Wachenbuchen

 

Rundgang

 

Alt Wachenbuchen“

Einen Rundgang durch Wachenbuchen kann man beginnen am südlichen Ende der früheren Hauptstraße, der heutigen Straße „Alt Wachenbuchen“.

Hier stand zwischen den Häusern Nr. 5 und 6 die Bäckerpforte. Der Durchgang war ziemlich gering, denn auf dem Ortsplan von 1906 ist die Straße durch den Bürgersteig noch an beiden Seiten eingeengt. Am 5. September 1880 genehmigt der Landrat den Abbruch der Bäckerpforte.

 

Gemeindebackhaus

Das Haus Nummer 6 war das alte Gemeindebackhaus. Ein Wappenstein mit der Jahreszahl 1692 ist an der Hofmauer noch erhalten. Er zeigt einen geflügelten Engelskopf mit den Buchstaben MM.S.HM.HB.BM.HMF.HR.MF. Der Stein wird etwa 1965 wieder in die Mauer eingefügt.

Als Bäcker sind bekannt: der Bäckermeister Johann Martin Cramer, der am 10. April 1658 stirbt (also gab es den Bäcker schon vor dem Bau des Backhauses von 1692). Im Gemeindebackofen werden 1847 der Herd und die Wölbung neu gemacht. Im Jahre 1862 erhält der Bäcker Bär das Gemeindebackhaus auf unbestimmte Zeit, muß aber den Backofen auf eigene Rechnung instandhalten. Auch 1866 wird das Gemeindebackhaus auf drei Jahre gegen Kaution von unbelasteten Grundstücken verpachtet.

Im Jahre 1905 muß das Gemeindebackhaus gründlich renoviert werden. Auf dem Haus liegt damals immer noch eine Verpflichtung zur Unterhaltung des Gemeinde-Ebers. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 900 Mark. Im Jahre 1919 wird der Backofen abgerissen und das Grundstück an Peter Puth IV. Witwe verkauft. Dieser Backofen stand wegen der Brandgefahr außerhalb der Ringmauer beim Backhaus. Die Grundfläche wird an die Witwe Kaspar Peters Puth IV. verkauft, also an die Schuhmacherei Puth, Alt Wachenbuchen 4, das heute noch zwei Grundstücksnummern hat.

Über die Besitzernamen und Hausnummern gibt das Straßenverzeichnis von 1922 Auskunft, das die alten und die neuen Hausnummer enthält. Daraus geht hervor, daß ein Backofen auf der anderen Straßenseite im Haus Nr. 5 war. Dieser neue Gemeindebackofen wird 1947 ausgebessert. Dieses Gebäude ist auf dem Lageplan von 1906 auch deutlich zu erkennen, bestand also schon damals neben dem wahrscheinlich stillgelegten Backofen auf der anderen Seite. Er stand also auch außerhalb der Ringmauer, während der Schweinestall und das Abortgebäude für das Backhaus auf dem „Innenweg“ der Mauer standen. Der Gemeindebäcker hatte ja die Verpflichtung, von seinen Abfällen den Gemeinde-Eber zu unterhalten. Alle Grundstücke sind ja Eigentum der Gemeinde und haben auch eine gemeinsame Grundstücksnummer (Backhaus, Bäckerpforte, Backofen und Schweinestall). Das Haus Nr. 6 jedenfalls geht 1949 an den Maler Wilhelm Steeg und 1980 gehört es Joseph Sussek. Erst im Juli 1972 kauft die Gemeinde fünf Quadratmeter vor dem Grundstück, wo sich inzwischen der Bürgersteig befindet.

Das Haus Nr. 8 ist zwischen 1700 und 1750 erbaut. Im Keller hatte es einen 4,50 Meter tiefen Brunnen. Auf dem Grundstück standen ursprünglich zwei Wohnhäuser: An der Westseite war noch ein schönes Fachwerkhaus, das aber nicht an der Straße stand, sondern weiter hinten im Hof. Das Haus wird aber von der Familie Stein aufgekauft. Im Jahr 1945 ist auf dem Grundstück die Schuh- und Leder­warenhandlung Ludwig Reich. Im Jahre 1954 ist Wilhelm Stein IV. der Besitzer und 1980 Johannes Borger. Auf dem Grundstück befindet sich ein landwirtschaftlicher Betrieb, der 1996 eine Scheune nordwestlich der Büchertalschule baut.

 

Gaststätte „Concordia“

Da es in Wachenbuchen nur eine einzige Wirtschaft gibt, in der der Gesangverein „Harmonie“ singt, sucht der Gesangverein „Concordia“ ein anderes Lokal. Da bietet sich der Landwirt Johannes Fischer an, seine Räumlichkeiten in der Straße Alt Wachenbuchen Nr. 10 dem Verein zur Abhaltung seiner Übungsstunden zur Verfügung zu stellen. Durch Unterstützung des Vereins gelingt es ihm, das Gasthaus „Zum Löwen“ zu eröffnen.

Als Fischer stirbt, erwirbt der Ackermann Philipp Schäfer II. die Hofraithe und es wird ihm die Konzession zur Weiterführung der Gaststätte erteilt. Das Gastzimmer befindet sich vom Hauseingang rechts und ist ausgestattet mit fünf Tischen, sechs Bänken und sechs Stühlen. Das Vereinszimmer links des Hauseingangs hat zwei Tische, vier Bänke und sechs Stühle. Der Saal ist oben und hat sechs Tische, zehn Bänke und zwölf Stühle. Außerdem gibt es im ersten Stock ein Gastzimmer mit drei Tischen, sechs Bänken und sechs Stühlen. Außerdem sind dort die Fremdenzimmer mit zwei Betten. In den Nebengebäuden hinter dem Haus sind die Stallung für einzustellende Tiere und die Scheune an der Bachstraße.

Nach dem Tod Schäfers darf seine Witwe Elise die Wirtschaft ab Ende 1887 weiter betreiben. Im Jahre 1893 darf sie auch den Saal vergrößern lassen. Die Lizenz wird am 13. Februar 1906 auch auf den Garten ausgedehnt, der gegenüber in der Bachgasse Nr. 2 ist. Der Garten wird aber 1912 an die Gemeinde verkauft, die dort eine Autohalle für den Bus errichtet (heute ist hier das Feuerwehrgerätehaus).

Im Jahre 1912 wird die Gaststätte von Wilhelm Fix übernommen. Hier handelt es sich um den Maurermeister Fix, der vorwiegend die Blendsteinhäuser in Wachenbuchen gebaut hat. Um ihn zu unterscheiden von einem anderen Maurer Fix, der die Gaststätte „Zur Krone“ führt, wird er „Meister“ genannt. Er hat auch ein schönes Haus im Hanauer Weg 8 gebaut (damals noch zur Hainstraße gerechnet wie der ganze Bereich südlich der Ringmauer), das extra hohe Zimmer hat und für eine Gaststätte geeignet wäre. Fix möchte nämlich Gastwirt werden. Er bemüht sich um eine Konzession, aber der Bürgermeister bevorzugt seinen Nachbarn Müller (Schulstraße 12), der auch eine Konzession haben will.

Fix führt 1906 zunächst ein Verwaltungsstreitverfahren: Er hat schließlich den Antrag früher gestellt als sein Konkurrent Müller. Der Fremdenverkehr in Wachenbuchen ist nicht gering. Dort verkehren jährlich mehrere Tausende von Hanauern und Frankfurtern, um den vorzüglichen Apfelwein zu trinken. Die gesetzliche Bestimmung, daß pro Gastwirtschaft 400 Einwohner da sein sollen, ist erfüllt. Zwar sind es bei 1.115 Einwohnern nur 371 Einwohner pro Gastwirtschaft. Wenn man aber die Fremden hinzuzählt, ist durchaus ein Bedarf für eine weitere Wirtschaft. Fix verweist darauf, daß er ein schönes und geräumiges Lokal erstellt hat. Der Raum in den drei bestehenden Wirtschaften ist klein und ungenügend.

Die Gemeindebehörde will die Konzession verweigern. Der Kreisausschuß lehnt die Klage gegen die Konzessionsverweigerung ab, weil kein Bedürfnis besteht. Ebenso entscheidet der Bezirksausschuß in Kassel. Auch Müllers Gesuch wird übrigens abgelehnt. Der Bürgermeister unterstellt Fix, er wolle nur seinen Neubau gut unterbringen. Fix sagt, er sei kein Unternehmer, sondern nur ein kleiner Maurer, der jetzt selber Gastwirt werden will. Er verweist auch darauf, daß Schreinermeister Müller auch nur ein Wohnhaus gebaut habe, aus dem man höchstens eine Kneipe machen könnte. In der gleichen Straße sind die Wirtschaften von Schäfer (Concordia) und Puth (Bachstraße 3) in jeweils 50 Meter Abstand. Für einen Saal ist kaum Platz. Schon die bisherigen Wirte können nicht allein von ihrer Wirtschaft leben.

So bleibt Fix nichts anderes übrig, als sein Haus zu verkaufen und die schon vorhandene Gaststätte in der Hauptstraße zu kaufen. Zum Jubiläum des Gesangvereins im Jahre 1913 gibt er seiner Wirtschaft den Namen „Concordia“.

Seit 15. Mai 1933 hat der Sohn Johannes Fix die Gaststätte. Sie hat eine eigene Schlachtung und wird gern von den Bauern besucht. Das Bier liefert die Brauerei Nicolay in Hanau, die später von der Bindingbrauerei in Frankfurt übernommen wird. Im Jahre 1972 kann man auf eine 60jährige Geschäftsverbindung zurückblicken. Damals befindet sich im Nebengebäude an der Südseite ein Kino und im Oberstockwerk eine Kegelbahn.

Jean Fix ist auch der erste Wirt, der die Kerb auf dem Festplatz durchführt. Zeitweise hat er auch einen Kiosk auf dem Sportplatz. Und schließlich ist er erster Wirt in der neu erbauten Mehrzweckhalle. Die Gaststätte ist zuletzt noch an zwei Betreiber aus Hanau und Fechenheim verpachtet, ehe sie 1986 verkauft wird.

 

Das Haus Nr. 12 ist aus dem 18. Jahrhundert. Hier befand sich auch eine Bäckerei. Ein Backofen wird 1887 neben dem Wohnhaus von Wilhelm Bär gebaut (er ist wohl der Pächter des in der Nähe gelegenen Gemeindebackhauses). Besitzer des Hauses ist 1980 Philipp Puth. Der damals noch verschindelte Ostgiebel ist jetzt freigelegt. Das Haus ist jetzt ein Schmuckstück, besonders von der Erbsengasse aus gesehen.

 

Das Haus Nr. 14 ist um 1750 erbaut, ein Fachwerkbau mit halben Mannfiguren als Eckständer. Besitzerin ist 1980 Luise Stein. Das Haus Nr. 16 ist aus der Zeit zwischen 1750 und 1800, ein typisch fränkisches Gehöft mit Eckständern in Mannform. Im Hof war ein Brunnen. Besitzer ist 1980 Heinrich Giesel, der heute ausgesiedelt ist an die Kilianstädterstraße. Das Haus Nr. 18 beherbergt 1913 das Tabakwarengeschäft von Wilhelm Müller III., später ist dort ein Friseur und ein Fotograf und auch zeitweise die Poststelle (das Haus wird heute noch „die alte Post“ genannt).

 

Das Haus Nr. 20 ist angeblich eines der beiden Häuser, die den Dreißigjährigen Krieg überstanden haben. Professor von Staden setzt es auch im 17. Jahrhundert an. Über der Haustür steht die Jahreszahl 1687. Besitzer ist 1980 Fritz Arendt. Das Haus ist bis heute verputzt, hat aber zahlreiche Streben und verzierte Eckständer.

 

Das Haus Nr. 22 ist um 1750 entstanden und wird 1980 renoviert. Besitzer ist Johann Wenzel. In diesem Haus soll Napoleon bei seinem Rückzug 1813 übernachtet haben, aber das ist nirgends belegt. Herr Wenzel hat eine große Zahl Ölbilder gemalt, unter denen auch alte Ansichten des Ortes sind.

 

 

Das Hofgut

Das Haus Nr. 13 hat eine bewegte Geschichte. Am Tor ist eingelassen der Stein mit der Jahreszahl 1576 und dem Wappen des Wilhelm von Stockheim. Dieser war Herr von Höchst an der Nidder, aus altem Wetterauer Adel. Später wird der Hof Eigentum der Familie von Edelsheim. Die Sage geht, daß der Staat Schulden hatte und die Vorfahren des Grafen von Edelsheim dem Hanauer Grafen wieder die Finanzen sanierten. Zum Dank wurde die Familie geadelt. Sie hatte in Hanau ein „Palais“ und zum Beispiel auch in Hochstadt einen Hof und einen in Rumpenheim, aus dem das Schloß entstand.

Das Verhältnis des Hofs zur Gemeinde und zur sonstigen Obrigkeit ist nicht ohne Spannungen. So führt die Gemeinde laut Staatsarchiv Marburg 1790 - 1792 einen Prozeß gegen Freiherrn von Edelsheim, weil er nicht die Steuern bezahlt. Einen weiteren Streit gibt es 1827 / 1828.

Am Dienstag, dem 16. Dezember 1817, morgens gegen fünf Uhr stirbt auf dem Hofgut Michael Hartmann, gebürtig von Hintersteinau. Er hat bei dem Pächter Geibel gedroschen. Am 3. Dezember bekommt er von dem Schäferknecht Wilhelm Bier einen tödlichen Schlag an den Kopf. Bei der am 17. Dezember vorgenommenen Sektion wird der Schlag als tödlich angesehen. Der Hirnschädel ist gesprungen. und einige Splitter werden auf dem Hirn gefunden. Hartmann wird am 18. Dezember morgens in der Stille begraben. Er soll 31 Jahre alt gewesen sein.

Im Jahre 1818 führen Wilhelm Koch und andere Beschwerde gegen die im Garten des Hof­guts errichtete Brennerei. In den Jahren 1858/59 kommt es zu einem Streit zwischen den Freiherrn von Edelsheim und der Gemeinde wegen des Losholzes. Die Gemeinde hat seit 1848 nicht mehr das doppelte Losholz zugeteilt. Die Familie von Edelsheim besteht in dieser Zeit aus Ludwig, Großherzoglich Badischer Staatsminister in Karlsruhe, Wilhelm, Großherzoglicher Badischer Kammerherr, und Leopold, Kaiserlich Königlich Österreichischer Feldmarschall und Leutnant zu Wien, derzeit in Italien. Man kann die Eigentümer also schlecht erreichen, sie lassen sich durch einen Rechtsanwalt vertreten.

Bei der Verhandlung am 8. Januar 1859 sagen die Zeugen aus, die Gemeinde habe 1848 beschlossen, von Edelsheim nur noch e i n e n Losholzteil zu geben; der Zettel sei an den Pächter gegangen und dieser habe das Holz auch abgefahren. Offenbar geht es darum, daß nicht mehr der Freiherr selber das Holz erhält, sondern der Pächter. Der aber soll nur so wie alle anderen Ortsbürger behandelt werden. Man kann aber nicht sagen, wessen Name bei der Verlosung genannt wurde. Wahrscheinlich wurde der Name von Edelsheim aufgerufen, aber den Zettel hat der Pächter entgegengenommen.

Johannes Friedrich Schmidt aus Wachenbuchen, 65 Jahre alt, sagt am 4. März 1859 aus: Ich war von 1818 bis 1854 Pächter des von Edelheim'schen Guts und habe bis 1848 stets zwei Nachbarschaftsteile Losholz bekommen. Aber ab 1848 wurde es mir verweigert. Da es von Anfang an so war, müßte es auch beim Vorgänger so gewesen sein. Aus den Akten geht nicht hervor, wie der Prozeß ausging. Es ist anzunehmen, daß es bei dem einen Anteil blieb.

Als Pächter sind außer den schon erwähnten Geibel und Schmidt nachweisbar die Familien Walz, Schönberger, Nax und Wenzel. Die Familie von Edelsheim kann nach dem Krieg wegen ihrer Verstrickung in die Naziherrschaft nicht mehr auf ihren gesamten Besitz zugreifen und ist gezwungen zu verkaufen. Den alteingesessenen Bauern gelingt es, die besten Ländereien zu einem günstigen Preis zu kaufen (15 Hektar am Braunsberg).

Den Hof aber kauft die Familie Werner Hanstein, die wegen der Braunkohlewirtschaft ihren Hof in der Nähe von Borken aufgeben mußte. Die Familie hätte auch gern auf dem zum Hof gehörenden „Klapperfeld“ (zwischen Mittelbucher Straße und Bleichstraße) einen Aussiedlerhof errichtet. Da aber die Nassauische Siedlungsgesellschaft das Vorkaufsrecht hat und die Gemeinde die Grundstücke zu Bodenreformland erklärt, kann der Hof nur ohne das Gelände am Klapperfeld gekauft werden. Am 15. Februar 1951 zieht die Familie auf dem Hofgut ein.

Die Gebäude sind damals sehr verwahrlost. Die Scheune ist 1949 niedergebrannt. Das Haus ist an sich ein Fachwerkhaus, aber immer schon verputzt gewesen. In den fünfziger Jahren wird es neu verputzt, und die Fenster werden versetzt.

Herr Hanstein führt zunächst seine Viehzucht weiter. Nach einem Jahr stellt er den Betrieb um auf Milchvieh. Die 70 Kühe werden von einem Melker betreut, der oben rechts in dem Querbau wohnt. Hinten im zweiten Hof sind weitere Wohnungen. Im Jahre 1952 hat der Betrieb Hanstein einen eigenen Bullen und wird deshalb von der Deckumlage freigestellt. In den Jahren 1959/1960 wird auf Hühnerzucht umgestellt und auch die Verkaufsstelle auf dem Hof eingerichtet.

 

„Wenn der Kirchturmhahn nach seinen Hennen (bei Hanstein) guckt, gibt es schlechtes Wetter!“ das kommt nämlich meist aus Südwesten (Johannes Wenzel, Alt Wachenbuchen 22)

 

Herr Hanstein ist in verschiedenen landwirtschaftlichen Gremien und ruft den Wasser- und Bodenverband Hanau-Land ins Leben (heute: Wasser- und Bodenverband Main-Kinzig-Kreis). Dieser kümmert sich nicht nur um wasserwirtschaftliche Aufgaben, sondern verleiht auch landwirtschaftliche Großmaschinen preisgünstig an die Mitglieder. Zu diesem Zweck wird am Simmichtsweg die große Maschinenhalle gebaut. Für seine Verdienste wird Herr Hanstein mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Der Hof selber hat eine 1988 errichtete Maschinenhalle auf der sogenannten Leustatt (eigentlich: Leuchtstatt) südlich der Straße nach Mittelbuchen. Dort hat das Gut heute einen großen Besitz. In der Flur findet man hin und wieder noch Gütersteine mit der Aufschrift „VE“, also „von Edelsheim“. Einer dieser Steine ist auch im Stadtmuseum. Diese Steine sind meist nach unten spitz zulaufend und oben rund. Sie finden sich aber nicht nur dort, wo das Gut heute Besitz hat, weil ja die Gemarkung 1906 erst neu aufgeteilt wurde (weitere Information über das Hofgut im Kapitel „Landwirtschaft“).

 

In der Scheune des Hofguts war eine kleine Öffnung in Form einer Schießscharte, die eine Beobachtung des Eingangs zum Rathaus zugelassen hätte. Bürgermeister Happ fühlt sich dadurch gestört, so daß die Öffnung zugemauert wird. Sie ist aber heute noch zu erkennen.

 

An der Scheune des Hauses Nr. 11 steht: „Erbaut von Michael Moischi, 1801, und Anna Markreta M.S.“ Am Kellerhals steht „W P 17 - 79“, aber es ist nicht sicher, ob diese Inschrift zuverlässig ist.

 

Das Haus Nr. 9 hat am Torpfosten die Inschrift „1770 F.ME“. Die Inschrift über der Tür gibt nähere Auskunft: „Mich bauten Friedrich Mefert und Anna Mariam 1786“. Im Jahr 1980 geht das Haus an Johann Stehli, danach wird das Fachwerk freigelegt.

 

Das Haus Nr. 7 ist etwa 1790 erbaut. Im Volksmund sagt man dazu „es Borschemaasters“, weil hier der Bürgermeister Kaspar Stein gewohnt hat. Im Unterstockwerk war ein Laden, im Oberstockwerk soll ein kleiner Saal gewesen sein. Am 22. März 1945 wird das Unterstockwerk von einer Granate getroffen und muß total erneuert werden. Die Scheune auf der Südseite wird abgerissen.

 

Erbsenstraße

Das Haus Erbsenstraße 1 ist ein Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert, die Gesimsprofile sind einfach verziert. Besitzerin ist 1980 Frau Gertrud Schäfer. Hinter dem Haus beginnt die Ringmauer, die durch den Abriß von Häusern und Scheunen hier noch gut zu sehen ist. Hinter dem Haus Erbsenstraße Nr. 9 ist sogar noch der „Innenweg“ vorhanden, auch wenn er überbaut ist. Ein Stück Ringmauer wird 1904 für 30 Pfennig pro Quadratmeter verkauft, damit die Scheune verändert werden kann. Der „Innenweg“ ist seitdem überbaut. An dieser Stelle der Ringmauer ist auch noch eine Schießscharte erhalten. Im Hof des Hauses war ein 10,50 Meter tiefer Brunnen. Auf dem Grundstück befand sich die Diamantschleiferei Johannes Puth und Söhne. Heutiger Besitzer ist Hans Puth. Die Ringmauer läuft dann hinter den Häusern auf der südlichen Seite der Erbsenstraße her bis zur Friedhofsmauer.

 

Das Haus Nr. 2 trägt am Tor die Jahreszahl 1803 und die Buchstaben „HK“. Nähere Auskunft gibt die Inschrift über der Haustür: „Dies Haus hat erbaut Henrich Koch und seine elige Haus­frau Anna Katharina, Anno 1802, den 4 ten Juli“ (elige = eheliche). An der Ecke des Hauses war früher ein Ausguckfenster, das 1972 noch vorhanden ist. Die Scheune ist von 1770 und hat einen geschnitzten Balken.

 

Das Haus Nr. 4 ist aus dem 18. Jahrhundert. Der Besitzer ist 1980 Rudolf Linke. Damals ist das Haus noch verputzt, heute ist das Fachwerk freigelegt. Auch dieses Haus hatte ein Ausguckfenster.

 

Das Haus Nr. 6 ist auch aus dem 18. Jahrhundert. Besitzer ist 1980 Walter Schories, das Haus ist schon damals mit Eternit verkleidet.

 

Das Haus Nr. 13 ist von 1732, wie auf dem abgebrochenen Kellereingang stand. Besitzer ist 1980 Adalbert Voigt. Das Haus ist aber noch verputzt. Im Haus Nr. 15 bestand 1949 der Bau- und Kunststeinbetrieb Wilhelm Schmidt II.

 

 

Das Haus Nr. 17 ist eines der malerischsten in Wachenbuchen. Das Wohnhaus ist von 1770. Auf dem verzierten Scheunenbalken steht: „Johann Nikolaus Schmit und seine Ehefrau Anna Margareda. Die zwei haben mich erbaut im Jahr den 5. Mai 1774“. Am Torpfosten steht „Joh. Koch 1893“. Im Haus wohnte der Schuhmacher Heinrich Koch, dessen Geräte heute im Stadtmuseum erhalten sind. Vor dem Haus war der gemeindeeigene „Erbsenbrunnen“, rund 7,50 Meter tief, dessen Abdeckung noch zu sehen ist.

 

Das Haus Nr. 19 ist ein Fachwerkbau mit Zwerchwalm aus der Zeit um 1800. Besitzer ist 1980 Wilhelm Mossel. Nur an der Nordseite ist noch das Fachwerk zu sehen, sonst ist das Haus umgebaut. An der Ecke ist ein Radabweiser.

 

Über der Tür des Hauses Nr. 8 steht „HS 1686“. Das Haus gehört 1980 Hans Bohlinger.

 

Das Haus Nr. 10 ist von 1731 (der Stein mit der Jahreszahl ist jetzt verputzt). Die Scheune ist von 1887. Besitzer ist 1963 und 1980 der Schmied Georg Walter, das Wohnhaus ist damals verputzt.

 

Das Hauptgebäude des Hauses Nr. 12 ist von 1771. So lautet die alte Inschrift über dem Kellereingang „17 DL 71“. Im neuen Putz ist die Jahreszahl 1760 eingekratzt. Die Mannfiguren des Fachwerks „schließen“ nicht mehr. Das Gehöft war früher sehr malerisch. Die Nebengebäude sind noch früher erbaut, dort war einmal eine Diamantschleiferei. Besitzer ist 1980 Otto Mertens.

 

Das Haus Nr. 21 ist aus der Zeit zwischen 1700 und 1750. Besitzerin ist 1980 Irmgard Kaiser.

 

Friedhof

Früher wurde ja nur rund um die Kirche bestattet. Aber schon 1813 überlegt man, ob man nicht einen neuen Friedhof anlegen kann. Am 20. Oktober 1813 bricht nämlich ein großes Sterben aus. Innerhalb von drei Monaten gibt es 40 Beerdigungen. Ursache ist eine Typhusepidemie, die infolge der Kriege das ganze Gebiet erfaßt. Dazu kommt der kälteste Winter seit Menschengedenken. Viele Tote werden in der Stille begraben. Auf dem Kirchhof gibt es bald kaum noch einen freien Platz.

Es wird deutlich, daß ein neuer Friedhof angelegt werden muß. Im Staatsarchiv Marburg befinden sich die Akten über den neu anzulegenden Totenhof von 1814 bis 1820. Aber erst 1832 wird der neue Friedhof außerhalb des Ortes angelegt und genutzt.

Doch schon 1861 ist dieser Friedhof bis auf eine Grabstelle voll. Man erwägt, die Mauer abzubrechen und unten ein Stück hinzuzukaufen, nämlich Michael Steins Garten. Auch bei der Zusammenlegung 1903 überlegt man eine Erweiterung des Friedhofs nach Norden zu. Das für den Totenhof vorgesehene Grundstück soll 1910 wieder für 8.000 Mark verkauft werden, weil dort viele Obstbäume stehen. Dafür soll ein Grundstück von den Oswald'schen Erben für 5.475 Mark gekauft werden.

Das Amt der Totenfrau geht 1923 von Frau Füssel auf Frau Emma Hofmann über. Sie übt das Amt bis 1951 aus, bis am 9. Juli 1951 Frau Käthe Schlegel Totenfrau wird.

Im Jahre 1928 wird Philipp Schäfer Friedhofswärter. Ein „Gräberkasten“ wird 1934 ange­schafft, damit die Gräber nicht mehr zusammenrutschen können. Neuer Totengräber wird Heinrich Weilbächer.

Einen Leichenwagen will die Gemeinde schon 1929 beschaffen. Aber angeschafft wird er erst 1936. Bis dahin wurden die Särge offenbar vom Haus zum Friedhof getragen. In der Kirchhofstraße Nr. 3 wird ein Holzstall abgerissen und eine Unterstellmöglichkeit geschaffen. Den Wagen soll erst Wilhelm Giesel fahren, ab 1938 fährt ihn Kaspar Giesel.

In diesem Jahr wird auch wie überall in Deutschland eine Musterfriedhofsordnung erlassen. Gemeinderat Wilhelm Mossel wird Mitglied der Friedhofsverwaltung.

Auch in der Orientierungsschrift von 1966 spricht man davon, daß der Friedhof wird erweitert werden müssen. Die Kirchengemeinde möchte 1970, daß die bürgerliche Gemeinde den Fried­hof übernimmt. Aber erst 1985 ist der alte Friedhof voll belegt. Am Weg in Richtung Kilianstädten kauft man deshalb ein größeres Grundstück, um einen neuen Friedhof anzulegen. Mit der Belegung wird 1986 begonnen, eine Trauerhalle wird 1988 errichtet.

 

Die Friedhofsmauer ist noch ein gut erhaltenes Stück der Ringmauer. Man erkennt auch noch den Ansatz eines Turmes mit einem Fenster. Etwas weiter links ist noch einmal ein Guckfenster zu erkennen. Die Ringmauer verläuft dann hinter den Häusern östlich der Friedhofstraße her und biegt dann ab hinter die Häuser am Rübenberg Nr. 10 und Nr. 6 und Herrengasse Nr. 13 und 17.

 

Kirchhofstraße

Das Haus Kirchhofstraße 17 ist aus der Zeit zwischen 1700 und 1750 und hat teilweise leichte Überhänge. Im Jahre 1928 ist dort die Spenglerei Wilhelm Stock. Besitzer ist 1980 Wilhelm Heck. Das Fachwerk ist inzwischen freigelegt bzw. erneuert.

 

Im Haus Nr. 10 war früher der Bauernhof Wenzel, der heute ausgesiedelt ist an den Hanauer Weg. Herr Wenzel hat die Bücher der Viehkasse geführt und aufbewahrt.

 

Das Haus Nr. 8 hatte über dem Kellereingang die Inschrift „Renovatum 1740“, die aber heute durch Putz verdeckt ist. Am Tor steht die Jahreszahl 1772 auf dem Stein. Das Haus hat typisches Fachwerk aus dieser Zeit. Es hat einen Überhang, die Mannfiguren im oberen Teil sind allerdings zu Knaggen reduziert. Besitzer ist 1980 Heinrich Krimmelbein.

 

Das Haus Nr. 15 ist 1980 eine Fachwerkscheune aus dem 18. Jahrhundert, die als Lager genutzt wurde. Inzwischen ist das Haus total neu gebaut worden und auf alt zurechtgemacht.

 

Das Haus Nr. 13 steht hinter den anderen Häusern und ist auch neu gebaut. Es war früher der Hof Borger mit einem Brunnen am Stallgebäude. Der Neubau wird von der Familie Pinkel errichtet.

 

Das Haus Nr. 11 ist angeblich vor dem Dreißigjährigen Krieg entstanden. Es hat Schnitzereien an den Eckständern, an denen man auch oft  Köpfe findet. Sie sollen nach dem Volksglauben böse Geister abweisen. Die alten Inschriften wurden allerdings bei dem Umbau nach 1938 vernichtet. In dem Haus wohnte 1928 der jüdische Viehhändler A. Strauß II. Die Familie Hermann Strauß ist am 2. Mai 1938 nach Frankfurt verzogen. Mit im Haus wohnt zunächst auch Herrmanns Bruder Josef. Nachdem die Familie noch im Haus Schulstraße 32 gewohnt hat, zieht sie am 15. April 1934 nach Dörnigheim, wo der Schwiegervater Josef Stern herstammt. Der Sohn Lothar („Larry“) Strauß lebt heute in den USA. Die Maler Fassel und Habermann haben 1963 ihr Geschäft in dem Haus. Heinrich Habermann ist 1980 der Besitzer. Im Jahre 1986 befindet sich dort die Firma Baudekoration Klaus Renner.

 

Westlich des Aufgangs zur Kirche stand das Spritzenhaus. Es wird 1913 verkauft an Wilhelm Puth VII., der gegenüber wohnt.

 

Das Haus Nr. 5 ist aus dem 18. Jahrhundert, der Giebel ist in Stein verblendet. Es wird 1859 von der Gemeinde angekauft von Johannes Weilbächer, der vorschlägt, es als Hirtenhaus zu verwenden. Es wird auch Hirtenhaus für den Kuhhirten, denn 1866 wird es nach dem Tod der Kuhhirten Ernst Groß zwischenvermietet. Im Jahre 1899 ist es teilweise Armenhaus, teilweise vermietet. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wohnen hier drei Familien mit 22 Personen.

Schon 1949 wird erwogen, die gemeindeeigenen Häuser in der Kirchhofstraße an Privatleute zu verkaufen.

Einen neuen Versuch unternimmt man 1971. Das Haus Nr. 3 soll an die Firma Kramm verkauft werden, das Haus Nr. 5 zuerst an die Eheleute Seitz und dann an die im Haus wohnende Familie Schultz. Die Kirchengemeinde hat aber eine Vormerkung für die Grundstücke im Grundbuch und lehnt die Löschung des Vorkaufsrechts ab. Außerdem verlangt sie, als Eigentümerin des Kirchhofs rund um die Kirche eingetragen zu werden. Die Gemeinde will im Oktober 1972 auch das Gelände um die Kirche kostenlos der Kirche übertragen. Sie verlangt aber, daß die Kirche das Gelände einschließlich Turm in Ordnung hält, daß keine Bauwerke errichtet werden, die Anwohner weiter Wäsche auf dem Kirchhof trocknen dürfen (!) und die jährlichen Holzlieferungen damit als abgelöst gelten.

Schließlich kommt es zur Gerichtsverhandlung. Im November 1973 stimmt die Gemeindevertretung dem Vergleichsvorschlag des Landgerichts Hanau zu, weil er dem Beschluß der Gemeindevertretung vom vorigen Jahr entspricht. Die Kirche soll jedoch die Gerichtskosten über­nehmen, weil das Verfahren überflüssig war. Doch der Vergleich kommt nicht zustande.

Am 1. April 1974 erörtert der Gemeindevorstand den Prozeß gegen die Kirchengemeinde mit Rechtsanwalt Hoffmann: Für die Gemeinde steht die Sache schlecht, weil die Kirche Akten vorlegen kann, zum Teil in Auswahl, während die Gemeinde keine mehr hat. Der Gemeindevorstand stimmt deshalb einem Vergleich in abgeänderter Form zu.

 

Küsterschule

Das Haus Nr. 3 ist in einzelnen Teilen sehr alt. Das Wohnhaus wird in den Jahren 1728 - 1731 neu gebaut oder erneuert. Über der Kellertür steht „AN 17 M 31 S, CMB CKB“. Zum Haus gehörte ein 4,40 Meter tiefer Brunnen. Die Scheune wird später an der Stelle eines älteren Hauses erbaut. Das Wohnhaus ist die Wohnung des Glöckners, der gleichzeitig Lehrer ist und in dem Haus auch Schule hält.

Im Erdgeschoß ist nur eine Stube, über die der Zugang zu einer kleinen Kammer geht, dazu eine Küche. Das Obergeschoß ist in gleicher Weise aufgeteilt. In der Stube im Erdgeschoß wird der Unterricht gehalten. Als dann 1903 ein anderes Schulhaus errichtet wird, ist das Küsterschulgehöft nur noch die Dienstwohnung des Lehrers, der den Kirchendienst versieht. Be­sitzer ist 1980 Peter Kramm. In der Scheune stand früher der Leichenwagen.

 

Altes Rathaus

Der Sockel ist Hauses ist schon vor 1555 erbaut. Am Eingang zum Treppenaufgang im Inneren des Hauses steht nämlich die Jahreszahl 1555. Das Wappen deutet auf die Zugehörigkeit Wachenbuchens zur Grafschaft Hanau hin. Es zeigt die Wappen von Philipp III. von Hanau und Helene von Pfalz-Simmern.

Der Baukörper ist noch „gotisch“ aufragend, wie Professor von Staden urteilt. In der jetzigen Form wird das Alte Rathaus 1705 errichtet, wie die Jahresringe an den Balken ausweisen (nach dem dendro­chrono­logischen Gutachten). Es ist ein Fachwerkbau mit rundem Treppenturm und mit Knaggen über dem Erdgeschoß. Es hat einen tiefen Keller, der an Nachbarn verpachtet wurde (zum Beispiel 1870).

Vor dem Haus steht bis 1863 das Spritzenhaus, verbunden mit einem Brunnen. Bis 1907 befindet sich auch die Gemeindewaage vor dem Haus, das kleine Gebäude wird erst später abgerissen.

Nach dem Ersten Weltkrieg muß die Renovierung auf das Nötigste beschränkt werden. Erst 1921 kann das Haus richtig renoviert werden. Dabei wird es auch verputzt. Im Jahre 1951 wird es von drei Weißbinderfirmen erneut renoviert. Das Dach wird neu gemacht, der Schornstein und die Fenster werden erneuert, die Heizungsanlage und die Lichtanlage instandgesetzt.

Die Verwaltung zieht 1970 aus. Die obere Etage wird zur Wohnung umgebaut. Der Mieter muß die Betreuung des Gebäudes übernehmen.

Seit 1981 wird vor dem Rathaus das Straßenfest gefeiert. Es wird zunächst vom Geflügelzuchtverein und von den Landfrauen ausgerichtet. Seit 1984 wird beim Straßenfest der Evangelische Gottesdienst vor dem Rathaus gehalten.

Im Jahre 1984 wird das Haus für 150.000 Mark renoviert. Das Fachwerk im Obergeschoß wird wieder freigelegt. Das Haus wird nach dem Erdreich zu isoliert, das Fachwerk ausgebessert, Fenster und Klappladen erneuert, das Dach wird repariert und die neu vergoldete Wetterfahne aufgesetzt.

Die Bücherei zieht 1988 aus der Feldstraße in das alte Rathaus um (eine Volksbücherei gibt es schon 1936).

Im März 1989 beschließen die Politiker, daß der Rathausbrunnen ein neues Gesicht bekommen soll. Doch der dann aufgestellte Brunnen ist in den Augen der Wachenbucher zu modern. Sie würden einen Laufbrunnen vorziehen oder einen kleinen Springbrunnen, bei dem das Wasser über zwei Mühlsteine abläuft. So wird der Brunnen wieder entfernt. Inzwischen ist hier ein neuer Brunnen errichtet, der mehr dem Geschmack der Wachenbucher entspricht. Im Jahr 1995 werden im Oberstockwerk ein Atelier und auch eine Unterrichtsstätte des Kunst-Frischwasservereins eingerichtet, aber das ist längst alles wieder vorbei.

Rechts unten ist ein Stein mit Flechtwerk eingelassen. Dieser ist die Nachbildung eines „Keltensteins“ und wurde von der Partnergemeinde Moosburg geschenkt.

 

           

Kirche

Der Kirchhof ist eine alte Wehranlage als Zufluchtsort für die Bevölkerung in schweren Zeiten. Diese Mauer müßte älter sein als die Ringmauer, könnte also nicht ins 15. Jahrhundert gehören, wie angegeben wird. Aus den Kirchenbaurechnungen geht hervor, daß noch im 17. Jahrhundert Roste vor der Kirchhofspforte angebracht sind, die das Vieh nicht betreten kann, ohne dazwischen zu geraten. Dadurch wird verhindert, daß Viehzeug auf den Kirchhof läuft. Das Kirchhofstor ist von 1728, in der heutigen Form Anfang der neunziger Jahre allerdings neu hergerichtet.

Der Kirchturm wird 1461 erbaut, wie über der Eingangstür zu lesen ist (tiefgestellte 8 bedeutet 4). Die dazugehörige Kirche müßte dann früher gebaut sein. Aber Spuren einer früheren Kirche hat man bei der Verlegung der Heizungskanäle nicht gefunden. Es ist aber auch unwahrscheinlich, daß eine frühere Kirche an anderer Stelle gestanden hätte, denn Kirchhof und Kirche gehören zusammen. Es wird aber auch die Jahreszahl 1437 als Baujahr der Kirche angegeben, aber das läßt sich nicht belegen. Der Turm wird zugleich als Wehrturm genutzt, denn er hat Fenster, die an Schießscharten erinnern.

Eine Sonnenuhr wird 1543 an dem Glockenturm angebracht. Der Maler hat allerdings die Zahlen falsch aufgemalt und muß noch einmal kommen und seine Arbeit berichtigen. Das geht dann nicht ohne eine neue „Verzehrung“ ab. Diese machen übrigens einen großen Teil der Kirchenrechnungen aus. Leihen der Schultheiß, die Geschworenen oder der Kirchenbaumeister aus der Kirchbaukasse Geld aus - wenn auch eine noch so kleine Summe - so wird im Wirtshaus eine Zeche veranstaltet.

Wird einem Handwerker irgendeine Arbeit am Kirchengebäude verdingt, so muß eine Maß Wein dabei vertrunken werden, wenn der Vertrag gelten soll. Beim Neueindecken des Daches wird, nachdem der erste Stein gelegt ist, wiederum gezecht. Ganz besondere Gelegenheit zum Zechen gibt aber die Abnahme der Kirchenrechnung, unter die dann einmal einer schreibt: „Der Verzehrungen seind gar viel“.

Im Jahre 1637 (Dreißigjähriger Krieg) rauben Soldaten die Glocke. Die Wachenbucher kaufen sich ein Horn, um sich Zeichen geben zu können, vor allem zum Gottesdienst. Erst 1662 können sie sich wieder für 126 Gulden eine Glocke kaufen.

 

Die Kirche gehörte zum Dekanat Roßdorf und war der Maria geweiht (?). Patron war bis zum 18. Jahrhundert der Graf von Ysenburg-Büdingen. Die erste Kirche war wohl vor 1461 erbaut, vielleicht 1437. Diese Kirche wird 1703 abgebrochen, obwohl 167 Bürger eine Bittschrift für den Erhalt der Kirche an die Regierung richten. Danach wird die Kirche fast nicht mehr besucht. Der Turm wird 1727 umgebaut.

Einige alte Grabsteine sind heute in die Außenwand der Kirche eingebaut. Die Inschriften sind zum Teil stark verwittert. Sie erinnern vor allem an jugendliche Tote in der Zeit von 1700 bis 1760, zum Beispiel an Johannes Meffert, der 1760 in der Leimenkaute von herabfallender Erde verschüttet wird.

Eine Orgel muß es schon vor 1775/1776 gegeben haben, denn in diesen Jahren wird sie repariert unter Aufsicht von Musikdirektor Breidenstein. Eine neue Glocke wird 1777 angeschafft, doch 1792 zerspringt sie am Bußtag und wird umgegossen Ein schwarzes Altartuches wird 1794 angeschafft.

Im Jahr 1903 erklärt sich die bürgerliche Gemeinde zu einer Grundreparatur bereit, gibt jedoch nur 1.000 Mark für den Erweiterungsbau. Zinsen und Abtrag müssen in Form einer Kirchensteuer auf die Einwohner umgelegt werden. Bei dem Umbau wird vor allem das Kirchenschiff nach beiden Seiten erweitert. Beim Abriß der ursprünglichen Außenmauern kommt der „Viergötterstein“ zum Vorschein. Auch die Wände des Chors werden etwas auseinandergezogen. Die Kirche hat jetzt Seitenschiffe, die über den Chor hinausragen. Doch dadurch ergeben sich bald Schwierigkeiten mit der Statik.

Im Jahre 1904 schafft die bürgerliche Gemeinde eine neue Kirchturmuhr an, die die 300 Jahre alte Uhr ersetzt. Eine Firma in Bockenem (bei Hannover) erhält 1.500 Mark für eine Uhr mit drei Zifferblättern. Der Ortsdiener muß die neue Kirchturmuhr aufziehen.

Weil in die 1905 beschädigte Glocke kein Splitter eingesetzt werden kann, wird eine neue Glocke gekauft. Das Läuten übernimmt 1906 Christian Meininger für 200 Mark im Jahr. Ab 1910 hilft Peter Müller beim Läuten, sie erhalten jährlich 180 Mark. Im Jahre 1906 erhält die Kirche noch einen Blitzableiter auf Kosten der Gemeinde.

Im Juli 1917 liefert die bürgerliche Gemeinde die Orgelpfeifen sowie zwei Glocken für Kriegszwecke ab und steckt auch die Entschädigung ein. Nach dem Krieg besorgt die Kirchengemeinde wieder die Orgelpfeifen. Sie leitet auch 1927 die Beschaffung neuer Glocken ein. Zwei Bronzeglocken im Gewicht von 1070 Kilogramm werden 3.155 Reichsmark kosten. Dazu kommen neue Joche für alle drei Glocken, die dann leichter zu läuten sein werden, weil ihr Schwerpunkt höher liegt. Es muß ein Betrag von etwa 5.000 Mark einkalkuliert werden. Davon kommen etwa 4.000 Mark durch Schuldscheine von Gemeindegliedern ein, die im Laufe von drei Jahren bezahlt werden sollen. Eine elektrische Läuteanlage wird mit Rücksicht auf die Kosten vorerst zurückgestellt. Die bürgerliche Gemeinde wird gebeten, die bereits vorgesehenen 1.000 Mark bei Fälligkeit der ersten Rate zu zahlen und eine Bürgschaft für die Gesamtkosten zu übernehmen, die Gemeindevertretung lehnt allerdings ab. Am 1. Advent 1927 ist die Glockenweihe.

Nicht so glatt geht es auch mit den Bauschäden. Bis 1926 sackt das Schiff gegenüber dem Chor soweit ab, daß ein tiefer Riß entsteht und eine teure Renovierung erforderlich ist. Im September 1928 findet eine Besprechung zwischen Gemeindevorstand und Kirchenvorstand wegen der Baulastpflicht an der Kirche statt.

Unstreitig ist die Unterhaltspflicht der Gemeinde für Turm, Uhr und Glocken. Für die anderen Baulasten schlägt die Kirchengemeinde eine jährliche Zahlung von 300 Goldmark vor. Das Landeskirchenamt will dafür eine wertbeständige Anlage haben, etwa in Form von Grundbesitz. Doch die Gemeindevertretung lehnt am 18. Februar 1930 jede Verpflichtung ab, weil es keinerlei einwandfrei Beweise für die Baupflicht der Gemeinde gebe.

Die Gemeinde leugnet eine Pflicht für die Unterhaltung der Kirche und insbesondere für die Reparatur des einsturzgefährdeten Ostgiebels und verweist darauf, daß sie 1903 die Erweiterung der Kirche nicht gewollt hat und der jetzige Schaden nur durch einen Konstruktionsfehler bei der Erweiterung entstanden sei.

 

Inzwischen kommt ein neuer Streit über das Eigentum am Kirchhof hinzu. Die Kirche vertritt den Standpunkt, er gehöre mit zur Kirche und er sei ja auch von dem Kirchendiener genutzt worden. Das Amtsgericht spricht am 17. Juni 1931 den Kirchhof der Kirchengemeinde zu, obwohl er 1921 als Eigentum der bürgerlichen Gemeinde eingetragen worden war. Im Jahre 1925 wird das Kirchturmdach neu gedeckt und 1932 die Kirchturmuhr repariert.

 

Am 21. Juni 1928 bittet der Bauernverband darum, das Vier-Uhr-Läuten wieder einzuführen, weil die in der Landwirtschaft beschäftigten Personen nicht immer eine Uhr bei sich haben und den Feierabend verpassen könnten. Das Problem besteht bis heute. Der Kirchturm ist 1996 so zugewachsen, daß die Uhr nicht mehr zu sehen ist, aus Kostengründen wird aber nichts unternommen. Aus Anlaß der 1200-Jahr-Feier machen die Wachenbucher nun einen neuen Anlauf: Jetzt wird eine funkgesteuerte Uhr eingebaut, damit jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat. Man muß die Uhr sehen können, die Bauern auf dem Feld und die Kinder auf dem Schulweg brauchen sie. Wozu hat man sonst eine Uhr?

 

Am 6. Januar 1945 wird die Kirche von einer Brandbombe getroffen und bis auf die Außenmauern zerstört. Die verbliebenen zwei Glocken schmelzen. Man sagt, die Kirche hätte gerettet werden können, denn die Feuerwehr war ja da. Aber der Bürgermeister hielt es für wichtiger, Anderes zu löschen und sagte: „Laßt den Musentempel doch abbrennen!“

Der Wiederaufbau der Kirche beginnt dann 1952. Den Entwurf macht Architekt Kienzler, die Bauausführung hat Architekt WernerBange aus Hanau. Zur Reparatur des Turms stellt die bürgerliche Gemeinde in den Jahren 1950 und 1951 je 5.000 Mark zur Verfügung.

Der Turm erhält einen Kirchturmhahn. Zwei Zifferblätter der Uhr sind noch zu verwenden, eins wird neu angeschafft; die Zifferblätter werden mit zwei schwarzen Kreisen versehen.

Die Verputz- und Anstreicherarbeiten am Kirchturm werden 1952 an eine Arbeitsgemeinschaft von drei Firmen vergeben, die Firma Kappes hat die Federführung.

Am 28. September wird der erste Gottesdienst im Rohbau der erneuerten Kirche gehalten. Der Einweihungsgottesdienst ist am 16. August 1953. Seit dem 9. November 1953 wird die Kirche regelmäßig für den Gottesdienst benutzt. Gegen den Willen des Pfarrers wird die Kirche mit Bänken ausgestattet und der Auftrag an zwei einheimische Schreiner vergeben, obwohl diese nur Kiefernholz und nicht Hartholz verwenden, wie das ein auswärtiger Bieter zum gleichen Preis machen will. Die wiederaufgebaute Kirche entspricht im Wesentlichen der zerstörten Kirche, nur die Kanzel ist näher an die Gemeinde herangerückt und tiefer gesetzt.

Es werden auch wieder vier Glocken beschafft und im September 1953 eingeweiht. Die bürgerliche Gemeinde übernimmt die Kosten für die größte und kleinste Glocke, Läutewerk und Uhr. Die behält sich das Eigentumsrecht vor und läßt ihren Namen auch auf die Glocken gießen.

Eine neue Orgel wird 1955 bei der Firma Voigt in Frankfurt-Höchst in Auftrag gegeben. Am 11. September wird sie eingeweiht, am Abend ist ein Orgelkonzert. Die Orgel hat 600 Pfeifen und kostet 23.000 Mark. Am 30. September 1979 wird die renovierte Orgel (57.000 Mark) wieder in Gebrauch genommen (1278 Pfeifen, 18 Register).

 

 

Zwei vor- und frühgeschichtliche Fundstellen stammen aus dem Bereich der Kirche: Als man 1985 einen Anbau für eine Heizung plant, stößt man nördlich der Kirche auf alte Gräber. Sie sind allerdings nicht aus römischer Zeit, wie man vermutet hatte; dafür findet man aber ein Grab aus der Eisenzeit. Auch sonst werden beim Heizungsbau keine Mauern einer früheren Kirche oder einer Befestigungsanlage gefunden.

 

Auf dem Kirchhof wird 1957 ein Mahnmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege errichtet. Das alte Kriegerdenkmal an der Mittelbucherstraße wird abgerissen, die Schriftplatte wird an der Kirchenwand angebracht. Der Kostenvoranschlag für ein neues Denkmal beläuft sich auf 4.494 DM. Der Landeskirchenbaurat Maurer lehnt den Entwurf ab, die mehrteilige Sandsteinplatte wirke nicht sehr überzeugend und stehe nicht in einer Flucht mit der Kirchhofsmauer. Maurer will die Tafeln direkt in die Mauer einlassen. Das fertige Denkmal mit einem eisernen Kreuz aus Sandstein kostet 4.730 DM.

Der 1983 geplante Bau eines Heizungskellers an der Kirche mit darüberliegender Sakristei verzögert sich aber. Die alte Heizung ist aus dem Jahr 1911. Der Entwurf für den Anbau wird von der Stadt Maintal abgelehnt. Der Pfarrer kann sich jedoch schließlich mit dem Ersten Stadtrat einigen. Doch am Ende findet man eine ganz andere Lösung, in dem man alles in das Innere der Kirche einbaut, weil es inzwischen kleinere Heizungsöfen gibt.

 

Das markanteste Kennzeichen der Kirche sind heute die Kirchenfenster: Glieder der evangelischen Gemeinde gestalten nach zweijährigem Anlauf 1986 das zentrale Fenster im Chor der Kirche. Die künstlerische Leitung hat Heide Voepel. Mitarbeiter sind Frau Orendi, Frau Matthei, Pfarrer Müller und die Konfirmandinnen Ulrike Puth, Nele Höra und Kerstin Däther, später noch Brigitte Matthei und Harald Voepel. Zur Vorstellung der Konfirmanden am 4. Mai 1986 wird das Fenster eingeweiht.

Seit dem 3. Advent 1995 sind auch die beiden anderen Fenster farbig gestaltet. Diese sind geschaffen von Heide Voepel, Kirsten Schüler und Vikar Joachim Gebauer; zeitweise werden sie unterstützt von sechs ehemaligen Konfirmanden. Am 21. Januar 1996 werden die Bilder im Gottesdienst eingeweiht.

Gesamtthema der Fenster ist: Das Kreuz zwischen Himmel und Erde. Das wird besonders am mittleren Fenster deutlich. Das Kreuz ist umgeben von christlichen Symbolen:

Gott kommt zu den Menschen und zur Kirche in Gestalt einer Taube, die von oben nach unten fliegt. Auf das Pfingstwunder weisen auch die zwölf Flammen oben im Kreuz. Die Blutstropfen links wiederum deuten auf den Opfertod Jesu am Kreuz. Sie tropfen auf Getreideähren, die Symbol der Erde sind.

Unten rechts ist aber auch ein Schwert zu sehen, ein Hinweis darauf, daß auf der Erde nicht nur Friede und Liebe herrschen, sondern auch Gewalt und Unterdrückung. Ganz unten sieht man einen Abendmahlskelch und Brot, auch ein Hinweis auf Pfingsten und die Kirche von heute. Unter der Taube ist der Regenbogen zu sehen, das verbindende Motiv über alle drei Fenster.

Das rechte Fenster hat die Schwerpunktfarben Blau und Gelb und stellt den Himmel dar. Die geometrische Grundfigur ist das Dreieck. Das Zentrum ist bestimmt von mehreren sich brechenden Lichtstrahlen, also von dem Licht des Schöpfergottes. Aus dem Hintergrund erhebt sich ein aus Strahlen gefügtes Quadratkreuz,

Die vielen Lichtstrahlen sind Brechungen des weißen Lichts Gottes, um auf die vielfältigen Weisen des Handelns Gottes in die Welt hinein hinzuweisen. Das rote Dreieck aber ist der Hinweis auf den einen Gott, in dem sich alle diese Strahlen vereinigen.

Der Stern ist ein Bringer des Lichts und nimmt Teil an dem Kampf des Lichtes gegen die Finsternis. Der Mond wechselt seine Gestalt in den verschiedenen Phasen und ist damit Symbol des Wachstums. Halbmond und Stern symbolisieren den Islam, der Davidsstern das Judentum, das Quadratkreuz das Christentum. Hier ist also an den Schöpfergott der drei Schriftreligionen gedacht. Aber das Gemeinsame soll stärker sein als das Trennende.

Die Kerze als Lichtsymbol deutet die Beziehung zwischen Geist und Materie an. Ihre Flamme erzeugt ein Licht, das das Chaos ordnet und Leben, Heil und Glück schenkt. Christus ist das Licht der Welt, das Licht des Anfangs. Die Leiter und das Kreuz stellen die Verbindung zwischen Himmel und Erde her. Die Welt bleibt nicht sich selbst überlassen.

Der Regenbogen ist das Zeichen der bleibenden Treue Gottes; er führt den Regenbogen des Mittelfensters fort. Der grüne Baum unten im Fenster und das braune Dreieck führen farblich zur Erde hin. Das große Blatt lenkt aber den Blick wieder in die Bildmitte.

Das linke Fenster mit den Schwerpunktfarben Grün und Braun stellt die Erde dar. Der Baum ist mit dem Boden verhaftet, richtet sich aber hoch hinauf in den Himmel. Er erinnert aber auch an die irdische Existenz des Menschen, sein Leben und Sterben, Früchtebringen und Früchteverweigern. Der Baum ist links unfruchtbar und rechts fruchtbar: Einem Dornenzweig und fünf verdorrten und abgestorbenen Zweigen stehen gesunde Zweige mit Früchten und Blättern gegenüber. die dem Himmel zugewandte Seite grünt und blüht. Die Baumart ist nicht eindeutig festgelegt: Dornstrauch, Apfelbaum, Weinstock, Eichenlaub und Liliengewächs.

Vor allem die Weintraube, die ja abgeschnitten und gekeltert wird, versinnbildlicht das irdische Leben und Sterben. Aber die Trauben erhalten eine neue Qualität und werden zu Wein, so wie auch der Mensch im Sterben neu wird. Außerdem deutet die ausgepreßte Traube auf Christus, dessen Blut den Kelch der Kirche füllt.

Der angebissene Apfel in der Fenstermitte weist auf die Paradiesgeschichte, auf den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen und auf den Sündenfall Adams und Evas. Wegen seiner Kugelform ist der Apfel aber auch ein Abbild der Erde und der irdischen Begierden, wegen seiner Farben und seiner Süße verkörpert er die sinnliche Reizung. Die Lilie dagegen ist das Zeichen der Schönheit, der Reinheit und Unschuld, der Hingabe an den Willen Gottes, der für die mit ihm Verbundenen sorgt so wie für die Lilien auf dem Feld.

Der Getreidehalm im Vordergrund verbindet das linke Fenster mit dem Mittelfenster und seinen Getreidehalmen. Die sieben vollen und die sieben verdorrten Ähren stehen für die sieben satten und die sieben dürren Jahre in der Josephsgeschichte.

Der Kürbis symbolisiert schnelles Wachstum aus einem kleinen Korn sowie schnelles Verderben und somit die Kürze des dahineilenden Lebens. Fisch und Netz spielen auf die Tätigkeit Gottes an, der die Menschen für das Reich Gottes einsammelt und sortiert. Netz und Fisch verweisen auch auf Petrus, den Hoffnungsträger für alle, denen die Zukunftsperspektive verlorengegangen ist: Er hatte versagt, wird aber doch derjenige sein, der in der Kirche aus allen Völkern eine neue Menschheit macht. Das Netz mit dem Fisch ist also ein Symbol der Kirche. Auf Christus bezogen ist der Fisch geistliches Nahrungsmittel und deutet auf das Abendmahl.

Der Wasserstrahl, aus dem sich der Fisch erhebt, charakterisiert den Ursprung der Schöpfung. Wasser kann schöpferisch (Brunnen), aber auch zerstörerisch sein (Überschwemmung), Ausgang des Lebens und des Todes. Quellwasser symbolisiert das ewige, nie versiegende Leben und ist damit ein Zeichen für die Taufe.

Hinter dem Halm erhebt sich ein Fels, aus dem der Wasserstrahl hervorkommt, Symbol der Beständigkeit und des lebendigen Wassers. Die sich von der Erde in den Himmel ziehenden Linien stellen den Pfad zum Leben dar. Sie könnten aber auch eine Felsspalte sein, in die die Sonne Wärme und Helligkeit einträgt.

Die Bilder an den Emporen sind von verschiedenen Konfirmandenjahrgängen gestaltet und sollen fortgeführt werden. Bis jetzt wurden Bilder zum Glaubensbekenntnis und zum Abend­mahl gestaltet. Danach ist das Vaterunser geplant.

 

Herrenstraße

Am Eingang der Herrenstraße steht links das Haus Alt Wachenbuchen Nr. 19. Es ist ein schönes Fachwerkhaus, aber das Fachwerk ist leider unter Schindeln verblendet. Nur nach der Herrenstraße zu ist das Fachwerk noch sichtbar. Dort ist auch die Inschrift erhalten: „Dis Haus baute Johann Jacob Kaster und Ana Christina im Jahr Christi Anno 1740“.

 

Das Haus Nr. 2 war das frühere Pfarrhaus. Es wird 1750 erbaut. Eine Scheune und ein großer Garten bis hinunter zu Bach gehören dazu. Das Haus ist damals eines der schönsten in der Gegend. Doch 1913 wird auf einem Grundstück vor dem Dorf ein neues Pfarrhaus errichtet. Im ehemaligen Pfarrgarten steht heute ein Neubau in der Bachstraße. Der Landwirt und Bürgermeister Happ bietet 1950 das Haus Herrnstraße 2 der Gemeinde zum Kauf an (Preis 15 - 18.000 Mark).

 

Das Haus Nr. 1 ist 1844 erbaut, wie ein Stein in der Treppe ausweist. Die Scheune wird 1945 ausgebombt und mit Hohlblocksteinen wieder hochgezogen; rechts ist ein tiefer Keller, links ein flacher Keller. Ursprünglich ist es das Haus der Familie Heß, die Frau heiratete aber in Das Haus Alt Wachenbuchen 22. Im Jahr 1980 ist Christa Gras die Besitzerin.

 

Das Haus Nr. 3 ist aus der Zeit zwischen 1700 und 1750. Der Besitzer ist 1980 Wilhelm Schäfer, heute die Familie Tag. Im Keller ist ein Brunnen. Im Hof steht ein Grabstein, der der einzige alte Grabstein auf dem alten Friedhof  war. Weil die Familie das Fundament auf ihre Kosten erneuern sollte, hat sie den Stein auf ihren Hof geholt.

Der frühere Kuhstall und spätere Schweinestall hat Kreuzgewölbe auf zwei Sandsteinsäulen. Er wirkt romanisch und hat nach Professor von Staden „sakralen Charakter“. Doch er dürfte nichts mit der nahen Kirche zu tun haben. Es gibt auch anderswo solche aufwendigen Kuhställe. Ein Architekt urteilt, das Gebäude dürfte  etwa um 1850 entstanden sein. Er meint, ein steinernes Stallgebäude dient vor allem dem Brandschutz, aber es repräsentiert auch ein wenig den Wohlstand des Besitzers. Auch die Basaltsteine des Gehöfts sind teuer, denn sie stammen aus dem Vogelsberg; sie sind von Luftblasen durchsetzt und heißen „Bienrose-Steine“, wohl nach der Firma, die sie lieferte. Heute ist in dem Stall ein Raum zum Feiern eingebaut. Der Besitzer sagt: „Früher gab es hier mehr Schweine als heute!“

 

Das Haus Nr. 5 ist um 1800 erbaut und war früher die zweite Schule. Der gemeindeeigene Brunnen von 7,85 Metern Tiefe wird 1951 zugeschüttet. Außerdem befindet sich vor dem Haus die Gemeindewaage. Sie wird 1907 beschafft und 1924 repariert. Eine Gebührenordnung für die Gemeindewaage wird 1942 aufgestellt. Ab 1. Juli 1968 wird Theodor Hofmann Wiegemeister.

 

Rübenberg

Nach Osten biegt ab die Straße Rübenberg. Im Haus Nr. 3 wohnte Berta Strauß, die Tante von Jenny Strauß vom Rübenberg 11. Sie stirbt 1929 und ist auf dem jüdischen Friedhof in Hanau beerdigt. Ihr Sohn Salomon hat das Geschäft in der Hanauer Landstraße 5. Das Haus Nr. 7 gehörte bis 1939 der jüdischen Familie Steigerwald, die am 8. August 1939 nach Frankfurt verzieht. Das Haus Nr. 9 ist 1789 erbaut, wie die Jahreszahl ausweist, die in den Putz des Giebels eingeritzt ist. Die rückwärtige Scheune ist abgerissen. Das Haus Nr. 11 gehörte dem jüdischen Metzger David Strauß. Drei Söhne leben heute in den USA.

 

Das Haus Nr. 6 ist 1747 gebaut und war ursprünglich ein Bauernhaus, bei dem Scheune und Stallung unter einem Dach mit der Wohnung sind, zu der eine alte Treppe hinaufführt. Im Hof war eine 5,20 Meter tiefer Brunnen. Besitzer war 1954 Wilhelm Puth IV. und 1980 die Familie Stein. Heute ist es sehr hinfällig.

 

Herrenstraße

Das Haus Herrenstraße Nr. 4 ist um 1700 gebaut. Besitzer 1980 war H. Hamburger. Das Haus Nr. 6 stammt aus der Zeit um 1800. In die Hofmauer ist ein Radabweiser eingebaut. Der land­wirtschaftliche Betrieb mit Scheune ist verschindelt, Besitzer ist 1980 Wilhelm Kröll, der auch den gegenüberliegenden Hof nutzt.

Das Haus Nr. 7 gehörte dem früheren Bürgermeisters Happ, der aber im Haus Nr. 2 wohnt. Das Haus Nr. 13 war die Wohnung des jüdischen Viehhändlers Josef Reinhardt. Sie verzieht am 25. Januar 1939 nach Frankfurt. Das Grundstück Nr. 15 ist der „Herrenplacke“. Der Name läßt sich nur so erklären, daß hier das Hofgut der Grafen von Hanau stand, die von hier aus ihren Besitz bewirtschaften ließen.

 

Mühle

Das Haus Nr. 17 war früher die Mühle. An der Scheune steht: „Johannes Koch und seine Hausfrau Anna Maria Anno 1733 ten 22. Abrili“. Die Inschrift am Wohnhaus lautet: „Diesen Bau hat erbaut Herr Johannes Puth und dessen Ehefrau Susanna Anna Margaretha Puthin den 12. A. 1834“.

Es sieht zwar so aus, als sei durch das Grundstück ein Mühlgraben geflossen und das Mühlrad wäre dann zwischen Wohnhaus und Scheune gewesen. Aber nach Aussagen alter Einwohner war das Mühlrad an der Westseite des nördlichen Teils des Hauses, also nach der Bach zu.

Der Erbauer des Wohnhauses ist gleichzeitig Schultheiß und Bierbrauer gewesen. In dem schmalen Nebengebäude an der Herrnstraße war die Schreinerei, die 1960 von Philipp Koch übernommen wird.

 

Das zweite Backhaus

Neben der Mühle stand mitten auf der Bachstraße ein Backhaus. Es war neben dem Backhaus in der Straße Alt Wachenbuchen Nr. 6 das zweite Backhaus der Gemeinde. Als Pächter wird nämlich ein Herr Kratz erwähnt, von dem man weiß, daß sein Haus auf der Bachstraße später abgerissen wird.

Hier bei der Mühle ist die Ringmauer wieder gut zu sehen. Sie verläuft dann zwischen Altbau und Neubau des Hauses Nr. 22 hindurch und geht im Bogen zu dem Haus Alt Wachenbuchen 29, das heute auf der ehemaligen Mauer steht.

 

Bachstraße

Das Haus Bachstraße Nr. 22 ist aus dem 19. Jahrhundert. Der Giebel ist seit mindestens zwei Generationen aus dem Lot. In der Ringmauer auf dem Grundstück befindet sich ein Stein mit der Jahreszahl 1615 (Nordseite, ziemlich rechts oben). Im Jahre 1963 befindet sich auf dem Grundstück die Schreinerei von Johannes Kleeb II., die 1965 abgemeldet wird.

 

Das Haus Nr. 20 ist aus der Zeit zwischen 1750 und 1800 und hat Zwerchwalm. Es beherbergt 1928 den Gartenbaubetrieb Jean Schmidt. Das Haus ist in nach Prof. von Staden in einem mangelhaftem Erhaltungszustand und die Nebengebäude sind schon lange „im Bau“.

 

Das Haus Nr. 18 ist ein typisch fränkischer Bauernhof mit Scheune und Nebengebäuden. Das Wohnhaus ist von 1749. Am Tor zur Scheune findet sich eine Schnitzerei, wie sie früher an vielen Gebäuden zu finden war. Besitzer ist 1980 Wilhelm Schäfer, das Haus ist verschindelt. Noch heute ist hier ein landwirtschaftlicher Betrieb. Die Familie besitzt eine Postille von 1617 (ein Buch mit Predigten) und vier handgeschriebene Bücher zum Teil aus dem 18. Jahrhundert (zum Beispiel Stundenvorbereitungen eines Lehrers Schelflegel, der später nach Nauheim geht). Außerdem hat die Familie Krüge aus römischer Zeit, die auf ihrem Grundstück nördlich von Wachenbuchen gefunden wurden und die von Klaus Ulrich aus Dörnigheim restauriert wurden.

Das Haus Nr. 16 war die Wohnung des Bürgermeisters Kaufeld.

 

Das Haus Nr. 9 mit Überhängen und Mannfiguren mit armförmigen Streben ist von 1740, wie über der Haustür eingeschnitzt ist: „Der Herr segne euren Eingang und behiede euren Ausgang von nun an bis in Ewigkeit, Amen. MK 1749“ . Das Haus gehört 1980 Johann Wenzel. Der Westgiebel ist schon damals mit Eternit verkleidet.

 

Alt Wachenbuchen

Auch das Haus Alt Wachenbuchen Nr. 21 ist eine Bäckerei. Am 9. Februar 1869 klagt der Bäcker Jakob Lottich gegen die Gemeinde wegen des Baurechts, d. h. er will kostenlos Bauholz von der Gemeinde haben; die Gemeinde erhebt Widerspruch. Nach einem Brand wird die Bäckerei 1883 von der Familie Lottich neu gebaut.

Wilhelm Lenz läßt 1898 einen Laden in das Wohnhaus einbauen mit Tür, Fenster und Schaufenster. Rudolf Busser baut dann 1899 in die Scheune hinter dem Haus eine Backstube ein, der Backofen steht nach der Bachstraße zu. Auch 1918 wird noch einmal umgebaut. Das Haus wird noch einmal aufgestockt. Nachdem Josef Allar als Mitbesitzer hinzugekommen ist, heißt die Bäckerei „Busser & Allar“. Die Firma beschäftigt zeitweise einen Gesellen, drei Lehrmädchen und ein Aushilfskräfte. Im Laden werden Backwaren und Lebensmittel verkauft. Der letzte Umbau findet 1963 statt. Damals wird die Bäckerei total modernisiert und ein Kühlraum wird errichtet (der heute als Garage genutzt wird). Seit 1990 wird nicht mehr im Haus gebacken. Der Laden wird zunächst an die Bäckerei Uwe Schöpf in Niederrodenbach verpachtet.

 

Das Haus Nr. 24 ist aus der Zeit zwischen 1700 und 1750, das Fachwerk ist aus dem 19. Jahrhundert. Das Erdgeschoß wird 1966 mit Hohlblocksteinen erneuert und ist heute verputzt.

 

Das Haus Nr. 23 ist aus der Zeit um 1750, das Nebengebäude aus der Zeit um 1800. Früher war es ein landwirtschaftlicher Betrieb. Seit 1936 ist es ein Lebensmittelgeschäft, denn in diesem Jahr verlegt Benno Rehm sein Geschäft in der Hainstraße nach dort. Seit 4. November 1953 meldet er das Geschäft ab, nur seine Frau betreibt noch einen Eisverkauf vor der Gast­stätte Müller. Das Geschäft wird übernommen von Klara Jestädt, die es auch 1980 noch hat. Das Haus ist bis heute verputzt und nur noch Wohnhaus. Mit zur Hausnummer gehört das Gebäude, in dem heute die Quelle-Agentur ist.

 

Das Grundstück Nr. 27 besteht an sich aus zwei Teilen. Der östliche Nr. 25 war der Zehnthof: Vorne an der Straße stand das Zehnthäuschen, hinten auf dem Grundstück war die Zehntscheune mit einem tiefen Keller. Hier mußten die Einwohner die „Zehnt“ abliefern, eine Naturalsteuer. Im Hof war ein Brunnen. Der Besitzer heißt Lohfink. Den landwirtschaftlichen Betrieb führt Karl-Heinz Steup, Hainstraße 25.

 

Zwischen den Häusern Nr. 29 und 30 war das Hintertor, auch „Pfeiferspforte“ oder „Schäfers­pforte“ genannt. Das kann man erschließen aus der Angabe, die Pforte befinde sich neben dem Haus des Ortsdieners. Von diesem Haus aber ist die alte Hausnummer bekannt. Im Vergleich mit anderen Hausnummern läßt sich die Schäferspforte bzw. das Hintertor nur hier einordnen.

 

Hirtenhaus

Das Haus Nr. 29 war das Haus des Schweinehirten. Es wird 1851 erwähnt, als eine schadhafte Wand mit Backsteinen ausgebessert werden muß. Es wird 1949 an die Mieter Dietrich verkauft, die es bis 1979 bewohnen. Das Haus war an die alte Ringmauer gebaut. Doch 1983 wird es verkauft und eine Abrißgenehmigung erteilt. Als das Haus im April 1985 abgerissen wird, fällt auch die Ringmauer mit ein, obwohl sie natürlich erhalten werden sollte. Auch die Hofbefestigung des Nachbargrundstücks wird stark beschädigt. Da wird die Baugrube wieder zugeschüttet und das Grundstück verkauft. Erst 1995/1996 wird hier ein neues Haus gebaut. An seiner Westseite ist die Mauer durch Basaltsteine noch angedeutet. Hinter dem Haus führt sie wieder auf den Verlauf der alten Ringmauer. Südlich verläuft die Ringmauer zwischen den Häusern Nr. 30 und Nr. 32 in gerader Linie hinter Ringmauerstraße und Geibeleck her in Rich­tung Schulstraße.

 

Zwischen den Häusern 30 und 32 (außerhalb der Mauer) war ein Brunnen mit einem Trog, aus dem das Vieh gerne trank, ehe es aufs Feld ging oder wenn es abends heimkam. Den Trog nutzte der Landwirt Emmerich später noch auf seiner Viehweide.

 

Das Haus Nr. 30 ist aus dem Jahr 1752, wie die Inschrift über der Haustür aussagt: „Johann Martin Stein fing an das Haus, hernach starb er den 9. April, und seine zwei Söhne führten mich aus, den 18. Julius 1752“. Eine weitere Inschrift besagt: „Erneuert 1987 Erna und Bernd Zimmermann“. Das Haus mit den starken Überhängen war 1980 noch mit Schindeln verkleidet, das Fachwerk ist aber heute freigelegt.

 

Das Haus Nr. 28 ist aus der Zeit um 1750 und hat starke Überhänge. In dem Haus macht der jüdische Händler Louis Stern in den Jahren 1928 - 1929 Konkurs und verzieht 1934 nach Frankfurt. Im Jahre 1938 hat der Elektromonteur Sally Herlitz das Haus, verzieht aber am 27. August 1938 mit Familie nach Frankfurt. Ein nachfolgender Besitzer heißt Amend. Im Jahre 1980 ist Fritz Pfaff der Eigentümer. Das Haus ist bis heute verputzt.

 

Das Haus Nr. 26 gehörte schon 1913 dem jüdischen Viehhändler Salomon Strauß III. und hat deshalb einen großen Viehstall. Am 1. Juni 1939 sind die älteren Leute nach Frankfurt verzogen, über den Verbleib der jüngeren Leute ist nichts bekannt. Während des Krieges war der Viehstall eine Sammelunterkunft für Kriegsgefangene, vor allem für Polen. Zeitweise wohnte der Sandgrubenpächter Theodor Hoffmann in dem Haus.

 

Bachstraße

An dem Eckhaus geht es wieder in die Bachstraße. Auf der anderen Seite beherrscht die Gaststätte „Zur Krone“ das Bild.

 

Gaststätte „Zur Krone“

Das älteste Wirtshaus in Wachenbuchen ist die Gaststätte „Zur Krone“ in der Bachstraße 3. Auf sie beziehen sich alle Nachrichten von früheren Gaststätten. Leider ist aber im Staatsarchiv Marburg das Aktenstück über die Gastwirtschaften im Büchertal von 1608 bis 1822 nicht mehr auffindbar. So ist man auf andere Einzelnachrichten angewiesen.

So wird 1752 berichtet, daß die Gemeinde Wegegeld durch den Wirtshauspächter in Höhe von zehn Gulden erhebt. Wirte sind Caspar Geibel, sein Nachfolger Capitain Stumpf und Konrad Lotich, der 1817 als früherer Wirt erwähnt wird.

Im Jahre 1796 wird das Kind eines Steinzeughändlers aus Pfaffenwiesbach im Wirtshaus getauft. Ebenso wird am 23. Februar 1804 das Kind von Kaspar Werner und Frau aus Wehr­heim, die mit steinernem Geschirr handeln, im Wirtshaus getauft. Patin ist Katharina Mankel, Tochter des Wirts Michael Mankel.

Im Jahre 1801 macht der Wirt Mankel Einquartierungskosten geltend: Die Franzosen, die im Vorjahr bei Bergen in ein Gefecht mit Kaiserlichen verwickelt waren, haben 156 Gulden Schulden hinterlassen. Noch 1818 fordert Michael Mankel von der Gemeinde die Bezahlung gelieferter Getränke, vielleicht immer noch die alten Schulden.

Im April 1812 kommt es im Wirtshaus zur Geburt eines Kindes: Barbara Britsch, Frau des Johann Britsch, bringt eine Tochter Anna Margarethe zur Welt. Patin ist die Frau des Wirts Johann Fix. Die Frau ist mit ihrer Cousine auf der Reise nach Lauterbach. Ihr Mann hält sich eine Stunde vor Dieburg auf, wo er auf dem Schuhmacherhandwerk arbeitet. Er ist gebürtig aus Homburg vor der Höhe. Er hat sie zu Frankfurt geheiratet und in Bockenheim sind sie vor acht Jahren getraut worden. Den ihr erteilten Eheschein und ihres Mannes Geburts- und Lehrbrief hat sie vor einem halben Jahr der Wirtin gezeigt und in deren Kiste verwahren lassen.

Vor 1855 ist Adam Lotz der Wirt. Als Adam Trümper (?) am 11. Januar 1855 die Wirtschaft übernimmt, möchte er gern die Branntweinsteuer pauschal zahlen, nicht bei jeder Ohm, die angeliefert wird. Er bietet 50 Gulden, nachher sogar 60 Gulden.

 

Um die Jahrhundertwende heißt der Besitzer Wilhelm Puth. Er ist Maurer und Landwirt und betreibt auch die Gaststätte. In diese heiratet dann der Maurer Jean Fix ein und betreibt ein Baugeschäft, während seine Frau Helene geborene Puth die Wirtschaft führt.

Der Fachwerkbau steht mit dem Giebel zur Straße an der Stelle des heutigen Zwischenbaus. Er hat Gastzimmer, Vereinszimmer und Küche und einen Saal im Obergeschoß. Nach Süden schließen sich die Stallungen an. Der Name der Wirtschaft ist damals „Zur Reichskrone“.

Offiziell wird immer Jean Fix als Inhaber der Wirtschaft geführt. Im Jahre 1933 erscheint er sogar als Angestellter der Gemeinde, weil er kurzzeitig im Auftrag der Gemeinde eine sogenannte „Herberge“ vorgehalten hat, die damals jede Gemeinde zur Verfügung stellen mußte.

Am 1. Juli 1952 übernimmt der Sohn Wilhelm Fix die Gaststätte. Das Haus wird 1964 abgerissen und die Gaststätte völlig neu gebaut. Jetzt besteht sie aus zwei Häusern, die mit dem Giebel zur Straße stehen, und dem Verbindungsbau, der als eine Art überdachter Biergarten genutzt werden kann. Die Gaststube ist im südlichen Teil des Hauses. Darüber und über dem Zwischenbau befindet sich der Saal. Dieser Saal wird vor allem deshalb neu gebaut, weil das Ruth'sche Doppelquartett dort singt. Ansonsten wird er auch damals wenig genutzt, aber er steht auch heute noch zur Verfügung.

Die Gaststätte ist heute noch im Eigentum der Familie Fix, ist aber an Norbert Koch verpachtet. Er wird im Volksmund „Bomber“ genannt, weil er in seiner Zeit als Leichtathlet einem anderen gegenüber sehr kräftig aufgetreten ist. Die Gaststätte ist Vereinslokal der Fußballer, seitdem die Gaststätte „Concordia“ nicht mehr besteht.

 

Das Haus Bachstraße Nr. 12 mit Nebengebäude ist aus dem Jahr 1726. Es hatte früher eine zweigeteilte Tür mit Klopfer, eine sogenannte „Rock- und Motzentür“ (Motzen = Weste). Sie war aus dem 18. Jahrhundert und wurde 1960 zerstört. In dem Haus waren untergebracht das Geschäft des Rundfunkmechanikers Kurt Kram und des Mechanikers Jean Stock sowie ein Fotogeschäft.

 

Das Haus Nr. 14 ist die Metzgerei Schmidt, die 1928 von Wilhelm Mankel gegründet wird. Sie wird bis 1963 von Gerhard Schmidt geführt, danach ist Helene Schmidt die Inhaberin. Die Ware kam von Metzger Kaufeld, der in Aschaffenburg schlachtet. Aber die Verarbeitung geschah im Haus, alles bis hin zur Wurst wurde frisch zubereitet.

 

Das Haus Nr. 10 ist um 1700 gebaut, Besitzerin ist 1980 Frau Margarethe Stein. Im Haus Nr. 8 wohnte die jüdische Familie Strauß und die Familie der Tochter Rita von der Brande, die schon im November 1933 nach Den Haag verzieht.

 

Ringmauerstraße

Von der Bachstraße zeigt nach Westen die Ringmauerstraße ab. Das Haus Nr. 1 ist ein typisch dreiflügliger Bauernhof. Das Wohngebäude ist von 1735 und verputzt. Das eine Nebengebäude ist von 1822 und das andere von 1842. Der Stein an der Hausecke mit der Inschrift „H M 1842“ soll nach Aussage des Lehrers Horst „Hochwassermarke“ bedeuten. Sicher hat es auch in Wachenbuchen schon Hochwasser gegeben, zum Beispiel 1948/1949. Aber eher stehen hier die Anfangsbuchstaben des Erbauers, wie sie auch an der Scheune zu finden sind. Der Besitzer ist 1980 Fritz Schlegel. Das Haus Nr. 3 ist aus der Zeit zwischen 1700 und 1750 und zeigt schöne Mannfiguren. Besitzer ist 1980 Frau Anna Gebhard. Am Ende der Straße ist noch ein Stück der Ringmauer zu sehen.

Von der Bachstraße zweigt auch die Straße Geibeleck ab. Das Haus Nr. 1 ist das Geibelhaus.

 

Geibelhaus

Am Scheunenbalken waren die roten und weißen Lilien zu sehen, die Geibel in seinem Gedicht erwähnt. Doch 1946 fiel die Scheune einem Brand zum Opfer. Gerettet hat man aber ein Stück Holz, das jetzt am Nebengebäude an der Bachstraße angebracht ist. Dieses Gebäude gehörte ursprünglich nicht zum Geibelhaus, sondern wurde von der Familie Gerlach hinzugekauft. Die Inschrift lautet: „Friedrich und Anna Geibel bauen mich den 7. Monat 14. Tag MDCCXI“. Leider ist die Jahreszahl nicht mehr zu erkennen. Professor von Staden gibt 1611 an. Sie könnte aber auch 1711 gelautet haben und sich auf den 1682 geborenen Friedrich Ernst Geibel beziehen. Jedenfalls ist zwischen den Buchstaben MDC und den Buchstaben XI genug Platz für ein weiteres C (es handelt sich um den Buchstaben C und nicht um die Zahl 6).

Das Fachwerk des Hauptgebäudes ist aus der Zeit zwischen 1750 und 1800. Im Oberstockwerk gab es an der Decke zwei große Medaillons aus Stuck. Von dem vorderen ist eine Fotografie erhalten. Die Mitte ist allerdings zerstört. Erkennbar sind aber noch Weinreben und Weinblätter, die farbig gehalten waren. Hinten ist in der Mitte noch ein Kopf erhalten, der allgemein als Löwenkopf gedeutet wird. Aber Frau Erdenreich geborene Gerlach, die heutige Besitzerin, hat eine viel schönere Erklärung, die typisch für Wachenbuchen ist: „Es sieht so aus, als würde Geibel selber einen ansehen!“

 

Viele Besucher des Geibelhauses wollten gern die Stückarbeiten sehen, vorwiegend am Samstag. An diesem Tag wurden aber die Kuchen gebacken und standen dann im Zimmer mit der Stuckdecke auf dem Fußboden. Da hieß es denn aufpassen, damit nicht die Leute beim Betrachten der Decke in die Kuchen traten (Frau Erdenreich).

 

Im rückwärtigen Nebengebäude befand sich die Diamantschleiferei von Wilhelm Gerlach und Söhne.

Das Haus Nr. 3 ist aus dem 18. Jahrhundert. Dahinter ist die Ringmauer noch gut zu sehen. Besitzer sind 1980 die Familien Kappes und Ohl.

 

Das Grundstück Bachstraße 2 war ursprünglich der Garten der früheren Gaststätte „Concordia“. Im Jahre 1912 wird das Grundstück von der Gemeinde erworben und dort ein Spritzenhaus und eine Autohalle gebaut. Diese ist für die Busse und später auch für Privatfahrzeuge. Bis 1950 wird sie zum Beispiel von der Firma Busser genutzt. Zeitweise ist hier auch die Schrotmühle des Bauernverbandes. Später ist sie gegenüber im Hofteil der Gaststätte Concordia (Dort wird die Mühle von Herrn Mankel betrieben, der vorher Fahrer bei Dr. Curtze war). Im Jahre 1974 wird das Feuerwehrgebäude in der jetzigen Form erbaut.

 

Hier endet jetzt das alte Dorf innerhalb der Ringmauer. Das landwirtschaftliche Anwesen Stein in der Schulstraße Nr. 5 liegt außerhalb der alten Ringmauer. Das Haus ist aber mit seiner Nordwand auf die Flucht der Ringmauer gebaut worden. Diese geht nach Osten zwischen den Häusern hindurch zum Haus Alt Wachenbuchen Nr. 6, das als Backhaus noch innerhalb der Mauer lag.

 

Hainstraße

Der weitere Weg führt jetzt hinein in die Hainstraße, die in der Zeit nach 1870 als eine erste „Siedlung“ planmäßig angelegt wird. Das Haus Nr. 22 wird 1891 von Heinrich Eckardt II. gebaut. Das Haus Nr. 20 wird 1890 von Christian Kappes gebaut und beherbergt 1928 das Malergeschäft von Fritz Kappes. Das Haus Nr. 18 ist 1888 von Wilhelm Müller III. (?) erbaut und hatte in der Waschküche einen 9 Meter tiefen Brunnen. Im Jahre 1963 arbeitet dort der Wagner Johannes Müller.

Im Haus Nr. 27 ist 1963 die Metzgerei von Schmitt und Eibelshäuser. Das Haus Nr. 25 wird 1897 von Philipp Heck gebaut. Dort ist später die Fahrschule Karl Mutz, heute Fahrschule Hill.

Das Haus Nr. 23 wird 1897 von Heinrich Glinder gebaut. Das Anwesen besteht aus Wohnhaus, Backhaus und Scheune und beherbergt 1963 die Bäckerei Glinder und Steup. Diese läßt sich die Erlaubnis geben, das neue Ortswappen in ihrem Stempel zu führen. Heute ist die Bäckerei eine Filiale der Firma Vonbirn. Im Oberstockwerk befand sich die Schuhmacherei Fritz Herrmann.

Im Haus Nr. 17 gehört zunächst in den zwanziger Jahren die Firma Philipp Stock, Fahrräder und Nähmaschinen. Dann wohnt dort der Sandgrubenpächter Karl Mihm. In den Jahren 1950 und 1951 ist dort das Lebensmittelgeschäft von Wolfgang Jeske und danach die Werkstatt für das Verschließen von Konservendosen. Heute gibt es dort im Sommer Eis bei der „Eis-Anni“.  Die eigentliche Trägerin dieses Namens ist allerdings verstorben, danach bot ihre Tochter, Frau Oswald, das Eis an.

Das Haus Nr. 13 gehört der jüdischen Familie Stern, bis sie am 15. Mai 1939 nach Frankfurt verzieht. Das Haus Nr. 11 wird 1892 von Ludwig Puth gebaut und beherbergt bis 8. März 1954 die Diamantschleiferei Philipp Krimmelbein. Das Haus Nr. 9 wird 1891 von Peter Heckert gebaut. In der Hainstraße Nr. 7 war das Spengler- und Lampengeschäft von Georg Trabel.

Hinter den Häusern 14 und 12 kann man sehr gut die Ringmauer sehen. Das Haus Nr. 10 gehörte bis 1938 der jüdischen Familie Strauß, deren Verbleib unbekannt ist. Das Haus Nr. 8 ist 1888 von Johannes Kleeb gebaut. Im Haus Nr. 6 war das Lebensmittelgeschäft von Rehm (nachher Alt Wachenbuchen 23) und später von Familie Schmidt. Im Haus Nr. 4 war der Konsumladen untergebracht, ehe er in das Haus Schulstraße Nr. 1 umzieht. Das Eckhaus zur Straße Alt Wachenbuchen Nr. 34 war die ehemalige Synagoge, das jüdische Bethaus.

 

Synagoge

Eine Synagoge gibt es schon 1852 in Wachenbuchen. Auf dem Grundstück Alt Wachenbuchen Nr. 34 an der Ecke zur Hainstraße wird 1880 das jüdische Gotteshaus erbaut. Die Synagoge ist ein Bruchsteinbau und bietet Sitzplätze für 50 Männer und 28 Frauen. Der Aufgang zum ersten Stock ging an der Seite nach der Hainstraße an der Außenseite nach oben. Im November 1938 wird sie von den Nazis zerstört.

Eine Zeit nutzt die Firma Jacobi die Synagoge. Am 18. Januar 1950 wird sie zum Kauf oder zur Verpachtung angeboten. Ab Februar nutzt die KEWA die Synagoge für Trainingszwecke.

Am 2. Oktober 1950 beschließt die Gemeindevertretung, die ehemalige Synagoge zum Preis von 120 Mark im Jahr an die Kirchengemeinde zu vermieten. Die Kirchengemeinde muß das Gebäude von innen renovieren, die politische Gemeinde wird Fenster einsetzen und einen Großraumofen zur Verfügung stellen. Am 12. November wird die Synagoge für den christlichen Gottesdienst eingeweiht. Der Schrein für die Thorarolle wird zum Aufbewahrungsort für die Bibel. Ab 1. Juli 1953 stellt die Kirchengemeinde die Synagoge wieder zur Verfügung, denn im Herbst 1953 kann die wieder aufgebaute Kirche eingeweiht werden.

Am 29. April 1969 wird die Synagoge einschließlich des angrenzenden Streifens für 13.000 Mark an den Schmiedemeister Hans Oswald verkauft. Heute dient das Gebäude als Wohnhaus. Zu diesem gehört auch ein kleiner Garten außerhalb der Ringmauer hinter dem Haus Nr. 32.

Neben der Synagoge stand das jüdische Schulhaus (Nr. 36), in dem auch der Lehrer wohnte und  in dem eine „Mikwe“ war, ein Bad für rituelle Waschungen. Diese Schule wurde im November 1938 durch Nazis total zerstört.

 

Das Haus Alt Wachenbuchen Nr. 32 ist aus der Zeit zwischen 1750 und 1800. Die Garage ist sehr störend. Vor ihr stand bis in die dreißiger Jahre ein Brunnen, der gern zum Tränken des Viehs genutzt wurde. Der Landwirt Emmerich nutzte den Trog noch eine Zeit auf seiner Weide. In dem Haus wohnten die jüdischen Familien Eisermann und Salomon Strauß. In den fünfziger Jahren hatte Frau Elise Boldt hier ein Geschäft, eine Agentur des Schwab-Versands und eine Vertretung von Bechts Speiseöl. Im Jahre 1980 ist Rudolf Krüger der Besitzer. Im Haus Nr. 33 hatte Frau Anni Schönweitz 1960 einen Handel mit Speiseöl.

 

Kleine Hainstraße

Die Kleine Hainstraße war praktisch so etwas wie eine Judengasse. Im Haus Nr. 1 wohnte die Familie Reinhardt, die am 7. September 1939 nach Frankfurt verzieht. Nach dieser Familie ist die Straße zeitweise „Reinhardtstraße“ genannt. Das Haus war die Judenbäckerei, die später von Hans Stallmann übernommen wird.

Das Haus Nr. 3 wird 1894 von Jacob Friedrich Heck gebaut. Auch hier wohnen zwei jüdische Frauen, Malchen Appel und Jenny Appel.

Das Haus Nr. 2 ist 1894 erbaut von Adam Stock. Das Haus Nr. 4 gehörte dem jüdischen Händler Adolf Strauß III., dessen Familie 1939 nach Frankfurt verzieht. Das Haus geht dann an die Familie Puth, als es am 22. März 1945 von Granaten getroffen und total zerstört wird. Von der Weißbinderfamilie Steeg wird es wieder neu aufgebaut.

Auch das Haus Nr. 5 gehörte dem jüdischen Ehepaar Dessauer, das eine Schuhmacherei hatte. Im Haus Nr. 10 wohnte die jüdische Familie Burg, die am 31. März 1939 nach Frankfurt verzieht. Das Haus Nr. 14, das 1883 von Johannes Müller III. erbaut wird, hat 1940 jüdische Besitzer.

 

Alt Wachenbuchen

Das Haus Alt Wachenbuchen Nr. 37 gehörte bis 1940 Frau Emma Schönfeld, die aber nach Großauheim verzogen war und das Haus auf Druck des Landrats 1941 an Franz Faßel verkaufen mußte. Auch das Haus Nr. 40 gehörte einer jüdischen Familie, nämlich Henning und Mat­hilde Strauß, die 1939 oder 1940 nach Frankfurt verzogen sind.

 

Feldstraße

Von der Kleinen Hainstraße geht es über den westlichen Teil der Straße Alt Wachenbuchen zur Feldstraße. Im Haus Nr. 1 befand sich die Gaststätte Pflug. Im Haus Nr. 1a richtet der Gastwirt Pflug eine Bäckerei ein, während er noch die Gaststätte hat. Er übergibt die Bäckerei seinem Sohn Bernhard, der sie 1963 noch hat. Danach ist in dem Haus seit Anfang der achtziger Jahre die Firma Elektro-Anlagen Podbielski, die heute das Papier- und Lottogeschäft in der Feldstraße 2a betreibt.

 

Gaststätte „Zur Schönen Aussicht“ (Pflug)

Am 7. März 1882 stellt die Familie Müller (Konrad Müller, Gastwirt Heinrich Müller und Frau Helene geborene Schäfer) den Antrag auf Bau eines Tanzsaals. Danach stellt Peter Müller III. im Jahre 1890 den Antrag, eine Gastwirtschaft eröffnen zu dürfen. Der Kreisausschuß lehnt im Juni die Konzession wegen mangelnder Bedürfnisse zunächst ab, aber am 1. August wird sie doch erteilt. Ein Antrag auf Bau eines „Saals zu Restaurationszwecken“ wird 1899 gestellt und 1900 noch einmal wiederholt.

Am 4. September 1900 schreibt Müller an die Gemeinde: Der gegenüberliegende Garten wurde schon vor meiner Übernahme genutzt. Die Wirtschaft wird wegen ihrer schönen Lage gut besucht. Es fehlt aber an Unterkunftsräumen, wenn einmal ein Unwetter kommt. Höhere Offiziere, die vor vier Jahren bei einem Manöver einkehrten, haben bemängelt, daß bessere Gaststätten fehlen. Deshalb habe ich am 16. 3. 1899 um die Erlaubnis zur „Erbauung eines Saales zu Restaurationszwecken“ gebeten. Er ist inzwischen fertiggestellt und entspricht den heutigen Ansprüchen so, daß die bessere Gesellschaft sich nun wohl darin fühlen kann. Der verbleibende Vorgarten ist noch 20 mal 14 Meter groß, teilweise mit Bäumen bestanden; aber im Herbst sollen Platanen gepflanzt werden, weil die mehr Schatten spenden.

Müller bittet um die Erlaubnis, gelegentlich auch im Saal und Vorgarten Wirtschaft betreiben zu können. Der Gemeinderat lehnt am 5. September 1900 den Antrag ab, weil Müller in dem Vorgarten auch noch ein Wohnhaus bauen und seine gegenwärtige konzessionierte Wirtschaft verkaufen wolle. Auch der Landrat lehnt die Erweiterung der Konzession ab. Er bietet aber an, bei besonderen Gelegenheiten auf Antrag den Ausschank in dem Saal zu gestatten. Eine Konzession wäre für das neue Haus möglich, wenn das alte nicht mehr als Wirtshaus genutzt würde. Müller erklärt sich damit auch einverstanden.

Am 10. Januar 1903 erhält der Landwirt Wilhelm Pflug, Schwiegersohn Müllers, die Erlaubnis zum Betrieb der Gastwirtschaft einschließlich Saal. Im Erdgeschoß sind ein Gastzimmer (6,05 mal 4,15 Meter) und Küche sowie Wohn- und Schlafzimmer des Gastwirts. Im Obergeschoß sind ein besseres Gastzimmer für 35 Personen (4,05 mal 4,20 Meter) und drei Fremdenzimmer. Im Seitenbau sind Stallungen und Abortgebäude.

Auf der gegenüberliegenden Seite in der Hanauer Landstraße 2 ist der Saal für 300 Personen (13 mal 12,24 Meter). Der Saal ist 20 Meter von der Straße entfernt. Der Vorgarten dient als Sommerwirtschaft. Ein Abortgebäude ist hinten im Garten. Auf dem Platz vor der Gaststätte wird die Kerb durchgeführt.

 

Weihnachtskasse der „Schönen Aussicht“: Im Januar 1901 wird in der Gaststätte „Zur Schönen Aussicht“ eine private Sparkasse gegründet, die allen Einwohnern offensteht. Ziel ist es, sich etwas für Weihnachten anzusparen. Das Startkapital beträgt 20 Pfennig. Eingezahlt werden kann jeden Sonntagabend von 21 - 22 Uhr in der Gastwirtschaft, und zwar wöchentlich 25 Pfennig.

 

Auch der Wirt hat offenbar gut gespart, denn er und Dr. Weitzel haben 1906 die ersten Autos im Ort. Am 11. August 1924 wird ein Vertrag mit Herrn Pflug wegen Errichtung einer Herberge abgeschlossen, aber 1934 sind Herbergen nicht mehr zulässig.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und danach ist die Kleiderfabrik Carl Schneider im Saal des ehemaligen Gasthauses Pflug. Er brennt aber ab und wird abgerissen und nur notdürftig mit einem Flachdach aufgebaut. Hier hat dann Frau Röhm eine Drogerie, die dann auf Lebensmittel und Haushaltswaren ausgeweitet wird.

Nach dem Krieg führt Frau Irmgard Geßner - die mit im Haus wohn - die Gaststätte. Am 1. März 1950 gibt sie aber die Gaststätte ab, am 1. Juni auch die am 1. Mai 1949 gegründete Leihbücherei. Im Jahr 1954 stirbt Wilhelm Pflug. Seine Ehefrau Maria führt die Gastwirtschaft zunächst weiter. Sie erhält die Konzession allerdings nur noch für das Gemeinschaftsgastzimmer, alle anderen Räume sind zu Wohnungen umgewandelt. Ab 11. März 1955 wird die Wirtschaft ganz aufgegeben und verkauft.

Neuer Besitzer ist die Familie Stock, die ihr Fahrradgeschäft vorher in der Bachstraße 12 hatte. Jetzt wird die Werkstatt an der Stelle der Dreschmaschinenhalle gebaut und von Jean Stock die mechanische Werkstätte mit Propangasabgabestelle errichtet. Das Fahrradgeschäft wird ausgeweitet auf Haushaltwaren, Öfen, Herde, Glas und Porzellan und von Elfriede Stock geführt. Im April 1980 wird eine Bücherei der Stadt in den Geschäftsräumen eingerichtet.

Im Haus Feldstraße 1a gehörte ursprünglich mit zum Grundstück. Dort richtet Bernhard Pflug, der Sohn des Gastwirts, eine Bäckerei ein (noch während die Gaststätte besteht). Ende der fünfziger Jahre ist dort das Geschäft Podbielski, Papier und Lotto, das jetzt im Haus gegenüber Feldstraße 2a ist

 

Das Haus Nr. 7 ist 1889 von Balthasar Wacker gebaut. Im Jahre 1946 arbeitet dort der Schuhmacher Johann Freiling und 1954 die Diamantschleiferei Ewald Meininger.

Das Haus Nr. 9 wird 1899 von Wilhelm Müller IV. gebaut. Auch im Haus Nr. 11 ist eine Diamantschleiferei gewesen, die im Krieg als Sammelunterkunft für Kriegsgefangene diente.

 

Dorfelderstraße

In der Dorfelderstraße gab es auch noch einige Geschäfte: Das Haus Nr. 1 wird von der Firma Fix gebaut und von dem Diamantschleifer Johannes Koch gekauft. Zeitweise ist dort ein Milchgeschäft. In dem Haus wohnt der Landwirt Ludwig Schäfer, der ab 1933 Bürgermeister ist. Heute steht an dieser Stelle ein Neubau. In Nr. 2 gab es den Maler Günter Vogel, in Nr. 4 den Textilverkauf von Wilhelm Puth XV. Und in Nr. 6 war schon 1928 den Textilwarenverkauf des Handelsvertreters Philipp Müller.

 

Im Gebiet zwischen der Straße „Am Klingerborn“ und „Hessenring“ entsteht nach dem Krieg die erste Siedlung. Am Ende der Straße liegt der gleichnamige Klingerborn. Die Quelle liegt heute etwas tief, ist aber schön gefaßt. Nach Kriegsende wird das Schuttabladen am Klingerborn bei Strafe verboten.

Hier im Westen des Ortes sind weitere neue Wohngebiete, die nach den Wohnungsbaugesellschaften benannt sind: Nassauische Heimstätte und Gagfah (Feldbergring 1968 - 70), Fischer-Gebiet (Ronneburgstraße und Kreuzburgstraße, 1970), Kompakta südlich der Fischer-Häuser (also Taufsteinstraße, 1972), Graf-Solms-Gebiet (Geschoßbauten an der Hahnenkammstraße, 1972), Wobau (zwischen Hanauer Landstraße und Brucknerstraße, 1971).

 

                                              

Gärtnerei Kaufeld

Am Ende der Straße „Am Berghof“ Nr. 5 liegt die Gärtnerei Kaufeld, gegründet von Hella und Ewald Kaufeld. Den Gärtnerberuf lernt Ewald Kaufeld in der Gärtnerei Keim in Bruchköbel. Abschließend arbeitet er im Münsterland und in Köln, um seine Kenntnisse zu erweitern. Nach einer Beschäftigung bei der Stadt Frankfurt gründet er 1963 den jetzigen Betrieb in Wachenbuchen.

Seinen Wunsch nach Selbständigkeit kann er nur in Wachenbuchen verwirklichen. Er stammt ja aus dem Ort, in dem sein Vater Bürgermeister war, aber keinen Landbesitz hatte. Auch die kleine Gärtnerei seiner Schwiegereltern ist von städtischem Pachtland abhängig.

So freut er sich, als nach vierjährigen Bemühungen die damaligen Nassauische Siedlungsgesellschaft es der Familie 1963 ermöglicht, in der freien Feldflur nordöstlich des Ortes eine „Siedlerstelle“ zu errichten, obwohl die Gemeinde dort inzwischen Bauerwartungsland ausgewiesen hat. Von der Staatsdomäne können im Herbst 1962 drei Hektar Land gekauft werden. Im Jahr 1974 wird noch einmal ein Hektar von der Hessischen Landgesellschaft erworben (der westliche Teil des Geländes). Die Landwirte protestieren scharf, weil sie um die Grundstückspreise fürchten; aber nach außen kritisieren sie nur, daß man hier billiges Bauland hätte haben können.

Die Firma hat von Anfang an mit allerhand Schwierigkeiten zu kämpfen. Eine Gärtnerei braucht Wasser. Dieses kann sie nur aus zwei Brunnen auf einem eigenen Grundstück an der heutigen Büchertalstraße beziehen. Fast 1,5 Kilometer Leitung sind in den damaligen Feldwegen zu verlegen (heute Brucknerstraße und Höhenweg). Die Genehmigung für die Wasserrechte muß der Regierungspräsident erteilen.

Als dann im Süden des Ortes gebaut wird, müssen die Leitungen umgelegt werden. Es gibt Streit wegen der Übernahme der Kosten. Gleichzeitig läuft aber ein Antrag der Familie, das Wohnhaus auf drei Stockwerke zu erhöhen. Erst nach einem Verwaltungsgerichtsverfahren werden zwei Vollgeschosse genehmigt.

Das Trinkwasser soll 1968 aus dem öffentlichen Netz bezogen werden (laut Akten erst 1968, nicht von Anfang an, wie Herr Kaufeld angibt). Aber die Gemieden will sich zunächst nicht mit einer Druckausgleichanlage belasten. Schließlich wird diese aber doch an der Ecke Dorfelderstraße/ Hessenring gebaut, aber mit einem Begrenzungsventil versehen. Sie ist unterirdisch und heute nicht mehr in Betrieb. Aus den Brunnen im Süden des Ortes wird weiterhin Wasser bezogen. Außerdem wird Regenwasser in zwei Teichen gesammelt und für die Bewässerung genutzt. Der Bau der Straße wird zur Hälfte von der Gärtnerei und zur Hälfte von der Gemeinde finanziert.

Anfangs ist die Gärtnerei ein Gemüsebaubetrieb. Aber 1981 wird sie auf Blumen und Zierpflanzen umgestellt. Im Jahre 1992 übergeben Ewald und Ella Kaufeld das Geschäft an Gärtnermeister Walter Kaufeld. Seine Frau Beate und seine Schwester betreiben das Blumengeschäft „Maintal-Blumen-Center“ auf dem Betriebsgelände. Heute ist sie die größte Gärtnerei der Stadt mit zehn ständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und sieben Teilzeitkräften sowie Auszubildenden.

Die Gärtnerei hat heute 8.500 Quadratmeter Fläche unter Glas, wird aber noch expandieren müssen. Sie ist auf dem Blumengroßmarkt in Frankfurt und auf den Wochenmärkten in Hanau und Bischofsheim vertreten. Die Firma nutzt ihren Vorteil, nah am Verbraucher zu sein. Sie geht auch auf die Wünsche ihrer Großkunden ein und bietet eine schnelle Lieferung in großer Stückzahl und in gleich guter Qualität an. Nach dem Tod Walter Kaufelds wird die Gärtnerei aufgegeben, das „Maintal Blumen-Center“ besteht in Hochstadt in der Wachenbucher Straße weiter.

Noch weiter draußen liegt der Aussiedlerhof Stein, der seinen Sitz in der Mittelbucherstraße 11 hat und 1969 nach hier aussiedelt.

 

Hanauer Landstraße

In der Hanauer Landstraße Nr. 1 befindet sich schon 1925 die Metzgerei Ferdinand Röll bzw. 1954 Heinrich Röll. Im Jahre 1960 ist dort ein Textilhandel von Franz Dick.

Im Haus Nr. 3 wird 1899 durch Abraham Strauß ein Laden eingebaut. Im Jahre 1928 hat Hermann Schönfeld dort einen Laden für Manufakturwaren. Am 26. Februar 1936 zieht die Familie nach Palästina, eine Frau Ida Schönfeld zieht am 6. Dezember 1938 nach Frankfurt.

Auch im Haus Nr. 5 wohnt eine jüdische Familie Salomon Strauß, die am 1. Juni 1937 mit der Tochter Anna nach Frankfurt verzieht. l

Das Haus Nr. 7 wird 1899 von Wilhelm Stürz gebaut. Nach dem Krieg wohnt dort Edmund Iwanski, der selber Obst und Gemüse anbaut und ein Wandergewerbe für Obst und Gemüse hat.

 

Raiffeisenstraße

Die Raiffeisenstraße ist benannt nach der Raiffeisenbank im Haus Nr. 1. Hier stand ursprünglich das Wohnhaus des Bauunternehmers Welz. Das Unternehmen besteht seit 1908 und erhält immer wieder Aufträge von der Gemeinde. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellt sie als Neuerung Hohlblocksteine her. Dabei weitet sie aber ihre Produktionsfläche immer mehr auf den Turnplatz bei der Schule aus. Die Firma wird 1951 wiederholt aufgefordert, den Platz frei zu machen, weil er nur als Lagerplatz verpachtet ist. Sie soll ein neues Gelände am Holzbuckel erhalten. Später bietet man ihr das Grundstück hinter dem Löschwasserbecken am Friedhof an. Doch am 1. Juni 1952 verlegt sie ihren Sitz nach Hanau.

Seit 1934 befindet sich vor dem Haus die einzige Grünanlage des Ortes. Damals heißt die Stelle „Adolf-Hitler-Platz“. Er ist rund und von einer Hecke umgeben. In der Mitte steht ein Springbrunnen und ein Gedenkstein für Horst Wessel, den Dichter der damaligen zweiten Nationalhymne. An der Spitze des Platzes steht die „SA - Eiche“, die später durch Linden ersetzt wird. Diese Ecke wird 1945 von amerikanischen Panzern zerstört. Der Platz heißt später „Lindenplatz“. Die letzten Reste des Denkmals werden 1955 entfernt. Im Jahre 1959 wird die Bushaltestelle nach dort verlegt.

Raiffeisenbank

Die Raiffeisengenossenschaft gibt es schon seit rund 150 Jahren. Im Vordergrund steht allerdings zunächst der Handel mit Saatgut, landwirtschaftlichen Produkten und Brennmaterial, das Geldgeschäft ist nur ein Nebenzweig. Handwerkern und Bauern soll durch die Genossenschaft geholfen werden, die wirtschaftliche Selbständigkeit unter annehmbaren Bedingungen ermöglichen. „Hilfe durch Selbsthilfe“ und „Gemeinsamkeit macht stark“ sind die Schlagworte der Bewegung. Die Raiffeisengenossenschaft in Wachenbuchen wird bereits 1864 gegründet. Ihr Lager hat sie auf dem Hof Mossel, Erbsenstraße 19.

Im Februar 1874 wird die Spar- und Leihkasse Wachenbuchen „mit unbegrenzter Haftung“ gegründet. Sie ist die älteste unter den Raiffeisenbanken in Maintal. Sie ist die Bank, mit der die Gemeinde Wachenbuchen den Großteil ihrer Geldgeschäfte abwickelt: Die Gemeinde übernimmt 1933 eine Bürgschaft für einen Kassenkredit der Spar- und Darlehenskasse Wachenbuchen. Im Jahre 1950 ist ein Jubiläum der Spar- und Darlehenskasse, zu dem der Bürgermeister Glückwünsche ausspricht. Die Gemeinde eröffnet ein Konto bei der Spar- und Darlehenskasse.

Am 16. Dezember 1969 wird das Grundstück Raiffeisenstraße 1 samt Grünanlage an die Raiffeisenkasse verkauft. Das Haus der Firma Welz wird abgerissen und die Raiffeisenbank errichtet. Im September 1970 wird der nördliche Teil der Hintertorstraße in „Raiffeisenstraße“ umbenannt. Im Juli 1970 schließt sich die Bank mit dem 1897 gegründeten Spar- und Darlehenskassen-Verein Mittelbuchen zusammen zur Raiffeisenbank Wachenbuchen e. G.

Bereits 1972 wird das Gebäude durch den Flachbau erweitert. Im Inneren befindet sich an der Rückwand noch eine Luftaufnahme von Wachenbuchen aus dieser Zeit. Im Dezember 1986 schließt man sich mit Dörnigheim zur Raiffeisenbank Maintal e.G. zusammen, 1994 kommt noch Bischofsheim (mit Bergen-Enkheim) dazu.

Heute gibt es in Deutschland etwa 2.700 rechtlich und wirtschaftlich selbständige Kreditgenossenschaften, die zur Bankengruppe der Volksbanken und Raiffeisenbanken gehören. Durch Erwerb eines oder mehrerer Geschäftsanteile kann man Bankteilhaber werden und den Kurs der Bank mitbestimmen durch Ausübung des Stimmrechts in der Generalversammlung.

Die Raiffeisenbank ist nicht die Filiale eines großen Konzerns, sondern die Bank vor Ort, die sich durch Kundennähe und Verzahnung mit der Region auszeichnet. So unterstützt sie den Sport (zum Beispiel den Volkswandertag, bei dem die Wachenbucher immer die größte Grup­pe stellen), die Kultur (zum Beispiel die Sommerakademie Moosburg) und die Jugend.

Heute konzentriert man sich allein auf das Bankgeschäft. Die Raiffeisenbank Maintal hat 97 Millionen Mark an Spareinlagen und 1995 eine Bilanzsumme von 320 Millionen, fast 5.000 Mitglieder und fast 33.000 Geschäftsanteile. Im ehemaligen Raiffeisenlager sind die Lagerflächen teilweise vermietet, teilweise ist dort die Post untergebracht.

 

Post

Eine Postagentur muß es schon nach dem Ersten Weltkrieg gegeben haben, denn 1921 wird gegen die Aufhebung der Postagentur zum 1. August 1921 schärfstens protestiert. Der Gemeindevorstand müht sich 1924 um die Errichtung einer Postagentur. Am 19. August 1960 wird das Zweigpostamt Wachenbuchen mit Wirkung vom 1. September 1960 in Poststelle I umbenannt.

Die Gemeinde bestätigt am 5. Februar 1969 die Pläne zur Telefonverkabelung von Wachenbuchen. Im Laufe des Jahres 1969 soll der ganze Ort verkabelt werden. Von Hanau wird ein Fernmeldekabel durch den Gemeindewald nach Kilianstädten verlegt (ein Hinweisstein befindet sich am Simmichtsweg etwa hunderte Meter nach Beginn des Hirzwaldes). Die Verkabelungsarbeiten ziehen sich aber bis 1970 hin. Zum Teil werden unterirdische Anlagen errichtet.

Im gleichen Jahr 1969 möchte die Post auf dem Grundstück von Karl Fix an der Hintertor­straße gegenüber der Raiffeisenkasse ein neues Postamt errichten. Die Poststelle müßte dazu in ein Postamt umgewandelt werden. Das Postamt Hanau bittet den Bürgermeister, Angaben über die geplante Entwicklung des Ortes zu machen. Dieser spricht von einer Erweiterung auf bis zu 5.000 Einwohner.

Die Post ist zunächst in verschiedenen Privathäusern untergebracht. Zuerst ist sie im Haus Alt Wachenbuchen 18, dann in der Hanauer Landstraße 10. Als der Posthalter Hartherz in Rente geht, kommt die Post in das ehemalige Raiffeisenlager in der Raiffeisenstraße 3.

Am 5. August 1970 gibt es nur eine Telefonzelle im Ort. Die Post will zwei Münzfernsprecher aufstellen: am Alten Rathaus (verwirklicht) und an der Ecke Dorfelderstraße/ Feldstraße. Ab Herbst 1974 werden alle Fernsprechanschlüsse zur Ortsvermittlungsstelle 8 in Hanau umgeschaltet.

 

Hanauer Landstraße

Das Haus Hanauer Landstraße Nr. 15 wird zu bauen begonnen von dem Zimmermann Johannes Heck und dann in halbfertigem Zustand übernommen von dem Diamantschleifer Philipp Müller I., der auch Obstbaumwart ist.

Das Haus Nr. 17 ist 1904 das letzte in der Straße. Es wird 1899 von Heinrich Mankel IV. erbaut und gehört ab 1924 dem Diamantschleifer Heinrich Eckardt. Er hat genauso wie sein Nachbar Müller viel Material zur Geschichte Wachenbuchens gesammelt.

Im Garten des Hauses und auch hinter den Häusern 15 und 13 kann man noch einen Rain sehen, der durch den Abbau von Ton für die Herstellung grauer „Russensteine“ entstanden ist. Hier hatte auch der Fabrikant Jacob Friedrich Heck eine Unterkunft für seine Arbeiter. Das Grundstück Nr. 23 war der erste Turnplatz der Freien Turner. Im Haus Nr. 25 war ein Fahrradgeschäft. Das Haus Nr. 27 wird 1913 von einem Herrn Geißler gebaut und dann von der Familie Rauch gekauft; am 22. März 1945 wird es von Granaten getroffen. Der HL-Markt besteht seit dem 3. November 1978 (heute: Nahkauf).

Im Haus Nr. 10 war zeitweise die Post unter Leitung von Herrn Hartherz. Im Haus Nr. 14 ist 1986 das Textilwarengeschäft von Lapp und Schäfer (bis 1996).

 

Schulstraße

Der Bauplatz für das Haus Schulstraße 17 wird am 28. März 1939 zu einem Preis von 90 Pfennig pro Quadratmeter von der Gemeinde verkauft. Der Preis ist so niedrig, weil das Grundstück zu diesem Preis vom Staat gekauft wurde mit der Auflage, es zum gleichen Preis weiterzuverkaufen.

Später ist hier das Geschäft des Elektroinstallateurs Karl Oestreich. Das Eckgrundstück wird im Volksmund gern „Österreichische Grenze“ genannt, wegen des Besitzers Oestreich, der an die damalige Grenze des Ortes gebaut hat.

Im Haus Nr. 15 ist 1949 der Laden für Gemischtwaren und Lebensmittel von Philipp und Margarethe Berres und das Transportunternehmen von Heinrich Lapp.

An der Stelle des Doppelhauses Nr. 40 waren im Zweiten Weltkrieg zwei Feuerlöschteiche. Nach dem Krieg soll hier 1948 ein Haus aus Russensteinen gebaut werden, nicht mit Hohlblocksteinen, die die Firma Welz angeboten hat. Der Bauplatz über dem Wasserbassin wird am 8. November 1948 Herrn Ditter angeboten; er muß aber einen Partner für den Bau eines Doppelhauses finden. So kommt damals das Doppelhaus zustande.

Das Haus Nr. 34 wird am 22. März 1945 von Granaten getroffen. Frau Marie Krimmelbein und ihre Tochter Auguste kommen dabei um, Herrn Krimmelbein wird ein Arm abgerissen.

Im Haus Nr. 28 war eine Rot-Kreuz-Station. Das Obergeschoß des Hauses Nr. 26 wird am 6. Januar 1945 bei einem Fliegerangriff beschädigt, der Dachboden des Nebengebäudes brennt. Beim Versuch, das Feuer zu löschen, gefriert das Wasser, so daß mit Jauche weiter gelöscht wird. Am Nebengebäude befindet sich noch ein Stein mit der Inschrift: „Erbaut Anno 1927 v. Johannes Müller und seiner Ehefrau Elisabeth geb. Fix!“ Diese ehemalige Scheune hat heute die Hausnummer Hintertor 3. Im Garten gegenüber (südöstlich der Kreuzung Schulstraße/ Hintertor) geht bei dem Luftangriff eine Luftmine nieder, die in großem Umkreis die Häuser beschädigt.

Auch das Haus Raiffeisenstraße 20 wird am 22. März von Granaten getroffen. Dabei kommt die evakuierte Lehrerin Frau Argus um.

 

Bürgerhaus

Früher gab es in Wachenbuchen drei Wirtshaussäle. Aber der Saal der Gastwirtschaft Pflug ist dann abgebrannt. Der Saal in der Schulstraße 12 ist an einen Gewerbebetrieb verpachtet. Es bleibt nur noch ein relativ kleiner Saal in der Gaststätte „Concordia“, der schließlich 1961 auch geschlossen wird.

Für das Vereinsleben ist es aber wichtig, Versammlungs- und Übungsräume zu haben. Auf Initiative der Sport- und Kulturgemeinschaft beschließt die Gemeindevertretung am 24. November 1961 den Bau einer „Halle“ für den Turnunterricht in der Schule und für Veranstaltungen der Vereine.

Im Garten neben der Schule wird in der Schulstraße 13 von der Firma Fix & Söhne zunächst eine Halle erbaut. Der Grundstein wird am 3. November 1962 durch Regierungspräsident Dr. Schubert gelegt. Am 13. September 1963 ist das Richtfest. Am 11. Juli 1964 wird die erste „Mehrzweckhalle“ im damaligen Kreis Hanau übergeben, als Bürgermeister Hack gerade 14 Tage im Amt ist. Dazu kommen Regierungspräsident Wittrock, Landtagsabgeordneter Heinrich Fischer, Landrat Voller und Bundestagsabgeordneter Flämig. Am Abend ist ein Bunter Abend, mit dem die Vereine die Halle in Besitz nehmen. Damals gibt es 20 Vereine mit rund 1.000 Mitgliedern. Die Halle ist gedacht für gesellige und sportliche Veranstaltungen, für Sportvereine und als Schulturnhalle.

Sie bietet Platz für 400 Personen und hat eine Bühne, einen Raum für die Turngeräte, einen Ausschankraum, eine Küche und Sanitäreinrichtungen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 750. 000 Mark, von denen Wachenbuchen 290.000 Mark aufbringt. Am 6. März 1969 überträgt das Hessische Fernsehen eine Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle.

Die Bewirtung erfolgt zunächst nur bei Bedarf, das heißt bei Veranstaltungen in der Halle. Als Erster ist dabei Jean Fix, der Besitzer der Gaststätte „Concordia“, tätig. Danach folgt die Familie Schmidt als Pächter, die aber im März 1969 kündigt. Das Ehepaar Hartherz ist ab 1. April 1969 bis 30. April 1970 Pächter der Bewirtschaftung der Mehrzweckhalle. Neuer Pächter wird Willi Schmidt. Er will jedoch nur bei Veranstaltungen der Vereine tätig werden. An den anderen Tagen soll der Hausmeister Flaschenbier verkaufen. Frau Therese Schmidt kündigt im Februar 1973 die Bewirtschaftung der Mehrzweckhalle. Nachfolgerin wird Frau Rita Weißgerber ab 1. April 1973. Die Gaststätte wird noch lange von der Familie geführt.

Ab dem Jahre 1970 wird die Mehrzweckhalle nach einem Dreistufenplan ausgebaut. Die erste Stufe ist der Ausbau des Lichthofs zu einem kleinen Saal für 60 bis 70 Personen mit Ausschank, damit auch kleinere Veranstaltungen möglich sind. Der Plan des Architekten Reuss aus Hanau zur Erweiterung der Mehrzweckhalle wird im März 1974 angenommen. Die Bauarbeiten werden an die Firma Fix vergeben.

Eine Freifläche wird geschlossen und dient zunächst als Gastraum mit Küche, später nutzen die Alten und die Landfrauen den Raum. Es entstehen je ein Kolleg im Erdgeschoß und im Obergeschoß. Dazu kommen zwei Kegelbahnen, eine Gastwirtschaft mit Kolleg, zwei Jugendräume, eine Altentagesstätte, eine Pächterwohnung und eine Schießstand für die Schützengilde. Das Haus heißt nach der Erweiterung „Bürgerhaus“. Am 31. August 1976 wird das Bürgerhaus eingeweiht in Anwesenheit von Innenminister Hans-Heinz Bielefeld.

                                                                      

Schule

In den Jahren 1907 - 1909 wird an der Ecke Schulstraße/ Raiffeisenstraße eine dritte Schule mit vier Klassen gebaut. Der Geburtsjahrgang 1903 wird 1909 als erster dort eingeschult. Im Dachgeschoß befinden sich je eine Lehrer- und Hausmeisterwohnung. Der Eingang ist zunächst von der Rückseite. Das Toilettenhaus steht extra. Der Schulgarten ist dort, wo heute das Bürgerhaus steht. Der Turngarten ist dort, wo heute der Parkplatz ist; er wird auch von den Vereinen genutzt.                                                                 

 

Rathaus

Die alte Schule wird 1970 zum Rathaus umgebaut. Der Raumplan für den Umbau der Schule zum Bürgermeisteramt sieht so aus: Im Keller: Werkstätten. Im Erdgeschoß: Kasse, Ordnungsamt, Bauamt, Einwohnermeldeamt. Im Ersten Stock: Bürgermeisterzimmer, Sitzungssaal, Steueramt, Hauptamt. Im Dachgeschoß: Archiv, Teeküche und Dienstzimmer für die Polizei.

Am 1. September 1970 nimmt die Verwaltung ihre Arbeit in dem neuen Rathaus auf. Es werden 14 Räume für die Verwaltung eingerichtet. Das Gebäude liegt zentral, Parkplätze sind vorhanden, Post und Banken sind in der Nähe. Festredner für die Rathauseinweihung am 3. November 1970 ist Minister Rudi Arndt. Die Bevölkerung kann am Wahlsonntag (8. November) das Rathaus besichtigen.

Die Außenanlagen werden neu gestaltet. Der Turnplatz wird zum Parkplatz, so daß die Kerb auf dem bisherigen Platz stattfinden kann. An der Stelle der ehemaligen Schulspeisungshalle wird ein Geräteraum für die Freien Turner erbaut, die dort heute ihr Büro haben.

Seit 1. Juli 1974 sind im Erdgeschoß die Verwaltungsstelle der Stadt Maintal und im ersten Stock und im Dachgeschoß das Amt für Jugend, Kultur und Sport, das Rechnungsprüfungsamt und andere Ämter der Stadt. Als diese 1990 nach Hochstadt umziehen, sollen die oberen Räume den Vereinen zur Verfügung gestellt werden, weil die Räume des Bürgerhauses nicht ausreichen. Auch der Keller wird als Lager an Vereine vergeben.

Im Sommer 1992 werden auch tatsächlich die Wände herausgerissen. Aber dann werden die Oberstockwerke Räume für Asylbewerber hergerichtet (14 Männer). Diese ziehen nach gut zwei Jahren aber wieder aus.

Dann waren im Erdgeschoß die Verwaltungsstelle, das Ortsgericht und ein Fraktionszimmer. Im ersten Stock waren Frauenamt, die Volkshochschule und die Jugend-Kunst- und Musikschule. Im zweiten Stock waren weitere Fraktionsräume. Heute gehört das Haus dem Blasorchester und heißt Willi-Fischer-Haus.

 

Bürgermeister Rohrbach beim Vereinsgespräch am 16. Oktober 1996, als es um die fehlenden Finanzen zur Renovierung des Bürgerhauses geht: „Wir können uns ja den höchstmöglichen Kassenkredit von 16 Millionen geben lassen und damit unser Glück in der Spielbank Wiesbaden versuchen!“ Und zu Frau Schild-Kreuziger von der SPD gewandt fährt er fort: „Dann ist nur noch die Frage, ob wir auf Rot oder auf Schwarz setzen!“

 

Im Haus Schulstraße 24 gibt es 1941 eine Werkstatt zum Verschließen von Konservendosen und 1951 einen Textilbetrieb. Das Haus Nr. 22 wird 1891 von Johannes Faßel gebaut.

Im Haus Nr. 9 ist 1944 der Weißbinder Johannes Hayer und 1960 Hans Bommersheim mit einem Flaschenbierhandel. Im Haus Schulstraße 7 ist die Schreinerei von Johannes Kleeb III. und ab 8. Oktober 1946 die Fachdrogerie von Ellinor Kabisch.

 

„Drogen in der Schulstraße“: In der Schulstraße gab es die Fachdrogerie Kabisch. Der Bürgermeister formuliert in einem Schreiben an die Inhaberin am 20. August 1947: „Hiermit erteile ich Ihnen die Genehmigung, Ihr D r o g e n -geschäft in der Zeit vom 30. 8. bis 10. 9. 1947 nur vormittags .... offen zu halten.“ Damals war der Ausdruck „Drogen“ noch unverfänglich.

 

Im Haus Nr. 16 ist 1913 das Geschäft von Isaak Reinhardt, Herren- und Knabenkonfektion. Amalie Reinhardt verzieht am 26. April 1937 nach Langenselbold. Im Jahre 1963 ist in dem Haus der Friseur Wilhelm Schäfer.

Das Haus Nr. 14 wird 1888 von Bürgermeister Johannes Mankel gebaut. Durch eine Tür in der Mitte des Hauses geht man in die Amtsstube. Später wird das Haus erworben durch Wilhelm Lenz II., Raiffeisenstraße.

 

Gaststätte „Zum Schwanen“ (Müller)

Das Haus wird von dem Schreiner Bieg aus Hanau gebaut. Seitdem haftet der Name an dem Haus. Die Schreinerei war in dem mittleren Gebäude auf dem Grundstück. Im Jahre 1908 stellt der Schreiner Müller einen Antrag auf Errichtung einer Wirtschaft und Anbau jenes Saals. Vor drei Jahren hat er ein Haus gebaut. Das Grundstück liegt günstig am Eingang in das Dorf und erheblich entfernt von den anderen drei Wirtschaften. Nachdem 1908 die Konzession verweigert wurde, wird sie am 14. Januar 1909 doch erteilt.

 

Im Garten der Gaststätte „Zum Schwanen“ wird 1924 von sieben Männern die „Kippe“ gegründet. Gründer sind Wilhelm Geißler, Heinrich Stumpf, Jean Fix, Peter Heckert, Wilhelm Stumpf und Philipp Bläsing. Der ursprüngliche Name der Vereinigung ist „Batschnase“ . Als sich die Zahl der Mitglieder auf 13 erhöht, nennt man sich „Kippe 13“ .

In den Statuten heißt es: „Ehrenpflicht: Saufen ist ein bestimmtes Etwas, welches bestimmte gewisse Reize in den Menschen hervorruft. Die Reize haben die Konsequenz, sich gegen eine trockene Kehle zu schützen. Ebenso wie man eine Maschine schmiert, die den ganzen Tag läuft, müssen auch die menschlichen Organismen Öl erhalten. Die Schmierdose befindet sich an der Vorderseite des menschlichen Kopfes, welche dann das eingegossene Öl in den ganzen Kopf verteilt. Leute, die nicht ölen können, laufen sich warm“ .

Weiterhin wird festgelegt: Jedes Mitglied muß beim Eintritt in die Kippe 30 Schoppen Apfelwein stiften. Eintreten kann nur, wer entweder 12 Schoppen Apfelwein oder 14 Glas Bier trinken kann. Am Samstag, dem 14. November 1925, wird das zum Beispiel in Büdesheim ausprobiert. Auch eine Weihnachtsfeier wird 1925 veranstaltet; der Wirt Müller muß die Würste für alle beschaffen.

Zwei Mitglieder trauen sich eines Nachts nicht nach Hause. Sie stehen in der Erbsengasse und reden von Gott und der Welt. Plötzlich schreit der eine auf und rennt zum „Master Fix“ , um sich die Bescherung anzusehen: der andere ist ihm auf den Fuß getreten, so daß er ganz blau ist. Fünf Minuten später kommt die Polizei und gibt ihm obendrein einen Strafzettel über 3,50 Mark.

Ein junger Mann wird von seiner Mutter in Gegenwart einer anderen Frau zur Rede gestellt. Da beschließt er, nach Amerika auszuwandern. Er packt seine Sachen und macht sich auf. Der Weg nach Amerika führt aber bei Müller vorbei. Dort trinkt er zum Abschied so viel, daß er in Tränen ausbricht und den Weg nach Amerika nicht mehr findet.

Auch die neue Errungenschaft des Telefons nutzt man aus: Man ruft ein Mitglied herbei, es sei ein Freund mit dem Auto da. Der Betreffende kommt auch fröhlich die Hainstraße herunter und sucht immer nach dem Auto, findet aber nur die Wirtschaft Müller.

 

Im Saal der Gaststätte werden die „Schwanenlichtspiele“ eingerichtet, die zum Beispiel 1938 erwähnt werden, aber auch 1960 noch bestehen.

Im Jahre 1955 hat die Gaststätte einen Gastraum, ein Großes Kolleg, ein Kleines Kolleg, Küche und Saal. Das Kolleg ist in dem mittleren Bau, der Saal in dem südlichen Bau. Wirt ist ab 1. März 1954 Peter Kotterba. Am 15. Oktober 1956 wird Thea Luttuschka Pächterin der Gaststätte, die jetzt „Zum Goldenen Schwan“ heißt. Ab 13. Mai 1958 kauft Josef Stehli die Gaststätte. Er hat vorher in den USA gewohnt und kehrt auch nach einiger Zeit wieder nach dort zurück. Am 27. Februar 1963 werden allerdings die Kollegs und der Saal aus der Erlaubnisurkunde herausgenommen. Im Saal befindet sich 1963 die „Cambo Textilfabrik“.

 

Sparkasse

Das Haus Schulstraße Nr. 1 wird 1926 vom Konsumverein gebaut. Nach dem Krieg hat der Gartenbaubetrieb von Ewald Kaufeld hier eine Verkaufsstelle, bis er am 1. August 1955 vor­erst nach Hanau geht. Heute ist die Betriebsstelle 22 der Sparkasse Hanau in dem Haus. Die Filiale wird am 8. März 1971 eingerichtet. Damit haben die Bürger die Möglichkeit, bei einer zweiten Bank am Ort ihre Geldgeschäfts abzuwickeln. Im Februar 1984 wird ein Terminal eingerichtet, so daß man jederzeit mit der Zentrale verbunden ist.

Zwischen 1980 und 1990 steigen die Gesamteinlagen auf mehr als das Doppelte und liegen bei fast 17 Millionen Mark. Auch das Kreditvolumen verdoppelt sich fast auf über 6 Millionen Mark. Über 3.000 Personenkonten werden geführt.

Filialleiter sind Heribert Fuchsluger (bis 1972), Siegfried Jung (bis 1979), Albrecht Rauch (bis 1982), Michael Reul (bis 1983), Dieter Warzecha (bis 19899; Heike Spahn (bis 1990), Jürgen Sauerbrey (bis 1991), Petra Formanek (bis 1991), Jörg Scheefe (bis 1992), Regina Antes (bis 1995), Michael Schönwälder (ab 8. November 1995).

 

Doktorhaus

Das Haus Nr. 14 ist das „Doktorhaus“ . Es wird auf Wunsch des 1899 gegründeten Sanitätsvereins von der Gemeinde gebaut, um dadurch auf Dauer einen Arzt für Wachenbuchen zu gewinnen. Beim Wechsel des Arztes 1904 muß das Haus renoviert werden: das Sprechzimmer wird verkleinert, damit noch ein zweites Zimmer entsteht. Daß das Sprechzimmer zu klein sein könnte, ist das Problem des Vorstandes des Sanitätsvereins, nicht des Gemeinderats. Die Küche kommt in den Keller, eine Toilettenspülung wird eingebaut, ein neuer Herd und ein neuer Ofen werden aufgestellt. Am Bachgraben vor dem Doktorhaus wird eine Mauer errichtet. Dr. Weitzel möchte gern noch einen Schuppen am Doktorhaus bauen.

Im Jahre 1906 stellt der Sanitätsverein den Antrag, ihm das Doktorhaus zu überlassen. Das wird abgelehnt, aber immerhin die Miete von 300 auf 200 Mark ermäßigt. Die Umzäunung des Gartens des Doktorhauses wird 1907 erneuert und nach der Bach hin eine Mauer errichtet.

Im Jahre 1909 wird der Antrag des Sanitätsvereins auf Erweiterung des Doktorhauses wiederholt abgelehnt. Immerhin sieht sich der Gemeindevorstand im September die Wohnung wenigstens an und will dann die notwendigen Reparaturen vornehmen lassen. Danach soll dann mit dem Sanitätsverein ein Vertrag abgeschlossen werden, daß er die Reparaturen am Doktorhaus selbst vornimmt. Der Sanitätsverein beantragt daraufhin, daß die Gemeindevertretung über jede zweifelhafte Reparatur am Doktorhaus beschließt.

Das Haus wird 1938 auf Vorschlag des Bürgermeisters zum Preis von 12.000 Mark an Dr. Curtze verkauft. Der Preis entspricht dem Wert vor den Umbauten. Der Arzt hatte schon 1929 für 13.205 Mark einen Anbau und Umbau vornehmen lassen und die Kosten der Gemeinde vorgestreckt. Als jetzt die Miete erhöht werden soll, schlägt Dr. Curtze den Kauf vor. Weil die Gemeinde nicht zahlen kann, einigt man sich auf den Kauf nach dem Preis von 1929. Damit ist die Gemeinde auch diese Schulden los.

 

Das Haus Nr. 2 war die Tankstelle von Luise Seng und sah früher ganz anders aus. Im Jahre 1969 wird es aufgestockt. Die Straße „Am Hanauer Weg“ hieß früher einmal „Zisselsgasse“ , später „Wilhelmsbaderstraße“. Sie ist 1905 noch ein Fußpfad, als ein Einwohner den Wunsch äußert, dort zu bauen. Die Straße wird 1907 chaussiert und 1919 einem Kanal versehen. Im Haus Nr. 15 ist der landwirtschaftliche Betrieb Puth. Das Haus Nr. 25 trägt die Inschrift „H M 1912“ ; es ist erbaut von Heinrich Mankel, Fahrer bei Dr. Curtze. Weitere ältere Häuser sind Nr. 3, 4, 10 und 9. Das Haus Nr. 24 ist das „Lehrerhaus“, in dem der Schulleiter Horst wohnte.

 

Das Haus Alt Wachenbuchen Nr. 2 gehört 1963 dem Schmied Otto Göller und beherbergt 1986 das Transportunternehmen Helmut Bombach. Das Haus Nr. 4 ist 1851 erbaut und beherbergte das Schuhhaus Heinrich Puth. Im Haus Nr. 3 ist das Geschäft Gerlach.

 

Das Lebensmittelgeschäft Gerlach

Das Geschäft besteht seit 29. Mai 1905 als Kolonialwarengeschäft. Der südliche Teil des Hauses wird damals von dem Firmengründer, dem Kaufmann Johannes Fix, gekauft. Seine Frau heiratet in zweiter Ehe den Kaufmann Wilhelm Gerlach, nach dem das Geschäft benannt ist. Der Laden entwickelt sich zu einem Geschäft für Lebensmittel und Milchprodukte. Früher wurden auch noch zeitweise Kohlen verkauft.

Der nördliche Teil des Hauses wird später angebaut und der Laden damit erweitert. Danach ist das Geschäft ein Familienbetrieb mit einem breiten Angebot. Neben einem Frischemarkt für Lebensmitteln, Obst und Gemüse werden auch Getränke, Zeitungen und anderes angeboten. Der Laden ist auf Selbstbedienung umgestellt, teilweise wird der Kunde aber auch persönlich bedient. Heute ist das Geschäft aufgegeben

In das heutige Grundstück ist mit einbezogen die Hausnummer 5, wo früher der Schweinestall des Gemeindebackhauses stand. Auf dem Gemeindebackhaus lagt nämlich die Verpflichtung, von den Abfällen der Bäckerei den Gemeinde-Eber zu unterhalten. Dieser mußte aber getrennt von der Bäckerei untergestellt werden. Deshalb waren auch die Toiletten zu dem Haus Nr. 6 auf dieser Straßenseite.

An der Stelle des Hauses Nr. 1 baut Philipp Krimmelbein 1883 ein Gewächshaus und richtet praktisch eine kleine Gärtnerei ein.

 

Mittelbucherstraße

Gegenüber in der Mittelbucherstraße Nr. 1 ist das andere der beiden Lebensmittelgeschäft in Wachenbuchen, daneben der Sitz der Baufirma Fix..

 

Das Lebensmittelgeschäft Lapp

Das Geschäft besteht schon 1946 (laut Inhaber seit 1948) unter Leitung von Minna Schmidt als Geschäft für Molkereiprodukte. Es wird im ganz kleinen Rahmen im ehemaligen Stallgebäude gegründet. Gleich nebenan hat die Elektrofirma Kramm einen Raum in derselben Größe. Das Geschäft wird 1962 von Erna Lapp übernommen. Der Laden war aber weiter vorne an der Straße. Seit 1964 plant man die Entschärfung der Straßenecke durch den Abbruch des Hauses mit den Läden Schmidt und Elektro-Krammig. Erst 1967 wird die Straße aber begradigt, das Geschäft kommt in die ehemalige Milchsammelstelle. Angeboten werden dann Lebensmittel, Obst und Gemüse, in der Saison auch Blumenpflanzen. Heute ist das Geschäft aufgegeben.

 

Die Firma Jean Fix und Söhne GmbH.

Die Keimzelle der Firma liegt in der Gaststätte „Zur Krone“. Es beginnt damit, daß Jean Fix in die Gaststätte einheiratet, die dem Maurer Wilhelm Puth gehört. Er selbst ist Architekt und Bauingenieur und Geschäftsführer eines Hanauer Bauunternehmens. Schon 1945 gründet er ein Baugeschäft zusammen mit seinen Söhnen Karl und Wilhelm, von denen Wilhelm auch mit in der Gaststätte tätig ist (Übernahme 1. Juli 1952).

Der Firmensitz ist zunächst in einem Teil der Gaststätte. Der Lagerplatz ist auf dem Grundstück Am Hanauer Weg 8, ab 1962 auf dem Grundstück nördlich des Festplatzes. Im Jahr 1972 wird das Büro in den Hanauer Weg 8 verlegt und 1991 in die Mittelbucherstraße 3. Hier war früher die Dreschmaschinenhalle des Schmieds Otto Göller, Alt Wachenbuchen 2, dessen Tochter in die Familie Fix einheiratete. Der jetzige Geschäftsführer Wilhelm Fix, Sohn von Karl Fix, ist ein Enkel des Gründers.

Die Firma hat nach dem Krieg die Kirche wieder aufgebaut und danach praktisch alle öffentlichen Bauten in Wachenbuchen errichtet: 1964 die Mehrzweckhalle, 1968 den Hochbehälter, 1969 die Mittelpunktschule, 1970 Umbau der Schule zum Rathaus, 1973 die Kindertagesstätte, 1974 das Bürgerhaus, 1974 das Feuerwehrgerätehaus und natürlich viele Privathäuser. In den sechziger Jahren beschäftigt die Firma 65 Mitarbeiter, davon 20 aus dem Ort. Später sind noch 20 Leute angestellt.

 

Die Nordseite der Mittelbucherstraße ist geprägt von den Fachwerkhäusern mit den relativ flach geneigten Dächern. Das Haus Nr. 2 ist aus der Zeit zwischen 1800 und 1850. In Ihm befindet sich 1913 die Glaserei Carl Wilhelm Fix, Besitzer ist 1980 Heinrich Fix. Das Haus Nr. 4 ist auch aus der Zeit zwischen 1800 und 1850, Besitzerin ist 1980 Frau Magdalena Puth. Das Haus Nr. 6 ist ebenso aus der Zeit zwischen 1800 und 1850, die Scheune von 1880; sie brennt 1994 ab und wird neu gebaut. Besitzer sind 1980 Karl und Wilhelm Fix, seit 1990 Familie Schmidt. Vor dem Haus Nr. 10 war eine Wartehalle für den Bus, die Haltebucht war vor dem Haus Nr. 8.

Das Haus Nr. 7 ist alt und schon 1906 vorhanden. Das Haus Nr. 11 war der Hof von Ludwig Stein, heute ausgesiedelt zum Grundstück „Am Berghof“ 7. Im Haus Nr. 13 hat Wilhelm Kolbenschlag bis 1949 eine Schuhmacherei und ab 1. März 1953 für einige Jahre die Gaststätte „Zum Palmengärtchen“. Das Haus Nr. 15 ist 1912 gebaut und wird 1945 von einer Bombe getroffen.

 

An der Abzweigung des Kilianstädter Weges vor dem Pfarrhaus ist eine Grünanlage, in der früher das Kriegerdenkmal stand. Ehemalige Kriegsteilnehmer bitten 1924 die Gemeinde um eine Zuschuß von 200 Mark zu den Kosten für ein Kriegerdenkmal und erhalten ihn bewilligt. Ein lebender Zaun wird 1936 rund um das Denkmal angepflanzt. Die Anlage soll 1970 für die Anlage einer Bushaltestelle geopfert werden.

Das Haus Nr. 21/23 ist die Schmiede von Hans Oswald und Sohn Heinrich. Zeitweise war hier die Diamantschleifergenossenschaft untergebracht. Schon 1922 wird das Haus zu vier Wohnungen umgebaut.

Das Grundstück, auf dem heute die Wohnblocks stehen, gehörte dem Freiherrn von Edels­heim. Die Gemeinde stellt ihm 1936 Austauschflächen zur Verfügung und läßt dort mehrere Behelfsheime errichten. Sie sind für die Arbeiterinnen einer Frankfurter Näherei errichtet worden, die 1944 im Saal der Gaststätte Pflug untergekommen war. Die Behelfsheime gehen im Oktober 1947 von der Firma M. Schwarz an den Nachfolger Firma Karl Schneider. Aber im August 1949 will Herr Schneider die Behelfsheime wieder verkaufen. Er soll pro Heim 500 Mark erhalten. Der Grund und Boden, auf dem die Behelfsheime stehen, gehörte damals  immer noch dem Freiherrn von Edelsheim und soll für einen Quadratmeterpreis von einer Mark gekauft werden. Die Heime wurden 1963 von der Gemeinde übernommen und 1965 abgerissen. Die Hanauer Baugesellschaft baut dann auf dem (gepachteten) Grundstück einen Wohnblock mit sechs Dreizimmerwohnungen. Später werden noch zwei Wohnblocks errichtet. Auf der anderen Seite der Straße ist das Pfarrhaus zu sehen.

 

Pfarrhaus

Das alte Pfarrhaus wird 1750 in der Herrengasse Nr. 2 erbaut. Doch 1913 wird auf einem Grundstück vor dem Dorf ein neues Pfarrhaus errichtet. Der Weg zur Kirche ist allerdings nur über die Straße Alt Wachenbuchen oder über das kleine Gäßchen nördlich des Friedhofs in die Kirchhofstraße möglich. Die Gemeinde sagt damals zu, einen etwa 200 Meter langen Weg über den Friedhof zu schaffen, ein Versprechen, das bis heute nicht eingelöst ist. Das Gelände liegt etwa drei Meter über der nach Mittelbuchen führenden Straße, so daß ein freier Ausblick gewährleistet ist. Die Anlage eines großen Hausgartens ist möglich.

In der Baubeschreibung heißt es: Bei möglichst einfacher Fassadengliederung wird ein geschlossenes Gesamtbild angestrebt ohne jede Schädigung der zweckmäßigen Verwendbarkeit der Innenräume. Die Ansichtsflächen erhalten farbigen Fassadenputz, die Dachflächen Schieferdeckung. Werkstein findet nur sparsam Verwendung. Die Wohnräume werden mit einer Warmwasserheizung geheizt, der Anschluß an die Wasserleitung wird hergestellt. Im Keller wird ein Raum für die Heizung und die Waschküche untergebracht. Im Dachgeschoß werden nach der Südostsseite zwei Kammern eingebaut.      

Im Jahre 1951 kommt es zum Streit mit der Präsenz Hanau wegen der Einnahmen aus der Pfarrhausmiete. Weil die Präsenz die Baulast trägt, nimmt sie seit der Währungsreform die Mieten ein. Der Pfarrer kann aber erreichen, daß die rund 1.000 Mark im Ort bleiben und für notwendige Reparaturen verwendet werden können. Die Zentralheizung wird 1959 wieder in Gang gesetzt. Die Mieter räumen 1964 das Pfarrhaus, wenn auch erst nach einem gerichtlichen Räumungsurteil.

 

Gemeindehaus

Zunächst wollen Evangelische und Katholische Gemeinde ein ökumenisches Gemeindezentrum in der Brucknerstraße errichten. Die katholische Kirche nimmt jedoch 1974 von ihrem Bauvorhaben Abstand. Die Fläche wird zunächst für den Kindergarten vorgesehen, wird dann aber als Baugrundstück ausgewiesen.

Man erwägt dann einen Anbau an die Kirche, kommt aber mit der Denkmalpflege nicht überein. Da schlägt Pfarrer Müller vor, ein Gemeindehaus neben dem Pfarrhaus zu bauen. Im Herbst 1983 beginnen die ersten Arbeiten. Die Kosten belaufen sich auf 852.000 Mark, von denen die Gemeinde 400.000 Mark zu tragen hat, während den Rest die Landeskirche aus Kirchensteuermitteln übernimmt. Die Einweihung ist im Februar 1985. Die Jugendlichen bauen das Dachgeschoß des Gemeindehauses 1985/1986 in Eigenarbeit aus. Inzwischen ist noch ein Erweiterungsbau hinzugekommen, damit für Theateraufführungen eine Bühne zur Verfügung steht.

 

Kindergarten

Etwas weiter nördlich ist der Kindergarten, der 1973 auf dem Gelände des ehemaligen Feuerlöschteichs errichtet wird. Ursprünglich war hier eine Erweiterungsfläche für den Friedhof vorgesehen. Doch dann hat man hier verschiedene Baugenehmigungen erteilt, unter anderem auch dem Aussiedlerhof Giesel, der früher seinen Sitz im Haus Alt Wachenbuchen 16 hatte.

 

 

 

 

Druckfehler in „Liebenswertes Wachenbuchen“:

Das Buch wurde von mehreren Personen und mehrfach auf Fehler hin durchgesehen, aber diese kann man nicht vemeiden, weil oft Auge und Gehirn den Fehler automatisch korrigieren, so daß er nicht bemerkt wird. Allerdings sind auch Fehler durch eine nachträgliche Korrektur des Verlags durch wenig kompetente Schüler entstanden. Außerdem kann man in manchen Fällen verschiedener Meinmungsein, etwa bei der Getrennt- und Zusammenschreibung.

 

Seite

Fehler

Vorsatzblatt vorne:

Unterschrift „Alte Straßen und Wasserläufe, Bodenfunde“

Vorsatzblatt hinten:

Unterschrift „Flurkarte und Waldgebiete“

 

2

Außer der Stadt Maintal haben den Druck dieser Chronik durch einen Zuschuß gefördert:    Raiffeisenbank Maintal,

Sparkasse Hanau,

Firma Jean Fix und Söhne

Bäckerei Allar.

Korrekturlesung: Beate und Johannes Schmidt, Bischofsheimer Straße 24

3

Ein Bild ist noch von Günter Tauber, Alt Wachenbuchen 37.

Repros: Ursula und Norbert Schoor, Plättenweide 15 (Verein Heimatmuseum Maintal)

8

Linke Spalte, erster Absatz: „Flußbette“

9

Rechte Spalte, Mitte: „…..eine Klinge aus…“

10

Linke Spalte, oben: „…Außerdem werden eine kleine Kerbschnittkanne.....“

13

Rechte Spalte, Zeile 11: Bild Seite 95

14

Linke Spalte, Mitte: Die Fundstelle 99 ist „Auf den Maueräckern“ (es gibt auch „Auf den Mauerecken“ in Flur 25)

18

Linke Spalte, oben: „…ein großer Besitz der Konradiner..“

20

Rechte Spalte, Mitte: „mit gebaut“

21

Rechte Spalte: Die alten Rittersleut (ohne Apostroph-Zeichen)

32

Linke Spalte: „Studium der klassischen Philologie“

37

Rechte Spalte, Zeile 2: eines echten Alarms

39

Linke Spalte, ganz unten: am 28. und 29. März

44

Linke Spalte unten: nur  e i n Punkt

47

Linke Spalte, dritte Zeile: Punkt am Ende des Satzes

49

Rechte Spalte, oben: „Das heutige Amt des Bürgermeisters…“

51

Linke Spalte: Der letzte Absatz über Kaspar Mankel ist zu ersetzen durch:

Am 18. Juni 1918 verunglückt er in Frankfurt tödlich. Er will Kriegsgefangene für die Wachenbucher Bauern beschaffen. Als er von einer Straßenbahn abspringt, wird er von der Deichsel eines Fuhrwerks erfaßt und so schwer verletzt, daß er im Krankenhaus stirbt (Siehe Anmerkungen unten)

53

Das Bild zeigt Schulrat Fett, nicht Schulrat Simdorn (laut Familie Werner).

Linke Spalte: Der jüdische Lehrer heißt „Sonneberg“.

54

Linke Spalte, vorletzter Absatz: Günter Hack (fettgedruckt).

„..von der Gemeindevertretung…“.

56

Rechte Spalte,  6. Zeile: „… nicht mitbieten lassen will bei der Versteigerung zweier heiliger Gebote in der Synagoge…“

Rechte Spalte, unten: „…Johann Euler der Schiedsmann:…“

69

Linke Spalte: (Bildunterschrift ohne Punkt)

81

(zum Bild) Baumwärter-Kursus 1914 in Hanau, mit Philipp Müller

81

Rechte Spalte, achte Zeile: Absatz vor: „Die Eingabe…“

82

Linke Spalte, Mitte: „Dieser ist notwendig…“

89

Linke Spalte, unter „Betriebsplan“: „Hinterm Hof Hohe Tanne (ohne Komma)

91

Linke Spalte, erste Zeile: „ .. gewesen und durch das Schleifer“ (kein Komma)

100

Rechte Spalte, erste Zeile: „…so genannt

104

Rechte Spalte, 6. Zeile:„..Kriegerverein gesetzt) (Punkt außerhalb der Klammer)

105

Linke Spalte, 3. Zeile: „Durch einen Schuß des Wilderers…“

106

Linke Spalte, Mitte:  „..wurde eine vorgeschichtliche Handmühle..“

Viertletzte Zeile: „…erhalten jetzt erst eine kräftige Strömung….“

122

Linke Spalte, oben: eigentlich „dendrochronologischen Gutachten“

134

Linke Spalte, 8. Zeile: „…auf ihre Kosten erneuern soll, holt sie.....“

144

Linke Spalte, 4. Absatz: „Im Haus Nr. 6 war das Lebensmittelgeschäft der Familie Stein, danach Rehm....“

149

Linke Spalte, Mitte: „In der Mitte standen…..“

150

Rechte Spalte, unten: „im halbfertigen Zustand…“

153

Rechte Spalte, oben:  „.. Erster dort eingeschult.“ [Nur e i n Punkt]

160

Rechte Spalte:            Das Haus Nr. 4 ist um 1850 von Michael Puth und Katharina geborene Stein erbaut. Besitzer ist seit 1990 die Familie Schmidt. Das Haus Nr. 6 gehörte Philipp Klees. In Nr. 8 wohnte Kaspar Giesel, heute Fritz Günther; die Scheune brennt 1994 ab und wird neu gebaut (evtl. Absatz vor: Das Haus Nr. 7...)

166

Linke Spalte, 10. Zeile: „Fonds (statt Fond) [Fehler des Verlags]

179

Linke Spalte, 2. Absatz: „Durch die Industrialisierung werden die Tabakindustrie und das…

187

Rechte Spalte, ganz unten rechts :Anführungszeichen bei „Mühle“

201

Rechte Spalte, fünfte Zeile von unten: Leerstelle vor „…Die“

209

Linke Spalte, 4. Absatz: Die Familie heißt „Eisenmann“ laut Mitteilung aus Bad Orb,

Der Lehrer heißt „Sonneberg“ laut Simon Strauß.

211

Das Bild rechts oben zeigt den Grabstein des Ehepaars Reinhardt

233

Rechte Spalte, unten: „..wandelt sich mit der Zeit….“

243

(Bildunterschrift) Sängerfest 1925, wahrscheinlich Frauen des Gesangvereins Vorwärts mit der Fahne des Vereins (heute: Fahne der Turner) oder Ehrenjungfrauen des Gesangvereins „Concordia“

249

Linke Spalte, oben: „…Orten des Kreises…“

252

Rechte Spalte, Mitte: „… auch eine schlagkräftige Spritze:..“

257

Linke Spalte. 4. Zeile von unten: „Phil-ipp Müller“ (Silbentrennung)

259

Linke Spalte, 3.Absatz: Aus Wachenbuchen werden hervorragende Spieler gestellt von den Familien .... und anderen

261

Linke Spalte, unten: „Im Juni 1963 werden..“

263

Linke Spalte, oben: „…. in erster Linie…“

264

Rechte Spalte, Mitte) „..im gleichen Jahr ..“

263

Rechte Spalte, 2.Absatz von unten: „Auf Beschluß der restlichen Mitglieder des 1864 gegründeten Gesangvereins.. ..Graf Gustav von Ysenburg und Büdingen (Der Name ist außerdem zu ändern auf Seite 215

266

Linke Spalte, unten: auch  „…mit einem viertägigen Fest…“

267

Linke Spalte, oben: „..eine führende Rolle…“

272

Rechte Spalte, Mitte: „Ein Stadtverband der SPD…“

 

 

Ergänzungen zur Chronik

 

Das Buch „Liebenswertes Wachenbuchen“ ist noch im Stadtladen und im Buchhandel erhältlich, deshalb werden hier nur Ergänzungen wiedergegeben

 

( 7) Meine Anschrift ist jetzt Maulbeerweg 21, meine Telefonnummer 06181 / 9451936.

 

(8) Braubach:

Auf einer alten Karte wird die Ortsbach, die von Norden kommend durch den Ort fließt, als „Braubach“ bezeichnet. Der Name ging dann auf den später gegrabenen Bach über, der von Wilhelmsbad kommt und sich mit dem Seulbach (der alten Braubach) vereinigt und dann westlich von Dörnigheim in den Main mündet.

 

(12)

Viergötterstein:

 Viergöttersteine oder andere Fragmente aus römischen Bauten gibt es oft in hessischen Kirchen (vgl. Baatz/Herrmann: Die Römer in Hessen, 1982, zum Beispiel in Wölfersheim-Melbach). Es könnte doch so sein, daß man nur an dem Baumaterial interessiert war und nicht einen religiösen Hintergrund damit verband.

Römische Götter in der Kirche: (Maintal Tageanzeiger 3. Februar 2010).

Die Zeit hat ihre Spuren auf dem Viergötterstein hinterlassen. Nur noch schemenhaft sind die Umrisse der Götter auf den vier Seiten des rechteckigen Sandsteinquaders zu erkennen. Einst war das archäologische Relikt Teil einer Jupiter-Gigantensäule, die vor allem im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus bei römischen Siedlungen oder Gutshöfen aufgestellt wurde. Die Replik einer solchen Säule ist in Bruchköbel-Butterstadt oder nahe des Römerkastells „Saalburg“ zu sehen.

Entdeckt wurde der Viergötterstein im Zuge von Umbaumaßnahmen in der evangelischen Kirche Wachenbuchen. „Der Fundbericht gibt Auskunft darüber, daß 1903 während Arbeiten in der Kirche ein Viergötterstein im alten Mauerwerk gefunden wurde“, weiß Norbert Mankel. Als passionierter Hobby-Archäologe und Vorstandsmitglied im Verein Heimat-Museum Maintal kennt sich der Hochstädter in der Historie aus wie in seiner Westentasche. So weiß der Rentner ebenfalls, daß der Fund von Viergöttersteinen in Kirchen keine Seltenheit ist. „Durch den Einbau in christliche Kirchen wurde der römische Götterkult christianisiert“, erklärt er. Dabei seien die Abbilder der römischen Gottheiten häufig bewußt zerstört worden, um diese zu entweihen.

Nach seiner Entdeckung in dem Wachenbucher Gotteshaus wurde der Viergötterstein dem Hanauer Geschichtsverein überlassen. Heute ist er im Museum des Mittelbucher Heimat- und Geschichtsvereins zu sehen, das immer sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet ist.

Der Block aus rotem Sandstein mißt laut Fundbericht 66 mal 44 mal 43 Zentimeter. Auf den vier Seiten des Quaders sind die römischen Gottheiten Juno, Merkur. Herkules und Minerva abgebildet. Die Figuren sind jedoch alle in unterschiedlichem Grad beschädigt. „Juno ist die Himmelsgöttin und Gefährtin des mächtigsten römischen Gottes Jupiter. Sie gilt als Frauen-, Geburts- und Ehegottheit“, berichtet Norbert Mankel. Mekur hingegen sei der Gott des Handels und des Gewerbes. aber ebenfalls als Götterbote und Totenbegleiter bekannt. Das Bildnis Merkurs auf dem Wachenbucher Viergötterstein ist noch am besten erhalten. „Herkules ist gleichzusetzen mit dem griechischen Halbgott Herakles, und Minerva gilt als Beschützerin der Handwerker und Künste, aber auch der Ärzte und Lehrer. Als jungfräuliche Göttin wurde sie im Christentum durch Maria ersetzt“, hat Mankel während seiner Recherchen herausgefunden.

Der Viergötterstein im Mittelbucher Heimatmuseum bildete einst den untersten Teil einer Jupiter-Gigantensäule, die auf oder nahe einem römischen Gutshof, einer so genannten villa rustica, gestanden hat. „Bei der Bezeichnung villa rustica handelt es sich um einen wissenschaftlichen Begriff. Umgangssprachlich würde man heute von Aussiedlerhöfen sprechen. In Wachenbuchen werden mehrere solcher villae rusticae vermutet, doch es hat nie Grabungen gegeben. die diese Vermutungen bestätigen würden“, berichtet der Hobby-Archäologe.

 

Über dem Viergötterstein befand sich ein Wochenstein mit sieben Tagesgöttern aus der Himmels- und Planetenwelt: Saturn (Samstag), Sol (Sonntag), Luna (Montag), Mars (Dienstag), Merkur (Mittwoch), Jupiter (Donnerstag) und Venus (Freitag). Über dem Wochenstein folgt eine meist mit Schuppen dekorierte Steinsäule, die von einem (in den überwiegenden Fällen reitenden) Jupiter bekrönt wird, der einen Giganten niederreitet. Nach Auskunft Mankels lassen sich an der Jupiter-Gigantensäule als Zeugnis eines römischen Götterkults auch Einflüsse anderer Religionen wiederfinden, etwa keltische oder germanische Glaubenseinflüsse.

Die meisten Jupiter-Gigantensäulen wurden bei römischen Siedlungen oder Gutshöfen in der Provinz Obergermanien aufgestellt. „Diese umfaßte Teile der heutigen Schweiz, Frankreichs und des südwestlichen Deutschlands“, so Mankel. „Man geht davon aus, daß die Säulen vor allem dem Schutz der Bewohner des Gutshofes dienten“, fügt der Hochstädter hinzu (

 

 

(13)

Römergrab:

Das Grab soll ursprünglich einen Durchmesser von 23 Metern gehabt haben und dabei auch die Römerstraße angeschnitten haben, so daß diese jünger wäre als das Grab. Durch die Umgestaltung im Jahr 2007 hat man erneut „fremde“ Erde auf den Hügel gebracht.

Außerdem wurde eine Mauer aus polnischem Sandstein um das Grab gelegt, zunächst rundherum, dann mehr gerade. Die Mauer rund um das Grab hat bei den Archäologen Anstoß erregt, weil sie an römische Gräber erinnert, die es nur im Hunsrück gibt, aber in unserem Gebiet nicht nachgewiesen sind. Bei der Regionalparkroute sind halt Architekten am Werk und nicht Archäologen. Sie wollen etwas schaffen, das ins Auge fällt, auch wenn es historisch nicht richtig ist.
Dr. Evelin Grönke, provinzialrömische Archäologin aus Hofheim hat eine neue Theorie aufgestellt, wer hier beerdigt worden sein könnte. Nicht ein Provinziale - also Kelte oder Germane - sondern ein Römer, den nur ein solcher hätte sich ein solches Grab leisten können. In der näheren Umgebung befänden sich bis zu 400 weitere Gräber und dazwischen die Fundamente eines römischen Gutshofs. Das gekennzeichnete Grab sei eines der „prominentesten“. Allein die imposante Größe sowie die Lage unmittelbar an der Römerstraße erlauben den Rückschluß, daß es sich bei dem Bestatteten um einen wohlhabenden Römer handelte. Die Theorie, daß es sich um einen romanisierten Kelten oder Germanen handele, sei nicht bestätigt. Weder seien Waffen noch Reste einer Tracht gefunden worden, die entsprechenden Rückschlüsse zuließen. Aber auch von einem Römer sind keine Waffen oder eine Tracht gefunden werden. Für die andere Annahme spricht aber die „gemischte“ Bestattungsform.

 

(14)

Andere Übersetzung der Gründungsurkunde:

Urkunde Buchen aus dem Lorscher Kloster, Urkundenblatt Nr. 180,

URKUNDE 3013 (1. Juni 798 --- Reg. 26Z2) (Vgl. Urk. Nr. 3763a),Sechster Absatz

Schenkung des Luibert unter Abt Richbodo und König Karl.

In Gottes Namen will ich, Liubert (gesprochen. Lübert), zu meinem Seelenheil ein Almosen spenden. Ich wende es dem heiligen Märtyrer N(azarius) zu, dessen Leib im Lorscher Kloster

ruht, das unter der Aufsicht des ehrwürdigen Abtes Richbodo steht. Es ist mein Wille, daß

meine Gabe für ewige Zeiten dargereicht sei, und ich bestätige, daß sie durchaus freiwillig

geboten wurde.

Ich schenke im Gau Werdereiba (Wetterau), im Dorf Stiorstat (Stierstadt bei Bad Homburg

v. d. H.) zwanzig Joch Ackerland und in der Gemarkung Bucha (Buchen, Mittelbuchen, Wachenbuchen) eine Hofreite. Möge beides Eigentum auf ewige Zeiten sein.

Das Abkommen ist damit in Kraft getreten.

Geschehen im Lorscher Kloster am 1. Juni im 30. Jahr (798) des Königs Karl.

 

(16) Der Satz: „Die Bewohner bauten sich eine neue „Siedlung“ an der Nordwestseite des damaligen Mittelbuchen“ ist in Klammern zu setzen.

Auf einer alten Karte wird die Ortsbach, die von Norden kommend durch den Ort fließt, als „Braubach“ bezeichnet. Der Name ging dann auf den später gegrabenen Bach über, der von Wilhelmsbad kommt und sich mit dem Seulbach (der alten Braubach) vereinigt und dann westlich von Dörnigheim in den Main mündet.

 

(22)

Burg von Buchen: Von tapferen Rittern keine Spur:

Das seidene Taschentuch flattert im Wind, als das holde Burgfräulein seinem strahlenden Helden in schimmernder Rüstung zum Abschied winkt. Das Klappern der Pferdehufe verhallt im Burghof, als die Ritter über die Zugbrücke die trutzige Burg verlassen - Kinderphantasien. Die Realität hingegen entbehrt des märchenhaften Charmes.

Tatsächlich war die Burg der Herren von Buchen südöstlich des Ortskerns von Wachenbuchen im feuchten Wiesengelände nahe der ehemaligen Römerstraße - eine in ihren größten Ausmaßen 150 Meter auf 130 Meter messende Burganlage - Wohnsitz von Verwaltern.

Ihre Entstehung wurde zunächst auf das sechste Jahrhundert datiert, doch nach dem heutigen Stand der Wissenschaft handelt es sich vielmehr um eine Anlage aus dem Hochmittelalter, wenngleich „die paar mittelalterlichen Scherben, die gefunden wurden, nicht für eine exakte Datierung ausreichen“, wie der passionierte Hobby-Archäologe Norbert Mankel erzählt, denn auch jungsteinzeitliche Funde wie ein Steinbeil und eine Feuersteinklinge wurden hier gemacht. Verräterisch ist jedoch der Aufbau. der erlaubt, die „Motte“ oder „Talburg“, so der archäologische Fachbegriff für diese spezifische Burgform, zeitlich in das zehnte oder elfte Jahrhundert zu verlegen.

Auch die Lage der Burg ist urkundlich nicht erwähnt, so daß lange Zeit gerätselt und spekuliert wurde, ob denn nun die Burgwüstungen in Mittelbuchen oder in Wachenbuchen Wohnsitz der Herren von Buchen waren. „Heute sind wir jedoch fast sicher, daß es die Burg auf Wachenbucher Gemarkung ist“, erzählt Norbert Mankel. „Doch Vorsicht ist geboten“, fügt der Hochstädter eilends hinzu.

Den Kern der Burg bildete ein Wohnturm, umgeben von Palisaden. Diesem war im Norden eine rundlich-rechteckige Vorburg vorgelagert. Hier bewirtschafteten Bauern einen Gutshof. Der Hügel der Vorburg, jetzt in einem Wäldchen liegend und zu großen Teilen noch erhalten, war von einem Wassergraben umgeben. Auch um die gesamte Burg verlief zum Schutz gegen ungebetene Gäste ein ovaler Wassergraben. Bis heute scheiden sich die Geister, ob die Burg aus solidem Mauerwerk bestand oder aus Holz. Während einerseits konstatiert wird, daß sie in wesentlichen Teilen gemauert war, vermuten andere Quellen, daß die Burg aus Holz bestand. „Nur Grabungen oder geomagnetische Untersuchungen können hier genauen Aufschluß geben“, zieht Mankel ein Fazit.

In den 30er Jahren wurde erstmals zum Spaten gegriffen. Damals unternahm der Hanauer Geschichtsverein umfangreiche Grabungen. Noch heute sind im Inneren des idyllischen Wäldchens die tiefen Suchgräben zu erkennen. Archäologische Aufzeichnungen sind jedoch nicht überliefert, berichtet Norbert Mankel.

Schweren Herzens muß sich der phantasiefreudige Maintaler zudem von der Vorstellung verabschieden, daß hier hochherrschaftliche Grafen und Ritter gelebt haben. Vielmehr war die Burg der von Buchen Wohnsitz von Verwaltern der umliegenden Ländereien, die für ihre Treue durch den Fürsten oder Kaiser mit Grundbesitz belohnt worden waren. Sie trieben von den Bauern die Abgaben ein und durften als Gegenleistung einen Teil davon behalten, erzählt Mankel. Keine tapferen Ritter mit glänzender Rüstung und geschliffenem Schwert, sondern lediglich Verwalter lebten hier.

Als Bodendenkmal untersteht die Burg dem Schutz des hessischen Denkmalschutzgesetzes, das heißt, ohne Genehmigung darf dort nicht der kleinste Spatenstich erfolgen. Grabungen, Schürfungen oder Wühlereien sind verboten. Lesefunde sind dem Kreisarchäologen zu melden, dürfen jedoch von dem aufmerksamen Finder behalten und stolz in der heimischen Vitrine betrachtet werden.

Den Blick der Öffentlichkeit auf archäologische Stätten zu richten, ist immer ein zweischneidiges Schwert, weiß Norbert Mankel und verweist auf den Konflikt, dem Archäologen und Museen seit ewigen Zeiten unterliegen. Denn auch Raubgräber werden so aufmerksam und zum verbotenen Buddeln animiert. „Doch nur was man kennt, kann man auch schützen“, sagt Norbert Mankel (25. August 2007).

Nach neuesten Forschungen ist der „Wohnturm“ in Wirklichkeit ein Vorratsspeicher gewesen. Die Burgherren wohnten in einem gewöhnlichen Fachwerkhaus im Umfeld. Nur bei großer Gefahr hatten sie noch eine Möglichkeit, sich in den Turm zurückzuziehen, der offenbar im oberen Teil noch einen besonderen Raum zur Verteidigung hatte. (nach Norbert Mankel).

 

(22)

Eugen Sauer hat in seinem Buch auf Seite 58 und 59 eine sehr gute Zusammenstellung.

von Siegeln.

 

(26)

Zehntenstreit:

Zur Abfindung der Zehntansprüche des Mainzer Stifts übergibt demselben König Heinrich IV. im Jahr 1059, zur Beendigung seines Thüringer Zehntenstreites, Güter in Sachsen und Franken. Es werden u.a. genannt: 90 Huben zu Kesselstadt, Buchen und Bornheim (?); die Urkunde schreibt: Chezsilstat, Buochehun, Buorichelun.

 

(27)

Um 1400 gehörte der Bodenzins von der Mühle zu Wachenbuchen den Nachbarn und der

Kirche.

In der Kommission, die 1434 in Hochstadt zusammentritt, um den Grenzstreit zwischen Hochstadt und Bischofsheim zu schlichten, ist auch der „Henn rule snyders“ (Landvermesser) von Wachenbuchen als Zeuge geladen und im Protokoll vermerkt.

Ludwig zu Ysenburg gibt 1461 den Niederhof in Wachenbuchen ans einen Verwandten Diether von Ysenburg mit dem Recht, daß seine Kinder das Recht am Hof erben. Land wurde oft mit Wiederkaufsrecht verkauft: 1469 verkaufen nach diesem Recht Steder Clese, Henne Stole und Contz Fryckel und ihre Frauen Land für insgesamt 20 Gulden an den Hanauer Bürger Henne Burgharth (Eugen Sauer, Seite 107).

Am 15. August 1465 erklären drei Männer - Heinz Forstmeister, Henchen Franke und Heinz - die Fehde an Brand und Heinrich Knobelauch, an den Priester Rule und den Schelm Jeckel.. Sie zeigen die Fehde der Gemeinde Wachenbuchen und der Stadt Frankfurt an und haben dadurch die Möglichkeit, ihr Recht auf eigene Faust zu suchen (EugenSauer, Seite 108).

 

(28)

Dreißigjähriger Krieg:

Im Jahr 1638 leben kaum noch 200 Menschen in Wachenbuchen, ein einziges Kind wird getauft

Der Oberschultheiß des Amtes Rodheim und der Schultheiß von Wachenbuchen wurden am 23. Dezember 1642 auf offener Straße allhier unsern der Stadt Hanau von einer Weimarischen Partei gewaltsam hinweg in ein mit aufziehender Brücke verwahrtes Schloß geführt und, ohngeachtet unsere gnädige Herrschaft sich interponirt, dahin durch unchristliche Peinigungen und Todesandrohungen getrieben, daß sie 1000 Gulden zur Ranzion versprochen und nun 440 Reichstaler wirklich zahlen müssen, davon gestern schon 200 Reichstaler erleget und heute die übrigen 240 noch nachgeschickt worden.

Die Bürgermeister (einer davon war Heinrich Geibel) wurden 1646 zu acht verschiedenen Malen in Hanau in Arrest gehalten; wegen der Bede einmal fünf Tage, während eine andere Gemeinde-Geldschuld der zweite Haftgrund war. Der Arrest war jedoch erträglich: „Im Ochsen“, heißt es einmal; sie wurden also in Gasthäusern oder Herbergen inhaftiert, wo sie auf Gemeindekosten verzehrten.

 

(29)

In Mittelbuchen lagen 1679 Lüneburgische Reiter. Unter ihnen auch Jakob Lämblein aus Bremen und Adam Ziegler aus Schwaben. Nach einer Zechtour Hanau trafen sie auf einem Waldweg nach Mittelbuchen einen Fremden, der sie wegen ihres Verhaltens rügte. Da erstach ihn Ziegler mit über 120 Stichen, obwohl der Fremde fliehen wollte. Am 31. Mai 1679 wurden sie „auf einer grünen Aue“ bei Wachenbuchen mit dem Schwert hingerichtet. (Eugen Sauer, Seite 140).

 

(29)

Am 30./31. Mai 1813 gab es eine große Flut in Wachenbuchen mit Gewitter und Wolkenbrüchen. Es wurden Gebäude und Mauern weggeschwemmt (Eugen Sauer, Seite 154).

 

(30) General Wrede wurde nur verwundet, er ist erst Jahre später eines natürlichen Todes gestorben. In der Feldherrnhalle in München ist sein Standbild aufgestellt.

 

(30)

Geibel:

Im Jahre 1834 erschien sein erstes Gedicht. Schon ein Jahr, nachdem Emanuel Geibel 1840 aus Griechenland zurückgekehrt war, verstarb seine Mutter, woraufhin er das Klage-Gedicht „Hoffnung“ verfaßte. Vom Schicksal des jungen Geibel sowie seinen frühen Werken beeindruckt, lädt ihn Karl von der Malsburg nach Escheburg nahe Hamburg ein.

Es war etwa das Jahr 1841, als Emanuel Geibel endgültig beschloß, sich vollstens dem Schreib­handwerk zu widmen und Dichter zu werden. Die Summe von 300 Talern sollte er beziehen, wenn er weiter Dichtungen verfasse. Dieser Geldbetrag sollte Geibel unterstützen „bei der „ungehemmten Fortsetzung seiner poetischen Laufbahn“. Daraufhin begann für ihn eine ständige Wanderschaft, Emanuel Geibel blieb selten an einem Ort für eine längere Zeit, bis er 1852 „Ada“ Trummer (1834 - 1855) heiratete. Seit 1853 war er auch Vater einer Tochter.

Im gleichen Jahr wurde ihm auf Initiative des bayerischen Königs Maximilian ein Ehrenprofessur für deutsche Literatur an der Universität in München erteilt. Er wurde geadelt und durfte sich nun „Emanuel von Geibel“ nennen.

Wodurch macht sich ein Dichter in dieser Zeit einen solchen gefragten Namen? Das lag wohl vor allen daran, daß Emanuel von Geibel mit seinen Schriften genau den „Geist der Zeit“ formulierte. Er paßte sich an den weitverbreiteten Stil an: Romantisch und konservativ. Unter konservativer Romantik verstand man zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Art „Zurückwünschen“ in die sogenannte „gute alte Zeit“ als es in den Landschaftsbildern Europas, speziell in Deutschland, noch keine rauchenden Fabriktürme gab und Dörfer noch überschaubar waren. Das entsprach etwa dem spätmittelalterlichen Bild des 16. Jahrhunderts - daß es da aber ohne den gewaltigen Fortschritt durch die Abhängigkeit von Großgrundbesitzern und ohne die hygienischen Erkenntnisse keineswegs so romantisch war, wie gepriesen, wurde meistens außer acht gelassen. Es war sozusagen „in“ unter den Romantikern, gegen den Trend der Industrialisierung „anzuschreiben“ - bekanntlich ohne handfeste Erfolge.

Zu den Merkmalen eines romantischer Dichters zählte aber auch dessen Heimatverbundenheit. In Gedichten immer wie der seine Sehnsucht und seine Geborgenheit in den heimischen Landen herauszukehren, machte einen Dichter in dieser Zeit beliebt und berühmt. Auch Emanuel von Geibel ließ immer mehr Verherrlichendes von seinem Geburtsort Lübeck und dem Staat Preußen in seine Arbeiten mit einfließen.

Das mißfiel wiederum dem bayerischen König. Deutschland war zu dieser Zeit ein Bund loser, größtenteils eigenständiger Staaten („Deutscher Bund“), der sich erst 1871 zum Deutschen Reich zusammenfaßte. Die großflächigen Staaten Bayern und Preußen befehdeten sich dabei und wollten jeweils die Führung eines sich abzeichnenden Reiches übernehmen. Da ist es nur zu verstehen, daß ein bayerischer König mehr als verärgert reagierte, wenn ein von ihm geförderter Dichter im eigenen Staat „Werbung“ für den Konkurrenten machte. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: 1868 wurde Emanuel von Geibel das Dichtergehalt gestrichen.

Geibel kehrte daraufhin in seine Heimatstadt Lübeck zurück - vom preußischen Landesvater bekam er einen Ehrensold von 1000 Talern. Seine patriotische Gesinnung wurde 1871 schließlich befriedigt mit der Ausrufung des Deutschen Reiches unter der Führung von Wilhelm I., dem preußischen König. In der Verfassung wurde zudem festgeschrieben, daß fortan jeder preußische König gleichzeitig auch Kaiser des Deutschen Reiches werden sollte - ein Schachzug des ebenfalls heimatverbundenen preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck.

Emanuel von Geibel, gab mit seinen konservativen Schriften und Dichtungen aber auch der zunehmenden Radikalisierung und Isolierung im Kaiserreich einen Auftrieb - sicher nicht ursprünglich in dieser Form gewollt. Allerdings sind aus seinen nationalistischen Worten „Und es mag am deutschen Wesen Endlich noch die Welt genesen“ („Deutscher Beruf“ 1861) bereits mehr als 50 Jahre vor dem Ersten Weltkrieg die deutschen Überlegenheitsgefühle herauszuhören. Just dieses Zitat verwendete auch Kaiser Wilhelm II. zur Einschwörung auf den Krieg, der 1914 begann: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“.

Am „Geibelhaus“ in Wachenbuchen wurde anläßlich des 100. Todestages im Jahre 1984 eine Gedenktafel angebracht. Nach dem Dichter ist die Emanuel-Geibel-Straße benannt, die allerdings nicht am Stammhaus vorbeiführt (die dortige Straße heißt „Geibeleck“), sondern von der Schulstraße südlich abgeht (Franz Walzer, Maintal Tagesanzeiger, 09.08.2003, unter Verwendung der Chronik Heckert).

 

(33)

Kaisermanöver 5.-10. September 1897:

Kaisermanöver in der Umgebung Hanaus. Zum erstemal manövrierten Preußische und Bayerische Truppen vereint, zusammen ungefähr 150.000 Mann. In diesen Manöver haben sich die militärischen Radfahrer bewährt; die Bayern haben per Regiment 20 Radfahrer, außerdem ganze Pionierabteilungen zu Rad und besonders nur aus Unteroffizieren bestehende Radfahrabteilungen. Hauptgefechte fanden zwischen Kaichen und Windecken-Heldenbergen statt. Kaiser Wilhelm II. führte abwechselnd die Preußische und Bayerische Armee. Wegen ungünstiger Witterung mußten mehrere Male Notquartiere bezogen werden, bei welchen 8 - 10.000 Mann in der Stadt Hanau untergebracht wurden; im Ganzen hatte man in Wachenbuchen an den drei Manövertagen etwa 30.000 Mann in Quartier. Die Kosten des Manövers wurden auf 8-10 Millionen geschätzt; die Flurschäden in Landkreis Hanau betrugen allein rund 480.000 Mark, in Kreise Friedberg 637.000 Mark; es entfielen u.a. auf die Gemeinde Kilianstädten 55.398 Mark, auf Wachenbuchen 54.331 Mark, Ostheim 49.556 Mark, Marköbel 33.071 Mark „Flurschäden-Gelder“.

 

(33)

Am 19. Mai 1914 rutschte der 24 Jahre alte Gefreite Wilhelm Eckhardt aus Wachenbuchen auf einem Kahn aus und fiel über Bord. Er ertrank, weil er einen Herzschlag erlitten hatte.

Im Januar 1933 beging der Architekt Christian Beyer mit seiner Frau Selbstmord. Durch die Arbeitslosigkeit hatte er keine Aufträge mehr, am 18. Januar sollte das Konkursverfahren beginnen. Da zündete das Ehepaar das Haus an, verriegelte die Tür und erhängte sich auf dem Dachboden (Eugen Sauer).

 

(37) Die Franzosen, Holländer und Polen sind alle Zwangsarbeiter. Siehe dazu die Datei „Maintal, Zwangsarbeiter“.

 

 (38)

Hinrichtung eines polnischen Zwangsarbeiters:

Am 25. Februar 1942 wurde der Pole Michael Zislo aus Oberdorfelden im Wald zwischen Wachenbuchen und Niederdorfelden erhängt. Veranlasser war der Landrat Löser. Nach Aussagen von Hans Fischer wurde der Pole von Partei-Leuten erhängt, weil er angeblich einer Bauersfrau zu nahe getreten sei.

Sehr aktiv beteiligt war auch Fritz Seng, Dorfelder Straße 4, der Wachenbucher Bürgermeister. Auf seine Veranlassung hat ein Wachenbucher Zimmermann das Galgenholz geliefert. Beim Aufhängen des Polen beauftragte er den Zimmermann Alois Welz, einen Hebel, Klammern und eine Leiter zu stellen. Auf die Frage, wozu diese Dinge benötigt würden, sagte er, daß hieran ein Pole aufgehängt wird.

Die Sachen wurden von dem Landwirt Ludwig Puth III. (der inzwischen bei einem Fliegerangriff gefallen ist) mit einem Tisch und verschiedenen Stühlen an den Tatort gebracht. Seng war in Begleitung von Landrat Löser am Tatort. Mit anwesend war auch Wilhelm Schäfer V., Bachstraße 18. Nach dem Krieg sagte er allerdings er sei nicht als Parteifunktionär anwesend gewesen, sondern als Bauer auf dem Feld, welches neben der Hinrichtungsstelle lag.

Aus dem Rundschreiben des Landrats an die Bürgermeister: vom 5. März 1942 (erhalten im Stadtarchiv Bischofsheim) geht hervor, daß die anderen Polen zu der Hinrichtung kommandiert wurden (Der Landrat regt sich allerdings nur auf, daß man bei der Musterung der Polen in große Mißstände festgestellt wurden). Offenbar war auch der Gendarmeriemeister Wilhelm Brösamle aus Bischofsheim, Friedhof­straße 15, anwesend, denn am 9. September 1946 heißt es, er könne Angaben machen über die Exekution eines Polen.

Dieser Vorgang wird von gleich drei ehemaligen Zwangsarbeitern bestätigt. Besonders eindrücklich der Bericht des Polen Kasimir Smoniewski. Er war 17 Jahre alt, als er nach Windecken verschleppt wurde. Er mußte wie alle polnischen Zwangsarbeiter aus dem Kreis Hanau die Hinrichtung mit ansehen. Er sagt in einem Interview mit Monica Kingreen am 27. Oktober 2002: „Wenige Wo­chen später mußten wir Zwangsarbeiter uns alle auf dem Marktplatz versammeln. Unter Aufsicht mußten wir in Reih und Glied in Holzschuhen durch den Schnee losgehen. Wir alle wurden in den Wald zwi­schen Wachenbuchen und Niederdorfelden auf den Hinterberg getrieben. Dort war ein Holzgalgen aufge­baut worden. Alle Zwangsarbeiter des Kreises waren dorthin getrieben worden ‑ mehr als tausend Zwangsarbeiter. Der Wald war abgesperrt, an jeder Ecke stand ein Maschinengewehr. Eine Rede wurde ge­schwungen, die ich noch genau im Ohr habe: Das Dritte Reich gab Euch Arbeit, es gab Euch Brot, aber es gab Euch auch Gesetze. Einer hat diese nicht be­achtet und wird dafür gehängt.' Ein 24‑jäh­riger Pole aus Lublin hatte eine Beziehung mit einer deutschen Frau. Eine SS‑Frau hatte das bemerkt und zeigte die beiden an. Der Mann mußte sich selbst die Schlinge um den Hals legen, dann wurde er gehängt, und wir standen alle dabei und mußten zuschauen. „Das hät­test Du sein können“, sagten wir zu unserem Freund, den wir mit unseren Aussagen vor einem solchen Schicksal bewahrt hatten. Anschließend wurden wir dann noch gezwungen nahe an dem Gehängten, den jemand festhielt, damit er sich nicht dreht, vorbeizu­gehen. ‚Guck dahin, Du Hund!’ wurde uns gesagt, wenn man nicht direkt hinsehen wollte“.

Auch der Pole Albert Strychardz wurde in ähnlicher Weise auf Veranlassung der Polizeidirektion Hanau durch den Strang hingerichtet.

Am Samstag, dem 29. März 2003 stellt Landrat Eyerkaufer in Gelnhausen der Öffentlichkeit ein Buch über die Zwangsarbeit im Main-Kinzig-Kreis vor. Im Sonderheft des Mitteilungsblattes des Zentrums für Regionalgeschichte, 28. Jahrgang, herausgegeben vom Kreisausschuß des Main-Kinzig-Kreises, sind Arbeiten von Martina Raskop Marburg), Edgar Thielemann (Hanau), Peter Heckert (Maintal) und Monica Kingreen (Nidderau) zusammengestellt. Aus diesem 95 Seiten starken Heft ist hier ein Vorgang wiedergegeben, von dem bisher nur unsichere Gerüchte vorhanden waren: Die Hinrichtung eines Polen im Wald zwischen Wachenbuchen und Niederdorfelden (Seite 74 und 84).

 

Als ein englisches Flugzeug am Hühnerberg abgeschossen war, wurden die Wachenbucher Flakhelfer losgeschickt, sie gefangen zu nehmen. Einer der Flieger war so verletzt, daß er auf einem Schlitten zur Sammelstelle im Bürgermeisteramt Hochstadt gebracht werden mußte. In Hochstadt wurde ihm ärztlicher Beistand verwehrt. Es sagte aber doch irgendjemand Dr. Seufert Bescheid. Der kam und nahm den Verletzten mit in seine Praxis. Dr. Seufert war ein Nazigegner und hat auch 1938, als er in Hanau Vertretungsdienst machte, sich nach der Pogromnacht für die Juden eingesetzt.

 

(39)

Hinrichtung des Jean Kappes:

Wegen der Hinrichtung des Jean Kappes wurde Wilhelm Gerlach, Hauptstraße 3, am 12. April 1945 vom Bürgermeister extra befragt. Er sollte sagen, wo Kappes ermordet wurde, wer bei der Verurteilung zugegen war und wo die Leiche geblieben ist. Gerlach erklärte, daß er davon keine Kenntnis hat. Er war jedoch auf dem Bürgermeisteramt anwesend, als Heinrich Berger Frau Kappes erklärte, daß ihr Mann zum Tode verurteilt worden sei, weil er sich unerlaubterweise von seiner Truppe entfernt habe. Diese Angabe ist allerdings falsch, denn Kappes hat den beiden NSKK-Männern seinen Urlaubsschein vorgelegt, der bis zum 27. März ging; er wurde jedoch als nicht gültig zurückwiesen. Die Verhaftung erfolgte auf Denunziation des Heinrich Berger, der sich von Kappes beleidigt und bedroht fühlte.

Der Bürgermeister überreicht am 21. Oktober 1946 Herrn Fritz Schäfer, öffentlicher Ankläger aus Hochstadt, die Quittung der Frau Lina Kappes über die an sie ausgezahlten 500 Mark (ihr Mann war in den letzten Kriegstagen als Deserteur hingerichtet worden). In der Sterbeurkunde auf dem Standesamt wird vermerkt: Johann Philipp Kappes, gestorben am 26.03.1945 in Hanau auf dem Gelände der Brauerei Nicolay schuldlos erhängt und zwar auf Veranlassung der NSDAP, eingetragen am 28. März durch Bürgermeister Diez.

 

(40)

Entnazifizierung:

Die Aufarbeitung der Nazizeit beginnt gleich nach der Besetzung durch amerikanische Truppen. Am 11. April 1945 macht der von der amerikanischen Militärregierung eingesetzte Bürgermeister eine Aufstellung der Personen, die sich grober Vergehen schuldig gemacht haben. Dabei wird auch Frau Antonie M. erwähnt. Sie hat sich am 8. Januar 1945 eine schwere Mißhandlung gefangener Flieger zu Schulden kommen lassen: Als Gefangenen die Hanauer Landstraße passierten, hat sie diese wiederholt ins Gesicht geschlagen. Das rief den Protest der dortigen Anwohner hervor, so daß sie von weiteren Mißhandlungen abließ. Aber anderen Nazis gegenüber machte sie die Bemerkung, daß die Gefangene bald noch mit Kaffee und Kuchen bewirtet worden wären. Sie kennt auch die Namen der noch Beteiligten.

Am 14. August 1945 werden die Mitglieder der NS-Frauenschaft, des Frauenwerks und des BDM gemeldet, die zur Arbeit eingesetzt werden können: Ria H., Marie R., Marie S., Helene H. und Emma P.

Am 27. August 1945 wird mitgeteilt, daß auf Verfügung des Landrats das Horst-Wessel-Denkmal und die Hitler-Eiche entfernt wurden und der Adolf-Hitler-Platz wieder umbenannt wurde in seine frühere Bezeichnung „Am Lindenbaum“. Die Eiche war gepflanzt worden „am Geburtstage des großen Volkskanzlers Adolf Hitler, der Führer der Nationalsozialisten am 20. April im Jahre des Heils 1933“, eine Urkundenkapsel mit den Namen der SA-Mitglieder war beigegeben worden.

Gut dreißig Parteimitglieder kommen für die wöchentliche Meldung am Ort in Frage. Sie müssen sich wöchentlich auf dem Bürgermeisteramt melden und dies ab Oktober 1945 durch Unterschrift bestätigen (offenbar sind sie besonders belastet). Die Unterschriftsleistung nimmt allerdings ab. Am 14. Januar 1946 unterschrieben nur noch Heinrich S. und Wilhelm P. Am 7. Dezember 1945 müssen sich frühere Amtsträger der NSDAP in der Polizeiverwaltung in Hanau-Kesselstadt, Mittelstraße 19 zu melden. Falls sie in Haft sind, ist zu vermerken, wann und von wem sie in Haft gekommen sind.

Der Gendarmerie-Posten Wachenbuchen meldet am 6. Juni 1946 dem Bürgermeister, welche Personen beschuldigt wurden, das Judenpogrom im November 1938 in Wachenbuchen durch­geführt zu haben. Zwecks Be- oder Entlastung der Einzelnen bittet er um eine Beurteilung. Es folgt eine Liste mit 13 Namen. Bei einem Einwohner heißt es „sehr eifrig bei der Mißhandlung“ und bei einem anderen „Hervorragend beteiligt am Abbruch der jüdischen Schule und am Dienststahl von Eigentum des jüdischen Lehrers“. Der Bürgermeister nennt am 11. April 1945 noch den Kaufmann Wilhelm G. als einen der übelsten Hetzer, besonders in der Behandlung der Juden.

 

Firmen und Vermögen:
Die Firma Schwarz, Nachfolger Karl Schneider, erhält im Oktober 1945 vom Bürgermeister nicht die gewerbepolizeiliche Genehmigung zur Weiterführung des Betriebs, offenbar weil nicht endgültig darüber entschieden ist, ob sich Herr Carl Schneider nicht in getarnter Form als stiller Gesellschafter in der neugegründeten Kommanditgesellschaft befindet.

Alle Firmen in Handel, Gewerbe und Industrie haben bis 7. November 1945 eine Bescheinigung unterschrieben einzureichen. Wer unwahre Angaben macht, muß mit Schließung seines Betriebs durch die Militärregierung rechnen. Inhaber eines Betriebes, die im Sinne des Gesetzes Nr. 8 nicht tragbar sind, haben sofort einen einwandfreien Stellvertreter als Betriebsleiter zu ernennen und ihn entsprechend zu bezahlen. Angeschrieben wird zum Beispiel auch die Firma Carl Schneider.

Unter der Überschrift „Bereinigung der Wirtschaft vom nationalsozialistischen Einfluß“ reicht der Bürgermeister am 26. November 1945 Anträge auf Zulassung bei der Handwerkskammer ein. Ende 1945 wird auch der Grundbesitz früherer NS-Organisationen erfaßt. Der Bürgermeister teilt mit, daß die Geschäftsstelle des Sturmbanns II/98 in einem Nebenraum der Gaststätte Fix, Hauptstr. 10, untergebracht war, das Anwesen aber nicht auf diese Formation übergegangen ist.

Laut Gesetz Nr. 52 soll im März 1946 Vermögen unter Kontrolle genommen werden. Bankguthaben und sonstige hinterlegte Vermögenswerte verschiedener Personen sind zu sperren. Es handelt sich dabei aber nicht nur um Parteimitglieder, sondern offenbar um alle Inhaber eines Bankkontos (zum Beispiel Pfarrer). Kontrolleur wird der Gemeinderechner Johannes Siemon, Hainstraße 2.

Eine Vermögenserklärung muß auch abgegeben werden für gefallenen oder verstorbenen Angehörigen. In der Gemeinde sind aber nach Meldung des Bürgermeisters keine Landwirte, deren Besitz unter das Gesetz 52 fällt. Der frühere Kreisbauernführer ist nicht Inhaber des Hofs, sondern er gehört seinem Vater. Die Witwe des gefallenen Landwirts Ludwig P. (der als Aktivist unter das Gesetz gefallen wäre) hat gegen die Aufforderung zur Vermögensangabe Einspruch erhoben.

Am 29. Juli 1946 erhält Jakob Karl Kaiser, wohnhaft im Steinbruch, vom Bürgermeister den Bescheid, daß er auf Anordnung der Militärregierung sich jeder Tätigkeit innerhalb seines Betriebs zu enthalten hat. Er ist 73 Jahre alt und nicht mehr in gewöhnlicher Arbeit tätig. Für den Betrieb wäre ein Treuhänder einzusetzen.

 

Entnazifizierungsverfahren:

Schon im September 1945 hat die Militärregierung den Polizeidirektor beauftragt, einen politischen Bürgerrat zu bilden, der die Frage prüft, inwieweit Nazis in ihren Stellen belassen wer­den sollen, deren politische Vergangenheit eine solche Möglichkeit offen läßt. Dem Bürgermeister wird eine Liste überreicht, die er kommentieren soll.

Alle erwachsenen Einwohner müssen einen Fragebogen ausfüllen, in dem sie Auskunft geben über ihre Mitgliedschaft in der Nazi-Partei oder eine ihrer Gliederungen und über ihre politischen Aktivitäten in der Nazi-Zeit. Falsche Angaben werden mit schweren Strafen bedroht. Das Aktenstück enthält eine Fülle solcher Aushänge. Manchmal sind es nur kleine Aushänge mit zwei Namen, manchmal seitenlange Listen. Insgesamt sind es weit über 1.000 Namen. Es handelt sich im Grunde um eine alphabetische Aufstellung aller erwachsenen Einwohner deren Namen wurden nach und nach ausgehängt.

Die Listen wurden von der Spruchkammer geprüft. Diese schickte dann Listen nach Wachen­buchen von den Personen, die als „unbelastet“ eingestuft werden sollen. Diese Listen werden ausgehängt und jeder Einwohner wurde aufgefordert, gegebenenfalls gegen die Einstufung Widerspruch zu erheben. Wer etwas gegen die betreffenden Personen zu sagen wußte, sollte sich beim öffentlichen Ankläger melden. Auch die Ostflüchtlinge und Evakuierten wurden erfaßt und erhielten einen Fragebogen, in dem sie über ihre politische Vergangenheit Auskunft geben sollten.

Am 24. November 1947 erhält der Bürgermeister die Listen der nach ihren Angaben im Meldebogen unter Gruppe IV „Mitläufer“ eingestuften Personen. Die Listen sind 14 Tage auszuhängen, damit Einwände beim öffentlichen Ankläger gemacht werden können.

Am 10. Dezember 1947 wird mitgeteilt, daß der öffentliche Ankläger beabsichtigt, bei bestimmten Personen den Erlaß eines Mitläufer-Sühnebescheids zu beantragen. Wer Beweise liefern kann, daß die Betreffenden sich als nationalsozialistische Aktivisten verhalten haben, hat die Pflicht, dies sofort dem öffentlichen Ankläger mitzuteilen. Anzeigen mit allgemeinen Aussagen wie „Aktivist“ oder „eifriger Nazi“ sind allerdings unbrauchbar. Es müssen vielmehr bestimmte Tatsachen angegeben werden, die den Aktivismus bewiesen. Der Teil der Liste C, der die Einkommensangaben enthält, wird vor dem öffentlichen Aushang abgeschnitten. Ob in der dörflich geprägten Gemeinschaft jedoch wirklich umfassend die Täter angezeigt wurden, ist doch zu fragen.

Auch am 17. Februar 1948 übersendet die Spruchkammer eine Liste mit Personen, die auf Grund ihrer Angaben auf den Meldebogen zum größten Teil in die Gruppe II der Belasteten fielen. Meist sind es Amtsträger der NSDAP. Es ist genau zu prüfen, ob sie sich außer ihrer Tätigkeit für die Partei auch verbrecherischer Handlungen schuldig machten. Durch die Änderung des Befreiungsgesetzes sollen die Betroffenen im schriftlichen Verfahren in die Gruppe IV der Mitläufer eingereiht werden. Wieder wird die Bevölkerung aufgefordert, entgegenstehende Angaben zu melden.

Im Januar 1948 werden Kriegsteilnehmer, die erst jetzt aus der Gefangenschaft zurückgekehrt sind, die Meldebogen zum Ausfüllen. Am 14. Mai 1948 geht noch nachträglich ein Meldebogen „Nichtbetroffener“ mit 42 Namen ein. Am 17. März 1949 teilt die Spruchkammer mit, daß sie einige Einwohner unter die Minderbelasteten einstufen will. Zur endgültigen Einstufung soll der Bürgermeister angeben, ob sie inzwischen am Wiederaufbau auf friedlicher demokratischer Grundlage mitarbeiten. Der Bürgermeister teilt mit, daß sie sich in den Arbeitsprozeß eingeschaltet haben und durch ihr Gesamtverhalten beweisen haben, daß sie sich nunmehr vom Nationalsozialismus abgewandt haben und bereit sind, am Wiederaufbau Deutschlands auf einer friedlichen demokratischen Grundlage mitzuarbeiten.

 

Die Spruchkammerbescheide ergehen meist aufgrund der Stellungnahme des Bürgermeisters. Ab September 1947 gehen schon Sühnebescheide beim Bürgermeisteramt ein. Aber noch im November 1950 übersendet der Bürgermeister politische Meldebogen an die Spruchkammer.

Meist wurden die Betreffenden als Mitläufer eingestuft und hatten nur eine Geldbuße zugun­sten des Wiedergutmachungsfonds zu zahlen. Die „Weihnachtsamnestie“ wurde angewandt bei Menschen mit geringem Einkommen (unter 3.600 Mark im Jahr). Es kommen vor die Stufen II „Belasteter, III „Minderbelasteter“, IV. „Mitläufer“ und V „Entlasteter“.

 

Politische Leiter der NSDAP:

Es werden 22 Personen angeführt, an ihrer Spitze Fritz Seng, (Dorfelder Straße 4) mit folgenden Funktionen: 1932 stellvertretender Ortsgruppenleiter, 1933 Schulungsleiter, 1934 - 1935 Schulleiter an der SA-Schule für Pioniersport, 1936 Zellen- oder Organisationsleiter, seit 1. Oktober 1937 Ortsgruppenleiter, Propagandaleiter, Schulungsleiter, Ausbildungsleiter, NS-Berater, Personalamtsleiter, Obmann für Handel und Handwerk.

Stellvertretender Ortsgruppenleiter war Wilhelm Gerlach (Hauptstr. 3), der außerdem Personalamtsleiter und, Filmstellenleiter war.

Die anderen Funktionen waren: Ortsgruppenleiter der NSV, Führer der SA, Führer der HJ, Hilfskassenobmann, Führerin des BDM, Frauenschaftsleiterin und Leiterin des deutschen Frauenwerks,        Ortsbauernführer und Landwirtschaftlicher Berater, Führer der NSKK,

Kreisbauernführer, Geschäftsführer der Ortsgruppe und Kassenleiter, Organisationsleiter Funkstellenleiter, Beauftragter für Altmaterial, Beauftragter für völkische Schulung und

Gemeinderechner, DAF-Ortsobmann, NSV-Ortsamtsleiter, Beauftragter für Kriegsopfer und

vier Blockleiter,

                                              

Mitglieder der Partei und Ergebnis der Entnazifizierung:

Längst nicht alle Parteimitglieder kommen vor die Spruchkammer, selbst nicht alle, die sich nach dem Kriegt noch regelmäßig bei der Polizei melden mußten. Weitere 63 Mitglieder der NSDAP wohnten im Ortsteil „Hohe Tanne“. Im Stadtarchiv sind jedoch die Namen von 132  Einwohnern mit dem Ergebnis des Verfahrens festgehalten, zum Teil auch mit ausführlichen Schilderungen. Weitere neun Einwohner waren zwar Parteimitglieder, waren aber unbelastet.

Weiter sind folgende Listen erhalten: SS, NS-Frauenschaft (88 Mitglieder), NS-Frauenwerk (66 Mitglieder), Hitler-Jugend, Angehörige des BDM (51 Mitglieder) und des BDM-Werks (24 Mitglieder).

 

Diskussion über die Zwangsarbeiter:

Auch die Zwangsarbeit der kriegsgefangenen Deutschen war Unrecht. Aber das gab noch nicht das Recht, anderen Menschen - und noch dazu Zivilisten - die Freiheit zu nehmen und sie unter schwersten Bedingungen arbeiten zu lassen.

Die Holländer sahen die Zwangsarbeiter aus dem eigenen Volk als Feinde an, weil sie die Deutschen beim Wiederaufbau unterstützt hatten und nur aus Sympathie für die Deutschen gearbeitet hätten. Keiner wollte wahrhaben, daß sie zu dieser Arbeit gezwungen wurden. Man sagte, sie sollten sich nicht anstellen, schließlich habe man auch in der Heimat arbeiten müssen.

In Maintal gab es keine großen Industriebetriebe, die Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene hätten beschäftigen können. Im Grunde gab es auch nur drei mittelständische Betriebe in Dör­nigheim, die Zwangsarbeiter beschäftigten. Nur die Firma Seibel ragt unrühmlich aus ihnen heraus. Dazu kamen noch einige Handwerksbetriebe. Aber sonst gab es Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene nur bei landwirtschaftlichen Betrieben.

Hierbei muß man bedenken, daß die Betriebsleiter und ihre Söhne zur Wehrmacht eingezogen worden waren. Die Arbeit mußte aber geleistet werden. Es blieb den Frauen und Altbauern gar nichts anderes übrig, als auf diese Arbeitskräfte zurückzugreifen. Wer hätte es auch unter einem Gewaltregime wagen können, die angebotene „Hilfe” abzulehnen! Heute kann man leicht sagen, sie hätten ja auf diese Arbeitskräfte verzichten können.

In der Regel haben die Bauern die Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen gut behandelt. Zum Teil mußten sie auch für die Arbeitskräfte zahlen (auch wenn diese selber nichts oder kaum etwas erhielten). Aber man kann die damaligen Arbeitgeber oder ihre Nachkommen heute nicht dafür haftbar machen. Die Wiedergutmachung ist Sache des Staates, denn er hat damals seine Bürger in den Krieg geschickt und dafür zuhause Ersatz geschaffen.

 

(46) Der Hühnerberg ist gar kein Berg mit einem Gipfel und er ist auch nicht die höchste Stelle in der Gemarkung. Diese ist auf der Hohen Straße bei dem großen Grenzstein.

 

(47)

Mutter von Sohn brutal getötet:

Bei einem grausamen Familiendrama ist am 19.04.1999 eine 72jährige Frau in Wachenbuchen von ihrem eigenen Sohn ermordet worden. Der Amokläufer, der nach der Bluttat eine Streifenwagenbesatzung angriff, wurde von zwei Polizeikugeln gestoppt und festgenommen

Als Polizeibeamte der Maintaler Station gegen 14.30 Uhr an der Doppelhaushälfte der Schulstraße 32 eintrafen, tobte der 32jährige Udo P. bereits seit längerem. „Ich bringe Euch alle um“, soll er nach Zeugenaussagen gebrüllt haben. Vor den Beamten hatte er sich dann jedoch in der Wohnung verschanzt. Als die Streifenwagenbesatzung mit Gewalt die Tür öffnete, wurde sie von dem Amokläufer mit zwei Messern angegriffen.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft blieb einem der Polizisten nichts anderes übrig, als sich mit seiner Dienstwaffe zu wehren. Dabei machte er den Angreifer mit zwei gezielten Schüssen in Bein und Arm kampfunfähig. Mit Fußfesseln und von einer Beamtin bewacht, wurde Udo P. rund eine halbe Stunde später von einem Rettungsteam ins Krankenhaus gebracht. Wie zu erfahren war, erlitt er durch die Polizeikugeln keine ernsthaften oder lebensbedrohlichen Verletzungen.

Als die Beamten dann das Haus betraten entdeckten sich im ersten Stock das grauenvolle Geschehen: Die 72jährige Mutter Elisabeth P. saß in einem Sessel - von ihrem eigenen Sohn brutal getötet. Oberstaatsanwalt Jost-Dietrich Ort, der Pressesprecher der Anklagebehörde, konnte gestern nichts dazu sagen, mit wie vielen Stichen die Frau getötet worden war. „Es war ziemlich brutal“, umschrieb er das Geschehen. Bis in die Abendstunden waren Kriminalisten und Teams der Spurensicherung vor Ort, um den Fall zu rekonstruieren.

Die Adresse an der Schulstraße war der Polizei am Montag aber bereits bekannt, denn der 32jährige sollte schon am Vormittag in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden, als er bereits tobte. Warum dies nicht geschehen ist, darüber gibt es bislang nur Vermutungen. Die Staatsanwaltschaft verhängte über die Polizeidirektion Hanau eine „Auskunftssperre“ und behielt sich alle Veröffentlichen vor. Mit der Rekonstruktion der beiden Schüsse aus der Dienstwaffe wurde die Kriminalpolizei aus Bad Homburg hinzugezogen.

Ein Wachenbuchener Arzt, der am Vormittag hinzugezogen worden war, konnte den Mann zunächst nicht beruhigen. Die Mutter habe sich schließlich vor ihren Sohn gestellt, wurde berichtet.

Sichtlich schockiert vom, Tatgeschehen waren zahlreiche Nachbarn an der Schulstraße. Wie sie dem Maintal Tagesanzeiger übereinstimmend sagten, soll der 32jährige bereits in der Vergangenheit mehrfach „durchgedreht“ sein. Dabei sei er auf die Straße gelaufen, habe lautstark geschimpft und Anwohner verbal bedroht haben. Vor mehr als einer Woche soll er im gegen­überliegenden Bürgerhaus auch ein Messer gezückt haben.

Udo P. war offensichtlich erst am Montagmorgen mit einem Mietauto nach Wachenbuchen zurückgekehrt. „Schon früh hat er getobt und geschrien“, berichteten Zeugen. Am Nachmittag sei er dann mit einer Eisenstange durch den Hof des Hauses gerannt. Wie zu erfahren war, soll der Amokläufer nach ärztlicher Behandlung heute einem Haftrichter vorgeführt und in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen werden.

 

Partnerschaftsbrunnen am Historischen Rathaus 2002:

Vor dem Alten Rathaus in Wachenbuchen wird voraussichtlich im kommenden Jahr ein neuer Brunnen entstehen, der der Maintaler Städtepartnerschaft mit der Kärntner Marktgemeinde Moosburg in Österreich gewidmet sein soll. Der Magistrat der Stadt Maintal hat damit die Idee für ein bereits im Frühjahr 2001 von der Arbeitsgemeinschaft Moosburg-Maintal ins Leben gerufenes Projekt aufgegriffen, die anläßlich des 25-jährigen Partnerschaftsjubiläums von Moosburg und Maintal entstanden war.

Der Partnerschaftsbrunnen vor dem alten Rathaus in Wachenbuchen soll unter Weiterverwendung des vorhandenen Pflasters von einem etwa einem Meter hohen Findling gebildet werden, der in einer Vertiefung mit einem Durchmesser von etwa drei Metern sitzt. Rund um diese Vertiefung sollen 25 Steine integriert werden, die im August 2001 als Jubiläumsgeschenk von der Partnergemeinde Moosburg Maintal überreicht wurden. Der Entwurf für den Brunnen geht zurück auf eine Idee von Christine Stein-Ringel, der Tochter des früheren AG-Vorsitzenden Ludwig Stein.

Die AG Moosburg-Maintal und Bürgermeisterin Dorothee Diehl halten den Standort vor dem alten Wachenbuchener Rathaus deshalb für besonders geeignet, weil zum einen zwischen Moosburg und dem Stadtteil Wachenbuchen die längsten und intensivsten partnerschaftlichen Kontakte bestehen. Zum anderen stiftete die Marktgemeinde Moosburg der Stadt Maintal ebenfalls zur 25-Jahrfeier der Partnerschaft zwischen Maintal und Moosburg einen Flechtstein, welcher bereits in die Fassade des alten Rathauses eingelassen ist. Daher würde sich dieser Platz für den Partnerschaftsbrunnen sehr gut anbieten. „Es ist eine sehr schöne Idee, den freundschaftlichen Kontakten zwischen Maintal und Moosburg mit einem Brunnen auch ein äußerlich sichtbares Zeichen zu setzen“, so Sabine Beck, Projektleiterin Städtepartnerschaften zu der Grundsatzentscheidung des Magistrates.

Um auch die Meinung der Maintaler Bürgerinnen und Bürger gegenüber dem Projekt „Partnerschaftsbrunnen“ zu berücksichtigen, wird es vor der endgültigen Planung des Brunnenbaus noch einmal eine Bürgerinformationsveranstaltung zu dem Projekt geben. Stattfinden wird die Veranstaltung im Rahmen der traditionellen Adventskranzübergabe der Moosburger Partnerschaftsdelegation am Samstag, 30. November 2002, von 15 bis 18 Uhr vor dem alte: Rathaus in Wachenbuchen. Dort haben alle Maintalerinnen und Maintaler Gelegenheit, sich an Plakatwänden über die geplante Umsetzung und das Aussehen des Brunnens zu informieren, ihre Meinung auf Pro- und Contra-Plakaten zu notieren und über das Projekt abzustimmen. In den Wachenbuchener Vereinen wurde der Partnerschaftsbrunnen bereits diskutiert und für gut befunden. Die Feuerwehr Wachenbuchen hat sich außerdem bereit erklärt, den Brunnen regelmäßig zu reinigen.

Nach Überprüfung der vorhandenen Brunnentechnik, die noch von dem Rathaus-Brunnen aus den 80iger Jahren stammt und unter dem Platz liegt, wurde festgestellt, daß diese noch voll funktionsfähig ist. Die Zisterne ist ebenfalls noch vorhanden und funktionsfähig (Maintal Tagesanzeiger vom 23.11.2002).

                                                                                  

Strahlender Sonnenschein von oben und strahlende Gesichter von allen Seiten - wenn das kein würdiger Rahmen für die Akademische Feier zur Einweihung des Partnerschaftsbrunnen Maintal-Moosburg vor dem Historischen Rathaus in Wachenbuchen gewesen ist. Zahlreiche interessierte Bürger, Vereinsvertreter, Stadtverordnete und Mitglieder der verschiedenen Maintaler Parteien und natürlich eine Delegation aus Moosburg, allen voran Bürgermeister Herbert Gaggl, hatten sich Samstagvormittag zu diesem Ereignis am neuen Wachenbucher Wahrzeichen eingefunden. Musikalisch lockerten das Jugendblasorchester Wachenbuchen und Moosburger Musikanten die Veranstaltung auf.

„Vor 30 Jahren haben wir eine Brücke zueinander geschlagen und seitdem haben wir diese oft überquert“, zog Karl-Heinz Kaiser, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Moosburg, anläßlich des Partnerschaftsjubiläums Bilanz. Zahlreiche gegenseitige Besuche, Meinungs- und Erfahrungsaustausche hätten den Grundstein für „eine stabile und zuverlässige Beziehung“ zwischen den beiden Kommunen und vor allem deren Bevölkerung gelegt. Eine Beziehung, die in drei Jahrzehnten gereift und gewachsen ist. „Wie in einer guten Ehe ist das erste Hochgefühl vorbei“, aber sowohl Maintaler wie Moosburger wüßten was sie aneinander haben und blickten gemeinsam optimistisch in die Zukunft. Aber ebenfalls wie in einer guten Ehe „muß diese Beziehung gepflegt werden und darf nicht zur Routineangelegenheit werden“, betonte Kaiser. Alle Generationen sollten deshalb die Möglichkeit haben, „sich in dieser Partnerschaft zu engagieren und neue Freunde zu gewinnen“.

Kaiser erinnerte auch an die Leistung der Pioniere und Wegbereiter, die vor 30 Jahren die deutsch-österreichische Freundschaft auf den Weg gebracht haben. Allen voran Günter Hack, zu dessen Ehren die Bürgermeister beider Gemeinden im Vorfeld der Akademischen Feier an seinem Grab einen Kranz niedergelegt hatten. „Die Leistung der Vergangenheit, ist Auftrag für die Zukunft“, versprach Kaiser diese Arbeit weiter fortzuführen. Und es erfülle ihn mit Stolz, als Vorsitzender der AG Moosburg dazu beitragen zu dürfen. Als „besonderes Ereignis“ bezeichnete Maintals Rathauschef Erhard Rohrbach die Einweihung des Brunnens anläßlich des Verschwisterungsjubiläums. „Die Beziehung zwischen Maintal und Moosburg in Kärnten ist eine lebendige und keine statische Freundschaft“, lobte er das Engagement auf beiden Seiten. Der neue Brunnen symbolisiere hervorragend die Elemente dieser Partnerschaft: „Die Steine stehen für dauerhafte Beständigkeit, das Wasser für die Bewegung, die stetige Erneuerung „" Die Stadt Maintal werde auch künftig dazu beitragen, daß dies so bliebe. Aber es liege an den Bürgern, die Partnerschaft mit Leben zu erfüllen. Als Beispiel nannte Rohrbach die Moosburger Sommerakademie, an der die Maintaler Künstler Günter Hantel und Helmut Hellmessen regelmäßig teilnähmen.

„Ich bin stolz darauf, etwas zu feiern, was nicht selbstverständlich ist“, Moosburgs Bürgermeister Herbert Gaggl freute sich sichtlich, bei diesem Ereignis dabei sein zu dürfen. Vor 30 Jahren hätten Moosburger und Maintaler Samenkörner in die Erde gesteckt, diese über die Zeit hinweg pflegt und „jetzt kann geerntet werden. Die Initiatoren von damals hätten viel Weitsicht gezeigt, „Vorurteile wurden ab-. und Völkerverständigung mit Herz und Seele aufgebaut“. Nur wenn Menschen Kultur und die Identität anderer Menschen und Länder kennenlernten, „lassen sich Grenzen einreißen, Herzen öffnen und Freundschaften finden“ betonte Gaggl. Dies gelte es für nächsten Jahrzehnte weiterzuführen. „Wir müssen weitersäen, damit die Partnerschaft weiter blühen kann.“ Und damit ein Licht aus Moosburg stets in Wachenbuchen leuchte, überreichte der Bürgermeister eine „Laterne für den Moosburgerplatz“. Im Gegenzug erhielt die Moosburger ein in Holz geschnitzes Bild des Historischen Rathauses in Wachenbuchen, welches Ludwig Stein extra aus Kenia „einfliegen lassen hat“. Die „Freunde aus Österreich begrüßte auch Stadtverordnetenvorsteher Wolf-Rüdiger Fritz. „Gott sei Dank handelt es sich bei dieser Städtepartnerschaft nicht um eine Verbindung zwischen zwei trockenen Behörden“, sondern um eine, die die Bürger mit Leben füllen und hoffentlich weiter füllen.

Bevor es dann „Wasser marsch!“ hieß bedankte sie Karl-Heinz Kaiser noch einmal ausdrücklich beim „Chef de Brunnen-Teams“ Ludwig Stein.         Trotz langwieriger Diskussionen, schlechten Wetters, schmerzenden Rücken und vielen schlaflosen Nächten habe dieser das Projekt stets vorangetrieben und dafür gesorgt, daß der Zeitplan eingehalten wurde und pünktlich zum Einweihungstermin alles im Lot war, so daß dann - mit einer klitze-kleinen Verzögerung aufgrund der „langen Leitungen in Wachenbuchen“ - endlich das kühle Naß die Steine entlang fließen konnte (Maintal Tagesanzeiger vom 12.06.2006).

 

(47)

Carl Fenn:

Am 28. und 29. Februar 2002 und bis 7. März zeigten die Töchter des Künstlers Karl Julius Fenn im Haus Hintertor 3 eine beachtliche Auswahl der Werke ihres Vaters anläßlich seines 100. Geburtstages. Die jüngste Tochter Ellen Schütz hat eine Etage ihres Hauses geräumt, um eine beachtliche Auswahl seiner Arbeiten zu zeigen, die einen Querschnitt seines vielfältigen künstlerischen Schaffens darstellen.

Carl Fenn wurde 1904 in Frankfurt geboren. Die Zeichnung eines Schweins, das der kleine Carl im Alter von drei Jahren anfertigte, läßt bereits das Potential des Frankfurter Buben erahnen.

Er lebte umgeben von künstlerisch veranlagten Menschen: Der Onkel war Bildhauer, seine Frau Schauspielerin, der Großvater Simon Treis ein hervorragender Litho­graph, der dem kleinen Karl Julius aus Brot kleine Figuren modellierte, die Karlbemalte. Fenns Mutter und seine ältere Schwester waren kreative Schneiderinnen, für die er seine Ideen zu Papier brachte. So wurde hier bereits sein großes Talent im Entwerfen von Kleidern, Stickereien und Bühnenkostümen geweckt. Allerdings tat der strenge Vater dieses Talent gerne als „brotlose“ Künste ab und zeigte wenig Verständnis.

Die Zeit war für die Kunst ungünstig, der erste Weltkrieg gerade überstanden, das Geld knapp, also erlernte Karl Julius Fenn zunächst einmal einen „realistischen Beruf“ als Elektro­mechaniker. Nach Abschluß dieser Pflicht besuchte er in der Zeit von 1923 bis 1932 die Städelschule. Das Geld dafür verdiente er sich abends durch Boxkämpfe - als Trainingspartner.

Die Bilder der Ausstellung führen den Betrachter durch die abenteuerliche und bunte Welt des Zirkuslebens, lassen ihn durch das historische Frankfurt der Vorkriegsjahre streifen, an privaten Familienszenen teilhaben oder im südländischen Flair der Cote d‘Azur schwelgen. Vor allem das Zirkusleben scheint den Künstler Zeit seines Lebens fasziniert zu haben: Von 1931 bis 1947 entstanden zahlreiche Kreidezeichnungen, Ölgemälde, Aquarelle und Kohlezeichnungen von der Artistentruppe des Zirkus Hoppe-Althoff, und auch das letzte Bild aus dem Jahr 1986 führt den Künstler mit der Kreidezeichnung eines Clowns des Zirkus Roncalli zurück in das farbenfrohe Zirkusleben.

Neben den fröhlichen und ausgelassenen Zirkusszenen finden sich aber auch ernste und zeitkritische Motive. So zum Beispiel die Aquarell-Zeichnung „Schwarzmarkt“. In zarten Pastelltönen hat Fenn mit der Gegenüberstellung des ausgemergelten Kriegsinvaliden und des elegant gekleideten Schwarzmarktpärchens die sozialen Diskrepanzen der Nachkriegszeit zu Papier gebracht. Auch das Bild „Besatzer mit Freundin“ erweckt Szenen der Nachkriegszeit zum Leben und zählt zu den Lieblingsbildern von Tochter Ellen.

Die ältere Schwester Carla Reinhardt hingegen verknüpft vor allem mit den Zirkus- und Frankfurt­motiven Kindheitserinnerungen. Das Ölgemälde mit Blick auf die Straße zum Prüfling beispielsweise versetzt sie in Kindertage zurück und erinnert daran, wie das Geräusch der vorbeifahrenden Straßenbahn das Signal zum Aufstehen gab.

Doch die Ausstellung zeigt gleichfalls Arbeiten, die Geschichten aus den schwierigen Zeiten des Künstlers erzählen. Auf vier Aquarellen hat Carl Fenn Eindrücke aus dem Westerwald festgehalten, die er während seines Arbeitsdienstes als Holzfäller und Sprengmeister sammelte. Überhaupt bedeuteten die Kriegsjahre für den Künstler harte und brotlose Zeiten. Bis 1933 fertigte Fenn zahlreiche Auftragsarbeiten an, wobei viele seiner Kunden Juden waren. Mit Beginn des Nationalsozialismus und den darauffolgenden Kriegsjahren gab es zunehmend weniger Aufträge und so war es oft die Berufstätigkeit der Ehefrau, die einen wesentlichen Beitrag zum Lebensunterhalt der Familie leistete. Nach dem Krieg entschädigte der Verkauf zahlreicher Frankfurter Federzeichnungen, die amerikanische Soldaten in Auftrag gegeben hatten, zumindest finanziell ein wenig für die Not der Kriegsjahre.

Die beiden Töchter planen außerdem, eine limitierte Auflage der Frankfurter Federzeichnungen als Kunstdruckmappe, ein Buch über Leben und Wirken von Carl Fenn sowie einen Kalender von den 13 im Original erhaltenen Federzeichnungen „Alt Frankfurt“ herauszugeben, der voraussichtlich 2005 erscheinen wird.

 

 (51)

Karl Mankel:

Eintrag von Pfarrer Blendin in eine Bibel, die er den Eheleuten Peter Mankel und Maria Klara geborene Lenz zur Goldenen Hochzeit 1919 schenkte:

„Am 18. Juni 1918 ist der Ehemann in Frankfurt von einem Fuhrwerk überfahren worden, welches seinen Tod zur Folge hatte.“ - „Der älteste Sohn Kaspar wurde im Jahr 1898 zum Bürgermeister in hiesiger Gemeinde gewählt und bekleidete das Amt bis 18. Juni 1918, wo er in Frankfurt tödlich verunglückte.“

Von der Familie wird dazu noch berichtet: Der Bürgermeister war dienstlich in Frankfurt, um Kriegsgefangene für die Wachenbucher Bauern zu „besorgen“. Als er bemerkte, daß er in die falsche Straßenbahn eingestiegen war, sprang er ab und wurde von einem Fuhrwerk erfaßt. Die Deichsel verletzte seine Milz. Im Hospital zum Heiligen Geist ist er vierzehn Tage später gestorben.

 

(58)

Wachenbuchen zahlt 1726 an Hochstadt 24 Gulden. für einen „Faselochsen“, für die Verpflegung desselben außerdem jährlich 10 Gulden und für die Unterhaltung des Gemeinde-Ebers 7 Gulden. Die Hirten zu Hochstadt, welche dem Eber die Zähne abbrachen, erhielten hierfür eine Maß Wein (gemeint sind hier Zuchttiere).

 

(60) Ortsarme sind Menschen, die nicht öffentlich betteln wollen und deshalb von der Gemeinde unterhalten werden.

 

(72) Läusbaum:

Östlich des Steder Waldes steht der „Läusbaum“. Der Name kommt nicht von den Blattläusen und auch nicht von den Zigeunern, die hier gelagert und sich „gelaust“ haben sollen. Solche „Läusbäume“ gibt es auch anderswo, zum Beispiel in Bad Vilbel auf dem Schöllberg in der Nähe der katholischen Kirche „Verklärung Christi“. Dort trafen sich die Wege nach Vilbel, Frankfurt und Offenbach, in der Nähe trafen sich die Grenzen von Hessen-Darmstadt, Hessen-Homburg und der Grafschaft Hanau. „Läusbäume“ stehen allgemein an verkehrsstrategisch günstigen Plätzen. „Läus“ kommt wohl eher vom mittelhochdeutschen „Lüs“, was soviel wie „Versteck“, „Hinterhalt“ oder auch „Raststelle“ meint. Oder der Name kommt von „Geleit“, so daß der Volks­mund aus „-leit“ dann „läus“ gemacht hätte.

 

(72)

Windräder:

Im Jahr 2011 sind Windenergieanlagen (WEA) in Wachenbuchen im Gespräch. Aktuell gibt es zwei Firmen, die sich um unterschiedliche Standorte bemühen. Während die Lenpower GmbH aus Hannover ein Gebiet in der Nähe der Großen und Kleinen Lohe bevorzugt, plant die Juwi Holding AG aus dem rheinland- pfälzischen Wörrstadt in Kooperation mit der Stadt Maintal zwei Windenergieanlagen nördlich von Wachenbuchen. In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Stadtentwicklung, Bau und Verkehr stellte Volker Wilhelm, Projekt-Akquisiteur der Firma Juwi, einen Zwischenbericht der bisherigen Planungen vor.

Mit dem Vortrag über die Planung von Windenergieanlagen kam der Magistrat einem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom vergangenen September nach, die ein Konzept für solche Anlagen in Maintal gefordert hatte. Derzeit gibt es auf Schönecker Gemarkung sieben Windenergieanlagen, drei davon in unmittelbarer Nähe zur Wachenbucher Gemarkung. Auf Maintaler Seite sollen nun nördlich von Wachenbuchen zwei Anlagen entstehen. Gespräche mit den betroffenen Grundstückseigentümern wurden bereits geführt, bis Ende März will sich Juwi die Flächen privatrechtlich sichern. Wie Volker Wilhelm erklärte, werden beide für Wachenbuchen geplanten Anlagen nach Westen ausgerichtet, weil der Wind aus dieser Richtung am häufigsten wehe. Die Entfernung der Anlage, die am nächsten an Wachenbuchen stehen soll, betrage 880 Meter zur Wohnbebauung und 750 Meter zur Büchertalschule. Die Gesamthöhe der geplanten Anlagen belaufe sich auf 200 Meter, die Nabenhöhe sei 143 Meter und der Rotordurchmesser 114 Meter. Die Firma Juwi geht davon aus, daß der Standort wirtschaftlich ist. „Wir rechnen mit einem Ertrag von 6,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr (kwh/a) und einem Gesamtertrag von 13 Millionen kwh/a. „Wenn man von einem Jahresverbrauch von 3500 kw/h pro Haushalt ausgeht, könnten rechnerisch 3700 Haushalte in Maintal mit diesem Strom versorgt werden“, so Wilhelm.

In Planung sind im Zusammenhang mit dem Bau der Windenergieanlagen auch zwei Beteiligungsmöglichkeiten für die Maintal-Werke GmbH (MWG), die entweder die Anlagen käuflich erwirbt oder eine Beteiligung daran ersteht und den Maintaler Bürgern dann Öko-Strom anbieten könnte. Sollte die MWG nach dem Bau der Anlagen nicht an einem Kauf interessiert sein, will Juwi die Anlagen selbst betreiben.

Zeitgleich zum Vorhaben von Juwi plant die Firma Lenpower zehn Windenergieanlagen auf dem „Schäferküppel“ zwischen Wachenbuchen und Schöneck-Oberdorfelden. „Diese Firma hat bereits Grundstückseigentümer angesprochen und ihnen Nutzungsverträge zur Unterschrift zugesandt. Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt für diese zehn Anlagen noch keine Detailplanung“, berichtete der Erste Stadtrat Ralf Sachtleber bei der Ausschußsitzung am Dienstagabend.

Auch Juwi hätte überlegt, in diesem Bereich tätigt zu werden, verwarf diese Planung jedoch, weil es in diesem Gebiet schützenswerte Vogelarten gäbe und damit die Genehmigungsfähigkeit verringert werde, informierte Volker Wilhelm. Bis die beiden Windenergieanlagen in Wachenbuchen tatsächlich gebaut werden; muß Juwi bei der Planung noch zahlreiche Genehmigungsverfahren durchlaufen. Unter anderem ein Schallgutachten, eine Schattenwurfprognose, ein Avifaunistisches Gutachten und ein Landschaftspflegerischer Begleitplan werden von der Genehmigungsbehörde in Frankfurt.

Weil der Regionalverband Frankfurt/ Rhein-Main keine Windvorrangflächen ausgewiesen hat, gibt es keine Beschränkung für den Bau von Windenergieanlagen. Das bedeutet, daß es von Seiten der Stadt keine Möglichkeit gibt, einem Bau entgegenzuwirken. „Jeder kann im Außenbereich auf Maintaler Gemarkung Windenergieanlagen planen, wenn er die notwendigen Richtlinien einhält“, berichtete Sachtleber.

Aus diesem Grund wurde die Stadt Maintal selbst tätig und beschloß eine Kooperation mit Juwi. „Wir hatten uns bei der Planung der Windenergieanlagen ein größeres Potential erhofft, doch verschiedene Gutachten zeigen, daß es nur wenig Spielraum auf Maintaler Gemarkung gibt. Anfangs hatten wir über acht Anlagen nachgedacht, jetzt sind es nur noch zwei. Kosten kommen auf die Stadt bei der Planung keine zu“, so Sachtleber.

Aus den Plänen ist aber nichts geworden wegen zu großer Nähe zum Frankfurter Flughafen.

 

(75)

Feldbrunnen:

In diesem Herbst (etwa 2000) wurde in Wachenbuchen ein alter Feldbrunnen neu aufgedeckt. Der Landwirt Edmund Schäfer, Rübenberg 8, wollte eine feuchte Stelle auf seinem Acker trockenlegen, weil dort seine Arbeit behindert wurde. Er grub den Boden auf und traf auf eine Leitung aus Tonrohren. Er verfolgte die Leitung und grub sie immer weiter auf.

Sie führte den Acker hinauf. Auf einmal lag neben der Leitung eine ältere Leitung aus Holz. Ein etwa zwei Meter langes Stück konnte ausgegraben werden. Es ist schon zum Teil verwittert. Aber man kann noch gut erkennen, daß hier ein Holzstamm aufgebohrt wurde, um eine Wasserleitung zu gewinnen.

Am Ende tauchten zwei Sandsteinplatten auf. Als sie gehoben wurden, kam darunter eine gefaßte Quelle zum Vorschein. Aus Feldsteinen war in Trockenbauweise ein rechteckiger Schacht erbaut. Ursprünglich war er wohl mit Holz abgedeckt, denn es fanden sich noch Holzreste unter den Sandsteinplatten. Der Brunnen steht noch heute voll Wasser, war aber jahrzehntelang etwa 80 Zentimeter unter der Erdoberfläche verborgen. Man kann sich vorstellen, daß hier einmal eine offene Quelle war.

Das ganze Gelände ist ja ein sogenannter „Quellhorizont“, also ein Gebiet, in dem Quellen an die Oberfläche treten. Es liegt nördlich des alten Dorfkerns. In diesem Tal beiderseits des Dorfbaches, der im Volksmund "die Bach" genannt wird, liegen schon seit alter Zeit viele Quellen. Schon in der Römerzeit wurden die Quellen an der Pfingstweide gefaßt und Richtung Süden geleitet. Im Jahre 1897 wurde die erste richtige Wachenbucher Wasserleitung gebaut, deren Behälter noch heute in dem Gehölz an der verlängerten Bachstraße zu sehen sind. Dort wurden auch viele Quellen an der Pfingstweide und an der Sülzenbäune hin geleitet. Auch in der Flur Auborn westlich des Wegs war eine starke Quelle.

Jetzt waber wurde eine Quelle am Hang nördlich der verlängerten Bachstraße entdeckt. Sie liegt fast genau westlich des neuen Friedhofs etwa auf halber Höhe.

Doch weil nach dem Bau der Wasserleitung diese Quelle nicht mehr gebraucht wurde, hat man wohl alles abgedeckt und zugeschüttet, um zusätzliche Ackerfläche zu gewinnen.

Wahrscheinlich hat man bei dieser Gelegenheit die Tonröhren verlegt, um das Wasser abzuleiten. Dabei wählte man den direkten Weg in Richtung zur Bach. Weil aber mit der Zeit diese Leitung zerstört wurde, trat unten auf dem Grundstück wieder ein nasser Fleck auf.

Die ursprüngliche Holzleitung könnte aber mehr im Bogen auf das Dorf zu gelaufen sein und dort den Brunnen an der Ecke Herrnstraße / Rübenberg gespeist haben. Dieser Brunnen wird 1835 erstmals erwähnt und ist Teil einer ersten Wasserleitung ins Dorf. Jetzt plant Herr Schäfer, das Wasser auf einer ähnlichen Trasse zu seinem Grundstück zu leiten, um es zum Bewässern zu nutzen. Ergiebig ist die Quelle jedenfalls.

 

(77)

In einer Ortsbeschreibung von 1858 heißt es: „Die Feldmark dieses mit einer Ringmauer versehenen Pfarrdorfes beträgt 244 Morgen. An Gemeindeeigentum besitzt es 30 Morgen Wiese und eine sogenannte Pfingstweide; dann 36 Morgen Ackerfeld und 1.600 Morgen Wald

In der Hainstraße entstehen um 1880 landwirtschaftliche Nebenerwerbsbetriebe

 

(88)

Bäume durften erst gefällt werden, nachdem das Amt zugestimmt hatte. Als man 1813 drei Eichen voreilig gefällt hatte, mußte man mit dem Verkauf warten, bis die Genehmigung kam, und mußte weitere Tannen erst einmal stehen lassen (Eugen Sauer, Seite 154).

 

(92)

Im Jahre 1609 heißt es: „Die Unterthanen zu Wachenbuchen fangen im Wildbann der Grafschaft Hanau Rehe, Hasen und Füchse“ (Eugen Sauer, Seite 133).

 

(94) Walnußbaum:

Gegenüber der Maschinenhalle in Richtung Westen steht ein Walnußbaum, der neuerdings mit einer Stele gekennzeichnet ist. Der Text lautet: Die Walnuss (botanisch: Juglans regia) ist ein Baum mit einer rundlichen, ausgewogenen Krone. Sie wächst am besten auf einem lockeren und nährstoffreichen Boden in milden Klimalagen. Die schmackhafte Nuß schützt sich mit einer zähen, grünen Außenschale, die bei Reife aufplatzt. Die besten Erträge liefern Walnußbäume zwischen dem 40. und 80. Lebensjahr. Walnußholz ist wegen seiner außerordentlichen Maserung ein wertvolles Möbelholz. Kunstgegenstände, Orgeln und Klaviere - sowie früher die Schäfte von Gewehren - werden aus ihm gefertigt. Der untere Teil des Stamms und das Wurzelholz sind besonders schön gezeichnet und als Furnierholz geschätzt. Zur Verwendung in der Möbelindustrie hebt man Walnußbäume daher mit dem gesamten Wurzelstock aus der Erde.

 

(101)

Kirche in Hohe Tanne:

Im Herbst 2007 wird in Hanau eine Kirche abgerissen, von der wohl die wenigsten Bürger wissen, daß sie jemals gebaut wurde, und wo sie zu finden ist: Ab dem 15. Oktober rücken in der Hohen Tanne am Wilhelmsbader Ring die Bagger an und dem evangelischen Gemeindezentrum mit der dazugehörigen Kirche zu Leibe. Dort wird ein Investor aus Franken zwei Einfamilienhäuser errichten. Über den Kaufpreis wollte Claudia Brinkmann-Weiß, Dekanin des evangelischen Kirchenkreises Hanau-Stadt, keine Angaben machen.

Nur so viel: Die Einnahmen durch den Verkauf fließen in die Baurücklage des Gesamtverbandes evangelisch-unierter Kirchengemeinden Hanaus, zu dem neben der Marienkirchengemeinde, der Kreuzkirchengemeinde und der Christuskirchengemeinde auch die Johanneskirchengemeinde gehört.

Durch diese Rücklage soll der hohe und zum Teil alte Gebäudebestand der Gemeinden des Gesamtverbandes erhalten werden. Ein Teil der Gelder kommt jetzt zum Beispiel der gerade begonnenen Sanierung des Kirchturmes der Johanneskirche, die hauptsächlich von der Landeskirche getragen wird, zugute.

„Uns ist die Entscheidung wirklich nicht leicht gefallen. Das Gebäude in der Hohen Tanne war aber für die Johanneskirchengemeinde finanziell nicht mehr tragbar”, betonte Brinkmann-Weiß. Nach einem zweijährigen Diskussionsprozeß schloß sich der Kirchenvorstand deshalb dem Vorschlag der Evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck an, das komplette Gemeindezentrum zu verkaufen und abreißen zu lassen. Mit dem Abriß des Gotteshauses kann am 15. Oktober begonnen werden.

Die Johanneskirchengemeinde mit dem Einzugsgebiet Hanau-Nord, Hanau-Nordwest, Wilhelmsbad und Hohe Tanne hat das 1968 gebaute Gemeindezentrum mit einer Grundstücksgröße von zirka 1900 Quadratmetern im Jahre 1982 durch eine vertragliche Übernahme von der evangelischen Gemeinde Wachenbuchen erhalten, nachdem das Nobelwohngebiet der Hohen Tanne durch die Gebietsreform bereits 1974 politisch an Hanau angegliedert wurde.

Von den heutigen 3200 Gemeindemitgliedern der Johanneskirchengemeinde leben zirka 190 im Bereich Hohe Tanne. Die Gemeindearbeit mit Jugendgruppen und Kreisen für Erwachsene belebte für einige Zeit das neue Zentrum, ebenso wie die monatlichen Frühgottesdienste. Die beiden anderen Gemeindehäuser der Gemeinde - das Karl-Fuchs-Haus (Richard-Wagner-Straße 3) und das Martin-Luther-Haus (Körnerstraße 19) - haben aber schon zu diesem Zeitpunkt den Bedarf nach Gemeinderäumlichkeiten gut abgedeckt. Um die laufenden Kosten wenigstens zum Teil decken zu können, entschied sich der Kirchenvorstand, das Gemeindezentrum an die Ökumenische Telefonseelsorge zu vermieten, die vor eineinhalb Jahren in neue Räumlichkeiten umzog.

Der monatliche Frühgottesdienst konnte nach der starken Reduzierung der Pfarrstellen von zwei­einhalb auf eineinviertel Stellen ab 1999 nicht mehr aufrecht erhalten werden, gemeindliches Leben fand ab diesem Zeitpunkt im Gemeindezentrum nicht mehr statt. Zuvor hatten sich maximal acht Gläubige zum Gottesdienst in dem rund 200 Menschen fassenden Gotteshaus eingefunden, berichtete die Pfarrerin und Geschäftsführerin der Johanneskirchengemeinde, Katrin Kautz.

Der Kirchenvorstand habe sich um neue Nutzungsmöglichkeiten bemüht. Verschiedene Vermietungs- und Verkaufsanfragen standen zur Diskussion, die auch den angelaufenen Neustrukturierungsprozeß der Hanauer Innenstadtgemeinden mit einbezog. Es konnte allerdings keine andere christliche Kirche gefunden werden, welche neben den Kaufkosten die hohen Investitionsmittel für Sanierung, Isolierung sowie eine neue Heizung aufbringen konnte.

Nach schwierigen Verhandlungen wurde schließlich ein privater Investor gefunden, der den Abriß - so die Bedingung der Kirchengemeinde - übernimmt und eine Bebauung gemäß dem Bebauungsplan in der Hohen Tanne vornimmt. „Auch wenn dem Gemeindezentrum im Leben der Gemeinde schon seit über zehn Jahren keine große Bedeutung mehr zukam, so ist es für uns doch sehr wichtig, mit einem Abriß einen würdevollen Schlußpunkt zu setzen”, so die Dekanin, die in diesem Zusammenhang daran erinnerte, daß in Bad Wildungen eine ehemalige Kirche in eine Gaststätte umfunktioniert wurde.

Aus finanziellen Gründen trennt sich die evangelische Kirche zur Zeit von einigen Objekten, „ein Kirchenabriß ist gleichwohl noch immer die absolute Ausnahme”, weiß Brinkmann-Weiß. Umso mehr werde darauf geachtet, daß es bei der notwendigen Maßnahmen würdevoll zugehe: Die liturgischen Gegenstände wie der Altar, die Kanzel und das Taufbecken werden jetzt im Karl-Fuchs-Haus neu genutzt. Die Glocken und der vergoldete Hahn der Turmspitze wurden der evangelischen Kirche am Limes geschenkt. Diese plant schon seit langem den Bau eines eigenen Turmes für das Gemeindezentrum in Großkrotzenburg. Etliche soziale Einrichtungen haben ihr Interesse an den alltäglichen Gebrauchsgegenständen wie zum Beispiel Lampen oder Kühlschrank angemeldet. Die Küchenzeile mit Geschirr, ein Großteil der Stühle und Tische gehen als Spende an eine soziale Einrichtung in Rumänien.

 

(94)

Störche:

Im Jahre 2012 siedelten sich zur großen Freude aller Naturfreunde zwei Weißstörche in Wachenbuchen auf einem der Bäume hinter der Maschinenhalle an und zogen erfolgreich zwei Junge groß. Das Männchen stammte aus Hochheim und wurde - wie der Identifikationsring verriet - im Jahr 2010 geboren. Das Weibchen war unberingt. Dieses Jahr im Frühling nun kehrte der Storch aus dem Vorjahr mit einer neuen Partnerin nach Wachenbuchen zurück. „Wir vermuten, daß das alte Weibchen den Vogelzug leider nicht überlebt hat“, so Experte Werner Peter. Das neue Weibchen trägt einen Ring und kommt aus Büdingen-Düdelsheim.

Das Weißstorchenpaar wurde in der Nähe von Wachenbuchen gesichtet, wo es nun seinen Brutversuch unternimmt. Zuletzt wurden Störche im Mai 1961 auf dem Gebiet des heutigen Maintal gesehen. „Das, was wir hier gerade erleben, kann man schon als kleine vogelkundliche Sensation bezeichnen“, erläuterte der Erste Stadtrat weiter. Was großen Anlaß zur Freude biete, mahne allerdings auch zur besonderen Vorsicht. „Gerade Erstbrüter und Neuansiedler reagieren überaus sensibel auf Störungen im Umfeld des Horsts“, gab Sachtleber zu Bedenken.

„In Deutschland ist der Weißstorch mittlerweile sehr selten geworden. Werden die Vögel bei der Pflege ihrer Brut durch äußere Einflüsse gestört, verhindert dies oft eine endgültige Ansiedlung oder führt zur Aufgabe des Geleges. Außerdem können Eier und kleine Junge rasch auskühlen und absterben. Ich bitte deshalb alle Bürgerinnen und Bürger sehr herzlich, durch ihr Verhalten unbedingt dazu beizutragen, daß das Wachenbucher Storchenpaar erfolgreich brüten kann. Bitte vermeiden Sie konsequent alle unnötigen Beeinträchtigungen der Vögel“, appellierte der Erste Stadtrat eindringlich an die Maintaler Bevölkerung.

Konkret sollten Hunde in den kommenden Wochen in der Gemarkung zwischen Wachenbuchen und Hanau-Mittelbuchen ausschließlich an der Leine geführt werden. Spaziergänger, Läufer, Radfahrer und Reiter sollten nur ausgewiesene Wege benutzen, sich nicht querfeldein bewegen und jeden unnötigen Lärm vermeiden, so der Stadtrat. Zusätzlich zur Berichterstattung im Tagesanzeiger wurden im betreffenden Areal Hinweisschilder aufgestellt, welche die Bevölkerung über das brütende Storchenpaar informieren.

Der städtische Fachdienst Ordnungsbehörde weist in diesem Zusammenhang auch auf das Bundesnaturschutzgesetz hin. Danach sei es verboten, wildlebende Tiere „mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten“. Es sei ebenso verboten, wildlebende Pflanzen ohne vernünftigen Grund von „ihrem Standort zu entnehmen oder zu nutzen, ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten sowie Lebensstätten wildlebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören“.

„Ich bin sicher, daß das rücksichtsvolle Verhalten der Bürgerinnen und Bürger später durch die Möglichkeit, in Wachenbuchen Jungstörche beobachten zu können, belohnt wird. Für die besondere Aufmerksamkeit bis dahin und damit für den Beitrag zu einer erfolgreichen Weißstorchenbrut in Maintal bedanken wir uns schon jetzt sehr herzlich“, so Erster Stadtrat Ralf Sachtleber abschließend.

 

Werner Peter von der HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz) hat am 24. Juni 2013 mit Unterstützung des Fachdiensts Umwelt der Stadt Maintal und der Maintaler Feuerwehr die Beringung der Wachenbucher Weißstorchbrut vorgenommen. Die Freiwillige Feuerwehr war mit einer Drehleiter vor Ort im Einsatz, um einen gefahrlosen Zugang zu dem Storchennest auf einer rund 15 Meter hohen, gestutzten Pappel in Wachenbuchen zu ermöglichen. Die beiden Jungen des Storchenpaars sind etwa fünf Wochen alt.

 

Seit 1961 (damals brüteten die Vögel in Bischofsheim und Wachenbuchen) war zunächst rund 40 Jahre lang keine Brut eines Weißstorchs mehr in der Gemarkung Maintal zu vermelden.

Der Nachwuchs wurde nun - erstmals in Maintal - mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr Maintal beringt, um Erkenntnisse über den weiteren Lebensweg der Jungen zu erhalten. „Durch eine Beringung können der Vogelzug, Ansiedlung. Lebensalter, Sterblichkeit, Partnertreue und andere wichtige Daten gesammelt werden. Deshalb war die Aktion in Wachenbuchen für uns sehr spannend und wichtig“, so Werner Peter weiter. Ein herzliches Dankeschön gilt Stadtbrandinspektor Andreas Matz und seinem Kollegen, die bei dem Einsatz gekonnt und mit viel Präzision die Drehleiter in die richtige Position brachten. Für die beiden Maintaler Feuerwehrleute war es der erste Einsatz an einem Storchennest.

Der Weißstorch ist von Natur aus ein Baumbrüter. In den 1950er Jahren gab es im Gebiet des heutigen Main-Kinzig-Kreises auf einer abgebrochenen dicken Weide ebenfalls eine Brut auf einem Baum. Ansonsten finden sich im gesamten Kreisgebiet aktuell nur Mast-und Gebäudebrüter. Die Vögel ernähren sich von Regenwürmern, Nacktschnecken und Fröschen, manchmal auch von Mäusen. Der Auenlebensraum der Störche in Maintal ist während der vergangenen Jahrzehnte durch Entwässerung, Umwandlung in Ackerland und Bebauung erheblich negativ verändert und verkleinert worden.

Durch Renaturierungen sowie durch den Erhalt der Restauenstrukturen konnte in den vergangenen Jahren jedoch eine ökologische Aufwertung erreicht und damit der Lebensraum erhalten und wieder aktiviert werden. „Konkret planen wir vom Fachdienst Umwelt der Stadt Maintal derzeit ein Storchen-Kleingewässer unweit des Brutbaums als weiteren Baustein zum Erhalt des Lebensraums für den Storch“, berichtet Freia Klinkert-Reuschling, zuständig für Naturschutz- und Landschaftsplanung. Auch für andere wassergebundene Arten wie Libellen oder Watvögel ist die Anlage eines solchen Gewässers wichtig, so Klinkert-Reuschling abschließend.

 

Auch 2014 gab es Nachwuchs bei Meister Adebar. Leider sprach sich der Kindersegen in der falschen Nachbarschaft herum. „Die beiden Jungtiere wurden von Raubtieren getötet und an- gefressen“, berichtet Hanns P. Golez, Vorsitzender der Maintaler Ortsgruppe im Naturschutzbund Deutschland. Dieses schwere Schicksal soll sich für die Eltern nicht wiederholen.

Unauffällig ist die Maßnahme, die verhindern soll, daß Raubtiere den Baum erklimmen, auf dem sich der Storchenhorst befindet. Doch so unscheinbar der Schutz ist, so effektiv soll er sein. Gemeinsam mit Werner Zahn, Heinz Hoyer, Dieter Winterstein und seiner Frau Jean brachte Hanns P. Golez am 12. Februar 2015 Plastikmanschetten an vier Baumstämmen an. Diese sollen verhindern, daß sich Raubtiere in der Rinde der Bäume festkrallen und da ran emporklettern können. Im Visier ist vor allem der Waschbär als potentieller Täter. Der maskierte Räuber verbreitet sich derzeit sehr stark in unserer Region, „und die getöteten Jungtiere waren bereits sehr groß, so daß eigentlich nur ein Waschbär die Störche angefallen haben kann“, sagt Golez.

Viele Gedanken haben sich die Nabu-Mitglieder gemacht, wie sie die Störche künftig schützen können. „Wir haben ausführlich recherchiert und überlegt, welche Maßnahme geeignet ist. Gemeinsam mit Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt haben wir uns dann für die Plastikmanschetten entschieden. Er ist ein ausgewiesener Experte, wenn es um Schwarzstörche geht und begleitet die Sicherung von Horsten in ganz Hessen“, berichtet Golez.

Bei dem verwendeten Material handelt es sich um glasfaserverstärktes Plastik, das den scharfen Raubtierkrallen Widerstand leisten kann: Sicherheitshalber wollen Mitglieder des Nabus in den kommenden Wochen und Monaten die Sicherungsmaßnahme auf ihre Tauglichkeit überprüfen. Bevor jedoch die Manschetten um den Baum, auf dem sich der Horst befindet, so- wie drei benachbarte Bäume gelegt werden konnte, waren einige Vorarbeiten notwendig. „Der Landwirt Ludwig Stein hat Äste und Triebe im unteren Bereich bereits entfernt, so daß ein Mitarbeiter des Eigenbetriebs Betriebshof nur noch den Stamm ausreichend glätten mußte“, erklärt Hanns P. Golez und dankt auch der städtischen Mitarbeiterin Freia Klinkert- Reuschling, die den Maintaler Nabu bei seinem Vorhaben unterstützt hat.

Wenngleich das Wachenbucher Storchenpaar vermutlich noch im Süden weilt, war für die Naturschützer Eile geboten. „Im vergangenen Jahr wurde der Storch am 13. Februar das erste Mal wieder gesichtet. Deshalb mußten wir uns jetzt sputen. Die beiden Störche sind zwar sehr menschen-freundlich und tolerieren viel, aber ob sie Hämmern und Sägen an ihrem Heim geduldet hätten, ist fraglich“, so der Nabu-Vorsitzende.

Nun also richten sich alle Blicke auf die Rückkehr der beiden Wachenbucher Störche. Denn während einige ihrer Artgenossen im Kreisgebiet oder auch in der Wetterau geblieben sind und dem Winter trotzten, hat das Wachenbucher Paar seine Sommerresidenz verlassen. „Es gibt aber durchaus Störche, die ihren Zugtrieb verlieren. Sie finden dann auch im Winter noch Nahrung, vor allem Mäuse und andere Kleintiere. Wenn aber der Boden steinhart gefroren ist, dann muß zugefüttert werden“, weiß Hanns P. Golez. Diese Sorgen hatte das Wachenbucher Pärchen nicht und dank des Einsatzes des Maintaler Nabus können die beiden im nahenden Frühling auch hoffentlich ihren Nachwuchs sorglos großziehen. Die Störche sind aber nicht wiedergekommen.

 

(101)

Am 14. Mai 1848 kam Robert Blum nach Wilhelmsbad, ein Buchhändler aus Leipzig, Revolutionär und republikanischer Demokrat, Mitglied der Paulskirchenversammlung. Bei einer Großveranstaltung erläuterte er seine Vorstellungen von einer zukünftigen deutschen Republik. Er wurde noch im gleichen Jahr in Wien standrechtlich erschossen (Eugen Sauer, Seite 168).

 

Hermann Joseph Offermann aus Köln hatte in der Spielbank Wilhelmsbad sein Geld verspielt und im Park erhängt. Er wurde am 22. Juli 1859 in Wachenbuchen begraben (Eugen Sauer, Seite 175.194.196).

 

(102) Hanau war damals eine kreisfreie Stadt. Durch die Abtretung der Hohen Tanne wäre der Landkreis kleiner geworden.

 

(106) Der Seulbach ist jetzt westlich um den Sportplatz herumgelegt.

 

(107)

Hochstadt kauft 1796 das Brot zum Heiligen Abendmahl beim Bäcker Emmrich in Wachenbuchen

 

(112)

Diamantene Hochzeit Wenzel 2006:

Im Kreise ihrer Familie konnten die Eheleute Johannes und Käthi Wenzel geborene Hess am 15. November 2006 ihre Diamantene Hochzeit feiern. Sie sind Wachenbucher Nachbarskinder. Kennengelernt haben sie sich einst beim Tanz in der heimischen Gastwirtschaft „Concordia“. Tätig waren Johannes und Käthi Wenzel beide jeweils in der elterlichen Landwirtschaft. Johannes Wenzel kehrte 1945 nach fünfjähriger Kriegsdienstzeit wieder nach Wachenbuchen zurück. Neben der hauptberuflich betriebenen Landwirtschaft galt sein Interesse dem Obst- und Gartenbau. Entsprechend war. er 50 Jahre lang im Vorstand und über viele Jahre hinweg auch Vorsitzender des OGV Wachenbuchen. Mittlerweile wurde Johannes Wenzel zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Sein großes Hobby ist die Ölmalerei. Von ihm ist auch das Titelbild auf der Chronik von Peter Heckert. Am heutigen Ehrentag gratulieren Käthi und Johannes Wenzel unter anderem ihre beiden Kinder und die zwei Enkel.

 

Hofgut:

Im Jahre 1813 stellte Friedrich Giebel der Pächter des von Edelsheim’schen Hofguts, den Antrag auf Errichtung einer Branntweinbrennerei auf dem Hof. Er will sich damit auch entschädigen für die großen Einquartierungen im Vorjahr (Eugen Sauer, Seite 154).

(114) Die Hühnerzucht ist inzwischen auch eingestellt, es werden aber noch Eier aus dem Westerwald verkauft, auch auf den Wochenmärkten.

 

(122)

Wappen:

Im Inneren des Rathäuser sind über der Tür zwei Wappen angebracht: Einmal das Hanauer Wappen mit den drei roten Sparren auf goldenem Grund und den zwei rot-goldenen breiten Balken von Nassau, die in Hanau bis 1559 verwendet wurden. Das andere Wappen ist das von Pfalz-Simmern, denn damals regierte in Hanau Graf Philipp III. (1529 – 1561), der verheiratet war mit Helene von Pfalz-Simmern. Das gleiche Wappen findet sich am Kirchturm in Hochstadt aus dem Jahre 1554 und in der Marienkirche außen über dem Eingang und innen an der Decke.

 

(122)

Rathaus:

Wo einst edle Ratsherren tagten, knien heute Handwerker im Staub. Sie restaurieren Wachenbuchens Kleinod, das Alte Rathaus im historischen Ortskern. Im kommenden Frühjahr 2012 möchte der Hanauer Werner Liebchen, der das Objekt für 100 Jahre von der Stadt Maintal gepachtet hat, die Arbeiten abgeschlossen haben und das urige Fachwerkhaus an Privatpersonen vermieten. Schwierige Verhandlungen mit dem Denkmalschutzamt in Wiesbaden haben zu zeitlichen Verzögerungen geführt, denn ursprünglich sollte das historische Gebäude bereits Ende des Jahres bewohnbar sein. Doch für die Sanierung des denkmalgeschützten Objekts gilt es, eine Vielzahl von Auflagen zu beachten.

Das Schmuckstück samt rundem Treppenturm und tiefem Gewölbekeller im Schatten der evangelischen Kirche Wachenbuchen entstand im Jahr 1705 und ist im gotischen Stil errichtet. Werner Liebchen, der sich mit einem befreundeten Historiker beraten hat, vermutet jedoch, daß das Gebäude wesentlich älter ist. Am Aufgang zum Turm findet sich die Jahreszahl 1555. „Ich gehe davon aus, daß sich bereits zu dieser Zeit ein Gebäude an der Stelle befand, an der heute das Alte Rathaus steht“, sagt Werner Liebchen und sieht seine Mutmaßung durch das Schmuckfachwerk an der Rückseite bestätigt. „Möglicherweise wurde das Haus im Dreißigjährigen Krieg ganz oder teilweise zerstört und neu aufgebaut“, sagt er.

Den Anschein eines Neuaufbaus erwecken auch die Arbeiten im Inneren des Alten Rathauses. Massive Eichenholzdielen, Zementsäcke und Rigipsplatten liegen meterhoch aufgetürmt im Erdgeschoß. Feiner Staub wirbelt durch die Luft. Viel Arbeit liegt bereits unter den frisch verputzten, geweißten Wänden. „Wir haben bereits sämtliche Leitungen neu verlegt“, berichtet Werner Liebchen, der ein besonderes Verhältnis zu historischen Gebäuden besitzt und mit dem Alten Rathaus in Wachenbuchen sein mittlerweile sechstes Objekt saniert. Für die Restauration einer Mühle in Nordhessen erhielt er 2008 den Denkmalschutzpreis. „Ich liebe alles Alte. Mir hat es die Idee angetan, etwas Historisches zu bewahren und dadurch gleichzeitig etwas Bleibendes zu schaffen“, sagt er. Das Alte Rathaus in Wachenbuchen hat es ihm nun besonders angetan.

„Das ist ein ganz außergewöhnliches Objekt mit ungewöhnlich hohen Räumen anstatt der für Fachwerkhäuser üblichen niedrigen Decken“, berichtet er. Selbst die von der Stadt in der Ausschreibung des Objekts veranschlagten Sanierungskosten von über 444.000 Euro konnten ihn nicht abschrecken. Der 48-Jährige ist erfahren, weiß, wo er stöbern muß, um zu finden, was er braucht. Nur mit dem Denkmalschutzamt hatte es Werner Liebchen diesmal nicht leicht, als es um eine fehlende Unterschrift für die Genehmigung von Dachgauben ging. Die Unstimmigkeiten bedeuteten eine mehrmonatig Verzögerung und weitere Kosten.

Voll des Lobs ist der Graphikdesigner, der selbst in einer ehemaligen Offiziersvilla aus dem Jahr 1880 in Hanau lebt, wenn er auf die Stadt Maintal zu sprechen kommt Dort habe man sich stets dafür eingesetzt, daß er seine Ideen verwirklichen könne. Denn in der konkreten Umsetzung seiner Ideen blüht Werner Liebchen auf. Er selbst hat die Aufteilung der Räume vorgenommen. „Ich bin zwar Graphikdesigner, aber ich wäre auch unglaublich gerne Architekt geworden. Der Prozeß des Bauens ist etwas ganz Besonderes“, schwärmt er. Für den Hanauer ist die Sanierung historischer Gebäude eine Alternative zur Geldanlage in Wertpapieren.

Im Zusammenspiel des historischen Gemäuers mit der hochwertigen modernen Ausstattung entsteht eine ganz besondere Atmosphäre. Wer einmal die Gästetoilette benutzen sollte, wird dies in besonderer Weise erfahren.

Bis 1970 wurde das Fachwerkhaus als Rathaus genutzt, von 1988 bis 2008 war dort die Stadtteilbücherei sowie seit Ende der 90er Jahre die Jugend-, Musik- und Kunstschule untergebracht. Im Oktober 2007 schrieb die Stadt Maintal das Objekt schließlich zur Verpachtung aus. „Verkaufen wollten wir das Gebäude auf keinen Fall. Schließlich handelt es sich um ein historisches Denkmal. Aber als Stadt hätten wir weder das Herzblut noch die finanziellen Möglichkeiten, die ein Privatmann hat, um das Alte Rathaus als Schmuckstück für Wachenbuchen zu erhalten“, berichtet Ilona Eschelbach, zuständig für die kommunalen Liegenschaften. Es hatten sich zunächst 15 Bewerber für das Objekt interessiert, doch die Entscheidung fiel 2009 für Werner Liebchen, der nun das tut, was er besonders gut kann: Geschichte für die Zukunft erhalten.

 

(123)

Sonnenuhr:

Die Sonnenuhr wird 1543 an den 1467 erbauten Glockenturm angebracht, der Maler hatte aber den Zeiger verkehrt gestellt, mußte nochmals kommen und seine Arbeit berichtigen, die mit allen Verzehrungen über drei Gulden kostete

Einen großen Teil der Rechnungen nehmen die „Verzehrungen“ ein. Hatten zum Beispiel die Kirchenbaumeister die Uhr gestellt, so gingen sie ins Wirtshaus und stärkten sich auf Kirchhaus Kosten; liehen der Schultheiß, die Geschworenen und Kirchenbaumeister aus der Kirchbaukasse Geld - und wenn auch eine noch so kleine Summe - aus, so wurde in Wirtshaus eine Zeche veranstaltet; wurde einen Handwerker irgend eine Arbeit am Kirchengebäude verdingt, so mußte, wenn der Vertrag gelten sollte, „eine“ Maß Wein dabei vertrunken werden; beim Neueindecken des Daches wurde, nach dem der erste Stein gelegt, wiederum gezecht; ganz besondere Gelegenheit hierzu gab aber die „Endschaft“ der Arbeit. Einen großen Imß (Essen) hielten Schultheiß, Schöffen und Pfarrherr natürlich bei Abhörung der Kirchenbaurechnung. Die Unkosten für diese Zechen und Schmausereien waren so bedeutend, daß ein gräflicher rat, welcher die Rechnungen zu revidieren hatte, einmal darunter schrieb: „Der Verzehrungen seind gar viel“.

 

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Turm:

Mit einem Alter von 550 Jahren ist der Glockenturm das älteste noch heute erhaltene Bauelement der Wachenbucher Kirche. „Das Kirchenschiff war zwar bereits 1416 und damit viele Jahre vor dem Turm fertiggestellt, doch davon sind heute nur noch die Fundamente erhalten“, erläutert Helmut Müller. In der Zeit von 1406 bis 1461 entstand die Kirche, die zu jener Zeit „Bürgerhaus und Stadthalle in einem war. Hier spielte sich das Leben der etwa 300 bis 400 Wachenbucher Bürger ab“, weiß Helmut Müller.

Wer durch die stets offene Tür die Kirche betritt und nach unten sieht, der erkennt das Mosaik das auf den Umbau der Kirche von 1903 hinweist. Wenn er aber den Kopf in den Nacken legt, fällt sein Blick automatisch auf den ältesten Teil des Glockenturms: das Kreuzgewölbe. Über die Empore gelangt man in die höheren Etagen. Meterdicke, behauene Steine zeugen von dem Alter des Bauwerks. Nur das Gebälk wurde Anfang der fünfziger Jahre erneuert. Die schmalen, schießschartenartigen Fenster erinnern an die eigentliche Funktion des Glockenturms. Ur­sprünglich war der Turm als Wehrturm erbaut, um den Menschen Schutz zu bieten.

Eine Uhr erhielt die Wachenbucher Kirche erst im 16. Jahrhundert in Form einer Sonnenuhr.

Mit Anbringen des mechanischen Uhrwerks Anfang der 50er Jahre wurde die Sonnenuhr jedoch überflüssig. Das mechanische Uhrwerk ist aber noch erhalten, auch wenn es längst durch ein elektrisches ersetzt wurde. Den Vergleich mit den schimmernden Messingzahnrädern und dem nostalgischen Ziffernblatt kann der unscheinbar kleine graue Kasten, der über Funk mit der Atomzeituhr in Braunschweig verbunden ist, jedoch nicht standhalten. Trotz aller Genauigkeit bei der Zeitangabe.

Dreimal täglich erklingt - neben der Angabe der Uhrzeit - das Tageszeitgeläut, eine Erinnerung an frühere Zeiten, als der Tagesablauf der Menschen durch die Kirche strukturiert wurde. Um 11 Uhr läuteten die Glocken das Mittagessen ein, um 16 Uhr kehrten die Menschen auf deren Ruf hin von den Feldern nach Hause zurück und versammelten sich zum 19 Uhr- Geläut zum Abendessen. Auch die Sitte des Totengeläuts hat man beibehalten. Dann läutet die große Glocke, die mächtige Friedensglocke, welche die Inschrift „Selig sind die, die Leid tragen, sie sollen getröstet werden“ trägt. Gesellschaft erhält sie von den Glocken „Einigkeit“ und „Dank“ sowie der Glocke, die für die Zeit zuständig ist. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den mächtigen Glocken haben Schleiereule und Turmfalke ihr Quartier bezogen. Seit zwei Jahren ist die evangelische Kirche Wachenbuchen „Jakobskirche”, da sie unmittelbar an dem

Pilgerweg nach Santiago de Compostela liegt - wie auch das evangelische Gemeindehaus, in dem seit Ende Juni eine offizielle le Stempelstelle eingerichtet ist.

Das Kirchenschiff ist 1416 wieder hergestellt. Der Wiederaufbau der Kirche wird 1728 abgeschlossen, ein Torbogen an Aufgang zur Kirche wird errichtet. Den Wiederaufbau der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg leitete Architekt Werner Bange, die Bauleitung bei der Kirche in Hohe Tanne hatte Architekt Rainer Bange aus der Hohen Tanne (der Plan stammte allerdings aus dem Landeskirchenamt). Die letzte Außenrenovierung fand zur 1200-Jahr-Feier von Wachen- und Mittelbuchen 1998 statt.

 (124) Zwei weitere Kirchenglocken werden 1707 angeschafft.

           In der Herrngasse ist 1750 ein neues Pfarrhaus entstanden.

 

(130)

Bilder in der Kirche:

Am 13. Februar 2012 schrieb Frau Heide Voepel, Am Bächelchen 40, 60388 Frankfurt/Main, daß ihr die Herstellung der Fenster eine wirkliche Herzensaufgabe war. Diese wurde nur dadurch nachträglich etwas getrübt, als Pfarrer Müller in Veröffentlichungen ihre Urheberschaft zunächst nicht bestätigen wollte. (Daß ich Anregungen zur kirchlichen Symbolik durch Gespräche, auch mit Pfarrer Müller, bekam, schließt ja meine Originalität nicht aus). 

Ich habe ihr geantwortet: Für das Jubiläum 1998 in Wachenbuchen habe ich im Auftrag der Stadt Maintal eine Chronik geschrieben. Dazu habe ich auch das Material der Kirchengemeinde ausgewertet. Dabei war auch die Beschreibung der Bilder. Sie ist also nicht von mir. Ich meine, es habe sich um ein Extra-Faltblatt gehandelt oder um das Kirchenblättchen. Ich meine auch, daraus hätte ich Ihren Namen übernommen, ich glaube kaum, daß ich das von anderer Seite habe. Es ist also wohl doch so, daß man bei der Kirchengemeinde von der Urheberschaft weiß. Die Bilder wurden ja inzwischen etwas wieder aufgefrischt. Mir sagen sie sehr zu, wenn ich einmal in der Wachenbucher Kirche bin, jedenfalls besser als die Bilder an den Emporen und vor allem als die Pappmaché-Köpfe.

 

(134)

„Romanischer“ Viehstall:

Der ehemalige Viehstall hat ein Kreuzrippengewölbe auf zwei Sandsteinsäulen. Doch hier handelt es sich nicht um Reste eines Raumes mit „sakralem Charakter“. Es gibt auch anderswo Beispiele, daß man Viehställe so ausgebaut hat: In der Ortenau bei Offenburg gibt es so ein Beispiel, aber auch im Odenwald in Rehbach. Solche Ställe waren wohl eher ein Zeichen für den Reichtum des Besitzers, der sich einen solchen Stall leisten konnte.

 

(135)

Mühle:

Einst hatte ein Mann die Mühle gekauft. Als er aber starb, heiratete seine Frau den Ritter Moffel, der aber auch wieder starb. Da verpachtete sie die Mühle an Conrad von Elkershausen, der ihr sechs Achtel Korn im Jahr als Pacht zahlen mußte. Als die Frau kinderlos starb, wollte Konrad das Geld wieder haben, das er in die Mühle gesteckt hatte. Er verkaufte sie für sechs Gulden an einen Interessenten, der dann aber nicht zahlte. Da nahm Konrad die Mühle wieder in Besitz. Eines Tages aber hörte er von einem Gunthram von der Nonne, der als Verwandter Ansprüche auf die Mühle erhob. Aber Wenzel von Wachenbuchen gab die ganze Geschichte dem Rat und der Stadt Hanau zu Protokoll und appellierte an sie, daß Conrad die Mühle behalten sollte. Das ist dann auch wohl geschehen. Im Jahre 1405 verleiht Konrad Schone in Wachenbuchen die Mühle mit Wasser und Hofstätte an Henchen Müller aus Köbel für 4 Achtel Korn, 2 Pfund Wachs und 1 ½ Schilling (Eugen Sauer, Seite.101 und 106).

Im Jahre 1470 wird verfügt, daß wenn der Müller zu Wachenbuchen (der vermutlich Cuntz Koch hieß) den Ortschaften Kesselstadt und Wachenbuchen nicht gerecht werde und nicht mahlen könne und wolle, so sollen diese nach Hanau zur Burgmühle gewiesen werden. Im Jahre 1489 werden Kesselstadt und Wachenbuchen als Mahlgäste der Hanauer Burgmühle genannt (obwohl Wachenbuchen eine Mühle hat)

 

(136)

Die Ringmauer soll aus dem 14. Jahrhundert sein.

 

(139)

Heute hat der Landwirt Steup einen Aussiedlerhof südlich von Wachenbuchen an der Kreisstraße nach Hanau.

 

(145)

Synagoge:

Dr. Ulrich Knufinke, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Baugeschichte an der Technischen Universität Braunschweig, besuchte kürzlich die Orte der ehemaligen Synagogen in Hochstadt und Wachenbuchen. In Wachenbuchen blieb die Baugestalt der Synagoge im Wesentlichen erhalten. Da in Deutschland auch nach 1945 noch viele Gebäudereste von Synagogen unbedacht zerstört wurden, zeigte sich der Braunschweiger Architekturexperte davon angetan, daß die jetzigen privaten Eigentümer des Denkmals in Wachenbuchen das Gebäude sorgfältig pflegen und instand halten.

Ulrich Knufinke kam auf Einladung des Vereins Brüder-Schönfeld-Forum nach Maintal, um im Historischen Rathaus Hochstadt über die Architektur der in Deutschland neu errichteten Synagogen zu referieren. Nach seiner Darstellung konnten die Architekten nach 1945 nicht an eine traditionelle jüdische Bauweise anknüpfen, denn die alten Synagogen folgten sehr unterschiedlichen Vorstellungen. So gab es vielfach einen maurischen Stil mit imposanter Kuppel, bekannt vor allem durch die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße 11 Berlin, gleichzeitig aber auch Anlehnungen an Architekturformen der christlichen Kirchen, so daß sich frappierend Übereinstimmungen ergaben.

 

(150)

Post:

Seit 19. März 2007 ist die Post im Lebensmittelgeschäft „Nahkauf“ in der Hanauer Landstraße 22 beheimatet. Uwe Häuser, Gebietsbetreuer der Deutschen Post, und Bürgermeister Erhard Rohrbach begrüßten mit den Mitarbeitern der Agentur die ersten Kunden. Die neue „Außenstelle“ in der Hanauer Landstraße ist montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 12  Uhr geöffnet. Nicht nur den Wachenbuchener Kunden soll mit den nun verlängerten Öffnungszeiten des Einzelhandels ermöglicht werden, Postdienstleistungen ohne Einschränkungen dort in Anspruch zu nehmen, wo sie auch sonst Einkäufe erledigen. Selbstverständlich blieben auch Post- und Fernmeldegeheimnis durch das Personal in den Agenturen gewahrt, betont der Vertreter der Deutschen Post. Denn alle in der Agentur Beschäftigten wurden zur Geheimhaltung verpflichtet, betont der Betreiber

 

Stadtladen:

Als „bundesweit bislang einmaliges Projekt“ bezeichnet Stadtrat Günther Wassermann die räumliche „Verschmelzung“ einer Behörde mit einer Bank, die in Wachenbuchen jetzt vollzogen wurde. Der örtliche Stadtladen, bisher im alten Rathaus untergebracht, ist von Montag, dem 03.03.2003, in den Räumen der benachbarten Frankfurter Volksbank anzutreffen. Vom Zusammenschluß sollen nach Stadtrat Günther Wassermanns Vorstellungen beide Seiten profitieren. Auch eine Hinzunahme der Post sei denkbar.

Im Stadtladen können die Bürger des Stadtteils Behördengänge aller Art ortsnah erledigen. Daß dies nun ausgerechnet in einer Bank der Fall ist, ist sicherlich ungewöhnlich. Für behördliche Erledigungen stehen den Besuchern sowohl der bürgerfreundlich und behindertengerecht gestaltete Schalter der Bank als auch ein separater Büroraum zur Verfügung. Der Bereich für den Stadtladen ist somit direkt in die Kundenhalle integriert.

Die Kooperation geht auf ein Angebot der Volksbank zurück. Ein Angebot, das Wassermann als „Glücksfall“ bezeichnet: „Denn für die Kunden bedeutet das nicht nur eine räumliche Nähe zum bisherigen Stadtladen, sondern auch ein angenehmeres und freundlicheres Ambiente in den attraktiven Geschäftsräumen der Bank.“ Daß der Wachenbuchener Bürgerservice aus dem örtlichen Rathaus weichen mußte, begründet Wassermann mit notwendigen Umbauarbeiten. Was nach der Renovierung aus den bisherigen Räumlichkeiten des Stadtladens im Erdgeschoß des Rathauses wird, ist nach Angaben des Stadtrats noch nicht entschieden. Denkbar sei eine anderweitige Nutzung durch die Bürger. Die anderen Institutionen im Rat-

haus Wachenbuchen - Ortsgericht, Schule für Erziehungshilfe, Schiedsmann und die Räumlichkeiten der Maintaler Stadtverordnetenfraktionen - bleiben von der Renovierung unbehelligt.

Der Zusammenschluß von Bank und städtischer Einrichtung muß noch nicht das letzte Wort gewesen sein: So kursieren bereits Überlegungen, auch die Wachenbuchener Post (die ihre Öffnungszeiten bereits deutlich reduziert hat) und einen Express-Bestellservice der Stadtteilbücherei in der Bank zu integrieren. Für die Stadt ist der Zusammenschluß übrigens auch finanziell günstiger als der Unterhalt eines eigenen Stadtladens: Eine Miete entfällt, monatlich zu zahlen sind lediglich 75 Euro Umlagen. Die Öffnungszeiten von Bank und Stadtladen sind montags bis freitags von 8.30 bis 12.15 Uhr sowie zusätzlich donnerstags von 14 bis 18 Uhr (Maintal Tagesanzeiger vom 03.03.2003).

 

Raiffeisenbank:

Zum 7. Juli 2016 wurde Schließung der Filiale der Frankfurter Volksbank. angekündigt. Immer weniger Kunden würden sie nutzen, zudem wäre das Angebot in der Geschäftsstelle in Bischofsheim wesentlich umfangreicher. Gerade für viele ältere Wachenbucher ist dies ein herber Schlag, nachdem auch bereits Hausarzt und Apotheke in den Jahren 2012 und 2013 ihre Pforten für immer geschlossen haben. Und hinzu kommt die Erinnerung an jene Zeit als es im heutigen Maintaler Stadtteil noch eine eigene Raiffeisenbank Wachenbuchen gab. Der Geschäftsführer dieser Raiffeisenbank war über Jahrzehnte hinweg Ludwig Steins Großvater Ludwig Schmitt, der damals die Bezeichnung „Rechner" trug. Die Raiffeisenbank Wachenbuchen, die viele Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich von der Frankfurter Volksbank übernommen wurde, hatte ihren ersten Sitz ab 1912 in Ludwig Steins Elternhaus, in der Mittelbucher Straße 11.

 

 (158)

Seit etwa 2015 hat Wachenbuchen keinen Arzt und keine Apotheke mehr, aber drei Friedhöfe (nach dem rund um die Kirche auch Urnen beigesetzt werden können).

 

 (159)

Hanauer Weg 24:

Das Haus wurde 1912 erbaut von Lehrer Horst, ausführende Firma war Heinz Maisch (laut Frau Hanstein, die das Haus 2014 gekauft hat).

 

(162)

Kilianstädter Weg:

Hier ist kein offizielles Wohngebiet, denn ein Bebauungsplan gibt es nicht. Deshalb wird bisher wird dem Bauer Giesel die Genehmigung verwehrt, die Wiese nördlich des Pfarrhauses als Bauland verkaufen zu dürfen. Es wurden bisher nur Einzelgenehmigungen erteilt, zum Beispiel für den Kindergarten oder als „Wohnen im Außenbereich“ für den Bauernhof. Weshalb die anderen eine Genehmigung erhielten, ist nicht bekannt.

(174)

Umgehungsstraße Wachenbuchen:

Eine örtliche schon vorgeschichtliche Straße verlief von Hochstadt über Wachenbuchen nach Marköbel. Im Jahre 1898 sind nach Angaben des maßgeblichen Forschers Wolff etwa 300 Meter südöstlich des damaligen Ortes noch „Stickung und Kiesdecke“ feststellbar. Doch 1913 ist die Straße schon von den neuen Teilen des Ortes erreicht.

Sie kommt von der Einmündung der Hochstädter Straße auf die Straße nach Wilhelmsbad, verläuft südlich des Ortes in einem fast gradlinigen Abschnitt und biegt dann nach Nordosten ab in Richtung auf die römischen Anlagen in Mittelbuchen und nach dem Kastell Marköbel.

Sie wird damals „K l e i n e  S t r a ß e“ genannt, der Ackerstreifen südlich davon heißt lange „unter der Straße“. Sie wird schon in einer Urkunde von 1293 erwähnt. Dort heißt sie „via qui dicitur Bisewise“ (Straße, die genannt wird „Bisewise“).

Seit 1964 sind Umgehungsstraßen für Wachenbuchen im Gespräch. Der Bau einer Umgehungsstraße westlich von Wachenbuchen wird 1965 vorsorglich mit eingeplant. Die Gemein­de gibt Land für den Straßenbau von Wilhelmsbad nach Wachenbuchen ab. Sie verlangt, daß der Fuß- und Radweg sowie der Wirtschaftsweg nach Mittelbuchen mit gebaut werden. Der Schulweg soll neben der Straße verlaufen und müßte durch einen fünf Meter breiten Grünstreifen mit Bepflanzung abgetrennt werden. Gleichzeitig läuft die Planfeststellung für den Ausbau der Landstraße nach Mittelbuchen. Ab 1965 wird auch die Straße von Wilhelmsbad über Wachenbuchen nach Niederdorfelden ausgebaut (bis 1969). Die Ortsdurchfahrt wird schon 1965 verbreitert, vor allem die Kurve. Im Herbst 1966 beginnen Arbeiten zur Verbreiterung der Straße nach Hochstadt.

Der Planung des Rhein-Main-Schnellwegs wird 1968 prinzipiell zugestimmt. Man möchte aber gleichzeitig eine Ortsumgehung haben. Der Rhein-Main-Schnellweg wird 1970 zur Autobahn hochgestuft.

Im Jahre 1972 soll die Umgehungsstraße südlich des Ortskerns so bald wie möglich gebaut werden. Mit dem Planfeststellungsverfahren wird 1973 gerechnet. Damals standen Schilder an den Neubaugebieten, die schon die Umgehungsstraße zeigten. Aber dann hieß es wieder, die Umgehungsstraße könne nicht vor 1976 gebaut werden.

Wiesen und Wald südlich des Ortes werden vom Regierungspräsidium 1972 als Grünzone ausgewiesen. Sie soll nach Osten und Norden erweitert werden bis hin zum Hühnerberg. Aber in Richtung Hochstadt soll sie unterbrochen werden, damit man sich nach dort ausbreiten kann und nicht mehr in Richtung Mittelbuchen.

Im Jahre 1978 erwägt man, die Straße nicht im Zuge des Feldweges am Rande der Bebauung verlaufen zu lassen, sondern etwa 100 Meter weiter südlich, also auch südlich des Festplatzes. Eine „Schutzgemeinschaft Wachenbuchen Süd“ ist gegen eine Trasse am Rand der Bebauung. Die Bauern aber sind gegen die Trasse durch die Felder und Wiesen. Beide klagen 1979 vor Gericht bzw. drohen mit Klagen. Ende des Jahres 1979 spitzt sich die Diskussion um die Wachenbucher Südumgehung noch einmal zu. Schließlich wird vom Gericht entschieden, daß die Umgehungsstraße nicht notwendig ist, weil der Verkehr durch den Ort nicht zu stark ist. Die Klage der Wachenbucher Bauern gegen die Südumgehung wird also mit Erfolg abgeschlossen.

In dem Ortsentwicklungsplan von 1984 wird eine klare Festlegung der Ortsgrenzen dringend gefordert. Vorgesehen wird ein Erweiterungsgebiet zwischen Dorfelder Straße und Bachgasse sowie im Südosten zwischen Wohngebiet und geplanter Südumgehung. Die Gefahr besteht, daß im Norden die historisch ablesbare Ortsgrenze aufgelöst wird, die Beziehung des alten Ortskerns zur Landschaft ist zu schützen. Es wird deshalb vorgeschlagen, eine Neubebauung im Südwesten anzustreben.

 

Aus der Diskussion:

Die Möglichkeit einer Umgehungsstraße nahe am Waldrand wurde verworfen, weil zu viel Landschaft verbraucht wird und auch der Bogen von der Landstraße aus Hochstadt zu groß wäre.

Der Ausbau des Feldwegs am Südrand von Wachenbuchen wäre die einfachste Lösung. Dieser Weg ist schon 9 Meter breit und war für die Umgehungsstraße bzw. eine innerörtliche Straße vorgesehen. Schon in geschichtlicher Zeit lief hier die Umgehungsstraße an Wachenbuchen vorbei. Aber bei einer Verwirklichung dieses Vorhabens ist erneut mit Prozessen der Anwohner zu rechnen. Nach Auskunft von Juristen ist damit zu rechnen, daß sie nach der herrschenden Rechtssprechung auch Recht erhalten.

Es bleibt nur die Möglichkeit, den etwa 100 Meter weiter südlich verlaufenden Feldweg auszubauen. Dieser ist 4 Meter breit. Es müßte aber noch Land angekauft werden. Die Landwirte erwarten einen Preis von 20 € pro Quadratmeter. Zwischen dem Ortsrand und dieser Straße könnte eine Parklandschaft entstehen.

Die Straße müßte nur die Fahrbahnen für Kraftfahrzeuge erhalten (ein Radweg ist ja schon vorhanden). Eine Unterführung im Bereich des Hanauer Weges ist zwar wünschenswert, aber nicht unbedingt erforderlich, denn zwischen Hochstadt und Wachenbuchen muß z.B. der Gärtner auch ständig die Straße überqueren, ohne daß er eine Unterführung hat.

 

Der Durchgangsverkehr in Wachenbuchen wurde nach den Regeln der Straßenbehörde gezählt (Radfahrer eine halbe Einheit, Bus drei Einheiten). Die Zähler verbürgen sich dafür, daß sie richtig gezählt haben. Wenn dabei das gleiche Auto vielleicht zehnmal gezählt wurde, so ist ja gefahren und hat Lärm und Gestank erzeugt und muß deshalb gezählt werden.

 

Durchfahrt durch Wachenbuchen

Wenn man mit dem Auto durch Wachenbuchen will, dann hat man oft einen Hindernislauf zu bestehen. Dort gibt es nämlich - wie übrigens in vielen anderen Orten auch - das versetzte Parken: Einmal sind Parkplätze auf der Fahrbahn auf der rechten Seite ausgewiesen, einmal auf der linken. In jeder Fahrtrichtung muß man also mehrfach um die parkende Fahrzeuge herumfahren. Wenn man Glück hat, wird der Parkraum gerade nicht genutzt (obwohl die Parkzeit unbegrenzt ist). Aber wenn man Pech hat, fahren zwei Autos aus beiden Richtungen auf ein geparktes Auto zu. Jetzt muß einer freiwillig warten. Haben die Fahrzeuglenker aber diesen Augenblick verpaßt, dann stehen sie sich plötzlich gegenüber. Und wenn sie noch mehr Pech haben, dann sind inzwischen andere Autos nachgerückt- und dann haben sie ein Problem.

Das versetzte Parken hat natürlich einen guten Sinn: Die Kraftfahrzeuge sollen dadurch abgebremst werden und damit zur Verkehrssicherheit und Lärmminderung beitragen. Das Prinzip lautet also: Auto bremst Auto. In der Hauptstraße in Hochstadt hat man es übrigens umgedreht gemacht. Da wird die Fahrbahn von Fahrzeugen freigeräumt und sie dürfen nur dort parken, wo üblicherweise die Fußgänger gehen. Hier herrscht das Prinzip: Fußgänger bremst Auto! In der Theorie könnten so die Kraftfahrer am Tempo der Fußgänger ablesen, was „Schrittgeschwindigkeit“ ist, die in der ganzen Hauptstraße vorgeschrieben ist. Nur läßt es kein Fußgänger auf eine Begegnung mit dem Auto ankommen. Und deshalb donnern die Autos mit einer Geschwindigkeit von 30 Kilometer oder mehr über die Hauptstraße, so daß man dort Fenster haben muß wie am Flughafen.

Eine Lösung wäre natürlich eine Umgehungsstraße. Die hat Hochstadt immerhin, wenn auch viele immer noch, wenn sie von Bergen nach Wachenbuchen wollen, durch den Ort fahren. Im Bereich von Wachenbuchen aber wurde die Südumgehung nicht fortgeführt, obwohl sie den Wachenbuchern bei ihrem Beitritt zur Stadt Maintal versprochen wurde. Schon in vorgeschichtlicher Zeit verlief der Durchgangsverkehr südlich des Ortes: Von der heutigen Einmündung der Hochstädter Straße auf die Straße nach Wilhelmsbad

in einem fast gradlinigen Abschnitt bis zum heutigen Festplatz und dann nach Nordosten in Richtung auf die römischen Anlagen in Mittelbuchen.

Seit 1964 sind Umgehungsstraßen für Wachenbuchen im Gespräch. Die Ortsdurchfahrt wurde schon 1965 verbreitert, vor allem die Kurve. Von 1965 bis 1969 wird die Straße von Wilhelmsbad über Wachenbuchen nach Niederdorfelden ausgebaut. Im Herbst 1966 begannen Arbeiten zur Verbreiterung der Straße nach Hochstadt. Beim der Zustimmung zum Bau der Autobahn wird wieder auf die Ortsumgehung gedrungen. Im Jahre 1972 sollte die Umgehungsstraße südlich des Ortskerns so bald wie möglich gebaut werden, mit dem Planfeststellungsverfahren wird 1973 gerechnet.

Doch inzwischen waren immer mehr Häuser bis an die geplante Trasse heran gebaut worden. Den Bauwilligen wurde gesagt, daß hier eine Umgehungsstraße gebaut werden soll. Sie akzep­tierten das auch - bis ihr Haus stand, dann arbeiteten sie mit allen Mitteln dagegen. Im Jahre 1978 erwog man, die Straße nicht am Rande der Bebauung verlaufen zu lassen, sondern etwa 100 Meter weiter südlich, also auch südlich des Festplatzes. Eine „Schutzgemeinschaft Wachenbuchen Süd“ entstand gegen eine Trasse am Rand der Bebauung. Die Bauern aber waren gegen die Trasse durch die Felder und Wiesen. Beide klagten 1979 vor Gericht bzw. drohten mit Klagen.

Schließlich wird vom Gericht entschieden, daß die Umgehungsstraße nicht notwendig ist, weil der Verkehr durch den Ort nicht zu stark sei. Die Klage der Wachenbucher Bauern und der neuen Anwohner gegen die Südumgehung wurde also mit Erfolg abgeschlossen. Die Landwirte dürfen mit ihren landwirtschaftlichen Maschinen ja auf dem Feldweg fahren. Und die Anwohner dort haben ihre Ruhe. Das Nachsehen haben die Anwohner der Schulstraße und der Mittelbucherstraße und die PKW-Fahrer und Busfahrer, die sich zwischen den Autos hindurchquälen müssen.

 

Im Jahre 2003 wurde die Forderung nach einer Umgehungsstraße für Wachenbuchen wieder stark belebt. Nu8n wurde eine Bürgerinitiative gegründet, die der Forderung nach Entlastung durch eine Umgehungsstraße größeren Ausdruck verleihen soll. Im Rahmen des vergangenen Arbeitstreffens referierte Peter Heckert zu diesem Thema. Wachenbuchen wurde vermutlich bereits in der Römerzeit verkehrsmäßig umgangen. Eine weitere geschichtliche Erwähnung der Umgehung, so Heckert, datiert aus dem 13. Jahrhundert. In der Neuzeit ist die Südumgehung ab dem Jahr 1964 in den Archiven dokumentiert. Danach ist klar, daß die Anwohner am Südrand von Wachenbuchen wußten, daß dort eine Umgehungsstraße gebaut werden sollte, ehe sie selber bauten. Sie waren mit allem einverstanden. Als sie aber gebaut hatten, gingen sie vor Gericht.

Die Bürgerinitiative nahm ihre Aktivitäten am 2. Januar auf. Kurz darauf erschien ein Informationsblatt, das an alle Wachenbuchener Haushalte verteilt wurde. Ein Aufkleber war geplant, mit dem die Bürger ihre Zustimmung zu der Umgehungsstraße öffentlich machen können.

Die Anzahl der bislang geführten Mitglieder bereits auf über 30 angewachsen. Die Bürgerinitiative rechnet mit einem weiteren Anstieg der Mitgliederzahl in den kommenden Wochen. Das nächste interne Treffen der Bürgerinitiative wird am 6. Februar stattfinden. Interessenten können sich mit K. Funk, Telefon (0 61 81) 8 77 44 in Verbindung setzen (28.01.2003).

 

Dies hat nun die Gegner dieser Ortsumgehung auf den Plan gerufen. In einer Pressemitteilung heißt es: „Der Widerstand gegen die Ortsumgehung ist ungebrochen“. Aufmerksam habe die „Schutzgemeinschaft Wachenbuchen“ die Initiativen der neuen Bürgerinitiative „aus dem Ortskern" verfolgt, die sich für eine südliche Ortsumgehung ausgesprochen hat. Die „Schutzgemeinschaft", der nach eigenen Angaben 72 Familien des südlichen Ortsrandes von Wachenbuchen angehören, wendet sich weiterhin gegen eine neue „parallel zur A 66 verlaufenden Umgehungsstraße, die wiederum den Nahverkehr anziehen und einen landwirtschaftlichen Bereich zerschneiden“ würde [Man ist also auch gegen eine Straße etwa hundert Meter entfernt von den Häusern]..

Besonderes Interesse habe die Tatsache gefunden, daß der SPD-Ortsverein von einem früher geäußerten Vorschlag abgerückt sei, die Trasse am Waldrand entlang zu führen. Der Natur- und Gewässerschutz habe eine solche Möglichkeit nie geboten. Nunmehr spreche man von einer Verlegung um 120 Meter in Richtung Ortsrand. Gegen diese Führung der Straße spreche aber, so die „Schutzgemeinschaft", ein Urteil des Frankfurter Verwaltungsgerichts von 1981, welches den Bau untersagt habe. Da die von den Befürwortern der Umgehungsstraße genannten Schätzzahlen für den Durchgangsverkehr „nicht glaubwürdig“ seien und keine offiziellen Zählung erfolgt sei, werde es wenig Chancen für eine Änderung der Haltung des Gerichts geben, so Stefan Barowski, Sprecher der „Schutzgemeinschaft“.

Trotzdem seien die Anwohner am südlichen Ortsrand sehr besorgt, daß man einen Vorschlag aus den Reihen der SPD wieder neu aufgreifen und versuchen könne, die Trasse an der südlichen Bebauungsgrenze entlang zu führen. Damit würde die kostengünstigste Variante mit Blick auf die leeren Stadt- und Staatskassen wieder „auf dem Tisch“. Gegen diese Verlagerung des Verkehrs zu Lasten anderer Mitbürger wendet sich die „Schutzgemeinschaft“ ganz entschieden.

Die Gegner der Ortsumgehung verweisen schließlich noch auf die Äußerungen des Maintaler Magistrats vom Juli vergangenen Jahres. Danach sei dieser zur Zeit nicht mit der Planung einer Umgehung befaßt. Die Mitglieder der „Schutzgemeinschaft“ wollen das Verhalten der Parteien zu diesem Thema weiter genau verfolgen. Über die Ziele dieser Gruppierung können sich Interessierte auch im Internet auf der Website www.wachenbuchen-ortsumgehung.de informieren (31.01.2003).

 

Auf die Äußerungen der „Schutzgemeinschaft Wachenbuchen-Süd“ in der Tagesanzeiger-Ausgabe vom 31. Januar gegen die Umgehung reagiert nun die Bürgerinitiative für die neue Straße. In einer Pressemitteilung bewertet die Bürgerinitiative die Aussagen der Schutzgemeinschaft als „spalterische Taktik, um Eigeninteresse über das Gesamtwohl von Wachenbuchen zu stellen".

Die Bürgerinitiative vertritt die Ansicht, daß sie die Interessen aller Ortsteile Wachenbuchens repräsentiere. Ihr Ziel sei die Verbesserung der Lebenssituation aller Wachenbuchener Bürgerinnen und Bürger. Dafür sei die Umgehung notwendig. Der Bürgerinitiative sei es seit ihrer Gründung am 4. Dezember vergangenen Jahres klar gewesen, daß eine Neuplanung der Umgehung durch die Stadt zu keiner Verlagerung der Verkehrsbelastung direkt an die südliche Bebauungsgrenze führen dürfe.

Die Schutzgemeinschaft könne konsequenterweise nicht gegen eine generelle Verkehrsentlastung von Wachen buchen sein. Hier gelte der Leitsatz: „Gleiches Recht für alle“. Dies gelte auch für die Anwohner des Nachbarortes Mittelbuchen. Entsprechende Kontakte zur Kooperation der Bürgerinitiative mit den Bürgern in Mittelbuchen seien deshalb bereits geknüpft worden.

Die Ansicht, daß ein Politiker auf die Idee kommen könne, die Umgehung direkt an den südlichen Ortsrand zu bauen, sei völlig unbegründet. Dies sei nach der heutigen Rechtslage zum Scheitern verurteilt. Es dürfe keine Umgehung direkt an einer Bebauungsgrenze errichtet werden. Wer bislang noch der Ansicht gewesen sei, daß die Südrandbewohner letztendlich eine Trasse direkt am Ortsrand akzeptieren müßten, irre daher und müsse umdenken. Falls ein Politiker dennoch solch eine Idee vertreten würde, wäre dies so wörtlich: „ein Eingeständnis von Inkompetenz“

Die Bürgerinitiative ist auch im Interesse der Südrandbewohner gegen diese Trassenführung. Daher sollten sie sich der neuen Initiative anschließen, um gemeinsam für: die Verbesserung der Lebensqualität in Wachenbuchen zu kämpfen. Die Bürgerinitiative lehne jede weitere Diskussion um eine Ortsrandstraße ab. Dies führe lediglich zu einer Spaltung der Bürger Wachenbuchens und verhindere die Verbesserung der Lebenssituation im Ort.

Die Schutzgemeinschaft lehne auch eine Trassenführung weit genug weg von der südlichen Bebauungsgrenze ab. Das bedeute, daß die Verkehrsbelastung Wachenbuchens auf bestimmte Ortsbereiche konzentriert bliebe. Für sich selbst jedoch lehne sie jegliche Verkehrsbelastung ab, und; „dies zu Lasten der anderen Bürger“. Die einzig sinnvolle Trassenführung der Umgehung liege nach Ansicht der Bürgerinitiative in gebührendem Abstand vom Südrand von Wachenbuchen und des Waldes.

Abschließend stellt die Initiative richtig, daß sie bislang weder Schätzzahlen noch offizielle Zahlen zum Verkehrsaufkommen in Wachenbuchen veröffentlicht habe. Für das Jahr 1990 wurden gemäß offizieller Erhebung etwa 4.000 bis 6.000 Verkehrseinheiten pro Tag für Wachenbuchen ausgewiesen. Im Jahr 1995 waren es bereits etwa 6.000 bis 8.000 Verkehrseinheiten täglich, eine deutliche Steigerung also. Wie hoch der Durchgangsverkehr in Wachenbuchen im Jahr 2002 war, und wie es im Jahr 2003 sein wird, könne jeder für sich selbst abschätzen. Eines sei sicher „Der Verkehr hat mittlerweile unerträglich zugenommen“ (10.02.2003).

 

Leserbriefe:

„Eine Oase der Ruhe”:

Ich weiß nicht, wieso das Thema immer noch der ersten Seite Ihres Blattes würdig ist. Der Bau einer Umgehungsstraße südlich von Wachenbuchen wird nach dem Bau der A 66 vom Bundesverwaltungsgericht in Anbetracht des geringen Verkehrsaufkommens und der erheblichen ökologischen Auswirkungen für nicht notwendig gehalten. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Die angegebenen Zahlen für 1990 und 1995 (!) sind Hochrechnungen aus den siebziger Jahren (noch ohne Autobahn). Damit verglichen stellt die Ortsdurchfahrt heute eine Oase der Ruhe dar, von der manch Frankfurtern nur träumen kann. In aktuellen Zahlen: 3500 Pkw pro Tag, Lkw-Anteile nahezu null. Der größte Teil (Ziel- und Quellverkehr) stammt aus Wachenbuchen selbst.

Wer sich den Süden Wachenbuchens einmal näher ansieht - mit seiner Wasserschutzzone, seinen Naherholungswegen, seinem Festplatz, den landwirtschaftlichen Flächen und vieles mehr - kann sich ohnehin nicht vorstellen, daß hier mit Steuergeldern der Verkehr erst angelockt werden soll. Das wäre auch nicht im Interesse Maintals (Wilhelm Bischoff, Büchertalstraße 41).

 

 „Unerträgliche Verhöhnung“

Dieser Leserbrief stellt eine Verhöhnung der Bewohner der Schul- und Mittelbucher- Straße dar. Es ist unerträglich für die Betroffenen, wie sich Herr Bischoff zum Schutze seiner „Ich-AG“ mit falschen Behauptungen an die Öffentlichkeit wendet. Ihm scheint die geschichtliche Entwicklung der Umgehungsstraße vollkommen fremd zu sein. Unter dem Durchgangsverkehr mußten die Bewohner schon leiden, als Herr Bischoff noch nicht hier gewohnt hat. Die von ihm angezweifelten Zahlen stammen aus den angegebenen Zeiten und sind keine Schätzungen, sondern Tatsachen.

Ihm ist natürlich in seiner ruhigen Oase vollkommen entgangen, daß nach Fertigstellung der Hochstädter Umgehung der Durchgangsverkehr wieder erheblich zugenommen hat. Auch ist es ein Unterschied, ob der Straßenverkehr in einer Entfernung von 1,20 Metern vor dem Schlafzimmer entlang donnert oder zum freien Feld eine Entfernung von 20 Metern Garten ist. Es ist eine Frechheit zu behaupten, der Lkw-Verkehr sei bei „Null“ und nur im Ortsverkehr. Zum anderen handelt es sich hier nicht um einige neu hinzugezogene Bürger der SPD, sondern um neutral, für alle Betroffenen, parteilos handelnde Bürger. Man muß sich natürlich fragen, welchen Einfluß Herr Bischoff in seiner Vorstandstätigkeit in der Vergangenheit, in den verantwortlichen Etagen genommen hat, um zu seinen Gunsten die Umgehung zu verhindern.

Als die Grundstücke zum Feld hin verkauft und bebaut wurden, war jedem Bauherrn bekannt, daß an seiner Grundstücksgrenze eine Umgehungsstraße gebaut werden soll. Ein großes an der Straße aufgestelltes Schild zeigte dies an. Da dies heute keinem mehr zugemutet werden kann, muß halt eine bessere Lösung gefunden werden. Daran sollte sich Herr Bischoff beteiligen und zum Wohle der Allgemeinheit nach gerechten Lösungen suchen.

Hoffentlich wird es nach Einführung der neuen Parkordnung in der Schul- und Mittelbucher-Straße nicht zu einem folgenschweren Unfall kommen, da jetzt vermehrt der Gehweg von ausweichenden Kraftfahrzeugen benutzt wird und Fußgänger dann ausweichen müssen. Aber auch das wird Herrn Bischoff in seiner Ruhe wahrscheinlich nicht beeinträchtigen (Joachim Jacob, Schulstraße 18).

 

 „Von Verkehrslärm keine Ahnung“

Wer den Leserbrief von Herrn Bischoff liest, muß sich fragen, wo dieser Mann wohnt? Er wohnt in der „Oase“ von Wachenbuchen und hat daher keine Ahnung davon, welchem unzumutbaren Verkehrslärm die Anwohner der Hauptstraße in den frühen Vormittagsstunden und ab dem Nachmittag Tag für Tag ausgesetzt sind. Und von wegen Lkw-Verkehr nahezu null! In aller Frühe fahren zum Beispiel bereits die die Supermärkte beliefernden Lkw durch Wachenbuchen, wodurch viele Bürger ihres Schlafes beraubt werden. Doch davon merkt man in der „Oase“ nichts. Dort hat man die Vorteile in Anspruch genommen und dann gegen den bereits geplanten Bau der Umgehungsstraße protestiert.

 

Außerdem ist es absurd, Wachenbuchen mit Frankfurt zu vergleichen! Mir persönlich könnte es egal sein, ob eine Umgehungsstraße kommt oder nicht; denn ich wohne etwas abseits der Hauptstraße, muß aber ständig feststellen, wie durch den Durchgangsverkehr die Wohn­qualität der direkten Anwohner mehr und mehr gemindert wird. Daher muß die Umgehungsstraße kommen, und sie wird kommen, notfalls auch mit unbequemen Maßnahmen. Deshalb begrüße ich die Gründung der Bürgerinitiative sehr und hoffe, daß sie bald zu einer starken Vereinigung werden wird, die einiges bewegen kann. Mit Parteizugehörigkeit hat die Bürgerinitiative meines Erachtens wenig zu tun; denn ich zum Beispiel habe mit Politik überhaupt nichts am Hut. Mir geht es nur um das Allgemeinwohl der Bürger. Daher muß die „Umgehungsstraße“ auch weiterhin Thema Ihrer Titelseite bleiben (Erwin Kaiser, Kilianstädter Straße 4).

 

„Unverschämtheit“

In seinem Leserbrief kommt Wilhelm Bischoff, nachdem er 30 Jahre beim Straßenbauamt tätig war, zu der Erkenntnis, daß die Ortsdurchfahrt Wachenbuchen im Vergleich zu den Jahren 1990 und 1995 wörtlich: „einer Oase der Ruhe“ gleiche. Diese Aussage ist schlichtweg falsch und unverschämt. Alle Anwohner der Mittelbucher Straße, der Schulstraße und der Hanauer Landstraße, die täglich den erheblichen Verkehrsbelastungen durch unser Dorf ausgesetzt sind, können das bestätigen.

Weiter spricht Herr Bischoff von einer „kleinen Gruppe um den SPD Ortsverein“ Auch dies ist falsch. Es geht hier um keine politische Partei, sondern um die Lebensverhältnisse in Wachenbuchen. Insbesondere sind hierbei auch die Themen Sicherheit und Gesundheit von Menschen wichtig, und vor allem die der Kinder. Nur derjenige, dem dies alles egal ist, der kann so argumentieren wie Herr Bischoff (Helmut Schmidt, Mittelbucher Straße 4 und Doris de Lugas, Schulstraße 30). (12. - 15.02).

 

 „Schutzgemeinschaft“ für Rückkehr zur Sachlichkeit

Die „Schutzgemeinschaft" erhebe nicht den Anspruch, so heißt es in der Pressemitteilung, die Interessen aller Bürger Wachenbuchens zu vertreten. Sie nehme viel mehr die Belange der Bürger am südlichen Ortsrand wahr. Sie verstehe, daß die Mitbürger, die an der Kreisstraße wohnen, eine Verminderung des Verkehrs erreichen wollen, auch wenn etwa 70 Prozent des Ziel- und Quellenverkehrs der eigenen Anwohner nicht durch eine Ortsumgehung aufgefangen würden, sondern erhalten blieben.

Die „Schutzgemeinschaft" wende sich aber entschieden dagegen, daß diese Verkehrsbelastung und die Risiken einfach den Anwohnern des südlichen Ortsrandes zugeschoben werden.

Die Mitglieder der „Schutzgemeinschaft" wollen sich erst wieder an der Diskussion beteiligen, wenn sich erhebliche Änderungen der Sachlage ergeben. Sie wollen damit der Polemik die Grundlage entziehen. Da die Entscheidung über den Bau einer Umgehungsstraße nicht durch einen Volksentscheid in Wachenbuchen falle, will die „Schutzgemeinschaft“ aufmerksam verfolgen, ob sich auf der Ebene der Stadtverordnetenversammlung eine Mehrheit ergibt, die dieses Thema überprüfen will. Eine wichtige Entscheidung werde sein, ob sich die derzeitige Situation so geändert habe, daß das Bundesverwaltungsgericht seine Entscheidung von 1988 gegen die Umgehungsstraße revidieren wird.

Danach erfolge sicher eine Anhörung der betroffenen Landwirte über die Zukunft ihrer Betriebe und die Prüfung einer Kompensation für verlorenes Agrarland sowie die „Bearbeit­barkeit“ eines zerschnittenen landwirtschaftlichen Betriebs. Neue Zufahrtswege, Brücken oder Unterführungen würden überprüft, auch damit das nahe gelegene Erholungsgebiet erreichbar bleibe. Gewässerschutzbehörden, Umwelt- und Tierschützer, Abwasserbehörden, Forstverwaltung und die betroffenen Interessengruppen würden ihre Meinung beisteuern.

Die Überbauung der bestehenden Ferngasleitung werde geprüft und überregionale Planer einbezogen. Straßenbaubehörden aus Land, Kreis und' Stadt würden eine Kosten-/ Nutzen-Berechnung erstellen und schließlich die Haushaltsexperten aus Stadt, Kreis und Land über die Finanzierbarkeit beraten.

Die Mitglieder der „Schutzgemeinschaft Wachenbuchen-Süd“ wollen die neutrale und sachverständige Entscheidung der zu- ständigen Behörden - wie immer sie auch ausfalle - mit „demokratischem Respekt zur Kenntnis nehmen“ (15.02.2003).

 

Zwei Bürgerinitiativen im Streit

Bereits vor rund 50 Jahren gab es die Idee, am Südrand des damals noch selbständigen Dorfes Wachenbuchen direkt neben den Kleingärten eine Umgehungsstraße zu bauen. Als die Überlegungen 1974 konkret zu werden schienen, formierte sich die Schutzgemeinschaft Wachenbuchen-Süd, laut Eigendarstellung mit rund 200 Mitgliedern. Sie forderten eine Verlegung der geplanten Trasse um rund 100 Meter nach Süden. Doch die Grundbesitzer und Landwirte klagten 1981 vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt erfolgreich gegen die Zerschneidung der aus Feldern und Wiesen bestehenden Fläche zwischen Dorf- und Waldrand.

Der Streit schwelte weitere sieben Jahre.

Das Land Hessen zog mit Beschwerde vor das Bundesverwaltungsgericht in Berlin - und wurde 1988 schlußendlich abgewiesen. Unter anderem stellte das Gericht fest, daß die Zahl der die Ortslage im Zuge der Landesstraße 3195 passierenden Autos nicht mehr ausreiche, eine Umgehung zu rechtfertigen - zumal der Durchgangsverkehr in der Tat spürbar abgenommen hatte, seit es die Autobahn 66 gab.

Mit dem neuen Jahrtausend kam die Neuauflage des Streites. „Die politischen Überlegungen der Stadt Maintal gingen dahin, eine Ortsstraße zu bauen und durch einen so genannten B-Änderungsplan zu verbreitern. Und damit hätten wir über den Festplatz zur Bleichstraße auch den Lastwagenverkehr am Haus", faßte Petra Sperber die Lage aus Sicht der Schutzgemeinschaft Wachenbuchen zusammen, die für sich in Anspruch nimmt, derzeit die Interessen von 72 Familien zu vertreten.

„Die Trasse muß mindestens 150 Meter weiter weg, sonst ist die Umgehung nur eine Verlagerung des Problems“, argumentiert Petra Sperber. Innerorts sei ja durchaus schon eine gewisse Verkehrsberuhigung erreicht worden durch Parkbuchten in der Schulstraße und Mittelbuchener Straße.

Eine neue Dimension erhielt das Thema Anfang Dezember 2002 durch die Gründung der Bürgerinitiative Umgehungsstraße Wachenbuchen (derzeit rund 40 Mitglieder), die für sich wiederum in Anspruch nimmt, für die gesamte Einwohnerschaft zu kämpfen. Sprecher Klaus-Dieter Funk erklärte:„Die Schutzgemeinschaft argumentiert mit der Bebauungsgrenze und macht den Leuten einfach Angst. Wir suchen den Konsens mit diesen Leuten. Aber wir wollen eine Neuplanung durch die Stadt und fordern gar keine Verlegung einer Landesstraße.“

Die Bürgerinitiative betont ihre „Überparteilichkeit“.

Prompt konterte die Bürgerinitiative: Von einer Straße direkt am Ortsrand könne gar keine Rede sein. Die einzig sinnvolle Trassenführung der Umgehung liege in gebührendem Abstand von Wachenbuchen und dem Wald, beharrt BI-Sprecher Klaus-Dieter Funk. „Aber wir wollen jetzt gar keine Trassendiskussion, das sollen die Spezialisten unter sich ausmachen. Wir wollen eine politische Entscheidung.“ Davor aber stehe die Willensbildung unter den Bürgern in Wachenbuchen und Mittelbuchen sowie unter den Maintaler Parteien. Und damit sei die aktuelle Marschrichtung der BI vorgegeben.

Auch mit einem recht aufwendig gestalteten Internet-Auftritt wehrt sich die Schutzgemeinschaft gegen die Straße im Süden des Dorfes. Wie die aussehen könnte, stellt sie in einem Computer-Animation dar - samt dickem Fragezeichen (Helmut Pomplun, Frankfurter Rundschau, 15.02.2003).

 

„Der Verkehr muß raus“

Während ihres letzten Arbeitstreffens hatte die Bürgerinitiative „Umgehungsstraße Wachenbuchen“ Dr. Walter Unger (SPD) zu Gast. Im offenen Dialog wurden die Möglichkeiten für eine Neuplanung der Umgehung von Wachenbuchen erörtert. Die Bürgerinitiative (BI) wird auch Politikern der anderen Maintaler Parteien Gelegenheiten für gemeinsame Treffen anbieten.

Das angekündigte Informationsblatt über die BI ist steht kurz vor der Verteilung. Mit diesem Artikel stellt sich das Kernteam der Initiative Wachenbuchen und der interessierten Öffentlichkeit vorab vor. Es besteht aus neun Mitgliedern. Deren Familien haben zusammen neun schulpflichtige Kinder. Das Kernteam plant und koordiniert den Auftritt und alle Aktivitäten der Initiative gemeinsam. Diese Arbeit wird fallweise von weiteren aktiven Mitgliedern unterstützt. Interessierte können sich an alle Kernteammitglieder wenden, um Auskunft zu erhalten.

Klaus Funk, Telefon (0 61 81) 8 77 44, ist der Sprecher der Initiative und wohnt seit 1994 in Wachenbuchen. Er leitet die Pressearbeit. Neben diesen Aktivitäten ist er Mitglied des Kirchenvorstandes der evangelischen Kirchengemeinde Wachenbuchen und aktiver Freizeitsportler bei der Freien Turnerschaft Wachenbuchen. Die weiteren Teammitglieder sind Wolfgang Kampe, Ellen Roth, Stefan Künzel, Helmut Schmidt, Helmut Ehemann, Doris De Lugas, Hans-Jochen Schild und Joachim Jacob. Wolfgang Kampe wohnt seit 1991 in Wachenbuchen. Er moderiert und dokumentiert die Treffen der Bürgerinitiative.

Vereinsbezogene Aktivitäten werden von Helmut Schmidt, Vorsitzender des Blasorchesters Wachenbuchen, sowie Stefan Künzel, Jugendtrainer und aktiver Fußballer bei der Kewa Wachenbuchen, durchgeführt. Kontakte zur Politik und zur Verwaltung pflegen Doris De Lugas und Helmut Ehemann. Ellen Roth wohnt seit 25 Jahren im Ort und ist Kirchenvorstandsmitglied der evangelischen Kirchengemeinde. Sie ist in der Gruppe für die generelle Dokumentation verantwortlich. Joachim Jakob, Senioren-Sicherheitsbeauftragter der Stadt Maintal, ist Ansprechpartner für ältere Mitbürger. Dr. Hans-Jochen Schild steht der Initiative beratend zur Seite. Die Bürgerinitiative Wachenbuchen leitet ein Gedanke: „Wachenbuchen soll lebenswerter, ruhiger und sicherer werden“ (24.02.2003).

 

Keine Utopie, sondern erreichbares Ziel

Nachdem Anfang März 2003 ein erstes Informationsblatt an al le Haushalte in Wachenbuchen verteilt wurde, hat die Bürgerinitiative Umgehungsstraße Wachenbuchen kürzlich ihren ersten Stammtisch im Bürgerhaus Wachenbuchen durchgeführt. Mehr als 40 interessierte Bürger besuchten die Veranstaltung. Unter ihnen waren auch Vertreter aus Mittelbuchen, so daß die bereits geknüpften Kontakte durch diese Veranstaltung erfreulicherweise verstärkt werden konnten. Auf Grund dieser Entwicklung und des sprunghaften Anstiegs der registrierten Mitglieder auf über 90, wertet die Initiative den Stammtisch als vollen Erfolg.

In einer ausgefeilten Präsentation stellten Klaus Funk (Sprecher) und Wolfgang Kampe (Team­moderator) zunächst das Kernteam der Initiative vor. Kaum ein Mitglied des Teams gehört einer politischen Partei an. Die Initiative versteht sich selbst daher als parteineutral und arbeitet konsequent überparteilich. Neben anderen Gründen für eine Ortsumgehung liegt dem Team speziell die Sicherheit der Kinder und der älteren Mitbürger im Ort am Herzen. Diese seien besonders stark durch den Verkehr gefährdet.

Nach der Vorstellung wurde das Hauptziel der Initiative erläutert. Dies ist die Verbesserung der Lebensqualität im Ort. Damit verbunden sei das Schaffen von städtebaulichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Die Lebensqualität werde durch den Durchgangsverkehr massiv beeinträchtigt. Daher sei eine echte Verkehrsentlastung unumgänglich. Die Umgehungsstraße sei dafür zwingend notwendig. Der Verkehr müsse raus aus dem Ort.

Ein weiteres Ziel der Initiative ist der Ausbau der Kooperation mit den Bürgern in Mittelbuchen und letztlich deren Unterstützung bei der Gründung einer zweiten Bürgerinitiative in diesem Ort. Hier seien die Weichen bereits gestellt.

Die zentrale Botschaft der Initiative an die interessierten Zuhörer war, daß der Bau einer Umgehungsstraße für Wachenbuchen trotz des Urteils des Verwaltungsgerichtshofes von 1988 möglich sei. Dieses Urteil untersage ausschließlich den Bau einer Umgehungsstraße als Landesstraße. Somit stehe der Planung und dem Bau einer Ortsumgehung als Stadt- oder Kreisstraße im Grunde nichts entgegen.

Selbst für die Finanzierung einer solchen Straße seien die derzeitigen Rahmenbedingungen günstig. Auf Kreisebene bestehe eine Unterstützungszusage der gegenwärtigen großen Koalition für Maintal. Diese Zusage gelte bis zum Jahre 2006 und schließe die Unterstützung einer Umgehungsstraße ein. Auch sei unter den gegenwärtigen politischen Konstellationen auf Landesebene die finanzielle Bezuschussung einer Umgehungsstraße durch das Land Hessen keine Utopie, sondern ein erreichbares Ziel. Einzig notwendig für das Projekt Umgehungsstraße sei ein Beschluß der Maintaler Stadtverordneten, der die Planung wieder anstößt. Genau hier werde die Bürgerinitiative ansetzen und den Druck der Bürger auf die Politiker kanalisieren. Wenn die Politiker die Bürgerinteressen nicht erkennen und danach handeln, dann müßten die Bürger ihnen dabei helfen (24.03.2003).

 

Noch keine Bewertung durch das Land Hessen

Die Bürgerinitiative für eine solche Umgehung sprach zuletzt mit den CDU-Politikern Elke Schmidt (CDU-Ortsvereinsvorsitzende in Wachenbuchen) und Erhard Rohrbach (Bürger­meisterkandidat). Beide hätten die Aktivitäten der BI „grundsätzlich als positiv“ bezeichnet. Währenddessen geht aus einem Bericht des Magistrats hervor, daß es bezüglich einer möglichen Umgehungstraße noch keine Bewertung durch das Land Hessen gebe.

Aus diesem Grunde habe die Maintaler Stadtverwaltung einen Antrag beim Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung zur Aufnahme der Umgehungsstraße Wachenbuchen (L 3195) in die laufende „Bewertung von Umgehungsstraßen im Verlauf von Landesstraßen“ gestellt. In diesem Untersuchungsprogramm des Landes Hessen war der Wachenbuchener Fall bis dato nicht behandelt worden.

Innerhalb dieses Programms werde eine so genannte Rankingliste für die Notwendigkeit zur Realisierung einer Umgehungsstraße erstellt. Eine Bewertung dieser Straße wird vom Land in unregelmäßigen Abständen vorgenommen und es sei frühestens in fünf Jahren mit einer Fortschreibung der Bewertungsliste zu rechnen.

Mit diesem Antrag binde sich die Stadt Maintal jedoch nicht hinsichtlich einer Aussage für oder wider eine neue Umgehungsstraße. Würde sich die Stadt nämlich in nächster Zeit für die Notwendigkeit einer solchen Umgehung aussprechen, ohne daß die L 3195 in die Bewertung des Landes aufgenommen sei, wäre eine Zustimmung durch dieses fragwürdig, so der Magistratsbericht abschließend.

Die Bürgerinitiative bewertet das Auftreten von Rohrbach ihr gegenüber insgesamt als „geradlinig und offen“. Er habe sich viel Zeit für die Diskussion genommen. Beide Seiten hätten durch die Veranstaltung zusätzliche Informationen gewonnen. Elke Schmidt und Erhard Rohrbach hätten die besondere Belastung Wachenbuchens durch den Verkehrslärm anerkannt. Aus diesem Grund habe sich Rohrbach „sehr für die laufenden Arbeiten der Initiative zur Ermittlung der Verkehrsbelastung und des Verkehrslärmes in Wachenbuchen“ interessiert. Lärmbelästigung sei jedoch ein Problem, von dem ganz Maintal betroffen ist, habe Rohrbach ergänzt.

Die Voraussetzung für eine Entscheidung bezüglich der Umgehungsstraße Wachenbuchen sei für den CDU-Bürgermeisterkandidaten eine qualifizierte Verkehrszählung. Dieses sei eine Aufgabe für die Stadt Maintal, die unabhängig von dem Ausgang der anstehenden Wahlen für das Amt des Bürgermeisters sei, so Rohrbach gegenüber der Bürgerinitiative

In Wachenbuchen sei eine qualifizierte Verkehrszählung recht einfach durchführbar, da es nur drei Zugangs- beziehungsweise Ausgangsstraßen im Ort gebe. Mit einer solchen Zählung sei es möglich, den Gesamtverkehrsstrom durch Wachenbuchen in Quell- beziehungsweise Zielverkehr und in Durchgangsverkehr zu trennen. Erst mit einer solchen Datenbasis als Grundlage könne er fundiert über das weitere Vorgehen bezüglich der Umgehungsstraße Wachenbuchen entscheiden. Die Bürgerinitiative und auch Rohrbach hätten in diesem Zusam­men­hang auch mögliche andere Verkehrsberuhigungsmaßnahmen nicht ausgeschlossen. Die qualifizierte Verkehrszählung könne frühestens 2004 durchgeführt werden, äußerte sich der Hochstädter abschließend zu diesem Themenbereich.

Mit ihrer vorerst letzen Aktion anläßlich des „Ironman2-Triathlons am vergangenen Sonntag ging die Bürgerinitiative in die Sommerpause. Die Initiative werde rechtzeitig zur an stehenden Bürgermeisterwahl Mitte bis Ende August wieder mit verstärkten Aktivitäten beginnen, so die Ankündigung der Bürgerinitiative. Während des Triathlons hatte die Bürgerinitiative einen Treffpunkt für die Besucher an der Strecke durch Wachenbuchen eingerichtet. Zwei Laken wurden auf gehängt mit der Beschriftung „Fahrräder erwünscht! - Durchgangsverkehr raus!“ Die Bürgerinitiative Umgehungsstraße Wachenbuchen hat eine Internetseite unter „http://umwabu.hjstumpf.de“ und „http://www.umwabu.de.vu“ eingerichtet Dort können interessierte Bürger sich über die Initiative informieren! (7.07.2003).

 

(181) Die Firma Tepha hat eine starke Grundwasserverschmutzung durch chemische Stoffe hinterlassen. Für Jahrzehnte dürfen die Gärten im Süden Wachenbuchens nicht für den Gemüseanbau genutzt werden und das Grundwasser wird ständig abgepumpt und gereinigt.

 

(187)

Wasserleitung:

Nach der Mittelbucher Keramikleitung im 18. Jahrhundert wurde noch eine von Wachenbuchen nach Hanau gebaut: Der letzte Graf von Hanau war gestorben, und Hanau fiel an den Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen‑Cassel. Dieser faßte am 13.9.1748 „aus landesväterlicher Sorgfalt“ den Beschluß, von Wachenbuchen nach Hanau eine Frischwasserleitung in Eisenrohren verlegen zu lassen. Ein Drittel wollte er aus der Staatskasse zuzahlen, und zwei Drittel sollten die beiden Hanauer Städte (Altstadt und Neustadt) bezahlen. Diese hatten aber kein Geld, aber der neue Landesfürst wußte Rat: Es wurde einfach eine Vermögenssteuer eingeführt.

Im Jahre 1749 wurde der Bau begonnen. Rund 1.500 Meter nordöstlich von Wachenbuchen, etwa bei der Pfingstweide, wurden vier Quellen angezapft; die Königsquelle war die größte. Spä­ter noch eine fünfte, der Wolfs­brunnen. Etwa 8300 Meter war die Strecke lang, die westlich an Wa­chenbuchen vorbei ging, über Wilhelmsbad und Fasanerie, unter der Kinzig durch bis zur Bangertstraße 14, wo die Altstädter Zapfstelle war, und weiter bis zum Neustäd­ter Markt, wo die andere installiert wurde. Die Rohre waren meistens ¾ Zoll dick.

Am 10. Oktober 1750 floß erst­mals das Wasser. Leider stand die­se Leitung unter einem ähnlich schlechten Stern wie die Mittel­bucher Keramikleitung. Mit den ersten Reparaturen bis 1753 hatte sie das 3,7-fache des Kostenvoranschlages, nämlich 32.000 Gulden gekostet. Zehn Jahre später nochmals fast 2.000 Gulden. Im Jahre 1806 waren die Franzosen im Land, und die Staatskasse war bankrott. Reparaturen waren nicht mehr drin. Mal gab es Wasser, dann wieder nicht. Bis 1845 wurde sie noch genutzt, und sie mußte durch ein Hochwasser im Alter von 95 Jahren ihren Betrieb ganz einstellen. Die Röhren wurden ausgegraben und als Alteisen verkauft (1853).

Im Jahre 1894 durchzog Wachenbuchen eine Wasserleitung mit Anschluß in jedem Haus. Das war gemessen an anderen Orten in Deutschland enorm. Sie war aus Bleirohren. Industriell waren diese noch nicht lieferbar, sondern mußten von Handwerkern gefertigt werden. Sie wurden erst kurz vor dem Verlegen auf der Straße gegossen (nach: Eugen Sauer: Chronik).

 

[Die Aussage kann nicht stimmen: „Aber noch beim Bau der Wasserleitung für Wachenbuchen im Jahr 1897 hat die Quelle der alten Leitung viel Sorgen bereitet, weil sie tiefer als der neue Wasserbehälter liegt“. Die Quelle soll doch an der in der Pfingstweide gelegen haben. Auch die Angaben über das Material der Leitung sind unterschiedlich: einmal sollen die Rohre aus Holz gewesen sein, andere sagen auch Eisen. Wenn man sie später aber ausgraben hat zur Alteisengewinnung, dann war sie wohl aus Eisen].

 

Römerbrunnen:

Wenn man auf der Straße von Mittelbuchen nach Kilianstädten fährt, liegt kurz vor der Kuppe rechts im Tal etwas versteckt ein Reiterhof. Etwa 200 Meter unterhalb stehen rechts drei Eber­eschen. Dort befindet sich ein Brunnen aus römischer Zeit. Das Gewölbe ist etwa zwei Meter lang und ziemlich ein­getieft und nach der Talseite zu mit einem gemauerten Bogen aus Basaltsteinen abgeschlossen.

Die Mittelbücher nennen ihn „Alter Keller“ oder auch „Römerbrunnen“ oder „Heidenborn“.

Mit den „Heiden“ könnten die Römer gemeint sein. Aber wahrscheinlich kommt der Name

von der umgebenden Landschaft: mit Heidekraut und Buschwerk bewachsenes unfruchtbares Land. Das Tal wird im Volksmund aber „Die sieben Gründe“ genannt, nach der entsprechenden Zahl der wohl dort ehemals vorhandenen Börnchen. Die Bezeichnung „Römerbrunnen“ könnte diese Quelle aber auch dadurch erhalten haben, weil sich in der Nähe eine „villa rustica“, also ein römischer Bauernhof, befunden hat, welcher wohl durch Wasserleitungen mit Quellwasser versorgt wurde.

Die Quelle war zur Trinkwasserversorgung für Mittelbuchen seit Anbeginn der Besiedlung wichtig. Aus ihnen wurde eine der bei Mittelbuchen gefundenen Wasserleitungen gespeist.

Diese hat vielleicht der Versorgung des Kastells in Mittelbuchen, das man vor einigen Jahren

am Ostrand von Mittelbuchen erforscht hat.

 

 

(201)

Krankenpflegeverein:

Der Krankenpflegeverein Wachenbuchen (KPV), eine weitum wohl einmalige „Hilfsgemeinschaft für jedermann in Krankheitsfällen im Stadtteil Wachenbuchen", kann seine Hilfsangebote ausweiten, wenn das aufgrund von Leistungskürzungen durch den Gesetzgeber notwendig werden sollte. Hierzu ist der Verein strukturell und finanziell in der Lage, betonte KPV-Vorsitzender Karl-Heinz Oehme. Das war ganz sicher eine sehr beruhigende Information für die bei der Jahreshauptversammlung des KPV am Freitag, dem 14. März 2003, anwesenden Mitglieder.

Der Bericht des Vorsitzenden ging vor allem auf das Leistungsangebot des Vereins ein. So verleiht der KPV bei Bedarf - im Gegensatz zu anderen Einrichtungen kostenlos Hilfsmittel, wie zum Beispiel Roll- und fahrbare Toilettenstühle. Und das kurzfristig, auch an Wochenenden und stundenweise.

Betroffene und Angehörige können sich über die Möglichkeiten der Nutzung dieser Gegenstände bei der für den KPV ehrenamtlich tätigen Krankenschwester Erika Großkopf informieren, zu erreichen unter der Telefonnummer (0 61 81) 8 32 49. Sie hilft Bedürftigen außerdem dann kostenfrei, wenn kein Kostenträger Leistungen wie Pflegegeld, Pflegesachleistung oder häusliche Krankenpflege gewährt.

es weiteren unterrichtete Oehme die Versammlung, daß der KPV mit dem in Wachenbuchen ansässigen Pflegedienst „Ambulante Krankenpflege Bianca Neuberger“ ab 1. Juli 2002 eine Vereinbarung traf, wonach dieser Pflegedienst dann zu Lasten des Vereins tätig wird, wenn die Krankenschwester des KPV, aus welchen Gründen auch immer, nicht die Versorgung eines Hilfsbedürftigen übernehmen kann. Den entsprechenden Auftrag erteilt gegebenenfalls die Krankenschwester des Vereins oder ein Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes. Hilfsbedürftige müssen sich deshalb wie seither zunächst an den KPV wenden. „Mit dem jetzigen Leistungspaket haben wir, eine zweifelsohne vorher bestandene Lücke in der Versorgung geschlossen und somit unsere Hilfeleistungen deutlich verbessert“ so Oehme wörtlich.

 

Hiernach ging der Vorsitzende kurz auf die Mitgliederentwicklung ein, die leider nach wie vor negativ ist, was nach seiner Auffassung in erster Linie auf die besondere Altersstruktur des Vereins zurückzuführen sei. Belegt wird das nach Ansicht von Oehme auch durch die 17 Abgänge im vergangenen Jahr, ausnahmslos verstorbene (13) und verzogene (4) Mitglieder. Derzeit gehören dem Verein 404 Mitgliedsfamilien beziehungsweise Einzelmitglieder an; vor einem Jahr waren es noch 412.

Da sich sämtliche Vorstandsmitgliedes und die Kassenprüfer zu einer erneuter Kandidatur bereit erklärt hatten, gingen die anschließenden Wahlen äußerst rasch über die Bühne. Ohne Gegenstimmen wurden gewählt: Erster Vorsitzender Karl Heinz Oehme, Zweiter Vorsitzender Rudolf Großkopf, Erster Kassierer Arnold Neumann, Schriftführerin Janina Link Zweite Kassiererin Helga Gürtler, Beisitzer Erika Lotz, Wolfgang Magotsch und Ursula Oehme sowie die Kassenprüfer Elfriede Mandler und Friedhelm Marx.

 

(207)

Jüdische Gemeinde:

Die israelitische Elementarschule in Wachenbuchen wird schon 1864 mit 17 Schülern erwähnt. Im Jahre 1870 ist Samuel Birk der Lehrer. Im Jahr1875 ist Jakob Rothschild der Lehrer, ab 1877 dann Jakob Emmerich. Im Jahre 1893 hat die Schule 25 Schüler, 1893 dann 23 Schüler und 1900 noch 16 Schüler. Danach geht die Schülerzahl weiter zurück: 16 Schüler sind es 1924 und 10 Kinder noch 1933.

Die religiöse Einstellung der Gemeinde ist konservativ. die Mitglieder sind Geschäftsleute, Viehhändler und Metzger (aus: Paul Amberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen).

 

(207)

Synagoge:

Eine Synagoge wird schon 1852 in Wachenbuchen gebaut. Das heute noch vorhandene Gebäude des ehemaligen jüdischen Gotteshauses wird 1880 erbaut. Die Synagoge ist ein Bruchsteinbau und bietet Sitzplätze für 50 Männer und 28 Frauen. Der Aufgang zum ersten Stock ging außen nach oben (an der Seite nach der Hainstraße zu).

Schon am 8. November 1938, einen Tag vor den anderen Orten in Deutschland, demolieren die Nazis die Synagoge, bedrohen den jüdischen Lehrer und zerstören das jüdische Schulhaus. Zwischen 20.30 und 22 Uhr findet in der Gaststätte Müller eine öffentliche Kundgebung der Nazis statt. Einer der Redner ist Bürgermeister Seng, der sich gegen die Juden wendet.

An der Versammlung nehmen 200 bis 250 Personen teil. Darunter sind auch 15 bis 20 Mitglieder der SA, die zu dieser Zeit etwa 30 Mann stark ist. Nach der Kundgebung teilt Bürgermeister Seng dem Truppführer der SA mit, daß das jüdische Schulhaus abgerissen und der Lehrer "eine Abreibung" bekommen solle. Schon vor der Nazizeit will die Gemeinde das Schulhaus gern kaufen, um es abzureißen; aber der jüdische Lehrer läßt es nicht zu. Jetzt sieht man eine günstige Gelegenheit, das Ziel zu erreichen.

Um 23 Uhr treffen sich etliche Nazis an Ort und Stelle und sperren die Straße in 80 bis 100 Meter Entfernung ab. Inzwischen ist auch eine größere Menschenmenge gekommen, die von der Aktion erfahren hat.

Da aber die Haustür verschlossen ist, wird sie von einem Nachbarn, der zwei Häuser weiter wohnt, mit der Axt eingeschlagen. Er dringt in das Haus ein, läuft die Treppe hoch, schlägt die Schlafzimmertür ein und greift sofort den Lehrer mit der Axt an. Dieser flüchtet über das Bett und stürzt dabei hin. Der Eindringling schlägt mehrere Male nach dem Lehrer, ohne ihn allerdings zu treffen, weil der entweder ausweicht oder die Axt festhält. Ein Fliegersoldat stößt den Lehrer die Treppe hinab. Er wird aus dem Ort hinausgetrieben. Vor dem Holzbuckel zwingt jener Nachbar den Lehrer auf die Knie, setzt sich auf seinen Rücken und "reitet" mit ihm den Holzbuckel hinunter.

Sonnenberg kann nur entkommen, weil ein anderer Beteiligter den Rasenden hindert. Später wird der Lehrer gesehen, wie er "röchelnd im Straßengraben Richtung Hochstadt liegt". Er wird in Dörnigheim von Verwandten oder Bekannten versteckt und setzt sich dann nach Frankfurt ab. Seine Kassette findet man später im Kanalzufluß vor dem Haus Alt Wachenbuchen 21.

Die SA demoliert zusammen mit anderen Einwohnern das Haus. Sie decken das Dach ab und reißen Wände ein. Die Möbelstücke und Wertgegenstände werden entweder zerschlagen oder gestohlen. Etwa 35 bis 40 Personen halten sich in dieser Zeit im Haus auf. Draußen versammeln sich etwa 300 Schaulustige.

Auch die Synagoge wird demoliert: Der Kronleuchter wird herabgerissen, die Zehn-Gebote-Tafel zerstört. Die ganzen Inneneinrichtungen, Fenster und Türen werden beseitigt. Schließlich stehen nur noch die Umfassungsmauern und das Dach.

 

Nach etwa zwei Stunden kommt Naziprominenz und bremst die Wachenbucher. Der Landrat Löser untersagt weitere Aktionen, weil erst für die nächste Nacht die Pogrome geplant sind. Nachträglich erklärt er das Haus für baufällig und gibt es damit zum Abbruch frei.

Am nächsten Abend kommt wieder eine mehrere hundert Menschen große Menge zum "Tatort", um das Zerstörungswerk fortzusetzen. Dieses war nicht nur ein Werk der SA, sondern auch vieler anderer Einwohner. Immerhin sagt der damalige Truppführer heute, damals "nicht ganz richtig" gehandelt zu haben.

 

Neben der Synagoge stand das jüdische Schulhaus (Nr. 36), in dem auch der Lehrer wohnte. In dem Haus befand sich auch eine "Mikwe", ein Bad für rituelle Waschungen. es wurde innerhalb von zehn Tagen total abgerissen und später eine Durchfahrt zur Straße Alt Wachenbuchen geschaffen.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird 15 Wachenbuchern der Prozeß gemacht wegen Landfriedensbruchs und in einigen Fällen wegen Körperverletzung. Fast alle (nämlich 13) gehörten der SA an, 14 von ihnen werden verurteilt. Zwölf Angeklagte werden am 17. März 1947 zu Strafen zwischen 4 und 17 Monaten Gefängnis verurteilt.

Der Anführer wird wegen schweren Landfriedensbruchs zu vier Jahren Zuchthaus und dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre verurteilt. Da er aber aus gesundheitlichen Gründen die Strafe nicht antreten kann, bleibt es bei dem Verlust der Ehrenrechte auf Lebenszeit. Der Führer des SA-Trupps, wird zu drei Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

 

Nach 1945 ist die Synagoge im Eigentum der Gemeinde Wachenbuchen. Doch am 13. Mai 1949 meldet sich die IRSO, eine jüdische Organisation, an die aller jüdische Besitz übergegangen ist. Sie fordert für Synagoge und jüdische Schule 7.000 Mark. Es ist falsch, wenn Bürgermeister Kaufeld 1949 schreibt, Synagoge und Schulhaus seien nur beschädigt und das Inventar vom Besitzer abgeholt worden. Die Gemeinde möchte gern den Preis drücken und Erkundigungen bei den Nachbargemeinden einholen. Auch möchte sie die Täter von 1938 regreßpflichtig machen. Der Kaufpreis für die Synagoge, den die IRSO erhält, beträgt schließlich 6.566 Mark.

 

Die Gemeinde verpachtet die Synagoge dann an die ausgebombte Autoreparaturwerkstatt Jacobi aus Frankfurt. Am 18. Januar 1950 wird sie zum Kauf oder zur Verpachtung angeboten. Ab Februar nutzen die KEWA und die Turner das Haus für Trainingszwecke. Im September aber erhält die Kirchengemeinde den Vortritt bei der Verpachtung der Synagoge. Sie muß die Instandsetzung und jährlich 300 Mark zahlen. Am 12. November 1950 wird die Synagoge für den Gottesdienst eingeweiht. Der Schrein für die Thorarolle wird zum Aufbewahrungsort für die Bibel. Am 23. Januar 1952 wird ein Vertrag über die Nutzung der ehemaligen Synagoge durch die Kirchengemeinde abgeschlossen. Die Gemeinde legt einen Zaun an. Im Obergeschoß richtet sie eine Notwohnung ein.

 

Am 29. April 1969 wird die Synagoge für 13.000 Mark an den Schmiedemeister Hans Oswald verkauft. Heute dient das Gebäude als Wohnhaus. Zu diesem gehört auch ein kleiner Garten hinter dem Haus Nr. 32 außerhalb der Ringmauer.

 

Auf Initiative der Stadtverordneten Kornelia Schild-Kreuziger wird 1984 an der ehemaligen Synagoge eine Gedenktafel angebracht. Sie meint: "In Wachenbuchen hat es nie eine kollektive Bereitschaft gegeben, sich mit der braunen Vergangenheit auseinanderzusetzen". Der Besitzer hat zunächst nichts gegen eine Gedenktafel an dem Haus. Er sagt: "Ich werfe da keine Knüppel zwischen die Beine!" Aber später zieht er seine spontane Zusage zurück, weil er nie offiziell von der Stadt gefragt wurde, sondern nur von einem Journalisten, der nachher in der Zeitung behauptet hatte, die Zustimmung sei zurückgezogen worden. So wird die Tafel auf eigenen Ständern auf dem Gehsteig vor dem Haus angebracht.

Die Inschrift lautete damals: „Dieses Gebäude diente als Synagoge für die jüdische Gemeinschaft von Wachenbuchen, später auch Bischofsheim, Dörnigheim und Hochstadt. Sie wurde 1880 erbaut und zerstört am 9. November 1938. Zum Andenken an die während der nationalsozialistischen Zeit umgebrachten und vertriebenen Juden aus Wachenbuchen, Hochstadt und Dörnigheim. Gewidmet von der Stadt Maintal 1984".

Die Angaben sind nicht ganz exakt: In Wachenbuchen wird die Synagoge schon vorher zerstört, sozusagen als Probelauf für das Reich. Und die Juden aus Hochstadt, Dörnigheim und Bischofsheim bilden bis zum Ende eigene Gemeinden. Aber es ist richtig, daß man an dieser Stelle im Stadtgebiet erstmals an die ermordeten früheren Einwohner erinnert.

Im Dorf ist man 1984 der Meinung, die Tafel werde wohl nicht lange hängen bleiben. Vielen ist die Sache egal. Aber es gibt damals 10 bis 15 Jugendliche mit Judenhaß, die auch etwas gegen Ausländer haben. Einige meinen auch, man solle die Sache ruhen lassen, es werde damit zu viel Kult getrieben. Wichtiger wäre es, den Neo-Nazis das Handwerk zu legen. Dazu reiche eine Gedenktafel nicht. Aber es gibt auch eine ganze Reihe positiver Stimmen.

 

Im Jahre 1999 wurde eine neue Gedenktafel an dem Gebäude angebracht mit dem folgenden Text: „Dieses Gebäude war Synagoge der Jüdischen Gemeinde Wachenbuchen. Daneben, an der Einmündung der Hainstraße, stand mit der Hausnummer 36 das jüdische Schulhaus mit Lehrerwohnung und Mikwe (heute: Einmündung der Hainstraße).Am 8. und 9. November 1938 wurde die Synagoge von einem Teil der Bevölkerung aus Wachenbuchen verwüstet. Der Lehrer und sein Sohn wurden mit lebensbedrohender Gewalt verjagt. Die Erinnerung an die Opfer ist Mahnung und Auftrag, die Würde des Menschen zu schützen. Zum Gedenken an die während der nationalsozialistischen Zeit vertriebenen und umgebrachten Juden aus Wachenbuchen, Hochstadt, Bischofsheim und Dörnigheim, gewidmet von der Stadt Maintal.“

 

Leserbrief: Wer hat „große Probleme mit einer kleinen Tafel“?

zu: MTA Leitartikel vom 11. 9. 99.

Wenn jemand eine vorgefaßte Meinung hat und etwas ablehnt, dann ist es offenbar schwer, ihm den wahren Sachverhalt zu vermitteln. Der Wunsch nach Änderung der Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge in Wachenbuchen ist entstanden, weil der Text sachliche Fehler enthält:

Die Ereignisse begannen in Wachenbuchen schon am 8. November, einen Tag früher als anderswo, und wurden in der Nacht vom 9. zum 10. November nur fortgesetzt.

Die Ausschreitungen richteten sich vor allem gegen die jüdische Schule und den jüdischen Lehrer, die auf der bisherigen Tafel überhaupt nicht erwähnt werden.

Die Juden in Hochstadt und Dörnigheim gehörten nicht zu Wachenbuchen, sondern hatten eine eigene Synagoge in Hochstadt. Bischofsheim ist gar nicht erwähnt.

Außerdem könnte man das etwas einfache Material durch eine Bronzetafel ersetzen, wie das an sich heute üblich ist.

Diese Tatsachen sind nicht erst durch die Besuche früherer jüdischer Einwohner ans Tageslicht gekommen, sondern sie sind seit der Nachkriegszeit dokumentiert und z.B. auch 1985 in der Zeitung veröffentlicht worden. Natürlich wissen auch die alteingesessenen Wachenbucher Bescheid. Aber man muß ja bedenken, daß neue Generationen heranwachsen und Menschen zuziehen, denen man schon Orte des Erinnerns und eine verläßliche Information geben sollte.

Dieses Vorhaben ist nicht geeignet, in eine parteipolitische Auseinandersetzung hineingezogen zu werden. Die Tatsache, daß im Brüder-Schönfeld-Forum einige Mitglieder der SPD und von Bündnis90 / Die Grünen mitarbeiten, sollte die anderen Parteien in der Stadtverordnetenversammlung nicht nur Ablehnung einer guten Sache verleiten. Es ist ja auch noch gar nicht ausgemacht, ob die Stadtverordnetenversammlung zustimmen muß, wenn der Magistrat eine längst beschlossene Tafel erneuert.

Daß der neu vorgeschlagene Text auf die Wachenbucher Bevölkerung „provozierend“ oder gar „verletzend“ wirken könnte, vermag ich nicht zu sehen. Die Vorgänge sind nun einmal so gewesen. Aber die Schuld wird nicht allen Einwohnern von damals gegeben. Es sollte aber deutlich werden, daß hier nicht irgendwelche Auswärtige am Werk waren, sondern ganz normale Bürger, die sich entweder aktiv beteiligten oder tatenlos zusahen. So eine Tafel klagt nicht an, sondern mahnt zum Schutz der Menschenwürde in heutiger und künftiger Zeit.

Im Brüder-Schönfeld-Forum habe ich allerdings meine Bedenken geäußert, daß immer wieder nur Wachenbuchen in der Diskussion ist und der Eindruck entstehen könnte, in den anderen Orten sei es nicht ebenso abgelaufen. Sicher wird man auch für Hochstadt eine entsprechende Gedenktafel nicht aus dem Auge verlieren dürfen. Und in Dörnigheim ist ja – nach vorausgegangenen ähnlichen Diskussionen wie heute wieder – ein würdiger Ort des Erinnerns im Brüder-Schönfeld-Haus gekennzeichnet worden.

Mit Geld hat dieses Vorhaben des Brüder-Schönfeld-Forums gar nichts zu tun, denn eine neue Tafel würde nicht aus dem Haushaltsplan der Stadt bezahlt. Das wurde von Seiten des Forums sofort klargestellt. Aber es kommt offenbar nicht an, vielleicht weil man einen Vorwand haben will, um die wahren Gründe für die Ablehnung nicht nennen zu müssen. Es ist einfach Heuchelei, wenn man Finanzmittel für Veranstaltungen reservieren will, „in denen auch die junge Generation über die Vergangenheit informiert wird“. Hat man in den letzten Jahrzehnten schon jemals 5.000 Mark für eine solche Veranstaltung mit der Jugend ausgegeben? Würde man es in der Zukunft tun? Wenn ich in eine Schulklasse gehe, um über die Nazizeit in den Dörfern des heutigen Maintal zu berichten und mit Schülern zu diskutieren, dann kostet das die Stadt keinen Pfennig. Am Geld sollte weder die Information noch eine Gedenktafel scheitern. Peter Heckert, Hauptstraße 13, Hochstadt.

Im Jahre 1999 wurde eine neue Gedenktafel an dem Gebäude angebracht mit dem folgenden Text: „Dieses Gebäude war Synagoge der Jüdischen Gemeinde Wachenbuchen. Daneben, an der Einmündung der Hainstraße, stand mit der Hausnummer 36 das jüdische Schulhaus mit Lehrerwohnung und Mikwe (heute: Einmündung der Hainstraße). Am 8. und 9. November 1938 wurde die Synagoge von einem Teil der Bevölkerung aus Wachenbuchen verwüstet. Der Lehrer und sein Sohn wurden mit lebensbedrohender Gewalt verjagt. Die Erinnerung an die Opfer ist Mahnung und Auftrag, die Würde des Menschen zu schützen. Zum Gedenken an die während der nationalsozialistischen Zeit vertriebenen und umgebrachten Juden aus Wachenbuchen, Hochstadt, Bischofsheim und Dörnigheim, gewidmet von der Stadt Maintal.“

Eine ausführliche Darstellung der Geschichte der jüdischen Gemeinden in den früheren Gemeinden der heutigen Stadt Maintal (Wachenbuchen, Hochstadt, Dörnigheim, Bischofsheim) findet sich in www.peterheckert.de“ unter „Juden“)

 

 (209)

Jüdische Gemeinde:

Ilse Strauß muß 1942 oder später als Sechsjährige mit ihren Eltern Wachenbuchen verlassen und nach Frankfurt in Getto ziehen. Mit zehn Jahren kam sie nach Auschwitz und ist dort „verschollen“.

Inge Herlitz war acht Jahre und mußte nach Frankfurt und ist im Osten verschollen.

Gertrud Eisermann war zehn Jahre alt, als sie mit einem Viehwagen aus Wachenbuchen transportiert wurde. In Riga wurden sie und ihre Mutter auf dem Bahnhof „selektiert“ und sind „verschollen“. Der Vater kam in ein Arbeitslager und hat die Verfolgung überlebt.

 

(213)

Das Geburtsdatum von Leo Sonneberg ist laut Herrn Begemann der 21. März (im Stadtarchiv 31. März).

 

 (215)

Pfarrer:

Wer nach dem Weggang von Gerlach nach Mainz sein Nachfolger in Wachenbuchen wurde, ist nicht ganz sicher. Es scheint ein Pfarrer namens Heiso gewesen zu sein, der 1407 erwähnt wird. Ihm folgte spätestens 1411 Ludwig Antreff, der spätestens 1430 nach Mittelbuchen wechselte (Eugen Sauer, Seite 118. Die alten Akten nach dem Jahre 1400 wurden aus Zeitgründen von mir nicht ausgewertet).

 

(217) Johann Acker ‑ Vater und Sohn:

Philipp III. von Hanau entschied sich für die reformatorische Lehre, und somit hatten alle Menschen in der Grafschaft Hanau den neuen Glauben zu haben. Sein Vater hatte schon 1548 alle Pfarrer aufgefordert, ihr Glaubens­bekenntnis schriftlich zu hinterlegen. Am 19. November 1548 übergeben Hanauische Prediger an den Grafen Philipp III. und Reinhard von Hanau ihr Glaubensbekenntnis und Antwort auf das Interim („Deren hernach benannten Hanaw­i­schen Praedicanten Bekantnus auf das Interim“), darunter befindet sich auch Johannes Acker aus Wachenbuchen

 

 In diesem Jahr ist zum erstenmal seit 120 Jahren wieder etwas aus der Wachenbuchener Kirchengeschichte zu hören: Ein Pfarrer Konrad Rulmann wird da genannt, aber nur im Zusammenhang, daß er Wa­chenbuchen verläßt. Vielleicht wegen dieses Glaubensbekenntnisses, denn möglicher­weise war er noch katholisch.

 

Der neue Pfarrer Johann Acker bekannte sich zu der Bekenntnisschrift, die die Evangelischen vor dem Reichstag (1530, ebenfalls in Augsburg) vorgelegt hatten. Auch Johann Emmel in Mittelbuchen bekannte dies. Der Reichstags­beschluß von 1555 sicherte dann sieben Jahre später ab, daß das auch alles so in Ordnung war.

Der Nachfolger Ackers war sein Sohn, der auch Johann Acker hieß. Er übernahm die Wachen­buchener Pfarrstelle im Jahr 1585. Auch er bekannte sich zum Augs­burger Bekenntnis. Sie­ben Jahre war er auf sei­ner Stelle in Wachen­buchen, als ein neuer Graf an die Regierung kam. Philipp Ludwig II., der Ehemann der Katha­rina Belgica. Und neue Besen kehren gut. Er versicherte sich erneut, daß alle Pfarrer sich auch (diesmal nun zu dem etwas anderen) refor­mierten Bekenntnis hiel­ten, aber Acker junior sprach vom Bekenntnis seines Vaters. Der Graf setzte ihn ab und verwies ihn außer Landes. Im Jahre 1596 mußte er seinen Heimat­ort Wachenbuchen ver­lassen.

Johannes Fabricius wird 1597 als erster reformierter Pfarrer in Wachenbuchen eingesetzt.

Ein neues Pfarrhaus wird 1615 gebaut

 

(235)

Nur noch anderthalb Pfarrstellen:

Der evangelischen Kirchengemeinde in Wachenbuchen steht seit 2012 nur noch eine Dreiviertel-Pfarrstelle zur Verfügung. Der Grund dafür liegt im Rückgang der Mitgliederzahlen der Kirchengemeinde Blichen, zu der auch Hanau-Mittelbuchen zählt. Statt zwei ganzen stehen den beiden Orten ab sofort nur noch anderthalb Stellen zur Verfügung. Die Dienste werden demnächst zwischen Wachenbuchens Pfarrer Helmut Müller und der neuen Pfarrerin Stefanie Bohn, die am 1. Mai die Nachfolge des Mittelbucher Pfarrers Horst Jung antritt, neu aufgeteilt.

Veränderungen stehen der evangelischen Kirchengemeinde Buchen also bevor. Ein Prüfverfahren der Landeskirche, das unter anderem die Mitgliederzahlen der Gemeinde unter die Lupe nahm, hat ergeben, daß diese rückläufig sind, auch wenn in Mittelbuchen zuletzt 25 Neueintritte zu registrieren waren. Eine solche Überprüfung der Pfarrstellenbemessungszahl wird in der Regel alle fünf Jahre vorgenommen. Die Landeskirche nimmt Stellenreduzierungen üblicherweise vor, wenn personelle Veränderungen anstehen. Das war schon in der Bischofsheimer Gemeinde der Fall und betrifft nun ebenso die Kirchengemeinde Buchen.

Die neue Pfarrerin heißt Stefanie Bohn, kommt aus Neuenhain im Kreis Bad Hersfeld und hat ihr Vikariat in Neuenhaßlau absolviert. Am 29. April wird sie ordiniert und tritt dann am 1. Mai ihre erste Stelle als evangelische Pfarrerin in der Kirchengemeinde Buchen an. Die beiden Pfarrämter Wachenbuchen und Mittelbuchen werden ab 1. Mai intensiver zusammenarbeiten, die beiden Pfarrer Müller und Bohn werden die Aufgaben untereinander besser verteilen.

„Meine Arbeit wird sich verändern, weil wir die Aufgabenbereiche neu aufteilen. Wir werden in beiden Stadtteilen vor Ort sein, weil es übergreifende Angebote wie beispielsweise den Religionsunterricht gibt“, berichtet Helmut Müller. Für den Wachenbucher Pfarrer bedeutet die Umstellung vermutlich weniger Arbeit als bisher. „Das liegt daran, daß wir ein Ungleichgewicht hatten. Wir haben in Wachenbuchen den Kindergarten, einen Friedhof und eine höhere Anzahl an Trauungen und Taufen als in Mittelbuchen“, erklärt er. Mit der Neuaufteilung der Arbeitsbereiche werde zukünftig neu geregelt, wer für welche Gebiete zuständig sei. „Uns war wichtig, daß in beiden Orten nach wie vor in gleicher Weise ein Seelsorger zur Verfügung steht. Dahingehend wird sich nichts ändern, wir stehen weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Gottesdienste werden ebenso in beiden Stadtteilen fortgeführt. Wie diese jedoch genau aussehen, darüber werden sich der Kirchenvorstand, die neue Pfarrerin und ich zusammensetzen und eine gute Lösung für beide finden“, meint Helmut Müller.

 

(236)

Lehrer:

Der Lehrer hatte nach der Gemeinderechnung 1617 sechs Gulden Jahresbesoldung. Die Schulmeisterstellen waren allgemein wenig einträglich; zu der Besoldung kamen allerdings noch viele Naturalbezüge und andere Nebeneinnahmen, zum Beispiel für die Führung der Gemeinderegister, für die Gerichtsschreiberei u.dgl. mehr.

Mit den Schulamt war in der Regel das „Glockenamt“ verbunden welches der Unterlehrer übernahm. War nur ein Lehrer vorhanden und dieser ein Geistlicher, so trennte man die Glöcknerstelle von Schulamt. In der Gemeinderechnung von Wachenbuchen heißt es 1646

jedoch: 4 Gulden dem Pfarrherrn gerben, welcher, als wir keinen Schulmeister gehabt, das Läuten zur Kirchen versehen

Aus den Protokollen zweier vor dem gräflich Isenburgischen Konsistorium zu Büdingen in den Jahren 1687 und 1689 abgehaltenen Examina, bei Gelegenheit der Neubesetzung der Schulstellen in den Dörfern Mittlau und Hailer erfahren wir, welche Anforderungen man damals an einen Lehrer stellte. Nach unseren heutigen Anschauungen waren es recht geringe und die Nachrichten wirken erheiternd auf uns. Die Gegenstände, auf welche sich die Prüfung erstreckte waren: Singen, Buchstabieren und Lesen, Rechnen, Katechismuskunde und Schreiben. Die Prüflinge - es waren die bisherigen Lehrer von Wachenbuchen und Ostheim darunter - mußten Bibel- und Katechismusstellen, etwa vier bis fünf Zeilen aus dem Gedächtnis, vermutlich innerhalb einer bestimmten Zeit und eine bis zwei Reihen Zahlen zu Papier bringen. Im Rechnen wurden Aufgaben, wie folgende gestellt: „Auf wi8eviel kommen 327 Pfund Fleisch, wenn 1 Pfund 1 Albus 2 Heller kostet?“ und zwar war die Aufgabe etwa nicht in „Kopfrechnen“, sondern sie war schriftlich zu lösen.

Nur einer der Prüflinge war im Rechnen „beschlagen“. In Singen wurde von ihnen verlangt, daß sie die Psalmen nach Noten singen und in der Religion, daß sie Fragen aus den fünf Hauptstücken des Katechismus beantworten können. Daß man nicht bloß die wissenschaftliche Befähigung, sondern die ganze Persönlichkeit des Bewerbers in Betracht zog, braucht wohl nicht hervorgehoben zu werden (Zimmermann)

 

(249)

Jungbauernverein:

In den dreißiger Jahren gab es auch einen Jungbauernverein, dem die Söhne der Wachenbuchen Landwirte und auch die jungen Landarbeiter angehörten. An den Sonntagen fanden Feldbegehungen statt, bei denen über den Stand der Kulturen, Unkräuter und Schädlinge gesprochen wurde. Wöchentlich traf man sich im Nebenraum der Gaststätte „Zur Krone“ zu Besprechungen und Vorträgen. Vorsitzender war Wilhelm Schäfer.

 

(249)

Dramatischer Verein:

Elvira Fischenich-Spengler aus 96106 Ebern schreibt am 27. März 2015:   

Mein Großvater war Fritz Schäfer aus Wachenbuchen. Aktiv und als Gründungsmitglied oder Gründer tätig war er in einer Vielzahl von Vereinen. Sie erwähnen ihn als ersten Vorsitzenden des Fußballvereins 1911 und des Verbands der Kriegs-und Wehrdienstopfer (deren langjähriger Vorsitzender und schließlich Ehrenvorsitzender er war).

Nach seinen Aufzeichnungen initiierte er ein Trommel- und Pfeifenkorps für die Feuerwehr (das er auch ausbildete) sowie eine Feuerwehrkapelle und engagierte sich in beiden Vereinen als Vorsitzender.

Was ich sehr bedaure, ist, daß sie die Rolle meines Großvaters beim „Dramatischen Verein“ völlig außer acht lassen. Er war es, der den Verein ins Leben gerufen und Jahrzehnte als erster Vorsitzender geführt hat. Das belegt auch ein Zeitungsartikel der Hanau-Post aus dem Jahr 1949, der mir vorliegt. In diesem wird er auch als Spieler mit „wandelbarer Mimik“ hervorgehoben.

Während seiner Militärzeit war mein Großvater zur kaiserlichen Garde eingezogen (Königin-Augusta-Garde-Regiment Nr. 4) und ist im ersten Weltkrieg schwer verwundet worden. Aus jener Zeit besitze ich noch einige Bilder (wie auch von Aufführungen des „Dramatischen Vereins“). Sollten Sie Interesse daran haben, geben Sie mir bitte Bescheid.

 

(250)

Brände:

Große Brände: Im Jahre 1389 während des Städtekrieges gibt es einen großen Brand in Wachenbuchen. Auch 1596 gibt es einen großen Brand, bei dem Hochstädter Feuerläufer zu Hilfe kommen.

Am 7 April 1616, am Sonntag Quasimodogeniti (Sonntag nach Ostern) zwischen 9 und 10 Uhr, als jeder in vielen Orten in der Kirchen war, ist in Wachenbuchen eine große Feuersbrunst ausgebrochen. Es sind 20 Häuser samt Nebengebäuden bis auf die Außenmauern abgebrannt und im Feuer verdorben worden und einige wurden auch sehr beschädigt. Viele Leute haben nichts davon bringen können. die Eigentümer konnten auch nicht einmal etwas von ihren Haushalt retten. Niklas Gebauer ist von Wachenbuchen vor die Hochstädter Kirche gekommen und hat den Einwohnern den Brand angezeigt und darum gebeten, ihnen in ihrer Not beizuspringen. Der Brand hat in Hans Peters Haus angefangen (Chronik Appel). Die schwer heimgesuchte Gemeinde wendete sich in ihrer Not an die Landesherrin, Katharina Belgica, und bat um ein Darlehen und diese lieh (am 1. Mai) 2000 Gulden zum Wiederaufbau des Ortes. Der Gemeindevorstand verpflichtete sich, jährlich 200 Gulden abzutragen, doch erst am 23. Juli 1699 wurde der Rest der Schuld getilgt und „der Kapital-Brief getötet“.

 

(255)

Feuerwehr:

Es war die Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Kaspar Mankel und der Vorschlag eines neuen Brandmeisters, die 1907 den Ausschlag gaben, in Wachenbuchen eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. Zwanzig wackere Herren setzten das ungewöhnliche Vorhaben in die Tat um. Offizieller Geburtstermin ist der 1. Januar 1907. Als Rüstzeug für künftige Einsätze erhielt die Wehr von der Gemeinde Wachenbuchen eine bereits im Jahre 1887 angeschaffte Saug-Druck-Spritze. Diese befindet sich auch heute noch im Besitz der Freiwilligen Feuerwehr Wachenbuchen.

Im Jahre 1919 wurde die Arbeit offiziell wieder aufgenommen. In den Folgejahren entwickelten sich die Mitgliedszahlen und die Organisationsstruktur der Freiwilligen Feuerwehr Wachenbuchen kontinuierlich weiter. Und zum 60. Geburtstag im Jahre 1967 fiel der Entschluß, eine Jugendfeuerwehr zu gründen. Mit Erfolg - wie sich in der Folgezeit herausstellte. Und so darf der Brandlösch-Nachwuchs in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiern.

Mit der Gründung Maintals im Jahr 1974 änderten sich allerdings auch die Strukturen der bisher selbständigen Feuerwehren grundlegend. Die Vereine der Freiwilligen Feuerwehren in allen Stadtteilen fungierten immer mehr zu reinen Förderern der Arbeit der Einsatzabteilungen. Zudem übernahm aufgrund des hessischen Brandschutzgesetzes die Stadt den Betrieb der Einsatzkräfte sowie die Finanzierung der Gerätschaften, Gerätehäuser, Fahrzeuge und ähnliches. Geblieben ist allerdings, daß die Wachenbucher Feuerwehrmänner und -frauen - ebenso wie die in den anderen Stadtteilen - ehrenamtlich für ihre Mitmenschen im Einsatz sind. Und mit diesen wollen sie auch groß das Doppeljubiläum feiern - während der Wachenbucher Kerb vom Freitag, 10. August, bis Montag, 13. August 2007

 

(255)

Übersicht über die Chöre (nach Philipp Puth)

1863 Gründung des Gesangvereins „Concordia“, bis etwa 1967

1864 Gründung des Gesangvereins „Harmonie“ aus Sängern der „Concordia“

1903 Gründung des Gesangvereins „Vorwärts“ aus Sängern der „Concordia“

1906 „Turn- und Gesangverein Vorwärts“

1919 Gründung des „Männerquartett 1919 Wachenbuchen“

1926 Umbenennung in „Ruth’sches Doppelquartett“

1932 Gründung des Kirchenchors    

1934 Gründung des Gemischten Chors der „Concordia“

1967 Auflösung des Kirchenchors und des Gemischten Chors                   

 

Peter Puth, der Dirigent der „Concordia“, wurde am 26.10.1903 in der Mittelbucher Straße 4 geboren. Er erlernte den Beruf eines Landwirts und schloß die Landwirtschaftsschule Hanau mit gutem Erfolg ab. Durch den Musikdirektor Jean Brodt wird er angeregt, sich im Gesang ausbilden zu lassen. Er zieht nach Frankfurt und singt im Chor des Operettentheaters mit. Im Jahre 1931 kehrt er nach Wachenbuchen zurück Er wird Reichsbahnbeamter, heiratet und übernimmt verschiedene Gesangvereine als Dirigent, darunter auch die „Concordia“ und den neugegründeten Kirchenchor. Höhepunkt seines Wirkens ist die Einhundertjahrfeier der „Concordia“ im Jahre 1963. Nachdem er am 7.3.1964 eine Singstunde in Bruchköbel gehalten hat, verstirbt er in der Nacht zum 8.3.1964. Nach seinem Tod zerfallen die Chöre, der Gesangverein „Concordia“ und der Kirchenchor werden 1967 aufgelöst.

 

(256)

Gesangverein „Vorwärts“ 2003:

Anläßlich des hundertjährigen Jubiläums luden die Sänger am Samstag, 15. März 2003, um 19 Uhr zur akademischen Feier in das Bürgerhaus Wachenbuchen ein. Die Schirmherrschaft oblag Landrat Karl Eyerkaufer. Gleich zu Beginn gratulierte ein Quintett des Blasorchesters Wachenbuchen mit drei festlich-beschwingten Werken. Die Instrumentalisten überzeugten einmal mehr durch klaren Klang und harmonisches Zusammenspiel. Ein weiteres musikalisches Glanzstück des Abends war der Auftritt des Jungen Chores Dörnigheim. Mit ihren schwungvollen Stimmen sorgten die zehn Damen und zwei Herren für Begeisterung im Saal durch ein italienisches Notenwerk des 15. Jahrhunderts.

Turbulent präsentierte sich dagegen das ungewöhnliche Stück „The Morning Times“, das ein Zwiegespräch zwischen einem englischen Ehepaar darstellte. Mal regte sich der Gatte über die neuesten Schlagzeilen auf, dann sprach er fast säuselnd mit seiner Frau. Der durch akzentuierte Dynamik sehr abwechslungsreiche Dialog zwischen Männer- und Frauenstimmen bildete ein wahres Hörerlebnis. Allen voran die Mimik der beiden Herren ließ erkennen, welche Freude ihnen das Singen bereitet.

Auf die Freude am Gesang hatte Daniel Stippler bereits in seiner Ansprache hingewiesen. Mit Blick auf die Nachwuchssorgen vieler Chöre erklärte der Erste Vorsitzende des Jubiläumsvereins, es müsse besser gelingen, das beim Singen empfundene Glücksgefühl nach außen zu tragen, um den Chorgesang auch in Zukunft aufrecht zu erhalten.

Schirmherr Karl Eyerkaufer, Landrat des Main-Kinzig-Kreises, unterstrich die große Bedeutung der Chöre für die Weitergabe des kulturellen Erbes durch die Überlieferung traditionellen Liedgutes. Zudem hob er ihren Beitrag zum kulturellen Leben und gesellschaftlichen Miteinander in der Gegenwart hervor. Daher sei er sehr stolz auf die 260 Chöre im Kreis. Eyerkaufer verknüpfte die Gratulation mit dem Wunsch, der Chor möge „an der Schwelle zum zweiten Jahrhundert des Bestehens die Kraft finden, den Zeitgeist der Jugend aufzunehmen und einen jungen Chor auf die Beine zu stellen“.

Die Weichen für die Zukunft seien beim „Vorwärts“ mit „einem neuem Vorstand, einer jungen Dirigentin und zukunftsfähiger Chorliteratur“ bereits gut gestellt, befand Gottfried Schubert vom Hessischen Chorverband. Die Kraft und das Selbstvertrauen, das die Arbeiterschaft früher aus dem Gesang schöpften, sei auch in den heutigen Chören zu spüren. In einem Chor erfahre jeder, selbst wichtig zu sein, stehe aber gleichzeitig vor der Herausforderung, sich als Teil des Ganzen in die Gemeinschaft integrieren zu müssen.

In die Schar der Gratulanten reihten sich auch Bürgermeisterin Dorothee Diehl und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Peter Ravazs ein. Beide betonten die wichtige Rolle der Gesangvereine im kulturellen Leben der Stadt Maintal. Werner Borger, Vorsitzender der Sport- und Kulturgemeinschaft Wachenbuchen, überbrachte Glückwünsche und Geschenke zahlreicher örtlicher Vereine und dankte für „100 Jahre erfolgreiches Wirken in der Dorfgemeinschaft“

 

Die Laudatio hielt Pfarrer Helmut Müller, der unter anderem ausführte: Im Jahre 1908 trennte sich der Turnbereich ab. Der Chor hieß fortan „Arbeitergesangverein Vorwärts 1903 Wachenbuchen“. Der Erste Weltkrieg brachte das Chorleben zum Erliegen. Doch in den zwanziger Jahren erlebte der Klangkörper einen enormen Aufschwung, so daß ihm teilweise bis zu 100 Sänger angehörten. Das Vereinsleben gestaltete sich sehr rege, was sich auch an der Teilnahme an zahlreichen großen Sängerfesten widerspiegelte. Die Männer blieben nicht lange unter sich. 1928, zum 25-jährigen Jubiläum, wurde der erste Frauenchor gegründet.

Im April 1933 erzwangen die Nationalsozialisten die Auflösung. Ein Teil der Sänger fand Zuflucht beim Ruth‘schen Doppelquartett „Harmonie“ Wachenbuchen. Nach dem Zweiten Weltkrieg genehmigte die Besatzungsbehörde zunächst nur einen Gesangverein in Wachenbuchen, der sich „Sängervereinigung“ nannte. Dem Frauenchor verweigerte man im damaligen Übungslokal die Proben, so daß er sich einen neuen Raum suchen mußte. Innerhalb des Männerchores kam es zu Spannungen und die früheren Mitglieder des Ensembles „Vorwärts“ verließen die Sängervereinigung. Gemeinsam mit den Frauen wurde 1947 der Gesangverein „Vorwärts“ Wachenbuchen offiziell wiedergegründet.

Bis zum 50-jährigen Jubiläum erfuhr der Chor erneut einen Aufschwung. Danach ging die Zahl der Mitglieder zurück. Auch die Gründung eines Kinderchores konnte diese Entwicklung nicht dauerhaft auffangen. Der von 1957 bis 1974 tätige Chorleiter Gerhard Schwachhöfer vermochte aus dem kleinen Klangkörper von 20 bis 30 Stimmen einen leistungsstarken Chor zu formen. Große Chorwerke und Oratorien wurden in Gemeinschaft mit anderen Chören aufgeführt, aber auch Volkslied- und Madrigalkonzerte gegeben.

Im Jahre 1974 übernahm Wolfgang Löffert den Chor und knüpf musikalisch an die Arbeit seines Vorgängers an. In regelmäßigen Abständen wurden Konzerte aufgeführt, 1981 erstmals auch in der evangelischen Kirche. Im Jahre 1999 feierte Wolfgang Löffert gemeinsam mit dem „Vorwärts“ sein 25-jähriges Dirigentenjubiläum und wurde durch den Deutschen Allgemeinen Sängerbund zum Landesehrenchorleiter ernannt. Ende 2001 verabschiedete er sich in den wohlverdienten Ruhestand. Wie bereits zu seiner Gründungszeit steht der Chor nun wieder unter der musikalischen Leitung einer Frau, der jungen Dirigentin Anne Weber.

Auch außermusikalisch war der Verein stets aktiv. So richtet er bis heute gemeinsam mit der Freien Turnerschaft Wachenbuchen den traditionellen Vatertag dem Kewa-Sportgelände aus. Bis vor kurzem hat er auch gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde beim beliebten Wachenbuchener Straßenfest mitgewirkt. In unregelmäßigen Abständen werden Vereinsausflüge durchgeführt. Einmal im Jahr trifft man sich zu einem Familienabend.

Ein Schmunzeln ging durch den Saal, als der Laudator die ein oder andere Anekdote über die gute Pflege der Ersten Vorsitzenden, den radelnden Dirigenten Wilhelm Seip oder den Musikdirektor Gerhard Schwachhöfer vortrug, bei dem der Chor nicht so sang, wie es der Dirigent wünschte. Schwachhöfer war am Abend persönlich anwesend, um den Sängern zum Jubiläum zu gratulieren.

Zur Auflockerung zwischen den Reden überbrachten die anwesenden Gesangvereine klingende Glückwünsche. So gratulierte der Volkschor Bruchköbel mit drei aufgeweckten Beiträgen. Gute Intonation sowie ein erfrischender Wechsel von Einklang und Dialog kennzeichneten die gelungenen Musikstücke. Das Patenkind de „Vorwärts“ Wachenbuchen, der Gesangverein „Vorwärts“ Steinau erfreute mit zwei Stücken der „Beatles“. In einem weiteren Lied drückten sie wohlklingend ihr Liebe zum Gesang aus. Ebenso da Ruth‘sche Doppelquartett Harmonie brachte dem Verein ein schönes Ständchen. Selbstverständlich stand auch der Jubiläumschor unter der Leitung von Anne Weber auf der Bühne. Mit zwei harmonisch intonierten Werken präsentiert sich die Sängerschar dem entzückten Publikum.

Dietmar Kustermann, Zweiter Vorsitzender, nahm den feierlichen Rahmen zur Anlaß, langjährige Vereinsmitglieder auszuzeichnen. Für 25-jährige Treue zur Verein wurden Dorothea Neumann, Rudolf Großkopf und Eckart Moritz geehrt. Letztgenannter fühlt sich in den Reihe des Chores so wohl, daß er zu den Proben stets aus Langenselbold nach Wachenbuchen kommt. Urkunde und Ehrennadel 50-jährige Mitgliedschaft erhielten Mariechen Schoder und Gerhard Vogt. Die Ernennung zum Ehrenmitglied wurde Minna Rauch zuteil. Sichtlich gerührt nahm sie die Auszeichnung entgegen. Karl Höhl konnte die Urkunden für 75-jährige Vereinszugehörigkeit und Ehrenmitgliedschaft zum Bedauern des Chores nicht persönlich entgegennehmen.

Im Jahr 2003 steht der musikalische Bereich im Vordergrund. Am Samstag, 2 April, richtet der Gesangsverein „Vorwärts“ den Maintaler Liederabend am und im Bürgerhaus Wachenbuchen aus. Ein Jubiläumskonzert unter der Leitung von Dirigentin Anne Weber erklingt am Sonntag 18. Mai, in der evangelischen Kirche Wachenbuchen. Den Abschluß der Feierlichkeiten bildet die Übergabe der Zelterplakette in Bad Arolsen im Rahmen des die jährigen Hessentages am Sonntag, 15. Juni.

Nicht nur der Gesangverein „Vorwärts hatte am Freitag seinen „großen Tag. Auch ein junges Geburtstagskind tummelte sich am Abend der akademischen Feier im Saal: Daniel Stippler, der Erste Vorsitzende. So hallte zum Abschluß der geglückten Jubiläumsfeier spontan ein herzliche „Happy Birthday“ aus dem Saal (Maintal Tagesanzeiger vom 13. und 17. März 2003).

 

Mit der Akademischen Feier war verbunden eine Sonderausstellung. Diese begann mit einem

Kurzabriß über die Geschichte der Arbeiterchorbewegung in Deutschland: Die Geschichte der Vereine beginnt mit dem Vormärz bis zur Revolution 1848. Die eigentlichen Arbeitervereine entstanden hauptsächlich in den Jahren nach 1860. Nachdem das Verbot durch das Sozialistengesetz 1878 im Jahre 1892 wieder aufgehoben wurde, setzte eine neue Welle von Ver­einsgründungen ein. Im Jahre 1908 schlossen sich die Arbeitergesangvereine zum Deutschen Arbeitersängerbund zusammen, aus dem nach 1945 der Deutsche Allgemeine Sängerbund (DAS) wurde.

Die zweite Bildtafel stellte die Vereinsvorsitzenden dar. Hervorzuheben ist Heinz Faulstich, der das Amt 1957 bis 1987 mit nur dreijähriger Unterbrechung ausübte. Als nächstes werden die Dirigenten vorgestellt. Der Gegensatz von langer Konstanz und schnellem Wechsel wird deutlich. So war vor dem Zweiten Weltkrieg der Bischofsheimer Wilhelm Seip von mindestens 1918 bis zur Vereinsauflösung 1933 durchgehend Chorleiter des „Vorwärts“. In den unruhigen Nachkriegszeiten hatte der Chor zunächst große Probleme, einen geeigneten Leiter zu finden. Eine erste Konstante konnte mit Hans Eisermann (1950-1956) gewonnen werden. Seine Nachfolger Gerhard Schwachhöfer (1957-1974) und Wolfgang Löffert (1974-2001) prägten sodann den Chor mit ihren jeweiligen musikalischen Schwerpunkten.

Eine Auflistung aller Konzerte seit 1945 gibt dazu einen umfassenden Überblick. Exemplarisch sind einige Eintrittskarten und Programme der verschiedenen Jahrzehnte. Auch die Teilnahme an Wertungssingen gehörte zum Bestandteil der Chortätigkeit. Die Vielfalt des Repertoires schließlich belegt ein kleiner „Bilderbogen“ aus Noten.

In einer Vitrine sind Dokumente ausgestellt, die noch einmal die Bedeutung des Vorsitzenden Heinz Faulstich hervorheben. Das von ihm geführte Chorleistungsbuch enthält unter anderem seine Ernennung zum Ehrenvorsitzenden 1987. Doch auch weitere langjährige Vorstandsmitglieder wie Hans Schnitzer, Werner Kaufeld, Gerhard Vogt und Minna Rauch waren über Jahrzehnte für den Verein tätig und erhielten dafür den Landesehrenbrief. In der Vitrine ist des Weiteren eine Originalnote des Komponisten Friedrich Zipp zu sehen, der durch Gerhard Schwachhöfer eine besondere Beziehung zum „Vorwärts“ hatte.

Auf den Bildtafeln der gegenüberliegenden Wand wurden die wichtigsten Vereinsjubiläen der hundertjährigen Geschichte vorgestellt. Die erste Bildtafel stellt die Jubiläen 1928 und 1953 vor. Beide Festakte wurden in großem Stil begannen. Je ein Wochenende wurde gefeiert mit Festumzug, Reden und Sängertreffen. Natürlich durfte auch ein großes Konzert nicht fehlen. Die zweite Bildtafel enthält die Jubiläen 1978 sind 1993. Das 75jährige Jubiläum wurde ebenfalls mit Festwochenende unter Beteiligung mehrerer befreundeter Chöre (unter anderem auch aus Moosburg) und mit einem großen Konzert begangen. Auch sein 90jähriges Bestehen feierte der Chor mit einem großen Konzert und anschließendem Festakt.

Im Jahre 2003 nun wurde das 100jährige Bestehen gefeiert. Einen Monat später folgte die Ausrichtung des alljährlichen Maintaler Liederabends. Musikalischer Höhepunkt für den Verein war dann das große Jubiläumskonzert am 18. Mai in der evangelischen Kirche. Der feierliche Abschluß der Jubiläumsaktivitäten war schließlich die Verleihung der Zelterplakette im Rahmen des Hessentages in Bad Arolsen, an welcher aufgrund der räumlichen Entfernung nur eine kleine Delegation des Vereins teilnehmen konnte.

Daß der Verein nicht nur musikalisch aktiv war und ist, beweisen die beiden letzten Bildtafeln. Fester Bestandteil des Vereinsjahres ist der Familienabend, an welchem gemeinsam gegessen, getrunken und gefeiert wird. Auch ein Rahmenprogramm mit Chor- und Solobeiträgen in Wort, Spiel und Gesang runden die Feier ab. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg sind solche Feiern belegt.

Dagegen verschwand das Faschingstreiben zunehmend aus dem Verein. Wurden bis in die frühen fünfziger Jahre noch Maskenbälle gefeiert, vergnügten sich die Mitglieder bis in die neunziger Jahre noch bei närrischen Singstunden. Auch nahm der Verein einmalig am Maintaler Karnevalsumzug 1984 in Wachenbuchen teil.

Gesellig zusammen sitzen die Sänger jedoch allwöchentlich im Bürgerhaus im Anschluß an die Singstunde. Seit nachweislich 1956 feiert der Verein an Christi Himmelfahrt den Vatertag gemeinsam mit den Freien Turnern 1924. Aus kleinen Anfängen mit bescheidenen Mitteln wurde ein traditionelles Fest. Von Zeit zu Zeit begibt sich der Verein auf Fahrt zu einem Ein - oder Mehrtagesausflug, die meist auch eine gesangliche Einlage enthalten. Auch Grillabende werden veranstaltet. Der Verein wirkte an den Festlichkeiten zur 1200-Jahr-Feier Buchen 1998 mit. Die Sänger nahmen bei der akademischen Feier in Mittelbuchen und am Festumzug im August von Mittel- nach Wachenbuchen teil.

In einer großen Vitrine im Vorraum waren die Protokollbücher des Vereins ausgestellt. Das ältere Buch zeichnet die Entstehungsgeschichte des Turnvereins Wachenbuchen 1887 auf, wurde aber dann für die Protokolle des Gesangvereins verwendet. Auf seiner letzten Seite ist die Auflösung des Vereins 1933 dokumentiert. Das neuere Protokollbuch beschreibt einleitend die Neugründung der Sängervereinigung Wachenbuchen. Es enthält die Protokolle 1947 bis 1976. Im Jahre 1952 übernahm der Verein die Mustersatzung des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes. Das Mitgliedsbuch ist ebenfalls in der Vitrine ausgestellt. Auf der gegenüberliegenden Seite sind in einer Vitrine die Zelterplakette und die von Bundespräsident Johannes Rau unterschriebene Verleihungsurkunde zu sehen.

In einem weiteren Raum befand sich eine Vitrine zur Nachwuchsarbeit. Im Jahr 1953 hatte der Verein auf Anraten des Bundesvorsitzenden des DAS einen Kinderchor gegründet. In einem Protokollbuch ist dazu die Vorgeschichte verzeichnet sowie eine Liste der Kinder, die dem Chor beitraten. Der Chor wirkte bei einem Konzert 1955 und ist bis 1957 nachgewiesen. Von 1965 - 1971 leitete Vereinsmitglied Irmela Koch eine Jugendinstrumentalgruppe. Für diese Jugendgruppe wurden diverse Instrumente angeschafft. Später in den siebziger Jahren leitete Gerda Kustermann eine Musik- und Spielgruppe.

 

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Obst- und Gartenbauverein:

Bis auf den letzten Platz besetzt waren die langen Tischreihen im evangelischen Gemeindehaus, als am Samstagabend, dem 18.März 2006, der traditionsreiche Obst- und Gartenbauverein (OGV) Wachenbuchen sein 100-jähriges Bestehen feierte. Die Mitglieder begingen den runden Geburtstag mit einer akademischen Feier, zu der Erster Vorsitzender Karl-Heinz Schreiber zahlreiche prominente Gratulanten begrüßen konnte, sowie einem anschließenden gemütlichen Beisammensein bei „Hausmacher“ und „Ebbelwoi“. Für Getränke und Blumendekoration sorgten dabei die Hochstädter Kelterei Höhl und die Wachenbucher Gärtnerei Kaufeld. Festredner zum großen Ereignis war der Hausherr des Gemeindehauses, Pfarrer Helmut Müller.

Nach der Begrüßung gratulierte aber zunächst Landrat Erich Pipa, der sich mit Maintals Bürgermeister Erhard Rohrbach, Stadtrat Günther Wassermann und Karla Köllner als Vertreterin der Stadtverordnetenversammlung in guter politischer Gesellschaft befand, sehr herzlich zum Jubiläum. Gerade in der heutigen hektischen Zeit seien die Gärten und Streuobstwiesen für die Menschen Orte der Begegnung und Kommunikation. „Sie alle als Mitglieder eines Obst- und Gartenbauvereins sind die ,wahren Grünen‘ im ökologischen Bereich, und Natur und Gesellschaft profitieren von der ehrenamtlichen Arbeit, die Sie leisten“, so Pipa. Und da „ohne Moos bekanntlich nix los“ sei, überreichte der Landrat zum 100-Jährigen natürlich auch ein Präsent in Form eines Schecks.

Pfarrer Helmut Müller verstand es, die Vereinschronik auf besonders unterhaltsame Art und Weise wiederzugeben. „Der Obst- und Gartenbau hat eine lange Tradition, die auch hier bei uns auf besonders schöne Weise gepflegt wird“, so Müller. Dabei seien die Wachenbuchener in guter Gesellschaft, denn schon in der Bibel erweise sich schließlich Gott selbst als Obst- und Gartenbauer, indem er Pflanzen, Bäume und Früchte erschaffe.

Im Jahre 1906 zur Verbesserung der damals sehr schlechten Ernährungslage gegründet, pflanzte der Obst- und Gartenbauverein schon in den ersten Jahren seines Bestehens im Zuge der Flurbereinigung unzählige Apfel- und Birnbäume an den Wachenbuchener Feldern, deren Ursprung noch heute die ökologische Basis für die Streuobstwiesen rund um den kleinsten Maintaler Stadtteil bildet. Für zehn Pfennig im Monat konnte jeder, der wollte, Mitglied werden, und schon vier Jahre später hatte der junge Verein seine erste Lokalausstellung, Schnittkurse und gesellige Treffen auf die Beine gestellt.

Im Jahre 1914 jedoch riß der Erste Weltkrieg die Gemeinschaft schon wieder auseinander, und diejenigen, die daheim blieben, sandten mit den so genannten „Liebespäckchen“ wohl auch so manchen Apfel aus der Heimat an die Front. Und vielleicht ist es diesen Grüßen auch zu verdanken gewesen, daß alle Mitglieder gesund wieder heimkehrten. Ab 1924 wurde dann fast jedes Jahr eine Obst- und Gemüseschau abgehalten: die mehr als 3000 Bäume, die zu diesem Zeitpunkt vom Obst- und Gartenbauverein Wachenbuchen gehegt und gepflegt wurden, lieferten frische Früchte in Massen.

Im Zweiten Weltkrieg ruhte das Vereinsleben, es gab in Wachenbuchen jedoch ab 1936 (in der Chronik 1939) wie an vielen anderen Orten auch eine Obst- und Gemüsesammelstelle für die Bevölkerung. In der Nachkriegszeit dann erlebte der Verein einen großen Mitgliederaufschwung, denn die Menschen waren nach den schweren Jahren dankbar für die Möglichkeit, selbst frische Nahrungsmittel anbauen zu können.

Einige Zeit später sah das leider anders aus: Die zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft führte in den nächsten Jahrzehnten zur Abholzung vieler Obstbäume, und die verbleibenden Früchte fanden oft keinen Abnehmer. Mit rund 80 Mitgliedern produzierten die Wachenbuchener Obst- und Gartenbauer jedes Jahr zur Erntedankausstellung den bis heute heißbegehrten, „frischen Süßen“.

Im Jahre 2003 löste der Adventskaffee mit den Vereinsehrungen den 1979 eingeführten Familienabend ab, heute wird außerdem etwa alle zwei Jahre gemeinsam ein Vereinsausflug unternommen. Allein rund 14 Zentner Äpfel lieferten die Wachenbuchener Streuobstwiesen im vergangenen Jahr - Grund genug, vor kurzem eine neue Presse für den „Süßen“ und den selbst gekelterten „Ebbelwoi“ anzuschaffen und damit die Muskeln der Mitglieder ein wenig zu entlasten.

Der achtköpfige Vorstand und viele ehrenamtliche Helfer sorgen so jedes Jahr für frisches, gesundes Obst und süffige Getränke, die bei der Erntedankausstellung im evangelischen Gemeindehaus verteilt und ausgeschenkt werden. Für die stets gute und enge Zusammenarbeit dankte Vorsitzender Karl-Heinz Schreiber dem Pfarrer Helmut Müller nach dessen Festrede noch einmal sehr herzlich.             

An dieser Stelle war es erst einmal Zeit für die Ehrungen langjähriger Mitglieder: Otto Steup (50 Jahre), Karl Kühnreich, Erwin Fass, Hans Schnitzer, Werner Kaufeld, Hans Puth und Karl-Heinz Schreiber (alle 25 Jahre Mitglied) konnten aus den Händen von Günter Nels, dem Zweiten Vorsitzenden des Kreisverbandes, Urkunde und Ehrennadel entgegen nehmen. Leider nicht persönlich entgegennehmen konnten ihre Auszeichnung Gertrud Filz (25 Jahre), Günther Pinkel (40 Jahre) und Josef Bäuml (50 Jahre).                                   

Als Gratulanten schlossen sich nach dem kurzweiligen Ausflug in die Vereinsgeschichte und den Ehrungen noch einige weitere Ehrengäste mit Grußworten und Präsenten an: Bürgermeister Erhard Rohrbach, Karla Köllner, der Zweite Vorsitzende des Landesverbands Günther Goldacker, Günter Nels sowie der Vorsitzende der Sport- und Kulturgemeinschaft Wachenbuchen Werner Borger ergriffen das Wort.

Der Maintaler Rathauschef betonte in seiner Ansprache ganz besonders die Bedeutung Maintals als Teil des größten zusammenhängenden Streuobstverbandes der Region und dankte dem Obst- und Gartenbauverein für seinen Einsatz für die natürlichen Lebensgrundlagen und das ökologische Gleichgewicht der Umwelt.

Günther Goldacker appellierte besonders an die Verantwortung der Mitglieder, Kindern und Jugendlichen das eigene Wissen und die Liebe zur Natur zu vermitteln. „In Kindergärten und Schulen erreichen wir viele junge Menschen, die wir mit unseren Erzählungen oder einem Spaziergang durch die blühenden Apfelwiesen für den Erhalt unserer Obstbäume begeistern können“, so der Verbandsvertreter.        

Und so beschloß schließlich auch ein ganz konkreter Vorschlag die akademische Feier und leitete das gemütliche Beisammensein am Samstagabend ein: „Der Baum, den wir als Geschenk zum 100-jährigen Bestehen ausgewählt haben, könnte wunderbar gemeinsam mit Wachenbuchener Kindern gepflanzt werden“(Maintal Tagesanzeiger vom 21.03.2006).      

 

KEWA: Vorsitzender Klaus Kirchner führte am Sonntag, dem 12. August 2001, im Festzelt der Kerb durch ein kurzweiliges Programm, das dem 90. Geburtstag von Kewa Wachenbuchen auf den Leib geschneidert war. Denn einmal mehr konnte der Fußball-Bezirksoberligist aus dem kleinsten Stadtteil untermauern, daß er sich als „große Familie” versteht. Die Akademische Feier hatte nicht nur verschiedene Ehrengäste angelockt, sondern auch zahlreiche Mitglieder, Freunde und Gönner. Sie alle ließen es sich nicht nehmen, die Ernennung von Heinrich Reichling zum Ehrenmitglied mit stehenden Ovationen zu würdigen. Für den musikalischen Rahmen sorgten das Ruth‘sche Doppelquartett, das Blasorchester Wachenbuchen sowie schließlich die Fußballer der Meistermannschaft, die die neue Vereinshymne (Idee Kewa-Alte-Herren-Chef Klaus Botzum) „Ich bin verrückt nach Kewa und Blau-Weiß“ erstmals der Öffentlichkeit vorstellten.

„90 Jahre sind ein langer Weg. Dies alles war nur machbar, weil immer tatkräftig mitgearbeitet wurde.“ Klaus Kirchner nahm die Gelegenheit wahr, all denjenigen ausdrücklich zu danken, die hinter den Kulissen ehrenamtlich wirken, kaum in den Vordergrund treten, aber dafür sorgen, daß der Verein mit Leben erfüllt wird. Danach hieß er die Ehrengäste herzlich willkommen, an der Spitze Landrat Karl Eyerkaufer, Bürgermeisterin Dorothee Diehl, Werner Borger (Vorsitzender Sport- und Kulturgemeinschaft Wachenbuchen), Otto Röll (2. Vorsitzender Sportkreis Hanau), Kreisfußballwart Thomas Kaden sowie Kreisschiedsrichterobmann Rudolf Griebel.

Dem Ex-Vorsitzenden Hans-Jürgen Zeller blieb es vorbehalten, die Laudatio zu halten. Er erinnerte an das Frühjahr 1911, als Heinrich Eckhard, Wilhelm Fix, Wilhelm Gerlach, Karl Glinder, Jean Gutbell, Heinrich Hessler, Fritz Hofmann, Kaspar Jung, Fritz Kappes, Georg Kleeb, Heinrich und Wilhelm Müller, Heinrich Muth, Johannes Puth, Gustav Rüfer, Fritz Schäfer, Wilhelm Stein, Philipp Stock und Philipp Stumpf den Verein aus der Taufe hoben, ihn schließlich 1914 beim Süddeutschen Fußballverband anmeldeten.

Zeller hob schließlich drei Personen ganz besonders hervor: „Carl Fucker und Karl- Heinz Hinkel haben in ihren langen Amtszeiten als Vorsitzende dem Verein ihren Stempel aufgedrückt. Nicht von ungefähr wurden beide auch zu Ehrenvorsitzenden ernannt, Carl Fucker wurde sogar Vorsitzender des Hessischen Fußballverbandes. Nicht vergessen möchte ich unseren altgedienten Schwarzkittel Rudi Schreiner, der auf höchstem Niveau pfeifend in Deutsch­land und über die Grenzen hinaus den Verein Kewa Wachenbuchen bekannt gemacht hat.“

Ein Meilenstein war die Übernahme eines neuen Rasenplatzes 1978. Ein Kinderspielplatz wurde 1998 errichtet, das Clubheim ständig saniert und renoviert, schließlich auch eine Terrasse angelegt. Zeller gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß es der Stadt gelingen möge, die angespannte Parkplatzsituation am Kewa-Sportplatz zu entschärfen. Im Jahre 1999 schließlich machte es ein Sponsor möglich, daß die Kewa im Hanauer Herbert-Dröse-Stadion gegen den Bundesliga-Vizemeister Bayer Leverkusen antreten konnte.

Ihre Nachwuchsarbeit verlor die Kewa nie aus den Augen. Auch nicht in Zeiten, als man gezwungen war, mit den Nachbarvereinen FC Mittelbuchen und FC Hochstadt Spielgemeinschaften zu gründen. Erste Erfolge hatte es bereits 1942 mit der A-Jugend gegeben, eine weitere spielstarke und durchschlagskräftige Mannschaft bildete die C-Jugend in der Runde 1976 / 1977. Aus diesem Team ging Thomas Berthold hervor, späterer Nationalspieler und Mitglied der Weltmeistermannschaft 1990. „Dank aufopferungsvoller Tätigkeit ist man aktuell in der Lage, alle Altersklassen zu besetzen. Hier gilt es allen Helfern ein großes Lob zu zollen“, so Zeller.

Im letzten Teil seiner Zusammenfassung ging der Ex-Vorsitzende auf das Vereinsleben ein und meinte treffend: „Wir halten wie eine große Familie zusammen, unterstützen uns gegenseitig und stehen mit Rat und Tat zur Seite.“ Diverse Jubiläen sprach er an, gesellschaftliche Höhepunkte, erinnerte an so manche Zeltkerb, die damit in Zusammenhang stehenden unvergessenen Auftritt von „Kurt Kurt“ auch einen in ewiger Erinnerung bleibenden Ausflug nach Malaysia. Schließlich Schloß Hans-Jürgen Zeller mit den Worten: „Ich für meinen Teil bin stolz auf unsere Kewa. Denn als Spieler und langjähriger Mitarbeiter im Vorstand habe ich diesen Vereinen kennen und schätzen gelernt.“

„Die Kewa feiert, und man ist dabei“, so Landrat und Schirmherr Karl Eyerkaufer, der die Vorzüge des Geburtstagskindes in den Vordergrund stellte: „Kewa Wachenbuchen ist einer der wenigen Vereine des Main-Kinzig-Kreises, die sich nie verhoben und ihre Jugendarbeit nie vernachlässigt haben.“ Schließlich machte sich der Landrat einige persönliche Gedanken, sprach an, daß Abenteuer-Sportarten gefragt seien, der Zeitgeist eine ganz andere Bedürfnislage hervorgebracht hätte, Fußball schön längst nicht mehr im Mittelpunkt stehen würde. Wenngleich die Vereine reagieren müßten, würde diese Entwicklung einen Verein wie Kewa Wachenbuchen nicht verändern können. Schließlich forderte er die Verantwortlichen auf: „Setzen sie mit ihrer Jugendarbeit weiter gegen Ausländerfeindlichkeit, machen sie ihre Jugendlichen stark gegen Drogen, Alkohol und politische Verführungen. Denn ein Verein wie Kewa Wachenbuchen muß Vorbild bleiben.“

Bürgermeisterin Dorothee Diehl hob ebenfalls die vorbildliche Nachwuchsarbeit hervor: „Kewa Wachenbuchen ist für Kinder und Jugendliche eine große Familie, dort sind sie gut aufgehoben.“ Auch lobte sie Platzwart Karl-Heinz Kirchner, der dafür verantwortlich zeichne, daß die Anlage in einem tollen Zustand sei.

Nachdem Kreisfußballwart Thomas Kaden seiner Hoffnung Ausdruck gegeben hatte, die Kewa möge „der Fußball-Bezirksoberliga Maintal erhalten bleiben“, Rudolf Griebel die Grüße der Kreisschiedsrichtervereinigung überbracht hatte, erhielten heimische und aus der Nachbarschaft gekommene Vereinsvertreter die Möglichkeit, ihre Glückwünsche zu überbringen.

Zunächst blieb es Otto Röll vorbehalten, im Auftrag des Landessportbundes Ehrungen vorzunehmen. Während Joachim Schäfer die Verdienstnadel überreicht bekam, wurden Karl-Heinz Kirchner, Jürgen Kirchner und Thomas Schäfer mit der Ehrenurkunde ausgezeichnet. Klaus Kirchner sprach zunächst im Namen des Fußball-Bezirksoberligisten Heinrich Reichling die Ehrenmitgliedschaft aus, um danach die einmalige Leistung von Willi Schmidt zu würdigen, der sage und schreibe 50 Jahre im Seniorenbereich aktiv ist, eine Eintrittskarte auf Lebenszeit erhielt.

65 Jahre im Verein sind: Hans Bommersheim, Kurt Happel, Ludwig Hofmann, Wilhelm Müller, Charlotte Steup; 60 Jahre: Helmut Gerlach, Heinrich Lapp, Heinz Schlegel, Heinz Wolf; 50 Jahre: Friedel Ditter, Helmut Frischkorn, Erwin Jung, Heinz Puth, Willi Schmidt, Willi Schmotzer, Erich Stock, Hans Thoma, Heinrich Wörner; 40 Jahre: Volker Eckardt, Hans- Jürgen Gerlach, Erich Hofmann, Hans Jung, Heinz Lutuschka, Günter Pinkel, Helmut Reichling, Helmut Schmidt, Manfred Stange, Heinz Wohlleben; 25 Jahre: Norbert Adler, Stefan Arendt, Frieder Giesel, Martin Hanstein, Helmut Nägele, Jürgen Pabst, Frank Sagehorn, Richard Schmitt, Andreas Schmitt und Eckhardt Stein (Maintal Tagesanzeiger vom 14.08.2001).

 

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Freie Turnerschaft:

Erste Meilensteine des jungen Vereins: Im Jahre 1888 Teilnahme bei einem Wettkampf in Schlüchtern und 1889 die erste eigene Tracht. Ärger gibt es in den ersten Jahren mit der Witwe Schäfer, die ihre Gaststätte - erster Treffpunkt des Vereins - schon um 23 Uhr schloß. Es kam zum Streit, die Turner zogen unter Protest aus und suchten sich eine andere Gaststätte. Als es auch dort zu Auseinandersetzungen kam, landetet man doch wieder bei der Witwe Schäfer.

Gaufeste schlossen sich an, bevor es im Jahr 1899 zum ernsten Krach mit der Kirche kam: Der Pfarrer verbot das Spielen von Musik während eines Abturnens, weil es am Samstag zuvor gebrannt hatte. Obwohl der Bürgermeister sein Veto einlegte, um die Sache der Turner zu stärken, setzte sich der Pfarrer durch. „Dafür“, räumte Pfarrer Müller als Festredner bei der Akademischen Feier am Freitag, dem 11. Juni 1999, ein, „muß ich im Namen meines Vorgängers wohl Abbitte“ leisten:“

Helmut Müller führte mit viel Esprit, anschaulich und humorvoll durch die Jahre und Jahrzehnte, die er in seiner Festrede streifte. „Auch Mitglieder, die bei einer Jahreshauptversammlung nicht anwesend sind, können gewählt werden und müssen ihren Posten annehmen“, zitierte Müller aus den damaligen Vereinsstatuten.

Der Verein entwickelte sich: Von 1908 bis 1923 nannte man sich „Turn- und Gesangverein Vorwärts Wachenbuchen“, und schon in dieser Zeit gab es im Turnbereich gewisse Engpässe: Im Jahr 1912 gab es keine Turnriege, die Geräte waren nicht mehr im besten Zustand. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Turnbetrieb im Jahre 1920 wieder aufgenommen, bevor es zu dem „etwas merkwürdigen. Datum im Jahre 1924 kam.“

Was war geschehen? Die beiden Abteilungen der Turner und Sänger hatten sich immer weiter auseinander entwickelt: Die Älteren sangen, die Jüngeren turnten - und so gründeten am 25. Juni 1924 die Turner Gustav und Willi Stock, Wilhelm Schmidt, Heinrich Stumpf und Lina Ritter die Freie Turnerschaft Wachenbuchen. Bis zum Verbot 1933 hatten sie sich mit dem Spielmannszug zusammengetan und auch noch den Handballbetrieb aufgenommen.

Nach den düsteren Jahren von Nazi-Terror und Krieg dauerte es bis zum Jahr 1950, ehe der Verein beim Gastwirt Müller erfolgreich wiederbelebt wurde. Auch den Sängern kam man wieder näher und feierte ab 1956 gemeinsam den Vatertag auf dem Kewa-Sportplatz. Eine schöne Tradition, die noch immer gepflegt wird.

Mit dem Jahr 1964 setzten die Turner weitere Meilensteine: Zum einen wurde das heißersehnte Bürgerhaus fertiggestellt - daß der Saal als Turnhalle eingerichtet wurde, zeigt schon den damaligen Einfluß der Freien Turner. Im gleichen Jahr, am 11. November 1964 (anders als in der Chronik), wurde die Karnevalsabteilung Rot-Weiß aus der Taufe gehoben, die sich zu einer der erfolgreichsten Abteilungen entwickeln sollte. Neben einigen kurzlebigeren Versuchen wie Badminton (ab 1968) und Judo (1988-1991) sollte die Gründung der Skiabteilung von mehr und dauerhaftem Erfolg gekrönt sein - auch wenn „die Piste und der Lift auf dem Hühnerberg leider noch fehlen“, wie Festredner Helmut Müller anmerkte.

Die Zukunft, so Pfarrer Müller, gehöre dem Nachwuchs. Und wie es mit der Nachwuchsarbeit der Freien Turnerschaft bestellt ist, sehe man schon daran, daß 28jährige bereits ihr 25jähriges Vereinsjubiläum feiern können. „Geopferte Zeit ist erfüllte Lebenszeit, nicht bezahlte Arbeit zählt besonders“, gab der Geistliche den rund 100 Anwesenden der Akademischen Feier abschließend mit auf den Weg.

 „Die Turner, Sänger und Schützen waren es, die vom Stachel der Monarchie wegdrängten; ihnen ist unsere Demokratie eigentlich zu verdanken“, beton anschließend Landrat Karl Eyerkauffer. Heutzutage bestehe jedoch Anlaß zur Sorge, denn viele Vereine im Main-Kinzig-Kreis hätten es schwer, Vorstandsmitglieder, Übungsleiter und weitere Ehrenamtliche zu finden und den Vereinsbetrieb aufrecht zu erhalten. Ein Verein dürfe nicht mit einem Dienstleistungsunternehmen verglichen werden. Ausdrücklich lobte er das Engagement der Freien Turnerschaft und dankte für die geleistete Arbeit vor allem zum Wohle der Jugend, der ein interessantes Programm geboten werde.

Ähnlich äußerte sich Bürgermeister Erhard Rohrbach, der die Bedeutung des Vereins für den Stadtteil Wachenbuchen und speziell für die Jugend hervorhob Ebenso wie alle anderen Redner überreichte er dem 1. Vorsitzenden Manfred Wolf einen Scheck zur Förderung der Jugendarbeit.

Wesentlicher Bestandteil jeder Akademischen Feier ist natürlich die Ehrung verdienter Mitglieder. Im Wachenbucher Bürgerhaus waren es folgende Frauen und Männer, die Man­fred Wolf in besonderem Maße würdigte.

Die Vereinsehrennadel in Silber erhielten Günter Tauber (Vorstandsbeisitzer 1987-1990, Pressewart 1990-1992, Pressewart und Schriftführer seit 1992), Rosemarie Olbrich. (stellvertretende Abteilungsleiterin Turnen 1989-1994, Übungsleiterin Kindergeräteturnen seit 1982, Oberturnwart seit 1994), Ellen Tauber (Übungsleiterin Showtanz seit 19‚87), Garnet Becker (Übungsleiterin Gardetanz seit 1987, Jugendwartin 1991-1997) und Uwe Ließmann (Übungsleiter Skigymnastik seit 1986).

Mit der Vereinsehrennadel in Gold geehrt wurden Karin Adler (Schriftführerin 1980-1984, Kassiererin seit 1984), Erwin Heimberger (Übungsleiter Männerfreizeitsport 1982-1995, Übungsleiter Kindergeräteturnen 1987-1994, Oberturnwart 1983-1994, 2. Vorsitzender der Abteilung Turnen 1989-1994, 2. Vorsitzender der Abteilung Karneval 1994-1996, 2. Vereinsvorsitzender seit 1996), Karin Witting (Abteilungsleiterin Ski seit 1986, Übungsleiterin Skigymnastik, Frauengymnastik und Rückenschulkurse seit 1993) und Angelika Jungmann (Übungsleiterin Gardetanz seit 1987, Jugendwartin seit 1991).

Eine besondere Ehre wurde Norbert Adler mit der Überreichung des Verdienstkreuzes zuteil. Norbert Adler ist seit 1987 stellvertretender Leiter der Skiabteilung und seit 1975 aktives Mitglied im Männerballett, in der Hitparade und im Elferrat.

Geehrt wurde auch Günther Blechschmidt, Gründungsmitglied der Abteilung Karneval und seit 1964 aktives Mitglied in Männerballett, Hitparade und Elferrat.

Doch damit nicht genug der Ehre: Günther Sauermilch als Repräsentant des Mittelrheinischen Karnevals e.V. zeichnete Conrad Walter, Uwe Witting, Hans- Peter Roth und (in Abwesenheit) Joachim Hofmann für ihre Verdienste um den Karneval aus. Alle vier sind langjährige aktive Mitglieder der Karnevalsabteilung, des Männerballetts und der Hitparade. Walter, Witting und Roth sind außerdem Mitglieder des Elferrats, Joachim „Jogi“ Hofmann hat vor allem durch seine unnachahmlichen Büttenreden von sich reden gemacht.

Nach Grußworten von Peter Arlt und Otto Röll vom Sportkreis Hanau, einer Vertreterin des Turngaus Hanau-Offenbach und der Raiffeisenbank Maintal als Hauptsponsor, waren die befreundeten Vereine an der Reihe: Grußworte sprachen Vertreter der Sport- und Kulturgemeinschaft, der Freiwilligen Feuerwehr, des Obst- und Gartenbauvereins, des Geflügelzuchtvereins, des Ruth‘schen Doppelquartetts, der Landfrauen, des Rentnerclubs, der Schützengilde, des Blasorchesters, des Turnvereins Mittelbuchen, des Gesangvereins „Vorwärts“, der Freien Turnerschaft Dörnigheim, der Turngemeinde Dörnigheim, der Turnerschaft Bischofsheim und des FSV Bischofsheim.

Herausragend war dabei der Wortbeitrag von Werner Borger, Vorsitzender der Sport- und Kulturgemeinschaft Wachenbuchen und der Freiwilligen Feuerwehr. Borger, selbst sechs Jahre an der Spitze der Freien Turnerschaft und 21 Jahre lang Kassierer, erinnerte an seine Anfänge bei der FTW, als alles noch einfacher und unbürokratischer gewesen sei. Seitdem jedoch sei der größte Verein des Stadtteils von 200 auf rund 700 Mitglieder angewachsen, die Aufgaben des Vorstands seien ungleich höher. Spendabel zeigte sich Helmut Schmidt, 1. Vorsitzender des Blasorchesters Wachenbuchen: Er schenkte den Freien Turnern unter anderem einen kostenlosen Auftritt des Blasorchesters im Jubiläumsjahr und erinnerte dabei an die Solidarität der Vereinsgemeinschaft, die gerade in Wachenbuchen als Tugend hochgehalten werde. Beschlossen wurde das, festliche Wochenende mit einem Bunten Abend am Samstag im Bürgerhaus (Maintal Tagesanzeiger vom 18.06.1999).

 

Jubiläum 90 Jahre Freie Turnerschaft 2014

Im Jahre 1887 wurde der erste Turnverein gegründet. Der Mitgliedsbeitrag betrug in den Anfängen 15 Pfennige pro Woche, doch die Zahlungsmoral der Turner ist eher schlecht gewesen. Geübt wurde noch in einem Raum der Gaststube - was ebenfalls zu mancherlei Querelen mit der Wirtin geführt habe. Schließlich wurde sogar eine Strafzahlung von 25 Pfennigen für jede verpaßte Turnstunde eingeführt.

Im Jahre 1913 gab es schließlich eine erste Gerätehalle für die Turnerschaft, ein Jahr danach ruhte der Betrieb wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs. Erst im Jahr 1920 ging es weiter, abermals ein Jahr später kam der Fußball dazu, im Laufe der folgenden Jahre auch turnende Kinder- und Frauengruppen. Im Jahre 1924 kam es dann zur Namensumbenennung in die Freie Turnerschaft Wachenbuchen.

Im Jahr 2010 drohte dem Verein dann beinahe das Aus: Es ließ sich partout kein Vorsitzender mehr finden, bis schließlich laut Müller die „Heilige Dreifaltigkeit“ dem Verein das Leben rettete: Drei weibliche „K“s waren es, nämlich Karin Witting, Karin Adler und Katja Wild, die sich in die Vorstandsriege wählen ließen und somit auch das Ende der Männerherrschaft bei den Turnern einläuteten. Mit der später hinzugekommenen Corinna Witting stehen heute vier Damen gleichberechtigt an der Spitze des Vereins.

Die Sparten Turnen, Karneval und Ski sowie eine hervorragende Jugendarbeit sichern ihm noch einige weitere erfolgreiche Jahre. Ganz nach dem Motto von Turnvater Jahn „Frisch, fromm, fröhlich, frei“ meinte Müller, frisch sei man nach dem Turnen sowieso, für die Fröhlichkeit sei die Karnevalsabteilung da, das „frei“ trage die Turnerschaft bereits m Namen und für das „fromm“ sei er eher zuständig [Das Wort meint aber in diesem Zusammenhang nicht „religiös“, sondern so etwas wie „lammfromm“.

Bei allem Rückblick sollte jedoch auch die Aussicht auf die Zukunft nicht zu kurz kommen, also wurden im Anschluß Ehrungen verliehen. Dazu bat Ulrich Mühle als Vorsitzender des Turngaus Offenbach Hanau die Übungsleiter Katharina Kehl, Traude Kemmerer, Martina Pabst, Stefanie Schütz, Conny Schlegel, Katja Wild, Reinhold Mandler, Jürgen Pabst sowie Martin Rothhaupt auf die Bühne, um ihnen für ihre Arbeit im Verein die Silbern Ehrennadel zu überreichen. Außerdem ehrte er Melanie Mandler, Karin Adler sowie Karin Witting mit der-Silbernen Ehrennadel des Hessischen Turnverbands. Dr. Werner Weigelt überreichte als Präsident des Hessischen Skiverbands (HSv)\ noch den Ehrenbrief an Kurt-Rainer Heiser und die Ehrennadel in Bronze an Karin Witting.

Eine Dia-Schau, dargebracht von Vanessa Conrad und Corinna Witting als personifizierter „Mutterverein“ sowie „Karnevalstochter“ und musikalische Einlagen eine Bläserquartetts des Blasorchesters Wachenbuchen machten einen stimmungsvollen Abend komplett. Der ehrenamtlich Kreisbeigeordnete des Main-Kinzig-Kreises Christoph Degen, Bürgermeister Erhard Rohrbach sowie die Vertreter zahlreicher befreundeter Vereine warteten schließlich noch mit Grußworten auf und ließen auch die eine oder andere Zuwendung beim Vorstandsteam zurück. Am Sonntagvormittag gingen die Feierlichkeiten mit einem Frühschoppen im Gemeindehaus in die zweite Runde (Maintal Tagesanzeiger vom 30.06.2014).

 

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Schützengilde:

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren die Schützenfeste außerordentlich häufig, und alljährlich ergingen mehrere Einladungen an die Hanauer Schützen zur Teilnahme an auswärtigen Schießen. Es finden sich häufig Hanauer Schützen in Abordnungen von zwei bis drei Mann an auswärtigen Schießen, für die die Stadt des „Inlegegeld“, gewöhnlich zwei Gulden, gab. An dem Schützenfest 1593 beteiligten sich: Bergen, Dorfelden, Wachenbuchen und Dieburg.

 

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Unter den Gründern war auch Johannes Maisch, später Hauptstraße 15, 63546 Hammersbach-

Am 10. April 2000 weist er selber darauf hin. Er hat verschiedene Stellen darauf hingewiesen, aber vor allem vom Verein keine Antwort erhalten. Der Autor Peter Heckert hat ihm gleich geantwortet, daß er natürlich nur die Unterlagen auswerten konnte, die vorhanden sind und ihm vom Verein vorgelegt wurden.

Herr Maisch zählt noch auf, welche Andenken an den Schützenverein er noch hat:

  • Mitgliedsbuch und Sportausweis Nr. 27931
  • Beitragskarte
  • Ehrenschleife vom Preisschießen vom 9.8. – 24.8.1958
  • Ehrenschleife vom Weihnachts-Preisschießen 1958
  • Ehrenschleife beim Ausscheiden aus dem Verein für meine geleisteten Arbeiten
  • Bescheinigung für Leistungsabzeichen in Bronze und Silber
  • Anstecknadel der Schützengilde
  • Ehrenurkunde für Vereinsmeister 1959.

Schließlich weist er noch einmal darauf hin, daß er die Gründungsurkunde mit unterschrieben hat.

 

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Sozialdemokratische Partei:

Die Wachenbuchener SPD ist bereits seit 1898 aktiv. Dies ergaben jetzt Archivarbeiten in Marburg, die der stellvertretende Schriftführer des Ortsvereins, Christian Gürtler, vornahm. Der früheste Hinweis findet sich dafür in einem Quellen-Dokument vom 15. März 1898, in dem der Landrat von Hanau berichtet, daß sich der Verein „Arbeitsschutz“ aufgelöst habe. Dieser Verein mit der offiziellen Bezeichnung „Arbeitsschutz“ war ein getarnter SPD-Verein. Die Genossen verwendeten diese Bezeichnung, um in der Kaiserzeit ein mögliches Verbot durch die Polizeibehörden zu verhindern.

Bereits zwei Jahre später, am 19. August 1900, erwähnte der Hanauer Landrat in seinem Bericht an die Regierung in Kassel, daß Wachenbuchen ein Ort mit „stark sozialistisch durchsetzter Industriebevölkerung“ sei. Im folgenden Jahr 1901 wird die Zahl der festen Vereinsmitglieder für Wachenbuchen mit 20 Personen angegeben. Am 4. November 1912 fand dann die erste dokumentierte SPD-Ver­samm­lung in Wachenbuchen im Saale des Gastwirts Friedrich Müller satt, bei der auch der Wachenbuchener Schreiner Karl Dietz auftrat. Dies war die Zeit, in der die Fraktion der Sozialdemokraten die relative Mehrheit im Reichstag inne hatte.

(Maintal Tagesanzeiger vom 28.01.2004)

 

 

 


Zu dem Buch von Eugen Sauer

Anekdoten :

Bauer „Achter“: Dem Bauer „Achter“ (wohl ein Puth VIII.) drohte die Goldene Hochzeit. Doch den vornehmen Mann spielen mit Schlips und Kragen und mit vielen Gästen und Kosten, das wollte er auch nicht. Er wollte lieber sterben, als Goldene Hochzeit zu feiern. Also betete er im Vertrauen auf Gottes Allmacht: „Lieber Gott, laß mich doch noch vor dem Fest

Gepanschter Apfelwein: Die „Krone“ in Mittelbuchen war wegen ihres naturreinen Apfelweins berühmt. Doch im Frühjahr 1965 warfen die Gäste dem Wirt Fritz vor, er habe den Apfelwein mit Wasser „getauft“. Doch der Wirt antwortete schelmisch: „Ihr hättet Weihnachten zu mir kommen müssen, da gab es bei mir den besten Apfelwein“. An Weihnachten 1964 war nämlich im ganzen Dorf die Wasserleitung ausgefallen (Seite 212).

Küsterin Gertrud: Die Küsterin Gertrud versah jahrzehntelang ihren Dienst mit großer Zuverlässigkeit. Aber als sie eines Tages die Tür an der Nordseite des Kirchhofs aufschloß, stand sie vor einer Schneewand: Die Konfirmanden hatten den ganzen Treppenaufgang mit dem spärlich gefallenen Neuschnee gefüllt und so den Zugang unmöglich gemacht (Seite 214).

 

Weitere Ergänzungen aus dem Buch von Sauer zum Jubiläum wurden bei den einzelnen Seiten (siehe oben) eingearbeitet.

Die Siegel auf Seite 58 und 59 sind eine sehr gute Zusammenstellung.

Auf Seite 162 findet sich eine seltene Darstellung einer Hanauer Tracht, aber eine Quelle wird nicht angegeben (Weitere Trachtendarstellungen finden sich in „Hanau Stadt und Land“ und im Heimatmuseum Mittelbuchen).

 

Anmerkungen zu dem Buch von Eugen Sauer: „Büchertalgeschichten“:

Das Buch will keine Chronik sein. Diese hat Herr Sauer von 1979 für Mittelbuchen vorgelegt. Mit seinem neuen Buch will er sich von dem ersten Werk absetzen. Er will ein Lesebuch, ein „Festbuch“ machen, er will Geschichten erzählen. Diese liegen angeblich auf der Straße, man müsse sie nur aufschreiben.

Nun hat er in der Tat in dem Buch eine Reihe von bemerkenswerten und amüsanten Geschichten. Aber viel mehr Platz wird eingenommen von üblichen geschichtlichen Nachrichten. Sehr viel Platz wird gebraucht für die allgemeine Geschichte, auch wenn sie gar nichts mit Buchen zu tun hat. Notfalls wird gesagt: Das und das ist damals passiert, aber Buchen war daran (wahrscheinlich) nicht beteiligt!

Was aber nicht mit dem Thema zu tun hat, kann man auch weglassen. Hier wird versucht, etwas über eine Zeit zu berichten, aus der keine Quellen vorhanden sind. Aus mehr oder weniger gelehrten Büchern wird zusammengetragen, wie es damals allgemein war und vermutlich auch in Buchen gewesen ist. Damit wird viel Platz vertan und das Buch unnötig aufgebläht.

Viele der Bemerkungen Sauers ziehen unerlaubt Vergleiche zur Gegenwart, sind schulmeisterlich und manchmal verkrampft witzig. Es werden vielfach Dinge erwähnt, die zwar nützlich zu wissen sind, aber mit Buchen nichts zu tun haben.

Was sollen die Ausflüge nach Bagdad und Amerika (Coca!)(7) oder die Bemerkung, daß Karl der Große ein guter Schwimmer war (27)? Das Gleiche gilt für die Erwägungen über Zahnerkrankungen damals und heute ((37), die Rezepte für Abtreibungen (39), die belehrenden Bemerkungen über den Zweiten Weltkrieg (55). Von einem Keuschheitsgürtel steht nichts in den Akten (69).

Was soll das Kapitel über Raubritter in einem Buch über Buchen (67-68)? Die Rede ist von einem Geldtransport von Frankfurt nach Oppenheim. Es wird aber betont, daß keine Bucher Ritter dabei waren und daß die Raubritter gar keine waren. Die größte Sorge der Ritter war bestimmt nicht, daß (fast) nur Mädchen geboren wurden, der Nachbar aber nur Jungen hatte (69).

Was soll die Speisekarte der Hochzeit Philipp Ludwigs II. mit Katharina Belgica in einer Chronik von Buchen (109), die Bemerkung über den Schneider in der Neustadt (133), über die "Sekte" in Hanau (139), über das Kaffeeverbot (146), über die Tausendjahrfeier Buchens (148), das Kapitel über Napoleon (152)?

 

Die Urkunde, in der Buchen erstmals erwähnt wir, befindet sich im Lorscher Kodex, der nicht mehr in München aufbewahrt wird (2), sondern im Staatsarchiv Würzburg. Leider ist sie nicht im Original wiedergegeben (3). Es fehlt die Randleiste und das Stichwort „Liubert“ in der ersten Zeile rechts. Dafür sind die i-Punkte ergänzt, damit man den Text besser lesen kann. Bei der Wiedergabe des Textes in heutiger Schrift fehlt das Wort „dono“. Das Wort „handelsüblicherweise“ steht nicht im Text (4), „aktenkundig gemacht“ ist ein zu modernes Wort.

Typisch ist, wie mit der Vermutung umgegangen wird, Liuberts Frau sei aus Wachenbuchen gewesen. „Man wird so nicht fragen dürfen, sonst wird man bald Geschichten erfinden“, schreibt Sauer selber. Aber genau das tut er, indem er zum Beispiel vermutet, daß Liubert sich schuldig gefühlt habe.

 

Sauer gibt das lateinische „marca“ immer mit „die Mark“ wieder (2). Er versteht darunter eine „Grenzmark“, ein „sicheres und geschütztes Gebiet“, das nach Süden durch den Urwald rund um Hanau abgegrenzt war. Deshalb hätte man auch getrennt siedeln können und hätte Dörfer nicht nötig gehabt. Es ist ein Widerspruch, wenn die „Mark“ einerseits eine Grenzbefestigung sein soll, aber andererseits so sicher gewesen sein soll, daß man dort verstreut siedeln konnte (77).

Aber entweder ist eine Mark zur Grenzbefestigung da, und dann braucht man befestigte Dörfer. Oder es handelt sich bei dem Wort einfach um eine Bezeichnung für die „Gemarkung“. Im Gegensatz zu Stierstadt, das als Dorf bezeichnet wird, war Buchen vielleicht in der Tat mehr eine Streusiedlung, über einen großen Teil der Gemarkung verteilt. Aber es ist Theorie, daß die Höfe im 11. Jahrhundert zu Dörfern konzentriert worden wären (40. 47).

Übrigens verlief südlich von Buchen tatsächlich eine Grenze, nämlich zwischen dem Maingau und dem Gau Wetterau. Buchen gehört eindeutig zum Gau Wetterau, der Maingau ist nicht Teil der Wetterau, sondern ein eigener Gau (26).

 

Sachliche Fehler kann man immer wieder in dem Buch finden: Liubert ging nicht durch die Königshalle, die es damals noch gar nicht gab. Die Schenkung wurde vielleicht im Kloster „Altenmünster“ an der Gersprenz dokumentiert (5). Die Bezeichnung „Germanen“ paßt nicht zum Mittelalter (11); es geht dem Autor aber darum, hier den Ausdruck „alte Germanen“ unterzubringen, um originell zu wirken. In der Wachenbucher Burg gab es bestimmt keine großen Gärten wie in Klöstern und Grafengütern (14), dazu war sie viel zu klein.

Die Erwähnung des Neandertalers regt in diesem Zusammenhang zum Schmunzeln an, denn bekanntlich sind alle Neandertaler ausgestorben und nicht Vorfahren der heutigen Menschen (33).

 

Gelegentlich kommen auch unnötige Wiederholungen vor. Die Bemerkung über den Honig findet sich kurz hintereinander (S. 8 und 10). Die Feldzüge Karls des Großen werden mehrfach erwähnt (30). Sicher muß man manche Dinge wiederholen, wenn sie im anderen Zusammenhang notwendig sind.

Das ist auch an vielen Stellen des Buches durchaus berechtigt. Aber an vielen Stellen hätte man besser abgleichen und auf Wiederholungen verzichten können.

 

Man kann darüber streiten, ob es „Wachenbucher“ oder „Wachenbuchener“ heißen muß (S. 141: „Wachenbuchener Steinbruch“). Grammatisch ist vielleicht „Wachen-

buchener“ richtig. Aber im Dialekt heißt es immerhin „Wachebeucher“, deshalb ist „Wachenbucher“ passender. Seite 192 wird auch „Wachenbücher“ verwandt.

 

Ein Widerspruch ist, daß immer noch heidnische Vorstellungen herangezogen werden, aber andererseits alle Einwohner schon sicherlich Christen waren (17). Das Gleiche gilt für den Viergötterstein, der in der 1703 gebauten Kirche gefunden wurde und damals nicht mehr Gegenstand einer heidnischen Verehrung gewesen sein kann; aber vielleicht stammt er ja schon aus einem Vorgängerbau und hatte doch mehr zu bedeuten.

Sauer schreibt selber, daß Buchen nur von Christen bewohnt war (31). Zunächst war die Marienkirche im Kinzdorf bei Hanau als Missionskirche für die ganze Gegend zuständig (so schreibt es auch Sauer auf Seite 84, aber auf Seite 31 spricht er von einer Nikolauskirche).

Daß Maria die Namenspatronin der Wachenbucher Kirche gewesen sein soll (58), geht aus dem Siegelbild Gerlachs des Weisen nicht hervor, denn Maria ist ein allgemeines Motiv und in Mainz hat er einen Vogel im Siegel.

Das Wort „Synkretismus“ ist ein theologischer Fachausdruck, der unbedingt hätte erklärt werden müssen (33.35). Überhaupt kommen viele Fremdwörter vor: ad absurdum (33), Testat (richtiger: Testierer, denn ein Testat ist ein Zeugnis) (84), Präsentation (84), clericus (64), curie (84), in petto (134), sinistre Leute (212), ex cathedra (221).

Bonifatius war kein „hessischer Missionar“ (34), sondern irischer Abstammung. Aber er hat unter anderen auch die Hessen missioniert oder besser gesagt: zum römisch-katholischen Glauben gebracht.

 

Der Bau des Dorfgemeinschaftshauses war doch wohl eine freiwillige Sache und hatte nichts mit den alten Hand- und Spanndiensten zu tun (30). Später wird auch gesagt, daß es in Eigenhilfe errichtet worden sei (209).

 

In Wachenbuchen gibt es sehr viel mehr Bodenfunde aus der Römerzeit, als in dem Buch dargestellt, vor allem auch in der nördlichen Gemarkung (41).

Andererseits wird nichts darüber gesagt, wo die Scherbe mit der Inschrift „Primogenius“ gefunden wurde (42) („Erstgeborener“ heißt meines Wissens „Primogenitus“). Der Hersteller hatte natürlich nichts mit Buchen zu tun, es ist Zufall, daß sein Gefäß hierher gelangte. Eine Töpferei mit mehreren Angestellten ist nicht belegt (15).

Welches ist die „andere Seite“ der Kilianstädter Straße? Bezugspunkt ist wohl die germanische Siedlung an der Oberdorfelder Straße (41).

 

Schwierig ist natürlich die Frage, wie die Herren von Buchen verwandtschaftlich zusammenhängen. Daß Dammo vom Buchen sich zunächst Tammo von Hanau und danach wieder Dammo von Buchen nennt (49), läßt sich auch damit erklären, daß er zunächst in der Hanauer Burg wohnte, diese dann aber seinem Sohn Dammo II. überließ und wieder nach Buchen ging, bis er die Burg seinem Sohn Gerlach überließ.

Die Hanauer Burg wurde wohl von den Herren von Buchen gebaut. Aber ihr "Grafengeschlecht" konnte nicht in Hanau weiterregieren, weil es ausstarb. Sauer schreibt selber (109), daß zwar die Bucher schon Grafen waren („comes“), die Hanauer sich aber nur „Herren“ nennen durften, weil sie aus dem niederen Dorfelder Adel kamen. Erst 1429 werden die Hanauer zu Grafen.

Weshalb Marquard von Buchen danach in der Burg gewohnt haben soll und nicht im Dorf (50), spätere „Herren von Buchen“ aber auf keinen Fall in der Burg gewohnt haben sollen, ist nicht einzusehen. Um 1200 soll die Burg leer gestanden haben (52), ab 1222 bis 1299 aber vom niederen Adel besetzt (Wie kommt man auf diese Jahreszahlen?). Danach soll Heinrich von Dorfelden, gestorben 1338, in der Burg gewohnt haben, und der Herr von Hanau das Burglehen an Eppechin von Dorfelden gegeben haben (53). Das paßt aber alles besser zusammen, wenn man anerkennt, daß die Dorfelder als Nachbarn zu Besitzern von Hanau geworden sind und deshalb auch über Buchen verfügen können. Wo steht außerdem, daß Dammo die Burg in Buchen seinem Bruder Sigebodo überließ (53)?

 

In dem Führungsblatt des Landesamtes für Denkmalpflege gibt es übrigens eine bessere Skizze als auf Seite 51. Es wird nicht gesagt, welcher Teil die „alte Burg“ ist (also das Wohnhaus) und welches der zweite Baukomplex ist (nämlich die nördliche Vorburg). Die Vorburg war die Wirtschaftsburg zur eigentlichen Wohnburg und nicht das Ausweichquartier für die unmodern gewordene südliche Burg (78).

Immerhin wird die Herkunft des Namens Wachenbuchen von „Wago“ (hier nicht „Wacho“ wie sonst üblich) abgelehnt. Aber die Theorie, daß die Wachen der Burg von Hanau in Wachenbuchen gewohnt hätten und daher der Name kam, ist wirklich nur eine Theorie (78).

Einige der unter Mittelbuchen aufgeführten Fluren liegen in der Wachenbucher Gemarkung. Unter den bei Wachenbuchen aufgeführten Fluren sind in den Verzeichnissen nicht aufgeführt: Auf der Straße, Am Frankfurter Weg, Beim Hutzenfurter Bach, Sandmorgen, Der Schmittsborn, Der Born an der Birsewiese (82-83).

 

Die alte Straße ging von Hochstadt über Wachenbuchen nach Langendiebach bzw. Marköbel, nicht nach Kinzheim (110). Auf der ältesten Karte von Mittelbuchen (S.131) ist das auch so gezeichnet. Diese Karte wird übrigens etwas gewagt gedeutet; vor allem gilt das für die Aussagen über die Burg an der Kreuzung (132).

Daß die Dörfer einen "Waldgürtel" hatten, damit man sie nicht sehen konnte (111), ist pure Phantasie, denn zumindest den Kirchturm konnte man schon von weitem sehen. Groschlag lag südwestlich von Hochstadt, nicht südöstlich (112).

 

Die Wachenbucher Wasserleitung wurde 1897 gebaut, nicht 1894 (117). Das mit dem Sonnenstab für die Sonnenuhr steht zwar so in den Akten (125), aber eher hat man die Zahlen an der Uhr verändern müssen, nicht den Stab, damit die Uhr richtig "ging". In der Wachenbucher Kirche wurden keine Fundamente früherer Bauten gefunden (126). Von Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg und dem Neubau eines barocken Chors ist nichts bekannt. Auf die Zerstörung wird nur geschlossen aus der Behauptung, es habe einen barocken Chor gegeben (134f). Die Kirche wurde 1703 völlig neu gebaut, nur der Turm bzw. sein unterer Teil ist von 1461 (nicht 1468. Die Jahreszahl 1437 findet sich zwar auch in einer sekundären Quelle, läßt sich aber nicht weiter belegen). Selbstverständlich gibt es viele Akten über Wachenbuchen im Staatsarchiv Marburg, an späterer Stelle spricht Sauer von ganzen Stapeln an Akten (144).

 

Die Sage von dem Schatz der Herren von Buchen (117) sollte man wörtlich wiedergeben und nicht nach eigenem Geschmack verändern. Die Theorie, daß dort nur die Wachen der Hanauer Burg gewohnt hätten, führt zu der abenteuerlichen Konstruktion, daß es sich um Beute von Raubrittern gehandelt habe. Daß der Bauer mit einem Spaten zurückkam, um den Schatz auszugraben, ist in der Sage nicht erwähnt.

 

Natürlich läßt sich der Verlauf der Wachenbucher Ringmauer ganz genau rekonstruieren, es ist ja auch noch genug von ihr vorhanden (128). Es war nicht so, daß die Leute, die Lust am Schießen hatten, von den Behörden in die Miliz eingezogen wurden (129), sondern die Obrigkeit sorgte von sich aus dafür, daß die jungen Männer in die Miliz eingezogen wurden.

 

Warum soll das Rathaus nicht die "gute Stube" des Schultheißen und Bürgermeisters gewesen sein (130)? Es wurde von der Gemeinde gebaut.

Daß das Wappen des damals regierenden Fürsten angebracht wurde, war einfach so üblich und besagt nicht, daß Hanau den Bau bezahlt hätte.

 

Die Aussage, daß Wachenbuchen 1610 eine Schule hatte, ist nicht belegt (136). Daß die Pfarrer erst einmal als Lehrer arbeiten mußten war üblich. Der häufige Stellenwechsel in der Zeit als Lehrer ist also normal (136).

Die lutherischen Wachenbucher gehörten zu Hochstadt und gingen nicht nach Bruchköbel in die Kirche (138). Woher ist die Nachricht, daß es seit 1738 einen lutherischen Lehrer gegeben habe (140)?

 

Weshalb wird formuliert "Unser Kleinod Wilhelmsbad" oder "Park, worum uns jede Ortschaft beneidet" (150)? Wenn schon, dann ist es das Wachenbucher Wilhelmsbad, nicht das Mittelbucher! Wilhelm von Hessen als „waschechten Wachenbucher“ zu bezeichnen, ist doch sehr gewagt (152)? Das Gleiche gilt für die Aussage, die erste demokratische Verfassung in Deutschland sei von einem Büchertaler erlassen worden (gemeint ist Kurfürst Friedrich Wilhelm von Kassel, der im Schloß Philippsruhe geboren wurde und seine jungen Jahre in Hanau verbrachte) (166). Die Tatsache des „Drei-Kaiser-Treffens“ in Wilhelmsbad ist nicht erst wieder von Herrn Schluckebier ans Licht der Öffentlichkeit gebracht worden, sondern steht schon in der Festschrift des Gesangvereins Concordia im Jahre 1913.

 

Daß man 1803 noch wußte, wo die Hufe Land von 798 lag, ist doch sehr zu bezweifeln (153).

 

Ganz fürchterlich sind die Auslassungen über die „Russen“ (157), die „eine andere Kultur haben als wir“, „Naturburschen“, die „in der Sowjetzone Frauen vergewaltigt haben“. Auch die Ausführungen über „Überfremdung, Ausländerhaß, Abwehr gegen Fremde“ (171) sprechen unterschwellig das an, was sie nach außen ablehnen wollen.

 

Das Geibelhaus war nie Wirtshaus und verkaufte auch keinen eigenen Wein (169). Geibels Worte in dem Gedicht sind romantische Verbrämung. Geibel studierte natürlich in Bonn (und nicht in Köln), denn nur dort gab es eine evangelische theologische Fakultät. Der Besuch in Wachenbuchen war 1835. Geibels Werke sind nicht aus den Bibliotheken verschwunden (170): Die Frankfurter Stadtbibliothek hat Geibels Werke in einer Vielzahl von Ausgaben, das neueste Buch über das Leben Geibels ist von 1992. Höchstens in der Mittelbucher Stadtteilbibliothek mag er nicht vertreten sein.

 

Juden gibt es schon vor 1764 in Wachenbuchen (172), mindestens seit 1588. Auf der Zeichnung der Synagoge fehlt der außenliegende Treppenaufgang. Das religiöse Zentrum der Juden wurde nicht von Hochstadt nach Wachenbuchen verlegt (173), sondern es gab seit 1852 zwei selbständige Gemeinden in Hochstadt und Wachenbuchen. Die jüdische Schule ging nicht aus Mangel an Schülern ein (173), sondern weil sie von den Nazis verboten wurde.

 

Auch ganz allgemeingeschichtliche Fehler werden in dem Buch gemacht: Bismarck mußte nicht die Franzosen fragen, ob er seinen König zum Kaiser ausrufen dürfe (174). Schließlich hatte Deutschland 1971 im Krieg gegen Frankreich gesiegt und brauchte keine Franzosen zu fragen.

 

Ein Feuerläufer in Hochstadt besagt nicht, daß es anderswo keine Feuerwehren gab (175). Es war umgedreht: ein Feuerläufer meldete den Brand im Nachbardorf, um die dortige Feuerwehr zu alarmieren.

Die Turner hatten nichts mit dem Schutz des Ortes und der Feuerwehr zu tun (175). Der Gesangverein "Harmonie" wird nicht 1840 gegründet, sondern erst 1864 (176), ein Jahr nach dem Gesangverein "Concordia".

Dessen Fahne ist heute noch erhalten, während der Gesangverein „Harmonie“ heute im „Ruth'schen Doppelquartett“ weiterlebt. Die Fahne der Freien Turner gibt 1887 als Gründungsjahr an. Aber das 25jährige Stiftungsfest war 1897 und nicht 1887 (178), in diesem Jahr wurde auch erst die Fahne gestiftet.

 

Das Verbot der Vereine durch die Amerikaner kann man nicht gleichsetzen mit dem Verbot durch die Nazis (181). Überhaupt kann man an verschiedenen Stellen des Buches einen gewissen Anti-Amerikanismus spüren. Die Amerikaner wollten grundsätzlich und auf Dauer alle Vereine ausschalten. Die Amerikaner jedoch wollten erst einmal die Vereine prüfen und Nazi-Vereine ausschließen, ehe sie sehr bald neue Vereine zuließen. Zur Vereinfachung genehmigten sie dann zunächst nur einen einzigen Gesangverein, die Sängervereinigung, die sich nach einigen Jahren aber wieder in die alten Vereine aufspaltete. Dieser Gesamtverein hat aber nichts zu tun mit der Sport- und Kulturgemeinschaft, die erst 1963 gegründet wurde.

 

Das Evangelische Gemeindehaus wurde 1985 fertig und nicht 1988 (184). Über die Autobusgesellschaft von 1912 ist durchaus mehr bekannt als nur ein Bild (191).

Der Name „Hohe Tanne“ kommt nicht von einer hohen Tanne, die dort stand (191), sondern es handelt sich um eine alte Flurbezeichnung „Hinter dem Hof Hohe Tanne“. Dabei ist zu fragen, welcher Hof gemeint ist, evtl. der Wilhelmsbader Hof.

 

Der Aufstieg Hitlers wird in glühenden Farben geschildert (196). Der Krieg wird in der Nazisprache geschildert (Blitzkrieg, Bombenterror) (211). Die Naziherrschaft wird zwar insgesamt abgelehnt. Aber man hat doch den Eindruck, es sei damals eine „große Zeit“ gewesen und es sei den Leuten gut gegangen. Sie hätten keinen Widerstand leisten können und man müsse Verständnis haben, wenn sie mitgemacht haben. Hier wird zu schnell entschuldigt und gerechtfertigt und die Täter zu irregeleiteten Opfern gemacht.

 

Natürlich kann man auch heute als junger Mensch erforschen und verstehen, was damals mit den Juden geschah (199). Wieder wird in diesem Zusammenhang der Aufstieg Hitlers verherrlicht, zum Beispiel wenn zitiert wird: „Die großen Siege im Zweiten Weltkrieg“ (200). Daß mehr als zwei Juden aus Wachenbuchen ermordet wurden, daß sie fast alle ermordet wurden, ist erwiesen. Daß Lothar Strauß schon 1945 als Offizier nach Wachenbuchen kam und einen Bruder Emil hatte, hat er bei seinem Besuch 1997 nicht erzählt (200).

 

Bei der Erstürmung des Versorgungslagers in der Schule wird Otto Fitzinger als Name des Soldaten angegeben (202), Johannes Kappes sei schon zwei Tage vorher von der Gestapo erhängt worden. Laut Kirchenbuch wurde Johannes Kappes am 26. April 1945 beerdigt. Der Eintrag ist mit dem Vermerk versehen: „standrechtlich erschossen oder erhängt von der Gestapo in Hanau“. Otto Fitzinger wurde am 2. April beerdigt, der Vermerk im Kirchenbuch lautet: „tot aufgefunden“. In der mündlichen Überlieferung weiß man es nicht anders, als daß Johannes (Jean) Kappes derjenige war, der die Öffnung des Vorratslagers erzwang.

 

Erneut wird ein Anti-Amerikanismus deutlich, wenn formuliert wird „die Militärregierung diktierte“ oder „Hexenjagd auf Nazis“ (203). Wieder wird zu viel Verständnis für Mitläufer gezeigt. In der Tat kamen die in die noch vorhandenen Lager aus der Nazizeit. Aber diese lassen sich nicht mit Konzentrationslagern vergleichen, denn es wurde niemand systematisch umgebracht, sondern viele Gefangene starben an Unterernährung und Krankheiten. Daß die Lager gegenüber der übrigen Bevölkerung nicht bevorzugt wurden, ist verständlich.

Die Überschrift „Ehre, wem Ehre gebührt“ geht völlig an dem vorbei, was im Krieg geschehen ist (204). Daran ändert auch die Aussage nichts, daß die „Heldentat“ sich ganz anders abgespielt hat und das Ritterkreuz angeblich nur bei Faschingsveranstaltungen getragen wurde. Immerhin existiert bei der Stadtbildstelle Hanau ein Bild des Ritterkreuzträgers aus der Nazizeit; es ist das einzige Bild dieser Art aus Wachenbuchen (es gibt noch eins von einem Bischofsheimer).

 

Die Flüchtlinge wurden nicht bewußt in Orte mit anderer Konfession gebracht (205.213). Es war doch gar keine Zeit, nach der Konfession zu fragen und entsprechend einzuteilen. Tatsache ist, daß die Sudetendeutschen schon in ihrer Heimat konfessionell gemischt waren und auch Konfessionslose darunter waren. Es kamen also auch evangelische Flüchtlinge ist evangelische Hanauer Land. Hier werden einfach alte Vorurteile weitergetragen.

Die Grenze zwischen Wilhelmsbad und Kesselstadt ist natürlich noch bekannt und auch auf Karten eingezeichnet, es stehen noch Grenzsteine (230). Auch im Grundbuch gelten die alten Gemarkungsbezeichnungen weiter.

Daß die Bevölkerung in Wachenbuchen bei der Gebietsreform nach Hanau tendiert habe (231), ist eine unbewiesene Behauptung und entspricht nicht den Tatsachen.

Sehr gut und eine Ergänzung zur Wachenbucher Chronik ist die Sammlung der Siegel (58), die Ausführungen über die Mühle (101.106f), den Niederhof (107), den Landverkauf (107), die Fehde (108), die Pfarrernamen aus Wachenbuchen (118), die Jagdsachen 1609 (133), die Hinrichtung in Wachenbuchen 1679 (140)(aus dem Mittelbucher Kirchenbuch?), die Branntweinbrennerei im Edelsheimschen Hof (154), den Holzverkauf (154), die Überschwemmung 1813 (154), die Hanauer Tracht (162), Robert Blum in Wilhelmsbad (168), den Selbstmord Offermann 1859 (175), Tod des Soldaten Wilhelm Eckhardt (194), Selbstmord des Architekten Bayer (196)

Sehr schön ist die Geschichte von der Goldenen Hochzeit des Bauers „Achter“ (eher vielleicht ein Philipp Puth VIII.)(192); nur wird die Quelle nicht angegeben und eine Nachprüfung ist also nicht möglich.

Sehr schön ist die Geschichte vom angeblich gepanschten Apfelwein (212) oder die Geschichte von der Küsterin Gertrud (214). Interessant ist auch die Aufstellung von Todesfällen von Kindern (239) und einige zusätzliche Nachrichten über Juden (239).

 

Einzelheiten:

S. 4: Statt „Kaldenbach“ muß es „Kalbach“ heißen.

S. 13: gemeint ist das Doppelte des Drei- bis Vierfachen der Saatmenge

S. 30: Druckfehler „in der Nähe war“....“bis zu den 50iger Jahren, in denen in Mittelbuchen...“

S. 34: Die Satzkonstruktion ist falsch, gemeint ist: Es konnte kein Heiliger in Frage kommen als der, der im Kloster Lorsch begraben war.

S. 66: Die richtige Schreibweise ist „Pfund Heller“ (ohne Bindestrich)

S. 69: „sie“ wird nicht großgeschrieben (dreimal, auch S. 76)

S. 77: Es gibt auch ein Buchenau bei Bad Hersfeld, auf das sich die Urkunde beziehen könnte (S. 107 erwähnt).

S. 85: Druckfehler: .. an einem Krieg teilnahm.

S. 93: Hier Werner von Lichtenberg, sonst Wernher von Lichtenberg-

S. 91: „Hurenkind“ (alleinstehende Zeile am Seitenanfang), auch S. 226.

S. 113: störende Leerzeile, S. 152 störender Wechsel der Schriftgröße.

S.113 und öfter: Das Schloß heißt Philippsruhe (mit „e“ am Ende) (145.149).

S. 133: Mehrfach wird die altertümliche Schreibweise „Compagnien“ verwandt (133f), aber auch die richtige Schreibweise ist bekannt (140).

S. 171: Druckfehler: „bleibt ein Zugereister“

S. 193: Hier ist „erster Weltkrieg“ geschrieben, sonst aber „Zweiter Weltkrieg“ (groß), auch S. 225 „Erster Weltkrieg“.

 

Das „ß“ wird immer wieder so getrennt, wie es heute in den Zeitungen üblich ist, aber richtig ist die Aufteilung in ein doppeltes  „s“ (72.129.175).

 

 

Extrablatt im „Maintal Tagesanzeiger“:

S. 2: Liubert betrat das Kloster Lorsch nicht durch die Königshalle, weil es die 798 noch nicht gab. Eventuell wurde die Schenkung sogar im Kloster Altenmünster besiegelt (etwas tiefer an der Gersprenz gelegen). Das Kloster Lorsch bestand allerdings schon. aber die Torhalle ist erst in der Zeit nach Karl dem Großen entstanden.

S 7: Die Dorfelder waren nicht mit den Buchern verwandt, beerbten diese aber, nachdem sie ausgestorben waren. Die Buchener nannten sich also nicht „von Dorfelden“, sondern hier handelt es sich um eine andere Familie.

S. 9: Geibel hat seine Ferien nicht „oft im Hanauer Raum“ verbracht, sondern er war nur einmal im Jahr 1835 während seines Studiums in Bonn in Wachenbuchen zu Besuch.

S. 18: Das Lorscher Urkundenbuch befindet sich nicht mehr in München, sondern im Staatsarchiv Würzburg, das sich in der Residenz befindet.

 

Auch im Heimatmuseum Mittelbuchen ist das falsch dargestellt. Dort sind übrigens auch Fehler im Zusammenhang mit der Geschichte der Schule gemacht worden und auch bei dem Thema „Juden“ ist einiges falsch. Dem Museum merkt man an, daß man Mühe hatte, die Räume zu füllen. Andererseits entspricht das den Anschauungen der heutigen Museums-Macher. Doch oft ersetzen Schrifttafeln ein Ausstellungsobjekt. Schade ist natürlich auch, daß man den Viergötterstein, der bisher im Museum in Hanau-Steinheim war, jetzt in Hanau-Mittelbuchen ausstellt statt in Maintal bzw. in Wachenbuchen, wo er gefunden wurde (er muß nicht ursprünglich von dort stammen).

 

„Historischer Festumzug anläßlich des Jubiläums 1200 Jahre Buchen am 9. August 1998“: Erläuterungen zu den im Festzug dargestellten Bildern

S. 6: Der Limes kreuzte nicht bei Großkrotzenburg den Main, sondern von Großkrotzenburg bis Miltenberg bildete der Main den Limes. Der römische Töpfer heißt „Primogenitus“, („der Erstgeborene“).

S. 8: Woher kommt die Auffassung, die iroschottische Mission sei mit „Brachialgewalt“ vorgenommen worden? Eher könnte man das von der späteren Mission des Bonifatius sagen.

S. 11: Eiserne Roste vor dem Kirchhof sind nicht in Hochstadt zu sehen, sondern z.B. in Gelnhausen. Die Roste in Hochstadt sind neueren Datums und dienen nur der Entwässerung.

S. 15: Die größere Leuchte war bei Hochstadt. Und dort war auch ein See (der „Teufelsee“). Die Leuchte befand sich zwischen der Autobahn und der Thingstraße. Die Wachebucher Leuchte dagegen war östlich des Simmichtswegs nördlich des Waldes. Bei feierlichen Anlässen kamen die Wachenbucher nach Hochstadt, nicht umgekehrt.

S. 20: Der Name des ersten reformatorischen Pfarrers in Wachenbuchen ist bekannt. Der Protest gegen Papst Pius II. war keine Vorreformation.

S. 21: Groschlag gehörte zu Hochstadt und damit zum Amt Büchertal, Bischofsheim gehörte zum Amt Bornheimerberg.

S. 24: Wo ist die Angabe her, der Lehrer sei auch „Büttel“ und „Unterschultheiß“? Die Lehrer mußten anfangs manche Botengänge erledigen, die später Aufgabe des Ortsdieners („Büttels“) waren. Gelegentlich mag ein Lehrer auch Unterschultheiß gewesen sein, aber das war nicht durchgängig so.

S. 30: Das Geibel-Zitat ist falsch wiedergegeben. Es muß heißen: „...im Dorf zu Wachenbuchen“.

S. 37: Der Gesangverein „Harmonie“ wurde 1864 gegründet, die „Concordia“ ist noch älter.

S. 40: Dr. Weitzel war nicht „vom Sanitätsverein“. Der Verein finanzierte den Arzt, der nicht selber Mitglied war.

S. 41: Joachim Hoffmann ist aus gesundheitlichen Gründen nach Lenggries in Oberbayern gezogen.

S. 45: Zum Bau des Dorfgemeinschaftshauses konnte nicht aufgefordert werden unter Berufung auf die längst abgeschafften „Hand- und Spanndienste“, sondern es ging um eine Gemeinschaftsaufgabe, die allen zugute kam.

 

 

Aus dem „Maintal Tagesanzeiger“

Wachenbuchen: Sonderfall Maintal 4?

Wer aus Frankfurt kommt ist Frank­furter die Nach­barn aus Hanau sind Hanauer, die aus Dörnigheim Stammenden Dör­nigheimer, wer in Bischofsheim wohnt ist Bischofsheimer und ein in Hoch­stadt Ansässiger ist natürlich Hoch­städter. Aber was ist mit Wachenbu­chen? Sind die Einwohner von „Main­tal 4“ Wachenbucher oder Wachenbu­chener?

Die Meinungen gehen auseinander und auch wenn man in Wachenbu­chen fragt, bekommt man keine ein­heitliche Antwort. Die einen meinen so, die anderen so. Und nach Mundart heißt die dritte Variante „Wachebü­cher“. Das hilft nun aber auch nur be­dingt weiter.

Auf der Suche nach der Wahrheit hilft vielleicht der Stadtplan weiter. Ent­sprechende Straßennamen gibt es in Hochstadt und Mittelbuchen, und bei­de heißen „Wachenbuchener Straße“. Also alles klar? Doch Moment: In Peter Heckerts Hei­matchronik „Liebenswertes Wachen­buchen“ ist durch die Bank von „den Wachenbuchern“ die Rede ‑ und nicht von „Wachenbuchenern“. Was stimmt denn nun?

Kann man also tatsächlich guten Ge­wissens ein „en“ streichen? Ist das nicht ein Regelverstoß, schließlich wird doch vom Ortsnamen immer eine Endung drangehängt und nicht weg­gelas­sen? Es heißt ja auch nicht Dörni­ger, Bischofser oder Hochster ‑ wa­rum dann also Wachen­bucher?

Was soll’s, denkt sich die Spitzmaus ‑ es gibt nun einmal keine Regel ohne Ausnahme, und Herr Heckert wird’s schon wissen. Immerhin lassen sich noch mehr Ausnahmen finden: Es heißt Sachsenhäuser und nicht Sach­senhausener und auch die Einwohner von Recklinghausen legen größten Wert drauf, daß sie Recklinghäuser sind. Letzteres steht sogar im Duden und hat nichts mit der Rechtschreibre­form zu tun (5. Juni 2002, Dirk Müller).

 

Wachenbuchen - Fünftes Rad am Wagen?                                                  MTA 25.06.2016

Die Wachenbucher sind zu Recht stolz auf ihren Stadtteil, wo die Gemeinschaft hoch gehalten wird und immer noch so ziemlich jeder jeden kennt. Dieses besondere Zusammengehörigkeitsgefühl kann man Jahr für Jahr am Kerbmontag, dem so genannten „Wachenbucher Nationalfeiertag“, sehr gut beobachten. Die Bürger im nordöstlichen Stadtteil sind aber auch sehr sensibel, wenn sie den Eindruck haben, daß sie benachteiligt werden. Immer wieder ist so über die Jahre hinweg aus Wachenbuchen zu hören, daß man sich als „fünftes Rad am Wagen“ in Maintal fühle. Das wurde zuletzt in den Jahren 2012 und 2013 deutlich vernehmbar, als zunächst der einzige Hausarzt im Ort und ein halbes Jahr später die Apotheke schlossen.

Und nun ist es wieder soweit. Zum 7. Juli wird die Filiale der Frankfurter Volksbank an der Raiffeisenstraße zugesperrt. Die Wirtschaftlichkeit einer solchen Geschäftsstelle ist für ein Kreditinstitut von entscheidender Bedeutung. Diese war dort nicht mehr gegeben, wurde die Filiale doch immer weniger von Kunden frequentiert. Vieles läuft mittlerweile über Online-Banking. Das ist auch in Wachenbuchen so.

Aber gerade die älteren Bürger fühlen sich nun durch diese Maßnahme der Frankfurter Volksbank noch weiter abgehängt. Sie sind es auch, die unter dem fehlenden Hausarzt und der nicht mehr vorhandenen Apotheke leiden. Wer in der Mobilität eingeschränkt ist, der benötigt die wichtigsten Angebote, zu denen eben gerade im Alter Arzt und Apotheke zweifellos zählen, vor der Haustür. Immerhin bietet die Frankfurter Volksbank an, ihren Kunden die Taxifahrt nach Bischofsheim zu ihrer nun für sie zuständigen Filiale zu bezahlen. Und sie will jenen, die nicht recht mobil sind, sogar das Geld vorbeibringen lassen. Das ist alles sehr löblich. Aber es ändert nichts an der Tatsache, daß sich viele Wachenbucher immer mehr abgehängt fühlen. Denn auch wenn es ums Einkaufen geht, findet man kaum noch Möglichkeiten im kleinsten Maintaler Stadtteil.

Und das gehört ebenfalls zur Lebensqualität, nicht nur das erfreulicherweise vorhandene Vereinsangebot und der Zusammenerhalt, den man in Wachenbuchen noch mehr als in vielen anderen Orten der Region vorfindet. Entsprechend müßte jetzt auch die Politik ein Zeichen setzen und nicht nur im Wahlkampf versprechen, daß man sich für eine ausreichende Ärzteversorgung einsetzt. Die Wachenbucher hätten es zweifellos verdient, wenn sie bald wieder einen Arzt vor Ort hätten. Und eine attraktive Gestaltung der Ortsmitte rund um das Bürgerhaus wäre ebenso ein lohnender Ansatzpunkt, um den Sätzen vom „fünften Rad am Wagen“ langsam die Grundlage zu entziehen (Lars-Erik Gerth).

 

 

 

Beiträge von Peter Heckert zu anderen Veröffentlichungen

 

Festschrift:  Vom Dorf zur Stadt

Die neue Zeit begann für Wachenbuchen und Mittelbuchen mit dem Bau der Eisenbahn von Frankfurt-Ost nach Hanau-West im Jahre 1848. Allerdings dauerte es noch einige Jahrzehnte, bis sich direkt Auswirkungen zeigten. Viele Arbeiter fuhren noch mit dem Fahrrad nach Fechenheim in die Chemische Fabrik, um das Geld für den Zug zu sparen.

Aber als 1912 eine Buslinie von Wachenbuchen über Mittelbuchen zum Bahnhof Wilhelmsbad eingerichtet wurde, da war der Anschluß an die weite Welt geschaffen. Die Arbeiter hatten Zugang zu den Fabriken in Frankfurt und Hanau und darüber hinaus.

 

Aber auch umgedreht strömten die Städter an den Sonntagen auf das Land, um den guten Apfelwein zu genießen. Mit 200 Besuchern konnte man im Sommer in Wachenbuchen und Mittelbuchen rechnen. Zu dem alten Dorfgasthaus kamen bis 1910 noch drei weitere Gaststätten hinzu. Ein Gastwirt und der Arzt hatten 1906 die ersten Autos im Dorf.

 

Die Landwirtschaft änderte sich nur langsam. Durch den Bevölkerungszuwachs waren einfach zuviel Menschen da, nicht mehr alle in der Landwirtschaft Arbeit finden konnten. Da war es günstig, daß die Industrie hungrig nach Arbeitskräften war. Viele gingen jetzt in die Stadt zur Arbeit. Aber sie blieben im Dorf wohnen und hatten noch ein kleine Landwirtschaft.

 

Typisch für diese Entwicklung ist die Hainstraße. Sie ist in den Gründerjahren zwischen 1870 und 1914 entstanden. Jedes Haus hatte aber noch einen Stall dabei und diente bis in die 30iger Jahre dieses Jahrhunderts der Nebenerwerbslandwirtschaft. Mit der Hainstraße wurde auch erstmals der alte Dorfkern wesentlich überschritten. Vorher gab es nur einzelne Häuser im Westen der Hauptstraße (heute: Alt Wachenbuchen) und im Süden des Ortes.

Verdienstmöglichkeiten im Ort waren dünn gesät. Nach dem Ersten Weltkrieg kam die Diamantschleiferei auf, die zeitweise bis zu 150 Einwohnern den Lebensunterhalt sicherte. Vor allem die Elektrifizierung erlaubte es vielen kleinen Handwerkern, sich selbständig zu machen. Wasserleitung gab es ja schon seit 1897. Wachenbuchen spielte eben in mancher Hinsicht eine Vorreiterrolle. Die Haupteinnahmequelle für die Gemeinde waren der Wald und der Steinbruch bei Wilhelmsbad. Auch die Anlage der Villenkolonie Hohe Tanne seit 1910 sollte die Steuerkraft stärken.

 

Die Landwirtschaft mußte sich wandeln und anpassen. Wurden ursprünglich die Felder nur mit Kuhgespannen oder bestenfalls Pferden bearbeitet, so übernahmen nach dem Zweiten Weltkrieg die Traktoren und immer mehr Maschinen diese Aufgabe. Dadurch entstanden bis heute leistungsfähige Familienbetriebe. Aber die Landwirte sind heute eine Minderheit im Ort.

Dieser weitete sich vor allem in den 70iger Jahren mächtig aus. Zunächst wurde der Bereich südlich des Ortskerns erschlossen, dann die Gebiete westlich. Auch östlich entstand ein kleines Neubaugebiet. Dadurch stieg die Einwohnerzahl auf über 3.500. Vorgesehen ist eine Erweiterung in Richtung Hochstadt.

 

Die Infrastruktur ist gut entwickelt. Es gibt ein Bürgerhaus, eine Verwaltungsstelle, einen Kindergarten, Kirche und Gemeindehaus, viele Einzelhandelsgeschäfte, zwei Gaststätten, zwei Banken, eine Postfiliale, eine Bücherei, eine Arztpraxis, eine Apotheke. Ganz hervorragend ist das Vereinsleben, das auf kulturellem und sportlichem Gebiet jedem etwas bietet. Die Mittelpunktschule liegt zwischen Wachenbuchen und Mittelbuchen, weiterführende Schulen sind in Hanau und Bischofsheim.

Seit fast 25 Jahren ist Wachenbuchen nun ein Teil der Stadt Maintal. Diese richtete ein neue Buslinie ein. Die Autobahn führt seit 1983 durch die Gemarkung und eröffnet den Zugang in die weite Welt. Das wirkt sich auch auf das Bewußtsein der Einwohner aus. Viele sind erst in den letzten Jahrzehnten zugezogen, viele sind Ausländer. Aber sie wohnen alle gern in dem Ort am Hang des Hühnerbergs, zwischen Wald und freier Feldflur, aber doch nahe dem pulsierenden Leben der Großstadt.

Aus dem mehr beschaulichen Dorf ist ein moderner Stadtteil geworden, der attraktiv für die Alteingesessenen ist, aber auch neue Menschen anzieht. Wachenbuchen ist nicht mehr das kleine beschauliche Dörfchen wie vor hundert Jahren. Wer behauptet, hier sei die Welt noch in Ordnung, der verschließt in romantischer Verklärung die Augen vor den großen Wandlungen, die auch vor Wachenbuchen nicht Halt gemacht haben. Hier gibt es Probleme wie anderswo auch. Aber hier leben auch moderne und aufgeschlossene Menschen, die ihren Platz in der heutigen Zeit suchen und finden. Auch nach 1200 Jahren lohnt es sich, in dem liebenswürdigen Wachenbuchen zuhause zu sein.

 

 

Sie wußten, was sie wollten - die Wachenbucher!

Ein eigener Menschenschlag in der Stadt Maintal.

Schon in der Vergangenheit ließen sich die Wachenbucher nichts vormachen und behaupteten ihren Standpunkt. Ein Beispiel ist der Patronatsstreit von 1327. Schon seit den Zeiten der Germanen nehmen sich die Grundherren das Recht, bei der Besetzung der Pfarrstelle in ihrem Bereich mitzureden. Im Streit um die Besetzung (Investitursstreit) will der Papst im 11. Jahrhundert das rückgängig machen, kommt aber letztlich nicht durch.

Die ersten Wachenbucher Pfarrer werden noch allein vom Erzbischof in Mainz eingesetzt: Dominus Petrus viterbinensis (um 1250), Gerlach (um 1306) und Petrus, der 1327 in Wachenbuchen stirbt. Daraufhin meldet sich Heinrich von Buchen, ein Ritter aus dem Ort, der die Rechte des geistlichen Standes erworben hat, und will die Stelle haben. Da es sich um einen Ritter handelt, hat der Oberlehnherr Luther zu Isenburg in Büdingen eine günstige Gelegenheit, den Bewerber dem Erzbischof von Mainz zu präsentieren und damit ein Patronatsrecht zu beanspruchen.

Am 3. Dezember 1327 kommt es in Büdingen zum Prozeß. Rechtsanwälte und Gutachter werden aufgeboten, Zeugen werden verhört. Doch der Mainzer Vertreter ist schlecht informiert. Er weiß nicht einmal, wie es bei der Präsen-tation des Pfarrers Petrus war, obwohl er ihn doch selbst präsentiert hat. Er glaubt, daß er durch den örtlichen Erzpriester eingeführt wurde, weiß aber nicht, auf wessen Präsentation hin.

Die Sache zieht sich bis 1331 hin. Aber an dem angesetzten Verhandlungstag 20. Februar erscheint keine der Parteien. Der Personalchef des Mainzer Erzbischofs ist erbost und verkündet, daß er nun zusammen mit dem Vertreter Luthers entscheiden werde. Noch einmal werden von einem Schulmeister aus Gelnhausen einige Zeugen in Büdingen vernommen. Ein Bericht darüber geht nach Mainz. Aber offenbar wird Heinrich von Buchen doch Pfarrer in Wachenbuchen und ist es wahrscheinlich bis 1358. Die Gemeinde und die örtlichen Kräfte haben sich durchgesetzt gegen die Amtskirche.

 

Ein anderer Vorfall aus dem gleichen Jahrhundert zeigt schon den Charakter der damaligen Wachenbucher. Als Ulrich von Hanau 1389 der Stadt Frankfurt Fehde ansagt, schließen sich auch einige andere Ritter der Umgebung an. Unter ihnen sind auch Gerlach von Buchen, Clas von Buchin, Reinhard von Bochen, Klaus von Buchen, Simon Span zu Wachenbuchen und Heinrich Difel, sein Knecht, alle Angehörige des niederen Adels, die im Dorf wohnen.

Aber die Frankfurter sind stärker und stecken Mittelbuchen und Wachenbuchen an. Einigen Bürgern bleibt nichts anderes übrig, als die Stadt Frankfurt um Hilfe zu bitten. So bitten Reinhard Roiszer von Buches und seine Familie um Ersatz des Schadens, der ihm durch Brand in beiden Orten zugefügt wurde.

Gerlach, der Pastor der Kirche zu Wachenbuchen, bekennt 1390, daß die Stadt Frankfurt ihn mit 15 Gulden entschädigt hat für Kriegsschäden an seiner beweglichen Habe und bei dem Brand des Pfarrhofes. Auch Kraft von Altendorf hat einen Schaden in Wachenbuchen erlitten. Die Stadt Frankfurt erklärt sich 1391 bereit, die Sache gütlich mit ihm zu regeln. Beim Kämpfen war man schnell. Aber hinterher gibt es lange Gesichter.

Aber auch innerhalb de Ortes gibt es Spannungen zwischen der Mehrheit der Bevölkerung und den wenigen Reichen. Besonders das mitten im Ort gelegene Hofgut hat wohl gern eine Sonderstellung eingenommen. Es gehört bis nach dem Zweiten Weltkrieg der Familie von Edelsheim, die aus dem Hanauer Bürgertum gekommen ist. Den Hof in Wachenbuchen haben 1859 die drei Brüder von Edelsheim verpachtet. Sie selbst wohnen weit weg, zum Teil im Ausland. Aber immer noch erhält der Hof jedes Jahr die doppelte Holzzuteilung aus dem Ge-meindewald.

Jetzt aber wollen die Anderen das nicht mehr dulden. Der Pächter soll auch nur so wie alle anderen Ortsbürger behandelt werden. Man kann nicht mehr sagen, wessen Name in den Vorjahren bei der Verlosung genannt wurde. Wahrscheinlich wurde der Name von Edelsheim aufgerufen, aber den Zettel hat der Pächter entgegengenommen. Das gibt es nun nicht mehr: Der Pächter erhält den gleichen Anteil wie die anderen auch.

 

Auch den Einfluß des hessischen Landgrafen will man einschränken. Die Grafschaft Hanau war ja längst an Kurhessen gefallen. Aber die Kasseler Landgrafen, die sich inzwischen ja sogar "Kurfürst" nennen dürfen, sehen Hanau als so etwas wie ihre zweite Residenz an und die Wälder um die Stadt als ihr bevorzugtes Jagdrevier.

Schon 1864 weist das Gemeinderatsmitglied Lottich darauf hin, daß nach dem Gesetz von 1848 die Jagd wieder vom Staat an die Gemeinden hätte abgetreten werden müssen. Es wird deshalb ein Prozeß angestrengt. In der Folgezeit verpachtet auch die Gemeinde die Jagd.

Allerdings geht sie meist an den landgräflichen Forstmeister, weil der am ehesten die geforderte Jagdpacht zahlen kann. Durch die Jagd der Beamten der Landesherrschaft entsteht aber immer großer Schaden im Wald, sehr zum Verdruß der Bauern. Deshalb teilt man den Jagdbezirk zunächst in zwei Bereiche, obwohl das streng untersagt ist. Im Jahre 1866 gelingt es dann vier Bauern, die Jagd auf den Feldern zum stolzen Preis von 2.500 Gulden zu ersteigern. Damit ist der Landgraf erst einmal hinausgedrängt.

Aber für die Wachenbucher kommt das dicke Ende erst noch: Sie haben sich mit ihrem Gebot natürlich übernommen und können nicht zahlen. Die übergeordneten Behörden drängen auf Härte und Neuvergabe der Pacht. Der Gemeinderat aber hält den Einheimischen bei und hat sie wahrscheinlich auch zu diesem Trick ermuntert. Er setzt die Pacht 1966 einfach auf 500 Gulden herunter und die Jagd bleibt im Dorf, zumindest auf den Feldern.

Noch um die Jahrhundertwende wird das Feld nördlich der Mittelbucher und Hochstädter Straße getrennt verpachtet für etwas mehr als 500 Mark, obwohl die Aufteilung immer noch verboten ist; aber in Wachenbuchen macht man sich nichts aus solchen Verboten.

 

Auch gegenüber dem einzigen Industriellen im Ort ist man hart. In der Nähe des Kurhauses Wilhelmsbad liegt der Steinbruch der Wachenbucher Gemeinde. Seit 1902 ist er die Firma Karl Kaiser aus Hanau verpachtet. Die Gemeinde ist mit sechs Prozent am Umsatz beteiligt. Aber man vergißt auch nicht, für den eigenen Bedarf einen Rabatt von zehn Prozent und die bevorzugte Anstellung von Arbeitern aus dem Ort zu vereinbaren.

Umgedreht versteht es Kaiser auch wiederum geschickt, andere Mitbewerber aus dem Feld zu schlagen. Zu beiderseitigem Nutzen entwickelt sich so eine jahrzehntelange Zusammenarbeit. Der Steinbruch ist neben dem Wald die Haupteinnahmequelle der Gemeinde. So 3.000 Mark kann sie immer heraus-schlagen. Als Kaiser 1919 im Steinbruch bauen will, sagt man ihm gleich, daß er nicht auf den Anschluß von Wasser und Licht hoffen könne.

Am 13. Juni 1929 tauscht die Gemeinde mit der Firma Kaiser ein Stück Steinbruchgelände gegen eine Wiese. Dafür muß die Firma aber außerdem die Hintertorstraße mit Verlängerung der Hanauer Landstraße pflastern und mit Bürgersteigen versehen, während die Gemeinde nur 5.000 Mark Zuschuß gibt. In solchen Koppelungsgeschäften ist man Meister.

 

Im 19. Jahrhundert nimmt das Dorf einen großen Aufschwung. "Wenn es sich irgendwann und irgendwo um eine fortschrittliche Einrichtung und Einführung oder um eine Unternehmung handelte, so marschierte Wachenbuchen stets mit an der Spitze; das dürfen wir mit Stolz bekennen!"(Feuerwehrfestschrift)

 

Über ihr kostbares Wasser haben die Wachenbucher immer sehr gewacht. Im 18. Jahrhundert werden sie gezwungen, eine Wasserleitung für die Stadt Hanau zuzulassen. An der Pfingstweide werden die Quellen gefaßt und in einer hölzernen Leitung in die Hanauer Alt- und Neustadt geleitet. Die Leitung ist westlich des Dorfes allerdings nur in geringer Tiefe verlegt. Sie ist also schnell auszugraben und anzubohren. Bald werden immer mehr Gärten durch das Wasser aus der Hanauer Leitung beregnet. Und damit der Druck besser wird und das Wasser weiter spritzt, verstopft man das Rohr mit Grasstücken, bis die Hanauer die Ursache der Verstopfung gefunden haben und alles wieder entfernen.

Deshalb ist man immer wieder mißtrauisch, wenn andere begehrlich nach dem Wachenbucher Wasser schielen. Zunächst wird immer erst einmal hinhaltender Widerstand geleistet. Schließlich wird 1904 doch eine Bohrung für die Stadt Frankfurt in der Langheeg vorgenommen.

Aber ein Vertrag wird vorläufig noch nicht abgeschlossen: Erst soll ein Sachverständiger herangezogen werden, der bestätigt, daß kein Schaden für Wald und Feld entsteht.

Selbst 1943 gegen Ende der Nazizeit, wo doch alles von oben verfügt wird, lehnen der Gemeindevorstand und der Bürgermeister den Anschluß des Gemeindewasserwerks an die Kreiswerke ab: Die Gemeinde sei im Besitz einer Wasserversorgung, die abgeschrieben ist. Eine zweite Anlage ist halb fertiggestellt. Sie kann nur nicht fertiggestellt werden, weil wegen der Kriegszeiten die Rohre fehlen. Die Einwohner sind mit der Pauschalgebühr von 30 Pfennig pro Person und 50 Pfennig pro Stück Großvieh zufrieden (wohl im Monat). Heute bleibt alles Wasser in Wachenbuchen, man bezieht sogar über die Kreiswerke noch Wasser aus Niederdorfelden.

 

Mit den Lehrern steht man zeitweise auch ein wenig auf Kriegsfuß. So lehnt der Gemeindevorstand 1905 die Übernahme der Kosten für die Reinigung der ersten Schule ab ("Küsterschule", Kirchhofstraße 3). Wahrscheinlich ist das Aufgabe des Ersten Lehrers, der gleichzeitig Kantor und Kirchendiener ist. Das Reinigen gehört nun einmal zu seinen Amtspflichten, auch diese niederen Verrichtungen werden ihm nicht erlassen. Für die Reinigung der Zweiten Schule (Herrnstraße 5) dagegen wird anstandslos eine Raumpflegerin angestellt.

Auch den Antrag auf Erhöhung der Lehrerbesoldung wimmelt man 1906 mit for-malen Argumenten ab: Weil die Lehrer es versäumt haben, einen Betrag zu nennen, kann man auch keinen bewilligen. Stattdessen bietet man ihnen einen Morgen Land im Hofgarten an und will es sogar noch einzäunen.

Da können sie dann einmal mit ihrer Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen, wird man gedacht haben. Der Gipfel ist aber, als man den Lehrern die Teilnahme an einem Turnkursus in Fechenheim verwehrt, weil sie dafür unge-eignet wären. So geschehen 1907 und 1910.

 

Überhaupt ist der Gemeindevorstand und auch die Gemeindevertretung in dieser Zeit sehr sparsam. Er erklärt sich 1903 zur Grundreparatur der Kirche bereit, beteiligt sich jedoch nicht an dem Erweiterungsbau. Deshalb hofft man auch 1927, daß die Gemeinde die Reparatur des einsturzgefährdeten Ostgiebels bezahlen wird. Die Gemeinde verweist darauf, daß sie 1903 die Erweiterung der Kirche nicht gewollt hat und der jetzige Schaden nur durch einen Konstruktionsfehler bei der Erweiterung entstanden sei.

Als 1905 die Glocke beschädigt ist, will man erst versuchen, einen Splitter einzusetzen, ehe man eine neue Glocke kauft. Auch 1927 lehnt man eine Bürgschaft für die Beschaffung der Glocken ab und bestreitet bei dieser Gelegenheit auch gleich generell die Unterhaltspflicht der Gemeinde für die Reparatur der Kirche. Das hat nichts mit einer Kirchenfeindlichkeit zu tun, sondern man ist generell sparsam und lehnt viele Anträge ab.

Aber auch der israelitischen Gemeinde ergeht es nicht besser. Sie beantragt 1907 im Zusammenhang mit der Flurbereinigung einen eigenen Friedhof. Es wird ihr vorgeschlagen, doch erst einmal ein Grundstück zu kaufen und dann einen Antrag zu stellen. Schließlich will die Gemeinde 500 Mark geben, wenn mindestens fünf Ar gekauft werden. Aber entweder war niemand bereit zu verkau-fen oder das Grundstück war zu groß und zu teuer. So hat man nicht prinzipiell abgelehnt, aber die Sache in der Praxis unmöglich gemacht.

 

Auch anderen Einrichtungen geht es nicht besser: Als die Feuerwehr 1906 ein Gerüst zum Trocknen der Schläuche haben will, wird ihr geantwortet, sie könnten doch am Rathaus getrocknet werden.

Als 1909 der Arzt Dr. Weitzel einige Reparaturen am Doktorhaus haben möchte, bequemt sich der Gemeindevorstand immerhin dazu, wenigstens das Haus einmal anzusehen.

Die Kanalisierung der Erbsenstraße wird 1910 abgelehnt, weil angeblich nicht nachgewiesen werden kann, daß das Wasser in den Kellern von dem öffentlichen Brunnen in der Straße kommt.

Mit dem Wilhelmsbader Hof wird 1910 nur dann ein Grundstück getauscht, wenn dafür ein bestimmtes Grundstück an der Hanauer Landstraße für die Gemeinde gegeben wird.

 

Ein besonderes Kapitel ist die Autobusgesellschaft. Schon 1914 lehnt es die Gemeinde ab, der Automobilgesellschaft beizutreten. Da beschließt der Kreis, daß sie beitreten m u ß. Daraufhin beauftragt die Gemeinde wiederum einen Rechtsanwalt. Der Krieg wird die Sache wohl von selbst erledigt haben. Aber nach dem Krieg tritt man dann doch der neu gegründeten Kraftverkehrsgesellschaft bei. Aber als die Gemeinde 1930 den Verlust in Höhe von 222 Mark übernehmen soll - wie es vertraglich vereinbart ist - stimmt der Wachenbucher Vertreter einfach dagegen.

 

Auf die Kommunisten ist man in einem traditionell bestimmten Ort nicht gut zu sprechen. So lehnt man nach dem Krieg den Antrag der Kommunistischen Fraktion auf Gewährung von Winterbeihilfe ab. Im gleichen Atemzug nimmt man aber den Antrag der Sozialdemokratischen Fraktion an, daß 800 Mark Weihnachtsbeihilfe in Form von Lebensmitteln gezahlt werden.

Die Eingabe der kommunistischen Fraktion im Jahre 1931 wegen Erlaß der Grundvermögenssteuer für die Landwirte und der Gewerbesteuer für die Handwerker wird nur "zur Kenntnis genommen".

 

Die Gemeinde entwickelt sich und wird immer größer. Immer wieder vergibt der Gemeindevorstand dabei Bauplätze. Dabei kennt man in Wachenbuchen sogar schon eine Art sozialen Wohnungsbau.

So werden 1921 zwei Bauwilligen  Bauplätze am Hintertor zum Bau von je zwei Wohnungen überlassen. Die Gemeinde macht aber die Auflage: sie gibt jedem einen Zuschuß vom mindestens 15.000 Mark, dafür darf der Eigentümer die zweite Wohnung aber nur in Absprache mit der Wohnungskommission vermieten. So wird es von da an bei jeder Vergabe von Gemeindeland gemacht.

Eine andere Variante ist, daß die zweite und jede weitere Wohnung nur an einheimische Wohnungssuchende vergeben werden darf. So wird es 1927 bei der Vergabe eines Baugrundstücks  an die Firma Welz  vereinbart.

 

Einen Zuschuß zum Bau eines Doppelhauses mit vier Wohnungen stellt die Gemeinde nur zur Verfügung, wenn sie dafür einen Sitz im Aufsichtsrat erhält. Der Baulandpreis beträgt in dieser Zeit in der Regel 1,50 Mark. Nur in der Hohen Tanne nimmt man etwas mehr, so zwei bis drei Mark. Der Bauunternehmer Welz  aber muß 5 Mark zahlen.

Überhaupt wird die Firma Welz tüchtig geschröpft. Als 1927 in der Schulstraße einige Kanalrohre umgelegt bzw. höhergelegt werden müssen, werden die Erd-arbeiten von Erwerbslosen ausgeführt. Das Umlegen der Rohre aber muß die Firma Welz kostenlos machen. Das ist ein ganz geschickter Schachzug, denn die Firma Welz will wieder einmal einen Bauplatz.

 

Der Bau des elektrischen Ortsnetzes wird 1920 an die Firma Siemens-Schuckert vergeben. Die von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Holzmasten dürfen aber nicht in der Gemeinde verwendet werden, sondern man will abgelagerte und gut imprägnierte Masten haben.

Doch 1929 möchte der Kreis das elektrische Ortsnetz übernehmen. Die Gemeindevertretung ist aber nicht mit der Bewertung einverstanden und leistet wieder einmal hinhaltenden Widerstand. Für das Ortsnetz werden jetzt fast 12.500 Mark geboten, Die Gemeinde möchte aber aus Prinzip noch 300 Mark mehr haben. Als der Kreis das Ortsnetz dann doch in der Hand hat, gibt er es auch sofort an die Elektrizitätsaktiengesellschaft Mitteldeutschland weiter. Das Mißtrauen war also berechtigt. Im Jahre 1931 boykottiert man sogar die Stromversorgung und schaltet die Straßenbeleuchtung vorzeitig ab.

 

Auch bei der Schwesternstation möchte man gerne sparen. Zunächst wird einer solchen Station "im Prinzip" zugestimmt, der Wohlfahrtsausschuß soll sich damit befassen. Aber schließlich wird der Plan 1925 doch "vorerst zurückgestellt", weil keine Wohnung zu beschaffen ist.

Eine Fortbildungsschule hält man für überflüssig. Schon 1910 wird die Aufstellung eines Statuts für eine Fortbildungsschule abgelehnt, weil man sich nicht auf Dauer mit Kosten belasten will.

 

Und 1925 hat man sogar das Argument, die Ausdehnung des Unterrichts auf die weibliche Jugend sei nicht zweckmäßig und eine Fortbildungsschule deshalb unnötig.

 

Gegenüber Steuern ist man immer sehr mißtrauisch. Schon 1910 wird die Erhebung von Staatssteuern abgelehnt. Auch 1930 und 1931 wird die erhöhte Biersteuer und Bürgersteuer immer wieder abgelehnt, obwohl sie der Kreisausschuß immer wieder fordert. Erst in der Nazizeit werden diese Steuern von oben verfügt.

 

Als der Kreis 1935 für Notstandsmaßnahmen unentgeltlich Steine aus dem Gemeindesteinbruch haben will, lehnt der Bürgermeister das ab, weil die Gemeinde bei ihren Notstandsmaßnahmen die Steine auch immer hat bezahlen müssen.

 

Um die Haltung des Gemeindebullen gibt es auch immer wieder Streit. So will der Bullenhalter Puth 1938 jährlich 3.000 Mark für die drei Bullen haben; das erscheint sehr hoch. Der Gemeindevorstand möchte ihn aber gern halten, denn  es wird gesagt, Puth sei ein guter Tierpfleger. Puth geht schließlich auf 2.600 Mark herunter, aber der Bürgermeister möchte noch mehr herausschlagen und bietet 2.500 Mark. Schließlich macht man sich von den Bauern unabhängig und baut einen eigenen Bullenstall neben der Schule auf dem Grundstück Herrenstraße 5.

 

Der Landrat verpflichtet im September 1949 die Gemeinden, regelmäßige Bürgerforen zu veranstalten. Widerwillig beschließt man, Mitte Oktober wieder einmal eine Aussprache zu organisieren. Die Lehrer werden dazu verdonnert, die Ausgestaltung vorzunehmen.

 

Ab 1949 wird für die Reinigung der Feuerwehrgeräte nichts mehr bezahlt, sondern die Reinigung wird von der gesamten Wehr in Form von Wehrübungen vorgenommen. So werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Feuerwehr kann üben und die Gemeinde hat gespart.

 

Im Mai 1949 ist die Schule fast fertig renoviert. Der Aufschwung nach der Währungsreform hat es möglich gemacht. Aber es fehlt noch ein Spielplatz und die Räumung des Schulhofs vom Baumaterial der Firma Welz. Der Elternbeirat fordert die Räumung des Platzes. Der Gemeindevorstand weist diese Forderung zwar zurück, schreibt aber dennoch die Firma an, den Schulhof umgehend zu räumen.

 

Da im Juli 1950 nur noch 40 Kinder an der Schulspeisung teilnehmen, soll diese aufgegeben werden. Es soll nur noch von Zeit zu Zeit Milch und Kakao an bedürftige Kinder ausgegeben werden.

 

 

Weil die Gemeinde sich hartnäckig weigert, wieder zur Schulspeisung zurückzukehren und sogar die Milchausgabe für überflüssig hält, will das Schulamt die Schulspeisung übernehmen. Doch 1951 wird sie endgültig eingestellt. Für einige Kinder übernimmt die Gemeinde jedoch die Betrahlungskosten.

 

Ebenso hart verhandelt man mit der Bundesanstalt für Flugsicherung. Diese plant 1953 den Bau eines Flugfeuers im Simmicht beim Waschhaus. Es soll ein Mittelwellenfunkfeuer mit zwei 15 Meter hohen Masten und einer Baracke errichtet werden. Der Gemeindevorstand weiß, daß er es nicht verhindern kann. Er will aber möglichst viel herausholen: er will einen Zuschuß zu den Kosten der Starkstromanlage nach der Pumpstation, aber neben der üblichen Pacht auch noch eine Abnutzungsgebühr für das Kabel, eine Haftung für alle nachteiligen Folgen und die Vergabe der Arbeiten vorzugsweise an örtliche Handwerker.

 

Noch krasser sind die Forderungen, als 1965 die Gemeinde etwas Land für den Straßenbau von Wilhelmsbad nach Wachenbuchen abgeben soll. Sie fordert nämlich gleichzeitig den Bau einer Haltebucht in der Hohen Tanne in Höhe Amselstraße, obwohl doch beides gar nichts miteinander zu tun hat.

 

Die Kirchengemeinde hat eine Vormerkung für die Grundstücke im Grundbuch und lehnt die Löschung des Vorkaufsrechts ab. Außerdem verlangt sie, als Eigentümerin des Kirchhofs rund um die Kirche eingetragen zu werden. Die Gemeinde will im Oktober 1972 auch das Gelände um die Kirche kostenlos der Kirche übertragen. Sie verlangt aber, daß die Kirche das Gelände einschließlich Turm in Ordnung hält, daß keine Bauwerke errichtet werden, die Anwohner weiter Wäsche auf dem Kirchhof trocknen dürfen (!) und die jährlichen Holzlieferungen damit als abgelöst gelten.

 

Schließlich kommt es  zur Gerichtsverhandlung. Im November 1973 stimmt die Gemeindevertretung dem Vergleichsvorschlag des Landgerichts Hanau zu, weil er dem Beschluß der Gemeindevertretung vom vorigen Jahr entspricht. Die Kirche soll jedoch die Gerichtskosten übernehmen, weil das Verfahren überflüssig war.

Als 1973 die Kirchengemeinden ein ökumenisches Gemeindezentrum planen, wird die Meinung vertreten, daß es gar nicht nötig sei, zumindest nicht in dieser Größe.

 

Ehe der Kindergarten in Betrieb geht, protestiert schon eine Bürgerinitiative gegen die Höhe der Kindergartenbeiträge.

 

Der Planung des Rhein-Main-Schnellwegs stimmt man 1968 zwar prinzipiell zu, aber gleichzeitig möchte man auch eine Ortsumgehung haben. Ende 1972 läuft das Planfeststellungsverfahren für die Autobahn.

Beim Anhörungstermin für den Bau der Autobahn sollen folgende Forderungen gestellt werden: Erdwall nach der Hohen Tanne zu, Überführung des Weges zur Hohen Tanne mehr nach Westen, Überführung des Simmichtswegs, keine finanziellen Belastungen der Gemeinde, Ausgleich für den Verlust an Bauland bei der Hohen Tanne. Allen Ernstes verlangt man auch 1974 eine Entschädigung für die Abgabe der Hohen Tanne.

 

So waren die Wachenbucher schon immer gewitzte Leute. Sie lassen sich nicht so schnell übers Ohr hauen, sondern sind harte Verhandlungspartner. Jedem Druck von oben her stehen sie mißtrauisch gegenüber und versuchen, ihm mit hinhaltendem Widerstand auszuweichen. Dieser Charakter hat sich bis heute erhalten. Schließlich waren die Wachenbucher die einzigen, die den zehn Jahre in der Stadt wirkenden Stadtrat für Bausachen zur Rücknahme einer Maßnahme bewegen konnten. Noch bei seiner Verabschiedung bedauerte er, daß er nicht härter gewesen ist und den von ihm gewünschten Brunnen vor dem Historischen Rathaus wieder hat abbauen lassen. Er wollte hart bleiben, aber die Wachenbucher waren härter!

 

 

 

Begründung für den Antrag zur Verleihung der Freiherr-vom-Stein-Medaille

 

Fortschrittlich:

Die Wachenbucher waren immer schon vorausblickend und fortschrittlich: Der erste Arzt in den Dörfern des heutigen Maintal wohnte in Wachenbuchen, und zwar in einem von der Gemeinde eigens für den Arzt gebauten Haus. In Wachenbuchen gab es schon früh eine Wasserleitung (1897) und eine Diamantschleiferindustrie wurde entwickelt. Auch die Flurbereinigung wurde schon früh durchgeführt (1906). Die Villenkolonie Hohe Tanne wurde gegründet (1910) und die Neubaugebiete im Süden und Westen des Ortes erschlossen. In Wachenbuchen entstand 1963/64 die erste Mehrzweckhalle des Kreises und 1973/74 die erste hessische Spielgemeinschaft im Jugendfußball.

Die Vereine halten zusammen. Die Wachenbucher Sport- und Kulturgemeinschaft ist Vorbild für die anderen Stadtteile. Was in der Stadt erst mühsam auf den Weg gebracht werden  muß, läuft in Wachenbuchen schon lange. Aus Protest gegen einen in Sachen Krankenschwester unfähigen Gemeindevorstand bildete sich 1951 eine erste Bürgerinitiative, die den Krankenpflegeverein gründete, der bis heute eine Krankenschwester anstellt.

Im 19. Jahrhundert nimmt das Dorf einen großen Aufschwung. "Wenn es sich irgendwann und irgendwo um eine fortschrittliche Einrichtung und Einführung oder um eine Unternehmung handelte, so marschierte Wachenbuchen stets mit an der Spitze; das dürfen wir mit Stolz bekennen!" heißt es in der Festschrift der Feuerwehr.

In Wachenbuchen kennt man sogar schon eine Art sozialen Wohnungsbau. So werden 1921 zwei Bauwilligen  Bauplätze am Hintertor zum Bau von je zwei Wohnungen überlassen. Die Gemeinde macht aber die Auflage: sie gibt jedem einen Zuschuß vom mindestens 15.000 Mark, dafür darf der Eigentümer die zweite Wohnung aber nur in Absprache mit der Wohnungskommission vermieten. So wird es von da an bei jeder Vergabe von Gemeindeland gemacht. Eine andere Variante ist, daß die zweite und jede weitere Wohnung nur an einheimische Wohnungssuchende vergeben werden darf. So wird es 1927 bei der Vergabe eines Baugrundstücks  an die Firma Welz  vereinbart.

 

Aufmüpfig

Der Obrigkeit standen die Wachenbucher schon immer kritisch gegenüber. Selbst den Landgrafen von Hessen versuchten sie auszubooten. Die Jagdpacht geht meist an den landgräflichen Forstmeister, weil der am ehesten die geforderte Jagdpacht zahlen kann. Durch die Jagd der Beamten der Landesherrschaft entsteht aber immer großer Schaden im Wald, sehr zum Verdruß der Bauern. Deshalb teilt man den Jagdbezirk zunächst in zwei Bereiche, obwohl das streng untersagt ist.

 

Im Jahre 1866 gelingt es dann vier Bauern, die Jagd auf den Feldern zum stolzen Preis von 2.500 Gulden zu ersteigern. Damit ist der Landgraf erst einmal hinausgedrängt.

Aber für die Wachenbucher kommt das dicke Ende erst noch: Sie haben sich mit ihrem Gebot natürlich übernommen und können nicht zahlen. Die übergeordneten Behörden drängen auf Härte und Neuvergabe der Pacht. Der Gemeinderat aber hält den Einheimischen bei und hat sie wahrscheinlich auch zu diesem Trick ermuntert. Er setzt die Pacht 1966 einfach auf 500 Gulden herunter und die Jagd bleibt im Dorf, zumindest auf den Feldern.

 

Über ihr kostbares Wasser haben die Wachenbucher immer sehr gewacht. Im 18. Jahrhundert werden sie gezwungen, eine Wasserleitung für die Stadt Hanau zuzulassen. An der Pfingstweide werden die Quellen gefaßt und in einer hölzernen Leitung in die Hanauer Alt- und Neustadt geleitet. Die Leitung ist westlich des Dorfes allerdings nur in geringer Tiefe verlegt. Sie ist also schnell auszugraben und anzubohren. Bald werden immer mehr Gärten durch das Wasser aus der Hanauer Leitung beregnet. Und damit der Druck besser wird und das Wasser weiter spritzt, verstopft man das Rohr mit Grasstücken, bis die Hanauer die Ursache der Verstopfung gefunden haben und alles wieder entfernen.

Selbst 1943 gegen Ende der Nazizeit, wo doch alles von oben verfügt wird, lehnen der Gemeindevorstand und der Bürgermeister den Anschluß des Gemeindewasserwerks an die Kreiswerke ab: Die Gemeinde sei im Besitz einer Wasserversorgung, die abgeschrieben ist. Eine zweite Anlage ist halb fertiggestellt. Sie kann nur nicht fertiggestellt werden, weil wegen der Kriegszeiten die Rohre fehlen.

 

Gegenüber Steuern ist man immer sehr mißtrauisch. Schon 1910 wird die Erhebung von Staatssteuern abgelehnt. Auch 1930 und 1931 wird die erhöhte Biersteuer und Bürgersteuer immer wieder abgelehnt, obwohl sie der Kreisausschuß immer wieder fordert. Erst in der Nazizeit werden diese Steuern von oben verfügt.

Als der Kreis 1935 für Notstandsmaßnahmen unentgeltlich Steine aus dem Gemeindesteinbruch haben will, lehnt der Bürgermeister das ab, weil die Gemeinde bei ihren Notstandsmaßnahmen die Steine auch immer hat bezahlen müssen.

Ehe der Kindergarten in Betrieb geht, protestiert schon eine Bürgerinitiative gegen die Höhe der Kindergartenbeiträge.

Schließlich waren die Wachenbucher die einzigen, die den zehn Jahre in der Stadt wirkenden Stadtrat für Bausachen zur Rücknahme einer Maßnahme bewegen konnten. Noch bei seiner Verabschiedung bedauerte er, daß er nicht härter gewesen ist und den von ihm gewünschten Brunnen vor dem Historischen Rathaus wieder hat abbauen lassen. Er wollte hart bleiben, aber die Wachenbucher waren härter!

 

Gemeindevorstand und Gemeindevertretung sind immer bestrebt, möglichst zu sparen oder bei Geschäften noch etwas herauszuholen. Selbst gegenüber dem einzigen Industriellen im Ort ist man hart. In der Nähe des Kurhauses Wilhelmsbad liegt der Steinbruch der Wachenbucher Gemeinde. Seit 1902 ist er die Firma Karl Kaiser aus Hanau verpachtet. Die Gemeinde ist mit sechs Prozent am Umsatz beteiligt. Aber man vergißt auch nicht, für den eigenen Bedarf einen Rabatt von zehn Prozent und die bevorzugte Anstellung von Arbeitern aus dem Ort zu vereinbaren.

Am 13. Juni 1929 tauscht die Gemeinde mit der Firma Kaiser ein Stück Steinbruchgelände gegen eine Wiese. Dafür muß die Firma aber außerdem die Hintertorstraße mit Verlängerung der Hanauer Landstraße pflastern und mit Bürgersteigen versehen, während die Gemeinde nur 5.000 Mark Zuschuß gibt. In solchen Koppelungsgeschäften ist man Meister.

 

Mit den Lehrern steht man zeitweise ein wenig auf Kriegsfuß. So lehnt der Gemeindevorstand 1905 die Übernahme der Kosten für die Reinigung der ersten Schule ab ("Küsterschule", Kirchhofstraße 3). Wahrscheinlich ist das Aufgabe des Ersten Lehrers, der gleichzeitig Kantor und Kirchendiener ist. Das Reinigen gehört nun einmal zu seinen Amtspflichten, auch diese niederen Verrichtungen werden ihm nicht erlassen. Für die Reinigung der Zweiten Schule (Herrnstraße 5) dagegen wird anstandslos eine Raumpflegerin angestellt.

Auch den Antrag auf Erhöhung der Lehrerbesoldung wimmelt man 1906 mit formalen Argumenten ab: Weil die Lehrer es versäumt haben, einen Betrag zu nennen, kann man auch keinen bewilligen. Stattdessen bietet man ihnen einen Morgen Land im Hofgarten an und will es sogar noch einzäunen.

Da können sie dann einmal mit ihrer Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen, wird man gedacht haben. Der Gipfel ist aber, als man den Lehrern die Teilnahme an einem Turnkursus in Fechenheim verwehrt, weil sie dafür ungeeignet wären. So geschehen 1907 und 1910.

Eine Fortbildungsschule hält man für überflüssig. Schon 1910 wird die Aufstellung eines Statuts für eine Fortbildungsschule abgelehnt, weil man sich nicht auf Dauer mit Kosten belasten will. Und 1925 hat man sogar das Argument, die Ausdehnung des Unterrichts auf die weibliche Jugend sei nicht zweckmäßig und eine Fortbildungsschule deshalb unnötig.

 

Überhaupt ist der Gemeindevorstand und auch die Gemeindevertretung in dieser Zeit sehr sparsam. Er erklärt sich 1903 zur Grundreparatur der Kirche bereit, beteiligt sich jedoch nicht an dem Erweiterungsbau. Deshalb hofft man auch 1927, daß die Gemeinde die Reparatur des einsturzgefährdeten Ostgiebels bezahlen wird.

 

Die Gemeinde verweist darauf, daß sie 1903 die Erweiterung der Kirche nicht gewollt hat und der jetzige Schaden nur durch einen Konstruktionsfehler bei der Erweiterung entstanden sei.

Als 1905 die Glocke beschädigt ist, will man erst versuchen, einen Splitter einzusetzen, ehe man eine neue Glocke kauft. Auch 1927 lehnt man eine Bürgschaft für die Beschaffung der Glocken ab und bestreitet bei dieser Gelegenheit auch gleich generell die Unterhaltspflicht der Gemeinde für die Reparatur der Kirche. Das hat nichts mit einer Kirchenfeindlichkeit zu tun, sondern man ist generell sparsam und lehnt viele Anträge ab.

 

Auch anderen Einrichtungen geht es nicht besser: Als die Feuerwehr 1906 ein Gerüst zum Trocknen der Schläuche haben will, wird ihr geantwortet, sie könnten doch am Rathaus getrocknet werden. Als 1909 der Arzt Dr. Weitzel einige Reparaturen am Doktorhaus haben möchte, bequemt sich der Gemeindevorstand immerhin dazu, wenigstens das Haus einmal anzusehen.

Besonders die Baufirma Welz wird tüchtig geschröpft. Als 1927 in der Schulstraße einige Kanalrohre umgelegt bzw. höhergelegt werden müssen, werden die Erdarbeiten von Erwerbslosen ausgeführt. Das Umlegen der Rohre aber muß die Firma Welz kostenlos machen. Das ist ein ganz geschickter Schachzug, denn die Firma Welz will wieder einmal einen Bauplatz.

 

Der Bau des elektrischen Ortsnetzes wird 1920 an die Firma Siemens-Schuckert vergeben. Die von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Holzmasten dürfen aber nicht in der Gemeinde verwendet werden, sondern man will abgelagerte und gut imprägnierte Masten haben.

Doch 1929 möchte der Kreis das elektrische Ortsnetz übernehmen. Die Gemeindevertretung ist aber nicht mit der Bewertung einverstanden und leistet wieder einmal hinhaltenden Widerstand. Für das Ortsnetz werden jetzt fast 12.500 Mark geboten, Die Gemeinde möchte aber aus Prinzip noch 300 Mark mehr haben. Als der Kreis das Ortsnetz dann doch in der Hand hat, gibt er es auch sofort an die Elektrizitätsaktiengesellschaft Mitteldeutschland weiter. Das Mißtrauen war also berechtigt. Im Jahre 1931 boykottiert man sogar die Stromversorgung und schaltet die Straßenbeleuchtung vorzeitig ab.

 

Ab 1949 wird für die Reinigung der Feuerwehrgeräte nichts mehr bezahlt, sondern die Reinigung wird von der gesamten Wehr in Form von Wehrübungen vorgenommen. So werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Feuerwehr kann üben und die Gemeinde hat gespart.

 

Ebenso hart verhandelt man mit der Bundesanstalt für Flugsicherung. Diese plant 1953 den Bau eines Flugfeuers im Simmicht beim Waschhaus. Es soll ein Mittelwellenfunkfeuer mit zwei 15 Meter hohen Masten und einer Baracke errichtet werden. Der Gemeindevorstand weiß, daß er es nicht verhindern kann. Er will aber möglichst viel herausholen: er will einen Zuschuß zu den Kosten der Starkstromanlage nach der Pumpstation, aber neben der üblichen Pacht auch noch eine Abnutzungsgebühr für das Kabel, eine Haftung für alle nachteiligen Folgen und die Vergabe der Arbeiten vorzugsweise an örtliche Handwerker.

 

Noch krasser sind die Forderungen, als 1965 die Gemeinde etwas Land für den Straßenbau von Wilhelmsbad nach Wachenbuchen abgeben soll. Sie fordert nämlich gleichzeitig den Bau einer Haltebucht in der Hohen Tanne in Höhe Amselstraße, obwohl doch beides gar nichts miteinander zu tun hat.

Der Planung des Rhein-Main-Schnellwegs stimmt man 1968 zwar prinzipiell zu, aber gleichzeitig möchte man auch eine Ortsumgehung haben. Ende 1972 läuft das Planfeststellungsverfahren für die Autobahn. Beim Anhörungstermin für den Bau der Autobahn sollen folgende Forderungen gestellt werden: Erdwall nach der Hohen Tanne zu, Überführung des Weges zur Hohen Tanne mehr nach Westen, Überführung des Simmichtswegs, keine finanziellen Belastungen der Gemeinde, Ausgleich für den Verlust an Bauland bei der Hohen Tanne. Allen Ernstes verlangt man auch 1974 eine Entschädigung für die Abgabe der Hohen Tanne.

 

So waren die Wachenbucher nicht nur fortschrittlich, sondern sie standen den Landesherren und Behörden auch kritisch gegenüber und versuchten ungute Neuerungen erst einmal hinauszuschieben. Gegen viele Erlasse leisteten sie hinhaltenden Widerstand und versuchten dabei geschickt, möglichst viel für ihren Ort herauszuholen. Bei Vertragsverhandlungen waren sie ein harter Geschäftspartner.

 

Bürgermeister, Gemeindevorstand, Gemeindevertretung und Einwohner zogen dabei alle an einem Strang. Dieser Charakter hat sich bis heute erhalten. In Wachenbuchen hat man es verstanden, eine vorbildliche kommunale Selbstverwaltung aufzubauen. Man fällte bürgernahe, pragmatische Entscheidungen und pochte auf seine Rechte. So wurden auch im ländlichen Raum viele Bürgertugenden gelebt und in praktische Politik umgesetzt.

 

 

 

 

 

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