Die prophetischen Bücher

 

 

Der Prophet Jesaja

 

[Jesaja ist neben Jeremia, Ezechiel und anderen einer der großen Schriftpropheten. Im Alten Testament steht sein Buch an erster Stelle der Prophetenbücher. Jesaja wirkte im damaligen Südreich Juda zwischen 740 und 701 vCh in der Zeit der Bedrohung durch die antike Großmacht Assyrien.

Die ersten 39 Kapitel bestehen überwiegend aus Prophezeiungen, in denen Jesaja den Nationen droht, die Juda verfolgen. Zu den Nationen gehören unter anderem Assyrien, Ägypten, Babylonien, Syrien und Moab. Generell besagen die Prophezeiungen, daß Gott der Herr der Welt sei und alle ungläubigen Völker bestraft, die sich sicher genug fühlen. Er verkündete aber auch eine endzeitliche Wende zu universalem Frieden, Gerechtigkeit und Heil.

Als erster Prophet Israels verhieß er den Israeliten einen zukünftigen Messias als gerechten Richter und Retter der Armen, eine geweihte Person, die Macht von Gott bekommen hat und in deren Königreich Gerechtigkeit vorherrschen wird. Interessant an dieser Prophezeiung ist, daß Jesaja konkret darüber schreibt, daß der Messias ein Nachkomme von König David sein wird.

Seit dem 19. Jahrhundert wird das Jesaja-Buch verschiedenen, teilweise unbekannten Autoren zugeschrieben, deren Verkündigung später in einem Entwicklungsprozeß zu einem Buch Jesaja zusammengefaßt wurden. Auf die Autorschaft des Propheten Jesaja im 8. Jahrhundert vCh führt man weitgehend die Kapitel 1 bis 39 des Jesajabuchs zurück.

Aufgrund weiterer Beobachtungen von literarischen Spannungen und Widersprüchen stellte man auch die Einheit des ersten Buchteils zunehmend in Frage: So wurden beispielsweise Kapitel 15 und 16 einem unbekannten Propheten zugewiesen, und Kapitel 23 bis 27 sowie 34-35 (oder 33-39) wurden Jesaja abgesprochen, da deren Stoffe und Sprache bereits stark den Kapiteln 40 bis 66 ähnelt.

Die Kapitel 40-55 werden dem spätexilischen „Deuterojesaja“ (zweiter Jesaja) zugeschrieben,

Ab Kapitel 40 wird die Befreiung der nach Babylonien verschleppten Juden vorhergesagt. Dabei beteuert der Autor, daß die Juden das auserwählte Volk des Herrn seien und daß Jahwe ihr einziger Gott sei.

Ab Kapitel 40 redet der Autor von Babylon als herrschender Macht und setzt das Babylonische Exil der Israeliten voraus. Dieses fand erst über 120 Jahre nach den Ereignissen statt, die im ersten Buchteil eine Rolle spielen. Als Argumente für mehrere Autoren des Buches werden insbesondere genannt:

* Jesaja als Schreiber im 8. Jahrhundert vCh hätte die Trostworte der Kapitel 40-55 an die erst 150 Jahre später im Exil lebenden Juden nicht schreiben können. Der Fall Jerusalems und das Exil seien nicht voraussehbar gewesen.

* Die Vorhersage der Eroberung Babylons im Jahr 539 vCh sogar unter Nennung des Namens des Eroberers „Kyros“ sei einem im 8. Jahrhundert vCh lebenden Jesaja nicht möglich gewesen.

* Der Autor der Kapitel 40-55 muß die babylonischen Verhältnisse gekannt haben (Flüsse, die das Land durchqueren, Schiffahrt darauf, üppiges Leben in Babylon).

* Unterschied im Sprachgebrauch und Stil.

Dagegen wird eingewandt, Jesaja habe als ein Prophet Gottes Zukünftiges voraussagen können. Und gerade das stärke die Bedeutung der Trostworte für die Juden im Exil: Gott hat ihre Gefangenschaft vorhergesehen, aber genauso gewiß ist auch die Vorhersage der Errettung aus der Gefangenschaft.

Kapitel 56-66 des Buches werden entweder einem einzigen Autor „Tritojesaja“ (dritter Jesaja) oder noch weiteren verschiedenen Autoren zugeschrieben. Diese späteren Autoren könnten Teil einer von dem ursprünglichen Jesaja begründeten Denkschule oder Traditionslinie von Propheten gewesen sein. Die letzten Abschnitte enthalten poetisch formulierte Prophezeiungen über die prächtige Zukunft Zions. Obwohl das Buch die Verdammung von falschen Götzendienern erwähnt, endet es mit einer Nachricht der Hoffnung auf einen rechtschaffenen Herrscher.

Historisch-kritische Theologen nehmen an, daß diese Schriften schon in vorchristlicher Zeit in einem Buch zusammengefaßt wurden und das Wissen um dessen komplizierte Entstehung danach verlorenging. Denn schon die berühmte Jesajarolle der Schriftfunde aus Qumran (1947), die nach Radiokarbon-Untersuchungen von 1991 und 1994 um 200 vCh niedergeschrieben wurde, war eine Einheit. Auch die griechische Bibel (entstanden seit dem 3. Jahrhundert vCh) unterteilte das Buch nicht].

 

Gericht über Juda und Jerusalem (Kapitel 1 bis 5):

Gottes Anklage gen das abtrünnige Volk:

Dies ist die Offenbarung Jesajas über Juda und Jerusalem, die er gesehen hat zur Zeit der judäischen Könige Usia, Jothams des Ahas und Hiskia. Höret, ihr Himmel, und Erde, vernimm in deinen Ohren! Denn der Herr redet: Ich habe Kinder großgezogen und erhöht, und sie sind von mir abgefallen. Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn. Aber Israel kennt ihn nicht, und mein Volk vernimmt ihn nicht.

Wohin soll man euch noch schlagen, die ihr doch weiter im Abweichen beharrt? Das ganze Haupt ist krank, das ganze Herz ist matt. Von der Fußsohle bis zum Kopf ist nichts Gesundes an euch, sondern Beulen und Striemen und Wunden, die nicht gereinigt noch verbunden noch mit Öl gelindert sind. Euer Land ist verwüstet, eure Städte sind mit Feuer verbrannt. Fremde verzehren eure Äcker vor euren Augen. Alles ist verwüstet wie beim Untergang Sodoms. Übrig geblieben ist allein die Tochter Zion (Jerusalem) wie ein Häuslein im Weinberg, wie die Nachthütte im Gurkenfeld wie eine belagerte Stadt.

Was soll mir die Menge eurer Opfer? spricht der Herr. Ich bin satt die Brandopfer von Widdern satt und habe kein Gefallen am Blut der Stiere, Lämmer und Böcke. Wenn ihr hereinkommt, zu erscheinen vor mir, - wer fordert denn von euch, daß ihr meinen Vorhof zertretet? Bringt nicht mehr die vergeblichen Speisopfer dar! Das Räucherwerk ist mir ein Greuel! Neumonde und Sabbate, wenn ihr zusammenkommt, Frevel und Festversammlung mag ich nicht!

Und wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch. Und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht, denn eure Hände sind voll Blut. Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen, laßt ab vom Bösen. Lernt Gutes zu tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führet die Sache der Witwen.

So kommt denn und laßt uns miteinander rechten, spricht der Herr: Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, Und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden. Wollt ihr mir gehorchen, so sollt ihr des Landes Gut genießen. Weigert ihr euch aber und seid ungehorsam, so sollt ihr vom Schwert gefressen werden, denn der Mund des Herrn sagt es. Zion muß durch Gericht erlöst werden und die zu ihr zurückkehren durch Gerechtigkeit (Jes 1, gekürzt).

 

In Zion finden alle Völker Heil und Frieden:

Dies ist es, was Jesaja sah von Juda und Jerusalem: Es wird zur letzten Zeit der Berg, auf dem das Haus des Herrn ist, fest stehen, höher als alle Berge, und über alle Hügel erhaben sein, und werden alle Heiden herbei laufen und viele Völker hingehen und sagen: „Kommt, laßt uns auf den Berg des Herrn gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen, und des Herrn Wort von Jerusalem.

Und er wird richten unter den Völkern und viele von ihnen zurechtweisen. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, laßt uns wandeln im Licht des Herrn! (Jes 2, gekürzt).

 

Gottes Gericht über die Herren Jerusalems:

Siehe, der Herr wird Jerusalem und Juda wegnehmen Stütze und Stab, allen Vorrat an Brot und Wasser, Helden und Krieger, Richter und Propheten, Wahrsager und Älteste, Hauptleute und vornehme Leute, Ratsherren und Weise, Zauberer und Beschwörer. Ich will ihnen Buben zu Fürsten geben, und Kindische sollen über sie herrschen. Das Volk wird einer den anderen bedrängen, einer den andern. Der Junge geht los auf den Alten und der Verachtete auf den Geehrten.

Dann wird einer seinen Mitmenschen, der in seines Vaters Haus ist, drängen: „Du hast noch einen Mantel. Sei unser Herr! Dieser Trümmerhaufe sei unter deiner Hand! Er aber wird zu der Zeit beschwören und sagen: „Ich bin kein Arzt. Es ist weder Brot noch Mantel in meinem Haus! Macht mich nicht zum Herrn über das Volk!“ Denn Jerusalem ist gestrauchelt, und Juda liegt da, weil ihre Worte und ihr Tun gegen den Herrn sind, daß sie seiner Majestät widerstreben (Jes 3, gekürzt).

 

Das künftige Heil für Jerusalem:

Zu der Zeit wird, was der Herrn sprießen läßt, lieb und wert sein und die Frucht des Landes herrlich und schön bei denen, die erhalten werden in Israel. Und wer da wird übrig sein zu Zion und übrigbleiben zu Jerusalem, der wird heilig heißen, ein jeder, der aufgeschrieben ist zum Leben in Jerusalem. Dann wird der Herr den Schmutz der Töchter Zions waschen und die Blutschuld Jerusalems wegnehmen durch den Geist, der richten und ein Feuer anzünden wird. Dann wird der Herr eine Wolke am Tage und Feuerglanz und Rauch in der Nacht schaffen über dem ganzen Berg Zion und über ihren Versammlungen. Ja, es wird ein Schirm sein über allem, was herrlich ist, und es wird eine Hütte sein zum Schatten am Tag vor der Hitze und eine Zuflucht und Obdach vor dem Wetter und dem Regen (Jes 4).

 

Das Lied vom unfruchtbaren Weinberg:

Wohlan, ich will ein Lied singen von meinem Freund und seinem Weinberg: Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. Er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanze darin edle Reben. Er baute auch einen Turm hinein und grub eine Kelter und wartete darauf, daß er gute Trauben brächte. Aber er brachte nur unreife Trauben. Nun richtet, ihr Bürger Jerusalems und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg. Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberge das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, wo och doch darauf wartete, daß er gute Trauben brächte?

Wohlan, ich will euch zeigen, was ich meinem Weinberg tun will. Sein Zaun soll weggenommen werden, daß er verwüstet werde, seine Mauer soll eingerissen werden, daß er zertreten werde.

Ich will ihn wüst liegenlassen, daß er nicht beschnitten noch gehackt wird, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen. Und ich will den Wolken gebieten, daß sie nicht darauf regnen. Der Weinberg des Herrn Zebaoth aber ist das Haus Israel, und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, und siehe, da war Rechtsbruch. Er wartete auf Gerechtigkeit, und siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit (Jes 5,1-7).

 

Weherufe über die Sünden der Großen:

- Weh denen, die ein Haus zum andere bringen und einen Acker an den andern rücken, bis kein Raum mehr da ist und sie allein das Land besitzen! Es ist in meinen Ohren das Wort des Herrn Zebaoth: „Fürwahr, die vielen Häuser sollen veröden und die großen und feinen leer stehen!“

- Weh denen, die morgens früh aufstehen und dem Saufen nachgehen und sitzen bis in die Nacht, daß sie der Wein erhitzt, und haben Harfen, Zithern, Pauken, Pfeifen und Wein in ihrem Wohlleben und sehen nicht auf das Werk des Herrn und schauen nicht auf das Tun seiner Hände!

- Weh denen, die am Unrecht herbeiziehen mit Stricken der Lüge und die Sünde mit Wagenseilen und sprechen: „Er lasse eilend und bald kommen sein Werk, damit wir es sehen. Es nahe und treffe ein der Ratschluß des Heiligen Israels, daß wir ihn kennenlernen!

- Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!

- Weh denen, die weise sind in ihren Augen und halten sich selbst für klug!

- Weh denen, die Helden sind, Wein zu saufen, die den Schuldigen gerecht sprechen für Geschenke und das Recht nehmen denen, die im Recht sind.

Darum, wie die Flamme des Feuers das Stroh verzehrt und Stoppeln vergehen in der Flamme, so wird ihre Wurzel verfaulen und ihre Blüte auffliegen wie Staub. Denn sie verachten die Weisung des Herrn Zebaoth und lästern über die Rede des Heiligen in Israel.

Darum ist der Zorn des Herrn entbrannt über sein Volk, und er reckt seine Hand gegen sie und schlägt sie, daß die Berge beben und ihre Leichname sind wie Dreck auf den Gassen. Und bei dem allem läßt sein Zorn nicht ab, sondern seine Hand ist noch ausgereckt. Denn er wird ein Feldzeichen aufrichten für das Volk in der Ferne und pfeift sie herbei vom Ende der Erde. Und siehe, eilends und schnell kommen sie daher. Ihre Pfeile sind scharf und alle ihre Bogen gespannt. Die Hufe ihrer Rosse sind hart wie Kieselsteine und ihre Wagenräder sind wie ein Sturmwind. Ihr Brüllen ist wie das der Löwen, und sie brüllen wie junge Löwen. Sie werden daher brausen und den Raub packen und davontragen, daß niemand etwas retten kann (Jes 5, 8-30, gekürzt).

 

Jesajas Wirken in der Anfangszeit (Kapitel 6 bis 9):

Jesajas Berufung zum Propheten:

In dem Jahr, als der König Usia starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte den Tempel. Seraphim standen über ihm. Ein jeder hatte sechs Flügel: mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens, und das Haus wurde voll Rauch.

Da sprach ich: „Weh mir, ich vergehe! Denn ich habe unreine Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen. Denn ich habe den König, den Herrn Zebaoth, gesehen mit meinen Augen!“

Da flog einer der Seraphim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, und rührte meinen Mund an und sprach: „Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, daß deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei!“ Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: „Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein?“ Ich aber sprach: „Hier bin ich, sende mich!“

Und er sprach: „Geh hin und sprich zu diesem Volk: Hört, und versteht es nicht, seht, und merkt es nicht! Verstocke das Herz dieses Volkes und laß ihre Ohren taub sein und ihre Augen blind, daß sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und gesund werden!“

Ich aber sprach: „Herr, wie lange?“ Er sprach: „Bis die Städte wüst werden ohne Einwohner und die Häuser ohne Leute und das Feld ganz wüst liegt! Denn der Herr wird die Menschen weit wegtun, sodaß das Land sehr verlassen wird. Auch wenn nur der zehnte Teil darin bleibt, so wird es abermals verheert werden. Doch es wird sein wie bei einer Eiche und Linde, von denen beim Fällen noch ein Stumpf bleibt. Ein heiliger Same wird dieser Stumpf sein (Jes 6).

 

Jesaja ruft den König Ahas zum Glauben:

Zur Zeit des Königs Ahas, zog der syrische König Rezin mit dem israelitischen König Pekah, dem Sohn Remaljas, hinauf gegen Jerusalem. Sie konnten es aber nicht erobern. Da wurde dem judäischen Königshaus angesagt: „Die Aramäer haben sich in Ephraim (also im Nordstaat Israel) gelagert!“ Da bebte ihm das Herz und das Herz seines Volkes, wie die Bäume im Walde beben vom Winde. Aber der Herr sprach zu Jesaja: „Gehe hinaus, Ahas entgegen, du und dein Sohn Sear-Jasub, an das Ende der Wasserleitung am oberen Teich, am Wege beim Acker des Ledermachers, und sprich zu ihm: „Hüte dich und bleibe still. Fürchte dich nicht, und dein Herz sei unverzagt vor diesen beiden brennenden Holzscheiten, die nur noch rauchen, vor Zorn Rezins und dem Sohn Remaljas.

Weil die Aramäer gegen dich Böses ersonnen haben samt dem Volk Ephraim und dem Sohn Remaljas und sagen: „Wir wollen hinaufziehen nach Juda und es erschrecken und für uns er­obern und zum König darin machen den Sohn Tabeals!“ Denn so spricht der Herr: Es soll nicht geschehen und nicht so gehen. Sondern wie Damaskus das Haupt ist von Aram, so soll Rezin nur das Haupt von Damaskus sein - aber in fünfundsechzig Jahre soll es mit Ephraim aus sein, daß sie nicht mehr ein Volk sind - und wie Samaria das Haupt ist von Ephraim, so soll der Sohn Remaljas das Haupt von Samaria sein. Glaubt ihr nicht so bleibt ihr nicht!“ (Jes 7,1-9).

 

Das Zeichen des Immanuel:

Der Herr redete abermals zu Ahas: „Fordere dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, es sei unten in der Tiefe oder droben in der Höhe!“ Aber Ahas sprach: „Ich will es nicht fordern, daß ich den Herrn nicht versuche!“ Da sprach Jesaja: „Wohlan, so hört, ihr vom judäischen Königshaus: Ist es euch zu wenig, daß ihr die Menschen müde macht? Müßt ihr auch meinen Gott müde machen? Darum will euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine junge Frau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie Immanuel nennen. Butter und Honig wird er essen, bis er weiß, Böses zu verwerfen und Gutes zu erwählen. Denn ehe der Junge lernt, Böses verwerfen und Gutes erwählen, wird das Land verödet sein, vor dessen zwei Königen dir graut.

Aber der Herr wird über dich, über dein Volk und über deine Familie Tage kommen lassen, die nicht gekommen sind, seit der Zeit, als Ephraim sich von Juda schied, nämlich durch den König von Assyrien. Zu der Zeit wird der Herr herbeipfeifen die Fliege am Ende der Ströme Ägyptens und die Biene im Lande Assur, daß sie kommen und alle sich niederlassen in den tiefen Tälern und in den Steinklüften und in allen Hecken und an jeder Tränke (Jes 7, am Schluß gekürzt).

 

Der Sohn des Propheten:

Der Herr sprach zu mir: Nimm vor dich eine große Tafel und schreib darauf mit deutlicher Schrift: „Raubebald - Eilebeute!“ Ich nahm mir zwei treue Zeugen, den Priester Uria und Sacharja. Dann ging ich zu der Prophetin. Die wurde schwanger und gebar einen Sohn. Und der Herr sprach zu mir: „Nenne ihn Raubebald - Eilebeute!“ Denn ehe der Knabe rufen kann: „Lieber Vater. liebe Mutter!“, soll die Macht aus Damaskus und die Ausbeute aus Samaria weggenommen werden durch den König von Assyrien.

 

Gericht über Juda und die Völker:

Der Herr redete weiter mit mir und sprach: „Weil dieses Volk verachtet das Wasser von Siloah, die still dahinfließen, und die Angst zerfließt vor Rezin und dem Sohn Remaljas, siehe, so wird der Herr über sie kommen lassen die starke und vielen Wasser des Stromes, nämlich den König von Assyrien und alle seine Macht, daß sie über alle ihre Ränder fluten und über alle Ufer gehen. Sie werden einreißen in Juda und wegschwemmen und überfluten, bis daß sie an den Hals reichen, und sie werden ihre Flügel ausbreiten, daß sie dein Land, o Immanuel, füllen, so weit es ist.

Tobt ihr Völker, ihr müßt doch fliehen! Hört es alle, die ihr in fernen Landen seid! Rüstet euch, ihr müßt doch fliehen, rüstet euch, ihr müßt doch fliehen. Beschließt einen Rat, und es werde nichts daraus, beredet euch, und es werde nichts. Denn hier ist Immanuel. Denn so sprach der Herr zu mir, da seine Hand über mich kam und er mich warnte, daß ich nicht auf dem Weg dieses Volkes gehen sollte: „Ihr sollt nicht alles Verschwörung nennen, was dies Volk Verschwörung nennt. Und vor dem, was sie fürchten, fürchtet euch nicht und laßt euch nicht grauen, sondern verschwört euch mit dem Herrn Zebaoth. Den laßt eure Furcht und euren Schrecken sein. Er wird er ein Fallstrick sein und ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses für die beiden Häusern Israel, ein Fallstrick und eine Schlinge für die Bürger Jerusalems, daß viele von ihnen sich daran stoßen, fallen, zerschmettern, verstrickt und gefangen werden (Jes 8, 5-15).

 

Der Prophet und seine Jünger:

Ich soll verschließen die Offenbarung, versiegeln die Weisung in meinen Jüngern, und will hoffen auf den Herrn, der sein Antlitz verborgen hat vor dem Reich Israel („Haus Jakob“). Ich will auf ihn warten. Siehe, hier bin ich und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat als Zeichen und Weissagung in Israel vom Herrn Zebaoth, der auf dem Berg Zion wohnt. Wenn sie aber zu euch sagen: „Ihr müßt die Totengeister und Beschwörer befragen, die da flüstern und murmeln“, so sprecht: „Soll nicht ein Volk seinen Gott fragen! Oder soll man die Toten für die Lebenden befragen?“

„Hin zur Weisung und hin zur Offenbarung!“ Werden sie das nicht sagen, so wird ihnen kein Morgenrot scheinen, sondern werden im Land umhergehen, hart geschlagen und hungrig. Und wenn sie Hunger leiden, werden sie zürnen und fluchen ihrem König und ihrem Gott, und sie werden über sich blicken und unter sich die Erde ansehen und nichts finden als Trübsal und Finsternis, denn sie sind im Dunkel der Angst und gehen irre im Finstern (Jes 8,16-22).

 

Verheißung des Friedefürsten:

Doch es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind. Hat er in früherer Zeit in Schmach gebracht das Land Sebulon und das Land Naphthali, so wird er danach zu Ehren bringen den Weg am Meer, das Land jenseits des Jordans, das Galiläa der Heiden. Das Volk das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.

Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tag von Midians. Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn daher geht, und jeder Mantel, der durch Blut geschleift wurde, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst. Seine Herrschaft werde groß und der Friedens habe kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, daß er es stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Das wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth (Jes 8,23-9,6).

 

Gottes Gericht über das Nordreich:

Der Herr hat sein Wort gesandt gegen Jakob, und es ist in Israel niedergefallen, daß alles Volk es innewerde, Ephraim und die Bürger Samarias, die da sagen in Hochmut und stolzem Sinn: „Ziegelsteine sind gefallen, aber wir wollen es mit Quadern wieder bauen. Man hat Maulbeerbäume abgehauen, aber wir wollen Zedern an ihre Stelle setzen!“ Doch der Herr macht ihre Bedränger gegen sie stark, und ihre Feinde stachelt er auf. Die Aramäer von vorne und die Philister von hinten, daß sie Israel fressen mit vollem Maul. Bei all dem läßt sein Zorn noch nicht ab, seine Hand ist noch ausgereckt. Aber das Volk kehrt nicht um zu dem, der es schlägt, und fragt nicht nach dem Herrn Zebaoth. Darum haut der Herr von Israel den Kopf und den Schwanz ab, Ast und Stumpf, auf einen Tag. Die Ältesten und Vornehmen sind der Kopf, die falschen Propheten aber sind der Schwanz. Denn die Leiter dieses Volks sind Verführer; und die sich leiten lassen, sind verloren (Jes 9, 7-15, ausgelassen Vers 16-20).

 

Ein Rest wird gerettet (Kapitel 10 bis 12):

Gegen den Hochmut des Königs von Assyrien:

Wehe Assur, der die Rute meines Zornes und der Stecken meines Grimms ist! Ich sende ihn gegen ein gottloses Volk und gebe ihm Befehl gegen das Volk, dem ich zürne, daß er es beraube und ausplündere und es zertrete wie Dreck auf der Gasse. Aber er meint es nicht so und sein Herz denkt nicht so, sondern sein Herz steht danach, zu vertilgen und auszurotten nicht wenige Völker. Sollte ich nicht Jerusalem tun und ihren Götzen, wie ich Samaria und ihren Götzen getan habe?

Wenn aber der Herr all sein Werk ausgerichtet hat auf dem Berg Zion und in Jerusalem, wird er sprechen: „Ich will ich heimsuchen die Frucht des Hochmuts des Königs von Assyrien und die Stolz seiner hochmütigen Augen, weil er spricht: „Ich habe es durch meiner Hände Kraft ausgerichtet und durch meine Weisheit, denn ich bin klug! Ich habe die Grenzen der Länder anders gesetzt und ihre Schätze geraubt und wie ein Stier die Einwohner zu Boden geworfen.

Meine Hand hat gefunden die Völker wie ein Vogelnest, und ich habe alle Länder zusammengerafft, wie man Eier sammelt!“ Vermag sich auch eine Axt zu rühmen gegen den, der damit haut? Oder eine Säge groß tun gegen den, der sie zieht? (Jes 10,1-19, gekürzt)

 

Errettung eines Rests:

Zu der Zeit werden die Übriggebliebenen in Israel und was entkommen ist vom Reich Juda sich nicht mehr verlassen auf den, der sie schlägt, sondern sie werden sich verlassen auf den Herrn, den Heiligen in Israel. Ein Rest wird sich bekehren zu Gott, dem Starken. Denn wäre auch dein Volk, o Israel, wie Sand am Meer, so soll doch nur ein Rest in ihm bekehrt werden. Verderben ist beschlossen und bringt Fluten von Gerechtigkeit. Darum spricht der Herr Zebaoth: „Fürchte dich nicht, mein Volk, das in Zion wohnt, vor Assur, der dich mit dem Stecken schlagen und seinen Stab gegen dich aufhebt, wie es in Ägypten geschah. Denn es ist nur noch eine kleine Weile, so wird die Ungnade ein Ende haben und mein Zorn wird sich richten auf sein Verderben (Jes 10,20-32, gekürzt).

 

Der Messias und sein Friedensreich:

Es wird ein Reis hervorgehen von dem Stamm Isais und eine Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen [Isai war der Vater Davids, der künftige Retter wird also aus der Familie Davids kommen]. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn. Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des Herrn. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren hören, sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Land und wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen schlagen und mit dem Atem seiner Lippen den Gottlosen töten. Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und Treue der Gurt seiner Hüften.

Da werden die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Junge wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen weiden und ihre Jungen werden beieinander liegen. Die Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein Kleinkind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter.

Man wird nirgends Sünde tun noch freveln auf meinem ganzen heiligen Berge, denn das Land ist voll Erkenntnis des Herrn sein, wie Wasser das Meer bedeckt. Und es wird geschehen zu der Zeit, daß das Reis aus der Wurzel Isai da steht als Zeichen für die Völker. Nach ihm werden die Heiden fragen, und die Stätte, wo er wohnt, wird herrlich sein.

Der Herr wird zu der Zeit zum zweiten Mal seine Hand ausstrecken, daß er den Rest seines Volkes loskaufe, der übriggeblieben ist in Assur, Ägypten und vielen anderen Ländern und auf den Inseln des Meeres. Er wird ein Zeichen aufrichten unter den Völkern und zusammenbringen die Verjagten Israels und die Zerstreuten aus Juda sammeln von den vier Enden der Erde. Der Neid des Nordreichs wird aufhören, und die Feindschaft Judas ausgerottet werden, daß das Nordreich nicht mehr neidisch ist auf das Südreich und dieses nicht mehr dem Nordreich feind ist.

Sie werden sich stürzen auf das Land der Philister im Westen und miteinander berauben alle die im Osten wohnen. Nach Edom und Moab werden sie ihre Hände ausstrecken, die Ammoniter werden ihnen gehorsam sein.

Und der Herr wird austrocknen die Zunge des Meeres von Ägypten und wird seine Hand gehen lassen über den Euphrat mit einem starken Wind und ihn in sieben Bäche zerschlagen, so daß man mit Schuhen hindurchgehen kann. Und es wird eine Straße da sein für den Rest seines Volkes, das übriggeblieben ist in Assur, wie sie für Israel da war zu der Zeit, als sie aus Ägypten zogen (Jes 11).

 

Das Danklied der Erlösten:

Zu der Zeit wirst du sagen: „Ich danke dir, Herr, daß du zornig bist gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und tröstest mich. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht, denn Gott der Herr ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil.

Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen und werdet sagen zu derselben Zeit: „Danket dem Herrn, ruft an seinen Namen. Macht kund unter den Völkern sein Tun. Verkündet, wie sein Name so hoch ist. Lobsinget dem Herrn, denn er hat sich herrlich bewiesen. Das sei kund in allen Landen. Jauchze und rühme, du Tochter Zion, denn der Heilige Israels ist groß bei dir (Jes 12).

 

 

Das Gericht über die Völker (Kapitel 13 bis 23 und 34):

Gottes Gericht über Babel:

Dies ist die Last für Babel, die Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat: Auf hohem Berge erhebt das Banner, ruft ihnen laut zu, winkt mit der Hand, daß sie einziehen durch die Tore der Fürsten. Ich habe meine Geheiligten entboten zu meinem Zorngericht und meine Starken gerufen, die jauchzen über meine Herrlichkeit. Es ist ein Geschrei und Lärm auf den Bergen wie von einem großen Volk, ein Geschrei und Getümmel von den versammelten Königreichen der Völker. Der Herr Zebaoth rüstet ein Heer zum Kampf. Sie kommen aus fernen Landen vom Ende des Himmels, ja, der Herr selbst samt den Werkzeugen seines Zorns, um zu verderben die ganze Erde. Heult, denn der Tag des Herrn ist nahe. Er kommt wie eine Verwüstung vom Allmächtigen. Darum werden alle Hände schlaff, und aller Menschen Herz wird feige sein…...

Denn siehe, ich will die Meder gegen sie erwecken, die nicht Silber suchen oder nach Gold fragen, sondern die jungen Männer mit Bogen erschießen und sich der Furcht des Leibes nicht erbarmen noch die Kinder schonen. So soll Babel, das schönste unter den Königreichen, die herrliche Pracht der Chaldäer, zerstört werden vor Gott wie Sodom und Gomorra, daß man in Zukunft nicht mehr da wohne noch jemand da bleibe, daß auch die Araber dort keine Zelte aufschlagen noch die Hirten ihre Herden lagern lassen, sondern Wüstentiere werden sich da lagern. Ihre Häuser werden voll Eulen sein, und Strauße werden da wohnen, und Feldgeister werden da hüpfen und wilde Hunde werden in ihren Palästen heulen und Schakale in den Lustschlössern. Und ihre Zeit wird bald kommen, und ihre Tage lassen nicht auf sich warten (Jes 13, gekürzt).

 

Triumphlied über den Sturz des Weltenherrschers:

Denn der Herr wird sich über Israel erbarmen und es noch einmal erwählen und sie in ihr Land setzen. Und Fremde werden sich zu ihnen gesellen und dem Volk Israel anhangen. Und die Völker werden Israel nehmen und bringen an seinen Ort, und dann wird Israel sie als Diener und Dienerinnen besitzen im Land des Herrn. Sie werden die gefangenhalten, von denen sie gefangen waren, und werden herrschen über ihre Bedränger.

Zu der Zeit, wenn dir der Herr Ruhe geben haben wird von deinem Jammer und Leid und von dem harten Dienst, in dem du gewesen bist, wirst du dies Lied anheben gegen den König von Babel und sagen: „Mit dem Treiber ist es aus, und das Toben hat ein Ende!“ ……...

Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern! Wie wurdest du zu Bodengeschlagen, der du alle Völker niederschlugst! Du aber dachtest in deinem Herzen: „Ich will in den Himmel steigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen. Ich will mich setzen auf den höchsten Götterberg im Norden. Ich will auffahren über die hohen Wolken und gleich sein dem Allerhöchsten!“

Ja, hinunter zu den Toten fuhrst du, zur tiefsten Grube. Wer dich sieht, wird dich schauen, er wird dich ansehen und sagen: „Ist das der Mann, der die Erde zittern und die Königreiche beben machte? Der den Erdkreis zur Wüste machte und die Städte darin zerstörte und gab seine Gefangenen nicht los?“……Ich will über dich kommen, spricht der Herr Zebaoth, und von Babel ausrotten Name und Rest, Kind und Kindeskind, spricht der Herr, und will Babel machen zum Erbe für die Igel und zum Wassersumpf und will es mit einem Besen des Verderbens wegfegen, spricht der Herr Zebaoth…(gegen Assyrien)…. (Jes 14, 1-27, gekürzt).

 

Gegen die Philister:

Im Jahr als der König Ahas starb wurde diese Last angekündigt: Freue dich nicht, du ganzes Philisterland, daß der Stock, der dich schlug, zerbrochen ist! Denn aus der Wurzel der Schlange wird eine giftige Natter kommen, und ihre Frucht wird ein feuriger fliegender Drache sein. Die Geringen werden auf meiner Aue weiden, und die Armen sicher ruhen. Aber deine Wurzel will ich durch Hunger töten, und deine Übriggebliebenen werde ich morden. Heule Tor! Schreie Stadt! Erzittere ganz Philisterland! Denn von Norden kommt ein Rauch, und keiner sondert sich ab von seinen Scharen. Und was wird man den Boten der Heiden sagen? „Der Herr hat Zion gegründet, und hier werden die Elenden seines Volkes Zuflucht haben!“ (Jes 14,28-32, gekürzt),

 

Gegen Moab:

Dies ist die Last für Moab: Des Nachts kommt Verheerung über die Städte in Moab. Sie gehen hinauf zu den Altären, um zu weinen und zu heulen. Jedes Haupt ist kahlgeschoren, jeder Bart ist abgeschnitten. Auf ihren Gassen gehen sie mit dem Sack umgürtet, auf ihren Dächern und Straßen heulen sie alle und gehen weinend umher. Mein Herz schreit über Moab, seine Flüchtigen fliehen bis nach Zoar. Sie gehen die Steige hinauf und weinen, und auf dem Wege erhebt sich ein Jammergeschrei. Denn die Wasser versiegen, das Gras verdorrt und das Kraut verwelkt und kein Grünes wächst. Geschrei geht um in den Grenzen Moabs. Die Wasser sind voll Blut. Ich will noch mehr über sie kommen lassen, Löwen über die Entronnenen Moabs und über die übrigen im Land. Laß Moabs Verjagte bei dir herbergen, sei du für Moab eine Zuflucht vor dem Verwüster. Der Dränger wird ein Ende haben, der Verwüster aufhören und der Bedrücker aus dem Lande müssen(Jes 15 16, stark gekürzt).

 

Gegen Damaskus und das Nordreich Israel:

Dies ist die Last über Damaskus: Siehe, Damaskus wird keine Stadt mehr sein, sondern ein zerfallener Steinhaufen. Das Königreich zu Damaskus und dem Rest von Aram wird es gehen wie die Herrlichkeit der Israeliten, spricht der Herr Zebaoth…. Zu der Zeit werden ihre festen Städte verlassen sein. Denn du hast vergessen des Gottes deines Heils und nicht gedacht an den Felsen deiner Stärke…..

Da, ein Brausen vieler Völker, wie das Meer brause sie, und ein Getümmel mächtiger Völker, wie große Wasser tosen sie. Aber er wird sie schelten, so werden sie in die Ferne wegfliehen, und werden gejagt wie Spreu auf den Bergen vom Wind und wie wirbelnde Blätter vom Ungewitter (Jes 17, gekürzt).

 

Gottes Botschaft an Äthiopien:

Weh dem Land voll schwirrender Flügel jenseits der Ströme von Äthiopien („Mohrenland), das Boten über das Meer sendet und in leichten Schiffen auf den Wassern fährt! Geht hin, ihr schnellen Boten, zum Volk, das hochgewachsen und glatt ist, zum Volk, das schrecklicher ist denn sonst irgend eins, zum Volk, das befiehlt und zertritt, dessen Land die Wasserströme durchschneiden..

Alle, die ihr auf der Erde wohnt und in den Ländern lebt: Wenn man das Banner auf den Bergen aufrichtet, so seht, wenn man die Posaune bläst, so hört! Denn so spricht der Herr zu mir: Ich will schauen von meiner Stätte und will still warten wie drückende Hitze am hohen Mittag und wie Taugewölk in der Hitze der Ernte

Denn vor der Ernte, wenn die Blüte vorüber ist und die Traube reift, wird er die Ranken mit dem Winzermesser abschneiden und die Reben wegnehmen und abhauen und sie miteinander liegen lassen für die Geier auf den Bergen und die Tiere im Land, daß im Sommer die Geier darauf sitzen und im Winter allerlei Tiere im Lande darin liegen.

Zu der Zeit wird das hochgewachsene und glatte Volk, das schrecklicher ist als sonst irgendein Volk, das befiehlt und zertritt, dessen Land die Wasserströme durchschneiden, Geschenke bringen dem Herrn Zebaoth an den Ort, wo der Name des Herrn Zebaoth ist, zum Berge Zion (Jes 18).

 

Gegen Ägypten:

Dies ist die Last für Ägypten: Siehe, der Herr wird auf einer schnellen Wolke fahren und über Ägypten kommen. Da werden die Götzen Ägyptens vor ihm beben, und den Ägyptern wird das Herz feige werden in ihrem Leib. Ich will die Ägypter gegenaneinander hetzen, daß ein Bruder gegen den andern, ein Freund gegen den andern, eine Stadt gegen die andere, ein Reich gegen das andere kämpfen wird.

Der Mut soll den Ägyptern in ihrem Herzen vergehen, und ich will ihre Anschläge zunichte machen. Da werden sie dann ihre Götzen fragen, die Beschwörer, Geister und Zeichendeuter. Aber ich will die Ägypter übergeben in die Hand eines grausamen Herren, und ein harter König soll über sie herrschen, spricht der Herrscher, der Herr Zebaoth. Und das Wasser im Nil wird vertrocknen und der Strom wird versiegen und verschwinden….

Zu der Zeit werden die Ägypten sein wie Weiber und sich fürchten und erschrecken, wenn der Herr Zebaoth die Hand über sie schwingen wird. Die Ägypter werden sich fürchten vor dem Lande Juda, wenn sie daran denken, werden sie erschrecken wegen des Rats des Herrn Zebaoth, den er über sie beschlossen hat.…Zu der Zeit wird ein Altar des Herrn mitten in Ägypten sein und ein Steinmal für den Herrn an seiner Grenze, das wird ein Zeichen und Zeugnis sein für den Herrn Zebaoth in Ägypten. Wenn sie zum Herrn schreien vor den Bedrängern, so wird er ihnen senden einen Retter senden, der wird ihre Sache führen und sie erretten.

Zu der Zeit wird eine Bahn sein von Ägypten nach Assyrien, daß die Assyrer nach Ägypten und die Ägypter nach Assyrien kommen und die Ägypter samt den Assyrern Gott dienen….. Denn der Herr Zebaoth wird sie segnen und sprechen: Gesegnet bist du, Ägypten, mein Volk, und du, Assur, meiner Hände Werk, und du, Israel, mein Erbe! (Jes 19, gekürzt).

 

Weissagung des Sieges der Assyrer:

Im Jahr als Sargon, der König von Assyrien, gegen Asdod kämpfte und es eroberte, zu der Zeit redete der Herr durch Jesaja: „Geh hin und tu den leinenen Sack von deinen Lenden und zieh deine Schuhe von deinen Füßen. Und er tat so, ging nackt und barfuß!“ Da sprach der Herr: „So wie mein Diener Jesaja drei Jahre lang nackt und barfuß geht, als Zeichen und Weissagung über Ägypten und Äthiopien, so wird der König von Assyrien wegtreiben die Gefangenen Ägyptens und die Verbannten aus Äthiopien, jung und alt, nackt und barfuß, in schmählicher Blöße, zuschanden Ägyptens“ (Jes 20, am Schluß gekürzt).

 

Weissagung von Babels Fall:

Dies ist die Last für die Wüste: Wie ein Wetter von Süden herfährt, so kommt es aus der Wüste, aus einem schrecklichen Land. Mir ist eine harte Offenbarung angezeigt: „Der Räuber raubt, und der Verwüster verwüstet!“ ……Denn so hat der Herr zu mir gesagt: „Gehe hin, stelle einen Wächter auf. Was er schaut, soll es ansagen!“ Und sieht er einen Zug von Wagen mit Rossen, Eseln und Kamelen, so soll er darauf achtgeben mit allem Eifer!“

Da rief der Späher: „Herr, ich stehe auf der Warte den ganzen Tag über und stelle mich auf meine Wacht jede Nacht. Und siehe, da kommen Männer, ein Zug von Wagen mit Rossen, die beginnen zu sprechen: „Babel ist gefallen, sie ist gefallen, und alle Bilder seiner Götter sind zu Boden geschlagen. Mein zerdroschenes und zertretenes Volk! Was ich gehört habe vom Herrn Zebaoth, dem Gott Israels, das verkündige ich euch.

Dies ist die Last für Duma: Man ruft zu mir aus der Stadt Seir: „Wächter, ist die Nacht bald vorbei?“ Der Wächter aber sprach: „Wenn auch der Morgen kommt, so wird es doch Nacht sein!“ Dies ist die Last für Arabien: Ihr werdet über Nacht im Gestrüpp in Arabien bleiben, ihr Karawanen der Dedaniter. Bringt den Durstigen Wasser entgegen, die ihr wohnt im Lande Tema. Bietet Brot den Flüchtigen (Jes 21, gekürzt).

 

Gegen den Übermut Israels:

Dies ist die Last für das Schautal: Was habt ihr denn, daß ihr alle auf die Dächer steigt? Du Stadt voller Lärmen und Tosen, du fröhliche Burg? Deine Erschlagenen sind nicht mit dem Schwert erschlagen und nicht im Kampf gefallen. Alle deine Hauptleute sind in die Ferne geflohen. Alle, die man in dir gefunden hat, wurden ohne Bogen gefangen.

Darum sage ich: „Schaut weg von mir! Laßt mich bitterlich weinen. Müht euch nicht, mich zu trösten über die Zerstörung der Tochter meines Volks!“ Denn es kommt ein Tag des Getümmels und des Zertretens und Verwirrung vom Herrn Zebaoth im Schautal. Es kracht die Mauer, sie schreien am Berg. Elam fährt daher mit Köchern, Wagen, Leuten und Rossen, und Kir läßt seine Schilde glänzen. Und es wird geschehen, daß deine auserlesenen Täler werden voll Wagen und Rossen sein, die stellen sich auf gegen die Tore………

Zu der Zeit will ich rufen meinen Knecht Eljakim, den Sohn Hilkias, und will ihm dein Amtskleid anziehen und ihn mit deinem Gürtel gürten und deine Herrschaft in seine Hand geben, daß er Vater sei für die, die in Jerusalem wohnen, und für das Volk Juda. Ich will die Schlüssel zum Haus Davids auf seine Schulter legen, daß er auftue und niemand zuschließe, daß er zuschließe und niemand auftue. Und will ihn als Nagel einstecken an einen festen Ort, und er soll werden zum Thron der Ehre in seines Vaters Haus (Jes 22, gekürzt).

 

Das Gericht über Tyrus und Sidon:

Dies ist die Last für Tyrus: Heult, ihr Tarsisschiffe, denn Tyrus ist zerstört, daß kein Haus mehr da ist. Wenn sie heimkehren aus dem Lande Kittim, werden sie es gewahr werden. Die Bewohner der Küste sind still geworden. …..Sobald es die Ägypter hören, erschrecken sie über die Kunde von Tyrus….Wer hat das beschlossen, daß es der Krone Tyrus so gehen sollte, wo doch ihre Kaufleute die Fürsten waren und ihre Krämer die Herrlichsten auf Erden?

Der Herr Zebaoth hat es so beschlossen, damit er erniedrigte die Pracht und verächtlich machte die stolze Stadt, alle Herrlichsten auf der Erde.……Siehe, der Chaldäer haben die Stadt zur Wüste gemacht. Sie haben Belagerungstürme aufgerichtet, ihre Paläste niedergerissen und die Stadt geschleift … (Jes 23, gekürzt).

 

Gottes Strafgericht über Edom:

Kommt herzu, ihr Heiden, und höret, ihr Völker, merkt auf! Die Erde höre zu und was sie füllt! Denn der Herr ist zornig über alle Heiden und ergrimmt über alle ihre Scharen. Er wird an ihnen den Bann vollstrecken und sie zum Schlachten dahingeben…Denn mein Schwert ist trunken im Himmel, und siehe, es wird herniederfahren auf Edom und auf das Volk, an dem ich den Bann vollstrecke zum Gericht. Des Herrn Schwert ist voll Blut und trieft vom Fett, vom Blut der Lämmer und Böcke, von der Nierenfett der Widder. Denn der Herr hält ein Schlachten und ein großes Opfer im Land Edom.…..Sucht nun in dem Buch des Herrn und lest! Keines von ihnen wird fehlen. Denn sein Mund gebietet es, und sein Geist bringt sie zusammen. Er wirft ihnen das Los und seine Hand teilt unter sie mit der Meßschnur, daß sie das Land besitzen auf ewige Zeiten und darin wohnen von Generation zu Generation (Jes 34, gekürzt, nach hier vorgezogen).

 

 

Weltgericht und Erlösung Israels (Kapitel 24 bis 27:)

Das zukünftige Gottesgericht über die Erde:

Siehe, der Herr macht die Erde leer und wüst und wirft um, was auf ihr ist, und zerstreut ihre Bewohner. Und es geht dem Priester wie dem Volk, dem Herrn wie dem Diener, der Frau wie der Magd, dem Verkäufer wie dem Käufer, dem Verleiher wie dem Borger, dem Gläubigen wie dem Schuldner. Die Erde wird leer und beraubt sein, denn der Herr hat so geredet.……Wir hören Lobgesänge vom Ende der Erde: „Herrlichkeit dem Gerechten!“ Aber ich muß sagen: „Wie bin ich so elend! Weh mir, denn es rauben die Räuber, ja immerfort rauben die Räuber. Darum kommt über euch, Bewohner der Erde, Schrecken, Grube und Netz!“…(Jes 24, gekürzt).

 

Danklied der Erlösten nach dem Gottesgericht:

Herr, du bist mein Gott! Dich preise ich. Ich lobe deinen Namen,

Denn du hast Wunder getan,           

deine Ratschlüsse von alters her sind treu und wahrhaftig.

Denn du hast die Stadt zum Steinhaufen gemacht,

die feste Stadt, daß sie in Trümmern liege,

daß sie nicht mehr eine Stadt sei und nie wieder aufgebaut werde.

Darum ehrt dich ein mächtiges Volk:

Die Städte gewalttätiger Völker fürchten dich.

Denn du bist der Schutz der Geringen gewesen,

der Schutz der Armen in der Trübsal,

eine Zuflucht vor dem Ungewitter, ein Schatten vor der Hitze,

wenn die Tyrannen wüten wie ein Unwetter im Winter …

Der Herr Zebaoth wird auf diesem Berg

allen Völkern ein fettes Mahl machen,

ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark,

von Wein, in dem keine Hefe ist.

Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen,

mit der alle Völker verhüllt sind.

Er wird den Tod verschlingen auf ewig.

Und der Gott, der Herr, wird die Tränen von allen Gesichtern abwischen

und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen,

denn der Herr hat es gesagt.

Zu der Zeit wird man sagen:

„Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hoffen, daß er uns helfe.

Das ist der Herr auf den wir hoffen.

Laßt uns freuen und fröhlich seien über sein Heil!“

Denn die Hand des Herrn ruht auf diesem Berg.

Moab aber wird unter ihm zertreten werden,

wie Stroh in die Mistpfütze getreten wird.

Und wenn es auch seine Hände darin ausbreitet,

wie sie ein Schwimmer ausbreitet, um zu schwimmen,

so wird doch der Herr seinen Hochmut niederdrücken

trotz allen Mühens seiner Arme.

Und deine hohen, steilen Mauern wird er beugen und erniedrigen

und in den Staub zu Boden werfen (Jes 25).

 

Jubellied des Volkes Gottes:

Zu der Zeit wird man dies Lied singen im Lande Juda:

Wir haben eine feste Stadt, zum Schutz schafft er Mauern und Wehr.

Tut die Tore auf, daß hineingehe das gerechte Volk,

das den Glauben bewahrt!

Wer ein festes Herz hat, dem bewahrst du Frieden,

denn er verläßt sich auf dich.

Darum verlaßt euch auf den Herrn immerdar,

denn Gott der Herr ist ein Fels ewig.

Er erniedrigt, die in der Höhe wohnen.

Die hohe Stadt wirft er nieder,

ja er stößt sie zur Erde, daß sie im Staub liegt,

Mit Füßen wird sie zertreten, ja mit den Füßen der Armen,

mit den Tritten der Geringen.

Der Weg des Gerechten ist eben,

den Steig des Gerechten machst du gerade.

Wir warten auf dich, Herr, auch auf dem Weg deiner Gerichte.

Des Herzens Begehren steht nach deinem Namen und deinem Lobpreis.

Von Herzen begehre ich des Nachts nach dir,

mit meinem Geist suche ich dich am Morgen.

Denn wenn deine Gerichte über die Erde gehen,

so lernen die Bewohner des Erdkreises die Gerechtigkeit.

Aber wenn dem Gottlosen Gnade widerfährt, s

o lernt er doch nicht Gerechtigkeit,

sondern tut nur übel im Land, wo das Recht gilt,

denn er sieht die Herrlichkeit des Herrn nicht.

Herr, deine Hand ist erhoben, doch sie sehen es nicht.

Aber sie sollen sehen den Eifer um dein Volk, und zuschanden werden.

Mit dem Feuer, mit dem du deine Feinde verzehrst, wirst du sie verzehren.

Aber uns, Herr, wirst du Frieden schaffen. Denn alles, was wir ausrichten,

das hast du für uns getan (Jes 26, am Schluß gekürzt).

 

Israels Erlösung:

Zu der Zeit wird der Herr strafen mit seinem harten, großen und starken Schwert beide, den Leviathan, der eine flüchtige Schlange, und den Leviathan, der eine gewundene Schlange ist, und wird den Drachen im Meer töten. Zu der Zeit wird es heißen: „Lieblicher Weinberg, singt mit ihm .Ich, der Herr, behüte ihn und begieße ihn immer wieder. Damit man ihn nicht verderbe, will ich ihn Tag und Nacht behüten. Ich zürne nicht. Sollten aber Dornen und Disteln aufschießen, so wollte ich über sie herfallen und sie alle miteinander anstecken, es sei denn, sie suchen Zuflucht bei mir und machen Frieden mit mir!“

Es wird einst dazu kommen, daß Jakob wurzeln und Israel blühen und grünen wird, daß sie den Erdkreis mit Früchten erfüllen. Wird doch Israel nicht geschlagen, wie seine Feinde geschlagen werden, und nicht getötet, wie seine Feinde getötet werden. Sondern indem du es wegschickst und wegführst, hast du es gerichtet, es verscheucht mit rauhem Sturm am Tag des Ostwinds.

Darum wird die Sünde Jakobs dadurch gesühnt werden, und das wird die seine Frucht davon, daß seine Sünden weggenommen werden. Er wird alle Altarsteine zerstoßenen Kalksteinen gleichmachen, und keine Bilder der Aschera noch Rauchopfersäulen sollen mehr bleiben. Denn die feste Stadt ist einsam geworden, die schönen Häuser verödet und verlassen wie die Steppe, daß Kälber dort weiden und ruhen und ihre Zweige abfressen……Zu der Zeit wird man mit einer großen Posaune blasen und es werden kommen die Verlorenen im Lande Assur und die Verstoßenen im Land Ägypten und werden den Herrn anbeten auf dem heiligen Berg in Jerusalem (Jes 27, leicht gekürzt).

 

Zwischen Assyrien und Ägypten (Kapitel 28 bis 33):

Gericht über das Nordreich und Jerusalem:

Weh der prächtigen Krone der Trunkenen im Nordreich (Ephraim), der welken Blume ihrer lieblichen Herrlichkeit, die hoch prangt über einem fetten Tal derer, die vom Wein taumeln! Siehe, einen Starker und Mächtigen hält der Herr bereit: wie ein Hagelsturm, wie ein verderbenbringendes Wetter, wie eine Wasserflut, die mächtig einreißt, wirft er zu Boden mit Gewalt. Mit Füßen wird zertreten die prächtige Krone der Trunkenen von Ephraim….Aber auch diese im Südreich sind vom Wein toll geworden und taumeln von starkem Getränk. Priester und Propheten sind toll von starkem Getränk. Sie taumeln von starkem Getränk. Sie sind toll beim Weissagen und wanken beim Rechtsprechen. Alle Tische sind voll Erbroche­nem und Schmutz an allen Orten….

Jawohl, Gott wird einmal mit unverständlicher Sprache und mit einer fremden Zunge zu diesem Volk reden. Er hat ihnen gesagt: „Das ist die Ruhe. Schafft Ruhe den Müden!“ Aber sie wollen nicht hören. Darum soll so auch des Herrn Wort an sie ergehen: „Zawlazaw, kawla­kaw, hier ein wenig, da ein wenig!“ daß sie hingehen und rücklings fallen, zerbrochen verstrickt und gefangen werden.

So hört nun des Herrn Wort, ihr Spötter, die ihr herrscht über dies Volk, das in Jerusalem ist. Ihr sprecht: „Wir haben mit dem Tod einen Bund geschlossen und mit dem Totenreich einen Vertrag gemacht. Wenn die brausende Flut daher fährt, wird sie uns nicht treffen, denn wir haben die Lüge zu unsrer Zuflucht und Trug zu unserem Schutz gemacht. Darum spricht der Herr: „Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist. Wer glaubt, der flieht nicht (Jes 28,1-22, gekürzt)

 

Gottes mildes Gericht:

Nehmt zu Ohren und hört meine Stimme, merkt auf und hört meine Rede: Pflügt oder gräbt oder bricht denn ein Ackermann seinen Acker zur Saat immerfort um? Ist es nicht so: Wenn er ihn geebnet hat, so streut er Dill und wirft Kümmel und sät Weizen und Gerste, ein jedes, wohin er es haben will, und Dinkel an den Rand? Auch drischt man Dill nicht mit Dreschschlitten und läßt auch nicht die Walze über den Kümmel gehen, sondern den Dill schlägt man aus mit einem Stab und den Kümmel mit einem Stecken. Zermalmt man etwa das Getreide. Nein, man drischt es nicht ganz und gar zunichte, wenn man es mit Walzen und ihrem Gespann ausdrischt. Auch das kommt her vom Herrn Zebaoth, sein Rat ist wunderbar, und er führt es herrlich hinaus (Jes 28,23-29).

 

Jerusalems Errettung, Verblendung und Wandlung des Volks:

……Ich will Jerusalem belagern ringsumher und will dich ängsten mit Bollwerk und will Wälle um dich aufführen lassen. Dann sollst du erniedrigt werden und von der Erde her reden und aus dem Staub murmeln, daß deine Stimme sei wie die eines Totengeistes aus der Erde und deine Rede wispert aus dem Staub. Aber die Menge deiner Feinde soll werden wie dünner Staub und die Menge der Tyrannen wie wehende Spreu. Und plötzlich wird es geschehen, daß Plage kommt vom Herrn Zebaoth mit Wetter und Erdbeben und großem Donner, mit Wirbelsturm und Ungewitter und mit Flammen des verzehrenden Feuers.

Starrt hin und werdet bestürzt. Seid verblendet und werdet blind! Seid betrunken, doch nicht vom Wein, taumelt, doch nicht von starkem Getränk! Denn der Herr hat euch einen Geist des tiefen Schlafs ausgegossen und eure Augen (die Propheten) zugetan und eure Häupter (die Seher) hat er verhüllt. Darum sind euch alle Offenbarungen wie die Worte eines versiegelten Buches, das man einem gibt, der lesen kann, und spricht: „Lies doch das!“ und er spricht: „Ich kann nicht, denn es ist versiegelt!“….

Und der Herr sprach: „Weil dies Volk zu mir naht mit seinem Mund und mit seinen Lippen mich ehrt, aber ihr Herz fern von mir ist und sie mich fürchten nur nach Menschengeboten, die man sie lehrt, darum will ich auch in Zukunft mit diesem Volk wunderlich umgehen, aufs wunderlichste und seltsamste, daß die Weisheit seiner Weisen vergehe und der Verstand seiner Klugen sich verbergen müsse!“….. Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre oder das Kunstwerk spräche von seinem Meister: „Er hat mich nicht gemacht!“ und ein Bildwerk spräche von seinem Künstler: „Er versteht nichts!

Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, dann soll der Libanon ein fruchtbares Feld werden, und was wie ein fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden. Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen, und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn, und die ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels.

Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern wird es aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die Unheil anzurichten, die die Leute schuldig sprechen vor Gericht und stellen dem nach, der sie zurechtweist im in der Verhandlung, und beugen durch Lügen das Recht des Unschuldigen (Jes 29,1-24, gekürzt).

 

Gegen das Vertrauen auf Ägypten:

Wehe den abtrünnigen Söhnen, spricht der Herr, die ohne mich Pläne fassen und ohne meinen Geist Bündnisse eingehen, um eine Sünde auf die andere zu häufen, die hinab ziehen nach Ägypten und fragen meinen Mund nicht, um sich stärken mit der Macht des Pharao und sich bergen im Schatten Ägyptens!

Aber es soll euch die Stärke des Pharao zur Schande geraten und der Schutz im Schatten Ägyptens zum Hohn. Ihre Botschafter sind zwar schon bis Hanes gekommen, aber sie müssen doch alle zuschanden werden an dem Volk, das ihnen nicht nütze sein kann, weder zur Hilfe noch sonst zum Nutzen, sondern nur zu Schande und Spott…..Denn Ägypten ist nichts, und ihr Helfen ist vergeblich (Jes 30, 1-7).

 

Gegen die Verächter des göttlichen Worts:

So gehe nun hin und schreib es vor ihnen nieder auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch, daß es bleibe für und für ewig. Denn sie sind ein ungehorsames Volk und verlogene Söhne, die nicht hören wollen die Weisung des Herrn….Darum spricht der Heilige Israels: „Weil ihr dies Wort verwerft und verlaßt euch auf Frevel und Mutwillen, so soll euch diese Sünde sein wie ein Riß, wenn es beginnt zu rieseln an einer hohen Mauer, die plötzlich unversehens einfällt, wie wenn ein Topf zerschmettert wird, den man zerstößt ohne Erbarmen, so daß man von seinen Stücken nicht eine Scherbe findet, darin man Feuer hole vom Herd oder Wasser schöpfe aus einem Brunnen.

Denn so spricht der Herr, der Heilige in Israel: „Wenn ihr umkehrtet und stille bliebt, so würde euch geholfen. Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein. Aber ihr wollt nicht und sprecht: „Nein, sondern auf Rossen wollen wir dahinfliegen“ und „auf Rennern wollen wir reiten“. Darum werden euch eure Verfolger überrennen. Denn Tausende von euch werden fliehen vor dem Drohen eines einzigen, ja vor fünfen werdet ihr alle fliehen, bis daß ihr übrigbleibet wie ein Mast oben auf einem Berg und wie ein Banner auf einem Hügel (Jes 30,8-17).

 

Gottes Erbarmen über sein Volk:

Darum wartet der Herr darauf, daß er euch gnädig sei, und er macht sich auf, daß er sich euer erbarme. Denn der Herr ist ein Gott des Rechts. Wohl allen, die auf ihn warten! Du Volk Zions, das in Jerusalem wohnt, du wirst nicht weinen! Er wird dir gnädig sein, wenn du rufst, er wird dir antworten, sobald er es hört. Der Herr wird euch in Trübsal Brot und in Ängsten Wasser geben. Dein Lehrer wird sich nicht mehr verbergen müssen, sondern deine Augen werden deinen Lehrer sehen. Und ihr werdet entweihen eure versilberten Götzen und die goldenen Hüllen eurer Bilder und werdet sie wegwerfen wie Unrat und zu ihnen sagen: „Hinaus!“

Er wird deinem Samen, den du auf den Acker gesät hast, Regen geben und dir Brot geben von dem Ertrag des Ackers in voller Genüge. Und dein Vieh wird zu der Zeit weiden auf einer weiten Aue. Die Rinder und Esel, die auf dem Feld ackern, werden gesalzenes und gemengtes Futter fressen, das geworfelt ist mit der Wurfschaufel und Wurfgabel. Und es werden auf allen großen Bergen und auf allen großen Hügeln Wasserbäche und Ströme fließen zur Zeit der großen Schlacht, wenn die Türme fallen werden.

Der Schein des Mondes wird sein wie der Schein der Sonne, und der Schein der Sonne wird siebenmal heller sein als zu der Zeit, wenn der Herr den Schaden seines Volks verbinden und seine Wunden heilen wird (Jes 30, 18-26).

 

Das Gericht über Assyrien:

Siehe, des Herrn Name kommt von fern! Sein Zorn brennt, undmächtig erhebt er sich. Seine Lippen sind voll Grimm und seine Zunge wie ein verzehrend Feuer, und sein Atem wie eine Wasserflut, die bis an den Hals reicht, um die Völker im Verderben hin und her zu schwingen. Und er wird die Völker mit Zaumzeug in ihren Backen hin und her treiben. Da werdet ihr singen wie in der Nacht eines heiligen Festes und euch von Herzen freuen, wie wenn man mit Flötenspiel geht zum Berg des Herrn. Und der Herr wird seine herrliche Stimme erschallen lassen, und man wird sehen, wie er mit seinen Arm herniederfährt mit zornigem Drohen und mit Flammen verzehrenden Feuers, mit Wolkenbruch und Hagelschlag. Da wird Assur erschrecken vor der Stimme des Herrn, der ihn schlägt mit dem Stock. Jedesmal, wenn ein Schlag herniederfährt, wird der Stock zur Zuchtrute, die der Herr auf ihn niedersausen läßt. Denn die Feuergrube ist längst hergerichtet. Sie ist auch dem König bereitet, tief und weit genug. Der Scheiterhaufen darin hat Feuer und Holz in Menge. Der Atem des Herrn wird ihn anzünden wie ein Schwefelstrom (Jes 30,27-33).

 

Nur der Herr rettet Jerusalem:

Weh denen, die hinab ziehen nach Ägypten, um dort Hilfe zu suchen, und verlassen sich auf Rosse und hoffen auf Wagen, weil sie viel sind, und auf Reiter, weil sie sehr stark sind! Aber sie halten sich nicht zum Heiligen in Israel und fragen nichts nach dem Herrn! Aber auch er ist weise und bringt Unglück herbei und nimmt seine Worte nicht zurück, sondern wird sich aufmachen gegen das Haus der Bösen und gegen die Hilfe der Übeltäter. Denn Ägypten ist Mensch und nicht Gott, und ihre Rosse sind Fleisch und nicht Geist. Der Herr wird seine Hand ausstrecken, so daß der Helfer strauchelt und der, dem geholfen werden soll, fällt und alle kommen miteinander um (Jes 31,1-3).

 

Das Gericht über Assyrien, Zions Errettung:

So hat der Herr zu mir gesprochen: Gleich wie ein Löwe brüllt über seinem Raub, wenn man gegen ihn aufruft die Menge der Hirten (er erschrickt nicht vor ihrem Geschrei und ist ihm auch nicht Angst vor ihrer Menge, so wird der Herr Zebaoth herniederfahren auf den Berg Zion, um zu kämpfen. Und der Herr Zebaoth wird Jerusalem beschirmen, wie die Vögel es tun mit Flügeln, schützen und erretten, schonen und befreien. Kehrt um, ihr Israeliten, zu dem, von dem ihr so sehr abgewichen seid! Denn zu der Zeit wird ein jeder seine silbernen und goldenen Götzen verwerfen, die Hände gemacht hatten euch zur Sünde. Assur soll fallen, nicht durch Mannes-Schwert, und soll verzehrt werden, nicht durch Menschen-Schwert. Aber es wird vor dem Schwert fliehen, und seine junge Mannschaft wird Frondienste leisten müssen. Und sein Fels wird vor Furcht weichen, und seine Fürsten werden das Banner verlassen, spricht der Herr, der in Zion ein Feuer und zu Jerusalem einen Glutofen hat (Jes 31,4-9).

 

Das künftige Reich der Gerechtigkeit:

Siehe, es wird ein König regieren, Gerechtigkeit anzurichten, und Fürsten werden herrschen, das Recht zu handhaben, so daß ein jeder unter ihnen sein wird wie eine Zuflucht vor dem Wind und wie ein Schirm vor dem Platzregen, wie die Wasserbäche am dürren Ort, wie der Schatten eines großen Felsen im trockenen Land.

Die Augen der Sehenden werden sich nicht mehr blind sein, und die Ohren der Hörenden werden aufmerken, und die Unvorsichtigen werden Klugheit lernen, und die Zunge der Stammelnden wird fließend und klar reden. Es wird nicht mehr ein Narr „Fürst“ heißen noch ein Betrüger „Edelmann“ genannt werden. Denn ein Narr redet von Narrheit, und sein Herz geht mit Unheil um, daß er Ruchloses anrichte und rede über den Herrn lauter Trug. Dadurch läßt er hungrig die hungrigen Seelen und wehrt dem Durstigen das Trinken. Des Betrügers Waffen sind böse, er sinnt auf Tücke, um die Elenden zu verderben mit falschen Worten, auch wenn der Arme sein Recht vertritt. Aber der Edle hat edle Gedanken und hält am Edlen fest (Jes 32,1-8; Jes 32,9-19 ausgelassen).

 

Die Rettung Zions vor dem Verwüster:

Der Herr ist erhaben, denn er wohnt in der Höhe. Er hat Zion mit Recht und Gerechtigkeit erfüllt. Du wirst sichere Zeiten haben: Reichtum an Heil, Weisheit und Klugheit. Die Furcht des Herrn wird dein Schatz sein. Siehe, ihre Helden schreien draußen, die Boten des Friedens weinen bitterlich. Die Wege sind verödet, es geht niemand mehr auf der Straße. Man hält nicht Treue und Glauben. Man verwirft die Zeugen und achtet der Leute nicht. Das Land sieht traurig und jämmerlich aus. Nun aber will ich mich aufmachen, spricht der Herr. Nun will ich mich erheben, nun will ich mich aufstehen.

So hört nun ihr, die ihr ferne seid, was ich getan habe, und die ihr nahe seid, erkennt meine Stärke. In Zion sind die Sünder erschrocken, Zittern hat die Heuchler befallen und sie sprechen: „Wer ist unter uns, der bei einem verzehrenden Feuer wohnen kann? Wer ist unter uns, der bei der ewigen Glut wohnen kann?“

Wer in Gerechtigkeit wandelt und redet, was recht ist, wer schändlichen Gewinn haßt und seine Hände bewahrt, daß er nicht Geschenke nehme, wer seine Ohren zustopft, daß er nichts von Blutschuld höre, und seine Augen zuhält, daß er nichts Arges sehe: Der wird in der Höhe wohnen, und Felsen werden seine Feste und Schutz sein. Sein Brot wird ihm gegeben, sein Wasser hat er gewiß.

Schaue Zion, die Stadt unsrer Feiern! Deine Augen werden Jerusalem sehen, eine sichere Wohnung, ein Zelt, das nicht mehr abgebrochen wird. Denn der Herr wird dort mächtig bei uns sein, und weite Wassergräben wird es geben, auf denen kein Schiff mehr fahren kann.

Denn der Herr ist unser Richter, der Herr ist unser Meister, der Herr ist unser König, der hilft uns! ….Und kein Bewohner wird sagen: „Ich bin schwach!“ Denn das Volk, das darin wohnt, wird Vergebung der Sünde haben (Jes 33) [Jesaja 34 ist sinngemäß hinter Kapitel 23 gestellt worden].

 

Die Assyrer vor Jerusalem (Kapitel 35 bis 39):

Das zukünftige Heil:

Die Wüste und Steppe wird frohlocken sein, und das dürre Land wird jubeln und blühen wie die Lilien. Sie werden blühen und jubeln in aller Lust und Freude. Denn die Herrlichkeit des Libanon ist ihr gegeben. Sie sehen die Herrlichkeit des Herrn, die Pracht unseres Gottes.

Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie! Sagt den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht! Sehet, da ist euer Gott. Er kommt zur Rache: Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen. Dann werden die Augen der Blinden aufgetan, und Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken.

Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Land. Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen; und wo es dürr gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen. Und es wird dort eine Bahn sein und ein Weg, der „der heilige Weg“ heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten, nur sie werden auf ihm gehen. Auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren. Es wird da kein Löwe sein, und kein reißendes Tier darauf gehen. Sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen. Die Erlösten des Herrn werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen. Ewige Freude wird über ihrem Haupte sein: Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen (Jes 35) [Jes 36-37 ist übernommen aus 2. Kön18,13 - 19,37 und Jes 38-39 ist übernommen aus 2. Kön 20].

 

 

Deuterojesaja:

 

Trost für die Verschleppten (Kapitel 40 bis 55):

Der Trost des Herrn:

Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, daß ihre Sklaverei ein Ende hat, daß ihre Schuld vergeben ist. Denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des Herrn für alle ihre Sünden.

Es ruft eine Stimme eines Predigers: In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Täler sollen erhöht werden und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden. Denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen, denn des Herrn Mund hat es geredet.

Es spricht eine Stimme: „Predige!“ Und ich sprach: „Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Feld. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, denn des Herrn Atem bläst hinein. Ja, Gras ist das Volk. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unsres Gottes bleibt ewig.

Zion, du Freudenbotin, steig auf deinen hohen Berg! Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht, erhebe sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her. Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und in seinem Gewand tragen und die Mutterschafe führen……

Wißt ihr denn nicht? Hört ihr denn nicht? Ist es euch nicht von Anfang an verkündet? Habt ihr es nicht gelernt von Anbeginn der Erde? Er thront auf dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken. Er spannt den Himmel aus wie einen Schleier und breitet ihn aus wie ein Zelt, in dem man wohnt. Er gibt die Fürsten preis und die Richter auf der Erde macht er zunichte. Kaum sind sie gepflanzt, kaum sind sie gesät, kaum hat ihr Stamm eine Wurzel in der Erde, da läßt er einen Wind unter sie wehen, daß sie verdorren und ein Windwirbel führt sie weg wie Spreu.

Mit wem wollt ihr mich vergleichen, dem ich gleich sei? spricht der Heilige.

Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen: Seine Macht und seine starke Kraft ist so groß, daß nicht eins von ihnen fehlt.

Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?

Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt den Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und die Jünglinge straucheln und fallen. Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie gehen und nicht müde werden (Jes 40, gekürzt).

 

Die Völker vor dem Weltenrichter:

Die Inseln sollen vor mir schweigen und die Völker neue Kraft gewinnen! Sie sollen herzutreten und dann reden. Laßt uns miteinander rechten! ….. Wer ruft alle Menschen von Anfang her? Ich bin es, der Herr, der Erste und bei den Letzten noch derselbe. Als das die Inseln sahen, fürchteten sie sich, und die Enden der Erde erschraken. Sie nahten sich und kamen herzu.

Einer will dem andern helfen und spricht zu seinem Nächsten: „Steh fest!“ Der Meister nimmt den Goldschmied fest an der Hand und sie machen mit dem Hammer das Blech glatt auf dem Amboß und sprechen: „Das wird fein stehen!“ Sie machen es fest mit Nägeln, daß es nicht wackeln soll.

Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den ich erwählt habe, du Sproß Abrahams, meines Geliebten, den ich fest ergriffen habe von den Enden der Welt her und berufen von ihren Grenzen, zu dem ich sprach: „Du sollst mein Knecht sein, ich erwähle dich und verwerfe dich nicht. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir. Weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit….

Fürchte dich nicht, du Würmlein Jakob, ihr armer Haufe Israel. Ich helfe dir, spricht der Herr, und dein Erlöser ist der Heilige in Israel. Siehe, ich habe dich zum scharfen, neuen Dreschwagen gemacht, der viele Zacken hat, daß du Berge zerdreschen und zermalmen sollst und Hügel wie Spreu machen. Du sollst sie hochwerfen, daß der Wind sie wegführt und der Wirbelsturm sie verweht. Du aber wirst fröhlich sein über den Herrn und wirst dich rühmen des Heiligen in Israel.

Die Elenden und Armen suchen Wasser, und es ist nichts da, ihre Zunge verdorrt vor Durst. Aber ich, der Herr, will sie erhören, ich, der Gott Israels, will sie nicht verlassen. Ich will Wasserbäche auf den Höhen öffnen und Quellen mitten auf den Feldern. Ich will die Wüste zu Wasserstellen machen und das dürre Land zu Wasserquellen….. Von Norden habe ich einen kommen lassen, und er ist gekommen vom Aufgang der Sonne her, den, der meinen Namen anruft. Er zerstampft die Gewaltigen wie Lehm und wie der Töpfer den Ton ….. (Jes 41, gekürzt).

 

Der Knecht Gottes und das Licht der Welt:

[Hier steht das erste von insgesamt sieben „Gottesknechtsliedern“, bei denen man nicht weiß, ob damit eine einzelne Person gemeint ist oder das Volk Israel als Ganzes].

Siehe, das ist mein Knecht - ich halte ihn - und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben. Er wird das Recht unter die Völker bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus. Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis daß er auf der Erde das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.

So spricht Gott, der Herr, der die Himmel schafft und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volk auf ihr den Atem gibt und den Geist denen, die auf ihr gehen: Ich der Herr habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei deiner Hand und behüte dich und mache dich zum Bund für das Volk, zum Licht der Völker: Du sollst die Augen der Blinden öffnen und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen, und die in der Finsternis sitzen aus dem Kerker. Ich, der Herr, das ist mein Name. Ich will meine Ehre keinem andern geben noch meinen Ruhm den Götzen….. (Jes 42, gekürzt).

 

Gott erlöst sein Volk:

Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürch­­te dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, daß dich die Ströme nicht ersäufen sollen. Und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen. Denn ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige in Israel, dein Heiland. Ich habe Ägypten für dich als Lösegeld gegeben, Äthiopien und Seba an deiner Statt, weil du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich bist und weil ich dich liebhabe. Ich gebe Menschen an deiner Statt und Völker für dein Leben.

So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir. Ich will vom Osten deine Kinder bringen und will dich vom Westen her sammeln. Ich will sagen dem Norden: „Gib her!“ und dem Süden: „Halte nicht zurück! Bringe meine Söhne her von fern und meine Töchter vom Ende der Welt.….

Ich, ich bin der Herr, und außer mir ist kein Heiland. Ich habe es verkündet und habe auch geholfen und habe es euch sagen lassen, und es war kein fremder Gott unter euch. Ihr seid meine Zeugen, spricht der Herr, und ich bin euer Gott. Ich bin, ehe denn ein Tag war, und niemand ist da, der aus meiner Hand erretten kann. Ich wirke: Wer will es wenden?

So spricht der Herr, euer Erlöser, der Heilige in Israel: Um euretwillen habe ich nach Babel geschickt und habe die Riegel eures Gefängnisses zerbrochen, und zur Klage wird der Jubel der Chaldäer. Ich bin der Herr, euer Heiliger, der ich Israel geschaffen habe, euer König.

So spricht der Herr, der im Meer einen Weg und in starken Wassern Bahn macht, der ausziehen läßt Wagen und Rosse, Heer und Macht, daß sie auf einem Haufen daliegen und nicht aufstehen, daß sie verlöschen, wie ein Docht verlischt: Denkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues machen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr es denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde …….(Jes 43, gekürzt).

 

Das wahre Israel:

So höre nun, mein Knecht Jakob, und Israel, den ich erwählt habe! So spricht der Herr, der dich gemacht und bereitet hat und der dir beisteht von Mutterleib an: Fürchte dich nicht, mein Knecht Jakob. Denn ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen, daß sie wachsen sollen wie Gras, wie Weiden an den Wasserbächen. Dieser wird sagen: „Ich bin des Herrn!“ und jener wird genannt werden mit dem Namen „Jakob“ und wieder ein anderer wird in seine Hand Eigentum des Herrn“ und wird mit dem Namen „Israel“ genannt werden. So spricht der Herr, der König Israels, und sein Erlöser, der Herr Zebaoth: Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott …. (Jes 44, gekürzt).

 

Kyros als Werkzeug Gottes:

So spricht der Herr zu seinem Gesalbten, zu Kyros, den ich bei seiner rechten Hand ergriff, daß ich Völker vor ihm unterwerfe und Königen das Schwert abgürte, damit vor ihm die Türen geöffnet werden und Tore nicht verschlossen bleiben: „Ich will vor dir her gehen und das Bergland eben machen. Ich will die erzenden Türen zerschlagen und die eisernen Riegel zerbrechen und will dir heimliche Schätze geben und die verborgenen Kleinode, damit du erkennst, daß ich der Herr bin, der dich beim Namen ruft. Um Jakobs und um Israels willen rief ich dich bei deinem Namen und gab dir Ehrennamen, obwohl du mich nicht kanntest. Ich bin der Herr, und sonst keiner mehr. Kein Gott ist außer mir. Ich habe dich gerüstet, obwohl du mich nicht kanntest, damit man erfahre vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang, daß außer mir nichts sei. Ich bin der Herr, und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der Herr, der dies alles tut. Träufelt, ihr Himmel, von oben, und ihr Wolken, regnet Gerechtigkeit! Die Erde tue sich auf und bringe Heil, und Gerechtigkeit wachse mit auf. Ich, der Herr, habe es geschaffen!“

So spricht der Herr: „Der Erwerb der Ägypter und der Gewinn der Äthiopier und die hochge­wachsenen Leute von Seba werden zu dir kommen und dein eigen sein. Sie werden dir folgen, in Fesseln werden sie gehen und werden zu dir kommen und niederfallen und zu dir flehen: Nur bei dir ist Gott, und sonst ist kein Gott mehr!“ Fürwahr, du bist ein verborgener Gott, du Gott Israels, der Heiland. Aber die Götzenmacher sollen alle in Schmach und Schande geraten und miteinander schamrot einhergehen. Israel aber wird erlöst durch den Herrn mit einer ewigen Erlösung, und wird nicht zuschanden noch zu Spott werden immer und ewig(Jes 45, gekürzt)

 

Sturz der Götzen von Babel und Gericht über Babel:

Der Götze Bel bricht zusammen, der Götze Nebo ist gefallen, ihre Götzenbilder sind den Tieren und dem Vieh aufgeladen, daß sie sich müde tragen an dem, was eure Last war. Ja, können die Last nicht wegbringen. Die Götzen sind gefallen und alle zusammengebrochen und müssen in die Gefangenschaft gehen. Hört mir zu, ihr Nachkommen Jakobs und alle übrigen in Israel, die ihr von mir getragen werdet von Mutterleib an. Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen bis ihr grau werdet. Ich habe es getan: Ich will heben und tragen und erretten……Denkt an das Frühere, wie es von alters her war: Ich bin Gott, und sonst keiner mehr, ein Gott, dem nichts gleicht……

Herunter, junge Frau, du Tochter Babel, setze dich in den Staub! Setze dich auf die Erde, wo kein Thron ist, du Tochter der Chaldäer. Man wird nicht mehr zu dir sagen: „Du Zarte und Verwöhnte!“ Nimm die Mühle und mahle Mehl. Decke auf deinen Schleier! Hebe die Schlep­pe, entblöße den Schenkel, wate durchs Wasser, daß deine Blöße aufgedeckt und deine Schande gesehen werde. Ich will mich unerbittlich rächen, spricht unser Erlöser, der Herr Zebaoth, der Heilige in Israel. Setze dich stumm hin, geh in die Finsternis, du Tochter der Chaldäer! Denn du sollst nicht mehr heißen „Herrin über Königreiche“.

Als ich über mein Volk zornig war und mein Erbe entheiligte, gab ich sie in deine Hand. Aber du hast ihnen keine Barmherzigkeit erwiesen, auch über die Alten hast du dein Joch allzu schwergemacht. Du dachtest: „Ich bin eine Herrin für immer!“ Du hattest noch nicht zu Herzen genommen noch daran gedacht, wie es hernach werden könnte.

Aber nun wird über dich Unglück kommen, daß du nicht wegzaubern kannst, und Unheil wird auf dich fallen, das du nicht durch Sühne abwenden kannst. Und es wird plötzlich ein Verderben über dich kommen, mit dem du nicht gerechnet hast (Jes 46 - 47, gekürzt).

 

Gnade für Israel:

……Um meines Namens willen halte ich lange meinen Zorn zurück und um meines Ruhms willen bezähme ich mich dir zugut, daß du nicht ausgerottet wirst. Siehe, ich habe dich ge­läutert aber nicht wie Silber; sondern ich habe dich geprüft im Glutofen des Elends. Um meinetwillen will ich es tun, daß ich nicht gelästert werde, denn ich will meine Ehre keinem andern lassen. Höre mir zu, Jakob, und du, Israel, den ich berufen habe: Ich bin es, ich bin der Erste und auch der Letzte. Meine Hand hat die Erde gegründet, und meine Rechte hat den Himmel ausgespannt. Ich rufe und alles steht da.

Versammelt euch alle und hört: „Wer ist unter ihnen, der es verkündet hat? Er, den der Herr liebt, wird er seinen Willen an Babel beweisen und seinen Arm an den Chaldäern. Ja, ich habe es gesagt, ich habe ihn gerufen, ich habe ihn auch kommen lassen, und sein Weg soll ihm gelingen. Tretet her zu mir und hört dies! Ich habe von Anfang an nicht im Verborgenen geredet, von der Zeit an, da es geschieht, bin ich auf dem Plan. Und nun sendet mich der Herr und sein Geist. So spricht der Herr, dein Erlöser, der Heilige in Israel: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehrt, was dir hilft, und dich leitet auf dem Weg, den du gehst.….

Geht heraus aus Babel, flieht von den Chaldäern! Mit fröhlichem Schall verkündet dies und laßt es hören, tragt es hinaus bis an die Enden der Welt und sprecht: „Der Herr hat seinen Diener Jakob erlöst!“ Sie litten keinen Durst, als er sie leitete in der Wüste: Er ließ ihnen Wasser aus dem Felsen fließen, er spaltete den Fels, daß Wasser herausrann. Aber die Gottlosen, spricht der Herr, haben keinen Frieden (Jes 48, gekürzt).

 

Der Knecht Gottes und das Licht der Völker:

Hört mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merkt auf! Der Herr hat mich berufen von Mutterleib an, er hat an meinen Namen gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war. Er hat meinen Mund gemacht wie ein scharfes Schwert, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinen Köcher verwahrt. Er sprach zu mir: „Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will!“ Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz zu, obwohl mein Recht bei dem Herrn war und mein Lohn bei meinem Gott ist. Und nun spricht der Herr, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht vorbereitet hat, daß ich soll Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde. Er spricht: „Es ist zu wenig, daß du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, daß du seist mein Heil bis an die Enden der Erde (Jes 49,1-6).

 

Die Wiederherstellung Israels:

So spricht der Herr, der Erlöser Israels, sein Heiliger, zu dem, der verachtet ist von den Menschen und verabscheut von den Heiden, zu dem Sklaven, der unter den Tyrannen ist: Könige sollen sehen und aufstehen, und Fürsten sollen niederfallen um des Herrn willen, der treu ist, um des Heiligen in Israel willen, der dich erwählt hat.

So spricht der Herr: Ich habe dich erhört in der Zeit der Gnade und habe dir am Tag des Heils geholfen und habe dich behütet und zum Bund für das Volk bestellt, daß du das Land aufrichtest und das verwüstete Erbe zuteilst, um zu sagen den Gefangenen: „Geht heraus!“ und zu denen in der Finsternis: „Kommt hervor!“ Am Wege werden sie weiden und auf allen kahlen Höhen ihr Weide haben. Sie werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder Hitze noch Sonne stechen, denn ihr Erbarmer wird sie führen und wird sie an die Wasserquellen leiten. Ich will alle meine Berge zum ebenen Weg machen, und meine Pfade sollen gebahnt sein.

Siehe, diese werden von ferne kommen, und siehe, jene vom Norden und diese vom Meer und jene von Land Sinim. Jauchzt, ihr Himmel, freue dich, Erde. Lobt, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der Herr hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.

Zion aber sprach: „Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat mich vergessen!“ Kann auch eine Frau ihr Kind vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie es auch vergäße, so will ich doch dich nicht vergessen. Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet, deine Mauern sind immerdar vor mir …… (Jes 49,7-26, am Schluß gekürzt).

 

Der Knecht Gottes im Leiden:

So spricht der Herr: „Wo ist der Scheidebrief eurer Mutter, mit dem ich sie entlassen hätte? Oder wer ist mein Gläubiger, dem ich euch verkauft hätte? Siehe, ihr seid um eurer Sünden willen verkauft, und eure Mutter ist um eurer Abtrünnigkeit willen entlassen. Warum kam ich, und niemand war da? Warum rief ich, und niemand antwortete? Ist mein Arm nun so kurz geworden, daß ich sie nicht erlösen kann? Oder ist bei mir keine Kraft mehr zu erretten?

 

Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie seine Anhänger haben, daß ich wisse mit dem Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, daß ich höre wie ein Anhänger Gottes. Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.

Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum habe ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein, denn ich weiß, daß ich nicht zuschanden werde. Er ist nahe, der mich gerecht spricht, wer will mit mir rechten? Laßt uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir! Siehe, Gott der Herr hilft mir. Wer will mich verdammen? ….. (Jes 50, am Schluß gekürzt).

 

Gottes ewiges Heil für Israel:

Hört mir zu, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt, die ihr den Herrn sucht: „Schaut den Fels an, aus dem ihr gehauen seid, und des Brunnens Schacht, aus dem ihr gegraben seid. Schaut Abraham an, euren Vater, und Sara, von der ihr geboren seid. Denn ich rief ihn, als er noch einzeln war, um ihn zu segnen und zu vermehren. Ja, der Herr tröstet Zion, er tröstet alle ihre Trümmer und macht ihre Wüste wie den Garten Eden und ihr dürres Land wie den Garten des Herrn, daß man Wonne und Freude darin findet, Dank und Lobgesang.

Merkt auf mich, ihr Völker, und ihr Menschen, hört mir zu! Denn Weisung wird von mir ausgehen, und mein Recht will ich bald zum Licht der Völker machen. Denn meine Gerechtigkeit ist nahe, mein Heil tritt hervor, und meine Arme werden die Völker richten. Die Inseln harren auf mich und warten auf meinen Arm. Hebt eure Augen auf zum Himmel und schaut unten auf die Erde!

Denn der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen. Und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewig, und meine Gerechtigkeit wird nicht zerbrechen.

Hört mir zu, die ihr Gerechtigkeit kennt, du Volk, in dessen Herzen mein Gesetz ist! Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen, und entsetzt euch nicht, wenn sie euch verhöhnen! Denn die Motten werden sie fressen wie ein Kleid, und Würmer werden sie fressen wie wollenes Tuch. Aber meine Gerechtigkeit bleibt ewig und mein Heil für und für.

Wach auf, wach auf! Zieh Macht an, du Arm des Herrn! Wach, wie von alters her am Beginn der Welt! Warst du es nicht, der das Meer austrocknete, die Wasser der großen Tiefe, der den Grund des Meeres zum Wege macht, daß die Erlösten hindurchgingen? So werden die Erlösten des Herrn heimkehren und nach Zion kommen mit Jauchzen, und ewige Freude wird auf ihrem Haupt sein, Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauer und Seufzen wird von ihnen fliehen (Jes 51, am Schluß gekürzt).

 

Gott ruft sein Volk in die Freiheit:

Wach auf, wach auf, Zion, zieh an deine Stärke! Schmücke dich herrlich, du heilige Stadt Jerusalem! Denn es wird hinfort kein Unbeschnittener oder Unreiner zu dir hineingehen. Schüttle den Staub ab, steh auf Jerusalem, du Gefangene! Mache dich los von den Fesseln deines Halses, du gefangene Tochter Zion! Denn so spricht der Herr: „Ihr seid umsonst verkauft, ihr sollt auch ohne Geld ausgelöst werden.

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König! Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und rühmen miteinander; denn alle Augen werden es sehen, wenn der Herr nach Zion zurückkehrt. Seid fröhlich sein und rühmt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems, denn der Herr hat sein Volk getröstet und Jerusalem gelöst. Der Herr hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, daß aller Welt Enden sehen das Heil unsers Gottes (Jes 52,1-12).

 

Der Knecht Gottes und sein stellvertretendes Leiden:

Siehe, meinem Knecht wird es gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein.

Wie sich viele über ihn entsetzten, weil seine Gestalt häßlicher war als die anderer Leute und sein Ansehen als das der Menschenkinder, so wird er viele Heiden in Staunen versetzen, daß auch Könige werden ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn denen nichts davon verkündet ist, die werden es nun sehen, und die nichts davon gehört haben, die werden es merken

Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des Herrn offenbart? Er schoß auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt noch Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so ver­achtet, daß man das Gesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Abtrünnigkeit willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

 

Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf alle unsere Sünde auf ihn. Als er gemartert wurde, litt er doch willig und tat er seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut. Er ist aus Angst und Gericht hinweg genommen. Wer aber kann sein Schicksal ermessen? Denn er ist aus dem Land der Lebenden weggerissen, weil er für die Missetat meines Volkes geplagt war. Und man gab ihm bei Gottlosen sein Grab und bei Übeltätern, als er gestorben war, obwohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Mund gewesen ist.

So wollte ihn der Herr zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Nachkommen haben und lange leben, und der Plan des Herrn wird durch seine Hand gelingen. Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen die Gerechtigkeit schaffen, denn er trägt ihre Sünden. Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raub haben, dafür daß er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleich gerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebetet (Jes 52,13 - 53,12).

 

Gott verheißt seinem Volk eine neue Gnadenzeit:

Rühme, du Unfruchtbare, die du nicht geboren hast! Freue dich mit Rühmen und jauchze, die du nicht schwanger warst! Denn die Einsame hat mehr Kinder als die den Mann hat, spricht der Herr.….Fürchte dich nicht, denn du sollst nicht zuschanden werden. Schäme dich nicht, denn du sollst nicht zum Spott werden, sondern du wirst die Schande deiner Jungend vergessen und nicht mehr an die Schmach deiner Witwenschaft denken…..

Denn der Herr hat dich zu sich gerufen wie eine verlassene und von Herzen betrübte Frau. Die Frau der Jugendzeit, wie könnte sie verstoßen bleiben ist, spricht dein Gott! Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich über dich erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser.

Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, daß die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, daß ich nicht über dich zürnen noch dich schelten will. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer (Jes 54, am Schluß gekürzt).

 

Tritojesaja:

 

Die kommende Heilszeit (Kapitel 56 bis 66:)

Der Gnadenbund Gottes:

Wohlan alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und eßt! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum zählt ihr Geld hin für das, was kein Brot ist und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch an Köstlichem laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Hört, so werdet ihr leben. Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids geben. Siehe, ich habe ihn den Völkern zum Zeugen gestellt, zum Fürsten für sie und Gebieter.

Siehe, du wirst Heiden rufen, die du nicht kennst, und Heiden, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des Herrn willen, deines Gottes, der dich herrlich gemacht hat. Sucht den Herrn, solange er zu finden ist, ruft ihn an, solange er nahe ist. Der Gottlose lasse von seinem Weg und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum Herrn, so wird er sich über ihn erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung.

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern soviel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken denn als Gedanken.

Denn wie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und läßt wachsen, so soll das Wort, das aus meinem Mund geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Feld in die Hände klatschen. Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen und Myrten statt Nesseln. Dem Herrn soll es zum Ruhm geschehen und zum ewigen Zeichen, das nicht vergehen darf (Jes 55).

 

Die Gemeinde wächst über ihre Grenzen:

Wohl dem Menschen, der den Feiertag hält und nicht entheiligt und seine Hand hütet, nichts Arges zu tun! Und der Fremde, der sich dem Herrn zugewandt hat, soll nicht sagen: „Der Herr wird mich getrennt halten von seinem Volk, und der Verschnittene soll nicht sagen: „Siehe, ich bin ein dürrer Baum!“ Denn so spricht der Herr: Den Verschnittenen, die meine Sabbate halten und die erwählen, was mir wohl gefällt, und die an meinen Bund festhalten, denen will ich in meinem Haus ein Denkmal setzen und einen Namen geben: das ist besser als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll.

Und die Fremden, die sich zum Herr zugewandt haben, ihm zu dienen und seinen Namen zu lieben, alle, die den Feiertag einhalten, daß sie ihn nicht entweihen, und die an meinem Bund festhalten, die will ich zu meinem heiligen Berg bringen und will sie erfreuen in meinem Bethaus, und ihre Brandopfer und Schlachtopfer sollen mir angenehm sein auf meinem Altar, denn mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker. Gott, der Herr, der die Versprengten Israels sammelt, spricht: „Ich will noch mehr sammeln zu der Zahl derer, die versammelt sind!“ ….. (Jes 56, gekürzt).

 

Das Schicksal der Frommen und der Gottlosen:

Der Gerechte ist umgekommen, und niemand ist da, der es zu Herzen nimmt, und fromme Leute sind hingerafft, und niemand achtet darauf. Ja, der Gerechte ist weggerafft durch die Bosheit, und geht zum Frieden ein. Es ruhen auf ihren Lagern, die recht gewandelt sind…….

Ich will aber deine Gerechtigkeit kundtun und deine Werke, daß sie dir nichts nütze sind. Wenn du rufen wirst, so sollen dir deine vielen Götzen helfen. Aber der Wind wird sie alle wegführen, und ein Hauch wird sie wegnehmen. Aber wer auf mich traut, wird das Land erben und meinen heiligen Berg besitzen. Er spricht: „Macht Bahn, macht Bahn! Bereitet den Weg, räumt die Anstöße aus dem Weg meines Volkes! …(Jes 57, gekürzt)

 

Falsches und echtes Fasten:

Das ist aber ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Laß los, die du mit Unrecht gebunden hast! Laß ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut.

Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen, und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: „Siehe, hier bin ich!“ Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit dem Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden läßt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.

Und der Herr wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und deine Knochen stärken. Du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt Und es soll durch dich wieder aufgebaut werden, was lange wüst gelegen hat, und wirst wieder aufrichten, was vor Zeiten gegründet wurde, und du sollst heißen: „Der die Lücken zumauert und die Wege ausbessert, daß man da wohnen kann“ (Jes 58, gekürzt).

 

Gott überwindet die Sünde seines Volks:

Siehe, des Herrn Arm ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht hart geworden, daß er nicht hören könnte, sondern eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, daß ihr nicht gehört werdet. Denn eure Hände sind mit Blut befleckt und eure Finger mit Schuld, eure Lippen reden Falsches, eure Zunge spricht Bosheit. Es ist niemand, der eine gerechte Sache vorbringt, und niemand, der redlich richte: Man vertraut auf Nichtiges und redet Trug, mit Unheil sind sie schwanger und gebären Verderben……

Er sieht, daß niemand da ist, und wundert sich, daß niemand ins Mittel tritt. Da hilft er sich selbst mit seinem Arm, und seine Gerechtigkeit steht ihm bei. Er zieht Gerechtigkeit an wie einen Panzer und setzt den Helm des Heils auf sein Haupt und zieht an das Gewand der Rache und kleidet sich mit Eifer wie mit einem Mantel. Nach den Taten wird er es vergelten, mit Grimm seinen Widersachern, mit Vergeltung seinen Feinden, ja, den Inseln will er es heimzahlen, daß der Name des Herrn gefürchtet werde bei denen vom Niedergang der Sonne und seine Herrlichkeit bei denen von ihrem Aufgang, wenn er kommen wird wie ein reißender Strom, den der Atem des Herrn treibt.

Aber für Zion wird er als Erlöser kommen und für die in Jakob, die sich von der Sünde bekehren, spricht der Herr. Und die ist mein Bund mit ihnen, spricht der Herr: „Mein Geist, der auf dir ruht, und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, sollen von deinem Mund nicht weichen noch von dem Mund deiner Kinder, spricht der Herr, von nun an bis in Ewigkeit (Jes 59, gekürzt).

 

Zions zukünftige Herrlichkeit:

Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker. Aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Völker werden zu deinem Licht ziehen wandeln und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht. Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt und kommen zu dir.

Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arme hergetragen werden. Dann wirst du deine Lust sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt.….

Fremde werden deine Mauern bauen, und ihre Könige werden dir dienen. Denn in meinem Zorn habe ich dich geschlagen, aber in meiner Gnade erbarme ich mich über dich. Deine Tore sollen stets offen stehen und weder Tag noch Nacht zugeschlossen werden, daß der Reichtum der Völker zu dir gebracht und ihre Könige herzu geführt werden. Denn welche Völker oder Königreiche dir nicht dienen wollen, die sollen umkommen und die Völker verwüstet werden.…….

Die Sonne soll nicht mehr dein Licht sein am Tag, und der Glanz des Mondes soll dir nicht mehr leuchten, sondern der Herr wird dein ewiges Licht und dein Gott wird dein Glanz sein. Deine Sonne wird nicht mehr untergehen noch dein Mond den Schein verlieren, denn der Herr wird dein ewiges Licht sein, und die Tage deines Leides sollen ein Ende haben. Und dein Volk sollen lauter Gerechte sein. Sie werden das Land ewig besitzen, als der Sproß meiner Pflanzung und als ein Werk meiner Hände mir zum Preis. Aus dem Kleinsten sollen tausend werden und aus dem Geringsten eine mächtiges Volk. Ich der Herr, will solches zu seiner Zeit eilends ausrichten (Jes 60, gekürzt).

 

Die frohe Botschaft von der kommenden Herrlichkeit:

Der Geist des Gottes des Herrn ist über mir, weil der Herr gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkünden den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, daß sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Vergeltung unsers Gottes, zu trösten alle Trauernden, zu schaffen den Traurigen in Zion, daß ihnen Schmuck statt Asche und Freudenöl statt Trauerkleid, Lobgesang statt einem betrübten Geist gegeben werde……..

Denn ich bin der Herr, der das Recht liebt, und haßt Raub und Unrecht. Ich will ihnen den Lohn in Treue geben einen ewigen Bund mit ihnen schließen. Und man soll ihre Nachkommen kennen unter den Völkern, daß, wer sie sehen wird, kennen soll, daß sie ein vom Herrn gesegnetes Volk sind.

Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam, mit priesterlichem Kopfschmuck geziert, und wie eine Braut, die in ihrem Schmuck prangt. Denn wie Gewächs aus der Erde wächst und Same im Garten aufgeht, so läßt Gott der Herr die Gerechtigkeit aufgehen und Ruhm vor allen Heidenvölkern (Jes 61, gekürzt).

 

Die zukünftige Herrlichkeit Zions:

Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht innehalten, bis seine Gerechtigkeit aufgehe wie der Glanz und sein Heil brenne wie eine Fackel, daß die Heiden sehen deine Gerechtigkeit und alle Könige deine Herrlichkeit. Und du sollst mit einem neuen Namen genannt werden, den des Herren Mund nennen wird. Und du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des Herrn und ein königlicher Reif in der Hand deines Gottes. Man soll dich nicht mehr „die Verlassene“ nennen und dein Land nicht mehr „Einsame, sondern du sollst heißen „Meine Lust“ und dein Land „Liebe Frau“, denn der Herr hat Lust an dir und dein Land hat einen lieben Mann….

 

O Jerusalem, ich habe Wächter für deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr euch an den Herrn erinnert, ohne euch Ruhe zu gönnen, laßt ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf der Erde.

Der Herr hat geschworen bei seiner Rechten und bei seinem starken Arm: „Ich will dein Getreide nicht mehr deinen Feinden zu essen geben noch deinen Wein, mit dem du so viel Arbeit hattest, die Fremden trinken lassen, sondern die es einsammeln, sollen es auch essen und den Herrn rühmen, und die ihn einbringen, sollen ihn trinken in den Vorhöfen meines Heiligtums!“

Geht ein, geht ein durch die Tore! Bereitet dem Volk den Weg! Macht Bahn, macht Bahn! räumt die Steine weg! Richtet ein Zeichen auf für die Völker! Siehe, der Herr läßt sich hören bis an der Welt Ende: Sage der Tochter Zion: „Siehe, dein Heil kommt!“ …. (Jes 62, leicht gekürzt)(Jes 63,1-6, Gottes Gericht über Edom, wurde hier ausgelassen):

 

Buß- und Bittgebet des Gottesvolks:

Ich will an die Gnade des Herrn denken und an die Ruhmestasten des Herrn in allem, was uns der Herr getan hat, und an die großen Güte an dem Volk Israel, die er ihnen erwiesen hat nach seiner Barmherzigkeit und großen Gnade…

Ach daß du den Himmel zerrissest und führest herab, daß die Berge vor dir zerflössen, wie Feuer das Reisig entzündet oder Wasser zum Sieden bringt, daß dein Name kund würde unter deinen Feinden und die Völker vor dir zittern müßten, wenn du Furchtbares tust, das wir nicht erwarten und das man von alters her nicht vernommen hat. Kein Ohr hat gehört, kein Auge hat gesehen einen Gott außer dir, der so wohltut denen, die auf ihn harren. Du begegnest denen, die Gerechtigkeit übten und auf deinen Wegen an dich dachten. Siehe, du zürntest, als wir von alters her gegen dich sündigten und abtrünnig wurden……

Herr, zürne nicht zu sehr und denke nicht ewig an die Sünde. Siehe doch an, daß wir alle dein Volk sind! Deine heiligen Städte sind zur Wüste geworden, Zion ist zur Wüste geworden, Jerusalem liegt zerstört. Das Haus unsrer Heiligkeit und Herrlichkeit, in dem dich unsre Väter gelobt haben, ist mit Feuer verbrannt, und alles, was wir Schönes hatten, ist zuschanden gemacht. Herr, willst du bei alledem noch zögern und schweigen und uns so sehr niederschlagen? (Jes 63, 7 - 64,11, gekürzt).

 

Verstoßung und Annahme:

Ich ließ mich suchen von denen, die mich nicht suchten, ich ließ mich finden von denen, die mich nicht nach mir verlangten. Zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief, sagte ich: „Hier bin ich, hier bin ich!“ Ich strecke meine Hand aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach seinen eigenen Gedanken lebt auf einem Weg, der nicht gut ist……….

So spricht der Herr: Wie wenn man noch Saft in der Traube findet und spricht: „Verdirb es nicht, denn es ist ein Segen darin! so will ich um meiner Leute willen tun, daß ich nicht alles verderbe, Ich will aus Jakob Nachkommen wachsen lassen und aus Juda Erben, die meine Berge besitzen. Meine Auserwählten sollen sie besitzen, und meine Leute sollen auf ihnen wohnen.

Darum spricht Gott der Herr: „Siehe, meine Leute sollen essen, ihr aber sollt hungern. Siehe, meine Leute sollen trinken, ihr aber sollt dürsten. Siehe, meine Leute sollen fröhlich sein, ihr aber sollt zuschanden werden. Siehe, meine Leute sollen vor Herzenslust jauchzen, ihr aber sollt vor Herzeleid schreien und vor Jammer heulen……(Jes 65,1-16, gekürzt)

 

Neuer Himmel und neue Erde:

Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, daß man nicht mehr an die vorigen denken wird. Und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freut euch und seid immer wieder fröhlich über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne manchen und sein Volk zur Freude, und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur wenige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht.

Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volke werden sein wie die Tage eines Baumes, und meine Auserwählten werden das Werk ihrer Hände genießen.

Wolf und Schaf sollen beieinander weiden. Der Löwe wird Stroh essen wie ein Rind, aber die Schlange muß Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berg, spricht der Herr (Jes 65, gekürzt).

 

Das zukünftige Heil Jerusalems:

Freut euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie liebhabt. Freut euch mit ihr, alle, die ihr hier über sie traurig gewesen seid! Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes, denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an dem Reichtum ihrer Mutterbrust. Denn so spricht der Herr: „Siehe, ich breite aus bei dir den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Ihre Kinder sollen auf dem Arm getragen werden, und auf den Knien wird man sie liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet, ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.(Jes 66, gekürzt).

 

 

 

Der Prophet Jeremia

 [Jeremia ist neben Jesaja und Ezechiel einer der drei großen Schriftpropheten der hebräischen Bibel. Im Alten Testament steht sein Buch nach Jesaja an zweiter Stelle der Prophetenbücher.

Das Buch ist eine wichtige Quelle für die Geschichte des ausgehenden Königtums im Süd­reich Juda. Viele der darin erwähnten Völker des Nordens finden sich auch in assyrischen und griechischen Quellen (Aschkenas, Gomer, Minni, Meder und Perser).

Als Verfasser gilt in der biblischen Tradition der gleichnamige Prophet aus Anatoth, der etwa von 627 bis 587 vCh in Jerusalem wirkte. Der Autor bezeichnet Jeremia als Sohn des Priesters Hilkia, der möglicherweise von Abjatar, dem von David nach Anatoth verbannten Priester, abstammt. Ob dieser mit dem 2. Kön 22 ge­nannten Priester Hilkia identisch ist, ist höchst zweifelhaft. Eine priesterliche Prägung der Botschaft Jeremias, wie etwa beim Propheten Ezechiel, ist trotz seiner priesterlichen Herkunft jedenfalls nicht erkennbar. Auch seine Stellung gegenüber der Reform des Josia bleibt völlig unklar, da Jeremiaworte aus den Jahren zwischen der Reform und dem Tod des Josia nicht überliefert sind.

Die Konfessionen Jeremias in den Kapiteln 11-20 thematisieren die inneren und äußeren Konflikte des Propheten, sie sind im Stil von Klagepsalmen gehalten:

* 12, 1-7: Jeremia klagt über das Glück der Frevler und der Treulosen

* 15, 10-21: Jeremia klagt über sein Amt und die damit verbundene Isolation

* 17, 14-18: Jeremia fragt, wann das Angesagte eintreten mag, damit er nicht zum Spott wird.

* 18, 18-23: Klage über die Nachstellungen und Anschläge

* 20, 7-18: Als ein von Gott Getäuschter will sich Jeremia schließlich dem Dienst entziehen.

Das Geschick Jeremias wendet sich jedoch: In Kapitel 37ff gehört Jeremia zu den Geretteten, während seine Gegner ihre Strafe erfahren. Deren Überlegenheit und Erfolg waren also nur vorläufig. Man könnte sagen, die Person und das Geschick Jeremias boten sich als „Folie“ für die Spannung zwischen realen Verhältnissen und Gerechtigkeit Gottes, die zwar noch aussteht, sich aber letztendlich durchsetzen wird. Die Verbindung von Gefährdung und Bewahrung eines Propheten gibt es in der Form nur bei Jeremia. Im biblischen Jeremiabuch ist die letzte Nachricht seine Verschleppung nach Ägypten. Spätere nicht-kanonische Schriften erzählen von seinem Leben dort und seiner Steinigung etwa 580 vCh durch Juda.

 

Theologische und ethische Aussagen gehen ineinander über, ebenso die Kritik. Ein Grundgedanke ist, daß - wenn Israel anderen Göttern folgt - Jahwe gegen sein auserwähltes Volk prozessiert und mit dem Verlust des Landes droht. Nicht mehr das Recht Jahwes bestimmt eine auf Solidarität gründende Gemeinschaft, sondern Täuschung, Betrug und Gewinn prägen die Gesellschaft. Daher trifft die Kritik vor allem die Propheten, Priester und Könige.

In manchen Texten scheint das Gericht als unausweichlich, dann wieder gibt es doch konkrete Heilserwartungen - vermutlich verstärkt durch spätere Zusätze. Heil und Unheil lassen sich nicht immer säuberlich scheiden. Heil liegt darin, daß die Zeit des Unheils begrenzt ist, daß Gott auf Bestrafung verzichtet und Jerusalem zurückkehren darf zu Jahwe.

 

Die griechische Ausgabe des Jeremiabuches weicht von Text der hebräischen Bibel in vielerlei Hinsicht ab. In den übereinstimmenden Passagen stellt die griechische Version offensichtlich eine getreue Übersetzung der hebräischen Vorlage dar. Insgesamt ist aber der hebräische Text etwa ein Siebtel länger.

Interessanterweise ist das Buch Jeremia durchzogen von Hinweisen auf eine entstehende Schriftkultur: Nicht nur Baruch trägt den Titel „Schreiber“, sondern der Titel ist auch sonst Funktionsbezeichnung. Von Tafel, Tinte und Schreibermesser ist die Rede. Die wörtlich zitierte Unheilsdrohung Michas und Anspielungen auf zahlreiche frühere Propheten setzen schriftliche Dokumentation dieser früher entstandenen Prophetenbücher voraus.

 

Jeremia in der Kunst

* In der St. Nikolaikirche in Potsdam findet sich ein Deckengemälde von Jeremia. Es ist von dem Maler Carl Stürmer geschaffen worden.

* Karl Federlin schuf 1877 zum 500. Jubiläum der Grundsteinlegung des Ulmer Münsters die große Sandsteinstatue des Propheten Jeremia. Sie wurde von Mitgliedern der örtlichen jüdischen Synagoge (unter anderem auch durch den Vater von Albert Einstein) gestiftet. Die Statue steht auf der Kanzelseite des Hauptschiffes unterhalb der großen Orgel.

* Auguste de Niederhäusern, genannt Rodo (1863-1913), Statue vor der Kathedrale St. Pierre in Genf.

* Von Stefan Zweig stammt das expressionistische Drama „Jeremias, eine dramatische Dichtung in neun Bildern“ (Leipzig: Insel 1917)

* Der Schriftsteller Franz Werfel veröffentlichte 1937 den historischen Roman „Höret die Stimme“, in welchem er den Stoff zu Jeremia aufnahm.

* Im Jahr darauf erschien Josef Kasteins Roman „Jeremias, der Bericht vom Schicksal einer Idee“ (Wien / Jerusalem: Löwit 1938).

* Leonard Bernsteins erste Sinfonie (1942) trägt den Titel „Jeremiah“].

 

 

Berufung Jeremias als Prophet (Kapitel 1-10):

[Jeremia 1 kann als Programmtext des gesamten Buches gelesen werden. Dieses Kapitel legt vielfältige Spuren ins Buch hinein:

* Die komplexe Überschrift in Jeremia 1,1 qualifiziert die „Worte Jeremias“ als Jahwe-Wort und betont zwei Primärdaten: 628 (vielleicht Beginn der Kultsäuberungsmaßnahmen Josias) und 586.

* Jeremia 1,5 bezeichnet Jeremia als „Prophet für die Völker“ – so eindeutig wie kein anderer Charakter des Alten Testaments trägt er diesen Titel: 31 Mal wird Jeremia als „der Prophet“ bezeichnet.

* In Jeremia 1,11-15 führt der Anblick eines Mandelzweiges, dessen Bezeichnung hebräisch wie „Wachebaum“ klingt, zur Eingebung, daß Jahwe über der Erfüllung seines Wortes wacht. Dies ist eine zentrale Aussage des gesamten Buches.

* „Ausreißen und niederreißen, vernichten und einreißen, aufbauen und einpflanzen“ (Jeremia 1,10) sind Jeremias Aufgaben. Dem Übergewicht dieser Wortpaare entspricht das Vorherrschen der Gerichtsreden im Buch Jeremia.

* Jeremia 1,16 lautet: „Ich werde mein Urteil sprechen“. Dementsprechend wird die erste Buchhälfte von Anklagen und Urteilsankündigungen beherrscht.

* „Fürchte Dich nicht vor ihnen“ lautet Jeremia 1,8: Bevor noch die Adressaten der Gerichtsworte Jeremias genannt sind, wird klar: Jeremia als Bote des Wortes Gottes wird massiv bedroht! Unter Jeremias Gegnern fallen zwei Gruppen auf: Propheten / Priester (Jeremia 26-29) sowie Könige / Beamte (Jeremia 21-24.34-38)].

 

Jeremias Berufung:

Dies sind die Worte Jeremias, des Sohnes Hilkias, aus dem Priestergeschlecht in Anathoth im Land Benjamin. Ihn erreichte das Wort des Herrn zur Zeit Josias, des Königs in Juda, im dreizehnten Jahr seiner Herrschaft, und danach zur Zeit des Königs Jojakims bis ans Ende des elften Jahres des Königs Zedekia, bis Jerusalem weggeführt wurde im fünften Monat. Des Herrn Wort kam zu mir und sprach: „Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für alle Völker!“

Ich aber sprach: „Ach Herr, ich bin nicht zum Predigen geeignet, denn ich bin zu jung!“ Der Herr sprach aber zu mir: „Sage nicht: Ich bin zu jung, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dich heiße. Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr!“

Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: „Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, daß du ausreißen und einreißen. zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen!“

 Und es erging des Herrn Wort zu mir und sprach: „Jeremia, was siehst du?“ Ich sprach: „Ich sehe einen erwachenden Zweig!“ Und der Herr sprach zu mir: „Du hast recht gesehen, denn ich will wachen über meinem Wort, daß ich es tue!“

Und der Herr sprach zum zweitenmal zu mir und sprach: „Was siehst du?“ Ich sprach: „Ich sehe einen siedenden Kessel überkochen von Norden her!“ Und der Herr sprach zu mir: „Von Norden her wird das Unglück losbrechen über alle, die im Land wohnen. Denn siehe, ich will rufen alle Völker der Königreiche des Nordens“, daß sie kommen sollen und ihre Throne setzen vor die Tore zu Jerusalems und rings um die Mauern her und vor alle Städte Judas. Ich will mein Gericht über sie gehen lassen um all ihrer Bosheit willen, weil sie mich verlassen und andern Göttern opfern und das Werk ihrer Hände und anbeten.

So mache dich nun marschbereit und mache dich auf und predige ihnen alles, was ich dir gebiete. Erschrick nicht vor ihnen, damit ich dich nicht erschrecke vor ihnen. Denn ich will dich heute zur festen Stadt, zur eisernen Säule, zur kupfernen Mauer machen im ganzen Land, gegen die Könige Judas, gegen seine Großen, gegen seine Priester, gegen das Volk des Landes. Sie werden dir nichts anhaben können, wenn sie auch gegen dich streiten, denn ich bin bei dir, spricht der Herr, daß ich dich errette (Jer 1).

 

Das untreue Gottesvolk:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Geh hin und predige öffentlich in Jerusalem und sprich: So spricht der Herr: „Ich denke an die Treue deiner Jugend und die Liebe deiner Brautzeit, wie du mir folgtest in der Wüste, in dem Land, wo man nichts sät. Da gehörte Israel dem Herrn und war seine erste Frucht bei der Ernte. Wer davon essen wollte, machte sich schuldig, und Unheil mußte über ihn kommen“, spricht der Herr.

Hört des Herrn Wort, ihr aus dem Nordreich und ihr aus dem ganzen Israel. So spricht der Herr: „Was haben eure Väter Unrechtes an mir gefunden, daß sie von mir wichen und hingen den nichtigen Götzen an und wurden so zunichte und dachten niemals: Wo ist der Herr, der uns aus Ägypten führte und leitete uns in der Wüste, im wilden und ungebahnten Land, im dürren und finstern Land, in dem Land, das niemand durchwandert und kein Mensch bewohnte? Ich brachte euch in ein fruchtbares Land, daß ihr äßet seine Früchte und Güter. Aber als ihr hineinkamt, machtet ihr mein Land unrein und mein Eigentum zum Greuel!“

Was hilft es dir, daß du nach Ägypten ziehst und willst vom Nil trinken? Und was hilft es dir, daß du nach Assyrien ziehst und willst vom Wasser des Euphrat trinken? Deine Bosheit ist schuld, daß du so geschlagen, und dein Ungehorsam, daß du so gestraft wirst. Du mußt du innewerden und erfahren, was es für Jammer und Herzeleid bringt, deinen Gott, verlassen und ihn nicht fürchten, spricht der Herr Zebaoth. Denn von jeher hast du dein Joch zerbrochen und deine Bande zerrissen und gesagt: „Ich will nicht unterworfen sein!“ Sondern auf allen hohen Hügeln und unter allen grünen Bäumen liefst du den Götzen nach. Ich aber hatte dich gepflanzt als einen edlen Weinstock, einen ganz echtes Gewächs Wie bist du mir denn geworden zu einem schlechten und wilden Weinstock? Und wenn du dich gleich mit Lauge wüschest und nähmest viel Seife dazu, so bleibt doch der Schmutz deiner Schuld vor mir, spricht Gott, der Herr.

Wo sind denn deine Götter, die du dir gemacht hast? Laß sie aufstehen, laß sehen, ob sie dir helfen können in deiner Not! Denn so viele Stadt, so viele Götter hast du, Juda. Wie könnt ihr rechten mit mir? Ihr seid alle von mir abgefallen, spricht der Herr. Alle meine Schläge sind vergeblich an euren Söhnen, sie lassen sich doch nicht erziehen. Denn euer Schwert frißt eure Propheten wie ein wütender Löwe.

Du böse Art, merke auf des Herrn Wort! Bin ich denn für Israel eine Wüste oder ödes Land? Warum spricht denn mein Volk: „Wir sind freie Herren und brauchen dir nicht mehr nachzulaufen? Vergißt wohl eine junge Frau ihren Schmuck noch eine Braut ihren Schleier? Aber mein Volk vergißt mich seit endlos langer Zeit (Jer 2, 1 - 3,5, gekürzt).

 

Schuldspruch über Israel und Juda und Umkehr:

Und der Herr sprach zu mir zu der Zeit des Königs Josia: Hast du auch gesehen, was das abtrünnige Israel tat? Sie ging hin auf alle hohen Berge und unter alle grünen Bäume und trieb dort Hurerei. Und ich dachte, als sie das alles getan, würde sie zu mir zurückkehren Aber sie kehrte nicht zurück. Und obwohl ihre treulose Schwester gesehen hat, wie ich Israel wegen ihres Ehebruchs gestraft und sie entlassen und ihr einen Scheidebrief gegeben habe, scheut sich dennoch ihre treulose Schwester Juda, nicht, sondern geht hin und treibt auch Hurerei. Und ihre leichtfertige Hurerei hat das Land unrein gemacht, denn sie treibt Ehebruch mit Stein und Holz.

Kehrt um ihr abtrünnigen Kinder, spricht der Herr, denn ich bin euer Herr. Und ich will euch holen, einen aus einer Stadt und zwei aus einer Familie, und will euch bringen nach Zion. Ich will euch Hirten geben nach meinem Herzen, die euch weiden sollen in Einsicht und Weisheit.

 In jenen Tagen wird das Südreich Juda zum Nordreich Israel gehen, und sie werden miteinander heimkommen vom Norden her in das Land, das ich euren Vätern zum Erbe gegeben habe. Und ich dachte: Wie will ich dich halten, als wärst du mein Sohn, und dir das liebe Land geben, den allerschönsten Besitz unter den Völkern! Und ich dachte, du würdest mich dann „Lieber Vater“ nennen und nicht von mir weichen. Aber Israel hat mir nicht die Treue gehalten, wie eine Frau wegen ihres Liebhabers nicht mehr die Treue hält, spricht der Herr…..

Kehrt zurück, ihr abtrünnigen Kinder, so will ich euch heilen von eurem Ungehorsam. Siehe wir kommen zu dir, denn du bist der Herr, unser Gott. Es ist ja nichts als Betrug mit den Hügeln und mit dem Lärm auf allen Bergen. Israel hat keine andere Hilfe als am Herrn, unserm Gott. Der schändliche Gott Baal hat von unsrer Jugend an die Arbeit unsrer Väter gefressen, ihre Schafen und Rinder, Söhne und Töchter.

Willst du dich, Israel, bekehren, spricht der Herr, so kehre dich zu mir. Und so du deine Götzen von meinem Angesicht wegtust, so brauchst du nicht mehr umherzuschweifen, und wenn du ohne Heuchelei recht und heilig schwörst „So wahr der Herr lebt!“ dann werden die Heiden in ihm gesegnet sein und sich seiner rühmen. Denn so spricht der Herr zu denen in Juda und zu Jerusalem: Pflügt ein Neues und sät nicht unter die Hecken.

 

So wasche nun, Jerusalem, dein Herz von der Bosheit, damit dir geholfen werde. Wie lange wollen bei dir bleiben deine heillosen Gedanken? Horch, es kommt ein Geschrei von Norden her und eine böse Botschaft vom Gebirge Ephraim. Sagt den Völkern, verkündet in Jerusalem: Belagerer kommen aus fernen Landen und werden ein Kriegsgeschrei erheben gegen die Städte Judas. Sie werden sich um Jerusalem her lagern wie die Wächter auf dem Feld, denn sie hat mich erzürnt, spricht der Herr

Was willst du dann tun, du Überwältigte? Wenn du dich schon mit Purpur kleiden und mit goldenen Kleinoden schmücken und dein Angesicht schminken würdest, so schmückst du dich doch vergeblich. Die dir jetzt den Hof manchen, werden dich verachten, sie werden dir nach dem Leben trachten. Denn ich höre ein Geschrei wie von einer Gebärenden, Angstrufe wie von einer, die in den ersten Kindesnöten ist, ein Geschrei der Tochter Zion, die da keucht und die Hände ausbreitet: „Ach, weh mir! Ich muß vergehen vor den Würgern!“(Jer 3, 6 - 4,31, gekürzt).

 

Keine Vergebung für das Volk:

Geht durch die Gassen Jerusalems und schaut und merkt auf und sucht auf den Straßen der Stadt, ob ihr jemand findet, der recht tut und auf Wahrheit hält, so will ich ihr gnädig sein. Und wenn sie auch sprechen: „Bei dem lebendigen Gott!“, so schwören sie doch falsch. Herr, deine Augen sehen auf Wahrhaftigkeit. Du schlägst sie, aber sie fühlen es nicht. Du machst fast eine Ende mit ihnen, aber sie bessern sich nicht. Sie haben ein Angesicht, härter als ein Fels und wollen sich nicht bekehren.

Ich dachte aber: Es sind arme und unverständige Leute und wissen nichts um den Weg ihres Herrn und um das Recht ihres Gottes. Ich will zu den Großen gehen und mit ihnen reden, die werden um den Weg des Herrn und das Recht ihres Gottes wissen. Aber sie haben alle das Joch zerbrochen und die Seile zerrissen. Darum wird sie auch der Löwe aus dem Wald zerreißen, und der Wolf aus der Steppe wird sie verderben, und der Panther wird um ihre Städte lauern: Alle, die von dort herausgehen, werden zerfleischt. Denn ihre Sünden sind zuviel, und sie bleiben in ihrem Ungehorsam. Wie soll ich dir denn gnädig sein? Deine Söhne haben mich verlassen und schwören bei dem, der nicht Gott ist? Als ich sie satt gemacht hatte, trieben sie Ehebruch und liefen ins Hurenhaus.……..

Siehe, ich will über euch vom Volk Israel, spricht der Herr, ein Volk von ferne bringen, ein Volk von unerschöpflicher Kraft, ein uraltes Volk, dessen Sprache du nicht verstehst, und was sie reden, kannst du nicht vernehmen. Seine Köcher sind wie offene Gräber, es sind lauter Helden. Sie werden deine Ernte und dein Brot verzehren, sie werde deine Söhne und Töchter fressen, sie werden deine Schafe und Rinder verschlingen, sie werden deine Weinstöcke und Feigenbäume verzehren, deine festen Städte, auf die du dich verläßt, werden sie mit dem Schwert einnehmen. Und wenn sie sagen: „Warum tut uns der Herr das alles?“ sollst du ihnen antworten: Wie ihr mich verlaßt und den fremden Göttern dient in eurem eigenen Lande, so sollt ihr auch Fremden dienen in einem Lande das nicht euer ist…..

Sollte ich das an ihnen nicht heimsuchen, spricht der Herr, und sollte ich mich nicht rächen an einem Volk wie diesem? Es steht greulich und schrecklich im Land. Die Propheten weissagen falsch, und die Priester herrschen auf eigene Faust, und mein Volk hat es gern so. Aber was werdet ihr tun, wenn es damit ein Ende hat? (Jer 5, gekürzt).

 

Das wohlverdiente Gericht:

Die Tochter Zion ist wie eine liebliche Aue. Aber es werden Hirten über sie kommen mit ihren Herden, die werden Zelte rings um sie her aufschlagen und jeder wird seinen Platz abweiden… So spricht der Herr Zebaoth: „Fällt Bäume und werft einen Wall auf gegen Jerusalem, denn sie ist eine Stadt, die heimgesucht werden soll, weil nur Unrecht in ihr ist. Denn wie ein Brunnen sein Wasser quellen läßt, so quillt auch ihre Bosheit. Frevel und Gewalt hört man in ihr, und ihr Morden und Schlagen treiben sie täglich vor mir. Bessere dich Jerusalem, ehe sich mein Herz von dir wendet und ich dich zum wüsten Land mache, in dem niemand wohnt! So spricht der Herr Zebaoth: „Halte Nachlese am Rest Israels wie am Weinstock, strecke deine Hand immer wieder aus wie ein Winzer nach den Reben!“ ………

So spricht der Herr: Tretet hin auf die Wege und schaut und fragt nach den Wegen der Vorzeit, welches der gute Weg sei, und wandelt darin. Dann werdet ihr Ruhe finden für eure Seele!“ Aber sie sprechen: „Wir wollen es nicht tun!“ Ich habe auch Wächter über euch gesetzt: „Achtet auf den Hall der Trompete!“ Aber sie sprechen: „Wir wollen es nicht tun!“

Darum hört ihr Völker, und merket auf samt euren Leuten! Du, Erde, höre zu! Siehe, ich will ein Unglück über dieses Volk bringen, ihren verdienten Lohn, weil sie auf meine Worte nicht achten und mein Gesetz verwerfen.……(Jer 6, gekürzt).

 

Tempelrede:

Dies ist das Wort, das Jeremia erreichte vom Herrn: Tritt ins Tor am Haus des Herr und predige dort dies Wort: „Hört des Herrn Wort, ihr alle von Juda, die ihr zu diesen Toren hineingehet, um den Herrn anzubeten! So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Bessert euer Leben und euer Tun, so will ich bei euch wohnen an diesem Ort! Verlaßt euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: „Hier ist des Herrn Tempel, hier ist des Herrn Tempel, hier ist des Herrn Tempel!“ Bessert euer Leben und euer Tun, daß ihr recht handelt einer gegen den andern und keine Gewalt übt gegen Fremde, Waisen und Witwen und nicht unschuldiges Blut vergießt an diesem Ort, und nicht andern Göttern nachlauft zu eurem eigenen Schaden: Dann will ich immer und ewig bei euch wohnen an diesem Ort, in dem Land, das ich euren Vätern gegeben habe.

Aber ihr verlaßt euch auf Lügenworte, die zu nichts nütze sind. Ihr seid Diebe, Mörder, Ehebrecher und Meineidige und opfert dem Gott Baal und lauft fremden Göttern nach, die ihr nicht kennt. Und dann kommt ihr und tretet vor mich in diesem Haus, das nach meinem Namen genannt ist, und sprecht: „Wir sind geborgen“, und tut weiter solche Greuel. Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt ist, für eine Mördergrube? Siehe, ich sehe es wohl, spricht der Herr.

Geht hin an meine Stätte in Silo, wo früher mein Name gewohnt hat, und schaut, was ich dort getan habe wegen der Bosheit meines Volkes Israel. Weil ihr denn lauter solche Dinge treibt, spricht der Herr, und weil ich immer wieder zu euch redete und ihr nicht hören wolltet und ich euch rief und ihr wollt nicht antworten wolltet:

So will ich dem Haus, das nach meinem Namen genannt ist, auf das ihr euch verlaßt, und mit der Stätte, die ich euch und euren Vätern gegeben habe, ebenso tun, wie ich mit Silo getan habe, und will euch von meinem Angesicht verstoßen, wie ich verstoßen habe alle eure Brüder, das ganze Volk Ephraim (Jer 7,1-15).

 

Gegen den falschen Gottesdienst:

Du sollst für dies Volk nicht bitten und sollst für sie weder Klage noch Gebet vorbringen und sie nicht vertreten vor mir, denn ich will dich nicht hören. Siehst du nicht, was sie tun in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems? Die Kinder lesen Holz, die Väter zünden das Feuer an und die Frauen kneten den Teig, daß sie Kuchen backen für die Himmelskönigin, und Trankopfer geben den fremden Göttern, mir zum Verdruß.

Ich habe euren Vätern an dem Tag, als ich sie aus Ägypten führte, nicht gesagt noch geboten von Brandopfern und Schlachtopfern, sondern dies habe ich ihnen geboten: „Gehorcht meinem Wort, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein. Geht ganz auf dem Weg, den ich euch gebiete, damit es euch wohl gehe!“ Aber sie wollen nicht hören noch ihre Ohren mir zukehren, sondern lebten nach ihrem eigenen Rat und nach ihrem bösen und verstockten Herzen und kehrten mir den Rücken zu und nicht das Angesicht.

Ja, von dem Tag an, als ich eure Väter aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag habe ich immer wieder alle meine Diener zu euch gesandt, die Propheten. Aber sie wollen mich nicht hören noch ihre Ohren zu mir kehren, sondern sind halsstarrig und treiben es ärger als ihre Väter.

 

Darum sprich zu ihnen: „Dies ist das Volk, das auf die Stimme des Herrn, nicht hören noch sich bessern will. Die Wahrheit ist untergegangen und ausgerottet aus ihrem Mund!“ Schneide deine Haare ab und wirf sie von dir und wehklage auf den Höhen, denn der Herr hat dies Geschlecht, über das er zornig ist, verworfen und verstoßen. Denn die Leute in Juda tun, was mir mißfällt, spricht der Herr. Sie setzen ihre Greuelbilder in das Haus, das nach meinem Namen genannt ist, und machen es damit unrein. Sie haben Altäre im Guttal und im Hinnomtal gebaut, daß sie ihre Söhne und Töchter verbrennen, was ich nie geboten habe und mir nie in den Sinn gekommen ist. Darum siehe, es kommt die Zeit, daß man es nicht mehr heißen soll „Guttal“ und „Hinnomtal“, sondern „Würgetal“ Und man wird im Guttal begraben müssen, weil sonst kein Raum mehr sein wird (Jer 7,16- 8,3, gekürzt).

Die Angst des verblendeten Volks:

Sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Wo ist jemand, der wenn er fällt, nicht gerne wieder aufstünde? Wo ist jemand, der irre geht, der nicht gerne wieder zurechtkäme? Warum will denn dies Volk in Jerusalem immer wieder irre gehen? Sie halten so fest am falschen Gottesdienst, daß sie nicht umkehren wollen. Ich sehe und höre, daß sie nicht die Wahrheit reden. Es ist niemand, dem seine Bosheit leid wäre und der spräche: „Was habe ich doch getan!“ Sie laufen alle ihren Lauf wie ein Hengst, der in die Schlacht dahin stürmt.

Ein Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, eine Taube, Kranich und Schwalbe halten ihre Zeit ein, wann sie wiederkommen sollen. Aber mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen. Wie könnt ihr sagen: „Wir sind weise und haben das Gesetz des Herrn bei uns?“ Es ist doch lauter Lüge, was die Schriftgelehrten daraus machen. Darum müssen solche Weisen zuschanden, erschreckt und gefangen werden, denn was können sie Weises lehren, weil sie des Herrn Wort verwerfen?

Wozu sollen wir noch dasitzen? Sammelt euch und laßt uns in die festen Städte ziehen, daß wir dort umkommen. Denn der Herr, unser Gott, wird uns umkommen lassen und uns tränken mit einem giftigen Trank, weil wir so gesündigt haben gegen den Herrn. Wir hofften, es sollte Friede werden, aber es kommt nichts Gutes. Wir hofften, wir sollten heil werden, aber siehe, es ist mehr Schrecken da.

Siehe, die mein Volk schreit aus fernem Land her: „Will denn er Herr nicht mehr Gott sein in Zion oder sollen wir keinen König mehr haben?“ Ja, warum haben sie mich so erzürnt durch ihre Götzenbilder und fremde und nichtige Götzen?Mich jammert von Herzen, daß mein Volk so zerschlagen ist, ich mache mir Kummer und entsetze mich. Ist denn keine Salbe in Gilead oder ist kein Arzt da? Warum ist denn die Tochter meines Volks nicht geheilt? (Jer 8,4-22, gekürzt).

 

Jeremias Klage über sein Volk:

Ach, daß ich Wasser genug hätte in meinem Haupte und meine Augen Tränenquellen wären, daß ich Tag und Nacht beweinen könnte die Erschlagenen meines Volks! Ach, daß ich eine Herberge hätte in der Wüste, so wollte ich mein Volk verlassen und von ihnen ziehen! Denn es sind lauter Ehebrecher und ein treuloser Haufe. Sie schießen mit ihren Zungen lauter Lüge und keine Wahrheit und treiben es mit Gewalt im Land und gehen von einer Bosheit zur andern. Mich aber achten sie nicht, spricht der Herr. Ein jeder hüte sich vor seinem Freunde und traue auch seinem Bruder nicht, denn ein Bruder überlistet den andern, und ein Freund verleumdet den andern. Ein Freund täuscht den andern und redet kein wahres Wort. Sie haben sich daran gewöhnt, daß einer den andern betrügt. Sie freveln, und es ist ihnen leid umzukehren.

Ich muß über die Berge weinen und heulen und über die Weidegründe in der Steppe klagen, denn sie sind verödet, daß niemand mehr hindurch zieht und man auch kein Vieh schreien hört. Die Vögel des Himmels und das Vieh sind geflohen und fort.

Ich will Jerusalem zu Steinhaufen und zur Wohnung der Schakale machen und will die Städte in Juda zur Wüste machen, daß niemand darin wohnen soll.

So spricht der Herr Zebaoth: „Gebt acht und bestellt Klageweiber, daß sie kommen, und schickt nach denen, die klagen können, daß sie herbeieilen und um uns klagen, daß unsre Augen von Tränen rinnen und unsre Augenlider von Wasser fließen.

Horch, man hört ein Kriegsgeschrei in Zion: Ach, wie hat man uns Gewalt angetan und wie sind wir zuschanden geworden! Wir müssen das Land räumen, denn sie haben unsere Wohnungen geschleift

So spricht der Herr: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums, sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, daß er klug sei und mich kenne, daß ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf der Erde, denn das gefällt mir, spricht der Herr (Jer 9, gekürzt).

 

Die toten Götzen und der lebendige Gott („Götzenpolemik“):

Hört, was der Herr zu euch vom Volk Israel redet: So spricht der Herr: Ihr sollt nicht den Gottesdienst der Völkern annehmen und sollt euch nicht fürchten vor den Zeichen des Himmels, wie die Völker sich fürchten, denn ihre Götter sind alle nichts. Man fällt im Wald einen Baum, und der Bildhauer macht daraus mit dem Schnitzmesser ein Werk von Menschenhänden, und er schmückt es mit Silber und Gold und befestigt er es mit Nagel und Hammer, daß sie nicht umfällt.

Sie sind ja nichts Vogelscheuchen im Gurkenfeld. Sie können nicht reden, auch muß man sie tragen, denn sie können nicht gehen. Darum sollt ihr euch nicht vor ihnen fürchten, denn sie können weder helfen noch Schaden tun. Aber dir, Herr, ist niemand gleich. Du bist groß, und dein Name ist groß, wie du es mit der Tat beweist……….

Alle Menschen sind Toren mit ihrer Kunst, und alle Goldschmiede bestehen beschämt da mit ihren Bildern, denn ihre Götzen sind Trug und haben kein Leben. Sie sind nichts, ein Spott­gebilde, sie müssen zugrunde gehen, wenn sie geprüft werden. Aber so ist der nicht, der Jakobs Reichtum ist, sondern er ist es, der alles geschaffen hat, und Israel ist sein Erbteil. Er heißt Herr Zebaoth.…………..

 Mein Zelt ist zerstört, und alle meine Seile sind zerrissen. Meine Kinder sind von mir gegangen und nicht mehr da. Niemand richtet meine Hütte wieder auf und mein Zelt schlägt keiner mehr auf. Denn die Hirten sind zu Toren geworden und fragen nicht nach dem Herrn. Darum kann ihnen nichts Rechtes gelingen, und ihre ganze Herde ist zerstreut. Horch, es kommt eine Kunde daher und ein großes Getöse aus dem Land des Nordens, daß die Städte Judas verwüstet und zur Wohnung der Schakale werden sollen. Ich weiß, Herr, daß des Menschen Tun nicht in seiner Gewalt steht, und es liegt in niemands Macht, wie er lebe oder seinen Gang gehe. Züchtige mich, Herr, doch mit Maßen und nicht in deinem Grimm, damit du mich nicht ganz zunichte machst (Jer 10, gekürzt).

 

 

Klagen und Gerichtsworte (Kapitel 11-20):

[Die Konfessionen Jeremias thematisieren die Einsamkeit des Propheten, der darum Gott anklagt. Einprägsam sind auch die zahlreichen Zeichenhandlungen Jeremias: Der verdorbene Gürtel (13), der zerschmetterte Krug (19)].

 

Der Bundesbruch des Volkes:

Dies ist das Wort, das zu Jeremia geschah vom Herrn, und sprach: Sprich zu den Leuten in Juda und den Bürgern von Jerusalem: So spricht der Herr, der Gott Israels: Verflucht sei, wer nicht gehorcht den Worten dieses Bundes, den ich euren Vätern gegeben habe an dem Tag, als ich sie aus Ägyptenführte, aus dem glühenden Ofen, und sprach: „Gehorcht meiner Stimme und tut, wie ich euch geboten habe, so sollt ihr mein Volk sein, und ich will euer Gott sein,

damit ich den Eid halten kann, den ich euren Vätern geschworen habe, ihnen ein Land zu geben, in dem Milch und Honig fließt, so wie es heute ist!“ Ich antwortete und sprach: „Herr, so sei es!“

Und der Herr sprach zu mir: „Predige alle diese Worte in den Städten Judas und auf allen Gassen Jerusalems und sprich: Hört die Worte dieses Bundes und tut danach! Denn ich habe eure Väter ermahnt von dem Tag an, als ich sie aus Ägypten führte, bis auf den heutigen Tag, und ermahnt sie immer wieder und sprach: Gehorcht meiner Stimme! Aber sie gehorchten nicht, kehrten auch ihre Ohren nicht mir zu, sondern jeder lebte nach seinem bösen und verstockten Herzens. Darum habe ich auch über sie kommen lassen alle Worte dieses Bundes, den ich geboten hatte einzuhalten und den sie doch nicht gehalten haben!“

Sie werden zu ihren Göttern schreien, denen sie geopfert haben. Aber die werden ihnen nicht helfen in ihrer Not. Denn so viele Städte, so viele Götter hast du, Juda. Und so viele Gassen in Jerusalem sind, so manchen Schandaltar habt ihr aufgerichtet, um dem Baal zu opfern.Du aber bitte nicht für dieses Volk und bringe für sie kein Flehen noch Gebet vor mich, denn ich will sie nicht hören, wenn sie zu mir schreien in ihrer Not.

Der Herr nannte dich einen grünen, schönen, fruchtbaren Ölbaum. Aber nun hat er mit einem großen Brausen ein Feuer um ihn entzünden lassen, so daß seine Äste verderben müssen. Denn der Herr Zebaoth, der dich gepflanzt hat, hat dir Unheil angedroht, wegen der Bosheit des Volkes Israel und des Volkes Juda, die sie getrieben haben, um mich zu erzürnen mit ihrem Rauchopfern, die sie dem Baal darbrachten (Jer 11, 1-17, gekürzt).

 

Anschlag auf Jeremia:

Der Herr hat mir ihr Vorhaben aufgedeckt, damit ich es weiß. Denn ich war wie ein argloses Schaf, das zur Schlachtbank geführt wird, und ich wußte nicht, daß sie gegen mich beratschlagt und gesagt hatten: „Laßt uns den Baum in seinem Saft verderben und ihn aus dem Land der Lebendigen ausrotten, daß an seinen Namen nimmermehr gedacht werde!“ Aber du, Herr Zebaoth, du gerechter Richter, der du Nieren und Herzen prüfst, laß mich sehen, wie du ihnen vergiltst, denn ich habe dir meine Sache befohlen.

Darum spricht der Herr gegen die Männer von Anatoth, die dir nach deinem Leben trachten und sprechen: „Weissage nicht im Namen des Herrn, wenn du nicht von unsern Händen sterben willst!“ Darum spricht der Herr: „Siehe, ich will sie strafen, ihre junge Mannschaft soll mit dem Schwert getötet werden, und ihre Söhne und Töchter sollen vor Hunger sterben, daß keiner von ihnen übrigbleibt, denn ich will über die Männer von Anatoth Unglück kommen lassen in dem Jahr, in dem ich sie strafen werde (Jer 11, 18-23).

 

Klage über das Glück der Gottlosen:

Herr, wenn ich auch mit dir rechten wollte, so behältst du doch recht. Dennoch muß ich vom Recht mit dir reden: „Warum geht es doch den Gottlosen so wohl und die Abtrünnigen haben alles in Fülle? Du pflanzt sie ein, sie schlagen Wurzeln und wachsen und bringen Frucht. Nahe bist du ihrem Mund, aber ferne von ihrem Herzen. Mich aber, Herr, kennst du und siehst mich und prüfst mein Herz vor dir. Reiß sie weg wie Schafe zum Schlachten, und sondere sie aus, daß sie getötet werden. Wie lange soll doch das Land so trocken stehen und das Gras auf dem Feld überall verdorren? Wegen der Bosheit der Bewohner schwinden Vieh und Vögel dahin, denn sie sprechen: Ja, er weiß nicht, wie es uns gehen wird!“

Gott antwortete: „Wenn es dich müde macht, mit Fußgängern zu gehen, wie wird es dir gehen, wenn du mit Rossen laufen sollst? Und wenn du in dem Land, wo keine Gefahr ist, Sicherheit suchst, was will tun im Dickicht des Jordan? Denn auch deine Brüder und deines Vaters Familie sind treulos, sie schreien hinter dir her aus vollem Hals. Darum vertraue du ihnen nicht, wenn sie auch freundlich mit dir reden!“ (Jer 12,1-6).

 

Gottes Klage über sein Land:

Ich habe mein Haus verlassen und mein Erbe verstoßen und in die Hand der Feinde geben, was meine Seele liebt. Mein Erbe ist mir geworden wie ein Löwe im Wald und brüllt gegen mich, darum bin ich ihm feind geworden. Mein Erbe ist wie der bunte Vogel, um den sich die Vögel sammeln. Wohlauf, sammelt euch, alle Tiere des Feldes, kommt und freßt. Viele Hirten haben meinen Weinberg verwüstet und meinen Acker zertreten, sie haben meinen schönen Acker zur Wüste gemacht. Sie haben ihn jämmerlich verwüstet, öde liegt er vor mir. Das ganze Land ist verwüstet, aber niemand will es zu Herzen nehmen. Die Verwüster kommen daher über alle kahlen Höhen der Steppe. Ein Schwert hat der Herr das frißt von einem Ende des Landes bis zum andern, und kein Geschöpf wird Frieden haben. Sie haben Weizen gesät, aber Dornen geerntet. Sieließen es sich sauer werden, aber sie konnten es nicht genießen, sie werden ihres Ertrags nicht froh werden vor dem grimmigen Zorn des Herrn……. (Jer 12,7-17).

 

Zeichenhandlung: Der verdorbene Gürtel:

So spricht der Herr zu mir: „Geh hin und kaufe dir einen leinenen Gürtel und gürte damit deine Lenden, aber laß ihn nicht naß werden!“ Ich kaufte einen Gürtel nach dem Befehl des Herrn und gürtete ihn um meine Lenden. Da geschah des Herrn Wort zum zweitenmal zu mir und sprach: „Nimm den Gürtel, den du gekauft und um deine Lenden gegürtet hast, und mache dich auf und gehe hin an den Euphrat und verstecke ihn dort in einer Felsenspalte!“ Ich ging hin und versteckte ihn am Euphrat, wie mir der Herr geboten hatte.

Nach langer Zeit aber sprach der Herr zu mir: „Mache dich auf und gehe zum Euphrat und hole den Gürtel wieder, den ich dich dort verstecken ließ!“ Ich ging hin an den Euphrat und grub nach und nahm den Gürtel von dem Ort, wo ich ihn versteckt hatte. Und siehe, der Gürtel war verdorben, so daß er nichts mehr taugte.

Da geschah des Herrn Wort zu mir und sprach: „So spricht der Herr: Ebenso will ich auch verderben den großen Hochmut Judas und Jerusalems. Das böse Volk, das meine Worte nicht hören will, sondern nach seinem verstockten Herzen handelt und andern Göttern folgt, um ihnen zu dienen und sie anzubeten: Es soll werden wie der Gürtel, der zu nichts mehr taugt.

Denn wie der Gürtel um die Lenden eines Mannes gebunden wird, so habe ich das ganze Volk Israel und das ganze Volk Juda um mich gegürtet, daß sie mein Volk sein sollten, mir zum Ruhm, zu Lob und Ehren. Aber sie wollen nicht hören!“ (Jer 13,1-11)

 

Zeichenhandlung: Die gefüllten Weinkrüge:

Sage ihnen dies Wort: So spricht der Herr, der Gott Israels: „Alle Krüge werden mit Wein gefüllt!“ Und wenn sie zu dir sagen: „Wer weiß das nicht, daß alle Krüge mit Wein gefüllt werden?“ so antworte zu ihnen: „So spricht der Herr: Siehe, ich will alle, die in diesem Land wohnen, die Könige auf dem Thron Davids, die Priester und Propheten und alle Einwohner Jerusalems mit Trunkenheit füllen, und will einen nach dem andern zerschmettern, die Väter samt den Söhnen, und will weder schonen noch barmherzig sein und sie ohne Mitleid verderben!“ (Jer 13,12-14).

 

Gericht über Jerusalem:

Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln oder ein Panther seine Flecken? So wenig könnt ihr auch Gutes tun, die ihr ans Böse gewohnt seid. Darum will ich sie zerstreuen wie Spreu, die vom Wind verweht wird in die Wüste. Das soll dein Lohn sein und dein Teil, den ich dir zugemessen habe, spricht der Herr. Weil du mein vergessen hast und dich auf Lügen verläßt, so will ich auch dein Gewand hochheben, daß man deine Schande sichtbar werde. Denn ich habe deine Ehebrecherei gesehen, deine Geilheit, deine freche Hurerei, ja, deine Greuel auf den Höhen und auf im Feld. Weh dir, Jerusalem! Wann wirst du doch endlich rein werden?

Dies ist das Wort, das der Herr zu Jeremia sagte über die große Dürre: Juda liegt jämmerlich da, seine Städte sind verschmachtet. Sie sitzen trauernd auf der Erde, und in Jerusalem ist lautes Klagen. Die Großen schicken ihre Leute nach Wasser. Aber wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen ihre Gefäße leer zurück, sie sind traurig und betrübt und verhüllen ihre Häupter.

So spricht der Herr von diesem Volk: Sie laufen gern hin und her und schonen ihre Füße nicht. Darum hat der Herr keinen Gefallen an ihnen, sondern er denkt nun an ihre Missetat und will ihre Sünden strafen. Und der Herr sprach zu mir: „Du sollst nicht für dies Volk um Gnade bitten. Denn wenn sie auch fasten, so will ich doch ihr Flehen nicht erhören. Und wenn sie auch Brandopfer und Speisopfer bringen, so gefallen sie mir doch nicht, sondern ich will sie durch Schwert, Hunger und Pest aufreiben!“

Da sprach ich: „Ach Herr, die Propheten sagen ihnen: Ihr werdet das Schwert nicht sehen und keine Hungersnot bei euch haben, sondern ich will euch beständigen Frieden geben an diesem Ort!“ Aber der Herr sprach zu mir: „Diese Propheten weissagen Lüge in meinem Namen, Ich habe sie nicht gesandt und ihnen nichts befohlen und nicht zu ihnen geredet. Sie predigen euch falsche Offenbarungen, nichtige Wahrsagung und ihres Herzens Trug.

Herr, wir erkennen unser gottloses Wesen und die Missetat unsrer Väter, denn wir haben gegen dich gesündigt. Aber um deines Namens willen verwirf uns nicht! Laß den Thron deiner Herrlichkeit nicht verspottet werden. Denke doch an deinen Bund mit uns und laß ihn nicht aufhören. Ist denn unter Götzen der Andersgläubigen einer, der Regen geben könnte? Du bist doch der Herr, unser Gott, auf den wir hoffen, denn du hast das alles gemacht!

Der Herr sprach zu mir: Und wenn auch Mose und Samuel vor mir stünden, so habe ich doch kein Herz für dies Volk. Treibe sie weg von mir und laß sie weggehen! Und wenn sie zu dir sagen: „Wo sollen wir hin?“ so sprich zu ihnen: „So spricht der Herr: Wen der Tod trifft, den treffe er. Wen das Schwert trifft, den treffe es. Wen der Hunger trifft, den treffe er. Wen die Gefangenschaft trifft, den treffe sie (Jer 13,15 - 15,9, gekürzt).

 

Die Klage des Propheten über sein Amt:

Weh mir meine Mutter, daß du mich geboren hast, gegen den jedermann hadert und streitet im ganzen Land! Habe ich doch weder gegen Wucherzinsen ausgeliehen noch hat man mir geliehen, doch flucht mir jedermann.……… Ach Herr, du weißt es. Gedenke an mich und nimm dich meiner an und räche mich aus meinen Verfolgungen! Laß mich nicht hinweggerafft werden, während du deinen Zorn über sie noch zurückhältst. Denn du weißt, daß ich um deinetwillen geschmäht werde. Dein Wort ward mir Speise, sooft ich es empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost, denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, Herr, Gott Zebaoth.

Ich habe mich nicht zu den Fröhlichen gesellt noch mich mit ihnen gefreut, sondern ich saß einsam, gebeugt von deiner Hand, denn du hattest mich erfüllt mit Grimm. Warum währt doch mein Leiden so lange und meine Wunden so schlimm, daß sie niemand heilen kann? Du bist mir geworden wie eine trügerische Quelle, die nicht mehr quellen will. Darum spricht der Herr: „Wenn du dich zu mir hältst, so will ich mich zu dir halten, und du sollst mein Prediger bleiben. Und wenn du recht redest und nicht leichtfertig, so sollst du mein Mund sein. Sie sollen sich zu dir kehren, doch du kehre dich nicht zu ihnen.

Denn ich mache dich gegen dies Volk zur felsenfesten Mauer. Wenn sie gegen dich streiten, sollen sie dir doch nichts anhaben, denn ich bin bei dir, daß ich dir helfe und dich errette, spricht der Herr, und ich will dich erretten aus der Hand der Bösen und erlösen aus der Hand der Tyrannen (Jer 15,10-21, gekürzt).

 

Jeremias Einsamkeit:

Und des Herrn Wort erreichte mich und sprach: „Du sollst dir keine Frau nehmen und weder Söhne noch Töchter zeugen an diesem Ort. Denn so spricht der Herr von den Söhnen und Töchtern, die an diesem Ort geboren werden, und von ihren Müttern, die sie gebären, und von ihren Vätern, die sie zeugen in diesem Land: Sie sollen an bösen Krankheiten sterben und nicht beklagt noch begraben werden, sondern sollen Dung werden auf dem Acker. Durch Schwert und Hunger sollen sie umkommen, und ihre Leichname sollen den Vögeln des Himmels und der Tiere des Feldes zum Fraß werden!“

Denn so spricht der Herr: „Du sollst in kein Trauerhaus gehen, weder um zu klagen noch um zu trösten. Denn ich habe meinen Frieden von diesem Volk weggenommen, die Gnade und Barmherzigkeit. Große und Kleine sollen sterben in diesem Land und nicht begraben noch beklagt werden, und niemand wird sich ihretwegen wundritzen oder kahl scheren!“……

Und wenn du das alles diesem Volk gesagt hast und sie zu dir sprechen werden: „Warum kündet uns der Herr all dies Unglück an? Was ist die Missetat und Sünde, mit der wir gegen den Herrn gesündigt haben?“ sollst du ihnen sagen: „Weil eure Väter mich verlassen haben, und andern Göttern nachgelaufen sind, ihnen gedient und sie angebetet haben, mich aber verlassen und mein Gesetz nicht gehalten haben, und ihr noch ärger tut als eure Väter. Denn siehe, ein jeder lebt nach seinem verstockten und bösen Herzens, so daß er mir nicht gehorcht!“ (Jer 16, 1-13, gekürzt).

 

Heil und Gericht für Israel:

Aber es kommt die Zeit, spricht der Herr, daß man nicht mehr sagen wird: „So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!“ sondern: „So wahr der Herr lebt, der die Israeliten geführt hat aus dem Land des Nordens und aus allen Ländern, wohin er sie verstoßen hatte!“ Denn ich will sie zurückbringen in das Land, das ich ihren Vätern gegeben habe.

Siehe, ich will viele Fischer aussenden, die sollen sie fischen. Und danach will ich viele Jäger aussenden, die sollen sie fangen auf allen Bergen und auf allen Hügeln und in allen Felsenklüften. Denn meine Augen sehen auf alle ihre Wege, daß sie sich vor mir nicht verstecken können, und ihre Missetat ist vor meinen Augen nicht verborgen.

Aber zuvor will ich ihre Missetat und Sünde zweifach vergelten, weil sie mein Land mit ihren toten Götzen unrein gemacht haben und mein Erbe mit Greueln angefüllt haben. Herr, du bist meine Stärke und Kraft und meine Zuflucht in der Not. Die Völker werden zu dir kommen von den Enden der Erde und sagen: „Nur Lüge haben unsre Väter gehabt und nichtige Götter, die nichts helfen können!“ Wie kann ein Mensch sich Götter machen? Das sind doch keine Götter! Darum siehe, diesmal will ich sie lehren und meine Kraft und Gewalt ihnen kundtun, daß sie erfahren sollen: „Ich heiße der Herr!“ (Jer 16,14-21).

 

Gottes gerechte Vergeltung:

Die Sünde Judas ist geschrieben mit eisernem Griffel und mit diamantener Spitze eingegraben auf die Tafel ihres Herzens gegraben und auf die Hörner an ihren Altären, denn ihre Söhne denken an ihre Altäre und Ascherabilder unter den grünen Bäumen und auf den hohen Hügeln. Aber ich will deine Opferhöhen auf den Bergen und Feldern samt deiner Habe und allen deinen Schätzen zum Raub geben, um der Sünde willen, in deinem ganzen Gebiet begangen ist. Und du sollst aus deinem Erbe verstoßen werden, das ich dir gegeben habe, und ich will dich zu Sklaven deiner Feinde machen in einem Lande das du nicht kennst. Denn ihr habt ein Feuer meines Zorns angezündet, das ewig brennen wird.

So spricht der Herr: „Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verläßt und hält Fleisch für seinen Arm, und weicht mit seinem Herzen vom Herrn. Der wird sein wie ein Dornstrauch in der Wüste und wird nicht sehen das kommende Gute, sondern er wird bleiben in der Dürre der Wüste, in einem unfruchtbaren Land, wo niemand wohnt. Gesegnet aber ist der Mann, der sich auf den Herrn verläßt und dessen Zuversicht der Herr ist. Der ist wie ein Baum am Wasser, der seine Wurzeln zum Bach hinstreckt. Auch wenn die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün, und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern er bringt ohne Aufhören seine Früchte.

Es ist das Herz ein trotzig und verzagtes Ding, wer kann es ergründen? Ich, der Herr, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun, nach den Früchten seiner Werke. Wie ein Vogel, der sich über fremde Eier setzt, so ist der, der unrecht Gut sammelt. Denn er muß davon, wenn er es am wenigsten denkt, und muß zuletzt noch Spott dazu haben!“

Aber die Stätte unsres Heiligtums ist der Thron der Herrlichkeit, erhaben von Anbeginn. Denn du Herr, bist die Hoffnung Israels. Alle, die dich verlassen, müssen zuschanden werden, und die Abtrünnigen müssen auf die Erde geschrieben werden, denn sie verlassen den Herrn, die Quelle des lebendigen Wassers (Jer 17,1-13).

 

Jeremias Gebet in Anfechtung:

Heile du mich, Herr, so werde ich heil, hilf du mir, so ist mir geholfen, denn du bist mein Ruhm. Siehe, sie sprechen zu mir: „Wo ist denn des Herrn Wort? Laß es doch kommen!“ Aber ich habe dich nie gedrängt, Unheil kommen zulassen, auch habe ich den bösen Tag nicht herbeigewünscht, das weißt du. Was ich gepredigt habe, das liegt offen vor dir. Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Not! Laß sie zuschanden werden, die mich verfolgen, und laß mich nicht zuschanden werden. Laß sie erschrecken, und mich nicht. Laß den Tag des Unheils über sie kommen und zerschlage sie zweifach! (Jer 17,14-18)

 

Die Beachtung des Feiertags:

So sprach der Herr zu mir: Geh hin und tritt unter das Tor des Volks, durch das die Könige Judas aus und ein gehen, und unter alle Tore in Jerusalem, und sprich zu ihnen: Hört des Herrn Wort, ihr Könige Judas und ganz Juda und alle Einwohner Jerusalems, die durch diese Tore gehen. So spricht der Herr: „Hütet euch und tragt keine Last am Feiertag durch die Tore hinein nach Jerusalem und tragt keine Last am Feiertag aus euren Häusern und tut keine Arbeit, sondern haltet den Feiertag heilig, wie ich euren Vätern geboten habe!“ …….

Sie sollen kommen aus den Städten Judas und aus der Gegend um Jerusalem, und aus dem Land Benjamin, aus dem Hügelland und vom Gebirge und vom Südland, um Brandopfer, Schlachtopfer, Speisopfer und Weihrauch zum Haus des Herrn zu bringen. Werdet ihr mich aber nicht auf mein Gebot hören, den Feiertag heilig zu halten und keine Last an ihm zu tragen durch die Tore Jerusalems, so will ich ein Feuer unter ihren Toren anzünden, das die festen Häuser Jerusalems verzehrt und nicht gelöscht werden kann (Jer 17,19-27, gekürzt).

 

Das Gleichnis vom Töpfer:

Dies ist das Wort, das Jeremia erreichte vom Herrn, der sprach: „Mache dich auf und geh hinab in das Haus des Töpfers. Dort will ich dich meine Worte hören lassen!“ Und ich ging hinab in das Haus des Töpfers, und siehe, er arbeitete gerade auf der Scheibe. Aber der Topf, den er aus dem Ton machte, mißriet ihm unter den Händen. Da machte er einen andern Topf daraus, wie es ihm gefiel.

Da sprach der Herrn zu mir: „Kann ich nicht ebenso mit euch umgehen, ihr vom Volk Israel, wie dieser Töpfer? Siehe, wie der Ton ist in der Hand des Töpfers, so seid auch ihr vom Volk Israel in meiner Hand. Bald rede ich über ein Volk und Königreich, daß ich es ausreißen und zerstören will. Wenn es sich aber bekehrt von seiner Bosheit, gegen die ich rede, so reut mich auch das Unglück, das ich ihm zu tun gedachte. Bald rede ich über ein Volk und Königreich, daß ich es bauen und pflanzen will. Wenn es aber tut, was mir mißfällt, so reut mich auch das Gute, das ich ihm zu tun verheißen hatte….. (Jer 18,1-17, am Schluß gekürzt)

 

Jeremias Gebet gegen seine Feinde:

Sie sprechen: „Kommt und laßt uns gegen Jeremia Böses planen, denn dem Priester wird es nicht fehlen an Weisung, noch dem Weisen am Rat noch dem Propheten am Wort! Kommt her, laßt uns ihn mit seinen eigene Worten schlagen und nichts geben auf alle seine Reden!“ Herr, hab acht auf mich und höre die Stimme meiner Widersacher! Ist es recht, daß man Gutes mit Bösem vergilt? Denn sie haben mir eine Grube gegraben. Gedenke doch, wie ich vor dir gestanden habe, um für sie zum Besten zu reden und deinen Grimm von ihnen abzuwenden.

 

So strafe nun ihre Kinder mit Hunger und gib sie dem Schwert preis, daß ihre Frauen kinderlos und Witwen seien und ihre Männer vom Tod getroffen und ihre junge Mannschaft im Krieg durchs Schwert getötet werde (Jer 18,18-23, am Schluß gekürzt).

 

Gleichnishandlung: Der zerschmetterte Krug:

So sprach der Herr: Geh hin und kaufe dir einen irdenen Krug vom Töpfer, und niemand mit dir einige von den Ältesten des Volks und von den Ältesten der Priester, und gehe hinaus ins Tal Ben-Hinnom, und predige dort die Worte, die ich dir sage, und sprich: „Hört des Herrn Wort, ihr Könige Judas und Bürger Jerusalems! So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will ein solches Unheil über diese Stätte bringen, daß jedem, der es hören wird, die Ohren gellen sollen. Denn sie haben mich verlassen und diese Stätte einem fremden Gott gegeben und dort anderen Göttern geopfert, die weder sie noch ihre Väter noch die Könige Judas kannten. Sie haben diese Stätte voll unschuldigen Bluts gemacht und haben dem Baal auch Höhenheiligtümer gebaut, um dort ihre Kinder als Brandopfer für den Gott Baal zu verbrennen, was ich ihnen weder geboten noch geredet habe und was mir nie in den Sinn gekommen ist.

Es wird die Zeit kommen, daß man diese Stätte nicht mehr „Guttal“ noch „Tal Ben-Hinnom“ nennen wird, sondern „Würgetal“. Und ich will den Gottesdienst Judas und Jerusalems an diesem Ort zunichte machen und will sie durchs Schwert fallen lassen vor ihren Feinden und von der Hand derer, die ihnen nach ihrem Leben trachten, und will ihre Leichname den Vögeln des Himmels und den Tieren auf Erden zu fressen geben……

Du sollst den Krug zerbrechen vor den Augen der Männer, die mit dir gegangen sind, und zu ihnen sagen: „So spricht der Herr Zebaoth: Wie man das Gefäß eines Töpfers zerbricht, daß es nicht wieder ganz werden kann, so will ich dies Volk und diese Stadt auch zerbrechen. Man wird im Guttal begraben, weil sonst kein Raum mehr dafür da sein wird!“ (Jer 19,1-13, gekürzt).

 

Mißhandlung Jeremias durch Paschur und die Last des Prophetenamtes:

Als Jeremia vom Guttal zurückkam, trat er in den Vorhof am Haus des Herrn und sprach zu allem Volk: „So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will über diese Stadt und über alle ihre Ortschaften all das Unheil kommen lassen, das ich gegen sie geredet habe, weil sie halsstarrig sind und meine Worte nicht hören wollen!“ Als aber der Oberpriester Paschur hörte, wie Jeremia solche Worte weissagte, schlug er den Propheten Jeremia und schloß ihn mit den Füßen ein in den Holzblock am oberen Benjamintor, das am Haus des Herrn ist.

Am anderen Morgen ließ Paschur den Jeremia aus dem Block los. Da sprach Jeremia zu ihm: „Der Herr heißt dich nicht Paschur, sondern „Schrecken um und um“. Denn so spricht der Herr: „Siehe, ich will dich zum Schrecken machen für dich selbst und alle deine Freunde, und sie sollen fallen durchs Schwert ihrer Feinde, und du sollst es mit eigenen Augen sehen. Ich will ganz Juda in die Hand des Königs von Babel geben. Der soll sie wegführen nach Babel und mit dem Schwert töten. Auch will ich alle Güter dieser Stadt und allen Ertrag ihrer Arbeit und alle Kleinode und alle Schätze der Könige Judas in die Hand ihrer Feinde geben. Sie sollen sie rauben, mitnehmen und nach Babel bringen. Und du, Paschur, sollst mit allen deinen Hausgenossen gefangen weggeführt werden und nach Babel kommen. Dort sollst du sterben und begraben werden samt allen deinen Freunden, denen du Lügen gepredigt hast!“(Jer 19,14 - 20,18).

 

Die Last des Prophetenamts:

Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen. Aber ich bin dabei zum täglichen Spott geworden, und jeder verlacht mich. Denn sooft ich rede, muß ich schreien „Frevel und Gewalt!“Denn des Herrn Wort ist mir täglich zum Hohn und Spott geworden.

Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es wurde in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Gebeinen verschlossen, daß ich es nicht mehr ertragen konnte, ich und wäre fast vergangen. Denn ich höre, wie viele heimlich reden:“Schrecken ist um und um!“ und „Verklagt ihn!“ und „Wir wollen ihn verklagen!“ Alle meine Freunde und Helfer lauern, ob ich nicht falle: „Vielleicht läßt er sich überlisten, daß wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen!“ Aber der Herr ist bei mir wie ein starker Held. Darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen. Sie müssen ganz zuschanden werden, weil es ihnen nicht gelingt. Ewig wird ihre Schande sein und nie vergessen werden (Jer 20, 7-18, am Schluß gekürzt).

 

Worte an die Führenden: Ansage des Exils! (Kapitel 21-25):

Jeremia kündet die Zerstörung Jerusalems an:

Dies ist das Wort, das Jeremia vom Herrn erreichte, als der König Zedekia den Hofpropheten Paschur und den Priester Zephanja zu ihm sandte und ihm sagen ließ: „Frage doch den Herrn für uns, denn Nebukadnezar, der König von Babel, führt Krieg gegen uns. Vielleicht wird der Herr doch an uns sein Wunder tun wie so manches Mal, damit Nebukadnezar von uns abzieht!“

Jeremia sprach zu ihnen: „Sagt Zedekia: Das spricht der Herr, der Gott Israels: Siehe, ich will euch zum Rückzug zwingen samt euren Waffen, die ihr in euren Händen habt und mit denen ihr kämpft gegen den König von Babel und gegen die Chaldäer, die euch draußen vor der Mauer belagern, und ich will euch versammeln mitten in dieser Stadt. Ich selbst will gegen euch streiten mit ausgestreckter Hand, mit starkem Arm, mit Zorn und Grimm und ohne Erbarmen. Ich will die Bürger dieser Stadt schlagen, Menschen und Tiere, daß sie sterben sollen durch eine große Pest!“

Weiter spricht der Herr: „Danach will ich Zedekia, den König Judas, samt seinen Großen in die Hände Nebukadnezars geben samt dem Volk, das in dieser Stadt vor der Pest, Schwert und Hunger übriggelassen wird. Ich will sie in die Hände ihrer Feinde geben und in die Hände derer, die ihnen nach dem Leben trachten. Er wird sie schonungslos mit der Schärfe des Schwerts schlagen, ohne Gnade und Erbarmen!“

Und zu diesem Volk sage: „So spricht der Herr: Siehe, ich lege euch vor den Weg zum Leben und den Weg zum Tod. Wer in dieser Stadt bleibt, der wird sterben müssen durch Schwert, Hunger und Pest. Wer aber sich hinausbegibt und überläuft zu den Chaldäern, der soll am Leben bleiben. Denn ich habe mein Angesicht gegen diese Stadt gerichtet zum Unheil und zum Heil. Sie soll dem König von Babel übergeben werden, daß er sie mit Feuer verbrenne!“

Und zum König von Juda sage: „Hört des Herrn Wort, ihr von der Familie des Königs in Juda! So spricht der Herr: Haltet alle Morgen gerechtes Gericht und errettet die Bedrückten aus der Hand des Frevlers, damit nicht mein Grimm wie ein Feuer ausfahre und brenne, ohne daß jemand löschen könne, um eurer bösen Taten willen. Siehe, spricht der Herr, ich will an dich, du Stadt, die du wohnst auf dem Felsen im Tal und sprichst: Wer will uns überfallen oder in unsre Feste kommen? Ich will über euch kommen, nach der Frucht eures Tuns, ich will in ihrem Wald ein Feuer anzünden, das alles umher verzehren soll!“ (Jer 21).

 

Worte gegen die Könige Judas:

So spricht der Herr: „Geh hinab in das Haus des Königs in Juda und rede dort dies Wort und sprich: Höre des Herrn Wort, du König von Juda auf dem Thron Davids, du und deine Großen und dein Volk, die durch diese Tore eingehen. So spricht der Herr: Schafft Recht und Gerechtigkeit, und errettet den Bedrückten von der Hand des Frevlers, und bedrängt nicht die Fremdlinge, Waisen und Witwen, und tut niemand Gewalt an, und vergießt nicht unschuldiges Blut an dieser Stätte!“

Denn so spricht der Herr über Schallum, den Sohn Josias: „Der von dieser Stätte fortgezogen ist, wird nicht wieder herkommen, sondern er muß sterben an dem Ort, wohin er gefangen geführt ist, und er wird dieses Land nicht mehr sehen. Weh dem, der sein Haus mit Sünden baut und seine Gemächer mit Unrecht, der seinen Nächsten umsonst arbeiten läßt und gibt ihm seinen Lohn nicht!“.....…. Der Herr spricht über Jojakim, den Sohn Josias: „Man wird ihn nicht beklagen. Er soll wie ein Esel begraben werden, fortgeschleift und hinausgeworfen vor die Tore Jerusalems!“

So wahr ich lebe, spricht der Herr, wenn Konja, der Sohn Jojakims, ein Siegelring wäre an meiner rechten Hand, so wollte ich dich doch abreißen und in die Hände derer geben, die dir nach dem Leben trachten und vor denen du dich fürchtest, in die Hände Nebukadnezars und der Chaldäer. Ich will dich und deine Mutter in ein anderes Land treiben, das nicht euer Vaterland ist, und dort sollt ihr sterben. O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort! ……… (Jer 22, gekürzt).

 

Gegen die bösen Hirten und Propheten:

Weh euch Hirten, die ihr die Herde meiner Weide umkommen laßt und zerstreut! Darum spricht der Herr von den Hirten, die mein Volk weiden: „Ihr habt meine Herde zerstreut und verstoßen und nicht nach ihr gesehen. Siehe, ich will euch strafen um eures bösen Wesens willen. Ich will die Übriggebliebenen meiner Herde sammeln aus allen Ländern, wohin ich sie verstoßen habe, und will sie wiederbringen zu ihren Weideplätzen, daß sie wachsen sollen und viel werden. Und ich will Hirten über sie setzen, die sie weiden sollen, daß sie sich nicht mehr fürchten noch erschrecken noch gestraft werden. Siehe, es kommt die Zeit, daß ich dem David einen gerechten Sproß erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren wird und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird!“

Propheten und Priester sind ruchlos, auch in meinem Haus finde ich ihre Bosheit. Darum ist ihr Weg wie ein glatter Weg, auf dem sie im Finstern ausgleiten und fallen, denn ich will Unglück über sie kommen lassen, ein Jahr ihrer Strafe. Auch bei den Propheten in Samaria sah ich Törichtes, daß sie weissagten im Namen des Gottes Baal und verführten mein Volk Israel. Aber bei den Propheten in Jerusalem sehe ich Greuel, wie sie ehebrechen und mit Lügen um­hergehen und stärken die Boshaften, damit sich ja niemand bekehre von seiner Bosheit........

So spricht der Herr Zebaoth: „Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen. Sie betrügen euch, denn sie verkünden euch Gesichte aus sich selbst heraus und nicht aus dem Mund des Herrn.

Sie sagen denen, die des Herrn Wort verachten: „Es wird euch wohl gehen“, und allen, die nach ihrem verstockten Herzen leben, sagen sie: „Es wird kein Unglück über euch kommen!"

Aber wer hat im Rat des Herrn gestanden, daß er sein Wort gesehen und gehört hätte? Wer hat sein Wort vernommen und gehört? ......Ich sandte die Propheten nicht, doch laufen sie. Ich redete nicht zu ihnen, doch weissagen sie. Denn wenn sie bei meinem Rat gestanden hätten, so hätten sie meine Worte meinem Volk gepredigt, um es von seinem bösen Leben und von seinem bösen Tun zu bekehren.

Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, und nicht auch ein Gott, der ferne ist? Meinst du, daß sich jemand so heimlich verbergen könne, daß ich ihn nicht sehe? Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt?

Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume. Wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen? spricht der Herr. Ist mein Wort nicht wie Feuer, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt? Darum will ich an die Propheten, die mein Wort stehlen einer vom andern…(Jer 23, gekürzt).

 

Zeichenhandlung: Zwei Feigenkörbe:

Siehe, der Herr zeigte mir zwei Feigenkörbe, aufgestellt vor dem Tempel des Herrn, nachdem Nebukadnezar weggeführt hatte den König Jechonja samt den Großen Judas und den Zimmerleuten und Schmieden und sie von Jerusalem nach Babel gebracht hatte. In dem einen Korb waren sehr gute Feigen, wie die ersten reifen Feigen sind. Im andern Korb waren sehr schlechte Feigen, daß man sie nicht essen konnte, so schlecht waren sie. Und der Herr sprach zu mir: „Jeremia, was siehst du?“ Ich sprach: „Feigen! Die guten Feigen sind sehr gut, und die schlechten sind sehr schlecht, daß man sie nicht essen kann, so schlecht sind sie!“

Da sprach Gott zu mir: „Wie auf diese guten Feigen will ich sehen auf die Weggeführten aus Juda, die ich von dieser Stätte habe ausziehen lassen in das Land der Chaldäer. Ich will sie gnädig ansehen und sie wieder in dies Land bringen, und will sie bauen und nicht verderben, ich will sie pflanzen und nicht ausreißen. Ich will ihnen ein Herz geben, daß sie mich erkennen sollen, daß ich der Herr bin. Sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Von ganzem Herzen werden sie sich zu mir bekehren.

Aber wie die schlechten Feigen so schlecht sind, daß man sie nicht essen kann, so will ich König Zedekia dahingeben samt seinen Großen und allen, die übriggeblieben sind in Jerusalem und in diesem Land und die in Ägypten wohnen. Ich will sie zum Bild des Entsetzens machen für alle Königreiche auf der Erde, zum Spott und zum Sprichwort, zum Hohn und zum Fluch an allen Orten, wohin ich sie verstoßen werde. Ich will Schwert, Hunger und Pest unter sie schicken, bis sie ganz vertilgt sind aus dem Land, das ich ihnen und ihren Vätern gegeben habe (Jer 24).

 

Ansage des Exils:

Dies ist das Wort über das ganze Volk Juda, das Jeremia erreichte im vierten Jahr des Königs Jojakim (im ersten Jahr Nebukadnezars, des Königs zu Babel): Im dreizehnten Jahr des Königs Josia erreicht mich des Herrn Wort bis auf diesen Tag, und ich habe euch nun dreiund­zwanzig Jahre immer wieder gepredigt, aber ihr habt nie hören wollen. Der Herr immer wieder alle seine Propheten zu euch gesandt. Aber ihr habt nie hören wollen noch eure Ohren mir nie zugekehrt und mir nicht gehorcht, wenn er sprach: „Bekehrt euch, ein jeder von seinem bösen Wesen, so sollt ihr in dem Land, das der Herr euch und euren Vätern gegeben hat, immer und ewig bleiben. Folgt nicht andern Göttern, um ihnen zu dienen und sie anzubeten, und erzürnt mich nicht durch eurer Hände Werk, damit ich euch nicht Unglück zufügen muß!“

Aber ihr wolltet mir nicht gehorchen und habt mich erzürnt durch eurer Hände Werk zu eurem eigenen Unglück. Darum so spricht der Herr Zebaoth: „Weil ihr denn meine Worte nicht hören wollt, siehe, so will ich ausschicken und kommen lassen alle Völker des Nordens, auch meinen Diener Nebukadnezar, und will sie bringen über dies Land und über seine Bewohner und über alle umliegenden Völker, und will an ihnen den Bann vollstrecken und sie zum Bild des Entsetzens und zum Spott und zur ewigen Wüste machen. Ich will wegnehmen allen fröhlichen Gesang, die Stimme des Bräutigams und der Braut, das Geräusch der Mühle und das Licht der Lampe, so daß dies ganze Land wüst und zerstört liegen soll. Diese Völker sollen dem König von Babel siebzig Jahre dienen. Wenn aber die siebzig Jahre um sind, will ich den König von Babel strafen und dies Volk, um ihrer Missetat willen, dazu das Land der Chaldäer, und will es zur ewigen Wüste machen!“

So sprach zu mir der Herr, der Gott Israels: „Nimm diesen Becher mit dem Wein meines Zorns aus meiner Hand und laß daraus trinken alle Völker, zu denen ich dich sende, daß sie trinken, taumeln und toll werden vor dem Schwert, das ich unter sie schicken will!“

Und ich nahm den Becher aus der Hand des Herrn und ließ daraus trinken alle Völker, zu denen mich der Herr sandte, nämlich nach Jerusalem und den Städten Judas, zu dem König in Ägypten, zu allem Mischvolk, allen Königen im Lande Uz, allen Königen im Philisterland, zu denen in Edom und Moab, zu den Ammonitern, zu allen Königen in Tyrus und Sidon, den Königen auf den Inseln jenseits des Meers, zu allen Königen in Arabien, allen Königen im Westen und Norden und zu allen Königen auf der Erde und vielen anderen.

Sprich zu ihnen: „So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Trinkt, daß ihr trunken werdet, erbrecht euch, daß ihr niederfallt und nicht aufstehen könnt vor dem Schwert, das ich unter euch schicken will!“ Und wenn sie den Becher nicht aus deiner Hand nehmen wollen und nicht trinken wollen, so sprich zu ihnen: „So spricht der Herr Zebaoth: Ihr müßt trinken!“… (Jer 25, gekürzt).

 

Erster Schülerbericht: Das Schicksal Jeremias (Kapitel 26-29):

[Hier schildert der Schüler Baruch das Schicksal Jeremias und gibt dabei weitere Informationen, die über das von Jeremia Geschriebene hinausgeht. Vor allem wird Jeremia im Konflikt mit anderen Propheten gezeigt, vor allem dem Hofpropheten Hananja].

Nach der Predigt Jeremias im Tempel („Es wird diesem Haus gehen wie Silo, daß niemand mehr darin wohnen wird!“, vgl. Kapitel 7) gingen die Oberen Judas aus dem Haus des Königs hinauf ins Haus des Herrn und setzten sich vor das neue Tor. Und die Priester und Propheten sprachen vor den Oberen und allem Volk: „Dieser Mann ist des Todes schuldig, denn er hat geweissagt gegen diese Stadt, wie ihr mit euren Ohren gehört habt!“

Aber Jeremia sprach zu allen Oberen und zu allem Volk: „Der Herr hat mich gesandt, daß ich solches alles, was ihr gehört habt, sollte weissagen gegen dieses Haus und gegen diese Stadt. So bessert nun eure Wege und euer Tun und gehorcht der Stimme des Herrn, dann wird den Herrn auch gereuen das Übel, das er gegen euch geredet hat. Siehe, ich bin in euren Händen. Ihr könnt mit mir machen, wie es euch recht und gut dünkt. Doch sollt ihr wissen: Wenn ihr mich tötet, so werdet ihr unschuldig Blut auf euch laden auf euch selbst, auf diese Stadt und ihre Einwohner. Denn der Herr hat mich zu euch gesandt, daß ich dies alles vor euren Ohren reden soll!“

Da sprachen die Oberen und das ganze Volk zu den Priestern und Propheten: „Dieser Mann ist des Todes nicht schuldig, denn er hat zu uns geredet im Namen des Herrn, unsers Gottes!“

Und es standen auf einige von den Ältesten des Landes und sprachen zu dem versam­mel­ten Volk: „Zur Zeit des Königs Hiskia war der Prophet Micha und sprach zum ganzen Volk Juda: So spricht der Herr Zebaoth: Zion wird wie ein Acker gepflügt werden, und Jerusalem wird zum Steinhaufen werden und der Berg des Tempels zu einer Höhe mit wildem Gestrüpp!“ Doch ließen ihn König Hiskia und das ganze Juda deshalb nicht töten, sondern sie fürchteten vielmehr den Herrn und flehten zu ihm. Da reute auch den Herrn die Plagen, das er ihnen angedroht hatte. Wir aber würden großes Unheil über uns bringen!“(Jer 26, gekürzt)

 

Jeremias Predigt vom Joch Nebukadnezars:

Im Anfang der Herrschaft des Königs Zedekia erreichte Jeremia dies Wort vom Herrn: So spricht der Herr zu mir: Mache dir ein Joch und lege es auf deinen Nacken und schicke Botschaft zu den Königen von Edom, Moab, Ammon, Tyrus und Sidon durch die Boten, die zu Zedekia nach Jerusalem gekommen sind, und befiehl ihnen, daß sie ihren Herren sagen: So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: So sollt ihr euren Herren sagen: Ich habe die Erde gemacht und Menschen und Tiere, die auf der Erde sind, durch meine große Kraft und meinen ausgestreckten Arm und gebe sie, wem ich will. Nun aber habe ich alle diese Länder in die Hand meines Dieners Nebukadnezar gegeben und habe ihm auch die wilden Tiere auf dem Feld untertan gemacht. Und es sollen alle Völker dienen ihm und seinem Sohn und seines Sohnes Sohn, bis auch für sein Land die Zeit kommt, daß er vielen Völkern und großen Königen untertan sein muß.

Das Volk aber und das Königreich, das dem König von Babel nicht untertan sein will, und das seinen Nacken nicht wird unter das Joch des Königs von Babel beugt, das Volk will ich strafen mit Schwert, Hunger und Pest, bis ich sie durch meine Hand umbringe. So hört doch nicht auf eure Propheten, Wahrsager, Traumdeutern, Zeichendeuter und Zauberer, die euch sagen: „Ihr werdet nicht untertan sein müssen dem König von Babel!“ Denn sie weissagen euch Lüge, durch die sie euch aus eurem Lande fortbringen und ich euch verstoße und ihr umkommt. Aber das Volk seinen Nacken unter das Joch des Königs von Babel beugt und ihm untertan ist, das will ich in seinem Land lassen, daß es das Land bebaue und bewohne.……….

So spricht der Herr Zebaoth von den Geräten, die übriggeblieben sind im Haus des Herrn und im Haus des Königs in Juda und zu Jerusalem, von den Säulen und vom Meer und von den Gestellen und von den Geräten, die Nebukadnezar nicht wegnahm, als er König Jechonja von Jerusalem wegführte nach Babel samt allen Vornehmen in Juda und Jerusalem: Sie sollen nach Babel geführt werden und dort bleiben bis auf den Tag, da ich nach ihnen sehe, spricht der Herr, und ich sie zurückbringen lasse an diesen Ort (Jer 27, gekürzt).

 

Jeremia und Hananja:

In demselben Jahr im Anfang der Herrschaft Zedekias, im fünften Monat des vierten Jahres, sprach der Prophet Hananja zu mir im Haus des Herrn in Gegenwart der Priester und des ganzen Volks: „So spricht der Herr Zebaoth der Gott Israels: Ich habe das Joch des Königs von Babel zerbrochen. Ehe zwei Jahre um sind, will ich alle Geräte des Hauses des Herrn wieder an diesen Ort bringen. Auch will ich den König Jechonja, samt allen Gefangenen aus Juda, wieder an diesen Ort bringen, denn ich will das Joch des Königs zu Babel zerbrechen!“

 

Da sprach der Prophet Jeremia zu dem Propheten Hananja in Gegenwart der Priester und des ganzen Volks, die im Haus des Herrn versammelt waren: „Amen! Der Herr tue so! Der Herr bestätige dein Wort, das du geweissagt hast, daß er die Geräte aus dem Haus des Herrn von Babel wieder bringe an diesen Ort samt allen Gefangenen. Doch höre auch dies Wort, das ich vor deinen Ohren rede und vor den Ohren des ganzen Volks: Die Propheten, die vor mir und vor dir gewesen sind von alters her, die haben gegen viel Länder und große Königreiche geweissagt von Krieg, Unheil und Pest. Einen Propheten aber, der von Frieden weissagt, bei dem wird man daran kennen, ob ihn der Herr wahrhaftig gesandt hat, wenn sein Wort erfüllt wird!“

Da nahm Hananja das Joch vom Nacken des Propheten Jeremia und zerbrach es. Und Hananja sprach in Gegenwart des ganzen Volks: „So spricht der Herr: Ebenso will ich zerbrechen das Joch Nebukadnezars, ehe zwei Jahre um sind, vom Nacken aller Völker nehmen!“ Und der Prophet Jeremia ging seines Weges.

Aber des Herrn Wort erreichte Jeremia und sprach: „Geh hin und sage Hananja: So spricht der Herr: Du hast das hölzerne Joch zerbrochen, aber du hast nun ein eisernes Joch seine Stelle gesetzt. Denn so spricht der Herr Zebaoth: Ein eisernes Joch habe ich allen diesen Völkern auf den Nacken gelegt, damit sie Nebukadnezar dienen sollen, und auch die Tiere habe ich ihm gegeben!“

Und der Prophet Jeremia sprach zum Propheten Hananja: „Höre doch, Hananja! Der Herr hat dich nicht gesandt, aber du machst, daß dies Volk sich auf Lügen verläßt. Darum spricht der Herr: Siehe, ich will dich vom Erdboden nehmen: Noch dieses Jahr sollst du sterben, denn du hast sie mit deiner Rede vom Herrn abgewandt!“ So starb der Prophet Hananja im selben Jahr im siebenten Monat (Jer 28, leicht gekürzt).

 

Jeremias Brief an die Gefangenen in Babel:

 Dies sind die Worte in dem Brief, den der Prophet Jeremia sandte von Jerusalem an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, und an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte, durch Eleasa und Gemarja, die König Zedekia nach Babel zu Nebukadnezar sandte: So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, zu allen Weggeführten, die ich habe von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: Baut Häuser und wohnt darin, pflanzt Gärten und eßt ihre Früchte, nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt euren Söhnen Frauen und gebet eure Töchtern Männer, daß sie Söhne und Töchter zur Welt bringen: Vermehrt euch dort, daß ihr nicht weniger werdet. Suchet der Stadt Bestes, in die ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn, denn wenn es ihr wohl geht, so geht es auch euch wohl.

Denn so spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Laßt euch die Propheten, die bei euch sind, und die Wahrsager nicht betrügen und hört nicht auf die Träume, die sie träumen. Denn sie weissagen euch Lüge in meinem Namen. Ich habe sie nicht gesandt, spricht der Herr. Denn so spricht der Herr: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch aufsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, daß ich euch wieder an diesen Ort bringe. Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leidens, daß ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.

Ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden. Denn: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der Herr, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.

Zwar meint ihr, der Herr habe euch auch in Babel Propheten erwecken lassen. Aber so spricht der Herr über den König, der auf Davids Thron sitzt, und über das ganze Volk, das in dieser Stadt wohnt, und über eure Brüder, die nicht mit euch in die Gefangenschaft gezogen sind:: „Siehe, ich will Schwert, Hunger und Pest unter sie schicken und will sie machen wie die schlechten Feigen, davor einen ekelt zu essen, und will hinter ihnen her sein mit Schwert, Hunger und Pest und will sie in zum Bild des Entsetzens machen für alle Königreiche auf der Erde, zum Fluch, zum Grauen, zum Hohn und zum Spott unter allen Völkern, wohin ich sie verstoßen werde, weil sie meinen Worten nicht gehorchten, der ich meine Propheten immer wieder zu euch gesandt hab, aber ihr wolltet nicht hören, spricht der Herr!“ (Jer 29, am Schluß gekürzt).

 

Heilsworte (Kapitel 30 -35):

[Die Rede vom Neuen Bund in Kapitel 31 wird verdeutlicht durch den Ackerkauf in Anatoth. Dies soll zeigen, daß Israel jenseits der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems eine Zukunft hat].

 

Jerusalems Befreiung aus der Gefangenschaft:

Dies ist das Wort, das Jeremia vom Herrn erreichte: So spricht der Herr, der Gott Israels: Schreibe dir alle Worte in ein Buch, die ich zu dir rede. Denn siehe, es kommt die Zeit, daß ich das Geschick meines Volkes Israel und Juda wenden will, und ich will sie wiederbringen in das Land, das ich ihren Vätern gegeben habe, daß sie es besitzen sollen…………

Es soll geschehen zu derselben Zeit, daß ich das Joch auf deinem Nacken zerbrechen will und deine Bande zerreißen. Sie werden nicht mehr den Fremden dienen, sondern dem Herrn und ihrem König David, den ich ihnen erwecken will. Darum fürchte du dich nicht, mein Diener Jakob, und entsetze dich nicht Israel. Denn siehe, ich will dich erretten aus fernen Landen und deine Nachkommen aus dem Land der Gefangenschaft, daß Jakob soll zurückkommen soll, in Frieden und Sicherheit leben und niemand soll ihn schrecken. Denn ich bin bei dir, daß ich dir helfe. Denn ich will mit allen Völkern ein Ende machen, unter die ich dich zerstreut hab. Aber mit dir will ich nicht ein Ende machen. Ich will dich mit Maßen züchtigen, doch ungestraft kann ich dich nicht lassen………..

Ich will dich wieder gesund machen und deine Wunden heilen, weil man dich nennt „die Verstoßene“ und „Zion, nach der niemand fragt“. So spricht der Herr: Siehe, ich will das Ge­schick der Hütten Jakobs wenden und mich über seine Wohnungen erbarmen, und die Stadt soll wieder auf ihre Hügel gebaut werden, und die Burg soll stehen an ihrem rechten Platz…. Und ihr sollt mein Volk sein, und ich will euer Gott sein (Jer 30, gekürzt).

 

Die Verheißung des neuen Bundes:

Zu derselben Zeit, spricht der Herr, will ich der Gott aller Sippen Israels sein, und sie sollen mein Volk sein. So spricht der Herr: Das Volk, das dem Schwert entronnen ist, hat Gnade gefunden in der Wüste, Israel zieht hin zu seiner Ruhe. Der Herr ist mir erschienen von ferne: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.

Wohlan, ich will dich wieder aufbauen, du jung Frau Israel. Du sollst dich wieder fröhlich schmücken, Pauken schlagen und herausgehen zum Tanz. Du sollst wieder Weinberge pflanzen an den Bergen Samarias, pflanzen wird man sie und ihre Früchte genießen.……..

So spricht der Herr: Man hört Klagegeschrei und bitteres Weinen in Rama: Rahel weint über ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen, denn es ist aus mit ihren Kindern.

Aber so spricht der Herr: Laß dein Schreien und Weinen und die Tränen deiner Augen, denn deine Mühe wird noch belohnt werden: Sie sollen wiederkommen aus dem Land des Feindes und deine Nachkommen haben viel Gutes zu erwarten, spricht der Herr; denn deine Söhne sollen wieder in ihre Heimat kommen.

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, daß ich das Haus Israel und das Haus Juda besäen will mit Menschen und mit Vieh. Und wie ich über sie gewacht habe, um sie auszureißen und einzureißen, zu verderben und zu zerstören, so will ich über sie wachen, um zu bauen und zu pflanzen, spricht der Herr. Zu derselben Zeit wird man nicht mehr sagen: „Die Väter haben saure Trauben gegessen, und den Kindern sind Zähne stumpf geworden“. Sondern ein jeder soll um seiner Schuld willen sterben, und wer saure Trauben gegessen hat, dem sollen seine Zähne stumpf werden.

Siehe, es kommt die Zeit, da will ich mit dem Volk Israel und mit dem Volk Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloß, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten zu führen, ein Bund sie nicht eingehalten haben, obwohl ich ihr Herr war. Sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Volk Israel machen will nach dieser Zeit: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern, noch ein Bruder den andern lehren und sagen: „Erkenne den Herrn“, sondern sie werden mich alle erkennen, beide, klein und groß. Denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und nicht mehr an ihre Sünden denken (Jer 31, gekürzt).

 

Der Ackerkauf:

Dies ist das Wort, das Jeremia erreichte im zehnten Jahr des Königs Zedekia (das ist das achtzehnte Jahr Nebukadnezars). Damals belagerte das Heer des Königs von Babel die Stadt Jerusalem. Der Prophet Jeremia lag gefangen im Wachthof am Haus des Königs von Juda, wo König Zedekia ihn hatte gefangensetzen lassen, indem er sagte: „Warum weissagst du und sprichst: So spricht der Herr: Siehe, ich gebe diese Stadt in die Hände des Königs von Babel, und er soll sie erobern, und Zedekia, soll den Chaldäern nicht entrinnen, sondern ich will ihn dem König von Babel in die Hände geben, daß er von Mund zu Mund mit ihm reden und mit seinen eigenen Augen ihn sehen soll?“ ……

Jeremia sprach: Es ist das Wort des Herrn zu mir gekommen: Siehe der Sohn deines Onkels wird zu dir kommen und sagen: „Kaufe du meinen Acker in Anatoth, denn dir kommt es als Erstem zu, ihn einzulösen und zu kaufen!“ So kam der Sohn meines Onkels zu mir in den Wachthof und sprach zu mir: „Kaufe doch meinen Acker in Anatoth, denn dir kommt es zu, ihn zu erwerben und einzulösen!“

Da merkte ich, daß es des Herrn Wort war, und kaufte den Acker in Anatoth vom Sohn meines Onkels, und wog ihm das Geld ab, siebzehn Silberstücke. Ich schrieb einen Kaufbrief und versiegelte ihn und nahm Zeugen dazu und wog das Geld ab auf einer Waage. Und ich nahm den versiegelten Kaufbrief und eine offene Abschrift, und gab beide an Baruch, in Gegenwart meines Vetters, und der Zeugen, die unter dem Kaufbrief geschrieben standen, und alle Ju­däer, die sich im Wachthof befanden.

Und ich befahl Baruch vor ihren Augen und sprach: „So spricht der Herr Zebaoth: Nimm diese Briefe, den versiegelten Kaufbrief samt dieser offenen Abschrift, und lege sie in ein irdenes Gefäß, daß sie lange erhalten bleiben. Denn so spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Man wird wieder Häuser, Äcker und Weinberge kaufen in diesem Land…….(Jer 32, gekürzt, besonders am Schluß).

Wiederherstellung Jerusalems und Judas:

Und des Herrn Wort erreichte Jeremia zum zweitenmal, als er noch im Wachthof gefangen war: So spricht der Herr: ….Siehe, ich will sie heilen und gesund machen und will ihnen dauernden Frieden gewähren. Denn ich will das Geschick Judas und das Geschick Israels wenden und will sie bauen wie am Anfang und will sie reinigen von aller Missetat, mit der sie gegen mich gesündigt haben. Ich will ihnen vergeben alle Missetaten, mit denen sie gegen mich gesündigt und gefrevelt haben!………..

So spricht der Herr Zebaoth: An diesem Ort, der so wüst ist, daß weder Leute noch Vieh darin sind, und in allen ihren Städten werden dennoch wieder Auen sein für die Hirten, die die Herden weiden. In Städten auf dem Gebirge und in Städten des Hügellandes und in Städten des Südlandes, um Jerusalem herum und in Städten Judas sollen wieder die Herden gezählt aus- und eingehen, spricht der Herr.

Siehe, es kommt die Zeit, daß ich das gnädige Wort erfüllen, das ich zum Volk Israel und zum Volk Hause Juda geredet habe. In jenen Tagen und zu jener Zeit will ich dem David einen gerechten Sproß aufgehen lassen, und er soll Recht und Gerechtigkeit schaffen im Land. In dieser Zeit soll Juda geholfen werden und Jerusalem sicher wohnen, und man wird es nennen: „Der Herr unsre Gerechtigkeit“. Denn so spricht der Herr: Es soll David niemals fehlen an einem, der auf dem Thron Davids sitzt! (Jer 33, gekürzt).

 

König Zedekia vor der Entscheidung:

Dies ist das Wort, das Jeremia vom Herrn erreichte, als König Nebukadnezar samt seinem Heer und allen Völkern auf der Erde, die unter seiner Gewalt waren, die Stadt Jerusalem und alle ihre umliegenden Ortschaften belagerte. So spricht der Herr, der Gott Israels: „Gehe hin und sage Juda Zedekia: So spricht der Herr: Siehe, ich will diese Stadt in die Hände des Königs von Babel geben, und er soll sie mit Feuer verbrennen. Und auch du sollst seiner Hand nicht entrinnen, sondern ergriffen und in seine Hand gegeben werden, daß du ihn mit eigenen Augen sehen und von Mund zu Mund mit ihm reden wirst, und du wirst nach Babel kommen. Zedekia, höre doch auf das Wort des Herrn: So spricht der Herr über dich: Du sollst nicht durchs Schwert sterben, sondern du sollst im Frieden sterben. Und wie den vorigen Königen wird man auch dir zu Ehren einen Brand anzünden und dich beklagen: Ach Herr! denn ich habe es geredet, spricht der Herr!“ Der Prophet Jeremia sagte alle diese Worte zu König Zedekia in Jerusalem, als das Heer des Königs von Babel schon Jerusalem und alle übrigen Städte Judas belagerte, die noch übriggeblieben waren von den festen Städten Judas (Jer 34, 1-7).

 

Der Wortbruch an den freigelassenen Sklaven:

Dies ist das Wort, das Jeremia erreichte vom Herrn, nachdem der König Zedekia einen Bund gemacht hatte mit dem ganzen Volk von Jerusalem, ein Freijahr auszurufen, daß ein jeder seinen hebräischen Sklaven und seine hebräische Sklavin freigeben sollte, sodaß kein Judäer den andern als Sklaven hielte. Da hatten alle Oberen und alles Volk gehorcht, die diesen Bund eingegangen waren, und hatten sie freigegeben. Aber danach hatten sie die Sklaven und Sklavinnen wieder zurückgefordert und sie gezwungen, daß sie wieder Sklaven und Sklavinnen sein mußten.

Da erreichte Jeremia das Wort vom Herrn: So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe einen Bund geschlossen mit euren Vätern, als ich sie aus der Sklaverei in Ägypten führte und sprach: Im siebten Jahr soll ein jeder seinen Bruder, der ein Hebräer ist und sich ihm verkauft und sechs Jahre gedient hat, freilassen. Aber eure Väter gehorchten mir nicht und kehrten ihre Ohren nicht mir zu.

Ihr aber hattet euch nun bekehrt und getan, was mir wohl gefiel, daß ihr ein Freijahr ausrufen ließet, ein jeder für seinen Nachbarn, und habt darüber einen Bund geschlossen vor mir in dem Haus, das nach meinem Namen genannt ist. Jetzt aber seid ihr umgeschlagen und habt meinen Namen entheiligt. Jeder fordert seinen Sklaven und seine Sklavin zurück, die ihr freigegeben hattet, daß sie gehen konnten, wohin sie wollten. Aber jetzt zwingt ihr sie, daß sie eure Sklaven und Sklavinnen sein müssen. Darum spricht der Herr: „Ihr gehorchtet mir nicht und rieft kein Freijahr aus, jeder für seinen Nachbarn. Siehe, so rufe ich euch ein Freijahr aus für Schwert, Pest und Hunger, und will euch zum Bild des Entsetzens machen für alle Königreiche auf der Erde!

Auch den König Zedekia und seine Oberen will ich geben in die Hände ihrer Feinde und derer, die ihnen nach dem Leben trachten, und des Heeres des Königs von Babel, das jetzt von euch abgezogen ist. Denn siehe, ich will ihnen befehlen, und will sie wieder vor diese Stadt bringen. Sie sollen sie belagern und erobern und mit Feuer verbrennen. Und ich will die Städte Judas verwüsten, daß niemand mehr darin wohnen soll. (Jer 34, 8-22, gekürzt).

 

Der Gehorsam der Rechabiter:

Dies ist das Wort, das Jeremia vom Herrn erreichte zur Zeit Königs Jojakim: „Geh hin zu den Rechabitern und rede mit ihnen und führe sie in da Haus des Herrn, in eine der Hallen, und schenke ihnen Wein ein!“ Jeremia tat, wie ihm geheißen und setzte den Rechabitern Krüge voll Wein und Schalen vor und sprach zu ihnen: „Trinkt Wein!“ Sie aber antworteten: „Wir trinken keinen Wein, denn unser Vorfahre Jonadab hat uns geboten: Ihr und eure Kinder sollt niemals Wein trinken und kein Haus bauen, keinen Samen säen, keinen Weinberg pflanzen noch besitzen, sondern ihr sollt in Zelten wohnen euer Leben lang, damit ihr lange lebt in dem Land, in dem ihr umherzieht!“…….

Da erreichte Jeremia das Wort Gottes: „Gehe hin und sprich zu denen in Juda und zu den Bürgern von Jerusalem: Wollt ihr euch denn nicht bessern und meinem Wort gehorchen? spricht der Herr. Die Worte Jonadabs werden von den Rechabitern gehalten und sie trinken keinen Wein bis auf den heutigen Tag, denn sie gehorchen ihres Vaters Gebot. Ich aber habe euch immer wieder predigen lassen, doch ihr habt mir nicht gehorcht. Ich habe auch immer wieder alle meine Propheten zu euch gesandt und sagen lassen: „Kehrt um, ein jeder von seinem bösen Weg, und bessert euren Tun und folgt nicht andern Göttern nach, so sollt ihr in dem Land bleiben, das ich euch und euren Vätern gegeben habe. Aber ihr wolltet eure Ohren nicht zu mir kehren und mir nichtgehorchen. Ja, die Nachkommen Jonadabs haben ihres Vaters Gebot gehalten. Aber dies Volk gehorcht mir nicht  (Jer 35, gekürzt).

 

Zweiter Schülerbericht: Jeremias Schicksal (Kapitel 36-45):

[Hier steht Jeremia im Konflikt mit Zedekia, dem letzten König Judas. Nach der Eroberung Jerusalems flieht er nach Ägypten. Seine letzte Zeichenhandlung dort kündigt die Eroberung Ägyptens durch die Babylonier an].

Die Schriftrolle Baruchs:

Im vierten Jahr des Königs Jojakim erreichte Jeremia dies Wort vom Herrn: „Nimm eine Schriftrolle und schreibe darauf alle Worte, die ich zu dir geredet habe über Israel, über Juda und alle Völker von der Zeit an, als ich zu dir geredet habe, nämlich von der Zeit Josias an bis auf diesen Tag. Vielleicht wird Juda, wenn sie hören all das Unheil sich bekehren, ein jeder von seinem bösen Weg, damit ich ihnen ihre Schuld und Sünde vergeben kann!“

Da rief Jeremia den Baruch, der schrieb auf eine Schriftrolle alle Worte des Herrn, die er zu Jeremia geredet hatte, wie Jeremia sie ihm sagte. Jeremia sprach zu Baruch: „Mir ist es verwehrt, ich kann nicht in das Haus des Herrn gehen. Du aber geh hinein und lies die Schriftrolle am Festtag im Haus des Herrn vor dem Volk und auch vor den Ohren aller Judäer, die aus ihren Städten hereinkommen. Vielleicht werden sie sich mit Beten vor dem Herrn demütigen und sich bekehren, ein jeder von seinem bösen Weg, denn der Zorn und Grimm ist groß, den der Herr diesem Volk angedroht hat!“

Im fünften Jahr des Königs Jojakim, im neunten Monat, rief man ein Fasten aus vor dem Herrn für alles Volk in Jerusalem und für alles Volk, das aus den Städten Judas nach Jerusalem kam. Und Baruch las aus der Schriftrolle die Worte Jeremias dem ganzen Volk vor im oberen Vorhof im Haus des Herrn. Das wurde sofort den Oberen in der Kanzlei im Haus des Königs gemeldet. . Sie sandten einen Boten zu Baruch und ließen ihm sagen: „Nimm die Schriftrolle, aus der du dem Volk vorgelesen hast, mit dir und komm!“ Und Baruch kam zu ihnen und las ihnen aus der Schriftrolle vor. Und als sie alle die Worte hörten, entsetzten sie sich unter­einander und sprachen: „Wir müssen alle diese Worte dem König mitteilen!“

 

Sie gingen hinein zum König in den Vorhof und ließen die Schriftrolle verwahren in der Halle des Schreibers, und teilten vor dem König an alle diese Worte mit. Der ließ die Rolle holen und sich vorlesen. Der König aber saß im Winterhaus vor dem Kohlenbecken. Wenn aber der Vorleser drei oder vier Spalten gelesen hatte, schnitt der König sie ab mit einem Schreibmesser und warf sie ins Feuer, das im Kohlenbecken war, bis die Rolle ganz verbrannt war im Feuer. Und niemand entsetzte sich noch zerriß seine Kleider, weder der König noch seine Großen, wo doch alle diese Worte gehört hatten. Der König befahl, sie sollten Schreiber Baruch und den Propheten Jeremia greifen. Aber der Herr hatte sie verborgen.

Gottes Wort aber erreichte Jeremia erneut: „Nimm dir eine neue Schriftrolle und schreibe auf sie alle vorigen Worte, die auf der ersten Schriftrolle standen, die der König Jojakim verbrannt hat. Über König Jojakim sollst du sagen: So spricht der Herr: Du hast diese Schriftrolle verbrannt und gesagt: Warum hast du darauf geschrieben, der König von Babel werde kommen und dies Land verderben und machen, daß weder Leute noch Vieh darin sein werden? Darum spricht der Herr von König Jojakim: Es soll keiner von den Seinen auf dem Thron Davids sitzen, und sein Leichnam soll hingeworfen liegen, am Tag in der Hitze und in der Nacht im Frost!“

Jeremia nahm eine andere Schriftrolle und gab sie Baruch. Der schrieb darauf - so wie Jere­mia es ihm vorsagte - all die Worte, die auf der Schriftrolle standen, die Jojakim mit Feuer hatte verbrennen lassen. Und es wurden auch noch viele ähnliche Worte hinzugefügt (Jer 36, leicht gekürzt).

 

Jeremia warnt Zedekia:

Zedekia, der Sohn Josias, wurde König anstatt Jechonjas, des Sohnes Jojakims, denn König Nebukadnezar machte ihn zum König im Land Juda. Aber er und seine Großen und das Volk des Landes gehorchten nicht den Worten des Herrn, die er durch den Propheten Jeremia redete. Dennoch sandte der König Zedekia zwei Boten zum Propheten Jeremia und ließ ihm sagen: „Bitte den Herrn, unsern Gott, für uns!“ Denn Jeremia ging noch unter dem Volk aus und ein, und man hatte ihn noch nicht ins Gefängnis geworfen.

Es war aber das Heer des Pharao aus Ägypten aufgebrochen, und als die Chaldäer, die vor Jerusalem lagen, davon hörten, waren sie von Jerusalem abgezogen. Und des Herrn Wort erreichte den zum Propheten Jeremia: „So spricht der Herr: So sagt dem König Judas, der euch zu mir gesandt hat, mich zu fragen:

Siehe, das Heer des Pharao, das euch zu Hilfe ausgezogen ist, wird wiederum heim nach Ägypten ziehen, und die Chaldäer werden wiederkommen und diese Stadt belagern und sie erobern und mit Feuer verbrennen. Darum spricht der Herr: Betrügt euch nicht selbst damit, daß ihr denkt, die Chaldäer werden von uns abziehen: Sie werden nicht abziehen!“……(Jer 37,1-10).

 

Jeremia wird gefangengesetzt:

Als nun das Heer der Chaldäer von Jerusalem abgezogen war wegen des Heeres des Pharao, wollte Jeremia aus Jerusalem herausgehen ins Land Benjamin, um mit seinen Verwandten ein Erbe zu teilen. Als er aber an das Benjamintor kam, hielt ihn der Torhüter an und sprach: „Du willst zu den Chaldäern überlaufen!“

Jeremia sprach: „Das ist nicht wahr; ich will nicht zu den Chaldäern überlaufen!“ Aber der Torhüter wollte ihn nicht hören, sondern ergriff Jeremia und brachte ihn zu den Oberen. Diese wurden zornig über Jeremia und ließen ihn schlagen und warfen ihn ins Gefängnis im Haus des Schreibers den das hatten sie zum Kerker gemacht. So kam Jeremia in das Gewölbe einer Zisterne und blieb dort eine lange Zeit daselbst.

Aber König Zedekia sandte Männer hin und ließ ihn holen und fragte ihn heimlich in seinem Haus: „Ist wohl ein Wort vom Herrn vorhanden?“ Jeremia sprach: „Ja! Du wirst dem König von Babel in die Hände gegeben werden.

Und weiter sprach Jeremia zum König Zedekia: „Was habe ich gegen dich, gegen deine Großen und gegen dein Volk gesündigt, daß sie mich in den Kerker geworfen haben? Wo sind nun eure Propheten, die euch weissagten und sprachen: Der König von Babel wird nicht über euch noch über dies Land kommen? Und nun, mein Herr und König, höre mich und laß meine Bitte vor dir gelten. Laß mich nicht wieder in das Haus des Schreibers bringen, daß ich dort nicht sterbe!“ Da befahl der König Zedekia, daß man Jeremia im Wachthof behalten sollte, und ließ ihm täglich einen kleinen Laib Brot geben, bis alles Brot in der Stadt aufgezehrt war. Also blieb Jeremia im WachthofVorhof des Gefängnisses (Jer 37, 11-21, leicht gekürzt).

 

Jeremia in der Zisterne:

Als aber die Gegner Jeremias seine Reden an das Volk hörten: „So spricht der Herr: Wer in dieser Stadt bleibt, der wird durch Schwert, Hunger und Pest sterben müssen. Wer aber hinausgeht zu den Chaldäern, der wird am Leben bleiben und wird sein Leben wie eine Beute davon bringen. Denn so spricht der Herr: Diese Stadt soll dem Heer des Königs von Babel übergeben werden, das soll sie einnehmen!“

Da sprachen die Oberen zum König: „Laß doch diesen Mann töten, denn auf diese Weise nimmt er den Kriegern den Mut, die noch übrig sind in der Stadt, ebenso auch dem ganzen Volk, weil er solche Worte zu ihnen sagt. Denn der Mann sucht nicht, was diesem Volk zum Heil dient, sondern was zum Unheil dient!“ Der König Zedekia sprach: „Siehe, er ist in euren Händen, denn der König vermag nichts gegen euch!“

Da nahmen sie Jeremia und warfen ihn in die Zisterne des Königssohnes, die am Wachthof war, und ließen ihn an Seilen hinab. In der Zisterne war aber kein Wasser, sondern Schlamm, und Jeremia sank in den Schlamm.

Als einer der Kämmerer im Haus des Königs hörte, daß man Jeremia in die Zisterne geworfen hatte, redete er mit dem König und sprach: „Mein Herr und König, diese Männer handeln böse an dem Propheten Jeremia, daß sie ihn haben in die Zisterne geworfen haben. Dort muß er muß Hunger sterben, denn es ist kein Brot mehr in der Stadt!“ Da befahl ihm der König: „Nimm dreißig Männer mit dir und zieh den Propheten Jeremia aus der Zisterne, ehe er stirbt.

 

Die Männer gingen in das Haus des Königs und die Kleiderkammer und nahm dort zerrissene und alte Lumpen mit sich und ließen sie an einem Seil hinab zu Jeremia in die Zisterne. Der Kämmerer sprach zu Jeremia: „Lege diese alten Lumpen unter deine Achseln um das Seil!“ Und Jeremia machte das. Da zogen sie ihn an den Stricken herauf aus der Zisterne. Und so blieb Jeremia im Wachthof.

Der König Zedekia aber sandte einen Boten hin und ließ den Propheten Jeremia zu sich holen unter den dritten Eingang am Haus des Herrn. Und der König sprach zu Jeremia: „Ich will dich etwas fragen, verbirg mir nichts!“ Jeremia aber sprach zu Zedekia: „Sage ich dir etwas, so tötest du mich doch. Gebe ich dir aber einen Rat, so gehorchst du mir nicht!“ Da schwor der König Zedekia dem Jeremia heimlich und sprach: „So wahr der Herr lebt, der uns dieses Leben gegeben hat: Ich will dich nicht töten noch den Männern in die Hände geben, die dir nach dem Leben trachten!“.

Und Jeremia sprach zu Zedekia: „So spricht der Herr: Wirst du hinausgehen zu den Obersten des Königs von Babel, so sollst du am Leben bleiben, und diese Stadt soll nicht verbrannt werden, sondern du und deine Familie sollen am Leben bleiben. Wirst du aber nicht hinausgehen zu den Obersten des Königs von Babel, so wird diese Stadt den Chaldäern in die Hände gegeben, und sie werden sie mit Feuer verbrennen, und auch du wirst auch ihren Händen nicht entrinnen!“…(Jer 38, gekürzt).

 

Jeremia wird bei der Eroberung Jerusalems befreit:

Schließlich wurde Jerusalem erobert. Im neunten Jahr des Königs Zedekia, im zehnten Monat, kamen König Nebukadnezar und sein ganzes Heer vor Jerusalem und belagerten es. Und im elften Jahr Zedekias, am neunten Tag des vierten Monats, brach man in die Stadt ein. Alle Obersten des Königs von Babel zogen hinein und hielten unter dem Mitteltor.

Als nun Zedekia und seine Krieger das sahen, flohen sie bei Nacht zur Stadt hinaus auf dem Weg zum Garten des Königs durchs Tor zwischen den beiden Mauern und entwichen zum Jordantal hin. Aber die Krieger der Chaldäer jagten ihnen nach und holten Zedekia ein im Jordantal bei Jericho und nahmen ihn gefangen ihn und brachten ihn zu Nebukadnezar nach Ribla. Der sprach das Urteil über ihn: Er ließ die Söhne Zedekias vor seinen Augen töten und tötete auch alle Vornehmen Judas. Aber Zedekia ließ er die Augen ausstechen und ihn in Ketten binden, um ihn nach Babel zu führen.

Die Chaldäer verbrannten das Haus des Königs und die Häuser der Bürger und rissen die Mauern Jerusalems nieder. Den Rest des Volkes, der noch in der Stadt war, und wer zu ihnen übergelaufen war, die führte der Oberste der Leibwache alle miteinander nach Babel gefangen. Aber von den kleinen Leuten, die nichts hatten, ließ er einige im Land Juda zurück und gab ihnen Weinberge und Felder.……….

Die Oberen des Königs von Babel ließen Jeremia aus dem Wachthof holen und übergaben ihn Gedalja, daß er ihn nach Hause gehen ließe. Und so blieb er unter dem Volk (Jer 39, gekürzt).

 

Jeremia bleibt im Land:

Dies ist das Wort, das Jeremia erreichte vom Herrn, als ihn der Oberste der Leibwache Hauptmann los ließ in Rama, wo er ihn gefunden hatte, denn er war gefesselt unter allen Gefangenen, die nach Babel weggeführt werden sollten. Als der Oberste der Leibwache nun Jeremia hatte zu sich holen lassen, sprach er zu ihm: „Ich mache dich heute los von den Fesseln, mit denen deine Hände gebunden waren. Gefällt es dir, mit mir nach Babel zu ziehen, so komm, du sollst mir befohlen sein. Gefällt es dir aber nicht, mit mir nach Babel zu ziehen, so laß es sein. Siehe, da hast du das ganze Land vor dir.

Wo es dir gut zu sein scheint und es dir gefällt, da zieh hin. Du kannst auch umkehren zu Gedalja, den der König von Babel eingesetzt hat über die Städte in Juda, und bei ihm unter dem Volk bleiben!“ Und der Oberste gab ihm Verpflegung und Geschenke und ließ ihn gehen. So kam Jeremia zu Gedalja nach Mizpa und blieb bei ihm unter dem Volk, das im Lande noch übriggeblieben war.…..…

Gedalja schwor ihnen und ihren Leuten einen Eid und sprach: „Fürchtet euch nicht, daß ihr den Chaldäern untertan sein sollt. Bleibt im Land und seid dem König von Babel untertan, so wird es euch wohl gehen. Siehe, ich bleibe hier zu Mizpa und habe die Verantwortung vor den Chaldäern. Ihr aber sollt Wein und Feigen und Öl ernten und in eure Gefäße tun und sollt in euren Städten wohnen, die ihr wieder in Besitz genommen habt!“

Als die Judäer in den umliegenden Ländern hörten, daß der König von Babel einen Rest in Juda übriggelassen hatte, kamen auch sie alle wieder zurück aus allen Orten, wohin sie verstreut waren in das Land Juda nach Mizpa zu Gedalja und ernteten sehr viel Wein und Sommerfrüchte……. (Jer 40, gekürzt).

 

Ermordung des Statthalters Gedalja:

Im siebenten Monat kamen Ismael, einer von den Obersten des Königs aus königlichem Stamm, und zehn Männer mit ihm nach Mizpa zu Gedalja und sie aßen dort in Mizpa miteinander. Dann erhob sich Ismael samt den zehn Männern, die bei ihm waren, und sie schlugen Gedalja, mit dem Schwert zu Tode, weil ihn der König von Babel über das Land eingesetzt hatte. Auch erschlug Ismael alle Judäer, die bei Gedalja in Mizpa waren, und alle Krieger der Chaldäer, die sie dort fanden. Schließlich tötete er auch achtzig Männer, die aus verschiedenen Städten gekommen waren, um Speisopfer und Weihrauch zu opfern, und warf ihre Leichen in eine Zisterne.

Dann führte Ismael das Volk, das in Mizpa übriggeblieben war, samt den Königstöchtern, gefangen weg und wollte hinüber zu den Ammonitern. Aber Johanan, der Sohn Kareahs, nahm zu sich alle Männer und sie zogen hin, um mit Ismael zu kämpfen. Und das ganze Volk, das Ismael von Mizpa weggeführt hatte, wandte sich um und ging zu Johanan über. Aber Ismael entrann mit acht Männern und zog zu den Ammonitern. Johanan aber wollte mit dem Volk nach Ägypten ziehen aus Furcht vor den Chaldäern (Jer 41, zusammengefaßt).

 

Warnung vor der Flucht nach Ägypten:

Sie befragen aber Jeremia und versprechen: „Es sei Gutes oder Böses, so wollen wir gehorchen der Stimme des Herrn, zu dem wir dich senden!“ Nach zehn Tagen erreicht Jeremia das Wort des Herrn: „Werdet ihr in diesem Lande bleiben, so will ich euch bauen und nicht einreißen, ich will euch pflanzen und nicht ausreißen, denn es hat mich schon gereut das Unheil, das ich euch getan habe. Ihr sollt euch nicht fürchten vor dem König von Babel, denn ich will bei euch sein, daß ich euch helfe und von seiner Hand errette. Ich will euch Barmherzigkeit erweisen und mich über euch erbarmen und euch wieder auf eure Äcker bringen!“

Aber Jeremia stellt auch die andere Seite dar: „Wenn ihr aber nicht in diesem Land bleiben wollt, sondern nach Ägypten ziehen wollt, damit ihr keinen Krieg sehen noch Hunger leiden müßt, so hört des Herrn Wort: Werdet ihr euer Angesicht nach Ägypten richten , um dort zu wohnen, so soll euch das Schwert, vor dem ihr euch fürchtet, in Ägypten treffen, und der Hunger, vor dem ihr euch sorgt, soll stets hinter euch her sein in Ägypten, und ihr sollt dort sterben (Jer 42, zusammengefaßt).

 

 

 

Jeremia wird nach Ägypten verschleppt:

Doch die frechen Männer sprechen zu Jeremia: „Du lügst! Der Herr hat dich nicht zu uns gesandt noch gesagt: Ihr sollt nicht nach Ägypten ziehen, um dort zu wohnen, sondern Baruch hat dich beredet zu unserem Schaden, auf daß wir den Chaldäern übergeben werden und sie uns töten und nach Babel wegführen.

 Johanan und alle Hauptleute des Heeres nahmen zu sich alle Übriggebliebenen aus Juda, nämlich Männer, Frauen und Kinder, dazu die Königstöchter, auch den Propheten Jeremia und Baruch, und zogen nach Ägypten, denn sie wollten der Stimme des Herrn nicht gehorchen.

Sie kamen nach Thachpanches. Dort erreichte Jeremia ein Wort des Herrn: „Nimm große Steine und vergrabe sie im Boden vor der Tür am Hause Pharaos in Thach­panches, so daß die Männer aus Juda es sehen, und sprich zu ihnen: So spricht der Gott Israels: Siehe, ich will hinsenden und meinen Diener Nebukadnezar holen lassen und will seinen Thron oben auf diese Steine setzen und er soll seinen Thronhimmel darüber ausspannen. Er soll kommen und Ägypten schlagen, und töten, wen es trifft, gefangen wegführen, wen es trifft, mit dem Schwert erschlagen, wen es trifft. Und ich will die Tempel der Götter in Ägypten in Brand stecken, daß er sie verbrenne und wegführe. Und er soll Ägypten lausen, wie ein Hirt sein Kleid entlaust, und mit Frieden von dannen ziehen (Jer 43, zusammengefaßt).

 

Warnung vor der Verehrung der Himmelsgöttin:

Dies ist das Wort, das zu Jeremia geschah an alle Judäer, die in Ägypten wohnten, in Migdol, Thachpanhes, Noph und im Lande Pathros, und sprach: ….. „So spricht der Herr: Warum tut ihr euch selbst ein so großes Unheil an, daß bei euch ausgerottet werden Mann und Frau, Kind und Säugling und nichts von euch übrigbleibt und erzürnt mich so durch die Werke eurer Hände und opfert andern Göttern in Ägypten, wohin ihr gezogen seid, um dort zu wohnen, um am Ende ausgerottet zu werden und zum Fluch und zur Schmach unter allen Heiden auf der Erde zu werden?“……..

Jeremia fährt dann fort: „Darum spricht der Herr Zebaoth: Siehe, ich will mein Angesicht gegen euch richten zum Unheil, und ganz Juda soll ausgerottet werden. Und ich will wegraffen, die übriggeblieben sind von Juda nehmen, die ihr Angesicht nach Ägyptenland gerichtet haben, um dorthin zu ziehen und zu wohnen. Es soll ein Ende mit ihnen allen werden in Ägypten. Durchs Schwert sollen sie fallen, und durch Hunger umkommen, beide, klein und groß!“…….

Da antworteten alle Männer, die sehr wohl wußten, daß ihre Frauen andern Göttern räucherten, und alle Frauen, die in großem Haufen dastanden, und alle Einwohner in Pathros: „Wir wollen den Worten, die du im Namen des Herrn zu uns sagst, nicht gehorchen, sondern wir wollen all die Worte halten, das aus unserem eigenen Mund gekommen sind, und wollen der Himmelskönigin opfern und ihr Trankopfer darbringen, wie wir und unsre Väter, unsre Könige und Oberen getan haben in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems. Da hat­ten wir auch Brot genug und ging uns wohl und sahen kein Unglück. Seit wir aber unterlassen haben, der Himmelskönigin zu opfern und Trankopfer darzubringen, haben wir an allem Mangel gelitten und sind durch Schwert und Hunger umgekommen!“ ......

Da sprach Jeremia zum ganzen Volk, Männern und Frauen und allem Volk, die ihm so geantwortet hatten: …… „Weil ihr der Himmelskönigin geopfert habt und gegen den Herrn gesündigt und der Stimme des Herrn nicht gehorcht und in seinem Gesetz, seinen Rechten und Mahnungen nicht gelebt habt, darum ist auch euch ein solches Unheil widerfahren, so wie es heute ist.…….

 

Siehe, ich will über sie wachen zum Unheil und nicht zum Heil, daß, wer aus Juda in Ägypten ist, durch Schwert und Hunger umkommen soll, bis es ein Ende mit ihnen hat. Die aber dem Schwert entrinnen, die werden aus Ägypten ins Land Juda wiederkommen müssen als ein geringes Häuflein. So werden dann alle, die übriggeblieben sind erkennen, wessen Wort wahr sei, meines oder ihres. Und dies sei das Zeichen, spricht der Herr: Ich will euch an diesem Ort besuchen will, damit ihr wißt, daß mein Wort wahr werden soll über euch zum Unheil.

Jeremia schließt: „So spricht der Herr also: Siehe, ich will den König von Ägypten übergeben in die Hände seiner Feinde und derer, die ihm nach dem Leben trachten, so wie ich König Zedekia übergeben habe in die Hand Nebukadnezars, seines Feindes, der ihm nach dem Leben trachtete (Jer 44, gekürzt).

 

Ein Wort für Baruch:

 Dies ist das Wort, das der Prophet Jeremia redete zu Baruch, als er die Worte auf eine Schriftrolle schrieb, im vierten Jahr des Königs Jojakim, und sprach: „So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, über dich Baruch: Du sprichst: Weh mir, wie hat mir der Herr Jammer zu meinem Schmerz hinzugefügt! Ich seufze mich müde und finde keine Ruhe. Sage ihm: So spricht der Herr: Siehe, was ich gebaut habe, das reiße ich ein, und was ich gepflanzt habe, das reiße ich aus, nämlich dies mein ganzes Land. Und du begehrst für dich große Dinge? Begehre es nicht! Denn siehe, ich will Unheil kommen lassen über alles Fleisch. Aber dein Leben sollst du wie eine Beute davon bringen, an welchen Ort du auch ziehst!“ (Jer 45).

 

Worte gegen fremde Völker (Kapitel 46-51):

Weissagung gegen Ägypten (46), die Philister (47), die Moabiter (48), die Ammoniter (49), die Chaldäer (50-51).

Dies ist das Wort, das der Herr durch den Propheten Jeremia geredet hat gegen Babel und das Land der Chaldäer: Verkündet es unter den Heiden und laßt es erschallen, richtet das Banner auf! Laßt es erschallen und verbergt es nicht und sprecht: Babel ist genommen, der Gott Bel ist zuschanden, der Gott Merodach ist zerschmettert. Ihre Götzen sind zuschanden, und ihre Götterbilder sind zerschmettert! Denn es zieht von Norden ein Volk herauf gegen sie, das wird ihr Land zur Wüste machen, so daß niemand darin wohnen wird, sondern Menschen und Vieh werden daraus fliehen. In jenen Tagen werden die Israeliten samt den Kindern Juda kommen und weinend umherziehen und den Herrn, ihren Gott, suchen.

Sie werden fragen nach dem Weg nach Zion und sich dorthin kehren: „Kommt, wir wollen uns dem Herrn zukehren mit einem ewigen Bund, der niemals mehr vergessen werden soll!“ Denn mein Volk ist wie eine verlorene Herde. Ihre Hirten haben sie verführt und auf den Bergen in der Irre gehen lassen, daß sie über alle Berge und Hügel gehen mußten und ihren Ruheplatz vergaßen……So spricht der Herr Zebaoth: Siehe, die Israeliten und die Judäer müssen Gewalt und Unrecht leiden; alle, die sie gefangen weggeführt haben, halten sie fest und wollen sie nicht loslassen. Aber ihr Erlöser ist stark, der heißt Herr Zebaoth. Er wird ihre Sache so hinausführen, daß er das Land erheben und die Einwohner von Babel erzittern läßt (Jer 50, 1-6 und 33-34).

Und Jeremia schrieb all das Unheil, das über Babel kommen sollte, in ein Buch, nämlich alle diese Worte, die gegen Babel geschrieben sind. Und Jeremia sprach zu Seraja, dem Anführer auf dem Zug nach Babel: „Wenn du nach Babel kommst, so schaue zu und lies laut alle diese Worte und sprich: Herr, du hast geredet gegen diese Stätte, daß du sie willst ausrotten willst, daß niemand darin wohne.

Und wenn du das Buch ausgelesen hast, so binde einen Stein daran und wirf es in den Euphrat und sprich: So soll Babel versinken und nicht wieder aufkommen von dem Unheil, das ich über sie bringen will, sondern sie soll vergehen!“ (Jer 51,59-64).

 

Begnadigung Jojachins (Kapitel 52):

[Das letzte Kapitel wiederholt noch einmal den Bericht über die Zerstörung Jerusalems aus Jeremia 39, jetzt aber mit der Ergänzung, daß auch die heiligen Geräte und die Priester mitgenommen wurden. Der Schluß aber ist tröstlich:]

Begnadigung des Königs Jojachin:

Im siebenunddreißigsten Jahr nach der Wegführung des Königs Jojachin, am fünfundzwanzigsten Tag des zwölften Monats, wurde Evil-Merodach zum König von Babel. Als erstes ließ er König Jojachin aus dem Kerker holen und redete freundlich mit ihm und setzte seinen Sitz über die Sitze der Könige, die bei ihm zu Babel waren. Und Jojachin legte die Gewänder seiner Gefangenschaft ab und aß mit dem König sein Leben lang. Ihm wurde stets sein Unterhalt vom König von Babel gegeben, wie es für ihn verordnet war, sein ganzes Leben lang bis an sein Ende (Jer 52, 31-34; vgl. 2 Kön 24f).

 

 

 

Die Klagelieder Jeremias

[Das Buch wird auch „Jeremiaden“ oder Threni (griechische Bibel) oder Lamenta­tiones (lateinische Bibel) genannt. Es ist ein Buch des Alten Testaments der Bibel, das aus fünf Gedichten besteht. Die Klagelieder sind anonym, sie enthalten nichts, was auf den Verfasser schließen läßt. Nach jüdischer Tradition aus vorchristlicher Zeit gilt der Prophet Jeremia als Verfasser. In der Sekundär-Literatur gehen die Meinungen darüber auseinander, in der aktuellen Forschung wird Jeremia als Verfasser kaum noch vertreten. Im heutigen Alten Testament ist es nach dem Propheten Jeremia eingeordnet. In der gegenwärtigen evangelischen Ordnung der Predigttexte ist lediglich der Abschnitt Klagelieder 3,22-26.31-32 vertreten (Predigtreihe III) und als Lesung dem 16. Sonntag nach Trinitatis zugeordnet.

Die Klagelieder sind Beispiele von hochstehender hebräischer Dichtkunst. Sie sind im Versmaß der hebräischen Totenklage (Qina) abgefaßt, die ersten vier als Akrostichon (alphabetisches Lied). Das jüdische Akrostichon hat nicht nur den praktischen Zweck der Gedächtnisstütze, sondern ist auch Ausdruck der Grenzenlosigkeit der alles einschließenden Trauer. Das Akrostichon beweist, daß die Lieder von Anfang an schriftliche Literatur waren und nicht eine erst später niedergeschriebene mündliche Überlieferung darstellen.

Die ersten beiden Lieder enthalten je 22 Verse mit je drei Zeilen. Die jeweils ersten Worte jedes Verses beginnen der Reihe nach mit den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets. Das vierte Lied ist ebenso gestaltet, jedoch kommen auf jeden Vers zwei Zeilen. Das dritte Lied hat 66 Verse, unterteilt in 22 Einheiten zu je drei Versen. Jeder dieser drei Verse beginnt mit dem entsprechenden gleichen Buchstaben. Eine Besonderheit besteht darin, daß im zweiten bis vierten Lied der Vers für den Buchstaben „Pe“ entgegen der heute üblichen alphabetischen Reihenfolge vor dem Vers für den Buchstaben „Ajin“ steht. Diese Folge ist jedoch ebenfalls in alten Alphabettafeln belegt. Das fünfte Lied hat 22 Verse zu je einer Zeile, aber ohne spezifische Buchstabenfolge. Die Klagelieder verwenden eine reiche Zahl von Bildern, um das Leid und die Trauer plastisch darzustellen.

Inhalt: In den Klageliedern wird die Zerstörung Jerusalems und des Tempels von 586 vCh beklagt. Die Fakten des Geschehens sind in 2. Könige 25 und Jeremia 52 beschrieben. Von diesem Inhalt her bietet sich eine Entstehung zwischen 586-530 an. Die tiefe Erschütterung in den ersten vier Kapiteln läßt vermuten, daß sie aus dem unmittelbaren Erleben heraus kurz nach dem Fall Jerusalems geschrieben wurden. Aber das Kapitel 5 betont mehr das Leid des Exils.

Auffälligstes Merkmal ist die Personifikation Jerusalems („Tochter Zion“) als klagende Mutter, vergewaltigte und entehrte Geliebte und verlassene Witwe. Diese personifizierenden Elemente weisen darauf hin, daß möglicherweise eine Gattung altorientalischer Stadtklage Vorbild für die Abfassung dieser Texte war. Es finden sich folgende Klageelemente: Schilderung des Zustands, Einzelklagen der „Frau Jerusalem“, Klagen des Volkes, Die Not unter dem Gericht, Die Ursache des Elends und Schuldannahme.

Auf eine Wiedergabe des Textes wird hier verzichtet, weil man im Deutschen sowieso kaum die Kunstform mit dem Alphabet nachmachen kann.

Es gibt in der Geschichte der Kirchenmusik eine große Anzahl an Vertonungen, entweder nur der Klagelieder oder auch der Responsorien. Zu den letzteren gehören Werke von Carlo Gesualdo und Marc-Antoine Charpentier. Matthias Weckmann schuf im August 1663 ein Geistliches Konzert aus Versen des ersten Kapitels mit dem Titel „Wie liegt die Stadt so wüste“ zum 10. Sonntag nach Trinitatis, an dem der Zerstörung der Stadt Jerusalem gedacht wurde. Rudolf Mauersberger vertonte die Verse 1,1.4.9.13; 2,15; 5,17.20-21 in seinem Trauerhymnus „Wie liegt die Stadt so wüst“ am Karsamstag 1945 als Reaktion auf die Zerstörung Dresdens].

 

 

 

Der Prophet Hesekiel

 [Das Buch Ezechiel (Hesekiel) ist eine im Zeitraum von etwa. 600-560 vCh in Babylonien entstandene Schrift des Alten Testaments der Bibel. Es schildert die Visionen und symbolischen Handlungen des Propheten Ezechiel, eines israelitischen Priesters, der zur ersten Gruppe der im Rahmen des Babylonischen Exils verschleppten Israeliten gehörte.

Während des Babylonischen Exils wurde die Religion weiterentwickelt und reformiert. Neu ist beispielsweise der ins Säkulare weisende Gedanke, daß Palast und Tempel, Politik und Religion nicht mehr eine strikte Einheit bilden sollen. Da der Tempelkult des Jerusalemer Tempels im Exil nicht mehr auszuüben ist, wird nunmehr gesagt, daß Gott seinem Volk in allen Ländern dient und es heim führen wird. Weitere Wandlungen sind:

Die Sippenhaftung wird endgültig abgeschafft (Ezechiel 18,20)

Die Heilsverkündung bekommt ein humanistisches Ziel (Ezechiel 18,23)

Bestimmte Satzungen der Tora werden als Fehler kritisiert (Hes 20,25-26)

Es gibt keine kultische Abstammungsreinheit (Vorfahren aus anderen Ländern (16,3)

Er warnt vor Arroganz und Selbstzufriedenheit (Ezechiel 16, 15–62).

Der Schwerpunkt der Gebote und Verbote verschob sich bei Ezechiel weg von den Tempelsatzungen und Reinheitsvorschriften hin zu gelebter Mitmenschlichkeit. Die Gebote der Mitmenschlichkeit sind bei Ezechiel:

* Soziale Satzungen: Schonung von Frauen, Elenden und Armen; dem Hungrigen Brot geben; die Nackten bekleiden

* Wirtschaftliche Satzungen: Verzicht auf Zins und Zuschlag, Fairneß im Handel (Nutzung fairer und anerkannter Maßeinheiten)

* Allgemeine Regeln: Unrecht vermeiden, Gerechtigkeit suchen, Reue.

Die Taten der Gottlosigkeit, vor denen Ezechiel warnt, sind:

* Kultische Gottlosigkeiten: „Götzendienst“ (Essen von „Götzenfleisch“) oder Verwendung von Zauberbinden für die Handgelenke; Verkehr mit Frauen im Zustand der kultischen Unreinheit; starke Entweihungen des Feiertags; Mißachtung der Propheten („verstocktes Herz“); Verunreinigung des Heiligtums mit Greueln.

* Soziale Gottlosigkeiten: Ehebruch und Inzest; Bedrückung von Elenden und Armen, Schutz­losen und Fremden; Gewalt; Blutvergießen und Vernichten von Leben; Mißachten von Geboten, die den Menschen am Leben erhalten; Vertreibung; Kinderopfer.

* Wirtschaftliche Gottlosigkeiten: Einbehaltung von Pfandsachen; Raub, Gier und Profitgier.

* Allgemeine Gottlosigkeiten: Vertragsbruch, Betrug und Bestechung, Schadenfreude und Rachsucht.

Modern wirkt Ezechiel darin, daß er die Priesterkaste im Kapitel 34,1-5 deutlich zu kritisieren wagt: Damit erklärt Ezechiel die Ursachen der Verschleppung. Die Kritik Jesu an den religiösen Führern seiner Zeit, wie sie etwa in Matthäus 23 wiedergegeben wird, wirkt von Ezechiel beeinflußt.

Bemerkenswert am Buch Ezechiel ist neben den Gerechtigkeitsvorstellungen auch die von ihm aus den Satzungen Moses abgeleiteten Vorstellungen zur Landverheißung (Kapitel 47).

Neben den eigenen Leuten sollen auch die „Fremden“ bedacht werden. Damit ist hier der sogenannte „Beisasse“ gemeint, ein nicht-jüdischer Einwohner, der sich im Herrschaftsbereich israelischer Stämme befindet und die sieben Gebote der Noahzeit beachtet. Das Losverfahren soll sicherstellen, daß niemand bevorzugt oder benachteiligt wird.

Die bilderreichen Prophezeiungen Ezechiels sind reich an Symbolen, Bildern und Vergleichen. Sie bieten viel Raum für fantastische Deutungen und Interpretationen bis hin zur Mystik. Da hier die Gefahr von Falschauslegungen hoch ist, dürfen im Judentum nur Menschen über 30 Jahre dieses Buch lesen, wenn dieser Schüler weise ist und fähig ist, den Stoff selbst zu verstehen. Vielleicht (soweit eine etwas randständige theologische Deutung) erklärt sich damit der Umstand, daß Jesus seine Verkündung erst nach seinem dreißig­sten Lebensjahr begann, mit Kenntnis und Deutung der letzten Propheten].

 

Tadel wegen zahlreicher Sünden (Kapitel 1 - 24):

[Im ersten Kapitel wird beschrieben, wie „der Herr“ (wie Hesekiel ihn bezeichnet) auf seinem Thronwagen mit den Engelwesen („Cherubim“) dem Propheten Hesekiel erscheint. Dies ist bei weitem die ausführlichste derartige Beschreibung in der Bibel. Dieser Text spielt eine herausragende Rolle in der jüdischen Kabbala, in der mündlichen jüdischen Überlieferung und in der christlichen Mystik. Dieser visionäre, bildreiche Text ermöglicht vielfältige Deutungen, beispielsweise faßt ihn der Autor Erich von Däniken als Bericht von einer Begegnung mit einem außerirdischen Weltraum-Gefährt auf].

 

Hesekiel schaut die Herrlichkeit des Herrn:

 Im dreißigsten Jahr - es war das fünfte Jahr nach der Wegführung König Jojachin - am fünften Tage des vierten Monats, da erreichte mich das Wort des Herrn am Fluß Kebar im Land der Chaldäer. Dort kam die Hand des Herrn über mich und der Himmel tat sich auf, und Gott zeigte mir Erscheinungen.

Und ich sah, und siehe, es kam ein ungestümer Wind von Norden her, eine mächtige Wolke und loderndes Feuer, und Glanz rings um sie her, und mitten in dem Feuer war es wie blinkendes Kupfer. Mitten drin war etwas wie vier Gestalten, dies sahen aus wie Menschen.

Jede von ihnen hatte vier Angesichter und vier Flügel. Ihre Beine standen gerade, ihre Füße waren gleich wie Stierfüße und glänzten wie blinkendes glattes Kupfer. Sie hatten Menschenhände unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten. Alle vier hatten Angesichter und Flügel. Ihre Flügel berührten einer den anderen.

Ihre Angesichter waren vorn gleich einem Menschen, und zur rechten Seite gleich einem Löwen bei allen vieren, und zur linken Seite gleich einem Stier bei allen vieren, und hinten gleich einem Adler bei allen vieren. Und ihre Flügel waren nach oben hin ausgebreitet: Je zwei Flügel berührten einander, und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib. Immer gingen sie in Richtung eines ihrer Gesichter, wohin der Geist sie trieb; sie brauchten sich beim Gehen nicht umzuwenden.

In der Mitte zwischen den Gestalten sah es aus, wie wenn feurige Kohlen brennen, und wie Fackeln, die zwischen den Gestalten hin und her fuhren. Das Feuer leuchtete, und aus dem Feuer kamen Blitze. Und die Gestalten liefen hin und her, daß es aussah wie Blitze.

Als ich die Gestalten so sah, siehe, da stand je ein Rad auf der Erde bei den vier Gestalten. Die Räder waren anzuschauen wie ein Türkis und waren alle vier eins wie das andere, und sie waren so gemacht, daß ein Rad im andern war. Nach allen ihren vier Seiten konnten sie gehen, sie brauchten sich im Gehen nicht umzuwenden. Und sie hatten Felgen, die waren voller Augen ringsum bei allen vier Rädern.

Wenn die Gestalten gingen, dann gingen die Räder auch neben ihnen. Und wenn die Gestalten sich von der Erde emporhoben, so hoben die Räder sich auch empor.

Wohin der Geist sie trieb, dahin gingen sie hin. Wenn sie gingen, so gingen diese auch. Wenn sie standen, so standen diese auch. Und wenn sie sich emporhoben von der Erde, so hoben sich auch die Räder mit ihnen empor; denn es war der Geist der Gestalten in den Rädern.

Über den Häuptern der Gestalten war es gestaltet wie eine Himmelskuppel, wie ein Kristall, unheimlich anzusehen, oben über ihnen Häuptern ausgebreitet, so daß unter der Kuppel ihre Flügel gerade ausgestreckt waren, einer an dem anderen, und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib.

Und wenn sie gingen, hörte ich die Flügel rauschen wie große Wasser, wie die Stimme des Allmächtigen, ein Getöse wie in einem Heerlager. Wenn sie aber still standen, so ließen sie die Flügel herabhängen, und es donnerte in der Kuppel über ihnen. Über der Kuppel, die über ihrem Haupt war, sah es aus wie ein Saphir, einem Thron gleich, und auf dem Thron saß einer, der aussah wie ein Mensch. Aufwärts von der Stelle, die aussah wie seine Hüften, war es wie blinkendes Kupfer, und abwärts von seinen Hüften erblickte ich etwas wie Feuer und Glanz ringsumher.

Wie der Regenbogen steht in den Wolken, wenn es geregnet hat, so glänzte es ringsumher. So war die Herrlichkeit des Herrn anzusehen. Und als ich sie angesehen hatte, fiel ich auf mein Angesicht und hörte einen, der sprach.

 

Hesekiels Berufung in das Prophetenamt:

Er sprach zu mir: „Du Menschenkind, tritt auf deine Füße, so will ich mit dir reden!“ Und als er so mit mir redete, kam Leben in mich und stellte mich auf meine Füße und ich hörte dem zu, der mit mir redete. Er sprach zu mir: „Du Menschenkind, ich sende dich zu den Israeliten, zu dem abtrünnigen Volk. Sie samt ihren Vätern haben bis auf diesen heutigen Tag gegen mich gesündigt. Aber die Kinder, zu denen ich dich sende, haben harte Köpfe und verstockte Herzen.

Zu denen sollst du sagen: So spricht der Herr! Sie gehorchen oder lassen es. Sie sind ein ungehorsames Volk. Dennoch sollen sie wissen, daß ein Prophet unter ihnen ist. Und du Menschenkind, sollst dich vor ihnen nicht fürchten noch vor ihren Worten fürchten. Es sind wohl widerspenstige und stachlige Dornen um dich, und du wohnst unter Skorpionen. Aber du sollst dich nicht fürchten vor ihren Worten und dich vor ihrem Angesicht dich entsetzen, sondern du sollst ihnen meine Worte sagen, sie gehorchen oder lassen es, denn es ist ein ungehorsames Volk. Aber du, Menschenkind, höre du, was ich dir sage, und widersprich nicht, wie das ungehorsame Volk. Mache deinen Mund auf und iß, was ich dir geben werde!“

Und siehe, da war eine Hand gegen mich ausgestreckt, die die hielt eine Schriftrolle. Die breitete sie aus vor mir. Sie war auswendig und inwendig beschrieben, und darin stand geschrieben Klage, Ach und Weh.

Und er sprach zu mir: „Du Menschenkind, iß diese Schriftrolle und gehe hin und predige dem Hause Israel!“ Da tat ich meinen Mund auf, und er gab mir die Schriftrolle zu essen und sprach zu mir: „Du Menschenkind, du mußt diese Schriftrolle in dich hinein essen und deinen Bauch damit füllen!“ Da aß ich sie. Und sie war in meinem Mund so süß wie Honig.

Und er sprach zu mir: „Du Menschenkind, geh hin zum Volk Israel und verkünde ihnen meine Worte. Denn ich sende dich ja nicht zu einem Volk, das unbekannte Worte und eine fremde Sprache hat, sondern zum Volk Israel.

Ich habe dein Angesicht so hart gemacht wie ihr Angesicht und deine Stirn so hart wie ihre Stirn. Ja, ich habe deine Stirn so hart gemacht wie ein Diamant, der härter ist als ein Kieselstein. Darum fürchte dich nicht, entsetze dich auch nicht vor ihnen, daß sie sind ein ungehorsames Volk.

Und der Geist hob mich auf, und ich hörte hinter mir ein Getön wie von einem großen Erdbebens, als die Herrlichkeit des Herrn sich erhob von ihrem Ort. Da war ein Rauschen von den Flügeln der Gestalten, die aneinander schlugen, und auch ein Rasseln der Räder neben ihnen, wie das Getöse eines großen Erdbebens. Da hob mich der Geist empor und führte mich weg. Und ich fuhr dahin in bitterem Grimm meines Geistes, und die Hand des Herrn lag schwer auf mir. Ich kam zu den Weggeführten, die am Fluß Kebar wohnten, nach Tell-Abib, und setzte mich zu ihnen, und blieb dort unter ihnen sieben Tage ganz verstört.

Als die sieben Tage um waren, erreichte mich des Herrn Wort und sprach: „Du Menschenkind, ich habe dich zum Wächter gesetzt über das Volk Israel. Du wirst aus meinem Mund das Wort hören und sollst sie in meinem Namen warnen. Wenn ich dem Gottlosen sage: Du mußt des Todes sterben! und du warnst ihn nicht und sagst es ihm nicht, um den Gottlose n vor seinem gottlosen Weg zu warnen, damit er am Leben bleibe, so wird der Gottlose um seiner Sünde willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. Wenn du aber den Gottlosen warnst und er sich nicht bekehrt von seinem gottlosen Wesen und Weg, so wird er um seiner Sünde willen sterben, aber du hast dein Leben errettet!“…….

Dort kam des Herrn Hand über mich, und er sprach zu mir: „Mach dich auf und geh hinaus in die Ebene, da will ich mit dir reden!“ Da machte ich mich auf und ging hinaus in die Ebene, und siehe, dort stand die Herrlichkeit des Herr, wie ich sie am Fluß Kebar gesehen hatte, und ich fiel nieder auf mein Angesicht. Da kam der Geist in mich und stellte mich auf meine Füße. Und er redete mit mir und sprach zu mir: „Geh hin und schließ dich ein in deinem Haus! Du, Menschenkind, siehe, man wird dir Stricke anlegen und dich damit binden, daß du nicht unter die Leute gehen kannst. Und ich will dir die Zunge an deinem Gaumen kleben lassen, daß du stumm sein wirst und nicht mehr zurechtweisen kannst, denn es ist ein ungehorsames Volk.

Wenn ich aber mit dir reden werde, will ich dir den Mund auftun, damit du zu ihnen sagen sollst: So spricht Gott der Herr! Wer es hört, der höre es. Wer es läßt, der lasse es, denn sie sind ein ungehorsames Volk (Hes 2 - 3, gekürzt).

 

Das Gericht über Jerusalem:

Und du, Menschenkind, nimm dir einen Ziegelstein. Lege ihn vor dich und entwirf darauf die Stadt Jerusalem und mache eine Belagerung: Baue ein Bollwerk um sie und schütte einen Wall gegen sie auf und schlage ein Heerlager auf und stelle Sturmböcke rings um sie her. Nimm dir aber eine eiserne Platte und laß sie eine eiserne Mauer sein zwischen dir und der Stadt, und richte dein Angesicht gegen sie und belagere sie. Das sei ein Zeichen dem Volk Israel.

Du sollst dich auch auf deine linke Seite legen und die Schuld des Volkes Israel auf dich legen. So viele Tage du so daliegst, so lange sollst du auch ihre Schuld tragen. Ich will dir aber die Jahre ihrer Schuld darauf legen, für jedes Jahr einen Tag, nämlich dreihundertundneunzig Tage. So lange sollst du die Schuld des Volkes Israel tragen. Und wenn du dies vollbracht hast, sollst du dich danach auf deine rechte Seite legen und sollst tragen die Schuld des Volkes Juda vierzig Tage lang, denn ich gebe dir auch hier je einen Tag für ein Jahr. Richte aber dein Angesicht und deinen bloßen Arm gegen das belagerte Jerusalem und weissage gegen die Stadt. Ich will dir Stricke anlegen, daß du dich nicht wenden kannst von einer Seite zur andern, bis du die Tage deiner Belagerung vollendet hast.

Nimm dir aber Weizen, Gerste, Bohnen, Linsen, Hirse und leichten Dinkel und tu alles in ein Gefäß und mache dir Brot daraus, daß du daran zu essen hast, so viele Tage du auf deiner Seite liegen mußt. Täglich darfst du 300 Gramm essen. Das Wasser sollst du auch abgemessen trinken, nämlich den sechsten Teil einer Kanne. Gerstenfladen sollst du essen, die du vor ihren Augen auf Menschenkot backen sollst. Und der Herr sprach: „So müssen die Israeliten ihr unreines Brot essen unter den Völkern, zu denen ich sie verstoßen werde!“

Ich aber sprach: „Ach Herr! Siehe, ich bin noch nie unrein geworden, denn ich habe von meiner Jugend auf bis auf diese Zeit noch niemals Fleisch von einem toten oder zerrissene Tier gegessen. Er aber sprach zu mir: „Siehe, ich will dir Kuhmist statt Menschenmist zulassen, dein Brot darauf zu bereiten!“

Und er sprach zu mir: „Du Menschenkind, siehe, ich will den Vorrat des Brots in Jerusalem wegnehmen, daß sie das Brot abgewogen essen müssen und mit Kummer, und das Wasser abgemessen trinken müssen und mit Schaudern, damit sie an Brot und Wasser Mangel leiden und sie, einer wie der andere, erschaudern und in Schuld verschmachten werden. Und du, Menschenkind, nimm ein scharfes Schwert und brauche es als Schermesser, und fahr damit über dein Haupt und deinen Bart und nimm eine Waage und teile das Haar: Ein Drittel sollst du mit Feuer verbrennen mitten in der Stadt, wenn die Tage der Belagerung um sind. Das andere Drittel nimm und schlag es mit dem Schwert ringsumher. Das letzte Dritte streue in den Wind, und ich will hinter ihnen her das Schwert ziehen. Nimm aber ein klein wenig davon und binde es in deinen Mantelzipfel. Und nimm noch einmaletwas davon und wirf es ins Feuer und verbrenne es. Davon soll ein Feuer ausbrechen über das ganze Haus Israel!“ (Hes 4,1 - 5,4).

So spricht der Herr: „Siehe, ich will auch an dich und will Gericht über dich ergehen lassen, daß die Andersgläubige zusehen sollen, und will so mit dir umgehen, wie ich es nie getan habe und auch nicht mehr tun werde, um aller deiner Greuel willen: In deiner Mitte sollen die Väter ihre Kinder und die Kinder ihre Väter fressen. Ich will ein solches Gericht über dich ergehen lassen, daß alle deine Übriggebliebenen in alle Winde zerstreut werden sollen.

Weil du mein Heiligtum mit allen deinen Greueln und Götzen unrein gemacht hast, will auch ich dich zerschlagen, und mein Auge soll ohne Mitleid auf dich blicken, und ich will nicht gnädig sein. Es soll ein Drittel von dir an der Pest sterben und durch Hunger vernichtet werden in deiner Mitte. Und das zweite Dritte soll durchs Schwert fallen rings um dich her. Und das letzte Drittel will ich in alle Winde zerstreuen und will hinter ihnen her das Schwert ziehen. (Hes 4-5, gekürzt).

 

Die Verwüstung des Landes:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: „Du Menschenkind, richte dein Auge gegen die Berge Israels und weissage gegen sie und sprich: Ihr Berge Israels, hört das Wort des Herrn! So spricht der Herr zu den Bergen und Hügeln, zu den Gründen und Tälern: Siehe, ich will das Schwert über euch bringen und eure Opferhöhen zerstören, daß eure Altäre verwüstet und eure Rauchopfersäulen zerbrochen werden, und will eure Erschlagenen vor eure Götzen werfen. Ja, ich will die Leichname der Israeliten vor ihre Götzenbilder hinwerfen und will ihre Gebeine um eure Altäre her verstreuen!“

Dann erreichte mich ein neues Wort des Herrn „Du Menschenkind, so spricht der Herr zum Land Israel: Das Ende kommt, das Ende über alle vier Enden des Landes. Denn ich will meinen Zorn über dich senden und will dich richten, wie du es verdient hast, und will alle deine Greuel über dich bringen. Mein Auge soll ohne Mitleid auf dich blicken und ich will nicht gnädig sein, sondern ich will dir geben, wie du es verdient hast, und deine Greuel sollen unter dich kommen, daß ihr erfahrt, daß ich der Herr bin!“

Weiter sagte das Wort des Herrn: „Sie werden ihr Silber hinaus auf die Gassen werfen und ihr Gold wie Unflat achten, denn ihr Silber und Gold kann sie nicht erretten am Tage des Zorns des Herrn. Und sie werden sich davon nicht sättigen und ihren Bauch damit nicht füllen, denn es wurde zum Anlaß ihrer Missetat. Sie haben ihren edlen Kleinode zum Hochmut gemacht und Bilder ihrer greulichen Götzen daraus gemacht. Darum will ich ihnen alles zum Unrat machen und will es Fremden in die Hände geben, daß sie es rauben, und den Gottlosen auf der Erde zur Beute, daß sie es entheiligen!“ (Hes 6 - 7, gekürzt).

 

Die Greuel des Götzendienstes:

Es begab sich im sechsten Jahr, am fünften Tage des Sechsten Monats. Ich saß in meinem Haus und die Ältesten von Juda saßen vor mir Da fiel die Hand des Herrn auf mich.……Er sprach zu mir: „Du Menschenkind, hebe deine Augen auf nach Norden!“ Und als ich meine Augen aufhob nach Norden, da stand nördlich vom Tor ein Altar, da wo es zu dem Bild geht, das für den Herrn ein Ärgernis war……..

Und der Herr sprach zu mir: „Du Menschenkind, siehst du auch, was diese tun? Große Greuel, die das Haus Israel hier tut, um mich von meinem Heiligtum zu vertreiben. Aber du wirst noch größere Greuel sehen!“ Und er führte mich zur Tür des Vorhofs. Da sah ich ein Loch in der Wand. Und er sprach zu mir: „Du Menschenkind, breche ein Loch durch die Wand!“

Und als ich ein Loch durch die Wand gebrochen hatte, siehe, da war eine Tür. Und er sprach zu mir: „Gehe hinein und schaue die bösen Greuel, die sie hier treiben!“ Und als ich hineinkam und schaute, siehe, da waren lauter Bilder von Würmern und scheußlichen Tieren und allen Götzen des Volkes Israel ringsherum an den Wänden eingegraben.

Davor standen siebzig Männer aus den Ältesten des Volkes Israel, und Jaasanja stand mitten unter ihnen. Ein jeder hatte sein Räucherfaß in der Hand, und der Duft einer Wolke von Weih­rauch stieg auf.

Er sprach zu mir: „Du Menschenkind, siehst du, was die Ältesten des Volkes Israel tun in der Finsternis, ein jeder in der Kammer seines Götzenbildes? Denn sie sagen: Der Herr sieht uns nicht, sondern der Herr hat das Land verlassen!“

Er sprach zu mir: „Du sollst noch größere Greuel sehen, die sie tun!“ Er führte mich zum Eingang am Haus des Herrn, das im Norden liegt, und siehe, dort saßen Frauen, die den Gott Tammus beweinten.

Er sprach zu: „Menschenkind, siehst du das? Aber du sollst noch größere Greuel sehen als diese sind!“ Er führte mich in den inneren Vorhof am Haus des Herrn. Und siehe vor dem Eingang zum Haus des Herrn, zwischen der Vorhalle und dem Altar, standen etwa fünfundzwanzig Männer, die ihren Rücken gegen das Haus des Herrn und ihr Angesicht nach Osten gewandt hatten und beteten gegen Osten die Sonne an.

Er sprach zu mir: „Menschenkind, siehst du das? Ist es dem Volk Juda nicht genug, diese Greuel hier zu treiben, daß sie auch sonst das ganze Land mit Gewalt und Unrecht erfüllen und mich immer wieder reizen? Und siehe, sie halten sich die Weinrebe an die Nase. Darum will ich auch mit Grimm an ihnen handeln, und mein Auge soll ohne Mitleid auf sie blicken, und ich will nicht gnädig sein. Wenn sie auch mit lauter Stimme mir in die Ohren schreien, will ich sie doch nicht hören (Hes 8, am Anfang leicht gekürzt).

 

Die Bestrafung Jerusalems:

Der Herr rief mit lauter Stimme vor meinen Ohren und sprach: „Gekommen ist die Plage der Stadt. Ein jeder habe sein Werkzeug zur Zerstörung in seiner Hand!“ Und siehe, da kamen sechs Männer auf dem Weg vom oberen nördlichen Tor her. Ein jeder hatte ein Werkzeug zum Zerschlagen in seiner Hand. Aber es war einer unter ihnen der hatte ein Gewand aus Leinwand an und ein Schreibzeug an seiner Seite. Und sie kamen heran und traten neben den kupfernen Altar. Und die Herrlichkeit des Gottes Israels erhob sich von dem Cherub, über dem sie war, zu der Schwelle am Haus des Herrn, und der Herr rief dem, der das leinene Gewand anhatte und das Schreibzeug an seiner Seite: „Gehe durch die Stadt Jerusalem und zeichne mit einem Zeichen an der Stirn die Leute, die über die Greuel seufzen und jammern, die darin geschehen!“

Zu den anderen Männern aber sprach er, daß ich es hörte: „Gehet diesem nach durch die Stadt und schlagt drein. Eure Augen sollen ohne Mitleid blicken und keinen verschonen. Erschlagt Alte, junge Männer, junge Frauen, Kinder und Frauen. Schlagt alle tot. Aber die das Zeichen an sich haben, von denen sollt ihr keinen anrühren. Fangt aber an bei meinem Heiligtum!“ Und sie fingen an bei Ältesten, die vor dem Haus standen. Und er sprach zu ihnen: „Macht das Haus des Herrn unrein, füllt die Vorhöfe mit Erschlagenen. Dann geht hinaus!“ Und sie gingen hinaus und erschlugen die Leute in der Stadt. Und als sie die erschlagen hatten, war ich noch übrig.

Und ich fiel auf mein Angesicht, schrie und sprach: „Ach Herr, willst du denn den ganzen Rest in Israel verderben, daß du deinen Zorn so ausschüttest über Jerusalem?“ Er sprach zu mir: „Die Missetat des Volkes Israel und Juda allzugroß. Es ist lauter Blutschuld im Land und Unrecht in der Stadt. Denn sie sprechen: Der Herr hat das Land verlassen, der Herr sieht uns nicht. Darum soll mein Auge ohne Mitleid auf sie blicken. Ich will auch nicht gnädig sein, sondern will ihr Tun auf ihren Kopf kommen lassen!“ Und siehe, der Mann mit dem leinenen Gewand und dem Schreibzeug an seiner Seite, antwortete und sprach: „Ich habe getan, wie du mir geboten hast! (Hes 9).

 

Die Herrlichkeit Gottes:

Und ich sah, wie es an der Kuppel über dem Haupt der Cherubim glänzte wie ein Saphir, und über ihnen war etwas zu sehen wie ein Thron. Und einer sprach zu dem Mann in dem leinenen Gewand: „Geh hinein zwischen das Räderwerk unter den Cherub und fülle deine Hände mit glühenden Kohlen, die zwischen den Cherubim sind, und streue sie über die Stadt!“ Und er ging hinein vor meinen Augen.

Die Cherubim aber standen zur Rechten am Haus des Herrn, als der Mann hineinging, und die Wolke erfüllte den Inneren Vorhof. Und die Herrlichkeit des Herrn erhob sich von dem Cherub zur Schwelle am Haus des Herrn. Das Haus wurde erfüllt mit der Wolke und der Vorhof mit dem Glanz der Herrlichkeit des Herrn. Und man hörte die Flügel der Cherubim rauschen bis in den äußeren Vorhof, wie die Stimme des allmächtigen Gottes, wenn er redet.

Und als er dem Mann in dem leinenen Gewand geboten hatte: „Nimm von dem Feuer zwischen dem Räderwerk unter den Cherubim!“ ging dieser hinein und trat neben das Rad. Der Cherub streckte seine Hand heraus aus der Mitte der Cherubim bis zum Feuer, das zwischen den Cherubim war, nahm davon und gab es dem Mann in dem leinenen Gewand in die Hände. Derr empfing es und ging hinaus. Dann erschien unter den Cherubim etwas wie die Hand eines Menschen unter ihren Flügeln. Und ich sah: Vier Räder standen bei den Cherubim, bei jedem Cherub ein Rad, und die Räder sahen aus wie ein Türkis, und alle vier sahen eines wie das andere aus, als wäre ein Rad im andern.

Und die Cherubim hoben sich empor. Es war aber dieselbe Gestalt, die ich am Fluß Kebar gesehen hatte. Wenn die Cherubim gingen, so gingen auch die Räder mit. Und wenn die Che­ru­bim ihre Flügel schwangen, daß sie sich von der Erde erhoben, so wandten sich auch die Räder nicht von ihrer Seite weg. Wenn jene standen, so standen diese auch, erhoben sie sich, so erhoben sich diese auch, denn es war der Geist der Gestalten in ihnen.

Dann ging die Herrlichkeit des Herrn wieder aus von der Schwelle am Haus des Herrn und stellte sich über die Cherubim. Da schwangen die Cherubim ihre Flügel und erhoben sich von der Erde vor meinen Augen. Und als sie ausgingen, gingen die Räder mit. Sie traten in den Eingang des östlichen Tores am Haus des Herrn, und die Herrlichkeit des Gottes Israels war oben über ihnen. (Hes 10, gekürzt).

 

Gottes Gericht über die Obersten des Volks:

Der Geist hob mich empor und brachte mich zum östlichen Tor am Haus des Herrn. Im Eingang des Tors waren fünfundzwanzig Männer, und ich sah unter ihnen die Obersten im Volk, nämlich Jaasanja und Pelatja. Er sprach zu mir: „Menschenkind, diese Männer planen Unheil und geben schädlichen Rat in dieser Stadt, denn sie sprechen: „Sind nicht vor kurzem die Häuser wieder aufgebaut worden? Die Stadt ist der Topf, sind wir das Fleisch“. Darum sollst du, Menschenkind, gegen sie weissagen.

Und der Geist des Herrn fiel auf mich, und er sprach zu mir: „Sage: So sagt der Herr: so habt ihr geredet, ihr vom Volk Israel, und die Gedanken eures Geistes kenne ich wohl. Ihr habt viele erschlagen in dieser Stadt, und ihre Gassen liegen voll Toter. Darum spricht der Herr: Die ihr in der Stadt getötet habt, die sind das Fleisch, und sie ist der Topf, aber ihr müßt hinaus. Das Schwert, das ihr fürchtet, das will ich über euch kommen lassen!“

Weiter sprach ich: „Ich will euch aus der Stadt heraus treiben und den Fremden in die Hand geben und will Gericht über euch halten. Ihr sollt durchs Schwert fallen, an der Grenze Israels will ich euch richten, und sollt erfahren, daß ich der Herr bin. Die Stadt aber soll für euch nicht der Topf sein noch ihr das Fleisch darin, sondern an der Grenze Israels will ich euch richten. Und ihr sollt erfahren, daß ich der Herr bin, denn ihr habt nicht nach meinen Geboten gelebt und habt meine Ordnungen nicht gehalten, sondern habt gelebt nach den Ordnungen der Völker, die um euch her sind!“

Und als ich noch so weissagte, starb Pelatja. Da fiel ich auf mein Angesicht und schrie mit lauter Stimme und sprach: „Ach Herr, willst du dem Rest Israels ganz und gar ein Ende machen?“ (Hes 1,1-13).

 

Die Verheißung für die Weggeführten:

Da geschah des Herrn Wort zu mir und sprach: „Du Menschenkind, die Leute, die noch in Jerusalem wohnen, sagen von deinen Brüdern und nahen Verwandten und dem ganzen Volk Israel: Sie sind fern vom Herrn sein, aber uns ist das Land zum Eigentum gegeben. Darum sage: So spricht der Herr: Ja, ich habe sie fern weg unter die Völkern vertrieben und in die Länder zerstreut und bin ihnen nur wenig zum Heiligtum geworden in den Ländern, in die sie gekommen sind. Darum sage ich: So spricht der Herr: Ich will euch zusammenbringen aus den Völkern und will euch sammeln aus den Ländern, in die ihr zerstreut seid, und will euch das Land Israel geben. Dorthin sollen sie kommen und alle Götzenbilder und Greuel daraus wegtun. Und ich will euch ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will damit sie nach meinen Geboten leben und meine Ordnungen halten und danach tun. Und sie sollen mein Volk sein und ich will ich ihr Gott sein. Denen aber, die nach ihrem Herzen ihren Götzen und ihren Greueln leben, will ich ihr Tun auf ihren Kopf kommen lassen, spricht der Herr (Hes 11,14-21).

 

Die Herrlichkeit des Herrn verläßt Jerusalem:

Da schwangen die Cherubim ihre Flügel, und die Räder gingen mit, und die Herrlichkeit des Gottes Israels war oben über ihnen. Und die Herrlichkeit des Herrn erhob sich aus der Stadt und stellte sich auf den Berg, der in Osten vor der Stadt liegt.

Und der Geist hob mich empor und brachte mich bildlich gesprochen durch den Geist Gottes nach Chaldäa zu den Weggeführten. Und die Erscheinung, die ich gesehen hatte, verschwand vor mir. Und ich sagte den Weggeführten alle Worte des Herrn, die er mir in Bildern gezeigt hatte (Hes 11, 22-25).

 

Die Wegführung von König und Volk:

Des Herrn Wort geschah zu mir und sprach: „Du Menschenkind, du wohnst in einem Volk des Widerspruchs. Sie haben wohl Augen, daß sie sehen könnten, und wollen nicht sehen. Sie haben Ohren, daß sie hören könnten, und wollen nicht hören, sondern sie sind ein Volk des Widerspruchs. Darum, du Menschenkind, pack dir Sachen wie für die Verbannung und schaffe deine Sachen am hellen Tag heraus vor ihren Augen, wie man zur Verbannung auszieht. Du sollst vor ihren Augen ein Loch durch die Wand brechen und da hinausziehen. Du sollst deine Schulter vor ihren Augen beladen und hinausziehen, wenn es dunkel wird. Dein Angesicht sollst du verhüllen, damit du das Land nicht siehst. Denn ich habe dich für das Volk Israel zum Wahrzeichen gesetzt!“

Ich tat wie mir befohlen war, und trug mein Gepäck heraus wie Gepäck für die Verbannung. Am Abend brach ich mit der Hand ein Loch durch die Wand. Und als es dunkel geworden war, belud ich meine Schulter und zog hinaus vor ihren Augen.

Früh am Morgen erreichte mich des Herrn Wort und sprach zu mir: „Menschenkind, hat das Volk Israel nicht zu dir gesagt: Was machst du? Sage zu ihnen: So spricht der Herr: Diese Last trifft den Obersten in Jerusalem und das ganze Volk Israel, das dort wohnt. Sprich: Ich bin euer Wahrzeichen. Wie ich getan habe, so wird ihnen geschehen. Fortziehen müssen sie und gefangen weggeführt werden. Ihr Oberster wird seine Habe auf die Schulter laden, wenn es dunkel wird und ein Loch durch die Wand brechen und dort hinausziehen. Sein Angesicht wird er verhüllen, daß er nicht mit seinem Auge das Land sehe. Ich will auch mein Netz über ihn werfen, daß er in meinem Garn gefangen werde, und will ihn nach Babel bringen in das Land der Chaldäer, das er jedoch nicht sehen wird, und dort soll er sterben.

Und alle, die um ihn her sind, seine Helfer und seinen ganzen Anhang, will ich in alle Winde zerstreuen und das Schwert ziehen hinter ihnen her. Dann sollen sie erfahren, daß ich der Herr sei, wenn ich sie unter die Völker verstoße und in die Länder zerstreue. Aber ich will einige wenige übriglassen vor dem Schwert, dem Hunger und der Pest. Sie sollen von all ihren Greueltaten erzählen unter den Völkern, zu denen sie kommen werden, und sie sollen erfahren, daß ich der Herr bin!“

Und des Herrn Wort geschah zu mir und sprach: „Du Menschenkind, was habt ihr für ein Gerede im Land Israel und sprecht: Es dauert so lange, und es wird nichts aus der Weissagung? Darum sage zu ihnen: So spricht der Herr: Ich will diesem Gerede ein Ende machen, daß man es nicht mehr im Munde führen soll in Israel. Sage vielmehr zu ihnen: Die Zeit ist nahe und alles kommt, was geweissagt ist. Denn es soll hinfort keine trügerischen Erscheinungen und keine falsche Offenbarung mehr geben im Volk Israel. Denn ich bin der Herr! Was ich rede, das soll geschehen und sich nicht lange hinausziehen, sondern in eurer Zeit rede ich ein Wort und tue es auch, spricht der Herr!“

Und des Herrn Wort erreichte mich erneut und sprach: „Du Menschenkind, siehe, das Volk Israel spricht: Mit den Bildern, die dieser schaut, dauert es noch lange, er weissagt für Zeiten, die noch ferne ist. Darum sage zu ihnen: So spricht der Herr: Was ich rede, soll sich nicht lange hinausziehen, sondern es soll geschehen, spricht der Herr (Hes 12, gekürzt).

 

Gegen die falschen Propheten:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Du Menschenkind, weissage gegen die Propheten Israels und sprich zu denen, die aus ihrem eigenen antrieb heraus weissagen: „Hört des Herrn Wort!“ So spricht der Herr: „Weh den törichten Propheten, die ihrem eigenen Geist folgen und haben doch keine Gesichte!“

O Israel, deine Propheten sind wie die Füchse in den Trümmern! Sie sind nicht in die Bresche getreten und machen sich nicht zur Mauer gemacht um das Volk Israel, damit es fest steht im Kampf am Tag des Herrn. Ihre Erscheinungen sind nichts, und ihr Weissagen ist Lüge. Sie sprechen: „Der Herr hat es gesagt!“ und doch hat sie der Herr nicht gesandt. Sie warten darauf, daß ihr Wort sich erfülle.

Ist es nicht vielmehr so: Eure Erscheinungen sind nichtig und euer Wahrsagen ist lauter Lüge? Und ihr sprecht doch: Der Herr hat es geredet! wo ich doch nichts geredet habe. Darum spricht der Herr: „Weil ihr Trug redet und Lügen weissagt, darum will ich an euch. Meine Hand soll über die Propheten kommen. Sie sollen in der Gemeinschaft meines Volkes nicht bleiben und in das Buch des Volkes Israel nicht eingeschrieben werden und nicht ins Land Israels kommen. Weil sie mein Volk verführen und sagen: „Friede!“ wo doch kein Friede ist.

 

Wenn das Volk sich eine Wand baut, so übertünchen sie diese mit Kalk. Deshalb sprich zu den Tünchern: „Die Wand wird einfallen! Denn es wird ein Platzregen kommen und werden Hagel wie Steine fallen und ein Windwirbel losbrechen!“ Siehe, da wird die Wand einfallen. Dann wird man zu euch sagen: „Wo ist nun der Anstrich, das ihr darüber getüncht habt?“ ……..

Und du, Menschenkind, richte dein Angesicht gegen die Töchter deines Volks, die aus eigenem Antrieb als Prophetinnen auftreten, und weissage gegen sie und sprich: „So spricht der Herr: Wehe euch, die ihr Binden näht für eure Handgelenke und Hüllen für die Köpfe der Jungen und Alten, um die Seelen damit zu fangen. Wollt ihr Seelen fangen in meinem Volk und Seelen für euch am Leben erhalten? Ihr entheiligt mich bei meinem Volk für eine Handvoll Gerste und einen Bissen Brot, dadurch daß ihr die Seelen tötet, die nicht sterben sollten, und Seelen am Leben erhaltet, die nicht leben sollten, durch eure Lügen unter meinem Volk, das so gern Lügen hört!“

Darum spricht der Herr: „Siehe, ich will über eure Binden kommen, mit denen ihr die Seelen fang, und will sie von euren Armen reißen und die Seelen, so ihr gefangen habt, befreien. Ich will eure Hüllen wegreißen und mein Volk aus eurer Hand erretten, daß ihr sie nicht mehr fangen könnt. Und ihr sollt erfahren, daß ich der Herr bin!“ (Hes 13, gekürzt).

 

Gottes Antwort an die Götzendiener:

Und es kamen einige von den Ältesten Israels zu mir und setzten sich vor mir nieder.

Da erreichte mich des Herrn Wort und sprach: „ Du Menschenkind, diese Leute hängen mit ihrem Herzen an ihren Götzen und haben mit Freuden vor Augen, was sie schuldig werden läßt. Sollte ich mich wirklich von ihnen befragen lassen? Darum rede mit ihnen und sage zu ihnen: So spricht der Herr: Jedem vom Volk Israel, der mit seinem Herzen an seinen Götzen hängt und mit Freuden vor Augen hat, was ihn schuldig werden läßt, und dann zum Propheten kommt, dem will ich antworten, wie er es verdient hat mit seinen vielen Götzen, damit ich so dem Volk Israel ans Herz greife, weil sie alle von mir gewichen sind mit all ihren Götzen.

Darum sollst du zum Volk Israel sagen: „So spricht der Herr: Kehrt um und wendet euch ab von euren Götzen und wendet euer Angesicht von allen euren Greueln. Denn jedem vom Volk Israel oder von den Fremden in Israel, der von mir weicht und mit seinem Herzen an seinen Götzen hängt und mit Freuden vor Augen hat, was ihn schuldig werden läßt, und der dann zum Propheten kommt, um durch ihn mich zu befragen, dem will ich, der Herr, selbst antworten. Ich will mein Angesicht gegen ihn richten und ihn zum Zeichen und Sprichwort machen, und ich will ihn aus meinem Volk ausrotten, daß ihr erfahren sollt, daß ich der Herr bin!“

Weiter fährt der Herr fort: „Wenn aber ein Prophet sich betören läßt, etwas zu verkünden, so habe ich diesen Propheten betört, und will meine Hand gegen ihn ausstrecken und ihn aus meinem Volk Israel ausrotten. So sollen sie beide ihre Schuld tragen. Wie die Schuld des Fragenenden soll auch die Schuld des Propheten sein, damit das Volk Israel nicht mehr von mir abirrt und sich nicht mehr unrein macht durch alle seine Übertretungen, sondern sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein, spricht der Herr!“.…(Hes 14, gekürzt).

 

Das Gleichnis vom unbrauchbaren Rebholz:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: „Du Menschenkind, was hat das Holz des Weinstocks voraus vor anderem Holz? Nimmt man es denn und macht etwas daraus? Macht man auch nur einen Pflock daraus, an den man etwas hängen kann? Siehe, man wirft es ins Feuer, daß es verzehrt wird. Wenn das Feuer seine beiden Enden verzehrt hat und die Mitte versengt ist, wozu sollte es dann noch taugen?

 Als es noch unversehrt war, konnte man nichts daraus machen. Wieviel weniger kann noch daraus gemacht werden, wenn es das Feuer verzehrt und versengt hat!“

Darum spricht der Herr: „Wie ich das Holz des Weinstocks zu Feuer zu verzehren werde, so will ich auch die Einwohnern Jerusalems dahingeben, und will mein Angesicht gegen sie richten. Sie sind dem Feuer sie entgangen, aber das Feuer soll sie doch fressen. Und ihr sollt erfahren, daß ich der Herr bin, wenn ich mein Angesicht gegen sie richte und das Land zur Wüstenei mache, weil sie die Treue gebrochen haben, spricht der Herr (Hes 15).

 

Jerusalem - eine treulose Frau:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Du Menschenkind tue der Stadt Jerusalem ihre Greuel kund und sprich: So spricht der Herr zu Jerusalem: Nach Sippe und Geburt bist du aus dem Land der Kanaaniter, dein Vater war ein Amoriter und deine Mutter eine Hethiterin. Bei deiner Geburt war es so: Deine Nabelschnur wurde nicht abgeschnitten auch hat man dich nicht mit Wasser gebadet, daß du sauber würdest, dich nicht mit Salz abgerieben und nicht in Windeln gewickelt. Denn niemand sah mitleidig auf dich und erbarmte sich, daß er etwas von all dem an dir getan hätte, sondern du wurdest aufs Feld geworfen. So verachtet war dein Leben, als du geboren wurdest.

Weiter sprach der Herr: Ich aber ging an dir vorüber und sah dich in deinem Blut liegen und sprach zu dir, als du so in deinem Blut dalagst: Du sollst leben! Du sollst heranwachsen! Wie ein Gewächs auf dem Feld machte ich doch und du bist herangewachsen und du wurdest groß und schön. Deine Brüste wuchsen und du bekamst lange Haare; aber du warst noch nackt und bloß. Und ich ging an dir vorüber und sah dich an, und siehe, es war die Zeit, um dich zu werben. Da breitete ich meinen Mantel über dich und bedeckte deine Blöße. Und ich schwor es dir und schloß mit dir in einen Bund, daß du mein sein solltest.

Aber du verließest dich auf deine Schönheit. Und weil du so gerühmt wurdest, triebst du Hurerei und hast dich jedem angeboten, der vorüber ging und warst ihm zu Willen. Du nahmst von deinen Kleidern und machtest dir bunte Altäre daraus und triebst dort deine Hurerei, wie nie geschehen ist noch geschehen wird

Meine Speise, die ich dir zu essen gab, feinstes Mehl, Öl, Honig, legtest du ihnen vor zum lieblichen Geruch. Ja es kam dahin, daß du deine Söhne und Töchter nahmst, die du mir geboren hattest, und opfertest sie ihnen zum Fraß. War es denn noch nicht genug mit deiner Hurerei?

Zuerst triebst du Hurerei mit den Ägyptern, deinen Nachbarn voller Geilheit, und triebst viel Hurerei, mich zu reizen. Ich aber streckte meine Hand aus gegen dich und entzog dir einen Teil meiner Gaben und gab dich preis der Willkür deiner Feinde, der Töchter der Philister, die sich schämten über dein schamloses Treiben. Danach triebst du Hurerei mit den Assyrern, weil du nicht satt geworden warst. Du triebst mit ihnen Hurerei und wurdest auch hier nicht satt. Da triebst du noch mehr Hurerei mit dem Krämerland Chaldäa, doch auch da konntest du nicht satt werden.

So spricht der Herr: Weil du bei deiner Hurerei deine Scham entblößt und deine Blöße vor deinen Liebhabern aufgedeckt hast und wegen all deiner greulichen Götzen und wegen des Bluts deiner Kinder, die du ihnen opferst: Darum will ich sammeln alle deine Liebhaber, alle, die du geliebt hast, samt allen, die du nicht geliebt hast, und will sie gegen dich versammeln und will ihnen deine Blöße aufdecken, daß sie deine Blöße ganz sehen sollen.

 

Siehe, wer gern in Sprichwörtern redet, der wird von dir dies Sprichwort sagen: „Wie die Mutter, so die Tochter!“ Du bist die Tochter deiner Mutter, die ihren Mann und ihre Kinder von sich stieß. Du bist die Schwester deiner Schwestern, die ihre Männer und Kinder von sich stießen. Eure Mutter war eine von den Hethitern und euer Vater ein Amoriter. Deine große Schwester ist Samaria mit ihren Töchtern, die dir zur Linken wohnt. Und deine kleine Schwester ist Sodom mit ihren Töchtern, die dir zur Rechten wohnt. Es war dir nicht genug, in ihren Wegen zu gehen und nach ihren Greueln zu tun. Du hast es noch ärger getrieben als sie in all deinem Tun.

So spricht der Herr: Ich will dir tun wie du getan hast, daß du den Eid verachtet hast und den Bund gebrochen hast. Ich will aber an meinen Bund denken, den ich mit dir geschlossen habe zur Zeit deiner Jugend, und will mit dir einen ewigen Bund aufrichten. Dann wirst du an deine Wege denken und dich schämen, wenn ich deine großen und kleinen Schwestern nehmen und sie dir zu Töchtern geben werde, aber nicht um deines Bundes willen. Ich will meinen Bund mit dir aufrichten, so daß du erfahren sollst, daß ich der Herr bin, damit du daran denkst und dich schämst und vor Scham deinen Mund nicht mehr aufzutun wagst, wenn ich dir alles vergeben werde, was du getan hast, spricht der Herr (Hes 16, gekürzt).

 

Gleichnis vom Zedernwipfel und Weinstock:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Du Menschenkind, lege dem Volk Israel ein Rätsel vor und ein Gleichnis und sprich: So spricht der Herr: Ein großer Adler mit großen Flügeln und langen Flügeln und vollen bunten Schwingen, kam auf den Libanon und nahm den Wipfel einer Zeder weg und brach die Spitze ab und führte sie ins Krämerland und setzte sie in die Händlerstadt.

Dann nahm er auch ein Gewächs des Landes und pflanzte es in gutes Land, wo viel Wasser war, und setzte es am Ufer ein. Und es wuchs und wurde ein ausgebreiteter Weinstock und niedrigem Stamm, denn seine Ranken bogen sich zu ihm, und seine Wurzeln waren unter ihm. Und so wurde es ein Weinstock, der Schößlinge hervor trieb und Zweige.

Da kam ein anderer großer Adler mit großen Flügeln und starken Schwingen, und siehe, der Weinstock bog seine Wurzeln zu diesem Adler hin und streckte seine Reben ihm entgegen. Der Adler sollte ihm mehr Wasser geben als die Stelle, wo er hingepflanzt war. Er war doch auf einen guten Boden an viel Wasser gepflanzt, so daß er wohl hätte Zweige bringen können, Früchte tragen und ein herrlicher Weinstock werden.

So sage nun: So spricht der Herr: Sollte der geraten? Wird man nicht seine Wurzeln ausreißen, daß seine Früchte abreißen? Er wird verdorren, alle Blätter werden verwelken. Ohne große Kraft und ohne viel Volk wird man ihn mit seinen Wurzeln ausreißen. Siehe, er ist zwar gepflanzt, aber sollte er auch geraten? Sobald der Ostwind über ihn kommt, wird er verdorren auf dem Beet, auf dem er gewachsen ist.

Darum spricht der Herr: So wahr ich lebe, ich will meinen Eid, den er verachtet hat, und meinen Bund, den er gebrochen hat, auf seinen Kopf kommen lassen. Ich will mein Netz über ihn werfen, und er soll in meinem Garn gefangen werden. Ich will ihn nach Babel bringen und will dort mit ihm ins Gericht gehen, weil er mir die Treue gebrochen hat. Alle Auserlesenen seiner Streitmacht sollen durchs Schwert fallen, und alle Übriggebliebenen sollen in alle Winde zerstreut werden, und ihr sollt es erfahren, daß ich, der Herr, es geredet habe.

So spricht der Herr: Dann will ich selbst von dem Wipfel der Zeder die Spitze wegnehmen und ihr einen Platz geben: Ich will oben von ihren Zweigen ein zartes Reis brechen und will es auf einen hohen und erhabenen Berg pflanzen.

Auf den hohen Berg Israels will ich es pflanzen, daß es Zweige gewinnt und Früchte bringt und ein herrlicher Zedernbaum wird, so daß Vögel aller Art unter ihm wohnen und alles, was fliegt, im Schatten seiner Zweige bleiben kann.

Und alle Bäume auf dem Feld sollen erkennen, daß ich der Herr bin: Ich erniedrige den hohen Baum und erhöhe den niedrigen Baum. Ich lasse den grünen Baum verdorren und den dürren Baum lasse ich grünen. Ich, der Herr, rede es und tue es auch (Hes 17, gekürzt).

 

Gott richtet jeden nach seinem Tun:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Was habt ihr unter euch im Lande Israel dies Sprichwort: „Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden“? So wahr als ich lebe, spricht der Herr, dieses Sprichwort soll nicht mehr unter euch umgehen in Israel. Denn siehe: Alle Menschen gehören mir, die Väter sowohl wie die Söhne. Jeder der sündigt, der soll sterben.

Wenn nun einer gerecht ist und Recht und Gerechtigkeit übt und von den Opfern auf den Höhen nicht ißt und seine Augen nicht aufhebt zu den Götzen des Volkes Israel, der die Frau seines Mitmenschen nicht befleckt und nicht bei der Frau liegt in ihrer Krankheit, der niemand bedrückt, der dem Schuldner sein Pfand zurückgibt und der niemand etwas mit Gewalt nimmt, der mit dem Hungrigen sein Brot teilt und den Nackten kleidet, der nicht auf Zinsen leiht und keine Aufschlag nimmt, der seine Hand von Unrecht zurückhält und rechtes Urteil fällt unter den Leuten, der nach meinen Gesetzen lebt und meine Gebote hält und danach tut: das ist ein Gerechter, der soll das Leben behalten, spricht der Herr.……………..

Doch ihr sagt: „Warum soll denn ein Sohn nicht die Schuld seines Vaters tragen?“ Weil der Sohn Recht und Gerechtigkeit übt und alle meine Gesetze gehalten und getan hat, soll er am Leben bleiben.

Denn: Nur wer sündigt, soll sterben. Der Sohn soll nicht tragen die Schuld des Vaters, und der Vater soll nicht tragen die Schuld des Sohnes, sondern Gerechtigkeit des Gerechten soll über ihm allein zugute kommen, und die Ungerechtigkeit des Ungerechten soll auf ihm allein liegen. Wenn sich aber der Gottlose bekehrt von allen seine Sünden und hält alle meine Gesetze und übt Recht und Gerechtigkeit, so soll er leben und nicht sterben. Es soll an alle seine Übertretungen nicht gedacht werden, sondern er soll am Leben bleiben um der Gerechtigkeit willen, die er getan hat. Meinst du, daß ich Gefallen habe am Tod des Gottlosen und nicht vielmehr daran, daß er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt?

Und wenn sich der Gerechte abkehrt von seiner Gerechtigkeit und tut Unrecht und lebt nach all den Greueln, die ein Gottloser tut, sollte er am Leben bleiben? An all seine Gerechtigkeit, die er getan hat, soll nicht gedacht werden, sondern in seiner Übertretung und Sünde, die er getan hat, soll er sterben.

Und doch sagt ihr: „Der Herr handelt nicht recht!“ So hört nun, ihr vom Volk Israel: Handle denn i c h unrecht? Ist es nicht so, daß i h r unrecht handelt? Denn wenn der Gerechte sich abkehrt von seiner Gerechtigkeit und tut Unrecht, so muß er sterben: Er muß aber um seines Unrechts willen, das er getan hat, sterben. Wenn sich dagegen der Ungerecht abkehrt von seiner Ungerechtigkeit, die er getan hat, und übt nun Recht und Gerechtigkeit, der wird sein Leben erhalten. Denn weil er es gesehen und sich bekehrt hat von allen seinen Übertretungen, so soll er leben und nicht sterben(Hes 18, gekürzt).

 

Klagelied über das Geschick des Königshauses:

Der Herr sprach zu mir: Stimme ein Klagelied an über die Obersten Israels und sprich: Welche eine Löwin war deine Mutter! Unter den Löwen lagerte sie und zog ihre Jungen auf. Eins ihrer Jungen zog sie auf, und wurde ein junger Löwe daraus, der es lernte, Tiere zu reißen und sogar Menschen zu fressen. Da rüsteten die Völker gegen ihn zum Krieg und fingen ihn in ihrer Grube und führten ihn in Ketten nach Ägypten. Als nun die Mutter sah, daß ihre Hoffnung verloren war, nahm sie ein anderes von ihren Jungen heraus und machte einen jungen Löwen daraus. Der lebte unter den Löwen, wurde ein junger Löwe und lernte Tiere zu reißen, ja Menschen fraß er. Er zerstörte ihre Burgen und verwüstete ihre Städte, daß das Land und was darin war, vor seinem lauten Brüllen sich entsetzte. Da rüsteten alle Völker aus allen Ländern ringsumher gegen ihn auf und warfen ein Netz über ihn und fingen ihn in ihrer Grube. Sie stießen ihn gefesselt in einen Käfig und führten ihn zum König von Babel. Man brachte ihn in einen Zwinger und ließ ihn verwahren, damit seine Stimme nicht mehr gehört würde auf den Bergen Israels(Hes 19, gekürzt).

 

Israels ständiger Ungehorsam:

Es begab sich im siebenten Jahr, am zehnten Tage des fünften Monats, da kamen einige von den Ältesten Israels, den Herrn zu fragen, und setzten sich vor mir nieder. Da erreichte mich des Herrn Wort und sprach: „Du Menschenkind, sage den Ältesten Israels und sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Seid ihr gekommen, mich zu befragen? So wahr ich lebe, ich will mich nicht von euch befragen lassen, spricht der Herr.

Aber willst du sie richten, du Menschenkind? Willst du richten? Zeige ihnen an die Greueltaten ihrer Väter und sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Zu der Zeit, als ich Israel erwählte, erhob ich meine Hand zum Schwur für das Volk Israel und gab mich ihnen zu erkennen in Ägypten. Ja, ich erhob meine Hand für sie und sprach: Ich bin der Herr, euer Gott.

Ich erhob zur selben Zeit auch meine Hand, daß ich sie führen aus Ägypten in ein Land, das ich für sie ausersehen hatte, das von Milch und Honig fließt, ein edles Land vor allen Ländern, und sprach zu ihnen: Ein jeder werfe weg die Greuelbilder vor seinen Augen, und macht euch nicht unrein an den Götzen Ägyptens, denn ich bin der Herr, euer Gott.

Sie aber waren mir ungehorsam und wollten mir nicht gehorchen und keiner von ihnen warf die Greuelbilder weg vor seinen Augen und sie verließen die Götzen Ägyptens nicht. Da dachte ich, meinem Grimm über sie auszuschütten und all mein Zorn an ihnen auszulassen noch in Ägypten.

Darum rede, du Menschenkind, mit dem Volk Israel und sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Eure Väter haben mich auch damit gelästert, daß sie mir die Treue gebrochen haben, als ich sie in das Land gebracht hatte, über das ich meine Hand erhoben hatte zum Schwur, es ihnen zu geben: Wo sie einen hohen Hügel oder dichten Baum sahen, da opferten sie ihre Opfer und dahin brachten sie ihre ärgerlichen Gaben mir zum Ärgernis und da legten sie ihre Räucheropfer nieder und da gossen sie ihre Trankopfer aus.

Darum sprich zum Volk Israel: So spricht der Herr: Macht ihr euch nicht unrein mit der Weise eurer Väter und treibt Abgötterei mit ihren Greuelbildern? Ihr macht euch unrein mit euren Götzen bis auf den heutigen Tag dadurch, daß ihr eure Gaben opfert und eure Söhne und Töchter durchs Feuer gehen laßt. Und ich sollte mich von euch befragen lassen? So wahr ich lebe, spricht der Herr: Ich will mich von euch nicht fragen lassen.

Denn so spricht der Herr: Auf meinem heiligen Berg, auf dem hohen Berg Israels, da wird mir das ganze Volk Israel dienen, alle die im Lande sind. Dort werde ich sie gnädig annehmen und da will ich eure Opfer und Erstlingsgaben fordern und alle eure heiligen Gaben. Ich will euch gnädig annehmen beim lieblichen Geruch der Opfer, wenn ich euch aus den Völkern bringen und aus den Ländern sammeln werde, in die ihr zerstreut seid, und werde mich an euch als der Heilige erweisen vor den Augen der Andersgläubigen.

Und ihr werdet erfahren, daß ich der Herr bin, wenn ich euch ins Land Israel bringe, in das Land, über dem ich meine Hand erhob zum Schwur, es euren Vätern zu geben. Dort werdet ihr gedenken an eure Wege und an alle eure Taten, mit denen ihr euch verunreinigt habt, und werdet vor euch selbst Abscheu haben wegen all der bösen Taten, die ihr getan habt. Und ihr werdet erfahren, daß ich der Herr bin, wenn ich so an euch handle zur Ehre meines Namens und nicht nach euren bösen Wegen und verderblichen Taten, du Volk Israel (Hes 20, gekürzt).

 

Das Gleichnis vom Waldbrand:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: „Du Menschenkind, richte dein Angesicht nach Süden hin und rufe nach Süden und weissage gegen den Wald im Südrand, und sprich zum Wald im Südland: Höre des Herrn Wort! So spricht der Herr: Siehe, ich will in dir ein Feuer anzünden, das soll grüne und dürre Bäume verzehren, daß man seine Flamme nicht wird löschen können, sondern es soll durch sie jedes Angesicht versengt werden vom Südland bis zum Norden hin. Und alles Fleisch soll sehen, daß ich, der Herr, es angezündet habe und niemand es löschen kann!“ Und ich sprach: „Ach Herr, sie sagen von mir: Redet der nicht immer in Rätseln?“ (Hes 21,1-5).

 

Das Schwert ist bereit:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Du Menschenkind, richte dein Angesicht gegen Jerusalem und rede gegen sein Heiligtum und weissage gegen das Land Israels und sprich zum Land Israels: So spricht der Herr: Siehe, ich will an dich. Ich will mein Schwert aus der Scheide ziehen und will in dir ausrotten Gerechte und Ungerechte. Weil ich in dir Gerechte und Ungerechte ausrotte, darum soll mein Schwert aus der Scheide fahren über alles Fleisch, vom Südland bis zum Norden hin.

Du Menschenkind, mache zwei Wege, auf denen soll das Schwert des Königs von Babel kommen kann. Sie sollen aber beide von e i n e m Land ausgehen. Und stelle einen Wegweiser an den Anfang eines jeden Wegs, der zu einer Stadt weisen soll. Mache den einen Weg, damit das Schwert nach Rabba kommen kann, der Stadt der Ammoniter, und den anderen nach Juda, zu der festen Stadt Jerusalem.

Denn der König zu Babel wird an die Wegscheide stehen, am Anfang der beiden Wege, um sich weissagen zu lassen: Er wirft mit den Pfeilen das Los, befragt seinen Götzen und beschaut die Leber. Und das Los in seiner Rechten wird nach Jerusalem deuten. Da soll er den Mund auftun mit großem Geschrei, die Stimme erheben mit Kriegsgeschrei, Sturmböcke heranführen gegen die Tore, einen Wall aufschütten und ein Bollwerk bauen (Hes 21,6-37, gekürzt).

 

Jerusalems Blutschuld:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Du Menschenkind, willst du nicht richten die mörderische Stadt? Zeige ihr alle ihre Greueltaten und sprich: So spricht der Herr: O Stadt, die du das Blut der Deinen Blut vergießt, damit deine Zeit komme, und die du dir Götzen machst, damit du unrein wirst! Durch das Blut, das du vergossen hast, wurdest du schuldig. Und durch die Götzen, die du dir machtest, hast du dich unrein gemacht. Damit hast du deine Tage herbeigezogen und bewirkt, daß deine Jahre kommen müssen.

Darum will ich dich zum Spott unter den Völkern und zum Hohn in allen Ländern machen. In der Nähe wie in der Ferne sollen sie über dich spotten.

Siehe, ich schlage meine Hände zusammen über den unrechten Gewinn, den du gemacht hast, und über das Blut, das in deiner Mitte vergossen ist. Meinst du aber, dein Herz kann standhalten oder deine Hände werden fest bleiben zu der Zeit, wenn ich an dir handle? Ich, der Herr, habe es geredet und will es auch tun und will dich zerstreuen unter die Völker und dich verstoßen in die Länder und will deiner Unreinheit ein Ende machen, und du wirst bei den Völkern als verflucht gelten und erfahren, daß ich der Herr bin (Hes 22,1-16, gekürzt).

 

Das Gleichnis vom Schmelzofen:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Du Menschenkind, das Volk Israel ist mir zu Schlacken geworden. Sie alle sind alle Kupfer, Zinn, Eisen und Blei im Ofen geworden, ja, zu Silberschlacken sind sie geworden. Darum spricht der Herr: Weil ihr denn alle Schlacken geworden seid, so will ich euch alle in Jerusalem zusammenbringen. Wie man Silber, Kupfer, Eisen, Blei und Zinn im Ofen zusammenbringt, daß man ein Feuer darunter entfacht und es zerschmelzen läßt, so will ich auch euch in meinem Zorn und Grimm zusammenbringen, hineintun und schmelzen. Ja, ich will euch sammeln und das Feuer meines Zorns gegen euch anfachen, daß ihr darin zerschmelzen müßt. Wie das Silber im Ofen zerschmilzt, so sollt ihr auch darin zerschmelzen, und sollt erfahren, daß ich, meinen Grimm über euch ausgeschüttet habe (Hes 22,17-22).

 

Die Schuld aller:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Du Menschenkind, sprich zu ihnen: Du bist ein Land, das nicht beregnet ist, das nicht benetzt wurde zur Zeit des Zorns. Die Obersten in seiner Mitte sind wie brüllende Löwen, wenn sie rauben: Sie fressen Menschen, reißen Gut und Geld an sich und machen viele zu Witwen im Land. Seine Priester tun meinem Gesetz Gewalt an und entweihen, was mir heilig ist. Sie machen zwischen „heilig“ und „unheilig“ keinen Unterschied und lehren nicht, was „rein“ oder „unrein“ ist, und vor meinen Feiertagen schließen sie die Augen, so werde ich unter ihnen entheiligt.

Ihre Obersten in ihrer Mitte sind wie die reißenden Wölfe, Blut zu vergießen und Menschen umzubringen um ihrer Habgier willen. Seine Propheten streichen ihnen mit Kalk darüber, haben trügerische Erscheinungen und wahrsagen ihnen Lügen und sagen: „So spricht der Herr!“wo doch der Herr gar nicht geredet hat. Das Volk des Landes übt Gewalt: Sie rauben drauf los und bedrücken die Armen und Elenden und tun den Fremdlingen Gewalt an gegen alles Recht.

Ich suchte unter ihnen, ob jemand eine Mauer ziehen und in die Bresche vor mir treten würde für das Land, damit ich es nicht vernichten müßte, aber ich fand keinen. Darum schüttete ich meinen Zorn über sie aus, und mit dem Feuer meines Grimmes machte ich ihnen ein Ende und ließ so ihr Treiben auf ihren Kopf kommen, spricht der Herr (Hes 22,23-31).

 

Die zuchtlosen Schwestern:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Du Menschenkind, es waren zwei Frauen, die Töchter einer Mutter. Die wurden schon in ihrer Jugend Huren in Ägypten. Dort ließen sie nach ihren Brüsten greifen und ihren jungen Busen betasten. Die große hieß Ohola und ihre Schwester Oholiba. Und ich nahm sie zur Ehe, und sie gebaren mir Söhne und Töchter. Und Ohola heißt „Samaria“ und Oholiba heißt „Jerusalem“.

Ohola trieb Hurerei hinter meinem Rücken und entbrannte für ihre Liebhaber, nämlich für die Assyrer, die zu ihr kamen, für die Statthalter und Hauptleute, die mit Purpur gekleidet waren, lauter junge hübsche Männer, die auf Rossen ritten. Dazu ließ sie auch nicht von ihrer Hurerei mit den Ägyptern, die bei ihr gelegen hatten in ihrer Jugend und die jungen Brüste betastet und schlimme Hurerei mit ihr getrieben hatten. Da übergab ich sie in die Hand ihrer Liebhaber, der Söhne Assurs, für die sie entbrannt war. Die deckten ihre Blöße auf und nahmen ihre Söhne und Töchter weg. Sie selbst aber töteten sie mit dem Schwert. Und sie wurde zum Gespött unter den Frauen. So vollzogen sie das Gericht an ihr.

Als das aber ihre Schwester Oholiba sah, entbrannte sie noch viel mehr als ihre Schwester und trieb die Hurerei noch schlimmer. Sie entbrannte für die Söhne Assurs, die Statthalter und Hauptleute, die zu ihr kamen, herrlich gekleidet, lauter hübsche junge Männer, die auf Rossen ritten. Da sah ich, daß sie alle beide auf gleiche Weise unrein geworden waren.

Aber diese trieb ihre Hurerei noch weiter. Denn da sie sah Bilder von Männer an der Wand in roter Farbe, Bilder von Chaldäern, mit Gürteln um ihre Lenden und bunte Turbane auf ihren Köpfen, ein Bild gewaltige r Kämpfer, wie eben die Söhne Babels sind, deren Vaterland Chaldäa ist.

Da entbrannte sie für sie, sobald sie die Bilder sah, und schickte Botschaft zu ihnen nach Chaldäa. Und die Söhne Babels kamen zu ihr, um bei ihr zu schlafen, und sie machte sich unrein mit ihnen, bis sie ihrer müde ward. Als sie ihre Hurerei so offen trieb und ihre Schande enthüllte, da wurde ich ihrer auch überdrüssig, wie ich ihrer Schwester müde geworden war.

Sie aber trieb ihre Hurerei immer schlimmer und dachte an die Zeit ihrer Jugend, als sie in Ägypten zur Hure geworden war, und entbrannte für ihre Liebhaber, deren Begierde war wie die der Esel und der Hengste. Und du sehntest dich nach der Unzucht deiner Jugend, als die in Ägypten nach deinen Brüsten griffen und deinen Busen betasteten. Darum, Oholiba, spricht der Herr: Siehe, ich will deine Liebhaber, deren du müde geworden bist, gegen dich aufstehen lassen und will sie von überall her gegen dich zusammenbringen, nämlich die Söhne Babels und alle Chaldäer und alle Assyrer mit ihnen……….

So spricht der Herr: Man berufe eine Versammlung gegen sie ein und gebe sie als Raub und Beute preis, daß die Leute sie steinigen und mit ihren Schwertern erstechen und ihre Söhne und Töchter umbringen und ihre Häuser mit Feuer verbrennen. So will ich der Unzucht im Land ein Ende machen, daß alle Frauen sich warnen lassen und nicht auch solche Unzucht treiben. Und man wird die Strafe für eure Unzucht auf euch legen, und ihr sollt tragen, was ihr mit euren Götzen gesündigt habt, und sollt erfahren, daß ich der Herr bin (Hes 23,1-49, gekürzt).

 

Das Gleichnis vom rostigen Topf:

Das Wort des Herrn erreichte mich im neunten Jahr, am zehnten Tage des zehnten Monats, und sprach: Du Menschenkind, schreib dir diesen Tag auf, eben diesen Tag, an dem der König von Babel sich vor Jerusalem gelagert hat. Und gib dem Volk des Widerspruchs ein Gleichnis und sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Setze einen Topf auf und gieße Wasser hinein! Gib Fleisch hinein, lauter gute Stücke, Lenden und Schultern, und fülle den Topf mit den besten Knochen. Nimm das Beste von der Herde und mache ein Feuer darunter und laß die Stücke tüchtig sieden und auch die Knochen darin kochen.

Darum spricht der Herr: Wehe der Stadt voller Blutschuld, die einem Topf gleicht, an dem Rost sitzt und nicht abgehen will! Nimm ein Stück nach dem anderen heraus und lose nicht darum, welches zuerst heraus soll.

Denn das Blut, das sie vergossen hat, ist noch in ihrer Mitte auf dem nackten Felsen. Es ist nicht auf die Erde verschüttet, so daß man es mit Erde hätte zudecken können. Ich ließ sie darum das Blut auf nackten Felsen schütten, damit es nicht zugedeckt würde, so daß der Grimm über sie kommt und es gerächt würde.

Darum spricht der Herr: Wehe, du Stadt voller Blutschuld, auch ich will den Holzstoß groß machen! Trage nur viel Holz her, bring das Feuer zum Lodern, koche das Fleisch gar und gieß die Brühe aus, daß die Knochen anbrennen, stelle den Topf leer auf die Glut, damit er heiß wird und sein Metall glüht entbrenne und seine Unreinheit schmilzt und sein Rost abgeht.

Aber so sehr der Topf glüht, will doch der starke Rost im Feuer nicht abgehen. Weil du durch Unzucht dich unrein gemacht hast und nicht rein wurdest von deiner Unreinheit, obwohl ich dich reinigen wollte, darum sollst du hinfort nicht wieder rein werden, bis mein Grimm sich an dir gekühlt hat. Ich, der Herr, habe es geredet! Es soll kommen, ich will es tun und nicht damit säumen. Ich will nicht schonen, und es wird mich nicht reuen, sondern sie sollen dich richten, wie du gelebt und getan hast, spricht der Herr (Hes 24,1-14).

 

Der Tod der Frau des Propheten als Gleichnis:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: „Du Menschenkind, siehe, ich will dir die Freude deiner Augen nehmen durch einen plötzlichen Tod. Aber du sollst nicht klagen und nicht weinen und keine Träne vergießen. Heimlich darfst du seufzen, aber keine Totenklage halten, sondern du sollst deinen Kopfbundanlegen und deine Schuhe anziehen, du sollst deinen Bart nicht verhüllen und nicht das Trauerbrot essen!“ Und als ich am Morgen zum Volk geredet hatte, starb mir am Abend meine Frau. Und ich tat am anderen Morgen, wie mir befohlen war.

Und das Volk sprach zu mir: „Willst du uns nicht erklären, was das für uns bedeutet, was du tust?“ Und ich sprach zu ihnen: „Der Herr hat mir geredet und gesagt: Sage dem Volk Israel, daß der Herr spricht: Siehe, ich will mein Heiligtum, eure herrliche Zuflucht, die Freude eurer Augen, das Verlangen eures Herzens entheiligen. Und euer Söhne und Töchter, die ihr dort zurücklassen mußtet, werden durchs Schwert fallen. Da werdet ihr dann tun, wie ich getan habe: Euren Bart werdet ihr nicht verhüllen und nicht das Trauerbrot essen, sondern werdet euren Kopfbund auf eurem Haupt behalten und eure Schuhe an den Füßen. Ihr werdet nicht klagen und nicht weinen, sondern in eurer Schuld vergehen und untereinander seufzen. So soll Hesekiel für euch ein Zeichen sein, daß ihr tun werdet, wie er getan hat, wenn es nun kommen wird. Dann werdet ihr erfahren, daß ich der Herr bin!“

Und du, Menschenkind, ist es nicht so? An dem Tag, an dem ich von ihnen nehme ihre Zuflucht und Wonne, die Freude ihrer Augen und das Verlangen ihres Herzens, dazu ihre Söhne und Töchter, ja, an jedem Tag wird einer, der entronnen ist, zu dir kommen und es dir kundtun. An jenem Tag wird dein Mund aufgetan werden, daß du reden kannst und nicht mehr stumm bist. Und du wirst für sie ein Zeichen sein, daß sie erfahren, daß ich der Herr bin (Hes 24,15-27).

 

Untergang der Feinde Judas (Kapitel 25-32):

[Die Feinde sind die Moabiter, Edomiter, Philister, Ammoniter, Tyrus, Sidon und die Ägypter, interessanterweise aber nicht die Babylonier. In diesem Teil werden die Allmacht und Allgegenwart Gottes offenbart, der nicht bloß der Gott des Reiches Juda, sondern der Herr aller Nationen sei. Somit wird im zweiten Teil das im ersten Abschnitt entwickelte Thema wieder aufgegriffen und durch den Traum von Gottes Thronwagen weiter ausgeführt].

 

Gericht über die Nachbarn Judas:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Sprich zu den Nachbarn Israels: Ammon will dich den Söhnen des Ostens zum Erbe geben. In Edom will ich Menschen und Vieh ausrotten und will es wüst machen. Ich will meine Hand ausstrecken gegen die Philister und die Krether ausrotten und will die Übriggebliebenen am Ufer des Meeres umbringen.

Ich will an Tyrus, und will viele Völker gegen dich heraufbringen und König Nebukad­nezar über es kommen lassen mit Rossen, Wagen, Reitern und mit großem Heer. Man kann nur das Klagelied über Tyrus anstimmen. Zum König von Tyrus sage: Weil sich dein Herz über alles erhebt, als wäre es eines Gottes Herz, darum, will ich Fremde über dich schicken, nämlich die Gewalttätigsten unter den Völkern. Über Sidon will ich Pest und Blutvergießen in ihre Gassen schicken, und überall sollen in ihr Erschlagene liegen.

Wenn ich aber das Volk Israel wieder sammeln werde von den Völkern, unter die sie zerstreut sind, so will ich an ihnen den Andersgläubigen zeigen, daß ich heilig bin. Und sie sollen wohnen in ihrem Lande, das ich meinem Diener Jakob gegeben habe. Sie sollen sicher darin wohnen und Häuser bauen und Weinberge pflanzen, wenn ich das Gericht ergehen lasse über alle ihre Feinde ringsumher

Über Ägypten spricht der Herr: Siehe, ich will das Schwert über dich kommen lassen und Menschen und Vieh in dir ausrotten. Ägypten soll zur Wüste und Öde werden, und sie sollen erfahren, daß ich der Herr bin. Aber wenn die vierzig Jahre um sein werden, will ich die Ägypter wieder sammeln aus den Völkern, darunter sie zerstreut werden sollen, und will das Geschick Ägyptens wenden und sie wiederum in ihr Vaterland Pathros bringen, aber sie sollen dort nur ein kleines Königreich sein. Ich will Ägypten dem König Nebukadnezar geben, daß er all ihr Gut wegnehmen und sie berauben und plündern soll, daß er seinem Heer den Sold gebe. Zum Lohn für seine Arbeit, die er vor Tyrus getan hat, will ich ihm das Land Ägypten geben; denn sie haben für mich gearbeitet, spricht der Herr (Hes 25,1 - 30,19, Zusammenfassung).

 

Der Sturz Ägyptens:

So spricht der Herr: Ich will dem Reichtum Ägyptens ein Ende machen durch Nebu­kad­nezar, den König zu Babel. Denn er und sein Volk mit ihm werden herangebracht werden, um das Land zu verderben, und werden ihre Schwerter ziehen gegen Ägypten, daß das Land voll Erschlagener liegt.

Im elften Jahr, am siebenten Tage des elften Monats, sprach der Herr zu mir: Du Menschenkind, ich habe den Arm des Pharao zerbrochen und er ist nicht verbunden worden, daß er wieder heilen könnte, auch nicht mit Binden umwickelt, daß er stark werde und ein Schwert fassen könne. Siehe, ich will an Pharao und will seine Arme zerbrechen, den gesunden und den zerbrochenen, daß ihm das Schwert aus seiner Hand fallen soll, und ich will die Ägypter unter die Völker zerstreuen und in die Länder verjagen. Aber die Arme des Königs zu Babel will ich stärken und ihm mein Schwert in seine Hand geben, und will die Arme Pharaos zerbrechen, daß er vor ihm stöhnen soll wie ein tödlich Verwundeter

 

Der Pharao - ein gestürzter Zedernbaum:

Im elften Jahr sprach der Herr zu mir: Du Menschenkind, sage zu Pharao und zu allem seinem Volk: Wem bist du gleich in deiner Herrlichkeit? Einem Zedernbaum auf dem Libanon, von schönen Ästen und dickem Laub und sehr hoch, so daß sein Wipfel in die Wolken ragte.

Weil er so hoch geworden ist, daß sein Wipfel bis in die Wolken reichte, und weil sein Herz so übermütig war, darum gab ich ihn dem Mächtigen unter den Völkern in die Hände, daß der mit ihm umginge und ihn vertriebe, wie er verdient hat mit seinem gottlosen Tun, Fremde hieben ihn ab, die Gewalttätigsten unter den Völkern, und ließen ihn liegen. Seine Äste fielen auf die Berge und in alle Täler und seine Zweige lagen zerbrochen an allen Bächen im Land, so daß alle Völker auf der Erde von seinem Schatten wegziehen mußten und ihn liegen ließen, weil er keinen Schatten mehr gab.

Wem bist du gleich, Pharao, mit deiner Pracht und Herrlichkeit unter den Bäumen im Garten Eden? Du mußt mit den Bäumen von Eden unter die Erde hinab fahren und unter den Unbeschnittenen liegen, die mit dem Schwert erschlagen sind. So soll es dem Pharao gehen samt dem stolzen Volk, spricht der Herr. So spricht der Herr: Das Schwert des Königs von Babel soll dich treffen. Ich will dein Volk fällen durch das Schwert der Helden, die Gewalttätigsten unter den Völkern werden die Herrlichkeit Ägyptens verheeren und sein stolzes Volk vernichten. Und ich will alle seine Tiere umbringen an den großen Wassern, daß keines Menschen Fuß und keines Tieres Klaue sie mehr trüb machen soll. Dann will ich seine Wasser klar machen, daß seine Ströme fließen wie Öl, wenn ich das Land Ägypten verwüste und alles, was im Land ist, öde mache und alle Einwohner erschlage.(Hes 30, 20 - 32,32, Zusammenfassung).

 

Trost für die Weggeführten (Kapitel 33 - 39):

[Hesekiel weissagt den Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels und die Rückkehr Gottes. Hesekiels Traum vom Tal der verdorrten Gebeine (Hes 37,1-14) - einer der berühmtesten Abschnitte des Alten Testaments - veranschaulicht, daß die Gegenwart Gottes den entscheidenden Unterschied zwischen den Lebenden und den Toten ausmacht. Kapitel 38 und 39 enthalten Prophezeiungen gegen Gog und Magog].

 

Das Wächteramt des Propheten:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Du Menschenkind, rede zu den Söhnen deines Volks und sprich zu ihnen: Wenn ich ein Schwert über ein Land bringe und das Volk des Landes nimmt einen Mann aus seiner Mitte und macht ihn zu seinem Wächter, und er sieht das Schwert kommen über das Land und bläst die Posaune und warnt das Volk - wer nun den Hall der Posaune hört und will sich nicht warnen lassen, und das Schwert kommt und nimmt ihn weg: dessen Blut wird auf seinen Kopf kommen. Denn er hat den Hall der Posaune gehört und hat sich dennoch nicht warnen lassen. Darum wird sein Blut auf ihn kommen. Wer sich aber warnen läßt, der wird sein Leben retten.

Wenn aber der Wächter das Schwert kommen sieht und nicht die Posaune bläst und sein Volk warnt, und das Schwert kommt und nimmt einen von ihnen weg, so wird der wohl um ihrer Sünden willen weggenommen, aber sein Blut will ich von der Hand des Wächters fordern.

Du Menschenkind, ich habe dich zum Wächter gesetzt über das Volk Israel. Wenn du etwas aus meinem Mund hörst, sollst du sie in meinem Namen warnen. Wenn ich nun zu dem Gottlosen sage: „Du Gottloser mußt des Todes sterben!“ und du sagst ihm das nicht, um den Gottlosen vor seinem Wegen zu warnen so wird der Gottlose um seines gottlosen Wesens willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. Warnst du aber den Gottlosen vor seinem Weg, daß er von ihm bekehre, und er will von seinem Weg nicht umkehren, so wird er um seiner Sünde willen sterben, aber du hast deine Seele errettet (Hes 33,1-9, vgl. 316-21).

 

Gott richtet jeden nach seinem Handeln:

Du Menschenkind, sage dem Volk Israel: Ihr sprecht: „Unsre Sünden und Missetaten liegen auf uns, daß wir darunter vergehen. Wie können wir denn leben?“ So sprich zu ihnen: So wahr als ich lebe, spricht der Herr, ich habe keinen Gefallen am Tod des Gottlosen, sondern daß der Gottlose umkehre von seinem Weg und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben, ihr vom Volk Israel?

Du Menschenkind, sprich zu deinem Volk: Wenn ein Gerechter Böses tut, so wird es ihm nicht helfen, daß er gerecht gewesen ist. Und wenn ein Gottloser von seiner Gottlosigkeit umkehrt, so soll es ihm nicht schaden, daß er gottlos gewesen ist. Auch der Gerechte kann nicht am Leben bleiben, wenn er sündigt.

Denn wenn ich zu dem Gerechten spreche: „Du sollst leben!“ und er verläßt sich auf seine Gerechtigkeit und tut Böses, so soll all seine Frömmigkeit nicht mehr ins Gewicht fallen, sondern er soll sterben um des Bösen willen, das er getan hat. Und wenn ich zum Gottlosen spreche: „Du sollst sterben!“ und er bekehrt sich von seiner Sünde und tut, was recht und gut ist - und zum Beispiel das Pfand wiedergibt oder das Geraubte erstattet und nach den Satzungen des Lebens handelt und nichts Böses mehr tut - so soll er am Leben bleiben und nicht sterben, und an all seine Sünden soll nicht mehr gedacht werden, denn er hat nun getan, was recht und gut ist; darum soll er am Leben bleiben.

Aber dein Volk spricht: „Der Herr urteilt nicht recht!“ wo doch sie nicht recht handeln. Wenn der Gerechte sich abkehrt von seiner Gerechtigkeit und Unrecht tut, so muß er deshalb sterben er ja billig darum. Und wenn sich der Gottlose von seiner Gottlosigkeit bekehrt und tut, was recht und gut ist, so soll er deshalb am Leben bleiben. Und doch sprecht ihr: „Der Herr handelt nicht recht!“ während ich doch einen jeden von euch nach seinem Wesen richte (Hes 33,10-20, vgl. 18,21-32).

 

Botschaft vom Fall Jerusalems:

Und es begab sich im elften Jahr unserer Gefangenschaft, am fünften Tag des zehnten Monats, da kam zu mir ein Entronnener von Jerusalem und sprach: „Die Stadt ist eingenommen!“ Und die Hand des Herrn war über mich gekommen am Abend, bevor der Entronnene kam, und tat mir meinen Mund auf, als er am Morgen zu mir kam. Und mein Mund wurde aufgetan, so daß ich nicht mehr stumm sein mußte (Hes 33,21-22).

 

Die im Land Zurückgebliebenen haben keine Ansprüche:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Du Menschenkind, die Bewohner jener Trümmer im Land Israel sprechen: „Abraham war ein einzelner Mann und nahm dies Land in Besitz!“ Wir aber sind viele, so gehört uns das Land erst recht. Darum sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Ihr habt das Fleisch über dem Blut gegessen und eure Augen zu den Götzen aufgehoben und Blut vergossen - und dann wollt ihr das Land besitzen? Ihr verlaßt euch auf euer Schwert und verübt Greuel, und einer schändet die Frau des anderen - und dann wollt ihr das Land besitzen?

So sprich zu ihnen: So spricht der Herr: So wahr ich lebe, sollen alle, die in den Trümmern wohnen, durchs Schwert umkommen. Und die auf freiem Feld sind, will ich den Tieren zum Fraß geben. Und die in den Festungen und Höhlen sind, sollen an der Pest sterben. Denn ich will das Land ganz verwüsten und seiner Einbildung und Macht ein Ende machen, daß das Gebirge Israel so zur Wüste wird, daß niemand mehr hindurch zieht. Und sie sollen erfahren, daß ich der Herr bin, wenn ich das Land ganz verwüste um aller ihrer Greuel willen, die sie verübt haben (Hes 33,23-29).

 

Gegen die leichtfertigen Hörer:

Du Menschenkind, dein Volk redet über dich an den Mauern und in den Haustüren, und einer spricht zum andern: Kommt doch und laßt uns hören, was das für ein Wort ist, das vom Herrn ausgeht! Und sie werden zu dir kommen, wie das Volk so zusammenkommt und vor dir sitzen als mein Volk und werden deine Worte hören, aber nicht danach tun. Sondern ihr Mund ist voll Liebesweisen, und danach tun sie, und hinter ihrem Gewinn läuft ihr Herz her. Und siehe, du bist für sie wie einer, der Liebeslieder singt, der eine schöne Stimme hat und gut spielen kann. Sie hören sehr wohl deine Worte, aber sie tun nicht danach. Wenn es aber kommt - und es kommt, was kommen soll - so werden sie erfahren, daß ein Prophet unter ihnen gewesen ist (Hes 33, 30-33).

 

Die schlechten Hirten und der rechte Hirte:

Des Herrn Wort erreichte und sprach: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Weh den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? Aber ihr eßt das Fett und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete, aber die Schafe wollt ihr nicht weiden. Der Schwachen stärkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück und das Verlorene sucht ihr nicht. Das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt. Und meine Schafe sind zerstreut, weil sie keinen Hirten haben, und sind allen wilden Tieren zum Fraß geworden und zerstreut. Sie irren umher auf allen Bergen und auf allen hohen Hügeln und sind über das ganze Land zerstreut, und niemand ist da, der nach ihnen fragt oder auf sie achtet.

Darum hört des Herrn Wort, ihr Hirten! So wahr ich lebe: Meine Schafe sind zum Raub geworden und meine Herde zum Fraß für die wilden Tiere. Sie hatten keinen Hirten und meine Hirten fragten nicht nach meiner Herde, sondern die Hirten weideten sich selbst, aber meine Schafe haben sie nicht geweidet. Darum hört des Herrn Wort, ihr Hirten! So spricht der Herr: Ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern. Ich will ein Ende damit machen, daß sie Hirten sind und sie sollen nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, daß sie sie nicht mehr fressen sollen!

Denn so spricht der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. Ich will sie aus allen Völkern herausführen und aus allen Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern an allen Plätzen des Landes.……

Ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken, der sie weiden soll, nämlich meinen Diener David. Der wird sie weiden und soll ihr Hirte sein, und ich, will ihr Gott sein. Aber mein Diener David soll der Oberste unter ihnen sein, das sage ich, der Herr. Und ich will einen Bund des Friedens mit ihnen schließen und alle bösen Tiere aus dem Land ausrotten, daß sie sicher in der Steppe wohnen und in den Wäldern schlafen können …. (Hes 34, gekürzt, vgl. 37,24-28).

 

Das Gericht über Edom:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Du Menschenkind, richte dein Angesicht auf das Gebirge Seir und weissage gegen Edom und sprich zu ihm: So spricht der Herr: Siehe, ich will an dich, du Gebirge Seir, und meine Hand wider dich ausstrecken und will dich zur Wüste machen. Ich will deine Städte öde machen, daß du zur Wüste werden sollst und du sollst erfahren, daß ich der Herr bin.

Weil ihr ewige Feindschaft hattet gegen die Israeliten und sie dem Schwert preisgegeben habt, als es ihnen übel ging und ihre Schuld zum Ende führte - darum, so wahr ich lebe, spricht der Herr, will ich auch dich bluten lassen, und du sollst dem Blutbad nicht entrinnen. Weil du dich mit Blut besudelt hast, sollst auch dein Blut fließen ….

So spricht nun der Herr: Ich will dich zur Wüste machen, daß sich alles Land freuen soll. Und wie du dich gefreut hast über das Erbe des Volkes Israel, weil es verwüstet war, ebenso will ich mit dir tun: Das Gebirge Seir soll zur Wüste werden mit ganz Edom, und sie sollen erfahren, daß ich der Herr bin (Hes 35, gekürzt).

 

Die Verheißung für die Berge Israels:

Du Menschenkind, weissage den Bergen Israels und sprich: Hört des Herrn Wort ihr Berge Israels! So spricht der Herr: Weil der Feind über euch frohlockt: „Ha! die ewigen Höhen sind nun unser Besitz geworden!“ darum weissage und sprich: So spricht der Herr: Weil man euch allenthalben verwüstet und vertilgt, und ihr zum Besitz der übriggebliebenen Andersgläubige geworden und übel ins Gerede der Leute gekommen seid.

Darum hört, ihr Berge Israels, das Wort des Herrn! So spricht der Herr zu den Bergen und Hügeln, zu den Bächen und Tälern, zu den öden Trümmern und verlassenen Städten, die den übriggebliebenen Völkern ringsumher zum Raub und Spott geworden sind: So spricht der Herr: Ich habe in meinem feurigen Eifer geredet gegen die Völker und gegen ganz Edom, die mein Land in Besitz genommen haben mit Freuden und Hohnlachen, um es zu verheeren und zu plündern.

Nun aber weissage über das Land Israel und sprich zu den Bergen und Hügeln, zu den Bächen und Tälern: So spricht der Herr: Siehe, ich rede in meinem Eifer und Grimm, weil ihr solche Schmach von den Andersgläubigen tragen mußtet. Aber jetzt hebe ich meine Hand auf zum Schwur. Wahrlich, eure Nachbarn, die Völker ringsumher, sollen ihre Schande tragen. Aber ihr Berge Israels sollt wieder grünen und eure Frucht bringen meinem Volk Israel, denn bald sollen sie heimkehren. Denn siehe, ich will mich wieder zu euch kehren und euch mein Angesicht zuwenden, daß ihr angebaut und besät werdet. Ich will viele Leute auf euch wohnen lassen, das ganze Israel insgesamt, und die Städte sollen wieder bewohnt und die Trümmer aufgebaut werden.….. (Hes 36, 1-15, am Schluß gekürzt).

 

Die Erneuerung Israels:

Des Herrn Wort sprach weiter zu mir: ….So spricht der Herr: Ich tue es nicht um euretwillen, ihr vom Volk Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entheiligt habt unter den Andersgläubigen, zu denen ihr gekommen seid. Denn ich will meinen großen Namen, der vor den Andersgläubigen entheiligt ist, den ihr unter ihnen entheiligt habt, wieder heilig machen. Und die Andersgläubigen sollen erfahren, daß ich der Herr bin, wenn ich vor ihren Augen an euch zeige, daß ich heilig bin.

Denn ich will euch aus den Völkern herausholen und euch aus allen Ländern versammeln und wieder in euer Land führen.

Ich will reines Wasser über euch sprengen, daß ihr rein werdet, von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.

Und ihr sollt wohnen im Land, das ich euren Vätern gegeben habe, und sollt mein Volk sein, und ich will euer Gott sein.

So spricht der Herr: Zu der Zeit, wenn ich euch reinigen werde von allen euren Sünden, will ich die Städte wieder bewohnt sein lassen, und die Trümmer sollen wieder aufgebaut werden.

Das verwüstete Land soll wieder gepflügt werden, nachdem es verheert war vor den Augen aller, die vorüberzogen. Und man wird sagen: Dies Land war verheert, und jetzt ist es wie der Garten Eden, und diese Städte waren zerstört, öde und niedergerissen, und stehen nun fest gebaut und sind bewohnt (Hes 36, 16-38, gekürzt).

 

Das Totenfeld wird durch Gottes Atem lebendig:

Des Herrn Hand kam über mich, und er führte mich hinaus im Geist des Herrn und stellte mich mittenauf ein weites Feld, das voller Totengebeine lag. Er führte mich überall hindurch. Und siehe, es lagen sehr viele Knochen auf dem Feld, die waren sehr verdorrt. Und er sprach zu mir: „Du Menschenkind, meinst du wohl, daß diese Knochen wieder lebendig werden?“ Und ich sprach: „Herr, du weißt es!“

Er sprach zu mir: „Weissage von diesen Knochen und sprich zu ihnen: Ihr verdorrten Knochen, höret des Herrn Wort! So spricht der Herr von diesen Knochen: Siehe, ich will Atem in euch bringen, daß ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und lasse Fleisch über euch wachsen und überziehe euch mit Haut und will euch Atem geben, daß ihr wieder lebendig werdet, und ihr sollt erfahren, daß ich der Herr bin!“

Ich weissagte, wie mir befohlen war. Und siehe, da rauschte es und es regte sich, und die Knochen rückten wieder zusammen, jeder Knochen zu seinem Knochen. Und ich sah wie siehe, es Sehnen und Fleisch darauf wuchsen und sie wurden mit Haut überzogen. Es war aber noch kein Atem in ihnen. Und der Herr sprach zu mir: Sprich zum Atem: So spricht der Herr: Atem, komm herzu aus allen vier Windrichtungen und blase diese Getöteten an, daß sie wieder lebendig werden! Und ich weissagte, wie er mir befohlen hatte. Da kam der Atem in sie, und sie wurden wieder lebendig und stellten sich auf ihre Füße, ein überaus großes Heer.

Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, diese Knochen sind das ganze Volk Israel. Siehe, jetzt sprechen sie: Unsere Knochen sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren, und es ist aus mit uns. Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus ihnen heraus und euch bringe euch ins Land Israel. Und ihr sollt erfahren, daß ich der Herr bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraushole. Und ich will meinen Atem in euch geben, daß ihr wieder leben sollt, und ich will euch in euer Land setzen, und sollt erfahren, daß ich der Herr bin. Ich rede es und tue es auch, spricht der Herr (Hes 37,1-14).

 

Die Wiedervereinigung Israels unter dem einen Hirten:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Du Menschenkind, nimm dir ein Holz und schreibe darauf: „Für Juda und Israel, die sich zu ihm halten!“ Und nimm noch ein Holz und schreibe darauf: „Holz Ephraims, für Joseph und das ganze Volk Israel, das sich zu ihm hält!“ Dann füge eins zum andern, daß es e i n Holz werde in deiner Hand. Wenn nun dein Volk zu dir sprechen wird: „Willst du uns nicht zeigen, was du damit meinst?“so sprich zu ihnen: „So spricht der Herr: Siehe, ich will das Holz Josephs, das in Ephraims Hand ist, nehmen samt den Stämmen Israels, die sich zu ihm halten und will sie zu dem Holz Judas tun und e i n Holz daraus machen, und sollen e i n s sein in meiner Hand!“

Du sollst die Hölzer, auf die du geschrieben hast, in deiner Hand halten vor ihren Augen, und sollst zu ihnen sagen: So spricht der Herr: Siehe, ich will die Israeliten holen aus den Völkern, wohin sie gezogen sind, und will sie von überall her sammeln und will sie wieder in ihr Land bringen und will ein einziges Volk aus ihnen machen auf den Bergen Israels, und sie sollen alle miteinander e i n e n König haben und sollen nicht mehr zwei Völker sein und nicht mehr geteilt in zwei Königreiche.

Sie sollen sich auch nicht mehr unrein machen mit ihren Götzen und Greuelbildern und allen ihren Sünden. Ich will sie retten von allen ihren Abwegen, auf denen sie gesündigt haben. Ich will sie reinigen, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und mein Diener David soll ihr König sein und der einzige Hirte für sie alle. Und sie sollen leben in meinen Rechten und meine Gebote halten und danach tun. Und sie sollen wieder in dem Land wohnen, das ich meinem Diener Jakob gegeben habe, in dem eure Väter gewohnt haben. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder sollen darin wohnen für immer, und mein Diener David soll für immer ihr Fürst sein.

Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, das soll ein ewiger Bund mit ihnen sein. Und will sie erhalten und mehren, und mein Heiligtum soll unter ihnen sein für immer.

Und ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein, damit auch die Andersgläubigen erfahren sollen, daß ich der Herr bin, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum für immer unter ihnen sein wird (Hes 37,15-28. vgl. Kapitel 34).

 

Die Weissagung gegen Gog und Magog:

Des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Du Menschenkind, wende dich gegen Gog, der im Lande Magog ist und weissage von ihm und sprich: So spricht der Herr: Siehe, ich will an dich Gog! So spricht der Herr: Ist es nicht so: Wenn mein Volk Israel sicher wohnen wird, dann wirst du aufbrechen? Du wirst kommen aus deinem Ort, vom äußersten Norden, du und viele Völker mit dir, alle zu Roß, ein großer Heerhaufe und eine gewaltige Macht. Du wirst heraufziehen über mein Volk Israel wie eine Wolke, das Land bedeckt. Am Ende der Zeit wird das geschehen. Ich will dich aber dazu über mein Land kommen lassen, daß die Völker mich erkennen, wie ich an dir, o Gog, vor ihren Augen zeige, daß ich heilig bin (Hes 38- 39, stark gekürzt).

 

Beginn der messianischen Zeit (Kapitel 40 - 48):

[Der letzte Abschnitt enthält eine Ankündigung und eine visionäre Beschreibung eines zukünftigen, überwiegend theologisch bestimmten Gemeinwesens der Juden. Dieser Abschnitt hat christlichen Auslegern oft Probleme bereitet, da er sich nur sehr schwer mit christlichen Zukunftsvisionen vereinbaren läßt].

 

Der Beginn der Erscheinungen:

Im fünfundzwanzigsten Jahr unserer Gefangenschaft, am Anfang des Jahres, am zehnten Tag des Monats, im vierzehnten Jahr, nachdem die Stadt eingenommen worden war, eben an diesem Tag kam des Herrn Hand über mich und führte mich dahin. In göttlichen Erscheinungen führte er mich ins Land Israel und stellte mich auf einen sehr hohen Berg, darauf war etwas wie der Bau einer Stadt nach Süden zu. Und als er mich dorthin gebracht hatte, siehe, da war ein Mann, der war anzuschauen wie Erz. Er hatte eine leinene Schnur und ein Metermaß in seiner Hand und stand unter dem Tor. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, sieh her und höre fleißig zu und merke auf alles, was ich dir zeigen will. Denn dazu bist du hierhergebracht, daß ich dir dieses zeige, damit du alles, was du hier siehst, verkündest dem Volk Israel.

 

Der Einzug der Herrlichkeit Gottes in den Tempel:

Nach einer Beschreibung des Tempels (Jesaja 40,5 - 42,39) folgt die Schilderung des Einzugs der Herrlichkeit Gottes in den Tempel. Hesekiel schreibt: Er führte mich wieder zum Tor im Osten. Und siehe, die Herrlichkeit des Gottes Israels kam von Osten und brauste, wie ein großes Wasser braust. Und es wurde sehr hell auf der Erde von seiner Herrlichkeit. Und es war eben wie die Erscheinung, die ich geschaut hatte, als der Herr kam, um die Stadt zu zerstören, und wie die Erscheinung, die ich gesehen hatte am Fluß Kebar. Da fiel ich nieder auf mein Angesicht.

Und die Herrlichkeit des Herrn kam hinein zum Haus des Herrn durch das Osttor. Da hob mich der Geist auf und brachte mich in den inneren Vorhof. Und siehe, die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus. Und ich hörte einen mit mir reden aus dem Haus heraus, während der Mann neben mir stand. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, das ist der Ort meines Throns und die Stätte meiner Fußsohlen. Hier will ich für immer wohnen unter den Israeliten. Und das Volk Israel soll nicht mehr meinen heiligen Namen entweihen, weder sie noch ihre Könige, durch ihren Götzendienst und durch die Leichen ihrer Könige, wenn sie sterben, denn sie haben ihre Schwelle an meine Schwelle und ihre Pfosten neben meine Pfosten gesetzt so daß nur eine Mauer zwischen mir und ihnen war. Und sie haben so meinen heiligen Namen entweiht durch ihre Greuel, die sie taten. Darum habe ich sie auch in meinem Zorn vertilgt.

Nun aber sollen sie ihren Götzendienst und die Leichen ihrer Könige weit von mir wegtun, und ich will für immer unter ihnen wohnen. Und du, Menschenkind, beschreibe dem Volk Israel den Tempel, sein Aussehen und seinen Plan, damit sie sich schämen ihrer Missetaten. Und wenn sie sich nun all ihrer Taten schämen, so zeige ihnen Plan und Gestalt des Hauses Gottes und seine Ausgänge und Eingänge und seinen ganzen Plan und alle seine Ordnungen und alle seine Gesetze. Schreibe sie vor ihren Augen auf, damit sie auf seinen ganzen Plan und alle seine Ordnungen achthaben und danach tun. Das soll aber das Gesetz des Hauses Gottes sein: Auf der Höhe des Berges soll sein ganzes Gebiet ringsum hochheilig sein. Siehe, so ist das Gesetz des Hauses des Herrn (Hes 43,1-13).

 

Das verschlossene Osttor:

Nach einer Beschreibung des Altars und seiner Weihe (Hes 43, 13-27) geht es um das Osttor: Er führte mich wieder zu dem äußern Tor des Heiligtums im Osten. Es war aber zugeschlossen. Und der Herr sprach zu mir: Dies Tor soll zugeschlossen bleiben und nicht aufgetan werden, und niemand soll dort hineingehen. Denn der Herr, der Gott Israels, ist dort eingezogen, darum soll es zugeschlossen bleiben. Nur der Fürst darf sich, weil er der Fürst ist, dort niederlassen und das Opfermahl essen vor dem Herrn. Durch die Vorhalle des Tors soll er hineingehen und durch sie wieder herausgehen (Hes 44,1-3).

Es folgen Bestimmungen für den Dienst im Tempel (Hes 44, 4-19), für die Ordnungen der Priester (Hes 44,20-31), für die Landabgabe für den heiligen Bezirk (Hes 45,1-8), für die Obersten (Hes 46,1 - 47,15), für das Erbland des Obersten (Hes 46,16-18) und für die Opferküchen (Hes 46,19-24).

 

Der wunderbare Strom aus dem Tempel:

Er führte mich wieder zu der Tür des Tempels. Und siehe, da floß ein Wasser heraus unter der Schwelle des Tempels nach Osten zu, denn die vordere Seite des Tempels lag gegen Osten zu. Und das Wasser lief unten an südlichen Seitenwand des Hauses Gottes hinab, südlich am Altar vorbei.

Und er führte mich hinaus durch das Tor im Norden und brachte mich außen herum zum äußern Tor im Osten. Und siehe, das Wasser sprang heraus aus seiner südlichen Seitenwand.

Und der Mann ging heraus nach Osten und hatte eine Meßschnur in der Hand. Er maß 500 Meter und ließ mich durchs Wasser gehen, da ging es mir bis an die Knöchel. Er maß abermals 500 Meter ab und ließ mich durch das Wasser gehen, da ging es mir an die Knie. Und er maß noch 500 Meter ab und ließ mich durch das Wasser gehen, da ging es mir bis an die Lenden. Einmal 500 Meter ab. Da war es wie ein Strom, so tief, daß ich nicht mehr hindurch­gehen konnte, denn das Wasser war so hoch, daß man schwimmen mußte und nicht hindurchgehen konnte.

Und er sprach zu mir: „Du Menschenkind, hast du das gesehen?“ Und er führte mich wieder zurück am Ufer des Flusses entlang. Und als ich zurückkam, siehe, da standen sehr viel Bäume am Ufer auf beiden Seiten. Und er sprach zu mir: Dies Wasser fließt heraus in das östliche Gebiet und weiter hinab zum Jordantal und mündet ins Tote Meer. Und wenn es ins Meer fließt, soll dessen Wasser gesund werden. Alles, was darin lebt und webt, wohin der Strom kommt, das soll leben. Und es soll sehr viele Fische dort geben, wenn dieses Wasser dorthin kommt und alles soll gesund werden und leben, wohin dieser Strom kommt……(Hes 47,1-12, am Schluß gekürzt).

 

Die Grenzen und die Verteilung des Landes:

So spricht der Herr: Dies sind die Grenzen, nach denen ihr das Land den zwölf Stämmen Israels austeilen sollt. Zwei Teile gehören dem Stamm Joseph. Und ihr sollt es als Erbteil bekommen, einer wie der andere. Denn ich habe meine Hand aufgehoben zum Schwur, das Land euren Vätern zu geben und so soll euch als Erbteil zufallen (Es folgt eine nähere Beschreibung mit der Angabe von Städten) (Hes 47,13-20).

So sollt ihr das Land austeilen unter die Stämme Israels. Und wenn ihr das Los werft, das Land unter euch zu teilen, so sollt ihr die Fremden, die bei euch wohnen und Kinder unter euch haben, halten wie die Einheimischen unter den Israeliten. Mit euch sollen ihren Erbbesitz haben unter den Stämmen Israels und ihr sollte auch ihnen ihren Anteil am Land geben, jedem bei dem Stamm, bei dem er wohnt, spricht der Herr. - Es folgt eine Aufzählung der Stämme und ihrer Anteile unter besonderer Berücksichtigung der Leviten (Hes 47,13 - 48,29, gekürzt).

 

Die Tore der Stadt:

Und dies sollen die Ausgänge der Stadt sein, deren Mauern jeweils rund 300 Meter lang sind. Die Tore sollen nach den Namen der Stämme Israels genannt werden: An der Nordseite die Tore Ruben, Juda und Levi, an der Ostseite die Tore Joseph, Benjamin und Dan, an der Nordseite die Tore, nämlich Simeon, Issaschar und Sebulon und an der Westseite die Tore Gad, Asser und Naphthali. Und dann soll die Stadt genannt werden: „Hier ist der Herr“ (Hes 48, 30-35).

 

 

 

Der Prophet Daniel

 [Das Buch Daniel erzählt die Geschichte des Propheten Daniel. Es besteht aus zwei sehr verschiedenen Hauptteilen, die inhaltlich nur durch den Namen des Propheten Daniel verbunden sind. Es wurde als letztes biblisches Buch in das Alte Testament aufgenommen. Im katholischen und evangelischen Alten Testament steht es zwischen den Büchern der drei großen Schriftpropheten und den zwölf kleinen Propheten. In den Ostkirchen steht es ganz am Ende, da dort die großen Propheten nach den kleinen Propheten stehen und Daniel zu den großen Propheten gezählt wird.

 

Der Umfang des Buches ist zwischen Juden und Christen wie auch unter den christlichen Konfessionen umstritten. Katholische und orthodoxe Christen folgen der griechischen Bibel und betrachten das Gebet des Asarja (Dan 3,26-45), den Lobgesang der drei jungen Männer im Feuerofen (Dan 3,51-90), die Rettung der Susanna (Dan 13) und die Szenen vom Bel und dem Drachen (Dan 14) als Bestandteile des Buches, das sie insgesamt aber zu den nicht-kanonischen Schriften zählen. Juden und Protestanten folgen der hebräischen Texttradition, die diese Texte nicht überliefert, und halten sie für nach-biblisch (apokryph).

Die Kapitel 7 bis 11 gehören zur apokalyptischen Literatur des Judentums. Sie enthalten u.a. umfangreiche Zahlenmystik, Symbolbilder und Metaphern, die auf die geglaubte Endzeit gerichtet sind und in der Offenbarung des Johannes aufgegriffen werden. Deshalb wird das Buch oft für Endzeiterwartungen herangezogen. Es findet heute bei den Zeugen Jehovas, den Adventisten und den Brüdergemeinden starke Beachtung.

 

Datierung: Daniel 1,7 datiert Daniels Erlebnisse und Visionen in die Zeit des israelitischen Exils in Babylon. Er sei zusammen mit Hananja, Mischaël und Asjra dorthin verschleppt worden und dann zum Minister unter den babylonischen Königen Nebukadnezar II. und Belsazer sowie Darius von Medien aufgestiegen. Er habe dort den Namen „Beltschazar“ getragen. In der historisch-kritischen Bibelforschung werden diese Angaben meist nicht als historisch, sondern als legendarisch beurteilt. Sie sollten Daniels später berichtete Visionen als vorausgegangene Prophezeiungen darstellen (vaticinia ex eventu).

Im Buch beschriebene Details beziehen sich auf Vorgänge aus der Makkabäerzeit, als die Fremdherrschaft der Seleukiden das jüdische Volk bedrohte. Deshalb wird angenommen, daß das Buch in dieser Zeit entstand und bald nach den siegreichen ersten Aufständen gegen Antiochos IV. fertig gestellt und - eventuell mehrfach - überarbeitet wurde. Für diese Spätdatierung spricht auch, daß das Buch im Judentum lange umstritten blieb und nicht zu den „Propheten“ sondern zu den späteren und theologisch weniger bedeutenden „Schriften“ gezählt wurde.

Andererseits faßten sowohl die Qumran-Gemeinde als auch das Urchristentum Daniel als echten exilischen Propheten auf. Für die Frühdatierung in die Zeit der Meder und Perser spricht, daß das Buch im Vergleich mit Keilschriftfunden aus Babylon ein recht genaues Detailwissen von babylonischen Bräuchen zeigt:

* So mißt Dan 1,1 die Regierungsdauer des letzten judäischen Königs Zedekia nach babylonischer Zählweise ohne das Jahr seiner Thronbesteigung (anders Jeremia 25,1, wo es nach jüdischer Zählweise mitgezählt wurde).

* Dan 5,1 nennt zudem Belsazer als König Babylons: Dieser ist sonst nur aus babylonischen Aufzeichnungen und dem Buch Baruch 1,1 bekannt, dessen Entstehungszeit ebenfalls umstritten ist.

* In Dan 5,29 ernennt Belsazer Daniel zum dritthöchsten Amtsinhaber in Babylon: Das könnte andeuten, daß dem Autor bekannt war, daß dieser König seine Macht als „König von Babylon“ mit Nabonid, dem „König der Länder“ (d.h. der umgebenden und eroberten Gebiete) teilte. Diese Aufteilung wurde eventuell nach der Eroberung Babylons durch die Meder beibehalten.

* Das Buch Daniel verwendet neunzehn Lehnwörter aus dem Altpersischen, die eher in die Epoche der Meder und Perser als die der Griechen verweisen. Diese Begriffe stammen teilweise aus dem Akkadischen und waren um 300 vCh schon ungebräuchlich.

* Die in den Visionen Daniels verwendete Bildsymbolik für die Weltreiche entspricht typischer babylonischer Architektur: Mischwesen wie ein „geflügelter Löwe“ gehörten dort zum Straßenbild.

* Form und Anrede der im Buch enthaltenen Proklamationen entsprechen den in Babylon üblichen Formalia.

* Das im Buch Daniel verwendete Aramäisch unterscheidet sich in Morphologie, Rechtschreibung, Wortbedeutung und Syntax sehr deutlich von den in Qumran gefundenen apokryphen Genesisfragmenten (50-150 vCh) aus der Makkabäerzeit.

* Mehrere Kopien des Danielbuchs wurden in den Höhlen von Qumran gefunden - inklusive des Sprachenübergangs vom Aramäische ins Hebräische. Angesichts der Dauer zur Vervielfältigung einer Schriftrolle erscheint es kaum wahrscheinlich, daß das Buch schon 30-50 Jahre nach seiner vermutlichen Entstehungszeit diese Bedeutung erlangte.

 

Geschichtlicher Hintergrund: Belsazer war nicht Sohn des Nebukadnezar, sondern dieser war sein Großvater, der leibliche Vater Belsazers war Nabonaid. Letztmalig wird Belsazer als Stellvertreter im 13. Regierungsjahr des Nabonaid genannt, den er seit dem vierten Regierungsjahr vertrat. Ein direkter Hinweis auf die Königswürde Belsazers existiert außerhalb des Buches Daniels nicht - es existiert jedoch ein Beleg, daß auf ihn, als Sohn des Königs, Eide geschworen wurden.

Die Aussage, daß mit dem Tod Belsazers das babylonische Reich beendet war, ist historisch um den Hinweis zu ergänzen, daß nach der Rückkehr des Babylonierkönigs aus Tayma im 14. Regierungsjahr der Name Belsazers in den Dokumenten nicht mehr erwähnt wird. In den Nabonaid-Chroniken ist ein vorzeitiger Tod seines Sohnes nicht vermerkt. In diesem Zusam­men­hang ist es bedeutsam, daß den Nachkommen des Babylonierkönigs kein nachfolgendes Königtum geweissagt wurde. Es ist nicht ausgeschlossen, daß ein historischer Bezug besteht und Belsazer tatsächlich von der Marduk-Priesterschaft umgebracht wurde].

 

Geschichten über Daniel am babylonischen Königshof (Kapitel 1 - 6):

[Dieser Teil ist überwiegend mit Ausnahme des Anfangs (2,4b - 6,28) in aramäischer Sprache verfaßt. Er gehört mit Briefzitaten des Buches Esra und Einzelversen in Jeremia 10,11 und 1. Mose 31,47 zu den einzigen auf Aramäisch überlieferten Abschnitten der ansonsten hebräisch geschriebenen Bibel.

Die Geschichten des ersten Teils stellen das Thema „Bewahrung des Glaubens an Jahwe unter Lebensgefahr in der Fremde“ in verschiedenen Konflikten dar, in die Daniel und seine drei Freunde am Königshof in Babylon geraten].

 

Die Berufung Daniels und seiner Freunde:

Im dritten Jahr der Herrschaft Jojakims, des Königs in Juda, zog Nebukadnezar, der König von Babel, vor Jerusalem und belagerte es. Und der Herr gab Jojakim in seine Hand und einen Teil der Gefäße aus dem Haus Gottes. Die ließ Nebukadnezar ins Land Sinear bringen in den Tempel seines Gottes und tat die Gefäße in die Schatzkammer seines Gottes. Dann sprach der König zu seinem obersten Minister, er sollte einige aus den Israeliten auswählen aus königlichen Stamm und von edler Herkunft, junge Leute, die keine Krankheiten haben, sondern schön und begabt, klug und verständig wären, also geschickt, am Hof des Königs zu dienen. Er sollte sie in Schrift und Sprache der Chaldäer unterrichten. Der König bestimmte auch, was man ihnen täglich geben sollte von seiner Speise und vom Wein, den er selbst trank. So sollten sie drei Jahre erzogen werden und danach sollten sie dem König dienen. Der oberste Minister gab ihnen auch neue Namen und nannte Daniel um in „Beltsazar“, aus Hananja wurde „Sadrach“ und Misael wurde zu „Mesach“ und Asarja nannte er „Abed-Nego“.

Aber Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, daß er sich mit der Speise des Königs und mit seinem Wein nicht unrein machen wollte, die einem Juden verboten waren. Er bat den obersten Minister, daß er sich nicht religiös unrein machen müßte. Und Gott gab es Daniel, daß ihm der oberste Minister günstig und gnädig gesinnt wurde. Der sprach zu ihm: „Ich fürchte mich vor meinem Herrn, dem König, der euch eure Speise und Trank bestimmt hat. Wenn er merken würde, daß euer Aussehen schlechter ist als das der jungen Männer eures Alters, so brächtet ihr mich bei dem König um mein Leben!“

Da sprach Daniel zu dem Aufseher, der Minister über sie eingesetzt hatte: „Versuche es doch zehn Tage mit uns und laß uns geben Gemüse zu essen und Wasser zu trinken geben. Und dann laß dir unser Aussehen und das der jungen Männer, die von der Speise des Königs essen, zeigen. Danach magst du mit uns tun entsprechend dem, was du sehen wirst!“ Er hörte auf sie und versuchte es zehn Tage mit ihnen. Und nach den zehn Tagen sahen sie schöner und kräftiger aus als alle jungen Männer, die von der Speise des Königs aßen. Da tat der Aufseher die angeordnete Speise und den Trank weg und gab ihnen Gemüse.

Gott aber gab den vier jungen Männer Einsicht und Verstand für jede Art von Schrift und Weisheit. Daniel aber verstand sich auf Erscheinungen und Träume jeder Art. Und als die Zeit um war, die der König bestimmt hatte, brachte sie der oberste Minister hinein vor Nebu­kad­nezar. Der König redete mit ihnen, und es wurde unter allen niemand gefunden, der den vier jungen Männern aus Juda gleich war. Und sie wurden des Königs Diener. Und der König fand sie in allen Sachen, die er sie fragte zehnmal klüger und verständiger denn alle Zeichendeuter und Weisen in seinem ganzen Reich. Daniel blieb im Dienst bis ins erste Jahr des König Kyros (Dan 1).


Nebukadnezars Traum:

Im zweiten Jahr seiner Herrschaft hatte Nebukadnezar einen Traum, über den er so erschrak, daß er aufwachte. Er ließ alle Zeichendeuter und Weisen und Zauberer und Wahrsager zusam­menrufen, daß sie ihm seinen Traum deuten sollten. Und sie kamen und traten vor den König. Der König sprach zu ihnen: „Ich habe einen Traum gehabt, der hat mich erschreckt. Ich wollte aber gern wissen, was es mit dem Traum gewesen ist. Werdet ihr mir den Traum nicht deuten, so sollt ihr in Stücke zerhauen und eure Häuser sollen zu Schutt werden!“

Da antworteten die Chaldäer dem König: „Es ist kein Mensch auf der Erde, der sagen könnte, was der König fordert, ausgenommen die Götter, die aber nicht bei den Menschen wohnen!“

Da wurde der König sehr zornig und befahl, alle Weisen in Babel umzubringen. Auch Daniel und seine Gefährten wurden gesucht, um sie zu töten.

Da ging Daniel hinein und bat den König, ihm eine Frist zu geben, damit er die Deutung dem König sagen könne. Er ging heim und teilte alles seinen Gefährten mit, damit sie den Gott des Himmels um Gnade bäten wegen dieses Geheimnisses. Da wurde Daniel das Geheimnis durch eine Erscheinung in der Nacht offenbart. Und Daniel lobte den Gott des Himmels.…….

Der oberste Richter brachte Daniel eilends hinein vor den König. Daniel sprach: „Es ist ein Gott im Himmel, der kann Geheimisse offenlegen. Der hat dem König Nebukadnezar kundgetan, was in künftigen Zeiten geschehen soll!“ Dann fuhr Daniel fort: „Mit deinem Traum verhält es sich so: …. „Du sahst, wie ein großes und hell glänzendes Bild vor dir stand. Das war schrecklich anzusehen. Das Haupt dieses Bildes war von feinem Gold, seine Brust und Arme waren von Silber, sein Bauch und seine Lenden waren von Kupfer, seine Schenkel waren von Eisen, seine Füße waren eines Teils von Eisen und Teils von Ton. Das sahst du, bis ein Stein herunter kam, ohne Zutun von Menschenhänden. Der traf das Bild an seinen Füßen und zermalmte sie. Da wurden miteinander zermalmt Eisen, Ton, Kupfer, Silber und Gold und wurden wie Spreu auf der Sommertenne, und der Wind verwehte sie, daß man sie nirgends mehr finden konnte. Der Stein aber, der das Bild zerschlug, wurde zu einem großer Berg, so daß er die ganze Welt füllte!“

Daniel fügt aber auch die Deutung des Traums an: „Du König, bist ein König aller Könige, dem der Gott des Himmels das Königreich und Macht, Stärke und Ehre gegeben hat. Du bist das goldene Haupt. Nach dir aber wird ein anderes Königreich aufkommen, geringer denn deins. Danach kommt das dritte Königreich, das aus Kupfer ist, aber über alle Länder herrschen wird. Das das vierte wird hart sein wie Eisen. Wie Eisen alles zermalmt und zerschlägt, so wird es auch alles zermalmen und zerbrechen!“

Weiter spricht Daniel: „Die Füße und Zehen aus Ton und Eisen bedeutet: Es wird geteiltes Königreich sein. Doch wird von der Härte des Eisens darin bleiben, Eisen ist nur mit Ton vermengt. Zum Teil wird es ein starkes und zum Teil ein schwaches Reich sein. Sie werden sich zwar durch Heiraten miteinander vermischen, aber sie werden doch nicht aneinander halten, so wie sich Eisen und Ton nicht mengen läßt. Aber zur Zeit dieser Königreiche wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das Reich Gottes, das nimmermehr zerstört wird. Und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören, aber es selbst wird ewig bleiben!“……

Da fiel der König Nebukadnezar auf sein Angesicht und warf sich nieder vor Daniel und befahl, man sollt ihm Speisopfer und Räucheropfer darbringen. Der König sprach zu Daniel: „Es ist kein Zweifel, euer Gott ist ein Gott über alle Götter und ein Herr über alle Könige. Er kann Geheimnisse lüften, wie du dies Geheimnis offen gemacht hast!“ Und der König erhöhte Daniel und gab ihm große und viele Geschenke und machte ihn zum Obersten über das ganze Land Babel und setzte ihn ein zum Obersten über alle Weisen in Babel. Schließlich bat Daniel nach den König, daß er über die einzelnen Bezirke des Landes seine Gefährten einsetze .Er selber aber Daniel blieb bei dem König am Hof (Dan 2, gekürzt).

 

 

 

Die drei Männer im Feuerofen:

Eines Tages ließ der König Nebukadnezar ein goldenes Bild machen, dreißig Meter hoch und drei Meter breit, und ließ es aufrichten im Tal Dura in der Landschaft Babel. Dann sandte Nebukadnezar eine Einladung an die Obersten, Statthalter, Richter, Schatzmeister, Räte, Amtleute und allen Gewaltigen im Land, daß sie zusammenkommen sollten, das Bild zu weihen, das der König Nebukadnezar hatte aufrichten lassen.

Und sie mußten sich vor dem Bild aufstellen. Und der Herold rief überlaut: „Es wird euch befohlen, ihr Völker aus so vielen Sprachen. Wenn ihr hören werdet den Schall der Posaunen und Trompeten und aller anderen Instrumente, dann sollt ihr niederfallen und das goldene Bild anbeten, das der König Nebukadnezar hat aufrichten lassen. Wer aber dann nicht niederfällt und anbetet, der soll auf der Stelle in den glühenden Ofen geworfen werden!“ Als sie nun die Instrumente hörten, fielen alle Völker nieder und beteten das goldene Bild an, das der König Nebukadnezar hatte aufrichten lassen.

Da kamen einige chaldäische Männer und verklagten die Juden, und sprachen zum König Nebukadnezar: „Der König lebe ewig! Die jüdischen Männer, die du über die Ämter des Landes Babel eingesetzt hast, verachten dein Gebot und ehren deine Götter nicht und beten nicht an das goldene Bild, das du hast aufrichten lassen!“

Da befahl Nebukadnezar mit Grimm und Zorn, daß man die Männer vor ihn bringe. Er sprach zu ihnen: „Wollt ihr meinen Gott nicht ehren und das goldenen Bild nicht anbeten? Seid bereit! Sobald ihr hören werdet den Schall der Instrumente, so fallt nieder und betet das Bild an! Wenn ihr es nicht anbeten werdet, so sollt ihr auf der Stelle an in den glühenden Ofen geworfen werden. Laßt sehen, wer der Gott ist, der euch aus meiner Hand erretten könnte!“

Da sprachen die drei Männer zu König Nebukadnezar: „Wir brauchen gar nicht darauf zu antworten. Wenn unser Gott will, kann er uns erretten aus dem glühenden Ofen und von deiner Hand. Und wenn er nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, daß wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild nicht anbeten wollen!“

Da wurde Nebukadnezar voll Grimm. Der Ausdruck seines Gesichts veränderte sich, und er befahl man sollte den Ofen siebenmal heißer machen, als man sonst zu tun pflegte. Und er befahl den besten Kriegsleuten in seinem Heer, die drei Männer zu binden und in den glühenden Ofen zu werfen. Da wurden die Männer in ihren Mänteln, Hosen, Hüten, in ihrer ganzen Kleidung, gebunden und in den glühenden Ofen geworfen. Weil das Gebot des Königs so streng war, schürte man das Feuer im Ofen so sehr, daß die Männer, die die drei Judäer hinaufbrachten, von den Flammen getötet wurden.

Die drei jüdischen Männer fielen hinab in den glühenden Ofen, gebunden wie sie waren. Da entsetzte sich der König Nebukadnezar und fuhr auf und sprach zu seinen Räten: „Haben wir nicht drei Männer gebunden in das Feuer lassen werfen?“ Sie antworteten und sprachen zum König: „Ja, Herr König!“ Er sprach: „Ich sehe aber vier Männer frei im Feuer umhergehen, und sie sind unversehrt. Und der vierte sieht aus, als wäre er ein Sohn der Götter!“

Und Nebukadnezar trat vor die Tür des glühenden Ofens und sprach: „Sadrach, Mesach, Abed-Nego, ihr Diener des höchsten Gottes, geht heraus und kommt her!“ Da gingen die drei heraus aus dem Feuer. Die Obersten, Würdenträger, Statthalter und Räte des Königs kamen zusammen und sahen, daß das Feuer den Leibern dieser Männer nichts hatte anhaben können und ihr Haupthaar nicht versengt und ihre Mäntel nicht versehrt waren. Man konnte sogar keinen Brandgeruch an ihnen feststellen.

Da fing Nebukadnezar an und sprach: „... So sei nun dies mein Gebot: Wer unter allen Völkern den Gott der drei jüdischen Männer lästert, der soll in Stücke zerhauen und sein Haus zu einem Schutthaufen gemacht werden. Denn es gibt keinen anderen Gott als den, der so erretten kann!“ Und der König gab den drei Männern große Macht im Land Babel (Dan 3,1-30, leicht gekürzt).

 

Nebukadnezars Wahnsinn:

König Nebukadnezar erzählte einen Traum: Siehe, es stand ein Baum mitten auf der Erde, der war sehr hoch. Und er wurde groß und mächtig, und seine Höhe reichte bis an den Himmel, und er war zu sehen bis ans Ende der ganzen Erde. Sein Laub war dicht und seine Frucht reichlich, und er gab Nahrung für alle. Alle Tiere auf dem Feld fanden Schatten unter ihm, und die Vögel des Himmels saßen auf seinen Ästen, und alles Fleisch nährte sich von ihm.

Und ich hatte eine Erscheinung auf meinem Bett, und siehe, ein heiliger Wächter fuhr vom Himmel herab. Der rief laut und sprach: „Haut den Baum um und schlagt ihm die Äste weg, streift ihm das Laub ab und zerstreut seine Frucht, daß die Tiere unter ihm weglaufen und die Vögel von seinen Zweigen fliehen. Doch laßt den Stock mit seinen Wurzeln in der Erde bleiben: Er aber soll in eisernen und ehernen Ketten auf dem Feld im Gras und unter dem Tau des Himmels liegen und naß werden und mit den Tieren Anteil haben am Gras auf der Erde.

Und das menschliche Herz soll von ihm genommen und ihm ein tierisches Herz gegeben werden, und sieben Zeiten sollen über ihn hinweggehen. Dies ist im Rat der Wächter beschlossen und ist Gebot der Heiligen, damit die Lebendigen erkennen, daß der Höchste Gewalt hat über die Königreiche der Menschen und sie geben kann, wem er will, und einen Niedrigen darüber setzen.

Daniel muß wieder den Traum deuten: „Ach mein Herr, wenn doch der Traum deinen Feinden und seine Deutung deinen Widersachern gälte! Der Baum, den du gesehen hast, bedeutet: Man wird dich aus der Gemeinschaft der Menschen verstoßen, und du mußt bei den Tieren des Feldes bleiben, und man wird dich Gras fressen lassen wie die Rinder, und du wirst unter dem Tau des Himmels liegen und naß werden, und sieben Zeiten werden über dich hinweggehen, bis du erkennst, daß der Höchste Gewalt hat über die Königreiche der Menschen und gibt sie, wem er will. Wenn aber gesagt wurde, man solle dennoch den Stock des Baumes mit seinen Wurzeln übrig lassen, das bedeutet: Dein Königreich soll dir erhalten bleiben, sobald du erkannt hast, daß der Himmel die Gewalt hat. Darum, mein König, laß dir meinen Rat gefallen und mache dich los von deinen Sünden durch Gerechtigkeit und von deiner Missetat durch Wohltat an den Armen, so wird es dir lange gut gehen!“

Dies alles widerfuhr dem König Nebukadnezar tastsächlich. Denn nach zwölf Monaten, als der König auf dem Dach des königlichen Palastes in Babel umherging, sprach er: „Das ist die große Babel, das ich erbaut habe zur Königsstadt durch meine große Macht, zu Ehren meiner Herrlichkeit!“

Noch ehe der König diese Worte ausgeredet hatte, kam eine Stimme von Himmel: „Dir, König Nebukadnezar, wird gesagt: Dein Königreich soll dir genommen werden. Man wird dich aus der Gemeinschaft der Menschen verstoßen, und sollst bei den Tieren auf dem Feld bleiben. Gras wird man dich fressen lassen wie die Rinder, und sieben Zeiten sollen hingehen, bis du erkennst, daß der Höchste Gewalt hat über die Königreiche der Menschen und gibt sie, wem er will.

Im gleichen Augenblick wurde das Wort erfüllt an Nebukadnezar, und er wurde verstoßen aus der Gemeinschaft der Menschen, und er fraß Gras wie die Rinder, und sein Leib lag unter dem Tau des Himmels, und er wurde naß, bis sein Haar so groß wurde wie Adlerfedern und seine Nägel wie Vogelklauen.

Nach dieser Zeit hob ich, Nebukadnezar, meine Augen auf zum Himmel und mein Verstand kam mir wieder und ich lobte den Höchsten. Ich pries und ehrte den, der ewig lebt, dessen Gewalt ewig ist und dessen Reich für und für währt, gegen den alle, die auf der Erde wohnen, für nichts zu rechnen sind. Er macht es, wie er will, mit den Mächten im Himmel und mit denen, die auf der Erde wohnen. Und niemand kann seiner Hand wehren noch zu ihm sagen: Was machst du?

Zur selben Zeit kehrte mein Verstand zu mir zurück, und meine Herrlichkeit und mein Glanz kamen wieder an mich zur Ehre meines Königreichs. Und meine Räte und Gewaltigen suchten mich auf, und ich wurde wieder über mein Königreich eingesetzt und gewann noch größere Herrlichkeit. Darum lobe, ehre und preise ich, Nebukadnezar, den König des Himmels, denn all sein Tun ist Wahrheit, und seine Wege sind recht, und wer stolz ist, den kann er demütigen [Nachdem also Nebukadnezar den Gott Daniels gelobt hat und gegenüber den Elenden barmherzig sein will und von seinem Hochmut absieht, wird er wieder zum König eingesetzt](Dan 33,31 - 4,34, gekürzt).

 

Belsazers Gastmahl:

König Belsazer machte ein herrliches Mahl für seine tausend Mächtigen und soff sich voll mit ihnen. Und als er betrunken war, hieß er die goldenen und silbernen Gefäße herbringen, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel in Jerusalem weggenommen hatte, um mit seinen Gewaltigen, mit seinen Frauen und mit seinen Nebenfrauen daraus zu trinken. Da wurden die goldenen und silbernen Gefäße hergebracht, und der König, seine Mächtigen, seine Frauen und Nebenfrauen tranken daraus. Und als sie so soffen, lobten sie die goldenen, silbernen, kupfernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter.

Im gleichen Augenblick gingen hervor Finger wie von einer Menschenhand, die schrieben gegenüber dem Leuchter auf die getünchte Wand in dem königlichen Saal. Und der König erblickte die Hand, die da schrieb. Da entfärbte sich der König, und seine Gedanken erschreckten ihn, so daß er wie gelähmt war und ihm die Beine zitterten. Er rief überlaut, daß man die Weisen, Gelehrten und Wahrsager herbeiholen sollte. Und er ließ den Weisen von Babel sagen: „Welcher Mensch diese Schrift lesen kann und mir sagt, was sie bedeutet, der soll mit Purpur gekleidet werden und eine goldene Kette um den Hals tragen und der ritte in meinem Königreich sein!“ Da wurden alle Weisen des Königs hereingeführt. Aber sie konnten weder die Schrift lesen noch die Deutung dem König kundtun. Darüber erschrak der König Belsazer noch mehr und verlor ganz seine Farbe, und seinen Mächtigen wurde angst und bange.

 Da ging die Königinmutter in den Saal hinein und sprach: „Der König lebe ewig! Laß dich von deinen Gedanken nicht so erschrecken und entfärbe dich nicht! Es ist ein Mann in deinem Königreich, der den Geist der heiligen Götter hat. Denn zur Zeit deines Vaters fand bei ihm Erleuchtung, Klugheit und Weisheit, wie die Weisheit der Götter ist. Dein Vater Nebukad­nezar, setzte ihn über die Zeichendeuter, Weisen, Gelehrten und Wahrsager, weil ein überragender Geist bei ihm gefunden wurde, dazu Verstand und Klugheit, Träume zu deuten, dunkle Sprüche zu erraten und Geheimnisse zu offenbaren. Das ist Daniel, den der König Beltsazar nennen ließ. So rufe man nun Daniel, der wird sagen, was es bedeutet!“

Da wurde Daniel hinein vor den König gebracht. Und der König sprach zu Daniel: „Bist du der Daniel, einer der Gefangenen aus Juda, die mein Vater aus Juda hergebracht hat? Ich habe von dir sagen hören, daß du den Geist der heiligen Götter hast und Erleuchtung, Verstand und hohe Weisheit bei dir zu finden ist.

Nun habe ich vor mich rufen lassen Weisen und Gelehrten, daß sie mir diese Schrift lesen und mir deuten, aber sie können mir nicht sagen, was sie bedeutet. Von dir aber höre ich, daß du Deutungen zu geben und Geheimnisse zu offenbaren vermagst. Kannst du nun die Schrift lesen und mir sagen, was sie bedeutet, so sollst du in Purpur gekleidet werden und eine golden Kette an deinem Halse tragen und der Dritte sein in meinem Königreich!“

Da fing Daniel an und redete vor dem König: „Behalte deine Gaben selbst und gib dein Geschenk einem andern. Ich will dennoch die Schrift dem König vor lesen und bekanntgeben, was sie bedeutet. Mein König, Gott der Höchste hat deinem Vater Nebukadnezar das Königreich gegeben, dazu Macht, Ehre und Herrlichkeit. Und um solcher Macht willen fürchteten und scheuten sich vor ihm alle Völker und Leute aus vielen verschiedenen Sprachen. Er tötete wen er wollte, und er ließ leben, wen er wollte und er erhöhte, wen er wollte, und er demütigte, wen er wollte. Als sich aber sein Herz erhob und er stolz und hochmütig wurde, da wurde er vom königlichen Thron gestoßen und verlor seine Ehre und wurde verstoßen aus der Gemeinschaft der Menschen, und sein Herz ward gleich den Tieren, und er mußte bei dem Wild laufen und fraß Gras wie Ochsen, und sein Leib lag unterm Tau des Himmels, und er ward naß, bis daß er lernte, daß Gott der Höchste Gewalt hat über der Menschen Königreiche und gibt sie, wem er will!“

Weiter schildert Daniel: Aber du, Belsazer, hast dein Herz nicht gedemütigt, ob du wohl das alles wußtest, sondern hast dich gegen den Herrn des Himmels erhoben, und die Gefäße seines Hauses hat man vor dich bringen müssen, und du, deine Mächtigen, deine Frauen und deine Nebenfrauen, ihr habt alle daraus getrunken. Dazu habt ihr die silbernen, goldenen, kupfernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter gelobt, die weder sehen noch hören noch fühlen können. Den Gott aber, der deinen Atem und alle deine Wege in seiner Hand hat, hast du nicht geehrt. Darum wurde von ihm diese Hand zu dir gesandt und diese Schrift geschrieben.

Die Schrift, die dort geschrieben steht, lautet: „Mene, mene, tekel, u-pharsin!“ Sie bedeutet: „Meine“, das heißt: „Gott hat dein Königreich gezählt und beendet“.

„Tekel, das heißt: „Man hat dich auf einer Waage gewogen und zu leicht gefunden“.

„Peres“, das heißt: „Dein Königreich ist zerteilt und den Medern und Persern gegeben“.

Da befahl Belsazer, daß man Daniel mit Purpur kleiden sollte und ihm eine goldene Kette um den Hals geben, und ließ verkündigen, daß er der Dritte im Königreich sei. Aber in derselben Nacht wurde Belsazer, der König der Chaldäer, getötet. Und Darius aus Medien übernahm das Reich, als er zweiundsechzig Jahre alt war (Dan 5,1 - 6,1).

[Der Begriff „Menetekel“ ist sprichwörtlich geworden. Das Wortspiel „mene mene tekel u-pharsin“ ist höchstwahrscheinlich ein Rebus und stellt eine Ableitung der akkadischen Worte „manû šiqlu parsu“ dar, die als Bezeichnungen im Zusammenhang von Gewichtseinheiten benutzt wurden. Vor diesem Hintergrund ist klar, warum niemand von den Anwesenden den Sinn dieser Worte erklären konnte, obwohl die Begriffe zur Umgangssprache gehörten. Der Redaktor des Daniel-Buches macht hieraus ein Wortspiel in aramäischer Sprache, dessen wörtliche Übersetzung heute wie damals unklar bleibt. Nur der von der Königsmutter gerufene Daniel konnte die Schrift - oder besser Zahlen und Münzangaben - deuten: „Gott hat die Tage und die Zeit deines Königreichs gezählt und festgestellt, daß die voraus bestimmte Zahl voll erreicht und damit zu Ende gekommen ist. Du wurdest gewogen und für zu leicht gezählt. Dein Königreich wird dir weggerissen und den Persern gegeben!“ Zum Schluß wird Daniel die versprochene Belohnung ausgehändigt. Aber in der kommenden Nacht wurde Belsazar getötet].

Diese Erzählung hat Heinrich Heine in einem Gedicht verarbeitet:

 

                          Belsazar

Die Mitternacht zog näher schon;
in stiller Ruh lag Babylon.

Nur oben in des Königs Schloß
Da flackerts, da lärmt des Königs Troß.

Dort oben in dem Königssaal
Belsazar hielt sein Königsmahl.

Die Knechte saßen in schimmernden Reihn
und leerten die Becher mit funkelndem Wein.

Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht;
so klang es dem störrigen Könige recht.

Des Königs Wangen leuchten Glut;
Im Wein erwuchs ihm kecker Mut.

Und blindlings reißt der Mut ihn fort;
und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.

Und brüstet sich frech und lästert wild;
die Knechtenschar ihm Beifall brüllt.

Der König rief mit stolzem Blick;
der Diener eilt und kehrt zurück.

Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt;
das war aus dem Tempel Jehovas geraubt.

Und der König ergriff mit frevler Hand
einen heiligen Becher, gefüllt bis zum Rand.

Und er leert ihn hastig bis auf den Grund
und rufet laut mit schäumendem Mund:

"Jehova! dir künd ich auf ewig Hohn, -
ich bin der König von Babylon!"

Doch kaum das grause Wort verklang,
dem König wards heimlich im Busen bang.

Das gellende Lachen verstummte zumal;
Es wurde leichenstill im Saal.

Und sieh! und sieh! an weißer Wand,
da kam‘s hervor wie Menschenhand;

Und schrieb, und schrieb an weißer Wand
Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand.

Der König stieren Blicks da saß
mit schlotternden Knien und totenblaß.

Die Knechtenschar saß kalt durchgraut
und saß gar still, gab keinen Laut.

Die Magier kamen, doch keiner verstand
zu deuten die Flammenschrift an der Wand.

Belsazar ward aber in der selbigen Nacht
von seinen Knechten umgebracht.

 

Daniel in der Löwengrube:

Es gefiel Darius, über das ganze Königreich hundertzwanzig Statthalter einzusetzen. Über diese setzte er drei Fürsten ein, von denen einer Daniel war. Ihnen sollten die Statthalter die Rechenschaft ablegen, damit der König keine Mühe damit hätte. Daniel aber übertraf alle Fürsten und Statthalter, denn es war ein überragender Geist in ihm. Darum dachte der König daran, ihn über das ganze Königreich zu setzen. Deshalb trachteten die Fürsten und Statthalter danach, an Daniel etwas zu finden, das gegen das Königreich gerichtet wäre. Aber sie konnten keinen Grund zur Anklage und kein Vergehen finden, denn er war treu.

Da sprachen die Männer: „Wir werden keinen Grund zur Anklage gegen Daniel finden, es sei denn seine Gottesverehrung!“ Da kamen die Fürsten und Statthalter eilends vor den König gelaufen und sprachen zu ihm: „Der König Darius lebe ewig! Es haben die Fürsten des Königreichs, die Würdenträger und Statthalter, die Räte und Befehlshaber alle gedacht, man solle einen königlichen Befehl geben und ein strenges Gebot erlassen:

Niemand darf in einem Zeitraum von dreißig Tagen etwas erbitten von irgendeinem Gott oder Menschen außer allein von dir, dem König. Wer sich nicht daran hält, soll zu den Löwen in die Grube geworfen werden. Darum, lieber König, wollest du ein solches Gebot ergehen lassen und ein Schreiben aufsetzen, das nicht wieder geändert werden darf, nach dem Gesetz der Meder und Perser, das niemand aufheben darf!“ So ließ der König Darius das Schreiben und das Gebot aufsetzen.

Als nun Daniel erfuhr, daß ein solches Gebot ergangen war, ging er hinein in sein Haus. Er hatte aber an seinem Obergemach offene Fenster in Richtung Jerusalem. Dort fiel er dreimal am Tag auf seine Knie und betete, lobte und dankte seinem Gott, wie er es schon vorher zu tun pflegte. Da kamen diese Männer eilends gelaufen und fanden Daniel, wie er betete und flehte vor seinem Gott.

Da traten sie vor den König und redeten mit ihm über das königliche Gebot: „O König, hast du nicht ein Gebot erlassen, daß jeder, der in dreißig Tagen etwas bitten würde von irgend einem Gott oder Menschen außer dir allein, zu den Löwen in den Grube geworfen werden soll?“ Der König antwortete: „Das ist wahr, und das Recht der Meder und Perser kann niemand aufheben!“

Sie antworteten aber und sprachen zum König: „Daniel, einer der Gefangenen aus Juda, der achtet weder dich noch dein Gebot, denn er betet dreimal am Tag!“ Als der König das hörte, wurde er sehr betrübt und war darauf bedacht, Daniel die Freiheit zu erhalten. Er mühte sich bis die Sonne unterging, ihn zu erretteten. Aber die Männer kamen wieder zum König und sprachen zu ihm: „Du weißt doch, Herr König, daß es das Gesetz der Meder und Perser ist, daß alle Gebote und Befehle des Königs unverändert bleiben sollen!“ Da befahl der König, Daniel herzubringen. Und sie warfen ihn zu den Löwen in die Grube. Der König aber sprach zu Daniel: „Dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienst, der helfe dir!“

Und sie brachten einen Stein, den legten sie vor die Öffnung der Grube. Den Stein versiegelte der König mit seinem eigenen Ring und mit dem Ring seiner Mächtigen, damit nichts anderes mit Daniel geschähe. Der König ging weg in seinen Palast und fastete die Nacht über und ließ kein Essen vor sich bringen und konnte auch nicht schlafen. Früh am Morgen, als der Tag anbrach, stand der König auf und ging eilends zur Grube, wo die Löwen waren. Als er zu der Grube kam, rief er Daniel mit angstvoller Stimme: „Daniel, du Diener des lebendigen Gottes, hat dich dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienst, auch vor den Löwen erretten können?“

 

Daniel redete mit dem König: „Der König lebe ewig! Mein Gott hat seinen Boten gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, so daß sie mir kein Leid tun konnten, Denn vor ihm bin ich unschuldig, auch habe ich auch gegen dich, mein König, nichts Böses getan!“ Da wurde der König sehr froh und ließ Daniel aus der Grube ziehen. Man fand keine Verletzung an ihm, denn er hatte seinem Gott vertraut.

Da ließ der König die Männer, die Daniel verklagt hatten, holen und zu den Löwen in die Grube werfen samt ihren Frauen und Kindern. Ehe sie noch den Boden erreichten, ergriffen die Löwen sie und zermalmten alle ihre Knochen.

Da ließ der König Darius allen Völkern, Leuten aus verschiedene Sprache auf der ganzen Erde schreiben: „Viel Friede zuvor! Das ist mein Befehl, daß man in meinem ganzen Königreich den Gott Daniels fürchten und sich vor ihm scheuen soll. Denn er ist der lebendige Gott, der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende.

Er ist ein Retter und Nothelfer, und er tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf der Erde. Der hat Daniel von den Löwen errettet!“ Und Daniel hatte große Macht im Königreich des Darius und auch im Königreich des Kyros von Persien (Dan 6) [Die Geschichte von Daniel in der Löwengrube wurde von Klaus-Peter Hertzsch in Reimen in dem Buch „Daniel und die Löwen in der Grube“, 1981, nur antiquarisch].

 

Daniels Visionen („Schau“) als Ich-Berichte (Kapitel 7 - 12):

Die vier Weltreiche und das Endgericht Gottes:

[Diese Kapitel sind wie das Eingangskapitel (Dan 1 - 2,4a), das beide Hauptteile verklammert, auf Hebräisch verfaßt. Es schildert Daniels Schau der vier Weltreiche - symbolisiert durch vier wilde Tiere, die aus dem Meer aufsteigen. Es gibt verschiedene Auslegungen, war mit diesen Reichen gemeint sein könnte. Die klassische Interpretation bei Juden wie bei Christen lautet: Die Löwin steht für das Reich Babylons, der Bär für das Reich der Meder und Perser, der Leopard für das Griechenreich Alexander des Großen und schließlich ein gehörntes Tier für das Römerreich. Historisch-kritisch meint man Babylonier, Meder, Perser, Griechen. Eine alternative Auslegung stellt das erste Reich mit Neobabylonien gleich, identifiziert die zweite und dritte Mächte mit Medopersien und dem griechischen Reiche Alexanders. Mit dem vierten Untier wären dann die Diadochenreiche Ägypten und Syrien gemeint].

 

Im ersten Jahr Belsazers, des Königs von Babel, hatte Daniel einen Traum und Erscheinungen auf seinem Bett, und er schrieb den Traum auf und dies ist sein Inhalt: Ich sah eine Erscheinung in der Nacht, in der wühlten die vier Winde unter dem Himmel das große Meer auf. Und vier große Tiere stiegen heraus aus dem Meer, ein jedes anders als das andere.

Das erste war wie ein Löwe und hatte Flügel wie ein Adler. Ich sah, wie ihm die Flügel genommen wurden. Er wurde von der Erde aufgehoben und auf zwei Füße gestellt wie ein Mensch, und ihm wurde ein menschliches Herz gegeben. Das zweite Tier war gleich einem Bären und war auf der einen Seite aufgerichtet und hatte in seinem Maul zwischen seinen Zähnen drei Rippen. Und man sprach zu ihm: „Stehe auf und friß viel Fleisch!“ Das dritte Tier war gleich einem Panther, der hatte vier Flügel wie ein Vogel auf seinem Rücken und hatte vier Köpfe; und ihm wurde große Macht gegeben.

 

Das vierte Tier war furchtbar und schrecklich und sehr stark und hatte große eiserne Zähne, fraß um sich und zermalmte alles und das übrig bleib, zertrat es mit seinen Füßen. Es war auch ganz anders als die vorigen und hatte zehn Hörner. Als ich aber auf die Hörner achtgab, da brach ein anderes kleines Horn zwischen ihnen hervor, vor dem drei der vorigen Hörner ausgerissen wurden. Dieses Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul, das redete große Dinge.

Ich sah, wie Throne aufgestellt wurden, und einer, der uralt war, setzte sich. Sein Gewand war schneeweiß, und das Haar auf seinem Haupt wie reine Wolle. Feuerflammen waren sein Thron und dessen Räder loderndes Feuer. Und von ihm ging aus ein langer feuriger Strahl. Tausendmal Tausende dienten ihm, und zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht wurde gehalten, und die Bücher wurden aufgetan. Ich hörte auf die großen Reden, die das Horn redete. Ich sah, wie das Tier getötet wurde und sein Leib umkam und ins Feuer geworfen wurde. Und mit der Macht der anderen Tiere war es auch aus, denn es war ihnen Zeit und Stunde bestimmt, wie lange ein jedes leben sollte.

In diesem Traum in der Nacht kam einer mit den Wolken des Himmels wie der Sohn eines Menschen („Menschensohn“). Er gelangte bis zu dem Alten. Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, so daß ihm alle Völker und Leute aus so vielen Sprachen dienen sollten. Seine Gewalt ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.

Ich war entsetzte, und diese Erscheinung erschreckte mich. Ich ging zu einem von denen, die dastanden, und bat ihn, daß er mir über all das Genaueres sagen möchte. Und er redete mit mir und erläuterte mir, was es bedeutete: Diese vier großen Tiere sind vier Reiche, die auf die Erde kommen werden. Aber die Heiligen des Höchsten werden das Reich empfangen und werden es immer und ewig besitzen.

Danach hätte ich gern Genaueres gewußt über das vierte Tier, das ganz anders war als die anderen alle, ganz furchtbar, mit eisernen Zähnen und kupfernen Klauen, das um sich fraß und alles zermalmte und mit seinen Füßen das Übriggebliebene zertrat, und über die zehn Hörner auf seinem Haupt und über das andere, das hervorbrach, von dem drei abfielen. Es hatte Augen und ein Maul, das große Dinge redete, und war größer, als die Hörner, die neben ihm waren.

Und ich sah das Horn kämpfen gegen die Heiligen, und es behielt den Sieg über sie, bis der Alte kam und Recht schaffte den Heiligen des Höchsten, und die Zeit kam, daß die Heiligen das Reich empfingen.

Er sprach: Das vierte Tier wird das vierte Reich auf der Erde sein, das wird gar anders sein denn alle anderen Reiche: Es wird alle Länder fressen, zertreten und zermalmen. Die zehn Hörner bedeuten zehn Könige, die aus dem Reich hervorgehen werden. Nach ihnen aber wird ein anderer aufkommen, der wird gar anders sein als die vorigen und wird drei Könige stürzen. Er wird den Höchsten lästern und die Heiligen des Höchsten vernichten und wird sich unterstehen, Festzeiten und Gesetz zu ändern. Sie werden in seine Hand gegeben werden eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit. Danach wird das Gericht gehalten werden. Dann wird ihm seine Gewalt weggenommen werden und er wird ganz und gar vernichtet werden. Aber das Reich und die Macht und die Gewalt über die Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden, dessen Reich ewig ist, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen. Das war das Ende der Rede. Aber ich wurde sehr beunruhigt in meinen Gedanken, und jede Farbe war aus meinem Gesicht gewichen. Doch behielt ich die Rede in meinem Herzen (Dan 7).

 

Vom Widder und Ziegenbock:

[In diesem Kapitel geht es um die Darstellung einer Religionsverfolgung, möglicherweise unter Antiochus IV. Epiphanes. Es ist ein Protest gegen die Tempelschändung durch die Hellenen. Die Erscheinung vom Widder und vom Ziegenbock und dessen Hörnern bedeutet: Die Griechen siegen über die Meder und Perser (8,20), vier griechische Kleinreiche entstehen. Derjenige, der das tägliche Opfer im Tempel verhindert, der wird ohne Zutun von Menschenhand zerschmettert (8,25). Gewalt ist aber unnötig zur Befreiung des Tempels (womit das Buch Daniel möglicherweise eine Antwort gibt auf die im damaligen Judentum unter Antiochus IV. vieldiskutierte Frage, wie der Tempel befreit wird). In einer Naherwartung (Berechnung in 8,14 und 12,12) soll Israel ermutigt werden, sich für Glaubenstreue und gegen die Fremdherrschaft zu entscheiden].

 

Im dritten Jahr der Herrschaft des Königs Belsazar hatte ich eine weitere Erscheinung. Dabei war ich in der Festung Susa im Lande Elam, am Fluß Ulai: Ich sah ein Widder stehen vor dem Fluß, der hatte zwei hohe Hörner, doch eins höher als das andere, und das höhere war später hervor gewachsen. Der Widder stieß mit den Hörnern nach Westen, nach Norden und nach Süden hin. Kein Tier konnte vor ihm bestehen noch vor seiner Gewalt errettet werden, sondern er tat, was er wollte, und wurde groß.

Aber indem ich noch auf ihn merkte, da kam ein Ziegenbock von Westen her über die ganze Erde, ohne den Boden zu berühren. Er hatte ein ansehnliches Horn zwischen seinen Augen. Er kam bis zu dem Widder, der zwei Hörner hatte und er lief in gewaltigem Zorn auf ihn zu. Als er nahe an den Widder herankam, stieß er den Widder voller Grimm und zerbrach ihm seine zwei Hörner. Und der Widder hatte keine Kraft mehr, daß er vor ihm hätte bestehen können, sondern der Bock warf ihn zu Boden und zertrat ihn und niemand konnte den Widder vor seiner Gewalt erretten.

Der Ziegenbock wurde sehr groß. Und als er am stärksten geworden war, zerbrach das große Horn, und es wuchsen ihm an seiner Stelle vier andere Hörner, nach den vier Winden des Himmels hin. Und aus einem von ihnen wuchs ein kleines Horn. Das wurde sehr groß nach Süden, nach Osten und nach dem herrlichen Land hin. Es wuchs bis an das Heer des Himmels und warf einige von dem Heer und von den Sternen zur Erde und zertrat sie. Ja, es wuchs bis zum Fürsten des Heeres und nahm das tägliche Opfer weg und verwüstete die Wohnung seines Heiligtums. Und es wurde Frevel an dem täglichen Opfer verübt, und das Horn warf die Wahrheit zu Boden. Und was es tat, das gelang ihm.

Ich hörte aber einen Heiligen reden, und ein anderer Heiliger sprach zu dem, der da redete: Wie lange gilt diese Erscheinung vom täglichen Opfer und vom verwüstenden Frevel und vom Heiligtum, das zertreten wird? Er antwortete mir: Bis zweitausenddreihundert Abende und Morgen vergangen sind. Dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden.

Als ich die Erscheinung hatte und sie gern verstanden hätte, siehe da stand einer vor mir, der aussah wie ein Mann, und ich hörte eine Menschenstimme mitten über den Ulai rufen und sprechen: „Gabriel, lege diesem die Erscheinung aus, daß er sie verstehe!“

Gabriel trat nahe zu mir. Ich erschrak aber, als er kam, und fiel auf mein Angesicht. Er aber sprach zu mir: „Merke auf, du Mensch, denn dieser Erscheinung bezieht sich auf die Zeit des Endes!“ Und als er mit mir redete, sank ich in Ohnmacht zur Erde auf mein Angesicht. Er aber rührte mich an und richtete mich auf, so daß ich wieder stand.

Und er sprach: „Siehe, ich will dir sagen, wie es gehen wird zur letzen Zeit des Zorns, denn auf die Zeit des Endes bezieht sich diese Erscheinung: Der Widder mit den zwei Hörnern, den du gesehen hast, bedeutet die Könige von Medien und Persien. Der Ziegenbock aber ist der König von Griechenland. Das große Horn zwischen seinen Augen ist der erste König.

Daß aber vier an seiner Stelle wuchsen, nachdem es zerbrochen war, bedeutet, daß vier Königreiche aus seinem Volk entstehen werden, aber nicht so mächtig, wie er war. Aber gegen Ende ihrer Herrschaft, wenn die Frevler überhandnehmen, wird aufkommen ein frecher und verschlagener König. Der wird mächtig sein, doch nicht so mächtig wie sie. Er wird ungeheures Unglück anrichten, und es wird ihm gelingen, was er tut. Er wird die Starken vernichten,

Gegen das heilige Volk richtet sich sein Sinnen, und es wird ihm durch Betrug gelingen. Er wird überheblich werden, und unerwartet wird er viele verderben und wird sich auflehnen gegen den Fürsten allen Fürsten. Aber er wird zerbrochen werden ohne Zutun von Menschenhand!“ Diese Erscheinung von den Abenden und Morgen, die ist wahr. Aber du sollst die Erscheinung geheimhalten, denn es ist noch eine lange Zeit dahin.

Ich war erschöpft und lag einige Tage krank. Danach stand ich auf und verrichtete meinen Dienst bei dem König. Und ich wunderte mich über die Erscheinung, aber es war niemand da, der sie mir auslegte (Dan 8).

[Der Historiker Josephus erzählt, daß Alexander der Große bei seinem Einzug in Jerusalem von den älteren Männern die Prophezeiung Daniels über den Ziegenbock und den Widder gezeigt bekommen haben soll. Alexander interpretierte die Prophezeiung auf sich selbst. Er behandelte die Juden, die nachweislich mit den Persern befreundet waren, sehr freundlich. Man bedenke, daß er zu dieser Zeit auf einem Feldzug gegen Persien und seine Verbündeten war].

 

Daniels Bußgebet und das Geheimnis der siebzig Jahre:

[Dieses Kapitel handelt von den siebzig Jahrwochen oder siebzig „Siebenheiten“. Es knüpft an eine Verheißung des Propheten Jeremia an, die Exildauer des Volkes Israel in Babylon auf siebzig Jahre datierte. Die Erweiterung geschah auf derselben Basis, die Strafzeit (70 Jahre Babel) wurde um ein Siebenfaches erweitert. Es wird beklagt, daß Israel von den Gesetzen Moses (9,5) und den Propheten (9,6) abgewichen ist, allerdings wird auf einen vergebenden Gott gehofft (9,19)].

 

Im ersten Jahr des Darius aus dem Stamm der Meder, der König über das Reich der Chaldäer wurde, achtete ich in den Büchern auf die Zahl der Jahre, von denen der Herr geredet hatte zum Propheten Jeremia, daß nämlich Jerusalem siebzig Jahre wüst liegen sollte.

Und ich kehrte mich zu Gott dem Herrn, um zu beten und zu flehen unter Fasten und in Sack und Asche. Ich bekannte: Ach Herr, du großer und heiliger Gott, der du Bund und Gnade bewahrt hast denen, die dich lieben und deine Gebote halten: Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden, wir sind von deinen Geboten und Rechten gewichen. Wir gehorchten nicht deinen Propheten, die in deinem Namen unsern Königen, Fürsten, Vätern und allem Volk im Lande redeten.

 Du, Herr, bist gerecht, aber wir müssen uns alle heute schämen, die von Juda und Jerusalem und dem ganzen Israel, die nahe sind und fern in allen Ländern, wohin du sie verstoßen hast um der Missetat willen, die sie an dir begangen haben. Ja, Herr, wir, unsre Könige, unsre Fürsten und unsre Väter müssen uns schämen, daß wir uns an dir versündigt haben. Bei dir aber ist die Barmherzigkeit und Vergebung.

Denn wir sind abtrünnig geworden und gehorchten nicht der Stimme des Herrn, daß lebten nicht nach einem Gesetz, das er uns vorlegte durch seine Propheten. Sondern das ganze Israel übertrat dein Gesetz, und sie wichen ab und gehorchten deiner Stimme nicht. Darum trifft uns auch der Fluch, den er geschworen hatte im Gesetz Moses, weil wir an ihm gesündigt haben. Gott hat seine Worte gehalten, die er geredet hat gegen uns und unsre Richter, daß er ein so großes Unglück über uns hat kommen lassen. Denn unter dem ganzen Himmel ist derartiges nicht geschehen, wie in Jerusalem geschehen ist…..

Ach Herr, um all deiner Gerechtigkeit willen wende ab deinen Zorn und Grimm von deiner Stadt Jerusalem und deinem heiligen Berg. Denn wegen unsrer Sünden und wegen der Missetaten unsrer Väter trägt Jerusalem und dein Volk Schmach bei allen, die um uns her wohnen. Gott, höre das Gebet deines Dieners und sein Flehen. Laß leuchten dein Antlitz über dein zerstörtes Heiligtum.

Neige dein Ohr, mein Gott, und höre, tue deine Augen auf und sieh an unsre Trümmer und die Stadt, die nach deinem Namen genannt ist. Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit…..

Als ich noch so redete und betete , flog der Mann Gabriel um die Zeit des Abendopfers dicht an mich heran und unterrichtete mich und redete mit mir: Daniel, jetzt bin ich ausgegangen, um dir zum rechten Verständnis zu helfen: Siebzig mal sieben Jahre sind verhängt über dein Volk und über deine heilige Stadt. Dann wird dem Frevel ein Ende gemacht und die Sünde abgetan und die Schuld gesühnt, und es wird ewige Gerechtigkeit gebracht und Erscheinung und Weissagung erfüllt und das Allerheiligste gesalbt werden.

So wisse nun und gib acht: von der Zeit an, als das Wort erging, Jerusalem werde wieder aufgebaut werden, bis ein Gesalbter kommt, sind es sieben mal sieben Jahre; und in zweiundsechzig mal sieben Jahren wird es wieder aufgebaut sein mit Plätzen und Gräben, obwohl in kummervoller Zeit. Und nach den zweiundsechzig Wochen mal sieben wird ein Gesalbter ausgerottet werden und nicht mehr sein. Und das Volk eines Fürsten wird kommen und die Stadt und das Heiligtum verstören. Aber dann kommt das Ende durch eine Flut, und bis zum Ende wird es Krieg geben und Verwüstung, die längst beschlossen ist.

 Er wird aber vielen den Bund schwer machen eine Woche lang. In der Mitte der Woche wird das Schlachtopfer und Speisopfer abschaffen. Und im Heiligtum wird stehen ein Greuelbild, das Verwüstung ausrichtet (der „Greuel der Verwüstung“), bis das beschlossene Verderben sich über die Verwüstung ergießen wird (Dan 9, leicht gekürzt).

 

Letzte Offenbarung und Versiegelung des Buches:

[Die Schilderung der Ereignisse der Endzeit bis zum Anbruch des Heils (Kapitel 10-12) beginnt mit der Erscheinung eines Engelsfürsten. Die Weltgeschichte entwickelt sich in Kriegen und Feldzügen, allerdings wird bei der Darstellung den „Königen des Südens“ sowie den „Königen des Nordens“ die Ehre der Namens­nennung verweigert (möglicherweise den Ptolemäern und den Seleukiden)

Das „Land der Zierde“, d.h. Israel, fällt vollständig in Fremdherrschaft. Steuervögte werden Israel unterjochen, sie werden zerschmettert, jedoch „weder durch Zorn noch durch Krieg“. Ein „König des Nordens“ versucht viele in Israel zu zwingen, den Bund (den eigenen Glauben) zu verlassen. Ein Aufstand wird dabei von den Autoren nur als „kleine Hilfe“ gezählt (Möglicherweise der Makkabäer). Es wird vorausgesagt, daß der „König des Nordens“ und der „König des Südens“ miteinander kämpfen werden, und daß der „König des Nordens“ in Jerusalem sein Ende finden wird].

Im dritten Jahr des Königs Kyros von Persien wurde Daniel etwas offenbart, was gewiß ist und von großen Dingen handelt. Er achtete auch darauf und verstand die Erscheinung sehr wohl. Zu der Zeit trauerte ich drei Wochen lang: Ich aß keine leckere Speise, Fleisch und Wein kamen nicht in meinen Mund. Und ich salbte mich auch nicht, bis die drei Wochen herum waren.

Am vierundzwanzigsten Tag des ersten Monats war ich bei dem großen Fluß Tigris und hob meine Augen auf und sah: Da stand ein Mann, der hatte leinene Gewänder an und hatte einen goldenen Gürtel um seine Lenden. Sein Leib war wie ein Türkis, sein Antlitz sah aus wie der Blitz, seine Augen wie feurige Fackeln, seine Arme und Füße wie helles, glattes Kupfer, und seine Rede war wie ein großes Brausen.

Aber ich, Daniel, sah diese Erscheinung allein, aber die Männer, die bei mir waren, sahen es nicht. Doch fiel ein großer Schrecken über sie, so daß sie flohen und sich verkrochen. Und ich blieb allein und sah diese große Erscheinung. Es blieb aber keine Kraft in mir. Jede Farbe wich aus meinem Gesicht, und ich hatte keine Kraft mehr.

Ich hörte seine Rede. Und während ich sie hörte, sank ich ohnmächtig auf mein Angesicht zur Erde.

Aber siehe, eine Hand rührte mich an und half mir auf die Knie und auf die Hände und er sprach zu mir: „Daniel, du von Gott Geliebter, merke auf die Worte, die ich mit dir rede, und richte dich auf, denn ich bin jetzt zu dir gesandt!“ Und als er das mit mir redete, richtete ich mich zitternd auf und er sprach zu mir: „Fürchte dich nicht, Daniel, denn von dem ersten Tag an, als du von Herzen begehrtest zu verstehen und anfingst, dich zu demütigen vor deinem Gott, wurden deine Worte erhört, und ich wollte kommen um deiner Worte willen.

Aber der Engelfürst des Königreiches im Perserland hat mir einundzwanzig Tage widerstanden. Aber Michael, einer der Ersten unter den Engelfürsten, kam mir zu Hilfe. Ich überließ ihm den Kampf mit den Engelfürsten des Königreichs Persien. Nun aber komme ich, um dir Bericht zu geben, wie es deinem Volk gehen wird am Ende der Tage, denn die Erscheinung richtet sich auf eine ferne Zeit!“

Und als er das alles mit mir redete, neigte ich mein Angesicht nieder zur Erde und schwieg still. Und einer, der gleich war einem Menschen, rührte meine Lippen an. Da tat ich meinen Mund auf und redete und sprach zu dem, der vor mir stand: „Mein Herr, meine Glieder bebten mir als ich die Erscheinung hatte, und es war keine Kraft mehr in mir. Wie kann der Diener meines Herrn mit meinem Herrn reden, wo auch jetzt keine Kraft mehr in mir ist und mit der Atem fehlt?

Da rührte mich abermals der an, der wie ein Mensch aussah, und stärkte mich und sprach: „Fürchte dich nicht, du von Gott geliebter Mann! Friede sei mit dir! Sei getrost, sei getrost!“ Und als er mit mir redete, ermannte ich mich und sprach: „Mein Herr rede! denn du hast mich gestärkt!“ Und er sprach: „Weißt du auch, warum ich zu dir gekommen bin? Und jetzt muß ich wieder hin und mit dem Engelfürsten von Persien kämpfen. Und wenn ich das hinter mich gebracht habe, dann wird der Engelfürst von Griechenland kommen. Doch zuvor will ich dir kundtun, was geschrieben ist im Buch der Wahrheit. Und es ist keiner, der mir hilft gegen jene, außer eurem Engelfürsten Michael (Dan 10).

Ich stand auch bei ihm bei im ersten Jahr des Darius, um ihm zu helfen und ihn zu stärken. Und nun will ich dir kundtun, was gewiß geschehen soll. Siehe, es werden noch drei Könige in Persien aufstehen. Der vierte aber wird noch größeren Reichtum haben als alle andern. Und wenn er in seinem Reichtum am mächtigsten ist, wird er alles gegen das Königreich in Griechenland aufbieten. Danach wird ein mächtiger König aufstehen und mit großer Macht herrschen, und was er will, wird er ausrichten.

 

Wenn er emporgekommen ist, wird sein Reich zerbrechen und in die vier Himmelsrichtungen zerteilt werden, nicht auf seine Nachkommen, auch nicht mit solcher Macht, wie er hatte, denn sein Reich wird zerstört und Fremden zuteil werden. Der König des Südens wird mächtig werden, aber gegen ihn wird einer seiner Fürsten noch mächtiger werden und herrschen, und seine Herrschaft wird groß sein. Nach einigen Jahren aber werden sie sich miteinander befreunden: Die Tochter des Königs des Südens wird kommen zum König des Nordens, um die Einigkeit zu festigen. Aber sie wird keinen Erfolg haben (und auch ihr Nachkomme wird nicht bleiben). Sie wird preisgegeben werden mit ihrem Ehemann und denen, die sie gebracht haben.

Zu der Zeit wird einer aus ihrem Stamm emporkommen, der wird gegen die Heeresmacht des Königs des Nordens ziehen und in seine Festung eindringen und wird ihnen seine Macht zeigen. Auch wird er ihre Götter samt den Bildern und den kostbaren Geräten aus Silber und Geld wegführen nach Ägypten und einige Jahre vor dem König des Nordens ablassen. Aber er wird eindringen in das Reich des Königs des Südens, jedoch dann wieder in sein Land zurückkehren. Aber seine Söhne werden Krieg führen und große Heere zusammenbringen. Der eine wird kommen und wie eine Flut heranbrausen und wiederum Kriege führen bis vor seine Festung. Da wird der König des Südens ergrimmen und ausziehen und mit dem König des Nordens kämpfen. Der wird ein großes Heer zusammenbringen, aber das Heer wird in die Hand des anderen gegeben und vernichtet werden.

Daraufhin wird sich sein Herz übermütig werden und er wird viele Tausende erschlagen, aber er wird nicht mächtig bleiben. Denn der König des Nordens wird wiederum ein Heer zusammenbringen, größer als das vorige war, und nach einigen Jahren wird er ausziehen mit großer Heereskraft und mit vielem Troß. Zu dieser Zeit werden auch viele aufstehen gegen den König des Südens. Auch werden sich Abtrünnige aus deinem Volk erheben und die Weissagung erfüllen, und werden fallen.

Der König des Nordens wird kommen und einen Wall aufschütten und eine feste Stadt einnehmen. Die Heere des Südens können es nicht verhindern, ihr bestes Kriegsvolk kann nicht widerstehen, sondern der gegen sie zieht, wird tun, was ihm gut zu sein scheint. Niemand wird ihm widerstehen können. Er wird auch in das herrliche Land kommen und Verderben ist in seiner Hand. Er wird seinen Sinn darauf richten, daß er mit der Macht seines ganzen Königreichs bekommt, und sich mit ihm vertragen und wird ihm seine Tochter zur Frau geben, um ihn zu verderben. Aber es wird ihm nicht gelingen und es wird nichts daraus werden.

Danach wird er sich gegen die Inseln wenden und viele von ihnen gewinnen. Aber ein Mächtiger wird ihn zwingen, mit Schmähen aufzuhören, und wird ihm seine Schmähungen heimzahlen. Danach wird er sich gegen die Festungen seines eigenen Landes wenden. Er wird straucheln und fallen, daß man ihn nirgends finden wird.

Und an seiner Stelle wird einer emporkommen, der wird einen Kämmerer das herrliche Land durchziehen lassen, um Abgaben einzutreiben. Aber nach einigen Jahren wird er umgebracht werden, aber weder öffentlich noch im Kampf. An seiner Stelle wird aber dann ein verächtlicher Mensch aufkommen, dem die Ehre des Throns nicht zugedacht war. Der wird unerwartet kommen und sich durch Betrug die Herrschaft erschleichen.

Heranflutende Heere werden vor ihm weggeschwemmt und vernichtet werden, dazu auch der Fürst des Bundes. Denn nachdem er mit ihm angefreundet hat, wird er listig gegen ihn handeln und heraufziehen und mit wenigen Leuten Macht gewinnen.

 

Unerwartet wird er in die besten Städte des Landes kommen und wird tun, was weder seine Väter noch seine Vorväter getan haben, und Raub, Beute und Güter an seine Leute verteilen. Er wird nach den allerfestesten Städten trachten, aber nur für eine befristete Zeit.

Er wird seine Macht und seinen Mut gegen den König des Südens aufbieten mit einem großen Heer. Dann wird der König des Südens sich aufmachen zum Kampf mit einem großen, mäch­tigen Heer, aber er wird nicht bestehen, denn es werden Pläne gegen ihn geschmiedet. Und die sein Brot essen, die werden ihn helfen, ihn zu verderben und sein Heer zu verjagen, so daß viele erschlagen werden. Beide Könige werden darauf bedacht sein, wie sie einander Schaden tun können. Sie werden an einem Tisch verlogen miteinander reden. Es wird ihnen aber nicht gelingen, denn das Ende ist noch auf eine andere Zeit bestimmt. Danach wird er wieder heimziehen mit großer Beute und seinen Sinn richten gegen den heiligen Bund. Er wird es ausführen und in sein Land zurückkehren.

Nach einer bestimmten Zeit wird er wieder nach Süden ziehen. Aber es wird beim zweiten Mal nicht so sein wie beim ersten Mal, denn es werden Schiffe aus Kittim gegen ihn kommen, so daß er verzagen wird und umkehren muß. Da wird er gegen den heiligen Bund ergrimmen und danach handeln und sich denen zuwenden, die den heiligen Bund verlassen haben.

Seine Heere werden kommen und Heiligtum und Burg entweihen und das tägliche Opfer abschaffen und das Greuelbild der Verwüstung aufstellen. Er wird mit Betrug und Schmeicheleien alle zum Sinneswechsel bringen, die den Bund übertreten. Aber die vom Volk, die ihren Gott kennen, werden sich ermannen und auch danach handeln.

Und die Verständigen im Volk werden vielen zur Einsicht verhelfen. Deswegen werden sie eine Zeitlang verfolgt werden mit Schwert, Feuer, Gefängnis und Raub. Während sei verfolgt werden, wird ihnen eine kleine Hilfe zuteil werden, aber viele werden sich nicht aufrichtig zu ihnen halten. Einige von den Verständigen werden fallen, damit sie bewährt und lauter werden für die Zeit des Endes, denn es geht ja um eine befristete Zeit.

Und der König wird tun, was er will, und wird übermütig werden und groß tun gegen alles, was Gott ist: Gegen den Gott aller Götter wird er Ungeheuerliches reden, und es wird ihm gelingen, bis sich der Zorn ausgewirkt hat sei, denn es muß geschehen, was beschlossen ist.

Auch die Götter seiner Väter wird er nicht achten. Er wird weder den Lieblingsgott der Frauen noch irgendeinen Gott achten, denn er wird sich über alles erheben. Stattdessen wird er den Gott der Festungen verehren, den Gott, von dem seine Väter nichts gewußt haben, wird er ehren mit Gold, Silber, Edelsteinen und Kostbarkeiten, und er wird die starken Festungen dem fremden Gott unterstellen. Denen, die ihn erwählen, wird er große Ehre antun und sie zu Herren machen über viele und ihnen Land zum Lohn austeilen.

Zur Zeit des Endes wird sich der König des Südens mit ihm messen, und der König des Nordens wird mit Wagen, Reitern und vielen Schiffen gegen ihn anstürmen und wird in die Länder einfallen und sie überschwemmen und überfluten. Er wird in das herrliche Land einfallen, und viele werden umkommen. Es werden aber seiner Hand entrinnen Edom, Moab und der Hauptteil der Ammoniter.

Er wird auch seine Hand ausstrecken nach den Ländern, und Ägypten wird ihm nicht entrinnen, sondern er wird Herr werden über die goldenen und silbernen Schätze und über alle Kostbarkeiten Ägyptens, Libyer und Äthiopier werden ihm folgen müssen. Es werden ihn aber Gerüchte erschrecken aus Osten und Norden.

Er wird mit großem Grimm ausziehen, um viele zu vertilgen und zu verderben. Und er wird seine prächtigen Zelte aufschlagen zwischen dem Meer und dem herrlichen, heiligen Berg. Aber es wird mit ihm ein Ende nehmen, und niemand wird ihm helfen (Dan 11).

Zu jener Zeit wird der große Engelfürst Michael sich aufmachen, um für sein Volk einzutreten. Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nicht gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande. Und die lehren werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, werden leuchten wie die Sterne immer und ewiglich. Aber du, Daniel, verbirg diese Worte und versiegle dies Buch bis auf die letzte Zeit. Viele werden es dann durchforschen und große Erkenntnis finden.

Da sah ich, da standen zwei andere da, einer an diesem Ufer des Flusses, der andere am anderen Ufer. Und er sprach zu dem Mann in leinenen Gewändern, der über den Wassern des Flusses stand: „Wann sollen denn diese großen Wunder geschehen?“ Ich hörte den Mann in den leinenen Gewändern, der über den Wassern des Flusses stand. Er hob seine rechte und linke Hand auf zum Himmel und schwor bei dem, der ewig lebt, daß es eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit dauern soll: und wenn die Zerstreuung des heiligen Volkes ein Ende hat, soll das alles geschehen.

Ich hörte es, aber ich verstand es nicht und sprach: „Mein Herr, was wird das Letzte davon sein?“ Er aber sprach: „Gehe hin, Daniel, denn es ist verborgen und versiegelt bis auf die letzte Zeit. Viele werden gereinigt, geläutert und geprüft werden, aber die Gottlosen werden gottlos handeln. Alle Gottlosen werden es nicht verstehen, aber die Verständigen werden es verstehen. Und von der Zeit an, als das tägliche Opfer abgeschafft und das Greuelbild der Verwüstung aufgestellt wird, sind tausendzweihundertundneunzig Tage. Wohl dem, der wartet und erreicht tausenddreihundertundfünfunddreißig Tage! Du aber, Daniel, gehe hin, bis das Ende kommt, und ruhe, bis du auferstehst zu deinem Erbteil am Ende der Tage!“ (Dan 12).

 

Stücke zu Daniel:

In der griechischen Bibel kommen weitere, nur auf Griechisch überlieferte Teile hinzu (siehe Apokryphen), welche nicht von allen Christen als Teil der Bibel anerkannt werden:

 

Zu Kapitel 3: Wundererscheinungen im Feuerofen

Asarjas Gebet hört sich etwa so an: „Alle deine Strafen sind richtig, alle deine Urteile sind wahr. Wir vertrauen dir ganz und gar.“ Obwohl der Ofen so stark angeheizt wurde, daß herausschlagende Flammen die umstehenden töten konnten, blieben Asarja und seine Gefährten im Feuer unversehrt. Ein Engel des Herrn trieb die Flammen heraus. Die Geretteten beteten daraufhin Gott zuliebe einen umfangreichen Lobpreis, in dem sie unter anderem forderten, daß alle Naturerscheinungen Gott preisen sollen, außerdem alle Tiere, Menschen, Seelen und Geister.

 

Zu Kapitel 13: Susanna im Bad

Die Rettung der Susanna durch Daniel wird in der Weltliteratur, der Malerei und der Rechtswissenschaft vielfach aufgegriffen. 1. Zwei alte Richter sehen im Hause Jojakims seine schöne Frau Susanna. Diese beiden Richter lauern Susanna beim Bade auf und erpressen sie zum Beischlaf mit der Drohung, sie würden sie ansonsten des Ehebruchs mit einem jungen Mann beschuldigen. Susanna weigert sich und schreit. Die beiden Richter schreien ebenfalls und stellen Susanna wie zuvor angedroht unter Falschanklage. Die Richter behaupten, sie hätten Susanna beim Ehebruch ertappt. Die beiden Richter verurteilen Susanna zum Tode. Daniel rettet Susanna, indem er mit Hilfe eines Kreuzverhörs beweist, daß die beiden Alten lügen.

 

Zu Kapitel 14: Gegen den Baal- bzw. Bel-Kult

Daniel weigert sich, bei König Kyros dem Bel-Kult zu huldigen und eine angeblich Essen verzehrende Bel-Statue aus Bronze anzubeten. Durch eine List (mit gestreuter Asche) kommt Daniel den Machenschaften der Bel-Priester und ihrer Geheimtür auf die Schliche und überzeugt König Kyros, daß Baal kein lebendiger Gott ist. Danach zerstört Daniel einen Bel-Drachen mit Kuchen aus Pech und Haaren, was die betroffenen Belpriester des Drachens das Leben kostet. Daraufhin empören sich die Babylonier und behaupten, daß König Kyrus ein Jude geworden sei. Notgedrungen, um sein Reich zu retten, wirft der König Daniel in eine Löwengrube mit sieben Löwen. Die Löwen weigern sich, Daniel zu fressen, jedoch droht Daniel während der Frist von sieben Tagen zu verhungern. Daraufhin kommt der Prophet Habakuk mit Hilfe eines Geistes zur Löwengrube und gibt Daniel Essen. Am Ende der sieben Tage sieht der König, daß Daniel noch lebt, bekennt, daß es außer Daniels Gott keine anderen Gott gibt und läßt die Belpriester in die Löwengrube werfen, wo sie von den Löwen mit Behagen verspeist werden.

 

 

 

 

 

Der Prophet Hosea

[Hosea  war ein Prophet, der etwa zwischen 750 und 725 vCh im Nordreich Israel wirkte. Das ihm zugeschriebene gleichnamige Buch eröffnet die Reihe der zwölf kleinen Propheten in der   hebräischen Bibel.  Das Buch besteht großenteils aus gesammelten Prophetensprüchen Hoseas ohne Rahmenhandlung. Sie lassen nur zum Teil eine zeitliche oder thematische Anordnung erkennen. Hosea ist der Sohn Beeris, mehr erfährt man nicht über seine Herkunft. Er stammte aber wohl aus dem Nordreich, denn er bezog sich ausschließlich auf dessen Traditionen und trat vor allem in der Hauptstadt Samaria, eventuell auch anderen israelischen Kultorten wie Bethel und Gilgal auf.

Er soll in der Regierungszeit der judäischen Könige von Usia (787-736) bis zu Hiskia (728-700) sowie unter dem israelischen König Jerobeam II. (787-747) gewirkt haben. Diesem war zunächst eine Rückeroberung der an die Aramäer verlorenen Gebiete gelungen. Doch bald darauf wurden Israel und Juda zunehmend von der neuen Großmacht Assyrien bedroht. Im Jahre 722 eroberte deren König Salmanassar V. Samaria und beendete das Königtum des Nordreichs.

Der Textbestand des Buches Hosea gehört zu den am schlechtesten erhaltenen biblischen Büchern. Entsprechend uneinig ist die historisch-kritische Bibelforschung über seine mögliche Herkunft und Überlieferungsgeschichte. Sicher ist, daß ein Teil der hier gesammelten Prophetensprüche auf eine judäische Redaktion in oder nach dem Babylonischen Exil (586-539 vCh) zurückgeht, die Unheilsworte an das Nordreich auf das Südreich bezog und entsprechend ergänzte. 

Dieser Überarbeitung kann jedoch schon eine lange überlieferte Sammlung von Hoseas Prophetie vorgelegen haben, die wahrscheinlich bald nach 722 im Südreich begann. Eventuell wurden dort bereits Heilsansagen unverbunden neben die älteren, echten Unheilworte Hoseas gestellt, da nach 586 auch judäische Prophetie auf diese Weise ergänzt und gedeutet wurde.

 

Theologische Schwerpunkte: Als Prophet des Nordreichs bezog sich Hosea ausschließlich auf dessen Traditionen, vor allem den Auszug aus Ägypten, die Wüstenwanderung und das erste Gebot. Seine Gerichtspredigt war ebenso radikal wie die seines Zeitgenossen Amos. Auch Hosea verlangte soziale Gerechtigkeit und Gesellschaftsveränderung, stellte aber die Kritik am Opferkult und den Priestern in den Vordergrund. Dabei knüpfte er an die ältere vorschriftliche Prophetie Elias an, der auch jede Vereinigung von Baal und Jahwe als tödlichen Abfall ablehnte.

Hosea bezog diese Kritik aber nicht nur auf den neben der Jahwe-Verehrung fortbestehenden Baalskult, sondern auf die traditionellen Tieropfer für Jahwe selber, die Israels Gott wie Baal zum Garanten des Wohlergehens mißbrauchten. Selbst unter dem Vorwand der Jahwe-Verehrung verbarg sich für ihn der "Götzendienst". Das in Ex 32 als Gotteslästerung verurteilte Stierkalb aus Gold war wahrscheinlich kein Fremdgötterbild, sondern ein aus Kanaan übernommenes Symbol für die von Jahwe erwartete Fruchtbarkeit des Landes, dem Stiere geopfert wurden.

Hosea verwarf im Namen des so angebeteten Gottes den Opferkult überhaupt:  „Denn ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer!“

Dem stand Hoseas politische Kritik in nichts nach. Er bezog sie nicht nur auf gewaltsame Umstürze und schwankende Außenpolitik der Könige Israels, sondern auf das Königtum überhaupt: „All ihre Bosheit fing in Gilgal an, dort lernte ich sie hassen!“ In Gilgal war seinerzeit Daul zum ersten König Israels gewählt worden. Statt einen neuen König wie von Priestern und Propheten erwartet als Heilsbringer zu bejubeln, sah Hosea Thronfolgen und Thronwirren als Zeichen des göttlichen Gerichts: „Ich gab dir einen König in meinem Zorn und nehme ihn dir wieder in meinem Grimm!“

Die in der Abhängigkeit von König- und Priestertum sichtbare Untreue des Volkes führe dessen sicheren Untergang herbei, hebe aber dennoch Gottes Treue zu ihm nicht auf. In den politischen Katastrophen Israels sah Hosea vielmehr Gott wieder so handeln, wie er in Israels Frühzeit an ihm gehandelt hatte: Nur die Rückführung nach „Ägypten“ und in die Wüste, also eine neue Fremdherrschaft, die Israels eigenmächtige Einrichtungen und Führung entmachtete, werde dieses Volk lehren, seiner Berufung zu folgen und allein seinem Gott zu vertrauen.

Gerade diese Fähigkeit zur Reue und zum erneuten Erbarmen gegenüber dem Wankelmut und der Untreue des menschlichen Bundespartners sah Hosea als die unverwechselbare Identität dieses Gottes: „Denn ich bin Gott und nicht ein Mensch!“

Theologen wie Jürgen Moltmann und Wilfrie Härle sehen in dieser prophetischen Theologie vom mitleidenden Schmerz Gottes eine notwendige Korrektur eines einseitigen Gottesbildes, das Gottes Wesen nur als „Liebe“ ohne innere Bewegung, ohne Veränderung und Dramatik bestimmt. Gericht, Zorn, Verstoßung und erneute Annahme der geliebten Menschen seien untrennbare und unausweichliche Teilmomente dieser Liebe und machten ihren Wirklichkeitsgehalt in der Geschichtserfahrung Israels aus.

Anders als bei dem etwa zeitgleich auftretenden Propheten Amos wird von Hosea keine ausdrückliche Berufung berichtet. Seine Prophetie ist überwiegend Kultkritik, verrät genaue Kenntnis der Opferpraxis und stellt die Auszugstradition in den Vordergrund.

Man hat deshalb vermutet, daß Hosea mit oppositionellen Priestern im Nordreich verbunden war, die die Religionsvermischung bekämpften und die ausschließliche Verehrung Jahwes gegen eine ausgleichende, den kanaanäischen Baalslkult einbeziehende Religionspolitik der Könige durchzusetzen versuchten („Sünde Jerobeams“).

Hoseas eigene Liebesgeschichte war eine Leidensgeschichte. Er heiratete eine Frau, die ihm immer wieder untreu wurde. Er beschwor sie, sperrte sie sogar ein, um weitere Treffen mit ihren Liebhabern zu verhindern. Er beschimpfte sie als Hure oder versuchte es mit pädagogischen Strafmaßnahmen. Diese katastrophale Ehe, in der der Betrogene trotz ihrer Untreue nicht von seiner Geliebten lassen kann, wurde als Symbol für Israel genommen, dessen Volk mehrere Götter wie eine Hure verehrte. Hoseas Geduld, der weder seine Frau, noch die Hoffnung auf ihre Rückkehr aufgibt, zeugt von einer großen, anrührenden Leidenschaft.

Die beiden widersprüchlichen Eheberichte haben der Auslegung viele Rätsel aufgegeben: Welcher der beiden Berichte ist authentisch? Handelte es sich um dieselbe oder eine neue Ehe? War diese bloß symbolisch zu verstehen oder real? Von einer Scheidung von Gomer wird nichts berichtet. Walter Zimmerli nahm an, daß sie eine Tempelprostituierte war, da Hosea diese Praxis scharf kritisierte und für seine Gerichtspredigt verfolgt wurde. Seine Treue zu der Ehebrecherin drückte aber bereits Jahwes Treue zu Israel gerade in seinem unausweichlichen Gerichtshandeln aus].

 

Hosea Frau und Kinder:

Dies ist das Wort des Herrn, das zu Hosea kam, dem Sohn des Beeris zur Zeit der judäischen Könige Usia, Jotham, Ahas und Hiskia, und zur Zeit Jerobeams, des Königs in Israel. Als der Herr anfing zu reden durch Hosea, sprach er zu ihm: „Gehe hin und nimm ein Hurenweib und Hurenkinder, denn das Land läuft vom Herrn weg und der Hurerei nach!“ Und er ging hin und nahm Gomer zur Frau, die wurde schwanger und brachte einen Sohn zur Welt.

Und der Herr sprach zu Hosea: „Nenne ihn Jesreel, denn es ist nur noch eine kleine Zeit, da will ich die Blutschulden von Jesreel heimsuchen an der Familie des Königs Jehu und will mit dem Königreich Israels ein Ende machen. Zur selben Zeit will ich den Bogen Israels zerbrechen im Tal Jesreel!“

Sie wurde erneut schwanger und gebar eine Tochter. Und der Herr sprach zu ihm: „Nenne sie Lo-Ruhama, denn ich will mich nicht mehr über Israel erbarmen, sondern ich will sie wegwerfen!“ [Lo-Ruchama = die Unbegnadigte]. Aber er fuhr fort: „Doch will ich mich erbarmen über Juda und will ihnen helfen durch den Herrn, ihren Gott. Ich will ihnen aber nicht helfen durch Bogen, Schwert, Rüstung,, Roß und Wagen!“

Als sie Lo-Ruhama entwöhnt hatte, wurde sie wieder schwanger und brachte einen Sohn zur Welt. Der Herr sprach: „Nennen ihn Lo-Ammi, denn ihr seid nicht mein Volk, so will ich auch nicht der Eure sein!“ [Lo-Ammi = nicht mein Volk] (Hos 1,1-9).

 

Gottes Treue überwindet Israels Untreue:

Der Herr fuhr fort: „Es wird aber die Zahl Israeliten sein wie der Sand am Meer, den man weder messen noch zählen kann. Und es soll geschehen, anstatt daß man zu ihnen sagt ‚Ihr seid nicht mein Volk‘, wird man zu ihnen ‚O ihr Kinder des lebendigen Gottes‘ sagen!“    Denn es werden die Leute von Juda und die Leute von Israel zusammen kommen und ein gemeinsames Haupt erwählen und aus dem Lande heraufziehen, denn der Tag Jesreels wird ein großer Tag sein.

 

Sagt euren Brüdern, sie seien mein Volk, und zu euren Schwestern, sie seien in Gnaden. Fordert von eurer Mutter – sie ist ja nicht meine Frau und ich bin nicht ihr Mann – daß sie die Zeichen ihrer Hurerei von ihrem Angesichte wegtun soll und die Zeichen ihrer Ehebrecherei zwischen ihren Brüsten, damit ich sie nicht nackt ausziehe und hinstelle, wie sie war, da sie geboren ward, und ich sie nicht mache wie eine Wüste und wie dürres Land und sie nicht vor Durst sterben lasse. Ich will mich ihrer Kinder nicht erbarmen, denn sie sind Hurenkinder. Ihre Mutter ist eine Hure, und die sie getragen hat, treibt es schändlich und spricht: „Ich will meinen Liebhabern nachlaufen, die mir mein Brot und Wasser geben, dazu Wolle und Flachs, Öl und Trank.

Darum siehe, ich will ihr den Weg mit Dornen versperren und eine Mauer ziehen, daß sie ihren Pfad nicht finden soll;. Und wenn sie ihren Liebhabern nachläuft und sie nicht einholen kann, und wenn sie nach ihnen sucht und sie nicht finden kann, so wird sie sagen: „Ich will wieder zu meinem früheren Mann gehen, denn damals ging es mir besser als jetzt. Aber sie will nicht erkennen, daß ich es bin, der ihr Korn, Wein und Öl gegeben hat und viel Silber und Gold, das sie haben dem Baal zu Ehren gebraucht haben.

Darum will ich mein Korn und meinen Wein wieder nehmen zu seiner Zeit und ihr meine Wolle und meinen Flachs entreißen, mit denen sie ihre Blöße bedeckt. Dann will ich ihre Schamgegend aufdecken vor den Augen ihrer Liebhaber, und niemand soll sie aus meiner Hand erretten. Ich will ein Ende machen mit allen ihren Freuden, Festen, Neumonden, Feiertagen. Ich will ihre Weinstöcke und Feigenbäume verwildern lassen, weil sie sagt: „Das ist mein Lohn, den mir meine Liebhaber gegeben haben!“Ich will eine Wildnis daraus machen, daß die  Tiere des Feldes sie fressen sollen. So will ich rächen an ihr die Tage der Baalsgötter, denen sie Räucheropfer darbringt und sich mit Stirnreifen und Halsbändern schmückt und läuft ihren Liebhabern nach, mich aber vergißt, spricht der Herr.

Darum will ich sie locken und will sie in die Wüste führen und freundlich mit ihr reden.

Dann will ich ihr von dort her ihre Weinberge geben und das Tal Achor zum Tor der Hoffnung machen Dorthin wird sie willig folgen wie zur Zeit ihrer Jugend, als sie aus Ägypten zog. Dann spricht der Herr, wirst du mich heißen „mein Mann“ und mich nicht mehr „mein Baal“ Denn ich will die Namen der Baalsgötter von ihrem Munde wegtun, daß man nicht mehr an ihre Namen denken soll.

Ich will zur selben Zeit für sie einen Bund schließen mit den Tieren auf dem Feld, mit den Vögeln unter dem Himmel und mit den Würmern im Boden und will Bogen, Schwert und Rüstung im  Land zerbrechen und will sie sicher wohnen lassen. Ich will mich mit dir verloben für alle Ewigkeit, ich will mich mit dir verloben in Gerechtigkeit und Recht, in Gnade und Barmherzigkeit.  Ja, in Treue will ich mich mit dir verloben und du wirst den Herrn erkennen. 

Zur selben Zeit will ich erhören, ich will den Himmel erhören und der Himmel soll die Erde erhören, und die Erde soll Korn, Wein und Öl erhören, und diese sollen meinen Sohn Jesreel erhören. Und ich will in mir das Land einsäen und mich erbarmen über Lo-Ruhama und will sagen zu Lo-Ammi „Du bist mein Volk“ und er wird sagen: „Du bist mein Gott!“ (Hos 1,10 -  2,25).

 

Gottes Langmut wird sein Volk zurückgewinnen:

[In Kapitel 3 berichtet Hosea, daß er erneut eine untreue Frau heiraten muß, um Gottes Leiden an der Untreue Israels biographisch abzubilden. Diesmal zeugte er keine Kinder mit ihr, sondern lebte enthaltsam, um dem Volk zu zeigen: So werdet auch ihr ohne König, Opferkult und Religion leben, bis Jahwe euch wieder annimmt.

Dieser Ausblick auf die Endzeit verrät eine Komposition dieses Hauptteils gegen Ende des Exils, als unter den Exilierten Hoffnungen auf einen Nachkommen Davids keimten, der Israel und Juda wiedervereinen und damit die messianische Heilszeit einläuten würde. Hoseas akute gegenwartsbezogene Unheilsan­sage, die keine Ausflucht mehr ließ, wurde zum Bußruf historisiert, auf den hin vergangenes Geschehen gedeutet wurde, um daraus neue Zukunftsperspektiven zu gewinnen. Hosea weiß sonst nichts vom König David, einem Messias und vom Jerusalemer Tempelkult].

 

Und der Herr sprach zu mir: „Gehe noch einmal hin und werbe um eine liederliche und ehe­brecherische Frau, wie denn der Herr um die Israeliten wirbt, obwohl sie sich doch zu fremden Göttern kehren und Traubenkuchen lieben!“ Ich kaufte sie mir für um fünfzehn Silberstücke und fünfzehn Töpfe Gerste und sprach zu ihr: „Lange Zeit sollst du bleiben, ohne zu huren und ohne einem Mann zu gehören, und auch ich will dich nicht anrühren. Denn lange Zeit werden die Israeliten ohne König und ohne Obere bleiben, ohne Opfer, ohne Steinmal, ohne Priestergewand und ohne Hausgott bleiben. Danach werden sich die Israeliten bekehren und den Herrn, ihren Gott, und ihren König David suchen und werden mit Zittern zu dem Herrn und seiner Gnade kommen in der letzten Zeit (Hos 3).

 

Strafrede gegen die Priester:

[Kapitel 4 bis 14 reihen Gottes- und Prophetenreden aneinander, die einmal das ganze Volk Israel anredet, einmal seine Priester und den König oder sie beschreiben ihre Schuld in der dritten Person. Eine große Anklagerede (Hos 4,1 - 5,7) wie in einem Gerichtsprozeß umreißt die Thematik des ganzen Buches, eingeleitet mit: „Höret, ihr Kinder Israel, Jahwes Wort!“ Sie zählt die Vergehen des Volkes auf: „Denn es ist keine Treue, keine Liebe und keine Erkenntnis Gottes im Land, sondern Verfluchen, Lügen, Morden, Stehlen und Ehebrechen haben überhand genommen, und eine Blutschuld folgt der anderen!“ Maßstab sind hier die  Zehn Gebote, wobei der Bruch des ersten. Gebots, Gott allein zu lieben, alle weiteren Rechtsverstöße nach sich zieht. Dies hat tödliche Folgen für alle: „Darum wird das Land verdorren, und alle seine Bewohner werden dahinwelken!“

Die eigentlichen Verderber des Volkes aber sind die amtierenden Priester, die Gottes Tora vergessen und bestechlich sind: Sie nähren sich von den Sündopfern des Volkes und sind gierig nach seiner Schuld. Das schlechte Beispiel ihrer Tempelprostitution - die in kanaanäischen Fruchtbarkeitsriten üblich war - stifte die übrige Bevölker­ung zum Abfall von Gott an. Da ihnen das Recht anvertraut sei, muß auf ihren Abfall unweigerlich der Fall aller folgen. Dann wird die Suche nach Gott zu spät kommen].

 

Hört, ihr Israeliten, das Wort des Herrn! Denn der Herr hat Ursache, zu schelten, die im Lande wohnen. Denn es ist keine Treue, keine Liebe  und keine Erkenntnis Gottes im Land, sondern Verfluchen, Lügen, Morden, Stehlen und Ehebrechen hat überhandgenommen und eine Blutschuld kommt nach der anderen. Darum wird das Land dürre stehen, und alle seine Bewohner werden dahinwelken, auch die Tiere auf dem Feld und die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer werden weggerafft. Doch man soll niemand schelten und nicht zurechtweisen, sondern allein dich, den  Priester, habe ich zu schelten.

Darum sollst du bei Tag fallen und der Prophet soll des Nachts neben dir fallen. Auch deine Mutter will ich dahingeben. Mein Volk ist dahin, weil es ohne Erkenntnis ist. Denn du hast die Erkenntnis verworfen.  Darum will dich auch verwerfen, daß du nicht mehr mein Priester sein sollst. Du vergißt das Gesetz deines Gottes, darum will ich auch deine Kinder vergessen.

Je mehr sie werden, desto mehr sündigen sie gegen mich. Darum will ich ihre Ehre zuschanden machen. Sie nähren sich von den Sündopfern meines Volks und sind begierig nach ihrer Schuld. Darum soll dem Priester gehen wie dem Volk,  denn ich will sein Tun strafen und ihm vergelten, wie er es verdient. Sie werden essen und nicht satt werden, Hurerei treiben und sich nicht vermehren, darum daß sie den Herrn verlassen haben und ihn nicht achten. Hurerei, Wein und Trunk machen toll.

Mein Volk befragt sein Holz, und sein Stab soll ihm antworten.

Der Geist der Hurerei verführt sie, daß sie mit ihrer Hurerei ihrem Gott weglaufen. Oben auf den Bergen opfern sie, und auf den Hügeln räuchern sie, unter den Eichen, Linden und Buchen, denn ihr Schatten erfrischt. Darum werden eure Töchter auch zu Huren und eure Bräute zu Ehebrechrinnen. Ich will es auch nicht wehren, wenn eure Töchter zu Huren und eure Bräute zu Ehebrecherinnen werden, weil ihr selbst abseits geht mit den Huren und opfert mit den Tempeldirnen opfert und so das törichte Volk zu Fall kommt.

Willst du, Israel, schon huren, so soll sich doch Juda nicht auch noch verschulden! Geht nicht hin nach Gilgal und kommt nicht hinauf nach Beth-Aven und schwört nicht: „So wahr der Herr lebt!“ Denn Israel läuft wie eine tolle Kuh. Soll da der Herr sie weiden lassen wie ein Lamm auf freiem Feld? Ephraim hat sich zu den Götzen gesellt, so laß ihn hinfahren.  Sie haben sich in die Schwelgerei und Hurerei ergeben, ihre Schamlosen haben Lust an der Schande. Der Wind mit seinen Flügeln wird sie fassen, und über ihrem Opfer sollen sie zuschanden werden.

So hört nun dies, ihr Priester, und merke auf, Israel, und nimm zu Ohren, du Familie des Königs! Denn euch ist das Recht anvertraut! Ihr aber seid eine Schlinge für Miz­pa geworden und ein ausgespanntes Netz auf dem Berg Tabor und eine tiefe Grube bei Schittim. Darum muß ich sie alle strafen.

Ich kenne Ephraim gut, und Israel ist vor mir nicht verborgen: Ephraim ist nun eine Hure und Israel ist unrein. Ihre bösen Taten lassen es nicht zu, daß sie umkehren zu ihrem Gott, denn sie haben einen Geist der Huren  in ihrem Herzen, und den Herrn kennen sie nicht. Gegen Israel zeugt ihr Hochmut, darum sollen Israel und Ephraim fallen um ihrer Schuld willen, auch Juda soll mit ihnen fallen. Dann werden sie kommen mit ihren Schafen und Rindern, den Herrn zu suchen, aber ihn nicht finden, denn er hat sich von ihnen abgewandt. Sie sind dem Herrn untreu und zeugen fremde Kinder; darum wird sie auch der Neumond fressen samt ihrem Erbteil (Hos 4,1 -5, 7).

 

Der Bruderkrieg zwischen Ephraim und Juda:

[Diese Rede ergänzt die Kultkritik mit scharfer Kritik an Israels Außenpolitik in der Zeit des Bruderkrieges zwischen Israel und Juda. Die illusorischen Bündnisse mit Assyrien bringen keine Sicherheit, und die oberflächliche Bereitschaft des Volkes zur Umkehr, die auf erste demütigende Niederlagen folgte, vergeht wie der Tau am Morgen. Gott bedient sich der Propheten, um Israel durch ihren Mund zu töten, bis sie endlich begreifen: Ich habe Gefallen an der Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer. Die falsche Diplomatie nach außen war also für Hosea nur Kehrseite einer von Grund auf falschen Religionsausübung im Innern. Nicht nur das Opfern für fremde Götter, sondern das Opfern an den Kultorten Jahwes selber war für ihn die Wurzel allen Übels].

 

Blast die Posaune in Gibea, trompetet in Rama, ruft laut in Beth-Aven: „Man ist hinter dir her, Benjamin!“ Denn Ephraim soll zur Wüste werden zur Zeit, wenn ich sie strafen werde. Davor habe ich die Stämme Israels herzlich gewarnt. Die Oberen von Juda sind denen gleich, die die Grenze verrücken.

Darum will ich meinen Zorn über sie ausschütten wie Wasser. Ephraim leidet Gewalt, zertreten ist das Recht, denn es gefiel ihm, dem Nichtigen nachzulaufen. Ich bin für Ephraim wie eine Motte und dem für Juda wie eine Made. Als aber Ephraim seine Krankheit und Juda seine Wunde fühlte, zog Ephraim hin nach Assyrien und schickte zum König Jareb. Aber der kann euch nicht helfen noch eure Wunde heilen. Denn ich bin für Ephraim wie ein Löwe und für Juda wie ein junger Löwe. Ich zerreiße sie und gehe davon, ich schleppe sie weg, und niemand kann sie retten. Ich will wieder an meinen Ort gehen, bis sie ihre Schuld erkennen und mein Angesicht suchen. Wenn es ihnen übel geht, so werden sie mich suchen.

Sie werden sagen: „Kommt, wir wollen wieder zum Herrn, denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden. Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tag aufrichten, daß wir vor ihm leben werden. Laßt uns darauf achthaben und danach trachten, den Herrn zu erkennen, denn er wird hervorbrechen wie die schöne Morgenröte und wird zu uns kommen wie ein Regen, wie ein Spätregen, der das Land feuchtet!“

Was soll ich dir tun, Ephraim? Was soll ich dir tun, Juda? Denn eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie ein Tau, der frühmorgens vergeht. Darum schlage ich drein durch die Propheten und töte sie durch die Rede meines Mundes, daß mein Recht wie das Licht hervorkomme. Denn ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, und an der Erkenntnis Gottes, und nicht am Brandopfer (Hos 5,8 - 6,6).

 

Gegen Israels Könige und ihre Bündnisse:

[Diese Rede greift deshalb erneut die Priester an: Sie seien die Räuber, Mörder und Ehebrecher, die dem König nur nach dem Mund reden, dabei böse Pläne aushecken und den Niedergang des Staates verschulden. Des Königs törichtes Hin- und Herlaufen zwischen den Großmächten ändere nichts an dem Gericht, das allen bevorstehe: Denn das Gerede von Umkehr und die Selbstkasteiung - sie ritzen sich wund um Korn und Wein - sei nichts als Lüge, dahinter verberge sich nur der Wunsch, Gott für eigene Zwecke einzuspannen: Das soll ihnen in Ägypten zum Spott werden].

 

Sie haben den Bund übertreten wie die Stadt Adam, dort wurden sie mir untreu. Gilead ist eine Stadt voller Übeltäter, befleckt von Blutschuld. Die Rotten der Priester sind wie die Räuber, die auf die Leute lauern. Sie  morden auf dem Weg nach Sichem, sie vollbringen Schandtaten. Ich sehe in Israel etwas, davor mir graut, denn da reibt Ephraim Hurerei und Israel macht sich unrein. Aber auch Juda wird noch eine Ernte vor sich haben.

Wenn ich das Geschick meines Volks wenden werde und Israel heilen will, so zeigt sich erst die Sünde Ephraims und die Bosheit Samarias, wie sie Lug und Trug treiben und die Diebe einsteigen und die Räuber auf der Straße plündern. Dennoch wollen sie nicht einsehen, daß ich alle ihre Bosheit merke. Ich sehe aber ihr böses Tun wohl, das sie immer und überall treiben. Sie erfreuen den König mit ihrer Bosheit und die Oberen durch ihre Lügen. Sie sind allesamt Ehebrecher wie ein Backofen, den der Bäcker heizt, wenn er den Teig  ausgeknetet hat und ihn durchsäuern und aufgehen läßt.

Sie sprechen: „Heute ist unsers Königs Fest!“ Da werden die Oberen voll vom Wein, und er zieht er die Spötter zu sich. Denn ihr Herz ist in heißer Glut wie ein Backofen, wenn sie Böses ersinnen. Ihr Grimm schläft die ganze Nacht, aber am Morgen brennt er lichterloh. Allesamt sind sie erhitzt wie ein Backofen, so daß sie ihre Richter fressen werden. Ja, alle ihre Könige fallen, und es ist keiner unter ihnen, der mich anruft.

Ephraim mengt sich unter die Völker, es ist wie ein Kuchen, den niemand umwendet. Fremde fressen seine Kraft, doch er will es nicht merken.

Seine Haare sind schon grau geworden., doch er will es nicht merken. Gegen  Israels zeugt sein Hochmut, dennoch bekehrt es sich nicht zum Herrn, ihrem Gott, es fragt trotz allem nicht nach ihm.

Denn Ephraim ist wie eine törichte Taube, die sich leicht locken läßt. Jetzt rufen sie Ägypten an, dann laufen sie nach Assyrien. Aber indem sie hin und her laufen, will ich mein Netz über sie werfen und sie herunterholen wie die Vögel unter dem Himmel. Ich will sie strafen, wie es ihrer Gemeinde verkündet ist.

Weh ihnen, daß sie von mir weichen! Sie sollen vertilgt werden, denn sie sind abtrünnig geworden von mir! Ich wollte sie wohl erlösen, wenn sie reden Lügen gegen mich.

Auch rufen sie mich nicht von Herzen an, sondern machen ein Geheul auf ihren Lagern. Sie ritzen sich wund um Korn und Wein, aber mir sind sie ungehorsam.

Ich lehre sie Zucht und stärke ihren Arm, aber sie sinnen Böses gegen mich.

Sie bekehren sich, aber nicht recht, sondern sind wie ein schlaffer Bogen. Darum werden ihre Oberen durchs Schwert fallen wegen der Frechheit ihrer Zungen. Das soll ihnen in Ägypten zum Spott werden (Hos 6,7 - 7,16).

 

Israels falscher Gottesdienst:

Stoßt laut in die Posaune! Er kommt über das Haus des Herrn wie ein Adler, weil sie meinen Bund übertreten und sich gegen meine Gebote auflehnen. Wohl schreien sie zu mir: „Du bist mein Gott, wir in Israel kennen dich!“ Doch Israel verwirft das Gute, darum soll der Feind sie verfolgen. Sie machen Könige, aber ohne mich. Und sie setzen Obere ein, und ich darf es nicht wissen. Aus ihrem Silber und Gold machen sie Götzen, damit sie ja bald ausgerottet werden.

Samaria, ich verwerfe dein Kalb. Mein Zorn ist gegen sie entbrannt. Wie lange soll das noch andauern? Die Israeliten können doch nicht ungestraft bleiben. Ein Goldschmied hat

das Kalb gemacht, aber es kann doch kein Gott sein. Darum soll das Kalb Samarias zerpulvert werden [Anspielung auf die Heiligtümer in Bethel und Dan, wo der Gott Israels in Form von goldenen Stieren verehrt wurde, 1. Kön 12,28 und 2. Mose 32].

Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten. Ihre Saat soll nicht aufgehen. Was dennoch aufwächst, bringt kein Mehl geben. Und wenn es etwas bringen würde, sollen Fremde es verschlingen. Israel wird verschlungen, die Völker gehen mit ihnen um wie mit einem Gefäß, das niemand haben will, denn sie laufen nach Assyrien, einsam wir ein Wildesel, und Ephraim gibt den Liebhabern schöne Geschenke.

Auch wenn sie unter den Völker austeilen, will ich sie doch jetzt einsammeln, sie sollen es bald müde werden, König und Obere zu salben. Ephraim hat sich viele Altäre gemacht, aber sie sind ihm zur Sünde geworden. Wenn ich ihm auch noch so viele Gebote auf schreibe, so werden sie doch geachtet wie eine fremde Lehre.

Wenn sie auch viel opfern und Fleisch herbringen und essen es, so hat doch der Herr keinen Gefallen daran, sondern er will an ihre Schuld denken und ihre Sünden strafen: Sie sollen wieder zurück nach Ägypten! Israel vergißt seinen Schöpfer und baut Paläste, und Juda macht viele feste Städte. Aber ich will Feuer in seine Städte senden, das soll seine Paläste verzehren (Hos 8)..

 

Die Vergeltung ist da:

Du darfst dich nicht freuen, Israel, noch rühmen wie die Völker; denn du läuft mit deiner Hurerei deinen Gott weg und nimmst gern den Hurenlohn auf allen Dreschplätzen. Darum sollen Dreschplatz und Kelter sie nicht nähren, und der Wein soll ihnen fehlen. Sie sollen nicht bleiben im Land des Herrn, sondern Ephraim muß wieder nach Ägypten und muß in Assyrien Unreines essen.

Dort werden sie dem Herrn kein Trankopfer vom Wein bringen und ihre Schlachtopfer werden ihm nicht gefallen. Ihr Brot soll sein wie das Bot der Trauernden, an dem unrein werden alle, die davon essen. Denn ihr Brot müssen sie für sich allein essen, und es soll nicht in des Herrn Haus gebracht werden.

Was wollt ihr dann an den Jahrfesten und an den Feiertagen des Herrn tun? Siehe, sie müssen fort wegen der Verwüstung. Ägypten wird sie sammeln, und Memphis wird sie begraben. Nesseln werden wachsen, wo jetzt ihr kostbares Götzensilber ist, und Dornen in ihren Hütten.

Die Zeit der Strafe ist gekommen, die Zeit der Vergeltung. Dessen wird Israel innewerden. „Ein Narr ist der Prophet und wahnsinnig der Mann des Geistes“. Ja,  um deiner großen Schuld und um der großen Anfeindung willen! Ephraim spähte wohl aus nach meinem Gott. Aber nun stellen sie Fallen auf für den Propheten auf allen seinen Wegen, Anfeindung selbst im Hause seines Gottes. Tief verdorben ist ihr Tun wie in den Tagen von Gibea. Darum wird er ihrer Schuld gedenken und ihre Sünden strafen (Hos 9,1-9).

 

Israels Undank gegen Gottes Wohltaten:

 Ich fand Israel wie Trauben in der Wüste und sah eure Väter wie die ersten Feigen am Feigenbaum. Aber hernach gingen sie zum Baal-Peor und gelobten sich dem schändlichen Abgott und wurden so zum Greuel wie ihre Liebhaber. Darum muß die Herrlichkeit Ephraims wegfliegen wie ein Vogel, daß sie weder schwanger werden sollen noch gebären. Und wenn sie auch ihre Kinder  groß zögen, will ich sie doch kinderlos machen, so daß kein Mensch mehr da ist. Ja, weh ihnen, wenn ich von ihnen gewichen bin!

Als ich Ephraim sah, war es herrlich gepflanzt wie Tyrus. Aber nun muß es seine Kinder herausgeben dem Totschläger.  Herr, gib ihnen – was willst du ihnen aber geben? Gib ihnen unfruchtbare Leiber und versiegende Brüste! All ihre Bosheit geschieht in Gilgal, dort werde ich ihnen feind. So will ich sie um ihres bösen Tuns willen aus meinem Haus stoßen und ihnen keine Liebe mehr erweisen, denn alle ihre Oberen  sind abtrünnig. Ephraim ist geschlagen, seine Wurzel ist verdorrt, so daß sie keine Frucht mehr bringen können. Auch wenn sie gebären würden, will ich doch die ersehnte Frucht ihres Leibes töten. Mein Gott wird sie verwerfen, weil sie ihn nicht hören wollen, und sie müssen unter den Völkern umherirren (Hos 9,10-17).

 

Das Gericht über Königtum und Götzendienst:

Israel ist ein üppig rankender Weinstock, der seine Frucht trägt. Aber je mehr Früchte er hatte, desto mehr Altäre machten sie. Wo das Land am besten war, da richteten sie die schönsten Steinmale auf.  Ihr Herz ist falsch, nun wird sie ihre Schuld treffen. Ihre Altäre sollen zerbrochen und ihre Steinmale zerstört werden. Schon müssen sie sagen: „Wir haben keinen König, denn wir fürchteten den Herrn nicht. Was kann uns der König nun helfen?“ Sie reden und schwören falsch und schließen Bündnisse, und ihr Recht grünt wie giftiges Kraut auf allen Furchen im Feld..

Die Einwohner Samarias sorgen um das Kalb von Beth-Awen. Sein Volk trauert darum, und seine Götzenpfaffen zittern um seine Herrlichkeit, denn sie wird von ihnen weggeführt. Ja, das Kalb wird nach Assyrien gebracht zum Geschenke für den König Jareb. So muß Ephraim zuschanden werden und Israel beschämt sein trotz seiner Klugheit.

Denn der König von Samaria ist dahin wie Schaum auf dem Wasser. Die Höhen von Awen sind verwüstet, auf denen Israel sich versündigte, Disteln und Dornen wachsen auf ihren Altären. Und sie werden sagen: „Ihr Berge bedeckt uns!“ und: „Ihr Hügel, fallt über uns!“

Israel, du hast seit den Tagen Gibeas gesündigt. Dort standen sie gegen mich auf. Sollte darum nicht in Gibea der Krieg über sie kommen wegen der bösen Leute?

Ich werde sie züchtigen nach meinem Willen. Völker sollen über sie versammelt kommen, wenn ich sie strafen werde wegen ihrer zweifachen Sünde. Ephraim war eine junge Kuh, daran gewöhnt, gern zu dreschen. Aber ich habe ihm ein Joch auf seinen schönen Nacken gelegt. Ich will Ephraim einspannen. Juda soll pflügen und Jakob eggen.

Sät Gerechtigkeit und erntet nach dem Maß der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den Herrn zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen läßt. Ihr aber pflügt Böses und erntet Übeltat und eßt Lügenfrüchte. Weil du dich nun verläßt auf deinen Weg und auf die Menge deiner Helden, darum soll sich ein Getümmel erheben in deinem Volk, daß alle deine Festen zerstört werden, so wie Salman damals zerstörte Beth Arbeel im Krieg, als die Mutter zerschmetter wurde samt den Kindern. So soll es euch zu Bethel auch ergehen um eurer großen Bosheit willen. Schon früh am Morgen wird der König Israels untergehen (Hos 10).

 

Gottes heilige Liebe:

Als Israel jung war, hatte ich ihn lieb und rief ihn, meinen Sohn, aus Ägypten. Aber wenn man sie jetzt ruft, so wenden sie sich davon und opfern den Baalsgöttern und räuchern den Bildern. Ich lehrte Ephraim gehen und nahm ihn auf meine Arme. Aber sie merkten es nicht, wie ich ihnen half. Ich ließ sie ein menschliches Joch ziehen und in Seilen der Liebe gehen und half ihnen, das Joch auf ihrem Nacken zu tragen und gab ihnen Nahrung, damit sie nicht wieder nach Ägypten zurückkehren sollten. Nun aber muß Assur ihr König sein, denn sie wollen sich nicht bekehren. Darum soll das Schwert über ihre Städte kommen und soll ihre Riegel zerbrechen und fressen um ihres Vorhabens willen. Mein Volk ist müde, sich zu mir zu kehren, und wenn man ihnen predigt, so richtet sich niemand auf.

 

Ein Heilswort:

[In diese Gerichtsreden ist das einzige Heilswort eingebaut: Hos 11,8-11. Manche Ausleger vermuten hier einen ehemaligen Schluß des Buches].

 

Wie kann ich dich preisgeben, Ephraim, und dich ausliefern, Israel? Aber mein Herz ist andern Sinnes, alle meine Barmherzigkeit ist entbrannt. Ich will nicht tun nach meinem grimmigen Zorn noch Ephraim wieder verderben. Denn ich bin Gott und nicht ein Mensch und bin der Heilige unter dir; und  will nicht kommen, um zu verheeren. Dann wird man dem Herrn nachfolgen, und er wird brüllen wie ein Löwe. Und wenn er brüllen wird, so werden zittern herbeikommen seine Söhne von Westen her. Auch aus Ägypten kommen sie erschrocken wie die Vögel, und die im Lande Assyrien wie Tauben. Und ich will sie wieder wohnen lassen in ihren Häusern, spricht der Herr (Hos 11).

 

Der Stammvater Jakob als Urbild seines Volks:

[Kapitel 12 - 14 ist eine Art Zusammenfassung der Gerichtsverkündigung des Hosea mit Abschlußcharakter und Einladung zur Umkehr nach dem Fall Samarias. Möglicherweise war das in einem früheren Stadium der Redaktion ein Anhang zu Kapitel 4, eine Art Schlußdiskussion der Anhänger Hoseas].

 

In Ephraim ist überall Lüge gegen mich und in Israel falscher Gottesdienst. Aber auch Juda hält nicht fest an Gott und an dem Heiligen, der treu ist. Ephraim weidet Wind und läuft dem Ostwind nach, und täglich vermehrt es die Lüge und Gewalttat. Sie schließen mit Assyrien einen Bund und bringen Öl nach Ägypten.

Darum wird der Herr mit Juda rechten und Jakob strafen nach seinem Wesen und ihm vergelten nach seinem Tun. Er hat schon im Mutterleibe seinen Bruder betrogen und im Mannesalter mit Gott gekämpft. Er kämpfte mit dem Gottesboten  und siegte, er weinte und bat ihn. Dann hat er ihn in Bethel gefunden, und dort mit ihm geredet. So kehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott…. (Hos 12, am Schluß gekürzt).

 

Gottes Gericht über Ephraim:

..…Ich bin aber der Herr, dein Gott, von Ägypten her; und du solltest ja keinen andern Gott kennen als mich und keinen Heiland als allein mich. Ich nahm mich ja deiner an in der Wüste. Aber als sie geweidet wurden, erhob sich ihr Herz; darum vergessen sie mich. So will ich auch für sie werden wie ein Löwe, und wie ein Panther am Weg ich auf sie lauern….

Israel, du bringst dich ins Unglück, denn dein Heil steht allein bei mir. Wo ist dein König, der dir helfen kann in allen deinen Städten? Wo sind deine Richter, von denen du sagtest: Gib mir einen König und Obere? Ich gab dir ein Könige in meinem Zorn, und will ihn dir wegnehmen in meinem Grimm.

Die Schuld Ephraims ist zusammengebunden, und seine Sünde ist sicher verwahrt

Wehen kommen, daß er geboren werden soll, aber er ist ein unverständiges Kind. Wenn die Zeit gekommen ist, so will er den Mutterschoß nicht durchbrechen. Aber ich will sie aus dem Totenreich erlösen und vom Tod erretten. Tod, ich will dir ein Gift sein, Hölle ich will dir eine Pest sein. Rache kenne ich nicht mehr.

Doch wenn auch Ephraim auch zwischen Brüdern seine Frucht bringt, so wird doch ein Ostwind vom Herrn aus der Wüste herauffahren und seine Quelle versiegt, und er wird rauben seinen Schatz,  alles kostbare Gerät. Samaria wird wüst werden, denn es ist seinem Gott ungehorsam; sie sollen durchs Schwert fallen, und ihre kleinen Kinder zerschmettert und ihre Schwangeren aufgeschlitzt werden (Hos 13,1 - 14,1).

 

Mahnung zur Umkehr und Verheißung des kommenden Heils:

[Hos 14,2-10 ist als Anhang eine Heilsprophetie aus der Exilszeit].

Bekehre dich, Israel, zu dem Herr, deinem Gott; denn du bist gefallen um deiner Schuld willen. Nehmt diese Worte mit euch und bekehrt euch zu dem Herrn und sprecht: „Vergib uns alle Sünde und tue uns wohl, so wollen wir opfern die Frucht unsrer Lippen. Assyrien soll uns nicht helfen. Wir wollen nicht mehr auf Rossen reiten, auch nicht mehr sagen zu den Werken unsrer Hände: „Ihr seid unser Gott!“ Denn bei dir  finden die Waisen Gnade. So will ich ihre Abtrünnigkeit wieder heilen. Gerne will ich sie lieben, denn mein Zorn soll sich von ihnen wenden. Ich will für Israel wie ein Tau sein, daß es blühen soll wie eine Lilie, und seine Wurzeln sollen ausschlagen wie eine Linde, und seine Zweige sich ausbreiten, daß es so schön sei wie ein Ölbaum, und so guten Geruch geben wie die Linde. Und sie sollen wieder unter einem Schatten sitzen. Von Korn sollen sie sich nähren und blühen wie ein Weinstock. Man soll sie rühmen wie den Wein vom Libanon.

Ephraim, was sollen dir weiter die Götzen?  I c h will dich erhören und führen. I c h will sein wie eine grünende Tanne, von m i r erhältst du deine Früchte. Wer ist weise, der dies verstehe, und klug, der dies einsieht? Denn die Wege des Herrn sind richtig, und die Gerechten wandeln darauf. Aber die Übertreter kommen darin zu Fall (Hos 14,2-10).

 

 

 

Der Prophet Joel

[Das Buch Joel ist eins der Prophetenbücher der Bibel. Es gehört in der hebräischen Bibel zu den zwölf „kleinen“ Propheten, die zu einem Buch zusammengefaßt sind.  Nach dem Buch selbst war Joel (aramäisch „Jahwe ist Gott“) aus Juda der Autor. Verschiedene Wissenschaftler zweifeln die Einheitlichkeit des Buches an und vermuten mindestens zwei verschiedene, unbekannte Verfasser, einen für die Kapitel 1 und 2, und einen für die Kapitel 3 und 4. So gehen viele der liberalen Theologen davon aus, daß die Kapitel 1 und 2 älter sind, als die Kapitel 3 und 4. Natürlich läßt sich auch bei Joel nicht eindeutig beweisen, daß Joel dieses Buch selbst geschrieben hat, oder ob jemand anderes seine Worte aufgeschrieben hat. Allerdings bezweifelt nur ein sehr geringer Teil der Theologen, daß es sich hier nicht um Joels Worte handelt.

Wann Joel lebte und sein Buch verfaßte, ist ungewiß. Manche Ausleger sehen in ihm einen der ältesten Propheten, die im 9 Jahrhundert vCh wirkten, andere einen der jüngsten aus dem 5. oder gar 3. Jahrhundert vCh. Damit gehen die Datierungen weiter auseinander als bei jeder anderen Figur der Bibel.

Der Adressat des Joelbuches scheint das Volk Juda zu sein. Dafür würde auch die Tatsache sprechen, daß kein König im Text erwähnt wird, denn wenn man sich der Meinung einer frühen vorexilischen Abfassung anschließt, ist es wahrscheinlich, daß Joel in einer Zeit zum Volk Juda spricht, als Atalja unrechtmäßig auf dem Thron von Juda saß. Auch Young spricht sich dafür aus, daß Joel sich hier hauptsächlich an Juda richtet, auch wenn Joel an drei Stellen den Namen „Israel“ verwendet. Doch an diesen Stellen bleibt ungeklärt, ob er mit diesem Begriff nur das Südreich, nur das Nordreich oder alle zwölf Stämme meint.

Zu der Zeit der angenommenen Abfassung (zwischen 841–835 vCh) war das israelitische Volk bereits fast einhundert Jahre lang in zwei Staaten geteilt. In Israel kam Jehu an die Macht, der die beständigste Dynastie gründete, die das Nordreich haben sollte (841–753). Jehu tötete Ahasja und Ahasjas Mutter Atalja riß die Macht an sich, indem sie alle möglichen Thronfolger Ahasjas bzw. der davidischen Linie umbringen ließ.

Nur Joas, der noch kein Jahr alt war, blieb verschont, da dessen Tante ihn im Tempel beim Hohepriester Jojada versteckte. Joas stürzte Atalja im Jahre 835 vCh. Er war zu dieser Zeit jedoch noch sehr jung, weshalb der Priester Jojada einen sehr großen Einfluß auf die Regierung ausüben konnte.

Aus der Zeit Ataljas ist nicht allzu viel bekannt, allerdings kann man Rückschlüsse ziehen, wenn man betrachtet, was nach Ataljas Tod in Juda passierte. So wie es scheint, wurden in Juda andere Götter angebetet, vor allem Baal, denn Joas schwor Gott einen Treueeid und ließ die Götterbilder und Altäre zerstören und den Baal-Priester umbringen. Zugleich sorgte er auch dafür, daß der Tempeldienst gemäß dem mosaischen Gesetz wieder hergestellt wurde. Dies ging jedoch recht zögerlich voran, wenn man bedenkt, daß mit der Ausbesserung des Tempels erst ca. 813 vCh begonnen wurde. Hält man sich dieses Tatsachen vor Augen, ist die Annahme des Wirkens Joels vor 835 vCh mehr als wahrscheinlich, da dies genau auf die in Joel geschilderte Situation des Volkes Juda paßt.

Das Thema des Buches Joel läßt sich verhältnismäßig einfach in einem einzigen Satz zusammenfassen: Joel prophezeit Gottes Gericht, das wie eine Heuschreckenplage hereinbricht, und Gottes Gnade, sowohl zu seiner Lebenszeit, als auch in der Zukunft, am Tag des Herrn, dem endgültigen Gericht Gottes].

 

Die Heuschreckenplage und der Tag des Herrn:

Dies ist das Wort des Herrn, das Joel erreichte, den Sohn Pethuels: Hört dies, ihr Ältesten, und merkt auf alle Bewohner des Landes, ob solches geschehen sei zu euren Zeiten oder zu eurer Väter Zeiten! Sagt euren Kindern davon und laßt es eure Kinder ihren Kindern sagen und diese wiederum ihren Nachkommen! Was die Raupen übriglassen, das fressen die Heuschrecken, und was die Heuschrecken übriglassen, das fressen die Käfer, und was die Käfer lassen, das fressen die Fliegen. Wacht auf, ihr Trunkenen, und weint und heult, alle Weinsäufer, um den süßen Wein, denn er ist euch vor eurem Mund weggenommen!

Denn es zieht herauf in mein Land ein Volk, mächtig und ohne Zahl. Das hat Zähne wie Löwen und Backenzähne wie Löwinnen. Es verwüstet meinen Weinstock und frißt meinen Feigenbaum kahl, schält ihn ganz und gar ab, daß seine Zweige weiß dastehen. Heule wie eine Jungfrau die Trauer anlegt um ihren Bräutigam! Denn das Speisopfer und Trankopfer gibt es nicht mehr im Hause und die Priester trauern.  

Das Feld ist verwüstet, und der Acker ausgedörrt, das Getreide ist verdorben, der Wein steht jämmerlich und das Öl kläglich. Die Ackerleute sehen traurig drein, und die Weingärtner heulen um den Weizen und die Gerste, weil aus der Ernte auf dem Feld nichts werden kann, weil der Weinstock verdorrt ist und der Feigenbaum verwelkt, auch die Granatbäume, Palmbäume und Apfelbäume, ja alle Bäume auf dem Feld sind verdorrt. So ist die Freude der Menschen zu Jammer geworden.

Umgürtet euch und klagt, ihr Priester! Heult, ihr Diener des Altars! Kommt, behaltet auch im Schlaf das Trauergewand an, ihr Diener meines Gottes! Denn Speisopfer und Trankopfer gibt es nicht mehr im Haus eures Gottes. Sagt ein heiliges Fasten an, ruft die Gemeinde zusammen! Versammelt die Ältesten und alle Bewohner des Landes zum Haus des Herrn, eures Gottes, und schreit zum Herrn! O weh des Tages! Denn der Tag des Herrn ist nahe und kommt wie ein Verderben vom Allmächtigen.

Ist nicht die Speise vor unseren Augen weggenommen und vom Haus unsers Gottes Freude und Wonne?  Der Same ist unter der Erde verfault, die Kornhäuser stehen wüst, die Scheunen zerfallen, denn das Getreide ist verdorben. O wie seufzt das Vieh! Die Rinder sehen kläglich drein, denn sie haben keine Weide, und die Schafe verschmachten. Herr, dich rufe ich an, denn das Feuer hat die Auen in der Steppe verbrannt, und die Flamme hat alle Bäume auf dem Feld angezündet. Es schrieen auch die wilden Tiere zu dir, denn die Wasserbäche sind ausgetrocknet, und das Feuer hat die Auen in der Steppe verbrannt (Joel 1).

Das Heuschreckenheer:

Blast mit der Posaune in Zion, ruft laut auf meinem heiligen Berg! Erzittert, alle Bewohner im des Landes! Denn der Tag des Herrn kommt und ist nahe: Ein finstrer Tag, ein dunkler Tag, ein wolkiger Tag, ein nebliger Tag! Wie die Morgenröte sich  ausbreitet über die Berge, so kommt ein großes und mächtiges Volk, wie es früher nicht gewesen ist und auch in Zukunft nicht sein wird.

Vor ihm her geht ein verzehrendes Feuer und hinter ihm eine brennende Flamme. Das Land ist vor ihm wie der Garten Eden, aber nach ihm wie eine wüste Einöde, und niemand wird ihm entgehen. Sie sind gestaltet wie Pferde und rennen wie die Rosse. Sie sprengen daher über die Bergen, wie die Wagen rasseln, und wie eine Flamme prasselt im Stroh, wie ein mächtiges Volk, das zum Kampf gerüstet ist. Völker werden sich vor ihm entsetzen, und jedes Angesicht erbleicht.

Sie werden laufen wie Helden und die Mauern ersteigen wie Krieger, ein jeder zieht unentwegt voran und weicht nicht von seiner Richtung. Keiner wird den anderen drängen, sondern ein jeder zieht auf seinem Weg daher. Sie durchbrechen die feindlichen Waffen, und dabei reißt ihr Zug nicht ab.

Sie werden sich auf die Stadt  stürzen und die Mauern erstürmen, in die Häuser steigen sie ein, wie ein Dieb kommen sie durch die Fenster. Vor ihm zittert das ganze Land und bebt der Himmel. Sonne und Mond werden finster, und die Sterne halten ihren Schein zurück. Denn der Herr wird seinen Donner vor seinem Heer erschallen lassen, denn sein Heer ist sehr groß und mächtig und wird seinen Befehl wird ausrichten, Ja, der Tag des Herrn ist groß und voller Schrecken, wer kann ihn ertragen?

Doch auch jetzt noch, spricht der Herr, bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen! Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider, und bekehrt euch zu dem Herrn, eurem Gott! Denn er ist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, und ihn reut bald die Strafe. Wer weiß, ob es ihn nicht wieder reut und er einen Segen zurückläßt, so daß ihr opfern könnt Speiseopfer und Trankopfer dem Herrn, eurem Gott.

Blast die Posaune in Zion, sagt ein Fasten an, ruft die Gemeinde zusammen! Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde, sammelt die Ältesten, bringt zusammen die Kinder und die Säuglinge! Der Bräutigam gehe aus seiner Kammer und die Braut aus ihrem Gemach. Laßt die Priester weinen zwischen Vorhalle und Altar und sagen: Herr, schone dein Volk und laß dein Erbteil nicht zuschanden werden, daß die Andersgläubigen über sie spotten! Warum willst du unter den Völkern sagen lassen: Wo ist nun ihr Gott? (Joel 2,1-17).

 

Gottes Gnadenzusage:

Dann wird der Herr um sein Land eifern und sein Volk verschonen. Und der Herr wird antworten und zu seinem Volk sagen: Siehe, ich will euch Getreide, Wein und Öl in Fülle schicken, daß ihr genug daran haben sollt, und will euch nicht mehr unter den Völkern zuschanden werden lassen. Ich will den Feind von Norden von euch wegtreiben und ihn in ein dürres und wüstes Land verstoßen, seine Spitze in das östliche Meer und sein Ende in das westliche Meer, er soll verfaulen und stinken; denn er hat Gewaltiges getan.

Fürchte dich nicht, liebes Land, sondern sei fröhlich und getrost, denn der Herr kann auch große Dinge tun. Fürchtet euch nicht, ihr Tiere auf dem Feld; denn die Auen in der Steppe sollen grünen und die Bäume ihre Früchte bringen, und die Feigenbäume und Weinstöcke sollen reichlich tragen. Und ihr, Kinder Zions, freut euch und seid fröhlich im Herrn, eurem Gott, der euch gnädigen Regen gibt und euch herab sendet Frühregen und Spätregen wie zuvor, daß die Scheunen voll Korn werden und die Keltern Überfluß von Wein und Öl haben sollen.

Und ich will euch die Jahre erstatten, deren Ertrag die Heuschrecken, Käfer, Fliegen und Raupen gefressen haben, mein großes Heer, das ich unter euch schickte. Ihr sollt genug zu essen haben und den Namen des Herrn, eures Gottes, preisen, der Wunder unter euch getan hat, und mein Volk soll nicht mehr zuschanden werden. Und ihr sollt es erfahren, daß ich mitten unter Israel bin und daß ich, der Herr, euer Gott bin und sonst keiner mehr, und mein Volk soll nicht mehr zuschanden werden (Joel 218-27).

 

Ausgießung des Heiligen Geistes:

Nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Erscheinungen haben. Auch will ich mich zur selben Zeit über Diener und Dienerinnen meinen Geist ausgießen. Ich will Wunderzeichen geben am Himmel und auf der Erde: Blut, Feuer und Rauchdampf. Die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe denn der große und schreckliche Tag des Herrn kommt.

Und es soll geschehen, wer des Herrn Namen anrufen wird, der soll errettet werden. Denn auf dem Berg Zion und in Jerusalem wird Errettung sein, wie der Herr verheißen hat, auch bei den Entronnenen, die der Herr berufen wird (Joel 31-5).

 

Gottes Strafgericht:

Denn siehe, in jenen Tagen und zur selben Zeit, wenn ich das Gefängnis Judas und Jerusalems wenden werde, will ich alle Völker zusammenbringen und will sie in das Tal Josaphat hinab führen und will dort mit ihnen rechten wegen meines Volks und meines Erbteils Israel, weil sie es unter die Völker zerstreut sind und sich mein Land geteilt haben. Sie haben das Los um mein Volk geworfen und haben die Jungen für eine Hure hingegeben und die Mädchen für Wein verkauft und vertrunken.

Und ihr von Tyrus und Sidon und allen Gebieten der Philister, was habt ihr mit mir zu tun? Wollt ihr es mir heimzahlen? Wohlan, zahlt es mir heim, so will ich es euch eilend und bald wieder vergelten auf euren Kopf. Mein Silber und Gold habt ihr genommen und meine schönen Kleinode in eure Tempel gebracht, dazu auch die Judäer und die Leute in Jerusalem verkauft an die Griechen, um sie weit weg von ihrem Land zu bringen.

Siehe, ich will sie kommen lassen aus dem Ort, wohin ihr sie verkauft habt, und will es euch vergelten auf euren Kopf, und will eure Söhne und Töchter verkaufen in die Hand der Ju­däer. Die sollen sie denen in Saba, einem Volk in fernen Landen, verkaufen, denn der Herr hat es geredet.

Ruft dies aus unter den Völkern. Bereit euch zum heiligen Krieg! Bietet die Starken auf! Laßt herbeikommen und hinaufziehen alle Kriegsleute! Macht aus euren Pflugscharen Schwerter und aus euren Sicheln Spieße! Der Schwache spreche: „Ich bin stark!“ Auf, alle Völker ringsum, kommt und versammelt euch! Dahin führe du hinab, Herr, deine Starken! Die Völker sollen sich aufmachen und heraufkommen zum Tal Josaphat, denn dort will ich sitzen, zu richten alle Völker ringsum. Greift zur Sichel an, denn die Ernte ist reif! Kommt und tretet, denn die Kelter ist voll, und die Kufen laufen über, denn ihre Bosheit ist groß.

Es werden Scharen über Scharen von Menschen sein im Tal der Entscheidung, denn  der Tag des Herrn ist nahe im Tal der Entscheidung. Sonne und Mond werden sich verfinstern, und die Sterne halten ihren Schein zurück. Und der Herr wird aus Zion brüllen und aus Jerusalem seine Stimme lassen hören, daß Himmel und Erde erbeben werden. Aber seinem Volk wird der Herr eine Zuflucht sein und eine Burg den Israeliten.

Und ihr sollt es erfahren, daß ich, der Herr, euer Gott, auf dem Zion auf meinem heiligen Berg wohne. Dann wird Jerusalem heilig sein und kein Fremder wird mehr hindurch ziehen. Zur selben Zeit werden die Berge von süßem Wein triefen und die Hügel von Milch fließen, und alle Bäche in Juda werden voll Wasser sein. Und es wird eine Quelle ausgehen vom Haus des Herrn, die wird das Tal Sittim wässern. Aber Ägypten soll wüst werden und Edom eine Einöde um des Frevels willen an den Judäern, weil sie unschuldiges Blut in ihrem Land vergossen haben.

Aber Juda soll für immer bewohnt werden und Jerusalem für und für. Und ich will ihr Blut nicht ungesühnt lassen. Und der Herr wird wohnen in Zion (Joel 4).

 

 

Der Prophet Amos

 

[Amos war ein sozialkritischer Prophet aus dem Südreich Juda, der im 8. Jahrhundert vCh im Nordreich Israel predigte. Das ihm zugeschriebene Buch gehört zur Reihe der zwölf kleinen Propheten in der hebräischen Bibel. Amos ist der erste der Schriftpropheten, dessen Worte aufgezeichnet und in Buchform überliefert wurden.  Amos war ein  Vieh- und Maulbeerfeigenbaumzüchter. Seine Predigten kritisieren besonders das Verhalten von Großgrundbesitzern gegen abhängig arbeitende Arme. Er selbst berichtet, er habe bei dem Dorf Thekoa (17 Kilometer südlich von Jerusalem) in der benachbarten Wüste Juda Schafe gehütet, als Jahwe ihn von dort „genommen“ und beauftragt habe, im Nordreich sein Wort zu verkünden. Er war also keiner der dort amtierenden Hofpropheten, mit denen er dann in Konflikt geriet, und auch keiner nordisraelischen Opposition verbunden, sondern stand ihnen schon seiner Herkunft nach distanziert gegenüber.

Amos wirkte während der Regierungszeit zweier Könige: von Usia, der das Südreich Juda von 767 bis 740 vCh regierte, und Jerobeam II., der das Nordreich Israel von 781 bis 742 vCh beherrschte. Der Prophet trat wahrscheinlich in der zweiten Regierungshälfte Jerobeams, also 760 bis 750 vCh. Er trat gegen die Korruption der Richter und Priester und die Ausbeutung der Landbevölkerung durch den Königshof und die Oberschicht von Samaria auf. Er gehört mit Hosea, Micha, Obadja und dem ersten Jesaja in die Zeit des 8. Jahrhunderts, als sich eine tiefe politische Krise und Gefährdung der staatlichen Gebilde Israels durch die neue Großmacht Assyrien abzeichnete. Die Assyrer hatten die Aramäer und deren Hauptstadt Damaskus schon unterworfen, unternahmen aber zunächst keine weiteren Versuche, ihren Machtbereich auszudehnen. So konnte das Nordreich unter Jerobeam eine Blütezeit erleben.

Da es die Handelswege zwischen Assur und Ägypten kontrollierte, nahm das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung. Diesen versuchte Jerobeam offenbar zum Ausbau seiner Macht und seines Verwaltungsapparats zu nutzen. Dazu erlegte er der Landbevölkerung hohe Abgaben auf und eignete dem Königshof zunehmend Ländereien an, die zuvor freien unabhängigen Bauern gehört hatten. Das Bevölkerungswachstum beschleunigte die Entwicklung zu einer sozial zerklüfteten Gesellschaft. Nur eine Minderheit hatte Anteil am Wohlstand, der auf Kosten vor allem von Kleinbauern ging, die sich verschulden mußten und dann ihr Land und somit ihre Existenzgrundlage verloren.

Zudem hatte die Urbaninsierung zunehmend die bisherigen Sippen- jund Stammesstrukturen abgelöst: Die ehemals selbständigen, nun verarmten und landlosen Kleinbauern mußten als Landarbeiter für Großgrundbesitzer und städtische Oberschicht arbeiten. Zu ihr gehörte neben der Königsfamilie vor allem das Priestertum. Auf diese Klassengesellschaft bezog sich die scharfe Kritik der von den Kultorten unabhängigen Prophetie des Amos und späterer Propheten.

 

Kultkritik und Sozialkritik: Die manchmal zu findende Einteilung der Worte des Amos in sozialkritische und kultkritische kann also nur eine operante sein, ist es doch das dem ganzen Volke Israel von Jahwe gegebene Land, für das als Erfül der Väterverheißungen in den Kultfeiern gedankt wird – an Kultorten, die als die Symbole der Landnahme und Landgabe als vollzogene Heilsgeschichte gelten und an denen zudem gemäß alter israelitischer Überlieferung Jahwe besonders gegenwärtig war: Wurde Jahwe doch kein „transzendentaler“ Gott im Himmel, sondern als eine alles durchwirkende und so an heiligen Stätten nahezu personal gegenwärtige Macht vorgestellt.

 

Daher scheint es für Amos auch der größte Frevel gewesen zu sein, daß jene, die Jahwes Gebote und die ihnen auferlegte Verpflichtungen mißachteten, die ihre Volksgenossen in die Armut oder Versklavung getrieben, indem sie ihnen ihr Land nahmen, sich in Bethel und an anderen Kultstätten  trafen, um Jahwe für das dem Volke gegebene Land feierlich zu danken.

Dabei traten die Kritisierten nicht etwa heuchlerisch an den Heiligtümern Jahwe gegenüber, sondern feierten vielmehr ein längst zum hohlen Ritus verkommenes Fest, in dem der innere Widerspruch schon nicht mehr erfahrbar war. Auch Bethel, von dem aus sich das „schwärende Unheil“ über das Land ausbereitete, stand daher letztlich beispielhaft verderbten Kult.

So zeigt diese Position des Amos, daß es weder um eine Kritik des Kultes als solchem, noch um eine Demokratisierung des israelitischen Staatengefüges geht.

Amos kritisiert vielmehr das Vergehen an den in Erwählung, Verheißung und Landgabe liegenden Verpflichtungen, das als „frevlerische (bewußte) Auflehnung“ gegen Jahwe verstanden werden mußte und so den geschauten Untergang des Volkes Israel als Strafe Gottes (oder zumindest als Aufkündigung der Exklusivität der Stellung Israels) erklärte.

 

Theologische Schwerpunkte: Die Prophetie des Amosbuches ist die Botschaft vom kommenden Gott, der die von ihm „gegründete“ Gesellschaft retten will – durch Umkehr oder Gericht. Sein Ziel ist, daß die Menschen die Gaben der Erde und den Ertrag ihrer Arbeit in messianischem Frieden gemeinsam genießen können. So entscheidet sich die „Wahrheit“ des biblischen Gottes an der „Wahrheit“ des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Darum hält das Amosbuch in Kritik und Schau die Vorstellung der biblisch bezeugten Anfänge Israels fest. Denn die Verwirklichung von Recht und Gerechtigkeit ist gelebter Gottesbund.

Wirkung: Die Wirkungsweite der Prophezeihungen erstreckte sich von Dan über Bethel als Mitte Israels bis Beerseba. Besonders intensivem heimsuchenden Wirken Jahwes sah Amos Bethel und (weniger bedeutend) Gilgal ausgesetzt. In einem zweiten Kreis wurde dann Beerscheba (das judäisch war) und Dan genannt. Einzig Jerusalem schien unter den größeren Heiligtümern des Volkes nicht ausdrücklich bedacht worden zu sein.

Amos trat nach der Überlieferung nur in der Nordreich-Hauptstadt Samaria und danach im Nationalheiligtum Bethel auf, bevor er, vom Oberpriester Amazja dem König Jerobeam II. angezeigt, wieder nach Juda verschwand und anscheinend seine Geschichte aufschrieb. Dieser Weg des Amos von Norden nach Süden spräche für die Annahme, Amos käme aus Galiläa (K. Koch).

Während seines öffentlichen und überlieferten Auftretens grenzte Amos sich mehrfach von den Berufspropheten der Kultstätten ab, die mit ihrer Tätigkeit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten hatten. Ein solcher „Prophet“ – oftmals waren mehrere in Gruppen oder einer kultischen Institution zusammengeschlossen – war zur Prophetie wirtschaftlich gezwungen. Amos hingegen bezeichnete sich als einen von Jahwe berufenen Seher mit anderweitig gesichertem Lebensunterhalt.

 

Geschichtlicher Nachtrag: Im Jahr 722 vCh wurde das Nordreich Israel von den Assyrern zerstört: Sie verschleppten große Teile der Bevölkerung. Andere Gruppen flohen aus dem Nordreich ins benachbarte Juda und nach Jerusalem. Sie nahmen vermutlich die aufgeschriebenen Worte des Amos mit und überlieferten sie in Juda weiter, wo sie auf die Theologie der dort entstehenden Bücher des Alten Testaments wirkten, weshalb sich auch noch nachfolgende Generationen durch Amos Worte an den Bund Gottes mit Israel und seine Gerechtigkeit gemahnt sahen.]

 

Gerichtsworte über Israels Nachbarvölker und Israel ( Kapitel 1 - 2):

[Die Gerichtsworte an die Nachbarvölker betreffen Damaskus (Aram) und das Königshaus Hasaels, Gaza, Tyrus, die Edomiter, Ammoniter, Moabiter und das Südreich Juda. Sie sind alle gleich aufgebaut und ergeben zusammen eine Art Gedicht. Jedes einzelne Gerichtswort besteht aus: Einleitender Botenspruchformel, Unwiderruflichkeitserklärung, Anklage/Schuld­auf­weis, Strafankündigung, abschließender Botenformel.

Es fällt auf, daß die Moabiter nicht wegen eines Vergehens gegen Israel, sondern gegen die Edomiter gerichtet werden sollen: Jahwe ist für Amos Herr der Geschichte aller Völker und gebietet auch ihnen Recht, das heute Völkerrecht genannt wird. Die drei Strophen gegen Tyrus, Edom und Juda wurden erst in der Exilszeit eingefügt. Somit bestand der Völkerspruchzyklus ursprünglich aus fünf Strophen. Der abschließende längere Spruch gegen Israel ist eine Art vorangestellte Zusammenfassung der folgenden ausführlichen Kult- und Sozialkritik gegen das Nordreich. Die daraus folgende Gerichtsankündigung nimmt auf das einleitend erwähnte Erdbeben Bezug und kündet eine vernichtende Fremdmacht an, der niemand der wehrfähigen Israeliten entfliehen werde].

 

Weherufe:

Dies ist es, was Amos, der unter den Schafzüchtern von Thekoa war, gesehen hat in Bezug auf Israel zur Zeit des judäischen Königs Usia und des israelitischen Königs Jerobeam, zwei Jahre vor dem Erdbeben. Und er sprach: Der Herr wird aus Zion brüllen und seine Stimme aus Jerusalem hören lassen, daß die Auen der Hirten vertrocknen werden und der Karmel oben verdorren wird.

o spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von  D a m a s k u s will ich sie nicht schonen, weil sie Gilead mit eisernen Dreschschlitten gedroschen haben. Ich will ein Feuer schicken zur Familie des Königs Hasael, das soll die Paläste Benhadads verzehren.

Ich will die Riegel von Damaskus zerbrechen und die Einwohner aus Bikath-Awen und den, der das Zepter hält, aus Beth-Eden ausrotten, daß das Volk von Aram soll nach Kir weggeführt werden, spricht der Herr.

So spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von G a z a will ich sie nicht schonen, weil sie die Gefangenen alle weggeführt und an Edom ausgeliefert haben, sondern ich will ein Feuer in die Mauern von Gaza schicken, das soll seine Paläste verzehren.

Und ich will die Einwohner von Asdod und den, der das Zepter hält, aus Askalon ausrotten und meine Hand gegen Ekron kehren, und es soll umkommen, was von den Philistern noch übrig ist, spricht der Herr.

So spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von T y r u s will ich sie nicht schonen, weil sie die Gefangenen alle an Edom ausgeliefert haben und nicht an den Bruderbund gedacht haben, sondern ich will ein Feuer in die Mauern von Tyrus schicken, das soll ihre Paläste verzehren.

So spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von E d o m will ich sie nicht schonen, weil sie ihren Bruder mit dem Schwert verfolgt haben und alles Erbarmen von sich getan und haben immerfort wüten in ihrem Zorn und an ihrem Grimm ewig festhalten. Ich will ein Feuer schicken nach Teman, das soll die Paläste von Bozra verzehren.

So spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von  A m m o n will ich sie nicht schonen, weil sie die Schwangeren in Gilead aufgeschlitzt haben, um ihr Gebiet zu erweitern.

Ich will ein Feuer anzünden in den Mauern Rabbas, das soll seine Paläste verzehren, wenn man das Kriegsgeschrei erhebt am Tag der Schlacht, und wenn das Wetter kommt am Tag des Sturms. Da wird dann ihr König samt seinen Oberen gefangen weggeführt werden, spricht der Herr.

So spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von M o a b will ich sie nicht schonen, darum daß sie die Gebeine des Königs von Edom zu Asche verbrannt haben. Ich will ein Feuer schicken nach Moab, das soll die Paläste von Kerijoth verzehren, und Moab soll sterben im Getümmel und Geschrei und Posaunenhall. Ich will den Herrscher unter ihnen ausrotten und alle ihre Oberen samt ihm töten, spricht der Herr.

So spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von J u d a will ich sie nicht schonen, weil sie des Herrn Gesetz verachten und seine Ordnungen nicht halten und sich von ihren Lügengötzen verführen lassen, denen ihre Väter nachgefolgt sind. Ich will ein Feuer nach Juda schicken, das soll die Paläste von Jerusalem verzehren.

So spricht der Herr: Um drei oder vier Frevel willen derer von I s r a e l will ich sie nicht schonen, weil sie die Unschuldigen für Geld und die Armen für ein Paar Schuhe verkaufen.

 Sie treten den Kopf der Armen in den Staub und drängen die Elenden vom Weg der. Sohn und Vater gehen zur gleichen Hure, um meinen heiligen Namen zu entheiligen.

Und bei allen Altären schlemmen sie auf den gepfändeten Kleidern und trinken Wein vom Geld der Bestraften im Haus ihres Gottes.

Und dabei habe ich den Amoriter vor ihnen her vertilgt, der so hoch war wie die Zedern und so stark wie die Eichen; ich vertilgte oben seine Frucht und unten seine Wurzel. Auch habe ich euch aus Ägypten geführt und vierzig Jahre in der Wüste geleitet, damit ihr das Land der Amoriter besitzen solltet. Ich habe aus euren Söhnen die Propheten erweckt und Gottgeweihte aus euren Jünglingen. „Ist es nicht so, ihr Israeliten?“ spricht der Herr.

Aber ihr gebt den Gottgeweihten Wein zu trinken und gebietet den Propheten und sprecht: „Ihr sollt nicht weissagen!“

Siehe, ich will es unter euch schwanken machen, wie ein Wagen voll Garben schwankt,

 so daß auch der, der schnell ist, nicht entfliehen noch der Starke etwas vermögen soll, und der Mächtige soll nicht sein Leben retten können. Die Bogenschützen sollen nicht standhalten, und wer schnell laufen kann, soll nicht entrinnen, und wer reitet, soll sein Leben nicht retten. Und wer unter den Starken der mannhafteste ist, soll nackt entfliehen müssen an jenem Tag, spricht der Herr (Am 1 -2).

 

Weitere Gerichtsworte an Israel (Kapitel 3,1 bis 6,14 und 8,4-14):

 [Der Hauptteil wird mit einer in der Bibel einzigartigen Haftbarmachung eröffnet: „Aus allen Generationen der Erde habe ich euch allein erkannt, darum werde ich auch an euch heimsuchen alle eure Sünden!“ Israels Erwählung beim Auszug aus Ägypten ist kein Vorzug unter den Völkern und keine Heilsgarantie, sondern begründet Gottes Strafgericht gerade an ihm. In rhetorischen Fragen deutet Am 3,3-8 die Berufungserfahrung des Amos an, die ihn nötigte, Gottes Wort zu verkünden. Darauf folgt die große Anklagerede gegen die Oberschicht in Samaria: Die Ausländer sollen das Unrecht bezeugen, das in Israel geschieht. Sie sammeln Schätze von Frevel und Raub in ihren Palästen. Die kommende Bedrängnis werde sowohl die Kultorte – genannt wird Bethel, später auch Gilgal, Beersheba, Dan-  die Winter- und Sommerresidenzen der Königsfamilie zerstören. Er greift die reichen Frauen als „fette Kühe“ an, die sich von Sklaven bedienen lassen und diese schinden. Sarkastisch fordert er das Volk auf, noch mehr Opfer darzubringen und so Schuld auf sich zu häufen.

Denn in all dem frommen Treiben habe es Gottes unübersehbare Warnungen – Hunger, Dürre, Mißernten, Pest, Kriegsniederlagen – mißachtet: „Dennoch kehrt ihr nicht um zu mir!“ Daher solle es sich auf die Begegnung mit dem Schöpfer der Elemente gefaßt machen, den Amos „Jahwe Zebaoth“ nennt].

 

Gott redet durch den Propheten:

Ihr Israeliten hört, was der Herr gegen euch redet, die ich aus Ägypten geführt habe: Aus allen Völkern auf der Erde habe ich allein euch auserwählt, darum will ich auch an euch strafen all eure Sünde. Können etwa zwei miteinander ihren Weg gehen, wenn sie nicht einig untereinander sind? Brüllt etwa ein Löwe im Wald, wenn er keinen Raub hat? Schreit etwa ein junger Löwe aus seiner Höhle, wenn er nichts gefangen hat?  Fällt ein Vogel zur Erde, wenn kein Fangnetz da ist? Oder springt eine Falle auf von der Erde, wenn sie nichts gefangen hat? Bläst man die Posaune in einer Stadt, und das Volk entsetzt sich  nicht? Ist etwa ein Unglück in der Stadt, daß der Herr nicht tut? Gott der Herr tut nichts, er enthülle denn seinen Beschluß den Propheten. Der Löwe brüllt, wer sollte sich nicht fürchten? Gott der  Herr redet, wer sollte nicht Prophet werden (Am 3,1-8).

 

Ankündigung des Gerichts über Samaria:

Verkündet in den Palästen von Asdod und in den Palästen im Lande Ägypten und sprecht: Sammelt euch auf den Bergen um Samaria und seht, welch ein großes Zetergeschrei und Unrecht darin ist! Sie achten kein Recht, sie sammeln Schätze von Frevel und Raub in ihren Palästen. Darum spricht Gott der Herr: Man wird dies Land ringsumher bedrängen und dich von deiner Macht herunterreißen und deine Häuser plündern. So spricht der Herr: Wie ein Hirte dem Löwen zwei Beine oder ein Ohrläppchen aus dem Maul reißt, so sollen die Israeliten herausgerissen werden, die in Samaria sitzen in der Ecke des Ruhebettes und auf dem Lager von Damast.

Hört und bezeugt es den Nachkommen Jakobs, spricht der Gott Zebaoth. Zur Zeit, wenn ich die Sünden Israels strafen werde, will ich die Altäre in Bethel vernichten  und die Hörner des Altars abbrechen, daß sie zu Boden fallen sollen, und will Winterhaus und Sommerhaus zerschlagen, und die elfenbeingeschmückten Häuser sollen zugrundegehen und viele Häuser vernichtet werden, spricht der Herr (Am 3).

 

Gegen die Frauen in Samaria:

 Hört dies Wort, ihr fetten Kühe, die ihr auf dem Berg Samarias seid und den Geringen nur Gewalt antut und schindet die Armen und sprecht zu euren Herrn: „Bringt her, laß uns saufen!“ Gott der Herr hat geschworen bei seiner Heiligkeit: „Siehe, es kommt die Zeit über euch, daß man euch mit Angeln wird herausziehen wird und mit Fischhaken, was von euch übrigbleibt. Und ihr werdet zu den Mauerlücken hinaus müssen, eine jede vor sich hin, und zum Berg Hermon weggeschleppt werden, spricht der Herr!“ (Am 4,1-3).

 

Gottes Strafen werden mißachtet:

Ja, kommt her nach Bethel und treibt Sünde, und nach Gilgal, um noch viel mehr zu sündigen! Bringt eure Opfer am Morgen und eure Zehnten am dritten Tag, räuchert vom Sauerteig zum Dankopfer und ruft freiwillige Opfer aus und verkündigt sie. Denn so habt ihr es gern, ihr Israeliten, spricht Gott der Herr. Ich will euch auch in allen euren Städten müßige Zähne gegeben und Mangel am Brot an allen euren Orten. Dennoch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr.

 

Auch habe ich euch den Regen vorenthalten, als noch drei Monate waren bis zur Ernte. Ich ließ regnen über eine Stadt und auf eine andere Stadt ließ ich es nicht regnen. Ein Acker wurde beregnet, und der andere Acker verdorrte, der keinen Regen erhielt. Es zogen zwei, drei Städte zu einer andren Stadt, um Wasser zu  trinken, und konnten nicht genug finden. Dennoch doch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr.

Ich plagte euch mit dürrer Zeit und mit Getreidebrand, auch fraßen die Raupen alles, was in euren Gärten und Weinbergen, auf euren Feigenbäumen und Ölbäumen wuchs. Doch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr. Ich schickte unter euch die Pest wie in Ägypten, ich tötete eure junge Mannschaft durchs Schwert und ließ eure Pferde gefangen wegführen und ließ den Gestank eures Heerlagers in eure Nasen steigen. Dennoch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr. Ich richtete unter euch Zerstörung an, wie ich Sodom und Gomorra zerstörte, daß ihr wart wie ein Holzscheit, das aus dem Feuer gerissen wird. Doch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr.

Darum will ich es weiter so mit dir machen, Israel! Weil ich es denn weiter so mit dir machen will, so bereite dich, Israel, und begegne deinem Gott. Denn siehe, er ist es, der die Berge macht und den Wind schafft. Er zeigt dem Menschen, was er im Sinn hat. Er macht die Morgenröte und die Finsternis, er tritt einher auf den Höhen der Erde, er heißt „Herr, Gott Zebaoth“ (Am 4, 4-13).

 

Klagelied über Israel:

Hört, ihr vom Haus Israel, dies Wort, denn ich muß dies Klagelied über euch anstimmen: Die Jungfrau Israel ist gefallen, daß sie nicht wieder aufstehen wird, sie ist zu Boden gestoßen, und niemand ist da, der ihr aufhelfe. Denn so spricht Gott der Herr: Die Stadt, aus der Tausend zum Kampf ausziehen, soll nur Hundert übrig behalten, und die Stadt, aus der Hundert ausziehen, die soll nur Zehn übrig behalten im Haus Israel (Am 5,1-3).

 

Gegen die Unterdrücker im Volk:

Denn so spricht der Herr zum Haus Israel: „Suchet mich, so werdet ihr leben!“ Sucht nicht Bethel und kommet nicht nach Gilgal und geht nicht nach Beerseba. Denn Gilgal wird gefangen weggeführt werden, und Bethel wird zunichte werden. Sucht den Herrn, so werdet ihr leben! Sonst wird er nicht daher fahren über die Nachkommen Josephs wie ein verzehrendes Feuer, das niemand löschen kann in Bethel, über euch, die ihr das Recht in Wermut verkehrt und die Gerechtigkeit zu Boden stoßt.

Er hat das Siebengestirn und den Orion gemacht, der aus der Finsternis den Morgen macht und aus dem Tag die finstere Nacht macht, der dem Wasser im Meer herbeiruft und schüttet es auf den Erdboden. Er läßt über den Starken das Verderben kommen und bringt Verderben über die feste Stadt.

Sie sind dem gram, der sie am Tor zurechtweist, und verabscheuen den,  der ihnen die Wahrheit sagt. Darum, weil ihr die Armen unterdrückt und nehmt von ihnen hohe Abgaben an Korn, so sollt ihr in den Häusern nicht wohnen, die ihr von Quadersteinen gebaut habt, und den Wein nicht trinken, den ihr in den feinen Weinbergen gepflanzt habt.

Denn ich kenne eure Freveltaten, die so viele sind, und eure Sünden, die so groß sind, wie ihr die Gerechten bedrängt und Bestechungsgeld nehmt und die Armen im Tor unterdrückt. Darum muß der Kluge zur dieser Zeit schweigen, denn es ist eine böse Zeit. Suchet das Gute und nicht das Böse, auf daß ihr leben mögt. So wird der Herr bei euch sein, wie ihr rühmt.

Haßt das Böse und liebt das Gute! Richtet das Recht auf am  Tor! Vielleicht wird der Herr doch gnädig sein gegenüber denen, die von den Nachkommen Josephs übrig bleiben. Darum spricht der Herr, der Gott Zebaoth: Es wird in allen Gassen Wehklagen sein, und auf allen Straßen wird man sagen: „Wehe! Wehe!“ Man wird den Ackermann zum Trauern rufen, und zum Wehklagen, wer die Totenklage erheben kann. In allen Weinbergen wird Wehklagen sein, denn ich will unter euch fahren, spricht der Herr.

Wehe denen, die den Tag des Herrn herbeiwünschen! Was soll er euch bringen? Denn der Tag des Herrn ist Finsternis und nicht Licht. Das ist so wie wenn jemand vor dem Löwen flieht  und ein Bär begegnet ihm. Oder er kommt in ein Haus und lehnt sich mit der Hand an die Wand  und eine Schlange sticht ihn.  Ja, der Tag des Herrn wird finster und nicht licht sein, dunkel und nicht hell (Amos 5,1-20).

 

Der äußerliche Gottesdienst tut es nicht:

Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Und wenn ihr mir gleich Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich keinen Gefallen daran und mag eure fetten Dankopfer nicht ansehen.  Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder, denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht werden wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. Habt ihr vom Volk Israel mir in der Wüste die vierzig Jahre lang Schlachtopfer und Speisopfer geopfert? Ihr trugt den Sikkuth, euren König, und Kiun, den Stern eures Gottes, und eure Bilder, die ihr euch selbst gemacht habt.  So will ich euch wegführen lassen bis jenseits von  Damaskus, spricht der Herr, der Gott Zebaoth heißt (Am 5,21-27).

 

Gegen die Selbstsicherheit der Vornehmen:

Weh den Sorglosen in Zion! Weh denen, die voll Zuversicht sind  auf dem Berg Samarias verlassen, den Vornehmen des Erstlings unter den Völkern, zu denen das Volk Israel kommt! Geht hin nach Kalne und schaut. Geht von da nach Hamath, der großen Stadt, und zieht hinab nach dem Gath der Philister! Seid ihr besser als diese Königreiche, ist euer Gebiet größer als das ihre? Ihr meint, vom bösen Tag weit weg zu sein und trachtet immer nach Frevelregiment. Ihr schlaft auf elfenbeinernen Lagern und euch streckt auf euren Ruhebetten. Ihr eßt die Lämmer aus der Herde und die gemästeten Kälber. Ihr spielt auf der Harfe dem Psalter und erdichtet euch Lieder wie David. Ihr trinkt Wein aus Schalen und salbt euch mit dem besten Öl. Aber ihr kümmert euch nicht um den Schaden der Nachkommen Josephs.

Darum sollen sie nun vornean gehen unter denen, die gefangen weggeführt werden, und das Schlemmen der Übermütigen soll aufhören. Denn Gott der Herr hat geschworen bei sich: „Mich verdrießt der Hochmut der Nachkommen Jakobs, und ich bin hasse ihre Paläste. Darum ich will die Stadt übergeben mit allem, was darinnen ist. Und wenn auch zehn Männer in einem Haus übrigbleiben, sollen sie doch sterben!“ Und nimmt dann einen sein Verwandter, der seine Gebeine aus dem Haus tragen und bestatten will, so sagt er zu dem, der drin im Haus ist: „Sind noch mehr da?“

Und der wird antworten: „Sie sind alle dahin!“ Und er wird sagen: „Sei still! Denn man darf des Namens des Herrn nicht nennen. Denn siehe, der Herr hat geboten, daß man die großen Häuser in Trümmer schlagen soll und die kleinen Häuser in Stücke!“  Wer kann mit Rossen auf Felsen rennen oder mit Rindern pflügen? Denn ihr wandelt das Recht in Gift und die Frucht der Gerechtigkeit in Wermut.

 

 

Ihr freut euch über Lo-Dabar und sprecht: „Haben wir nicht durch unsere Kraft  die Stadt Karnajim genommen?“ Darum will ich über euch vom Volk Israel ein Volk aufstehen lassen, spricht der Herr, der Gott Zebaoth, das soll euch bedrängen von da an, wo man nach Hamath geht, bis an den Bach in der Wüste (Am 6. Hier werden jetzt erst sinngemäß die Verse  8,4-14 eingefügt).

 

Gegen den Wucher der Reichen:

Hört dies, die ihr den Armen unterdrückt und die Elenden im Land zugrunde richtet und sprecht: „Wann will doch die Neumondfeier ein Ende haben, daß wir Getreide verkaufen, und der wöchentliche Feiertag, daß wir Korn feilhalten können und das Maß verringern und den Preis steigern und die Waage fälschen, damit wir die Armen um Geld und die Geringen um ein Paar Schuhe unter uns bringen und Spreu für Korn verkaufen?“

Der Herr hat den Nachkommen Jakobs geschworen: „Niemals werde ich diese ihre Taten vergessen!“ Sollte nicht um solcher Taten willen das ganze Land erbeben müssen und alle Bewohner trauern? Ja, es soll sich heben wie die Wasser des Nils und sich senken wie der Strom Ägyptens.

Zu derselben Zeit, spricht Gott der Herr, will ich die Sonne am Mittag untergehen lassen und das Land am hellen Tag finster werden lassen [Zu Lebzeiten des Amos ereignete sich im Jahre 763 vCh die so genannte „Assyrische Sonnenfinsternis“, die für die Datierung der Ereignisse des Alten Orients von großer Bedeutung ist; sie war auch in Israel nahezu total].

Ich will eure Feiertage in Trauer und alle eure Lieder in Wehklagen verwandeln. Ich will über alle Lenden den Sack bringen und alle Köpfe kahl machen, und will ein Trauern schaffen, wie man trauert über einen einzigen Sohn, und sie sollen ein bitteres Ende nehmen.

Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der Herr, daß ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des Herrn, es zu hören, daß sie hin und her von einem Meer zum andern, vom Norden zum Osten laufen und des Herrn Wort suchen, und doch nicht finden werden.

Zu der Zeit werden die schönen Jungfrauen und die Jünglinge verschmachten vor Durst, die jetzt schwören bei dem Abgott Samarias und sprechen: „So wahr dein Gott lebt, Dan!“ und „So wahr den Gott lebt, Beerseba!“ Denn sie sollen so fallen, daß sie nicht wieder aufstehen können (Am 8,4-14).

 

 

Die Visionen des Amos: Kapitel 7 bis 9:

Die drei ersten Visionen:

Gott der Herr zeigte ließ mich schauen, und siehe, da stand einer, der machte Heuschrecken zur Zeit, nachdem der König hatte mähen lassen und der zweite Grasschnitt gewachsen war.  Als sie nun alles Gras im Land abfressen wollten, sprach ich: „Ach Herr, sei gnädig! Wer will den Nachkommen Jakobs wieder aufhelfen, denn sie sind ja so schwach?“ Da reute es den Herrn und er sprach: „Wohlan, es soll nicht geschehen!“

Gott der Herr ließ mich schauen, und siehe, Gott der Herr rief dem Feuer, um damit zu strafen. Das verzehrte die große Tiefe und fraß das Ackerland. Da sprach ich: „Ach Herr, laß ab! Wer soll den Nachkommen Jakobs wieder aufhelfen, denn sie sind ja so schwach?“ Da reute den Herrn auch das, und Gott der Herr sprach: „Es soll auch nicht geschehen!“

Er ließ mich abermals schauen, und siehe, der Herr stand auf einer Mauer, die mit einer Bleischnur gerichtet war; und er hatte das Bleilot in seiner Hand. Und der Herr sprach zu mir: „Was siehst du, Amos?“ Ich sprach: „Ein Bleilot!“ Da sprach der Herr zu mir: „Siehe, ich will ein Bleilotlegen an mein Volk Israel und ihm nichts mehr übersehen, sondern die Höhen Isaaks sollen verwüstet und die Heiligtümer Israels zerstört werden, und ich will mit dem Schwert mich über die Familie Jerobeam hermachen (Amos 7,1-9. Die Verse 10-17 wurden sinngemäß hinter Kapitel 9,6 gestellt).

Die vierte Vision:

Gott der Herr ließ mich schauen, und siehe, da stand ein Korb mit reifem Obst. Und er sprach: „Was siehst du, Amos?“  Ich aber antwortete: „Einen Korb mit reifem Obst!“ Da sprach der Herr zu mir: „Reif zum Ende ist mein Volk Israel. Ich will ihm nichts mehr übersehen. Und die Lieder im Tempel sollen in ein Heulen verkehrt werden zur selben Zeit, spricht der Herr. Es werden an allen Orten viele Leichen liegen, die man heimlich hinwirft (Am 8,1-3. Die Verse 4-14 wurden sinngemäß hinter Kapitel 6 gestellt).

 

Die letzte Vision:

Ich sah den Herrn auf dem Altar stehen, und er sprach: „Schlage an den Knauf, daß die Pfosten beben und die Trümmer ihnen allen auf den Kopf fallen. Und wer noch übrigbleibt von ihnen, will ich mit dem Schwert töten, daß keiner von ihnen entfliehen noch irgendeiner entkommen soll. Und wenn sie sich auch unten bei den Toten vergrüben, soll sie doch meine Hand von dort holen. Und wenn sie zum Himmel hinaufstiegen, will ich sie doch herunterstoßen. Und wenn sie sich auch versteckten oben auf dem Berg Karmel, will ich sie doch suchen und von dort herab holen. Und wenn sie sich vor meinen Augen verbergen würden auf dem Grund des Meeres, so will ich doch der Meeresschlangen befehlen, die sie dort zu beißen. Und wenn sie vor ihren Feinde gefangen hergingen, so will ich doch dem Schwert befehlen, sie dort zu töten. Denn ich will meine Augen auf sie richten zum Bösen und nicht zum Guten.

Denn Gott, der Herr Zebaoth, ist es, der die Erde anrührt, daß sie bebt und alle Bewohner trauern müssen, und daß sie sich hebt wie die Wasser des Nils und senkt wie der Strom Ägyptens. Er ist es, der seinen Saal in den Himmel baut und seinen Palast über der Erde gründet, der das  Wasser im Meer herbeiruft und schüttet es auf das Erdreich, er heißt Herr!“ (Am 9,1-6).

 

Amos wird aus Bethel ausgewiesen:

Da sandte Amazja, der Priester in Bethel, einen Boten zu dem König Jerobeam und ließ ihm sagen: „Der Amos macht einen Aufruhr gegen dich im Volk Israel, das Land kann seine Worte nicht ertragen. Denn so spricht Amos: Jerobeam wird durchs Schwert sterben, und Israel wird aus diesem Lande gefangen weggeführt werden!“ Und Amazja sprach zu Amos: „Du Seher, geh weg und flieh ins Land Juda und verdiene dort dein Brot und weissage dort. Und weissage nicht mehr in Bethel, denn das ist des Königs Heiligtum und der Tempel des Königreichs!“

Amos antwortete und sprach zu Amazja: „Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenschüler, sondern ich bin ein Hirte, der Maulbeeren züchtet. Aber der Herr nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel! So höre nun des Herrn Wort. Du sprichst: Weissage nicht gegen Israel und eifere nicht gegen die Nachkommen Isaaks!

 

Darum spricht der Herr: Deine Frau wird in der Stadt zur Hure werden, und deine Söhne und Töchter sollen durchs Schwert fallen, und dein Acker soll mit der Meßschnur aufgeteilt werden. Du aber sollst in einem unreinen Land sterben, und Israel soll aus seinem Land vertrieben werden!“ (Am 7,10-17).

 

Gegen den falschen Erwählungsglauben:

[Die Verse Amos 9, 7-10 sind der ursprüngliche Schluß des Amosbuchs. Er greift die Zentralaussage von Am 3,1-2 wieder auf, daß die Erwählungssicherheit nicht als Heilsgarantie mißverstanden werden darf].

„Seid ihr Israeliten mir nicht wie die Afrikaner?“ spricht der Herr. „Habe ich nicht Israel aus Ägypten geführt und die Philister aus Kaphthor und die Aramäer aus Kir? Siehe, die Augen Gottes des Herrn sehen auf das sündige Königreich, daß ich es vom Erdboden vertilge, obwohl  ich die Nachkommen Jakobs nicht ganz und gar vertilgen will, spricht der Herr. Denn siehe, ich will befehlen und das Haus Israel unter allen Völkern schütteln lassen wie man mit einem Sieb schüttelt, und kein Stein zur Erde fällt. Alle Sünder in meinem Volk sollen durchs Schwert sterben, die da sagen: Es wird das Unglück nicht so nahe sein noch uns begegnen!“

 

Das künftige Heil des Gottesvolkes:

[Ein Anhang aus der Zeit nach der Verbannung, ein Heilswort für Israel vom Wiederaufbau der zerfallenen Hütte Davids].

Zur selben Zeit will ich die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Risse vermauern und das Abgebrochene wieder aufrichten und will sie bauen, wie sie vorzeiten gewesen ist, damit sie in Besitz nehmen, was von Edom übrig ist und alle Völker, über die mein Namen genannt ist, spricht der Herr, der so etwas tut.

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, daß man zugleich ackern und ernten und zugleich keltern und säen wird. Und die Berge werden von süßem Wein triefen, und alle Hügel werden fruchtbar sein. Denn ich will die Gefangenschaft meines Volkes Israel wenden, daß sie die verwüsteten Städte wieder aufbauen und bewohnen sollen, daß sie Weinberge pflanzen und Wein davon trinken, Gärten anlegen und Früchte daraus essen. Denn ich will sie in ihr Land pflanzen, daß sie nicht mehr aus ihrem Lande ausgerottet werden, das ich ihnen gegeben habe, spricht der Herr, dein Gott (Am 9,11-15).

 

 

 

 

Der Prophet Obadja

[Das Buch Obadja stammt vom gleichnamigen Verfasser, der zu den zwölf kleinen Propheten der hebräischen Bibel. Mit 21 Versen ist es das kürzeste Buch des Alten Testaments. Über den Propheten ist nur bekannt, was sich aus seinem Buch ergibt. Er stammte demnach aus Juda. Sein Name bedeutet „Knecht“ oder „Anbeter Jahwes, des Herrn“.

Es gibt drei Möglichkeiten für die Datierung, die alle nicht bewiesen werden können:

1. Im 1. Buch der Könige wird in Kapitel 18 Obadja als Untertan des Königs Ahabs vorgestellt, der in der phönizischen Königsgattin Isebel eine zu allem entschlossene Gegnerin hat. Weitere Hauptperson mit der Obadja zu tun hat ist der Prophet Elia, der das Volk durch Beauftragung Gottes wieder auf den rechten Glaubensweg bringen soll. Somit fällt die Datierung auf die Zeit des Königs Ahabs zwischen etwa 875 bis etwa 852 vCh.

2. Die historisch-kritische Forschung deutet die Einnahme Jerusalems in Vers 11 auf die Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar II., König von Babylon, im Jahr 586 vCh. Dann wäre das Buch entsprechend danach, also vermutlich im babylonischen Exil entstanden.

3. Die dritte Möglichkeit deutet den Vers ebenso historisch-kritisch auf die Eroberung Jerusalems durchAraberund Philister zur Zeit Jorams (851-845 vCh). Dafür spricht, daß Obadja nur Eroberung und Plünderung erwähnt, aber weder Verbannung noch Zerstörung des Tempels. Auch zeigt das Buch Parallelen zu den Prophetien über Edom bei Amos und Jeremia.

Es geht um das drohendes Gericht über Edom(1-9),  Edoms Verhalten gegen Juda (10-16) und die zukünftige Wiederherstellung Israels (17-21). Obadja weist wörtliche Übereinstimmungen mit Jeremia 49 auf, was auf eine literarische Abhängigkeit schließen läßt. Während die Mehrzahl der Ausleger von Obadja als dem Primärtext ausgehen, sehen u.a. A. Meinhold und J. Jeremias Obadja als Fortschreibung von Jeremia an].

 

Dies ist , was Obadja geschaut hat: So spricht Gott der Herr über Edom: „Wir haben vom Herrn eine Botschaft gehört, ein Bote ist unter die Andersgläubigen gesandt: Wohlauf, laßt uns gegen Edom streiten. Siehe, ich habe dich gering gemacht unter und sehr verachtet unter den Völkern. Der Hochmut deines Herzens hat dich betrogen, weil du in den Felsenklüften wohnst, in deinen hohen Schlössern, und sprichst in deinem Herzen: Wer will mich zu Boden stoßen?“

Und der Herr fuhr fort: „Wenn du gleich in die Höhe fahren würdest wie ein Adler und machtest dein Nest zwischen den Sternen, so will ich dich von dort herunterstürzen, spricht der Herr. Wenn Diebe oder Räuber nachts über dich kommen werden, wie sollst du dann zunichte werden! Ja, sie sollen stehlen, bis sie genug haben. Und wenn die Weinleser über dich kommen, so sollen sie dir kein Nachlese übriglassen. Wie sollen sie dann Edom durchsuchen und seine Schätze aufspüren! Alle deine Bundesgenossen werden dich zum Land hinaus stoßen. Die Leute, auf die du deinen Trost setzt, werden dich betrügen und überwältigen. Die dein Brot essen, werden dich verraten, ehe du es merken wirst!“

„Was gilt es?“ spricht der Herr, „ich will zur selben Zeit die Weisen in Edom zunichte machen und die Klugheit auf dem Gebirge Edoms. Und deine Starken sollen verzagen, damit alle auf dem Gebirge Edom ausgerottet werden durch Morden“

Wegen des Frevels willen, den du an deinem Brudervolk Israel begangen hast, sollst du zuschanden werden und für immer  ausgerottet sein.

Zu der Zeit, da du dabei standest und sahst, wie die Fremden sein Heer gefangen wegführten und Ausländer zu seinen Toren einzogen und über Jerusalem das Los warfen, da warst du wie einer von ihnen. Du sollst nicht mehr herabsehen auf deinen Bruder zur Zeit seines Elends und sollst dich nicht freuen über die Judäer zur Zeit ihres Jammers und sollst mit deinem Mund nicht so stolz reden zur Zeit ihrer Angst. Du sollst nicht zum Tor meines Volkes einziehen zur Zeit seines Jammers. Du sollst nicht herabsehen auf sein Unglück zur Zeit seines. Du sollst nicht nach seinem Gut greifen zur Zeit seines Jammers. Du sollst nicht stehen an den Fluchtwegen, um seine Entronnenen zu morden. Du sollst seine Übriggebliebenen nicht verraten zur Zeit der Angst.

Denn der Tag des Herrn ist nahe über alle Andersgläubigen. Wie du getan hast, soll dir wieder geschehen, und wie du es verdient hast, so soll es dir wieder auf deinen Kopf kommen. Denn wie ihr auf meinem heiligen Berge getrunken habt, so sollen alle Andersgläubigen täglich trinken, ja, sie sollen es aussaufen und ausschlürfen und sollen sein, als wären sie nie gewesen.

Aber auf dem Berg Zion werden Errettete sein, und er soll heilig sein, und das Volk Israel soll seine Besitzer besitzen. Das Volk Israel soll ein Feuer werden, aber Edom soll zu Stroh werden. Das werden sie anzünden und verzehren, daß dem Edom nichts übrigbleibt, denn der Herr hat es geredet. Und sie werden das Südland besitzen, das Gebirge Edom, und das Hügelland, das Land der Philister. Ja, sie werden das Feld Ephraims und das Feld Samarias besitzen, und der Stamm Benjamin das Gebirge Gilead.

Und die Weggeführten der Israeliten werden die Städte der Kanaaniter bis zur Stadt Zarpath besitzen, und die Weggeführten aus der Stadt Jerusalem werden die Städte im Südland besitzen. Und es werden die Geretteten vom Berg Zion kommen, um das Gebirge Edoms zu richten, und die Königsherrschaft wird dem Herrn gehören.

 

 

Der Prophet Jona

Jonas Berufung:

Das Wort des Herrn erreichte Jona, dem Sohn Amitthais, und sprach: „Mache dich auf und gehe in die große Stadt Ninive und predige gegen sie!  Denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen!“ Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem Herrn nach Tarsis in Spanien fliehen und kam hinab nach Japho. Und als er ein Schiff fand, das nach Tarsis wollte fahren, gab er Fährgeld und betrat das Schiff, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren und dem Herrn aus den Augen zu kommen.

Da ließ der Herr einen großen Wind aufs Meer kommen, und es erhob sich ein großes Ungewitter auf dem Meer, daß man meinte, das Schiff würde zerbrechen. Und die Schiffsleute fürchteten sich und schrieen, ein jeder zu seinem Gott, und warfen die Ladung ins Meer, damit das Schiff leichter würde. Aber Jona war hinunter in das Schiff gestiegen, lag und schlief.

Da trat der Schiffsherr zu ihm und sprach: „Was schläfst du? Stehe auf, rufe deinen Gott an! Vielleicht wird dieser Gott an uns denken, daß wir nicht verderben!“

Und einer sprach zum andern: „Kommt, wir wollen losen, um zu erfahren, wer es ist , wessen dem es uns so übel gehe!“ Und als sie losten, da traf es Jona. Da sprachen sie zu ihm: „Sage uns, warum geht es uns so übel? Was ist dein Gewerbe, und wo kommst du her? Aus welchem Lande bist du, und von welchem Volk bist du?“ Er sprach zu ihnen: „Ich bin ein Hebräer und fürchte den Herrn, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat!“

Da fürchteten sich die Leute sehr und sprachen zu ihm: „Warum hast du denn das getan?“ Denn sie wußten, daß er vor dem Herrn floh, denn er hatte es ihnen gesagt. Da sprachen sie zu ihm: „Was sollen wir denn mit dir tun, daß uns das Meer still werde und von uns ablasse?“ Denn das Meer ging immer ungestümer. Er sprach zu ihnen: „Nehmt mich und werft mich ins Meer, dann wird euch das Meer still werden. Denn ich weiß, daß wegen mir sein so großes Ungewitter über euch kommt!“

Doch die Leute ruderten, daß sie wieder ans Land kämen. Aber sie konnten nicht, denn das Meer ging immer ungestümer gegen sie an.

 

Da riefen sie zu dem Herrn und sprachen: „Ach Herr, laß uns nicht verderben um des Lebens dieses Mannes willen und rechne uns nicht unschuldiges Blut zu! Denn du, Herr, tust, wie es dir gefällt!“ Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da wurde das Meer still und ließ ab von seinem Wüten. Und die Leute fürchteten den Herr sehr und brachten dem Herrn Opfer und legten Gelübde ab (Jona 1).

 

Jonas Gebet:

Aber der Herr ließ einen großen Fisch kommen, um Jona zu verschlingen. Und Jona war drei Tage und drei Nächte im Leib des Fisches. Er betete zu dem Herrn, seinem Gott, im Leibe des Fisches und sprach: „Ich rief zum Herrn in meiner Angst, und er antwortete mir. Ich schrie aus dem Rachen des Todes, und du hörtest meine Stimme. Du warfst mich in die Tiefe mitten ins Meer, daß die Fluten mich umgaben. Alle deine Wogen und Wellen gingen über mich. …..

Als meine Seele bei mir verzagte, dachte ich an den Herrn, und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel. Die halten an das Nichtige, verlassen ihre Gnade. Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen. Meine Gelübde will erfüllen dem Herrn, der mir geholfen hat!“ Und der Herr sprach zum Fisch, und der spie Jona aus ans Land (Jona 2, gekürzt).

 

Jonas Predigt in Ninive:

Und das Wort des Herrn erreichte Jona zum zweiten Mal und sprach: „Mache dich auf, gehe in die große Stadt Ninive und predige ihr, was ich dir sage!“ Da machte sich Jona auf und ging hin nach Ninive, wie der Herr gesagt hatte. Ninive aber war eine große Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß. Und als Jona anfing, in die Stadt hineinzugehen und eine Tagereise weit gekommen war, predigte er und sprach: „Es sind noch vierzig Tage, dann wird Ninive untergehen!“ Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und ließen ein Fasten ausrufen, und Groß und Klein zogen Säcke an zum Zeichen ihrer Umkehr.

Als das vor den König von Ninive kam, stand er auf von seinem Thron und legte seinen Purpur ab und hüllte einen Sack um sich und setzte sich in die Asche und ließ in Ninive als Befehl des Königs und seiner Gewaltigen ausrufen: „Es sollen weder Mensch noch Vieh, weder Rinder noch Schafe irgendeine Nahrung zu sich nehmen, und man soll sie nicht weiden noch Wasser trinken lassen. Sie sollen Säcke um sich hüllen, beide, Menschen und Vieh, und zu Gott rufen mit Macht. Und ein jeder bekehre sich von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände. Wer weiß? Vielleicht reut  Gott es doch und er wendet sich ab von seinem grimmigen Zorn, daß wir nicht verderben!“ Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie sich bekehrten von ihrem bösen Weg, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat es nicht (Jona 3).

 

Jonas Unmut über Gott:

Das aber verdroß Jona sehr, und er wurde zornig und betete zum Herrn und sprach: „Ach Herr, das ist es, was ich dachte, als ich noch in meinem Lande war, weshalb ich auch eilends nach Tarsis fliehen wollte. Denn ich wußte, daß du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und bereust das Unglück, das du ihnen schicken wolltest. So nimm doch nun, Herr, mein Leben von mir; denn ich möchte lieber tot sein als leben!“ Aber der Herr sprach: Meinst du, daß du mit Recht zürnst?“

Jona ging zur Stadt hinaus und ließ sich östlich der Stadt nieder und machte sich dort eine Hütte. Darunter setzte er sich in den Schatten, um zu sehen, was der Stadt widerfahren würde.

Aber Gott der Herr ließ eine Rizinus-Staude über Jona wachsen, daß sie ihm Schatten gäbe über sein Haupt und ihm gegen seinen Unmut helfen sollte. Und Jona freute sich sehr über die Staude.

Aber als die Morgenröte anbrach, ließ Gott einen Wurm kommen, der stach die Staude, daß sie verdorrte. Als aber die Sonne aufgegangen war, ließ Gott einen heißen Ostwind kommen, und die Sonne stach Jona auf den Kopf, daß er matt wurde. Da wünschte er sich den Tod und sprach: „Ich wollte lieber tot sein als leben!“

Da sprach Gott zu Jona: „Meinst du, daß du mit Recht zürnst wegen der Staude?“ Er sprach: „Mit Recht zürne ich bis an den Tod!“ Aber der Herr sprach: „Dich jammert der Rizinus, um den du dich nicht gemüht hast und den du auch nicht aufgezogen hast, der in einer Nacht wuchs und in einer Nacht verdarb. Und da sollte keinen Jammer empfinden über Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als hundertundzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?“ (Jona 4).

 

 

Der Prophet Micha

[Das Buch des Propheten Micha ist eines der prophetischen Bücher der hebräischen Bibel und gehört  zu den zwölf kleinen Propheten. In der griechischen Bibelübersetzung lautet die Namensform „Michäas“. Dies deutet darauf, daß der Name Micha nicht als Kurzform von Michael, sondern von Michaja („Wer ist wie Jahwe?“) gedeutet werden sollte. Er erhielt seine Offenbarungen während der Regierungszeit der Könige Jotam (757-736 vCh), Ahas (735-725 vCh) und Hiski (725-697 vCh). Er war also ein Zeitgenosse von Jesaja, Amos und Hosea. Mit Moreschet (Micha 1,1 und Jeremia 26,18) ist wahrscheinlich das Dorf in der Nähe von in der judäischen Schefela gemeint.

Michas Anklagen gegen soziale Ungerechtigkeit und religiöse Verderbtheit lassen das Thema des Amos und das seiner Zeitgenossen wieder aufleben. Obwohl er als Prophet angesehen wurde, vermied er diesen Titel, denn er wollte sich stark von den Berufspropheten abgrenzen. Seine Prophezeiungen beklagen insbesondere die gesellschaftlich schlechte Stellung der Kleinbauern und Bürger, die durch den Staat und seinen bürokratischen Apparat unterdrückt wurden, um dessen Unterhalt zu sichern.

Im Buch Jeremia wird bezeugt, daß Michas Wort gehört wurde und seine Botschaft zur Reform Hiskias beigetragen hat und Michas Prophetie und ihre Wirkung wird als Argument gebraucht, um zu verhindern, daß Jeremia wegen einer ähnlichen Prophetie hingerichtet wird. Manche Wissenschaftler gehen von einer nachträglichen Redaktion seines Buches aus. Andere gehen davon aus, daß Micha das Buch selbst geschrieben hat.

Die sprachliche Ähnlichkeit zwischen Micha 4,1-3 und Jesaja 2,2-4 wirft die Frage auf, wer hier wen zitierte. Die Ausleger sind unterschiedlicher Ansicht, ohne klare Antworten auf beiden Seiten. Da die beiden Propheten in unmittelbarer Nähe zueinander lebten und zur gleichen Zeit prophezeiten, ist diese Ähnlichkeit verständlich].

 

Gott erscheint zum Gericht  über Israel und Juda:

[Die Verse 1,1-8 dürften vor der Zerstörung Samarias durch Sargon von Assur (722 vCh) entstanden sein, die Verse 1,9-16 vor dem Einfall Sanheribs von Assur (701 vCh)].

Dies ist das Wort des Herrn, das Micha aus Moreseth erreichte zur Zeit der judäischen Könige Jotham, Ahas und Hiskia, und das Bild, das er geschaut hat über Samaria und Jerusalem.

Hört, alle Völker! Merke auf, Land, und alles, was darinnen ist! Denn Gott der Herr hat mit euch zu reden, ja, der Herr aus seinem heiligen Tempel. Denn siehe, der Herr wird herausgehen aus seiner Wohnung und herabfahren und treten auf die Höhen der Erde, daß die Berge unter ihm schmelzen und die Täler sich spalten, wie Wachs vor dem Feuer zerschmilzt, wie Wasser, das talwärts stürzt.

Das alles wegen der Übertretung und der Sünden Israels. Was ist aber die Übertretung Israels? Ist es nicht Samaria? Was sind aber die Opferhöhen Judas? Ist es nicht Jerusalem? Ich will Samaria zu Steinhaufen im Feld machen, daß man ihr die Weinberge nimmt, und will seine Steine ins Tal schleifen und es bis auf den Grund bloßlegen. Alle seine Götzen sollen zerbrochen und all sein Hurenlohn soll mit Feuer verbrannt werden. Ich will auch alle seine Götzenbilder zerstören, denn sie sind von Hurenlohn zusammengebracht und sollen auch wieder zu Hurenlohn werden.

Darüber muß ich klagen und heulen, ich muß barfuß und bloß daher gehen. Ich muß klagen wie die Schakale und jammern wie die Strauße. Denn unheilbar ist die Plage des Herrn: Sie kommt bis nach Juda, sein Schlag reicht bis an meines Volkes Tor, bis nach Jerusalem. Verkündet es ja nicht in der Stadt Gath, laßt euer Weinen nicht hören (Es folgen weitere Klagen über judäische Städte)…..(Mi 1, gekürzt).

 

Das Gericht über die habgierigen Reichen:

Weh denen, die Schaden zu tun trachten und gehen mit bösen Gedanken  um auf ihrem Lager, daß sie es früh vollbringen, wenn es licht wird, weil sie die Macht haben. Sie reißen Äcker an sich und nehmen Häuser, wie es sie gelüstet. So treiben sie Gewalt mit jedem Haus und mit jedem Erbe. Darum spricht der Herr: „Siehe, ich ersinne gegen diese Art nur Böses, aus dem ihr euren Hals nicht ziehen und unter dem ihr nicht so stolz daher gehen soll, denn es soll eine böse Zeit sein!“

Zur selben Zeit wird man einen Spruch von euch machen und klagen: „Es ist aus - so wird man sagen -  wir sind vernichtet! Das Land meines Volks kriegt einen fremden Herrn! Wann wird er uns die Äcker wieder zuteilen, die er uns genommen hat?“ Jawohl, ihr werdet keinen Teil behalten in der Gemeinde des Herrn.  „Geifert nicht!“so geifern sie, „Solches soll man nicht predigen. Wir werden nicht so zuschanden werden! Ist denn das Volk Israel verflucht?

Meinst du, der Herr sei schnell zum Zorn? Sollte er solches tun wollen?“ Es ist wahr, meine Reden sind freundlich den Frommen.

Aber ihr steht gegen mein Volk wie ein Feind. Denn wie Leute, die aus dem Kriege kommen, raubt ihr Rock und Mantel, denen die sicher daher gehen. Ihr treibt die Frauen meines Volkes aus ihren lieben Häusern und nehmt von ihren Kindern meinen Schmuck auf immer. Darum macht euch auf! Ihr sollt an dieser Stätte  nicht bleiben Um der Unreinheit willen müssen sie unsanft zerstört werden. Wenn ich ein Irrgeist wäre und ein Lügenprediger und predigte, wie sie saufen und schwelgen sollen - das wäre eine Predigt für dieses Volk (Mi 2,1-11).

 

Verheißung des Retters:

„Ich will aber dich, Israel, versammeln ganz und gar und was übrig ist in Israel zusammenbringen. Ich will sie wie Schafe miteinander in einen festen Stall tun und wie eine Herde in ihre Hürden, daß es von Menschen dröhnen soll!“ Es wird ein einer wie ein Leittier vor ihnen heraufziehen: Sie werden durchbrechen und durchs Tor hinausziehen. Und ihr König wird vor ihnen her gehen und der Herr an ihrer Spitze (Mi 2,12-13).

 

Gericht über die führenden Männer in Juda:

Und ich sprach: Höret doch, ihr Häupter des Volkes Israel! Ihr solltet die sein, die das Recht kennen. Aber ihr haßt das Gute und liebet das Arge: Ihr schindet ihnen die Haut ab und das Fleisch von ihren Knochen und freßt das Fleisch meines Volkes. Und wenn ihr ihnen die Haut abgezogen habt, zerbrecht ihr ihnen auch die Knochen. Ihr zerlegt sie wie in einen Topf und wie Fleisch in einen Kessel.

Darum, wenn ihr nun zum Herrn schreit, wird er euch nicht erhören, sondern wird sein Angesicht vor euch verbergen zur selben Zeit, wie ihr es mit euren bösen Treiben verdient habt.

So spricht der Herr gegen die Propheten, die mein Volk verführen: Sie predigen, es werde gut  gehen, wenn man ihnen nur zu fressen gibt. Wenn einer ihnen aber nichts ins Maul gibt, dann predigen sie, es werde ein Krieg kommen: „Darum sollt in der Nacht keine Erscheinungen haben und die Finsternis soll ohne Wahrsagen werden!“ Die Sonne soll über den Propheten untergehen und der Tag über ihnen finster werden. Und die Seher sollen zuschanden und die Wahrsager zu Spott werden, sie müssen alle ihren Bart verhüllen, weil da kein Gotteswort dasein wird. Ich aber bin voll Kraft und Geist des Herrn, voll Rechts und Stärke, daß ich Jakob sein Übertreten und Israel seine Sünden anzeigen darf.

So hört doch dies, ihr Herren im Volk Israel, die ihr das Recht verabscheut und alles krumm macht, was gerade ist, die ihr Zion mit Blut baut und Jerusalem mit Unrecht und euch dennoch  auf den Herrn verlaßt und sprecht: „Ist nicht der Herr unter uns? Es kann kein Unglück über uns kommen!“ Darum wird der Berg Zion wegen euch wie ein Acker gepflügt werden, und Jerusalem wird zum Steinhaufen werden und der Berg des Tempels zu einer Höhe wilden Gestrüpps (Mi 3).

 

Das kommende Friedensreich Gottes:

In den letzten Tagen aber wird der Berg, auf dem das Haus des Herrn ist, fest stehen, höher denn alle Berge, und über die Hügel erhaben sein. Und die Völker werden herbei laufen, und viele Andersgläubige werden hingehen und sagen: „Kommt, laßt uns hinauf zum Berg des Herrn gehen und zum Haus des Gottes Israels, daß er uns lehre seine Wege und wir auf seinen Pfaden gehen! Denn von Zion wird das Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem.

Er wird unter großen Völkern richten und viele Andersgläubigen zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk gegen das andere ein Schwert erheben und werden nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. Denn der Mund des Herrn Zebaoth hat es geredet. Denn ein jedes Volk lebt im Namen seines Gottes,  aber wir führen unser Leben im Namen des Herrn, unsers Gottes, immer und ewig (Mi 4,1-5).

 

Die Begnadigung des zerschlagenen Volkes:

Zur selben Zeit, spricht der Herr, will ich die Lahmen sammeln und zusammenbringen, die ich verstoßen und die ich geplagt habe. Ich will dafür sorgen, daß die Lahmen Erben haben sollen, und will die Verstoßenen zum großen Volk machen. Und der Herr wird König über sie sein auf dem Berg Zion von nun an bis in Ewigkeit. Und du, Turm der Herde, du Feste der Tochter Zion, zu dir wird kommen und wiederkehren die frühere Herrschaft, das Königtum der Tochter Jerusalem.

Warum schreist du denn jetzt so laut? Ist denn kein König bei dir? Oder sind deine Ratgeber alle weg, daß dich die Wehen erfassen wie eine Frau bei der Geburt? Leide doch solch Wehen und stöhne, du Tochter Zion, wie eine in Kindsnöten. Denn du mußt zwar zur Stadt hinaus und auf dem Feld wohnen und nach Babylon kommen. Aber dort wirst du wieder errettet werden, dort wird die der Herr erretten von deinen Feinden.

Nun aber werden sich viele Völker gegen dich zusammenrotten und sprechen: „Sie ist dahingegeben, wir wollen auf Zion herabsehen!“ Aber sie wissen die Gedanken des Herrn nicht und kennen seinen Ratschlag nicht, daß er sie zusammen gebracht hat wie Garben auf dem Dreschplatz. Darum mache dich auf und dresche, du Tochter Zion! Denn ich will dir eiserne Hörner und kupferne Klauen machen, und sollst viel Völker zermalmen; so will ich ihr Gut dem Herrn weihen und ihre Habe dem Herrscher der ganzen Welt. Aber nun zerraufe und zerkratze dich, denn man wird uns belagern und dem Richter Israels mit der Rute auf die Backe schlagen (Mi 4,6-14).

 

Der künftige Herrscher wird aus Bethlehem kommen:

[Ankündigung eines Gesalbten: Der in Micha 5,2 prophezeite Herrscher ist der in Jesaja 7,14 angekündigte Herrscher und in Jesaja 8,3 der erschienene Sohn des Jesaja. Christliche Quellen beziehen Micha 5,2 jedoch auf die Geburt Jesu].

Und du Bethlehem Ephrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. Allerdings läßt er sie plagen bis die geboren hat, die gebären soll. Da wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen zu den Israeliten.

Er aber wird auftreten und weiden in der Kraft des Herrn und in der Macht des Namens des Herrn, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen, denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, soweit die Welt ist. Und er wird der Friede sein. Wenn Assyrien in unser Land fällt und in unsre festen Häuser einbricht, so werden wir sieben Hirten und acht Fürsten gegen ihn aufstellen, die das Land Assyrien verderben mit dem Schwert und das Land Nimrods mit ihren bloßen Waffen.

So wird er uns vor Assyrien erretten, wenn es in unser Land fallen und in unsre Grenzen brechen wird. Und es werden die Übriggebliebenen aus Jakob unter vielen Völkern sein wie ein Tau vom Herrn, wie Regen aufs Gras, der auf niemand harrt noch auf Menschen wartet. Ja, die Übriggebliebenen aus Israel unter den Andersgläubigen inmitten vieler Völker werden sein wie ein Löwe unter den Tieren im Wald, wie ein junger Löwe unter einer Herde Schafe, dem niemand wehren kann, wenn er einbricht, zertritt und zerreißt. Denn deine Hand wird siegen gegen alle deine Widersacher, daß alle deine Feinde ausgerottet werden.

Zur selben Zeit, spricht der Herr, will ich deine Rosse ausrotten und deine Wagen zunichte ma­chen. Ich will die Städte deines Landes ausrotten und alle deine Festen zerbrechen. Ich will die Zauberei bei dir ausrotten, daß keine Zeichendeuter bei dir bleiben sollen. Ich will deine Götzenbilder und Götzen vor dir ausrotten, daß du nicht mehr deiner Hände Werk anbeten sollst. Ich will deine Ascherabilder ausreißen aus deiner Mitte und deine Städte vertilgen. Und ich will mit Grimm und Zorn Rache üben an allen Völkern, die nicht gehorchen wollen (Mi 5).

 

Der rechte Gottesdienst:

Hört doch, was der Herr sagt: „Mache dich auf und führe deine Sache vor den Bergen und laß die Hügel deine Stimme hören!“ Hört, ihr Berge, wie der Herr rechten will, und merkt auf,  ihr starken Grundfesten der Erde; denn der Herr will mit seinem Volk rechten und mit Israel ins Gericht gehen. „Was habe ich dir getan, mein Volk, und womit habe ich dich beschwert? Das sage mir! Habe ich dich doch aus Ägypten geführt und aus der Sklaverei erlöst und vor dir her gesandt Mose, Aaron und Mirjam!“….

„Womit soll ich mich dem Herrn nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen und einjährigen Kälbern? Wird wohl der Herr Gefallen haben an vielen tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Oder soll ich meinen ersten Sohn für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?“  Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott (Mi 6,1-8).

 

Gegen Lug und Trug in Jerusalem:

Des Herren Stimme ruft über die Stadt: „Hört, ihr Stämme und Ratsleute! Noch immer bleibt unrechtes Gut im Haus des Gottlosen und das verfluchte falsche Maß.  Oder sollte ich die unrechte Waage und falsche Gewichte im Beutel billigen? Ihre Reichen tun viel Unrecht und ihre Einwohner gehen mit Lügen um und haben falsche Zungen in ihrem Hals!“

Darum will ich auch anfangen, dich zu plagen und dich wegen deiner Sünden wüst zu machen. Du sollst essen haben und doch nicht satt werden. Und was du beiseite schaffst, wirst du doch nicht retten, und was du rettest, will ich doch dem Schwert preisgeben. Du sollst säen und nicht ernten, du sollst Öl keltern und dich damit nicht salben, und Wein keltern und nicht trinken.

Denn du hieltest dich an die Weise des Königs Omri und alle Werke der Familie Ahab und folgtest ihrem Rat. Darum will ich dich zur Wüste machen und ihre Einwohner, daß man sie auspfeifen soll; und ihr sollt die Schmach meines Volkes tragen (Mi 6,9-16).

Klage über die Verderbnis des Volks:

Ach, es geht mir wie einem, der Obst pflücken will, der im Weinberg die Nachlese hält, wo man aber keine Trauben zum Essen findet; und ich wollte doch gerne die besten Früchte haben. Die frommen Leute sind weg in diesem Land, und die Gerechten sind nicht mehr unter den Leuten. Sie lauern alle auf Blut, ein jeder jagt den andern, daß er ihn fange.

Ihre Hände sind geschäftig, Böses zu tun. Der Fürst und der Richter fordern Geschenke. Die Gewaltigen reden nach ihrem Mutwillen, um Schaden zu tun, und drehen es, wie sie wollen.

Der Beste unter ihnen ist wie ein Dornstrauch und der Redlichste wie eine Hecke. Aber es kommt der Tag, den deine Späher geschaut haben. Da sollst du heimgesucht werden, da werden sie dann nicht wissen, wo aus noch ein.

Niemand glaube seinem Nächsten, niemand verlasse sich auf einen Freund. Bewahre die Tür deines Mundes vor der, die in deinen Armen schläft. Denn der Sohn verachtet den Vater, die Tochter wiedersetzt sich der Mutter, die Schwiegertochter ist gegen die Schwiegermutter; und die Feinde des Menschen sind sein eigenen Hausgenossen. Ich aber will auf den Herrn schauen und harren auf den Gott meines Heils warten; mein Gott wird mich erhören.

 (Mi 7,1-7).

 

Hoffnung der Gemeinde auf Gottes Hilfe:

Freue dich nicht über mich, meine Feindin! Wenn ich auch darnieder liege, so werde ich wieder aufstehen, und wenn ich im Finstern sitze, so ist doch der Herr mein Licht. Ich will des Herrn Zorn tragen, bis er meine Sache führe und mir Recht verschaffe. Er wird mich ans Licht bringen, daß ich seine Gnade schaue. Meine Feindin wird es sehen müssen und in Schande dastehen, die jetzt zu mir sagt: „Wo ist der Herr, dein Gott?“ Meine Augen werden es sehen, daß sie dann wie Dreck auf der Gasse zertreten wird.

Es kommt die Zeit, da werden deine Mauern gebaut werden, da wird weit werden deine Grenze. Da werden sie von Assyrien und von den Städten Ägyptens zu dir kommen, von Ägypten bis an den Euphrat, von einem Meer zum anderen, von einem Gebirge zum anderen. Denn das Land wird wüst sein wegen ihrer Bewohner, wegen der Frucht ihrer Werke.

 

Du aber weide dein Volk mit deinem Stabe, die Herde deines Erbteils, die da einsam wohnt im Wald, mitten im fruchtbaren Land, laß sie in Basan und Gilead weiden wie in alter Zeit. Laß uns Wunder sehen lassen wie zur Zeit, als du aus Ägypten auszogst, daß es die Andersgläubigen sehen und aller ihrer Macht sich schämen sollen und die Hand auf ihren Mund legen und ihre Ohren zuhalten. Sie sollen Staub lecken wie die Schlangen und wie die Würmer auf der Erde sollen sie zitternd hervorkommen aus ihren Burgen. Sie werden sich fürchten vor dem Herrn, unserm Gott, und vor dir sich entsetzen (Mi 7, 8-17).

 

Lob der Barmherzigkeit Gottes:

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erläßt die Schuld denen, die übrig geblieben sind von deinem Erbteil, der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig.  Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Du wirst Israel die Treue halten und Abraham die Gnade erweisen wie du unsern Vätern vor langen Zeiten geschworen hast (Mi 7,18-20).

 

 

 

Der Prophet Nahum

Nahum ist ein Buch der hebräischen Bibel und gehört zu den kleinen kleinen Propheten. Der Prophet Nahum stammt aus Elkosch, sein Name bedeutet „Tröster“, bzw. „Jahwe tröstet“. Weiter ist nichts über ihn bekannt. Bei der Suche nach dem Ort Elkosch ist man aufs Raten angewiesen. Möglicherweise ist die Ortsangabe genauso wie der Name symbolisch zu verstehen. Die Herleitung des Namens über die hebräische Wurzel „trösten“ macht es allerdings unwahrscheinlich, daß sich hinter dem Namen auch der des realen Autors verbirgt. Es spricht mehr für eine Auswahl des Namens aus programmatischen Gründen.

Nahum erwähnt die Eroberung von Theben (No-Amon“) im Jahr 663 vCh als Ereignis der Vergangenheit, und die Zerstörung von Ninive im Jahr 612 vCh als Ereignis der Zukunft. Das Buch kann also auf die erste Hälfte des siebten Jahrhunderts eingegrenzt werden, womit Nahum ein Zeitgenosse vo Zephanja, Habakuk und Jeremia war.

Das Buch Nahum weist einen vielstufigen Entstehungsprozeß auf, der mit Texten aus der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts. beginnt und erst im 5. oder 4. Jahrhundert endet. Schon die Überschrift deutet auf zwei Bearbeitungsstufen hin:

Der Spruch über Ninive in der ersten Vershälfte bezieht sich auf das zweite und dritte Kapitel des Nahumbuches (Nah 2,2-3,19). Das Hauptthema ist die Gerichtsrede gegen die assyrische Stadt Ninive. An wen sich dieser Textbestand richtet, ist unklar. Nahum 2,4-3,19 ist also der älteste Teil des Buches. Hier finden sich auch Markpunkte zur Datierung.

Der zweite Teil des ersten Verses verweist auf die Aufzeichnung der Schauung des Elko­schi­ters Nahum. Dieser erste Teil des Buches nimmt keinen Bezug auf die Verkündigung gegen Ninive und ist auch sprachlich anders gestaltet und beinhaltet anderweitige  „Schauungen“.

Aber der Inhalt von 1,9-2,3 lenkt auf Juda als Adressat. Weil es darin um Heilsverheißungen geht, wird der Text erst nach der Zerstörung Ninives (612), vermutlich aber erst im Babylonischen Exil (ab 587) hinzugekommen sein. Nach der Exilszeit wurden die beiden Blöcke redaktionell durch kleiner Eingriffe verwoben und um den alphabetisch strukturierten Psalm in Nah 1,2 - 2,1 erweitert].

 

Überschrift:

Dies ist die belastende Weissagung gegen Ninive und das Buch der Weissagung Nahums von Elkosch (Nah 1,1).

 

Ein Psalm: Lobpreis Gottes:

Der Herr ist ein eifernder und vergeltender Gott,

ja, ein Vergelter ist der Herr und zornig.

Der Herr vergilt seinen Widersacher.

Er wird es seinen Feinden nicht vergessen.

Der Herr ist geduldig und von großer Kraft,

vor dem niemand unschuldig ist.

Er ist der Herr, dessen Weg in Wetter und Sturm ist.

Wolken sind der Staub unter seinen Füßen.

Er schilt das Meer und macht es trocken.

Alle Wasser läßt er versiegen….

Die Berge zittern vor ihm, und die Hügel zergehen,

das Erdreich bebt vor ihm, der Erdkreis und alle, die darauf wohnen.

 

Wer kann vor seinem Zorn stehen,

und wer kann vor seinem Grimm bleiben?

Sein Zorn brennt wie Feuer,

und die Felsen zerspringen vor ihm.

Der Herr ist gütig und eine Feste zur Zeit der Not

und kennt die, die auf ihn trauen.

Er schirmt sie, wenn die Flut überläuft.

Er macht ein Ende mit seinen Widersachern

und seine Feinde verfolgt er mit Finsternis.

Was wollt ihr ersinnen gegen den Herrn?

Er führt doch das Ende herbei.

Es wird das Unglück nicht zweimal kommen.

Denn wenn sie sind wie die Dornen,

die noch ineinander wachsen und im besten Saft sind,

so sollen sie doch verbrannt werden wie dürres Stroh.

Denn von dir, Ninive, ist der gekommen,

der Arges ersann, der Böses gegen den Herrn plante.

Gegen dich hat der Herr geboten,

daß von dir keine Nachkommen mehr bleiben sollen.

Vom Hause deines Gottes will ich ausrotten die Götzen und Bilder;

ein Grab will ich dir machen; denn du bist zunichte geworden.

So spricht der Herr zu Juda:

Sie mögen kommen so gerüstet und mächtig, wie sie wollen,

sie sollen doch umgehauen werden und dahinfahren.

Ich habe dich gedemütigt, aber ich will dich nicht erneut demütigen.

Jetzt will ich sein Joch, das du trägst, zerbrechen und deine Bande zerreißen.

Siehe, auf den Bergen kommen Füße eines guten Boten,

der da Frieden verkündigt!

Feiere deine Feste, Juda, und erfülle deine Gelübde!

Denn es wird der Arge nicht mehr über dich kommen,

er ist ganz ausgerottet  (Nah 1,2 - 2,1).

 

Weissagung der Zerstörung und Plünderung Ninives: (2,2-6)

Ninive, es wird gegen dich heraufziehen, der dich zerstört. Bewahre die Festung! Gib acht auf die Straße, rüste dich aufs beste und stärke dich aufs gewaltigste! ….

Die Schilde seiner Starken sind rot, sein Heeresvolk glänzt wie Purpur, seine Wagen stellt er auf wie leuchtende Fackeln, seine Rosse rasen. Die Wagen rollen auf den Gassen und rasseln auf den Straßen; sie glänzen wie Fackeln und fahren daher wie die Blitze. Aufgeboten werden seine Gewaltigen gedenken, sie stürzen heran auf ihren Wagen, sie eilen zur Mauer und aufgerichtet wird das Schutzdach.

Da werden die Tore an den Wassern geöffnet, und der Palast vergeht in Angst. Die Königin wird gefangen weggeführt werden, und ihre jungen Frauen werden seufzen wie die Tauben und an ihre Brust schlagen. Ninive ist wie ein voller Teich, aber seine Wasser müssen verrinnen. „Steht, steht!“werden sie rufen, aber da wird sich niemand umwenden.

So raubt nun Silber! So raubt Gold! Denn hier ist kein Ende der Schätze und der Menge aller kostbaren Kleinode. Nun muß sie verheert und geplündert werden, so daß die Herzen aller verzagen, die Knie aller schlottern, die Lenden aller zittern und das Angesicht aller bleich wird.

 

Wo ist nun die Wohnung der Löwen und die Höhle der jungen Löwen, wo der Löwe und die Löwin mit den jungen Löwen herumliefen, und niemand wagte  sie zu scheuchen? Der Löwe raubte genug für seine Jungen und würgte es für seine Löwinnen. Seine Höhlen füllte er mit Raub und seine Wohnung mit dem, was er zerrissen hatte. Siehe, ich will an dich, spricht der Herr Zebaoth, und deine Wagen anzünden, und das Schwert soll deine jungen Löwen fressen. Ich will deinem Rauben ein Ende machen auf der Erde, daß man die Stimme deiner Boten nicht mehr hören soll (Nah 2,2-14).

 

Der Untergang Ninives:

Wehe der mörderischen Stadt, die voll Lügen und Räuberei ist und von ihrem Rauben nicht lassen will! Denn da wird man hören die Peitschen knallen klappen und die Räder rasseln und die Rosse jagen und die Wagen rollen. Reiter rücken herauf mit glänzenden Schwertern und blitzenden Spießen. Da liegen viel Erschlagene, eine Unzahl von Leichen, so daß  über sie fallen muß. Das alles wegen der Hurerei der schönen, lieben Hure, die mit Zauberei umgeht, die mit ihrer Hurerei die Völker und mit ihrer Zauberei das Land und die Leute an sich gebracht hat.

Siehe, ich will an dich, spricht der Herr Zebaoth. Ich will dir den Saum deines Gewandes  aufdecken über dein Angesicht und will den Völkern deine Blöße und den Königreichen deine Schande zeigen.  Ich will Unrat auf dich werfen machen und dich schänden und ein Schauspiel aus dir machen, so daß alle, die dich sehen, vor dir fliehen und sagen sollen: „Ninive ist verwüstet. Wer will Mitleid mit ihr haben? Und wo soll ich dir Tröster suchen?“ (Nah 3,1-7)

  

Vergleich mit Theben:

Meinst du, du seist besser als die Stadt Theben, die am Nil lag und vom Wasser umgeben war, deren Mauern und Bollwerk die Wasserfluten waren? Äthopien und Ägypten waren ihre un­ermeßliche Macht, Libyen war ihre Hilfe. Dennoch wurde sie vertrieben und mußte gefangen wegziehen. Ihre Kinder sind auf allen Gassen zerschmettert worden, und um ihre Edlen warf man das Los, und alle ihre Gewaltigen wurden in Ketten und Fesseln gelegt.

Auch du mußt betrunken werden und von Sinnen kommen, auch du mußt Zuflucht suchen vor dem Feind!     Alle deine festen Städte sind wie Feigenbäume mit reifen Feigen. Wenn man sie schüttelt, so fallen sie dem in den Mund, der sie essen will. Siehe, dein Kriegsvolk soll zu Weibern werden, und die Tore deines Landes sollen deinen Feinden geöffnet werden und das Feuer soll deine Riegel verzehren.

Schöpfe dir Wasser, denn du wirst belagert werden! Verstärke dein Bollwerk! Knete den Ton und tritt den Lehm und mache harte Ziegel! Aber das Feuer wir dich fressen und das Schwert töten. Es wird dich fressen, wie Käfer fressen, magst du auch zahlreich werden wie Käfer und wie Heuschrecken (Nah 3,8-15).

 

Das unabwendbare Gericht:

Du hast mehr Händler als Sterne am Himmel sind. Aber nun werden sie ausschlüpfen und  wie Käfer davonfliegen. Deine Wachleute sind so viele wie die Heuschrecken und deine Werber so viele wie die Käfer, die sich an die Zäune lagern an den kalten Tagen. Wenn aber die Sonne aufgeht, fliegen sie davon, daß man nicht weiß, wo sie bleiben. Deine Hirten werden schlafen, o König von Assyrien, deine Mächtigen werden schlummern. Dein Volk wird auf den Bergen zerstreut sein, und niemand wird sie sammeln. Niemand wird deinen Schaden lindern, und deine Wunde wird unheilbar sein. Alle, die das von dir hören, werden in die Hände klatschen, denn über wen ist nicht deine Bosheit ohne Unterlaß ergangen? (Nah 3,16-19).

 

 

Der Prophet Habakuk

[Habakuk ist ein Buch der hebräischen Bibel und gehört zu den kleinen Propheten. Über Habakuk ist wenig bekannt. Sein Psalm mit Anweisung zu dessen Vortrag könnte darauf hindeuten, daß er levitischer Sänger war. Zur Zeit Habakuks war der Tempel noch vorhanden (2,20). Die Bedrohung durch die wachsende Macht der Chaldäer weist auf das Ende des 7. Jahrhundert hin, also die Zeit der Könige Josia und Jojakim. Damit war Habakuk ein Zeitgenosse Jeremias. Das Buch hat zwei Teile, die erzählenden Kapitel 1 und 2 und einen Psalm (Kapitel 3). Die Erzählung hat die Form eines Dialogs zwischen Habakuk und Gott].

 

Erstes Zwiegespräch mit Gott: Das Gericht kommt

Dies ist die belastende Weissagung, die der Prophet Habakuk gesehen hat: Herr, wie lange soll ich schreien, und du willst mich nicht hören? Wie lange soll ich zu dir rufen „Frevel“, und du willst nicht helfen?  Warum lassest du mich Bosheit sehen und siehst dem Jammer zu? Raub und Frevel sind vor mir, Gewalt geht vor Recht. Darum ist das Gesetz ohnmächtig, und die  rechte Sache kann nie gewinnen. Denn der Gottlose übervorteilt den Gerechten, darum ergehen verkehrte Urteile.

Schaut hin unter die Andersgläubigen, seht und verwundert euch! Denn ich will etwas tun zu euren Zeiten, was ihr nicht glauben werdet, wenn man euch davon sagen wird. Denn siehe, ich will die Chaldäer erwecken, ein grimmiges und schnelles Volk, das hinziehen wird, soweit die Erde ist, um Wohnstätten einzunehmen, die ihm nicht gehören. Grausam und schrecklich ist es. Es gebietet und zwingt, wie es will. Ihre Rosse sind schneller als die Panther und bissiger als die Wölfe am Abend. Ihre Reiter fliegen in großen Scharen von ferne daher, wie die Adler eilen zum Aas.

Sie kommen allesamt, daß sie Schaden tun. Wo sie hin wollen, stürmen sie vorwärts und raffen Gefangene zusammen wie Sand. Sie spotten über die Könige und lachen über die Fürsten werden sie lachen. Alle Festungen werden ihnen ein Scherz sein, denn sie schütten Erde auf und erobern sie. Als dann brausen sie dahin  wie ein Sturm und jagen weiter. Mit alledem machen sie ihre Kraft zu ihrem Gott (Hab 1,1-11).

 

Zweites Zwiegespräch mit Gott: Frage des Propheten nach Gottes Gerechtigkeit

Aber du, Herr, mein Gott, mein Heiliger, der du von Ewigkeit her bist, laß uns nicht sterben, sondern laß sie uns nur eine Strafe sein und laß sie uns nur züchtigen! Deine Augen sind zu rein, als daß du Böses ansehen könntest, und dem Jammer kannst du nicht zusehen. Warum siehst du dann aber den Räubern zu und schweigst, wenn der Gottlose den verschlingt, der gerechter ist als er?

Du läßt es den Menschen gehen wie den Fischen im Meer, wie Würmern, die keinen Herrn haben! Sie ziehen alles mit der Angel heraus und fangen es mit ihrem Netz und sammeln es mit ihrem Garn. Darüber freuen sie sich und sind fröhlich. Darum opfern sie ihrem Netz und räuchern ihrem Garn, weil durch diese ihr Anteil so fett und ihre Speise so üppig geworden ist. Sollen sie darum ihr Netz immerdar auswerfen und nicht aufhören, Völker umzubringen ohne Erbarmen? (Hab 1,12-17).

 

Gottes Antwort an den Propheten:

Hier stehe ich auf meiner Warte und stelle mich auf meinen Turm und  sehe zu, was er mir sagen und antworten werde auf das, was ich ihm vorgehalten habe. Der Herr aber antwortet mir und sprach: Schreib auf, was du geschaut hast, deutlich auf eine Tafel, daß es lesen könne, wer vorüberläuft! Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit und endlich frei an den Tag kommen und nicht trügen.

Wenn sie sich auch hinzieht verzieht, so warte auf sie, sie wird gewiß kommen und nicht ausbleiben. Siehe, wer halsstarrig ist, der wird keine Ruhe in seinem Herzen haben. Der Gerechte aber wird durch seinen Glaubens leben. So wird auch der treulose Tyrann keinen Erfolg haben, der stolze Mann nicht bleiben, der seinen Rachen aufsperrt wie das Reich des Todes und ist wie der Tod, der nicht zu sättigen ist, sondern er rafft an sich alle Andersgläubigen und sammelt zu sich alle Völker (Hab 2,1-5).

 

Weherufe über den Unterdrücker:

Was gilt's aber? Diese alle werden einen Spruch über ihn machen und ein Lied und ein Sprich­wort und werden sagen:  Weh dem, der sein Gut mehrt mit fremden Gut und häuft nur viel Plunder bei sich auf? Wie plötzlich werden aufstehen, die dich beißen, und erwachen, die dich peinigen! Und du mußt ihnen zum Raub werden. Denn du hast viele Völker beraubt. So werden dich wieder berauben alle übrigen Völker, um des Menschenbluts willen und um des Frevels willen, begangen am Lande und in der Stadt und an allen, die darin wohnen.

Weh dem, der unrechten Gewinn macht zum Unglück seines Hauses, auf daß er sein Nest in die Höhe baue, um dem Unfall zu entrinnen! Aber dein Ratschlag wird zur Schande deines Hauses geraten. Denn du hast zu viele Völker zerschlagen und damit gegen dein Leben gesündigt. Denn auch die Steine in der Mauer werden schreien, und die Sparren am Balkenwerk werden ihnen antworten.

Weh dem, der die Stadt mit Blut baut und richtet die Burg mit Unrecht auf! Wird es nicht so vom Herrn Zebaoth geschehen: Woran die Völker sich abgearbeitet haben, muß mit Feuer verbrennen, und wofür die Leute sich müde gemacht haben, das muß verloren sein? Denn die Erde wird voll werden von Erkenntnis der Ehre des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt.

Wehe dem, der seinen Mitmenschen trinken läßt seinen Grimm beimischt und ihn trunken machst, daß er sein Blöße sehe! Du hast dich gesättigt mit Schande und nicht mit Ehre. So trinke du nun auch, daß du taumelst! Denn an dich wird kommen der Kelch in der Rechten des Herrn, und wirst Schande haben statt Ehre. Denn der Frevel, den du am Libanon begangen hast, wird über dich kommen, und die vernichteten Tiere werden dich schrecken wegen des Menschenbluts und wegen des Frevels, begangen am Land und an der Stadt und an allen, die darin wohnen. Was wird dann das Bild helfen, das sein Meister gebildet hat, und das gegossene Bild, das Lügen lehrt? Dennoch verläßt sich sein Meister darauf, auch wenn er nur stumme Götzen macht?

Weh dem, der zum Holz spricht: „Wach auf!“und zum stummen Steine: „Steh auf!“ Wie sollte ein Götze lehren können? Siehe, es ist mit Gold und Silber überzogen und kein Atem  ist in ihm.     20Aber der Herr ist in seinem heiligen Tempel. Es sei vor ihm still alle Welt! (Hab 2,1-20).

 

Ein Psalm Habakuks

Dies ist das Gebet des Propheten Habakuk , nach der Art eines Klagelieds:

Herr, ich habe die Kunde von dir gehört, ich habe dein Werk gesehen, Herr!

Mache es  lebendig und laß es kund werden in naher Zeit.

Im Zorn denke an Barmherzigkeit.

Gott kam vom Teman und der Heilige vom Gebirge Pharan.

Der Himmel war voll seines Lobs, und die Erde war voll seiner Ehre.

Sein Glanz war wie ein Licht, Strahlen gingen aus von seinen Händen.

Darin war verborgen seine Macht.

Pest ging vor ihm her, und Seuche folgte, wo er hin trat.

Er stand auf und ließ erbeben die Erde.

Er schaute und ließ erzittern die Andersgläubigen.

Zerschmettert wurden die uralten Berge,

und die uralten Hügel mußten sich bücken,

als er wie früher einher zog….

Du zogst aus, deinem Volk zu helfen, zu helfen deinem Gesalbten.

Du zerschlugst das Dach im Hause des Gottlosen und

hast die Grundfeste entblößt bis an den Fels.

Du durchbohrtest mit seinen Pfeilen sein Haupt,

seine Scharen zerstoben, wie Spreu,

denn ihre Freude war, zu zerstreuen und zu fressen den Elenden im Verborgenen.

Du tratest nieder seine Rosse im Meer, im Schlamm der Wasserfluten.

Weil ich das hörte, bebt mein Leib, meine Lippen zittern von dem Geschrei.

Fäulnis fährt in meine Gebeine, und meine Knie beben.

Aber ich will warten auf die Zeit der Trübsal,

daß sie hinaufziehe über das Volk, das uns angreift.

Da wird der Feigenbaum nicht grünen,

und wird kein Gewächs sein an den Weinstöcken.

Der Ertrag des Ölbaum bleibt aus, und die Äcker bringen keine Nahrung.

Schafe werden aus den Hürden gerissen,

und in den Ställen werden keine Rinder sein.

Aber ich will mich freuen über den Herrn

und fröhlich sein in Gott, meinem Heil.

Denn der Herr ist meine Kraft.

Er wird meine Füße machen wie Hirschfüße und

wird mich auf meine Höhen führen (Hab 3,1-19).

 

 

 

Der Prophet Zephanja

[Zephanja ist ein Buch der hebräischen Bibel und gehört zu den kleinen Propheten. Der Name „Zephanja“ ist die verkürzte Variante der Namensform „Zefanjahu“ und bedeutet als Dankname „Jahwe hat (schützend) geborgen / verborgen“. Vom Autor ist außer seinem Namen Zephanja und seinen Vorfahren über vier Generationen nichts Sicheres bekannt. Bei dem Ur-Urgroßvater Hiskia könnte es sich um den israelischen König Hiskia handeln - das ist zeitlich möglich, aber nicht beweisbar. Es würde aber erklären warum, anders als sonst meist üblich, nicht nur der Vater genannt wurde. Da er „Sohn des Äthiopiers“ genannt wird, kann man annehmen, daß er ein Fremder war und aus einem anderen Land stammte. Nach 1,4 („an diesem Ort“) und den detaillierten Beschreibungen des Ortes dürfte er ein Einwohner Jerusalems gewesen sein oder hat jedenfalls dort gewirkt.

Gemäß 1,1 empfing Zephanja seine Botschaften zur Zeit des jüdischen Königs Josia (639 vCh bis 609 vCh). Dem Inhalt nach entstanden die Prophezeiungen vor Josias Kultreform im Jahr 622 vCh und vor der Zerstörung Ninives im Jahr 612 vCh. Damit ist Zephanja zeitlich zwischen Nahum und Habakuk anzusiedeln].

 

Gericht über die Sünden Judas:

Dies ist das Wort des Herrn, das Zephanja erreichte zur Zeit Josias, des Königs in Juda: Ich will alles vom Erdboden wegraffen, spricht der Herr. Ich will Menschen und Vieh, die Vögel des Himmels und die Fische im Meer wegraffen. Ich will zu Fall bringen die Gottlosen; ja, ich will die Menschen ausrotten vom Erdboden, spricht der Herr.

Ich will meine Hand ausstrecken gegen Juda und alle, die in Jerusalem wohnen, und will ausrotten von dieser Stätte, was von dem Götzen Baal noch übrig ist, dazu den Namen der Götzenpfaffen und Priester, und die auf den Dächern das Heer des Himmels anbeten und schwören doch bei dem Herrn und zugleich bei dem Götzen Milkom, und die vom Herrn abfallen, und die nach dem Herrn nichts fragen und ihn nicht achten.

Seid stille vor Gott dem Herrn, denn des Herrn Tag ist nahe, denn der Herr hat ein Schlachtopfer zubereitet und seine Gäste dazu eingeladen. Und am Tag des Schlachtopfers des Herrn will ich strafen die Oberen und Söhne des Königs und alle, die ein fremdländisches Kleid tragen. Auch will ich zur selben Zeit die strafen, die über die Schwelle springen, die ihres Herrn Haus füllen mit Rauben und Betrügen.

 Zur selben Zeit wird sich ein lautes Geschrei erheben vom Fischtor her und ein Geheul von der Neustadt und ein großer Jammer von den Hügeln. Heult alle, die ihr in der Mühle wohnt, denn das ganze Krämervolk ist dahin, und alle Geldwechsler sind ausgerottet.

Zur selben Zeit will ich Jerusalem mit Leuchten durchsuchen und will aufschrecken die Leute, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen und sprechen in ihrem Herzen: „Der Herr wird weder Gutes noch Böses tun!“ Ihre Güter sollen zum Raub werden und ihre Häuser verwüstet. Sie werden Häuser bauen, und nicht darin wohnen, sie werden Weinberge pflanzen, und keinen Wein davon trinken.

Der große Tag des Herrn ist nahe, er ist nahe und eilt sehr. Horch, der bittere Tag des Herrn!

Da werden die Starken schreien. Denn dieser Tag ist ein Tag des Grimmes, ein Tag der Trübsal und der Angst, ein Tag des Wetters und des Ungestüms, ein Tag der Finsternis und des Dunkels, ein Tag der Wolken und des Nebels, ein Tag der Posaune und des Kriegsgeschreis gegen die festen Städte und hohen Zinnen.

Ich will die Menschen ängstigen, daß sie umhergehen sollen wie die Blinden, weil sie gegen den Herrn gesündigt haben. Ihr Blut soll vergossen werden, als wäre es Staub, und ihre Eingeweide,  als wären sie Kot. Es wird sie ihr Silber und Gold nicht erretten können am Tag des Zorns des Herrn, sondern das ganze Land soll durch das Feuer seines Grimms verzehrt werden, denn er wird plötzlich ein Ende machen mit allen, die im Land wohnen (Zeph 1) [Der „Tag des Herrn“ ist die hauptsächliche Anregung für die „Dies irae-Sequenz“ des Requiems, der römisch-katholischen Totenmesse].

 

Gericht über die Völker:

Sammelt euch und kommt her, du Volk, das keine Scham kennt, ehe ihr werdet wie Spreu, die vom Wind umher geblasen wird, ehe denn der grimmige Zorn des Herrn über euch kommt, ehe der Tag des Zornes des Herrn über euch kommt. Sucht den Herr, alle ihr Elenden im Lande, die ihr seine Rechte haltet! Sucht Gerechtigkeit, sucht Demut. Vielleicht könnt ihr euch verbergen am Tag des Zornes des Herrn. Denn Gaza wird verlassen und Askalon verwüstet werden. Asdod soll am Mittag vertrieben und Ekron ausgewurzelt werden.

Weh denen, die am Meer hin wohnen, wehe dem Volk der Krether! Des Herrn Wort wird über euch kommen, du Kanaan, das Land der Philister. Ich will dich umbringen, daß niemand mehr da wohnen soll. Dann sollen am Meer hin nur Hirtenfelder und Schafhürden sein. Das Land am Meer soll den Übriggebliebenen von Juda zuteil werden, daß sie darauf weiden. Und am Abend sollen sie sich in den Häusern von Askalon lagern, wenn sie nun der Herr wieder besucht und ihr Gefängnis gewendet hat.

Ich habe das Schmähen Moabs und das Lästern der Ammoniter gehört, mit dem sie mein Volk geschmäht und gegen sein Land groß getan haben. „Wohlan, so wahr ich lebe!“ spricht der Herr, der Gott Israels: „Moab soll wie Sodom und die Ammoniter wie Gomorra werden, ein Unkrautfeld und eine Salzgrube und eine ewige Wüste. Die Übriggebliebenen meines Volkes sollen sie berauben, und der Rest meines Volks sollen sie beerben!“ Das soll ihnen aber begegnen für ihren Hochmut, weil sie das Volk des Herrn geschmäht und gegen es groß getan haben.

Heilig wird über ihnen der Herr sein, denn er wird alle Götter auf der Erde vertilgen, und sollen ihn anbeten alle Inseln der Andersgläubigen, ein jeder an seiner Stätte. Auch ihr Äthiopier sollt durch mein Schwert erschlagen werden. Der Herr wird seine Hand nach Norden ausstrecken und Assyrien umbringen. Ninive wird er öde machen, dürr wie eine Wüste, daß Herden  sich darin lagern werden, allerlei Tiere des Feldes. Auch Rohrdommeln und Eulen werden wohnen in ihren Säulenknäufen, das Käuzchen wird im Fenstern schreien, und auf der Schwelle der Rabe

Das ist die fröhliche Stadt, die so sicher wohnte und in ihrem Herzen sprach: „Ich bin es, und sonst keine mehr!“ Wie ist sie so wüst geworden, daß die Tiere darin lagern! Wer vorübergeht, pfeift über sie und klatscht in die Hände (Zeph 2).

 

Wehruf und Heil über das gottlose Jerusalem:

Weh der widerspenstigen, befleckten, tyrannischen Stadt! Sie will nicht gehorchen noch sich zurechtweisen lassen, sie will auf den Herrn nicht trauen noch sich zu ihrem Gott halten. Ihre Oberen sind brüllende Löwen und ihre Richter sind Wölfe am Abend, die nichts bis auf den Morgen übriglassen. Ihre Propheten sind leichtfertig und voller Trug. Ihre Priester entweihen das Heiligtum und deuten das Gesetz freventlich. Der Herr handelt gerecht in ihrer Mitte und tut kein Arges. Er bringt alle Morgen sein Recht ans Licht und es bleibt nichts aus. Aber de Frevler kennt keine Scham.

Ich habe Völker ausgerottet, ihre Burgen verwüstet und ihre Grenzen so leer gemacht, daß niemand darauf geht. Ihre Städte sind zerstört, daß niemand mehr darin wohnt. Ich sprach: „Mich sollst du fürchten und dich zurechtweisen lassen!“ - so würde ihre Wohnung nicht ausgerottet und nichts von allem kommen, womit ich sie strafen werde. Aber sie sind von jeher eifrig dabei, alles Böse zu tun.

Darum wartet auf mich, spricht der Herr, bis zu dem Tag, an dem zum letzten Gericht auftrete. Denn mein Beschluß ist es, die Völker zu sammeln und die Königreiche zusammenzubringen, um meinen Zorn über sie auszuschütten, ja, alle Glut meines Grimmes, denn alle Welt soll durch das Feuer meines Eifers verzehrt werden.

 Dann aber will ich den Völkern reine Lippen geben, daß sie alle sollen den Namen des Herrn anrufen und ihm einträchtig dienen.

Von jenseits der Ströme von Äthiopien wird mein zerstreutes Volk, mir Geschenke bringen. Zur selben Zeit wirst du dich alles deiner Taten nicht mehr zu schämen brauchen, mit denen du gegen mich empört hast. Denn ich will deine stolzen Prahler von dir tun, und du wirst dich nicht mehr hochmütig verhalten auf meinem heiligen Berg. Ich will in dir übrig lassen ein armes und geringes Volk, die werden auf den Namen des Herrn trauen. Und die Übriggebliebenen in Israel werden nichts Böses tun noch Lügen reden, und man wird in ihrem Mund keine betrügerische Zunge finden, sondern sie sollen weiden und lagern ohne alle Furcht.

Jauchze, du Tochter Zion! Frohlocke, Israel! Freu dich und sei fröhlich von ganzem Herzen, du Tochter Jerusalem! Denn der Herr hat deine Strafe weggenommen und deine Feinde abgewendet. Der Herr, der König Israels, ist bei dir, daß du dich vor keinem Unglück mehr fürchten mußt.

Zur selben Zeit wird man sprechen zu Jerusalem: „Fürchte dich nicht!“und zu Zion: „Laß deine Hände nicht sinken!“ Denn der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein, er wird dir vergeben in seiner Liebe und wird über dir mit Jauchzen fröhlich sein. Wie an einem festlichen Tag nehme ich von dir hinweg das Unheil, daß du seinetwegen keine Schmach mehr trägst.

Siehe, zur selben Zeit will ich mit all denen ein Ende machen, die dich bedrängen. Ich will den Hinkenden helfen und die Zerstreuten sammeln und will sie zu Lob und Ehren bringen in allen Landen, wo  man sie verachtet. Zur selben Zeit will ich euch heimbringen und euch zur selben Zeit sammeln. Denn ich will euch zu Lob und Ehren bringen unter allen Völkern auf Erden, wenn ich eure Gefangenschaft wenden werde vor euren Augen, spricht der Herr (Zeph 3).

 

 

 

Der Prophet Haggai

[Das Buch Haggai ist ein Buch der hebräischen Bibel und gehört zu den kleinen Propheten. Haggai („der am Festtag Geborene“) wird im Buch Esra erwähnt. Er wirkte zur Zeit der Wiederaufbauarbeiten am Jerusalemer Tempel (29. September bis 13. Dezember 520 vCh), der 587/86 von den Babyloniern zerstört worden war. Sonst ist nichts über ihn bekannt. Vermutlich gehörte er zu den Rückwanderern aus Babylon. Hauptthema des Buches ist der Wiederaufbau des Tempels n Jerusalem nach dem babylonischenExil. Seine Prophezeiungen sind auf das Jahr 520 vCh datiert, mit genauen Datumsangaben.

Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation Judas um 519 vCh: Vermutlich gab es eine Koalition, die an Wiedererrichtung des Tempels interessiert war: Einmal die Priester, die durch den Tempelbau wieder Arbeit bekommen konnten, auf der anderen Seite die Realpolitiker um den Statthalter Serubabel, die die von den Persern gewährte  Chance für ihre Restaurationsbestrebungen nutzen wollten. Es gab aber auch gewichtige Gründe, die gegen eine Wiedererrichtung sprachen: Die wirtschaftliche Lage in Juda war wegen einer längeren Dürreperiode katastrophal, auch die Wiedereingliederung der Rückwanderer machte Probleme. Eigentumsansprüche der Rückkehrer mußten teilweise gerichtlich ausgefochten werden, daher kam es zu erheblichen sozialen Spannungen. Die Bevölkerung war vielmehr mit der Sicherung des eigenen Lebensstandards beschäftigt.

Es gab auch theologische Einwände gegen den Tempelbau: In der schwierigen Lage sah man nicht das Zeichen Jahwes zur Wiedererrichtung, sondern schon der ProphetJeremia hatte davor gewarnt, falsches Vertrauen in den Tempel zu setzen und statt dessen die Verbesserung der sozialen Lage gefordert. Vor allem die prophetisch-deuteronomistischen Gruppen der Daheimgebliebenen wollten sich wohl zuerst sozialen Problemen widmen.

 

Die theologische Initiative Haggais: Zu einem Umschlag der öffentlichen Meinung kam es mit Haggai und Sacharja. Mit realpolitischen Interessen verband sich eine Vorstellung von der Zukunft, die die beiden Propheten in Anknüpfung an die exilische Heilsprophetie einbrachten. Beide leisteten eine enorme Überzeugungsarbeit gegenüber den politischen und priesterlichen Führern und der Bevölkerung und trotz mancher Enttäuschung den Tempelbau durchzuhalten.

Haggai trat in den ersten drei Monaten des Tempelbaus auf  und entstammte wohl den Kreisen der ehemaligen Hofprophetie und bewegt sich in konservativ-nationalen Vorstellungen: Der Tempel war für ihn Garant des Segens, die wirtschaftliche Lage hat ihren Grund im Nichtvorhandensein des Tempels. Verantwortlich für den Tempelbau war für ihn außer der Priesterschaft vor allem der Davidide Serubabel, dem Jahwe unbedingten Beistand zusagte. Haggai verband mit der Vollendung des Tempelbaus eine Wiederherstellung des davidischen Königtums, ein welterschütterndes Eingreifen Jahwes. Gleichzeitig sollte auch die Verwerfung Jojachins paradigmatisch an ihm zurückgenommen werden. Sie erweckten mit dem konkreten Akt des Tempelbaus aber sehr viel weitergehende Hoffnung auf eine Wiederherstellung der alten Verhältnisse, die sich schnell als gefährliche Hoffnung erwiesen.

Die Wiederherstellung des Tempels als prophetisches Projekt: Esra 1-7 stellt es so dar, als wäre der entscheidende Impuls dazu bereits um 538 vCh von Kyros II. ausgegangen. Zwischenzeitlich wurde durch die Historiker der Beweis erbracht, daß die Darstellung in Anbindung an Deuterojesaja eine theologische Erzählung des Chronisten darstellt, der in ausschmückenden Worten Kyros II. überschwänglich sogar als „Gesalbten des Herrn“ betitelte.

Der Wiederaufbau wurde unter Dareios I. und Serubabel sowie Jeschua in Angriff genommen. Die Aktivität ging bei diesem Projekt von den jüdischen Heimkehrern aus, die eine schriftliche Anfrage an den Satrapen Tatnai richteten.

Beim Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels treffen verschiedene Meinungen aufeinander; während Tritojesaja sich als Gegner des Tempelbaus zu erkennen gibt  und Gottes von allem menschlichen Handeln und Planen unabhängige Unabhängigkeit betont, gibt es andere Stimmen, die nicht nur den Tempelbau befürworten, sondern vielmehr noch davon die Wiederbelebung des davidischen Königtums erhofften.

Solche Hoffnungen muß es in der Provinz Juda gegeben haben.

Denn nur so läßt es sich verstehen, weshalb Haggai und Sacharja derart elektrisiert davon waren, daß gerade Serubabel, der Enkel Jojachins, die für den Tempelbau zuständige Person war. Wenn innerhalb der Grund­schicht des Buches Haggai, die in allen Stücken für den Tempelbau wirbt, Serubabel die erneute Erwählung und Rücknahme der Verwerfung seines Großvaters zugesagt wird (Hag 2,23), dann muß auch er sich in der gemeinorientalischen Vorstellung bewegt haben, daß es eine Verbindung zwischen König und Tempel gibt. Für Haggai und Sacharja ist es der Davidide Serubabel, der den Grundstein des Alten Tempels wieder hervorholt!

Auch in Haggai und Sacharja liegt ein prophetischer Aufruf zum Tempelbau vor, der das Chaos bändigen soll,. Bei Haggai tritt an die Stelle der Initiativkette „Gottheit – König – Tempelbau durch das Volk“ die Abfolge „Gott – Prophet – Repräsentanten des Volkes (Serubabel) – Tempelbau durch das Volk“. Dieser Unterschied fällt weniger ins Gewicht, wenn man bedenkt, daß auch die anderen Könige sich verschiedener prophetischer bzw. mantischer (Orakel-) Techniken bedienten! Doch nicht die Repräsentanten des Volkes bedienen sich des Propheten, sondern Jahwe bedient sich durch den Propheten des Volksrepräsentanten und somit des Volks.

Die vier Reden des Buches Haggai sind bis auf den Tag genau datiert und fanden in der zweiten Hälfte des Jahres 520 vCh in Jerusalem statt. Das Datierungssystem dürfte jedoch sekundär in die prophetische Programmschrift Haggais eingebracht worden sein].

 

1. Rede: Aufruf Gottes zum Tempelbau:

Im zweiten Jahr des Königs Darius, im sechsten Monat, am ersten Tage des Monats, erreichte  das Wort des Herrn durch den Propheten Haggai die beiden Oberen der Judäer: Serubabel, den Statthalter in Juda, und Josua, dem Sohn Jozadaks, dem Oberpriester: So spricht der Herr Zebaoth: Dies Volk spricht: „Die Zeit ist noch nicht da, daß man das Haus des Herrn baue!“

Aber des Herrn Wort sprach durch den Propheten Haggai: „Aber eure Zeit ist da, daß ihr in getäfelten Häusern wohnt, und dies Haus muß wüst stehen? Nun, so spricht der Herr Zebaoth: Achtet doch darauf, wie es euch geht! Ihr sät viel, und bringt wenig ein, ihr eßt, und werdet doch nicht satt, ihr trinkt und bleibt doch durstig, ihr kleidet euch und könnt euch doch nicht erwärmen, und wer Geld verdient, der leg es in einen löchrigen Beutel.

So spricht der Herr Zebaoth: Achtet doch darauf, wie es euch geht! Ihr geht hin auf das Gebirge und holt Holz und baut das Haus. Das soll mir angenehm sein, und ich will meine Herrlichkeit aufzeigen, spricht der Herr. Denn ihr erwartet wohl viel, und siehe, es wird wenig. Und wenn ihr es schon heimbringt, so blase ich e s weg.

Warum das? spricht der Herr Zebaoth. Weil m e i n Haus so wüst da steht und jeder nur eilt, für  s e i n  Haus zu sorgen. Darum hat der Himmel über euch den Tau zurückgehalten und das Erdreich sein Gewächs. Und ich habe die Dürre gerufen über Land und Berge, über Korn, Wein, Öl und über alles, was aus der Erde kommt, auch über Mensch und Vieh und über alle Arbeit der Hände.

Da gehorchten Serubabel, Josua und alle übrigen des Volks der Stimme des Herrn, ihres Gottes, und den Worten des Propheten Haggai, wie ihn der Herr gesandt hatte. Und das Volk fürchtete sich vor dem Herrn. Da sprach Haggai, der beauftragt war mit der Botschaft des Herrn an das Volk: „Ich bin mit euch“, spricht der Herr. Und der Herr erweckte den Geist Serubabels und den Geist Josuas und den Geist des ganzen übrigen Volkes, daß sie kamen und arbeiteten am Hause des Herrn Zebaoth, ihres Gottes, am vierundzwanzigsten Tag des sechsten Monats, im zweiten Jahr des Königs Darius.

 (Hag 1).

 

2. Rede: Weissagung von der Herrlichkeit des künftigen Tempels

Am einundzwanzigsten Tag des siebenten Monats sprach des Herrn Wort durch den Propheten Haggai:   Sage zu Serubabel  und zu Josua und zum übrigen Volk: Wer ist unter euch übrig, der das Haus  Gottes in seiner früheren Herrlichkeit gesehen hat? Und wie seht ihr es nun? Sieht es nicht wie nichts aus? Aber nun Serubabel, sei getrost! spricht der Herr. Sei getrost, Josua! Sei getrost, alles Volk im Lande! spricht der Herr. Und arbeitet! Denn ich bin mit euch, spricht der Herr Zebaoth, nach dem Wort, das ich mit euch zusagte, als ihr aus Ägypten zogt. Und mein Geist soll unter euch bleiben. Fürchtet euch nicht!

Denn so spricht der Herr Zebaoth: Es ist nur noch ein kleine Weile, dann werde ich Himmel und Erde, das Meer und das Trockene erschüttern. Ja, alle Andersgläubigen will ich erschüttern. Da sollen dann kommen die Kostbarkeiten aller Völker und ich will dies Haus voll Herrlichkeit machen, spricht der Herr Zebaoth. Denn mein ist Silber und mein ist das Gold, spricht der Herr Zebaoth. Es soll die Herrlichkeit dieses neuen Hauses größer werden, als die des ersten gewesen ist, spricht der Herr Zebaoth. Und ich will Frieden geben an dieser Stätte, spricht der Herr Zebaoth (Hag 2,1-9).

 

3. Rede: Können unheilige Menschen den Tempel bauen?

Am vierundzwanzigsten Tag des neunten Monats, im zweiten Jahr des Darius, erreichte das Wort des Herrn den Propheten Haggai und sprach: So spricht der Herr Zebaoth: Frage die Priester nach dem Gesetz und sprich: „Wenn jemand heiliges Fleisch trüge in einem Zipfel seines Kleides und berührte danach mit seinem Zipfel entweder Brot oder Gekochtes, Wein, Öl oder was es für Speise wäre, würde es dann auch heilig? Und die Priester antworteten und sprachen: „Nein!“ Haggai sprach: „Wo aber jemand durch Berührung eines Toten unrein wäre und  eins davon anrührte, würde es dann auch unrein? Die Priester antworteten und sprachen: „Es würde unrein!“ Da antwortete Haggai: Ebenso ist es mit diesem  Volk und mit diesen Leuten vor mir auch, spricht der Herr, und auch mit allem Werk ihrer Hände und was sie dort opfern, ist unrein (Hag 2,10-14).

 

 Ermutigung zum Weiterbau des Tempels:

Und jetzt achtet doch darauf, wie es euch gehen wird von diesem Tag an und auch in Zukunft! Wie ging es euch denn, bevor ein Stein auf den anderen gelegt wurde am Tempel des Herrn? Wenn einer zum Kornhaufen kam, der zwanzig Zentner haben sollte, so waren kaum zehn da. Kam er zur Kelter und meinte fünfzig Eimer zu schöpfen, so waren kaum zwanzig da. Denn ich plagte euch mit Dürre, Getreidebrand und Hagel in all eurer Arbeit. Dennoch kehrtet ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr. Nun aber achtet doch darauf von diesem Tage an und in Zukunft - vom vierundzwanzigsten Tage des neunten Monats bis an - nämlich vom dem Tag an, da der Tempel gegründet ist!

Achtet darauf, ob noch Same in der Scheune dahinschwindet, und ob der Weinstock, Feigenbaum, Granatbaum und Ölbaum noch nicht tragen! Aber von diesem Tage an will ich Segen geben (Hag 2,15-19).

 

4. Rede: Serubabel ist der Siegelring  Gottes:

Und des Herrn Wort sprach zum zweitenmal zu Haggai am vierundzwanzigsten Tage des Monats: Sage Serubabel, dem Statthalter von Juda: Ich will Himmel und Erde erschüttern

und will die Throne der Königreiche umstürzen und die mächtigen Königreiche der Andersgläubigen vertilgen und will die Wagen mitsamt den Wagenlenkern umwerfen. Roß und Reiter sollen fallen, ein jeder durch das Schwert des andern. Zur selben Zeit, spricht der Herr Zebaoth, will ich dich, Serubabel, meinen Diener, nehmen, spricht der Herr, und will dich wie einen Siegelring halten. Denn ich habe dich erwählt, spricht der Herr Zebaoth  (Hag 2,20-23).

 

 

 

Der Prophet Sacharja

[Sacharja ist der Name eines Buches der hebräischen Bibel, das zu de kleinen Propheten zählt. Das Buch Sacharja gehört zusammen mit den Büchern Haggai und Maleachi zu den nachexilischen Prophetenbüchern. Es ist Teil des Buchs der zwölf kleinen Propheten. Der Prophet Sacharja hat unbestritten Kapitel 1-8 verfaßt. Sacharja wirkte in der Zeit kurz nach dem babylonischen Exil (wohl ab 520) in Jerusalem und war ein Zeitgenosse des Propheten Haggai. Er kam aus einer Priesterfamilie und war wahrscheinlich selbst Priester. Zur Zeit des Hohepriesters  Jojakin war Sacharja das Oberhaupt seiner Familie. Da er 520 ein erwachsener Mann war, wurde er vermutlich im babylonischen Exil geboren. Sacharja hat die erste Vision im 8. Monat des zweiten Jahres des Königs Darius I., also im Oktober/November 520 vCh, zwei Monate nach dem Auftreten des Propheten Haggai, zur Zeit der Jerusalemer Restauration. Das Schwergewicht dieses Buches liegt auf dem Zyklus von sieben Visionen im ersten Teil. Der Sinn dieser Visionen bleibt dem Propheten verschlossen, worauf ihm ein Engel im Gespräch die jeweilige Vision erklärt].

 

Die Geschichte der Väter mahnt zur Buße (1,1-6)

Im achten Monat des zweiten Jahres des Königs Darius erreichte das Wort des Herr den Propheten Sacharja und sprach: Der Herr ist zornig gewesen über eure Väter. Aber sprich zum Volk: So spricht der Herr Zebaoth: Kehrt euch zu mir, so will ich mich zu euch kehren! Seid nicht wie eure Väter, denen die früheren Propheten predigten und sprachen: „So spricht der Herr Zebaoth: Kehrt um von euren bösen Wegen und von eurem bösen Taten!“ Aber sie gehorchten nicht und achteten nicht auf mich, spricht der Herr. Wo sind nun eure Väter? Und die Propheten, leben sie noch? Aber haben nicht meine Worte und meine Gebote, die ich durch meine Propheten gab, eure Väter getroffen, daß sie haben müssen umkehren und sagen: „Wie der Herr Zebaoth vorhatte, uns zu tun nach unseren Wegen und Taten, so hat er uns auch getan? (Sach 1,1-6).

 

Erste Vision: Der Mann auf dem roten Pferd:

Am vierundzwanzigsten Tage des elften Monats,  im zweiten Jahr des Königs Darius, er­reichte das Wort des Herrn den Propheten Sacharja und sprach: Ich sah in der Nacht einen Mann, der  auf einem roten Pferd saß, und er hielt zwischen den Myrten im Talgrund, und hinter ihm waren rote, braune und weiße Pferde. Und ich sprach: „Mein Herr, wer sind diese?“ Und der Gottesbote, der mit mir redete, sprach zu mir: „Ich will dir zeigen, wer diese sind!“

 Und der Mann, der zwischen den Myrten hielt, antwortete: „Diese sind es, die der Herr ausgesandt hat, die Lande zu durchziehen!“ Sie aber antworteten dem Boten des Herrn, der zwischen den Myrten hielt, und sprachen: „Wir haben die Erde durchzogen, und siehe, alle Länder liegen ruhig und still!“ Da sprach der Gottesbote: „Herr Zebaoth, wie lange noch  willst du dich nicht erbarmen über Jerusalem und über die Städte Judas, über die du schon siebzig Jahre zornig bist?“ Und der Herr antwortete dem Gottesboten, der mit mir redete, freundliche Worte und tröstliche Worte.

Und der Gottesbote, der mit mir redete, sprach zu mir: „Predige und sprich: So spricht der Herr Zebaoth: Ich eifere für Jerusalem und Zion mit großem Eifer und bin sehr zornig über die stolzen Völker. Denn ich war nur ein wenig zornig, sie aber halfen zum Verderben. Darum so spricht der Herr: Ich will mich wieder zu Jerusalem kehren mit Barmherzigkeit, und mein Haus soll darin wieder aufgebaut werden, spricht der Herr Zebaoth, und die Meßschnur soll über Jerusalem gezogen werden.

Und weiter predige und sprich: So spricht der Herr Zebaoth: Es sollen meine Städte wieder Überfluß haben an Gutem, und der Herr wird Zion wieder trösten und wird Jerusalem wieder erwählen!“ (Sach 1,7-17).

 

Zweite Vision: Die vier Hörner und die vier Schmiede:

Und ich hob meine Augen auf und siehe, da waren vier Hörner. Und ich sprach zu dem Gottesboten, der mit mir redete: „Wer sind diese?“ Er sprach zu mir: „Es sind Hörner, die Juda und Jerusalem zerstreut haben!“ Und der Herr zeigte mir vier Schmiede. Da sprach ich: „Was wollen die machen?“ Er sprach: „Jene sind die Hörner, die Juda so zerstreut haben, daß niemand sein Haupt hat erheben können. Diese aber sind gekommen, je abzuschrecken und die die Hörner der Völker abzuschlagen, die ihr Horn gegen das Land Juda erhoben, um es zu zerstreuen!“ (Sach 2,1-4).

 

Dritte Vision: Der Mann mit der Meßschnur:

Und ich hob meine Augen auf und sah, und siehe, ein Mann hatte eine Meßschnur in der Hand. Und ich sprach: „Wo gehst du hin?“ Er sprach zu mir: „Jerusalem auszumessen und zu sehen, wie lang und weit es werden soll!“ Und siehe, der Gottesbote, der mit mir redete, stand  da, und ein anderer Gottesbote ging heraus, ihm entgegen, und sprach zu ihm: „Lauf hin und sage diesem jungen Mann: Jerusalem soll  ohne Mauern bewohnt werden wegen der großer Menge der Menschen und des Viehs, die darin sein wird. Doch ich will, spricht der Herr, eine feurige Mauer rings um sie her sein und will mich herrlich darin erweisen.

Auf, auf! Flieht aus dem Land des Nordens! spricht der Herr, denn ich habe euch in die vier Winde unter dem Himmel zerstreut. Auf, Zion, die du wohnst bei der Tochter Babel, entrinne! Denn so spricht der Herr Zebaoth über die Völker, die euch beraubt haben: Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an.

Denn siehe, ich will meine Hand über sie schwingen, daß sie sollen eine Beute derer werden sollen, die ihnen haben dienen müssen. Und ihr sollt erkennen, daß mich der Herr Zebaoth gesandt hat. Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.

Es sollen zu der Zeit viele Völker sich zum Herrn wenden und sollen mein Volk sein, und ich will bei dir wohnen. Und du sollst erfahren, daß mich der Herr Zebaoth zu dir gesandt hat. Der Herr wird Juda in Besitz nehmen als sein Erbteil in dem Heiligen Land und wird Jerusalem wieder erwählen.  Alles Fleisch sei still vor dem Herrn, denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen Stätte (Sach 2,5-17).

 

Vierte Vision: Der wahre Hohepriester:

Er ließ mich sehen den Oberpriester Josua, wie er vor dem Gottesboten stand. Und der Satan stand zu seiner Rechten, um ihn zu verklagen. Und Bote des Herrn sprach zu dem Satan: „Der Herr schelte dich du Satan! Ja, der Herr, der Jerusalem erwählt hat, schelte dich! Ist dieser nicht ein Brandscheit, das aus dem Feuer gerettet ist?“

Josua aber hatte (kultisch) unreine Gewänder an und stand vor dem Gottesboten, der zu denen sprach, die vor ihm standen: „Tut die unreinen Gewänder von ihm! Und er sprach zu ihm: „Siehe, ich nehme deine Sünde von dir und lasse dir Feiergewänder anziehen!“ Und er sprach: „Setzt ihm einen reinen Kopfbund auf sein Haupt!“ Und sie setzten einen reinen Kopfbund auf sein Haupt und zogen ihm reine Gewänder an, und der Bote des Herrn stand dabei.

Und der Gottesbote bezeugte es Josua und sprach: So spricht der Herr Zebaoth: Wirst du auf meinen Wegen gehen und meinen Dienst recht versehen, so sollst du mein Haus regieren und meine Vorhöfe bewahren. Ich will dir Zugang zu mir geben mit diesen, die hier stehen.

Höre nun, Josua, du und deine Brüder, die vor dir sitzen, sind miteinander ein Zeichen. Denn siehe, ich will meinen Knecht „den Sproß“ kommen lassen. Siehe, auf dem einen Stein, den ich vor Josua hingelegt habe, sind sieben Augen. Siehe, ich will auf ihm eine Inschrift eingraben, spricht der Herr Zebaoth, und will die Sünde des Landes wegnehmen an einem einzigen Tag. Denn wer immer den Tag des geringen Anfangs verachtet hat, der wird doch mit Freude sehen den Schlußstein in Serubabels Hand. Jene sieben sind die Augen des Herrn, die alle Lande durchziehen. Zu derselben Zeit, spricht der Herr Zebaoth, wird einer den andern einladen unter den Weinstock und unter den Feigenbaum (Sach 3,1-10. Am Schluß wurde der Vers Sach 4,10 sinngemäß hier eingesetzt).

 

Fünfte Vision: Der goldene Leuchter und die zwei Ölbäume:

Und der Gottesbote, der mit mir redete, weckte mich erneut auf und sprach zu mir: „Was siehst du?“ Ich aber sprach: „Ich sehe einen Leuchter stehen, ganz aus Gold, mit einer Schale obendrauf, auf der sieben Lampen sind, und sieben Schnauzen an jeder Lampe, und zwei Ölbäume dabei, einer auf der rechten Seite der der Schale, und einer auf der linken Seite!“ Ich antwortete und sprach zu dem Gottesboten, der mit mir redete: „Mein Herr, was ist das?“

Und der Bote, der mit mir redete, antwortete und sprach zu mir: „Weißt du nicht, was das ist?“ Ich aber sprach: „Nein, mein Herr!“ Und er antwortete und sprach zu mir: „Das ist das Wort des Herrn an Serubabel: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.

Wer bist du, du großer Berg, der doch vor Serubabel zur Ebene werden muß? Er wird hervorholen den Schlußstein, so daß man rufen wird: Glück zu! Glück zu!“

Und es erreichte mich das Wort des Herrn und sprach: „Die Hände Serubabels haben dies Haus gegründet, seine Hände sollen es auch vollenden, damit ihr erkennt, daß mich der Herr zu euch gesandt hat!“

Und ich fing an und sprach zu ihm: „Was bedeuten die zwei Ölbäume rechts und links von dem Leuchter. Was bedeuten die beiden Zweige der Ölbäume bei den  zwei goldenen Röhren, aus denen das goldene Öl herabfließt?“ Und er sprach weiter zu mir: „Weißt du nicht, was die­se sind?“ Ich aber sprach: „Nein, mein Herr!“ Und er sprach: „Es sind die zwei Gesalbten, die vor dem Herrscher aller Lande stehen!“ (Sach 4,1-14).

 

Sechste Vision: Die fliegende Schriftrolle:

Ich hob meine Augen abermals auf und sah eine fliegende Schriftrolle. Und er sprach zu mir: „Was siehst du?“ Ich aber sprach: „Ich sehe einen fliegende Schriftrolle, die ist zehn Meter lang und fünf Meter breit!“ Und er sprach zu mir: „Das ist der Fluch, der ausgeht über das ganze Land. Denn alle Diebe werden nach dieser Schrift von hier ausgefegt, und alle Meineidigen werden nach dieser Schrift von hier ausgefegt. Ich will ihn ausgehen lassen, daß er kommen soll über das Haus des Diebes und über das Haus dessen, der bei meinem Namen falsch schwört. Er soll in ihrem Haus bleiben und soll es verzehren samt seinem Holz und Steinen (Sach 5,1-4).

 

Siebte Vision: Die Frau in der Tonne:

Und der Gottesbote, der mit mir redete, trat hervor und sprach zu mir: „Hebe deine Augen auf und siehe! Was kommt da hervor?“ Und ich sprach: „Was ist das?“ Er aber sprach: „Es ist eine Tonne, die da hervorkommt!“ Und weiter sprach er: „Das ist die Sünde im ganzen Land!“ Und siehe, es hob sich der Deckel aus Blei, und da war eine Frau, die saß in der Tonne

Er aber sprach: „Das ist die Gottlosigkeit!“ Und er stieß sie in die Tonne und warf den Deckel aus Blei oben auf die Öffnung. Ich hob meine Augen auf und sah, und siehe, zwei Frauen tra­ten heran und hatten Flügel, die der Wind trieb - es waren aber Flügel wie Storchenflügel - und sie trugen die Tonne zwischen Erde und Himmel. Und ich sprach zu dem Gottesboten, der mit mir redete: „Wo tragen diese die Tonne hin?“ Er aber sprach zu mir: „Daß ihm ein Tempel gebaut werde im Lande Sinear und sie dort aufgestellt werde!“ (Sach 5,5-11).

 

Die achte Vision: Die vier Wagen:

 Und ich hob meine Augen abermals auf und sah vier Wagen, die gingen zwischen den zwei Bergen aus Kupfer hervor. Am ersten Wagen waren rote Rosse, am zweiten Wagen waren schwarze Rosse, am dritten Wagen waren weiße Rosse, am vierten Wagen waren scheckige Rosse, und alle waren sie stark. Und ich sprach zu dem Gottesboten: Mein Herr, wer sind diese?“ Der Gottesbote antwortete mir: „Es sind die vier Winde unter dem Himmel, die hervorkommen, nachdem sie gestanden haben vor dem Herrscher aller Lande. Die roten Rosse ziehen nach Osten, die schwarzen Rosse nach Norden, und die weißen nach Westen und die scheckigen nach Süden. Und die starken wollten sich aufmachen, um die Lande zu durchziehen. Und er sprach: „Geht hin und durchzieht die Lande!“ Und sie durchzogen die Lande.  Und er rief mich an und redete mit mir und sprach: „Siehe, die nach Norden ziehen, lassen meinen Geist ruhen im Land des Nordens!“ (Sach 6,1-8).

 

Die Krönung Josuas:

Und des Herrn Wort erreichte mich und sprach: Nimm drei Leute von den Weggeführten, die von Babel gekommen sind,  und geh noch an diesem Tag ins Haus Josias. Nimm von ihnen Silber und Gold und mache Kronen und kröne das Haupt des Oberpriesters Josua und sprich zu ihm: „So spricht der Herr Zebaoth: Siehe, es ist ein Mann, der heißt Sproß, denn unter ihm wird es sprossen und er wird den Tempel des Herrn bauen!“

Ja, den Tempel des Herrn wird er bauen und wird herrlich geschmückt sein und wird sitzen und herrschen auf seinem Thron. Und ein Priester wird an seiner rechten Seite sein, und es wird Friede sein zwischen den beiden. Und die Kronen sollen zum Andenken an die drei Männer im Tempel des Herrn bleiben. Und es werden kommen von fern, die am Tempel des Herrn bauen werden. Da werdet ihr erkennen, daß mich der Herr Zebaoth zu euch gesandt hat. Und das soll geschehen, wenn ihr gehorchen werdet der Stimme des Herrn, eures Gottes (Sach 6,9-15).

 

Am Fasten hat Gott keinen Gefallen:

Und es geschah im vierten Jahr des Königs Darius, vierten Tage des neunten Monats, daß des Herrn Wort den Propheten Sacharja erreichte. Das sandte der Ort Bethel eine Gruppe von Leuten, um den Herrn anzuflehen. Sie ließen die Priester und die Propheten fragen: „Müssen wir auch noch im fünften Monat weinen und das Fasten einhalten, wie wir es nun so viele Jahre getan haben?“ Und des Herrn Wort sprach zu mir: „Sage allem Volk im Land und den Priestern und sprich: Als ihr gefastet habt  und Leid trugt im fünften und siebenten Monat diese siebzig Jahre lang, habt ihr da für mich gefastet? Oder wenn ihr eßt oder trinkt, macht ihr das dann nicht für euch selbst?“ (Sach7,1-6).

 

Gottes Gericht über die Unbrüderlichkeit:

Der Herr hat schon durch die früheren Propheten predigen lassen, als Jerusalem noch bewohnt war und Frieden hatte samt seinen Städten ringsum und Leute im Südland und im Hügelland wohnten: „Richtet recht, und ein jeder erweise an seinem Mitmenschen nur Güte und Barmherzigkeit. Tut nicht unrecht den Witwen, Waisen, Fremden und Armen. Und denke keiner gegen seinen Mitmenschen etwas Arges in seinem Herzen!“ Aber sie wollten nicht aufmerken und kehrten mir den Rücken zu und verstockten ihre Ohren, um nicht zu hören, und machten ihre Herzen hart wie ein Diamant, damit sie nicht hörten das Gesetz und die Worte, die der Herr durch seinen Geist sandte durch die früheren Propheten. Daher ist so großer Zorn vom Herrn Zebaoth gekommen. Und es ist so gekommen: „Ebenso wie gepredigt wurde und sie nicht hörten, so wollte ich auch nicht hören, als sie riefen, spricht der Herr Zebaoth. Darum habe ich sie zerstreut unter alle Andersgläubigen, die sie nicht kannten, und das Land hinter ihnen bleib verwüstet, sodaß niemand darin hin und herzog. So haben sie das liebliche Land zur Wüste gemacht!“ (Sach 7,7-14).

 

Das künftige Heil für das Volk Gottes:

Und des Herrn Wort erreichte mich und sprach: So spricht der Herr Zebaoth: „Ich eifere für Zion mit großem Eifer und eifere um seinetwillen in großem Zorn!“ So spricht der Herr: „Ich kehre mich wieder auf den Zion und will in Jerusalem wohnen, daß Jerusalem eine Stadt der Treue heißen soll und der Berg des Herrn Zebaoth ein heiliger Berg!“ So spricht der Herr Zebaoth: „In Zukunft sollen wieder alte Männer und Frauen auf den Plätzen Jerusalems sitzen, jeder mit einem Stock in seiner Hand vor hohem Alter, und die Plätze der Stadt sollen voll sein von Jungen und Mädchen, die auf ihren Gassen spielen!“

So spricht der Herr Zebaoth: „Erscheint dies auch unmöglich vor den Augen derer, die von diesem Volk übrig geblieben sind in dieser Zeit, sollte es darum auch unmöglich erscheinen vor m e i n e n Augen?“ spricht der Herr Zebaoth. So spricht der Herr Zebaoth: „Siehe, ich will mein Volk erlösen aus dem Land im Aufgang und aus dem Land im Niedergang der Sonne. Ich will sie herbeibringen, daß sie in Jerusalem wohnen. Und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein in Treue und Gerechtigkeit!“

So spricht der Herr Zebaoth: „Stärket eure Hände, die ihr diese Worte hört zu dieser Zeit durch den Mund der Propheten - an dem Tag, als der Grund gelegt wurde zum Haus des Herrn Zebaoth, auf daß der Tempel gebaut würde. Denn vor diesen Tagen war die Arbeit der Menschen vergebens, und auch die Arbeit der Tiere erbrachte nichts. Und vor lauter Feinden war kein Friede für die, die aus und ein zogen, sondern ich ließ alle Menschen aufeinander los, einen jeden gegen seinen Mitmenschen.

Aber nun will ich nicht wie in den früheren Tagen verfahren mit denen, die übrig geblieben sind von diesem Volk, spricht der Herr Zebaoth, sondern sie sollen im Frieden säen. Der Weinstock soll seine Frucht geben und das Land sein Gewächs, und der Himmel soll seinen Tau geben. Und ich will den Übriggebliebenen von diesem Volk das alles zum Besitz geben. Und soll geschehen: Wie ihr von Juda und Israel ein Fluch gewesen seid unter den Andersgläubigen, so will ich euch erlösen, daß ihr ein Segen sein sollt. Fürchtet euch nur nicht und stärkt eure Hände!“ So spricht der Herr Zebaoth: „So wie ich euch zu plagen gedachte, als mich eure Väter erzürnten und es mich nicht reute, so denke ich nun wiederum in diesen Tagen der Stadt Jerusalem und dem Volk Juda wohlzutun. Fürchtet euch nur nicht!“

 

„Das ist es aber, was ihr tun sollt: Rede einer mit dem andern Wahrheit, und richtet recht, und schafft Frieden in euren Toren. Und keiner ersinne Arges in seinem Herzen gegen seinen Nächsten, und liebt nicht falsche Eide! Denn das alles hasse ich!“ spricht der Herr.

Und es erreichte mich des Herrn Wort und sprach zu mir: „So spricht der Herr Zebaoth: Die Fasten des vierten, fünften, siebten und zehnten Monats sollen dem Volk Juda zur Freude und Wonne und zu fröhlichen Festzeiten werden. Doch liebt Wahrheit und Frieden!“ (Sach 8,1-19).

 

Das künftige Heil für die Völker:

So spricht der Herr Zebaoth: „Es werden noch viele Völker kommen und die Bürger vieler Städte. Es werden die Bürger einer Stadt zur andern gehen und sagen: Laßt uns gehen, den Herrn anzuflehen und zu suchen den Herrn Zebaoth. Wir selber wollen auch mit euch gehen!“ So werden viele Völker in Scharen kommen, den Herrn Zebaoth in Jerusalem zu suchen und den Herrn anzuflehen. So spricht der Herr Zebaoth: „Zu der Zeit werden zehn Männer aus allen Sprachen der Andersgläubigen einen jüdischen Mann beim Zipfel seines Gewands ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir hören, daß Gott mit euch ist!“(Sach 8,20-23).

 

[Auf die Wiedergabe der Kapitel 9 bis 14 wird hier verzichtet, weil nicht sicher ist, ob sie auch von Sacharja stammen. Es gibt verschiedene Einordnungen: Entweder traditionell der Prophet Sacharja im 6. Jahrhundert oder ein anderer Verfasser für 9-14 mit Datierung nach 500 vCh. Heute nehmen die meisten Forscher eine Zweiteilung vor: Sacharja 9-11 und 12-14 und gehen in den Datierungen bis in die hellenistische Epoche (4.-3.Jahrhundert vCh).  Es geht um die Bestrafung der Nachbarvölker (9,1-8), die Erlösung Israels (9,9-17), die Samm­lung Israels aus dem Exil (10,1-12), die Bestrafung der treulosen Hirten des Volkes (11,1-17), Jerusalems Not und Errettung (12,1-13,9), der Tag des Herrn (14,1-21).  

Allein die alttestamentliche Prophetie über Jerusalem als Tochter Zion wird hier noch wiedergegeben, weil sie in Matthäus 21,1-11 der Hintergrund ist  für den Einzug Jesus in Jerusalem am „Palmsonntag“]: Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin (Sach 9,9).

 

 

 

Der Prophet Maleachi

[Maleachi ist ein Buch der herrischen Bibel, das letzte Buch der kleinen Propheten.  In der katholischen und protestantischen Bibel ist es das letzte Buch des Alten Testaments überhaupt, doch nicht in den Ostkirchen, da dort die kleinen Propheten - entsprechend der Aufstellung der griechischen Bibel - vor den großen Propheten eingeordnet werden. Über den Verfasser ist nichts bekannt. Das hebräische Wort bedeutet „Mein Bote“. Als Personenname ist Maleachi nicht belegt. Traditionell sah die Forschung in Maleachi einen Propheten des 5. oder 4. vorchristlichen Jahrhunderts. Wahrscheinlicher steht hinter dem Buch jedoch keine Einzelgestalt, sondern schriftgelehrte Auslegung. Der Name läßt sich dann als Ableitung aus Mal 2,7 und 3,1 deuten und könnte programmatisch auf Sendung und Amt des Propheten bezogen sein.

Maleachi beschreibt, beklagt und verurteilt die gleichen Probleme, die es schon bei anderen Propheten gegeben hat: ungerechter Umgang mit Geld, geistlicher Verfall und Trägheit, soziale Ungerechtigkeit sowie die Mischehen mit Heiden - vor allem das Vermischen mit den heidnischen Religionen. Wegen des trägen und unehrlichen geistlichen Leben der Juden in der nachexilischen Zeit, ruft Gott durch Maleachi zur Umkehr und zur neuen Hinwendung an Gott auf. Das Buch Maleachi berichtet von dem letzten Werben um sein Volk, bevor der Messias kommen soll. Danach schweigt die Stimme Gottes, die Juden warten bis heute auf den kommenden Messias und auf den in Maleachi vorhergesagten Elia. Für die Christen hat sich in Johannes dem Täufer die Vorhersage des Elia erfüllt. Maleachi 3,3 weist auf Jesus hin, der die Menschen von ihrer Schuld reinigen wird. Es gibt auch einen christlichen Heiligen namens „Malachias“].

 

Gottes Liebe zu Israel:

Dies ist die belastende Weissagung, die der Herr dem Volk Israel ankündigt durch den Propheten Maleachi. „Ich habe euch lieb!“ spricht der Herr. Ihr aber sprecht. „Woran sehen wir, daß du uns liebhast?“ „Ist nicht Esau der Bruder Jakobs?“ spricht der Herr, „und doch habe ich Jakob lieb und hasse Esau und habe sein Gebirge öde gemacht und sein Erbe den Schakalen zur Wüste!“ Und wenn auch  Edom sprechen würde: „Wir sind zerschlagen, aber wir wollen das Zerstörte wieder aufbauen!“ so spricht der Herr Zebaoth: „Werden sie bauen, so will ich abbrechen, und man wird sie nennen „Land des Frevels“ und „Ein Volk, über das der Herr ewig zürnt!“ Das sollen eure Augen sehen, und ihr werdet sagen: „Der Herr ist herrlich über die Grenzen Israels hinaus!“ (Mal 1,1-5).

 

Gegen minderwertige Opfer:

„Ein Sohn soll seinen Vater ehren und ein Diener seinen Herrn. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Bin ich Herr, wo fürchtet man mich?“ spricht der Herr Zebaoth zu euch Priestern, die meinen Namen verachten. Ihr aber sprecht: „Wodurch verachten wir denn deinen Namen?“ -  „Dadurch daß ihr opfert auf meinem Altar unreine Speise!“ Ihr aber sprecht: „Womit opfern wir dir denn Unreines?“ - „Dadurch daß ihr sagt: „Der Tisch des Herrn ist für nichts zu achten! Denn wenn ihr ein blindes Tier opfert, so haltet ihr das nicht für böse. Und wenn ihr ein lahmes oder krankes Tieropfert, so haltet ihr das auch nicht für böse. Bringt es doch eurem Fürsten! Meinst ihr, daß ihr ihm gefallen werdet oder er euch gnädig ansehen werde?“ spricht  der Herr Zebaoth.

„So bittet doch  Gott und seht, ob er uns gnädig sei! Denn meint ihr, nachdem dies von euch geschehen ist, er werde euch gnädig ansehen?“ spricht der Herr Zebaoth.

„Daß doch einer unter euch die Türen zuschlösse, damit ihr nicht umsonst auf meinem Altar Feuer anzündet! Ich habe kein Gefallen an euch“, spricht der Herr Zeba­oth, und das Opfer von euren Händen ist mir nicht angenehm. Denn vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang ist mein Name herrlich unter den Völkern, und an allen Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Opfer dargebracht. Denn mein Name ist herrlich unter den Völkern“, spricht der Herr Zebaoth.

„Ihr aber entheiligt ihn damit, daß ihr sagt: Der Tisch des Herr ist unheilig, und sein Opfer ist für nichts zu achten! Und ihr sprecht: Siehe, welch eine Mühsal! und bringt mich in Zorn“, spricht der Herr Zebaoth. „Denn ihr bringt herbei, was geraubt, lahm und krank ist, und bringt es dar zum Opfer. Sollte mir das gefallen von eurer Hand? spricht der Herr. „Verflucht sei der Betrüger, der in seiner Herde ein gutes männliches Tier hat, und gelobt, es dem Herrn zu geben, aber dann ein fehlerhaftes opfert. Denn ich bin ein großer König, spricht der Herr Zebaoth, und mein Name ist gefürchtet unter den Völkern!“ (Mal 1,6-14)

 

Gegen die geistlichen Verfehlungen der Priester

Ihr Priester, dieses Wort gilt euch: „Wenn ihr es nicht hören noch zu Herzen nehmen werdet, daß ihr meinem Namen die Ehre gebt“, spricht der Herr Zebaoth, „so werde ich den Fluch un­ter euch schicken und verfluchen, womit ihr gesegnet seid. Ja verfluchen werde ich euren Segen, weil ihr es nicht zu Herzen nehmen wollt. Siehe, ich will euch den Arm zerbrechen und den Unrat eurer Festopfer euch ins Angesicht werfen, und er soll an euch kleben bleiben. So werdet ihr dann erfahren, daß ich ein solches Wort habe über euch sprechen lassen, damit mein Bund mit dem Stamm Levi  bestehen bleibe“, spricht der Herr Zebaoth.

„Denn mein Bund mit ihm war, daß ich ihm Leben und Frieden gab, und ich gab ihm die Furcht, daß er mich fürchtete und meinen Namen scheute. Das Gesetz der Wahrheit war in seinem Munde, und es wurde nichts Böses auf seinen Lippen gefunden. Er wandelte vor mir friedlich und aufrichtig und hielt viele Sünden zurück.  Denn die Lippen des Priesters sollen die Lehre bewahren, daß man aus seinem Munde nur Weisung suche, denn er ist ein Bote des Herrn Zebaoth!“

„Ihr aber seid von dem Weg abgewichen und habt viele zu Fall gebracht, durch falsche Weisung und  habt den Bund mit Levi verdorben“, spricht der Herr Zebaoth. „Darum habe auch ich euch verächtlich  und unwert gemacht vor dem ganzen Volk, weil ihr meine Wege nicht haltet und seht die Person an, wenn ihr Weisung gebt!“  (Mal 2,1-9).

 

Verurteilung der Mischehen und Ehescheidungen

Haben nicht alle e i n e n Vater? Hat uns nicht e i n Gott geschaffen? Warum verachten wir denn einer den andern und entheiligen den Bund mit unseren Vätern? Juda ist treulos geworden, und in Israel und in Jerusalem geschehen Greuel. Denn Juda entheiligt, was dem Herrn heilig ist und was er liebhat, und heiratet die Tochter eines fremden Gottes. Aber der Herr wird den, so etwas tut, ausrotten aus den Zelten Israels, auch wenn er noch dem Herrn Zebaoth  seine Opfer bringt.

Weiter tut ihr auch noch das: Ihr bedeckt den Altar des Herrn mit Tränen und Weinen und Seufzen. Aber er mag das Opfer nicht mehr ansehen noch etwas Angenehmes von euren Händen empfangen.  Ihr aber sprecht: Warum das? Weil der Herr der Zeuge war zwischen dir und der Frau deiner Jugend, der du treulos geworden bist, obwohl sie doch deine Gefährtin und die Frau ist, mit der du einen Bund geschlossen hast. Nicht einer hat das getan, in dem noch ein Rest von Geist war. Denn er sucht Nachkommen, die Gott geheiligt sind.

Darum so seht euch vor in eurem Geist und werde keiner treulos der Frau seiner Jugend. Wer ihr aber gram ist und sie verstößt, spricht der Herr, der bedeckt mit Frevel sein Gewand, spricht der Herr Zebaoth. Darum so seht euch vor eurem Geist und brecht nicht die Treue (Mal 2,10-16).

 

Gottes Gericht kommt bald:

Ihr macht den Herrn unwillig durch euer Reden! Ihr aber sprecht: „Womit machen wir ihn unwillig?“ - „Dadurch, daß ihr sprecht: Wer Böses tut, der gefällt dem Herrn, und er hat Freude an ihm! oder : Wo ist der Gott, der da straft? Siehe, ich will euch meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Der Herr wird bald zu seinem Tempel kommen, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er wird kommen!“ spricht der Herr Zebaoth.

Wer wird aber den Tag seines Kommens ertragen können, und wer wird bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer eines Schmelzers und wie die Lauge der Wäscher. Er wird sitzen und schmelzen und das Silber reinigen. Er wird die Leute des Stammes Levi reinigen und läutern wie Gold und Silber. Dann werden sie dem Herrn Opfer bringen in Gerechtigkeit, und es wird dem Herrn wohl gefallen das Opfer Judas und Jerusalems wie vormals und vor langen Jahren.

Und ich will zu euch kommen zum Gericht  und will ein schneller Zeuge sein gegen die Zauberer, Ehebrecher und Meineidigen und gegen die, so Gewalt und Unrecht tun an den Tagelöhnern, Witwen und Waisen und die den Fremdling drücken und mich nicht fürchten, spricht der Herr Zebaoth (Mal 2,17 - 3,5).

 

Anklage gegen Israel wegen des Gott vorenthaltenen Zehnten (3,6-12)

Ich, der Herr, wandle mich nicht.  Aber ihr habt nicht aufgehört, Jakobs Nachkommen zu sein. Ihr seid von der Zeit eurer Väter an immer wieder abgewichen von meinen Geboten und habt sie nicht gehalten. So bekehrt euch nun zu mir, so will ich mich auch zu euch bekehren, spricht der Herr Zebaoth. Ihr aber sprecht: „Worin sollen wir uns bekehren?“ Ist es recht, daß ein Mensch Gott betrügt, wie ihr mich betrügt? Ihr aber sprecht: „Womit betrügen wir dich?“ Mit dem  Zehnten und der Opfergabe!

Darum seid ihr auch verflucht, denn ihr betrügt mich allesamt. Bringt mir nur den Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, damit  in meinem Haus Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der Herr Zebaoth, ob ich euch dann nicht die Fenster des Himmels auftun werde und Segen herabschütte in Fülle.

Und ich will um euretwillen den „Fresser“ bedrohen, daß er euch die Frucht auf dem Acker nicht verderben soll und der Weinstock auf dem Feld euch nicht unfruchtbar sei, spricht der Herr Zebaoth. Dann werden euch alle Andersgläubigen glücklich preisen, denn ihr sollt ein herrliches Land sein, spricht der Herr Zebaoth (Mal 3,6-12).

 

Die göttliche Gerechtigkeit wird recht behalten

Ihr redet hart gegen mich, spricht der Herr. Ihr aber sprecht: „Was reden wir gegen dich?“ Ihr sagt: „Es ist umsonst, daß man Gott dient, und was nutzt es, daß wir sein Gebot halten und in Buße umhergehen vor dem Herr Zebaoth? Darum preisen wir die Verächter, denn die Gottlosen gedeihen, und die Gott versuchen, bleiben bewahrt!“ Aber die Gottesfürchtigen trösten sich: „Der Herr merkt und hört es, und es wird vor ihm ein Gedenkbuch geschrieben für die, die den Herrn fürchten und an seinen Namen gedenken!“ „Sie sollen,“ spricht der Herr Zebaoth, „an dem Tag, den ich machen will, mein Eigentum sein. Und ich will ihrer erbarmen, wie ein Mann seines Sohnes erbarmt, der ihm dient. Ihr werdet am Ende doch sehen, was für ein Unterschied ist zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen, und zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient!“ (Mal 3,13-18).

 

Der Tag des Herrn und sein Vorläufer:

Denn siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen. Da werden alle Verächter und Gottlosen wie Stroh sein, und der kommende Tag wird sie anzünden, spricht der Herr Zebaoth, und er wird ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen. Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. Und ihr sollt herausgehen und springen wie die Mastkälber. Ihr werdet die Gottlosen zertreten, denn sie sollen Staub unter euren Füßen werden an dem  Tag, den ich machen will, spricht der Herr Zebaoth. Gedenkt an das Gesetz  meines Dieners Mose, das ich ihm befohlen habe auf dem Berg Horeb für ganz Israel, an alle Gebote und Rechte! Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn kommt. Der soll das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Kinder zu ihren Vätern, auf daß ich nicht komme und das Erdreich mit dem Bann schlage (Mal 3,19-24).

 

 

 

Apokryphen

Die „Apokryphen“ sind die „verborgenen“ Bücher, die nicht so wertvoll sind wie die Bücher des Alten Testaments und deshalb heute nicht mehr in den Bibelausgaben zu finden sind. Der Begriff wurde im 2. Jahrhundert von christlichen Theologen geprägt und bedeutete anfangs nicht nur „außerkanonisch“, sondern zugleich „häretisch“: Er wertete die ausgegrenzten Schriften als Irrlehre oder Fälschung ab. Er wurde vor allem auf Literatur aus dem Umfeld des Gnostizismus bezogen, die ihre nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Texte mit dem Wort „apokryph“ als „Geheimlehren“ darstellten.

Zuerst hat das Judentum mit der Kanonisierung des Tanach (um 135) eine Reihe von Schriften als außerkanonisch ausgegrenzt. Die protestantischen Kirchen ordnen diese den Apokryphen des Alten Testaments (AT) zu, während die katholische und orthodoxe Kirche einige davon in ihren Kanon aufgenommen haben. Bei den Apokryphen des Neuen Testaments dagegen sind die christlichen Konfessionen weitgehend einig.

Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch werden heute allgemein außerkanonische frühchristliche Schriften unter diesen Oberbegriff gestellt, die nicht zu den Schriften der sogenannten Apostolischen Väter gehören. Dieser Begriff wurde im 17. Jahrhundert für frühchristliche Schriften geprägt, von denen man eine Übereinstimmung mit der Lehre der Apostel (zur Mission berufenen Auferstehungszeugen Jesu Christi) annimmt. Einige dieser Schriften sind ebenfalls schon vor 100 entstanden, sind aber keine Evangelien oder Apokalypsen und haben eine andere Funktion für das Christentum: Sie sind lehrhafte, seelsorgerliche Briefe oder kommentieren bereits vorgegebene neutestamentliche Überlieferung. Dabei sind die Grenzen zu den eigentlichen Apokryphen allerdings fließend. Zu diesen zählt man heute auch sogenannte Agrapha: Worte, Dialoge und Episoden von und über Jesus, die sonst in der NT-Überlieferung unbekannt sind und parallel dazu – auch innerhalb von Schriften der Apostolischen Väter – überliefert wurden.

Im Protestantismus werden solche jüdische Schriften zu den Apokryphen gezählt, die auch im Judentum nicht kanonisch sind. Sie sind in der Lutherbibel als „nützliche“, aber nicht „heilige“ Schriften in einem Anhangsteil abgedruckt. In den modernen Ausgaben der Lutherbibel sind sie zum Teil nicht mehr enthalten. Sie enthalten jedoch auch einzelne wertvolle Glaubensaussagen.

 

Judith

Das Buch Judith wurde wahrscheinlich um 150 vCh auf Hebräisch in Judäa (möglicherweise in Jerusalem) verfaßt. Die schöne und gottesfürchtige Witwe Judith geht unbewaffnet in das Heerlager des nebukadnezarischen Generals Holofernes und enthauptet ihn mit seinem eigenen Schwert. Judith übernimmt indirekt die Rolle des Mose und rettet das Volk Israel. Judiths mutige Tat ist keine Glorifizierung des Mordes oder Krieges, sondern eine gerade den mörderischen Krieg aufs schärfste verurteilende Handlung.

Von seiner Form her kann man es nicht als geschichtlichen Bericht, sondern als einen lehrhaften, weisheitlichen Roman verstehen, denn viele Angaben im Text sind offensichtlich unhistorisch und wären vermutlich auch zeitgenössischen Lesern sofort als solche aufgefallen. So war etwa Nebukadnezar in der Realität (und im Rest der Bibel) König von Babylonien, nicht wie im Buch geschildert von Assyrien. Außerdem gelang ihm die Eroberung Judäas, wie im 2. Buch der Könige geschildert, während diese im Buch Judith scheitert.

Verärgert wegen mangelnder Unterstützung in einem – siegreich beendeten – Krieg sendet der assyrische König Nebukadnezar seinen Oberbefehlshaber Holofernes mit einem gewaltigen Heer gegen alle Länder des Westens. Alle Länder sollten erobert und bestraft werden; alle, die Widerstand leisten, sollten schonungslos dem Tod und der Plünderung preisgegeben werden. Holofernes zog verheerend durch einen Teil von Kleinasien und Syrien und kam so auch an die Nordgrenze von Palästina (Kap. 1-3). Die Israeliten trafen nach Anweisung ihres Oberpriesters sogleich Verteidigungsmaßnahmen und sperrten die Bergpässe, wandten sich aber auch mit Buße und Gebet an Gott den Herrn (Kap. 4).

Demgemäß sah sich Holofernes vor der kleinen Bergfestung Betulia, die den Schlüssel zum nördlichen Palästina bildete, aufgehalten. Voll Grimm darüber erkundigte er sich bei den moabitischen und ammonitischen Fürsten in seinem Heer, welches Volk es sei, das ihm so zu widerstehen wage. Die Antwort gab ihm der Ammoniterfürst Achior in einem vollständigen Abriß der jüdischen Geschichte, als deren Resultat er hinstellte, daß die Israeliten unüberwindlich seien, solange sie ihren Gott den Einzigen nicht beleidigten (Kap. 5).

Hiermit zog Achior sich den Unwillen aller assyrischen Großen zu, besonders auch deswegen, weil der assyrische König auf die höchste göttliche Verehrung Anspruch machte und jede fremde Religion vertilgen wollte. Demzufolge ließ Holofernes den Ammoniterfürsten gebunden nach Betulia führen, damit er sich bei der Einnahme der Feste von der Torheit seiner Behauptung und der Allgewalt der Assyrer überzeuge und dann elend mit den Juden zugrunde gehe. Als Achior von den Israeliten aufgenommen wurde, erregte er durch seine Erzählung großen Schrecken. Doch faßten die Israeliten sich wieder im Vertrauen auf den allmächtigen Gott (Kap. 6).

Als aber Holofernes Betulia mit 180.000 Mann einschloß und die Wasserleitung abschnitt, sank den Belagerten der Mut. Als sich die Wasservorräte zu Ende neigten, forderten die Belagerten am 34. Tag der Belagerung den Stadtobersten Usia auf, die Festung zu übergeben. Usia versprach, ihnen nachzugeben, wenn in fünf Tagen keine Rettung kommen werde (Kap. 7).

Von diesem Abkommen hörte die fromme Witwe Judit, die Tochter Meraris von Betulia. Ihr Mann Manasse starb schon Jahre vorher zur Zeit der Gerstenernte an einem Hitzschlag. Sie wird mit folgenden Worten in der Bibel beschrieben: Sie hatte eine schöne Gestalt und ein blühendes Aussehen. Ihr Gatte Manasse hatte ihr Gold und Silber, Knechte und Mägde, Vieh und Felder hinterlassen, die sie in ihrem Besitz hielt. Niemand konnte ihr etwas Böses nachsagen, denn sie war sehr gottesfürchtig. Sie war ganz anderer Ansicht, machte den Ältesten der Stadt Vorhaltungen wegen ihres Mangels an Gottvertrauen und begehrte für sich und ihre Magd freie Passage durch das Stadttor, (Kap. 8).

Nachdem ihr diese zugesagt worden war, warf sie sich in inbrünstigem Gebet vor Gott nieder, um dessen Segen zu ihrem kühnen Plan zu erflehen (Kap. 9). Sie schmückte sich dann aufs herrlichste und ging mit ihrer Magd ins assyrische Lager. Hier angekommen erregte sie durch ihre Schönheit großes Aufsehen und wurde sogleich zu Holofernes geführt (Kap. 10). Es gelang ihr, durch kluge Reden ihn zu berücken (Kap. 11), so daß sie Freiheit erhielt, im assyrischen Lager aus- und einzugehen. Bei einem Mahl dann am 40. Tag der Belagerung, welches ihr zu Ehren gegeben wurde, wurde Holofernes so sehr betrunken, Kap. 12, daß Judit, welche mit ihm allein gelassen worden war, ihm mit seinem eigenen Schwert das Haupt abschlagen konnte. Letzteres brachte sie mit sich zurück nach Betulia zum freudigen Erschrecken aller dort Befindlichen (Kap. 13).

Auf Achior machte dies solchen Eindruck, daß er sich zur jüdischen Religion bekannte. Nach Judits Rat aber machten nun die Belagerten einen Ausfall, und so wurde den Assyrern bekannt, was geschehen war (Kap. 14). Voll Schrecken darüber suchten sie in wilder Flucht ihr Heil, und das ganze Lager wurde eine Beute der Hebräer. Darüber hoch gefeiert (Kap. 15), gab Judit in herrlichem Loblied ihrer Dankbarkeit gegen Gott Ausdruck und zog sich dann wieder in die Stille des Witwenlebens zurück. Solange Judit lebte, und noch lange nach ihrem Tod, war niemand mehr, der Israel erschreckte (Kap. 16).

Die Szene der Enthauptung des Holofernes war ein sehr beliebtes Thema in der abendländischen Kunst und wurde unter anderen von Donatello, Caravaggio, Botticelli, Lucas Cranach, Paolo Veronese, Bartolomeo Manfredi, Peter Paul Rubens und Gustav Klimt dargestellt. Eine ganz besonders wichtige Rolle spielt sie im Werk von Artemisia Gentileschi.

Dramatisch wurde das Thema unter anderen von Friedrich Hebbel verarbeitet, dessen Drama Judith wiederum von Johann Nestroy als Judith und Holofernes parodiert wurde. Der Barockkomponist Alessandro Scarlatti gestaltete den durchaus operngerechten Stoff sogar zweimal als Oratorium („La Giudita“) in seiner römischen Zeit, als dort per päpstlichem Erlaß Opern verboten waren.

 

Weisheit

Das Buch der Weisheit oder auch die Weisheit Salomos apokryphes Buch, das um 50 vCh  auf griechisch in der ägyptischen Diaspora (wahrscheinlich in Alexandria) von einem griechisch sprechenden, hellenistisch geprägten Juden verfaßt wurde. Die auch Zuschreibung zu Salomo (Weish 7,1 - 9,19) ist nur eine literarische Annahme. Von seiner Form her handelt es sich um ein typisches Beispiel der Weisheitsliteratur. Das Buch wurde nicht in die jüdische Bibel aufgenommen, ist aber Teil der griechischen Bibel und wird von Katholiken und orthodoxen Christen – nicht aber von Protestanten – als Teil der Bibel angesehen. Es ist vermutlich das jüngste Buch des Alten Testamentes.

Dem Inhalt nach lassen sich im Buch der Weisheit drei Teile unterscheiden: Von Kap. 1-5 wird das Leben im Glauben aufgrund der Vorteile empfohlen, welche es dem Menschen bringt. Der Lohn für die Tugend ist die Weisheit (Kap. 1). Diese erhebt den Gerechten über die Verfolgungen, welche gottlose Menschen, die nur die gegenwärtige, irdische Wirklichkeit sehen, aus Übermut über ihn bringen (Kap. 2). Wieviel glücklicher als der Sünder der Gerechte trotz der irdischen Leiden ist, zeigt das Endschicksal beider, nämlich ihr Tod und das ewige Gericht (Kap. 3 und 4). Zu spät werden die Gottlosen ihre Verblendung einsehen (Kap. 5).

Im zweiten Teil wird hiervon eine besondere Anwendung auf die Regierenden gemacht. Wegen ihrer großen Verantwortlichkeit steht ihnen ein strengeres Gericht bevor. Darum sollen sie sich um die Weisheit bemühen, die ausführlich gekennzeichnet wird. Beispiel dieses Bestrebens ist Salomon, an dem die Weisheit sich so herrlich geoffenbart hat. Er vermag deswegen auch ihr Wesen und ihre Wirkungen am besten zu schildern, und gibt das Gebet als den Weg an, auf dem die Weisheit erlangt wird (Kap. 6 - 9).

Im dritten Teil unterzieht Salomon die Offenbarungsgeschichte, von Adam an, einer eingehenden Betrachtung, in welcher die früheren Belehrungen und Ermahnungen ihre Bestätigung finden. Der Form nach ist diese Betrachtung die Fortsetzung des in Kap. 9 enthaltenen Gebets und ist in eine Anrede an Gott gekleidet. Dem Inhalt nach faßt sie die Geschichte Adams, Noas, Abrahams, Lots, Jakobs, Josefs, Moses' ins Auge (Kap. 10), erstreckt sich dann auf das verschiedene Schicksal Israels und Ägyptens beim Auszug aus Ägypten (Kap. 11), richtet sich auf das Los der Kanaaniter (Kap 12), und bei dieser Gelegenheit auf die Torheit und Verwerflichkeit des Götzendienstes überhaupt (Kap. 13-15), und kehrt dann zur Geschichte der Israeliten in der Wüste zurück (Kap. 16). Es wendet sich dann von neuem zur Betrachtung der ägyptischen Plagen, zunächst der Finsternis (Kap. 17), während der die Israeliten hellen Tag hatten (18, 1-9), dann der Tötung der Erstgeburt (18, 10-25), endlich des Durchzugs durch das Rote Meer und der Vernichtung des ägyptischen Heeres (Kap. 19). Das Ergebnis dieser ganzen Geschichtsbetrachtung ist die Bestätigung dessen, was Salomon zur Empfehlung der Weisheit vorgebracht hatte: In allem hast du, Herr, dein Volk groß gemacht und verherrlicht; du hast es nicht im Stich gelassen, sondern bist ihm immer und überall beigestanden. (19,22)

 

Tobit

Das Buch Tobit (in der Lutherbibel Tobias) ist wahrscheinlich um 200 vor Christus auf Aramäisch in Palästina oder der ägyptischen Diaspora verfaßt wurde. Von seiner Form her kann man es als eine lehrhafte Novelle einordnen.

Das Buch wurde nicht in die jüdische Bibel aufgenommen, ist aber Teil der griechischen Bibel und wird von Katholiken und Orthodoxen Christen – nicht aber von Protestanten – als Teil der Bibel angesehen. Nur die griechische Übersetzung ist vollständig erhalten. Im 20.  Jahrhundert wurden aber in den Qumranhöhlen auch aramäische und hebräische Fragmente entdeckt.

Das Buch beginnt damit, daß nach einer kurzen Einleitung Tobit in der Ich-Form seine wechselvolle Lebensgeschichte erzählt. Wie beiläufig wird dabei auch erwähnt, daß er auf einer Reise nach Medien einem gewissen Gabael Geld zur Aufbewahrung übergeben hatte. Deutlich wird in der Erzählung, daß Tobit – anders als andere Israeliten – treu den Geboten Gottes und barmherzig gegenüber seinen Stammes- und Volksgenossen gelebt hat. Unter anderem begräbt er verbotenerweise ermordete Israeliten, und erleidet dafür die Verfolgung durch die Machthaber Ninives. Als er – in Konsequenz seiner Barmherzigkeit – erblindet, muß er sich die Klage seiner Frau anhören. Der Bericht endet mit einem Gebet um Hilfe, in dem Tobit sich nicht auf seine Gerechtigkeit beruft, sondern auch seine Schuld anerkennt.

 

Dann erfolgt ein Schauplatzwechsel. Dort, wo Tobit sein Geld hinterlegt hatte, wird eine Frau – Sara – von den Mägden ihres Vaters beschimpft, weil ein Dämon – Aschmodai – ihre sieben bisherigen Männer alle getötet hat. Kurz erwägt sie, Selbstmord zu begehen, doch dann wendet sie sich statt dessen im Gebet an Gott und bittet ihn, sie sterben zu lassen oder ihr sein Erbarmen zu zeigen. Gott erhört das Gebet der beiden und sendet seinen großen Engel Raphael zur Hilfe.

Gerade an diesem Tag erinnert sich Tobit seines Geldes in Medien und ruft seinen Sohn Tobias, um ihn darüber zu informieren. Da er den Tod erwartet, ermahnt er seinen Sohn, Gott in den Menschen zu dienen und vor allem großzügig zu helfen, wo immer er kann. Unter Raphaels Führung, der sich in Menschengestalt als Begleiter angeboten hat, reist Tobias nach Medien, trifft und heiratet Sara, besiegt Aschmodai und kehrt sicher mit dem Geld seines Vaters und einem Heilmittel für dessen Blindheit zu ihm nach Ninive zurück. Tobit wird geheilt, und Saras Hochzeit mit Tobias wird sieben Tage lang fröhlich gefeiert.

Als Tobit und Tobias Raphael die Hälfte des mitgebrachten Geldes als Lohn auszahlen wollen, offenbart dieser ihnen seine wahre Identität und kehrt zu Gott zurück. Tobit singt einen Lobpreis auf den barmherzigen Gott. Kurz vor seinem Tod ruft Tobit seinen Sohn und rät ihm Ninive zu verlassen und wieder nach Medien zu ziehen, da Ninive zerstört werden wird. Nachdem auch seine Mutter Hanna gestorben ist, bricht Tobias nach Medien auf, und läßt sich bei seinem Schwiegervater nieder. Er wird 127 Jahre alt, und kurz vor seinem Tod erfährt er noch, daß Ninive, so wie es sein Vater vorausgesagt hatte, tatsächlich zerstört wurde. So konnte er sich noch vor seinem Tod über den Fall Ninives freuen.

 

Jesus Sirach

Das Buch Jesus Sirach oder Ecclesiasticus ist ungefähr 180 vCh von dem in Jerusalem lebenden Juden Jesus ben Eleazar ben Sira auf hebräisch verfaßt und später von seinem Enkel in Ägypten ins Griechische übersetzt. Die griechische Übersetzung enthält ein Vorwort dieses Enkels. Es ist möglich, daß das Buch Jesus Sirach von der ägyptischen Lehre des Cheti beeinflußt wurde.

Obwohl das Buch nicht in die hebräische Bibel aufgenommen wurde, wird es im Talmud zitiert, was die Hochschätzung des Buches durch die Rabbinen bezeugt. Es ist Teil der griechischen Bibel und wird von Katholiken und orthodoxen Christen – jedoch nicht von Protestanten und den meisten freikirchlichen Christen – als Teil der Bibel angesehen. In den Kirchen der Reformation, die das Buch Jesus Sirach unter die Apokryphen rechnen, war das Buch jedoch sehr beliebt und wurde unzählige Male nachgedruckt und in der Spruchunterweisung verwendet. Ecclesiasticus ist nicht zu verwechseln mit Ecclesiastes, einem anderen Namen für das Buch Kohelet (Prediger Salomo).

 

Das Buch ist in seinem ersten Teil eine thematisch geordnete Sammlung von weisheitlichen Sprichworten, in denen der Autor seinen – als jungen Mann vorgestellten – Leser zu einem gottesfürchtigen und gottgefälligen Leben ermahnt. Eingestreut finden sich Passagen, in denen die Weisheit gepriesen und ihr Ursprung erklärt wird, als Höhepunkt ein Loblied der Weisheit auf sich selbst (Kap. 24). Anschließend steht geschrieben, wie man Weisheit erlangt und Böses von Gutem unterscheidet.

Der zweite Teil beginnt mit einem Lob des Schöpfers in der Natur, an den sich das Lob der Väter Israels anschließt – von Henoch bis zu einem Zeitgenossen des Autors, dem Oberpriester Simon. Der zweite Teil bildet auf diese Weise einen hymnischen Abriß der gesamten Heilsgeschichte endend mit der Zeit des Autors. Nach einem ersten Schlußwort folgen zwei Nachträge und ein zweites Schlußwort.

 

Das Buch Baruch

Das Buch Baruch  ist ein deuterokanonisches bzw. apokryphes Buch des Alten Testaments, das sich in der griechischen Bibel direkt dem Buch des Propheten Jeremia anschloß, in der katholischen Bibel aber nach den Klageliedern steht. Das Buch wurde nicht in den jüdischen Kanon aufgenommen, wird aber von Katholiken und Orthodoxen Christen – nicht dagegen von Protestanten – als Teil der Bibel angesehen.

Neben dem deuterokanonischen Baruch-Buch werden drei weitere apokryphe Schriften mit dem Namen Baruch in Verbindung gebracht:

  • 2. Baruch, auch syrische Baruch-Apokalypse genannt
  • 3. Baruch, auch griechische Baruch-Apokalypse genannt
  • 4. Baruch, auch Paralipomena Jeremiae genannt, enthält weitere Erzählungen um den Propheten Jeremia

 

Das eigentliche Buch Baruch ist nur auf griechisch überliefert, und sicher nicht von Baruch in der Zeit des Exils verfaßt worden. Der wirkliche Autor und der Entstehungsprozeß ist unbekannt. Wahrscheinlich wurde das Buch im 1. Jahrhundert vor Christus aus drei oder vier Teilen zusammengestellt und mit einem Vorwort und einigen überleitenden Abschnitten versehen. Für 1,15–2,35 wird allgemein ein hebräischer Ursprung aus vormakkabäischer Zeit angenommen, für die anderen Teile – 3,9–4,4 um 200 vor Christus, 4,5–5,9 aus dem 1. Jahrhundert vor Christus – wird von einigen Autoren auch ein griechischer Ursprung vertreten. Auch die Auffassung, daß das ganze Buch ursprünglich auf hebräisch verfaßt wurde, wird von verschiedenen Autoren vertreten.

Das Buch Baruch hat in der katholischen Bibel sechs Kapitel, wobei das letzte davon eine eigene Schrift mit dem Titel Brief des Jeremia ist, die in der Septuaginta nach den Klageliedern folgte und in der lateinischen Übersetzung der Vulgata dem Buch Baruch als Anhang beigefügt wurde. Der Brief des Jeremia liegt ebenfalls nur in Griechisch vor, trägt aber Spuren der Übersetzung und dürfte deshalb auf hebräisch verfaßt worden sein. Eine Anspielung in 2. Makk 2,1-3 und die paläographische Datierung eines griechischen Fragments des Textes in den Funden von Qumran spricht für eine Entstehung spätestens im 2. Jahrhundert vor Christus. Eine Entstehung um 300 vor Christus zu Beginn der hellenistischen Epoche ist wahrscheinlich.

 

Das eigentliche Buch Baruch beginnt mit einer historischen Einführung (1,1-14) in der zunächst (1,1-2) festgestellt wird, daß das Buch vier Jahre nach der Zerstörung Jerusalems durch die Chaldäer in Babel von Baruch (dem Sekretär des Propheten Jeremia) geschrieben wurde und dann (1,3-14), daß es in einer Versammlung vom Ex-König Jojachin und anderen Juden im babylonischen Exil vorgelesen wurde. Die Versammlung reagierte mit Weinen und Gebet und veranstaltete eine Sammlung, und sandte das gesammelte Geld, das Buch und Tempelgeräte, die verschleppt worden waren, die Baruch aber zurückerhalten hatte, nach Jerusalem mit der Bitte um Opfer im Tempel und Gebet.

Der erste Abschnitt des Hauptteils des Buches (1,15–3,8) enthält ein zweifaches Bekenntnis der Sünden, die zum Exil geführt haben (15-2,5; 2,6-13), zusammen mit einem Gebet darum, daß Gott endlich seinem Volk vergeben möge (2,14-3,8):

Während der vorige Abschnitt viel mit dem Buch Daniel gemeinsam hat (vgl. Dan 9,4-19 EU), ähnelt der nächste Abschnitt (3,9–4,4) Abschnitten im Buch Hiob (vgl. Hiob 28,1ff ). Es handelt sich um eine Lobeshymne auf die göttliche Weisheit, die nur im Gesetz, das Israel gegeben wurde, gefunden werden kann. Nur in der Form des Gesetzes ist die Weisheit auf der Erde erschienen und ist für Menschen zugänglich:

Der letzte Abschnitt umfaßt 4,5–5,9 und besteht aus vier Oden, die alle mit der Aufforderung „Hab(t) Vertrauen“ beginnen, und einem Psalm (4,36–5,9), der in großer Nähe zu dem elften der apokryphen bzw. pseudoepigraphischen Psalmen Salomos steht.

 

Das erste Buch der Makkabäer

Das erste Buch der Makkabäer (abgekürzt 1 Makk) ist ein deuterokanonisches bzw. apokryphes Buch des Alten Testaments, das kurz vor 104 v. Chr. von einem national gesinnten, gesetzestreuen und mit den Makkabäern sympathisierenden Juden auf hebräisch in Palästina verfaßt wurde. Nur seine griechische Übersetzung ist erhalten. Von seiner Form her handelt es sich um ein vorsichtig religiös deutendes, vergleichsweise sachlich erzählendes nationales Geschichtswerk.

Das Buch wurde nicht in den Kanon der hebräischen Bibel (Tanach) aufgenommen, ist aber Teil der Septuaginta und wird von Katholiken und orthodoxen Christen – nicht aber von Protestanten – als Teil der Bibel angesehen. Das jüdische Fest Chanukka nimmt auf Ereignisse Bezug, die im ersten und zweiten Buch der Makkabäer geschildert sind (die Altarweihe und die Etablierung eines alljährlichen Gedenkfestes in 1 Makk 4,52-59 EU).

Inhalt: Das Buch erzählt die Geschichte der Unabhängigkeitskämpfe der Juden gegen die hellenistischen Herrscher Syriens, die Seleukiden (175–140 vCh). Die Juden hatten unter der seleu­ki­dischen Herrschaft mancherlei Drangsal zu erleiden. Auslöser der letztendlich erfolgreichen Befreiungskämpfe war der Versuch Antiochos IV. Epiphanes (175–163 vCh), im Land eine kulturelle und insbesondere religiöse Einheit herzustellen. Der Befehl an die Juden, am griechisch-syrischen Kultus teilzunehmen, stieß auf breite Ablehnung und Widerstand; diesem folgte eine harte Verfolgung.

Der Anführer des als Guerillakrieg beginnenden Aufstandes wurde der Priester Mattathias mit seinen Söhnen, die sich als von Gott zu diesem Zweck erkoren ansahen. Unter deren Führung griffen die Aufständischen von verschiedenen Schlupfwinkeln aus die Syrer an, gewannen mehr und mehr Anhang im Volk und eroberten den von den Syrern entweihten Tempel zurück. Den größten Ruhm erwarb sich hierbei des Mattathias Sohn Judas, genannt Makkaba   („Hammer“). Er führte das vom Vater begonnene Werk fort und brachte das ganze Land in seine Gewalt.

Von ihm ging der Name „Makkabäer“ auf das ganze Geschlecht des Mattathias über. Als Judas 160 vCh in einer Schlacht gefallen war, folgte ihm als Anführer sein Bruder Jonatan und diesem Simeon, der das Land vollends befriedete. Diesem übertrugen 140 vCh die Juden aus Dankbarkeit die Krone und das Amt des Oberpriesters. Ihm folgte sein Sohn Johanan (135–106 vCh).

 

Das zweite Buch der Makkabäer

Das zweite Buch der Makkabäer stellt trotz seines gleichlautenden Namens keine Fortsetzung des ersten Buches dar. Es stammt von einem anderen Autor, behandelt einen Teil der gleichen Ereignisse und enthält zusätzliches Material sowie Korrekturen. In seiner heutigen Fassung  dürfte es erst in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts vor Christus entstanden sein.

Größtenteils handelt es sich bei dem zweiten Buch der Makkabäer nach eigener Angabe um eine griechisch verfaßte, mit einer Einleitung versehene und geringfügig ergänzte Zusammenfassung eines (nicht erhaltenen) fünfbändigen Geschichtswerks des sonst nicht bekannten Autors Jason von Kyrene. Dieser Zusammenfassung wurden in einem späteren Stadium noch zwei ursprünglich hebräisch oder aramäisch verfaßte Briefe vorangestellt.

In diesem Zusammenhang hat wahrscheinlich auch der Hauptteil noch eine Überarbeitung erfahren. Von seiner Form her handelt es sich um hellenistische, religiös gedeutete Geschichtsschreibung.

Auch wenn der Autor der Zusammenfassung kaum als historisch zu wertende Lehrerzählungen, etwa vom Martyrium der sieben Brüder (Kapitel 7) aufgenommen hat und der zweite einleitende Brief (1,10–2,18 ) wie auch der Brief des Antiochus (2 Makk 9,19–27  als Fälschungen gelten, enthält das zweite Buch der Makkabäer viel wertvolles historisches Material, das die Darstellung im ersten Buch der Makkabäer ergänzt und teilweise auch korrigiert, darunter unter anderem der erste einleitende Brief und die Dokumente in 11,16-38.

Das Buch wurde nicht in die jüdische Bibel aufgenommen, ist aber Teil der griechischen Bibel und wird von Katholiken und orthodoxen Christen – nicht aber von Protestanten – als Teil der Bibel angesehen. Das in diesem Buch gelehrte „Gebet für die Seelen der Toten“ ist einer der Hauptgründe für die Ablehnung der Apokryphen durch die Protestanten. Bei den weiteren Lehren des Buches, die sonst im Alten Testament nicht oder zumindest nicht direkt erwähnt sind, handelt es sich um Verdienste der Märtyrer, Fürbitte der Heiligen und die Auferstehung der Toten. Im pharisäischen Judentum, und dadurch auch im Christentum, sind alle diese Lehren bedeutsam geworden.

Das Zweite Makkabäerbuch enthält die einzige Stelle der Bibel, die ausdrücklich von einer „Schöpfung aus dem Nichts“ (creatio ex nihilo) spricht. Die Stelle lautet: „Ich bitte dich mein Kind, schau dir den Himmel und die Erde an. Sieh alles, was es da gibt und erkenne: Gott hat das aus dem Nichts (wörtlich „aus nicht seiendem“) erschaffen und so entstehen auch die Menschen“ (2. Makk 7,28)

Das jüdische Fest Chanukka nimmt auf Ereignisse Bezug, die im ersten und zweiten Buch der Makkabäer geschildert sind – die Altarweihe und die Etablierung eines alljährlichen Gedenkfestes in 10,1–8.

 

Das Buch enthält zunächst (Kapitel 1 und 2) zwei Briefe der Juden in Palästina an ihre Volksgenossen in Ägypten mit der Aufforderung zur Mitfeier des Festes der Tempelweihe. Es folgt eine Einleitung (2. Makk 2,19-32), in der der Verfasser seine Vorgehensweise und Absicht bei der Abfassung seines Werkes, einer Zusammenfassung eines fünfbändigen Geschichtswerkes eines Jason von Kyrene darlegt.

Kapitel 3 bis 7 sind der Vorgeschichte des Aufstands der Makkabäer gewidmet, sie erzählen vom Tempelräuber Heliodor (Makk 3 ), über schlechte Hohepriester (Makk 4 ), die Grausamkeit des Antiochus (Makk 5 ) und seiner Genossen (Makk 6), besonders gegen den greisen Schriftgelehrten Eleasar (Makk 6,18–31) und gegen eine jüdische Mutter mit sieben Söhnen (Makk 7). Im Rest des Buches werden parallel zu Makk 2,42 -7,50 (aber ausführlicher) die Ereignisse des Makkabäeraufstands beginnend mit dem Eingreifen des Judas Makkabäus bis zum Tod des Nikanor dargestellt: die Siege des Judas (Makk 8), der Tod des Antiochus (Kap. Makk 9), die Tempelreinigung (Makk 10), der Sieg über den Reichsstatthalter Lysias und Friedensschluß (Makk 11), Siege über Nachbarvölker (Makk 12, der erfolglose Angriff auf Jerusalem des Antiochus Eupator (Makk 13) und Feldzug und Tod des Nikanor (Makk 14 und 15 ).

 

 Zusätze zum Buch Ester

 

Zusätze zum Buch Daniel: Geschichte von Susanna und Daniel, Vom Bel zu Babel, Vom Drachen zu Babel, Das Gebet Asarjas, Der Gesang der drei Männer im Feuerofen, Das Gebet Manasses.

 

 

 

 

 

 

 Die Lehrbücher

 

Das Buch Hiob

[Hiob, Prediger und Sprüche werden zur biblischen Weisheitsliteratur gezählt, für die der enge Zusammenhang von Tun und Ergehen als Grundüberzeugung bestimmend ist. Das Buch muß vor dem Hintergrund des altorientalischen Glaubens an den Tun-Ergehen-Zusammenhang interpretiert werden. In Israel und ebenso in den benachbarten Regionen war man der Überzeugung, daß es einem Mensch, der Gutes tut, auch in seinem eigenen Leben gut ergeht, und umgekehrt ein böser Mensch ein schlechtes Leben zu erwarten hat. Grund dafür war der Glaube an eine sich unmittelbar auswirkende göttliche Gerechtigkeit.

Die Existenz dieses Tun-Ergehen-Zusammenhangs war eine Grundüberzeugung der sogenannten älteren „Weisheitsliteratur“. In der Bibel wird diese Überzeugung unter anderem in vielen Psalmen formuliert, so etwa in Psalm 1: „Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt … Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen.“ Diese Annahme wurde im Laufe der Zeit brüchig, es kam zur so genannten „Krise der Weisheit“, was vermutlich sozialgeschicht­lich zu erklären ist: Die großen, durch Kriege verursachten gesellschaftlichen Umwälzungen der Zeit konfrontierten die Menschen mit Unsicherheit und Leid, das sich nicht mehr ohne Weiteres auf individuelles Fehlverhalten zurückführen ließ. Deswegen stellte sich die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes angesichts des Leidens Unschuldiger, was sich in verschiedenen literarischen Zeugnissen - neben Hiob auch das biblische Buch Kohelet und außerbiblische Paralleltexte - niederschlug.

Die Geschichte von Hiob behandelt die Frage, wie es sein kann, daß der gerechte Gott duldet, daß guten Menschen Böses widerfährt. Sie versucht zu beantworten, weshalb trotz Gottes Allmacht und Güte auch ein gerechter Mensch leiden kann. Sie wehrt sich gegen die fromme und einfache Annahme, daß das Leiden eine Strafe Gottes sei. In der theologischen Fachsprache hat sich dafür der Ausdruck „Theodizee“, also Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts des Leidens, eingebürgert.

Während Hiobs Freunde Sünde als Grund für seine vermeintliche Bestrafung vermuten, beteuert Hiob stets seine Unschuld und seine Treue zu Gott. Nachdem drei seiner Freunde erfolglos versucht hatten, Hiob von seiner Schuld zu überzeugen, erscheint ein jüngerer Mann namens Elihu. Dieser versucht dasselbe, gibt aber auch auf, nachdem Hiob auf niemanden hörte und sich gegen Gott recht gab. Doch dann spricht Gott zu Hiob. Durch rhetorische Fragen hilft er ihm, wahrzunehmen, daß er der Schöpfer von allem sei und Gut und Böse ausschließlich in seinen Händen liege. Weiter anerkennt Gott, daß Hiob entgegen den Behauptungen seiner Freunde unschuldig an seinen Leiden gewesen sei.

Das Hiobbuch gibt auf diese Frage mindestens zwei verschiedene Antworten: In der Rahmenhandlung wird das Leid Hiobs damit erklärt, daß Gott ihn auf die Probe stellen wollte. Da Hiob diese Probe besteht, geduldig und gottesfürchtig bleibt, wird das Leid wieder von ihm genommen. Hier wird Ergebenheit im Leid gefordert und der Tun-Ergehen-Zusammenhang wird nicht ganz aufgehoben, da Hiob letztlich für sein richtiges Verhalten belohnt wird. Trotzdem wird deutlich: Nicht immer ist Leid Strafe für eine Sünde. Der Umkehrschluß „Wer leidet, muß eine Schuld auf sich geladen haben“ ist nicht zulässig.

 

Das poetische Streitgespräch, das den Hauptteil des Hiobbuches bildet, ist dagegen nicht so eindeutig und wird deswegen auch sehr unterschiedlich interpretiert. Auffallend ist dabei, wie aggressiv Hiob sich hier gegenüber Gott äußert, dem er tyrannische Ungerechtigkeit vorwirft und den er am liebsten verklagen würde, wüßte er nicht, daß Gott sich aufgrund seiner Macht jeder Gerechtigkeit entziehen kann. Zentral für die Interpretation ist das Verständnis der Gottesreden, mit denen Gott auf die Anklage Hiobs antwortet. Gott erklärt hier nämlich nichts, er redet nicht davon, daß er Hiob nur auf die Probe stellen wollte, schon gar nicht bezieht er sich auf die „Satanswette“ aus der Rahmenhandlung. Außerdem verspricht er nicht, daß er Hiob entschädigen wird und gibt dem Leid auch sonst keinen tieferen Sinn. Inhalt der Gottesrede ist ausschließlich eine ausführliche Beschreibung der Großartigkeit der von Gott geschaffenen Natur, vor der alles menschliche Verstehen verstummt.

Erstaunlicherweise gibt sich Hiob mit dieser Antwort zufrieden, obwohl sie seine Anklage Gottes eigentlich bestätigt: Er ist unschuldig und sein Leiden unerklärlich. Möglicherweise will das Hiobbuch eben das sagen, daß der Sinn von Gottes Handeln den Menschen nicht zugänglich und eine Antwort auf die Theodizeefrage nicht möglich ist. Vielleicht ist die Pointe auch, daß Gott überhaupt für Hiob erscheint, also dem Leidenden gerade auch im tiefsten Leid erfahrbar wird. Sicher ist jedenfalls, daß der Tun-Ergehen-Zusammenhang aufgehoben wird: Leid ist nicht durch Schuld verursacht, die Freunde Hiobs, die den Leidenden zur Gewissenserforschung auffordern, haben Unrecht.

Weil Hiob in all seinem Leid, seiner Armut und seiner Trauer seinem Gott dennoch die Treue hielt und ihn nicht verfluchte, wie seine Ehefrau es ihm nahegelegt hatte, und weil er später auf die Belehrungen Gottes mit großer Demut reagiert, erlöst Gott ihn schließlich von der Krankheit und segnet sein weiteres langes Leben damit, daß er ihm das Doppelte seines früheren Besitzes erwerben läßt. Auch bekommt Hiob sieben neue Söhne und drei Töchter - wie vor seinen Unglücksschlägen.

 

Eine kritische Betrachtung der heutigen Textgestalt läßt bereits auf den ersten Blick eine gewisse Uneinheitlichkeit erkennen: Der größere Teil des Buches besteht aus einer Reihe von in Versform formulierten Reden Hiobs, seiner Freunde und Gottes. Diese Reden, die insgesamt ein großes Streitgespräch bilden, sind eingerahmt von einer knappen, in Prosa abgefaßten Erzählung (Prolog Hiob 1-2 und Epilog Hiob 42).

Da es auch inhaltlich zwischen diesen beiden Teilen Spannungen gibt, nimmt man allgemein an, daß sie von unterschiedlichen Verfassern stammen. Vermutlich hat der Dichter des poetischen Streitgespräches die Prosaerzählung vorgefunden und sie zum Anlaß für sein eigenes Werk genommen, das er in die ältere Erzählung einbettete.

Aber auch die Versdichtung ist in sich nicht einheitlich. Die Reden des vierten Freundes Elihu (Kap. 32–37), dessen Auftreten insgesamt als durch die bisherige Handlung nicht motiviert erscheint, sind inhaltlich vom restlichen Streitgespräch zu unterscheiden, so daß sie zumeist einem anderen Verfasser zugeschrieben werden. In ähnlicher Weise wird von manchen Forschern die in der Rahmenerzählung berichtete „Wette“ zwischen dem Satan und Gott als spätere Einfügung betrachtet.

Die dichterischen Teile weisen einen oft losen Zusammenhang miteinander und mit der Rahmenerzählung auf. So ist im Dialog von den Umständen, die in dem Prolog erzählt wurden, keine Rede. Hier klagt Hiob nicht über den Verlust seiner Reichtümer und seiner Söhne: Er klagt über die Verachtung seiner Mitmenschen, deren Objekt er geworden ist. Das Auftreten von Elihu geschieht plötzlich, er wird weder davor noch danach noch einmal erwähnt.

Die Gottesreden danach thematisieren weder die Argumente der Freunde noch Hiobs Anschuldigungen. Anders die Rahmenerzählung: während der Prolog dafür geeignet ist, den Rahmen für eine theologische Deutung des nachfolgenden Dialogs zu schaffen, wird im Epilog eine Deutung ausdrücklich vollzogen, indem die Anklagereden der Freunde verurteilt werden. Darüber hinaus werden im Prolog und im Epilog die gleichen Umstände der Schicksalsschläge angesprochen, die Hiob getroffen haben.

Das Buch trägt seinen Namen nicht nach seinem Verfasser, sondern nach seiner Hauptfigur. Hiob (Job) ist ein frommer Mann aus dem Land Uz, dessen Geschichte und Gottesverhältnis das nach ihm benannte Buch in der hebräischen Bibel darstellt. Von diesem Namen und seiner biblischen Geschichte sind die sprichwörtlichen Hiobsnachrichten oder Hiobsbotschaften abgeleitet.

Da im Text auf keine historischen Gegebenheiten verwiesen wird, ist eine genaue Datierung nicht möglich. Aufgrund sprachlicher und inhaltlicher Argumente ist man allgemein der Ansicht, daß das Hiob-Buch erst entstand, nachdem Israel aus dem babylonischen Exil zurückgekehrt war: Das Vokabular deutet nämlich auf ein verhältnismäßig spätes Entstehungsdatum, unter anderem weil sich Einflüsse des Aramäischen feststellen lassen. Außerdem gehört die Gestalt des Satans noch nicht zum vorexilischen Glauben Israels. Auch die kritische Frage nach der Gerechtigkeit Gottes angesichts des Leidens Unschuldiger spricht gegen ein höheres Alter. Das Hiob-Buch als Gesamtschrift muß irgendwann zwischen dem 5. und dem 3. Jahrhundert vor Christus entstanden sein. Trotzdem ist denkbar, daß die Rahmenhandlung älter ist oder zumindest auf ältere Traditionen zurückgeht, wie verschiedentlich angenommen wird.

Wegen der thematischen oder strukturellen Analogien werden einige Texte aus Mesopotamien von Exegeten in Verbindung mit dem Buch Hiob gesetzt. Eine Parallele zu Hiobs Geschichte findet sich im deuterokanonischen Buch Tobit. Auch im Koran wird Hiobs Geschichte erwähnt. Sie gleicht der biblischen Rahmenerzählung (siehe die Suren 6,84; 21,83–84; 38,41–43). Der im Arabischen gängige Vorname Aiyub ist deshalb ein Symbol für Geduld und Demut geworden.

 

Die Motive des Buches Hiob sind Gegenstand zahlreicher künstlerischer und wissenschaftlicher Bearbeitungen:

* Einzelne Elemente des Motivs sind im „Prolog im Himmel“ in Goethes Faust aufgegriffen.

* Auf dem Titelbild der staatstheoretischen Schrift Leviathan von Thomas Hobbes wird die lateinisch-sprachige Bibelstelle Hiob 41,24 zitiert.

* In John Steinbecks Roman „The Grapes of Wrath“ (Die Früchte des Zorns) wird auf die Figur Hiob und seine Charaktereigenschaften angespielt.

* Im Jahre 1930 erschien Joseph Roths Roman „Hiob“.

* In ihrem 1946 erschienenen Werk „Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes“ bringt Margarete Susman eine kollektive Deutung des Motivs ein.

* Im Film „Mission Impossible“ mit Tom Cruise wird eine Bibelstelle als Übermittlung von geheimen Nachrichten verwendet.

* In der Serie „Emergency Room“ in der Folge 15.3. zitiert Abby zuerst Hiob 3:20-22 und 24-26 und am Ende der Folge Hiob 38:13-18

* In dem Buch „Sakrileg“ von Dan Brown wird eine Bibelstelle als Zeichen für Silas den Mönch verwendet.[32]

* Carl Loewe: Oratorium „Hiob“].

 

Hiobs Frömmigkeit:

Hiob war ein war frommer und rechtschaffener Mann und war gottesfürchtig und mied das Böse. Er zeugte sieben Söhne und drei Töchter. Er hatte siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Rinder und fünfhundert Eselinnen, und er hatte viele Helfer. Und er war reicher als alle, die im Osten wohnten. Eines Tages gingen seine Söhne hin und machten ein Festmahl, ein jeder in seinem Haus auf seinen Tag. Sie luden ihre drei Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken. Als die Tage des Mahls um waren, sandte Hiob eine Botschaft hin und widmete sie Gott und machte sich früh am Morgen auf und opferte Brandopfer entsprechend der  Zahl seiner Söhne, denn er dachte: „Meine Söhne könnten gesündigt und Gott abgesagt haben in ihrem Herzen!“ So tat Hiob allezeit.

Eines Tages aber, als die Gottessöhne  [= himmlische Wesen] vor den Herrn traten, kam auch der Satan mit ihnen. Der Herr sprach zu dem Satan: „Wo kommst du her?“ Satan antwortete dem Herrn und sprach: „Ich habe die Erde hin und her durchzogen!“Der Herr sprach zu Satan: „Hast du auch meinen Diener Hiob bemerkt? Denn es ist keiner wie er auf der Erde, fromm und rechtschaffen, dazu ist er gottesfürchtig und meidet das Böse!“

Der Satan antwortete dem Herrn: „Meinst du, daß Hiob Gott umsonst fürchtet? Du hast doch ihn und sein Haus und all seinen Besitz rundherum beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Land. Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: Wetten, er wird dir ins Angesicht absagen?“ Der Herr sprach zum Satan: „Alles, was er hat, sei in deiner Hand. Nur an ihn selbst lege deine Hand nicht!“ Da ging der Satan aus von dem Herrn.

An dem Tag aber, als seine Söhne und Töchter aßen und Wein tranken im Haus ihres erstgeborenen Bruders, kam ein Bote zu Hiob und sprach: „Die Rinder pflügten, und die Eselinnen gingen neben ihnen auf der Weide, da fielen die aus Saba herein und nahmen sie und erschlugen die Helfer mit der Schärfe des Schwerts. Ich allein bin entronnen, daß ich es dir sagte!“

Als er noch redete, kam ein anderer und sprach: „Das Feuer Gottes fiel vom Himmel und traf Schafe und Helfer und verzehrte sie. Ich allein bin entronnen, daß ich es dir sagte!“ Als er noch redete, kam einer und sprach: „Die Chaldäer machte drei Abteilungen und fielen über die Kamele her und nahmen sie und schlugen die Helfer mit der Schärfe des Schwerts. Ich allein bin entronnen, daß ich es dir sagte!“

Als er noch redete, kam einer und sprach: „Deine Söhne und Töchter aßen und tranken im Haus ihres erstgeborenen Bruders. Da kam ein großer Wind von der Wüste her und stießen an die vier Ecken des Hauses und warf es auf die jungen Leute, daß sie starben. Ich allein bin entronnen, daß ich es dir sagte!“

Da stand Hiob auf und zerriß seine Kleidung und schor sein Haupt und fiel auf die Erde und neigte sich tief und sprach: „Ich bin nackt von meiner Mutter Leib gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des Herrn sei gelobt!“ Bei all dem sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes gegen Gott (Hi 1).

 

Hiob bewährt sich erneut:

Eines Tages, als die Gottessöhne kamen und vor den Herrn traten, kam auch der Satan unter ihnen und trat vor den Herrn. Da sprach der Herr zu dem Satan: „Wo kommst du her?“ Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: „Ich habe die Erde hin und her durchzogen!“ Der Herr sprach zu dem Satan: „Hast du auch meinen Diener Hiob bemerkt? Denn es ist keiner wie er auf der Erde, fromm und rechtschaffen, dazu ist er gottesfürchtig und meidet das Böse! Er hält fest an seiner Frömmigkeit. Du aber hast mich bewogen, ihn ohne Grund zu verderben!“

Der Satan antwortete dem Herrn: „Haut für Haut! Alles was ein Mann hat, läßt er für sein Leben. Aber strecke deine Hand aus und taste seine Knochen und sein Fleisch an: Wetten, er wird dir ins Angesicht absagen?“ Der Herr sprach zu dem Satan: „Er sei in deiner Hand, doch schone sein Leben!“

Da ging der Satan hinaus von dem Angesicht des Herrn und schlug Hiob mit bösen Geschwüren von der Fußsohle bis an seinen Scheitel. Hiob nahm eine Scherbe und schabte sich und saß in der Asche. Seine Frau sprach zu ihm: „Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Sage Gott ab und stirb!“ Er aber sprach zu ihr: „Du redest, wie die närrischen Weiber reden. Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ In diesem allem versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen.

Als aber die drei Freunde Hiobs von all dem Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie, ein jeder aus seinem Ort: Eliphas von Theman, Bildad von Suah und Zophar von Naema. Denn sie waren eins geworden, zu kommen und ihn zu beklagen und zu trösten. Als sie von ferne hinsahen, erkannten sie ihn nicht und hoben auf ihre Stimme und weinten. Jeder zerriß seine Kleidung, und sie warfen Staub zum Himmel und auf ihr Haupt. Sie saßen sieben Tage und sieben Nächte mit ihm auf der Erde und redeten nichts mit ihm, denn sie sahen, daß der Schmerz sehr groß war (Hi 2).

[In einem Streitdialog zwischen Hiob und drei weiteren Personen, Elifas, Bildad und Zofar, die im Prolog als Freunde Hiobs vorkommen, klagt Hiob über sein eigenes Leiden, beteuert, es nicht verdient zu haben, und fordert schließlich Gott selbst heraus. In dreimal drei Reden, denen jeweils Hiobs Entgegnung folgt, versuchen dagegen die Freunde, Hiob zum Geständnis seiner Schuld zu bewegen. Sie sind typische Vertreter der Weisheitslehre: Dem Gerechten geht es gut, dem Gottlosen schlecht. Demzufolge muß Hiobs Leiden durch seine Schuld verursacht sein. Die Reden steigern sich und die beiden Parteien reden immer mehr aneinander vorbei, bis sie sich am Ende nichts mehr zu sagen haben. Es zeigt sich, daß die Freunde Hiob nicht mit ihrer Weisheit weiterhelfen können. Diesem Abschnitt werden auch Teile zugerechnet, die eigentlich Monologe sind (Hiob 3 und Hiob 29–31) oder keinem Redner zugewiesen werden können, so das so genannte Lied von der Weisheit (Hiob 28)]. Anmerkung. Diese Kapitel sind alle stark gekürzt)

 

Hiobs Klage:

Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag und sprach: „Ausgelöscht  sei der Tag, an dem ich geboren bin. Dieser Tag soll finster sein, und Gott droben frage nicht nach ihm. Die Sterne sollen finster sein in ihrer Dämmerung. Die Nacht hoffe aufs Licht, und es komme nicht. Warum bin ich nicht bei meiner Geburt gestorben? Dann läge ich da und wäre still, schliefe und hätte Ruhe. Da sind klein und groß gleich, und der Sklave ist frei von seinem Herrn. Warum gibt Gott das Licht dem Mühseligen und das Leben den betrübten Herzen. Denn wenn ich essen soll, muß ich seufzen, und mein Schreien fährt heraus wie Wasser. Denn was ich gefürchtet habe ist über mich gekommen, und wovor mir graute, das hat mich getroffen. Ich hatte keinen Frieden, keine Rast, keine Ruhe, da kam schon wieder ein Unglück!“ (Hi 3).

 

Die erste Rede des Eliphas:

Eliphas von Theman und sprach: „Du hast es vielleicht nicht gern, wenn man versucht, mit dir zu reden. Aber Worte zurückhalten, wer kann das? Siehe, du hast viele unterwiesen und matte Hände gestärkt. Deine Rede hat die Gefallenen aufgerichtet, und die bebenden Knie hast du gekräftigt.

Wenn es nun aber an dich kommt, wirst du weich. Und wenn es dich trifft, erschrickst du. Ist nicht deine Gottesfurcht dein Trost  und die Unsträflichkeit der Wege deine Hoffnung?  Bedenke doch: Wo ist ein Unschuldiger umgekommen? Oder wo werden die Gerechten je vertilgt? Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott oder ein Mann rein sein vor dem, der ihn gemacht hat?

Ich sah einen Toren Wurzel schlagen, doch plötzlich verschwand er von seiner Stätte dahin. Seinen Kindern bleibt Hilfe fern sein und sie werden zerschlagen am Tor, denn kein Erretter ist da. Seine Ernte verzehrt der Hungrige und auch aus den Hecken holt er sie. Denn Frevel geht nicht aus der Erde hervor und Unheil aus wächst nicht dem Acker, sondern der Mensch erzeugt sich selbst das Unheil.  

Ich aber würde zu Gott mich wenden und meine Sache vor ihn bringen, der die Niedrigen erhöht und den Betrübten emporhilft. Er hilft dem Armen vom Schwert, und den Elenden von der Hand des Mächtigen. Dem Armen wir Hoffnung zuteil, und die Bosheit muß ihren Mund halten. Selig ist der Mensch, den Gott zurechtweist. Darum widersetze dich nicht der Zucht des Allmächtigen.

Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein Übel rühren: In der Hungersnot wird er dich vom Tod erlösen und im Kriege von des Schwertes Hand. Über Verderben und im Hunger wirst du lachen und dich vor den wilden Tieren im Land nicht fürch­ten. Denn sein Bund wird sein mit den Steinen auf dem Felde, und die wilden Tiere im Landewerden Frieden mit dir halten. Und du wirst erfahren, daß deine Hütte Frieden hat, und wirst deine Stätte überschauen versorgen und nichts vermissen (Hi 4-5).

 

Hiobs erste Antwort an Eliphas:

Hiob antwortete und sprach: Wenn man doch meinen Kummer wiegen und mein Leiden zugleich in die Waage legte! Denn nun ist es schwerer als Sand am Meer; darum sind meine Worte noch unbedacht. Denn die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, mein Geist muß ihr Gift trinken, und die Schrecknisse Gottes sind auf mich gerichtet.

Könnte doch meine Bitte geschehen und Gott mir geben, was ich hoffe! Daß mich Gott erschlagen wollte und ließe seine Hand aussteckte und meine Lebensfaden abschnitte! So hätte ich noch diesen Trost, daß ich nicht verleugnet habe die Reden des Heiligen.

Weil ihr Schrecknisse seht, fürchtet ihr euch. Habe ich denn gesagt: Schenkt mir etwas und bezahlt für mich von eurem Vermögen  und errettet mich aus der Hand des Feindes und kauft mich los von der Hand der Gewalttätigen? Belehrt mich, so will ich schweigen, und worin ich geirrt habe, darin unterweist mich. Wie kräftig sind doch redliche Worte! Aber euer Tadeln, was beweist das?   Doch nun seht auf mich, ob ich euch ins Angesicht lüge. Kehrt doch um, damit nicht Unrecht geschehe. Kehrt um! Noch habe ich recht darin.

Muß nicht der Mensch immer im Dienst stehen sein auf Erden, und sind seine Tage nicht wie die eines Tagelöhners? Wie ein Helfer sich sehnt nach dem Schatten und ein Tagelöhner auf seinen Lohn wartet, so habe ich wohl ganze Monate vergeblich gearbeitet, und viele elende Nächte sind mir geworden. Wenn ich mich niederlegte, sprach ich: „Wann werde ich aufstehen?“Bin ich aufgestanden, dann wurde es mir lang bis zum Abend und mich quälte  die Unruhe bis zur Dämmerung.

Mein Fleisch ist um und um eine Beute des Gewürms und faulig. Meine Haut ist voller Eiter und geschrumpft. Meine Tage sind schneller dahingeflogen wie ein Weberschiffchen und sind vergangen ohne Hoffnung. Bedenke, daß mein Leben ein Hauch ist und meine Augen nicht wieder Gutes sehen werden. Eine Wolke vergeht und fährt dahin: So kommt nicht wieder herauf, wer zu den Toten hinunterfährt, er kommt nicht wieder zurück, und seine Stätte kennt ihn nicht mehr. 

Darum will auch ich meinem Mund nicht wehren: Ich will reden in der Angst meines Herzens und will klagen in der Betrübnis meiner Seele. Ich vergehe! Ich lebe ja nicht ewig. Laß ab von mir, denn meine Tage sind nur noch ein Hauch.  Was ist ein Mensch, daß du ihn groß achtest und dich um ihn kümmerst?  Jeden Morgen suchst du ihn heim und prüfst ihn alle Stunden. Warum blickst du dich nicht einmal von mir weg und läßt mir keinen Augenblick Ruhe? Warum vergibst du mir meine Sünde nicht und nimmst weg meine Sünde? Denn nun werde ich mich in die Erde legen, und wenn du mich suchst, werde ich nicht da sein (Hi 6-7).

 

Bildads erste Rede:

Da antwortete Bildad: Wie lange willst du so reden und sollen die Reden deines Mundes so ungestüm daher fahren? Meinst du, daß Gott unrecht richte oder der Allmächtige das Recht verkehrt? Haben deine Söhne vor ihm gesündigt, so hat er sie verstoßen um ihrer Sünde willen. Wenn du aber dich beizeiten zu Gott wendest und zu dem Allmächtigen flehst. Wenn du rein und fromm bist, so wird er wegen dir aufwachen und wird wieder aufrichten deine Wohnung, und was du zunächst wenig gehabt hast, das wird danach gar sehr zunehmen. Denn frage die früheren Geschlechter und merke auf das, was ihre Väter erforscht haben. Denn wir sind von gestern her und wissen nichts. Unsere Tage sind ein Schatten auf der Erde.  Sie werden es dich lehren und dir sagen. Gott verwirft nicht die Frommen und hält nicht die Hand der Boshaften fest, bis er dein Mund voll Lachens mache und deine Lippen voll Jauchzens. Die dich aber hassen, müssen sich in Schmach kleiden, und der Hütte der Gottlosen wird nicht bestehen (Hi 9).

 

Hiobs erste Antwort an Bildad:

Hiob antwortete: Ja, ich weiß sehr gut, daß es so ist und daß ein Mensch nicht Recht behalten kann gegen Gott. Hat er Lust, mit ihm zu streiten, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten. Gott ist weise und mächtig. Wem ist es je gelungen, der sich gegen ihn gestellt hat? Er versetzt Berge, ehe sie es innewerden, er kehrt sie um in seinem Zorn. Er geht an mir vorüber, ohne daß ich es gewahr werde, und wandelt vorbei, ohne daß ich es merke. Wenn er wegrafft, wer will ihm wehren? Wer will zu ihm sagen: Was machst du da?

Wie sollte ich ihm denn antworten und Worte finden vor ihm? Wenn ich auch recht habe, kann ich ihm dennoch nicht antworten, sondern ich müßte um mein Recht flehen. Wenn ich ihn schon anrufe, daß er mir antwortet, so glaube ich doch nicht, daß er meine Stimme hört. Vielmehr greift er nach mir  im Wettersturm und schlägt mir viel Wunden ohne Grund. Sage ich, daß ich gerecht bin, so verdammt er mich doch; wäre ich unschuldig, so würde er mich doch schuldig sprechen

Ich bin unschuldig! Ich möchte nicht mehr leben. Es ist eins! Darum sage ich: Er bringt den Frommen um wie den Gottlosen. Meine Tage sind schneller gewesen als ein Läufer. Sie sind dahin geflohen  und haben nichts Gutes erlebt. Ich soll ja doch ein Gottloser sein. Warum mühe ich mich denn so vergeblich? Wenn ich mich gleich mit Schneewasser wüsche und reinigte mein Hände mit Lauge, so wirst du mich doch eintauchen in die Grube, daß sich meine Kleider vor mir ekeln. So will ich reden und mich nicht vor ihm fürchten. Denn ich bin mir keiner Schuld bewußt.

Mich ekelt mein Leben an. Ich will meiner Klage ihren Lauf lassen und reden in der Betrübnis meiner Seele und zu Gott sagen: Verdamme mich nicht! Laß mich wissen, warum du mich vor Gericht ziehst! Deine Hände haben mich gebildet und bereitet. Danach hast du dich abgewandt  und willst  mich verderben? Bedenke doch, daß du mich aus Erde gemacht hast und wirst mich wieder zu Erde machen?

Wäre ich schuldig, dann wehe mir! Wäre ich schuldlos, so dürfte ich doch mein Haupt nicht aufheben. Warum hast du mich aus meiner Mutter Leib kommen lassen? Ach, wäre ich doch umgekommen und hätte mich nie ein Auge gesehen! So wäre ich wie die, die nie gewesen sind, von Mutterleib weg zum Grab gebracht. Ist denn mein Leben nicht kurz? So höre er auf und lasse ab von mir, daß ich ein wenig aufgerichtet werde, ehe ich denn hingehe ins Land der Finsternis und des Dunkels und komme nicht wieder (Hi 9-10).

 

Zophars erste Rede:

Da antwortete Zophar: Muß langes Gerede ohne Antwort bleiben? Muß denn ein Schwätzer immer recht haben? Ach, daß Gott mit dir redete und täte seine Lippen auf und zeigte dir die Tiefen der Weisheit!  Meinst du, daß du weißt, was Gott weiß, und kannst du alles so vollkommen treffen wie der Allmächtige? Wenn du aber auf ihn dein Herz richtetest und deine Hände zu ihm ausbreitetest. Wenn du den Frevel in deiner Hand von dir wegtust, daß in deiner Hütte kein Unrecht bliebe, so könntest du dein Antlitz aufheben ohne Tadel und würdest fest sein und dich nicht fürchten. Aber die Augen der Gottlosen werden verschmachten, und sie werden nicht entrinnen können (Hi 11).

 

Hiobs erste Antwort an Zophar:

Da antwortete Hiob: Ja, ihr seid die Leute! Mit euch wird die Weisheit sterben! Ich habe ebenso Verstand wie ihr und bin nicht geringer als ihr. Ich muß von meinen Mitmenschen ausgelacht werden, der ich Gott anrief, und er erhörte mich. Der Gerechte und Fromme muß verlacht sein. Frage doch das Vieh, das wird es dich lehren und die Vögel unter dem Himmel, die werden es dir sagen. Wer erkennte nicht an dem allem, daß die Hand des Herrn das gemacht hat, daß in seiner Hand die Seele alles dessen ist, was da lebt, und der Lebensodem aller Menschen? Bei ihm sind Weisheit und Gewalt, sein sind Rat und Verstand.

Ich wollte gern zu dem Allmächtigen reden und wollte gern mit Gott rechten. Aber ihr seid alle unnütze Ärzte. Wollte Gott, ihr schwiegt, so wärt ihr weise. Hört doch, wie ich mich verantworte und merkt auf die Streitsache, von der ich rede! Wollt ihr Gott verteidigen mit Unrecht und Trug für ihn reden? Wollt ihr für Gott Partei nehmen? Wollt ihr Gott vertreten? Er wird euch hart zurechtweisen, wenn ihr heimlich Partei ergreift.

Ich bin zum Rechtsstreit gerüstet, ich weiß, daß ich Recht behalten werde. Nur zweierlei tue mir nur nicht, so will ich mich vor dir nicht verbergen:  Laß deine Hand fern von mir sein, und dein Schrecken erschrecke mich nicht! Dann rufe, ich will dir antworten, oder ich will reden, dann antworte du mir! Wie groß ist meine Schuld und Sünde? Laß mich doch wissen meine Übertretung und Sünde. Warum verbirgst du dein Antlitz und hältst mich für deinen Feind?

Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht. Doch du tust deine Augen über einen solchen auf, daß du mich vor dir ins Gericht ziehest. Kann wohl ein Reiner kommen von den Unreinen? Auch nicht einer. Sind seine Tage bestimmt und hast du ein Ziel gesetzt, das er nicht überschreiten kann, so blicke doch weg von ihm, damit er Ruhe habe, bis daß sein Tag kommt. Denn ein Baum hat Hoffnung, auch wenn er schon abgehauen ist. Er kann wieder ausschlagen, und seine Schößlinge bleiben nicht aus.

Ob seine Wurzel in der Erde veraltet und sein Stumpf im Boden abstirbt, so grünt er doch wieder vom Geruch des Wassers und treibt Zweige wie eine junge Pflanze.

Stirbt aber ein Mann, so ist er dahin. Kommt ein Mensch um - wo ist er dann? Wie ein Wasser ausläuft aus dem See, und wie ein Strom versiegt und vertrocknet, so ist ein Mensch, wenn er sich niederlegt, und wird nicht aufstehen. Er wird nicht aufwachen, solange der Himmel bleibt, noch von seinem Schlaf erweckt werden. Meinst du, ein toter Mensch wird wieder leben?

Alle Tage meines Dienstes will ich warten, bis daß meine Ablösung kommt! Du würdest rufen und ich dir antworten. Dann würdest du meine Schritte zählen, aber hättest doch nicht acht auf meine Sünden. Du würdet meine Übertretungen in ein Bündlein versiegeln und meine Schuld übertünchen. Ein Berg kann zerfallen und ein Fels von seiner Stelle weichen. Wasser wäscht Steine weg, und seine Fluten schwemmen die Erde weg. So machst du die Hoffnung der Menschen zunichte. Du überwältigst ihn für immer, daß er davon muß und entstellst sein Antlitz und läßt ihn dahinfahren. Sind seine Kinder in Ehren, das weiß er nicht, oder ob sie verachtet sind, das wird er nicht gewahr. Nur sein eigenes Fleisch macht ihm Schmerzen, und nur um ihn selbst trauert seine Seele (Hi 12- 14).

 

Die zweite Rede des Eliphas:

Da antwortete Eliphas: Soll ein weiser Mann so aufgeblasene Worte reden und seinen Bauch so blähen mit leeren Reden? Du verantwortest dich mit Worten, die nicht taugen, und dein Reden ist nichts nütze. Du selbst zerstörst die Gottesfurcht und raubst dir die Andacht vor Gott. Denn deine Schuld lehrt deinen Mund so, und du hast erwählt eine listige Zunge. Dein Mund verdammt dich, und nicht ich, deine Lippen zeugen gegen dich. Bist du als der erste Mensch geboren? Kamst du vor allen Hügeln zur Welt? Hast du im heimlichen Rat Gottes zugehört und die Weisheit an dich gerissen? Was weißt du, das wir nicht wissen? Was verstehst du, was uns nicht bekannt ist?

Was ist der Mensch, daß er rein sein sollte, und daß er gerecht sein sollte, der von einem Weib geboren ist? Ich will es dir zeigen, höre mir zu, und ich will dir erzählen, was ich gesehen habe, was die Weisen gesagt haben und ihre Vätern ihnen nicht verborgen haben: „Der Gottlose bebt sein Leben lang, und dem Tyrannen ist die Zahl seiner Jahre verborgen.

Stimmen des Schreckens hört sein Ohr, und mitten im Frieden kommt der Verderber über ihn. Er  glaubt nicht, daß er dem Unglück entrinnen könne und fürchtet immer das Schwert. Er zieht hin und her nach Brot und weiß nicht, daß ihm der Tag der Finsternis bereitet ist. Angst und Not schrecken ihn und schlagen ihn nieder wie ein König, der angreift. Doch er wird nicht reich bleiben, und sein Gut wird nicht bestehen, und sein Besitz wird sich nicht ausbreiten im Land (Hi 15).

 

Hiobs zweite Antwortet an Eliphas:

Hiob antwortete: Ich habe das schon oft gehört. Ihr seid allzumal leidige Tröster! Wollen die leeren Worte kein Ende haben? Gott hat mich übergeben dem Ungerechten und hat mich in die Hände der Gottlosen kommen lassen. Ich war in Frieden, aber er hat mich zunichte gemacht. Meine Freunde spotten über mich, unter Tränen blickt mein Auge zu Gott auf, daß er Recht verschaffe dem Mann bei Gott, dem Menschen vor seinem Freund.  Denn nur wenige Jahre noch, und ich gehe den Weg, den ich nicht wiederkommen werde. Mein Geist ist zerbrochen und meine Tage sind ausgelöscht, das Grab ist da. Gespött umgibt mich. Sei du selber mein Bürge bei dir - wer will mich sonst vertreten? Aber der Gerechte hält fest an seinem Weg behalten, und wer reine Hände hat, nimmt an Stärke zu. Kehrt euch alle wieder her und kommt. Ich werde dennoch keinen Weisen unter euch finden. Worauf soll ich denn hoffen. Und wer sieht noch Hoffnung für mich? (Hi 16-17).

Bildads zweite Rede:

Da antwortete Bildad: Warum werden wir geachtet wie Vieh und sind so töricht vor euren Augen?  Willst du vor Zorn platzen? Soll um deinetwillen die Erde veröden  und der Fels von seiner Stelle weichen? Dennoch wird das Licht der Gottlosen verlöschen, und der Funke seines Feuers wird nicht leuchten. Das Licht wird finster werden in seiner Hütte, und seine Leuchte über ihm verlöschen. Unten verdorren seine Wurzeln, und oben verwelken seine Zweige. Sein Andenken wird vergehen im Land, und er wird keinen Namen haben auf der Gasse. Er wird vom Licht in die Finsternis vertrieben und vom Erdboden verstoßen werden.

Er wird keine Kinder haben und keine Enkel unter seinem Volk. Die im Westen werden sich über seinen Gerichtstag entsetzen. Und über die im Osten wird Furcht kommen. Ja, so geht es der Wohnung des Ungerechten und der Stätte dessen, der Gott nicht achtet (Hi 18).

 

Hiobs zweite Antwort an Bildad:

Hiob antwortete: Wie lange plagt ihr doch meine Seele und peinigt mich mit Worten? Ihr habt mich nun zehnmal verhöhnt und schämt euch nicht, mir so zuzusetzen. Habe ich mich wirklich geirrt, so trage ich meinen Irrtum selbst. Wollt ihr euch über mich erheben und wollt ihr mir meine Schmach beweisen?  So merkt doch endlich, daß mir Gott Unrecht tut und mich mit seinem Jagdnetz umgeben hat. Ich schreie „Gewalt“  aber ich werde ich doch nicht gehört, ich rufe, aber kein Recht ist da.

Er hat meinen Weg vermauert, daß ich nicht hinüber kann. Er hat meine Brüder von mir entfernt, und meine Verwandten sind mir fremd geworden. Meine Nächsten haben sich zurückgezogen, und meine Freunde haben mich vergessen. Mein Atem ist meiner Frau zuwider, und den Söhnen meiner Mutter ekelt es vor mir. Selbst die Kinder geben nichts auf mich. Stelle ich mich gegen sie, so geben sie mir böse Worte. Alle meine Getreuen verabscheuen mich und die ich liebhatte, haben sich auch gegen mich gewandt. Erbarmt euch über mich, ihr meine Freunde! Denn die Hand Gottes hat mich getroffen.

 Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er über dem Staube sich erheben. Und ist meine Haut auch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen. Ihn selbst werde ich sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust (Hi 19).

 

Zophars zweite Rede:

Da antwortete Zophar: Weißt du nicht, daß es allezeit so gegangen ist, seitdem Menschen auf der Erde gewesen sind: daß das Frohlocken der Gottlosen  währt nicht lange und die Freude des Ruchlosen nur einen Augenblick? Wenn auch sein Scheitel in den Himmel reicht und sein Haupt an die Wolken rührt, so wird er doch für immer vergehen wie Kot. Der Himmel wird seine Schuld enthüllen und die Erde wird sich gegen ihn erheben. Seine Ernte wird weggeführt werden, zerstreut am Tag seines Zorns. Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei Gott (Hi 20).

 

Hiobs zweite Antwort an Zophar:

Hiob antwortete: Hört doch meiner Rede zu und laßt mir das eure Tröstung sein! Ertragt mich, daß ich rede, und danach spottet über mich! Geht denn gegen einen Menschen meine Klage? Oder warum sollte ich nicht ungeduldig sein?  Kehrt euch her zu mir. Ihr werdet erstarren und die Hand auf den Mund legen müssen. Wenn ich daran denke, so erschrecke ich, und Zittern kommt meinem Leib an. Warum bleiben die Gottlosen am Leben, werden alt und nehmen zu an Kraft?

Ihre Nachkommen sind bei ihnen. Ihr Haus hat Frieden ohne Furcht, und Gottes Rute ist nicht über ihnen. Wer will Gott die Weisheit lehren, der auch die Hohen richtet? Der eine stirbt frisch und gesund in allem Reichtum und voller Genüge, sein Melkfaß ist voll Milch, und seine Knochen werden gemästet mit Mark. Der andere aber stirbt mit verbitterter Seele und hat nie vom Glück gekostet. Wer sagt ihm ins Angesicht, was er verdient? Wer vergilt ihm, was er getan hat? Wird er doch zu Grabe geleitet und hält Wache auf seinem Hügel (Hi 21).

 

Die letzte Rede des Eliphas:

Da antwortete Eliphas: Kann denn ein Mann Gottes etwas nützen? Nur sich selber nützt ein Kluger. Meinst du, der Allmächtigen habe einen Vorteil davon, daß du gerecht bist? Was hilft es ihm, wenn deine Wege ohne Tadel sind? Meinst du, er wird dich wegen deiner Gottesfurcht zurechtweisen und mit dir ins Gericht gehen? Ist deine Bosheit nicht zu groß, und sind deine Missetaten nicht ohne Ende? So vertrage dich nun mit Gott und mache Frieden. Daraus wird dir viel Gutes kommen. Nimm doch Weisung an von seinem Mund und fasse seine Worte in dein Herz. Begehrst du dich bekehren zu dem Allmächtigen und demütigst du dich und tust das Unrecht weit weg von deiner Hütte (Hi 22)

 

Hiobs dritte Antwort an Eliphas:

Hiob antwortete: Auch heute lehnt sich meine Klage auf. Gottes Hand drückt schwer, daß ich seufzen muß. Ach daß ich wüßte, wie ich ihn finden und zu seinem Thron kommen könnte. So würde ich ihm mein Recht darlegen und meinen Mund mit Beweisen füllen und erfahren die Reden, die er mir antworten würde, und vernehmen, was er mir sagen würde! Würde er mit großer Macht mit mir rechten? Nein, er selbst würde achthaben auf mich. Dann würde ein Redlicher mit ihm rechten, und für immer würde ich entrinnen meinem Richter.

Gehe ich vorwärts, so ist er nicht da. Gehe ich zurück, so spüre ich ihn nicht. Ist er zur Linken, so schaue ich ihn nicht. Verbirgt er sich zur Rechten, so sehe ich ihn nicht. Er aber kennt meinen Weg wohl. Er prüfe mich, so will ich erfunden werden wie das Gold.

Ja, er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und er hat noch mehr dieser Art im Sinn. Darum erschrecke ich vor seinem Angesicht. Und wenn ich darüber nachdenke, so fürchte ich mich vor ihm. Gott hat mir das Herz mutlos gemacht, und der Allmächtige hat mich erschreckt. denn nicht wegen der Finsternis muß ich schweigen mir, und nicht, weil Dunkel mein Angesicht deckt.

Gott rafft die Gewalttätigen hin durch seine Kraft. Steht er auf, so müssen sie am Leben verzweifelten. Er gibt ihnen, daß sie sicher sind und eine Stütze haben, doch seine Augen wachen über ihren Wegen. Sie sind hoch erhöht. Aber nach einer kleinen Weile sind sie nicht mehr da. Sie sinken sie und werden sie weggerafft wie alle andern (Hi 23-24).

 

Bildads letzte Rede:

Da antwortete Bildad: Herrschaft und Schrecken ist bei ihm, der Frieden schafft in seinen Höhen. Wer will seine Scharen zählen? Über wem geht sein Licht nicht auf? Und wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott? Wie kann rein sein ein von einer Frau Geborener? Siehe, auch der Mond scheint nicht hell, und die Sterne sind nicht rein vor seinen Augen: Wie viel weniger ein Mensch, die Made, und ein Menschenkind, der Wurm (Hi 25).

 

Hiob dritte Antwort an Bildad:

Hiob antwortete:    Wie sehr stehst du dem bei, der keine Kraft hat, hilfst dem, der keine Stärke in den Armen hat! Wie gibst du Rat dem, der keine Weisheit hat, und lehrst die Einsicht in Fülle! Er spannt den Norden aus über das Leere und hängt die Erde über das Nichts. Er faßt das Wasser zusammen in seine Wolken, und die Wolken zerreißen darunter nicht.  Er verhüllt seinen Thron und breitet seine Wolken davor aus. Er hat am Rande des Wassers eine Grenze gezogen, wo Licht und Finsternis sich scheiden. Die Säulen des Himmels zittern und entsetzen sich vor seinem Schelten. Durch seine Kraft hat er das Meer erregt, und durch seine Einsicht hat er die große Schlange im Meer  zerschmettert. Am Himmel wurde es schön durch seinen Wind, und seine Hand durchbohrt die flüchtige Schlange.  Siehe, das sind nur die Enden  seiner Wege und nur ein leises Wörtlein davon haben wir vernommen. Wer will aber den Donner seiner Macht verstehen?

So wahr Gott lebt, der mir mein Recht weigert, und der Allmächtige, der meine Seele betrübt: Solange noch mein Atem in mir ist und der Hauch von Gott in meiner Nase ist: Meine Lippen reden nichts Unrechtes, und meine Zunge sagt keinen Betrug. Das sei ferne von mir, daß ich euch recht gebe. Bis mein Ende kommt, will ich nicht weichen von meiner Unschuld. An meiner Gerechtigkeit halte ich fest und lasse sie nicht. Mein Gewissen beißt mich nicht wegen eines meiner Tage (Hi 26-27).

 

Das Lied von der Weisheit Gottes:

Es hat das Silber seine Gänge, und das Gold seinen Ort, wo man es läutert.

Eisen bringt man aus der Erde, und aus dem Gestein schmilzt man Kupfer.

Man macht der Finsternis ein Ende und findet zuletzt das Gestein tief verborgen.

Man bricht einen Schacht, fern  von da, wo man wohnt.

Man zerwühlt wie Feuer unten die Erde, auf der doch oben das Brot wächst.

Man findet Saphir in ihrem Gestein, und es birgt Goldstaub.

Den Steig dahin hat kein Adler erkannt und kein Falkensauge gesehen.

Das stolze Wild hat ihn nicht betreten und kein Löwe ist darauf gegangen.

Auch legt man die Hand an die Felsen und gräbt die Berge von Grund aus um.

Man bricht Stollen aus den Felsen, und alles, was kostbar ist, sieht das Auge.

Man wehrt dem Tröpfeln des Wassers und bringt, was verborgen ist, ans Licht.

Wo will man aber die Weisheit finden? Und wo ist die Stätte der Einsicht?

Niemand weiß, was sie wert ist, und sie wird nicht gefunden im Land der Lebenden.

Wer Weisheit erwirbt, hat mehr als Perlen.

Woher kommt denn die Weisheit? Und wo ist die Stätte der Einsicht?

Sie ist verhüllt vor den Augen aller Lebenden, auch verborgen den Vögeln.

Gott weiß den Weg zu ihr, er allein kennt ihre Stätte.

Denn er sieht die Enden der Erde und schaut alles, was unter dem Himmel ist.

Er sprach zu den Menschen: Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit,

und meiden das Böse, das ist Einsicht (Hi 28).

 

Hiobs Schicksal:

Hiob blickt noch einmal zurück: Wie war ich in der Blüte meines Lebens, als Gottes Freundschaft über meiner Hütte war, als der Allmächtige noch mit mir war und meine Kinder um mich her. Wenn ich ausging zum Tor der Stadt und meinen Platz auf dem Markt einnahm, dann sahen mich die Jungen und sich versteckten, und die Alten standen vor mir auf. Die Obersten hörten auf zu reden und legten ihre Hand auf ihren Mund. Denn ich errettete den Armen, der da schrie, und die Waise, die keinen Helfer hatte. Der Segen des Verlassenen kam über mich; und ich erfreute das Herz der Witwe. Gerechtigkeit war mein Kleid, das ich anzog.

Sie warteten auf mich wie auf den Regen und sperrten ihren Mund auf wie nach Spätregen. Wenn ich zu ihnen wollte kommen, so mußte ich obenan sitzen und wohnte wie ein König unter den Kriegern.

Dann aber beklagt er sein jetziges Unglück: Nun aber verlachen sie mich, die jünger sind als ich, deren Väter ich nicht wert geachtet hätte, sie zu meinen Hunden bei meiner Schafhunde zu stellen, deren Stärke ich für nichts hielt, denen die Kraft dahinschwand. Jetzt bin ich ihr Spottlied geworden und muß ihnen zum Gerede dienen. Sie verabscheuen mich und halten sich ferne von mir und scheuen sich nicht, vor meinem Angesicht auszuspucken. Man hat mich in den Dreck getreten, daß ich gleich bin dem Staub und der Asche.

Ich schreie zu dir, aber du achtest nicht auf mich. Ich stehe auf, aber du achtest nicht auf mich. Du hast dich mir verwandelt in einen Grausamen und streitest gegen mich mit der Stärke deiner Hand. Du hebst mich auf und läßt mich auf dem Wind dahinfahren. Denn ich weiß, du wirst mich zum Tod gehenlassen, zum Haus, wo alle Lebenden zusammenkommen. Ich wartete auf das Gute, und es kam das Böse, ich hoffte auf Licht, und es kam Finsternis. Meine Haut ist schwarz geworden und löst sich ab von mir, und meine Knochen sind verdorrt vor hitzigem Fieber. Mein Harfenspiel ist zur Klage geworden und mein Flötenspiel zum Trauerlied (Hi 29-30).

 

Hiobs Reinigungseid und Appell an Gott:

Bin ich gewandelt in Falschheit oder ist mein Fuß geeilt zum Betrug? Gott möge mich wiegen auf einer richtigen Waage, dann wird er erkennen meine Unschuld. Ist mein Gang gewichen vom Weg und mein Herz meinen Augen nachgefolgt und blieb etwas hängen an meinen Händen, so will ich säen, aber ein andrer soll es essen. Habe ich den Dürftigen einen Wunsch versagt und die Augen der Witwe verschmachten lassen? Habe ich meinen Bissen allein gegessen, und hat nicht die Waise auch davon gegessen? Nein, ich habe sie von Jugend auf gehalten wie ein Vater, und ich habe sie von meiner Mutter Leib an geleitet.  Habe ich zugesehen, wie jemand ohne Kleid verkommen ist, und den Armen ohne Decke gehen lassen? O hätte ich einen, der mich anhört oder die Schrift, die mein Verkläger geschrieben hat! Dann wollte ich sie auf meine Schulter nehmen und wie eine Krone tragen. Ich wollte alle meine Schritte ihm ansagen und wie ein Fürst zu ihm nahen. Damit beendete Hiob seine Worte (Hi 31).

 

Die Elihu-Reden:

[Als vierter Redner betont Elihu als Anwalt Gottes in vier Reden Gottes Allmacht und Größe und stellt das Recht des Menschen, göttliches Wirken zu beurteilen, grundsätzlich in Abrede. Darüber hinaus meint er, daß Gott aufgrund seiner Allmacht auch gütig sein müsse. Dabei lenkt er den Blick weg von der Frage nach dem Grund für das Leid hin zu dem Zweck des Leids].

Da hörten die drei Männer auf, Hiob zu antworten, weil er sich für gerecht hielt. Aber Elihu, wurde zornig über Hiob, daß er sich selber für gerechter hielt als Gott. Auch wurde er zornig über seine drei Freunde, weil sie keine Antwort fanden und doch Hiob verdammten. Deshalb sprach er: „Ich bin jung, ihr aber seid alt, darum habe ich mich gescheut und mich gefürchtet, mein Wissen euch kundzutun. Ich dachte: Laß das Alter reden, und die Menge der Jahre laß Weisheit beweisen. Aber der Geist ist in den Menschen, der sie verständig macht. Die Alten sind nicht immer die Weisesten und verstehen nicht, was das Rechte ist.

 

Darum sage ich: Hört mir zu. Ich will mein Wissen auch kundtun. Bei mir gibt es kein Ansehen der Person ansehen und will keinem Menschen schmeicheln! Hiob, warum willst du mit Gott hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt?  Denn auf eine Weise redet Gott und dann wieder auf eine andere, nur beachtet man es nicht. Im Traum oder im Nachtgesicht öffnet er das Ohr der Leute und schreckt sie auf und warnt sie, damit er den Menschen von seinem Vorhaben abbringe und behüte ihn vor Hochmut und bewahre seine Seele vor dem Verderben. Kommt dann für ihn ein Mittler, zu verkünden dem Menschen, was für ihn recht ist, so wird er ihm gnädig sein. Er wird Gott bitten, und der wird ihm Gnade erweisen und wird ihn sein Antlitz sehen lassen mit Freuden und wird dem Menschen seine Gerechtigkeit zurückgeben. Siehe, das alles tut Gott zweimal oder dreimal mit einem jeden, daß er sein Leben zurückhole von den Toten und erleuchte ihn mit dem Licht der Lebenden.

Hört mir zu, ihr weisen Männer: Es sei ferne, daß Gott sollte gottlos handeln und der Allmächtige ungerecht, sondern er vergilt dem Menschen, wie er es verdient hat, und trifft einen jeden nach seinem Tun. Ohne Zweifel, Gott tut niemals Unrecht, und der Allmächtige beugt das Recht nicht. Siehe, Gott ist mächtig, und verwirft doch niemand, er ist mächtig an Kraft des Herzens. Den Gottlosen erhält er nicht, sondern hilft dem Elenden zum Recht. Er wendet seine Augen nicht von dem Gerechten, sondern er läßt sie mit Königen auf dem Thron sitzen für alle Zeit, daß sie hoch bleiben. Gehorchen sie und dienen ihm, so werden sie bei guten Tagen alt werden und glücklich leben. Gehorchen sie aber nicht, so werden sie dahinfahren durch das Geschoß des Todes und vergehen in Unverstand (Hi 32-37).

 

Die Gottesreden:

[Letztendlich wendet sich Gott selbst aus einem Gewitter heraus an Hiob. In zwei Reden betont Gott seine Macht und die Herrlichkeit seiner eigenen Schöpfungswerke, zum Beispiel den Wasserkreislauf. Lang redet er über die Großartigkeit der von ihm erschaffenen Tiere und Naturgewalten, über den Leviathan und den Behemoth, die sagenhafte Urtiere im Meer. Daraufhin Hiob stellt in zwei kurzen Antworten seine Klagen ein. Wichtig dabei ist, daß Gott nicht etwa Hiobs Unschuld in Frage stellt, also den Freunden nicht recht gibt, sondern die unbegreifliche Größe seines göttlichen Handelns darstellt].

 

Erste Rede Gottes aus dem Wetter:

Wer ist der, der den Ratschluß verdunkelt mit Worten ohne Verstand?

Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage es mir, wenn du so klug bist!

Weißt du, wer ihr das Maß gesetzt hat

oder wer über sie eine Richtschnur gezogen hat?

Worauf stehen ihre Pfeiler eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt?

Hast du bei deiner Zeit dem Morgen geboten und der Morgenröte ihren Ort gezeigt,

damit sie die Ecken der Erde faßte und die Gottlosen herausgeschüttelt wurden?

Sie wandelt sich wie Ton unter dem Siegel und färbt sich bunt wie ein Kleid.

Und den Gottlosen wird ihr Licht genommen

und der erhobene Arm zerbrochen werden.

Bist du zu den Quellen des Meeres gekommen

und auf dem Grund der Tiefe gewandelt?

Haben sich dir die Tore des Todes je aufgetan,

oder hast du gesehen die Tore der Finsternis?

 Hast du erkannt wie breit die Erde ist? Sage an, weißt du das alles!

Welches ist der Weg dahin, wo das Licht wohnt,

und welches ist die Stätte der Finsternis,

daß du sie  zu ihrem Gebiet bringen könntest und kennst die Pfade zu ihrem Haus?

Du weißt es ja, denn zu der Zeit wurdest du geboren, und deine Tage sind sehr viel.

Wer hat dem Platzregen seine Bahn gebrochen und den Weg dem Blitz

und dem Donner, daß es regnet aufs Land, wo niemand ist, in der Wüste,

wo kein Mensch ist. Wer ist des Regens Vater?

Wer hat die Tropfen des Taues gezeugt?

Kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden

oder den Gürtel des Orion auflösen?

Weißt du des Himmels Ordnungen,

oder bestimmst du seine Herrschaft über die Erde?

Kannst du deine Stimme zu der Wolke erheben,

damit dich die Menge des Wassers bedecke?

Kannst du die Blitze aussenden, daß sie hinfahren

und sprechen zu dir: Hier sind wir?

Wer gibt die Weisheit in das Verborgene?

Wer gibt verständige Gedanken?

Fliegt der Falke empor dank deiner Einsicht

und breitet seine Flügel aus dem Süden zu?

Fliegt der Adler auf deinen Befehl so hoch und baut sein Nest in der Höhe?

Auf den Felsen wohnt er und schläft auf den Zacken der Felsen und steilen Klippen.

Von dort schaut er aus nach Beute und seine Augen sehen sie von ferne.

Seine Jungen gieren nach Blut, und wo Erschlagene liegen, da ist er.

 

Hiob aber antwortete dem Herrn in einer ersten kurzen Antwort: „Siehe, ich bin zu gering. Was soll ich verantworten? Ich will meine Hand auf meinen Mund legen. Ich habe einmal geredet und ein zweites Mal, aber ich will es nicht mehr tun!“ (Hi 38-39).

 

Zweite Rede Gottes aus dem Wetter:

Willst du mein Urteil zunichte machen

und mich schuldig sprechen, damit zu Recht behältst?

Hast du einen Arm wie Gott, und kannst du mit gleicher Stimme donnern wie er?

Schmücke dich mit Pracht und Hoheit; ziehe Majestät und Herrlichkeit an!

Streue aus den Zorn deines Grimmes und schaue an die Hochmütigen,

und demütige sie! Ja, schaue alle Hochmütigen an und beuge sie

und zertritt die Gottlosen in Grund und Boden.

Verscharre sie miteinander in der Erde und versenke sie ins Verborgene,

so will auch ich dich preisen, daß dir deine rechte Hand helfen kann.

 Siehe das Nilpferd an, das ich geschaffen habe wie dich.

Er frißt Gras wie ein Rind.

Welch eine Kraft hat es in seinen Lenden

und welche Stärke in den Muskel seines Bauches.

Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder,

die Sehnen seiner Schenkel sind dicht geflochten.

Seine Knochen sind wie eherne Röhren,

und seine Knochen sind wie eiserne Stäbe.

Es ist das Erste der Wege Gottes, der ihn gemacht hat,

der gab ihm sein Schwert.

Niemand ist so kühn, daß er ihn reizen darf.

Wer ist denn, der vor ihm bestehen könnte?

Wer kann mir entgegentreten und ich lasse ihn unversehrt?

Unter dem ganzen Himmel ist keiner.

Hiob antwortete dem Herrn in einer zweiten Antwort:  „Ich erkenne, daß du alles vermagst, und nichts, was du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. Darum habe ich unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe. Ich hatte von dir nur vom Ohrensagen vernommen. Aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche!“ (Hi 41,1 - 42,6)

 

Gott rechtfertigt Hiob gegenüber seinen Freunden:

Als nun der Herr mit Hiob diese Worte geredet hatte, sprach er zu Eliphas: „Mein Zorn ist entbrannt über dich und deine zwei Freunde, denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie Hiob. So nehmt nun sieben junge Stiere und sieben Widder und geht hin zu Hiob und opfert Brandopfer für euch. Mein Diener Hiob soll für euch Fürbitte tun, denn ihn ich will erhören, daß ich nicht töricht an euch handle, denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie Hiob!“ (Hi 42,7-9).

 

Neuer Segen für Hiob (Epilog):

Und der Herr wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde bat. Und der Herr gab Hiob doppelt so viel, wie er gehabt hatte. Es kamen zu ihm alle seine Brüder und alle seine Schwestern und alle, die ihn früher gekannt hatten, und aßen mit ihm in seinem Haus und sprachen ihm gut zu und trösteten ihn wegen all des Unglücks, das der Herr hatte über ihn kommen lassen. Jeder gab ihm einen Goldstück  und einen goldenen Ring.

Und der Herr segnete Hiob von jetzt an mehr als vorher: Er erlangte wieder vierzehntausend Schafe und sechstausend Kamele und tausend Joch Rinder und tausend Eselinnen. Er bekam sieben Söhne und drei Töchter. Und es gab keine so schönen Frauen in allen Landen wie die Töchter Hiobs. Hiob lebte danach noch hundertvierzig Jahre und sah Kinder und Kindeskinder bis in die vierte Generation. Dann starb er alt und lebenssatt (Hi 42, 10-17).

 

 

 

Buch der Psalmen       

 

[Das Buch der Psalmen (es wird auch „Psalter“ genannt) enthält eine Sammlung von 150 Liedern, Gebeten und Gedichten aus dem religiösen Leben und Gottesdienst der alten Israeliten – Lieder, die aus dem Herzen dieses Volkes kommen und seine persönlichen Erfahrungen widerspiegeln..

Der Name „Psalmen“ kommt von dem griechischen Wort „psalmós“, das Lied oder Lobgesang bedeutet. Das Psalmenbuch, wie es uns in der heutigen Form vorliegt, ist das Ergebnis eines mehrere Jahrhunderte andauernden Entstehungsprozesses. Jedes der fünf auszumachenden Psalmenbücher hat eine je eigene Entstehungsgeschichte und auch die redaktionelle Sammlung und Zusammenstellung verlief nicht in einem Zug.

Die heutige Ausgabe des Psalmenbuches gab es vermutlich bereits im 2. Jahrhundert vCh. Aber bis zum ersten Jahrhundert nCh bestanden daneben auch andere Ausgaben, die vor allem im letzten Drittel des Psalmenbuches in Anordnung und auch Anzahl auseinandergingen. Dies belegen die alten Übersetzungen der Septuaginta (griechisch) und der Peschitta (syrisch) sowie die Funde von Psalmenrollen in Qumran. Um 100 nCh legte die pharisäisch-rabbi­nische Tradition den Kanon der hebräischen Bibel und somit auch den Text des Psalmenbuches für das Judentum endgültig fest.

Man kann sich die Entstehung eines Psalms vielleicht wie folgt vorstellen: Ein Mensch kommt zum Tempel, um dort sein Leid vor Gott auszubreiten. Wenn aber seine Bitte in Erfüllung gegangen ist, fügt er seinen Dank an.

Inhaltlich befassen die Psalmen sich vor allem mit folgenden Themen:

Lob, Dank, Buße, Trauer, Klage, Morgen- und Abendlieder, Freude, Trost, Vertrauen auf Gott, Wallfahrtslieder (Ps 120-134), Lehrgedichte, Bitten um Sieg über gottlose Gegner.

Bilder für Gott in den Psalmen: Schild, Fels, König, Hirte, Richter, Zuflucht, Festung (Burg), Rächer (Rechtverschaffer), Schöpfer, Erretter, Heiler, Beschützer, Ernährer, Erlöser, Stimme.

Im Hebräischen sind die meisten Psalmen mit Überschriften versehen, die von kurzen Verfasserangaben über heute kaum mehr verständliche musikalische Angaben bis zu mehrere Sätze langen Situationsschilderungen reichen. Fast die Hälfte der Psalmen wird König David zugesprochen, was mit der „Davidisierung“ des Buches in nachexilischer Zeit zusammenhängt.

Neben den Davidpsalmen gibt es Asafpsalmen und Korachpsalmen, Psalmen, die jerusalemer Sängergilden zugesprochen werden. Aber auch Mose oder Salomo werden als Psalmendichter genannt. Heute wird weithin angenommen, daß die hebräischen Psalmenüberschriften sekundär sind, also nachträglich über die Psalmtexte gesetzt wurden. Dies geschah aus theologischen und redaktionellen Gründen. Die heutigen Psalmenüberschriften wurden erst von den (deutschen) Übersetzern zum besseren Auffinden nachträglich hinzugefügt.

Anders als bei den anderen Büchern der Bibel, deren heutige Einteilung in Kapitel erst im Mittelalter entstand, existierte diese bei den Psalmen schon seit ihrer Entstehung. Die Einteilung in Verse ist dagegen auch in diesem Fall neueren Datums, folgt aber größtenteils der natürlichen Verseinteilung der poetischen Texte.

Evangelische Bibeln verwenden die Zählung des Urtextes (nach dem Luther übersetzte), katholische Bibeln verwenden die Zählung der griechischen der lateinischen Bibel. Daher muß man bei Verweisen auf Psalmen darauf achten, auf welche der beiden Numerierungen sich ein Verweis bezieht (die höhere Nummer bezieht sich auf die hebräische Zählung).

Der griechische Text kennt einen zusätzlichen 151. Psalm, der jedoch in seinem Titel als „außerhalb der Numerierung“ bezeichnet wird. Die hebräische Fassung dieses „ apokryphen Psalms“ ist in einer Qumran-Handschrift belegt.

Man könnte die Psalmen das älteste Gesangbuch des Volkes Gottes nennen. Auch heute noch, über zweitausend Jahre nach ihrer Entstehung werden Psalmen von Juden und Christen gleichermaßen verehrt und gebetet. Schriftstellern und Musikern dient der Psalter von jeher als Quelle für ihre Eingebung.

Die meisten Psalmen sind in der hebräischen Gedichtform geschrieben, die durch den Gedankenreim (lateinisch: Parallelismus membrorum) charakterisiert ist: Zwei aufeinanderfolgende Zeilen oder Verse haben einen ähnlichen Sinn (manchmal aber auch eine gegensätzliche Bedeutung.

Viele Psalmen sind als Kirchenlieder vertont. Dazu wurden ihre Texte häufig in eine Reim- und Strophenform überführt. Künstler befassen sich bis heute oft mit Psalmen in Nachdichtungen oder Vertonungen. In die weithin bekannten mehrstimmigen Gesänge der Gemeinschaft von Taizé fließen immer wieder Psalmverse ein. Manche (ältere) dieser Psalmen­gesänge aus Taizé (Laudate omnes gentes, Ubi caritas) wurden in die offiziellen Kirchengesangbücher der katholischen und evangelischen Kirchen übernommen. Der Text des Evergreens „By the rivers of Babylon“ von Boney M. besteht aus den ersten vier Versen von Psalm 137, der von der Babylonischen Gefangenschaft der Juden handelt.

Auch der Popsong „By the waters of Babylon“ von Don McLeans Album „American Pie“ beruht auf dem Text des Psalms 137. Es handelt sich bei diesem Song um die Bearbeitung eines Kanons von Philip Hayes (1738–1797)].

 

Die Frommen und die Gottlosen:

Wohl dem, der nicht sitzt im Rat der Gottlosen

noch tritt auf den Weg Sünder,

noch sitzt, wo die Spötter sitzen,

sondern hat Lust zum Gesetz des Herrn und

denkt nach über sein Gesetz Tag und Nacht!

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,

der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,

und seine Blätter verwelken nicht.

Und was er macht, das gerät wohl.

Aber so sind die Gottlosen nicht,

sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.

Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht

noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten.

Aber der Weg der Gottlosen vergeht                                                                      (Psalm 1).

 

Die Herrschaft des Sohnes Gottes:

Warum toben die Heiden und murren die Völker so vergeblich?

Die Könige der Erde lehnen sich auf,

und die Herren halten Rat miteinander gegen den Herrn und seinen Gesalbten:

„Laßt uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!“

Aber der im Himmel wohnt, lacht über sie, und der Herr spottet über sie.

Er wird einst mit ihnen reden in seinem Zorn,

und mit seinem Grimm wird er sie schrecken.

„Ich aber habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion!“

Kundtun will ich den Ratschluß des Herrn, der zu mir gesagt hat:

„Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt:

Bitte mich, so will ich dir die Völker zum Erbe geben

und die Enden der Welt zum Eigentum.

Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen,

wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen!“

So seid nun verständig, ihr Könige,

und laßt euch warnen, ihr Richter auf Erden!

Dient dem Herrn mit Furcht und küßt seine Füße mit Zittern,

daß er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Weg.

Denn sein Zorn wird bald entbrennen.

Aber wohl allen, die auf ihn trauen!                                                            (Psalm 2)       

 

Abendgebet:

 Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit,

der du mich tröstest in Angst.

Sei mir gnädig und erhöre mein Gebet!

Ihr Herren, wie lange soll meine Ehre geschändet werden?

Wie habt ihr das Eitle so lieb und die Lüge so gern!

Erkennt doch, daß der Herr seine Heiligen wunderbar führt,

der Herr hört, wenn ich ihn anrufe.

Zürnt ihr, so sündigt nicht.

Redet mit eurem Herzen auf eurem Lager und seid stille.

Opfert, was recht ist und hofft auf den Herrn.

Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“

Herr, laß über uns das Licht deines Antlitzes leuchten!

Du erfreust mein Herz, auch wenn jene viel Wein und Korn haben.

Ich liege und schlafe ganz mit Frieden,

denn allein du, Herr, hilfst mir,

daß ich sicher wohne.                                                                                            (Psalm 4)

 

Erster Bußpsalm:

Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn

und züchtige mich nicht in deinem Grimm!

Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach.

Heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken,

und meine Seele ist sehr erschrocken. Ach du, Herr, wie lange!

Wende dich, Herr, und errette mich, hilf mir um deiner Güte willen!

Denn im Tode denkt man nicht an dich, wer wird dir bei den Toten danken?

Ich bin so müde vom Seufzen: Ich überschwemme mein Bett die ganze Nacht

und netze mit meinen Tränen mein Lager.

Mein Auge ist trüb geworden vor Gram und matt,

weil ich von vielen Seiten bedrängt werde.

Weicht von mir, alle Übeltäter, denn der Herr hört mein Weinen,

Der Herr hört mein Flehen, mein Gebet nimmt der Herr an.

Es sollen alle meine Feinde zuschanden werden und sehr erschrecken,

sie sollen umkehren und plötzlich zuschanden werden.                              (Psalm 6)

 

 

Gott offenbart seine Herrlichkeit am Menschen:

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen,

der zu zeigst deine Hoheit am Himmel!

Aus dem Mund der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet,

um deiner Feinde willen, daß du vertilgest den Feind und den Rachgierigen.

Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,

den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: 

Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst,

und des Menschen Kind, daß du sich seiner annimmst?

Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott,

mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.

Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk.

Alles hast du unter seine Füße getan, Schafe und Rinder,

dazu auch die wilden Tiere,

die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer

und alles, was das Meer durchzieht.

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen! (Psalm 8).

 

Wen nimmt Gott an?

Wer darf in deinem Zelt sein? Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg?

Wer untadelig lebt und tut, was recht ist, 

und die Wahrheit redet von Herzen,

wer mit seiner Zunge nicht verleumdet und

seinen Mitmenschen nichts Arges tut und seinen Nächsten nicht schmäht,

wer die Gottlosen für nichts achtet, sondern ehrt die Gottesfürchtigen,

wer seinen Eid hält, auch wenn es ihm schadet.

 wer sein Geld nicht auf Wucherzinsen gibt

und nimmt nicht Geschenke zum Nachteil der Unschuldigen: 

Wer das tut, der wird nimmermehr wanken                                               (Psalm 15)

 

Das schöne Erbteil:

Bewahre mich Gott, denn ich traue auf dich. Ich habe gesagt zu dem Herrn:

Du bist ja der Herr; ich weiß von keinem Gut außer dir.

An den Heiligen, die auf  der Erde sind, an den Herrlichen hab ich all mein Gefallen.

Aber jene, die einem anderen nachlaufen, werden viel Herzeleid haben.

Ich will das Blut ihre Trankopfer nicht opfern

noch ihren Namen in meinem Munde führen.

Der Herr aber ist mein Gut und mein Teil, du erhältst mir mein Erbteil.

Das Los ist mir gefallen auf liebliches Land, mir ist ein schönes Erbteil geworden.

Ich lobe den Herrn, der mich beraten hat, auch mahnt mich mein Herz des Nachts.

Ich habe den Herrn allezeit vor Augen, steht er mir zur Rechten,

so werde ich fest bleiben. Darum freut sich mein Herz,

und meine Seele ist fröhlich. Auch mein Leib wird sicher liegen.

Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen

und nicht zugeben, daß dein Heiliger den Tod sehe.

Du tust mir kund den Weg zum Leben.

Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne

zu deiner Rechten ewiglich                                                                                    (Psalm 16)

 

Dank des Königs für den Sieg:

[Ein Psalm Davids, der die Worte dieses Liedes zu dem Herrn gesprochen hat

in der Zeit, als ihn der Herr errettet hatte von der Hand aller seiner Feinde und von der Hand Sauls]

Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke!

Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott,

mein Hort, auf den ich traue, mein Schild

und Berg meines Heils und mein Schutz!

Ich rufe an den Herrn, den Hochgelobten,

so werde ich von meinen Feinden errettet.

Die Bande des Totenreichs umfingen mich,

und die Stricke des Todes überwältigten mich.

Als mir angst war, rief ich den Herrn an

und schrie zu meinem Gott.

Da erhörte er meine Stimme von seinem Tempel,

und mein Schreien kam vor ihn zu seinen Ohren.

Er errettete mich vor meinen starken Feinden,

von meinen Hassern, die mir zu mächtig waren,

die mich überwältigten zur Zeit meines Unglücks.

Aber der Herr wurde meine Zuversicht.

Er führte mich hinaus ins Weite.

Er riß mich heraus, denn er hatte Lust an mir.

Du hilfst dem elenden Volk, aber stolze Augen erniedrigst du.

Denn du machst hell meine Leuchte, der Herr macht meine Finsternis licht.

Denn mit dir kann ich Kriegsvolk zerschlagen und

mit meinem Gott kann ich über die Mauern springen.

Gottes Wege sind vollkommen, die Reden des Herrn sind durchläutert.

Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen.

Denn wer ist Gott, wenn nicht der Herr,

oder ein Fels, wenn nicht unser Gott?

Gott rüstet mich mit Kraft und macht meine Wege ohne Tadel.

Der Herr lebt! Gelobt sei mein Fels.

Der Gott meines Heils sei hoch erhoben,

Darum will ich dir danken, Herr, unter den Völkern

und deinem Namen lobsingen,

der seinem König großes Heil gibt

und Gnade erweist seinem Gesalbten,

David und seinen Nachkommen ewiglich    (Psalm 18, gekürzt, siehe 2. Samuel 22)

 

Gottes Herrlichkeit in seiner Schöpfung:

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,

und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.

Ein Tag sagt es dem anderen, und eine Nacht tut es kund der andern.

ohne Sprache und ohne Worte, unhörbar ist ihre Stimme.

Ihr Schall geht aus in alle Lande und ihre Reden bis an das Ende der Welt.

Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht.

Sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und

freut sich wie ein Held, zu laufen ihre Bahn.

Sie geht auf an einem Ende des Himmels und läuft um bis wieder an sein Ende,

 und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen   (Psalm 19, der zweite Teil von der Herrlichkeit Gottes im Gesetz wurde weggelassen).

Leiden und Herrlichkeit des Gerechten:

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tags rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts.

Doch finde ich keine Ruhe.

Du  aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels.

Unsere Väter hofften auf dich, und weil sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich

 und wurden nicht zuschanden.

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,

ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.

Alle, die mich sehen, verspotten mich,

sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:

 „Er klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus

und errette ihn, wenn er Gefallen an ihm hat!“

Sei nicht fern von mir, denn Angst ist nahe, denn es ist hier kein Helfer.

Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.

Aber du, Herr, sei nicht fern, meine Stärke, eile, mir zu helfen!

Errette meine Seele vom Schwert. Hilf mir aus dem Rachen des Löwen.

Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern,

ich will dich in der Gemeinde rühmen.

Rühmet den Herrn, die ihr ihn fürchtet.

Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen

und  sein Antlitz nicht vor ihm verborgen, und als er zu ihm schrie, hörte er es.

Dich will ich preisen in der großen Gemeinde, ich will mein Gelübde erfüllen.

Denn des Herrn ist das Reich, und er herrscht unter den Völkern.

 (Psalm 22, gekürzt, der Psalm, den Jesus am Kreuz gebetet hat).

 

Der gute Hirte:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser.

Er erquickt meine Seele, er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück,

denn du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar                               (Psalm 23)

 

Einzug in das Heiligtum:

Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdboden und die darauf wohnen.

Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet.

Wer darf auf des Herrn Berg gehen, und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte?

Wer unschuldige Hände hat und reines Herzens ist,

wer nicht bedacht ist auf Lug und Trug und nicht falsche Eide schwört:

der wird den Segen vom Herrn empfangen

und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils.

Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, das da sucht dein Antlitz, Gott Jakobs.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,

daß der König der Ehren einziehe!

Wer ist der König der Ehren?

Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit.

 Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,

 daß der König der Ehren einziehe!

Wer ist der König der Ehren?

Es ist der Herr Zebaoth, er ist der König der Ehren                                    (Psalm 24).

 

Gebet um Vergebung:

Nach dir, Herr, verlangt mich. Mein Gott, ich hoffe auf dich.

Laß mich nicht zuschanden werden,

daß meine Feinde nicht frohlocken über mich.

Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harrt,

aber zuschanden werden, die leichtfertigen Verächter.

Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige.

Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich!

Denn du bist der Gott, der mir hilft, täglich harre ich auf dich.

Gedenke an deine Barmherzigkeit und an deine Güte,

die von Ewigkeit her gewesen sind.

 Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen,

gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen!

Der Herr ist gut und gerecht, darum weist er den Sündern den Weg.

Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.

Die Wege des Herrn sind lauter Güte und Wahrheit für alle,

die seinen Bund und seine Gebote halten.

Um deines Namens willen, Herr, vergib mir meine Schuld, die so groß ist.

Wer ist der Mann, der den Herrn fürchtet? 

Er wird ihm den Weg weisen, den er wählen soll.

Er wird im Guten wohnen, und sein Geschlecht wird das Land besitzen.

Der Herr ist denen Freund, die ihn fürchten, und seinen Bund läßt er sie wissen.

Meine Augen sehen stets auf den Herrn,

denn er wird meinen Fuß aus dem Netz ziehen.

Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend.

Die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöten!

Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden!

Siehe, daß meine Feinde so viel sind und mich zu Unrecht hassen.

Bewahre meine Seele und errette mich,

laß mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich.

Unschuld und Redlichkeit mögen mich behüten, denn ich harre auf dich.

Gott, erlöse Israel aus aller seiner Not!                                                                  (Psalm 25)

 

Bitte eines Unschuldigen:

Herr, schaffe mir Recht, denn ich bin unschuldig!

Ich hoffe auf den Herrn, darum werde ich nicht fallen.

Prüfe mich, Herr, und erprobe mich, erforsche meine Nieren und mein Herz.

Denn deine Güte ist vor meinen Augen, und ich wandle in deiner Wahrheit.

Ich sitze nicht bei heillosen Leuten und habe nicht Gemeinschaft mit den Falschen.

Ich hasse die Versammlung der Boshaften und sitze nicht bei den Gottlosen.

Ich wasche meine Hände in Unschuld und halte mich, Herr, zu deinem Altar,

dir zu danken mit lauter Stimme, und zu verkündigen alle deine Wunder.

Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.

Raffe meine Seele nicht hin mit den Sündern noch mein Leben mit Blutdürstigen,

an deren Händen Schandtat klebt und die gerne Geschenke nehmen.

Ich aber gehe meinen Weg in Unschuld. Erlöse mich und sei mir gnädig!

Mein Fuß steht fest auf rechtem Grund.

Ich will dich loben, Herr, in den Versammlungen                                       (Psalm 26)

 

Gemeinschaft mit Gott:

Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten!

Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen!

Wenn die Übeltäter an mich wollen, um  mich zu verschlingen,

 sollen sie selber straucheln und fallen.

Wenn sich auch ein Heer gegen mich lagert,

so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht.

Wenn sich Krieg gegen mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn.

Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:

daß ich im Haus des Herrn bleiben möge mein Leben lang,

zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn

und seinen Tempel zu betrachten.

Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit,

er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen,

Nun erhebt sich mein Haupt über meine Feinde, die um mich sind.

Darum will ich Lob opfern in seinem Zelt, ich will singen und Lob sagen dem Herrn.

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe, sei mir gnädig und erhöre mich!

Mein Herz hält dir vor dein Wort: „Ihr sollt mein Antlitz suchen“.

Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir und verstoße nicht im Zorn deinen Knecht.

Denn du bist meine Hilfe, verlaß mich nicht.

und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,

aber der Herr nimmt mich auf.

Herr, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn

um meiner Feinde willen.

Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde,

denn es stehen falsche Zeugen gegen mich und tun mir Unrecht ohne Scheu.

Ich glaube aber doch, daß ich sehen werde die Güte des Herrn

im Lande der Lebendigen.

Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn! (Ps 27)

 

Bitte und Dank:

Wenn ich rufe zu dir, Herr, mein Fels, so schweige doch nicht,

damit ich nicht, wenn du schweigst, denen gleich werde, die in die Grube fahren.

Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich zu dir schreie,

wenn ich meine Hände aufhebe zu deinem heiligen Tempel.

Raffe mich nicht hin mit den Gottlosen und mit den Übeltätern,

die freundlich reden mit ihrem Nächsten und haben Böses im Herzen.

Gib ihnen nach ihrem Tun und nach ihren bösen Taten,

gib ihnen nach den Werken ihrer Hände, vergilt ihnen, wie sie es verdienen.

Denn sie wollen nicht achten auf das Tun des Herrn

noch auf die Werke seiner Hände.

Darum wird er sie niederreißen und nicht wiederaufbauen.

Gelobt sei der Herr; denn er hat erhört die Stimme meines Flehens.

Der Herr ist meine Stärke und mein Schild,

auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen.

Und mein Herz ist fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Lied.

Der Herr ist seines Volkes Stärke, Hilfe und Stärke für seinen Gesalbten.

 Hilf deinem Volk und segne dein Erbe und weide und trage sie ewiglich!       (Ps 28)

 

Der große Lobpreis:

Herr, auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zuschanden werden,

errette mich durch deine Gerechtigkeit!

Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilend!

Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest!

Denn du bist mein Fels und meine Burg,

und um deines Namens willen wolltest du mich leiten und führen.

Du wollest mich aus dem Netze ziehen, das sie mir gestellt haben,

denn du bist meine Stärke.

In deine Hände befehle ich meinen Geist,

du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.

Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte,

daß du mein Elend ansiehst und erkennst meine Seele in der Not.

und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Herr, sei mir gnädig, denn mir ist angst.

Mein Auge ist trübe geworden vor Gram, matt meine Seele und mein Leib.

Denn mein Leben ist dahingeschwunden in Kummer

und meine Jahre in Seufzen.

Meine Kraft ist verfallen vor meiner Missetat,

und meine Gebeine sind verschmachtet.

Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott!

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Errette mich von der Hand meiner Feinde

und von denen, die mich verfolgen.

Laß leuchten dein Antlitz über deinem Diener,

hilf mir durch deine Güte!

Herr, laß mich nicht zuschanden werden, denn ich rufe dich an.

Die Gottlosen werden zuschanden werden

und hinab fahren zu den Toten und schweigen.

Verstummen sollen die Lügenmäuler,

die frech, stolz und höhnisch gegen den Gerechten reden.

Wie groß ist deine Güte, die du bewahrt hast denen, die dich fürchten,

und erweist vor den Leuten denen, die auf dich trauen!

Seid getrost und unverzagt, alle, die ihr des Herrn harret!             (Psalm 31, gekürzt)

 

Vom Segen der Sündenvergebung (Bußpsalm):

Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind,

dem die Sünde bedeckt ist!

Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet,

in dessen Geist kein Falsch ist!

Denn als ich wollte verschweigen wollte,

verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen.

Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir,

daß mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird.   

Darum bekannte ich dir meine Sünde und verhehlte meine Schuld nicht.

Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen.

Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde.

Der Gottlose hat viel Plage. Wer aber auf den Herrn hofft,

den wird die Güte umfangen.

Freut euch über den Herrn und seid fröhlich, ihr Gerechten,

und jauchzt alle ihr Frommen.                                                                (Psalm 32, gekürzt)

 

Loblied auf Gottes Hilfe:

Freuet euch an dem Herrn, ihr Gerechten. Die Frommen sollen ihn recht preisen.

Danket dem Herrn mit Harfen, lobsingt ihm auf dem Psalter von zehn Saiten.

Singet ihm ein neues Lied, spielt schön auf den Saiten mit fröhlichem Schall.

Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß.

Er liebt die Gerechtigkeit und Gericht und die Erde ist voll der Güte des Herrn.

Der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht und

all sein Heer durch den Hauch seines Mundes.

Er hält die Wasser des Meeres zusammen wie in einem Schlauch und

sammelt in Kammern die Fluten.

Alle Welt fürchte den Herrn, und vor ihm scheue sich alles,

was auf dem Erdboden wohnt.

Denn wenn er spricht, so geschieht' es,

wenn er gebietet, so steht es da.

Der Herr macht zunichte den Rat der Heiden

und wehrt den Gedanken der Völker.

Aber der Ratschluß des Herrn bleibt ewiglich,

 die Gedanken seines Herzens für und für.

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,

dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!

Der Herr schaut vom Himmel und sieht alle Menschenkinder.

Von seinem festen Thron sieht er auf alle, die auf der Erde wohnen.

Er lenkt ihnen allen das Herz, er gibt acht auf alle ihre Werke.

Einem König hilft nicht seine große Macht,

ein Held kann sich nicht retten durch seine große Kraft.

Rosse helfen auch nicht, da wäre man betrogen.

Siehe, das Auge des Herrn sieht auf die, die ihn fürchten,

die auf seine Güte hoffen,

daß er sie errette vom Tod und sie erhalte in der Hungersnot.

Unsere Seele harrt auf den Herrn, er ist uns Hilfe und Schild.

Denn unser Herz freut sich über ihn, und wir trauen auf seinen heiligen Namen.

Deine Güte, Herr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen.                       (Psalm 33)

 

Unter Gottes Schutz:

Ich will den Herrn loben allezeit,

sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

Meine Seele soll sich rühmen des Herrn,

daß es die Elenden hören und sich freuen.

Preiset mit mir den Herrn

und laßt uns miteinander seinen Namen erhöhen.

Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir

und errettete mich aus aller meiner Furcht.

Die auf ihn sehen, werden erstrahlen vor Freude,

und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

Als einer im Elend rief, hörte der Herr

und half ihm aus allen seinen Nöten.

Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten,

und hilft ihnen heraus.

Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist.

Wohl dem, der auf ihn traut!

Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen!

Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.

Reiche müssen darben und hungern.

Aber die den Herrn suchen,  haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu, ich will euch die Furcht des Herrn lehren:

Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen?

Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, daß sie nicht Trug reden.

Laß vom Bösen und tue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach.

Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.

Das Angesicht des Herrn steht gegen alle, die Böses tun,

daß er ihre Namen ausrotte von der Erde.

Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr und errettet sie aus all ihrer Not.

Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,

 und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Der Gerechte muß viel leiden, aber aus alledem hilft ihm der Herr.

 Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, daß nicht eines davon zerbrochen wird.

Den Gottlosen wird das Unglück töten,

und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld.

Der Herr erlöst das Leben seiner Diener,

und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.                                               (Ps 34)

 

Der Reichtum der Güte Gottes:

Es sinnen die Übertreter auf gottloses Treiben im Grunde ihres Herzens.

Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen.

Und doch hat Gott den Weg vor ihnen geebnet,

um ihre Schuld aufzufinden und zu hassen.

Sie schmücken sich untereinander selbst,

daß sie ihre böse Sache fördern und andere verunglimpfen.

Alle ihre Worte sind falsch und erlogen,

verständig und gut handeln sie nicht mehr.

Sie trachten auf ihrem Lager nach Schaden und

stehen fest auf dem bösen Weg und scheuen kein Arges.

Herr, deine Güte reicht, soweit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes

und dein Recht wie die große Tiefe.

Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott, daß Menschenkinder

unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

Sie werden reich von den reichen Gütern deines Hauses,

und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Licht sehen wir das Licht.

 Breite deine Güte über die, die dich kennen,

und deine Gerechtigkeit über die Frommen.

Laß mich nicht kommen unter den Fuß der Stolzen,

 und die Hand der Gottlosen vertreibe mich nicht;

Siehe da, sie sind gefallen, die Übeltäter,

sie sind gestürzt und können nicht wieder aufstehen                                             (Ps 36)

 

Das scheinbare Glück der Gottlosen:

Entrüste dich nicht über die Bösen, sei nicht neidisch auf die Übeltäter.

Denn wie das Gras werden sie bald verdorren,

und wie das grüne Kraut werden sie verwelken.

Hoffe auf den Herrn und tue Gutes, bleibe im Lande und nähre dich redlich.

Habe Deine Lust am Herrn, der wird dir geben, was dein Herz wünscht.

Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen.

und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht

und dein Recht wie den Mittag.

Sei stille dem Herrn und warte auf ihn,

Entrüste dich nicht über den, dem es gut geht,

der seinen Mutwillen treibt.

Steh ab vom Zorn und laß den Grimm, entrüste dich nicht,

damit du nicht Unrecht tust.

Denn die Bösen werden ausgerottet, die aber des Herrn harren,

werden das Land erben.

Noch eine kurze Zeit, dann ist der Gottlose nicht mehr da,

und wenn du nach seiner Stätte siehst, ist er weg.

Aber die Elenden werden das Land erben

und ihre Freude haben in großem Frieden.

Der Gottlose droht dem Gerechten und knirscht mit seinen Zähnen gegen ihn.

Aber der Herr lacht über ihn, denn er sieht, daß sein Tag kommt.

Laß ab vom Bösen und tue Gutes, so bleibst wohnen immer fort.

Denn der Herr hat das Recht lieb und verläßt seine Heiligen nicht.

Ewig werden sie bewahrt, aber die Gottlosen werden ausgerottet.

Die Gerechten werden das Land erben und darin wohnen allezeit.

Der Herr hilft den Gerechten, er ist ihre Stärke in der Not.

Der Herr wird ihnen beistehen und wird sie erretten.

Er wird sie von dem Gottlosen erretten und ihnen helfen, denn sie trauen auf ihn.

(Ps 37, gekürzt)

 

Die menschliche Vergänglichkeit:

Ich habe mir vorgenommen: Ich will mich hüten,

daß ich nicht sündige mit meiner Zunge.

Ich will meinem Mund einen Zaum anlegen,

solange ich den Gottlosen vor mir sehen muß.

Ich bin verstummt und still und schweige fern der Freude

und muß mein Leid in mich fressen.

Mein Herz ist entbrannt in meinem Leib,

wenn ich daran gedenke, brennt es wie Feuer.

So rede ich mit meiner Zunge:

Herr, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß

und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß.

Siehe, meine Tage sind einer Handbreit bei dir,

und mein Leben ist wie nichts vor dir. 

Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben!

Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe.

Sie sammeln, und wissen nicht, wer es einbringen wird!“

Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich.

Errette mich von aller meiner Sünde

und laß mich nicht den Narren zum Spott werden.

Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun, denn du hast's getan.

Höre mein Gebet, Herr, und vernimm mein Schreien

und schweige nicht zu meinen Tränen, denn ich bin ein Gast bei dir,

ein Fremder wie alle meine Väter.                                      (Ps 39, leicht gekürzt)

 

Dank und Bitte:

 Ich harrte des Herrn, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien.

Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm.

 und stellte meine Füße auf einen Fels, daß ich sicher treten kann.

Er hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unsern Gott.

Das werden viele sehen und sich fürchten und auf den Herrn hoffen.

Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn

und sich nicht wendet zu den Hoffärtigen

und zu denen, die mit Lügen umgehen! Herr, mein Gott,

groß sind deine Wunder und deine Gedanken,  die du an uns beweist.

Ich will sie verkünden und davon sagen, wiewohl sie nicht zu zählen sind.

Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern,

und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen.

Ich verkünde die Gerechtigkeit in der großen Gemeinde.

Siehe, ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen, Herr, das weißt du.

Du aber, Herr, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden,

laß deine Güte und Treue allewege mich behüten.

Denn es haben mich umgeben Leiden ohne Zahl

Meine Sünden haben mich ereilt, ich kann sie nicht überblicken.

Sie sind mehr als sie Haare auf meinem Kopf, und mein Herz ist verzagt.

Laß es dir gefallen, Herr, mich zu  erretten. Eile, Herr, mir zu helfen!

Denn ich bin arm und elend. Der Herr aber sorgt für mich.

Du bist mein Helfer und Erretter. Mein Gott, säume doch nicht!

(Ps 40, gekürzt)

Verlangen nach Gott:

Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.

Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue?

Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt:

Wo ist nun dein Gott?

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott! denn ich werde ihm noch danken,

daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Ich sage zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen?

Warum muß ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott! denn ich werde ihm noch danken,

daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist                           (Ps 42, gekürzt)

 

Gott, schaffe mir Recht:

Gott schaffe mir Recht und führe meine Sache gegen das unheilige Volk.

und errette mich von den falschen und bösen Leuten.

Denn du bist der Gott meiner Stärke. Warum hast du mich verstoßen?

Warum läßt du mich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?

Sende dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich leiten.

und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

daß ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,

und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott! denn ich werde ihm noch danken,

daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.                              (Ps 43, gekürzt)

 

Eine feste Burg:

Gott ist unsre Zuversicht und Stärke,

eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.

Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge

und die Berge mitten ins Meer sänken,

wenngleich das Meer wütete und wallte

und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.

Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein,

wo die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.

Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleibe. Gott hilft ihr früh am Morgen.

Die Heiden müssen verzagen und die Königreiche fallen,

das Erdreich muß vergehen, wenn er sich hören läßt.

Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Kommt her und schaut die Werke des Herrn,

der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet,

der den Kriegen steuert in aller Welt, den Bogen zerbricht,

der Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt.

Seid stille und erkennt, daß ich Gott bin.

Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden.

Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.                 (Ps 46)

 

Der rechte Gottesdienst:

Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. Unser Gott kommt und schweigt nicht.

Fressend Feuer geht vor ihm her und um ihn her ist ein mächtiges Wetter.

Er ruft Himmel und Erde, daß er sein Volk richten wolle:

Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde.

und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten,

so sollst du mich preisen.                                                                             (Ps 50, gekürzt)

 

Gott sei mir gnädig (Bußpsalm):

Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte

und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.

Wasche mich wohl von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde.

Denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir.

An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan,

damit du recht behältst in deinen Worten und rein bleibst, wenn du gerichtet wirst.

Siehe, ich bin als Sünder geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.

 

Siehe, dir gefällt Wahrheit, die im Verborgenen liegt,

und in Geheimem tust du mir Wahrheit kund.

Entsündige mich mit Isop, daß ich rein werde,

wasche mich, daß ich schneeweiß werde.

Laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden,

die du zerschlagen hast.

Verbirg dein Antlitz von meinen Sünden und tilge alle meine Missetat.

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz,

und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

Verwirf mich nicht von deinem Angesicht

und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.

Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe,

und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Herr, tue meine Lippen auf, daß mein Mund deinen Ruhm verkündige.

Denn Schlachtopfer willst du nicht, ich wollte sie dir sonst wohl geben.

Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist,

ein geängstetes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.                                                                                                                                    (Ps 51, gekürzt)

Die Torheit der Gottlosen:

Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott!

Sie taugen nichts, ihr Frevel ist ein Greuel, da ist keiner, der Gutes tut.

Gott schaut vom Himmel auf die Menschenkinder,

daß er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.

Aber sie sind alle abgefallen und allesamt verdorben.

Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer.

Wollen denn die Übeltäter sich nicht sagen lassen, die mein Volk fressen,

daß sie sich nähren? Gott aber rufen sie nicht an.

Sie fürchten sich da, wo nichts zu fürchten ist.

Doch Gott zerstreut die Gebeine derer, die dich bedrängen.

Du machst sie zuschanden, denn Gott hat sie verworfen.

Ach daß Hilfe aus Zion über Israel käme und Gott sein gefangenes Volk erlöse!

So würde sich Jakob freuen und Israel fröhlich sein                                               (Ps 53)

 

Getrostes Vertrauen:

Gott, sei mir gnädig, denn Menschen stellen mir nach,

täglich bekämpfen und bedrängen sie mich.

Meine Feinde stellen mir täglich nach,

denn viele kämpfen gegen mich voll Hochmut.

Wenn ich mich fürchte, so hoffe ich auf dich.

Ich will Gottes Wort rühmen,

auf Gott will ich hoffen und mich nicht fürchten.

Was können mir Menschen tun.

Ich habe dir, Gott, gelobt, daß ich dir danken will,

denn du hast mich vom Tode errettet, meine Füße vom Gleiten,

daß ich leben kann vor Gott im Licht der Lebendigen.                                (Ps 56)

 

Vertrauensvolle Bitte:

Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! Denn auf dich traut meine Seele,

und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht,

bis das Unglück vorübergehe.

Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten,

zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt.

Erhebe dich, Gott, über den Himmel,

und deine Herrlichkeit über alle Welt.

Sie haben meinen Schritten ein Netz gestellt

und meine Seele gebeugt,

sie haben vor mir eine Grube gegraben,

und fallen doch selbst hinein.

Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit,

daß ich singe und lobe.

Wach auf, meine Seele, wach auf, Psalter und Harfe! I

Ich will das Morgenrot wecken.

Herr, ich will dir danken unter den Völkern,

ich will dir lobsingen unter den Leuten.

Denn deine Güte reicht, soweit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen.

Erhebe dich, Gott, über den Himmel,

und deine Herrlichkeit über alle Welt.    (Ps 57)

 

Sehnsucht nach Gott:

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.

Es dürstet meine Seele nach dir.

Mein ganzer Mensch verlangt nach dir

aus trockenem und dürrem Land.

So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,

wollte gerne schauen deine Macht und Herrlichkeit.

Denn deine Güte ist besser als Leben,

meine Lippen preisen dich.

So will ich dich loben mein Leben lang

und meine Hände in deinem Namen aufheben.

Das ist meines Herzens Freude und Wonne,

wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann.

Wenn ich mich zu Bett lege, so denke ich an dich,

wenn ich wache liege, sinne ich über dich nach.

Denn du bist mein Helfer,

und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

Meine Seele hängt an dir, deine rechte Hand hält mich.

Sie aber trachten mir nach dem Leben, mich zu verderben,

sie werden in die Tiefen der Erde hinunterfahren.

Sie werden dem Schwert dahingegeben werden

und den Schakalen zur Beute werden.

Aber der König freut sich in Gott.

Wer bei ihm schwört, der darf sich rühmen,

denn die Lügenmäuler sollen verstopft werden.                                         (Ps 63)

 

Danklied:

Gott, man lobt dich in der Stille zu Zion, und dir hält man Gelübde.

Du erhörst das Gebet, darum kommen alle zu dir.

Unsre Missetat drückt uns hart. Du wollest unsre Sünden vergeben.

Wohl dem, den du erwählst und zu dir läßt, daß er in deinen Vorhöfen wohne.

Der hat reichen Trost von deinem Hause, deinem heiligen Tempel.

Erhöre uns nach der wunderbaren Gerechtigkeit, Gott, unser Heil,

der du bist Zuversicht aller auf Erden und ferne am Meer,

der du die Berge festsetzt in deiner Kraft und gerüstet ist mit Macht.

Du suchst das Land heim und wässerst es und machst es sehr reich.

Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle.

Du läßt ihr Getreide gut geraten, denn du baust das Land.

Du krönst das Jahr mit deinem Gut, und deine Fußtapfen triefen von Fett     (Ps 65)

 

Danklied:

Jauchzt Gott, alle Lande! Lobsingt zu Ehren seinem Namen.

Rühmt ihn herrlich!

Kommt her und seht an die Werke Gottes,

der so wunderbar ist in seinem Tun unter den Menschenkindern.

Er verwandelte das Meer in trockenes Land,

sie konnten zu Fuß durch das Wasser gehen.

Darum freuen wir uns über ihn

Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,

seine Augen schauen auf die Völker.

Die Abtrünnigen werden sich nicht erheben.

Lobt, ihr Völker, unsern Gott, laßt seinen Ruhm weit erschallen,

der unsre Seelen am Leben erhält

und läßt unsre Füße nicht gleiten.

 Denn, Gott, du hast uns geprüft und geläutert

 wie das Silber geläutert wird.

Du hast auf unseren Rücken eine Last gelegt,

du hast Menschen über unser Haupt kommen lassen.

Wir sind in Feuer und Wasser geraten.

Aber du hast uns herausgeführt und erquickt.

Darum will ich in dein Haus gehen mit Brandopfern

und dir meine Gelübde erfüllen,

wie ich meine Lippen aufgetan habe

und mein Mund geredet hat in meiner Not.

Kommt her, hört zu alle, die ihr Gott fürchtet

Ich will erzählen, was er an mir getan hat.

Zu ihm rief ich mit meinem Munde,

und pries ihn mit meiner Zunge.

Wenn ich Unrechtes vorhätte in meinem Herzen,

 so hätte der Herr nicht gehört.

Aber Gott hat mich erhört und gemerkt auf mein Flehen.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft

noch seine Güte von mir wendet                                                                              (Ps 66)

 

Der Sieg Gottes:

Gott steh auf, so werden seine Feinde zerstreut,

und die ihn hassen, fliehen vor ihm.

Die Gerechten aber freuen sich und sind fröhlich vor Gott

und freuen sich von Herzen.

Singt Gott, lobsingt seinem Namen!

Machet Bahn dem, der durch die Wüste fährt.

Gott in seiner heiligen Wohnung ist ein Vater der Waisen

 und ein Helfer der Witwen,

ein Gott, der den Einsamen nach Hause bringt,

der die Gefangenen herausführt, daß es ihnen wohl gehe

aber die Abtrünnigen läßt erbleiben in der Dürre.

Gottes Wagen sind vieltausendmal tausend,

der Herr zieht ein ins Heiligtum vom Sinai.

Gelobt sei der Herr täglich.

Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. 

Wir haben einen Gott, der hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet.

Gebt Gott die Macht! Seine Herrlichkeit ist über Israel,

und seine Macht in den Wolken.

 Wundersam ist Gott in seinem Heiligtum. Er ist Israels Gott.

Er wird dem Volk Macht und Kraft geben. Gelobt sei Gott!                        (Ps 68, gekürzt)

 

Anfechtung und Schmach:

Gott, hilf mir, denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

Ich versinke im tiefen Schlamm, wo kein Grund ist.

Ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.

Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser.

Meine Augen sind trübe geworden,

weil ich so lange auf meinen Gott harren muß.