Krippenspiel aus Bethlehem

 

Vorbemerkung:

Krippenspiele werden oft wie so eine Art Märchenspiel angesehen (deshalb werden in der Weihnachtszeit im Fernsehen so viele Märchen gezeigt). Oder das Spiel wird aufgefasst, als sei das alles so geschehen, wie es Matthäus und Lukas beschreiben. Die Maler aller Zeiten habe dann noch Weiteres dazugefügt. Mit diesem Krippenspiel „aus Bethlehem“ soll versucht werden, die Erkenntnisse der theologischen Wissenschaft zu berücksichtigen und auch einen Bogen zu schlagen zu den Fragestellungen unserer Zeit (Volkszählung, Flüchtlinge, Unterschicht, wissenschaftliche Erkenntnisse) Wer das Krippenspiel aufführen möchte, dem steht es natürlich frei, Änderungen vorzunehmen].

 

 

Erzähler:

Die ersten Christen hatten noch nicht die Bibel wie wir und auch kein Glaubensbekenntnis.

Vieles wurde nur mündlich erzählt. Es gab ja noch alte Leute, die beim Einzug Jesu in Jerusalem dabei waren, die sein Leiden und Sterben miterlebt hatten und die dann gehört hatten, wie Jesu Jünger von seiner Auferstehung sprachen. Die Gemeinde in Rom hatte natürlich den Römerbrief des Paulus, und die in Korinth gleich mehrere davon. Manche wurden auch abgeschrieben und weiterverbreitet, wie der Philipperbrief, in dem Paulus zur Freude aufruft. Und dann gab es noch eine Sammlung von Aussprüchen Jesu, die man in seiner Heimat im Norden des Landes gesammelt hatte. Aber die Sehnsucht war groß, noch mehr über Jesu, seine Taten und Worte zu erfahren. Hören wir doch einmal hinein, wie das in Bethlehem ausgesehen haben könnte.

 

1. Jakob, Benjamin und Esther unterhalten sich:

 

Jakob:

Wir verehren doch Jesus Christus als unseren Herrn. Aber warum heißt er denn „Jesus von Nazareth“? Wenn er doch der Christus, der Gesalbte Gottes sein soll, dann müsste er doch bei uns in Bethlehem geboren sein!

 

Benjamin:

Bethlehem ist „Davids Stadt“. Hier wurde der größte König Israels geboren. Auch der allergrößte König, de Gesalbte, der Messias, kann nur aus unserer Stadt kommen.

 

Esther:

Im Religionsunterricht haben wir die Weissagung aus dem Propheten Micha auswendig lernen müssen: „Du Bethlehem Ephrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. Allerdings lässt er sie plagen, bis die Frau geboren hat, die gebären soll. Das Kind aber wird auftreten und weiden in der Kraft des Herrn und in der Macht des Namens des Herrn, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen, denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, soweit die Welt ist. Und er wird der Friede sein!“

 

Jakob:

Wir fragen einmal bei dem Schriftgelehrten, der uns immer am Feiertag nach dem Gottesdienst die alten Geschichten aus der Vergangenheit unseres Volkes und die Sprüche der Propheten erzählt.

 

2. Die Schriftgelehrten:

Simeon:

Ihr habt mich gefragt, wo Jesus denn wirklich geboren ist. Da muss ich euch sagen: So genau weiß man das nicht. Aber kommt es denn so sehr darauf an, wann und wo Jesus geboren ist? Entscheidend ist doch nur, dass Gott in diesem Jesus ein Mensch wurde.

 

Elias:

Er heißt ja „Jesus von Nazareth“. Zumindest lebte er dort so lange, dass die Bezeichnung „Jesus von Nazareth“ entstehen konnte. Aber das war er schon erwachsen und die Leute wussten gar nicht so genau, wie das mit seiner Geburt und Jugend war.

 

Simeon:

Ich will euch einmal erzählen, wie ich mir das mit der Geburt Jesu vorstelle. Meiner Meinung nach muss er nämlich hier bei uns in Bethlehem geboren sein, so wie schon König David. Und seine beiden Eltern Joseph und Maria sind ja auch beide Nachkommen Davids. Nur so kann er der verheißene Messias sein.

 

Elias:

Es könnte ja immerhin sein, dass Jesu Eltern zufällig nach Bethlehem kamen und das Kind dort etwas zu früh geboren wurde. Da gab es doch einmal eine Volkszählung in Judäa, zu dem auch Bethlehem gehört. Das muss etwa in der Zeit gewesen sein, als Jesus geboren wurde. Damals wurde nämlich der Stadthalter Archelaos abgesetzt und an seiner Stelle Quirinius eingesetzt. Volkszählungen zum Zweck der Steuererhebung wurden in der römischen Praxis allerdings Aber ich stelle mir nun einmal vor, dass Jesus in Bethlehem geboren wurde. Aber auch wenn er in Wirklichkeit in Nazareth geboren wurde, dann ist er doch der Sohn Gottes. Ich verstehe das nur leichter, wenn es in Bethlehem gewesen ist.

 

Lesung:

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzet würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, als Quirinius Statthalter von Syrien war. Und jedermann, er sich schätzen, ein jeglicher in seine Stadt.

Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur

Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger.

 

 

3. In Nazareth:

 

Ausrufer:

Der Statthalter Quirinius gibt bekannt: Jeder Einwohner hat sich unverzüglich in seinen Geburtsort zu begeben oder in den Ort, aus dem seine Familie stammt. Der Kaiser will wissen, wie viele Einwohner es in seinem weltweiten Reich gibt. Deshalb hat er diese Volkszählung angeordnet. Jeder muss diesem Befehl Folge leisten, sonst gibt es Geldstrafen oder im Wiederholungsfall bringen die Soldaten den Betreffenden an den zuständigen Ort.

 

Einwohner:

Das glaubt doch kein Mensch. Der will doch nur zählen, damit er weiß, wer alles Steuern zu zahlen hat. Volkszählung ist immer verdächtig. Schon immer haben sich Menschen dagegen gewehrt, dass der Staat sich zu sehr in ihre persönlichen Dinge hineinmischt. Da wollen sie dann wissen, wie groß die Wohnung ist, wie viel man verdient, wieviel Vermögen man hat. Und am Ende wollen sie auch noch prüfen, ob man positiv zum Staat steht und die Herrschaft der Römer anerkennt.

 

Einwohnerin:

Aber was bleibt uns denn anderes übrig? Die haben doch die Macht. Der von Gott versprochene Messias, der von den Römern befreien soll, ist ja noch nicht erschienen. Wir brauchen einen starken Mann, der das Volk hinter sich versammelt und die Römer mit Waffengewalt aus dem Land treibt. Das ist nämlich die einzige Sprache, die diese verstehen.

 

Joseph:

Maria, wir müssen uns auch aufmachen. Nimm auch die Tasche mit, in der du alles für die Geburt zurechtgelegt hast. Man weiß ja nie. Damit war nicht zu rechnen, als wir uns verlobten. Und auch dass das Kind sich schon anmeldete, war nicht geplant.

 

Maria:

Auch ich kann das gar nicht verstehen. Aber ich hatte doch diese sonderbare Erscheinung und eine Stimme sprach zu mir: „Fürchte dich nicht Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen ‚Jesus‘ geben. Der wird groß sein und ‚Sohn des Höchsten‘ genannt werden. Und Gott, der Herr wird ihm dem Thron seines Vaters David geben und sein Reich wird kein Ende haben!“

 

Joseph:

Das ist alles schon seltsam. Vor allem weil auch die Rede davon war, der Heilige Geist werde über die kommen. Aber hab nur keine Angst, ich bleibe bei dir, zu zweit schaffen wir schon alles.

 

Lesung:

Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

 

4. In Bethlehem:

 

Maria:

Ich kann nicht mehr. Wir sind schon drei Tage gelaufen bis nach Jerusalem. Und die letzten Kilometer von heute Morgen bis hierher kommen mir vor wie ein ganzer Tag. Auch habe ich das Gefühl, dass das Kind sich schon regt, ich habe schon hin und wieder Schmerzen.

 

Das Paar an einem Wirtshaus:

Wir brauchen dringend ein Zimmer. Haben Sie nicht noch etwas frei?

 

Wirt (in):

In ganz Bethlehem ist nichts mehr frei. Wo nur die vielen Leute herkommen? Die können doch nicht alle von hier stammen. Das haben sie sich nicht überlegt, als sie die Volkszählung anordneten. Ich kann nichts dafür, aber unser Haus ist voll.

 

Das Paar an einem Privathaus:

Habt doch Erbarmen mit uns armen Leuten! Sie haben doch bestimmt ein Gästezimmer!

Hausbesitzer: Da sind unsere Verwandten aus dem Norden schon drin.

Joseph: Wir sind doch keine Armutsflüchtlinge, die ihre Heimat verlassen haben auf der Suche nach einem besseren Leben. Wir sind doch Menschen des gleichen Volkes. Und wir gehen ja auch bald wieder weg.

Hausbesitzer: Das sagen sie alle. Und dann stellen sie noch Ansprüche und wollen Essen und Kleidung haben und eine bessere Wohnung. Nur arbeiten willen sie nichts. Nichts da, versucht es woanders, ich bin kein Wohltätigkeitsverein.

 

Das Paar an einem Wirtshaus:

Wirt: Tut mir leid, alles ist ausgebucht!

Joseph (fleht): Helfen Sie uns, meine Frau ist hochschwanger!

Der Wirt: Dafür kann ich doch nichts!

Josef (trocken): Meinen Sie etwa, ich könnte etwas dafür?

 

Erzähler:

Das ist natürlich ein Witz, der aber ein für viele wichtiges Problem anschneidet. Maria hatte doch die Botschaft gehört, dass der Heilige Geist über sie kommen wird. Dahinter steht die Vorstellung, dass sie ohne Beteiligung eines Mannes schwanger geworden sei. Im Altertum war es üblich, einer bestimmten Person das Prädikat „geboren von einer Jung­frau“ beizulegen. So war der Kaiser Augustus angeblich ein Jungfrauensohn. Aber jeder wusste damals, dass das nicht im biologischen Sinn gemeint war, sondern nur die besondere Stellung dieser Person unterstreichen sollte. So können auch wir die Aussage „geboren von der Jungfrau Maria“ im Glaubensbekenntnis so verstehen: Jesus wurde geboren wie jeder andere Mensch, und seine Mutter war zu diesem Zeitpunkt noch jung. Deshalb ist Jesus nicht weniger der Sohn Gottes, das Sohnsein hängt nicht von dem Jungfrausein ab. Aber es wird klargestellt. Er ist „ganzer Gott“ und „ganzer Mensch“.

 

5. Im Stall:

 

Hausbesitzer:

Da kommen ja schon wieder zwei so arme Gestalten. Und die Frau scheint auch noch schwanger zu sein. Kommt zu mir herein. Ich habe zwar auch kein Zimmer mehr frei. Aber unter dem Haus ist eine Höhle für das Vieh. Da findet ihr Heu oder Stroh, und etwas warm ist es auch, denn die Nächte sind jetzt doch empfindlich kalt.

Joseph: Habt ganz lieben Dank. Der Allmächtige wird es auch lohnen.

 

Sprecher:

So wurde Jesus ganz in Armut geboren, im Stall oder in einer Höhle. Aber so wurde er auch zum Freund der Armen. Und die Tiere waren auch mit dabei, auch für die wurde er geboren, sie gehören mit zu seiner Welt

 

Lesung:

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.

 

6. Die Hirten:

Erster Hirte:

Heute ist es aber mächtig kalt. Oder kommt mir das nur so vor, weil ich traurig bin. Die ganze Welt ist kalt und ohne Hoffnung.

 

Zweiter Hirte:

Wir haben doch einen Ruf wie die Zigeuner, die Sinti und Roma, die einst aus Indien gekommen sind. Wir sind ganz unten, kein Teil der Gesellschaft. Die Wolle wollen sie natürlich haben und auch das köstliche Lammfleisch. Aber wo das herkommt, das ist ihnen egal

 

Dritter Hirte:

Das ist eben unser Schicksal. Aber ganz verloren sind wir deshalb noch nicht. Gott kennt uns und unsere Not. Eines Tages wird er auch unsere Not beenden. Wir dürfen nur nicht verzweifeln, sondern können nur glauben.

 

Erster Hirte:

Was ist das für ein heller Schein in dunkler Nacht? Gibt es denn ein Gewitter? Ich habe Angst wie noch nie in meinem Leben.

 

Zweiter Hirte:

Das ist keine Naturerscheinung, das kommt von Gott. Er will uns damit etwas sagen. Vielleicht kommt jetzt doch die große Wende.

 

Engel (Lesung):

Und des Herren Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen!“

Zugleich alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!“

 

Lesung:

Und da die Boten Gottes von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: „Lasset uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat!“ Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten und wie denn zu ihnen gesagt war. Die Botschaft ging um die ganze Welt und gelangte auch zu drei Gelehrten ganz im Osten

 

7. In Jerusalem:

 

Erster Weiser:

Da oben ist Jerusalem. Dort werden wir wohl zuerst den neugeborenen König der Welt finden. Könige kommen im Königspalast zur Welt, wo denn sonst. Wir müssen das wissen, denn wir sind Gelehrte, weise Männer aus dem Osten.

 

Zweiter Weiser:

Die Planeten Jupiter und Saturn stehen sich doch seit einiger Zeit ganz nahe, dass sie aussehen wir ein einziger Stern. Das kommt nur in größeren zeitlichen Abständen vor. Der Saturn ist der Stern der Juden und Jupiter ist der Stern eines Königs. Auch zog der Planet Jupiter in unserer Zeit insgesamt dreimal an Regulus vorbei, dem Hauptstern des Sternbildes Löwe. „Regulus“ heißt „der kleine König“, und der Löwe gilt bei allen babylonischen Sterndeutern als das Sternbild des jüdischen Volkes.

 

Dritter Weiser:

Also muss doch bei den Juden ein neuer König geboren worden sein. Und der König wohnt in Jerusalem und heißt Herodes. Er soll ein ganz übler König sein, an dessen Händen viel Blut klebt. Da wird es Zeit, dass ein anderer König kommt.

 

Erster Weiser (vor dem König):

Großer König Herodes: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Osten und sind gekommen, ihn anzubeten!“

 

Herodes:

Was sagst du da: Hier ist kein neuer König geboren! Ist vielleicht irgendwo ein neuer König geboren, der mich einst vom Thron stürzen wird? Versammelt alle Oberpriester und Schriftgelehrten und erforscht von ihnen, wo der „Christus“ geboren werden sollte.

 

Oberpriester:

Er ist geboren in Bethlehem. Denn in den heiligen Schriften steht geschrieben: „Du Bethlehem im jüdischen Lande bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas. Denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei!“

 

Herodes:

Ihr weisen Männer, wann ist denn der Stern erschienen? Meine Schriftgelehrten haben mir gesagt, er sei in Bethlehem geboren, einige Kilometer südlich von Jerusalem, Geht hin und forscht fleißig nach dem Kind. Und wenn ihr es findet, so sagt es mir, damit ich auch komme und es anbete! Aber es kam alles ganz anders.

 

 

Erster Weiser:

Da ist er ja wieder, der helle Stern. Bei dem vielen Licht in dem großen Palast haben wir ihn gar nicht mehr sehen können.

 

Zweiter Weiser:

Erst haben wir ihn von unsrem Land aus im Westen gesehen. Das war ja auch so die grobe Richtung. Aber jetzt zeigt er uns den Weg nach Süden, jetzt ist er zum „Stern von Bethlehem“ geworden. Er wird genau an der Stelle stehen bleiben, wo der neue König der Welt geboren ist.

 

Dritter Weiser:

Aber hier ist nur ein dunkler Stall. Sollte hier das Licht der Welt geboren worden sein? Doch lass uns hineingehen und vor dem Kind niederfallen und es anbeten und ihm unsre Geschenke geben.

 

Erster Weiser:

Wir haben keine großen Schätze mitgebracht: Ein wenig Gold, etwas Weihrauchharz und eine schöne Pflanze, nämlich Myrrhe. Das wollen wir dem Kind schenken als Zeichen unsrer Verehrung (kleine Pause, Musikstück)

 

Zweiter Weiser:

Ich habe er einen Traum gehabt. Da ist mir Gott erschienen und hat gesagt, wir sollten nicht wieder nach Jerusalem ziehen, König Herodes hat nur so scheinheilig getan. Er will das Kind gar nicht anbeten, sondern sieht es als Gefahr für sein Königtum an; Ein neuer König - nicht aus seinem Haus - das kann für ihn nichts Gutes bedeuten. Er will es bestimmt umbringen lassen.

 

Dritter Weiser:

Dann lasst uns auf einem anderen Weg wieder in unser Land ziehen, aber nicht über Jerusalem. Dem Kind soll und darf nichts passieren, es wird ja noch gebraucht.

 

Erzähler:

Soweit die Erzählung der Schriftgelehrten in Bethlehem, die unbedingt wollten, dass Jesus in ihrer Stadt geboren sein sollte. Das ist ihnen in unnachahmlicher Weise gelungen. Was Matthäus und Lukas später in ihren Evangelien aufgeschrieben haben, das ist ein Stück Weltliteratur geworden, das Johann Sebastian Bach in Musik gefasst hat und das in der Übersetzung Matin Luthers noch heute zu jedem Weihnachtsgottesdienst gehört.

Dabei wissen wir gar nicht einmal, an welchem Tag Jesu genau geboren wurde. Die östlichen Kirchen feiern den 6. Januar als Geburtstag Jesu. Wir feiern am 24. Dezember kurz nach der Wintersonnenwende, an dem die Römer das „Fest der unbesiegten Sonne“ gefeiert haben. Damit bringen wir zum Ausdruck: Jesus ist die wahre Sonne, das Licht der Welt!

Was aber bleibt, das ist die weltweite Zählung der Jahre „nach Christi Geburt“. Manche Völker haben zwar auch eine andere Zählung (zum Beispiel natürlich die Juden). Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass in der wissenschaftlichen Welt die Zählung verwendet wird die einmal vom christlichen Europa eingeführt wurde.

 

Man muss nicht jede Einzelheit der Geburtserzählungen glauben. Wichtig ist allein der theologische Gehalt, nämlich die Aussage: „Jesus wurde geboren wie jeder andere Mensch, aber er ist dennoch der Sohn Gottes!“ Das Entscheidende an Weihnachten ist nicht, dass Gott ein Kind wurde, sondern dass er Mensch wurde.

Die Kindheitsgeschichten Jesu sind verdichtetes Glaubenszeugnis. Die Jungfrauen­geburt ist dabei nicht das Wichtigste und nur eine vereinzelte Tradition, die nur Lukas 1 und zum Teil Matthäus 1 haben. Aber diese Aussage macht deutlich: Dieses Kind gehört ganz auf die Seite der Menschen (Sohn der Maria) - und dieses Kind gehört ganz auf die Seite Gottes (Sohn des Höch­sten).

 

 

[Regieanmerkungen: Frühzeitig mit den Proben beginnen, etwa Ende Oktober. Alles gut auswendig lernen lassen (ohne Souffleur). Den ganzen Kirchenraum einbeziehen (Kanzel für Engel, Gänge für die Weisen). Am Schluss die Kirche dunkel lassen und „Stille Nacht“ singen lassen]

 

 

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