Kirche Steinbach-Hallenberg II

 

 

Inhalt:  Ergänzung nach 1989, Schule, Turmknopfurkunden, Konfirmanden 1968 – 1987, Kirchenväter und Heiligenmeister, Allgemeine Erklärungen

  

 

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Ergänzungen zur  ursprünglichen Chronik durch Pfarrer Scholz 1989 – 2000 (mit Anmerkungen von Peter Heckert)

 

Die Vakanz- und Wendezeit 1989 - 1990:

Die letzten Jahre des 20. Jahrhunderts waren für die Kirchengemeinde geprägt von großen Veränderungen. Sie forderten von den Gemeindemitgliedern ein hohes Maß an Verständnisbereitschaft, Anpassungsvermögen und Treue zur Sache der Kirche und des Glaubens. Das betraf sowohl die personellen Veränderungen im Wechsel der Pfarrer und Mitarbeiter, wie auch die wirtschaftlichen mit der Einführung der Kirchensteuer nach westlichem Vorbild, als auch die politischen im Verhältnis zur Schule, zur Kommune und zum Staat.

Da war nach der „Wende“ 1989 / 90 kaum noch etwas so, wie es vor der Wende war. Manches treue Kirchenmitglied konnte darüber einerseits nur verwundert den Kopf schütteln, wieviel Altgewachsenes und Vertrautes „den Bach herunter ging“, - andererseits sich aber auch wiederum darüber freuen und befreit aufatmen, wie viele neue Möglichkeiten sich der Kirche auftaten.

Wieder andere Gemeindemitglieder waren so sehr mit den veränderten wirtschaftlichen,

politischen und familiären Bedingungen beschäftigt, dass sie für die Probleme der Kirchengemeinde gar keinen Blick hatten. Und die Kirchengemeinde hatte Probleme - große sogar. Wer die bisherigen Ausführungen sorgfältig gelesen hat, wird sich nicht darüber wundern, dass die Streitigkeiten innerhalb der Kirchengemeinde nicht spurlos am Gemeindeleben vorübergegangen sind.

[Daß die Kirchengemeinde ohne eine Vielzahl an Mitarbeitern da stehen würde, war ja vorher klar: Innerhalb eines Vierteljahres hatte man sechs Mitarbeiter (also ein Drittel) hinausgedrängt. Herr Pfarrer Peters war auch vorher schon ständig ausgefallen: In den fünf Jahren mußte er zwei volle Jahre vertreten werden. Vor allem wenn viel Arbeit drohte, meldete er sich krank. Die Gemeinde hat aber deshalb nichts entbehrt: Die Gottesdienste gingen vollständig weiter, die Amtshandlungen wurden abgedeckt, die Verwaltung war in Ordnung, selbst Bauvorhaben wurden durchgeführt. Die Differenzen und Meinungsverschiedenheiten zwischen Pfarrerschaft, Kirchenvorstand sowie Dekan lähmten und belasteten die Arbeit in der Kirchengemeinde nicht. Der Gemeinde konnten die Angriffe von Seiten einiger Kirchenvorsteher und einiger Mitarbeiter egal sein, das berührte sie nicht].

Es ist zwar nicht zu einer Spaltung gekommen, aber die Gegner und die Befürworter von Herrn Pfarrer Heckert standen sich sehr reserviert gegenüber. Seit der Amtsniederlegung

von Pfarrer Heckert und dem fast gleichzeitigen vorzeitigen Ausscheiden von Pfarrer Peters aus gesundheitlichen Gründen hatte die Kirchengemeinde zunächst erst einmal das Problem,

überhaupt wieder einen Pfarrer zu haben

[Es kam zu keiner Spaltung der Gemeinde, weil ich mich trotz allem loyal zur Kirche verhielt. Das wollte ich der Gemeinde nicht auch noch antun, nachdem sich rund hundert Jahre vorher schon die Altlutheraner abgespalten hatten und es in Altersbach die Methodisten gab (zu denen ich im übrigen auch hätte gehen können). Durch mein Privathaus hätte ich sofort die Möglichkeit gehabt, Gemeindeglieder zu besonderen Veranstaltungen einzuladen, im Keller war ein genügend großer Raum. Zumindest für eine gewisse Zeit wäre da etwas möglich gewesen aber. Aber dann wäre es wirklich zu einer Spaltung gekommen. Da muß das Wohl der Gemeinde im Vordergrund stehen, denn die Pfarrer kommen und gehen, aber die Gemeinde

bleibt].

In Person von Herrn Pfarrer Wolfgang Schulte aus Oberschönau fand sich ein rettender Helfer in Not! Er war zuvor schon von Dekan Schreiber im Dezember 1988 zum „Geschäftsführenden Pfarrer“ berufen, weil die Differenzen und Meinungsverschiedenheiten zwischen Pfarrerschaft, Kirchenvorstand sowie Dekan die Arbeit lähmten und belasteten. So sollte er, gleichsam „von außen“, die Geschäfte führen [Herr Pfarrer Schulte war nicht „der große Retter“. Er hatte offenbar die Absicht, eine Pfarrstelle in Steinbach-Hallenberg zu übernehmen. Als er aber Einsicht in die sogenannten „Steinbacher Verhältnisse“ gewann, gab er das wieder auf und nahm später eine andere Pfarrstelle an. Aber in Steinbach hat er sich kräftig eingemischt und die Sache noch verschärft: Nachdem ihm die Geschäftsführung übertragen worden war, wollte er auch die pfarramtlichen Aufgaben an sich ziehen und verlangte, daß die Leute wegen einer Patenbescheinigung zu ihm nach Oberschönau kommen sollten. Weil er das Unterstädter Pfarrhaus frei haben wollte, ging er zum Kantor und wollte „Nägel mit Köpfen“ machen und sagte ihm, er müsse sich umgehend eine andere Wohnung suchen (Heckerts hattten zeitweise zwei weitere Mietparteien mit im Haus, aber jetzt sollte das ganze Haus dem Pfarrer zur Verfügung stehen)].

 

Doch es sollte noch schlimmer kommen: Nicht nur der Unterstädter Pfarrer war zu vertreten,

auch der Oberstädter war nicht voll dienstfähig. Durch das krankheitsbedingte Ausscheiden

von Pfarrer Peters aus dem Dienst wurde Pfarrer Schulte noch sein Vertreter in der Oberstadt und somit zeitweise Hauptvertreter für beide Pfarrstellen mit damals noch etwas über 4.000 Gemeindemitgliedern, - und das neben seiner eigenen Gemeindearbeit, die unter den Verhältnissen in Steinbach zwar mitleiden, aber nicht leiden durfte!

Eine Leistung von Pfarrer Schulte, die nicht hoch genug einzuschätzen und zu bedanken ist. Zusammen mit anderen Pfarrern des Dekanats, dem Kirchenvorstand, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie engagierten Gemeindemitgliedern wurde das kirchliche Leben dennoch einigermaßen aufrecht erhalten.

Glücklicherweise lief der Evang. Kindergarten mehr oder weniger selbständig weiter wie bisher unter der erfahrenen Leitung von Schwester Anni Grünwald, ab 1991 unter Marion Lieberknecht als ihrer Nachfolgerin und natürlich den Mitarbeiterinnen des Hauses. Auf der Vertretungsbasis stand das gesamte Gemeindeleben, wenn es auch in der Gemeinde auf Unverständnis, ja teilweise Ablehnung stieß, wie mit einem fleißigen und langjährigen Seelsorger wie Pfarrer Heckert ihrer Meinung nach umgegangen worden ist.

Die Kirchenvorstandswahlen am 23.04. 1989 konnten, trotz der zerrütteten Verhältnisse,

ordnungsgemäß durchgeführt werden. Es fanden sich in allen drei Gemeindebereichen genügend fähige und willige Mitglieder der Kirchengemeinde, die bereit waren, gerade in dieser schwierigen Zeit Verantwortung zu übernehmen und mitzuarbeiten.

[Die Kirchenvorstandswahlen im Jahr 1989 wurden nicht korrekt durchgeführt, denn die Gemeinde wurde zum Beispiel nicht aufgefordert, Kandidaten vorzuschlagen. Die Kandidaten wurden allein von Herrn Erich Nothnagel aufgestellt (natürlich in seinem Sinne), und der Dekan deckte das mit der Behauptung, in der vorliegenden Situation könne man gar nicht anders verfahren].

Zum Glück gab es aber die Diakonissen-Station mit Schwester Irma Weigelt noch. Die Krankenbesuche und die Betreuung der Alten und Gebrechlichen lag in ihren erfahrenen treuen Händen und war dort gut aufgehoben. Schwester Irma konnte am 1. Mai 1989 ihr 25-jähriges Dienstjubiläum als Diakonisse in Steinbach-Hallenberg feiern.

Vielen Gemeindemitgliedern hat „Schwester Irma“ nicht nur medizinisch, sondern auch in seelsorgerischer Weise geholfen, mit Krankheit und Leid fertig zu werden. Das war in jener Zeit besonders wichtig, weil ein Pfarrer als Seelsorger für die Gemeinde fehlte. So ist auch ihr in dieser schwierigen Zeit viel zusätzliche Verantwortung zugewachsen. Dankbar ist ihr Andenken noch heute in der Gemeinde lebendig! Etliche Jahre hat sie auch die Frauennachmittage und Frauenabende in Altersbach sowie in der Stadt - im Wechsel mit einem Pfarrer - gehalten.

[Schwester Irma war zwar medizinisch einwandfrei. Aber in der Gemeinde war sie nicht sehr beliebt, weil sie bei den Patienten auch schon einmal in die Schublade sah und die Leute aufdringlich aushorchte. Mit Seelsorge hatte das wohl nichts zu tun].

Was sich politisch im Laufe des Sommers bereits abzeichnete, wurde im Herbst des Jahres dramatisch: Tausende und Abertausende Bürger verließen die DDR Tag für Tag fluchtartig über Ungarn bzw. Prag und setzten sich in die Freiheit ab.

Überall im Land öffnete die Evangelische Kirche ihre Türen. „Friedensgebete“ und Gesprächsforen zu politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen der Gesellschaft breiteten sich wie ein Lauffeuer im Land aus. „All diese Entwicklungen machten auch vor Steinbach nicht Halt“, schreibt Pfarrer Schulte in der Chronik. „Die Schwierigkeit bestand zu dieser Zeit darin, dass in Steinbach- Hallenberg praktisch kein Pfarrer zur Verfügung stand, der sich in die „Wende“ aktiv hätte einschalten können.“ So spielte die Evang. Kirche in Steinbach-Hallenberg, anders als sonst in der gesamten DDR, nur eine untergeordnete Rolle.

[Bei der Wende spielte Steinbach-Hallenberg deshalb keine große Rolle, weil der Dekan, Pfarrer Schulte und Erich Nothnagel alle Bestrebungen der Bürgerbewegung abblocken wollten. Als die Kirchenleitung längst verfügt hatte, daß die Kirchen zur Verfügung gestellt werden sollten, verweigerte Herr Schulte die Öffnung der Kirche. Erst das entschlossene Auftreten der Bürger unter Leitung von Frau Marie Bühner erwirkte die Öffnung der Kirchentür. Daß Herr Schulte dann am 8. November eine Versammlung leitete, machte ihn nicht zum Träger der Wende].

Die Initiative zu den ersten „Wendeveranstaltungen“ hier ging von der Gastwirtin Marie Bühner vom „Steinbacher Wirtshaus“ im Oktober 1989 aus, die mit ihren Mitdemonstranten erreichte, dass auch in Steinbach Menschen in der Kirche zusammen kommen konnten zum Gebet, zum Meinungsaustausch und zur friedlichen Umgestaltung unserer Gesellschaft. „Die Kirche war dabei brechend voll und jeder konnte nach vorn kommen und frei seine Meinung sagen“, erinnert Pfarrer Schulte in der Chronik. Und weiter: „Die geistliche wie organisatorische Leitung hatte der Prädikant Rainer Usbeck übernommen. Von dieser Zeit an fand jeden Montag eine Demonstration in Steinbach-Hallenberg statt, angeführt in der Regel von der handfesten Wirtin Marie Bühner. Sie führte von der Kirche die Hauptstraße hinauf und über den großen Parkplatz unterhalb der Apotheke die Wolffstraße hinunter bis zum Schulhof. Dort fand dann jeweils eine Kundgebung statt, die ebenfalls von Rainer Usbeck organisiert wurde!“ so Pfarrer Schulte weiter.

Er berichtet auch von einem Gemeindeabend am 08.11.89 in der Kirche, den er selbst geleitet und moderiert hatte und zu dem alle Parteien und alle Kirchen eingeladen waren - und auch kamen. Unter dem Druck der Flüchtlinge und der Friedensgebete hatte inzwischen die DDR- Führung kapituliert: Am 18.10.1989 trat Erich Honecker als Partei- und Regierungschef zurück, die innerdeutsche Grenze fiel und mit ihr der Machtapparat der SED.

Zurück blieben Menschen, die in einem Machtvakuum ihr Leben nun selbst, in Freiheit und ohne Parteidoktrin versuchen wollten und mussten zu organisieren. Dazu trafen sich engagierte Frauen und Männer aus allen Kreisen, Parteien und Gruppen („Neues Forum“) an sogenannten „Runden Tischen“.

Auch in Steinbach fanden Gespräche am „Runden Tisch“ statt, die das Zusammenleben ohne handlungsfähige Regierung ermöglichte. Die Leitung hatte auch da meistens Prädikant Usbeck. Zwei Mitglieder des Kirchenvorstandes beteiligten sich auch daran: Erich Nothnagel und Wolfgang Pyka. Aus den Mitgliedern dieses „Runden Tisches“ ging u.a. der spätere erste, frei gewählte Bürgermeister der Stadt, Herr Dieter Häfner (+ 19.03. 2000) hervor. Mit den Kommunalwahlen am 18. März 1990 war die Aufgabe der „Runden Tische“ erfolgreich beendet.

Zusammenfassend kann man sagen: Trotz dieser bewegten und bewegenden „Wende“- Zeiten konnte, dank vieler nebenamtlicher Helfer, der Ruheständler, der Pfarrerschaft des Dekanates, der Mitarbeiter und- innen sowie des Kirchenvorstandes das kirchliche Leben der Gemeinde einigermaßen aufrecht erhalten werden.

 

Wiederbesetzung der Pfarrstellen:

Anfang des Jahres 1990 bemühte sich der Kirchenvorstand darum, zunächst erst einmal wenigstens die Unterstädter Pfarrstelle wieder zu besetzen. In der Oberstadt wohnte ja noch Pfarrer Peters, wenn auch gesundheitlichen Gründen sein Dienstende abzusehen war, was auch mit der Pfarramtsübergabe am 29. Mai 1990 an Pfarrer Schulte schließlich so geschah. Bewerber für die Unterstädter Pfarrstelle und Gastprediger hatte es bereits mehrere gegeben, die aber dann letztendlich alle wegen der Wohnungssituation in Steinbach wieder abgesagt hatten [Die Bewerbung von Pfarrern scheiterte nicht an den Wohnverhältnissen. Im Unterschied zu früher war ja das ganze Haus leer. Es war auch in einem guten Zustand (Dekan Schreiber sprach sogar von einem „Schlößchen“). Es fehlte eine Zentralheizung, aber das war damals

üblich, die gab es auch in anderen Pfarrhäusern kaum. Erst als Herr Bär die Wohnung blockierte spielte auch das eine Rolle (Hier sieht man einmal, wie gut es war, daß die Familie Heckert in einem Privathaus wohnte, auch wenn sie deswegen von den anderen Pfarrern beneidet und bekämpft wurde). Die Bewerbung von Pfarrern scheiterte an den „Steinbacher Verhältnissen“, an der Herrschsucht von Erich Nothnagel, der weiterhin im Kirchenvorstand und in der Gemeinde das große Wort führte. Daß sich da nichts geändert hatte, bestätigte Frau

Scholz, auch wenn ihr Mann das gar nicht gern sah].

 

Jürgen Bär, Unterstädter Pfarrer 1990 - 1991:

Aus seiner Amtszeit ist chronistisch zu berichten: Als ehemaliger Superintendent, aus Ebeleben kommend, wurde er Anfang 1990 auf die Pfarrstelle gewählt, aus o.g. Wohnungsgründen aber erst am 01.10. 1990 in sein Amt als Unterstädter Pfarrer eingeführt. Damit war wenigstens eine Lücke geschlossen und die Gemeinde, der Kirchenvorstand, die Mitarbeiterschaft sowie Pfarrer Schulte konnten aufatmen.

Noch ohne Pfarrer Bär fand ein großes Chortreffen des Dekanats Schmalkalden unter Leitung von KMD Kantor Gannott (Schmalkalden) in Steinbach statt. Die Goldene Konfirmation wurde von Pfarrer Kramer (Schmalkalden) gehalten und konnte so, trotz Vakanzsituation, gefeiert werden.

Erstmalig fand am Himmelfahrtstag die Andacht im Freien statt - oben auf dem „Philippswieschen“. Pfarrer Bär startete dann gleich eine Initiative zur Zusammenlegung der beiden Kindergärten unter kirchlicher Trägerschaft, was aber von den Mitarbeitern und -innen beider Einrichtungen abgelehnt wurde. Für den Friedhof wurde eine paritätische Kommission aus Stadtverwaltung und Kirchengemeinde gebildet, wobei die Verwaltung bei der Kirchengemeinde blieb. In diesem Zusammenhang wurde die Friedhofskirche auch für „weltliche“ Trauerfeiern freigegeben.

In Altersbach wurde am 17. Juni das 150. Jubiläum des Kirchsaales feierlich begangen.

Über weitere Ereignisse und Veranstaltungen in der Kirchengemeinde im Jahr 1991 kann leider keine verlässliche Auskunft gegeben werden, da Pfarrer Bär als geschäftsführender Pfarrer keine Einträge in der Chronik der Kirchengemeinde hinterlassen hat. Aus anderen Quellen ist aber zu berichten, dass Pfarrer Bär bereits im Sommer 1991 die Pfarrstelle Unterstadt wieder aufgab und die neue Stelle eines „Beauftragten für Kirchenfragen“ in Erfurt bei der Landesregierung Thüringens übernahm. Als einziger Pfarrer des Dekanats hatte er vergeblich im Pfarrkonvent Schmalkalden und wohl auch im Kirchenvorstand für den Anschluss an die Thüringer Landeskirche geworben und sich damit gegen die Wiedereingliederung in die angestammte Kirche von Kurhessen-Waldeck positioniert. Pfarrer Bär hat daraus die Konsequenzen gezogen und ist nach Erfurt gegangen [Ich hätte auch gegen eine Wiedereingliederung geegstimt, weil sie genauso wie die Ausgliederung nur aus finanziellen Gründen erfolgte. Die Pfarrer allerdings hatten zunächst keine Vorteil davon, denn bei der Besoldung blieb es zunächst beim Alten. Aber die Gemeinden hatten große Vorteile durch die Baumaßnahmen. Die bei der Ausgliederung in den Vordergrund geschobenen konfessionellen Unterschiede spielten jetzt keine Rolle mehr, siie wären mit dem Zusammegehen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen mit der Evangelischen Kriche der Provinz Sachsen auch weggefallen].

 

Ulrich Behr, Unterstädter Pfarrer 1991 - 1992:

Aus seiner Amtszeit kann leider nichts berichtet werden, weil er sein Amt gar nicht angetreten hat. Pfarrer Behr aus Goseck (Sachsen-Anhalt) hatte sich um die vakante Pfarrstelle Unterstadt beworben und wurde eine Woche nach der Amtseinführung von Pfarrer Scholz in der Oberstadt am 27. Oktober 1991 nach gehaltener Probepredigt und anschließendem Bewerbungsgespräch vom Kirchenvorstand zum Unterstädter Pfarrer gewählt.

Somit wären, seit langer Zeit, zum Ende Oktober 1991 endlich wieder einmal beide Pfarrstellen in Steinbach mit eigenen Pfarrern besetzt gewesen - wenn Pfarrer Bär aus der Wohnung im Unterstädter Pfarrhaus ausgezogen wäre! Aber statt, wie abgesprochen, die Wohnung für seinen Nachfolger zum 1. Advent zu räumen, blieb Pfarrer Bär (als Thüringer Kirchenrat!) bis Ostern 1992 und blockierte damit das Pfarrhaus und die Wiederbesetzung der Unterstadt.

Dadurch konnte der neugewählte Pfarrer Behr mit seiner Frau nicht nach Steinbach kommen und blieb in seiner Gemeinde Goseck. Als die Wohnung dann Ostern schließlich frei wurde, zog er seine Wahl zurück und trat die Stelle nicht an, was sehr bedauert wurde, zumal seine Frau Katechetin war und die Christenlehre hier übernehmen wollte, woran dem Kirchenvorstand sehr viel lag! Eine erneute Vakanzzeit von 10 Monaten war die Folge.

 

Ulrich Köppelmann, Unterstädter Pfarrer  1992 - 1993:

Aus seiner Amtszeit ist chronistisch zu berichten: Als Rückkehrer kam er mit Ehefrau und drei Kindern aus Südafrika, wo er als deutscher Pfarrer für mehrere Jahre eine Auslandspfarrstelle inne gehabt hatte. Pfarrer Köppelmann hoffte wohl, im ehemaligen DDR- Kirchengebiet noch am ehesten die ihm lieb und vertraut gewordenen afrikanischen kirchlichen Verhältnisse anzutreffen bzw. aufbauen zu können. Nach Auseinandersetzungen im Kirchenvorstand, mit

Pfarrer Scholz als „Geschäftsführender Pfarrer“, und den Mitarbeitern ist Pfarrer Köppelmann nach knapp einem Jahr in Steinbach im Sommer 1993 weggegangen.

 

 

Hans- Joachim Scholz, Oberstädter Pfarrer seit 1991:

Aus seinen Zeiten als „Geschäftsführender Pfarrer“ und Vakanzvertreter ist chronistisch zu berichten: Eine Woche vor seinem Dienstantritt war Mitte Oktober 1991 der Wechsel im Dekan-Amt in Schmalkalden. Dekan Alfred Schreiber hatte das Dekanat viele Jahre erfolgreich und souverän geleitet und stets den engen Kontakt zur angestammten Kirche „Kurhessen- Waldeck“ lebendig gehalten, - ganz im Sinne der Pfarrerschaft [Diese hatte sich mit großer Mehrheit für den Anschluß an Thüringen entschieden!].

Auf der Frühjahrssynode am 08.05.1990 in Hofgeismar hatten darum Dekan Schreiber und Pfarrer Bunge (Trusetal) die Rückführung des Dekanats angemahnt. Am 15. 06. 1991 war dies juristisch perfekt und das Dekanat damit wieder ein Kirchenkreis der Kirche von Kurhessen - Waldeck (EKKW).

Am Ende seiner Dienstzeit sah sich Dekan Schreiber (+ 15.07.1998) damit belohnt, dass sein Festhalten an der angestammten EKKW Früchte trug: Als Nachfolger in das Amt wurde Pfarrer Ulrich Braner aus Bad Wildungen von der Kirchenleitung berufen. Mit seiner Einführung wurde zugleich die Einrichtung eines „Kirchlichen Rentamts“ als Verwaltungszentrale des Dekanats vorangetrieben, wie es den kurhessischen Richtlinien der EKKW entsprach. Mit der Berufung Dekan Braners war ein entscheidender Schritt zur Wiedereingliederung des Dekanats in die kurhessische Kirche gelungen. Die volle Angleichung der Pfarrerschaft an die Maßstäbe der EKKW erlebte Dekan Braner in seiner Amtszeit freilich nicht, obwohl er sich stark dafür eingesetzt hatte. Erst ab 01.01.2002 fand unter seinem Nachfolger Dekan M. Bedbur dieser Angleichungsprozeß seinen vorläufigen Abschluss.

 

Für die Gemeinden spielten diese kirchenrechtlichen und kirchenpolitischen Dinge auch eine große Rolle. Denn verschiedene, tief im Leben der Gemeinden verwurzelte Aufgabenbereiche, erfuhren eine starke Veränderung - auch in Steinbach- Hallenberg. So wurde die rein gemeindliche Diakonie-Station in Steinbach aufgelöst und in die nach westlichem Vorbild im gleichen Jahr 1990 neugegründete übergemeindliche Diakoniestation Schmalkalden/ Steinbach-Hallenberg unter Leitung von Pfarrer Dietmar Gerstenberger in Brotterode überführt. Die letzte Diakonisse, Schwester Irma Weigelt, arbeitete in der Übergangzeit noch in dieser neuen Struktur mit, bevor sie im Frühjahr 1992 nach Elbingerode in das Mutterhaus zurückgerufen wurde. Damit wurde eine fast 100-jährige Tradition von Schwestern mit engster Bindung an die Kirchengemeinde unter dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Druck aufgegeben zugunsten einer wirtschaftlich zwar effektiveren, aber in ihrer Anbindung an die Kirchengemeinde weit unabhängigeren Arbeitsweise.

 

In gewisser Weise fing diese Veränderung der Neubau eines Altenhilfezentrums auf der „Pfaffeneller“ auf, der seit 1992 verbindlichere Formen annahm. Die Grundsteinlegung erfolgte am 13. Oktober 1994 und wenig später wurde das Heim am 5.12. 1996 eingeweiht.

Seitdem finden alte, kranke Menschen dort für ihren Lebensabend Ruhe, Sicherheit und sachgemäße Pflege, was durch die neue, gesetzliche Pflegeversicherung nunmehr weit besser abgesichert ist als früher, wo die Diakonissen unter den ärmlichen Bedingungen in den Häusern ihre Patienten pflegten und versorgten.

Einschneidende Veränderungen gab es auch auf dem Gebiet der kirchliche Unterweisung für Kinder, die in den DDR- Jahren in Form der „Christenlehre“ einen festen und anerkannten Platz im Gemeindeleben hatte, auch in Steinbach durch den Einsatz und die gute Arbeit der Katechetinnen und Kinderdiakoninnen.

Da es diese Form kirchlicher Zuwendung an Kinder in westlichen Kirchen, auch der EKKW, nicht gibt, wurde mit der Wiedereingliederung unserer Gemeinden auch dort, wo es personell zu Neueinstellungen hätte kommen müssen wie in Steinbach, die Christenlehre zugunsten eines umfassenden Religionsunterrichtes an den Schulen sukzessive abgebaut. Gewiss ergaben sich an der Schule viele neue Möglichkeiten für die Kirche, aber man erkennt mittlerweile auch, nicht nur im Dekanat und in Steinbach, den dabei entstandenen großen Bindungsmangel der Kinder an die Kirche. Denn außer der intensiven christlichen Prägung der Kinder im Evangelischen Kindergarten gab es keine spezifisch kirchliche Arbeit mehr mit und für Kinder, zumal auch bei uns der sonntägliche Kindergottesdienst den neuen gesellschaftlichen Veränderung des Wochenendes hin zum Freizeit- und Erlebnisbereich der Familie mangels Beteiligung der Kinder zum Opfer gefallen ist.

Die Kirchengemeinde versuchte, wie anderswo im Dekanat auch, mit Veranstaltungen und Angeboten wie „Kirche für Kinder“ u.ä. dieser Entwicklung gegenzusteuern, ist aber bisher dabei auf wenig positive Resonanz gestoßen. Eine Initiativgruppe um Pfarrerin Wenderoth hatte sich am 12.03.1998 gebildet, um die Arbeit mit Kindern neu zu beleben, aber nach einigen guten und anfangs erfolgreichen Ansätzen ruht dieser Zweig der Gemeindearbeit wieder, weil auch hier die Kinder weggeblieben waren.

Ein Grund dafür wird nicht zuletzt auch in dem großen Freizeitangebot anderer Vereine, Einrichtungen sowie der Schulen liegen. Lediglich die regelmäßigen Familiengottesdienste, das Krippenspiel am Heiligabend, das alljährliche Martinsfest und die alljährlichen Kindergartenfeste des Evangelischen Kindergartens erfreuen sich regen Zuspruchs und der Akzeptanz der Kinder genauso wie der Erwachsenen.

Die zurückgewonnene enge Bindung an die angestammte kurhessische Kirche trägt aber auch reiche Früchte. Das zahlt sich besonders bei der Erhaltung und Renovation aller kirchlichen Gebäude positiv aus. Von der Kirchenleitung in Kassel wird diese Aufgabe als Aufarbeitung der DDR - Vergangenheit angesehen und in besonders starkem Maße gefördert. So konnte mit erheblichen landeskirchlichen, aber auch kommunalen und denkmalpflegerischen Mitteln die Stadtkirche vom Jahr 1991 an renoviert werden - ein Prozess, der auch 10 Jahre später noch längst nicht zu Ende ist, wenn auch schon viel erreicht wurde.

Der Evangelische Kindergarten musste wegen Einbau einer neuen Heizung im Spätherbst 1991 in ein stillgelegtes altes Fabrikgebäude im Rasenmühlenweg umziehen und konnte erst im neuen Jahr 1992 wieder in das Bonhoefferhaus zurückkehren. Dort konnten mit der Auflösung der Diakonissenwohnung 1993 die Gruppenräume für den Kindergarten sowie das Kirchenbüro erweitert werden. Außerdem wurde das Treppenhaus durch Abriß verschiedener Wohnungsteile der Diakonissenräume lichter und heller. Im Laufe des Jahres 1993 wurden im Vorgarten neue Spielgeräte für den Kindergarten angeschafft und aufgestellt.

Die kirchliche Jugendarbeit erhielt neue Möglichkeiten und Impulse durch die Eröffnung eines Jugendraumes im ehemaligen „Wasserwerk“ und die Anstellung einer Jugendpflegerin bzw. eines Jugendpflegers dafür. Ein anderer Standort wäre freilich dafür günstiger.

Das Landeskirchenamt in Kassel genehmigte uns statt der bisherigen Kantor-Katechetenstelle eine volle Kantorenstelle mit alleinigen kirchenmusikalischen Aufgaben, die wir vorher noch nie so gehabt hatten [Die kirchenmusikalische Arbeit war auch mit der Kantor-Katecheten-Stelle auf einem sehr hohen Niveau, denn der Kantor hatte ja nur in drei Wochenstunden die Christenlehre in Rotterode zu versehen, ansonsten konnte er sich der Kirchenmusik widmen.

Es gab außer dem Kirchenchor einen Kinderchor, eine Musikgruppe und vor allem eine Konzertreihe mit internationalen Künstlern. Außerdem wurden Nachwuchskräfte für das Orgelspiel ausgebildet. Und schließlich führte der Kantor auch den Posaunenchor einschließlich Nachwuchsarbeit).

Das ehemalige Rüstzeitenheim im Dachgeschoss des Gemeindehauses wurde darum im Frühjahr 1993 zu einer schönen Wohnung für die Kantorenstelle ausgebaut. Dabei entstanden für die Gemeindearbeit auch ein neues WC, ein Klubraum und zwei Abstellräume. Nach mehreren vergeblichen Bemühungen gelang es dem Kirchenvorstand schließlich, die neue Kantorenstelle mit Frau Dorothea Krüger aus Eschweiler bei Aachen zu besetzen. Am Palmsonntag, den 04. April 1993 wurde sie eingeführt und belebt seitdem die Kirchenmusik außerordentlich. Erster Höhepunkt ihrer Arbeit war das große Konzert zum Chorjubiläum im Dezember mit der Aufführung der „Weihnachtshistorie“ von H. Schütz sowohl in der Kirche Herges als auch in der Stadtkirche.

Neu eingeführt wurde Ostern 1992 von Pfarrer Scholz die „Feier der Osternacht“, die am Ostermorgen um 5.30 Uhr in der Friedhofskirche beginnt  (Es gab auch schon vorher die Auferstehungsfeier auf dem Friedhof). Nach anfänglichem Zögern wurde dieser Gottesdienst mit seiner unnachahmlichen Stimmung gut von der Gemeinde angenommen, zumal das anschließende „Osterfrühstück“ im Gemeindehaus „D. Bonhoeffer“ einen schönen und gemütlichen Ausklang bildet.

Am Erntedanksonntag, den 03. Oktober 1993, wurden im Rahmen des Gottesdienstes die beiden bisherigen („nur“) Thüringer Prädikanten Rainer Usbeck und Hans-Werner Thomas zu Kurhessischen Prädikanten mit allen Rechten, auch der Sakramentsverwaltung, berufen. Im gleichen Jahr konnten wir dank der finanziellen Unterstützung des Dekanats unsere abgenutzten „vasa sacra“ (Gerätschaften zu Taufe und Abendmahl) bei der Würzburger Goldschmiedefirma Engert aufarbeiten und neu feuervergolden lassen.

Ebenfalls restauriert wurde das Zifferblatt der Turmuhr. Die Uhr selbst wurde mit einem neuen, funkgesteuerten Uhrwerk versehen und am 1. Advent 1993 wieder in Betrieb genommen. Das alte Uhrwerk von 1701 blieb an alter Stelle im Turm der Stadtkirche erhalten.

Im Tausch gegen das Grundstück „Sternwiese“ kam das alte Organistenwohn un g neben der Kirche wieder in Besitz der Kirchengemeinde, ohne dass es freilich bisher kirchlich genutzt werden konnte, weil es noch bewohnt ist [Der Tausch des baufälligen Kantorats gegen das Bauland an der „Sternwiese“ war allein das Werk von Herrn Erich Nothnagel. Das Kantoratsgebäude wurde von der Kirche nicht gebraucht und ist nur eine finanzielle Belastung].

In Rotterode wurde 1991 von der Pfarrfrau A. Scholz mit Unterstützung von Frau Heidi Holland-Moritz ein neuer „Frauensingkreis“ gegründet. Ihm gehören jetzt 18 jüngere Frauen an, die 14tägig proben, Gottesdienste ausgestalten, aber auch zu anderen Anlässen auftreten. Bei den zur guten Tradition gewordenen „Weihnachtsmusiken in der Johanneskirche“ singen sie

oft auch mit dem „Moosburgchor“ Rotterode zusammen.

Der Konfirmandenunterricht findet seit 1992 auch in Rotterode statt, solange genügend Kinder dazu kommen [Wenn erwähnt wird, daß in Rotterode auch Konfirmandenunterricht

gehalten wurde, so könnte man auch erwähnen, daß das in Altersbach schon seit vielen Jahren der Fall war]. Um die Kinder zu sammeln, hat Frau Scholz Mitte der 90er Jahre einen „Kinderkreis“ und später für die Jüngeren eine „Kinderstunde“ gegründet.

Im Jahr 1993 wurde die Johanneskirche renoviert, Dach und Turm wurden neu gedeckt und eine Gasheizung eingebaut. Das „Knopffest“ als Abschluss der Bauarbeiten wurde am 27. Oktober 1993 gefeiert. Neben dem Gemeinderaum im Erdgeschoss wurde im ehemaligen Kohlenkeller eine Tee-Küche samt WC eingerichtet, sodaß die Kirche in Rotterode nun fast ein kleines „Gemeindezentrum“ ist.

In der Stadtkirche gaben die beiden Männerchöre aus Unterschönau und Rotterode am 1. Advent 1994 ein gemeinsames Konzert. Für viele der Sänger war so ein Konzert in der Kirche das erste Mal, dass sie in einer Kirche auftraten - auch hier Ergebnis der neuen, vielfältigen Möglichkeiten, wie sich Kirche nach der „Wende“ auch für Menschen öffnen kann, die ihr bisher fremd oder gar ablehnend gegenüberstanden.

Die Akzeptanz in der Bevölkerung war riesengroß und die Kirche brechend voll bis hinauf in die dritte Empore. Im Zusammenhang mit der neuen Haltung der Kirche gegenüber gab es einen in der Gemeinde heftig umstrittenen Extra-Gottesdienst anlässlich des Jubiläums „100 Jahre freiwillige Feuerwehr Steinbach-Hallenberg“ am Sonnabend, den 28.01.1995 um 14 Uhr in der Stadtkirche. Dabei sollte die neue Fahne der Wehr „geweiht“ werden, wie das wohl in Bayern o.ä. katholischen Ländern üblich ist. Als Evangelische wehrten wir dieses Ansinnen ab, konnten und wollten uns aber dem Ansinnen einer gottesdienstlichen Feier mit der Feuerwehr des Ortes nicht verschließen.

Höhepunkte hatte das Jahr 1995 gleich mehrere: Zum einen das 100jährige Bestehen der Diakoniestation in Steinbach-Hallenberg, was am 05.02. mit einem Festgottesdienst begangen wurde. Die Gemeinde nahm daran regen Anteil und freute sich, mit Schwester Christa Urban aus der Gemeindepflege und Schwester Anni Grünwald als ehemalige Kindergartenleiterin zwei liebgewordene, unvergessene Schwestern wiederzusehen.

Der Besuch von Bischof Dr. Zippert aus Kassel am Wochenende 25./26. Juni war ein weiterer Höhepunkt des Jahres für die Kirchengemeinde. Der Gottesdienst am Sonntagvormittag war als Kirchspielgottesdienst auch für die Dörfer angesetzt. Am Nachmittag saß der Bischof dann noch mit dem Kirchenvorstand in kleiner Runde zusammen, wo ganz zwanglos Probleme und Fragen des Zusammenwachsens der „Kurhessen in Thüringen“ zur Sprache kamen.

Im selben Jahr 1994 wurde das neue Gesangbuch herausgegeben und hier am Sonntag, den 06.11. eingeführt. Die Kirchenvorstandswahlen am 14. Mai waren ein weiterer, wichtiger Tag des Jahres für die Gemeinde. Die Zahl der Mitglieder des Kirchenvorstandes wurde der in Kurhessen üblichen Zahl angepasst und von 24 auf 18 reduziert. Die Verteilung ist seitdem folgendermaßen: 12 aus der Stadt und je 3 aus den beiden Dörfern. Zur Wahl stellten sich 23 Kandidaten und – innen. Die Wahlbeteiligung der 3.418 Wahlberechtigten war hoch und lag in der Stadt über 25 Prozent, auf den Dörfern bis über 50 Prozent. Mit Feststellung der Wahlergebnisse endete der alte Kirchenvorstand, der neue begann seine Arbeit und damit wechselte auch die Geschäftsführung zur anderen Pfarrstelle [Die relativ hohe Wahlbeteiligung bei einer Kirchenvorstandswahl gab es nach entsprechender Werbung auch schon früher].

 

Birgit Gräbner, Unterstädter Pfarrerin  1994 – 1997:

Aus ihrer Amtszeit ist chronistisch zu berichten: Am Sonntag, den 01. Mai 1994, wurde sie in einem Abendgottesdienst vom Dekan als Pfarrerin im Hilfsdienst in die Pfarrstelle eingeführt.

Im Burgfestgottesdienst am 18. Juni 1995 wurde der neue Kirchenvorstand in sein Amt eingeführt. Sein 100-jähriges Bestehen feierte der Evang. Kindergarten am 26.08.1995 mit einem Gemeindeabend am Sonnabend zur Geschichte des Kindergartens.

Am Sonntag, dem 27.08., war dann in der Stadtkirche ein schöner Festgottesdienst mit anschließendem großen Sommerfest im Kindergarten. Aus diesem Anlass waren mehrere frühere Mitarbeiterinnen, darunter Schwester Anni gekommen, aber auch Pfarrer i.R. Weiß und Dekan Braner sowie Frau Bley vom Diakonischen Werk in Thüringen u.v.a.m.

Die erfolgreiche Wiedereingliederung des Dekanates in die Kirche von Kurhessen-Waldeck fand seinen sichtbaren Ausdruck in dem Landeskirchentag, der vom 1.-3. September 1995 in Schmalkalden stattfand und groß gefeiert wurde. Aus Steinbach fanden sich leider nur wenige Gemeindemitglieder, die sich auf den Weg zu den Hauptveranstaltungen nach Schmalkalden aufmachten, obwohl hier fleißig dafür geworben wurde. Aber viele hessische Gemeinden nutzten die günstige Gelegenheit, den neu wieder dazugekommenen Kirchenkreis Schmalkalden kennen zu lernen.

In einem 2001 vom Evang. Medienverband Kassel herausgegebenen Bildband über die Landeskirche unter dem Titel „Einblicke - Bilder und Berichte“ ist das Dekanat Schmalkalden mit einem extragroßen Beitrag vertreten. Damit wird auch erstmalig seit der politisch erzwungenen Abtrennung von Hessen am 1.02.1972 Schmalkalden wieder als voll integrierter Kirchenkreis der Landeskirche öffentlich publiziert.

 

Vom Gemeindeleben ist zu berichten, dass - wie in den Jahren zuvor - auch 1996 wieder holländische Freunde aus Pynacker in Oberhof zu Gast waren und über den Frauenkreis die lebendigen Kontakte zu uns aufnahmen. Am 02. Mai 1996 feierte der Kindergarten im Nachklang an sein vorjähriges Jubiläum ein „Baumfest“, wobei die damals vom Dekanat in Aussicht gestellten Bäumchen gepflanzt wurden. Ende des Jahres erhielt die Kirchengemeinde die wertvolle Avenarius-Chronik zurück, die in Weimar im Hauptstaatsarchiv kopiert und im Gegenzug für uns kostenlos restauriert wurde.

Wegen der beginnenden, geplanten Innenrenovation wurde die Stadtkirche nach der Goldenen Konfirmation Anfang Juli geschlossen. Die Gottesdienste fanden nun in der Friedhofskirche statt.

In Altersbach starb am 24. 05. urplötzlich der Kirchvorsteher und Heiligenmeister Lothar Kauffmann. Mit ihm verlor die Kirchengemeinde einen Mann, der in allen Fragen der Kirchengemeinde in Altersbach erster Ansprechpartner war und sich über Jahrzehnte in großer Treue und Zuverlässigkeit das Vertrauen aller Pfarrer und Gemeindemitglieder erworben hatte. Unter großer Anteilnahme wurde er am 30. Mai auf dem Friedhof in Altersbach beigesetzt. Sein Sohn Udo siedelte bald nach dem Tod des Vaters aus Frauenbreitungen um nach Altersbach. Hier ist er bereits auf dem besten Weg, in die Fußtapfen seines geschätzten Vaters zu treten.

In Steinbach verdichteten sich nach hoffnungsvollen Ansätzen die Anzeichen dafür, dass auch Pfarrerin Gräbner nicht lange auf dieser Stelle sein würde. Denn am 22. Juni 1996 hatte sie Pfarrer Hans Jürgen Basteck in der Stadtkirche geheiratet, der - wie sie auch im Hilfsdienst nach Springstille gekommen war. Da sich das junge Ehepaar eine Pfarrstelle teilen wollte, konnte Frau Basteck nach geltendem Recht der Landeskirche über Stellenteilungen nicht in Steinbach bleiben. Darum bewarb sich Pfarrerin Basteck nach Ablauf ihrer Hilfsdienstzeit nicht auf die Pfarrstelle Unterstadt, sondern ging nach Springstille zu ihrem Mann, um mit ihm das Pfarramt dort zu teilen. Ihr Weggang nach Springstille verzögerte sich zwar noch bis in das Frühjahr des nächsten Jahres. Aber mit dem Abschiedsgottesdienst am 09.02. 1997 war die Pfarrstelle I Unterstadt wiederum vakant.

 

 Anette Wenderoth, Unterstädter Pfarrerin seit 1997:

Aus ihrer bisherigen Amtszeit ist zu berichten: Dankenswerter Weise hatte die Landeskirche Einsicht in die beklagenswerte Situation der Gemeinde und besonders der Unterstadt mit Altersbach, die nunmehr die vierte Vakanz innerhalb weniger Jahren hatte. So wurde nach kurzer Zeit schon Hilfe geschickt und ab 01.05.1997 Frau Anette Wenderoth aus Rothenburg/ Fulda als Pfarrerin im Hilfsdienst mit der Versehung der Pfarrstelle beauftragt. Mit ihrem Ehemann Werner Otto zog Pfarrerin Wenderoth in das eilig renovierte Unterstädter Pfarrhaus ein und widmete sich ihren Aufgaben hier in Steinbach.

Zunächst kannte die neue Pfarrerin die Stadtkirche nur als Bauplatz. Denn das Frühjahr 1997 brachte die traurige Gewissheit, dass die Kirche stark baufällig, ja einsturzgefährdet war, wenn nicht viele der Holzbauteile ausgewechselt würden, so stark waren vom Sockel bis unter das Dach Holzteile vom gefährlichen „Gemeinen Hausschwamm“ befallen. Intensive statische Vermessungen und Stabilisierungsprojekte, ausgiebige Holzuntersuchungen an allen gefährdeten Punkten der Kirche, die Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes und schließlich die Erstellung eines verbindlichen Kostenplanes forderten ihre Zeit.

Unter Überwachung durch verschiedene Statikbüros, mit Baubegleitung durch das Landeskirchenamt und unter der Aufsicht des Schmalkalder Architekten S. Bießmann, ging schließlich die erfahrene Firma Bennert aus Nord-Thüringen ans große Werk. Einheimische Handwerker und Betriebe hatten an der Sanierung auch großes Interesse gezeigt, aber mangels eines Bauleiters, der bereit war, die verschiedenen Gewerke und Arbeiten zu koordinierenden und zu überprüfen, kam der Auftrag in andere Hände. Aber er lag schließlich bei der Firma Bennert (Hopfgarten) in guten und erfahrenen Händen, was sich in den nächsten Jahren zeigte. Nach all den nötigen Vorarbeiten begann die Firma am 27. April 1997 mit den Sanierungsarbeiten.

Durch manche Komplikationen und Schwierigkeiten zogen sich die Arbeiten hin bis über die Mitte des Jahres 2000. Schließlich konnte am Kirchweihsonntag, den 10.09.2000 die Kirche mit einem Festgottesdienst wieder in Gebrauch genommen werden. Ein langer Zug mit Kirchenvorstand, Prädikanten und Lektoren, Vertretern der einzelnen Kreise und Gruppen der Gemeinde bis hin zu Kindergartenkindern und -mitarbeiterinnen zog eingangs des Gottesdienstes in die Kirche ein. Den Schluss bildeten die beiden Pfarrstelleninhaber, in deren Mitte der neue Bischof Dr. Martin Hein aus Kassel ging, der auch die Festpredigt hielt. Ein kleiner anschließender Empfang ermöglichte dann persönliche Begegnungen mit dem Bischof und weiteren geladenen Ehrengästen wie Bürgermeister Chr. Endter, Kirchenbaudirektor Frede, Architekt Bießmann u.v.a.m.

Dabei war – neben der Dankbarkeit für diese gelungene Sanierung - allen Beteiligten klar, dass damit die nötigen Baumaßnahmen an der Stadtkirche, speziell Turm und Kirchendach, noch längst nicht beendet sind. Weitere Bauabschnitte sind bereits in der konkreten Planung und Bauvorbereitung, sodaß in den kommenden Jahren noch viele Kräfte und Kosten nötig sein werden, um das Bauwerk unseren Kindern in einem einigermaßen soliden Zustand übergeben zu können.

Ähnlich liegt die Problemlage auch bei der kleinen, aber wunderschönen Friedhofskirche, die dringend einer grundhaften baulichen Untersuchung unterzogen werden muss. Im Inneren sind die alte Elektroheizung, alle Fenster sowie das Gestühl dringend zu ersetzen. Aber für die Kirchengemeinde liegt die Priorität der Gebäudeerhaltung eindeutig bei der Stadtkirche und beim Gemeindehaus D. Bonhoeffer mit dem Kindergarten. Schon diese Aufgabenstellung fordert unsere ganzen Kräfte und übersteigt eigentlich unsere bescheidenen Möglichkeiten als Kirchengemeinde.

Über all diesen Baumaßnahmen kam aber das Gemeindeleben in diesen Jahren nicht zu kurz: Die Gottesdienste fanden alle während der vier Baujahre in der Friedhofskirche statt. Manches Gemeindemitglied fühlte sich in der kleineren Kirche bald wohler als in der großen Stadtkirche. Für Taufen und Trauungen freilich wurde gern auf die Dörfer oder sogar auf die Schlosskirche Schmalkalden ausgewichen, zu dicht war oft noch die Erinnerung an eine kurz zuvor gewesene Trauerfeier mit einem Sarg auf dem Altarplatz.

Zum Heiligabend wurde aus Platzmangel in der kleineren Friedhofskirche neben dem Krippenspiel um 15 Uhr und der Christvesper um 19 Uhr noch ein dritter Gottesdienst um 17 Uhr angeboten, der von den beiden Prädikanten mit einem Team gehalten und von der Gemeinde gut angenommen wurde.

Die Küche unseres Evang. Kindergartens stand in der Gefahr, aus zu hohen Kostengründen geschlossen zu werden. Nach langen Verhandlungen mit dem Landeskirchenamt in Kassel konnte unter Reduzierung auf nur eine Kraft die Küche und der Arbeitsplatz für eine Köchin, Frau Christa Holland-Cunz, erhalten bleiben [Interessant ist zu hören, daß die Küche des Kindergartens wegen zu hoher Kosten geschlossen werden sollte. Früher gab es dort drei Vollzeitkräfte. Gut, in den Sommermonaten mußte auch noch für das Rüstzeitheim gekocht werden (und für die umfangreiche Verwandtschaft von Gießlers). Aber wenn es jetzt eine Kraft schafft, dann zeigt das doch, daß die Klagen der früheren Mitarbeiter und ihr Verlangen nach höherer Bezahlung unberechtigt waren. Das Gleiche gilt für die Reinigungskraft. Rückblickend muß man sagen, daß die Kindergärtnerinnen Recht hatten mit ihrer Beschwerde, daß sie ihre Räume selber reinigen mußten (allerdings in ihrer üblichen Arbeitszeit). Andererseits waren die Reinigungsarbeiten wegen des Rüstzeitenheims umfangreicher und die Kohlenheizung mußte ja auch noch mit erledigt werden].

 

Mit dem neuen Jahr 1998 übernahm Pfarrerin Wenderoth nach einer Einarbeitungszeit die Geschäftsführung. Unsere Kantorin Dorothea Krüger führt am 01.02.98 im Gottesdienst ein „Bileam-Singspiel“ mit den vereinigten Kinderchören aus Steinbach und Rotterode auf, was bald danach in Altersbach und Rotterode sowie im Altenhilfezentrum seine Wiederholung findet.

Musikalisch geprägt war auch das Kindergartenfest in diesem Jahr, weil eine kleine Schülergruppe aus Kisarawe (Tansania) im Dekanat und eben an diesem Tag zu Besuch in Steinbach war. Die sieben jungen Afrikaner und ihre Lehrerin belebten das Fest mit ihren exotischen und mitreißenden Klängen, an denen auch unsere Kleinsten ihre helle Freude hatten.

In der Haseltalhalle fand am 17. Oktober ein großes Konzert der vereinigten Kirchenchöre

des Haseltales unter Leitung der Kantorin D. Krüger, was auf großes, positives Echo stieß und zur Wiederholung ermutigte.

Das Gemeindehaus feierte im Jahr 1998 seinen 100. Geburtstag. Gäste aus nah und fern waren gekommen, um mit uns dieses Jubiläum zu feiern. Dekan Braner und Bürgermeister Häfner sprachen anerkennende Grußworte für die Arbeit, die in diesem Hause seit 100 Jahren geleistet worden ist. Als Abschluß gab es zur Freude aller ein schönes Feuerwerk, mit dem das Fest ausklang.

Ein Adventskonzert des Frauen-Singkreises, zusammen mit dem Moosburgchor in Rotterode, ergab zugunsten der Installation der alten Betsaalglocke in der Johanneskirche 450.- DM. Damit konnte die Glocke installiert werden und läutet seitdem in jedem Gottesdienst als „Vater-unser-Glocke“.

 

Mit einem festlichen Konzert der Vereinigten Kirchen- und Posaunenchöre in der Haseltalhalle klang das Jahr musikalisch aus. Unter der Leitung unserer Kantorin erklang von H. Schütz die „Weihnachtshistorie“ mit den Solisten: Tabea Willing, Kindergärtnerin aus Steinbach, Sopran; Pfarrer Hans- Joachim Scholz, Tenor sowie Pfarrer Martin v. Frommannshausen, Baß aus Schmalkalden. Der Erlös des Konzertes war für die Sanierung der Stadtkirche bestimmt und ergab die Summe von 3500.- DM. Mit den üblichen Weihnachtsveranstaltungen und einem „Singegottesdienst“ am 27.12. klang auch das Jahr 1998 aus.

Das neue Jahr 1999 brachte nach dem Weggang der Jugendmitarbeiterin mit der Einstellung von Herrn Frank Genzler und dem Engagement von Jugenddiakon Schelhorn für das „Wasserwerk“ neue Impulse. Damit sollen weitere Jugendliche von der Straße weggeholt und in eine Gemeinschaft integriert werden.

Weitere personelle Veränderungen gab es auf der Stelle des Hausmeisters, wo Herr M. Döll in den Vorruhestand ging, genauso wie die Mitarbeiterin im Kirchenbüro, Frau Gertraud Holland-Cunz. Herrn E. Polte als Hausmeister und Frau I. Neubert traten jeweils die unmittelbare Nachfolge an. Unsere bewährte Reinigungskraft B. Scherbarth hielt seit Anfang der 90er Jahre das Gemeindehaus und den Kindergarten in Ordnung und ging erst später in den Vorruhestand.

Der Posaunenchor feierte am Wochenende 5./6. Juni 1999 sein 100-jähriges Jubiläum mit einem Sonderkonzert der Erfurter Turmbläser in der Stadtkirche. Am Sonntagnachmittag

war dann der eigentliche Festakt in der Haseltalhalle mit vielen Gästen, wo auch der Posaunenwarte von Kurhessen-Waldeck, M. Lamohr (Fulda) und von Thüringen, M. Schmeiß (Zella-Mehlis) das Wort ergriffen und unserem Chor gratulierten. Einige verdienstvolle Mitglieder wurden von den beiden Posaunenwarten mit Treue-Nadeln ausgezeichnet, darunter auch der Leiter des Chores, Herr Edgar Holland- Moritz. Kein Jahr später verstarb er nach langer, mit großer Tapferkeit getragenen Krankheit im Alter von gerade 48 Jahren am 06. Mai 2000. Seine Trauerfeier in der Friedhofskirche wurde von Posaunenchormitgliedern aus nah und fern ausgestaltet und fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt.

Ein großangelegter Evangelisations-Abend in der Haseltalhalle am 28. März, von der Evang. Allianz unter Prädikant R. Usbeck vorbreitet und organisiert, kam gut an bei jung und alt, wenn auch ältere Gemeindeglieder unter der hohe Lautstärke der Musik zu leiden hatten! Ähnlich erfolgreich war eine Sport- und Videonacht, die vom Kreisjugendpfarrer D. Hauser (Seligenthal) gemeinsam mit Jugendmitarbeitern und –innen in der Haseltalhalle am 2.07.1999 organisiert und

Nach diesen zwei Jahren Dienst endete für Pfarrerin Wenderoth ihre Hilfsdienstzeit und sie bewarb sich um die Pfarrstelle, woraufhin sie nach Wahl durch den Kirchenvorstand am Sonntag, den 03.07.1999 in die Pfarrstelle Unterstadt mit Altersbach zur Erleichterung aller Gemeindemitglieder eingeführt wurde. Das was das wichtigste und entscheidendste Ereignis im Leben der Kirchengemeinde im Jahr 1999.

Nachdem innerhalb von nur acht bzw. zehn Jahren erst die nunmehr fünfte (!) Besetzung dieser Stelle erfolgreich wurde, kommt nun endlich Kontinuität, Verlässlichkeit und Ruhe und in die Gemeindearbeit der Kirchengemeinde Steinbach- Hallenberg. Damit werden die Aufzeichnungen zum Leben der Evang. Kirchengemeinde im letzten Jahrhundert abgeschlossen. Die letzten 10 Jahre waren eine besonders harte Belastungsprobe für die Kirchengemeinde und alle ihre Mitarbeiter der sie aber standgehalten haben. Das macht uns dankbar - und es macht Mut im Blick auf die Wegstrecke, die vor uns liegt. Die Jahreslosung 2000 passt für den Blick in die Zukunft, wenn uns allen zugesagt wird: „Gott spricht: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen!“ (Jeremia 29, 13+14).

 

 

 

 

Zur Geschichte der Schule in Steinbach-Hallenberg

 

Eine bebilderte Dabei zur Schule finden Sie unter „Ortsgeschichte“

 

Mit der Reformation der Kirche durch Martin Luther kam auch die Aufgabe in den Blick, Schulen für die heranwachsende Jugend zu schaffen. Luther selber hat mehrfach dazu aufgefordert. Die Besoldung für die Lehrer sollte aus dem Ertrag der aufgelösten Klostergüter herkommen.

In Steinbach könnte es schon 1550 einmal einen Lehrer gegeben haben. In der Kirchenrechnung von Roßdorf vom Jahre 1583/84 wird erwähnt, daß der dortige Pfarrer Bardthol Kehl (auch Bartholomeus Koll und Bartholomeus Kell) in Untersteinbach ein Haus und zwei Acker Wiesen in der Struth besitzt. Er war vorher Schulmeister in Meiningen und Benshausen und könnte auch in Steinbach eine kurze Zeit Lehrer gewesen sein, ehe er Pfarrer in Roßdorf wurde. Aber diese Vermutung ist sehr unsicher.

Die früheste Nachricht von der Schule in Steinbach-Hallenberg enthält das hennebergische Visitationsprotokoll von 1555. Bei der Visitation in diesem Jahre verpflichteten sich nämlich die 115 Familienoberhäupter in Steinbach („Nachbarn“), dem Pfarrer Betzelmann jährlich einen ,,Schneeberger“ (kleine Münze) zu geben, wenn er täglich eine Stunde in die Schule geht, die Knaben (!) lesen läßt und auch sonst fleißig auf die Schule sieht („Der Pfarrer soll alle Tage eine Stunde in die Schule gehen, die Knaben überlesen und sonst fleißig auf die Schule sehen“). Der Elementarunterricht erstreckte nur auf die notwendigsten Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Singen, hauptsächlich aber auf die Ausübung der Religion.

Der erste evangelische Pfarrer in Steinbach-Hallenberg hieß Philipp Schätzle (Philippus Schetzelinus). Er war zuvor erster evangelischer Schulmeister an der Stadtschule in Schmalkalden gewesen. Im Jahre 1537 wurde er zum Pfarramt ordiniert und kam nach Steinbach-Hallenberg. Mit dem ersten evangelischen Pfarrer in Steinbach-Hallenberg gab es also bereits einen für die Schule vorgebildeten Geistlichen.

  

Schulmeister in Steinbach Hallenberg seit 1573

 

Moritz Usbeck:  1573

Im Jahre 1566 sollte ein Lehrer auf einer gesonderten Schulstelle angestellt werden. Doch der hennebergische Superintendent Fischer lehnte den hessischen Kandidaten ab, weil er zu jung sei. So wurde die Stelle erst 1573 mit Moritz Usbeck besetzt. Er war Lehrer und „Kirchendiener“, d.h. er hatte eine Reihe kirchlicher Aufgaben. Vor allem war er für die Kirchenmusik zuständig, für Orgelspiel und Chorleitung. Bei Amtshandlungen hatte er mitzuwirken und zum Beispiel auch Beerdigungen selbständig zu halten. Bei Verhinderung des Pfarrers hielt er Lesegottesdienst. Dazu kamen noch eine Reihe äußerer Dienste wie Glockenläuten, Aufschließen und Zuschließen der Türen, Kirchenreinigung, usw. Aber er war nicht Kirchendiener im Sinne von Küster, sondern vor allem Kantor und Lehrer. Viele dieser Schulmeister und Kantoren wechselten später ins Pfarramt über. Seit dieser Zeit bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die Kirchen-und Schuldiener das Doppelamt inne, neben der Schule auch noch die Kirchenmusik zu versehen.

„Im Jahre 1573 bin ich Moritz Usbeck zum Schul- und Kirchendiener in Steinbach bestätigt und angenommen worden. Zugestimmt haben der ehrsame und achtbare Hiob Ziegler, früherer Vogt auf der Hallenburg, und danach auch die ganze Gemeinde hier zu Steinbach. Weiterhin hat zugestimmt der ehrwürdige und gelehrte M. Christoph Fischer, Superintendent zu Meiningen.“

Diese Worte stehen auf der Innenseite eines alten Bucheinbandes, in dem die Mühl-, Waag- und Vormundschafts-Ordnung nebst etlichen alten Rechnungen zu finden sind und wurden von Schulmeister Georg Heß überliefert.

 

Schulgut: 1576 und 1702

Das Schulgut wurde 1576 gegründet und unter dem Pfarrer Johann Adam May dem Älteren vergrößert. Im Jahre 1702 beredete er Frau Martha Schweinsberger auf dem Totenbett, den beiden Schulstellen vier Tagewerk Wiesen in der Struth zu vermachen (sie hat auch einen Abendmahlskelch gestiftet). Ebenso half er, daß Quirin Engelhardts Witwe vier Tagwerk Rottwiesen am Großen Hermannsberg den Schulstellen vermachte, die heute noch im Besitz der Kirchengemeinde sind.

 

Conradt Kropf: 1608 bis 1627

Von dem nächsten Schulmeister Conradt Kropff sind keine Daten bekannt. Er könnte aber um 1608 eingesetzt worden sein, weil er reformiert war und damals an sich überall reformierte Lehrer eingesetzt wurden. Er soll seinen hauptsächlichen Lebensunterhalt mit Schindelmachen verdient haben; denn nachdem er eine Zeit Schule gehalten hatte, ging er in den Kirchberg und machte Schindeln. Am 14. November 1627 wurde er abgesetzt, weil er reformiert war und die neue Landesherrschaft, die Darmstädter Landgrafen, keine Reformierten mehr in öffentlichen Ämtern duldete.

 

Georg Heß:  1628 bis 1646

Zu Neujahr 1628 wurde Georg Heß aus (Tambach-) Dietharz von den darmstädtischen Behörden in Schmalkalden zum Schulmeister in Steinbach eingesetzt. Ein Jahr späte wurde er von kirchlicher Seite durch den Inspektor Christoph Cellarius bestätigt. Er starb im Jahr 1646.

 

Konrad Heß:  1646 bis 1655

Der Sohn des Georg Heß, Konrad Heß, ist im Jahre 1646 zum Schul- und Kirchendiener berufen und bestellt worden. Er war kein Studierter („literatus“), aber die Kinder waren bei ihm besser aufgehoben als bei seinem Nachfolger. Nach neun Jahren starb er am 22. Mai 1655. Er liegt auf den Gottesacker begraben, der Grabstein steht vorne, wenn man zur Kirchentür hinein gehen will (Er ist die einzige Information über diesen Schulmeister).

 

Valentin Buchhammer: 1655 bis 1676

In Steinbach hatte Valentin Buchhammer schon mehrfach gepredigt, als er am 10. Juni 1655 vom Zwölferstuhl im Namen der ganzen Gemeinde aus seiner Geburtsstadt Schmalkalden berufen wurde. Darauf wurde er am 20. Juli von denen damaligen Herrn Inspektoren in Schmalkalden bestätigt und schließlich am 15. August eingeführt. Er hat in Leipzig aber nicht viel mehr als ein Jahr studiert, weil er von seinen Eltern wenig Hilfe gehabt hat und sich meistens als Hauslehrer hat durchbringen müssen.

Einwohner, die bei ihm in die Schule gegangen sind, sagen, er sei ein scharfer Mann gewesen. Die Anfangsbuchstaben von Psalm 27: „Ich glaube aber doch“ (Unicum Bonum Spero) hat er sich zu einem Bekenntnis und Leibspruch erwählt. Am 24. Juni 1676 ist Valentin Buchhammer gestorben. Er war in Steinbach 21 Jahre weniger einen Monat der Lehrer, wie aus seinem von ihm selbst aufgesetzten und geschriebenen Lebenslauf zu ersehen ist.

 

Pfarrer Matthäus Avenarius, der nicht auf den Mund gefallen war, wenn es gegen die Reformierten ging, sagt 1665 im Wirtshaus über einen Gast: „Das ist der Hans Buchhammer, der von der lutherischen Religion abgefallen ist zu der falschen!“ Buchhammer war Bruder des lutherischen Lehrers. Als Valentin Buchhammer 1676 starb, kam es zu einer ausgedehnten Auseinandersetzung über seine Nachfolge (siehe Kantor Jacobus Lang).

 

Schulen auf den Dörfern 1666:

Auf Betreiben von Pfarrer Matthäus Avenarius wurden in Oberschönau eine eigene Kirche (1671) und eine Schulstelle eingerichtet und auch für die Amtsdörfer Unterschönau, Rotterode und Altersbach eigene Schuldiener bestellt. In Oberschönau war seit 1666 Volkmar Schellhaas Lehrer. Er war Sohn des Stephan Schellhaas in Coburg, war dann in Eisenach Küchenschreiber und ab 1664 Lehrer in Kleinschmalkalden. Weil er ein zanksüchtiger Mann war, hießen ihn die Leute „Doktor Merrettig“ Aber er hatte das Glück, daß der Steinbacher Pfarrer Matthäus Avenarius seine Tochter Magdalena Sabina heiratete. Er starb am 23. November 1681 im Alter von 77 Jahren.

 

Schulgebäude für zwei Lehrer 1667:

Zunächst sollten auch die Kinder aus Altersbach, Rotterode und Unterschönau in Steinbach mit zur Schule gehen. Aber auch in Steinbach wuchs die Kinderzahl so sehr, daß man Jungen und Mädchen trennen mußte. Hatte man vorher nur die Jungen unterrichtet, so waren jetzt immerhin auch die Mädchen einbezogen. Aber nun brauchte man zwei Lehrer und auch zwei Schulräume für sie. So baute man 1667 südlich der Kirche neben dem bisherigen Schulgebäude ein zweites Haus als Schulraum.

Kantorat

 

Die zweite Schule erhielt jedoch erst am 4. Juli 1709 ein weiteres Stockwerk, das ungefähr alles in allem 1000 Gulden kostete. Beide Schulgebäude, das alte für den ersten Lehrer und das neue für den zweiten Lehrer, standen rechts südlich neben der Kirche, wo heute noch das Kantoratsgebäude steht. Es ist nirgendwo festgehalten, welcher Lehrer in welchem Gebäudeteil wohnte. Es ist aber anzunehmen, daß zuerst der Gebäudeteil nach dem Kirchplatz zu gebaut wurde und dort der Organist (als einziger Lehrer) wohnte. Aber mit Einrichtung  der Kantorenstelle mag es anders g ewesen sein, zumal gesagt wird, daß die Organistenwohnung ng um ein Stockwerk erhöht wurde.

Beide Gebäude enthielten zunächst nur je einen Klassenraum und je eine Wohnung für den Kantor bzw. den Organisten. Der eine Lehrer übernahm nun die Jungen und erhielt den Titel „Kantor“. Der andere übernahm die Mädchen und erhielt den Titel „Organist“. Es ist nicht ganz klar, wann der Titel „Kantor“ zuerst verliehen wurde. Geisthirt gibt das Jahr 1663 an, also mitten in der Amtszeit Buchhammers.

Aber Geisthirts Angaben zu dieser Sache scheinen ungenau zu sein, man verläßt sich wohl doch lieber auf Avenarius. Der zählt Buchhammer noch unter die Schulmeister und spricht erst bei seinem Nachfolger Jacob Lang von „Kantor“. Günter Kraft gibt Valtin Molter als Vorgänger Langs an; von ihm wurde ein Trauergedicht vom 23. September 1673 gedruckt. Nehmen wir also an, daß das Kantorat 1676 eingeführt wurde, nachdem schon 1653 durch die Bestellung eines Organisten eine Trennung im Amt vorgenommen worden war.

 

Weitere Verbesserungen der Schulverhältnisse um 1700:

Pfarrer Adam May der Ältere (1692 bis 1714) „stiftete viel Gutes und Billiges in Kirchen und Schulen“, heißt es 1729 in der Steinbacher Chronik von Johannes Avenarius. So ordnete er an, daß „um besser Ordnung und Disziplin willen“ der Kantor die Knaben allein, der Organist aber die Mädchen „informieren“ sollte.

Sein besonderes Verdienst ist jedoch die Einführung des „Gothaischen Katechismus“ für die Schule in Steinbach-Hallenberg. Diese pädagogische Schrift, heute bekannt als „Gothaischer Schulmethodus“, wurde bereits 1642 auf Anordnung Herzog Ernsts des Frommen von Sachsen-Gotha veröffentlicht. Für Gelehrten-und Lateinschulen hat es schon früher Schulordnungen gegeben.

Mit dem Schulmethodus aber wird der Elementarunterricht, also die Volksschule, einer umfassenden Organisation unterworfen. Er nennt die Pflichten der Lehrer, Schüler und Eltern und legt fest, was und wie gelehrt werden sollte. Neben den üblichen Fächern sollten auch die „natürlichen Wissenschaften“ (Kräuter, Bäume, Mensch und Tier) behandelt werden. Schon damals wird die Anschaulichkeit als pädagogische Grundforderung verlangt. Wichtig ist auch die Festlegung der Schulpflicht für alle Kinder beiderlei Geschlechts vorn fünften bis zwölften Lebensjahr.

 

 

Organisten in Steinbach-Hallenberg

 

Johann Ernst Heß:  1653 bis 1663

Weil die Einwohnerzahl von Steinbach stieg und es viele Schulkinder gab, wurde die Gemeinde 1653 genötigt, einen weiteren Lehrer einzusetzen, der zugleich die Orgel in der Kirche spielen sollte. Es wurde deshalb 1653 Hans Ernst Heß, der Bruder des Schulmeisters Konrad Heß, zum stellvertretenden Lehrer an der Schule und zugleich zum Organisten und Mädchenlehrer angenommen. Er wurde vom Zwölferstuhl im Namen der Gemeinde Steinbach und der Filialorte vorgeschlagen und von den Inspektoren in Schmalkalden bestätigt.

Am 10. Mai 1663 gab er seinen Dienst aber wieder auf, weil sein Gehalt so gering war und er von den Leuten nur wenig bekommen konnte. Er ging nach Gersfeld in der Rhön.

 

Johann Christian Argus: 1663 bis 1675

Aus Ohrdruf in Thüringen stammte Johann Christian Argus. Er erhielt zwar 1667 ein eigenes Schulgebäude, gab seinen Dienst aus Mangel an finanzieller Unterstützung auf und ging nach Werningshausen in Thüringen gelegen (nördlich von Erfurt), nachdem er den Dienst in Steinbach zwölf Jahre wahrgenommen hat.

 

Johann Nicolaus Avenarius: 1675 bis 1708

Hierauf wurde der mittlere Sohn des damaligen lutherischen Pfarrers zum Lehrer angenommen. Er hat in Schweinfurt, Schmalkalden und Meiningen die Schule besucht. An dem letztgenannten Ort hat er die Organistenkunst bei dem dortigen Stadtorganisten Herrn Meder gelernt. Er wurde von dem gesamten. Zwölferstuhl im Namen der ganzen Gemeinde zum Organisten und Lehrer angenommen und 1675 den Herren Inspektoren in Schmalkalden vorgeschlagen und er wurde von ihnen auch bestätigt. Am 10. November 1676 wurde er nach dem Rügegericht und Schulexamen zusammen mit Herrn Kantor Jacob Lang eingeführt. Seit 1676 war er verheiratet mit Katharina Kister, der Tochter des Kantors in Mehlis, die 1656 geboren wurde.

In dieser Zeit gab es Lehrer, die aus Steinbach stammen (wie Geisthirt berichtet). Einer war Nicolaus Johann Holland, der 1681 Gehilfe in Kleinschmalkalden und dann (1683?) Lehrer in Asbach wurde, ein redlicher Mann und guter Musiker. Ein anderer war Valentin Häfner, der 1682 Lehrer in Springstille und 1692 in Trusen wurde.

Auch sein Sohn Johann Heinrich war dort Lehrer und starb 1733. Dessen Sohn wiederum wurde 1757 Pfarrer in Trusen und 1766 Archidiakon in Schmalkalden (in seinem Stammbuch wird der Theologiestudent Johann Valten Pabst aus Steinbach erwähnt). Dessen Sohn schließlich wurde 1801 Pfarrer in Barchfeld und schrieb ein vierbändiges Werk (fünfter Band von seinem Schwiegersohn) über die Herrschaft Schmalkalden.

Johann Nicolaus Avenarius hat das Organisten- und Schulamt 33 Jahre ausgeübt. Am 10. Januar 1708 starb er sanft und selig, nachdem er vorher einige Jahre gekränkelt hat, aber nur zwei Tage bettlägerig gewesen ist. Er wurde am 4. Sonntag nach Epiphanias unter großer Anteilnahme christlich in die Erde bestattet. Er hat 53 Jahre auf der Welt gelebt. Sein Begräbnistext war Phil 3,13 bis 14: „Ich vergesse, was dahinten ist“.

 

Johannes Avenarius: 1708 bis 1744:

Nach dem Tode des Johann Nicolaus Avenarius wurde sein Sohn, der Theologiestudent Johannes Avenarius, sein Nachfolger. Am 10. Januar 1687 wurde er in Steinbach-Hallenberg geboren. Seine erste Bildung erhielt er im Pfarrhaus durch den Hauslehrer Johann Conrad Geisthirt, dem damaligen Hauslehrer bei Herrn Pfarrer May und späteren Schmakalder Chronisten. Dieser wird schon die Liebe zur Geschichte in seinem Schüler geweckt haben, abgesehen von seinem Großvater Matthäus, der auch schon geschichtliche Nachrichten gesammelt hat.

Mit zwölf Jahren ging er auf die lateinische Stadtschule nach Meiningen, später nach Ohrdruf, um hier das Gymnasium zu besuchen, das bereits von 1697 bis 1700 seinen Bruder Johann Martin aufgenommen hatte. Johann Martin Avenarius war drei Jahre lang Chorpräfekt am Ohrdrufer Gymnasium, unter seiner Leitung sang der spätere Thomaskantor Johann Sebastian Bach.

Danach war auch Johannes Avenarius als Chorpräfekt sein Gesangslehrer, der dann auch seit 1706 zusammen mit ihm in Erfurt studierte. Dort entstand auch ein ,,Hochzeitsquodlibet“, an dem verschiedene Studenten sich beteiligten und das Bach dann in Reinschrift herausgab. Darin wird auf eine Ostindienfahrt (und eine Backtrogfahrt) angespielt, die auch Avenarius in seiner Chronik erwähnt.

Fast zwei Jahre später übernahm er die Stelle seines verstorbenen Vaters als Organist und Mädchenlehrer in Steinbach-Hallenberg. Weil sein Vater aber krank wurde, durfte er nicht länger bleiben, sondern wurde nach Hause gerufen, um das Amt anstelle seines Vaters zu verrichten.

Als Organist und Schullehrer wurde er einhellig berufen von sämtlichen Zwölfern, Kirchenältesten und Schultheißen der Filialorte. Am 6. Februar 1708 wurde er vorgeschlagen und von den Inspektoren in Schmalkalden Balthasar Adam Neunesius und M. Johann Wilhelm Pforr, nach abgelegter Probe am 2. Februar 1708 geprüft und bestätigt.

Am folgenden Tag wurde er von dem lutherischen Pfarrer Herrn Johann Adam May in Anwesenheit einiger Kirchenältesten eingeführt. Zu einem Bekenntnis und Leibspruch hat er sich gleich erwählt das Wort „Geduld“, weil diese „heutzutage in den Schulen sehr nötig ist, sowohl wegen vieler Verdrießlichkeit, die man ausstehen muß, als auch weil man sich wegen des geringen und schlechten Gehalts öfters kümmerlich behelfen muß und „von vielen statt Dank nur Gestank und statt Lohn nur Hohn bekommt“, schreibt er verbittert.

 

Johannes Avenarius wurde nämlich der Steinbacher Chronist. Er sammelte Nachrichten seit 1525 und berichtete natürlich besonders ausführlich über seine eigene Zeit. Die Chronik schließt im Jahre 1729 und wurde später ergänzt. Johannes Avenarius verdanken wir viele für die Geschichte Steinbachs wichtige Nachrichten, die durch seinen Fleiß und seine Geduld gesammelt und der Nachwelt aufbewahrt wurden. Die Chronik wurde bis 1743 geführt und ist im Besitz des Pfarramtes. Alle Nachrichten über Steinbach aus dieser Zeit beruhen auf dieser Chronik.

Johannes Avenarius war trotz der nicht geringen Pflichten und des kärglichen Lohnes ein allzeit lustiger Mensch und ein geschickter Komponist. Als am 13. September 1715, dem zweiten Kirchweihtag, Landgraf Karl von Hessen die hiesige Kirche besuchte, wurde ihm von dem Organisten Johannes Avenarius eine eigens dafür komponierte Tafelmusik zur Begrüßung dargebracht, die der Regent mit 6 Talern belohnte. Im Januar 1720 wurde Johannes Avenarius sehr krank und konnte ein Vierteljahr sein Amt nicht verrichten. Als er aber mit Gottes Hilfe wieder gesund geworden war, bildete er aus den Anfangsbuchstaben und dem Endbuchstaben seines Namens noch einen „Leibspruch“ in lateinischer Sprache: „Jehovas Auxilio Sanor“: „durch Gottes Hilfe wurde ich gesund!“ Er starb 1744.

 

Johannes Avenarius schreibt in seiner Chronik: Am 13. September 1715 – es war eben der zweite Tag unserer jährlichen Kirchweih - kam unser gnädigster Fürst und Herr Carl I. hierher, übernachtete im reformierten Pfarrhaus, blieb die Nacht und den anderen Tag hier bis nach der Mittagsmahlzeit. Und weil es das erstemal war, daß er als Regent hierher gekommen ist (als er neun Jahre alt war hatte ihn seine Mutter bei sich und mit in Steinbach gehabt) wurde ihm von mir, dem Organisten, eine einfache, doch wohlgemeinte Tafelmusik dargebracht, die nicht nur ganz gnädig aufgenommen wurde, sondern auch mit 6 Talern vergolten wurde. Der Text der Musik war - weil er ganz unvermutet kam und nicht viel Zeit zur Erarbeitung und Komposition übrig blieb - aus dem ersten Buch Mose im 24. Kapitel Vers 31.

 

Der Text:  Freudigsten Willkomm spricht aus Johannes Avenarius, Organist des Ortes, als der Durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr Carl Landgraf zu Hessen, unser gnädigster Fürst und Herr, eben am Kirchweihfest, dem 13. September 1715, mit seiner hohen Gegenwart unser Steinbach begnadete. Ich wollte aus untertänigster Ergebenheit freudigst mit einer geringen und so viel in der Eile möglichen Tafelmusik meine Verehrung bezeigen, und – nachdem ich gnädigst dazu aufgefordert wurde – untertänigst übereichen.

„Kehre ein du Gesegneter des Herrn!“ (1. Mose 24, Vers 31),  Liedvers:

Willkommen teure Landes-Sonne, dein holder Blick  und Gnadenschein

bringt unsern Herzen Freud und Wonne, und Geist, damit bereit zu sein,

was jedermann zu dieser Frist nach treuer Pflicht dir schuldig ist.

Dies ist ein Tag zur Freud erlesen, weil unser Landesvater heut

- da er noch nie hier ist gewesen - uns seiner Gnaden Zepter bietet.

Ein jeder wird dadurch erquickt, da ihm dies Glück der Himmel schickt.

Soll denn auch nun unser Flehen, des liebsten Fürsten Sicherheit

und ungetrübtes Wohlergehen zu erbitten stets bereit sein.

Doch freilich - ja so soll es sein - ach Himmel stimme damit ein.

Der Himmel schütte lauter Segen, auf unsern liebsten Fürsten aus.

Gott lasse, was sein Herz begehrt, Ihm allezeit reichlich sein gewährt.

Des Höchsten Macht und Güte beschirme den Herrn und seinen Fürstenthron.

Gott wende ab alle Unglücks Stürme, die Feinde treffe Spott und Hohn,

der Himmels Fürst aus Gnaden geb, daß unser Carl noch lange leb“.

Nach dem Gesang dieses Liedes wurden noch einige Märsche und Menuette aufgeführt und dann geschlossen. Neben den hiesigen Musikanten war der Türmer von Creutzburg mit seinen Leuten dabei. Ebenso der Schwarzhäuser Türmer mit seinen Leuten, die damals gerade hier ihren Auftritt hatten (es war ja zum Kirchweihfest) und in der damaligen Zeit die berühmtesten Musiker waren. Diese geringe Komposition mußte ich an die fürstliche Tafel bringen und später abschreiben und einschicken“ (Creutzburg liegt an der Werra nördlich von Eisenach und Schwarzhausen etwas weiter östlich, westlich von Waltershausen).

 

Johann Sebastian Bach und Steinbach-Hallenberg:

Bach hatte mit mehreren Steinbachern zu tun. Als er von 1704 bis 1707 in Ohrdruf zur Schule ging, war Johannes Avenarius Chorpräfekt und damit sein Gesangslehrer (schon von 1697 bis 1700 war Johann Martin Avenarius dort Präfekt, ebenfalls ein Enkel des Matthäus Avenarius). Auch beim Studium in Erfurt von 1707 bis 1708 waren beiden zusammen. Dabei kam es wohl bei einer lustigen Hochzeitsgesellschaft zu einer Gelegenheitsdichtung, dem „Hochzeitsquodlibet“ (Bachwerkeverzeichnis 524), zu dem jeder der Studenten etwas beigetragen hat. Bach hat es nur später noch einmal sauber aufgeschrieben.

Darin wird eine Backtrogfahrt über Holland nach Niederländisch-Indien (heute: Indonesien) erwähnt. Damals gab es Beziehungen zu Ostindien, gerade auch unter den Musikern und Spielleuten. Bach könnte davon gehört haben durch Johannes Avenarius, denn dieser erwähnt in seiner Chronik im Jahr 1723: „Einige Tage vor dem Tag Johannes des Täufers (24. Juni) 1725  haben sich drei Metzgerburschen  mit Namen Johannes Carl, Johannes Kehr und Christoph Kehr, und ein Instrumentalmusiker Matthäus Häfner auf die Wanderschaft nach Amsterdam und von da nach Ost-Indien begeben; das ist aus seinem ganz bestimmten Grund hierher gesetzt worden. Im Jahre 1730 um den Johannistag ist Johannes Carl wieder gekommen.“

Diese Nachricht ist „um gewisser Ursach willen hierher gesetzt“, um auf das Quodlibet hinzuweisen. Johannes Avenarius wäre dann der „Dominus Johannes“ aus dem Quodlibet für jene Hochzeit.

Schüler des Thomaskantors Bach in Leipzig waren auch Martin Recknagel, ein Usbeck und vor allem Johann Friedrich Doles. Ein Urenkel des Pfarrers Matthäus Avenarius war Johann Georg Schübler aus Zella St. Blasii, der seit 1746 Notenstecher und Verleger Bachs bis zu dessen Tod war. Bach ehrte ihn mit seinen „Schübler‘schen Chorälen“.

 

Finanzielle Verhältnisse 1709 bis 1736:

Im Jahre 1715 vermachte die Witwe Osanna Engelhard der Schule eine weitere Wiese, damit beide Lehrer einige Kinder kostenlos unterrichten können. Aber sieben Jahre später wurden von den Lehrern, die die Wiese selber nutzten, Steuern dafür abverlangt. Am 26. Februar 1722 baten sie um Erlaß der Steuer. Die Kirchenkasse hat den Betrag dann schließlich auch übernommen.

Im Sommer 1728 wurde ein neuer Keller in der Organistenwohnung gebaut. Die Kosten von ungefähr 8 Talern trugen auf Befehl des Inspektors je zur Hälfte die Kirche und Gemeinde, die dafür das Geld nahm, das für die Einquartierung der Reiter gezahlt worden ist.

Mit einem Vermächtnis im Jahre 1736 ist es aber nichts geworden:  Barbara Bauroth - sonst „Heintze Spalle“ genannt - hat Schuldscheine 1736 über 7 Taler an beide Schulen vermacht, es war aber niemand da, der diese Schulden eintreibt.

  

Organistenwohnung

 

Im Herbst 1730 hat der Vorsteher Valten Holland, Nagelschmied und  1729 Vorsteher, in Kassel einen eisernen Ofen für die eine der Lehrerwohnungen (oder für das Pfarrhaus?) gekauft  und nach Steinbach bringen lassen. Er kostete 8 Taler und 2 Taler Fuhrlohn. Der Aufsatz auf den Ofen kostet auch 1 ½ Taler, der Warmwasserbehälter („die Blase“) 2 Taler 15 Groschen (Sicherlich hat der Vorsteher den Ofen samt Zusatzgeräten auf Gemeindekosten gekauft).

Die Lehrer haben wohl doch sehr bescheiden leben müssen. Andererseits hatten sie aber auch verantwortungsvolle Aufgaben. Als im Jahr 1730 eine epileptische Frau im Wasser ertrank, wurde sie von den beiden Schullehrern christlich bestattet, weil kein Pfarrer in Steinbach war und ein auswärtiger nicht kommen wollte, weil sie arm war und niemand etwas für ihre Beerdigung geben konnte.

 

Gottlieb Avenarius: 1744 bis 1746

Als ältester Sohn des Organisten Johannes Avenarius wurde dann Gottlieb Avenarius sein Nachfolger, hat aber in über zwei Jahren kaum etwas tun können, wohl wegen einer Krankheit.

 

Johann Christoph Usbeck: 1746 bis 1769

Durch große Mühe seiner Freundschaft ist Johann Christoph Usbeck auf die Stelle gekommen. Es ist nicht so sicher, wie lange er sie innehatte. Sein Nachfolger soll 30 Jahre im Amt gewesen sein. Da er 1799 starb, ergibt sich das Jahr 1769 als Beginn seiner Tätigkeit und das Ende der Tätigkeit Usbecks. Das paßt auch gut zu der Angabe, daß Usbeck sich 1768 um die Kantorenstelle bemühte, sie aber nicht erlangte und zunächst nach Tann ging. Er starb am 3. November 1794 in Steinbach im Alter von 68 Jahren und zwei Monaten. Laut Kirchenbuch war er 21 Jahre Organist und 18 Jahre Kantor.

 

Friedrich Wiegand: 1769 bis 1799

Der Sohn des Schulmeisters in Herges, Friedrich Wiegand, erhielt wohl im Jahre 1769 die Organistenstelle. In 30 Jahren hat er sich um Schule und Musik „vorzüglich verdient gemacht“. Als er am 20. Februar 1799 im Alter von 58 Jahren starb, da sagte der Kantor Rommel bei der Beerdigung von seinem Kollegen: „Ein Lehrer, Orgelspieler, Schönschreiber, Klavierkünstler, der seinesgleichen sucht, ein liebreicher, aufrichtiger, dienstfertiger Freund!“ Mit Rücksicht auf seine Witwe und die zum Teil noch minderjährigen Kinder wurde sein ältester Sohn ohne vorherige Probe mit dem Schuldienst betraut.

 

Peter Wiegand: 1799 bis 1824

Zur Unterstützung seiner Mutter und der zum Teil noch minderjährigen Geschwister wurde Johannes Peter Wiegand ohne vorherige Probe mit dem Schuldienst betraut. Der Gemeinde wurde zugesichert, daß ihr dadurch aber nicht das Wahlrecht genommen werde. Wiegand hatte bei seinem Vater gelernt, war dann einige Jahre auf der Schule in Schmalkalden und dann eineinhalb Jahre Privatlehrer in Chemnitz.

Die Nachricht von der Krankheit des Vaters erreichte ihn, als er gerade in Leipzig war. Trotz der schlechten Witterung reiste er gleich heim, traf aber seinen Vater nicht mehr lebend an. Er legte eine Probe in der Schule und in der Kirche (Lesen, Musik) ab und wurde als Einziger vorgeschlagen und am 26. Februar ohne Gegenkandidat und ohne Gegenstimme gewählt. Am  8. März erhielt er die Stelle. Er war ein Jugendfreund Wilhelm Friedrich Habichts.

 

Man warf ihm aber später vor, er besuche täglich die Wirtshausgesellschaft. Er aber wandte dagegen ein: Ich bin wie alle Organisten vorher ein Vertreter der Obrigkeit bei drei Zünften. Diese haben eine Gesellschaft gebildet, die in einem Nebenraum des Wirtshauses zusammenkommt. Ich sehe es als den ersten und schönsten Beruf des Lebens an, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und mir nach vollendetem Tagewerk das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Ich habe aber niemals meine Pflicht verletzt oder Schulstunden versäumt. Der Pfarrer könne das bezeugen.

Am 19. Mai 1824 starb der Organist Peter Wiegand im Alter von 45 Jahren und hinterließ Frau und fünf Kinder. Die Steinbacher wollten die Stelle seinem ältesten Sohn Johannes Wiegand übertragen, der einmal Orgelbauer lernen wollte. Aber nach Meinung des Inspektors Kümmel kann ein junger Mann von 17 Jahren nicht die Schulstelle erhalten. Am 28. August lehnte dann auch die Regierung das Gesuch von 329 Steinbachern, die sich für Johannes Wiegand einsetzten, ab.

 

Christoph Ammenheuser: 1824 bis 1825

Bei der Wahl am 8. August erhielten David Christian Schatt aus Springstille 33 Stimmen, Balthasar Fuchs aus Unterschönau 18 Stimmen und Christoph Ammenheuser aus Marburg nur 4 Stimmen. Weitere vier Bewerber standen zur Wahl. Viele Einwohner gingen jedoch ohne Stimmabgabe wieder davon, weil sie nicht für Johannes Wiegand stimmen durften.

Am 11. September wurde Christoph Armenhäuser, der vorher Waisenlehrer in Marburg war, in Steinbach angestellt und am 11. Oktober verpflichtet. Doch er starb im August 1825. Danach bemühte sich Johannes Wiegand noch einmal um die Stelle und wollte auch die Einkünfte eines Vierteljahres an die Witwe abtreten, aber er kam auch diesmal nicht zum Zug.

 

Christian David Schatt:  1826 bis 1832

Ab Mai 1826 erhielt der Springstiller Lehrer Christian David Schatt die Stelle, der bei der Wahl vor zwei Jahren die meisten Stimmen erhalten hatte. Über ihn ist sonst weiter nichts bekannt. In den Turmknopfurkunden wird er als dritter Lehrer bezeichnet, der Kantor als zweiter Lehrer. Der erste Lehrer war dann wohl der Pfarrer, der gewissermaßen Schulleiter und Schul-Inspektor war. Er ist 1832 verstorben ist.

 

Gottfried Wilhelm: 1833 bis

Der als Aushilfslehrer und Kantor in Rinteln angestellte Herr aus Springstille wurde zum Organisten und Elementarlehrer in Steinbachbestätigt und hat am 29. September 1833 seinen Dienst angetreten.

 

 

Kantoren in Steinbach-Hallenberg

 

Am 24. Juni 1676 starb Herr Valentin Buchhammer. An seine Stelle kam Herr Jacobus Lang, Student der Theologie aus Schmalkalden. Diesem hat man den Titel „Kantor“ verliehen.

 

Jacobus Lang: 1676 bis 1699

Um die Besetzung dieser Lehrerstelle gab es einen ausgedehnten Streit. Am Sonntag vor Jacobi hatten die Zwölfer zunächst mit Pfarrer Avenarius gesprochen und dann im Wirtshaus beschlossen, keine Studenten zu nehmen, denn der trachte ja doch nur nach einer Pfarrstelle und kümmere sich weniger um die Schule. Sie wollten gern den Lehrer Rohr aus Trusen (heute: Trusetal) oder den Lehrer Beiersbach aus Asbach haben.

Als sie aber mit diesem Vorschlag zu dem lutherischen Inspektor Neunesius kamen, war der mit dem Asbacher gar nicht zufrieden; wahrscheinlich weil er zu sehr den Reformierten zuneigte. Auch Rohr hatte eine reformierte Frau und wollte angeblich auch gar nicht nach Steinbach. Der lutherische Inspektor wollte gern einen von zwei Theologiestudenten als Lehrer haben.

 

Avenarius sollte die Gemeinde überreden bzw. sie gar nicht erst zum Wählen kommen lassen. Er schlug den Zwölfern die Studenten Anders Merckel und Jacob Lang vor, der bei seinen Kindern Hauslehrer gewesen war. Ohne Wissen der Gemeinde schickte er sie zum Probesingen.

Pfarrer Matthäus Avenarius aber hatte einen anderen Favoriten, einen Schulmeister Leffler. Den wollte er zu seinem Schwiegersohn machen. Leffler hatte auch schon angekündigt, er würde eine (!) der Töchter des Pfarrers heiraten. Einige Gemeindeglieder baten dann doch mit Zustimmung des Pfarrers Avenarius eine gewissen Leffler, sich zur Probe zu stellen. Avenarius ließ durchblicken, daß er für Leffler sei, einen Theologiestudenten, von dem es aber hieß, er wolle nach Tabarz gehen.

Dagegen protestierte aber wieder der reformierte Pfarrer Riesner: Ein Theologe würde den lutherischen Pfarrer zu sehr entlasten. Ohne ihn müßte Avenarius vielleicht den Frühgottesdienst sein lassen, wenn die Reformierten den Hauptgottesdienst haben. Die Leute wünschten das sowieso. Aber durch Pfarrer Avenarius, der ein „rechtes Hindernis des Wachsens der reformierten Religion ist“, konnte das bisher verhindert werden. Zusammen mit seinem Sohn (dem Organisten), seinem Schwiegersohn (dem Lehrer), deren Frauen und Kinder könnten sie bei Festlichkeiten einen ganzen Tisch besetzen. Es würde ein starkes lutherisches Kleeblatt entstehen. Das würde ihn noch mehr geneigt machen, bei solchen Zusammenkünften die Reformierten zu beschimpfen (der Organist war ja ein Sohn des Pfarrers).

Jedenfalls kam die Gemeinde in diesem Fall nicht ganz zu ihrem Recht, aus zwei Kandidaten für das Amt des Lehrers einen auswählen zu dürfen. Inspektor Neunesius meinte dazu, es sie sowieso nicht möglich, jedem Einwohner einen Schulmeister nach seinem Geschmack zu stellen; der Pfarrer müsse darauf sehen, daß die Gemeinde erst gar nicht zu einem echten Wählen kommt, ,,denn sie verstehen von der Sache nichts“. Man war dann schließlich mit Leffler und Lang zufrieden.

Am 3. August waren sie beim reformierten Inspektor. Sie hatten aber nur ein Schreiben des lutherischen Inspektors dabei. Deshalb erhielten sie keine Bestätigung. Sie gingen aber doch nach Kassel (sicherlich zu Fuß) und erhielten sechs Taler als Reisegeld. Doch sie kamen unverrichteter Dinge zurück, weil ihnen die Bestätigung durch die Gemeinde (,,Präsentation“) fehlte. Montagabend meldeten sie sich wieder bei Pfarrer Avenarius.

Der schickte am Dienstag zwei Zwölfer und den Vorsteher Hans Ritzmann zum lutherischen Inspektor, der ein Präsentationsschreiben aufsetzte. Aber Inspektor Neunes wollte unbedingt den Leffler haben, erst in zweiter Linie den Lang. Er setzte ein Präsentationsschreiben auf und das Präsentationsschreiben legten sie dem Amtsschultheiß vor.

Amtsschultheiß Zielfelder aber drang darauf, daß die Gemeinde erst gefragt wurde. Er fragte sie, ob sie das denn auf ihr Gewissen nehmen wollten, wo doch die Gemeinde überhaupt nichts davon weiß. Da wünschten sie, daß die Gemeinde noch am Dienstagabend zusammengerufen werde. Doch bei der eilig zusammengerufenen Versammlung teilte Hans Ritzmann nur mit, der Truser Schulmeister habe abgelehnt und der Asbacher sie nicht geeignet. Die Gründe dafür könne er nicht nennen, sie müßten nun bei den vorgeschlagenen Studenten bleiben, der Brief sei nun einmal ausgefertigt.

Es waren aber nur einige Anhänger des Pfarrers Avenarius da, sonst nur Kinder und einige Frauen, etwa 20 Leute. Als Bürgermeister Ritzmann rief: „Wenn ihr mit Leffler zufrieden seid, so sagt ja!“ da riefen einige Kinder zum Spott „Ja!“ Das war die ganze Wahl. Weil die Reformierten protestierten, führte Inspektor Lucan selber eine Wahl durch, die eine große Mehrheit für Leffler und Lang ergab. Ritzmann aber lief zum Pfarrer und berichtete, die ganze Gemeinde habe für Leffler gestimmt.

Als am 28. August noch einmal eine genaue Untersuchung durch den Inspektor Lucan vorgenommen wurde, stimmte aber die große Mehrheit für Leffler und Lang: Weil sie ja doch keinen der beiden zunächst vorgeschlagenen Kandidaten haben könnten, wollten sie für diese beiden gelehrten Leute stimmen. Sie wollten dem Inspektor und dem Pfarrer nicht widersprechen, weitere Unkosten vermeiden und nun doch einen ,,Gebildeten" haben, der sie nicht mehr kostet, bei dem aber die Kinder mehr lernen. Außerdem waren die zwei schon in Kassel gewesen und hätten sich vorgestellt.

Leffler wurde dann aber doch nicht genommen, weil er offengelassen hatte, ob er beim reformierten Gottesdienst singen werde. Das und der Katechismusunterricht für die reformierten Kinder war aber die Vorbedingung für diese Stelle. So wurde dann Jacobus Lang aus Schmalkalden bestätigt.

Lang erhielt also den Titel ,,Kantor" und wurde am 17. September eingeführt. Aus dem Kirchendiener“ wird also der „Kantor“, dessen Hauptaufgabe aber weiterhin die Schule ist. Seine Tätigkeit wird nur im Rang gehoben. Die Gemeinde darf weiterhin zwei Bewerber wählen, von denen dann das Konsistorium einen in das Amt beruft.

Lang war ein guter Musiker, schrieb eine schöne leserliche Handschrift. Er ließ sich auch dann und wann als Prediger hören. In der Unterhaltung und im menschlichen Umgang war er überaus liebreich und wurde von vielen wegen seiner Freundlichkeit, Dienstwilligkeit, Leutseligkeit und Höflichkeit geliebt. Er starb am 12. März 1699, nachdem er 24 Jahre in Steinbach gedient hatte, im Alter von 49 Jahren.

Mit den Reformierten vertrug er sich allerdings nicht so gut. Als Georg Reumschüssel 1685 auf dem Weg von Herges nach Unterschönau erfroren war, soll Lang gesagt haben: „So muß es allen ergehen, welche reformiert werden!“ Sein eigener Schwager Johann Friedrich Wachs hat es dann dem reformierter Pfarrer Riesner erzählt.

 

Andreas Doles: 1699 bis 1720

Der Sohn eines Schmalkalder Bürgers erscheint in der Chronik Avenarius unter dem Namen „Dohleß“ (auch „Dohles“). Er durchlief in Schmalkalden die Klassen der Stadtschule und machte dabei noch Schreibarbeiten für Inspektor Neunesius. Weil er ein guter Musiker und fromm war, machten ihn die Dillstädter zu ihrem Lehrer (Dillstädt zwischen Suhl und Meinigen). Nach einem Jahr wurde er schon nach Walldorf (an der Werra) berufen und blieb dort sieben Jahre. An Palmarum 1699 legte er in Steinbach die Probe im Singen ab und wurde an Karfreitag vom Zwölferstuhl, den Kirchenältesten und Schultheißen der eingepfarrten Dörfer vorgeschlagen, von den Inspektoren D. Ortolph Neunesius und M. Johannes Wilhelm Pforr bestätigt, und danach in Steinbach eingeführt. Im Jahr 1716 bekam er einen sonderbaren Anfall, so daß ihm die Sprache einigermaßen verfiel und das Gehör zum größten Teil verging. Daher sah er sich genötigt, seinen Herrn Sohn von Jena holen zu lassen, um ihm im Amt beizustehen. Am 28. April 1720, vor dem Sonntag Kantate, starb er sanft im Alter von 58 Jahren.

 

Johann Heinrich Doles: 1720 bis 1768:

Am 18. November 1718 wurde dem Kantor Andreas Doles sein Sohn Johann Heinrich Doles mit der Hoffnung auf Nachfolge beigegeben. Der Vater mußte aber alle Kosten für ihn tragen.

Nach dem Tode des Vaters übernahm er dann auch das Kantorat. Er wurde in Walldorf geboren und erhielt seine Ausbildung im Steinbacher Pfarrhaus durch die Studenten Hochhaus und nach dessen Weggang bei dem Theologiestudenten Johann Adam May.

 

Von 1709 bis 1713 besuchte er die Stadtschule in Schmalkalden und ging ab 13. Mai 1713 (Ostern) nach Jena auf die Universität. Von dort ließ ihn sein Vater dann holen. Er war ein guter Sänger und Musiker, spielte eine „nette Violine“ und ließ sich auf Wunsch im Predigen hören. Er hat 50 Jahre sein Amt versehen.

Im Alter hatte er noch Mühe mit der Überarbeitung der Kirchenrechnungen. In der Rechnung von 1764 mußte er die Währungen getrennt voneinander halten. Aber er sagt, er sei mit der Schule schon voll ausgelastet, und nachts könne er bei Licht nicht mehr lesen und schreiben. Ab 1765 muß es dann aber doch nach der neuen Währung gehen.

In diesem Jahr erwog man auch die Schaffung einer reformierten Schule. Vor allem der Amtsschultheiß bedauerte gegenüber dem Konsistorium, daß die reformierten Kinder in die lutherische Schule gehen mußten: Sie wissen dann nicht mehr so recht, zu welcher Religion sie gehören, und die Zahl der Reformierten nähme immer mehr ab.

 

Johann Friedrich Doles, Thomaskantor:

Am 23. April 1715 wurde dem Kantor Johann Andreas Doles ein Sohn Johann Friedrich geboren, der später berühmt werden sollte. Er wurde geboren im Kantorhaus südlich der Kirche (die Angaben im Anhang des Evangelischen Kirchengesangbuchs sind falsch). Er war der jüngste von fünf Kindern des Kantors Andreas Doles und dessen Ehefrau Anna Maria Lange (Tochter des Kantors Lang?). Als der Vater 1720 nach langer Krankheit starb, wurde sein Sohn Johann Heinrich sein Nachfolger und der Ernährer der Familie.

Er nahm sich auch seines jüngsten Bruders Johann Friedrich ,,aufs herzlichste“ an und gab ihm den ersten Unterricht in den Grundlagen der lutherischen Glaubenslehre, der lateinischen Sprache und des Klavier-und Violinspielens. Schon früh zeigte sich seine gute sängerische Begabung und Veranlagung

Sein ältester Bruder Johann Heinrich war also sein erster Lehrer. Vom zwölften Lebensjahr an besuchte er die Schule in Schmalkalden. Obwohl er erst 15 Jahre alt war, wurde er für das vakante Stadtorganistenamt vorgesehen und spielte während der Vakanz auch ein Jahr die Orgel. Den Ratschlägen seines Bruders folgend siedelte er nach sieben Schmalkalder Jahren auf das Gymnasium in Schleusingen über, das damals in ausgezeichnetem Ruf stand.

Einer seiner Lehrer schrieb über ihn, er sei „bey seiner Musik zugleich ein Freund anderer Wissenschaften“, was er oft laut geäußert habe. Er kam gleich in die Prima, also die oberste Klasse, weil ihn der Direktor Walch dafür reif erklärte. Zunächst war er Tenorkonzertist im ersten Chor, dann eineinhalb Jahre später rückte er zum ersten Chorpräfekten auf. Bereits in Schleusingen legte er seine Fundamente im Komponieren.

Mit 23 Jahren beendete er seine Ausbildung in Schleusingen und ließ sich im Sommersemester 1739 an der Universität Leipzig einschreiben. Er belegte philosophische Vorlesungen bei Gottsched und Johann Heinrich Winkler, dazu Mathematik, Geschichte, Hebräisch. In der Musik lernte er vor allem bei Johann Sebastian Bach, der ihn am Ende seiner Studienzeit nach Salzwedel empfahl. Im Jahre 1743 trat er als Pianist öffentlich auf.

 

Ab 17. August 1744 ging er als Kantor nach Freiberg. Hier war er Lehrer und als solcher dem Rektor der Schule untergeben; aber er war auch Kirchenmusikdirektor und als solcher selbständig. In Freiberg ist er sicher auch mit dem berühmten Orgelbauer Gottfried Silbermann zusammengetroffen, der ihm ein Pianoforte geschenkt haben soll.

Nach zwölf Jahren als Kantor in Freiberg wurde er am 30. Januar 1756 als Kantor an der Thomaskirche in Leipzig eingeführt, nachdem ihn bereits am 19 November 1755 das Konsistorium bestätigt hatte. Gleichzeitig war er Musikdirektor an beiden Hauptkirchen. Dieses Amt hatten vor ihm Johann Sebastian Bach und Johann Gottlob Harrer (gestorben am 9. Juli 1755) inne. Er trat damit in die Wirkungsstätte Johann Sebastian Bachs ein.

Viele Schüler, die von 1756 bis 1789 (als er emeritiert wurde) die Thomasschule besuchten, wußten seine musikalischen und pädagogischen Fähigkeiten zu schätzen und wirkten später in ansehnlichen musikalischen Stellungen. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer und Kantor war er auch als Komponist tätig. Er schrieb drei Passionen nach Matthäus, je eine nach Markus und Lukas und zwei nach Johannes. Eine Reformationsfest-Kantate ist von ihm erhalten und wurde schon in Steinbach aufgeführt. In seiner Musik zeigte er sich als Vertreter einer neuen empfindsamen Zeit. Im Schmalkalder Gesangbuch von 1955 ist er mit der Melodie des Liedes 429 vertreten (die dort angegebenen Lebensdaten stimmen allerdings nicht). Im Jahre 1770 wurde er auch Universitätsmusikdirektor. In den Ruhestand ging er 1789.

Im April 1789 besuchte ihn Mozart und wollte ihm gerne ein Pianoforte abschwatzen, das ihm einst Gottfried Silbermann in seiner Freiberger Zeit geschenkt hatte. Aber Doles konnte sich nicht davon trennen. Am 8. Februar 1797 starb er, fast 82 Jahre alt, in seiner Wahlheimat Leipzig.

 

In der Kirchenzeitung „Glaube und Heimat“ Nr. 17 vom 26. April 2015 würdigt Andreas Rockstroh den Kantor: „In der Musikgeschichtsschreibung des 18. Jahrhunderts begegnet uns der Name Johann Friedrich Doles im Zusammenhang mit Wolfgang Amadeus Mozarts Aufenthalt 1789 in Leipzig. Der Komponist weilte in der Stadt, um Näheres über den alten Bach von seinem Schüler Doles zu erfahren. Zu seinen Lebzeiten wurden 40 Choralvorspiele für Orgel sowie einzelne Motetten und Kantaten gedruckt. Darüber hinaus existiert eine geringere Anzahl von Autographen und Abschriften seiner Kompositionen. Er besaß eine außergewöhnliche musikalische Begabung. Er studierte 1739 an der Leipziger Universität Theologie und wurde von Johann Sebastian Bach in der „contrapunktunktischen Setzart“ gefördert.

In Freiberg, wo Doles von 1744 bis 1755 an den vier Hauptkirchen und am Gymnasium wirkte, kam es zu massiven Streitigkeiten mit dem Rektor des Gymnasiums und dem Superintendenten über den Stellenwert der Kirchenmusik. Nachdem Bachs Nachfolger, Johann Gottlob Harrer, bereits 1755 verstorben war, ließ Doles seine guten Beziehungen spielen, um das Thomaskantorat in Leipzig anzutreten, das er bis 1789 ausübte. Die restliche Zeit bis zu seinem Tode am 8. Februar 1797 nutzte er zur Verbreitung und Edition seiner Werke.“

 

Zu den Vertretern einer im 17. und 18. Jahrhundert in Steinbach-Hallenberg blühenden musikalischen Tradition zählen neben dem bereits genannten Pfarrer Matthäus Avenarius, der als Komponist von Kirchenliedern hervortrat, und Johannes Avenarius, dem Chronikverfasser, sowie Johann Friedrich Doles, dem Thomaskantor. Auch der am 6. Nov. 1670 hier geborene Sohn von Matthäus Avenarius, Johannes Avenarius, später Professor der Theologie in Gera und ein bekannter Musikschriftsteller.

Hinzu kommen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mehrere Thomaneralumnen, unter ihnen der am 19. Januar 1725 in Unterschönau geborene Kantor und Komponist Johann Martin Recknagel und der in Steinbach-Hallenberg tätige Kantor Johann Christian Usbeck. Hierher gehört auch der Sohn des Oberschönauer Schulmeisters und später nach Schweden ausgewanderte Komponist Johann Christian Häfner.

 

Besoldungsverhältnisse 1773:

Das Einkommen des Kantors setze sich wie folgt zusammen:

- Nutzung der Schulwiesen (Struth, Hermannsberg) zur Hälfte

- Aus dem Gotteskasten (= Kollekten) 10 Gulden zu je 14 Batzen

- Aus der Gemeindekasse 18 Gulden (5 für Legen der Gemeinderechnung)

 -Von jedem Gebräu Bier /2 Eimer oder 20 (Kasseler) Metzen Treber

- Zehn Klafter Tannen-Brennholz frei vor die Tür

- Anschlaggeld für Bauholz aus den Gemeindewaldungen (ein Pfennig von jedem guten Groschen Kaufpreis).

 

Das Einkommen des Organisten setzte sich wie folgt zusammen:

- Nutzung der Schulwiesen (Struth, Hermannsberg) zur Hälfte

-Aus dem Gotteskasten (= Kollekten) 10 Gulden zu 14 Batzen

- Aus der Gemeindekasse 10 Gulden oder 7 Reichstaler 24 Albus 10 Heller

- Von jedem Haushaltsvorstand („Nachbar“) 1 Batzen Opfergeld.

Dazu kamen noch die „Akzidentien“: Für den Kantor jährlich zwei Kopfstück Schulgeld von jedem Schüler, dazu für kirchliche Amtshandlungen halb so viel wie der Pfarrer. Für den Organisten auch zwei Kopfstück Schulgeld von jeder Schülerin, dazu für Amtshandlungen halb so viel wie der Kantor. Die zur Schule gehörige Wiese benutzten Kantor und Organist je zur Hälfte und entrichteten die darauf haftenden Erbzinsen und Abgaben gemeinsam.

Der Kantor erhielt darüber hinaus jährlich 5 Gulden für seine Dienste als „Gerichtsaktuarius“, der die Gemeinderechnungen aufstellen mußte. Außerdem erhielt er von jedem Gebräu Bier (die Gemeinde hatte seit 1595 die Brau- und Schankgerechtigkeit) einen halben Eimer Frischbier und 10 Klafter Feuerholz, das ihm die Gemeinde frei vor die Tür schaffen mußte. Das Schulgeld betrug für die Knaben und Mädchen jährlich zwei Kopfstücke.

 

 Weitere Kantoren in Steinbach-Hallenberg 1768 bis 1889:

Wilhelm Krah: 1768 bis 1776:

Für die freie Kantorenstelle hatte sich zunächst nur der Organist Usbeck gemeldet. Dann gab es noch vier Bewerber, die aber weit entfernt wohnten. Die Wahl wurde auf den 25. März 1768 verschoben. Dabei entfielen 119 Stimmen auf Krah, 111 auf Kirchner, 105 auf Usbeck und 38 auf Ringer.

Am 28. März beschwerte sich aber Usbeck bei den Inspektoren, es sei bei der Wahl nicht richtig zugegangen: Wahlzeit und Wahlordnung seien nicht richtig bekannt gemacht worden. Man habe keine Wahlzettel angenommen und einer hätte verbreitet, die Wahl sei schon zu Ende und die Leute könnten wieder umkehren. So hätten viele nicht mehr für Usbeck stimmen können, während seine Gegner im Ort herumliefen und noch schnell Leute zusammenholten, die für die anderen Kandidaten stimmten.

Die Kirchenältesten stellten eine Untersuchung an. Als sie das Ergebnis am 30. März bei den Inspektoren ablieferten, erschienen kurz darauf vier andere Steinbacher und übergaben eine Gegendarstellung.

Die Pfarrer jedenfalls versicherten, es sei zwei Stunden lang gewählt worden und alle Stimmen seien richtig eingetragen worden. Sie waren für eine schnelle Besetzung der Stelle.

Sie wurde vergeben an Johann Wilhelm Krah, Sohn des Braumeisters Johannes Nicolaus Krah aus Schmalkalden. Er war verheiratet mit Maria Christina, der Tochter des Schmalkalder Pfarrers Adam Balthasar Wiß.

Diese Angaben ergeben sich aus einem Hinweis Gustav Adolf Obstfelders in seiner „Chronik der Stadtkirche St. Georg zu Schmalkalden“, die Tochter des Pfarrers Wiß sei mit dem Kantor Krah aus Steinbach-Hallenberg verheiratet gewesen (Seite 16) und den Eintragungen im Kirchenbuch (Taufe eines Sohnes am 9. November 1771 und Sterbeeintrag). Durch diese Angaben kann die bisherige Lücke in der Liste der Kantoren geschlossen werden.

Krah starb im Oktober 1776 und wurde am 23. Oktober 1776 unter volkreicher Versammlung zu Grabe getragen. Es ist ausdrücklich angegeben, er sei Kantor und Kandidat für das Predigtamt gewesen. Es könnte sein, daß er nur 39 Jahre alt war. Die Leichenpredigt hielt der Pfarrer Habicht aus Springstille, die „Parentation“ der Pfarrer Fuckel aus Fambach.

 

Johann Christoph Usbeck: 1776 bis 1794:

Bei der Kantorwahl am 3. Advent 1776 erhielt der Kantor Johann Christoph Usbeck aus Tann in der Rhön die meisten Stimmen, nämlich 94. Er ist der gleiche, der von 1746 bis 1769 schon Organist in Steinbach war und schon 1768 die Kantorenstelle erlangen wollte. Auch diesmal gab es wieder Schwierigkeiten. Seine Geschicklichkeit und Tüchtigkeit im Schulwesen war allgemein bekannt. Selbst seine Gegner waren von seinem Wohlverhalten überzeugt. Es wäre gar nicht nötig gewesen, noch einen anderen Kandidaten vorzuschlagen.

Da dies aber nun einmal nach der Wahlordnung erforderlich war, hat man den Musiker Bach (wohl aus Wasungen) mit zur Auswahl gestellt. Dieser war aber im Schulwesen so unerfahren und ungeübt wie ein Junge von zehn Jahren. Dennoch sprachen einige davon, die Inspektoren könnten ihn dem Usbeck vorziehen.

Der reformierte Pfarrer Reuß setzte sich aber für Usbeck ein, weil er auf das Beste der Schule zu sehen habe: Der Mann sei kein Religionseiferer, denn wenn er ein liebloses Gemüt gegen die Reformierten hätte, so würde er gewiß an die 200 Stimmen erhalten haben; weil er aber die Reformierten so lieb habe wie die Lutherischen, habe er viele Feinde. Sie mißgönnen ihm die Kantorenstelle, bwohl diese sehr mühsam und verdrießlich ist.

Auch ein G.W. Zielfelder (ein Förster?) mußte sich gegen den Vorwurf wehren, er habe die Köhler „bei Verlust ihres Brods“ dazu bringen wollen, für Usbeck zu stimmen. Er habe sich zwar für Usbeck ausgesprochen, aber von den Köhlern haben nur vier auf ihn gestimmt, die somit nicht den Ausschlag gegeben haben.

 

Zu Usbecks Zeit ist die Knabenschule zum ersten Mal abgebrannt, in den Jahren 1786 bis 1787 wurde sie wieder neu aufgebaut: 204 Taler gab die Brandkasse, 300 Taler waren Darlehen vom Hospital in Schmalkalden und 192 Taler kamen aus dem Verkauf von Baumaterial aus der alten Schule. Die Kosten beliefen sich aber auf insgesamt 703 Taler.

Im Jahre 1788 drangen die Inspektoren mit allem Ernst darauf, daß die Kinder besser die Schule besuchen; notfalls soll der Amtsschultheiß zur Hilfe herangezogen werden. Bei der Visitation im Jahre 1794 war man auch mit den Schulen im Kirchspiel an sich zufrieden. Die Kinder waren in Lesen, Buchstabieren, Katechismus, Singen und Schreiben, zum großen Teil auch in Rechnen gut geübt.

Nur in Rotterode waren die Kinder merklich zurück. Das lag daran, daß der Lehrer Weisheit wegen eines Unzuchtfalles fortgegangen war und sein Nachfolger Langbein den Schaden noch nicht hatte ausgleichen können. Er wurde zu allem möglichen Fleiß ermahnt, den er auch versprach.

 

Neubau  nach dem großen Brand 1792:

Im April 1790 brannten neben vielen Häusern in Untersteinbach auch die beiden Schulhäuser neben der Kirche ab. Für zwei Jahre wurde zunächst Schule in der Stube im Wirtshaus gehalten. Das war wohl im Oberwirtshaus bzw. in dem daneben liegenden Malzhaus, das ab 1854 wieder als ständiger Schulraum genutzt wurde. Heute steht an der Stelle beider Gebäude die Gaststätte „Hallenburg“.

Unter der Bauleitung von Schultheiß Reinhard aus Steinbach und Schultheiß Ernst Holland-Moritz aus Rotterode wurde 1792 auch die Schule wieder aufgebaut. Das stattliche Fachwerkhaus steht heute noch dort. Das Geld kam von der Brandkasse, einer Kollekte, der fürstlichen Unterstützungskasse und dem Verkauf des übriggebliebenen Baumaterials. Für die Schule, den Holzschuppen, zwei Schweineställe und das Backhaus wurden 1.359 Taler ausgegeben.

Es wurde nur noch ein einziges Gebäude mit Wohnungen für Kantor und Organist gebaut. In der Mitte war ein Raum zur Einkehr für die „Kirchen-und Leichenleute“ aus den eingepfarrten Orten. In diesem Raum hielt ab 1841 der dritte Lehrer Schule. Als das Schulhaus 1854 zu klein wurde, fand auch Unterricht in einem Raum des Gemeinde-Malzhauses in Obersteinbach statt. Steinbach-Hallenberg erhielt endlich im 19. Jahrhundert eine dritte und vierte Lehrerstelle, der 1877 eine fünfte und 1882 eine sechste folgte. Doch erst 1841 war die Trennung zwischen Kirche und Schule vorgenommen worden und ein Elementarlehrer bestellt.

Christoph Usbeck führte die Schulkinder in die neue Schule, wobei ein von ihm verfaßtes Lied gesungen wurde. Er starb am 3. November 1794 im Alter von 68 Jahren, nachdem er zunächst 21 Jahre Organist und danach 18 Jahre Kantor in Steinbach gewesen war (Sterbeeintrag).

 

Matthäus Rommel: 1794 bis 1818

Bei der Kantorwahl erhielt Adam Valentin Volkmar aus Schmalkalden 158 Stimmen und Schulmeister Matthäus Rommel aus Herges (gebürtig aus Oberschönau) 180 Stimmen. Die Pfarrer wünschten sich Rommel, weil er schon 21 Jahre Erfahrung hatte. Er erhielt auch die Stelle nach einer entsprechenden Prüfung. Er war ein trefflicher Musiker und wohl auch ein guter Lehrer.

Bei der Visitation 1799 war man mit beiden Schulen wohl zufrieden. Die 137 Knaben und 151 Mädchen bestanden im Singen, Lesen, Buchstabieren und Schreiben sehr gut. Vor allem die älteren Kinder waren sehr geübt und wußten gleichlautende Worte (wie Kram-Gram, Macht-Magd) prompt zu unterscheiden. Auch an der Mädchenschule konnten fast alle Kinder schreiben. Dafür wurden Lehrern und Lindern Lob und Zufriedenheit bezeugt.

Auf den Dörfern war das Ergebnis nicht gleich gut. Aber man konnte doch zufrieden sein und keine Schule wurde als schlecht befunden. Es gab überall einige Kinder, die die Schule versäumten. Der Lehrer von Unterschönau klagte, daß das Schulgeld so schlecht einginge. Den Pfarrern wurde das Nötige in diesen Sachen aufgegeben. Auch mußten sie die Besoldungsstücke (nicht nur deren Ertrag) noch einmal genau aufführen.

 

Im Jahre 1800 hatte Rommel einen heftigen Streit mit dem Organisten Wiegand, dessen Mutter er angeblich beleidigt hatte. Daraufhin ließ ihn der Organist nicht mehr an die Orgel und in die Käfige neben der Orgel, wo die Instrumentenbläser und die Pauken ihren Platz hatten. Bei Beerdigungen hat er einige Knaben gezüchtigt, obwohl Rommel selber anwesend war. Er hat sich nicht nach den Liedern erkundigt, die gespielt werden sollten, und war auch nicht zu Vertretungsdiensten bereit.

In der Gemeinde entstand Ärgernis. Rommel wollte nicht zusammen mit dem Pfarrer und dem Organisten zum Abendmahl gehen, so daß dieses erst noch verschoben wurde.

Die Inspektoren mahnten am 6. Mai 1800 zur Eintracht und machten den Einigungsvorschlag: Der Organist muß die Orgel verschließen, aber der Kantor braucht auch einen Schlüssel, weil er als Vorsänger auf die Orgelempore muß. Der Organist darf die Kinder nur strafen, wenn der Kantor nicht anwesend ist oder mit der Beerdigung beschäftigt ist. Wenn die Lieder angeschrieben sind, braucht der Organist nicht zu fragen; wenn der Kantor aber eine Ausnahme machen will, dann muß er dies dem Organisten sagen.

 

Georg Rommel: 1818 bis 1833

Die freie Kantorenstelle wollt man zunächst dem Organisten anbieten, fürchtete aber, dann keinen so guten Organisten erhalten zu können. Dann verfiel man auf Georg Rommel, den Sohn des verstorbenen Kantors, Finanzsekretär des Freiherr von Spiegelschen Oberrentmeisters Lohnmann zu Uebelngönne (bei Warburg in Westfalen) („Övelgönna“).

Es fanden sich dann noch mehrere Kandidaten, die eine Probe ablegten mit Singen in der Kirche, Aufführen einer Musik, Vorlesen einer Predigt und Schule halten. Am Sonntag Rogate, dem 26. April 1818, war Georg Rommel dran. Er sang gut vor und führte eine selbstkomponierte kunstvolle Musik auf. Die Predigt trug er mit gutem Anstand ohne Gesten vor, mit vernehmlicher und modulierter Stimme.

Am Himmelfahrtstag, dem 30. April, wurde von 15 bis 18 Uhr in der Knabenschule gewählt. Die beiden Pfarrer nahmen die Stimmen in je einer Liste entgegen und protokollierten. Schatz aus Rotterode erhielt 139 Stimmen, Rommel 292. Diese beiden wurden den Inspektoren vorgeschlagen.

Die Pfarrer baten darum, die Stelle noch vor Pfingsten zu besetzen. Doch Rommel sollte erst noch Zeugnisse beibringen, daß er nicht mehr zum Militär eingezogen würde und daß er sich im Ausland so aufgeführt habe, daß man ihm eine solche Stelle übertragen könne. Das Attest, daß er nicht mehr militärpflichtig sei, übersandte er am 15. Mai, weil er 1788 geboren war. Das polizeiliche Führungszeugnis aber würde er erst in einigen Wochen erhalten können. Er war etwas gekränkt, daß man so etwas von ihm verlangte, wo er doch von Steinbach stamme und allezeit dort bekannt war.

Auch Pfarrer Habicht setzte sich am 19. Mai für ihn ein: Amtmann Faust habe ihn wegen seiner Geschicklichkeit im Rechnen und Schreiben an den Rittmeister Lohrmann in Übelgönna vermittelt. Dann war er als geschickter Musiker einige Jahre in Paderborn angestellt gewesen. Wegen seines guten Rufs holte man ihn vor einigen Jahren nach Minden. Er ist kein Fremder in Steinbach, sondern bei einem Besuch ging er auch zum Abendmahl. Die Inspektoren verlangten die Zeugnisse, weil man ihn wohl schlecht gemacht hatte. Nachdem die Zeugnisse eingegangen waren, konnte am 23. Juni in Schmalkalden die Prüfung vorgenommen werden. Rommel wurde verpflichtet und angestellt. Am 30. Juni wurde er in Gegenwart der Schultheißen und Kirchenväter den Kindern vorgestellt. Er wurde Zweiter Lehrer der Oberklasse an der 1828 hier von Kurfürstlicher Regierung neu organisierten Schule.

Rommel war in seiner Zeit als Komponist in weiteren Kreisen bekannt. Nun mußte er in der Schule seinen Mann stehen. Am 29. Mai 1818 war gleich die erste öffentliche Schulprüfung in der Kirche, zu der etwa 500 Kinder aus dem ganzen Kirchspiel kamen, etwa 60 fehlten. Unter Glockengeläut wurden die Kinder von ihren Lehrern in die Kirche geführt. Es wurde gesungen „Hört ihr Eltern, Christus spricht“.

Der reformierte Pfarrer sprach über Anlaß und Zweck dieser Feierlichkeit und schloß mit einem kurzen Gebet. Dann sangen die Kinder ohne Begleitung „Mein Jesu, gib Gnade“. Danach war ein Lehrer nach dem anderen mit dem Examen dran.

Begonnen wurde mit einem Gesang, entweder die Klasse gemeinsam oder auch ein Kind allein. Danach wurde gelesen und eine Katechese gehalten, teils über einen biblischen Abschnitt, teils über eine einzelne Wahrheit. Wer dazu nicht imstande war, mußte den Katechismus aufsagen. Mitunter stellten auch die Pfarrer einzelne Fragen und gaben Erläuterungen. Dann wurde geschrieben und gerechnet. Weil nicht alle Kinder in der Kirche Platz hatten, mußten die Kleineren zunächst in der Schule warten. Nach der Prüfung wurde gesungen „Nun gottlob, es ist vollbracht“. Der lutherische Pfarrer hielt eine Schlußrede, in der er Lob und Tadel austeilte und Eltern, Lehrer und Kinder an ihre Pflichten erinnerte. Nach dem Gottesdienst erhielten die Kinder an der Schule zur Aufmunterung Brezeln, die von dem eingesammelten Opfer und zwei Gulden aus der Kirchenkasse bezahlt wurden. Außerdem gab es eine Woche Schulferien.

Nach Pfingsten 1819 wurde nach einer neuen Verordnung mit der „Sommerschule“ begonnen. Nun wurde wöchentlich viermal am Morgen Schule gehalten. Viele waren aber damit nicht zufrieden und murrten dagegen, weil sie ihre Kinder zur Arbeit brauchten. Im Sommer wurde um 6.30 Uhr und im Winter um 7.30 zur Schule geläutet. Im Jahre 1819 klagte Rommel über ständige Geldverlegenheit, weil die Leute so arm sind, daß sie kaum Schulgeld zahlen. Nachdem schon seinem Vater eine Kuh gestorben war, passierte ihm nun das Gleiche. Er hatte ja auch noch seine Mutter zu unterhalten. Einige Kartoffeln von zwei kleinen Grundstücken sind die einzigen Lebensmittel, die sie noch haben. Im Jahre 1821 wollte man zunächst das Bier mit einer Steuer belegen, wies dann aber doch den Amtsschultheiß an, das Schulgeld unnachgiebig einzutreiben.

Dennoch hatte Rommel offenbar Geld, um zusammen mit dem Organisten Wiegand und dem Kantor Fuldner aus Herges in einem Oberstübchen des Wirtshauses in geschlossener Gesellschaft zu trinken. Die Lehrer waren der Meinung, an einem solchen unschuldigen Vergnügen könne die Gemeinde doch keinen Anstoß nehmen. Rommel habe man sogar schon vorgeworfen, er sei zu stolz, weil er die Gesellschaft nicht besuche, zu der die angesehensten Männer Steinbachs gehören. Wenn sie ihren schweren Beruf nach Kräften erfüllt haben, dann dürften sie sich auch in der Art erholen, wie es in Steinbach üblich sei.

Anfang 1819 kam es dann im Wirtshaus zu einem Vorfall, der zu einer Beschwerde führte. Weil oben nicht geheizt war, saßen sie unten in einem Nebenzimmer, von dem aus man aber wegen des schadhaften Ofens in die allgemeine Wirtsstube sehen konnte. Dort randalierten zwei Betrunkene, so daß Scheiben und Biergläser zerbrachen und beide bluteten. Der Organist Wiegand versuchte, die auseinanderzubringen, indem er sie mit Wasser aus dem Ofen bespritzte. Einer der Säufer aber beschimpfte den Kantor Rommel, weil er meinte, der habe ihn bespritzt. Als Rommel in die Wirtsstube ging, um alles zu klären, fielen die beiden Streithähne gemeinsam über ihn her. Da hat Rommel die beiden Betrunkenen mit dem Stock geschlagen, wie er das sonst mit den Schulkindern zu tun pflegte. Es war für ihn Notwehr, denn er hätte kein Geld gehabt, um einen Prozeß zu führen. Kantor Rommel starb am 24. November 1833.

Ein besonderes Licht auf die schulischen Verhältnisse jener Zeit werfen die Kirchenaustrittserklärungen der Altlutheraner im Jahre 1874 und später. Dabei unterschrieben viele nur mit drei Kreuzen. Sie waren allerdings alle über 50 Jahre alt. Es gab aber auch einige Ältere, die mit ihrem vollen Namen unterschreiben konnten.

 

Die Pflichten eines Kantors:

• Pünktliches Schulehalten von 7 bis 10 und von 12 bis 14 Uhr (dabei von 12 bis 13 Uhr eine unentgeltliche Singstunde)

• Alle 14 Tage Kirchenmusik, die vorher mit dem Schülerchor und den Dorfschullehrern zu proben ist

• Etliche Stunden Rechnen pro Woche in der Schule, Privatstunden in Rechnen und Musik gegen besondere Bezahlung

• Unbekanntere und neue Melodien einüben, Singen auf dem Turm an Ostern und Christtag, Gesang bei Begräbnissen

• Fehlende Schüler holen lassen, Besuche der Kirchenväter in der Schule zulassen

• Aus dem Lesebuch und dem Katechismus auswendig lernen lassen und in der Kirche zu gewissen Zeiten aufsagen lassen

• Nach der Uhr sehen und sie nebst den Glocken einzufetten, wegen der Größe des Orts lange läuten lassen

• Anwesenheit bei Taufen (neben dem Beichtstuhl), auf das Opfer der Kindbetterin in der Kirche achten

• Nach dem Gottesdienst die Kinder beobachten, daß sie stille nach Hause gehen, ohne Lärm und Unfug

• Darauf achten, daß die Schulknaben die Kirche reinigen und bei den Wochengottesdiensten das Opfer einsammeln

• Nicht beim Gottesdienst aus der Kirche gehen mit Ausnahme der Wochengottesdienste, wo ja Schule zu halten ist

• Die älteren Schüler am Montag nach der Predigt fragen und zur Aufsicht über die kleineren Kinder in der Kirche anhalten

• Gute Harmonie mit dem Organisten und kein öffentliches Kartenspiel in den Wirtshäusern.

 

Jakob Münch: 1834 bis 1871

Kantor Rommel war am 24. November 1833 gestorben. Die letzte Zeit seines Lebens war allerhand Unordnung in der Schule eingerissen. Im Jahre 1832 hatte schon einmal der Schulamtskandidat Münch aus Brotterode die Schule übernommen. Auch 1834 wurde er wieder gefragt, nachdem zunächst Pfarrer Kümmel am 8. November allen Unterricht übernommen hatte. Den Kirchendienst übernahmen abwechselnd die Schullehrer aus den Dörfern des Kirchspiels.

Die Stelle wurde endgültig besetzt mit Jakob Münch aus Brotterode, der aus fünf Meldungen (darunter der Steinbacher Organist) ausgewählt wurde. Seine Prüfung hatte er am 3. Juli 1833 mit „gut“ bestanden. Am 4. Februar 1834 kam er nach Steinbach und wurde am 13. März (oder 13. Mai) angestellt. Am 17. Juni wurde er verpflichtet und zu einem guten Verhältnis zum Organisten ermahnt.

Sein Diensteinkommen wurde auf 250 Taler festgesetzt. Das Neujahrssingen wurde Anfang 1834 abgeschafft. Auf Vorschlag der Pfarrer wurde auch eine Dienstanweisung für den Kantor erstellt. Darin wurde genau sein Verhältnis zum Organisten beschrieben, um Verdrießlichkeiten und Auftritten vorzubeugen.

Am 7. November 1834 wurde diese Anweisung nach Steinbach gesandt. Am 24. August 1836 wurde sie noch einmal durchgesehen und am 30. März 1847 sogar ein gedrucktes Exemplar übersandt.

Jakob Münch war ein tüchtiger Musiker, hauptsächlich im Violinspiel. Er wurde 1871 pensioniert und starb 1881. Das war etwas Neues, daß ein Lehrer seine Stelle nicht bis zum Tode innehatte, sondern schon vorher in den Ruhestand gehen konnte.

Im Jahre 1837 wurde in Steinbach-Hallenberg - gleichzeitig mit Brotterode - eine Handwerkerschule gegründet, während es in Schmalkalden schon seit 1816 eine solche Schule gab.

 

Friedrich Schlag: 1871 bis 1899

Der frühere Steinbacher Organist und spätere Altersbacher Lehrer Friedrich Schlag bewarb sich 1871 (als Einziger?) um die Kantorenstelle in Steinbach-Hallenberg und wurde am 1. Oktober ohne Wahl eingesetzt. Er wurde als Ornithologe (Vogelkundler) in weiteren Kreisen bekannt. Er besaß alle damals erhältlichen Vogelbücher. Er war ein eifriger und gut unterrichteter Vogelkundiger, der mit Aufsätzen in der Fachliteratur hervortrat.

Einem Vogel (Dompfaff?) hatte er das Lied beigebracht „Heil dir im Siegerkranz“. Diesen Vogel schenkte er dem Kaiser. Dieser gab ihn aber nach vier Wochen wieder zurück mit einem Geldgeschenk von 100 Mark. Der Vogel hieß „Hans“ und sagte am Schluß seines Vortrags immer noch dazu: „Gut gemacht, Hans“. Davon wurde damals in den Zeitungen berichtet.

Schlag war von 1871 bis 1889 Kantor in Steinbach-Hallenberg. Im Jahre 1878 kam es zu einer Krise im Gesangverein in Steinbach-Hallenberg, als der Dirigent Kantor Schlag wegen „unangenehmer Erlebnisse“ mit dem Vorsitzenden sein Amt niederlegte. Der Chor war aber bereit, weiter im Gottesdienst zu singen, wenn man sich mit den Mitgliedern des Gewerbevereins einigen könnte (wohl über gemeinsame oder abwechselnde Aufführungen). Am 22. Februar 1885 erschienen nur fünf Sänger auf der Chorempore der Kirche, weil sie allein in der Übungsstunde gewesen waren. Es konnte nur die Eingangsliturgie gesungen werden, nicht die Abendmahlsliturgie. Pfarrer Obstfelder entzog dem Chor das Recht, im Gottesdienst und bei Beerdigungen zu singen. Er gründete einen anderen gemischten Kirchenchor unter Leitung von Kantor Schlag (12 Männer, 12-14 Knaben).

 

Mädchenklasse 1877 mit Kantor Schlag

 

 

Lehrer auf den Dörfern

 

Altersbach ab 1757:

Die Schulstelle in Altersbach wurde von Pfarrer Matthäus Avenarius eingerichtet, der von 1662 bis 1692 in Steinbach wirkte. Bekannt als Lehrer ist der Name von Johannes Holland-Merten, der 1732 nach einjähriger Ehe mit der Tochter des Kirchenvaters Kaufmann mit 23 Jahren starb. Sein Nachfolger wurde 1733 Johannes Kirchner. Im Jahre 1750 war Heinrich Häfner der Lehrer, der dann nach Oberschönau ging. Als er sich dort vorstellte, hielt sein Bruder Johann Michael in Altersbach den Lesegottesdienst. Die Altersbacher wollten ihn gern als Lehrer haben, aber er ging an die Universität Rinteln.

Im Jahre 1753 wollte Pfarrer Habicht den Lehrer Scherlitz aus dem Gothaischen nach Altersbach setzen. Er sah die Stelle als eine Privatlehrerstelle an, die allein seine Sache sei. Er ließ zwar verschiedene Personen die Probe ablegen und auch wählen, setzte aber den Lehrer selber ein. So war es teilweise auch in Rotterode und Unterschönau. Die anderen Lehrer aus dem Kreis beschwerten sich aber, weil genügend Bewerber aus dem Kreis da wären, vor allem Lehrerskinder, die wegen der hohen Kosten kaum ein Handwerk lernen könnten. Es würde erfahrenen Leuten aus dem Kreis der Unterhalt genommen, der in Altersbach nicht so gering sei.

Der reformierte Inspektor hat erst davon erfahren, als Scherlitz sich bei ihm vorstellte. Er forderte, daß er wie jeder andere Lehrer aus dem Kreis ordentlich von der Gemeinde präsentiert wird. Der lutherische Inspektor wollte sich nicht hineinhängen und sagte, es handele sich dort nur um einen ,,Präceptor“. Doch das war nur ein anderes Wort für ,,Lehrer“, es waren ja auch alle Lehrerdienste zu übernehmen. Habicht dagegen argumentierte: Altersbach ist ein eingepfarrtes Dorf, das seine Kinder in die Schule nach Steinbach schicken muß.

Weil der Weg aber weit ist und im Winter von den Kindern kaum zu passieren ist, hat das Dorf seit 70 oder 80 Jahren sich einen Privatlehrer gehalten. Sie konnten ihm aber nur so wenig geben, daß nur eine einzige Person mit größter Not davon leben konnte. Oftmals hat sich aus diesem Grund gar keiner gemeldet.

Den Lehrer Gotthard aus Barchfeld, der sich jetzt beschwert, hätten sie mit Frau und Kind nicht ernähren können. Außerdem konnte er schlecht lesen und hat versucht, den Kirchenvater durch einen Malter Gerste zu bestechen. Scherlitz dagegen war mit 30 Reichstalern im Jahr zufrieden. Und zusätzlich erhielt er Essen reihum in den Häusern. Er war in Rechnen, Schreiben, Lesen und Musik wohl erfahren.

Der Pfarrer hatte ihn zunächst mehrfach abgewiesen, weil er kein Landeskind sei. Aber die Altersbacher bestanden auf ihm. Da schickte er ihn ins reformierte Pfarrhaus, wo gerade der reformierte Inspektor war. Der hat ihn geprüft und war mit ihm zufrieden. Da hat er mit der Schule begonnen. Das Konsistorium forderte aber am 22. Januar 1754, daß jeder Schulmeister von den Inspektoren geprüft und bestätigt werden muß. „Ohne Prüfung und Erlaubnis kann keiner Schulmeister sein oder Betstunde halten!“

Auch die „Präceptoren“ seien als ordentliche Schulmeister zu betrachten. Die Altersbacher haben sich zwar noch einmal an den Landgrafen direkt gewandt, aber wohl nicht Recht bekommen. Scherlitz war dann drei Jahre Lehrer und wurde am 25. September 1756 auf eigenen Wunsch entlassen. Anfang der Sechziger Jahre weigerten sich die eingepfarrten Orte, zu den Kosten der Schule in Steinbach beizutragen, wurden aber 1764 durch den Amtsschultheißen dazu gezwungen.

Im Jahre 1772 trat der alte Streit um die Besetzung der Lehrer stelle noch einmal auf: Die Altersbacher Kirchenväter hatten sich den Lehrer Reinhard aus Rotterode geholt. Man hat die Glocken geläutet, die Einwohner kamen zusammen, der Kirchenvater Kauffmann gab Reinhard die Hand und wünschte ihm Glück.

Dann ging Reinhard zum reformierten Pfarrer und zum reformierten Inspektor. Am 27. April sollte er verpflichtet werden. Aber irgendjemand hat wohl Einspruch erhoben, weil keine übliche Wahl stattgefunden hatte. Pfarrer Habicht bat aber darum, es jetzt so zu belassen, weil Reinhard sich schon in Rotterode verabschiedet und seine Dienst in Altersbach angetreten hatte.

Lehrer in Altersbach: 1732 Johannes Holland-Merten, 1733 Johannes Kirchner, 1753 - 56 Scherlitz, 1756 Johann Valten Anding (von Amts wegen eingesetzt), 1761 - 72,Johann Heinrich Schott 1772 Reinhard (vorher Rotterode) 1804 - 20 Johann Christoph Reinhard, 1820 - 24 Anding (aus Grumbach), 1824 - 25 Keiner (vielleicht ab 10.11.1924 auch schon Röth), 1826 - 36 Friedrich Röth (aus Weißenborn), 1836 - 48 Bachmann (reformiert, ab 1839 fest angestellt), 1848 - 58 Ernst Georg Eck (ab 26.3.1850 fest angestellt, aus Brotterode), 1858 - 71 Friedrich Schlag (aus Metzels), 1871 Friedrich Leyh (aus Mittelstille).

 

Lehrer Leyh in Altersbach

 

Rotterode:

1754 Heinrich Johannes Königshoff (aus Helmers), 1772 Reinhard, 1779 Johann Jacob Fuckel (aus Weidebrunn, laut Turmknopfurkunden), 1780 Anding (aus Asbach, noch 1788 in Rotterode, später in Schwarza), 1794 Weisheit, 1794 Langbein, 1805-09 Johann Gottfried Anding (danach Kantor in Karlshafen), 1813 Jakob Schatz (aus Rotterode, vielleicht erst ab 1820) 1849 Riemann (reformiert), 1850-55 Christoph Manns, 1855 - 57 Wilhelm (aus Altersbach, später Kantor in Seligenthal), 1857 - 62 Adolf Manch (aus Steinbach, später Organist in Marburg), 1862 - 65 Frank (aus Struth, später Hauptlehrer in Schmalkalden), 1865 - 80 Jacob Wilhelm Endter (aus Asbach, ab 1.8.1865?), 1880 - 82 L. Vockerodt (bis 1.8.1882), 1882 - 85, A. Peyran (aus Mariendorf), 1885 - 86 Christian Fenner (aus Steinbach), 1886 Wilhelm Kaufmann (aus Altersbach, noch 1893), 1901 - 05 Häfner (mindestens ab 1901), 1902 - 08 Mäder (mindestens bis 1908).

 

Schule im 19. Jahrhundert

Visitationen 1802 bis 1816:

Pfarrer Georg Friedrich Habicht kümmerte sich sehr um die Hebung der Volksschule. Sein Kollege Franz Engelhard Lucan konnte zwar 1802 bei seinen ersten Schulbesuchen bezeugen, daß Lehrer und Kinder fleißig sind. Aber die Methoden und Schulbücher taugten nicht viel. Eine Verbesserung in dieser Hinsicht und die Einführung neuer Gesangbücher wären nach seiner Meinung nötig. Auch klagte er über die üble Gewohnheit des Neujahrssingens, durch das drei Wochen keine Schule ist. Die Kinder ziehen dabei mit ihrem Lehrer von Haus zu Haus und singen etwas. Das einkommende Geld gehört zum Stelleneinkommen des Lehrers. Deshalb kann man diese Unsitte nicht abschaffen.

Bei der Visitation 1803 befanden sich die Schulen in einem guten Zustand. In der einen Schule waren 158 Knaben, in der anderen 178 Mädchen (Oberschönau 83, Unterschönau 45, Rotte-rode 23, Altersbach 41). Wenn man allerdings einige Fragen anders formulierte, als sie in den Lehrbüchern standen, konnte man feststellen, daß die Schulmeister mehr das Gedächtnis als den Verstand beschäftigten.

Die Lehrer überreichten den Inspektoren auch eine Beschwerde über die Pfarrer, die die Kinder konfirmieren, obwohl diese das Schulgeld an die Lehrer nicht bezahlt haben. Wegen ihrer unstatthaften Beschwerde wurde ihnen aber ein Verweis erteilt: Wenn Geld aussteht, hätten sie sich an den Amtmann zu wenden. Im Herbst 1807 wurde das Gillersche Lehrbuch der Schönschreibkunst in den Schulen eingeführt. Ende 1814 wurde ein neues Schullesebuch eingeführt.

 Zwei Kinder wurden jahrelang von ihren Eltern auf die Schule in Unterschönau geschickt, weil der Lehrer Wiegand sie bestraft hatte. Am 9. März 1808 bat er die Inspektoren, dem Schulmeister Anding in Unterschönau zu verbieten, die Kinder weiter zu unterrichten. Und der Amtmann Hartert sollte angewiesen werden, das Schulgeld bei den Eltern einzutreiben, auch wenn die Kinder nicht zu Wiegand in die Schule gingen. Dies geschah auch am 22. März.

Bei der Visitation am 25. bis 27. September 1808 beschwerte sich der Kirchenvater in Rotterode über den Lehrer Anding, weil er die Kinder nie tadele, sondern immer nur lobe. Die sieben Bußpsalmen habe er ganz beiseite gelegt und neben dem Katechismus verwende er noch allerhand verdächtige Bücher. Doch Anding entgegnete: Das Auswendiglernen allein mache es nicht. Bei den Psalmen treffe er eine strenge Auswahl, und er lasse auch nicht außerdem noch viele Lieder lernen. Es stellte sich heraus, daß er selber sehr fleißig und die Kinder gut unterrichtet waren. Auch die Lehrer in den anderen Schulen haben ihre Pflicht getan, die Pfarrer haben ihre Aufsichtspflicht nicht versäumt.

Bei der Besoldung ergaben sich bis zum Jahr 1808 Veränderungen: Der Kantor bekommt aus der Kirchenkasse nur etwas mehr als 7 Taler, aus der Gemeindekasse mehr als 10 Taler. Das Schulgeld beläuft sich auf 8 Batzen jährlich, das Opfergeld auf 2 Batzen jährlich von jedem Einwohner. Bei einer Trauung kommen noch Naturalien hinzu (1 Stück Fleisch, 2 Kuchen, zwei Viertellaib Brot, Suppe, 1 Flasche Bier); neu sind Hausabendmahlsgebühr (2 Batzen) und Stuhlgebühr (1 Batzen). Der Organist bekommt von der Kirche mehr als 7 Taler, von der Gemeinde mehr als 6 Taler. An Holz bekommt er 8 Klafter, zur Hälfte aber für die Schulstube. Schulgeld und Opfergeld wie beim Kantor, bei den Amtshandlungen aber wesentlich weniger als der Kantor.

Auf den Dörfern sah es schlechter aus. Der Lehrer in Rotterode erhielt täglich sein Essen bei einem anderen Einwohner, auch bei Taufen und Hochzeiten nur eine Mahlzeit. Er hatte eine kleine Wiese und erhielt drei Klafter Holz. Das Schulgeld betrug 6 Batzen von jedem Kind, das Opfergeld 1 Batzen von jedem Einwohner.

In Altersbach waren die Sätze etwas höher und das Schul-Land größer. Das Opfergeld betrug 5 Albus 6 Groschen, dazu kam ein Umgang an Neujahr. Vor allem aber gab die Gemeinde eine feste Besoldung von über 12 Talern und die Herrschaft noch einmal 6 Taler. Wenn man alles zusammenrechnete, hätte der Kantor in Steinbach auf über 200 Taler und der Organist auf fast 200 Taler im Jahr kommen müssen. Der Altersbacher Lehrer dagegen hatte nur etwa 45 Taler.

Der Lehrplan der Mädchenschule umfaßte im Jahr 1814: IV.: ABC-Schreiben, Buchstabieren, Katechismus lernen III.: Schreiben nach Vorschrift, Lesen im Katechismus, diesen lernen. II. : Schreiben nach Vorschrift, Katechismus und Psalmen lernen, Geschriebenes lesen, Sprüche und Katechismus lernen, Diktiertes schreiben, Gedrucktes (Historie, Testament) lesen, Geschriebenes lesen, Läuter-mich-Sprüche und Katechismus lernen.

In der Schule waren 185 Mädchen. Allerdings besuchten die Kinder in der obersten Klasse (der 1.) nur selten die Schule, einige waren schon als Dienstmädchen beschäftigt. Viele Schüler wurden auch schon vorzeitig aus der Schule entlassen. Dadurch fehlte es dann oft auf der Handwerkerschule an Elementarkenntnissen, zum Beispiel im Lesen. Es wurden zu viele Ausnahmen gemacht.

 

Probleme mit der Schule 1816:

Am 26. Januar 1816 stellte Pfarrer Habicht den Antrag, das Neujahrssingen abzuschaffen. Die Lehrer sollten dafür mit Rottland (Rodeland) entschädigt werden. Aber woher wollte man den vielen Wald nehmen, der für den Kantor jährlich 20 Taler und für den Organisten 15 Taler Reingewinn abwirft? Der Inspektor war der Meinung, in einer Woche könnte aller erledigt sein mit dem Neujahrssingen. Ein Lehrer sollte mit den Kindern singen gehen und die anderen könnten weiter Schule halten.

Ein weiteres Problem war die Konfessionsverschiedenheit. In der Schule wurde der lutherische Katechismus gelehrt, auch für die reformierten Kinder; diese mußten dann in der Konfirmandenstunde auch noch den reformierten Katechismus lernen. Ein Vater in Unterschönau wollte im Jahr 1816 seinen Sohn deshalb lutherisch konfirmieren lassen: Er könne den Sohn sowieso nicht oft zur Schule schicken, weil er zu Hause helfen muß. Zweierlei zu lernen sei zu viel. Außerdem sähen die Lehrer den Unterricht reformierter Kinder nur als Nebensache an. Solche Wünsche kamen öfter vor. Nach den Gesetzen konnte man sich aber erst nach dem

14. Lebensjahr für eine andere Konfession entscheiden.

 

Sonntagsschule und Abendschule 1822:

Zu berichten ist jedoch von dem Versuch, eine Sonntagsschule und eine Abendschule einzurichten. Die Anregung zu Sonntagsschulen ging schon 1804 bis 1808 und dann noch einmal ab 1819 von dem Kreisrat Georg Wilhelm Schoedde aus. Der wollte sogar selber in den Sonntagsschulen unterrichten, zum Beispiel über die zweckmäßige Einrichtung und Behandlung der Miststätten und Düngerstoffe. Es ging also um eine Fortbildung der Schulentlassenen, die nur am Sonntag stattfinden konnte.

 

Im Jahre 1822 machte der Pfarrer Habicht in Steinbach damit einen Versuch. Am Sonntag Quasimodogeniti, dem 14. April, wurde die erste Stunde nach dem Nachmittagsgottesdienst in der Mädchenschule gehalten. Es kamen ausgewählte Schüler, aber auch Schulentlassene und selbst verheiratete Männer. Zur zweiten Stunde kamen schon 100 Teilnehmer. Es wurde über das Führen von Tagebüchern und Hauswirtschaftsbüchern gesprochen, Kupferstiche von Kapstadt und Umgebung gezeigt und ein Lied abgeschrieben. Bei der dritten Stunde mußte man sogar die jüngeren Kinder wieder heimschicken.

Es wurde über das Denkmal für die erste Kirche in Thüringen bei Altenbergen gesprochen und einen Ausflug nach dort geplant. Weiterhin ging es um Philosophen, Landesgesetze, die Wartburg, Kupferstiche aus dem Leben Jesu, ein Gedicht wurde diktiert. Doch nach Himmelfahrt mußte eine Pause eingelegt werden.

In der Trinitatiszeit war oft Tanz. Der Pfarrer war oft verhindert. Wenn es regnete, kam niemand. Am 20. Oktober war die Schule praktisch schon wieder eingegangen. Habicht berichtete davon zwar im Jahre 1824 an den Landwirtschaftsverein der Provinz Fulda und erhielt von dort ein Lob für seien Initiative. Er forderte ohne Erfolg das Verbot von Tanzveranstaltungen. Aber die Schule ließ sich nicht wiederbeleben. Ähnlich wird es wohl mit der Abendschule gewesen sein, die 1833 eingerichtet werden sollte.

 

Rektor der Schule 1825:

Mit der reformierten Predigerstelle wurde bei ihrer letzten Wiederbesetzung im Jahre 1825 zugleich das Rektorat der hiesigen Schule verbunden. Vom 29. September 1828 bis 30. Juli 1840 war Moritz Friedrich Kümmel zugleich Rektor der Knabenschule und hielt auch täglich dort Unterricht. Er unterrichtete eine aus Jungen und Mädchen gemischte Oberklasse in Religion und Deutsch. Man hielt den reformierten Pfarrer nicht für ausgelastet und machte ihn zusätzlich zum Rektor der Knabenschule. Er gab das dann aber wieder auf, weil er keine Vergütung für dieses „Rektorat“ erhielt.

 

Handwerksschule 1828:

Seit 1828 bestand in Steinbach auch eine Handwerksschule - eine wohltätige Einrichtung.

Seit dem Jahre 1822 hat Pfarrer Wilhelm Friedrich Habicht mit Genehmigung der Kurfürstlichen Regierung in Kassel als gegenwärtiger Ober-Schul-Behörde, die erste Schullehrer-Konferenz und den ersten Lesezirkel gestiftet und geleitet. Pfarrer Ochs in Kleinschmalkalden, jetzt in Floh, stiftete die zweite.

 

Gottfried Wilhelm:1833 bis 1845

Ab Michaelis 1833 war Gottfried Wilhelm aus Springstile der Organist und dritte Lehrer. Er war Sohn des Bürgermeisters Wilhelm in Springstille und war vorher Interimsschullehrer und Kantor in Rinteln.

 Ferdinand Keßler: 1845 bis1847

Der Oberschönauer Lehrer Ferdinand Keßler erhielt am 4. Oktober 1845 die Erlaubnis, sich um die Organistenstelle in Steinbach zu bewerben. Am 7. März 1846 wurde er verpflichtet. Er wurde dann aber kränklich und erhielt Heinrich Scheidler zum Gehilfen. Dieser versah zusammen mit Herrn Backhaus die Stelle bis 1850.

Schon im Jahre 1847 hatte man einen Anlauf zu einer Wahl genommen. Doch die Bewerber Rosenstock und Schröder waren reformiert. Pfarrer Kümmel bezweifelte zwar, daß ein Volksschullehrer immer noch die an sich vorgeschriebene Konfession haben müsse, aber die beiden hatten keinen Anspruch auf die Stelle. Unter den sechs Bewerbern bei der Wahl am 21. Juni 1847 waren dann aber doch der reformierte Lehrer Bachmann aus Altersbach und der lutherische Schullehrer Fuldner aus Mittelstille. Die meisten Stimmen erhielten aber der Elementarlehrer Schlag mit 147 und der Lehrer Scheidler mit 94 Stimmen. Als „Elementarlehrer“ wurde der dritte Lehrer bezeichnet.

 

Eine dritte Lehrerstelle wurde 1841 eingerichtet. Sie wurde bis 1844 versehen durch Emanuel Theuer, der in dem Raum zwischen den beiden anderen Schulen unterrichtete. Sein Nachfolger war dann wohl Friedrich Schlag. Eine vierte Stelle wurde 1853 oder 1854 eingerichtet und mit Gotthilf Heller erstmals besetzt. Ein Schulraum für diese Stelle wurde im Gemeindemalzhaus eingerichtet (heute Gaststätte „Hallenburg“). Eine fünfte Stelle wurde 1877 eingerichtet (Theodor Volkmar) und eine sechste im Jahr 1882 (Adolf Pistor). Im Jahre 1893 waren es sieben Lehrer, am 28. November 1898 wurde die Anstellung eines zwölften Lehrers beschlossen.

 

Ablösung der niederen Kirchendienste:

Mit der Zeit wurde eine Veränderung bei den vereinigten Kantor- und Lehrerstellen nötig. In den Jahren 1848 bis 1850 wollte man die „niederen Kirchendienste“ an besondere Kirchendiener übertragen, weil diese Arbeiten den Schulbetrieb störten und dem Ansehen des Lehrers schädlich waren. Dazu gehörten Sammlungen, Nachtragen der Amtskleidung des Pfarrers und der Agende, Anschreiben der Lieder, Uhr aufziehen, Glocken läuten, Öffnen und Schließen der Kirchentüren, Reinigen der Kirche, Anzünden der Leuchter, Botengänge und Einladung des Presbyteriums. Doch die entsprechende Verfügung vom 10. August 1848 wurde am 1. Juli 1850 wieder zurückgezogen, weil kein Geld in den Kirchenkassen für die Ablösung da war. Es wurde aber den Lehrern erlaubt, andere Personen auf eigene Verantwortung und Kosten mit der Wahrnehmung des niederen Kirchendienstes zu betrauen.

Der niedere Kirchendienst wurde um 1870 erleichtert. An sich hatte der Kantor nur noch die Kirchentüre zu öffnen und zu schließen. Uhr und Glocken sowie das Reinigen der Kirche besorgten andere. Nur vor den drei hohen Festen und am Bußtag hatte der Kantor die Kirche gründlich zu reinigen. Das gehörte also zu seinen Dienstpflichten. Dennoch wurden am 8. Mai 1880 einmalig 15 Mark für eine gründliche Reinigung der Kirche bewilligt. Am 6. Oktober 1883 wurden dann auf Kosten der Kirchenkasse ein Kirchenjunge und eine Kehrfrau angestellt (für 15 Mark jährlich). Das Jahreseinkommen des Kantors betrug in jenem Jahr

1.078 Mark, das des Organisten 942 Mark.

Im Jahre 1897 wurden die „niederen Kirchendienste“ ganz an Kirchenjungen und andere Hilfskräfte übertragen. Vom Küsteramt des Lehrers blieben nur noch: Aufsicht über Kirche, Kirchhof und Friedhof, über Kirchenjunge und Läuter, Begleitung des Pfarrers zu Amtshandlungen in Kirche und Haus und einsammeln des Opfers, Reinigung und Aufbewahrung der Heiligen Geräte, Aufsetzen des Taufwassers und Decken des Altars (soweit das nicht die Heiligenmeister machten).

 

Erste Trennung von Kirchen- und Schulstelle:

Man machte jetzt einen Unterschied zwischen dem Kantor und dem Lehrer. Am 23. Juni 1847 wurde nur der Organist gewählt, nicht aber der Lehrer. Die Einsetzung eines Lehrers war allein Sache der Regierung. Diese wiederum machte ihre Entscheidung von den Zeugnissen abhängig. An sich stellte die Regierung den Lehrer an mit dem Vorbehalt, daß der kirchliche Inspektor zustimme. Die Pfarrer konnten also nicht mehr allein die Gemeinde zur Wahl zusammen rufen, sondern kirchliche und staatliche Behörden mußten nun zusammenwirken.

Es würde ja nichts nützen, wenn ein Kandidat gewählt würde, der zum Schulamt nicht oder nur wenig taugt. Am 28. Februar 1848 schlug Land rat Wagner eine Konferenz mit den Inspektoren vor, damit alles gesetzmäßig zugeht und keine Schwierigkeiten entstehen. Bei dieser Besprechung wurde die Erstellung eines Regulativs beschlossen, das mit allen Pfarrern besprochen und von der Oberbehörde genehmigt werden soll.

Man merkt hier, wie die Schule sich langsam selbständig macht und von der Kirche gelöst wird. Die Schwierigkeiten zeigten sich aber gleich bei der Wahl des Organisten Schlag.

 

Friedrich Schlag: 1850 bis 1856

Zur Zeit des Pfarrers Hattendorf (1856 – 1869) war Friedrich Schlag aus Metzels war von 1850 bis 1856 Organist und Elementarlehrer in Steinbach-Hallenberg (als „Elementarlehrer“ wurde der dritte Lehrer bezeichnet), von 1858 bis 1871 war er Lehrer in Altersbach. Eine dritte Lehrerstelle wurde 1841 eingerichtet. Sie wurde bis 1844 versehen durch Emanuel Theuer, der in dem Raum zwischen den beiden anderen Schulen unterrichtete. Sein Nachfolger war dann wohl Friedrich Schlag.

Unter den sechs Bewerbern um die Organistenstelle in Steinbach-Hallenberg und bei der Wahl am 21. Juni 1847 waren dann aber doch der reformierte Lehrer Bachmann aus Altersbach und der lutherische Schullehrer Fuldner aus Mittelstille. Die meisten Stimmen erhielten aber der Elementarlehrer Schlag mit 147 und der Lehrer Scheidler mit 94 Stimmen.

Der Bewerber für die Organistenstelle, Friedrich Schlag, war zwar als Lehrer geeignet, aber für den Kirchendienst wäre er an sich nicht in Frage gekommen, weil er ein zu schlechtes Zeugnis hatte. Dennoch hatte er bei der Wahl die meisten Stimmen erhalten. Die Pfarrer wollten ihn gern unter die Bewerber aufnehmen, als es im Jahre 1849 um eine erneute Wahl ging. Er sollte eine neue Probe mit Orgelspiel ablegen, wozu der Organist Burbach hinzugezogen werden sollte. So hatte man es schon am 4. Juni 1836 gemacht, als der Lehrer Bachmann in Altersbach seine Qualifikation zum Kirchendienst nachweisen sollte: Er wurde von dem Schmalkalder Kantor und dem Organisten in der Stadtkirche geprüft und für den Kirchendienst für tauglich befunden.

Die Pfarrer und auch Schlag konnten auf Erfahrungen hinweisen. Schlag hatte schon zweieinhalb Jahre Kirchendienst in Oberschönau gemacht, danach in Altersbach und jetzt eineinviertel Jahr auch den Kirchendienst in Steinbach versehen. Elementarlehrer war er seit fünf Jahren. Bei der zweiten Lehrerprüfung hatte er schon Fortschritte im Orgelspiel gezeigt. So wurde er am 18. Juni 1849 von den Inspektoren zugelassen.

Bei der Wahl gab es aber wieder Unregelmäßigkeiten: Es war nur der lutherische Pfarrer mit zwei Kirchenvätern zugegen. Bei den 68 Wählern wurde nicht vermerkt, ob es sich um Ortsbürger und Hausväter handelt. Der lutherische Pfarrer hatte auch einfach den Schulvikar Scheidler nicht zugelassen, weil er ein „Ausländer“ sei, obwohl doch auch Schlag ein „Ausländer“ war, weil er aus Metzels stammte (damals Sachsen-Meiningen). An sich hätte jeder in die Wahl kommen müssen, der zur Probe zugelassen worden war.

In Steinbach verlangten nun die Reformierten, an der Wahl beteiligt zu werden, zumal ihr Pfarrer dem Schulvorstand angehörte. Pfarrer Kümmel hat wohl eine Beteiligung gefordert und dann das hllokal zusammen mit anderen unter Protest verlassen.

Die Gemeindebehörde mußte nicht unbedingt zugelassen werden, aber die Reformierten hätte man nicht ausschließen sollen, weil sie an der Sache ja im gleichen Maße interessiert waren. Inspektor Habicht aber betonte, daß es sich um eine lutherische Kirchensache handele, zu der nicht die Ortsbürger, sondern nur die Mitglieder der lutherischen Gemeinde aufgerufen waren. Und Scheidler sei vom Konsistorium ausgeschlossen worden, weil er die inländische Prüfung nicht bestanden hatte.

Pfarrer Kümmel aber konnte darauf hinweisen, daß auch schon 1832 ein reformierter Lehrer zugelassen wurde.

Jetzt aber hatte man den Bewerber Riemann wegen Konfessionsverschiedenheit abgewiesen. Es handelte sich um eine Simultanschule, deshalb müßten auch die Reformierten mit wählen können und der reformierte Pfarrer mußte anwesend sein und das Protokoll mit unterschreiben. Die Zeit habe doch manches verändert, da sollte man jetzt auch die alten Bestimmungen („Rezesse“) ändern. Er war für Scheidler, weil er die Klasse schon seit zwei Jahren mit Geschick geführt hatte und Schlag an Lehrtalent überlegen war. Auch den Kirchendienst hatte er schon versehen. Lehrer müßten nach der Tüchtigkeit und nicht nach der Konfession ausgewählt werden, meinte auch der reformierte Inspektor Endemann. Scheidler nahm im August 1849 aber eine andere Stelle an.

So machte man einen dritten Anlauf zur Wahl. Wiederum sollten nur lutherische Bewerber angenommen werden, obwohl doch in der Ausschreibung nichts darüber stand. Unter den sieben Kandidaten (darunter auch der Reformierte Riemann) erhielten Schlag mit 85 und Backhaus aus Barchfeld mit 51 die meisten Stimmen. Sie wurden präsentiert und Schlag am 9. März 1850 eingesetzt. Er legte dann seine Bestallungsurkunde als Mädchenlehrer vor und bat um Überweisung des Kirchendienstes als Organist. Dies wurde ihm gewährt, und er wurde auf die Instruktion als Organist und Küster verpflichtet.

 

Schule in Altersbach

 

Vom Herbst 1851 bis Februar 1852 war die Schule nicht zu benutzen, so daß auch für den Konfirmandenunterricht andere Räume durch die Gemeinde bereitgestellt werden mußten. Im Jahre 1853 erwog man, ob der reformierte Pfarrer nicht wieder das „Rektorat“ der Schule übernehmen könne. Mit Rücksicht auf die industriellen und wirtschaftlichen Verhältnisse in dem großen Marktflecken wäre es sehr wünschenswert und nötig, die Bildung der Jugend auf alle Weise zu fördern. Der reformierte Pfarrer hätte bei der geringen Zahl seiner Gemeindeglieder durchaus Zeit, täglich einige Stunden Unterricht zu geben.

Doch der reformierte Inspektor Endemann fragte, ob sich denn überhaupt noch Bewerber für die sowieso verrufene Pfarrstelle finden werden, wenn auch noch unentgeltlich Schulunterricht zu erteilen ist. Aber die Bildung könnte natürlich sehr gehoben werden, wenn man aus den begabtesten Schülern eine Förderklasse („Selekta“) bilden würde. Doch es ist wohl nichts daraus geworden.

Ebenso ging es mit dem Plan des lutherischen Pfarrers Hattendorf, aus dem Einkommen der Organistenstelle bei der Vakanz im Jahre 1856 eine Milchkuh anzuschaffen. Lehrer Schlag war wegen Krankheit zeitweise pensioniert worden (später war er Lehrer in Altersbach und 1871 bis 1889 Kantor in Steinbach). Doch das Geld mußte in anderer Weise zur Aufbesserung der Stelle verwendet werden mit den Argumenten: Eine Inventar-Kuh kann nicht für jede Gemeinde beschafft werden. Ein Nachfolger ist vielleicht gar nicht erbaut über eine Kuh. Wer soll die Kuh während einer Vakanz versorgen? Was geschieht, wenn die Kuh in der Vakanzzeit verendet? Der Plan war zu schön, um verwirklicht zu werden.

 

Johann Georg Eck: 1857 bis 1882

Bei der Ausschreibung der Stelle wurde wiederum das „lutherisch“ weggelassen. Es hätten sich also auch reformierte Lehrer melden können. Von den vier Lehrern in Steinbach waren sowieso schon zwei reformiert. Bei den Elementarlehrern sah man also nicht mehr auf die Konfession. Sie wurden aber, wie der Lehrer Fenner 1855, kirchlich eingeführt. Es meldete sich aber nur der Lehrer Eck aus Altersbach, der aus Brotterode stammte. Am 29. April 1857 sprachen sich die Gemeindebehörden einstimmig für ihn aus. Probe und Wahl konnten wegfallen. Am 1. Juli wurde er ernannt.

 

Die Schülerzahlen in den Orten des Kirchspiels waren wie folgt:

 

Steinbach   Münch          120 - 135

                   Eck               140 - 150

                   Fenner            90 - 130

                   Rohde           120 - 130                                          

 

 Altersbach

        70 -  80

                          Rotterode             70 - 100                                         Unterschönau:       70 - 80

                           Oberschönau:     170 - 180

                                 

 

Geklagt wurde 1865 wieder, die Eltern hielten ihre Kinder nicht genügend zur Schule an. Außerdem wurde schon 1858 darüber geklagt, daß die Schulkinder Unfug und Lärm auf den Straßen machen. Die Polizeibehörde soll mit allen Kräften dagegen einschreiten. Die Lehrer sollten die Kinder züchtigen. Und die Eltern sollten bestraft werden, wenn sie sich durch fehlende Erziehung und Strenge mitschuldig gemacht haben. Auch 1866 wurden die Pfarrer ermahnt, die Schulen regelmäßiger zu überwachen. Sie sollten auch Vorschläge machen, wie den Unsittlichkeiten und dem tadelnswerten Betragen auf den Straßen durch Jungen und Mädchen begegnet werden kann. Ein Gleiches galt vom Gartenfrevel.

 

Wilhelm August Miquet: 1882 bis 1883

 Am 1. August 1882 wurde der neue Organist Miquet verpflichtet. Es gab dann allerdings Anfang des Jahres 1883 allerhand Schwierigkeiten mit ihm, weil er zweimal nicht bei der Beerdigung mitgewirkt hatte und die Kirche noch während des Gottesdienstes verlassen hatte. Er wurde dann nach Neuwarp in Pommern versetzt.

 

Handwerksschule 1872:

Die Handwerksschule befand sich in den letzten Jahren in einem beklagenswerten Zustand, sie wurde nur noch von etwa zwölf Schülern besucht. Der Bürgermeister reichte daher unablässig Bittschriften bei der Königlichen Regierung in Kassel ein und bat um Trennung der hiesigen von der Schmalkalder Handwerksschule und um Einrichtung eines Königlichen Vorsteheramtes der Handwerksschule.

 

 Diesem Gesuch wurde endlich am 30. Mai 1872 von der Königlichen Regierung entsprochen und nachdem noch vom Bürgermeisteramt die Statuten mit Schulzwang festgesetzt waren, erhob sich in Kurzem die Schülerzahl dieser für unseren Ort so nützlichen und segensreichen Anstalt auf etwa 150.

Das Königliche Handwerkerschul-Vorsteheramt bestand aus folgenden Mitgliedern:

1. Amtsrichter Kind

2. Pfarrer Bernhard

3. Bürgermeister Holland-Cunz

4. Zimmermeister Michael Jäger und

5. Schlossermeister Gottlieb Wilhelm Usbeck, sämtlich von hier.

 

 

Bau der „alten“ Schule:

 Am Sonntag nach Pfingsten, dem 12. Juni 1881, entstand im Oberwirtshause (Gasthof „Zum Schloß Hallenburg“ ein Feuer, das sich sehr schnell verbreitete und diesen Gasthof sowie die Anwesen von Matthias Holland-Cunz, Caspar Danz, Kaufmann E. Sasse, und das Oberdörfer „Schulhaus“ mit sämtlichen Nebengebäuden einäscherte und die Apotheke teilweise zerstörte.

Das Schulhaus war das Malzhaus neben dem Oberwirtshaus, in dem behelfsmäßig Schule gehalten wurde. Der Platz, auf dem die Schule gestanden hatte, wurde dem Gastwirt Hugo Bühner für 1.803 Mark verkauft.

Dafür wurde das Anwesen des Naglers Christoph August König, an der Hauptstraße, Wohnhaus mit Schmiede und Scheune, mit dem dahinter liegenden Acker des Kaufmanns Wilhelm Holland-Merten angekauft. Auf dem Letzteren entstand nunmehr die neue Schule, am Eingang des Schulhofs gleich links, später die „alte Schule“. Sie kostete mit Ausrüstung etwa 30.000 Mark.

Am Sonntag, dem 15. Oktober 1882, wurde die neue Schule eingeweiht. Gegen zwölf Uhr begann die Feier an der alten Schule am Kirchplatz. Mit Glockengeläut und dem Lied „Bis hierher hat mich Gott gebracht“ wurde begonnen. Pfarrer Obstfelder brachte dem alten Schulgebäude Dank dar, wo viele die erste Bildung für Geist und Herz empfangen haben. Nach dem Lied „Großer Gott, wir loben dich“ stellte sich der Festzug in folgende Reihenfolge auf: Musikkorps, Bürgermeister, Bauleute, Gemeinderat, Kirchenväter, Festjungfrauen, Landrat, Schulinspektoren, Jungen, Mädchen, Gesangverein, Gewerbeverein, Kriegerverein, Feuerwehr, sonstige Festteilnehmer.

Man zog erst ein Stück die Hauptstraße hinunter und machte beim Gasthof Bühner (heute „Steinbacher Wirtshaus“) wieder kehrt. Dann ging der Zug zum Schulfestplatz.

 

Nach dem Lied „Nun danket alle Gott“ schilderte Pfarrer Obstfelder die Entstehungsgeschichte des Schulhauses und wandte sich an die Schuljugend mit der Ermahnung, die Wohltat zu bedenken, die ihnen mit diesen schönen Räumen geboten werde. Unter Glockengeläut und dem Lied „Nun jauchzt dem Herren alle Welt“ fand die Schlüsselübergabe statt. Das Gebäude wurde besichtigt. Bei aufklarendem Himmel vergnügten sich die Schulkinder unter Leitung ihrer Lehrer an den verschiedensten Spielen. Noch in letzter Stunde hatten wohlwollende Herren eine ziemliche Summe gespendet, von der eine große Zahl Geschenke für die Schuljugend beschafft worden war.

  

„Alte Schule“

 

Lehrer waren damals: Kantor Schlag und Organist Miquet sowie die Herren Fenner, Volkmar und Zeiß. Als sechster Lehrer kam dann noch im gleichen Jahr Adolf Pistor hinzu, der sich später in Schmalkalden einen Namen als Heimatforscher machte. Schulkinder waren es etwa 570, an Schulgeld waren 1704 Mark eingekommen.

Beim Festessen im Gasthaus sprachen zunächst der Landrat und Pfarrer Obstfelder, der allen dankte, die das nun erreichte Ziel gefördert hatten. Inspektor Metz sprach über die Lehrer. Bürgermeister Holland-Cunz erzählte die Geschichte des Schulhauses. Die Gesamtkosten blieben mit 34.500 Mark noch hinter den Voranschlägen zurück. Schließlich gedachte Inspektor Wiß der verstorbenen Lehrer, die in der alten Schule gewirkt hatten.

 

Ferdinand Wolff (Organist):  1883 bis 1933

Gegen den neuen Lehrer Ferdinand Wolff aus Seligenthal hatte der Pfarrer Obstfelder zunächst Bedenken wegen seines Vorlebens. Aber Pfarrer Schantz hatte keine Einwände, weil das Schulamt ihn ja für würdig befunden hatte. Ab 1. November wurde er Lehrer und ab 2. Dezember (Erster Advent) auch Organist. Weil Pfarrer Obstfelder verhindert war, wurde Wolff durch Pfarrer Schantz eingeführt.

 

Wilhelm Heymel (Kantor):  1890 bis 1899

Ab 1. Januar 1890 wurde Wilhelm Heymel, Lehrer in Laudenbach, geboren in Fambach, zum Ersten Lehrer in Steinbach eingesetzt. Superintendent Wiß setzte ihn zum Kantor ein. Die Gemeinde wurde nicht mehr gefragt, der Pfarrer hatte ihn nur im Gottesdienst vorzustellen. Die Schule wurde jetzt als „evangelische“ Schule bezeichnet (nicht mehr „lutherisch“). Kantor Heymel trug viel zur Hebung der Kirchenmusik bei. Seit 1890 trieb er die Gründung und Förderung der Diakonissenstation sehr voran. 

.Rektor Heymel mit Frau

 

Heymel schied aus seinem kirchlichen Amt, weil er der erste „Rektor“ der Steinbacher Schule wurde, also ein echter Schulmann, der voll dieses Amt versah. Der Rektor war Ortsschulinspektor, der lutherische Pfarrer nur sein Stellvertreter, der reformierte Pfarrer gehörte nicht mehr zum Schulvorstand. Pfarrer Schantz beklagte sich sehr darüber. Bis 1872 war er noch Ortsschulinspektor gewesen und konnte so darauf achten, daß auch der reformierte Katechismus gelehrt wurde. Seit 5. April 1872 hatte er aber nur die Schulen in Rotterode und Altersbach zu betreuen, wo es kaum Reformierte gab. Viele Eltern ließen ihre Kinder lutherisch taufen, um den Schwierigkeiten mit dem Katechismus zu entgehen. Nun war Schantz ganz aus dem Schulvorstand ausgeschieden und hatte keine Einflußmöglichkeiten mehr.

 

Ernst Margraf, Kantor:  1899 bis 1926

Um die Stelle bewarben sich nur die Lehrer Margraf und Werner aus Steinbach. Margraf war an sich reformiert, erklärte aber, er wolle zur lutherischen Kirche übertreten, weil er doch keine Unterschiede zwischen den Konfessionen finde. Werner erhielt 123 Stimmen, Margraf nur 6 (hier soll angeblich der Unmut der Gemeinde über den Konfessionswechsel deutlich geworden sein). Aber Werner zog dann seine Bewerbung zurück; angeblich soll er auch als Lehrer nicht so geeignet gewesen sein. So wurde Margraf am 9. April 1899 zum Kantor ernannt und am 1 5. April durch Pfarrer Dettmering im Amtszimmer verpflichtet. Rektor Heymel und Superintendent Obstfelder hatten sich für ihn ausgesprochen.

Es gab dann allerdings allerhand Schwierigkeiten mit ihm. Dennoch hat er natürlich seine Verdienste. Der Kirchenchor hat ihm im „Kieferle“ einen Gedenkstein gesetzt.

Als Pfarrer Schantz Ende 1900 für längere Zeit erkrankte, vertrat Margraf ihn, denn er war ja der Lektor für beide Gemeinden. Aber am 14. Oktober ließ er dem Pfarrer ausrichten, er sei selber krank und der Pfarrer müsse für Vertretung sorgen. Pfarrer Schantz vermutete eine Böswilligkeit bei Margraf, weil er eine Auseinandersetzung wegen des Übertritts zur lutherischen Kirche fürchtete. Das Konsistorium aber gab Margraf recht, man könne auch nicht unterstellen, daß er die Krankheit nur vortäusche. Aber das Verhältnis blieb gespannt bis zum gegenseitigen Vorwurf des Nicht-Grüßens. 

Schulklasse 1919 mit Lehrer Margraf

 

Auch mit Lehrer Zeiß kam es zu Auseinandersetzungen wegen des Platzes im Lehrerwohnhaus, der alten Kantorschule am Kirchplatz. Zeiß hatte als Schwiegersohn des damaligen Kantors im Jahre 1888 die Hälfte des Kantor-Kellers erhalten. Diesen Teil verlangte Margraf nun zurück. Im Jahre 1905 wurden die vier Lehrerwohnungen in nur drei aufgeteilt. Eine davon erhielt eine Lehrerin. Kantor und Organist erhielten zusätzlich je eine bewohnbare Bodenkammer und ein Zimmer im Unterstockwerk. Zeiß erhielt eine nach vorne gelegene Wohnstube, einen neuen Keller und eine Gerätekammer auf der Waschküche. Außerdem schuf man im Haus noch ein Zimmer, das einmal für Lehrerin vorgesehen war, das aber zunächst anderweitig vermietet wurde und das dann der Organist mietete.

Im Jahre 1909 kam es zu einem Streit wegen der Wasserleitung zu den Lehrerwohnungen. Kantor Margraf hatte sich geweigert, die Abwasserleitung durch seinen Garten gehen zu lassen. Daraufhin wurde das Haus nicht an die Wasserleitung angeschlossen. Da beauftragten die Lehrer eigenmächtig eine Baufirma, wollten sie aber nicht bezahlen. Der Kanal wurde dann im Jahre 1911 gelegt, und zwar außerhalb der Lehrergärten nach der Kirche zu.

Die Lehrerwohnungen wurden auf Kosten der Kirchengemeinde angeschlossen, weil diese ein Interesse an dem Kanal hatte, der einen guten Zugang von der Hauptstraße zum Kirchplatz ermöglichte (die offenen Gräben auf dem Kirchplatz verschwanden).

Im Jahre 1905 gab es wieder einen Streit mit Pfarrer Klingelhöfer. Margraf hatte dem Pfarrer nur mitgeteilt, daß er in Urlaub fahre und Lehrer Zeiß ihn vertrete, hatte er nicht um Urlaub nachgesucht. Margraf sollte sich beim Pfarrer entschuldigen, schrieb aber nur einen ziemlich frechen Brief an den Superintendenten, der Pfarrer wolle ihm den Urlaub verweigern. Aber im nächsten Jahr bat er ordnungsgemäß um Urlaub und schlug Lehrer Zeiß als Vertreter vor. Nun wollte aber der Pfarrer einen lutherischen Vertreter. Margraf schrieb am 2. Mai aus Eisenach, der Pfarrer möge doch mit dem reformierten Lehrer zufrieden sein, da auch die Pfarrer sich untereinander verträten. Das Verhältnis besserte sich.

 

Gewerbeverein am Kantorstein, der an Lehrer Margraf erinnert

 

Während des Krieges wollte sich Margraf aus gesundheitlichen Gründen nicht an den Kriegsbetstunden beteiligen und wurde auf Anordnung des Konsistoriums vom Kreisarzt auf seine Gesundheitszustand untersucht. Er war aber kerngesund und lenkte denn auch ein und wechselte sich mit Organist Wolff in den Kriegsbetstunden ab, zumal der Kirchenchor aus Mangel an Männern eingegangen war. Im Jahre 1908 gab Kantor Margraf 400 Stunden jährlichen Zeitaufwand für den Kirchendienst an, Organist Wolff gab 325 Stunden an.

 

Kantorstein

 

Privatschule 1890:

Im Jahre 1890 gründete Pfarrer Obstfelder eine Privatschule, die er selber leitete. Am 24. April erhielt auch Pfarrer Schantz die Erlaubnis, sich an dieser Schule zu beteiligen. Sie war zunächst gedacht als Konkurrenz zur altlutherischen Privatschule des Pfarrers Rohnert. Sie sollte an zur Vorbereitung auf die Tertia des Gymnasiums dienen (dritte Klasse der Oberschule). Sie war dann aber mehr eine Realschule mit 30 bis 40 Schülern. Man lehrte Sprachen, Erdkunde, Geschichte, Mathematik und anderes. Aber man wollte die Schüler auch erziehen und wollte ihnen klarmachen, daß alles menschliche Wissen wertlos ist ohne echte Frömmigkeit und ohne Bildung des Herzens. Zum Dank überreichten die Schüler dem Pfarrer Obstfelder eine Büste August Hermann Franckes, eine Nachbildung der Büste vor dem Pädagogium in Halle. Doch mit den Jahren stimmten die materiellen Leistungen der Eltern nicht mehr mit den Gegenleistungen der Lehrkräfte überein, so daß sich einige Eltern zu einer Eingabe an das Kultusministerium veranlaßt sahen. Im Jahre 1900 waren nur noch vier Schüler vorhanden und die Schule sollte schon geschlossen werden. Da nahm Bürgermeister Bleymüller die Sache in die Hand, so daß die Schule mit 20 Schülern fortgesetzt werden konnte.

 

Verhältnis von Lehrer-und Kantorstellen:

Im Jahre 1895 wurde festgestellt, daß es im Kreis Schmalkalden feste Kantorstellen und zeitweilige gibt. Schon immer war der Titel verbunden mit der Ersten und Zweiten Lehrerstelle in Schmalkalden und den Ersten Stellen in Steinbach, Brotterode und Barchfeld. Im übrigen konnte der Titel von den Kirchenbehörden an die Lehrer verliehen werden, die sich um die Kirchenmusik besonders verdient gemacht hatten; so geschah es in Fambach und Seligenthal. In Steinbach waren also mit der Ersten Lehrerstelle Kantoren-, Küster- und Lektorendienst organisch verbunden, mit der Zweiten Lehrerstelle der Organistendienst. Die Inhaber dieser Stellen erhielten einen Teil ihrer Besoldung aus den entsprechenden Kirchenstellen und mußten ihn auf ihr Gehalt anrechnen. Bei Kantor Heymel waren das insgesamt etwas über 721 Mark jährlich.

Ungefähr 1906 wurde das Wahlverfahren für die mit Kirchendienst verbundenen Schulstellen festgelegt: Entweder wird die Stelle von der Regierung ausgeschrieben unter Angabe der Konfession und des Charakters der Stelle. Der Superintendent scheidet dann die Bewerber aus, die für den Kirchendienst nicht in Frage kommen. Der Schulvorstand wählt dann, die Regierung bestätigt und der Superintendent überträgt das kirchliche Amt. Oder die Regierung scheidet die Bewerber aus, die für das Schulamt nicht in Frage kommen. Über den Superintendenten werden die Bewerber dem Pfarramt gemeldet, das die Wahl veranlaßt. Das Ergebnis geht an die Regierung, die dann die Stelle überträgt.

Diese Lehrer sollen möglichst nur in ihrer Klasse unterrichten und vor allem Religion und Musik geben. Im Jahre 1911 versicherte die Regierung noch einmal, sie wolle bei der Ausschreibung von Schulstellen im Kreis Schmalkalden auf den konfessionellen Charakter achten. Sie will sich auch mit dem Superintendenten in Verbindung setzen und möglichst dessen Vorschläge übernehmen. Aber ausgeschrieben werden immer nur Lehrerstellen. Bewerbungen sind an die Schulbehörde zu richten, die auch die Aufsicht über die Lehrer hat. Zwar sind in der Praxis die Superintendenten auch als Schulinspektoren eingesetzt, aber sie handeln dann im Auftrag des Staates und nicht der Kirche.

 

 

Bau der zweiten Schule 1900 bis 1901:

An Ostern 1899 war die Hauptlehrerstelle in ein Rektorat umgewandelt worden, die Genehmigung war vom 3. Februar. Am 28. November 1898 wurde die Anstellung eines zwölften Lehrers beschlossen, an Ostern 1900 wurde ein 13. Lehrer angestellt.

Im Jahre 1901 erwies sich die Steinbacher Schule als zu klein. Der Bau einer neuen Schule in der Nähe der alten war notwendig geworden. In wohlwollender Weise genehmigte das Herzogliche Staatsministerium in Gotha die Abtretung des damaligen am Friedhof entlang liegenden Forstgrundstücks gegen Austausch der Hirtenwiese an der Rasenmühle.

 

Neue Schule

Einweihung der neuen Schule

 

Am 18. August 1899 wurde das vorgelegte Projekt genehmigt. Am 31. Juli 1900 wurde dem Maurermeister Keßler der Auftragt zum Bau der neuen Schule für etwas mehr als 31.000 Mark erteilt. Die Zimmerarbeiten übernahm Zimmermeister Simon aus Schmalkalden. Es entstand nun eine zweite Schule mit Lehrerwohnung, die 34.000 Mark gekostet hat, wozu eine Staatsbeihilfe von 10.000 Mark bewilligt wurde.

Am 4. September 1901 wurde die neue Schule eingeweiht. An der Feier beteiligten sich die Behörden, die Lehrer, die Schüler, sämtliche Vereine und die Feuerwehr. An die Kinder wurden 899 Bratwürste verteilt, die 900. erhielt die Schulfrau Marie Bickel.

Lehrer waren: Rektor Heymel, Kantor Margraf, Organist Wolff, die Lehrer Volkmar, Zeiß, Umbach, Heß, Blum, Mardorf und Bechthold, dazu die Lehrerinnen Fräulein Schott und Fräulein Preuß, neu hinzu kam Lehrer Schrödter. Am 1. Mai 1906 kam weiter hinzu: Lehrer Fricke von Herges-Hallenberg.

 

Im Jahre 1902 wurde die Unterkellerung der Schule beschlossen. Die Anbringung elektrischer Lampen wurde 1907 abgelehnt und der Schuldienerin eine Sturmlaterne zur Verfügung gestellt, damit sie auch abends reinigen kann. Im Jahre 1912 beanspruchte die Schule fast die Hälfte des Jahresetats des Ortes. Dennoch sollte eine 14. Lehrerstelle geschaffen werden. Die drei fünften Klassen mit 164 Schülern hatten nur zwei Räume (eine Klasse war im Evangelischen Gemeindehaus). Ein Erweiterungsbau mit zwei oder vier Klassen und eine Zentralheizung wurden ins Auge gefaßt. Der Schulvorstand lehnte zwar ab, aber der Bürgerausschuß beschloß die Planung, Landrat und Lehrerkollegium hielten den Schulanbau für nötig.

Schulsportfest

 

Im Jahre 1904 hatte die Schule 848 Schüler (davon 126 Schulanfänger), 1907 waren es 956 Schüler (davon 150 Schulanfänger), davon 49 altlutherische und 28 reformierte Kinder. Es waren 15 Klassen in sieben Jahrgängen, die erste Klasse bestand aus drei Parallelklassen. Im Jahre 1908 waren es 1.003 Schüler, im Jahre 1910 schon 1.044 (davon 119 Schulanfänger)(60 altlutherisch, 35 reformiert, 546 Jungen und 498 Mädchen). Im Jahre 1914 waren es 1.080 Schüler (davon 140 Schulanfänger).

Am 27. Februar 1906 fand eine Schulfeier zur Silberhochzeit des Kaisers statt, mit Umzug des Kindergartens durch den Ort und Festrede von Rektor Heymel.

Es bestand eine gewerbliche Fortbildungsschule, also eine Art Berufsschule, die drei Jahrgänge mit je zwei Klassen hatte, die Montag und Donnerstag zwei oder vier Stunden Unterricht hatten (Gewerbekunde, Deutsch, Rechnen, Zeichnen, Buchführung). Der Leiter war Rektor Heymel. In der Zeit des Bürgermeisters Henze erfolgte der Bau der Hauswirtschaftlichen Berufsschule

Am 12. Juli 1908 fand auf dem Schulhof der Verbandswettstreit des Thüringer Amateur-Athleten-Verbandes statt. Die Meisterschaft im Ringen und Stemmen wurde durchgeführt. Die Medaillen wurden im Schaufenster des Herrn Höhn ausgestellt. Joseph Capraro erhielt den 1. Ehrenpreis und die vom Verein gestiftete Zwei-Zentner-Medaille.

 

Auf der Ausstellung der Landwirtschaftsgesellschaft im Jahre 1909 in Leipzig wirkten auch 17 Steinbacher Kinder mit. Vor mehr als 50.000 Zuschauern wurden Spiele im Ausstellungspark vorgeführt, der 13jährige „Hauptmann“ Ernst Groß gab das Kommando. Korbball und Schlagball wurden gespielt.

Im kleinen Saal des Evangelischen Gemeindehauses hatte man 1899 schon eine Schulklasse untergebracht. Auch 1912 fand dort trotz aller Schulneubauten wieder Handarbeitsunterricht statt. Ebenso wurde 1919 das obere Eckzimmer für ein Jahr an die Schule vermietet.

Im Jahre 1914 stellte die Unterrichtsverwaltung einen auffallenden Rückgang in der Zunahme der Schulkinder fest. Es wurde laut Steinbach-Hallenberger Anzeiger vom 20. Mai 1914 eine sorgfältige Nachprüfung vorgenommen. An der Tatsache eines starken Rückgangs im Gegensatz zur bisherigen Zunahme von Schulkindern wird diese Nachprüfung aber jedenfalls nichts geändert haben.

Am 11. Februar 1914 fand eine Sitzung von Bürgerausschuß, Gemeindevertretung, Schulvorstand und Regierungsvertretern statt. Die Schule hatte 19 Klassen, aber nur 15 Räume. Es müßten aber 22 Klassen eingerichtet werden. Zunächst wollte man an die alte Schule zwei Klassenzimmer anbauen, dann vier an die neue Schule. Der Rektor meinte, vier Räume würden ausreichen, mehr als die zur Zeit 17 Lehrer brauche man nicht. In den dritten Klassen saßen allerdings 71 Schüler, die beiden jüngsten Jahrgänge mit sechs Klassen hatten nur drei Lehrer.

 

Lehrerkollegium 1929

 

Von einem Anbau an die neue Schule wurde dann aber abgeraten, weil das Gebäude dann ein zu kasernenmäßiges Aussehen erhalte. Ein gesonderter Bau mit der Möglichkeit zum Anbau einer Turnhalle sei besser. Der Land rat trat für den gleichzeitigen Bau einer Turnhalle ein. Doch der Krieg verhinderte die Pläne. Das zweite Schulgebäude wurde 1969 durch einen Anbau erweitert.

 

 

Schule und Kirche im 20. Jahrhundert:

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Kirchen- und Schulstellen voneinander getrennt. In Steinbach schloß man am 23. Juli 1921 einen Vergleich, bei dem das Grundvermögen geteilt wurde und die Kirche das Nutzungsrecht an einem Viertel des Gebäudes Kirchplatz 20 / 22 behielt. Später blieb ihr nur die Miete von dieser Wohnung. Auf den Dörfern war die Auseinandersetzung schwieriger.

Die bürgerliche Gemeinde Altersbach wollte 400 Mark im Jahr zahlen für „den, der den Lesegottesdienst hält“ (gemeint war der Organist). Da die Gottesdienste aber von den Pfarrern übernommen wurden, hat man bald nicht mehr gezahlt. Ab etwa 1980 zahlte der Staat eine Ablösesumme an den Kirchenkreis, der das Geld dann an die Gemeinden weitergibt. Selbst in kommunistischer Zeit konnte die Zahlung dieser Summen schließlich wieder durchgesetzt werden.

Mit den Lehrern Margraf und Wolff sowie Szymanski in Rotterode wurde ab 1. Oktober 1921 die organische Verbindung von Kirchen- und Schulstelle gelöst, bei Lehrer Schäfer (Altersbach) dauerte es länger. Die Kirche schloß private Dienstverträge über den Kirchendienst mit den Lehrern ab. Aber Lehrer Margraf wurde Anfang 1926 entlassen, weil er seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nach kommen konnte oder wollte. Organist Wolff kündigte am 30. August 1933 aus Altersgründen.

Nun übernahm Lehrer Menz das Orgelspiel bei allen Gottesdiensten und Amtshandlungen, ab 1936 sein Sohn Zahnarzt Menz im Wechsel mit Lehrer Lölkes aus Oberschönau. Als beide dann in den Krieg mußten, beauftragten sie Fritz Killenberg „vertretungsweise“ mit dem Orgelspiel. Er hat ab 1939 die Orgel gespielt und den Kirchengesangverein geleitet.

Nach dem Krieg kam er Max Rattunde als zweiter Organist hinzu, der auch den Posaunenchor leitete. Er wohnte im Pfarrhaus und hat sich auch immer wieder um die Pflege der Orgel bemüht. Viele Posaunenbläser hat er herangebildet und auch einige Orgelspieler. Am 18. Juni 1978 ist er gestorben.

Zu dieser Zeit spielte schon Frank Willing die Orgel, vor allem auf den Dörfern. Im Kindergottesdienst spielte Beate Nothnagel. Beide haben in den folgenden Jahren durch ihr Orgelspiel der Gemeinde viel geholfen. Herr Willing mußte allerdings 1978 zur Armee, und Beate Nothnagel war oft verhindert, als sie Krankenschwester wurde.

Im Jahr 1978 übernahm dann Herr Killenberg den Kirchenchor. Der Kirchengesangverein war so zusammengeschmolzen, daß er nicht mehr öffentlich singen konnte. Aber Anfang Februar 1979 wurde auch Herr Killenberg krank. Am 16. September konnte er noch sein 40jähriges Jubiläum als ehrenamtlicher Kirchenmusiker begehen. In der Jahresschlußandacht spielte er zum letzten Mal, am 13. Februar 1980 starb er. Die Orgel spielten damals Beate Nothnagel, Ulrich Lieberknecht und Frank Willing, gelegentlich auch auswärtige Gäste.

Schon 1978 war die Anstellung eines hauptamtlichen Kantors erwogen worden, doch es scheiterte an der Wohnung. Erst am 15. Dezember 1979 zog Frau Rattunde aus dem Pfarrhaus aus und eine Wohnung für einen Kantor wurde frei. Am 16. Januar 1980 wurde Christoph Dalberg als neuer hauptamtlicher Kantor gewählt und am 13. Juli dann eingeführt.

Nachdem der Kantorendienst rund 60 Jahre lang nebenamtlich von verschiedenen Gemeindegliedern versehen worden war (Herr Ernst Reitzig leitete zum Beispiel den Kirchenchor), mußte der Dienst jetzt wieder hauptamtlich versehen werden. So lohnte sich auch die Anschaffung einer neuen Orgel, die am 29. November 1981 eingeweiht wurde.

Nach 1945 waren Schule und Kirche erst recht getrennt worden. Am 8. August 1945 (also schon zur Zeit der sowjetischen Besatzungsmacht) wurde Pfarrer Wüpper zwar gebeten, im Schulvorstand mitzuwirken. Aber bald entwickelte sich die Schule zu einer gegen die Kirche gerichteten Bildungseinrichtung. Sie wollte die Schüler allein in ihrem Sinn erziehen und den Einfluß anderer Erziehungsträger eindämmen. Die Christenlehre wurde aus der Schule verbannt, Lehrer wurden dazu gebracht, aus der Kirche auszutreten.

 

„Die Lebensweihe, die ebenso zum sozialistischen Dorf gehört wie die modernen Anlagen des Rinderaufzuchtbetriebs, ist auf Initiative des örtlichen Organs und des Dorfklub zustande gekommen!“ (Freies Wort am 21. April 1978)

 

Besonders die Jahre 1952 / 53 und 1971 / 78 waren in dieser Hinsicht eine schlimme Zeit. Erst nach dem Gespräch des Staatsratsvorsitzenden mit dem Vorstand des Evangelischen Kirchenbundes entspannte sich das Verhältnis wieder und das Bekenntnis christlicher Kinder wurde wieder mehr respektiert. Die Schule als ein Kind kirchlicher Arbeit hatte sich ganz von der Kirche abgewandt. Deswegen ist es gut, auf die Ursprünge des Schulwesens auch in Steinbach-Hallenberg hinzuweisen.

 

 

 

Turmknopfurkunden in der Kirche zu Steinbach-Hallenberg

 

(Angefertigt von Peter Heckert, im September 1974)

 

Der Text wurde im November 2011 überarbeitet und vor allem dem heutigen Sprachgebrauch angepaßt. Der originale Text kann vom Verfasser bezogen werden.

 

Übersicht

Diese Akten befanden sich bei den Kirchenrechnungen auf der Kirchenkasse. Bis auf die letzen Stücke (es ist nicht ganz klar, wo die Grenze ist) handelt es sich wohl um die Urkunden, die im Turmknopf aufbewahrt wurden. Entweder sind es die originalen Urkunden, die einmal beim Aufsetzen des Turmknopfes nicht wieder in den Knopf eingelegt wurden, oder es handelt sich um eine Abschrift. Auf jeden Fall sind es die ältesten Urkunden der Kirchengemeinde Steinbach-Hallenberg, die über den Bau der Kirche berichten.

 

Korrigiert wird die Angabe, daß beim Richten der Kirche 139 Leute geholfen hätten: Es waren wesentlich weniger, die an verschiedenen Tagen halfen, einige davon an mehreren Tagen.

Wichtig ist auch die Angabe, daß die Sakristei im Jahre 1717 gebaut wurde. Weiterhin ist wichtig, daß es sich um Originalhandschriften von Pfarrern und Amtsschultheißen handelt und ein echtes Lacksiegel erhalten ist. Und schließlich kann man erschließen, daß der Turmknopf zunächst auf dem First des Daches angebracht war.

 

1. Beschluß zum Neubau der Kirche 1652

2. Schreiben an Landgraf Wilhelm 1652

3. Vergabe der Zimmererarbeiten und Bestellung von Bauaufsehern 1652

4. Vergabe der Maurerarbeiten 1652

5. Vergabe der Dachdeckerarbeiten 1653

6. Darlehen des Amtsschultheißen 1657

7. Aufsetzen des Knopfes 1697

8. Vergabe der Arbeiten für den Turm 1698

9.  Reparatur des Kirchendaches 1724

10.  Kredit für die Erweiterung des Friedhofs 1729

11.  Kanzelgitter und Bibel 1735.

 

 

Tatsächlich im Turmknopf befindliche Urkunden:

1.         Urkunde von Faust                                                    05. Dezember         1792

2.         Urkunde von Faust                                                    21. Juni                   1806

3.         Urkunde von Christian Menz jun                              07. September         1829   

4.         Urkunde von Pfarrer Habicht                                    08. September         1829   

5.         Spendenlisten, 3 Stück                                              21.September          1837   

6.         Urkunde von Pfarrer Habicht                                    23. Oktober             1837/6.11.1840

7.         Urkunde von Elias Usbeck                                        28. Juni                   1865

8.         Urkunde von Caspar Holland-Cunz                          28. Juni                   1865

9.         Urkunde von Caspar Holland-Cunz                          13. August              1873

                 (mit Gedenkblatt)

10.       Urkunde von Chr. W. Dittmar                                  21. August       1906 (Zickendraht)

11.       Urkunde über Rathausbau (Abschrift)                      21 .August       1906 (26.3.1900)

12.       Urkunde über Vereinshaus u.a.                                 22. August       1906

13.       Urkunde von Pfarrer Klingelhöfer                            22. August       1906

14.       Urkunde über Mädchenferienkolonie                       23. August       1906 (richtig: 22.8.)

15.       Spendenliste für Kirchenheizung                              22. August       1906

16.       Urkunde Ernst Menz                                                 12. August       1933

17.       Lebenslauf Franz Peter Diby                                    12. August       1933

18.       Urkunde von Oskar Holland-Letz                              9. August       1933

19.       Zeitung „Thür. Wochenschau“                                 15. August       1928

20.       13 Münzen, die ältesten im Turmknopf                  

21.       2 Münzen aus der Napoleonischen Periode              08.09.1829    

22.       Eine Hungermünze von 1816/1817                          08.09.1829    

23.       31 Münzen aus dem Kirchenkasten                          23. August       1906

24.       4 Münzen aus der Inflationszeit                                12. August       1933

25.       29 Banknoten aus der Inflationszeit                         12. August        1933

26.       Urkunde Pfarrer Kirchner                                         10. August       1933

27.       Brot- und Fleischmarken                                          12. August        1933

28.       Zeitgeschichtliche Aufnahmen von   1933               12.08.1933     

29.       Urkunde von Bernhard Recknagel                            12. August        1933

30.       Urkunde von Pfarrer Liederwald                               04. September 1953   

31.       Urkunde von Pfarrer Weiß                                        24. August       1960 (Festschrift)

32.       6 Münzen aus der Zeit nach 1949                             24. August       1960

33.       Urkunde von Bürgermeister Jäger                             29.09.1974

34.       Urkunde von Pfarrer Heckert (Volker Wahl)            05.10.1974                

35.       20 Münzen aus dem Jahre 1974                                 05.10.1974

 

 

 

ÄLTERE  URKUNDEN:

 

Nr.1: Beschluß zum Neubau der Kirche

Im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit. Amen. Wir stellen fest, daß das Kirchengebäude hier in Untersteinbach sehr baufällig geworden ist, so daß man Sorge haben muß, daß der Turm demnächst einfallen und noch größeren Schaden verursachen dürfte, wenn er und auch die Kirche nicht repariert werden. Außerdem ist dieser Kirchbau zu klein und bietet nicht genug Raum, daß die Jugend jederzeit hinein kommen kann, um am Gottesdienst teilzunehmen.

Deshalb sind sich die Gemeinden Ober- und Untersteinbach und auch die eingepfarrten Orte Oberschönau, Unterschönau, Rotterode  und Altersbach sich darüber einig geworden, das alte Kirchengebäude abbrechen zu lassen und die Kirche wieder von neuem aufzubauen und zu erweitern, Gott zur Ehre und zum Besten der Nachkommen, damit auch die Jugend darin Raum hat.

Die Gemeinden haben auch angeboten, nach ihrem Vermögen diesen Bau zu fördern.

Deshalb sind am heutigen 2. Januar 1651 sämtliche hiesigen Einwohner eingeladen und befragt worden‚ was ein jeder aus freiem Willen dazu geben und spenden wolle. Daraufhin hat ein jeder sich geäußert versprochen dazu zu geben, wie es das geführte Verzeichnis über Ober- und Untersteinbach, Oberschönau, Unterschönau, Rotterode und Altersbach festhält.

 

Als der Plan für den neuen Kirchenbau gefaßt wurde, gab es hier folgende Amtsträger:

Amtsschultheiß Herr Vincentius Zielfelder (aus Schmalkalden)

Pfarrer Magister Johann Georg Clemen (aus Schmalkalden)

Evangelisch-Lutherischer Pfarrer und Lehrer Conrad Heß (aus Tambach)

Kirchenväter: Hans Reinhard Klein, Volker Rothämel, Christoph Holland-Nell,    

Nicolaus Usbeck.

Gemeinderat: („Zwölferstuhl und Schöffen“): Barthel Rothämel, Stoffel Holland-Nell, Valtin Wilhelm Velle, Valtin Kindt, Wendel Menz, Georg Preiß, Hans Reinhard Klein, Petter Wilhelm, Hans Holland-Wolf, Philip Holland, Valtin Zitter, Claus Usbeck.

 

Gemeindevorsteher:  Blasius Anschütz, Hans Lang.

Derzeit wird die Ausübung der Religion in den hiesigen Evangelisch-Lutherischen Kirchen und Schulen ungehindert ausgeübt.

 

Nr. 2: Schreiben an Landgraf Wilhelm:

Dem Durchlauchtigen Hochgeborenen Fürsten und Herrn Wilhelmen Landgrafen zu Hessen, Grafen zu Catzenellenbogen, Dietz, Ziegenhain und Nidda, unserm Gnädigsten Fürsten und Herrn. Durchlauchtiger Hochgeborener Fürst, Gnädiger Herr…..Die Gemeinde zu SteinbachHallenberg kann sich nicht zurückhalten, daß unsere nun weit über zweihundert Jahre alte Kirche an allen Stellen elend und baufällig geworden ist, daß wir nicht mehr ohne Lebensgefahr in ihr den Gottesdienst halten und Gottes Wort anhören können.

Wir stehen in steter Gefahr, daß sie unversehens einfällt, besonders wenn in ihr die Glocken geläutet werden [Die Kirche hatte wohl nur einen Dachreiter, dessen Schwingungen beim Läuten sich auf die ganze Kirche übertrugen]. Daraus könnte großer Jammer und großes Elend entstehen. Um einem solchen zu erwartenden großen Unheil aber rechtzeitig zuvorzukommen, haben wir uns aus Vorsorge entschlossen, die Kirche ganz abzureißen und neu aufzubauen.

Dazu kommt, daß die bisherige Kirche für das große Kirchspiel, zu dem sechs Dörfer gehören, viel zu klein ist. Kaum der halbe Teil der Gemeindeglieder kann darin unterkommen.

Zu Ehren Gottes des Allmächtigen und um das Seelenheil zu fördern wollen wir die Kirche deshalb bei dieser Gelegenheit auch erweitern.

Doch es gehört sich, daß wir unsere Pflichtschuldigkeit tun und zuerst die Zustimmung ihrer fürstlichen Gnaden dazu erlangen. Deshalb bitten wir sie ganz untertänig, sie wollten gnädig geruhen und zu diesem unserem christlichen Vorhaben uns ihre gnädige Zustimmung erteilen.

Wir bitten aus den erwähnten Ursachen darum, daß sie es zulassen, daß wir den geplanten Kirchenbau durchführen können und auch die Kirche erweitern dürfen, damit jeder zu fleißiger Anhörung Gottes Worts einen Anlaß hat möge und nicht gegen seinen Willen davon abgehalten wird. Hiermit würden Sie Ihre hochgerühmte Gnade erweisen.

Geschrieben Steinbach, den 31. Januar1651, ihre untertänig gehorsame ganze Gemeinde in Unter- und Obersteinbach, Unter- und Oberschönau, Altersbach und Rotterode.

 

(Antwort auf der gleichen Seite wie die Anschrift):

Weil das Vorhaben der Bittsteller christlich und löblich ist, erteilen wir hiermit unsere Zustimmung, daß sie ihre Kirche nach ihren Wünschen bauen und vergrößern dürfen. Unterschrieben Schmalkalden, den 2. Februar Anno 1651, Wilhelm [Der Landgraf war gerade in Schmalkalden, deshalb nutzte man die Gelegenheit zur Einholung der Zustimmung).

 

Nr. 3: Vergabe der Zimmererarbeiten und Bestellung von Bauaufsehern:

Ausgefertigt in Steinbach unter Hallenberg den 17. April 1651:

Wegen des geplanten Kirchenbaus ist Folgendes  verabschiedet worden: Die neue Kirche soll in der Länge 27,20 Meter haben, die Kirche 18,60 Meter und der Chorraum 8,60 Meter.

Die lichte Weite im Inneren soll 11,5 Meter betragen, die Höhe 8 Meter, in zwei Stockwerken. In der Höhe soll sie gewölbt oder rund werden.

Dieser Plan ist am heutigen Tag Balthasar Engel, Baumeister von Brotterode, übergeben und worden. Hierauf sind für diesen Kirchenbau zu Baumeistern verordnet worden: Valtin Holland für Unter- und Obersteinbach und der Oberschönauer Förster Quirin Stübing für die eingepfarrten Dörfer.

 

 

Geschrieben Steinbach unter Hallenberg den 21. Mai 1651:

Heute haben sämtliche Gemeinderäte  und Vorsteher im Beisein der Kirchenväter und Kirchenrechner von Steinbach und den eingepfarrten Vertreter den Meister Baltzer, Zimmermeister von Brotterode, den Auftrag zu dem neuen Kirchenbau erteilt. Er soll die Hauptarbeit

der Zimmermannsarbeiten übernehmen und außerdem zwei Treppen auswendig an der Kirche anfertigen und die Lager für die Kirchenbänke und die Haken dafür machen. Als Lohn soll er

351 Gulden haben und beim Abschluß der Arbeit drei Eimer Bier.

 

Nr. 4: Vergabe der Maurerarbeiten:

Ausgefertigt Steinbach unter Hallenberg, den 9. Juli 1652:

Heute sind zusammengekommen der wohlgelehrte Pfarrer Johann Georg Clemen, der Kirchenvater Volker Rothämel, die Baumeister Quirin Stüber und Valtin Holland-Ebb‚ der Gemeinderat Valtin Schmidt, der Vorsteher Hans Lang sowie Hans Hofmann, Hans Hofmann der Ältere und Hans Seidler. Sie haben den Vertrag über den geplanten Kirchenbau mit den Maurermeistern Hans Kellermann und Hans Möller von Suhl ausgehandelt. Sie haben Folgendes vereinbart, was zu machen und anzufertigen ist:

1. Die Maurer sollen den Grund für den geplanten Kirchenbau legen, so wie derselbe gesucht und vorgefunden werden kann. Dann sollen sie die Mauern darauf errichten und auf diese ein Sims legen, auf dem der neue Kirchenbau stehen soll und muß.

2. Vor der Kirche sollen sie den Grund zum Turm legen, soweit der Turm einmal gehen soll, und ein Fundament an der Giebelwand entlang legen.

3. Sie sollen den Grund für die Säulen zu den Emporen in der Kirche anfertigen‚ soweit das Maurerarbeit ist Arbeit und dabei nichts ausschließen.

4. Sie sollen drei Türen zur Kirche vorsehen: die Erste zum Schulhaus hin mit einer Höhe von  2,72 Meter und in der lichten Breite von 1,71 Meter. Die andere Tür zum Turm soll in gleicher Höhe und Weitegemacht werden.  Die dritte Tür nach dem Pfarrhaus zu, soll 2,00 Meter hoch sein und 1,15 Meter weit.

5. Die Grundmauern des gesamten Kirchenbaus sollen rundherum mit einem Sims von etwa 28,5 Zentimeter Höhe versehen bis zu der Stelle, wo der Turm einmal hin soll.

6. An die sechs Ecken sollen sie Ecksteine einsetzen, wie es im Handwerk üblich ist.

7. Die Werkstücke unter die Säulen für die Emporen sollen sie machen, wie es üblich ist.

8. Die zum Kirchenbau benötigten Steine sollen sie im Steinbruch hauen. Ein Meister soll dabei für einen Tag 9 Groschen haben, ein Knecht aber 7 Groschen 6 Pfennige, miteinander als einen halben Gulden.

9.  Wenn sie während der Arbeit ihre Maurer- und Steinhauerwerkzeuge neu anspitzen müssen, soll das von der Gemeinde bezahlt werden.

10.  Für die Maurerarbeit an der Kirche sollen die Maurermeister alles in allem 200 Gulden als Lohn haben und einen Eimer Bier.

Am 13. Juli 1652 haben die Maurer früh um 6 Uhr den ersten Grundstein für den neuen Kirchenbau den Grund unten an der Ecke gelegt [Welche Ecke?].

Am 5. August 1652 haben die Maurer die Ecksteine für die Kirchenmauern gelegt.

Am 6. August 1652 haben sie angefangen, die Mauern zu machen.

 

Nr. 5: Aufrichtung des Fachwerks:

Daß walte Gott Vatter, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Am 11. November 1652 ist der Anfang mit dem Aufrichten des Fachwerks  für den neuen Kirchenbau gemacht worden. Es sind folgende Personen dagewesen und haben geholfen:

Hans Nothnagel, Conrad Jäger, Hans Rasbach, Blasius Anschütz, Hans Lang, Hans Diller, Bartholomäus Huhn, Valtin Gesell, Georg Kohl, Hans Rasbach, Valtin König, Hans Gesell, Heinrich Teichmann, Hans Hoffmann (Summe: 15).

Am 12. November 1652: Georg Nothnagel, sein Knecht Michael, Hans Nothnagel, Konrad Jäger, sein Knecht Hans, Claus Usbeck, Blasius Anschütz, Hans Diller, Bartholomäus Huhn, Valtin Gesell, Georg Kohl, Hans Rasbach, Georg Valtin König, Hans Lang, Hans Gesell, Heinrich Teichmann, Georg Kolb, Hans Köhler, Matthias Holland, Claus Abig, Hans Hoffmann (Summe: 22)[die Summe ist erst von späterer Hand hinzugefügt worden].

Am 13. November 1652: Georg Nothnagel, Michael Kaufmann, Hans Nothnagel, Conrad Jäger, sein Knecht Hans, Hans Gießler, Blasius Anschütz, Hans Lang, Claus Usbeck, Hans Diller, Bartholomäus Huhn, Valtin Gesell, Georg Kohl, Hans Rasbach, Georg Schöner, Valtin König, Hans Gesell, Heinrich Teichmann, Georg Kolb, Hans Köhler, Matthias Holland,

Claus Abig, Hans Holland Schreiner, Bastian Gerlach (Summe:24).

Am 15. November 1652: Georg Nothnagel, Hans Nothnagel, Hans Gießler, Conrad Jäger, Michael Kaufmann, Hans Rasbach‚ Blasius Anschütz, Hans Lang, Claus Usbeck, Hans Diller, Bartholomäus Huhn, Valtin Gesell, Georg Kohl, Hans Rasbach, Georg Schöner, Valtin König, Hans Gesell, Heinrich Teichmann, Georg Kolb, Hans Köhler, Matthias Holland, Claus Abig, Hans Holland Schreiner, Hans Coburg, Caspar Holland-Dick (Summe: 25)

 

Nr. 6: Vergabe der Dachdeckerarbeiten:    

Ausgefertigt Steinbach- Hallenberg den 13.November 1653:

Heute haben die Kirchenbaumeister Quirin Stübing und Valtin Holland-Eb in Gegenwart des Herrn Pfarrers Johann Georg Clemen den Vertrag mit den Dachdeckern Hans und Lorenz Scheupfer aus Steinbach und Winterstein geschlossen. Sie sollen das Ziegeldach auf die neue Kirche legen, mit Latten versehen und die Ziegel  in Kalk legen. Die Einzelheiten:

1. Für die Latten und das Auflegen von je 1000 Ziegeln sollen sie einen Gulden als Lohn haben. Wenn 14.000 Ziegel verarbeitet werden, ist der Gesamtlohn also 14 Gulden.

2. Für das In-Kalk-legen sollen sie für je 1.000 Ziegel 1 Gulden 9 Groschen als Lohn haben.

3. Es könnte eine Mehrmenge von1.000 Ziegel entstehen, weil noch First- und Ortgangsziegel zu dem Kirchendach dazu kommen, dann macht die Summe aller Ziegel 15.000 Ziegel, die in Kalk gelegt werden müssen [„Ortgang“ ist der Rand des Daches nach den Giebeln zu].

4.  Sie wurden beauftragt, für den Chor hinten an der Kirche die Eichenschindeln („Ochsenzungen“) zu machen und anzunageln. Dafür sollen sie 18 Gulden als Lohn haben.

 

In der Zeit, als die Kirche neu erbaut wurde,  standen die Geldmünzen in folgendem Verhältnis zueinander:

1 Dukaten                     2 Gulden

1 Gulden                     27 Groschen

1 Groschen                 12 Pfennige

1 Goldgulden               5 Ortsthaler

Das Getreide hat gekostet:

1 Maß Roggen           4 Groschen     6 Pfennig

1 Maß Wetzen           6 Groschen     9 Pfennig

1 Maß Gerste             4 Groschen     6 Pfennig

1 Maß Hafer              3 Groschen     6 Pfennig

1 Maß Erbsen            6 Groschen.   

 

 

 

Ohne Nummer: Darlehen des Amtsschultheißen

Als jetziger Amtschultheiß erinnere ich daran, daß ich im vorigen Jahr 1656  zur Förderung des Kirchenbaus fünfzig Gulden geliehen habe, wie es die nähere Aufstellung aufweist. Diese hätten aus der Kirchenkreditkasse wieder bezahlt werden sollen. Aber wegen anderer Ausgaben, die ebenso notwendig haben bezahlt werden müssen, hat man nicht so viel einnehmen können. Ich kann aber auf diese ausgelegten Gelder länger nicht verzichten, sondern es ist notwendig, daß sie wieder zurückgezahlt werden.

Es ist von den Gemeinderäten und Kirchenvorstehern für gut angesehen worden, die fünfzig Gulden mir von dem Kirchengeld auszuzahlen, das die Heiligenmeister in ihrem Vorrat haben, aber wieder erhalten sollen, wenn die Kredite ohne Versäumnis erhoben werden.

Ich bestätige hiermit, daß am heutigen Tag der jetzige Kirchenrechner Claus Abig mir diese fünfzig Gulden geliefert und zugestellt hat. Das beurkunde und quittiere ich hiermit. So geschehen am 3. Mai 1657 im Beisein von Valtin Wilhelm, Valtin Zitter und Valtin Holland-Nell…       Vincentius Zielfelder

Andere Seite: Unterschiedliche Zettel über ausgezahlte 130 Gulden1 1/2 Groschen zum neuen Kirchenbau, welche aus den Kirchenkreditgeldern geliehen wurden wieder bezahlt werden sollen [Die Kirchenkasse war früher so etwas wie eine Kreditkasse, denn der Bestand wurde gegen Zinsen ausgeliehen].

 

Nr. 7: Erweiterung der Kirche und Aufsetzen des Knopfes 1697

Jesus mit allen seinen Wohltaten zuvor!

Wir, die unterschrieben haben, geben unseren Nachkommen bekannt,  daß wir es für nötig befunden haben, die Emporen in der von unseren lieben Vorfahren erbauten Kirche und im Chorraum zu bauen und zu vergrößern. Diese [dritte Empore und die] Kirchensitze sind jetzt angefertigt, das Kirchendach repariert und die Verzierung des Knopfes mit der Fahne ist erfolgt. Am Tag unserer Kirchweih 1697 haben wir den Knopf aufsetzen lassen.

Weil es aber üblich ist, daß man den Zustand festhält, wie wir ihn jetzt haben, geben wir dies zur Nachricht: Das Maß Roggen kostet 10 Groschen, der Weizen 1/2 Gulden, die Gerste ein Kopfstück, der Hafer 4 Groschen, das Maß Wein 5 Groschen 6 Pfennig, das Maß Bier 5 Pfennig 1 Heller.

Gott helfe nun gnädigst, daß der Friede, daran zu dieser Zeit mit allem Eifer in Den Haag von den hohen Vertretern gearbeitet wird, dazu führt, daß die Nachkommen bessere Zeiten und beständige Ruhe erlangen werden. Das wünschen wir, die wir unterschrieben haben, von Herzensgrund und          ….

 

Den 14.September 1697

Adam von Jossa, derzeit Fürstlich Hessischer Amtsschultheiß

Ludwig Bertholdt, Philosophie-Magister.. und jetziger Reformierter Pfarrer

Johannes Adam Maji, derzeit Lutherischer Pastor

Jacobus Lang, derzeit Kantor und Gemeinde-Schreiber

Johann Nicolaus Avenarius, Organist und Schullehrer

Hans Valtin Holland, Baumeister.

Der Gemeinderat ist besetzt mit nachfolgenden Personen:

Johannes Hemmling, Matthäus Holland-Moritz Älter, Nicolaus Köllmann, Valentin Hellmann, Johannes Albrecht, Valentin Büchel der jüngere, Johann Christoph Usbeck, Valtin Holland Kanngießers Sohn, Philipp Heyl, Johann Abel Wahl, Jonas Pfannschmidt, Georg Wilhelm, Schneider

Vorsteher: Nicolaus Luck, Peer Nothnagel

Kämmerer: Johann Holland-Moritz Klein, Johann Caspar Holland, Kanngießer.

 

Nr. 8: Vergabe der Arbeiten für den Turm 1698:

Verzeichnis dessen, was Meister Josef fordert von wegen der Kirche:

Zuerst wird er die Baugrube ausheben, 2,85 Meter breit und so tief wie nötig und 8,60 Meter unten im Quadrat, über dem Grund 8 Meter im Quadrat. Gemauert werden soll 17,20 Meter hoch und außen mit Quadern, unten mit einem Fußgesims und unten mit einem Kreuzbogen und mit einer großen ausgehauenen Tür und einem durchgehenden Kreuzgewölbe in die Kirche hinein. Alle Stockwerke sollen ein Traufgesims haben und oben ein schönes Hauptgesims.

Auf dem Hauptgesims mit einer steinernen laufenden Wehr soll von dem Zimmermann aus Holz ein Umgang mit acht Ecken gemacht werden. Der Meister Josef soll den eigentlichen Turm außen mit einer einige Dezimeter dicken Mauer verblenden. Das Holzfachwerk soll ausgemauert und das [obere] hölzerne Gebäude 5,75 Meter hoch sein ohne die welsche [geschwungene] Haube.

Der Baumeister verpflichtet sich, alle Handlanger auf seine Kosten zu halten und alle Steine, für die Kirche selbst zu brechen. Ferner wird er den Kalkofen ausgraben und mauern und alle nötigen Steine für das Kalkmachen zu rechen und den nötigen Kalk zu brennen, und alle Kalklager [?] zu machen.

Der Baumeister bedingt sich eine freie Wohnung und wird für jedes und alles, was in dieser Aufstellung steht, 1.900 Gulden berechnen. Er wird alles Werkzeug, das zum Steinbrechen gebraucht wird, kostenlos erhalten, aber wenn der Bau fertig ist, bleibt das Werkzeug der Gemeinde.

Mit dem heutigen Datum  haben wir Gemeinderäte zu Steinbach mit Zustimmung des Herrn Amtsschultheißen und der beiden Geistlichen mit Meister Josef Wißmar für 1.800 Gulden diesen Vertrag geschlossen über den Aufbau des Turms. Dafür hat der erwähnte Wißmar versprochen, alle Arbeit wie in diesem Vertrag steht zu volbringen. Er hat es mit seiner eigenen Unterschrift bekräftigt. Die Zustimmung des Herrn Oberrentmeisters steht noch aus.

Steinbach, den 23. August 1698

 

Abrechnung über den Turmbau 1701:

Am 7. [Monat fehlt] 1701 haben wir mit dem Steinmetz Johan Wallebern abgerechnet. Er hat  laut Quittung empfangen:

Von Hans Hemmling              49 Gulden  4 Groschen 6 Pfennig

Von Peter Usbeck                   15 Gulden 18 Groschen

Von Valtin Holland                 92 Gulden 14 Groschen 6 Pfennig

Aus der Kollekte                     24 Gulden 22 Groschen 6 Pfennig

                        Summe:          182 Gulden   5 Groschen 6 Pfennig.

Meister Caspar Walleber muß also noch 17 Gulden 21 Groschen 6 Pfennige erhalten, so daß er insgesamt die 200 Gulden erhält.

[Andere Schrift] Ich, Johann Caspar Walleber, bekunde, daß diese Rechnung richtig ist.

 

 Nr. 9:  Reparatur des Kirchendaches 1724: 

Jesus! Eine erneute Reparatur des Kirchendachs war höchst nötig. Es mußte neue Latten angebracht und die Ziegeln in Kalk gelegt werden. Auch die 1717 erbaute Sakristei muß inwendig ausgemalt und die Ziegel außen in Kalk gelegt werden. Deshalb haben die Kirchenväter mit meiner, des Pfarrers Zustimmung, einen Vertrag gemacht mit dem Meister Johannes Luther, Bürger und Weißbinder, in Schmalkalden. Er soll fünfzig Gulden erhalten. Dazu wurden  etwa 24 Malter schwarzer und weißer Kalk und anderen Materialien angeschafft. So hat der damalige Bau siebzig Gulden gekostet.

Gott erhalte das liebe Gotteshaus und bewahre es vor allem Schaden und lasse den lieben Frieden beständig blühen, daß sein Wort bis an den jüngsten Tag darin rein und lauter gepredigt und die Heiligen Sakramente ausgeteilt werden zu seiner Ehre und zur Seligkeit aller, die darin die schönen Gottesdienste des Herrn verrichten und diesen seinen „Tempel“ besuchen.

 

Damit aber unsere liebe Nachkommen wissen, in welcher Zeit und Herrschaft wir leben, so gebe ich dazu folgende Nachricht: Unser regierender lieber Landesfürst und Herr ist der durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr Carl, der erste Landgraf zu Hessen-Cassel, Fürst zu Hersfeld, usw. Durch Gottes Gnade steht er jetzt im 70. Lebensjahr.  Gott erhalte Seine hochfürstliche Durchlaucht noch viele Jahre im Segen.

Dieser unser gnädigster Landesfürst und Herr hat die Ehre erlebt, daß seine hochfürstliche Familie sich in höchster Blüte befindet: Sein ältester Prinz, Herr Friederich der erste Landgraf zu Hessen, wurde 1720 auf den Königlich-Schwedischen Thron ) erhoben, nachdem er einige Jahre vorher mit der schwedischen Prinzessin vermählt wurde und nach dem Tod Karls XII,  Königs in Schweden, der vor Friedrichshall in Norwegen erschossen worden ist.

Mit den übrigen drei Prinzen ist es so: Wilhelm ist vermählt mit einer Prinzessin zu Sachsen-Zeitz. Maximilian ist vermählt mit einer Prinzessin aus der Hochfürstlich-Hessischen Familie Darmstadt.  Georg ist noch unverheiratet. Sie sind alle große kaiserliche und holländische Generäle. Ihre Majestät aber, unser allergnädigster Erbprinz, hat zur Zeit noch keine Leibes-Erben.

Die Religionsausübung hat sich sehr geändert und verringert seit 1692 mein Großvater und Amtsvorgänger Matthäus Avenarius gestorben ist. Bei Antritt seines Nachfolgers Johann Adam Maji wurde der Wechsel („Alternation“) beim Gottesdienst eingeführt: Einen um den anderen Sonntag wechseln sich die beiden Prediger der Lutheraner und der Reformierten beim Gottesdienstes und Predigen ab. Wenn einer früh gepredigt hat, so predigt der andere am Nachmittag. Ausgenommen sind die hohen Feiertage: Der erste Tag bleibt allezeit früh den Lutheranern, ebenso  das Kirchweihfest, Aposteltage, Bußtage, Mittwochspredigten und Betstunden.

Die hiesige Ober- und Untersteinbacher Gemeinde bestehet zur Zeit aus 300 Mann und etwas darüber, darunter sind nicht mehr als 10 reformierte geist- und weltliche Bediente. Mit eingeschlossen sind in Unterschönau 5 reformierte Männer und in Altersbach einer.

Die geistlichen und weltlichichen wie auch Gemeinde- und Kirchenämter sind dieser Zeit folgenden Personen überantwortet:

  1. Herr Justus Eckard Zufall, Amtschultheiß

  2. Herr Johann David Eberhard von Schmalkalden, Reformierter Pastor.

  3. Ich, Johann Reinhard Avenarius von Roßdorf, Lutherischer Pastor

  4. Herr Johann Heinrich Doles von Steinbach, Kantor, Nachfolger seines Vaters

  5. Herr Johann Avenarius von Steinbach, Organist, Nachfolger seines Vaters

  6. Caspar Dietzel, Schlosser                         Kirchenväter

  7. Johannes Rothämel, Schuster                   Kirchenväter

  8. George König, Schuster                            Kirchenväter

  9. Johannes Reumschüssel, Schlosser          Kirchenväter

10. Joh. George Faßler, Gabelschmidt, ist reformierter Kirchenvater.

 

Zum Gemeinderat gehören folgende:

  1. Valten Holland, Kanngießer, Hufschmidt in Untersteinbach

  2. Peter Nothnagel, Hammerwerker in Obersteinbach

  3. Caspar Dietzel, Schlosser in Obersteinbach

  4. Johannes Rothämel, Schuster in Untersteinbach

  5. Valten Recknagel, Hammerbläser in Untersteinbach

  6. Johannes Faßler, Büttner in Obersteinbach, reformiert

  7. Johannes Hoffmann, Rinckenschmied in Untersteinbach

  8. Johannes Wilhelm, Handelsmann in Obersteinbach

  9. Caspar Allbrecht, Hufschmied in Untersteinbach

10. Johann Georg Holland-Merten, Nagelschmied und Hammerwerker in Obersteinbach.

 11. Nicolaus Ritzmann, Schlosser in Obersteinbach

12. Johann Georg Faßler, Gabelschmidt in Obersteinbach, reformiert.

 

Als Vorsteher dienen der Gemeinde:

1. Sevarus König, Nagelschmied in Obersteinbach

2. Valentinus Nothnagel, Hammerschmied in Untersteinbach

 

Gemeinderechner:

1. Johannes Eck, Hufschmied in Untersteinbach

2. Johann George Usbeck, Schlosser in Obersteinbach.

 

Fleischschätzer:

1. Johann Georg Pfannschmidt, Zainer in Obersteinbach

 2. Johann George Ritzmann, Schlosser in Untersteinbach, Werkmeister:

      Johann Georg Wagner, Schlosser in Obersteinbach

 

Heiligenmeister:

1. Caspar Holland-Moritz, Nagelschmied in Obersteinbach

2. Johannes Francke, Schuster in Obersteinbach.

      Johannes Faßler, Büttner in Obersteinbach ist reformierter Heiligenmeister.

 

Ansonsten ist es bisher nicht zu teuer, doch eine sehr nahrlose Zeit gewesen. Die Waren der Handwerker erzielen nur einen schlechten Preis. Die Last für das Land ist sehr groß. Dazu kommt auch die Einquartierung der Hessischen Reiterei, die nun an die 15 bis 16 Jahre gewährt hat. Deshalb nimmt die Armut hier sehr überhand. Das Getreide ist in wenigen Tagen im Preis auch höher gestiegen, weil bisher während der Erntezeit in Thüringer und Franken ständig Unwetter waren. Das Maß Roggenkostet 11 Groschen, der Weizen 14 Groschen, die Gerste 6 Groschen der Hafer 5 Groschen, das Maß Bier aber 5 1/2 Pfennige.

 

Das gute Geld der gängigen Münzen erzielt einen hohen Preis:

Ein Dukat ergibt 12 Kopfstück 3 Batzen. Ein alter Sächsischer, Brandenburgischer und Lüneburgischer Gulden wird den armen Leuten für 1 1/2 Gulden aufgehängt, bei neuen Landesmünzen dieser Art  wird auf ein 2/3 Stück 9 Pfennig lage [?] gerechnet. Das französische Geld ist zur Zeit sehr verbreitet, und zwar so, daß auf jeden Gulden 1 Groschen und jedes 2/3 Stück 6 Pfennige lage stehet.

Weiter gibt es viele Hessen Zehner, von denen  32 einen Gulden ergeben, jedoch auf einen Gulden 9 Pfennig lage gerechnet wird. Danach sind Batzen, halbe Batzen, Weißpfennige und andere Münzen vielfältig üblich, teils mit Lage, teils ohne Lage.

Zur Zeit ist es zwar in Europa überall friedlich und kein Krieg, doch tun sich solche Entwicklungen hervor, daß nichts Gutes zu erwarten ist. Gott erhalte uns und unseren lieben Nachkommen im Frieden und Segen um Jesu Christi willen.

Gegeben Steinbach Hallenberg, den 8. August 1724

 

Nr. 10.  Kredit für die Erweiterung des Friedhofs 1729:

 Wir Gemeinderäte und Vorsteher der Gemeinde Steinbach, wie auch wir Schultheißen und Vorsteher der Gemeinden Rotterode, Altersbach und Unterschönau beurkunden und bekennen

für uns und im Namen der erwähnten Gemeinden -  und zwar einer für alle und alle vor einen - daß uns Herr Johann Georg Zielfelder, Fürstlich Hessischer im Amt Hallenberg eingesetzter Förster, auf unsere Bitte hin 100 Gulden geliehen hat, der Gulden zu 24 gute Groschen gerechnet. Diese Summe wir bar empfangen zum Besten der Gemeinden. Es soll zur Anschaffung eines Stücks Land für den hiesigen Friedhof und Errichtung einer neuen Mauer und ihrer Erweiterung verwendet werden.

 

 Wir geloben das Kapital von einhundert Gulden nicht allein jährlich landesüblich zu verzinsen, sondern es auch nach einer vierteljährlichen Kündigung wieder zurückzuzahlen, wobei sich jede Seite vorbehält, in den empfangenen guten Münzen wieder zu zahlen.

 

Damit aber unser Herr Kreditgeber und auch dessen Erben in allem genügend gesichert sind,

so verschreiben wir ihm als Unterpfand  die Einkünfte unserer Gemeinden, wie sie auch heißen mögen, so viel zur Tilgung nötig ist, damit er sich im Nichtzahlungsfall daran halten kann.

Zu noch besseren Absicherung und Beglaubigung haben wir mit unterschreiben lassen den Fürstlich Hessischen Amtschultheißen des Amtes Hallenberg Justin Eckhard Zufalle. So geschehen Steinbach, den 20. April 1729

Fürstlich Hessischer Amtmann Justin Eckhard Zufall [echtes Lacksiegel, Unterschriften]

 

Nr. 11: Kanzelgitter und Bibel 1735:

Der Kirchenrechner hat am 12. Februar auf Anweisung des Pfarrers 2 Gulden 12 gute Groschen an Jacob Müller in Brotterode für das eiserne Gitter an der Kanzel geben müssen.

Weitere 18 gute Groschen hat er am 13. März an Hans Holland-Eb von hier als Fuhrlohn gegeben, um das Eisen für das Gitter nach Brotterode zu fahren,

Am 13. März hat er weitere 12 gute Groschen an Hans Dietzel für ein Schloß und Bänder an die Bodentür in der Kirche gegeben [Tür zum Turm?]. Diese drei Posten müssen aus der Kirchenkreditkasse wieder erstattet werden.

 

Im Jahr 1735 wurden an barem Geld zu völliger Bezahlung der Tübingischen neuen Bibel und Bekleidung des Pultes  aus der Kirchenkasse genommen

1 Gulden zur Vervollständigung des Kaufs

16 gute Groschen für Herrn Eberhardt zu Hallenberg wegen einiger dabei gehabten Unkosten und wegen seiner Mühe.

6 gute Groschen an Herrn Just Sion, Gärtner von hier, wegen des Transports der Bibel.

16 gute Groschen für eine Elle blaues Tuch und gelbes Band, gekauft  bei Herrn Spielhausen in Schmalkalden, um das Pult zu bekleiden, auf dem die Bibel liegt.         J. A. Maji, Pfarrer

 

(Es folgt noch eine kleine Quittung über ausgeliehenes Kapital und die Rückzahlung und ein gedrucktes Schreiben des Konsistoriums, daß man bei einem Orgelneubau erst die Genehmigung einholen muß).

 

 

 

 

NEUERE URKUNDEN:

 

Nr. 1: Großer Brand 1792

Aufgeschrieben in Steinbach am 5. Dezember 1792: Am 3. April 1790 morgens gegen 7 Uhr brach in der Wohnung der Witwe Wilhelm Köllmann jun unter dem Dache ein Feuer aus. Es riß zuerst die gegenüberliegende Pfarrwohnung weg und nahm mit solcher Schnelligkeit überhand, daß bei dem entsetzlichen Sturmwind es nicht menschenmöglich war, den wütenden Flammen Einhalt zu gebieten. In vier Stunden wurden Pfarr- und Schulgebäude und mit diesen 40 Wohnhäuser, 20 Scheunen, etliche 20 Werkstätten und 10 Kohlhäuser völlig in Asche verwandelt.

Auch hat bei diesem Unglück der Kirchturm sehr und die Kirche etwas gelitten, so daß das sämtliche Fachwerk vom  Achteck des Turms an neben Glocken, Uhr, Helm und Fahne völlig

vernichtet wurden. Der menschenfreundlichen Hilfe der beiden Gemeinden Herges und Viernau, die mit ihren beiden Spritzen herbeieilten, hatten wir es vorzüglich zu danken, daß die Kirche und der übrige Teil des Turms gerettet wurden.

Im Jahre 1791 hatten wir die Gnade, unseren Durchlauchtigsten Landesfürsten Landgrafen Wilhelm IX. bei uns zu sehen. Er nahm sowohl sämtliche neuen Gebäude und die Brandstätten der noch nicht wieder aufgebauten Pfarr- und Schulhäuser in Augenschein und hat auch fast das ganze Amt bereist. Der Besuch veranlaßte uns, um eine Kollekte, nachzusuchen und wir hatten es vor allem diesem glücklichen Zeitpunkt zu verdanken, diese gnädigst zugestanden zu erhalten.      

Das Kirchspiel erhielt in diesem Sommer mit 610 Taler von mir, dem Amtmann, ausgezahlt. Außerdem erhielt das Kirchspiel noch 1.300 Taler von der Brandversicherung. Mit dieser Summe und mit weiteren Zuschüssen konnte man sämtliche Gemeindegebäude wie Pfarrhaus und Schulhäuser wieder aufbauen. Die Baukosten haben ungefähr 2.500 Taler betragen.

Dazu  wurden von den älteren, noch in der Kirchenkasse befindlichen Kollektengeldern 500 Taler verwendet.

Drei neue schöne Glocken lieferte die Glockengießerei Christoph Ulrich zu Apolda und bekam dafür 450 Taler. Die neue Uhr hat der Uhrmacher Eberhardt in Stadtilm für 200 Taler angefertigt.

Die zwei Zimmermeister Brüder Menz von Suhl mußten den  Kostenvoranschlag für den Turmbau machen und die Zeichnung anfertigen. Danach wurde der Bau an den Zimmermeister Dammer aus Sooden-Allendorf und den Schieferdecker Schröder aus Eschwege zum Preis von 594 Taler vergeben, jedoch ausschließlich  der Materialien.

Um Pfingsten dieses Jahres begann das Werk und heute - dem Höchsten sei es gedankt - wurde es unter seiner Obhut glücklich vollendet. Der hiesige Maurermeister Friedrich Matheus hat das sehr ausgebrannte Mauerwerk - das Achteck - völlig wieder hergestellt und es mit dem Holz und Gebälke in Inneren gut verbunden.

Es wurden 230 Zentner Schiefersteine verbraucht, die man von Wildungen im Waldeckischen kommen ließ. Jeder Zentner wurde einschließlich des Fuhrlohns mit 1 Taler 8 Groschen

bezahlt. Die Schiefer kosten also das Kirchspiel 293 Taler 8 Groschen. Das Bauholz ist zwar in den hiesigen Wäldern angewiesen worden, aber es wurde mit schweren Kosten herbeigeschafft und kostete 200 Taler.

[Anmerkung: Die Währungseinheit wird jetzt mit „Taler“ angegeben. Es müßte in den Originalurkunden nachgesehen werden, wie sie lautet. Auch das Zeichen, das wie ein  „R“ aussieht, bedeutet „fl“ für Gulden („Florin“). Die Angabe „Louisdor zu 5 Taler gerechnet“ oder  „Louisdor zu 6 ½ Taler“ weist auf die Währung „Taler“, denn ein Louisdor hatte sonst 11 Gulden].

 

[Der nachfolgende Abschnitt war unter  Nr. 2 eingeordnet. Er gehört aber zu 1792, denn der Kantor Johann Christoph Usbeck war nur bis 1794 tätig, Organist Wiegand bis 1799. Auch der Krieg mit den Franzosen paßt nur in diese Zeit, nicht zu 1806. Auch der Geldkurs ist von 1792 und erst 1829 von Pfarrer Habicht ergänzt]

 

Den Knopf einschließlich des sämtlichen kupfernen Zubehörs hat der Kupferschmiedemeister Wolf in Schmalkalden für 14 Taler angefertigt. Die Fahne mit dem Windanzeiger hat der Schlossermeister Jacob Rennth in Suhl für 18 Taler geliefert, Hufschmiedemeister Caspar Nothnagel von hier aber die Anker dazu gemacht und dafür  32 Taler bekommen. Die Vergoldung und übrige Verzierung gab dem Werk ein junger Mensch aus Schmalkalden namens Dohl. Der ganze Kirchturmbau kostet dem Kirchspiel 1.500 Taler.

 

Zur Zeit sind hier gnädigst angestellt:

1. Der fürstliche Landrat über die ganze Herrschaft Schmalkalden, Herr Christian von Eschwege

    zur Aue

2. Ich, der Fürstliche Amtmann, Friedrich Hartmann Faust

3. der evangelisch reformierte Prediger Herr Johann Ludwig Reuß

4. der evangelisch lutherische Prediger Herr Georg Friedrich Habicht

(Lateinischer Zusatz von Habicht, der auch seinen ersten Vornamen aus „Johann“ in „Georg“ verbessert hat): Sohn seines Vorgängers Rollemann Valentin Habicht  aus Schmalkalden

5. der der zeitige fürstliche Forstbeamte Herr Karl Lampmann

6. der Kantor Christoph Usbeck

7. der Organist Wiegand

8. der Schultheiß Nicolaus Reinhard, zugleich Bauaufseher und Rechnungsführer

9. der Kastenmeister Peter Wilhelm sen., ebenso Bauaufseher und Rechnungsführer für den Kirchenbau.

 

Vorgesetzte:

10. George Cramer   

11. Johannes Wilhelm

12. Michael Holland-Letz

13. Caspar Rothämel

14. Valentin Huhn     

15. Peter Usbeck

 

Derzeitige Vorsteher:

16. Johannes Recknagel        

17. Michael Nothnagel

In den eingepfarrten Dörfern

18. Johann Ernst Holland Moritz, Schultheiß zu Rotterode

19. Valentin Mangold, Schultheiß zu Altersbach

20. Christian Stübing, Schultheiß zu Unterschönau.

Wir leben übrigens jetzt in einer Periode, die in Hinsicht auf die jetzigen Franzosenkriegs am Rhein für die Ruhe Deutschlands sehr bedenklich wird. Frankreich empörte sich gegen seinen souveränen König, stürzte ihn vom Thron, brachte ihn und seine Frau, seinen Kronprinzen und seine Tochter, auch seine Schwester, als Gefangene in die sogenannten „Tempelgebäude“ in Paris und macht ihm jetzt den Prozeß.

Die zur Zeit regierende Kaiserliche Majestät Franz II. konnte dieses nicht mit gleichgültigen Augen ansehen und schickte daher in Verbindung mit seiner Majestät des Königs von Preußen und seiner Hochfürstlichen Durchlaucht unseres Herrn Landgrafen eine starke Heeresmacht nach Frankreich. Darunter befanden sich auch 6.000 Mann Hessen. Der König und unser Gnädigster Fürst zogen selbst mit ins Feld.

Die beiden erwähnten Monarchen hatten den Oberbefehl über sämtliche Verbände der Armee

dem regierenden Herzog zu Braunschweig-Wolfenbüttel übertragen. Die alliierte Armee war schon tief in Frankreich bis in Champagne eingedrungen, hatte die Festungen von Longwy und Verdun eingenommen und den General Dummourier fast eingeschlossen. Aber durch widrige Zufälle, besonders durch den Mangel an Lebensmitteln, sahen sie sich wieder zum Rückzuge und zur Räumung jener Festungen genötigt. Mittlerweile war der Französische General Custine von Landau aus in Speyer und Worms eingefallen und hatte dort ein ansehnliches Kaiserliches Magazin weggenommen. Dann war er weiter nach Mainz und Frankfurt gezogen und behauptet diese Plätze bis jetzt.

Unsere Hessen und die Preußen stehen jetzt am Rhein und wir sind erwartungsvoll der Blutszenen, die es da geben dürfte. Wollte der Himmel nur, daß die Erfolge [der Franzosen] unserer bangen Erwartung nicht entsprechen.

Man hat die vorstehenden merkwürdigen Nachrichten auf Bitten der hiesigen Gemeinde und des Kirchspiels zum ewigen Andenken festhalten wollen.

Landgräflich Hessisches Amt, Faust, gegenwärtiger Amtmann

 

Derzeitige Kirchenväter sind:

1. Christian Holland-Letz      

2. Christian Fassler

3. Matthäus Jäger

4. Matthäus Bühner

5. Georg Kaufmann in Altersbach

6. George Schatz in Rotterode

7. Johannes Bauerschmidt

8. Christian Recknagel in Unterschönau

9. Friedrich Christoph Jäger

 

Geldkurs im Jahr 1792:    

 

 

edict                          

current  

gilt zur  Zeit 1829

1  Carolin 

6 Taler 4 Groschen

8 Taler

8 Taler 8 Batzen

1  Louisdor                

5 Taler  4 Groschen  

6 Taler   9 Batzen     

7 Taler 14 Batzen

1  Maxdor                  

4 Taler  4 Groschen   

5 Taler   6 Batzen

 

1 Ducat                      

2 Taler 20 Groschen  

3 Taler 12 Batzen      

4 Taler   4 Batzen

1 Laubthaler              

1 Taler 13 Groschen  

2 Taler 12 Batzen      

2 Taler   2 Batzen

1 Species Thaler       

1 Taler   8 Groschen  

1 Taler   8 Batzen       

1 Taler 16 Batzen

 

 

 

 

     

an Münzen: ein 6 Groschen Stück                 29       Kreuzer

                          4 Groschen Stück                 19       Kreuzer

                          2 Groschen  Stück                  9,5    Kreuzer

                          1 Groschen Stück                 17       Pfennig 

                          2 ad Stück                             26       Pfennig

                         1 ad Stück                             13       Pfennig (oder 12 Heller).  

und Kupfermünzen: 6 Heller Stücke,  4 Heller Stücke,  3 Heller Stücke,  2 Heller Stücke , 1 Heller Stücke.          M. Lohrmann, Amtsschreiber hat dieses zusammengestellt.

 

Nachschrift von Habicht von 1829:

Von all den in diesem Heft genannten Personen lebt heute, den 8. Sept 1829, niemand mehr als der unter Nr. 17 genannte derzeitige Ortsvorgesetzte Michael Nothnagel und der damalige Amtsschreiber M. Lohrmann, heute Spiegelscher Rentmeister in Bodenwerder-Övelgönna

im Gebiet von Paderborn. Mein Vater und Vorgänger, Georg Friedrich Habicht, starb 1828, den 27. Januar, 77 Jahre 2 Monate alt, der 57.Jahre als Prediger hier und in Springstille war.                                                                                                                    W. F. Habicht

 

Reparatur der Fahne 1796:

Aufgeschrieben Steinbach am 17. Juni 1796:

Am 2. März dieses Jahres entstand ein fürchterlicher Sturmwind, durch den unter mehreren Gebäuden auch der hiesige Kirchturm litt. Die Gewalt des Windes hatte die Spindel der Fahne ganz auf die Seite gebogen, die Fahne herunter geworfen und wegen des durch die Spindel erhaltenen Drucks den Knopf beschädigt.

Der Schieferdeckermeister Schröder aus Eschwege, der Erbauer des neuen Turms, der Nachricht von diesem Schaden erhalten, meldete sich, ihn zu reparieren. Heute ist derselbe damit fertig worden. Die Fahne lief vorher nur in zwei an ihr  angebrachten Ohren. Nun geht sie in eine daran angebrachten Röhre, in der sich die Spindel befindet. Sie steht also nun in ihrem so notwendigen völligen Gleichgewicht‚ um die Veränderungen des Windes auf das genaueste anzeigen zu können.

Die Verbesserung und völlige Wiederherstellung der  Fahne hat der hiesige Schlossermeister Elias Usbeck unternommen und geschickt ausgeführt. Man hat geglaubt, diese Begebenheit ebenfalls nachtragen zu müssen. So geschehen wie oben. Landgräflich Hessisches Amt,

Faust.

 

 

Nr. 2: Turmknopfreparatur 1806

Aufgeschrieben Steinbach am 2l. Juni 1806:

Da der Knopf des hiesigen Kirchturms etwas Schaden gelitten hat, wollte man bei Gelegenheit seiner Reparatur folgende merkwürdige Ereignisse für die Zukunft vermerken:

1. Seine Kurfürstliche Durchlaucht, unser gnädigster Landesherr, hat vor einigen Jahren die Kurwürde angenommen und Ihren feierlichen Kirchenzug in die St. Martini Kirche in Kassel am 15. Mai 1803 gehalten.

2. Voriges Jahr wurde rund um uns herum eine Fruchtsperre mit beispielloser Strenge angelegt und vollzogen. Eine Hungersnot würde unfehlbar eingetreten sein, wenn nicht Seine Kurfürstliche Durchlaucht und Landesvater gnädigst geruht hätten, uns aus Ihren Magazinen und durch zweckmäßige Vorkehrungen aus den übrigen Vorräten des Landes huldvoll zu unterstützen.

Geschrieben zum Andenken dieser frohen Ereignisse: Faust‚ Amtmann, Henrich Reiszig, Viceschulz, Caspar  Rothämel (?), Vorgesetzter.

Ferner bemerkt man ebenfalls als seltenes Ereignis: Der Sohn des hiesigen evangelisch lutherischen Predigers, Herr Wilhelm Friedrich Habicht ist seinem Herrn Vater nach vorher gesetzlich vorgeschriebener Abstimmung gnädigst beigeordnet wurde mit der Hoffnung, einst sein Nachfolger zu werden. Er wurde zum offiziellen Pfarrassistent ernannt.     Derselbe  Faust

 

 (Nachtrag von 1829: Noch im Herbst des Jahres 1806 [Jahreszahl später ergänzt] wurde unser Hessenland von den Franzosen feindlich besetzt und unser teurer Kurfürst Wilhelm I. vertrieben. Im Jahre 1807 wurde Hessen zusammen mit Hannover, Braunschweig und einem Teil von Preußen dem Hyronimus Napoleon als „Königreich Westphalen“ übergeben, der  uns sieben Jahre bis 1813 regiert hat, bis wir den Herbst des letzten Jahres unsren alten teuren Landesvater wieder in seine Residenz einziehen sahen. Steinbach, den 7. September 1829           

 Christian Menz jun, Amtsschultheiß)[„Hieronymus“ kennt man unter dem Namen „Jerome“].

  

Nr. 3: Turmreparatur 1829

Aufgeschrieben Steinbach am 7. September 1829:

Bei der in diesem Jahr gehabten und heute vollendeten geringen Turmreparatur benutzte ich die Gelegenheit, nachstehendes Denkwürdige für die Nachkommen niederzuschreiben:

In den Jahren 1816 und 1817 war nicht allein hier, sondern fast in ganz Deutschland eine große Teuerung aller lebensnotwendigen Dinge. Aus diesem Anlaß wurden verschiedene Gedenkmünzen geprägt, deshalb habe ich eine hier eingelegt. Die Hungersnot war sehr groß.

Das Korn, das aus Rußland kam, kostete pro 20 Liter Taler 6 Batzen, ein Tragkorb („Kötze“) voll Kartoffel kostete 1 Taler 9 Batzen und auch bei manchen Geizigen noch einige Batzen mehr.

Im Jahre 1817 am 31. Oktober wurde das 300-jährige Reformationsfest sehr feierlich begangen. Neben mehreren Bäumen (Nachtrag: welche aber großenteils nicht mehr stehen) wurde zum Andenken eine Linde unter die sogenannte „Kehrslinde“ gesetzt.

Anno 1823 wurde das jetzige untere Wirtshaus unter der Gemeindeverwaltung des Schultheißen und Vorstehers Elias Usbeck und Matthäus Weber für 1.550 Taler angekauft.

Im Jahre 1824 wurde der Straßenbau angefangen (Anmerkung Habicht: auf Betreiben des hochverdienten derzeitigen Kreisrats, Regierungsrat Schoedde zu Schmalkalden) und unter Leitung des oben erwähnten Schultheißen vom oberen Wirtshaus bis an die Kirchengasse

durchgeführt und dann unter dem Schultheißen Peter Holland im Jahre 1826 bis an den Unterhammer fortgeführt. Im Jahre  1827 wurde die Straße unter Leitung des Schultheißen Christian Menz jun. bis an die Linde und noch darüber hinaus gebaut.

Sodann wurde im gleichen Jahr auch die Brücke bei dem Erbsthal durch den Maurermeister Georg Bittorf erbaut. Im Jahre  1828 wurde mit dem Bau des hiesigen Oberen Gasthauses begonnen und in diesem Jahr vollendet. Im Jahre 1828 wurde auch der Anfang zum Straßenbau in der Moosbach gemacht und 1829 fortgeführt.     Christian Menz jun., Ortsschultheiß.

 

Nachtrag: Nachträglich ist noch als merkwürdig beizufügen, daß in der Westphälischen Zeit durch den damaligen König Hieronymus viele unsrer braven mit Gewalt ausgehobenen jungen Soldaten zuerst nach Spanien und sodann nach Rußland marschieren mußten und fast sämtlich ein Opfer der fremden Macht wurden; nur wenige kehrten zurück. Sein Bruder Kaiser Napoleon hatte Hieronymus zum König gemacht, aber er wurde wieder abgesetzt, als die Kosaken unter der Führung Czernitscheffs ihm im Jahre 1813 in Kassel einen Besuch abstatteten.

Als unser geliebter Kurfürst sein Land wieder erhielt, hatten sich von hier viele Freiwillige eingefunden, welche die Feldzüge nach Frankreich mitmachten und mit Ruhm gekrönt, größtenteils zurückkehrten.

Georg Rommel‚ Finanzsekretär des Freiherr von Spiegelschen Oberrentmeisters Lohnmann zu Övelgönna, jetzt Kantor und Zweiter Lehrer der Oberklasse an der im vorigen Jahre hier von Kurfürstlicher Regierung neu organisierten Schule.

 

Nachschrift: Kilian Mayenkranz aus Walldorf, der nur zwei Jahre als Handlanger bei einem Schieferdecker gearbeitet hat, verdient nicht vergessen zu werden, weil er sich bei dieser Reparatur durch Geschicklichkeit und Vorsicht sehr ausgezeichnet, und auch den Turm befahren hat.

 

 

Nr. 4: Turmknopfreparatur 1829

Der junge Bursche‚ der dieses Mal die Reparatur des Kirchturms unternommen hat, ist der Strumpfmacher Franz Peter Diby gewesen. Er wurde 1808 in Franzburg geboren, aber hier in Steinbach erzogen, da seine Mutter Anne Regine Preiß aus Oberschönau stammt. Als Schieferdecker hat er, ohne den geringsten Unterricht genossen zu haben, mit großer Geschicklichkeit sogleich die erste Probe an dem hiesigen Turme zur Bewunderung aller glücklich abgelegt.

Der zeitige Amtmann hier ist Bernhardt Schuchardt; der Vorgänger hieß Hartert und führte in der Westphälischen Periode den Titel Friedensrichter. Der jetzige Amtsschreiber heißt Fritzen; seine beiden Vorgänger Kördel und Fleischhuth.

Der derzeitige reformierte Prediger ist Friedrich Moritz Kümmell (Sohn des derzeitigen reformierten Inspektors Herrn Kümmell in Schmalkalden), sein Vorgänger sein Schwiegervater und mein Schwager Franz Engelhardt Lucan. Mit der reformierten Predigerstelle wurde bei ihrer letzten Wiederbesetzung im Jahre 1825 zugleich das Rektorat der hiesigen Schule verbunden.

Der hiesige derzeitige Förster heißt Schminke, der in Oberschönau Friedrich Zilcher.

Der hiesige Kantor und zweite Lehrer ist Georg Rommel‚ Sohn des Vorgängers Matheus Rommel. Der derzeitige Organist und dritte Lehrer ist Christian David Schatt, vorher Schullehrer in Springstille, meinem Geburtsort, wo mein verstorbener Vater, Georg Friedrich Habicht, 16 Jahre als Pfarrer gewirkt hat; auf ihn Heinrich Christian Fuldner gefolgt und jetzt ist mein Schwager Andreas Peter Ilgen dort als Pfarrer (er ist der Sohn des in Schmalkalden verstorbenen lutherischen Pfarrinspektors und Oberpfarrers Andreas Ilgen, dessen Nachfolger der Rektor Friedrich Löber zu Schmalkalden war; und dessen Nachfolger war mein einziger geliebter Bruder Christian Ludwig Rollemann Habicht, der am 13. August dieses Jahres von Seiner Königlichen Hoheit, des jetzt regierenden Kurfürsten Wilhelm II. als Pfarrer in Karlshafen bestätigt worden ist).

Der zeitige Kreisrat des Kreises Schmalkalden ist der Regierungsrat Wilhelm Schoedde -  ein für alles Gute und Bessere rastlos tätiger Mann - verschaffte auch in diesem Jahre den Gemeinden Rotterode und Altersbach eigene Friedhöfe. Der Vorfahre des Organisten Schatt war der Organist und Mädchenschullehrer Christoph Ammenheuser von Marburg, leider nur ein Jahr. Dessen Vorfahre [= Vorgänger] war Peter Wiegand, mein Jugendfreund und Nachfolger seines Vaters Friedrich Wiegand. Der derzeitige Kirchrechnungsgführer ist Caspar Wilhelm, der auch Kirchenvater ist, und Siegmund Recknagel und Caspar Holland-Cunz, beide Kirchenväter; Georg Friedrich Holland-Jopp ist reformierter Kirchenvater.

Schon seit mehreren Jahren ist der Wohlstand der hiesigen Eisenarbeiter sehr gesunken und sinkt täglich immer mehr. Im Allgemeinen sind daran die unter den deutschen Fürsten errichteten Zollschranken und Wegegelder schuld‚ wodurch ein nachteiliges Stocken im Handel und großer, fühlbarer Geldmangel entstanden ist. Besonders aber trägt hierzu auch der Getreidehandel das seinige bei. Ein wahres Glück, daß bei diesen traurigen Verhältnissen die Lebensbedürfnisse nicht nur, sondern auch die Luxusartikel sehr wohlfeil sind, sonst würde bei der unerhörten Verdienstlosigkeit größtenteils die Hungersnot unvermeidlich sein. Bei dem Allen aber ist der Luxus sehr hoch gestiegen. Ob der gegenwärtige bedenkliche Krieg zwischen Rußland und der Türkei einen Einfluß auf unsre Lage haben wird, muß und wird die Erfahrung lehren.

Seit 30 Jahren hat sich die hiesige Feldflur fast um ein Viertel durch die Abholzung bedeutender Waldstücke am Arnsberg, Humpfenloch, Kirchberg und Arzberg zum Urbarmachen vergrößert und während dieser Zeit ist die Landwirtschaft sehr angehoben worden.

Ich habe seit mehreren Jahren den Klee- und Winterfrüchte-Anbau, besonders des zweckmäßigen Staudenkorns, mit gutem Erfolge eingeführt und viele Nachahmer gefunden; auch ist mein Versuch mit der Weberkantendistel in diesem Jahre - trotz der nassen ungünstigen Witterung - wider Erwarten gut ausgefallen; und überhaupt ist bei allen Erzeugnissen eine reichliche Ernte gewesen. Zum Beispiel lieferten 60 Garben Staudenkorn 12-14-16 Maß zu je 20 Liter.

Das obere, neu erbaute kostbare Wirtshaus ist in diesem Jahr für die jährliche Pacht von 624 Talern für drei Jahre an den seitherigen Wirt Valentin Bühner und das untere Wirtshaus für 330 Taler an dessen Sohn Gottlieb Bühner vergeben worden - unerhörte Pachtsummen in dieser Zeit.

Seit einem Jahre besteht hier auch eine Handwerksschule - eine wohltätige Einrichtung. Seit dem Jahre 1822 habe ich mit Genehmigung der Kurfürstlichen Regierung in Kassel als gegenwärtiger Ober-Schul-Behörde, die erste Schullehrer-Konferenz und den ersten Lesezirkel gestiftet und geleitet. Pfarrer Ochs in Kleinschmalkalden, jetzt in Floh, stiftete die zweite. Die hiesigen Zünfte, die sonst ihr eigenes Zunftamt hatten, gehören jetzt zu dem gemeinschaftlichen Ober-Zunftamt in Schmalkalden.

Es gibt jetzt viele wilde Ehen, weil das Heiraten den Armen sehr erschwert wird. Die Kuhpocken-Impfung wird schon seit vielen Jahren glücklich fortgesetzt. Eine Leichenschau ist eingeführt. Ein Amtswundarzt ist hier und Kreis-Tier-Arzt seit kurzem angestellt - aber die Anlegung einer eigenen Apotheke in usnerem Ort ist von allerhöchster Stelle in diesem Jahre abgeschlagen worden. Nordhäuser Branntwein wird immer noch viel getrunken. Ein Paar Kupfermünzen aus der westphälischen Periode habe ich den übrigen beigefügt.

Dies wäre nun schon die dritte Reparatur an dem Turmknopf - möge diese höchstgefährliche Arbeit in vielen vielen Jahren nicht wieder nötig sein und werden. Gott gebe, daß der mutvolle Jüngling Diby auch diese glücklich vollenden und seine gelieferte Arbeit für gut und tüchtig befunden werden möge!!!

Steinbach-Hallenberg, am Tage nach dem jährlichen Kirchweih-Jahrmarkt, den 8. September 1829               

Wilhelm Friedrich Habicht, evangelisch lutherischer Pfarrer, auch ordentliches Mitglied des Kurfürstlich Hessischen Landwirtschafts-Vereins, geboren am 25. Juli 1778,  verheiratet mit Magdalene Ilgen aus Schmalkalden, Vater von zwei Söhnen und vier Töchtern, wovon der älteste vor acht Tagen zum ersten Mal gepredigt hat und die älteste heiratet Herrn Friedrich Bornmüller aus Suhl (Kirchensiegel aus Siegellack)

 

Nr. 5: Spenden für die Turmfahne

Steinbach, den 21. Sept. 1837: Versuch einer freiwilligen Unterschrift für eine Spende.

Bei der gegenwärtig höchst nötigen Reparatur unserer Turmfahne kann es nur als sehr wünschenswert erscheinen, daß sie zugleich neben Knopf und Sonne frisch vergoldet werden möge. Der Kostenaufwand dafür beträgt 29 Taler. Die hiesige Gemeindekasse ist außer Stand, diesen zu tragen. Durch freiwillige Beiträge könnte der Betrag leicht aufgebracht werden. Die Gemeinden Oberschönau und Springstille sind uns hierin ein leuchtendes Beispiel. Von gleichem Gemeinsinne belebt bringe, wer kann und will, der Zierde unsres schönen Turmes ein kleines Opfer. Das Verzeichnis der freundlichen Geber soll in dem Knopfe für die Nachwelt aufbewahrt werden.

Mit Vergnügen unterzeichnen: Der Pfarrer Habicht, Vize-Bürgermeister Holland, der Pfarrer Kümmell, ….. (weitere Namen).

Summa 9 Taler, 6 Heller , 4 Pfennige und für Schmieröl für die Fahne 12 Heller.

 (Zweite Liste): Die jungen Burschen haben auf Wunsch von Herrn Pfarrer Habicht 1 Taler, 7 Heller,  7 Batzen für  die Verschönerung und Vergoldung des Knopfes gegeben (es folgen 21 Namen).

(Dritte Liste in kleinerem Format): (32 Namen) 1 Taler, 13 Heller, 15 Batzen.

Abgeliefert erhalten durch den Heiligenmeister Pfannschmidt.

Johannes Möller sendet 1 Heller 8 Batzen.

 

Nr. 6: Turmknopfreparatur 1837

Steinbach-Hallenberg, am 23.Oktober 1837:

Was der Unterzeichnete in den Bemerkungen zu der im Jahre 1829 vollzogenen Turmreparatur wunschweise niedergeschrieben hat: „Möge diese höchstgefährliche Arbeit in vielen vielen Jahren nicht wieder nötig sein und werden“, ist leider nicht in Erfüllung gegangen. Schon im Jahre 1837 wurde eine Ausbesserung an Turm, Knopf und Fahne für nötig erachtet und von demselben mutigen, uneigennützigen Jüngling Franz Diby von hier unternommen und glücklich ausgeführt (Anmerkung: Am Jubelfeste der Übergabe der Augsburgischen Konfession stellte Diby in der Mitternachtsstunde eine Freudenfahne an der äußersten Spitze des Turms auf ).

Diby befuhr nicht nur den Turm, sondern gab dem Achteck über dem Umgang auch ein freundliches Kleid mit Weiß und Gelb, brachte Schein-Fenster an, vergolde den Knopf, zierte die Fahne und schmückte diese mit einem durch Firnisüberzug gegen Nässe geschützten Band.

Da die Gemeindekasse außerstande war, die erforderlichen Reparaturkosten zu tragen, so veranstaltete ich eine freiwillige Kollekte unter den wohlhabenden hiesigen Ortsbürgern, die laut beiliegendem Verzeichnis 9 Taler 6 Groschen 4 Heller betrug.

Auch die jungen Burschen der hiesigen Gemeinde veranstalteten unter sich eine Sammlung, deren Ertrag mir aber noch nicht bekannt geworden ist. Die jungen Mädchen beschafften aus eigenen Mitteln ein Paar Schuhe und Strümpfe, eine Weste und Halstuch für den Schieferdecker Diby.

Das wichtigste Ereignis für unser Vaterland Kurhessen seit dem Jahre 1829 ist ohne Zweifel die Gründung einer ständischen Verfassung durch Wilhelm II., Kurfürsten von Hessen, und die daraus hervorgegangene neue Städte- und Gemeinde-Ordnung, durch die ein regeres, auf das Gemeinwohl ausgerichtetes Leben in Stadt und Land entstanden  ist und hoffentlich immer mehr anwachsen wird.

Entsprechend der Gemeindeordnung  bildet den Ortsvorstand: ein Bürgermeister, ein aus mehreren Mitgliedern zusammengesetzter Gemeinderat und der Gemeindeausschuß. Der derzeitige Bürgermeister ist Christian Menz jun. Der Gemeinderat besteht aus folgenden Mitgliedern: 1. Christian Holland, Vizebürgermeister, 2. Friedrich Reumschüssel, 3. Christian Hoffmann, 4. Gottlieb Usbeck, 5. Apotheker Ottleben, 6 .Seifensieder Zielfelder, 7. Ausschußvorsteher Carl Bühner.

Von segensreichen Folgen für die Gemeinde und das ganze Amt Steinbach-Hallenberg war die vor einigen Jahren geschehene Einrichtung einer Apotheke durch den jetzigen Besitzer Herrn Ottleben. Ebenso wichtig wird es sein, wenn in Zukunft ein praktischer Arzt, Geburtshelfer und Wundarzt in einer Person angestellt werden soll, wie das Kurfürstliche Ministerium in diesem Jahr entschieden hat.

Der derzeitige Amtmann ist Wilhelm Stern; sein Vorgänger war Leschen. Der Amtsschreiber heißt Carl Berner. Das Predigerpersonal hat sich nicht geändert. Der hiesige Förster heißt Simmer, der in Oberschönau Henning. Der Rentmeister heißt Brod, dessen Vorgänger hieß Keyßer. Der derzeitige Kantor und zweite Lehrer ist Jacob Münch aus Brotterode, der Organist und dritte Lehrer Gottfried Wilhelm, Sohn des Bürgermeisters Wilhelm in Springstille, wo jetzt mein Sohn Carl Habicht als Prediger wirkt. Gegenwärtig ist Kirchenrechnungsführer  Christian König. Kirchenväter sind Caspar Wilhelm, Georg Menz‚ Johannes König und von reformierter Seite Georg Friedrich Holland-Jopp. Der derzeitige Landrat des Kreises Schmalkalden ist Plitt, Kreissekretär ist Renner.

Die durch die neue Gemeindeordnung auch im hiesigen Orte entstandene Bürgergarde hat vor einigen Wochen ihre militärischen Übungen begonnen unter der Leitung ihres Hauptmanns, des Försters Simmer.

Wilhelm Friedrich Habicht‚ lutherischer Pfarrer, Vater des derzeitigen Pfarrers in Springstille.

 

Turmknopfreparatur 1848:

Diby hatte die gefährliche Arbeit an diesem Tage zwar glücklich vollendet, aber in übergroßer Eile vergessen, diese Kapsel mit ihren Schriften in den Turmknopf aufzubewahren, was er nachher immer noch hat nachholen wollen, aber leider ist es unterblieben. Ja, am 5. Juni dieses Jahres ist er, nachdem er die Kirchturmreparatur in Brotterode bereits glücklich vollendet und nur noch eine geringe Arbeit am dortigen Kirchendachhatte  hat vornehmen wollen, aus allzugroßer Unvorsichtigkeit und Kühnheit heruntergestürzt und auf der Stelle tot gewesen.

Er wurde dort feierlich beerdigt und von meinem Herrn Schwager, dem dortigen lutherischen Pfarrer Peter Ilgen, mit einer sehr schönen Leichenrede beehrt, die er auch in jeder Hinsieht verdient hat. Er war wegen seiner Geschicklichkeit und Gefälligkeit allgemein beliebt und darum auch allgemein beweint.

Der gegenwärtige Landrat in Schmalkalden heißt Wagener und der hiesige Justizbeamte heißt Scheffer, zwei wackere Männer.

Heute nun will nun der Schieferdecker Kilian Mayenkranz aus Walldorf, 34 Jahre alt, noch nachholen, was damals vergessen worden ist. Gott gebe ihm zu dieser gefährlichen Arbeit Vorsichtigkeit, Kraft und Beistand. Steinbach, den 6. November 1848

                                                                       Wilhelm Fr. Habicht, lutherischer Pfarrer.

 

 

Nr. 7: Turmreparatur 1865:

Steinbach-Hallenberg, im Monat Juni 1865: Der Kirchturm wurde von Schieferdecker Dürer aus Ritschenhausen und dessen Sohn Oskar befahren und die Dachreparatur von ihnen vorgenommen. Inzwischen wurde von der Gemeindebehörde und den beiden hiesigen Pfarrern eine vollständige Ausbesserung des Turmes und der Kirche beschlossen. Daraufhin wurden am 2. des Monats die Fahne, Knopf und Zifferblatt herabgenommen und dem Bildhauer Georg Friedrich Döll aus Rotterode zum Vergolden übergeben. Dafür verlangt er heute (den 28.) bei Aufsteckung der Fahne 40 Taler, was er aber nicht vollständig erhalten wird.

Sodann wurden jene Schieferdecker - unter Heranziehung des Schornsteinfegers - mit Firnissen der Gesimse beauftragt, der Tüncher Johannes Jung mit Ausbessern und Weißen des Turms und der Kirche. Diese sämtlichen Arbeiten haben  bis zum heutigen Tag die hiesigen Weißbinder Heinrich Holland- Cunz,  Christian Friedrich Holland-Cunz, Georg Adam Bickel und Ernst Wahl unter Mithilfe der Tünchergesellen glücklich vollendet.

Bei Abnahme des Knopfes fand sich darin eine kupferne Büchse mit älteren Schriften und einiger Denkmünzen, die ich aufbewahrt und heute wieder mit diesen kurz bezeichneten Merkwürdigkeiten habe einstecken lassen:

1. Im Jahre 1846 entstand durch die Krankheit der Kartoffel eine Teuerung, daß gut 10 Liter Kartoffeln  3 3/4 Silbergroschen und 20 Liter Roggen 2 Taler 12 Silbergroschen kosten.

2. Im Jahre 1847 war die Not und Arbeitslosigkeit sehr groß, so daß der Weg durchs Erbsthal seitens der Gemeinde durch Taglöhner gebaut wurde. Der Weg hat 1.700 Taler gekostet, wozu wir 500 Taler aus der Staatskasse erhalten haben.

3. In demselben Jahre wurde die Obsternte so gut, daß eine Tragekorb auf dem Rücken [„Kötze“]  Obst nur 2 1/2 Silbergroschen kostet.

4.  Am 20. November jenes Jahres starb zu Frankfurt a./M. unser Durchlauchtigster Landesfürst Wilhelm der II. von Hessen und am 30. wurde hier mit den Trauergeläute begonnen.

5. Das Jahr 1848 war ein aufrührerisches Jahr. Der jetzige Vizebürgermeister Caspar Holland- Cunz hat im Anhange einige Nachrichten darüber niedergeschrieben.

6. Im Jahre 1849 wurde der Straßenbau überm Erbsthal am Galgenberg bis Bermbach angefangen und 1853 beendet. Dort sind inzwischen auch die Birken neben jener Straße von der Gemeinde gepflanzt worden.

7. Am 19. Sonntag nach Trinitatis 1852, dem 17.10., wurde das 50 jährige Dienstjubiläum des Herrn Pfarrers Wilhelm Habicht mit großer Teilnahme gefeiert und demselben von der hiesigen und eingepfarrten Gemeinden und dem Filialort Oberschönau ein silberner Pokal im Wert von 40 Talern verehrt.

8.  Am 18. Dezember 1853 ist der oben erwähnte ehrwürdige Herr Pfarrer Habicht gestorben.

9.  Am 16.  Juli 1854 wurde der in Kleinschmalkalden geborene neugewählte Herr Pfarrer Luck eingeführt; er ist aber 17. April 1855 wieder gestorben.

10.  Am 21. Oktober 1855 wurde der jetzige Herr Pfarrer Hattendorf aus Kreuzviehe hier eingeführt [bei Bad Nenndorf westlich von Hannover]

11. Im Jahre 1856 wurde durch Mangel an Holz die frühere Brunnenleitung mit Großalmeröder Tonröhren ausgeführt und dabei der Oberhammerbrunnen bis in den Justizamtshof neu angelegt. Die Gesamtkosten haben ohne die Transporte etwa 900 Taler betragen

12. Im Jahre 1857 wurde den Kleinfeuerarbeitern im Kreise Schmalkalden ein Teil ihres seit undenklichen Zeiten bezogenen Brennholzes aus der Staatswaldung entzogen und dafür Steinkohlen-Magazine angelegt; das entzogene Holz wurde zu Bauholz benutzt und meistbietend verkauft‚ und der Mehrerlös wurde für Steinkohle verwendet. Dadurch kostet seit einigen Jahren ein Gefäß mit etwa 20 Litern Inhalt  2 3/4 Silbergroschen (inzwischen aber 3 Silbergroschen), so daß die Kleinfeuerarbeiter nur so bestehen können.

13. Im Jahre 1859 wurde für die Reparaturen an der hiesigen Kirche eine Kollekte bewilligt und es ging ein Betrag von 170 Taler, 11 Silbergroschen, 4 Heller ein [wohl eine landesweite Kollekte].

14.  In diesem Jahr war der Sommer so trocken und die Ernte so gut, daß Mitte August alle Hülsenfrüchte geerntet waren und kosteten 20 Liter Roggen nur 20 Silbergroschen und der Tragkorb [„Kötze“] Kartoffeln 4 - 5 Silbergroschen.

15. Auch wurde in diesem Jahr mit dem Bau des Gemeinde-Felsenkellers beim Oberhammer begonnen und 1860 vollendet, bis dahin aber noch vergrößert, die Kosten betragen etwa 650 Taler.

16.  Auch ist in diesem Jahre noch ein besonderer Fall hier vorgekommen: Ein Schmied [„Zuschläger“] Christian Marr, 20 Jahre alt, der in der Schule kaum lesen konnte, ging einige Jahre ins Ausland. Als er zurück kam, ging er jeden Abend 8 Uhr ins Bett und fing an, über Gotteswort im Schlaf zu predigen. Nach und nach wurde das nicht nur  hier, sondern weit und breit bekannt. Nach kurzer Zeit waren manchen Abend mehr als 100 Menschen in und vor seinem Hause auf der Straße, die ihn hören wollten. Der erwähnte Marr wurde mehrmals bei seinem Predigen im Bette liegend sogar mit Schweineborsten in die Nasenlöcher gestochen und dergleichen,   lies sich dabei aber nicht irre machen.

Die beiden hiesigen Pfarrer wußten nicht, was sie dazu sagen sollten, weil Marr in ziemlichem Zusammenhang predigte. Die Sache wurde der Kurfürstlichen Regierungskommission angezeigt. Diese und beschloß, Marr am 17. Februar m Zuziehung des Medizinalrats selbst zu untersuchen. Das auch geschah an jenem Tag abends 9 Uhr, als zwölf auswärtige Pfarrer eingetroffen waren. Dazu mehr als 500 Menschen aus 4 oder 6 oder 8 bis hin zu 20 Stunden weit entfernten Orten. Darauf wurde den „Predigtfreuden“ ein Ende gemacht. Später wurde Marr zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt wurden, die Strafe wurde aber wieder erlassen. Eine solche Schwindelei ist noch nicht vorgekommen, so lange Steinbach besteht.

17.  Im Jahre 1861 wurden am Gemeinde-Kirchberg vom unteren bis an mittleren Weg 27 Acker Waldung zur Urbarmachung zu Ländereien abgeholzt, in Parzellen zu 17 Acker vermessen und an die arme Bewohner auf zwölf Jahre,  die 3 ersten für 10 Silbergroschen und die 9 letzten für 20 Silbergroschen verpachtet; dieses ist nicht allein für die Gemeindekasse, sondern auch für die ärmeren Einwohner ein großer Vorteil [ein Acker = gut 23 Ar].

18. Im Jahre 1863 wurde die Verfassung von 1860 aufgelöst und die von 1831 wieder in Kraft  gesetzt. Dadurch mußten sich im ganzen Land die auf Lebenszeit gewählten Ortsvorstände der Neuwahl unterwerfen. Für die nicht wieder neu gewählten Ortsvorstände müssen die betreffenden Gemeinden das jährlich zustehende Gehalt zahlen

19. Im Jahre 1863 wurde der Felsenkeller im Erbsthal angelegt, der bisher etwa 320 Taler gekostet hat.

20. Auch wurde in jenem Jahr der Straßenbau im Unterdorf von der Linde nach Altersbach angefangen und wird hoffentlich in diesem Jahr noch beendet

21. Ferner wurde in jenem Jahre die Neuwahl der Gemeindebehörde angefangen und erst im Monat Januar 1864 beendet. Dabei wurden gewählt und bestätigt:

 

A. zum Bürgermeister:

1. der seit 1852 amtierende Schlosser Elias Usbeck, Christians Sohn

 

B.  zum Gemeinderat:

2. Kaufmann Caspar Holland- Cunz, zugleich Vizebürgermeister

3. Kaufmann Friedrich Reumschüssel

4. Hammerbesitzer Christian Holland, Peters Sohn

5. Hammerbesitzer Peter Usbeck

6. Postverwalter Matthäus Werner

7. Kaufmann Johannes Holland-Letz

 

C. ständiger Gemeindeausschuß:

8. Hammerbesitzer Christian Bernhardt Holland‚ Ausschußvorsteher

9. Metzger Caspar Häfner

10. Schlosser Michel Usbeck

11. Kaufmann Christian Usbeck, Gottliebs Sohn

12. Müller Peter Jäger

13. Amtswundarzt Wilhelm Erdmann

14. Schlosser Wilhelm Reumschüssel

15. Schlosser Gottlieb Nothnagel; zugleich Steuererheber

16. Seifensieder Christoph Zielfelder

 

D. außerordentlicher Ausschuß:

17. Nagler Jacob König, Valtins Sohn

18. Glaser Christian Döll

19. Schlosser Philipp Reumschüssel, Gottliebs Sohn

20. Müller Gottlieb Usbeck

21. Hammerbesitzer Johannes Usbeck, Elias Sohn

22. Gurtweber Matthäus Wirth

23. Bauer Johannes Wahl

24. Schlosser Matthäus Holland-Cunz, Valtins Sohn

25. Schuhmacher Christian König

 

E. Staatsbeamte:

26. Justizamtmann Felde aus Kassel

27. Rentereibeamter Rompf, soeben nach Kassel versetzt

28. Aktuar Lieberknecht aus Wanfried

29. Revierförster Lipsyus aus Steinau

30. Amtswundarzt Erdmann aus Allendorf

31. Postverwalter Werner

32. Apotheker Köbrich aus Netra

33. Lutherischer Pfarrer Hattendorf aus Kreuzviehe

34.  Reformierter Pfarrer Raßmann aus Westuffeln

35. Kantor Münch aus Brotterode

36. Organist Eck

37. II. Grundschullehrer Rohde

38.  I. Grundschullehrer Fenner, Steinbach

39. Kirchenvater Peter Usbeck, zugleich Kirchenrechner

40. Kirchenvater Siegmund Reumschüssel

41. Kirchenvater Christian König, Johannes Sohn, lutherisch.

42. Kirchenvater Christoph Holland-Moritz

43. Kirchenvater Valtin König, Valtins Sohn, reformiert.

F. Ortsvorstände in den eingepfarrten Ortschaften:

44. In Altersbach Schmied Christian Häfner

45. In Rotterode Schuhmacher Christian Gratz

46. In Unterschönau Schlosser Wilhelm Friedrich Bauroth.

 

Ferner noch nachträglich:

Seit 1853 gibt es hier die Armenverpflegung mit Naturalverköstigung. Im Jahre 1861 sind von Unterdörfer Kühen viele Kälber geboren in Mißgestalten, Hund, Wolf usw. ähnlich. Der Unterwirt mußte seinen Hund abschaffen und sind danach solche Geburten nicht wieder vorgekommen. Auch wurde in jenem Jahre eine Sparkasse und 1862 eine Viehkasse eingerichtet.

Auch war im Jahr 1861 die Königsglocke zersprungen, die von Wilhelm Ullrich in Apolda umgegossen wurde. Die alte wog 433 Pfund und die jetzige 473 Pfund,  die Gesamtkosten haben etwa 86 Taler betragen.

Im Jahre 1865 war der Schnee so groß, daß sich alte Leute sich nicht an einen solchen erinnern konnten. Östlich soll er in manchen Orten - Oberhof usw.- 4,50 Meter hoch gelegen haben.  Am 30. März mußte der Schneepflug von hier nach Schmalkalden geschleppt werden und am 1. Juni wurden die Kartoffeln schon wieder gehäufelt.

(Anmerkung:) Am 19. Juni hatte man wieder einen starken Frost und es sind hier und in der Umgegend die Kartoffel teilweise erfroren. Dadurch ging der Mehlpreise auf einen Taler pro Zentner in die Höhe).  Auch sind bis heute etwa. 400 Menschen von hier abgereist und arbeiten auf Zuckerfabriken im Ausland, so daß es hier sehr an Tagelöhnern mangelt.

Geschlossen am Tage bei Aufsteckung des Knopfes.

Steinbach-Hallenberg, den 28. Juni 1865, vom Bürgermeister E. Usbeck, geboren am 8. April 1809                               (Stempel: Gemeinde Steinbach, Kurhessischer Kreis Schmalkalden.

 

Am 28. Juni 1865 wurde der neu vergoldete Turmknopf wieder aufgesteckt und dabei den Schulkindern ein Fest gegeben. Ich freue mich, daß gegenwärtig ein so reger kirchlicher Sinn hier herrscht. Im Jahre 1855 sind in allen 12 Monaten nur 1.400 Leute in der hiesigen Kirche zum Abendmahl gegangen, jetzt sind im selben Jahr bereits 1.200 gegangen. Gott erhalte und mehre!                                                                         Hattendorf,  lutherischer Pfarrer.

 

 

Nr. 8 (Anhang) Aufstand der Nagelschmiede

Kurze Beschreibung hiesiger Vorfälle in dem für ganz Deutschland insbesondere denkwürdigen Jahr 1848.

Das vorhergehende Jahr 1847 war für die hiesigen Gewerbetreibenden in vielen Beziehungen ein recht unglückliches: Die Nahrungsmittel waren sehr teuer, der Verdienst war schlecht und obendrein gab es Mangel an Arbeit. Die Nagelschmiede hatten wohl am meisten zu leiden.

Dazu kam noch zu ihrem Schrecken die Anlegung einer Nägelfabrik mit Maschinen durch Schmalkalder Bürger im Ebertsgrund bei Asbach, die „Wasche“ genannt. Die erst hart bedrängten Nagelschmiede glaubten durch die Fabrik ihre Existenz bedroht, und da auch ihre deswegen eingereichten Bitt- und Beschwerdeschriften unberücksichtigt geblieben waren, so wagten sie in ihrem Wahn dann das Äußerste.

Es war am 13. März 1848 des Morgens, als hier unerwartet von Ober- und Unterschönau ein massenhafter Zug von Nagelschmieden ankam, sich mit vielen Hiesigen, Rotterodern und anderen in Verbindung setzte und unter Zulauf von noch viel mehr Volks nach dem Ebertsgrund marschierte. Sie waren mit Äxten und anderen Zerstörungswerkzeugen bewaffnet, um dort die genannte Nägelfabrik zu zerstören.

Die Leute kamen dort ganz unerwartet an und fanden nicht den geringsten Widerstand. Die Wut war so groß, daß in ganz unglaublich kurzer Zeit Maschinen und Gebäude vollständig vernichtet, ja fast der Erde gleich gemacht waren. Es gab demnach auf der Wasche eine grauenerregende „Pelzwasche“, die  von mehreren 100 Menschen erstaunlich schnell ausgeführt worden ist. Doch ist bei der hastigen Zerstörung ein Menschenleben geschädigt oder zugrunde gegangen.

Diese armen, teilweise schon halb verhungerten Leute hatten sich bei der Zerstörung äußerst angestrengt. Sie hatten den Weg 2 bis 3 Stunden weit hin und zurück gemacht und kamen nun am Nachmittag erschöpft und hungrig in Steinbach-Hallenberg an. Hunger tut weh und Not bricht Eisen! Sie verlangten von den Zunftdeputierten deren vorrätige Gelder aus der Zunftlade. Mit Zustimmung des damaligen Rentmeisters Salzmann bekamen sie davon 60 Taler zum Verzehren. In Steinbach-Hallenberg waren aber im Augenblick die verlangten und nötigen Lebensmittel für so viele Menschen nicht so schnell aufzutreiben und so ging ein Teil davon in Wirtshäuser benachbarter Orte.

Ja, es war vielleicht doch nur ein falscher Wahn der Leute! Denn jetzt gibt es auswärts viel mehr Nägelfabriken, ja, das Zain-Eisen oder vielmehr das Walz- und Schnitteisen wird aus anderen Gegenden billiger auch nach hierher bezogen, als es hier bei den teuren Materialien herzustellen ist. Trotzdem haben die hiesigen, jetzt noch zahlreichen Nagelschmiede schon seit mehreren Jahren vollauf zu tun und keinen schlechten Verdienst.

„Der Wahn ist kurz, die Reu kommt nach!“ Und so forderte auch diese Tat noch ihr entsetzliches Opfer in Rotterode. Und ein hiesiger braver Schneider flüchtete deshalb aus der teuren Heimat mit Weib und Kind nach Amerika.

Tags darauf, am 14. März 1848, fanden sich wieder viele Gewerbetreibende zusammen, wählten einen Führer und verlangten -  als Bittschriften fruchtlos geblieben waren - jetzt nachdrücklicher unter anderem auch die Ermäßigung der Holztaxe und freie, undgenügende Abgabe von Streuzeug; diesem Verlangen wurde später von der Staatsregierung auch entsprochen.

Die Aufregung und die verschiedenen teils statthaften, teils unstatthaften Verlangen vieler Leute, namentlich auch nach Freiheit und Gleichheit - doch oft mißverstanden - steigerten sich immer mehr durch allerlei Aufwiegelungen in Rede und Schrift und den vermehrten

Genuß von erhitzenden Getränken.

Weil man mit Recht eine allgemeine größere Ruhestörung auch im hiesigen Orte allen Anzeichen nach befürchtet,  wurde noch am selben Tage im Schullokale die hiesige Bürgergarde neu organisiert; Aber mit ihr bei der Lauheit und Furchtsamkeit der meisten Mitglieder fast gar nichts auszurichten. Die Ruhestörer hatten auch Schießgewehre.

Man mußte dem immer mehr um sich greifenden Tumult ein Ende machen, zumal sich während der Osterfeiertage freches, drohendes, liederliches Gesindel auch noch von auswärts einfand und zuletzt Tag und Nacht hindurch wütete.

Am dritten Osterfeiertage  beschloß die Gemeindebehörde: Wir fangen am untersten Haus an und fordern jeden friedliebenden Bürger zur Abwehr des Krawalles auf, der hauptsächlich im Oberwirtshause getrieben wurde; dann wird mit der Aufforderung durch den ganzen Ort fortgefahren.

Als die Unterdörfer an das obere Wirtshaus kamen, gingen Mitglieder der Gemeindebehörde hinein, forderten auch da jeden Friedliebenden auf, sich dem Zuge anzuschließen. Es schlossen sich viele an, darunter auch mehrere sogenannte „Rebeller“. Der Zug ging dann weiter, wurde im Oberdorfe bedeutend größer. Als er - mit Stöcken und Knitteln gehörig bewaffnet - am Blechhammer ruhig angelangt war, kehrte er wieder um. Und wenn er nicht auseinander gegangen wäre, so .....könnte man ihn vielleicht heute noch sehen!

Trotz den Vorsichtsmaßregeln gab es jedoch später an diesem Tage wieder eine große Schlägerei mit Knüppeln und Gewehrkolben vor dem hiesigen Oberwirtshaus zwischen Hiesigen und Auswärtigen, und in der allgemeinen Aufregung wurde mit allen Glocken geläutet. Auch diese Schlägerei schien mehr aus persönlich privatem als aus politischem Charakter entsprungen zu sein.

Durch das Herbeieilen vieler friedfertiger Ortsbürger wurde die Schlägerei beendet. Auch die Schankwirtschaften - die während des Krawalles sehr schlechte Geschäfte gemacht haben sollen - wurden für einige Zeit ganz geschlossen. Die Ruhestörungen ließen hierauf nach, die Bürgergarde mußte bis zum 2. Mai Wache halten. Vom 24. März bis 2. April haben 150 Mann Infanterie und 10 Mann Husaren im Ort gelegen, Am 2. Mai kamen wieder 100 Mann Gardisten hier an, für deren Verpflegung jedoch aus der Staatskasse pro Mann täglich 3 3/4 Silbergroschen vergütet wurden.

Von den Rebellen - nach denen vom Militär gefahndet wurde - gingen mehrere längere Zeit auf die Flucht. Es wurden jedoch 16 Mann gefangengenommen und mußten zum Teil lange in Untersuchungshaft sitzen, bis endlich eine landesherrliche Begnadigung eintrat. Ende des Jahres zog das Militär- fast ungern - wieder von hier ab: Es hatte zwischen Bürger und Soldaten ein gutes Einvernehmen gegeben, daher wurde es von vielen Leuten noch ein gut Stück des Wegs begleitet.

Die allgemeine Aufregung in ganz Deutschland fand demnach auch hier ihr Echo,  jedoch immer in einem solchen Maße, daß man es im Vergleich zu Städten wie Kassel, Berlin, Leipzig, Dresden, Frankfurt a.M. (letztere der Sitz des damaligen deutschen Parlaments) doch nur äußerst klein nennen kann.

Brandstiftungen, die damals hier befürchtet wurden, hat der Allmächtige verhütet und als es nach dem Ratschlusse unsres gnädigen Gottes Zeit war, segnete er uns wieder mit Ruhe, Frieden und Nahrung, so daß unser Steinbach jetzt doch mehr als früher in Wohlstand und Bildung lebt! Dafür steige unser innigster Dank hoch! hoch! hoch!

Steinbach-Hallenberg., am 28. Juni 1865    

Caspar Holland-Cunz, Kaufmann, geboren am 2. Juli 1818 (Siegel wie bei Nr. 7).

 

 

Nr. 9: Abnahme des Turmknopfes 1873

Steinbach-Hallenberg, am 13 August 1873: Am 5. Juni schlug bei einem heftigen Gewitter ein kalter Blitzstrahl in den hiesigen Kirchturm ein, beschädigte das Turmdach, einen Balken im Turm hinter der Uhr und etwas die Mauer. Bei der jetzt durch Schieferdecker Reinhold Thiem von Zella, Zimmermeister Michael Jäger und Schlosser Friedrich Ader hier vorgenommenen Reparatur wurde zugleich die schon früher beschädigte Turm-(Helm)-Stange samt Knopf abgenommen.

 

Denkwürdigkeiten seit 1866:.

1866: Nach dem zu Preußens Gunsten ausgefallenen deutschen Kriege in diesem Jahr wurde auch Kurhessen dem Preußischen Staat als Provinz einverleibt und die Kurfürstliche Familie hörte auf zu regieren. Der im Kreise Schmalkalden gelegene Staatswald wurde vom König von Preußen an den Herzog Ernst von Gotha für dessen im Kriege geleistete Dienste verschenkt, was in unserem Kreis großes Mißfallen erregte.

 

1869:  Am 8.Juli starb der Bürgermeister Elias Usbeck. Es wurde der Kaufmann und vorherige Vizebürgermeister Caspar Holland-Cunz zum Bürgermeister gewählt und als solcher am 29. Juli verpflichtet.

Der lutherische Pfarrer Carl Hattendorf wurde von hier nach Niederasphe versetzt. An seine Stelle wurde gewählt der Pfarrer Wilhelm Bernhard von Fambach, geboren in Marburg. Er trat am 30. Januar 1870 sein Amt an und bekleide es bis heute zur größten Zufriedenheit der mit ihm gesegneten Gemeinde.

 

1870/71: An dem glorreichen Krieg gegen Frankreich waren aus hiesiger Gemeinde 42 Krieger beteiligt, darunter 19 verheiratete Reservisten. Unsere hiesigen Soldaten gehörten meist zu der Armee-Abteilung unseres Kronprinzen und haben die glänzendsten Siege mit erfechten helfen. Gott sei Dank hat unsere Gemeinde keinen Gefallenen  zu beklagen. Dem Unteroffizier Zielfelder mußte in Folge einer Verwundung ein Bein amputiert werden. Außerdem wurden noch Einige unbedeutend verwundet.

Zur Feier der Heimkehr der hiesigen Krieger wurde ihnen nach abgehaltenem Dank-Gottesdienst am 18. Oktober 1871 von der Gemeindebehörde ein fröhliches Mahl veranstaltet, überhaupt der ganze Tag ohne Störung recht festlich begangen. Jeder von ihnen empfing bei dieser Festlichkeit in der Kirche ein neues Kirchengesangbuch mit einem vom Bürgermeister im Namen der Gemeinde entworfenen, unterzeichneten und besiegelten schön lithographierten Gedenkblatt ( unter Nr. 9 a beigefügt).

 

Am 27. Juni 1871 war in Folge anhaltenden Regenwetters eine große Überflutung hier. Die ausgetretene Hasel bedeckte teilweise die Straße, mehrere kleine Gebäude wurden von dem reißenden Wasser umgerissen, andere sowie die beiden oberen Brücken, nämlich die sogenannte Sattlersbrücke sowie die Plätzer-Brücke arg beschädigt.

 

Ende 1871 wurden die bis 1. März 1872 verpachteten beiden Gemeinde-Wirtshäuser zum Verkauf angeboten. Käufer wurden die seitherigen Pächter Hugo Bühner und Ferdinand Recknagel. Bühner erstand das obere Wirtshaus mit Brauhaus und Felsenkeller für 6.000 Taler. Recknagel erstand das untere Wirtshaus mit Kellerhaus und Felsenkeller für 2.800 Taler.  - Nach einer am 1. Dezember. 1871 vorgenommene Volkszählung belief sich die Zahl der hiesigen Einwohner auf 2.911 in 440 Wohnhäusern.

 

1872: Unsere hiesige Handwerksschule befand sich in den letzten Jahren in einem beklagenswerten Zustand, sie wurde nur noch von etwa zwölf Schülern besucht. Der Bürgermeister reichte daher unablässig Bittschriften bei der Königlichen Regierung in Kassel ein und bat um Trennung der hiesigen von der Schmalkalder Handwerksschule und um Einrichtung eines Königlichen Vorsteheramtes der Handwerksschule.

Diesem Gesuch wurde endlich am 30. Mai 1872 von der Königlichen Regierung entsprochen und nachdem noch vom Bürgermeisteramt die Statuten mit Schulzwang festgesetzt waren, erhob sich in Kurzem die Schülerzahl dieser für unseren Ort so nützlichen und segensreichen Anstalt auf etwa 150.

Das Königliche Handwerkerschul-Vorsteheramt besteht derzeit aus folgenden Mitgliedern:

      1. Amtsrichter Kind

2. Pfarrer Bernhard

3. Bürgermeister Holland-Cunz

4. Zimmermeister Michael Jäger und

5. Schlossermeister Gottlieb Wilhelm Usbeck, sämtlich von hier.

 

1873: Seither hatten wir bloß einmal täglich Postverbindung (Fahrpost) mit Schmalkalden; vom 1. August an geht noch eine tägliche Botenpost zwischen hier und Schmalkalden.

An Stelle der durch die Überschwemmung 1871 stark beschädigten Brücken sollen vom Staate zwei eiserne gebaut werden, die auf 8.000 bis 10.000 Thaler veranschlagt sind. Mit dem Bau derselben ist seit einigen Wochen begonnen worden.

Die Friedhofskirche wurde restauriert und diesmal auch im Inneren durch einen weißen Anstrich verschönert. Eine deshalb in der hiesigen Gemeinde veranstaltete Kollekte ergab 54 Taler, 19 Silbergroschen, 10 Pfennig.

Die hiesige Gemeindebehörde besteht derzeit aus folgenden Mitgliedern:

a. Bürgermeister Caspar Holland-Cunz

b. Gemeinderat:

1. Hammergewerke Christian Ludwig Holland, Vizebürgermeister

2. Apotheker Conrad Köbrich

3. Kaufmann Christian Usbeck

4. Kaufmann Johannes Holland-Letz

5. Zimmermeister Michael Jäger

6. Glasermeister Christian Döll

c. Ständiger Ausschuß:

1. Gottlieb Nothnagel, Vorsteher

2. Christian Hofmann, Stellvertreter

3. Wilhelm Bühner

4. Michael Usbeck

5. Gottlieb Usbeck

6. Postverwalter Werner

7. Christian König

d. Außerordentlicher Ausschuß:

1. Christian Jacob König

2. Wilhelm Reumschüssel

3. Georg Ritzmann

4. Mathias Wirth

5. Carl Bühner

6. Peter Usbeck

7. Mathias Holland-Cunz

8. Christian Jäger

9. Christian Holland senior.

Pfarrer r:

1. Wilhelm Bernhard, luthersicher Pastor

2. Wilhelm Rohnert, reformierter Pastor.

Lehrer:

1. Friedrich Schlag, Kantor,

2. Johann Georg Eck, Organist,

3. Christian. Rohde,

4. Fenner (Kantor Münch pensioniert).

Amtsgericht:

1. Amtsrichter Christian Kind,

2. Sekretär Carl Zschorlich

Arzt: Dr. Lehnebach

Herzoglicher Oberförster: Wilharm

Mit Gottes Hilfe wird heute der Knopf wieder aufgesteckt.

Steinbach-Hallenberg, am 13 August 1$73                          Der Bürgermeister Holland-Cunz

 

(Zusatz:) Gott segne unser liebes Kirchspiel viel tausendmal. Man besucht die Kirche fleißig und das heilige Abendmahl. Es gingen zum heiligen Abendmahl lutherischerseits im Jahre  1870 im Kirchspiel 3.022 (Oberschönau ferner 571), im Jahre 1872 schon 3.207 (Oberschönau 659), worüber ich mich  besonders freute.  Am 30. Juli 1873 war Missionsfestfeier. Es predigten Pastor Trebitz aus Beutnitz bei Jena und Pastor Gehrert [oder Gerhold] aus Niederhessen. Der Gottesdienst war sehr besucht, es gab 93 Taler Kollekte.

Gott segne uns alle und gebe uns das ewige Leben durch unsern Herrn Jesus. Amen. Gott schütze unsre. evangelische Kirche vor ihren falschen Freunden und ihren mächtigen Feinden, die sie jetzt hat. Wir beiden Pfarrer, die wir im Frieden unser Nest schützen, glauben an Psalm 46.                                                                                       W. Bernhard, Pastor

 

Nr. 10: Reparatur des Turmknopfes 1906

Zur Geschichte von Steinbach-Hallenberg wird gelegentlich der Abnahme und des Vergoldens des Turmknopfes folgendes nachgetragen:

Am 16. Juli 1870 erhielten die folgenden Reservisten und Landwehrleute Befehl, sich von 19. bis 21. Juli bei dem Bezirkskommando Rotenburg a/F. einzustellen, um an dem zwischen Preußen und Frankreich ausgebrochenen Kriege teilzunehmen: (es folgen 41 Namen). Die ausgerückten Krieger sind nach Beendigung des Feldzugs alle wieder zurück gekehrt, verwundet wurden: Adolf Zielfelder, welchem ein Bein abgenommen war, und Husar Gottlieb Kleb durch einen Brustschuß; leicht verwundet wurde Valtin Wilhelm Jäger.

 

1876: In der Nacht vom 12. auf 13. März wütete ein furchtbarer Sturmwind, der den größten Teil der Dächer abdeckte und die Schornsteine hinwegfegte, außerdem aber auch in den Wäldern großen Schaden anrichtete. Vor allem beschädigt wurden die hinter der Burg stehenden uralten Tannen und die große Eiche beim Kindlesbrunnen [bei Haus Arzbergstraße 80, Ecke Kälberzeil], in der weiten Umgebung die einzige in ihrer Stärke  (man spricht von 7 Meter Umfang) sind zusammen gebrochen.

 

1878 entstand infolge anhaltenden Regens ein „Großwasser“, das das Wehr beim Amtsgericht durchbrach und das unter demselben zwischen Erbfluß und Kunstgraben stehende Wohnhaus des Zainers Georg Christian Holland-Moritz mit fort riß, nachdem kurz vorher der Besitzer durch zwei Steiger der Feuerwehr mittelst einer Leiter aus dem einbrechenden Hause geholt worden war.

 

Mit Ende der 70er Jahre hörten die Hammerwerke auf zu gehen. Es bestanden damals noch der Oberhammer, Plätzerhammer, Mittelhammer und Unterhammer. Alle sind verschwunden und es bestehen heute an deren Stellen Eisenpoliereien oder sonstige fabrikähnliche Anlagen.

Mit Beginn der 80er Jahre wurden die hiesigen Nagelschmiede sozusagen lahm gelegt. Es entstand in Eberswalde bei Berlin die große Nägelfabrik von Möller und Schreiber, ebenso eine solche in Hamburg. Diese fabrizierten die hier einzeln geschmiedeten Hufnägel massenhaft und lieferten zu solchen billigen Preisen, daß die hiesigen Arbeiter und Händler nicht nachkommen konnten. Infolge des Arbeitsmangels fehlte es am Verdienst; ein arbeitsloser Nagelschmied arbeitete als Tagelöhner gern für 1 Mark 20 Pfennige pro Tag, um nur Brot für seine Familie zu schaffen.

In dieser Notlage kam die Königliche Regierung zu Hilfe. Aus Staatsmitteln erhielt die Gemeinde 100 Zentner sogenanntes „Peiner Eisen“. Dieses Eisen wurde an arbeitslose Nagelschmiede billig abgegeben und der Erlös den armen Notleidenden nach und nach in Form von Unterstützungen oder auch für geleistete Taglöhne gegeben.

Als später die Firma Möller und Schreiber von dem durch sie hervorgerufenen Notstande durch die Königliche Regierung Kenntnis erhielt, sandte sie Eisen hierher und ließ es durch die Nagelschmiede des Steinbacher Grundes verarbeiten. Es wurden Ochsennägel, Maultiernägel und sogenannten „Elefantennägel“ verfertigt. So brachte die genannte Firma der hiesigen Bevölkerung wieder Arbeit und Verdienst, bis dieselbe nach und nach in anderen Berufszweigen Fuß faßte und sich ihr Brot auf andere Weise verdiente.

Hierzu sei noch bemerkt, daß die Firma Möller und Schreiber in uneigennütziger Weise keinen Verdienst von den hier gefertigten Waren genommen hat, sondern die Überschüsse alljährlich hierher sandte, um an die einzelnen Arbeiter verteilt zu werden. Das letzte Geld ist im Jahre 1902 verteilt worden. Von da an ist nicht mehr für Möller und Schreiber gearbeitet worden. Trotzdem leben heute noch etwa 120 Nagelschmiede, die ihren Lohn durch Anfertigung von Schloß- und Brettnägeln, Kernnägeln  Schiffsnägeln, alle möglichen Sorten Haken und dergleichen verdienen. Hufnägel werden allerdings nur wenig fabriziert.

 

1881: Am Sonntag nach Pfingsten, dem 12. Juni, entstand im Oberwirtshause (Gasthof „Zum Schloß Hallenburg“, Besitzer Hugo Bühner) Feuer, das sich sehr schnell verbreitete und diesen Gasthof sowie die Anwesen von Matthias Holland-Cunz, Caspar Danz, Kaufmann E. Sasse, und das Oberdörfer Schulhaus mit sämtlichen Nebengebäuden einäscherte und die Apotheke teilweise zerstörte.

Der Platz, auf dem die Schule gestanden hatte, wurde dem Gastwirt Hugo Bühner für 1.803 Mark verkauft. Dafür wurde das Anwesen des Naglers Christoph August König, an der Hauptstraße, Wohnhaus mit Schmiede und Scheune, mit dem dahinter liegenden Acker des Kaufmanns Wilhelm Holland-Merten angekauft. Auf dem Letzteren entstand nunmehr die neue Schule, die am 15. Oktober 1882 eingeweiht wurde und mit Ausrüstung etwa 30.000 Mark gekostet hat. Lehrer waren damals: Kantor Schlag, Organist Miquel und die Lehrer Fenner, Volkmar und Zeiß, und als sechster kam der Lehrer Pistor. Schulkinder waren es etwa  570, an Schulgeld waren 1704 Mark eingekommen.

 

1883: Am 10. und 11.November fand die 400 jährige Geburtstagsfeier Dr. Martin Luthers statt und zwar beteiligten (sich) hieran die sämtlichen Einwohner des Kirchspiels Steinbach-Hallenberg. Aus jeder Schulklasse trug ein Schüler oder eine Schülerin in der Kirche ein Gedicht vor, während an jeden besten Schüler der Klassen eine Luther-Bibel verschenkt wurde.

 

1883/84: Im Winter fand ein großes Sterben statt, namentlich unter den Kindern. So wurden an einem Tage sechs Kinder von hier und eine Frau von Unterschönau zu Grabe getragen.

 

1888 war ein Trauerjahr. Am 9. März brachte der Telegraph die Nachricht, daß Seine Majestät der Kaiser und König Wilhelm I. im 91. Lebensjahr aus diesem Leben dahingeschieden sei. Es wurde eine sechswöchige Landestrauer angeordnet und vier Wochen lang jeden Mittag von 12 bis 1 Uhr mit allen Glocken geläutet.

Unser damaliger Kronprinz Friedrich Wilhelm weilte zur Zeit des Todes seines hochseligen Vaters infolge eines bösen Halsleidens (an dem er nicht mehr genesen sollte) in San Remo. Als ihn dort die Trauerkunde ereilte, reiste er alsbald nach Berlin, um den Thron als Kaiser Friedrich III. zu besteigen. Aber schon am 15. Juni 1888 ereilte auch ihn der unerbittliche Tod. Eine abermalige Landestrauer von sechs Wochen wurde angeordnet und abermals vier Wochen täglich von 12 bis 1 Uhr mit sämtlichen Glocken geläutet.

Als dritter deutscher Kaiser im Jahre 1888 hatte nun den Thron bestiegen Wilhelm II., der noch heute das Deutsche Reich regiert und dem noch eine lange gesegnete Regierung beschieden sein möge.

 

Am 9. Dezember 1888 Sonntag Abends gegen 6 Uhr wurde der Herzogliche Waldwart Ferdinand Hengelhaupt aus Rotterode auf dem Wege von hier nach Rotterode am Kälberzeil, oberhalb der Zionskirche, von dem Nagler Elias Rommel und dem Schlosser Richard Pfeffer von hier erschlagen. Dieselben wurden am 22. März 1889 vom Schwurgericht Meiningen zum Tode verurteilt und am 34. Oktober desselben Jahres auf dem Hof des Landgerichtsgebäudes in Erfurt hingerichtet. Diesem schaurigen Akte wohnten der damalige lutherische Pfarrer Obstfelder, Gemeinderatsmitglied Ferdinand Häfner (Andreas Sohn), Ausschußmitglied Schlossermeister Elias Usbeck und der praktische Arzt Dr. Kuhn von hier als Zeugen bei.

 

Nach langem Bitten erhielten wir im Jahre 1889 die Genehmigung zum Bau einer Eisenbahn von Schmalkalden über Steinbach-Hallenberg nach Zella St.Blasii durch den Königlich Preußischen Eisenbahnfiskus. Am 6. August 1889 trafen die ersten Bahnarbeiter hier ein (Bayern und Italiener)‚ die zunächst an der Strecke Schmalkalden-Steinbach-Hallenberg arbeiteten,

Die landespolizeiliche Abnahme dieser Strecke fand am 4. Dezember 1891 statt, während der erste Zug am 14. Dezember 1891 von Schmalkalden kommend hier eintraf. Unter Beteiligung der ganzen Einwohnerschaft, Gemeindebehörde und sämtlicher Vereine fand eine großartige Feier statt. Ein Jahr später, am 25.Januar 1893, war auch die Strecke Steinbach-Hallenberg - Zella fertig und wurde dem Verkehr übergeben, gleichfalls mit einer entsprechenden Feierlichkeit. Seit jener Zeit ist Handel und Verkehr im steten Blühen und Wachsen begriffen und der Wohlstand hat sich bedeutend gehoben.

 

Am Himmelfahrtstag 1893 nachts zwischen 11 und 12 Uhr entstand in der Scheune, die damals Gottlieb Nothnagel gehörte (jetzt Gasthof „Zum deutschen Kaiser“) in der Hammergasse ein Feuer. Es verbreitete sich in kurzer Zeit über die Anwesen von Spediteur Wilhelm, Wagner Anding, Nagler August Kaiser, Schlosser Valtin Wilhelm Jäger, Schlosser Karl Friedrich Motz, Gebrüder Karl und August Wilhelm sowie Kaufmann Michael Usbeck und zerstörte diese mit allen Nebengebäuden. Das Unterwirtshaus (das Ferdinand Recknagel gehörte) [später  Gasthof „Zum Stern“, Hauptstraße 47] sowie das Haus Adolf Bühners wurden stark beschädigt. Ebenso wurden die Häuser von Fritz Killenberg und David Friedrich Giesenhan durch Flugfeuer ergriffen und zerstört. Das Haus des Metzgers Wilhelm Häfner wurde stark beschädigt.

 

Wenige Wochen darauf brach in der Scheune des Matthias Rommel erneut Feuer aus. Dadurch brannte die genannte Scheune und die Wohnhäuser von Ernst Wilhelm, Lehrer Volkmar, Friedrich Wilhelm Marr und Postverwalter Werner mit Nebengebäuden nieder. Ebenso brannte die Werkstatt mit einer Wohnung des Gottlieb Wilhelm Usbeck ab, während das Wohnhaus des Letzteren und das Haus der Witwe des Peter Wahl sehr beschädigt wurden. In beiden Fällen wurde Brandstiftung vermutet, doch haben die Täter nicht ermittelt werden können.

 

In demselben Jahre entstand infolge anhaltender Hitze Futternot, das Vieh konnte nicht erhalten werden und wurde bis auf einen kleinen Bestand geschlachtet; man konnte das Pfund Fleisch für 25 bis 30 Pfennige kaufen. Als die Not am höchsten stand, wurde durch die Fürsorge der Königlichen Regierung und unsres sehr verehrten Herrn Landrats Dr. Hagen in Schmalkalden ein Kreisfuttermagazin ins Leben gerufen und Kunst- und Kraftfutter (wie Erdnußkuchen, Reisschlempe und dergleichen) und ebenso Heu und Stroh zu billigen Preisen aus den fernen Provinzen hier eingeführt. Dadurch wurde es möglich, den geringen Viehbestand doch zu gehalten.

 

Im Juli 1894 gründete der Zigarrenfabrikant Louis Wolff aus Hamburg eine Zigarrenfabrik, in der bisher etwa 120 Mädchen arbeiten und durch die ein großer Verdienst in die Gemeinde kommt.

Am 22. April 1898 fanden die ersten Verhandlungen zur Errichtung eines Elektrizitätswerks statt, die dahin führten, daß die Firma Hermann Gieldzinski in Berlin ein Elektrizitätswerk in der Moosbach errichtete, das schon Anfang März 1899 in Betrieb gesetzt wurde. Außer der Straßenbeleuchtung erhalten etwa 200 Häuser elektrisches Licht, auch wird an eine größere Anzahl Gewerbetreibender Starkstrom zum Betriebe ihrer Maschinen und dergleichen abgegeben.

 

In demselben Jahr entstand im Gruppich das neue evangelische Vereinshaus - an der Bismarckstraße Nr. 1 - in welchem eine Kleinkinderschule und zwei Gemeindeschwestern untergebracht sind, die zum großen Segen der Gemeinde schaffen und wirken.

 

Im Monat August 1899 entstand in dem ehemaligen Besitztum des Hammergewerken Christian Hoffmann (der Oberförsterei gegenüber) ein Schadenfeuer, dem das ganze Anwesen in der der Hauptstraße Nr. 48 zum Opfer fiel. Dieses Grundstück wurde in seiner ganzen Größe mit 64 Ar 7 Quadratmeter von dem damaligen Besitzer Carl Wilhelm Wirth durch Beschluß der Gemeindevertretung vom 1. Oktober 1899 für 30.000 Mark von der Gemeinde käuflich erworben, die Rathausstraße darüber gelegt und das Rathaus darauf errichtet.

Am 26. März 1900 fand die feierliche Grundsteinlegung statt und am 1. Oktober desselben Jahres wurde das Rathaus seinem Zwecke übergeben. Die Gemeindevertretung veranstaltete bei dieser Gelegenheit eine Festlichkeit, an der sich außer den hiesigen Gemeinde- und Staatsbeamten und Geistlichen auch der Herr Landrat Dr. Hagen, Regierungs-Assessor Dr. Schmieder und die Kreisausschußmitglieder beteiligten.

Als Bürgermeister amtierte damals der frühere Kaufmann Alex Bleymüller aus Schmalkalden, Beigeordneter war Mühlenbesitzer August Jäger (seit 1889). Gemeindebeamte waren vorhanden: Gemeindeschreiber Christian Wilhelm Dittmar (seit 1885), Bürogehilfe Ernst Thomas (1893), Sparkassenkassierer Julius Häfner (seit 1885), Gemeinderechner August Häfner (1.1.1900), zwei Polizeisergeanten Valtin Recknagel und Richard Wahl und Flurhüter Holland-Cunz.

Die Maurerarbeiter zum Rathause waren von Ernst Keßler, die Zimmerarbeiten von Carl Jäger (Elias Sohn) aus Steinbach-Hallenberg ausgeführt worden. Die Kosten betrugen rund 50.000 Mark. Nach Fertigstellung des Rathauses wurde vor diesem ein Kriegerdenkmal errichtet. Die Maurerarbeiten hierzu wurden ebenfalls durch Keßler, die Bildhauerarbeiten von Emil Köpler aus Schmalkalden ausgeführt. Die Kosten betrugen 3.187 Mark und wurden zum größten Teil durch freiwillige Gaben aufgebracht, während der Rest von den beiden Krieger- und Militärverein übernommen wurde.

 

Im Jahre 1901 erwies sich unsre Schule als zu klein. In wohlwollender Weise genehmigte das Herzogliche Staatsministerium in Gotha die Abtretung des damaligen am Friedhof entlang liegenden Forstgrundstücks gegen Austausch der Hirtenwiese an der Rasenmühle. Es entstand nun eine zweite Schule mit Lehrerwohnung, die 34.000 Mark gekostet hat, wozu eine Staatsbeihilfe von 10.000 Mark bewilligt wurde. Die Maurerarbeiten lieferte Ernst Keßler von hier, die Zimmerarbeiten Zimmermeister Simon aus Schmalkalden.

Am Tage der Schuleinweihung - im September 1901 - fand eine Schülerfeier statt. Jedes Kind erhielt eine Bratwurst. Verteilt wurden 799 Würste, die 800. bekam die Schuldienerin Marie Bickel. Lehrer waren vorhanden: Rektor Heymel, Kantor Margraf, Organist Wolff, die Lehrer Volkmar, Zeiß, Umbach, Heß, Blum, Mardorf und Bechthold, dazu die Lehrerinnen Fräulein Schott und Fräulein Preuß, neu hinzu kam Lehrer Schrödter. Am 1. Mai 1906 kam weiter hinzu: Lehrer Fricke von Herges-Hallenberg. Die Linden von der Rathausstraße aufwärts bis zur Mühlgasse wurden 1901 durch Bürgermeister Bleymüller gepflanzt.

 

Im Jahre 1905 legte der Schlossermeister Christian Rothämel im Erbstal Haus Nr. 67 den ersten Federhammer Aiax an. Er hat sich als sehr praktisch erwiesen und erspart den Zangenschmieden viele harte Arbeit. Im Jahre 1906 entstand in der Straße „Unter den Linden“ die Thüringer Gesenkschmiede, welche die einer aus hiesigen Schlossermeistern gebildeten Gesellschaft ins Leben gerufen wurde. Ebenso entstand gleichzeitig die Thüringer Temper- und Stahlgießerei.

 

Als Bürgermeister haben die hiesige Gemeinde gleitet:

         bis 1869: Elias Usbeck von hier

1869 bis 1885: Caspar Holland-Cunz von hier (31.3.)         

1885 bis 1897: August Usbeck von hier (19.7.)

1897 bis 1901: Alex Bleymüller aus Schmalkalden (1.5.)

1901 bis heute: Wilhelm Zickendraht aus Homberg.

Nach der Volkszählung hatte Steinbach-Hallenberg folgende Einwohnerzahlen aufzuweisen: 1875: 2.981, 1880: 3.107, 1885: 3.117, 1890: 3.260, 1895: 3.668, 1900: 4.010, 1905: 4.504.

Ausgefertigt Steinbach-Hallenberg, den 2. August 1906     Christian Wilhelm Dittmar, Gemeindeschreiber.                                                   Gesehen! W.v.            Der Bürgermeister Zickendraht

 

(Vermerk auf der Rückseite durch Pfarrer. Klingelhöfer):

Der Klempner Karl August Bauerschmidt hat den Turmknopf ausgebessert und dafür nichts beansprucht (4,50 Mark). Photograph Schüler hat eine Aufnahme vom Turmknopf und den Zuschauern gemacht, auch vom Turmknopf und den Schieferdeckern.              23.8. 1906

 

(Sonderblatt mit Erläuterung von Pfarrer Klingelhöfer):

Am 12. März 1876 wütete hier ein Orkan, der die alte Eiche zerbrach, die über der Arzbergerbrunnenkammer stand. Der Stamm war 3 Meter hoch, innen hohl und hatte einen Durchmesser von 2,50 Meter. In dem hohlen Stamm haben drei Mann gefrühstückt‚ welche genügend Platz dazu hatten. Die Eiche ergab an Holz 13 Stück Schmiedestöcke, 14 Meter Holz sowie mehrere Stücke Werkholz und 2 Fuhren Reisig. An dem Zerlegen des Baumes haben drei Mann 14 Tage gearbeitet. Da eine Säge von der Länge nicht zu beschaffen war, mußte alles mit der Axt durchgeschrotet werden. In der Mitte war der Stamm schwarz und so hart wie Eisen (Vermerk Klingelhöfer:) Aufgeschrieben von Friedrich Wilhelm Recknagel, dem Vater unsrer Schwester Emilie  22.8. 1906

(Rückseite:) Johann Backer, Schieferdeckermeister, Mehlis i./Thür., Friedrich Trescher, Schieferdeckergeselle aus Benshausen, Hermann Hegner, Schieferdeckergeselle, Mehlis i./Thür.

22.8. 1906

 

(Der Entwurf zu dieser Urkunde enthält einige Erweiterungen:)

(Anderer Beginn:)

In dem im Jahre 1866 stattgefundenen Bruderkrieg zwischen Preußen und Österreich hatte sich der Kurfürst von Hessen-Kassel nicht auf Preußens Seite, sondern auf die Seite Österreichs gestellt. Wenige Tage nach dem Mobilmachungsbeschluß des Bundestages wurde Kurhessen von den Preußen besetzt und unser Kurfürst Friedrich Wilhelm als Gefangener nach Stettin geführt. Durch Urkunde vom 18. September 1866 entband er die Truppen vom Fahneneid und die Beamten und Untertanen vom Diensteide. Durch Königliches Patent vom 3. Oktober 1866 nahm der damalige König von Preußen, Wilhelm I., Besitz vom vormaligen Kurfürstentum Hessen, das mit dem früheren Herzogtum Nassau die jetzige preußische Provinz Hessen-Nassau bildet. Der Kurfürst starb am 6. Januar 1875.

(Nach dem Bericht über den Krieg 1871:)

Im Jahre 1871 war infolge anhaltenden Regens „Großwasser“ entstanden, so daß die an der oberen Dillersgasse und oberhalb des Ortes am Haselufer stehenden Bäume zusammenbrachen, vom Wasser mit fortgerissen wurden und bei den Brücken hängenblieben, so daß das Wasser gestemmt wurde bis endlich die steinernen Brücken -

die sogenannte Sattlersbrücke (jetzt Saftsbrücke) und die Plätzerhammerbrücke (jetzt Tannenbrück genannt) …….

(Aus dem Manuskript geht auch hervor, daß der Organist „Miquet“ hieß und daß der Sparkassenrendant Julius Häfner sein Amt am 1. Juli 1885 antrat).

 

 

Urkunde zur Erinnerung der Grundsteinlegung des Gemeinde-Verwaltungs-Hauses zu Steinbach-Hallenberg, eingelegt in den Grundstein am 26. März 1900.

Infolge der Zunahme der Bevölkerung und der Gemeinde-Verwaltungsgeschäfte von Steinbach-Hallenberg stellte sich in den letzten Jahren immer mehr das Bedürfnis eines eigenen Gemeindeverwaltungs-Gebäudes heraus. Die Gelegenheit, ein zu diesem Zweck geeignetes Grundstück zu erwerben, bot sich durch das Freiwerden eines größeren Baugrundes infolge

eines Schadenfeuers, das die Gebäulichkeiten des Schuhmachers Wilhelm August Wirth niederlegte. Es war früher im Besitz des verstorbenen Hammerwerkers und Kaufmanns Christian Hoffmann, das dieser durch Ankauf von Liegenschaften mit großem Garten und Feld-Ländereien umgab und eine schöne Lage im Mitteldorf hatte.

Dieses Grundstück wurde von dem genannten Wirth auf Vorschlag des Gemeindevorstandes durch Beschluß der Gemeindeverordneten zu dem Preis von 30.000 Mark Deutscher Reichswährung einschließlich der Brandkassen-Entschädigung gekauft. Nach Begradigung des ganzen Gebiets wurden Baugründe abgegrenzt, eine Straße durch gelegt und dieser der Name „Rathausstraße“ gegeben. Zur rechten Seite und eingangs dieser Straße soll sich das neue Rathaus erheben.

Zu diesem Zwecke wurde durch Beschluß der Gemeindeverordneten eine Baukommission unter Vorsitz des Bürgermeisters eingesetzt, die das Nähere über Bau und Baukosten zu beraten und zur Vorlage zu bringen hatte. Diese Baukommission bestand aus drei Mitgliedern des Gemeindevorstandes und drei Mitgliedern der Gemeindeverordneten.

Die Kommission beauftragte nun den Architekten Meußer zu Schmalkalden mit dem Entwurf und dem Kostenanschlag eines Bauplans, wobei die Gesamtbaukosten mit 35.000 Mark begrenzt waren. In einer Reihe von Sitzungen kam der dann vorgelegte Plan in seinen Einzelheiten zur Beratung und Feststellung, dem dann auch die Genehmigung der Gemeindeverordneten folgte.

Auf Grund einer öffentlichen Ausschreibung erhielten der Maurermeister Herr. Ernst Keßler und der Zimmermeister Herr Karl Jäger die Ausführung des Rathausbaus zu dem Preis von 35.000 Mark übertragen. Zur Erleichterung der durch diesen Bau entstehenden Lasten erhielt die Gemeinde Steinbach-Hallenberg von dem Kreisausschuß zu Schmalkalden die Erlaubnis zu einem Gastwirtschaftsbetrieb im Rathaus.

Zur Erinnerung der Gründung dieses Baues wurde in den Grundstein diese Urkunde eingelegt.

Dieses geschah unter der segensreichen Regierung des Königs Wilhelm II. von Preußen, des Deutschen Kaisers, im elften Jahr seines Regierungsantritts, im 29. Jahr der Wiederaufrichtung des deutschen Reiches.

Zu dieser Zeit waren im Amt:

Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau: Excel lenz Graf von Zedlitz-Trutschler.

Regierungspräsident des Regierungsbezirks Kassel: Herr Freiherr von Trott zu Solz.

Landrat des Kreises Schmalkalden: Herr Regierungsrat Dr. Hagen.

Königlicher Amtsrichter zu Steinbach-Hallenberg: Herr von Kienitz.

Lutherischer Pfarrer zu Steinbach-Hallenberg: Herr Hertting.

 Reformierter Pfarrer zu Steinbach-Hallenberg: Herr Schantz.

Herzoglich-Gothaischer Oberförster zu Steinbach-Hallenberg: Herr Brohmeyer.

 

Das Gewerbe der Schlosser und Nagler bringt auch heute noch dem Orte seine hauptsächliche Nahrung. Seit mehreren Jahren hat sich die Schlosserei (Eisen-Kurz-Warenfabrikation) sehr entwickelt und ist gut beschäftigt im Gegensatz zu der Nagelschmiederei, die durch die maschinelle Herstellung der Nägel bedrängt, immer weniger Hände beschäftigt. Die übrigen Hantierungen bringen guten Lohn. In diesem Jahre wurde eine Zentrale zur Ergänzung elektrischer Kraft und Licht in der Moosbach  in Betrieb gesetzt. Es war dieses Jahr eine gute Ernte, sämtliche Feldfrüchte sind wohlgeraten. Es ist ein großer Segen im ganzen deutschen Reiche.

Verheerende Krankheiten haben unseren Ort lange nicht heimgesucht. Die Bevölkerung nimmt stetig und bemerkenswert zu, der Zuzug ist größer als der Abzug.

Unter den Völkern Europas ist andauernder Friede. Industrie und Handel blühen und das Land erfreut sich infolgedessen eines steigenden Wohlstandes und besserer Lebenshaltung seiner Bevölkerung. Gott zu Ehren, an dessen Segen alles gelegen. Er wolle unsern Ort schirmen und segnen.

Abgeschrieben von dem in den Akten des Bürgermeisteramts aufgenommenen Entwurf.

Steinbach-Hallenberg, am 21.August 1906                                      Bernhard Knoth, Bürogehilfe

 

Nr. 12: Das Vereinshaus und die Diakonissenstation:

Die Anregung zur Begründung einer Diakonissenstation in Steinbach-Hallenberg ist von Pfarrer Obstfelder (jetzt Superintendent in Schmalkalden) ausgegangen und von Pfarrer Dettmering (1892-1899), (jetzt Inspektor am Diakonissen-Mutterhaus zu Frankfurt a/M.) zu einem praktischen Ergebnis geführt worden. Am 6.Januar 1895 (Epiphanias) wurde die erste Schwester eingeführt und im Gottesdienst der Gemeinde vorgestellt.

Ein Jahr später wurde eine zweite Schwester angestellt und die Kleinkinderschule ins Leben gerufen. Zu diesem Zweck mietete Pfarrer Dettmering die unteren Räume des an der Hauptstraße gelegenen, dem Barbier David Werner gehörenden, Wohnhauses Nr. 44 [jetzt Nr. 69]. Die Schule wurde im Mai 1896 mit 100 Kindern eröffnet.

Am 13.März 1898 beschließt der Kirchenvorstand den Bau eines Vereinshauses zur Aufnahme der Kinderschule und zur Wohnung für die Schwestern der Diakonissenstation. Gleichzeitig sollte der Gemeinde neben dem Gotteshaus eine Stätte gegeben werden, an welcher christliches Gemeinschaftsleben von alt und jung gepflegt und durch erbauliche, unterhaltende und bildende Vorträge das gegeben werden sollte, was zur Zeit so sehr mangelt, ein frisches, gesundes, christliches Geistesleben.

Als Bauplatz wird ein Grundstück des Kaufmanns Ernst Holland-Merten im Gruppich, 21,63 Ar groß, für 2.000 Mark erworben. Da kein Weg auf dieses Grundstück führte, wurde die baupolizeiliche Genehmigung nur unter der Bedingung erteilt, daß ein Anschlußweg nach dem Arzbergweg (Kälberzeil) geschaffen wurde. Deshalb mußte noch ein Streifen Land vom Kirchenvater Karl August Jäger gekauft werden. Mit der Ausführung des Baues wurde der Maurermeister Ernst Keßler von hier beauftragt. Das Haus kostet fertig 19.500 Mark. Die Bismarckstraße ist erst später angelegt und ausgebaut worden.

Der Platz vor dem Vereinshaus war früher ein Sumpf und Wasserloch, ein Tummelplatz für die Gänse und Enten der Nachbarschaft. Die Ausfüllung und Einebnung des Platzes ist 1904 erfolgt. Manch Wagen Schutt und Erde mußte herbeigefahren werden. Ein Glück war es,

daß jemand auf den Gedanken kam, es müsse auf unserem Grundstück Kies zu gewinnen sein. Es wurde (wenn man zur Gartentüre hineingeht - rechts) gegraben, und man fand den schönsten Kies, mit dem der Platz gut bedeckt worden ist.

Die Beet-Anlagen und Wege sind von mir persönlich - unter getreuer Mitwirkung meiner lieben Frau - entworfen und angelegt worden. Die Einzäunung des Platzes hatte schon unter Dettmerings Zeiten Kirchenvater Jäger versprochen. Da er aber trotz wiederholten Drängens zögerte, ja schließlich noch eine neue Bedingung an sein altes Versprechen knüpfte, wurde er in der Presbyterialsitzung vom 25. September 1904 von seinem Versprechen entbunden. Der Kirchenvorstand konnte sich freilich nicht entschließen, die von mir gewünschte Einzäunung aus Stein und Eisen zu bewilligen. Deshalb habe ich die Einzäunung auf eigenes Risiko vornehmen lassen. Die Kosten betrugen rund 1.000 Mark. Ein kleines Stück Zauneinfriedigung mit Holzlatten hat schließlich Kirchenvater Jäger noch ausgeführt. Die Bepflanzung des Platzes mit Sträuchern usw. erfolgte Herbst 1904. Die Kosten des Zauns sind heute bis auf 300 Mark gedeckt, durch freiwillige Gaben sind die 700 Mark aufgebracht worden.

Im Jahre 1904 wurde elektrisches Licht im Vereinshaus gelegt. Im Jahre 1905 sind oben und unten alle Räume gestrichen, geweißt und zum Teil tapeziert worden, ebenso das Treppenhaus. Die Kosten betrugen 270 Mark. Jünglings- und Jungfrauenverein sind von Pfarrer Dettmering ins Leben gerufen worden.

Im Jahre 1905 ist auch - unter mancherlei Schwierigkeiten und Widerspruch - die Schließung des zwischen Vereinshaus und der jetzigen Buchdruckerei laufenden öffentlichen Fußwegs (Südseite des Vereinshauses) glücklich gelungen. Die Grenze wurde geradegelegt und durch Parzellenaustausch mit Buchdruckereibesitzer Vogt und dessen Nachfolger Luther die jetzige Grenzlinie bestimmt und eingetragen. Als Gegenleistung der politischen Gemeinde gegenüber haben wir auf der Nordseite einen Weg zum öffentlichen Verkehr freigegeben, aber Grund und Boden gehört uns.

Die jetzige Kinderschwester heißt Lina Forneberg. Die jetzige Krankenschwester heißt Emilie Recknagel (von hier stammend). Die Vorgängerin von Schwester Lina war Schwester Paula Böttner aus Römhild, eine treue und liebe Gehilfin, die sich im Dienste dieser Gemeinde fast aufgerieben hat. Ihre früher so gute Gesundheit war so angegriffen, daß sie schon im vorigen Jahre längeren Urlaub nehmen mußte, da sie ernstlich erkrankte. Ihre Erholung und Wiederherstellung war jedoch nur scheinbar, sodaß das Mutterhaus zu unserem großen Bedauern und dem Leidwesen der ganzen Gemeinde in diesem Jahre beschließen mußte, sie von ihrem ihr lieb und teuer gewordenen Posten abzurufen, um ihr zuerst einen weiteren längeren Urlaub zu gewähren und sie dann auf ein anderes Arbeitsfeld zu führen. Gott geleite sie auch fernerhin in Segen!

Durch die Erbauung des Vereinshauses ist der Kirchengemeinde eine große Schuldenlast auferlegt worden, aber, Gott sei Dank! ist bis jetzt alles gut gegangen! Noch bestehen etwa 15.000 Mark Schulden.

Die Hauskollekte, die vom Pfarrer persönlich erhoben wird, hat in den letzten beiden Jahren etwa 1.000 Mark eingebracht. Der Kreis gibt ständig 200 Mark, die Gemeinde hat sich zur Zahlung von 200 Mark dauernd verpflichtet. Die übrigen Gelder kommen durch freiwillige Gaben, durch die Kinderschule und durch Wohnungsmiete auf. Die letztere beträgt augenblicklich 250 Mark im Jahr.

Gott lasse auch in Zukunft durch unser Vereinshaus und insbesondere durch die bis heute reich gesegnete Liebesarbeit der Schwestern seinen Segen in die Gemeinde fließen!

 

Sonstige Notizen:

Im vorigen Jahre 1905 wurde der Friedhof mit Akazien, Rot- und Weißdorn, zwei Linden, sonstigen Bäumen und mit Flieder bepflanzt.

Durch Presbyterialbeschluß vom 4. Dezember 1904 wurden die Sonntagshaustaufen abgeschafft. Früher hatte der Pfarrer an einem Sonntag oft 6 bis 7 einzelne Haustaufen, die (namentlich im Winter) seine Zeit zu sehr in Anspruch nahmen und seine Gesundheit angriffen. Jetzt werden die Kinder - an Sonntagen - im Winter im Vereinshaus (1. November - 30. April), im Sommer (1. Mai - 31. Oktober) in der Kirche getauft. Die Durchführung dieses Beschlusses hatte deshalb besondere Schwierigkeiten, weil der Kirchenvorstand bereits unter Pfarrer Dettmering am 27. November 1897 in demselben Sinne beschlossen hatte. Leider ist damals der Beschluß nicht durchgeführt worden. Dettmering hat erklärt, daß ihm von seiten einer Hebamme zu viele Schwierigkeiten gemacht worden sind. Es hat sich auch der Spott daran geknüpft: Weil man noch kein Vereinshaus hatte, wurde in dem vom Barbier Werner gemieteten Haus getauft. Man hat dann gespottet: Die Kinder könnten gleichzeitig rasiert werden! Unter Pfarrer Hertting war deshalb der alte Zustand wieder vorhanden. Bei Durchführung des Beschlusses vom 4. Dezember 1904 gab es auch mancherlei Schwierigkeiten - so erklärt zum Beispiel ein als „guter Sozialdemokrat“ bekannter hiesiger Schlosser namens E.K., er brauche sich dem Beschluß des Kirchenvorstands nicht zu fügen, das Kirchenvorstand könne ja auch beschließen, daß die Kinder  in der in der Badeanstalt getauft würden. Aber im Allgemeinen muß ich es dankbar anerkennen, daß sich die Gemeinde entgegenkommend gezeigt und mir dadurch die Durchführung erleichtert hat. Ich habe bis heute keine Ausnahme gelten lassen (abgesehen von Nottaufen), auch bei E.K. nicht. In der Woche finden im Winter Haustaufen nach wie vor statt. Im Sommer müssen Haustaufen mit 1.50 Mark bezahlt werden.

 

Kollekten:

Lutherisch Steinbach-Hallenberg hat aufgebracht:

  1. an Kirchenkollekten:       

  1903 : 407,46 M

      1904:  415,96 M

      1905 : 416,03 M

b.) an Hauskollekten:

1.) für auswärts:                    

     1903: (nichts bekannt)

      1904 : 541 ,80 M

      1905 : 466,62 M

2.) für unsere Diakonissenstation:

      1903 : 1000,90 M von mir eingesammelt

      1904 : 1006,90 M

      1905 : 1031,83 M von den Kirchenvätern eingesammelt.

Damit ist der Beweis gebracht, daß die Gemeinde auch dann gibt, wenn der Pfarrer nicht selbst erscheint. In diesem Jahr hoffe ich, die Einsammlung wieder selbst vornehmen zu können.

c.) an Missionsgaben:            1903 : 520,67 M

(Heidenmission)                     1904 : 456,47 M

                                               1905 : 424,10 M

Die Festkollekte auf dem diesjährigen Missionsfest betrug 1263,70 Mark.

Der Altarraum der Kirche wurde im vorigen Jahre mit Kokosmatten belegt. Die Kosten (130 Mark) sind durch freiwillige Gaben (Konfirmanden, Kirchenkollekte) aufgebracht worden.

Steinbach-Hallenberg, den 22.August 1906             Karl Klingelhöfer, lutherischer Pfarrer.

 

 

Nr. 13: Bericht Pfarrer Klingelhöfers

Mitglieder des Kirchenvorstands:

1.) Lutherische. Kirchenväter:

 1. Johannes Friedrich Recknagel‚ Kirchrechner

 2. Julius König (22 Jahre Kirchenvater, 75 Jahre alt. Ich habe vor einem Vierteljahr das allgemeine Ehrenzeichen für ihn beantragt, bis jetzt aber noch keine Antwort erhalten. Hoffentlich kommt es in den nächsten Tagen, anläßlich der Anwesenheit Seiner Majestät Wilhelms II. auf Wilhelmshöhe in Kassel).

 3. Karl August Jäger

 4. Karl Friedrich Motz

 5. Guido Recknagel

 6. Christian August Endter

2.) Gemeindeverordnete:

  7. Hermann Usbeck

  8. Karl Friedrich Usbeck

  9. Ferdinand Usbeck

10. Rektor Heymel

11. Kantor Margraf

12. Organist Wolff

13. Benjamin Pfannschmidt

14. Ernst Wahl

15. Wilhelm August Recknagel, Friedrich Wilhelms Sohn

16. Heinrich Ernst Luck

17. Simon Friedrich König

18. Karl August Kämpf

3.) Reformierte Kirchenväter: Reckenbeil, Pfannstiel

 

Gemeindevorstand: Apotheker Dr. Köbrich, Friedrich König, Lehrer Zeiß und ein Unterschönauer.

 

Rotterode: A.  1. Friedrich Bauerschmidt

                        2. August Holland-Moritz

      B.  3. Karl August Motz, Bürgermeister

                        4. Liborius Schatz

                        5. Wilhelm Recknagel

                        6. Valentin Recknagel

Altersbach: A. 1. Edmund Gerlach

                        2. Ernst Nothnagel

                   B. 3. Ernst Nothnagel

                        4.Valentin Rothämel

                         5. Julius Leyh, Kantor

                         6. Ernst Friedrich Fischer.

 

Wichtiger Kirchenvorstandsbeschluß, Sitzung vom 6. Mai 1906: Das Kirchenvorstand beschließt auf Antrag des Vorsitzenden: Da die Verhältnisse in Steinbach-Hallenberg, insbesondere die stetige Zunahme der Einwohnerzahl, auf die Gründung einer zweiten lutherischen Pfarrei hindrängen, so beschließt das Kirchenvorstand, schon jetzt für die Ansammlung eines Sondergeldvermögens Sorge zu tragen, und zwar in folgender Weise: Bei dem Verkauf von Pfarreiländereien soll von dem Verkaufskapital so viel in die jetzige Pfarreikasse abgeführt werden wie notwendig ist, um die bisherigen Pachtzinsen durch Kapitalzinsen zu ersetzen. Der Rest der Verkaufssumme soll in den zu gründenden „Fonds zur Errichtung einer zweiten lutherischen Pfarrei in Steinbach-Hallenberg“ abgeführt werden. Die Zinsen werden jährlich zum Kapital geschlagen, falls nicht das Kirchenvorstand über dieselben verfügt.

Dieser Beschluß ist vom Königlichen Konsistorium zwar nicht genehmigt, aber es hat in der Verfügung vom 19. Mai 1906 die Notwendigkeit der Gründung einer zweiten lutherischen Pfarrei in Steinbach-Hallenberg anerkannt. Weitere Verhandlungen werden gepflogen.

Im Jahre 1893 bekam Pfarrer Dettmering einen Pfarrgehilfen namens Weigel, bis dahin gab es nur eine Pfarrei „Steinbach-Hallenberg, Oberschönau, Unterschönau, Rotterode Altersbach“. Vom 1. April 1893 ab wurde dem Hilfspfarrer von der Gemeinde Oberschönau eine Dienstwohnung zur Verfügung gestellt, bestehend aus einer Stube und einer Kammer einschließlich Feuerung. Sein Nachfolger war Georg Rüger. Am 3. Juni 1900 fand die Grundsteinlegung der Kapelle in Unterschönau statt, die Einweihung am 13. Dezember 1900.

 

Durch Urkunden zur Regelung der Pfarreien („Parochialregulierungs-Urkunden“) vom 24. März 1902 wird die Filialgemeinde Oberschönau zu einer selbständigen Kirchengemeinde erhoben. Unterschönau wird von Steinbach-Hallenberg ausgepfarrt und zu Oberschönau eingepfarrt. Die Pfarrstelle wird in Oberschönau errichtet. Der Hilfspfarrer Kraft wird erster Pfarrer in Oberschönau.

Der Wohlstand ist gegenwärtig ganz gut. Die Industrie blüht. Die Meister können nicht genug Arbeitskräfte bekommen. Steinbach-Hallenberg hat sich in jeder Beziehung gehoben. Der Schnapskonsum ist in den letzten 20 Jahren auf die Hälfte herabgesunken, der Bierkonsum hat sich in derselben Zeit verdreifacht.

Besondere Klagen werden seit Jahren über zunehmende Zuchtlosigkeit der Jugend geführt. Die Jugend ist nicht schlecht, aber zum Teil respektlos und autoritätslos. Über Frechheiten und Unanständigkeiten könnten von vielen Seiten Beiträge geliefert werden. Hieran ist mit schuld das in vieler Beziehung unglückliche Vereinsgesetz. Es bestehen jetzt nahezu 50 Vereine. Neugründungen stehen bevor. Bei den meisten Vereinen steht das Vergnügen im Vordergrund. Es vergeht wohl kein Sonntag, an dem nicht irgendein Stiftungsfest oder ein Ball stattfindet. Schade ist es, daß auch die beiden Turnvereine viel zu viel vom Turnen ins Tanzen gekommen sind. Es fehlt ihnen eine Turnhalle. Vielleicht wird durch Errichtung einer solchen hier vieles besser werden.

Das kirchliche Leben ist im Allgemeinen gut. Abendmahlsgäste sind es jährlich etwa 2.000. Im vorigen Jahre fand auf Veranlassung des Königlichen Superintendenten Obstfelder an verschiedenen Sonntag eine Zählung der konfirmierten Kirchenbesucher statt. Wir haben gezählt:

 

Sonntag

Männer

 

Frauen

 

insgesamt

 

I. Ostertag ( vormittags)

817

 

451

 

1268

 

II. Ostertag (nachmittags)

53

 310

363

Lätare (nachmittags)

46

 

 339

385

Himmelfahrt (vormittags)

 

629

 

569

 

1198

 

I. nach Trinitatis (vormittags)

 

305     

294

 

599

 

III. nach Trinitatis (vormittags)     

385   

365  

750

 

 

In Steinbach-Hallenberg treten Licht und Schatten ganz besonders hervor. Zu den Schattenseiten dieser Gemeinde muß man besonders auch rechnen die oft zu bemerkende Charakterschwäche und Unzuverlässigkeit, zu den Lichtseiten die große Opferfreudigkeit und das rege kirchliche Leben. Steinbach-Hallenberg ist für einen Geistlichen ein schweres Arbeitsfeld, auf welchem er manche Enttäuschung erlebt, aber auch ein reich gesegnetes Arbeitsfeld, auf dem ihm viel Freude bereitet wird.

Steinbach-Hallenberg ist meine erste Gemeinde. Am 21. Dezember 1902 (IV. Advent), an dem Tag meiner Probepredigt, bin ich mit 139 Stimmen bei 144 Wählern gewählt worden. Da jeder Wähler zwei Bewerber wählen muß, so kam mein Freund Kandidat Trusheim mit 90 Stimmen mit in Vorschlag. Pfarrer Deichmann (Schweinsberg) erhielt 37 und Pfarrer Bührmann (Springstille) 22 Stimmen. Wäre einer der beiden Pfarrer mit in Vorschlag gekommen, dann hätte das Königliche Konsistorium gewiß den Pfarrer dem Kandidaten Klingelhöfer vorgezogen.

Am 11. Januar 1903 fand meine Einführung durch Superintendent Obstfelder statt, nachdem ich am 4. Januar 1903 des Jahres. durch Generalsuperintendent D. Werner in Kassel ordiniert worden war. Die Gemeinde hat mich mit viel Liebe aufgenommen und mir bis heute viel Freundlichkeit entgegengebracht. Gott hat mir bisher geholfen, das schwere Amt auszurichten. Viel fehlt mir noch und gar manchen hätte besser und treuer ausgerichtet werden müssen. Mag die Gemeinde verzeihen und Gott sein schwaches Werkzeug tragen!

Superintendent Obstfelder, Schmalkalden, ist 15 Jahre Pfarrer in Steinbach-Hallenberg gewesen. Ihm verdankt die Gemeinde unendlich viel und manche heilsame Ordnung ist durch ihn geschaffen worden, zum Beispiel das Reihenbegräbnis, die Friedhofsordnung, die Ausgestaltung der Liturgie, die Ordnung der Pfarreiakten. Auch ist durch ihn das lutherische Pfarrhaus in seinen jetzigen wohnlichen Zustand gebracht und der Garten angelegt worden. Wegen seiner Strenge und seinem „Gerade-durch-Gehen“ war er oft gefürchtet, ja auch gehaßt.

Pfarrer Dettmering hat durch Gründung der Diakonissenstation, durch Erbauung des Vereinshauses und durch seine rührige Vereinstätigkeit viel Segen gestiftet. Die Liebe der Gemeinde ist ihm nach Frankfurt gefolgt.

Pfarrer Hertting ist offenbar in der Gemeinde nicht recht warm geworden. Er selbst schreibt in der Pfarreichronik: „Entscheidend für meinen Weggang war die Erkenntnis, daß ich den im Steinbacher Kirchspiel an den Pfarrer gestellten Anforderungen weder in körperlicher noch in geistiger Beziehung auf die Dauer gewachsen bin“.

Steinbach-Hallenberg, den 22. August 1906                   Klingelhöfer, lutherischer Pfarrer

(Randnotiz:) Zu bemerken ist auch die durch Obstfelder im Jahre 1890 bewirkte Renovierung der Kirche zu Oberschönau (neue Kanzel, neue Orgel).

 

 

Nr. 14: Weiterer Bericht Pfarrer Klingelhöfers 1906:

Im Sommer 1903 (6. Juli - 1. August) hatten wir die erste Mädchenferienkolonie des Kreises Schmalkalden in unserem Vereinshause. Auf Veranlassung des Landrates Dr. Hagen, dieses hochherzigen und um die Jugendfürsorge des Kreises so hochverdienten Mannes, fanden 16 erholungsbedürftige Mädchen unter der liebevollen Pflege der beiden Schwestern Therese Dietlein und Paula Böttner während eines vierwöchentlichen Aufenthalts Erquickung an Leib und Seele. Sämtliche Kinder waren - wie die ärztliche Untersuchung durch Dr. Beltz ergab - blutarm und mangelhaft ernährt. Lebertran und Hämatogen wurden deshalb für alle Kinder verordnet.

In der ersten Woche aßen die Kinder sehr schlecht. In der zweiten Woche wurde es schon besser, so daß es die meisten Kinder täglich auf 1 Liter Milch brachten und sich auch das Mittagessen gut schmecken ließen. Täglich wurde gebadet und Hausgymnastik geübt. Spaziergänge fanden trotz des häufigen Regens sehr oft statt. Die Gewichtszunahme betrug höschtens 11 1/2 Pfund, mindestens 2 1/2 Pfund (Emilie Reuhöfer aus Seligenthal, Marie Heil aus Kleinschmalkalden). Wir erhielten als Vergütung pro Kind 45 Mark aus der Kreiskasse, außerdem 80 Mark für die Station und „das protestantische Deutschland“ von Werkshagen für die Schwestern.

Auch im Sommer 1904 (4. bis 30. Juli) hatten wir 16 Mädchen als Ferienkolonistinnen. Das Wetter war durchweg heiß, meist über 20 Gras. Bei der Untersuchung durch Dr. Beltz stellte sich heraus, daß ein Kind Scharlach hatte. Natürlich mußte dasselbe (Anna Köhler aus Schmalkalden) den Eltern sofort wieder zurückgebracht werden. Im Übrigen wurden alle notwendigen Vorsichtsmaßregeln gebraucht, um irgendwelcher Ansteckungsgefahr vorzubeugen. Die beiden Kinder des Pfarrers und Inspektors Dettmering aus Frankfurt a/M. und deren Freundin Elisabeth Vohnwinkel, die an demselben Tag ankamen, um sich für die 4 Wochen den Ferienkolonistinnen anzuschließen und bei den Schwestern Wohnung zu nehmen, nahmen wir in unser Haus und behielten sie mit dem Einverständnis der Eltern drei Wochen bei uns. Daß es durch den Scharlachfall auf allen Seiten und bei allen Beteiligten mancherlei Aufregung gab, braucht nicht besonders betont zu werden.

Das Resultat der Ferienkolonie war wiederum ein vorzügliches. Die Kinder zeigten am Schluß neben körperlicher Frische auch größere geistige Regsamkeit. Die Gemeinde Steinbach-Hallenberg hat uns wie im vorigen Jahr so auch in diesem Jahr 1904 in bekannter liebevoller Weise unterstützt und die notwendigen Betten zur Verfügung gestellt.

Vorläufig hat der Landrat Dr. Hagen den Gedanken, die Mädchen-Ferienkolonie - ähnlich wie die durch ihn geschaffene Knaben-Ferien Kolonie zu Brotterode - zu einer ständigen Einrichtung zu machen, wieder fallenlassen müssen, weil ihm für die Dauer die notwendigen Gelder nicht bewilligt worden sind.

Der Winter 1904 brachte uns eine nicht unbedenkliche Typhus-Epidemie, bei der etwa 20 Personen zu gleicher Zeit darniederlagen. Der Gedanke des Landrates, in der alten Zigarrenfabrik (über Kaufmann Sasse) ein Notlazarett einzurichten, konnte nicht verwirklicht werden, weil die betreffenden Familien ihre Kranken selbst pflegen wollten. Da die Krankenschwester die Arbeit nicht mehr allein versehen konnte, mußten wir die Kinderschule schließen, um in Schwester Paula Hilfe zu bekommen. Todesfälle kamen, Gott sei Dank, nur zwei vor.

(Randbemerkung:) Am 21. Juni 1906 ertrank das 2 1/2 Jahre alte Töchterchen des Schlossers Friedrich August Häfner in der Hasel. Es war in einem unbewachten Augenblick ins Wasser gefallen. Wiederbelebungsversuche waren ohne Erfolg.

Es sei schließlich noch bemerkt, daß die hiesige altlutherische Zionsgemeinde durch die Auflehnung („Renitenz“) des reformierten Pfarrers Rohnert in den Jahren 1873 und 1874 entstanden ist. Durch die Bildung des Gesamtkonsistoriums in Kassel durch Allerhöchsten Erlaß vom 24. April 1873 glaubte man den Konfessionsstand der Gemeinde und des Einzelnen gefährdet. Rohnert wurde wegen beharrlichen Ungehorsams seiner Ämter entsetzt. Eine große Anzahl Gemeindeglieder (sämtlich lutherisch) folgte dem reformierten Pfarrer und trat aus der Landeskirche aus.    Steinbach-Hallenberg, den 23. August 1906       Klingelhöfer

 

 

Nr. 15: Weitere Berichte 1906

Für alle Zeiten den Urkunden des Turmknopfes hinzugefügt am 22. August 1906.

Wenn niemand mehr wird nach uns fragen -

Soll er noch unsern Namen tragen!

Verzeichnis der Gaben und Gabenspender des zur jährlichen Unterhaltung der Kirchenheizung bestimmten Kapitals. Gesammelt im August 1906.          Gesamtsumme: 1.065,50 Mark

Die Kirchenheizung ist vom Kirchenvorstand und der Vertretung der politischen Gemeinde beschlossen und soll nach dem Beschluß des Bürgerausschusses vom 26. Juli1906 im Jahre 1907 zur Ausführung kommen. Steinbach-Hallenberg‚ den 22. August 1906

      Der Bürgermeister: Zickendraht

      Die Pfarrer:  Klingelhöfer, lutherischer Pfarrer.

         Schantz, reformierter Pfarrer.

(Es folgen 141 Namen und weitere 4 Namen auf einem Sonderzettel mit Spendern aus Steinbach, Altersbach und Rotterode und Spenden bis zu 50 Mark. Wichtig sind auch die Berufsangaben).

Bei dem Betrag von 1065,50 Mark ist leicht zu erkennen, daß nur die leistungsfähigen Gemeindeglieder herangezogen wurden, weil in diesem Jahre noch die Hauskollekte für die Diakonissenstation erhoben wird, bei welcher alle Gemeindeglieder (auch die Altlutheraner) ihre Beiträge leisten.

(Dazu ein Zeitungsausschnitt:) Steinbach-Hallenberg, 21.August: Der Turmknopf wird, falls es das Wetter erlaubt‚ morgen Vormittag aufgesetzt werden. Der „eiserne Fonds“ ist inzwischen auf 1.040 Mark angewachsen.

 

Nr. 16: Reparatur des Kirchturms 1933

Steinbach-Hallenberg, den 12. August 1933: Bei der Reparatur des Kirchturmes zeigte es sich, daß der Turmknopf sehr schadhaft geworden war, so daß bei Regenwetter Feuchtigkeit eindringen konnte. Das bedeutete eine Gefahr für den sogenannten „Kaiserkopf“ und auch für die Akten. Am Donnerstag, dem 27. Juli, wurde der Knopf nach anstrengender Vorarbeit abgenommen, die Akten vertraute man mir an, weil Vertreter der politischen Gemeinde nicht anwesend und die beiden Geistlichen zur Zeit verreist waren.

Die zum Teil leicht beschädigten Akten besserte ich aus und habe sie nebst einigen Münzabdrücken in der Zeitung „Kreisbeobachter“ veröffentlicht. Ich bin dadurch einem lebhaften Wunsche zahlreicher Gemeindeglieder nachgekommen. Man beginnt wieder, sich für die Geschichte der Heimat und des deutschen Volkes zu interessieren, ein um so erfreulicheres Zeichen, als dadurch ein mächtiger Auftrieb für die nationale Weiterentwicklung erzielt wird. Möge Gott das Werk unsres allverehrten Führers Adolf Hitler, den wir täglich in unser Gebet einschließen, herrlich hinausführen!

Trübe, angstvolle Jahre liegen hinter uns. Parteibonzen regierten uns mit schönen Redensarten und ließen es an den entsprechenden Taten fehlen. Sie führten ein herrliches Leben nach den Worten: „Lasset uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!“ Die breite Masse wurde dagegen bis zum Weißbluten ausgesaugt. Das größte Verbrechen dieser Herrn aber war die künstlich von ihnen herbeigeführte Inflation oder Geldentwertung. Sie stellten sich damit auf die gleiche Stufe der  „Kipper und Wipper“, die nach dem 30-jährigen Kriege in Thüringen ihr Unwesen trieben. Die Inflation war ein Volksverbrechen und ein Betrug, wie ihn die Geschichte noch nicht erlebt hat.

Die Akten aus dem Jahre 1906 geben genügend Aufschluß über den Wohlstand, der in unserem Orte herrschte. In einer kurzen Reihe von etwa 6 bis 7 Jahren entstand die Moosbachstraße mit ihren zahlreichen Häusern‚ wurden Rotteroder-  und Bahnhofstraße bebaut und ebenso die Lindenstraße. In den gewerblichen Betrieben fehlte es so sehr an Arbeitskräften, daß Arbeiter aus Schmalkalden und sogar aus Westfalen hier ihr Brot fanden. Die fabrizierten Qualitätswaren gingen aus manchen Betrieben in aller Herren Länder und wurden gut bezahlt. Jedermann konnte in dieser Zeit beobachten, wie die Handwerksbetriebe allmählich in Fabrikbetriebe hinüberglitten. In dieser „guten alten Zeit“ fand wirklich ein jeder sein gutes Auskommen.

Dann kam der furchtbare Krieg mit seinen Schrecken und Blutopfern und zerstörte viel Glück und noch viel mehr Hoffnungen. Das Schlimmste aber folgte mit der Revolution und der danach beginnenden Inflation. Hätten die Männer in der Regierung nur im entferntesten die Folgen geahnt, sie wäre nie in dem Masse gekommen; denn eine Inflation bedeutet letzten Endes den Untergang des Staates.

In Berlin arbeiteten die Notenpressen Tag und Nacht, um schlechtes Geld für gutes in das Volk zu werfen. Noch im Jahre 1923 beging die Regierung den Betrug, Banknoten in der Ausstattung der Vorkriegszeit mit dem kaiserlichen Adler und den Unterschriften aus dem Jahre 1910 herauszugeben. Genauso fälschte sie die Kriegsanleihe durch zahlreiche Neudrucke. Eine Scheinblüte war es nur, die durch die immer höheren Löhne und Verdienste erzeugt wurde. Dabei blieb aber immer Mark gleich Mark, wenn auch der Wert immer weiter sank und die Preise der Lebensmittel und der Waren des täglichen Bedarfs immer mehr stiegen. Deutschland wurde so zum billigsten Lande der Welt.

In großer Zahl fanden sich infolgedessen zahlreiche Ausländer ein und beteiligten sich mit ihrem hochwertigen Gelde an dem Ausverkauf Deutschlands. In manchen Großstädten ist nach amtlicher Schätzung von ihnen fast der vierte Teil der Häuser aufgekauft worden. Schon machte sich das Gespenst der Erwerbslosigkeit bemerkbar, und es mußte in vielen Fällen mit Unterstützungen begonnen werden. Wilde Streiks verschlimmerten die Lage noch mehr. An diesen beteiligten sich sogar die Eisenbahner und Bergleute, so daß hier eine ganze Woche lang kein Zug verkehrte und man gezwungen war, bei einer notwendigen Reise ein Geschirr zu mieten. Mehrmals mußte die Schule in den Jahren 1921/22 geschlossen werden, weil keine Kohlen vorhanden waren.

Die Sparguthaben, über die fast ein jeder verfügte, und die mündelsicher aufbewahrten Gelder schmolzen nach und nach in ein Nichts zusammen. Welche Fortschritte die Geldentwertung im Jahre 1923 machte, darüber legen folgende Zahlen ein beredtes Zeugnis ab. Sie zeigen den Leidensweg des deutschen Volkes:

 

 

1. November  1923

15. November

1. Dezember

1 Pfund Brot

3 Milliarden Mark

80 Milliarden Mark

280 Milliarden Mark

1 Pfund Fleisch

36 Milliarden Mark

900 Milliarden Mark

32 Billionen Mark

1 Glas Bier

4 Milliarden Mark   

52 Milliarden Mark

 

Eine Goldmark hatte den Wert von 1 Billionen Papier-Mark.

 

So besaßen die Leute wohl viel Geld, erhielten aber dafür keine Ware. Ich selbst bewahrte mein Monatsgehalt einmal über einen Tag auf. Als ich am anderen Tage etwas einkaufen wollte, bekam ich gerade zwei Salzheringe dafür. Ich sehe heute noch einen 70 jährigen Rentenempfänger auf der Straße stehen und bitterlich weinen, weil seine Rente noch nicht einmal dazu reichte, sich in der Gastwirtschaft „Zum Stern“ 1/10 Liter Branntwein zu kaufen. An der Altersbacher Straße hatte ein Tüncher mehrere Häuser gebaut und eins davon verkauft. Der Kauf wurde mit Wein gefeiert. .Als einige Tage später der Verkäufer die Kaufsumme erhielt, reichte sie gerade aus, den mehr als bescheidenen Weinkauf zu begleichen.

Der Kirchenvater Jäger besaß ein Sparguthaben von etwa 18.000 Mark aus Friedenszeiten in Schmalkalden. Als er gar kein Brot mehr im Hause hatte, machte er sich auf den Weg dorthin und hob 10.000 M ab. In Stille bekam er nach langem Bitten einen Zentner Roggen für diese Summe. Er brachte die Last zur Mühle, und als der Müller das Mehl ablieferte, verlangte er 8.000 Mark Mahlerlohn. So ging das Vermögen des allseitig geachteten Mannes verloren.

 

Ähnlich erging es einem Witwer namens Zimmermann auf der Rösse. Sein Erlebnis entbehrt nicht des komischen Beigeschmacks. Auch bei ihm klopfte Frau Sorge an die Tür. Arbeitslos und Hunger dazu, das tut weh! Ganz verzagt hatte er sich auf sein Lager geworfen und war eingeschlafen. Gegen Abend wurde er wach und sieht in den Nachbarshäusern Licht brennen. Nun war er der Meinung, es sei morgens etwa 6 Uhr und machte sich, nachdem er das letzte Stückchen Brot in die Tasche gesteckt hatte, auf den Weg nach Schmalkalden, um dort sein Sparguthaben abzuholen. Schon in den Stiller Dörfern fiel ihm auf, daß heute der Tag lange auf sich warten lassen wollte.

Doch wanderte er weiter, und als er die ersten Häuser von Schmalkalden erblickte, faßte er sich ein Herz, klopfte an ein beleuchtetes Fenster und fragte nach der Zeit. Zu seinem Schrecken wurde er seinen Irrtum gewahr. Weil jetzt aber guter Rat teuer war, entschloß er sich, bis zum anderen Morgen in Schmalkalden zu bleiben. Es ging auf den Winter zu, und nach vielem Bitten und Flehen gewährte ihm der Bahnhofswirt den Aufenthalt im Wartesaal während der Nacht.

Am anderen Morgen war der alte Mann einer der ersten auf der Sparkasse, um sein Geld in Empfang zu nehmen. Dafür konnte er nach seinem Dafürhalten wirklich allerhand kaufen. Ohne sich etwas zu gönnen ging er an den Fahrkartenschalter und verlangte eine Karte nach Steinbach-Hallenberg. Aber welches Verhängnis‚ das Geld reichte noch nicht einmal für die Heimfahrt. Mit was für Gefühlen der arme Mann den Weg zu Fuß zurücklegte, das kann sich jeder leicht denken.

Ähnliche Fälle könnte ich noch viele anführen. Es ist wirklich als ein Wunder zu bezeichnen, daß in dieser trostlosen Zeit die Menschen nicht ganz und gar verzweifelten an den Fügungen unsres Herrgotts und Hand an sich selbst legten. Trotzdem hat auch hier ein wohlgeachteter und angesehener Bürger aus Kummer und Gram Selbstmord begangen. Bemerken will ich noch, daß bei Todesfällen sehr oft ein Sarg kaum zu beschaffen war. Manche Leute dachten allen Ernstes daran, die Leichen in einer einfachen Umhüllung zu beerdigen. Das ging natürlich nicht aus gesundheitlichen Gründen. So mußte die Gemeinde eine Ladung Särge beschaffen. Sie waren aus ganz dünnen Brettern notdürftig zusammengefügt und brachen sehr schnell im Grabe unter der Last der darauf liegenden Erde zusammen.

Am allerschwersten wurde der Mittelstand betroffen, und unter diesem hatten Beamte und Rentner das schwerste Los. Pfarrer Rade hatte sich ein Ferkelchen beschafft und gedachte, es mit Gras und sonstigen Abfällen Groß zu füttern. Schon nach 3 Wochen mußte das arme Tierchen geschlachtet werden, wenn es nicht eingehen sollte. An dem Fleisch haben Mann und Frau - wie mir später Frau Rade mitteilte - fast 14 Tage gegessen. „Ein Schinken hat fast ein halbes Pfund gewogen!“Übel war der zweite Pfarrer, Herr Giese, dran. Sein Gehalt genügte nicht, nur das Bescheidenste zu kaufen. Mehr als einmal hat er sich des Abends hungrig zu Bett gelegt. Doch ist er später, als seine Notlage offenbar wurde, von Gemeindegliedern, die noch etwas erübrigen konnten, oft unterstützt worden. In den Küchen der wohlhabenden Bürger, das heißt einst wohlhabenden, wurde fast nur noch Pferdefleisch verwandt, und die ganz Mittellosen scheuten auch vor Hundefleisch nicht zurück.

In dieser Zeit der allgemeinen Verwirrung gab es keine Treue und keinen Glauben mehr bei vielen. Die Achtung vor dem Eigentum des Nächsten war geschwunden. Einbrüche, Betrügereien waren an der Tagesordnung. Dem Hirten wurden am hellen Tage Kühe von der Weide gestohlen und anderen die Ziegen aus dem Stalle. Die verbrecherischen Elemente verschafften sich auf diese Weise Geld, das nun in Schnaps angelegt wurde oder im Glücksspiel verloren wurde. Eine trübe Erfahrung mußte auch die Kirche machen. Schon seit einigen Sonntagen hatte der Organist bemerkt, daß die Orgel sehr verstimmt war. Als nun der Orgelbauer von Schleusingen die Orgel stimmen wollte, mußte er feststellen, daß von sämtlichen Holzpfeifen die Stimmdeckel, die aus reinem Zinn bestanden, von unbekannter Hand entwendet worden waren. Metall stand damals sehr hoch im Werte, sogar das Eisen. Wer seinen Abtreter vor der Haustüre vermißte, der brauchte nur den Alteisenhändler aufzusuchen, um das Diebstahlsgut wieder zu finden. Zur Zeit der Ernte mußte die Polizei den Aufenthalt fremder Personen in der Feldflur nach einer bestimmten Abendstunde verbieten, weil die Felddiebstähle einen zu großen Umfang annahmen.

So hat auch in unsrer Heimat mehrere Jahre ein Bürgerkrieg getobt, der auf seinem Gebiete mit dem gleichen Grade von Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit geführt wurde wie der 30-jährige Krieg, der Deutschlands Städte und Fluren verheerte. Freilich war es kein Krieg mit Pulver und Blei, wohl aber schlug mit Gesetzesparagrafen der eine Teil der Bürger auf den anderen ein. Freilich fehlten die blutbedeckten Kämpfer, aber wie viele sind infolge der Entbehrungen gestorben oder zum Selbstmord getrieben? Wohl sind keine Städte und Dörfer niedergebrannt worden, dafür aber gab es zahlreiche Hypothekengläubiger, die ihre Hypothek mit „nichts“ zurückbezahlt bekamen. Für sie war es gleich, ob die haftenden Häuser abgebrannt waren, oder ob sie aus einem anderen Grunde ihre Pfandobjekte einbüßten. Wenn auch mit dem 1.Januar 1924 die Stabilisierung der Mark durchgeführt war, so hat sich doch das Verbrechen der Inflation bis in die heutigen Tage ausgewirkt. Unserem heißgeliebten Führer Adolf Hitler wird der Allmächtige die Kraft nicht versagen, auch diese Wunden zu heilen und die allgemeine Not zu lindern. Das walte Gott!

(Handschriftlich): Den Akten fügte ich noch bei:

1. Abenteuerliches Leben Dibys.

2. Bericht des Fraktionsführers Letz

3. Drei Inflations-Münzen

4. Neunundzwanzig Banknoten

5. Ein Exemplar der Thür. Wochenschau, Vorläufer des „Kreis-Beobachters“, der die hiesigen Zeitung Steinbach-Hallenberger Anzeiger verdrängt.

Der Klempner Bauerschmidt, hier, hat Fahne und Knopf repariert und eine neue Urkundenkapsel angefertigt. Er verlangt für diese Arbeiten nichts.

Heute mittag 1/2 1 Uhr wird der Knopf durch den fleißigen Schieferdecker Reich, Schmalkalden, wieder aufgesteckt. Gott beschütze ihn.

Steinbach-Hallenberg, am 12. Aug. 1933 

Ernst Menz, Lehrer, Urenkel des Schultheissen Christ. Menz.

 

 

Nr. 17: Das Leben Franz Dibys

Ein abenteuerliches Leben. Der auch mehrfach in den Akten des Turmknopfes erwähnte Franz Peter Diby hat im Viernauer Kirchturmknopf seinen Lebenslauf niedergelegt, dessen Abschrift nun auch hier niedergelegt werden soll. Diby war 26 Jahre alt, als er folgendes niederschrieb: „Ich als Schieferdecker mache der Nachwelt noch folgendes bekannt: Als ein Soldatenkind wurde ich geboren zu Franzburg, erzogen bei Bremen in der Heide bis in mein sechstes Jahr, von da an bis zum elften Jahr von meiner Mutter in der Welt herumgeschleppt, von einem Schweinestall zum andern (und von einer Scheune zur andern), und in Morast, Kälte und Nässe mußte ich daselbst die Nächte verbringen, so daß ich nicht glaubte, den morgenden Tag erreichen zu können.

Dies ging unaufhörlich fort bis wir endlich in meiner Mutter Geburtsort in Oberschönau, in meinem 12.Jahre ganz elend ankamen. Hier erfuhr ich erst, wo man sich zu aller erst hinzuwenden habe, um Gott und sein Wort kennen zu lernen. Ich hörte von anderen Kindern oft sagen: „Ich will in die Schule!“ Hierauf fragte ich einst meinen Vetter Caspar Recknagel, warum die anderen Kinder in die Schule gingen. Er gab mir die Antwort:“Sie lernen Lesen, Rechnen etc.!“und sagte dann zu mir: „Warum hast du mir das nicht schon lange gesagt, ich glaubte, du bist schon lange aus der Schule!“Auf einmal erschrak ich und es war, als fiele mir ein Stein aufs Herz und konnte kein Wort sprechen. Mein Vetter kaufte mir hierauf ein ABC-Buch und schickte mich hierauf in die Schule.

Diese konnte ich aber freilich sehr wenig besuchen, denn ich mußte erst bei einem Nagelschmied mit zuschlagen, und wenn dies vorüber war, dann konnte ich erst zur Schule gehen, welches wöchentlich kaum zweimal geschehen konnte. Die anderen Bücher, die ich in der Schule brauchte, mußte ich borgen. In meinem 14.Jahre sollte ich zur Konfirmation schreiten, aber ehe dieses geschah, vermietete mich meine Mutter an einen Hirten in Zella. Von hier aus kam ich nach Steinbach und hier erst wurde ich konfirmiert. Von hier aus kam ich nach Stutzhaus und wurde Schmierbrenner, und mußte zugleich die Schafe hüten.

Auf einmal machte mir meine Mutter den Antrag, Schuhmacher zu werden. Da ich aber kein Lehrgeld aufzubringen wußte, so fing ich von selbst an, Schuhe zu flicken und neue zu machen (späterhin auch neue..).

Dies gefiel mir aber nicht, und es wurde in mir der Gedanke rege, ein Schneider zu werden, weil aber auch hierzu die Mittel und das Zutrauen der Leute fehlten, so ging ich auch hiervon wieder ab. Jetzt aber auf einmal wandte sich alles anders. Ich fand einen Meister in Sebastian Habbich in Steinbach, bei welchem ich auch das Strumpfweber-Handwerk erlernte und auch 7 Jahre betrieben habe. Aber auch hiervon mußte ich abgehen, indem die Mittel fehlten mir, das nötige Werkzeug anzuschaffen, und wurde hierauf ein Maurer und Tüncher zugleich, wobei ich aber auch zugleich die Malerei betreiben lernte. Späterhin lernte ich auch von selbst die Gärtnerei, das Sattlerei (Sattlerhandwerk), das Uhrmachen, das Tischlerhandwerk

und Zimmerhandwerk, das Dachdecken und zuletzt das Schieferdecker-Handwerk betreiben zu können, welches ich auch jetzt betreibe. /(Noch bemerke ich der Nachwelt‚ daß ich den Türknopf in dem Hause Nr. 27 in welchem Peter Schenk, Juliana Margaretha dessen Frau, und Eva Rosina, deren Töchterlein, ferner: Otto Heinrich Hoffmann, und dessen Frau Catharina Barbara, wohnten, vergoldet und verschönert habe)

Viernau, den 5. April 1834     Franz Peter Diby.

(Handschriftlich:) Den Akten des Turmknopfes beigelegt am 12.8.1933, Ernst Menz, Lehrer

(Ergänzungen aus der Sonderausgabe des Kreis- und Suhler Beobachter „Was der Turmknopf zu erzählen hat“, zusammengestellt nach 'hohen' Dokumenten von Lehrer Menz, Steinbach-Hallenberg)/

[Dieser Text stimmt überein  mit dem Abdruck in „Henneberger Heimatblätter“, Beilage zur „Suhler Zeitung“, November 1933, Nummer. 11, Seite 7).

 

Nr. 18: Turmreparatur 1933

Steinbach-Hallenberg, den 9. Aug. 1933:

Schicksalsjahr 1918: Von den grauen Kolonnen des Weltkrieges, die seit dem schmachvollen Waffenstillstand vom November 1918 sich vom Feindesland heimwärts bewegten, lösten sich auch die Kriegsteilnehmer aus unserem lieben Steinbach-Hallenberg. Einzeln und in kleinen Trupps, wie sie von ihren Regimentern entlassen wurden,  rückten sie wieder auf heimatlicher Scholle ein. Alle alten und seit Generationen bekannten Familiengeschlechter hatten vier lange Jahre ihre Heimat zäh verteidigt. 128 Tote und das mehrfache an Verwundeten war die Saat, die von Steinbach-Hallenberg in diesen vier Jahren für ein besseres Deutschland gelegt wurde.

Die dann folgende Zeit des Niederganges und der Revolution hat auch in unserer Bevölkerung ihre sonderbarsten Blüten hervorgebracht. Lange Demonstrationszüge, aus verhetzten Volksgenossen bestehend, aufgewiegelt durch gewissenlose Charaktere und Geschäftspolitiker, zogen auch durch die Straßen unsres Ortes. Unter internationalen Schlagworten von Freiheit und Gleichheit und teilweise unter Anwendung von roher Gewalt wurden Werkstätten zum Schließen gezwungen, Arbeiter an der Ausführung ihrer Tätigkeit verhindert und Fabrikanten auf offener Straße zur Unterzeichnung von Lohntarifen veranlaßt, die niemals zu erfüllen waren.

Alte gute Sitten und treueste Pflichterfüllung machten dem Geist des materiellen Gewinns, der Vaterlandslosigkeit und der Gottesverleumdung Platz. Persönlicher Eigennutz war die Triebfeder alles Handelns.

Da fungierte zum Beispiel auch ein Arbeiter und Soldatenrat unter dem Vorsitz eines Notargehilfen. Im Kriege etatmäßiger Feldwebel, wurde er in der Revolution marxistischer Parteiredner „Gesinnungslump“ und „Postenjäger“ war im Volksmund der Ausdruck für eine solche Wandlungsfähigkeit. Verfasser war selbst einmal Zeuge, wie dieser Agitator in einer Arbeiterversammlung die Volksgenossen derartig mit undurchführbaren Ideen bearbeitete, so daß er sie am Schluß der Versammlung auf die Internationale vereidigen konnte. Und dafür hat das neudeutsche System diese Leute in Amt und Würden gebracht.

Im Jahre 1920 war der Kapp-Putsch, der mit all den unerfreulichen Erscheinungen aufräumen sollte. Die Aktion aber brach zusammen; das deutsche Volk war noch nicht reif dazu.

Bürgermeister Zickendraht, seit dem Jahre 1900 im Amt, wurde bei dieser Gelegenheit seines Amtes enthoben und dafür ein  Karl Reumschüssel eingesetzt, jedoch nur solang, als eine Untersuchung gegen Bürgermeister Zickendraht ergebnislos verläuft und ihm „nichts am Zeug zu flicken war“. Nach Ablauf der 24-jährigen Amtsperiode wurde Gustav Pfeffer vorübergehend stellvertretender Bürgermeister‚ bis dann im Jahre 1926 ein gelernter Schuhmacher namens Henze aus Hohenstein bei Nordhausen gewählt wurde. Unglücklicherweise entschied das Los für ihn. In den ganzen Jahren seines Wirkens hat dieser neudeutsche Bürgermeister eine sehr zweifelhafte Rolle gespielt. Drei Monate Gefängnis erhielt er wegen verbotenen Waffenbesitzes im Jahre 1933 nach seiner Amtsenthebung.

In der Erkenntnis dessen, daß die vom Staat geduldete Vaterlands- und Gottlosigkeit einmal zum Untergang des Volkes führen müsse, wurde auch in unserem Orte 1924 eine Ortsgruppe der „Völkischen Freiheitsbewegung“ gegründet, die all die jungen idealistischen Kräfte umfaßte, die gewillt waren, jederzeit für die Sache des Vaterlandes einzustehen. Im Jahre 1925, als der fast noch unbekannte Soldat Adolf Hitler die Gefängnismauern hinter sich ließ, schloß sie sich sofort seiner neugegründeten „National-Sozialistischen Deutschen-Arbeiter-Partei“ an.

Schwere Kämpfe hat unsre junge Ortsgruppe miterleben müssen. Abgesehen vom Kampf gegen den roten Marxismus, der eine Selbstverständlichkeit war, zeigte sich aber das Bürgertum gegen diese Weltanschauung in einer Art und Weise, die bewies, daß es bereits auch schon von marxistisch-egoistischen Gedankengängen so durchsetzt war, um genau so rücksichtslos wie der Marxismus selbst bekämpft zu werden.

Als eine der ersten Ortsgruppen des Gaues Thüringen der N.S.D.A.P. wurde sie ferner noch überall da eingesetzt, wo es galt, marxistischen Terror mit Gewalt zu brechen. Suhl, Zella-Mehlis, Schmalkalden sind Zeugen dafür, daß die Ortsgruppe Steinbach-Hallenberg immer erst den Grundstein für den national-sozialistischen Aufbau der Bewegung hat legen müssen. Manch einer von unseren Parteigenossen ist mit blutigem Kopf nach Hause gekommen, um dann auch noch Hohn und Spott entgegen zu nehmen. Bei Hitlerversammlungen wurde sie weiter noch als Saalschutz vom Gau angefordert. Gotha, Eisenach, Meiningen, Altenburg, selbst an der sächsischen Grenze sind Marksteine in ihrer Geschichte. Adolf Hitler spricht selbst seine Anerkennung durch folgendes Schreiben aus (Abschrift):

München, den 4. Februar 1927.

Der Ortsgruppe Steinbach-Hallenberg und insbesondere ihrer S.A. spreche ich hiermit im Namen der Bewegung Dank und Anerkennung für die unermüdliche Unterstützung des Wahlkampfes in Thüringen unter Aufopferung von Nachtruhe und Geldmitteln aus.                                                                                                   gez. Adolf Hitler

Anbetracht dieses jahrelangen, stillen Opferns und Kämpfens wird Steinbach-Hallenberg Sitz der Kreisleitung, die in den Händen des Parteigenossen und Landtagsabgeordneten Otto Recknagel liegt.

 

1933! Wieder kommt ein Schicksalsjahr! Revolution! In voller Disziplin und ohne jegliches Blutopfer wickelt sie sich auch bei uns ab. Ein Wunder war es bei diesen aufs höchste gestiegenen Gegensätzen zwischen den einzelnen Bevölkerungsschichten. Die Bereinigung der Beamtenstellen geht rein gesetzmäßig und ohne jede Gewalttätigkeiten vor sich. Bürgermeister Henze wird seines Amtes enthoben und Parteigenosse Bernhard Recknagel als kommissarischer Bürgermeister mit der weiteren Amtswaltung betraut. Schwer noch lastet die Wirtschaftskrise auf unserem Orte. Zirka 60 bis 70 % sind arbeitslos und leben aus öffentlicher Hand. Gross ist daher die Verantwortung, die die heutige Zentralregierung unseres Führers Adolf Hitler auf sich genommen hat, Möge es ihr gelingen auch bei uns wieder Arbeit und selbstverdientes Brot zu schaffen.

Warum dieses politische Schreiben in den Kirchturmknopf? Weil es ein Recht darauf hat, in der Kirchengeschichte erwähnt zu werden! Ohne die Machtergreifung der nationalen und sozialistischen Weltanschauung wäre die rote Blutfahne des international-kommunistischen Wahnsinns über die Kirche hinweg zu noch grausigeren Taten geschritten.

(Geschrieben auf Veranlassung des Parteigenossen Lehrer Menz, hier.)

Fraktionsführer der N.S.D.A.P. Kreistagsfraktion (Handschriftlich) Oskar Holland-Letz

 

 

Nr. 19 fehlt [falsche Zählung]

 

 Nr. 20:            13 Münzen, die ältesten im Turmknopf

i

Nr.

Jahr

Beschreibung

1.

1719

Löwe mit Jahreszahl. Rückseite: Ornament mit Königskrone. Am Rand stark beschädigt

2.

1764

 

Zwei gekreuzte Schlüssel mit Jahreszahl und den Buchstaben K und H, Rückseite glatt‚ am Rand beschädigt 

3.

1767

 

VIII  Einen Reichstaler 1767 F.U. Fürstlich Hessische Landmünze. Rückseite: 106 2/3 Stück Eine Mark. Löwe mit Ornamenten

4.

1770

 

I Hessen Albus 1770 F. U., Rückseite FL verschlungen mit einer Krone darüber   

5.

1771

IV  Einen Reichstaler 1771, Fürstlich Hessische Landmünze. justirt,

Rückseite: 33 1/3 St eine Mark fein, Löwe mit Ornamenten

6.

1772

8 Heller 1772, Kupfermünze, Blumen neben der Zahl und unten. Rückseite: Ornamente mit Krone darüber

7.

1774

8 Heller 1774, Kupfermünze, Blumen neben der Zahl und unten. Rückseite: Löwe mit Ornamenten und Buchstaben FL verschlungen [Hessen-Cassel: Friedrich II., 1760-1785]

8.

1779

 

II Hessen Albus 1779.  Rückseite: Buchstaben Fl verschlungen mit Krone darüber

9.

1780

1 Heller 1780, Ornament unter der Zahl. Rückseite mit Löwe, sehr kleine Münze

10.

1784

48 einen Thaler LM 1784. Rückseite: Rad ähnlich einem Schiffssteuerrad, darüber Krone‚ darunter Zweige

11.

1789

4 Heller 1789, Blumen neben der Zahl und unten, Kupfermünze. Rückseite: Löwe mit Wappenschild und Krone über dem Schild

12.

1814

1 Pfennig 1814, darunter ein A. Rückseite: Kreis mit Mittelstrich‚ darüber Krone‚ seitwärts Zweige

13.

1866

 

Scheidemünze 1/4 Kreuzer 1866. Rückseite: Doppeladler im Wappenschild, darüber Krone seitwärts Zweige

 

 

Nr. 21: 2 Münzen aus der Napoleonischen Periode

 

1.

1808

3 Cent, Kupfermünze, stark abgegriffen, Jahreszahl unsicher. „König von Westphalen FR. PR“.. Rückseite: HN mit Zweigen [HN = Hieronimus Napoleon]

2.)

1812

2 Cent, Kupfermünze, Adlerkopf‚ großes C, 1812. Umschrift: „König von Westphalen, FR. PR.“, Rückseite: HN mit Zweigen (die Angabe von Menz, daß es sich um drei Münzen handle, stimmt nicht, wie der beigelegte Zettel ausweist: Zwei Kupfer-Münzen aus der Westphälischen Periode, unter Regierung des Königs Hieronymus Napoleon)

Steinbach, den 8. September 1829,                                                                         Habicht, Pfarrer.

           

Nr. 22: Eine Hungermünze von 1816/1817

Auf der einen Seite: Eine Mutter mit zwei Kindern und der Umschrift: „O gib mir Brot, mich hungert“. Auf der anderen Seite eine Waage mit verschiedenen Preisnotierungen, ein Anker im Meer, die Jahreszahlen 1816 und 1817 und die Umschrift: „Verzaget nicht, Gott lebet noch“. Beigefügt ist der Zettel: Denkmünze der Hungerjahre 1816 & 1817

Christian Menz, Ortsschultheiß"

Christian Mena, der Urgroßvater des Lehrers Ernst Menz, berichtet in der Urkunde von 1829 über die Hungersnot:

„Die Hungersnot war sehr groß. Das Korn, das aus Rußland kam, kostete pro 20-Liter-Gefäß 3 Taler 6 Batzen, der Tragkorb voll Kartoffeln 1 Taler 9 Batzen und bei manchem Geizigen noch einige Batzen mehr“.

 

Nr. 23: 31 Münzen aus dem Kirchenkasten

Über die Herkunft dieser Münzen schreibt Pfarrer. Klingelhöfer auf einem beigefügten Zettel:

„31 alte Münzen aus unserem Gotteskasten, welcher am 20. August 1906 nach langer Zeit wieder geöffnet worden ist. Da keine Schlüssel mehr vorhanden waren, mußte er durch Schlosser Hugo Friedrich Ader in meiner Gegenwart und unter Assistenz von Kirchenvater Motz und Heiligenmeister Pfannschmidt aufgebrochen werden. Es fanden sich viele alte Münzen, von denen diese 31 dem Turmknopf anvertraut wurden.                   23. August 1906 Klingelhöfer

 

1.

1761   

III Heller Scheidemünze 1761, Blumen neben der Zahl. Rückseite: FL sehr verschlungen mit Krone darüber [Hessen-Cassel: Friedrich II., 1760-1785

2.

1770   

I Heller 1770, Blumen neben der Zahl. Rückseite: Ornamente mit Krone. Sehr kleine und dünne Münze

3.

1762

IIII Heller Scheidemünze 1762. Rückseite: FL sehr verschlungen mit Krone darüber  [Hessel-Cassel: Friedrich II., 1760-1785]

4.

1779

VI Heller F.U. Rückseite: F mit Krone darüber 1779. Sehr kleine‚ dünne und etwas abgegriffene Münze

5.

1791

2 Heller 1791‚ Blumen neben der Zahl und unten. Rückseite: Löwe mit Wappenschild und Krone darüber, Buchstaben auf Schild [Hesen-Cassel: Wilhelm IX.,  I,  1760-1821]

6.

1796

1 Pfenning 1796, stark abgegriffene kleine Kupfermünze, deren Verzierungen auf der Rückseite nicht erkennbar sind

7.

1800

Doppeladler mit Zahl 1/2'und Jahreszahl 1800. Rückseite: Männerkopf und Buchstaben: Franc II DGRISAGEHVBOREZAA [Rußland?]

8.

1801

1 Pfennig 1801 mit Blume darunter. Rückseite: Wappenschild und Buchstaben: S.W. u.E. [Sachsen-Weimar und Eisenach]

9.

1802

1 Pfennig 1802 R. F. Rückseite: Löwe mit Krone und Zweigen

10.

1813

1/2 Kreuzer 1813. Rückseite: Löwe mit Krone und Umschrift:

„....Nassauische Scheidemünz“

11.

1821

1 Heller 1821 mit Blumen. Rückseite: Adler

12.

1824

I Pfennig 1824 mit Blumen. Rückseite: Wappen mit Krone [Sachsen-Weimar-Eisenach?]

13.

1830   

3 Pfennige 1830, mittelgroß. Rückseite: Wappen und S.W.E [Sachsen-Weimar-Eisenach?].

14.

1831

I Heller 1831 mit Blumen. Rückseite: verziertes WK mit Krone [Hessen-Cassel: Wilhelm IX., II, 1821-1847]

15.

1841

1 Silbergroschen 1841, 30 (?) einen Thaler, Scheidemünze.

Rückseite: Wappenschild mit Krone und „"Kurfürstentum Hessen“

16.

  ?

wie Nr.15, aber Rückseite Männerkopf und „Friedrich III,

Koenig v. Preussen“, Jahreszahl nicht erkennbar [vor 1888]

17.

1842

1 Neugroschen / 10 Pfennige.  Rückseite: Wappen mit Krone

und „K. S. Scheidemünze 1842“

18.

1843

1 Heller 1843, Kurhessische Scheidemünze. Rückseite:

Löwe im Wappenschild mit Krone und „360 einen Thaler“

19.

1847

1 Heller 1847,  Kurhessische Scheidemünze, Rückseite wie 18

20.

1850

1 Heller mit Blumen, Jahreszahl könnte auch 1830 sein. Rückseite: Löwe im Wappenschild mit Krone und „G.H.K.M.“

21.

1851   

1 Silbergroschen 1851, Umschrift: „360 einen Thaler, Scheide

Münze“. Rückseite: Doppeladler auf Wappenschild mit Krone, Umschrift „Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen

22.

1861   

Heller 1861 mit Blumen. Rückseite: Adler mit Umschrift: „Scheidemünze der Freien Stadt Frankfurt“

23.

1862   

1 Pfennig 1862 Scheidemünze. Rückseite: R mit Krone [Hannover: Georg V., 1851-1866]

24.

1865

1 Pfennig 1865 Scheidemünze. Rückseite: Wappen, Krone, Zweige

25 -31.

 

 

Münzen des deutschen Reiches, jeweils mit Adler auf Rückseite. Werte mit Jahreszahl: 1 Pfennig (1889), 2 Pfennig (1874), 5 Pfennig (1898), 10 Pfennig (1891), 20 Pfennig (1876, klein), 20 Pfennig (1888, groß, Adler etwas anders)

 

Nr. 24: 4 Münzen aus der Inflationszeit

 

1.

1921

10 Pfennig Deutsches Reich. Rückseite: Adler

2.

1921

50 Pfennig Deutsches Reich, Rückseite: Garbe mit „Sich regen,

bringt Segen“

3.

1922

3 Mark Deutsches Reich. Rückseite: Adler mit „Verfassungstag

11. August 1922“

4.

1923

200 Mark Deutsches Reich. Rückseite: Adler mit „Einigkeit

und Recht und Freiheit“

 

 

Nr. 25: 29 Banknoten aus der Inflationszeit

 

1.

50 Pfennig Kreisnotgeld Schmalkalden

15.03.1917

2.

5 Mark Darlehnskassenschein, Reichsschuldenverwaltung

01.08.1917

3.

20 Mark

20.02.1918

4.

10 Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektorium

06.02.1920

5.

2 Mark Darlehnskassenschein, Reichsschuldenverwaltung.

01.03.1920

6.

50 Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektorium

23.07.1920

7.

100 Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektorium

01.12.1920

8.

500 Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektorium

07.07.1922

9.

50 000 Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektorium

19.11.1922

10.

5 000 Mark

02.12.1922

11.

1 000 Mark (Überdruck: Eine Milliarde Mark)

15.12.1922

12.

100 000 Mark

01.02.1923

13.

20 000 Mark

20.02.1923

14.)

1 Million Mark

20.02.1923

15.

20 Millionen Mark

25.07.1923

16.

50 000 Mark

09.08.1923

17.

100 000Mark Kreisgeld (mit Bemerkung von Menz)

15.08.1923

18.

1 Million Mark Privat-Notgeld Oskar Holland-Cunz

15.08.1923

19.

500 000 Mark Kreisgeld

15.08.1923

20.

1 Million Mark Kreisgeld

15.08.1923

21.

5 Millionen Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektion

20.08.1923

22.

10 Millionen Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektion

22.08.1923

23.

100 Millionen Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektion

22.08.1923

24.

50 Millionen Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektion

01.09.1923

25.

1 Milliarde Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektion

05.09.1923

26.

500 Millionen Mark, Deutsche Reichsbahn

22.09.1923

27.

1 Milliarde Mark, Reichsbanknote, Reichsbankdirektion

20.10.1923

28

50 Milliarden Mark, Eisenbahnhauptkasse Cassel

24.10.1923

29.

5 000 Mark Gemeinde Spar- und Leihkasse in Steinbach-Hallenberg

1923

 

 

 

Nr. 26: Bericht über das kirchlich-religiöse Leben der Gemeinde Steinbach- Hallenberg in der Zeit von 1906 - 1933.

Wenn in folgendem kurzen Bericht versucht werden soll, späteren Geschlechtern etwas allgemein Interessierendes über das kirchliche Leben der Gemeinde zu übermitteln, so muß zunächst betont werden, daß dieses Leben nur selten an die Oberfläche drängt, sondern, wenn es echt und stark ist, in der Stille und in der Liebe wirkt. Nur hier und da äußert sich dieses Leben und das sind die Punkte, die der Chronist festhalten kann.

Ausführliche Aufzeichnungen über die Zeit vom letzten Glockenaufstieg im Jahr 1906 bis zu seinem Weggang am 1. November 1917 hat der langjährige Pfarrer der Gemeinde - Pfarrer Karl Klingelhöfer - gemacht. Die 4 in der Pfarreichronik aufbewahrten stattlichen Bände sind ein beredtes Zeugnis des Arbeits- und Sammelfleißes dieses trefflichen Mannes, der dem kirchlichen Leben der Gemeinde für längere Zeit seinen Stempel aufgedrückt hat (gestorben in Kirchhain August1928).

In einer kirchlichen Gemeinde - und diesen Ruf genießt Steinbach-Hallenberg seit uralten Zeiten - wird es immer vornehmste Pflicht der verantwortlichen Männer sein, die kirchlichen Gebäude in gutem Zustand und bester Pflege zu halten: Kirche und Friedhof, das Angesicht der Gemeinde, lassen immer Schlüsse auf die innere Stellung der Gemeindeglieder zu Kirche und Gottes Wort zu. Es muß nun dankbar davon Bericht gegeben werden, daß die Gemeinde immer wieder zu Opfern für die Instandhaltung der kirchlichen Gebäude aufgerufen und auch willig erfunden worden ist.

Im Jahre 1906/07 wurden die Außentreppen zu den Emporen der Kirche beseitigt und durch neue, breite Treppenaufgänge ersetzt, die Kosten (2.641,24 Mark) übernimmt die politische. Gemeinde. Im Sommer gewinnt die Kirche außerordentlich durch das Auslegen von Gängen und Altarraum mit Kokosmatten. Die Kosten hierfür werden durch freiwillige Gaben von Gemeindegliedern, hauptsächlich Konfirmanden, aufgebracht (369,80 Mark). Im Jahre 1909/10 wird die Kirche mit elektrischem Licht versehen. Die gesamte Anlage ist ein Geschenk des Ingenieurs M. Grigoleit, Berlin, dem damaligen Chef des Elektrizitätswerkes.

Schwerer und kostspieliger für die Gemeinde war die Anlage einer zweckdienlichen Heizung. Nach langen Verhandlungen mit der politischen Gemeinde entschloß man sich endlich für die Anlage einer Niederdruckdampfheizung, welche im Winter 1911/12 zum ersten. Mal in Betrieb gesetzt wurde. Es trugen zum Bau bei: die Kirchengemeinde 1.500 Mark, der Gustav-Adolf-Verein 200 Mark, das Konsistorium 2.000 Mark, Gemeindeglieder 1.200 Mark.

Während der Kriegs- und Nachkriegszeit mußten alle größeren Arbeiten an der Kirche zurückgestellt werden. Im Jahr 1927 wird die Dampfheizung mit einem Kostenaufwand von 1.300 Reichsmark gründlich überholt. Die politische Gemeinde steuert zu den Unkosten 400 Reichsmark bei.

Das Jahr 1928 bringt die Neubedachung der Hauptkirche. Die Arbeiten werden mit einem Kostenaufwand von 6.800 Reichsmark, der zu gleichen Teilen von der politischen Gemeinde und Kirchengemeinde getragen wird, von der Firma Reich, Schmalkalden, ausgeführt.

Im Inneren der Kirche erhält die Orgel anstelle ihres geschmacklosen ziegelroten Prospektes ein neues Gesicht durch Umwandlung des alten Gehäuses. Kunsttischler Johann Link, Stockheim v.d.Rhön, löst die nicht leichte Aufgabe zu allgemeiner Zufriedenheit. Desgleichen wird die Orgel mit einem elektrischen Windgebläse versehen. 2…900.- Reichsmark werden insgesamt für diese Erneuerungsarbeiten durch freiwillige Gaben aufgebracht.

Die Friedhofskirche, die schon 1908/09 einen neuen Turmanstrich erhalten hat, bekommt 1928 eine neues Turm-Schiefer-Dach, die politische Gemeinde steuert zu den Kosten bei. In diesem Jahr soll dann auch das alte Dach durch ein neues ersetzt werden.

Für das innere Gemeindeleben ist erwähnenswert, daß die Gemeinde auch in der Nachkriegszeit - wo vielerorts „sich alle Bande guter alter Gemeindetradition lösten“  - sich treu zu Gottes Wort hielt. Die Opferfreudigkeit hat sich erfreulicherweise eher gemehrt als abgenommen. So konnte die Diakonissenstation ohne Einschränkung ihres notwendigen Gemeindedienstes die Zeit der Inflation gut überstehen und sogar nach dieser billionenreichen schrecklichen Zeit verschiedene größere Erneuerungsarbeiten des Gebäudes durchführen und weitgehend das während des Krieges aufgebrauchte Inventar ergänzen. Die Gemeinde opfert jährlich ihrer Station freiwillig eine Summe von etwa 5.000 Reichsmark. Das muß mit großem Dank gegen Gott, der treuen Helferdienst immer segnet, und der Gemeinde zu Ehren gesagt werden.

Zur Zeit bestehen in der Gemeinde drei kirchliche Vereine - Posaunenchor, Kirchenchor, Kirchengesangverein - die öfters ihre Kunst in den Dienst der Gemeinde stellen und nicht unwesentlich zu der feierlichen Gestaltung kirchlicher Feiern und Feste mithelfen.

Die Umgestaltung des Reiches durch die Regierungsübernahme unseres Volkskanzlers Adolf Hitler kann selbstverständlich auch nicht spurlos an der Kirche und ihren Einrichtungen vorübergehen. Die langersehnte Reichskirche - für unsere Gemeinde haben wir seit 1. August 1933 die Vereinigung der bisher getrennten lutherischen und reformierten Gemeinde! - ist Wirklichkeit geworden. In einer Zeit schwerster innen- u. außenpolitischer Aufgaben muß der Staat auch einen einheitlichen Kirchenwillen haben und ist für kirchlichen Partikularismus kein Platz mehr. Die neue innerkirchliche Bewegung - „Die Glaubensbewegung der deutschen Christen“ - hat es sich zum Ziel gesetzt, Volk und Gott wiederzusammenzuführen, weil in einem starken Volke beides zusammen gehört, sie wagt im Glauben eine neue Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern: Gott schenke allem ehrlichen Wollen gutes Gelingen zum Besten seiner Gemeinde und zum Bau seines Reiches!

Steinbach-Hallenberg, 10. August 1933        Kirchner, Pfarrer.

 

Nr. 27: Brot- und Fleischmarken

1.) 1 Pfund Brot oder 360 Gramm Mehl von 1917 (hellgrau)

2.) 1 Pfund Brot oder 350 Gramm Mehl von 1920 (rötlich)

3.) Brotkarte Nr......    von 1921 (rötlich)

4.) 10 Fleischmarken für 1 Pfund Fleisch (vgl. Rückseite)

 

 

Nr. 28: Sechs Stück zeitgeschichtliche Aufnahmen aus dem Jahre 1933, welche Herr Dentist Korzik (?), hier, zur Verfügung stellte [Handschrift Pfarrer Kirchner]

 

1.

13. März 1933,  3 Uhr

Flaggenhissung [Rathaus]

2.

Sonnabend, 11. März 1933, 12 1/2 Uhr

Absetzung des Bürgermeisters Henze

3.

Sonnabend 11.3.1933, 13 Uhr

Kreisleiter Otto Recknagel ruft zum kommissarischen Bürgermeister Pateigenosse Bernhard Recknagel aus

4.

13. März 1933, 3 Uhr

Reichsstatthalter Saukel spricht anläßlich der Flaggenhissung vorm Rathaus

5.

7. Juli 1933

Prinz Philipp von Hessen besucht die Steinbacher Kirche, links Pfarrer Kirchner

6.

27. Juli 1933.

Turmknopfabnahme. Aufnahme: Hanns Werner Menz, Hauptstraße 42

 

 

Nr. 29: Übersicht über den Stand der Bevölkerung, der Erwerbszweige und Unterstützungsempfänger aus öffentlichen Mittel in der Gemeinde Steinbach-Hallenberg

 

A. Übersicht über die Bevölkerungsbewegung:       

 

I. Volkszählung am 16. Juni 1925:    

 

1.

Gesamtzahl der Wohnstätten           

   847

2.

Familienhaushaltungen von 2 und mehr Personen

1.437

3.

Einwohner (davon 2888 männlich und 2888 weiblich)

5.776

4.

Landwirtschaftliche Betriebe (ab 3 Ar Land pro Betrieb erfaßt)

   910

5.

Gewerbliche Betriebe einschl. aller Ladengeschäfte usw. 

   557

 

II. Volkszählung am 16. Juni 1933:   

 

1.

Gesamtzahl der Wohnstätten rund

   950

2.

Familienhaushaltungen

1. 669

3.

Einwohner (davon 3013 männlich und 2971 weiblich)

5.984

4.

Landwirtschaftliche Betriebe von über 50 Ar Größe

   262

5.

Landwirtschaftliche Betriebe unter 50 Ar Größe

   603

6.

Gewerbebetriebe in denen 2 und mehr Personen tätig sind

   252

 

B. Tätigkeitsgebiete der Bevölkerung:

Die Bevölkerung gruppiert sich nach folgenden Erwerbszweigen:

 

1.

Handwerksbetriebe der Kleineisenindustrie einschließlich der Eisenpolierer

400

2.

Kleinbetriebe der Schuhmacher, Schneider, Tüncher und Bauhandwerker

  50

3.

Kleinhandelsgeschäfte einschließlich Metzger und Bäcker

100

4.

Fabrikbetriebe der Kleineisenindustrie

  10

5.

Zigarrenfabriken

    2

Summe:

Von den Betrieben zu 1. liegen etwa 70 Prozent still, die restlichen 30 Prozent sind nur noch in ganz beschränktem Umfang und größtenteils ohne jede fremde Arbeitskraft beschäftigt. Die Betriebe unter 4 arbeiten teilweise nur noch mit etwa 30 Prozent der früheren Belegschaften. Der wirkliche Anhaltspunkt für den Beschäftigungsgrad in allen gewerblichen Betrieben ist die Betriebszählung vom 16. Juni 1933. Es wurden nur 252 Gewerbekarten ausgefüllt. Das sind solche Betriebe und Geschäfte, in denen mit dem Inhaber zwei und mehr Personen beschäftigt sind.

 

C. Steuerübersicht für Gewerbebetriebe:

 

 

Gewerbesteuersoll

Lohnsteuersoll

1927   

 83.175,00 RM

15.920.00  RM

1932

 10.000,00 RM

  2. 979,80 RM

 

           

           

D. Öffentliche Fürsorge nach dem Stande vom Monat Juli 1933:

 

 

 

Familien

Personen

1.

Ausgesteuerte Wohlfahrtserwerbslose

255

935

2.

Sonstige Hilfsbedürftige

130

374

3.

Zusatzunterstützungsempfänger der Wohlfahrtpflege

15

55

4.

Kleinrentner

6

6

5.

Sozialrentner

48

82

 

                                                                  Summe:  

454

1.452

           

Es werden mithin von der öffentlichen Fürsorge betreut:

27,23 Prozent der Haushaltungen und 24,30 Prozent der Einwohner.

Im Monat Juli 1933 wurden folgende Wohlfahrtsunterstützungen ausgezahlt:

 

 

1 .

Kleinrentner

    501,50  RM

2.

Sozialrentner

     490,50 RM

3.

Wohlfahrtserwerbslose und sonstige Hilfsbedürftige

13.400,50 RM

4.

minderjährige Hilfsbedürftige

       84,00 RM

5.

Anstaltspfleglinge rund

       80,00 RM

6.

für Arzt- und Apothekerkosten für die zu 1-4 genannten Unterstützungsempfänger, weil diese einer Krankenkasse nicht mehr angehören, pro Monat

   rund 

  1.000,00 RM

 

                                                                                Summe

16.276, 50 RM

           

E. Arbeitslosenversicherung:

 

1.

Empfänger von Arbeitslosenunterstützung

  83 Personen

2.

Empfänger von Krisenunterstützung

285 Personen

 

                                                                    Summe 

  38 Personen

 

Darauf entfallen etwa 600 Zuschlagsempfänger, so daß nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz = 16,36 Prozent der Einwohner unterstützt werden.

Aus Wohlfahrtsmitteln und Arbeitslosenversicherung werden zusammen rund 41 Prozent der Einwohnerschaft unterstützt.

 

Seit der Kirchturmknopfabnahme im Jahre 1906 sind in der Gemeinde Steinbach-Hallenberg folgende Bürgermeister tätig gewesen:

1.) Bürgermeister Wilhelm Zickendraht aus Homberg von August 1901 bis August 1925 .

2.) Bürgermeister Heinrich Henze aus Hesserode bei Nordhausen vom 1. November 1925 bis 12. März 1933

3.) Seit dem 12. März 1933 wird die Bürgermeisterstelle von dem Unterzeichneten, Kaufmann Bernhard Recknagel aus Steinbach-Hallenberg, auf Anordnung des Herrn Landrats in Schmalkalden als Vertreter des Preußischen Staates kommissarisch verwaltet.

 

Anmerkungen:

Unter Bürgermeister Zickendraht wurden folgende nennenswerte Einrichtungen usw. geschaffen:

1 .) In den Jahren 1907/08 Bau einer Hochdruckwasserleitung mit je einem Hochbehälter in der Struth und im Arzberg

2.) Bau der Arzbergstraße in den Jahren 1912/13

3.) Befestigung der Moosbachstraße 1920

4.) Ankauf des Gas- und Elektrizitätswerkes in den Jahren 1919/20; die Werke waren bis dahin Privateigentum

5.) Ausbau der Siedlung in der Struth in den Jahren 1921/23.

 

Unter Bürgermeister Henze wurden geschaffen:

1.) Spielplatz „Köpfchen“ durch Abtragung der felsigen Bergeskuppe

2.) Befestigung der Brunnenstraße, Wolffstraße, Straße „Unter den Linden“, des Struthweges, Gräfenweges und Kälberzeils

3.) Ausbau der Hennebergstraße

4.) Anlage der Kirchbergsiedlung 1927/33

5.) Erweiterung der Wasserleitung durch Fassung der Zimmerbachquelle bei Oberschönau am Fuße des Rennstiegs

6.) Bau der Hauswirtschaftlichen Berufsschule

7.) Anlage je einer Brücke

a) über die Hasel beim Wehr oberhalb der Motzenmühle

b) unterhalb dieses Wehres

c) über den Mühlgraben unterhalb des Wehres zur Motzenmühle

d) über den Kunstgaben unterhalb der Hufeisenfabrik (früher „Unterhammer“ genannt)

f) über die Hasel in derselben Lage wie vor.

8.) Ferner wurde unter der Amtszeit des Herrn Henze das Kriegerdenkmal in der Struth ohne jede Unterstützung durch die politische Gemeinde auf Betreiben der militärischen Vereine Steinbach-Hallenbergs erbaut.

Bei der Einweihungsfeier hat Herr Henze und sein marxistischer Gemeinderat durchgesetzt, daß diese Feier als Lustbarkeit angesehen und infolgedessen eine Lustbarkeitssteuer beschlossen wurde.

 

Das Jahr 1933 ist das Jahr des nationalen Wiederaufstiegs. Am 12. März 1933 wurde Herr Bürgermeister Henze wegen marxistischer Betätigung vom Preußischen Staat seines Amtes enthoben.

Steinbach-Hallenberg, den 12. August 1933

Der kommissarische Bürgermeister [handschriftlich]  Recknagel  (Siegel)

 

Nr. 30: Reparatur der Kirchturmfahne 1953:

Beitrag der Kirchengemeinde Steinbach-Hallenberg zu der Chronik im Kirchturmknopf, bei seiner Abnahme am 20. August 1953. Eingelegt am 4.September 1953 (altes und neues Kirchensiegel). Am 20. August 1953 wurde der Turmknopf abgehoben, weil sich die Wetterfahne nach einer Seite ein wenig geneigt hatte. Die Kassette mit den Urkunden wurde geöffnet und dieser kurze Bericht neu hinzugefügt.

In den vergangenen 20 Jahren ist die Erde von den schwersten Erschütterungen geschüttelt worden. In unserem Vaterland baute der Nationalsozialismus das „Dritte Reich“. Es hätte etwas werden können zum Segen der Völker. Aber in einem maßlosen Stolz wandten

sich seine Führer von dem Wege Gottes ab und versuchten das Evangelium, das uns in der Reformation anvertraute kostbarste Gut, aus unserem Volk zu entfernen. Vor allem sollte ihm die Jugend entfremdet werden.

Das Ende einer Zeit, die in Konzentrationslagern das Gewissen ersticken wollte, war der Zusammenbruch im Jahre 1945, der die Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen mit sich brachte. Die Westmächte schlossen ihre Zonen zur „Bundesrepublik“ zusammen, Rußland blieb in der „Deutschen Demokratischen Republik“ bestimmend. Es ist zwischen den beiden Teilen ein „Eiserner Vorhang“, durch den alle, die zusammengehören, nur mit einem von der Besatzung genehmigten Paß hindurch kommen.

Die „kapitalistische Welt“ kämpft mit der „kommunistischen Welt“ um den Besitz der Erde. Wir können nicht Zuschauer sein, sondern müssen uns entscheiden, welchen Weg wir gehen wollen. Weil wieder Gewalt das Regiment führt, gibt es darüber bei uns viel neues Herzeleid.

Im zweiten Weltkrieg von 1939 bis 1945 sind viel mehr Väter und Söhne ins Feld gezogen, als von 1914 bis 1918. Wie viele gefallen sind oder in der Gefangenschaft umgekommen sind, wie viele vielleicht noch in unbekannten Gefangenenlagern auf die Heimkehr warten - wir wissen es nicht. Das Meer von Blut und Tränen ist unergründlich.

Nach dem Zusammenbruch 1945 verloren viele Leute auch hier ihr Eigentum. Es wurde in den „Volksbesitz“ übergeführt. Weil die Besitzer als Verbrecher gebrandmarkt wurden, sind sie ausgewandert und haben im Westen Deutschlands zum Teil eine neue Heimat gesucht. Die Bevölkerung hat hier, wie überall im Vaterland, viel Hunger leiden müssen. Mancher hat dabei an seiner Gesundheit schweren Schaden gelitten. Besonders elend waren die zahlreichen Flüchtlinge aus dem Osten dran, die hier erst einwurzeln mußten.

Die Pfarrer der Gemeinde waren in diesen Jahren:

1. In der Oberstadt:

Pfarrer Braune von 1930 bis 1951, verunglückt am Bahnübergang bei Näherstille zusammen mit Pfarrer Beisenherz aus Springstille am 29. Oktober 1951.

Sein Nachfolger ist Pfarrer Liederwald, eingeführt am 8. Februar 1953.

2. In der Unterstadt:

1. Pfarrer Kirchner bis 1933

2. Pfarrer Wüpper 1933-1947, jetzt in Cölbe bei Marburg.

3. Pfarrer Strangfeld, 1947 von seiner schlesischen Heimat hierher verschlagen, von den Polen zuletzt ausgewiesen

Zur Zeit sind Kirchenväter:

1. Gustav Adolf König, Moosburg 9, zur Zeit Vize-Bürgermeister

2. Gustav Pfeffer, Moosbach 24

3.Robert Wirth, Kälberzeil 27

4. Emil Endter, Hauptstraße .37

5. Ferdinand Marr, Erbstal 43

6. Oskar Luck, Bahnhofstraße 36

Kirchendiener: Otto Hahn, Dr. Königstr.25

Die Organisten:

Fritz Killenberg, Hauptstraße 65

Max Rattunde, Kirchplatz 30, Flüchtling aus Pommern

Kastenmeister: Willi Reumschüssel, Hauptstr aße.43

 

Am 13. Juli 1946 wurde die uralte Linde auf dem Kirchplatz durch einen einzigen, mächtigen Windstoß umgeworfen. Erst die dritte, 1951 nachgepflanzte Linde, ist angewachsen. Im gleichen Jahre wurde ein großer Teil des Waldes durch einen Windbruch umgelegt. In dem gefallenen Holz kam dann der Borkenkäfer auf. Um seiner Verbreitung zu wehren, sind ganze Berge kahlgeschlagen worden.

In der Not der Herzen, die das Regiment unsrer Tage mit sich bringt, sind manche Menschen von Gott abgekommen; viele andere aber haben auch zu ihm hingefunden. Es geht uns hier im „Osten“ in manchem, wie den gefangenen Juden Babylon. Ihr Sehnen nach Rückkehr in die Freiheit der Kinder Gottes verstehen wir nur zu gut. Der 125.Psalm ist uns näher gerückt als zuvor. Wir bitten unseren Herrn, daß auch aus unsrer Tränensaat eine Freudenernte wachse, hier zeitlich und dort ewig. .

Liederwald, Pfarrer, Strangfeld, Pfarrer.

Gustav Adolf König, Emil Endter, Gustav Pfeffer, Ferdinand Marr, Willi Rumschüssel, Kastenmeister, Fritz Killenberg, Organist                                                              (Siegel).

 

Nr. 31: Kirchturmreparatur 1960

Beitrag der Kirchengemeinde Steinbach-Hallenberg zu der Chronik im Turmknopf der Kirche, bei seiner Abnahme am 23. August 1960 (Eingelegt am 24. August 1960. Siegel)

Im August 1960 wurde durch Herrn Dachdeckermeister Tautenhain der Kirchturm neu be­schiefert. Bei dieser Gelegenheit wurden die Wetterfahne und der Stern auf der Turmspitze repariert. Dabei werden sechs Münzen und die Festschrift der Dreihundert-Jahr-Feier unserer Kirche der Chronik beigefügt.

Im Herbst 1954 wurde der Innenraum der Kirche völlig renoviert unter Leitung von Herrn Kirchenmaler Leweke (Halle) und unter Mithilfe der Steinbach-Hallenberger Malermeister. Die Renovierung des Taufsteins‚ der Kanzel und der fünf alten Pfarrerbilder hat im Jahre 1955 die Kunstmalerin Fräulein Borkowski (Näherstille) vorgenommen.

Am 28. Juli 1956 wurden die drei neuen Stahlglocken durch Herrn Kirchenrat Döll (Schmalkalden) geweiht. Am Tage darauf fand die Dreihundert-Jahr-Feier statt. Die Festpredigt hielt Herr Bischof Wüstemann aus Kassel.

An den nächsten vier Tagen bot uns eine von Fräulein Jachan geleitete Spielschar, die aus Gemeindegliedern bestand, das „Spiel um die Kanzel“ dar. Alle Aufführungen waren ganz ausverkauft‚ und auch viele auswärtige Gäste waren gekommen. Besondere Freude hatten wir an

dem Trachtenzug, der das Spiel einleitete.

Im Jahre 1958 bekam die Kirche eine neue Orgel, sie wurde unter Verwendung von einigen Registern der alten Orgel von Herrn Löbling in Erfurt erbaut.

Im Jahre 1959, am 12. Juli, wurde unser erweitertes und erneuertes Vereinshaus eingeweiht, das von nun an den Namen trägt „Gemeindehaus Dietrich Bonhoeffer“. Es war eine langwierige Bauzeit von fünf Jahren vorausgegangen. Die Festpredigt hielt Pfarrer Doebert (Timmen­rode/ Harz), ein Schüler Dietrich Bonhoeffers.

In unserm Gemeindehaus befindet sich außer dem Kindergarten und der Schwesternstation, die einst von Pfarrer Dettmering (später Generalsuperintendent in Kassel) gegründet worden waren, nun auch neben der Kirchenkasse und der Wohnung der Hausmeisterfamilie ein Heim für kirchliche Rüstzeiten. Im Erdgeschoß ist ein neuer zweiteiliger Gemeinderaum.

Der Kirchenvorstand besteht aus:

Pfarrer Friedrich Liederwald, Pfarrer Werner Weiß.

Kirchenväter: Emil Endter, Gustav-Adolf König  Wilhelm König, Oskar Luck, Ferdinand Marr, Robert Wirth sowie Karl Bube, Walter Büchel, Gustav Holland, August Huhn, Kurt Menz, Walter Pfannschmidt‚ Max Rattunde, Fritz Recknagel‚ Ernst Reitzig, Kurt Schade.

Altersbach: Kirchenväter Gottlob Gerlach und Hermann Wilhelm sowie Valentin Bauerschmidt und Oskar Gerlach. Rotterode: Kirchenväter Hugo Holland und Oskar Werner sowie Wilhelm Häfner und Friedrich Holland-Moritz. Kastenmeister ist Willi Reumschüssel. Kirchendiener Otto Hahn.

Werner Weiß, Pfr.

(Beigefügt ist die Festschrift zur 300-Jahr-Feier der Kirche)

 

 

Nr. 32: Sechs Münzen aus der Zeit nach 1949

 

1.

  1 Pfennig Deutschland

 

Ähre, Zahnrad           

1952

2.

  5 Pfennig  Deutschland

 

Ähre, Zahnrad           

1949

3.

10 Pfennig Deutschland

 

Ähre, Zahnrad           

1950

4.

50 Pfennig Deutsche Mark

Demokratische Republik Hammer und  Zirkel im Ährenkranz und DDR-Emblem

mit Eichenblatt

1958

5.

  1 Deutsche Mark

mit Eichenlaub

1956

6.

  2 Deutsche Mark

mit Eichenlaub

1957

 [Nr.1-3 etwa seit 1972 nicht mehr gültig, die anderen waren 1974 noch gültig])

 

 

Nr. 33: Beitrag der bürgerlichen Gemeinde 1974

Die Öffnung des Turmknopfes anläßlich der Ausbesserungsarbeiten am Turm der Stadtkirche soll Anlaß sein, künftigen Generationen über den derzeitigen Zustand der politischen Gemeinde Steinbach-Hallenberg zu berichten. Für das Verständnis der gesellschaftlichen Verhältnisse zur Zeit der Niederschrift dieses Berichtes ist es jedoch notwendig, auch einen Überblick über die Entwicklung der letzten 30 Jahre zu geben.

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg (begonnen am 1. September 1939) mit der bedingungslosen Kapitulation der faschistischem deutschen Wehrmacht. Deutschland wurde auf Grund alliierter Vereinbarungen in vier Besatzungszonen eingeteilt und von den Streitkräften der Sowjetunion, Großbritanniens, der Vereinigten Staaten von Amerika und Frankreichs besetzt. Thüringen sollte sowjetisches Besatzungsgebiet werden. Der Stand der Kampf­handlungen im Frühjahr 1945 bedingte es, daß das thüringische Gebiet im April 1945 von den. Streitkräften der USA besetzt wurde und bis Anfang Juli 1945 amerikanisches Okkupationsgebiet blieb.

Die amerikanische Dritte Armee überschritt am 1. April 1945 in der Rhön die thüringische Landesgrenze. Bereits am 3. und 4. April erreichten die Panzerdivisionen des XII. Korps den Landkreis Schmalkalden. Steinbach-Hallenberg  wurde a.m. 3. April 1945 (Dienstag nach Ostern) von amerikanischen Truppen besetzt. Bei der Einnahme des Ortes kam es zu keinen größeren Kampfhandlungen. Allerdings forderte die Besetzung dann doch noch ein Menschenleben, nachdem Volkssturmleute. die sich auf den Arzberg zurückzogen, die einziehenden Truppen beschossen hatten. Bei dem Schußwechsel wurde der siebzigjährige Einwohner Friedrich Wilhelm König am Fenster seiner Wohnung von einer amerikanischen Kugel getroffen, so daß er an Tag darauf verstarb.

Mit dem Einmarsch der alliierten Streitkräfte übernahmen diese die oberste Gewalt in dem besetzten Gebiet. Sie wurde durch Militärregierungen ausgeübt, denen die deutschen Verwaltungsorgane unterstellt wurden. In den ersten Wochen der amerikanischen Besetzung Thüringens arbeiteten nur die kommunalen Verwaltungsorgane in den Stadt- und Landkreisen. Erst am 9. Juni 1945 wurde in Weimar eine deutsche Regierung für die neuerrichtete Provinz Thüringen (Land Thüringen und preußischer Regierungsbezirk Erfurt) errichtet.

Nach dem in. den ersten Julitagen 1945 erfolgten Besatzungswechsel ging die oberste Gewalt auf die sowjetischen Streitkräfte über. Thüringen wurde ein föderales Land der sowjetischen Besatzungszone. Die Besatzungsfunktion übte die sowjetische Militäradministration für das Land Thüringen (SMATh) in Weimar aus. Ihr unterstand die am 16. Juli 1945 neugebildete Verwaltung des Landes Thüringen. Auf kommunaler Ebene wurde die bisherige Verwaltungsgliederung beibehalten. Die Grundlage für die friedliche und demokratische Entwicklung in  Deutschland bildeten die auf der Potsdamer Konferenz  (11. Juli bis 2. August 1945) gefaßten Beschlüsse der Regierungschefs der Sowjetunion, Großbritanniens und der USA (Potsdamer Abkommen).

Der preußische Landkreis Herrschaft Schmalkalden (Regierungsbezirk Kassel) war bereits am 1. Juli 1944 aus dem Verband der preußischen Provinz Hessen-Nassau herausgelöst und dem Regierungsbezirk Erfurt eingegliedert worden. Im Juni 1945 ging er im neugeschaffenen Land Thüringen auf.  Bei dem Land Thüringen verblieb er in seinem damaligen Umfang bis zum Jahre 1950. Am. 1. Juli 1950 erfolgte eine umfangreiche Neuordnung, bei der der Landkreis Schmalkalden aufgehoben wurde. Steinbach-Hallenberg wurde in den Landkreis Suhl eingegliedert. Als am 25. Juli 1952 das Land Thüringen aufgelöst wurde, entstand der Kreis Schmalkalden neu und bildete nunmehr einen der acht Landkreise des Bezirkes Suhl. Diese Verwaltungsgliederung besteht bis zum heutigen Tag.

Eine entscheidende geschichtliche Zäsur war die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am 7. Oktober 1049.  Mit ihr wurde der erste Arbeiter-und-Bauern-Staat auf deutschem Boden errichtet. Nachdem bereits im September 1949 aus den drei westlichen Besatzungszonen mit Hilfe der dortigen Besatzungsmächte der USA, Großbritanniens und Frankreichs die Bundesrepublik Deutschland errichtet worden war, entstanden somit auf deutschem Boden zwei selbständige deutsche Staaten mit gegensätzlichen Klassenverhältnissen.

Die weitere staatliche und gesellschaftliche Entwicklung in der DDR wurde durch den historischen  Beschluß der 2. Parteikonferenz der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) (9./12.7.1952) über den planmäßigen Aufbau der Grundlagen des Sozialismus in der DDR geprägt. Bereits mit der Gründung der DDR war dieser Weg vorgezeichnet. Seitdem befindet sich das Staatsvolk der DDR auf dem Weg der sozialistischen Umgestaltung seines Staates und seiner Gesellschaft.

Eingebettet in die gesamtgesellschaftliche Entwicklung unseres  Staates vollzog sich auch die Entwicklung unserer Heimatstadt von der Errichtung einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung bis zum Aufbau der entwickelten sozialistischen Gesellschaft in unseren Tagen.

Steinbach-Hallenberg besitzt seit dem 6. September 1936 Stadtrechte. Die Verleihungsurkunde über das Stadtrecht ist datiert vom 30. Juni 1930. Die Überreichung erfolgte am 6. September 1936.

Zu dieser Zeit betrug die Einwohnerzahl nur etwas mehr als 6.000. Während des Krieges und unmittelbar nach diesem erhöhte sich die Zahl der Wohnbevölkerung durch den starken Zustrom von Ost- und Westevakuierten sowie von Umsiedlern auf über 7.000. Nach der amtlichen Volkszählung vom 29. Oktober 1946 lebten damals 7.010 Einwohner (3.077 männliche und 3.933 weibliche) in Steinbach-Hallenberg. Später ging diese Zahl wieder zurück, so daß gegenwärtig (September 1974) 6.242 Einwohner gezählt werden.

An der Spitze der kommunalen Verwaltung steht der Rat der Stadt mit einem Bürgermeister  als Vorsitzendem des Rates. Die zu den ersten demokratischen Gemeindewahlen am 8. September 1946 wurde der Bürgermeister von den amerikanischen Besatzungsorgenen, nach dem Besatzungswechsel im Juli 1945 von der Landkreisverwaltung eingesetzt.

Der während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft tätige Bürgermeister Bernhard Recknagel (NSDAP) wurde unmittelbar nach der Besetzung des Ortes von der amerikanischen Besatzungsmacht interniert. Für das Amt des Bürgermeisters wurde kommissarisch der Fabrikant Carl Oscar Usbeck (NSDAP) eingesetzt. Ihm folgte am 4. Juli 1945 als erster anti­faschistischer Bürgermeister Walter Ritzmann (KPD), der dieses Amt bis zum 30. November 1945 bekleidete. Sein Nachfolger wurde Rudolf Hoffmann (KPD), der auch nach den ersten demokratischen Gemeindewahlen in Herbst 1946 das Bürgermeisteramt weiterhin ausübte. Die Gemeindewahlen vom 8. September 1946 (Listenwahlen) zeigten in der Stadt Steinbach-Hallenberg folgendes Ergebnis: Wahlberechtigte: 4.482, abgegebene Stimmen: 4.192, ungültige Stimmen: 181, gültige Stimmen: 4.011.

Stimmenverteilung:  

SED                             2.032 Stimmen = 10 Mandate

LDP                             1.189 Stimmen = 6 Mandate

CDU                            753 Stimmen = 4 Mandate

Frauenausschuß            37 Stimmen = 0 Mandate

Die neue Gemeindevertretung setzte sich danach aus zehn Vertretern der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands,  6 Vertretern der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands und 4 Vertretern der Christlich-Demokratischen-Union zusammen. Erstmals waren unter den Gemeindevertretern auch 4 Frauen (SED 3, LDP 1).

Rudolf Hoffmann schied Ende 1948 Bürgermeister aus. Bis zum heutigen Tag waren seitdem als Bürgermeister tätig:

Karl Zimmermann (SED)

Helmut Weidlich   (SED)

Herwig Keller        (SED)

Walter Jäger          (SED)

Alfred Jäger          (SED).

 

Am 19. Mai 1974 fanden wiederum Kommunalwahlen statt. Die  konstituierende Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 4. Juni 1974 wählte als Bürgermeister Alfred Jäger, als stellvertretenden Bürgermeister Horst Jäger. Der Rat der Stadt besteht aus 13 Mitgliedern. Die Stadtverordnetenversamnlung setzt sich aus 35 Einwohnern der Stadt zusammen. Gegenwärtig arbeiten folgende ständige Kommissionen der Stadtverordnetenversammlung:

Bauwesen.

Kulturelle Massenarbeit

rtliche Versorgungswirtschaft, Handel und  Versorgung

Volksbildung  

Jugendfragen und Sport,,

Innere Angelegenheiten, Sicherheit und Ordnung

Sozialwesen

Finanzen.

Während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft hatte die Stadt dem Führer der NSDAP  und Reichskanzler Adolf Hitler  und dem Gauleiter der NSDAP für Thüringen Fritz Saukel die Ehrenbürgerrechte verliehen. Diese wurden 1946 auf Beschluß der Gemeindevertretung wieder v aberkannt.

Die Ehrenbürgerrechte der Stadt Steinbach-Hallenberg wurden nach 1945 verliehen an:

Helmut Recknagel für seine sportlichen Erfolge und Verdienste im Skisport am 1. April 1958

und dem verdienten Arzt des Volkes Professor Dr. med. Werner Usbeck für seine Verdienste auf dem Gebiet des Gesundheitswesens am Oktober 1952.

Bürger von Steinbach-Hallenberg waren nach 1945 als Abgeordnete in den obersten Volksvertretungen tätig: Bernhard Usbeck, Mitglied des Thüringer Landtages vom 7. Oktober 1946 bis 10. Oktober 1950 als Abgeordneter der Fraktion der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) und Herbert Recknagel, Mitglied der Volkskammer der DDR 1958 bie.1971 als Mitglied der Fraktion der CDU. Seit 1969 sind Elsbeth Wolf (CDU) und Erna Henschke (LDPD) Mitglieder des Nationalrates der Nationalen Front der DDR.

Hohe  staatliche Auszeichnungen erhielten am 1. Mai 1974 der Technologe Herbert Recknagel und der Ingenieur Volker Holland-Cunz, die beide mit dem Ehrentitel „Held der Arbeit“ geehrt wurden. Elsbeth Wolf erhielt der Orden „Banner der Arbeit“.

 

Zwei Sportler haben als Söhne ihrer Heimatstadt internationalen sportlichen Ruhm erworben: Es sind die 5rispringer Helmut Recknagel und Manfred Wolf.

Dr. vet.med. H Helmut Recknagel wurde 1960 in Squaw Valley (USA) Olympiasieger und Weltmeister, 1962 in Zakopane (Polen) Weltmeister auf der großen Schanze. Außerdem wurde er Sieger am Homenkollen (Norwegen) 1957 und 1960. Er war der erste Mitteleuropäer, der auf dieser Schanze gewann. 1957, 1958, 1960,  1961 und 1962 wurde er Sieger der Skiflugwochen

 

1958, 1959 und, 1961 Sieger der Vierschanzentournee in der Bundesrepublik Deutschland und Österreich, 1959, 1962 und 1963 DDR-Meister im Skispringen. Für eine sportlichen Erfolge wurde er mit hohen staatlichen Auszeichnungen geehrt. Er ist Verdienter Meister des Sports und Träger des Vaterländischen Verdienstordens in Gold.

Manfred Wolf ist Meister des Sports und Träger der Verdienstmedaille der Nationalen Volksarmee in Silber. 1969 sprang er in Planica (Jugoslawien) mit 165 Metern Weltrekord.

 

Auch auf wirtschaftlichem Gebiet sind Söhne dieser Stadt heute in geachteten Stellungen tätig. Dazu gehören der Chirurg Professor Dr. med. Werner Usbeck, Medizinische Akademie Erfurt, der Mediziner Prof Lothar Jäger, Universitätsklinik Jena, Professor Dr. rer.nat. Gottfried Beckmann, Dozent für Mathematik in Zittau an der dortigen Ingenieurhochschule, Prof. Dr. rer.nat. Horst Luck, Technische Universität Dresden sowie der Literaturwissenschaftler Dr. phil. Rolf Recknagel  in Leipzig, Verfasser der Biographien vors Bernhard Traven und Oskar Maria Graf.

Die Brechung des Bildungsprivilegs der herrschenden Klasse nach 1945 und das in der Verfassung unserer Republik garantierte Recht auf Bildung für  alle Bürger unseres Staates hat zur Folge, daß heute eine große Zahl der Abgänger der allgemeinbildenden Schulen an Fachschulen, Hochschulen und Universitäten studieren.

Von den politischen Parteien bestehen Ortsleitungen bzw. Ortsgruppen der ……

Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), Ortsparteisekretär Herbert Menz;

Liberaldemokratischen Partei Deutschlands (LDPD), Manfred Recknagel

 Christlich-Demokratischen Union (CDU),  Walter Lehmann

Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NDPD),  Alfred Zimmermann

Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD), Oskar  Häfner.

 

Eine neue Entwicklung auf kommunalpolitischem Gebiet ist mit der Bildung des Gemeindeverbandes Steinbach-Hallenberg eingeleitet worden. Am 27. September 1974 schlossen sich in einer Festsitzung in der Gaststätte „Hallenburg“ die Staat Steinbach-Hallenberg und die Gemeinden Altersbach, Bermbach, Herges-Hallenberg, Oberschönau, Rotterode und Unterschönau zu einem Gemeindeverband zusammen. Er dient der sozialistischen Gemeinschaftsarbeit der beteiligten Orte auf kommunalpolitischem Gebiet, zu deren Organisierung und Koordinierung die Volksvertretungen den Rat des Gemeindeverbandes gebildet haben. Sitz des Gemeindeverbandes ist die Stadt Steinbach-Hallenberg Mit dem Schritt zur Bildung des Gemeindeverbandes und mit der zielgerichteten Verwirklichung des auf der Gründungsversammlung beschlossenen langfristigen Arbeitsprogramms sollen die materiellen und kulturell-geistigen Potenzen der beteiligten Gemeinden vereint und die Entwicklung des Territoriums in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, der Wirtschaft und der Kultur bewußter und aktiver gestaltet werden.

Das Gebiet um Steinbach-Hallenberg ist traditionell mit der Metallverarbeitung verbunden, seine Perspektive wird durch die Entwicklung der Industrie bestimmt. Die Produktionskapazität war bis zum Kriegsende stark zersplittert. Aber mit dem Verlauf der antfaschistisch-sozia­listischen Umwälzung eingetretenen Veränderungen der Macht- und Eigentumsverhältnisse auf wirtschaftlichem Gebiet begann für die  Werkzeugindustrie des Steinbacher Grundes eine neue Entwicklung.

Bereits am 25. Januar 1946 wurde eine Anzahl von Industrieunternehmen und Handelsbetrieben in Steinbach-Hallenberg, derer Besitzer ehemalige Mitglieder der NSDAP oder anderer nationalsozialistischer Organisationen gewesen waren und sich während des Krieges an der Rüstungsproduktion beteiligt hatten, von der sowjetischen Besatzungsmacht „seqestriert“ (das heißt: unter zeitweilige Zwangsverwaltung gestellt). Von ihnen wurden im Juli 1946 drei Werkzeugbetriebe enteignet und in das Eigentum des Volkes überführt. Insgesamt wurden  bis März 1946 in Steinbach-Hallenberg 19 Betriebe enteignet und in das Eigentum des Volkes überführt.

Zwölf in Steinbach-Hallenberg und zwei in Herges-Hallenberg gelegene Werkzeugbetriebe wurden am 1. Juli 1948 zum Volkseigenen Betrieb (VEB) „Hallenburgwerk“ Steinbach-Hallenberg zusammengefaßt. Im Zuge einer Reorganisation der volkseigenen Betriebe innerhalb der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Maschinen/Elektro-West, Land Thüringen, ging der VEB „Hallenburgwerk“ zusammen mit dem VEB „Haselgrundwerk“ Oberschönau und dem VEB Werkzeugbau Fambach am 1. April 1949 in den VEB Werkzeug-Union Schmalkalden ein. Die Verwaltung dieses Betriebes wurde bereits im folgenden Jahr von Schmalkalden nach Steinbach-Hallenberg verlegt, so daß sich der VEB Werkzeug-Union fortan zum größten volkseigenen Betrieb der Werkzeugproduktion im Kreis Schmalkalden entwickeln konnte.

Der VEB Werkzeug-Union war der einzige Großbetrieb im Haseltal. Er setzte in neuerer Form die alten Traditionen auf dem Gebiet der Werkzeugherstellung fort. Schrittweise wurde die moderne Großproduktion eingeführt. Das von den bisherigen Betrieben übernommene Ferti­gungsgprogramm war sehr umfangreich und zersplittert, so daß es zunächst darauf ankam, räumlich wie auch im Produktionsprogramm eine Bereinigung durchzuführen.

Mit dem Bau einer Gesenkschmiede und einer Werkzeugfabrik begann in den Jahren nach 1951 eine neue Etappe in der Entwicklung der territorialen Industrie. Am 8. Mai 1951 wurde der erste Spatenstich in der Hergeser Flur unterhalb des Bahnhofes von Steinbach-Hallenberg getan. Die neue Schmiede wurde das Herz des Betriebes, welches alle anderen Abteilungen mit Schmiederohlingen versorgte, die früher aus den westfälischen Industriebetrieben bezogen Werden mußten.

Das neue Fertigungsprogramm umfaßte alle Arten von Handwerkzeugen, Hämmer, Zangen, Schneidkluppen und Windeisen, Sägen (vom einfachen Fuchsschwanz bis zur Maschinensäge), Elektrowerkzeugen,  Werkzeugkästen und Werkzeugschränken. Mit dem Firmenzeichen WERUS wurden die Erzeugnisse des VEB Werkzeug-Union Steinbach-Hallenberg zu einem allseits bekannten Begriff auf dem nationalen und internationalen Markt.

Durch  das im Fortschreiten der wissenschaftlich-technischen Revolution bedingte rasche Wachs­tum der Produktionskräfte erhöhten sich die Anforderungen an die Produktion, ihre Organisation, Struktur und Leitung. Seit dem Jahre 1963 begann die Bildung leistungsfähiger und größerer Produktionseinheiten durch den Zusammenschluß gleichartiger Betriebe eines Industriezweiges.

Mit dem Ziel der Zusammenfassung der Werkzeugherstellung im Werkzeug- und Kleineisengebiet Schmalkalden wurde am 1. Januar 1959 das volkseigene Werkzeugkombinat Schmalkalden gebildet, in dem mit dem VEB Werkzeug-Union Steinbach-Hallenberg und dem VEB Werkzeug- und Besteckfabrik Schmalkalden die zwei größten und leistungsfähigsten Werkzeugbetriebe des Kreises Schmalkalden aufgingen. Das Werkzeugkombinat trägt heute die volle Verantwortung für die Herstellung und Entwicklung von Handwerkzeugen, Maschinenwerkzeugen, Elektro- und Druckluftwerkzeugen in der DRR.

 

Neben den bereits seit 1948 volkseigenen Betrieben der Werkzeugproduktion bestanden in Steinbach-Hallenberg auch eine Anzah1 privater Handwerksbetriebe, die sich zum größten Teil nach 1945 zu Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) zusammenschlossen. Als erste PGH wurde an 24. März 1956 die PGH des Kleineisengewerbes „Neuer Weg“ gegründet. Bis 1971 entstanden im Bereich des metallverarbeitenden Handwerks zehn PGH in Steinbach-Hallenberg, Daneben arbeiteten weiterhin private Handwerksbetriebe und Betriebe mit staatlicher Beteiligung als Kommanditgesellschaften. Zu den metallverarbeitenden Produktionsgenossenschaften kamen noch zwei Produktionsgenossenschaften des Böttcherhand­werks und des Schuhmacherhandwerks „Hans Sachs“.

Im Jahre 1972 wurden industriell produzierende PGH sowie Betriebe mit staatlicher Beteiligung und auch einzelne Privatbetriebe in volkseigene Betriebe umgebildet. Seitdem bestehen im Territorium der Stadt Steinbach-Hallenberg folgende Industriebetriebe:

 

VEB Werkzeugkombinat Schmalkalden, WerkSteinbabch-Hallenberg

VEB Elektrogerätewerk Suhl, Werk Steinbach-Hallenberg (Betriebsteile in zwei geschlossenen

 Zigarrenfabriken eingerichtet)

VEB Rechenelektronik Meiningen/Zella-Mehlis, Werk Steinbach-Hallenberg

VEB Kleineisenwaren (vormals PGH „Neuer Weg“)

VEB Mechanik (vormals PGH Mechanik „1.  ,Mai“)

VEB Metallwaren Unterhammer (vormals PGH Metallwaren Unterhammer und Firma Gustav Adolf Pfeffer

VEB Montagezangen (vormals Oskar Reumschüssel & Co. KG., Ernst Döll KG. und Firma           Ferdinand Elias Menz)

VEB Schneidwaren Haseltal (vormals PGH Schneidwaren Haseltal)

VEB Spezialwerkzeuge (vormals PGH Mechanische Werkstätten)

VEB Stahlwaren (vormals Friedrich Adolf Recknagel KG.)

VEB Stahlwaren-Werkzeuge (vormals PGH Stahlwaren-Werkzeuge und PGH Hallenburg)

VEB Drehteile und Korkenzieher (vormals PGH Dreko)

VEB Formdrehteile (vormals PGH Formdrehteile)

VEB Holz- und Plastwerkzeuge (vormals PGH Böttcher- und Schneidwaren)

VEB Reibwerkzeuge (vormals Fritz Scheerschmidt KG)

VEB Gewindelehren (vormals Firma Ernst R. Holland)

VEB Maniküre (vormals Adolf Wilhelm KG)

VEB Gießereibedarf(vormals Firma Andreas Häfner)

VEB Industriebau (vormals PGH Aufbau)

VEB Bau (vormals PGH Bau-Holz)

VEB Schuhwaren (vorm. PGH „Hans Sachs”)

VEB Holzverarbeitung

 

Weiterhin bestehen in Steinbach-Hallenberg:

  • das Exportkontor Werkzeuge GmbH.
  • die Lago Einkaufs- und Liefergenossenschaft des Schmalkalder Werkzeug- und Kleineisenwerks eGmbH.
  • der Betrieb Steinbach-Hallenberg der Konsum Spirituosenfabrik Allstedt (vormals Konsum Spirituosenfabrik „Schloßberg“ Steinbach-Hallenberg
  • Fachabteilungen des Versorgungskontors für Maschinenbauerzeugnisse Erfurt, Betrieb Suhl
  • Die PGH Malerhandwerk als einzige Produktionsgenossenschaft des Handwerks
  • In Steinbach-Hallenberg hat außerdem der Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb Schmalkalden seinen Sitz.

 

Die Stadt Steinbach-Hallenberg hat auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens in den Jahren seit der Beendigung des Krieges und der Zerschlagung des Faschismus einen beträchtlichen Aufschwung genommen. Diese Bilanz können wir gerade in diesen Tagen vor dem 25. Jahrestag der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik ziehen. Unsere Menschen leben in sozialer Sicherheit, das Recht auf Arbeit und Erholung ist ihnen verfassungsmäßig garantiert. Die Stadt und ihre Einwohner haben sich entwickelt  und entwickelt sich weiter.

 

1954 wurde die Arbeiterwohnungsgenossenschaft (AWG) gegründet.  Die ersten AWG-Wohnungen wurden 1956 bezogen. Im volkseigenen und gesellschaftlichen Wohnungsbau ist in der Perspektive die Flur zwischen Steinbach-Hallenberg und  Herges-Hallenberg vorgesehen.

Die Sorge unsres Staates gehört besonders den Kindern und der Jugend. Als vorschulische Einrichtungen wurden ein Kindergarten und eine Kinderkrippe geschaffen. Der Schule ist ein Kinderhort angeschlossen. In der Polytechnischen Oberschule werden Schüler bis zur 10. Klasse unterrichtet. Sie erhielt 1973 den Namen des Führers der deutschen Arbeiterklasse

„Ernst Thälmann“

 

Bereits 1951 wurde das Jugendheim der Freien Deutschen Jugend „Philipp Müller“ eröffnet.

Im Jahre 1966 wurde an seiner ein Jugendklubhaus geschaffen.  Für die kulturelle und sportliche Betätigung der Einwohner stehen verschiedene Kultur- und Sporteinrichtungen zur Verfügung.

 

Gegenwärtig bestehen folgende Kulturgruppen:

  • Chor des VEB Werkzeugkombinat, Werk Steinbach-Hallenberg
  • Kulturensemble „Waldesrauschen“ des Staatlichen Forstwirtschaftbetriebes
  • Chor und Singegruppe der Polytechnischen Oberschule „Ernst Thälmann“.

 

Die Betriebsportgemeinschaft „Motor Steinbach-Hallenberg“ bietet mit ihren verschiedenen Sektionen die Möglichkeiten zur organisierten sportlichen Betätigung. Am stärksten treten die Sektionen Fußball und Wintersport hervor, Die alljährlich stattfindende „Woche der Jugend und Sportler“ im Juni gestaltet sich zu einen gesellschaftlichen Höhepunkt in unserer Stadt.

Für die sportliche Betätigung stehen die Sportplätze „Köpfchen“ (seit 1973 Rekonstruktionsmaßnahmen) und „Spielwiese“ zur Verfügung. Im Jahre 1968 wurde eine Sporthalle auf der Spielwiese errichtet.  Die schon vor 1945 bestandene „Hallenburgschanze“ wurde umgebaut und mit Matten belegt. Das Schwimmbad Steinbach-Hallenberg  ist alljährlich Anziehungspunkt für viele Erholungssuchende.

 

Steinbach-Hallenberg ist Kurort. Das Ferienheim des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes, zahlreiche Privatquartiere und die neu entstandenen Bungalowsiedlungen  in der Umgebung nehmen jährlich in den Sommer- und Wintermonaten viele hundert Urlauber und Feriengäste auf. Das Naherholungsgebiet „Hallenburg“ auf den Schloßäckern gehört dazu.

Von den verschiedenen Jubiläen der vergangenen drei Jahrzehnte in Steinbach-Hallenberg, die von den Einwohnern festlich begangen wurden, seien genannt:

1956   Dreihundert-Jahrfeier der Kirche zu Steinbach-Hallenberg

1960   Volkskunsttage im Haseltal (zum Gedenken an den in Oberschönau geborenen   Komponisten Johann Christian Häfner),

1969   75 Jahre Chorgesang,

1969   50 Jahre Instrumentalmusik

1969   50 Jahre Fußball

1972   50 Jahre Freiwillige Feuerwehr.

 

 

Die traditionelle Volkskirmes wird noch immer gefeiert. Allerdings ist nach 1945 vom zweiten Sonntag  im September auf den 1. Sonntag im September verlegt worden.

[Die Kirmes wurde verlegt wegen des allgemeinen „Gedenktags für die Opfer des Faschismus“ am zweiten Sonntag im September]

Die mit vielen alten Sprachformen durchsetzte Mundart ist noch sehr stark im  Sprachbewußtsein der Bevölkerung verwurzelt. Allerdings wird man hier im natürlichen Wechsel der Generationen einen allmählichen Rückgang in Kauf nehmen müssen, so wie die zuletzt nur noch von den ältesten  Bewohnerinnen getragene Volkstracht bereits aus dem Bild des  Ortes verschwunden ist.                                                                                                V.W.

Steinbach-Hallenberg, am 30. September 1974

 (Unterschrift: Alfred Jäger)

Bürgermeister  der Stadt Steinbach-Hallenberg,

 

Dem Verfasser des vorstehenden Berichtes seien noch einige persönliche Anmerkungen gestattet: Mit dieser Niederschrift ist nicht die Absicht verbunden, einen geschichtlichen Abriß über die Entwicklung von Steinbach-Hallenberg in den letzten drei Jahrzehnten zu geben. Dazu sind die Probleme zu umfangreich und zu vielgestaltig, als daß sie auf dem zur Verfügung stehenden knapp bemessenen Raum ausgebreitet werden könnten. Der Historiker wird anders vorgehen müssen, um die lokale Entwicklung in den Rahmen der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung einzuordnen. Die Erarbeitung einer wissenschaftlichen Stadtgeschichte, auch der vergangenen Jahrhunderte, bleibt eine Aufgabe für die Zukunft.

Am 15. September 1974 habe ich dem Rat der Stadt Steinbach, Hallenberg ein Gutachten überreicht, in dem die Durchführung einer 750-Jahrfeier im Jahre 1978 vorgeschlagen wird. Sie wird sachlich begründet durch die Ersterwähnung der Herren von Hallenberg im Jahre 1228. Im Schutz der Hallenburg, dem Sitz der dynastischen Kleinherrschaft der Herren von Hallenberg, entwickelte sich im 13 .Jahrhundert die Doppelsiedlung Steinbach-Hallenberg.

Dieses Ereignis wird Anlaß sein, die Geschichte von Steinbach-Hallenberg von den Anfängen bis zur Gegenwart zu erforschen. Das Wissen um das Vergangene wird dazu beitragen, Ge­gen­wart und Zukunft noch besser zu verstehen und zu meistern. Ein weiterer Gesichtspunkt kommt hinzu: Die Menschen dieser Landschaft sind traditionell stark mit ihrer Heimat verbunden. Für uns muß gelten was der Dichter Johannes R. Becher anläßlich der Niedereröffnung der Wartburg am 22. Mai 1954 sagte:

„Das ist schöne deutsche Heimat, mit der wir so tief verwachsen sind, daß wir, sie betrachtend, uns selber mitten in sie hineingestellt sehen: die schöne deutsche Heimat, die wir nimmer müde werden zu gestalten und sie zu lobpreisen.“

Steinbach-Hallenberg, am 29. September 1974, Volker Wahl, Diplomarchivar, geboren am 10. Juni 1943 in Steinbach-Hallenberg.

 

Nr.  34: Turmreparatur 1974

Bericht über Reparatur an Turm und Kirchendach 1974. Das Kirchendach und das Kirchturmdach waren im Laufe der Jahre schon wieder schadhaft geworden, so daß sich die Kirchengemeinde schon jahrelang um einen Schieferdecker bemühte, der die Ausbesserungs­arbeiten übernehmen könnte. Da bot sich im Sommer 1974 die Arbeitsgruppe Klaus Schmuck an. Ihre Mitglieder kommen aus Zella-Mehlis und Suhl, und die arbeiten eigentlich für das Institut für Denkmalpflege in Berlin. An den Wochenenden aber haben sie schon mehrere Kirchen in der Umgebung repariert und wurden auch verpflichtet, die Arbeiten an unsrer Kirche vorzunehmen. Weil sie sich dazu bereiterklärten und die nötigen Materialien und Handwerker so schnell beschafft werden konnten wurde auch der Turmknopf abgenommen; die Errichtung einer Blitzschutzanlage konnte nicht so schnell verwirklicht werden.

Am 2. September (Kirmesmontag) wurden dann Wetterfahne und Turmknopf abgenommen. Klaus Schmuck und Gustav Kroker hoben dabei die Wetterfahne zu zweit freihändig aus der Halterung. Ihre Helfer waren Wolfgang Schmuck und Horst Reysa.

Die Wetterfahne erhielt an Stelle des Sterns ein Kreuz aus Kupfer blech durch Franz Recknagel (Bahnhofstraße 22) und Dieter Recknagel (Erbstal 24). Fahne und Knopf wurden dann von dem Malermeister Richard Hollmann aus Wallbach bei Walldorf vergoldet. Hermann Häfner (Hauptstraße 80) und Martin Hoffmann (Erbstal 35) fertigten eine neue Eisenstange als Halterung für Fahne und Knopf an. Der Uhrmacher Karl Saam aus Themar brachte das Zeigerwerk der Uhr wieder in Ordnung und vergoldete die Zeiger. Das Zifferblatt wurde abgenommen, die Reifen erneuert (von Schmied Herbert Hermann, Hennebergstraße 19), freihändig geschmiedet und mit Strichen aus vergoldetem Kupferblech versehen (von den Kirchenvätern Fritz Recknagel, AugustHuhn, Kurt Schade und Maler Hollmann); vorher hatte die Uhr römische Ziffern. Am 8. und 15. September wurde ein Teil der Urkunden und Zahlungsmittel aus dem Turmknopf in der Kirche ausgestellt.

 

Über die Zeit seit 1960 ist Folgendes aus der Kirchengeschichte zu berichten: In den Jahren 1961 (Missionar Sehmsdorf) und 1963 (Missionsdirektor Bennecke) fand das Missionsfest des Dekanats in unsrer Kirche statt. Im Dezember 1962 ging Pfarrer Liederwald

in Ruhestand und Pfarrer Lieberknecht wurde ab 1. September 1963 sein Nachfolger auf der Oberstädter Pfarrstelle.

Am 1. Advent 1965 wurde probeweise eine neue Liturgie eingeführt, die später mit einigen Änderungen vom ganzen Dekanat übernommen wurde.

Im Frühjahr 1966 verließ die Katechetin Schwester Ruth Wittke die Gemeinde und im Dezember übernahm Pfarrer Weiß eine Pfarrstelle in Suhl. Von Januar bis August 1967 war Vikar Bunge hier tätig, der dann Pfarrer in Trusen wurde. Am 16. September 1967 übernahm Pfarrer Heckert den Dienst auf der Unterstädter Pfarrstelle. Das Pfarrhaus wurde umgebaut und eine abgeschlossene Organistenwohnung geschaffen.

Am 5. Oktober 1969 fand der zweite Gemeindetag des Dekanats in Steinbach-Hallenberg statt mit einer Dialogpredigt der Ortspfarrer und mit Arbeitsgruppen in beiden Kirchen und im Gemeindehaus. Auch in den Jahren 1970 (Bischof Schönherr) und 1973 („Sorget nicht“) fanden wieder Gemeindetage hier statt.  Am 7. März 1971 wurden Kirchenvorstandswahlen abgehalten, bei denen kein Kandidat älter als 70 Jahre sein durfte und verhältnismäßig viele Frauen gewählt wurden. Im Mai war zum ersten Mal Ökumenische Gebetswoche.

Mit Wirkung vom 2. Februar 1972 wurde das Dekanat Schmalkalden aus der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck ausgegliedert und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen angegliedert. Für die Gemeinde hat das bisher keine großen Auswirkungen gehabt‚ nur muß das Dekanat jetzt einen namhaften Geldbetrag praktisch entschädigungslos nach Eisenach zahlen.

Im Herbst 1968 wurde die Friedhofskirche außen und innen erneuert und mit einer elektrischen Heizung versehen. Am 1.Christtag 1971 wurde die elektronische Orgel in der Friedhofskirche in Gebrauch genommen. Seit 1971 fanden in der kühleren Jahreszeit die Gottes- dienste in der Friedhofskirche statt, weil die Heizung in der Stadtkirche endgültig unbrauchbar geworden war. Im Sommer 1973 wurden unter reger Beteiligung der Gemeindeglieder zwei Wasseranschlüsse auf dem Friedhof erneuert bzw. neu geschaffen und das Erdkabel für die Beheizung der Stadtkirche gelegt.

Im Herbst wurde dann die gesamte Lichtanlage der Kirche erneuert und die Infrarotstrahler angeschlossen. Bei dieser Gelegenheit stellte sich allerdings auch heraus, daß sich in der Wand der Kirche in der Gegend der Sakristei ein großer Schwammschaden befindet; er macht uns große Sorgen und dürfte nicht so leicht zu beseitigen sein. Vor Ostern 1974 wurden dann die Heizplatten unter den Bänken im Schiff verlegt.

Im Gemeindehaus waren in diesen Jahren auch ständig Reparaturen und Erneuerungsarbeiten nötig. Durch das Dach war Wasser getreten und hatte Außenputz und die gerade neu gemachten Innenräume b schädigt. Im Kindergarten wurde der große Raum durch eine hölzerne Zwischenwand unterteilt. Der Fußbodenbelag wurde zum Teil erneuert und das Inventar ergänzt.

Die wirtschaftliche Lage der Kirchengemeinde ist gut. Die Einnahmen aus der Kirchensteuer sind noch erfreulich hoch, obwohl alles zur Kirchenkasse gebracht werden muß (auf den Dörfern gibt es Hebetermine). Bei Bauvorhaben werden oft ohne Aufforderungen zum Teil auch hohe Spenden gegeben und die Schwesternstation wird ganz von Spenden unterhalten. Bei Sonderveranstaltungen kommen oft hohe Kollekten zusammen. Voller Dankbarkeit dürfen wir sagen, daß die Gemeinde immer noch gebefreudig ist.

Zur Entwicklung des Gemeindelebens ist zu sagen: Mit Beginn des neuen Schuljahrs im September 1972 machte sich zum ersten Mal ein stärkerer Druck der Schule auf christliche Schüler bemerkbar. Man schloß sie aus den Leitungsgremien der Pionierorganisation und des Jugendverbandes aus, gab ihnen schlechtere Noten in „Gesamtverhalten“ (erstmals deutlich im Sommer 1973) und drohte ihnen an, sie würden nicht auf die Erweiterte Oberschule delegiert (in diesem Punkt konnte man aber nicht immer konsequent sein, weil man nicht genügend nichtchristliche Schüler mit guten Leistungen hatte). Besonders bearbeitet wurden die Mitglieder der SED und deren Kinder. Die Lehrer wurden zum größten Teil gezwungen, aus der Kirche auszutreten. Wir haben dadurch einen Teil der Kinder in der Christenlehre oder auch noch kurz vor der Konfirmation zunächst verloren, weil die Eltern Angst haben, es könnten den Kindern einmal Nachteile entstehen. Wir haben jetzt Eltern, die die Kirchensteuer weiterbezahlen, obwohl sie ihre Kinder nicht mehr schicken. Wir haben auch andere, die nicht mehr kommen, obwohl die Eltern es gerne möchten. Es kommen aber auch Nichtkonfirmierte zum Jugendabend und Jugendgottesdienst. Es gibt auch ermutigende Zeichen einer starken Bindung von Jugendlichen an die Kirche, einer großen Einsatzbereitschaft und eines tiefen persönlichen Glaubens.

Die Zahl der Gemeindeglieder und die Beteiligung am kirchlichen Leben ist zurückgegangen. Zwar haben wir nur relativ wenige direkte Kirchenaustritte (meist nur Leute, die einen Posten haben)‚ aber es gibt eine große Zahl von Leuten, die die Zahlung der Kirchensteuer verweigern und bei denen deshalb die kirchlichen Rechte ruhen. Die Zahl der Besucher der Gottesdienste und der Gemeindeveranstaltungen hat abgenommen. Bei den älteren Gemeindegliedern, soweit sie noch den Religionsunterricht in der Schule erlebt haben, ist die Bindung an die Kirche noch stark. Bei der mittleren und jungen Generation hängt die Bindung viel vom Elternhaus ab, aber zum Teil auch von einer persönlichen Entscheidung auch im Gegensatz

zum Elternhaus.

 

Nachdem im Jahre 1973 das 75-jährige Bestehen der Schwesternstation begangen wurde und der Kirchenchor 90 Jahre alt war, feiert in diesem Jahr der Posaunenchor sein 75-jähriges Bestehen (22. September) und Schwester Elisabeth begeht ihr 50-jähriges Schwesternjubiläum sowie Schwester Irma ihr 25-jähriges Jubiläum (29.9.). Wir vertrauen darauf‚ daß Gott auch in Zukunft seiner Gemeinde Mitarbeiter schenken wird und treue Gemeindeglieder, die die Sache Gottes weitertragen und am Glauben der Väter festhalten.                             (Siegel)

Heute, am 5. Oktober 1974, soll der Turmknopf wieder aufgesetzt werden. Geplant ist um 14 Uhr. Heute früh hat es allerdings leicht geregnet. So ist nicht sicher, ob das Vorhaben verwirklicht werden kann. Erwähnen möchte ich noch Kirchenvater August Huhn, der sich wie bei allen Baumaßnahmen an der Kirche sehr um alles gemüht hat. Klempnermeister Erich Tügend wird die Kapsel jetzt zulöten. Gott schütze die kühnen Männer heute bei ihrem Werk.

Peter Heckert.

(Anmerkung: Dieser Bericht ist von Hand geschrieben auf Briefbogen mit eingedrucktem Kopf der Kirchengemeinde. Für die Treue der Abschrift kann ich mich allerdings nicht ganz verbürgen, weil sie erst nachträglich nach dem Konzept hergestellt wurde. Kleinere Änderungen sind noch bei der Reinschrift eingeflossen. Auch mag die Reihenfolge der Abschnitte an zwei Stellen unterschiedlich sein. Aber inhaltlich ist alles genau wiedergegeben.

Es war am Samstagvormittag nicht mehr Zeit‚ noch einmal eine Abschrift anzufertigen. Da immer noch nicht feststand, ob aus dem Vorhaben etwas würde, wollte ich die Kapsel nicht schon zulöten lassen. Erst um 10.30 Uhr hieß es: Heute wird es etwas.

Um 11.30 Uhr aber hatte ich die erste von zwei Trauungen. Schnell wurde dem Klempner Bescheid gesagt; er wollte auch gerade verreisen. E war schon hier, als die ich letzten Worte noch schrieb. Dann mußte alles noch eingepackt werden und die Beigaben verstaut werden. Der Klempner nahm die Kapsel mit in seine Werkstatt. Dabei stellte sich heraus‚ daß die Schachtel mit den Münzen von 1974 doch zu groß war. Der Klempner hat sie deshalb in einen Briefumschlag getan. Wahrscheinlich wird nun für weitere Urkunden und Beigaben kein Platz mehr sein.

Um 14 Uhr wurde den Zuschauern einiges berichtet von dem Inhalt der neu hinzugefügten Urkunden und den Beigaben und die Schieferdecker wurden vorgestellt. Ein Dank- und Bittgebet für die Handwerker und die Zuschauer schloß sich an. Es wurde auch noch eine schöne Summe zur Finanzierung der Münzen im Knopf gegeben. Als der Knopf hochgezogen wurde, blieb er am großen Zeiger der Uhr hängen und verbog ihn. Als er dann oben war, mußte er noch einmal abgenommen werden, weil die Stützböcke zu hoch angebunden waren und der Knopf nicht paßte. Ebenso paßte die Haltestange für die Wetterfahne nicht. Erst als die Eisenplatte auf dem Balken aufgemeißelt wurde, ging sie endlich hinein. Kurz vor 17 Uhr wurde die Wetterfahne hochgezogen. Das ging dann ziemlich schnell. Es war sehr kalt an diesem Tag. Am Schluß hatte es wieder zu regnen begonnen. Die Schieferdecker haben bei ihrer Arbeit fast eine große Flasche Schnaps ausgetrunken. Es ging aber alles gut.

Die Wetterfahne zeigt links die Jahreszahl 1792 (vergoldet) und einen Knopf (vergoldet), das Eisengestänge ist schwarz. Rechts ist eine Krone mit einem kleinen Kreuz zu sehen (vergoldet mit Rot), darunter sehr verschlungen die Buchstaben L, die sich auf den Landgrafen Wilhelm IX. von Hessen-Cassel beziehen, wie man aus Münzen aus der Zeit von 1760 bis 1821 sehen kann. An der Krone lehnt ein Löwe (vergoldet mit roter Zunge), drum herum sind grüne Blätter.

 

 

Die Mitarbeiter der Kirchengemeinde Steinbach-Hallenberg 1974

Ehrenkirchenväter:   

Walter Büchel, Friedensgasse 4

Emil Endter, Hauptstraße 37

Wilhelm König, Hauptstraße 128

Oskar Luck, Bahnhofstraße 36         

Gottlob Gerlach, Altersbach, Wiesenweg 3

Oskar Gerlach, Altersbach, Bahnhofstraße 4

 

Kirchenväter: 

Karl Bube, Moosburg 16

Karl Holland-Moritz, Rotteroderstraße 35

August Huhn, Kirchplatz 10

Max Rattunde, Kirchplatz 30

Fritz Recknagel, Karl-Marx-Straße.4

Kurt Schade‚ Hauptstraße 45

Lothar Kauffmann, Altersbach, Hügel 2

Hermann Wilhelm‚ Altersbach, Hauptstraße 7

Hugo Holland, Rotterode, Steinbacher Straße54    

Oskar Werner, Bergwiese 1

 

Kirchenvorstandsmitglieder (ohne die Kirchenvater) :

Gerd Beckmann, Karl-Marx-Straße 45        

Erwin Häfner, Wolffstraße 6

Christa Holland, Moosbachstraße 25

Helene Holland-Moritz, Hauptstr. 60

Waltraud Jäger, Hauptstraße 125

Ida Marr, Hennebergstraße 15

Oskar Pfannschmidt, Erbstal 47

Ernst Reitzig, Bahnhofstraße 27

Günter Weisheit, Kälberzeil 34

Robert Wirth, Kälberzeil 27 (als Synodaler)

Marga Fischer, Altersbach,  Hauptstraße 5:

Werner Nothnagel, Altersbach, Hauptstraße 48

Herbert Häfner, Rotterode,  Steinbacher Straße 3

Kurt Holland-Moritz, Rotterode, Hauptstraße 24

Pfarrer Peter Heckert, Kirchplatz 30

Pfarrer Hans Lieberknecht, Hauptstraße 134

 

Hauptamtliche Mitarbeiter:

Schwester Elisabeth Holdschuh, Karl-Marx-Straße 47  (Krankenschwester)

Schwester Irma Weigelt                                            (Krankenschwester),

Schwester Anni Grünwald                                         (Kindergartenleiterin)

Frau Gisela Weinhardt, Rotteroderstraße 56                       (Kinderdiakonin)

Frau Margitta Kaufmann, Dr. Königstraße 25          (Kindergartenhelferin)

Frau Beate Walloch, Hauptstr. 60 (verheiratet am 5.10.74)(Kinderdiakonin)

Fräulein Elisabeth Herzog, Barchfeld                       (Kindergartenpraktikantin)

 

Frau Eva Killenberg, Hauptstraße 65                        (Verwaltungsleiterin )

Frau Waltraud Jäger, Hauptstraße 125                    (Verwaltungsangestellte)

Frau Magdalene Reffke, Karl-Marx-Straße 47         (Hausmeister)

Frau Minna Wahl, Erbstal 32                                    (Köchin)

Frau Anna Gerlach, Altersbach, Arzberg 10             (Küchenhilfe)

Frau Minna Reumschüssel, Arzbergstraße.26          (Küchenhilfe)

Frau Erna Gratz, Arzbergstraße 46                           (Küchenhilfe)

 

Nebenamtliche Mitarbeiter:

Frau Ursula Heckert, Kirchplatz 30                           (Katechetin) (Pfarrfrau)

Frau Edeltrud Lieberknecht, Hauptstraße 134         (Katechetin)(Pfarrfrau)

Herr Fritz Killenberg, Hauptstr. 65    (Organist)       J Posaunen

Herr Max Rattunde, Kirchplatz  30   (Organist,

Chorleiter des Kirchengesangvereins und Posaunenchors)

Herr Ernst Reitzig, Bahnhofstraße 27                       (Chorleiter Kirchenchor)

Heiligenmeister: Jürgen Huhn (Kirchplatz 10)‚ Manfred Usbeck (Lindenstraße l), Heinz Recknagel (Moosburg 5)‚ Erich Nothnagel (Hauptstr. 100),

Kirchendiener: Fritz Preiß, Brunnenstraße 8

 

Kindergottesdiensthelfer:

Angela Gotthelf (Hauptstr. 111)

Eva Baumann (Friedensplatz 3)

Edith Franke ( Erbstal 34)

Angelika Horn (Erbstal 13)

Margit Mangold (Dillersgasse 55)

Ursula Thomas (Dillersgasse 27),

 Cornelia Ücker (Thälmannstraße 8).

Gabi Schatz, Altersbach, Hauptstraße 4 (Organistin)

Marga Fischer, Altersbach, Hauptstraße 5 (Kindergottesdienstleiterin)

Claudia Holland, Hauptstraße 7 (Kindergottesdiensthelferin).

           

 

Nr.  35: 20 Münzen aus dem Jahre 1974                  (Nr.  1-3 nicht mehr gültig)

 

1.

1 Pfennig

Deutschland. Rückseite: Hammer, Zirkel, Ähren,

1953

2.

5 Pfennig.

Deutschland. Rückseite: Hammer, Zirkel, Ähren

 

3.

10 Pfennig           

Deutschland. Rückseite: Hammer, Zirkel, Ähren

1952

4.

1 Pfennig

mit zwei Eichenblättern. Rückseite: DDR-Emblem

1968

5.

5 Pfennig

mit zwei Eichenblättern. Rückseite: DDR-Emblem

1968

6.

10 Pfennig

mit einem Eichenblatt. Rückseite: DDR-Emblem

1968

7.

20 Pfennig

mit einem Eichenblatt. Rückseite: DDR-Emblem, messingfarben

1971

8.

5 Mark

„XX Jahre DDR“, messingfarben      

1969

9.

5 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: Brandenburger Tor  

1971

10.

5 Mark           

mit DDR-Emblem. Rückseite: Meißen         

1972

11.

10 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: Buchenwald

1972

12.

10 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: X. Weltfestspiele      

1973

13.

10 Mark

Deutsche Demokratische Republik.  Rückseite: Alles mit dem Volk, alles für das Volk, 1949/1974 mit DDR-Emblem

1974

14.

20 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: Heinrich Mann

1971

15.

20 Mark

Deutsche Demokratische Republik.  Rückseite: Alles mit dem Volk, alles für das Volk, 1949/1974 mit DDR-Emblem. Diese Münze ist sehr selten. Die erste wurde gestiftet von Kirchenvater Fritz Recknagel, die zweite von Erich Bahner, Kirchplatz  6; diese ist eine Ausgabe für Sammler und durch einen durchsichtigen Klebestreifen gekennzeichnet. Herr Bahner hat auch bei der Bestimmung der alten Münzen sehr geholfen.

1971

16.

20 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: Ernst Thälmann

1971

17.

20 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: Friedrich Schiller      

1972

18.

20 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: Wilhelm Pieck

1972

19.

20 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: Otto Grotewohl (Zahl größer)

1973

20.

 

Medaille „Steinbach-Hallenberg, Thür. Wald“, Bild: Hallenburg

 

Die Kosten in Höhe von 170,56 Mark wurden zum Teil von Einzelpersonen aufgebracht, zum Teil in der Kirche bei der Ausstellung der Urkunden und beim Wiederaufsetzen des Turmknopfes gesammelt.

 

Nr. 36 Beigaben aus dem Jahre 1974:

1. Turmknopfabnahme am 20. August 1953 durch Dachdeckermeister Erich Tautenhain aus Steinbach-Hallenberg (Foto schon damals in den Turm gekommen, Schrift von Pfarrer Strangfeld).

2. Turmknopfabnahme 1953. Von links nach rechts: Pfarrer Strangfeld, Kastenmeister Willi Reumschüssel, Pfarrer. Liederwald, Gustav Pfeffer, Gustav Adolf König, Kantor Fritz Killenberg, Emil Endter, Ferdinand Marr, Arbeiter der Firma Tautenhain, ganz rechts Kirchendiener Otto Hahn; der Junge mit der Urkundenkapsel ist Gerd Endter (Enkel von Emil Endter). Aufnahme durch den verstorbenen Erich Endter, Sohn von Emil Endter und Vater von Gerd Endet). Beigefügt 1974

3. Briefkarte mit Marke und Sonderstempel „Steinbach-Hallenberg“, 1. Kreisbriefmarkenausstellung Schmalkalden 15. - 16. Juli 1961 (zur Verfügung gestellt von Volker Wahl, Hauptstraße 59, dem Verfasser der Urkunde der Stadt Steinbach-Hallenberg im Jahr 1974)

4. Einladung zur Festveranstaltung des Gemeindeverbandes Steinbach-Hallenberg aus Anlaß des 25. Jahrestages der Deutschen Demokratischen Republik am 27. September in der Konsumgaststätte „Hallenburg“."

[Anmerkung: Ein Bild der Turmknopfabnahme von 1906 befindet sich in der Pfarreichronik, ein Bild von 1960 im Pfarrarchiv und auf der Kirchenkasse und auf der Webseite „peterheckert.org“, Link Thüringen und Steinbach-Hallenberg].

 

 

 

 

(Übersicht über die Turmknopfurkunden

  1.) 1656: Beschluß zum Neubau der Kirche 1652, Schreiben an Landgraf Wilhelm  

  1652, Vergabe der Zimmererarbeiten und Bestellung von Bauaufsehern

  1652, Vergabe der Maurerarbeiten 1652 und Dachdeckerarbeiten 1653

  2.) 1697: Darlehen des Amtsschultheißen 1657

  3.) 1707: Vergabe der Arbeiten für den Turm 1698

  4.) 1724: Reparatur des Kirchendaches 1724

  5.) 1796: Kredit für Erweiterung des Friedhofs 1729, Kanzelgitter und Bibel 1735,

  Urkunde von Faust (5. Dezember 1792, erste bis heute im Turmknopf

  befindliche Urkunde

  6.) 1806: Urkunde von AmtmannFaust (21. Juni1806)

  7.) 1829: Urkunde von Christian Menz jun,  Urkunde von Pfarrer Habicht

   Am  8. Sept 1829 wurde der Knopf neu aufgesteckt durch Kilian

   Maienkranz und Franz Peter Duiby

  8). 1837: Urkunde von Pfarrer Habicht, drei Spendenlisten

                   Aufgesteckt am 23. Oktober 1837 durch Franz Peter Diby

  9.) 1848: Aufgesteckt am 6. November 1848 durch Kilian Mayenkranz

10 ) 1865: Urkunde von Elias Usbeck, Urkunde von Caspar Holland-Cunz

       Aufgesteckt  am 28. Juni 1865 durch Schieferdecker Dürer aus

       Ritschenhausen

11.) 1873: Urkunde von Caspar Holland-Cunz          (mit Gedenkblatt)

      Aufgesteckt am 13. August 1873 von Reinhold Thiem aus Zella

12.) 1906: Urkunde von Chr. W. Dittmar, Urkunde über Rathausbau (Abschrift),

       Urkunde über Vereinshaus u.a.,Urkunde von Pfarrer Klingelhöfer,

       Urkunde über Mädchenferienkolonie, Spendenliste für Kirchenheizung

       Aufgesteckt am 23. August 1906 von Johann Backer aus Mehlis

13.) 1933: Urkunde Ernst Menz, Lebenslauf Franz Peter Diby, Urkunde von Oskar

Holland-Letz, Urkunde von Bernhard Recknagel, Zeitung „Thür. Wochen-

schau“ vom 15. August 1928. Dazu eine Reihe Münzen und Fotografien.

Im Jahre 1933 hat der Klempner Bauerschmidt Fahne und Knopf repariert und eine neue Urkundenkapsel angefertigt. Er verlangt für diese Arbeiten nichts. Am 12. August 1933 um ½  1 Uhr wird der Knopf durch den Schieferdecker Reich (Schmalkalden) wieder aufgesteckt.

14.) 1953  Urkunde von Pfarrer Liederwald, eingelegt am 4.September 1953 (mit

      einem Abdruck des alten und des neuen Kirchensiegels).

15.) 1960: Urkunde von Pfarrer Weiß, mit Festschrift und  6 Münzen aus der Zeit

      nach 1949. Auifgesteckt am 24. August 1960

16.) 1974: Urkunde von Bürgermeister Jäger, Urkunde von Pfarrer Heckert und

       Volker Wahl und 20 Münzen aus dem Jahre 1974.

       Aufgesteckt am 5. Oktober 1974 von Klaus Schmuck und Gustav Kroker

Der Turmknopf war inzwischen wieder einmal unten, sicherlich ist auch eine neue Urkunden eingelegt worden, darüber kann das Pfarrmat Auskunft geben.

 

 

Übersicht über die Münzen im Turmknopf

 

Nr.

Jahr

Beschreibung

1.

1719

Löwe mit Jahreszahl. Rückseite: Ornament mit Königskrone. Am Rand stark beschädigt

2.

1764

 

Zwei gekreuzte Schlüssel mit Jahreszahl und den Buchstaben K und H, Rückseite glatt‚ am Rand beschädigt 

3.

1767

 

VIII  Einen Reichstaler 1767 F.U. Fürstlich Hessische Landmünze. Rückseite: 106 2/3 Stück Eine Mark. Löwe mit Ornamenten

4.

1770

 

I Hessen Albus 1770 F. U., Rückseite FL verschlungen mit einer Krone darüber   

5.

1771

IV  Einen Reichstaler 1771, Fürstlich Hessische Landmünze. justirt,

Rückseite: 33 1/3 St eine Mark fein, Löwe mit Ornamenten

6.

1772

8 Heller 1772, Kupfermünze, Blumen neben der Zahl und unten. Rückseite: Ornamente mit Krone darüber

7.

1774

8 Heller 1774, Kupfermünze, Blumen neben der Zahl und unten. Rückseite: Löwe mit Ornamenten und Buchstaben FL verschlungen [Hessen-Cassel: Friedrich II., 1760-1785]

8.

1779

 

II Hessen Albus 1779.  Rückseite: Buchstaben Fl verschlungen mit Krone darüber

9.

1780

1 Heller 1780, Ornament unter der Zahl. Rückseite mit Löwe, sehr kleine Münze

10.

1784

48 einen Thaler LM 1784. Rückseite: Rad ähnlich einem Schiffssteuerrad, darüber Krone‚ darunter Zweige

11.

1789

4 Heller 1789, Blumen neben der Zahl und unten, Kupfermünze. Rückseite: Löwe mit Wappenschild und Krone über dem Schild

12.

1814

1 Pfennig 1814, darunter ein A. Rückseite: Kreis mit Mittelstrich‚ darüber Krone‚ seitwärts Zweige

13.

1866

 

Scheidemünze 1/4 Kreuzer 1866. Rückseite: Doppeladler im Wappenschild, darüber Krone seitwärts Zweige

 

Eine Hungermünze von 1816/1817, eingelegt am 8. September 1829     

Zwei Münzen aus der Napoleonischen Periode

 

1.

1808

3 Cent, Kupfermünze, stark abgegriffen, Jahreszahl unsicher. „König von Westphalen FR. PR“.. Rückseite: HN mit Zweigen [HN = Hieronimus Napoleon]

2.)

1812

2 Cent, Kupfermünze, Adlerkopf‚ großes C, 1812. Umschrift: „König von Westphalen, FR. PR.“, Rückseite: HN mit Zweigen (die Angabe von Menz, daß es sich um drei Münzen handle, stimmt nicht, wie der beigelegte Zettel ausweist: Zwei Kupfer-Münzen aus der Westphälischen Periode, unter Regierung des Königs Hieronymus Napoleon).                                   Stand vom 8. September 1829

 

31 Münzen aus dem Kirchenkasten(siehe oben):

 

1.

1761   

III Heller Scheidemünze 1761, Blumen neben der Zahl. Rückseite: FL sehr verschlungen mit Krone darüber [Hessen-Cassel: Friedrich II., 1760-1785

2.

1770   

I Heller 1770, Blumen neben der Zahl. Rückseite: Ornamente mit Krone. Sehr kleine und dünne Münze

3.

1762

IIII Heller Scheidemünze 1762. Rückseite: FL sehr verschlungen mit Krone darüber  [Hessel-Cassel: Friedrich II., 1760-1785]

4.

1779

VI Heller F.U. Rückseite: F mit Krone darüber 1779. Sehr kleine‚ dünne und etwas abgegriffene Münze

5.

1791

2 Heller 1791‚ Blumen neben der Zahl und unten. Rückseite: Löwe mit Wappenschild und Krone darüber, Buchstaben auf Schild [Hesen-Cassel: Wilhelm IX.,  I,  1760-1821]

6.

1796

1 Pfenning 1796, stark abgegriffene kleine Kupfermünze, deren Verzierungen auf der Rückseite nicht erkennbar sind

7.

1800

Doppeladler mit Zahl 1/2'und Jahreszahl 1800. Rückseite: Männerkopf und Buchstaben: Franc II DGRISAGEHVBOREZAA [Rußland?]

8.

1801

1 Pfennig 1801 mit Blume darunter. Rückseite: Wappenschild und Buchstaben: S.W. u.E. [Sachsen-Weimar und Eisenach]

9.

1802

1 Pfennig 1802 R. F. Rückseite: Löwe mit Krone und Zweigen

10.

1813

1/2 Kreuzer 1813. Rückseite: Löwe mit Krone und Umschrift:

„....Nassauische Scheidemünz“

11.

1821

1 Heller 1821 mit Blumen. Rückseite: Adler

12.

1824

I Pfennig 1824 mit Blumen. Rückseite: Wappen mit Krone [Sachsen-Weimar-Eisenach?]

13.

1830   

3 Pfennige 1830, mittelgroß. Rückseite: Wappen und S.W.E [Sachsen-Weimar-Eisenach?].

14.

1831

I Heller 1831 mit Blumen. Rückseite: verziertes WK mit Krone [Hessen-Cassel: Wilhelm IX., II, 1821-1847]

15.

1841

1 Silbergroschen 1841, 30 (?) einen Thaler, Scheidemünze.

Rückseite: Wappenschild mit Krone und „"Kurfürstentum Hessen“

16.

  ?

wie Nr.15, aber Rückseite Männerkopf und „Friedrich III,

Koenig v. Preussen“, Jahreszahl nicht erkennbar [vor 1888]

17.

1842

1 Neugroschen / 10 Pfennige.  Rückseite: Wappen mit Krone

und „K. S. Scheidemünze 1842“

18.

1843

1 Heller 1843, Kurhessische Scheidemünze. Rückseite:

Löwe im Wappenschild mit Krone und „360 einen Thaler“

19.

1847

1 Heller 1847,  Kurhessische Scheidemünze, Rückseite wie 18

20.

1850

1 Heller mit Blumen, Jahreszahl könnte auch 1830 sein. Rückseite: Löwe im Wappenschild mit Krone und „G.H.K.M.“

21.

1851   

1 Silbergroschen 1851, Umschrift: „360 einen Thaler, Scheide

Münze“. Rückseite: Doppeladler auf Wappenschild mit Krone, Umschrift „Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen

22.

1861   

Heller 1861 mit Blumen. Rückseite: Adler mit Umschrift: „Scheidemünze der Freien Stadt Frankfurt“

23.

1862   

1 Pfennig 1862 Scheidemünze. Rückseite: R mit Krone [Hannover: Georg V., 1851-1866]

24.

1865

1 Pfennig 1865 Scheidemünze. Rückseite: Wappen, Krone, Zweige

25 -31.

 

 

Münzen des deutschen Reiches, jeweils mit Adler auf Rückseite. Werte mit Jahreszahl: 1 Pfennig (1889), 2 Pfennig (1874), 5 Pfennig (1898), 10 Pfennig (1891), 20 Pfennig (1876, klein), 20 Pfennig (1888, groß, Adler etwas anders)

 

Vier Münzen aus der Inflationszeit:

 

1.

1921

10 Pfennig Deutsches Reich. Rückseite: Adler

2.

1921

50 Pfennig Deutsches Reich, Rückseite: Garbe mit „Sich regen,

bringt Segen“

3.

1922

3 Mark Deutsches Reich. Rückseite: Adler mit „Verfassungstag

11. August 1922“

4.

1923

200 Mark Deutsches Reich. Rückseite: Adler mit „Einigkeit

und Recht und Freiheit“

 

29 Banknoten aus der Inflationszeit

 

1.

50 Pfennig Kreisnotgeld Schmalkalden

15.03.1917

2.

5 Mark Darlehnskassenschein, Reichsschuldenverwaltung

01.08.1917

3.

20 Mark

20.02.1918

4.

10 Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektorium

06.02.1920

5.

2 Mark Darlehnskassenschein, Reichsschuldenverwaltung.

01.03.1920

6.

50 Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektorium

23.07.1920

7.

100 Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektorium

01.12.1920

8.

500 Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektorium

07.07.1922

9.

50 000 Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektorium

19.11.1922

10.

5 000 Mark

02.12.1922

11.

1 000 Mark (Überdruck: Eine Milliarde Mark)

15.12.1922

12.

100 000 Mark

01.02.1923

13.

20 000 Mark

20.02.1923

14.)

1 Million Mark

20.02.1923

15.

20 Millionen Mark

25.07.1923

16.

50 000 Mark

09.08.1923

17.

100 000Mark Kreisgeld (mit Bemerkung von Menz)

15.08.1923

18.

1 Million Mark Privat-Notgeld Oskar Holland-Cunz

15.08.1923

19.

500 000 Mark Kreisgeld

15.08.1923

20.

1 Million Mark Kreisgeld

15.08.1923

21.

5 Millionen Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektion

20.08.1923

22.

10 Millionen Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektion

22.08.1923

23.

100 Millionen Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektion

22.08.1923

24.

50 Millionen Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektion

01.09.1923

25.

1 Milliarde Mark Reichsbanknote, Reichsbankdirektion

05.09.1923

26.

500 Millionen Mark, Deutsche Reichsbahn

22.09.1923

27.

1 Milliarde Mark, Reichsbanknote, Reichsbankdirektion

20.10.1923

28

50 Milliarden Mark, Eisenbahnhauptkasse Cassel

24.10.1923

29.

5 000 Mark Gemeinde Spar- und Leihkasse in Steinbach-Hallenberg

1923

 

Brot- und Fleischmarken im Turmknopf:

1.) 1 Pfund Brot oder 360 Gramm Mehl von 1917 (hellgrau)

2.) 1 Pfund Brot oder 350 Gramm Mehl von 1920 (rötlich)

3.) Brotkarte Nr......    von 1921 (rötlich)

4.) 10 Fleischmarken für 1 Pfund Fleisch (vgl. Rückseite)

 

Sechs Münzen aus der Zeit nach 1949

 

1.

  1 Pfennig Deutschland

 

Ähre, Zahnrad           

1952

2.

  5 Pfennig  Deutschland

 

Ähre, Zahnrad           

1949

3.

10 Pfennig Deutschland

 

Ähre, Zahnrad           

1950

4.

50 Pfennig Deutsche Mark

Demokratische Republik Hammer und  Zirkel im Ährenkranz und DDR-Emblem

mit Eichenblatt

1958

5.

  1 Deutsche Mark

mit Eichenlaub

1956

6.

  2 Deutsche Mark

mit Eichenlaub

1957

 [Nr.1-3 etwa seit 1972 nicht mehr gültig, die anderen waren 1974 noch gültig])

 

 

 

Nr.  35: 20 Münzen aus dem Jahre 1974                  (Nr.  1-3 nicht mehr gültig)

 

1.

1 Pfennig

Deutschland. Rückseite: Hammer, Zirkel, Ähren,

1953

2.

5 Pfennig.

Deutschland. Rückseite: Hammer, Zirkel, Ähren

 

3.

10 Pfennig           

Deutschland. Rückseite: Hammer, Zirkel, Ähren

1952

4.

1 Pfennig

mit zwei Eichenblättern. Rückseite: DDR-Emblem

1968

5.

5 Pfennig

mit zwei Eichenblättern. Rückseite: DDR-Emblem

1968

6.

10 Pfennig

mit einem Eichenblatt. Rückseite: DDR-Emblem

1968

7.

20 Pfennig

mit einem Eichenblatt. Rückseite: DDR-Emblem, messingfarben

1971

8.

5 Mark

„XX Jahre DDR“, messingfarben      

1969

9.

5 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: Brandenburger Tor  

1971

10.

5 Mark           

mit DDR-Emblem. Rückseite: Meißen         

1972

11.

10 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: Buchenwald

1972

12.

10 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: X. Weltfestspiele      

1973

13.

10 Mark

Deutsche Demokratische Republik.  Rückseite: Alles mit dem Volk, alles für das Volk, 1949/1974 mit DDR-Emblem

1974

14.

20 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: Heinrich Mann

1971

15.

20 Mark

Deutsche Demokratische Republik.  Rückseite: Alles mit dem Volk, alles für das Volk, 1949/1974 mit DDR-Emblem. Diese Münze ist sehr selten. Die erste wurde gestiftet von Kirchenvater Fritz Recknagel, die zweite von Erich Bahner, Kirchplatz  6; diese ist eine Ausgabe für Sammler und durch einen durchsichtigen Klebestreifen gekennzeichnet. Herr Bahner hat auch bei der Bestimmung der alten Münzen sehr geholfen.

1971

16.

20 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: Ernst Thälmann

1971

17.

20 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: Friedrich Schiller      

1972

18.

20 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: Wilhelm Pieck

1972

19.

20 Mark

mit DDR-Emblem. Rückseite: Otto Grotewohl (Zahl größer)

1973

20.

 

Medaille „Steinbach-Hallenberg, Thür. Wald“, Bild: Hallenburg

 

Die Kosten für die Münzen in Höhe von 170,56 Mark wurden zum Teil von Einzelpersonen aufgebracht, zum Teil in der Kirche bei der Ausstellung der Urkunden und beim Wiederaufsetzen des Turmknopfes gesammelt.

 

 

Fotografien im Turmknopf

Am 12. August 1933 wurden in den Turmknopf eingefügt: Sechs zeitgeschichtliche Aufnahmen aus dem Jahre 1933, welche Herr Dentist Korzik (?) zur Verfügung stellte ([Handschrift Pfarrer Kirchner):

 

1.

13. März 1933,  3 Uhr

Flaggenhissung [Rathaus]

2.

Sonnabend, 11. März 1933, 12 1/2 Uhr

Absetzung des Bürgermeisters Henze

3.

Sonnabend 11.3.1933, 13 Uhr

Kreisleiter Otto Recknagel ruft zum kommissarischen Bürgermeister Pateigenosse Bernhard Recknagel aus

4.

13. März 1933, 3 Uhr

Reichsstatthalter Saukel spricht anläßlich der Flaggenhissung vorm Rathaus

5.

7. Juli 1933

Prinz Philipp von Hessen besucht die Steinbacher Kirche, links Pfarrer Kirchner

6.

27. Juli 1933.

Turmknopfabnahme. Aufnahme: Hanns Werner Menz, Hauptstraße 42

 

[Anmerkung: Ein Bild der Turmknopfabnahme von 1906 befindet sich in der Pfarreichronik, ein Bild von 1960 im Pfarrarchiv und auf der Kirchenkasse und auf der Webseite „peterheckert.org“ bzw. „peterheckert.de“, Link Thüringen und Steinbach-Hallenberg.

 

 

 

Anhang: Konfirmanden Steinbach-Hallenberg Unterstadt

Die Bilder  sind zu finden unter „Kirchengeschichte“ (bebildert)

 

1968, 1969,  1969,   1969,    1970,   1971,   1972    1973,    1974,  1975,    1976,    1977,

1978,   1979,    1980,   1981,   1982,   1982,   1983,   1984,   1984,    1985,    1986,    1987.

 

 

 

A n h a n g

 

Kirchenväter und Heiligenmeister:

Die „Kirchenväter“ waren die Vertreter der Kirchengemeinde entsprechen den heutigen Kirchenvorstehern, allerdings in weit geringerer Anzahl. Später waren sie gleichberechtigte Mitglieder im Kirchenvorstand, standen aber dem Pfarrer in kniffligen Fragen zur Beratung zur Verfügung stehen oder auch einmal etwas entscheiden, wenn es sich nicht lohnt, den ganzen Kirchenvorstand zusammenzurufen. Sie hatten also eine besondere Vertrauensstellung.

Die Heiligenmeister hatten alles zu besorgen, was mit dem Altar zusammenhängt wie Altar herrichten, Kerzen besorgen und anzünden, Abendmahlsgeräte, beim Abendmahl asssitsieren und den Klingelbeutel herumtragen. Dieses Amt gab es früher in allen Gemeinden und wird auch heute noch in Steinbach-Hallenberg ausgeübt.

Der erste bekannte Heiligenmeister ist Hans Häfner, Hammerschmied in der Roten Mühle. Doch Heiligenmeister werden schon nach der Zerstörung Springstilles als Verwalter des Pfarrguts erwähnt. Bei der Visitation von 1555 ist von ihnen die Rede. Am Friedhofstor werden sie mit aufgeführt. In der Kirchenrechnung werden sie 1630 und 1633 erstmals erwähnt. Dort steht auch, daß der lutherische Pfarrer am Neujahrsabend einen Heiligenmeister macht. Gelegentlich war ein Heiligenmeister gleichzeitig Kastenmeister. Von 1715 bis 1752 und 1835 bis 1882 sind uns die Namen fast vollständig überliefert, für die Zwischenzeit ohne Jahreszahlangabe.

Das Amt scheint sehr begehrt gewesen zu sein und gerade von den „besseren“ Leuten angestrebt worden zu sein. Dennoch wurde z.B. 1860 der Vizebürgermeister Caspar Holland-Cunz nicht gewählt. Die Einführung ging folgendermaßen vor sich: Am Christtag schlug der abgehende Heiligenmeister mehrere junge Männer den Kirchenvätern vor. Wenn diese keine Einwände hatten, konnte er einen auswählen und ihn um Übernahme des Amtes bitten. Am Neujahrstag wurde der Gewählte dann vom alten Heiligenmeister in seiner Wohnung abgeholt und im lutherischen Pfarrhaus den Kirchenvätern vorgestellt. Dort verpflichtet ihn auch der Pfarrer mit Handschlag auf sein Amt.

 

1651

 

Hans Reinhard Klein, Volker Rothämel, Christoph Holland-Nell, Nicolaus Usbeck

 

1675

 

Hans Albrecht

 

1724

Caspar Dietzel (Schlosser), Johannes Rothämel (Schuster), George König (Schuster), Johannes Reumschüssel (Schlosser), Johann George Faßler (Gabelschmidt) ist reformierter Kirchenvater

 

1734

Johannes Faßler, Christoph Neues

1736

Kaspar Dietzel, Valtin Holland

1792

Christian Holland-Letz, Christian Fassler, Matthäus Jäger, Matthäus Bühner, Georg Kaufmann in Altersbach, George Schatz in Rotterode, Johannes Bauerschmidt, Christian Recknagel in Unterschönau, Friedrich Christoph Jäger

 

1837

 

Caspar Wilhelm, Georg Menz‚ Johannes König und von reformierter Seite Georg Friedrich Holland-Jopp

 

1898

 

Karl August Jäger

 

1906

Johannes Friedrich Recknagel (Kirchrechner), Julius König,  Karl August Jäger, Karl Friedrich Motz, Guido Recknagel, Christian August Endter. Reformierte Kirchenväter: Reckenbeil, Pfannstiel

 

1953

Gustav Adolf König (Moosburg 9, Vize-Bürgermeister), Gustav Pfeffer (Moosbach 24), Robert Wirth (Kälberzeil 27),  Emil Endter (Hauptstraße 37), Ferdinand Marr (Erbstal 43), Oskar Luck (Bahnhofstraße 36)

 

1960

 

Emil Endter, Gustav-Adolf König  Wilhelm König, Oskar Luck, Ferdinand Marr, Robert Wirth sowie Karl Bube, Walter Büchel, Gustav Holland, August Huhn, Kurt Menz, Walter Pfannschmidt‚ Max Rattunde, Fritz Recknagel‚ Ernst Reitzig, Kurt Schade.

Altersbach: Kirchenväter Gottlob Gerlach und Hermann Wilhelm sowie Valentin Bauerschmidt und Oskar Gerlach. Rotterode: Kirchenväter Hugo Holland und Oskar Werner sowie Wilhelm Häfner und Friedrich Holland-Moritz. Kastenmeister ist Willi Reumschüssel, Kirchendiener Otto Hahn.

 

1974

Karl Bube ( Moosburg 16), Karl Holland-Moritz (Rotteroderstraße 35), August Huhn ( Kirchplatz 10), Max Rattunde (Kirchplatz 30), Fritz Recknagel (Karl-Marx-Straße 4), Kurt Schade (Hauptstraße 45), Lothar Kauffmann (Altersbach, Hügel 2), Hermann Wilhelm (Altersbach, Hauptstraße 7), Hugo Holland (Rotterode, Steinbacher Straße 54), Oskar Werner, Bergwiese 1

 

 

Der Kirchenvorstand besteht 1960  aus:

Pfarrer Friedrich Liederwald, Pfarrer Werner Weiß.

Kirchenväter: Emil Endter, Gustav-Adolf König  Wilhelm König, Oskar Luck, Ferdinand Marr, Robert Wirth sowie Karl Bube, Walter Büchel, Gustav Holland, August Huhn, Kurt Menz, Walter Pfannschmidt‚ Max Rattunde, Fritz Recknagel‚ Ernst Reitzig, Kurt Schade.

Altersbach: Kirchenväter Gottlob Gerlach und Hermann Wilhelm sowie Valentin Bauerschmidt und Oskar Gerlach. Rotterode: Kirchenväter Hugo Holland und Oskar Werner sowie Wilhelm Häfner und Friedrich Holland-Moritz. Kastenmeister ist Willi Reumschüssel. Kirchendiener Otto Hahn.

 

 

 

Anhang: Allgemeine Erläuterungen

 

Einwohner:

Nicht jeder Bewohner des Ortes war auch „Nachbar“, ein Ausdruck, der hier immer wiedergegeben wird mit „Einwohner“. Nur diese waren echte und stimmberechtigte Ortsbürger.

Sie hatten „eigenen Rauch“, eine eigene Feuerstätte, also das Recht auf einen eigenen Haushalt und eine Familie. Das Zeichen für den echten Bürger war auch der lederne Feuerlöscheimer. Wer von auswärts kam, mußte eine Gebühr zahlen, um „Nachbar“ zu werden.

 

„Fröner“ sind Frondienstleistende, die kostenlos Handarbeit leisten e und Fuhren mit dem Fuhrwerk mußten (Hand- und Spanndienste). Nicht alle Einwohner waren zu solchen Diensten verpflichtet, sondern nur, wer ein „Erbe“ hatte, also einen Handwerksbetrieb oder einen größeren Bauernhof mit Pferden, denn es waren ja oft schwere Fuhren über größere Strecken zu fahren („Erbe“ ist an sich ein Flächenmaß für Ackerflächen). Es gab eine „gemessene Fron“, die auf eine Anzahl von Tagen beschränkt war, und auch die „ungemessene Fron“. Wer Mieter beim Landesherrn war, mußte auch fronen. aujsgenommen vond er Fron waren aber Beamte und Geistliche.

 

„Hausarme“ sind arme Menschen, die sich ihrer Armut schämen und nicht auf den Straßen betteln ( im Grunde sind es die offiziell anerkannten Sozialhilfeempfänger). Davon zu unterscheiden sind die fremden Bettler, gegen die 1737 ein Bettelvogt (an sich ein Dorfpolizist) bestellt wird, der eine scharfe und genaue Aufsicht auf die Herumtreiber haben sollte und keine „Einschleicher“ vor den Türen herum gehen lassen sollte.

 

Verwaltung:

Steinbach gehörte ursprünglich zur Grafschaft Henneberg und später zu deren Teilgebieten. Als die Henneberger aber 1583 ausstarben, fiel die Grafschaft an Sachsen. Schmalkalden wurde hessischer Alleinbesitz, nachdem die Hessen seit 1360 Mitbesitzer von Henneberg waren. Das Amt Hallenberg kam in den gemeinsamen Besitz des Kurfürstentums Sachsen und der Herzogtümer Sachsen, die eine gemeinschaftliche Regierung für die ehemalige Grafschaft Henneberg in Meiningen unterhielten. Im Jahre 1588 wurden die Ämter Hallenberg und Kühndorf zusammengelegt und durch einen Amtsvogt, der seinen Sitz auf Schloß Kühndorf nahm, gemeinschaftlich verwaltet.

Die sächsische Herrschaft im Amt Hallenberg währte nur wenige Jahrzehnte, dann traten die Landgrafen von Hessen-Kassel an ihre Stelle: Durch den Benshäuser Vertrag von 1619 wurde die Zehnt Benshausen geteilt und das Amt gegen den hessischen Anteil an der Zehnt Benshausen ausgewechselt,.

Der Landkreis Schmalkalden hatte früher den Titel „Herrschaft Schmalkalden“, später „Kreis Herrschaft Schmalkalden“, also nicht „Grafschaft“ oder gar „Fürstentum“, sondern eben „Herrschaft“ (Davon zu unterschdeiden ist aber der Gebrauch des Wortes „Herrschaft“ für 

„Landesherrschaft, Obrigkeit, Bebörde“).

 

Der sogenannte „Zwölferstuhl“ war die Regierung der beiden verbundenen Ortschaften Obersteinbach und Untersteinbach. Er entspricht der heutigen Gemeindevertretung und bestand aus zwölf Personen. Tagungsort in der Zwölferstube im Oberwirtshaus. Die Mitglieder des Zwölferstuhls werden auch als Gerichtschöffen bezeichnet, obwohl sie an sich nichts mit Gerichtssachen zu tun hatten, aber wohl aus einem (Dorf-) Gericht entstanden sind.

Dazu gab es noch die „Dorfmeister“ und später die „Vorsteher“, also so etwas wie heutige Bürgermeister, immer zwei für die zwei Orte.  Seit 1781 hießen sie „Schultheiß“

 

Über allen aber stand der „Amtsschultheiß“, der von der Herrschaft eingesetzte Leiter des Amtsbezirks. Er hatte die anderen Amtsträger zu bestätigen und einzusetzen. In der Franzosenzeit wurden die Namen der Ämter und die Verwaltungsstruktur geändert und für Steinbach war nun die Präfektur Eschwege zuständig.

 

Rechtswesen:

Das „peinliche Halsgericht ist ein Gericht mit dem Recht, körperliche Strafen bis hin zum Tod zu verhängen. Dabei durfte auch „peinlich befragt“, also gefoltert werden.

„Exekution“ ist an sich die Vollstreckung durch einen Gerichtsvollziher bei Einziehung von regulären Steuern. Es ist aber auch Beschlagnahme von Geld und Gütern für durchziehende oder einquartierte Soldaten.

„Landknechte“ sind Polizisten der Herrschaft

„Freiboten“ sind Gerichtsboten.

 Das Wort„weisen“ heißt: das Urteil sprechen, für Recht erklären, Auskunft über Rechtsverhältnisse erteilen (Zusammenfassungen war das „Weistum“).

 

Eine besondere Einrichtung war das „Rügegericht“. Es  sollte den Menschen zu einem guten Wandel gegenüber dem Nächsten und zur rechten Vorbereitung auf die ewige Glückseligkeit helfen. Dazu sollten auch treufleißige, ruhige, friedliebende, gesittete und achtbare Geistliche helfen, wie es die Steinbacher Geistlichen waren. Dadurch sollten gute Christen und gehorsame Untertanen erzogen werden. Diese alte Gerichtsverhandlung wurde 1763 wieder von Amtsschultheiß Kraut eingeführt.

 

Finanzverwaltung:

Rentkammer, fürstliche Rentkammer: Die Finanzverwaltung der Landesherrschaft.

„Ansatz“ ist an sich eine Steuer, meist eine Art „Umlage“. Dieser Ansatz wurde dann je nachdem mit einem Faktor mulipliziert (zum Beispiel mit 6).

Es gibt auch Freigüter, also abgabenfreie Güter

Ein Bauernhof ist eine „Hufe“, und dieser auch Wald dabei hat, dann gibt man das am besten als „Privatwald“ wieder im Gegensatz um Staatswald.

 

Militär:

„Kreistruppen“ sind die von den Kreisständen zu stellende Truppenverbände.

Der „Ausschuß“ war die Landmiliz, eine halbmilitärische Truppe, für die jeder Ort einige Männer zu stellen hatte.

Quartierzettel waren wichtig für die Abrechnung der Unkosten, die dann der Staat zu tragen hatte.

 

Kirche:

Die „Kirchenväter“ (auch „Kirchensenioren“) waren die Vertreter der Kirchengemeinde, entsprechen den heutigen Kirchenvorstehern, allerdings in weit geringerer Anzahl.

Die „Heiligenmeister“ hatten alles rund um den Altar zu besorgen, wie Schmuck, Kerzen, Abendmahlsgeräte, Klingelbeutel, ein Amt, das es früher in allen Gemeinden gab und das auch heute noch in Steinbach-Hallenberg ausgeübt wird.

 

Oberschönau war zwar eine eigene Kirchengemeinde, allerdings ohne eigenen Pfarrer, sondern dem Pfarrer in Steinbach zugeordnet. Unterschönau, Altersbach und Rotterode dagegen waren keine eigene Kirchengemeinde, sondern in Steinbach „einbezogen“. Die Gemeinde Viernau war nur eine „Vikarie“, keine volle Pfarrstelle.

 

Ein Pfarrer wurde der Gemeinde zunächst präsentiert, indem er eine Probepredigt hielt. Dann mußte er von der Gemeinde gewählt („confimiert“): Die Gemeinde wählte durch Abstimmung zwei Bewerber aus und einer von ihnen wurde durch das Konsistorium ernannt („investiert“) und schließlich wurde er feierlich in sein Amt eingeführt („aufgeführt“). Ordination ist die einmalige und grundsätzliche Berufung zum Pfarrer, nicht die Einsetzung in ein bestimmtes Pfarramt.

 

Als Bewerber für eine Pfarrstelle  treten immer wieder auch Lehrer auf. Diese sind aber studierte Theologen, die nur bisher keine Pfarrstelle erlangen konnten. Lehrer wie Pfarrer versuchten, durch einen Wechsel der Stelle zu einem besseren Einkommen zu gelangen.

 

Ein „Adjunkt“ wurde als Helfer dem Stellinhaber beigegeben, wenn dieser zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nicht mehr voll ausüben konnte. Meist wurde ihm dabei versprochen, daß er anschließend die Stelle übernehmen könne.

 „Kirchendiener“ ist sind Kantoren und Organisten wurden, bei Betzelmann ist der Stellvertreter des Pfarrers gemeint.

 

Eine Visitation ist an sich ein Besuch, im kirchlichen Bereich verbunden mit einer Überprüfung von Kirche und Schule und ganz speziell, ob sie die römisch-katholische Konfession überwunden haben. Im Amt Hallenberg war diese Visitation im Jahre 1555.

 

Wirt:

Der Wirt mußte offenbar der Gemeinde eine bestimmte Summe garantieren und hatte dann unter Umständen seine Mühe, dieses Geld und seinen nötigen Verdienst wieder herauszuholen. Dadurch entstand dann so etwas wie ein „Wirtsrest“.

 

 

Maße:

Maß                = zwei Liter

Vierling           =  6 Liter

Viertel             = etwa sieben Liter (als Flüssigkeitsmaß).

Metze             = zehn Liter (in Kurhessen), der 28. Teil von einem Malter

Fuder              = 935 Liter (als Flüssigkeitsmaß, aber auch Bezeichnung für Wagenladung.

Schock             = 60 Stück, aber auch Wagenladung oder 560 Kilo.

 

„Gebräu“ oder „Eich“ ist der Inhalt einer „Braupfanne“, die aber eine beträchtliche Größe hatte und zum Beispiel ein Gewicht von sieben Zentern. Das „Gebräu“ ist ein Biermaß von unterschiedlicher Menge in den einzelnen Ländern, aber immer sehr viel.

 

Schuh                         = fast 30 Zentimeter

hessischer Schuh        = 31 Zentimeter

Werckschuh                 = 33 Zentimter

Ruthe                           =  rund 4 Meter, als Flächenmaß hat sie 16 Quadratmeter

(Seite 109: 143 Schuhe sind 11 Ruthen, die Ruthe  zu 13 Schuh, sonst nur 10 Fuß.

Acker                           = 150 Ruthen.

 Das (oder: der) Malter als Fruchtmaß hatte etwa 122 Liter und wog 200 Pfund, also einen Doppelzentner.

 

Währung:

Die Währungsbezeichnungen sind nicht sehr gut zu deuten. Was wie „Rthlr“ aussieht, dürften „Reichstaler“ sein, nicht Gulden. Die Abkürzung „gg.“ bedeutet „gute Groschen“- hier aber meist nur mit „Groschen“ wiedergegeben. Die Abkürzung „Xr“ bedeutet „Kreuzer“.

Die Abkürzung „d.“ bedeutet „Pfennig (= Denar).

Die Abkürzung „rt“ bedeutet auch „Taler“. Das geht aus Seite 217 hervor, wo die Abkürzung noch einmal erläutert wird mit „in Worten…Taler“). Das Zeichen, das wie ein etwas vergößertes „R“ aussieht, ist dagen die Abkürzung für „fl“ und bedeutet Gulden (Florin).

 „Agio“ ist an sich die Gebühr für das Geldwechseln, hier könnte es die Gebühr für das Umrechnen und Wechseln der verschiedenen deutschen Münzwerte sein, weil es dabei leicht zu Verlusten kommen konnte.

 

1 Reichstaler  = 1 ½ Gulden = 4 ½ Kopfstück = 30 Schilling = 90 Kreuzer.

1 Ortsgulden   = ein viertel Gulden

1 Kopfstück = 20 Kreuzer, ursprünglich mit dem Kopf der Herrschers.

Knacken: Ein Gulden hat 42 Knacken und entspricht 6 Heller.

Der Königstaler wurde auch „Philippstaler“ genannt, weil er das Bildnis des Königs Philipp von Spanien trug; er entsprach einem Gulden und 40 Kreuzer oder 5 Kopfstücke. Ein Knacken sind sechs Heller].

 

Oft wird der Wert des Geldes genauer beschrieben durch den Vergleich mit anderen Münzen:

30 Gulden zu je 20 Groschen, nämlich 16 Gulden einheimisches („herrschaftliches“) Geld und 14 Gulden allgemein umlaufendes Geld  (Courant, an sich ein vollwertiges Zahlungsmittel in Silber). Der Gulden zu 3 ½ Kopfstück gerechnet (Seite 109).

 

Ganz ausgefallen sind die Währungsbezeichnungen auf den Seiten 451 und 470 und 480: Im Jahre 1760 hätte Steinbach nach Aufteilung der Summe auf die Ortschaften 7.380 Taler zahlen müssen. Die Franzosen setzen aber einen geringeren Wert für de Münzen an, so daß die Gesamtsumme also in Wirklichkeit noch ein Drittel höher war, denn die Steinbacher mußten das Geld teurer einkaufen als es ihnen nachher angerechnet wurde:

 

 

Regulärer Kurs

Gerechneter Kurs

Französischer Dukat

 

2 Taler

Dukat

5 Taler

3 Taler 9 Batzen

„Dicke Tonn“               

2 Taler 12 Batzen

1 Taler 16 Batzen

„Pistole“

7 Taler

5 oder 6 Taler

Carlin *

 11 Taler

7 Taler 15 Batzen

* Ein Carlin ist an sich eine italienische Münze, die in Deutschland nur 10 Kreuzer wert war, aber in der Herrschaft Schmalkalden 7 Taler, wie man auf Seite 480 sehen kann).

 

Im Jahre 1651 standen die Geldmünzen in folgendem Verhältnis zueinander:

1 Dukaten      

  2 Gulden

1 Gulden

27 Groschen

1 Groschen

12 Pfennige

1 Goldgulden

5 Ortsthaler

 

Das Getreide hat gekostet:

1 Maß Roggen

4 Groschen     6 Pfennig

1 Maß Weizen

6 Groschen     9 Pfennig

1 Maß Gerste

4 Groschen     6 Pfennig

1 Maß Hafer

3 Groschen     6 Pfennig

1 Maß Erbsen

6 Groschen

 

Im Jahr 1724 erzielt das gute Geld der gängigen Münzen einen hohen Preis:

Ein Dukat ergibt 12 Kopfstück 3 Batzen. Ein alter Sächsischer, Brandenburgischer und Lüneburgischer Gulden wird den armen Leuten für 1 ½  Gulden aufgehängt, bei neuen Landesmünzen dieser Art  wird auf ein 2/3 Stück 9 Pfennig lage [?] gerechnet. Das französische Geld ist zur Zeit sehr verbreitet, und zwar so, daß auf jeden Gulden 1 Groschen und jedes 2/3  Stück 6 Pfennige lage stehet.

Weiter gibt es viele Hessen Zehner, von denen  32 einen Gulden ergeben, jedoch auf einen Gulden 9 Pfennig lage gerechnet wird. Danach sind Batzen, halbe Batzen, Weißpfennige und andere Münzen vielfältig üblich, teils mit Lage, teils ohne Lage.

 

Das Geld war 1753 sehr teuer, nämlich.

Ein Carolin [schwedische Goldmünze]

 6     Taler und 4 Kopfstück

Ein Frantz Pistol [Goldmünze, 5 Taler]

 5     Taler 2 Kopfstück

Ein Sächsischer und Lüneburger Taler 

 7 ½ Kopfstück

Ein solcher Gulden 

15     gute Batzen

Ein Frantzthaler [französische Münze]

  7     Kopfstück

Ein solcher Gulden

14     Batzen

Ein dicke Tonne [Taler]

  8     Kopfstück [umgangssprachlich] 

Ein Dukaten 

  3     Gulden 2 Batzen

 

Die Geldmünzen haben 1759 gekostet:

1. ein französischer Dukaten dann

2 Taler

2. ein Dukaten

3 Taler 9 Batzen

3. eine Pistole (Goldmünze)

6 Taler [sonst nur 5 Taler]

4. Ein Carlin (Gold- oder Silbermünze)

7 Taler 15 Batzen

 

[Ein Carlin ist an sich eine italienische Münze, die in Deutschland nur 10 Kreuzer wert war, aber in der Herrschaft Schmalkalden 7 Taler, wie man auf Seite 480 sehen kann; dort ist auch etwas über die anderen Währungswerte zu lesen].

Geldkurs im Jahr 1792:         

 

edict

current

gilt zur  Zeit 1829

1  Carolin

6 Taler  4 Groschen    

8 Taler

8 Taler   8 Batzen

1  Louisdor

5 Taler  4 Groschen     

6 Taler  9 Batzen

7 Taler 14 Batzen

1  Maxdor

4 Taler  4 Groschen     

5 Taler  6 Batzen

 

1 Ducat

2 Taler 20 Groschen    

3 Taler 12 Batzen

4 Taler  4 Batzen

1 Laubthaler

1 Taler 13 Groschen    

2 Taler 12 Batzen

2 Taler. 2 Batzen

1 Species Thaler

1 Taler   8 Groschen    

1 Taler   8 Batzen

1 Taler 16 Batzen

 

1753 [1 Reichstaler = 1 ½ Gulden = 4 ½ Kopfstück = 30 Schilling = 90 Kreuzer.

1 Kopfstück = 20 Kreuzer, ursprünglich mit dem Kopf der Herrschers].

 

Schreckenberger: Eine Silbermünze, ursprünglich bis zu einem Gulden wert, meist aber nur 1/7

                             Gulden, aber schließlich Ausdruck für eine schlelchte Münze.

Schneeberger, auch „Sitzgrosochen“ genannt: Anfangs ein Groschen, später 15 – 18 Pfennige.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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