheimer Gemar­kung abermals Fische gefangen werden. Am Linnes entlang der Bahnlinie nach Dörnigheim waren durch die Kiesausbeute zahlreiche Baggerseen entstanden, die bald einen reichen Besatz an Karpfen, Rechten, Aalen und Weißfischen hatten.

Im Jahre 1970 wurden die Arbeiten am schönen Waldsee beendet. Ein Fechenheimer Angelsportverein pachtete das Gewässer für jährlich 500,- Mark und setzte für mehrere tausend Mark Fischbrut aus. Die Fischerei darf hier nur mit der Angel betrieben werden.

 

Die Wiesen und Weiden

Das Rindvieh hatte in früherer Zeit für den Bauern einen weitaus höheren Wert als heute. Eine Kuh kostete zu Anfang des 19. Jahrhunderts 27 bis 35 Gulden Das war das Doppelte des Betrages, den ein Hirte als Jahreslohn erhielt. Der jährliche Milchertrag einer Kuh lag im 18. Jahrhundert bei etwa 600 Liter, eine Menge, die heute von einer Hochzuchtziege erreicht wird, während der jährliche Milchertrag einer Kuh heute bei 3.500 bis 4.000 Liter liegt und solche der Spitzenklasse 6.000 Liter und mehr erbringen.

In schlechten Futterjahren litt das Vieh große Not und war zu Beginn des Frühjahrs oft bis zum Skelett abgemagert. Das Stroh des Getreides galt früher als hoch­wertiges Futtermittel und erzielte daher Preise, die fast an die des Brotkorns heranreichten. Heute bleibt das Stroh zum großen Teil auf den Feldern liegen oder wird in weiten Teilen Deutschlands nach der Ernte auf dem Acker verbrannt.

Es ist daher verständlich, daß die Bauern, die völlig auf die eigene Futtererzeugung angewiesen waren, ihre Wiesen wie ein Kleinod hegten und pflegten und ihnen eine Bedeutung zuerkannten, die heute weitgehend verschwunden ist. Große Grasstücke werden heute häufig nicht mehr gemäht, die Wiesen sind zum Teil ver­sauert, denn für sie wird nicht mehr in genügendem Maße durch Grabenreinigung und Düngung gesorgt.

Das konnte man sich früher nicht leisten, und auch in den größten Notzeiten finden sich stets in den Rechnungsbüchern Beträge für die Reini­gung der Wiesengräben.

Das Ausheben der Gräben war eine Angelegenheit der Gemeinde, das Ausmähen war den Anliegern zur Pflicht gemacht, ganz gleich, ob sie Eigentümer oder Pächter der Wiesengrundstücke waren. Jeder Anlieger mußte die gleich­mäßige Verteilung des Grabenaushubes auf seiner Wiese dulden, Entschädigungsansprüche gab es nicht.

Im Jahre 1758 war die Gemeinde nach dem Verpachtungsprotokoll Besitzer folgender Wiesen:

  • Bruch im Maynfeld, auch Zimmersee genannt
  • Bruch, das lange See genannt
  • Bruch, das Gänßsee genannt
  • Das Hochstädter Ried
  • Die Niederweide
  • Das Erler und Erländer
  • Die oberste Breulwiese
  • Die unterste Breulwiese (von der letztgenannten Wiese erhielt der Pfarrer das Heu, die Gemeinde das Grummet). Die Luchweide und das Rothers Ried wurden nicht verpachtet, sie dienten als Viehweide.

 

Gras wurde um 1760 von folgenden Wegen versteigert:

Gardinweg                             der Grasigsteweg                   Steinern Creutzweg

Ledergass                               Waldgesweg                          2 Brücher im Wald

Lauchwiesenweg                    der alte Brücherweg              der Oberwiesenweg

Bornbergweg                         Weg nach dem Wald                         Krautgartenweg

Borngrabenweg                     der alte Dorfweg                   der Hochstädter Riedweg

Stimpfgrabenweg                  Rumpenheimerweg               das Bruch im Aspern

Löwenseeweg                        Zimmerseeweg                      das Bruch im Wald

Diese Brüche brachten 13 Gulden und 26 Albus an Pacht ein.

 

Die öffentliche Versteigerung („Vergantung“) der Wiesen und des Wegegrases war stets ein Ereignis in der Gemeinde. Jeder „Nachbar“ wurde dabei berücksichtigt. Häufig waren auch Interessenten aus Nachbarorten anwesend, besonders Dörnig­heimer Bauern. In anderen Jahren traten nur einheimische Pächter auf. Ob über die Zulassung auswärtiger Pächter von Mal zu Mal entschieden wurde, ist nicht feststellbar.

 

Die Einnahmen aus Wiesen- und Wegegrasversteigerung bildeten eine Haupt­einnahmequelle der Gemeinde, die allerdings stark wetterabhängig war. So nahm man im Jahre 1828 nur 520 Gulden ein, was auf ein schlechtes Erntejahr schließen läßt, während die Wiesen 1829 schon wieder 1.300 Gulden einbrachten. Um das Jahr 1860, nach dem Ausfall so vieler reicher Einnahmequellen, standen die Ein­künfte aus den Gemeindewiesen an erster Stelle und könnten in ihrer Bedeutung der heutigen Gewerbesteuer oder den Schlüsselzuweisungen gleichgesetzt werden. Das Rekordjahr war 1870, wo die fast unglaubliche Summe von 5.007 Gulden einging während der Wald - die zweite finanzielle Stütze der Gemeinde - nur 461 Gulden abwarf.

 

Die Reinigung der Wiesengräben wurde stets in öffentlicher Verhandlung an den Mindestfordernden vergeben. Viele Jahre trat immer Johannes Wilhelm Lerch mit seiner Mannschaft als Grabenreinigungstrupp auf. Im Jahre 1778 reinigte er 104 Ruten Gräben (rund 400 m). Die armen Burschen bekamen dafür ganze 6 Gulden 28 Albus Als aber in demselben Jahr der Herr Kommissarius Bellier die Gräben „besichtigte“, ließ er sich von der Gemeinde dafür 22 Gulden 1 Albus auszahlen!

Um 1800 scheint man nachlässiger geworden zu sein, denn aus Bergen kommt ein scharfer Tadel. Er betrifft den Zustand des Riedes zwischen Bischofsheim, Bergen und Seckbach. Dort soll süßes Futter wachsen, aber die Wiesen versauern, die Gräben sind schlecht gereinigt. Es wachsen dort Weidenbüsche und Erlenbäume, das Rohr ist nicht abgehauen, das Wasser steht und fließt nicht ab.

Die Zentgrafen dieser drei Dörfer bekommen eine ganz gehörige Rüge, weil sie die Aufsicht bei den Arbeiten schlampig geführt haben. Innerhalb von 18 Tagen ist Vollzug über das Abstellen der Mißstände zu melden, ganz egal, ob die Gemeinden die Arbeiten be­zahlen oder sie diese in Fron ausführen lassen. Auch der Aushub muß von den Anliegern eingeebnet werden. Etwaige Ansprüche wegen Schädigung des Graswuchses werden von vornherein zurückgewiesen.

Die Form, nach der man das Heu verteilte, wechselte im Laufe der Zeiten. Im Jahre 1806 zum Beispiel wurde das Heu meistbietend versteigert, das Grummet aber zu gleichen Teilen an die Viehbesitzer verteilt, wofür jeder 5 Gulden zahlen mußte. Von dem Heu wird wohl wenig den Bischofsheimer Pferden und Kühen zugute gekommen sein, denn es lagen französische Besatzungen hier.

Aus dem Jahr 1829 liegt ein Versteigerungsprotokoll vor, aus dem einige Auszüge vermerkt sein mögen:

  • die Gemeinde ist für nichts gut, wenn Wasser mit Überschwemmung sich er­geben solle
  • wenn der Riedgraben gemacht wird, ist wegen des Auswurfes keine Entschädi­gung zu verlangen
  • die Hälfte des Pachtgeldes ist bei der Heuabfuhr, die zweite Hälfte bei der Grummetabfuhr an die Gemeinde zu zahlen.

Diese Bedingung wurde häufig nicht eingehalten, besonders die Dörnigheimer Pächter waren säumige Zahler. Sie ließen ihre Schulden häufig jahrelang anstehen, bis man Amt und Gericht bemühte und die Schuldner ihr Geld samt Gerichtskosten und 5 Prozent Verzinsung entrichten mußten.

Vor der Versteigerung trat jedes Jahr ein Trupp ehrenwerter Männer auf, der die Parzellen vermaß und mit Pfosten absteckte. Dafür wurden sie von der Gemeinde entschädigt. Sonderbarerweise mußten die Pfosten jedes Jahr wieder neu beschafft werden, sie wurden wohl von den Pächtern stillschweigend mitgenommen. Holz konnte man damals immer und in jeder Form brauchen.

Im Jahre 1853 versuchte man es wieder einmal anders: Die Wiesen wurden auf zwölf Jahre verpachtet, man versprach sich daraus eine bessere Instandhaltung der Wiesen. Die Hauptgräben wurden weiter von der Gemeinde unterhalten. Das Ausheben der Nebengräben war Aufgabe der Päch­ter, ebenso das Ausmähen der Gräben. Außerdem mußten sie für eine gleichmäßige Verteilung des Aushubes sorgen. Kamen sie ihren Verpflichtungen nicht nach, so konnte die Gemeinde die Arbeiten auf Kosten der Betroffenen durchführen lassen. Es ist aber niemals eine derartige Zahlung in den Rechnungsbüchern verzeichnet.

 

Im Jahre 1885 verpachtete man zehn verschiedene Wiesen, die in 97 Parzellen aufgeteilt waren. Die Gebote für diese Parzellen waren recht verschieden. Der niedrigste Preis war 5,- Mark, der höchste Preis 80, Mark. Die Grasnutzung von 28 Wegen erbrachte 189,- Mark.

Für die alten Bischofs­heimer seien die Wege einmal genannt:

der Bornbergweg                              Rathweg        

der Beuneweg                                   Enkheimer Weg

der Tannwiesenweg                          die Lettkaute 

Berger- und alter Bornweg               der Häusergraben vom tiefen See bis an die Eisenbahn

die Vilbeler Hohl

der Gronauer Weg                            derselbe von der Eisenbahn bis an den Main

der Eselsweg

die Lettergasse                                  Weg im Gemeindewald

der Gärtenweg                                  dto.

Alter Dorfweg                                    dto.

Hochstädterriedweg                          Waldsee oberer Teil

Hochstädterriedweg neb. d. Feld      Waldsee unterer Teil

Breulweggraben bis zum Ried          Wege im Wald

Löwenseeweg                                    dto.

Fechenheimer Weg                           dto.

 

Die Gemeinde hat in ihre Wiesen erhebliche Beträge investiert; sie wurden von Zeit zu Zeit neu angelegt. Nach dem Aufkommen des Kunstdüngers wurden sie nach vorherigem Eggen mit Thomasmehl und Kali gedüngt.

In der Zeit der beiden Weltkriege und der ihnen folgenden Notzeiten erhielten Wiesen und Wegegras nochmals hohe Bedeutung, denn fast alle Einwohner ver­suchten, die schmale Ernährungsbasis durch Ziegen- und Stallhasenhaltung zu verbreitern. Mit dem Eintritt normaler Wirtschaftsverhältnisse sank das Interesse an der Kleintierhaltung und damit auch das Interesse an dem Erwerb von Grasstücken.

Das Verschwinden der Pferde, die auch minderwertiges Heu annahmen, die fast restlos durchgeführte Stallfütterung des Rindviehs, das Aufkommen der neuen eiweißreichen Futterpflanzen Klee, Luzerne und Mais weisen die Bedeutung der Wiesen immer mehr in den Hintergrund, eine Erscheinung, die durch die im Handel erhältlichen Kraftfuttermittel noch verstärkt wird.

 

Der Obstbau in Bischofsheim

Der Obstbau in unserer Gemeinde ist sicher schon sehr alt, denn frühe Berichte aus dem Hanauer Land erwähnen die „edlen Baumfrüchte“ in Bischofsheim. Brammerelle spricht 1782 von dem besonders schmackhaften Bischofsheimer Obst.

Das Obst war Bestandteil des „Großen Zehnten“, wurde also besteuert. In den Rechnungsbüchern der Gemeinde sind aber niemals solche Abgaben verzeichnet, erst 1779 taucht das Obst erstmals im Gemeindehaushalt auf. Es werden Apfelbäume gekauft und in den Gemeindegütern gepflanzt. Im Jahre 1783 werden weitere Apfel­bäume an der Oberwiese gepflanzt und mit „Stroh-Dorn“ umwunden, wenig später kauft und pflanzt die Gemeinde auch Kirschbäume.

Wahrscheinlich wollte die Gemeinde bei dem gemeindeeigenen Obstbau mit gutem Beispiel vorangehen; auch das Amt Bergen hatte Ratschläge zur Aufzucht und Pflege der Obstbäume herausgegeben. In dem zum Amt Bergen gehörenden Seckbach scheint man schon weiter gewesen zu sein. Dort wurden - wahrscheinlich als Racheakt - 60 der schönsten Obstbäume abgesägt. Sie stellten einen Wert von 800 Gulden dar, das war ein Vermögen. Die Straflisten weisen aus, daß der Diebstahl von Obst hart geahndet wurde; während Holz- und Grasdiebe oft mit nur wenigen Kreuzern bestraft wurden, ging es beim Obstdiebstahl nie unter zwei Gulden ab.

Im Jahre 1805 trafen die Bischofsheimer Obstzüchter mit Obsthändlern aus Freudenberg eine Abmachung. Die Bischofsheimer brachten ihr zu verkaufendes Obst bei Rumpenheim an den Main, wo es die Freudenberger abholten. Für ein Malter „Burschtoufer“ (Borsdorfer) zahlten sie 2 Gulden 30 Kreuzer, ebenfalls für „Mattäpfel“ und „Renetten“, für Fallobst gab es 1 Gul­den 40 Kreuzer Bischofsheim lieferte in jedem Jahr rund 500 Achtel Obst ab.

Auch die Gemeinde erntete 1815 die ersten sichtbaren Erfolge ihrer Mühe und verkaufte öffentlich meistbietend ihr Obst für 56 Gulden. Meistens wurde das gesamte Gemeindeobst von Enkheimern angekauft.

Im Jahre 1831 nahm die Gemeinde schon 141 Gulden für ihr Obst ein. Im Jahre 1833 brachte allein die Apfelernte 100 Gulden in die Gemeindekasse, 1835 wurden die Äpfel für 262 Gulden ver­steigert. Es scheinen gute Obstjahre gewesen zu sein. Man errichtete in den Obstanlagen sogar Wachhäuschen und besetzte sie mit Wächtern, um Diebstähle zu verhüten.

 

Neuen Auftrieb bekam der Obstbau durch den 1844 nach Bischofsheim gekommenen Lehrer Jäger, der auch ein bedeutender Ornithologe war. Er unter­wies die Schüler im Obstbau, züchtete edle Obstsorten, veredelte Wildlinge und verkaufte der Gemeinde jedes Jahr einige junge Apfelbäume, das Stück zu 24 Kreuzer

In einem Brief an den Bürgermeister Brandt von 20. September 1850 wird berichtet, daß der Schullehrer Jäger auf dem alten Friedhof und im Schulgarten eine Obstbaum­zucht angelegt habe, die stets als Muster einer Obstbaumschule dienen könne, und daß er sehr viele Auslagen dabei gehabt habe. Der Schulinspektor äußerte zu die­sem Brief, daß die naturwissenschaftlichen Kenntnisse und Forschungen des Lehrers Jäger bedeutend seien, daß er viele wissenschaftliche Bücher zum Studium des Obstbaues angeschafft habe und die geringen Mittel eines Lehrers dadurch stark beansprucht seien. Die Behörde gab dem Lehrer einen Zuschuß von 30 Gulden.

Zwei Schüler, die sich besonders gelehrig bei der Veredelung von Obstbäumen erwiesen hatten, wurden von der Gemeinde mit einem Geschenk belohnt; einige am Obstbau interessierte Feldschützen machten Obstbaulehrgänge mit, ein anderer Lehrer wurde für 14 Tage nach Kassel geschickt, um im Obstbau unterwiesen zu werden.

 

Die in die Feldmark führenden Wege wurden bei nassem Wetter durch Barrieren gesperrt. Damit sollten erstens die Wege vor der Beschädigung zum anderen die Dorfstraßen vor der Verschmutzung geschützt werden. Nur zur Zeit der Obstreife wurden die Barrieren dienstags und freitags geöffnet, damit die Leute in die Wingerte und Obsthaine konnten, um Obst zu holen, das am Mittwoch und Sam­stag auf den Wochenmärkten in Offenbach, manchmal auch in Hanau, verkauft wurde. Der Verkauf erfolgte nicht nach Gewicht, sondern nach der Stückzahl.

Das Obst wurde meistens in geflochtenen Körben auf dem Kopf in das benach­barte Offenbach getragen oder in einer Schubkarre dorthin transportiert. Wenn sehr viel Obst anfiel, so fuhr wohl auch ein Bauer mit einem Pritschenwagen auf den Markt. Für den Transport eines Obstkorbes nahm er zwei Pfennige. Vor der Obstreife durfte niemand in die Wingerte, nur an bestimmten Tagen wurden diese für zwei bis drei Stunden zum Aufsammeln des Fallobstes freige­geben.

 

Im Jahre 1911 gründete man den Obst- und Gartenbauverein. Im Jahre 1910 kaufte die Gemeinde 65 Ar bisher als Acker genutztes Land am Apfelsgrund und Geyersberg zur Erschließung neuer Wasserquellen. Dieses Land, das wegen der Gefahr der Trinkwasserverseuchung nicht mehr gedüngt werden durfte, wurde von der Ge­meinde mit 63 Apfelbäumen bepflanzt, deren Ernte jedes Jahr öffentlich verstei­gert wurde. Diese Bäume wurden im Jahre 1970 größtenteils gefällt, da sie nur noch wenig Ertrag brachten und keine Nachfrage mehr nach dem Obst bestand.

Der Obstbau hat an Bedeutung stark verloren. Nur noch vereinzelte Züchter er­zielen durch sorgsame Sortenwahl und moderne Schädlingsbekämpfung wert­volles und absetzbares Obst. Der Berger Hang steht voller Obstbaumruinen, Neuanpflanzungen finden selten statt, kaum jemand macht sich noch die Mühe, das Obst zu pflücken. Ab 1970 bleiben sogar die sonst so sehr begehrten Kirschen hängen.

 

Die Schädlingsbekämpfung

In dem Bestreben, die kostbaren Ernten möglichst ungeschmälert in Scheuer und Keller zu bergen, begann in Bischofsheim schon frühzeitig der Kampf gegen alles, was die Ernteerträge mindern könnte. Raben und Bussarde, Maulwürfe und Hamster wurden vernichtet, wo man ihrer habhaft werden konnte.

Es nicht recht klar, warum die klugen geselligen Raben so verfolgt wurden; ihr Nutzen ist größer als der von ihnen angerichtete Schaden. Nach den Aussagen alter Bischofsheimer müssen sie in ungeheuren Mengen im Buchwald genistet haben. Dreißig bis fünfunddreißig Nester auf einem einzigen Baum sollen keine Seltenheit gewesen sein. Waren die jungen Raben voll befiedert, aber noch nicht flügge, ging es los zum fröhlichen Jagen.

Besonders Offenbacher Bürger sollen es gewesen sein, die sich daran beteiligten. Sie kamen abends in Scharen, besetzten die Gastwirtschaften, lärmten und zechten die Nacht hindurch, und im Morgengrauen brach man auf zum Buchwald. Leitern, Stangen und Gewehre waren das Handwerkszeug. Zur Mittagszeit waren alle Rucksäcke prall gefüllt mit den köstlichen Leckerbissen. Was man nicht selber verzehren konnte, fand auf dem Markt reißenden Absatz. Später schoß man die Nester einfach zusammen oder legte Gifteier aus. Der Erfolg ist nicht ausgeblieben; nur noch einzelne Rabennester sind vorhanden. Schon 1762 bemühte die Gemeinde einen Advokaten, um bei der Hochfürstlichen Regierung Klage über die Ausbreitung der Raben zu führen.

Im Jahre 1806 verknallte der Jäger Seipel in 12½ Tagen für 12 Gulden Pulver und Blei, um die Raben zu erschießen. Er selber wurde mit 5 Gulden honoriert. Die Aktion wurde 1811 wiederholt, außerdem erhielten zwei Niederdorfelder Bürger für das Ausheben der Rabennester 27 Gulden 26 Kreuzer.

 

Gnadenlos und jedes Jahr wiederkehrend war auch der Kampf gegen die Maul­würfe. Es wurde ein Maulwurfsfänger eingesetzt, der fast immer von auswärts kam und die Tiere mit Schlingen fing. Die Kosten trug selbstverständlich die Ge­meinde. Der erste namentlich genannte Maulwurfsfänger war ein Johannes Hoff­mann aus Rendel, der für „die Fangung derer Maulwürfe“ 20 Gulden bekam; das war eine hohe Summe. Dieser Betrag erhöhte sich später sogar auf 40 Gulden, das war mehr als das Jahresgehalt eines Lehrers, das er in Bargeld erhielt.

Zu anderen Zeiten wurde der Fänger auch nach der Stückzahl der erbeuteten Tiere entlohnt.

Im Jahre 1900 wurden 153 Maulwürfe gefangen, das Fanggeld betrug 70 Mark, und 1911 betrug die Strecke 236 Stück, für das Stück gab es 25 Pfennige.

 

Im Jahre 1820 wird auch den Spatzen der Krieg erklärt. In der Gemeinde werden „für 165 Schuh lang“ Spatzenschläuche geschmiert und ausgelegt. In einer An­ordnung des Amtes Bergen wird befohlen, daß jeder Bürger des Amtes 15 Spatzenköpfe abzuliefern habe, die sofort nach der Ablieferung zu verbrennen seien. Wer seiner Ablieferungspflicht nicht nachkäme, sollte mit 15 Albus Strafe belegt werden. Im Jahre 1783 müssen die Dachse den Unwillen der Einwohnerschaft erregt haben, denn in Hanau kaufte man bei einem Büchsenmeister zwei Dachsgabeln.

Um 1800 kaufte man zum ersten Mal Giftweizen gegen die Mäuseplage. Nach 1900 breitete sich der Hamster aus. Er bildete eine wirkliche Gefahr für die Landwirtschaft. Im Jahre 1910 gab die Gemeinde allein 591,90 Mark für Giftweizen und Strychninhafer aus. Die Jugend zog auf die Felder, um sich Kerbegeld zu verdienen. Sie lieferten 1.393 Hamster ab. Bei der ersten Ablieferung war Elisabeth Knöll mit 30 erlegten Räubern Schützenkönigin, beim zweiten Einsatz stand Anton Sorg mit 50 gefangenen Hamstern auf einsamer Höhe. Im folgenden Jahre begann auch der Krieg gegen die Wühlmäuse, leider wurden nur 78 gefangen, sie sind nicht ausgerottet worden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Kartoffeln keine Lebensmittel, sondern Leckerbissen. Die Kartoffelkulturen wurden stark bedroht durch den Kartoffel­käfer. Die chemische Industrie lag völlig darnieder und konnte keine Bekämpfungs­mittel liefern. So wurde die gesamte Bevölkerung aufgerufen, sonntags die Kar­toffelfelder unter der Leitung bewährter Antifaschisten von den Schädlingen zu befreien, indem mit den Fingern die unappetitlichen Larven der Käfer totgedrückt wurden. Geholfen hat es nicht viel. Man wurde der Schädlinge erst Herr, als die chemische Industrie in ausreichender Menge geeignete Bekämpfungsmittel liefern konnte.

 

Die Feldschützen

Früher war das Leben mehr abhängig von der Witterung; schlechte Getreide-, Hackfrucht-, Wein- und Obsternten konnten Katastrophen bedeuten. Keine Versicherung ersetzte vom Hagelschlag niedergewalzte Getreideernten. So ist es zu verstehen, daß man das Eigentum durch ständige, oft lästige und teure Wachen vor Feuer und Diebstahl schützen und auch die Felder stets unter Beobachtung gewissenhafter Männer wissen wollte.

Das Amt eines Feldschützen stand in hohem Ansehen und war sehr begehrt. Ein Feldschütz war eine Respektsperson. In der Zeit der Zentgrafen, in der die sogenannten Bürgermeister immer nur auf ein Jahr gewählt wurden und nur Gemeinderechner waren, hatte es sich eingebürgert, daß man die entlassenen Bürgermeister nach der Wahl ihrer Nachfolger zu Feldschützen machte.

Diese Handlungsweise wurde durch scharfe Erlasse des Amtes verboten. In den Erlassen heißt es, daß kein Besitzer großer Güter, kein Ge­schäftsmann („Geschäftsbeständer“), kein gewesener Bürgermeister, kein Händler und kein Treideler ein Feldschütz werden durfte, auch kein ganz Armer, der aus großem Respekt vor den Reichen gegen diese nicht vorgehe. Es dürfen nur ordentliche, charakterfeste Leute gewählt werden, die auch Zeit haben, abends, nachts und morgens auf die Felder zu gehen. Die Feldschützen hatten das Recht und die Pflicht, jeden Fremden zu verhören und besaßen damit auch allgemeine polizeiliche Befugnisse.

 

Man muß es den Bischofsheimer Feldschützen wohl nachsagen, daß sie ihr Amt gewissenhaft versahen und ohne Ansehen der Person handelten. In den Straflisten, die über viele Jahrzehnte heute noch vorliegen, treten neben den stets wieder­kehrenden Namen der notorischen Übeltäter auch die Namen der Bischofsheimer Prominenz gar nicht so selten auf. Da bekommt der allgewaltige Zentgraf seine Strafe ebenso wie der Pfarrer, die Bürgermeister, der Lehrer, die Wirte, die großen Bauern.

Damals war ja das Gras jedes Weges, jedes Grabens und natürlich jeder Gemeindewiese verpachtet wurde und hohe Beträge einbrachte. Ganz besonders hoch wurde der Obstdiebstahl bestraft, da ging es nie unter zwei Gulden ab, das war der Arbeitslohn eines Arbeiters für 40 Tage.

Unterschiede beim Bestrafen gab es jedoch auch. Auswärtige „Frevler“ wurden besonders zur Kasse gebeten. Wenn etwa ein Niederdorfelder oder Wa­chenbucher Bauer oder Viehhändler gegen die hiesigen Bestimmungen verstieß, waren die Strafen doppelt so hoch; das beruhte wahrscheinlich auf Gegenseitig­keit, und Bischofsheimer Bauern wird es bei Verstößen in fremden Feldmarken genauso ergangen sein.

Besonders oft traten in den Straflisten der Feldschützen Bezeichnungen wie „Jud Mordge, Jud Levi“ usw. auf. Diese Strafen waren immer hoch, nicht, weil diese Leute als Juden besonders bestraft wurden, sondern weil sie auswärtige Viehhändler waren, die ihr Schlacht- und Zucht­vieh durch die Lande treiben mußten und wohl leicht der Versuchung unterlagen, ihr Vieh hier und dort ein wenig weiden zu lassen.

Die Feldschützen wurden auch bei der Abgabe des Großen Zehnten eingesetzt. Zwar gab es besondere „Zehnter“, aber ohne die Feldschützen kam man nicht aus. Vor allem hatten sie darauf zu achten, daß kein Hälmchen der Ernte abgefahren wurde, bevor die Zehnter in Tätigkeit getreten waren. Als um 1840 einmal drei Bauern aus dem Ort die Ernte ihres Feldes einfuhren, bevor die Zehnter den Ernteanteil der Steuer herausgestellt hatten, wurden die drei Bauern mit Geldstrafen belegt, den Feldschützen drohte man im Wiederholungsfalle unnachsichtig Gefängnis an. Auch bei der Weinlese wurden die Schützen benötigt und verdienten sich einiges Geld für das Tragen der Bütten.

Die Feldschützen trugen Dienstmützen, später bekamen sie glänzende Messing­schilder, die, mit ihrem Namen versehen, an ihre Dienstjacken genäht wurden. Sie hatten Hunde und führten auch Waffen mit sich, meistens wohl Terzerole, die häufig von der Gemeinde beschafft wurden und vergleichsweise billig waren. Man konnte wohl niemand ernstlich damit schaden. Zur Brutzeit der Raben, zur Ernte­zeit und im Herbst bei der Weinlese hatten sie auch Gewehre, aus denen unglaub­liche Mengen Pulver verknallt wurden, um die Vögel zu stören. Erst nach 1820 bekamen sie außer Pulver auch Blei und konnten scharf schießen.

Es waren gefürchtete Herren, die Feldschützen. Gerade in den Notzeiten, wenn etwa wie im Siebenjährigen Krieg durch die dauernden Einquar­tierungen und Besatzungen von Freund und Feind keine Nahrung für die Menschen und kein Futter für das Vieh und erst recht kein Geld vorhanden war, versuchten die Leute ihre große Not durch Feld- und Walddiebstähle zu lindern. Im Jahre 1760, also mitten im Krieg wurden allein an Feld- und Waldbußen 68 Gulden verhängt und auch bezahlt. Das war eine Summe, die dem Arbeitslohn eines Tagelöhners für 680 Tage entsprach.

Im Jahre 1795 war ein so kalter Winter, daß die Weinstöcke sämtlich erfroren und eine Getreidemißernte eintrat. Die Bauern konnten nicht einmal das Stroh für die ein­quartierten Franzosen aufbringen. Wieder stiegen die Strafen steil an.

Die Schützen versahen auch im Winter ihren Dienst. Besonders fette Beute brachten sie ein, wenn auswärtige Fuhrleute dabei ertappt wurden, daß sie über Bischofs­heimer Acker oder Wiesen fuhren oder bei nassem Wetter Bischofsheimer Feldwege benutzten. Sonderbarerweise gab es auch Jahre, in denen nicht ein einziger Kreuzer an Strafen einging.

Die Feldschützen erhielten um das Jahr 1825 nur einen Jahreslohn von 4 bis 10 Gulden von der Gemeinde. Der größere Teil ihrer Besoldung wurde auf die Grund­stücksbesitzer umgelegt. Im Jahre 1829 forderten die Schützen ganz unverfroren ihren Lohn für das Büttentragen bei der Weinlese, doch der Zentgraf strich die Forderung mit dem Vermerk: Ist keine Lese gewesen.

Im Jahre 1840 bekommen die Schützen den Titel „Feldpolizei“. Seit 1864 wurden die Feldschützen den bisher besser bezahlten Waldschützen gleichgestellt und erhielten 80 Gulden Jahreslohn. Dieser Betrag wurde 1875 auf 180,- Mark für jeden der beiden Schützen erhöht, 1900 bekam jeder 375,- Mark, 1912 schon 1.250,- Mark.

Als 1920 in den Inflationsjahren die Feld- und Obstdiebstähle sich zu häufen be­gannen, wurde ein Jagdgewehr mit Patronen für den Feldschützen gekauft. Mit Genehmigung des Landratsamtes versah er jetzt also bewaffnet seinen Dienst, doch ist anzunehmen, daß die Waffe wohl nur demonstrativ wirken und nicht zum Schießen auf Menschen eingesetzt werden sollte. Außerdem wurden sechs Ehrenfeldhüter eingesetzt, um möglichst viele Gebiete der Feldmark überwachen zu können.

In den bitteren Notjahren von bis 1948 zog ein endloser Strom von hungern­den Menschen aus den zerbombten Städten und Quartieren der Heimatvertriebe­nen auf das flache Land, um etwas Korn, Obst oder ein paar Pfund Kartoffeln legal oder illegal zu erwerben. Auch zu dieser Zeit waren die Bauern gezwungen, während der Reife und Ernte in ganzen Trupps bis in den späten Abend die Felder zu durchstreifen. Als 1969 der Feldhüter Fritz in Pension ging, fand sich kein geeigneter Nachfolger, und so ging mit ihm ein jahrhundertealtes ehrenvolles Amt in der Gemeinde vorerst zu Ende.

 

Der Gemeindewald

Der Bischofsheimer Wald hat im Leben der Gemeinde stets eine bedeutende Rolle gespielt. Der Wald ist sicher einmal Bestandteil des Reichsbannes Dreieich gewe­sen, da Bischofsheim ein Waldhubendorf war. Eine der 36 Förstereistellen rund um den Wildbann Dreieich befand sich hier. In dem Weisthum über Bischofsheim aus dem Jahr 1303 wird ausdrücklich noch einmal bestätigt, daß der Wald und das Wasser Eigentum des Königs sei und daß nur ihm und niemand anderem Zahlun­gen dafür zu leisten seien.

Die Gemeinde konnte das benötigte Bau- und Brennholz aus dem Wald erwerben, durfte im Wald das Vieh hüten lassen und die Schweine zur Herbstzeit „zur Mastung“ in den Eichen- und Buchenwald treiben. Die Jagd durfte nur der Fürst ausüben, auf Jagd- und Holzfrevel standen sehr schwere Strafen, besonders das Abschälen der Eichenrinde zu Gerberzwecken war strengstens untersagt.

 

Auf welche Weise der Wald in den Besitz der angrenzenden Gemeinden Bischofsheim, Bergen und Fechenheim gekommen ist, kann nicht nachgewiesen werden. Im Jahre 1758 hatte Bischofsheim jedenfalls seine heutige Waldfläche. Diese muß nach dem Dreißigjährigen Krieg völlig verwüstet gewesen sein. Die immer wieder durch das Land ziehenden Truppen, die umherstreifenden Horden der Marodeure und verwilderten heimatlosen Bauern hatten ihn in unzähligen Wachfeuern verbrannt, und nach Beendigung des Krieges sind wohl die Restbestände als Bau- und Brennholz verwendet worden. Noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts berichtet der Bischofsheimer Pfarrer, daß im ganzen Wald nur noch 15 hohe Bäume ständen und daß er an Stelle seines Deputatholzes nur jedes dritte Jahr ein Bündel Reiser bekäme, die nicht dicker als ein Finger sind.

In den Einnahmebüchern der Gemeinde ist stets verzeichnet: „Einnahme aus dem Walde: Nichts“. Ebenfalls steht unter dem Titel: Einnahme aus der Schweinemast jahrzehntelang der Eintrag: „Nichts“, zumal die Ge­meinde noch keinen tragbaren Wald, sondern lauter jungen Anwachs hat Für die Not der Zeit ist bezeichnend, daß auch diese jungen Bäumchen gestohlen wurden, wo es nur ging. Im Jahre 1760 wurden allein für 39 Gulden Forststrafen verhängt.

Holz war eine Kostbarkeit, auch das kleinste Stückchen, jeder Span fand seinen Abnehmer. Das wenige Holz, das bei der Durchforstung der jungen Bestände anfiel, wurde gleichmäßig an die Einwohner verteilt, jeder mußte 15 Albus dafür bezahlen, jede Witwe 7 Albus 4 Heller. Bei Waldfrevel mußte der Wert des gestohlenen Holzes ersetzt werden, zusätzlich war ein Mehrfaches des Holzwertes an Strafe zu entrichten.

 

Die Gemeinde war sich des Wertes und der Bedeutung des Waldes wohl bewußt und kaufte seit 1761 wieder und immer wieder große Mengen von Eicheln und Bucheckern als Saatgut an, um die Kahlschläge aufzuforsten. Später wurden auch Kiefern-, Tannen-, Erlen- und Hainbuchenpflanzen gekauft und trotz bitterster Armut immer wieder neue Kulturen angelegt. Wenn man dieses Saatgut und diese Pflanzenmengen zusammenrechnet, könnte man meinen, die ganze Feldmark sei Wald geworden.

Ein Kahlschlag wurde sofort von seinen Baumstümpfen befreit. Daß diese für teures Geld an die Einwohner verkauft wurden und reißenden Absatz fanden, ver­steht sich von selbst, und es blieb wohl nicht ein Würzelchen zurück. Das gerodete Waldstück wurde nun öffentlich meist­bietend versteigert, um es vorerst landwirt­schaftlich zu nutzen. Der Pächter war gehalten, zwei Jahre lang Hackfrüchte an­zubauen, etwa Dickwurz oder Kartoffeln. Im dritten Jahr mußte Getreide gesät werden, dann wurde die Baumsaat in die Erde gebracht, das ganze Waldstück mit Strohseilen symbolisch als „Betreten verboten“ abgesichert, und der Pächter mußte sich verpflichten, das Getreide bei der Ernte so hoch abzumähen, daß kein Baumsprößling beschädigt werden konnte.

Im Jahre 1757 war das Waldgebiet der Gemeinde 382 Morgen, 3 Vierthel und 3 Ruthen groß. Im Jahre 1775 wurden wieder erhebliche Mengen von Eicheln und Buch­eckern gekauft, der Eichelacker konnte mit Korn besät werden und erbrachte eine Pachtsumme von 29 Gulden  2 Albus 4 Heller, der Bucheckernacker 20 Gulden 20 Albus. Das waren auf jeden Fall sehr hohe Pachtbeträge, zumal es sich ja nicht um ein in guter Bodenkultur stehendes Ackerland, sondern um rohen Waldboden handelte.

Sonst gab es keine Einkünfte aus dem Wald, nur gelegentlich gingen kleinere Summen aus dem Verkauf von Tannen- und Eichenreisig ein. Es ist schwer zu erklären, woher zu diesen Zeiten die Einwohner ihr Bau- und Brennholz erhielten. Sie haben es wahrscheinlich in Hanau gekauft oder Spessartholz von den Flößern auf dem Main erworben. Die angebrannten und halbverkohlten Holzreste aus dem am 6. Januar 1776 abgebrannten Schulhaus wurden öffentlich versteigert und erbrach­ten 37 Gulden 13 Albus.

 

Im Jahre 1779 wurden auf einem Kahlschlag wieder Eicheln und Bucheckern gesät. Die Gemeinde nutzte diesen Acker selbst als Getreidefeld und erzielte bei der Ver­steigerung vor der Ernte eine Einnahme von 62 Gulden 5 Albus. Das war eine gute Spritze für die Gemeindekasse.

Nutzholz gab es immer noch nicht, das Bauholz für die neue Schule und die Schul­scheune kam aus dem Spessart, es wurde bis Rumpenheim oder bis zum Hollerborn an der Mainkur geflößt und von dort nach Bischofsheim gefahren. Auf diesem Wege gelangte auch viel Brennholz, das von den Mainschiffern erworben wurde, in den Ort.

 

Im Jahre 1798 wurde der Wald hinter dem Haingraben gefällt und gerodet. Er lag zwischen der Niedergasse und der Waldstraße. Es wurde für viel Geld Werkholz verkauft; allein für das Roden der Stümpfe bezahlte man 46 Gulden. Der Boden wurde landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt, und der Haingrabenzins wird als Einnahmequelle der Gemeinde viele Jahre hindurch in den Rechnungsbüchern der Gemeinde verzeichnet.

Im Jahre 1804 hatte es sich anscheinend einmal gelohnt, die Schweine in den herbstlichen Wald zu treiben, denn zum ersten Mal treten vier Gulden als Einnahme „Für die Gemeindemastung“ auf; 1806 erbrachte das Holz des Waldes schon 82 Gulden, die jahrelangen Kosten begannen sich zu verzinsen.

 

Immer wieder wurden erhebliche Mengen an Eicheln, Bucheckern und Tannensamen gesät, Birken- und Erlensetzlinge angepflanzt. Die Aufsicht hatte der „Jagdfourier“, der sich auch 12½ Tage lang bei der „Erschießung der Raben“ im Dorfel­der Wald betätigte, 5½ Gulden verdiente und dabei für 12 Gulden Pulver und Blei verknallte.

Die Strafen für Forstfrevel steigen ständig. Jedes Jahr treten in den Straflisten wieder dieselben Namen auf, ein Zeichen, daß sich der Diebstahl trotz aller Strafen wohl doch gelohnt hat.

Im Jahre 1814 war die Not der Bevölkerung so groß, daß man im Wald Wachen auf­stellte, um Holzdiebstähle zu verhindern. Diese Wachen mußten ihren Dienst unentgeltlich versehen. Um den Wachdienst etwas erträglicher zu gestalten, be­willigte die Gemeinde den Wächtern 14 Maß Branntwein (rund 21 Liter) für 9 Gulden 10 Albus.

 

Im Jahre 1816 wurden 25 Morgen abgetriebener Wald auf zwei Jahre an Ackersleute verpachtet. Die Pacht betrug 154 Gulden Es muß eine gewaltige Menge Holz geschlagen worden sein, da aber keinerlei Einnahmen aus dem Wald verzeichnet wurden, muß das Holz wohl unentgeltlich an die Gemeindemitglieder abgegeben worden sein.

Der erste größere Holzverkauf aus dem Wald erfolgte im Jahre 1829. Bischofsheim quoll von Besuchern über, denn 250 Käufer versammelten sich im Ort. Sie kamen aus Bischofsheim, Massenheim, Vilbel, Dortelweil, Eschersheim und Groß­karben. Die Versteigerungsprotokolle sind noch vorhanden. Der Gesamterlös betrug 1.320 Gulden 20 Albus.

Trotz des reichen Holzanfalles wurde jede andere Möglichkeit ausgenutzt, Holz zu bekommen. Altes dürres Holz von ausgesägten oder dürren Obstbäumen, Spä­ne, die beim Brückenbau zurückblieben, alte hölzerne Fensterrahmen und Türen von der Reparatur des Pfarrhauses, umgestürzte Pappeln und Platanen: alles fand Käufer, die oft erstaunlich hohe Preise dafür bezahlten. In den Straflisten traten häufiger Holzdiebe auf, die ihre Strafe nicht bezahlen konnten oder wollten. Sie wurden daher „körperlich bestraft“, was wohl be­deutete, daß sie ins Gefängnis mußten.

Ab 1831 verpachtete die Gemeinde die Kahlschläge nicht mehr, sondern ließ sie durch Ackersleute bestellen und verpachtete die Ernte auf dem Halm. Die bei der öffentlichen Versteigerung erzielten Preise waren oft sehr hoch. Im dritten Jahr wurden stets wieder Waldkulturen angelegt.

Bei der Versteigerung wurde allen Interessenten bekanntgegeben, daß sie vor der Abfuhr des Holzes den Gesamtbetrag bei der Gemeinde zu zahlen hätten, zusätz­lich zwölf Kreuzer für eine Klafter Holz, vier Kreuzer für einen Raufen Wellen und sechs Kreuzer Aufsichts- und Anweisgeld. Diese Bedingungen wurden häufig nicht eingehalten, und viele Käufer mußten lange wegen der Begleichung ihrer Schuld gemahnt wer­den. Häufig zahlten sie erst nach Verurteilung durch die Gerichte, dann kamen allerdings noch die Gerichtskosten und fünf Prozent Zinsen dazu.

 

Ein großer Holzeinschlag erfolgte wieder im Jahre 1834. Ein Feldschütz und ein Bürger übernahmen die Bewachung des geschlagenen Holzes im Wald. Die Ge­meinde bewilligte ihnen für jede Nacht ein halbes Maß Branntwein, den sie sich auch getreulich bei dem Wirt Keller abholten. Schließlich war der Betrag bei dem Wirt auf 26 Gulden 6 Albus angelaufen, und da niemand zahlte, verklagte der Wirt die beiden trinkfreudigen Wächter. Diese gingen zum Kreisamt nach Hanau und beschwerten sich über die Gemeinde, worauf die Gemeinde angewiesen wurde, die Forderung zu begleichen. Für die beiden Wächter war die Angelegenheit damit allerdings noch nicht bereinigt, denn sie forderten für 132 Nächte Wachdienst pro Nacht 16 Kreuzer, was abermals eine Summe von 35 Gulden 12 Albus ausmachte. Auch diesen Betrag mußte die Gemeinde zahlen, sie hat aber dann später keine Wächter mehr für Schnapslohn eingesetzt.

Die Finanzlage der Gemeinde war um 1840 so gut, daß das auf Kosten der Ge­meinde eingeschlagene Holz kostenlos an die Bürger verteilt wurde. Der Förster Zilcher aus Bergen führte eine genaue Liste über Art und Menge des an die Ge­meinde gelieferten Brennholzes. Das Nutzholz wurde allerdings verkauft. Die Anpflanzungen gingen regelmäßig weiter, der Tagelohn einer Pflanzerin betrug 24 Kreuzer, dafür konnte man sich etwas mehr als ein Brot kaufen.

Im Jahre 1846 sind die schönen Jahre des Freiholzes wieder vorbei, man muß wieder zahlen. Die Revolution von 1848 ging am Wald nicht spurlos vorüber. In jenen Tagen, als alles drunter und drüber ging, zog man froh und unbeküm­mert in den Wald und schlug nieder, was man brauchen konnte. Ob es nur Bischofsheimer waren oder diese mit Personen aus anderen Nachbarorten zusam­menarbeiteten, ist nicht vermerkt. Aber besonnene Bürger konnten doch Ordnung schaffen und die Waldfrevler vertreiben. Die Gemeinde hatte 25 Tage im Wald zu tun, um die gefällten Eichenbäume ordnungsgemäß bebauen zu lassen.

 

Im Jahre 1853 wurde nach öffentlicher Bekanntmachung in drei Tageszeitungen die Gemeindejagd meistbietend versteigert. Der geheime Finanzrat Deiner aus Frankfurt bekam sie für 181 Gulden.

 

Der Tageslohn eines Waldarbeiters im Jahre 1855 betrug 30 Kreuzer, 1866 betrug der Lohn schon 40 Kreuzer und stieg 1868 sogar auf einen Gulden. Die Einnahmen der Gemeinde aus dem Wald stiegen im Jahr 1868 auf insgesamt 1.460 Gulden.

Nun konnte man im folgenden Jahr das Brennholz wieder unentgeltlich verteilen und die Besoldung des Waldschützen von 50 auf 70 Gulden erhöhen. Im Jahre 1872 verkaufte die Gemeinde erstmals Tannen- und Eichenpflanzen aus ihrem Forstgarten. Auch die Bischofsheimer Bauern erwarben, soweit sie Waldbesitzer waren, hier ihr Pflanzgut.

Nach dem Krieg 1870/71 wird alles wesentlich teurer. Der Ertrag des Waldes stieg 1875 auf 4.439,80 Mark, die Jagd erbrachte 857,- Mark, 1876 warf der Wald sogar 6.653,30 Mark ab. Der Preis für einen Kubikmeter Buchen­scheitholz stieg auf 12,- Mark. Die Gemeinde verkaufte 260 Zentner Eichenlohrinde à 6,- Mark, im folgenden Jahr sogar 450 Zentner an die Gerbereien.

Ab 1881 setzte der Verkauf von Christbäumen ein, das Stück für 15 bis 30 Pfennig, nur der Pfarrer und die Vereine kaufen sich große Bäume zu 2,- Mark. In diesem Jahr wurde erstmals der Waldsee zur Eisgewinnung verpachtet. Der Pächter zahlte für die damals noch beachtliche Eisfläche 16,20 Mark, während der Gänssee nur 3,40 Mark brachte. Auch die Wiese um den Waldsee wurde verpachtet.

Ein Kubikmeter Eichenscheitholz kostete in diesem Jahr 8,- bis 9,- Mark, ein Erdstock 2,- bis 3,- Mark. Im Jahre 1885 wurden zum erstenmal im Wald Eicheln als Saatgut gesammelt. In schlech­ten Heujahren wurde Laub aus dem Wald als Viehfutter verkauft. Noch 1890 wurden Kahlschläge drei Jahrelang landwirtschaftlich genutzt.

 

In diesem Jahr wurde die Jagd wieder neu verpachtet. Die Pacht stieg auf die sehr hohe Summe von 2.600,- Mark. Der Pächter war selbstverständlich ein Frank­furter. Die Insertionsgebühren für die Jagdverpachtung betrugen 38,70 Mark, inseriert wurde im Frankfurter Journal, im Frankfurter Generalanzeiger, in der Frankfurter Kleinen Presse, im Hanauer Anzeiger und in der Offenbacher Presse.

Im Jahre 1891 wurde erstmals Maschendraht zur Einfriedung der Waldkulturen gekauft. Die alten Strohseile hatten wohl auch wenig abgehalten. Die Kosten für diesen Draht bürdete man dem Jagdpächter auf, der auch die die Jagdverpachtung betreffenden Inserate in den Tageszeitungen bezahlen mußte.

 

Während man im Vorjahr Saateicheln verkaufte, bezog man jetzt vier Zentner aus Alzenau zum Preis von 62,- Mark. Von 1893 an verkaufte die Gemeinde in erheblichem Umfang Baumstützen aus dem Wald, ein Zeichen, daß der Weinbau zum Erliegen gekommen war und in den Wingerten Obstbäume standen. Aus dem Verkauf von Laub- und Streuzeug der gar nicht wenig Geld einbrachte, kann man auf schlechte Erntejahre in der Landwirtschaft schließen.

Im Jahr 1894 muß ein großes Eicheljahr gewesen sein. Obwohl es für einen Liter Eicheln nur vier Pfennige gab, verdienten sich 26 Personen durch das Einsammeln der Früchte 146,88 Mark.

Der bäuerliche Wald lag am Alleeweg in der verlängerten Jahnstraße. Dieser Wald wurde bei der Verkoppelung an die Gemeinde abgegeben. Natürlich machten die Besitzer erst einmal reinen Tisch. Die Gemeinde ließ alles wieder neu anpflanzen. Im Jahre 1897 begann die Serie der Waldfeste, es ist das Verdienst der „Liederlust“, das erste Fest dieser Art gefeiert zu haben.

Der Tageslohn eines Waldarbeiters ist auf 2,30 Mark gestiegen, es wird auch schon im Akkord gearbeitet, für ein Kubikmeter Scheitholz, Brechholz und Erdstücke werden zwei Mark, für eine Welle Holz sechs Pfennige gezahlt.

Nun schaltete sich bei der Verwaltung des Waldes der Staat ein. Der königliche Forstmeister Mühlhausen auf Forsthaus Neuhof bei Hanau arbeitete für 75,- Mark einen neuen Betriebs­plan für den Wald aus. Im Jahre 1900 erschien im „Generalanzeiger“ eine Bekanntmachung, daß 2.900 Kubikmeter gutes Bauholz am Leuchtholz in Bischofsheim versteigert werden sollen.

Im Jahre 1902 wurden im Bischofsheimer Wald zwei eiserne Bänke aufgestellt zum Aus­ruhen für Kranke; die erste Andeutung, daß man auch die soziale Bedeutung des Waldes erkannt hat. Der Jagdpächter protestierte heftig, aber erfolglos. Im folgen­den Jahr wurden allein 2.250,91 Mark für neue Kulturen ausgegeben. Mit dem beginnenden Wachstum der Gemeinde setzte auch die Zurückdrängung des Waldes ein; an der Leuchte wurden Kahlschläge urbar gemacht und nicht mehr bepflanzt.

 

Im Jahre 1908 stieg die Jagdpacht auf 3.000,- Mark an, dazu kamen die üblichen Nebengebühren. Allein für die Drahtzäune im Wald wurde der Jagdpächter im Schnitt mit 300,- Mark belastet. Eigenartig ist, daß bei dieser Verpachtung zwei Pächter auftraten, Dr. Hoffmann (Mainkur), pachtete die Gemeindejagd, Karl Rother (Frankfurt) die Genossenschaftsjagd. Der Förster Günther aus Enkheim, war anscheinend seines Amtes enthoben wor­den.

 

Am 20. Juli 1909 erteilte der Bürgermeister Heck die Anweisung, daß der Witwe des Försters Günther noch 2½ Monatsgehälter auszuzahlen seien. Es liegt jedoch ein Brief des Försters Günther vom 29. Juli 1909 aus dem Gefängnis vor, in dem er die Erlaubnis gibt, das ihm noch zustehende Gehalt an seine Frau auszuzahlen.

Nach den beiden Weltkriegen erwies sich der Wald als eine schier unerschöpfliche Quelle an Wohltaten. Die Gemeinde ließ abschlagen, was forstwirtschaftlich gerade noch zu verantworten war, und kein Würzelchen und kein Zweiglein blieben lie­gen. Nach jedem Sturm wurde das dürre Holz von fleißigen Händen aufgelesen. Kein Pilz blieb stehen, keine Himbeere hängen, Laub und Moos wurden in die Ställe gebracht. Die Erlöse aus dem Wald gehörten zu den besten Einnahmequellen der Ge­meinde.

Gemeinsam mit der Stadt Bergen-Enkheim und der Gemeinde Bischofsheim hat die Stadt Frankfurt am Main Lobenswertes getan, um der Bevölkerung der umliegen­den Orte diesen schönen Wald durch Aufstellen von Ruhebänken und Errichtung von Wanderwegen und Schutzbütten zu erschließen. In der Vilbeler Landstraße wurde durch die benachbarte Großstadt ein weites Gelände zu einem Spielplatz mit sehr vielen Möglichkeiten zur körperlichen Be­tätigung umgestaltet, der auch von Bischofsheimer und Bergen-Enkheimer Bürgern viel aufgesucht wird.

Wohl das schönste Geschenk gab Bischofsheim seinen Bürgern durch die Anlage des Waldsees mit dem Kinderspielplatz. Im Jahre 1972 wurde der Bevölkerung eine aus 20 Stationen bestehende Trimm-Dich-Anlage im Wald zur Verfügung ge­stellt, die eifrig von jung und alt benutzt wird. Die Pläne für den 1974 zu errichtenden zwischen dem Waldsee und dem Ort liegenden Waldspielplatz sind fertig. Er dürfte mit seinen 32.500 Quadratmeter ein Ausmaß besitzen, der nicht nur den Kindern, sondern auch den Erwachsenen ausreichend Gelegenheit zur Erholung und Entspannung bieten wird. So hat sich der Charakter des Waldes völlig geändert; als Wirtschaftsfaktor hat er weitgehend seine Bedeutung verloren, er ist ein Waldpark geworden, der bei einer ständig wachsenden Zahl von Besuchern als Naherholungsgebiet bezeichnet werden muß.

 

Die Nachtwacht

Das Dorf war zwar leidlich durch Gräben, Hecken und verschlossene Tore geschützt, aber für routinierte Ganoven dürfte es nicht allzu schwer gewesen sein, die primitiven Absperrungen zu überwinden. Die Wächter auf den nächtlichen Straßen stellten doch wohl einen guten Schutz dar, denn es wird eigentlich nur einmal von einem Einbruch im Pfarrhaus berichtet, und als die Nachtwächter im Jahre 1771 einmal einen fremden „Nachtdieb“ fingen, wurden sie sehr gelobt und erhielten vom Amt in Bergen eine für die damalige Zeit erstaunlich hohe Be­lohnung.

Während draußen auf den Straßen oft Raub und Mord zu verzeichnen waren, Streifen zu Fuß und zu Pferde für die Sicherheit der wenigen Reisenden zu sorgen versuchten, versahen die braven Bischofsheimer Nachtwächter treu und gewissen­haft ihren Dienst, um Scheunen, Ställe und Vieh, die niedrigen Fachwerkhäuser und die ruhig darin schlafenden Nachbarn vor aller Unbill zu schützen. „Bewaff­net" waren die Wächter mit Spieß, Laterne und Horn. Im Winter mußten sie von 8 Uhr abends bis 4 Uhr morgens stündlich „die Uhr blasen“, im Sommer von 9 Uhr bis 3 Uhr.

Bei drei Gulden Strafe waren sie gehalten, unbedingt bis an das letzte Haus der Straße zu gehen und dort zu blasen. Anfang und Ende des Weges müssen unberechenbar und jedesmal anders sein. Nachtwächter und Beiwächter müssen verschiedene Straßen gehen. Auch die Hirten konnten zum Nachtwächter­dienst herangezogen werden, wenn sie maulen, so soll ihnen ein Gulden vom Lohn abgezogen werden. Vor, während und 14 Tage nach der Frankfurter Messe mußte ein zweiter Nachtwächter mitgehen.

Besondere Anordnungen galten zur Abwendung von Einbrüchen. Da mußte durch Dauerton Diebesalarm geläutet werden, während Feueralarm durch Läuten in Abständen kundgetan wurde. Alle Männer mußten nun aus dem Bett springen und den Nachtwächtern zu Hilfe eilen. Wurde in einem Nachbarort Diebesalarm ge­läutet, so mußten sofort alle Pforten und Tore besetzt werden und die übrige Mannschaft hatte sich auf den Weg zu dem betreffenden Ort zu begeben, um die Diebe zu fangen. Läuten durfte man in diesem Fall aber nur in dem überfallenen Dorf.

 

In unruhigen Zeiten wurden die Wachen verstärkt, manchmal waren es acht Wächter. Zu diesen Sonderwachen waren alle männlichen Bewohner verpflichtet, auch Frauen sind manchmal mitgegangen. Nur die Juden waren von dieser Pflicht befreit, sie hatten dafür aber ein besonderes Hut- und Wachgeld zu bezahlen. Im Bedarfsfall griff man stets zuerst auf die Hir­ten zurück, sie mußten immer wieder einspringen und außerhalb des Dorfes Wache gehen. Die Rinder- und Schweinehirten schrieben an das Amt, daß dies eine große Belastung für sie sei, auch zer­rissen sie sich an den Dornen der Bischofsheimer Hecke ihre Kleider. Man möch­te ihnen doch wenigstens einen Malter Korn als Zulage geben.

Doch das Amt ant­wortete ihnen, daß keine Zulage bewilligt werde, und daß sie sich von der Ge­meinde ein Paar Schuhe kaufen lassen sollten. Besonders schwer hatten es die Nachtwächter, wenn wieder einmal Kriegsvolk im Ort war. Einsichtige Komman­deure stellten ihnen dann Husaren zur Verfügung, die sie auf den Wachgängen begleiteten. Das war also so eine Art Militärpolizei.

 

In Bischofsheim wurden noch zusätzlich die „Schleichwächter“ eingesetzt (dieser Begriff ist andernorts weithin unbekannt). Die Schleichwächter waren Nachbarn, die noch 1848 vom Gemeinderat eingeteilt wurden. Sie hatten eine halbe Stunde zu „schleichen“, dann durften sie auf das Rathaus gehen und den nächsten „Schlei­cher" fortschicken. Traf ein Wächter vor Ablauf einer halben Stunde ein, so hatte er auch die Wache der nächsten halben Stunde zu übernehmen. Trat er seinen Dienst gar nicht an, wurde er mit 15 Silbergroschen bestraft, in jedem Wieder­holungsfall wurde die Strafe verdoppelt.

Im Jahre 1772 fertigte der Bischofsheimer Schmied Köhler zwei neue Dorfspieße für die Nachtwächter an. Von 1829 bis 1880 war Johannes Wörner von der Gemeinde als Nachtwächter angestellt. Anfangs bekam er ein Jahresgehalt von elf Gulden. Im Jahre 1873 erhiel­ten die acht Nachtwächter insgesamt 255 Gulden oder 200 Taler.

Mit der Einführung eines besoldeten Wächters entfiel die Verpflichtung der Bürger, Nachtwache zu gehen. Die Kosten für die Wächter wurden durch Umlage von allen Steuerpflichtigen aufgebracht. Noch 1886 wurde der Schleichwachdienst durch drei Bürger versehen, 1888 sogar durch fünf Personen, die entlohnt wurden. Das Heizmaterial für das Wachhaus - früher Torf, ab 1889 Steinkohlen - wurde von der Gemeinde geliefert.

Die Besoldung der Nachtwächter war recht kümmerlich, sie wurde auch kaum er­höht, während Feld- und Waldschützen sowie der verhältnismäßig hochdotierte Gemeindediener von Zeit zu Zeit höhere Bezüge erhielten. Man mutete den Wäch­tern zu, nebenbei das ebenfalls gering besoldete Amt des Hirten zu versehen. Wann sollten die Leute eigentlich schlafen?

Das Wachhaus der Gemeinde lag in der Niedergasse. Es wurde im Jahre 1872 durch Brand beschädigt und dann abgerissen. In diesem Haus versammelten sich auch die Feldstreifen, die in unruhigen Zeiten oder Notzeiten aus den Reihen der Landwirte gestellt wurden und in Gruppen durch die Felder streiften, um Wein und Obst, Getreide und Hackfrüchte vor Diebstählen zu schützen. Diese frei­willigen Feldstreifen gab es auch in den Notzeiten nach den beiden Weltkriegen.

Das Amt der Nachtwächter ging hier am Ort sang- und klanglos zu Ende. Der letzte Nachtwächter war ein freundlicher alter Herr mit Namen Emil Seibt, der für ein geringes Entgelt nachts durch die Straßen ging ohne Spieß, ohne Laterne, ohne Horn; er konnte aber durch sein gütiges Wesen auch die ärgsten Krakeeler zur Ruhe bringen. Als er seines vorgerückten Alters wegen im Jahre 1960 seinen Dienst nicht mehr ausüben konnte, stellte die Gemeinde keinen Nachfolger mehr ein.

 

Polizei und Polizeistrafen

Innerhalb des Ortsbereiches kamen infolge der strengen Überwachung der Tore und Pforten und der zahlreichen Nachtwachen kaum grobe Gesetzesübertretungen vor, innerhalb der Feldmark sorgten pflichtbewußte Feldschützen für die nötige Ordnung. Es war aber sicher keine ruhige Zeit, denn außerhalb der schützenden Mauern und Wälle lief viel Gesindel herum. Wer eine Reise zu machen hatte, be­sorgte sein Haus, als ob mit der Rückkehr nicht unbedingt zu rechnen sei.

Immer wieder wurden Reisende überfallen, beraubt, geschlagen oder getötet. Dann haste­ten Eilboten oder Reiter in alle Gemeinden des Amtes, dann mußte die „Mannschaft“ die Felder durchkämmen, um die Räuber aufzuspüren. Nun mußte die Ge­meinde den Reisenden und den Warentransporten auf dem Wege durch die Ge­markung das so ungern gestellte Geleit geben. Besonders häufig waren Pferde- und Viehdiebstähle. Wurden Räuber in der Gemarkung festgestellt, so ritt auch der „Landbereuther“ mit zwei Gerichtsschöffen die Felder ab, aber dafür mußte die Gemeinde bezahlen.

Um 1800 wurde jeder Fremde mit äußerstem Mißtrauen betrachtet. Alle Pässe, auch die durchreisender fremder Zentgrafen, mußten von dem Amtmann in Ber­gen abgestempelt werden. Fehlte dieser Vermerk, so war der Reisende als Vaga­bund anzusehen. „Sowie sich ein Zigeuner blicken läßt, so ist er zu arretieren und an das Amt zu schicken, wo er dann mit einer Tracht Schläge fortgewiesen wird. Bergen, den 30. Juli 1806“. Damit kamen die armen Kerle noch vergleichsweise gut weg, denn in Nachbarländern galten im 17. und 18. Jahrhundert noch viel schlimmere Bestimmungen. Die Zigeuner waren teilweise vogelfrei, jeder konnte sie umbringen.

Im ganzen Amt Bergen waren in der Neujahrsnacht 1805/06 nur zwei Schüsse gefallen. Wegen dieses ruhestörenden Lärmes sollte die Gemeinde 100 Gulden Buße bezahlen. Das wäre für die Gemeinde eine Katastrophe gewesen! Wie ein Mann bezeugte die gesamte Bevölkerung, daß es Fremde gewesen seien, die geschossen hätten. Das Amt schluckte diese Antwort und nahm die Strafe zurück.

Ab 1800 gibt es neben den Strafen für Wald- und Feldvergehen auch Polizeistrafen, die die Gemeindekasse bereichern. Die kleineren Strafen entsprachen Werten zwischen 50 Pfennigen und 1,- Mark, doch auch Beträge im Werte von 5,- Mark wurden verhängt. Die alte Tradition der Feldschützen wird übernommen: Auswärtige müssen stets höhere Beträge zahlen.

Ein Bürger aus Niederissigheim mußte sogar zweimal 5,- Mark berappen, auch den Steueraufseher aus Bergen erleichterte man um diese Summe. Hoch waren auch die Strafen für Winzer, die ihre Gräben und Wege nicht in Ordnung hielten.

Im Jahre 1879 wird die Gemeinde um eine glänzende Erscheinung reicher: Der Ortsdiener bekommt für 86,50 M von Eduard Sachs, Hoflieferant Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Karl von Preußen, eine Uniform, bestehend aus Hose, Koppel, Säbel und Halsbinde, dazu den Waffenrock und den Helm. Nun war der Ortsdiener eine Autorität, und die Spitzbuben regten sich nicht mehr in Bischofsheim. Der Gemeindediener hieß Peter Greh; sein Vorgänger, der alte Peter Wörner, hatte über 50 Jahre der Gemeinde treu gedient. Er bekam eine Rente von 50,- Mark jährlich, für jedes Dienst-Jahr also 1,- Mark.

Im Jahre 1894 wurden an 65 Personen insgesamt 188,- Mark Strafe verhängt. Ein gewisser Johannes Geiß muß ein besonders hartnäckiger Sünder gewesen sein, denn er mußte 5,- Mark, 10,- Mark, 15,- Mark und 60,- Mark bezahlen.

Die Kosten des Gefängnisaufenthaltes eines Verurteilten gingen zu Lasten der Gemeinde. Für einen Maurer, der 1905 in Bergen einen Tag Haft verbüßte, mußte die Gemeinde folgende Zahlungen leisten:

12/3 Portionen Verpflegung   =          35 Pfennige

Reinigung des Gefangenen   =          3 Pfennige

für Benutzung der Zelle        =          10 Pfennige

48 Pfennige

Frankfurt war etwas teurer, denn für eine zu einem Tag Gefängnis verurteilte Bischofsheimer Frau mußte die Gemeinde 75 Pfennig bezahlen. Ein anderes Mal wurde ein Tagelöhner aus Steinau hier aufgegriffen und nach Bergen ins Gefängnis gebracht. Er war so dreckig, daß er dort für 50 Pfennig ge­waschen werden mußte, außerdem bekam er Schuhe für 6,- Mark, ein Hemd für 2,50 Mark, Strümpfe für 50 Pfennig, dazu kamen noch die üblichen Unterbringungskosten. Sämtliche Auslagen mußten von der Gemeinde Bischofsheim bezahlt werden, da die Inhaftierung durch sie veranlaßt worden war.

Um 1900 wirkte hier der Polizeisergeant Habermann, der alten Bischofsheimern noch bekannt ist. Er wurde als Symbol des Polizeistaates herausgestellt und bekam eine Uniform für den Winter und eine für den Sommer, zwei Hosen, die Litevka, den Paletot, den Helm mit dem Karton dazu, Säbel mit Kette und Koppel. Streng achtete das Auge des Gesetzes auf alle Übertretungen. Die Polizeistrafen stiegen jährlich auf über 300,- Mark an; der Sergeant war unbestechlich, in den Straflisten stehen die Namen sämtlicher prominenten Bischofsheimer.

Berufspolizei gibt es seit 1908: Der Fußgendameriewachtmeister Gasche aus Fe­chenheim von der elften Gendarmeriebrigade tritt seinen Dienst an.

Im Jahre 1911 gab es 260 Bestrafungen, Bußen in Höhe von insgesamt 660,50 Mark wurden verhängt. Zwei Hauptmänner vom Hanauer Eisenbahnerregiment, die Ehefrau eines Hauptmannes sowie ein Professor aus Wilhelmsbad haben sich hier wohl übel aufgeführt, denn jeder von ihnen mußte 2,- Mark bezahlen. Im Jahre 1913 wurde hier der erste Autofahrer bestraft, und gleich mit 30,- Mark. Seine Anschrift ist genau vermerkt: Der Automobilbesitzer Adam Brandenstein aus Frankfurt, Battonstraße 32. Zwei Offenbacher sollten in demselben Jahr 3,- Mark bezahlen, sie gaben falsche Anschriften an, wurden aber ermittelt und mußten nun 10,- Mark entrichten.

Zwei Frankfurter Bürger wurden mit Strafen von je 10,- Mark belegt. Sie richteten ein Bittgesuch an den Kaiser, die Strafe wurde dann durch Allerhöchsten Erlaß niedergeschlagen.

Um den zunehmenden Ordnungswidrigkeiten mancher Bürger und Kraftfahrer bes­ser Einhalt gebieten zu können, stellte die Gemeinde 1974 den fachlich ausgebil­deten uniformierten, aber unbewaffneten Ordnungshüter H. Altendorf ein.

 

Die Feuerwehr

Feuersbrünste waren der Schrecken mittelalterlicher Siedlungen. Die eng ineinan­der verschachtelten Fachwerkbauten, die mit Schindeln, Rohr oder Stroh gedeckten Wirtschaftsgebäude wurden gar zu leicht ein Opfer der Flammen, zumal die Aus­rüstung der Feuerwehr überaus primitiv war. Auch Bischofsheim brannte im Jahre 1538 völlig ab und wurde an anderer Stelle wieder aufgebaut. Die Flurbezeichnung „Im alten Dorf“ erinnert noch heute an dieses Ereignis.

Die zahlreichen Nachtwächter, die jahrhundertelang die wenigen Straßen des Dorfes kontrollierten, sollten nicht nur Diebe und Räuber fernhalten, sondern auch auf ausbrechende Brände achten. Alarmgeräte waren die Glocken, die bei Feuersgefahr in Abständen geläutet werden mußten (Dauerläuten kündigte Die­besgesindel an), das Feuerhorn und der gellende Schreckensruf: „Feuriooooo“. Es versteht sich von selbst, daß in früheren Zeiten die gesamte Bevölkerung bei der Brandbekämpfung tätig Hand anlegte und auch Frauen, Mädchen und Kinder Wasser heranschleppten.

Im Inventarverzeichnis von 1757 ist das der damaligen Feuerwehr zur Verfü­gung stehende Gerät genau verzeichnet:   

     72  lederne Feuereimer

 3 hölzerne Handspritzen

 4 Feuerleitern

 2 Feuerhaken.

Aber im Jahre 1773 ging es aufwärts! Von dem Spritzenmacherkapitän Bach aus Windecken kaufte die Gemeinde eine Feuerspritze für 635 Gulden. Das Geld mußte die Gemeinde zum größten Teil borgen, auch von der Kirche erbat man einen kleinen Zuschuß und erhielt schließ­lich zehn Gulden, für die aber an Spesen und Bewilligungskosten sechs Gulden bezahlt werden mußten. Es war eine Handdruckspritze, an deren ein­zusteckenden Querhölzern auf jeder Seite neun Mann für den nötigen Druck zu sorgen hatten.

Ein Spritzenhaus wurde gebaut, vier tüchtige Männer als Feuerwehrrottmeister bestellt, die auf dem Amt in Bergen verpflichtet und vereidigt wurden. Jedes Jahr erscheint nun in den Rechnungsbüchern ein Betrag für „Grünschmeer“ zum Einfetten der Spritze, zusätzlich kauft man auch manchmal Schweineschmalz zu diesem Zweck.

Am 29. Mai 1774 war in Frankfurt eine große Feuersbrunst, auch die Bischofs­heimer Spritze rückte aus und bekam für ihren tapferen Einsatz von der Stadt 5 Gulden 25 Albus. Die Bischofsheimer Einwohner haben wahrscheinlich am 6. Januar 1776 ihre neue Spritze zum erstenmal im Einsatz gesehen, als das Schul­gehöft in der Breulgasse abbrannte.

Bei jeder Eheschließung sollte das junge Paar einen ledernen Feuereimer für die Feuerwehr an die Gemeinde abliefern. Man zahlte aber immer nur einen Gulden. Unzählige Male hat das Amt in Bergen dieses Verfahren gerügt und verlangt, daß der Eimer „in natura" gegeben werden müsse, aber in diesem Punkt verstanden die Bischofsheimer keinen Spaß und gaben immer wie­der nur einen Gulden. Nur ein einziges Mal ist in den Rechnungsbüchern ein von einem jungen Ehemann abgelieferter Ledereimer verzeichnet.

Als 1783 die Spritze bei einem Brand in Niederdorfelden eingesetzt wurde, gin­gen vier Ledereimer verloren; Niederdorfelden mußte jedes Stück mit 5 Gul­den 7 Albus 4 Heller bezahlen. Wenig später wurde sogar ein Lederei­mer für 8 Gulden gekauft. Die alte Tradition der Bischofsheimer, diese Pflicht mit einem Gulden abzutun, hatte also ihren berechtigten Grund! Und hierin waren sich Zent­graf, Bürgermeister, Schöffen und alle Einwohner einig. Die Gemeinde wird fortschrittlich: Sie kauft für die Wehr zwei Pechfackeln.

Am 24. Februar 1804 war in Bischofsheim ein größerer Brand. Die auswärtigen Feuer­wehrleute und ihre Pferde verzehrten auf Kosten unserer Gemeinde für 18 Gul­den 13 Albus Speisen und Getränke.

Am 18. Februar 1807 war wieder ein Brand. Es muß ein wahres Volksfest gewesen sein. Wachenbucher, Hochstädter, Rumpenheimer, Dörnigheimer, Fechenheimer, Ber­ger, Bornheimer, Seckbacher und Frankfurter Feuerspritzen waren eingetroffen. Die auswärtigen Pferde wurden mit Heu, Hafer und Wasser bewirtet, die Män­ner mit Speise und Trank, besonders mit Trank! Die Bewirtungskosten beliefen sich auf 47 Gulden.

Als der Amtmann Usener in Bergen diese Rechnung prüfte, fuhr er wütend mit dem Rotstift drein und strich den Betrag auf 21 Gulden zusammen. „Die Bischofs­heimer müssen zu Hause essen und trinken“. Auch die Zehrgelder der Feuerwehr­männer aus den Nachbarorten werden gestrichen: „Das sollen ihre eigenen Gemein­den bezahlen". Der Wirt See hat drei Maß Branntwein geliefert. Auch dieser Be­trag wird gestrichen: „Der Vater des Geschädigten kann aus Dankbarkeit für die seinem Sohn geleistete Hilfe den Branntwein zum besten geben“. Diese Anordnun­gen sind sicherlich nicht befolgt worden, denn in den Rechnungsbüchern sind kei­ne Rückzahlungen verzeichnet.

Es wurden 26 Mann als Brandwache zurückgelassen. Sie verbrauchten nochmals für sechs Gulden 24 Kreuzer Branntwein. Dieser Betrag wurde nicht beanstandet. Bei diesem Feuer wurden in allen Höfen Leitern in die Brunnen gestellt, damit dort Wasser geschöpft werden konnte.

Die Bischofsheimer Wehr ist recht einsatzfreudig gewesen. Im Jahre l831 zum Beispiel war sie in Bergen, Seckbach, Preungesheim, Bockenheim, Frankfurt, Niederdorfelden, Wachenbuchen und Mittelbuchen tätig.

Im Jahr 1834 bekam die Wehr zwei neue Leitern, 1837 wurde die Spritze für die hohe Summe von 204 Gulden völlig durchrepariert. Für neue Schläuche wurden außerdem 104 Gulden ausgegeben, auch ein Schutzbezug von 22 Ellen Tuch wurde beschafft.

Ab 1856 verschwindet die berühmte „grün Schmeer“, nun wird Tran zum Ein­fetten gekauft, später geht man zu Olivenöl über. Im Jahre 1860 wird die Spritze für 50 Gulden modernisiert. Eine auf den neuen Teilen vermerkte Jahreszahl hat zu der irrtümlichen Auffassung geführt, daß die Spritze aus dem Jahre 1860 stamme. Im Jahre 1864 erhielt die Wehr von der Gemeinde zwei Sättel, es wurde also bei den Einsatzfahrten wie bei der Artillerie vom Sattel aus gefahren. Die Sät­tel scheinen bald einen anderen Liebhaber gefunden zu haben, denn sie werden später niemals mehr erwähnt.

Die Gemeinde hat sich der Feuerwehr gegenüber immer sehr wohlwollend ver­halten. Auch die auswärtigen Wehren wurden bei Bränden in Bischofsheim im­mer durch die hiesige Gemeinde verpflegt, eine Gastfreundschaft, die von den anderen Gemeinden nicht in allen Fällen erwidert wurde. Als es 1865 in Fechen­heim brannte, ließen sich die Bischofsheimer Feuerwehrleute in dem Fechenhei­mer Gasthaus „Zur Krone“ verpflegen, die Rechnung aber zahlte die Gemeinde Bischofsheim.

Interessant waren die damaligen Preise: Ein Schoppen Apfelwein kostete drei Kreuzer, ein Käsebrot ebenfalls drei Kreuzer, ein Wurstbrot vier Kreuzer. Die Entlohnung für die Gestellung der Zugpferde zu den Spritzenfahrten war nicht schlecht, für ein Pferd zahlte die Gemeinde 3 Gulden 30 Kreuzer an den Besitzer.

Als am 18. November 1868 ein größerer Brand in Bischofsheim war, erhielten neun Feuerwehrleute als Dank für ihren besonderen Einsatz jeder 1 Gulden 45 Kreuzer, Ernst Firnges bekam sogar 4 Gulden 30 Kreuzer. Die ledernen Feuereimer wurden 1870 abgeschafft, die Gemeinde kaufte der Wehr 20 Blecheimer. Im Jahre 1876 wird die Spritze im alten Rathaus am Ende der Hintergasse untergebracht. Ab 1877 gibt es auch einen Kreisbrandmeister. Bischofsheim steuert zu seiner Besoldung 3,37 Mark bei.

In einem Verzeichnis von 1881 wird das Inventar der Feuerwehr aufgezählt:

 1  Spritze                               6  Steigergurte

 6  Beile                                 4  Feuerleitern

 6  leinerne Kittel                   20  blecherne Feuereimer

 6  Messinghelme

Ab 1889 werden jährlich Spritzenproben durchgeführt, an denen stets 27 Mann teilnehmen. Jeder einzelne quittiert durch eigenhändige Unterschrift den Empfang von 20 Pfennigen Entschädigung. Dieser Betrag wird später auf 50 Pfennige er­höht. Bei einer zentralen Übung an der Mainkur gibt es sogar 1,- Mark pro Mann.

Im Jahre 1890 werden fünf Spritzenmeister ernannt, jeder bekommt pro Jahr 4,- Mark. Im Jahre 1899 brannte es zweimal im Ort, aber die Brandwache wird nun nicht mehr mit Branntwein entschädigt, sondern mit jeweils 12,- Mark, die aber wahrscheinlich auch zu Branntwein geworden sind.

Im Jahre 1900 stattet man die betagte Spritze mit zwei Laternen und Kerzen aus. Zwei Jahre später wird auch für die Männer der Wehr etwas getan, sie erhalten Uniformen, dunkelblaue Röcke, Dienstmützen, Achselstücke, Winkelabzeichen und Armbinden.

Im Jahre 1905 werden 50 Meter gummierte Hanfschläuche gekauft. In Hochstadt fand eine große zentrale Übung statt. Jeder der Wehrleute, der an der Übung teilnahm, erhielt 1,50 Mark.

Die während des Ersten Weltkrieges nicht greifbaren notwendigen Ausrüstungsgegenstände wurden 1923 mit Inflationsgeld beschafft: Übungsjacken, Helme, Leibgurte, eine mechanische Leiter, Dach- und Hakenleitern, Schlauchmaterial, Standrohre und Hydrantenschlüssel.

Der damalige Bürgermeister Peter Reck rief auf Anregung des Landrates Kaiser die Bischofsheimer Männer zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr auf.

Am 12. Juni 1922 fand die Gründungsversammlung statt. Die braven Männer des Vorstandes sollten genannt werden:

Wilhelm Wörn            Schreinermeister       1. Kommandant

Anton Göring              Metzgermeister         2. Kommandant

Wilhelm Reuhl           Architekt                     1. Schriftführer

Hermann Wörner       Bauunternehmer        2. Schriftführer

Justus Reitz                 Landwirt                     1. Kassenführer

Johann Frischkorn      Hutmachermeister     2. Kassenführer

Georg Bauch              Installateurmeister    Gerätewart

Friedrich Gärtner       Landwirt                     Gerätewart

 

Aus den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr, deren Zahl bis zum Ersten Weltkrieg auf mehr als 80 anstieg, wurden folgende Abteilungen aufgestellt:

1 Spritzenabteilung

2 Steigerabteilungen

2 Schlauchlegerabteilungen

1 Sanitätsabteilung.

Im Jahre 1924 stellte die Feuerwehr sogar einen Fanfarenzug auf, der gute Lei­stungen zeigte und sich allgemeiner Beliebtheit erfreute. Die Nazis aber ließen die Fanfaren einziehen, so daß der Fanfarenzug aufgelöst war.

Im Jahre 1926 wurde auf dem alten Rathaus Untergasse/Schäfergasse die erste Feueralarm­-­  sirene angebracht, die später auch bei Luftalarm als Signalinstrument diente. Der alte Hornist Adam Frischkorn und sein noch älteres Feuerhorn konn­ten außer Dienst gestellt werden. Diese Sirene hat in langen dunklen Jahren mit ihrer schauerlichen „Musik“ den Tag- und Nacht­Rhythmus der Bevölkerung bestimmt, sie bei Voralarm unruhig gemacht, bei Vollalarm in die Keller, Bunker und Erd­höhlen getrieben und bei Entwarnung wieder in ihre Wohnungen entlassen. Die Zahl der Sirenen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf drei erweitert und 1972 kamen wegen der Ausdehnung des Ortes drei weitere hinzu; von zwölf Stellen aus kann nun durch Knopfdruck der Alarm ausgelöst werden. Die Frage der „Stillen Alarmierung“ durch Telefon oder Funksprechgeräte wird noch geprüft.

In den 13 Jahren von 1928 bis 1941 ist die Wehr nur fünfmal zur Bekämpfung von Bränden eingesetzt worden, davon einmal in Hochstadt. Die Bauten sind feuer­fester geworden.

Das gefährlichste Feuer war am 21. August 1930, durch Blitz­schlag brannten in der Hintergasse drei Scheunen ab.

Am 28. März 1929, als nach einem der strengsten und schneereichsten Winter die­ses Jahrhunderts der Schnee plötzlich schmolz und das Wasser in den gefrorenen Boden nicht eindringen konnte, stand die Borngasse unter Wasser. Die Feuer­wehr wurde zur Hilfeleistung eingesetzt, wie sie auch im Frühjahr 1947 half, als unter ähnlichen Umständen die Breulgasse unter tiefem Schlamm begraben wurde.

Im Jahre 1935 starb der Kommandant Wilhelm Wörn, sein Nachfolger wurde Wilhelm Reuhl. In der Zeit vom 3. bis 5. Juli 1937 fand ein Kreisfeuerwehrfest in Bischofsheim statt.

Im Jahre 1938 erhielt die Wehr ihre erste Motorspritze, eine DKW TS 8. Sie war auf ei­nem gummibereiften zweirädrigen Karren montiert und konnte in der Minute 800 Liter Wasser abgeben. Die gute alte Feuerspritze ging nun ins Altenteil, wurde aber hoch in Ehren gehalten.

 

Dann kam der Zweite Weltkrieg! Aus der Vereinsgeschichte der Freiwilligen Feuerwehr von Bischofsheim anläß­lich ihres 25jährigen Bestehens am 12. Juni 1947 sind folgende Angaben entnom­men: Den ersten Kriegseinsatz hatte die Wehr am 4. und 5. August 1941, als infolge Brandbombenangriffes sieben Scheunen und die in der Jahnstraße gelegene Turn­halle in Brand gerieten und den Flammen zum Opfer fielen. Nach der Verschär­fung des Luftkrieges und weiteren Einsätzen der Wehr in Steinbach/Ts., Frankfurt und Bergen-Enkheim mußte der Einsatz der Wehren auf Kreisebene organisiert werden.

Unsere Wehr gehörte zur Fernbereitschaft Hanau-Land. Um auch für den Ort ein leistungsfähiges Löschgerät zu besitzen, stellte die Gemeinde am 1. Januar 1944 ein Löschfahrzeug LF 15 mit eingebauter 1.500-Liter-Motorspritze und den dazugehöri­gen Ausrüstungsstücken zur Verfügung.

Am 4. Februar 1944 konnten sich die Einwohner des Ortes wieder von der segensreichen Tätigkeit der Wehr überzeugen. Von den durch einen Fliegerangriff ausgelösten 130 Brandstellen im Dorf wur­den unter Mitwirkung auswärtiger Wehren fast alle gelöscht, nur 32 Wirtschafts­gebäude, zwei Wohnhäuser und das Dach des Kirchturmes konnten nicht gerettet werden. Bei den Rettungsarbeiten kam der Bürger Heinrich Lambrecht ums Le­ben.

Nach weiteren zahlreichen Einsätzen in Frankfurt, Fechenheim, Hanau, Offenbach, Dörnigheim, Wachenbuchen und Mittelbuchen kam am 19. März 1945 bei einem ebenso furchtbaren wie sinnlosen Bombenangriff auf Hanau der letzte Kriegseinsatz der Bischofsheimer Wehr. Nach den vorliegenden Aufzeichnungen der Feuerwehr hat diese in 22 Kriegseinsätzen von insgesamt 5.060 Stunden Dauer helfend eingegriffen, dabei oft unter großer Lebensgefahr.

 

Im Jahre 1946 stellte der Kommandant Wilhelm Reuhl sein Amt zur Verfügung. Sein Nachfolger wurde der Elektromeister Hermann Büchner, der die Wehr bis 1953 führte und dann sein Amt an den Hutmachermeister Johannes Frischkorn über­gab. Im Jahre 1964 wurde der jetzige Kommandant Wilhelm Schneider dessen Nachfolger. Unter seiner Leitung zog die Feuerwehr zweimal um, bis sie im Jahr 1975 in dem neuen Feuerwehr-Gerätehaus ein bleibendes Domizil findet.

Im Jahre 1960 wurde ein Borgward LF 8 für 30.000,- DM gekauft, aus dem später eine Pumpe ausgebaut und in einen flinken VW-Bus installiert wurde. Schließlich wur­de 1967 noch das Glanzstück der damaligen Feuerwehr erworben, der Magirus LF 16. Er kostete 80.000,- Mark. Es versteht sich von selbst, daß die Wehr mit allen möglichen Zusatzgeräten ausreichend versehen ist. Das Inventarverzeichnis zählt annähernd 150 ver­schiedene Gegenstände auf. Dazu kommen noch die Unifor­men der Männer, die Schutzgeräte, die Werkstatt und der Unterrichtsraum. Un­tergebracht ist die Wehr seit 1967 in dem Betriebshof der Gemeinde am Dörnig­heimer Weg.

Für die nächste Zeit ist der Ankauf eines Spezialfahrzeuges zur Bekämpfung von Ölschäden für rund 40.000,- Mark vorgesehen. Um mit der immer komplizierter werdenden Technik auf dem Laufenden zu bleiben, besuchen interessierte Mitglieder einschlägige Lehrkurse. Im Jahr 1971 plante die Gemeinde, hier am Ort mit Unterstützung des Landes Hessen eine Stützpunktfeuerwehr für den westlichen Teil des Kreises einzurich­ten, jedoch wurde Dörnigheim als Standort dieser Wehr von der Regierung be­stimmt.

Im Jahre 1973 wurde für 120.000,- Mark ein Tanklöschfahrzeug TLS 16 mit einem Lösch­tank von 2.400 Liter beschafft, mit dem man an der Brandstelle sofort mit der Be­kämpfung des Feuers beginnen kann und nicht erst das Ausrollen der Schläuche und deren Anschluß an die Hydranten abzuwarten braucht.

Nach dem zweiten Weltkrieg machte die hiesige Freiwillige Feuerwehr eine Kri­se durch. Es meldeten sich nicht mehr genug junge Männer zu diesem Ehrendienst, so daß an die Einrichtung einer Pflichtwehr gedacht werden mußte. Der Initiative des Bürgermeisters Krieger gemeinsam mit dem Gemeindevorstand und den leitenden Männern der Feuerwehr gelang es jedoch, wieder eine ausreichende Zahl von Männern für den Dienst in der Wehr zu gewinnen. Heute sind 51 Mit­glieder aktiv; mit inaktiven und fördernden Mitgliedern umfaßt die Wehr mehr als 200 Personen. Die Feuerwehr erfreut sich bei der Bevölkerung eines hohen Ansehens.

Die alte Feuerspritze aus dem Jahr 1773 war trotz ihres Alters immer noch strahlend und blitzend im gepflegten Kupfer- und Messing-Look. Doch 1947 wurde sie auseinandergerissen, um gegen ihre Buntmetallteile dringend benötigte Ersatzteile für die Feuerwehr zu kaufen.

 

 

Die Bischofsheimer Tore und Pforten

Das 1538 abgebrannte und an anderer Stelle wieder aufgebaute Dorf Bischofsheim ist in seiner Ortslage ganz offensichtlich nach wohlüberlegten Plänen ange­legt worden. Die Leute hatten aus den Fehlern früherer Ortsgründungen gelernt. Auch wenn keine geschichtlichen Überlieferungen vorlägen, würde allein der Grundriß der Ortsanlage bezeugen, daß Bischofsheim jünger ist als seine Nach­barorte. Über die Entstehungszeit des abgebrannten „Alten Dorfes“ kann jedoch keine Aussage gemacht werden.

Das neue Bischofsheim war im Gegensatz zu seinen Nachbargemeinden nur durch primitive Befestigungsanlagen leidlich geschützt. Diese Anlagen bestanden aus zwei Gräben, dem inneren Dorf- und dem äußeren Stumpf- und Haingraben und einem dazwischen liegenden mit einer Dornenhecke bepflanzten Wall. Der Verlauf dieser Befestigungsanlage war bis in die letzte Zeit noch klar zu erkennen.

Sie umschloß die Hintergasse, führte dann in nördlicher Richtung unmittelbar ne­ben dem Anwesen W. See (Schuhhaus Kutger) bis fast zur heutigen Hochstädter Straße, bog dann nach Westen ab und schloß die alte Breulgasse und die Born­gasse ab, führte bis zur heutigen Haingrabenstraße, umgrenzte die Niedergasse und lief neben der Gastwirtschaft „Zum grünen Baum“ durch die Gärten an der linken Seite der heutigen Zwingerstraße wieder zum Ausgangspunkt zurück. Am Ende der Schäfergasse (Grüner Baum) stand das Schäfertor (Untertor), am En­de der Breulgasse (Einmündung der Hochstädter Straße) das Breul- oder Obertor, beide wurden 1693 erbaut.

In einem Verzeichnis über die der Pfarre zustehenden Steuern aus dem Jahre 1555 ist die Unterpforte (das Schäfertor) neben der Weed an der Ecke Hin­tergasse-Schäfergasse erwähnt. Die Bischofsheimer müssen also nach dem Brand von 1538 in kurzer Zeit nicht nur Straßen abgesteckt und Gehöfte ausgebaut ha­ben, sondern auch neue Befestigungsanlagen errichtet haben, eine für diese kurze Zeitspanne fast unglaubliche Leistung. Vielleicht waren die beiden Gräben mit dem dazwischen liegenden Wall vorerst nur als Provisorium gedacht, das später wie in den Nachbargemeinden durch ei­ne feste Mauer ersetzt werden sollte.

Die Borngasse und die Hintergasse waren durch Pforten abgeschlossen, die dem Personenverkehr dienten, das Pförtchen am Ende der Borngasse und die Katha­rinenpforte am Ende der Hintergasse. Der Ort hatte folgende Straßen:

die Schäfergasse                    die Zwerchgasse

die Obergasse                        die Borngasse

die Breulgasse                       die Niedergasse

die Hintergasse                      die Kirchgasse (Ranzen)

Die „Befestigungsanlage“ hatte wohl mehr einen symbolischen Wert. Von 1750 an wird niemals von Instandsetzungen der Dorfgräben, des Walles und der Hecke berichtet. Nur der Stumpfgraben entlang des Pfades an der Pfor­te und des Stumpfgrabenweges wird stets in Ordnung gehalten, aber nur um den Abfluß des Wassers aus dem Hochstädter Ried zu ermöglichen.

Sicherlich hatten sich die Anlieger illegale Schlupfwege geschaffen, auf denen sie über diese Grä­ben ungesehen das Dorf verlassen oder betreten konnten, denn die Polizeistrafen für das Gehen auf verbotenen Wegen sind sehr häufig. Die Bewohner sollten ge­zwungen werden, nur die Tore und Pforten zu benutzen, damit die Kontrolle über Feld-, Wald- und Weindiebstähle besser durchgeführt werden konnte.

Noch 1860 wurden die alten Bestimmungen in einem umfangreichen Ortsgesetz neu bestätigt: In keinem Zaun einer am Ortsrand gelegenen Hofreite durfte eine Öffnung sein, durch die man das Dorf betreten, verlassen oder etwas hineintragen könne. Entstandene Schäden an den Zäunen mußten bei Androhung sehr hoher Strafen innerhalb von 24 Stunden beseitigt sein. Das Überspringen des Hain- oder Stumpfgrabens wurde wieder einmal strengstens untersagt. Fallobst durfte nur morgens zwischen sechs und sieben Uhr aufgelesen werden, Futterholen während der Mittagszeit kostete 15 Silbergroschen Strafe. Heumähen, Obstpflücken, Ähren­sammeln und Heukratzen nach der Heuernte durfte nur zu einer Zeit geschehen, die „durch die Schelle“ bekanntgegeben war.

Dorf- und Stumpfgraben sind in der Zeit von 1750 bis 1800 noch regelrechte Hin­dernisse gewesen, denn in Besatzungszeiten mußte die Gemeinde häufig Dielen liefern, die über die Gräben gelegt wurden und den Soldaten ungehindert Zu- und Abgang ermöglichten. Die beiden Pforten an der Born- und Hintergasse wurden gegen ein geringes Ent­gelt allabendlich von einer Person abgeschlossen und morgens wieder geöffnet. Ab 1771 hat jede Pforte ihren eigenen Beschließer. Die Katharinenpforte scheint sehr bald entweder zugemauert oder abgerissen worden zu sein, sie wird nicht mehr erwähnt; es treten jedoch auch keine Kosten für den Abbruch in Erschei­nung.

Im Jahre 1788 wird das Dach des Schäfertores neu gedeckt, auch eine Küche kommt in die Wohnung auf dem Tor. Im Jahre 1803 bekommt das Pförtchen einen neuen Steg. Im Jahre 1806 ist eine unruhige Kriegszeit, alle Tore und Pforten bekommen neue feste Türen und Schlösser.

Im Jahre 1808 beschlagnahmen die Franzosen das Schäfertor und richteten es als Gefäng­nis für bestrafte Soldaten ein. Ein Gefangener macht bei einem Ausbruchsver­such ein großes Loch in die Wand, die Gemeinde muß auf ihre Kosten sofort den Schaden reparieren. Nach Beendigung des Krieges bringt der Bischofsheimer Maurermeister Walzer die stark beschädigte Wohnung auf dem Schäfertor wie­der in Ordnung. Auch in den folgenden Jahren finden an den Dächern, Schorn­steinen und Wohnungen der beiden Tore immer wieder Instandsetzungen statt. Vielleicht hält man die Tore in Ordnung, um an ihnen das Wegegeld einziehen zu können.

Ab 1827 sind keine Ausgaben für die Schließung des Pförtchens mehr vermerkt. Wahrscheinlich gehörte diese Tätigkeit nun zu den Amtspflichten des Gemeindedieners. Im Jahre

1841 wurde von Martin Acker aus Bischofsheim das Tor an dem sogenannten „Pförtchen“ abgebrochen für 2 Gulden 30 Kreuzer und über den Stumpfgraben zwei neue Mauern gelegt.

Im Jahre 1843 bekommt das Pförtchen einen neuen Steg.

Die am Schäfertor und dem Pförtchen sowie am Breultor über die Gräben führen­den seitlichen Begrenzungsmauern wurden 1848 weggebrochen, die Steine wurden zum Bau von Ruhebänken verwandt. Die Stube auf dem Breultor wird die Armenstube. Aber noch bekommt das Breul­tor wieder ein neues Dach. Für das Schäfertor hat 1854 die letzte Stunde geschlagen.

Der Maurermeister Walzer bricht es für 36 Gulden ab, der Zimmermeister Ruppel aus Mittelbuchen hilft ihm dabei und bekommt 18. Gulden Das Schäfertor war durch einen Baukommissar aus Fechenheim als baufällig befunden worden. An Stelle des Tores wird eine Brücke aus Sandsteinen gelegt. Das Breultor hielt sich noch. Das Haus wurde von zwei Hirten bewohnt. Aber 1867 wurde auch dieses alte Wahrzeichen des Ortes wegen Baufälligkeit abgerissen.

Im Besitz des Hanauer Geschichtsvereins befindet sich eine Handzeichnung von Bischofsheim, die mit „GE. Aug. 59“ signiert ist. Die Ziffer „59“ bedeutet nach Ansicht von Herrn Dr. Dielmann ganz sicher das Jahr 1859, denn das im Hintergrund zu sehende Schloß Rumpenheim besitzt be­reits die 1804 errichteten erhöhten Eckpavillons. Das im Jahre 1841 abgerissene Pförtchen am Eingang der Borngasse ist nicht mehr vorhanden und nur noch durch einen Schlagbaum, der zu Anfang unseres Jahrhunderts noch vorhanden war, etwas angedeutet.

Der Standpunkt des Künstlers ist eindeutig: Er stand auf dem Bornberg etwa an der Stelle, wo heute das Haus Bergerstraße 39 steht. Der Blick geht nach Süden und fällt in die Borngasse, die Schäfergasse und auf das Schäfertor, das aber schon 1854 abgebrochen wurde! Der Jahrhunderte alte Brun­nen an der Kreuzung Born-, Ober- und Schäfergasse, 1911 bei Einführung der Wasserleitung abgerissen, ist genau einge­zeichnet. Aber links neben dem Schäfertor müßte das neben der Kirche bei wei­tem größte und höchste Gebäude der Gemeinde erkennbar sein, das 1668 erbau­te und 1962 abgerissene Alte Rathaus. Der Maler hat es ignoriert, vielleicht hat es seinem künstlerischen Stil widersprochen.

Der Kirchturm ist mit fotografischer Treue gezeichnet, das rechts von der Kirche liegende Gebäude mit dem Walmdach ist eindeutig als das Wohnhaus der Heß'schen Hofraite zu erkennen, das 1843 von der Gemeinde für 6.000 Gulden an­gekauft und mit erheblichen Unkosten zum Schulhaus umgebaut wurde, 1937 bis 1968 als Rathaus diente und nach Errichtung des heutigen Rathauses abgerissen wurde.

Der Blick auf den Hang zeigt keine Weinreben mehr, aber die malerische, für ihre eigentliche Aufgabe etwas vernachlässigte „Dornenhecke“ ist im Verlauf des Stumpfgrabens naturgetreu gezeichnet.

Etwas zweifelhaft auf dem Gemälde ist auch die Darstellung der Häuser am linken Bildrand in der oberen Breulgasse. Nach den Unterlagen der Gemeinde standen dort nur einzelne Gebäude, während die größere Bautätigkeit außerhalb des Breul­tores erst nach 1870 einsetzte.

Die Zeichnung bestätigt die Vermutung, daß das in den Gemeindeakten als „2-wohnig“ bezeich­nete Breultor (links) das höhere der beiden Tore gewesen sein muß, während mündliche Über­lieferungen das Schäfertor als das höhere Gebäude bezeichneten.

 

Die Bischofsheimer Rathäuser

Bischofsheim hat heute sein fünftes Rathaus. Von dem ersten, das mit dem gesamten alten Dorf in der Feuersbrunst des Jahres 1538 unterging, sind bis heute keinerlei Unterlagen gefunden worden. Wir wissen nur, daß ein Rathaus vorhanden war, denn in einer Urkunde von 1505 wird das „Spillhaus“ erwähnt. Die an anderer Stelle neu erbaute Gemeinde hatte ebenfalls ein Rathaus, denn in einer Akte von 1555 wird das „Spillhaus“ neben der Weed mehrmals erwähnt. Das dritte Rathaus hat etwa 300 Jahre gestanden. „Dient den Nachbarn als Versammlungsort“ wird in alten Niederschriften als Zweckbestimmung angegeben.

Das Haus wurde am Ende der Hintergasse als der breitesten Straße des Ortes errichtet, und es ragte, gleichsam auf seine Bedeutung hinweisend, in die Schäfergasse hinein. Es war zu seiner Zeit ein recht repräsentativer Fachwerkbau, der alle übrigen Häuser des Ortes überragte und für die damals kleine Ge­meinde wohl reichlich groß war. Man muß bedenken, daß nur eine beschränkte Zahl Bischofsheimer den Dreißigjährigen Krieg überlebt hatte und die aus ihren Zufluchtsorten - meistens wohl Hanau - völlig verarmt in das Dorf Zurück­gekehrten mit dem Aufbau oder der Instandsetzung ihrer völlig zerstörten oder zerfallenen Gehöfte alle Hände voll zu tun hatten.

„Das Rathaus, worunter ein gewölbter Keller“ steht im Inventarverzeichnis von 1757. Den gewölbten Keller benötigte die Gemeinde nicht, sie hat ihn Jahrhun­derte hindurch verpachtet, meistens an Wirte. Eine Wachstube war darin, ebenfalls ein Arrestlokal, das häufig Gäste hatte, sonst stand das Haus leer. Der Zentgraf benutzte es nicht, die Bürgermeister hatten dort nichts zu suchen, und auch die Gerichtsleute hielten hier kein Gericht und fällten hier kein Urteil.

Im Rathaus versammelte sich die Gemeinde, wenn etwas bekanntzugeben oder zu besprechen war. Durch Glockenschlag zu einer Zeit, in der alle zu Hause wa­ren, ließ der Zentgraf die Gemeinde zusammenrufen. Jeder Nachbar hatte bei Strafe persönlich zu erscheinen, niemand durfte sich durch ein Kind, einen Knecht oder eine Magd vertreten lassen. Dort wurden die Anordnungen der Herrschaft bekanntgegeben, dort fanden die Versteigerungen des Wiesen- und Wegegrases statt, dort wurden in unruhigen Zeiten die Feld- und Straßenstreifen und die zusätzlichen Wachen bestimmt, dort versammelten sich die Einwohner wohl viele tausend Male, um Befehle zu erhalten, die meistens nichts Gutes bedeuteten.

In diesem alten Rathaus haben sehr häufig Truppen ihr Quartier genommen, wobei es für die Bevölkerung ziemlich gleich war, ob diese als Freund oder Feind erschienen. Im Rathaus wurden die Wachstuben der Soldaten eingerichtet, das Lazarett und die Arrestlokale.

Es hat sich gut gehalten, das alte Rathaus, denn es wird erstaunlich wenig von Reparaturen berichtet. 1788 wird das Dach „gerückt“, zwei Schornsteine werden erneuert, 1798 werden für die Entleerung der Abtritte 9 Gulden gezahlt.

Auch das Bischofsheimer Storchennest befand sich auf dem alten Rathaus, es wurde im Jahre 1849 heruntergeholt. Aber man legte dem Herrn Adebar sofort den Grund­stein zu einem neuen Nestbau. Der Storch nahm das Angebot der Gemeinde je­doch nicht an, und so holte man die Nestunterlage im Jahre 1866 wieder herun­ter. Der Lieblingsvogel aller Kinder bezog später seine Wohnung auf dem Pfarr­haus, bis er zu Anfang der 60er Jahre wie viele seiner Artgenossen nicht mehr wiederkam.

Im Jahre 1866 wurde nach der Herausnahme einer Wand in dem Rathaus eine Krankenstube eingerichtet und ein Bett gekauft, im folgenden Jahr kam ein weiteres Bett dazu. So diente das Rathaus auch als Krankenhaus, denn dort wurde die Isolier­station für Kranke mit ansteckenden Krankheiten eingerichtet. In demselben Jahr erhielt das Rathaus die erste Petroleumlampe.

Als 1878 die Pocken in Bischofsheim grassierten, kamen die Kranken in das Rat­haus. Sie wurden von Johannes Bauscher gepflegt und bewacht. Dieser verdiente sich dabei die beachtliche Summe von 21 Gulden. Im Jahre 1876 kommt die Feuerspritze ins Rathaus, und 1885 wird das Arrestlokal völlig instandgesetzt.

Das nun schon recht betagte Gebäude erlebt 1891 ein großes Jahr: Es wird frisch verputzt, Türen und Fenster werden gestrichen, denn der Herr Bürgermeister zieht mit seinem Büro in das Rathaus ein. Auch eine Schulklasse wird dort untergebracht, und somit ist endlich echtes Le­ben in dem Hause. Einige Jahre später wird mit Tisch, Stühlen und Wandlam­pen die Einrichtung des Amtsraumes modernisiert. Am 24. März 1898 wurde der neue kommissarische Bürgermeister Reck als Nach­folger des langjährigen Bürgermeisters Ebert unter Leitung des Kreisausschuß­sekretärs Röde gewählt. Am 12. April des gleichen Jahres wurde der neue Bürgermeister auf dem Rathaus feierlich durch Röde in sein Amt eingeführt.

Das Schild „Bürgermeisterei“ ziert nun das Haus, ein Reichsadler wird angena­gelt, schwarz gestrichen und vergoldet. Im Jahre 1902 erscheinen die erste Tischglocke und der erste Papierkorb in dem ehrwürdi­gen Bau, 1903 bekommt er einen Koksofen und schon wieder neuen Verputz.

Der Rechner verlegt 1910 sein Büro in das Rathaus, auch der alte Kassenschrank wird dort untergebracht. Für die Sitzungen des Gemeinderates werden neue Stüh­le gekauft. Im Jahre 1920 bekommt das Rathaus ein Telefon, Nr. 37.

 

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wurde der altersschwache Bau von der Ver­waltung verlassen. Nun stand er da, dem Verfall übergeben, ein immer ärger­licher werdendes Verkehrshindernis; aber die schützende Hand des Landeskon­servators verhinderte den Abbruch. Vorübergehend wurden nach dem Kriege zur Zeit der großen Wohnungsnot noch einmal einige Familien aus den Kreisen der Heimatvertriebenen und Evakuierten im alten Rathaus untergebracht.

Dann be­gann ein jahrelanger zäher und ergebnisloser Kampf zwischen Bürgermeister Krieger und dem Amt für Altertumspflege. Aber das Amt war stärker, und das Haus blieb stehen. Und doch siegte der Bürgermeister: Als der Ministerpräsident Dr. Georg August Zinn im Jahr 1961 den Kreis bereiste und auch Hochstadt besuchte, jedoch nicht Bischofsheim berühren wollte, erkannte der Bürgermeister die Gunst des Augenblicks, fuhr nach Hochstadt und konnte den Ministerpräsi­denten trotz des energischen Einspruches seines Reiseleiters bewegen, einen Blitzabstecher nach Bischofsheim zu machen. Ein Blick genügte, und das Todesurteil des alten Hauses war gesprochen: Es muß fort!

Die Gemeinde war schwach bei Kasse. Und wieder ist es der Initiative des Bürgermeisters zu verdanken, daß die Gemeinde für ein Butterbrot das Haus abreißen lassen konnte. Eine amerikani­sche Pioniereinheit übernahm 1963 die Arbeit. Freilich, Ordnung muß sein, und Bürokratismus gibt es auch bei den Amerikaner: Der Abbruch wurde als Felddienstübung getarnt. Die Pioniere mußten feldmarschmäßig mit Stahlhelm und umgehängtem Gewehr die Arbeit verrichten, was ihnen bei dem schönen Wetter nicht sonderlich gefiel. So standen die Gewehre bald friedlich an einer Hauswand, die Uniformröcke und Stahlhelme lagen daneben.

Es kam, wie es kommen mußte. Plötzlich tauchte ein Jeep mit Militärpolizei auf, und nun gab es ein Donnerwetter. Danach ging die Arbeit „feldmarschmäßig“ weiter, bis die Streife fort war. Flugs wurde der alte Zustand wieder hergestellt. Aber auch die Streife kannte ihre Pappenheimer, zehn Minuten später war sie wieder da und das zweite Donnerwetter gewann erheblich an Stärke. Doch die Soldaten wußten sich zu helfen, man stellte zwei Posten auf, arbeitete in lockerer Kleidung weiter und gab sich beim Auftauchen einer Streife dann wieder ein kriegerisches Aussehen.

Riesige Holzmengen lagen umher, jeder konnte sich holen, was und so viel er wollte. Trotzdem mußte vieles in die Abfallgrube gefahren werden. Noch 50 Jahre vorher brachte jeder alte Balken, jeder alte Tür- oder Fensterrahmen, jeder Ast aus dem Wald und jeder Baumstumpf der Gemeinde schweres Geld ein. Fast alle Alt-Bischofsheimer sahen zu, wie Stück für Stück das Symbol Alt-Bi­schofsheims zertrümmert wurde. Mit dem alten Rathaus ist das alte Bischofsheim gestorben.

 

Auch das vierte Rathaus der Gemeinde hat eine lange Tradition. Es stand an der Stelle des Fronhofes, dem schon im 13. Jahrhundert alle 24 Großhufen der Ge­meinde zinsbar waren. Diese große Hofreite in der Hintergasse gegenüber der Kirche wurde im Jahre 1844 für 6.000 Gulden von der Gemeinde erworben und zur Schule ausgebaut. Stallgebäude und Remisen wurden sofort abgerissen, und das alte Holz- und Mauerwerk fand für gutes Geld reißenden Absatz. Die Scheune und das Brennbaus blieben noch bis 1890 stehen. Die Gemeinde steckte viel Geld in das Haus, um zwei den damaligen Ansprüchen genügende Klassenräume und zwei Lehrerwohnungen zu errichten.

In dieses Schulgebäude zog 1937 die Gemeindeverwaltung ein, nach dem Kriege (1945) wurde die letzte Lehrerwohnung freigemacht und auch die letzte Schul­klasse mußte bald ausziehen. An der Südseite des Hofes wurde eine große Halle in Fertigbauweise für die Fahrzeuge des gemeindeeigenen Busunternehmens und der Feuerwehr errichtet, in der sich auch Werkstätten und Ersatzteillager befanden.

Doch die Gemeinde wuchs und wuchs, und in dem für Alt-Bischofsheimer Ver­hältnisse recht stattlichen Bau in der Hintergasse 28 konnte die Verwaltungsar­beit in einer für Bürger und Bedienstete befriedigenden Weise nicht mehr er­ledigt werden. Nach endlosem Hin und Her und Für und Wider entstand auf demselben Grundstück das jetzige Rathaus, modern, zweckmäßig und repräsen­tativ.

Am 14. Juni 1968 wurde es in Anwesenheit des Hessischen Ministerpräsidenten Dr. Georg August Zinn feierlich eingeweiht. Das neue Rathaus, das etwa 2 Millionen Mark gekostet hat, gewann sich die Her­zen der Bischofsheimer im Sturm, eine Tatsache, die nach den oft sehr scharfen und mit Erbitterung geführten Debatten im Gemeindeparlament und der umfang­reichen Polemik in der lokalen Presse um den Bau dieses Rathauses fast Verwunde­rung hervorrufen könnte.

Der im Nebengebäude untergebrachte Jugendraum wird häufig benutzt, ebenfalls der Kulturraum, der von politischen Parteien, von Vereinen und zu Familienfeiern fast täglich in Anspruch genommen wird. Auch die Sozialstation im Erd­geschoß erfreut sich regen Zuspruchs, das Ortsgericht und der Schiedsmann haben hier ihre Sprechzimmer, Finanz- und Kreisjugendamt halten an bestimmten Tagen hier ihre Sprechstunden ab und ersparen den Bürgern den Weg nach Hanau. Die Volksbücherei ist damals im dritten Stock in einem großen Raum untergebracht und wird von einer ständig steigenden Zahl von Lesern in Anspruch genommen.

Eingebettet in geschmackvoll angelegte und sorgsam gepflegte gärtnerische An­lagen und in harmonischer Einheit mit der ehrwürdigen spätgotischen Kirche, die durch ihren schlichtmodernen Erweiterungsbau sehr gewonnen hat, und dem Neubau der Raiffeisenbank ist um das Rathaus ein städtebauliches Zentrum im alten Ortsteil entstanden.

 

Die Verwaltung der Gemeinde

Im 18. Jahrhundert war der Aufgabenbereich der Gemeinde eng begrenzt. Er erstreckte sich auf wenige heute größtenteils völlig nebensächliche Bereiche. In die Zuständigkeit der Gemeinde fiel die Verpachtung des Wiesen- und Seegrases, des Fischwassers, des Rathauskellers, die Versteigerung oder Verteilung des Holzes, die Versteigerung des der Gemeinde zustehenden Getreidezehnten, den Ankauf der Vatertiere (Faselochsen) und deren an den Mindestfordernden zu übertragende „Haltung“.

Daneben hatte die Gemeinde das Recht, in sehr geringem Umfang und in Fäl­len außerordentlicher Not mit wenigen Groschen helfend einzugreifen, etwa Mie­ten für Arme zu bezahlen, einige Kleidungsstücke zu beschaffen oder mittellos Ver­storbenen einen Armensarg zu kaufen. Sämtliche Bauvorhaben und Reparaturen an Schule, Straßen und Friedhof mußte die Gemeinde völlig aus eigener Tasche bezahlen.

Die Bürgermeister wurden auf ein Jahr gewählt und zogen die Gemeindesteuern ein. Die Quartalsbürgermeister zogen vierteljährlich die Landsteuern ein. Auch sie wurden immer nur auf ein Jahr gewählt und wären mit dem Titel „Steuer­erheber“ oder „Rechnungsführer“ treffender bezeichnet gewesen.

Die Amtspersonen waren nicht sehr zahlreich. Da war vor allem der einflußrei­che Zentgraf. Er wurde nicht von der Bevölkerung gewählt, sondern von der Obrigkeit ernannt und war ihr verlängerter Arm.

Er hatte darauf zu achten, daß im Dorf alles nach Recht und Gesetz zugehe. Diese Zentgrafen waren meistens Männer in wirtschaftlich guter Position, die mit den ihnen übertragenen Machtbe­fugnissen das Dorf beherrschten und sich oft Übergriffe erlaubten. Sie trafen An­ordnungen über die Köpfe der Bürgermeister hinweg, zogen oft unberechtigt Gel­der ein, setzten ihre Bezüge selbst fest und eigneten sich die Schlüssel zur Zehnt­fruchtkammer an. Oft mußten sie durch scharfe Erlasse des Amtes in Bergen zurechtgewiesen werden, aber ob es geholfen hat, ist fraglich.

Vor dem Zentgrafen mußte jeder Viehverkauf abgeschlossen werden, der Käufer erhielt schriftlich genaue Angaben über das Tier, eine Maßnahme, die sich bei den vielen Vieh-, Ochsen- und Pferdediebstählen als notwendig erwiesen hatte.

Der Zentgraf unterschrieb alle Rechnungen an die Gemeinde und setzte den Ver­merk dazu: „kann vom Bürgermeister zahlt werden“. Außer ihm unterschrieben zwei oder drei Gerichtsleute. Bei kleineren Vergehen setzten diese in Zusammen­arbeit mit dem Zentgrafen die Strafe fest, sie vermaßen die verpachteten Wiesen- und Wegestücke, steckten sie ab und waren bei allen Versteigerungen zugegen.

Ferner führten sie mit der Jugend Feld- und Grenzbegehungen durch, bei denen besonders auf die Lage der Grenzmarkierungen hingewiesen wurde. Meistens waren bei diesen Grenzbegehungen auch Zentgraf und Gerichtsschöffen der Nachbarorte zugegen. Bei einer großen Grenzbegehung waren Zentgrafen und Gerichtsleute aus den Ämtern Bergen, Büchertal und Windecken anwesend.

Die Besoldung des Zentgrafen betrug im Jahre 1758 nur etwa 33 Gulden Er hatte aber erhebliche Nebeneinkünfte, so daß er auf etwa 70 bis 80 Gulden kam. Die bei­den Bürgermeister erhielten in diesem Jahr zusammen nur 40 Gulden, sie hatten aber durch „Gänge“, Besichtigungen, Vereidigungen usw. ebenfalls wesentliche Nebeneinkünfte. Im Jahre 1755 erscheint zum erstenmal eine Rechnung von 8 Gulden 6 Albus 4 Heller für Bürobedarf.

Auf Anordnung der Hochfürstlichen Regierung wurde 1757 zum ersten Mal ein genaues Inventarverzeichnis der gemeindeeigenen beweglichen und unbeweglichen Gegenstände aufgestellt. Die Abschrift wird als Anlage wortgetreu wiedergegeben, wobei bemerkt werden muß, daß einige Wörter nicht genau entziffert werden konnten (dieses „Inventarium“ ist in der „Borgenmeisterrechnung“ von 1767 abgeheftet):

1. an Kupfer:      Ein Kessel von 4 Maß Frankfurter Eich,

   ein Kessel von 4 Maß Hanauer Eich

2. an Messing:               Ein Satz Gewichte von einem Pfund

3. an Metallwerk: Die große Glocke auf der Kirche

4. an Blechwerk: Ein Schoppen Blech, Ein Halbschoppen Blech, beide Frankfurter Eich

   Ein Futteral, in dem der Gemarkungsgrundriß verwahrt wird

5. an Eisenwerk: Die Gemeide-Uhr mit Zubehör, die sich auf der Kirche befindet

   Vier große Nägel für die beiden Heb-Latten

   Ein Schloß zu der untersten Rathaustür

   Eine Balkenwaage mit zwei hölzernen Schalen. (ist aber untauglich)

   Eine große Waage mit eiserner Stange und Gewichtstein (im Schulhaus)

   Zwei Gewichtsteine, jeder drei Pfund schwer.

Mehr Eisenwerk: Ein Gewichtstein zu zwei Pfund, einer zu zwei Pfund, einer zu drei Pfund

                           Ein eiserner Bohrer, mit dem die Brunnenröhren gebohrt werden

                           Ein Brenneisen, mit dem die Schweine in die Mast gebrannt werden

                           Ein Brenneisen, womit die Feuergeräte gezeichnet werden

               Ein Brenneisen zum Brennen der neu geeichten Bütten im Herbst

Mehr Eisenwerk: Zwei eiserne Zapfen für die Ruhbank in der Zeit der Weinlese

                           Sechs große Nägel für die Ruhebank

                           Zwei Ochsenketten, an die Faselochsen gebunden werden

                           Zwei Dorfspieße

6. an Holz- und Schreinerwerk:

A: im Rathaus:

  Ein tannener Küchenschrank mit einer nicht verschließbaren Tür

  Zwei lange tannene Tafeln mit Kreuzgestell

  Ein tannener runder Tisch mit einem Vier-Ecken-Gestell

  Bänke auf beiden Seiten des Rathauses (an der Wand befestigt)

  Sechs Lehnstühle aus Ahornholz

  Vier Lehnstühle aus Eichenholz

  Eine neue Heb-Latte mit Zubehör (in diesem Jahr gekauft)

  Eine Heb-Latte (alt und unbrauchbar)

  Einen geschlagenen Simmer Frankfurter Maß (unbrauchbar)

  Einen Simer

  Eine Meste

  Ein Sechter

  Ein Halb-Sechter

  Ein Gescheid (Fruchtmaß 1,7 Liter)

  Ein Halb-Gescheid

  Ein Viertel-Gescheid (Hanauer Maß)

  Ein Simmer (Frankfurter Maß)

  Ferner Holzwerk:    

  Ein Hafer Maß von Tannenholz

  Ein französisches Infanterie-Hafermaß

  Eine eichene Bütte, ungefähr zwei Ohm (mit Eisen beschlagen, im Rathaus)

  Sechs Stück Tannenholz für die Ruhbank in den Weinbergen 

  Vier tannene Doppeldielen für die Ruhbank in denen Weinbergen

  Ein tannenes Schilderhaus

B. Im Schulhaus:

  drei lange Tannentafeln mit Kreuzgestellen

  sechs lange Tannen Schoßbänke

C. in des Zentgrafenhaus:

  Eine Gerichtslade aus Eichenholz mit zwei Schlössern

  Eine Gerichtslade aus Tannenholz (rot gestrichen, abschließbar)

                    Vier Meß-Ruten

                    Vier Feld-Stäbe

D. in der Kirchen:

                    die Totenbahre

7. an Bücher und Schriften:  

  Ein neues Hypothekenbuch

                          Zwei alte Hypothekenbücher

                          Ein altes Vertragsbuch                     

  Ein Vertragsbuch, in dem die Kaufverträge aufgeschrieben werden

                          Ein Buch, in dem die Besthäupter registriert werden

Mehr Bücher:  

  Ein Gewann- und Lagerbuch über den hiesigen Ort und dessen Wein Berge

                          Ein Meß- und Gewannbuch über das Mainfeld

                          Ein Meßbuch über das Unter- und Kleinoberfeld

                          Ein Meßbuch über das Oberfeld

                          Ein Meßbuch über Wiesen und Gärten

                          Ein Grundriß über die hiesige Gemarkung

                          Vier Katasterbücher

                          Ein neues Katasterbuch, das in diesem Jahr gekauft wurde

                          Zwei alte Schätzungsbücher aus dem Jahre 1733

                          Ein Buch, in dem die Beedt ab- und zugeschrieben wird

                          Ein Buch, in das die Bürgermeister und Schützen geschrieben werden

                          Ein altes Schätzungsbuch

                          Ein Vergleich mit Isenburg wegen der Hut Abgeltung

  Ein Vergleich zwischen dem Herrn Pfarrer und der Gemeinde wegen der                                                                                      Gemeinde Breulwiese

                          Das Hebammenbuch von Doktor Thebes (bei der Hebamme)

8. Gewehre:      zwei alte Pistolen

9. an Feuergerätschaft:

  72 Stück lederne Feuereimer

                           3 hölzerne Handspritzen

                           4 Feuerleitern

2 Feuerhaken

10. An Vieh:      Ein Faselochse

11. An Activa:   Nichts

12. An Passiva:  Dem Herrn Fändrich Kayser 1.230 Gulden

  dem Kirchenbau 250 Gulden

  dem Herrn Konsistorialrat und Superintendent Schide 200 Gulden

  dem Herrn Fändrich Kayser 604 Gulden

 

13. Meßbuch

page    Morg. Viertel Ruthen.

1          2          3          4         Häuser und Gebäude

480      -           -           10        Das Rathaus, unter dem ein gewölbter Keller ist zwischen der                                          Gemeinde Gasse zu beiden Seiten

470      -           1          17        Das Schulhaus mit dem dabei befind­lichen Garten in der                                                  Breulgasse neben Conradt Hartmann zu beiden Seiten

479      -           -           35        Das Backhaus und das daran befindliche Nebenhaus mit der                                            Stallung in der Hintergasse neben Andreas Rohrbach und                                                 Johann Daniel Lerch

 70       -           -           2         Das Schützenhaus in dem Weinberg im Kissel

186      -           -           1         Das Schützenhaus in den Weinberg im Schlegel

456      -           -           -           Das Gemeinde Schäfertor mit den darauf befindlichen                                                     Gebäuden

470      -           -           -           Das Gemeinde Obertor mit der darauf befindlichen Wohnung

                                               Die Orgel in der Kirche mit ihrem Zubehör

                                               Der Gemeinde Springbrunnen, der durch das Feld mit teils                                               tönernen, teils hölzernen Röhren in das Dorf geleitet wird,                                              woran ein steinerner Stock mit 4 Messingröhren festgemacht ist                                    (sie wurden im Jahr 1920 gestohlen)

                                               2 steinerne Tröge

                                               2 hölzerne Tränkkrüge

                                               8 steinerne Pfosten mit einem hölzernen Geländer.

                                               Die Pferdetränke („Pferde Schwänk“), die mit Mauerwerk                                                           auf geführt ist, neben Andreas Reuhl und der Gemeinde Gasse

14. An Brücken, Stegen, Wegweiser und Heege-Stück:

  Eine steinerne gewölbte Brücke vor dem Schäfertor

  Eine steinerne gewölbte Brücke auf der Tränk

  Eine steinerne gewölbte Brücke, die „Müntzbrücke“ genannt                

  (Am Kreuzstein über dem Abfluß vom Hochstädter Ried)

  Eine steinerne gewölbte Brücke an der Breulpforte

  Eine hölzerne Brücke am Hell-Kreuz mit 4 Balken und 10 Doppeldielen

  Eine hölzerne Brücke am Enkheimer Wald an der Leuchte, die die

  Gemeinde seither mit Doppeldielen belegt und wozu die Gemeinde Bergen

  die vier Balken gegeben hat

  Ein Steinerner Steg an der Langwiesen an dem Pforten-Damm

  Ein hölzerner Steg an dem Pförtchen

  Ein hölzerner Steg an dem alten Dorf.

  Ein hölzerner Steg an dem Hochstädter Ried-Damm

  Ein hölzerner Steg an der oberen Wiese (Hochstädter Ried)

  Ein hölzerner Steg an dem Löwensee

              Ein hölzerner Steg an dem Windecker Pfad

  Ein hölzerner Steg an dem Stumpfgraben

  Zwei hölzerne Balken an dem Seif in den beiden Rumpenheimer Wegen

  Zwei hölzerne Balken im Wäldchesweg

  Ein Balken an der Bornbrücke

  Ein Balken am Vilbeler Weg

  Ein Balken am Berger Weg

  Ein Balken an der Lattkaute

  Ein Balken an dem Krautgarten

  Drei Balken in der Ledergasse

  Ein Balken an der Luchweide

  Neun Balken im Berger Oberweg

  Drei Wegweiser

  Ein Heeg-Stock in der Landwehr, den die Herrschaft stellt.

 

15. An liegenden Gütern:

Seite    Morg. Viertel Ruthen

Buch

580      9         2          19        Ein Bruch im Mainfeld, der Zimmersee genannt wird, der                                                zwei Jahre für Heu genutzt wurde

581      12        3          17        Ein Bruch, der Lange See, liegt zwischen dem Main und

                                                           Kleinen Unterfeld

581      8         3          3         Ein Bruch, der Gäns-See, liegt zwischen dem Weg                                                             und dem Feld

584      20        -           25        Das Hochstädter Ried, liegt neben dem Mainfeld                                                              und den Wiesen

584      11        3          31        Die Niederweide, liegt neben dem Damm und den Wiesen

583      16        3          27        Das Erler und Erlander, liegt neben den Wiesen und dem                                                 Stumpfgraben

204      3         3          11        Die Oberste Breulwiese neben den Gemeinde-Wiesen und dem                                       Wege

340      4         3          16        Die unterste Breulwiese neben dem Fahrweg und den Wiesen

231      -          1          14        Im Kleinen Sand neben dem Vilbeler Weg ist eine Sandkaute

583      31        3          19        Ein Bruch, die gemeine Stimpf genannt, liegt neben den                                                   Wiesen und dem Feld, kann nicht zu Heu und Grummet                                                    benutzt werden, sondern nur zum Ausgrasen

582      382      3          3         Der Gemeindewald

585      4         2          24        Die Luchweide ist eine Viehweide

586      6         -           30        Das Ruders Ried ist eine Viehweide

 60       -          -           6         Ein Damm am Breulgraben

142      -          -           34        Krautgarten vor dem Hochstädter Ried neben dem Graben

 

                                               Das Gemeinde Schulgut

                                               Acker im Mainfeld

202      1         2          1         In den Langen Strichen neben Johannes Reich und Johannes                                             Peter Reuhl.

160      -          2          1         Am Kleinen Seif neben Johann Thomas Witwe und dem                                                    Grabenacker im Unterfeld

182      -          1          29        Im Juden Stück neben Michael Kühn und Johann Peter                                                      Kappes

317      -          3          21        Stößt auf die Hochstädter Gemarkung neben Hieronymus                                                 Bauschers und Peter Eberts Acker im großen Oberfeld

291      -          1          37        An der Vilbeler Hohl neben Andreas Kappes und der Hohl

313      -          -           20        Im Kleinen Sand neben den Wiesen der Witwe Casper Volmert

  3        -          1          18        Hinter der Mühle neben Peter Ebert und dem Weinberg

182      -           -           34        Vor dem Hochstädter Ried neben Johannes Kaysers           Baumstück

 87       -           -           22        Auf dem Zwinger neben dem Weg Pflanzland

286      -           -           19        Auf der Niederweide neben Engelbörd See und Johann Philip                                           Aßmer

 

16. An Activ-Gerechtigkeiten:

            A.         Das gemeinschaftliche Weggeld                                                                             B.         Von der Wirtschaft jährlich 25 Gulden

            C.         Die Feld- und Wiesenwege der Gemeinde zum Ausgrasen

            D.        Das Gemeinde Fischwasser

            E.         Der Gassen-Dung

            F.         Die Back-Asche

            G.        Von dem Bartholomäusstift jährlich 6 Achtel Korn

            H.        Das Recht der Gemeinde, drei Tage vor dem Schafvieh mit dem Horn- und

                        Schweinevieh in den Stoppelfelder zu hüten

           

17. An Passiv-Gerechtigkeiten:

            Die ganze Gemeinde muß jährlich an die Herrschaft sogenanntes „Lips-Pacht

Korn“ an die Fruchtverwalterei nach Hanau, nämlich acht Achtel Korn liefern, ferner in den Kloster Arnspurger Hof nach Frankfurt jährlich 4 Achtel Korn, die aber derselbe vor Ort erheben muß.

                        Das Haus Isenburg bekommt jährlich

                        an Geld           40 Gulden

                        an Wein          40 Ohm, wie derselbe jährlich wächst

                        an Korn          40 Achtel.

 

Die Herrschaft hat die Schäferei

Die Herrschaft hat den Noval Zehnten (Abgabe für den Neubruch)

Das Bartholomäusstift zu Frankfurt hat den großen Zehnten, aber die Herrschaft hat von einem gewissen Gebiet ein Sechstel Anteil.

Der Herr Pfarrer hat den Blutzehnten, ebenso den Obst-, Kraut- und Rübenzehnten.

Damit endet die Aufstellung des Rechts durch den Landschreiber.

Bischofsheim den 31. Dezember 1767, Johannes Kaysser, Zentgraf.

 

Nach dem Siebenjährigen Kriege ließ die Fürstliche Regierung sämtliche Rechnungsbücher der Gemeinde durch den Kammerrat Backen überprüfen. Der hohe Herr ließ sich seine Mühe mit 25 Gulden fürstlich bezahlen, und nun begann ein fröhlicher Krieg mit dem Amt Bergen wegen der ausgezahlten Diäten, be­sonders für „Gänge“. Der Rotstift wütet und streicht erbarmungslos alles zusammen. Dieser „Diätenkrieg“ ist zäh und flammt immer wieder auf. Gar zu gerne wurde immer wieder versucht, auf diese Weise das schmale Einkommen aus der Gemeindekasse aufzubessern.

Mit der Schreibfertigkeit der Amtspersonen war es nicht weit her. Wenn einmal eine Petition, etwa um Zuschüsse zur Reinigung des Heusergrabens oder wegen des zu stellenden lästigen Geleites auf den Landstraßen angefertigt werden muß­te, wandte man sich an einen Rechtsanwalt oder Notar, der sich seine Bemühungen immer gut bezahlen ließ.

Im Jahre 1776 hatte es Streit gegeben, leider ist nicht vermerkt, warum. Zwei hochangesehene Gerichtsleute aus Bischofsheim wurden nach Bergen in Arrest gebracht. Dafür sollte die Gemeinde 12 Gulden bezahlen. Auch die hohe Polizei er­schien und ging gegen die „widerspenstigen sämtlichen Ackerleut“ vor und wollte für ihre Bemühungen 6 Gulden 22 Albus  4 Heller kassieren. Es scheint alles gut ausgegangen zu sein, denn alle Forderungen werden später niedergeschlagen.

Ab 1778 gibt es in der Gemeinde den Zentgrafen, den Gemeindevorsteher, den Landsteuergelderheber und einen Quartalsbürgermeister.

Im Jahre 1810 gründete der siegreiche Napoleon das Großherzogtum Frankfurt, das er dem Mainzer Erzbischof Dalberg als Fürstprimas unterstellte und das nach dem Willen Napoleons später mit Frankreich vereinigt werden sollte. Das Großher­zogtum Frankfurt bestand aus den Städten Frankfurt und Wetzlar sowie den Für­stentümern Hanau, Aschaffenburg und Fulda.

Die Verwaltung wurde ganz nach französischen Muster eingerichtet: Es gab Departements, Distrikt-Mairien und Orts-Mairien. Bischofsheim gehörte zum Distrikt Bergen. Der Zentgraf führte den Titel „Maire“, die Gerichtsleute hießen „Munizipalräte“, der Gemeindediener ist ein „Munizipalitätsdiener“.

Ab 1813 heißt der Gemeindevorsteher „Schultheiß“. Im Jahre 1821 trat wieder eine Reform ein. Es gab den Gemeindevorstand, der aus dem Zentgrafen, zwei Gerichtsschöffen und drei weiteren Männern bestand. Alle Rechnungen mußten von diesen sechs Männern abgezeichnet werden.

Die Prüfung der Rechnungsbücher durch die Aufsichtsbehörde wird streng gehand­habt, besonders die Gebühren und Gebühren für Amtshandlungen („Sporteln“) von Zentgraf und Gemeindevorstand werden scharf unter die Lupe genommen. Es mutet fast amüsant an, wenn der Zentgraf jedes Jahr wieder Beträge in Rechnung stellt für Leistungen, die er gar nicht vollbracht hat.

Was dem Herrn Zentgrafen recht ist, das soll den Schützen billig sein. Die Feld-, Wald- und Weinbergschützen reichen unverfroren ihre Rechnungen für das Tragen der Bütten bei der Weinlese ein, obwohl in diesem Jahr gar keine Lese gewesen ist.

Die Macht der Obrigkeit wird größer. Sämtliche Ankäufe von Steinen, Ziegeln, Brückenholz usw. müssen vorher vom Amt genehmigt werden. Das war wahr­scheinlich eine Maßnahme, um die katastrophale Notlage der Gemeinden nach Beendigung der Befreiungskriege zu beheben.

Das Wegegeld, auch Wegebau- und Pflastergeld genannt, wurde bis 1825 von der Kurfürstlichen Baudirektion eingezogen. Ab 1826 wurde dieses Recht der Gemeinde übertragen. Das Wegegeld hatte bis dahin jährlich etwa 200 Gulden eingebracht. Nun wurde das Recht, Wegegeld einzu­ziehen, jährlich öffentlich meistbietend versteigert. Der erste Bischofsheimer, der dieses Amt übernahm, war Wilhelm Keller, der mit 22. Gulden 27 Kreuzer der Meistbietende war. Dieses Wegegeld wurde noch lange eingezogen, doch sank der Ertrag immer mehr, so daß später nur noch zehn Gulden geboten wurden. Der Ersteigerer mußte einen festgesetzten Betrag an die Gemeinde geben, die Mehreinnahme durfte er behalten.

Es liegen verschiedene Protokolle über die Versteigerung des Wegegeldes vor, leider ist darin immer nur vermerkt, daß die Hebesätze dem Ersteigerer zugestellt werden. Es ist daher nicht festzustellen, wie hoch diese Wegesteuer für auswärtige Fuß­gänger, Reiter oder Fuhrwerke war. Die Leute aus den Nachbarorten, in denen die Bischofsheimer freien Durchgang hatten, brauchten auch in Bischofsheim nichts zu bezahlen. Diese Steuer wurde 1866 aufgehoben.

Da man mit den Beträgen aus der Wegesteuer nun wirklich keine Straße bauen konnte, wurde 1827 eine neue Steuer eingeführt, das Gemeindeweg- oder Pfla­stergeld. Auch diese Steuer brachte jährlich nur 40 Gulden ein.

Eine interessante Quittung liegt aus dem Jahre 1828 vor, sie betrifft die Besol­dung des Gemeindedieners: „Der Vorsteher Wilhelm Keller zahlt mir für das Jahr 1828 meine

Besoldung als Gemeindediener                                            7 Gulden 30 Kreuzer

ein Paar Schuh                                                                      3 Gulden 30 Kreuzer 

ein Paar Sohlen und Flicken der Schuhe                               1 Gulden 12 Kreuzer

Holz machen im Rathaus für das Feuer der Gemeinde       2 Gulden  - Kreuzer

Rathaus säubern von unten bis oben, Säuberung der Stube            2 Gulden  - Kreuzer

                                                                                              16 Gulden 12 Kreuzer

Welches ich richtig erhalten habe und ich quittiere, Bischofsheim den 26. Dezember 1828“.

 

Im Jahre 1803 hatte die Gemeinde zwei Zentgrafen: Der langjährige Zentgraf Ebert will zurücktreten und muß während eines Jahres den kommissarischen Zentgraf Kühn einarbeiten. Der alte Zentgraf Ebert ist ein zäher Bursche ge­wesen. Er stellte immer wieder Forderungen an die Gemeinde für früher geleistete Dienste. Er bekam auch eine Menge Geld, bis der Rechnungsführer vom Kreisamt angewiesen wurde, keinen Heller mehr zu zahlen, sonst würde es ihm von seinem eigenen Gehalt abgezogen werden.

Aber der geschäftstüchtige Ebert tauchte 1834 nochmals in den Rechnungsbüchern auf, denn er hatte eine erheb­liche Menge Steuergelder zurückbehalten und wollte diese als Entgelt für seine Verwaltungstätigkeit bei den Zehntfrüchten behalten. Er berechnete dafür eine Summe von 124 Gulden Schließlich gewährte man ihm noch 20 Gulden, das übrige Geld mußte er abliefern.

In diesem Jahr wurde die Gemeinde noch von einem harten Schlag getroffen: Ein Schreiber forderte für die Abschriften der Rechnungsbücher 288 Gulden; die Gemeinde weigerte sich, diese hohe Summe zu bezahlen, wurde aber durch das Kreisamt dazu gezwungen.

Der Bürgermeister Kühn war ein energischer und zielstrebiger Mann, er hatte eine schöne Handschrift und verfaßte seine Schreiben selbst. Der für das Schreibmaterial angesetzte Betrag von 9 Gulden wird auf 13 Gulden 3 Kreuzer erhöht. Auch der neue Bürgermeister verstand es ausgezeichnet, seine Bezüge durch allerlei gesondert berechnete Tätigkeiten aufzustocken, so daß er zusammen mit seinen Nebeneinnahmen auf ein ganz beträchtliches Einkommen kam.

Im Jahre 1834 fand eine Verwaltungsreform statt, die einen demokratischen Charakter hatte. Außer dem Bürgermeister gab es den aus fünf Personen beste­henden Gemeindevorstand, den zwölf Personen umfassenden Gemeinderat und den Gemeindeausschuß, der aber nur selten zusammentrat. Bei ganz wichtigen Beschlüssen wurde sogar ein zusätzlicher aus sechs Mitgliedern zu bildender außerordentlicher Ausschuß hinzugezogen.

Aus demselben Jahr liegt eine Niederschrift vor: „Nachdem die Gemeinderech­nung von 1834 durch den Gemeinderat überprüft wurde und derselbe bei den einzelnen Einnahme- und Ausgabeposten nichts zu erinnern gefunden hat, und nachdem die Rechnung acht Tage lang nach vorheriger öffentlicher Bekanntmachung bei dem Ausschußvorsteher zur Einsicht der Gemeindeglieder gelegen hat: So wurde sie heute durch den versammelten Gemeinderat und Gemeindeausschuß im Beisein des Rechnungsführers nochmals durchgesehen und nachher einstimmig erklärt, daß gegen die in gemachter Rechnung vorkommenden Ein- und Ausgabeposten nichts erinnert werden kann. Kühn, Bürgermeister“.

Um 1837 hat die Gemeinde die schweren Belastungen der napoleonischen Be­satzung und der Befreiungskriege überwunden. Die Gemeinde hat wieder eine gesunde finanzielle Basis. Im Jahre 1841 hat die Gemeinde ein Vermögen von 5.372 Gulden 57 Kreuzer 1/6 Heller an barem Geld. Ein Jahr später legt sie sogar 2.000 Gulden zu dreiprozentigen Obligationen an. Sie zahlt weiter kräftig Schulden ab, auch dem Landgrafen Friedrich zu Hessen zahlt sie im Schloß Rumpenheim 3.000 Gulden zu­rück.

Ein Johannes Kappes war von 1824 bis 1835 Gerichtsschöffe gewesen, dann wurde er ohne jede Bezahlung entlassen. Im Jahre 1845 beschwerte er sich beim Kreisamt und verlangte sein Geld. Das Amt verfügte, daß ihm für jedes Jahr sieben Gulden zu zahlen seien, insgesamt also 77 Gulden Die Gemeinde strengte ein Gerichtsver­fahren an, zog es dann aber zurück und zahlte.

Im Jahre 1846 weist der Bürgermeister Kühn den neuen Bürgermeister Keller in sein Amt ein. Auch Keller hatte eine sehr schöne Handschrift, aber das genügte wohl nicht, um Bürgermeister zu sein. Als die Rechnungsbücher von der Auf­sichtsbehörde zurückkamen, wimmelte es nur so von Beanstandungen. Auch in der Gemeinde scheint Keller keinen rechten Anklang gefunden zu haben, denn man zerstörte ihm einen Zaun, den die Gemeinde auf ihre Kosten reparieren ließ.

So bekommt Bischofsheim im Jahre 1847 schon wieder einen neuen Bürger­meister, er hieß Brand. Die Besoldung des Bürgermeisters betrug damals 208 Gulden, dazu kamen eine Menge sonstiger Nebeneinnahmen und 20 Gulden für die Verwal­tung der Zehntfrüchte. Im Jahre 1849 bewilligte man ihm noch eine widerrufliche Zulage von 30 Gulden, wahrscheinlich wegen der zusätzlichen Belastung bei der Ablösung des Zehnten.

Nach der Revolution von 1848 begannen für die Gemeinde traurige Jahre, es war fast kein Geld in der Kasse. Man verkaufte, was nicht niet- und nagelfest war; die Eltern der Schüler müssen das Holz für die Schulheizung bezahlen.

Rückständige Steuern werden eingetrieben, wer nicht gleich zahlt, wird mit Ver­zugszinsen belegt. Zudem hat die Kirche die Gemeinde verklagt. Die Gemeinde verliert wie immer den Prozeß, sie muß der Kirche jährlich 11 Gulden 43 Kreuzer Grund­zinsen zahlen, kein Mensch weiß mehr warum. Im Jahre 1848 stellte die Gemeinde diese Zahlung ein und wurde durch ein Gerichtsurteil gezwungen, diese nirgends niedergeschriebene, aber zur Gewohnheit gewordene Zahlung mit dem zwanzigfachen Betrag in Höhe von 234 Gulden 20 Kreuzer abzulösen.

Im Jahre 1854 ist man des ständigen Ärgers mit den Tage- und Wegegeldern des Bürger­meisters überdrüssig: Man bewilligt ihm einen jährlichen Betrag von 50 Gulden für diese Zwecke. Damit muß er auskommen. In diesem Jahr wird auch die erste Ausschellglocke angeschafft. Das Einzugsgeld gibt es 1855 immer noch, ebenso das Wegegeld.

Die Steuerrückstände waren sehr hoch, die Leute hatten offensichtlich kein Geld. Für die Armen mußte die Gemeinde erhebliche Mengen Brot und Kartoffeln kaufen. Die Prüfung der Gemeinderechnung erfolgt von diesem Jahr an durch die Kurfürstliche Polizeidirektion in Hanau. Im Jahre 1858 tritt der Bürgermeister Brand zurück, sein Nachfolger heißt Ebert. Im Jahre 1859 beginnt der Papierkrieg, die Gemeinde bestellt Aufenthaltsgestattungen, Heimatscheine, Hundesteuerformulare, Baukonzessionen, Fremdenregister.

Am 28. September 1863 tritt Bürgermeister Ebert zurück. Sein Nachfolger war sein Sohn und hieß P. H. Ebert. Er hatte eine hervorragende Schrift und war viele Jahre Bürgermeister von Bischofsheim. Da er neu im Amt war und auch einen neuen Gemeinderechner hatte, gab es im ersten Jahr bei der Prüfung der Rechnung er­hebliche Beanstandungen. Das besserte sich aber schnell. Auf Anweisung der vorgesetzten Behörde werden die 50 Gulden für Tage- und Wegegeld gestrichen; es muß wieder jede einzelne Forderung abgerechnet werden.

Auch 1866 waren die Steuerrückstände sehr hoch. Die säumigen Steuerzahler wurden hart bedroht, und es geschah ein Wunder: Die Rückstände wurden bis auf den letzten Heller bezahlt, das war noch niemals dagewesen. War das die Angst vor den Preußen?

Ab 1867 werden die Rechnungen durch das Königliche Landratsamt in Hanau mit peinlicher Genauigkeit überprüft. An der Verwaltung haben die Preußen nichts geändert.

In den Jahren 1872, 1890 und 1893 kaufte die Gemeinde Dominialgrundstücke bzw. Domänen-Fiskalisches Land. Es handelte sich um den Tiefen See und umliegendes Gelände, beides gehörte bisher dem Staat. Der Kaufpreis wurde an die Steuerkasse Hanau gezahlt. Das Land kostete etwa 3.000 Mark.

Das von Bismarck nach dem Kulturkampf eingeführte Standesamt erbrachte 1874 seine ersten Einnahmen. Bürgermeister Ebert kassierte als Standesbeamter 52 Kreuzer 2 Heller für die Gemeinde. Belohnt wurden seine Bemühungen als Standesbeamter jährlich mit 86,- Mark, auch seine festgestellten Reisekosten betrugen 86,- Mark.

Die Besoldung der Gemeindebediensteten aus dem Jahre 1875 ist interessant:

Bürgermeister Ebert                                     484,- Mark

derselbe für Schreibmaterial                                    35,-

Waldschütz Krebs                                          150,-

2 Flurschützen                                               360,-

Rechnungsführer                                           126,-

Ortsdiener                                                     171,-

derselbe 1 Paar Schuhe                                 12,-

6 Nachtwächter                                             600,-

Zuschuß für das Pfarrgehalt                          257,14

derselbe als Vertreter in der Schule tätig    45,44

Lehrer Hartmann                                          678,43

Lehrer Hoss (Umzug- und Feuerungsgeld)    390,36

Lehrer Kahler (für 2 Monate)                                   61,93

derselbe für Heizung der Schule ¼ Jahr        33,43

Frau Ahlbach für Handarbeitsunterricht       85,72

Frau Hartmann für Handarbeitsunterricht   85,72

Lehrer Wenzel Pension                                 128,58

Hartmann für Heizung der Strickschule          8,57

 

Im Jahre 1875 brach ein heftiger Streit in Bischofsheim aus. Die Straße nach Hochstadt wurde gebaut, die Bischofsheimer Bauern mußten Hand- und Spanndienste leisten. Sechs Bauern weigerten sich, ihren Pflichten nachzukommen. Sie wurden durch ein Gericht verurteilt und mußten den Bauern, die ihre Anteile übernommen hatten, diese Kosten ersetzen. Ferner wurden sie mit hohen Ord­nungsstrafen belegt.

Der Anführer der „Rebellen“ war anscheinend der Bauun­ternehmer Brandt, der schon einige Male mit recht hohen Ordnungsstrafen be­legt worden war. Nun bezichtigte er den Bürgermeister und den Rechnungsfüh­rer der Unterschlagung. Zwischen dem Königlichen Landratsamt und der Straf­kammer des Königlichen Kreisgerichtes entbrannte ein heftiger Kampf um die Rechnungsbücher der Gemeinde. Bürgermeister und Rechnungsführer erhoben Anklage wegen Beleidigung und beantragten die Überprüfung ihrer Amtstätig­keit. Diese wurde auch vorgenommen. Über den Ausgang des Prozesses ist nichts zu finden; sicher haben die beiden eine reine Weste gehabt, denn sie blieben in ihren Ämtern. Die Gemeinde mußte jedoch die Prozeßkosten in Höhe von 156,45 Mark zahlen. Der Rathauskeller ist immer noch verpachtet und bringt jährlich die Summe von 42,50 Mark ein. Der Tageslohn eines ungelernten Arbeiters beträgt 1,- Mark, ein Facharbeiter verdient 1,71 Mark (Umrechnungswert 1 Gulden).

Das Jahr 1879 ist ein schlimmes Jahr für die Gemeinde: Sie hat ein Defizit von fast 2.000,- Mark und befindet sich in einer finanziell schwierigen Lage. Das bißchen Geld für Heu, Holz, Obst, Jagdpacht und Schafpferch usw. langt nicht hin und nicht her. So borgt man sich von der Gemeinde Bruchköbel 1.000,- Mark, von einem Bürger Kraft aus Offenbach 1.000,- Mark und von dem Einwohner Schäfer aus Hochstadt 1.500,- Mark.

Es muß wohl vielen Gemeinden ähnlich gegangen sein, denn nun wird als neue Steuerquelle die Direkte Gemeindesteuer eingeführt. Mit dieser Steuer wird der Gemeinde wieder eine festere finanzielle Basis gegeben. Die Kosten der Gemeindeverwaltung sind auf 3.459,68 Mark angestiegen.

In diesem Jahr wird auch das Amt des Schiedsmannes eingeführt. Im Jahre 1881 wird zum ersten Mal Geld für „verpachtetes Eis“ eingenommen. Das Amt des Vieh- und Fleischbeschauers tritt 1887 erstmals auf.

Im Jahre 1891 wird das Gehalt des Bürgermeisters stark angehoben, er bekommt 900,- Mark und 300,- Mark für Schreibmaterial und Reisekosten. Mit diesen 300,- Mark sind auch die Kosten für Heizung und Beleuchtung seiner Diensträume abgegolten. Außerdem erhält er wie bisher 86,- Mark als Standesbeamter.

Der erste Kassenschrank der Gemeinde wird für 180,- Mark gekauft. Er hat seinen Dienst bis 1968 getan. Im Jahre 1891 werden auch die Diensträume des Bürgermeisters und des Rechnungsführers in das Rathaus verlegt. Zum ersten Male macht ein Bischofsheimer Bürgermeister 1895 vier Wochen Urlaub! Der Beigeordnete Reuhl bekommt für die Vertretung täglich 2,- Mark.

Die Mitglieder des Gemeinderates erhielten seit vielen Jahren eine ständige Ge­bühr von insgesamt 24,- Mark und eine unständige Gebühr von 18,- Mark, die sie unter sich verteilten. Von nun an dürfen diese Sitzungsgelder nicht mehr ausgezahlt werden, nur bare Auslagen werden ersetzt. Bei unentschuldigtem Feh­len hatten die Herren 1,50 Mark Strafe zu zahlen, bei dreimaliger Abwesenheit 3,- Mark je Sitzung.

Im Jahre 1897 wurde der erste ständige Gemeindearbeiter eingestellt, er hieß Wilhelm Maisch, seine Dienstbezeichnung war „Tagelöhner“. Die Gemeinde hatte sechs Feldschützen, jeder mußte einen Tag Dienst machen, sonntags hatten zwei unterwegs zu sein.

Am Ende dieses Jahres hat die Gemeinde ein Defizit von 3.000, - Mark. Die Obligationen werden abgestoßen und die kleinen Schuldner rauh angefaßt. Die aus den Jahren 1816 bis 1828 stammenden Steuerrückstände, die im Jahre 1838 in mit 5 Prozent verzinsende Darlehen umgewandelt worden waren, wurden ge­kündigt und kamen in die Gemeindekasse zurück. Es war ja auch wirklich Zeit, diese alten Bagatellen, die sich seit 60 Jahren durch die Rechnungsbücher ge­schleppt hatten, zu beseitigen. Die finanziellen Schwierigkeiten der Gemeinde entstanden durch den Neubau des „Doktorhauses“ in der Bergerstraße und den Neubau der Schule, der heutigen Post in der Hintergasse [Alt-Bischofsheim, Marktplatz].

Von Juli bis Dezember 1897 gewährte man dem kränkelnden Bürgermeister zum ersten Mal eine Schreibhilfe für monatlich 50,- Mark. Natürlich war es damals noch keine Dame, sondern es kam ein Herr aus Hanau. Bezeichnenderweise zahlte die Gemeinde die 50,- Mark nicht an die Schreibkraft, sondern an den Bürger­meister, um zu demonstrieren, daß der Schreiber nicht von der Gemeinde ange­stellt war.

Der langjährige und verdienstvolle Bürgermeister Ebert wurde am 24. März 1898 in den Ruhestand versetzt und bat um die Auszahlung des vollen Monatsgehaltes für März. Aber die Herren des Gemeindevorstandes hielten die Hand fest auf dem Gemeindesäckel: Bis zum 24. war Dienst getan, und nur bis zu diesem Tage werde gezahlt, und keinen Tag länger!

Schon 1897 hatte der Landrat gefordert, daß die Gemeinde das Gehalt des Bür­germeisters von 900,- auf 1200,- Mark erhöhen solle, doch die Gemeinde lehnte das ab. Als sie doch zur Erhöhung gezwungen wurde, strich man einfach die bis­her gezahlten 300,- Mark für Papier und Reisekosten.

Vor der Wahl des neuen Bürgermeisters verlangte der Landrat, daß ein hauptamtlicher („besol­deter“) Nachfolger gewählt werden solle, für den auch Zahlun­gen in die Pensionskasse zu leisten seien, was natürlich nach guter Tradition abermals abgelehnt wurde.

Der neue Bürgermeister hieß Peter Reck. Er wurde am 24. März 1898 unter Vorsitz des Kreisausschußsekretärs Röse gewählt und am 12. April 1898 durch denselben in sein Amt eingeführt. Für beide Amtshandlungen kassierte Röse je 10,- Mark.

Am Ende des Rechnungsjahres 1899/1900 hatte die Gemeinde fast 3.000,- Mark Schulden. Das war für die damalige Zeit eine ganze Menge, und strenge Spar­samkeit war oberstes Gebot. Sämtliche Briefumschläge wurden umgedreht und neu geklebt. Immerhin waren die Postgebühren der Verwaltung in diesem Jahr schon auf 101,86 Mark angewachsen.

Aus dem Jahre 1900 mögen einmal die Namen der Männer in den damals am­tierenden Gemeindegremien genannt sein:

Bürgermeister:           Reck, Peter

Gemeindevorstand:    Hofmann, Philipp, Keller, Andreas, und Schäfer, Wilhelm

Gemeindevertretung:            Krebs IV., Andreas

                                   Reitz, Johannes

                                   Reck, Johannes

                                   Seip II., Justus

                                   Rohrbach IV., Wilhelm

                                   Brandt, Wilhelm Friedrich

                                   Walzer III., Ludwig

                                   Reuhl VII., Wilhelm

                                   Reck II., Peter

 

Im Jahre 1900 kaufte Dr. Schüler einen Teil der neben dem Doktorhaus in der Berger­straße liegenden Gärten zum Preise von 2,50 Mark pro Quadratmeter, das war verhältnismäßig teuer. Auch im Haingraben, im Gärtin und im Rumpenheimer Weg verkaufte die Ge­meinde Bauland, durchweg zu 2,50 Mark pro Quadratmeter. Die Gemeinde begann sich auszu­dehnen. In die Gemeindekasse flossen für verkauftes Bauland rund 5.000,- Mark ein.

Der Beleg Nr. 36 vom Jahre 1901 ist interessant: Der Rechnungsführer Peter Fritz wird angewiesen, von dem Rechnungsführer Peter Fritz 1,- Mark Strafe für versäumte Einziehung von Steuern zu erheben. Der Rechnungsführer befolgte diese Anordnung.

Der Bürgermeister Heck berief 1901 die erste Bürgerversammlung in Bischofsheim ein. Dr. Schüler hatte den Antrag gestellt, das Doktorhaus zu kaufen. Die­ser Antrag muß in der Gemeinde einen ziemlich großen Wirbel verursacht ha­ben, denn Bürgermeister, Gemeindeverordnete und Gemeinderäte fühlten sich bei dieser Entscheidung überfordert und riefen die gesamte Bürgerschaft zusam­men. Der Verkauf wurde abgelehnt.

Im Jahre 1903 läßt sich die Gemeinde für 6,- Mark die erste Wahlurne vom Schreinermeister Ludwig Walzer anfertigen, denn 1904 wurde eine Kommunal­wahl durchgeführt. Der Gemeindevorstand bestand wieder aus drei Herren, die Gemeindevertretung aus elf Mitgliedern. Noch sind es nur Alteingesessene. Die Herren sind streng und führen die Mahngebühren ein (10 Pfennig), lassen zahl­reiche Zwangsvollstreckungen durchführen, verhängen 253,- Mark an Straf­geldern und lassen durch die Gerichte weitere 20,80 Mark Strafgelder eintreiben. Im Jahre 1906 betragen die Personalkosten des Rathauses schon 5.166,38 Mark, die Sachkosten 643,95 Mark.

In der Invaliden- und Altersversicherung waren die beiden Ortsdiener, der Feldhüter, der Schweinehirt und die Hebamme. Vierteljährlich mußten insgesamt 9,36 Mark an Versicherungsbeiträgen vom Lohn abgezogen werden, den gleichen Betrag zahlte die Gemeinde in die Versicherung ein.

Als ein Geisteskranker in eine Anstalt eingewiesen wurde, stattete ihn die Ge­meinde mit der notwendigen Bekleidung aus: 1 Rock          17,05 Mark, 1 Hose 8,33 Mark, 1 Weste 3,30 Mark, 3 Hemden 7,29 Mark, 3 Paar Strümpfe 5,10 Mark, 3 Taschentücher -,90 Mark.

Am 1. Juni 1906 trat das erste Ortsstatut für die Errichtung von Wohngebäuden in Kraft, auch die Erschließungsbeiträge wurden eingeführt, ein Bebauungsplan wurde angefertigt, für den die Kreiskommunalkasse 427,50 Mark kassierte. Ein Fundbüro existiert noch nicht. Gefundene Gegenstände, zugelaufene Hunde usw. werden in der Zeitung bekanntgegeben. Die Polizeistrafen werden höher, Strafen von 5,- Mark und 10,- Mark werden verhängt.

Auch Mitglieder des Gemeindevorstandes werden angezeigt und müssen zahlen. Dr. Schüler soll zweimal 5,- Mark bezahlen, aber er geht vor Gericht und wird freigesprochen.

 

Im Jahre 1910 wird ein Ortserweiterungsplan aufgestellt. Ein Jahr später erscheinen die Familienstammbücher. Die Verwaltung ist zahlenmäßig noch sehr gering: Ein Bürgermeister, ein Rech­nungsführer, ein Gemeindediener, ein Nachtwächter, ein Feldschütz und ein Ge­meindearbeiter. Im Jahre 1911 bekommt die Gemeinde Straßenschilder und Hausnummern. Die Kosten betragen 218,45 Mark, das Anbringen der Schilder kostet zusätzliche noch einmal 20,- Mark.

Die Kriegswirtschaft hat die Gemeindeverwaltung ungeheuer belastet. Praktisch alles, was Mensch und Tier zum Leben benötigten, wurde an die Gemeinde ge­liefert, die es weiter an Einzelhändler oder sogar an die Endverbraucher verteilen mußte. Dazu wurde eine Menge von Hilfskräften benötigt, die entlohnt werden mußten. Auch die Abrechnung der in der Gemeinde als Helfer in der Landwirt­schaft eingesetzten Kriegsgefangenen ging über die Gemeindekasse und füllte gan­ze Seiten aus.

Teuerungszulagen, finanzielle Unterstützung der Familien eingezogener Soldaten, Unterhaltsgeld für die Familien Gefallener, alles ging durch die Gemeindekasse. So wurde der gemeindliche Haushaltsplan ungeheuerlich aufgebläht: 1914        102.000,- Mark, 1915            226.000,-

Mark, 1916  312.000,- Mark, 1917   446.000,- Mark, 1918  635.000,- Mark.

Im Jahre 1923 war wieder eine Bürgermeisterwahl fällig. Bürgermeister Heck war alt und amtsmüde. Man setzte die Wahl auf den 1. August 1923 fest, stellte dann aber die Wahl zurück auf die Zeit nach den anstehenden Kommunalwahlen. Auf Antrag der SPD und KPD wurde als Wahltag der 4. Februar 1924 bestimmt. Als Bewer­ber traten die Herren Stetefeld, Bischofsheim (SPD) und Schmidt, Kilianstädten, auf. Beide stellten sich am 20. Januar 1924 der Bischofsheimer Bevölkerung vor.

Die Wahl am 4. Februar 1924 verlief ergebnislos, da keiner der Bewerber die er­forderliche Zweidrittelmehrheit erreichte. Man ließ sich Zeit und wählte erst am 2. Juli 1924 wieder. Das Ergebnis war ein Patt von 6 : 6. Nun ließ man das Los entscheiden, und das entschied für Stetefeld, aber der Landrat erklärte das Los für „nicht stimmberechtigt“. Stetefeld trat verärgert aus Partei und Gemeinderat aus.

Am 30. Sept. 1924 kam man endlich zu einem neuen Bürgermeister. Es war der SPD-Mann Georg Foocken aus Griesheim. Er war der erste ortsfremde Bürger­meister, ein fähiger Mann, der sich bald das Vertrauen der Bevölkerung erwarb. Schon am 12. August 1926 verunglückte er bei einem Verkehrsunfall tödlich und wurde unter sehr hoher Beteiligung der Bevölkerung zu Grabe getragen.

Der folgende Bürgermeister war wieder ein Bischofsheimer, Michael Kaiser (SPD). In seiner Amtszeit begann die finanzielle Lage der Gemeinde schwierig zu wer­den. Für die inzwischen abgeschlossene Verkoppelung der Feldmark, die infolge der ewigen Erbteilerei notwendig geworden war, mußte die Gemeinde 1928 10.000,- Reichsmark aufbringen, der Beitritt zur Busgesellschaft Hanau Stadt und Land kostete ebenfalls 10.000,- Reichsmark. Da die Busse nachts oft Beschädigungen durch randalierende Jugendliche ausgesetzt waren, baute man in der Ledergasse eine Bushalle. Im Jahre 1928 versuchte die Gemeinde vergeblich, die Bahnhofstraße der Obhut des Krei­ses zu übergeben, der Kreis bemühte sich ebenso ergebnislos um die Übernahme des Ortsnetzes der Stromversorgung.

 

Im Jahre 1765 wird erstmals eine Hebamme erwähnt. Bischofsheim hat 1929 keine Hebamme mehr; der Landrat verlangte, daß die Hochstädter Hebamme auch Bischofsheim betreue, aber die Bischofsheimer lehnten den Vorschlag ab und ließen Fräulein Margarete Horst als Hebamme ausbilden.

Im Jahre 1930 wird die Wasserversorgung für 12.000,- RM durch Erschließung neuer Quellen verbessert. Neuer Brauch: Bei Goldenen Hochzeiten erscheint der ganze Gemeindevorstand und bringt ein Blumengebinde. Vermerkt kann noch werden, daß der Wirt Keller in der Obergasse ein Kino eingerichtet hat.

Im Jahre 1931 ist die Zeit der großen Arbeitslosigkeit und der schweren Not. Zahllose Bitten um Hilfe gehen bei der Gemeinde ein, die Gemeindevertretung befaßt sich fast nur noch mit Stundungsgesuchen.

Die Zahl der Schulkinder ist auf 265 Kinder zurückgegangen. Lehrerstellen wer­den trotz des Protestes der Gemeinde eingespart. Der Haushaltsplan wird rücksichtslos zusammengestrichen. Trotzdem bleibt 1932 ein Defizit von 23.100,- Reichsmark. Auf Anordnung der Behörde soll die Bürgersteuer um 500 Prozent erhöht werden. Aber das wird von der Gemeinde abgelehnt.

Als Anfang 1933 in dem Ort zwei Einbrüche verübt wurden, entstand bei der Be­völkerung große Unruhe. Man verlangte, daß die Straßenlampen die Nacht hin­durch brennen; dem konnte aus Geldmangel nicht entsprochen werden. Nun sollen verstärkte Polizeistreifen gehen, die jungen Männer werden aufgefordert, sich zum freiwilligen Streifendienst zu melden.

 

Die Steuern

Da war zuerst einmal die Beede, eine allgemeine Grundsteuer, die von allen „Be­sitzern" gezahlt werden mußte. Dann wäre der verhaßte Zehnte zu nennen, der von aller Frucht (Getreide), Obst, Heu und Kraut gegeben werden mußte; der kleine Zehnte oder Blutzehnte mußte von Hühnern, Gänsen, Kälbern und Füllen gezahlt werden. Er wurde nicht von der Gemeinde eingezogen, sondern von der Kirche und meistens mit Geld abgegolten. Der Noval- oder Neubruchzehnte mußte von allen aus Rodungen gewonnenen Ackern bezahlt werden.

Die Rauch- oder Herdstatthühner mußte jeder abliefern, der ei­genen Herd („eigenen Rauch“) hatte, auch die Leibeigenen mußten „hühnen“. Die zum Transport der Rauchhühner benötigten „Hinkelkörbe“ waren einem starken Verschleiß aus­gesetzt und mußten häufig neu beschafft werden. Im Jahre 1820 wurden 45 „alte Hühner“ abgeliefert, also fette Suppenhühner. Der Herr­schaft kam es damals mehr auf die Quantität als auf die Qualität an.

Aus dem Jahre 1792 ist eine Aufstellung der an das Land zu zahlenden Steuern vorhanden. Der Steuerfuß war für dieses Jahr auf 142 Gulden 3 Albus 3 ¼ Heller festgesetzt.

Insgesamt mußten gezahlt werden:

            1.         Landsteuergelder                   860      Gulden            22 Albus 4 Heller

            2.         Fortifikationsfrongelder         207      Gulden            12 Albus 6 Heller

            3.         Atzungsgelder                        45       Gulden

                                                                       1.113   Gulden              5 Albus  2 Heller

 

Das das beste Stück Vieh („Besthaupt“) wurde vom Amt aus dem Stall geholt, wenn der Besitzer gestorben war; war kein geeignetes Stück Vieh vorhanden, so mußte die beste Sache abgegeben werden, etwa der beste Anzug oder das beste Möbelstück. Meistens wurden alle Leistungen in Naturalien bezahlt.

Außerdem wurden die Frondienste, auch Hand- und Spanndienste genannt, von den Bewohnern geleistet. Die Besitzer von Gespannen mußten diese stellen, die Handfrönder stellten ihre Arbeitskraft zur Verfügung, alles natürlich unentgelt­lich. Diese Dienste wurden beim Wege- und Straßenbau, bei der Anlage von Be­festigungen, beim Brückenbau in Hanau usw. verlangt.

In Geld wurden folgende Steuern gezahlt: die Beede, das Dienstgeld, der Leibgulden, Kontribution (in Kriegszeiten), Gewerbesteuer, Kriegskosten, Amtskosten, „Atzgeld“(Geld zur Verpflegung der hier erscheinenden Amtsperson), Landsteuer, Steuern auf Weinausfuhr, Steuern auf Wollausfuhr, Steuern für Ausfuhr von Brettern und Balken („Diehl-accis“), das Frongeld auf den Kopf und Kontributionsfrongeld.

Dieser Steuerkatalog, der sich im Laufe der Zeit immer wieder änderte und oft sehr viel umfangreicher war, erbrachte eine Grundsumme, Steuerfuß genannt, von ca. 145 Gulden jährlich, die von der Gemeinde aufzubringen war. Das wäre noch erträg­lich gewesen, aber da gab es die bösen Simpla, die Vervielfältiger! Brauchte die Regierung viel Geld, dann setzte sie eben 9, 10 oder 16, 17, 18 Simpla an, dann mußte eben der zehn- oder achtzehnfache Betrag gezahlt werden. Man muß den da­maligen Behörden allerdings zugestehen, daß sie nach Beendigung einer Kriegs- oder Besatzungszeit baldmöglichst die Steuern auf ein erträgliches Maß senkten, etwa auf das sieben- oder achtfache des Steuerfußes.

Der Handel im Lande, d. h. in der Grafschaft Hanau, war steuerfrei. Wer eine Ware „außer Lande“ verkaufte, mußte Zoll bezahlen.

Nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges ging der erste Bischofsheimer als Auswanderer nach Amerika, und zwar nach Pennsylvanien. Ihm folgten in den folgenden Jahren eine ganze Reihe anderer, so daß sich dort eine kleine Bischofs­heimer Kolonie gebildet haben kann. Alle Auswanderer machten ihr Hab und Gut zu Geld und mußten von ihrem geringen Startkapital zehn Prozent an den Landesherren abgeben.

Im Jahre 1767 führte man den „Zehndenpfennig“ wohl anstelle des Besthauptes bei Todesfällen als Erbschaftssteuer ein. Zwei Witwen zahlten geringe Beträge, aber die Witwe des verstorbenen Juden Affron mußte 44 Gulden 3 Albus zahlen, das war der zehnte Teil der Erbschaft. Diese Abgabe mußte auch jeder „Ausländer“ ent­richten, der in Bischofsheim Geld verdient hatte. Ein Handwerker aus Heddernheim erhielt von der Gemeinde 30 Gulden an Arbeitslohn, 3 Gulden wurden für die gnädigsten Landesfürsten gleich einbehalten. Es ist daher verständlich, daß überwiegend im­mer Handwerker aus dem Amte die Arbeit annahmen.

Im Jahre 1795 kamen zwei neue Steuern:  1. das Vorwerkshoffrondgeld, hier mußten von jedem Stück Zugtier zwei Gulden, von jedem Jungge­sellen („läuftegen Mann“) 1 Gulden 15 Albus und von jeder Witwe 22 Albus 4 Heller aufgebracht werden. Diese Steuer entfiel aber bald wieder.

 2. die Weinbergbaukosten, zu denen jeder Junggeselle 10 Albus und jede Witwe 5 Albus beisteuern mußte. Auch diese Steuer wurde nach einiger Zeit wieder aufgehoben, geblieben war aber eine neue Belastung der armen Beisassen aus demselben Jahr. Sie mußten das Einzugsgeld von nun an nicht nur an die Gemeinde, sondern auch an das Amt zahlen.

Die Landsteuern wurden durch besondere Landsteuererheber aus dem Ort einge­zogen. Die übrigen Steuern wurden von den Quartals-Bürgermeistern, die nicht etwa alle Vierteljahre neu gewählt wurden, sondern ihre Bezeichnung von der viertel­jährlichen Steuererhebung bekamen, erhoben. Diese Quartals-Bürgermeister, die eigentlich nur Rechnungsführer waren, wechselten jedes Jahr. Für die in ihre Amts­zeit fallenden Steuerrückstände blieben sie verantwortlich, so daß es häufig vor­kam, daß von früheren Quartals-Bürgermeistern noch nach acht oder zehn Jahren eingezogene Steuer-Rückstände abgeliefert wurden.

 

Als Napoleon 1806 das Land besetzt hatte, ließ er die Festungsanlagen in Hanau demontieren. Es müssen Tausende von Leuten in schwerer Fronarbeit dort tätig gewesen sein, allein aus Bischofsheim hatten täglich 124 „Handfronder“ zu erschei­nen. Die Regierung ordnete an, daß die Gemeinden jedem dieser Arbeiter täglich vier Kreuzer auszahlen sollten, damit sie sich wenigstens ein Stück Brot kaufen konnten. Im Notjahr 1807 mußten die Quartals-Bürgermeister allein 15 verschiedene Steuern einziehen.

Der Zehnte mußte gegeben werden von Korn (Roggen), Weizen, Gerste, Hafer, Erbsen, Linsen und Wicken sowie von Ölfrüchten. Nach dem Drusch wurde dieses Getreide verkauft, auch die Nachfrüchte („Hinterkorn“). Bei der Abgabe des Zehn­ten waren vereidigte Zehnter anwesend, zu denen jedes Jahr vier Personen bestellt wurden. Sie bekamen von der Gemeinde je drei Malter Korn als Entgelt, zwei Zehnter mußten beim Dreschen die Aufsicht führen, sie bekamen jeder einen Malter Getreide als Lohn.

Von diesen Zehntfrüchten bekam der Pfarrer 40 Malter Korn und ein Malter Hafer an Besoldungskorn, der Lehrer erhielt acht Malter Korn. Wurden die Zehntfrüchte schon auf dem Feld öffentlich meistbietend versteigert, so mußten die Erwerber die Leistungen an Pfarrer und Lehrer übernehmen. Zu zahlen hatten alle Pächter, auch die Wiesenpächter, entweder am Petritag oder am Martinitag, und zwar „ohnfehlbar“. Mit dieser „Ohnfehlbarkeit“ war es aber nicht weit her, denn manchmal wurden die Zahlungstermine um Jahre überschritten. Nach den Befreiungskriegen war das Land völlig ausgeblutet; es wurden viele Steuern gestrichen, andere wurden stark herabgesetzt.

Der Frucht- (Getreide) und Weinzehnte war eine bedeutende Einnahmequelle der Gemeinde. Allein der Fruchtzehnte erbrachte in manchen Jahren bis zu 2.000 Gulden Es war eine gemeindeeigene Zehntscheuer vorhanden, die in der Nähe des Felsen­kellers am Gronauer Weg gestanden haben soll. Der Drescherlohn wurde von der Gemeinde gezahlt. Ob die Zehntscheuer auch in den Jahren, in denen der Frucht­zehnte auf dem Feld versteigert wurde, den Pächtern zur Verfügung stand, ist nicht feststellbar. Der Zehntwein wurde in dem der Gemeinde gehörenden Zehntkeller gekeltert.

Ab 1807 wurde auch der Kartoffelzehnte erhoben, doch ließ man sich diese Steuer in Geld bezahlen. Es waren in diesem Jahre 168 Morgen, 2 Viertel, 20 Ruthen Kartoffeln angebaut, dafür mußten die Bauern 117 Gulden an die Gemeinde abliefern. Ein Morgen für den Hausgebrauch war steuerfrei.

Im Jahre 1810, ein Jahr der Verschnaufpause zwischen den Kriegen, senkte das Land die Steuersätze ganz erheblich und zog von den ausgeplünderten Untertanen viele Steuern überhaupt nicht ein, 1811 wurden die gesamten Landsteuern vollkommen gestrichen.

In den Befreiungskriegen brauchte das Land viel Geld; so schnellten die Landsteuern im Jahre 1813 wieder auf 13 Simpla hoch. Bischofsheim konnte nur ein Achtel der geforderten Sum­me aufbringen. Im folgenden Jahr werden sogar die 16- bis 17fachen Beträge ver­langt. Die Not war groß, sehr viele Leute verkauften Acker und Wiesen, um das Geld aufbringen zu können.

Im Jahre 1826 trat bei der Abgabe des Fruchtzehnten eine Vereinfachung ein: Die steuer­pflichtigen Bauern konnten ihr Getreide behalten und mußten den Wert in Geld ersetzen, die Zehntscheuer wurde verpachtet. Damit entfielen die ewigen Zänkereien der Besitzer mit dem Zehntern. Die Pauschalbeträge wurden jedes Jahr neu festge­setzt und erbrachten je nach der Ernteerwartung den Betrag von etwa 500 bis 800 Gulden Es mußten die anteiligen Abgaben von 163 Ackerstücken berechnet werden und ebenso die Umlage für die nun „in natura“ entfallenden 48 Malter Besoldungs­korn für Pfarrer und Lehrer. Das muß eine recht mühsame Arbeit gewesen sein!

In diesem Jahr sind zehn auswärtige Besitzer Bischofsheimer Felder aufgezählt. Sie wohnten in Bergen, Enkheim, Mainkur, Hochstadt, Wachenbuchen und Hanau. Sie zahlten sehr träge, bis schließlich der Zentgraf von der kurfürstlichen Regie­rung den Befehl bekam, die längst fälligen Gelder einziehen oder pfänden zu las­sen. Binnen vier Wochen habe er Vollzug zu melden.

Die anscheinend so vernünftige Regelung mit dem Fruchtzehnten hatte sich wohl doch nicht bewährt, denn einige Zeit später mußte das Zehntgetreide wieder in der Zehntscheuer abgeliefert werden. Nach Abzug der Unkosten blieb der Gemeinde ein Reingewinn von 1.326 Gulden, der später sogar auf 2.000 Gulden stieg. Die Gemeinde brauchte diese Beträge dringend, denn sie war mit 30.210 Gulden ret­tungslos verschuldet. Die Schulden entsprachen dem Steueraufkommen von zehn Jahren, natürlich war auch der Zinsendienst unerträglich. Die Obrigkeit reagierte gnädig und zog nur ein Simplum an Landsteuern ein.

Wenn es um Geld für die Gemeinde ging, war man gar nicht zimperlich. Am 8. August 1832 saß man friedlich im Rathaus zusammen, um den Zehnten aus der Sommerfrucht (Hafer und Gerste) öffentlich meistbietend zu versteigern. Michael Weber war mit 240 Gulden der Letzt- und Höchstbietende.

Das Protokoll wurde unterschrieben und versiegelt. Man saß noch plaudernd zusammen, als Friedrich Röder aus Bergen erschien und 250 Gulden bot. Flugs eröffnete man die Versteigerung wieder, und Röder erhielt den Zuschlag; aber um 6 Uhr erschien abermals ein anderer Bauer, hörte von der Geschichte und bot 270 Gulden Wieder wurde die Ver­steigerung neu eröffnet und der ungenannte Bauer war der Sieger.

Um 1837 hat sich die Finanzlage infolge kluger und sparsamer Wirtschaft und ge­ringer Anforderungen seitens der Regierung wesentlich gebessert. Die Gesamteinnahme ist auf fast 7.500 Gulden gestiegen, der Rechnungsführer, der für seine Arbeit zwei Prozent der von ihm eingezogenen Landsteuer erhält, hat einen glänzend bezahlten Posten und kommt auf 100 Gulden. Auch die Zehnter werden aufgebessert, außer ihren drei Maltern Getreide bekommt jeder von ihnen 30 Gebund Roggenstroh und zehn Gebund Gerstenstroh.

Der in Butzbach wohnende Rentmeister Zahn und dessen Frau waren Eigentümer eines 145 Morgen großen Gutes in Bischofsheim. Der aufzubringende Zehnte hatte einen Wert von 50 Gulden. Zahn löste durch einen Vertrag mit der Gemeinde diesen Zehnten für die Zahlung von 400 Gulden im Jahre 1837 auf acht Jahre ab. Würde inner­halb dieser Zeit das Gut verkauft, so müßte der neue Besitzer den Zehnten wieder voll bezahlen.

Auch an anderen Stellen beginnen die jahrhundertealten Rechte abzubröckeln und moderneren Wirtschaftsreformen Platz zu machen. Im Belegbuch des Jahres 1837 findet sich unter Nr. 112 ein wichtiges Protokoll. Es betrifft die Aufhebung des dem Staate zustehenden Zehntrechtes in der Gemeinde Bischofsheim:

a) Das Recht besteht auf 120 Morgen zehntbarer Ländereien im Sommer- und Winterfeld von allen Gewächsen mit Ausnahme von Klee und Brachfeld

b) von 20 Morgen 3 Viertel 29 Ruten den Novalzehnt

c) von 251 Morgen 3 Viertel 12 Ruthen Weinberge den Weinzehnten zu ent­richten

d) von 5 Morgen 2 Viertel Traubenzehnt allein.

Als Ablösungssumme sollte die Gemeinde 654 Reichstaler 3 gute Groschen, 7 Heller zah­len. Das waren mit Zinsen 1.168 Gulden und 36 Kreuzer Die Gemeinde zahlte sofort und in auch bar.

Im Jahre 1847 kommt es zu einem kleinen Aufstand wegen der Zehntabrechnung. Die Menschen sind nicht mehr so autoritätsgebunden und wagen auch gegen die Obrigkeit vorzugehen. So erhält die Aufsichtsbehörde 1846 folgenden Brief: „Kurfürstliches Kreisamt.

Die hiesigen Gemeinderechnungen vom Jahr 1846 wurden 8 Tage lang nach vor­heriger
Bekanntmachung in der Gemeinde zur Einsicht der Gemeindeglieder auf­gelegt und vom Gemeinderat geprüft und bei den darin enthaltenen Ein­nahme- und Ausgabeposten nichts gefunden. Nach Aufforderung unseres Bür­germeisters versammelte ich die ständigen und außerordentlichen Ausschußmit­glieder und legte die Rechnung vor und sie erklärten, mit der Verwaltung von zehnte Leuten nicht zufrieden zu sein, weil es unmöglich ist, daß aus 67 Fuder einge­scheuerte Frucht nur 32 Fuder Stroh gewonnen wurden. Bischofsheim, den 24. Juni 1847, Jost Reuhl.“

Damit sind zum ersten Mal Beanstandungen aus der Gemeinde erhoben worden. Das Leben wird demokratischer. Auf eine Anfrage des Kreisamtes schreibt der Zehntverwalter gereizt zurück: Es gäbe niemals soviel Stroh wie Getreide einge­fahren wurde. Wenn man einen guten Preis erzielen wolle, müsse man große Bün­de machen. Dann beantragte er eine Untersuchung seiner Tätigkeit, aber das Amt schreibt zurück, das solle man dem Ausschuß überlassen. Wenn dieser glaube, Un­regelmäßigkeiten nachweisen zu können, dann solle er dieses tun. Die Sache ist dann anscheinend im Sand verlaufen.

Das Jahr 1848 brachte für das Leben und die Finanzen der Gemeinde einen ge­waltigen Umbruch. Der gesamte Zehnte wurde sofort abgeschafft. Freilich, ohne Kosten ging das nicht ab. Der an die Gemeinde zu zahlende Zehnte fiel zwar völlig und ersatzlos fort, aber der Zehnte für die Kirche, die Schule, das Amt, das Land mußte in der Regel mit dem zwanzigfachen des durchschnittlichen Jahresbetrages abgelöst werden.

Die Ablösung von 40 Malter Besoldungskorn an die Kirche kostete allein 8.000 Gulden, die Ablösung der acht Malter Besoldungskorn an die Schule 1.250 Gulden, die Ablösung des herrschaftlichen Lipskornes 850 Gulden. Dazu kam die Auszahlung des restlichen Ysenburgischen (Wohlfahrtschen) Kapitals in Höhe von 12.000 Gulden, die sofort aufgebracht wurden, die Ablösung des Frongeldes, der Rauchhühner und des Hainzinses, des ständigen Erb- und Grundzinses, die Ab­lösung von Beed- und Atzgeld, die allein 1.200 Thaler erforderte.

Diese riesigen Summen konnten natürlich nicht in bar gezahlt werden, man zahlte in kleinen Be­trägen und verzinste das Kapital mit 5 Prozent. Die Zahlungen für diese Ablösungs­summe gingen bis in das 20. Jahrhundert. Später wurden die beachtlichen Erträge aus dem Schafpferch zur Abzahlung dieser Summen mit verwandt. Es wurde eine besondere Zehntablösungskasse gebildet, in der der Schuldbetrag von 13.500 Gul­den überwacht wurde. Im Jahre 1872 standen immer noch 10.397 Gulden zu Buche.

So hatte das Jahr 1848 für die Gemeinde wirklich den Charakter einer Revolution; eine schwere Last war von der Bevölkerung genommen, und in der ersten Freude bewilligte der Gemeinderat dem Bürgermeister Brand für seine Verdienste bei der Zehntablösung eine Sonderzuwendung von 150 Gulden Das war sehr beachtlich, denn sein Jahresgehalt betrug nur 100 Gulden.

Das Volk jubelte, aber die arme Gemeinde! Ihre Einnahmen sanken von ca. 10.000 Gulden auf 3.000 Gulden In den ersten Jahren hatte man noch etwas Stroh und Ge­treide aus dem Jahre 1847 zu verkaufen. Dann ging es an die Substanz. Man ver­kaufte die Zehntscheune, den Zehntkeller, die Dreschgeräte, die Windfege und vieles andere, um kümmerlich über die Runden zu kommen. Für Gebäuderepara­turen, für Wege- und Straßenbau war kein Pfennig vorhanden, nur die Wiesengräben wurden wie immer sorgsam betreut. Das Holz wurde nicht mehr verteilt, sondern verkauft, aber in diesen Jahren war nicht viel schlagbares Holz vorhanden. Einen schwachen Ausgleich brachte die Jagdgerechtsame, die der Gemeinde nach einigem Hin und Her übertragen wurde. Es waren schwere Jahre, bis neue Steuerquellen erschlossen wurden.

Eigenartigerweise mußte das Einzugsgeld noch weiter bezahlt werden. Die Zah­lungsmoral war schlecht, so schlecht, daß 1859 von der die Rechnungsbücher prü­fenden Hanauer Polizei-Direktion eine äußerst scharfe Drohung an die säumigen Steuerzahler kam, die mit 600 Gulden im Rückstand waren. Die Wirkung war verblüf­fend: Im folgenden Jahr betrugen die Rückstände 1.300 Gulden!

Im Jahre 1863 sanken die Einnahmen der Gemeinde auf weniger als 3.000 Gulden ab. Nun traten die gefürchteten roten Zahlen auf, und neue Steuerquellen mußten erschlossen werden. Der Steueraktivitator Undermann erscheint, ihm wird von der Gemeinde ein Zimmer für jähr­lich 21 Gulden gemietet; er bleibt zwei Jahre in Bischofsheim, um ein neues Steuerkataster aufzustellen. Ihm wird ein zum Ortsschätzer ernannter Bürger zugeteilt, auch der Gemeindediener als guter Kenner der Feldmark muß helfen und verdient sich 17 Gulden.

Es sind Armenhaus-Haushaltspläne, es geschieht nichts, man tritt auf der Stelle. Die Einkünfte aus den Gemeindewiesen, der Jagdpacht und dem Schafpferch sind die Hauptstützen der Gemeinde. 1868 wird die Hundesteuer eingeführt und bringt ein paar Groschen. Der arme Rechnungsführer kommt mit seinen zwei Prozent Honorar nicht mehr auf seine Kosten, man gibt ihm eine feste Summe von jährlich 70 Gulden.

Der Florin und der Gulden, der Kreuzer und der Heller sind tot. Zwar macht der Rechnungsführer nach alter Gewohnheit seine Eintragungen noch nach Gulden, Kreuzer und Heller, aber die Endsummen müssen in Thaler (Thl), Silbergroschen (Sgr) und Heller (h) angegeben werden. Ab 1874 wird mit Mark und Pfennig gerechnet. In diesem Jahr tritt auch die erste Einnahme aus dem Standesamt auf, 52 Kreuzer und 12 Heller.

Im Jahre 1869 bessert sich die finanzielle Lage wieder, aber 1880 ist man wieder am Ende; Privatleuten aus den Nachbarorten borgt man sich 3.500 Mark zu fünf Prozent. Auch die Preußen schießen nicht so schnell; erst 1881 wird die direkte Gemeinde­steuer eingeführt.

Sie besteht aus der Grundsteuer, der Gebäudesteuer, der Einkommensteuer und der Gewerbesteuer. Sie erbringt im ersten Jahr 4.137,03 Mark. Dazu kommen noch die Umlagen für Nachtwachgeld, Beiträge zur Schützenbesoldung, das Maulwurfs­fanggeld sowie Umlagen für die Unterhaltung der Vatertiere, die Umlagen für Hirtenlohn und die Hundesteuer. Eine nicht unerhebliche Einnahmequelle waren auch die Polizeistrafen. Nun kommt die Gemeinde wieder zu Geld.

Im Jahre 1894 werden zum ersten Male Lustbarkeits- (Vergnügungs-) steuern erhoben. Im Rechnungsjahr 1892/93 sind die Einnahmen schon auf 26.976,37 Mark gestiegen. Sie steigen stetig weiter und erreichen 1903 schon die Höhe von 50.000,- Mark. Es sind jedoch Schulden in Höhe von 30.000,- Mark vorhanden, die durch den Bau der zweiten Volksschule (heutige Post), durch den Bau des Doktorhauses in der Berger Straße und durch einen Zuschuß in Höhe von 2.000,- Mark zur Er­richtung der Bahnhaltestelle Bischofsheim-Rumpenheim entstanden sind.

 

Um 1900 ist die alte Zeit, in der die Gemeinde bei allen kommu­nalen Vorhaben sich allein überlassen war, zu Ende. Der Landkreis übernimmt verstärkt zentrale Aufgaben und gibt Zuschüsse zur Vollendung gemeinnütziger Einrichtungen. Die Gemeinde braucht sich auch nicht mehr bei anderen Gemein­den, bei Wirten oder sonstigen Personen Geld zu leihen, dafür sind die Spar- und Leibkasse (die spätere Raiffeisenkasse) und die neu gegründete Kreissparkasse da. Die Volksbank war zunächst gegenüber dem Parkplatz der Waldschule, die Zweigsteller wurde 1991 aufgelöst.

 

Im Jahre 1907 überschreitet der Haushaltsplan wegen des Schulhaus-Neubaues in der Waldstraße und der Anlage des jetzigen Friedhofes zum ersten Male die 100.000,-Mark-Grenze, um dann im folgenden Jahr wieder auf die bescheidene Summe von 55.000,-Mark abzusinken.

Im Jahre 1909 treten neue Begriffe im Steuerwesen auf: Die Kommunalsteuer und die Realsteuer; letztere erbringt 20.000,- Mark. Der Staat wird sich seiner sozialen Verpflichtung mehr und mehr bewußt, er zahlt hohe Anteile zu den auf der Gemeinde schwer lastenden Lehrergehältern und gibt ständige Zuschüsse zu den Schulbau- und Erhaltungskosten. Die Schule ist für die Gemeinde mittlerweile zu einer sehr teuren Angelegenheit geworden, die Gemeinde muß z. B. im Jahre 1910 an persönlichen und sachlichen Kosten für die Schule 16.000,- Mark aufbringen.

Im Jahre 1911 schnellt der Haushaltsplan der Gemeinde auf die unglaubliche Summe von 226.000,- Mark hinauf: Die zentrale Wasserleitung wird gebaut. Neu ist auch die Wertzuwachssteuer, die für bauliche Verbesserungen an Gebäu­den gezahlt werden muß. Im Jahre

1911 müssen zur Ablösung des Zehnten jährlich immer noch 1.111,70 Mark auf­gebracht werden.

Im Kriege werden die Haushaltspläne unglaublich aufgebläht. Im Jahre 1917 steigt der End­betrag in Einnahme und Ausgabe auf 450.000,- Mark an. Diese riesige Summe ist aber nur zu einem geringen Teil auf das Anziehen der Preise zurückzufüh­ren. Im Jahre 1919 beginnt sich die Inflation bemerkbar zu machen, die Endsumme des Haus­haltes steigt auf 791.000,- Mark an, 1920 sind es schon 1,9 Mio. In diesem Betrag ist ein Darlehen in Höhe von 700.000,- Mark von der Kreissparkasse für die Elektrifizierung der Gemeinde enthalten.

Im Jahre 1921 steigt der Etat auf 2,6 Mio., allein die Wiesen erbrachten 60.000,- Mark. Der Wald war während der Kriegszeit stark heruntergewirtschaftet, so daß man 1920 mit 41.000 jungen Bäumchen neue Kulturen anlegte. Die Gemeinde nahm sehr hohe Summen für den Ankauf von Brennholz auf. Zum ersten Mal berechnet die Kreissparkasse zwei Prozent Geldbeschaffungsgebühren.

Die an die Lehrer und Gemeindebediensteten gezahlten Gehälter werden vollkom­men unübersichtlich, dauernde Erhöhungen, Nachzahlungen und Teuerungszu­schläge können die traurigen Zustände nicht ändern. Erst mit der Einführung der Rentenmark im November 1923 bahnen sich wieder geordnete Verhältnisse an.

Im Jahre 1971 ist der Haushaltsplan der Gemeinde bei einer Einwohnerzahl von 11 - 12.000 auf etwa 5 Millionen Mark gestiegen. Die früher so wichtigen Steuerquellen spielen im Haushalt der Gemeinde überhaupt keine Rolle mehr. Die Obstbäume sind gefällt, der Schaf­pferch interessiert niemanden mehr, die Wiesen sind nebensächlich geworden, Polizeistrafen werden fast nicht mehr verhängt, der Wald kostet dreimal soviel als er einbringt. Die Haupteinnahmen der Gemeinde sind die Anteile an der Gewerbesteuer, an der Einkommensteuer und die Schlüs­selzuweisungen des Landes. Trotz der bedeutsamen Maßnahmen der Gemeinde seit 1952 ist sie mit etwa 3 Millionen Mark vergleichsweise gering verschuldet.

 

Der Ysenburgische Hubzins

In dem „Inventarium“ von 1757 ist unter Nr. 17 an „Passivgerechtigkeiten“ verzeichnet, daß die Gemeinde an das Haus Ysenburg-Birstein jährlich folgende Zahlungen zu leisten hatte:

            an Geld                                                          40 Gulden

            an Wein (wie derselbe jährlich wächst)       40 Ohm

            an Korn                                                          40 Achtel

Das waren neben dem baren Geld mehr als 72 Zentner Korn (Roggen) und 6.000 Liter Wein, also beträchtliche Mengen, die jedes Jahr abgeliefert und in das fer­ne Birstein gebracht werden mußten. Auch in schlechten Weinjahren - es ist wie­derholt vorgekommen, daß die Lese völlig ausfiel - mußte der Wert des Weines zum Tagespreis in Geld gezahlt werden. Dieses Recht der Fürsten Ysenburg war wohl durch Erbschaft von den Hanauer Grafen nach Birstein gefallen. Es leuchtet ein, daß diese jährliche Zahlung für die Gemeinde eine unerträgliche Last bedeutete, und es ist verständlich, daß immer wieder versucht wurde, sich von dieser Last zu befreien.

Als 1770 ein schlechtes Erntejahr war, gab es wieder erhebliche Unzufriedenheit über die Ablieferung des Ysenburger Hubzinses, da die Lieferungen einfach nicht aufgebracht werden konnten. Im Jahre 1774 kam ein leider nicht mehr vorhandener Kon­trakt zustande, in dem vereinbart wurde, daß etwa die Hälfte des Hubweines nicht „in natura“, sondern in Geld abgeliefert werden konnte. Leider ist in den Rechnungsbüchern nichts über die Höhe der Zahlungen verzeichnet, da es sich um eine Privatpflicht bestimmter Weinbergbesitzer an das fürstliche Haus han­delte; die Gemeinde übernahm allerdings die Kosten des Vertrages, und nur daher wissen wir von ihm. Auch im Archiv zu Birstein sind keine Unterlagen über den Vertrag vorhanden. In den folgenden Jahren richtet die Gemeinde immer wieder ergebnislose Bittschriften an die Hochfürstliche Regierung und an Serenissimus um Minderung dieser drückenden Abgaben. Im Jahre 1798 verhan­delte man ernsthaft und erzielte eine für beide Seiten scheinbar befriedigende Übereinkunft, in der sich die Bischofsheimer aber doch wohl etwas übernommen hatten.

Der Vertrag lautete: „Unter dem 18. Oktober 1798 wurde mit dem fürstlichen Haus Ysenburg-Birstein ein Vergleich getroffen. In demselben wurden die von der Gemeinde Bischofsheim jährlich zu fordernden 40 Ohm Wein, 40 Achtel Korn, 40 Gulden an Geld zu ewigen Zeiten erlassen. Dafür be­zahlte die Gemeinde dem Haus Ysenburg 18.400 Gulden Kapital. Zu diesem Zweck und zur Auftreibung der für 1798 als Rest gebliebenen und auf 600 Gulden festgesetzten Naturabgabe wurde den 21. Febr. 1799 auf fürstlicher Landkasse aufgenommen 19.000 Gulden zu vier Prozent (Ysenburgischer Hubzins). Zur Auf­treibung der Interessen von aufgenommenem Kapital wurden von den Nachbarn 666 Gulden 24 Albus 2¼ Heller eingezogen.“

Dieses Kapital wird die Gemeinde noch sehr lange belasten, denn die folgenden Zeiten voller Kriegswirren und Einquartierungen machen den versprochenen Ab­trag von jährlich 2.000 Gulden unmöglich.

Auch die jährlich aufzubringenden Zinsen in Höhe von 800 Gulden kommen nur mühsam und oft nur mit geborgtem Gelde und manchmal nur zur Hälfte zu­sammen.

 

Dieser Ysenburgische „Hub-Abgiftenvertrag“ liegt im Belegbuch von 1849 unter Nr. 88 im Gemeindearchiv. Es ist ein umfangreiches Aktenpaket mit vielen Vollmachten und Übertragungen, mit vielen Stempeln und Siegeln. Bis zur end­gültigen Bezahlung des Ablösungsbetrages mußte die Gemeinde den gesamten Gemeindewald von der Fechenheimer Grenze bis zur Berger Grenze verpfänden, ebenso das Hochstädter Ried, die Wiesen am Stumpfgraben, den Gänssee neben der Viehtrift und den „Wallgesweg“. Der verpfändete Gemeindebesitz war mit 38.000 Gulden bewertet, denn es war damals üblich, bei Belastungen stets doppelte Sicherheit gewähren zu müssen. Alle zinspflichtigen Land- und Weinbergbesitzer unterschrieben den Vertrag, ferner mußten sie bekennen, daß sie darüber hinaus mit ihrem eigenen Vermögen haften.

Dieses „Ysenburger Kapital“ muß wie ein Alpdruck auf der Gemeinde gelegen haben. Immer wieder bekam man die Zinsen nicht zusammen, immer wieder mußte bei Pfarrer Brand Geld geliehen werden, um den Zinsbetrag bezahlen zu können.

Ein dickes Tabellenbuch wurde für 13 Gulden gekauft, das Amt ist empört über diese Ausgabe. In dieser Tabelle wurden alle 163 Besitzer der zinspflichtigen Acker und Weinberge eingetragen, die durch Erbteilung oder Verkäufe sich ständig verän­dernden Besitzverhältnisse notiert, die Rückstände vermerkt, die oft geradezu lächerlich geringen Abzahlungsbeträge verbucht. Da die Gemeinde diese Verwal­tungsarbeit nicht übernehmen konnte, wurde ein geeigneter Mann mit der Aufgabe betraut; die jährlich anfallenden Kosten in Höhe von 20 bis 40 Gulden übernahm jedoch die Gemeinde.

In sechs Jahren konnten anstelle der fällig gewesenen 12.000 Gulden nur 3.500 Gulden abbezahlt werden. Mit geborgtem Geld zahlte man dann nochmals 500 Gulden, so daß immer noch 16.000 Gulden standen. Da reißt dem Ysenburger der Geduldsfaden. Die ganze Summe wird verlangt! Das fürstliche Haus bekommt sie auch, denn die Gemeinde nimmt an zwei anderen Stellen Gelder in Höhe von 10.000 Gulden und 6.000 Gulden zu fünf Prozent auf und zahlt den Birsteiner aus.

Die 10.000 Gulden wurden von dem in Hanau gebürtigen Professor Dr. Wohlfahrt aufgenommen. Dieser war in Berlin preußi­scher Regierungsrat und mußte zur Unterschrift eigens von Berlin nach Hanau reisen. Die 6.000 Gulden wurden bei einer Frau Toussaint geborene Ledderhose geliehen. Von nun an erscheint in den Büchern nicht mehr das Ysenburger, sondern das Wohlfahrt'sche Kapital. Die neuen Gläubiger waren aber gnädiger und begnügten sich in Notzeiten auch mit der Hälfte der Zinsen. Zur Zeit der napoleonischen Kriege wurde überhaupt nichts gezahlt. Doch die Bischofsheimer strengten sich an und lei­steten, um ihren guten Willen zu bekunden, mit geborgtem Geld manchmal doch eine kleine Abschlagszahlung.

 

Aus dem Jahre 1819 liegt eine genaue Erhebungsliste der Zahlungspflichtigen vor, es sind in alphabetischer Reihenfolge 179 Personen aufgezählt. Der größte Landbesitzer war die Gemeinde selbst, die von den 16.000 Gulden einen Anteil von 1.146 Gulden hatte und 57 Gulden 9 Albus Zinsen aufbringen mußte. An zweiter Stelle stand der Bauer Michael Weber; andere große Bauern waren die Familien Adamy, Peter Ebert, Johannes Ebert, Zentgraf Ebert, Bernhard Kayser, Philipp Fritz, Johannes Kappes I. und II., Wilhelm Keller und Peter Rohrbach.

Im Jahre 1836 steht immer noch das gesamte Kapital offen. Da bei Berechnung der jährlich aufzubringenden Zinsen die Kleinstbeträge aufgerundet wurden, bildete sich jährlich ein gewisser Überschuß, der in die Gemeindekasse kam. Nun einigte man sich nach langen Beratungen dahin, daß dieser Betrag angespart und zum Ab­trag der Schuld verwendet werden sollte. Die Schuldscheine wechselten des öfteren den Besitzer.

Die 10.000 Gulden standen später auf der Hessischen Leihbank in Hanau, dort konnte man 1838 den Betrag von 2.000 Gulden abzahlen. Die 6.000 Gulden standen bei der Landgräflichen Hauptver­waltung in Rumpenheim.

Im Jahre 1848, rund 50 Jahre nach Abschluß des Vertrages, waren immer noch zweimal 6.000 Gulden Schulden vorhanden, aber 1849 ist die Gemeinde endlich im Besitz der Schuldurkunde. „Zur Ablösung des Zehnten sind von den Zehntpflichtigen laut Vertrag vom 31. März 1848 zu Gemeindekasse eingezahlt worden:

Zum Abtrag des Kapitals auf der Leihbank                                                  6.000 Gulden

Zum Abtrag des Kapitals der Frau von Marquardt geb. Toussaint              6.000 Gulden“

 

Steuern zur Hohen Landesschule

Graf Philipp Ludwig II. von Hanau beschloß, für die Grafschaft ein Gymnasium und eine darauf fußende Hochschule zu errichten. Im Jahre 1612 wurde der Grundstein gelegt, aber erst 1680 wurde die Schule eingeweiht. Eine Hochschule ist nicht daraus geworden, sondern nur ein Gymnasium, aber ein berühmtes. Diese Schule, heute kurz „Hola“ genannt, hat also eine alte Tradition und ist noch heute eine der größten Bildungsanstalten dieser Art in Hessen.

Bischofsheimer Schüler werden sie damals wohl nicht besucht haben, das kam erst sehr viel später, aber zahlen durften die Bischofsheimer das sogenannte Schulge­fälle für diese Schule. Dies bestand aus einem festen Grundbetrag von jährlich fünf Gulden, der von der Gemeinde „als gewöhnliche Stiftung“ gezahlt werden mußte.

Außerdem partizipierte die Schule von mancherlei Umsätzen: Von verkauftem Grund und Boden vom Gulden 2 Heller, von jeder Hochzeit 4 Albus, von nach auswärts verkauftem Vieh 1 Albus 2 Heller, von einem Achtel verkaufter Frucht 2 Heller, vom Weinausschank je Maß (1,6 Liter) 1 Heller, von nach auswärts verkauftem Wein je Fuder (800 Liter) 5 Albus, für einen Sack Bier­malz 4 Heller. Auch von allen Erbschaften mußte ein gewisser Betrag an die Hola abgeliefert werden; ebenfalls hatte die Kirche lange Zeit hindurch Beiträge zu leisten.

Diese Zahlungen werden 1807 noch erweitert. Nun mußten auch Abgaben ge­zahlt werden von den Feldrügen, von der Wirtschaft, vom Wegegeld, von ver­kauftem Heu und Gras, von den Waldbußen, von Gemeindefrüchten, von ver­kauftem Stroh und verkauftem Holz, von der Gemeindemastung (Schweinemast im Eichwald), vom Haus- und Kellerzins, Frond- und Hirtenlohn, Hut- und Wachgeld von den Schutzjuden, von aufgenommenen Kapitalien, vom Fischwasser, von verkauftem Obst, verkaufter Backofenasche, von verkauftem Straßendung, vom Maulwurfsfanggeld, vom Hainzins u.a. Die jähr­lichen Beträge stiegen zeitweise auf 100 Gulden an.

Als 1813 die Einwohner durch die Not der Zeit zu großen Verkäufen gezwungen waren, stieg das Schulgefälle zur Hola wieder sehr stark an. Im Jahre 1819 wurde sogar die ungeheure Summe von 687 Gulden 1 Kreuzer 7 Heller abgeführt. Im Jahre 1821 wird außer den „ständigen 5 Gulden“ nichts gezahlt. Es ist anzunehmen, daß mit dem hohen Betrag von 1819 die Ablösung der Lasten zur Hola erfolgt war. Ein Vertrag darüber liegt nicht vor. Ab 1834 hörte auch die Zahlung der „ständigen 5 Gulden“ auf.

 

Die Niederdorfelder Mühlfrond

Bischofsheim hatte keine Mühle. Zwar gibt es unmittelbar im Anschluß an die Gemeinde rechts der Straße nach Niederdorfelden eine alte Flurbezeichnung, die auf eine frühere Mühle hinweist, aber ob der dort fließende kleine Bach in früheren Jahrhunderten genügend Wasser führte, um eine Mühle zu treiben, ist fraglich. Fest steht jedenfalls, daß die Bischofsheimer ihr Korn in der Nieder­dorfelder Wassermühle mahlen lassen mußten und wie mehrere andere Gemein­den verpflichtet waren, dieser Mühle Frond zu zahlen.

Diese zum Amt Windecken gehörende Erbleihmühle wurde über mehrere Generationen hinweg von der Müllerfamilie Sommerlad betrieben. Unzählige Male sind Bischofsheimer den Weg zur Mühle gefahren, und diejenigen, die kein Gespann besaßen, schleppten ihren Getreidesack mühsam keuchend den ungepflasterten Hohlweg bis hinauf zum Buchwald, wo auf der Höhe eine steinerne Ruhebank zum Absetzen der Last und zum Ausruhen einlud. Dann ging es hinab in das Tal, und mit Mehl und Kleie kehrte man wieder zurück nach Bischofsheim. Es gibt heute noch alte Bischofsheimer, die davon berichten, wie ihre Väter und Großväter den ge­fürchteten Gang zur Mühle machten.

 

In einer durch Brand beschädigten Abschrift des kurfürstlichen Justiz- und Renterei-Amtes Bergen vom 15. August 1878, auf der das Ausstellungsdatum des Originals nicht mehr vorhanden ist, das nach Sprache und Schrift etwa um 1800 entstanden sein dürfte, sind interessante Einzelheiten über die Mühlfrond ent­halten. Danach gehörten zu der Erbleihmühle die „gebannten“ Orte Bergen, Bischofsheim und Gronau.

Auf viele Beschwerden über das Verhalten des Müllers wird verfügt, daß der Müller Sommerlad in Niederdorfelden scharf anzuweisen sei, alle „Mahlgäste“ gleichmäßig und korrekt zu behandeln und niemanden vorzuziehen. Er habe jeden der drei Orte wöchentlich zweimal durch seinen Fuhrknecht anfahren zu lassen, montags und donnerstags Bischofsheim, dienstags und freitags Bergen, mittwochs und sonnabends Gronau. Auf die Einhaltung der Fuhrtermine sei peinlich genau zu achten. Der Fuhrknecht habe sich zuerst bei dem Zentgrafen des betreffenden Ortes zu melden, dann das Mehl bei den Leuten abzuliefern und neues Mahlgut mitzunehmen.

Kann der Müller wegen zu hohen Wassers nicht mahlen, so ist dies sofort den Zentgrafen bekanntzugeben, welche dann umgehend ihre Gemeinde zu unter­richten haben. Nun kann jeder Nachbar sich für diese Zeit eine Mühle nach seinem Belieben aussuchen. Ist die Dorfelder Mühle aber wieder betriebsfähig, so ist jedermann in den drei Orten wieder an diese gebunden. Wer weiterhin eine andere Mühle aufsucht, hat eine Strafe von 10 Reichstaler zu zahlen, auch das Mahlgut wird konfisziert.

Der Müller habe seine Mühle stets in bester Ordnung zu halten, sonst gibt es hohe Strafen.

Alle Beschwerden gegen den Müller sind sofort schriftlich dem kurfürstlichen Justizamt in Bergen zu melden, das umgehend einschreiten wird. Bischofsheim mußte jedes Jahr vier Gulden für Schaufelholz zur Mühle zahlen und das Gespann für die Anfuhr eines Schaufelbaumes stellen. Da dieses Gespann nie­mals gestellt wurde oder gestellt werden konnte, mußte die Gemeinde dafür zehn Gulden zahlen.

 

Wegen der Dorfelder Mühlfrond wurden immer wieder Bittschriften verfaßt, sie blieben jedoch ohne jeden Erfolg. Im Jahre 1821 scheint auch das Amt Bergen dieser ewigen Zahlung an den Müller über­drüssig geworden zu sein, denn es fragte an, warum Bischofsheim jedes Jahr Beträge für Mühlsteine, Schaufelräder, Schaufelbäume und Fuhrkosten zu zahlen habe. Diese Frond sei nirgends eingetragen. Ferner will das Amt wissen, warum Bischofsheim die Anfuhr des Schaufelbaumes nicht selbst übernehme. Die Antwort lautet:

1. Das ist schon immer so gewesen. 2. Die Bischofsheimer haben nicht die geeigneten Geschirre.

Nun herrscht längere Zeit Ruhe, aber im Jahre 1838 protestierte Bischofsheim wieder gegen die Mühlfrond. Im Jahre 1840 führte Bischofsheim gemeinsam mit den an­deren Gemeinden einen Prozeß gegen die Mühle, der aber verloren ging und nur Kosten verursachte. Doch steter Tropfen höhlt den Stein: 1841 kam ein Vergleich mit dem Amt Windecken zustande. Die Gemeinde Bischofsheim zahlte an das Amt Windecken 153 Gulden, 7 Albus, 2 Kreuzer und für das bisher an die Mühle zu zahlende Dienstgeld 205 Gulden 50 Albus an Ablösung. Dieses „Dienstgeld“ ist in den Büchern nie in Erscheinung getreten und war wohl identisch mit den oben ange­gebenen Verpflichtungen der Gemeinde Bischofsheim. Es kann auch sein, daß die genannte Summe als Ablösung für das zu stellende Fuhrwerk anzusehen ist. Damit war endlich der Name des Müllers Sommerlad aus den Rechnungsbüchern der Gemeinde und zugleich ein mittelalterlicher Zopf verschwunden.

 

Der Kleine Zehnte in der Berger Feldmark

Das Bartholomäusstift in Frankfurt am Main hatte in Bischofsheim und Bergen eine Menge Besitzungen, die verpachtet waren; von anderen Besitzungen bekam das Stift den Zehnten.

Im Jahre 1804 hob die Stadt Frankfurt am Main im Zuge der Einziehung geistlicher Besitz­tümer (Säkularisation) sechs verschiedene Klöster und Stiftungen auf. Dadurch kamen die Gemeinden in den Besitz dieses Zehnten. Auch in der Berger Feldmark erwarb die Gemeinde Bischofsheim von einigen Äckern das Recht auf den Kleinen Zehnten. Welche Summe Bischofsheim für diese einträgliche Pfründe zu zahlen hatte, geht aus den Büchern leider nicht hervor, aber im Jahre 1823 klagt die Stadt Frankfurt die rückständigen Zehntkaufgelder in Höhe von 1.100 Gulden ein. Diese Summe bezog sich jedoch nur auf den Erwerb des Zehnt­rechtes in der Berger Gemarkung.

Die nun an Bischofsheim zehntpflichtigen Gemarkungsteile in der Berger Ge­markung waren: das Bockstadtfeld, in den Zehntdistrikten, am Triebborn, an den Bischofsheimer Nußbäumen, im Pfaffental und an der Bockstadt. Insgesamt umfaßte die Fläche 240 Morgen, 3 Viertel, 38 Ruthen Ackerland. Je nach Ernte-Ertrag und Preislage erhielt die Gemeinde jährlich bis zu 500 Gulden Zehntgeld. Aller­dings: Jedes dritte Jahr lagen die Äcker als Brachland da. Dann gab es keine Ein­nahmen.

Anfangs ließ sich die Gemeinde den Zehnten von den Bergern in Naturalien geben und diese in die Zehntscheune fahren. Später verpachtete man den Zehnten öffentlich meistbietend an die Interessenten. Menschlich wirkt der Rat des Bürgermeisters an den Höchstbietenden, bei der Entnahme des Zehnten nicht zu scharf zum Schaden des Besitzers vorzugehen.

Bergen versucht sehr bald, das Zehntrecht der Bischofsheimer Gemeinde abzu­lösen. Ein Vertrag zwischen den beiden Gemeinden vom 2. August 1838 ist vor­handen, der von dem Berger Bürgermeister, sechs Gemeinderäten, sechs Mitglie­dern des ständigen Gemeindeausschusses und sechs Mitgliedern des außerordent­lichen Gemeindeausschusses unterschrieben ist.

Die Bischofsheimer scheinen mit diesem Vertragsentwurf doch nicht recht zu­frieden gewesen zu sein, denn erst am 11. Juli 1840 kommt ein endgültiger Vertrag zustande: Bergen hat 3.696 Gulden 13 Albus 1/3 Heller zu zahlen. Vom Zeitpunkt des Vertrages an muß diese Summe mit 5 Prozent verzinst werden. Sehr gut sind die Berger wohl nicht bei Kasse gewesen, denn sie mußten noch rund 100 Gulden Zinsen bezahlen, ehe sie die Ablösungssumme aufbringen konnten.

 

Die Beysassen

Im 18. Jahrhundert wurden die Einwohner der Gemeinde von den vorgesetzten Behörden kurzweg als Untertanen bezeichnet, während sie von den örtlichen Be­hörden, den Gerichtsschöffen, den Bürgermeistern „Nachbarn“ oder „Mitnach­barn" genannt wurden. Das war nicht etwa eine vertraulich-freundliche Bezeich­nung, sondern der amtliche Titel, denn Nachbar war nicht jeder. Es gab im Ort aber auch noch „Beysassen“, die auch „Beisitzer“ genannt wurden.

Sie hatten durchaus nicht die Rechte der „Nachbarn“, konnten weder zum Bürger­meister noch zum Gerichtsschöffen noch zum Feld- oder Waldhüter oder in ein anderes Ehrenamt gewählt werden. Nur das Hirtenamt durften sie ausüben. Sie nahmen auch an den Gemeindeversammlungen in oder vor dem Rathaus nicht teil und waren damit also Bürger zweiter Klasse.

Die Beysassen zahlten jedes Jahr eine besondere Steuer an die Gemeinde, mei­stens waren es zwei Gulden, später mußten sie auch noch zwei Gulden an das Amt Bergen zahlen. Die zwölf Beysassen des Jahres 1832 hatten wie immer treu und brav ihre zwei Gulden für das Amt Bergen bei der Gemeindekasse bezahlt. Als nun die Gemeinde der Amtskellerei in Bergen den Betrag übergeben wollte, verweigerte man dort die Annahme und schickte das Geld wieder nach Bischofsheim zurück, dort mußte aufgrund einer neuen Bestimmung jeder Beysasse wieder seine zwei Gulden abholen und sie persönlich beim Amt Bergen einzahlen. Einen Vorteil hatten die Beysassen allerdings: sie brauchten, wenn sie Zuzugs­genehmigung nach Bischofsheim erhielten, kein Einzugsgeld zu zahlen.

Der erste Beysasse wird 1767 erwähnt, er hieß Michael Menger. Später waren bis zu 36 Beysassen im Ort, mit ihren Familien stellten sie einen erheblichen Teil der Bevölkerung dar. Es war nicht leicht, als Beysasse in die Nachbarschaft aufge­nommen zu werden. Der Bewerber um die Mitbürgerschaft mußte mindestens 300 Gulden bares Geld vorweisen können und Liegenschaften im Wert von minde­stens 100 Gulden besitzen.

Auch wenn der Beysasse ein Mädchen mit Vermögen und Liegenschaften heiratete, konnte er nicht Nachbar werden, denn er persönlich hatte ja nichts. Erst die Kinder aus einer solchen Ehe waren berechtigt, den Antrag auf Aufnahme in die Nachbarschaft zu stellen. Über diesen Antrag entschied nicht nur die Ge­meinde, sondern auch die vorgesetzte Behörde. Es scheint nur ganz wenigen Bey­sassen gelungen zu sein, als vollwertiges Mitglied in die Gemeinde aufzusteigen. So wird am 3. November 1829 vermerkt, daß ein Beysasse namens Heß durch Be­schluß des Kreisamtes zum Nachbar erklärt worden sei.

 

Die Bischofsheimer Juden

Die Auskünfte der Bischofsheimer Rechnungsbücher über die hiesigen Juden sind dürftig. Unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg waren schon Juden im Ort. Sicher ist, daß einige Juden schon um 1750 eigene Häuser hatten, die in verschie­denen Straßen lagen. Es gab also hier kein Getto. In den Liegenschaftsverzeichnis­sen der Acker tritt kein jüdischer Name auf, Juden besaßen also kein eigenes Land. Von irgendwelchen Exzessen gegen die jüdischen Einwohner wird nirgends etwas berichtet, die Wellen der Judenverfolgungen, die im Mittelalter immer wieder über ganz Europa bis weit nach Rußland hinein liefen, haben Bischofsheim wohl nicht berührt.

Es scheint so, daß die Juden, soweit es die bestehenden Gesetze zuließen, sich hier einer gewissen wohlwollenden Duldung erfreuten. Die Gemeinde verkaufte die abgängigen Fasel­ochsen lange Zeit hindurch an die einheimischen Judenmetzger und nahm diese oft bei Einkäufen neuer Vatertiere als Berater mit.

Im Jahre 1758 werden drei Juden genannt, Jud David, Jud Afron (Aron), Jud Salmon (Salomon). Alle waren Metzger, die an die Gemeinde Steuer („Schlachtaccise“) bezahlen mußten.

Im Jahre 1762 werden ein Jud Hesekiel, ein Jud Simon und ein Jud Aron als Metzger ver­merkt, 1785 kommen Jud Nathan, 1787 Jud Mortge (Mordachey) hinzu.

Da von anderen Metzgereien keine Schlachtsteuer einging, ist zu vermuten, daß sie die einzigen Metzger waren, die die Gemeinde mit Rind-, Kalb- und Hammelfleisch versorgten. Der Bedarf an Schweinefleisch wurde wohl durch die Haus­schlachtungen gedeckt. Die erste nicht-jüdische Metzgerei wurde 1876 durch Friedrich Wilhelm Reuhl in der Schäfergasse gegründet.

Öffentliche Ämter durften die luden nicht übernehmen. Sie wurden auch nicht zu dem lästigen Wachdienst im Dorf oder auf den nach auswärts führenden Straßen herangezogen. Als Ausgleich wurden sie mit einem besonderen „Huth­und Wachgeld" belastet.

Sehr oft treten die Namen der Juden in den Straflisten auf. Der Besitz von Grund und Boden war ihnen verwehrt wie auch die Ausübung vieler Gewerbe. Es blieb ihnen nur der Handel als Existenzbasis, und meistens handelten sie mit Vieh. Futterknappheit war sicher Dauerzustand bei ihnen. So machten sie mit ihrem Handelsvieh unterwegs wohl gerne neben einer saftigen Wiese oder auf einem Feldweg Rast und ließen das Vieh weiden. Doch das Auge der Feldhüter war scharf. Besonders die auswärtigen Juden mußten ihr Vergehen oft teuer bezahlen.

Nach 1810 hatten die luden auch Kramläden, und die Gemeinde kaufte bei ihnen Öl- und Talgkerzen. Die jüdischen Kinder besuchten die jüdische Schule in Hochstadt, erst ab 1874 wurden sie in Bischofsheim eingeschult. Verstorbene Juden wurden in Hanau beerdigt, daher waren die Beerdigungskosten hoch,

Unter Napoleon waren die Juden durch das Edikt vom 11. März 1812 freie Staats­bürger geworden und unterlagen keinen besonderen Bestimmungen mehr. Die Judenemanzipation hat sich anscheinend nur sehr zögernd durchgesetzt, denn das Huth- und Wachgeld mußten sie weiter bezahlen.

Im Jahre 1815 quittierte Nathan Stern zum erstenmal eine Rechnung ohne vor seinen Namen das Wort „Jud“ zu setzen. Die Juden hatten sich bisher nur mit Vornamen bezeichnet und kannten keine Familiennamen. Nun mußten sie sich auch Familiennamen zulegen und nann­ten sich oft Hirsch, Wolf, Goldschmidt, Silberstein usw. Nur in Österreich wurden ihnen von mißgünstigen Beamten verletzende Namen zugeteilt. Der Jude Mordachey nennt sich jetzt „Kaufmann“, er pachtet von der Gemeinde ein Stück Land.

Als Karl von Dalberg, Kurfürst von Mainz, 1810 das von Napoleon gegründete Großherzogtum Frankfurt bekam, gab er den Frankfurter Juden sofort die Gleich­berechtigung, aber so ganz umsonst tat der so fortschrittliche Dalberg dies nun auch wieder nicht: Die Frankfurter Juden mußten als Ablösung des Schutzzolls erst einmal 400.000 Gulden abliefern.

Die Gemeinde Bischofsheim verlangte von ihren Schutzjuden kein Ablösungsgeld, man war hier eben schon immer großzügig. Das Wachgeld mußte allerdings in Höhe von 3 Gulden pro Person noch bis 1833 bezahlt werden. Im Jahre 1820 heißt es zum erstenmal: Israelitisches Begräbnis.

Die Duldsamkeit und Toleranz der Bischofsheimer Bürger ihren Jüdischen Mit­bürgern gegenüber beweist folgender humorige Knittelvers, der vor 1933 entstan­den ist:

Seelig ist der Mayer, wenn der Wolf

im Grünewald den Hirsch verfolgt

und der Goldschmidt im Blumenthal

mit aller Kraft nach dem Stern sieht.

[Dis klingt etwas nach Spottvers,da es aber so bei Lippert steht, wurde es hier belassen]

 

Auch nach 1933 kam es durch die künstlich erzeugte und hoheitsrechtlich ge­steuerte „Volks­wut gegen das internationale Judentum“ in Bischofsheim zu keinen tätlichen Angriffen gegen die jüdischen Bürger, die fast alle den sozial schwachen Volkskreisen angehörten.

Die Bischofsheimer Juden mußten freilich auch fort, ihre Anwesen wurden von Bischofsheimer Bürgern erworben, die Kaufpreise wurden auf ein Sperrkonto gezahlt. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges und der Wiederherstellung geordneter Ver­hältnisse sind von den Erwerbern jüdischen Eigentums weitere Zahlungen an die Überlebenden oder Erben der vertriebenen Juden geleistet worden.

Zu Anfang des Jahres 1933 lebten 35 Juden in Bischofsheim. Viele erkannten die ihnen drohende Gefahr rechtzeitig und verließen Deutschland. Die letzte Jüdin aus dem Ort, Bertha Blumenthal, wurde am 5. November 1942 nach dem Osten abgeschoben, wo sie wahrscheinlich umgekommen ist.

Einige der Bischofsheimer Juden sind in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches umgekommen, die meisten konnten sich retten und lebten in England, Amerika, Afrika und   Aust­ralien. Einige haben ihre alte Heimat nach dem Kriege wieder einmal besucht, aber wieder niedergelassen hat sich hier niemand von ihnen.

 

Die nach 1933 vorerst noch im Ort verbliebenen Juden durften nur in bestimm­ten Geschäften einkaufen, andere Läden durften sie nicht betreten. Durch einen Erlaß vom 5. Oktober 1935 wurde angeordnet, daß die vor den Ortsein­gängen oder Plätzen aufgestellten Tafeln mit der Inschrift „Juden unerwünscht“ aus außenpolitischen Gründen sofort zu entfernen seien. Privatpersonen und Geschäften war die Anbringung solcher Schilder erlaubt.

Ebenso wurden alle Ein­zelaktionen gegen Juden streng verboten, antijüdische Aktionen hätten nur auf An­ordnung von Staat oder Partei zu erfolgen. Im Jahre 1938 wurde das Gotteshaus der hiesigen Juden in Hochstadt zerstört, ab 1941 hatten alle Juden den gelben Judenstern mit der Aufschrift „Jude“ zu tragen.

Das Haus Schäfergasse 21, Levi Seelig gehörend, ging an Wilhelm Lendel über, das Haus Schäfergasse 2 von Hermann Goldschmidt erwarben die Familien Bauch und Göring, das Haus des Isidor Mayer in der Schäfergasse 10 erwarb Jean Fritz, das Haus von Hermann Stern in der Obergasse 8 kam an Heinrich Ohne­mus, das Haus von Adolf Stern in der Obergasse 14 wurde von Philipp Walter erworben, das Haus des Oskar Hirsch in der Zwerggasse 1 kaufte Alfred Niem­czyk. Die Häuser Niedergasse 3 (Blumenthal) und Niedergasse 22 (Nathan Stern und Wolf) blieben vorerst im Besitz der Gemeinde.

 

Das Gemeindebackhaus

Im Jahre 1758 hatte die Gemeinde vier gemeindeeigene Häuser, das Rathaus, das Schulhaus, das Hirtenhaus und das Backhaus. Letzteres war jenes Haus, das noch heute in der Straße

Alt-Bischofsheim 11 (Hintergasse) steht und sich zur Zeit im Besitz der Familie Wörn befindet. Das Anwesen bestand aus einem Wohnhaus, dem Backhaus und den Wirtschaftsgebäuden (Stall und Scheune). Dieses Gehöft hat eine recht wechselvolle Geschichte, und viele Generationen der Bischofsheimer Bevölkerung haben es wöchentlich mehrmals betreten. Das Gebäude ist heute in Privatbesitz, gebacken wird dort immer noch.

Aus alten Unterlagen geht hervor, daß meistens zwei Brote gekauft wurden, die einer Durchschnittsfamilie zwei Tage reichten. Häufig wurde der Betrag für die Brote angeschrieben und am Wochen- oder Monatsende bezahlt.

Im Jahre 1758 zahlte der Bäcker für das gesamte Anwesen eine jährliche Pacht von 20 Gulden, was keine übermäßig hohe Summe war. Die Sache hatte jedoch noch einen kleinen Haken, denn der jeweilige Pächter mußte den Gemeindeeber auf seine Kosten anschaffen, unterhalten und „vorführen“, d.h. ihn kaufen, unter­bringen, füttern und bei Bedarf stets zu Diensten halten. Es ist nirgends zu ersehen, ob er von den Besitzern der Mutterschweine ein Sprunggeld erhob, was je­doch mit Sicherheit anzunehmen ist.

Diese Art von Nebenbeschäftigung des Gemeindebäckers würde heute sicher bei der Gewerbeaufsicht erhebliches Stirnrunzeln verursachen, aber damals war man nicht so zimperlich. Es scheint kein ungetrübtes Glück gewesen zu sein, als Päch­ter des Gemeindebackhauses in Bischofsheim zu wirken, denn die Pächter wech­selten häufig, oft schon nach einem Jahr.

Die Bautechnik, nach der der wohl etwas stark beanspruchte Gemeindebackofen erstellt wurde, war der Aufgabe anscheinend doch nicht ganz gewachsen, denn jedes Jahr mußten an dem Backofen Reparaturen vorgenommen werden. Alle zwei Jahre wurde der anfällige Ofen abgerissen und neu gebaut. Die Kosten trug stets die Gemeinde; dann wurde Lehm herbeigeschafft, Gersten­ähren wurden gekauft und aus Lehm und Ähren das Material hergestellt, aus dem der Ofen gebaut wurde. Wenn die Gemeinde gut bei Kasse war, kaufte man auch 20 Pfund Kuhhaare oder Schweineborsten, die mit dem Lehm vermischt wurden, um die Haltbarkeit zu vergrößern. War der Ofen fertig, mußten viele Gebunde teures Roggenstroh besorgt werden, mit dem der Ofen gefüllt wurde. Dann verbrannte man das Stroh, um die Feuchtigkeit aus dem Bauwerk zu vertreiben. Man darf wohl annehmen, daß die ersten Brote aus dem neu erstellten Ofen nicht immer zur Zufriedenheit der Kunden ausfielen.

Um 1730 gab es den Bäcker Urlettig, im Jahre 1758 wird der Bäcker Johannes Knoch genannt. Auch die Gemeinde war ständiger Kunde im Backhaus, denn sie bezahlte für alle Gemeindeangehörigen das bei der jährlich viermal stattfindenden Feier des Heiligen Abendmahls benötigte Brot. Dafür bekam der Bäcker jährlich vier Gulden, und dafür konnte man eine ganze Menge Brot kaufen. Auch die bei der jährlich stattfindenden Schulvisitation für die Schüler benötigten Wecke kaufte die Gemeinde bei dem Bäcker.

In Notzeiten erhielt der Bäcker oft große Mengen Mehl, um auf Kosten der Ge­meinde Brot für die Armen zu backen. Häufig lagen fremde Truppen als Besatzung oder Einquartierung im Ort. Dann mußte die Gemeinde viel Brot liefern, und der Backofen war wohl Tag und Nacht in Betrieb. Im Jahr 1772 war alles erheblich teurer geworden, denn das Brot zum Heiligen Abendmahl kostete sechs Gulden, später stieg der Preis sogar auf elf bis zwölf Gulden.

Es seien die Namen einiger Bäcker aufgezählt:

1768  Bäcker Heun

1769  Bäcker Peter Grimm

1770  Bäcker Heun

1773  Bäcker Peter Ludwig Schmid

1 775 Bäcker Ald Vatter

Im Jahr 1776 war wieder ein neuer Bäcker da. In diesem Jahr betrugen die Instand­setzungs­kosten für das Backhaus 400 Gulden, das entsprach der Pacht von 20 Jahren. Wahrscheinlich ist das ganze Gehöft in Ordnung gebracht worden.

Ab 1788 übte der Bäckermeister Schmidt anscheinend nur noch sein Handwerk aus und hatte die Landwirtschaft an den Nagel gehängt, denn Scheune und Wirt­schaftsgebäude wurden an einen anderen Einwohner verpachtet. Den Gemeinde-Eber mußte der Bäcker aber trotzdem halten.

Die Backofenasche („Back-Ysselen“) aus dem Backhaus wurde von der Gemeinde jährlich öffentlich meistbietend als Düngemittel versteigert. Sie brachte in der Regel den Betrag von zehn Gulden. Allzusehr scheint man von dem Wert dieses Dünge­mittels aber nicht überzeugt gewesen zu sein, denn in manchen Jahren fand sich kein Interessent.

Als 1793 das Faselschwein verstarb, zeigte sich die Gemeinde großzügig und kaufte dem Bäcker für 8 Gulden einen neuen Eber. Im Jahre 1796 kostete ein Laib Brot 14 Albus; 1797 lieferte der Bäcker erstmals zum Heiligen Abend­mahl für zwölf Gulden „weißes Brot“. Im Jahre 1800 heißt der Gemeindebäcker Krebs, er zahlt für das Backhaus 20 Gulden Pacht, eine Summe, die früher für das ganze Anwesen entrichtet wurde.

Aus dem Jahre 1800 stammt eine Anweisung an die Gerichtsleute, die Bäckereien, Metzgereien und Wirtschaften in unregelmäßigen Abständen zu überprüfen. Es gab damals Bäcker, die die Preise erhöhten oder ihre Ware mit Untergewicht verkauften.

Die Gerichtsleute sollten das Brot nachwiegen, wenn es zwei Stun­den aus dem Ofen war. Für ein Lot Untergewicht sollte der Bäcker mit 1 Gulden, bei zwei Lot mit 4 Gulden, bei drei Lot mit 8 Gulden und bei 4 Lot Untergewicht mit 13 Gulden bestraft werden. Übrigens: In den Einnahmebüchern der Gemeinde sind niemals Strafgelder von Bäckern verbucht, so daß man wohl annehmen muß, daß es alle brave und ehrbare Meister waren.

Als in den Befreiungskriegen eine starke Teuerung eintrat, wurde der Mietpreis für das Backhaus bei dem Bäcker Friedrich Zeil auf 35 Gulden gesteigert. Nach den Befreiungskriegen hatte die Gemeinde ungeheure Kosten aufzubringen, über die an anderer Stelle berichtet wird; sie borgte Geld, wo sie es nur be­kommen konnte, u.a. auch bei einer Frau Kußner aus Frankfurt. Es handelte sich um einen Betrag von 500 Gulden Im Jahre 1818 strengte diese Frau gegen die Gemeinde einen Prozeß wegen der Rückzahlung des Geldes an. Die Gemeinde wurde verurteilt, innerhalb von drei Monaten ihre Schulden zu begleichen. Bis dahin wurde das Gemeindebackhaus an die Frau verpfändet, wobei der Wert des Hauses mit 1.000 Gulden angesetzt wurde.

Im Jahre 1823 ist die Pacht für das Backhaus schon auf 81 Gulden gestiegen. Im Jahre 1824 pachtet ein Georg Seem das Gemeindebackhaus und bietet 150 Gulden Das kann nicht gutgehen! Seit diesem Jahr ist ein zweiter Bäcker vorhanden, der mit obrigkeitlicher Geneh­migung von der Gemeinde die Erlaubnis erhält, „für die Untertanen Brot zu backen“, also Brot, das zu Hause backfertig gemacht wurde. Für diese Erlaubnis mußte er der Gemeinde jährlich sechs Gulden zahlen. Dieser Bäcker hieß Johannes Reuhl. Schon ein Jahr später ist der arme Georg Seem bei seiner ungeheuren Mietsumme pleite, er muß fort, sogar der ihm gehörende Eber wird versteigert. Für 60 Gulden pachtet dann Andreas Schmitt das Backhaus, aber auch er hat sich übernommen, denn er kann nur 36 Gulden aufbringen und muß weichen.

 

Sein Nach­folger ist ein Auswärtiger. Er heißt Jakob Wörn, kommt von Seckbach und stammt aus Weil am Schünbusch. Mit ihm hat das Gemeindebackhaus seinen endgültigen Herrn gefunden, denn seine Nachkommen sind heute noch Besitzer dieses wich­tigen Hauses und im Ort als „Hinterbäcker“ bekannt. Die Behörden in Hanau erkundigen sich umständlich in seiner Heimatgemeinde nach den finanziellen Ver­hältnissen und dem Leumund des Bäckers, ebenso nach seiner fachlichen Eignung. Die Auskünfte waren zufriedenstellend. (Schönbuch?).

Aber auch der neue Bäcker hatte Schwierigkeiten, er übernahm die Pachtung für 90 Gulden jährlich und mußte sich bei Übernahme auf Anordnung der Behörde in Hanau verpflichten, die Pacht auf drei Jahre im Voraus zu zahlen. Wer konnte schon einem „Ausländer“ aus dem fernen Schwabenland trauen!

Bei der Übernahme zahlte Jakob Wörn nur 90 Gulden. Nun fragte die Gemeinde bei dem Amt an, ob man damit zufrieden sein dürfe. Das Amt war jedoch vernünftig und entschied, daß man dem Bäcker das Gemeindebackhaus übergeben solle.

Der aus dem Jahre 1826 stammende Pachtvertrag ist vorhanden. Ein Auszug aus dem umfangreichen Schriftwerk lautet:

1. Das Pachtgeld muß für ein Jahr im Voraus bezahlt werden

2. Der Bäcker muß ein gutes Brot backen, darf keinem zur Gunst backen und darf niemand ausschließen. Pro Malter Mehl muß er 4 Pfund Sauerteig ver­wenden, 6 Pfund darf er vom Teig wieder zurücknehmen.

3. Pro Malter Mehl bekommt er 3 Kreuzer Backlohn, für jeden Kuchen 1 Heller.

4. Er muß das Faselschwein auf eigene Kosten halten.

5. Wer beim Bäcker eigenes Brot backen läßt, muß die Heizung stellen.

6. Wenn ein Ausländer das Backhaus pachtet, muß er eine Bescheinigung seines Heimatortes         vorlegen, daß man ihn dort eventuell wieder aufnimmt.

 

Die Verpachtung erfolgte auf ein, zwei oder drei Jahre. Mit der Pacht gab es keinen Ärger mehr, Bäcker Wörn zahlte regelmäßig seine 90 Gulden Er muß ein tüchtiger Mann gewesen sein, denn er konnte noch etwas zu­rücklegen und 1830 den Antrag an die Gemeinde stellen, das Anwesen käuflich zu erwerben. Die Gemeinde ging auf den Antrag ein: „Mit Genehmigung der kurfürstlichen Regierung vom 1. Februar 1830 ist das Gemeindebackhaus an den Bäcker Jakob Wörn für 915 Gulden verkauft worden. Es ist eine Anzahlung von 715 Gulden eingegangen“.

Aber den Eber muß der Bäcker wie bisher stellen und halten. Doch auch den wird er los! Der zielstrebige Bäcker Ernst Gottlieb Wörn einigte sich 1838 dahingehend mit der Gemeinde, daß er sich gegen Zahlung eines Betrages, der später in 1.152,- Mark umgerechnet wird und mit fünf Prozent verzinst werden mußte, von der Eberhaltung lösen kann. Diese Ablösungssumme zahlten seine Nachkommen später an einen Rechnungsführer der Gemeinde, der sie aber nicht an die Ge­meindekasse ablieferte. Als man sehr viel später darauf aufmerksam wurde, mußten die Nachkommen des Rechnungsführers diesen Betrag mit Zinsen nach einem verlorenen Prozeß an die Gemeinde abliefern. Mit dieser Notiz verschwindet das Backhaus endgültig aus den Rechnungsbüchern der Gemeinde.

 

Die Bischofsheimer Gastwirtschaften

Im Jahre 1645 wird der Gemeindewirt Johann Peter Ebert erwähnt, 1750 der Wirt, Bender und Bierbrauer Johannes Keller. Im Jahre 1758 gab es drei Wirtschaften am Ort. Damals hatte Bischofsheim 460 Einwohner. Die Wirte waren: Hieronymus Bauscher, Johannes Brecht und Johannes Keller.

Die Gaststätte Krone in der Obergasse ist von 1784. Diese Keller‘sche Wirtschaft hat die Jahrhunderte als einzige überstanden, sie steht heute noch, hatte 1971 noch ihr Schild „Zur Krone“ angebracht. (1860 sogar „Goldene Krone“), aber seit 1970 hat auch sie die Tür geschlossen.

Die Gaststätte Krone ist das älteste bekannte Gasthaus in Bischofsheim. Der Wirt der Krone, Johann Keller, wurde von der Gemeinde oft um Kredit gefragt. Wirte verdienten zu dieser Zeit sehr gut. Den Kredit gewährte er auch Anfang des 19. Jahrhunderts sehr oft. Die Zurückzahlung des Kredites mußte er dann oft vor Gericht erzwingen.

 Im Jahre 1767 war die Frau des Gastwirtes Brecht schon Witwe. Sie verklagte die Gemeinde, gewann ihren Prozeß und schloß die Wirtschaft. Doch für die trinkfreudigen Bischofsheimer Männer trat kein Notstand ein: Michael Kaiser und Michael Weissenbach mach­ten neue Wirtschaften auf.

Die Gasthäuser mußten der Gemeinde eine Steuer für die Wirtschaft bezahlen, jährlich 25 Gulden. War nur der Wirt Keller da, so zahlte er die genannte Summe alleine, waren fünf Wirtschaften in Betrieb, so zahlte jeder nur fünf Gulden. Man ging wohl von der Annahme aus, daß der Gesamtumsatz immer derselbe war, was allerdings zu bezweifeln ist.

Aufschlußreich sind die leider spärlich erhalten gebliebenen amtlichen Verord­nungen, die die Gastwirtschaften betreffen:

Zentgrafen und Gerichtsschöffen wurden verpflichtet, die Wirtschaften immer wieder zu kontrollieren. Die Spielkarten galten noch als des Teufels Gesangbuch, daher war das Kartenspiel um Geld in den Wirtschaften strengstens verboten. Wirt und Spieler wurden bei Verstößen gegen diese Anordnung bestraft. Ganz besonders galt dieses Verbot für die Zeit des Gottesdienstes.

In mehreren Erlassen wetterte das Amt gegen die Trunksucht. Ein Wirt, der einem Betrunkenen noch Getränke verabreicht, soll mit drei Gulden bestraft werden; auch die Zeit, die man sich im Wirtshause aufhielt, unterlag der amt­lichen Kontrolle. Wenn der Zentgraf oder ein Gerichtsschöffe feststellte, daß je­mand länger als eine Stunde in der Wirtschaft saß, so war eine Strafe fällig. Die ein­schränkenden Bestimmungen gingen noch weiter: „Fremde Personen und durchziehende Familien, die im Wirtshaus vorsprechen, sind sofort zu arretieren und nach Bergen zu bringen.“

Über die ausgeschenkten Getränke erfährt man aus den Unterlagen leider wenig. Nur bei den Bestimmungen über die Rationen, die einquartierten Soldaten zu­standen, werden im Jahre 1800 Bier und Apfelwein erwähnt. Wein wurde sicher auch ausge­schenkt, denn von jedem Maß Wein mußten die Wirte je einen Heller Steuern für die Hohe Landesschule in Hanau abgeben.

Aber eines ist ganz sicher: Brannt­wein stand hoch im Kurs. Er ist sicher nicht nur bei der Feuerwehr und bei den Holzwächtern beliebt gewesen. Dieses Feuerwasser kam aus eigener Produktion der Wirte, denn 1804 hatten die Wirte Johannes Jost Keller und Johannes Werner Kayser Konzessionen zum Branntweinbrennen. Bei der Erteilung der Konzession wurden den Wirten ganz genaue Auflagen gemacht. Im Jahre 1826 versteuerte der Wirt Keller 800 Liter Branntwein, 1841 zahlte er 40 Gulden Branntweinsteuer. Auf dem Grundstück Schäfergasse 6 befand sich bis 1972 noch ein Gebäudeteil, der als „Brennhaus“ bezeichnet wurde, auch auf dem Gelände des Rathauses Hintergasse 28 befand sich früher ein Brennhaus.

Aus dem Jahre 1779 liegt eine Rechnung vor: Die zwei Wirte Johannes Just Keller und Johann Peter Bauscher für zwei Tannen Kerb-Grün je ein Gulden. Im Jahre 1784 kaufte ein Wirt sogar zwei Kerbbäume. Die Bischofsheimer Kerb gibt es also schon lange!

Viele Jahre gab es nur zwei Wirtschaften: Kayser und Keller. Im Jahre 1806 eröffneten zwei neue: Johannes Wilhelm Kappes und Johann Philipp See, beide verschwanden aber bald wieder. Die Wirte scheinen im Allgemeinen immer gut bei Kasse gewesen zu sein. Die Gemeinde hat sich häufig von den Wirten größere Beträge geliehen, besonders von Wirt Keller. Diese Beträge wurden des Öfteren erst nach einer Klage des Gläubigers zurückgezahlt. Die Freundschaft wurde dadurch je­doch nicht gestört, denn bald borgte sich die Gemeinde wieder Geld vom Wirt Keller. Auch der Wirt auf dem Mainacker (Mainkur) mußte der Gemeinde häufig aushelfen.

Im Jahre 1869 heißen die drei Wirte Keller, Reuhl und Glück. Jeder muß zwölf Gulden 30 Kreuzer Steuern für Weinausschank bezahlen. Im Jahre 1874 gibt es dann noch einen Wirt Johannes See V. Die Wirte strengten einen Prozeß gegen die Gemeinde an wegen der Weinschanksteuer. Die Gemeinde ver­lor und mußte die Beträge zurückzahlen. Im Jahre 1879 gesellte sich zu den Wirten noch Salomon Stern, so daß fünf Wirtschaften existierten. Jeder Wirt mußte ohne Rücksicht auf seinen Umsatz 70 Mark Branntwein­steuer bezahlen.

Vor dem Ersten Weltkrieg gab es folgende Wirtschaften: die Gastwirtschaft Ebert in der Ober­gasse; sie war die einzige, die keine offizielle Bezeichnung führte, und doch hatte sie eine, sogar eine ehrende: „Bürgermeisters Fritz“. Denn der Besitzer war der Sohn des langjährigen und verdienten Bürger­meisters Ebert, der die Wirtschaft gegründet hatte.

Ebenfalls in der Obergasse lag die älteste und traditionsreichste Wirtschaft, die Wirtschaft Keller „Zur Krone“. In der Hintergasse lag der „Hessische Hof“, ge­nannt „Bauers Peter“, in der Schäfergasse die Wirtschaft „Zum grünen Baum“, Besitzer Heinrich Reuhl, im Fechenheimer Weg der „Kaiser Friedrich“, die heutige „Dorfschänke“. Gäste nahm zu bestimmten Tageszeiten auch die Turnhalle in der Jahnstraße auf, die im Kriege durch Brandbomben zerstört wurde und an deren Stelle das spätere Kino entstand.

 

Gaststätte „Dorfschänke“:

Zum „Pelz“ gehen und dort einen Schoppen petzen, gehört im Maintaler Stadtteil Bischofsheim schon eh und je zum Alltagsleben dazu. Nach Feierabend trifft man sich dort in lockerer Runde am Stammtisch oder am Tresen, reflektiert den zurückliegenden Tag und palavert trefflich über das (Un)vermögen der Politiker. Und es gibt wohl kaum einen echten Bische­mer, der noch nicht im kleinen Saal über dem Gastraum gefeiert hätte. Wie es früher üblich war, fungiert die „Dorfschänke“ im alten Ortskern von Bischofsheim auch heute noch als ideale Nachrichtenbörse - kurz, das urgemütliche Gasthaus am Fechenheimer Weg ist schon lange zur Institution geworden.

Gegründet wurde die Gaststätte 1906 unter dem Namen „Kaiser Friedrich” und zwar von dem Zimmermann Johann Friedrich Heinrich Reuhl II., den alle nur „Pelz” nannten. Verbürgt ist in der Familienchronik folgendes: Der kleine Johann Friedrich Heinrich trug im Winter stets einen Mantel mit einem wunderschönen, echten Pelzkragen. Für die damalige Zeit war dies etwas Besonderes. Wenn die Leute den kleinen Reuhl sahen, sagten sie dann meist: „Kuck mal, da ist der Kleine mit dem Pelz“. Dieser Spitzname haftete Reuhl dem II. dann ein Leben lang an und hat sich bis zum heutigen Tag erhalten.

Das Haus, in dem sich die „Dorfschänke” befindet, wurde im Jahre 1904 erbaut. Aus der Baubeschreibung und dem „Erlaubnisschein zur Führung einer Gaststätte“ im Stadtarchiv geht eindeutig hervor, daß das Haus am Fechenheimer. Weg 1904 erbaut wurde, und daß der gelernte Zimmermannn darin 1906 die Gaststätte „Kaiser Friedrich“ eröffnet hatte.

Im März 1935 ging das Gasthaus an Johann Friedrich Heinrich Reuhl über. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Gaststätte ihren heutigen Namen „Dorfschänke“. Doch 1969 fand sich jedoch in der Familie kein Nachfolger mehr.

Die Gaststätte wurde erstmals verpachtet. In den folgenden Jahren erlebte die Dorfschänke einige Pächterwechsel. Inhaberin war Reuhls Tochter Margot Höhl. Heinz Lück und seine Familie führten die „Dorfschänke“ bis 1982, ehe sie von der Familie Klaus Alten übernommen wurde. Zehn Jahre später im Jahre 1993 folgte dann der letzte Pächterwechsel zu Gunter F. Beck.

Seit 1993 wurde die Gaststätte von dem Wirtsehepaar Gunter und Uschi Beck geführt. Der ehemalige Vertriebs- und Marketingfachmann hat seinen Beruf vor einigen Jahren an den Nagel gehängt, um sich fortan als „Wirt aus Leidenschaft“ zu betätigen. Er hatte sich in die Dorfschänke sofort „verliebt“, als er sie zum erstenmal betrat. Und das ist kein Wunder. Die Traditionsgaststätte strömt eine unnachahmliche, heimelige Atmosphäre bis in den letzten Winkel aus. Dunkle, warme Hölzer, belegt mit der Patina der Jahrzehnte, dominieren die Gaststube und das kleine Colleg. Am alten Inneren der Dorfschänke wurde kaum etwas geändert, wie alte Originalaufnahmen belegen.

Gunter Beck pflegt die Tradition ebenso wie Ehefrau Uschi. Beide sind nach eigenem Eingeständnis „begeisterte Bajuwaren“, was schon an der Kleidung der beiden zu erkennen ist. Trachtenhemden und -westen mit echten Hirschhornknöpfen, Krachlederne und Dirndl, so präsentiert sich das Ehepaar meist den Gästen. Und den wohlverdienten Urlaub verbringen sie stets natürlich im romantischen Oberbayern. Die bekannte bayerische Gemütlichkeit haben die Wirtsleute denn auch in die Dorfschänke übertragen. Becks Philosophie, wie er die Gaststätte erfolgreich führt: „Tradition aufrecht erhalten, dem Gast den Aufenthalt in der Dorfschänke so angenehm wie möglich zu gestalten.“

Unterstützt werden die Becks dabei übrigens von Küchenchef Jörgen Scheler und der Bedienung Sissi Bahr. Auch die Zusammenstellung der reichhaltigen Speisenkarte entspricht diesem Traditionsbewußtsein: von einfachen Schmankerln wie Rippchen mit Kraut und Hand- käse mit Musik bis zur Spezialitäten wie Lachssteak auf grünen Bandnudeln oder frischer Spargel an Entenbrust reicht die bemerkenswerte Bandbreite.

Außer dem Gastraum mit kleinem. Colleg steht noch ein Saal (bis 40 Personen) für alle Gelegenheiten zur Verfügung. Die Dorfschänke verfügt zudem über zwei Kegelbahnen und ein großes Gartenlokal.

Am  Samstag, 1. Juni, und Sonntag, 2. Juni, wurde das Jubiläum zünftig im Biergarten gefeiert. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Kapelle „Donnerbischl“, das sind neun junge Vollblutmusiker aus dem Stubaital.

 

Im Jahre 1758 bestanden drei Wirtschaften in Bischofsheim bei 460 Einwohnern. Im Jahre 1855 wurde die Gaststätte „Zum Grünen Baum“ (später Metzgerei Reuhl) in der Schäfergasse erbaut.

 

Eine Rechnung einer Bischofsheimer Gastwirtschaft vom 26. März 1913 ist noch vorhanden:

für 2 Mann Kaffee                             -,20      -,40

für 2 Mann Mittagessen                    -,60      1,20

für 2 Mann Nachtessen mit Kaffee   -,45      -,90

für 2 Mann Wurst mit Brot                           -,52

                                                                       3,02 M

(ein Waldarbeiter hatte damals einen Tageslohn von 3,20 Mark, eine Waldarbeiterin erhielt 2,50 Mark).

 

Im Jahre 1974 hatte Bischofsheim 3 Gaststätten mit warmen Mahlzeiten.

Im Jahr 1975 hat Bischofsheim 13.000 Einwohner, aber nur drei Gaststätten bieten Mahlzeiten an, während andere nur einen Imbiß verabreichen können. Niemand verfügt über Übernachtungsmöglichkeiten außer den beiden in den letzten Jahren erbauten modernen Bischofsheimer Hotels: Der „Bischofsheimer Hof“ und das „Hotel Hübsch“, beide sind aber nur Hotel Garni.

 

In den Neubaugebieten des Ortes sind einige neue Wirtschaften errichtet worden, die häufig den Besitzer gewechselt haben und noch nicht so recht populär ge­worden sind. Vielleicht hat die in dem alten Haus Schäfergasse 6 entstandene „Schäferstube“, geschmackvoll eingerichtet und gerne aufgesucht, eine längere Lebensdauer.

„Bürgermeisters Fritz“, der „Grüne Baum“, die „Krone“ sind geschlossen, eben­falls der „Hessische Hof“. Viel besucht werden die „Dorfschänke“ und die Gaststätte „Alt Bischofsheim“ in der Turnhalle am Wald. Außerdem stehen die Weinstube „Zum Löwensee“, das Gasthaus „Zum Hochhaus“ in der Bahnhofstraße, „Barbarossa“ im Dörnigheimer Weg und „Bei Renate“ in der Berger Straße den Gästen zur Verfügung. Eine bedeutsame Verbesserung der Bischofsheimer Gastronomie ist nach Fertig­stellung des geplanten Bürgerhauses zu erwarten, das sechs Millionen Mark kosten wird.

Im Jahre 1999 wuchs die Zahl inklusive Schnellimbissen (Fast Food) wie Pizza-Geschäften, China Restaurants, Turk Food usw. auf 21 an.

 

 

„Armenpflege und Wohltätigkeit“ (Soziale Fürsorge der Kirche und Gemeinde)

Um 1650 wurde das Geld in seiner Legierung wieder besser. Im Kriege hatte man viel „böse Weißpfennige“ gehabt, die nun unter großen Verlusten in gutes Geld „verwechselt“ wurden. Dieses Geld wurde ausnahmsweise den Ortsarmen („Hausarmen“) zur Verfügung gestellt.

Im Jahre 1665 schenkte ein Bischofsheimer der Almosenkasse zehn Gulden Ähnliches ist selten vorgekommen. Dies Geld bekamen aber nicht die Hausarmen, für die es wohl gedacht war, sondern es wurde gegen Zinsen ausgeliehen.

Die Presbyter erhielten jährlich 10 bis 15 Gulden, um in Notfällen Bedürftigen helfen zu können. Sie haben das Geld stets ausgegeben, auch kleinere Überziehungen sind häufig vorgekommen und wurden stets nachträglich genehmigt. Über die Spenden hatten die Presbyter sorgfältig Buch zu führen.

 

Im Jahre 1683 erhielt eine arme Witwe sogar 3 ½ Gulden, um den Barbier bezahlen zu können, der den Beinbruch ihres Kindes geheilt hatte. Auch das Schulgeld, das die Eltern zum Gehalt des Schulmeisters zu zahlen hatten, sowie das Holzgeld für die Schulscheiter wurden bei Armen häufig von der Kirche übernommen.

 

Oft sammelte man mit behördlicher Genehmigung Kollekten für bestimmte Zwecke, besonders zum Aufbau von Kirchen, Schulen, Pfarrhäusern und abge­brannten Gehöften; auch für katholische Kirchen wurde gesammelt. Diese Betteleien nahmen mit der Zeit solchen Umfang an, daß die Regierung Einspruch erhob. Im Jahre 1700 sammelte man 7½ Gulden für einen Einwohner aus dem Amt Birken, dessen Weib und Kinder bei den Tartaren gefangen waren und für 500 Gulden Lösegeld freigekauft werden sollten.

 

Die Kirche selbst gab ungern eigene Mittel für Angelegenheiten außerhalb der Kirchengemeinde. Als die Niederrodenbacher ihre im Krieg zerstörte Kirche wie­der aufbauen wollten und um eine Spende baten, schickte man die Boten wieder nach Hause mit der Aufforderung, in einer Woche wiederzukommen. Dann ver­anstaltete man eine Haussammlung und brachte etwa sechs Gulden zusammen, die man den Niederrodenbachern übergab.

Im Jahre 1711 sollte ein armes Mädchen erstmals zum Abendmahl gehen; es hatte aber keine entsprechende Kleidung. Die Kirche kaufte:

22 Albus                      für wollenes Tuch für eine Mütze

16 Albus                     für vier Ellen blaugefärbtes Tuch zum Rock

7 Albus 4 Heller         für ein Paar Strümpfe

7 Albus 4 Heller         dem Schneider Balzer Heß zum Anfertigen der Mütze

10 Albus                     für ein blaues Leinentuch zur Schürze

1 Gulden                     für ein Paar Schuh

3 13 Albus                                          (1 Gulden = 30 Albus, 1 Albus = 8 Heller).

 

Im Jahre 1714 fand man in der Armenbüchse 19 Gulden. Nun kaufte man ein schwarzes wollenes Tuch zur Bedeckung des Sarges; die Lutheraner mußten für die Be­nutzung dieses Tuches jedesmal 7 Albus 4 Heller Abnutzungsgebühr bezahlen.

Im Jahre 1731 vermachte die Mutter des Pfarrers Frey auf dem Totenbett den Ortsarmen 50 Gulden. Der Betrag sollte in fünf Jahresraten durch den Pfarrer an die Kirchengemeinde gezahlt werden. Der Pfarrer hat dies getreulich getan.

Erst im Jahre 1751 erhält der Pfarrer eine dringende Aufforderung, Prämien für seine Frau in die Witwenkasse einzuzahlen. Im Falle seines Todes habe seine Frau sonst von keiner Seite Unterstützung zu erwarten.

Schon im Jahre 1758, aus dem das erste Rechnungsbuch vorliegt, war in dem umständlichen Amtsdeutsch der damaligen Zeit eine Ausgabe verzeichnet: „Hieraus ist dieses Jahr für die Kirche und Schule, wie auch für andere arme gebrechliche Personen sowie Lahme ausgegeben worden 1 Gulden 15 Albus“.

Das war wirklich kein Betrag, mit dem man ernsthaft Hilfe leisten konnte, aber ganz vergessen hatte man die Armen doch nicht. Im Jahre 1760 setzte man schon den dreifachen Betrag ein. Die Gemeinde war durch die fortwährenden Einquar­tierungen des Siebenjährigen Krieges völlig verarmt und konnte nicht mehr aufwenden. Als der Krieg zu Ende war, wurde der Betrag für Sozialleistungen so­fort auf 13 Gulden erhöht.

 

Die Hilfe blieb aber stets in bescheidenen Grenzen: Für einen mittellos Verstor­benen wurde ein Sarg gekauft für 2 Gulden (etwa 3,40 Mark). Ein Bauer, dessen Kuh vom Gemeindebullen durch Hörnerstöße verletzt wurde, bekam 5 Gulden Beihilfe. Leute, deren Häuser eingestürzt oder Scheunen abgebrannt waren, Lahme, Kranke und Ausgeplünderte bekamen vom Amt einen Armenschein, der sie zum Sammeln von Almosen berechtigte.

Aus dem Kreis Eschwege erscheint ein abgebrannter Bauer, der sich, durch die Lande tippelnd, die Mittel zum Wiederaufbau seines Anwesens erbettelte. Sogar ein Schultheiß aus Eschersheim, durch lange Krankheit verarmt, holt sich bei der Gemeinde 2 Gulden. Im Jahre 1792 gibt die Gemeinde einem jungen Mann, der zu den Soldaten einrücken muß, für 4 Gulden zwei Hemden.

Im Jahr 1800 heißt es: „Für eine arme Frau, die hier ins Kindbett gekommen ist, wurden bezahlt 10 Gulden 4 Albus“. Der Kuhhirte Wörn hatte diese Person aufgenommen, sie stammte aus einem fremden Ort. Im nächsten Jahr ist hier schon wieder eine fremde Frau in Kin­desnöten, sie wird vom Schulmeister Wenzel aufgenommen, dem die Gemeinde die Kosten ersetzt.

Im Jahre 1804 war der Schweinehirt in großer Not. Er bekam von der Gemeinde kein Geld, sondern mußte sich seine Kreuzer Hütegeld von den Besitzern der Schweine selbst einziehen. Diese waren auch verpflichtet, ihm in vorgeschrie­benen Abständen ein Brot zu geben. Entweder waren die Bauern hartherzig oder es gab nur wenige Schweine im Ort, wie dem auch sei, der Mann war am Verhungern. Nun kaufte die Gemeinde einen Malter Mehl und übergab es dem Gemeindebäcker, um Brot für den Hirten zu backen. Zusätzlich wurde er mit Kartoffeln unterstützt. Für diese Hilfe wandte die Gemeinde den ansehnlichen Betrag von 12 Gulden 15 Albus auf.

Zum Vergleich der damaligen Preise sei folgende Aufstellung aus dem Jahre 1811 gegeben:

„Für die Armen wurden gekauft, das Amt gibt die Hälfte, die Gemeinde gibt die Hälfte:

1 blauer Rock                         7 Gulden

2 Westen                                2 Gulden

1 paar Hosengamaschen       3 Gulden 40 Kreuzer

1 paar Gamaschen                 1 Gulden 20 Kreuzer

1 Kapp e                                                  48 Kreuzer

2 Hemden                              4 Gulden  4 Kreuzer

1 Teppich zum Nachtlager     1 Gulden 40 Kreuzer

1 Halstuch                                               40 Kreuzer

1 Paar Schuhe                        3 Gulden 20 Kreuzer

Hausmiete                              4 Gulden

 

Frankfurter Leute brachten gerne ihre unehelichen Kinder in den umliegenden Dörfern unter, auch in Bischofsheim fanden sich solche Pflegeeltern. Diese Kinder, die oft nur des Geldes wegen aufgenommen wurden, hatten es häufig sehr schlecht, wie aus dem Schicksal des August Waldmann ersichtlich wird. Die Aufnahme solcher Kinder wurde durch das Amt Bergen strengstens verboten. Ein Pflegekind durfte nur mit Genehmigung des Amtes von einer gut beleumdeten Familie aufgenommen werden, eine ständige strenge Kontrolle der aufnehmenden Familie mußte gewährleistet sein. Auch zu Vormündern durften nur „vollkommen geeignete Personen“ eingesetzt werden, ganz gleich, ob es sich um arme oder reiche Waisen handelte. Auch die nächsten Verwandten wurden abgelehnt, wenn sie nicht geeignet schienen.

Wer schwangere Dirnen ohne Genehmigung aufnahm, hatte die Geburt und alle Unkosten auch zu bezahlen. Der Gemeinde wurde die Zahlung eines Zuschusses verboten.

Um den elternlosen Carl Acker, für den die Gemeinde jahrelang Pflegegeld zahlte, hat sie sich auch weiterhin recht verdient gemacht. Zur Konfirmation wurde der Junge neu eingekleidet, dann verschaffte ihm die Gemeinde bei dem Schuhmacher Rohrbach in Bergen eine Lehrstelle. Der Vertrag aus dem Jahre 1825 liegt vor: „Der Schuhmacher Rohrbach übernimmt den Carl Acker auf drei Jahre in die Lehre und verpflichtet sich, denselben in allem, was zum Schuhmacherhandwerk gehört, gewissenhaft zu unterrichten, demselben während dieser Zeit in seinem Hause Lagerstätte und Verköstigung zu verabreichen, auch die nötigen Kleidungs­stücke und Leibgeräte anzuschaffen und für seine Reinlichkeit zu sorgen, wogegen a) erhält der Schuhmacher Rohrbach ein Lehrgeld von 50 Gulden

b) für Anschaffung und Kleidung jährlich 15 Gulden, mithin für drei Jahre 45 Gulden,

und sollen beide Beträge von 50 Gulden und 45 Gulden nach Ablauf von zwei Jahren zur Hälfte aus der hiesigen Gemeindekasse und zur Hälfte aus der hiesigen Kirchenkasse in einer Summe an denselben gezahlt werden. Die etwaigen Ein- und Aus­schreibungskosten und Erteilung eines Lehrbriefes soll aus den genannten Kassen bestritten werden.“ Der Vertrag wurde unterschrieben vom Orts- und Gemeindevorstand, vom Kir­chenvorstand, vom Schuhmacher Rohrbach und durch das Amt Bergen genehmigt.

Vom Jahre 1832 an baute man die Sozialfürsorge noch weiter aus. Fünf Personen erhielten als Armenunterstützung regelmäßig monatliche Beträge von 40 Kreuzer bis 1 Gulden. Andere wurden mit Geld für eine befristete Zeit unterstützt, auch Katha­rina Köster, die krank und wegen ihres früheren Lebens nicht ganz unterstüt­zungswürdig war. Immer häufiger kam es vor, daß bei armen Leuten die Be­erdigungskosten ganz oder teilweise von der Kirche übernommen wurden, nur eine arme Frau, die ein uneheliches Kind begraben mußte, wurde bei der Bitte um Unterstützung abschlägig beschieden.

Die Summen für die Sozialaufwendungen der Kirche stiegen dauernd an. Bei ar­men Leuten, die ihre Miete nicht bezahlen konnten und gekündigt waren, wur­den diese Mieten häufig von der Kirche bezahlt; meistens gaben Kirche und Gemeinde je die Hälfte der Summe.

 

Als nach 1860 eine große Teuerung zu ver­zeichnen war, wurden größere Summen aufgewandt, um Brot für die Armen zu kaufen. Hilfe gab es aber nur im Winter, im Sommer hatte man sich sein Brot durch Arbeit selbst zu verdienen. Auch Arzt-, Medizin- und Pflegekosten für Be­dürftige übernahm die Kirche.

Nach dem Krieg von 1866 erhöhten sich die Lebens­haltungs­kosten ganz beträchtlich, und viele Minderbegüterte gerieten in große Not. Die Aufwendungen der Kirche für rückständige Mieten, für Brot, Kleidung und Schuhe waren groß, alleinstehende alte Leute erhielten in den Wirtschaften täglich ein warmes Essen, das von der Kirche ebenfalls bezahlt wurde. Im August 1842 fand man im Wald einen ausgesetzten Säugling, dem man sinngemäß den Namen August Waldmann erteilte. Die Witwe des Reinhard Beckmann nahm ihn auf und zog ihn groß. Das Pflegegeld zahlte die Gemeinde.

 

Aus dem Jahre 1844 liegt eine Rechnung für den Knaben vor:

3 Hemdchen für Leinen                     1 Gulden 20 Albus

1 Halstüchlein                                    2 Albus

1 Kleidchen                                        1 Gulden 36 Albus (einschließlich Macherlohn)

1 Paar Schuhe                                    30 Albus

3 Paar Strümpfe                                  20 Albus

1 Paar Schuhe                                    30 Albus

1 Kleidchen                                         1 Gulden 36 Albus ( einschl. Zeug- und Macherlohn)

1 Paar Schuhe                                    36 Albus

Den Betrag der Rechnung trugen Gemeinde und Kirche je zur Hälfte. Der Junge hat kein glückliches Leben gehabt, man steckte ihn später in ver­schiedene Erziehungsheime. Er ist im Alter von 15 Jahren verstorben.

Das Jahr 1846 war ein sehr schlechtes Erntejahr, es herrschte Hunger und Not. Die Finanzlage der Gemeinde war nach der Überwindung der letzten Auswir­kungen der napoleonischen Kriege wieder gesund. So setzte man trotz der gro­ßen Ausgabeposten, die durch den Erwerb der Schule Hintergasse 28 und die Planung für den neuen Friedhof zwischen Hinter- und Zwingergasse entstanden, in diesem Jahr die geradezu astronomische Summe von 498 Gulden 5 Albus und 6 Heller für die Armen ein.

Allein für 150 Gulden wurde Brot unter die Armen verteilt, und den kleinen Leuten, die kein Saatkorn hatten, kaufte man 20 Malter Gerste zur Aus­saat. Diese für soziale Aufgaben zur Verfügung gestellte Summe überstieg das Zweifache eines Bürgermeistergehaltes. Auch im folgenden Jahr wurde durch die Verteilung von Kartoffeln geholfen.

Das änderte sich jäh, als nach 1848 die Gemeinde durch den Fortfall des Zehnten und anderer Einkünfte in eine finanzielle Krise gestürzt wurde. Nun heißt es: „Für die Armen: Nichts“. Nur die Pflegekosten für den August Waldmann wurden an das Heim gezahlt.

Als 1854 wieder ein armes Jahr war, mußte die mittellose Gemeinde wieder viel Brot, Gerste und Kartoffeln verteilen lassen. Auch in den folgenden Jahren wur­de immer wieder Brot verteilt. Einen Auswanderer nach Amerika unterstützte man mit 20 Gulden 15 Kreuzer (zum Vergleich: Der Tagelohn eines Waldarbeiters betrug 48 Kreuzer, das war der Wert von etwa drei Broten).

Alte hilflose Personen, Waisenkinder, mittellose Kranke wurden bei den Mindest­fordernden in Pflege gegeben. Die Gemeinde half in sehr vielen Fällen und auf allen möglichen Gebieten. Sie zahlte auch Krankenhauskosten, der Tagessatz im Krankenhaus betrug allerdings nur 80 Pfennig. Für die Verpflegung mittelloser alter Bürger wurden 30 - 40 Pfennig pro Tag angesetzt.

Im Jahre 1880 hat der ledige Peter Weissenstein der Kirche einen Teil seines Ver­mögens im Werte von 912,17 Mark für die Armen vermacht. Man wandelte die­ses Geld in die Weissenstein‘sche Stiftung um, deren Zinsen den Dorfarmen zu­gute kommen sollten. Diese Stiftung hat bis zum Ersten Weltkrieg bestanden und vielen Armen Hilfe gebracht.

Im Jahre 1882 amtiert Pfarrer Hartmann, der sehr bald zum Metropolitan ernannt wird. Die Sozialfürsorge der Kirche wird nun erheblich ausgebaut. Neben den geringen Zinsen der Weis­senstein‘schen Stiftung macht die Kirche erhebliche Mittel frei, um regelmäßig bedürftige Einwohner zu unterstützen. Man kauft für arme Kon­firmanden Kleidung, vor allem Schuhwerk, bezahlt Arzt- und Apothekerrech­nungen, Mieten und gibt Weihnachtsbeihilfen, auch mit Bargeld an Bedürftige wird manchmal geholfen. Seit Jahren bekamen die unverheiratet gebliebenen beiden Kinder des verstorbenen Lehrers Wentzel jährlich 75,- Mark; erst nachdem die Kirchenkasse 1899 durch den Bau des neuen Pfarrhauses in der verlängerten Obergasse in die roten Zahlen geraten war, stellte man diese Zahlungen ein und verwies die Bedürftigen an die politische Gemeinde.

Die Opferstöcke in der Kirche und in den Gastwirtschaften, später auch auf dem Friedhof, wurden jährlich einmal entleert. Sie erbrachten bis zu 100,- Mark. Nicht alle gespendeten Gelder blieben im Ort, kleinere Beträge wurden fernen Gemeinden zum Aufbau neuer Kirchen übersandt, nach Thüringen, Schlesien und sogar nach Rossitten auf der Kurischen Nehrung.

 

Daß die Erziehung sozialgefährdeter Jugendlicher in Erziehungsheimen nicht der Weisheit letzter Schluß war, hatte man damals schon erkannt. Man suchte nach intakten Familien, in denen diese Jugendlichen untergebracht werden sollten. Man wollte für jedes Kind jährlich 120,- Mark zahlen. Es meldete sich aber niemand im Ort.

Nach 1900 wird ein Waisenrat gebildet, dessen Vorsitzender der Pfarrer Ganß ist. Dadurch erfolgt die Verlegung einer bisher rein administrativen Aufgabe von der Verwaltung auf ein privates Gremium.

Nach der sozialen Gesetzgebung Bismarcks wurden auch die ersten Versiche­rungsbeiträge für die Invaliden- und Krankenversicherung bezahlt; die von der Gemeinde gezahlten Beiträge für Ortsdiener, Nachtwächter und Feldschützen be­trugen jährlich 52,- Mark.

Nach der Jahrhundertwende setzte sich mehr und mehr die Tendenz fort, die Sozialleistungen auf breitere Schultern zu verteilen. Die Kreiskommunalkasse ersetzte der Gemeinde den überwiegenden Teil der Kosten, die bei der Einwei­sung bestimmter Personen in geschlossenen Anstalten entstanden.

 

Im Jahre 1905 wird eine Gemeinde-Krankenpflegestation eingerichtet, die von Pfarrer Ganß geleitet wird und zu der der Kreis einen jährlichen Zuschuß von 227,- Mark gibt. Im Jahre 1909 besteht schon der Landesarmenverband Kassel, der einen großen Teil der in Bischofsheim anfallenden Kosten übernimmt. Im Jahre 1913 waren noch neun „ortsarme“ Kinder zu unterstützen für deren Betreuung und Kleidung von der Gemeinde über 1000,- Mark aufgebracht werden mußten. Ein Kindersarg kostete in diesem Jahr 3,50 Mark.

Die neue Staatsform nach Beendigung des Ersten Weltkrieges stand den von der Not be­troffenen Menschen aufgeschlossener gegenüber. Durch Arbeitslosenunterstützung und Notstandsarbeiten suchte man das größte Elend zu lindern, und wer nach 26 Wochen ausgesteuert war, hatte immer noch Anspruch auf eine allerdings sehr geringe Fürsorge.

Die von der Kirche gegründete Schwesternkasse leistete durch die von ihr ange­stellte Gemeindeschwester viel Gutes. Die Arbeiterwohlfahrt wurde gegründet, sie half individuell und einer breiteren Schicht durch die Errichtung von Erholungs- und Altersheimen, in denen erholungsbedürftige Kinder und Frauen ge­sunden konnten und alte alleinstehende Leute einen behüteten Lebensabend fan­den.

Die Tendenz der Hilfsbereitschaft setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg weiter fort. Für die Heimatvertriebenen mußten harte Opfer gebracht werden, die nach der Währungsreform gegründete Baugenossenschaft erhielt von der Ge­meinde billiges Bauland und Zuschüsse. Dadurch wurde vielen Vertriebenen die Möglichkeit zur Gründung eines Eigenheimes gegeben.

An Stelle der ausgelau­fenen Schwesternkasse schuf die Gemeinde im neuen Rathaus eine Sozialstation mit einer von der Gemeinde angestellten Schwester. Der Kreis stellt einen Kreisjugendpfleger ein, das Kreisjugendamt schickt wöchentlich einen Fürsorger und eine Fürsorgerin in die Gemeinde, die regelmäßig Sprechstunden abhalten. Für erziehungsschwierige Kinder stehen Psychologen zur Verfügung, die helfend und beratend eingreifen können. Im Jahre 1962 wird der Landeswohlfahrtsverband gegründet, der den Gemeinden die schweren Soziallasten abnimmt und Heime für spastisch Gelähmte, für Blinde, Taubstumme und Epileptiker unterhält.

 

Trinkwasserversorgung

Die quantitativ ausreichende und qualitativ befriedigende Versorgung eines Ortes mit Wasser ist lebenswichtig. Viele Orte verdanken ihre Gründung nur dem Vorhandensein von Quellen, Bächen und Flüssen. Unsere Gemeinde hat in früherer Zeit durch ihre Lage auf dem Boden eines alten Mainarmes wahrscheinlich nie über Wassermangel zu klagen gehabt. Die Bezeichnungen Löwensee, Zimmersee, Langer See, Tiefer See, Dürrer See und Gänssee weisen auf frühere Wasserflächen hin, das Hochstädter Ried führte zu jeder Jahreszeit Wasser, und auch der Dorfelder Bach bzw. der Tränkebach führte Wasser in die Gemeinde. Das Wasser für die Haushalte lieferten die Brunnen auf den Gehöften. Sie wurden bei Berichten über Feuersbrünste des öfteren er­wähnt.

 

Alter Brunnen

Wann die Gemeinde auf den Gedanken kam, das Wasser der Bornbergquellen durch Rohre in das Dorf zu leiten, ist zur Zeit nicht feststellbar. Dieser Zeitpunkt lag auf jeden Fall schon vor 1750. Die Zuleitung erfolgte durch hölzern und irdene Rohre. Jahrelang mußten die dazu benötigten Holzstämme von der Ge­meinde gekauft werden, Bohrer zum Durchbohren der Stäm­me besaß sie selbst. Erst als der Bischofsheimer Wald geeignetes Holz hatte, wurden diese Rohre aus eigenen Stämmen hergestellt. Diese Holzrohre wurden durch Werg und Unschlitt an ihren Nahtstellen abgedichtet und später nach und nach durch Ton­rohre ersetzt. Die unbrauchbar gewordenen alten Holzrohre werden gegen schwe­res Geld öffentlich meistbietend versteigert.

Die Wasserleitung führte am Rande des Bornberges herab durch das Pförtchen, durch die Borngasse zum Brunnen von 1750, der in den Rechnungsbüchern meistens als „Springbrunnen“ bezeichnet wird und an der Einmündung der Borngasse in die Schäfergasse (Kreuzung Obergasse) stand. Wenn man in der Obergasse nach Westen sah, dann erblickte man den Brunnen. Dieser Brunnen war ein nüchtern zweckmäßiges Bauwerk ohne jede Andeutung einer künstlerischen Note.

Die vier Rohre spendeten das Wasser für Mensch und Tier, an zwei steinernen Trö­gen wurden die Pferde getränkt. An diesem Brunnen war nichts wertvoll als die Patina seines Alters. Und doch ist dieser nüchterne Brunnen auch heute noch für die ältesten der Alten eingesponnen in die rosenfarbene Erinnerung an die Ro­mantik der Jugendzeit; hier traf man sich des Abends, hier lachten und plauder­ten die jungen Mädchen mit den Burschen, hier wurde Schabernack getrieben, hier wurde manch verstohlener Händedruck gewechselt, hier traf sich die Jugend Alt-Bischofsheims.

Im Jahre 1821 kaufte man aus Seulberg die ersten 95 Brunnenrohre aus Ton: Aber entweder war das Geld knapp oder man traute dem neumodischen Kram noch nicht ganz: Im Wald schlug und bohrte man weitere 1.062 hölzerne Brun­nenrohre. Doch zehn Jahre später ist man von der Brauchbarkeit der Tonrohre überzeugt und kauft in Frankfurt weitere. Dabei muß die Gemeinde zum ersten Male Chausseegeld bezahlen.

Im Jahre 1836 wird der Brunnen völlig erneuert und bekommt zwei neue steinerne Tröge, Abweis-Steine und ein neues Geländer, für zwei Gulden sogar eine Wetterfahne. Die ge­samte Instandsetzung kostete 330 Gulden.

Im Jahre 1841 schaffte man erstmals eiserne Wasserrohre und Bleirohre an, für die überflüssig gewordenen hölzernen Brun­nenrohre erzielte man bei der Versteigerung noch den Preis von 127 Gulden 10 Kreuzer 1871 verlegte man sogar eine ganze Menge Gasrohre für die Wasserleitung. Im Jahre 1860 treten erstmals Klagen über mutwillige Verunreinigung des Brunnens auf. Jeder Übeltäter soll mit 10 Silbergroschen bestraft werden, sein Name soll öffentlich aus­gehängt werden.

Am 23. Oktober 1875 erhält der Brunnen anstelle der Wetter­fahne eine Laterne, in der Öl brennt. Er wird damit zum Beginn der Bischofsheimer Straßenbeleuchtung. Die Brenndauer ist genau vorgeschrieben, nur im Winter darf der Brunnen sein Licht leuchten lassen, und zwar vier Stunden, im Dezember sogar fünf Stunden. Vom Jahr 1903 an zieren ihn sogar Messingrohre, die später in der Inflationszeit gestohlen wurden.

Im Jahre 1897 scheinen die Buben schon unartiger geworden zu sein. Man ist gezwungen, durch ein Warnschild die Verunreinigung des Brunnens mit 5,- Mark Strafe zu belegen. Im Jahre 1905 wird das Trinkwasser erstmals chemisch und biologisch untersucht. Im Jahre 1911 ist es soweit: Das Wasser kommt ins Haus.

Obwohl er direkt am Haus stand, war er plötzlich ein Verkehrshindernis. Deshalb wurde er 1911 abgebrochen. Am 1. Juli 1911 morgens um 5 Uhr begann man mit dem Abbruch des Brunnens. Er war ein Verkehrshindernis geworden, und die Hausanschlüsse aus der neuen Wasserleitung machten ihn überflüssig. Vorerst fand er ein demütigendes Asyl in einem Garten am Bornberg, wo er stand, von Gestrüpp und Unkraut um­geben.

 

Robert Kinkel gibt an, der Brunnen wurde 1911 von der Borngasse in die Straße „Ranzen“ verlegt (heute Ostteil der Obergasse). Viele Jahre stand er in der Zwingerstraße. Durch den Rathausneubau (1968) in der Hintergasse 28 mußte er wieder weichen und wurde 1974 wieder hinter die evangelische Kirche aufgestellt. Hier stand der Brunnen bis mindestens 1999.

 Nach anderer Angabe stand er bis 1952 auf der neuen Bleiche. Danach auf dem alten Friedhof. zwischen Kinder spiel­ten um ihn und füllten ihn mit Unrat an, bis er bei dem Neubau des Rathauses abermals weichen mußte. Nun stehen seine restlichen Bauteile auf dem Bauhof herum. Im alten Ortskern, wohin er gehört, ist kaum Platz für ihn.

Im Jahre 1974 beschlossen Gemeinde- und Kirchenvorstand, den alten Brunnen auf dem Kirchhof an der Nordseite der Kirche aufstellen zu lassen. Diese hatte mit der Stadt ausgemacht, daß diese das Gelände rund um die Kirche sauber hält und die Kirche dafür die Aufstellung des Brunnens erlaubt. Als die Stadt aber die Reinigung nicht mehr übernehmen wollte, mußte er auf Verlangen der Kirche auch der Brunnen entfernt

 

Die Bischofsheimerin Gudrun Clauß wandte sich im August 2012 mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit, den Brunnen vor der evangelischen Kirche in der Ortsmitte wieder aufzubauen: „Gerade weil in der Bischofsheimer Ortsmitte zweckmäßig - aber nicht schön, wie die meisten Bürger feststellen - gebaut wird, vermißt man nicht nur das Gemütliche und das Traditionelle, sondern auch einen Treffpunkt - nicht nur zur Marktzeit. Mein Vorschlag wäre, ihn vor der evangelischen Kirche aufzubauen, mit einem Pflaster darum, eventuell mit Bänken und einem geschichtlichen Hinweisschild. Und was natürlich von der Stadt Maintal zu übernehmen wäre, ist die Sauberhaltung mit Besen und/oder auch Polizeistreife zu gewährleisten. Warum sollte das nicht gehen? Dann wäre wieder ein Stückchen Geschichte zugänglich gemacht!“

Die historische Pferdetränke steht seit Dezember 2015 auf dem Bischofsheimer Marktplatz und soll im Frühjahr eingeweiht werden. Während der Phase der Baumaßnahmen auf und rund um den Bischofsheimer Marktplatz war die historische Pferdetränke auf dem Gelände des Eigenbetriebs Betriebshof eingelagert - und wurde von einem Steinbildhauermeister restauriert. Er wurde mit einer Springbrunnentechnik versehen. Doch erst im Frühjahr, wenn der Brunnen offiziell eingeweiht werden soll, wird das Wasser munter sprudeln. Vorerst wurde der historische Wasserspender winterfest gemacht.

Einvernehmlich wurden von einer Planungswerkstatt die Ziele für die Platzgestaltung festgelegt. Unter anderem wurde beschlossen, daß auf der Marktfläche zentral ein Anziehungspunkt durch die Wiederaufstellung der alten Pferdetränke als Brunnen geschaffen werden soll. Auf der Marktfläche soll die Linde erhalten werden, daneben wurde die ehemalige Pferdetränke als Brunnen errichtet, um die herum Sitzgelegenheiten angeordnet werden.

Durch die Aufstellung der historischen Pferdetränke verbinden sich im Bereich des Marktplatzes nun moderne Architektur und traditionelle Elemente und schaffen so einen Aufenthaltsbereich, der zum Verweilen einlädt. „Nach dem Einkaufen in der Schäfergasse schlendern die Bischofsheimer auf einen breiten und komfortablen Gehweg zum Marktplatz, um sich am Brunnen unter der Linde auf einen Plausch zu treffen oder vor dem neuen Café unter einem Sonnenschirm einen Milchkaffee zu genießen und den Kindern beim Spielen an der Pferdetränke zuzuschauen. Das ist die Vision, die unserer Planung zugrunde gelegen hat“ faßt Erster Stadtrat Ralf Sachtleber die Grundgedanken für das Konzept zusammen.

Allerdings ist der Platz knapp bemessen. Der Wochenmarkt muß nun teilweise auf der Straße stattfinden, die dafür auch für den Busverkehr gesperrt werden muß. Die Firma Heß hat sich dem Buchstaben nach zwar an die Vorgaben gehalten, aber ein Kinderspielplatz auf der Tiefgarage rund um das Abzugsrohr ist doch gewöhnungsbedürftig. Und auch der geradlinige Durchgang zur Zwingerstraße ist nicht mehr vorhanden.

Den Namen „Pferdetränke“ hat man nach der Einweihung wieder zurückgedrängt. Er ist in der Bevölkerung nicht gebräuchlich und der Brunnen diente tatsächlich ja in erster Linie der Versorgung der Einwohner mit Trinkwasser. Außerdem trug er eine Lampe als eine erste Straßenbeleuchtung. Schließlich werden die Becken auch von den Pferden als Tränke genutzt worden sein, wenn ein Fuhrwerk vorbeikam. Man könnte ja einmal zwei Pferde herbeischaffen, die das vorführen. Es ist sicher interessant, wie lang sie den Hals machen mußten, um an das Wasser zu gelangen.

 

Zentrale Wasserversorgung

Nachdem sich die am Alten Born und an der Hornbrücke vorgenommene Erwei­terung der Wasserleitung als nicht ausreichend erwiesen hatte, kaufte die Ge­meinde 1910 nach Abschluß der erfolgreichen Bohrversuche 65,04 a Ackerland im Apfelsgrund und Geiersberg von dem Wirt Ebert für 11.000,- Mark, von denen 8.000,- Mark als Darlehen aufgenommen werden mußten. Das Gelände für den Hochbehälter kostete die beachtliche Summe von 2.574,16 Mark.

Nach vielen Besichtigungsfahrten in Orte mit zentraler Wasserversorgung wurde dann der Ingenieur Jänisch aus Wirtheim für 1.500,- Mark mit der Aufstellung eines Bauplanes für die Wasserleitung betraut. Nun mußten die letzten Spargelder von der Kreissparkasse abgehoben und von der Provinzial-Hauptkasse in Kassel 50.000,- Mark geborgt werden. Eine Frankfurter Firma bekam den Bauauftrag, einer anderen Frankfurter Firma wurden die Pflasterarbeiten übertragen, und bald floß in Bischofsheim das Wasser aus der Wand.

Am 1. Oktober 1911 wurde zum ersten Mal Wassergeld eingezogen. Eine Kommis­sion wurde gebildet, die jedes Jahr die Haushalte besuchte und die Häupter von Mensch und Großvieh zählte.

In der ersten Wassergeld-Einzugsliste werden 470 Haushaltungen aufgezählt. Auch die damals bestehenden Straßen sind genannt: Schäfergasse, Borngasse, Fechenheimer Weg, Obergasse, Hintergasse, Zwinger, Rumpenheimer Weg, Zim­merseestraße, Hochstraße (nur links bebaut, drei Häuser), Niedergasse, Wald­straße, Gänsseestraße, Eichwaldstraße, Wiesenstraße, Zwerggasse (nun amtlich mit „g“ geschrieben), Breulgasse, Hochstädter Straße, Am Kreuzstein.

Auch 1915 wird noch an der Wasserleitung gearbeitet, aber es ist Krieg, und Material ist schwer zu bekommen; so setzt die Gemeinde sicherheitshalber Nachtwachen ein, um Diebstähle zu verhindern.

Das Bischofsheimer Wasser war durch die Kalkbeimengung sehr hart und hatte auch sonst einige Schönheitsfehler.

Nach dem Zweiten Weltkrieg reichte es auch mengenmäßig für die ständig wachsende Bevölkerung nicht mehr aus, zumal Bad und WC zu den festen Einrichtungen fast jeder Wohnung gehörten. Zu Zeiten der Verbrauchsspitze und bei längerer Trockenzeit kam nur noch ein dünnes Rinnsal aus den Leitungen, in den oberen Stockwerken versagte die Leitung ganz ihren Dienst.

Im Dörnigheimer Weg wurde man fündig und erbaute eine Pumpstation, aber sie lieferte bei dem ständig steigenden Bedarf auch nur den berühmten Tropfen auf den heißen Stein. Dann wurde im Wald ein Pumpwerk errichtet und das Wasser in das Leitungsnetz eingespeist. Das dort geförderte Wasser lag qualitätsmäßig gerade an der untersten Grenze der Anforderungen und war auch mengenmäßig nicht ausreichend.

Nun wandte man sich an die Stadt Frankfurt am Main. Nach längeren Verhandlungen wurde 1964 ein Vertrag geschlossen, nach dem Bischofsheim Wasser aus der Frankfurter Vogelsbergleitung bekam, die an der Bundesstraße 8/40 entlangläuft. Leitungen wurden gelegt, ein Pumpwerk gebaut, und nun bekam Bischofsheim Wasser in einwandfreier Qualität und in jederzeit ausreichender Menge.

Um bei Betriebsstörungen nicht auf dem Trockenen zu sitzen, errichtete Bischofsheim gemeinsam mit der Stadt Bergen-Enkheim einen Hochbehälter vor Bergen mit einem Fassungsvermögen von 5.000 Kubikmeter. Die Leitung zu diesen beiden Reservoiren wurde 1968/69 gelegt, zur selben Zeit wurde auch das Pumpwerk am Fuße des Berger Hanges gebaut, das das Wasser von der Frankfurter Leitung an der B 8/40 zum Behälter hochdrückt. Im Jahre 1970 wurde er in Betrieb genom­men. Diese Maßnahmen erforderten sehr hohe finanzielle Aufwendungen der Ge­meinde, die aber im Interesse der ausreichenden Wasserversorgung notwendig waren.

Kommunalpolitiker und Volkswirtschaftler sind sich klar darüber, daß die Pro­bleme der Infrastruktur zumin­dest in den Ballungsräumen nicht mehr von den einzelnen Gemeinden gelöst wer­den können. Deshalb übergab die Gemeinde am 1. April 1970 die gesamte Anlage der Wasserversorgung mit allen Werten und Schulden den Kreiswerken Hanau.

 

 

Die Bischofsheimer Kerb

Das älteste und traditionsreichste Fest unseres Ortes wie auch aller umliegenden Gemeinden war das Kirchweihfest, volkstümlich „Kerb“ genannt. Es stellte einen Glanzpunkt dar im Laufe des mühseligen und von vielerlei Sor­gen überschatteten Arbeitsjahres. Straßen, Hof­reite und Haus wurden auf Hochglanz gebracht, alle Verwandten und Freunde aus den Nachbardörfern stellten sich ein und wurden freudig empfangen.

Der Duft von Bratwürsten und Zwetsch­genkuchen erfüllte das ganze Dorf, und auf dem „Marktplatz“ der Gemeinde, der Hintergasse, drängte sich jung und alt zusammen und vergnügte sich froh an den Schaukeln und dem Karussell.

In allen Wirtschaften wurde getanzt, die Wirtsstuben waren bis auf den letzten Platz besetzt, unter den schattigen Bäumen der Wirtshausgärten waren Bänke und Tische aufgestellt und boten Platz für viele. Aushilfskellner schleppten das Essen und die schweren Bembel mit Apfel­wein herbei, Zauberkünstler und Wahrsagerinnen verdienten sich ihre Heller, Gaukler und landbekannte Originale tauchten regelmäßig auf, Arme erschienen und bettelten sich Kuchen und Groschen zusammen, und alle kamen durch die von festlicher Stimmung gebefreudig gewordenen Gastgeber auf ihre Kosten.

Vor einer Wirtschaft wurde auch der Kerbebaum mit dem ausgestopften Kerbebur­schen aufgestellt. Aufrichtung und Abnahme des Baumes bildeten für die männ­liche Jugend des Ortes festliche Höhepunkte. Der eigentliche Zweck des Festes, die Erinnerung an die Einweihung der Kirche, fiel immer mehr der Vergessenheit anheim, die Kerb war ein Volksfest an sich geworden.

Es kann mit Sicherheit angenommen werden, daß hier die Kerb schon vor dem Dreißigjährigen Krieg gefeiert wurde. Nach der Beendigung des für die hiesige Bevölkerung so schweren Siebenjährigen Krieges wurde 1764 erstmals wieder die Kerb gefeiert, denn die Gastwirtin, Witwe des Johan­nes Brecht, kaufte ein Kerb-Grün (Kerbbäume). Auch der Wirt der Krone kaufte zwei Kerbbäume. Wenig später stellten alle ansässigen Wirte vor ihre Wirtschaft einen Kerbebaum auf, wie aus den Gemeinderechnungen hervorgeht.

 

Vom Jahre 1876 ab werden die Angaben über die Kerb etwas ergiebiger, denn die Gemeinde vereinnahmt von nun an Standgeld von den Schaustellern. Für die kleineren Stände zahlte man in der Regel 50 Pfennige, nur der Karussellbesitzer mußte 15,- Mark abliefern. Inter­essant ist, daß nach 86 Jahren in den Rechnungsbüchern noch ein Fehler entdeckt wurde: 1884 hatten die Schausteller 58,50 Mark an Standgeld bezahlen müssen, in der Einnahme wurden jedoch nur 10,- Mark eingetragen! Auch die die Rechnung prüfenden Behörden haben es nicht bemerkt.

Im Jahre 1887 muß der Karussellbesitzer schon 35,- Mark bezahlen; es waren 11 Spiel­warenstände vertreten. Das Angebot wird 1890 belebter: ein Karussell 50,- Mark, ein Marionettentheater 5,- Mark, eine Schießbude, ein Spielwarenstand je 5,- Mark, ein Zuc­ker- und Spielwarenladen 2,- Mark, ein Spielwarenstand 1,- Mark und als Neuerscheinung ein Photograph 3,- Mark. Im Jahre 1897 findet die Kerb mit dem Gesangsverein Eintracht statt. Im Jahre 1894 kommen Harmonikaspieler, Seiltänzer und Drehorgeln hinzu; Im Jahre 1899 erbringt die Kerb 248,50 Mark Standgelder.

Am 15. August 1899 erschien im Frankfurter Generalanzeiger folgendes Inserat: „Freitag, den 18. August des Jahres, vormittags 11 Uhr, wird der Platz zur Aufstel­lung eines Karussells zur Kirchweih am 10., 11. und 17.9. auf dem Rathaus öffentlich meistbietend versteigert. Bischofsheim, den 13. August 1899    Der Bürgermeister Heck“. Es wurden 21 Stände aufgestellt, für das Karussell mußten allein 130,- Mark be­zahlt werden. Im Jahre 1906 wurde auf der Kerb zum erstenmal durch Francaca Dombrosi Fruchteis angeboten. Im Jahre 1910 wurde der Stand für das Karussell für 180,- Mark versteigert, eine un­glaubliche Summe, denn eine Fahrt kostete nur 2 oder 3 Pfennige. Im Jahre 1913 wurde die Kerb um eine weitere Attraktion bereichert: ein Kinematograph kam!

Bis 1939 war der Kerbplatz in der Hintergasse (jetzt Alt Bischofsheim). Die Stände wurden an die Schausteller meistbietend versteigert.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg erwies sich die Hintergasse sowohl für die Zahl der Besucher als auch für die Aufstellung attraktiver und moderner Unterhaltungsein­richtungen als zu klein. Da auch verschiedene Wirtschaften ihre Betriebe schlos­sen, verlor die Kerb immer mehr ihre Anziehungskraft. Man verlegte sie deshalb auf den Sportplatz am Wald. Damit sank sie zur völligen Bedeutungslosigkeit herab.

Der Gesangverein „Eintracht“ hatte eine Idee: Er übernahm die Kerb, stellte ein großes Zelt auf, engagierte Schausteller, - und die Bischofsheimer kamen. Von nun an übernahm jedes Jahr ein anderer der großen Bischofsheimer Vereine die Kerb und machte wahr­scheinlich ein glänzendes Geschäft dabei. Zwar spricht man noch von der Kerb, aber in Wirklichkeit ist sie ein Vereinsfest geworden, ein Vereinsfest jedoch, das durchaus volkstümlichen Charakter besitzt und Alt- und Neubürger zu Gast hat.

Verloren ist jedoch die alte Tradition, die private Gastlichkeit, mit der Freunde und Verwandte aus Nachbarorten im Hause festlich bewirtet wurden. Verloren ist auch der berühmte Kerbeputz, bei dem die Hausfrau das Haus innen und außen auf Hochglanz brachte. Auch die Kerbeburschen und die Kerbebäume ge­hören der Vergangenheit an.

Als überaus günstig für die Abhaltung dieses und anderer Feste hat es sich er­wiesen, daß die Gemeinde im Jahre 1969 für etwa 125.000,- DM hinter der Turnhalle am Wald einen Festplatz schuf, ihn mit einem geeigneten Unterbau versah, Strom und Wasser dorthin lieferte und damit die Aufstellung eines modernen, hochtechnisierten Vergnügungsparks ermöglichte. Auch der etwa 35.000,- DM kostende Bau einer modernen Toilettenanlage hat sehr zur Be­liebtheit des Festes beigetragen und manche der unangenehmen Begleiterschei­nungen verschwinden lassen.

Für die Gemeinde ist dieses Fest in finanzieller Hinsicht völlig bedeutungslos geworden. Man hat die Vergnügungssteuer erlassen und ein seriöses Unterneh­men beauftragt, nur gut beleumdete Vertreter des Schaustellergewerbes zuzulas­sen, eine Maßnahme, die sich bewährt hat. Dafür erhält die Gemeinde ganze 3.500,- DM an „Standgeldern“, im Vergleich zu früheren Zeiten also nur einen Pfennigbetrag. Allerdings kommen die Schausteller zum Teil für das am letzten Abend stets veranstaltete recht kostspielige Feuerwerk auf.

 

 

Postamt

Noch im 18. Jahrhundert wurde der gesamte Schriftverkehr der Gemeinde mit den Ämtern und Behörden durch Boten abgewickelt. Für die „Gänge“ nach Bergen, Hanau, Frankfurt usw. galten feste Gebührensätze. Diese Gänge waren sehr beliebt, denn neben dem Gemeindediener wurden sie recht häufig von dem Zent­grafen, den Bürgermeistern und den Gerichtsschöffen ausgeführt. Sogar die Totenfrau wurde manchmal eingesetzt.

Mit diesen Gängen marschierte man sich einige Kreuzer zusammen. Die Abrechnung dieser Botengänge bildete eine schier unerschöpfliche Quelle von Streitigkeiten zwischen dem die Rechnung prüfenden und den Boten. Hier wurde der Rotstift jedes Jahr angesetzt, hier müssen immer wieder Beträge zurückgezahlt werden. Der Zentgraf bekam für einen Gang nach Bergen 30 Kreuzer, nach Hanau 40 Kreuzer. Die Gerichtsleute dürfen für dieselben Wege nur 20 und 30 Kreuzer ansetzen.

 

Im Jahre 1857 hören die Botengänge fast völlig auf. Die Post ist da. Sie kommt anfangs aus Bergen. Im folgenden Jahr tritt zum erstenmal in den Rechnungsbüchern der Betrag von 6 Gulden 8 Kreuzer für Porto auf. Der Postverwalter Hof aus Bergen bekommt für das Mitnehmen von Briefen und Paketen außerdem 6 Gulden von der Gemeinde. Im Jahre 1869 kauft die Gemeinde auf eigene Kosten einen Briefkasten, den sie noch bis zum Jahre 1903 durch den jeweiligen Briefträger anstreichen lassen muß.

Aus dem Jahre 1871 ist die erste Briefmarke auf einem Dienstschreiben vorhan­den, herausgegeben von dem Norddeutschen Postbezirk. Auch die erste Depesche wird in diesem Jahr von der Gemeinde abgesandt; sie ging nach Bingerbrück, wurde durch die Leitung der Eisenbahn übermittelt und kostete 18 Kreuzer. Die Ge­meinde bestellte durch die Depesche Rohre für die Wasserleitung.

Im Jahre 1878 läßt die Kaiserliche Post den Briefkasten neu lackieren, die Krone, das Posthorn und die Schrift werden vergoldet, bezahlen muß die Gemeinde. Im Jahre 1884 sendet die Gemeinde erstmals einen Betrag per Postanweisung ab. Diese sah fast genauso aus wie noch heute, etwa 100 Jahre später. Im Jahre 1892 ist auf der Rechnung eines Offenbacher Geschäftsmannes zum ersten Male eine Telefonnummer angegeben: Nr. 53, Anschluß Frankfurt/M.

Im folgenden Jahr kommt die Post aus Fechenheim, mit ihr kommt auch die erste Nachnahme an die Gemeinde. Im Jahre 1894 übernimmt der Lehrer Knöll die erste Postagentur am Ort [nicht: Kröll]. Sie wird in sei­ner Dienstwohnung eingerichtet. Im Jahre 1899 ist auch die Zahlkarte da, in Farbe und Form bis heute kaum verändert. Im Jahre 1907 gibt es ein Telefon am Ort, wahrscheinlich auf der Post. Die Gemeinde hatte 1917 für Porto usw. schon 283,82 Mark zu zahlen.

 

Der verhältnismäßig kleinen Gemeinde genügte noch auf Jahre hinaus die in einem Wohnzimmer untergebrachte Postagentur, wo die steigende Zahl der Postbenutzer in einem winzigen Hausflur auf ihre Abfertigung warten mußte. Die Agentur wurde von Herrn Johannes Wörn in der Hintergasse 16 geführt. Der freundliche alte Herr war unter dem Namen „Post-Wörn“ allen Bischofsheimern bekannt.

Der Postbote war der alte Herr Mitscherling, der bei der Bevölkerung des Ortes sehr beliebt war und in seinem weiten Radmantel den gelben zwei­rädrigen Postkarren den ganzen Tag über unermüdlich durch die Straßen schob.

Als die Post auch die Auszahlung der Renten übernahm, war die kleine Agentur in der Hintergasse den Aufgaben nicht mehr gewachsen. Die Post bezog in der Zwingerstraße in dem Anbau eines Hauses ein größeres Domizil, das sich aber auch sehr bald als zu klein erwies und besonders an den Rentenzahltagen die alten Leute zwang, bei Wind und Wetter in langer Reihe auf der Straße stehend langsam vorzurücken, was zu heftigen Beschwerden führte. Wenn sich zur Weih­nachtszeit wegen der verstärkten Paketaufgabe die Zahl der Postkunden stark er­höhte, traten unhaltbare Verhältnisse ein.

Die Post pachtete daher im Jahre 1958 die alte Schule in der Hintergasse 30 und baute diese mit erheblichen Mitteln zu einem den heutigen postalischen Bedürf­nissen entsprechendem Gebäude um.

[Auf Anfrage konnte man beim Abriß des Hauses bei der Stadt nichts sagen über die Geschichte des Hauses. Dabei steht alles in der Chronik Lippert: „Im Jahre 1892 begann man mit dem Bau der neuen Schule (heutige Post, Hinter­gasse 30), die im folgenden Jahr eingeweiht wurde“. Bekannt war allerdings der Werdegang des Gebäudes seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges: Es wurde zunächst als ausgelagerte Depen­dance der Waldschule genutzt, bevor dann im Jahr 1958 die Post dort nach einigen Umbauten Einzug hielt. Später nutzte die Post das Gebäude auch als Fernmeldezen­trum, das erste Obergeschoß wurde teil­weise von der Bischofsheimer Gemeinde­verwaltung belegt. Zuletzt hatte der El­ternverein „Familienzentrum Maintal“ im ersten Obergeschoß sein Domizil, bevor die Eltern vor einigen Jahren ihren jetzi­gen Standort „Am Kreuzstein 57“ bezogen. Obwohl zur Neukonzeption des Rathaus­platzes noch immer nichts konkret ent­schieden ist, war der Abriß der „alten Post“ im Magistrat unstrittig.

 

Nachstehend der Zeitplan für das Auf und Ab der Portokosten für Briefe:

 

ab  1875

   -,10  

ab 20. 9.1923             

250.000,-

ab  1.8.1916   

-,15      *

ab  1.10.1923

2 Mill. Mark

ab  1.10.1919 

   -,20

ab 10.10.1923

5 Mill. Mark

ab  6.  5.1920 

  -,40

20.10.1923                

10 Mill. Mark

ab  1. 4.1921  

   -,60  

ab  1.11.1923            

100 Mill. Mark

ab  1. 1.1922  

    2,-

ab  5.11.1923            

  1 Mrd. Mark

ab  1. 7.1922  

    3,-

ab 12.11.1923           

10 Mrd. Mark

ab  1.10.1922 

     6,-

ab 20.11.1923           

80 Mrd. Mark

ab 15.11.1922

   12,-

am  1.12.1923                       

  1 Billion Mark

ab 15.12.1922

   25,-

ab  1.12.1923            

-,10

ab 15. 1.1923 

   50,-

ab  1. 8.1927             

-,15

ab  1. 3.1923        

  100,-

ab 15. 1.1932            

-,12

ab  1. 7.1923        

  300,- 

ab  1. 3.1946             

-,24

ab  1. 8.1923  

1. 000,-

ab  1. 4.1966             

-,30

ab 24. 8.1923     

20.000,-

ab  1. 7.1972             

-,40

ab  1. 9.1923

75000,-

ab  1. 7.1974              

-,50

*5 Pf Kriegsabgabe)

                                                                                              

Das Bischofsheimer Postamt, das dem Postamt in Hanau unterstellt ist, beschäf­tigt außer dem Leiter zur Zeit sieben Briefträger, zwei Paketzusteller, vier Schalter­beamte, eine Innendienstkraft und eine Raumpflegerin. Dem Postamt stehen drei Kraftfahrzeuge zur Verfügung, die Zahl der Briefkästen wird ständig erweitert. Im Postamtsbereich sind elf Öffentliche Fernsprechzellen und drei Notrufsäulen auf­gestellt.

Eine Einrichtung der Post, die früher nur bei Behörden und gewerblichen Be­trieben sowie als Statussymbol bei begüterten Bürgern zu finden war, ist heute in sehr vielen Häusern vorhanden: Das Telefon. Die Zahl der erforderlichen Fernsprechkabel war viel zu gering, um alle Wünsche auf Telefonanschlüsse erfüllen zu können, Antragsteller mußten monatelang, oft Jahre auf ihre Anschlüsse warten. Nun errichtete die Post das „Fernmeldeamt Taunus“ in Eschborn, zu dem der Knotenvermittlungsbereich 619 in Oberursel gehörte. Dieser Stelle wurde auch das Fernmeldeamt Bergen-Enkheim mit der Vermittlungsstelle Bischofsheim angeschlossen, die im Jahre 1973 im Dörnighei­mer Weg erbaut wurde und etwa 2,5 Millionen DM kostete. Diese Vermittlungsstelle ermöglicht den Anschluß von 10.000 Hausapparaten und dürfte den Be­darf bis zum Jahre 2000 decken können. In Bischofsheim sind zu Beginn des Jahres 1974 etwa 2.900 Fernsprechanschlüsse vorhanden, für weitere 600 sind An­träge eingegangen. Die Ausgaben der Gemeindeverwaltung beliefen sich 1973 für Post und Telefon auf etwa 26.500,-DM.

 

Von den Bischofsheimer Vereinen

Der erste Verein wird 1874 amtlich verzeichnet. Es ist ein Gesangverein, der ein Fest feiert und sich aus diesem Grunde von der Gemeinde einen Tannen­baum kauft. Es muß ein Prachtbaum gewesen sein, denn der Verein ließ ihn sich 2 Thaler 8 Groschen 7 Pfennig kosten. Leider ist der Name des Vereins nicht erwähnt, so daß man nicht weiß, ob die Liederlust oder die Eintracht den Reigen der Ver­einsfeste eröffnet hat. Gegründet wurden beide Vereine in diesem Jahr.

 

Im Jahr 1907 gab es 15 Vereine, die steuerpflichtige Veranstaltungen durchführten.

Diese mußte Lustbarkeitssteuer an die Gemeinde bezahlen: Verband der Maurer, Turngesellschaft, Musikverein Rph, Maifeierkomitee, Rauchergesellschaft, Liederlust Bischofsheim, Athleten-Klub, Gesangverein Eintracht, Fußball-Klub, Gewerkschaftskommission, Zimmererverband, Verband der Hilfsarbeiter, Zitherverein, Tanzschule, Stemm- und Ringklub.

Im Jahre 1908 kamen noch folgende Vereine dazu: Geflügelzuchtverein, Bürgerverein, Musikverein Vorwärts. Im Jahre 1911 kamen noch folgende Vereine dazu: Obst- und Gartenbauverein, Arbeiterschutzverein. Im Jahre 1914 kamen noch folgende Vereine dazu: Wahlverein (Tarnung der SPD), Ball- und Sportverein

Im Jahre 1974 sind der Gemeinde folgende Vereine bekannt: Angelsportverein 1946, Altenclub, Elternverein, Förderungsgemeinschaft Bischofsheimer Schulen, Freiwillige Feuerwehr,

Fußballsport verein 1907, Geflügelzuchtverein, Gesangverein Eintracht, Judo-Klub, Kegelklub Einigkeit, Kegelsportvereinigung, Kleingartenbauverein, Club-Center Old Bailey, Motorsportclub 1952, Musik-Corps 1951, Obst- und Gartenbauverein, Rauchgesellschaft, Rentnerbund, Schachklub, Schmalfilmfreunde Bischofsheim, Schützenverein Hubertus, Tennisclub, Turnerschaft 1886, Verein der Vogelfreunde, Volkschor Liederlust, Zither- und Mandolinenverein

 

Volkschor „Lieder­lust“:

Am 1. September 1874 schlossen sich 20 junge Männer zu­sammen, um regel­mäßig gemeinsam zu singen. Frauen war es zu dieser Zeit nicht gestattet, am Vereinsle­ben teilzunehmen. So sangen bis 1910 nur Männer in den Reihen der „Liederlust“. Viele Höhen und Tiefen durch­lebte der Chor in der Vergan­genheit. Zweimal unterbra­chen die Weltkriege das rege Vereinsleben. Doch die Freude am Singen ließen sich die Frauen und Männer nicht neh­men. Nach dem Zweiten Welt­krieg wurde kurzzeitig ge­meinsam mit den Mitgliedern des Gesangvereins „Ein­tracht“ musiziert. 150 bis 160 anwesende Sängerinnen und Sänger waren bei den Proben keine Seltenheit.

Besonders stolz kann der Ver­ein darauf sein, drei Dirigen­ten aus den eigenen Reihen ge­zogen zu haben. So übernahm 1880 mit Wilhelm Seip erst­mals ein „Eigengewächs“ das Dirigat. Im Jahre 1953 legte der Vor­stand die musikalische Füh­rung in die Hände des Vizedi­rigenten Friedrich Maier, ebenfalls langjähriger Lieder­lust‑Sänger. Die dritte im Bun­de ist Christa Pfeffer, die den Chor seit 1990 mit Bravour lei­tet.

Die „Liederlust“ verstand es stets, die eigene Freude am Ge­sang auch ihrem Publikum zu vermitteln. So wurde der Volkschor ein beliebter Gesangsverein, der sich überall hören lassen konnte. Vielstim­mig und doch harmonisch prä­sentierte sich das Ensemble bei seinen Auftritten. Der Ter­minkalender der Sängerschar umfaßte neben den wöchentli­chen Proben zahlreiche Kon­zerte, Wertungs‑ und Freund­schaftssingen. Die „Lieder­lust“ stellte sich sogar Sänger­wettstreiten und reihte sich durch ihren hervorragenden Gesang in die Spitzengruppe der Chöre ein. Noch heute sorgt die „Liederlust“ bei Fei­erlichkeiten für feierliche Umrahmung. Durch Kooperation mit anderen Musikern geben die Sänge­rinnen und Sänger ihren Kon­zerten der neueren Zeit einen besonderen Rahmen.

Gemein­same klangvolle Darbietungen mit dem Musik‑Corps Bi­schofsheim, dem Gesangsver­ein Eintracht und dem Mando­linenorchester (früher Zither­- und Mandolinenverein „Edel­weiß“) erfreuen die Zuhörer. Auch beim Adventkonzert der katholischen Kirche St. There­sia und dem „Singen der Main­taler Chöre“, hat die „Lieder­lust“ ihren festen Platz. Mit Volksweisen und bekannten Melodien versüßten die „Bi­schemer“ den Bewohnern des Victor‑Gollancz‑ Hauses, einem Altenpflegeheim in Frankfurt­-Höchst, bereits manche Weih­nachtsfeier.

Neben dem Gesang wird bei der „Liederlust“ auch die Ge­selligkeit gepflegt. Nicht zu­letzt dem ausgeprägten Ge­meinschaftsgefühl ist es zu verdanken, daß einige Mitglieder der Liederlust seit über 70 Jahren die Treue halten. Je­des Jahr kommt der Verein zu einem feierlichen Familien­abend zusammen. Bei Ausflügen werden Städte und Regionen erkundet. Am Straßenfest tauscht die Sänger­schar das Notenheft gegen Grillzange und Salatbesteck, um die Festgäste zu bewirten ‑ in diesem Jahr bereits zum 24. Mal. Auch beim Karnevals­-Zug ist die „Liederlust“ jedes Jahr vertreten.

Im Internet ist der Volkschor unter www.liederlust.de zu finden. Wer Interesse hat, mit­zusingen, kann sich unter Te­lefon (0 6109) 6 69 71 mit Peter Buhl, dem Ersten Vorsitzen­den, in Verbindung setzen, oder einfach bei den Proben vorbeischauen, die jeden Frei­tag um 20 Uhr im seitlichen Bau des ehemaligen Rathauses stattfinden.

 

Im Jahre 1879, also zur Zeit des Sozialistengesetzes, beantragte der Gesangver­ein Eintracht für seine Übungsabende eine Verlängerung der auf 22 Uhr festge­setzten Polizeistunde. Der damalige Bürgermeister Ebert wies das Gesuch schroff zurück mit dem Bemerken, das auch die Liederlust in derselben Angelegenheit abschlägig beschieden worden sei. Es sei eine Zeit der Arbeitslosigkeit, und man hätte reichlich Zeit von 6 bis 10 Uhr abends zu singen, zudem stände der ganze Sonntag für diesen Zweck zur Verfügung. Übrigens seien in beiden Vereinen Personen vertreten, die früher Hauptanhänger sozialistischer Bestrebungen ge­wesen seien und die auch heute noch Hauptpersonen in den Vereinen seien, ohne daß man ihnen Bestimmtes nachsagen könne.

Im Jahre 1888 werden gleich zwei Vereine erwähnt, der Turnverein und die Liederlust veranstalten Weihnachtsfeiern. Jeder Verein kauft von der Gemeinde einen Tan­nenbaum für eine Mark.

Im Jahre 1892 fand ein Turnfest in Bischofsheim statt, das sich über mehrere Tage er­streckte; auch Schausteller waren bei diesem Fest zu Gast. Im Jahre 1894 zog Dr. Schüler von Hochstadt nach Bischofsheim, der Verein für ärztliche Hilfe wurde gegründet. Die Eintracht feierte 1897 das erste Waldfest und mußte sechs Mark für die Tanzerlaubnis bezahlen. Waldfeste haben hier also eine alte Tradition.

Im Jahre 1903 wurde der Verein „Arbeiterschutz“ gebildet. Ihm gehörten über 50 Personen an, als Berufe wurden hauptsächlich angegeben: Tagelöhner, Portefeuiller, Maurer, Fabrikarbeiter, Eisendreher und sehr viele Zimmerleute. Als Zweck des Vereins wurde die Verbesserung des Arbeiterschutzes, die Pflege geistigen Wissens und des geselligen Lebens angegeben.

Der Landrat schickt die Statuten an den Bürgermeister zurück mit dem Bemerken, daß es sich um einen politischen Verein handele, dessen fortgesetzte strenge Überwachung zu empfeh­len sei. Dieser Arbeiterschutz schloß sich 1910 mit der SPD zusammen wegen der im folgenden Jahr stattfindenden Reichstagswahl. Die Sozialdemokraten zogen da­mals mit 110 Abgeordneten in den Reichstag ein.

Fröhliche Menschen gründen 1899 den Humoristenverein „Heiterkeit“. Im Jahre 1904 tritt der Stemm- und Ringklub auf. Im Jahre 1906 kommen die Gartenfeste mit Tanz in Mode, die Turner feiern Abturnen mit Tanz, der Zitherverein macht erstmals Musik, die Humoristen feiern mit ihren Familien einen Abend mit „Komischen Vorträgen“ und „Klavierbeklei­dung", wie der Gemeinderechner vermerkt.

Aus dem Jahre 1907 ist eine Aufzählung sämtlicher Vereine vorhanden, die steu­erpflichtige Veranstaltungen durchgeführt haben. Es ist eine für die kleine Ge­meinde recht stattliche Anzahl:

 1. Verband der Maurer                                            9. Fußballklub

 2. Turngesellschaft                                                   10. Gewerkschaftskommission

 3. Musikverein Rumpenheim                                   11. Zimmererverband

 4. Maifeierkomitee                                                  12. Verband der Hilfsarbeiter

 5. Rauchergesellschaft                                             13. Zitherverein

 6. Liederlust (Fahnenjubiläum mit Tanz)                 14. Tanzschüler

 7. Athleten-Klub                                                       15. Stemm- und Ringklub

 8. Gesangverein Eintracht                                      

Der Stemm- und Ringklub feiert ersten den Maskenball. Aus 25 Veranstaltungen fließen der Gemeinde 253,- Mark Lustbarkeitssteuer zu. Den höchsten Betrag zahlte Jakob Bausch für eine „theaterische Vorstellung“.

Im folgenden Jahr treten der Geflügelzuchtverein, der Bürgerverein und der Mu­sikverein Vorwärts auf, 1911 ist der Obst- und Gartenbauverein genannt, eben­so der Arbeiterschutzverein. Im Jahre 1914 tritt der Wahlverein in Erscheinung, eine Tarnorganisation der SPD.

In demselben Jahr pachtet der Ball- und Sportverein in der Niederweide drei Wiesenstücke als Sportplatz und zahlt dafür an die Gemeinde 150 Mark.

Am 13., 14. und 16. Juni 1914 feierte die Eintracht aus Anlaß ihres 40jährigen Bestehens ein Jubiläumsfest. Es war das letzte große Fest, das hier in tiefem Frieden gefeiert wurde. Zwölf Tage später geschah die Tat von Sarajewo, und bald darauf beherrschte andere Musik die Welt und stürzte sie in Blut und Tränen.

Der Gesangverein „Liederlust“, der dem Arbeitersängerbund angehörte, löste sich 1933 selbst auf, bevor die behördliche Verfügung der Auflösung eintraf. Das wenige Bargeld wurde zu einer Abschlußfeier verwandt, auch die Damen des Vereins bekamen 25,- RM für ein Kaffeekränzchen. Die Utensilien des Ver­eins wurden an alte Sänger verschenkt, es handelte sich vorwiegend um Noten, Mu­sikinstrumente, Apfelweingläser usw., damit, so hieß es im Auflösungsprotokoll, bei Wiederzulassung des Vereins durch die Regierung alles wieder zur Verfü­gung stände. Aber es half nichts, alles wurde beschlagnahmt und eingezogen. Ein Teil der Sänger trat in den „nationalen“ Verein Eintracht ein, andere zogen sich resignierend zurück.

Dann kam die „Volksabstimmung“ und hinterher ein Erlaß: „Nach dem einmütigen Bekenntnis der deutschen Arbeiterschaft am 12. November 1933 können Arbeiterchöre wieder zugelassen werden“. Das deutsche Volk hatte mit den üblichen 99,9 % für Führer und Reich gestimmt. Nun kamen die wiederholten Anfragen der Behörde, ob die Liederlust wieder singe und sich der Pflege des deutschen Liedgutes und Brauchtums widme. Aber die Liederlust hatte nichts mehr zum Singen. Schließlich schrieb der Bürgermei­ster (und Ortsgruppenleiter), es bestände auch kein Bedürfnis mehr nach dem Wiederaufleben des Vereins.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben die beiden Vereine zunächst zusammen, bis man sich 1946 doch wieder trennte. Die Eintracht blieb ein Männergesang­verein, die Liederlust stellte einen gemischten Chor auf. Beide Vereine existieren heute noch und konnten im Jahr 1974 ihr hundert­jähriges Bestehen feiern. Leider haben beide über Nachwuchsmangel zu klagen, so daß die Liederlust den Schwerpunkt ihres Wirkens zur Zeit auf einen Kinderchor gelegt hat. Der Zither- und Mandolinenklub hatte sich 1934 aus zwei bisher gesonderten Vereinen zusammengeschlossen.

Der zur Zeit populärste Bischofsheimer Verein ist das Musik-Corps. Es wurde 1951 als Spielmannszug gegründet, machte mit Trommeln und Pfeifen die übliche Knüppelmusik und hatte einfache Uniformen. Aber der Verein hat sich erfreulich gemausert, Musiklehrer wurden engagiert, das Spiel nach Noten gelehrt, moderne Musikinstrumente beschafft, deren Wert bei über 50.000,- DM liegt, und geschmackvolle Uniformen gekauft. Sämtliche Anschaffungen hat der Verein aus eigenen Mitteln bestritten. Das Musik-Corps macht nur Blasmusik und steht auf einem beachtlichen musikalischen Niveau.

 

Spielmannszug / Blasorchester:                                                                                         

Das Musik‑Corps Bi­schofsheim wurde am 15. Juni 1951 als Spiel­mannszug gegründet. Begonnen hat alles im Jahre 1951, als eini­ge Bischofsheimer die Idee hatten, einen Spielmannszug zu gründen. Gesucht wur­den in der damals 3.200 Einwohner zählen­den Gemeinde junge Leute, die sich zu ei­nem Musikverein zusammenschließen wollten. Bis zur Gründungsversammlung am 13. Juli 1951 konnten insgesamt 24 jun­ge Menschen geworben werden, die In­teresse an der Musik hatten. Sie gründeten den Spielmannszug Bischofsheim.

Am 15. Juni 1951 trafen sich auf Anregung von Konrad Kundermann und einigen Herren der Turnerschaft 24 weitere Bischofsheimer, die teils im einstigen Spielmannszug mitwirkten oder als Soldaten das Ende des Krieges erlebten. Sie wollten den Spielmannzug wiederbeleben. Von den acht noch lebenden der über 80-jährigen Gründer waren noch fünf ihrem Verein verbunden.

Die Ausbildung der Trommler und Pfeifer sowie die erste Stabführung übernahm Herr Pracht. Die ersten Übungen der Trommler wurden auf alten Tischen in der Tischlerei der „Dorfschänke“ durchgeführt. Die Trommeln des ehemaligen Spielmannszugs waren in einem schlechten Zustand. In mühevoller Arbeit wurden sie durch Hans Sauer und Walter Bauscher repariert. Bis die ersten Trommeln spielfähig waren, verging der Sommer.

Der erste Vorstand wurde am 16. November 1951 gewählt. Und am zweiten Weihnachtsfeiertag fand der erste Frühschoppen statt. Dieser und die Weihnachtsfeier sind Veranstaltungen, die auch heute noch gern besucht werden. Der erste Auftritt des neuen Musik-Corps war im Februar 1952. Die Musiker des Vereins spielten beim Fastnachtsumzug durch Bischofsheim auf. Dies dokumentiert ein historisches Foto, das in der Breulgasse entstand.

Da der junge Verein über keine finanziel­len Mittel verfügte und die Anschaffung neuer Instrumente daher nicht möglich war, wurden die seit dem Zweiten Welt­krieg lagernden alten Instrumente des frü­heren Spielmannszuges wieder instandge­setzt. Bereits im Dezember des Gründerjahres bestand der Verein aus zehn Pfeifern, elf Trommlern und einem Paukisten. Für die offiziellen Auftritte wurde die An­schaffung einer einheitlichen Kleidung er­forderlich. Bereits 1952 kauften sich die Aktiven weiße Hosen und Hemden, die in der Faschingszeit durch große Hüte er­gänzt wurden. Der Spielmannszug konnte bereits 1952 an Faschingsumzügen teilneh­men.

Seit 1952 fanden sich immer mehr junge Leute; die Freude an der Musik hatten und sich dem Spielmannszug anschlossen. Der erste Maskenball in eigener Regie fand im Februar 1954 statt. Musikalisch konnte sich der Spielmannszug weiter verbessern. Da jedoch in der Vereinskasse „Ebbe“ herrschte, da viel Geld für Notenmaterial und Instrumente benötigt worden war, ent­schloß man sich 1959, das erste Waldfest der Gemeinde Bischofsheim aus der Taufe zu heben. Dieses Waldfest wurde ein voller Erfolg. Noch heute wird es jedes Jahr von den Mitglie­dern und deren Angehörigen sowie Freun­den und Gönnern des Vereins in Eigenre­gie ausgerichtet.

Bei diversen Einweihungen von Schulen oder Kindergärten, bei Hessentagen, Vereinsjubiläen und mehr wurde das Corps überregional bekannt. Die erste Uniform war eine weiße Leinenhose und ein weißes Hemd, das von den Spielleuten für 28 D-Mark erworben wurde. Die Geselligkeit und die stets gute Kameradschaft waren die Stärke des Vereins.

Ein Beitritt zur Turnerschaft Bischofsheim sei damals mit großer Mehrheit abgelehnt worden.

Die freundschaftlichen Kontakte zur Frankfurter Karnevalsgesellschaft „Weiße Mützen“ führten in den ersten Jahren zu großen musikalischen Erfolgen ‑ vor allem in der Karnevalszeit. Man erkannte aber, daß außer Trommeln und Fanfaren auch andere Instrumente nötig waren, um auch anspruchsvollere Notenliteratur darbieten zu können. Diese Erkenntnis führte zur Umstellung vom Spielmannszug zum Blas­orchester im Jahr 1961.

Gleichzeitig wurde auch der Vereinsname von Spielmannszug Bischofsheim in „Mu­sik‑Corps Bischofsheim 1951 e. V.“ geän­dert. Die musikalische Leitung übernahm ab diesem Zeitpunkt der heute Ehrendiri­gent Hans Karl. Nach der Umstellung auf Blasmusik ging die musikalische Leitung von Hans Sauer in die Hände von Hans Karl über. Beide Gründer haben sich um den Verein verdient gemacht. Die enormen Umstellungskosten wurden durch das Waldfest ab 1959 finanziert.

Erste größere Konzerte fanden statt, so bei­spielsweise im Rosengarten in Mannheim, bei Hessentagen in Kassel, Darmstadt und Friedberg oder auch beim Bundesligaspiel der Frankfurter Eintracht gegen 1860 Mün­chen im Frankfurter Waldstadion. Im Jahr 1969 fand das erst Herbstkonzert statt, das noch heute eines der wichtigsten Aushän­geschilder des Vereins ist und jährlich den musikalischen Stand des Orchesters zum Ausdruck bringt.

Bis Mitte der siebziger Jahre wirkte das Musik‑Corps bei zahlreichen Festzügen in Frankfurt und Umgebung mit. Doch es konnten auch andere Erfolge verbucht werden. Sein Debüt als Kurorchester gab das Musik‑ Corps Bischofsheim 1974 in Bad Mergentheim vor über 3.000 Besuchern und ein Konzert am Frankfurter Flughafen wurde im Radio übertragen. Die mittler­weile professionelle Planung der unter­schiedlichen Veranstaltungen führte zu ei­nem Besucherrekord am Waldfest. An den vier Festtagen konnten mehr als 25.000 Be­sucher gezählt werden.

Im Jahre 1976 feierte der Verein sein 25jähriges Bestehen. Ein Kurkonzert in Bad Vilbel und Aufnahmen des Hessischen Rundfunks im neu gebauten Bürgerhaus 1977 zeigten das hohe musikalische Niveau des Orchesters. Der Aufbau eines Jugend­orchesters wurde beschlossen. Im Jahre 1980 feierte die Gemeinde Bischofsheim ihr 1100jähriges Bestehen. Bei einem großen Umzug durch die Straßen von Bischofs­heim nahmen die Mitglieder als Römer verkleidet mit einem eigenen Wagen teil. Gleichzeitig war es die Geburtsstunde des „Bischemer Straßenfestes“. 30 Jahre Mu­sik‑Corps Bischofsheim hieß es 1981. Zur Saisoneröffnung in der Eissporthalle 1982/83 spielte das Musik‑Corps. Im glei­chen Jahr wurde die Hessische Apfelwein­straße eröffnet. Anläßlich der Eröffnungsfeier gab das Orchester ein Konzert dem Römerberg in Frankfurt.

Zum zehnjährigen Bestehen der Stadt Maintal spielten zum ersten Mal alle Maintaler Blasorchester gemeinsam zu einem Konzert auf. Unter dem Motto „Maintaler Musikanten musizieren“ findet dieses Gemeinschaftskonzert noch heute einmal im Jahr statt. Beim Aktiven­ausflug des Vereins nach Berlin gab das Orchester ein Konzert an der „Scharfen Lanke“ Wannsee, das teilweise im Radio übertragen wurde.

Auf der Bundesgartenschau 1989 konnte das Orchester einmal mehr sein musikalisches Können unter Beweis stellen und so ließ der nächste Auftritt nicht lange sich warten. Bei den Rollkunstlaufweltmeisterschaften in Hanau spielten die Musiker zur Eröffnung und ernteten viel Applaus. Der Aktivenausflug führte nach Esztergom in Ungarn. Dort wurden freundschaftliche Bande mit der dort ansässigen Musikschule geknüpft.

Im Jahr 1991 beging der Verein sein 40jähriges Bestehen. Bereits im Januar konnte ein Geburtstagskonzert abgehalten werden, dessen Erlös vollständig an die befreundete Musikschule in Esztergom ging. Trotz der in diesem Jahr durch die verschiedenen Feiern knappen Zeit konnten weitere Auftritte angenommen werden, zum Beispiel ein Konzert im Hotel Kempinski in Gravenbruch bei der sogenannten „Schellackparty“, welche gemeinsam Alexander Loulakis, der Frankfurter Neuen Presse und der Bitburger Brauerei als gesellschaftlicher Beitrag für die Freunde alter Melodien und ehemaliger Tops der leichten Muße arrangiert wurde. Hier konnte das Orchester an der Seite von Ossi Trogger, dem sogenannten „Frankphoniker“‑ Bariton und dem Orchester‑Chef Sepp Gußmann, dessen bekanntestes Lied „Rucki‑Zucki“ ist, vollends musikalisch überzeugen.

Im Jahr 1992 ging eine Ära zu Ende. Der jetzige Ehrendirigent Hans Karl verabschiedete sich offiziell beim Herbstkonzert von seiner Laufbahn als musikalischer Leiter des Orchesters. Dies hinterließ Spuren. Der Verein stand nun vor der Aufgabe, einen adäquaten Ersatz zu finden. Die Suche nach einem neuen Dirigenten begann, und der Verein wurde fündig. Die ersten offiziellen Veranstaltungen im Jahre 1993 wurden bereits unter neuer Führung von Martin Schilling geleitet. Beim dritten Internationalen Blasmusikfest der Jugend Europas in Bad Orb konnte das Orchester sein musikalisches Können unter Beweis stellen.

Die Unterzeichnung der Urkunde zur Städtepartnerschaft zwischen Maintal und Esztergom in Ungarn wurde musikalisch durch das Musik‑Corps untermalt. Zum 125jährigen Jubiläum der Firma Casella im Jahr 1995 konnten mehrere Konzerte gegeben werden. Helmut Jung übernahm 1997 die Leitung des Orchesters. Es standen 1997 aber auch weitere Veränderungen an. Der Vorstand verjüngte sich enorm. Neuer Erster Vorsitzender wurde Markus Marhauser.

Im Jahr 2001 konnte das Musik‑Corps Bischofsheim seinen 50. Geburtstag feiern. Das Jubiläumsjahr beging das Musik-Corps mit einigen Jubiläumsveranstaltungen. Bereits im Januar veranstaltete das Orchester ein Neujahrskonzert, dessen Erlös dem Maintaler Jugend‑ und Familiehilfeverein „Die Welle“ gespendet wurde. Am Samstag, dem 28. April 2001, fand zum 50jährigen Jubiläum eine Akademische Feier im Bürgerhaus statt, der Sektempfang ging bereits eine Stunde zuvor vonstatten. Die Besucher des Festaktes erwartete eine Reise durch die 50‑jährige Vereinsgeschichte.

Der 65. Geburtstag des Vereins im Jahr 2016 wird nun an diesem Sonntag ab 11 Uhr am Gänsweiher gefeiert. Unter stützt werden die Mitglieder des Musik-Corps auch bei diesem Weiherfest wieder von den Bischofsheimer Landfrauen. Beide Vereine sorgen für die vielfältige Bewirtung der Gäste. Auf die kleinen Besucher wartet eine Hüpfburg. Und natürlich wird an diesem Tag für viel musikalisch Unterhaltung gesorgt. Dabei werden nicht nur das Hauptorchester und die Nachwuchsformation des Musik Corps zu erleben sein, sondern ebenso das befreundete Blasorchester des Musikvereins Germania Horbach.

 

Bilder:

Dieses historische Bild wurde 1952 in der Breulgasse beim Fastnachtsumzug durch Bischofsheim aufgenommen. Es dokumentiert den ersten Auftritt des Musik-Corps nach Gründung des Vereins am 15. Juni 1951.

Anläßlich des 80. Geburtstags des Volkschors „Liederlust" fand im Jahr 1954 ein Festzug durch Bischofsheim statt, an dem auch das Musik-Corps teilnahm, wie sich Kurt Wörner erinnert, der dem 65 Jahre alten Verein bereits seit 64 Jahren angehört.

 

Im Juni jeden Jahres veranstaltet das Musikkorps das volkstümlichste Bischofsheimer Fest, das Waldfest, außerdem findet im Winter ein Konzertabend in der Turnhalle statt und am Muttertag ein Freikonzert am Waldsee. Oft wirkt der Verein auch bei größeren auswärtigen Veranstaltungen mit, zum Beispiel beim Hessentag und dem Frank­furter Fastnachtszug.

 

Waldfest:

Für das langjährige Mitglied Karl Wörner war das Jubiläum des Bischofsheimer Musik-Corps

ein Anlaß, zurückzublicken auf so manch historisches Ereignis: Mit dem ersten Waldfest 1959 begann eine Zeltveranstaltung, die 49 Jahre lang von den Mitgliedern des Vereins organisiert und gestaltet wurde. Ideengeber des Festes war Peter Steffel, der als Schausteller auf dem Gelände der ehemaligen Eishalle seinen Lagerplatz hatte und in der Nähe einen Festplatz suchte. Der damalige Vereinsvorstand unter Vorsitz von Heinz Kinkel erkannte die Möglichkeit, die Vereinskasse aufzubessern.

Viel Arbeit mußte zur Herrichtung eines geeigneten Platzes geleistet werden. Das verwilderte unebene Gelände hinter der Turnhalle wurde von wuchernden Hecken gerodet und mit rund 30 Lkw-Ladungen Abraum aus Kiesgruben manuell geebnet. Am 22. Mai 1959 wurde schließlich das erste Waldfest aus der Taufe gehoben.

Die Bischemer strömten bei strahlendem Wetter zu ihren „Spielmöpsen“. So folgte Fest auf Fest. Im Jahr 1962 wurde das erste Zelt aufgestellt. Nun wurden Programme veranstaltet, die auch Besucher aus dem östlichen Teil von Frankfurt nach Bischofsheim führten. Die „Jacob Sisters“ waren die ersten Künstler bei den Bunten Abenden. Es folgten Stars aus Funk und Fernsehen, unter anderem Peter Frankenfeld, Ernst Mosch, Heinz Schenk, die Böhmerländer Musikanten und viele mehr. Bis zu 20 Spielmanns- und Fanfarenzüge trafen sich samstags zum großen Sternmarsch durch Bischofsheim.

Das zehnte Waldfest 1968 wurde eröffnet von Max Greger. Am Samstag landeten Fallschirmspringer zielsicher auf dem Fußballplatz und am Sonntagmorgen fand ein Schauboxen statt. Der Montag begann mit einem Frühschoppen mit reger Beteiligung von Bischofsheimer Firmen. Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der Familie Am Abend folgte der Auftritt der Stimmungskapelle „Die Kahltaler“ mit den Aktiven des Musik-Corps. Als die Stimmung im Zelt den Siedepunkt erreicht hatte und die Musiker auf den Tischen standen, boten die aktiven Orchestermitglieder eine Show, wie sie heute nur noch am Montag zum Kerbabschluß in Wachenbuchen zelebriert wird.

Als Mummenschanz verkleidet stürmten die „Spielmöpse“ die Bühne. „Haisa Safaria - die Butterfly Story“ hieß die Darbietung. Der Sänger des beliebten Schlagers „Butterfly“ durfte erst nach der Rasur seines Bartes - eine Riesengaudi für die Festbesucher - sein stimmliches Können unter Beweis stellen. In einer anderen Bühnenecke entbrannte indessen ein heißer Kampf zwischen einem Musiker, der als Schmetterling verkleidet war, und einem Safari-Touristen, der mit seinem Köcher das Riesenvieh fangen wollte. Doch der Schmetterling war schneller und zog den Fänger samt Köcher in den Zelthimmel und          verschwand dann nach mehrmaligem Hin- und Herfliegen hinter der Bühne. So endete das Waldfest 1972 unter dem tosenden Beifall der Besucher.

Erst zu Beginn der 1970er Jahre ergriffen weitere Vereine im heutigen Maintal, angeregt durch die Waldfest Erfolge, die Initiative. Die Zeit der Zeltkerb war geboren. „Bedauerlicherweise finden in Maintal in diesem Jahr nur noch zwei Zeltveranstaltungen statt, das Fest des Angelsportvereins Maintal und die Wachenbucher Kerb. Alles hat eben seine Zeit“, schließt Kurt Wörner.

 

 

Im Jahre 1974 sind der Gemeinde folgende örtliche Vereine und Verbände bekannt:

Vereine:

Angelsportverein 1946 Fechenheim-Bischofsheim  Motorsportklub 1952

Altenklub                                                                   Musik-Corps 1951

Elternverein Bischofsheim e.V.                                 Obst- und Gartenbauverein

Förderungsgemeinschaft Bischofsheimer Schulen   Rauchgesellschaft

Freiwillige Feuerwehr                                               Rentnerbund

Fußballsportverein 1907                                           Schachklub

Geflügelzuchtverein                                                  Schmalfilmfreunde Bischofsheim

Gesangverein Eintracht                                            Schützenverein „Hubertus“

Judo-Klub                                                                   Tennisclub

Kegelklub „Einigkeit“                                                            Turnerschaft 1886

Kegelsportvereinigung                                              Verein der Vogelfreunde

Kleingartenbauverein                                               Volkschor „Liederlust“

Club-Center Old Bailey CCOB                                               Zither- und Mandolinenverein Edelweiß

 

Verbände:

Arbeiterwohlfahrt                                                     Deutsches Rotes Kreuz

Caritas-Verband                                                        Innere Mission

Verein der Kriegsversehrten VdK

 

 

Unglücksfälle

Im Jahre 1662 stürzte ein Mann von einer Ulme im oberen Breul, er fiel in einen Wassergraben und wurde erst nach zwei Stunden gefunden. In einem Backtrog transportierte man ihn heim, aber er starb am nächsten Tag. Frauen stürzten beim Einbringen der Ernte oder beim Eiersuchen in Scheunen zu Tode.

Am Sonntag, dem 12. Dezember 1696, wurde der Peter Schmidt nach der Predigt nach Niederdorfelden in die Mühle geschickt. Er ließ sich in einem dortigen Wirtshaus so voll Branntwein laufen, daß er seinen Geist aufgab. Ohne Sang und Klang sollte er beerdigt werden, aber die reiche Verwandtschaft setzte es durch, daß er mit allen kirchlichen Ehren begraben wurde.

Im Jahre 1727 ertranken zwei Kinder in einer Mistkaute, 1729 wurde die Frau des Zieglers Ebert, die in einer Steinkaute auf dem Berger Feld Schutz vor der großen Hitze gesucht hatte, von dem einstürzenden Gemäuer erschlagen.    

 

Im Jahre 1733 verunglückten zwei junge Männer beim Baumfällen im Wald tödlich. Im Jahre 1737 verlor der kinderreiche Bäcker Urlettig zwei Knaben im Alter von vier und sechs Jahren, die während eines Gewitters im Tränkebach ums Leben kamen. Im Jahre 1742 ertrank ein Kind in einer Waschbütte. Im Jahre 1750 verunglückte ein Junge von noch nicht 16 Jahren tödlich beim Baumfällen im Buchwald; drei Jahre später fand man in der Sandkaute eine fremde Frau, die wahrscheinlich an einem Schlaganfall gestorben war, ihr etwa neun Monate altes Kind lag verhungert neben ihr. Während sonst der Eintrag im Sterberegister lautete: „......wurde christlich begraben“, steht hier: „die beiden Körper wurden auf dem Kirchhof begraben“.

Im Jahre 1763 fiel eine junge Bauersfrau von einem nur halb beladenen Heuwagen und starb.

Im Jahre 1767 wurde ein junger Bauer beim Mistfahren von seinem durchgehenden Ochsengespann tödlich überfahren. Im Jahre 1768 wurde ein 26jähriger Bauer in der Luchwiese, wo er Vögel fangen wollte, tot in einer Astgabel hängend aufgefunden. Auch bei der Reparatur baufälliger Scheunen verunglückten Menschen durch einfallende Wände. Im Jahre 1791 wird von dem ersten Mord berichtet, ein Mann stach seinen 34jährigen Schwager nieder.

In den Niederschriften der Pfarrer wird oft von Menschen berichtete, die durch schwere Krankheit lange Jahre an das Bett gefesselt waren und oft furchtbare Schmerzen auszuhalten hatten. Doch ist jahrhundertelang niemals ein Freitod erwähnt; die religiösen Bindungen waren stark, Unglück und Schmerzen wurden als Fügungen Gottes verstanden und ertragen.

Nach 1800 sind die ersten Selbstmorde verzeichnet.

 

Bemerkenswerte Ereignisse

Am 6. Januar 1240 weilte Kaiser Konrad IV. in Bischofsheim, denn an diesem Tag stellte er daselbst eine Urkunde aus, in der er die Bürger von Frankfurt von der Verpflichtung lossprach, ihre Töchter seinen Hofdienern auf Verlangen zur Ehe zu geben. Es bestand nämlich die Sitte, daß die Ministerialen oder adligen Dienstmänner des Kaisers in den Reichsstädten eine Bürgerstochter mit den Worten zur Ehe verlangen durften: „Heute zu Lehen, übers Jahr zu Ehen“. Von dieser an die Leibeigenschaft erinnernde Verpflichtung wurden die Bürger Frank­furts durch den kaiserlichen Erlaß befreit. Am 23. Juli 1168 starb Markwart, Abt von Fulda, während einer Reise in Bi­schofsheim.

Am 31. August 1737 bekam die angebliche Frau eines Soldaten des Prinz Maximilianschen Regiments unter einem Baum bei der Ziegelhütten eine Tochter. Die Mutter war eine Zigeunerin. Bei der Taufe in der hiesigen Kirche waren 14 Personen Gevattern; es waren Amtmänner und Offiziere nebst anderen Standespersonen und deren Frauen. Die Taufe war ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges und ist bei der da­mals üblichen Verachtung der Zigeuner kaum zu erklären.

Auch 1743 bekam hier eine Soldatenfrau ein Kind, und wiederum standen viele Offiziere mit ihren Frauen und anderen hochgestellten Personen Pate. Am 18. Juni 1764 wurde in der Kirche verheiratet Herr Johannes Henrich Ihm, Hochfürstlich Hessen Hanauischer Hofgerichts - und Konsistorialrat, ehelicher Sohn des Johann Daniel Ihm, Hochfürstlicher Hessen-Hanau­ischer Regierungs-, Hofgerichts- und Kon­sistorialrats, mit der Jungfer Susanne Maria Iber, nachgelassene eheliche Tochter des Jean Iber, Bürgerleutnant und Gasthalter in Neu Hanau.

Am 25. März 1799 fand in der Bischofsheimer Kirche eine Doppelhochzeit statt. Die Töchter des berühmten Amtmannes Usener aus Bergen heirateten. Die Jungfer Amalie ehelichte den Herrn Georg Christian Ernst Marquardt, Amtsrat des Fürstlich Isenburgischen-Birsteinischen Amtes, und die Jungfer Sophie heiratete den Herrn Johann Georg Wachs genannt Schiede, Doktor der Philosophie, nachgelassener ehelicher Sohn des Fürstlich Hessischen Kommissionsrats August Franz Wachs zu Hanau.

 

 

Aus der Geschichte der Bischofsheimer Kirche

Wann und durch wen zuerst das Evangelium in unsere Gegend gekommen ist, kann nicht nachgewiesen werden. Ob der Heilige Kilian, der Bekehrer der Fran­ken, seine Missionstätigkeit bis an den Untermain ausgedehnt hat, ist ungewiß, aber möglich. Möglich ist es auch, daß aus dem von den Nachfolgern des Bonifatius in Schlüchtern gegründeten Klosters die neue Lehre die Kinzig entlang ihren Weg in die Mainebene gefunden hat.

Sicher ist, daß im Jahre 852 in Bischofsheim eine Kapelle stand, denn nach einer (nicht mehr vorhandenen) Urkunde schenkt der Enkel Karls des Großen, Ludwig der Deutsche, der in diesem Jahre in Frankfurt gestifteten Salvatorkapelle neben vielen anderen Pfründen auch die Kapelle zu Bischofsheim mit allen ihren Einkünften. Diese Schenkung wurde 880 durch Kaiser Ludwig III. in einer noch vorhandenen Urkunde bestätigt.

Bischofsheim ist eine recht alte Siedlung. In einer Urkunde von 882 bestätigt König Ludwig, daß sein Vater im Jahr 880 der Salvatorkirche in Frankfurt (dem heutigen Dom) die Kapelle in Bischofsheim mit Zehnten und allem Zubehör geschenkt habe; das Gleiche macht Otto II. im Jahre 977. Mehrere Königs- ­und Papsturkunden bestätigen dem Salvator‑ bzw. Bartholo­mäusstift den Besitz.

Weitere Auskünfte aus der ältesten Zeit über das Gotteshaus stehen nicht zur Verfügung. Die jetzige Kirche ist jedenfalls zwei bis drei Jahrhunderte vor der Reformation entstanden.

[Die Kirche ist rund 100 Jahre jünger als hier angegeben, siehe unten]. die Kirche hat im Laufe der Zeit verschiedene Veränderungen erfahren. Im Jahre 1967 wurde das Gotteshaus durch einen schlicht-modernen Erweiterungsbau den Raumbedürfnissen der größer gewordenen Gemeinde ange­paßt (Über den Altbau der Kirche liegt eine Studie des Kunstgeschichtlichen Institutes der Johann Wolfgang Goethe-Universität vor, deren Abdruck hier nicht möglich ist).

Im Jahre 1222 schenkte der Frankfurter Propst Philipp von Diez die Kapelle in Bischofsheim dem Stift in Frankfurt, d. h. das bisher zur Propstei in Frankfurt gehörige Patronatsrecht über die Kirche zu Bischofsheim übt von jetzt an das Stiftskapitel aus. Am 22. November 1222 bestätigt dies Erzbischof Siegfried von Mainz.

Am selben Tage beurkunden dann die Pröpste der Domkirche, der St. Peterskirche und der St. Marienkirche Mainz, daß Erzbischof Siegfried mit ihrem Wissen die Schenkung des Patronatsrechtes der Kirche zu Bischofsheim an das Stift zu Frankfurt genehmigt habe. Noch im selben Jahr muß Propst Philipp von Diez gestorben sein, denn der neue Propst Siegfried, Herr zu Epp­stein, bestätigt nochmals die Übertragung durch seinen Vorgänger.

Wie wichtig man eine Übertragung von solchen Rechten nahm, ergibt sich aus der Tatsache, daß auch der Papst seine Genehmigung zu dieser Schenkung er­teilte. Trotzdem traten Streitigkeiten auf. Der Papst Honorius III. (1216 - 1227) gibt am 17. Januar 1223 seine Einwilligung und bestätigt am 3. Februar, daß mit dem Patronatsrecht auch die Einkünfte daraus von der Bischofsheimer Kirche an das Stift in Frankfurt übergegangen seien. Aber damit nicht genug: Man be­drängt den Papst weiter mit Bitten und erreicht so, daß Honorius am 11. Februar das Stiftskapitel in Frankfurt mit allen seinen Besitzungen, besonders aber die Kirche zu Bischofsheim, in seinen besonderen Schutz nimmt.

Das ist verständlich, wenn man weiß, daß das Stift schon sehr früh seine Be­sitzungen, die es bei der Gründung oder später erhalten hatte, zum Teil wieder verlor und schwer um sein Eigentum kämpfen mußte. Bischofsheim ist eine der wenigen Besitzungen, die es bis in das 19. Jahrhundert halten konnte.

Inzwischen hatte man mit dem Umbau der Frankfurter Salvatorkirche begonnen. Die Weihe des gesamten Baues fand im Jahre 1235 statt. Man hatte dieser neuen Kirche die Hirnschale des Heiligen Bartholomäus geschenkt, deshalb gab man dem Bau den Namen Bartholomäus­kirche. Am 12. Mai 1238 bestätigt Papst Gre­gor IX. (1227 - 1241) dem neuen Stiftskapitel von St. Bartholomäus den Besitz des Patronatsrechtes zu Bischofsheim. Diese Rechte an der Kirche zu Bischofsheim sind von den nachfolgenden Päpsten auch immer wieder bestätigt worden.

Im Jahre 1248 ist ein Streit mit dem Erzpriester von Mainz, Bernhard (oder Gerhard) um das Patronatsrecht ausgebrochen. Zum Schiedsrichter wird der Domkantor und Probst von Mariengreden in Mainz bestellt, der am 18. Juni 1248 das Patronat der Kirche zu Bischofsheim dem Stift in Frankfurt zuspricht. Er be­stimmt aber in einer zweiten Urkunde, daß das Frankfurter Bartholomäusstift an Bernhard sechs Jahre lang jährlich sechs Mark zur Entschädigung zu zahlen habe, was auch erfüllt wurde.

 

Am 23. Februar 1270 stiftete Johann von Rodahe, Scholaster an der Bartholo­mäuskirche, an dem dortigen Altar der Heiligen Katharina eine Vikarie zum Gedächt­nis seiner Verwandten. Für die Unterhaltung der Vikare verwendet er u.a. Einkünfte (Ge­fälle) aus Bischofsheim. Und 14 Jahre später beschenkt er den Altar der Heiligen Jungfrau Maria in der Stiftskirche. Auch hier werden Weinberge in Bischofsheim erwähnt, „die ich von Walther, Sohn des Walther von Mers­velt gekauft habe“, und außerdem ein Morgen (Land oder Weinberg?) „Zum Lohe“. Dies ist der älteste Flurname, der uns in den Urkunden über Bischofsheim begegnet. Am 13. Juli 1282 bestätigt Kaiser Rudolf von Habsburg (1273 - 1291) nochmals alle Schenkungen, auch die in Bischofsheim.

Im Jahre 1291 gibt es Streit wegen des Patronatsrechtes, der durch das Kapitel in Roßdorf zugunsten des Salvatorstiftes in Frankfurt entschieden wird. Das Patronat hatte also die Bartholomäus­kirche in Frankfurt gegen Mainz durchgesetzt. Die Kirche gehörte zum Dekanat Roßdorf des Archidiakonats S. Maria ad Gradus in Mainz.

Das Landkapitel zu Marköbel benach­richtigt den Scholaster von St. Victor in Mainz, daß es sich davon überzeugt habe, daß die Pfarrei zu Bischofsheim der Frankfurter Kirche rechtmäßig einverleibt sei und ersucht denselben, den Gottesdienst daselbst wieder freizugeben.

 

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts war in der Maingegend große Not. Das Korn konnte 1341 wegen des unaufhörlichen Regens nicht gedeihen. Das Wenige, was gewachsen war, verdarb meistens noch auf dem Feld. Man suchte, so gut es ging, die Garben dadurch zu trocknen, daß man sie in der Luft hin- und her schwenkte. Viele Leute starben Hungers. Ein Jahr darauf wurde die Not durch ein unheim­liches Hochwasser des Maines noch vergrößert, das verheerendste, das jemals in Frankfurt vorgekommen sein soll. Damit nicht genug! Die Pest brach aus, die viele Bürger unseres Landes dahinraffte und die von 1348 - 1352 in Deutsch­land und in fast ganz Europa grassierte. Aus einem frommen Gefühl heraus, aus dem Wissen um die menschliche Ohnmacht den Naturgewalten gegenüber, aus Lebensangst und wohl auch der Hoffnung, daß die Heiligen helfen würden, übergaben in einer solchen Zeit viele Bewohner ihre Habe und auch wohl sich selbst der kirchlichen Obhut.

In den Gegenden, in denen das Elend herrschte, kann man die Schenkungen in diesem Zeitabschnitt nachweisen. Aus Bischofsheim ist ein Fall bekannt: Am 13. Januar 1343 übergaben die Bischofsheimer Bürger Heinrich Lypbecher und seine Frau Gyselburg sich und all ihr Gut dem Kloster Arnsburg. Derselbe Heinrich Lyphecher unterschrieb am 15. Juli 1343 mit anderen Bischofsheimern eine Abmachungsurkunde zwischen dem Bartholo­mäusstift und den Dörfern Bischofsheim und Bergen über die Abgrenzung des Zehnten.

Diese interessante Urkunde enthält die ersten Namen Bischofsheimer Einwohner. Schultheiß war Hertwicus Mergeler, erwähnt werden noch Hein­rich Botole, Heylo Ude, Conrad Eppe, Marquard, Wigand Berger. Auch ein Brun­nen wird genannt: Vendilsburnen, oberhalb des Sumpfes gegen den Wald hin. Aus einer Urkunde vom 20. Juli 1356, die eine Aussage über die testamen­tarische Schenkung der Eheleute Lypbecher von 1343 enthält, geht hervor, daß dieser Heylo Ude, ferner Marquard (hier mit Nachnamen „Winschroder“) und ein Nicolaus Bode in diesem Jahr Schöffen in Bischofsheim waren.

 

Es ist verständlich, daß das Stift zu Frankfurt über die Einkünfte aus seinen mannigfachen Schenkungen Buch führen mußte, um die Abgaben pünktlich und restlos zu erhalten. Diese Urkunden und Eintragungen in den Büchern des Stiftes sind wahre Fundgruben für die Flurnamen in unserer Gemarkung sowie für die Namen der Schultheißen, Schöffen, Pfarrer und Einwohner.

Solche Eintragungen, meist in lateinischer Sprache, sahen so aus: „Desgleichen III Solidus-Denare (Münzwert) am selben Tag zu zahlen von einem Morgen Weinstöcken des Bertold Keldir, gelegen in der Gemarkung des oben genannten Bi­schofsheims, genannt an der Lydengazzen“, oder: „desgleichen sind zu zahlen am selben Tag von dem Hof des Heinrich Zynke, gelegen im Dorf Bischofsheim, sechs Solidus-Denare, die dem dortigen Pfarrer für Hostien und Wein für das Sakrament jähr­lich gegeben werden“. oder: „desgleichen drei Solidus-Denare am selben Tag von ¾ Morgen Weinstöcken des Conrad Hertwin, gelegen in der Gemarkung Bischofsheim neben dem Weg nach Bergen“ usw.

In einer dieser Urkunden, datiert von 1395, aus der auch diese Beispiele entnommen sind, werden die Schutzpatrone unserer Kirche erwähnt: Die Märtyrer Protus und Hyacinthus. Es ist zweifelhaft, ob diese Märtyrer die ältesten Heiligen sind, denen die Kirche geweiht war, denn die Namen gehören in unserer Gegend erst in das 11. Jahrhundert.

Die Kirche wurde den Märtyrern Protus und Hyacin­thus geweiht. Der Gedenktag des Protus ist der 11. September, der Gedenktag des Hyacinthus ist der 16.August. Kirchweihtag war der Sonntag nach dem 11. September.

Bei dem späteren Umbau der Kirche hat sich daran nichts geändert, denn es waren auch weiterhin zwei Schutzheilige vorhanden, wie aus den beiden Schlußsteinen des Gewölbes in der Kirche links und rechts neben der Orgel zu ersehen ist. Die Steine sind kenntlich an den Märtyrerinsignien: Palmenzweig und Bibel.

Die weltlichen Gerichte hatten gegen Geistliche nicht allzu große Macht. Im Jahre 1400 bittet Reinhard und Johann von Hanau die Stadt Frankfurt, doch dafür Sorge zu tragen, daß ihr „Armann“ Bodehenne zu Bischofsheim von dem Johanniterkomtur Matern nicht bedrängt und bei seinen Rechten gelassen werde. Die Stadt Frankfurt verspricht zwar, behilflich sein zu wollen, sagt aber: „Nachdem Herr Madhern geistlich ist, so trauen wir uns derzeit nicht,

weiter auf ihn einzudringen“.

 

Aus dem 15. und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts sind eine Menge von Urkunden vorhanden, die den Bau der neuen, heutigen Kirche behandeln oder Streitigkeiten um Gülte der Pfarre, den Faselochsen, Häuser und immer wieder Zank um den Weinzehnten beinhalten, der damals eine sehr wichtige Einnahme­quelle war. Bischofsheim war 1500 nach langen Streitereien an Hanau gekommen, die Kirche blieb aber unter dem Patronatsrecht des St. Bartholo­mäusstiftes in Frankfurt.

In einer Urkunde aus dem Jahre 1522 verbieten die Hanauer Grafen den kur­mainzischen Kommissaren die Besichtigung der Weinberge in Bischofsheim. Von nun an reißen die Streitigkeiten über die Auslegung der Verträge und Vergleiche nicht mehr ab. Ein Teil des Weinzehnten geht schließlich durch Verzicht des Stiftes an Hanau über, aber Ruhe ist damit nicht geschaffen. Von 1540 bis 1696 sind 31 Urkunden vorhanden, die sich mit dem Weinbau und dem Weinzehnten befassen. Unter ihnen hat die von der Grafschaft Hanau herausgegebene neue Weinleseordnung vom Jahre 1545 eine besondere Bedeutung.

Ein interessantes, aber überaus verwickeltes und schwer zu überblickendes Ka­pitel ist die in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts in der Hanauer Grafschaft sich ausbreitende Reformation. Diese geistige Bewegung hatte Phasen stürmischer Entwicklung und harter Rückschläge. Sie war eingebettet in eine kaum überschaubare Fülle von Verordnungen, Geboten und Verboten weltlicher und geistlicher Behörden und wurde durch die Politik auf hoher Ebene wesent­lich gesteuert und beeinflußt.

In der Reformationszeit wurde wiederholt wurde der Versuch unternommen, den Fortgang der Reformation in Hanauischen zu hemmen und die von der alten Kirche Losgesagten wieder zurück zu führen. Auf dem Reichstag zu Augsburg hatte der Kaiser alle Stände ermahnt, „Mittel und Wege zu suchen, damit die Ungleichheit der Religion aufgehoben und die Mängel und Gebrechen gebessert werden“. Hierauf entschloß sich im Jahre 1548 der Erzbischof von Mainz, Sebastian von Heusenstamm, „aus Pflicht und unvermeidlicher Not“, eine geistliche Visitation in ganzen Erzbistum vorzunehmen, „um die Mängel zu erkundigen und zur Besserung zu bringen“. Im Jahre 1549 unternahm der Mainzer Erzbischof Sebastian von Heusenstamm eine Kirchenvisitation in der Grafschaft Hanau. Er hat festgestellt, daß die Pfarrer alle beweibt, lutherisch, schismatisch und etliche nicht ordiniert sind, ausgenommen Ober­nuschheim, Kesselstadt und Bischofsheim, welche noch altkatholisch, und alle Sakramente und Zeremonien nach Weise und Gewohnheit der alten christlichen Kirche halten und gebrauchen. Die vom Erzbischof ernannte Kommission kam 1549 in die Grafschaft Hanau.

 

In der Untergrafschaft fand die Kommission nur noch die Orte Kesselstadt, Bischofsheim, Ober­issigheim, Rüdigheim und Eichen sowie das Klösterlein Naumburg katholisch, die Pfarrer aller andern Orte waren „schismatisch“, also vom alten Glauben abgewichen. Der Hanauer Pfarrer Neunheller war sogar „ein Schwär­mer“. Aber der Bischofsheimer Pfarrer Heinrich Pfleger bejaht das „lnterim“ von 1548, das alle weiteren reformatorischen Bestrebungen bis auf weiteres verbot, der alte Glaube sollte nur kleine Änderungen erfahren. Deshalb wird die Gemeinde noch als katholisch bezeichnet. Dem Bischofsheimer schlossen sich 14 andere Geistliche der Hanauer Grafschaft an, während zehn Pfarrer der Grafschaft sich zur Ein­führung der Reformation bekannten. Den von der Diözesangewalt erhofften Erfolg hat die Visitation somit allerdings nicht gebracht. Erster nachweislich evangelischer Pfarrer ist Konrad Reuhl (1555-1558).

 

Wiedertäufer 1538

Die Herrschaft Hanau ging mit schärfsten Mitteln gegen die Sekte der Wiedertäufer vor, welche sich auch im Hanauischen ausbreiten wollte. Auch in unserer Gegend zogen Anhänger der Wiedertäufer predigend umher. Über einen wird 1538 von der Hanauischen Regierung berichtet: Er habe bei Hattstein in einer Sandkaute gepredigt, seinen Glauben bekannt und gesagt, man müsse sich zusammenrotten und das Evangelium mit dem Schwerte verteidi­gen, er lasse auch seine Kinder nicht taufen, trage keine Wehr und töte keinen Vogel mehr. Man scheint den wunderlichen Gesellen, der einen langen Bart trug und sich in der Nähe Hanaus, in Kilianstädten niederließ, nicht ernst genommen zu ha­ben, denn es wird hinzugefügt; „Er redet buchenes Zeug!“.

Einige Anhänger und Genossen hatte er aber doch gefunden, und zwar in Bischofsheim. Sie wur­den 1544 nach Hanau ins Gefängnis gebracht und die Prediger zu ihnen gelassen, worauf sie dem wiedertäuferischen Glauben entsagten und sich zu bessern ver­sprachen. Aber sie hielten ihr Versprechen nicht und wurden des Landes ver­wiesen; zwei Wiedertäufergüter in Bischofsheim wurden von der Herrschaft be­schlag­nahmt. Es waren zwei Hofreiten mit Haus, Scheune, Stallung, Weingarten, Kappesgarten und Wiesen, die bei dem Verkauf 312 Gulden einbrachten. Die Hälfte des Betrages verwendete die Herrschaft zum Ausbau des Turmes der Marienkirche in Hanau.

 

Entstehungszeit der Kirche

Die Entstehung der Kirche wird aufgrund des Baustils von einigen auf zwei bis drei Jahrhunderte vor der Reformation angesetzt. Meist wird aber die Zeit um 1450 angenommen. Dabei verweist man auch auf das Wappen an der Decke. Doch damals gehörte Bischofsheim noch gar nicht zur Grafschaft Hanau.

Diese hatte zwar 1434 das Amt Bornheimer Berg als Lehen erhalten, aber verschiedene Punkte waren noch umstritten. Ein langjähriger Streit mit Frankfurt wurde 1481 beendet, als Frankfurt auf seinen An­teil an der Zentgerichtsbarkeit des Amtes Born­heimer Berg verzichtete. Aber das Eigentum und die niedere Gerichtsbarkeit in Bischofsheim erwarb Hanau erst 1500 endgültig.

Das Wappen in der Kirche soll das Wappen von Graf Philipp I. der Jüngere sein, der von 1452 bis 1500 regierte. Es war damals üblich, daß man das Wappen des Auftraggebers in der Kirche anbrachte. Das Wappen der Grafschaft Hanau war seit Reinhard I. ein steigender Löwe. Als man 1271 durch Heirat einen Anteil an der Herrschaft Rieneck erwarb, übernahm man deren Wappen, aber man formte die rot-goldenen Balken in die bekannten rot-goldenen Sparren um und verringerte die Zahl der roten Sparren von fünf auf drei. Unter Ulrich II. kam noch die Rienecker Helmzier mit dem wachsenden halben Schwan hinzu. Unter Philipp I. gab es nur das Wappen mit den Sparren.

Zur Zeit der Grafschaft Hanau-Münzenberg von 1558 bis 1642 gab es aber ein viergeteiltes Wappen: Links oben und rechts unten die Hanauer Sparren, rechts oben und links unten die Rienecker Balken. Genau dieses Wappen findet sich aber im Westteil des Mittelschiffs der Bischofsheimer Kirche.

 

Die Hanauer Grafen:

(nach Wikipedia „Hanau Adelsgeschlecht“, nur Regierungszeiten, nur Auszug):

 

Reinhard I.                             1225 - 1281

Ulrich I.                                  1281 - 1306

Ulrich II.                                 1306 - 1346

 

Reinhard II.                             1404 – 1451, der erste Graf von Hanau, verheiratet seit 1407 mit Katharina von Nassau-Beilstein

Reinhard III.                           1451 – 1452

Philipp I. der Jüngere                         1452 - 1458

Danach Teilung des Landes:

Philipp I. der Ältere wird Graf von Hanau-Babenhausen (später Hanau-Lichtenberg).

Er wird Vormund von Philipp I. dem Jüngeren bis zu dessen Volljährigkeit im Jahre 1467.

Philipp I. der Jüngere regierte als Graf in Hanau weiter und nannte sich ab 1496 „von Hanau-Münzenberg“.

Philipp I. der Jüngere             1458 – 1500, seit 1468 verheiratet mit Adriana von Nassau – Dillenburg

Reinhard IV.                           1496 – 1512 (Mitregent 1496 – 1500)

Philipp II.                                1512 - 1529 verheiratet seit 1523 mit Juliane von Stolberg

Philipp III. (der Ältere)           1529 - 1561

Philipp Ludwig I.                     1561 – 1580, verheiratet mit Magdalene von Waldeck

Philipp Ludwig II.                    1580 - 1612

Philipp Ludwig III.                   1638 - 1641

 

Hanauer Wappen:

Das erste Wappen der Herrschaft und der Grafschaft Hanau war ein steigender Löwe, wahrscheinlich mit roter Zunge und nach rechts gewandt, wie er heute noch im Wappen der Stadt Hanau zu sehen ist. Das Wappen der Stadt ist zu unterscheiden von dem Wappen der Grafschaft. Das Hanauer Wappen zeigt links diesen Löwen, nach rechts gewandt und von sieben Kreuzchen umgeben. Rechts sind dann die roten Sparren auf goldenem Grund (die Darstellung im Scheiblerschen Wappenbuch „goldene Sparren auf rotem Grund“ ist falsch).

Nachdem aber Ulrich I. im Jahre 1271 Elisabeth von Rieneck geheiratet hatte und ein Teil dieser Herrschaft 1290 zu Hanau kam, fühlte man sich aufgewertet und übernahm von den Rieneckern das rot-goldene Wappen, jedoch nicht mehr in Balkenform, sondern in Sparrenform. So jedenfalls die eine Lesart. Es gibt aber auch die Angabe, daß es das Sparrenwappen schon früher gegeben habe (Wikipedia: Liste der Wappen mit hanauischen Sparren).

 

Die erste Kirche in Bischofsheim stand im sogenannten „alten Dorf“. Dieses war im Bereich „Alte Dorfstraße“ (die also nicht eine alte Straße ist, sondern eine Straße im alten Dorf). Die Schenkungsurkunde von 880 / 882 bezieht sich auf diese Kirche in diesem Dorf. Dieses ist aber im Jahre 1538 abgebrannt. Das Dorf hat man dann neu aufgebaut an der Stelle rund um die heutige Kirche. Das muß in den Jahren zwischen 1538 (Brand des alten Dorfs 1538) und 1559 (Wappen von Nassau) geschehen sein.

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, daß im Chorraum der Kirche noch die Bilder der Heiligen Protus und Hyacinthus zu finden sind, denen schon die alte Kirche geweiht war.

Bischofsheim blieb lange beim alten Glauben und der Pfarrer erkannte 1549 noch das „Interim“ an (leicht veränderter alter Glaube). Der erste nachweislich evangelische Pfarrer war ab 1555 Konrad Reuhl.

 

Entweder wurde die Kirche also vor Pfarrer Reuhl gebaut oder man hat aus Anhänglichkeit an die alte Kirche die Bilder der Märtyrer auch in der neuen Kirche wieder angebracht (zumal man damals noch nicht so bilderfeindlich war wie am Ende des Jahrhunderts).

Die Malereien in der Bischofsheimer Kirche ähneln stark den Bildern in der Marienkirche in Hanau und in der Kirche in Hochstadt. Die Marienkirche wurde 1488 - 1489 ausgemalt und die Hochstädter Kirche 1490 (Jahreszahl im Chorbogen). Aber diese Maler können nicht anschließend in Bischofsheim tätig geworden sein, weil die dortige Kirche frühestens nach 1538 erbaut wurde. Vor allem die Sonnenstrahlen sehen zwar so aus wie eine Kopie der Bilder in Hochstadt. Man muß aber in Betracht ziehen, daß die Maler so etwas wie Musterbücher hatten, aus denen sie ihre Vorlagen bezogen.

 

Kirchenvisitation von 1562

Der nachweislich erste evangelische Pfarrer war Konrad Reuel, 1555 bis 1558. Von ihm ab liegt die Reihe der Bischofsheimer Pfarrer lückenlos vor. Im Auf­trag des Grafen Johann VI. von Nassau-Dillenburg revidierten der kalvinistische Superintendent Bernhard Bernhardi von Dillenburg und der lutherische Pfarrer von Babenhausen, Magister Laubener, 1562 die Grafschaft Hanau auf ihre kirch­lichen Verhältnisse.

Das Original des Visitationsprotokolls liegt im Marburger Staatsarchiv und lautet in seinem Bischofsheim betreffenden Abschnitt: „Bischofsheim: Henricus Heyn von Gelnhausen, Pfarrer zu Bischofsheim, ist samt dem Schultheißen, den Bürgermeistern, dem Baumeistern und dem Glöckner gefragt worden. Von seiner Berufung: Ist berufen durch den Amt zu Schlüchtern. Das Stift zu St. Bartholomäus zu Frankfurt ist Kollator-Patron. Er ist zu Schlüchtern durch Philipp Melanchthon ordiniert. Er lehrt der Augsburgischen Konfession gemäß, will auch durch göttliche Gnade dabei verharren und bleiben bis an sein Ende. Er predigt sonntags zweimal, in der Woche außerdem auf den Mittwoch. Er hält das Abendmahl alle vier Wochen. Er spricht jeden einzeln von Sünden los, unterrichtet die die Abendmahlsgäste, erteilt Strafe und Buße. Er lehrt sein Volk deutsche Psalmen. Er hält das Katechismus-Examen mit den Kindern. Er hält sich in den Zeremonien nach der Mecklenburgischen Agende. Er besucht die Kranken. Er hält Leichenpredigten bei den Begräbnissen. Er hat angelegt ein Verzeichnis seiner jährlichen Besoldung; er sagt, es genüge ihm ziemlich wohl. Der Pfarrhof ist wohl gebaut, die Patrone unterhalten ihn. Er ist mit seiner Obrigkeit wohl zufrieden.

 

Bericht des Pfarrers: Die armen Leute zu Fechenheim tun ihm leid, weil sie so jämmerlich vernachlässigt werden und der Pfaffe aus dem Stift unsere Lehre und Kirchenordnung so greulich lästert und schilt. Er wolle sich gern viel um sie bemühen um der armen Kir­che willen und denselben Ort versehen mit Predigt und Sakrament reichen, so lang bis die Sachen in bessere Wege gerichtet werden.

Die Pfaffen zu St. Bartholomäus nehmen den Zehnten. Die Kirche ist wohl gebauet. Der Pfarrer zeigt an, daß seine Zuhörer sonntags nachmittags nicht fleißig zu Kirchen gehen und sitzen während der Predigt auf der Gasse. Leier Hennrich, Henn Gerlach und Eye Doss gehen nicht zum Sakrament. Mechel Hen und sein Weib leben nicht in ehelicher Gemeinschaft. Der Zentgraf hält sich nicht fleißig in die Kirche und gibt ein böses Beispiel. Derglei­chen hat er nicht viel Gemeinschaft mit seiner Frau, daß er sich aber nicht sollte ehrlich halten, kann der Pastor nicht sagen.

 

Des Schultheißen und Ausschuß Zeugnis: Der Pfarrer hält sich in Lehre und seinem Amt untadelig. Er ist in seinem Leben und Wandel unsträflich, hält die Pfarrgüter in baulichem Wesen.

Alle Einkünfte der Pfarrei waren von dem Ertrag der Ernte abhängig. Hiernach richtete sich der so ungern abgegebene Zehnte. Eine große Last war dem Pfarrer auch mit dem Faselvieh aufgebürdet, das er als Gegenleistung für den Zehnten halten mußte. Nach der Reformation fing die Landesherrschaft an, den Kirchenzehnten in einigen Orten an sich zu bringen und den Pfarrern dafür eine bestimmte Summe Geldes festzusetzen.

 

Register des Einkommens eines Pfarrherrn zu Bischofsheim