Predigten

 

Inhalt

Reihe I bis VI

Einige Bilder zu diesen Predigten finden Sie  >>>>hier<<<<

 

Sondergottesdienste

Erzählungen

Material

Familiengottesdienste I und II

Taufe

Trauung

Ehejubiläum

Beerdigung

 

 

Vorwort

Ich selber habe 25 Jahre unter Kanzel gesessen. Dann habe ich 25 Jahre auf der Kanzel gestanden. Und jetzt sind es schon wieder über 25 Jahre, daß ich unter der Kanzel sitze. Dabei muß ich immer daran denken: „Wenn man Kritik üben will, dann muß man es erst einmal besser machen!“

Aber ich kann nur den Kopf schütteln, wenn eine Predigt mit der Klage beginnt: „Der heutige Predigttext ist sehr schwer!“ Da schaltet der Zuhörer doch schon ab. Dann geht es meist weiter, indem der Predigttext nacherzählt wird, so als seien die Zuhörer alle zu dumm, ihn selber zu verstehen. Aber es ist nun einmal so: Das haben die Theologen gelernt, einen alten Text zu verstehen. Deshalb bringen sie das auch in der Predigt an, vielfach nur, um die Zeit zu füllen und um sich nicht Gedanken um die Aktualität der Bibelstelle machen zu müssen.

Es wird immer nur gesagt, was der Text damals sagen wollte. Und der Schlußsatz lautet dann: „Was das für uns heute bedeutet, das müßt ihr euch nun selber überlegen!“ Aber dazu braucht man nicht in die Kirche zu gehen. Nur mit viel gutem Willen kann man dennoch aus jeder Predigt etwas für sich mit nach Hause nehmen.

Aber Auslegung ist mehr. Da geht es darum, einen alten Text mit der heutigen Zeit in Verbindung zu bringen. Er kann nicht als Rezept für die heutige Zeit dienen, manchmal wird man sogar die dort vertretenen Ansichten als zeitbedingt ablehnen müssen. Aber es ist nicht damit getan, daß der Zuhörer hinterher weiß, was der Text damals bedeutete, sondern er soll auch etwas für sein eigenes Leben mitnehmen.

 

Als junger Mensch kritisierte ich: „Die meisten Pfarrer ergehen sich erst einmal eine Viertelstunde in philosophischen Erörterungen, dann kommen zwei Minuten ‚Was hat uns das zu sagen?‘ und am Schluß wird es dann noch einmal erbaulich. Aber ich sitze dann unter der Kanzel und habe nichts davon und gehe unbefriedigt nach Hause!“

Der Pfarrer in H. hat an Weihnachten immer nur von den Menschen geredet, die sich nicht mehr um das Kind in der Krippe kümmern. Aber der gute Kirchgänger sagt sich dann: „So sind ja die anderen, das geht mich ja nichts an!“ Der Pfarrer hat auf „die anderen“ geschimpft, anstatt den Anwesenden die Heilsbotschaft zu verkündigen. Es waren doch so viele da, die man sonst nicht so sieht. Aber für den Pfarrer ging es auch sonst immer nur um die „böse Welt“, vor der man nur warnen kann, aber zu der man zum Glück nicht gehört. Auch meiner Frau fehlte es an der frohen Botschaft. Der Pfarrer in G. hat die Christen, die in der Kirche waren, einen Weg geführt, der war so glatt: Wir Christen sind gut - aber der andere Mensch, der ist schlecht. Die Freude fehlte.

 

Es ist schon wichtig, die Predigt mit einem „Aufhänger“ zu beginnen, also mit Beispiel oder einer Zeitungsmeldung oder auch mit einer provozierenden Frage. In den ersten drei Minuten muß man die Aufmerksamkeit der Zuhörer gewinnen, sonst sind sie mit ihren Gedanken woanders oder schlafen sogar ein!“ (so sagte es einmal Alfred Niebergall, Professor für praktische Theologie in Marburg).

 

Es ist auch unerläßlich, daß man die Ergebnisse der „modernen Theologie“ nicht außer acht läßt. Manche Pfarrer scheinen mit dem Examen alles ausgeblendet zu haben, was sie im Studium gelernt haben. Da werden alle Jesusgeschichten so erzählt, als seien sie wortwörtlich so passiert. Da werden Adam und Eva so geschildert, als hätten sie tatsächlich gelebt. Da werden die Vorstellungen von der Endzeit so dargestellt, als seien sie exakte Darstellungen des Ablaufs.

Es gibt natürlich Gemeinden, da gehen auch heute noch Einzelne auf die Barrikaden, wenn man - nach ihrer Meinung - etwas am Wort Gottes verändert. Aber in der Regel sind die Predigthörer heute dankbar, wenn man sie nicht mit unnötigen Fragen belastet, sondern sie auf den Kern der Aussage hinführt. Natürlich darf man nicht wieder in den Fehler verfallen, daß man ihnen eine ausführliche theologische Exegese vorsetzt. Aber es ist doch keine große Mühe, bei den Timotheusbriefen nicht andauernd von Paulus als dem Verfasser zu reden. Und Stellen aus den „echten“ Paulusbriefen kann man nicht unbedingt mit Abschnitten aus der Apostelgeschichte erklären.

 

Umstritten ist die Frage, wie persönlich man in der Predigt werden darf. Nach dem Krieg hatten es die Pfarrer immer mit dem Schützengraben. Ich halte es nicht für verboten, wenn man auch Dinge aus dem eigenen Leben heranzieht (das interessiert die Leute vielleicht besonders). Aber man sollte sich hüten, Beispiele aus der Seelsorge zu bringen, auch wenn man den Namen des betreffenden Gemeindegliedes nicht nennt. Auch erfundene Geschichten sind problematisch.

 

Ungünstig ist es in der Regel, wenn man einen Predigttext durch eine anderen erklären will, zum Beispiel durch eine ganz andere biblische Geschichte als die vorgelesene. Er gilt, das Besondere des für diesen Tag vorgegebenen Textes herauszuarbeiten. Die Predigtreihen mögen für manchen da eine Einengung bedeuten. Aber wenn einer nur über seine Lieblingsthemen predigen will, ist er bald am Ende mit seinen Ideen und nimmt der Gemeinde etwas von dem, was sie wissen muß. Erst einmal muß man sich alle Mühe machen mit einem Predigttext, ehe man vielleicht auch einmal auf einen anderen Text ausweicht, vor allem wenn ein aktueller Anlaß vorliegt.

 

Die Aufgabe des Predigers wird es sein, die Breite eines biblischen Textes zusam­menzufüh­ren auf einen Kernpunkt (den „Skopus“). Wie bei einer Sanduhr ist aber dann dieser Punkt wieder zu entfalten bis hin zur ganzen Breite unseres Lebens. Es müssen nicht alle Aspekte eines Textes ausgeschöpft zu werden, denn bei nächster Gelegenheit soll ja wieder gepredigt werden.

Einmal eingeschliffene Sprachmuster wird man nur schwer wieder los. Im Gehirn bilden sich bestimmte Verbindungen. So verfallen Pfarrer bei der Predigt oft automatisch in ein theologisches Spezialvokabular: Die Hörer wissen dann zwar, das gehört dahin - aber es bedeutet nichts für sie.

Die Pfarrer müssen daher schon beim Predigtschreiben andere Erinnerungen aktivieren. „Stellen Sie sich etwas Schönes vor, wenn Sie über das Reich Gottes schreiben!“ Es geht dabei nicht um Originalität, sondern um ganz einfaches, schriftstellerisches Handwerk.

 

Abraten will ich von sogenannten „Gesprächsgottesdiensten“, wo der Pfarrer in einen Dialog mit der Gemeinde treten möchte. Das wird oft zu einer Abfragerei, bei der die Gemeinde sich immer unterlegen fühlt gegenüber dem allwissenden Pfarrer. Das geht höchstens in einer Art Anspiel mit den Konfirmanden. Aber ansonsten vergrault man nur die Gemeindeglieder, die eine Predigt vorgesetzt bekommen wollen, aber die anderen, die an sich einer solch Gottesdienstform aufgeschlossener entgegen stehen würden, gewinnt man damit nicht.

Da ist schon besser eine Gemeinschaftspredigt von sieben Leuten rund um den Tisch, die sich vorher über die Grundlinien der Predigt abgesprochen haben. Auch eine Dialogpredigt geht natürlich, aber da müssen die Prediger gut harmonieren und ein Thema haben, das sich von zwei (oder mehr) Seiten beleuchten läßt.

 

Familiengottesdienst kann man es nicht nennen, wenn auch die Kinder mit zum üblichen Gottesdienst kommen, ohne daß etwas für sie gemacht wurde. Wenn sie höch­stens ein Lied singen dürfen, dann ist das kein Familiengottesdienst. Da müssen schon ein Anspiel oder ein Wettbewerb oder persönliche Stellungnahmen dazu kommen.

 

Ganz unmöglich ist natürlich, wenn ein studierter Pfarrer auf die Kanzel steigt und sagt: „Zu diesem Predigttext habe ich eine Predigt gefunden, die ich Ihnen jetzt vorlese, denn besser hätte ich es auch nicht machen können!“ So habe ich es selber einmal in einem Sonntagsgottesdienst erlebt („Zu diesem Text hat Dorothee Sölle eine Predigt geschrieben, ich könnte es nicht besser, ich lese sie vor“). Oder einmal an einem Heiligabend im Krankenhaus: Da hatte die Pfarrerin wohl gar nicht damit gerechnet, daß auch lebendige Menschen zum Gottesdienst kommen. Sie umklammerte nur ihr Mikrofon und las auch eine Predigt vor. Und ich bin überzeugt, von den Patienten auf den Zimmern hat ihr keiner zugehört, weil niemand den Patienten erklärt hatte, wie man den Kirchenkanal auf der Radioanlage einstellt.

Eine Lesepredigt kann noch so gut sein, aber es fehlt ihr immer der aktuelle und lokale Bezug. Da wird der Gottesdienst als eine Pflichtübung gesehen und die Gemeinde verachtet („Eine gute Vorbereitung lohnt sich nicht bei so wenigen Leuten“).

 

Hilfreich ist es sicher, in Predigten viele Bilder zu verwenden oder Geschichten zu erzählen. Wenn man die Gottesdienstbesucher hinterher fragt, dann können sie sich vor allem an die Bilder und die anschaulichen Beispiele und Erzählungen erinnern. Manchmal hält das jahrelang an (deshalb kann man eine Geschichte nicht mehrfach verwenden).

 

Ein Gottesdienst sollte nicht länger als 45 Minuten sein. Er wird nicht dadurch zum „Festgottesdienst“, daß man ihn gewaltsam verlängert. Wenn man außergewöhnliche Teile braucht, dann muß man andere kürzen.

 

Es gibt auch einige Experimente mit dem Gottesdienst und der Predigt: Drei Kasseler Pfarrer haben einen Jugendgottesdienst entworfen, bei dem sie die Einleitung zu ihrer Predigt von verschiedene Stimmen sprechen lassen, und zwar in der Sprache und den Gedankengängen von heute. Es geht um aktuelle (kulturelle, politische, menschliche) Fra­gen, die da aufgeworfen werden und auf die der Pfarrer dann in der Predigt zu antworten hat. Die Liturgie fällt dann allerdings fast weg, da sie ja doch von vielen nicht verstanden wird und in der jetzigen Praxis ja doch keine Beziehung zur Predigt hat. Dafür stehen nun die „Stimmen aus der Welt“, die gleichzeitig aber auch zu Liedversen passen, die zwischendurch gesungen werden und durch die „Stimmen“ auch mit interpretiert werden.

 

Ein Diakon aus Hephata predigte über die Heilung der zehn Aussätzigen. Aber dieser Text wurde nicht noch einmal nacherzählt, sondern der Diakon fing gleich an mit dem Thema „Dank“. Er erzählte von dem Kaufmann, der kein Personal hat, und von dem Arbeiter, der keine Zeit hat, und von der Frau des Bürgermeisters, die kein Dienstmädchen kriegt. Alle sind sie unzufrieden, obwohl alle ein Auto haben. Wofür sollen sie danken? Sie haben doch alles durch ihrer Hände Arbeit erarbeitet: Dem Kaufmann hat keiner in der schweren Zeit geholfen, der Arbeiter machte Überstunden und seine Frau ist auch berufstätig, und der Arzt und der Bürgermeister haben sich ihre Ausbildung mühsam erringen müssen. Daß aber nicht alles aus eigener Kraft geschaffen und erhalten wird, das zeigen die Trümmer aus dem letzten Krieg, auch wenn an den Gebäuden stand „Im eigenen Wollen liegt die Kraft!“

Anhand von Luthers Erklärung zum ersten Artikel wurde dann darauf hingewiesen, wofür wir alles zu danken haben. Dann sagte der Diakon: „Wer jetzt immer noch nicht weiß, wofür er dankbar sein kann, den bitte ich hinaus zugehen!“ Das war ein etwas theatralischer Effekt, denn natürlich ging keiner. Es wurde dann den erste Vers von „Nun danket alle Gott“ gesungen, dann ging es weiter mit der Predigt. Es wurden konkrete Hinweise gegeben, wie man seinen Dank durch die Tat zeigen kann. Nacheinander wurden die verschiedenen Gruppe der Kirchenbesucher angesprochen unter Hinweis auf ihre Gesundheit und ihren Wohlstand: Nur durch Dank kann man auch zufrieden werden!

 

Gut gelungen war ein Erntedankgottesdienst, bei dem Studenten einer Landwirtschaftsschule mitwirkten, die zum Praktikum in der Gemeinde waren. Während des Gottesdienstes drangen sie in die Kirche ein und riefen: „Was sitzt ihr denn hier in der Kirche, während wir auf den Feldern arbeiten und die Ernte einbringen!“ Daraus entwickelten sich dann ein Gespräch und die Predigt. Bei den Erntegaben war auch das Modell einer Straßenbahn hingestellt worden, denn viele Leute aus dem Dorf arbeiteten auch in einer Fabrik, in der Straßenbahnen hergestellt wurden.

 

Eine Besonderheit sind Gottesdienste im Gefängnis. Dort sind keine üblichen Gemeindeglieder, die still alles schlucken, was der Pfarrer sagt, sondern sie unterbrechen auch einmal, stellen Fragen und geben Kommentare ab. Solche Predigthörer würde man sich als Prediger schon manchmal wünschen, hätte es dann aber doch einige Grade schwerer.

 

Ich kann mich nur an zwei hervorragende Prediger erinnern: In einem Dorf bei Göttingen gab es einen Pfarrer Schiller, zu dem die Menschen in Scharen aus der Stadt hinaus pilgerten und sogar die Stufen zur Kanzel besetzten. Und einmal hörte ich Theo Lehmann aus Halle über Daniel in der Löwengrube und am Schluß sagte ein Kollege zu mir: „Wir können aufhören zu predigen!“ Ich freue mich, daß unsere beiden Söhne, die auch Pfarrer sind, gute Predigten versuchen. Die guten Prediger sind eher auf den Dörfern zu finden als in den Städten oder in den Landeskirchenämtern.

 

 

Das Fegefeuer besteht darin, daß die Pfarrer ihre Predigten noch einmal hören müssen!“

(Joachim Wanke, Bischof von Erfurt, am 21.11.2012).

 

 

Was mich heute unter der Kanzel ärgert

Vorgeschichte: Als Jugendlicher habe ich mich darüber geärgert, daß auf der Kanzel immer wieder über die böse „Welt“ geklagt wurde. Dennoch war ich der Meinung, die Aufgabe der Predigt sei es, den Menschen ins Gewissen zu reden. Beim Studium wurde mir dann deutlich, daß die Liebe Gottes zu predigen ist und nicht das Gesetz (bzw. daß das „Gesetz“ dann von selber deutlich wird).

Dann habe ich selber jahrzehntelang auf der Kanzel gestanden. Ich weiß, wie schwer das ist, immer wieder dasselbe mit anderen Worten sagen zu sollen, jede Woche mehrere Predigten parat zu haben, immer wieder aktuell zu sein. Meist lief es dann so: Ich nahm mir den entsprechenden Band von Gottfried Voigt vor, dazu einige andere Predigthilfen. Das gab mir dann so viele Anregungen, daß die Predigt schon gefüllt war, auch wenn mich das Gelesene zum Widerspruch reizte. Doch das höchste Lob, das ich von meiner Familie erntete: „Es ging....!“

Dann habe ich mein Dienstverhältnis zur Kirche gekündigt und stand vor der Situation „Arbeitslosigkeit“ und bald darauf noch einmal Arbeitslosigkeit und Wohnungslosigkeit. Auf einmal sah die Welt und das Leben ganz anders aus. Aus dem Beamtenstatus mit Pensionsberechtigung auf die Stufe eines Hilfsarbeiters ohne Rentenanspruch (wie man mir zunächst sagte).

Wer nicht selber vor dieser Situation gestanden hat, kann nicht davon reden. Ich war vorher der Meinung gewesen, trotz der hohen Kanzel mit beiden Beinen mitten im Leben zu stehen und meine soziale Herkunft nicht vergessen zu haben. Sicherlich war ich auch lebenstüchtiger als mancher Pfarrer und nicht so sehr in einem Elfenbeinturm.

Aber jetzt wurde mir klar: Du hast doch auf der anderen Seite gestanden. Du warst zu 90 Prozent Pfarrer und nur zu 10 Prozent gewöhnlicher Mensch und nicht umgedreht. Auch als ein zum „Laien“ gewordener Pfarrer bleibt man immer noch Pfarrer, man soll und darf es wohl auch, es geht gar nicht anders.

Aber jetzt gehört man doch wieder mehr auf die andere Seite, auf die Seite der Menschen. Als Pfarrer war ich traurig darüber, wenn ich mich vielleicht wochenlang in jeder freien Minute auf ein besonderes Thema vorbereitet hatte, und dann kamen trotz intensiver Werbung und persönlicher Einladung nur zehn Leute. Über die habe ich mich auch gefreut, wollte für sie da sein. Aber ich war doch enttäuscht, daß nicht mehr Menschen etwas zu dem Thema hören wollten, das mich so brennend interessierte.

Jetzt wurde mir klar: Wer einen Arbeitstag hinter sich hat, nach Feierabend vielleicht zu Hause noch etwas getan hat, der will um 20 Uhr seine Ruhe haben und muß in der Regel um 22 Uhr im Bett sein. Er ist vielfach nur noch zum Konsumieren fähig, nicht zur Kreativität. Mir wurde deutlich, daß wir in der Kirche ganz anders reden müßten.

Ich ärgere mich heute auch über manche Predigt, die über die Köpfe hinweggeht oder langweilig ist („Herr Pfarrer, Sie haben sicher gut gepredigt, aber ich habe nichts verstanden!“). Aber ich sage mir immer, was ich mir früher auch schon gesagt habe: „Die da kritisieren, die müssen es erst einmal besser machen!“ Das hat mir auch geholfen, wenn Kollegen unter der Kanzel saßen.

Heute sitze ich selber unter der Kanzel. Ich höre manches Positives, was mich bereichert und mir etwas gibt. Ich bin da sicherlich auch duldsamer als meine anderen Familienmitglieder. Aber ich habe auch Anregungen, wie man es noch besser machen könnte.

 

Was ich mir als Gottesdienstbesucher wünsche:

1. Einen pünktlichen Anfang. Dazu gehört auch, daß der Pfarrer nicht erst fünf Minuten vorher in die Kirche kommt. Eine ungeistliche Hast schadet nur.

2. Eine Liturgie, wie sie in der Agende vorgesehen ist. Offenbar hat aber jeder Pfarrer eine Profilneurose und will etwas anders machen oder ergänzen. Die Liturgie hat den Sinn, daß der Gottesdienstbesucher auch in anderen Kirchen Vertrautes vorfindet, auch und vor allem bei gemeinsamen Veranstaltungen. Erst wenn man die vertraute Liturgie vorgetragen hat, kann man auch noch Eigenes ergänzen.

3. Bibeltexte in liturgischen Stücken sind wörtlich zu zitieren, wegen mir nach der letzten Revision, aber nicht mit eigenen Umschreibungen und Verbesserungen („... der da war und der da ist und der sein wird“)

4. Der Anfang ist entscheidend. Wer so anfängt: „Der uns für den heutigen Sonntag aufgegebene Predigttext...“, hat schon verloren. Die ersten Minuten entscheiden. Es ist doch schade, wenn eine Konfirmandin sagt: „Bei Melanchthon bin ich endgültig eingeschlafen!“

5. Man kann mit einer Geschichte oder einem Ereignis anfangen, auch mit einer Frage oder Provokation. Erst danach auf den Predigttext eingehen, so viel wie nötig, aber immer abwechseln zwischen Text und Situation.

6. Hilfreich ist oft eine Gliederung, die man auch mitteilen kann, auch eine Ankündigung wie „Zum Schluß noch...“. Nicht zu lange reden. Es ist besser, die Leute sind überrascht, daß es schon Schluß ist, als wenn sie denken: Wann landet er (sie) endlich wieder auf dem Boden.

7. Zum verständlichen Reden gehören kurze Sätze, keine Fremdwörter, keine theologischen Fachausdrücke (Predigt in Hephata: „Wir müssen ad hominem reden“ - ohne Übersetzung).

8. Eine Predigt, die fast nur aus der Wiedergabe einer langen Geschichte besteht ist auch problematisch. Auch wenn sie noch so gut ist und viele gute Gedanken enthält: vielleicht ist mehr gewonnen, die Geschichte zu kürzen und Eigenes beizusteuern.

9. Eine Nacherzählung des Textes mit vielen Erläuterungen und einigen aktuellen Spitzen („Homilie“), ist nur die Hälfte der Arbeit. Die Zuhörer verstehen die Anspielungen meist nicht und vermögen nicht die Parallelen zu ziehen. Sie spüren eine geistreiche Rede, aber sie fragen sich: Was soll das?

10. Die Auslegung eines Liedes ist erst recht problematisch. Das geht nur, wenn man ein Haupt­thema herausgreift und dieses dann vorwiegend abhandelt.

11. Traditionelle Klischees sollten heute vermieden werden: „Wenn einer sich bemüht, als Christ zu leben, dann merken das die anderen schon, Mission geschieht durch Vorbild!“ Nichts merken sie! Keiner fragt: Warum tust du das? Daß das mit dem Glauben zu tun haben könnte, merkt keiner. Und wenn einer es wirklich ganz deutlich macht und zum Beispiel vor dem Essen in der Kantine betet, dann schreckt das eher ab, dann wird er als Spinner angesehen.

12. Keine Rezepte geben, die man selber nicht einhält und auch gar nicht einhalten kann. Wer zu Spenden für die Dritte Welt aufruft oder zur Aufnahme von Asylbewerbern, tut es ja selber auch nicht. Man könnte ruhig zugeben, daß man es auch nicht schafft oder auch einmal „vielleicht“ sagt.

13. Wehklagen und Lamentieren bringt nichts. Manche Prediger haben den Ruf des „Kata­strophenpfarrers“ („Das Jahr 1991 war ein Jahr der Katastrophen“ - natürlich ist jedes Jahr ein „Jahr der Katastrophen“). Wir haben die frohe Botschaft zu verkündigen - und wir haben auch Grund dazu.

14. Ein Predigtwechsel unter den Pfarrern ist hilfreich für die Prediger und auch eine Abwechslung für die Gemeinde. Doch man sollte sich so absprechen, daß nicht an zwei Sonntagen über den gleichen Text gepredigt wird oder am 21. Januar noch einmal die Neujahrspredigt dran ist (Predigten zu solchen geprägten Tagen sollte man erst im nächsten Jahr wieder aufnehmen).

Theologiestudium

Die Regelstudienzeit für das Fach Theologie soll auf 13 Semester festgesetzt werden. Die Kirche lehnt aber den Bachelor - Abschluß ab, das Theologiestudium könne man nicht mit anderen Studiengängen vergleichen. Angeblich reicht nicht einmal der Master - Abschluß als Ausbildung für das Pfarramt (es kam ja in der Tat auch immer noch das Predigerseminar dazu).

Doch man fragt mit Recht: Wie alt sollen da denn die „Berufsanfänger“ noch werden? Und man muß auch fragen: Bereitet das übliche Theologiestudium wirklich auf den Pfarrerberuf vor? Da muß man drei alte Sprachen lernen, die selbst im zweiten Examen noch verlangt werden, aber danach sofort vergessen werden. Da wird in der Vorlesung jedes Wort hin und her gewendet, anstatt einen Überblick über das ganze biblische Buch zu geben. Da werden die Dogmenkämpfe des Altertums nachvollzogen, anstatt auf die heutige Situation einzugehen.

 

Ein Pfarrer braucht heute aber ganz andere Fähigkeiten: Redekunst, Gesprächsführung, Konfliktbewältigung, Pädagogik, Erwachsenenbildung, Psychologie, Betriebswirtschaftslehre und Bauwesen - das wird im Beruf gebraucht. Stattdessen bringen die Pfarrer aber das an, was sie gelernt haben, nämlich Bibelauslegung und Dogmatik. Da wird die biblische Geschichte in der Predigt lang und breit nacherzählt, Parallelen werden gezogen und die Umweltverhältnisse geschildert. Sachliche und theologische Fehler sind dabei trotz des langen Studiums nicht ausgeschlossen.

Doch mein akademischer Lehrer hat schon gesagt: Wenn man nicht in den ersten drei Minuten die Aufmerksamkeit der Zuhörer gewinnt, schlafen sie ein! Deshalb kommt es auf die geschickte Vermittlung an. Inhaltlich geht es um die grundlegende Aussage und nicht um jede Einzelheit. Was die Botschaft der Bibel ist, kann man auch in weniger als 13 Semestern lernen. Es ist ja nicht eine akademische Laufbahn ins Auge gefaßt, sondern eine ganz gewöhnliche Berufsausbildung. Und dafür braucht man den Rat erfahrener Praktiker und nicht den Elfenbeinturm einer hochgestochenen Theologie.

Pfarrer sind sowieso ein Sonderfall in unserer Gesellschaft: Sie haben ein gutes Einkommen, sie waren nie arbeitslos, sie haben nie eine Wohnung suchen müssen, sie haben meist keine Kollegen und ein Vorgesetzter kann sie auch nur selten mobben. Das führt auch heute immer noch zu einer gewissen Weltfremdheit und zu einer Isolation vom wirklichen Leben. Eine Überbetonung der Theologie und ein langes Studium verstärken das nur noch. Ein kürzeres Studium und dafür eine längere praktische Ausbildung würden die Kopflastigkeit der Theologen mindern. So wie in anderen Berufen wäre eine zweigleisige Ausbildung in „Schule“ und „Betrieb“ besser für die Ausbildung der Pfarrer.

 

So aber gehen viele aus dem Gottesdienst hinaus mit der enttäuschenden Erfahrung, daß ihre Fragen keine Antwort fanden, daß für ihre Probleme nicht einmal eine Richtung gewiesen wurde. Wer hätte noch nie bei schönen, guten Worten heimlich gedacht: So einfach lägen die Dinge nun auch wieder nicht? Wer hätte noch nie den Prediger verdächtigt, irgendwo auf einer guten Insel zu leben, unberührt von dem, was normalerweise Menschen zu schaffen macht?

- Könnte es tatsächlich sein, daß er deswegen ihre Sprache nicht spricht, weil ihm das natürliche, unverkrampfte Gespräch mit den „nicht ganz so Frommen“, mit den Kritischen und vielleicht von der Botschaft so gut wie Unberührten fehlt? (Wobei die „Verkrampfung“ durchaus beiderseitig sein kann!)

- Könnte es sein, daß andere Menschen Fragen haben, die für ihn einfach nicht (oder nicht mehr) existieren, Probleme, die er (oder sie) sich nicht vorstellen kann, weil er nie existentiell mit ihnen konfrontiert wurde?

- Und: Könnte es sein, daß die scheinbar Unbeeindruckten - vielleicht ihnen selbst noch unbewußt - auf eine Antwort warten, die die Predigt ihnen beim besten Willen des Predigers nicht geben kann, weil die dazugehörige Frage ihn nicht bewegt und nicht zu ihm durchdrang?

Die Predigten verlangen heute viel mehr Sorgfalt. „Früher war es doch den Leuten wurscht, was gepredigt wurde. Da war es eben Konvention sonntags in die Kirche zu gehen!“ Doch: „Man kann sich aber auch an der falschen Stelle abrackern. Immer weniger gelingt es den Pfarrern, sich ihrem Lebensumfeld zu öffnen - und das besteht eben nicht aus dem harten Kern der sonntäglichen Kirchenbesucher!“.

 

 

Predigtpreis:

Seit einigen Jahren verleiht die deutsche Wirtschaft einen Predigtpreis. Doch dabei geht es offenbar nicht um eine aktuelle Predigt zu wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Fragen, wie man denken könnte. Im Jahre 2009 wurde Frau Oxen ausgezeichnet. Ihre Predigt folgte dem Schema, wie man es landauf landab findet: Der Bibeltext wird erklärt, mit einigen wenigen kleinen Schlenkern zur heutigen Zeit. Das Besondere an dieser Predigt war nur: Sie war in einer sehr künstlerischen Sprache gehalten. Es ging um das „Miriamlied“, das ja in der Tat sehr poetisch ist.

Aber auch die anderen veröffentlichten Predigten von Frau Oxen sind nicht besser, abgesehen von der einen, bei der sie mit einem Unglücksfall in der Gemeinde beginnt. Frau Oxen hat ein poetisches Werk verfaßt, künstlerisch gut, aber für mich nichtssagend. Unserer Tochter, die „Miriam“ heißt, möchte ich so etwas nicht anbieten. Mit so einer Predigt hätte ich mich nicht vor die Gemeinde und erst recht nicht in die Öffentlichkeit getraut. Aber anschließend wurde Frau Oxen zur Leiterin eines Predigerseminars berufen.

Udo Hahn, der Vorsitzende der Jury, begründete die Entscheidung: Die Jury trifft ihre Entscheidungen nicht nach Gutdünken. Sie orientiert sich an der Satzung des Predigtpreises und den dort genannten Kriterien. Aber das ist doch sonderbar, daß man eine Predigt nach ihrer sprachlichen Gestalt beurteilt, so eine Art Literaturpreis, wie man ihn auch für einen Zeitungsartikel vergeben könnte.

Aber kommt es bei einer Predigt nicht darauf an, die Aussage des Textes auf den Punkt zu bringen und dann für die heutige Zeit auszulegen? Und das in einer möglichst nüchternen Sprache. Hier aber liegt das eigentliche Problem, daß man sich auf Wortgeklingel zurückzieht und sich über die Ansprache der Menschen (was sie für ihr Leben daraus entnehmen können) keine Gedanken macht. Jene Predigt war sicher interessant, aber leider ohne praktischen Nutzen. Aber laut Herrn Hahn geht es bei diesem Predigtpreis vor allem um die Sprache der Predigt, diese soll „gehoben“ sein, ein guter Inhalt allein mache es nicht: „Der Inhalt braucht eine Form. Als Wortgeklingel möchte ich das nicht abtun!“

 

 

Pfarrer sind notwendig:

Mehr Hausbesuche, eine einfache, plausible Sprache, Offenheit, Interesse, Verständnis auch für den, der nicht jeden Sonntag erscheint: Die Kirche ist - der langen Wunschliste nach zu urteilen - nach wie vor gefordert. Zwischen Anspruch und Realität klafft eine Lü>Predigten sind notwendig:

Es lohnt sich zu predigen! Wir fragen schon: Macht es einen Sinn zu leben und wie wir leben, erwarten wir da Hilfe von Gott und aus Gottes Wort? Die Alten sagen: „Die paar Jahre bringen wir noch rum!“ Aber die Jungen sagen: „Soll das denn schon alles gewesen sein?“ Jetzt sind wir noch jung, jetzt können wir uns noch einmal umstellen. Und dann erhoffen sie sich eine Sinngebung durch einen Umzug oder eine neue Arbeitsstelle. Aber wirkliche Sinngebung soll die Predigt geben.

 

 

Noch einige Witze zum Thema „Predigt“:

• Der neue Pfarrer, der viel von seinen Predigten hält, beschwert sich beim Metzger: „Meine Frau hat gestern Fleisch bei Ihnen gekauft. Sie haben ihr aber wiederum kein schönes Stück Fleisch gegeben. Wenn wir wirklich ein gutes Stück Fleisch haben wollen, dann müssen wir ins nächste Dorf gehen!“ Daraufhin der Metzger trocken: „Da gleicht sich ja alles aus: Wenn wir eine gute Predigt hören wollen, müssen wir auch ins Nachbardorf gehen!“

 

• Der Psychiater fragt den Pfarper: „Reden sie im Schlaf?“ Der Pfarrer antwortet: „Nein, ich rede nur, wenn andere schlafen!“

 

Was für Predigten wir brauchen:

Ein amerikanischer Prediger versicherte: „Meine Herren Amtsbrüder; wir brauchen Predigten, bei denen die Leute aufwachen!“ Ein älterer Kollege erwiderte trocken: „Zunächst brauchen wir Predigten, bei denen die Leute nicht einschlafen!“

 

• Ein Kirchendiener in einer Universitätsstadt pflegte die Predigten der Studenten im praktisch-theologischen Seminar zu kommentieren, wenn der Kandidat die Kirche verließ und an ihm vorbeiging. Sein höchstes Lob war: „Sie werden eine Posaune des Herrn werden!“ Meist aber sagte er: „Sie haben mich erbaut!“ Aber auch bei einer ganz schlechten Predigt wußte er noch ein tröstliches Wort: „Sie haben die Lieder gut gewählt!“

 

Ein Zuhörer im Gottesdienst zu einem anderen über die Predigt des Pfarrers: „Es klingt deutsch, aber ganz anders als wir reden. Vielleicht ist es eine Programmiersprache!“

 

• Nach dem Gottesdienst. „Doch, doch, war nicht schlecht der Gottesdienst. Aber im Vergleicht zur Musik zu viel Werbung!“

 

Nach dem Gottesdienst bedankte sich Pfarrer Christian Schmidt bei den Zuhören, daß sie nicht eingeschlafen waren, und erzählte dazu noch folgende Geschichte: Ein Pfarrer ärgerte sich, daß im Gottesdienst immer ein Mann einschlief und auch laut schnarchte. Deshalb sagte er am Schluß des Gottesdienstes ganz leise: „Jetzt stehen einmal alle auf, die in den Himmel kommen wollen!“ Sofort standen alle auf - bis auf den Schnarcher. Dann brüllte er: „Jetzt stehen einmal alle auf, die in die Hölle kommen wollen!“ Der Schläfer schreckt auf, springt hoch und ruft: „ Herr Pfarrer, Sie und ich kommen in die Hölle, denn wir sind die Einzigen, die stehen!“ Keiner ist sicher davor, in die Hölle zu kommen. Ehe man auf andere zeigt, muß man erst einmal sich selber prüfen.

 

Die falsche Tür

Die Aufgänge zu manchen Kanzeln sind in tiefe Dunkelheit gehüllt, so daß .ein Fremder sich den Weg nach oben oftmals mehr ertasten als ersteigen muß. Ein Pfarrer hatte aus diesem Grunde in einer Kirche, in der er nur vertretungsweise predigte, ein recht peinliches Erlebnis.

Die Liturgie ist glatt gegangen; während die Gemeinde die Amenstrophe zum Glaubensbekenntnis singt, steigt der Pfarrer hinter dem Altar die Kanzeltreppe hinauf.

Fest muß er das Geländer umfassen, denn je weiter er nach oben kommt, desto dunkler wird es um ihn. Oben auf dem Podest kann er das Schloß einer Tür, die offenbar auf die Kanzel führt, gerade noch erkennen. Er stolpert über die sehr hohe Schwelle, steht aber glücklicherweise anscheinend erst in einem kleinen Vorraum. Es hätte einen schlechten Eindruck gemacht, wenn er gleichsam in die Kanzel hineingefallen wäre. Hinter ihm schnappt das Türschloß zu. Es ist stockdunkel.

Aber vor sich fühlt er Holz - die Kanzeltür? Vergeblich tasten seine Hände nach einer Klinke. Er findet sie nicht. Da fällt ihm ein, die Kanzeltür muß ja in der Seitenwand sein. Richtig - auch da ist Holz - aber keine Klinke. Die Tür, durch die er gekommen ist, läßt sich von innen auch nicht wieder öffnen. Ihm wird unheimlich.

Der Gesang der Gemeinde ist zu Ende. Der Organist späht in seinem Spiegel nach der Kanzel. Sie bleibt leer. Er hängt verzweifelt eine Kadenz an die andere. Endlich gibt er es auf. Es ist totenstill in der Kirche. Oben steht der Pfarrer in ägyptischer Finsternis. Unten sitzt die Gemeinde und wartet auf seine Predigt.

Was soll er tun? Lärm schlagen? Es muß doch jemand kommen, um ihn zu befreien! Dunkelheit und Enge beklemmen seine Brust. Es riecht modrig. Die Armbanduhr tickt überlaut. Sonst ist alles still. Ihm ist, als sei er lebendig begraben, und noch dazu stehend.

Endlich hört er Schritte auf der Treppe - der Küster. „Er ist in den Wandschrank geraten“, hört er sagen. Dann öffnet sich die Tür und links daneben eine zweite, durch die breit das Licht hereinflutet. Und schon steht er auf der Kanzel vor der Gemeinde, die aufatmend zu ihm aufschaut.

Er wundert sich ein bißchen, daß sie noch alle da sind. Nach seinem Empfinden müssen Stunden vergangen sein, seit die Orgel verstummte und er in Finsternis und Schweigen begraben worden war. Die Buchstaben tanzen ihm vor den Augen, als er den Predigttext verliest, denn er muß sich erst wieder an die Helligkeit gewöhnen. Selten hat er in einer Predigt die frei und ungehindert strömende Kraft des Wortes so verspürt wie nach seiner Dunkelhaft im Wandschrank (Verfasser ungenannt).

 

Ein Pfarrer und ein Busfahrer stehen vor der Himmelstür. Der Busfahrer darf rein, der Pfarrer nicht. Petrus erklärt dem verblüfften Kirchendiener: „Wenn du gepredigt hast, haben alle geschlafen. Aber wenn er Bus gefahren ist, haben alle gebetet!“ (Eckart von Hirschhausen).

 

Ein Witwe an der Himmelstür: „Hoffentlich hat sich mein Mann nicht inzwischen eine andere angelacht!“

 

„Der Tod kann nicht so schlimm sein, es ist noch keiner zurückgekommen!“

 

 

Zu den folgenden Predigten:

Diese Predigten sind zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Situationen entstanden. Deshalb sind sie nicht unverändert als Lesepredigten geeignet. Sie können aber dazu dienen, sich mit dem Predigttext auseinanderzusetzen und eine eigene Lösung zu finden. Manche Gedanken wird man übernehmen können, bei anderen wird man gerade das Gegenteil vertreten. Aber gerade diese Auseinandersetzung kann voranbringen.

Der Fachmann wird sofort sehen, daß die Predigten sich oft an den Predigthilfen des Leipzigers Gottfried Voigt ausrichten: Oft sind Thema, Gliederung und einzelne Gedanken übernommen, aber manchmal ist - wie gerade dargelegt - auch eine andere Auslegung gegeben worden. Jede Predigt eines anderen entbindet nicht von der eigenen Arbeit. Es versteht sich von selbst, daß meine Predigten gern heruntergeladen werden dürfen.

 

Bei den folgenden Predigten aus den verschiedenen Reihen wurden nicht in allen Reihen bearbeitet solche Tage wie Namensgebung Jesu, Gründonnerstag, Gedenktag der Augsburgischen Konfession, Johannestag und Michaelistag. Für den Kirchweihtag wurden nicht bearbeitet: Reihe IV Jos 24,14-16 und Reihe V Jes 66, 1- 2.

Nicht in jedem Jahr gibt es einen 5. Sonntag nach Epiphanias oder einen 24. Sonntag nach Trinitatis. Wenn diese Sonntage in einer Reihe fehlen, dann kann man ja auf eine andere Reihe ausweichen.

 

Noch ein praktischer Hinweis: Die moderne Technik ermöglicht, schnell einmal eine Kopie eines Textes zu machen. Diese nutze ich dann, um einen „Spickzettel“ für die Predigt zu er­stellen, so daß ich im „Ernstfall“ nur Stichworte vor mir habe. Das ermöglicht ein freieres Sprechen und auch mehr Spontaneität. Auch die Gottesdienstordnung mit allen Texten, Gebeten, liturgischen Stücken usw. drucke ich mir aus und trage sie dann immer (mit dem Gesicht zu den Zuhörern) vor.

 

 

 

 

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